W i a r d Popkes
Der Brief des Jakobus T h H K 14
Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament In neuer Bearbeitu...
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W i a r d Popkes
Der Brief des Jakobus T h H K 14
Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament In neuer Bearbeitung unter Mitwirkung von Reimund Bieringer, Hermann Binder, Ingo Broer, Christfried Böttrich, Reinhard Feldmeier, Jörg Frey, Walter Grundmann f» Klaus Haacker, Günter Haufe, Harald Hegermann, Jens Herzer, Gottfried Holtz f, Traugott Holtz, Ulrich B. Müller, Peter Pilhofer, Petr Pokorny, Wiard Popkes, Eckart Reinmuth,Gottfried Schule, T h o m a s Söding, Werner Vogler t , Wolfgang Weiß und Wolfgang Wiefel t
herausgegeben von
Erich Fascher t> J o a c h i m R o h d e , U d o Schnelle u n d Christian W o l f f
14
Der Brief des Jakobus von W i a r d Popkes
Der Brief des Jakobus
von
Wiard Popkes
EVANGELISCHE VERLAGSANSTALT Leipzig
Meinen Studenten
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme T h e o l o g i s c h e r H a n d k o m m e n t a r z u m N e u e n T e s t a m e n t / in neuer B e a r b . unter M i t w . v o n H e r m a n n B i n d e r ... H r s g . v o n E r i c h Fascher L e i p z i g : E v a n g . Verl.-Anst. 1 4 . P o p k e s , W i a r d : D e r B r i e f des J a k o b u s . - 2 0 0 1 Popkes, Wiard: D e r B r i e f des J a k o b u s / v o n W i a r d P o p k e s . - L e i p z i g : E v a n g . Verl.-Anst., 2001 ( T h e o l o g i s c h e r H a n d k o m m e n t a r z u m N e u e n T e s t a m e n t ; 14) ISBN 3-374-01813-0
© 2 0 0 1 b y Evangelische Verlagsanstalt G m b H , L e i p z i g Printed in G e r m a n y • H 6 6 8 6 D a s W e r k ist einschließlich all seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Gesamtherstellung: Druckerei Böhlau, Leipzig I S B N 3-374-01813-0
Vorwort
Jakobus hat es seinen Auslegern nie leicht gemacht. Das zeigt die Geschichte der Interpretation mit ihren unterschiedlichen Positionen. Obwohl alle Kommentatoren (nur) über dasselbe Material verfügen, sind die Fragen über die geschichtliche Pla zierung und theologische Bewertung, über Verfasser, Adressaten, Form, Absicht, Hintergrund, kanonsgeschichtliche Stellung und über diverse Relationen (zu Jesus, Paulus, IPetr, zum Judentum, zur Weisheitstradition u. a.), von vielen Detailfragen gar nicht zu reden, bis auf den heutigen Tag strittig. Deswegen sind hier Sorgfalt und Besinnung hinsichtlich der Methoden besonders angebracht. Ein Kommentar (der notgedrungen immer auch eine Kommentierung anderer Auslegungen in Geschichte und Gegenwart sein wird) zum Jakobusbrief kann m. E . nicht einfach fertige Ergeb nisse präsentieren. Vielmehr sollte er die Leserschaft mit hineinnehmen in das Ge spräch über die exegetischen Möglichkeiten des Textes, die methodischen Ansätze und die Bewertung des Materials aus Umwelt und Vorgeschichte. Es braucht Arbeit, bis sich die eigene Sicht herauskristallisiert, so etwa könnte Jakobus es gemeint haben, wobei auch die Grenzen des Erkennens auftauchen; denn Jakobus läßt man ches im Unklaren. Vordringlich erschien mir, Gedankengang und Arbeitsweise des Jak zu erfassen und dabei die Prämissen der eigenen Interpretation transparent wer den zu lassen. Die Einführung ist deshalb relativ ausführlich ausgefallen; sie enthält immer wieder auch Uberblicke zur Forschung, besonders zur neueren, die nicht nur zahlreich, sondern auch reichhaltig ist. Die einzelnen Abschnitte orientieren einlei tend über generelle Aspekte; zudem nötigt der Text auch zwischendurch verschie dentlich dazu, im Vor- bzw. Rückblick Gedankengänge zu beleuchten und nicht lediglich die einzelnen Verse durchzumustern. Solche Ausführungen wollen die VersAuslegung entlasten und stützen. Der Leser gewinnt dabei zugleich einen Einblick in die Arbeit des Kommentators und dessen Ringen mit dem Text. Solch ein Verfahren entspricht dem Stil und Anliegen gerade dieses Briefes. Jako bus ruft zu Geduld und Ausdauer; das sollte sich auch auf seine Ausleger übertragen. Er verwickelt seine Leserschaft ins Gespräch und nötigt sie zum eigenen Beurteilen; nicht selten stellt er Fragen. Viele schon haben es unternommen, die Gedankengän ge sorgsam zu analysieren und sich ihre Meinung zu bilden. Als Interpret sitzt man gewissermaßen an einem großen Runden Tisch mit ihnen und versucht, sich am Gespräch über das rechte Verständnis zu beteiligen; als Schwierigstes erweist sich dabei immer wieder die Verständigung über die Prinzipien und Prämissen der JakAuslegung. Der eigene Standpunkt kann nur induktiv aus der intensiven Beschäfti gung mit dem Text selbst und im argumentativen Gespräch mit anderen Auslegern gefunden werden.
VI
Vorwort
Aus den dargelegten Gründen folgt der Kommentar nicht immer ganz den Ge pflogenheiten dieser Reihe. Ich danke dem Verlag und den Herausgebern des T h H K nicht nur für ihre hilfreichen Einzelhinweise, ihre Geduld und Mühewaltung, son dern auch dafür, daß sie den Kommentar trotzdem aufgenommen haben. Die Leser innen und Leser kann ich diesbezüglich nur um Nachsicht bitten. Wem ich bei dem genannten argumentativen Gespräch besonders zu Dank ver pflichtet bin, wird der informierte Leser unschwer erkennen. Namentlich erwähnen möchte ich, auch wegen des literarischen Austausches, Hubert Frankemölle, Franz Mußner und Christoph Burchard; letzterer ließ mir noch vor der Drucklegung das Typoskript seines Kommentars ( H N T ) zukommen. Z u danken habe ich für den Austausch ferner Richard Bauckham, Ralph Martin, Karl-Wilhelm Niebuhr, Fran c i s Vouga, Peter Müller, Petra von Gemünden, Donald Verseput, Rudolf Hoppe, Klaus Haacker, Thomas Söding, David Hellholm, Ernst Baasland, Joachim Molthagen und Moises Mayordomo-Marin. Gelernt habe ich ebenfalls aus der Diskussion nach Vorträgen, speziell in Oslo 1996 und Oxford 1998. Viele haben mir durch Hinweise und Materialbeschaffung geholfen: Klaus Wachtel, Ronald Deering, Chris Church, Alan Tuttle, Martin Rothkegel, Andre Heinze, Lars Heinrich, T h o m a s Nißlmüller, Rainer Mansel, Christoph Stenschke, Matthias Walter, Carsten Claußen, Thomas Reichert, Enno Edzard Popkes und Olaf Petzel, der zudem Korrektur las. Steffi Eggers hat in unermüdlicher Treue das Manuskript in den Computer übertra gen. Dank gebührt gleichfalls meinen Kollegen vom Theologischen Seminar für ihr Interesse und ihre Unterstützung. Freude hat mir die Beschäftigung mit Jakobus immer bereitet, auch wenn der Text manche Fragen unbeantwortet läßt. Es lohnt sich, auf diesen besonderen Zeugen des Neuen Testaments zu hören. Ich hoffe, daß sich bei der Lektüre etwas von dieser Freude und von der inhaltlichen Zielsetzung des Briefes überträgt.
Im Herbst 2000
Wiard Popkes
Inhaltsverzeichnis Abkürzungen Literatur
XI XVIII
Einleitung § 1 Prolegomena 1. Situation der Forschung 2. Methodologie und Kriterien 3. Fehlende Themen 4. Ausgangspunkt der Analyse
1 1 1 3 6
§ 2 Die text- und kanonsgeschichtliche Rezeption 1. Textüberlieferung 2. Kanonsgeschichte
7 7 9
§ 3 Die kommunikative Gestalt 1. Anrede an kollektive Größe 2. Probleme durch menschliches So-Sein 3. Gepflegte Sprache
11 11 13 13
§ 4 Inhaltliche Schwerpunkte und Situation der Adressaten 1. Themenbereiche 2. Situation der Adressaten 3. Schichtenübergreifendes Spannungsgefälle 4. Selbstverständnis der Adressaten 5. Grundlinien der Theologie des Jakobus
16 16 17 18 21 22
§ 5 Traditionen 1. Altes Testament und jüdische Tradition 2. Weisheitstradition 3. Jesus-Überlieferung 4. Beziehungen zu Paulus 5. Beziehungen zum 1. Petrusbrief 6. Weitere innerneutestamentliche Berührungen 7. Frühchristliche Schriften 8. Sachlich-situativer Vergleich
27 27 29 32 36 39 40 40 42
§ 6 Die kompositorische Gestalt 1. Gattungsbestimmung
44 45
VIII
Inhalt
2. 3. 4. 5. 6. 7. 8.
Rhetorische Analyse Analysen von Jakobus 1 Thematische Einteilungen Didaktische Strukturvorschläge Einheitliches Thema Textbegriff Ergebnisse zur Kompositionsfrage
§ 7 Die Abfassungsverhältnisse 1. Entwicklung des Frühchristentums 2. Schriften des frühen 2. Jahrhunderts 3. Diaspora-Brief 4. Verfasserfrage 5. Entstehungsphasen 6. Ergebnis
47 49 51 52 53 54 56 59 59 60 61 64 68 69
Auslegung I. Präskript 1,1 70 IL Die rechte innere Einstellung 1,2-15 74 1. Texteingrenzung 74 2. Textüberlieferung 75 3. Text- und Kommunikationsstruktur 75 4. Traditionselemente 76 5. Redaktion und Intention 78 Vorbemerkungen zu 1,2-4 (Aufbau, Sinnlinien, Signale) 79 Auslegung V. 2-8 79 Vorbemerkungen zu 1,9-11 (Konstruktion, Interpretationsprobleme). . 93 Auslegung V. 9-11 94 Ergänzende Notizen zu 1,9-11 (Akzente, Intention) 99 Auslegung V. 12-15 99 III. Der Umgang mit dem Wort Gottes 1,16-27 110 1. Texteingrenzung 110 2. Text Überlieferung 111 3. Text-und Kommunikationsstruktur 112 4. Traditionselemente 114 5. Redaktion und Intention 117 Auslegung V. 16-21 119 Vorbemerkungen zu 1,22-25 (Argumentation und Begrifflichkeit). . 129 Auslegung V. 21-24 132 »Vollkommenes Gesetz der Freiheit« 138 Auslegung V. 25-27 143 IV. Glaube, Liebe, Taten und was dabei zu beachten ist 2,1-26 1. Texteingrenzung
152 152
Inhalt
IX
2. Textüberlieferung 153 3. Text- und Kommunikationsstruktur 154 4. Traditionselemente 155 5. Redaktion und Intention 157 Auslegung V. 1-7 158 Vorbemerkungen zu 2,8-13 (Gedankenfuhrung und Hintergrund) . 1 7 1 Auslegung V. 8-13 173 Vorbemerkungen zu 2,14-26 (Gedankengang und Hintergrund) . . . 182 Auslegung V. 14-17 190 Die crux interpretum 2,18 196 Auslegung V. 18-26 198 Ergänzende Notizen zu 2,14-26 (Glaube, Rechtfertigung; Rezeption, Fehlentwicklungen) 211 V. Verantwortliche Leiterschaft im Umgang mit dem Wort 3,1-12 1. Texteingrenzung 2. Textüberlieferung 3. Text- und Kommunikationsstruktur 4. Traditionselemente 5. Redaktion und Intention 6. Inhalt und kontextuelle Funktion Auslegung V. 1-12
215 215 216 216 217 218 218 219
VI. Das Verhältnis zur Welt 3,13-5,6 1. Texteingrenzung 2. Textüberlieferung 3. Text- und Kommunikationsstruktur 4. Traditionselemente 5. Redaktion und Intention
238 238 238 239 240 243
A) Weisheit, Streit und ihre Herkunft 3,13-4,3 Vorbemerkung zu 3,13-18 (Charakter und Position) Auslegung V. 1 3 - 1 8 . . Vorbemerkungen zu 4,1-3 (Charakter, Aufbau, Tradition und Realitätsbezug) Auslegung V. 1-3
244 244 245 258 262
B) Freundschaft mit Gott oder mit der Welt 4,4-12 266 Auslegung V. 4 267 Vorbemerkungen zu 4,5-6 (Schriftgebrauch, Syntax und Intention) 269 Auslegung V. 5-10 271 Ergänzende Bemerkung zu 4,7-10 (>Umkehr<) 280 Auslegung V. 11-12 280 C) An besonders Gefährdete 4,13-5,6 Vorbemerkungen zu 4,13-17 (Kontextuelle Relation, Struktur, Intention)
284 284
X
Inhalt
Auslegung V. 13-17 Vorbemerkungen zu 5,1-6 (Eigenart, Interpretationsansätze) Auslegung V. 1-6 Ergänzende Notizen zu 4,13-5,6 (Adressaten, Akzente, Intention) . . VII.Geduld, Gebet und anderes zum Umgang untereinander 5,7-20 1. Texteingrenzung 2. Textüberlieferung 3. Text- und Kommunikationsstruktur 4. Traditionselemente 5. Redaktion und Intention Auslegung V. 7-12 Vorbemerkungen zu 5,13-17 (Gedankengang, Akzente) Auslegung V. 13-17
287 297 302 312 314 314 315 316 317 319 320 337 339
Abkürzungen 1. Kanonische Schriften: Altes und Neues Testament Gen Ex Lev Num Dtn
= = = = =
Genesis ( 1 . Buch Mose) Exodus (2. Buch Mose) Leviticus ( 3 . B u c h M o s e ) N u m e r i (4. B u c h M o s e ) Deuteronomium
Jon Mi Nah Hab Zeph
= = = = =
Jona Micha Nahum Habakuk Zephanja
Jos Ri Ruth lSam 2Sam lKön 2Kön IChr 2Chr Esr Neh Est Hi Ps Prov
= = = = = = = = =
(5. Buch Mose) Josua Richter Ruth 1. S a m u e l 2. Samuel 1. K ö n i g e 2. Könige 1. C h r o n i k 2. Chronik
Hag Sach Mal Mt Mk Lk Joh
= = = = = = = = = = = = = = = = = =
Haggai Sacharja Maleachi Matthäusevangelium Markusevangelium Lukasevangelium Johannesevangelium Apostelgeschichte Römerbrief 1. K o r i n t h e r b r i e f 2 . Korintherbrief Galaterbrief Epheserbrief Philipperbrief Kolosserbrief 1. T h e s s a l o n i c h e r b r i e f 2. Thessalonicherbrief 1. T i m o t h e u s b r i e f
= = = = =
Esra Nehemia Esther Hiob Psalmen
Cant
= Proverbia (Sprüche Salomos) = Kohelet (Prediger S a l o m o ) = Canticum
Jes
(Hoheslied Salomos) = Jesaja
Koh
Jer Thr
= Jeremia = Threni (Klagelieder J e r e m i a s )
Ez Dan
= Ezechiel = Daniel
Hos
= = = =
Joel Am Ob
Hosea Joel Arnos Obadja
Apg Rom IKor 2Kor Gal Eph Phil Kol lThess 2Thess lTim 2Tim Tit Phlm Hebr Jak IPetr 2Petr ljoh 2Joh 3Joh Jud Apk
= 2. Timotheusbrief = Titusbrief = Philemonbrief = Hebräerbrief = Jakobusbrief = 1. Petrusbrief = 2 . Petrusbrief = 1. J o h a n n e s b r i e f = 2. Johannesbrief = 3. Johannesbrief = Judasbrief = A p o k a l y p s e des J o h a n n e s
XII
Abkürzungen
2. Außerkanonische Schriften a) A p o k r y p h e n d e s A l t e n u n d N e u e n T e s t a m e n t s ActAndr ActAndrMatth Actjoh ActPhil ActPl ActPIThecl ActPt ActPtPl ActThom ApkAbr ApkElias ApkEsr ApkMos ApkPt Arist Ascjes AssMos grBar
= Andreasakten = Andreas- und Matthiasak ten = Johannesakten = Philippusakten = Paulusakten = Paulus- u n d Theclaakten = = = = = = = = = = =
Petrusakten Petrus- u n d P a u l u s a k t e n Thomasakten A p o k a l y p s e des A b r a h a m A p o k a l y p s e des Elia A p o k a l y p s e des E s r a A p o k a l y p s e des M o s e A p o k a l y p s e des Petrus Aristeasbrief Ascensio Jesaiae Assumptio Mosis
3Esr 4Esr EvHebr EvNaz
= A p o k a l y p s e des B a r u c h (griechisch) = A p o k a l y p s e des B a r u c h (syrisch) = Damaskusschrift = Epistula Jeremiae = 3. B u c h E s r a = 4. Buch Esra = Hebräerevangelium = Nazoräerevangelium
EvPhil EvPt
= Philippusevangelium = Petrusevangelium
EvThom äthHen
= Thomasevangelium
syrBar Dam Epjer
grHen slavHen jdt JosAs Jub KgmPt LAB
= Äthiopisches Henoch buch = Griechisches H e n o c h b u c h = Slavisches H e n o c h b u c h = Buch Judith = = = =
Joseph und Aseneth Jubiläenbuch K e r y g m a Petri Liber Antiquitatum Biblicarum (Pseudo-Philo)
IMakk 2Makk 3Makk 4Makk Martjes MartPl MartPt MartPtPl OdSal OrMan Parjer ProtEyJak PsClemHom PsClemRec PsSal Sib Sir TestAbr TestHiob TestXII TestRub TestSim TestLev Testjud Testlss TestSeb TestDan TestNaph TestGad TestAss Testjos TestBenj Tob Visjes VitAd Weish
= = = = = = = =
1. M a k k a b ä e r b u c h 2. Makkabäerbuch 3. M a k k a b ä e r b u c h 4. Makkabäerbuch M a r t y r i u m des Jesaja M a r t y r i u m des Paulus M a r t y r i u m des Petrus M a r t y r i u m d e s Petrus u n d
Paulus = Oden Salomos = Oratio Manassis = Paralipomena Jeremiae = P r o t e v a n g e l i u m des J a k o bus = Pseudo-Clementinische Homilien = Pseudo-Clementinische Recognitionen = = = = = =
Psalmen Salomos O r a c u l a Sibyllina J e s u s Sirach Testament Abrahams Testament Hiobs T e s t a m e n t e der 1 2 Patri
= = = = = = = = = = = = = = = =
archen Testament Rubens Testament Simeons T e s t a m e n t Levis Testament Judas T e s t a m e n t Issaschars Testament Sebulons Testament D a n s Testament Naphthalis Testament G a d s T e s t a m e n t Assers Testament Josephs Testament Benjamins T o b i a s bzw. T o b i t V i s i o Jesaiae V i t a A d a e et Evae Weisheit S a l o m o s
= = = =
Baba Baba Batra Baba Mezia Baba Q a m m a
b) Judaica Aboth AbodZ AggBeresch Arakh
= = = =
Pirqe A b o t h Aboda Zara A g g a d a t Bereschit Mischnatraktat Arakhin
Bab BabB BabM BabQ
Abkürzungen Bar Bek Ber Bik CantR Chag Chul DeutR Ed EkaR Erub ExodR GenR Git Hör Jad Jeb Joseph Am Ap Bell Vit Ket Kil LevR Maas Mak Mech Meg Men Mid Midr MidrQoh Miq MQ MS Ned Neg Pes PesiktKah PesiktRab Philo Abr Aet Agric Cher ConfLing Congr Decal Det
= = = = = = = =
Baraita Bekorot Berakot Bikkurium Canticum Rabba Chagiga Chullin Deuteronomium Rabba
Ebr Flacc Fug Gig Her
= = = = = = = = =
Edujot Eka Rabbati Erubim Exodus Rabba Genesis Rabba Gittin Horajot Jadajim Jebamot
Jos LegAll
= = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = =
Josephus Antiquitates Judaicae Contra Apionem D e Bello J u d a i c o Vita Ketubbot Kiljajim Leviticus R a b b a Maasrot Makschirin M i d r a s c h Mechiltha zu E x Megilla Menachot Middot Midrasch M i d r a s c h zu Q o h e l e t Miqvaot M o e d qatan Maaser Scheni Nedarim Negaim Pesachim Pesikta K a h a n a Pesikta R a b b a t i Philo v o n A l e x a n d r i a D e Abrahamo D e Aeternitate M u n d i D e Agricultura D e Cherubim D e Confusione Linguarum D e Congressu Eruditionis Gratia = D e Decalogo = Q u o d D e t e r i u s Potiori insidiari soleat
Imm
LegGai Migr Mut OpMund Plant PostC Praem Prob QuaestEx QuaestGen SacrAbCain Sobr Somn SpecLeg Virt VitCont VitMos PsPhokyl IQ lQDta lQDtb lQGenApoc 1QH IQJesa lQJesb 1QM lQpHab lQpMich lQpZeph 1QS IQSa lQSb 4QExa 4Qflor 4Qpatr 4QpJes
XIII = = = = =
D e Ebrietate In F l a c c u m D e F u g a et I n v e n t i o n e D e Gigantibus Quis Rerum Divinarum
H e r e s sit = Q u o d D e u s sit I m m u t a bilis = D e Josepho = L e g u m Allegoriae = Legatio ad G a i u m = D e Migratione Abrahami = D e Mutatione N o m i n u m = D e Opificio M u n d i = D e Plantatione = D e Posteritate C a i n i = D e Praemiis et Poenis = Q u o d O m n i s Probus L i b e r sit = Q u a e s t i o n e s in E x o d u m = Q u a e s t i o n e s in G e n e s i m = D e Sacrificiis Abelis et Caini = D e Sobrietate = D e Somniis = D e Specialibus Legibus = D e Virtutibus = D e Vita Contemplativa = D e Vita Mosis = Pseudo-Phokylides = Höhle 1 von Q u m r a n = 1. D e u t e r o n o m i u m Handschrift = 2. Deuteronomium= = = = = =
Handschrift Genesisapokryphon Hodajoth (Dankpsalmen) 1. Jesajahandschrift 2 . Jesajahandschrift: M i l c h a m a h (Kriegsrolle) Habakuk-Kommentar
= F r a g m e n t aus M i c h a Kommentar = Zephanja-Kommentar = Gemeinderegel = A n h a n g zur G e m e i n d e r . = = = = =
Segenssprüche Exodushandschrift Florilegium Patriarchensegen K o m m e n t a r e z u Einzel s t ü c k e n des J e s a j a b u c h e s
XIV 4QpNah 4QpHos 4QpPs37 4Qtest 4QTestLev Qid QohR Sanh Schab Schebi Schebu Scheq SifrDt SifrLev
Abkürzungen = Nahum-Kommentar = K o m m e n t a r zu 2 S t ü c k e n
SifrNum Soph
aus H o s e a = K o m m e n t a r zu P s a l m 3 7
Sot Taan bTal
= = = = = = = = = = =
Testimonia T e s t a m e n t u m Levis Qidduschin Qohelet Rabba Sanhedrin Schabbat Schebiit Schebuot Scheqalim Sifre D e u t e r o n o m i u m Sifra Leviticus
jTal Tanch Targ Targjerusch Teh Tem Ter Tos WajRab Zeb
= = = = = = = = = = = = = = =
Sifre N u m e r i Sopherim Sota Taanit babylonischer T a l m u d jerusalemer T a l m u d Tanchuma Targum Targum Jeruschalami Tehorot Temura Terumot Tosefta Wajikra R a b b a Zebachim
3. Apostolische Väter Barn lClem 2Clem Did Diog Herrn HermM HermS HermV IgnEph IgnMg
= = = = = = = = =
Barnabasbrief 1. C l e m e n s b r i e f 2. Clemensbrief Didache Diognetbrief H i r t des H e r m a s Hermas, Mandata Hermas, Similitudines Hermas, Visiones
= B r i e f des I g n a t i u s an Epheser = B r i e f des Ignatius an die die Magnesier
IgnPhd IgnPol IgnRom IgnSm IgnTr MartPol Pap Polyk
= B r i e f des Ignatius an die Philadelphier = B r i e f des Ignatius a n Poly karp = B r i e f des Ignatius a n die Römer = B r i e f des Ignatius an die Smyrnäer = B r i e f des Ignatius an die Trallianer = M a r t y r i u m des Polykarp = Papias = B r i e f des Polykarp
4. Antike Schriftsteller und Kirchenväter AchTat AelArist Aesch AmmMarc AnthPal Aristoph
= = = = = =
Achilles T a t i u s Aelius Aristides Aeschylus A m m i a n u s Marcellinus A n t h o l o g i a Palatina Aristophanes
CorpHerm
= Corpus Hermeticum
Cratin Cypr
= = = = = =
Cyr Demosth Didask
Cratinus Cyprianus Cyrillus Demosthenes Syrische D i d a s k a l i a Digesten
= Aristoteles = Artemidor
Dig DioCass DioChrys
= D i o Cassius = Dio Chrysostomus
Aug Caes CAF
= = = = =
Or DiodSic DiogLaert DionHal
= = = =
Cat Cic ClemAl
Fragmenta = Cato = Cicero = Clemens Alexandrinus
Epic Diss Ench
nass = Epictet = Dissertationes = Enchiridion
Aristot Artemid Äthan Athen
Athanasius Athenaeus Augustinus Caesar Comicorum
Atticorum
Orationes D i o d o r u s Siculus D i o g e n e s Laertius Dionysius von Halicar-
XV
Abkürzungen Epiph Eur Euseb HE Euthal HermTrismeg Herod Hier Hippoer Hippol Horat Inst Iren Haer
= = = = = = = = = = = =
Epiphanius Euripides Eusebius von Caesarea H i s t o r i a Ecclesiastica Euthalius Hermes Trismegistos Herodot Hieronymus Hippocrates Hippolytus Horatius Instutiones
= Irenaus = Adversus Haereses
Isoer Just Apol Dial Lact Lib Liv Luc Philops VerHist Mar NHC Nicandr
= Isocrates = Justin Martyr = = = = = = = = = = =
Apologia Dialogus Lactantius Libianus Livius Lucianus P h i l o p s e u d e s sive Piscator Verae H i s t o r i a e Marcion N a g H a m m a d i Codices Nicandrus
5. Inschriften, Papyri, Quellen CC CIG CIJ ConstAp CSCO CSEC Dessau
DittOr
DittSyll
GCS
IG InscPerg
InscPriene
= Corpus Christianorum = Corpus Inscriptionum Graecarum = Corpus Inscriptionum Judaicarum = Constitutiones Apostolorum = Corpus Scriptorum Chri stianorum Orientalium = C o r p u s Scriptorum Ecclesicasticorum Latinorum = Inscriptiones L a t i n a e selectae, ed. H . D e s s a u , 1892-1916 = O r i e n t i s G r a e c i Inscrip tiones selectae, ed. W.
PER
PFay
PFlor
PGrenf
PGM
D i t t e n b e r g e r ( 1 9 0 3 ff.) = Sylloge Inscriptionum G r a e c a r u m , ed. W. D i t tenberger ( 1 9 1 5 ff.)
PLeid
= D i e griechischen christ lichen Schriftsteller der
PLond
ersten drei J a h r h u n d e r t e = Inscriptiones G r a e c a e = D i e Inschriften v o n Perg a m o n , ed. M . Frankel (1900) = D i e Inschriften v o n Priene, ed. F. Hiller v o n G a e r tringen ( 1 9 0 6 )
= Papyrus aus der S a m m l u n g des Erzherzogs R a i ner (nicht i m C o r p u s ed. Wessely, 1 8 9 5 ) = F a y u m T o w n s a n d their Papyri, ed. B . Grenfell, A . Hunt, D . Hogarth (1900) = Papyri Fiorentini, ed. G . Vitelli u n d D . C o m p a r e t ti ( 1 9 0 6 ff.) = N e w Classical Fragments, ed. B . Grenfell u n d A . Hunt (1897) = Papyri G r a e c a e M a g i c a e , ed. K . P r e i s e n d a n z ( 1 9 2 8 ff.) = Papyri G r a e c i M u s e i antiquarii p u b l i c i L u g d u m i Batavi, ed. C . L e e r m a n n s
POxy
PTebt
( 1 9 4 3 ff.) = G r e e k Papyri in the B r i tish M u s e u m , ed. F. K e n y o n u . a. ( 1 8 9 3 ff.) = T h e O x y r h y n c h u s Papyri, ed. B . Grenfell u n d A . H u n t ( 1 8 9 8 ff.) = T h e T e b t u n i s Papyri, ed. B . Grenfell, A . H u n t u. a. ( 1 9 0 2 ff.)
Abkürzungen
6. Andere Ablürzungen a. a. O . Abb. Abk. Abs. Abt. A.c.1. Adj. Adv. Akk. akt. Anm. Aor. apokr. App. arab. aram. Art. AT ad. Aufl. Ausg. Bd. bearb. bes. betr. bzw. ca. Cod. ders. dgl. d. Gr. d. h. d. i. Diss. ebd. Ed(s). ed. EH Ev. evang. evtl. Exk. f.
ff. FB FS Forts.
= = = = = =
a m angegebenen Ort Abbildung Abkürzung Absatz Abteilung A c c u s a t i v c u m Infinitivo
= = = = = = = = = =
Adjektiv Adverb Akkusativ aktiv Anmerkung Aorist apokryph textkritischer A p p a r a t arabisch aramäisch
= Artikel = Altes T e s t a m e n t = alttestamentlich = = = = = = =
Auflage Ausgabe Band bearbeitet besonders betreffend beziehungsweise
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circa Codex derselbe dergleichen, desgleichen
Fragm. Fut. Gen.
= Fragment = Futurum = Genitiv
gest.
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gestorben gegebenenfalls griechisch Heft hapax legomenon hebräisch Herausgeber herausgegeben von heilig
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Handschrift Handschriften im Jahre Imperativ Imperfekt Indikativ Infinitiv
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Jahrhundert johanneisch jüdisch Kapitel katholisch Kompositum Konjunktiv Lesart lateinisch lukanisch lutherisch Septuaginta Mittelalter Majuskel markinisch masoretisch maschinenschriftlich maskulinisch m i t anderen W o r t e n
ggfgriech. H. hapleg hebr. Hghg. von hl. Hs. Hss. i.J. Imp. Impf. Ind. Inf. Jh. joh. jüd. Kap. kath. Komps. Konj. LA lat. lk. luth.
= der G r o ß e = d a s heißt
LXX MA
= d a s ist = Dissertation = ebenda
Maj. mk. mas.
= = = = =
masch. mask. m . a. W.
= = = = = = = =
m. E. Min.
= meines Erachtens = Minuskel
Ms. Mss. mt. MT Nachdr. n. Chr. Neudr. Neutr. N.F.
= Manuskript
Editor(s) edited Ergänzungsheft Evangelium evangelisch
= eventuel = Exkurs = folgende Seite, folgender Vers, folgendes J a h r = folgende Seiten (Verse, Jahre) = Forschungsbericht = Festschrift = Fortsetzung
= = = = = = = =
Manuskripte matthäisch Masoretischer Text Nachdruck nach Christus Neudruck Neutrum N e u e Folge
Abkürzungen nhd. Nom. NT ntl. o. ä. Obj. o. g. o.J. P pal. par. Par(r) Part. pass. patr. paul. Perf. Pers. Plur. p. m. Präp. Präs. Präshist prot. ref. Reg. röm. S. s. sc. Schol.
%• S. 0 .
sog. Sp. s. u.
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neuhochdeutsch Nominativ Neues Testament neutestamentlich o d e r ähnlich
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Objekt oben genannt ohne Jahr Papyrus palästinisch parallel Parallele(n) Partizip passivisch patristisch paulinisch Perfekt Person
= = = = = =
Plural prima manus Präposition Präsens Präsens h i s t o r i c u m protestantisch
= reformiert = Register = römisch = = = = = = =
Seite siehe scilicet Scholien Singular siehe o b e n sogenannt
= Spalte = siehe u n t e n
XVII
Supl. Suppl. syn. Synon. s. v. s. Z . teilw. termtech theol.
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trans. u. a.
= transitiv = u n d andere, unter anderem = unseres E r a c h t e n s
u. E . übers. Übers. u. ö . usw. u. U . V. v. Chr. vgl.
Superlativ Supplement synoptisch Synonyma sub voce seiner Z e i t teilweise t e r m i n u s technicus theologisch
= übersetzt = Übersetzung = u n d öfter = u n d s o weiter = unter U m s t ä n d e n Vers(e) = vor C h r i s t u s = vergleiche
v.l. Vulg. WB
= varia lectio = Vulgata = Wörterbuch
Z. z. B . z. S t . z.T. z. W. z. Z t .
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Zeile z u m Beispiel zur Stelle z u m Teil zum Wort
= zur Z e i t
S a m m e l w e r k e u n d Zeitschriften s i n d n a c h S . Schwertner, Internationales A b k ü r z u n g s v e r zeichnis für T h e o l o g i e u n d G r e n z g e b i e t e , B e r l i n / N e w York 1 9 7 4 , a b g e k ü r z t .
Literatur D e r praktischen B e n u t z b a r k e i t w e g e n ist die Literatur o h n e U n t e r t e i l u n g e n (nach K o m m e n t a r e n , Aufsätzen usw., a b g e s e h e n v o n Q u e l l e n u n d Hilfsmitteln) d u r c h g e h e n d alphabetisch aufgeführt. Artikel aus N a c h s c h l a g e w e r k e n erscheinen d a g e g e n nur i m Text, nicht i m Lit.-Verzeichnis. D i e n o t w e n d i g e n A n g a b e n zu d e n A b k ü r z u n g e n finden sich bei Siegfried Schwertner, Internationales A b k ü r z u n g s v e r z e i c h n i s für T h e o l o g i e u n d G r e n z g e b i e t e , B e r l i n ( d e G r u y t e r ) , 2 . Aufl. 1 9 9 2 . N a c h s c h l a g e w e r k e i m S i n n v o n Q u e l l e n u n d Hilfsmitteln w e r d e n i m F o l g e n d e n nur insofern extra aufgeführt, als sie (oder ihre B e a r b e i t u n g ) neueren D a t u m s s i n d bzw. bei Schwertner nicht g e n a n n t w e r d e n . In der Regel w i r d nur n a c h Verfassername zitiert. B e i m e h r e r e n T i t e l n eines A u t o r s erfolgt die K e n n z e i c h n u n g i m Literatur-Verzeichnis m i t Hilfe eines Stichwortes in Fett d r u c k (z. B . A d a m s o n , E p i s t l e ) . D a s s e l b e gilt für abgekürzt zitierte W e r k e (z. B . B a u e r - A . ) .
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Literatur
XXXIII
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XXXIV
Literatur
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XXXVI
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Einleitung § 1 Prolegomena 1. Situation
der
Forschung
Eine Einleitung zum Jakobusbrief bedarf einer eigenen Einführung. Wie kommt es, daß die Erforschung von Abfassungsverhältnissen, Gattung, kirchengeschichtlicher Plazierung, traditionsgeschichtlicher Einordnung, vorausgesetzter Situation, theologi scher Beurteilung, Stellung im Kanon u. a. m. bereits über die Jahrhunderte zu unter schiedlichen Ergebnissen geführt hat, obwohl die verfügbaren Angaben und Materia lien sich nicht geändert haben? Der Brief selbst liefert nur wenige Anhaltspunkte für die Beantwortung; und das wenige ist oft mehrdeutig. Erst spät äußern sich andere Autoren in der Alten Kirche über Jak; und auch das gibt wenig her. Andere mögliche Querverbindungen zu biblischen und antiken Dokumenten unterliegen bereits wie der der Polyvalenz. Die Kargheit der Anhaltspunkte zeigt in der Interpretation nicht selten eine Überstrapazierung der einzelnen Daten, und verständlicherweise geraten die jeweils favorisierten Ansätze deshalb leicht miteinander in Konflikt. Es verbietet sich jedoch, die Fragen einfach als unbeantwortbar beiseite zu schieben. Denn eine Auslegung des Briefes ist ohne zumindest einige Vorentscheidungen nicht denkbar etwa in bezug auf die Art der Relation zur Jesus- bzw. Paulus-Tradition oder auf die Gedankenführung bzw. Struktur. Man muß dabei wohl oder übel mit einer gewissen Unschärferelation und mit Plausibilitätsmargen leben. Soweit irgend möglich, müs sen solche Entscheidungen auf induktivem Wege vom Text her erarbeitet werden. 1
2
2. Methodologie
und
Kriterien
Die Unterschiedlichkeit der Ergebnisse ruft nach der Klärung der Methodologie und der Kriterien. Interpretationsmethoden werden üblicherweise von einem literarischen Anwendungsgebiet auf ein anderes übertragen. Dazu gehören auch die klassischen Einleitungsfragen nach Art des Journalismus: Wer, wann, wo, womit usw.? Bei den Paulusbriefen etwa läßt der Befund viel eher eine Antwort zu. Z u den übertragenen Methoden zählen aber auch manche andere, darunter: Gattungsmodelle (von Par3
1
Z u r F o r s c h u n g s g e s c h i c h t e vgl. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 ; K l e i n 15 ff.; K o n r a d t , T h e o l o g i e ; M ä r z 4 4
ff.;
C h u r c h ; Penner, R e s e a r c h ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 9 3 ff.; J o h n s o n , A n c B 1 2 4 ff., W r i t i n g s 4 5 3 ff.; J o n e s ; Pears o n ; B . W e i ß ; Wessel; P o p k e s , A d r e s s a t e n 9 ff. 2
F a y 3 9 7 f. - J a k geriet allenfalls n e b e n b e i in d e n S o g d e r D e b a t t e n a u f g r u n d n e u e r T e x t f u n d e ; z u Q u m r a n vgl. V e r s e p u t , W i s d o m ; D . L . B e c k ; G e r t n e r , T e r m s , M i d r a s h i m ; W a r d , C o n c e r n , J a m e s ; J a c o b s ; z u g n o s t i s c h e n S c h r i f t e n : S c h a m m b e r g e r ; z u N a g H a m m a d i : ( i n d i r e k t ) H a r t i n , S e r m o n , S a y i n g s , wise.
3
S o z. B . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 5 ff.
Einleitung
2 4
5
6
7
änese über Epistolographie bis hin zur Rhetorik ), Weisen einer Re-lecture , Wi derspiegelungstheorien oder religionsgeschichtliche Kategorisierungen . Solche Reapplikation bewährter Verfahren ist verständlich, aber auch kritikbedürftig. Je weni ger nämlich ein Dokument selbst hergibt, desto näher liegt die Versuchung zur Anwendung externer Modelle und damit auch die Verfremdungsgefahr. Die Ge schichte der Jak-Forschung ist geradezu voll von aus der Not geborenen Versuchen, immer wieder irgendwo anders den archimedischen Hebelpunkt zu finden. Natür lich spielen dabei auch allgemeinere Einschätzungen und Präferenzen hinsichtlich der Frühzeit des Christentums eine Rolle; so z. B. in bezug auf das Überwiegen des jüdisch-palästinischen oder des hellenistisch-römischen Einflusses, auf das Einwirken des Jesus-Gutes oder die Kontroversen in der Paulus-Rezeption ; ebenso in bezug auf die generelle Beurteilung von Pseudonymität. Erkenntnistheoretisch unterliegt auch die Behandlung von Einleitungsaspekten der Frage nach dem leitenden Inter esse - etwa Apologetik , innere Stimmigkeit der Ergebnisse oder theologische Werturteile u. a. - All dieses in Rechnung gestellt, bleibt als Aufgabe die Erhebung der Kriterien bei der Einschätzung einzelner Einleitungsaspekte. Hier gilt es vor allem zu unterscheiden zwischen externen Modellen und internem Befund, ebenso zwi schen strengen formalen Gesichtspunkten (z. B. Anrede, Numeruswechsel, rhetori8
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16
17
4
S o vor allem Dibelius, T h R 1 9 3 1 , Formgeschichte 2 3 8 ff, Geschichte 1 4 0 ff, K E K passim; kritisch dazu: B l a n k ; K ü r z d ö r f e r ; P o p k e s , P a r ä n e s e (speziell 3 0 ff.); vgl. S c h n a c k e n b u r g , P a r ä n e s e ; P a u l s e n , P a r ä n e s e ; S t r e cker, T R E 2 1 , L i t e r a t u r g e s c h i c h t e 1 0 6 ff.; S t a c h o w i a k ; Q u i n n , P a s t o r a l , O b s e r v a t i o n s ; d e J o n g e ; P e r d u e , Paraenesis, Character, S e m e i a 50; T h o m a s Schmeller: L T h K
3
VII (1998),
1 3 7 3 f. E i n P a r ä n e s e - F o r -
s c h u n g s p r o j e k t u n t e r d e r L e i t u n g v o n T r o e l s E n g b e r g - P e d e r s e n u n d J a m e s S t a r r läuft 2 0 0 0 / 2 0 0 1 in S k a n d i n a v i e n ; e i n e P u b l i k a t i o n d e r B e i t r ä g e ist g e p l a n t . 5
B e s o n d e r s F r a n c i s ; vgl. W h i t e , A N R W , L i g h t ; S t o w e r s , D i a t r i b e , Letter.
6
V g l . T h u r e n ; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 ; W a t s o n , J a m e s 2 , J a m e s 3; D a v i d s , A N R W ; W u e l l n e r ; E l l i o t t , E p i s t le; W a c h o b , V o i c e 5 2 ff.
7
S o F r a n k e m ö l l e , Ö T K (z. B . 8 5 ) in b e z u g a u f Sir; s. a l l e r d i n g s a u c h e b d . 6 4 1 . A n d e r s H a h n / M ü l l e r , T h R
8
A m e h e s t e n g e s c h i e h t d a s bei S c h l ü s s e n in b e z u g a u f S p r a c h - u n d S o z i a l n i v e a u . V g l . P o p k e s , A d r e s s a t e n
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D a s betrifft v o r a l l e m d i e E s c h a t o l o g i e ; d a z u B a a s l a n d , S t T h 1 9 8 2 , A N R W 1 9 8 8 ; Penner, E p i s t l e p a s s i m , besonders 121-213; Chester 16-20.
1 0
B e k a n n t ist d i e A n s i c h t , J a k sei e i n e s e k u n d ä r v e r c h r i s t l i c h t e j ü d i s c h e Schrift: S p i t t a , speziell in d e r Z u s p i t z u n g d u r c h M e y e r , z u g r u n d e liege in a l l e g o r i s c h e r F o r m e i n e M a h n u n g d e s P a t r i a r c h e n J a k o b a n s e i n e 1 2 S ö h n e . D a z u s. K ü r z d ö r f e r .
1 1
N a h e b e i m i r d i s c h e n J e s u s s e h e n J a k etwa: M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f ; S c h l a t t e r , Brief; Penner, E p i s t l e ; B a u c k h a m , W i s d o m ; B e r n h e i m ; D e p p e ; H a r t i n , S a y i n g s ; J o h n s o n , A n c B 8 9 ff.; W a c h o b / J o h n s o n ; vgl. n o c h Cummins; Moulton.
1 2
V g l . d a z u s o u n t e r s c h i e d l i c h e A n s ä t z e w i e z. B . H e n g e l , P o l e m i k ; J o h n s o n , A n c B 5 8 ff. 1 5 6 ; Walker.
1 3
D a z u etwa Mußner, Jakobusbrief; Cargal, N a m e .
1 4
Vgl. Neudörfer.
1 5
Vgl. Frankemölle, Netz; Tsuji; Konradt, Existenz 3 6 - 3 9 .
1 6
D i e F r a g e ist s p ä t e s t e n s seit d e r R e f o r m a t i o n s z e i t u n t e r d e r Ü b e r s c h r i f t » P a u l u s u n d J a k o b u s « bzw. » G l a u b e u n d W e r k e « virulent; vgl. e t w a E i c h r o d t , J a k o b u s , P a u l u s ; Fay; L a c k m a n n ; L a u t e n s c h l a g e r ; L o d g e ; L o h se, G l a u b e ; L ü h r m a n n ; M a r x s e n ; N i c o l ; Powell; C h a d w i c k ; S c h l a t t e r , G l a u b e ; S c h r ä g e , E t h i k ; S c h u l z ; Vers e p u t , Puzzle. - In j ü n g e r e r Z e i t trat d i e F r a g e » a r m u n d r e i c h « ( m i t e n t s c h i e d e n m e h r S y m p a t h i e für J a k ) h i n z u : vgl. A h r e n s ; B o g g o n ; C o u n t r y m a n ; M a i e r , R e i c h ; M a y n a r d - R e i d ; N o a c k ; P a t t e r s o n ; S o u c e k ; W r i g h t , D i s c o u r s e ; G r i m m ; Tiller; W h e e l e r . - V g l . i n s g e s a m t n o c h Preisker; V i a .
1 7
D a z u s. P o p k e s , C o m p o s i t i o n , 9 2 .
Prolegomena
3 18
sehe Fragen) und der Rekonstruktion von Themen auf einer Meta-Ebene. Desglei chen spielt die Unterscheidung zwischen einer synchronen und einer diachronen Betrachtungsweise eine Rolle: Was steuert die Komposition mehr, die Denkart des Verfassers oder die übernommene Tradition? Unvermeidbar zieht eine Entschei dung auf einem Feld Konsequenzen für andere Bereiche mit s i c h , so etwa bei der Kombination »Verfasser - Ort - Datum - Relation zu Paulus« in der Alternative zwi schen »der Herrnbruder Jak - Jerusalem - vor 62 - zumindest zeitgleich mit Paulus« und »Pseudonymus - irgendwo im Mittelmeerraum - gegen Ende des l . J h . s bereits auf die Paulus-Rezeption reagierend«. Das verständliche Verlangen nach »kla ren« Antworten scheint im ersten Fall viel eher befriedigt, während im zweiten Fall die Ungewißheit zunimmt; aber das liegt in der Natur der Sache. Man kann, wie es häufig geschieht, an die Aufgabe der Charakterisierung des Jak so herangehen, daß man zunächst dessen Schwerpunkte und Interessen herausstellt. Vielfach verweist man für die Erhebung des »geistigen O r t e s « auf die Nähe zur Her renwort-Tradition, zur jüd. Weisheit und zu anderen frühchristlichen Schriften (IPetr, Paulus, l C l e m u. a.). Das ethische Interesse bei Jak (bzw. auch sein M i l i e u ) wird betont, speziell das sozial-ethische . Theologisch treten seine Theozentrik und Eschatologie ins Zentrum, dazu noch spezielle Motive wie »Vollendung« oder das Interesse am » R e d e n « und natürlich »Glaube und Werke« . Solche Ent würfe haben ihre Vorteile, unterliegen aber auch der Gefahr, zu schnell zu wissen, worum es bei Jak geht. Es empfiehlt sich daher, zunächst eine gewisse Distanz zu wahren und eine ungewohnte Perspektive einzunehmen. 19
20
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3 0
3. Fehlende
Themen
Für die Bewertung des Befundes bei Jak ist eine Negativliste dessen, was auffälligerweise ganz bzw. weitgehend fehlt (obwohl es in den Metaphern teilweise vor kommt), nützlich. 31
1 8
1 9
S o e t w a K l e i n : d i e M o t i v e » Z i e l « u n d » W e g « s e i e n für J a k e n t s c h e i d e n d , a u c h s t r u k t u r e l l . D i e s e F r a g e läßt s i c h b e s o n d e r s e i n d r ü c k l i c h a n J a k 1 d e m o n s t r i e r e n ; V. 2 ff. u n d 13 ff. v e r w e n d e n j e w e i l s d i e V o k a b e l J t e i o a a u o g bzw. Jteiod^ü), freilich m i t u n t e r s c h i e d l i c h e m s e m a n t i s c h e n G e h a l t ; e b e n s o ist in b e i d e n F ä l l e n d e r E i n f l u ß v o n Sir ( 2 bzw. 15) s p ü r b a r . V g l . d a z u F r a n k e m ö l l e , T h e m a ; v o n L i p s , 4 1 2 ff.
2 0
Ä h n l i c h e S k i z z e bei Fay, 4 0 1 m i t A n m .
2 1
Vgl. Hahn/Müller, T h R 1998, 60.
20.
2 2
Z . B . Laws, C o m m e n t a r y 2-6 ( T h e environment), 6-26 ( T h e setting).
2 3
S o e n t w i r f t F r a n k e m ö l l e , Ö T K , s e i n e I n t e r p r e t a t i o n p r i m ä r v o n d e r S i r - R e z e p t i o n her. V g l . B a a s l a n d , S t T h
2 4
So Dibelius, K E K 5 8 - 6 6 (Armenfrömmigkeit
2 5
V g l . M u ß n e r , M o t i v a t i o n ; G e n c h 8 1 ff; L a w s , B a s i s ; M a s t o n ; S c h a w e ; S t a g g .
2 6
S o etwa Maynard-Reid; Ahrens.
1982; Bauckham,
Wisdom.
2 7
Z . B . Penner, E p i s t l e ; C h e s t e r 16 ff.
2 8
S o Klein.
2 9
Vgl. etwa Baker.
3 0
usw.).
D i e k l a s s i s c h e P e r s p e k t i v e d e r r e f o r m a t o r i s c h b e s t i m m t e n A u s l e g u n g ; z. B . L o h s e , G l a u b e ; L a u t e n s c h l a g e r ; Walker.
3 1
V g l . d a z u a u c h N i e b u h r , T e m p e l . - D a s A c h t e n a u f D e f i z i t e ist als n ü t z l i c h e s h e u r i s t i s c h e s I n s t r u m e n t ver wertbar; vgl. d a z u W. P o p k e s , T h e M i s s i o n o f J a m e s in H i s T i m e , in: C h i l t o n / N e u s n e r ,
H i s Brothers Keeper.
Einleitung
4
1. Es fehlt der familiär-häusliche Bereich (vgl. dagegen IKor, IThess, Kol-Eph, IPetr, Pastoralbriefe). Die Beziehung der Geschlechter zueinander kommt nur formelhaft-gesetzesbezogen in den Blick (Ehebruch: 2,10 f.; vgl. 4,4). Das Verhältnis unterschiedlicher Generationen zueinander (vgl. IPetr 5; IJoh 2; Pastoralbriefe) findet gar keine Erwähnung. Frauen und Kinder erscheinen lediglich als Objekte der Fürsorge (1,27; 2,15 f.); nur die biblische Figur Rahab wird als agierende positiv erwähnt, obschon die Bezeichnung JTOQVT] nicht ausgespart wird (2,25). 2,15 ist die einzige Stelle mit »Schwester« (&öeXqpr|), während »Frau« (yvvr\) fehlt. Zwar wird in 1,14 f. die Begierde (emGuuia) als Verführerin (s. die Verben in V. 14) und sub specie Empfängnis/Gebären dargestellt, dies aber rein metaphorisch. Man darf daraus nicht ohne weiteres schließen, daß f|8ovr| und £m6uu£iv in 4,1-3 (primär) auf sexuelle Begierde zu deuten sei. Die Welt des Jak ist vorwiegend maskulin. Die Anrede döekpoi (15x) mag »Schwestern« nicht ausschließen wollen; aber die relativ häufige Verwendung von »Mann« (&vr|Q, 6X, allerdings nie als Vokativ bzw. im Plural) schafft eine maskuline Gesamtorientierung. Desgleichen weisen die wenigen Angaben über kirchliche Funktionsträger auf Männer (3,1 f.: Lehrer und »vollkommener Mann«; vgl. auch 5,14: Älteste). 2. Christliche, speziell ekklesiologische Interna werden allenfalls kurz berührt; so in der Nennung der Funktionsträger an den genannten Stellen 3,1 und 5,14. Die Zusammenkunft der »Gemeinde« (exxXnoLa nur 5,14; in 2,2 öwaycoyri) wird in 2,2 f. 15 f. erwähnt; aber außer der möglicherweise liturgischen Formel »geht hin im Frieden« (2,16) erfahren wir nichts über die Art der Gottesdienste. Der Terminus Gonoxeia (1,26 f.) besagt kaum mehr als »Religion«. Theologisches Formelgut enthält 2,19 (»ein Gott«) und wohl auch 2,1 (»unser Herr Jesus Christus [der Herr] der Herrlichkeit«). Verglichen mit anderen ntl. Briefen, ist das wenig. Nichts wird gesagt über Apostel, Hirten, Charismen usw.; nur 5,10 erwähnt Propheten (welche?) als Vorbilder der Ausdauer. Es fehlen hymnische oder ähnliche Texte. Soteriologische Angaben erfolgen spärlich (ocp^eiv nur 1,21; 2,14; 4,12; 5,15.20). A m auffälligsten ist das nur zweifache Vorkommen von »Jesus Christus« (1,1; 2,1). Pneuma erscheint (neben 2,26, dort anscheinend anthropologisch) nur in der umstrittenen Stelle 4,5. Nicht behandelt wird schließlich auch das theologische Problem einer »zweiten Buße« wie es in Hebr 6,4-6 u. a.; Herrn (vgl. IJoh 5,16) anzutreffen i s t . Die Tendenz des Jak ist eher gegenteilig. 3. Praktisch vollständig schweigt sich Jak über das Judentum und dessen religiöse Praxis a u s . Nichts verlautet von Israel, Israeliten, Juden (und abgeleiteten Termini), Mose, Jerusalem, Tempel und dessen Kult, Priester, Hohepriester, Beschneidung , 32
33
34
35
36
3 2
S. d a z u i m K o m m e n t a r .
3 3
S. d a z u i m K o m m e n t a r .
3 4
V g l . J ü r g e n B e c k e r : T R E 7 ( 1 9 8 1 , 4 4 6 - 4 5 1 ) , 4 5 1 ; z u H e r r n : G u s t a v A d o l f B e n r a t h : e b d . ( 4 5 2 - 4 7 3 ) , 4 5 2 f. Hans-Friedrich Weiß, D e r Brief an die Hebräer ( K E K X I I I , 15. Aufl.), G ö t t i n g e n ( V & R ) 1 9 9 1 , 3 4 7 - 3 5 1 » E x k u r s : Z u r F r a g e d e r A b l e h n u n g einer z w e i t e n f x e x d v o i a i m H e b r « ( 3 5 0 f. a u c h z u H e r r n ) .
3 5
V g l . L a w s , C o m m e n t a r y 4 . 1 5 . 3 6 ; vgl. M a r s h a l l , C h a r a c t e r 1 - 1 0 9 . 2 4 8 ; L ü d e m a n n 2 0 1 ; P r a t s c h e r 2 0 9 - 2 1 3 . G r a v e s d a g e g e n v e r s t e h t J a k e i n f a c h als » r e p r e s e n t a t i v e o f J u d a i s t i c C h r i s t i a n i t y ( 8 3 - 1 0 7 ) ; W e s s e l 2 0 9 n e n n t J a k » t h e m o s t J e w i s h w r i t i n g in t h e N e w T e s t a m e n t « ; T o w n s e n d , E p i s t l e x x x i , a r g u m e n t i e r t : » N o w h e r e are J e w i s h p r a c t i c e s d e f e n d e d , t h e y are s i m p l y a s s u m e d « .
3 6
A n d e r s A l l i s o n 1 6 5 f. z u 1,21 m i t B e z u g a u f I P e t r 3 , 2 1 u n d V e r w e i s a u f ältere L i t e r a t u r .
Prolegomena
5
Sabbat, Reinheits- und Speisetora (1,27 ist viel zu allgemein), Fasten, jüdische Grup pen, Passa oder andere Feste; Warnung vor dem Götzendienst, auch nichts von der Zerstörung Jerusalems und des Tempels. Die Verwendung des Wortes owaycoyri (2,2) besagt für sich nichts Gegenteiliges. Die Adressierung an die »12 Stämme in der Diaspora« (1,1) nimmt selbstverständlich auf Israel als Gottesvolk Bezug, überträgt jedoch eine Tradition auf eine neue christliche Situation. Nur metaphorisch verwen det werden »Erstlingsgabe« (1,18) und »Reinheit« (1,27; 4,8). Im Vergleich gerade mit dem MtEv, das in mancher Tendenz Jak nahesteht , ist die umfangreiche Fehl anzeige umso auffälliger; und das angesichts besonders der Parallelität beim Eidesver bot (5,12/Mt 5,34-37; vgl. 23,16-22), das bei Jak zudem keinen Hinweis auf Jerusa lem (so M t 5,35) oder den Tempel, das Tempelgold oder gar den Altar und das Opfer (so M t 23,16 ff.) enthält. Etwas anders ist die Lage in 2,14-26 im Vergleich zu R o m und Gal; auch Jak bezieht die Debatte über die Rechtfertigung aus Glauben auf die alttestamentlich-jüdische Tradition (Abraham, Rahab), läßt aber auch hier das für Paulus dabei wesentliche Streitthema »Beschneidung« unerwähnt. Anzufügen ist noch die Erwähnung einiger anderer atl. Gestalten (Hiob, 5,11; Elia, 5,17 f.). - Das Fehlen »der Teile der Tora, die sich auf den Tempelkult, die rituelle Reinheit, die vor geschriebenen Abgaben und bestimmte Speisevorschriften bezogen sind« , läßt sich teilweise aus der Diasporasituation der Adressaten (wie in anderen Fällen vergleich barer jüdischer Schriften) ^ erklären; in seiner Breite und Massivität geht der Nega tivbefund jedoch über das übliche Maß hinaus. 4. Keinerlei Rolle spielen Staat (Rom, Kaiser, I m p e r i u m ) , Behörden, Obrigkeit (vgl. dagegen etwa R o m 13,1 ff.; IPetr 2,13 ff), lokale Einrichtungen, Steuern, Zoll, Militär^ usw.; desgleichen »Völker«, Griechen, Barbaren und dgl. Nichts wird sicht bar an Verfolgungen seitens des Staates oder an Übergriffen seitens der Nachbar schaft. Einzig »die Reichen« bedrängen die Christen und »schleppen sie vor Gericht« (2,6). Gesellschaftliche Strukturen sind nur in sozialethischer Hinsicht relevant (2,24; 4,13-17; 5,1-6). Ebenfalls fehlen Angaben über die Sklaverei; der Wortstamm bovX- erscheint nur 1,1 im übertragenen Sinn, dgl. eXevBeo- in 1,25; 2,12; olxerng kommt gar nicht vor, ebenso die Stämme öiaxov- und i m a x o - ; xuoiog wird nur für Gott bzw. Christus verwendet, iJjtoxdaaa) nur in Beziehung auf Gott (4,7). Dieser Befund ist gerade im Vergleich mit IPetr auffällig. 5. Bis auf die Notiz über das »Zittern der Dämonen« (2,19) und das »Fliehen des Diabolos« (4,7) bleibt der Bereich der überirdischen »Mächte und Gewalten« (vgl. Kol 1,16; Eph 6,12 und dgl.) ungenannt; beide Stellen betonen die Unterlegenheit die ser Wesenheiten. Das Adjektiv »dämonisch« steht in 3,15 neben »irdisch und psy chisch«; angezeigt wird damit die »Welt« (»nicht von oben«) in ihrer Gefährlichkeit. 37
3 8
3
40
1
42
37 V g l . S h e p h e r d . 3 8
Niebuhr, Tempel 447.
3 9
S . a l l e r d i n g s a u c h d e n B e f u n d d e s A r i s t e a s - B r i e f e s , a u f d e n D e l l i n g 9 ff. B e z u g n i m m t .
4 0
N . A . B e c k 1 6 1 f. m e i n t zwar, a u c h in J a k v e r b o r g e n e a n t i - r ö m i s c h e B o t s c h a f t e n e n t d e c k e n z u k ö n n e n , u n d z w a r in d e r K r i t i k a n d e n R e i c h e n ( 1 , 1 0 ; 2 , 1 - 7 ; 5 , 1 - 6 ) . A b e r d i e s e A n g a b e n s i n d z u w e n i g spezifisch.
4 1
A b g e s e h e n v o n d e r M e t a p h o r i k in 4 , 1 ff.
4 2
M a i e r , I n w i e f e r n 8 9 f., m e i n t d a z u i m Z u s a m m e n h a n g v o n 1 , 1 3 - 1 8 , J a k b e t o n e d i e S e l b s t v e r a n t w o r t l i c h keit d e s M e n s c h e n ; d e s h a l b e r w ä h n e J a k bei der E n t s t e h u n g d e r S ü n d e d e n T e u f e l n i c h t .
Einleitung
6
'Äyye^og bezeichnet irdische Boten (2,25); »Himmel« ist in 5,12 traditionelle reli giöse Referenzgröße, in 5,18 ein meteorologischer Begriff (englisch eher »sky« als »heaven« ). Die »Hölle« wird nur einmal bei der Charakterisierung der Zunge er wähnt (3,6: »entzündet durch die Gehenna«). Die Welt des Jak ist also primär eine diesseitige. Der Befund entspricht dem Fehlen »übernatürlicher« Gaben (s. o. 3.2). Damit korrespondiert wiederum die Absenz apokalyptischer Symbolik oder Be schreibungen. Zwar ist von Parousia und Gericht die Rede (5,7 f. bzw. 2,12; 3,1; 4, 11 f.; 5,9) und sogar vom »Lebenskranz« (1,12). Aber es fehlen Termini wie »Men schensohn in den Wolken«, »letzte Posaune« oder dgl., ebenso der Hinweis auf eschatologische Schrecken oder Irrlehrer, Falschpropheten, Antichristen, Verführer usw. Sogar die Totenerweckung ist allenfalls nur in 5,15 impliziert. Die religiöse Welt des Jak ist nüchtern und unmythisch. ^ Bei aller Reichhaltigkeit der Thematik bietet Jak also gewissermaßen eine einge schränkte Welt dar. Wichtige Lebensbereiche fehlen, weil sie ihm teils in Hinsicht auf sein Kommunikationsziel und damit auch auf seine Beurteilung der Lage der Adressaten nicht relevant erscheinen, teils weil sie in seinem Kommunikationsrah men traditionell keine Rolle spielten (vgl. u. zu »Diasporabrief«), teils weil sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechend entwickelt hatten. Besondere Zurückhaltung ist bei der Einschätzung der Relation zum Judentum zu wahren. 4
44
4. Ausgangspunkt
der
Analyse
Die Sachlage und die Forschungsgeschichte nötigen dazu, den Ausgangspunkt bei der Analyse der Einleitungsfragen sorgfältig zu wählen. Es empfiehlt sich nicht, bei um strittenen Aspekten einzusetzen. Dazu gehören Gattung, Struktur, Verfasserschaft ^, Datierung, Lokalisierung ; ebenso auch die Relation zu Paulus und zur Weisheits tradition. Weder für externe kompositorische »Baupläne« noch für Zeitbezüge noch für theologische Ortsbestimmungen Ist die Informationslage ausreichend klar, um darauf aufbauen zu können. Anzusetzen ist vielmehr bei internen Gesichtspunkten der Kommunikation zwischen Jak und seinen Adressaten. ? Eine Kommunikation wendet sich in bestimmter Weise (Anrede, Aussagen, Fragen, Imperative und dgl.) an die Leser bzw. Hörer und spricht sie auf bestimmte Punkte (Themen) an, und das mit einer Intention (zu bestärken, verändern, weiterzuführen, korrigieren usw.); dabei beruft sie sich auf Material (und ggf. auch auf Formen), die den Adressaten zumin dest so weit bekannt sein sollten, daß sie plausibel wirken. 4
46
4
48
4 3
Frankemölle, Ö T K 127:
4 4
V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 8 5 , z u r A u s w a h l a u s Sir; V e r s e p u t , W i s d o m 7 0 6 .
4 5
Innerweltlichkeit.
B e i d e r » H e r k u n f t « setzt B u r c h a r d , H N T , a n ( E i n l e i t u n g , 2 . 1 Verfasser, 2 . 2 A d r e s s a t e n , 2 . 3 Z e i t u n d O r t , 2.4 Integrität).
4 6
D a z u zählt n i c h t zuletzt d a s i m m e r w i e d e r r e k l a m i e r t e p a l ä s t i n i s c h e K o l o r i t ; vgl. e t w a Peter H . D a v i d s , P a l e s t i n i a n T r a d i t i o n s in the E p i s t l e o f J a m e s , in: C h i l t o n / E v a n s 3 3 - 5 7 .
4
? Ähnlich Tsuji 12.
4 8
V g l . » T h e m a / R h e m a « bei F r a n k e m ö l l e , Ö T K z. B . 1 4 0 f.; H a a c k e r , J u s t i f i c a t i o n .
D i e text- u n d k a n o n s g e s c h i c h t l i c h e
Rezeption
7
Für Jak heißt das konkret, (nach einem Blick auf die text- und kanonsgeschichtli che Rezeption) die kommunikative Gestalt, also den Anrede-Charakter, ernst zu neh men und die sprachlichen Mittel zu beachten. Im Anschluß daran sind die inhalt lichen Schwerpunkte zu erfassen und dabei zugleich die sachliche Zielsetzung, eben so die Denk-, Sprach- und Überzeugungswelt des J a k . Im Spiegelbild kann von dorther auf die Probleme und Situation bei den Adressaten geschlossen werden. Die Kommunikation zwischen Jak und seinen Adressaten bezieht sich auf Vorgaben, deren Herkunft, Art und Verarbeitung soweit möglich zu analysieren sind (Tradition und Redaktion). Diese Beobachtungen ermöglichen wenigstens bis zu einem gewis sen Grad die Erfassung der Komposition und der Argumentationsweise des Briefes. Danach erst sind die Abfassungsverhältnisse näher zu besehen, und zwar im Vergleich mit zeitgenössischen Entwicklungen und Tendenzen. Die Verfasserfrage steht am Schluß der Untersuchungen. 4 9
§ 2 Die text- und kanonsgeschichtliche Rezeption 1.
Textüberlieferung
Die Geschichte der Textüberlieferung ist weithin die gleiche wie bei ähnlichen Schrif ten des NT. 1. Die erhaltene handschriftliche Bezeugung des griechischen Textes reicht bis ins 3. J h . zurück50 p20, p23; aus dem 3./4. stammt plOO, aus dem 4. folgen K und B, aus dem 5. J h . A, C , 048, 0166, 0173 und aus dem 5.16. p54. Nicht alle diese Hss. bieten den vollständigen Text. Der wegen seiner Abweichungen interessante Papyrus p74 datiert erst aus dem 7. Jh.51 Die lateinischen Hss.52 entstammen dem 7. (1 = 67), 7.-11. (t = x) und dem 9. J h . (ff = 6653). Die koptische Bezeugung setzt im 4. J h . :
4 9
5 0
Sein »semantisches Universum«. N ä h e r e A n g a b e n in E d i t i o C r i t i c a M a i o r I V / T e i l 2 B e g l e i t e n d e M a t e r i a l i e n ; ferner in: K u r t A l a n d ( H g . ) , T e x t u n d T e x t w e r t d e r g r i e c h i s c h e n H a n d s c h r i f t e n d e s N e u e n T e s t a m e n t s . I. D i e K a t h o l i s c h e n B r i e f e , B d . 1; 2 . 1 - 2 ; 3 , B e r l i n ( d e G r u y t e r ) 1 9 8 7 . E i n e u m f a n g r e i c h e D a r l e g u n g z u T e x t u n d K a n o n bietet M e y e r 81 0 8 . V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 5 3 - 5 5 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 9 7 ( a u c h z u p 2 0 ) ; M a y o r cclxxx ff. - T h i e d e h a t v e r s u c h t , d i e T h e s e v o n J . O ' C a l l a g h a n z u e r n e u e r n , d a s F r a g m e n t 8 a u s d e r 7. Q u m r a n - H ö h l e ( 7 Q 0 8 , J . M a i e r , Q u m r a n - E s s e n e r I 3 2 4 ) m i t J a k 1 , 2 3 - 2 4 z u identifizieren u n d s o m i t d e n B r i e f a u f d i e Z e i t v o r 6 0 , ja vor 5 0 zu datieren. K u r t A l a n d , N e u e neutestamentliche Papyri III: N T S 2 0 ( 1 9 7 3 / 7 4 ) , 3 5 7 - 3 8 1 ,
bes.
3 6 3 - 3 7 0 , h a t t e d i e T h e s e j e d o c h bereits als n i c h t s t i c h h a l t i g e r w i e s e n . Z u m e i n e n ist d i e I d e n t i f i z i e r u n g d e r Konfiguration von 6-7 B u c h s t a b e n völlig unsicher ( C . H . Roberts nennt fünf andere Identifikationsmög l i c h k e i t e n a u s d e r L X X ) ; z u m a n d e r e n w ü r d e d i e E i n o r d n u n g ntl. S c h r i f t e n in d i e s e Z e i t , L o k a l i t ä t u n d d i e s e n » S i t z i m L e b e n « e r h e b l i c h e P r o b l e m e bereiten. E s g i b t k e i n e n f r ü h e n B e l e g für J a k ; s o a u c h H a h n / M ü l ler, T h R 1 9 9 8 , 1 6 . 5 1
5 2
Z u s a m m e n s t e l l u n g bei M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 5 4 . H o r t xxvii: » o m i t t e d b y early L a t i n v e r s i o n « . V g l . K u r t A l a n d ( H g . ) , D i e alten U b e r s e t z u n g e n d e s N e u e n T e s t a m e n t s , d i e K i r c h e n v ä t e r z i t a t e u n d L e k t i o n a r e . D e r g e g e n w ä r t i g e S t a n d ihrer E r f o r s c h u n g u n d ihre B e d e u t u n g für d i e g r i e c h i s c h e T e x t g e s c h i c h t e ( A N T V ) , B e r l i n ( d e G r u y t e r ) 1 9 7 2 , d o r t b e s o n d e r s d i e B e i träge: B o n i f a t i u s Fischer, D a s N e u e T e s t a m e n t in l a t e i n i s c h e r S p r a c h e
1-92 ( 7 3 - 7 8 zu den Katholischen
B r i e f e n ) ; W a l t e r T h i e l e , P r o b l e m e d e r Versio L a t i n a in d e n K a t h o l i s c h e n B r i e f e n , 9 3 - 1 1 9 . 5 3
C o r b e y H a n d s c h r i f t ; d a z u M a y o r cclxxxiii u n d 3 - 2 7 (einschl. T e x t ) .
Einleitung
8
(achmimisch)54 ein, ebenso die sahidischen Hss. zu Jak (sa 15.33 usw.)55. Die syri sche Übersetzung ist seit dem 5. J h . verfolgbar (Peschitta).56 2. Die Zitation durch Kirchenschrifisteller ist vor Origenes (gest. 253/4) nicht klar nachweisbar.57 Origenes führt Jak 1,13.17; 2,26; 3,15; 4,7.10; 5,13.16 an.58 Aus dem 3. Jh. ist ferner Dionysius Alexandrinus zu nennen (1,13). Mehrfach ist das 4. Jh. ver treten; häufiger zitieren dabei Athanasius Alexandrinus (Jak 1,12.15.17.18.20; 2,19; 5,13) und Didymus Alexandrinus (Jak 1,1.2-6.8.12.13.15.16.17.20.24-25.27; 2,15. 16.19.23.24.26; 3,1.2.3.15.17; 4,7.8.12; 5,4.16.19.20). Aus späterer Zeit finden sich mehrere Zitate bei Johannes Chrysostomos (5. Jh.), Hesychius Hierosolymitanus (5.), Maximus Confessor (7.), Photius (9.), besonders aber bei Cyrillus Alexandrinus (5.). 3. Bei der Textrekonstruktion stößt man zwar wiederholt auf Varianten; insgesamt bietet sie jedoch keine großen Probleme. Die 2 6 7 2 7 . Auflage der Nestle-Aland-Ausgabe registriert an folgenden Stellen Revisionen gegenüber der 25. Auflage: in 1,22 (Abfolge zweier Wörter); 1,26 (zweimal avxovlkavxov); 4,8 (unterschiedliche Futur formen); 4,12 (vofxo08xr]g mit bzw. ohne Artikel); 4,14 (mit/ohne t o nach emaxaoOe); 5,4 (djteoTeQniievog/dqpvaxeQiifxevog und zwei verschiedene Perfektendun gen); 5,14 (mit/ohne auxöv); 5,16 (Simplex oder Kompositum); 5,20 (yivcooxexco/ yivobaxexe). Sinn oder Klarheit der Aussagen werden davon nicht wesentlich berührt. Die überwiegende Zahl der Varianten dient einer »Aufhellung« des Textes seitens der Abschreiber, vor allem auf dem Weg von: (a) Wortumstellungen; (b) Auslassung, Ein fügung oder Ersetzung von Wörtern; (c) Korrektur des Stils und des Sinnes. In aller Regel lassen sie sich leicht als solche erkennen (s. dazu die speziellen Einleitungen zu den Abschnitten und die Versexegese). Besonders weitgehend sind die Veränderungen in p74, so etwa in 1,27; 2,11.12; 3,5; 5 , 1 9 . Aufs Ganze gesehen ist die Texttradition des Jak zwar nicht so breit wie etwa bei den Evangelien oder den Paulinen, aber zumeist in sich klar und relativ früh. - An einigen Stellen jedoch zeigen sich Probleme, die auch zu Konjekturen führten, wie der Apparat der Editio Critica Maior zeigt. Das ist der Fall in 1,17 (Wortbestand, Abfolge, Fälle); 1,27 (Wortbestand, Sinn); 2,18 (Wortfolge, Satzteile); 3,3 (Wortbestandsauflösung, Satzform); 3,6 (Syntax); 4,2 (Sinnanstößig keit); 4 , 5 f (Wortbestand, Herkunft); 5,11 (Wortlaut, Sinn); 5,12 (Wortbestandsauflö sung). Obwohl die Uberlieferung des Textes kaum Fragen zuläßt, erheben sich doch Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen im jakText. Textgeschichtlich sind die Proble me nicht zu lösen; wohl aber ergeben sich daraus Hinweise darauf, die Arbeitsweise und evtl. auch Traditionsverarbeitung des Jak zu befragen. 59
60
5 4
Vgl. K u r t u n d Barbara A l a n d , D e r Text des N e u e n Testaments, Stuttgart ( D t . Bibelgesellschaft) 1 9 8 2 , 2 0 6 2 1 1 , speziell 2 1 0 .
5 5
5 6
Editio Critica Maior B 29. D a z u bei A l a n d , Ü b e r s e t z u n g e n (s. A n m . 5 2 ) : Pierre P r i g e n t , L e s c i t a t i o n s d e s Peres grecs
436-454, Her
m a n n J o s e f F r e d e , D i e Z i t a t e d e s N e u e n T e s t a m e n t s bei d e n l a t e i n i s c h e n K i r c h e n v ä t e r n
455-478;
A l a n d , T e x t 1 9 9 - 2 0 6 , speziell 2 0 2 f. V o n d e r V e t u s S y r a existieren n u r d i e vier E v a n g e l i e n ( e b d . 1 9 9 - 2 0 2 ) . Z u r » p a l ä s t i n i s c h - s y r i s c h e n V e r s i o n « e b d . 2 0 4 - 2 0 6 : w a h r s c h e i n l i c h 6. J h . ( 2 0 6 ) . - Z u r a l t a r m e n i s c h e n Ver s i o n s. B u r c h a r d , U b e r s e t z u n g . 5 7
E i n z e l h e i t e n bei d e r » k a n o n s g e s c h i c h t l i c h e n R e z e p t i o n « (s. u. § 2 , 2 ) .
5 8
A n g a b e n n a c h E C M B 2 6 , 1 6 - 2 7 . R . E . B r o w n ( 7 4 3 ) redet v o n 2 4 Z i t a t i o n e n .
5 9
Vgl. Mußner, Jakobusbrief 54.
6 0
H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 1 5 f.
D i e text- u n d k a n o n s g e s c h i c h t l i c h e
2.
Rezeption
9
Kanonsgeschichte 61
Die kanonsgeschichtliche Rezeption des Jak verlief zögerlich. 1. Es ist umstritten, wann die Rezeption überhaupt einsetzt. Als Belege kommen nicht in Betracht: lClem, Herrn, Barn, Did, J u d und d g l . , weil die Beziehungen mehrdeutig sind, eine literarische Abhängigkeit von Jak nicht nachweisbar ist und diese Schriften jedenfalls nicht Jak als Autorität voraussetzen. Auch für den Zeit raum ca. 150-200 finden sich keine deutlichen, unzweideutigen Spuren. Jak fehlt im Kanon Muratori (Ende 2. Jh.). Anklänge könnte evtl. Irenaus (178 Bischof von Lyon) bieten. Neben Adv haer. V 1,1 (factores sermonum facti initium facturae; vgl. Jak 1,22.18) und »lex libertatis« (IV 34,4/56,4) kommt noch IV 13,4/27,2 infrage (»Abraham selbst glaubte ohne Beschneidung und Sabbat-Beachtung Gott, und es wurde jenem zur Gerechtigkeit zugewiesen, und er wurde Freund Gottes genannt«). Das könnte evtl. eine Kenntnis des Jak implizieren ; freilich erklärte Irenaus nur IPetr und IJoh für kanonisch, nicht J a k . Der Befund bleibt also uneindeutig. Auch Tertullian (gest. ca. 222/223) bringt das Abraham-Beispiel, aber weniger deutlich. Wenig aussagekräftig ist auch der ohnehin magere Befund bei Hippolyt von Rom (gest. ca. 23 5 ) . Die Bezeugung in der lateinischen Kirche bleibt spärlich bis nicht existent, bis hin zu Cyprian (gest. 258) und Laktanz (gest. ca. 320). Das ändert sich erst bei Augustinus (gest. 430) und Hieronymus (gest. 420). - Clemens Alexan drinus (gest. vor 215) zitiert Jak nie, obwohl er laut Eusebius ( H E VI 1 4 , l ) die Katholischen Briefe ausgelegt hat. Freilich ist diese Notiz zu wenig genau, um den Beweis für eine Kenntnis des Jak tragen zu können. Die angeblichen Anspielungen bleiben ebenfalls mehrdeutig: Abraham als Freund Gottes (mehrfach) , Nächsten liebe und ß a o d i x o g (Strom 6,825), Eidesverbot (Strom V 1 4 . 9 9 ) . 2. »Origenes ist für uns der erste, der Jac namentlich zitiert und ... der sich über den Brief und seine Geltung ausspricht.« Wichtiger als die textlichen Übernahmen 6 2
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V g l . i n s g e s a m t M e y e r 8 - 1 0 8 ; B r o o k s ; L a w s , C o m m e n t a r y 2 0 - 2 6 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 9 3 ff
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D i e A n g a b e in J u d 1 ( » J u d a s , J e s u C h r i s t i D i e n e r , B r u d e r d e s J a k o b u s « ) o r i e n t i e r t s i c h a n d e r P e r s o n d e s J a k ( z i e m l i c h sicher d e s H e r r e n b r u d e r s ) , b e s a g t a b e r n i c h t s ü b e r ein S c h r e i b e n d e s s e l b e n . A n d e r s D i b e l i u s , K E K 5 2 . - E b e n s o d a r f m a n keinesfalls d a v o n a u s g e h e n , d a ß I P e t r d e n J a k v o r a u s s e t z e ; d a s V e r h ä l t n i s bedarf vielmehr der sorgfältigen Klärung.
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A l s o d i e S c h r i f t e n bis ca. 1 5 0 ; s. d a z u u. § 5 , 7 . G e g e n M e y e r ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 3 6 . 3 8 ; u. a. B r o o k s notiert: k e i n e sichere B e z e u g u n g v o r d e m A n f a n g d e s 3 . J h . s ( 4 7 ) , w o h i n er a u c h p 2 3 d a t i e r t ( 4 2 ) , w ä h r e n d d i e B e z e u g u n g d u r c h C l e m A l fraglich sei ( 4 3 f.). E i n e ä h n l i c h e Z u r ü c k h a l t u n g w i e g e g e n ü b e r J a k sei a b e r a u c h bei I P e t r u n d I J o h z u registrieren ( 4 8
6 5
6 6
ff.).
Ausführlich dazu Meyer 9-13. S o f e r n n i c h t B e z u g n a h m e a u f a l l g e m e i n e T r a d i t i o n vorliegt; s o D i b e l i u s , K E K 5 2 . K r i t i s c h z u r ü c k h a l t e n d auch Laws, C o m m e n t a r y 2 1 .
6 7
K ü m m e l 4 3 3 f.; H o r t xxvi f.; M e t z g e r , K a n o n 1 5 1 - 1 5 3 .
6 8
M e y e r 14 notiert: Z u J a k 1,1 u n d 5,1 d e n D a n i e l - K o m m e n t a r 3 , 6 bzw. 4 , 1 2 ; vgl. M e t z g e r , K a n o n 1 4 7 -
6 9
D i e » d i r e k t e n Ä u ß e r u n g e n « A u g u s t i n s ü b e r J a k bei B e r g a u e r 1 5 - 2 1 .
7 0
A b e r n o c h bei H i e r o n y m u s h e i ß t es: » m a n c h e h a l t e n i h n für u n e c h t « ; s. d a z u M e y e r 3 1 f.
7 1
V g l . M e y e r 4 2 - 4 8 ; Z a h n , F o r s c h u n g e n I I I 1 5 0 - 1 5 3 ; H o r t xxvii; M e t z g e r , K a n o n 1 3 1 - 1 3 5 ; M u ß n e r , J a k o
149.
b u s b r i e f 3 9 , d o r t a u c h z u P h o t i u s ( B i b l i o t h . c o d . 1 0 9 ) ; C a s s i o d o r u s ( D e instit. div. l i t t . 8 ) . 7 2
P a e d a g I I I 1 2 , 4 ; 4 2 , 3 ; S t r o m II 2 0 , 2 ; 1 0 3 , 2 ; I V 1 0 5 , 3 ; 1 0 6 , 1 . V g l . D i b e l i u s , K E K 5 2 .
7 3
M e y e r 4 4 m e i n t d a z u : w o h l eher a u s l C l e m bzw. M t .
Einleitung
10
(u. a.: »Werke des Glaubens; irdische Weisheit; dem Teufel widerstehen; Psalmen singen«)/^ sind die kanonischen Werturteile. Der Brief gilt ihm als »im Umlauf befindlich« ^; er zitiert ihn als »Schrift« und bezeichnet Jak als Apostel . Zwar zeigt Origenes eine gewisse Zurückhaltung bei der Identifizierung des Verfassers ; entscheidend ist aber, daß Jak »ein Apostel und seine Schrift eine apostolische und daher autoritative und inspirierte i s t « . Der Einfluß des Origenes wirkte sich auf das Ansehen des Jak im griechischen Osten überaus förderlich aus. 3. Man hat vermutet, daß Origenes seine Jak-Kenntnisse in Palästina gewann. Freilich ist der Befund bei Hegesippus (gest. ca. 180) negativ. Deutliche Spuren zeigt dagegen PsClemAlex Ad virgines, evtl. aus dem 3. J h . , aus Palästina/Syrien. Neben mehreren nicht sehr spezifischen Anklängen treten I 11,10 (Jak 1,5) und besonders I 11,4 (Jak 3,1 f.) hervor, zumal die Einleitung hier heißt »quod dicit [Scriptura]« 3. 4. Noch bei Eusebius von Caesarea (gest. 339) mischen sich unterschiedliche Töne. Er beendet seinen Bericht über Jakobus (und dessen Tod) mit den Worten: »der der Verfasser des ersten der katholischen Briefe genannt wird. Doch man sollte wissen, daß einige ihn für unecht halten. Nicht viele der Alten haben ihn (wie auch Jud) erwähnt. Dennoch wissen wir, daß diese - wie auch die anderen - öffentlich in den meisten Kirchen verlesen wurden« ( H E II 23,25). Seine ntl. Kanonsliste (III 25) bezeichnet die Evangelien und Apg, die Briefe des Paulus und den des Petrus, danach die Apk als anerkannte Schriften. »Aber unter den umstrittenen (Schriften), die jedoch der Mehrheit geläufig sind, gibt es den Brief des Jakobus, wie er genannt wird« ( 2 5 , 3 ) . 7
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Meyer 3 8 (insgesamt 3 8 - 4 2 zu Origenes); Metzger, K a n o n 1 3 5 - 1 4 1 . S . d i e S t e l l e n a n g a b e n in § 2 , 1 . 2 . J o h - K o m m e n t a r z u 8 , 3 4 : q)EQOU£vn, nicht w i e d e r z u g e b e n m i t »fälschlich s o g e n a n n t « , M e y e r 3 9 . P s s - K o m m e n t a r 1 1 8 , 1 5 3 , vgl. 3 0 , 6 ; J o h - K o m m e n t a r 3 , 3 1 , vgl. 1,8. Pss-Kommentar 65,4; Joh-Kommentar 3,31. D a z u M e y e r 4 0 - 4 2 ; M e i n e r t z 1 0 6 - 1 1 2 ; a n d e r s v e r h ä l t es s i c h b e i m J u d a s - B r i e f u n d bei d e r B e z e i c h n u n g » H e r r e n b r u d e r J u d a s « n a c h M t 1 3 , 5 5 (zitiert bei M e y e r 4 0 A n m . 6 ) . » U b e r d e s s e n B r ü d e r J o s e p h u n d S i m o n b e k e n n t er n i c h t s z u w i s s e n , ü b e r d e n ältesten dieser B r ü d e r J a c o b u s s a g t er nur, d a ß er d e r v o n P a u lus G a l 1,19 g e n a n n t e sei« ( e b d . 4 0 ; vgl. D i b e l i u s , K E K 5 2 ; M e t z g e r , K a n o n 1 3 8 ) . D e r T i t e l » B r u d e r d e s H e r r n « ist i h m a l l e r d i n g s w e g e n d e r f o r t d a u e r n d e n V i r g i n i t ä t M a r i a s s u s p e k t ( M e y e r 4 1 ; z u m P r o b l e m » J u n g f r ä u l i c h k e i t M a r i e n s / A p o s t o l i z i t ä t d e s J a k o b u s « N ä h e r e s bei M e i n e r t z , 1 1 0 - 1 1 2 ) . M e y e r 4 1 ; vgl. a u c h o. § 2 , 1 . 2 z u D i o n y s i u s v. A l e x a n d r i e n , d e s O r i g e n e s S c h ü l e r . M e y e r 3 0 f.; M e i n e r t z 1 1 3 - 1 2 5 ; Z a h n , F o r s c h u n g e n V I , 2 2 8 - 2 7 3 ; d o r t 2 2 8 - 2 5 0 Z u s a m m e n s t e l l u n g d e r » s i c h e r e n F r a g m e n t e « , 2 6 1 ff. z u E p i p h a n i u s , » w o er v o n J k d e m G e r e c h t e n u n d a n d e r e n A n v e r w a n d t e n J e s u h a n d e l t « , 2 6 5 z u J a k 5 , 1 6 - 1 8 : » M i t t e n in d e r [bei E p i p h a n i u s ] in a l l e m W e s e n t l i c h e n n a c h H e g . w i e d e r e r z ä h l t e n G e s c h i c h t e d e s J k findet s i c h a u c h d i e E r z ä h l u n g v o n e i n e m G e b e t d e s J a k u m l a n g e e r s e h n t e n R e g e n « ; es sei aber, s o m e i n t Z a h n , w e n i g e r w a h r s c h e i n l i c h , d a ß sie a u s J a k 5 e r w a c h s e n sei, »als d a ß sie z u d e n alten T r a d i t i o n e n v o n J e r u s a l e m g e h ö r t , d e r e n H e g . viele g e s a m m e l t h a t « . M u ß n e r 3 9 ; M e y e r 3 3 f. ( d o r t 3 3 A n m . 8 eine k r i t i s c h e N o t i z z u D i b e l i u s , K E K , 5 1 ) . - L t . I n d e x bei F r a n z X a v e r F u n k ( n e u h g . v o n F r a n z D i e k a m p ) , Patres A p o s t o l i c i I I , T ü b i n g e n ( L a u p p ) 1 9 1 3 , w e r d e n e r w ä h n t : J a k 1 , 5 . 2 6 . 2 7 ; 2 , 1 . 8 . 1 7 f f ; 3 , 1 . 2 . 1 5 ; 4 , 6 . D i e D a t i e r u n g (vor o d e r n a c h O r i g e n e s ? ) ist u m s t r i t t e n ; vgl. F r a n k e m ö l l e , Ö T K 9 7 f. M e i n e r t z 1 2 7 f. m e i n t ( m i t H a r n a c k ) : A n f a n g d e s 3 . J h . s . I n I 1 1 , 1 heißt es: »laudetur Deus, q u i largiter o p i t u l a t u r o m n i b u s , q u i omnibus dat nec reprobat«; in I 1 1 , 4 : » n e q u e a t t e n d u n t a d it, q u o d d i c i t [ S c r i p t u r a ] : Ne multi inter vos sint doctores, fratres, n e q u e o m n e s sitis p r o p h e t a e . Qui in verbis. suis non praevaricatur, hic homo perfectus est, potens domare et subigere totum corpus suum«. V g l . d a r ü b e r h i n a u s s e i n e A n g a b e n » S c h r i f t « ( P s a l m e n - K o m m e n t a r z u 1 0 0 , 5 ) u n d » d e r heilige A p o s t e l « ( e b d . z u 5 6 , 2 ) , lt. M e y e r 3 2 ; vgl. M e t z g e r , K a n o n 1 9 4 ff.
Die kommunikative Gestalt
11 8
5. Die weitere Rezeptionsgeschichte braucht hier nicht verfolgt zu werden. 5 Der Brief setzte sich nur langsam durch, zumal im Westen.86 Die Frage, warum er erst so spät auf der Bühne der Geschichte auftaucht und sich nur mühsam durchsetzt, ist schwer zu beantworten. Wie alt ist er wirklich? Schadete ihm etwa das Fehlen eines klaren apostolischen »Merkzeichens« 88 oder die »Beschlagnahme« durch häretische Judenchristen ^? Oder geriet er längere Zeit »in die Verborgenheit«, weil er - als nicht genügend deutlich und christlich - erst einmal von IPetr und l C l e m verdrängt wur d e ^ ? Oder schadete ihm der anscheinend antipaulinische Duktus?9i Alle Hypothe sen solcher Art in Richtung auf die Devise »früh entstanden/spät wiederentdeckt« beruhen auf Vermutungen. Die Quellenlage spricht eine andere Sprache: späte Be zeugung, zurückhaltende Rezeption, Zweifel. Das deutet prinzipiell eher auf ein spä tes Entstehungsdatum. Die Gründe für eine Frühansetzung samt Erklärung des lan gen Nicht-Auftauchens müßten gewichtig sein, um den Beweis tragen zu können. 87
8
§ 3 Die kommunikative Gestalt 1. Anrede an kollektive
Größe
»Das einzige formale Charakteristikum des Briefes als ganzen ist die direkte persönli che und persönlich gestaltete Anrede an die Adressaten.«^ Jak wendet sich überwie gend an eine kollektive Größe (2. Pers. Plur.), die er immer wieder als »Brüder« (15mal, oft ergänzt durch »meine« oder gar »meine geliebten« anspricht. Einzelfälle sind in der Regel partitiv auf das Kollektiv (wie 1,5: »jemand von euch«; oder 2,2: »wenn jemand in eure Versammlung kommt«) bzw. auf die Gesamtheit (wie 1,13: »keiner«; 1,19: »jeder Mensch«) bezogen. Jak kann sich auch bestimmten Gruppen 1
85 S . d a z u K ü m m e l 4 4 1 ff.; M e i n e r t z 1 3 1 - 2 1 5 ; P a u l s e n , J a k o b u s b r i e f 4 9 2 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 9 7 ff. ( d o r t 1 0 1 - 1 0 5 i n s b e s o n d e r e z u r G e s c h i c h t e bis B e d a V e n e r a b i i i s , u n d zwar a u f d e r G r u n d l a g e d e r D i s s e r t a t i o n v o n M a t t h i a s K a r s t e n ) ; M e t z g e r , K a n o n 2 1 9 ff. - W i c h t i g w u r d e n s p ä t e r n a t ü r l i c h L u t h e r s k r i t i s c h e Ä u ß e r u n g e n u n d ihre R e z e p t i o n ( A n g a b e n bei K ü m m e l 3 5 8 . 3 6 0 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 4 2 - 4 7 ) ; E i c h h o l z , J a k o b u s 1 0 - 2 2 , skizziert d a s V e r s t ä n d n i s bei L u t h e r , bei d e n S c h w e i z e r R e f o r m a t o r e n s o w i e bei S . K i e r k e g a a r d u n d D . B o n h o e f f e r . Z u K i e r k e g a a r d s. a u c h B a u c k h a m , W i s d o m 1 5 9 - 1 7 4 . Z u L u t h e r u. a. h i n s i c h t l i c h » G e s e t z « s. F r a n k e m ö l l e , G e s e t z 1 8 9 ff. E r s t e k r i t i s c h e B e d e n k e n (zur V e r f a s s e r s c h a f t ) ä u ß e r t e E r a s m u s v o n R o t t e r d a m ; eine an L u t h e r erinnernde Polemik gegen den Brief selbst (»nichts v o n G o t t , C h r i s t u s , der G n a d e , v o m F r i e d e n « f i n d e t s i c h bei L u t h e r s K o n t r a h e n t C a j e t a n d e V i o ( M e i n e r t z 2 1 6 - 2 1 9 ) , d e r a u c h a n anderen Schriften des N T Zweifel anmeldete (Robert Bauer: L T h K
2
II 8 7 6 ) .
86 V g l . M e i n e r t z 1 3 1 ff. 8 7
B u r c h a r d , H N T (Einl. 7.3) weist zu Recht d a r a u f hin, d a ß »merkwürdigerweise« die Schriften v o n N a g H a m m a d i k e i n e S p u r d e s J a k zeigen, o b s c h o n d e r N a m e d o r t m i t d e m s o g . A p o k r y p h o n u n d zwei A p o k a l y p s e n v e r b u n d e n ist.
8 8
S o M e y e r 5 3 . A u c h M e i n e r t z 3 1 3 f. a r g u m e n t i e r t : Z w a r sei d i e a u s d r ü c k l i c h e B e z e u g u n g relativ s p ä t , a b e r S p u r e n r e i c h t e n bis in d i e älteste Z e i t z u r ü c k ( d a z u 5 5 ff.); G r ü n d e für d a s » Z u r ü c k t r e t e n « seien: d e r p r a k tische Inhalt, die A d r e s s i e r u n g an Judenchristen, der W i d e r s p r u c h zu Paulus u n d die geteilten Ansichten ü b e r d e n Verfasser.
8 9
S o Z a h n , E i n l e i t u n g I 8 8 f.; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 4 2 .
9 0
S o M e y e r 3 0 7 , unter der A n n a h m e , d a ß J a k von diesen benutzt wurde.
9 1
A b e r g e r a d e d i e s findet s i c h in d e r älteren R e z e p t i o n s g e s c h i c h t e als P r o b l e m n i c h t notiert!
9
2 T h o m a s , A n f e c h t u n g 1 9 0 f. V g l . B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 4 9 ff.; W u e l l n e r 5 - 1 1 .
Einleitung
12
zuwenden (wie 4,13 ff.; 5,1 ff) und ebenso Einzelne ansprechen (2,18-22). Er kehrt jedoch immer wieder zum »Ihr« als primärer Bezugsgröße zurück. Sich selbst bringt der Verfasser, abgesehen vom Präskript, nur ganz nebenbei (3,1 f.: »wir als Lehrer«) ins Spiel; es fehlen autobiographische oder sonstige narrative Partien.93 _ Der Autor leistet durchgehend nichts anderes als Überzeugungsarbeit an seinen Adressaten. Dazu verwendet er viele Imperative , ebenso rhetorische Fragend (z. B. 2,2-4.5), Casus (z. B. 1,5 f.), Urteile (z. B. 1,7 f.), sentenzenhafte Sprüche (wie 1,12.17.27; 2,13 u.a.) und viele N e g a t i o n e n (so 1,6.7.13.16.20.22 usw.). ? Jak arbeitet im Direkt verfahren, indem er belehrt (z. B. 2,8 ff), ins Unrecht setzt (so 2,2-7), Anweisungen erteilt (z. B. 2,12), Warnungen ausspricht (wie 1,16) oder zum Beweis auffordert (2,18; 3,13). Er kommt ohne Umschweife zur Sache; selten finden sich etwas länge re Argumentationsstücke (wie 2,8-13 oder 3,1-12). Jak bevorzugt die lectio brevis; er verfaßt keine Abhandlungen oder Traktate über Topoi". Der Stil ist knapp bis zur Abruptheit, fast staccato s o z u s a g e n . - Das Werben um Konsens kann schnell in Anklagen übergehen (z. B. 2,4 f.6 f.); die Zuwendung hin zu den »geliebten Brüdern« (1,16.19; 2,5) kann der scharfen Invektive »ihr Ehebrecher!« (4,4) und den damit ver bundenen Vorhaltungen (4,1-10) weichen. Die Tonart nimmt sogar etwa im Verlauf von Kap. 3 an Schärfe z u , um erst ab 5,7 wieder milder zu werden. Durchgehend ist Jak daran gelegen, die Adressaten dafür zu gewinnen, daß sie das »Ziel« (vgl. 1,4.12) erreichen, bzw. sie davor zu bewahren, es zu verlieren (vgl. die Umkehrter94
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V g l . B a a s l a n d , S t T h 1 9 8 2 , 1 1 9 f.: H o r t a t i o m i t E i n s c h l ä g e n v o n A r g u m e n t a t i o , a b e r k e i n e N a r r a t i o . D i e Z a h l variiert j e n a c h E i n s c h ä t z u n g , o b n i c h t eher ein I n d i k a t i v vorliegt; »seit J ü l i c h e r , E i n l e i t u n g 1 7 0 , w i r d s t e r e o t y p d i e Z a h l v o n 5 4 I m p e r a t i v e n a n g e g e b e n « ( F r a n k e m ö l l e , Ö T K 7 6 ) ; einige Z a h l e n bei P o p k e s , A d r e s s a t e n 11 A n m . 1 1 ; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 5 1 : 5 8 m a l . F r a n k e m ö l l e selbst zählt 4 7 u n d h e b t d e r e n u n g l e i c h m ä ß i g e V e r t e i l u n g hervor: v o r a l l e m i m P r o l o g ( 8 m a l ) , E p i l o g ( 1 2 m a l ) u n d in 4 , 7 - 1 2 (1 l m a l ) . L t . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 7 6 : 2 3 - 2 4 , d a z u ein fingierter D i a l o g in 2 , 1 8 . E i n e L i s t e bietet M a y o r c c x x x i v f. J a k setzt d i e N e g a t i o n e n als M i t t e l g e g e n d i e v o n i h m w a h r g e n o m m e n e n N e g a t i v z u s t ä n d e ein (so 3 , 1 0 b ) ; d a h e r der A u s d r u c k » K o n t r a n e g a t i o n « ( P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 2 7 ) u n d generell d i e B e z e i c h n u n g d e s J a k als » K o r r e k t u r s c h r e i b e n « ( e b d . 1 2 6 - 1 2 8 ) ; vgl. d i e k r i t i s c h e W ü r d i g u n g bei K l e i n 2 7 f. D i b e l i u s , K E K , u n t e r s c h e i d e t drei s o g . A b h a n d l u n g e n ( 2 , 1 - 1 3 ; 2 , 1 4 - 2 6 ; 3 , 1 - 1 2 ) v o n d e n ü b r i g e n » S p r u c h r e i h e n « . A b e r w a s d e c k t d e r A u s d r u c k a b ? N i r g e n d w o h a n d e l t J a k eine T h e m a t i k a u c h n u r e i n i g e r m a ß e n a u s f ü h r l i c h , u m f a n g r e i c h o d e r v o l l s t ä n d i g a b . B e i D i b e l i u s d i e n t d e r A u s d r u c k eher z u r D i f f e r e n z i e r u n g g e g e n ü b e r d e n n a c h seiner M e i n u n g recht u n v e r b u n d e n e n S p r u c h g r u p p e n . K r i t i s c h z u J o h n s o n , A n c B 1 2 f.; er m e i n t , g e w i s s e E i n h e i t e n seien » i n t e r n a l l y u n i f i e d « u n d k ö n n t e n » t o p i cally« definiert w e r d e n ; m a n e r k e n n e sie leicht als »essays«; d a z u zählten: 2 , 1 - 1 1 ; 2 , 1 4 - 2 6 ; 3 , 1 - 1 2 ; 3 , 1 3 4 , 1 0 ; 4 , 1 3 - 5 , 6 ; 5 , 7 - 1 1 ; 5 , 1 3 - 1 8 . D i e T e x t e s i n d also teilweise d i e s e l b e n w i e bei D i b e l i u s . A l s F a l l s t u d i e vgl. J o h n s o n , N o v T 1 9 8 3 ; er w e n d e t sich g e g e n d a s a t o m i s i e r e n d e V e r f a h r e n v o n D i b e l i u s ( 3 2 8 ff.) u n d b e t r a c h t e t 3 , 1 3 - 4 , 1 0 »as a s i n g l e literary u n i t , n a m e l y as a call to c o n v e r s i o n w h i c h e m p l o y s t h e H e l l e n i s t i c topos o n e n v y (jieoL (pOövou)« ( 3 3 2 ) , w i e er e t w a bei A r i s t o t e l e s , P l u t a r c h o d e r D i o C h r y s , a b e r a u c h in d e r j ü d . W e i s h e i t s l i t e r a t u r (Sir 14; W e i s h 2; P h i l o , P o s t C 1 4 0 ff., J o s 5 ff.; T e s t X I I ) a n z u t r e f f e n sei. N e u e r e L i t e ratur bei J o h n s o n , N o v T 1 9 8 3 , 3 3 4 A n m . 3 3 , n e b e n B r a d l e y ( a l l g e m e i n z u T o p o s ; s. d a z u n o c h B a e u m e r ) speziell E . M i l o b e n s k i , D e r N e i d in d e r g r i e c h i s c h e n P h i l o s o p h i e ( K l a s s i s c h - P h i l o l o g i s c h e S t u d i e n 2 9 ) , W i e s b a d e n (Harrasowitz) 1 9 6 4 . D a s Topos-Verfahren überfordert j e d o c h die j a k Texte nicht unerheblich, s o w o h l s t r u k t u r e l l ( Z u s a m m e n h a n g ) als a u c h t h e m a t i s c h ( z u m Fall v o n 3 , 1 3 - 4 , 1 0 vgl. i m K o m m e n t a r ) .
100 M a y o r cclix faßt z u s a m m e n : J a k » v e r s c h w e n d e t k e i n e W ö r t e r ; er b e n u t z t k e i n e U m s c h r e i b u n g ; zeitweise, w i e in 2 , 1 , w i r d er s o g a r a u s Ü b e r v e r d i c h t u n g ( o v e r - c o n d e n s a t i o n ) o b s k u r « . N a c h seiner B e o b a c h t u n g (cclv) ü b e r s c h r e i t e n n u r zwei S ä t z e vier Z e i l e n : 2 , 2 - 4 u n d 4 , 1 3 - 1 5 . !0! B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 6 5 . D a r i n ist K l e i n (s. b e s o n d e r s 4 3 ff.) b e i z u p f l i c h t e n . 1 0 2
Die kommunikative Gestalt
13
minologie in 4,7-10; 5,19 f.). Seine Rolle ist weniger die des Lehrers (trotz 3,1) als die des Erziehers und Mahnrufers, teilweise bis hin zu prophetischen Zügen (so besonders in 4,1-5,6). Er verfolgt eine direktive Seelsorge, nicht eine des Abwägens oder im Stil von »einen guten Rat geben« 3 . 1 0
2. Probleme
durch
menschliches
So-Sein
Die Adressaten werden auf das hin angesprochen, was sie primär durch ihr menschliches So-Sein in Probleme bringen mag, mehr noch als durch äußere U m s t ä n d e . Die Kommunikation bezieht sich vor allem auf die anthropologischen und sozialethischen Aspekte der Theologie. Positiv geht es um die »Vollendung« (so bereits 1 , 4 ) 5 , das Aus reifen bis zum eschatologischen Ziel. Dazu bedarf es des Durchhaltens (1,3.12), der Standhaftigkeit (5,7). Mehr noch aber ist das Wissen um die Gefährdung aus einem selbst heraus vonnöten (1,5 ff. 13 ff. 16 usw.). Den Menschen gefährden vor allem Gespaltenheit nach innen und außen (1,8; 3,9-12; 4,4.8), Begierde, Haben-Wollen (1,13-15; 4,1 ff.13 ff), Konsequenzlosigkeit (1,22 ff), Vorteilnahme (2,1 ff), Rücksichts- und Gedankenlosigkeit (4,1-5,6), aber auch Selbsttäuschung (1,7.26 u. a.), Irr tumsfähigkeit (1,16), bis hin zum theologischen Selbstbetrug (2,14 ff). Auswirkung hat diese Problematik besonders im sozio-ekklesialen Bereich, speziell in der Behand lung von Niedrigen/Armen und Hohen/Reichen (1,27; 2,2-7.15 f.; 5,1-6); ebenso im kommunikativen Bereich (1,19-25; 3,1 ff); und das alles mit unmittelbaren Auswir kungen auf das Miteinander als Christen (3,1 ff; 4,1 ff; 5,8 f.). Die kommunikative Zielsetzung besteht in der handlungsorientierten Beeinflussung von Menschen, die man auf bestimmte Wertvorstellungen, Konsens-Grundlagen und Erfahrungen anspre chen kann. 104
10
3. Gepflegte
Sprache
Jak benutzt als Kommunikationsmittel eine nach Stil und Vokabular recht gepflegte Sprache. ^ Sie wird nicht ganz ohne Blick auf die Empfänger gewählt worden s e i n . 1. Der Wortschatz (560 Vokabeln, bei einem Wortbestand von 1735) liegt im Ver gleich mit im Umfang ähnlichen ntl. Schriften (IPetr: 545/1669; ITim: 541/1586) 1
1 0 3
107
A n d e r s Berger, F o r m g e s c h i c h t e 1 4 7 , d e r d i e » P a r ä n e s e i m J a k o b u s b r i e f « d e n » s y m b u l e u t i s c h e n G a t t u n g e n « ( 1 1 7 ff.) z u r e c h n e t .
104 Y g j C r a n f i e l d 1 8 4 : J a k b e t o n e d i e » s i n c e r i t y « u n d s p r e c h e a d h o m i n e m . 1 0
5 V g l . K l e i n 4 3 ff. ( » d a s v o l l k o m m e n e W e r k als Z i e l . . . « ) .
106 D a r a u f i s t i m m e r w i e d e r h i n g e w i e s e n w o r d e n ; vgl. z. B . D i b e l i u s , K E K 5 3 ff.; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 6 - 3 0 (s. a b e r a u c h d i e E i n s c h r ä n k u n g 2 3 8 ) ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 73ff.; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 5 9 - 3 6 6 1 ; G i e ger; W i f s t r a n d ; K ü m m e l 3 6 2 ; Wessel 7 0 - 1 1 2
(literary c h a r a c t e r ) ; d i e k o m p l e t t e s t e D a r s t e l l u n g b i e t e t
i m m e r n o c h M a y o r ccxiv ff. L a r s R y d b e c k , R G G
4
I, 1 4 2 4 - 1 4 2 6 w e i s t u. a. a u f d i e stilistische N ä h e d e r
K a t h o l . B r i e f e z u d e n A p o s t . V ä t e r n h i n . - S t a t i s t s c h e A n g a b e n in d e r R e g e l n a c h M o r g e n t h a l e r . 1 0
? V g l . M a l h e r b e , E b e n e , b e s o n d e r s 2 1 2 f.; P o p k e s , A d r e s s a t e n 3 9 f. 8 9 ; K ü m m e l 3 6 2 ; V i e l h a u e r 5 6 8 f. Ä h n liches ist e t w a bei L k - A p g u n d H e b r z u b e o b a c h t e n , Z e u g e n d e r s e l b e n s o z i o - e k k l e s i o l o g i s c h e n
Entwick
lung. Sato 7 1 (mit A n m 4 1 ) vermerkt, die Leserschaft des J a k repräsentiere nur eine b e s t i m m t e Sozial schicht; e i n e » A n r e d e a n d i e A r m e n in der K i r c h e o d e r a n d e r e G r u p p e n i n n n e r h a l b u n d a u ß e r h a l b d e r K i r c h e läßt s i c h k a u m f i n d e n « .
Einleitung
14
im üblichen Bereich. Dasselbe gilt für die Anzahl der Vokabeln, die erstmals bei Jak vorkommen ( 1 0 - 1 2 ; IPetr 18; I T i m 19) oder die sonst nur außerhalb der L X X (16; IPetr 31; I T i m 57) bzw. nur in der L X X (12; IPetr 26; I T i m 10) belegt sind. Die Zahl der ntl. Hapaxlegomena liegt bei 34109 (IPetr 5 5 ; I T i m 7 4 m ) . _ Auffälliger schon ist stilistisch die Vorliebe für zusammengesetzte Adjektive (wie döidxQixog, a x a t ä o T a x o g ^ und Verbkomposita (so fehlt z. B. einfaches eQXOum ge genüber cur-, ela-, e|-, £Jt-, jraQ8QXOum) ; ebenso für den Gebrauch des Gen. von Abstrakta statt eines Adjektivs (z. B. »Hörer der Vergeßlichkeit« 1,25; »Welt der Ungerechtigkeit« 3,6) und für sog. technische Ausdrücke (speziell in 1,17c; 3,6a). Prägend ist eine reiche Metaphorik ^; Bildgeber sind vor allem die Bereiche: »Wind, Meer, Schiffahrt, Nautik, Astronomie« (1,6.17; 3,4), »Landwirtschaft, Pflanzen, Wald, Wasser« (1,10 £18; 3,5.12.17 f.; 5,7.17 f.), »alltägliches Leben« (1,23 f. 26; 3,2 f.; 5,2f.), »öffentliches Leben« (1,12; 4,1; vgl. 5,3), »Sexualität, Zeugung, Schwangerschaft, Geburt« (1,14 f. 18; 4,4), »Gift, Motten, Rost« (3,8; 5,2 f.). Grammatikalisch ist zu vermerken: eine Vorliebe für Aoriste (Imperfekt nur 2,22; auch der gnomische Aor. erscheint: 1,11, evtl. 1,24), ebenso für das Medium. Es fehlen genitivus absolutus und A. c. I., was Zufall sein k a n n . 2. Syntaktisch und stilistisch auffällig sind: kurze Satz-Passagen , Nicht-Verbindungen (Asyndeta) sowohl in der Aufzählung (z. B. 3,15.17; 4,2) als auch in 108
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M o r g e n t h a l e r , S t a t i s t i k 1 7 5 , n e n n t 1 2 W ö r t e r , d i e L i s t e 1 7 7 n u r 10: d v e t a o g , dvefxi^EöGai, d j t o o x i a a u e i , öaiuervixböng, 6ii|nJxos, O o n o x ö g , nokiioiikayyy^ rcooowjToXnujrceiv, yahyaymyzly; XQUooöaxTukog M a y o r ccxlvi zählt 13 H a p a x l e g o m e n a ( m i t d j t e i Q a o x o g ) ; z u d e m f ä n d e n sich f ü n f weitere V o k a b e l n w e d e r in d e r L X X n o c h s o n s t i m N T : ß p u e i v , evdÄ.iog, evjt£i0r|g, Ecprifieoeog, >caxr|(peia (Wessel 1 1 5 z ä h l t n o c h O o n o x o g h i n z u ) . B e i M a y o r ccxlvi f. a u c h d i e W ö r t e r , d i e z w a r in d e r L X X , a b e r s o n s t n i c h t i m N T v o r kommen. S o a u c h V i e l h a u e r 5 6 8 ; M a y o r k o m m t a u f 4 2 (ccxlvi f.); H a l s o n ( 3 0 8 f.) z ä h l t s o g a r 6 7 ntl. H a p a x l e g o m e na; v o n d i e s e n w ü r d e n 5 2 a u s d e r L X X u n d d o r t ü b e r w i e g e n d ( 3 4 ) a u s d e n W e i s h e i t s s c h r i f t e n s t a m m e n . D a r ü b e r h i n a u s seien 19 d e r 2 1 W ö r t e r , d i e s o n s t n u r n o c h in einer w e i t e r e n ntl. S c h r i f t v o r k o m m e n , e b e n falls in der W e i s h e i t s l i t e r a t u r z u h a u s e (vgl. a u c h F r a n k e m ö l l e , Ö T K 8 6 , z u r » g e i s t i g e n u n d s p r a c h l i c h e n H e i m a t « d e s J a k ) . E i n z e l b e o b a c h t u n g e n n o t i e r t M a y o r ccxlvii f., s o z. B . , d a ß i m N T n u r J a k v o n » W a l d « rede. D i b e l i u s , K E K 5 4 , w a r n t v o r I r r e f ü h r u n g e n a u f g r u n d v o n Z u f ä l l i g k e i t e n s o l c h e r Register. O t t o K n o c h , D e r E r s t e u n d Z w e i t e Petrusbrief. D e r J u d a s b r i e f ( R N T ) , R e g e n s b u r g ( P u s t e t ) 1 9 9 0 , 16. H e i n r i c h J u l i u s H o l t z m a n n , L e h r b u c h d e r h i s t o r i s c h - k r i t i s c h e n E i n l e i t u n g in d a s N e u e T e s t a m e n t , F r e i burg (Mohr) 1 8 8 6 , 3 1 7 . V i e l e B e o b a c h t u n g e n h a t m a n d a z u ü b e r d i e Z e i t notiert. A u s f ü h r l i c h z. B . Schlatter, B r i e f 7 7 - 8 4 ( s p r a c h liche M e r k m a l e ) ; D i b e l i u s , K E K 5 3 - 5 7 ( S p r a c h e u n d Stil); M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 7 - 3 0 ( W o r t s c h a t z , G r a m m a t i k u n d Stil, r h e t o r i s c h e E l e m e n t e ) ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 7 3 - 7 9 ( S p r a c h e ) ; M a y o r ccvi-cclvii ( G r a m m a t i k u n d Stil). M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 8 , stellt d e r e n 2 3 z u s a m m e n . K e i n V e r b ist j e d o c h m i t zwei P r ä p o s i t i o n e n z u s a m m e n g e s e t z t : M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 8 . A u f s t e l l u n g e n bei M a y o r ccxlvii, ccxlix f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 7 7 ; vgl. D i a z ; Spencer. - V g l . o. § 1,3 z u d e n fehl e n d e n S a c h b e r e i c h e n , die j e d o c h in der M e t a p h o r i k a u f t a u c h e n . V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 8 ; Wessel 1 1 4 f. D g l . fehlt der O p t a t i v , allerdings ist d a s in vielen ntl. Schriften e b e n s o der Fall; vgl. M a y o r ccxliii. G i e g e r gliedert d i e »figures o f s p e e c h « in »figures involving (I) r e s e m b l a n c e , (II) c h a n g e , (III) a m p l i f i c a t i o n , (IV) c o n d e n s a t i o n « . III etwa ist w i e d e r u m unterteilt in » b y m e a n s o f repetition, e x p a n s i o n , d e s c r i p t i o n « , I V in » b y m e a n s o f Omission, d i s c o n t i n u a t i o n « . Als Beispiele i m einzelnen seien g e n a n n t , u n d zwar für » e x p a n s i o n « : P l e o n a s m u s , H y p e r b o l e , Periphrasis, K l i m a x bzw. A n a b a s i s , E p e x e g e s e . Wessel 114: es finden sich n u r drei p e r i o d i s c h e Sätze, n ä m l i c h 2 , 2 - 4 ; 2 , 1 5 - 1 6 ; 4 , 1 3 - 1 5 . Liste bei M a y o r ccliv.
Die kommunikative Gestalt
15 120
der Antithese (z. B. 1,19; 2,13); viele Lautangleichungen (Paronomasia) , Wort spiele (z. B. 1,1 f. x«tQ8iv - xotQdv, 2,20 EQywv -ctQyy]), Alliterationen (nicht nur die beliebte Jt-Alliteration zu Anfang 1,2; auch in 1,17; teilweise in 4,13 f.; ferner mit 8 in 1,6; 3,8; mit X in 1,4; 3,4, u. a.) und gleiche Endungen (z. B. 2,19; 5,5.6); Wiederaufnahmen (sog. flashbacks ; so besonders öii|ruxos, 1,8; 4,8; »Gesetz der Freiheit« 1,25; 2,12; »zeigen/aus/Werke« 2,18; 3,13; xaXcog Jtoietv 2,8.19, dazu etli che Termini wie moxig, ooqpia, dXr|0eia, JtXovaiog, xajteiv-); Oppositionen (wie in 1,4-6: vollkommen/mangeln, glauben/zweifeln) 3. An rhetorischen Mitteln ist di^ Diatribe ^ zu erwähnen. Dazu zählen Appellfi guren bzw. pragmatische Figuren 5 . Neben rhetorischen Fragen und der MetapherVerwendung (s. o.) rechnen dazu: Einwände möglicher Kontrahenten (2,8.14.18; 4,5; vg. 1 , 1 3 ) 6 , harsche Anreden (2,20; 4,4.8), Vergleiche (1,6.10 f. 23 f.; 3,3 f.5. 7. 11 f.; 4,14; 5,7), Exempla (2,21-23.25; 5,11.17 f.), Personifikationen (1,15; 2,13; 4,1; 5,4), Ironie (2,19). 4. Schwieriger ist der semitische Spracheinfluß einzuschätzen. Fr. Mußner fuhrt dazu a u f : Parallelismus membrorum (z. B. 1,9), semitisierende Syntax (darunter »konjunktionslose Hypotaxe statt eines Konditionalsatzes«: 2,18; 4,7.8.10), »Biblizismen« (jtoinTfig \öyov 1,22; Jtpoooojtov taxußdveiv 2,1.9), abstrakte Ausdrucksweise (z. B. »Hörer der Vergeßlichkeit« 1,25), Stellung des Pronomens (nach Art der Suffi xe), Einzeltermini (Synagoge, Gehenna), Wiederholung des Pronomens (in 2,6), eine Einzelwendung (»Leben retten« 1,21; 5,20), imperativische Partizipien und Passivum divinum. Diese Präsentation ist differenziert zu beurteilen. Sicher ist Jak von »bibli scher« Sprache (LXX) mit beeinflußt, ebenso von frühchristlicher Tradition. Natür lich entstammen einzelne Wörter und Wendungen dem AT. Eine andere Frage ist, wie deutlich der Einfluß ist (beim Parallelismus membrorum etwa ist er es m. E. weniger) und inwieweit nicht auch ähnlicher Stil in der hellenistischen Koine vor kommt. Aufs Ganze gesehen, tritt die semitische Prägung deutlich hinter der griechi schen z u r ü c k . Die diversen Stilmittel wie Alliteration, Paronomasie u s w . wollen Jak gerade als griechisches Schreiben erkennen lassen. 121
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123
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1 2 0
A u f s t e l l u n g bei M a y o r ccl-ccliii; vgl. M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 6 .
1 2 1
Einzelheiten bei M a y o r ccliif.
1
2 2
129
Baasland, A N R W 1988, 3658.
1 2 3
Vgl. Frankemölle, Netz. Vgl. auch unten § 6,8.4.
1 2 4
V g l . d a z u die N o t i z e n bei D i b e l i u s , K E K 5 6 f.; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 9 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 7 6 ; Gieger; C h u r c h 4 5 - 9 1 (speziell z u J . H . R o p e s ) , generell B u l t m a n n ; Schmeller, D i a t r i b e ; S i d e b o t t o m 1 ff.
125 Vgl_ W i l h e l m Egger, M e t h o d e n l e h r e z u m N e u e n T e s t a m e n t . E i n f ü h r u n g in linguistische u n d historisch-kriti sche M e t h o d e n , F r e i b u r g ( H e r d e r ) 1 9 8 7 , 1 3 3 - 1 4 6 ( p r a g m a t i s c h e A n a l y s e ) . 1 2 6
S o läßt sich 2 , 1 4 ff. als D i a t r i b e bezeichnen (Heiligenthal 3 3 ff.).
i^Mußner, Jakobusbrief 30-32. 1 2 8
J a k ist a u c h k e i n e Ü b e r s e t z u n g eines a r a m ä i s c h e n O r i g i n a l s ; d i e s e früher e r ö r t e r t e F r a g e (s. M a y o r cclx-
1 2 9
Evtl. s o g a r H e x a m e t e r in 1,17; 4 , 5 .
cclxviii) w i r d h e u t e nicht m e h r gestellt.
Einleitung
16
§ 4 Inhaltliche Schwerpunkte und Situation der Adressaten 1.
Themenbereiche
Jak schneidet eine Fülle von Themenbereichen an: Glaube, Anfechtung, Ausharren, Vollkommenheit, Werke, Gebet, Zweifel, Gottes Wesen, Armut, Niedrigkeit, Reich tum, Leben, Begierden, Theodizee, Sünde, Tod, Reden, Tun, Gottes Wort, Seelenret tung, Religion, Reinheit, Sozialverhalten, Gesetz, Freiheit, Gericht, Barmherzigkeit, Rechtfertigung, Lehren, Lenkungsfähigkeit, Segen und Fluch, Weisheit, Streit, Frie de, Freundschaft mit der Welt bzw. mit Gott, Hochmut, Demut, Umkehr, Verleum dung, Geschäftspläne, Luxus, Unrecht, Langmut, Eid, Krankheit, Sündenbekennt nis, Rettung aus Verirrung. 1. Die Themen wie ihre Behandlung zeigen, daß Jak sich auf den Umgang mit Menschen, Gaben, Gütern und Gegebenheiten konzentriert; er schreibt keine Sach erörterungen als solche. Die Themen werden primär von der Seelsorge und von der Ethik her beleuchtet. Jak liefert keine sozio-ökonomischen Analysen, noch äußert er sich z. B. über die Weisheit in schöpfungstheologischer oder heilsgeschichtlicher Hin sicht. Ihn interessiert die Auswirkung auf zwischenmenschliches Verhalten. So wer den die Reichen in der Art der atl. Prophetie kritisiert; ihr Verhalten, nicht der Reich tum als solcher steht zur Debatte, es sei denn seine Vergänglichkeit (5,2 f.). Das glei che gilt für die Armut; im Vordergrund steht der Mensch (vgl. 1,11) in seiner Beziehung zu Gott, zu sich selbst und zu anderen. 2. Jak ist, wenn man so will, primär Ethiker. !30 Der Wertekodex steht für ihn klar; er glaubt genau zu wissen, was richtig ist. Seine Vorstellungen entsprechen weithin den aus der jüdisch-weisheitlichen und prophetischen sowie aus der jesuanischen und frühchristlichen Tradition überkommenen. Dazu zählen Gerechtigkeit, Barmherzig keit, Demut, Friedfertigkeit, Gottvertrauen, aktive Befolgung des Willens Gottes, Eindeutigkeit, Gemeinschaftssinn, eschatologisches Ziel- und Verantwortungsbe wußtsein. Das sind sozusagen konservative Werte. Nirgendwo gewinnt man den Ein druck, Jak wolle Neuerungen einführen. Vielmehr sorgt er sich darüber, daß seitens seiner Adressaten Bewährtes nicht festgehalten wird, daß die Integrität bedroht ist und daß damit das Erreichen des Ziels infrage gestellt wird. - Jak vertritt eine »Ethik auf dem Weg«. Der Mensch ist ein geschichtliches Wesen, gerufen hin zum Ziel der Vollkommenheit, den »Lebenskranz zu empfangen« (1,4.12). Geboren vom gött lichen Wort, gilt es, dieses heilbringende Wort zu ergreifen und umzusetzen (1,18. 21 ff.). Die Spanne des Durchhaltens reicht bis zur Parusie des Herrn (5,7 ff.). Der Mensch - auch und gerade der Christ - ist ein homo faber; ohne Wirken und Werke ist Leben nicht möglich. Man muß wissen und beachten, wohin man gehört und wohin man gelangen will bzw. soll. Weg und Ziel ^ werden von Gott bestimmt; dem muß man sich ungeteilt widmen. Das größte Problem des Menschen ist dabei sein 1
1
1 3 0
V g l . M u ß n e r , M o t i v a t i o n ; B l o n d e l ; A u n e , N a t u r e ; E a s t o n ; T e x t e u n d T h e m e n bei M a s t o n . E x k u r s » W i r t -
1 3 1
V g l . K l e i n s A n s a t z ; vgl. L a w s , B a s i s : E t h i k d e r I m i t a t i o D e i .
s c h a f t s e t h i k « bei B u r c h a r d , H N T 1 9 5 f.
Inhaltliche Schwerpunkte u n d Situation der Adressaten
17
Geteilt-Sein: im Inneren (1,8; 4,8), untereinander (4,1 ff.) und auch im Verhältnis zur Welt bzw. zu Gott (4,4). D e m entspricht ein zumindest praktischer Dualismus. Der »Welt« steht Gottes Wesen gegenüber; der »Weisheit von oben« die gegenteilige (3,13-18), dem Leben der Tod (1,12.15). Jak ist vor allem an den soziologischen und anthropologischen Implikationen interessiert. 32 Inmitten verschiedener Umstände gilt es, Kurs zu halten, eindeutig zu sein. 1
2. Situation
der
Adressaten
Spiegelbildlich kann man den jak Ausführungen ein Bild der Situation der Adressaten entnehmen. Gesellschaftliche Faktoren lassen sich dabei von theologisch-kirchlichen nicht trennen ^ 3 , weder in der Perspektive des Verfassers noch aus der Sicht der Adressaten. Wie die einschlägigen Passagen bei Jak (1,9-11.27; 2,1-7.15 f.; 3,912.14-18; 4,1-10.11 f. 13-18; 5,1-6.9) zeigen, verwoben sich Aspekte der sozialen Stellung und des sozialen Verhaltens mit solchen der theologischen Einschätzung. Ekklesiologisch notieren wir eine »Kirche des Wortes« (bzw. »der Wörter«) 4 , die ans Tun gemahnt werden muß. Man betet (1,5 f.; 4,2 f.; 5,13 ff.), hält Versammlun gen (2,2 ff.16), befaßt sich mit Gesetz und Schrift (1,25; 2,8 ff.21 ff; 4,5 f.), glaubt an den einen Gott (2,19), strebt nach Weisheit (3,13-18); man spricht Friedens- und Segenswünsche aus (2,16; 3,9 f.), man lehrt (3,1), betet Psalmen (5,13), übt Kran kenheilung und Sündenbekenntnis (5,14-16). Geleitet wird die Kirche von einer zahlenmäßig offenbar unbegrenzten Pluralität von Lehrern (s. zu 3,1). Auch die Ältesten agieren im Plur.; als ihre Tätigkeit wird freilich lediglich die Krankenheilung genannt (5,14 f.). Von Taufe und Abendmahl, Priestern und Hirten und dgl. schreibt Jak direkt nichts. Die Kontroversen (3,14 ff; 4,1 ff. 11 f.) »unter euch« (4,1) könnten sich u. U. zwar auch auf innerkirchliche Auseinandersetzungen bezogen haben; von Lehrstreitigkeiten und Irrlehren bzw. Irrlehrern verlautet allerdings nichts direkt (5,19 meint seelsorgerlich ein »von der Wahrheit abweichen«). Die Konflikte dürften 1 3
1 3 2
V g l . a u c h u. § 6 , 8 . 4 . K . W e i ß 1 0 8 e r k e n n t als d a s d e n J a k »zur E i n h e i t z u s a m m e n s c h l i e ß e n d e M o t i v : e i n e a u s g l ä u b i g e r B i n d u n g a n G o t t e n t s p r i n g e n d e A b s a g e a n alle F o r m e n u n d E r s c h e i n u n g e n d e r S ä k u l a r i t ä t « . T i l l e r 9 2 0 k e n n z e i c h n e t J a k als e i n e n d e r T e x t e » t h a t d e - e m p h a s i z e t h e g e o g a p h i c c o n t o u r s o f h e a v e n a n d hell a n d the d e t a i l s o f f u t u r e j u d g m e n t , b u t t h a t a d o p t the d u a l i s t i c d e f i n i t i o n o f reality t h a t is c h a r a c t e r i s tic o f a p o c a l y p t i c l i t e r a t u r e « . S . M . V a n Z y l e r k e n n t e i n e n d r e i d i m e n s i o n a l e n D u a l i s m u s , n ä m l i c h d e r A k t a n t e n , d e s R a u m e s u n d d e r Z e i t . V g l . a u c h W o l m a r a n s , d e r als M o t i v a t i o n s z i e l d i e V e r h e i ß u n g d e s ewi gen Lebens der Furcht vor V e r d a m m u n g gegenüberstellt.
1 3 3
Z u m F o l g e n d e n : P o p k e s , A d r e s s a t e n 5 3 - 1 2 4 , m i t B e z u g n a h m e a u f S o u c e k , T r o c m e u. a. V g l . ferner S a t o 7 1 . W a h r s c h e i n l i c h spielt a u c h d i e T r a d i t i o n d e r » G o t t e s f ü r c h t i g e n « e i n e R o l l e (vgl. z u 2 , 1 9 ) ; s. d a z u G ü l zow, S k l a v e r e i 1 2 - 1 5 ; d e r s . , G e g e b e n h e i t e n 1 9 4 ff.; K . G . K u h n / H . S t e g e m a n n , P r o s e l y t e n : P R E S u p p l . I X 1 2 4 6 - 1 2 8 3 ; Bernd Wander, Gottesfürchtige u n d Sympathisanten. Studien z u m heidnischen Umfeld von Diasporasynagogen ( W U N T 104), T ü b i n g e n (Mohr) 1998; T h o m a s M . Finn, T h e God-Fearers Reconsid e r e d : C B Q 4 7 ( 1 9 8 5 ) , 7 5 - 8 4 ; S . J . D . C o h e n , C r o s s i n g the B o u n d a r i e s a n d B e c o m i n g a J e w : H T h R 8 2 ( 1 9 8 9 ) , 1 3 - 3 3 ; N i e b u h r , I d e n t i t ä t , in: J . M e h l h a u s e n ( H g . ) , P l u r a l i s m u s u n d I d e n t i t ä t , G ü t e r s l o h ( M o h n ) 1 9 9 5 , 3 4 7 f.
1 3 4
V i e l e s bei d e n A d r e s s a t e n (in d e r S i c h t d e s J a k ) e r i n n e r t a n d i e R e f o r m a t i o n s z e i t (s. P o p k e s , A d r e s s a t e n 7 5 mit A n m . 131); daher auch das Stichwort »Frühprotestantismus« (ebd. 1 0 4 . 1 1 9 ) . J o h n s o n , Writings 4 5 4 : a u f d e n K o n t r a s t z w i s c h e n R e d e n u n d T u n w i e s e n a u c h bereits d i e h e l l e n i s t i s c h e n M o r a l i s t e n h i n .
Einleitung
18
daher allgemein im Konkurrenz- und Prestigedenken, das auch den Alltag (Beruf, Geschäft, Fortkommen) einbezog, zu orten sein.
3. Schichtenübergreifendes
Spannungsgefälle
Soziologisch notieren wir ein schichtenübergreifendes Spannungsgefälle. 1. Die angesprochene Gemeinde ist, aufs Ganze gesehen, eher in einer unteren »Mittelschicht« (s. dazu später in 3.2-3) anzusiedeln. 35 Sie unterscheidet sich von Leuten in Lumpen und solchen in prächtigen Gewändern (2,2-4); »die Armen« müs sen ihr besonders anbefohlen (2,5 f.), vor »den Reichen« muß gewarnt werden (2,6 f.). Die Mehrheit ist offenbar zu Hilfeleistungen in der L a g e . 3 6 Viele scheinen auf Besitzzuwachs und Konsum aus zu sein (4,1-3). Ebenso hat es anscheinend Status veränderungen um des Glaubens willen gegeben, deren man sich »rühmen« soll, und zwar für Niedrige wie Reiche (1,9 f.). Sklaven erwähnt Jak nicht, nur einmal (5,4) Feldarbeiter/Lohnarbeiter. Vom falschen Geschäftsgebaren reden 4,13-17, vom un zulässigen Umgang mit Reichtum und Lohnabhängigen 5,1-6. Die Tatsache allein, daß Jak solche Bereiche einbezieht, weist auf eine Entwicklung zu vermehrtem Wohl stand (wenigstens bei einigen) hin, wie sie ähnlich in der Apg und den Pastoralbrie fen begegnet. 37 Die soziale Spannweite wuchs und damit auch das Spannungspo tential. Ahnlich wie L k / A p g ^ plädiert Jak für einen karitativen Besitzausgleich, nicht für einen asketischen oder kommunitären Besitzverzicht. 2. Die Bezeichnung »auf trebende Mittelschicht« ist primär wirtschaftlich zu verste hen. ! 3 9 Rechtlich-ständisch kannte das gesellschaftlich quasi als Pyramide aufgebau te Imperium Romanum der frühen Kaiserzeit nur zwei Schichten: eine Ober schicht (honestiores) und eine Unterschicht (humiliores). Die Unterschicht ist noch weiter aufgeteilt in die plebs urbana und die plebs rustica - also nach Stadt und Land. Die Plebs setzt sich zusammen aus ingenui (Freigeborenen), liberti (Freigelassenen) und servi (Sklaven). Die Oberschicht beginnt beim Stand (ordo) der Dekurionen und führt über den der Ritter und Senatoren zum K a i s e r . Zur Oberschicht zu gehören, setzte natürlich auch Vermögen voraus; aber auch unter den humiliores gab 1
1
1
140
141
135 V g l . S a t o 5 8 - 6 3 ; als G e f a h r s p r i c h t J a k d a s R e i c h w e r d e n a n . J a k s e l b s t g e h ö r e als » L e h r e r « w o h l d e r g l e i c h e n Sozialschicht an (66 A n m . 2 9 ) . 1 3 6
A u c h w e n n 2 , 1 5 f. d a r a u f zielen sollte, d i e H i l f e a u s d e r » G e m e i n d e k a s s e « z u leisten; s o m e i n e n D r e x h a g e , W i r t s c h a f t 1 6 ff. 3 4 , u n d B u r c h a r d , G e m e i n d e 3 2 5 . V g l . n o c h S e l v i d g e .
1 3 7
N ä h e r e s u n d L i t e r a t u r d a z u bei P o p k e s , A d r e s s a t e n 7 1 ff., speziell 7 8 - 8 1 . W e i t e r e s s. H a h n / M ü l l e r , T h R
1 3 8
D i e F o r m e l bei L k l a u t e t » W o h l t ä t i g k e i t u n d G e n ü g s a m k e i t « ; s o F r i e d r i c h W i l h e l m H o r n , G l a u b e u n d
1 9 9 8 6 6 f. ( z u T s u j i ) . H a n d e l n in d e r T h e o l o g i e d e s L u k a s ( G T A 2 6 ) , G ö t t i n g e n ( V & R ) 1 9 8 3 , 1 1 9 . - W e l t i n 1 6 5 ff. ( i m K a p i tel ü b e r » d a s A r i s t o k r a t i s c h e « z u r c h r i s t l i c h e n E r f a h r u n g » w i t h e l i t i s m « : J a k w a r n t v o r b e s o n d e r e r A u f m e r k s a m k e i t g e g e n ü b e r d e n R e i c h e n in d e r G e m e i n d e . 1 3 9
V g l . P o p k e s , A d r e s s a t e n 8 5 ff.; J u s t i n J . M e g g i t t , Paul, Poverty a n d S u r v i v a l , E d i n b u r g ( C l a r k ) 1 9 9 8 , 4 1 - 7 3 (zur Ö k o n o m i e ) . D e s w e i t e r e n d i e A r b e i t e n v o n J u d g e ; D r e x h a g e , W i r t s c h a f t ; G r i m m ; G r a n t , B ü r g e r 7 8 ff. (»Arbeit u n d Berufe« ). B u r c h a r d , H N T , E x k u r s » Z u r sozialen L a g e der Adressaten«.
1 4 0
S . d a z u Alföldy, G e s e l l s c h a f t , S o z i a l g e s c h i c h t e .
1 4 1
Vgl. außer Alföldy noch K . Christ, R ö m i s c h e Geschichte. Einführung, Q u e l l e n k u n d e , Bibliographie, D a r m s t a d t ( W B G ) 1 9 7 3 , 1 9 4 f.; K l o p p e n b o r g , 1 2 7 ff.; P o p k e s , A d r e s s a t e n 8 5 f. ( f a m i l i a C a e s a r i s ) .
Inhaltliche Schwerpunkte u n d Situation der Adressaten
19
es Vermögende. Das System war in gewissem Grad zudem stufenweise durchlässig; man konnte mit Geschick, Fähigkeiten, Beziehungen, Protektion, Glück und Geld aufsteigen. Andererseits mußte man sich bemühen, auf der sozialen Leiter nicht abzu s t e i g e n . Das ganze Bild wird weiter diversifiziert durch konjunkturelle, juristische (so bei Fragen des Bürgerrechts einer Stadt oder gar Roms) und herkunftsmäßige (Landsmannschaften, Fremdlinge, Beisassen, Reisende u s w . ) . Aspekte und solche der kollektiven »Lebensorganisation« (Familien, H ä u s e r , Sippen). 3. Jak hat ein differenziertes gesellschaftliches Bild vor Augen, wie es vielerorts im Imperium Romanum anzutreffen war. (a) Soziologisch betrachtet, bewegten sich sei ne Adressaten primär in aufstrebenden Kreisen der humiliores, mit einem gewissen Abstand zu den ganz Armen und mit einer Tendenz hin zu wirtschaftlich erfolgrei cheren K r e i s e n . (b) Geographisch gesehen, gibt es kaum Hinweise auf eine nähere Einengung. Aus verschiedenen Gründen wurde Rom als Entstehungsort vorgeschla g e n . 4,13-17 könnte auf Schiffahrt und Hafennähe anspielen; man hat daraus auf Phönizien oder Alexandrien geschlossen. 7 Aber der Text legt nichts fest. Ahnliches gilt von 5,4 und möglichen Latifundienbesitzern. Palästinisches oder syrisches Kolo rit erkennen m a n c h e in Wendungen wie »Früh- und Spätregen« (5,7); aber auch das ist keineswegs sicher und brauchte auch lediglich die Autorperspektive wiederzu g e b e n . Die Adressierung an »die zwölf Stämme in der Diaspora« (1,1) verweist, sofern sie geographisch zu verstehen ist, auf die weite O i k o u m e n e . (c) Politisch betrachtet, ist von Verfolgungen seitens der Behörden keine Rede. Bedrückungen 142
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142 V g l K l o p p e n b o r g , b e s o n d e r s 1 3 0 ff., u. a. z u d e n I n s t i t u t i o n e n d e r clientelia u n d a m i c i t i a . » D a s b e d e u t e t , d a ß der Wettbewerb nicht zwischen den wirtschaftlich horizontal ausgelegten Schichten, sondern vielmehr z w i s c h e n d e n vertikal g e o r d n e t e n >Pyramiden< s t a t t f a n d « ( 1 3 2 ) . 143 V g l . d i e P r o b l e m a t i k in I P e t r ; d a z u : J o h n H . Elliott, A H o m e for t h e H o m e l e s s . A S o c i o l o g i c a l E x e g e s i s o f 1 Peter, Its S i t u a t i o n a n d Strategy, P h i l a d e l p h i a ( F o r t r e s s ) 1 9 8 1 ; F e l d m e i e r . 1 4 4
1 4 5
N ä h e r e s in P o p k e s , A d r e s s a t e n 7 3 . K l o p p e n b o r g 1 3 5 ff. o r d n e t d i e j a k G e m e i n d e n d e n V e r e i n e n z u , » d i e a u s d e n n i e d r i g e n S c h i c h t e n z u s a m m e n g e s e t z t waren u n d die verschiedene Strategien entwickelt h a b e n , u m sich vor A u s b e u t u n g zu schüt z e n « ( 1 3 5 ; N ä h e r e s 1 4 6 ff.). E i n a n d e r e s » V e r h a l t e n s m u s t e r « , t y p i s c h für d a s p a u l i n i s c h e K o r i n t h , stelle e i n e S i t u a t i o n dar, » w o d i e O b e r s c h i c h t e n u n d U n t e r s c h i c h t e n a n w e s e n d w a r e n u n d w o d u r c h d i e A n w e s e n h e i t d e r O b e r s c h i c h t G e w i n n e v e r s c h i e d e n e r A r t erzielt w u r d e n « ( 1 3 5 ) . E i n e b e s o n d e r e R o l l e s p i e l t e d a b e i d a s P a t r o n a g e - S y s t e m ( 1 4 2 ff.); S c h u t z v o r k e h r u n g e n d a g e g e n e n t f a l t e J a k in 1 , 1 1 ; 5 , 1 - 1 1 u n d 2 , 1 - 1 3 ( 1 5 0 f.). Z u r S a c h e vgl. w e i t e r T h o m a s S c h m e l l e r , H i e r a r c h i e u n d E g a l i t ä t . E i n e s o z i a l g e s c h i c h t l i c h e U n t e r s u c h u n g paulinischer G e m e i n d e n u n d griechisch-römischer Vereine ( S B S 1 6 2 ) , Stuttgart ( K B W ) 1 9 9 5 .
1 4 6
D i e G r ü n d e s i n d s p r a c h g e s c h i c h t l i c h e r A r t u n d w e r d e n a u s d e r N ä h e z u l C l e m , B a r n , H e r r n usw. e r s c h l o s sen. L a w s , C o m m e n t a r y 26; Marshall, Character 2 1 1 - 2 5 0 , Local.
1 4 7
S. d a z u i m K o m m e n t a r z u 4 , 1 3 - 1 7 . - J o h n s o n v e r w e i s t v o r a l l e m a u f 1 , 1 1 ; 3 , 6 ; 3 , 1 1 f.; 4 , 1 3 ; 5 , 4 . 7 .
1 4 8
V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 6 1 f. F ü r P a l ä s t i n a z. B . : H a d i d i a n ; W i l h e l m M i c h a e l i s , E i n l e i t u n g in d a s N e u e T e s t a m e n t , B e r n ( H a l l e r ) 3. Aufl. 1 9 6 1 , 2 7 4 - 2 8 2 ; D a v i d s , C o m m e n t a r y 1 8 3 f.; G e y s e r ; Penner, E p i s t le 7 5 ff. 2 6 0 . F ü r G a l i l ä a : E l l i o t t - B i n n s 1 2 5 (zu 5,7: m e h r l ä n d l i c h als s t ä d t i s c h ) . A b w ä g u n g der A r g u m e n t e bei D e p p e 1 9 1 - 1 9 4 : P a l ä s t i n a b l e i b e zwar »eine g u t e H y p o t h e s e « a b e r d i e B e g r ü n d u n g e n seien n i c h t ü b e r Zweifel e r h a b e n ( 1 9 4 ) . - F ü r Syrien: N o a c k 2 4 ; S h e p h e r d 5 0 . - F ü r A l e x a n d r i a : S c h n e l l e 4 0 2 ( A n h a l t s p u n k te: » M e e r / W a s s e r « in 1,6; 3 , 7 . 1 2 ; 5 , 7 . 1 8 ; »Schiffe« in 3 , 4 ; » g l o b a l e H a n d e l s b e z i e h u n g e n « in 4 , 1 3
1 4 9
ff).
S . d a z u i m K o m m e n t a r z. S t . ; Penner, E p i s t l e 2 6 3 : D e r T e x t läßt k e i n e » b e w u ß t i n t e n d i e r t e n J e r u s a l e m e r Beziehungen« erkennen.
1 5 0
H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 6 5 ; N i e b u h r , D i a s p o r a b r i e f e ; T s u j i . W e i t e r e s d a z u u. in § 7 , 3 u n d i m K o m m e n tar z u 1 , 1 . J ü d i s c h e A n w o h n e r g a b es ( a u s u n t e r s c h i e d l i c h e n G r ü n d e n ) u. a. in M e s o p o t a m i e n , Ä g y p t e n , K l e i n a s i e n , G r i e c h e n l a n d , Italien, C y r e n a i c a u n d w e i t e r i m W e s t e n . V g l . d i e L i s t e n A p g 2 , 9 - 1 1 ; 6 , 9 ; I P e t r 1 , 1 ; P h i l o L e g G a i 2 8 1 f. B a r c l a y b e f a ß t sich z u e r s t m i t Ä g y p t e n , d a n a c h m i t » a n d e r e n m e d i t e r r a n e n O r t -
Einleitung
20
erfolgen durch »die Reichen«, die sogar »vor Gericht schleppen« (2,6 f.); das ist jedoch keine staatliche Maßnahme. Dasselbe gilt für das Vorenthalten von Lohn (5,4). Nur 5,6 erwähnt ein »Töten des Gerechten«; die Angabe ist allerdings inter pretationsbedürftig. Pogrome oder auch nur Angriffe seitens böswilliger Nachbarn oder Kollegen (wie in IPetr 4,3 ff.) werden nicht notiert. Eher schon sind Ubergriffe untereinander zu beklagen (3,14; 4,1 ff), wobei freilich auch diese Angaben unter schiedlich gedeutet werden. Es ist jedoch reine Vermutung und wenig wahrschein lich, sie auf Auseinandersetzungen im Zusammenhang des Jüdischen Krieges 66-70 zu b e z i e h e n . Das Problem bei den Adressaten sieht Jak gerade in ihrer »Freund schaft mit der Welt« (4,4); sie richten sich nach den Maßstäben der Welt, verhalten sich dementsprechend und erstreben Gewinn und Lust nach Art der Welt. 1 5 1
152
4. M a n hat versucht, die g e s a m t e K o r r e s p o n d e n z (Autor u n d Adressaten) in e i n e m quasi-sektenhaften eschatologischen Milieu zu verorten. *53 Ä h n l i c h wie es bei M t der Fall sei, h a b e der j a k Kreis in kritischer N ä h e z u m J u d e n t u m g e s t a n d e n . 5 4 N e b e n einer eschatologischen B a l d - E r w a r t u n g (s. 5,7 ff.) h a b e d e n Kreis ein geradezu jurisdiktionelles G e m e i n s c h a f t s l e b e n geprägt, vergleichbar m i t d e n Q u m r a n - E s s e n e r n . Speziell w i r d die S z e n e in J a k 2 , 2 - 4 d a h i n g e h e n d a u s g e l e g t : In dieser » S y n a g o g e « sei m a n z u m Z w e c k der R e c h t s p r e c h u n g z u s a m m e n g e k o m m e n . A l s j ü d i s c h e Sekte h a b e der Kreis a u c h Verfolgungen seitens der J u d e n e r l i t t e n . - G e g e n eine solche Plazierung ist j e d o c h anzuführen: D i e S z e n e 2 , 2 - 4 handelt nicht v o n J u r i s d i k t i o n ; die E s c h a t o l o g i e ist w e n i g s p e zifisch; j ü d i s c h e T h e m e n fehlen weithin; ein »Erbstreit« über das A T u n d d a s V o l k - G o t t e s - S e i n (wie bei M t ) ist nicht erkennbar; d a ß »die R e i c h e n « J u d e n seien, legt der Text n i r g e n d w o nahe. D a m i t verlieren a u c h die A n g a b e n über ein »sektenhaftes M i l i e u « ihre Plausibilität. 1
1 5 5
1 5 6
157
5. E i n anderer Versuch der V e r o r t u n g der internen S p a n n u n g e n (speziell in 2 , 1 - 3 , 1 2 ; vgl. 5 , 1 6) bezieht diese a u f d e n K o n f l i k t zwischen Wandercharismatikern u n d lokalen F ü h r e r n (z. T . reiche Patrone der G e m e i n d e ) . Z u r D e b a t t e stehe laut 3 , 1 - 1 2 die Lehrqualifikation; die in 2 , 1 4 - 2 6 geforderten »Werke« seien (wie die bei A b r a h a m u n d R e b e c c a ) solche der G a s t f r e u n d s c h a f t , u n d zwar hier g e g e n ü b e r d e n W a n d e r p r e d i g e r n . Letztere seien a u c h m i t d e n » A r m e n für die Welt« in 2 , 1 - 1 2 identisch; sie dürften nicht hinter d e n L o k a l h o n o r a t i o r e n zurückgestellt w e r d e n . N i c h t also u m einen sozialen K l a s s e n k o n f l i k t h a n d e l e es sich, s o n d e r n u m d e n zwischen zwei christlichen T r a ditionskreisen (vgl. D i d , M t , E v T h o m ) . D i e A d r e s s a t e n m ü ß t e n nicht nur in Palästina u n d W e s t syrien zu s u c h e n sein; vielmehr ließen sich ähnliche Verhältnisse a u c h a u f die D i a s p o r a , inkl. p a u l 1 5 8
159
lichkeiten«: C y r e n a i c a , Syrien, A s i a , R o m . - Als D i a s p o r a galt u r s p r ü n g l i c h (seit d e m b a b y l o n i s c h e n Exil) der O s t e n ; vgl. M a y o r cxxxvii ( m i t H i n w e i s a u f J o s e p h Bell p r o o e m 1,2); g a n z a n d e r s also als in IPetr 1,1 (nördliches u n d mittleres K l e i n a s i e n ) . S. dazu i m Kommentar. T o w n s e n d , Z e a l o t r y (etwas z u r ü c k h a l t e n d e r in E p i s t l e xxxiv f.): für die J a h r e vor 6 6 g e b e es bei J a k H i n w e i s e a u f d e n z u n e h m e n d e n »class warfare« seitens nationalistischer j ü d . G r u p p e n u n d a u f die V e r s u c h u n g für die christliche G e m e i n d e in J e r u s a l e m , n a c h materieller Sicherheit z u greifen u n d in d i e bewaffnete A u s e i n a n d e r s e t z u n g involviert z u werden; s. 4 , 1 - 4 ; M a r t i n , L i f e - S e t t i n g , W B C lxviii f.: J a k h a b e in diesen T u r b u lenzen z u m F r i e d e n gerufen ( L i f e - S e t t i n g 1 0 0 ) . !53 W a r d , C o n c e r n ; Penner ( b e s o n d e r s 2 6 9 f.), J o h n s o n , A n c B 8 3 ; vgl. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 8 . 6 1 . 6 7 . V g l . Penner, E p i s t l e 2 6 9 f. ( d o r t A n m . 1 L i t e r a t u r ) . W a r d , Partiality, C o n c e r n . D e s h a l b w e r d e a u c h W e r t a u f gleiche K l e i d u n g (wie v o r e i n e m r a b b i n i s c h e n G e r i c h t ) gelegt; v g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 6 7 . Z u d e n A u s w i r k u n g e n a u f d e n K o n t e x t in J a k 2 vgl. Penner, E p i s t l e 2 7 0 . Penner, E p i s t l e 2 7 0 ff.; » d i e R e i c h e n « w ä r e n d e m n a c h »rival J e w i s h g r o u p s « u. ä. ( 2 7 3 ) . A u c h M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f p a s s i m , sieht die ( a r m e n ) C h r i s t e n v o n (reichen) J u d e n b e d r ü c k t . Patterson. V g l . bereits ders., T h e G o s p e l o f T h o m a s a n d J e s u s , S o n o m a (Polebridge) 1 9 9 3 , 1 7 8 - 1 8 8 ( z u 2 , 1 - 3 , 1 2 ) . Z u m P h ä n o m e n vgl. T h e i ß e n 7 9 - 1 0 5 ; Schmeller, W a n d e r c h a r i s m a t i k e r . S o vor allem W a r d , A b r a h a m . 1 5 1
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Inhaltliche Schwerpunkte u n d Situation der Adressaten
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M i s s i o n s g e m e i n d e n , ü b e r t r a g e n . - S c h o n der letzte A s p e k t b l e i b t f r a g w ü r d i g ; u n s i c h e r ist z u d e m d i e I n t e r p r e t a t i o n der » W e r k e « A b r a h a m s
(s. z. S t . ) ; 3 , 1 - 1 2 g e h t n i c h t v o n e i n e m
» w i r / i h r « a u s ( w o b e i d e r Verfasser d i e Seite der W a n d e r c h a r i s m a t i k e r
Gegensatz
vertreten w ü r d e )
1 6 0
; wenn
l a u t 2 , 2 ein M e n s c h in L u m p e n ( d . h. ein » W a n d e r n d e r « ) » h i n e i n k o m m t « ( a n s c h e i n e n d v o n u n t e r w e g s ) , k a n n m a n d i e s e l b e T e r m i n o l o g i e n i c h t g u t für d e n L o k a l p a t r o n v e r w e n d e n . D i e T h e s e läßt z u viele F r a g e n u n b e a n t w o r t e t .
4. Selbstverständnis
der
Adressaten
Das theologische Selbstverständnis der Adressaten scheint ihrem gesellschaftlichen Ver halten entsprochen zu haben. Man kann von einem theologischen Reduktionismus sprechen. Aus ihrer eigenen Perspektive könnte man sie etwa mit folgenden Stich wörtern charakterisieren : 1. (a) » Weltoffenheit und Liberalität«. Was Jak als Weltliebe tadelt, ist für die Adres saten vielleicht so etwas wie Engagement im Beruf, Chancenausnützung, Vorankom men im Leben gewesen (4,1 ff. 13-16; 5,1-6). Traditionelle, »gesetzliche« Grenzen sind durchbrochen; das »Gesetz der Freiheit« (1,25;2,12) gilt auch im Alltag. - (b) »Aufstieg und Prestige«. Die sozio-ökonomischen Gegebenheiten lassen anscheinend nur die Wahl zwischen Verelendung und Emporkommen (2,1 ff.). Das Evangelium setzt positive Lebensenergien frei; der Lebensstandard wird gefördert. Die Orientie rung nach »oben« (sozial gesehen) erzeugt eine Erfolgsmentalität (2,2 ff.; 4,1 ff. 13-16; 5 , l - 6 ) , verbunden mit Geltungsanspruch, der sich auch auf kirchliche Befähigun gen (wie speziell zum Lehrer-Sein: 3,1 ff.) auswirkt. - (c) »Offene Gesellschaft und (gesunde) Rivalität«. Nicht nur die römische Gesellschaft bot Aufstiegsmöglichkeiten, sondern auch die christliche Gemeinde. Die offene Zahl der Lehrer (3,1) etwa begün stigt Entfaltungsmöglichkeiten; auch sonst scheint keine Hierarchie das Einbringen unterschiedlicher Begabungen erschwert zu haben. Konkurrenzdenken, Eifersüchte leien, Überheblichkeit und mangelnde Rücksichtnahme bildeten die Kehrseite sol cher relativen Chancengleichheit (3,9 f. 14; 4,1 ff.). - (d) »Etablierung und Selbstrechtfertigung«. Die Adressaten haben sich in der Welt eingerichtet und wissen das offenbar auch zu rechtfertigen (1,26;2,8 ff. 14 ff; 3,13 f.). Die Versammlungen sind anscheinend einladend (2,2-4); man glaubt an den einen Gott (2,19), betet, man ist fromm, religiös usw. (1,26; 2,16; 3,9 f.; 4,2 f.; 5,13 f f ) . Gewiß, nicht immer versteht man die Wege Gottes, so daß sich u. U. die Theodizeefrage erhebt (1,13). Muß man jedoch für jede Geschäftsreise extra den Willen Gottes erfragen (4,13 ff)? Könnte das nicht evtl. gar nach heidnischer Augurenschau aussehen? 161
1 6 2
1 6 0
J a k v o t i e r t j e d o c h n i r g e n d s f ü r Besitzverzicht; v o m » U n t e r w e g s - S e i n « ist g e r a d e b e i d e n R e i c h e n d i e R e d e
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S . d a z u P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 2 1 - 1 2 4 . V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 6 7 f.; R u e g g 2 3 7 : » O n v o i t ainsi s e
(1,11; 4,13 f f ) . d e s s i n e r l ' i m a g e d ' u n e c o m m u n a u t e d e la fin d u p r e m i e r siecle, o u v e r t e a u x p o s s i b i l i t e s q u e l'actualite p o l i t i q u e et e c o n o m i q u e offre a u x villes d e p r o v i n c e « . 162 V g l d a s p r o t e s t a n t i s c h e B e r u f s - u n d A r b e i t s e t h o s , speziell i m C a l v i n i s m u s (s. o. z u m S t i c h w o r t » F r ü h p r o testantismus«). M a x Weber, D i e protestantische Ethik. E i n e A u f s a t z s a m m l u n g , hg. von J o h a n n e s Winckelm a n n ( S i e b e n s t e r n - T B 5 3 - 5 4 ) , M ü n c h e n / H a m b u r g (Siebenstern) 1 9 6 5 ( = 1 9 2 0 ) ; II Kritiken u n d Antikri tiken, G ü t e r s l o h ( M o h n ) 5. Aufl. 1 9 7 8 .
Einleitung
22
2. Es ist diese vermeintliche Normalität der christlichen Existenz, die Jak nicht hin zunehmen bereit ist. Einmal aus theologischen Gründen, so daß er fragt: Ist die Beziehung zu Gott angemessen, lebendig, gott-gemäß (1,16 ff; 2,5 ff. 8-13;3,9f.l418; 4,4 ff.; 5,4.8 f 1 2 ) ? 3 Oder ist sie funktionalisiert worden zugunsten eines Chris tentums des »do it yourself«, das nicht auf Gott hört (2,8 ff.;4,l ff 13-17)? Z u m ande ren aus sozial-ethischen Gründen, mit den Fragen: Geraten nicht zu viele unter die Räder - die vermeintlich Unbrauchbaren, nur Hinderlichen (1,27; 2,2 ff.)? Wird nicht die Gemeinschaft ausgehölt und mißbraucht (2,14 f.; 3,9 f. 13-18; 4,1 ff; 5,16)? Und ferner aus anthropologisch-eschatologischen Gründen: Wird der Mensch wieder »ganz«, »ungeteilt«, »integriert«? Wird er sein von Gott gestecktes und ermög lichtes Ziel erreichen (1,2 ff.l2;26 f.; 2,12 f. 14 ff.; 3,2.9-12; 5,7 ff.)? 1 6
5. Grundlinien
der Theologie
des
Jakobus
1
Die Grundlinien derjak Theologie ^ ergeben folgendes Bild. 1. Jak denkt theozentrisch. Das Wort 6eög gehört zu den geläufigsten Vokabeln bei i h m . 5 Oft wird ebenfalls xuQiog verwendet , teilweise auch für Jesus Christus (1,1; 2,1, in beiden Fällen eindeutig abgesetzt) ; manche Stellen können nicht ein deutig zugewiesen w e r d e n , was entsprechend für »Name (des Herrn)« g i l t . Jak ist anscheinend nicht an einer deutlichen Differenzierung zwischen Gott und Chri stus gelegen. Gott wird ferner als Gesetzgeber bezeichnet (2,10 f.; 4,12), und zwar in enger Verbindung zu »Richter« bzw. Gericht (2,12 f.; 4,9.11 f.; dazu noch 5,9-12). Zweimal tritt »Vater« zu »Gott« (1,27) bzw. »Herr« (3,9); an beiden Stellen geht es um die Beziehung zu Gott (6or]Oxeia bzw. et^oyea)), die durch »Vater« eine stärker persönliche Färbung erhält; speziell ist Gottes Fürsorge für Menschen impliziert. Daneben wird Gott »Vater der Lichter« genannt (1,17). Das alles sind relativ kon ventionelle Aussagen. Wichtig ist für Jak die Verläßlichkeit, Unveränderbarkeit (1,17) und vor allem die unbezweifelbare Güte Gottes. Gott schenkt, ohne zu be schämen oder zu beschimpfen (1,5), allerdings nur dem Beter mit lauteren und ein deutigen Vorsätzen (1,6-8; 4,1-3). Z u m Gebet kann ermutigt werden (5,13 ff). Das Schreien der Benachteiligten erreicht Gottes (des »Herrn Zebaoth«) Ohren (5,4). Von ihm (»von oben«) kommt Gutes (1,17). Gott ist unversuchbar zu bösen Dingen und verleitet niemanden zum Fall (1,13). Ebenso ist die »Weisheit von oben« quali tativ eindeutig positiv (3,17 f.). Bei Gott gibt es keinerlei Unklarheiten oder Grauzo nen (1,17); deshalb darf das Verhältnis zu ihm auch nicht gespalten oder unklar sein 16
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1 6 3
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1 6
D i e T h e o z e n t r i k b e t o n t b e s o n d e r s F r a n k e m ö l l e , Ö T K p a s s i m ; ein G e g e n s a t z z u r C h r i s t u s - B e z o g e n h e i t sei darin allerdings nicht zu erblicken. M a n k a n n bei J a k d u r c h a u s v o n einer T h e o l o g i e s p r e c h e n ; m i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 0 5 ff.; a n d e r s B u r chard, H N T 18-20.
5 1 , 1 . 5 . 1 3 . 2 0 . 2 7 ; 2 , 5 . 1 9 . 2 3 ; 3 , 9 ; 4 , 4 . 6 . 7 . 8 . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 0 7 f., w e i s t z u R e c h t a u c h a u f p a s s i v a d i v i na u n d andere implizite E r w ä h n u n g e n hin.
1 6 6
1,7; 3 , 9 ; 4 , 1 0 . 1 5 ; 5 , 4 . 7 . 8 . 1 0 . 1 1 . 1 4 . 1 5 . 67 W o h l a u c h 5 , 7 . 8 ( P a r u s i e ) . 168 V g l d i e E x e g e s e v o n 5 , 1 1 . 1 4 . 9 S. besonders zu 2 , 7 u n d 5,14. Vgl. R u c k - S c h r ö d e r 2 3 2 - 2 3 8 . J
1 6
169
Inhaltliche Schwerpunkte u n d Situation der Adressaten
23
(1,6-8; 3,8-12; 4,4 ff.; 5,12). Gnade und Hilfe gewährt er dem, der sich ihm in Glau ben und Demut nähert (1,6-8; 4,6-10.15; 5,15-18). Der ganze Brief ist ein Plädoyer für Gottes Eindeutigkeit, Güte und Verläßlichkeit, einschließlich seiner Unbestech lichkeit (2,13; 5 , l - 6 ) . Die Gottesdarstellung des Jak trägt insofern apologetische Züge; die Theodizeefrage kommt expressis verbis 1,13 zu Wort, implizit auch sonst (so 1,16 f.). Jak möchte seine Adressaten Gottes gewiß machen, damit alle Gespaltenheit, aller Zweifel und alles Versagen auf menschlicher Seite überwunden werden. Gottes Ver läßlichkeit gründet in seinem Wesen; als »Vater der Lichter« ist er in seiner Unveränderlichkeit über die Wechselhaftigkeit der Natur erhaben (1,17) ; mit dem Bösen hat Gott nichts zu schaffen (1,13; 3,15-18). Der Wille Gottes ist auf Gutes und Heil aus, sei es als Schöpfer (1,18.21), sei es als Lenker menschlicher Lebensgestaltung (4,15-17). Seine Güte erweist sich nicht nur im Geben, sondern auch in seiner Barm herzigkeit, ist doch Erbarmen der Maßstab im Gericht (2,13). Gottes Herz ist mit den Niedrigen, Mittellosen, Bedürftigen und Mißhandelten (1,9; 1,27; 2,2 ff. 15 f.; 4,6-10; 5,1-6.14-16), nicht mit den Hochmütigen (1,10 f.; 4,6). Seine Gerechtigkeit steht menschlichem Zorn fern (1,20); Sanftmut und Friede entsprechen dagegen sei nem Wesen (1,21; 3,13.17 f.). Die jak Gotteslehre ist, wie solche Gegensätze zeigen, durchaus dualistisch angelegt, ohne daß Jak eigens etwas zur Herkunft des Bösen bringt (vgl. zu 1,13-15; 2,4; 3,6; 5,1-6). Man kann nicht zugleich Freund Gottes und der Welt sein (4,4); Gottes Weisheit steht in klarem Gegenüber zu der »irdischen, psychischen, dämonischen«, die zu »Fanatismus, Parteiengeist, Chaos und jederlei Übel« führt (3,15 f.). Was »Religion« (Oorjöxeia) heißt, hat deswegen klare Kontu ren: für die Bedürftigen eintreten und sich von der Welt unbefleckt halten (1,27). Eine Christologie entfaltet Jak nicht eigens. Sie ist weitgehend Teil der Gotteslehre, wie die Verbindung in 1,1 und der Gebrauch von »Herr« (s. o.) anzeigen. Der »Herr Jesus Christus« (sowohl 1,1 als auch 2,1 verwenden die volle Bezeichnung) ist auf jeden Fall Hoheitsfigur - neben Gott und als K y r i o s . Er ist der »Herr der Herr lichkeit« (2,1; s. im Kommentar zum näheren Verständnis). Seine Parusie steht bevor (5,8 f.), wobei er zugleich als Richter amtiert (5,9; vgl. im Kommentar). Jak denkt also offenbar nur an den erhöhten und wiederkehrenden Christus; von seiner Inkarnation wird ebensowenig etwas ausgeführt wie von seinem Tod oder seiner Auferweckung. Die wenigen christologischen Aussagen spiegeln die Einstellung eines Christen, dem Christus als Autorität gegenwärtig etwas bedeutet. - Von einer Pneumatologie findet man bei Jak so gut wie gar keine Spuren. 2,26 ist doch wohl 1 7 0
1 7 1
m
173
174
175
176
170 V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 7 f. 171 N ä h e r e s in d e r E x e g e s e v o n 1 , 1 7 , a u c h z u einer g e w i s s e n V e r w a n d t s c h a f t m i t A r i s t o t e l e s ü b e r d e n » u n b e wegten Beweger«. 172 V g l . d e n E x k u r s bei F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 7 6 - 3 8 7 . 1
7 3
D a s H e r r - S e i n C h r i s t i stellt a u c h F r a n k e m ö l l e h e r a u s : e b d . 3 7 9 ff.
174 D i e Stelle ist s c h o n w e g e n d e r S y n t a x u m s t r i t t e n . 175 U m s t r i t t e n ist d i e F r a g e , o b J a k - a u c h für d i e C h r i s t o l o g i e - W e i s h e i t s t h e o l o g i e § 5,2 (mit Literatur). Skeptisch Burchard, H N T
ü b e r n i m m t ; s. d a z u u.
155-158.
6
17 Z w a r v e r b u c h t m a n für J a k e i n e R e i h e v o n B e z u g n a h m e n a u f d i e J e s u s - T r a d i t i o n (s. u. § 5 , 3 ) , d i e j e d o c h n i e als s o l c h e g e k e n n z e i c h n e t w i r d . F a k t i s c h b e t r a c h t e t J a k dieses G u t als A u t o r i t ä t ; d e s s e n u n g e a c h t e t , tritt d e r i r d i s c h e J e s u s bei J a k n i c h t in E r s c h e i n u n g .
24
Einleitung
anthropologisch zu verstehen, desgleichen 4,5 (der Vers ist allerdings kaum aufklärbar; s. z. St.). Wörter wie »Charisma« verwendet Jak nicht. - Auch die Soteriologie ist bei Jak Teil der Gotteslehre; einen christologischen Zusammenhang legt er nicht dar. Heils wirksam ist laut 1,18.21 das »Wort der Wahrheit« bzw. das »eingepflanzte Wort«, mit dem Gott »uns zur Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe« macht und das »die Seelen retten kann«. Soteriologische Terminologie findet sich auch in 2,14 ff. Teilweise ist dort die Rettung im Endgericht gemeint (vgl. 2,13), teilweise aber ist anscheinend auch an einen gegenwärtigen Heilsstand gedacht (vgl. zu 2,23). Dieselbe Ambivalenz findet sich in 5,15 f im Kontext von Krankenheilung und Sündenvergebung. Unbestritten ist Gottes Wille auf Heil aus; die zeitliche Komponente (futurisch-eschatologisch oder gegenwärtig) ist für Jak nicht entscheidend (vgl. auch zu 1,4 »vollkommen und unver sehrt sein«; 3,2 »vollkommener Mann«; 5,6 »des Gerechten«), Auf jeden Fall ist die soteriologische Perspektive wesentlich für die christliche Existenz. Gottes Absicht ist, daß wir (in Ausdauer und Geduld) das Ziel erreichen, den »Lebenskranz« empfangen (1,12), das »Reich ererben« (2,5; vgl. 5,7 ff); entsprechend soll der Christ sich gegen über gefährdeten Weggenossen geradezu soteriologisch verhalten (5,19 f.: ejuatoecpeiv, ocp^eiv). Spiegelbildlich zeigen das ebenfalls die Gerichtsaussagen: Barmherzigkeit wird sich gegen das Gericht durchsetzen (2,13); rechtes Gemeinschaftsverhalten und eindeutige Rede entheben dem Gericht (5,9.12). Gott kann freilich auch ins Verderben bringen, nicht nur retten (4,12); das ist gegenüber einem Mißbrauch der Güte Gottes zu betonen. Die Begrifflichkeit »rechtfertigen/Gerechtigkeit« (2,21.23.24.25) wird im Kontext der offenbar umstrittenen Auslegung von Gen 15,6 benutzt; Jak greift sie angesichts der Begründung der Rechtfertigung auf: »nicht aus Glauben ohne Werke«. Als Interpretamente erscheinen »nützen, retten« (2,14-17) und »Freund Gottes ge nannt werden« (2,23). Gerade letzteres, also die uneingefärbte gute Beziehung zu Gott ist Ausdruck des Heils (vgl. 4,4). 2. Die Eschatologie ist für Jak zwar kein eigenständiges Thema, aber gleichwohl ein wichtiger Aspekt, und zwar als Zielpunkt des »Menschen auf dem Weg«. Das hat Auswirkungen auf die Ethik, die entsprechend eine »Ethik auf dem Weg« ist (s. o. 1 . 2 ^ 7 ) ; deswegen spielen Ausdauer und Geduld eine große Rolle (1,3 ff; 5,7 ff). Das Eschaton umfaßt positive wie kritische Elemente, Vollendung wie Gericht. Verhei ßung und Verpflichtung signalisieren »vollkommen und unversehrt« (1,4) und »Kranz des Lebens« (1,12). Positive Zielangaben enthalten zudem die ocp^eiv-Aussagen (speziell 1,21; 2,14; 4,12; 5,20) und »Erben der ß a ö d e i a (Gottes)« (2,5); Jak expliziert freilich diese für ihn eher überkommenen Begriffe nicht. Die »Parusie des Herrn« ist einerseits Motivation zu Ausdauer und Stärkungsmaßnahmen (5,7 f.), andererseits Warnung vor gemeinschafts-schädigendem Verhalten (5,9). Denn sie ist mit dem Gericht verbunden (5,9.12). Gottes Gericht wendet sich primär gegen nega tives zwischenmenschliches Verhalten (2,12 f.; 3,1; 4,11 f.; 5,3 f.9.12); die Konse quenzen für die Ethik liegen auf der Hand, speziell Barmherzigkeit (1,27; 2,2 ff. 13.15f.; 5,4). Das Gericht trifft ebenso die Hochmütigen und Selbstgefälligen (4,7 ff; 5,1-6); Demut und Selbsterniedrigung sind angesagt ( 1 , 9 - 1 1 ; 4,7-10). 178
1 7 7
7 8
D o r t auch Literatur. In 1 , 9 - 1 1 ist a l l e r d i n g s n i c h t a n d a s e s c h a t o l o g i s c h e G e r i c h t g e d a c h t ; s. z. St.
Inhaltliche Schwerpunkte
u n d Situation der Adressaten
25
Angesichts des unbestechlichen Gerichts ohne Ansehen der Person wird zu kritischer Selbstanalyse gemahnt (1,19 f.22-25.26 f.; 2,1 ff. 14 ff; 3,1 ff. 13-18; 4,1 ff. 11 f 1317; 5,9.12), damit man nicht der Selbsttäuschung anheimfällt, nicht zuletzt in der mißbräuchlichen Rezeption theologischer Werte, darunter Gerechtigkeit Gottes (1,20), Freiheit (1,15; 2,12), Liebesgebot (2,8 ff), Glaube (2,14-26), Lehrdienst (3,1 ff.) und Weisheit (3,13-18). Man kann das Ziel verfehlen. Zwar ist Gottes Ver heißung (1,12; 2,5) eindeutig, aber der Christ ist vor Verirrung (1,16; 5,19 f.) nicht gefeit. Falsche Heilssicherheit ist deswegen fehl am Platze. Das von Gott gesetzte Eschaton als solches ist klar; das Problem bildet der Mensch selbst (vgl. o. § 3,2). Er muß sich immer wieder am Eschaton orientieren und korrigieren. 3. Die jak Anthropologie ist relational ausgerichtet; der Mensch steht in Beziehung zu anderen. Jak legt darauf Wert, daß die Beziehungen geklärt sind und bleiben. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Ekklesiologie und auf das Verhältnis zu Gott. Weil Gott und Welt dualistisch zueinander stehen (s. o. § 4,1), muß die Beziehung des Christen zur Welt von kritischem Abstand bestimmt sein (1,27); man darf nicht »Freund der Welt« sein (4,4). Der Kosmos begegnet vor allem als Verführer zu unso zialem Streben (2,2 ff; 4,1-3.13-17; 5,1-6), speziell zu Reichtum und Prestige. Eben die Unsozialität bis hin zur Inhumanität macht das Wesen der Welt aus. Orientierung an der Welt führt zu Streit, Rücksichtslosigkeit, Chaos, Ungerechtigkeit (2,2 ff; 3,6. 19 f. 13-18; 4,1 ff; 4,13-5,6); an solchen Stellen greift Jak sogar zu einer bei ihm sonst kaum vorhandenen transzendenten Begrifflichkeit (3,6.15; 4 , 7 ) . Kosmos steht somit für eine Existenz in negativen, schädlichen Beziehungen. Der Christ soll nicht nur in Demut vor Gott Distanz zur Welt wahren (4,7 ff), sondern auch sein eigenes Verhalten überprüfen (1,26 f.; 3,1 ff. 13-18; 4,1-3). Die größte Gefährdung geht von der »Welt in ihm« aus (1,13-15; 3,5 ff; 4,1-3). Gegenüber der Orientierung hin zur Welt steht die Relation zu Gott; sie kann und soll ungetrübt und eindeutig sein, nicht »zweigeteilt« (1,8; 4,8). Das Vokabular dafür entstammt teilweise der kultischen Tra dition: »rein, heilig« usw. (1,27; 3,17; 4,8), teils der forensischen: »gerecht, unvorein genommen, untadelig« usw. (1,20; 2,1.8 ff. 21-25; 3,1 f.; 4,9 f.; 5,9.12). Die Relation zu Gott, dem Vater, soll gekennzeichnet sein durch Glaube (1,6), Demut (4,7 ff.) und Gerechtigkeit (5,16); dann steht das Gebet unter der Erhörungs-Verheißung (1,5 ff; 4,1-3; 5,13 ff). Wesentlicher als die individuelle Relation zu Gott (so 1,5-8; 5,13) ist für Jak die kollektive, also unter Einbeziehung der Mitmenschen und speziell Mit christen. Die Menschen sind xaO' ÖUXHOOÖIV Oeoü geschaffen (3,9); diese einzige Stel le mit dem Motiv »imago Dei« wendet sich gegen das Verfluchen von Menschen und stellt zugleich klar, wie die Eulogie Gottes aussehen muß. Wie für IJoh (2,9 ff; 3,14 ff; 4,7 ff.) ist es für Jak unmöglich, daß jemand Gott liebt und die Geschwister übel behandelt (bis hin zur gleichen Konkretion: Jak 2,15 f.; IJoh 3,17). Ist die Bezie hung jedoch in beiderlei Richtung klar, so wird der Mensch ein »Freund Gottes« wie Abraham (2,23; 4,4). Dann kann Gott zu Recht »Vater« genannt werden (1,27; 3,9). 1 7 9
Die Ekklesiologie kommt bei Jak direkt nur im Kontext von Ethik und Anthropo logie zur Sprache. An kirchlichen Interna zeigt er kaum Interesse (s.o. § 1,3.2). Von
179 S. d a z u o . § 1 , 3 . 5 .
Einleitung
26
Bedeutung sind einmal die Beziehungen untereinander, besonders bei unterschied lichen Gruppierungen; zum anderen die Verantwortung und Hilfe innerhalb der Kir che. Aspekte des Status (1,9-11) und des Wohlstands bzw. Ansehens (2,2fT.15f.) können sich spalterisch auswirken; das Streben nach Reichtum und Anerkennung untergräbt die Gemeinschaft und deren Basis (2,4 ff.; 3,13-18; 4,1 ff 13-17; vgl. 5,1-6). Der Friede in der Gemeinde wird gestört (3,13-4,3). Rechtes ekklesiales Ver halten dagegen stärkt die Kräfte der Gemeinschaft (5,7 ff); man baut einander auf, statt gegeneinander zu »seufzen« (5,9); die Wahrhaftigkeit ist unangefochten (3,14; 5,12). Nachdruck wird auf die Hilfe füreinander im Gebet gelegt, speziell im Fall von physischer Bedürftigkeit (5,14 ff). Gerade darin liegt die Aufgabe der »Presbyter der Gemeinde«. Solche Gebetshilfe betrifft nicht zuletzt die Bewältigung von Sünden, für deren Bekennen untereinander in der Gemeinde ein angstfreier Raum sein muß (5,16). Vordringlichster Dienst in der Gemeinschaft ist geradezu die Hilfe gegenüber gefährdeten Mitchristen (5,19 f.). Die anthropologische Erkenntnis, daß der Mensch sich selbst gefährdet, indem er sich selbst betrügt, schlägt sich auch auf die Ekklesiologie nieder; der Jak-Brief ist aus diesem Grund vor allem ein Dokument theologischer Seelsorge an der Gemeinde und ihren Gliedern. Wichtig ist solche Seelsorge besonders gegenüber den in der Kirche Verantwortlichen. So entwickelt Jak in 3,1 ff. Leitgedanken für die »Lehrer«, prägt doch ihr Wort, ihr Verhalten und Vorbild das Miteinander. Auch hier ist kritische Selbstanalyse angezeigt und die Frage der persönlichen sowie geistlichen Integrität (angesichts von Segen und Fluch: 3,9 f.) zu stellen. Davon betroffen ist auch die Verquickung zwischen Status-Fragen in der Kirche und in der Gesellschaft (vgl. o. § 4,2; § 4,3.1; § 4,4.1-2). U m Unfriede, Chaos und Parteiengeist zu vermei den, müssen die Verantwortlichen nach der Quelle ihrer Weisheit gefragt werden (3,13-18). Welche Auswirkungen Gottes Weisheit hat und wie Kirche deshalb aus sehen soll und kann, ist eindeutig (3,17 f.; der Kontrast folgt in 4,1 ff.). Damit die christliche Gemeinschaft Kirche des Wortes (vgl. 1,18 ff.) bleiben kann und nicht zur Kirche der leeren bzw. schädlichen Wörter verkommt (1,22 f.; 2,2 ff. 14 ff; 3,1 ff), ist die Besinnung auf den rechten Umgang mit dem Wort Gottes ekklesiologisch essentiell (vgl. o. § 4, 2). 180
Z u m V e r s t ä n d n i s v o n J a k 3 s. d i e A u s l e g u n g v o n 3 , 1 - 1 2 ( m i t E i n f ü h r u n g P k t . 6 ) u n d 3 , 1 3 - 1 8 ( m i t d e n V o r b e m e r k u n g e n zu 3 , 1 3 - 1 8 ) .
Traditionen
27
§ 5 Traditionen Kaum eine Zeile bei Jak ist ohne irgendeinen Traditionsbezug. Ständig finden sich Gedanken, Motive, Formulierungen, Vokabeln alttestamentlicher, jüdischer, jüdisch hellenistischer, griechischer und frühchristlicher H e r k u n f t . Es findet sich wenig Neues oder wirklich Originales bei Jak. Daraus ergibt sich eine dreifache Frage: (a) Was hat Jak übernommen? (b) Woher bezog er das Material? (c) In welcher Weise arbeitete er es e i n ? 3 - Die augenfälligsten Berührungen bestehen zu einigen mehr oder minder ausgewiesenen AT-Stellen; zur weisheitlichen und prophetischen Tradi tion; zur Jesus-Tradition; zu IPetr, Hebr, Joh; zu Paulus; zu frühchristlichen Schriften vor und nach 100 n. Chr.; zu diversen hellenistischen Materialien. Es empfiehlt sich, den Befund differenziert zu registrieren. 181
182
lg
1. Altes Testament
und jüdische
Tradition 184
Altes Testament und jüdische Tradition sind in abgestufter Darbietung vertreten. 1. Dreimal zitiert Jak »die Schrift« (f| ygayr]), zweimal als »redend« (2,23; 4,5), einmal mit »gemäß« (2,8). Jedesmal folgt ein atl. Satz: Lev 19,18 in Jak 2,8; Gen 15,6 in 2,23; Prov 3,34 in 4,6. Nirgendwo erfolgen Angaben über Fundort oder Autor (auch nicht »im Gesetz« o. dgl.). Ferner bringt 2,11 die theozentrische Aussage »der da sagte - sagte auch«; es folgt der Anfang der 2. Dekalogtafel Ex 20,13 f.; Dtn 5,17 f. Ahnlich ist in 4,11 f. vom »einen Gesetzgeber und Richter« die Rede, aber ohne Schriftwort. Ebenfalls erwähnt Jak mehrere biblische Personen: 2,21-23 Abraham, Isaak; 2,25 Rahab; 5,10 »Propheten«; 5,11 Hiob; 5,17 f. Elia. Das meiste Material findet sich also in Jak 2 und im Schlußabschnitt 5,7-20. 2. Darüber hinaus gibt es eine Anzahl von »biblischen Wendungen« - wie z. B. »in die Ohren des Herrn Zebaoth« (5,4) oder »das Gras verdorrte« (1,10 f.). Manche For scher 85 vertreten die Meinung, Lev 19 sei nicht nur in 2,8 zitiert, sondern stehe auch sonst mehrfach im Hintergrund: Lev 19,12 in 2,7 bzw. in 5,12; V. 13 in 5,4; V. 19 in 2,1.9; V. 16 in 4,11; V. 17b in 5,20; V. 18a in 5,9 (neben V. 18b in 2,8). Auch zu diversen anderen Stellen des AT hin hat man Verbindungen aufzuzeigen versucht; so 1
1 8 1
I m w e i t e r e n S i n n s t e h t J a k hier in d e r T r a d i t i o n d e r » h e l l e n i s t i s c h e n M o r a l i s t e n « ; vgl. M a l h e r b e , E x h o r t a tion, Moralists; M a l i n a ; M e e k s ; Betz, Lukian; Hartlich; d a z u n o c h Einzelstudien wie A m s t u t z ; A u n e , N a t u re; C o l l i n s , A t h e n s ; W e l t i n ; F i o r e ; F i t z g e r a l d , Perjury; G i l l ; H e i l i g e n t h a l ; J o h n s o n , N o v T 1 9 8 3 ; K e n n e d y ; K o l l m a n n , Schwurverbot; Perdue, Sage.
1 8 2
Dibelius, K E K 3 6 , Geschichte 1 4 1 , spricht (im Z u s a m m e n h a n g von Paränese) von geradezu internationa ler T r a d i t i o n . V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 9 ff.; K o n r a d t , T h e o l o g i e ; N e u e r W e t t s t e i n ; Fay; D a v i d s , T r a dition.
183 V g l . P o p k e s , S c r i p t u r e . 1 8 4
M a t e r i a l bei C a n t i n a t , E p i t r e s 1 7 - 2 0 . H a n s o n , U t t e r a n c e s n o t i e r t e 1 9 8 3 ; » N i e m a n d h a t bisher, s o w e i t ich w e i ß , ein g a n z e s W e r k d e m S c h r i f t g e b r a u c h in J a k g e w i d m e t . . . « ( 1 4 6 ) .
1 8 5
J o h n s o n , L e v i t i c u s , A n c B p a s s i m ; z u r ü c k h a l t e n d e r H a n s o n , U t t e r a n c e s 1 4 7 . J o h n s o n m e i n t , es g e b e e i n e n cluster effect ä h n l i c h w i e bei P s P h o k y l i d e s 9 - 2 1 ( L e v i t i c u s 3 9 2 f.). A u c h G i e r e i n t e r p r e t i e r t J a k als e i n e n M i d r a s c h ü b e r L e v 1 9 , m i t b e s o n d e r e m H i n w e i s a u f d a s » k ö n i g l i c h e G e s e t z « ; J a k vertrete » e i n r a d i k a l e s V e r s t ä n d n i s v o n R e i n h e i t u n d E i n b e z i e h u n g in d i e G e m e i n s c h a f t « ( 1 0 6 ) .
Einleitung
28 186
z. B. in 3,17 f. zu Jes 3 2 , 1 5 - 1 7 . Sogar Midraschim hat man vorgeschlagen (Nähe res in § 6,1.2). Die Midrasch-Form bietet sich jedoch aufgrund der Kürze der jak Aussagen kaum an. 3. Daneben gibt es eine Reihe von nicht aufgezeigten Übernahmen, speziell aus den deuterokanonischen Schriften des AT (Apokryphen). Mit großer Sicherheit beziehen sich z. B. Jak 1,2 ff. auf Sir 2 und Jak 1,13-15 auf Sir 15,11 ff; aber Jak läßt davon nichts erkennen. Weitere Berührungen finden sich etwa zwischen Jak 1,27-2,1 und Sir 35,12 ff. u. ä . Auch andere primär weisheitliche Literatur (Weish, Test XII u. a.) wird aufgegriffen - aber nie als (heilige) Schrift o. dgl. behandelt. Mögli cherweise war der Kanon des Jak ähnlich wie bei Paulus auf die Schriften des hebräi schen AT begrenzt, sofern wir angesichts der schmalen Textbasis hier von einem Kanon reden dürfen. 4. Nicht anders stellt sich die Lage hinsichtlich der atl. Pseudepigraphen ? und Philos von Alexandrien dar; ebenso der sonstigen jüd. Tradition ^, vor allem also des Bereichs von Haggada, Midrasch, Legende, Typologie, Allegorie, Paraphrasen u s w . Besonders die atl. Figuren bei Jak scheinen davon geprägt worden zu sein; so etwa Abraham in J u b 228-230 und im T a l m u d 3 ; desgleichen Rahab oder E l i a , wie auch andere Stellen im N T zeigen. So findet sich z. B. die Zeitangabe bei Elia »3 li Jahre« nicht im AT, aber in der Tradition, speziell Lk 4,25 f. Der Einfluß der Pseudepigraphen usw. bei Jak ist spürbar, wird allerdings niemals erkennbar gemacht. Jede Angabe bedarf zudem der eigenen Nachprüfung, was Jak voraussetzt. 5. Es ist eine alte Streitfrage, in welcher Form Jak das Material rezipierte. Uberwie gend nimmt man an, daß dies in eher mündlicher Weise geschah, nicht durch Rück griff auf Schriften (wie Sir) d i r e k t . Selbst dort, wo die Berührungen recht eng sind (wie eben bei Sir), ist die Verwendung durch Jak fragmentarisch und auswahlhaft. Trotzdem kann man nicht sagen, er habe die vielen Stücke - auch säkularer Herkunft - total amalgamiert und internalisiert, so daß sie gar nicht mehr als Ubernahmen spürbar wären. Sie hinterlassen vielmehr ständig Spuren; der bekannte stichworthaft und sprunghaft erscheinende Schreibstil des Jak erklärt sich zum nicht geringen Maß 1 8 7
188
1 8 9
1
0
1
192
19
x
194
195
196
1 8 6
H a n s o n , Utterances 1 4 7 - 1 5 5 .
1 8 7
S . b e s o n d e r s F r a n k e m ö l l e , T h e m a , Ö T K 8 5 u n d p a s s i m ( d o r t 6 4 1 a l l e r d i n g s a u c h d a s E i n g e s t ä n d n i s , bei 4 , 1 3 ff. k ö n n e e i n e literarische A b h ä n g i g k e i t v o n Sir 3 9 , 1 6 - 3 5 n i c h t b e w i e s e n w e r d e n ) .
188 V g l
v
o
n
L i p s ; K ü c h l e r ; Zeller; C o l l i n s , W i s d o m .
189 V g l . P o p k e s , S c r i p t u r e 2 1 8 ; K o c h 3 3 . 4 7 . 1 9 0
Davids, Pseudepigrapha.
1 9 1
V g l . d i e teilweisen B e r ü h r u n g e n e t w a m i t P s P h o k y l i d e s ; d a z u s. B o t t i n i ; v a n d e r H o r s t , P s e u d o - P h o c y l i d e s , Sentences; T h o m a s , Phokylides.
1 9 2
H a n s o n , Utterances 1 4 7 - 1 5 5 .
1 9 3
H a n s o n , U t t e r a n c e s 1 4 7 ff.; W a r d , A b r a h a m ; Penner, E p i s t l e 6 3 - 7 0 .
1 9 4
H a n s o n , R a h a b , R e p o r t 5 2 7 , U t t e r e a n c e s 1 5 4 f.; Y o u n g . Z u Elia: J o y n e s ; M . O h l e r , E l i a i m N e u e n T e s t a ment. U n t e r s u c h u n g e n zur B e d e u t u n g des alttestamentlichen Propheten i m frühen C h r i s t e n t u m , Berlin ( d e G r u y t e r ) 1 9 9 7 ; d e r s . , G e s t a l t e n 1 8 4 - 2 0 3 . E i n z i g H i o b w i r d i m N T n a m e n t l i c h n u r hier e r w ä h n t . V g l . d a z u H a a s ; J o a c h i m J e r e m i a s , T h W N T II 9 3 0 - 9 4 3 ; J a n L a m b r e c h t , E W N T II 2 8 5 - 2 9 0 . D i e S t u d i e v o n Hainthaler bezieht sich a u f den Inhalt des H i - B u c h e s , nicht a u f die Person.
1 9
5 M a t e r i a l bei S t r . - B . I I I 7 6 1 .
1 9 6
S o D i b e l i u s , K E K 4 3 f.: m i t t e l s P r o p a g a n d a , P r e d i g t usw.; H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 3 ; P o p k e s , S c r i p t u r e 2 1 9 ff.
Traditionen
29
auch aus der Verarbeitung von Traditionssplittern, die er aus verschiedenen »Quellen« (u. a. Florilegien, Sekundärübernahmen, Notizen) erhielt. Man gewinnt den Ein druck, Jak habe sich eine Art Zettelkasten angelegt ^ 7 , aus dem er sich dann bedient - zuweilen auch mit nicht gerade glücklicher H a n d . Jedenfalls geht er mit seinen Quellen nicht schonend um, sondern benutzt sie ad libitum. 6. Sogar die atl. Zitate könnten auf sekundäre Rezeption zurückgehen. Für die damalige Zeit war der Zugang zu umfangreicheren Quellentexten alles andere als selbstverständlich, auch hinsichtlich des A T . Oft mußte man sich mit Exzerpten, Testimonien, Florilegien und anderen Sekundärquellen behelfen. Jak teilt zwei sei ner ausdrücklich ausgewiesenen Schriftbelege mit Paulus. Bei Gen 1 5 , 6 ist das für das N T sogar exklusiv der Fall, auch wenn die Nennung von Isaaks Opfer und von Rahab bei Paulus fehlen. Ebenso ist die Art der Aufnahme von Lev 19,18 als Krone des Gesetzes, separat (nicht als Teil des Doppelgebotes) und in Kombination mit der 2. Dekalogtafel verwendet, nur diesen beiden gemeinsam (s. z. St.). Das dritte Zitat (Prov 3,34) teilt Jak mit IPetr 5,5, zudem in einem ähnlichen Sachkontext (s. z. St.). Es ist somit durchaus möglich, wenn nicht gar wahrscheinlich, daß Jak sein atl. Mate rial, das ohnehin polemisch eingesetzt wird, der frühchristlichen Tradition (evtl. sogar den einschlägigen Schriften) entnahm; er reicherte es dann mit weiteren Facetten der allgemeinen AT-Rezeption an (wie z. B. über Rahab; vgl. Hebr 11 u. a . ) . 1 9 8
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2.
Weisheitstradition
Es steht außer Frage, daß Jak stark von der weisheitlichen Tradition des (hellenisti schen) Judentums beeinflußt wurde, wie die mancherlei Beziehungen zu Prov, Pss, Weish, Tob, Sir, Test XII, Philo, PsPhokyl u. a. zeigen. °3 Vielfach handelt es sich dabei um eine praxis-orientierte Ausrichtung. Eine andere Frage ist, ob Jak eine weis heitstheologische Linie vertritt und, wenn ja, welche. 2
197 V g l . D i h l e 2 0 1 z u P l u t a r c h s A r b e i t s w e i s e . - J a k w ä r e d e m n a c h m e h r in d e r g r i e c h i s c h e n B i l d u n g z u h a u s e als in d e r j ü d . - r a b b i n i s c h e n m i t ihrer B e v o r z u g u n g d e r m ü n d l i c h e n T r a d i t i o n . W i r g e r a t e n d a m i t a l l g e m e i n a u f d a s T e r r a i n v o n M ü n d l i c h k e i t u n d Schriftlichkeit; s. d a z u B i n d e m a n n 2 1 6 f.; G e r h a r d S e l l i n / F r a n c o i s V o u g a ( H g . ) , L o g o s u n d B u c h s t a b e . M ü n d l i c h k e i t u n d Schriftlichkeit i m J u d e n t u m u n d C h r i s t e n t u m der A n t i k e ( T A N Z 2 0 ) , T ü b i n g e n / B a s e l (A. F r a n c k e ) 1 9 9 7 ; J o a n n a D e w e y ( H g . ) , O r a l i t y a n d T e x t u a l i t y in Early Christian Literature (Semeia 6 5 ) , Atlanta (Scholars) 1995; M a r t i n Hengel, J u d e n t u m u n d Helle n i s m u s ( W U N T 1 0 ) , T ü b i n g e n ( M o h r ) 3 . Aufl. 1 9 8 8 , 1 2 0 ff. 1 9 8
D a s b e o b a c h t e t m a n m . E . g e r a d e a n s c h w i e r i g e n Stellen w i e 1 , 9 - 1 1 ; 3 , 5 f.; 4 , 5 f. (s. d a z u P o p k e s , C o m p o s i t i o n 9 9 - 1 0 3 ) ; vgl. z u d e n S t .
199 V g l . a l l g e m e i n K o c h . 200 V g l . J o h n s o n , A n c B 2 8 ; E k k e h a r d M ü h l e n b e r g z u d e n g r i e c h i s c h e n F l o r i l e g i e n : T R E 11 ( 1 9 8 3 ) , 2 1 5 - 2 1 9 , u n d F r a n z B r u n h ö l z l z u d e n l a t e i n i s c h e n : e b d . 2 1 9 - 2 2 1 . F ü r Q u m r a n ist 4 Q 1 7 4 ( F l o r i l e g i u m ) u n d
4Q
1 7 5 ( T e s t i m o n i a ) z u registrieren; vgl. M a i e r , Q u m r a n - E s s e n e r II 1 0 2 - 1 1 0 . 2 0 1
V g l . H a h n , G e n e s i s ; M o s i s ; d e s w e i t e r e n n o c h A n d r e a s L i n d e m a n n , D i e S c h r i f t als T r a d i t i o n . B e o b a c h t u n g e n z u d e n b i b l i s c h e n Z i t a t e n i m E r s t e n K o r i n t h e r b r i e f , in: K n u t B a c k h a u s / F . G . U n t e r g a ß m a i r ( H g . ) , Schrift u n d Tradition ( F S J o s e f Ernst), Paderborn (Schöningh) 1 9 9 6 ,
199-225.
202 V g l . P o p k e s , S c r i p t u r e . 203 S . d a z u d i e Ü b e r s i c h t e n bei H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 2 - 4 6 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 8 1 f. 5 6 1 - 5 7 1 u n d p a s s i m ; B a a s l a n d , S t T h 1 9 8 2 , A N R W 1 9 8 8 ; K l e i n 2 4 - 2 6 ; K o n r a d t , T h e o l o g i e 6 5 - 7 2 ; M ä r z 5 1 ff.; B u r c h a r d , H N T E x k u r s » D i e R o l l e d e r W e i s h e i t « ; ferner: H a l s o n ; K i r k ; B a c k h a u s ; B a u c k h a m , W i s d o m ; B i n d e m a n n ; B o t t i n i , S e n t e n z e ; C a r p e n t e r ; C h a f f i n ; C o l l i n s , W i s d o m ; Fay; G i l b e r t ; G o w a n ; H a r r i n g t o n ; H a r t i n , wise;
Einleitung
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2
1. A n g e s t o ß e n w u r d e die F r a g e in neuerer Z e i t n a c h Vorarbeiten v o n H a l s o n , K i r k u. a . ° 5 d u r c h eine g a n z e R e i h e v o n A u t o r e n . U. Lucks A n s a t z k ö n n t e m a n existenz-theologisch n e n n e n . D a s S c h l ü s s e l m o t i v sei »weise w e r d e n d u r c h die E r f a h r u n g des L e b e n s u n d L e i d e n s « (vgl. J a k 1,24) 207 D C h r i s t / d e r G l a u b e erreiche d u r c h L e i d e n u n d A n f e c h t u n g die V o l l k o m m e n h e i t . W ä h rend m a n n a c h j ü d . Vorstellung d u r c h d a s G e s e t z zur Weisheit g e l a n g e , g e h ö r e n für J a k o b u s G l a u b e u n d Weisheit z u s a m m e n , w o b e i G l a u b e d a s » D u r c h h a l t e n in der A n f e c h t u n g , i m L e i d e n « sei u n d d a s » L e i d e n als V e r s u c h u n g u n d A n f e c h t u n g « gerade a m G e b o t entstehe, u n d zwar als L e i d e n dessen, »der trotz seines R e c h t t u n s l e i d e t « . J e s u s h a b e »diesen W e g des G l a u b e n s als nicht zwei felnden Vertrauens e r ö f f n e t « . — R. Hoppes Sicht ist ähnlich: » I m G l a u b e n teilt sich die v e r b o r g e ne Weisheit G o t t e s m i t , die d e m M e n s c h e n eschatologische Verheißung zuspricht, i m G l a u b e n m u ß der M e n s c h die Weisheit, welche er e m p f a n g e n hat, aufgreifen u n d j e n e u verwirklichen.« D i e Weisheit ist d u r c h die E r p r o b u n g des » G l a u b e n s , die zur V o l l k o m m e n h e i t fuhren soll, erreich bar« ; zugleich e r m ö g l i c h t sie als G a b e d a s B e s t e h e n der E r p r o b u n g . H o p p e identifiziert z u d e m die Weisheit g e r a d e z u m i t C h r i s t u s als d e m » H e r r n der H e r r l i c h k e i t « . Z u m i n d e s t in der A n n ä h e r u n g treten d a m i t Weisheit, G l a u b e u n d C h r i s t u s in dieselbe Perspektive. - A u c h P. J. Hartin, der d e n Einfluß v o n Q a u f J a k aufzuweisen b e m ü h t ist (vgl. u. § 5,2.3 ) , m e i n t , J a k identifiziere die Weisheit m i t J e s u s , der als zur R e c h t e n G o t t e s E r h ö h t e r die R o l l e der Weisheit a u s ü b e . J a k g e h e darin über Q h i n a u s , w o J e s u s (nur) der B o t e der Weisheit sei, w ä h r e n d M t J e s u s s o g a r in der R o l le der inkarnierten Weisheit sehe. - G a n z a n d e r e W e g e beschreitet W. Bindemann. E r erkennt einen Konflikt zwischen J a k u n d seinen A d r e s s a t e n u m die Weisheit. Letztere hätten sich als Weisheits lehrer verstanden; ihre Weisheit h a b e k o s m i s c h - s p e k u l a t i v e (s. 1,17f.) u n d m a g i s c h e ( 5 , 1 2 ff.) Z ü g e g e h a b t ; sie sei z u m H e r r s c h a f t s i n s t r u m e n t v e r k o m m e n ( 2 0 0 ) . J a k »ist nicht a n ihren i d e o l o g i schen P r ä m i s s e n interesssiert«, s o n d e r n will » a u f Verhaltensweisen seiner Leser Einfluß n e h m e n « ( 1 9 5 ) . J a k m a c h e deutlich, d a ß die sozialen M i ß s t ä n d e bei d e n A d r e s s a t e n » A u s d r u c k einer frag w ü r d i g e n F r ö m m i g k e i t s i n d « ( 2 0 0 ) . O b m a n freilich die G e g n e r p o s i t i o n in dieser W e i s e rekon struieren k a n n , ist m . E . zweifelhaft (s. z. S t . ) ; die j a k R e p l i k bliebe z u d e m seltsam blaß. 2 0 6
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2 . H. Frankemölle, der J a k weithin als »eine relecture v o n J e s u s S i r a c h « l i e s t , äußert sich h i n sichtlich einer W e i s h e i t s - T h e o l o g i e z u r ü c k h a l t e n d e r . F ü r J a k sei Weisheit »nicht als allgemein 216
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H o p p e ; v a n d e r H o r s t , P s e u d o - P h o c y l i d e s ; d e J o n g e ; K ü c h l e r ; v o n L i p s ; L u c k , Weisheit, J a k o b u s b r i e f , T h e o l o g i e ; Perdue, S a g e ; Reese; S i m o n ; Verseput, W i s d o m ; Wall; Zeller. F r a n k e m ö l l e , Ö T K 8 6 , notiert, d a ß bereits 1 8 3 2 d i e Parallelen z u Philo d u r c h M . S c h n e c k e n b u r g e r z u s a m m e n g e s t e l l t w u r d e n , später bestätigt d u r c h C . Siegfried, Philo v o n A l e x a n d r i e n als Ausleger des A l t e n Testaments, Jena 1875 (Neudruck Aalen 1970). Ältere L i t e r a t u r bei L u c k , T h e o l o g i e 10; C a r p e n t e r ; s. ferner D i b e l i u s , K E K 3 5 - 4 3 : S i d e b o t t o n 4 f.; B a a s l a n d , S t T h 1 9 8 2 , 1 2 3 f.; K ü c h l e r 5 6 9 ; M u ß n e r , Tauflehre 2 4 8 f.; v o n L i p s , speziell 4 0 9 ff. Vgl. dazu Mußner, Jakobusbrief 2 5 3 - 2 5 8 ; Klein 24-26; Konradt, Theologie 6 5 - 7 2 ; Frankemölle, Ö T K 5 6 4 ff.; H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 2 ff.; P o p k e s , A d r e s s a t e n 2 4 ff. - Felder, W i s d o m , v e r k n ü p f t die F a k t o ren Weisheit, G e s e t z u n d »social c o n c e r n « bei J a k . E r versucht, d e n »ethischen P r a g m a t i s m u s « des J a k ver ständlich z u m a c h e n . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 3 , finden sein E r g e b n i s nicht ü b e r z e u g e n d . L u c k , Weisheit 2 5 3 f. D e r s . , J a k o b u s b r i e f 1 7 1 f.; vgl. T h e o l o g i e 1 4 f. » D i e i m d u r c h h a l t e n d e n G l a u b e n in der E r f a h r u n g des L e i d e n s g e w o n n e n e Weisheit g i b t d e m M e n s c h e n d i e Fähigkeit, in der Welt, d i e d u r c h U n r e c h t g e k e n n z e i c h net ist, n a c h d e m G e b o t G o t t e s z u leben« ( J a k o b u s b r i e f 1 7 2 ) . - F ü r L u c k ist b e s o n d e r s J a k 1,2-4 u n d 3 , 1 3 18 wichtig, d a z u a u c h W e i s h 7 , 2 2 - 3 0 u n d Sir 6 , 2 3 - 3 1 . 3 7 ; vgl. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 2 . D e r s . , J a k o b u s b r i e f 1 7 5 ; vgl. Weisheit 2 5 5 f.; T h e o l o g i e 2 3 . H o p p e 1 4 7 . V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 2 f.; K o n r a d t , T h e o l o g i e 6 6 - 6 8 ; K l e i n 2 5 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 566; Popkes, Adressaten 2 4 . Hoppe 43. D e r s . , 7 2 - 8 1 , m i t H i n w e i s a u f I K o r 2 , 8 ( 7 7 ) u n d M t 1 1 , 1 5 f. ( 8 0 f.). H a r t i n , S a y i n g s 1 3 5 . K r i t i s c h z u H a r t i n s A n s a t z : H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 4 f. B i n d e m a n n , speziell 1 9 2 - 1 9 9 .
Traditionen
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menschliches P h ä n o m e n s o n d e r n einzig u n d allein als G a b e G o t t e s « zu verstehen ( Ö T K 5 6 9 ) . J a k sei ein Vertreter einer »Weisheitstheologie« nicht aber einer Weisheitschristologie ( 5 6 8 ) . A u c h hier setze sich der theozentrische A n s a t z d u r c h . J a k ü b e r n e h m e nicht d i e T r a d i t i o n (s. Prov 8 - 9 ; W e i s h 6 - 9 ; Sir 2 4 ) der Personifizierung bzw. H y p o s t a s i e r u n g der Weisheit ( 5 7 0 ) . V o n Sir h a b e J a k »die s c h ö p f u n g s t h e o l o g i s c h orientierte Weisheitstheologie« rezipiert; er h a b e Sir vor allem des Aktionsziels w e g e n als Basis g e w ä h l t , u n d dieses sei d a s g e l i n g e n d e » L e b e n des einzelnen u n d der C h r i s t e n untereinander in der G e m e i n d e « ( 5 7 0 ) . - F ü r R. Bauckham ist J a k ein Weisheitslehrer. E r vertrete keine W e i s h e i t s - C h r i s t o l o g i e , d. h. er identifiziere J e s u s nicht m i t der personifizierten Weisheit. J a k m a c h t e sich vielmehr J e s u Weisheit zu eigen (die er aus der m ü n d l i c h e n T r a d i t i o n der J e r u s a l e m e r G e m e i n d e k a n n t e ) . J e s u s selbst lehrte »in der Weise j ü d i s c h e r sapientialer T r a d i t i o n « ( W i s d o m 3 1 ) . B a u c k h a m verknüpft d i e b e i d e n weisheitlichen Einflüsse a u f Jak: z u m einen die j ü d . paränetische Weisheitstradition (Prov, Sir u. a.) u n d z u m anderen d i e weisheitliche L e h r e J e s u ; d e n n »in g e w i s s e m S i n n waren sowohl J e s u s wie J a k o b u s j ü d i s c h e Weisheitslehrer« ( 3 0 ) . Bei J a k k o m m e es d a r a u f a n zu erfassen, wie » J a k o b u s , als ein j ü d i s c h e r Weisheitslehrer, sich d i e Weisheit J e s u aneignet u n d sie weiterfuhrt« ( 3 1 ) . J a k sei als ein » K o m p e n d i u m « zu lesen, u n d zwar vor allem v o n A p h o r i s m e n ( 1 0 8 - 1 1 1 ) . Inhaltlich unterscheide sich diese Weisheitslehre nicht v o n der J e s u in d e n S y n o p t i k e r n ; J a k entfalte einiges nur ausführlicher, vor allem » s p e e c h ethics« ( 1 0 7 ) . 2 1 7
218
3. Weisheitlichen Einfluß h a t m a n a u c h (wie stellenweise bereits e r k e n n b a r w u r d e ) v o n der Jesus-Tradition her aufzuzeigen versucht, speziell v o n der L o g i e n q u e l l e h e r , u n d zwar vielfach a u f der Basis der T h e s e v o n J . M . R o b i n s o n , H . K o e s t e r u n d J . S . K l o p p e n b o r g , w o n a c h d i e älte re S c h i c h t ( Q l ) p r i m ä r v o n weisheitlichen E r m a h n u n g e n g e p r ä g t sei, w ä h r e n d Q 2 vor allem d a s baldige Gericht v e r k ü n d e . Z w a r reflektiere J a k a u c h ü b e r d a s W e s e n der Weisheit ( 3 , 1 3 - 1 8 ) ; in erster L i n i e vertrete er j e d o c h d i e L i n i e der praktisch-weisheitlichen I n s t r u k t i o n e n für d a s Leben. M a n c h e F o r m e n seien ähnlich wie in Q, d a r u n t e r S p r u c h g u t , d i d a k t i s c h e E r m a h n u n gen, M a k a r i s m e n , Weherufe, V e r g l e i c h e . ^ U m s t r i t t e n ist freilich d a s Verhältnis zur ( G e r i c h t s - ) E s c h a t o l o g i e . W ä h r e n d H a r t i n darin eine j a k E r w e i t e r u n g der Weisheitstradition erblickt, m e i n e n a n d e r e , d i e E s c h a t o l o g i e b i l d e v i e l m e h r d e n p r i m ä r e n R a h m e n , in d e n d i e sapientialen E l e m e n t e eingezeichnet w ü r d e n . Z u g l e i c h ergibt sich d a r a u s eine R ü c k f r a g e a n d i e V a l e n z der K l o p penborgischen Konstruktion. 2 1 9
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4. Es ist fraglich, ob es so etwas gab wie eine »einheitliche weisheitliche Theologie«, auf der Jak aufbauen k o n n t e . Gemeinsam ist allen jüdisch-weisheitlichen Ansätzen das Bemühen, »den Einzelmenschen, Gesellschaft, Geschichte und Kosmos verstehen zu 225
2 1 7
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 5 7 0 ; J a k d u r c h b r e c h e z u d e m » d i e kultische O r i e n t i e r u n g v o n J e s u s S i r a c h u n d dessen B i n d u n g der Weisheit a n einen b e s t i m m t e n S t a n d « . B a u c k h a m , W i s d o m 3 1 , m i t B e z u g a u f seine R e z e n s i o n v o n H a r t i n , Sayings: J T S 4 4 ( 1 9 9 3 ) , 2 9 8 - 3 0 1 . H o p p e 1 1 9 - 1 2 2 , speziell 1 2 1 f. z u d e n B e r ü h r u n g e n m i t der Q - Ü b e r l i e f e r u n g der m a t t h ä i s c h e n G e m e i n de. K r i t i s c h z u solch e i n e m H i n t e r g r u n d : Penner, Epistle 1 1 6 - 1 2 0 ; B a u c k h a m , W i s d o m 3 1 . F o r s c h u n g s b e r i c h t b e i C h r i s t o p h e r M . T u c k e t t , Q a n d t h e H i s t o r y o f E a r l y Christianity. S t u d i e s o n Q, E d i n b u r g h ( C l a r k ) 1 9 9 6 , 6 4 ff.; a u c h zu A . D . J a c o b s o n ( 6 2 ff.). - D a s meist-zitierte W e r k ist J o h n S. K l o p p e n b o r g , T h e F o r m a t i o n o f Q: Trajectories in A n c i e n t W i s d o m C o l l e c t i o n s ( S t u d i e s in A n t i q u i t y a n d C h r i s t i a n i t y ) , P h i l a d e l p h i a (Fortress) 1 9 8 7 . V g l . z. B . J a c k s o n - M c C a b e , D i a s p o r a 5 0 4 ; H a r t i n , S e r m o n , S a y i n g s , wise. K r i t i s c h d a z u : Penner, Epistle 1 1 6 - 1 2 0 . V g l . H a r t i n , wise 4 8 8 - 4 9 0 . H a r t i n , wise 4 9 9 ; J a c k s o n - M c C a b e , D i a s p o r a 5 0 5 - 5 0 8 . 3 H a r t i n , wise 4 8 4 - 4 8 8 . J a c k s o n - M c C a b e , D i a s p o r a ; Penner, Epistle 1 1 6 - 1 2 1 . 5 M i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 8 3 , g e g e n v o n L i p s 4 3 7 A n m . 2 1 6 . Z u r V o r g e s c h i c h t e s. Küchler. - L u c k geht z u stark v o n e i n e m d e m J a k » v o r g e g e b e n e n weisheitlichen H o r i z o n t « a u s ( J a k o b u s b r i e f 1 7 9 ) ; vgl. m e i n e K r i tik: P o p k e s , A d r e s s a t e n 2 6 f. B u r c h a r d , H N T 1 5 7 f.: »Weisheit fehlt i m T h e m a s a m t z u g e h ö r i g e m erstem H a u p t t e i l ( 1 , 2 - 4 ; 1 , 1 2 - 3 , 1 1 ) ... Z u d e m m u ß sie erbeten w e r d e n , w a s J a k v o n W o r t , G e s e t z , k o m m e n d e m C h r i s t u s nicht s a g t . . . Weisheit g e h ö r t also nicht zur G r u n d a u s s t a t t u n g des C h r i s t e n u n d spielte bei seiner
2 1 8
2 1 9
2 2 0
2 2 1
2 2 2
2 2
2 2 4
2 2
Einleitung
32
226
wollen und daraus Handlungsanweisungen abzuleiten«. Bei Jak fällt jedoch bereits auf (s. o. § 1,3), wie viele Lebensbereiche, die sonst für die weisheitliche Ethik wichtig sind, unerwähnt bleiben, darunter der häuslich-familiäre Bereich, Freundschaft, Sexualität, Fleiß/Faulheit. Jak rezipiert die praktisch-weisheitliche Tradition zu aus schnitthart , als daß man den Brief einfach als »Weisheitsschrift« bezeichnen könnte. ^ Das gilt auch für die fraglos zu registrierenden Formparallelen, ebenso aber auch für die Rezeption des Jesus-Materials, wobei die Verbindung mit eschatologischen und anderen Elementen letztlich gegen eine doppelte Q-Rekonstruktion spricht. Fraglos verwendet Jak weisheitliche Tradition; aber er wendet sich nicht an »meine Kinder« (o. ä.) im Stil der Weisheit. Er belehrt nicht in der Art der proverbialen Weisheit, son dern argumentiert, warnt, korrigiert und m a h n t . 5. Die Weisheits-Theologie bei Jak, zumal in 3,13-18, wird man nicht überschätzen dürfen. Außer der Notiz in 1,5 ist dies der einzige Abschnitt zum Thema. Er betont den friedlichen Charakter echter Weisheit, die geradezu selbstverständlich als »von oben« kommend bezeichnet wird. 3i Die Weisheit erscheint hier eher als Kraft denn als Person; eine Identifizierung mit Jesus ist nicht nahegelegt. Sie wird auch nicht wirklich mit Glaube und Gebot in Verbindung gebracht. Jak geht nicht auf ein »Lei den am Gebot« u. dgl. (s. o. § 5,2.1 zu U. Luck) ein, sondern das Problem ist Streit sucht und Täuschung (gegenüber der Wahrheit und sich selbst). Weisheit erweist sich somit für Jak in der gott-gemäßen Gestaltung des Lebens, zumal des gemeinsamen Lebens (s. im übrigen z. St.). 227
228
22
230
2
3.
Jesus-Uberlieferung
Die Beziehung des Jak zur Jesus-Uberlieferung ist unverkennbar; sie wird freilich quan titativ, überlieferungsgeschichtlich und chronologisch unterschiedlich eingeordnet. 232
1. D e r U m f a n g d e r B e r ü h r u n g e n z u d e n S y n o p t i k e r n ist u n t e r s c h i e d l i c h beurteilt w o r d e n . D . B . D e p p e hat die Ergebnisse v o n 6 0 Autoren aus den Jahren 1 8 3 3 bis 1 9 8 5 zusammengestellt; insge s a m t k o m m e n sie a u f 1 8 4 Parallelen, a b e r n u r g u t 6 der A u t o r e n (also 10 % ) k o n n t e n sich a u f 4 0 Parallelen e i n i g e n , g u t 15 ( = 2 5 % ) a u f 2 5 .
2 3 3
I n j ü n g e r e r Z e i t s c h w a n k t der U m f a n g z w i s c h e n
B e k e h r u n g n o c h k e i n e R o l l e ... D i e T h e o l o g i e d e s Briefs ist a l s o als W e i s h e i t s t h e o l o g i e
nicht
sinnvoll
bezeichnet«. 2 2 6
Frankemölle, Ö T K 8 4 .
2 2 7
Vgl. v o n Lips 4 3 3 ; J a c k s o n - M c C a b e , Diaspora 507.
2 2 8
S . bereits M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 4 9 : d i e Z a h l d e r B e l e g e reicht k e i n e s w e g s a u s , u m » W e i s h e i t « als Z e n t r a l -
2 2 9
J a c k s o n - M c C a b e , D i a s p o r a 5 0 7 : n u r sehr a l l g e m e i n k a n n m a n v o n » m o r a l e x h o r t a t i o n « r e d e n .
2 3 0
Ähnlich Verseput, W i s d o m 7 0 6 .
b e g r i f F a n z u s e h e n ; vgl. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 5 .
2 3 1
B e m e r k e n s w e r t ist d i e N ä h e z u G a l 5 , 2 1 f. » F r u c h t d e s G e i s t e s « . I m ü b r i g e n w e i s t J a k 3 , 1 3 - 1 8 e i n i g e auf fällige B e r ü h r u n g e n m i t I K o r 1-2 a u f (vgl. U l r i c h W i l c k e n s , T h W N T V I I 5 2 6 ) . D e r H i n t e r g r u n d ist a l s o differenziert z u b e t r a c h t e n u n d n i c h t e i n f a c h i n einer g l e i c h s a m b e r e i t l i e g e n d e n W e i s h e i t s t r a d i t i o n z u ver orten.
2 3 2
Ü b e r b l i c k u n d L i t e r a t u r bei: H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 4 - 5 7 ; K l e i n 1 9 6 f.; M u ß n e r 4 7 - 5 2 ; H o p p e 1 1 9 -
2 3 3
D e p p e 2 3 1 - 2 5 0 , besonders 2 3 8 .
1 2 2 ; H a r t i n , S a y i n g s 1 3 9 ff., S e r m o n ; D e p p e ; P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 5 6 - 1 7 6 .
Traditionen
33 2 3 4
einer relativ i n k l u d i e r e n d e n M a x i m i e r u n g , n ä m l i c h 2 7 Stellen ( M u ß n e r ) bzw. 2 6 ( H a r t i n ) über eine A u s w a h l 18 ( H a h n / M ü l l e r ) 3 5 , 16 ( B r o w n ) 3 6 bis hin z u einer stark z u r ü c k h a l t e n d e n M i n i m i e r u n g , die außer e i n e m einzigen e i n d e u t i g e n Fall ( 5 , 1 2 / M t 5 , 3 4 - 3 7 ) n u r w e n i g e wahrscheinli c h e B e z u g n a h m e n z u l ä ß t 3 7 , n ä m l i c h : in 1,5 u n d 4 , 2 f. ( M t 7 , 7 par.); 2 , 5 ( M t 5,3 par.); 4 , 1 1 f. ( M t 7,1 par.); d a n e b e n n o c h 2 , 8 (via R o m 1 3 , 8 - 1 0 ) . Alles ü b r i g e sei der g e m e i n s a m e n j ü d . T r a d i t i o n z u z u r e c h n e n . N a c h D e p p e ( 2 3 7 f.) heißen d i e 2 5 häufigst g e n a n n t e n Parr., aufgeführt in der R a n g folge n a c h der A n z a h l ihrer Befürworter: 2
2
2
Jak
5,12
=
Mt
1,22-25
5,33-37 7,24-26
L k 6A7-49
7,7 5,3
1,5 2,5 5,2
6 , 1 9 f.
2,13 3,18 4 , 1 1 f.
5,7 5,9 7,1-2a
3,12
7,16
2,8 4,4
22,39 6,24
l,19b-10 1,6
5,22a 21,21
1,2
5,ll-12a
11,9 6,20 12,33b 6,36 6,43 6,37 6,44 10,27
Mk
12,31
16,13 11,23 6,22-23a 6,24.25b
5,1 4 , 2 f.
7,7 5.11.12b 23,12
5,10-lla 4,10
11,9 6,22.23b I4,ll;18,l4b 6,21.25b
4,9 1,4 4,4a
5,48 12,39a; 16,4a 7,11 6,34
1,17 4 , 1 3 f. 5,9b
8,38 11,13 12,16-21
24,33b
5,17
13,29b 4,25
N i m m t m a n die ( i n s g e s a m t ) z u m e i s t v o r g e s c h l a g e n e n B e r ü h r u n g e n (in der j a k A b f o l g e ) z u s a m m e n , s o ergibt sich f o l g e n d e A u f s t e l l u n g : Jak
1,2
Freude über Anfechtungen
1,4
Vollkommenheit bitten/geben
6 , 2 2 f. 6,36 11,9
Glaube/Zweifel
7,7 21,21
1,10 f.
Reichtum, wie Gras
6,30
12,18
1,17
Vater, g i b t G u t e s
11,13
1,19 f. 1,22
Ärger
7,11 5,22
Täter/Hörer
7,24
1,23
Nur-Hörer, gleicht...
7,26
6,47 6,49
1,5 1,6
2 3 4
Lk
M t 5 , 1 1 f. 5,48 Mk
11,23
H a r t i n , S a y i n g s 1 4 1 - 1 4 3 , m i t d e m V e r m e r k , n u r d i e »close a s s o c i a t i o n s a n d a l l u s i o n s « seien e i n b e z o g e n , d a n e b e n g e b e es » m a n y o t h e r m o r e general echoes o r parallels in t h o u g h t « ( 1 4 3 ) . 235 H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 4 . R . E . B r o w n 7 3 4 f. T o w n s e n d , E p i s t l e xxix läßt 11 gelten. 37 K l e i n 1 9 6 f.
2 3 6
2
34
Einleitung Jak
2,5 2,6 2,8 2,10 2,11 2,13 2,14-26 2 , 1 5 f. 3,1-12 3,12 3,18 4,4 4,4 4,8 4,9 4,10 4,11 4,13-15 4,17 5,1 5,2f. 5,5 5,6 5,7 5,8 5,9a 5,9 5,10 5,12 5,17 5 , 1 9 f.
Gott/die Armen Mt Widersacher Liebesgebot ganzes G e s e t z halten Mord, Ehebruch L o h n der B a r m h e r z i g k e i t Liebeswerke/Heil N a c k t e kleiden Zunge/Gefahr Frucht/Pflanze Friedfertige ungetreue Menschen zwei H e r r e n d i e n e n reines H e r z lachen/weinen erniedrigen/erhöhen n i c h t richten nicht i m v o r a u s s o r g e n Gutes tun E l e n d über d i e R e i c h e n R e i c h t u m , zerfressen Prasser nicht töten Warten a u f Saat nahes E n d e n i c h t g e g e n e i n a n d e r seufze n Richter vor der T ü r P r o p h e t e n als Vorbilder nicht s c h w ö r e n Elia-Beispiel Irrenden helfen
Lk
5,3.5
6,20 18,3 10,27 16,17
2 2 , 3 9 f. 5 , 1 8 f. 5,21-30
6,36
5,7 25,31-46 2 5 , 3 4 f. 1 2 , 3 6 f. 7,16-18
3,11 6 , 4 3 f.
5,9 12,39 6,24 5,8
11,29 16,13 6,25 14,11; 18,14
5,5; 2 3 , 1 2 7,1 f. 6,34
6 , 3 7 f. 12,47 6,24
6,19-21
12,33 16,19
f.
5 , 2 1 f. Mk 4,26-29 1,15 5 , 2 2 ; 7,1 24,33 5 , 1 1 f. 5,33-37
12,36-38
13,29
6,23 4,25 17,3
18,15
D i e A n k l ä n g e a n d a s M a t e r i a l der B e r g p r e d i g t / F e l d r e d e fallen b e s o n d e r s ins A u g e . D i e restlichen B e r ü h r u n g e n m i t M k - , M t - u n d L k - G u t spielen d a n e b e n eine eher beiläufige u n d u n t e r g e o r d n e t e Rolle. 2 . Traditionsgeschichtliche L i n i e n hat m a n teils eher über Q ^ , teils eher über d e n a l l g e m e i n e n Bereich des . » B e r g p r e d i g t m a t e r i a l s « , teils über die m a t t h ä i s c h e T r a d i t i o n , teils d a g e g e n viel breiter gestreut in der A u f n a h m e jüd.-christlichen M o t i v g u t s aufzuzeigen versucht. W i e bereits o b e n in § 5,2.3 notiert w u r d e , unterliegen die Versuche m i t B l i c k a u f eine b e s o n d e r e B e z i e h u n g zwischen J a k u n d einer speziellen Q - S c h i c h t (sofern es solche ü b e r h a u p t g a b ) bzw. mehreren S c h i c h t e n B e d e n k e n hinsichtlich der Rekonstruierbarkeit u n d Aufweisbarkeit. G e g e n eine b e s o n dere B e z i e h u n g zur » B e r g p r e d i g t « w u r d e eingewendet, d i e B e r g p r e d i g t sei in der v o r l i e g e n d e n F o r m erst ein m a t t h . R e d a k t i o n s p r o d u k t D a s ist so j e d o c h zu literarisch-einlinig g e d a c h t ; a u c h die B e r g p r e d i g t b e r u h t a u f T e i l s a m m l u n g e n , u n d J a k ü b e r n i m m t a u c h lediglich » B e r g p r e d i g t 2
239
8
2 4 0
2 4 1
2 4 2
2 3 8
S . o. z u H a r t i n u. a. P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 5 6 - 1 7 6 , m i t B e z u g a u f v o n C a m p e n h a u s e n , E n t s t e h u n g 1 4 0 f. S o S h e p h e r d u n d Feliks G r y g l e w i c z , L'Epitre d e St. J a c q u e s et L'fivangile d e St. M a t t h i e u : R T K 8 , 3 ( 1 9 6 1 ) , 3 3 - 5 5 . V g l . d a s Referat bei D e p p e 1 5 0 - 1 5 8 . S . a u c h H o p p e 1 1 9 - 1 2 2 . 1 V g l . K l e i n 1 9 6 ; D i b e l i u s , K E K 4 5 f. U l r i c h L u z , D a s E v a n g e l i u m n a c h M a t t h ä u s I ( E K K 1 / 1 ) , Z ü r i c h usw. ( B e n z i g e r / N e u k i r c h e n e r ) 1 9 8 5 , 1 8 5 1 8 7 ; vgl. K l e i n 1 9 6 f. u n d Penner, E p i s t l e 1 0 4 (kritisch z u H a r t i n ) . N ä h e r e s : P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 6 1 ff.
2 3 9
2 4 0
24
2 4 3
2 4 2
2 4 3
Traditionen
35
m a t e r i a l « , d a s in der einen u n d a n d e r e n F o r m in der frühen K i r c h e u m l i e f u n d b e s o n d e r s zur E i n w e i s u n g N e u g e t a u f t e r v e r w e n d e t w o r d e n sein d ü r f t e . D a n e b e n ist n i c h t z u ü b e r s e h e n , d a ß sich vieles (aus der » B e r g p r e d i g t « ) bei J a k nicht wiederfindet (z. B . die G o l d e n e R e g e l ) . B e i aller B e h u t s a m k e i t ist j e d o c h d i e N ä h e zwischen d e n b e i d e n Textbereichen n i c h t z u v e r k e n n e n . D a s betrifft nicht n u r d a s M a t e r i a l , s o n d e r n a u c h d e n w a r n e n d e n u n d k o r r i g i e r e n d e n T o n , w a s d u r c h d i e a l l g e m e i n e sachlich-situative N ä h e zwischen J a k u n d M a t t h n o c h verstärkt w i r d . - Jak b e n e n n t diese T r a d i t i o n n i e m a l s als » v o m H e r r n bzw. v o n J e s u s « h e r k o m m e n d (vgl. d a g e g e n I K o r 7 , 1 0 fF.).248 A n s c h e i n e n d liegt i h m d a r a n nichts; evtl. weiß er v o n der H e r k u n f t a u c h weiter nichts. F ü r ihn ist der sachliche G e h a l t a u s s c h l a g g e b e n d . Aufs G a n z e g e s e h e n , w i r d es zutreffen, d a ß d i e se M a t e r i a l i e n - z u s a m m e n m i t a n d e r e n , spezial sapientialen - in d e n a l l g e m e i n e n Vorrat des frühchristlichen U n t e r w e i s u n g s g u t e s eingeflossen waren; a u c h in d e n E v a n g e l i e n erhalten sie erst d u r c h d e n E r z ä h l r a h m e n einen direkten B e z u g z u J e s u s als Lehrer u n d Verkündiger. D i e A n o n y m i t ä t der Stoffe b r a u c h t also nicht z u ü b e r r a s c h e n . 2 4 4
2 4 5
2 4 6
2 4 7
2 4 9
25
3. N a c h A u f f a s s u n g verschiedener Interpreten *) verweist die B e r ü h r u n g m i t d e m J e s u s - G u t a u f eine b e s o n d e r e sachliche u n d zeitliche N ä h e zwischen J e s u s u n d d e m H e r r n b r u d e r . H i e r sei n o c h n i c h t »theologisiert« w o r d e n . Vor a l l e m die E t h i k v e r b i n d e d i e b e i d e n . Solche Schlüsse kön n e n j e d o c h allenfalls n u r unterstützendes G e w i c h t besitzen; ableiten läßt sich d i e p o s t u l i e r t e N ä h e d a r a u s nicht, s c h o n gar nicht in c h r o n o l o g i s c h e r H i n s i c h t u n d b e z ü g l i c h der Identifizierung des Verfassers. I m ü b r i g e n steht die E t h i k bei J a k sehr w o h l i m R a h m e n t h e o l o g i s c h e r E r w ä g u n g e n , die - u m i m Bereich der E v a n g e l i e n zu bleiben - d u r c h a u s d e m R e d a k t i o n s s t a d i u m speziell bei M t entspricht: D i e C h r i s t e n m ü s s e n inzwischen w i e d e r lernen, ihren G l a u b e n in d i e p r a k t i s c h e T a t umzusetzen. 2 5 1
2 4 4
P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 5 6 f f , Paränese 1 2 7 ff; vgl. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 5 f. Weiteres b e i P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 5 8 f.; u. a. der G r u n d s a t z des gleichen M a ß e s , d a s M o t i v der B l i n d h e i t , d a s Verhältnis z w i s c h e n M e i s t e r u n d J ü n g e r n , Splitter bzw. B a l k e n i m A u g e , G l e i c h n i s v o m H a u s b a u , fal sche P r o p h e t e n , zwei W e g e . Popkes, Adressaten 1 5 8 . S. d a z u § 5 , 8 . 3 . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 6 , schreiben, b e i P a u l u s sei z u differenzieren: » I n s e i n e n S t e l l u n g n a h m e n z u G e m e i n d e p r o b l e m e n beruft er sich d a n n u n d w a n n a u f d e n >Herrn< u n d zitiert J e s u s w o r t e . A b e r i n d e n p a r ä n e t i s c h e n A b s c h n i t t e n seiner Briefe, w o d i e B e r ü h r u n g e n m i t H e r r e n w o r t e n u n v e r k e n n b a r s i n d , liegen die D i n g e e b e n s o w i e i m J a k . E s h a n d e l t sich u m z u m Teil d e u t l i c h e A n s p i e l u n g e n , o h n e d a ß sie als s o l c h e k e n n t l i c h g e m a c h t w e r d e n . « M . E . w i r d hier z u einfach v o n » p a r ä n e t i s c h e n A b s c h n i t t e n « g e s p r o c h e n ; a u c h in I K o r 7 geschieht d o c h Paränese! (vgl. P o p k e s , P a r ä n e s e 1 0 u n d p a s s i m ) . D i e p a r ä n e t i s c h e R e z e p t i o n der J e s u s - W o r t e ist w a h r s c h e i n l i c h k o m p l i z i e r t e r verlaufen. Vielleicht sollte m a n zeitlich differenzieren; d a n n w ä r e der B e f u n d v o n 1 K o r 7 früher als der bei J a k e i n z u o r d n e n . 9 B u r c h a r d , G e m e i n d e 3 2 0 f.; K l e i n 1 9 7 ; H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 6 f. V g l . a u c h B a u c k h a m , W i s d o m 9 3 : » J a m e s ' i n d e b t e d n e s s t o the t r a d i t i o n o f the sayings o f J e s u s s h o u l d n o t b e u n d e r s t o o d i n t e r m s o f allusion, b u t in t e r m s o f creative a p p r o p r i a t i o n a n d r e - e x p r e s s i o n « (vgl. ä h n l i c h 1 1 1 ) . S o etwa M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 3 3 0 f.; Kittel, O r t , V ä t e r ; Penner 2 5 9 ff; A d a m s o n , J a m e s 1 6 9 ff; D a v i d s , C o m m e n t a r y 2 - 2 2 ; de r s . , J e s u s : d i e C h r i s t e n h a t t e n » t h e b a s i c t e a c h i n g o f J e s u s « m e m o r i e r t ; J a k sei » H a l a k h a a u f der G r u n d l a g e der J e s u s t r a d i t i o n « , in w e l c h e r »the oral l a w (the t r a d i t i o n ) is a m p l i f i e d a n d a p p lied t o c o n c r e t e s i t u a t i o n s b y m e a n s o f a r g u m e n t a n d O l d T e s t a m e n t exegesis«; W a c h o b / J o h n s o n . V g l . Hahn/Müller, T h R 1998, 60-64. J a k vertrete n o c h eine » a r c h a i s c h e « T h e o l o g i e (vgl. F a y 4 1 2 ) o h n e g r o ß e c h r i s t l i c h - t h e o l o g i s c h e E n t f a l t u n g . 5 Z u r E s c h a t o l o g i e vgl. e h e s t e r 1 6 - 2 0 ; Kittel, V ä t e r 6 8 ff; B a a s l a n d , S t T h 1 9 8 2 .
2 4 5
2 4 6
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2 4
2 5 0
2 5 1
2
2 5 2
2
36
Einleitung
4. Beziehungen
zu Paulus 2
Die Beziehungen zu Paulus bzw. zu einer paulinischen Tradition 53 bilden eins der klassischen Themen in der Jakobusforschung. 54 In der Regel wird es theologisch inhaltlich unter der Rubrik »Glaube und Werke« behandelt; die relative Chronologie ist damit eng verknüpft. Über 2,14-26 hinaus hat man Berührungen entdeckt, die jeweils eher traditionsgeschichtlich, theologisch oder sogar persönlich-polemisch interpretiert w e r d e n . 2
255
256
1. D i e Argumentation
in 2 , l 4 - 2 6
2 5 7
w e n d e t sich g e g e n e i n e n G l a u b e n o h n e W e r k e (die Q u a l i f i z i e
r u n g » n u r allein« b r i n g t e i n z i g J a k 2 , 2 4 ) ; sie ist a n t i t h e t i s c h k o n z i p i e r t . I m N T w i r d n u r hier u n d in R o m 4 , 3 ; G a l 3 , 6 b e i m T h e m a G l a u b e u n d R e c h t f e r t i g u n g G e n 1 5 , 6 zitiert. D e r J a k - T e x t legt nahe, d a ß eine gegenteilige Ansicht korrigiert werden s o l l .
2 5 8
D a ß d i e s e m i t P a u l u s z u t u n hat, ist
d e s h a l b sehr w a h r s c h e i n l i c h , weil g e r a d e P a u l u s s i c h p r o n o n c i e r t e n t s p r e c h e n d g e ä u ß e r t h a t . D i e beiden anderen Möglichkeiten - daß Paulus a u f J a k respondiere oder daß beide unabhängig von e i n a n d e r t h e o l o g i s i e r e n — w e r d e n d e m l o g i s c h e n G e f ä l l e n i c h t g e r e c h t . D i e relative C h r o n o l o g i e b e s t i m m t s i c h d u r c h d e n A b s t a n d z w i s c h e n d e n b e i d e n P o s i t i o n e n . I m m e r w i e d e r ist n o t i e r t w o r d e n , d a ß J a k n i c h t v o n d e n » W e r k e n d e s Gesetzes« redet; d i e D i s k u s s i o n h a t s i c h offensichtlich ver lagert, w a s a u c h für d e n G l a u b e n s b e g r i f f g i l t .
2 5 9
D i e v o n J a k anvisierte P o s i t i o n ist n i c h t d i e g e n u -
i n - p a u l i n i s c h e , s o n d e r n eine vereinseitigte, j a verzerrte. J a k k l a g t d a s ein, w a s bei P a u l u s » d e r in d e r L i e b e t ä t i g e G l a u b e « ( G a l 5 , 6 ) heißt. D i e H o m o n y m i t ä t d e s W o r t e s » W e r k « bzw. » G l a u b e « b e d e u tet n o c h k e i n e s e m a n t i s c h e Identität; J a k u n d P a u l u s m ü s s e n n i c h t ü b e r d a s s e l b e reden, a u c h w e n n sie d a s s e l b e W o r t g e b r a u c h e n .
2 6 0
Gegen e i n e s o l c h e A b l e i t u n g h a t m a n v o r a l l e m f o l g e n d e Argumente
angeführt.
2 6 1
Eine Polemik
w i e d i e s e v o n seiten d e s J a k g e g e n P a u l u s sei für d a s C h r i s t e n t u m i m 1. J h . o h n e P a r a l l e l e
2 6 2
; ein
253 V g l . als Ü b e r b l i c k : H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 7 - 5 9 ; K l e i n 1 9 7 - 2 0 4 . - Z u r s p ä t e r e n P a u l u s - J a k o b u s - R e l a t i o n v g l . L i n d e m a n n , P a u l u s 2 4 0 - 2 5 2 ; L ü d e m a n n II 1 9 4 - 2 0 5 ; S c h e n k e . R e n s b e r g e r h i n g e g e n
notiert
nichts dazu. 2 5 4
E s ist d e r m a ß e n verbreitet, d a ß m a n leichter d i e L i t e r a t u r n e n n t , d i e g e g e n d i e D o m i n a n z p r o t e s t i e r t ; s o . z. B . B a u c k h a m , W i s d o m 1 1 1 (es folgt d e n n o c h e i n A b s c h n i t t » J a m e s a n d P a u l « 1 1 3 - 1 4 0 ; P e n n e r 2 5 7 ( i m e i n z e l n e n 47-74); z u r ü c k h a l t e n d a u c h J o h n s o n , A n c B 5 8 - 6 5 .
2 5 5
H e n g e l , P o l e m i k , läßt d e n H e r r e n b r u d e r J a k o b u s z w a r in i n d i r e k t e r F o r m , a b e r m a s s i v , p e r s ö n l i c h w i e t h e o l o g i s c h , g e g e n P a u l u s n o c h z u d e s s e n L e b z e i t e n (ca. 5 8 - 6 2 ) p o l e m i s i e r e n ( 2 5 2 f . ) . S o ziele b e i s p i e l s w e i s e J a k 4 , 1 3 - 1 6 g e g e n » e i n e M e t r o p o l e n u n d P r o v i n z e n u m f a s s e n d e , l a n g f r i s t i g g e p l a n t e >globale< R e i s e s trategie, m i t m o n a t e - , j a j a h r e l a n g e n A u f e n t h a l t e n i n e i n z e l n e n G r o ß s t ä d t e n , m i t d e m Z i e l , H e i d e n u n d J u d e n z u >gewinnen«< ( 2 5 5 ) , a l s o g e g e n d a s M i s s i o n s w e r k d e s P a u l u s . Ä h n l i c h e s v e r m u t e t H e n g e l e t w a z u m S c h w u r v e r b o t ( 2 6 0 f.) o d e r z u r K r a n k e n h e i l u n g ( 2 6 1 f.); stets w ü r d e n d e s P a u l u s p e r s ö n l i c h e E i n s t e l l u n g u n d sein V e r h a l t e n a n g e g r i f f e n . — D i e s e T h e s e n h a b e n m e i n e s W i s s e n s k e i n e n A n k l a n g g e f u n d e n , u n d d a s m i t R e c h t . V g l . d i e K r i t i k bei K l e i n 2 8 f.; P e n n e r 5 1 - 5 3 .
2
56Vgl. H e i l i g e n t h a l 4 9 ff.
2 5 7
Näheres ( u n d Literatur) i m Vorwort zu 2 , 1 4 - 2 6 .
2 5 8
D i e s ist e i n w i c h t i g e s u n d v i e l f a c h v e r t r e t e n e s A r g u m e n t ; e b e n s o H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 5 7 f .
2
59 V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 3 5 f. 5 8 .
2 6 0
Hahn/Müller, T h R 1998, 4 1 .
2 6 1
A u s f ü h r l i c h u n l ä n g s t Penner, E p i s t l e 5 3 - 7 4 . - G a n z a n d e r e W e g e b e s c h r e i t e t n e u e r d i n g s H a a c k e r , J u s t i f i c a t i o n : J a k 2 , 1 4 ( » d e r G l a u b e rettet«) n e h m e k e i n p a u l i n i s c h e s M o t i v auf, s o n d e r n e i n s y n o p t i s c h e s (z. B . M k 5 , 3 4 ) . P a u l u s w e n d e s i c h i n R o m 4 g e g e n eine P o s i t i o n w i e i n J a k 2 , u n d zwar a u s j ü d i s c h e r T r a d i t i o n . J a k kritisiere a l s o viel eher P e t r u s als P a u l u s . S . d a z u i m K o m m e n t a r z u 2 , 1 4 ff.
262 Penner, E p i s t l e 5 3 - 5 5 ; allenfalls für d a s 2 . J h . sei sie d e n k b a r . D a s A r g u m e n t läßt sich a l s o für e i n e S p ä t d a tierung verwenden.
Traditionen
37
2
264
» m i r r o r - r e a d i n g « 6 3 sei a u c h generell u n z u l ä s s i g u n d u n w a h r s c h e i n l i c h . Ferner sei es schwer vorstellbar, d a ß J a k Paulus o d e r eine p a u l i n i s c h e G r u p p e d e r m a ß e n m i ß v e r s t a n d ; u n d w a r u m b e s c h r ä n k e sich d a n n die K o n t r o v e r s e a u f nur einen A b s c h n i t t bzw. A s p e k t ? Z u d e m dürfe m a n 2 , 1 4 - 2 6 nicht v o m K o n t e x t (speziell 1 , 2 2 - 2 , 2 6 ) i s o l i e r e n . D i e Parallelen seien i m ü b r i g e n gar nicht s o e i n d e u t i g klar u n d erklärten sich eher a u s g e m e i n s a m e r T r a d i t i o n , wie g e r a d e a u c h d a s Abraham-Beispiel z e i g e . A u s der S p r a c h e v o n 2 , 1 4 - 2 6 k ö n n e m a n k e i n e S c h l ü s s e für eine P a u l u s - T r a d i t i o n ziehen; d i e j a k Begrifflichkeit sei eher g e m e i n - n e u t e s t a m e n t l i c h . Ferner sei zu beachten, d a ß weite Teile v o n Rom o d e r G a l in J a k gar nicht berücksichtigt w ü r d e n ; bei einer lite rarischen A b h ä n g i g k e i t wäre ein anderer T a t b e s t a n d zu e r w a r t e n . E i n e A n a l o g i e zu solch einer B e n u t z u n g eines Paulustextes finde sich n i r g e n d s . W e d e r die A b h ä n g i g k e i t v o n Paulus n o c h eine P o l e m i k g e g e n ihn sei s o m i t zu rechtfertigen. - N u n steht u n d fällt d i e P a u l u s - J a k - R e l a t i o n keineswegs m i t einer literarischen B e n u t z u n g s h y p o t h e s e . O b J a k Paulus-Briefe (Rom, evtl. G a l , l-2Kor) kannte u n d , falls j a , wie er sie benutzte (z. B . exzerpierte), ist eine g e s o n d e r t e Frage. Z u d e m b e s c h r ä n k e n sich die B e r ü h r u n g e n nicht n u r a u f 2 , 1 4 - 2 6 , wie n o c h gezeigt w e r d e n wird. E n t s c h e i d e n d j e d o c h ist der sachliche Reflex i m S i n n v o n T h e s e (Paulus) u n d A n t i t h e s e ( J a k ) , die freilich nicht direkt erfolgte, s o n d e r n über die Z w i s c h e n s t u f e einer verwilderten P a u l u s - T r a d i t i o n . M a n sollte d e s h a l b in der T a t nicht v o n einer ami-paulinischen Polemik r e d e n . E i n i g e der e r w ä h n t e n G e g e n a r g u m e n t e lassen sich i m ü b r i g e n e b e n s o g u t für eine S p ä t d a t i e r u n g v e r w e n d e n , n ä m l i c h : Polemik, M i ß v e r s t ä n d n i s , A u s w a h l , T e r m i n o l o g i e . W e n n e i n g e w e n d e t wird, o h n e eine » a priori A n n a h m e v o n A n t i - P a u l i n i s m u s in J a k 2 « sei eine R e k o n s t r u k t i o n der notierten P a u l u s - J a k R e l a t i o n gar nicht m ö g l i c h , d a n n k a n n m a n d e n V o r w u r f leicht z u r ü c k g e b e n . W i e s o oft in der J a k - F o r s c h u n g b e r ü h r t m a n d e n Bereich v o n g e w a c h s e n e n U b e r z e u g u n g e n , unter d e n e n die A r g u m e n t a t i o n leicht S c h a d e n n i m m t . Letztlich zählen die Wahrscheinlichkeit u n d D u r c h s i c h t i g k e i t der B e f u n d d e u t u n g ; u n d diese weisen ( m . E . ) a u f eine R e a k t i o n seitens des J a k g e g e n ü b e r einer sich paulinisch gebenden Gedankenfront. 2 6 5
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A u c h theologisch sollte m a n differenziert u r t e i l e n . D a s b e g i n n t bereits d a m i t , in 2 , 1 4 - 2 6 nicht d a s theologische Z e n t r u m des Briefes zu sehen, s o gewiß d a s ein wichtiger A b s c h n i t t i s t . E b e n s o d a r f 2 , 1 4 - 2 6 nicht v o m K o n t e x t (speziell 2 , 1 - 1 3 ) separiert w e r d e n . D a s übergreifende Ziel des G l a u b e n s ist für J a k dessen B e w ä h r u n g ( 1 , 3 ; 2 , 1 ff.) in der Praxis, a u c h g e g e n ü b e r fal schen t h e o l o g i s c h e n A n s i c h t e n . D i e Rechtfertigungslehre tritt dabei nicht als T h e m a für sich, d a s 2 7 6
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Penner, E p i s t l e 5 5 . 264 Y g i g r u n d s ä t z l i c h d a s C a v e a t v o n K l a u s Berger, D i e impliziten G e g n e r . Z u r M e t h o d e d e r E r s c h l i e ß u n g v o n » G e g n e r n « in n e u t e s t a m e n t l i c h e n T e x t e n , in: D i e t e r L ü h r m a n n / G e o r g Strecker ( H g . ) , K i r c h e ( F S Günter Bornkamm) Tübingen (Mohr) 1980, 373-400. 65 Penner, Epistle 5 6 - 5 8 . 266 Penner, E p i s t l e 5 8 f. D i e s A r g u m e n t ist nicht n e u u n d für die F r a g e einer P l s - K o n t r o v e r s e n u r b e d i n g t rele vant. V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 1 . Penner, E p i s t l e 6 0 ff. V g l . a u c h H a a c k e r , J u s t i f i c a t i o n . 268 Penner, E p i s t l e 6 3 - 6 7 m i t H i n w e i s a u f l C l e m u n d H e b r ( 6 5 ) . Viel eher sei J a k v o n I M a k k 2 , 5 2 beeinflußt ( 6 5 f.); s o etwa a u c h H e i l i g e n t h a l 5 1 ; Berger, A b r a h a m 3 7 4 . S . d a z u i m K o m m e n t a r . Penner, E p i s t l e 6 6 - 7 0 . Penner, Epistle 7 1 f. M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 3 8 , m e i n t z u d e m , bei einer S p ä t d a t i e r u n g m ü ß t e a u f die P a u lusbriefe direkt B e z u g g e n o m m e n w o r d e n sein (vgl. 2Petr 3 ) . A b e r nicht e i n m a l die A p g e r w ä h n t i r g e n d einen solchen Brief! Penner, E p i s t l e 7 1 f. K l e i n 1 9 7 ff.; u n d B i n d e m a n n 2 0 2 ff. halten es für wahrscheinlich, d a ß J a k Rom u n d I K o r k a n n t e ; S a t o 6 7 f.: R o m u n d G a l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1998, 4 L V g l . Penner, E p i s t l e 7 4 . Hahn/Müller, T h R 1998, 36-41. Näheres i m Vorwort zu 2,14-26. E b e n s o Verseput, Puzzle 1 0 5 . Z u m G l a u b e n s b e g r i f f s . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 3 5 f. 2
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Einleitung
38
erst errungen werden m ü ß t e , auf, s o n d e r n geradezu als ideologischer Störfaktor i m (praktisch-) theol o g i s c h e n D i s k u r s . D i e D i s k u s s i o n bei J a k ist ekklesiologisch-ethischer, nicht p r i m ä r soteriologischer N a t u r wie bei P a u l u s ^ _ letzteres w i r d vielmehr bei J a k g e r a d e infrage gestellt. D i e A u s g a n g s b e d i n g u n g e n s i n d g a n z unterschiedlich. F ü r Paulus g e h t es u m die Frage n a c h d e m H e i l s w e g (den d a s G e s e t z n i c h t bietet), für J a k u m die Verbindlichkeit des G l a u b e n s . J a k ist k e i n A n t i pauliner. V i e l m e h r b e w e g e n ihn wie Paulus jeweils zugespitzte Fragestellungen. Paulus m ö c h t e jederlei S e l b s t e r l ö s u n g des M e n s c h e n , J a k m ö c h t e jederlei S e l b s t t ä u s c h u n g des G l a u b e n s a u s schließen. B e i d e treffen sich bei der T ä t i g k e i t des G l a u b e n s in der L i e b e , v o n der J a k 2 , 1 ff. b e k a n n t l i c h h a n d e l t , o b w o h l er d a b e i nicht explizit v o n A g a p e redet, weil er a n s c h e i n e n d einen M i ß b r a u c h des L i e b e s g e b o t s a u s r ä u m e n will. Paulus will die » R e l i g i o n « n i c h t in » E t h i k « aufgehen lassen; J a k will j e n e n i c h t v o n dieser g e t r e n n t s e h e n . - Eigenartigerweise tritt, verglichen m i t Paulus, das T h e m a »sola gratia« g e g e n ü b e r »sola fide« bei J a k völlig z u r ü c k . E s scheint, d a ß d i e ser A s p e k t , der b e k a n n t l i c h bereits i m J u d e n t u m d u r c h a u s akzeptiert w a r , viel w e n i g e r z u m strittigen P a u l u s - E r b e g e h ö r t e . J a k jedenfalls entfaltet seine A k z e n t s e t z u n g nicht in diese R i c h t u n g . 2 7
2 8 0
2 8 1
2 8 2
2 8 3
2 8 4
2. Auch in 2,8 ff existieren enge Berührungen hin zu paulinischem Material. Nur hier und in Rom 13,8-10 (vgl. Gal 5,14) wird Lev 19,18 gewissermaßen als »Krone des Gesetzes« bezeichnet und unmittelbar mit dem Anfang der 2. Dekalogtafel verbunden (s. z. St.). Man kann die ganze Passage als Auseinandersetzung mit einer sich paulinisch gebenden Position lesen, die das Liebesgebot ideologisch ausgehöhlt h a t . Hier - nicht in 2,14 ff. - greift Jak das Thema »Gesetz« auf, dargelegt interessanterweise speziell an dem einzigartigen Syntagma »Gesetz der Freiheit« (ebenfalls in 1,25). Auch in 2,1-13 äußert sich Jak kritisch gegenüber Fehldeutungen (Näheres dazu im Kommentar). Der Abschnitt 3,13-18 kommt den Äußerungen von 1 Kor 2-3 sehr nahe, teilweise bis in die Terminologie hinein (s. z. St.). Echte, göttliche Weisheit wird der irdischen, psychischen Zanksucht usw. gegenübergestellt. Möglicherweise bestehen auch hier traditionsgeschichtliche Beziehungen. Allerdings können einige Berührungen auch aus allgemeinem frühchristlichem Gut stammen - so etwa der Katalog in 3,17 (vgl. Gal 5,22 f.), »ungeheuchelt« (3,17), »Frucht der Gerechtigkeit« (3,18), »Erben« (2,5), oder »unversehrt« (1,4; vgl. lThess 5 , 2 3 ) . Immerhin jedoch gibt es eine Reihe weiterer Kontaktstellen zum Corpus Paulinum hin - so bei »Herr der Herrlichkeit« (2,1; vgl. IKor 2,8), »Begierde/Tod« (1,13-15; vgl. Rom 6,23; 7,7 ff.); Vorzugsstellung der Armen (2,5; vgl. IKor 1,26-28). - Ähnlichkeiten in Jak 1,2 f. mit Rom 5,35 überschneiden sich mit solchen zu IPetr 1,6 f., zumal in der Form eines klimaktischen Kettenschlusses. Der Ansatz bei der Anfechtungsthematik bringt jedoch 285
286
287
279 M i t Heiligenthal 5 0 . Ebenso Hahn/Müller, T h R 1998, 36. G e g e n L a u t e n s c h l a g e r 1 8 3 , m i t H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 3 6 , unter B e z u g a u f L i n d e m a n n , Paulus 2 4 9 . 282 Verseput, Puzzle 1 0 8 £ , verweist a u f d e n j ü d i s c h e n H i n t e r g r u n d hinsichtlich »to divorce ethics f r o m religion«. Vgl. Popkes, Adressaten 4 3 ; L ü d e m a n n 2 0 1 . D a s zeigten nicht zuletzt d i e Q u m r a n - F u n d e ; s. O t t o Betz, R e c h t f e r t i g u n g in Q u m r a n , in: J o h a n n e s Friedrich u. a. ( H g . ) , R e c h t f e r t i g u n g ( F S E r n s t K ä s e m a n n ) , T ü b i n g e n ( M o h r ) u n d G ö t t i n g e n ( V & R ) 1 9 7 6 , 1 7 3 6 , speziell 2 7 ; Siegfried Schulz, Z u r R e c h t f e r t i g u n g a u s G n a d e n in Q u m r a n u n d bei Paulus: Z T h K 5 6 ( 1 9 5 9 ) , 1 5 5 - 1 8 5 ; vgl. Popkes, Gerechtigkeitstradition 3 f. D a z u gehören: d i e R e z e p t i o n v o n L e v 1 9 , 1 8 ; » G e s e t z der Freiheit«; » . . . wer das ganze G e s e t z e r f ü l l t . . . « ( 2 , 1 0 ) , s. d a z u i m K o m m e n t a r . V g l . Popkes, Paränese 1 4 0 - 1 4 9 . D i e s e Stellen s i n d vielfach m i t e i n a n d e r in B e z i e h u n g gesetzt w o r d e n ; z. B . D i b e l i u s , K E K 1 0 4 f.; T h o m a s , Anfechtung; Nauck, Freude; D e p p e 6 3 - 6 5 ; Popkes, Adressaten 132.152. 2 8 0
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2 8 7
39
Traditionen
weitergehende traditions- und formgeschichtliche Implikationen mit sich (vgl. auch die Relation zu Sir 2), auf die bei der Behandlung der Komposition zurückzukom men ist. 3. Aufs Ganze gesehen, wird man also die Beziehungen zu Paulus nicht auf 2,14-26 und die Thematik »Glaube/Werke« begrenzen und konzentrieren dürfen. Generell ist anzunehmen, daß, wenn an einer Stelle eine wichtige Verbindung vorliegt, sich auch anderswo Berührungen ergaben. Dabei darf die überlieferungsgeschichtliche Frage nicht außer Acht gelassen werden, wie solche Beziehungen zustande kamen, d. h. sowohl die allgemeine kirchen- und theologiegeschichtliche Entwicklung als auch die intertextuelle Relation sind zu b e s e h e n . Jak behandelt nicht ein isoliertes theologi sches Thema (in 2,14-26), sondern schreibt auf dem Hintergrund der Entwicklung der (paulinischen) Missionskirchen. Möglicherweise gewann er sogar Zugang zu einigen paulinischen Kerntexten, evtl. freilich nicht auf direktem Weg, sondern durch mündliche oder schriftliche Vermittlung. 288
5. Beziehungen
zum
1.
Petrusbrief 2 8 9
Die Beziehungen zu IPetr betreffen vor allem Jak 1-2 und 5 . So ähneln sich 1,2-4 und IPetr 1,6 f. z. T bis in den Wortlaut; ebenso 4,6-10 und IPetr 5,5 f., einschließ lich desselben Zitats. Vgl. ferner zu Jak 1,12: IPetr 1,8 f. (die Gott lieben, sollen das Ziel des Glaubens erlangen) und IPetr 3,14: 4,14 (selig, wer im Leiden durchhält). Auch IPetr 1,24 f. bringt Jes 40,6 f., bei Jak verteilt auf 1,10 f. und 18. Das Motiv der »Geburt« hat IPetr in 2,1 f.; ebenso »Ablegen des Schmutzes« 1,21, vgl. IPetr 1,2325; 2,1. Mehrere Motive in Jak 1,26-2,1 (Frömmigkeit, Reinheit gegenüber der Welt, Gott und Vater, Ansehen der Person) finden sich auch in IPetr (1,3 f. 17.19; 2,5 ff. 11 ff.). Schließlich gibt es Berührungen in Jak 5,7-20 zu IPetr 4,7 ff.: Nähe des Endes, angemessenes Verhalten, Gebet, Sünden zudecken (einschließlich Anspielung an Prov 10,12), zudem die Wendung »vor allen D i n g e n « und das Motiv »Herzen stärken« (IPetr 5,10). - Die Frage nach dem Zustandekommen der Berührungen wird traditionell mit der Formel »aus gemeinsamer Tradition« 1 beantwortet. Die form-prägenden Kräfte sind jedoch auffällig genug, um nach weitergehenden Lösun gen Ausschau zu halten. Immerhin betreffen sie jeweils primär den Rahmen der Brie fe. Gemeinsame AT-Elemente kommen hinzu, darüber hinaus noch das Problem 290
29
2 9 2
2 8 8
S o w e i t m a n m i t einer P a u l u s - J a k o b u s - B e z i e h u n g r e c h n e t , g e h t m a n in d e r R e g e l d a v o n a u s , J a k w e n d e sich g e g e n e i n e n m i ß v e r s t a n d e n e n , j a d e g e n e r i e r t e n P a u l i n i s m u s ; vgl. z. B . B l o n d e l 1 4 6 f.; L i n d e m a n n , P a u l u s 2 4 3 ff.; L ü d e m a n n 1 9 4 ff; S o u c e k ; T r o c m e .
2 8 9
V g l . Ferris; B o i s m a r d ; B r a u m a n n 4 0 9 f.; L o h s e , G l a u b e 13 ff; Penner, E p i s t l e 7 2 m i t A n m . 1; v o n L i p s 4 2 8 m i t A n m . 1 9 1 ; P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 3 5 ff 1 4 9 ff
2 9 0
2 9 1
I m N T nur J a k 5,12 u n d IPetr 4,8. S o z. B . Penner, E p i s t l e 7 2 . O d e r m a n n i m m t e i n e A b h ä n g i g k e i t d e s I P e t r v o n J a k a n , weil I P e t r t h e o l o g i s c h weiter e n t w i c k e l t sei; s o z. B . H e n g e l , P o l e m i k 2 5 1 .
2 9 2
D i e E n t s t e h u n g s g e s c h i c h t e v o n I P e t r ist m i t e i n i g e n F r a g e n b e h a f t e t (vgl. V i e l h a u e r 5 8 4 f.): L i e g t e i n e P r e d i g t a n N e u g e t a u f t e z u g r u n d e ? L a s s e n sich » W a c h s t u m s r i n g e « e r k e n n e n ? W u r d e d i e P r e d i g t d u r c h M a h n u n g e n e r g ä n z t u n d v e r a l l g e m e i n e r t s o w i e d a s G a n z e schließlich i m B l i c k a u f V e r f o l g u n g a k t u a l i s i e r t (4,12
ff)?
40
Einleitung
der Akolouthie bei Jak, also die Frage nach der Einarbeitung der Teile. Eine Möglichkeit besteht in der Annahme einer Beeinflussung jeweils durch (eine) ntl. Neophyten-Unterweisungs-Tradition. Nicht auszuschließen ist freilich auch, daß Jak den IPetr wenigstens teilweise exzerpierte. Antworten lassen sich jedoch allenfalls in einer Gesamttheorie der jak Traditionsaufnahme finden. 293
6. Weitere innerneutestamentliche
Berührungen
Einige weitere innerneutestamentliche Berührungen betreffen folgende Bereiche. 1. Sofern Jak 1,18.21 auf dem Hintergrund frühchristlicher Konversions- und Taufaussagen zu deuten i s t , legen sich Berührungen außer mit IPetr vor allem mit Kol-Eph nahe, nämlich: Wiedergeburt, Erstlingsfrucht (Kol 1,10; Eph 2,15; 4,21-24; 5,26); Ablegen/Annehmen (Kol 3,8). Dazu kommt evtl. noch: Erwählung und Verheißung des Reiches (Gottes) für die, die Liebe üben (Jak 2,5.7; Eph 1 , 4 ) . 9 5 2. Mit Hebr verbinden Jak die Motive der Anfechtung (2,18; 3,8 f.; 4,15) und Vollendung (2,10), die atl. Exempla Abraham/Isaak (11,17-19) und Rahab (11,31), dazu »Geduld üben« (6,12-15). Die Berührungen sind eher sporadisch und allgemein, ohne einen formgeschichtlich deutlicheren Rahmen. 3. Gleiches gilt für ljoh. ^ D a ist einmal der Zusammenhang zwischen Weltliebe, Prahlen (mit seinem Vermögen), Begierde des Fleisches und der Augen (IJoh 2,1517; Jak 4,1 ff. 13 ff.), zum anderen das Sich-Verschließen gegenüber der Not des Bruders (IJoh 3,17; Jak 2,15 f.). Eine eher formgeschichtliche Parallele liegt in der Schlußanweisung vor: sich um in die Irre Gehende zu kümmern (IJoh 5,16 f.; Jak 5,19 f . ) 294
2
2
297
7 . Frühchristliche
Schriften
Besonders im Hinblick auf gleiche, z. T spät nachweisbare Vokabeln, auf einige Formulierungen und auf einige atl. Anspielungen ist der Vergleich mit den frühchristlichen Schriften aus der Zeit von ca. 95 bis 150 von Interesse. 298
2 9 3
2 9 4
2 9 5
V g l . P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 3 6 ff.; M u ß n e r , T a u f l e h r e 6 6 . V g l . B r a u m a n n ; M u ß n e r , T a u f l e h r e ; P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 4 7 ; s. z. S t . D i e T r a d i t i o n s g e s c h i c h t e bei d e n M o t i v e n » d a s R e i c h e r b e n « u n d » d i e i h n l i e b e n « ist n o c h weiter g e f ä c h e r t , z. T. m i t d e r T a u f t h e o l o g i e v e r k n ü p f t . V g l . G ü n t e r H a u f e , R e i c h G o t t e s bei P a u l u s u n d in d e r J e s u s t r a d i tion: N T S 3 1 ( 1 9 8 5 ) , 467-472; K a r l D o n f r i e d , T h e K i n g d o m o f G o d in Paul, in: W. W i l l i s ( H g . ) , T h e K i n g d o m o f G o d in 2 0 t h - C e n t u r y I n t e r p r e t a t i o n , P e a b o d y 1 9 8 7 , 1 7 5 - 1 9 0 .
2 9 6
Vgl. Popkes, Adressaten 6 7 ; dort a u c h zu Vowinckel. Epistolarisch vergleicht Francis die beiden Schriften.
2 9 7
Vgl. dazu Popkes, Paränese 149. E i n e n hilfreichen Ü b e r b l i c k z u d e n A p o s t o l . V ä t e r n bietet J o h n s o n , A n c B 2 6 - 4 8 ( m i t L i t e r a t u r ) . V g l . D i b e l i u s , K E K 4 9 - 5 1 (zu H e r r n ) , 5 1 f. (zu l C l e m ) ; M a y o r lxxiv ff.; Y o u n g ; A m s t u t z 1 1 6 f.; G e y s e r 3; S c h o e p s 3 4 9 . - V o n d e n bei J a k e i n i g e r m a ß e n auffälligen V o k a b e l n f i n d e n s i c h in d e n A p o s t o l i s c h e n V ä t e r n ebenfalls: d X a ^ o v E i a , duetQxooXög, d u i a v x o g , d o m X o g / a j t i A o g , dvooÖEV, dqpavi^oo, CUJQIOV, d j t X ö g xxX, d v i m ö x p i x o g , d x a x a o x a a i a xxX,, ßXaocpn^isa), ö a j i a v d a ) , öiijnjx-, ö i a x p i v ü ) , ö i c d o y - , EJtumju-ayv, Epig, EpiÖEia, eXeoc, xxX, E i o n v i x ö g , EjtixvYXdvoo, B o n o x E i a , f | ö o v r | , x a x a X a ? i - , x a x a ö u v a a x E o o , xd^iva), taxujtpög, voue>6£xng, öcpE^og, ö X ö x ^ n o o g , övEiöitoo/övEiöog, j t X a v d ü ) , J t a o o v o i a , j t o a i j i ) f | g xxX, jtEvÖEO), j t E i o a o u o g , j i Q o o w j t o X n ^ i a ( a b e r n u r l x ) , m x o ö g xxX, ofjg, ox£vd£oo, Q i m o g KTX, x a X a i J t o o o - , x o ö j t o g ,
2 9 8
Traditionen
41
Die wichtigsten Berührungen sind: Jak
1,2 1,3 f. 1,2-4
vielerlei B e d r ä n g n i s s e Prüfung, ausharren
H e r m S 7,4 (=66,4) H e r m V 4,3,4 (=24,4)
vollkommen, Werk
IgnSmll,2f.
1,5.17
Gottes Geben i m G l a u b e n bitten
H e r m M 2,4 (=27,4); S 2,7 (=51,7)
1,5 f. 1,5-8
H e r m M 9,11 (=39,11)
Zweifel ÖLOJJ'UXOC; (u. D e r i v a t e ) 9 9 2
1,8; 4 , 8
H e r m M 9 (=39) l C l e m 23,2; 2 C l e m 11,2.5; 19,2; Barn 19,5; D i d 4 , 3 ; H e r m M 9 (I4x); 10,2 (=40,2); V 4,1,4.9 (=22,4.8); S 6,1,2 ( = 6 1 , 2 ) ; 6,3,5 (=63,5); 9 , 2 1 , 1 f. ( = 9 8 , 1 f.) u. ö.
1,8;3,8.16 1,12 1,14 1,14 f. 1,15 1,21 1,26; 3 , 2 f. 1,27
dxaxaoxaA u s d a u e r , Ziel Verfuhrung Begierde, T o d
Diog9,l H e r m M 4,1,2 (=29,2)
Tod
JustDial 100
gebären
eingepflanzte G a b e zügeln
B a r n 1,2; 9 , 9 H e r m M 1 2 , 1 , 1 f. ( = 4 4 , 1 f.)
sich rein halten
H e r m M 12,6,5 (=49,5) H e r m S 1,8 ( = 5 0 , 8 )
Waisen u n d Witwen A r m e reich
2,5 2,6
lästern xaxaÖDvaoxeiJco B e t o n u n g der W e r k e
2 , 1 4 ff.
Abraham, Freund Gottes Abraham, G e n 15,6
2,21-23 2,23 2,25 3,13
H e r m S 6,3,5 (=63,5) lClem 35,4
H e r m S 2,5 ( = 5 1 , 1 ) ; 9,26,2 (=103,2) H e r m S 8,6,4 (=72,4) H e r m M 12,5,1 (=48,1) lClem 30,3; 38,2 l C l e m 10,1; 17,2 l C l e m 10,6
Rahab Weisheit in g u t e n
l C l e m 12,1-7
W e r k e n zeigen
lClem 38,2
G l a u b e v o n o b e n hat Kraft;
3,15
Zweifel ist irdisch 3,16 4 , 1 ff.
F ü h r e r in Eifersucht
H e r m M 9,11 (=39,11) l C l e m 14,1
Eifersucht, K r i e g usw.
l C l e m 3,2-4; 46,5
4 , 5 f.
Z i t a t Prov 3 , 3 2
lClem 30,2; I g n E p h 5,3
»der G e i s t , d e n er in uns w o h n e n ließ«
H e r m M 3,1 ( = 2 8 , 1 ) ; S 5,6,5 ( = 5 8 , 5 ) H e r m M 12,2,2-4 (=45,2-4)
4,7
Teufel, Furcht, F l u c h t
4,8
H e r z e n reinigen
H e r m V 3 , 9 , 8 ( = 1 7 , 8 ) ; 5,7 ( = 2 5 , 7 )
E l e n d derer m i t gespaltener Seele
H e r m M 12,5 (=49,5) l C l e m 2 3 , 2 f . 2 C l e m 1 1 , 2 f. 3 0 0
H e r m M 1 2 , 6 , 1 - 4 ( = 4 9 , 1 f. 4 )
4 , 8 f.
E l e n d der Zweifler
4 , 1 1 f.
Heiligung, üble Nachrede
a
2 9 9
3 0 0
lva
H e r m V 3 , 7 , 1 ( = 1 5 , 1 ) ; S 1,3 ( = 5 0 , 3 ) l C l e m 30,1-3; 2 C l e m 4,3 H e r m M 2 , 2 f. ( = 2 7 , 2 f.)
xaJiEivög, x ^ y^y^N i c h t i n d e n A p o s t o l i s c h e n V ä t e r n k o m m e n vor: djroxuEiv, djroaxiaouxx, ßoexa), öauxx^ü), ö i a o j t o g d , Eujrooog, emxr|Ö£iog, eoojtoov, Ei)jt£i0f|g, E(pr|[XEQ-, i'jutog, x a x a x a v x - , xaxioco, ök)Xi>£o), nagaXkayr). V o l l s t ä n d i g e L i s t e b e i Kraft. Z u öiojjuxog s. D i b e l i u s , K E K 4 9 A n m . 1; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 3 5 f.; Seitz, A n t e c e d e n t s , A f t e r t h o u g h t s ; M a r s h a l l , L o c a l ; Porter. I n l C l e m 2 3 als Schriftzitat, in 2 C l e m 11 als p r o p h e t i s c h e s W o r t bezeichnet.
42 Jak
Einleitung retten/verderben
HermS 9,23,4 (=100,4); M
4,14
»wie D a m p f «
lClem
4,16
H o c h m u t , Prahlerei
4,12
l C l e m 2 1 , 5 ; H e r m M 6,2,5 S 8,9,1
(=36,5);
(=75,1)
5,5
»fressen«
Barn
5,1-6
A u f r u f an Reiche30i
H e r m V 3 , 9 (=17,1)
5,11
noXvon'kayxvoc,
(etc.)
12,6,3 (=49,1)
17,6
10,3
H e r m V 1,3,2
( = 3 , 2 ) u.
ö.;
J u s t D i a l 55302 Eid,
5,12 5,19
f.
Wahrhaftigkeit
J u s t A p o l I 16
R e t t u n g Irrender
2 C l e m 1 5 , 1 ; 17,1 f.; B a r n
Prov
2Clem
10,12
19,10
16,4
Die Diskussion in der Literatur bewegt sich überwiegend um die Frage einer literari schen Abhängigkeit, einmal generell in traditionsgeschichtlicher Hinsicht, zum ande ren aber auch mit kanonsgeschichtlicher Relevanz. Die verbreitetste Meinung ist, Jak habe wie die anderen aus ähnlichen (primär paränetischen) »Strömen« geschöpft, eine literarische Abhängigkeit in der einen oder anderen Richtung sei nicht aufweisbar.303 Dabei bezeuge Jak jedoch ein relativ früheres Stadium, weil die anderen Schriften die Materialien weiter fortentwickelt hätten.304 Daneben steht die Auffas sung, daß l C l e m , Herrn usw. als frühe Bezeugungen des von ihnen benutzten Jak gel ten dürfen, also für eine relativ frühe Existenz und Anerkennung des Jak sprechen.305 Das Material reicht dafür aber nicht aus. Die Berührungen sind insgesamt zu wenig spezifisch, zu sporadisch und formgeschichtlich zu wenig deutlich, als daß man über eine allgemeine Kenntnis diverser überlieferter Materialien hinausgehen darf. Signifi kant bleibt jedoch die Nähe im Motiv- und Sprachbereich; auch Jak scheint hier in erheblicher Weise zuhause zu sein.306
8. Sachlich-situativer
Vergleich
Im sachlich-situativen Vergleich steht Jak Schriften wie dem MtEv, dem Hebr und den Pastoralbriefen, z. T. auch Lk-Apg nahe. Allgemein betrachtet, treten für die 2. bzw. 3. Generation typische Gefahren zutage, vor allem die Erschlaffung der geistlichen Spannkraft und das Problem des hier und da wachsenden Wohlstands.3°7 1. Die Pastoralbriefe ringen u. a. darum, wie man bei intendierter Weltoffenheit und unter sozialen Unterschieden einen christlichen Lebenswandel pflegt. Die H a b gier gilt als besondere Gefahr ( l T i m 6,9 f.; vgl. 3,3; Tit 1,7). Nicht Askese, aber Ge-
3 0 1
Z u » a r m / r e i c h « bei J a k u n d H e r r n s. D i b e l i u s , K E K 5 0 A n m . 1. 302 V g l . d a z u M a y o r 1 6 5 . 303 S o e t w a D i b e l i u s , K E K 4 9 - 5 3 . 304 D i b e l i u s , K E K 5 0 ( A n m . l z u H e r r n ) . 305 S o M e y e r 5 9 - 7 2 . J a k v e r f o l g t in seiner D i k t i o n - i m V e r g l e i c h z u m b r e i t e n , a u s u f e r n d e n , l ä n g l i c h e n Stil v o n l C l e m , H e r r n u n d B a r n - e i n e lectio brevior, ä h n l i c h w i e 1 Petr, v e r g l e i c h b a r in g e w i s s e r W e i s e m i t D i d , d i e a b e r viel stär ker e i n e A n s a m m l u n g v o n E i n z e l a b s c h n i t t e n ist. N ä h e r e s : P o p k e s , A d r e s s a t e n 7 8 flf. G e g e n e i n e n » n e u e n K o n s e n s u s « w e n d e t sich J u s t i n J . M e g g i t t , P a u l , Poverty a n d Survival, E d i n b u r g h (Clark) 1 9 9 8 : Paulus u n d seine L e u t e waren a r m . 3 0 6
3 0 7
Traditionen
43
nügsamkeit, Selbstdisziplin, schlichte Frömmigkeit und Sachlichkeit werden gefor dert. Ein Problemkonglomerat scheint sich aus der Verbindung zwischen den Fakto ren (Irr-)Lehre, Reichtum und Zank/Rivalität ergeben zu haben (vgl.lTim 6,3-10), wie es sich auch in Jak 3-4 widerzuspiegeln scheint. 2. Auch in Lk-Apg beobachtet man die Gefährdung der Gemeinde durch wach senden Wohlstand bei einigen und dessen Rückwirkung auf die Gemeinschaft,308 verbunden mit den Faktoren Macht, Einfluß und Abhängigkeit. Es existieren sozioökonomische Unterschiede und Spannungen. Lk bringt die Lösung - ähnlich wie Jak - auf die Formel »Wohltätigkeit und Genügsamkeit«309. Nicht Askese, aber Be sitzverzicht zwecks Wohltätigkeit wird empfohlen. 3. Die Berührungen zwischen Jak und Mß betreffen nicht nur das »Bergpre digtmaterial« (s. o.), sondern auch eine ähnliche Lageeinschätzung. Die Christen müssen ans Tun der Worte Jesu erinnert werden; das ist heilsrelevant (Mt 7,21-29). Die Motive Gerechtigkeit und Frucht (Jak 3,17 f.) spielen auch bei M t eine wesent liche Rollern, desgleichen Barmherzigkeit3i2. Der konsequenzlosen Gemeinde droht das Gericht. Ekklesiologisch scheint auch M t relativ »ämterlos« zu sein (s. 23,812).3i3 Wie Jak betont M t eine praktische Frömmigkeit und Grundhaltung. 4. Neben den Motiv-Parallelen zwischen Jak und Hebr (s. o.) ist ebenso die gene relle Situation ein Vergleichspunkt.314 Der Hebr richtet sich an Christen, die im Glauben müde und auch welt-zugewandt geworden sind. Das Modell der Wüsten wanderung Israels stellt das Versuchungsmotiv heraus. Wie bei Jak soll man Ausdau er lernen, damit das Ziel nicht verfehlt wird. 5. Der Vergleich mit den genannten ntl. Schriften stellt Jak in eine allgemeine^ Situation am Ausgang des 1. Jh.s. Typische Probleme der 2.-3. Generation werden sichtbar: Nachlassen der Spannkraft und der Tätigkeit des Glaubens, Welt-Zugewandtheit, Wohlstand und Prestigedenken, soziale Unterschiede, Gruppenegoismus. In der einen oder anderen Weise versuchen die Schriften, diesen Problemen zu begeg nen. Die Unterschiede zwischen ihnen überwiegen unverkennbar; trotzdem lassen sich die Gemeinsamkeiten in der Frontstellung nicht übersehen. Jak ist ein Teil einer 10
3 0 8
L i t e r a t u r bei P o p k e s , A d r e s s a t e n
79-81.
309 M i t H o r n , G l a u b e u n d H a n d e l n (s. o. A n m . 138).
D o r t (243)
auch zu den theologischen u n d personalen
Spannungen: Gewinrlstreben, verbunden mit »Selbstüberheblichkeit, Selbstrechtfertigung u n d Verachtung a n d e r e r « . D a s G a n z e ist n i c h t n u r ein w i r t s c h a f t l i c h e s P r o b l e m , s o n d e r n a u c h eins d e s G l a u b e n s u n d d e r F r ö m m i g k e i t , d a m i t zugleich der E t h i k u n d des Gemeindeverständnisses. 310 3 1 1
C o o p e r ; S h e p h e r d ; H e n g e l , P o l e m i k 251
( m i t M t sei J a k t h e o l o g i s c h » a m n ä c h s t e n v e r w a n d t « ) .
Vgl. Popkes, Gerechtigkeitstradition.
3 1 2
S . d a s Z i t a t v o n H o s 6,6
in 9,13
3 1 3
D a s b e z i e h t s i c h lt. 23,8
s o g a r a u f » L e h r e r « . Z u r D i s k u s s s i o n s. H u b e r t F r a n k e m ö l l e , A m t s k r i t i k i m M a t
thäus-Evangelium? Bibl
und
12,7.
54 (1973), 247-262; S a m u e l
Byrskog, Jesus the O n l y T e a c h e r . D i d a c t i c Authority
a n d T r a n s m i s s i o n in A n c i e n t Israel, A n c i e n t J u d a i s m a n d t h e M a t t h e a n C o m m u n i t y ( C B , N T S . S t o c k h o l m ( A l m q v i s t & W i k s e i l ) 1994; gart ( K B W )
1974, 159-163;
E d u a r d Schweizer, M a t t h ä u s u n d s e i n e G e m e i n d e ( S B S 71),
24),
Stutt
D e n n i s C . Duling, T h e M a t t h e a n B r o t h e r h o o d a n d M a r g i n a l Scribal L e a -
d e r s h i p , in: P h i l i p F. E s l e r ( H g . ) , M o d e l l i n g E a r l y C h r i s t i a n i t y . S o c i a l - s c i e n t i f i c s t u d i e s o n t h e N e w T e s t a m e n t in its c o n t e x t , L o n d o n ( R o u t l e d g e ) 1995; a n d S t a t u s in M a t t h e w s G o s p e l : S B L . S P 3 1 4
3 1
30,
N ä h e r e s u n d L i t e r a t u r bei P o p k e s , P a r ä n e s e
5 S. d a z u H a h n / M ü l l e r , T h R
1998, 65-70.
St. H u m p h r i e s - B r o o k s , Indicators o f Social O r g a n i s a t i o n
Atlanta (Scholars)
111-115.
1991, 31-49.
44
Einleitung
allgemeinen Bewegung, die ein Abgleiten zu verhindern und eine rechte praxis pietatis zu fördern sucht.
§ 6 Die kompositorische Gestalt Die Frage nach Aufbau, Gliederung, Form und Struktur des Jak durchzieht die Geschichte der Forschung von Anfang an.316 Eine Skizzierung dieser Geschichte erscheint deshalb angebracht. Immer wieder hat man neue methodische Ansätze angewendet, um Struktur, Argumentationsstrategie, Charakter und Gedankengang zu definieren.317 Eigenartigerweise ähneln sich die Ergebnisse trotz differenter M e thoden in nicht geringem Maße, und zwar vor allem darin, daß man immer wieder bestimmte Abschnitte (wie z. B. 2,14-26) meint klar herausstellen zu können, während andere Passagen (speziell 1,2 ff.) notorische Problemgebiete bleiben. Die Strukturfrage hängt mit der nach der Akolouthie zusammen. Schwierigkeiten bereitet vor allem die Frage der Kohärenz auf der Ebene der pragmatischen Intention3i8, daneben auch die der Kohäsion auf semantischer Ebene3i9 weniger die der Konnexität auf syntaktischer Ebene.320 £ ) Strukturproblem als ganzes hängt wiederum mit der Gattungsfrage zusammen; welchem Genre ist Jak zuzuordnen? Welches methodische Vorgehen ist deswegen angemessen? Eine Reihe von methodischen Überschneidungen ist zudem zu registrieren, etwa zwischen rhetorischen und thematischen Ansätzen. Eine wesentliche Rolle spielt schließlich auch das Verhältnis zwischen synchronen und diachronen Aspekten sowie deren Aufnahme in der Bewertung von Interund Intratextualität, in Hinblick sowohl auf die Struktur als ganze als auch auf die Akolouthie im einzelnen. Was ist der Traditionsübernahme zuzuschreiben, was dem eigenen Gestaltungsplan des Autors? )
a s
1. 21
Eine klare Gattungsbestimmung^ Parallelen vorhanden sind.
Gattungsbestimmung ist für Jak schwierig, weil nicht genügend deutliche
1. D i e v o n M . Dibelius322 v o r allen a n J a k u n d P s l s o k r a t e s D e m o n i c e a aufgezeigte D e f i n i t i o n v o n »Paränese«
bzw. » p a r ä n e t i s c h e Lehrschrift« als einer relativ d i s p a r a t e n S a m m l u n g v o n S p r ü c h e n ,
316 Ü b e r b l i c k b e i H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 9 . 1 6 - 2 4 ; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 5 4 - 3 6 5 9 ; P o p k e s , A d r e s s a t e n 18-23, C o m p o s i t i o n ; Paulsen, Jakobusbrief. 3 1 7
Darunter: inhaltlich-thematische
u n d Kriterien (Leitbegriffe, T h e m a - R h e m a , O p p o s i t i o n e n ) ,
formale
A s p e k t e (aus Epistolographie, Rhetorik, Paränese), Textpragmatik. V g l . d i e grundlegenden Anfragen bei Wuellner. 3 1 8
V g l . T s u j i 5 1 ff.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K p a s s i m .
3 1 9
S. dazu Frankemölle, Netz.
3 2 0
Z u r D i f f e r e n z i e r u n g s. C o n t e .
3 2 1
V g l . d e n Ü b e r b l i c k bei H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 2 4 - 2 9 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 4 - 7 0 ; T s u j i 5 - 1 2 ; J o h n s o n , A n c B 16-25; Baasland, A N R W 1988, 3 6 4 9 - 3 6 5 4 ; Popkes, Adressaten 10-18; Aune, Environment, Literature.
3 2 2
I m G e f o l g e v o n W e n d l a n d u n d H a r n a c k ; s. D i b e l i u s , K o l o s s e r , K E K , T h R 1 9 3 1 , F o r m g e s c h i c h t e , G e s c h i c h t e ; V g l . P a u l s e n , J a k o b u s b r i e f , P a r ä n e s e ; S c h n a c k e n b u r g , P a r ä n e s e ; H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 2 5 f.; P o p k e s , P a r ä n e s e 3 0 ff.
45
Die kompositorische Gestalt S p r u c h r e i h e n u n d kleinen A b h a n d l u n g e n , d i e für d i e F o r s c h u n g l a n g e in G e l t u n g s t a n d , z u n e h m e n d e K r i t i k a u f sich g e z o g e n .
3 2 4
3 2 3
hat
W e d e r treffen d i e g a t t u n g s g e s c h i c h t l i c h e n V o r a u s s e t z u n
gen z u , n o c h p a ß t J a k selber in solch ein S c h e m a . D e r P a r ä n e s e - B e g r i f f hat sich m e r k l i c h a u s g e weitet u n d v e r ä n d e r t .
3 2 5
Speziell s i n d » S i t u a t i o n s v e r b o t « u n d » K o n t e x t v e r b o t «
3 2 6
weithin a u f g e h o
b e n w o r d e n . G e w i ß ist » S i t u a t i o n « für J a k in e i n e m weiteren S i n n z u fassen als etwa bei P a u l u s ; d e s w e g e n b r a u c h e n d i e A u s f ü h r u n g e n j e d o c h n i c h t zeitlos »usuell« (statt »aktuell«) z u sein. M a n k a n n die B r ü c h e bei J a k a u c h n i c h t einfach d e m G e n r e zuweisen, w i e d a s bei D i b e l i u s geschieht; d i e F r a gen der K o n t e x t u a l i t ä t u n d K o h ä s i o n b e d ü r f e n einer a n d e r e n E r k l ä r u n g . 2 . Seit längerem bereits hat m a n versucht, J a k als Midrasch zu l e s e n
3 2 7
(vgl. o. § 5 , 1 . 2 ) . N e b e n ein
zelnen Stellen w u r d e a u c h der g e s a m t e Brief entsprechend eingestuft. M . G e r t n e r sieht in J a k eine M i d r a s c h - H o m i l i e über H o s 1 0 , 2 i m A n s c h l u ß an Ps 1 2 , 1 - 5 (bzw. 2 - 6 ) , der selber ein M i d r a s c h über die Prophetenstelle, sei, u n d zwar m i t den T h e m e n G l a u b e , G l a u b e u n d Werke, Z u n g e , Feindschaft gegen G o t t , B e d r ü c k u n g der A r m e n .
3 2 8
A . Blenker rekurriert a u f d a s H i o b - B u c h , speziell H i 1-32
u n d 4 2 , 7 - 1 2 in Relation zu J a k 1,2-17 u n d 4 , 1 3 - 5 , 1 1 . J a k beziehe seine T h e m a t i k weithin dort her.
3 2 9
in J a k .
D . L . B e c k findet in l Q S / l Q S a die gleiche T h e m e n f o l g e u n d eine siebenteilige O r d n u n g wie 3 3 0
Viel A n k l a n g h a b e n diese Vorschläge nicht gefunden; der N a c h w e i s ist schwer zu führen.
D e r m e t h o d i s c h ähnliche Versuch v o n A . Meyer, J a k sei eine Allegorie, n ä m l i c h ein ursprünglich j ü d . T e s t a m e n t des J a k o b an seine zwölf S ö h n e , entbehrt ebenfalls der sicheren B a s i s . 3. M e h r f a c h hat m a n »Katechismus«
o. ä. v o r g e s c h l a g e n .
332
der (gottesdienstlichen) Paraklese« - vorgetragen v o n e i n e m » M a h n r e d n e r « lich wie in Q u m r a n .
3 3 4
3 3 1
K . Kürzdörfer d e n k t an »das G e n u s 3 3 3
an die G e m e i n d e ähn
R . B . H a l s o n versteht die Epistel als S a m m l u n g katechetischen Materials z u m
G e b r a u c h in d e n Kirchen, »hervorgegangen aus einer besonderen >Schule< v o n K a t e c h e t e n « .
3 3 5
J . W a n k e führt J a k a u f ein christliches »Lehrerkollektiv« zurück, das d a m i t » G e m e i n d e p a r ä n e s e « betreibe.
3 3 6
E . L o h s e bezeichnet J a k »als eine A r t H a n d b ü c h l e i n christlicher E t h i k « , »als ein kleines
323 V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 4 f. ( m i t L i t e r a t u r ) . Berger, F o r m g e s c h i c h t e 1 4 7 ; T s u j i 7 - 1 0 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 5 ; P e r d u e / G a m m i e , S e m e i a 5 0 ; H e n g e l , P o l e m i k 2 4 8 - 2 5 0 ; P o p k e s , P a r ä n e s e 3 0 ff.; K ü r z d ö r f e r 10; T h o m a s , A n f e c h t u n g 1 8 6 . 1 9 0 ; B a a s l a n d , S t T h 1982, 135 A n m . 2. 325 V g l . T h o m a s , P h o k y l i d e s ; P e r d u e , C h a r a c t e r ; P e r d u e / G a m m i e , S e m e i a 5 0 ; P a u l s e n , Paränese; P o p k e s , Reconsidered, Paränese. Z w e c k s K l a r s t e l l u n g (vgl. K o n r a d t , E x i s t e n z 11 A n m . 6 - 7 ) : V o n » K o n t e x t v e r b o t « redete e r s t m a l s B u r c h a r d , Z N W 1 9 8 0 , 2 7 ; d e n a n a l o g e n A u s d r u c k » S i t u a t i o n s v e r b o t « b r a c h t e m e i n e s W i s s e n s i c h in d i e D i s k u s s i o n ( A d r e s s a t e n 3 3 ) . V g l . jetzt a u c h B u r c h a r d , H N T E i n l e i t u n g 3 . 2 : » m a n k ö n n t e a u c h n o c h e i n Präzisierungsverbot erfinden«. H a n s o n , Report. Vgl. allgemein Bodendorfer/Millard. G e r t n e r , M i d r a s h i m ; kritisch d a z u M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 5 8 f. - H e i l g e n t h a l 3 9 b e z e i c h n e t J a k 2 , 2 1 - 2 4 als M i d r a s c h . P r o c k t e r b e t r a c h t e t J a k 4 , 4 - 6 als M i d r a s c h ü b e r N o a h . J a c o b s b e l e u c h t e t d e n » M i d r a s c h - H i n t e r grund« von J a k 2,21-23. Blenker. D i e T h e m a t i k s t a m m e teilweise aus d e m falschen Verhalten d e r F r e u n d e H i o b s : falsches R i c h t e n , G l a u b e u n d W e r k e , falsche B e l e h r u n g anderer, i n n e r e Z e r r i s s e n h e i t . ° B e c k ; er unterteilt J a k e n t s p r e c h e n d : 1 , 2 - 1 8 ; 1 , 1 9 - 2 7 ; 2 , 1 - 1 3 ; 2 , 1 4 - 2 6 ; 3 , 1 - 1 2 ; 3 , 1 3 - 5 , 6 ; 5 , 7 - 2 0 . V g l . d i e K r i t i k bei M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 4 7 f. A u s f ü h r l i c h s t e K r i t i k bei K ü r z d ö r f e r 2 8 - 8 6 ; vgl. T s u j i 1 1 . E i n e M o d i f i k a t i o n des A n s a t z e s v o n M e y e r b i e tet H a r t m a n n : » D e r christliche Verfasser J a k o b u s h a t seine briefliche P a r ä n e s e ... a n d i e in G n 2 9 , 3 2 - 3 5 , 1 8 g e g e b e n e n u n d j e d e m J u d e n sicher geläufigen E r k l ä r u n g e n des N a m e n s der 1 2 S ö h n e a n g e k n ü p f t , i n d e m er jedesmal d i e I n h a l t s d e u t u n g wie ein Stichwortbenutzt, z u d e m er d a n n ... einiges a u s f ü h r t « ( 6 4 ) . Beispiel J a k 1 , 2 - 1 8 R ü b e n G e n 2 9 , 3 2 » D e r H e r r h a t angesehen mein Elend« ( 6 4 f.). V g l . H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 2 5 . Z u m p a s t o r a l e n u n d p r e d i g t h a f t e n C h a r a k t e r des J a k . K ü r z d ö r f e r 1 0 m i t B e z u g a u f M o f f a t t ; vgl. L o n g e n e c k e r , E x e g e s i s 1 8 9 . V g l . B a a s l a n d , S t T h 1 9 8 2 , 1 1 9 f.: h o r t a t i o . K ü r z d ö r f e r 1 0 7 - 1 2 5 . V g l . B o R e i c k e , D i a k o n i e , F e s t f r e u d e u n d Z e l o s in V e r b i n d u n g m i t d e r altkirchlichen Agapenfeier ( U U A 1951:5), Uppsala (Lundequistska)/Wiesbaden (Harrassowitz) 1 9 5 1 , 3 4 5 . H a l s o n 3 1 2 f. 6 Wanke 508-510. 3 2 4
3 2 6
3 2 7
3 2 8
3 2 9
3 3
3 3 1
3 3 2
3 3 3
3 3 4
3 3 5
3 3
Einleitung
46
E n c h i r i d i o n für d i e F r a g e n des christlichen A l l t a g s « . D i e K a t e c h i s m u s f o r m sei » v o n der späteren H o m i l e t i s i e r u n g überlieferter Paränese« (wie etwa bei H e r m a s ) z u u n t e r s c h e i d e n . 4 . A n d e r e s c h l a g e n »Traktat«
J a k ein T r a k t a t ü b e r d i e U n g e s p a l t e n h e i t d e s G l a u b e n s ,
3 3 8
für L . F. R i v e r a ü b e r »weises V e r h a l t e n
in d e n d e r g r o s s e n P r ü f u n g v o r a u s l a u f e n d e n P r ü f u n g s s i t u a t i o n e n « mit paränetischer A b z w e c k u n g « 5. Mischformen ga
3 4 2
3 3 7
vor; d a m i t w i r d m e i s t e n s ein T h e m a v e r k n ü p f t . F ü r G . S c h u l e ist
3 4 0
3 3 9
, für G . S t r e c k e r ein » T r a k t a t
.
vertreten L . T . J o h n s o n
3 4 1
( » p r o t r e p t i s c h e r D i s k u r s in B r i e f f o r m « ) u n d F. V o u -
, d e r K a p . 1 als P a r ä n e s e b e z e i c h n e t , K a p . 2 als D i a t r i b e , K a p . 4 - 5 als p r o p h e t i s c h e s O r a k e l
u n d d e n R e s t als L o g i e n a u s s y n o p t i s c h e r T r a d i t i o n . K . B e r g e r w e i s t J a k d e r p r o t r e p t i s c h e n s y m bouleutischen Literatur z u .
3 4 3
6 . V e r s u c h e , J a k g a t t u n g s m ä ß i g i n s g e s a m t d e r Diatribe^ sich n i c h t d u r c h g e s e t z t .
3 4 5
ten, diverse F r a g e n a r t e n , S t i l m i t t e l , W e n d u n g e n tungsbestimmung.
zuzuordnen (so J . H . R o p e s ) , haben
Z w a r f i n d e n s i c h Z ü g e der D i a t r i b e (fiktive D i a l o g e , fiktive O p p o n e n u s w . ) . A b e r d a s reicht n i c h t a u s für e i n e G a t
3 4 6
7 . S e i t einiger Z e i t g e w i n n t d i e Briefform
wieder mehr A n k l a n g .
3 4 7
Teils g e h t es d a b e i a l l g e m e i n
u m d i e F r a g e , o b d i e e p i s t o l a r i s c h e n T e i l e i n J a k für e i n e s o l c h e G a t t u n g s b e s t i m m u n g a u s r e i c h e n , speziell i m H i n b l i c k a u f d e n S c h l u ß . positiv zu b e a n t w o r t e n .
3 4 9
3 4 8
V o n d e r hellenistischen E p i s t o l o g r a p h i e her ist d i e F r a g e
E i n h e i t l i c h e R e g e l n für Briefe existierten in d e r A n t i k e n i c h t . I m m e r h i n
g i b t sich d a s S c h r e i b e n in 1,1 selbst als B r i e f z u e r k e n n e n ; es g e h ö r t e a m e h e s t e n zur G a t t u n g d e r litterae p u b l i c a e ( H . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 8 ) . D e r e p i s t o l a r i s c h e A n s a t z w i r d s o d a n n e i n m a l in R i c h t u n g speziell a u f d i e B r i e f e r ö f f n u n g h i n weiter verfolgt, a l s o in H i n b l i c k a u f eine e i n f a c h e o d e r s o g a r d o p p e l t e G e s t a l t d e r E x p o s i t i o n (F. O . F r a n c i s ) .
3 5 0
D e s w e i t e r e n fragt m a n n a c h einer b e
s t i m m t e n Tradition aufgrund des Präskripts, nämlich d e m jüdischen D i a s p o r a b r i e f
3 5 1
, w o m i t ein
337 L o h s e , G l a u b e 1 1 . 1 6 f . 2 2 . 338 Schille; er e n t w i c k e l t d a s T h e m a a u s 1,2 ff.: »Weil G o t t u n g e s p a l t e n ist ( h a p l o s ) , soll d e r G l a u b e n i c h t gespalten erscheinen (dipsychos)« (77). 339 R i v e r a 1 4 5 - 1 6 9 . 3 4 0
Strecker, L i t e r a t u r g e s c h i c h t e 7 2 .
4
3 1 Johnson, AncB 24. 4
3 2 V o u g a 16. 3 4
3 Berger, F o r m g e s c h i c h t e 1 4 7 .
3 4 4
D i e D e f i n i t i o n v o n D i a t r i b e hat sich m i t der Zeit verändert; Begriffsgeschichte bei Schindler, D i a t r i b e 15 4 ; d o r t ( 2 0 f.) a u c h K r i t i k a m A n s a t z v o n S t o w e r s , D i a t r i b e . V g l . T s u j i 6 A n m . 1 1 z u B u l t m a n n (»Stil d e r kynisch-stoischen
Volkspredigt«, Stowers (»in der philosophischen
Schule verwendeter Diskurs«) u n d
S c h i n d l e r (der d i e V i e l f ä l t i g k e i t u n d V a r i a b i l i t ä t b e t o n t ) . D a v i d E . A u n e , D i a t r i b e : R G G
4
II ( 1 9 9 9 ) , 8 3 2
f., e r k e n n t drei A s p e k t e i n d e r n e u e r e n D i s k u s s i o n : ( 1 ) literarisches G e n r e ( S t o w e r s ) o d e r i n f o r m e l l e r litearischer Stil ( S c h i n d l e r ) ? ( 2 ) S o z i a l e r K o n t e x t : p o p u l ä r e m ü n d l i c h e P r e d i g t d u r c h K y n i k e r u n d S t o i k e r o d e r p r i m ä r i n d e r P h i l o s o p h e n s c h u l e ( S t o w e r s ) ? ( 3 ) B e i Pls u n d J a k Ü b e r n a h m e eines p ä d a g o g i s c h e n Stils, d e r i m U m f e l d d e r P h i l o s o p h e n s c h u l e n e n t w i c k e l t w u r d e . A u n e definiert: » D i e D . w i r d d u r c h i h r e n d i a l o gischen C h a r a k t e r b e s t i m m t , einschließlich der V e r w e n d u n g imaginärer O p p o n e n t e n , hypothetischer E i n w ä n d e u n d falscher K o n k l u s i o n e n « ( 8 3 2 ) . 4
3 5 D a z u s. C h u r c h 4 5 - 9 1 ; T s u j i 6 f.; F a y 4 0 5 . Z u P a u l W e n d l a n d : P o p k e s , P a r ä n e s e 3 0 . 3 4 6
S c h i n d l e r , D i a t r i b e , ä u ß e r t sich s k e p t i s c h d a r ü b e r , o b D i a t r i b e ü b e r h a u p t (also n i c h t n u r i m Fall v o n J a k ) e i n e G a t t u n g s b e z e i c h n u n g sei ( 3 3 - 5 4 . 9 8 f . ) .
347 V g l . T s u j i 5 f.; N i e b u h r , D i a s p o r a b r i e f e , m i t B e z u g a u f T a a t z . F r ü h e r : M a y o r ( d a z u C h u r c h 1 3 - 4 4 ) . 3 4 8
I m m e r h i n existiert e i n P r ä s k r i p t . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 6 , fragt z u R e c h t , »wie der Verfasser selbst sein S c h r e i
3 4 9
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 7 - 7 0 ; F r a n c i s ; S t o w e r s , Letter; W h i t e , A N R W , L i g h t ; K l a u s B e r g e r , H e l l e n i s t i s c h e
b e n verstehen wollte« - als » B r i e f a n k o n k r e t e A d r e s s a t e n , d a r ü b e r h i n a u s ... als R u n d b r i e f a n alle C h r i s t e n « . G a t t u n g e n i m N e u e n T e s t a m e n t : A N R W II 2 5 . 2 ( 1 9 8 4 , 1 0 3 1 - 1 4 3 2 ) , 1 1 3 2 - 1 1 3 8 . 1 3 2 6 - 1 3 6 3 ;
Strecker,
L i t e r a t u r g e s c h i c h t e 56ff.; A b r a h a m J . M a l h e r b e , A n c i e n t E p i s t o l o g r a p h y T h e o r i s t s , A t l a n t a 1 9 8 8 ; Penner, Epistle 1 3 3 - 1 3 9 . 3
50 S . o. § 6 , 3 .
351 T s u j i 5 - 5 0 ; N i e b u h r , D i a s p o r a b r i e f e ; V e r s e p u t , W i s d o m 7 0 2 f. H o p p e , Q D 1 7 1 - 1 7 5 .
47
Die kompositorische Gestalt inhaltlich-situativer A s p e k t b e r ü h r t ist. Fazit: I n A n b e t r a c h t d e s e i g e n e n S i g n a l s (in 1 , 1 )
3 5 2
spricht
in d e r T a t viel für d i e B r i e f f o r m . Freilich b l e i b t d i e A n g a b e relativ f o r m a l . D i e d a r a u s evtl. erfol genden K o n s e q u e n z e n gehen methodisch über diese Z u o r d n u n g hinaus.
8. Insgesamt bietet die Gattungsfrage nur bedingt Aufschluß über die kompositori sche Gestalt des Jak. Von 1,1 her hat »Brief« Priorität, was aber nur eine Rahmenan gabe darstellt. Daß Jak Elemente von Paränese, Diatribe, evtl. sogar von Hortatio, Protreptik und Midrasch enthält, ist unbenommen; aber als Gattungsbezeichnung sind diese Termini nicht genügend scharf. Dasselbe trifft auf »Traktat« zu; wenn damit die gedrängte Behandlung eines Themas oder Themenbereiches gemeint ist, so entspricht das weder der Fülle der inhaltlichen Aspekte bei Jak noch deren argumen tativer Durchführung im Anrede-Stil. Jak dürfte einiges aus der frühchristlichen kate chetischen Tradition übernommen haben, wie auch der Vergleich mit IPetr und dem Bergpredigtmaterial zeigt, speziell aus der Unterweisung an Neophyten. Aber er knüpft daran nur an; eine Gattungsbezeichnung ergibt sich daraus nicht.
2. Rhetorische
Analyse
Wie auch bei anderen Teilen des N T hat man die Struktur des Jak von der klassischen Rhetorik her untersucht.353 Zumeist denkt man dabei an den Aufriß des ganzen Werks, z. T. aber auch von einzelnen Abschnitten.354 Davon zu unterscheiden ist die Beobachtung, Jak habe rhetorische Elemente und Stilformen verarbeitet.355 Rhetori sche Modelle werden zuweilen auch in Kombination mit epistolarischen verwen det. 356 I allgemeinen überschneidet sich der Ansatz zudem mit einer thematischen Analyse. Ein besonderer Schwerpunkt liegt - ähnlich wie im Fall der Epistolographie - bei der Analyse der Eröffnung des Jak. m
1. R h e t o r i s c h e S t r u k t u r a n a l y s e n d e s J a k g e h e n m e i s t e n s v o n der b e k a n n t e n Schrittfolge propositio, ll.
3 5 8
argumentatio
undperoratio
aus.
3 5 7
exordium
y
A l s p e r o r a t i o gilt in d e r R e g e l 5 , 7 - 2 0 , seltener 5 , 7 -
D i e a r g u m e n t a t i o reiche b i s 5 , 6 ; sie k a n n ihrerseits n o c h in c o n f i r m a t i o , t r a n s i t u s u n d c o n -
3 5 2
Z u r F r a g e d e r U r s p r ü n g l i c h k e i t d e s P r ä s k r i p t s s. u . § 7 , 3 .
3 5 3
F o r s c h u n g s g e s c h i c h t e bei: T h u r e n 2 6 7 ff.; K l e i n 3 5 ff.; B i n d e m a n n 1 9 3 ff.; F a y 4 0 3 - 4 0 7 ; W a c h o b , V o i c e 5 2 ff. S a c h - Ü b e r b l i c k bei A n d e r s o n ; k r i t i s c h C l a s s e n . F ü r d a s N T s i n d b e s o n d e r s d i e A r b e i t e n v o n G e o r g e A . K e n n e d y g r u n d l e g e n d , w i d e r g e s p i e g e l t i n seiner F S : D u a n e F. W a t s o n ( H g . ) , P e r s u a s i v e Artistry. S t u d i e s in N e w T e s t a m e n t R h e t o r i c ... ( J S N T . S S 5 0 ) , S h e f f i e l d (A.P.) 1 9 9 1 ; p a r a d i g m a t i s c h H a n s D i e t e r B e t z , G a l a t i a n s . A C o m m e n t a r y o n P a u l s L e t t e r t o the C h u r c h e s i n G a l a t i a ( H e r m e n e i a ) , P h i l a d e l p h i a ( F o r t r e s s ) 1 9 7 8 . F ü r J a k s. W u e l l n e r . V g l . weiter: G e r d S c h u n a c k , N e u e r e l i t e r a t u r k r i t i s c h e I n t e r p r e t a t i o n s v e r f a h r e n in d e r a n g l o - a m e r i k a n i s c h e n E x e g e s e : V u F 4 1 ( 1 9 9 6 , 2 8 - 5 5 ) , 3 6 - 4 2 ; D e n n i s L . S t a m p s , R h e t o r i c a l C r i t i cism o f the N e w Testament: Ancient a n d M o d e r n Evaluations o f A r g u m e n t a t i o n , in Stanley E . Porter/ D a v i d T o m b s , A p p r o a c h e s to t h e N e w T e s t a m e n t ( J S N T . S S 1 2 0 ) , Sheffield (A.R) 1 9 9 5 ,
129-169.
354 S o W a t s o n z u J a k 2 u n d 3 . 3 5 5
D i e R h e t o r i k ü b e r s c h n e i d e t sich d a b e i teilweise m i t der D i a t r i b e u n d a n d e r e n S t i l m i t t e l n (s. o. § 3 , 3 ) .
3 5 6
S o z. B . K l e i n 3 3 ff., d e r d i e A r g u m e n t a t i o 2 , 1 - 5 , 6 i n s e c h s M a h n r e d e n m i t e t w a gleicher L ä n g e einteilt. Vgl. die kritische Rezension d u r c h M a r t i n Karrer: T h L Z 1 2 1 ( 1 9 9 6 ) , 6 6 3 - 6 6 5 .
3 5 7
Z . B . T h u r e n ; K l e i n ; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , J a k o b s b r e v e t 1 7 8 (der i m e i g e n t l i c h e n K o m m e n t a r a l l e r d i n g s eine konventionell-inhaltliche
E i n t e i l u n g verfolgt; vgl. a u c h 1 8 1 f. z u einer s t ä r k e r t h e m a t i s c h e n ) .
358 S o K l e i n ; 5 , 7 - 2 0 sei d e r B r i e f s c h l u ß .
Einleitung
48 3 5 9
futatio unterteilt w e r d e n . U n t e r s c h i e d l i c h b e s t i m m t wird d a s e x o r d i u m ; hier schlagen d i e tradi tionellen Schwierigkeiten bei J a k zu B u c h e . Z u w e i l e n w i r d s o g a r zwischen e i n e m weiteren u n d e i n e m »eigentlichen« e x o r d i u m d i f f e r e n z i e r t . Ebenfalls überlagern sich z. T. d i e T e r m i n i exor d i u m u n d p r o p o s i t i o . A u c h wird d i e A b g r e n z u n g unterschiedlich v o r g e n o m m e n ; d a s e x o r d i u m (im weiteren S i n n ) reiche bis 1,12 ( W u e i l n e r ) , bis 1,15 ( B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 u n d J a k o b s brevet) o d e r bis 1,18 ( T h u r e n ) . A l s p r o p o s i t i o gilt d a n n der R e s t v o n J a k 1. Teilweise geht m a n j e d o c h sofort zur a r g u m e n t a t i o über (Wuellner: 1 , 1 3 - 5 , 6 ) , sofern m a n nicht bereits a b 1,2 m i t der p r o p o s i t i o b e g i n n t (Klein: 1 , 2 - 2 7 ) . Ü b e r w i e g e n d läßt m a n die a r g u m e n t a t i o m i t 2 , 1 b e g i n n e n . 360
3 6 1
3 6 2
3 6 3
2 . E i n s der P r o b l e m e der rhetorischen A n a l y s e zeigt sich in 5>7-20. E i n i g e teilen die Verse in recapitulatio ( T h u r e n : V 7 - 1 1 ; Wuellner V 7 f.) u n d »eigentliche p e r o r a t i o « (Wuellner: V. 9 - 2 0 ) bzw. c o n q u e s t i o ( T h u r e n , V. 1 2 - 2 0 ) . E s ist j e d o c h zu bezweifeln, d a ß 5 , 7 - 2 0 ü b e r h a u p t als p e r o ratio zu bezeichnen ist. D e n n v o n der peroratio erwartet m a n d o c h eine B ü n d e l u n g u n d Z u s p i t z u n g der A r g u m e n t e , a u c h p s y c h o l o g i s c h abgezielt a u f Z u s t i m m u n g h i n , nicht d a g e g e n eine recht a b r u p t e G e d a n k e n f o l g e m i t n e u e n T h e m e n wie in 5 , 7 - 2 0 . 3 6 4
3 6 5
66
3. E. Baasland^ erkennt zwei D u r c h g ä n g e i m H a u p t t e i l . E i n m a l 1 , 1 6 - 2 2 als p r o p o s i t i o p r i m a ; 1 , 2 3 - 2 7 amplificatio; 2 , 1 - 3 , 1 2 a r g u m e n t a t i o , confirmatio. Z u m a n d e r e n 3 , 1 3 - 1 8 als p r o p o s i t i o s e c u n d a ; 4 , 1 - 6 amplificatio; 4 , 7 - 5 , 6 a r g u m e n t a t i o , confutatio. D e r G r u n d ist p r i m ä r inhaltlicher Art; i m zweiten D u r c h g a n g w e r d e J a k in Inhalt u n d Stil harscher, a n g r i f f i g e r . Diese Beobach t u n g h a t einiges für sich, ist j e d o c h nicht aus der rhetorischen A n a l y s e entstanden, s o n d e r n a u s inhaltlichen E r w ä g u n g e n a u f sie übertragen. 4. D.EWatson meint, d a ß s o g a r einzelne A b s c h n i t t e ( 2 , 1 - 1 3 . 1 4 - 2 6 ; 3 , 1 - 1 2 ) in sich e i n e m »grie chisch-römischen A r g u m e n t a t i o n s s c h e m a « der R h e t o r i k f o l g e n . A m Beispiel v o n 2 , 1 - 1 3 heißt das: p r o p o s i t i o ( V 1), ratio (Beweis v o m e x e m p l u m , V. 2 - 4 ) , confirmatio ( V 5 - 7 ) , exornatio (V. 81 1 , m i t V. 8 als iudicatio u n d V. 9 - 1 1 als weiterer confirmatio), c o n p l e x i o (V. 1 2 f.). In allen Fällen handele es sich u m eine deliberative R e d e ; sie blicke in die Z u k u n f t u n d intendiere, »der H ö r e r schaft v o n einer b e s t i m m t e n H a n d l u n g s f o l g e a b z u r a t e n « . Kritisch ist d a g e g e n zu vermerken: Bei allen wertvollen B e o b a c h t u n g e n i m einzelnen bleibt der E i n d r u c k einer S c h e m a t i s i e r u n g , w e n n A b s c h n i t t a u f A b s c h n i t t nach d e m s e l b e n »pattern« rekonstruiert werden; d a s ist des G u t e n zuviel. 367
3 6 8
3 6 9
3 7 0
5. L. Thuren u n t e r n i m m t nicht n u r eine rhetorische R e k o n s t r u k t i o n , s o n d e r n geht a u c h der B e o b a c h t u n g nach, w a r u m diese S t r u k t u r s o schlecht erkennbar sei. »In guter R h e t o r i k dürfen die taktischen B e w e g u n g e n oft nicht zu klar identifizierbar sein«, z u m a l , w e n n der A u t o r a n n i m m t , d a ß die H ö r e r s c h a f t g u t d a m i t b e k a n n t sei ( 2 8 3 ) . D i e G e s c h i c h t e der J a k - I n t e r p r e t a t i o n zeige, » d a ß die Strategie ein z u h o h e s R i s i k o e i n g i n g « . D i e E m p f ä n g e r h ä t t e n d a s T e x t - A r r a n g e m e n t n u r 3 7 1
359 B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 : 2 , l - 3 , 1 0 a ; 3 , 1 0 b - 1 2 ; 3 , 1 3 - 5 , 6 . E t w a s a n d e r s ders., S t T h 1 9 8 2 : 1 , 1 9 - 3 , 1 2 confir matio; 3,13-5,6 confutatio. 360 T h u r e n 2 8 2 : 1 , 1 - 1 8 bzw. 1,1-4; Wuellner: 1 , 2 - 1 2 bzw. 1,2-4. S o n e n n t K l e i n 3 9 f. 1 , 2 - 2 7 d o p p e l t e p r o p o s i t i o . S o a u c h m i t E n t s c h i e d e n h e i t v o n L i p s 4 1 4 ff. B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 unterteilt: 1 , 1 6 - 1 8 transitus, 1 , 1 9 - 2 7 p r o p o s i t i o ; ders., J a k o b s b r e v e t : 1 , 1 6 - 2 2 p r o p o s i t i o ( p r i m a , die p r o p o s i t i o s e c u n d a w ä r e 3 , 1 3 - 1 8 m i t 4 , 1 - 6 als a m p l i f i c a t i o u n d 4 , 7 - 5 , 6 als c o n f u t a t i o ) , 1,16-27 amplificatio. A n d e r s Klein, der 5 , 1 2 - 2 0 nicht m e h r rhetorisch, s o n d e r n epistolarisch erklärt; die peroratio u m f a s s e 5 , 7 - 1 1 . Heinrich L a u s b e r g , H a n d b u c h der literarischen Rhetorik. E i n e G r u n d l e g u n g der Literaturwissenschaft, Stutt gart (Franz Steiner), 3 . Aufl. 1 9 9 0 , 2 3 6 - 2 4 0 ( § § 4 3 1 - 4 4 2 ) . Vgl. Popkes, C o m p o s i t i o n 9 5 ; T h u r e n 2 7 3 f. B a a s l a n d , J a k o b s b r e v e t 1 7 8 . D a s rhetorische G e n u s des J a k b e s t i m m t er ( A N R W 1 9 9 8 , 3 6 - 5 5 ) als »eine s y m b u l e u t i s c h e R e d e , o d e r besser ... eine weisheitliche L e h r r e d e ( h o r t a t i o ) « . S o bereits B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 6 4 f.; e b e n s o K o n r a d t , E x i s t e n z 3 1 3 . S . die D i a g r a m m e bei W a t s o n , J a m e s 2 , 9 7 . 1 1 8 , m i t » p a t t e r n o f e l a b o r a t i o n « ; ders., J a m e s 3 , 5 1 . 6 4 . Watson, James 3,53; James 2,100. T h u r e n 2 8 2 (mit D i a g r a m m ) . T h u r e n 2 8 4 ; m a n beachte d e n Titel seines Aufsatzes. T h u r e n erwägt z u d e m , o b der B r i e f s e k u n d ä r zwecks P u b l i k a t i o n h e r a u s g e g e b e n w o r d e n sei. D a s k ö n n t e erklären, w e s h a l b S c h l u ß g r ü ß e u n d a n d e r e spezifische I n f o r m a t i o n e n ü b e r die A d r e s s a t e n fehlten. - S o l c h e H y p o t h e s e n fuhren letztlich aber z u nichts.
3 6 1
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Die kompositorische Gestalt
49
schwer identifizieren k ö n n e n . D i e s e T h e s e läuft m . E . selbst ein h o h e s R i s i k o , n ä m l i c h d e n T e x t zu überfordern, u m etwas aufzufinden, was er evtl. gar nicht enthielt.
6. Die rhetorische Analyse hat, aufs Ganze gesehen, für die Frage von Aufbau und Kom position des Jak nicht viel neue Erkenntnisse gezeitigt. Ihre Strukturierung des Jak weicht kaum von der nach anderen Methoden ab. Die Erklärung speziell von 5,7-20 läßt zu viele Fragen offen. Der rhetorische Ansatz ist de facto weithin ein Versuch, die (alten) Probleme von Kap. 1 zu lösen. Festzuhalten ist die Beobachtung gewissermaßen eines Tonartwechsels im Laufe von Jak 3 (Baasland) - aber das ist eine inhaltliche Frage.
3. Analysen
von Jakobus
1
Eine ganze Reihe von Analysen erkennt in Jak 1 eine Disposition oder Exposition des übrigen Briefes. Demnach reiße Jak die meisten Themen zunächst kurz an, um sie später weiter auszuführen. Auf diese Weise erkläre sich sowohl das Akolouthie-Problem in Kap. 1 als auch die Themenfolge danach, darüber hinaus noch die inhaltli che Schwerpunktsetzung. Methodisch überlagern sich dabei verschiedene Ansätze. 72
1. A u s der hellenistischen E p i s t o l o g r a p h i e leitet E O. Francis^ e i n e doppelte Brieferöffnung ab: 1,2-11 u n d 1 2 - 2 5 , gefolgt v o n d e m »Scharnier« 1,26 f. D i e b e i d e n E r ö f f n u n g s a u s s a g e n bildeten die E x p o s i t i o n der b e i d e n H a u p t t e i l e 2 , 1 - 2 6 u n d 3 , 1 - 5 , 6 . S i e enthielten die h a u p t s ä c h l i c h e n » a r g u m e n t a t i v e n Interessen des Briefes ... in sorgfältig ausbalancierten t h e m a t i s c h e n A u s s a g e n eingeführt d u r c h technische liturgisch-epistolarische W ö r t e r für » F r e u d e « u n d » S e g e n « . P. H . D a v i d s folgt d e m i m P r i n z i p , erkennt j e d o c h drei t h e m a t i s c h e H a u p t b l ö c k e : 2 , 1 - 2 6 ( A r m u t u n d Freigiebigkeit); 3 , 1 - 4 , 1 2 (sauberes R e d e n ) ; 4 , 1 3 - 5 , 6 (Prüfung d u r c h R e i c h t u m ) . Ebenfalls a u f epistolarischer E b e n e strukturiert T. C . P e n n e r : 1,2-12 Brieferöffnung; 1 , 1 3 - 4 , 5 eigentliches Briefkorpus; 4 , 6 - 5 , 1 2 A b s c h l u ß des K o r p u s ; 5 , 1 3 - 2 0 Briefschluß. - E s ist m . E . freilich fraglich, o b die epistolarische Basis, speziell i m S i n n der d o p p e l t e n E r ö f f n u n g , tragfähig ist. D e r P r o b l e m a t i k v o n J a k 1 werden die Vorschläge nicht wirklich gerecht. 2 . A u c h M. Tsuji folgt der E i n t e i l u n g ^ 1,2-27 E i n l e i t u n g , 2 , 1 - 5 , 6 H a u p t t e i l , 5 , 7 - 2 0 S c h l u ß teil. D a b e i bilde 5 , 7 - 2 0 eine Inclusio zu 1,2-12 ( m i t d e m M o t i v » V e r s u c h u n g e n u n d G e d u l d « ) , D i e E i n l e i t u n g h a b e eine D o p p e l s t r u k t u r (V. 2 - 1 2 . 1 3 - 2 7 ) , w o b e i V. 1 3 - 2 7 d a s Vorige amplifiziere. D e r H a u p t t e i l wird relativ konventionell unterteilt ( 7 3 ff.): 2 , 1 - 2 6 ; 3 , 1 - 4 , 1 2 ; 4 , 1 3 - 5 , 6 . E r b e h a n d e l e zwei T h e m e n : » A r m u n d R e i c h « sowie » i n n e r g e m e i n d l i c h e Zwietracht« w o b e i d a s erste T h e m a zweifach v o r k o m m e (in 2 , 1 - 2 6 u n d 4 , 1 3 - 5 , 6 ) . D i e übergreifende T h e m a t i k sei die O p p o s i t i o n zwischen G o t t u n d Welt. - E i n e detaillierte Feinstruktur erkennt a u c h M. Konradfi . D e r Prolog 1,2-12 fungiere als s u m m a r i s c h e E x p o s i t i o n , w o b e i V. 2 - 4 p r o g r a m m a t i s c h »die G r u n d d i m e n s i o n e n christlicher E t h i k « skizziere u n d V. 5 - 1 1 »dieses G r u n d g e r ü s t « ausgestalte. D a s K o r p u s 1,135,6 u m f a s s e zwei H a u p t t e i l e ( 1 , 1 3 - 3 , 1 1 / 1 2 u n d 3 , 1 2 / 1 3 - 5 , 6 ) , die die E x p o s i t i o n entfalteten. J e d e r 3 7 3
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3 7
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372 V g l . a u c h Stowers, Letter; Penner 1 2 3 f f . 1 2 8 . Z u Francis u n d D a v i d s s. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 2 0 . 2 6 . 373 Francis 1 1 8 . D a v i d s , C o m m e n t a r y 2 3 - 2 8 u n d D i a g r a m m ( 2 9 ) . D i e d o p p e l t e E r ö f f n u n g enthalte drei T h e m e n g r u p p e n , die i m C o r p u s chiastisch a u f g e n o m m e n w ü r d e n : (a) A n f e c h t u n g (testing) erzeugt F r e u d e ( 1 , 2 - 4 ) u n d S e g e n ( 1 , 1 2 - 1 8 ) ; (b) Weisheit d u r c h G e b e t ( 1 , 5 - 8 ) u n d : sauberes R e d e n enthält k e i n e n Ä r g e r ( 1 , 1 9 - 2 1 ) ; (c) A r m u t übertrifft R e i c h t u m ( 1 , 9 - 1 1 ) u n d : G e h o r s a m erfordert Freigiebigkeit ( 1 , 2 2 - 2 5 ) . 375 Penner, E p i s t l e 1 3 3 ff. 376 T s u j i 5 9 ff.; vgl. H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 2 3 f. 377 K o n r a d t , E x i s t e n z 3 1 1 - 3 1 5 . 3 7 4
Einleitung
50
Teil des K o r p u s w i r d n o c h wieder e i n m a l (thematisch) untergliedert: 1 , 1 3 - 2 5 ( G o t t e s H e i l s h a n deln) u n d 1 , 2 6 - 3 , 1 1 / 1 2 (wahrer G o t t e s d i e n s t ) sowie 3 , 1 2 / 1 3 - 4 , 1 2 u n d 4 , 1 3 - 5 , 6 . A l s E p i l o g folgt 5,7-20.378 3. W Wuellner betrachtet 1,2-4 als eigentliches e x o r d i u m , d e m in V. 5 - 1 1 die narratio u n d V. 12 die p r o p o s i t i o (Aktionsziel, zugleich transitio) folgen. D i e a r g u m e n t a t i o ( 1 , 1 3 - 5 , 6 ) teilt er in sechs Abschnitte ( 1 , 1 3 - 2 7 ; 2 , 1 - 1 3 ; 2 , 1 4 - 2 6 ; 3 , 1 - 1 8 ; 4 , 1 - 1 2 ; 4 , 1 3 - 5 , 6 ) , weitgehend m i t der Abfolge v o n jeweils » n e g a t i v / p o s i t i v « . - L. 77 Johnson notiert z w a r , daß einige Abschnitte sich leichter the matisch definieren ließen als andere (wie 2 , 1 2 f.; 4 , 1 1 f.). E r strukturiert d a n n aber: 1,2-27 E p i t o m e der E r m a h n u n g ; 2 , 1 - 2 6 Taten des G l a u b e n s ; 3 , 1 - 1 2 Kraft u n d Gefahr der R e d e ; 3 , 1 3 - 4 , 1 0 R u f zur Konversion; 4 , 1 1 - 5 , 6 Beispiele der A r r o g a n z ; 5 , 7 - 1 1 G e d u l d in Anfechtung; 5 , 1 2 - 2 0 R e d e n in der Glaubensgemeinschaft. - H. von Lips betrachtet 1,2-12 als s u m m a r i s c h e E x p o s i t i o n , die abschnitts weise einzelne Briefteile p r ä f i g u r i e r e : (a) 1,2-4 für 1,13-16 (Versuchung); 2 , 1 - 1 3 . 1 4 - 2 6 ( G l a u b e u n d Werke); 3 , 1 - 1 2 ( v o l l k o m m e n ) ; ferner (b) 1,5-8 für 1,17-26 ( G a b e , Bitten); 3 , 1 3 - 1 8 (Weisheit); 4 , 1 - 3 (bitten); 5 , 1 3 - 1 8 (beten); 5 , 1 9 f. (Weg); s o d a n n (c) 1,9-11 für 2 , 1 ff. (reich, d e m ü t i g ) ; 4 , 4 - 1 2 (erhöhen, erniedrigen); 4 , 1 3 - 1 7 ( r ü h m e n ) ; 5 , 1 - 6 ( R e i c h t u m ) ; schließlich (d) 1,12 als Inclusio v o n 1,2-12 für 5,7 ff. (Ausharren, Seligpreisung). - Ähnlich geht H. Frankemöllevor. Allerdings wird nicht g a n z klar, o b für ihn das e x o r d i u m ( 1 , 2 ff) bis V. 12 oder V 18 r e i c h t ; der Akzent liege j e d o c h a m A n f a n g , bei der »Vielfalt der A n f e c h t u n g e n « , die i m weiteren Verlauf expliziert w ü r d e n . Es verweisen d a n n : 1,3 a u f 5 , 7 - 2 0 ( G e b e t , A u s d a u e r ) ; 1,4 ( G r u n d t h e s e ) a u f 1,19-27 ( v o l l k o m m e n e s Werk) u n d a u f 3 , 1 - 1 2 ( v o l l k o m m e n e r M e n s c h ) ; 1,5 a u f 3 , 1 3 - 1 8 ( v o l l k o m m e n e Weisheit); 1,6-8 a u f 2 , 1 4 - 2 6 ( G l a u b e ) ; 1,9-11 a u f 2 , 1 - 1 3 u n d 4 , 1 3 - 5 , 6 (Solidarität m i t d e n A r m e n ) ; 1,12 a u f 4 , 1 - 1 2 ( D e m u t ) . - M. Kleina bezeichnet 1,2-27 als d o p p e l t e p r o p o s i t i o m i t d e n T h e m e n »Ziel« (V. 2 - 1 8 ) u n d »Weg« (V. 1 9 - 2 7 ) . Sie w ü r d e n in der argumentatio ( 2 , 1 - 5 , 6 ) in sechs etwa gleich langen M a h n reden m i t diversen Inhalten für unterschiedliche (!) Personengruppen entfaltet: 2 , 1 - 1 3 . 1 4 - 2 6 ; 3 . 1 1 2 . 1 3 - 1 8 ; 4 , 1 - 1 2 ; 4 , 1 3 - 5 , 6 ; die Inhaltsangaben bleiben die traditionellen. - Chr. Burchard faßt » 1 , 2 11 als s u m m a r i s c h e Exposition< (von L i p s ) « , d. h. als » E r ö f f n u n g : W a s i m B r i e f k o m m t « u n d gliedert d a s C o r p u s 1 , 1 2 - 5 , 6 in zwei H a u p t t e i l e , n ä m l i c h 1 , 1 2 - 3 , 1 1 ( » M a h n u n g e n an alle: Verlaßt e u c h a u f die G ü t e eures S c h ö p f e r s u n d werdet T ä t e r des v o l l k o m m e n e n G e s e t z e s der Freiheit«, m i t d e n A b s c h n i t t e n 1 , 1 2 - 2 5 G r u n d l e g u n g , 1 , 2 6 - 3 , 1 1 E r l ä u t e r u n g e n ) u n d 3 , 1 2 - 5 , 6 (»Schelte der U n v o l l k o m m e n e n : K e h r t u m « , u n d zwar 3 , 1 2 - 4 , 1 2 an streitsüchtige Besserwisser u n d Weltfreun de, 4 , 1 3 - 5 , 6 a n reiche W e l t f r e u n d e ) . D e r B r i e f s c h l u ß 5 , 7 - 2 0 ( » E r m u n t e r u n g . E r i n n e r u n g a n G r u n d r e g e l n . Verheißung«) w i r d eingeteilt in V. 7 - 1 1 . 1 2 - 1 8 . 1 9 f. 379
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4. Kann man von einem neuen Konsensus^ reden? Die alte Position von M . Dibelius, Jak sei eine weitgehend plan- und zusammenhanglose Sammlung von Einzelsprü chen, wurde durch diese Erkenntnisse zweifellos erschüttert. Die vielen Beobachtun gen zeigen eine Fülle von Anhaltspunkten. Dennoch bleiben kritische Anfragen. Im wesentlichen arbeiten die Vorschläge mit einer Doppelprämisse, nämlich: es gibt eine
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I m einzelnen w i r d diese S t r u k t u r v o n K o n r a d t n o c h viel weiter ausgefeilt. F ü r Wuellner ist J a k eine d i k a n i s c h e R e d e , aber a u c h w e r b e n d . J o h n s o n A n c B 1 2 ff. E r charakterisiert J a k als »a f o r m o f p r o t r e p t i c d i s c o u r s e in e p i s t o l a r y f o r m « ( 1 5 9 ) . V o n L i p s 4 1 4 ff. F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 3 5 - 1 3 8 . 1 6 2 . 1 7 5 ff. D i e Z u o r d n u n g v o n 1 , 1 3 - 1 5 u n d 1 , 1 6 - 1 8 ist m . E . nicht g a n z klar. « K l e i n 3 9 f. B u r c h a r d , H N T E i n l e i t u n g 3 . 2 . » D a m i t ist nicht b e h a u p t e t , d a ß d i e U n t e r t e i l e des H a u p t t e i l s ihren K o p f in d e r E x p o s i t i o n regelrecht u n d n u r i h n auslegen o d e r d a ß u m g e k e h r t d i e E x p o s i t i o n n a c h t r ä g l i c h a u s S t o f f u n d Text des H a u p t t e i l s a b g e z o g e n ist; es ist nicht bestritten, d a ß T h e m e n , d i e e i n e n Unterteil b e s t i m m e n , a u c h a n d e r s w o v o r k o m m e n . « - D i e B e r u f u n g a u f v o n L i p s ist allerdings z u modifizieren; d e n n dieser betrachtet 1 , 2 - 1 2 »als s u m m a r i s c h e E x p o s i t i o n des J a k o b u s b r i e f s « ( 4 2 2 ) . So Hahn/Müller, T h R 1998, 24.
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Die kompositorische Gestalt
51
Exposition, und diese wird thematisch strukturiert entfaltet. Die Vorschläge bewegen sich weitestgehend auf synchroner Ebene, auch wenn mit erheblicher Traditionsauf nahme gerechnet w i r d . ? Zudem fällt auf, daß die Einteilung in Abschnitte kaum neue Erkenntnisse gegenüber traditionellen, vielfach thematisch bestimmten Ent würfen z e i g t . Ist der Textbegrifjß ^ evtl. doch zu literarisch-statisch, zu architekto nisch, zu wenig dynamisch, auch in intertextueller Hinsicht? Stimmt die genannte Doppelprämisse? Die Divergenzen bei der Themenbestimmung raten zur Zurück haltung. Die thematischen Aspekte, so gewiß sie Anhalt im Text haben, stellen eher bestimmte Perspektiven dar als ein zweifelsfrei erkennbares Strukturkonzept, das Jak verfolgte. Es scheint, daß in der Forschung ästhetische Gesichtspunkte teilweise die analytischen überlagern. 38
388
8
4. Thematische
Einteilungen
Thematische Einteilungen ohne Expositionsteil finden sich auch sonst in der Litera tur. ^ 1. E Vouga^ , dem R. M a r t i n ^ weitgehend folgt, erkennt drei Teile: 1,2-19a (Anfechtungen bestehen); l,19b-3,18 (das Wort verwirklichen; widerstehen); 4 , 1 5,20 (die göttliche Providenz bezeugen). Jeder Abschnitt leite sein Thema extra ein (1,2-4; 1,19b; 4,1-10). - Vier Abschnitte stellt C - Ä Amphoux heraus ? : 1,1-27 (Anfechtung und Hoffnung); 2,1-26 (in der Synagoge); 3,1-4,10 (tägliches Leben); 4,11-5,20 (Gericht und Errettung). Man erkennt wiederum, wie leicht thematische Einteilungen, von subjektiven Erwägungen nicht unbeeinflußt, zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. 2. T. Cargal bezeichnet seine M e t h o d e als ein »strukturelles semiotisches M o dell«, das zu einer »Diskursanalyse« führe. Jak enthalte vier größere »diskursive Ein heiten«, gekennzeichnet durch die »Parallelen zwischen >invertierten< (inverted) und >gesetzten (posited) Inhalten< ihrer jeweiligen >Einführungen< und >Abschlüsse«<: 1,121 (Thema: das eingepflanzte Wort annnehmen, um vollkommen zu sein); 1,22-2,26 (Werke des Wortes); 3,1-4,12 (eine angemessene Haltung zu sich selbst haben durch Selbsterniedrigung); 4,11 (sic)-5,20 (den Nächsten zurückbringen). Ausgangspunkt ist 1,1: die Wiederherstellung der Diaspora (im spirituellen Sinn), wieder aufgenom3
1
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3 8 7
S o e t w a bei F r a n k e m ö l l e u n d v o n L i p s in b e z u g a u f d i e S i r - R e z e p t i o n .
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S o g a r d i e E i n t e i l u n g bei D i b e l i u s w e i s t m a n c h e U b e r e i n s t i m m u n g e n d a m i t auf.
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Vgl. Wuellners Protest.
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E i n e n U b e r b l i c k ü b e r l i n g u i s t i s c h - s t r u k t u r a l e F o r s c h u n g e n u n d ihre S t r u k t u r i e r u n g d e s J a k g i b t P a r i d a e n s 8 6 - 1 2 7 (zu C a r g a l , Terry, E k s t r o m , R o u n t r e e , T o r a k a w a / H i l l , H a r t i n , K o t z e ) .
391 V o u g a 2 0 - 2 3 . 3
92 M a r t i n , W B C ciii-civ.
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Amphoux, Bib 1981, N T S
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C a r g a l , R e s t o r i n g 1 - 5 6 ( A u f b a u 5 2 f.), zur M e t h o d e ( G r e i m a s i a n s t r u c t u r a l s e m i o t i c s ) 3 1 ff., speziell 3 6 -
1978/79.
3 8 . V g l . d i e k r i t i s c h e R e z e n s i o n d u r c h P. H . D a v i d s : C B Q 5 6 ( 1 9 9 4 ) , 5 8 3 f. ( » a t h e o r y w h i c h o v e r r i d e s w h a t c a n b e clearly d e m o n s t r a t e d a b o u t the literary s t r u c t u r e o f t h e E p i s t l e « ; » I c h h a b e d e n s t a r k e n Ver d a c h t , d a ß e i n z e l n e E r k e n n t n i s s e als n ü t z l i c h g e f u n d e n w e r d e n , d a ß a b e r d a s G e s a m t b i l d v o n J a k v e r w o r fen w e r d e n w i r d « ; d a s B u c h »wirft 2 0 0 0 J a h r e F o r s c h u n g u m « ) .
Einleitung
52
men in 5,19 f. Das spektakulärste Resultat ist, daß 1,2 (indikativisch gelesen) die Meinung der Gegner (!) vertrete, die Jak dann zurückweise. ^ 39
5. Didaktische Auch auf anderen, stärker didaktischen
Strukturvorschläge Wegen wurden Strukturvorschläge erarbei-
tet.396 3 9 7
1. P B. R. Forbes g e h t d a v o n a u s , d a ß der B r i e f in d e n G e m e i n d e n v e r l e s e n w e r d e n sollte. D a z u war eine E i n t e i l u n g in » h a n d l i c h e kleine A b s c h n i t t e « erforderlich, j e d e r in sich verständlich, die aber i n s g e s a m t ein » k o h ä r e n t e s u n d integriertes G a n z e s « b i l d e t e n . E i n e n n e u e n V e r s u c h z u m »oral s t r u c t u r i n g in J a m e s « hat M. A. M. Paridaens u n t e r n o m m e n . Schlüsselhinweise für solch eine S t r u k t u r seien » W i e d e r h o l u n g ( a n a p h o r a , Parallelen u n d I n k l u s i o n e n ) u n d A n k ü n d i g u n g des z u d i s k u t i e r e n d e n T h e m a s « . W ä h r e n d der W e g , J a k als » M a k r o C h i a s m u s « z u verstehen, nicht weiterführe ( 1 7 5 - 1 8 6 ) , erweise sich d a s E l e m e n t »inclusio« (als eine A r t » r u d i m e n t ä r e r C h i a s m u s « , 1 8 6 ) , v e r b u n d e n m i t » A n k ü n d i g u n g der T h e m e n « , als nützlich ( 1 8 7 ff.)- E s ergebe sich folgender A u f b a u : D i e Teile 1 , 2 - 2 5 E i n l e i t u n g u n d 5 , 7 - 2 0 C o n c l u s i o seien jeweils parallel zweigeteilt in A »schwierige S i t u a t i o n « ( 1 , 2 - 1 2 ; 5 , 7 - 1 2 ) u n d B »Verhalten« ( 1 , 1 3 - 1 5 : » s ü n d i g e s Verhalten«; 5 , 1 3 - 1 8 : »Beispiele positiven Verhaltens«, a u s m ü n d e n d in die » W i e d e r h e r s t e l l u n g d e s S ü n d e r s : 5 , 1 9 - 2 0 ) . D i e » T h e m e n a n k ü n d i g u n g « erfolge in 1 , 2 6 - 2 7 : » R e d e n , T a t e n , Weltlichkeit« (als B e g i n n des Teiles 1 , 2 6 - 4 , 3 ) . D a v o n w ü r d e z u n ä c h s t (A) in 2 , 1 - 1 1 die »Weltlichkeit: die S ü n d e der B e v o r z u g u n g « behandelt, bevor in 2 , 1 2 eine weitere T h e m e n a n k ü n d i g u n g folge ( » R e d e n , T a t e n « ) , a b g e h a n d e l t als ( B ) » T a t e n der B a r m h e r z i g k e i t « in 2 , 1 3 - 2 6 u n d als ( C ) » R e d e n u n d Z o r n « in 3 , 1 - 4 , 3 . E i n weiterer Teil ( 4 , 4 - 5 , 6 ) kehre zur »Weltlichkeit« z u r ü c k (»die S ü n d e des Stolzes«). 3 9 8
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D i e s e S t r u k t u r i e r u n g hat (wie andere ähnliche) einen eher architektonisch z u n e n n e n d e n Z u schnitt, stark d a r a n interessiert, T h e m e n g r u p p e n u n d E n t s p r e c h u n g e n zu rekonstruieren. U n k l a r bleibt, inwiefern sich darin ein a u s g e s p r o c h e n oraler, also a m Vorlesen u n d H ö r e n orientierter C h a r a k t e r w i d e r s p i e g e l n soll. 2 . R. Obermüller sieht in J a k einen Lehrer, der g e r a d e z u an d e n f ü n f F i n g e r n einer H a n d j e d e n A b s c h n i t t n a c h d e m S c h e m a »thesenartige S t e l l u n g n a h m e , personelle Beispiele, S i t u a t i o n , t h e o l o gische Reflexion, p r a k t i s c h e S c h l u ß f o l g e r u n g « d u r c h g e h e . 4 0 1
F. Fry u n t e r s u c h t J a k a u f H a u p t - u n d N e b e n t h e m e n hin. E r findet 1 8 E i n h e i t e n m i t j e e i n e m H a u p t t h e m a . I n s g e s a m t ergebe sich eine D r e i t e i l u n g (A) 1 , 2 - 1 8 , ( B ) 1 , 1 9 - 4 , 1 2 u n d w i e d e r u m (A) 4 , 1 3 - 5 , 1 8 . D e r B-Teil ( 6 0 % des G a n z e n ) , n a c h A u f f o r d e r u n g e n ( 1 ) u n d W a r n u n g e n (2) aufgeteilt, habe die Struktur 1 - 1 - 2 - 1 - 2 - 1 - 2 - 2 . Alle T h e m e n v o n B ließen sich als »Test« definieren; d a s G e s a m t t h e m a des Briefes laute » P r ü f u n g u n d B e w ä h r u n g « (bzw. » P r ü f u n g des G l a u b e n s « , 4 3 5 ) . D i e A - T e i l e stellten d a s T h e m a dar, d a z u n o c h die T e x t - S i t u a t i o n » r e i c h / a r m « ; der B-Teil führe d e n Test i m einzelnen d u r c h . D e r R a h m e n ( 1 , 1 ) begrüße s o z u s a g e n die T e s t a b s o l v e n t e n bzw. ( 5 , 1 9 f.) 4 0 2
3 9 5
Cargal, Restoring 61-63. 96 V g l . B e a s l e y - M u r r a y 1 8 f. F o r b e s 1 4 8 . A u c h J o h n s o n , A n c B 1 1 - 1 4 , b e t o n t die m ü n d l i c h e K o m m u n i k a t i o n . F o r b e s 1 4 9 . S o unterteilt er z. B . d i e 53 Verse d e s ersten A b s c h n i t t s ( 1 , 1 - 2 , 2 6 ) in f ü n f » a l m o s t e q u a l sections o r p a r a g r a p h s « , n ä m l i c h 1,1+2-11.12-21.22-27; 2 , 1 - 1 3 . 1 4 - 2 6 ( 1 5 0 ) . Paridaens 1 7 0 . P a r i d e a n s ' 2 3 5 (tabellarisch). O b e r m ü l l e r 2 3 5 . S o w i r d z. B . 1,2-17 m i t » G o t t hat allen etwas g e g e b e n « ü b e r s c h r i e b e n u n d in die Verse 2 - 4 . 5 - 1 1 . 1 2 - 1 3 . 1 4 - 1 5 . 1 6 - 1 7 eingeteilt. 402 p 431 T a b e l l a r i s c h e G e s a m t s t r u k t u r : 435. Tabelle 1 enthält » m a j o r t h e m e s « ( 4 2 9 ) , T a b e l l e 2 » s e c o n d a r y t h e m e s « (433). 3
3 9 7
3 9 8
3 9 9
4 0 0
4 0 1
r
v
D i e kompositorische Gestalt richte d i e D u r c h g e f a l l e n e n auf. - K D .
53
Tollefion m e i n t , J a k v e r f o l g e a u f d e m W e g z u m Z i e l , n ä m
lich der christlichen Reife, s i e b e n S c h r i t t e : 1,2-18 K o n f r o n t a t i o n m i t A n f e c h t u n g e n ; 1 , 1 9 - 2 7 G o t t gefallen; 2 , 1 - 2 6 G l a u b e n d e m o n s t r i e r e n ; 3 , 1 - 1 8 sich k o n t r o l l i e r e n ; 4 , 1 - 1 2 Prioritäten setzen; 4 , 1 3 5,6 für d i e E w i g k e i t l e b e n ; 5 , 7 - 2 0 G o t t v e r t r a u e n .
4 0 3
3. Keiner dieser Vorschläge hat größere Resonanz gefunden - zu Recht; dazu sind sie zu konstruktivistisch. Immerhin jedoch sind die methodischen Ansätze nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, weil sie versuchen, praktische Umstände zu berück sichtigen. Man beobachtet aber auch hier das Bemühen, einen durchkonstruierten Bauplan aufzudecken. Die Frage jedoch bleibt, ob Jak so etwas enthält.
6. Einheitliches
Thema 404
Verschiedentlich hat man versucht, das eine »unifying theme« ( H i e b e r t ) des Jak zu finden. 1. M. K. Rustler sieht als einheitliches T h e m a »die christliche Lösung der sozia len Spannungen«, entfaltet in drei Hauptteilen: 1,2-27 »grundlegend-dogmatisch«; 2,1-3,12 »praktisch-moralisch«; 3,13-5,20 »endgültig-eschatologisch«, wobei jeder Teil in sich als These-Antithese-Synthese aufgebaut s e i . - Das Operieren mit den Mitteln der inhaltlichen Systematik und dispositionellen Architektonik läßt sich leicht erkennen und entsprechend kritisieren. 2. Bestimmte Stellen hat man als Schlüsselstellen herausgestellt. So dient l , 2 - 4 laut Tielemann als Anzeiger des Doppelthemas »Glaubensschwäche« (ausgeführt in 1,5-2,13) und »Selbstüberhebung« (behandelt in 2,14-3,18: »nicht nur Worte, son dern auch Taten!«). Die beiden Hauptteile werden jeweils untergliedert in einen the oretischen und einen praktischen Abschnitt (z. B. 1,12-25 und 1,26-2,13) Der Rest umfasse abschließende Ermahnungen (4,1-5,11) und spezielle Fragen ( 5 , 1 2 - 2 0 ) . Auch l,19(-26) gilt als Exposition für das Korpus: (a) schnell zum Hören, langsam zum Reden und zum Zorn; (b) die Zunge zügeln, Waisen und Witwen aufsuchen, (c) 4 0 5
406
407
4 0 8
409
4
° 3 T o l l e f s o n 6 2 ff. A . C a n a b i s s , A N o t e o n J a c o b s « H o m i l y : E v Q 4 7 ( 1 9 7 5 ) , 2 1 9 - 2 2 2 , e r k e n n t i n J a k e i n e H o m i l i e , d i e sich n a c h e i n a n d e r a n G e m e i n d e l e i t e r , D i a k o n e , Lehrer, W i t w e n bzw. J u n g f r a u e n u n d P ö n i t e n t e n richte.
4 0 4
E s l a u t e , s o m e i n t H i e b e r t , U n i f y i n g : »tests o f a living f a i t h « , w o b e i er v o n 1,3 a u s g e h t . V g l . a u c h B r a u m a n n 4 0 3 : » O f f e n b a r b i l d e t also d a s G l ä u b i g w e r d e n , d e r T a g d e s H e r r n u n d d i e B e w ä h r u n g i n d i e s e m I n t e r i m d e n H i n t e r g r u n d d e s Briefes«; P r e t o r i u s lokalisiert d a s » k o m m u n i k a t i v e Z e n t r u m « d e s Briefs i n e i n e m » M u s t e r v o n H i n w e i s e n « a u f » s a l v a t i o n a l c o n s e q u e n c e s « , d. h. d i e A u s w i r k u n g v o n T a t e n a u f d i e e s c h a t o l o g i s c h e E r l ö s u n g . - F a y 4 0 8 ff. ä u ß e r t sich k r i t i s c h z u V e r s u c h e n , » d e n J a k o b u s b r i e f u n t e r ein T h e m a z u stellen u n d m i t H i l f e dieses e x e g e t i s c h e n G e n e r a l s c h l ü s s e l s d e n g e s a m t e n T e x t a u f s c h l i e ß e n z u w o l len«.
4 0 5
R u s t l e r 1 8 . V g l . a u c h S . H . O n g , A S t r a t e g y for a M e t a p h o r i c a l R e a d i n g o f t h e E p i s t l e o f J a m e s , L o n d o n
4 0 6
Rustler 6 0 .
( U . P. o f A m e r i c a ) 1 9 9 6 : L e b e n als E r p r o b u n g d u r c h G o t t . 4 0 7
S . a u c h d i e T h e s e , d e r B r i e f (bzw. sein H a u p t t e i l ) sei e i n e R i n g k o m p o s i t i o n ; s o z. B . d e Vries, brief: u m 2 , 2 0 - 2 5 ; Reese: u m 3 . 1 - 1 8 . Vgl. Burchard, H N T Einleitung 3.2.
4 0 8
A u c h S c h u l e 7 3 ff. g e w i n n t v o n 1,2 ff. her d a s G e s a m t t h e m a bzw. d i e T h e s e d e s Briefes: »Weil G o t t u n g e s p a l t e n ist ( h a p l o s ) , soll d e r G l a u b e n i c h t g e s p a l t e n e r s c h e i n e n ( d i p s y c h o s ) « ( 7 7 ) .
4
09 T i e l e m a n n 6 1 1 .
54
Einleitung 410
sich von der Welt unbefleckt h a l t e n . Die drei Teile würden (wie E. Pfeiffer meint) entfaltet in 1,20-27 (2,1-13 sei eine »Episode« außerhalb des Schemas), 3,1-12 und 3,13-4,13. N u r zwei Mahnungen erkennt C . N o e s g e n in 1,19, nämlich »schnell zu hören« (ausgeführt in 1,20-2,26) und »langsam zu reden und zum Zorn« (negativ dargelegt in 3,1-4,12 und weiter in 4,13-5,20). In ähnlicher Weise soll 1,26 f. (laut H . J . C l a d d e r ^ ) die Schlüsselfaktoren liefern (drei Anforderungen der Weis heit: die Zunge zügeln, Werke der Barmherzigkeit vollbringen, sich von der Welt unbefleckt halten); sie würden im Hauptteil 2,1-3,14, obschon in umgekehrter Rei henfolge, dargelegt: Respekt vor Personen (2,1-11), Werke der Barmherzigkeit (2,1226) und Sünden der Zunge (3,1-14). Die gegenteiligen Ansichten würden in 3,154,8a zurückgewiesen, wobei die Abfolge erneut umgekehrt würde; der Rest (4,8b5,20) enthalte verschiedene Mahnungen. Als (seelsorgerliches) Aktionsziel des Jak wurde 5,19 f. verstanden : die Zurück bringung der Abirrenden. - Gewiß ist jeweils Richtiges gesehen; aber die Tragweite der Aspekte ist begrenzt. Zudem macht sich allzu leicht ein thematischer Konstrukti vismus breit. 3. Versuche wie die dargestellten mögen sich zwar nicht bewährt haben; dennoch ist die Frage nach dem »unifying theme« legitim und, wie auch die im Vorigen notier ten Vorschläge zeigen, keineswegs gering verbreitet. O b man daraus jedoch eine Struktur ableiten kann, ist eine andere, zweifelhafte Überlegung. 411
4 1 2
4
414
7.
Textbegriff
Gegenüber den vielfachen Versuchen, in J a k aus verschiedenen Perspektiven eine wohldurchdachte, sorgfältig geplante, geradezu durchkalkulierte architektonische Struktur zu finden, erhebt sich die Frage, ob solch ein Textbegriff letztlich nicht zu sta tisch ausfällt. Schon W. Wuellner forderte einen »prozessualen Textbegriff« 5; man kann ihn auch als dynamischen bezeichnen. Einzubeziehen ist die pragmatische Intention des Verfassers ; ebenso das Wechselspiel zwischen Tradition und Redaktion, also die Intertextualität; dazu noch die Intratextualität, d. h. Verweise und Rückbezüge im Text. Einige Probleme (u. a. Jak 1) lassen sich evtl. auf diese Weise eher verständlich machen. 41
416
4 1 0
V g l . R u s t l e r 1 0 f.; bereits Pfeiffer 1 6 7 .
4 1 1
Pfeiffer 1 6 3 ff.
4 1 2
C . N o e s g e n , Geschichte der neutestamentlichen O f f e n b a r u n g . II. Geschichte der Apostolischen Verkündi g u n g , M ü n c h e n ( B e c k ) 1 8 9 3 , 9 8 . W e i t e r e s d a z u bei P a r i d a e n s 7 f.
4 1 3
C l a d d e r , A n l a g e 3 7 ff., A u f b a u 3 0 3 ff. Z u 1 , 2 6 f. vgl. a u c h F r a n c i s 1 1 8 - 1 2 1 : d i e d o p p e l t e B r i e f e r ö f f n u n g w e r d e hier k u r z w i e d e r h o l t . - A u c h für F r a n k e m ö l l e ( Ö T K 3 2 3 - 3 2 5 ) gilt, in R e k u r s a u f Pfeiffer u n d C l a d der, 1 , 1 9 - 2 7 , r h e t o r i s c h g e s e h e n , als P r o p o s i t i o ; vgl. B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 5 9 .
4 1 4
4 1
B r a u m a n n 4 0 4 ; ä h n l i c h K ü r z d ö r f e r 1 0 4 - 1 0 6 ; vgl. C a r g a l 5 0 f.
5 Wuellner 12.
4 1 6
W u e l l n e r 1 2 ; vgl. F r a n k e m ö l l e , Ö T K p a s s i m .
55
Die kompositorische Gestalt
1. Intratextuell hat m a n a u f s o g . flashbacks, Verbindungswörter, Stichwörter, Q u e r v e r w e i s e u n d dgl. a u f m e r k s a m g e m a c h t . 1 7 S o b e o b a c h t e t R . B . C r o t t y einige k o r r e s p o n d i e r e n d e Passagen — etwa zwischen 2 , 1 - 2 6 u n d 4 , 1 1 - 5 , 1 1 oder zwischen 1 , 1 9 - 2 7 u n d 5 , 1 2 - 1 8 . E . B a a s l a n d spricht v o m »Teppich-Muster« mit Wiederholungen und Steigerungen. S o d u r c h z ö g e n Stichwörter mehrere A b s c h n i t t e ( 0 e 6 g , Jtiaxig, egyov usw.), oft: aber trifft m a n sie n u r zweimal an; s o fxaxdQiog, G e s e t z der Freiheit, xaAxoc; Jtoietv, a y e vi3v. - B e s o n d e r s auffallend s i n d diese d u r c h lediglich zwei S i g n a l e hergestellten B e z i e h u n g e n ; etwa die »Leerstelle« betr. »Weisheit« in 1,5 in b e z u g a u f 3 , 1 3 - 1 8 ; o d e r die t e r m i n o l o g i s c h e W i e d e r a u f n a h m e v o n 1,8 in 4 , 8 o d e r v o n 4 , 9 in 5 , 1 ; e b e n s o v o n 1,16 in 5 , 1 9 f.; ferner die K o r r e s p o n d e n z zwischen 2 , 1 - 1 3 u n d 2 , 1 4 - 2 6 in b e z u g a u f C a s u s , Schriftbeleg u n d xaXcbg Jtoetv; desgleichen zwischen 2 , 1 8 u n d 3 , 1 3 . O h n e d a ß m a n gleich eine ausgefeilte S y s t e m a t i k - etwa i m S c h e m a v o n A n d e u t u n g u n d amplificatio - v e r m u t e n m u ß , s i n d diese Textsignale für d e n j a k Textbegriff u n d die G e d a n k e n f ü h r u n g wesentlich. M a n sollte d a r ü b e r aber nicht vergessen, d a ß J a k vielfach W ö r t e r o d e r M o t i v e nicht wieder aufgreift (z. B . » Z o r n « 1,19 f. o d e r »Waisen u n d W i t w e n « 1,27). E s empfiehlt sich z u d e m a u c h , seine W o r t w a h l zu beachten; s o fällt z. B . auf, d a ß » a r m « (jixcoxög) expressis verbis n u r in 2 , 2 - 6 v o r k o m m t , »reich« d a g e g e n in 1,10 f.; 2 , 5 f.; 5 , 1 . 4
4 1 8
4 1 9
4 2 0
2 . Beachtenswert ist a u c h die v o n E . B a a s l a n d u. a. notierte zunehmende Schärfe des Tones i m zweiten Teil des Briefes, etwa a b 3 , 1 3 bis 5,6. N u r hier findet sich z u d e m ein spezialisierter A d r e s satenkreis ( 4 , 1 3 ff; 5,1 ff). M ö g l i c h e r w e i s e b e d a r f die verhandelte M a t e r i e s a m t H i n t e r g r u n d u n d S i t u a t i o n einer aggressiveren G a n g a r t . Z u m i n d e s t e m o t i o n a l ist der B r i e f nicht völlig i m G l e i c h g e wicht. 3. D i e Textsignale, die eine E i n g r e n z u n g v o n A b s c h n i t t e n erfordern, s i n d seltener u n d weniger klar, als m a n oft m e i n t . J a k schafft fast überall Übergänge, a u c h w e n n m a n sie »künstlich« n e n n e n m a g u n d a u c h w e n n in der S a c h e häufig S p r ü n g e zu s p ü r e n s i n d . D a s betrifft etwa d e n U b e r g a n g v o n 1,12 zu 1 , 1 3 - 1 5 . J a k m ö c h t e das T h e m a » A n f e c h t u n g « weiterführen; w a s berechtigt d a z u , hier eine Z ä s u r v o r z u n e h m e n ? D e s g l e i c h e n ist es keineswegs klar, zwischen 1,18 u n d 19 zu tren nen, z u m a l das Verb in V. 19 e b e n s o g u t Indikativ wie I m p e r a t i v sein k a n n ; u n d w i e s o erfolgt hier ein » T h e m e n w e c h s e l « , w o d o c h s o e b e n erst in V. 18 \6yoc, eingeführt w u r d e u n d V. 2 1 d a z u in enger B e z i e h u n g steht? J a , m a n k ö n n t e V. 19 f. s o g a r entbehren; V. 18 w ü r d e in V. 2 1 eine g u t e F o r t s e t z u n g finden (s. z. S t . ) . 4 2 1
4. Die Komposition des Jak sollte nicht nur synchronisch, sondern ebenfalls diachro nisch, intertextuell untersucht werden. Augenfälligerweise bezieht sich Jak (implizit) immer wieder auf Traditionsteile - wie z. B. in 1,2 ff. 13 ff. auf Sir, dazu noch auf Stücke wie in IPetr 1 und Rom 5; oder in 1,18.21 evtl. auf Konversionstradition. Durchgängig gewinnt der Leser den Eindruck, daß Jak solche Tradition recht eigen willig und bruchstückhaft verwendet, ohne sich groß um seine Quellen (wie immer sie aussahen) oder auch um einen glatt fortlaufenden Text zu kümmern. Die Tradi tionsanalyse zeigt durchgehend eine Fülle von Anleihen und Anlehnungen aus dem alttestamentlich-jüdischen, hellenistischen und frühchristlichen Bereich. Jak ver wischt dabei nicht die Spuren; die Traditionselemente bleiben einigermaßen erkenn-
4i7Adamson, J a m e s 9 0 - 9 2 ; A m p h o u x , N T S 1 9 7 8 / 7 9 ; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 5 8 f.; Crotty. V g l . a u c h bereits D i b e l i u s , K E K , o b w o h l es d o r t vor allem u m S t i c h w o r t v e r b i n d u n g e n z w i s c h e n a n g r e n z e n d e n Pas s a g e n geht. C r o t t y 4 5 ff. B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 6 8 . F ü r i h n ist 3 , 1 3 - 1 8 ein »Schlüsseltext«. V o m W o r t s c h a t z d o r t ließen sich z u allen Teilen des Briefes L i n i e n ziehen ( 3 6 5 9 ) . S. o. § 6 , 2 . 3 . B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 6 5 . D a r a u f verweist D i b e l i u s , K E K , i m m e r wieder. 4 1 8
4 1 9
4 2 0
4 2 1
56
Einleitung
bar, obwohl er sie selten erkennbar macht. Sie werden sicher teilweise für die jak Akolouthie verantwortlich sein. Ein solches Arbeitsverfahren - per »Zettelkasten« kann es mit sich bringen, daß Jak Faktoren auch nur mit-rezipiert, ohne ihnen weiter nachgehen zu wollen (so u. U. in 4,11 xaxaXaAico).
8. Ergebnisse
zur
Kompositionsfrage
Folgende Punkte zur Kompositionsfrage sollten festgehalten werden. 1. Daß Jak eine weithin kontextlose Kollektion von Einzelteilen sei, dürfte eine überholte Ansicht sein. Gattungsmäßig ist Jak ein Gebilde sui generis. Die Briefform ist deutlich; aber daraus ergeben sich keine weitergehenden Schlüsse für die Struktur. Daß Jak paränetische, diatribische, rhetorische, u. U. sogar midraschhafte Züge ent hält, ist unbenommen; aber das gehört zur materia, nicht zur forma. Unbestreitbar ist ebenfalls die ständige Einarbeitung von Tradition verschiedener Herkunft. Schließ lich sollte man sorgfältig die pragmatische Intention registrieren. Die Komposition ist von Belehrungen, Zurückweisungen, Richtigstellungen, Warnungen, Ratschlägen usw. durchzogen. Daraus ergibt sich eine dynamische Gestalt. 2. Jede »Ein-teilung« gerät in Gefahr, einen fortlaufenden Text zu zerstückeln. Nur mit Zurückhaltung und eher aus praktischen Gründen behandelt dieser Kommentar »Abschnitte«, besser: Textpartien, aber fast mit schlechtem Gewissen; denn häufig gibt es Uberlagerungen zwischen Textpartien, und das aus verschiedenen Gründen; so z. B. bei der Relation von 1,13-15 zum Vorigen wie zum Folgenden; desgleichen bei 1,26 f. Die Zäsur zwischen Kap. 2 und 3 ist einigermaßen deutlich. Viel weniger klar ist jedoch die Position von 3,1-12 zu bestimmen; denn die Relation zum Fol genden ist unverkennbar. Zwischen 3,13 und 5,6 gibt es - trotz 4,11 f. und dem dop pelten Anfang in 4,13 und 5,1 - kaum einen Absatz. Daß mit 5,7 eine andere Partie beginnt, ist durch Anrede und Inhalt nahegelegt. An zwei Stellen versucht dieser Kommentar, einen kompositorischen Akzent zu set zen. Einmal wird 1,16-18 zum Folgenden gezogen, obwohl es Beziehungen zu 1,13-15 g i b t . Aber der übliche Neueinsatz mit 1,19 (thematisch, imperativisch) erscheint ungerechtfertigt, zumal V. 18 und 21 auseinandergerissen würden. Zum zweiten wird 3,1-12 als eine Art Ubergangs- oder Einleitungsabschnitt betrachtet. Die Beziehungen zum Folgenden sind unübersehbar; aber die Textpartie hat auch ein gewisses eigenes Recht. Zudem geht Jak alsbald zu einem zweiten, aggressiveren Teil über. 3. Thematische Einteilungen werden dem Text nur bedingt gerecht, denn sie sugge rieren allzu leicht, Jak wolle Thema um Thema abarbeiten, und sei es auf dem Weg der Amplifikation. Dazu ist er nun doch zu wenig systematisch. Selbstverständlich gibt es bestimmte Schwerpunkte; aber Jak behandelt keine Topoi. Seine Argumenta tion ist dialogisch, argumentativ, auch situationsbezogen. In diesem Zusammenhang ist auch ein Text wie 2,14-26 zu besehen. So wichtig er ist, so wenig läßt Jak selbst erkennen, daß dies der »Zentralteil«, das »Herzstück« oder dgl. sei. Die argumentati422
4 2 2
M i t B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , Jakobsbrevet. D i e V e r b i n d u n g zu 1,13-15 betont K o n r a d t , Existenz.
Die kompositorische Gestalt
57
ven Zusammenhänge greifen viel weiter und verschlungener aus, etwa in bezug auf »Glaube« (1,1; 2,1; 5,15) oder auf die analoge Argumentationsfigur in 2,18 und 3,14. 4. Leitende Ideen und charakteristische Denkweisen hat man mit gutem Recht dem Text entnommen. Dazu gehört generell das Denken in Oppositionen^, im einzelnen wie insgesamt. So hebt die Gegenüberstellung von »Gott und W e l t « einen ganz wesentlichen Zug hervor. Ebenso hat aber auch das anders geartete Wortpaar »Ziel und W e g « 5 sein Recht. Andererseits ist es fraglich, ob man Jak als eine Entfaltung des Themas »Anfechtungen, Tests«^ lesen kann (vgl. z. St.). Gewiß besitzen einige Fragen bei Jak ein deutliches Gewicht - darunter soziale und ekklesiale Spannungen und Probleme, theologische Fehlurteile, menschliches Verhalten (nicht zuletzt beim Reden); aber man sollte die Thematik nicht künstlich systematisierend reduzieren. Daß Jak bestimmte Ziele verfolgt, ist offensichtlich, vor allem: Ausdauer bis zum Eschaton, Eindeutigkeit des Lebens, Verantwortungsbewußtsein, Friedfertigkeit. Man mag auch 5,19 f. als Signum seiner eigenen Absicht lesen. Aus dem allen ergibt sich ein inhaltlich-intentionales Ganzes, aber noch nicht eine Struktur. 5. Es gibt in der Tat einigen Anhalt für die Ansicht, daß Jak zu Anfang einige The men anreißt, die er später aufgreifen wird. Aber wird die Exposition wirklich klar? Schon die Differenzierung zwischen einem »eigentlichen« (1,2-4) und einem »weite ren« Exordium (bis wohin?) oder gar die These einer doppelten Eröffnung (F. O. Francis) zeigen die Sperrigkeit des Textes, der in sich holprig ist und dabei mehrere diachrone Aspekte aufweist. Was legt wirklich nahe, einen bestimmten »Abschnitt« als die summarische Exposition auszugeben? Auch das »semantische I n v e n t a r « ver mittelt nur eine begrenzte Antwort. 6. Jak scheint sich grundsätzlich an einen einzigen Adressatenkreis zu wenden. Zwar gibt es Schwerpunkte und Spezialisierungen (so 4,13 ff.; 5,1 ff.); Jak kehrt jedoch im mer wieder zur Anrede an seine »Brüder« zurück. Eine Aufteilung auf unterschiedli che Personengruppen ^ legt der Text nicht nahe und damit auch keine kompositori sche Zerstückelung. 7. Dieser Kommentar verzichtet aus methodischen Gründen auf einen ausgefeilten und austarierten Bauplan. Damit ist keinesfalls angedeutet, Jak verfolge keinen inne424
4 2
26
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42
4 2
3 V g l . o. § 3 , 3 . 2 u n d § 4 , 1 . 2 . F r a n k e m ö l l e , N e t z , Ö T K p a s s i m ; W u e l l n e r ; C a r g a l 2 9 2 - 2 3 2 ( L i s t e d e r » o p p o sitions o f actions«; Elliott 7 8 notiert »a consistent pattern o f negative assessments a n d positive exhortations« b e z ü g l i c h d e s p e r s ö n l i c h e n u n d s o z i a l e n V e r h a l t e n s (s. d a z u d i e L i s t e 7 5 - 7 7 ) , d a r u n t e r » c o m p l e t e n e s s a n d w h o l e n e s s « g e g e n ü b e r » d i v i s i o n a n d f r a g m e n t a t i o n « ( 7 1 ) . E i n e r d e r w i c h t i g s t e n G e g e n s ä t z e sei » p u r i t y a n d p o l l u t i o n « ( 7 3 ) ; S p e n c e r klassifiziert n a c h » m i s e r i f i c a n d beatific i m a g e s « , d. h. w a s d e r T e u f e l b e w i r k t bzw. w a s G o t t will, d i e L e s e r w ü r d e n z u r E n t s c h e i d u n g g e r u f e n ; R h o a d s stellt u. a. g e g e n ü b e r : zwei W e g e q u a V i s i o n fürs L e b e n bzw. » h u m a n c o n d i t i o n « ( n ä m l i c h F r e u n d e G o t t e s o d e r F r e u n d e d e r W e l t ) , leere R e l i gion u n d Transformation (das eingepflanzte Wort der Wahrheit).
4 2 4
S . o . § 6 , 3 . 2 zu Tsuji. 5 Betont durch Klein. S o F r a n k e m ö l l e , Ö T K z u 1,2 ff.; Fry; V o u g a ; M a r t i n , W B C ; D a v i d s , C o m m e n t a r y ; H i e b e r t , U n i f y i n g . 427 V g l . D a v i d s , Perspectives, d e r als S c h w e r p u n k t e n e n n t : L e i d e n s t h e o l o g i e (incl. » h e a l t h o f t h e C o m m u n i t y « u n d p e i r a s m o s , 98, eschatologische Vorfreude, Armenfrömmigkeit), Glaube-Weisheit-Gebet. S o F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 5 3 - 1 6 5 ( » D e r P r o l o g als L i e f e r a n t d e r S t i c h w o r t e u n d d e r S t r u k t u r d e s B r i e f e s « , z u 1 , 2 - 1 8 ) , m i t D i a g r a m m ( 1 6 2 ) ; » D i e eigentliche K o h ä r e n z d e s Briefes liegt bei g l e i c h b l e i b e n d e m A k t i o n s ziel i m s e m a n t i s c h - t h e m a t i s c h e n B e r e i c h « ( 1 6 3 ) ; vgl. B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , 3 6 5 9 z u 3 , 1 3 - 1 8 . S o Dibelius, K E K ; jetzt a u c h wieder Klein.
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4 2 6
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4 2 9
58
Einleitung
ren Zusammenhang. Gerade die Fülle der verschiedenen intratextuellen Signale macht eine Systematik (epistolarischer, rhetorischer, thematischer oder sonstiger Art) schwierig. Die pragmatisch-intentionale, bezugnehmende, korrigierende, orientie runggebende Argumentationsweise erzeugt ein eher unruhiges Ganzes mitsamt aller lei Quer- und Rückverweisen. Auch thematisch hängen die Aspekte durchaus zusam men und lassen sich nicht einfach auf verschiedene Topoi aufteilen. (Die verwende ten Überschriften der Abschnitte im Kommentar dienen vornehmlich als Lesehilfen und Inhaltsangaben). Das Ineinander der Argumentationsaspekte deutet auch auf eine relativ zusammenhängende Problemkonstellation bei den Adressaten hin. Das Geflecht der Argumentationsstruktur korrespondiert mit dem der Traditionsverarbeitungy die auf Schritt und Tritt inhaltlich wie formal spürbar ist. Die Fülle der Anleihen aus verschiedenen Traditionsbereichen wirkt sich direkt auf die Komposi tion aus. Jak ging anscheinend gut vorbereitet an die Abfassung seines Schreibens her an. Das Modell eines »Zettelkastens« (s. o. § 5,1.5) mag dabei die Art der Verarbei tung der Traditionen erhellen, bis hin zu gelegentlichen Ungereimtheiten im Gedan kenfortschritt. Was Jak charakterisiert, ist die große Menge von Bezugnahmen und Einzelaspekten auf gedrängtem Raum mit ständiger Wirkabsicht im Blick auf die Adressaten. 8. Traditions- und redaktionsgeschichtlich betrachtet, besteht Jak aus einem Rah menteil, der spirituelle Grundfaktoren (darunter Glaube, Wachstum, Anfechtungen, Ausdauer, Wort Gottes, Frömmigkeit, Fürsorge) anspricht. Hier sind die Parallelen zu IPetr, Sir und zum Bergpredigtmaterial spürbar. Dieser Rahmenteil bezieht sich auf so etwas wie eine Einweisung in die christliche Existenz. Jak baut den Rahmen aus, indem er auf einige (aktuelle) Probleme aufmerksam macht (Weisheitsmangel, Zwiespältigkeit, Niedrigkeit und Hoheit, Theodizee, Tatenlosigkeit, Murren). Der Rahmenteil umfaßt zunächst weitgehend Kap. 1 sowie dann 5,7-20. Die Problematik in Kap. 2 ist thematisch zwar aus verschiedenen Traditionen her nahegelegt (vgl. wie der Sir, IPetr ), hat aber ihren Ort in einer sozio-ökonomischen Entwicklung, die einen Pseudopaulinismus als Hintergrund hat. Ein Übergangsstück (3,1-12) verweist auf die Verantwortung der leitenden Kräfte in der Kirche hin, um daraufhin die kon kreten sozio-ekklesialen Auswüchse (Streit, Hochmut, Habsucht, Nörgelei, Prahlen, Torheit und Unrecht der Reichen) aufs Korn zu nehmen (3,13-5,6). Der Hinter grund in den paulinisch-hellenistischen Missionsgemeinden ist nach wie vor spürbar, aber allgemeiner und weniger ideologisch-griffig. Der Schlußrahmenteil (5,7-20) lenkt zu den Themen Ausdauer und praxis pietatis zurück. Dieser Aufriß ist weitge hend diachronisch-intertextuell orientiert. Die von Jak behandelten Probleme/The men bilden ein Gemisch aus Erfahrung (Tradition) und Aktualität. Ein durchgehen des Element ist die pragmatische Intention, nämlich die in mancherlei Hinsicht gefährdete Kirche wieder auf den richtigen Kurs zu bringen.
§ 7 Die Abfassungsverhältnisse D e m Brief selbst ist darüber wenig zu entnehmen; vieles muß indirekt erschlossen wer den, und zwar aus dem Text selbst wie auch aus dem Vergleich mit anderen Schriften. Nicht alle Fragen lassen sich genügend eindeutig beantworten.
1. Entwicklung
des
Frühchristentums
Auf der heute allgemein akzeptierten Grundlage, daß Jak eine genuin christliche Schrift ist, bietet eine Verortung der Probleme und Tendenzen, die behandelt werden,
in der theologie-, kirchen- und sozialgeschichtlichen
Entwicklung des
Frühchristentums
einen allgemeinen Anhalt. 1. Die sachliche Nähe speziell zu Mt, Hebr, Past, Lk-Apg (z. T. auch zu ljoh; s. o. § 5,6 und 8) zeigt ein fortgeschrittenes Stadium, etwa in den letzten zwei Jahrzehnten des 1. Jh.s, evtl. sogar um die Jahrhundertwende. Auch Jak hat eine Kirche vor Augen, die an die Verpflichtung zum ethischen Tun erinnert werden muß, die durch Wohlstand und Weltlichkeit gefährdet ist und die an die Grundlagen zurückgeführt werden muß. Dabei scheint sich eine ähnliche Gemeindestruktur wie bei M t bemerk bar zu machen, d. h. wenig ämter-orientiert.430 Die Gemeinde als ganze wird ange sprochen; sie ist der Träger der Verantwortung.^ 1 Eine vergleichbare ökonomische Lage wird eher bei Lk-Apg und in den Past erkennbar. - Damit ist nicht ausgeschlos sen, daß es nicht auch bereits früher einige der bei Jak vorkommenden Probleme gab; so etwa der Kontrast zwischen Streit und Weisheit (IKor). Entscheidend jedoch ist das allgemeine Bild der Adressaten, das sich uns darbietet. 2. Die relative zeitliche Ansetzung basiert nicht nur auf dem Verhältnis zu Paulus432; allerdings wiegt dieser Faktor beträchtlich. Von allen vorgeschlagenen M ö g lichkeiten bleibt m. E. die wahrscheinlichste, daß Jak eine Position voraussetzt und zu korrigieren versucht, die paulinische Gedanken einseitig und fälschlicherweise ver wendet, also eine Art Parolen-Paulinismus. 33 Der zeitliche Abstand zwischen Paulus und Jak dürfte nicht unerheblich gewesen sein. Jak greift Paulus nicht direkt oder gar persönlich an; das ist nicht sein Thema. Vielmehr stehen längerfristige theologische Fehlentwicklungen zur Debatte. 3. Daß Jak bei aller Verwurzelung in der alttestamentlich-jüdischen Tradition kaum auf spezifisch jüdische Themen Bezug nimmt (s. o. § 1,4), ist, abgesehen von den Diaspora-Gegebenheiten 34, zumindest ein Zeichen dafür, daß sie für seine Kor respondenz unerheblich (geworden) sind. Der Befund deutet eher auf ein fortge4
4
4 3 0
W e n n M t in S y r i e n ( A n t i o c h i e n ) z u l o k a l i s i e r e n ist, e r g ä b e s i c h ein K o n t r a s t z u m m o n a r c h i s c h e n E p i s k o p a t bei I g n a t i u s . M a n k ö n n t e g a r v e r m u t e n , d a ß I g n a t i u s seinerseits d i e s e l b e n P r o b l e m e e b e n v o m e i n e n starken A m t her zu lösen versuchte.
4 3 1
V g l . o. § 5 , 8 . 3 .
4 3 2
V g l . o. § 5 , 4 . M i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 6 8 - 7 1 ; B i n d e m a n n ; K l e i n u. a.
4 3 3
S o e t w a s s c h e i n t es a u c h bereits l a u t I K o r g e g e b e n z u h a b e n ; vgl. 1 , 1 2 ff.; 5 , 9 ff.; 8 , 1 ff.; w o h l a u c h S c h l a g worte wie 6 , 1 2 / 1 0 , 2 3 ; 7 , 1 .
4 3 4
Niebuhr, Diasporabriefe, Tempel.
60
Einleitung
schrittenes Stadium der hellenistischen Christenheit. Dagegen spricht nicht, daß die Zerstörung von Jerusalem und Tempel im Jahre 70 nicht erwähnt w i r d , 5 deren Existenz also noch vorauszusetzen seien. Man kann genauso gut argumentieren, daß auch dieser Faktor unerheblich geworden ist. Auch andere Notizen, die man auf Palä stina deuten w o l l t e , erweisen sich als nicht schlüssig. 4. Die sachliche Nähe von Jak zur Jesus-Tradition, speziell zum Bergpredigt-Mate rial (s. o. § 5,3), ist chronologisch nicht aussagekräftig; Bezugnahmen darauf sind jederzeit möglich. Die verschiedentlich notierte Affinität zur mt Tradition paßt zu der auch sonst beobachtbaren Nähe zwischen Jak und Mt. Der Rekurs auf das JesusMaterial zeigt zudem, daß Jak selbst (im Unterschied zu seinen Adressaten) nicht in paulinischer Tradition steht. Daß Jak nicht auf Jesus als Urheber verweist, liegt an der Art des Materials und dessen Verwendung. Das Material wurde offenbar bald Allge meingut der Unterweisung. 5. Die Verarbeitung von Traditionen als solche besagt im allgemeinen wenig über die Abfassungsverhältnisse. Immerhin jedoch greift Jak auf die Jesus-Tradition der Sache nach in ähnlicher Weise wie M t zurück. Die Umstände nötigten dazu, einige Punkte wieder nachdrücklich klarzustellen, darunter tätige Frömmigkeit und Ge richt. Dabei wurde dieses Traditionsgut fortlaufend auch durch weisheitliche Elemente angereichert, bot doch gerade die Weisheit einen alten Erfahrungsschatz. Die Ausdifferenzierung der christlichen Lebensgestalturrg erforderte einen solchen Wachstumsprozeß. Er führt uns in ein weiterentwickeltes Stadium. 6. Schon die Weisheitstradition (bes. Sir) wußte um die Anfechtungen und Gefahr dungen auf dem Weg des Frommen. Jesu eigener Weg, beginnend mit Taufe und Ver suchung, bot ein sprechendes Modell für die Rezeption solcher Züge, speziell für die Unterweisung der N e o p h y t e n . Jak griff auf diese frühchristliche Tradition zurück, wie besonders der Vergleich mit IPetr zeigt (s. o. § 5,5). An dieser Stelle interessiert nur die zeitliche Ansetzung, die wiederum auf ein relativ fortgeschrittenes Stadium hindeutet. 43
436
437
438
2. Schriften
des frühen
2.
Jahrhunderts 4 3 9
Das Verhältnis zwischen Jak und den Schriften des frühen 2. Jh.s (incl. l C l e m ) wird unterschiedlich bewertet (s. o. § 2,2), auch was die Chronologie betrifft. 1. Auch wenn die Berührungen weder im Blick auf eine literarische Abhängig keit - gleich welcher Art (s. o. § 5,7) - noch kanonsgeschichtlich als frühe Bezeugung
4 3 5
A n d e r s M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 2 0 f.: es b i e t e sich k e i n e p a s s e n d e S i t u a t i o n n a c h 7 0 .
436 y l . o. § 4 , 3 . g
4 3 7
Ä h n l i c h K l e i n ; vgl. a u c h d i e R e z e p t i o n d e s M a t e r i a l s in d e n A p o s t o l i s c h e n V ä t e r n . S . d a z u H a g n e r ( l C l e m ) ; H e l m u t K ö s t e r , S y n o p t i s c h e Ü b e r l i e f e r u n g bei d e n A p o s t o l i s c h e n V ä t e r n ( T U 6 5 = V / 1 0 ) , B e r lin ( A k a d e m i e ) 1 9 5 7 ; C . N . J e f f o r d , T h e S a y i n g s o f J e s u s in t h e T e a c h i n g o f the T w e l v e A p o s t l e s , L e i d e n (Brill) 1 9 8 9 .
4 3 8
S. dazu Popkes, Paränese 1 2 7 - 1 2 9 .
4 3 9
V g l . K i t t e l , V ä t e r . Z u r z e i t l i c h e n A n s e t z u n g v o n l C l e m s. n e u e r d i n g s E r l e m a n n , d e r für ein früheres D a t u m als 9 6 p l ä d i e r t .
61
Die Abfassungsverhältnisse
des Jak (s. o. § 2,2) gewertet werden dürfen, so existiert doch eine gewisse Nähe im geistigen Milieu. Die Denk- und Sprachwelt, das »semantische Universum«, zeigt star ke Ähnlichkeiten. Uber die Anklänge hinaus (s. o. § 5,7) zeigt bereits ein Blick auf den allgemeinen Wortschatz, wie viele Vokabeln hüben und drüben auftauchen, wobei nicht einmal der rein statistische Befund ausschlaggebend ist, sondern die all gemeine Wortwahl. Jak unterscheidet sich darin von thematisch vergleichbaren Briefen wie Kol, Eph oder P a s t . 2. Als besonders auffällig ist immer wieder der Befund bei öripux- notiert wor d e n . Zwar gibt es gedankliche Vorläufer im AT, bei Philo, in Q u m r a n 3 ; aber die Verbreitung bei den Apostolischen Vätern ist signifikant. O. J . F. S e i t z schlägt als Quelle die Schrift »Eldad und Modad« (s. HermV 2,3,4, =7,4) vor; S. S. Marshall * vermutet eine stadt-römische Lokaltradition, H . Frankemölle eine Wortschöpfung durch Jak. Bemerkenswert ist zudem (in Jak 4,8) die Kombination mit taXatJtcoQog, die auch in (inkl. Verb und Nomen) l C l e m 23,3; 2Clem 11,1 f.; HermV 3,7,1 (=15,1) und S 1,3 (=50,3) auftaucht. ? Auf jeden Fall ist das Wort in Umlauf und offenbar charakteristisch für eine geistige Situationseinschätzung. Das rückt Jak in die Zeit kurz vor bzw. nach 100. 3. F. W. Young macht auf eine Einzelheit aufmerksam, die evtl. sogar die Abhän gigkeit des Jak von lClem anzeigen könnte. Beide Schreiben - und nur sie - notieren nämlich, Rahab habe die Boten »auf einem anderen Weg/in die entgegengesetzte Richtung« gesandt. Angesichts des viel breiteren AT-Gebrauchs bei 1 Clem könnte die Notiz evtl. auf 1 Clem selbst zurückgehen, woher Jak sie übernommen h a b e . 4. In summa: Der Befund bietet keine sicheren Beweise, aber doch kumulative Annäherungswerte. Vom Denk- und Sprachmilieu her gehört Jak ins späte 1. J h . 440
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449
3.
Diaspora-Brief
Vom Präskript her ist Jak ein »Diaspora-Brief«^, der Zerstreuung« wendet.
4 4
der sich an »die zwölf Stämme in
° V g l . o. § 3 , 3 . 1 .
4 4 1
D o r t k o m m t n o c h der g a n z andere S a t z b a u hinzu: Genitiv-Ketten, lange Sätze, liturgische Elemente.
4 4 2
Z u r L i t e r a t u r s. o. A n m . 2 8 0 . F e r n e r E d u a r d Schweizer, T h W N T I X 6 6 6 .
4 4 3
N ä h e r e s bei F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 3 6 ff.; a u c h z u r Z w e i - W e g e - L e h r e .
4 4 4
Seitz, Antecedents, Aiterthoughts.
4 4
5 Marshall, Local.
4 4 6
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 3 8 , m i t Verweis a u f M a y o r 4 2 .
4 4 7
I n H e r m S V I n i c h t d i r e k t z u s a m m e n ; öia|rux- d o r t in 1,2 ( = 6 1 , 2 ) , xataxutcüQ- in 2 , 7 ; 3 , 1 ( = 6 2 , 7 ; 6 3 , 1 ) .
4 4 8
B e i M t e n t s p r i c h t d e m in e t w a » K l e i n g l a u b e « ; vgl. D a n O . V i a , S e l f - D e c e p t i o n a n d W h o l e n e s s in P a u l a n d M a t t h e w , M i n n e a p o l i s 1 9 9 0 ; G e r h a r d B a r t h , G l a u b e u n d Z w e i f e l in d e n s y n o p t i s c h e n E v a n g e l i e n : Z T h K 72 (1975), 269-292.
4 4
9 Young 339-345.
4 5 0
D i e B a s i s a r b e i t lieferte T a a t z (deren ntl. V e r g l e i c h s o b j e k t d i e P a u l u s b r i e f e s i n d ) ; d a r a u f a u f b a u e n d : N i e b u h r , D i a s p o r a b r i e f e , I d e n t i t ä t , T e m p e l ; T s u j i 1 8 - 5 0 ; V e r s e p u t , W i s d o m 7 0 2 ff.; G e n r e 9 9 ff. (der B r i e f w o l l t e gelesen w e r d e n als ein »>covenantal letter to the D i a s p o r a l d e r T r o s t u n d U n t e r w e i s u n g a n g e s i c h t s d e r H o f f n u n g a u f d i e e r w a r t e t e W i e d e r h e r s t e l l u n g bietet« 1 1 0 ) ; H o p p e , Q D
171-175. - Neuere Forschung zum
T h e m a D i a s p o r a bei R u t g e r s 1 5 - 4 4 ; zur literarischen P r o d u k t i o n in der w e s t l i c h e n D i a s p o r a 2 3 5 - 2 8 4 .
Einleitung
62 1
1. Die Adressierung (1,1) ist in sich sozusagen »trans-real«, weil es ein 12-Stämme-Vblk wie im AT seit Jahrhunderten faktisch nicht mehr gab und weil zumindest ein Teil Israels (auch nach 70) nicht in der Diaspora, sondern in Palästina lebte.452 Das Präskript setzt zunächst das Doppelsignal »Volk Gottes« (12 Stämme) und »Dia spora«. Dies lädt zu einer Rekonstruktion im übertragenen Sinn ein 53; mit anderen Worten: Die Adressierung verzichtet anscheinend absichtlich auf eine klare Angabe über die Abfassungsverhältnisse. Sie will dagegen etwas über die Kommunikationssi tuation besagen: Der Brief geht ins »Ausland«. Damit ist aber nicht impliziert, daß die Adressaten ihre Situation mit Empfindungen wie »Heimweh« verbanden. ^ 2. In der jüdischen Literatur finden sich mehrere Beispiele von Diasporabriefen: Jer 29,1-23; 2Makk l , l - 1 0 a und l,10b-2,18; Epjer; syrBar 78-86; Parjer 6,19-25; 7,2434; dazu rabbinische B r i e f e , solche der Elephantine-Kolonie (AP 21 und 30), BarKochba-Briefe; aus dem N T sind Apg 15,23-29 und IPetr zu erwähnen. ^ Die Funktion der jüd. Diasporabriefe bestand laut I. Taatz hauptsächlich in der Stärkung der Einheit zwischen Mutterland und Diaspora - durch Information, kultische u. a. Anweisungen, Ermahnung usw. »So wird die Gemeinschaft des Kultes, des Glaubens und des Gebets gefordert und praktiziert.« I. Taatz unterscheidet zwischen Ge meindeschreiben und »prophetisch autorisierte(n) Schreiben«. K.-W. Niebuhr be zeichnet (unter der Überschrift »Das Gottesvolk in der Bewährung«) als ein Gat tungsmerkmal die Intention, »die Identität der Angeredeten als Glieder des Gottes volkes zu s t ä r k e n « . ^ M . Tsuji deutet die Anfechtungsthematik im Rahmen von Jak (1,2-12; 5,7-12) sogar als Gattungsmerkmal (Jer 29,1-23; Epjer; syr Bar 78-86; vgl. Parjer 6,19-25 sowie IPetr 1,6; 4,12 f . ) . 5 9 4
4
4
455
4
457
4
4
4
51 V g l . T s u j i 2 2 - 2 5 . Vgl. syrBar 7 8 - 8 6 »An die neuneinhalb S t ä m m e jenseits des Flusses«. In 7 8 , 4 werden allerdings 12 S t ä m m e e r w ä h n t . - Z u Z a h l e n a n g a b e n s. J . M . G . Barclay, 4 A n m . 1. V e r w a n d t i m N T ist I P e t r 1 , 1 ; a u c h d o r t ö i a o j t o o d , aber v e r b u n d e n m i t d i r e k t e n g e o g r a p h i s c h e n A n g a b e n u n d d e m i n t e r p r e t i e r e n d e n W o r t » F r e m d l i n g e « ( e b e n s o 2 , 1 1 , w i e a u c h H e b r 1 1 , 1 3 ) , s. d a z u vgl. o. § 5 , 5 . T r o m p 1 5 . 2 5 . A n d e r s d a g e g e n W e s s e l 2 0 7 ( u n t e r B e z u g a u f Z a h n ) ; D i a s p o r a s t e h e für e i n e » f r e m d e u n d f e i n d l i c h e W e l t « . V g l . a u c h C o l l i n s , A t h e n s ; R u t g e r s 19 f f . 4 l f., z u m F o r s c h u n g s s t r e i t ü b e r d a s E m p f i n d e n d e r D i a s p o r a - J u d e n . » D i e alte u n d n u n e r l e d i g t e > L a c r i m o s a < - I n t e r p r e t a t i o n d e r j ü d i s c h e n G e s c h i c h t e w u r d e d u r c h eine a b g e l ö s t , d i e d i e G e s c h i c h t e d e r j ü d i s c h e n G e m e i n d e n d e r D i a s p o r a als E r f o l g s - S t o r y d a r stellt ... A b e r d a s ist n i c h t d a s e i n z i g m ö g l i c h e S c e n a r i o . . . « ( 4 2 ) . D a r u n t e r drei B r i e f e v o n G a m a l i e l I; s. S a n h I I b ; p S a n h I 2 , 1 8 d ; T S a n h II 6. T s u j i 3 2 - 3 4 v e r g l e i c h t n o c h J u d u n d 2 P e t r s o w i e i m E x k u r s A p k ( 3 4 f.) u n d l C l e m ; Polyk; M a r t P o l ( 3 5 f.). Z u l C l e m usw. vgl. a u c h V e r s e p u t , W i s d o m 7 0 2 m i t A n m . 3 6 ( » c o v e n a n t a l d i a s p o r a e p i s t l e s « ) . 57 T a a t z 1 0 4 . N i e b u h r , D i a s p o r a b r i e f e 1 7 ( d a f ü r v e r g l e i c h t er d i e drei A u s s a g e z u s a m m e n h ä n g e G o t t e s v e r s t ä n d n i s , G o t tesvolk, Z u k u n f t e r w a r t u n g e n ; es folgt d i e T o r a - P a r ä n e s e . F ü r d i e I n t e n t i o n k o m m e n E p j e r ; 2 M a k k 1-2; s y r B a r 7 8 - 8 6 u n d Parjer 6 , 1 7 - 2 3 J a k n a h e : 3 2 ) ; e b e n s o T e m p e l 4 5 2 .
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T s u j i 2 5 f. Ä h n l i c h V e r s e p u t , W i s d o m 7 0 2 f., d e r sich v o r a l l e m a u f v a n U n n i k s S t u d i e ü b e r » d a s S e l b s t v e r s t ä n d n i s d e r j ü d i s c h e n D i a s p o r a « b e r u f t , w o n a c h m a n d a s L e b e n in d e r D i a s p o r a i m a l l g e m e i n e n als S t r a f e b e u r t e i l t h a b e (van U n n i k 7 9 ) , als v e r l ä n g e r t e s E x i l ( m i t Verweis a u f O . H . S t e c k , Israel u n d d a s g e w a l t s a m e G e s c h i c k d e s P r o p h e t e n , W M A N T 2 3 , N e u k i r c h e n 1 9 6 7 ) , als » a p a i n f u l e x p e r i e n c e r e q u i r i n g p e r s e v e r a n c e in t h e h o p e o f G o d ' s u l t i m a t e t r i u m p h o n b e h a l f o f his p e o p l e « ( 7 0 3 ) . D i e D i a s p o r a b r i e f e » n o t o n l y c o n s o l e d t h e a s s e m b l e d d i a s p o r a c o m m u n i t i e s in t h e m i d s t o f their affliction b u t a l s o a d m o n i s h e d t h e m r e g a r d i n g their c o v e n a n t r e s p o n s i b i l i t i e s in h o p e o f a n e x p e c t e d r e s t o r a t i o n « ; k o n s t a n t g e b l i e b e n seien » d e r T o n d e r T r ö s t u n g in A n f e c h t u n g e n u n d d e r A p p e l l a n d i e M o t i v a t i o n s k r a f t d e r Z u k u n f t s h o f f n u n g « . J a k s e n d e a u f d i e s e m H i n t e r g r u n d ein klares S i g n a l a u s , w i e sein B r i e f z u lesen sei, n ä m l i c h als »ein M i t g l i e d einer b e s o n d e r e n F a m i l i e v o n T e x t e n , d i e A n w e i s u n g e n a n d a s v e r s t r e u t e G o t t e s v o l k ü b e r m i t t e l n i n E r w a r -
63
Die Abfassungsverhältnisse
Es erheben sich jedoch drei Fragen: (a) Gab es eine feste Tradition samt Tradi tionsträgern, oder handelt es sich lediglich um eine gelegentlich auftauchende Kom munikationsweise? (b) Wie deutlich lassen sich Formmerkmale erkennen? (c)Wurde die Existenz in der Diaspora im allgemeinen als Anfechtung, ja Strafe empfunden? Bei allen Fragen ist Zurückhaltung geboten, zumal beim angeblichen Gattungsmerk mal »Anfechtung«. Der Befund in den zitierten Schriften sieht anders aus. Epjer 1 ff. verweist erst einmal auf den Zusammenhang zwischen Sünde und Exil, dann vor allem auf den Götzenbild-Kult und mahnt zur Nicht-Assimilation (4-6). SyrBar informiert und tröstet zugleich hinsichtlich des Unglücks, das auch Gericht sei (78,4 f.); das jetzige Leiden diene zum Heil (78,6). Und der Brief des Baruch an Jeremia (Parjer 6,19-25) ruft zur Freude darüber auf, daß Gott die Zeit der Trauer und des Exils beenden will ( 6 , 1 6 . 2 1 . 2 4 ) . In allen genannten Fällen ist die Exilsthema tik ausschlaggebend. Von »Anfechtungen«, über die man sich freuen sollte (so Jak 1,2), ist nicht die Rede. Daß Geduld vonnöten ist, liegt in der Sache selbst. Jak sagt jedoch nichts über die Zerstörung Jerusalems, über das Exil oder andere Verfolgun gen. Der Ausdruck öiaojtOQd selbst besagt (in hellenistischer Zeit) nicht, »daß die Umgebung der nicht in Judäa wohnenden Juden fundamental feindlich war«; das Wort wurde »in der Antike nicht mit >Heimweh< verbunden, sondern primär im Kontext des Lobes Gottes verwendet«. 1 Sowohl bei der Beurteilung der DiasporaSituation als auch der epistolarischen Formmerkmale ist somit Zurückhaltung ange zeigt. Dasselbe gilt für die erste Frage; ein Traditionsträgerkreis ist nicht erkennbar; anscheinend handelt es sich um eine gelegentlich geübte Praxis, die immer wieder Nachahmer fand. - Nur im allgemeinen Sinn kann man also Jak als einen Diaspora brief bezeichnen, der vom traditionellen Zentrum aus Klärung in der Diaspora schaf fen will. Er erteilt aber gerade keine kultischen u. a. Weisungen , sondern zielt auf theologische Differenzierung und praktische Konsequenz. 3. Relevanz scheint die Adressierung an die Diaspora auch für die Absenderangabe zu haben. Implizit wird als Ursprungsort das Land Israel, genauer noch Jerusalem signalisiert. Die Selbstbezeichnung »Gottes und des Herrn Jesus Christi Knecht« (Jak 1,1) wurzelt in der atlttestamentlich-jüdischen Würdeprädikation eines besonde ren Beauftragten Gottes - wie Abraham, Jakob, Mose, J o s u a . Unterstrichen ist also die Autorität, gleichsam »von Gottes (und Christi) G n a d e n « . 5 460
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t u n g göttlicher Treue« ( 7 0 3 ) . A n d e r s die Akzente bei S ö d i n g , D i a s p o r a z u Jak; J a k h a b e »nicht die Entfer n u n g v o n J e r u s a l e m v o r A u g e n o d e r d i e i r d i s c h e P i l g e r s c h a f t d e s w a h r e n , n ä m l i c h h i m m l i s c h e n Israel, s o n d e r n d a s L e b e n als M i n d e r h e i t i n v e r s c h i e d e n e n O r t s g e m e i n d e n , d i e n o c h w e n i g K o n t a k t u n t e r e i n a n d e r h a b e n ... V o n einer B e d r ä n g u n g d e r C h r i s t e n d u r c h d i e p a g a n e M a j o r i t ä t v e r l a u t e t nichts; d i e P r ü f u n g e n , die ihnen auferlegt sind, sind die A n f e c h t u n g e n d u r c h ihren eigenen M a n g e l . . . « ( 2 3 1 ) . 4
60Taatz79. T r o m p 15 u n d 2 5 . S o etwa auch A p g 15,23-29. V g l . W a l t e r Z i m m e r l i / J o a c h i m J e r e m i a s , T h W N T V 6 5 3 - 6 7 6 ; T s u j i 4 4 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 2 2 . E b e n s o N i e b u h r , D i a s p o r a b r i e f e 4 2 2 f.; v g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 6 0 f. - A n d e r s h i n g e g e n I P e t r 1,1 » A p o s t e l J e s u C h r i s t i « ; 2 P e t r 1,1 k o m b i n i e r t » K n e c h t u n d A p o s t e l J e s u C h r i s t i « . A u c h J u d 1 findet s i c h » J e s u C h r i s t i ö o i j ^ o g « , d i e f o l g e n d e A n g a b e » B r u d e r d e s J a k o b u s « m u ß n i c h t u n b e d i n g t eine W ü r d e s t e l l u n g des J a k o b u s voraussetzen; sie k ö n n t e auch einfach eine identifizierende Klarstellung bezwecken. 5 V g l . i m N T : L k 2 , 2 9 ; A p g 2 , 1 8 ; 4 , 2 9 ; 1 6 , 1 7 ; I P e t r 2 , 1 6 ; A p k 7 , 3 , w o » K n e c h t G o t t e s « e b e n f a l l s als E h r e n titel v o r k o m m t .
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Einleitung
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4. Rückwirkungen hat die Diaspora-Angabe auch auf die vorausgesetzte Situation der Adressaten und die behandelte bzw. gerade nicht behandelte Thematik (vgl. o. § 1,4). In Diasporabriefen der jüd. Tradition spielten nämlich, wie Niebuhr heraus gestellt hat, »Weisungen aus dem Bereich des Tempelkultes und der auf das Land Israel bezogenen Gebote ... so gut wie keine Rolle.466 Auch wenn sich aus diesem Umstand nicht alle Konturen bei Jak erklären lassen, hilft die Kategorisierung als Diasporabrief auch in dieser Hinsicht zur besseren Erfassung des Gesamtcharakters des Schreibens.
4.
Verfasserfrage 467
Die Verfasserfrage ist ein altes, umstrittenes Poblem. - Nach allgemeiner A n s i c h t kommt von den verschiedenen Personen mit dem Namen »Jakobus« im N T wohl nur der Bruder des Herrn als implizierter Autor infrage; aber ist er auch der reale Autor? 1. Nicht in Betracht kommen: (a) des Alphäus Sohn, einer der Zwölf (Mk 3,18); »der Kleine«, Sohn einer Maria (Mk 15,40; vgl. 16,1); der Vater des Apostels Judas (Lk 6,16; Apg 1,13) - von diesen ist außer ihren Namen nichts bekannt; ebenso (b) der Sohn des Zebedäus und Bruder des Johannes, einer der Zwölf (Mk 1,19f; 3,17; 5,37 u. ö.), der laut Apg 12,2 früh (ca. 44) umgebracht wurde. Ganz unwahrschein lich (c) ist eine Identifizierung von Alphäus' Sohn und Herrenbruder , zumindest fraglich (d) die zwischen »dem Kleinen« und dem Herrenbruder. 2. Jakobus, »der Bruder des H e r r n « , wird in Gal 1,19 (vgl. ähnlich M k 6,3 = M t 13,55, hier zusammen mit anderen Namen, dazu Schwestern) so direkt erwähnt. Er dürfte mit dem Jakobus identisch sein, der bald in Jerusalem eine leitende Rolle übernahm: IKor 15,7; Gal 2,9.12; Apg 12,17; 1 5 , 1 3 ; 21,18; dazu evtl. auch J u d 1,1. Laut dem Bericht bei Josephus (Ant 20,9,1=20,200) ließ ihn der Hohepriester Anonus/Ananus II. i . J . 62 steinigen. Ähnliches erwähnt Hegesippus (bei Euseb, H E II 2 3 , 4 - 1 8 ) . 4 7 3 Jakobus soll den Beinamen »der Gerechte« getragen haben (Euseb, H E II 1,2; 23,7), wie auch die Nag Hamadi-Texte zeigen (EvThom 12 468
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4 6 6
Niebuhr, Diasporabriefe 4 4 1 zuTestXII.
4 6 7
S o e t w a K ü m m e l 3 6 3 ; R. E . B r o w n 7 4 1 ; S c h n e l l e 3 9 8 ff; V i e l h a u e r 5 7 8 f.; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 ff.; J o h n s o n , A n c B 8 9 ff.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 5 ff; zu a n d e r e n V o r s c h l ä g e n vgl. T s u j i 3 8 f. V g l . ferner C a r r o l l .
468 V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 f. 4 6 9
4 7 0
D a f ü r p l ä d i e r t M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9. » B r ü d e r « J e s u w e r d e n a u c h M k 3 , 3 1 p a r . ; J o h 7 , 5 ; A p g 1,14; I K o r 9 , 5 e r w ä h n t , d u r c h g e h e n d u n t e r s c h i e d e n v o n d e n » A p o s t e l n « ( a u c h in G a l 1 , 1 9 ) . V g l . E u g e n R u c k s t u h l , J a k o b u s ( H e r r e n b r u d e r ) : T R E 16 ( 1 9 8 7 ) , 4 8 5 - 4 8 8 ; A l a n d , E n t w ü r f e 2 3 3 - 2 4 5 ; W i l l i a m R . Farmer, J a m e s the Lord's« Brother, a c c o r d i n g to Paul, in: C h i l t o n / E v a n s 1 3 3 - 1 5 3 ; Pratscher 1 9 9 ff. (zur V e r w a n d t s c h a f t v o n J a k u n d J e s u s in der S i c h t der A l t e n K i r che); 2 2 0 f. (zur B e z i e h u n g z w i s c h e n B r i e f u n d H e r r e n b r u d e r ) .
4 7 1
D e n in A p g 1 5 , 2 3 ff. e r w ä h n t e n B r i e f verfaßte allerdings d i e g e s a m t e in J e r u s a l e m v e r s a m m e l t e G e m e i n schaft.
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Z u d e n T e x t e n s. Painter 1 3 2 - 1 4 3 .
4 7 3
A u s f ü h r l i c h e D a r s t e l l u n g der E u s e b - T e x t e bei Painter 1 0 5 ff.; e b e n s o bei Pratscher 1 7 8 ff. ( » D a s g r o ß k i r c h l i che J a k o b u s b i l d « ) ; M a r t i n , W B C xxxi-lxix. Z u d e n christlichen B e r i c h t e n ü b e r d a s M a r t y r i u m s. H e n g e l , H e r r e n b r u d e r 7 5 - 7 9 ; R . B a u c k h a m , F o r W h a t OfFence W a s J a m e s P u t to D e a t h ? , in: C h i l t o n / E v a n s 1 9 9 - 2 3 2 (mit Quellenanalyse); C r a i g A. Evans, Jesus a n d James: Martyrs o f t h e T e m p l e , ebd. 2 3 3 - 2 4 9 ; Jones; z u m Bei n a m e n »der G e r e c h t e « H e n g e l , H e r r e n b r u d e r 7 9 - 8 1 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 3 m i t A n m . 6.
Die Abfassungsverhältnisse
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öixaiog). In der weiteren frühchristlichen Literatur wird die Position des Jakobus teil weise stark in den Vordergrund geschoben; so im EvHebr (erster Auferstehungs z e u g e ) , in EvThom 12 (über alle Apostel hinaus) und bei PsClemens. Jakobus wird zum ersten Bischof Jerusalems. ^ Genannt wird sein Name allerdings primär in judenchristlichen Kreisen. Damit ist allerdings nicht ein Anti-Paulinismus impli ziert. 3. In Erwägung gebracht wurde auch die Möglichkeit einer NamensverwechslungAll Demnach hätte jemand, der tatsächlich »Jakobus« hieß (der Name war sehr gebräuchlich), der aber nicht mehr identifizierbar ist, den Brief verfaßt. Später wurde dieser Autor fälschlicherweise mit dem Herrenbruder identifiziert. Mit dieser These versucht man, die Argumente sowohl für Authentizität (u. a. das Fehlen der literari schen Charakteristika von Pseudonymität) als auch die für Pseudonymität (besonders die Datierung in Relation zu Paulus, nach dem Tod des Herrenbruders i. J . 62) ernst zunehmen. Die Abfassung fiele dann in die 70er Jahre. Auch die schleppende Akzep tanz in der Alten Kirche würde sich so erklären. - Die These hat keine eigene Argu mentationsbasis, sondern arbeitet mit dem Prinzip »historischer Plausibilität«. Sie erklärt freilich weder die Entstehung noch die spätere Umbenennung näher. 4. Die Verfasserangabe in 1,1 hält sich merklich zurück, fast bedeckt. Die Figur des Jakobus tritt weniger als Person denn als Symbol in Erscheinung. Wahrscheinlich soll sie Autorität signalisieren; ob das absichtlich so kurz geschieht, ist schwer zu beant worten. Waren Person, Position und Autorität dermaßen klar und programmatisch, daß sich weiteres erübrigte? Braucht die Angabe nicht mehr auszusagen, oder will sie es nicht? Die übliche Interpretation, daß hier die Stimme »des« Jakobus aus der Hauptstadt der Heilsgeschichte zu Worte kommen will bzw. soll, dürfte zutreffen; man sollte jedoch gegenüber einer Überladung der Aussage behutsam sein. 5. Die Verfasserangabe wird weithin als fiktional bewertet. Das bedeutet, daß irgend jemand gemeint hat, im Namen des Herrenbruders eine Botschaft an die Christenheit in aller Welt ausgehen zu lassen; dazu lieh er sich die Autorität jenes Namens. Die Intention wäre relativ breit angelegt, nämlich die Kirche zu stärken und zur Räson zu rufen. Zeitlich kann das kaum vor den letzten Jahren des 1. Jh.s gesche hen sein. 6. Die Verfasserangabe wird auch von den Vertretern der Authentizität^ entspre chend interpretiert, was die Intention betrifft. Demnach habe sich der Herrenbruder vor dem Jahr 62 an die Gesamtchristenheit mit derselben (oben genannten) Inten tion gewandt. Freilich dürfte solch eine Art »Enzyklika« für die Frühzeit der Kirche eher eine Auffälligkeit und ein Wagnis gewesen sein als in einer weniger übersicht lichen späteren Phase. Es existiert zudem kein Reflex einer solchen jakobeischen, d. h. 474
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74 B e i H i e r o n y m u s , V i r l l l 1 2 , 2 .
475 V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 6 f.; H e n g e l , H e r r e n b r u d e r 9 8 ff. 476 P r a t s c h e r K a p . 3; H e n g e l , H e r r e n b r u d e r 9 2 - 9 8 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 5 0 . V g l . a u c h V o o r s t . 477 P a t t e r s o n . 478 V g l . T s u j i 3 9 A n m . 2 1 6 . 479 L i s t e bei T s u j i e b d . , u. a. A d a m s o n , J a m e s 3 - 5 2 ; H a r t i n , S a y i n g s 2 3 3 - 2 4 0 ; S t u l a c 1 3 - 1 7 ; M a y n a r d - R e a d 5 1 1 ; M o o 1 7 f.; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 - 8 . 2 3 7 - 2 4 0 ; C a r r o l l ; Powell 3 1 3 ; J o h n s o n , A n c B A18-121 scheinlich).
(wahr
Einleitung
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durch Name, Position und Autorität des Herrenbruders untermauerten Aktion in der neutestamentlichen und frühchristlichen Literatur (inkl. Apg 1 5 ) . Verbunden mit den bisher gesammelten Gesichtspunkten über die Abfassungsverhältnisse, ist eine Entstehung im späteren 1. Jh. oder sogar Anfang des 2. Jh.s wahrscheinlicher. 4 8 0
7. E i n e völlig andere L a g e w ü r d e sich ergeben, w e n n d a s Präskript nicht ursprünglich zu d e m D o k u m e n t g e h ö r t hätte. D i e s e bereits 1 8 9 7 d u r c h A . v o n H a r n a c k erörterte H y p o t h e s e wurde 1997 d u r c h S . R . Llewelyn erneut zur D i s k u s s i o n gestellt. D i e A r g u m e n t a t i o n setzt b e i m , s o m e i n t m a n , sehr generellen, praktisch s i t u a t i o n s l o s e n C h a r a k t e r einer losen S a m m l u n g paränetischen M a t e r i als e i n . D a r a u s w i r d gefolgert, d a s Präskript sei sehr viel später a n die vor ca. 1 5 0 erstellte S a m m l u n g angefugt w o r d e n ; die S a m m l u n g blieb z u n ä c h s t in Vergessenheit, bis a m E n d e des 2 . J h . s i m Präskript des J a k o b u s N a m e erschien, w a s zur A u f n a h m e in d e n K a n o n führte. M . D i b e l i u s , der die a l l g e m e i n e C h a r a k t e r i s i e r u n g des Briefes teilte, betrachtete 1,1 nicht als Interpolation. D i e s p ä te A n e r k e n n u n g sei n a c h seiner A u f f a s s u n g a u f d a s paränetische M a t e r i a l zurückzuführen, d a s i m L a u f e d e s 2 . J h . s uninteressant w u r d e . Llewelyn n u n will D i b e l i u s ' A r g u m e n t e widerlegen u n d d a d u r c h H a r n a c k s T h e s e wieder zur G e l t u n g bringen. Z u n ä c h s t h a b e d a s D o k u m e n t d e m n a c h als ein »essay« o h n e A d r e s s i e r u n g existiert. A h n l i c h wie Q u n d E v T h o m h a b e es als »lose K o m p i l a t i o n v o n S p r ü c h e n in der W e i s h e i t s t r a d i t i o n « i m » o r t h o d o x e n « U m f e l d nicht überleben k ö n n e n ; des J a k o b u s N a m e sei dieser S a m m l u n g d a n n vorangestellt w o r d e n , u m sie zu erhalten. - D a s H a u p t p r o b l e m dieser D a r s t e l l u n g liegt darin, d a ß sie ausschließlich n a c h inneren Kriterien urteilt. Ä u ß e re A n h a l t s p u n k t e in der Textüberlieferung g i b t es nicht. D e m k ö n n t e m a n entgegenhalten, d a ß K o p i e n natürlich erst n a c h der k a n o n s g e s c h i c h t l i c h e n A k z e p t i e r u n g g e m a c h t w u r d e n . B e i Inter p o l a t i o n s v e r m u t u n g e n fällt d i e Beweislast i m m e r ihren Vertretern zu. Ihre A r g u m e n t e erweisen sich j e d o c h als nicht stichhaltig. J a k ist keine situationslose S a m m l u n g ; wie s c h o n D i b e l i u s regis trierte, w ü r d e m a n (bei einer Interpolation) eine kräftigere H e r a u s s t e l l u n g des H e r r e n b r u d e r s erwarten; die Ü b e r l e g u n g e n z u m » Ü b e r l e b e n « paränetischen M a t e r i a l s entbehren klarer A n h a l t s p u n k t e . M a n k a n n also d a b e i bleiben, d a s Präskript als z u m u r p r ü n g l i c h e n D o k u m e n t d a z u gehörig anzusehen. 4 8 1
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8. Die Debatte über Früh- bzw. Spätdatierung bewegt sich, insgesamt gesehen, um folgende Gesichtspunkte : (a) das Sprachniveau, d. h. das gute Griechisch; (b) das Gesetzesverständnis; (c) die Relation zu Jesus und (d) zu Paulus; (e) die theologiege486
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D i e s e G e g e n p r o b e w i r d m e i s t e n s unterlassen; selbstverständlich h a t e i n a r g u m e n t u m e silentio einen b e grenzten Beweiswert, d e n n o c h sollte m a n d i e F r a g e nicht außer A c h t lassen. D i e a n g e b l i c h e n T e x t ü b e r n a h m e n d u r c h IPetr, l C l e m u. a., d i e als A r g u m e n t e für eine F r ü h d a t i e r u n g a n g e f ü h r t w e r d e n , bilden ein völ lig anderes G e n u s , a b g e s e h e n v o n ihrer Fraglichkeit. H a r n a c k 4 8 5 ff.: D i e A d r e s s a t e n wechseln s t ä n d i g in J a k . A b g e s e h e n v o n 1,1, d e u t e nichts a u f einen B r i e f ( 4 8 7 ) ; der Verfasser der » D i d a s k a l i l e e n , T r o s t r e d e n , Prophetieen, S t r a f p r e d i g t e n usw.« ( 4 8 7 ) , der nicht vor 1 2 0 gelebt h a b e , sei nicht identisch m i t d e m R e d a k t o r , der erst a m E n d e des 2. J h . s gewirkt h a b e . D a s 2 . J h . h a b e ü b e r h a u p t keinen J a k o b u s b r i e f besessen, m i t a n d e r e n W o r t e n : d a s Präskript sei nicht älter als d a s a u s g e h e n d e 2 . J h . ( 4 8 8 f.). D i e K o m p i l a t i o n sei zwar bereits vor der M i t t e des 2 . J h . s erfolgt; aber sie sei » s o lange relativ in der V e r b o r g e n h e i t geblieben als sie d e n N a m e n des J a k o b u s n o c h nicht trug« ( 4 8 9 ) . - Z u H a r n a c k s Position s. d i e D i s k u s s i o n bei M a y o r clxxviii-cxciii; H e n g e l , P o l e m i k 2 5 0 . Llewelyn 3 8 5 ff. Als B r i e f sei J a k » u n z u s t e l l b a r « ( 3 8 5 ) , ähnlich bereits D e i ß m a n n 2 0 6 . D i b e l i u s ' A r g u m e n t e : ( 1 ) d i e P a r o n o m a s i e in 1,1.2 xaipeiv - xapdv ( 2 ) d a s Präskript heroisiert d e n Ver fasser nicht als B r u d e r d e s H e r r n . — G e g e n e i n Verständnis v o n 1,1 als I n t e r p o l a t i o n a u c h F r a n k e m ö l l e , Ö T K 131. Llewelyn 3 9 3 . 485 V g l , Llewelyn 3 8 9 f. zur F r a g e der F u n k t i o n einer Z u s a t z a n g a b e » H e r r e n b r u d e r « . M a n sollte d i e F u n k t i o n des Präskripts aber nicht z u stark v o n solch e i n e m Titel a b h ä n g i g m a c h e n . 6 V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 7 f. 2 3 7 - 2 4 0 ; T s u j i 3 9 - 4 3 ; J o h n s o n , A n c B 1 0 8 - 1 1 1 .
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Die Abfassungsverhältnisse
schichtliche Position; (f) die kanonsgeschichtliche Rezeption; (g) die kirchen- und theologiegeschichtliche Situation. Dazu sei folgendes angemerkt. Z u a: Die Einschät zung des Sprachniveaus bleibt ambivalent; selbst wenn auch in Palästina das Griechi sche stärker verbreitet w a r , könnte u. U. ein Übersetzer in Anspruch genommen worden s e i n . Die stilistische Qualität zielt auf jeden Fall auf Akzeptanz im griechi schen S p r a c h r a u m ; der Wortschatz deutet auf eine spätere Zeit (s. o. § 5,7). Die Beweislast tragen in diesem Punkt die Vertreter der Authentizität. Z u b: Dasselbe gilt bei der Frage der Nomos-Observanz. Jak behandelt alle typisch jüdischen Themen nicht, einschließlich des sog. Ritualgesetzes (s.o. § 1,4). Daß er ein traditioneller N o mist i s t , wird im Brief keinesfalls deutlich. Die Aussagen speziell über das »Gesetz der Freiheit« und das Liebesgebot abstrahieren die Thematik eher. Auf Frühdatie rung weist kaum etwas. Zu c: Die Relation zum Jesus-Gut ist sachlich-allgemeiner Art. Überlieferungsgeschichtliche Erwägungen zu Q u s w . (s. o. § 5.3) besagen nichts für eine Frühansetzung. Jedenfalls wird eine persönliche Nähe zu Jesus nirgends erkennbar. Z u d: Daß Jak paulinische Gedanken voraussetzt, bleibt die wahr scheinlichere Lösung (s. o. § 5,4). Der sachliche Abstand (entstellter Paulinismus) spricht für einen eben solchen auch in der Chronologie. Daß Jak dann auf PaulusBriefe hätte Bezug nehmen sollen (wie es 2Petr 3,15 f. geschieht) , ist kein Argu ment; auch die Apg zeigt nichts davon. Daß Paulus z. Zt. der Apg und Past »längst >domestiziert< und >heimgeholt«< w a r , ist eine unzulässige Verallgemeinerung. Z u e: Bei Jak fehlen in der Tat »frühkatholische« Merkmale - wie Amtsdenken, Sakramen talismus und Parusieverzögerung. ^ Tatsächlich ist die theologische Welt des Jak eher »frühprotestantisch« zu nennen. Aber auch hier darf man die theologiegeschichtliche Entwicklung nicht verallgemeinern, wie etwa parallele Züge bei M t zeigen. Im übri gen sollte man Jak 5,8 f. nicht überinterpretieren, was eine zeitlich verstandene Naherwartung betrifft (vgl. z. St.). Zu f: Die späte Rezeption des Jak gibt zu denken. Ist die Argumentation für eine Frühansetzung stringent, »daß das Wissen um Rang und Rolle dieses Mannes in der Urgemeinde seinen Brief nicht auf die Dauer unter gehen lassen k o n n t e « ? Es gibt jedoch keine frühen Spuren, weder vom Text her noch vom Wissen über solch ein Dokument. Solch ein Brief hätte dann doch zu einer früheren Zeit wieder in Erscheinung treten müssen! Die zögerliche Rezeption deutet 487
488
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4 8 7
S . d i e E i n s c h r ä n k u n g bei T s u j i 4 1 f., z u J . N . Sevenster, D o Y o u K n o w G r e e k ? H o w m u c h G r e e k c o u l d t h e first J e w i s h C h r i s t i a n s h a v e k n o w n ? ( N T . S 1 9 ) , L e i d e n (Brill) 1 9 6 8 , u n d z u H e n g e l , P o l e m i k 2 5 1 f. V g l . weiter M a r t i n H e n g e l , J u d e n t u m u n d H e l l e n i s m u s . S t u d i e n z u ihrer B e g e g n u n g u n t e r b e s o n d e r e r B e r ü c k s i c h t i g u n g P a l ä s t i n a s bis z u r M i t t e d e s 2 . J h . s v. C h r . ( W U N T 1 0 ) , T ü b i n g e n ( M o h r ) 3 . A u f l . 1 9 8 8 ; d e r s . , T h e >Hellenization< o f J u d a e a in t h e First C e n t u r y after C h r i s t . I n C o l l a b o r a t i o n w i t h C h r . M a r k s c h i e s , L o n d o n / P h i l a d e l p h i a 1 9 8 9 . A u c h Penner, E p i s t l e 7 4 h ä l t d i e S p r a c h e für ein u n z u r e i c h e n d e s D a t i e r u n g s mittel.
4 8 8
S o M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8. K r i t i s c h d a z u F r a n k e m ö l l e , Ö T K 5 3 ; T s u j i 4 3 .
4 8 9
Vgl. Malherbe, Ebene.
4 9 0
S o meinen L u d w i g u n d Lautenschlager.
4 9 1
S . i m K o m m e n t a r b e s o n d e r s z u 2 , 8 ff.
4 9 2
Z u m P r ä s k r i p t vgl. T s u j i 4 0 f.
4 9 3
So meint Mußner, Jakobusbrief 238.
4 9 4
So Mußner, Jakobusbrief 238.
4 9
5 Vgl. Mußner, Jakobusbrief 238.
4 9 6
So Mußner, Jakobusbrief 239.
Einleitung
68
eher auf eine nicht-gefestigte, relativ spät auftauchende Position. Zu g: Das Argu ment, es ließe sich »keine kirchen- und theologiegeschichtliche Situation am Ende des 1. Jh.s nennen, in die hinein oder aus der heraus der Brief geschrieben w ä r e « , läßt sich m. E. leicht mit dem Blick auf die in verschiedenen frühchristlichen Schrif ten (s. o. § 5,4-8; § 7,1-2) sichtbar werdenden Züge entkräften. Die Beweislast liegt also m. E. in allen Aspekten bei den Vertretern der Frühdatie rung. In Umkehrung der zitierten Gegenthese sollte man formulieren: »Es können also keine überzeugenden Gründe genannt werden«, die für »eine Verfasserschaft durch den Herrenbruder Jakobus sprechen würden«. 497
5.
Entstehungsphasen 498
Man hat erwogen, ob der Brief in verschiedenen Stufen bzw. Phasen e n t s t a n d . Die These bezieht sich vor allem auf zwei Aspekte. 1. Traditionsgeschichtlich könnte das eine oder andere »Grundmuster« (pattern) des Briefes auf den Herrenbruder zurückgehen. Dafür könnte der homiletische Stil sprechen. Eine »Schule« des Jakobus hätte solches Material aufbewahrt und später zusammengestellt und zur Geltung gebracht. 2. Die These soll zudem die sprachliche Eleganz erklären, und zwar in Anlehnung an die traditionelle Sekretärshypothese. Speziell könnte so auch das Fortleben einiger Semitismen plausibel werden. 3. Beide Aspekte sind in sich nicht völlig ohne Basis; denn »Schulen« gab es auch sonst im Frühchristentum, speziell bei Paulus; und Formulierungshilfe konnte durch aus in Anspruch genommen werden. Es ist jedoch zweifelhaft, ob man für den Fall des Jak wirklich Ansatzpunkte dafür im Text findet. Dann ist solch eine These nicht mehr als eine eventuelle Hilfskonstruktion, um die Zurückführung auf den Namen des Autors verständlicher zu machen. Die These ist jedoch zu wenig fundiert.500 499
4 9 7
Mußner, Jakobusbrief 240, mit besonderem Nachdruck.
4 9 8
Wall 9; D a v i d s , C o m m e n t a r y 1 2 ; M a r t i n , W B C Ixxvi. V g l . d i e k r i t i s c h e A n a l y s e bei T s u j i 4 3 f.; F r a n k e
4 9 9
M i t t o n 9 u n d L o n e c k e r 1 8 9 m e i n e n t r o t z einer z e i t l i c h e n A n s e t z u n g d e s Briefes v o r 6 2 , in J e r u s a l e m h a b e
mölle, Ö T K 53. m a n B e s u c h e r n » s o m e r e c o r d o f J a m e s ' c h a r a c t e r i s t i c t e a c h i n g « a u s g e h ä n d i g t . H a l s o n 3 1 2 f. a r g u m e n t i e r t , d e r B r i e f sei » e i n e K o l l e k t i o n k a t e c h e t i s c h e n M a t e r i a l s ... a u s einer b e s o n d e r e n >Schule< v o n K a t e c h e t e n . D a s v o n dieser S c h u l e a u f b e w a h r t e u n d b e n u t z t e M a t e r i a l w u r d e in d i e F o r m einer
Weisheitstradition
g e g o s s e n ... I n d e r g e g e n w ä r t i g e n G e s t a l t w u r d e d e r B r i e f z u s a m m e n g e s t e l l t , n a c h d e m d a s M a t e r i a l m e h r als e i n e G e n e r a t i o n l a n g b e n u t z t w o r d e n w a r « ; d i e K a t e c h e t e n s c h u l e »is to b e c o n n e c t e d w i t h J a m e s o f J e r u s a l e m « ; n a c h s e i n e m M a r t y r i u m w u r d e n ihre M i t g l i e d e r verstreut. D e r B r i e f sei » n i c h t z u l a n g e n a c h d e r Verbreitung« des M t zu datieren. 5 0 0
D i e Z w e i - S t u f e n - T h e o r i e h a b e ich s e l b s t f r ü h e r ( P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 8 7 f.) in E r w ä g u n g g e z o g e n , v e r f o l g e sie j e d o c h n i c h t weiter.
Die Abfassungsverhältnisse
6.
69
Ergebnis
Als Ergebnis — nach der m. E. immerhin deutlichen Wahrscheinlichkeit bemessen sei zur Frage der Abfassungsverhältnisse festgehalten: 1. Der Brief wurde in fortgeschrittener neutestamentlicher Zeit verfaßt, etwa um die Wende vom 1. zum 2. Jh.^ Das zeigt sich besonders in der sachlichen und sprach lichen Nähe zu verschiedenen Schriften aus der Zeit zwischen ca. 85 und dem Anfang des 2. Jh.s. 2. Das Schreiben greift das »Phänomen« (von einer regelrechten »Tradition« wird man kaum sprechen können) des Diasporabriefes auf. Hier wendet sich der »Ur sprungsort« an die Diaspora zwecks Stärkung, Warnung, Mahnung, Weiterführung und Korrektur. Allerdings werden dabei keine speziell »palästinischen« Anliegen gel tend gemacht. Adressat ist die Christenheit im »Ausland«. 3. Der Brief verwendet Namen, Position und Autorität des Herrenbruders Jako bus, ist aber nicht dessen eigenes Produkt, sondern stellt ihn in die Rolle des Verfassers eines Diasporabriefes; aus der implizierten Verantwortung wendet er sich an die »12 Stämme in der Diaspora«. 4. Die Frage des tatsächlichen Abfassungsortes ist nicht mehr lösbar. Für Palästina spricht nichts Entscheidendes; das gleiche gilt für Alexandrien.502 Die Nähe zu IPetr, lClem503 . . könnte evtl. für Rom plädieren lassen; aber auch diese Faktoren sind nicht genügend klar. 1
u
5 0 1
a
K ü m m e l 3 6 5 : d i e A b f a s s u n g s z e i t »läßt s i c h s c h w e r l i c h g e n a u e r als a u f d a s E n d e d e s 1. J h . s f e s t l e g e n « . V i e l h a u e r 5 8 0 d a t i e r t » z w i s c h e n 8 0 , u n d 1 3 0 « . S c h n e l l e 4 0 2 : E n d e d e s 1. J h . s B u r c h a r d , H N T E i n l e i t u n g 2 . 3 : » d i e letzten J a h r z e h n t e d e s 1. J h . s « (vgl. d i e » t r a d i t i o n s g e s c h i c h t l i c h e V e r w a n d t s c h a f t m i t M t u n d I P e t r « ) .
502 y g i
o. § 4 , 3 . 3 . B u r c h a r d , H N T E i n l e i t u n g 2 . 3 : d e r B e f u n d s p r i c h t w e d e r für e i n e l ä n d l i c h e G e g e n d ( P a l ä
s t i n a ) n o c h für e i n e H a f e n s t a d t (speziell A l e x a n d r i a ) ; d i e N ä h e z u M t u n d d a s A p o s t e l k o n z i l s a m t F o l g e n deuten a m ehesten a u f Antiochia. 503 S . o . § 5 , 5 u n d 7.
Auslegung I. Präskript 1,1
(1) J a k o b u s , G o t t e s u n d des H e r r n J e s u C h r i s t i Diener, D i a s p o r a - z u m frohen G r u ß .
den zwölf S t ä m m e n in
der
1 Das Präskript ist einfach aufgebaut. D e m Namen folgt als Apposition eine quasi titulare Qualifizierung (öoüXog), die auf zwei Genitive (0eoi3 x o d X U Q L O U I n o o i j X Q I G T O I J ) bezogen ist. Die Adressaten werden kollektiv genannt. Als ihr Ort erscheint lediglich ev x f j ö i a ö J T O Q Q t . Der Gruß ist kurz und ohne erkennbaren theologischen Gehalt (xaiQeiv). Die Identität des »Jakobus« läßt der Text weitestgehend offen. Der N a m e scheint einen konkreten Verfasser zu bezeichnen, wahrscheinlich den »Herrenbruder« Jakobus, sei es tatsächlich, sei es fiktional. In Verbindung mit den »12 Stämmen« könnte auch eine symbolische Relation zum atl. Patriarchen Jakob mitschwingen.3 Die Selbstbezeichnung »Diener« signalisiert altorientalisch-atl.-jüd. Würdeprädikation. Im N T erscheint öoüXog 0eoi3 nur noch Tit 1,1 (für Paulus) ; geläufiger ist bovXoq X Q L Ö T O D ( 1 T ] Ö O 1 3 ) : Rom 1,1; Phil 1,1; Gal 1,10; 2 Petr 1,1. Jak nennt sich dagegen nicht »Apostel« , welches die in den ntl. Briefen verbreitetste Absenderbezeichnung ist (Rom 1,1; IKor 1,1; 2Kor 1,1; Gal 1,1; Kol 1,1; Eph 1,1; 1 T i m 1,1; 2 T i m 1,1; Tit 1,1; 1 Petr 1,1; 2Petr 1,1), und zwar überwiegend zusammen mit »Jesu Christi«. Liegt der Grund für die Absenz von »Apostel« darin, daß »der Jakobustradition bekannt war, daß der Herrenbruder Jakobus nicht Apostel gewesen war«?? Das ist nicht auszuschließen. Ebenso fehlt eine sonstige nähere Kennzeich nung durch verwandtschaftliche oder kollegiale Beziehungen; insbesondere gilt das für eine Bezeichnung wie »Bruder des Herrn« , die man bei »Jakobus« evtl. erwarten 1
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1
J o h n s o n , A n c B 1 7 0 : » b e m e r k e n s w e r t e i n f a c h u n d >säkular<«. B e r e i t s C a j e t a n d e V i o m e r k t e a n : » p r o f a n o m o r e « (ebd. 169; M e i n e r t z 2 1 8 A n m . 1).
2
S . d a z u in d e r E i n l e i t u n g § 7, 4.
3
V g l . F r a n k e m ö l l e . Ö T K 1 2 4 . V i e l w e i t e r g e h t b e k a n n t l i c h A r n o l d M e y e r ( 1 7 6 ff.): d e r B r i e f sei u r s p r ü n g lich e i n e j ü d i s c h - h e l l e n i s t i s c h e S c h r i f t g e w e s e n , verfaßt i m N a m e n d e s P a t r i a r c h e n J a k o b als d e s s e n T e s t a m e n t (vgl. G e n 4 9 ; J u b 4 5 , 1 6 ; T e s t X I I ) , s t r u k t u r i e r t als » e i n e A l l e g o r e s e ü b e r J a k o b u n d d i e z w ö l f
Stäm
m e « ( 2 4 0 ff.). V g l . d i e K r i t i k bei K ü r z d ö r f e r 2 8 - 8 6 . 4
V g l . W a l t e r Z i m m e r l i / J o a c h i m J e r e m i a s : T h W N T V 6 5 3 - 6 7 0 ; T s u j i 4 4 f. I m A T z. B . G e n 3 2 , 1 1 ; J o s 1 4 , 7 ; R i 2 , 8 ; 2 S a m 7 , 4 ; 8 , 2 9 ; Ps 8 9 , 4 . 2 1 ; 1 0 5 , 2 6 . 4 2 ; 1 1 9 , 3 8 . 7 6 ; 1 3 4 , 1 ; 1 4 3 , 1 2 ; J e s 4 1 , 8 ; 4 8 , 2 0 ; E z 2 8 , 2 5 ; D a n 9 , 1 1 ; M a l 4 , 4 ( = 3 , 2 2 ) ; I M a k k 4 , 3 0 , b e s o n d e r s für A b r a h a m , J a k o b , M o s e , J o s u a . A b e r a u c h für d i e P r o pheten: A m 3,7; Jer 4 4 , 4 ; l Q p H a b 2,9; 7 , 5 . D i e griech.-hellenistische Tradition kennt ähnliches: E u r i p Ion 3 0 9 ; D i o C a s s 6 2 , 5 , 2 ; A p u l M e t 1 1 , 1 5 u. a.
5
Vgl. n o c h A p g 1 6 , 1 7 »Diener des höchsten Gottes«.
6
A n d e r s IPetr 1,1, das nächst-verwandte Präskript.
7
S o Frankemölle, Ö T K 129.
8
V g l . B e r n h e i m , b e s o n d e r s 11 ff. S o G a l 1,19; vgl. J u d 1 , 1 ; M k 6 , 3 par. L l e w e l y n 3 8 9 : D i e F u n k t i o n einer solchen A n g a b e wäre lediglich eine personale Identifizierung gewesen (gegen Dibelius).
71
1,1
könnte; damit korrespondiert die durchgehende Nicht-Kennzeichnung von JesusTradition im Brief. Auch hier kennen wir die Gründe nicht. Fakt ist, daß sich der Absender mit dem einen »Titel« »Diener/Knecht/Sklave« begnügt. Die Relation von »Diener« scheint binitarisch zu sein: zu Gott und zu Jesus Christus. Eine solche K o m bination findet sich auch in den paulinischen Briefen, obschon anders formuliert (z.B. IKor 1,1; Gal 1,1), vor allem im abschließenden Wunsch der Präskripte (z. B. R o m 1,7; IKor 1,3). F r a n c i s Vouga hat allerdings vorgeschlagen, beides, »Gott und Herr«, hier auf Jesus Christus zu beziehen, weil auch in 1,27 und 3,9 die Titel zusammenstünden; dann würde Jak Jesus als Gott bezeichnen - eine im N T seltene Aussage (vgl. Joh 20,28). Dagegen spricht jedoch: »Jak ist ambivalent in seiner Ver wendung von kyrioSy ... doch ist er anderswo nicht unsorgfältig bei seiner Bezeich nung theos, die sich klar auf ho pater bezieht«. Der »Diener« Jakobus stellt sich somit zu zwei Gestalten in Beziehung, zu einer »himmlischen« und zu einer »geschicht lichen«. N i m m t man jedoch 2,1 hinzu, so ist Jesus Christus primär der Kyrios (dort mit »unser« und »der Herrlichkeit«). D e m entspricht zudem die Selbstbezeichnung öoDXog unmittelbar. Die verschiedenen Vorkommen von KVQIOC, bei Jak differen zieren allerdings nicht klar zwischen Gott und C h r i s t u s . Das läge gar nicht in sei nem Sinn. Die Nähe zu 0eög signalisiert auch in 1,1 eine Hoheitschristologie. Der Name Jesus Christus steht für Herrschaft. Wir wissen nicht, welche Kyrios-Vorstellungen bei den Adressaten des Jak vorhanden waren. Immerhin ist bekannt, daß der Titel im 1. J h . allgemein im Vordringen (vom Osten zum Westen) war, nicht nur im religiösen, sondern auch im politischen Bereich (Kaisertum). Die ntl. Verwendung von Kyrios für Jesus hat verschiedene Wurzeln. 5 Deutlich ist jedoch der inhaltliche Akzent, nämlich »die theonome Hoheit des Prädikats« . Jesus Christus besitzt gött liche Weisungs- und Gestaltungsmacht. Damit setzt Jak ein theo- und christologisches Zeichen über sein Schreiben. Er selbst versteht sich als öoDXoc; dieses Herrn. Damit signalisiert er für sich selbst zugleich Hoheit und Demut. Er will nichts mehr, aber auch nichts weniger, als den Willen des Herrn nahebringen. - Und zwar »den 12 Stämmen (in der Diaspora)«. Natürlich ist das von Hause aus eine Bezeichnung für das gesamte Israel als Gottesvolk, die Nachkommenschaft der 12 Söhne Jakobs 9
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A m a u s g e p r ä g t e s t e n in I K o r 8 , 6 . V g l . M a r t i n , W B C 7. V g l . V o u g a 3 1 u n d 3 6 , a u c h z u e i n i g e n a l t k i r c h l i c h e n A u s l e g u n g e n . Karrer, P r ü f u n g 1 6 8 f., m e i n t z u R e c h t : » D a s K e n n z e i c h n e n d e u n s e r e r F o r m e l ist ihre S c h w e b e : 0EÖg m u ß n i c h t a u f J e s u s b e z o g e n w e r d e n , k a n n es a b e r ... A u c h bei z w e i g l i e d r i g e r A u f l ö s u n g r ü c k t d i e F o r m e l G o t t u n d d e n H e r r n J e s u s , d e n G e s a l b t e n , a u f s engste z u s a m m e n . «
1 1
1 2
Johnson, A n c B 168. I n 1,7 ist K y r i o s w o h l G o t t ( w e g e n V 5 ) ; 3 , 9 G o t t ( w e g e n » V a t e r « ) ; 4 , 1 0 G o t t (s. V. 7 f.); 4 , 1 5 eher G o t t ( w e g e n d e r v e r b r e i t e t e n T r a d i t i o n ) ; 5,4 G o t t ( w e g e n » S a b a o t h « ) ; 5 , 7 f. C h r i s t u s ( w e g e n » P a r u s i e « ) ; 5 , 1 0 eher G o t t ( w e g e n d e r atl. T r a d i t i o n ) ; 5 , 1 1 unklar, w o h l G o t t ( w e g e n V. 1 0 ) ; 5 , 1 4 . 1 5 u n k l a r . V g l . i n s g e s a m t R u c k - S c h r ö d e r 2 3 2 - 2 3 8 (zu J a k ) u n d 1 1 - 6 3 ( F o r s c h u n g s g e s c h i c h t e z u » N a m e G o t t e s « ) .
1 3
Ä h n l i c h F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 2 9 - 1 3 1 . A l l g e m e i n e r : Karrer, J e s u s C h r i s t u s 3 4 6 .
1 4
H a h n , H o h e i t s t i t e l 6 9 f. V g l . R i c h a r d A . H o r s l e y ( H g . ) P a u l a n d E m p i r e . R e l i g i o n a n d P o w e r in R o m a n I m p e r i a l Society, H a r r i s b u r g (Trinity) 1 9 9 7 , b e s o n d e r s d i e B e i t r ä g e v o n S . R . F. Price ( R i t u a l s a n d Power, 4 7 ff.) u n d P. Z a n k e r ( T h e P o w e r o f I m a g e s , 7 2 ff.).
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Karrer, J e s u s C h r i s t u s 3 4 0 ff.; 3 4 6 z u » H e r r d e r H e r r l i c h k e i t « .
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K a r r e r 3 4 8 . V g l . 3 4 6 » h o h e C h r i s t o l o g i e als E x p l i k a t i o n d e s M o n o t h e i s m u s « .
17 M i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 2 9 - 1 3 1 .
Präskript
72
(Gen 49,28; Ex 25,3; Jos 4,5; I K o n 18,31; Ez 47,13; Sir 44,23; Ps Sal 17, 26-28; Sib 3,248; syr Bar 77,2; 78,4; Jos Ant 1,221; Apg 7,8). Seit der Zerstörung des Nordrei ches i. J . 722 v. Chr. ist »12 Stämme« nur noch eine ideelle Größe; die Hoffnung auf eine eschatologische Wiederherstellung bleibt aber erhalten: Hos 2,2, Jer 3,18; Ez 37,19.24; Sir 30,13 Hs; Ps Sal 11,7; 17,28; syr Bar 7 8 , 7 . Das findet auch bei Jesus seinen Ausdruck: in der Berufung des Zwölferkreises (Mk 3,14 parr; vgl. IKor 15,5) und in Worten wie M t 19,28 par., ebenso in Apk 7,5 ff.; 21,12 ff.; vgl. Apg 1,6. Jak geht also insofern von einer »realisierten Eschatologie« aus, als die 12 Stämme immer hin einen Ansprechpartner darstellen. 9 Die Näherbestimmung »in der Diaspora« ist aus der Perspektive Palästinas (Judäas, Jerusalems) formuliert und blickt von dort aus auf das nichtjüdische »Ausland«. Das Nomen öiaojrood kommt im N T außer Joh 7,35 und IPetr 1,1 nur hier v o r und ist praktisch überhaupt eine rein biblische Vokabel. In der jüdischen Literatur erscheint es zumeist als Objekt und das in »Kontexten, die Gottes Omnipotenz, Gerechtigkeit und Erbarmen betonen«. 3 Das Wort wird dort »hauptsächlich verwendet, um Gott zu preisen, der die Macht hat, die Verstreuten zu sammeln«, nicht »um die bemitleidenswerte Situation der Leute zu beschreiben, die im Ausland l e b e n « . Der Sprachgebrauch in IPetr 1,1 (vgl. 1,17) legt den Akzent dagegen auf die Fremde im Gegensatz zur »himmlischen« Heimat. ^ Jak läßt weder den einen noch den anderen Akzent erkennen. Er verwendet »12 Stämme in der Diaspora« doch wohl im übertragenen Sinn für Christen. Dem nach ist die Kirche das wahre, neue, eschatologische I s r a e l . Der Ausdruck »12 Stämme« ist auf jeden Fall theologisch-ekklesiologisch gefüllt. Fraglich ist, ob Diaspora »primär eine soziale ... Kategorie« darstellt, d. h. »die Minorität in anders gläubiger Umwelt« bezeichnen soll ?. Gewiß bedeutete Diaspora faktisch immer auch Minorität und Bewährung. Aber die Situation im Römischen Reich ist, zumin dest im Blick auf die jüdischen Erfahrungen, differenziert zu betrachten. In Jak 1,1 signalisiert »in der Diaspora« zunächst einmal »im A u s l a n d « , dann aber auch einen heilsgeschichtlichen Ubergangszustand bis zur Sammlung des Gottesvolks durch sei18
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F e r n e r 1 Q M 2 , 2 f.; 3 , 1 4 f.; l Q S a 1 , 1 5 . 2 9 . V g l . S t r . - B . I V 9 0 2 - 9 0 9 .
1 9
D a r i n st eh t J a k i m N T e i n z i g a r t i g d a ( a u c h I P e t r 1 ist a n d e r s ) , v e r g l e i c h b a r allenfalls m i t d e r A p k .
2 0
Z u » D i a s p o r a b r i e f « s. E i n l e i t u n g § 7, 3 . 2 .
2 1
Vgl. Dieter Sänger: E W N T I 7 4 9 - 7 5 1 . D a s Verb erscheint ebenfalls nur 3x ( A p g 8,1.4; 1 1 , 1 9 ) .
2 2
A n d e r s d a s V e r b ! D a s S u b s t a n t i v s o n s t n u r bei P l u t u n d evtl. bei E p i c (lt. P l u t ) . V g l . S ä n g e r 7 4 9 ; T r o m p 2 1 m i t A n m . 2 8 ; v a n U n n i k , D i a s p o r a 7 4 f. I n d e r L X X ist ö l d O J T O Q d n i e m a l s Ü b e r s e t z u n g v o n n^i: o d e r
nbl
als E x i l , V e r b a n n u n g ( S ä n g e r ) . 2 3
T r o m p 2 1 f.
2 4
T r o m p 3 2 . D a s w i r d erst m i t d e r Z e i t i m c h r i s t l i c h e n S p r a c h g e b r a u c h s o ( e b d . ) . A n d e r s M a r t i n , W B C 1 1 :
2 5
V g l . F e l d m e i e r ; S ä n g e r : E W N T I 7 5 0 ; J o h n H . E l l i o t t , A H o m e for t h e H o m e l e s s . A S o c i o l o g i c a l E x e g e s i s
in A p g 1 1 , 1 9 b e s t e h e e i n e N ä h e z u 0X,tipig. o f 1 Peter, Its S i t u a t i o n a n d Strategy, M i n n e a p o l i s ( F o r t r e s s ) 2 . A u f l . 1 9 9 0 (er v e r s t e h t d i e T e r m i n o l o g i e w ö r t l i c h - s o z i o l o g i s c h , n i c h t ü b e r t r a g e n - s p i r i t u e l l ) . V g l . a u c h Phil 3 , 2 0 . 2 6
M i t S ä n g e r 7 5 0 . A d r e s s a t ist n i c h t d a s J u d e n t u m , a u c h n i c h t d a s J u d e n c h r i s t e n t u m ; d e n n e i n e D i f f e r e n z i e r u n g z w i s c h e n H e i d e n - u n d J u d e n c h r i s t e n ist bei J a k n i c h t e r k e n n b a r . V g l . M a r t i n , W B C 8 f.
2
?
2 8
So Frankemölle, Ö T K 127; ähnlich Sänger 7 5 0 . B a r c l a y p a s s i m ; T r o m p 2 5 ff. V i e l f a c h i n t e g r i e r t e n sich d i e J u d e n d u r c h a u s in d i e G e s e l l s c h a f t , u n d d a s bei aller I d e n t i t ä t s w a h r u n g u n d A b g r e n z u n g . » D i a s p o r a « signalisiert d e s w e g e n n i c h t e i n e U n z u f r i e d e n h e i t d a r über, d a ß m a n n i c h t in J u d ä a w o h n t ( T r o m p 3 3 ) .
2 9
B u r c h a r d , H N T z. S t . : hier » O r t s - n i c h t Z u s t a n d s b e s t i m m u n g « .
1,1
73
nen Herrn. So betrachtet, zeigt Jak bereits im Präskript eine eschatologische Perspek tive. - Der Schlußgruß xaioeiv bietet zwar eine gute Uberleitung per Paronomasie zu Xaodv in V. 230, entstammt aber zunächst einmal der griechischen Brieftradition. Der Infinitiv ist ein Aufruf, sich zu freuen, fröhlich zu sein. Die Form des Präskripts weist Jak als einen griechischen Verfasser aus, anders als Paulus, der das orientalische Schema ausbaut.3i Der griechischen Form entspricht die sprachliche Qualität des Schreibens.
3 0
V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 3 2 , a u c h z u a n g e b l i c h e n Parallelen - Papyr G i e s s e n 2 1 ; I g n E p h 1,1; I g n P h l d 1 0 , 1 (so W u e l l n e r 4 0 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 6 2 f.); »dieses stilistische M i t t e l (ist) n i c h t als >auch s o n s t beliebte S t i c h w o r t v e r b i n d u n g < ... z u w e r t e n , s o n d e r n als s i n g u l ä r redaktionell zu v e r s t e h e n « . V g l . n o c h T a a t z 1 0 6 f.
3 1
D o r t werden nicht nur Absender u n d Adressaten genannt, sondern der G r u ß wird z u m Segenswunsch. Vgl. W h i t e , A N R W 1 7 3 4 ; S c h n i d e r / S t e n g e r , S t u d i e n 3 ff.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 2 1 f.
IL Die rechte innere Einstellung 1,2-15 (2) F ü r j e d e r l e i F r e u d e h a l t e t e s , m e i n e B r ü d e r , w e n n i m m e r i h r i n m a n c h e r l e i A n f e c h t u n g e n fallt, (3) w i s s e n d , d a ß d a s P r ü f u n g s m i t t e l eures G l a u b e n s A u s d a u e r bewirkt; (4) d i e A u s d a u er a b e r s o l l e i n v o l l k o m m e n e s W e r k h a b e n , d a m i t i h r v o l l k o m m e n u n d k o m p l e t t s e i d , a n n i c h t s M a n g e l l e i d e n d . ( 5 ) W e n n a b e r j e m a n d v o n e u c h M a n g e l a n W e i s h e i t h a t , s o l l er (sie) erbitten von Gott, der vorbehaltlos allen gibt u n d nicht zu S c h a n d e n bringt, u n d i h m wird g e g e b e n w e r d e n . (6) E r bitte a b e r i m G l a u b e n , keinerlei B e d e n k e n t r a g e n d . D e n n wer B e d e n ken trägt, gleicht d e m G e w o g e des Meeres, das v o m W i n d bewegt u n d hin u n d her geworfen w i r d . ( 7 ) N i c h t m e i n e j e n e r M e n s c h , d a ß er e t w a s v o m H e r r n e m p f a n g e n w i r d , ( 8 ) e i n M a n n , in der Seele gespalten, chaotisch in allen seinen Wegen. (9) E s r ü h m e sich aber der niedrige B r u d e r ( i n ) l seiner E r h ö h u n g , ( 1 0 ) d e r reiche a b e r (in) seiner E r n i e d r i g u n g , d e n n w i e d i e B l ü t e d e s G r a s e s w i r d er vergehen. (11) E s g e h t n ä m l i c h d i e S o n n e a u f m i t (ihrer) G l u t , u n d das G r a s verdorrt, u n d seine B l ü t e verfallt, u n d die Wohlgestalt seines Angesichts vergeht. E b e n s o w i r d a u c h der Reiche in seinen R e i s e n / U n t e r n e h m u n g e n verwelken. (12) Selig der M a n n , der d i e A n f e c h t u n g a u s h ä l t ; d e n n , b e w ä h r t g e w o r d e n , w i r d er d e n K r a n z d e s L e b e n s empfangen, d e n (Gott) verheißen hat denen, die ihn lieben. (13) N i e m a n d , der angefochten/versucht wird, sage: »Von G o t t werde ich versucht«. D e n n G o t t ist u n v e r s u c h b a r z u b ö s e n D i n g e n , er s e l b s t a b e r v e r s u c h t n i e m a n d e n . ( 1 4 ) J e d e r w i r d v i e l m e h r v e r s u c h t d u r c h s e i n e eigene Begierde, gelockt u n d geködert. (15) D a n n gebiert die schwanger gewordene Begierde die S ü n d e , die zur V o l l e n d u n g g e k o m m e n e S ü n d e aber b r i n g t d e n T o d z u r Welt.
1.
Texteingrenzung
A u s v e r s c h i e d e n e n G r ü n d e n besteht Uneinigkeit darüber, w o die in 1,2 b e g i n n e n d e Passage zu e i n e m vorläufigen A b s c h l u ß k o m m t . D a s epistolographische M o d e l l v o n F. O . F r a n c i s sieht in 1,211 u n d 1 2 - 2 5 eine d o p p e l t e Brieferöffnung. Verbreiteter ist die U n t e r t e i l u n g zwischen V. 2 - 1 2 u n d V. 13 ff, u n d zwar v o n traditionsgeschichtlichen, inhaltlichen u n d expositionellen G e s i c h t s p u n k t e n her. 3 Beliebt ist aber a u c h der A b s c h l u ß n a c h V. 18, weil in V. 19 ein neues T h e m a beginne.^ N a c h rhetorischem M o d e l l bilden 1,2-12. bzw. 1,2-18 das E x o r d i u m . 5 E i n e interessante Variante d a z u schlägt E . B a a s l a n d vor: V. 2 - 1 5 e x o r d i u m , V. 1 6 - 1 8 transitus, V. 1 9 - 2 7 p r o p o s i t i o . G r a m m a t i k a l i sche u n d inhaltliche A s p e k t e raten dazu, m i t V. 15 zunächst einmal einzuhalten. D i e Ihr-Anrede, v o n der V. 2 - 4 b e s t i m m t sind, kehrt erst in V. 16 wieder, w ä h r e n d V. 5 - 1 5 die 3. Pers. S g . verwenden, also Einzelfälle behandeln, u n d zwar a u c h dort, w o sie v o n der Sache (V. 12) oder v o n der F o r m u l i e r u n g (V. 13 f.) her kollektive B e d e u t u n g h a b e n . In V. 16 liegt, so betrachtet, ein N e u a n s a t z vor. - D a s inhaltliche G e r ü s t der V. 2 - 1 5 bildet das Stichwort J i £ i o a o u . ö c ; - J t e i o d ^ e i v - cuteioacrcoc;, das nur hier v o r k o m m t (V. 2 . 1 2 . 1 3 . 1 4 ) , a u c h w e n n der semantische G e h a l t zu oszillieren scheint. D a s n ä c h ste unmittelbare Signal an die Leser bietet V. 16 (direkte A n r e d e ) ; ab hier wird die E i n t e i l u n g allerdings n o c h schwieriger (dazu später). 2
6
D i e kontextuelle Plazierung v o n V. 5-8 u n d besonders v o n V. 9 - 1 1 ist notorisch schwierig. Verschiedentlich stellt m a n deshalb V. 2 - 4 als eigene Passage heraus; nach d e m rhetorischen M o d e l l gilt
1
2
3
4
5
6
D a s ev b e i x a u x ö ö ö a t bezeichnet d e n Inhalt bzw. G e g e n s t a n d d e s R ü h m e n s , d e s h a l b k a n n bei d e r Ü b e r s e t z u n g d a s »in« entfallen. W e g e n der I n t e r p r e t a t i o n s s c h w i e r i g k e i t e n v o n V. 9 - 1 1 ist es j e d o c h festgehalten. S. E i n l e i t u n g § 6, 3 . 1 . V o n L i p s 4 1 4 ff. u. a. S . E i n l e i t u n g § 6, 2 - 4 . S . E i n l e i t u n g § 6, 2 . Baasland, Jakobsbrevet und A N R W 1988.
Textüberlieferung
75
7
sie als E x o r d i u m i m engeren S i n n . D i e thematische W i e d e r a u f n a h m e v o n V. 3-4 in V. 12 bildet j e d o c h eine deutliche K l a m m e r . D a das M o t i v »versuchen« aber in V. 1 3 - 1 5 fortgeführt wird, e m p fiehlt es sich, eine Z w i s c h e n p a u s e nicht bereits nach V. 1 2 , s o n d e r n erst n a c h V. 15 einzulegen.
2.
Textüberlieferung
G e w i c h t i g e u n d u m s t r i t t e n e P r o b l e m e der Textüberlieferung existieren in 1,2-15 k a u m . M e h r e r e Varianten weisen a u f U n k l a r h e i t e n i m T e x t h i n . - In V. 3 g i b t es Varianten z u ö o x l u m o v V\I(ÜV t f j g jTLötecog (wortgleich m i t IPetr 1,7). W e n i g e H s s ziehen ö ö x i | x o v (das E r p r o b t e ) vor. D i e A b f o l g e der letzten drei g e n a n n t e n W ö r t e r w i r d variiert; teilweise w e r d e n a u c h einzelne dieser W ö r t e r ersetzt o d e r a u s g e l a s s e n . D i e Varianten weisen a u f ein d o p p e l t e s V e r s t ä n d n i s p r o b l e m , n ä m l i c h d i e B e d e u t u n g des N o m e n s ( ö o x i u i o v ) u n d die R e l a t i o n v o n v\iCbv. — P r i m ä r stilistische G r ü n d e hat in V. 5 d i e E r s e t z u n g v o n ur| d u r c h o u x . V e r b e s s e r u n g e n m e i n t e m a n a n a i x e i T c o (Plur., V o k a b e l ) , xoü ö i ö ö v x o g 9 e o ü (Aor., A b f o l g e , S t r e i c h u n g v o n 0eoi3) v o r n e h m e n z u m ü s s e n . - D i e E i n f ü g u n g v o n d m o T o r v u n d z.T. v o n ö x i Xr|i|)£Tai (aus V. 7 e n t n o m m e n ) bei bzw. statt öiaxQivö|i£VOc; (z. T . in d e n Plur. gesetzt) in V. 6 soll der V e r d e u t l i c h u n g d i e n e n , hervorgerufen d u r c h D e u t u n g s p r o b l e m e bei ö i a x Q i v e a G a i . - E n t s p r e c h e n d e Varianten erscheinen in V. 7 bei » d a ß er etwas v o m H e r r n e m p f a n g e « . - In V. 8 soll yäq einen engeren S i n n z u s a m m e n h a n g herstellen. - Ä n d e r u n g e n in der W o r t f o l g e v o n 6 ddeXqpög (teilweise ausgelassen bzw. o h n e Art.) 6 x a j t e i v ö g e v x(p u x p e i avxov in V. 9 erstreben w o h l eine glattere, klarere A u s s a g e w e i s e . - U n t e r s c h i e d l i c h e H s s lassen in V. 11 d a s eine o d e r d a s a n d e r e amov a u s , v e r m u t l i c h als S i n n k o r r e k t u r e n . M e h r f a c h verändert w u r d e »in seinen R e i s e n « ( b e s o n d e r s a n Stelle v o n J t o o e i a i c ; trat: eujtooeiaic; bzw. j t o v T ] Q L a i g bzw. J t a o eifieiaig bzw. TaXaiJtcaQiaig), sicher ein H i n w e i s a u f ein S a c h p r o b l e m . - M e h r e r e H s s verallgem e i n e r n in V. 1 2 a » M a n n « z u » M e n s c h « . D i e Z e i t f o r m v o n u J t o ^ e v e i ist a n sich offen (Präsens o d e r F u t u r ) ; einige H s s stellen d i e futurische M ö g l i c h k e i t heraus. - D i e E i n f ü g u n g v o n »der H e r r « o d e r » G o t t « (als S u b j . z u »er verhieß«) in V. 1 2 b m ö c h t e eine vermeintliche L ü c k e f ü l l e n . E i n zelne Varianten s i n d ö i x a i o g für öoxijioc; u n d vixr]g für ^cafjg. - In V. 13 ersetzen einige H s s (darunter a u c h n) ctJto (von G o t t ) d u r c h u j t ö , w o d u r c h G o t t direkt zur h a n d e l n d e n Person w ü r d e . D i e A k z e n t u i e r u n g v o n d j t o x u e i (z. T . ersetzt d u r c h xixxei) in V. 15 leitet sich v o n der B e s t i m m u n g des W o r t s t a m m e s her. 8
9
1 0
3. Text- und
Kommunikationsstruktur
J a k o b u s b e g i n n t m i t einer direkten A n r e d e an seine » B r ü d e r « , o h n e j e d e A n g a b e ü b e r Veranlass u n g , M o t i v a t i o n , R e l a t i o n , Vorgeschichte seines S c h r e i b e n s o d e r über d i e S i t u a t i o n a u f ihrer o d e r seiner Seite. D e r A u t o r will Interpretationsanleitung für b e s t i m m t e L e b e n s l a g e n bieten (V. 2 ) E r beruft sich dafür a u f d a s W i s s e n der A d r e s s a t e n (V. 3 ) , bevor er eine indirekte A u f f o r d e r u n g (V. 4 a ) anschließt, gefolgt v o n einer A b s i c h t s a n g a b e (V. 4 b ) , der w i e d e r u m eine spezifizierende B e m e r k u n g angefügt ist (V. 4 c ) . D i e A u f f o r d e r u n g in V. 4 a ist s a c h b e z o g e n , w ä h r e n d V. 4 b - c wieder in der 2 . Pers. Plur. gehalten ist. - D i e Passage V. 5-8 spezifiziert die S c h l u ß b e m e r k u n g v o n V. 4 in einer b e s t i m m t e n R i c h t u n g ( M a n g e l a n Weisheit), b e z o g e n a u f Einzelfällle ( j e m a n d ) , u n d enthält H a n d l u n g s a n w e i s u n g e n (»er soll bitten« V. 5.6, »er m e i n e nicht« V. 7 ) u n d E r l ä u t e r u n g e n (über G o t t e s G e b e n , V. 5 b ; d a s Zweifeln, V. 6 b ; d a s W e s e n des g e s p a l t e n e n M e n s c h e n , V. 8 ) . D i e l o g i schen V e r k n ü p f u n g e n s i n d recht eng: Stichwortfortführungen ( » b i t t e n « , »zweifeln«), K o n j u n k t i o -
7 Wuellner; v o n L i p s 4 1 6 . V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 3 5ff.1 7 5 ff; T h u r e n 2 8 2 . M e t z g e r , T e x t u a l C o m m e n t a r y 6 7 9 , diskutiert n u r V a r i a n t e n z u jeweils e i n e m V / o r t in V. 3 . 1 2 . 9 Vgl. Mußner, Jakobusbrief 75. Metzger, Textual C o m m e n t a r y 6 7 9 . 8
1 0
76
Die rechte innere Einstellung
n e n ( d e V. 5 . 6 , y d o V. 6 b . 7 ) u n d Partizipien (V. 5 b . c . 6 a . b . c ) . D i e k o m m u n i k a t i v e A u s r i c h t u n g ist klar u n d in sich geschlossen: E r m u t i g u n g (V. 5) u n d K l ä r u n g (V. 6 a ) b e z ü g l i c h des B i t t e n s , K o n t r a s t i e r u n g m i t einer falschen E i n s t e l l u n g (V. 6 b - 8 ) . - O h n e s e m a n t i s c h e K o h ä s i o n u n d fast o h n e syn taktische K o n n e x i o n folgen V. 9 - 1 1 , s o d a ß a u c h die F r a g e der a r g u m e n t a t i v e n K o h ä r e n z s c h w i e rig w i r d . W i e in V. 5-8 findet sich eine A u f f o r d e r u n g (»er soll sich r ü h m e n « , V. 9 ) , b e z o g e n a u f zwei unterschiedliche M e n s c h e n typen (V. 9 - 1 0 a ) , v o n d e n e n aber n u r der zweite d u r c h Vergleichsbilder in B e g r ü n d u n g s f o r m (V. 1 0 b . 1 l a . b ) in s e i n e m zukünftigen S c h i c k s a l g e k e n n z e i c h n e t w i r d . A u c h q u a n t i t a t i v erhält er viel m e h r A u f m e r k s a m k e i t . D i e k o m m u n i k a t i v e F u n k t i o n v o n V. 9 - 1 1 i m K o n t e x t ist nicht o h n e weiteres erkennbar; der Text w ü r d e a u c h o h n e V. 9 - 1 1 verständlich b l e i b e n u n d a n s c h e i n e n d a n K o h ä r e n z nicht verlieren. - O h n e Ü b e r g a n g greift der M a k a r i s m u s V. 1 2 a d i e s e m a n t i s c h e L i n i e v o n V. 2 - 4 wieder (in g e w i s s e m S i n n s o g a r d a s ävr\Q v o n V. 8 ) auf, i m m e r n o c h , o b w o h l generalisierend, i m S g . formuliert. V. 1 2 b b r i n g t eine B e g r ü n d u n g i m F u t u r (wie V. 1 0 b . I I b ) , erläutert d u r c h einen Relativsatz i m A o r i s t (V. 1 2 c ) . O h n e Zweifel bildet V. 12 eine inclusio z u V . 2 - 4 . D a m i t w i r d die positive K o m m u n i k a t i o n s a u s r i c h t u n g , die k l a r V . 2 - 4 . 5 , aber a u c h V. 6 a . 9 u n d s o g a r V. 1 0 a kennzeichnet, die freilich a u c h w a r n e n d e (V. 6 b - 8 ) u n d d r o h e n d e E l e m e n t e (V. 10b. 11) enthält, vorläufig a b g e s c h l o s s e n . D e r Leser erhält weithin ein klares V e r h a l t e n s m u s t e r a n g e b o t e n . N u r in V. 9 - 1 1 scheint es nicht seine Wahl, s o n d e r n seine S t e l l u n g z u sein, d i e jeweils ein b e s t i m m t e s Verhalten als w ü n s c h e n s w e r t erscheinen läßt. W ä h r e n d in V. 2 - 8 . 1 2 g r u n d s ä t z l i c h j e d e r ( C h r i s t ) a n g e s p r o c h e n ist, fallen V. 9 - 1 1 d u r c h die p e r s o n a l e Differenzierung a u s d e m R a h m e n . - D i e A u s s a g e n V. 1 3 - 1 5 betreffen w i e d e r g r u n d s ä t z l i c h j e d e n . D e r W o r t s t a m m J t e i g a - lie fert d e n Ü b e r g a n g , w o b e i die s e m a n t i s c h e K o h ä s i o n d a s größte P r o b l e m darstellt. W i e in V. 7 w i r d eine falsche M e i n u n g z u r ü c k g e w i e s e n , s o g a r in der F o r m wörtlicher R e d e (V. 1 3 a ) . D i e f o l g e n d e n B e g r ü n d u n g s t e i l e (V. 1 3 b - l 4 ) s i n d d u r c h ö e (V. 1 3 b . l 4 a . 1 5 b ) , Partizipien (V. I 4 b . l 5 a ) bzw. eine T e m p o r a l k o n j u n k t i o n ( e i x a V. 1 5 a ) e n g m i t e i n a n d e r v e r w o b e n . A l s S u b j e k t e erscheinen n e b e n G o t t (V. 1 3 , wie s c h o n V. 5, implizit V. 12) jetzt B e g i e r d e u n d S ü n d e als Personifikationen. V. 1 3 15 b i l d e n ein a b g r e n z e n d e s N a c h w o r t zur d a m i t a b g e s c h l o s s e n e n J t e i o a o u o g - T h e m a t i k . W i e in V. 1 0 b - 1 1 e n d e t a u c h diese Passage i m N e g a t i v e n ( T o d ) ; d a s Verb d j t o x u e i v bildet ein S t i c h w o r t für die F o r t s e t z u n g (V. 1 8 ) . 1 1
4.
Traditionselemente
Inhaltlich u n d teilweise s o g a r formal ist eine F ü l l e v o n B e z i e h u n g e n zur jüd.-hellenistischen u n d zur frühchristlichen T r a d i t i o n erkennbar. G e d a n k e n , V o k a b e l n , W o r t v e r b i n d u n g e n , M o t i v e , Z i t a te, F o r m e n w i e K e t t e n s c h l u ß , M a k a r i s m u s u. a. ergeben V e r b i n d u n g e n speziell zur Weisheitslitera tur ( b e s o n d e r s Sir, W e i s h , teilweise P h i l o ) , z u IPetr, R o m u n d d e n S y n o p t i k e r n . (1) A n erster Stel le rangieren die B e z i e h u n g e n z u Sir 2 .
1 2
D o r t heißt es: W e r G o t t d e m H e r r n d i e n e n will, soll seine
Seele e i g J t e i Q a a ^ ö v vorbereiten ( 2 , 1 ) ^ 3 D e r Eleve w i r d zur G e r a d h e i t u n d T r e u e gerufen, u m für schwere Z e i t e n ( x a i o ö g ejTaycoYflG? V. 2 ) g e w a p p n e t z u sein, D e m ü t i g u n g e n ( x a j t e i v c o a i g ) e i n g e schlossen (V. 4 f.); » d e n n i m Feuer w i r d G o l d geprüft« ( d o x i j A a ^ e x a i V. 5; vgl. W e i s h 3 , 5 ff.). D e r H e r r w i r d sich des G e t r e u e n a n n e h m e n (Sir 2 , 6 ) ; der L o h n bleibt nicht a u s (V. 8 ) ; ewige F r e u d e u n d E r b a r m e n w a r t e n (V. 9 ) . N o c h nie ließ G o t t j e m a n d e n i m S t i c h (V. 10 f.). M a n soll vertrau ensvoll zu G o t t beten ( 2 , 6 . 8 . 1 3 ) . E i n dreifaches W e h e (V. 1 2 - 1 4 ) gilt d a g e g e n d e n Z a g h a f t e n u n d d e m S ü n d e r , »der a u f zwei P f a d e n w a n d e l t « (V. 1 2 ) , d e n U n e n t s c h l o s s e n e n u n d d e n e n o h n e A u s d a u e r (uJTOfxovr|, V. 1 4 ) . » D i e d e n H e r r n lieben« (V. 1 6 ) , »die ihn fürchten« (V. 1 5 . 1 6 . 1 7 ) , halten
1 1
Vgl. Conte.
1 2
V o n L i p s 4 1 7 ff.; F r a n k e m ö l l e , T h e m a u n d Ö T K z. St.; S i m o e n s .
1 3
n e i o a o u o g in S i r 2 , 1 ; 6 , 7 ; 2 7 , 5 . 7 ; 3 6 ( 3 3 ) , 1 ; 4 4 , 2 0 ; J t e i o d ^ e i v 4 , 1 7 ; 1 3 , 1 1 ; 1 8 , 2 3 ; 3 1 ( 3 4 ) , 1 0 ; 3 7 , 2 7 ; 39,4.
Traditionselemente
77
14
seine W e g e u n d d a s G e s e t z . In Sir 1 5 , 1 1 ff. w i r d der a n G o t t gerichtete V o r w u r f zurückgewiesen, er verleite z u m Abfallen u n d zur V e r i r r u n g . ^ G o t t haßt vielmehr alles S c h ä n d l i c h e ; er läßt u n s die freie Wahl; weder b e n ö t i g t n o c h gestattet er die S ü n d e (vgl. a u c h Philo D e t 1 1 2 ) . - A n weiteren B e r ü h r u n g e n m i t der j ü d . Weisheitsliteratur ist z u registrieren: B e w ä h r u n g fuhrt zur A u s d a u e r (z. B . 4 M a k k 1,10 ff.); o h n e Weisheit ist V o l l k o m m e n h e i t u n m ö g l i c h (Weish 9 , 6 ) ; m a n soll W e i s heit v o n G o t t erbitten (Weish 7 ff.; Sir 3 9 , 6 ) , der d e n B i t t e n d e n nicht verletzt (Sir 1 8 , 1 8 ; 2 0 , 1 4 f.; 4 1 , 2 2 ) ; b e i m B e t e n soll m a n nicht k l e i n m ü t i g sein (Sir 7 , 1 0 ) . D e r H e u c h l e r w a n k t wie ein Schiff im S t u r m (Sir 3 2 , 2 ) , w ä h r e n d die T u g e n d der Weisheit d u r c h alle U n b i l d e n trägt (Weish 4 , 1 ff.). G e w a r n t w i r d vor der G e s p a l t e n h e i t des H e r z e n s (Sir 1,28; 2 , 1 2 ff.) u n d vor D o p p e l z ü n g i g k e i t (Sir 5,9); S e l b s t e r n i e d r i g u n g vor G o t t ist erforderlich (Sir 3 , 1 8 f.). D e r R u h m (xai>x lM' ) des R e i c h e n , A n g e s e h e n e n u n d A r m e n ist einzig die F u r c h t G o t t e s (Sir 1 0 , 2 2 ) ; R e i c h t u m vergeht wie ein S c h a t ten (Weish 5,8 f.; vgl. ä t h H e n 9 6 , 4 ff.). G o t t w i r d die Gottesfürchtigen e r h ö h e n u n d ihnen eine K r o n e g e b e n (Sir 15,1 ff.; W e i s h 5 , 1 5 f.). D i e B e g i e r d e e m p f ä n g t u n d gebiert d e n W a h n ; sie ist der A n f a n g aller S ü n d e (Philo C h e r 5 7 ; A p o k M o s 1 9 ) . - Alle diese N o t i z e n ergeben eine n a h e z u lückenlose Parallelität zwischen J a k 1,2-15 u n d der Weisheitstradition. G e r a d e d e s h a l b fällt die partielle N i c h t - K o n g r u e n z bei J a k 1,10 f. auf. Z w a r redet a u c h Sir 2 v o n E r n i e d r i g u n g u n d G r o ß W e r d e n ? ( 2 , 3 : i v a atJ^nOfjg ejt ecr/axcov oov); aber die schroffe E n t g e g e n s e t z u n g v o n N i e d r i g e n u n d R e i c h e n ist in Sir d a m i t nicht v e r b u n d e n . Sir k a n n A r m e u n d R e i c h e parallelisieren ( 1 0 , 2 2 ; 1 1 , 1 4 ) oder ihren U n t e r s c h i e d b e t o n e n ( 1 3 , 1 8 ff.). A b e r es findet sich a u c h der M a k a r i s m u s desje nigen R e i c h e n , der u n t a d e l i g erfunden wird ( 3 4 [ = 3 1 ] , 8; vgl. 1 3 , 2 4 ; 4 4 , 6 f.), u n d der T a d e l an d e n A r m e n , der h o c h m ü t i g ist ( 2 5 , 2 ) . A u c h Testjos 10 deckt J a k 1,10 f. nicht völlig a b ; d o r t führt d a s W i s s e n , d a ß alles vergehen w i r d (xd J t d v x a J t a Q e X e u o e x a i ) , zur F u r c h t G o t t e s ( 1 0 , 5 f . ) . Der o h n e h i n schwierige Z u s a m m e n h a n g v o n J a k 1,9-11 w i r d also d u r c h die Weisheitstradition nicht völlig aufgeklärt. (2) D i e innerntl. Parallelen betreffen vor allem J a k 1 , 2 - 4 . 1 0 f. 12. Z u V. 2 - 4 zei gen IPetr 1,6 f. u n d R o m 5 , 3 - 5 deutliche B e r ü h r u n g e n . 9 D i e J t o i x d o i J t e i Q a o u o i führen laut IPetr »jetzt ein wenig, sofern es n ö t i g ist«, zu Trauer. S i e d i e n e n dazu, d a ß x ö ö o x i ^ i i o v ujicov xfjg moxeoog als n o c h wertvoller d e n n G o l d , geprüft ( d o x i j x d ^ e i v ) i m Feuer, erfunden werde z u m L o b ... bei der O f f e n b a r u n g C h r i s t i . W ä h r e n d sich also der V o r g a n g bis in d e n W o r t l a u t gleicht, diffe riert die E m o t i o n : Trauer, nicht F r e u d e wie bei J a k (s. freilich d a n n IPetr 1,6 i m Vorblick a u f d e n »letzten K a i r o s , an d e m ihr j u b e l t . . . « ) . R o m 5 spricht v o m R ü h m e n ( x a u x ö c ö B a i ) in B e d r ä n g nissen (OXiipeig), m i t d e m W i s s e n (eidöxeg), d a ß die D r a n g s a l A u s d a u e r ( i m o | i o v f | ) bewirkt ( x a x e Q y d ^ e x a i ) , diese w i e d e r u m B e w ä h r u n g ( ö o x i u r | ) . A u c h hier existieren wörtliche Ü b e r e i n s t i m m u n g e n ; d a z u k o m m e n der Verweis a u f d a s W i s s e n u n d der K e t t e n s c h l u ß . - D i e Parallelen hier m i t IPetr reichen n o c h über J a k 1,2-4 hinaus: D i e , die G o t t lieben, sollen d a s Ziel des G l a u bens erlangen ( I P e t r 1,9); wer i m L e i d e n durchhält, ist selig zu preisen ( 3 , 1 4 ; 4 , 1 4 ) . - A u c h zu d e n S y n o p t i k e r n , b e s o n d e r s zur B e r g p r e d i g t , g i b t es Parr.: F r e u d e über A n f e c h t u n g e n ( M t 5 , 1 1 f.); R u f zur V o l l k o m m e n h e i t ( 5 , 4 8 ) ; Verheißung der G e b e t s e r h ö r u n g ( 7 , 7 ) ; R e i c h t u m vergeht wie G r a s ( 6 , 3 0 ) ; vor Glaubenszweifeln w i r d gewarnt ( M k 1 1 , 2 3 f.; M t 2 1 , 2 1 ) . - Schließlich k ö n n e n einige weitere Ä h n l i c h k e i t e n (neben R o m 5 , 3 - 5 ) aus d e m C o r p u s P a u l i n u m e r w ä h n t werden: die U n v e r sehrtheit als Lebensziel ( I T h e s s 5 , 2 3 ) ; G o t t w a c h t über d a s M a ß der A n f e c h t u n g e n ( I K o r 1 0 , 1 3 ) ; die S ü n d e erwächst aus der B e g i e r d e ( R o m 7 , 7 ff.); ihr S o l d ist der T o d ( R o m 6 , 2 3 ) . - A u c h v o m N T her betrachtet, steht J a k also in einer Tradition, die sich teils k o m p a k t e r , teils verstreuter, aber i n s g e s a m t recht w e i t g e h e n d a u c h a n d e r s w o wiederfindet. 1 6
r
1
a
5
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1
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1 9
2 0
Vgl. Frankemölle, T h e m a . H i e r w i r d j e d o c h nicht jceiod^eiv verwendet. Ä h n l i c h a u c h Philo M i g r 1 4 8 . V g l . v o n G e m ü n d e n , E i n s i c h t 3 m i t A n m . 1 2 . V g l . v o n L i p s 4 1 8 . E b d 4 2 0 : D i e O p p o s i t i o n v o n E r n i e d r i g u n g u n d E r h ö h u n g ist selten bei Sir, n ä m l i c h 1 , 2 . 3 . 5 (7); 3 , 1 8 . 2 0 . Vgl. v o n Lips 4 2 1 . V g l . d a z u B o i s m a r d 1 6 2 - 1 6 6 ; L i n d e m a n n , Paulus 2 4 1 f. D i e intendierte freudige R e z e p t i o n der A n f e c h t u n g bei J a k k ö n n t e A n z e i c h e n der gezielten U m k e h r u n g einer gegenteiligen T r a d i t i o n hier sein; die T r a d i t i o n k e n n t j e d o c h m e h r e r e A s p e k t e (s. u.).
78
D i e rechte innere Einstellung
5. Redaktion
und
Intention
A n g e s i c h t s der n a h e z u flächendeckenden T r a d i t i o n s v e r b u n d e n h e i t stellt sich d i e F r a g e u m s o d r i n g licher, w o u n d w i e J a k seine eigenen A k z e n t e setzt, welche W i r k l i c h k e i t er vor A u g e n hat u n d w i e er d a s M a t e r i a l ordnet. W a s m ü ß t e seinen L e s e r n a u f d e m H i n t e r g r u n d ihres W i s s e n s u n g e w ö h n lich u n d b e m e r k e n s w e r t erscheinen? W a s h i n g e g e n d a r f als geläufig gelten? W a s erzeugt b e s o n d e r e Aufmerksamkeit? (1) D a ß A n f e c h t u n g e n F r e u d e - u n d n i c h t etwa W a c h s a m k e i t (wie M k 1 4 , 3 8 parr.; I K o r 10,1 ff.) o d e r d i e B i t t e u m ihre A b w e n d u n g ( M t 6 , 1 3 par.) o d e r T r a u e r ( I P e t r 1,6 f.) - a u s l ö s e n , findet sich der S a c h e n a c h a u c h i m T o p o s » F r e u d e i m L e i d e n « o d e r i m Z u s p r u c h M t 5 , 1 1 f. par. D i e i m N T e r s c h e i n e n d e n u n t e r s c h i e d l i c h e n R e a k t i o n e n w i e a u c h d i e F o r m u l i e r u n g in J a k 1,2-4 legen es aber k e i n e s w e g s n a h e , V. 2 f. e t w a als » n o r m a l e A n t w o r t a u f B e d r ä n g n i s s e « seitens der A d r e s s a t e n u n d V. 1 2 als A u s d r u c k ihrer P o s i t i o n z u betrachten, d i e J a k d u r c h V. 4 infrage s t e l l e . V i e l m e h r folgt J a k hier einer b e s t i m m t e n L i n i e , d i e G e d a n k e n a u s Sir 2 u n d M t 5 usw. k o m b i niert, e t w a n a c h der D e v i s e : S c h w i e r i g k e i t e n bieten W a c h s t u m s c h a n c e n . - Ebenfalls ist d i e A n f e c h t u n g g e r a d e der m a n g nichts n e u e s , w i e IPetr 1,7 zeigt. E i n neuer A k z e n t ist h i n g e g e n die V e r b i n d u n g m i t e o y o v , u n d b e k a n n t l i c h ist g e r a d e d i e B e t o n u n g der T a t / d e s Werkes ein wesentli ches A n l i e g e n des J a k ( 1 , 2 2 ff.; 2 , 1 4 ff.). D e r G l a u b e soll ein W e r k » h a b e n « ( 1 , 4 ; 2 , 1 4 . 1 7 . 1 8 , vgl. a u c h 2 , 1 ) . D i e M o t i v e der V o l l k o m m e n h e i t u n d des e s c h a t o l o g i s c h e n Ziels w i e d e r u m s i n d tradi tionell. - J a k unterstreicht also in 1 , 2 - 4 . 1 2 , d a ß m a n P r o b l e m e n nicht ausweichen, s o n d e r n sie bestehen soll; sie bieten G e l e g e n h e i t , d a ß der G l a u b e zur T a t w i r d u n d d a ß die C h r i s t e n d i e Reife hin zur e s c h a t o l o g i s c h e n V o l l e n d u n g erlangen. 2 1
22
(2) In V. 5 - 1 1 w e r d e n verschiedene M e r k p o s t e n g e n a n n t , d i e als B e d i n g u n g e n für d a s D u r c h halten u n d d i e E r l a n g u n g des Ziels z u b e a c h t e n sind. Sie als begrüßenswerte Tests, also als JtOLXiAoi j t e i o a a u x H v o n V. 2 , a n z u s e h e n (wie H . F r a n k e m ö l l e a r g u m e n t i e r t ) , geht a n i h r e m Inhalt v o r b e i . Z w a r h e b t sich » m a n n i g f a c h « in V. 2 syntaktisch h e r v o r , u n d d i e Inclusio V. 12 b i n d e t V. 5 - 1 1 in die G e s a m t a u s s a g e ein; aber die L o g i k der V. 5 - 1 1 ist anderer A r t als » P r ü f u n g e n « . D e r T r a d i t i o n e n t s p r e c h e n d , weisen V. 5-8 a u f n o t w e n d i g e V o r a u s s e t z u n g e n für d a s G e l i n g e n des W e g e s u n d a u f zu v e r m e i d e n d e F e h l e i n s c h ä t z u n g e n (Zweifel, Zerrissenheit), w o b e i J a k d a s N e g a t i v e hervorhebt. D a s ist j e d o c h etwas anderes als eine B e n e n n u n g der Testbereiche, d i e i m weiteren V e r l a u f des B r i e fes »amplifiziert« w ü r d e n . - In V. 9 - 1 1 s i n d zwar d i e M o t i v e » r ü h m e n « , » E r n i e d r i g u n g u n d E r h ö h u n g « u n d » R e i c h t u m ist v e r g ä n g l i c h « konventionell; aber die b e s o n d e r e D r i n g l i c h k e i t der L a g e v e r ä n d e r u n g des R e i c h e n geht e b e n s o ü b e r die weisheitliche T r a d i t i o n h i n a u s w i e der I m p e r a t i v a n zwei gegensätzliche Standesvertreter. A u c h V. 9 - 1 1 k e n n z e i c h n e n V o r a u s s e t z u n g e n für d a s E r l a n g e n des Ziels, jetzt aber n i c h t a l l g e m e i n g ü l t i g für alle, s o n d e r n für b e s t i m m t e G r u p p e n u n d ihre R e a k t i o n a u f ihre erfolgte S i t u a t i o n s v e r ä n d e r u n g . Offensichtlich ist diese T h e m a t i k für J a k i m B l i c k a u f seine A d r e s s a t e n b e s o n d e r s wichtig. 23
24
2 5
2 6
(3) D i e M o t i v e » E n t l a s t u n g G o t t e s angesichts m e n s c h l i c h e r S ü n d e « u n d »die B e g i e r d e e m p fängt u n d gebiert« s o w i e der Z u s a m m e n h a n g zwischen B e g i e r d e , S ü n d e u n d T o d s i n d traditionell. Inhaltlich fällt j e d o c h in V. 1 3 - 1 5 auf, d a ß der G e d a n k e des j r e i o d ^ e i v m i t G o t t als S u b j e k t zwar kräftig z u r ü c k g e w i e s e n , aber i m m e r h i n d a d u r c h deutlich zur S p r a c h e g e b r a c h t wird. H i e r i n dürfte eher ntl. T r a d i t i o n ( M t 6 , 1 3 par.; 1 K o r 1 0 , 1 3 ) als jüd.-weisheitliche zur G e l t u n g k o m m e n . T r o t z einer gewissen s e m a n t i s c h e n S p a n n u n g k o p p e l t J a k d a m i t d i e S i n n e i n h e i t V. 1 2 - 1 5 a n d i e A u s s a -
2 1
2 2
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2 4
2 5
2 6
Nauck; T h o m a s , Anfechtung. W i e Cargal, Restoring 59-63, meint. Frankemölle, Ö T K 137. E b d . 1 3 6 betont. E s g e h e in V. 5 - 1 1 u m drei P r ü f u n g e n in b e z u g a u f M ä n g e l , s o m e i n t F r a n k e m ö l l e : ( 1 ) M a n g e l an Weisheit (V. 5 ) ; ( 2 ) M a n g e l a n G l a u b e (V. 6 - 8 ) , ( 3 ) M a n g e l a n richtiger S e l b s t e i n s c h ä t z u n g bei A r m e n u n d R e i c h e n (V.9-11). A n d e r s als Sir 2 b r i n g t J a k keine W e h e r u f e a n die Reichen.
1,2
79
gen v o n V. 2 f. u n d 1 2 . D a s S i g n a l a n die L e s e r in b e z u g a u f d i e » m a n n i g f a c h e n A n f e c h t u n g e n « heißt also n i c h t n u r » g e r n e akzeptieren, d u r c h s t e h e n u n d d a r a n w a c h s e n « , s o n d e r n a u c h »die S ü n de richtig o r t e n « u n d » I r r t ü m e r v e r m e i d e n « .
Vorbemerkungen
zu 1,2-4 (Aufbau,
Sinnlinien,
Signale)
D i e Passage gliedert sich in zwei H a u p t s ä t z e (V. 2 a . 4 a ) m i t jeweils e i n e m d u r c h eine K o n j u n k t i o n eingeleiteten N e b e n s a t z (V. 2 b . 4 b ) u n d e i n e m Part. (V. 3 a . 4 c ) , d a s i m ersten Fall d u r c h einen wei teren K o n j u n k t i o n a l s a t z (V. 3 b ) ausgeführt w i r d . D i e b e i d e n S a t z g e b i l d e w e r d e n relativ locker d u r c h ein de m i t e i n a n d e r verknüpft (V. 4 a ) . V. 3 b . 4 a s i n d sachlich u n p e r s ö n l i c h ( 3 . Pers. S g l . ) for muliert; alles ü b r i g e bezieht sich direkt a u f die A n g e r e d e t e n . E s ist nicht sofort klar ersichtlich, o b r\yr\oaoQE (V. 2 ) i m p e r a t i v i s c h o d e r indikativisch g e m e i n t i s t . D e r A n f a n g ist literarisch stilisiert (4fache J t - A l l i t e r a t i o n in V. 2 ) ; unter die Stilisierung fallen a u c h d a s b e t o n t vorangestellte »jede« u n d d a s u n g e w ö h n l i c h nachgestellte » v i e l f a c h e « . E i n e n nicht streng d u r c h g e f ü h r t e n K e t t e n schluß b i l d e n in V. 3 - 4 » A u s d a u e r « u n d » v o l l k o m m e n « . D a s s e m a n t i s c h e Inventar ( S i n n l i n i e n ) 3 0 u m f a ß t p r i m ä r W ö r t e r der inneren E i n s t e l l u n g bzw. Beschaffenheit ( F r e u d e , W i s s e n , G l a u b e , A u s dauer, v o l l k o m m e n , m a n g e l n ) . D a z u treten einige T e r m i n i der V e r ä n d e r u n g bzw. P r o d u k t i o n (fal len, bewirken, W e r k ) ; b l a ß erscheint d a n e b e n » h a b e n « (V. 4 ) . J a k reißt o h n e j e d e H i n f u h r u n g sogleich eine R e i h e v o n T h e m e n a n . W i e die v e r w a n d t e n T e x t e Sir 2 , 1 ff. s o w i e Rom 5, 3 - 5 u n d 2 7
28
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3 1
1 Petr 1,6 f. (vgl. n o c h M t 5,3 ff.) u n d y i v o b a x o v T e g (V. 3 ) zeigen, setzt J a k offenbar a u c h bei d e n A d r e s s a t e n eine gewisse K e n n t n i s der M a t e r i e u n d der Z u s a m m e n h ä n g e v o r a u s . D a z u zählen fol g e n d e S i g n a l e : der G l ä u b i g e w i r d A n f e c h t u n g e n u n d P r ü f u n g e n ausgesetzt, die der B e w ä h r u n g u n d A u s d a u e r d i e n e n u n d z u m Ziel fuhren. D i e A n f e c h t u n g e n sollen, a u c h w e n n sie hart erschei nen, p o s i t i v a n g e n o m m e n w e r d e n . J a k verweist a u f dieses » W i s s e n « (V. 3 a ) , d a s bereits in der F o r m eines K e t t e n s c h l u s s e s vorliegt. A u s d e m W i s s e n u m einen b e k a n n t e n V e r ä n d e r u n g s v o r g a n g (V. 3 b 4 ) sollen die A d r e s s a t e n M u t s c h ö p f e n ; d a s ist die einzige H a n d l u n g s a n w e i s u n g in dieser Passage. Alles ü b r i g e dient dafür als B a s i s , u n d zwar i m M o d u s der b e w ä h r t e n V e r h e i ß u n g , d i e in V. 3 aller d i n g s deutlicher (Indikativ »bewirkt«) ausfällt als in V. 4 ( I m p e r a t i v »soll h a b e n « m i t i v a - S a t z ) . D i e Ü b e r n a h m e v o n » m a n g e l n « v o n V. 4 c zu V. 5 a ( m a n soll bitten) zeigt, d a ß J a k k e i n e n q u a s i a u t o m a t i s c h e n V o r g a n g i m B l i c k hat. - J a k b e g i n n t also (in V. 2 ) m i t e i n e m p o s i t i v e n , sich a n d i e e m o t i o n a l e Aufnahmebereitschaft: w e n d e n d e n S i g n a l , d a s inhaltlich breit a u s l ä d t , a b e r vieles u n e r l ä u t e r t läßt. D a b e i s p r i c h t er » u n t e r B r ü d e r n « , n i c h t e t w a als L e h r e r (vgl. 3 , 1 f.) a n S c h ü l e r o d e r a n » K i n d e r « (xexva), w i e in d e r W e i s h e i t s t r a d i t i o n verbreitet (so a u c h S i r 2 , 1 ) . S e i n e K o m m u n i k a t i o n s e b e n e ist d e m n a c h w e n i g e r d i e der P ä d a g o g i k (in d e r d i e T h e m e n ebenfalls z u H a u s e s i n d ) als d i e der G l a u b e n s e r f a h r u n g . J a k steht d a r i n d e n ntl. V e r g l e i c h s t e x t e n n ä h e r als der j ü d i schen Weisheit. 3 2
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2 Jak wendet sich an Adressaten, die er als »meine Brüder« bezeichnet (so auch 2,1.14; 3,1.10.12; 5,12.19); die Bruder-Anrede wird im Brief durchgehalten, manchmal variiert durch dyajtriTOi (1,16.19; 2,5), daneben bloßes döeAxpoi (4,11a;
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I n der Regel zieht m a n e i n e n I m p . vor; a n d e r s C a r g a l , R e s t o r i n g 5 7 ff. I m N T a u c h L k 1,1 f.; A p g 1 , 1 ; I P e t r 1,1 f.6 f.; H e b r 1,1 - also jeweils ( w i e b e i J a k ) a m A n f a n g eines S c h r e i b e n s ; d a s s e l b e trifft a u f d e n A n f a n g der B e r g p r e d i g t M t 5 , 3 - 6 z u . 9 Frankemölle, Ö T K 137.140. V g l . die A n g a b e n ( a u c h zur L i t e r a t u r ) bei W i l h e l m Egger, M e t h o d e n l e h r e z u m N e u e n T e s t a m e n t . E i n f ü h r u n g in linguistische u n d historisch-kritische M e t h o d e n , F r e i b u r g ( H e r d e r ) 1 9 8 7 , 9 6 ff. Bildlich g e s p r o c h e n : J a k fällt m i t der A n f e c h t u n g s t ü r ins H a u s . »Meine Brüder« auch 2,1.14; 3,1.10.12; 5,12.19. V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 8 9 ff.
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Die
rechte innere Einstellung
5,7.9.10). Mehrfach begegnet zwar auch avr\Q (1,8.12.20.23; 2,2; 3,2), aber nie in der Anrede, während döeXqpri nur als logisches Objekt erscheint (2,15). Die BruderAnrede wird aufgrund der allgemeinen Ausrichtung bei Jak (s. Einleitung § 1, 3.1) vorwiegend wörtlich verstanden worden sein, muß jedoch nicht exkludierend inter pretiert werden. Die im Frühchristentum - aber auch anderswo - für »Glaubensge nossen« u. dgl. geläufige Bezeichnung »Bruder« kann als »Mitchrist« wiedergegeben werden. Sie ist die im N T (u. a. bei Paulus: 113 x) verbreitetste Anrede für Christen; die Kirche fußt dabei auf jüd. Tradition. Trotz der Verbreitung verliert das Wort nicht den Charakter der familiären Nähe und Verbundenheit. Die andere M ö g lichkeit, nämlich »Kinder« (texva, Texvia, so l j o h 2,1 usw.), die eher der weisheit lichen Tradition entsprechen würde (vgl. Sir 2,1 u. a.), wählt Jak nicht. Die konven tionelle Anredeform signalisiert als solche in der Kommunikation zwischen Jak und seinen Adressaten nur den Aspekt der »Mitchristlichkeit«; erst die Beifügung »gelieb te« (kaum schon »meine« ) unterstreicht ein Näheverhältnis. - Jak beginnt mit einem psychologischen A p p e l l , der ein ungeteiltes Gefühl ( j t a o a xotQd) in Zu sammenhang mit einem unvorhersehbaren, passiven und gefahrvollen Geschehen (jT8Qi7tijTT8iv) und vielgestaltigen unliebsamen Situationen (jteioaauoi JtoixiXoi) bringt. Der Autor appelliert an die innere Einstellung (r\yr\oaoQe) der Adressaten, die es ihnen ermöglichen soll, schwierige existentielle Widerfahrnisse positiv zu bewälti gen, ja als Chance zu benützen. Daß solch ein psychologischer Appell richtig ver standen wurde, war in der damaligen hellenistischen Welt nicht selbstverständlich. Zwar bildet xagä auch eine Brücke zu xaioeiv (V. 1); das Freuden-Motiv ist jedoch in diesem Zusammenhang traditionell. Gemeint ist etwas Gegenwärtiges (nicht: eschatologische Vor-Freude, so eher IPetr 1). Der übliche Gegensatz zu x Q d lautete Trauer (kv7ix))A Jak wertet x«Qd hoch; er ist damit unabhängig von einer Gleichset zung mit r|8ovr| (s. 4 , 1 . 3 ) , ebenso von der stoischen Affektenlehre, die erst über den Umweg der »guten Affekte« (etJJtdOeia) die volkstümliche Positiv-Bewertung der Freude teilen k a n n . Das an sich profane Wort %a.Qa bezeichnet Freude, Fröhlich34
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H a n s F r h . v o n S o d e n : T h W N T I 1 4 6 z u J o s e p h u s , P l a t o ( V o l k s g e n o s s e n ) , X e n o p h o n ( F r e u n d e ) , für M i t g l i e d e r einer r e l i g i ö s e n G e n o s s e n s c h a f t (Papyri, I n s c h r i f t e n u. a . ) ; B a u e r - A . 2 8 - 3 0 , a u c h z u d Ö E k p ö r n g . H . v o n S o d e n 1 4 5 f.; J o h a n n e s B e u t l e r : E W N T I 6 7 - 7 2 , d o r t 6 8 z u m A T ( » G l a u b e n s g e n o s s e « ) u n d 7 0 z u Q u m r a n u n d den Rabbinen, 7 1 zu Bar K o c h b a (Anrede an Soldaten). S. Beutler: E W N T I 6 8 . S o wechselt etwa auch R o m 7,1.4 oder I K o r 1,10.11 i m selben Gedankenabschnitt von »Brüder« zu »mei ne B r ü d e r « ; b e i d e s b l e i b t i m K o n v e n t i o n e l l e n . - F ü r » g e l i e b t e « ist d e r B e f u n d b e i J a k s c h o n d e s h a l b b e m e r k e n s w e r t , weil er d e n W o r t s t a m m äyan- a u ß e r in v o r g e p r ä g t e n F o r m u l i e r u n g e n (so in 1 , 1 2 ; 2 . 5 . 8 ) m e i d e t . V e r m u t l i c h ist d e s w e g e n a u c j i » g e l i e b t e B r ü d e r « e i n e ü b e r n o m m e n e W e n d u n g . Vgl. z u m hellenistischen (stoischen) S y s t e m des Pathos: H a n s C o n z e l m a n n : T h W N T I X 3 5 0 - 3 5 3 ; rheto risch: H e i n r i c h L a u s b e r g , H a n d b u c h d e r l i t e r a r i s c h e n R h e t o r i k , S t u t t g a r t ( S t e i n e r ) 3 . A u f l . , 1 9 9 0 , § 2 5 7 . V g l . A d a m s o n , E p i s t l e 8 8 f., z u »all j o y « . S . o. z u » F r e u d e i m L e i d e n « : N a u c k ; T h o m a s , A n f e c h t u n g ; C o n z e l m a n n : T h W N T I X 3 5 8 f.; K l a u s Berger: E W N T I I I 1 0 7 9 - 1 0 8 3 . I m N T vgl. M t 5 , 1 1 ; I P e t r 1,6. Bauer-A. 1747. S o n o c h b e i P l a t o (s. C o n z e l m a n n : T h W N T I X 3 5 1 , 3 6 ff.); A r i s t o t v e r w e n d e t x«QCt k a u m n o c h ( e b d . 352,11.14). V g l . C o n z e l m a n n : 3 5 2 , 1 5 ff. A f f e k t e g e l t e n d o r t als F e h l u r t e i l e d e s L o g o s . N i c h t s t o i s c h ist d a r i n P h i l o (ebd. 3 5 5 f.).
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keit, Jubel; es kann auch religiöse Freude (vor Gott, über Gottes Geschenke) bedeu t e n . Jak stellt voran: »jede Freude/alles, was Freude heißt«, d. h. »lauter Freude«. ^ Verwandt damit ist das Motiv der »vollkommenen F r e u d e « . 'Hyeoiiai bedeutet hier (wie oft im N T ) »meinen, glauben, halten für«, bezeichnet also ein geistiges Wertur teil, eine bestimmte Ansicht über etwas. Das Verb ist aufgrund der Gedankenfüh rung imperativisch zu verstehen; würde es sich um eine Aussage handeln , müßte eine Art Beurteilung (zustimmend oder im Widerspruch) folgen. Jak ruft also dazu auf, bestimmte Ereignisse als Anlaß zur positiven Reaktion zu begreifen. 'Oxav heißt »wenn immer« (iterativ), ist also von »falls« (edv) zu unterscheiden. ^ Jak blickt auf verschiedene, wiederkehrende (nicht nur mögliche) Wechselfälle des Lebens mit Namen JteiQaouog. Das im Profangriechischen sehr seltene Wort kommt in der jüdi schen und frühchristlichen Literatur gehäuft vor50 und bildet dort einen eigenen theologischen Topos. Wichtigste Referenzpunkte sind im A T die Versuchung in der Wüste (Ex 17,7; Dtn 6,16; 9,22: Massa = JteiQaouog), im N T die Versuchung Jesu (Mt 4,1 ff. parr; Hebr 2,18; 4,15) und die letzte Bitte des Vater-Unser (Lk 11,4 par; Did 8,2).51 Schon in Israel gab es ein »ausgesprochen religiöses« Interesse52 an der Thematik speziell hinsichtlich der Erprobung des Frommen (Abraham, Hiob usw.), des leidenden Gerechten, der weisheitlichen Pädagogik (Weish 3,5 u. a.), der Anfein dungen durch Satan und auch der Herausforderung Gottes durch das Volk (vgl. 1 Kor 10,1-13; Hebr.). Das Ideal bilden die Standhaften, die Gott die Treue halten. Das ebenso semantische wie theologische Problem besteht darin, daß JteiQaouog ambiva lent ist, d. h. Versuchung (tentatio) wie Erprobung (probatio) umfassen kann. G e meint sein kann einerseits eine harte, aber wohlgemeinte, förderliche Belastung53, anderseits eine böswillige Verleitung zum Fall (so auch Jak 1,13 ff.). Das logische Sub44
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C o n z e l m a n n : 3 5 3 ff. z u A T , J u d e n t u m u n d a u c h P h i l o . B e i P a u l u s s t e h t x<xod n i e für e i n e p r o f a n e S t i m m u n g ( e b d . 3 5 9 , 1 4 ) . V g l . a u c h d i e V e r w e n d u n g für F e s t - , H o c h z e i t s - , E r n t e f r e u d e in d e r B i b e l .
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B . R e i c k e / G . B e r t r a m : T h W N T V 8 8 5 - 8 9 5 ; B - D - R § 2 7 5 . 2 : p r ä d i k a t i v , m e i s t e n s v o r a n g e s t e l l t ; artikellos: » j e d e r b e l i e b i g e « ; vgl. 6Xog u n d e x a o x o g . E b e n s o H y o n S u k H w a n g , D i e V e r w e n d u n g d e s W o r t e s Jtäg in d e n p a u l i n i s c h e n B r i e f e n , D i s s . E r l a n g e n 1 9 8 5 , 1 2 (»>völlig<, >lauter<, >von j e g l i c h e r Art< o d e r >allerlei<... i m S i n g u l a r ... h e i ß t es >jeder<, >jeder b e l i e b i g e ... a u c h oft >ganz, alle< m i t v e r a l l g e m e i n e r n d e m C h a r a k t e r « ) ; J o h n s o n , A n c B 1 7 6 f., n i m m t es a d v e r b i a l ( » c o n s i d e r it entirely as j o y « ) ; es s t e h e d e r G e s p a l t e n h e i t in V. 7 8 gegenüber.
4 6
J o h 1 5 , 1 1 ; 1 6 , 2 4 ; l j o h 1,4. V g l . d a z u H . C o n z e l m a n n : T h W N T I X 3 6 1 , 1 3 ff. (zu J o h ) , 3 5 5 , 2 6 ff. ( R a b binisches).
4 7
B a u e r - A . 6 9 6 . I m N T : A p g 1 5 , 2 2 ; 2 6 , 2 ; 2 K o r 9 , 5 ; P h i l 2 , 3 . 6 . 2 5 ; 3 , 7 . 8 ; l T h e s s 5 , 1 3 u. a.
4 8
S o m e i n t C a r g a l , R e s t o r i n g 6 2 f. 7 5 .
4 9
B e i J a k f i n d e t es s i c h n u r hier. E s s t e h t freilich e d v oft n a h e : E W N T II 1 3 1 5 .
50 V g l . P o p k e s : E W N T I I I 1 5 1 - 1 5 8 ; vgl. G i e l e n : Z N W 1 9 9 8 ; J . B . G i b s o n , T h e T e m p t a t i o n s o f J e s u s in E a r ly C h r i s t i a n i t y , S h e f f i e l d (A.P.) 1 9 9 5 . - I n L X X b e s o n d e r s in D t n u n d S i r m i t 5 bzw. 6 B e l e g e n . I m N T e r s c h e i n t d a s S u b s t a n t i v 2 1 x , d a v o n 7 x in L k - A p g , 4 x i m C o r p u s P a u l i n u m , j e 2 x in I P e t r u n d J a k ; l x in 2Petr. D a s V e r b jteiod^Eiv 3 8 x i m N T , d a v o n 1 7 x in S y n . u n d A p g , 7 x C o r p . P a u l . ; 6 x H e b r ; 4 x J a k . H i n z u k o m m e n 4 x EXJtEipd^Eiv. F a s t v ö l l i g o h n e B e f u n d : J o h , l - 3 J o h , a b e r a u c h Rom, l T h e s s , Phil, E p h , K o l . B e i d e n A p o s t V ä t e r n : S u b s t a n t i v 4 x , jtEioa l x , d a s V e r b jtEiodcD 5x. B e i P h i l o fehlt J t E i o a o u d g (dgl. b e i J o s e p h u s ) ; h ä u f i g d a g e g e n Jteloa ( 1 9 x ) , jreiodü) ( 4 3 x ) , JtEiod^ü) n u r 4 x . 5 1
Vgl. Grayston; Popkes, Bitte.
52 H . S e e s e m a n n : T h W N T V I ( 2 3 - 3 7 ) 2 4 , 1 6 . 5 3
F ü r d i e W e i s h e i t s l i t e r a t u r ( a u c h für P h i l o ) steht d e r ( g r i e c h . ) G e d a n k e d e r E r z i e h u n g i m V o r d e r g r u n d : S e e s e m a n n 2 5 f.
D i e rechte innere Einstellung
82
jekt wird oft (wie auch hier) nicht genannt, so daß Herkunft und Abzweckung nicht (sogleich) zu erkennen sind. In beiden Fällen bleibt das Element der Beanspruchung, inkl. des Zerbruchsrisikos. Im N T finden sich beide Linien, wobei Jesu Versuchung überwiegend als satanischer Verfuhrungsversuch, aber auch (so Hebr 2,17 f.; 5,8) als gbtt-gewollter Lernprozeß des Leidens interpretiert wird. Die letzte Bitte des VaterUnser wie auch die Gethsemane-Mahnung M k 14,38 parr. (»betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt«) lassen die mögliche Erfahrung für jeden Christen deutlich werden. »Der Jt8LQaö|i6g trifft ... immer nur die G l ä u b i g e n « , die Kinder G o t t e s . Insofern ist es ein paradoxes Privileg, gerade wegen des Glaubens zu den Angefochtenen zu gehören. Jak übernimmt diese Linie; Anfechtungen (wohl im Sinn von Erprobun gen) sind in der Tat Anlaß zur Freude. Man erkennt daran indirekt seinen Glaubens stand, und man erhält die Möglichkeit des geistlichen Wachstums. Daß die Anfech tung der Taufe folgt, ist ein urchristlicher Topos.57 D e m Gläubigen ergeht es ebenso wie seinem Meister Jesus (Mk 1 parr., Hebr 2,18; 4,15) und bereits dem Volk Israel (IKor 10,1-13). Dasselbe bezeugt IPetr 1,3 ff. Jak kann also auf Neophyten-Erfahrung zurückgreifen. Das Adj. »vielgestaltig, mannigfaltig« erscheint auch IPetr 1,6 mit »Anfechtungen«; es verweist auf eine große Bandbreite von Realisierungsmög lichkeiten (ähnlich wie z. B. bei Krankheiten: M k 1,34 parr.). Jak führt nicht aus, woran man denken soll. Schwerlich sind »Mängelzustände« ä la V. 5 ff. gemeint , denn ein Defizit ist kein JteiQaouog, sondern ein Problem bei der Bewältigung von Anfechtungen. Eher legt sich nahe, daß Jak die Leser an Bekanntes aus der früh christlichen Tradition im Sinn z. B. von M t 5,11 f. erinnern möchte (vgl. auch Sir 2), also Verleumdungen, Unrecht usw. (vgl. 2,6 f.; 5,1 f f . ) . Eine solche eher konventio nelle Interpretation bietet sich auch angesichts des semantischen Wechsels in 1,13 ff. an. Gegen eine Beziehung auf V. 5-11 und für ein allgemeines, offenes Verständnis von »mancherlei Anfechtungen« spricht auch das Verb »fallen«, das ein »in mißliche Umstände geraten« bezeichnet. Daß der Konj. Aor. die Vorzeitigkeit der Handlung bezeichnen soll, daß Jak also auf die Freude nach bestandenen Anfechtungen abhe54
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K . G . K u h n , J t e i o a o u d g - d u a p t i a - O&Q'E, i m N e u e n T e s t a m e n t u n d d i e d a m i t z u s a m m e n h ä n g e n d e n V o r stellungen: Z T h K 4 9 ( 1 9 5 2 ) 2 0 2 .
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A u c h J e s u s w i r d als » S o h n G o t t e s « a n g e s p r o c h e n ( M t 4 , 3 p a r . ) .
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B u r c h a r d , H N T z. S t . : n i c h t » b e s o n d e r e R e i f e p r ü f u n g e n w i e bei A b r a h a m o d e r J o s e p h « ; d i e A n f e c h t u n g e n » d u r c h z i e h e n d i e S o n d e r e x i s t e n z , d i e d i e A d r e s s a t e n kraft ihres G l a u b e n s in d e r D i a s p o r a d e r W e l t . . . f ü h ren m ü s s e n « . A u f sie w i r k t » v o n a u ß e n d i e W e l t « ( V e r h ö h n u n g , S c h i k a n e n , A n p a s s u n g s d r u c k ; V e r l o c k u n g z u E r w e r b , P r e s t i g e , G e n u ß ) ; i n n e n i m C h r i s t e n ist d i e B e g i e r d e a k t i v (sie » k ö d e r t i h n z u r W e l t l i c h k e i t « ) . J a k » d e n k t d a b e i k e i n e s w e g s a n E x z e s s e (der B r i e f e n t h ä l t k e i n e n L a s t e r k a t a l o g , v o n S e x u a l i t ä t u n d A l k o h o l ist e r s t a u n l i c h e r w e i s e n i r g e n d s d i e R e d e ) « .
5 7
V g l . P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 3 6 ff".
58 I m N T n o c h M k 1 , 3 4 parr.; 2 T i m 3 , 6 ; T i t 3 , 3 ; H e b r 2 , 4 ; 1 3 , 9 ; I P e t r 1,6; 4 , 1 0 . B a u e r - A . 1 3 7 0 f.: »vielfar b i g « , a u c h » v i e l d e u t i g « ; L - S - J 1 4 3 0 : a u c h » k o m p l e x , w a n d e l b a r « . W e i t h i n b e k a n n t w a r d i e o x o d JtoixiXr] A t h e n s (die » b e m a l t e W a n d e l h a l l e « ) , d a s L e h r h a u s d e s Z e n o n ( u m 3 0 0 v. C h r . ) . 5 9
A n d e r s F r a n k e m ö l l e , Ö T K 1 8 7 f. 2 0 9 - 2 1 1 . A u c h d i e s y n t a k t i s c h e P o s i t i o n v o n J t o i x i X o i g d e c k t d a s n i c h t
6 0
V g l . K l e i n 4 8 f.; z u R e c h t a u c h : » . . . läßt sich d a r a u s n i c h t o h n e weiteres s c h l i e ß e n , d a ß hier v o n Verfol
ab. g u n g e n d i e R e d e ist«. 6 1
B a u e r - A . 1 3 0 9 . I m N T : u n t e r R ä u b e r fallen ( L k 1 0 , 3 0 ) , in U n t i e f e n ( A p g 2 7 , 4 1 ) . V g l . z. B . H e r o d 1 , 9 6 (unter Gewaltherrschaften geraten).
83
1,2-3 62
b e , ist zwar philologisch möglich*^, legt sich aber vom Gedankengang kaum nahe, unbenommen des Umstands, daß JteQiJteönxe von der Sache her eine punktuelle Vor zeitigkeit gegenüber dem eher durativen f|yr|oaö68 impliziert. Der Akzent liegt gera de bei der Bewältigung des Schweren, das man mit Freude akzeptieren soll. 3 Der Appell von V. 2 wird in V. 3 durch den Rückgriff auf das Wissen der Adressaten abge stützt. Statt des (aus V. 2) zu erwartenden Wortes »Anfechtungen« erscheint jetzt t ö öoxiuiov als Subjekt. Der Wortstamm öoxui- ist von der Tradition vorgegeben, wahr scheinlich in einer Form wie Sir 2,5a »denn im Feuer wird Gold geprüft, bewährt (öoxuid^exai)«. In IPetr 1,7 ( T Ö Ö O X I U I O V eures Glaubens, wertvoller als durch Feuer bewährtes Gold) geht es um Vorgang und Ergebnis der Prüfung; öoxiuiov meint dort »Echtheit«. In Rom 5,4 (Ausdauer bewirkt öoxiuV|, diese bewirkt Hoff nung) ist die Ausdauer Subjekt in bezug auf öoxui-, also entgegengesetzt zu Jak 1,3. Während Jak in 1,12 dem traditionellen Gedanken folgt (der »bewährte Mann« als Ergebnis des Vorgangs), setzt er in V. 3 die aktive Komponente für öoxui- ein. Der Glaube wird geprüft; nicht eigentlich bewährt er sich (wie in IPetr 1,7). »Des Glau bens« ist dann genitivus obiectivus: der Glaube ist dem Prüfungsmittel ausgesetzt; er selbst ist passiv. Daß Jak überhaupt vom G l a u b e n redet, kann von der Tradition her gegeben sein; aber immerhin geschieht es (vgl. später zu 2,1.14 ff.), freilich ohne jede Erläuterung. Theoretisch denkbar wäre, daß statt von »Glaube« auch von »Lie be« oder »Hoffnung« als Objekt der Prüfung die Rede wäre; allerdings fehlen beide Nomina bei Jak. Einstweilen ist »Glaube« nicht viel mehr als ein von der Tradition bekanntes Wort ohne große Auswirkung auf den Kontext, nicht viel mehr als ein Interpretationsfaktor für »Anfechtungen«. »Glaube« steht hier im Kontext des geist lichen Reifungsprozesses. Vom Gedankengang her legt sich hier die Ubersetzung von möTig mit »Vertrauen« nahe. Die geistliche Pädagogik stellt die möxig der Erpro bung, dem Test aus. - Die frühchristliche Erfahrung lehrt, daß ein bestimmter Wir kungsprozeß abläuft: A bewirkt (xaT8QYd^8t8i 9) B, B bewirkt C (so R o m 5,3). Das Verb xaTeoyci^oum bezeichnet ein Bewirken, Hervorrufen, Vollbringen. Bei Jak wird über den Wirkungsmechanismus (Ursache, Logik, Vorgang usw.) nichts näher ausge führt. Vergleichbare Stellen benutzen teils eher werkhafte Terminologie (Rom 7,1520: neben Jtodööeiv und Jtoietv), teils ebenfalls einfach (xaT-)eQydI;eiv (so etwa 2Kor 7,10 f.: Trauer führt zu Tod bzw. Eifer). Jak denkt wahrscheinlich instrumental 64
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So Mußner, Jakobusbrief 64.
63 E W N T II 1 3 1 6 . D i e d o r t a n g e g e b e n e n ntl. B e l e g e ( M t 5 , 1 1 ; 9 , 1 5 ; M k 4 , 1 5 f . 2 9 - 3 2 ; 8 , 3 8 ; L k 6 , 2 2 ;
Rom
2 , 1 4 ; 2 K o r 1 3 , 9 ) s i n d j e d o c h vielfach a u c h bzw. eher i m g l e i c h z e i t i g e n S i n n d e u t b a r (so M t 5 , 1 1 ; M k 4 , 1 5 f.; 8 , 3 8 ; L k 6 , 2 2 ; Rom 2 , 1 4 ; 2 K o r 1 3 , 9 ) . 6 4
E s ist v ö l l i g u n n ö t i g , d a s Part, h i e r als E r s a t z für e i n e n I m p . z u l e s e n ( g e g e n M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 6 4 : i m p e r a t i v i s c h u n d b e g r ü n d e n d ) . J a k b e l e h r t hier n i c h t , s o n d e r n ruft W i s s e n a b .
65 G e r d S c h u n a c k : E W N T I 8 2 5 f.: O f t in d e r W e i s h e i t s t r a d i t i o n
(Prov, W e i s h , S i r ) ; z. B . Ps 1 1 , 7 ; P r o v 2 7 , 2 1 ;
Sir 2 , 5 . 66 E W N T
1829.
67 D i b e l i u s , K E K 1 0 1 ; M a r t i n , W B C 1 5 ; E W N T I 8 2 9 . B u r c h a r d , H N T z. S t . : L ä u t e r u n g s m i t t e l . 6 8
B u r c h a r d , H N T z. S t . : IliOTig ist » d a s e x k l u s i v e G o t t e s v e r h ä l t n i s , d a s d i e C h r i s t e n w i e s c h o n d i e atl. F r o m m e n ... a u s d e r W e l t . . . h e r a u s h e b t . . . H e i d e n h a b e n n i c h t e i n e n a n d e r e n G l a u b e n , s o n d e r n k e i n e n « .
69 D a s V e r b f i n d e t s i c h i m N T a u ß e r J a k 1,3 u n d I P e t r 4 , 3 n u r bei P a u l u s ( 2 0 x ) , d a v o n 1 l x in Rom u n d d o r t w i e d e r u m 6 x in Rom 7 (V.
8.13.15.17.18.20).
84
D i e rechte innere Einstellung
bzw. modal (vgl. eoyov in V. 4). Das »Prüfungsmittel« bewirkt insofern Ausdauer, als das Vertrauen geläutert wird und wächst. - Auf »Ausdauer« (i>Jtouovf|)70 zielten auch andere antike Richtungen, besonders Weisheit, Apokalyptik und Stoa. Der Akzent fiel in der Regel auf die langfristige aktive und passive Widerstandsfähigkeit. Im Blick auf Belastungen (bis hin zum Martyrium), die Zeitdehnung usw. war die Stärkung der Person angesagt. Ausdauer wird zur positiven Eigenschaft des Getreuen, From men und Gläubigen. Jak unterstreicht die Bedeutung von imouovri in 1,12 und 5,11 durch den zweifachen Makarismus. Im Blick steht der geistlich reife und zur Aktivität fähige Christ (1,12: »die Anfechtung aushalten«). Ausdauer ist kein Ziel in s i c h , kein Heroismus und auch mehr als eine Art Zeitüberbrückungstugend (zwischen dem »schon« und »noch nicht«); i)Jtouovf| meint gereiftes tragfähiges Vertrauen (jtioxtg). Zugleich steht imouovf| bei Jak für »Hoffnung« (etatic;). Dieses Wort fehlt bei ihm (auch als Verb); in der ntl. Tradition freilich stehen Ausdauer und Hoffnung früh miteinander verbunden (so auch Rom 5, 3 f . ) . Insofern Ausdauer ganz auf das Ziel der Vollendung hin ausgerichtet ist (V. 4), ist für Jak darin Hoffnung enthalten; Priorität gebührt jedoch der aktiven Konkretion des Durchhaltens. 4 In V. 4a wird der Kettenschluß zwar bei den Nomina (Ausdauer, vollkommenes Werk), nicht jedoch beim Verb ( x a T 8 Q y d ^ 8 x a i , so Rom 5,3 f.) fortgesetzt; es ist deshalb auch unklar, ob die Einleitung von V. 3a (»wissend, daß...«) weiterhin gilt. Der indirekte Imperativ (»soll haben«) ^ impliziert als logisches Subjekt doch wohl die Adressaten; d. h. es liegt an ihnen, daß die Ausdauer zum gewünschten Ergebnis führt. Die per sonale Ausrichtung auf die Adressaten wird im Finalsatz (V. 4b-c) explizit. Jak zielt auf das Sein (fjxe) der Menschen; das geht über einen bloß sachlichen Wirkungspro zeß h i n a u s . Wahrscheinlich verändert er deshalb die Kettenschluß-Tradition. Leitendes Stichwort ist xeXeiog , das zudem in V. 4b.c zweifach abgestützt wird 71
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F r i e d r i c h H a u c k : T h W N T I V 5 8 5 - 5 9 3 . D a s W o r t s t e h t a u c h in Rom 5 , 3 f., n i c h t h i n g e g e n in I P e t r 1 ( d o r t erst 2 , 2 0 ) .
7 1
D a s ist eher in d e n h e l l e n i s t i s c h e n P h i l o s o p h i e n d e r Fall, w o A t a r a x i e , A p a t h i e u. d g l . z u m a n e r z o g e n e n H a b i t u s w e r d e n s o l l e n . D e r K o n t e x t d o r t ist d a s G l ü c k l i c h - S e i n in d e r U n a b h ä n g i g k e i t g e g e n ü b e r d e r S i t u a t i o n u n d in d e r B e h e r r s c h u n g d e r L e i d e n s c h a f t e n . V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 0 6 .
7 2
Vgl. auch Hauck: T h W N T I V 5 8 9 , 2 9 - 3 1 .
7 3
D i e D o p p e l t r i a s l T h e s s 1,3 v e r k n ü p f t G l a u b e - L i e b e - H o f f h u n g m i t W e r k - M ü h e - A u s d a u e r . V g l . Ps 2 6 , 1 4 .
7 4
Ä h n l i c h H a u c k : T h W N T I V 5 9 2 ; D i b e l i u s , K E K 1 0 1 ; S c h n i d e r 2 7 ; L a w s , C o m m e n t a r y 5 3 , u. a.
7 5
B u r c h a r d , H N T z. S t . : F o r m a l eher W u n s c h als Befehl.
7 6
V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 2 6 7 f.
7 7
S a t o 7 2 f. n o t i e r t , d a ß d e r erste Teil v o n V. 4 ( » G e d u l d a b e r h a b e ein v o l l k o m m e n e s W e r k ! « ) o h n e Paralle le bei Rom
5 u n d I P e t r 1 sei. » V o l l k o m m e n e s W e r k « sei w a h r s c h e i n l i c h » p e r s ö n l i c h e S c h ö p f u n g d e s
A u t o r s « u n d für i h n » e i n S c h l ü s s e l b e g r i f F « . 7 8
B e i J a k n o c h m a l s in 1 , 1 7 ( G a b e v o n G o t t ) : 1 , 2 5 ( G e s e t z d e r F r e i h e i t ) ; 3 , 2 ( M a n n ) ; d a z u d a s V e r b 2 , 2 2 ( G l a u b e ) . - V g l . Z m i j e w s k i ; K o n r a d t , E x i s t e n z 2 6 7 - 2 8 5 ; K l e i n 4 3 - 8 1 ; W a l t e r s 1 3 0 f.; d u Plessis (zu J a k : 2 3 3 ff.); F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 9 5 - 4 9 9 ( E x k u r s ) ; H . H ü b n e r : E W N T I I I 8 2 1 - 8 2 4 ; G . D e l l i n g : T h W N T V I I I 6 8 - 8 5 ; R. N e w t o n Flew, T h e I d e a o f P e r f e c t i o n in C h r i s t i a n T h e o l o g y . A H i s t o r i c a l S t u d y o f t h e C h r i s t i a n I d e a l for the P r e s e n t L i f e , L o n d o n ( O x f o r d U n i v . Press) 1 9 3 4 . H a r t i n , Perfect, b e t o n t d i e N ä h e z u M t 5 , 3 - 1 2 . 4 4 - 4 8 : m a n w i r d d u r c h L e i d e n v o l l k o m m e n ; vgl. L u c k , W e i s h e i t ; D a v i d s , P e r s p e c t i v e s 2 7 ff. ( L e i d e n s t h e o l o g i e ) ; G o w a n ( M ä r t y r e r - H i n t e r g r u n d ) ; C r o y ; G a r l a n d . - In d e r g r i e c h . P h i l o s o p h i e ist »voll k o m m e n « v e r b u n d e n mit der T u g e n d , ebenfalls mit der Glückseligkeit u n d d a d u r c h mit der Bedürfnislo sigkeit: »es fehlt n i c h t s « (vgl. D e l l i n g 7 0 f.). I n d e r a t l . - j ü d . T r a d i t i o n liegt d e r A k z e n t a u f » u n g e t e i l t « , u n d zwar v o r a l l e m in B e z i e h u n g z u G o t t ( » i h m g a n z g e h ö r e n « u s w . ) , » g e r e c h t « u n d »rein« n a h e s t e h e n d ; vgl. D e l l i n g 7 3 f.; H ü b n e r 8 2 2 ; K l e i n 5 4 - 6 5 . 8 1 .
1,3-4
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(öXöxXriQOi, ev firjöevi Xeutöjievoi). Der Wortstamm TEXEI- kommt im N T zwar nicht gerade häufig vor? , er scheint jedoch in der frühchristlichen Unterweisung eine gewisse Rolle gespielt zu h a b e n . Angesprochen wird dabei nicht ein Perfektionismus !, sondern der geistliche Wachstumsprozeß hin zur »erwachsenen« Reife. Die Vollkommenheit bewegt sich in Jak 1 zwischen Bewährung (vgl. V. 12) und Nicht-Mangeln an Weisheit (V. 5). Vollkommenheit ist im N T ein Qualitätsbegriff 3; demgegenüber betont öXöx^rjQOc; eher die quantitative Vollständigkeit. Verwandt ist die Segensformel lThess 5,23: »der Gott des Friedens heilige euch oXoxeXetg, und OXÖXXTJQOV müsse euer Geist usw. unanstößig in der Parusie unseres Herrn ... bewahrt werden«. Die Kombination der beiden Wörter xeXeioc; und 6X6xXr|QOc; findet sich also auch sonst, u. a. bei P h i l o . Zunächst einmal (V 4a) unterstreicht Jak die Qualität nur des »Werkes« ; die personale Ausrichtung und Ausarbeitung kommt erst in einem Folgesatz zur Sprache (V. 4b). Der Ausdruck egyov könnte neben Jtioxig! - bereits im Blick auf Kap. 2 gewählt sein; Vollkommenheit muß konkrete Verwirklichung s e i n . Der Mensch erscheint bereits hier als homo faber. Nur so erreicht er auch als Person die Reife und Vollständigkeit (V. 4b). Das ist primär anthropologisch gedacht; erst als Rahmen spielt auch die Eschatologie eine Rolle ( s . V 12).90 Christsein ist somit ein Reifeprozeß; in Widrigkeiten geschieht Wachstum, und zwar als Aktivität, ja gerade Produktion (»Werk«). Die Person ist stets auf ihre (ethische) Tätigkeit bezogen. 1 Die Person ist zugleich aber auch mehr 9
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T e ^ e i o g 19x, xeXeiöü) 2 3 x , xeXetöxr]g u n d xe^eicootg j e 2x, xe^eicog l x . G e w i s s e S c h w e r p u n k t e b i l d e n d a b e i H e b r , J o h , M t , P a u l u s , K o l u n d a u c h J a k . A u c h in d e r L X X finden sich n i c h t sehr viele Stellen; etwas z a h l reicher ist x e t a i ö o ) vertreten. S o g a r d i e W e i s h e i t s s c h r i f t e n e n t h a l t e n n u r relativ w e n i g e B e l e g e (x£>.etog n u r W e i s h 9 , 6 ; S i r 4 4 , 1 7 ) . B r e i t e s Interesse zeigt d a g e g e n P h i l o (s. D e l l i n g 7 1 f.; K l e i n 5 7 f.; W a l t e r s 1 2 3 ) . Vgl. Popkes, Vollkommenheit, Wholeness, Paränese 145. M i t K o n r a d t , E x i s t e n z 2 6 9 . B u r c h a r d , H N T : d a s S p r a c h f e l d F o r t s c h r i t t fehlt. I K o r 2 , 6 ; 3 , 1 ff.; 1 3 , 1 0 ; 2 K o r 1 3 , 1 1 ; Phil l,6ff; 3 , 9 ff.; K o l 1,28; 2 , 1 0 ; 3 , 1 ff.; E p h 4 , 1 3 ; H e b r 5 , 1 2 - 1 4 ; vgl. M t 5 , 4 8 ; 1 9 , 2 1 . D e r Z u s t a n d d e s » M i l c h l i n g s « soll ü b e r w u n d e n w e r d e n ( H e b r 5 , 1 2 ; I K o r 3 , 1 ff; vgl. I P e t r 2 , 2 ) . A n d e r s K l e i n 6 3 , weil bei J a k d a s B i l d v o n d e n v r | j u o i n i c h t v o r k o m m e . - B u r c h a r d , H N T z. St.: V. 4 zielt » n i c h t a u f G e m e i n s c h a f t s - o d e r W e l t g e s t a l t u n g , s o n d e r n d e n C h a r a k t e r « . 83 W e r n e r Foerster: T h W N T III 7 6 5 ; K l e i n 6 3 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 0 6 ff. - D i e Q u a l i t ä t zeigt sich lt. I K o r 2 , 6 - 1 6 ; H e b r 6 , 1 ff. in tieferer E r k e n n t n i s ; lt. I K o r , 3 , 1 ff i m H a l t e n d e s F r i e d e n s (vgl. J a k 3 , 1 3 ff); lt. Rom 1 2 , 2 ; Phil 1,10; H e b r 5 , 1 4 d a r i n , d a ß m a n G o t t e s W i l l e n z u p r ü f e n v e r m a g ; lt. H e b r 5 , 1 1 ff. in d e r F ä h i g k e i t , a n d e r e z u lehren (vgl. J a k 3 , 1 f.). Foerster: T h W N T III 7 6 5 f. I m N T n u r n o c h l T h e s s 5 , 2 3 . V g l . A p g 3 , 1 6 (die e i n z i g e Stelle i m N T m i t o^oxTjQia ): V o l l b e s i t z d e r k ö r p e r l i c h e n F u n k t i o n e n . V g l . I K o r 1,8; Phil 1,6: d a s g u t e W e r k v o l l e n d e n ; Phil 1,10: » d a m i t ihr l a u t e r u n d t a d e l l o s s e i d « . V g l . F o e r s t e r 7 6 5 f.; K l e i n 6 3 f.; oft m i t JtavxeXrig. V g l . B l o n d e l 1 4 6 f.; Z m i j e w s k i 2 9 5 ff: » v o l l k o m m e n « ist ein, w e n n n i c h t s o g a r das t h e o l o g i s c h e S c h l ü s s e l w o r t für J a k . V g l . d u Plessis 2 3 4 : » A >perfect work< is ... o n e >working perfectly<«; als A m p l i f i k a t i o n v o n i m o u o v r i b e t o n e d i e W e n d u n g : » L e t c o n s t a n c y p r o d u c e its füll a n d p r o p e r fruits« ( m i t R o p e s 1 3 7 ) . D e r G l a u b e soll s o k o n s t a n t in seiner A n w e n d u n g sein, » t h a t it w o r k s o u t p r o p o r t i n a t e results«. Ü b r i g e n s : » D i e W e n d u n g e o y o v xeXeiov läßt sich - z u m i n d e s t in e t h i s c h e m K o n t e x t - vor d e m J a k o b u s b r i e f n i r g e n d w o n a c h w e i s e n « (Klein 5 4 mit A n m . 6 6 ) . 8 0
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J a k g e h t es u m d i e » G a n z h e i t des C h a r a k t e r s « : d u Plessis 2 3 5 . V g l . K l e i n 6 4 . 8 1 : d i e e s c h a t o l o g i s c h e u n d d a m i t a u c h s o t e r i o l o g i s c h e P e r s p e k t i v e ist d e m H e l l e n i s m u s fremd. Vgl. Klein 8 1 , der die ethische K o m p o n e n t e hervorhebt. V o l l k o m m e n h e i t »bezeichnet,... zumindest nicht in erster L i n i e , d i e G a n z h e i t d e r G o t t e s b e z i e h u n g « . J a k s t e h e hierin d e m H e l l e n i s m u s n ä h e r als d e m A T .
D i e rechte innere Einstellung
86
als das, was sie hervorbringt. Das betont V. 4b durch die Fortführung und Ergänzung von te^eiog sowie durch das Verb f|te. Die Integrität des Menschen ist das Ziel des Prozesses; im Blick auf 1,18.21 könnte eine schöpfungstheologische und soteriologi sche Perspektive damit verbunden sein, d. h. der Mensch soll (wieder) zu dem wer den, wozu er erschaffen wurde; der Referenzpunkt von »vollkommen« ist dann nicht nur die Ethik (so wichtig sie für Jak ist) sondern letztlich Gott selbst (»vollkommen coram D e o « ) . - V. 4c rundet die Aussage ab und präpariert den Ubergang zu V. 5 f. Die Erfahrung, daß der Mensch ein fehlerhaftes Mängelwesen ist (vgl. 3,2), darf nicht als Vorwand der Nachlässigkeit dienen; anthropologisch essentieller Mangel ist kein unabwendbares Schicksal. Das von Jak implizierte Menschenbild orientiert sich an der Ganzheit (vgl. im Kontrast 1,8; 4,4.8). Die Formulierung ev u/nöevi XeiJiöfxevoi schließt dabei eher an die hellenistische Begriffstradition von »vollkom men« an als an die atl. (s.o.), insofern als der Gedanke der Vollständigkeit und Voll zähligkeit der Positivfaktoren im Vordergrund steht. 93 5 In Anknüpfung an die generelle Zielsetzung in V. 494 wendet sich Jak real möglichen (ei + Ind.) Einzelfällen unter den Adressaten (tig tiutov) zu, samt Handlungsanweisungen (aixeiTü)) und Ver heißung (öo0r|oeTai).95 Ebenso viel Raum erhält die Charakterisierung des Wesens Gottes (zwei Partizipien). Drei Elemente treten in V. 5 hervor: Weisheitsmangel, »bitten-erhalten« sowie Gottes Reaktion. Davon wird in V. 6 »bitten« entfaltet, und zwar im Blick auf die innere Einstellung (möxig) des Bittenden; V. 7 führt »empfangen« weiter. In V. 5 liegt der Akzent dagegen auf der Charakterisierung Gottes. - Daß als einzige Mangelerscheinung die Weisheit genannt wird, erscheint kontextuell überra schend. Nur noch in 3,13-17 verwendet Jak den Wortstamm ooqp-, dort freilich besteht das Problem primär in falscher Weisheit, und zwar im Kontrast zur »Weisheit von oben«, nur indirekt im Mangel an (rechter) Weisheit (s. freilich die Verbindung zu 3,1 ff.). Wahrscheinlich ist Jak (in 1,5) im Hinweis auf die Weisheit traditionsge bunden, besteht doch ein verbreiteter Zusammenhang zwischen Vollkommenheit und Weisheit. A m eindrücklichsten besagt Weish 9,6: Auch ein Vollkommener würde ohne die Weisheit von Gott nicht geachtet werden.97 Ebenfalls ist bekannt, daß Weisheit eine Gabe Gottes ist (Weish 7,7 u. a.; Sir 1,10.26 u. a.). Die Relation von Jak 1,2 zu Sir 2,1 ff. legt zudem einen Rückbezug auf Sir 1 (»Alle Weisheit kommt vom Herrn«) n a h e . »Weisheit« ist, so betrachtet, in Jak 1,5 ein konventionelles Sig nal. Weisheit ist nach traditioneller Lehre für ein gelingendes und bei Gott akzep92
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D a s Z i e l ist d a n n d i e r e s t i t u t i o a d i n t e g r u m . A n d e r s K l e i n 6 3 . 8 1 . D i e t h e o z e n t r i s c h e G e s a m t a u s r i c h t u n g d e s J a k sollte d a b e i g e n ü g e n d b e r ü c k s i c h t i g t w e r d e n . J a k liegt a n d e r K l ä r u n g d e r B e z i e h u n g z u G o t t bzw. z u r Welt; erst d a r a u s e n t s t e h t H e i l u n g ( 3 , 1 3 - 1 8 ; 4 , 7 ff.). E t h i s c h e F e h l l e i s t u n g e n e n t s p r i n g e n d e r F e h l schaltung auf diesem Gebiet.
93 V g l . G e r h a r d D e l l i n g : T h W N T V I I I 7 0 f., b e s o n d e r s z u A r i s t o t u n d S t o a . 9 4
N i c h t n u r d u r c h p u r e S t i c h w o r t - V e r b i n d u n g ; m i t H o p p e 3 1 u. a., g e g e n D i b e l i u s , K E K 1 0 6 ( » ä u ß e r l i c h « , weil d e r G e d a n k e » M a n g e l a n W e i s h e i t « g a r n i c h t d e n g a n z e n S p r u c h d u r c h z i e h e ) .
95 B a k e r 2 4 1 n o t i e r t z u R e c h t : d e r zweite S a t z f u n g i e r t z u g l e i c h als A p o d o s i s z u m e r s t e n u n d als B e d i n g u n g für d e n d r i t t e n . 96 V g l . H o p p e 3 2 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 1 2 ff. 97 S . ferner P r o v 2 , 7 ; 2 9 , 1 0 ; 1 Q S 4 , 2 2 ; 1 Q H 1,36; I Q S a 1 , 2 8 . V g l . D e l l i n g : T h W N T V I I I 7 0 - 7 2 ; K ü c h l e r 5 5 3 - 5 9 2 ; H o p p e 3 3 , z u S t o a u. a. 98 V g l . v o n L i p s 4 1 7 f.
87
1,4-5
tables Leben unabdingbar (Sir 1); ohne sie kann das angestrebte Ziel (V. 4) nicht erreicht werden.99 Weniger sicher ist, ob Jak zugleich einen heilsgeschichtlich-eschatologischen Hinweis impliziert. Demnach würde die Weisheit dem Glaubenden ermöglichen, »die Geschichte aus der göttlichen Perspektive zu s e h e n « ; die Erwählten erhielten diese Gabe, um den Anfechtungen dieses Äons widerstehen zu können (vgl. 1QS 1 1 ) . Unwahrscheinlich ist die Interpretation, daß die Weisheit gerade zum Verstehen der (ungerechten) Leidenserfahrungen (V. 2-4) erforderlich sei, weil dem Frommen »die gerechte Ordnung der Welt« zusammenbreche. Jak läßt den Hinweis auf die Weisheit unerläutert. An der Konvention orientiert, wird der Leser - mindestens zunächst - an die praktische Lebensweisheit denken. Etwas anderes ist, daß Jak bereits einen Merkposten im Blick auf 3,1 ff. 13 ff. notieren möchte, wonach die sozio-ekklesialen Probleme gerade daraus stammen, daß man sich nicht von der göttlichen Weisheit lenken läßt. Jak differenziert aber in 1,5 (noch) nicht zwischen akzeptabler und inakzeptabler Weisheit; die hier zu erbittende Weisheit ist vielmehr eindeutig ein Bonum. - Wahrscheinlich greift Jak auf das Aussagepaar »bittet, so wird euch gegeben« zurück (Mt 7,7 par. Lk 1 1 , 9 ) . Ao0r|O8Tai ist zweifellos passivum divinum (nach »er bitte von Gott«); es stößt sich ein wenig mit dem aktivischen ÖLÖovtog. Die Aussage über Gott (V. 5b-c) ist deshalb wohl ein jak Einschub, und zwar mit besonderem theologischem Gewicht. Die atl., jüd. und frühchristliche Tradition ist der festen Gewißheit, daß Gott Gebet erhört (z. B. Ps 2,8; Jes 30,19, Prov 15,29; Hi 8,5 f.; Sir 1,26; 2,10; M t 18,19; 21,22). Jak braucht daran nur zu erinnern. Unwahrscheinlich ist dagegen, daß Jak Gebets-Enttäuschungen seitens der Adressaten ä la 4,3 aufgreift und insofern korrigiert, als er die Erhörungsgewißheit auf innere Werte (wie Weisheit) statt äußerer Vorurteile bezieht ; denn die Verheißung der göttlichen Antwort ist hier in 1,5 ungeteilt und unspezifiziert. Jak ermutigt zum Gebet. Vom »bitten« (aiteco) handeln auch 1,6 und 4,2.3a.b. Weitere Gebetstermini sind 6erioig (5,16), ev%r] (5,15), ev/ourn (5,16), 7iQoozv%r] (5,17) und Jtooo£i>xoum ( 5 , 1 3 . 1 4 . 1 7 . 1 8 ) . Jak scheint also zwischen »bitten« (in Kap 1 und 4) und »beten« (im Schlußabschnitt) zu unterscheiden. O b eine weitere Differenzierung zwischen Aktiv (1,5 f.; 4,3a) und Medium (4,2b.3b) vorliegt , braucht 100
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99 S o a u c h d e r A k z e n t bei S c h n i d e r 3 2 ; F r a n k e m ö ü e , Ö T K 2 1 3 f., m i t V e r w e i s a u f W e i s h 7 , 7 . 1 5 ; 8 , 2 1 ; 9 , 4 ; P r o v 2 , 6 ; S i r 3 , 6 . 9 . V g l . a u c h Sir 4 , 1 7 zur p ä d a g o g i s c h e n S t r e n g e d e r W e i s h e i t . 100 D a v i d s , C o m m e n t a r y 7 2 ; vgl. I K o r 1-2. 1 0 1
D a v i d s ebd. m i t H i n w e i s a u f syrBar 4 4 , 1 4 ; 5 9 , 7 ; 4 E s r 8 , 5 2 ; ä t h H e n 5,8; 9 8 , 1 - 9 ; 1 0 0 , 6 . D i e g e n a n n t e n
1 0 2
S o m e i n t L u c k , J a k o b u s b r i e f 1 7 2 ; vgl. d e r s , T h e o l o g i e 14 f., W e i s h e i t 2 5 3 ff. K r i t i s c h d a z u : P o p k e s , A d r e s -
Stellen sind j e d o c h nicht besonders aussagekräftig. saten 2 4 - 2 7 . J a k lokalisiert Glaubenszweifel u n d T h e o d i z e e p r o b l e m anders; das Innere des M e n s c h e n selbst ist v e r a n t w o r t l i c h , s. V. 6 - 8 . 1 3 - 1 5 . 103 V g l . H a r a l d H e g e r m a n n : E W N T I I I 6 1 9 . 104 M i F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 1 6 . - V g l . a u c h u. z u V. 6, w o ein weiterer s y n . A n k l a n g v o r l i e g e n k ö n n t e : » B i t t e t
d e s G l a u b e n s « , vgl. M k 1 1 , 2 4 u. a. 105 A n d e r s D i b e l i u s , K E K 1 0 6 . 106 D a g e g e n fehlt EQCOxdo). 1 0 7
E v t l . z u differenzieren als » b i t t e n « u n d » f o r d e r n « ; vgl. W a l t e r R a d i : E W N T I 1 0 3 ; G u s t a v S t ä h l i n : T h W N T I 1 9 1 f. I m N T s t e h e n e t w a d i e H ä l f t e d e r B e l e g e i m M e d i u m ( R a d i 1 0 2 ) . D i e V e r t e i l u n g i m N T ist u n g l e i c h m ä ß i g ; d i e m e i s t e n S t e l l e n f i n d e n sich in d e n E v a n g e l i e n ; bei P a u l u s n u r I K o r 1 , 2 2 . S o n s t n o c h in K o l , E p h , IPetr.
D i e rechte innere Einstellung
88
bei 1,5 f. nicht behandelt zu werden. Der Wortstamm a l t - bezeichnet ein Verlangen, das zwischen Bitten und Fordern changieren k a n n . Gott gegenüber (wie in Jak 1,5 f.) kommt verständlicherweise nur das Bittgebet infrage. - Die Eindeutigkeit Gottes erscheint Jak bereits hier (vgl. 1,13-17) des Notierens wert. Der Grund dafür wird nicht angegeben; die unmittelbare Fortsetzung (V 6 fF.) führt die Spur nicht weiter, sondern lenkt in die Anthropologie über. Es reicht wohl nicht aus, die Aussagen über Gott nur als Kontrast zu denen über den Menschen zu f a s s e n ; dafür sind die kriti schen Implikationen über Gott in 1,13 ff. zu ausgeprägt. Der ganze Brief ist ein Plä doyer für Gottes Verläßlichkeit, Unveränderlichkeit, Güte, Unbestechlichkeit und Eindeutigkeit. Die Aussagen in l,5b.c sind kontextuell überschießend und tradi tionsgeschichtlich ohne direktes Vorbild. Zunächst (V. 5b) wird Gottes Geben doppelt qualifiziert: J t ä ö i v und a j t X ä x ; . Jak setzt die Reihe mit J t a g fort (1,2.5. 8. 17.19.21); das Wort entspricht seiner ganzheitlichen Gesamtkonzeption. Hier wirkt es fast apologetisch, als ob Zweifel an Gottes Unparteilichkeit ausgeräumt werden sollten.H3 Daß Gott »auf einfache Weise« gibt, ist eine im N T und A T ungewöhnli che A u s s a g e . Vorgaben existieren dagegen in der jüd. Tradition (u. a. bei Philo) und in der hellenistischen Philosophie 5, stellenweise auch im Hinblick auf die Ein heit Gottes. Weil Gott einer ist, gibt er auf einfache W e i s e . Der semantische Ge halt von djtXcoc; reicht recht weit, nämlich bis hin zu »freigiebig«, »ohne Neben- bzw. Hintergedanken« /', »ohne Zögern«, »vorbehaltlos«. Man redet auch vom »einfa chen«, d. h. klaren, eindeutigen Auge (Mt 6,22); der Tor dagegen gibt mit zwei Augen 108
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S t ä h l i n 1 9 1 fF.
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A n d e r s d e r A k z e n t bei F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 2 0 f.
1 1 0
V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 7 f.; P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 9 9 - 2 0 2 .
1 1 1
Frankemölle. Ö T K 2 1 7 (»erstaunliche Gottesprädikate«).
1 1 2
D a s A d v e r b cur^cög b e z i e h t s i c h a u f » g e b e n « , n i c h t e t w a a u f J t ä o i v (»allen o h n e A u s n a h m e « ) ; m i t R i e s e n feld, H a p l o s ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 1 6 .
113 Y g l S c h n i d e r 3 1 f.: G o t t m a c h t k e i n e A u s n a h m e n . #
1 1 4
D a s A d v e r b e r s c h e i n t i m N T n u r hier; d i e T e r m i n o l o g i e w i r d s o n s t a n t h r o p o l o g i s c h , n i e t h e o z e n t r i s c h ver w e n d e t ( F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 1 7 ) . Z u r L X X vgl. A m s t u t z 3 8 f.; z u M t 6 , 2 2 f. S y r e e n i .
1 1 5
S. N e u e r Wettstein 1 2 4 9 - 1 2 5 4 (primär i m K o n t e x t v o n » i m G e h e i m e n geben, angemessen e m p f a n g e n « ) . T i t e l u n d T h e m a d e s T e s t l s s s i n d r e g e l r e c h t » D a s V e r m ä c h t n i s d e s I s s a c h a r negl &Ji?iÖTr|Tog«, 1. - D i b e l i u s , K E K 1 0 6 f., u n t e r s c h e i d e t zwei V a r i a n t e n d e r G r u n d b e d e u t u n g » l a u t e r « : (1) g u t m ü t i g , g ü t i g , f r e i g i e b i g , h o c h h e r z i g (so z. T. in T e s t l s s ; J o s e p h A n t V I I 3 3 2 ) ; vgl. A m s t u t z 1 0 1 f. » n e i d l o s « ; (2) g e r a d e , o h n e H i n t e r g e d a n k e n , r ü c k h a l t l o s , o h n e B e d e n k e n (so H e r r n M 2 , 1 . 4 . 6 [= 2 7 , 1 . 4 . 6 ] ; S 9 , 2 4 , 2 f. [= 1 0 1 , 2 f.]). T i m S c h r a m m : E W N T I 2 9 6 differenziert für T e s t l s s : 3 , 8 : G ü t e , 3 , 2 f.: G e r a d h e i t . V g l . A m s t u t z 1 6 - 4 1 z u r L X X , 4 1 - 6 3 zur jüd.-hellenistischen Literatur, 6 3 - 9 6 zur Literatur der J u d e n Palästinas, 9 6 - 1 1 6 z u m N T , 1 1 6 - 1 5 7 z u d e n f r ü h c h r i s t l i c h e n S c h r i f t e n ( 1 1 8 : E i n f a c h h e i t w u r d e e i n T o p o s in d e r P o l e m i k g e g e n r h e t o rische T e c h n i k ) ; E d l u n d 5 1 ff. Z u P h i l o u n d s e i n e m m o n o t h e i s t i s c h e n A n s a t z s. M o n t e s - P e r a l , speziell 8 6 9 8 ( » N u r d a s S e i e n d e ist d e r e i n z i g e G o t t « ) . V g l . a u c h G e r h a r d Sellin, G o t t e s e r k e n n t n i s u n d G o t t e s e r f a h r u n g bei P h i l o v o n A l e x a n d r i e n , in: H a n s - J o s e f K l a u c k ( H g . ) . , M o n o t h e i s m u s u n d C h r i s t o l o g i e . Z u r G o t t e s f r a g e i m h e l l e n i s t i s c h e n J u d e n t u m u n d i m U r c h r i s t e n t u m , F r e i b u r g ( H e r d e r ) 1 9 9 2 , 1 7 ff.
1 1 6
D e m entspricht das »einfache« Gebet. Vgl. syrBar 4 8 , 2 6 ; M e c h E x 14,4.8; 2 0 , 2 2 ; F r g m T a r g G e n 2 2 , 1 4 (»in m e i n e m H e r z e n w a r k e i n Z w i e s p a l t « ) . A u c h b e i m T o r a - S t u d i u m ist E i n f a c h h e i t n ö t i g . » E i n f a c h h e i t b e i m B e t e n ist ein in d e r s p ä t e r e n c h r i s t l i c h e n Ü b e r l i e f e r u n g h ä u f i g e s T h e m a « ( A m s t u t z 8 6 ) ; s. a b e r a u c h s c h o n g r i e c h . Parallelen; s o X e n o p h M e m 1 , 3 , 2 ( S o k r a t e s b e t e t e ctJt^cög u m d a s für i h n G u t e , d e s s e n K o n k r e t i o n d e n G ö t t e r n ü b e r l a s s e n d ) ; M a r c A u r e l 5 , 7 , 2 . V g l . A m s t u t z 8 6 ff. ( » E i n h e i t - G a n z h e i t « ) .
1 1 7
Vgl. 2 K o r 8,2; 9 , 1 1 . 1 3 i m Z u s a m m e n h a n g m i t der Kollekte, die ebenso freigiebig wie o h n e H i n t e r g e d a n
1 1 8
V g l . S c h r a m m : E W N T I 2 9 6 f.; D a v i d s , C o m m e n t a r y 7 1 f.; D i b e l i u s , K E K 1 0 6 f.
k e n g e g e b e n w e r d e n soll.
89
1,5-6 119
(Sir 20,14 f F . ) - Der Bezug auf die Einheit Gottes legt die Konnotation »ungeteilt« nahe, d. h. also Gott gibt »ohne Vorbehalt«. - Das Verb öveiöi^o) bezeichnet in L X X und N T zumeist die grobe Schmähung, u. a. in der Leidenstheologie (z. B. Jesus: M k 15,32 par.; Hebr 11.26; 13,13; Christen: M t 5,11 par.; 1 Petr 4,12-18; Hebr 10,33). »Nörgeln« ist im Vergleich dazu eine zu schwache W i e d e r g a b e . Jak greift einen Topos über das rechte Geben (und Empfangen) bzw. über verbreitetes Fehlverhalten dabei a u f . 3 Seine Wortwahl fällt freilich kräftig aus: Gott reagiert auf Bitten in keiner Weise despotisch, herab-würdigend, »mit Schimpf und Schande«. Daß Gott nicht ein vertrauenloses (1,7) bzw. ein mißbrauchtes, egoistisches, hedonistisches Gebet erhört (4,1-3), steht auf einem anderen Blatt. Was aber zum Erreichen des Ziels (1,4.12) erforderlich ist, gibt er wie selbstverständlich. 6 ist eine Ausfuhrung zu dem aus V 5 aufgenommenen Imperativ aixeixco, und zwar hinsichtlich der Einstellung des Bittenden. Zentraler Terminus ist öiaxQiveaOai, beidemal im Partizip. V. 6b begründet V. 6a mit Hilfe eines Vergleichs aus der Natur. Einen Rückbezug zu V 3 bildet Jtioxic;. V. 6 ist fast nur negativ-abwehrend gehalten; diese Linie setzt sich durch V. 7-8 fort; die Tonart wird deutlich kritischer. - Die Handlungsanweisung erfolgt zweifach: bitten ev moxei, ^/nöev öiaxoivö^ievog. Dabei erläutert offenbar der zweite Faktor den ersten. Jak fuhrt also in den Bereich »Glaube und Zweifel«, obschon die Wortbedeutungen nicht ohne weiteres festliegen. Entsprechend V. 3 ist Jttöxic; auch hier mit »Vertrauen« wiederzugeben. 5 Der Sachgrund dafür wurde in V. 5 angezeigt: das Wesen Gottes. Das Gebet soll und darf dem entsprechen, an den es sich wendet. Solches »Bitten des Glaubens« (ähnlich wie 5,15) kann mit Erhörung rechnen. AiaXQlV£ö0ai bedeutet im Medium »Bedenken tragen, zweifeln«, obschon diese Bedeutung vor dem N T nicht belegt i s t ; sie bietet sich hier jedoch an. Auch anderswo im frühchristlichen Schrifttum begegnet die Spannung zwischen Zweifel und G l a u b e : M k 11,23 f. par., R o m 4,20; 14,23; breite Erörterung findet sie H e r m M 9. Verwandt ist auch Eph 4,13 f.: Das Ziel des Weges ist u. a. die »Einheit 120
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S i r 2 0 , 1 5 ( » H e u t e g i b t er, m o r g e n f o r d e r t er z u r ü c k « ) . V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 6 9 .
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D i b e l i u s , K E K 1 0 7 : » o h n e B e d e n k e n « . E t w a s a n d e r s d e r A k z e n t bei A m s t u t z 1 1 0 f.: G o t t » r ä s o n i e r t d a b e i n i c h t , o b er g e b e n solle, w e r d e s s e n w ü r d i g sei. E r g i b t a j r t a ö g , s p o n t a n ... J a c . 1,5 s t e h t e i n d e u t i g i m S t r o m d e r j ü d i s c h - c h r i s t l i c h e n P a r ä n e s e . D i e s e a b e r legt ourtaög i m S i n n e v o n s p o n t a n a u s « .
121 V g l . M i c h a e l L a t t k e : E W N T II 1 2 6 5 - 1 2 6 7 ; J o h a n n e s S c h n e i d e r : T h W N T V 2 3 9 - 2 4 1 ; s c h i m p f e n , schelten, s c h m ä h e n , V o r w ü r f e m a c h e n , zur L a s t legen, lästern, leiden lassen, b e d r ä n g e n , zur S c h a u stellen, S c h m a c h u n d S c h a n d e b e r e i t e n . I n d e n P s a l m e n b e s o n d e r s v o m V e r h a l t e n d e r G e g n e r ; m e h r f a c h bei S i r u n d bei P h i l o , d e r W o r t s t a m m a u c h i n T e s t X I I ( T e s t j u d 1 3 , 3 ; 1 7 , 4 ; T e s t R u b 4 , 2 . 7 ; 6 , 3 u. a . ) . 1 2 2
1 2
Gegen Dibelius, K E K 108; Lattke 1267; Frankemölle, Ö T K 2 1 9 .
3 S. u. a. P r o v 3 , 2 8 ; P s P h o k y l 2 2 ; P s S a l 5 , 1 3 ff.; S i r 8 , 1 5 ff; 2 0 , 1 4 ff; 4 1 , 2 2 ( 2 8 ) ; P h i l o C h e r 1 2 2 f.; D e m o s t h e n e s O r 1 8 , 2 6 9 ; P l u t M o r a l i a 6 3 e - 6 4 a ; vgl. N e u e r W e t t s t e i n 1 2 4 9 ff; A m s t u t z 1 0 3 ff; » o v e i ö i ^ e i v h a t s e i n e n festen P l a t z in d e r L e h r e v o m r e c h t e n G e b e n « ( A m s t u t z 1 1 1 A n m . 9 2 ) . V g l . S c h n e i d e r : T h W N T V 2 4 0 , 2 6 - 2 9 (zu J a k 1,5).
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D e m g e g e n ü b e r w a r V. 4 c - 5 v o n » M a n g e l « b e s t i m m t ; M a n g e l l ä d t z u m » A u s g l e i c h « ein. D e s h a l b sollte m a n V. 6 b - 8 n i c h t m i t » M a n g e l a n G l a u b e « ü b e r s c h r e i b e n ( g e g e n F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 3 1 ) .
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S o durchgehend die K o m m e n t a r e .
2
* 6 V g l . G e r h a r d D a u t z e n b e r g : E W N T I 7 3 2 - 7 3 8 ; F r i e d r i c h B ü c h s e i : T h W N T I I I 9 4 8 - 9 5 1 . I m A k t i v ist d i e B e d e u t u n g : b e u r t e i l e n , e n t s c h e i d e n , r i c h t e n , U n t e r s c h e i d u n g e n v o r n e h m e n (vgl. z u 2 , 4 ) . » B e d e n k e n t r a g e n « a u c h z. B . A p g 1 0 , 2 0 . 127 V g l . G e r h a r d B a r t h , G l a u b e u n d Zweifel in d e n s y n o p t i s c h e n E v a n g e l i e n : Z T h K 7 2 ( 1 9 7 5 ) , 2 6 9 - 2 9 2 .
D i e rechte innere Einstellung
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des Glaubens« als »vollkommener Mann«, so daß wir nicht mehr Unmündige sind, »wie Wogen geworfen und umhergetragen von jedem Wind der Lehre«. Vermutlich kann Jak somit auf Bekanntes, geradezu Topisches hinweisen. Vertrauen ist von der Sache her ungeteilt, total; das betont auch ur]Ö£v, »in keiner Hinsicht«. Über mögliche Ursachen des Zweifeins sagt Jak nichts; es bleibt auch offen, ob er eine Polemik impliziert (vgl. bereits zu V. 5). Auf jeden Fall verträgt die motig keinerlei Einfärbungen; ihre Tragkraft (s. V. 3 f.) würde dadurch beeinträchtigt. Das »nicht Bedenken tragen« zielt nicht psychologisch-anthropologisch auf ein fanatisches, ideologisches, anti-intellektuelles, krampfhaftes Verdrängen von Seitengedanken, sondern theologisch auf die Korrespondenz mit dem Wesen Gottes; das Problem von 4,4 Freund Gottes und der Welt zugleich sein zu wollen - taucht bereits auf. Nicht-Vertrauen bedeutet Nicht-Achtung Gottes. Das Problem ist hier nicht einfach ein charakterlich-psychologisches , sondern ein geistlich-personales: Wer ist Gott für den Beter? - Jak vergleicht (eoixev, nochmals 1,23) den Zweifler mit dem Meeresgewoge; das Bild ist in der Antike geläufig, zumal für die schwankende Meinung des Volk e s . KMöoov GaXdoong bezeichnet das ganze Gewoge, vor allem in der Brandung, nicht nur die einzelne Welle. 30 Die Metaphorik wird durch die beiden Partizipien gesteigert und präzisiert; die Naturgewalten machen mit dem Wasser, was sie wollen; das Wasser kann ihm weder Halt noch Festigkeit entgegensetzen. Es wird vom Wind getrieben und b e w e g t . Das tertium comparationis liegt (wie auch V. 8 bekräftigen wird) in der Halt- und Positionslosigkeit des Betenden. D a er sich nicht Gott gegenüber festlegt, wird er zum Spielball dessen, was im Leben auf ihn einströmt; er bildet keinen ruhigen Gegenpunkt zu Gottes Verhalten; folglich kann er nichts empfangen (V. 7). 7-8 Die Negativaussage von V. 6 wird zweifach verstärkt, nämlich im Blick auf das Gebet und auf die Person. V. 8 ist eine doppelte Apposition zu »jener Mensch« (mit zwei Adjektiven: öiipuxog, a x a t d o t a x o g ) ; die semantischen Variationen (Mensch - Mann, Gott - Herr, zweifeln - gespalten) sind wohl nur stilistisch als Vermeidung von Wiederholungen b e g r ü n d e t . Einige Elemente aus V. 5-6 dienen dem steigernden Rückbezug, nämlich: »irgend etwas (xi)« gegenüber »nichts (urjöev)« 128
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T h e o p h r a s t n e n n t u n t e r d e n » C h a r a k t e r e n « ( N r . 1 8 ) a u c h d i e E i g e n s c h a f t d e r djüioxia d i e er als » e i n e U n t e r s t e l l u n g d e r U n g e r e c h t i g k e i t g e g e n ü b e r j e d e r m a n n ( i m ö ^ n u ^ i g xig d ö i x i a g x a x d Jtdxcov)« definiert. S o l c h ein M e n s c h sei d e r m a ß e n voller M i ß t r a u e n , d a ß er z. B . s e i n G e w a n d n i c h t d o r t h i n z u r R e i n i g u n g g e b e , w o es a m b e s t e n g e m a c h t w i r d , s o n d e r n d o r t , w o d e r W ä s c h e r i h m g u t e S i c h e r h e i t biete. J a k h a t d e m g e g e n ü b e r G r u n d s ä t z l i c h e s in d e r B e z i e h u n g d e s M e n s c h e n z u G o t t v o r A u g e n . - Z u R e c h t k n ü p f t etwa B a r k m a n v o r a l l e m bei 1,8 a n , w e n n er J a k als » A p o s t e l d e r P e r s ö n l i c h k e i t s i n t e g r a t i o n b e z e i c h n e t « (38.49.53.75).
1 2 9
N e u e r W e t t s t e i n 1 2 5 5 f.; P h i l o M i g r 1 4 8 ( ü b e r U n e n t s c h l o s s e n e ) ; J e s 5 7 , 2 0 ( ü b e r d e n G o t t l o s e n ) ; S i r 2 9 , 1 7 ( V e r m ö g e n d e w u r d e n d u r c h B ü r g s c h a f t e n » w i e e i n e M e e r e s w o g e ins S c h w a n k e n g e b r a c h t « ) ; 3 3 , 2 b ( » d e r in s i c h h e u c h l e r i s c h e M a n n ist w i e ein S c h i f f i m S t u r m « ) .
1 3 0
Dibelius, K E K 1 1 1 , m i t Hinweis a u f Philo Sacr A b C a i n 9 0 u n d G i g 5 1 . B e i d e V e r b e n s i n d ntl. H a p a x l e g o m e n a . D i e F o r m d v e u i ^ ü ) k o m m t ü b e r h a u p t e r s t m a l i g hier bei J a k vor, k l a s s i s c h ist d v e u o ü ) (vgl. M a y o r 4 1 f.); d i e B e d e u t u n g ist ( i m Pass.) n a t ü r l i c h » v o m W i n d b e w e g t w e r d e n « (vgl. E W N T I 2 3 2 ) . QiJti^co f i n d e t s i c h ebenfalls oft z u s a m m e n m i t » W i n d « ( D a n 2 , 2 5 ; A r i s t 7 0 ; P h i l o A e t 1 2 5 ; G i g 5 1 ; M i g r 1 4 8 ; E p i c F r g m 2 ; D i o C h r y s O r 3 2 , 2 3 ) ; es b e d e u t e t » s c h a u k e l n , h i n u n d h e r t r e i b e n « ( E W N T I I I 5 1 0 f.). S o M a r t i n , W B C 2 1 . W i n d i s c h 7 b e t r a c h t e t es als t y p i s c h für d i e j ü d . - c h r i s t l i c h e M o r a l , » d a ß sie v o n M ä n n e r n a u s g e b i l d e t u n d in erster Linie a u f M ä n n e r z u g e s c h n i t t e n ist«; vgl. M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 7 1 . Z u r » m a s k u l i n e n Welt« bei J a k s. E i n l e i t u n g § 1, 3 . 1 .
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91
1,7-8
sowie »alle (Wege)« gegenüber »(Gott gibt) allen«. Dazu kommt die Lautangleichung oleoGoo - 8OLX6V. Jak legt offensichtlich Nachdruck auf die Aussage insgesamt; sach lich ist V. 7-8 nämlich weitgehend redundant; Neues wird kaum gebracht; vielmehr wird das Vorige (V. 5-6) ausgebaut. Dabei steht die Problematik der Person im Vordergrund. Jak wehrt eine falsche Erwartung (in V. 7) ab; ob man im Adressaten kreis tatsächlich solche Meinungen hegte, läßt die Formulierung als immerhin mög lich erscheinen. Trotz des Rückverweises auf »einer von euch« (V. 5) klingt »jener Mensch« recht distanziert und generell ; Jak stößt in die anthropologischen Impli kationen vor. Die Vokabel für »meinen« ( o i O | i a i ) ist für das N T ausgefallen 34; sie bezeichnet eine subjektive Lageeinschätzung. Jak eröffnet damit die Reihe über menschliche Selbsttäu schungen (1,13.16.25.26 usw.). »Empfangen« könnte evtl. (s. zu V. 5 f.) aus einer Tra dition wie M t 7,8 par. stammen, ist aber in der Gebetssprache verbreitet (vgl. 4 , 3 ) . »Irgend e t w a s « hat hier exkludierenden Sinn. »Herr« kann (nach V. 5) nur Gott (nicht Christus) meinen. Die Charakterisierung des unerhörbaren Gebets steht anscheinend hart im Raum neben der Verheißung in V. 5. Aber die Voraussetzungen sind eindeutig verteilt; auf Gottes Seite bestehen keine Unklarheiten, die Probleme ent stehen durch die falsche Einstellung (»nicht im Glauben«, V. 6) des Beters. Dadurch wird Gott geradezu gebunden, der Gabenfluß blockiert. Jak sieht hier ein Haupt problem, das er gegenüber seinen Adressaten herausstellen muß. Das Problem wird individuell-persönlich lokalisiert; es ist nicht auf das Kollektiv abwälzbar. Der Beter steht immer persönlich vor Gott; die Versagung der Bitte ist in ihm selbst begründet. Das Wort »in der Seele gespalten, doppel-seelisch« (öiip'uxog) ist bei Jak erstmals nachgewiesen (auch 4,8). Gehäuft erscheint es bei den Apostolischen V ä t e r n . Es bleibt unerkennbar, ob es sich um eine jak Wortprägung 9 oder gar um einen »loka len Ausdruck (in R o m ) handelte; wahrscheinlich war es ein damals neues, umlau fendes Wort. Vorstufen und Synonyme gab es verschiedene. Schon Plato redet 133
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J a k f o r m u l i e r t n i c h t » s o l c h e i n B r u d e r « o. d g l .
1 3 4
J a k zieht s o n s t ( 1 , 2 6 ; 4 , 5 ) Ö O X E C Ü vor. D i e V o k a b e l e r s c h e i n t i m N T n u r n o c h Phil 1,17; l j o h 1 1 , 2 5 . A u c h in d e r L X X ist sie n i c h t h ä u f i g , v e r b r e i t e t d a g e g e n i m H e l l e n i s m u s ( s o allein b e i P h i l o 2 2 9 x ) ; seltener d e m g e g e n ü b e r i n d e n A p o s t V ä t e r n ( l C l e m 3 0 , 4 ; 2 C l e m 6 , 6 ; 1 4 , 2 ; 1 5 , 1 ; z u I g n T r s. B a u e r - A . 1 1 4 0 ) .
135 V g l . A r m i n Kretzer: E W N T I I 8 3 0 f. 1 3 6
Vgl. ähnlich M t 5 , 2 3 .
1 3 7
V g l . e t w a M t 6 , 1 4 f.
1 3 8
S . E i n l e i t u n g § 5 , 7; L i n d e m a n n , C l e m e n s b r i e f e 8 3 f. V g l . a u c h d e n E x k u r s b e i B u r c h a r d , H N T z u 1,8.
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Dahingehend argumentiert Frankemölle, Ö T K 238. S . M a r s h a l l , L o c a l ; vgl. S e i t z , A n t e c e d e n t s u n d A f t e r t h o u g h t s ; Porter.
141 Y g l G i l l 2 2 6 - 2 3 9 ü b e r » G r e e k p o e t i c a n d p h i l o s o p h i c a l m o d e l s o f s e l f - d i v i s i o n « . D i s k u t i e r t w i r d b e i d e n G r i e c h e n v o r a l l e m M e d e a s V e r h a l t e n (s. E u r i p M e d , b e s o n d e r s 1 0 7 8 - 1 0 8 0 ) , d a z u n o c h P l a t o H i p p i a s I I 3 6 9 ff", ü b e r A c h i l l ( H o m e r II 9 , 6 4 5 - 6 4 8 ) . T h e m a ist d e r p s y c h o - e t h i s c h e K o n f l i k t . G a l e n greift d i e D i s k u s s i o n i m Z u s a m m e n h a n g m i t seiner K r i t i k a n d e r s t o i s c h e n P s y c h o l o g i e b e i C h r y s i p p auf. F ü r G a l e n ist d i e P s y c h e e i n k o m p l e x e s G e b i l d e a u s r a t i o n a l e n u n d n i c h t - r a t i o n a l e n T e i l e n . E r liest M e d e a s M o n o l o g als K o n f l i k t z w i s c h e n V e r n u n f t (koyio\io<;) u n d Ä r g e r (Ovfxög); v g l . P l a t o , R e p 4 3 8 d - 4 4 3 b ( z u H o m e r O d 2 0 , 1 8 - 2 1 ) . C h r y s i p p vertritt d a g e g e n d i e ü b l i c h e s t o i s c h e L i n i e , j e d e M o t i v a t i o n sei r a t i o n a l ; j e d e e m o t i o n a l e E r f a h r u n g b e d e u t e d i e Z u s t i m m u n g z u einer » f r i s c h e n « I m p r e s s i o n , d a ß e t w a s g u t o d e r s c h l e c h t sei (Gill 2 2 7 ) . In b e z u g a u f den Konflikt zwischen E t h i k u n d E m o t i o n bestehe d i e generelle Linie der griech. P h i l o s o p h e n b e i d e r I n t e r p r e t a t i o n s o l c h e r F ä l l e a u s d e r P o e s i e d a r i n , s i e f ü r D a r s t e l l u n g e n einer » i n c o m p l e t e o r defective ethical d e v e l o p m e n t « z u h a l t e n ( 2 3 8 ) .
D i e rechte innere Einstellung
92
1 4 2
vom »zweifachen, vielfachen (öiJtXxyüg, KoXkanXovg) M a n n « ; Sir vom »geteilten Herzen« ( l , 2 8 ) 3 , von »doppelzüngig« (öiyXaxjoog: 5,9.14; 6,1; 28,13); TestAss 2,5 vom »Doppelantlitz« (öiJtooocojtog); Barn 19,17 und Did 2,4 von »doppel-meinend« (öiyvcbfiCDv). Von Dtn 6,5 her (Gott lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele usw.) ist die atl.-jüd. Tradition gegenüber der Gespaltenheit natürlich allergisch; darauf neh men auch die Qumran-Stellen Bezug (QS 1,1 ff. 5,8 f.; 1 Q H 14,26; 15,10; 16,7.17; D a m 15,9 f f . ) . l C l e m 11,2 nennt als typisches Beispiel »der Zweifelnden und bezüglich der Macht Gottes Schwankenden« (ötapu/oi xod öuaid^ovreg) Lots Frau (Gen 19,17.26). A m nächsten kommt H e r m M 9 (=39) Jak 1,6-8; denn auch dort steht die Dipsychia dem erhörlichen Gebet entgegen. Z u m Wortfeld gehören dort: Bedenken haben (öia^oyi^o)), zaudern, irre werden, zögern (öioxd^o)); solchen Leu ten stehen die »Vollkommenen im Glauben« (6XoxeA,elg övxeg ev xfj moxei) gegen über, die das Erbetene erhalten werden. 5 Die Gespaltenheit widerspricht der Ein heit Gottes (Jak 1,5-8). Die Orientierung auf Gott hin duldet keine Halbheit und Interessenspaltung (ä la 4,4 f f . ) ; der desintegrierte und desorientierte M e n s c h ? ist kein Partner für Gott, dessen Gaben ergebnislos versickern bzw. sogar mißbraucht würden. - Der Wortstamm d x a x a o x a - erscheint noch in 3,8 (Zunge, Übel) und 3,16 (Ergebnis von Streit u s w . ) . Das Wortfeld umfaßt: Krieg (Lk 21,9), Aufruhr (xaoaxr|), Streit bzw. Friede (IKor 14,33), unruhig (Jes 54,11), ruhelos (HermM 2,3 (=27,3). Aktivische wie passivische Elemente können impliziert sein, hier in 1,8 scheint eine Mischung vorzuliegen. Solch ein Mensch ist chaotisch, schwankend, unstetig, ruhelos, ungeordnet. Darauf verweist auch die Fortsetzung »auf allen seinen Wegen«. Das könnte wiederum vom AT her geprägt sein: Dtn 10,12; vgl. Ps 91,11; 145,17; Jer 16,17. Die Wendung »alle Wege« macht es unwahrscheinlich, daß an das Zwei-Wege-Motiv gedacht i s t . Es geht nicht um die richtige Weg-Entscheidung; vielmehr ist der Betroffene überall halt- und orientierungslos; er ist chaotisch in sich und schafft C h a o s . Seine Wege führen zu nichts Brauchbarem oder Ordentlichem. l 4
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Die doppelte anthropologische Ausführung in V. 8 soll klarstellen, daß keine per sonale Basis für das erhörliche Gebet vorhanden ist. Der Kausalzusammenhang zwi-
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4
R e p 3 9 7 e ; » v i e l g e s t a l t i g « in K o n t r a s t z u » j e d e r verrichtet n u r e i n e n B e r u f « . W e i t e r heißt es 5 5 d : W e r n i c h t frei v o n Z w e i f e l n ist, ist ein zwiefacher M e n s c h .
1 4 3
V g l . H o s 1 0 , 2 ; Ps 1 1 , 3 u. a.; W e i s h 1,1 f.; 1 Q H 4 , 1 4 .
1 4 4
M a n h a t d e s h a l b s o g a r a n e i n e e s s e n i s c h e W o r t b i l d u n g g e d a c h t , s. bei M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 7 1 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 3 6 f.
145 V g l . n o c h H e r r n M 9 , 1 f. (= 3 9 , 1 f.): » W i r f d e n Zweifel v o n d i r u n d zweifle nie d a r a n , o b d u e t w a s v o n G o t t e r b i t t e n sollst, i n d e m d u bei d i r d e n k s t : w i e k a n n i c h e t w a s v o m H e r r n e r b i t t e n u n d e m p f a n g e n , d e r ich s o oft g e g e n i h n g e s ü n d i g t h a b e ? M a c h e d i c h v o n s o l c h e n B e d e n k e n frei, s o n d e r n b e k e h r e d i c h m i t d e i n e m ganzen Herzen z u m H e r r n u n d bitte ihn o h n e Z a u d e r n . . . « . H6 y g l A m s t u t z 8 6 ; v o n G e m ü n d e n , E i n s i c h t 2 f. 147 V g l B a r k m a n 4 9 : J a k b e n u t z e » d e n A u s d r u c k >zwiespältig<, u m d i e V e r f a s s u n g d e r Seele in d i e s e m K o n f l i k t #
m i t s i c h s e l b s t z u b e s c h r e i b e n . P s y c h o l o g e n n e n n e n es >Ambivalenz<. 1 4
8 Vgl. Albrecht O e p k e : T h W N T III 4 4 9 . I m N T außer J a k n o c h L k 2 1 , 9 ; I K o r 14,33; 2 K o r 6,3; 1 2 , 2 0 (im L a s t e r k a t a l o g ) ; vgl. a u c h I T h e s s 5 , 1 4 ( » e r m a h n t d i e a u s d e m T a k t G e r a t e n e n , d x d x x o v g « ) .
1 4 9
Z u m M o t i v d e r W e g - S c h e i d u n g s. W i l h e l m M i c h a e l i s : T h W N T V 5 3 ff.; g e g e n D a v i d s , C o m m e n t a r y 7 4 f., u. a.
1 5 0
M a r t i n . , W B C 2 0 , d e n k t b e s o n d e r s a n d a s S c h w a n k e n u n t e r V e r f o l g u n g . A b e r d a r a u f l i e g t d e r A k z e n t bei J a k hier s c h w e r l i c h .
Vorbemerkungen zu 1,9-11
93
sehen Beten und Verhalten ist reziprok. Es gilt nicht nur: »Wer beim Beten ... keine Gewißheit hat, ist auch im Handeln ohne inneren H a l t « , sondern auch das Umge kehrte; das eine entspricht dem anderen. Jak fügt V 8 asyndetisch an, so daß man etwa mit »ein geteilter Mann, der er ist, unstetig ...« übersetzen muß. Jak liegt daran, die Disqualifikation für ein erhörliches Beten aufzuzeigen. Das Problem ist im Wesen und Verhalten des Menschen verwurzelt; doch dieser unterliegt offenbar der Selbst täuschung. 151
Vorbemerkungen
zu 1,9-11 (Konstruktion,
Interpretationsprobleme)
N a c h V. 5 - 8 b r i n g t J a k m i t V. 9 - 1 1 einen weiteren E i n s c h u b in d e n S a c h z u s a m m e n h a n g » G l a u b e A n f e c h t u n g - A u s d a u e r - V o l l e n d u n g « . D e m H i n w e i s a u f d a s ungeteilte Vertrauen z u G o t t folgt d i e N o t i z über zwei Standesvertreter. W i e d e r u m liegt d a s G e w i c h t b e i d e r N e g a t i v p r ä s e n t a t i o n . D i e K o n s t r u k t i o n erscheint a u f d e n ersten B l i c k einfach: e i n e m indirekten A u f r u f 5 2 (xoruxacrGu), I m p . der 3 . Pers. S g . ) folgen zwei bzw. drei N o m i n a t i v e , d a z u zweimal e i n »in« + D a t . + avxov. B i s V. 1 Oa liegt eine w e i t g e h e n d e antithetische Parallelität vor, m i t e i n e m ( a n s c h e i n e n d ) g e m e i n s a m e n N o m i n a t i v ( 6 aöeXqpöc;) u n d d e m s e l b e n Verb. D i e A n t i t h e t i k ist in V. 9 d e r S a c h e n a c h rein (»nie d r i g / H ö h e « ) , w ä h r e n d in V. 1 0 a statt d e s z u erwartenden »der h o h e « etwas ü b e r r a s c h e n d 6 JtX,0'6öi05153 steht. Weitere I n k o n g r u e n z e n s i n d z u notieren. D i e W o r t a r t e n v\po<; u n d xajteivcoaig entsprechen einander nicht g a n z . 5 4 Z u d e m : W ä h r e n d ö e in V. 9 d e n Ü b e r g a n g v o m Vori gen anzeigt, markiert es in V. 1 0 d i e Antithese. D i e K e n n z e i c h n u n g d e s R e i c h e n geht unverhält n i s m ä ß i g weit über V. 1 0 a h i n a u s . 5 5 Bereits V. 1 0 b g i b t eine erste E x p l i k a t i o n (öxi-Satz i m F u t u r ) , der in V. 11 eine l a n g e B e g r ü n d u n g s a m t R e p r i s e (oikooc;...) folgt. - T r o t z d e r a n s c h e i n e n d (über w i e g e n d ) klaren Parallelstruktur bleiben P r o b l e m e , die z u g a n z unterschiedlichen Interpretationen geführt h a b e n . Ist ( 6 ) izXovoioc, Adjektiv, a b h ä n g i g v o n » B r u d e r « ? O d e r ist es selbständiges S u b stantiv? Ist »der R e i c h e « also ein B r u d e r oder n i c h t ? 5 6 Ist xajieivoaoic; (V. 1 0 ) n o m e n actionis ( » E r n i e d r i g u n g « ) o d e r eher Z u s t a n d s b e s c h r e i b u n g , also » N i e d r i g k e i t « e n t s p r e c h e n d » H ö h e « ? W a n n ist ( i m Fall eines n o m e n actionis) d i e E r n i e d r i g u n g anzusetzen? G e s c h a h sie bereits, o d e r steht sie n o c h aus - etwa b e i m individuellen T o d o d e r b e i m E s c h a t o n ? — E i n e Position d e r K o m mentare lautet: D e r R e i c h e ist (wegen 1,1 Od; 2 , 6 f.) kein C h r i s t ( B r u d e r ) , seine E r n i e d r i g u n g 1
1
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1
1 5 7
151 S o D i b e l i u s , K E K 1 1 3 . E s trifft nicht zu, d a ß V 9 - 1 2 nicht als »direct e x h o r t a t i o n « a n z u s e h e n sei, w i e i m m e r m a n speziell die A u s sage über d e n R e i c h e n verstehe (s. u.); s o n d e r n d a ß es u m »the s t a t i n g o f b a s i c principles c o n c e r n i n g t h e h u m a n c o n d i t i o n before G o d « g e h e (so J o h n s o n , A n c B 1 9 1 ) . A h n l i c h m e i n t bereits D i b e l i u s , K E K 1 1 3 , es liege »keine A u f f o r d e r u n g i m eigentlichen S i n n e « vor, s o n d e r n die W e n d u n g b i l d e »eine R e d e f o r m , m i t der a u c h s o n s t - L X X Jer 9 , 2 3 f.; I R e g 2 , 1 0 ... d a s Sein v o m S c h e i n u n t e r s c h i e d e n w i r d « . D e n n d a s T h e m a v o n 1 , 9 - 1 1 laute » v o m U n t e r g a n g des R e i c h e n « . » V 9 zeichnet n u r d i e Folie d a z u « . D a m i t w ü r d e V 9 j e d o c h i m G r u n d e überflüssig. D i e I s o l i e r u n g eines » S p r u c h s « (V. 1 0 f.) ist für die j a k G e d a n k e n f u h r u n g p r o b l e matisch. 1 D a s P e n d a n t d a z u (jtxcoxog) findet sich n u r 2 , 2 - 6 . S. B a u e r - A . s. v.: Z u s t a n d ( H ö h e ) u n d V o r g a n g ( E r n i e d r i g u n g ) . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 1 ( 6 Zeilen g e g e n ü b e r n u r 1). M a y n a r d - R e i d 3 8 - 4 7 hält d i e F r a g e für falsch gestellt. Keinesfalls d ü r f e m a n »reich« a n d » a r m « i n e i n e m »semireligiösen S i n n « verstehen ( 4 3 ) , w a s s o w o h l bei d e r heroischen w i e d e r ironischen I n t e r p r e t a t i o n (s. u.) geschehe; für J a k w ü r d e n s ä m t l i c h e R e i c h e n in dieselbe negative K a t e g o r i e fallen ( 4 4 ) . I n 1,9-11 stel le J a k e i n e n K o n t r a s t z w i s c h e n d e m A r m e n u n d d e m R e i c h e n auf, w o b e i seine S p r a c h e in b e z u g a u f d e n ö k o n o m i s c h R e i c h e n » a n ironic twist« aufweise, u m d e s s e n E r n i e d r i g u n g z u unterstreichen; vgl. L k 1 2 , 1 3 21 (44). E t w a D i b e l i u s , K E K 1 1 4 ; L a w s , C o m m e n t a r y 6 3 f.; J o h n s o n , A n c B 1 9 1 ; K l e i n 9 7 f.; K o n r a d t , E x i s t e n z 1 4 5 f.; vgl. M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 7 4 . 1 5 2
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94
D i e rechte innere Einstellung
w i r d b e i m T o d bzw. G e r i c h t e r f o l g e n ; a l s o k a n n »er r ü h m e s i c h « für i h n n u r b i t t e r e I r o n i e , j a S a r k a s m u s bedeuten. D a g e g e n steht die I n t e r p r e t a t i o n
1 5 8
s p r o c h e n ; d e r A u f r u f ist in b e i d e n F ä l l e n ernsthaft, (zumindest sub specie D e i )
1 5 9
: b e i d e m a l s i n d (in V. 9 / 1 0 a ) C h r i s t e n a n g e n i c h t i r o n i s c h ; d i e E r n i e d r i g u n g ist bereits
erfolgt o d e r w i r d n o c h g e s c h e h e n . - S y n t a x u n d W o r t l a u t s p r e c h e n
für d i e zweite L ö s u n g , d. h . ein g l e i c h m ä ß i g e s V e r s t ä n d n i s v o n xouxao"9o) u n d d i e Ü b e r o r d n u n g v o n 6 d ö e t a p ö c ; für b e i d e V e r s e , a u c h w e n n d i e L a g e in V. 1 l d a n d e r s z u s e i n s c h e i n t . D i e A n s i c h t , ein R e i c h e r k ö n n e p e r d e f i n i t i o n e m k e i n C h r i s t s e i n , ist e i n e p e t i t i o p r i n c i p i i . d e n (V. 1 0 b - l l ) s o n s t n o c h N e g a t i v e s g e s a g t w i r d
1 6 1
1 6 0
Was im Folgen
, s o l l t e d i e I n t e r p r e t a t i o n v o n V. 9 - 1 0 a n i c h t
p r ä j u d i z i e r e n . - T r a d i t i o n s g e s c h i c h t l i c h fällt a u f (s. o . ) , d a ß J a k hier ü b e r d i e w e i s h e i t l i c h e n V o r g a b e n h i n a u s g e h t ; d e n n d o r t ( S i r ) fällt d i e B e u r t e i l u n g v o n A r m e n u n d R e i c h e n d u r c h a u s differen ziert a u s . A b e r a u c h J a k vertritt n i c h t e i n e e i n f a c h e P o s i t i v - N e g a t i v - G e g e n ü b e r s t e l l u n g .
1 6 2
9-10a Ausgangspunkt ist das vorangestellte xavxäoQiD. Möglicherweise ist Jak gera de auch in der Verwendung dieses Wortes 3 durch Tradition bestimmt, und zwar nicht nur im Sinn des verbreiteten Verbots des Selbstruhmes, sondern speziell in der Form des paradoxen Rühmens - wie auch in R o m 5,3 (s. o. zu V. 3-f.): »sich der Bedrängnisse r ü h m e n « . N u r so verliert das für J a k an sich negativ besetzte x a v / ä o G a i (so 4,16) hier seine moralische Illegitimität, denn »rühmen« ist in der Regel Ausdruck einer Selbstdarstellung zu Ungunsten anderer, oft auch der Selbst überschätzung. 65 Die jüd. Tradition betont deshalb ebenso wie die paul. Theologie das, dessen man sich wirklich rühmen darf, nämlich der Gnade G o t t e s . Auch in Schwachheit, Leid und Niedrigkeit kann sich Gottes Gnade so erweisen, daß daraus wirklich Rühmenswertes entsteht. Auf solche eine Veränderung hebt V. 9 ab, genau er: auf eine Statusveränderung, »gibt doch Gott den Niedrigen Gnade« (4,16, Zitat von Prov 3,34); Gott wird die erhöhen (uipoböei), die sich erniedrigen bzw. die er niedrigt werden (jtajteivobBrvTe, 4,10). Der »niedrige Bruder« hat also Grund und Anlaß, sich »(in) seiner Höhe« zu rühmen. - Tajteivog bezeichnet zugleich einen Zustand, einen Status und eine Gesinnung, angesiedelt zwischen »arm« (jtxooxög, 1 6
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166
!58 S o z . B . R o p e s 1 4 5 f.; S c h n i d e r 3 6 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 4 . D i b e l i u s , K E K 1 1 4 , n e n n t d a s d i e (für d e n R e i c h e n ) » h e r o i s c h e « V e r s i o n , g e g e n ü b e r d e r » i r o n i s c h e n « . B u r c h a r d , H N T z . S t . : »weil V. 1 0 s y n t a k t i s c h ein Teil v o n V. 9 ist u n d b e i d e v o n V. 2 - 1 2 , s o l l t e d i e A n r e d e d ö e t a p o i V. 2 a u c h f ü r ö KXOVOIOC,
gelten«;
d i e s e r sei freilich e i n W e l t f r e u n d , e i n H a l b c h r i s t . 1 5 9
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 5 - e b e n s o d i e E r h ö h u n g d e s N i e d r i g e n s u b s p e c i e fidei (vgl. 2 , 5 ) .
1 6 0
D i e a n d e r e n B e l e g e für Tikovoioc, i n 2 , 6 f. u n d 5 , 1 ff k ö n n e n d i e B e w e i s l a s t n i c h t t r a g e n , z u m a l a u c h f ü r
1 6 1
E s trifft n a t ü r l i c h z u , d a ß e s i n V. 1 0 b u m d i e F l ü c h t i g k e i t d e s R e i c h e n , n i c h t d e s R e i c h t u m s , g e h t ( K o n -
5 , 1 ff u m s t r i t t e n ist, o b es s i c h u m reiche C h r i s t e n h a n d e l t o d e r n i c h t . Ä h n l i c h B o g g a n 2 5 9 f. r a d t , E x i s t e n z 1 4 5 f.). V o n s e i n e m D a h i n s c h e i d e n , » u n d z w a r i m G e r i c h t « ( e b d . 1 4 6 ) , ist freilich s o n i c h t die Rede. 162 M i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 3 , g e g e n B u r c h a r d , G e m e i n d e 3 2 2 . 1 6 3
J a k ist einer d e r w e n i g e n i m N T ( a u ß e r d e m C o r p u s P a u l i n u m u n d H e b r ) , d i e d e n W o r t s t a m m ü b e r h a u p t verwenden. Vgl. zu 4,16.
1 6 4
D a s ü b e r s i e h t D i b e l i u s , K E K 1 1 3 ; s. o. i n d e n V o r b e m e r k u n g e n z u 1 , 9 - 1 1 .
165 V g l . J . Z m i j e w s k i : E W N T I I 6 8 0 - 6 9 0 . G e g e n d e n S e l b s t r u h m ( a l l e r d i n g s o f t m i t a n d e r e n V o k a b e l n v e r b u n d e n ) w e n d e t sich verbreitet d i e hellenistische u n d j ü d . Antike; vgl. R u d o l f B u l t m a n n : T h W N T I I I 6 4 6 , 1 8 ff, s o T h e o p h r a s t C h a r 2 3 u. a.; A r i s t o t P o l 1 3 1 1 b ; P h i l o ( B u l t m a n n 6 4 8 , 7 - 2 8 ) ; l K ö n 2 , 1 0 ; P s 4 8 , 7 ; P r o v 2 5 , 1 4 ; 2 7 , 1 u. a. B o g g a n 2 4 1 m e i n t , x o u x a o u m b e d e u t e hier e h e r » t o t r u s t « bzw. » t o r e j o i c e o r exult«. 1 6 6
S o e t w a J e r 9 , 2 2 f. (zitiert i n I K o r 1 , 3 1 ; 2 K o r 1 0 , 1 6 f.; l C l e m 1 3 , 1 ; a u c h i m L X X - Z u s a t z z u l S a m 2 , 3 ) ; 1 K o r 1 , 1 8 - 3 1 ; 2 K o r 1 0 - 1 3 . V g l . ferner M t 2 3 , 1 1 ; L k 1 4 , 1 1 ; 1 8 , 1 4 .
95
l,9-10a 167
Jtevng) und »demütig« (jtQaiJc;). Der niedrigen, unbedeutenden, armseligen Stel lung korrespondiert die bescheidene, demütige, u. U. auch unterwürfige Einstellung. Neben der sozialen Verwendung gibt es im AT, Judentum und N T auch die spiri tuelle, die Bescheidenheit vor Gott; Gott gegenüber ist nur diese Gesinnung ange bracht; er wird sie mit Gnade belohnen (4,6). Jak denkt hier, wie der Kontrast zu »reich« beweist, durchaus an soziale Niedrigkeit. Es gibt »Brüder« von geringerem gesellschaftlichen Einfluß und Ansehen. Vor Gott stehen sie jedoch anders da; sie wurden gleichsam geistlich geadelt; in Gottes Augen sind sie »hoch« geachtet. Die »Höhe« ist bereits Realität coram Deo; der Vorgang der Erhöhung durch Gott ist schon erfolgt. Dessen dürfen und sollen sie sich rühmen. Das hat auch ekklesiale Konsequenzen; denn es verleiht ihnen - zumal gegenüber den weltlich Einflußrei chen - eine andere Selbsteinschätzung: »Wenn ich bei Gott etwas zähle, darf ich mich getrost in der Gemeinde neben anderen bewegen«. In der Kirche geschieht soziale Regruppierung; die üblichen Differenzierungen sind in die Einheit »in Christus« hin ein aufgehoben. Die neue Statuszuweisung gilt auch kontrafaktisch. _ Der »rei che Bruder« soll sich seiner xajteivcoöig rühmen, also seiner Herabstufung. Daß er »vergehen, dahinschwinden« wird (V. 10b. l l d ) , muß damit nicht identisch sein. Näher legt sich eine Analogie zu V. 9: er erfährt eine Statusveränderung, indem er Christ wird, und das nicht nur vor Gott, sondern auch im »brüderlichen« Miteinan der. Seine ekklesiale Stellung ist nicht mehr durch sein Reich-Sein bestimmt; er kann die sonst üblichen Privilegien nicht in Anspruch nehmen. Jak denkt in 1,9 f. primär in Status-Kategorien ? ; finanzielle Aspekte kommen erst in 2,14 ff. unter anderer Perspektive in den B l i c k . V. 10 macht nur Sinn, wenn es sich um einen reichen »Bruder« handelt; an ihm geschieht etwas von Gott her, dessen er sich wirklich rüh men kann, daß nämlich seine Person von seinem Vermögen gelöst wird und er schlicht »Bruder« sein kann, ohne Privilegien und Prahlereien (ä la 4 , 1 6 ) . »(In) sei ner Erniedrigung« ist am besten als vorzeitiges und gegenwärtig geltendes Geschehen (nomen actionis) verständlich. Im Sinn des paradoxen Rühmens (s. o.) gilt es, die Veränderung zu akzeptieren, die einen vom unakzeptablen Rühmen (4,16) befreit. Der Wortstamm JtXovöiog/jrXoiJTOc; erscheint neben 1,10 f. noch 2,5 f. und 5,1 f., dort beidemal eindeutig negativ besetzt mit den Konnotationen Gewalt, Unrecht, Luxus, Überfluß, dazu noch Unweisheit. Hier liegt ein besonderes Problempotential vor - nicht nur bei den Habenden, sondern wohl auch bei den Möchte-Gern-Reichen. Reichtum ist natürlich ein relativer Begriff. Der griech. W o r t s t a m m be168
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Touteiv- bei J a k in 1 , 9 . 1 0 ; 4 , 6 . 1 0 . - V g l . H e i n z G i e s e n : E W N T I I I 7 9 8 - 8 0 4 . D i o d S i c 1 1 , 8 7 , 2 : E i n s c h r ä n k u n g der G e l t u n g des V e r m ö g e n d e n .
»68 S . d i e » E i n h e i t s k a t a l o g e « G a l 3 , 2 8 ; I K o r 1 2 , 1 3 ; K o l 3 , 1 1 ; vgl. Rom
1 0 , 1 2 ; I K o r 9 , 1 9 - 2 1 ; G a l 5,6; 6 , 1 5 .
D a h i n t e r s t e h t alte p r o p h e t i s c h e E r w a r t u n g in V e r b i n d u n g m i t d e m n e u e n B u n d u n d d e r G e i s t a u s g i e ß u n g (Joel 3 , 1 f.; J e r 3 1 , 3 4 ) . V g l . P o p k e s , P a r ä n e s e 1 5 5 f. 1 6 9
V g l . G e r d T h e i ß e n , J e s u s b e w e g u n g als c h a r i s m a t i s c h e W e r t r e v o l u t i o n : N T S 3 5 ( 1 9 8 9 , 3 4 3 - 3 6 0 ) 3 5 5 .
1 7 0
E s ist z u b e a c h t e n , d a ß in V. 9 - 1 0 a z w e i m a l t o u t e i v - e r s c h e i n t , n i c h t » a r m « .
171 V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 4 f. 1 7 2
Mit Schnider 36.
1 7 3
Ä h n l i c h B o g g a n 2 4 7 : eine U m k e h r u n g ist eingetreten, der a r m e B r u d e r w u r d e z u m reichen - et vice versa.
1 7 4
F r i e d r i c h H a u c k / W i l h e l m K a s c h : T h W N T V I 3 1 6 ff.; d o r t 3 2 2 a u c h z u d e n bei d e n atl. P r o p h e t e n v o r ausgesetzten Verhältnissen.
96
D i e rechte innere Einstellung
zeichnet eine »Fülle«, und zwar an unterschiedlichen Gütern. ^ 5 I materiellen Sinn als wirklich »reich« galt z. Zt. des N T noch nicht einmal jemand mit einem jährlichen Einkommen von 20.000 Sesterzen und dem Eigentum von vier Sklaven. ^ Cato d. A. soll aus seinem Vermögen von 4 Mill. Sesterzen mehr als 200.000 S. Jahreseinkom men bekommen haben. Für Rabbi Tarphon (um 110 n. Chr.) galt als reich, wer 100 Weinberge, 100 Äcker und 100 Sklaven sein eigen nennt. 177 Nun dürfen solche gro ßen Zahlenangaben das allgemeine Bild nicht trüben. Die - zumal weisheitliche Reichtumskritik 78 ist weniger an den Zahlen als an den generellen Gefahren des Wohlstandes orientiert; Gleiches ist bei Jesus, den Synoptikern und anderswo im N T zu beobachten. 79 Gewiß ermöglicht Reichtum Hilfe für a n d e r e ; problematisch ist jedoch, das Herz daran zu hängen (Mt 6,19-21; M k 4,19 u. a.). Die Verbindung mit xaiteiv- bei Jak verweist speziell auf die Statusfrage; Reichtum bedeutet in der R e g e l auch Einfluß, Ansehen, Macht. Die bei Jak vorausgesetzten sozio-ökonomischen Ver hältnisse implizieren neben Macht (2,6 f.) vor allem Uberfluß (5,2 f.), Grundbesitz (5,4) und wohl auch Großhandel (4,13 ff). Entscheidend sind für ihn nicht die abso luten Dimensionen, sondern der relative Abstand zu anderen Schichten und die en dogenen Gefahren für die Betroffenen selbst wie für andere. Wie reich der Jttayuöioc; in 1,10 f. tatsächlich war, läßt Jak offen. Auch die Metaphorik (blühen, verwelken) besagt nicht viel. Es genügt, einen gewissen Wohlstand (»mehr als nötig«) anzuneh men. Der Reichtum ist aus der Sicht des Jak eine so große Gefahr, daß er ihm hier eine relativ breite Betrachtung widmet. Demgegenüber erscheint V. 10a fast als ein Ubergangsgedanke; evtl. erklärt sich daraus auch die etwas undeutliche Formulierung 6 JtXoi3öLog. 10b-ll Die recht lange Ausführung expliziert und begründet V. 10a. Das Subjekt von V. 10b ist dasselbe wie das in V. 10a; es wird in V 1 l d wiederholt. V. l l a - c haben mehrere Subjekte: Sonne, Blüte (ävOog, auch bereits in V. 10b, mittels »wie« neben das Subjekt plaziert) und Wohlgestalt. Die Klammer »so - auch« m
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D a r u n t e r a u c h W e i s h e i t , G e d a n k e n ( H a u c k / K a s c h , a. a. O . 3 1 7 ) . V g l . w e i t e r H e l m u t M e r k l e i n : E W N T
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S t e g e m a n n 7 9 (so J u v e n a l ) . I n N o r d a f r i k a b e z a h l t e m a n allein für E h r e n ä m t e r bis z u 2 0 . 0 0 0 S e s t e r z e n . B e i
III 2 7 3 - 2 7 8 . P e t r o n i u s 3 7 - 3 8 f i n d e n sich d i e Z a h l e n 8 0 0 . 0 0 0 u n d 1 M i l l i o n als I n d i k a t o r e n v o n R e i c h t u m ; vgl. E r i c h A u e r b a c h , M i m e s i s . D a r g e s t e l l t e W i r k l i c h k e i t in d e r a b e n d l ä n d i s c h e n L i t e r a t u r , B e r n ( F r a n c k e ) 7. A u f l . 1 9 8 2 , 2 8 ff. W e i t e r e D a t e n bei F i n l e y 1 1 5 ff. (u. a. ü b e r d a s L a n d g u t eines H i p p a r c h o s i . J . 9 2 / 9 3 n. C h r . i m Wert v o n 1 0 0 Millionen Sesterzen, »also einhundertmal der Mindestbesitz, den m a n brauchte, u m S e n a t o r sein z u k ö n n e n , u n d u n g e f ä h r f ü n f z i g m a l d a s J a h r e s e i n k o m m e n s e i n e s Z e i t g e n o s s e n P l i n i u s d e s J ü n g e r e n . . . « ) . D i e Z a h l e n s i n d freilich jeweils a u c h in B e z i e h u n g z u d e n ö r t l i c h e n bzw. r e g i o n a l e n G e g e b e n h e i t e n z u setzen. L t . P l i n i u s d. J . , e p . 1 , 1 9 , m u ß t e ein D e c u r i o m i n d e s t e n s 1 0 0 . 0 0 0 S e s t e r z e n b e s i t zen; d a s galt z u n ä c h s t j e d o c h e i n m a l für s e i n e H e i m a t s t a d t C o m u m ( C o m o ) ; vgl. Peter G a r n s e y / R i c h a r d Salier, T h e R o m a n E m p i r e , B e r k e l e y (Univ. o f C a l i f o r n i a Pr.) 1 9 8 7 , 1 1 4 . - Z u m K a u f w e r t vgl. T a c . A n n . I 17: 1 D e n a r T a g e s s o l d (als F o r d e r u n g ; K l a g e ü b e r p r ä t o r i a n i s c h e K o h o r t e n , d i e t ä g l i c h 2 e r h i e l t e n ) ; M t 2 0 , 1 ff.: 1 D e n a r als T a g e l ö h n e r - S a t z . Z u r U m r e c h n u n g : 1 D e n a r = 4 S e s t e r z e n . W e i t e r e E i n z e l h e i t e n d a z u bei K a r l M a t t h i a e / E d i t h S c h ö n e r t - G e i ß , M ü n z e n a u s d e r u r c h r i s t l i c h e n U m w e l t , B e r l i n ( E V A ) 1 9 8 1 , 2 9 f. 3 8 ; C h r i s t o p h e r H o w g e g o , G e l d in d e r A n t i k e n Welt. W a s M ü n z e n ü b e r G e s c h i c h t e v e r r a t e n , D a r m s t a d t (WBG) 2000. 1 7 7
N ä h e r e s bei S t e g e m a n n 7 9 .
1 7 8
H a u c k / K a s c h : T h W N T V I 3 2 2 f.; z u r g r i e c h . - p h i l o s o p h i s c h e n E t h i k 3 1 8 - 3 2 1 ; z u P h i l o 3 2 4 .
^ M k
1 0 , 2 3 parr.; M t 6 , 2 5 - 3 4 ; 1 3 , 2 2 ; 1 9 , 2 3 f.; L k 6 , 2 3 - 2 5 ; 1 2 , 1 3 - 2 1 ; 1 6 , 1 9 - 3 1 ; l T i m 6 , 1 7 - 1 9 . W e i t e r e s bei
H a u c k / K a s c h 3 2 5 ff; M e r k l e i n : E W N T I I I 2 7 4 - 2 7 7 . 1 8 0
S o z . B . P h i l o J o s 1 4 4 ( H a u c k / K a s c h 3 2 4 , 3 8 f.).
1 8 1
A u c h S k l a v e n k o n n t e n u. U . ü b e r g r o ß e V e r m ö g e n v e r f ü g e n , o b s c h o n als a b h ä n g i g e M e n s c h e n .
97
l,10a-ll
((bg-oütcag: V. 10b. 1 l d ) bezieht den Vergleich beidemal auf den Reichen. Man kann deshalb nicht »die Sentenz von der Vergänglichkeit auf den Christen (=Bruder) generell« beziehen. Damit kommt freilich eine satzlogische Schwierigkeit auf: Inwiefern ist nur der Reiche (bzw. reiche Bruder) vergänglich? Ist es nicht jeder Mensch? Logischer wäre die Formulierung: der Reichtum vergeht (wie 5,2 f.). Jak formuliert anscheinend in abkürzender Weise; das wirkt auch auf V. 10a zurück (6 JtXo'uoioc;, ohne »Bruder«). Jak kann gleichsam nicht schnell genug zu seinem Hauptthema hier gelangen, nämlich der Problematik des Reichen. Leitendes Motiv dabei ist die Vergänglichkeit, wobei freilich das Tertium des Vergleichs noch genau zu besehen ist. Inhaltlich entsprechen V. 10b und 1 l d einander, syntaktisch ist V. 10b mit V. 10a durch ein öxi verknüpft; V. 1 la-c begründen V. 10b. Das öxi in V. 10b kann begründend oder auch rezitativ gemeint sein; beides ergibt Sinn. Die an das A T anspielende Metaphorik 3 in V. 11 wirkt deutlich bereits auf V. 10b voraus; als ÖTi-recitativum müßte man mit Gedankenstrich und Anführungszeichen übersetzen, ein »wie geschrieben steht« implizierend. Der Konnex zwischen dem Aufruf zum Rühmen und der futurischen Vergänglichkeitsaussage würde dann etwas lockerer ausfallen als bei einer strikt kausalen Interpretation von öxi, die sich deswegen weniger anbietet, als in der Tat eine biblische Anspielung folgt. Die Wörter oog avOog XOQXOV stehen immerhin so auch in Jes 40,6. Daß Jak auf Jes 40 Bezug n i m m t , zeigen auch die Wendungen »und versengt das Gras« (bei Jes allerdings im Passiv) sowie xcd xö ävOog (avxov nicht in Jes) e^EJteoev. In Jes 40,1 ist übrigens auch vom »Erniedrigen« die R e d e . 5 IPetr 1,24 f. bringt Jes 40,6 f. ebenfalls, und zwar ausdrücklich, wörtlich und vollständig als Z i t a t . In Jes und IPetr dient die Aussage dem Kontrast zwischen der Vergänglichkeit »allen Fleisches« (ähnlich ip 102,15) und Gottes ewigem Wort; Jak bezieht sie nur auf den Reichen. Seine Wortwahl scheint zudem von frühchristlicher warnender Paränese mit beeinflußt zu sein. M k 4,6 sagt über das Schicksal der Saat, die auf Steine fiel: xcd öxe avexedev 6 fjXiog exau^iaxioOri x a i . . . 8§r]Qdv0ri (V. 17: bei Drangsal und Verfolgung) . Das Motiv der » S c h ö n h e i t des Angesichts« fügt Jak ebenfalls hinzu (nicht in Jes 40); eine gewisse Berührung besteht darin zu M t 6,29 f. Jak stellt sich also ein verlängertes Schriftwort (das aber nicht als 182
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G e g e n F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 5 ; V. 1 l d sei I n k l u s i o n z u V. 1 0 a . » E r s t 1,1 l d b e z i e h t d e n V e r g l e i c h v e r e n g t a u f d e n R e i c h e n « , w o b e i d a s » a u c h (der R e i c h e ) « in V. 1 l d sehr b e t o n t s t e h e ( 2 4 9 ) . 183 V g l . G e m ü n d e n , V e g e t a t i o n s m e t a p h o r i k 3 0 5 f. 184 V g l . V o u g a 4 7 ; M a r t i n , W B C 2 3 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 8 . Ä h n l i c h e Z ü g e f i n d e n s i c h a u c h in 4 Q 1 8 5 (s. M a i e r II 1 3 3 ) , e i n e m » S a p i e n t i a l W o r k « ü b e r d i e H i n f ä l l i g k e i t d e s M e n s c h e n ; vgl. T. E l g v i n : N T S 4 3 (1997) 604. J e r u s a l e m s xajtEivcoöig w i r d b e e n d e t ; j e d e r B e r g soll e r n i e d r i g t w e r d e n . V g l . v o n G e m ü n d e n , V e g e t a t i o n s m e t a p h o r i k 3 0 8 f., z u m u n t e r s c h i e d l i c h e n B i l d g e b r a u c h bei J a k u n d IPetr. L k 8 , 1 3 : ev xaipo) jtEipao|ioi3. D i e D o r n e n w e r d e n interpretiert (V. 1 4 ) als » S o r g e n , R e i c h t u m u n d L ü s t e des Lebens«. D a s g u t g r i e c h . W o r t EVJtQEJteia f i n d e t sich i m N T n u r hier. I n d e n A p o s t V ä t e r n n u r H e r r n V 1,3,4 (= 3,4), häufiger das A d j . » S a l o m o in all s e i n e m G l a n z w a r n i c h t g e k l e i d e t w i e eins v o n d i e s e n . W e n n n u n G o t t d a s G r a s d e s A c k e r s , d a s h e u t e d a s t e h t u n d m o r g e n in d e n Ö f e n g e w o r f e n w i r d , s o k l e i d e t . . . « . V g l . P h i l o S p e c L e g I 3 1 1 f. (s. N e u e r W e t t s t e i n 1 2 5 7 f.): M a n soll s i c h n i c h t d e s R e i c h t u m s (usw.) n o c h d e r k ö r p e r l i c h e n W o h l g e s t a l t (öO)|iaTog £i)|ioQ(pLa) r ü h m e n ; sie v e r g e h e n s c h n e l l , n i c h t d a g e g e n d a s G u t e . F e r n e r T e s t H i 3 3 : K ö n i g e verg e h e n ; ihre H e r r l i c h k e i t u n d ihr R u h m w e r d e n w i e ein S p i e g e l s e i n . v
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Die
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rechte innere Einstellung
solches erkennbar gemacht wird) zusammen. Mit M k 4 par. Lk 8 berührt er sich ten denziell hinsichtlich der Warnung vor Gefahren; freilich geht dort die Gefahr vom Reichtum (u. a.) aus, hier ist dieser selbst (genauer: sein Inhaber) gefährdet. - Zweimal (V. 10b. 1 ld) betont Jak, daß der Reiche »vergehen« bzw. »dahinschwinden« 90 wird. Darauf läuft der Vergleich mit der » B l u m e des Grases« hinaus. V. l l a - c legt fast pedantisch im einzelnen dar, wie das geschieht: die aufgehende Sonne bringt H i t z e , die das Gras austrocknet, so daß die Blüte abfällt. Als Zusatz wird noch das ZugrundeGehen des schönen A n b l i c k s notiert. Der beschriebene Vorgang erzeugt Traurigkeit beim Betrachter. Der Vergleichspunkt ist das Vergehen, nicht etwa ein »gerechtes Gericht, verdientes Verderben« oder dgl. Die doppelte Nennung von »Blume« und der Zusatz »Wohlgestalt des Antlitzes« bringt ein ästhetisches Element ins Bild: es sieht eine Weile schön aus, aber nichts bleibt. Das könnte als Nebenzug hinsichtlich »Rei cher« mitklingen (»prunkvoll, aber nicht von Dauer«). n a o e ^ e ü ö e t a i und ^lapavOrjoexai sind logische Futura. Jak hebt nicht - bzw. nicht direkt - auf das Sterben der Reichen oder gar ihr Scheitern im Eschaton a b . Der Skopus des Vergleichs lautet daher nicht: »angesichts des Todes verliert der Reich tum seine B e d e u t u n g « . Die Aoriste in V. l l a - c sind als gnomische präsentisch wiederzugeben: so etwas passiert ständig, immer wieder. Diese Erfahrung wird auf das Schicksal des Reichen angewendet: auch er wird nicht Bestand haben, sondern schnell vergehen, und zwar »auf seinen Reisen«. Die Angabe bildet eine gewisse Parallele zu V. 8 »auf allen (nicht in V. 1 ld) seinen Wegen«. Evtl. wird auf die Geschäftsreisen in 4,1317 ( j t O Q e u e o ö a i , eujtooeueöGai) vorausverwiesen ; allerdings werden »die Reichen« lt. 5,1 ff. nicht entsprechend charakterisiert. Gerade im Plural kann Jtooeia aber auch »Unternehmungen« bzw. »Lebenswandel« bedeuten. Dieses allgemeinere Verständ nis deckt das gesamte Treiben des Reichen ab, nicht allein das Unterwegs-Sein. Der Reiche ist nicht nur gleichsam statisch reich, sondern Reich-Sein ist auch eine bestimmte Art der Lebensgestaltung und -führung. Doch davon bleibt nichts. Auf das Reich-Sein kann sich niemand etwas einbilden; vielmehr (wie in V. 10a gesagt) soll der Reiche sich seiner Relativierung, ja Herabstufung freuen. 1
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»Vergehen« ä h n l i c h a u c h z. B . M t 5 , 1 8 ; M k 1 3 , 3 1 parr. Z u » d a h i n s c h w i n d e n « vgl. B a u e r - A . 9 9 6 (u. a. in G r a b i n s c h r i f t e n ) . V o n G e m ü n d e n , V e g e t a t i o n s m e t a p h o r i k 3 0 5 , interpretiert d a s V e r g e h e n e s c h a t o l o g i s c h . I m N T n u r in der R e z e p t i o n v o n Jes 4 0 , 6 f.: J a k 1,10 f.; IPetr 1,24; a v O o g b e d e u t e t » B l u m e , B l ü t e « ( E W N T I 2 3 8 ) . K o r r e k t w ä r e allerdings » B l u m e des Feldes« (wie 1 0 2 , 1 5 ) ; »des G r a s e s « ist falsche Ü b e r s e t z u n g in Jes 40,6. Vgl. Laws, C o m m e n t a r y 64. 192 Y g ] L s , C o m m e n t a r y 6 4 , z u V o r s c h l ä g e n , hier sei a u f spezifisch p a l ä s t i n i s c h e Verhältnisse, i n s b e s o n d e r e a u f d e n heißen W ü s t e n w i n d angespielt. A b e r d a s B i l d ist für d i e m e d i t e r r a n e Welt klar. Ä h n l i c h e s a u c h bei P l i n Ä N a t H i s t 2 1 , 1 : D i e N a t u r schärft B l u m e n u n d ihren D u f t für d e n T a g z u r g r o ß e n B e w u n d e r u n g d e r M e n s c h e n ; sie b l ü h e n auffällig, u m schnell z u v e r d o r r e n ( q u a e s p e c t a t i s s i m e floreant celerr i m e m a r c e s c e r e ) . - D a s Verb cutöMajui signalisiert V e r d e r b e n . 1 9 1
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M a o c d v o u m heißt (Pass.) » a u s g e l ö s c h t w e r d e n , d a h i n s c h w i n d e n , v e r w e l k e n « ( E W N T II 9 4 7 ) . I m N T n u r hier. V g l . H i 1 5 , 3 0 ; J o s e p h A n t 1 1 , 5 6 : D i e W a h r h e i t gibt u n s nicht m i t d e r Z e i t v e r g e h e n d e S c h ö n h e i t (oi> x d l X o g XQOVÜ) [xaoaivofAevov) n o c h Ü b e r f l u ß , der v o m Schicksal g e r a u b t wird, s o n d e r n d a s , w a s g e r e c h t u n d legal ist. M i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 4 4 ( g e g e n M u ß n e r u. a . ) . A n sich ein geläufiger T o p o s ; s o H i 1 5 , 2 9 ff.; K o h 5 , 1 3 f.; Sir 1 4 , 1 1 - 1 9 ; L k 1 2 , 2 0 . S o z. B . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 7 5 . - I I o Q E i a i m N T n u r n o c h L k 1 3 , 2 2 . B a u e r - A . 1 3 8 7 . V g l . Prov 2 , 7 ; l C l e m 4 8 , 4 ; H e r r n S 5 , 6 , 6 (= 5 9 , 6 ) . L a w s ; C o m m e n t a r y 6 2 . 6 5 , übersetzt tref f e n d »in m i d - c a r e e r « .
1,10-12
Ergänzende
99
Notizen zu 1,9-11 (Akzente,
Intention)
D i e Verse k ö n n t e n , v o m G e d a n k e n g a n g 1,2-12 her gesehen, a u c h fehlen. J a k b r i n g t sie aber d e s halb, weil er seine A d r e s s a t e n a u f d i e G e f a h r e n v o n W o h l s t a n d , Einfluß, Prestige u. d g l . hinweisen m ö c h t e , wie der weitere B r i e f m e h r f a c h belegt; aber d a s ist nicht alles ( o b w o h l u m f a n g m ä ß i g d a s m e i s t e ) , w a s J a k hier ausführt. V i e l m e h r setzt er in 1,9-11 zwei verschiedene A k z e n t e . Z u n ä c h s t fordert er z u m ( p a r a d o x e n ) R ü h m e n auf, u n d zwar a u f g r u n d einer z u m i n d e s t vor G o t t bereits erfolgten, aber a u c h bereits ekklesial relevanten S t a t u s v e r ä n d e r u n g . W ä h r e n d der N i e d r i g e v o n G o t t e r h o b e n w u r d e , b e d e u t e t d a s C h r i s t w e r d e n für d e n R e i c h e n eine g r u n d l e g e n d e Relativierung seines S t a n d e s u n d Einflusses. D e r eine wie der a n d e r e darf, j a soll sich d e s s e n freuen, d a r ü b e r stolz sein, ist d o c h beides A u s w i r k u n g der G n a d e G o t t e s . V o n einer ironisch-sarkastischen A u f f o r d e r u n g a n » d e n « (unchristlichen) R e i c h e n , selbst sein s c h l i m m e s E n d e zu r ü h m e n , k a n n keine R e d e sein. E i n zweiter A k z e n t ist d a n n die Vergänglichkeit des R e i c h t u m s ; freilich b r i n g t J a k nicht d a s A b s t r a k t u m , s o n d e r n h ä n g t d i e D a r l e g u n g e n , d i e er der biblischen T r a d i t i o n e n t n i m m t , u n m i t t e l bar an d i e Person des jtXoijöioc; a n . D a f ü r g a b der Text v o n J e s 4 0 insofern zusätzlichen A n h a l t , als es d o r t u m »alles Fleisch« geht, also u m Personen. F ü r J a k gilt es, ein T r u g b i l d zu desillusionieren. R e i c h - S e i n ist v e r l o c k e n d ; es sieht zwar s c h ö n a u s , unterliegt j e d o c h d e m Vergehen. D i e s e s V e r g e h e n erfolgt g e r a d e z u zwangsläufig naturhaft, wie d a s biblische B i l d zeigt. D a s M o t i v des G e r i c h t s sollte m a n d a m i t nicht v e r m i s c h e n . - D i e logischen P r o b l e m e der A u s f u h r u n g e n in V. 9 - 1 1 (s. o. V o r b e m e r k u n g ) erklären sich a m ehesten aus der K o m b i n a t i o n dieser b e i d e n A k z e n t e , d i e J a k der T r a d i t i o n e n t n i m m t : p a r a d o x e s R ü h m e n u n d Vergänglichkeit des R e i c h t u m s . D i e S p i t z e legt J a k a u f d a s vergängliche Schicksal des Reichen; d e s w e g e n personalisiert er etwas eigenwillig u n d nicht g a n z l o g i s c h d a s , w a s eigentlich für d a s A b s t r a k t u m bzw. für alle M e n s c h e n (wie in J e s 4 0 gesagt) gilt. - E r s t m a l s greift J a k hier in d a s soziale G e f ü g e der G e m e i n d e ein, u n d zwar b e m e r k e n s w e r terweise z u n ä c h s t e i n m a l positiv (vgl. a u c h V. 2 ) . E s besteht G r u n d z u m x a u x ^ a Ö a i , weil G o t t S t a t u s v e r ä n d e r u n g e n v o r n i m m t , die einen positiven Effekt h a b e n ; u n d d a s nicht nur für d e n N i e d r i g e n , s o n d e r n a u c h für d e n R e i c h e n d e m sich für sein Verhalten speziell in der G e m e i n d e eine g a n z n e u e Basis bietet. M i t d e m positiven A s p e k t verknüpft J a k freilich gleich d e n negativen H i n w e i s a u f d i e Flüchtigkeit dessen, w a s das L e b e n eines R e i c h e n üblicherweise a u s m a c h t . A n s c h e i n e n d g i b t es unter d e n A d r e s s a t e n zu viele, die m i t W o h l s t a n d u n d Einfluß liebäugeln, u n d a u c h einige, d i e wirtschaftlich g u t dastehen; d i e einen wie die anderen werden d a b e i » F r e u n d e der Welt«, nicht »Freunde Gottes« ( 4 , 4 ) .
12 Der Vers ist syntaktisch mehrfach gestaffelt. D e m kurzen, prädikatlosen Hauptsatz folgt ein Relativsatz im Präsens, der durch einen Nebensatz im Futur (Xri^exai) begründet (öxi) wird, der wiederum einen Relativsatz zum Objekt (Kranz) im Aorist nach sich zieht. Der öxi-Satz enthält zudem ein Part, im Aor. (Y£v6(ievog), der zweite Relativsatz eins im Präsens (ayajtooöiv). Überwiegend ist von der Aktivität des Menschen (im Sg.) die Rede: er hält aus, ist ein Bewährter geworden, wird empfangen, er liebt (nur der Schluß wechselt in den Plur.). Von Gott ist direkt gar nicht die Rede; allerdings kann das Subjekt von »er verhieß« ebenso wie cu&xöv nur ihn meinen; ebenso ist analog zu V. 7 bei ^ruiijjexai ein »vom Herrn« zu ergänzen. Inhaltlich besteht eine gewisse Spannung zwischen den Bedingungen der Seligpreisung: einerseits Aushalten und Bewährung, andererseits »ihn lieben«. Die Schlußnotiz wirkt angehängt und formelhaft (auch wegen des P l u r . " ) . Kontextuell greift Jak auf die Stichwörter in V. 2-4 zurück: Aushalten, Anfechtung, Bewährung; aus V. 7 tritt »er 1
!99 Plur. erst w i e d e r 1 , 2 0 . 2 3 ; 2 , 2 ; 3 , 2 . 2 0 0
B o i s m a r d 1 6 7 : V. 1 2 h a t e i n e e i g e n e V o r g e s c h i c h t e .
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D i e rechte innere Einstellung
100
wird empfangen« hinzu, aus V. 8 »Mann«. Vom Kranz redet Jak nur hier, vom Leben nur noch 4,14 f., von ^laxao- 1,25; 5,11. Damit erweist sich 1,12 als überwiegend rückwärtsgewandt; der Vers schließt den Gedankengang von 1,2 ff. ab. Nach vorne deuten nur »selig«, »verheißen« und »die ihn lieben« wegen der analogen Formu lierungen in 1,25 und 2,5. - Formgeschichtlich betrachtet, bringt Jak nur hier einen Makarismus, denn die Verwendung des Terminus in 1,25 und 5,11 erfolgt satz intern. Der Wortstamm |j,axao- ist im Griechischen geläufig, ja z. T. ein »abgeblaß tes Alltagswort« mit der Bedeutung glücklich, begünstigt, privilegiert (auch gesell schaftlich), s e l i g . Synonyme sind etjöai^iov und öXßiog, die beide im N T feh l e n . Überwiegend gilt die Bezeichnung Personen, im AT i m m e r , wo sie npx und andere Wörter wiedergibt ^, zumeist in den Psalmen und bei S i r . Auch die Form des Makarismus (»glücklich, der ...«) findet sich im Griechischen, mit der Neigung zur G n o m e ? . Er kann sowohl im Kontrast als auch in der Entsprechung zur Wirk lichkeit g e l t e n . Die »griechische Lebensphilosophie« hat ihr Pendant in der »Lebensweisheit des AT«, wo der Makarismus für die Weisheitsschriften eigentüm lich i s t ? : i|> 1,1; 31,1 f.; 33,9 u. ö.; Prov 3,13; 8,34; Sir 14,1.2.20 u. ö . Gepriesen wird hier vor allem eine dem göttlichen Willen gemäße, fromme Lebensgestaltung. Der Makarismus ist darin Ausdruck des Tun-Ergehen-Zusammenhanges. Der »Zuspruch wird durch den Hinweis auf das Leiden des Frommen paradox ver stärkt.« Auf diesem Hintergrund sind die sog. eschatologisch-apokalyptischen Makarismen zu verstehen, die auf eine transzendente Herrlichkeit verweisen (PsSal 17,44; äthHen 58,2; 81,4; syrBar 10,6 f. u. ä.; vgl. 4Makk 17,18). Im Blickpunkt steht dabei vor allem der E i n z e l n e . Speziell die hellenistisch-jüd. Literatur führt den Tun-Ergehen-Zusammenhang »über die Todesgrenze hinaus« f o r t : s. Weish 4,2; 5,15 f. u. a.; Sir 15,6; 4 8 , 1 1 . Die Frage des Glücklich-Seins, die von der griechi schen Philosophie auch auf die jüdische Weisheit Einfluß gewinnt, kann also unter schiedlich beantwortet werden. Jak 1,12 folgt zunächst der aus dem AT geläufigen Formulierung »glücklich ist der Mann, der ...« (Ps 1,1; 32,2; Jes 56,2; Prov 8,34 u. a.) die im N T sonst zurücktritt. 201
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D a s Verb E J t a Y Y E ^
w
n u r in d e n f o r m e l h a f t e n W e n d u n g e n 1 , 1 2 u n d 2 , 5 ; d a s S u b s t a n t i v fehlt. B u r c h a r d ,
H N T : E s b l e i b t offen, w a n n u n d w i e G o t t d e n K r a n z d e s L e b e n s v e r h i e ß . 2 0 2
S o a u c h z. T. i m N T ; d a s zeigt sich a u c h i m G e b r a u c h d e s K o m p a r a t i v s ( » b e s s e r d r a n « ) , e t w a I K o r 7 , 4 0 . Friedrich H a u c k : T h W N T I V 3 6 5 ; deshalb wird das W o r t von den Dichtern sogar gemieden. Vgl. G e o r g Strecker: E W N T II 9 2 6 . A l s t e r m t e c h e r s t m a l s bei A r i s t o t R h e t I 1 3 6 7 b , 3 3 ( H a u c k 3 6 6 , 1 7 f.).
2
° 3 H a u c k 3 6 5 f.: P l a t o R e p I 3 5 4 a ; A r i s t o t E t h N i c 1 1 0 1 a .
2 0 4
G e o r g B e r t r a m : T h W N T I V 367,44 f. I m A T n i e für G o t t , a n d e r s als bei d e n G r i e c h e n ( 3 6 8 , 5 f.) u n d bei Philo ( 3 6 9 , 2 0 ) .
2
»5 B e r t r a m 3 6 7 , 1 0 ff.
2 0 6
2
E i n e g e w i s s e H ä u f i g k e i t a u c h in Prov, J e s , T o b , 4 M a k k .
07 H a u c k , T h W N T I V 3 6 6 , 1 9 ff; vgl. S t r e c k e r : E W N T II 9 2 7 .
2 0 8
H a u c k 3 6 6 , 2 7 ff: in G r a b s p r ü c h e n w i e in S i e g e s s p r ü c h e n .
2 0 9
S . H a u c k 3 6 6 , 3 2 u n d B e r t r a m 3 6 7 , 3 5 ff Sir 2 5 , 7 - 1 0 h a t e i n e g a n z e S a m m l u n g v o n M a k a r i s m e n .
2 1 0
S e l t e n in Q u m r a n ; vgl. 4 Q 1 8 5 II 8 . 1 3 .
2
2
" Strecker: E W N T II 9 2 7 ; s. H i 5 , 1 7 ; D a n 1 2 , 1 2 ; T o b 1 3 , 1 6 ; 4 M a k k 7 , 2 2 u. a. 1
2
Frankemölle, Ö T K 262.
2 1 3
Frankemölle, Ö T K 2 6 4 (mit Literatur).
2
H a u c k : T h W N T I V 3 7 0 : a u ß e r M t 1 1 , 6 par.; L k 1 4 , 1 5 .
1
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1,12
Jak 1,12 ist nicht an einer Umkehrung der Verhältnisse (wie Lk 6,20-23 u. a.) orien tiert, sondern an der Kontinuität, die zur Belohnung führt. Das Interesse haftet spe ziell an der Standhaftigkeit, nicht am Fortschritt. 5 'Yjtouiveiv bei jreiQaouov bedeutet hier: aushalten, nicht wanken, die Stellung halten, Kurs bewahren, Treue bewahren; also mehr als nur ein passives Erdulden, ein »über-sich-ergehen-lassen«. Wie bereits in V. 2 sagt Jak nichts Näheres über die Art der Anfechtung. Die generelle Formulierung läßt die inhaltliche Füllung offen; alles Belastende und Gefährliche kann gemeint s e i n . Die Wendung ööxuioc; yevojievog unterstreicht das »Aushalten«. Jak nimmt dabei das in V. 3 modifizierte Bewährungs motiv wieder auf, jetzt näher an der Tradition (Rom 5,4) befindlich: die Bewährung ist Produkt des Aushaltens. Wie in V. 4 ist Jak jedoch primär an der Person orientiert; für den Lebenskranz ist qualifiziert, wer (nach der geläufigen Metapher) wie Gold im Feuer bestanden hat. Beide Termini, Aushalten und Bewährung, signalisieren Stärke in einer Auseinandersetzung. Nahe verwandt im N T sind die Uberwindersprüche, besonders in Offb 2-3 (2,7 usw.), auch in R o m 8,37; IJoh 2,13 f.; 4,4; 5,4 f., mit ähnlichen Verheißungen, darunter auch die »Krone des Lebens« (nur noch Apk 2, 1 0 2 1 7 ) . Vom »Beharren bis ans Ende« mit Zusage der Rettung reden auch M k 13,13 parr.; M t 1 0 , 2 2 . Die »Kombination der Motive Glücklichpreisung, Standhaftig keit in Anfechtungen, Verleihung des Lebenskranzes und Gottesliebe« ist so weder im AT noch N T noch anderswo b e l e g b a r , obschon die Wendungen im einzelnen eine breitere oder engere Tradition aufweisen. Die meisten Berührungen bestehen zu Sir 1-2, nämlich »Lohn für Beständige« (2,6 f f ) , »Kranz des Jubels« (1,11) und »die den Herrn lieben« (2,15 f . ) . Jak ist somit stark der Sir-Tradition verhaftet; er scheint in V. 12 unter Rekurs auf diese Tradition den Abschnitt 1,2-12 abrunden zu wollen. Als ganzer ist V. 12 relativ generell und konventionell gehalten. »Kranz des Lebens« erscheint zwar sonst nur Apk 2,10; aber das Motiv ist verbreitet. Das Bild der Kranz verleihung stammt aus dem W e t t k a m p P , das auch übertragen und spirituell ver wendet wurde (vgl. z. B. Ps 21,4; 1 Kor 9,25), nicht zuletzt in der Weisheitsliteratur (Prov 4,9; 14,24; Sir 1,11.18), auch auf das Eschaton bezogen (Weish 4,2; 5,16; Sir 15,6; 4Makk 17,15; 2Tim 4,7 f.; IPetr 5,4; Apk 3,11; vgl. Herrn S 8,2,1=68,1). Der Genitiv »(Kranz) des Lebens« ist wahrscheinlich epexegetisch (»d. h. das L e b e n « ) 3 , 21
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5 A n d e r s in Sir 3 4 , s. F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 6 8 .
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D i e S t a n d h a f t i g k e i t d e s F r o m m e n ist i m J u d e n t u m ein g ä n g i g e s M o t i v : L u d w i g 1 5 0 . - M a n c h e d e n k e n a n V e r f o l g u n g usw. (vgl. J o h n s o n , A n c B 1 8 8 ) . L a w s , C o m m e n t a r y 6 7 , e r w ä g t e i n e n Z u s a m m e n h a n g m i t » A r m u t « (V. 9 ) . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 5 f., verweist a u f W e i s h 3 , 5 f. u n d I P e t r 3 , 1 4 .
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2
D o r t m a r t y r o l o g i s c h g e p r ä g t (»Sei g e t r e u bis in d e n T o d « ) . V g l . L u d w i g 1 5 0 .
8 V g l . ferner W e i s h 3 , 5 ff.; 4 M a k k 7 , 2 2 ; I P e t r 3 , 1 4 ; H e r r n V 2 , 2 , 7 (= 6 , 7 ) .
*9 L u d w i g 1 5 0 .
220 V g l
v
o
n
L i p 418. I n Sir 2 , 6 e r s c h e i n t a u c h » P r ü f u n g w i e G o l d i m F e u e r « (vgl. o. z u V. 2 - 4 ) . V g l . C a l d u c h S
Benages 1 3 5 - 1 5 1 : G o t t u n d die Weisheit unterziehen den J ü n g e r der Prüfungen, u n d zwar aus Liebe; das Z i e l b e s t e h t in R e i n i g u n g u n d S t ä r k u n g . 2 2 1
E s ü b e r t r u g sich a u c h a u f d i e E h r u n g i m D i e n s t für d i e Ö f f e n t l i c h k e i t : P l a t o L e g 9 4 3 c ; vgl. H e b r 2 , 7 - 9
2 2 2
W. G r u n d m a n n : T h W N T V I I 6 2 5 f.
( J o h n s o n , A n c B 1 8 8 ) . F e r n e r a l l g e m e i n a u f d i e S y m b o l i k für F r e u d e , S i e g u n d H e r r s c h a f t ( V o u g a 5 0 ) . 223 V g l . B u r c h a r d , H N T z. S t . : D i e m e i s t e n lesen » K r a n z « als M e t a p h e r ; d a n n ist d e r G e n . e p e x e g e t i s c h . » J a k n i m m t a b e r w o h l d i e T r a d i t i o n auf, d a ß d e n b e w ä h r t e n F r o m m e n ... n a c h T o d o d e r W e l t e n d e ein K r a n z ... w i n k t « ( T e s t B e n j 4 , 1 u. a . ) .
102
D i e rechte innere Einstellung
evtl. auch Genitiv des Inhalts, kaum einer der Qualität. Das »Leben« wiederum ist Signum biblischer Heilserwartung. Jak selbst behandelt es jedoch nicht weiter tiefg e h e n d ; die Notiz in V. 12 ist also eher ein traditioneller Merkposten. In Anbetracht der auch sonst von Jak vertretenen Eschatologie wird die Formulierung »er wird empfangen« futurisch-eschatologisch (nicht: logisch) zu verstehen sein. Der Bewährte wird von Gott wie einen Kranz das ewige Leben erhalten. Das ist eine der wenigen soteriologischen Aussagen bei Jak; sachlich entspricht sie 1,18.21 und teilweise 1,4. - Die (pluralische!) Wendung »die ihn lieben« kommt zusammen mit »die er verheißen hat« ebenso in 2,5 vor, auch dort am Schluß der Aussage. Jak entfaltet auch dieses Element anderswo nicht weiter. Die Wendung ist traditionell und formelhaft. Eine Motiwerbindung mit »Kranz« existiert nicht nur in Sir 1-2 (s. o.), sondern auch 2Tim 4,8. »Liebe zu Gott« gehört zum Urgestein des atl.-jüdischen Glaubens von Dtn 6,4 und vom Dekalog (Ex 20,5 f.; Dtn 5,9 f.) her. « Im N T erscheint die Wendung xotg aycxJtCDöiv auxov noch R o m 8,28; IKor 2,9; vgl. der Sache nach IKor 8,4; Eph 6,24; 2 T i m 4,8; l j o h 4,20; 5,1 f.; dazu l C l e m 29,1 u. a. In der atl. und jüd. Tradition wird damit parallelisiert »die ihn fürchten« (wie Sir 2,15 f.) oder »und seine Gebote halten« (oder ähnlich ): Dtn 7,9; 10,12; 11,1. 13. 22 u. a. 118,47 ff; Neh 1,5; Dan 9,4 u. a.; 1 Q H 16,13; D a m 19,2; Jub 20,7; TestBenj 3,1; PsSal 14,1 u.a. Im N T enthält demgegenüber nur l j o h 5,2 die Kombination »lieben und Gebote halten«. Von speziellem traditionsgeschichtlichen Interesse ist IKor 2,9c (»was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben«), weil es sich um ein nicht-nachgewiesenes Schriftwort handelt. *) Die Verbreitung im N T ist also sporadisch und formelhaft. Die beiden jak Stellen (1,12; 2,5) belegen das; in beiden Fällen wäre die Aussage auch ohne die Wendung (»das er verhieß denen, die ihn lieben«) verständlich. Jak scheint sie in der vorliegenden Form (mit £Kr\yyeikaTo) eher der ntl. Tradition entnommen zu haben als der LXX; denn dort steht »verheißen« (anders als im N T ) selten 3i, auch nicht in Sir, wo »Gott lieben« auch in nicht-formelhafter Weise erscheint (2,15 f . ) . Die »Verheißung des Lebens« findet sich im N T noch l T i m 4,8; 2 T i m 1,1; Tit 1,2. 33 Damit relativiert sich auch das bereits angezeigte Problem der doppelten Begründung für »selig denn er wird empfangen«: Durchhalten und Bewährung oder Liebe zu Gott? Der Akzent fällt auf den ersten Faktor; der zweite sieht eher wie eine liturgische Abrundung aus. D a Jak sie allerdings in 2,5 224
225
226
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22
229
23
2
2 3 2
2
2 2 4
V g l . G . B e r t r a m : T h W N T II 8 5 6 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 6 2 ; n e b e n a n d e r e n M e t a p h e r n w i e W e g , B a u m ,
2 2 5
I n 4 , 1 4 f. w i r d » L e b e n « p r i m ä r i m S i n n v o n b l o ß e r E x i s t e n z b e t r a c h t e t .
Quelle des Lebens. 2 2 6
I n d e r p a g a n e n V e r w e n d u n g v o n » K r a n z « fehlt dieser A s p e k t ( F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 6 3 ) .
2 2 7
2 2
M a t e r i a l bei L u d w i g 1 4 4 - 1 5 0 .
8Vgl. Ernst Jenni: T h H A T I 70-72.
2 2 9
S . L u d w i g 1 4 4 - 1 5 0 . - D i e W e n d u n g e n s i n d A u s d r u c k d e r » c o v e n a n t a l r e l a t i o n s h i p « z w i s c h e n G o t t u n d seinem Volk (Johnson, A n c B 189).
2
30 V g l . K o c h 3 6 - 4 1 . E r v e r g l e i c h t L A B 2 6 , 1 3 ; l C l e m 3 4 , 8 ; 2 C l e m 1 1 , 7 ; 1 4 , 5 ; M a r t P o l 2 , 3 u. a.; E v T h o m 1 7 . N i c h t in allen B e l e g e n st e ht » d i e i h n l i e b e n « ( 3 8 A n m . 2 1 ) . E i n g e w i s s e r E i n f l u ß b e s t e h t w o h l v o n J e s 6 4 , 3 .
2 3 1
L e d i g l i c h i|> 5 5 , 9 ; 2 M a k k 2 , 1 8 ( J o h n s o n , A n c B 1 8 8 ) . U n s i c h e r ist d i e B e z e u g u n g d e r W e n d u n g in J o s A s 1 5 , 7 ; H s B e n t h ä l t sie; a n d e r s d a g e g e n d e r T e x t bei C h r . B u r c h a r d , J S H R Z I I / 4 , 6 7 6 f.
2 3 2
D a s relativiert F r a n k e m ö l l e s A b l e i t u n g ( Ö T K 2 6 7 ) .
2 3 3
D i e beiden Präskripte verwenden wiederum formelhafte Sprache.
1,12-13
103
wiederholt, hat sie dennoch eine theologisch richtungweisende Funktion, nämlich die generelle Theozentrik zu unterstützen. Die Ausrichtung auf Gott - statt auf die Welt (4,4) - ist von grundlegender Wichtigkeit für ein gelingendes Dasein und das Erreichen des von Gott verheißenen Zieles. 13 Jak will eine bestimmte Interpreta tion der Anfechtungserfahrung absolut (»niemand, keinen«) ausgeschlossen sehen; sie wird in der Form einer Zitation (erstmals wörtliche Rede bei Jak; später noch in 2,3.16.18; 4,13; vgl. 4,15) gebracht. Die richtigstellende Begründung der Abweisung folgt zunächst in V. 13b in bezug auf Gott, während V. 14 f. die Gegenthese enthal ten. Zur Debatte steht die Herkunft der Versuchung - und damit des Bösen (V. 13b) und des Todes (V. 1 5 b ) . Die Debatte erfolgt im Hinblick auf das Verständnis Got tes (V. 13) und dann auch des Menschen (V. 14 f.). Durchgehendes Stichwort in V. 13-14 ist Jteioä^eiv, einschließlich des vor Jak nicht nachgewiesenen Adjektivs cutei2 3 4
2
oaoTog 35.
Die Aufnahme der Jteioa-Linie von V. 2.12 erfolgt unter deutlicher semantischer Veränderung. Waren vorher begrüßenswerte Anfechtungen im Sinn von Erprobun gen gemeint, so stellt bereits V. 13 durch den Kontrast zu Gottes Tun die negative Sei te heraus, die durch V. 14 f. vollends ausgeführt wird: Versuchung als Verleitung zum Bösen. Kontextuell ergibt sich dadurch das Problem der semantischen Inkonsistenz. 36 Man kann argumentieren, Jak spiele mit der Mehrschichtigkeit des Termi nus. Dennoch bleibt die Frage nach der Eindeutigkeit seiner Begriffsbestimmun gen, und das nicht nur hier. Jak scheint hier an einer konkordanten Wortverwendung freilich gar nicht primär interessiert zu sein; ihn bewegt die Sachfrage, ob jemand durch 38 Gott »in Probleme« gebracht wird. Er verneint das entschieden und nimmt damit im atl.-jüd. und frühchristlichen Spektrum eine radikale Position ein. In Gen 22,1; Ex 16,4; 20,20; Dtn 8,2; 13,4; Ri 2,22; Sir 44,20; I M a k k 2,52 heißt es durch aus, daß Gott Menschen (Abraham u. a.) der Anfechtung aussetzt, wie immer das des näheren gemeint ist. ^ Ja, Stellen wie A m 3,6 oder 2Sam 24,1 ff. (Davids Volkszäh lung) nennen Gott sogar als Verursacher des Bösen. Die Tendenz im Judentum ver lief jedoch in die entgegengesetzte Richtung, d. h. hin zur Entlastung Gottes; dabei gab es freilich verschiedene Modifikationen. Nach Weish 3,5 »erprobt« Gott nur für kurze Zeit. Das verbindet sich mit dem Erziehungsgedanken (vgl. Prov 3,11; Ps 118,18; Hi 5,17 f; Hos 5,2; 7,12 ff.; Sir 2,1; Jub 19,8 f.), der Strafen und Härte für nützlich hält. Auf der anderen Seite werden feindlichen Instanzen die Belastungen zugewiesen (Satan oder a n d e r e n ) . Auch im N T spiegelt sich die Problematik. 2
2 3 7
2
2
9
240
2 3 4
2 3 5
241
D e r W o r t s t a m m x a x - n o c h in 1 , 2 1 ; 3 , 8 ; 4 , 3 ; 5 , 1 0 . 1 3 ; O d v a x o g n u r 1,15 u n d 5 , 2 0 , » t o d b r i n g e n d « 3 , 8 . K l a s s i s c h h e i ß t es d i t e i o a x o c ; : B a u e r - A . 1 6 6 . J o s e p h u s v e r w e n d e t b e i d e s : B e l l 3 , 6 3 ; 5 , 3 6 4 ; 7 , 2 6 2 .
2 3 6
A n d e r s B u r c h a r d , H N T : E i n » P e r s p e k t i v w e c h s e l « tritt ein; » s e m a n t i s c h ä n d e r t s i c h in V. 13 n o c h n i c h t s « . I s a a c s u n t e r s c h e i d e t z w i s c h e n P r ü f u n g e n , E r p r o b u n g e n (trials) in 1 , 2 - 1 2 u n d V e r s u c h u n g e n ( t e m p t a t i o n s ) in l , 1 3 - 1 9 a .
2 3 7
S o z. B . L a w s , C o m m e n t a r y 6 9 f.; K o n r a d t , E x i s t e n z 1 2 0 . E i n e a n d e r e M ö g l i c h k e i t w ä r e z u s a g e n , in V. 2 . 1 2 g e h e es u m d i e ä u ß e r e S i t u a t i o n , in V. 1 3 - 1 5 u m d a s A n g e f o c h t e n w e r d e n v o n i n n e n ( K o n r a d t , Existenz 116).
2 3 8
Ä J t ö s t a t t vno
2 3 9
V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 1 0 4 f. H i 1-2; I C h r 2 1 ( S a t a n ) g e g e n ü b e r l S a m 2 4 ( D a v i d ) ; J u b 1 7 , 1 6 ff. ( M a s t e m a ) g e g e n ü b e r G e n 2 2 ( A b r a ham).
2 4 0
2 4 1
a u c h in 5,4 (s. d o r t ) . D i f f e r e n z i e r e n d : Schlatter, B r i e f 1 2 8 ; a n d e r s D a v i d s , C o m m e n t a r y 8 2 .
V g l . P o p k e s : E W N T I I I 1 5 1 - 1 5 8 ; A d r e s s a t e n 1 2 9 ff.
104
D i e rechte innere Einstellung
Der Teufel versucht Jesus (Mk 1 parr.) und die Christen (lThess 3,5; IKor 7,5). Man betet, Gott möge nicht in Versuchung fuhren, sondern von dem Bösen erlösen (Mt 6,13). Der Christ wird getröstet, Gott werde nicht über Gebühr belasten, sondern retten ( IKor 10,13; 2Petr 2,9; Apk 2,10; 3,10). Die Quelle der Versuchung liege im Menschen, in der Schwachheit des Fleisches (Mk 14,38) und in menschlichen Gelüsten ( I K o r 10,6 ff.; l T i m 6,9) - wie auch Jak 1,14 f. sogleich darlegen wird. Die Möglichkeit, daß jemand Behauptungen wie die in V. 13 zurückgewiesenen auf stellte, kann verschiedene Ursachen haben; man sollte die Aussagen nicht nur als Aus flüchte bezeichnen. 3 Immerhin konnte man biblische Belege (s. o.) anführen. O b manche Kreise darüber hinaus sogar ein negatives Gottesbild aus Passagen des A T entwickelten und sich davon distanzierten , kann man allenfalls fragen. Auf jeden Fall ist Jak hier wie auch 1,16 f. bemüht, jederlei Schatten von Gott fernzuhalten. Gott steht weder passiv (V. 13ba) noch aktiv (V. 13bß) mit einer Verleitung zum Bösen in Beziehung. Jak befindet sich bei dieser Auffassung in alter und breiter Tra dition, wobei es nicht entscheidend ist, ob er hier tatsächlich auf Sir 15,11-20 rekurriert ^, wonach Gott nicht gegen sein Wesen handele, für seine Pläne Sünder nicht nötig habe und weder Sünde befohlen noch Unrecht gestattet habe. Im Judentum äußern sich ähnlich etwa ätHen 9 8 , 4 und mehrfach Philo ?: von Gott kommt nur Gutes, nichts Böses. Auch die griech. Philosophie kennt die Thematik. Plato (Rep II 379-381) verwirft die Ansicht der Dichter (Homer, Aischylos), »daß Gott irgend jemandem Ursache des Bösen geworden ist, da er doch gut ist« ( 3 8 0 b ) . Die besondere Spitze liegt bei Jak in der Verbindung mit »versuchen«. Daß Gott ajteioaoTog xaxcov sei, ist am besten mit »unversuchbar zu bösen Dingen« wieder z u g e b e n . Gott kann nicht Objekt von Versuchung sein 50, l bösem Handeln verleitet werden, wie er auch seinerseits (betontes ouxoc;) niemanden zum Bösen ver führt. Die Aussage V. 13 macht insgesamt nur Sinn, wenn Jteiod^eiv in malo sensu verstanden wird, wozu bereits xaxcov nötigt, mehr aber noch V. 14 f.: das Ergebnis ist Sünde und Tod. Die Entlastung Gottes wird positiv bald folgen (V. 17). Zunächst ist für Jak via negationis (s. das a-privativum von ajteioaoTog) Klarheit geschaffen wor2 4 2
24
244
24
2 4 6
24
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249
2
a
s o
z
u
2 4 2
Z u b e a c h t e n ist d a b e i d i e G e b e t s s p r a c h e (wie a u c h in M k 1 4 , 3 8 p a r r . ) .
2 4 3
G e g e n S c h r ä g e , J a k o b u s b r i e f z. S t . H a n d e l t es s i c h u m fingierte o d e r w i r k l i c h e G e g n e r ? V g l . F r a n k e m ö l l e ,
2 4 4
V g l . S c h l a t t e r , B r i e f 1 2 7 : » W a n n e n t s t a n d d e r erste M a r k i o n i t ? E s w ä r e M a r k i o n n i c h t m ö g l i c h g e w e s e n ,
Ö T K 284. e i n e K i r c h e z u s a m m e l n , w e n n sein K a m p f g e g e n d e n S c h ö p f e r n i c h t vielen d a s g e s a g t h ä t t e , w a s a u c h sie dachten«. 2 4 5
V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 9 ; F r a n k e m ö l l e , T h e m a 3 3 ff.; S i m o e n s . A n d e r s e t w a K o n r a d t , E x i s t e n z 1 1 6 A n m . 1 0 4 : B e i S i r fehle d i e t h e o l o g i s c h e K o m p o n e n t e ; er s p r e c h e v o m M e n s c h e n a l l g e m e i n , J a k v o m C h r i s t e n ; S i r h a b e d e n freien W i l l e n d e s M e n s c h e n v o r A u g e n , J a k d i e B e g i e r d e . V g l . B u r c h a r d , H N T 7 2 .
2 4 6
2 4
D i e S ü n d e w u r d e n i c h t a u f E r d e n g e s c h i c k t , s o n d e r n M e n s c h e n s c h u f e n sie a u s s i c h selbst.
7 S p e c L e g II 1 1 . 5 3 ; C o n f L i n g 1 6 1 . 1 8 0 ; L e g A l l II 7 8 u. a.; s. N e u e r W e t t s t e i n 1 2 5 8 ff.; M o n t e s - P e r a l 1 0 2 f.
2 4 8
T e x t e bei N e u e r W e t t s t e i n 1 2 6 0 - 1 2 6 2 . H ö c h s t e n s sei G o t t d e r U r h e b e r h e i l s a m e r S t r a f e n .
2 4 9
A h n l i c h H . R . B a l z : E W N T I 2 8 6 f. K o n t e x t u e l l w e n i g s i n n v o l l w ä r e » u n e r f a h r e n in b ö s e n D i n g e n « (vgl. D i b e l i u s , K E K 1 2 3 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 7 A n m . 5 ) . S p i t t a 3 3 f. h ä l t d e n T e x t für u n v e r s t ä n d l i c h .
2 5 0
D a s ist e i n e A b w e i c h u n g v o n einer a n d e r e n L i n i e , w i e sie I K o r 1 0 , 9 s i c h t b a r w i r d : d i e W ü s t e n g e n e r a t i o n »provozierte« ( e j t e i g a o a v , neben exjteipd^ü)) G o t t . D a r a u f wie a u f D t n 6 , 1 6 bezieht sich D a v i d s , M e a n i n g (vgl. C o m m e n t a r y 8 2 f.) m i t d e m R e s u l t a t : G o t t sollte n i c h t d u r c h b ö s e M e n s c h e n a u f d i e P r o b e gestellt w e r d e n . A b e r S e m a n t i k w i e S a t z l o g i k s p r e c h e n d a g e g e n .
105
1,13-15
den; das Gottesbild ist fleckenlos. Jak stellt diese Aussage apodiktisch hin; es fehlt jede Erörterung - speziell im Hinblick auf die biblische und christliche Vorgeschichte. Jak ist insofern kein Schriftausleger. Die Wahrheit der Aussage hält er offenbar für in sich evident. Theologisch vertritt er dabei einen dualistischen A n s a t z ^ : Gutes und Böses sind säuberlich zu trennen. Das Böse stammt nicht von Gott, ohne daß allerdings die Herkunft des Bösen aufgewiesen würde. Es quillt gewissermaßen aus dem Menschen hervor (V. 14); einen kosmologischen Dualismus (das Böse als gegnerisches Ur-Prinzip) kennt Jak nicht (auch nicht in 3,6.8 oder 3,15 f.). 14-15 Der Entlastung Got tes (V. 13) läßt Jak die Behaftung des Menschen - ausnahmslos und persönlich (exaoxog) - bei seiner eigenen (löia) Problematik folgen (V. 14). Das Subjekt wech selt in V. 15a zu »Begierde« und in V. 15b zu »Sünde«. Jak verbindet die beiden Ver se durch ein temporales »danach« ^ ; für ihn bildet das Ganze eine Art Kettenschluß bzw. Klimax mit innerer Konsequenz. Theoretisch könnte allerdings sowohl nach V. 14 als auch nach V. 15a Schluß sein; die Aussage bliebe in sich sinnvoll und abge rundet. Das wirft Fragen nicht nur nach der metaphorischen Kohäsion und dem Tra ditionshintergrund, sondern auch nach der Logik auf. Jak formuliert nach wie vor apodiktisch. Die Passage bildet einen Sachkontrast zu V. 12. Intratextuelle Berüh rungen bestehen zu 4,1-3 (nur dort noch der Wortstamm zmQv\i-) und 5,19 f. (Verirrung, Sünde, Tod). - Was JteiQo^eiv bedeutet, wird in V. 14 durch ein Agens (Be gierde) und zwei Verben (im Part.) beschrieben. Die syntaktische Konstruktion ist nicht völlig deutlich; »durch die Begierde« scheint sich zunächst direkt an »er wird versucht« anzuschließen, analog zu »von Gott« in V. 13. Danach aber ist »durch die Begierde« logisches Subjekt der beiden Partizipien: »durch die Begierde fortgerissen und verlockt«. 53 Jak liest den Satz offenbar als Einheit. Nur hier (V. 14 f.) bringt er das N o m e n 5 4 emOuuia, und zwar im Sg., anders als in den meisten ntl. Belegen (besonders in Lasterkatalogen), die den Plur. bevorzugen. ^ Ohne Einführung oder Erläuterung wird die emOuuxa als Urheberin der Versuchung hingestellt. Das Fehlen eines qualifizierenden Adjektivs wie x a x r | (so z. B. Kol 3,5) läßt die Begierde als etwas in sich Negatives erscheinen. 56 Jak rechnet sie offenbar zu den negativen Leiden schaften bzw. Affekten (jtdOr]), und zwar in etwa gemäß der stoischen Zusammen stellung: emOuuia 5 7 und f|8ovf| sowie cpoßog und Xv7tr\, wobei die jeweils erstge nannten (Begierde und Furcht) futurisch ausgerichtet sind, die letzteren (Vergnügen und Trauer) präsentisch. 58 Im Griechischen kommt auch die Differenzierung zwi schen »allgemeinen (xoivai)« und »eigenen (löiai)« Begierden vor. 59 Ebenfalls kann 2
2
2
2
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2
2
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2
2
2 5 1
Vgl. Konradt, Existenz 86.
2 5 2
B u r c h a r d , H N T 7 3 : p r o m p t , als n ä c h s t e s .
2 5 3
Vgl. Dibelius, K E K 123; H a u c k 60; K o n r a d t , Existenz 8 5 A n m . 3 0 1 . Davids, C o m m e n t a r y 84, meint, die R e l a t i o n sei in d e r S c h w e b e g e h a l t e n .
2
54 D a s V e r b in 4 , 2 .
2 5 5
Rom
1,24; 6 , 1 2 ; G a l 5 , 1 6 . 2 4 ; E p h 2 , 3 ; 4 , 2 2 u. a. T e i l w e i s e a u c h z u s a m m e n m i t » e i g e n e « (iöi,a bzw.
e a u x c o v ) : 2 T i m 4 , 3 ; J u d 18; 2 P e t r 3 , 3 . 2 5 6
A n s i c h ist e m O u u x a v o x m e d i a , a l s o n e u t r a l . V g l . F r i e d r i c h B ü c h s e i : T h W N T I I I 1 6 8 ff.
2 5 7
Z u r e m O u u i a r e c h n e t d i e S t o a Z o r n , E r o s u. a. ( B ü c h s e i 1 6 9 , 5 ) .
2
58 B ü c h s e i 1 6 8 , 5 - 1 6 9 , 2 .
D a s s e l b e bei 4 M a k k 1 , 2 2 f. ( 1 7 0 , 1 5 ff.). V g l . J a k 4 , 1 - 3 : f j ö o v r j z u s a m m e n
emOuumv. 2
59 A r i s t o t E t h N i c II 1 1 0 5 b , 2 1 u. a. ( B ü c h s e i 1 6 8 A n m . 6 ) .
mit
106
D i e rechte innere Einstellung 260
gesagt werden, daß die Begierde Sünde s e i . Der jak Text läßt freilich nicht erken nen, aus welchen Traditionen er des näheren schöpft. Die L X X verwendet emOvfxia überwiegend n e u t r a l , kann damit aber auch die gottlose Begierde bezeichnen; auch das sexuelle Verlangen kann gemeint sein (Num 11,4.34; 33,16 f. u. a.; Prov 6,25; Sus 32, vgl. 4Makk 2,4 f.; Sir 4 0 , 2 2 ) . Die sexuellen Konnotationen bilden jedoch nur eine relativ geringe Teilmenge des semantischen Feldes von em0v|iia (auch im Profangriechischen 3); der anthropologische Ansatz in der Affektenlehre ist viel breiter angelegt, wobei die Beziehung zur Ethik natürlich außer Frage steht. Das gleiche ist bei Philo festzustellen, der von 8JTi0u|jia häufig als einer negativen Regung s p r i c h t ; ähnlich 4 M a k k (1,3.22 f.). Pointierter noch ist die jüdische Aus legung des Dekalogs, wonach das 10. Gebot (oi>x 8JU0u[xr|oeic; Ex 20,17; Dtn 5,21) die Quintessenz des ganzen Gesetzes s e i 5 ; dieses Motiv unterliegt auch R o m 7,7 ff. Das N T verwendet emOvfxia ebenfalls überwiegend negativ, d. h. im Sinn von »böses Verlangen«. Jak steht insofern in einer breiten T r a d i t i o n . 7 Ein Verweis auf die rabbinische Lehre vom bösen und guten Trieb ist weder nötig noch angebracht; denn dort geht es um den K a m p f zwischen zwei Trieben, die »beide dem Menschen von Gottes Hand anerschaffen« wurden (vgl. dagegen die Abgrenzung in V. 1 3 ! ) . - Jak statuiert also, es gebe in jedem Menschen einen negativen Drang, der zu diesem Men schen gehöre (iöia); dieser Drang sei der Urheber der Versuchung, er wirke also nega tiv auf das Tun und Ergehen des Menschen ein. Jak redet hier explizit nicht vom Willen des Menschen oder von der Willensfreiheit, so gewiß er diese implizit voraus setzt. In Verbindung mit V. 13 ist auf jeden Fall jede Schicksalhaftigkeit ausge schlossen. Woher die ejti0v|j,ia stammt, woher also letztlich die Kapazität zum Sün digen abzuleiten ist, läßt Jak unerwähnt. Er geht von dem Faktum aus, daß es eben so sei. Anthropologisch ergibt sich damit folgende Konstellation: (1) Der Mensch ist für seine Taten und sein Ergehen selbst verantwortlich; er ist dem Zug zum Sündigen nicht hilflos ausgeliefert. (2) Z u m Menschen gehört eine innere Kapazität, die ihn in die Sünde führen kann. (3) Diese Kapazität ist nicht identisch mit dem Ego/Selbst des Menschen 70, auf das sich vielmehr der Drang der Begierde richtet. (4) Der 261
2 6 2
26
264
26
266
26
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2
260 p i
u t
M o r a l i a X 4 4 9 d ( B ü c h s e i 1 6 9 , 6 f.), w o b e i P l u t freilich e i n e F r e m d m e i n u n g zitiert.
2 6 1
B ü c h s e i 1 7 0 ; teilweise s o g a r p o s i t i v : G e n 3 1 , 3 0 ; D t n 1 2 , 2 0 f.; P r o v 1 1 , 2 3 ; 1 3 , 1 9 ; W e i s h 6 , 2 0 ; S i r 6 , 3 7 u. a. A u c h in J o s e p h A n t II 5 1 sexuell v e r s t a n d e n . 3 Sexuell: P l a t o P h a i d 8 3 b ; P h a i d r 2 3 2 b . B ü c h s e i 1 7 0 , 1 0 ff.; für P h i l o ist d i e B e g i e r d e n i e d r i g s t e r Seelenteil ( p l a t o n i s i e r e n d g e d a c h t ) bzw. einer d e r vier A f f e k t e ( s t o i s c h ) ; vgl. C o n f L i n g 2 1 ; C o n g r 1 7 2 ; M i g r 6 0 u. a. B e i J o s e p h u s f i n d e t s i c h h ä u f i g e r e i n e neutrale V e r w e n d u n g (Büchsei 1 7 0 , 1 9 - 2 1 ) .
2 6 2
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2 6 4
2 6
5 V i t A d l 9 : d i e B e g i e r d e ist aller S ü n d e A n f a n g . E b e n s o P h i l o D e c a l 1 4 2 . 1 5 0 . 1 7 3 . P o s i t i v n u r L k 2 2 , 1 5 ; Phil 1 , 2 3 ; I T h e s s 2 , 1 7 . A n d e r s v e r h ä l t es s i c h b e i m V e r b . I n g e w i s s e m M a ß e e n t s p r i c h t EMOVUIA d e r ADP^ bei P a u l u s ( M a r t i n , W B C 3 6 ) .
2 6 6
2 6 7
B u r c h a r d , H N T 7 2 : EMOVOIA »ist hier w e d e r d e r u n t e r s t e d e r drei p l a t o n i s c h e n S e e l e n t e i l e ... n o c h einer s o n d e r n d e r T r i e b z u m B ö s e n ... J a k f o l g t j ü d i s c h e r T r a d i t i o n « .
d e r vier s t o i s c h e n H a u p t e f f e k t e 2 6 8
Z u »Yetser« s. S t r . - B , I V / 1 , 4 6 6 - 4 8 3 ( d a s Z i t a t 4 6 8 ) ; B ü c h s e i : T h W N T I I I 1 7 0 . A u c h d e r H i n w e i s a u f Sir 1 5 , 1 4 ( F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 8 6 ) t r ä g t n i c h t weiter. D o r t g e h t es u m W i l l e n s f r e i h e i t ( ö i a ß o i ^ i o v ) . A n d e r s Marcus; A d a m s o n , Epistle 7 1 . Burchard, H N T 73: J a k nennt keinen natürlichen guten Gegentrieb; die r a b b i n i s c h e n zwei T r i e b e (in d e r L X X s t e h t ü b r i g e n s nie e m O u u i a für 12T) g e h ö r e n d a h e r » n u r a m R a n d hierher«.
2 6 9
E r w i r d d e u t l i c h z w i s c h e n EMO'ÜUIA u n d ß o M r j a i g u n t e r s c h i e d e n (s. V 1 8 ) ; B ü c h s e i 1 6 9 , 7 f. S o a u c h v o n G e m ü n d e n , Einsicht 4.
2 7 0
107
1,13-15
Mensch birgt also ein Konfliktpotential in sich, das ihn mit sich selbst in Probleme stürzen kann. Jak nimmt den Ausgangspunkt nicht bei der Sünde, die dann ihrerseits bei der Begierde ansetzen würde (so R o m 7,7 ff.) ; vielmehr ist die Sünde erst Ergebnis der Begierde (V. 15a). Die Sünde ist nicht die treibende Macht, sondern Folge einer Triebkraft, ja eines Triebes. - Die in V. 14b benutzte Metaphorik ent stammt der Sprache der Jäger und Fischer: »fortreißen, wegziehen und a n l o c k e n « . Die anscheinend sachlich umgedrehte Reihenfolge erklärt sich evtl. aus dem Brauch, erst die Fische aus ihrem Revier zu vertreiben, um sie dann zu k ö d e r n sofern nicht ohne Beachtung der Reihenfolge parallel an die Gewalt und den Char me der Versuchung gedacht wird. ^ Beide Termini werden auch übertragen verwen det. Von der Begierde heißt es oft, daß sie »verlockt«. Evtl. liegt eine Anspielung auf die Gegenspielerin der Weisheit vor. So warnen Prov 5 und 7 vor den Verlockun gen der Dirne (doch wohl wörtlich g e m e i n t ) , deren Wege in Sünde und Tod fuh ren (5,5.22 f.; 7,23.27), ohne daß freilich dieselben Verben wie in Jak 1,14 vorkom men. - N u n ist die Gesamtmetaphorik in V. 14 f. jedoch nur bedingt eindeutig. Es ist die Rede von zwei Geburtsvorgängen (xixx8i,djtoxi)8i) obschon nur von einer Empfängnis (ovXkaßovoa), aber nicht von Vaterschaft ^. Soll etwa ein Genera tionsverhältnis Großmutter (Begierde) - Mutter (Sünde) - Enkelkind (Tod) be schrieben werden? Wieviel Interesse liegt an solcher G e n e a l o g i e ? Das Motiv der Hure, sofern es überhaupt im Hintergrund steht, trägt nicht w e i t ; denn diese ist nicht auf Schwangerschaft aus. Wahrscheinlich folgt Jak nur gebräuchlichen Rede mustern (wie sie besonders Philo verwendet ), die Empfängnis und Geburt auf see271
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A u c h n i c h t b e i m » F l e i s c h « (vgl. P a u l u s ) ; o d g ^ n u r in 5 , 3 , in g a n z a n d e r e r V e r w e n d u n g . - V g l . L u c k , G u t e 2 3 1 : V. 1 3 - 1 5 sei » e i n e k l e i n e D i a t r i b e ü b e r d i e A r t u n d W e i s e , w i e es z u S ü n d e u n d T o d k o m m e n k a n n « ; d i e A b f o l g e a u f d e m W e g d e s T o d e s ( e m S u u i a , d ^ a p t i a , Odvaxoc;) e n t s p r i c h t d e r i m J u d e n t u m ü b l i c h e n , w ä h r e n d P a u l u s in Rom 7 , 7 - 1 3 d i e G e s c h i c h t e v o m S ü n d e n f a l l n e u s c h r e i b t (der W e g l a u t e t jetzt v 6 ( i o g , d u n o x i a , O d v a x o g , w o b e i d i e Emö'uuia » d a s W e r k d e r d u r c h d i e T h o r a a u f e r w e c k t e n , ins L e b e n g e r u f e n e n S ü n d e « sei, 2 3 2 ) .
272 V g j M a y o r 5 4 . D a s K o m p o s i t u m E^Etatü) i m N T n u r hier; d a s S i m p l e x ( » z i e h e n , s c h l e p p e n « ) m e h r f a c h , u. a. J a k 2 , 6 . AE^Ed^ü) n o c h 2 P e t r 2 , 1 4 . 1 8 ( L a s t e r k a t a l o g e ) . #
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A d a m s o n , E p i s t l e 7 2 , k o n j i z i e r t ECpEXxöfXEVog, » a t t r a c t e d « . D e n n d a s K o m p o s i t u m E ^ E X X C D w e r d e i m k l a s sischen Griechisch nicht metaphorisch entsprechend benutzt. Vgl. Mayor 54, mit Hinweis auf O p p i a n 3,316; 4,359; X e n o p h Kyrop 8,1,32; M e m 3,11,18. M a y o r 5 4 f. V g l . P h i l o P r o b 1 5 9 : » W e n n d i e S e e l e n ä m l i c h z u d e n B e g i e r d e n g e t r i e b e n o d e r d u r c h d i e L u s t verlockt oder durch Furcht aus der B a h n geworfen oder durch Trauer geschrumpft oder durch Z o r n gefan g e n w u r d e , v e r s k l a v t sie s i c h . . . « .
2 7 6
P l a t o T i m 6 9 d ; 7. B r i e f 3 2 5 b ; X e n o p h K y r o p 8 , 1 , 3 2 ; P h i l o A g r 1 0 3 ; E p i c E n c h 3 4 ; A e l i a n N a t A n 6 , 3 1 (vgl. Bauer-A. 554).
2 7 7
E b e n s o z. B . K o h 7 , 2 6 ; T e s t R u b 2 - 5 ; T e s t j o s 3 ff.; T e s t B e n j 7.
2 7 8
I n d e r L X X fehlt bekeäC^U) g a n z , es k o m m t v o r in V i t A d 1 9 , 1 ; 2 6 , 3 ; J o s A s 2 1 , 2 1 (hier p o s i t i v ) ; (eE,)e\KU) u n d -xi3o) f i n d e n sich in d e r L X X , a b e r u n s p e z i f i s c h g e b r a u c h t . 279 V g l . v o n G e m ü n d e n , E i n s i c h t 4. S p i t t a 3 4 - 3 9 m e i n t : D e r b ö s e G e i s t s c h w ä n g e r t d i e B e g i e r d e (vgl. T e s t B e n j 7; T e s t R u b 2 f.); vgl. d i e S c h w ä n g e r u n g E v a s d u r c h d i e S c h l a n g e n a c h s p ä t e r e r j ü d . A u f f a s s u n g . 280 y g L P h i l o L e g A l l II 8 2 i m p o s i t i v e n S i n n ; » d i e T u g e n d g e b a r ( X E X O X E V ) d a s G l ü c k « . 2 8 1
2 8 2
M i t Frankemölle, Ö T K 2 8 8 ; K o n r a d t , Existenz 8 6 A n m . 304; von G e m ü n d e n , Einsicht 4 A n m . 18, gegen M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 8 f., u. a. P o s t C 7 4 : D i e v o n der L e i d e n s c h a f t s c h w a n g e r e Seele g e b i e r t K r a n k h e i t e n usw. (zu G e n 4 , 1 8 ) . C h e r 5 7 : D e r N o u s s c h w ä n g e r t die Aisthesis; diese e m p f ä n g t (ovKkaßovoa) u n d g e b i e r t (XIXXEI) d a s g r ö ß t e Ü b e l der S e e le, n ä m l i c h die Eitelkeit.
D i e rechte innere Einstellung
108
lische Vorgänge beziehen (vgl. bereits Ps 7,25). Daß Jak dabei auch an die Verführung Evas im P a r a d i e s denkt, ist m ö g l i c h . Das würde auch die Fortsetzung erklären, daß nämlich die Sünde den Tod hervorbringt, ist doch der Sündenfall Adams und Evas die Einbruchsteile des Todes (Gen 2,17; 3,3 f.; R o m 5,12; 6,23; IKor 15, 21 f . ) . 5 Offenbar ist Jak daran gelegen, an dieser Stelle nicht nur den Menschen bei seiner eigenen Problematik hinsichtlich Anfechtung/Versuchung und Begierde (also bei den anthropologischen Faktoren) zu behalten, sondern auch auf die ethischen, ontologischen und transzendenten Implikationen hinzuweisen: so entstehen Sünde und Tod. Das ist im Kontrast zum Lebens-Ziel V. 12 und auch bereits zum leben schaffenden Wort V. 1 8 gesagt. Zugleich bildet die Aussage einen Teil des Gesamt rahmens des Briefes; denn von Sünde und Tod wird am Schluß wieder die Rede s e i n . ? - Die drei Faktoren Begierde, Sünde und Tod bilden eine Kettenabfolge. Jak setzt die Begriffe als bekannt voraus. Er erläutert keinen, nicht einmal emOupiia. Die Frage, worauf die Begierde zielt, kann intratextuell bis zu einem gewissen Grad von 4,1-3 gefüllt werden; im übrigen könnte sich Jak auf den Dekalog (von dem er Teile in 2,11 zitiert) beziehen. Gemeint ist dann das begehrliche, besitzergreifende, egois tische, auf das eigene Wohlergehen zielende, rücksichtslose, den anderen nicht ach tende Streben; sachlich entspricht das der falschen Weisheit in 3,14-16. Diese Be gierde »empfängt und gebiert« Sünde. Das ist ein naturhafter, organischer und damit geradezu naturgesetzmäßiger Vorgang. Es bleibt offen, wie und von wem die Begier de »empfängt«; daran haftet nicht das Interesse, sondern an der Zwangsläufigkeit. Die Metaphorik in V. 15b ist weniger klar. Meint &JtOTeA,eö0eTöa ebenfalls einen biologischen Vorgang (d. h. die Sünde wäre ihrerseits geschlechtsreif geworden); oder ist gemeint, die Sünde sei an ihr »Ziel g e l a n g t « ; oder bietet Jak nur eine rhetorische Parallele zu ovllafiovoa ? ? Das Verb djtoxeAio) bedeutet »vollbringen«. Die Passiv form hier läßt in Verbindung mit ajtoxueiv eher an ein »zur Vollendung kommen, heranwachsen« denken statt an ein aktives »das Maß vollmachen» im Sinn einer fort gesetzten Tatsünde, obwohl das einen passenden Kontrast zu xekeiov eoyov in V 4 abgeben würde. Ohne daß Jak groß auf eine Genealogie abheben würde, betont er auch hier den naturhaften Prozeß, daß Sünde den Tod zur Welt bringt. 'Ajioxueiv 283
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S. Philo C h e r (vorige A n m . ) , direkt a u f A d a m u n d E v a b e z o g e n . A p k M o s 19: D i e S c h l a n g e tat an d i e F r u c h t d a s G i f t ihrer V e r s u c h u n g , d. h. ihrer B e g i e r d e ; d e n n d i e B e g i e r d e ist d e r A n f a n g aller S ü n d e . V g l . l T i m 2 , 1 4 . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 9 : V. 14 f. »lassen ... unwillkürlich a n d e n B e r i c h t der G e n e s i s ... d e n k e n « . F r a g l i c h ist aber, o b (auch) a n G e n 6,1 ff. (die V e r m i s c h u n g der G ö t t e r s ö h n e m i t d e n M e n s c h e n t ö c h t e r n ) g e d a c h t ist. V g l . d a z u Philo I m m 3: W e n n d a s L i c h t des V e r s t a n d e s beschattet ist, v e r b i n d e n sich d i e G e f ä h r t e n der F i n sternis m i t d e n ... L e i d e n s c h a f t e n , »welche er T ö c h t e r der M e n s c h e n n a n n t e « , u n d sie b r i n g e n F r u c h t für sich selbst (d. h. » d a s G e s c h l e c h t der L a s t e r « ) , n i c h t für G o t t (das w ä r e n d i e v o l l k o m m e n e n T u g e n d e n ) hervor.
F ü r Sir 4 1 , 4 ist der T o d d a s S c h i c k s a l aller M e n s c h e n v o n G o t t a u s . A h n l i c h K o h . Z u Recht betont von Konradt, Existenz 85. 7 5 , 1 5 . 1 6 . 2 0 ; dgl. W a h r h e i t ( 1 , 1 8 u n d 5 , 1 9 ) . Z u t r e f f e n d v o n G e m ü n d e n , E i n s i c h t 4: » D a s z e u g e n d e S u b j e k t ist n i c h t g e n a n n t . W a s interessiert, ist der a u t o m a t i s c h e , u n a u f h a l t s a m eskalierende Prozeß ... D a b e i m a c h t d i e Filiationsreihe d e n Z u s a m m e n h a n g zwi s c h e n u n s i c h t b a r e r U r s a c h e u n d sichtbarer F o l g e , zwischen I n n e n u n d A u ß e n b e w u ß t . . . « . V g l . D i b e l i u s , K E K 1 2 7 ( » . . . d i e V e r w e n d u n g der K e t t e n r e i h e zur D a r s t e l l u n g innerer V o r g ä n g e in ihrer G e s e t z m ä ß i g k e i t « ) . D a s Verb djtOTEÄia) i m N T n u r n o c h L k 1 3 , 3 2 (ein P r o p h e t m u ß in J e r u s a l e m » e n d e n « ) . S o B a u e r - A . 2 0 2 ; speziell »vollendet w e r d e n d u r c h d i e T a t « , unter H i n w e i s a u f Plato L e g 8 2 3 d ; 7. B r i e f 3 3 6 c. So Dibelius, K E K 125.
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109
1,15
bezeichnet zumeist den weiblichen Anteil beim »ins Leben bringen«, u. U. aber auch (wie sogleich in V. 18) den des Mannes. ^ Möglicherweise wählte Jak das relativ sel tene Wort zusammen mit ajroTeA.eöOeTöo: wegen des gleichen Anlauts, um so ein Verb zur Verfugung zu haben, das auch auf Gottes Tun (V. 18) anwendbar war. - Daß »der Tod geboren« wird, ist eine contradictio in adiecto. 93 Es handelt sich um die »Tod-Geburt« schlechthin, nicht um eine »Totgeburt«, die gleichsam nur ein bedau erlicher Betriebsunfall der Natur ist. Das Bild ist bewußt anstößig. Daß der Tod in der Welt ist, ist Folge des - individuellen - Sündenfalls (ebenso R o m 5,12 in bezug auf Adam), nicht eine metaphysische Vorgabe. Auch für Jak (vgl. 5,20) ist der Tod der große, »letzte« Feind (wie IKor 15,25 f.). 2
2
2
2 9 2
B a u e r - A . 1 8 8 . B e i d e F o r m e n bzw. A k z e n t u i e r u n g e n s i n d m ö g l i c h : djtoxuEO) u n d d j t o x ' u a ) . F r ü h e r e V e r s u c h e , d a n a c h a u f w e i b l i c h e bzw. m ä n n l i c h e A n t e i l e a u f z u t e i l e n (s. M a y o r 5 6 ) , s i n d z u R e c h t fallen g e l a s s e n w o r d e n . - I m N T n u r J a k 1 , 1 5 . 1 8 ; in d e r L X X n u r 4 M a k k 1 5 , 1 7 ( w e i b l i c h ) ; n i c h t in d e n P s e u d e p i g r a p h e n d e s A T (lt. D e n i s ) , n i c h t in A p o s t V ä t e r n .
2
93 V o u g a 5 5 .
III. Der Umgang mit dem Wort Gottes 1,16-27 (16) T ä u s c h t e u c h nicht, m e i n e geliebten B r ü d e r ! (17) J e d e g u t e G a b e u n d jedes v o l l k o m m e n e G e s c h e n k i s t v o n o b e n , h e r a b k o m m e n d v o m V a t e r d e r L i c h t e r , b e i d e m es k e i n e A b w a n d lung oder Verfinsterung aufgrund von Veränderung gibt. (18) Aus (seinem) Willensentschluß h e r a u s b r a c h t e er u n s d u r c h d a s W o r t d e r W a h r h e i t z u m L e b e n , d a m i t w i r s o z u s a g e n (ein gewisser) E r s d i n g seiner Geschöpfe seien. (19) Ihr wißt d o c h , m e i n e geliebten Brüder: Jeder M e n s c h soll schnell sein z u m H ö r e n , l a n g s a m z u m Reden, l a n g s a m z u m Zorn. (20) D e n n der Z o r n eines M a n n e s schafft nicht Gerechtigkeit G o t t e s . (21) D e s h a l b , a b l e g e n d alles S c h m u t zige u n d all d i e viele S c h l e c h t i g k e i t , n e h m t i n S a n f t m u t d a s eingepflanzte W o r t a n , d a s eure Seelen z u retten vermag. (22) Werdet aber Täter des Wortes u n d nicht n u r Hörer, euch selbst betrügend. (23) D e n n w e n n j e m a n d ein H ö r e r des Wortes ist u n d nicht ein Täter, der gleicht e i n e m M a n n , d e r i m S p i e g e l d a s G e s i c h t seines » G e w o r d e n s e i n s « betrachtet; ( 2 4 ) er b e t r a c h t e t e s i c h n ä m l i c h u n d i s t f o r t g e g a n g e n , u n d s o g l e i c h v e r g a ß er, w a s f ü r e i n e r e r w a r . ( 2 5 ) W e r aber, sich vertiefend in d a s v o l l k o m m e n e Gesetz der Freiheit u n d (darin) verharrend, nicht z u m vergeßlichen Hörer, s o n d e r n z u m T ä t e r des W e r k e s g e w o r d e n ist, d e r w i r d selig sein in s e i n e r T a t . ( 2 6 ) W e n n j e m a n d m e i n t , r e l i g i ö s z u s e i n , w ä h r e n d er s e i n e Z u n g e n i c h t z ü g e l t , s o n d e r n sein H e r z irrefuhrt, d e s s e n R e l i g i o n ist nichtig. (27) R e i n e u n d unbefleckte R e l i g i o n vor G o t t u n d d e m Vater ist diese: sich u m W a i s e n u n d W i t w e n in ihrer B e d r ä n g n i s k ü m m e r n , sich fehlerlos von der Welt halten.
1.
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D i e verschiedenen E r w ä g u n g e n darüber, o b bereits m i t 1,13 o d e r erst m i t V 16 o d e r gar erst m i t 1,19 eine n e u e Passage b e g i n n t , w u r d e n bereits bei der E i n g r e n z u n g v o n 1,2-15 b e h a n d e l t . A u f j e d e n Fall setzt V. 16 m i t der A n r e d e » m e i n e geliebten B r ü d e r « , d i e in dieser F o r m b a l d (V. 19) n o c h e i n m a l , s o n s t nur n o c h 2 , 5 erscheint, ein deutliches T e x t s i g n a l . G e w i ß b i l d e n V. 1 7 - 1 8 inhaltlich einen gewissen ( u n d zwar positiven) K o n t r a s t zu V. 1 3 - 1 5 ; aber es s i n d a u c h V e r b i n d u n gen zu V. 19 ff. v o r h a n d e n , vor a l l e m a d v o c e m » W o r t « . - D e r W o r t s t a m m nkav- erscheint bei J a k nur hier (V. 16) u n d a m S c h l u ß des Briefes ( 5 , 1 9 f.); d o r t k o m m t w i e hier ( 1 , 1 8 ) a u c h »Wahrheit« (&Xr|6£ia) vor, w o m i t die L o g o s - A u s s a g e n v o n 1 , 1 8 . 2 1 . 2 2 . 2 3 eröffnet werden.3 D a s erlaubt die A n n a h m e , d a ß 1 , 1 6 - 1 8 u n d 5 , 1 9 f. einen gewissen R i n g u m d a s Briefcorpus legen. D e m entspricht, d a ß a u c h v o m T o d nur in 1,15 (also u n m i t t e l b a r zuvor) u n d 5 , 2 0 die R e d e ist; 1,15 ist z u d e m m i t 1,18 d u r c h a j t o x u e i v v e r k n ü p f t . Z u m i n d e s t ist 5 , 1 9 f. als ein deutlicher R e k u r s a u f 1, (15.) 1 6 - 1 8 a n z u s e h e n . E s g i b t d e m n a c h g u t e G r ü n d e , m i t 1,16 einzusetzen, nicht erst m i t V. 1 9 . D e r R ü c k b e z u g a u f 1 , 1 3 - 1 5 , speziell V. 1 5 , w i r d d a m i t nicht g e m i n d e r t , wie J a k ü b e r h a u p t scharfe Z ä s u r e n nicht schätzt. M i t 1,16 ff. läutet er ein i h m wichtiges A n l i e g e n ein: die A d r e s s a t e n sollen sich nicht v o n der W a h r h e i t a b b r i n g e n lassen, ist es d o c h g e r a d e d a s » W o r t der W a h r h e i t « , d a s sie z u m L e b e n g e b r a c h t hat (V. 18) u n d d a s als »eingepflanztes W o r t « ihre »Seelen zu retten verm a g « (V. 2 1 ) . D i e s e A u s s a g e n erfolgen a u f d e m d u n k l e n H i n t e r g r u n d der » T o d e s g e b u r t « v o n V. ( 1 3 - ) 1 5 . - W i c h t i g für d i e T e x t e i n g r e n z u n g ist e b e n s o der Z u s a m m e n h a n g zwischen 1,18 u n d 2 1 , die b e i d e d a s T h e m a » W o r t « b e h a n d e l n u n d wahrscheinlich eine z u s a m m e n h ä n g e n d e T r a d i t i o n aufgreifen (s. u . ) . D e m g e g e n ü b e r läßt sich V. 1 9 - 2 0 leicht als redaktioneller E i n s c h u b erklä1
2
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4
S o f e r n m a n V. 1 6 nicht einfach als A b s c h l u ß des V o r i g e n betrachtet. D e s w e g e n schlägt B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 , vor, V. 1 6 - 1 8 als transitus zur p r o p o s i t i o V. 1 9 - 2 7 z u verstehen. » W o r t « u n d » V e r f e h l u n g « s o n s t bei J a k n u r n o c h in 3 , 2 . » V e r i r r u n g « u n d » W a h r h e i t « a u c h I J o h 1,8. V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 5 6 . - N i c h t s o klar ist h i n g e g e n d i e L a g e bei OÜ)£EIV, d a s zwar 1,21 m i t 5 , 2 0 verb i n d e t , aber a u c h 2 , 2 4 ; 4 , 1 2 ; 5 , 1 5 z u finden ist. D a s s e l b e gilt für d f i a p i i a : in 1 , 1 5 ( u n d 1,26) sowie 5 , 2 0 , aber a u c h in 2 , 9 ; 4 , 1 7 ; 5 , 1 5 f. N o c h w i e d e r a n d e r s sieht der B e f u n d bei £(DT| aus: 1 , 1 2 u n d 4 , 1 4 .
Texteingrenzung
111
ren.5 E s ist z u d e m keineswegs gesichert, d a ß V. 19 m i t e i n e m I m p e r a t i v eingeleitet wird; ein I n d i kativ p a ß t s o w o h l s y n c h r o n i s c h als a u c h d i a c h r o n i s c h besser (s. u . ) . M a n sollte also m i t V. 19 nicht einen n e u e n H a u p t a b s c h n i t t b e g i n n e n , wie viele m e i n e n . - D i e Z u o r d n u n g v o n 1 , 1 6 - 2 7 z u m Briefganzen gestaltet sich in der Literatur schwierig, w i e verschiedene Vorschläge zeigen. E i n län gerer erster H a u p t t e i l b e g i n n e in 1,19b (bis 3 , 1 8 : » A n w e n d u n g des W o r t e s « : Fr. V o u g a , R . P. M a r t i n ) o d e r in 1,22 (bis 2 , 2 6 : »Werke des W o r t e s « : T. C a r g a l ) . O d e r : bis 1,22 reiche die H a u p t t h e se (V. 1 6 - 2 2 , p r o p o s i t i o p r i m a ) , V. 2 3 - 2 7 seien deren amplificatio ( E . B a a s l a n d ) . I m M o d e l l der d o p p e l t e n BrieferöfTnung ( 1 , 2 - 1 1 . 1 2 - 2 5 ) bilden V. 2 6 f. ein »literarisches Scharnier« zu d e n fol g e n d e n » H a u p t t e i l e n « . 9 D a s P r o b l e m der T e x t e i n g r e n z u n g reflektiert also d i e F r a g e n der S t r u k t u r nicht n u r v o n 1 , 1 6 - 2 7 , s o n d e r n a u c h des g a n z e n ersten K a p i t e l s u n d des Briefes i n s g e s a m t . - D i e m e i s t e n K o m m e n t a t o r e n legen eine Z ä s u r zwischen 1,27 u n d 2 , 1 , weil d i e erneute Ihr-Anrede a u c h einen n e u e n t h e m a t i s c h e n S c h w e r p u n k t e i n f ü h r e . D i e s e Z ä s u r ist, s o betrachtet, sachlich sinnvoll u n d formal berechtigt. S i e ist j e d o c h nur in e i n g e s c h r ä n k t e m M a ß aufrecht zu erhalten. S o w o h l v o n d i a c h r o n e n als a u c h v o n s y n c h r o n e n G e s i c h t s p u n k t e n w i r d sie relativiert. B e i 1,26 f.; 2 , 1 ff. fällt auf, d a ß Sir 3 5 = 3 2 u n d IPetr 1-2 mehrere der T h e m e n ebenfalls k o m b i n i e r e n , d i e bei J a k in prima facie überraschender Weise z u s a m m e n s t e h e n . Bei Sir s i n d d a s : V e r s o r g u n g der W a i sen u n d W i t w e n , die B e z i e h u n g zu G o t t als V a t e r / S o h n , die ethische Opfer-Interpretation u n d jrQOOCDjrov taxußctveiv. In IPetr finden sich: »heilig i m Verhalten«, » G o t t als Vater a n r u f e n « , »er richtet o h n e A n s e h e n der Person«, »erlöst aus der N i c h t i g k e i t eures L e b e n s w a n d e l s « . E s greift a u c h zu kurz, J a k 1,26 f. lediglich als »Stichwortlieferant« für spätere » A m p l i f i k a t i o n e n « z u v e r s t e h e n . D e n n erst d i e a u f g e n o m m e n e n Traditionen erklären, w o h e r J a k d i e T h e m e n z u s a m m e n s t e l l u n g b e z o g u n d w e s h a l b er in 2 , 1 ff. sogleich m i t ^ Q o o c o j t o ^ n ^ i a fortsetzt. - A u f synchroner E b e n e ist z u notieren, d a ß 2 , 8 . 1 2 f. zwei A s p e k t e v o n 1 , 1 9 - 2 5 zu e i n e m gewissen A b s c h l u ß bringen, n ä m lich »reden u n d t u n « sowie » G e s e t z der F r e i h e i t « ; ferner bezieht sich 2 , 1 4 ff. z u m i n d e s t per A n a logie a u f 1 , 2 2 - 2 5 (»nicht nur s o n d e r n a u c h T ä t e r « ) . M i t 2 , 1 ff. b e g i n n t J a k also n u r b e d i n g t etwas N e u e s . N e u ist p r i m ä r die W i e d e r a u f n a h m e v o n » G l a u b e « ( 1 , 2 . 6 ) . B e v o r J a k die A u s f u h r u n gen g e r a d e zu d e m eigenartigen T h e m a » G e s e t z der Freiheit« (nur 1,25; 2 , 1 2 ) z u e n d e führt, m u ß der B o d e n bei d e n A d r e s s a t e n erst aufbereitet w e r d e n ( 2 , 1 - 7 ) , i n d e m K o n k r e t e s z u m Sozialverhal ten der G e m e i n d e g e b r a c h t wird. 6
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2.
Textüberlieferung
D i e d u r c h a u s nicht w e n i g e n Varianten reflektieren z u m e i s t die P r o b l e m e der logischen V e r k n ü p fung der Sätze, speziell bei deren E i n l e i t u n g e n , bei d e n logischen Partikeln u n d bei der Wortstel l u n g . D a n e b e n beschäftigten sich die Abschreiber m i t einigen inhaltlich eigenartigen A u s s a g e n (bes. in V. 1 7 b . 2 3 b . 2 7 b ) . W i r k l i c h e Zweifel über die Textgestalt existieren j e d o c h k a u m , a b g e s e h e n vielleicht v o n der W o r t f o l g e in V. 2 2 . - G e w i c h t i g e r ist die Interpunktionsfrage, speziell in V. 2 1 : die K o m m a s e t z u n g n a c h ^QatJxrjTi (so n o c h N e s t l e - A l a n d 2 7 . Aufl.) ist p r o b l e m a t i s c h ; m a n läßt
5
Mit Konradt, Existenz 7 6 . M a r t i n , W B C 4 3 ff. C a r g a l , R e s t o r i n g 9 3 ff.; vgl. Verseput, Prayers. 8 Baasland. A N R W 1988. Francis 1 1 8 ; ähnlich, D a v i d s , C o m m e n t a r y ; teilweise a u c h Penner 1 3 3 . V g l . B u r c h a r d , H N T z. St.; 1 , 2 6 3 , 1 1 b r i n g e » E r l ä u t e r u n g e n . Beispiele für reinen ethischen G o t t e s d i e n s t , der i m G e r i c h t zählt«. I n 1 , 2 6 f. n e h m e J a k » e x e m p l a r i s c h v o r w e g , w a s i h m wichtig ist«. S o etwa D i b e l i u s , K E K 156; v o n L i p s ; Wuellner; F r a n k e m ö l l e , Ö T K ; Klein; Francis; D a v i d s , C o m m e n t a ry; B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 u n d J a k o b s b r e v e t ; A m p h o u x , N T S 1 9 7 8 / 7 9 . Einzelheiten in der T r a d i t i o n s a n a l y s e u n d Versexegese. K r i t i s c h z u F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 4 f. 13 V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 1 2 . 6
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1 2
Der U m g a n g mitdem Wort Gottes
112
das Satzzeichen besser fort (so jetzt a u c h in der E d i t i o C r i t i c a M a i o r ) . - D i e V a r i a n t e n » h e r a b k o m m e n d v o n « u n d »ist« in V. 1 7 a erstreben eine sprachliche V e r e i n f a c h u n g bzw. syntaktische K l ä r u n g , d i e Z u f u g u n g v o n yag
in V. 1 8 a eine V e r k n ü p f u n g , e a u x o ü in V. 1 8 b eine Präzisierung. -
D i e E r s e t z u n g v o n cttrexunoev d u r c h »er m a c h t e « in V. 1 8 a soll d e n s e m a n t i s c h e n A n s t o ß beseiti gen.
- D a s S y n t a g m a nagaXkayi]
f\ XQOJifjg a j t o o x i a ö L i a (V. 1 8 b ) ist in dieser F o r m » d i e a m
w e n i g s t e n u n b e f r i e d i g e n d e L e s a r t « u n t e r vielen V a r i a n t e n . mie,
14
A u s sachlichen G r ü n d e n ( A s t r o n o
M e t e o r o l o g i e ) h a t m a n versucht, T] n i c h t als » o d e r « , s o n d e r n als Artikel z u lesen, d a s letzte
W o r t in d e n G e n . , d a s vorletzte in d e n N o m . z u transformieren bzw. d a s zweite u n d dritte W o r t u m z u s t e l l e n . D i e A u s s a g e a b s i c h t des J a k w i r d d a v o n j e d o c h n i c h t g r u n d s ä t z l i c h b e r ü h r t . - In V. 19 1
w u r d e versucht, d a s a b r u p t e l ö t e 5 a b z u f a n g e n , i n d e m m a n ein ö e bzw. » ( ü b r i g e n s ) , m e i n e g e l i e b ten B r ü d e r « ( o . ä.) ergänzte, es strich, d u r c h cocrxe ersetzte oder ein x a i , vor eöxu) einfugte. -
Die
K o m p o s i t u m f o r m x a x e Q y a ^ x a i in V. 2 0 ist stilistische A n g l e i c h u n g (vgl. 1,3); laboriert w u r d e a u c h a n j t ä ö a v Q u u j r a o i a v x a i J i e Q i o o e i a v x a x i a g . D i e Z u f u g u n g v o n » d e r Weisheit« ( n a c h » S a n f t m u t « ) in V. 2 1 will i m S i n n v o n 3 , 1 3 präzisieren, d i e E r s e t z u n g v o n
ULWOV
d u r c h f|Lio>v
(V. 2 1 ) d i e A u s s a g e t h e o l o g i s c h richtigstellen. - Letzteres gilt a u c h v o n der Variante ( T ä t e r bzw. H ö r e r ) » d e s / r G e s e t z e ( s ) « (statt »des W o r t e s « ) in V. 2 2 . 2 3 (vgl. V. 2 5 , A n g l e i c h u n g der Stellen u n t e r e i n a n d e r ) . - D i e S t r e i c h u n g v o n ö x i (V. 2 3 a ) b e r u h t v e r m u t l i c h a u f d e s s e n U n d e u t l i c h k e i t ( b e g r ü n d e n d o d e r e r l ä u t e r n d ? ) . - D i e E r s e t z u n g v o n yeveöecog d u r c h yvcböecog bzw. y e v v r | ö e a ) g in V. 2 3 b dürfte ein Lesefehler sein o d e r a u f ein V e r s t e h e n s p r o b l e m z u r ü c k g e h e n . - S y n t a k t i s c h - l o g i sche F r a g e n w a r f das » d e n n « in V. 2 4 a u f ( S t r e i c h u n g o d e r E r s e t z u n g d u r c h ö e ) . - D e r s p r a c h l i c h e n G l ä t t u n g sollen in V. 2 5 a d i e E r g ä n z u n g v o n o u x o g bzw. d e s s e n S t r e i c h u n g in V. 2 5 b d i e n e n . D e r S a c h l o g i k w o l l e n einige H s s . in V. 2 5 b d u r c h d i e Z u f u g u n g v o n » H ö r e r d e s G e s e t z e s « ( u n d T ä t e r 16
des Werkes) a u f h e l f e n ; A n l a ß z u diversen O p e r a t i o n e n b o t a u c h ev xfj J i o i r | o e i a u x o ü e a x a i a m S c h l u ß v o n V. 2 5 : Präsens statt F u t u r bzw. W e g l a s s u n g , xajretvcoöig statt » T a t « . - D e n K o n n e x v o n V. 2 6 z u m V o r i g e n bei ei' xig bearbeitete m a n d u r c h E i n f ü g u n g v o n ö e o d e r per E r s e t z u n g d u r c h ei' xi, ö ö x i g bzw. ö x i , e b e n s o w o h l a u c h d u r c h d e n Z u s a t z » u n t e r e u c h « bei e l v a i . Teilweise w u r d e 0 Q n ö x ö g d u r c h e x e p ö ö o ^ o g o d e r mcrxög ersetzt, vielleicht ein sachlicher E n t s c h ä r f u n g s v e r s u c h . D i e Variante bei » z ü g e l n « ist stilistischer A r t (beide V e r b f o r m e n in 3 , 2 f.). Präzisieren soll d a s zwei fache tavxov
(statt a u x o ü ) . - A u c h d e n K o n n e x V. 2 6 / 2 7 wollte m a n deutlicher herstellen ( d u r c h
y d p bzw. ö e ) . D i e A u s l a s s u n g v o n xo> (vor 0eo>) hat stilistische G r ü n d e , e b e n s o d i e W a h l der 2 . Pers. Plur. in V. 2 7 b .
1 7
D e r v o m G e d a n k e n g a n g her ü b e r r a s c h e n d e S c h l u ß - T e i l s a t z w i r d d u r c h p 7 4
u n d L a k t a n z v e r ä n d e r t zu: »sie (also nicht: sich selbst) z u b e s c h ü t z e n (vor der W e l t ) « .
3. Text-und
1 8
Kommunikationsstruktur
F o r m a l betrachtet, ergibt sich eine recht klare Struktur. J a k w e n d e t sich d r e i m a l (V. 1 6 . 1 9 . 2 2 ) a n die G e s a m t h e i t d e r Leser, d i e ersten b e i d e n M a l e z u d e m m i t der A n r e d e » m e i n e geliebten B r ü d e r « . D i e b e i d e n ersten P a s s a g e n (V. 1 6 - 1 8 . 1 9 - 2 1 ) e n d e n jeweils m i t einer A u s s a g e über G o t t e s W o r t , die in V. 2 2 f. a u f g e n o m m e n w i r d . D i e dritte Passage (V. 2 2 - 2 7 ) w i r d d u r c h ein d o p p e l t e s ei' xig gegliedert (V. 2 3 - 2 5 . 2 6 - 2 7 ) . In k o m m u n i k a t i v e r H i n s i c h t ist d i e L a g e j e d o c h erheblich k o m p l i zierter. - J a k b r i n g t in V. 16 ein W a r n s i g n a l a n seine Leser i n s g e s a m t ; weil s o w o h l V. 13 als a u c h V. 17 eine A p o l o g i e G o t t e s enthalten, ist d i e Referenzrichtung
offen. B e l e h r e n d e n
Charakter
h a b e n V. 17 f.: »Alles G u t e k o m m t v o n G o t t ; er ist u n w a n d e l b a r ; er h a t u n s m i t d e m W a h r h e i t s -
1 4
M e t z g e r , T e x t u a l C o m m e n t a r y 6 7 9 f. !5 M e t z g e r 6 8 0 . » D e s G e s e t z e s « findet sich a u c h als V a r i a n t e in V. 2 2 . 2 3 , a b e r n i c h t i n d e n s e l b e n H s s . w i e in V. 2 5 . Vielleicht a u s d e m G r u n d , d a ß m a n d e n ersten Teil nicht als A . c . I . mißversteht. V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 1 3 A n m . 6. S o n d e r l e s a r t e n v o n p 7 4 a u c h in 2 , 1 1 . 1 2 . 1 8 . 2 0 . D a s V e r b i)Jt8Qaojtt^8iv erscheint relativ h ä u f i g i n d e r L X X ; u. a. Prov 2 , 7 f. R o b e r t s b e v o r z u g t die L A v o n p 7 4 .
1 6
1 7
1 8
Text- u n d Kommunikationsstruktur
113 1 9
w o r t zur Erstlingskreatur geschaffen«. N u r hier (V. 1 8 ) findet sich ein » w i r / u n s « in J a k l . D i e stark g r u n d s ä t z l i c h - t h e o l o g i s c h e A u s s a g e v o n V. 1 7 f., die d u r c h ihre Breite eine deutliche G e w i c h t u n g trägt, m ü n d e t in eine recht allgemeine Z i e l a n g a b e in V. 1 8 b . E s bleibt offen, w a s d e n n » E r s t ling seiner G e s c h ö p f e sein« impliziert. - Ü b e r g a n g s l o s bringt V. 1 9 d i e T h e m a t i k »hören, reden, Z o r n « , w o b e i g r a m m a t i s c h in d e r S c h w e b e bleibt, o b l ö t e Indikativ o d e r I m p e r a t i v ist, o b J a k also a n ein W i s s e n erinnert o d e r es erst vermittelt (s. aber bereits o. u n d z . S t . ) . Einstweilen wird n u r d a s T h e m a » Z o r n « weitergeführt (V. 2 0 ) u n d a u f das T h e m a » G e r e c h t i g k e i t G o t t e s « b e z o g e n (von d e m vor 2 , 2 1 - 2 5 nicht wieder die R e d e sein w i r d ) . D e r imperativischen B e l e h r u n g (ecrtü)...) V. 1 9 b - 2 0 schließt sich in V. 2 1 als F o l g e r u n g ( ö i ö ) eine inhaltlich recht weit gefaßte H a n d l u n g s b e s c h r e i b u n g oder -anweisung (V. 2 1 a ) u n d ein positiv gehaltener A u f r u f m i t Verheißungscharakter a n (V. 2 1 b ) . V. 2 1 gleicht eher V. 18 u n d k ö n n t e o h n e weiteres d o r t direkt anschließen. V. 19 f. er s c h e i n e n s o m i t als d i g r e s s i o , d e r e n T h e m e n i m f o l g e n d e n z u m e i s t n i c h t m e h r v o r k o m m e n : s c h n e l l / l a n g s a m , Z o r n u n d d e r R u f zur Hörbereitschaft ( i m folgenden ist d a s H ö r e n als m ö g l i c h e s N u r - H ö r e n g e r a d e d a s P r o b l e m , d e m die T a t gegenübergestellt w i r d ) . D a s k o m m u n i k a t i v e S i g n a l v o n V. 19 f. entbehrt s o m i t d e r kontextuellen D e u t l i c h k e i t . 2 0
In V. 2 2 - 2 5 geht es u m d a s T u n ( j t o i T y t r | c ; , jioirjois), z u n ä c h s t des L o g o s ( O b j . , V. 2 2 f.), also i m A n s c h l u ß a n V. 2 1 , d a n n des Werkes (V. 2 5 ) , a b g e s c h l o s s e n d u r c h eine M a k a r i s m u s - F o r m u l i e r u n g (V. 2 5 b ) . D e r N u r - H ö r e r w i r d übrigens nirgends s o n s t als hier ( 1 , 2 2 . 2 3 . 2 5 ) thematisiert. D i e I n t e n t i o n ist deutlich: E s k o m m t a u f d a s T u n an; d a s H ö r e n ( a u c h des W o r t e s Gottes!) allein g e n ü g t nicht. - N i c h t so klar ist der Vergleich in V. 2 3 b - 2 5 z u m T h e m a »Vergeßlichkeit«, d a s eben falls n u r hier (V. 2 4 f.) v o r k o m m t . Statt u m d a s H ö r e n geht es jetzt u m d a s S e h e n (V. 2 3 b - 2 4 ) . D a s B i l d v o m S i c h - i m - S p i e g e l - B e t r a c h t e n (V. 2 3 b - 2 4 ) scheint nicht a u s z u r e i c h e n . 3 D i e F o r t s e t z u n g (V. 2 5 a ) bringt n u r teilweise eine O p p o s i t i o n bei d e n Verben (»fortgehen/verharren«); d a s positive G e g e n ü b e r liegt a n s c h e i n e n d i m O b j . » v o l l k o m m e n e s G e s e t z d e r Freiheit« selbst; aber d a s b e d a r f der g e n a u e r e n U n t e r s u c h u n g (s. z. St.). S o w o h l v o m G e s e t z als a u c h v o n d e r Freiheit w a r bisher nicht d i e R e d e g e w e s e n (das S y n t a g m a » G e s e t z d e r Freiheit« erscheint s o n s t n u r n o c h in 2 , 1 2 ) , w ä h r e n d d i e Stichwörter » v o l l k o m m e n « u n d »Werk« d i e L i n i e v o n 1,4.17 aufgreifen. J a k scheint die k o m m u n i k a t i v e Kraft der A u s s a g e in V. 2 5 b h o c h einzuschätzen u n d d a m i t z u rechnen, d a ß sie b e i m Leser a u f B e k a n n t h e i t u n d Verstehen trifft, soll d o c h g e r a d e hier d e r U n t e r s c h i e d zwischen » H ö r e r der Vergeßlichkeit« u n d » T ä t e r des Werkes« klargestellt w e r d e n . - D i e formale Parallele z u V. 2 3 in V. 2 6 (»wenn j e m a n d « ) scheint d a r a u f h i n z u d e u t e n , d a ß V. 2 6 - 2 7 eine weitere E x p l i k a t i o n des Satzes V. 2 2 b r i n g e n soll. D a s M a t e r i a l ist bei J a k w e i t e s t g e h e n d n e u u n d z u m größeren Teil sogar singulär: Oqtjöxöc;, -xeia (nur hier), »zügeln«, » Z u n g e « , » H e r z « , » b e t r ü g e n « (nur hier), »hohl« (nur hier), »rein u n d m a k e l l o s « ( n u r hier), » W i t w e n u n d W a i s e n a u f s u c h e n « ( n u r hier), » u n b e fleckt« ( n u r hier), xööjiog. M e h r e r e (sogar erstmals verwendete) F a k t o r e n w e r d e n also i m folgen d e n nicht wieder a u f g e n o m m e n . D i e P r o b l e m v e r o r t u n g in d e r subjektiven F e h l e i n s c h ä t z u n g b e g e g n e t e u n s d a g e g e n bereits mehrfach ( 1 , 7 . 1 3 . 2 2 , jetzt erstmals m i t ö o x e t v ) . H i e r wie a n d e n vorigen Stellen ist d a s k o m m u n i k a t i v e G e s c h e h e n offenbar a u f d i e K o r r e k t u r einer (latenten) G e g e n p o s i t i o n gerichtet. - M a n h a t vorgeschlagen, d e r A u f b a u v o n 1 , 1 9 - 2 7 erkläre sich aus einer chiastischen S t r u k t u r . D i e drei T e r m i n i » H ö r e n , R e d e n , Z o r n « (V. 19) w ü r d e n z u n ä c h s t »in ver änderter R e i h e n f o l g e entfaltet« (V. 2 0 Z o r n , V. 2 2 - 2 5 H ö r e n , V. 2 6 - 2 7 R e d e n / Z u n g e ) . D i e D u r c h b r e c h u n g des C h i a s m u s ( R e d e n zuletzt, nicht H ö r e n ) wolle d a s R e d e n b e t o n e n . A u c h d i e folgen d e n A u s f u h r u n g e n seien chiastisch aufgebaut: V. 2 6 f. w ü r d e n expliziert in 3 , 1 - 1 2 ( Z ü g e l n der Z u n g e ) , 2 , 1 4 - 2 6 (wahre F r ö m m i g k e i t ) u n d 2 , 1 - 1 3 (fehlerlos v o r d e r Welt s e i n ) . A b e r ist d a s rich21
2 2
2
24
1 9
2 0
2 1
2 2
2 3
2 4
Erst wieder 2 , 1 . 2 1 ; 3 , 3 . 6 ; 4 , 5 ; 5 , 1 7 , o h n e P e r s o n a l p r o n o m e n in 3 , 1 f. S . u. z. St., o b d a s Partizip narrativ-voraussetzend o d e r indirekt-imperativisch g e m e i n t ist. - M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 0 1 notiert, d a ß V. 2 1 als Antithese z u » Z o r n « (V. 2 0 ) sehr a l l g e m e i n ausfällt. Außerdem nur noch 4 , 1 1 . Als A d j e k t i v a u c h 1,12; als Verb 5 , 1 1 . Vgl. Frankemölle, Ö T K 3 4 1 . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 3 f., m i t B e z u g a u f Pfeiffer u n d C l a d d e r , A n l a g e . V g l . a u c h C o l l i n s , C o h e r e n c e ; er unterteilt: V. 1 9 - 2 1 . 2 2 - 2 5 . 2 6 - 2 7 .
Der U m g a n g mitdem Wort Gottes
114
tig gesehen? Steht das Verhältnis zur Welt nicht eher in 4 , 1 ff. zur D e b a t t e ? S i n d die t h e m a t i s c h e n C h a r a k t e r i s i e r u n g e n v o n 2 , 1 - 1 3 u n d 2 , 1 4 - 2 6 zutreffend? W a r u m fehlen so viele Stichwörter i m weiteren Verlauf des Briefes? - D i e s e K r i t i k richtet sich a u c h g e g e n die d a m i t v e r w a n d t e T h e s e , 1 , 1 9 - 2 7 sei, rhetorisch gesehen, als P r o p o s i t i o zu verstehen, deren A m p l i f i c a t i o i m Briefcorpus e r f o l g e . D i e P r o p o s i t i o liefere »wichtige S t i c h w o r t e « für die A m p l i f i k a t i o n : R e d e n / Z u n g e in 3,1 ff.; »Aussehen der H e r k u n f t « (V. 2 3 ) in 2 , 1 - 1 3 ; » N u r - H ö r e r u n d T ä t e r des Wortes« in 2 , 1 4 - 2 6 ; S a n f t m u t u n d Z o r n in 3 , 1 3 - 1 8 . G e w i ß k a n n m a n sagen, der A b s c h n i t t zeichne sich als Propositio d u r c h b r e v i t a s / K ü r z e , a b s o l u t i o / V o l l s t ä n d i g k e i t u n d p a u c i t a s / P r ä g n a n z a u s . A b e r erwecken D u k tus u n d D i k t i o n wirklich d e n E i n d r u c k , ein weiterer »Stichwortlieferant« (der erste u n d eigentliche sei der P r o l o g 1,2-18)29 sein? W i e d e r u m : w o bleiben etliche Stichwörter - wie z. B . Z o r n , H ö r bereitschaft:, N u r - H ö r e r , Vergeßlichkeit u n d die zahlreichen E l e m e n t e in V. 2 6 f.?30 G e w i ß , andere Stichwörter erscheinen später wieder, teils fanden sie sich a u c h bereits v o r h e r . J a k liebt s o g a r sol che flashbacks. E i n e andere F r a g e ist j e d o c h , o b sich die eigene Struktur der Passage aus der F u n k tion, das C o r p u s zu strukturieren (als p r o p o s i t i o / a m p l i f i c a t i o ) , herleiten läßt. Ist der kohärenz-sperrige Text wirklich in dieser Weise rekonstruierbar? B e v o r z u g t J a k nicht d o c h eher ein lockeres A s s o ziationsverfahren? U n d : was ist a u f das K o n t o der T r a d i t i o n s ü b e r n a h m e zu verbuchen? 25
26
2 7
2 8
z
u
31
4.
Traditionselemente
D a ß G o t t n u r G u t e s u n d V o l l k o m m e n e s g i b t (V. 1 6 ) , weiß a u c h d a s Judentum (Philo S a c r A b C a i n 6 3 ; M i g r 7 3 ) . E s k e n n t ihn a u c h als Vater des L i c h t s (TestAbr 7 , 6 ; A p o k M o s 3 6 ) . D a s L i c h t sei die s c h ö n s t e v o m H i m m e l k o m m e n d e G a b e (Philo A b r 1 5 7 f f ) . G o t t ä n d e r t sich n i c h t (Philo I m m 2 0 - 3 2 ; L e g A l l 2 , 3 3 . 7 2 ; C h e r 8 8 - 9 0 ; S o m n 2 , 2 2 1 ; P o s t C a i n 2 8 ) . 3 4 - Ebenfalls w i r d d i e willentli che S c h ö p f u n g d u r c h G o t t b e t o n t (Philo O p M u n d 16; 4 4 ; 7 7 ; 1 3 8 ) . - V o m » W o r t der W a h r h e i t « redet bereits d a s A T ( z . B . D t n 2 2 , 2 0 ; Ps 1 1 9 , 4 3 ; Prov 2 2 , 2 1 ) . D a s S y n t a g m a » E r s t l i n g der G e s c h ö p f e « findet sich so zwar nicht in der j ü d . T r a d i t i o n ; i m m e r h i n s a g t Philo j e d o c h ü b e r d a s V o l k Israel, d a ß es »wie eine E r s t l i n g s g a b e des g a n z e n M e n s c h e n g e s c h l e c h t s d e m S c h ö p f e r u n d Vater z u g e w i e s e n w u r d e « (...• TOV GUUjravToc; avOocbjrcov yevovc, o i d Tic; . . . &jraQxr| . . . : S p e c L e g 3 2
3 3
35
25 B a a s l a n d , A N R W 1 9 8 8 (eine p r o p o s i t i o s e c u n d a folge in 3 , 1 3 - 1 8 ) ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 5 . S o F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 4 . A n d e r s v o n L i p s 4 1 6 : V. 1 7 ff. greifen M o t i v e der G a b e u n d d e s Bittens aus 1,5-8 auf, d i e in 3 , 1 3 ff.; 5 , 1 3 - 1 8 u n d 5 , 1 9 f. fortgeführt w ü r d e n . S o F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 4 . T h u r e n sieht d i e Z u s a m m e n h ä n g e f o l g e n d e r m a ß e n : d i e p r o p o s i t i o 1 , 1 9 - 2 7 m i t d e n K o m p o n e n t e n » R e d e / W o r t , T a t , G e l d « erfahre in der A r g u m e n t a t i o n 2 , 1 - 5 , 6 die A m p l i f i k a t i o n »Tat/Geld« (2,1-26), »Rede/Weisheit« (3,1-4,12) und »Rede/Tat/Geld« (4,13-5,6). S o Frankemölle, Ö T K 3 2 5 . E b d . 3 2 4 f. A u s V. 1 6 - 1 8 k a n n m a n h i n z u f u g e n : Lichter, V e r ä n d e r u n g , E r s t l i n g s g e s c h ö p f , S c h m u t z , a b l e g e n , e i n g e pflanztes W o r t , Seelen retten. S o G e s e t z der Freiheit, W e r k , v o l l k o m m e n , Z u n g e zügeln, Welt, v o n o b e n , W a h r h e i t , L o g o s , G e r e c h t i g keit, R e t t e n , S a n f t m u t , T ä t e r . V g l . S t r . - B . III 7 5 2 . M i g r 7 3 heißt es, G o t t s c h e n k e d e n G e h o r s a m e n nichts U n v o l l k o m m e n e s ( d x e Ä i g ) , jrXf|QT| ö e >tai xsXeia J t d v t a . V g l . freilich L a w s , C o m m e n t a r y 7 2 - 7 4 : es g e b e i m J u d e n t u m » n o certain p r e c e d e n t « , weil d i e H s s . hier nicht völlig p r o b l e m l o s seien. Z u Q u m r a n s. e b d . sowie M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 0 - 9 2 : 1 Q S 3 , 2 0 f.; D a m 5,18. Z u Philo, der b e k a n n t l i c h eine eigene Schrift z u m T h e m a verfaßte ( Q u o d D e u s sit I m m u t a b i l i s ) , s. M o n tes-Peral 1 2 1 - 1 3 1 ( » u n v e r ä n d e r l i c h « ) , vgl. 9 8 - 1 1 4 (»das w a h r e G u t e « ) ; C h r i s t i a n N o a c k , G o t t e s b e w u ß t sein. E x e g e t i s c h e S t u d i e n zur S o t e r i o l o g i e u n d M y s t i k b e i Philo v o n A l e x a n d r i a ( W U N T I I 1 1 6 ) , T ü b i n gen (Mohr) 2 0 0 0 . 5 K x i o u a k o m m t n i c h t g e r a d e h ä u f i g in der L X X vor: W e i s h 9 , 2 ; 1 3 , 5 ; 1 4 , 1 1 ; Sir 3 6 , 2 0 ( 1 7 ) ; 3 8 , 3 4 ; 3 M a k k 5,11. 2 6
2 7
2 8
2 9
3 0
3 1
3 2
3 3
3 4
3
Traditionselemente und J u d e n t u m 4,180).
3 6
115
- M a h n u n g e n z u m H ö r e n u n d W a r n u n g e n vor U n b e d a c h t s a m k e i t , A u f b r a u s e n u n d
Z o r n (V. 2 0 ) g e h ö r e n z u m S t a n d a r d r e p e r t o i r e n i c h t n u r d e s J u d e n t u m s (Sir 1,22; 4 , 2 9 ; 5 , 1 1 ; 1 0 , 1 8 ; W e i s h 1 0 , 3 ; Prov 1 3 , 3 ; 2 9 , 2 0 f.; A b o t h 5 , 1 1 f . ) . jedoch nicht.
3 8
3 7
E i n e A u s s a g e w i e in 1,20 b e g e g n e t u n s
D a s s e l b e gilt weithin a u c h für V. 2 1 , bei d e m sich n u r Einzelteile n a c h w e i s e n las
sen; z u »einpflanzen« vgl. z. B . J o s e p h A p II 1 6 9 , aber a u c h bereits D t n 3 0 , 1 1 - 1 4 (»das W o r t ist u n s n a h e , in M u n d u n d H e r z , d a m i t wir es t u n « ) u n d 4 Q D i b H a m 2 , 1 2 - 1 4 (die T o r a ins H e r z ein 39
p f l a n z e n ) ; z u » W o r t a n n e h m e n « vgl. z. B . Prov 2 , 1 ; 4 , 5 ; 1 0 , 8 ; zur A u s s a g e »das T u n d e s G e b o t s errettet« Sir 3 , 1 . - F ü r d a s J u d e n t u m steht außer Zweifel, d a ß G o t t e s W o r t e d u r c h d i e M e n s c h e n » g e t a n « w e r d e n m ü s s e n (z. B . E x 2 4 , 3 ; L e v 1 8 , 5 ) .
4 0
S c h o n d i e F o r m u l i e r u n g J t o i r | T c d Xoyov
(1,22)
ist s e m i t i s c h ; griechisch w ü r d e sie d e n » W o r t - P r o d u z e n t e n « , d. h. d e n R h e t o r bezeichnen. D i e explizite G e g e n ü b e r s t e l l u n g v o n » n u r Hörer, n i c h t a u c h T ä t e r « e n t s p r i c h t h i n g e g e n n i c h t direkt 4 1
der j ü d i s c h e n T r a d i t i o n , w o als P e n d a n t z u m T u n eher d a s (bloße) S t u d i e r e n erscheint, w i e d i e Rabbinen betonen.
4 2
- D i e M e t a p h e r v o m Spiegel ist zwar in der a n t i k e n religiösen Literatur ver
breitet, in d e m bei J a k 1,23 f. v e r w e n d e t e n S i n n s o n s t j e d o c h n i c h t n a c h w e i s b a r .
43
Weish 7,26
n e n n t d i e Weisheit G o t t e s u. a. d e n Spiegel der g ö t t l i c h e n E n e r g i e , w a s aber eher H e b r 1,3 ent spricht.
4 4
- A u c h d a s S y n t a g m a » G e s e t z der Freiheit« erscheint n i c h t in der j ü d i s c h e n Literatur. -
D i e M a h n u n g , G o t t e s W o h l t a t e n u n d G e b o t e n i c h t z u vergessen, findet sich verbreitet i m A T ( D t n 4 , 9 . 2 3 . 3 1 ; 6 , 1 2 ; 2 6 , 1 6 - 1 9 ; Pss u. ö . ) ; e b e n s o der S c h u t z für d i e W a i s e n u n d W i t w e n ( D t n 2 7 , 1 9 ; 4
H i 2 2 , 9 u. ö.; Sir 3 5 , 1 4 f . ) . 5 - D a s Verb » i m Z a u m halten« fehlt zwar in der L X X ; m a n vergleiche j e d o c h Philo S o m n 2 , 1 6 5 zur K o n t r o l l e des R e d e n s ; e b e n s o Prov 1 0 , 1 9 : »Wer seine Z u n g e beherrscht, ist k l u g « ; P s P h o k y l 5 7 : G e f ü h l e w i e d e n Z o r n kontrollieren. — D i e textkritische Vari a n t e v o n p 7 4 (s. o.) in V. 2 7 ließe sich v o m A T her u n t e r m a u e r n ; vgl. Prov 2 , 7 . - Z u r schen T r a d i t i o n g i b t es m e h r e r e Parallelen zu n o t i e r e n .
46
- Z u 1,16 u/f|
JtAaväöOe w i r d
hellenisti zwar unter
H i n w e i s a u f E p i c D i s s I V 6 , 2 3 g e r n e gesagt, es h a n d e l e sich u m eine verbreitete F o r m e l der D i a tribe.
4 7
E s finden sich aber außerhalb des N T k a u m weitere S t e l l e n .
48
- A n d e r e r M e i n u n g als
H o m e r , Z e u s teile w i e a u s zwei F ä s s e r n g u t e u n d s c h l i m m e G a b e n a u s (Ilias 2 4 , 5 2 5 - 5 2 8 ) , w a r
3 6
Vgl. N e u e r Wettstein 1267, dort i m Kontext. 37 V g l . B a k e r 2 3 ff. Z o r n schließt d i e Weisheit aus; vgl. J o h a n n e s Fichtner: T h W N T V 3 9 5 , 1 5 ff.; H ö r e n u n d Weisheit g e h ö r e n e n g z u s a m m e n : Sir 6 , 3 3 . 3 5 ; 2 1 , 1 5 ; T e s t D a n 4 , 3 ; 1 Q S 4 , 1 0 ; 5 , 2 5 ; a u c h P l u t a r c h M o r a lia 5 0 2 e , u. a. 8 V g l . D i b e l i u s , K E K 1 4 1 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 3 7 . 39 4 Q 5 0 4 F r g . I K o l . II (bei M a i e r I I 6 0 6 f.). V g l . K l e i n 1 3 6 f. D i e M e t a p h e r » e i n g e p f l a n z t e s W o r t « findet sich in A T u n d N T n u r hier ( F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 9 ) , a u c h n i c h t bei Philo. D a s A d j . e\icpVTOQ, i n d e r L X X n u r W e i s h 1 2 , 1 0 , in d e n P s e u d e p i g r a p h e n n u r V i t A d 3 3 , 4 . V g l . a u c h v o n G e m ü n d e n , V e g e t a t i o n s m e t a p h o r i k 2 7 0 f. V g l . H e r b e r t B r a u n : T h W N T V I 4 6 7 f. - » T ä t e r des G e s e t z e s « n u r I M a k k 2 , 6 7 ; » T u n des G e s e t z e s « a u c h Sir 1 9 , 2 1 ( F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 3 7 ) . Vgl. die K o m m e n t a r e zu M t 7,26 u n d Rom 2,13. U l r i c h L u z , M t ( E K K ) I 4 1 2 f.; U l r i c h W i l c k e n s , Rom ( E K K ) I 1 1 3 f. S o A b o t h 1 , 1 5 . 1 7 ; vgl. 3 , 1 8 ; Philo P r a e m 7 9 ff. ( ü b e r d a s E i n h a l t e n der G e b o t e ) . 3 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 4 2 f. V g l . d i e L i t e r a t u r z u I K o r 1 3 , 1 2 . Sir 12,11 hat einen anderen Sinn. 5 V g l . ferner Sir 4 , 1 0 ; D a m 6 , 1 4 f. N e u e r Wettstein 1 2 6 3 - 1 2 7 5 ( n u r bis einschl. J a k 1 , 2 3 ) . D i e B e h a u p t u n g , es h a n d e l e sich u m eine geläufige F o r m e l d e r hellenistisch-rhetorischen D i a t r i b e , läßt sich s o n i c h t halten. V g l . G r e e v e n , G a b e 3 . G e g e n D i b e l i u s , K E K 1 2 9 f. ( m i t H i n w e i s a u f d a s v e r w a n d t e e g a j t a x a o O e in E p i c D i s s II 2 0 , 7 f. u n d 2 2 , 1 5 ) ; J o h n s o n , A n c B 1 9 5 ; L a w s , C o m m e n t a r y 7 2 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 0 ; V o u g a 5 6 ; H . B r a u n : T h W N T V I 2 3 0 - 2 5 4 (in hellenistischen T e x t e n fehle d e r t a d e l n d e T o n ; » d a s J t X a v ä ö O a i g e s c h i e h t o h n e S c h u l d « : 2 3 3 ) ; A b r a h a m J . M a l h e r b e , P h i l o s o p h e r s 8 0 . - Bei E p i c D i s s I V 6 , 2 3 heißt es: » S o l l i c h v e r k ü n d e n , >Männer, laßt e u c h nicht t ä u s c h e n , m i r g e h t es g u t , m i c h b e k ü m m e r t nicht A r m u t usw.« N i c h t in d e r L X X , a u ß e r in einigen H s s bei J e s 4 4 , 8 . V g l . H . B r a u n : T h W N T V I 2 3 3 . Z u m N T s. G r e e ven, G a b e 3 f. 3
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Der U m g a n g mit d e m Wort Gottes
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D i o C h r y s O r 3 2 , 1 5 f., später a u c h T h e m i s t i o s O r 6 , 7 9 c - d : V o n o b e n k o m m e nur S e g e n s r e i c h e s . - D i e a s t r o n o m i s c h e n A s p e k t e in J a k 1,17b s i n d g e m e i n - a n t i k e T r a d i t i o n . 50 _ D i e UnVeränder lichkeit des G ö t t l i c h e n lehren A r i s t o t ( » u n b e w e g t e r B e w e g e r « ) , die S t o a u. a. - D i e dreifach geglie derte G e s a m t a u s s a g e v o n V. 1 7 liest sich wie eine Z u s a m m e n f a s s u n g der aristotelischen G o t t e s l e h r e : (1) V o n G o t t geht G u t e s a u s , ist die N a t u r d o c h ein d y a ö o v ; (2) G o t t ist der B e w e g e r des H i m m e l s , des 5. E l e m e n t s ; (3) G o t t ist der u n b e w e g t e Beweger, weit über allem W e r d e n u n d Ver gehen. - D i e Verhaltensregel 1,19b taucht m i t der einen oder anderen A k z e n t u i e r u n g verschie dentlich auf: h ö r e n - d e n k e n - r e d e n ( D i o C h r y s O r 3 2 , 2 ) ; w e n i g reden, viel h ö r e n ( L u c D e m 5 1 ) , »der M e n s c h hat zwei O h r e n , nur einen M u n d « usw. (Plut M o r 3 9 b ; 5 9 2 f - 5 9 3 a ; D i o g L a e r t I 9 2 ; V I I 2 3 ) . Verbreitet ist a u c h d a s rhetorische Paar » s c h n e l l - l a n g s a m « . Ü b e r d e n T o p o s » Z o r n « schrieb m a n regelrechte A b h a n d l u n g e n (so P l u t ) . D i e K o m b i n a t i o n der drei Faktoren » h ö r e n r e d e n - Z o r n « ist s o allerdings vor J a k nicht b e l e g t . - D i e B e s e i t i g u n g alles U n r e i n e n ( 1 , 2 1 ) gilt bei d e n P h i l o s o p h e n als n ö t i g e p r o p ä d e u t i s c h e M a ß n a h m e ( L u c V i t A u c t 3; T h e o n S m y n I 1 u. a . ) . 5 1
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- D i e G e g e n ü b e r s t e l l u n g v o n Z o r n u n d S a n f t m u t bringt bereits Aristot ( E t h N i c 1 1 2 5 b ; R h e t o r i k 1 3 8 0 h ) . D e n T e r m i n u s euxpuxoc; Xoyog k e n n t a u c h die hellenistische P h i l o s o p h i e . Z u r m e t a p h o r i s c h e n V e r w e n d u n g v o n »sich i m Spiegel betrachten« s. bereits i m vorigen A b s c h n i t t ; sie ist allerdings »keineswegs s o häufig, wie b e h a u p t e t w i r d « . - D a s S y n t a g m a » G e s e t z der Freiheit« fin det sich in der hellenistischen Literatur g e n a u s o w e n i g wie in der j ü d i s c h e n . — V o m » Z ü g e l n « rede ten a u c h die G r i e c h e n m e t a p h o r i s c h ( L u k i a n V. S a m . , V o m T a n z 7 0 : O b j . = L e i d e n s c h a f t e n ) . D i e innerntl Parr s i n d stellenweise bemerkenswert deutlich, s o d a ß sich a u c h v o n hier aus die Frage n a c h der T r a d i t i o n s g e b u n d e n h e i t v o n 1 , 1 6 - 2 7 stellt. D i e M a h n u n g \ir\ jrX,aväö0Tie ( 1 , 1 6 ) erscheint mehrfach bei Paulus ( I K o r 6 , 9 ; 1 5 , 3 3 ; G a l 6 , 7 ) , d a z u L k 2 1 , 8 . D i e G e b e t s u n t e r w e i s u n g L k 1 1 , 1 3 par. M t 7 , 1 1 betont, d a ß v o n G o t t (nur) G u t e s zu erwarten ist. D a s L i c h t - S e i n G o t tes » o h n e j e d e Finsternis in I h m « h e b t a u c h l j o h 1,5 hervor. - D i e wichtigste F r a g e ist, o b J a k in 1,18.21 frühchristliche B e k e h r u n g s - bzw. Tauftradition a u f g r e i f t . Speziell werden d a z u IPetr u n d K o l / E p h h e r a n g e z o g e n , z u d e m weitere Stellen i m C o r p u s P a u l i n u m , bei d e n S y n o p t i k e r n u n d bei J o h , u n d zwar zu folgenden Stichwörtern u n d M o t i v e n : (Wieder-, N e u - ) G e b u r t ( I P e t r 1,3,23; T i t 3 , 5 ; J o h 3,5 f f ) , G e s c h ö p f ( 2 K o r 5 , 1 7 ; G a l 6 , 1 5 ; K o l 3 , 1 0 ; E p h 2 , 1 0 ; 4 , 2 4 ) , W o r t der Wahrheit (Kol 1,5 f.; E p h 1,13; vgl. 2 K o r 6 , 7 ; 2 T h e s s 2 , 1 3 ; 2 T i m 2 , 1 5 ) , E r s t l i n g zur Soteria ( 2 T h e s s 2 , 1 3 ) , A b l e g e n v o n S c h m u t z , L a s t e r n usw. ( I P e t r 2,1 f.; 3 , 1 1 . 2 1 ; Rom 1 3 , 1 2 ; K o l 3 , 8 ; E p h 4 , 2 2 f f ; H e b r 1 2 , 1 ) , A n n e h m e n des N e u e n ( K o l 3 , 1 0 ff.; E p h 4 , 1 4 ) , b e s o n d e r s des Wortes ( M k 4 , 1 3 - 2 0 parr.; M t 1 5 , 1 3 ; I K o r 3 , 6 ) , E i n p f l a n z u n g (vgl. Rom 6 , 5 ) , R e t t u n g der Seelen (vgl. IPetr 1,9; 3 , 2 0 ) . Z w a r lassen sich Einzelteile a u c h anders h e r l e i t e n ; es ist aber g e r a d e der k u m u l a t i v e Effekt, der für 57
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N e u e r Wettstein 1 2 6 4 f. D i b e l i u s , K E K z. St.; E W N T III 7 1 f. Vgl. Klein 6 6 - 6 8 . V g l . O t f r i e d H ö f f e , Aristoteles, M ü n c h e n (Beck) 1 9 9 6 , 1 5 0 ff. Dibelius. K E K 143. Weiteres M a t e r i a l bei J o h n s o n , A n c B 1 9 9 f.; N e u e r Wettstein 1 2 7 0 f. F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 6 (in D i s k u s s i o n m i t D i b e l i u s ) . Texte: N e u e r Wettstein 1 2 7 2 - 1 2 7 4 . J a c k s o n - M c C a b e , G o s p e l , verweist u. a. a u f C i c e r o L e g 1,18 f. D i e j a k A u s s a g e sei a m besten a u f s t o i s c h e m H i n t e r g r u n d z u verstehen; d o r t k o m m e sie d e m » N a t u r g e s e t z « nahe. F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 4 2 (gegen D i b e l i u s , K E K 1 4 7 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 0 5 , u. a.). N e u e r Wettstein 1 2 7 5 verzeichnet n u r einen Beleg: Plut. M o r a l i a 4 2 b . V g l . weiter M a y o r 7 1 f. 59 V g l . J o h n s o n , A n c B 2 1 0 . Vgl. Klein 6 7 . V g l . P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 2 5 f f ; P a r ä n e s e 1 0 7 - 1 1 1 . 1 4 9 ff.; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f ; Tauflehre; M o t i v a t i o n ; K o n r a d t , E x i s t e n z 4 1 ff. K r i t i s c h F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 3 1 . D i s k u s s i o n s ü b e r b l i c k bei K l e i n 1 2 1 ff. S . ferner l T h e s s 1,6; 2 , 1 3 ; I K o r 1 5 , 1 ; K o l 2,6; A p g 2 , 4 1 ; 8,14; 1 1 , 1 ; 1 7 , 1 1 . Z . B . K l e i n 1 3 5 - 1 3 7 z u V. 2 1 »eingepflanztes W o r t « . G e g e n T a u f t r a d i t i o n spreche, d a ß die W e n d u n g »das W o r t a n n e h m e n « sonst i m frühchristlichen M i s s i o n s k o n t e x t für die A n f a n g s p h a s e v o r k o m m e . - Bei J a k ist 50 51 52 53 5 55 56 4
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Redaktion u n d Intention
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die A d a p t i o n der frühchristlichen T r a d i t i o n s p r i c h t . G e w i ß , es g i b t a u s ntl. Z e i t keine liturgi schen o d e r katechetischen Texte; die A n g a b e n m ü s s e n vielmehr a u s d e m N T erschlossen w e r d e n . D o c h dürften d i e A n h a l t s p u n k t e zahlreich g e n u g sein, u m R ü c k s c h l ü s s e a u f eine solche T o p i k z u gestatten u n d sie als H i n t e r g r u n d für A u s s a g e n w i e J a k 1,18.21 plausibel z u m a c h e n . A u f j e d e n Fall ist der H i n t e r g r u n d d o r t sorgfältig a b z u s u c h e n . - D a s P r o b l e m d e s Z o r n e s (V. 1 9 b - 2 0 ) erwäh n e n d i e bereits z u V. 1 8 . 2 1 h e r a n g e z o g e n e n A b s c h n i t t e K o l 3 (V. 8 ) u n d E p h 4 (V. 3 1 ) n e b e n a n d e ren W o r t - S ü n d e n , d a z u M t 5 , 2 1 f. u n d D i d 3 , 2 ( z u s a m m e n m i t M o r d ) . Insofern als a u c h » G e r e c h t i g k e i t « ein katechetisches S t i c h w o r t i m N T i s t , steht V. 2 0 ebenfalls in dieser T r a d i t i o n . D a s s e l b e gilt für » S a n f t m u t « ; es b e g e g n e t w i e d e r u m in K o l 3 (V. 12) u n d E p h 4 (V. 2 ) , d a z u IPetr 3,4.15; M t 5,5; 2 K o r 10,1; G a l 5,23; 6 , 1 ; 2 T i m 2 , 2 5 ; Tit 3,2. - Die Gegenüberstellung von Hören u n d T u n (V. 2 2 ff.) ist in dieser F o r m charakteristisch für d a s F r ü h c h r i s t e n t u m , w i e M t 7 , 2 4 ff. u n d w o h l a u c h Rom 2 , 1 3 belegen. N a h e a n J a k 1 , 2 3 - 2 5 stehen L k 8 , 1 5 ; 1 1 , 2 8 (»das W o r t G o t t e s h ö r e n u n d b e w a h r e n « , in 1 1 , 2 8 m i t M a k a r i s m u s ) u n d J o h 8 , 3 1 ? ° (im W o r t J e s u b l e i b e n ) . - Z u r S p i e g e l m e t a p h e r ist allenfalls I K o r 1 3 , 1 2 vergleichbar. »Vergessen« spielt i m N T k a u m eine R o l l e . E b e n so signalisiert Jtagaxujrxeiv kein ntl. M o t i v (das Verb findet sich n o c h - K o n t e x t »leeres G r a b « L k 2 4 , 1 2 ; J o h 2 0 , 5 . 1 1 ; sowie IPetr 1,12 - S e h n s u c h t der E n g e l ) . - D i e W a r n u n g v o r d e m S e l b s t b e t r u g (V. 2 2 . 2 6 ) erscheint verschiedentlich i m N T , u n d zwar m i t itapa^oyt^BaOaL K o l 2 , 4 u n d m i t outaxäv/djcdTT] K o l 2 , 8 ; E p h 4 , 2 2 ; 5 , 6 ; M k 4 , 1 9 par.; 2 T h e s s 2 , 1 0 ; H e b r 3 , 1 3 . - D e r M a k a r i s m u s des T u n s k o m m t in dieser F o r m n u r n o c h J o h 1 3 , 1 7 vor. D i e K o m b i n a t i o n »Waisen u n d W i t w e n « erscheint i m N T s o n s t n i c h t ; die V e r s o r g u n g v o n W i t w e n e r w ä h n t n u r l T i m 5 , 1 6 kurz. D i e V o k a b e l Oonaxeia/Opnaxöc; ruft ebenfalls keine M o t i v z u s a m m e n h ä n g e i m N T w a c h . W ä h r e n d s o m i t für J a k l , 2 5 - 2 7 a w e n i g ntl. Vergleichsmaterial vorliegt, bietet d i e Schlußzeile in V. 2 7 b eine auffällige Parallele z u IPetr 1 , 1 4 - 1 6 . 2 2 (heiliges Verhalten, D i s t a n z z u r W e l t ) . Dort findet sich n ä m l i c h a u c h d a s M o t i v der B e v o r z u g u n g ( r c Q o a c n j t o X n L U p i a , V. 1 7 ) , v o n d e m J a k als b a l d reden w i r d ( 2 , 1 . 9 ) . D a r a u s w i e d e r u m ergibt sich eine interessante R ü c k k o p p l u n g z u Sir 3 5 ( = 3 2 ) , 12 ff. w o d i e M o t i v e » G o t t e s unparteiisches R i c h t e n « , » N o t der W a i s e n u n d W i t w e n « u n d »rechter G o t t e s d i e n s t « s a c h l o g i s c h z u s a m m e n s t e h e n (s. o . ) . 6 5
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G e r a d e in 1 , 1 6 - 2 7 b e g e g n e t u n s ein recht kompliziertes S c h a c h t e l s y s t e m a u s d i a c h r o n e n u n d syn c h r o n e n E l e m e n t e n . U n v e r k e n n b a r rekurriert J a k a u f T r a d i t i o n unterschiedlicher H e r k u n f t . W a s ergibt sich d a r a u s kontextuell? Welche H a u p t - u n d N e b e n l i n i e n verfolgt J a k ? - Insofern sich V. 1 6 a u f das F o l g e n d e b e z i e h t , stehen die A u s f ü h r u n g e n unter d e m Vorzeichen der W a r n u n g vor M i ß d e u t u n g e n u n d Irreführungen; J a k a r g u m e n t i e r t e b e n s o p r o p h y l a k t i s c h w i e korrigierend. D i e s e 75
es d e n C h r i s t e n allerdings bereits »eingepflanzt«. — V g l . a u c h F r a n k e m ö l l e s B e d e n k e n z u » a b l e g e n / a u f n e h m e n « ( Ö T K 3 3 1 f.). Z u 1 , 1 8 » W o r t der W a h r h e i t « s o a u c h K l e i n 1 2 9 - 1 3 4 . A n d e r s F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 0 1 . 65 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 3 1 ; ähnlich L o h s e , E t h i k 1 3 0 - 1 3 3 . F ü r d e n E i n f l u ß v o n T a u f - T h e o l o g i e : B o i s m a r d 1 6 7 ff.; B r a u m a n n 4 0 5 ff. (zu 1 , 1 8 u n d a n d e r e n Stellen). 67 S . a u c h l T i m 2 , 8 ; T i t 1,7. V g l . W i l h e l m Pesch: E W N T II 1 2 9 4 - 1 2 9 7 ; G u s t a v Stählin: T h W N T V 4 1 9 448. P o p k e s , Paränese 1 4 2 f.; G e r e c h t i g k e i t s t r a d i t i o n . P o p k e s , Paränese 1 4 7 f. J o h 8 , 3 2 ff. erscheinen z u d e m a u c h n o c h die M o t i v e W a h r h e i t u n d B e f r e i u n g . Allenfalls n o c h H e b r 1 3 , 1 6 . A n d e r s in Phil 3 , 1 3 . N u r i n einer V a r i a n t e in M k 1 2 , 4 0 . S o n s t n u r A p g 2 6 , 5 ; K o l 2 , 1 8 . V g l . J o h n s o n , Taciturnity. S o g a r d a m X o g findet sich IPetr 1 , 1 9 , d o r t allerdings b e z o g e n a u f d a s O p f e r l a m m C h r i s t u s . D i e V o k a b e l erscheint i m N T s o n s t n u r n o c h l T i m 6 , 1 4 ; 2Petr 3 , 1 4 . S . o.; m i t K l e i n 6 7 . 6 4
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Der U m g a n g mit d e m Wort Gottes
h e r m e n e u t i s c h e S p u r tritt in V. 2 2 u n d 2 6 erneut z u m Vorschein; ein d o p p e l t e r S e l b s t b e t r u g w i r d angezeigt, w o b e i der erste (V. 2 2 - 2 5 ) d a s Vergessen des T u n s , der zweite ( V 2 6 f.) d a s leere (reli giöse) D a h e r r e d e n enthält. E s geht also u m d e n rechten U m g a n g m i t d e m W o r t ; d a s W o r t ( G o t tes) will z u p r a k t i s c h e n K o n s e q u e n z e n führen. V o m W o r t G o t t e s h a n d e l n a u c h V. 18 u n d 2 1 , ein m a l als s c h ö p f u n g s w i r k s a m e s » W o r t der Wahrheit«, s o d a n n als z u ergreifendes, h e i l s a m e s » e i n g e pflanztes W o r t « . G e r a d e hierbei k a n n sich J a k offenbar a u f frühchristliche B e k e h r u n g s t r a d i t i o n beziehen. D a m i t ist die g e w i c h t i g e A u s s a g e in V. 17 über G o t t e s G ü t e u n d U n v e r ä n d e r b a r k e i t v e r b u n d e n ; dieses G o t t e s v e r s t ä n d n i s k a n n sich a u f breite A k z e p t a n z verlassen, klingt d a r i n d o c h j ü d i s c h e , hellenistische u n d frühchristliche T r a d i t i o n auf. D a s H a n d e l n G o t t e s (V. 18) findet (so die traditionelle E r w a r t u n g ) seine F o r t s e t z u n g i m e n t s p r e c h e n d e n R e a g i e r e n des M e n s c h e n (V. 2 1 ) . - E i n e N e b e n l i n i e scheint in V. 19 f. e i n g e s c h o b e n z u sein, u n d zwar speziell d i e E r w ä h n u n g des Z o r n s (V. 2 0 ) i m Vorgriff a u f d a s , w a s es vor a l l e m a b z u l e g e n gilt, w o b e i J a k in der G e g e n überstellung v o n Z o r n u n d S a n f t m u t nicht n u r a u f a l l g e m e i n e hellenistische T r a d i t i o n , s o n d e r n in V e r b i n d u n g m i t » G e r e c h t i g k e i t « speziell a u f frühchristliche N e o p h y t e n - T r a d i t i o n zurückgreifen k a n n . A n s c h e i n e n d ist der S e i t e n h i e b a u f zorniges G e b a r e n unter C h r i s t e n , d a s evtl. s o g a r t h e o l o gisch falsch interpretiert w u r d e (»der Z o r n bewirkt . . . « ) , für J a k wichtig. D a s W o r t » Z o r n « erscheint zwar n i c h t wieder, w o h l aber ein ähnliches Verhalten ( 3 , 1 3 - 1 6 ; 4 , 1 ff.); u n d z u m T h e m a » G e r e c h t i g k e i t « w i r d in 2 , 1 4 ff.; 3 , 1 7 f. einiges dargelegt w e r d e n . D e m g e g e n ü b e r s i n d d i e rest lichen Inhalte v o n V. 19 eher eine a l l g e m e i n e , weniger profilierte E r i n n e r u n g a n s a t t s a m B e k a n n tes. E b e n d e s h a l b legt sich d i e indikativische (nicht die imperativische) B e d e u t u n g v o n l'öxe n a h e ; J a k ruft B e k a n n t e s in E r i n n e r u n g . D i e verbreitete M e i n u n g vieler K o m m e n t a t o r e n , J a k eröffne m i t V. 19 einen n e u e n A b s c h n i t t m i t e i n e m n e u e n T h e m a , i n d e m er imperativisch belehrenderweise die A d r e s s a t e n a u f etwas a u f m e r k s a m m a c h e , w i r d d e m Text w e d e r s y n c h r o n i s c h n o c h d i a c h r o nisch gerecht. D i e B e l e h r u n g ist erst i m ecrcco-Satz enthalten. - In V. 2 2 - 2 5 k n ü p f t J a k m i t der A u s sage »nicht n u r h ö r e n , s o n d e r n a u c h t u n « i m a l l g e m e i n e n S i n n bei der j ü d i s c h e n T r a d i t i o n an, s p e ziell j e d o c h bei der frühchristlichen A k z e n t u i e r u n g , w o b e i s o g a r P a u l u s ( R o m 2 , 1 3 ) e i n b e z o g e n werden k a n n . Inhaltlich bildet d a s d i e H a u p t l i n i e . D i e n a h e z u k r y p t i s c h e n A u s s a g e n in V. 2 3 b 2 5 , die a u c h aus d e n T r a d i t i o n e n n u r spurenhaft z u belegen s i n d , k ö n n t e n spezielle M e r k p o s t e n darstellen, w o b e i d a s S y n t a g m a » G e s e t z der Freiheit« vorausweist a u f 2 , 8 - 1 3 . 7 6
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E i g e n a r t i g ist d a s Geflecht v o n K o n t e x t u a l i t ä t u n d Intertextualität in V. 2 6 f. T r a d i t i o n s g e p r ä g t v o m A T u n d J u d e n t u m her ist die A u s s a g e über die karitative F ü l l u n g der G o t t e s v e r e h r u n g , a u f d i e J a k a n s c h e i n e n d zielt (vgl. die H a u p t l i n i e in V. 2 2 - 2 5 ) . D a s M o t i v der S e l b s t b e h e r r s c h u n g b e i m R e d e n g e h ö r t zur a l l g e m e i n e n T r a d i t i o n , ist hier bei J a k aber n i c h t profiliert; er w i r d es später (3, ff.) erneut b e h a n d e l n . In V. 2 7 verschachtelt J a k v e r m u t l i c h zwei M o t i v k o m p l e x e miteinander. Sir 3 5 ( = 3 2 ) , 1 2 ff. liefert nicht n u r die M o t i v e » V e r s o r g u n g der W a i s e n u n d W i t w e n « u n d »rechte G o t t e s v e r e h r u n g « , s o n d e r n a u c h »die Person nicht a n s e h e n « , w o m i t J a k z u 2 , 1 ff. gelangt. » U n p a r teiisch beurteilen« findet sich a u c h in IPetr 1 , 1 4 - 1 6 , d o r t v e r b u n d e n m i t »heilig g e g e n ü b e r der Welt«, w o v o n J a k 1,27b redet. E s scheint d e s h a l b s o , d a ß J a k p r i m ä r d e m F a d e n v o n Sir 3 5 ( = 3 2 ) bis hin z u » A n s e h e n der Person« folgt, o h n e j e d o c h s ä m t l i c h e v o n dessen M o t i v e n später wieder aufzugreifen (darunter: G o t t e s v e r e h r u n g , Reinheit, Waisen u n d W i t w e n ) . Weil i h m die D i s t a n z zur Welt w i c h t i g ist (s. bes. 4 , 1 ff.), b a u t er dieses E l e m e n t a u s der IPetr-Tradition einschließlich » A n s e h e n der Person« ein, o b w o h l die A u s s a g e v o n V. 2 7 b i m K o n t e x t weniger a n g e b r a c h t z u sein scheint, w a s a u c h einige alte A b s c h r e i b e r b e o b a c h t e t e n u n d z u »verbessern« s u c h t e n (s. o. z u p 7 4 ) . 8 0
D i e I n t e n t i o n des J a k in 1 , 1 6 - 2 7 richtet sich p o s i t i v also a u f d a s rechte Verständnis d e s s e n , w a s G o t t m i t s e i n e m W o r t a n u n s g e t a n hat u n d w a s er d a m i t a u s l ö s e n will. N e g a t i v zielt J a k a u f d e n
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V g l . B a k e r 9 9 - 1 0 4 z u r S a c h a n a l y s e . Z u r » T h e o l o g i e d e s W o r t e s « in 1 , 1 9 - 2 7 s. B l o n d e l 1 4 8 ff. D a s W o r t Oeög fällt hier freilich n i c h t ; n a c h V. 13 f i n d e t es sich erst w i e d e r in V. 2 0 . 2 7 . A b e r d i e A n g a b e n » v o n o b e n « u n d »Vater d e r L i c h t e r « s i n d i n h a l t l i c h e i n d e u t i g .
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M i t J o h n s o n , A n c B 1 9 8 f.
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Z u 1 , 1 9 - 2 7 vgl. Cranfield 1 8 6 - 1 8 9 .
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V g l . V e r s e p u t , Prayers.
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S e l b s t b e t r u g , d e r generell i m t a t e n l o s e n u n d u n k o n t r o l l i e r t e n R e d e n liegt. W a s d a r u n t e r d e s n ä h e ren z u v e r s t e h e n ist, w i r d d u r c h ein p a a r e i n g e s t r e u t e S t i c h w ö r t e r m a r k i e r t , a u f d i e J a k teilweise z u r ü c k k o m m e n w i r d : G e r e c h t i g k e i t G o t t e s , G e s e t z der Freiheit, Z ü g e l n d e r Z u n g e u n d D i s t a n z zur W e l t . S o b e t r a c h t e t , h a t der A b s c h n i t t a u c h e x p o s i t i o n e l l e F u n k t i o n , a l l e r d i n g s relativ u n g e o r d n e t , m e h r i m Stil v o n M e r k p o s t e n , e i n g e f l o c h t e n z u n ä c h s t e i n m a l a u f g r u n d v o n d i a c h r o n e n Vorgaben. Solche Stichwörter werden d a n n zu flashbacks u n d Querverweisen. D e r Ü b e r g a n g z u m F o l g e n d e n ist a u f g r u n d d e r g e n a n n t e n d i a c h r o n e n V e r f l e c h t u n g e n d u r c h a u s fließend, liegt d o c h d a s S t i c h w o r t » A n s e h e n d e r P e r s o n « ( 2 , 1 . 9 ) u n m i t t e l b a r a u s der T r a d i t i o n bereit.
16 Die Aufforderung \ir\ jrAaväoBe kommt bei Jak nur hier vor. Sie fehlt in der L X X (außer in einigen Hss. bei Jes 44,8); in der profanen Literatur ist sie lediglich bei Epic Diss 4,6,23 nachgewiesen. Wohl aber findet sie sich mehrfach bei Paulus (Gal 6,7; 1 Kor 6,9; 15,33); ähnlich auch L k 2 1 , 8 ; M k 13,5 f.; M t 24,4 £11.24 im Aktiv; l j o h 3,7. Das Verb JtXavdo) bezeichnet im N T und Judentum die Verführung und Irreleitung bzw. das Irregehen. Häufig steht das Bild der verirrten Schafe dahinter (ip 118,176; Jes 53,6; Ez 34,4.16; M t 18,12 f.; 1 Petr 2 , 2 5 ) . 3 Verführer sind Irrlehre^, falsche Propheten, der Teufel , Menschen (auch reflexiv), mehrfach im eschatologischen Rahmen. Die drei genannten Paulus-Parallelen verweisen jeweils voraus auf die folgende A u s s a g e . Wie in IKor 6,9 f. folgt auch bei IgnEph 16,1; Phd 3,3 die Aussage, daß bestimmte Leute »das Reich Gottes nicht erben werden«. Evtl. benutzt Jak eine frühchristliche, gebräuchliche W e n d u n g , die den (eschatologischen) Ernst seiner Mahnung unterstreicht. Sie steht inhaltlich im Kontrast zu »Wahrheit« (V. 18) und wird von »sich selbst betrügen« (V. 22) aufgenommen. Schon das zeigt an, daß V. 16 nicht nur auf V. 17, sondern auf das Folgende insgesamt vorausweist. - Die Form JttaxväoGe kann als Aktiv oder Passiv verstanden sein, wie die unterschiedlichen Übersetzungen zeigen: sich irrend, in die Irre gehen , oder: sich verführen lassen . Wegen der Parallele in 5,19 könnte sich auch hier eine passivische Interpretation nahelegen. Jak hat sonst jedoch Irrlehrer von außen nicht im Blick; zudem liegt ihm an der Verantwortlichkeit der Adressaten. Dafür spricht auch die Sachparallele in 1,22, ebenso bereits 1 , 7 . 1 3 . Deshalb ist die Übersetzung »Täuscht euch nicht!« vor81
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V g l . o. T r a d i t i o n s a n a l y s e .
82 O t t o B ö c h e r : T h W N T I I I 2 3 3 - 2 3 8 ; G a r r i s o n 8 1 . 8 3
A u c h » K i n d e r « s i n d O b j . d e r Irreleitung; s o e t w a l j o h 3 , 7 .
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E t w a l j o h 2 , 2 6 ; 3 , 7 ; 2 P e t r 2 , 1 5 ; A p k 2 , 2 0 . S o g a r J e s u s trifft dieser V o r w u r f : J o h 7 , 1 2 . 4 7 ; M t 2 7 , 6 4 .
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5 A p k 12,9; 20,3.8.10.
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Z. B.2Tim3,13.
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S o a u c h B r a u n : T h W N T V I 2 4 5 , 2 6 f. A n d e r s M a l h e r b e , P h i l o s o p h e r s 8 0 : i n d e r D i a t r i b e m e i s t a m E n d e .
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V g l . G a r r i s o n 8 1 f. B e i I g n s o n s t n o c h M a g n 8 , 1 . A u c h i n G a l 6 , 6 ff. f i n d e t s i c h e i n e e s c h a t o l o g i s c h e W a r nung.
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D i b e l i u s , K E K z. S t . ; W i n d i s c h ; B r a u n : T h W N T V I 2 4 6 , 1 f.; K l e i n 6 7 . V i e l e d a g e g e n b e t r a c h t e n V. 1 6 als E i n l e i t u n g s f o r m e l z u V. 17; s o G r e e v e n , G a b e 4 ; L a w s , C o m m e n t a r y 7 2 ; S c h r ä g e , J a k o b u s b r i e f z. S t . ; V o u g a 5 6 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 9 f.; S c h n i d e r 4 3 .
91 S o z. B . S c h n i d e r 4 2 ; V o u g a 5 1 . 92 D a f ü r p l ä d i e r t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 8 9 . 93 S o M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 8 4 ; M a r t i n , W B C 2 9 ; Wall 8 2 ( d o n o t b e d e c e i v e d ) . V g l . B r a u n : T h W N T V I 2 4 6 ; G r e e v e n , G a b e 6 f.; B a u e r - A . 1 3 3 7 f. 94 Ä h n l i c h Sir 1 5 , 1 2 .
Der U m g a n g mit dem Wort Gottes
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zuziehen. - Jak stellt das Folgende erst einmal unter diese Mahnung; der Mensch (auch der Christ) ist nicht nur ein Irrtumswesen, sondern er unterliegt auch dem Selbstbetrug. Als eine Art Leitwort ist V. 16 mehr als nur »Scharnier« , » Ü b e r g a n g « oder »Brücke« , sondern besitzt ein eigenes Aussagegewicht, so gewiß er auch V. 1315 mit V. 17 ff. verbindet. Aber er ist für sich ein deutliches Signal an die Leser. Dieses wird durch »die emotionale Gemeinschaft einwerbende A n r e d e « unterstrichen, die sich alsbald (V. 19) wiederholen wird. 17 Syntaktisch ist die Aussage dreiglied rig, zunächst (1) »jede gute Gabe ...«, dann (2) ihre Herkunft »vom Vater der Lich ter«, schließlich (3) eine ausschließende Bemerkung über diesen Vater. Inhaltlich konzentriert sich V. 17 jedoch auf nur zwei Aspekte: (1) die Gabe »von oben« und (2) Gottes Wesen. Die Wortwahl ist geradezu exquisit. Nur hier erscheinen bei Jak ööaig (im N T noch Phil 4,15), ÖCDQTIUXX (im N T nur noch Rom 5,16), xaxaßaivco, qpcog, jTaQaXAayri, XQOJtr| und a j t o a x i a a u a (die drei letzten sind ntl. H a p a x l e g o m e n a ) . Wichtiger noch ist der feierliche Stil. Erstmals wohl entdeckte George Benson 1749, daß die erste Zeile einen fast lupenreinen Hexameter a b g i b t : J t ä o a öoalg dyaGfi x a i Jtäv b(x)QX\ \ia xeX,elov. Daraus resultieren Anschlußfragen: Ist er Zufallsprodukt oder intendiert? Hat Jak ihn überhaupt bemerkt? Falls Hexameter: Zitiert Jak, oder hat er ihn selbst gebildet? Wie weit reicht dann der erste S a t z ? Eine Zitation ist prinzipiell denkbar, nur fehlt ein B e l e g . Möglich ist natürlich, daß Jak von sich aus bewußt so formulierte , obwohl anderswo »metrisch-poetische(n) Formung« bei ihm nicht erkennbar i s t . Allerdings stellt sich damit das syntaktische Problem: Ist die »Hexameter«-Zeile ein Satz in sich (nur unter dieser Bedingung könnte er über nommen sein), oder steht sie (für Jak) in fester Verbindung mit dem Prädikat ävcoGev e a x L V xaxaßatvov usw.? Zwar könnte der Hexameter in sich ein doppelter Nominal satz ohne Kopula (»ist« wäre zu ergänzen) sein und wäre dann aufzulösen als: »Jede Gabe ist gut, und jedes Geschenk ist v o l l k o m m e n . « Aber die Fortsetzung (»ist von oben, herabkommend«) wäre ebenso ungeschickt wie mißdeutlich ; deshalb ist die 96
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M i t W i n d i s c h 8. V g l . G e o r g Strecker, J o h - B r i e f ( K E K ) z u l j o h 1,8 ( b e w u ß t e S e l b s t t ä u s c h u n g ) ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 0 (gefährliche V e r b l e n d u n g ) . 96 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 8 8 . 97 D i b e l i u s , K E K 1 3 0 ; R u c k s t u h l 1 3 . 98 M a r t i n , W B C 3 7 . 99 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 9 0 . 1 0 0
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D i e W ö r t e r k o m m e n ü b e r h a u p t g a n z selten vor: L - S - J 2 1 7 ; B a u e r - A . 1 9 6 . G r e e v e n , G a b e 1 m i t A n m . 1; B - D - R § 4 8 7 , 2 . V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 4 2 A n m . 1 2 . E i n M a n g e l liegt i m z w e i t e n V e r s f u ß vor, d a - o i g e i n e k u r z e S i l b e ist. A d a m s o n , E p i s t l e 7 4 f., m ö c h t e d e n T e x t e m e n d i e r e n ; J a k h a b e e i n e n älteren g r i e c h . S p r u c h zitiert; ein » a u s Z e u s « sei v o r » v o n o b e n « e i n z u s c h i e b e n . - F ü r d i e s e n V o r s c h l a g existiert k e i n e B a s i s .
!03 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 9 3 . 1 0 4
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So Frankemölle, ebd. 2 9 2 . Greeven, G a b e 2. S o G r e e v e n , G a b e 8; D a v i d s , C o m m e n t a r y z. S t . G r e e v e n a r g u m e n t i e r t : D i e F o r m e l in V. 1 6 a leite i m N T z u m e i s t g e f o r m t e s T r a d i t i o n s g u t ein (3 ff.); J a k spiele b e w u ß t d a r a u f a n : » I h r k e n n t j a d a s S p r i c h w o r t « ( 1 3 ) . G r e e v e n p a r a p h r a s i e r t : »Irrt e u c h n i c h t , liebe B r ü d e r ! Ihr k e n n t j a d a s S p r i c h w o r t J e d e G a b e ist g u t , u n d j e d e s G e s c h e n k ist v o l l k o m m e n e U n d w a r u m ? Weil es v o n o b e n s t a m m t , h e r a b k o m m t v o m V a t e r d e s Lichts ...« (13).
10 V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 4 2 A n m . 12; K l e i n 6 7 ; D i b e l i u s , K E K 1 3 0 A n m . 1; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 0 f.
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übliche syntaktische Auflösung (»jede gute Gabe ... i s t von oben«) vorzuziehen. Jak könnte freilich einen Hexameter als einen Traditionssplitter eingebaut und ergänzt haben. D a eine Vorlage fehlt, muß jedoch die Frage unbeantwortet bleiben, ob ein Hexameter übernommen wurde oder nicht. Weil das Versmaß ohnehin nicht lupenrein ist, bleibt auch ungewiß, ob Jak intendierte oder überhaupt bemerkte, daß der Stil ins Poetische hinübergeht. So oder so hebt sich der Anfang von V. 17 stilis tisch hervor; denn eine gewisse formale Feierlichkeit enthält er zweifellos. Damit ist ein Signal für die Wichtigkeit gesetzt. Für die syntaktische Verknüpfung von ävcoBev eoxiv (als Prädikat) mit den vorangehenden Nominativen (als Subjekt), also gegen einen selbständigen Hexameter-Satz, spricht übrigens auch die Parallele mit 3,17 (nur noch dort findet sich »gut« zusammen mit »von oben«). Die Weisheit ist lt. 3,17 f. in besonderem Maß Konkretion des Gebens Gottes, wie bereits 1,5 anzeigt. Auch dieser doppelte Konnex hebt die Bedeutung von 1,17 hervor. — Der erste Teil von V. 17 wird zunächst von drei Elementen beherrscht (bevor der Gedanke zur Qualifizie rung Gottes übergeht): Inklusivität (»jede«), Qualität (»gut, vollkommen«) und Her kunft (»von oben, herabkommend«). Aöoic; meint hier wie auch öcbonuxx die Gabe, das G e s c h e n k . Die Traditionsanalyse zeigt den breiten Konsens im Judentum, in der griech. Tradition und im Frühchristentum , daß Gott nur Gutes und nichts Unvollkommenes gibt. Jak akzentuiert nun seinerseits, genau besehen, folgenderma ßen: Was immer an guter und vollkommener Gabe zu nennen i s t - sie kommt von oben herab. Gewiß ist damit auch ein apologetischer Kontrast zu V. 13 impliziert, wo Gott und Versuchung entschieden voneinander distanziert w u r d e n . J a k sagt in V. 17 aber nicht einfach: »von Gott kommt nur G u t e s « , sondern zunächst akzen tuiert er umgekehrt: »alles Gute kommt von Gott«. Natürlich ist darin eingeschlos sen, daß alles Gute eine Gabe i s t . Aber wichtiger ist die Herkunft, die von einem nicht nur räumlichen , sondern auch qualitativen Dualismus ausgeht. Was nicht »von oben« stammt, kann nicht gut sein (so auch 3,15 f.)- Jak arbeitet bereits auf die klare Unterscheidung zwischen Gott und Welt (so besonders 4,4) hin. - Den Vor gang beschreibt xaxaßaivco zwar bildlich, aber damit nicht näher inhaltlich. Die Katabasis läßt die Gabe geradezu personifiziert erscheinen; die analogen Stellen im NT raten jedoch von weiteren Ausdeutungen ab. - Die Vater-Aussage über Gott 110
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E i n e c o n i u g a t i o p e r i p h r a s t i c a »ist h e r a b k o m m e n d « ist z w a r d e n k b a r , a b e r s y n t a k t i s c h u n w a h r s c h e i n l i c h ; vielmehr bildet das Partizip eine A p p o s i t i o n . M i t Mußner, J a k o b u s b r i e f 9 1 .
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S o u. a. V o u g a ; J o h n s o n , A n c B ; M a r t i n , W B C . B u r c h a r d , H N T z. S t . : D i e s i e b e n W ö r t e r s i n d bei J a k k e i n N o m i n a l s a t z , s o n d e r n S u b j e k t v o n V. 1 7 a .
1 1 0
N i c h t d a s G e b e n (so Phil 4 , 1 5 ) ; vgl. B a u e r - A . 4 1 1 f. u n d 4 2 4 . D a s W o r t ist s o m i t p a s s i v i s c h , n i c h t a k t i visch verstanden. Vgl. a u c h Philo LegAH 3 , 7 0 .
1 1 1
B e s o n d e r s M t 7 , 1 1 (also ein Teil a u s d e r B e r g p r e d i g t ) par. L k 1 1 , 1 3 .
1 1 2
M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 0 A n m . 4: d i e A d j e k t i v e s i n d k o n d i t i o n a l .
1 1 3
Vgl. Mußner, J a k o b u s b r i e f 9 0 : deshalb k o m m e nicht v o n G o t t , was d e n T o d bringt. Schlatter, Brief 1 3 2 -
1 1 4
So Konradt, Existenz 43.
1 1 5
S o Schlatter, Brief 1 3 2 . Vgl. I K o r 4 , 7 (»Was hast d u , das d u nicht e m p f a n g e n hättest?«).
1 3 6 u n t e r s t r e i c h t d e n K o n s e n s m i t d e r s t o i s c h e n G o t t e s l e h r e , d a ß G o t t fern v o n a l l e m B ö s e n sei.
"6 Vgl. Schnider 4 3 . 1 1 7
M i t M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f : J a k b e t o n t d i e H e r k u n f t (wie 3 , 1 7 ) , n i c h t d a s H e r a b s t e i g e n .
1 1 8
V o m H i m m e l k o m m e n h e r a b (vgl. B a u e r - A . 8 2 9 ) : ein G e f ä ß ( A p g 1 0 , 1 1 ; 1 1 , 5 ) ; d a s n e u e J e r u s a l e m ( A p k 3 , 1 2 ; 2 1 , 2 . 1 0 ) ; R e g e n ( M t 7 , 2 5 . 2 . 7 ) usw., a u c h d e r G e i s t bei J e s u T a u f e ( M k 1 , 1 0 p a r r . ) .
122
Der U m g a n g mit dem Wort Gottes
klingt ganz anders als die in 1,27 und 3,9 (Gott/Herr und Vater); sie verweist - wie alles übrige in V. 17 - gleichsam in den Bereich des »gestirnten Himmels über uns«. Das Judentum weiß um den »Vater des Lichts« (der Plur. »Lichter« nur bei Jak) und um die Unveränderlichkeit Gottes, letzteres auch die griech. Philosophie! , und auch in Stellen wie l j o h 1,5 ist jede Finsternis von Gott ferngehalten. Hinter »Vater der Lichter« dürfte die atl. Schöpfungstradition stehen (Gen 1,14 ff.; vgl. Jer 4,23; Ps 135,7); die Entmythologisierung der Sternenwelt liegt jedoch für Jak weit zurück, ihn interessiert die reine, lichtvolle Qualität Gottes, i - Die astronomischen Angaben (in V. 17c) bewegen sich im Rahmen des damaligen üblichen Wissens; inwiefern es sich dabei um regelrechte termini technici handelt, ist zweitrangig. i YlagaXkayr] ist die »Veränderung« allgemein. Im Rahmen der Licht-Metaphorik bleibt die nähere Beschreibung »Abschattung, Verfinsterung« , und zwar XQOJtfjc;. Auch XQOJTT| kann allgemein »Veränderung« bedeuten, aber auch spezifischer astronomisch die »Son nenwende«. N i m m t man TQOJtfig als Gen. originis, so ergibt sich entweder »Schat ten aufgrund des täglichen Umlaufs der Sonne bzw. des im Jahresverlauf wechselnden Sonnenstandes« oder »Verfinsterung aufgrund einer Sonnenfinsternis bzw. durch Wolken«. Vermutlich denkt Jak an das Letztere, und zwar in der Richtung von Sir 17,31 L X X (»Was ist heller als die Sonne? Auch diese verfinstert sich [exXeijtei]«) bzw. Weish 7,18 f. (»Veränderungen der Sonnenwenden [XQOJTOOV dXkayaq] und Wechsel der Zeiten, die Zyklen des Jahres und die Stellungen der G e s t i r n e « ) . Uber all dem steht Gott als der »unbewegte Beweger« (s. o. »Traditionselemente« zu Aristoteles) unveränderlich. Zwar behält Jak die Licht-Metaphorik aus der Tradition bei; aber der Akzent liegt nicht auf: »Gott ist Licht, ist somit gut, und von ihm kommt nichts Böses«, sondern auf: »bei Gott gibt es keine saisonale oder physische oder sonstwei che Veränderungen; deshalb ist Verlaß auf die Güte Gottes und auf seine G a b e n « . Theologisch steht diese Aussage der vom hellenistischen Judentum (besonders Philo) 19
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S . o. » T r a d i t i o n s e l e m e n t e « . A n d e r s a k z e n t u i e r t V e r s e p u t , Prayers: d e r H i n t e r g r u n d liege n i c h t in G o t t e s o n t o l o g i s c h e r U n v e r ä n d e r l i c h k e i t , s o n d e r n in seiner T r e u e ; d a r a n e r i n n e r t e n d i e j ü d i s c h e n M o r g e n g e b e t e , d i e d a s Sch'ma b e g l e i t e n u n d s i c h a u f d i e S c h ö p f u n g b e z i e h e n . V g l . H a n s C o n z e l m a n n : T h W N T I X 3 4 7 . J a k d ü r f t e s i c h hier k a u m g e g e n A s t r o l o g i e o d e r S o n n e n k u l t w e n d e n (vgl. V o u g a 5 8 ) . V g l . n o c h G o t t l o b S c h r e n k : T h W N T V 1 0 1 5 (zu »Vater« u n d » W i e d e r g e b u r t « ) . V g l . L a w s , C o m m e n t a r y z. S t . D i b e l i u s , K E K 1 3 1 , m e i n t , J a k v e r w e b e t e c h n i s c h e u n d u n t e c h n i s c h e T e r minologie. B a u e r . - A . 1 2 5 3 : als a s t r o n o m i s c h e r t e r m t e c h selten. V g l . 2 K ö n 9 , 2 0 ; E p i c D i s s I 1 4 , 4 . 3 B u r c h a r d , H N T z. S t . : W e c h s e l d e r H e l l i g k e i t . S. B a u e r . - A . 1 6 4 9 ( w o j e d o c h » V e r ä n d e r u n g « v o r g e z o g e n w i r d ) . E i n e alte D e b a t t e w i r d ü b e r e i n e K o n j e k t u r d e s T e x t e s (der klar b e z e u g t ist, j e d o c h d i v e r s e V a r i a n t e n aufweist) g e f ü h r t , n ä m l i c h d i e (1) U m s t e l l u n g v o n fj h i n t e r Tpojcfjg, ( 2 ) d i c o a x i d a u m o g als G e n i t i v u n d (3) ein weiteres fj v o r d e m letzten W o r t ; d a s w ü r d e e r g e b e n : » d e r o h n e W e c h s e l ist u n d w e d e r W e n d e k e n n t n o c h F i n s t e r n i s « ( D i b e l i u s , K E K 1 3 1 - 1 3 3 ) . A u c h K l e i n 6 6 h ä l t d e n T e x t für v e r d e r b t .
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S o M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 2 ; A d a m s o n , E p i s t l e 9 7 ; R u c k s t u h l 13; J o h n s o n , A n c B 1 9 7 . V g l . H e r o d 2 , 1 9 ; Plato L e g 7 6 7 c . V g l . ferner H i 3 8 , 3 3 . Vgl. Otfried Höffe, Aristoteles, M ü n c h e n (Beck) 1 9 9 6 , 1 5 3 - 1 5 9 ( » D e r kosmologische Gottesbegriff«). Als p l a t o n i s c h e s A x i o m galt: G o t t ist d x o e j t o g ; so a u c h P h i l o S o m n 8 , 2 2 1 . V g l . M o n t e s - P e r a l 1 2 1 f.; L a w s , Commentary 74. A h n l i c h D i b e l i u s , K E K 1 3 3 . - A n d e r s liegt d e r A k z e n t bei d e r e s c h a t o l o g i s c h e n E r w a r t u n g , einst w e r d e es k e i n e N a c h t m e h r g e b e n (Jes 6 6 , 1 9 ; A p k 2 1 , 2 5 ; 2 2 , 5 ; E x R 1 8 , 9 ) ; vgl. Schlatter, B r i e f 1 3 6 .
123
1,17-18 129
rezipierten griech. Vorstellung von der Unwandelbarkeit Gottes n a h e . Des Jak Interesse liegt jedoch nicht bei einer isolierten Aussage dieser Art über Gott, verwen det er doch überwiegend durchaus personale, fast anthropomorphe Formulierungen über Gott und dessen Handeln (1,5.13; 2,5; 3,9; 4,4.6.7 f.). Die hier gewählte For mulierung soll die Verläßlichkeit und Eindeutigkeit Gottes unterstreichen. Was Gott ist, gibt und tut (s. V. 18 ff.), ist eindeutig, zweifelsfrei gut und auf Gutes a u s . 18 Ohne jede Übergangspartikel folgt diese Aussage der vorigen; Subjekt bleibt »der Vater der Lichter«. Exponiert steht die Willensangabe gleich zu Anfang; das finite Verb (djtexiJ'noev) greift im Kontrast V. 15 auf. Erstmals verwendet Jak das Personal pronomen der 1. Pers. Plur. (f||iäg), und das gleich zweifach. Neu sind auch die Fak toren »Wort« und »Wahrheit« sowie »Erstling« und »Geschöpfe«. Die Aussage von V. 18 ist zweigeteilt; sie richtet sich auf Gottes Tat und auf Gottes Absicht, beides durch gehend auf »uns« bezogen. - Die Auslegung ist seit jeher umstritten, und zwar unter drei Aspekten mit jeweils diversen Optionen. (1) Welchen Vorgang meint V. 1 8 a : a) die Erschaffung (direkt schöpfungstheologisch ) der Menschen (anthropolo gisch), b) die »Hervorbringung« des Volkes Israel (heilsgeschichtlich) oder c) die »Wiedergeburt« der Christen (soteriologisch und auch ekklesiologisch)? (2) Was bezeichnet »Wort der Wahrheit«: a) die Tora, b) die Weisheit oder c) die christliche Heilsbotschaft, das Evangelium? (3) Worauf bezieht sich «Erstling«: a) zeitlich auf die eschatologische Erlösung aller Menschen, ja aller Kreatur, oder b) qualitativ auf die besondere Relation zu Gott als dessen Eigentum samt Distanz zur Welt? Wie sich im folgenden erweisen wird, erscheint die Position lc/2c/3b als die sinnvollste; das soll auf argumentativem Wege dargelegt werden. - Verständlicherweise kommt es zu gewissermaßen exegetischen Koalitionen, speziell zwischen »Erschaffung der Men schen« (la) und »Tora« (2a) sowie andererseits zwischen »Wiedergeburt« (lc) und »Evangelium« (2c). Es gibt jedoch auch Stufenmodelle; etwa: Eins baut auf dem anderen a u f ; oder: Jak läßt zunächst bewußt »Leerstellen«, die er erst später (durch »Amplifikation«) füllt ; oder: Es handelt sich um eine creatio c o n t i n u a . Metho disch hat man die Fragen zu klären versucht vor allem mit Hilfe von Wort- und Motivstudien (besonders zu »Wort/Wahrheit« und »Erstling«), Kontextanalysen (be sonders zu V. 13-15 und auf der Linie »Wort/Gesetz«, auch zu f|fiag), traditionsge130
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S. o. » T r a d i t i o n s e l e m e n t e « . U n b e w e g l i c h k e i t b e d e u t e t n i c h t e t w a Passivität ( M o n t e s - P e r a l 1 2 3 ) . B e i P h i l o k a n n e i n e d r e i f a c h e U n v e r ä n d e r l i c h k e i t G o t t e s differenziert w e r d e n ( e b d . 1 2 2 ) : in r ä u m l i c h e * , p h y s i s c h e r u n d moralischer Hinsicht.
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D a r i n ist V e r s e p u t s A n l i e g e n , Prayers 1 7 7 - 1 9 1 , b e r e c h t i g t . E r v e r s u c h t , d i e A n g a b e n (inkl. » S c h ö p f e r d e r L i c h t e r « : 1 8 0 ) a u s j ü d i s c h e n M o r g e n g e b e t e n h e r z u l e i t e n . - A b g e s e h e n v o n d e r D a t i e r u n g d e r T e x t e (vgl. 1 8 1 ) , stellt d i e s e m a n t i s c h e A n d e r s a r t i g k e i t ein P r o b l e m für s o l c h e i n e H e r l e i t u n g dar.
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B i n d e m a n n 1 9 3 - 1 9 5 m e i n t , in V. 17f. » S p l i t t e r eines W e i s h e i t s m y t h o s « e r k e n n e n z u k ö n n e n . G o t t sei U r h e b e r d e r G e s t i r n e w i e a u c h d e r Weisheit; vgl. W e i s h 7 , 2 5 f. A b e r d i e K o m b i n a t i o n v o n M o t i v e n , S t i c h wörtern u n d Belegstellen ergibt kein schlüssiges Resultat; so auch K o n r a d t , Existenz 4 4 A n m . 19.
1 3 2
J o h n s o n , A n c B 1 9 7 f., u n t e r t e i l t d i e F r a g e ä h n l i c h : S c h ö p f u n g , B u n d , G n a d e ( 2 0 5 ) .
1 3 3
D e r A u s d r u c k » k o s m o l o g i s c h « ist w e n i g e r a n g e b r a c h t ( m i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 0 4 ) . E s g e h t n i c h t u m d i e
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S o z. B . J o h n s o n , A n c B z. S t .
Erschaffung des K o s m o s , s o n d e r n v o n »uns«, also jedenfalls M e n s c h e n . »35 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 2 9 8 f. 3 0 4 f. 1 3 6
Ebd. 304.
124
Der U m g a n g mit d e m Wort Gottes
schichtliche Vorgaben (z. B. der Einfluß von Philo oder Ps 119, vor allem aber der frühchristlichen Bekehrungstheologie) und des inner-ntl. Vergleichs (u. a. mit IPetr). - Wir fragen zunächst nach dem Duktus bei Jak. Als erstes betont er den souveränen Willensakt des lt. V. 17 erhabenen G o t t e s . Die »Schöpfung« ist sein eigenes Vorhaben, in keiner Weise deduzierbar. Dieser Gedanke war unter Juden und Christen unbestritten. Der Terminus djtoxueiv (nur hier und V. 15 im N T ) ist insofern überraschend, als er an sich den weiblichen Anteil (»gebären«) bezeichnet. N u n redet allerdings bereits das AT metaphorisch vom »Hervorbringen« ( y e v v d ü j ) durch Gott (Dtn 32,18; Ps 2,7; ip 109,3; Spr 8 , 2 5 ; ebenso Philo LegAll III 219; ConfLing 63; Ebriet 30 f . ) . D e m entspricht im N T das »aus Gott/dem Geist geboren (yevvdco) werden« (Joh 1,13; 3,3.5-8; IJoh 2,29; 3,9; 4,7; 5,1.4.18; Hebr 1,5; 5,5). Der Sprachgebrauch ist demnach so außergewöhnlich nicht; Jak fühlt sich frei, den Terminus djtoxueiv aus V. 15 hierher zu übertragen. Das doppelte fjuxxc; ist insofern wichtig, als es zumindest die »geliebten Brüder« (V. 16.19) und den Autor einschließt. Es besitzt bzw. verleiht zudem einen gewissen Bekenntnischarakter. J a k redet also nicht über irgendein Ereignis der Geschichte, sondern zielt auf das »mea/nostra res agitur« (das spricht gegen die Optionen la-b, s. o.). Er verwendet jedoch nicht die Vokabel »wieder/neu« (geboren werden), sei es jtaXiyYeveaia (soTit 3,5),dvaY£vvd(o (IPetr 1,23), ävooOev yevveOfjvai (Joh 3,3.7), jtdXiv (böiveiv (Gal 4,19) oder xaivf] xtioig (2Kor 5,17; Gal 6,15). Ebenfalls findet sich kein direktes Wort über die T a u f e (gewissermaßen als Geburtsort). Der in V. 18a beschriebene Vorgang ist deshalb primär durch die Bestimmung von »Wort der Wahrheit« zu erheben. Kontextuell ist zu berücksichtigen, daß Xoyog der tragende Terminus auch für V. 21-23 ist, bevor Jak dann in V. 25 mit vöuog den Gedanken aufgreift; das heißt aber keinesfalls, daß die Termini austauschbar s e i e n . Auffällig ist die Qualifizierung von »Wort« durch dXriOeiag. Daß Gott durch sein »Wort« die Schöpfung vollbrachte , ist biblisches Allgemeingut seit Gen 1 und besagt hier weiter nichts Besonderes. Die Liste der Syntagmata »Wort/Wahrheit« und »Gesetz/ 137
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S . a u c h J o h 1 , 1 3 . V g l . V o u g a 5 8 . D e r K o n t r a s t z u » B e g i e r d e « in V. 14 f. (so M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 3 ; C a r gal, R e s t o r i n g 8 5 ) sollte n i c h t ü b e r s t r a p a z i e r t w e r d e n . B u r c h a r d , H N T z. S t . : » D a ß d e r S c h ö p f e r sein W e r k w o l l t e o d e r d u r c h b l o ß e n W i l l e n schuf, ist g e m e i n a n t i k « ( P l a t o , P s a l m e n ) .
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1 3
Vgl. Montes-Peral 1 8 1 - 2 0 5 .
9 S o e t w a P h i l o O p M u n d 1 6 . 4 4 . 7 7 . 1 3 8 ; P l a n t 14; C o n f L i n g 1 6 6 . 1 9 6 .
1 4 0
1 4 1
In d e r L X X n u r 4 M a k k 1 5 , 1 7 . B a u e r - A . 1 8 8 ( a k z e n t u i e r t als d j r o x u e c o ) . S o a u c h bei P h i l o , e t w a O p M u n d 1 6 1 ; L e g A l l 1 , 1 5 ; C h e r 5 4 ; SacrAbCain 3.103.
1 4 2
V g l . F r i e d r i c h B ü c h s e i : T h W N T I 5 5 7 . D a s W o r t w i r d für d e n v ä t e r l i c h e n w i e m ü t t e r l i c h e n
Anteil
gebraucht (663). 1 4 3
1 4 4
Sir 2 4 , 6 ( 1 0 ) v e r w e n d e t xxi^eiv. Lt. Ebriet 3 0 hat G o t t sozusagen Verkehr mit der Erkenntnis q u a Mutter. - Vgl. noch Jes 4 2 , 1 4 ;
1QH
9 , 3 5 f. 1 4 5
D a r i n s t i m m e n K o n r a d t , E x i s t e n z 6 2 , u n d F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 0 5 , ü b e r e i n . E s ist r i c h t i g , d a ß d e r A s p e k t
1 4 6
M i t K o n r a d t , E x i s t e n z 7 1 f.; d o r t ( A n m . 2 1 4 ) e i n e L i s t e derer, d i e gleicher (u. a. L a w s , B a a s l a n d , B u r c h a r d )
allenfalls i m p l i z i e r t ist, a b e r n i c h t d e n T o n t r ä g t . bzw. a n d e r e r M e i n u n g s i n d ( L u c k , H e i l i g e n t h a l , M a r t i n , L a u t e n s c h l a g e r , L u d w i g , K l e i n ; es k o m m e n h i n zu: Walker, F r a n k e m ö l l e ) s i n d . K o n r a d t m e i n t , d a ß d i e A k z e n t e w e c h s e l n . 1 4 7
S o G e n 3 , 1 ; Ps 3 3 , 6 ; 1 0 7 , 2 0 ; 1 4 6 , 1 5 ; J e s 5 5 , 1 1 ; W e i s h 1 8 , 1 5 ; Sir 4 3 , 2 6 u. a.
125
1,18 148
W a h r h e i t « , der wirklichen Vergleichstellen zu Xöyoc; (im Sg.) &X,T)6eiag, konzentriert sich vor allem auf ip 1 1 8 , 4 3 ; PsSal 16,10; TestGad 3,1 und äth/grHen 99,2; 104,9 £150; dazu kommen im N T 2Kor 6,7; Kol 1,5; Eph 1,13; 2 T i m 2 , 1 5 . Inwiefern jedoch ist Jak dadurch bestimmt? Zur Klärung dieser Frage ist es angebracht, den Befund bei Jak zunächst weiter zu erheben. Die Zielangabe in V. 18b setzt zwei Termini zueinander in Beziehung: »Erstling« und »Geschöpfe«. Der Genitiv X X I O U O T C D V ist partitiv: »der erste Teil der Geschöpfe«. Das im N T und L X X seltene Wort xxiO|ia ( l T i m 4,14; Apk 5,13; 8,9 und Weish 9,2; 13,5; 14,11; Sir 36,20; 38,34; 3Makk 5,11) bezeichnet immer das von Gott Geschaffene , nicht nur M e n s c h e n , sondern auch andere Lebewesen (s. z. B. Apk 8,9), sogar Lebensmittel ( l T i m 4,4). Das bestimmende Wort ist hier ajtaQxn, das freilich durch xiva relativiert wird (»gewissermaßen«). 'AjtaQXT] bedeutet von Hause aus die » E r s t g a b e « , in der L X X zumeist kultisch verwendet, allerdings auch in recht weitem Sinn (»alle religiösen Stiftung e n « ) . Die »Erstfrucht« kann sich auf Menschen, Tiere und Pflanzen beziehen; insofern ist die Verbindung mit »Geschöpfe« in Jak 1,18 die übliche. Im übertragenen Gebrauch gilt etwa auch Israel als »Erbteil« Gottes, »aus dem ganzen Menschengeschlecht ausgesondert gleichsam (ola xig) als Erstling für den Schöpfer und Vater« (Philo SpecLeg 4 , 1 8 0 ) . Das Wort kann verschiedene Akzente annehmen: Weihegabe, Vorzugsstellung, Anfang. Im ntl. Sprachgebrauch spiegelt sich das wider: »heiliger Grundbestand« (Rom 11,16; vgl. 2Thess 2 , 1 3 ? ; Apk 14,4), Angeld (Rom 8,23; vgl. 2Kor 1,22; 5,5), Erster (IKor 15,20.23; 1 6 , 1 5 ) . Qualitative und numerische bzw. zeitliche Aspekte können ineinander übergehen (vgl. Rom 1 6 , 5 ) . Ist Jak 1,18 als »Anbruch der neuen Schöpfung« etwa im Sinn von Rom 8,19 ff. zu verstehen, oder meint Jak, daß Menschen Gottes Eigentum werden? - So weit die Erhebung des Befundes. Die Kommentatoren entnehmen ihm unterschiedliche Schlüsse, (a) Die eine P o s i t i o n (sie entspricht der o.gen. la/2a) argumentiert, daß die Mehrzahl der jüdischen Stellen mit »Wort/Wahrheit« nomistisch zu verstehen sei, daß nur bei Jak ein Schöpfungskontext v o r k o m m e und daß sich die Aussage bei Jak 149
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M a t e r i a l bei L u d w i g 1 5 1 - 1 5 3 . D i e Parallelität d e r S y n t a g m a t a als s o l c h e ist w e n i g a u s s a g e k r ä f t i g . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 4 , n e n n t für d i e V e r b i n d u n g v o n W o r t u n d W a h r h e i t i m A T : D t n 2 2 , 2 0 ; 2 S a m 7 , 2 8 u. a.; Ps 1 1 8 , 4 3 u. a.; J e r 2 3 , 2 8 u. a.
1 4 9
F ü r F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 0 1 , ist d i e s e r P s a l m d e r A u s g a n g s t e x t für alles w e i t e r e .
150 D a z u s. L u d w i g 1 5 3 - 1 5 6 ; K o n r a d t , E x i s t e n z 6 9 - 7 1 . V g l . ferner P r o v 2 2 , 2 1 ; K o h 1 2 , 1 0 ; ä t h H e n 1 9 , 1 ; P h i l o S o m n 1,23; J o s e p h A n t 1 6 , 1 0 8 . !5i V g l . S c h n a c k e n b u r g , B o t s c h a f t II 2 0 0 . 1 5 2
B a u e r - A . 9 2 6 . I n s o f e r n b r a u c h t avrov n i c h t b e s o n d e r s b e t o n t z u sein ( a n d e r s M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 6 ) .
1 5 3
B a u e r - A . 9 2 6 zu J a k 1,18: »gewiß m i n d e s t e n s z u n ä c h s t . . . M e n s c h e n « . 4
15 A l e x a n d e r S a n d : E W N T I 2 7 8 - 2 8 0 ; G e r h a r d D e l l i n g : T h W N T I 4 8 3 f. 155 D e l l i n g 4 8 3 , 3 8 . 1 5 6
P h i l o v e r w e n d e t d a s W o r t h ä u f i g ( 9 5 x ) . N a c h S i r 2 4 , 9 ist d i e W e i s h e i t e i n e » E r s t f r u c h t « .
1 5 7
» G o t t e r w ä h l t e e u c h als E r s t l i n g z u m H e i l « .
158 S o a u c h l C l e m 4 2 , 4 . 159 V g l . D e l l i n g : T h W N T I 4 8 4 , 1 2 - 1 4 ; K o n r a d t , E x i s t e n z 5 9 ff. 1
6 0
D e z i d i e r t v e r t r e t e n d u r c h L u d w i g 1 5 6 f.; a u f d e r s e l b e n L i n i e liegt L a u t e n s c h l a g e r 1 6 7 f.: keinerlei H i n w e i s e auf Christus, den Geist, Versöhnung, Erlösung.
161 N ä m l i c h : Ps 1 1 9 , 4 3 ; ä t h H e n 1 0 4 , 1 0 ; w o h l a u c h T e s t G a d 3 , 1 ; ä t h H e n 9 9 , 2 ; g r H e n 1 0 4 , 9 ; S i f r D t 4 1 . W e i s h e i t l i c h - n o m i s t i s c h g e p r ä g t seien P r o v 2 2 , 2 1 ; K o h 1 2 , 1 0 . U n s i c h e r b l e i b e n ä t h H e n 1 4 , 1 ; P s S a l 1 6 , 1 0 . 1 6 2
So auch Frankemölle, Ö T K 3 0 1 , gegen Mußner, Jakobusbrief 94.
126
Der U m g a n g mit d e m Wort Gottes
auch »stark von den christlichen Stellen ... unterscheidet«. Also dürfte sich Jak »be wußt auf jüdisch-nomistischem Boden« bewegen. (ß) Eine weniger radikale Posi tion (auch sie orientiert sich weitgehend an der Konstellation la/2a) besagt, daß Jak die »Vorstellung vom Wort als Medium der schöpferischen Tätigkeit Gottes mit christlichem Vokabular« verbinde, dies jedoch »in der Schwebe« h a l t e . Erst in nachpaulinischer Zeit habe sich die Verwendung von »Wort der Wahrheit« im Sinn von »Evangeliumsverkündigung« herausgebildet, aber nicht im technischen Sinn; Jak sei auch nicht literarisch davon a b h ä n g i g . (y) Auf der entgegengesetzten S e i t e (Konstellation lc/2c/3b) lauten die Argumente vor allem: Auch sonst in der Bibel ist »Schöpfungsterminologie in Heilsaussagen ... geläufig«; djtaQxf) bezeichne sonst nie die Menschheit als »Krone der Schöpfung«; das »Aufnehmen« (öe/ourn) des Xöyog in 1,21 passe nicht zu »Schöpfungswort«; die Konversion werde frühchristlich auch sonst als Geburt bzw. Lebensempfang bezeichnet (IPetr 1,3.23; 2,2; Tit 3,5); auch nach jüd. Verständnis (1 Q H 11,19 ff. u. a.; JosAs; Philo Virt 179; Abr 70; Migr 122 u. a.) komme die Konversion dem Ubergang vom Tod zum Leben gleich, ebenso im N T (Lk 15,24.32; R o m 4,17 u. a . ) ? ; ancxQXt] sei nicht eschatologisch-menschheitlich, sondern als »Eigentum« Gottes/Christi zu verstehen, woraus Distanz zur Welt und sittliche Verpflichtung folgten; Xöyog d^nOeiag deute nicht bzw. nicht s i c h e r auf die Identifizierung »von Wahrheit undTora/Gebot«; vielmehr bilde im Judentum die »Hinwendung zur Wahrheit... einen stehenden Topos«; aufs Ganze gesehen, rei che das »Wortgeschehen ... von der Verkündigung ... bis zur ethischen Unterwei s u n g « . - Die unterschiedlichen Ergebnisse raten zur methodologischen Behutsam keit. Zunächst ist festzuhalten, daß Jak zurückhaltend formuliert, d. h. ohne explizite soteriologische, christologische oder pneumatologische Notizen, wenn man den Be fund im übrigen N T vergleicht. Zu bedenken ist ferner, was motiv- bzw. begriffs geschichtliche Untersuchungen zu leisten vermögen, nämlich doch nicht mehr, als Möglichkeiten aufzuzeigen; die bloße Möglichkeit, daß »Wort der Wahrheit« auch für Tora bzw. Weisheit stehen konnte, besagt noch nichts für das jak Verständnis. Wichtiger sind Kontext, theologisches Milieu und Intention; und diese Faktoren wei sen in eine andere Richtung (nämlich der Faktoren lc, 2c und 3b). Kompositorisch betrachtet, arbeitet Jak hier mit der Verschachtelung unterschiedlicher Traditionsstü cke, nämlich in V. 18 und 21 über das wirkungskräftige Wort Gottes, in V. 19 f. über Hören und Reden sowie in V. 22 ff. über Hören und Tun. Der Hintergrund dieser Traditionen liegt am ehesten in der frühchristlichen Konversions-Theologie und 163
164
165
166
16
168
169
1 6 3
Ludwig 157.
1 6 4
Frankemölle, Ö T K 3 0 1 .
1 6 5
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 0 1 . 2 K o r 6 , 7 sei n u r Teil eines K a t a l o g s .
1 6 6
U m f a n g r e i c h e A r g u m e n t a t i o n bei K o n r a d t , E x i s t e n z 4 1 - 7 4 . Z u m H i n t e r g r u n d vgl. U l r i c h M e l i ,
Neue
S c h ö p f u n g . Eine traditionsgeschichtliche u n d exegetische Studie zu e i n e m soteriologischen G r u n d s a t z p a u linischer T h e o l o g i e ( B Z N W 5 6 ) , B e r l i n ( d e G r u y t e r ) 1 9 8 9 , d e r a l l e r d i n g s n i c h t a u f J a k 1 ,1 8 e i n g e h t . D e r B e g r i f f d e r » n e u e n S c h ö p f u n g « sei f r ü h j ü d i s c h e n U r s p r u n g s (vgl. J e s 4 3 , 1 9 ; J u b 1,29; 4 , 2 6 ; 1 Q H 1 3 [ 5 ] , 11 ff.; 1 Q S 4 , 2 5 ; 1 1 Q T R [ 1 1 Q 1 9 ] 2 9 , 9 ; ä t h H e n 7 2 , 1 ; L A B 2 , 9 f.) u n d bereits v o n P a u l u s a u s der v o r p a u l i n i s c h - f r ü h c h r i s t l i c h e n T r a d i t i o n (aktualisiert in der s o g . a n t i o c h e n i s c h e n G e m e i n d e ) e n t n o m m e n ( 3 8 9 f.). 1 6 7
K o n r a d t , E x i s t e n z 5 6 - 5 8 , b e z i e h t hier a u c h J a k 5 , 1 9 f. ein, e b e n s o 1,14 f. als » R ü c k f a l l in d e n T o d « ( 5 8 ) .
1 6 8
E i n g e w i s s e s P r o b l e m b l e i b e n für K o n r a d t , E x i s t e n z 7 0 f., d i e Stellen in ä t h H e n .
1 6 9
D i e letzten Z i t a t e : K o n r a d t , E x i s t e n z 7 3 f.
127
1,18-20
-Unterweisung. Jak ist vor allem an den Logos-Aussagen orientiert, während Nomos nur in V. 25 in der besonderen Gestalt des »Gesetz der Freiheit« hineinkommt. Wie in der Traditionsanalyse bereits dargestellt, steht Jak 1,18 einem Kranz von ntl. Aus sagen sehr nahe, die ihrerseits jüd. Konversionstheologie aufgreifen; es ist anzuneh men, daß er sich gegenüber seinen Adressaten auf die gemeinsame Basis bezieht. Es ist etwas »eingepflanzt« , das es zu ergreifen gilt (V. 21); dieses »Wort« ist offen sichtlich identisch mit dem »Wort der Wahrheit«, das dann nichts anderes als das Evangelium sein kann (s. o. Lösung 2c); die Interpretation von Xöyoc; als Tora oder Weisheit ist eine weder diachronisch noch synchronisch befriedigende Lösung (gegen Vorschlag 2a-b). Mit den Bezugnahmen auf die Konversion verschachtelt Jak Lek tionsteile aus der Unterweisungstradition, die den rechten Umgang mit dem Wort beleuchten. In diesem Sachkontext gewinnt auch V. 18 seinen pragmatischen Sinn. Die jak Intention, bezogen gerade auf f||iäc;, wie sie in V. 18b ausgesprochen i s t , besteht schwerlich in einer Belehrung über Gottes schöpferische Tätigkeit im allge meinen (gegen Lösung l a ) , auch nicht als creatio continua, sondern in der geistlichen Wegführung für die Adressaten, wozu sich V. 19 ff. sogleich weiter äußern werden. Anknüpfungspunkt ist die Konversion, die Lebensvermittlung durch Gott. Dieses Geschehen erfolgt durch das wahrhaftige bzw. Wahrheit schaffende W o r t . Der dualistische Hintergrund von V. 16 setzt sich fort von Leben/Tod (s. V. 15) zu Wahr heit/Verirrung (V. 16). Der Xöyog aXriOeiac; hat somit befreienden Charakter. Gera de die Qualifizierung durch »Wahrheit« pointiert das Besondere an diesem Gesche hen, das über die »übliche« Schöpfung hinausreicht, nämlich das, was in der jüd.christlichen Tradition Neuschöpfung (xouvf] xtiatg) heißt. - Gewiß ist Jak im allgemeinen an der ethischen Verpflichtung und an der Distanz zur Welt interes s i e r t . Aber 1,18b akzentuiert anders, ist doch von »seinen Geschöpfen« die Rede, von denen die Angesprochenen einen »Teil« (Gen. part.) bilden. Deshalb ist eher an das Motiv des »erwählten Volkes« zu denken (vgl. Lösung 3b, vgl. l b ) , also an alte Israel-Tradition (z. B. Dtn 7,7 ff.; 10,15); selbstverständlich schließt die Erwählung Verpflichtungen ein (so etwa Dtn 10,12 ff). Jak übernimmt darin also heilsgeschichtlich-ekklesiologisches Gedankengut. Inwiefern er damit auch eine universale, soteriologische und eschatologische Perspektive verbindet, bleibt ungesagt und steht somit jedenfalls nicht im Vordergrund. Als Interpretationslinie ergibt sich somit: Es ist Gottes ausdrücklicher Wille, daß er uns (in der Konversion) durch sein schöpferi sches Wort, das aus der Wahrheit stammt und Wahrheitsqualität besitzt, d. h. das Evangelium, zum neuen Leben gebracht hat, und zwar mit dem Ziel, daß wir als Got tes eigenes, erwähltes Volk zu ihm in besonderer Beziehung stehen. 19-20 Wie in V. 16 wendet sich Jak an seine »geliebten Brüder«. Die Fragen der kontextuellen Ver knüpfung und der Struktur von V. 19 haben zu diversen Varianten in den Hss. 170
171
172
173
170 V g l d
a
z
u
Jackson-McCabe, Gospel.
1 7 1
V g l . G i e g e r 4 5 - 4 8 , speziell 4 7 : als » t y p e « sei d i e A u s s a g e » o p e n for m e a n i n g for b o t h J e w s a n d C h r i s t i a n s « .
1 7 2
D e r G e n . aÄ/n0Eiag (der in d e r L i t e r a t u r w e n i g b e h a n d e l t w i r d ) ist a m e h e s t e n als q u a l i t a t i s o d e r o r i g i n i s
B u r c h a r d , H N T z. S t . : » B e t r o f f e n s i n d ... Verfasser u n d A d r e s s a t e n als C h r i s t e n « . zu verstehen. 1 7 3
S o d e r A k z e n t bei K o n r a d t , E x i s t e n z 6 1 ff.
Der U m g a n g mit dem Wort Gottes
128
1 7 4
geführt (vgl. o.). Das löte steht übergangslos im R a u m , das öe (nach eöxco) an scheinend beziehungslos. "EÖXOO leitet ein dreifaches eig xo ein, zunächst zweimal mit einem Verb, dann mit einem Substantiv. »Langsam zum Zorn« ist doch wohl eine Ergänzung zum zweiten Glied (»langsam zum Reden«) 5 , am Gegensatz »schnell langsam« partizipierend. Jak steuert auf das Thema »Zorn« zu, dem er in V. 20 eine Begründung folgen läßt, die auf ein ganz neues Motiv Bezug nimmt: »Gerechtigkeit Gottes«. Dieses Syntagma kommt bei ihm so nur hier v o r . Auch vom Zorn, von der Bereitschaft zum Hören und vom Gegensatz »schnell - langsam« redet Jak nur hier. Thematisch bilden V. 19 f. demnach eine digressio. - Die Traditionsanalyse (s. o.) zeigt einerseits eine weite Verbreitung der Motive »hören - denken - reden« bzw. »wenig reden - viel hören«, des Gegenübers »schnell - langsam« und des Topos » Z o r n « . Andererseits ist jedoch die Kombination »hören - reden - Zorn« so vor Jak nicht b e l e g t . V. 19b ist also nicht ein in toto übernommener Spruch ^; kon ventionell ist vielmehr nur »schnell zum Hören - langsam zum R e d e n « , auch wenn Tayvc, als Adj. nur hier im N T v o r k o m m t . Die semantische Opposition »Zorn eines Mannes - Gerechtigkeit Gottes« findet sich so ebenfalls nur hier. Offen bar setzt Jak Kenntnis darüber voraus, was »Gottes Gerechtigkeit« meint. Konventio nell ist die Verbindung zwischen »Unrecht« (döixia) und »Zorn, Gericht« als dessen Folge (so R o m 1,18; 2,8; 3 , 5 ) bzw. zwischen »Rechtfertigung« und »Rettung vor dem Zorn« (Rom 5,9). A m nächsten kommt noch Sir 1,22: »Nicht kann ungerech ter Eifer (O^jiög) gerechtfertigt werden, denn das Gewicht seines Eifers bringt ihn zu Fall«. Aber Jak ist viel polemischer in seiner Antithetik, nicht allein in V. 20 selbst, sondern auch in Relation zu »Sanftmut« in V. 2 1 . Aufgrund des großen Bekanntheitsgrades der Aussage von V. 19b sollte man laxe nicht als Imperativ, sondern als Indikativ fassen 83 (s. bereits o.). Jak ruft Basiswissen ab - »ihr wißt doch ... - das gilt für jeden Menschen«. Inhaltlich ist V. 19 ein »Gemeinplatz der ethischen B e l e h r u n g « , kennzeichnend in der Weisheitsliteratur für die Unterscheidung zwischen klugen und törichten Menschen. Jak schreitet 1 7
176
177
178
17
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1 8 2
1
184
1 7 4
M a r t i n , W B C 2 9 , r e c h n e t V. 1 9 a als S c h l u ß n o t i z z u m A b s c h n i t t V. 1 2 - 1 9 a u n d ü b e r s e t z t » N o t e this, m y d e a r b r o t h e r s « . B u r c h a r d , H N T z. S t . : l o t e n i e L X X , früchristlich n u r hier, »ist d e s h a l b w o h l n i c h t I n d i k a tiv ( s o a b e r 3 M a k k 3 , 1 4 ; J o s Bell I I I 3 7 4 ; A n t I X 1 4 5 ? . . . ) , s o n d e r n I m p e r a t i v « . A n d e r s M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 0 0 A n m . 1, u n d K l e i n 1 1 9 m i t A n m . 2 , d i e d i e D r e i z a h l für t y p i s c h j ü d i s c h h a l t e n ; m i t H i n w e i s a u f Sir 5 , 1 1 ; K o h 7 , 9 ; P r o v 1 3 , 3 ; 2 9 , 2 0 ; P s S a l 1 6 , 1 0 b ; ferner S t r . - B . I I I 7 5 3 . I n 2 , 2 3 u n d 3 , 1 8 s t e h t ein e i n f a c h e s ö i x a i o o v v r i ; d a s k a u s a t i v e V e r b ö u x x a i ö o o f i n d e t sich 2 , 2 1 . 2 4 . 2 5 . 177 V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 0 0 A n m . 1, u n d M a r t i n , W B C 4 7 , b e i d e m i t d e m H i n w e i s a u f H . A l m q u i s t , P l u t a r c h u n d d a s N e u e T e s t a m e n t ( A S N U 1 5 ) , U p p s a l a ( A p p e l b e r g ) 1 9 4 6 , 1 3 0 f. B o t t i n i , S e n t e n z e 1 7 8 ; J o h n s o n , T a c i t u r n i t y 3 3 8 f. 1 7 5
1 7 6
1 7 8
B a k e r 8 5 : d e r U r s p r u n g d e s t r i p a r t i t e n S p r u c h s ist u n b e k a n n t . B u r c h a r d , H N T z. S t . : D i e T r i a s s c h e i n t sel ten z u sein (er n e n n t D i o C h r s y O r 3 2 , 3 ; L u c D e m 5 1 ) . M i t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 7 , g e g e n D i b e l i u s , K E K z. S t . V g l . P r o v 2 9 , 2 0 u. a. D a g e g e n 1 2 x als A d v e r b . K l a s s i s c h e s M a t e r i a l bei H e r m a n n K l e i n k n e c h t : T h W N T V 386ff.; G u s t a v S t ä h l i n , e b d . 4 2 7 . 183 M i t M a y o r 6 4 f.; R e i c k e 1 9 f.; Schlatter, B r i e f 1 3 9 ; J o h n s o n , A n c B 1 9 9 , i m G e g e n s a t z z u r M e h r z a h l d e r K o m m e n t a r e , s o D i b e l i u s , K E K 1 3 9 f.; W i n d i s c h 10; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 9 9 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 2 2 ; Cantihat 100; Laws, C o m m e n t a r y 80. 1 7 9
1 8 0
1 8 1
1 8 2
1 8 4
L a w s , C o m m e n t a r y 8 0 , m i t H i n w e i s a u f Sir 5 , 1 1 ; 2 0 , 5 - 7 ; P r o v 1 0 , 1 9 ; 1 6 , 3 2 ; A b o t h 1 , 1 5 . 1 7 ; 2 , 1 0 u. a.
129
1,19-20
jedoch weiter zum Thema »Zorn«. V. 20 macht den Eindruck einer Gegenthese zu der Auffassung, man könne mit Zorn Gottes Gerechtigkeit bewirken, herbeischaf f e n . 'OQYT] braucht nicht nur einen Affekt zu bezeichnen; es kann auch das Straf gericht meinen und impliziert in der Ausübung Gewaltanwendung. Bis auf R o m 10,19 und 2Kor 7,11 f. wird im N T menschlicher Zorn negativ bewertet. Der Zorn ist Gottes Recht; menschlicherseits gibt es keine ö i x a i a OQyr|, keinen »heiligen Z o r n « . Wen könnte Jak korrigieren wollen? Wenig wahrscheinlich ist die Aus kunft: demagogische, apokalyptische, zelotische jüdische Kreise, die sich aufrühre risch gegen die Römer äußerten und die »Gerechtigkeit Gottes« als neue Sozialord nung verstanden. Denkbar, aber kaum nachweisbar, wäre eine Tradition wie der sog. Stürmerspruch Jesu (Mt 11,12 par. L k 16,16) über die Gewaltanwendung gegenüber der Gottesherrschaft. Evtl. nimmt Jak bereits hier prophylaktisch auf sei ne Kritik am Verhalten der Adressaten in 3,13 ff.; 4,1 ff. Bezug; dort jedoch ist von »Zorn« direkt nicht (mehr) die Rede. Wahrscheinlicher ist somit eine Anknüpfung an »Bergpredigtmaterial«, das in der Neophyten-Unterweisung Verwendung fand. Dort wird nicht nur der Zorn als Quelle des Tötens und der Zerstörung der Gemeinschaft genannt (Mt 5,21 ff.), sondern es spielt auch das Motiv »Gerechtigkeit« eine gewich tige Rolle (Mt 5,6.10.20; 6 , 1 . 3 3 ) . »Gerechtigkeit« scheint in der frühchristlichen Neophyten-Unterweisung ein bedeutendes Stichwort gewesen zu s e i n ; das Wort feld umfaßt u. a. Friede, Frucht, ewiges Leben, Wahrheit, Heiligung, Vollkommen heit, Reich Gottes. Dabei ist »Gerechtigkeit« sowohl G e s c h e n k als auch Lebens ausrichtung, Ermöglichung und Verpflichtung, wobei der Akzent natürlich wechseln k o n n t e . Jak könnte an diese Tradition (etwa im Sinn von M t 5,20-22) erinnern wollen. Zorniges Gebaren gehört zum »Schmutz« und zum »Bösen«, die »abgelegt« werden müssen (V. 21). Was Gottes »schöpferisches« und »rettendes« Wort in Gang gesetzt hat, nämlich »Gottes Gerechtigkeit«, ist inkompatibel mit »Manneszorn«. Vielmehr ist »Sanftmut« (auch das ein Stichwort der Neophyten-Unterweisung) am Platz (V. 21). 185
186
187
1 8 8
189
190
191
192
193
Vorbemerkungen Argumentation
zu 1,22-25
(Argumentation
und
Begrifflichkeit)
u n d Begrifflichkeit in diesen Versen stellen d i e K o m m e n t i e r u n g v o r
besondere
S c h w i e r i g k e i t e n . D i e u n t e r s c h i e d l i c h e n A u s l e g u n g s p o s i t i o n e n b e l e g e n d i e F ü l l e der A s p e k t e , U n klarheiten, P r o b l e m e u n d A n s a t z p u n k t e ; es e m p f i e h l t sich, i m V o r w e g e i n e K l ä r u n g z u v e r s u c h e n .
1 8 5
» G e r e c h t i g k e i t s c h a f f e n « a u c h ip 1 4 , 2 ; A p g 1 0 , 3 5 ; H e b r 1 1 , 3 3 .
186 B a u e r - A . 1 1 7 2 - 1 1 7 4 ; H . K l e i n k n e c h t u. a.: T h W N T V 3 8 2 - 4 4 8 ; W i l h e l m Pesch: E W N T I I 1 2 9 3 - 1 2 9 7 . 1 8
i
? S. etwa die Lasterkataloge Kol 3,6.8; E p h 4 , 2 6 . 3 1 ; l T i m 2 , 8 .
g 8
G . Stählin: T h W N T V 4 2 0 .
189 R e i c k e 2 0 f.; M a r t i n , W B C 4 8 . 1
9 0
Vgl. Popkes, Gerechtigkeitstradition (dort Literatur).
191 V g l . R o m 6 , 1 2 - 2 3 ; 1 4 , 1 7 ; I K o r 1 , 3 0 ; 2 K o r 3 , 9 ; 6 , 7 ; 1 1 , 1 5 ; Phil 1 , 1 1 ; E p h 4 , 2 4 ; 5 , 9 ; 6 , 1 4 ; I P e t r 2 , 2 4 ; 3,14.18; H e b r 5,13; 1 2 , 1 1 ; l j o h 2,29; 3,10. Vgl. Popkes, Paränese 1 4 2 . 1
9 2
B u r c h a r d , H N T z. S t . : i m V o r b l i c k a u f 2 , 2 1 - 2 5 » G o t t e s A n e r k e n n u n g , d i e d e m b e w ä h r t e n folgt...«.
193 V g l d i D i f f e r e n z i e r u n g e n b e i M a r t i n , W B C 4 7 f.; D a v i d s , C o m m e n t a r y 9 2 f. #
e
Rechttun
Der U m g a n g mitdem Wort Gottes
130
Z u unterschiedlichen Deutungen h a b e n in 1 , 2 2 - 2 5 ( b e s o n d e r s i n V. 2 3 - 2 5 ) vor a l l e m f o l g e n d e Probleme geführt, (a) W a s b e s a g t der Vergleich in V. 2 3 b - 2 4 ? 9 4 In welcher R e l a t i o n steht er z u m T h e m a » T ä t e r , nicht n u r H ö r e r « ? (b) Inwiefern ist d a s Vergessen d e s eigenen »Aussehens« (?) m i t d e m » N i c h t - T u n « z u korrelieren? W a s b e d e u t e t d a b e i jrQOöcojrov xfjg yeveoeux; ouxcru? (c) In welcher R e l a t i o n steht d e r Vergleich s o d a n n z u V. 2 5 ? Ist V. 2 5 Teil des Vergleichs o d e r eine k o m m e n tierende F o l g e r u n g ? W i e ist d a s Verhältnis von x a x a v o e l v (V. 2 3 . 2 4 ) z u JiaoaxijJtxeiv (V. 2 5 ) z u b e s t i m m e n ? D i e S i n n l i n i e n d e r Verben d i v e r g i e r e n 9 5 z u d e m : e i n m a l » h ö r e n - t u n « (V. 2 3 a ) , d a n n »sehen - fortgehen - vergessen - b l e i b e n « (V. 2 3 b - 2 5 a ) , schließlich »werden - sein« (V. 2 5 b ) . E b e n falls variieren d i e t r a g e n d e n N o m i n a : X o y o g (V. 2 2 . 2 3 ) , vojxog (V. 2 5 ) , £ Q Y (V. 2 5 ) - alle s i n d sie freilich m e h r o d e r m i n d e r direkt m i t » T ä t e r / T u n « v e r b u n d e n , (d) W a s b e d e u t e t d a s D o p p e l s y n t a g m a vouoc; x e ^ e i o g 6 xfjc; e ^ B e p i a g ? 1
1
o v
1. Z u r Struktur d e r Passage k a n n bereits folgendes festgestellt w e r d e n . D i e A u f f o r d e r u n g z u m T u n des W o r t e s (V. 2 2 ) n i m m t d i e z u m » A n n e h m e n d e s eingepflanzten W o r t e s « auf; insofern ist V. 2 2 f. eine E x p l i k a t i o n v o n V. 2 1 . » W o r t « w i e d e r u m k a m erstmals in V. 18 vor. D e r F a d e n läuft also v o n V. 18 über V. 2 1 z u V. 2 2 ff., w ä h r e n d V. 1 9 - 2 0 eine digressio b i l d e n (s. o . ) . D i e A u s s a g e v o n V. 2 2 ist klar: M a n soll d a s » W o r t « n i c h t n u r hören, s o n d e r n a u c h t u n ; andernfalls b e t r ü g t m a n sich selbst. D a s w i r d in V. 2 5 b wieder aufgegriffen: »nicht ein H ö r e r (der Vergeßlichkeit), s o n d e r n T ä t e r d e s Werkes - darin w i r d er selig sein«. A u c h V. 2 3 a , der weithin n u r V. 2 2 wiederholt ( o h n e v ö u o v ) , ist i n sich klar. D i e P r o b l e m e b e g i n n e n a b V. 2 3 b . W a s soll d e r Vergleich ausrichten? U n d was b e s a g t V. 2 5 a ? 1 9 6
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F. V o u g a stellt drei M ö g l i c h k e i t e n d e r Verknüpfung innerhalb von V. 22-25 h e r a u s . (a) V. 2 2 2 5 b i l d e n ein G a n z e s ; d a s T h e m a lautet » T ä t e r / N i c h t - T ä t e r « ; d i e A u s s a g e lautet: es k o m m t a u f d i e Beständigkeit a n . (b) V. 2 2 - 2 4 b i l d e n ein selbständiges G l e i c h n i s ^ , a u s d e m V. 2 5 d i e L e h r e zieht; d e r S i n n ist etwa d e r w i e in d e n G l e i c h n i s s e n J e s u : E i n J ü n g e r , d e r fortgeht z u seinen T a g e s geschäften, verliert d i e N a c h f o l g e a u s d e n A u g e n , (c) V. 2 2 - 2 5 s i n d eine A l l e g o r i e ; d e r Spiegel ist das W o r t / G e s e t z ; der M e n s c h soll z u rechter E r k e n n t n i s finden. - I n sachlicher H i n s i c h t entscheid e t sich bei d e r R e l a t i o n d e r Verse untereinander, unter welchen V o r a u s s e t z u n g e n j e m a n d lt. V. 2 5 als »glücklich« z u preisen ist. W i e w i r d j e m a n d ein » T ä t e r d e s Werkes«? L i e g t d e r A k z e n t b e i m Ü b e r w i n d e n der Vergeßlichkeit? O d e r spielen d i e Verben u n d O b j e k t e (speziell » v o l l k o m m e n e s G e s e t z d e r Freiheit«) eine e n t s c h e i d e n d e Rolle? - L o g i s c h e V e r k n ü p f u n g e n bestehen für J a k e i n m a l darin, d a ß d e r Vergleich in V. 2 3 f. d e n S e l b s t b e t r u g (V. 2 2 b ) belegen soll; z u m a n d e r e n i m S y n t a g m a » H ö r e r d e r Vergeßlichkeit« selbst (V. 2 5 ) , d. h. in d e m G e d a n k e n , d e r b l o ß e H ö r e r leide a n Vergeßlichkeit - u n d d a m i t a u c h a n Tatenlosigkeit. Z i e l p u n k t der g a n z e n Passage ist zweifellos, d a ß j e m a n d z u m T ä t e r werden soll (jtoirixr|g V. 2 2 . 2 3 . 2 5 , Jtoiriöig V. 2 5 ) . Insofern h a n d e l t es sich u m eine R i n g k o m p o s i t i o n v o n V. 2 2 z u 2 5 . S y n t a k t i s c h endet d e r Vergleich z u n ä c h s t e i n m a l m i t V. 2 4 ; V. 2 5 setzt n e u a n (»wer aber . . . « ) . 1 9 8
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2 . H ö r t d i e Spiegelmetapher m i t V. 2 4 auf, o d e r setzt sie sich in V. 2 5 fort? Ist V. 2 5 ein weiterführender u n d k o m m e n t i e r e n d e r G e d a n k e o d e r Teil d e s Vergleichs? A n d e r s g e w e n d e t : F o r m u liert J a k d e n Vergleich v o m Verglichenen h e r ? ° 3 W o gerät m a n in eine allegorische Interpretation? - D a s ausführlichste Plädoyer für einen d i e V. 2 3 b - 2 5 übergreifenden Vergleich liefert L . T . 2 0 2
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Vgl. Dibelius, K E K 147. J o h n s o n , M i r r o r 6 3 6 : eine v e r w i r r e n d e K o m b i n a t i o n » o f aural, visual, a n d spatial i m a g e s « . K o n r a d t , E x i s t e n z 1 7 0 ff. Sigal 3 3 9 ff. betrachtet 1 , 2 2 - 2 5 als ein S t ü c k H a l a k h a . V o u g a 6 4 , ü b e r n o m m e n v o n C a r g a l , R e s t o r i n g 1 0 1 f. Z w e i M e n s c h e n w e r d e n m i t e i n a n d e r verglichen; einer geht fort, der a n d e r e bleibt; »l'existence se forge d a n s la p a t i e n c e et la resistance« , vgl. 1 , 2 - 4 ( V o u g a 6 4 ) . B u r c h a r d , H N T z. St.: » V 2 3 - 2 4 erläutern V. 2 2 b m i t e i n e m G l e i c h n i s : der S e l b s t b e t r u g des N u r h ö r e r s ist tödliche Krankheit«. V g l . d a z u bei D i b e l i u s , K E K 1 4 7 . K o n r a d t , E x i s t e n z 1 7 2 f.: V. 2 5 ( M a k a r i s m u s ) a n t w o r t e t a u f V. 2 2 b . So Dibelius, K E K 147. S o F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 4 0 ; vgl. K o n r a d t , E x i s t e n z 1 7 3 : V 2 5 ist » d e m Vergleich nachgestaltet«.
Vorbemerkungen zu 1,22-25
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Johnson. E r r ä u m t ein: »das G e s e t z wird nicht explizit ein Spiegel genannt«, m e i n t aber, i m p l i zit seien es »zwei Spiegel: der eine vorgehalten v o n der >Natur<, der a n d e r e v o m >Gesetz G o t t e s < « . ° 5 Was soll m a n in j e d e m der Spiegel sehen? W e s h a l b redet J a k v o m F o r t g e h e n u n d Vergessen bzw. v o m B l e i b e n u n d N i c h t - V e r g e s s e n ? D i e A n t w o r t leitet J o h n s o n a u s der p r a k t i s c h e n P h i l o s o p h i e der Zeit h e r . D o r t h a b e der Spiegel als m o r a l i s c h e M e t a p h e r gedient, u n d zwar z u m Z w e c k der Selbsterkenntnis u n d Selbst-Verbesserung. A u c h L e b e w e s e n k ö n n e n z u m Spiegel des besseren Ver haltens w e r d e n , vor allem E t h i k - L e h r e r u n d V ä t e r als g u t e Vorbilder. D a b e i sollen (Wert-) U r t e i le z u T a t e n w e r d e n u n d n i c h t z u b l o ß e n W o r t e n (Plut. M o r a l i a 8 4 b ) . D e r s o e r w o r b e n e H a b i t u s ist ein A k t der E r i n n e r u n g ( 8 5 b ) . W i e für Philo ( V i t C o n t 7 8 ) sei für J a k » G o t t e s G e s e t z ein Spiegel für die ethische U n t e r w e i s u n g « . N i c h t o h n e G r u n d verweise J a k später a u f mehrere ethische B e i spiele ( A b r a h a m , R a h a b , H i o b , E l i a ) . ° 9 E s k o m m e also d a r a u f an, in d a s » G e s e t z der Freiheit« als einen Spiegel der m o r a l i s c h e n B e s s e r u n g i n s t ä n d i g z u s c h a u e n . - D i e v o n J o h n s o n aufgezeigten A s p e k t e s i n d in der T a t nicht z u übersehen. E s bleibt j e d o c h ein gewichtiges logisches P r o b l e m . D e r Vergleich in V. 2 3 b . 2 4 ist d a r a u f angelegt, d a ß j e m a n d , der in d e n Spiegel g e s c h a u t hat, a l s b a l d d e m Vergessen anheimfällt. D a s S p i e g e l b i l d k a n n offenbar gar n i c h t i m G e d ä c h t n i s haften. W ü r d e V. 2 5 nicht folgen, bliebe der Vergleich in sich v o l l a u f a u s s a g e k r ä f t i g . In V. 2 5 w i r d d e m g e g e n über v o n etwas d e m Spiegel(bild) U n g l e i c h e n g e s p r o c h e n , d a s M e n s c h e n nicht vergessen läßt, s o n dern zur T a t bringt. »Spiegel« u n d » G e s e t z « g e h ö r e n als solche s o m i t unterschiedlichen K a t e g o r i e n an; d i e A r t des B e t r a c h t e n s ist d a g e g e n vergleichbar u n d weist Ä h n l i c h k e i t e n auf. D i e P r ä m i s s e , implizit sei d a s G e s e t z ein Spiegel, läßt sich d e m n a c h k a u m halten. M a n k a n n allerdings die F r a g e aufwerfen, o b J a k (wie a u c h a n d e r s w o ) d i e verschiedenen A s p e k t e seiner T r a d i t i o n ü b e r h a u p t n a h t los u n d l o g i s c h a m a l g a m i e r t hat (vgl. etwa zu 3 , 6 f.). D a n n wäre er in der T a t v o n einer S p i e g e l m e t a p h o r i k w i e in der P h i l o s o p h i e beeinflußt gewesen, hätte sie j e d o c h in V. 2 3 b . 2 4 m i t anderer P o i n t e verwendet, u m in V. 2 5 d a s B i l d w i e d e r u m z u verändern; d e n n hier ist er viel stärker a n der Q u a l i f i z i e r u n g des N o m o s interessiert. W i e d e m a u c h sei, m a n w i r d g u t d a r a n tun, d e n T e x t logisch nicht zu überfrachten u n d eine A l l e g o r i s i e r u n g zu v e r m e i d e n . W i r notieren als Z w i s c h e n ergebnis: D i e L ö s u n g b bei V o u g a (V. 2 3 f. b i l d e n ein G l e i c h n i s , a u s d e m V. 2 5 d i e L e h r e zieht) verdient d e n V o r z u g . D a s G e s e t z ist nicht selbst als Spiegel v e r w e n d e t ( g e g e n L ö s u n g c ) . 2
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3. D a m i t ist d i e sachliche Schwierigkeit der Verbindung zwischen V.23f. und25 allerdings n o c h nicht völlig aufgelöst. Inwiefern erliegt d e n n ein H ö r e r e b e n s o der Vergeßlichkeit w i e der S p i e g e l betrachter? »Vergeßlichkeit« ist j a der h a u p t s ä c h l i c h e V e r b i n d u n g s p u n k t zwischen V. 2 4 u n d 2 5 . In V. 2 5 g e h t es wieder u m d a s T u n , v o n d e m V. 2 3 b . 2 4 nicht h a n d e l t e n . M a n sollte diesen A s p e k t n i c h t v o n V. 2 5 n a c h V. 2 3 b . 2 4 rückübertragen (der Spiegelbetrachter h a b e keine aktiven K o n s e q u e n z e n g e z o g e n ) der Vergleich zielt in V. 2 4 n u r a u f d i e Vergeßlichkeit, n i c h t a u f d a s N i c h t T u n . D i e V e r b i n d u n g zwischen N i c h t - T u n u n d Vergeßlichkeit ist für.Jak eine s a c h - i m m a n e n t e , d i e v o n V. 2 3 a . 2 5 her z u l ö s e n ist. - Weitere V e r k n ü p f u n g e n zwischen V. 2 4 u n d 2 5 bestehen in d e n 2 1 1
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Johnson, Mirror 632-645. Johnson, Mirror 636. J o h n s o n , M i r r o r 6 3 6 ff. Als B e l e g e w e r d e n angeführt: S e n e c a N a t u r a l e s q u a e s t i o n e s I 7,4; 1 7 , 2 f.; d e m e n tia I 1 , 1 7 ; 7 . 1 ; 1 5 , 3 ; Ira 3 6 , 1 - 3 ; P l u t M o r a l i a 9d.fi 1 0 b ; 12d; 14a; 8 4 b . c ; 8 5 b ; 139f; I 4 l d ; 9 6 7 d ; E p i c D i s s II 1 4 , 1 7 - 2 3 ; Philo V i t C o n t 2 5 . 2 6 . 2 9 7 8 . 8 5 . 8 8 ; W e i s h 7 , 2 6 u. a. - E i n e n a n d e r e n W e g beschreitet D e n y e r , der R e k u r s a u f (Ps)Plato A l k i b i a d e s 1 3 2 c - 1 3 3 c n i m m t . I m Z e n t r u m steht d o r t d i e p l a t o n i s c h e U n t e r s c h e i d u n g zwischen d e m S i c h t b a r - K ö r p e r l i c h e n u n d d e m v o l l k o m m e n e n Bereich der Ideen, z u d e m d i e Seele gehört. Wer (wie J a k 1 , 2 2 - 2 5 ) in einen Spiegel schaut, erhält lediglich ein inferiores A n n ä h e r u n g s b i l d ech ter S e l b s t e r k e n n t n i s . J a k vergleiche einen solchen flüchtigen E i n d r u c k m i t d e m H ö r e n o h n e T u n . D a r u n t e r A m e i s e n (Plut M o r a l i a 9 6 7 d ) . Johnson, Mirror 6 4 1 . 09 E b d . 6 4 1 - 6 4 5 . A u c h V i a 2 6 3 : » T h e fact that 1 : 2 3 - 2 4 is self-contained a n d that 1:25 i n t r o d u c e s a n e w i d e a ... w o u l d s e e m to i n d i c a t e that 1 : 2 3 - 2 4 a n d 1:25 were n o t originally c o n n e c t e d « . E t w a : sein s c h m u t z i g e s (V. 2 1 ) G e s i c h t zu w a s c h e n o d e r a u f V e r u n s t a l t u n g e n z u achten; vgl. M a r t i n , W B C 5 0 ; als H i n t e r g r u n d solcher E r w ä g u n g e n dient, w a s Philo V i t M o s I I 11 über P r i e s t e r w a s c h u n g e n schreibt ( L a w s , C o m m e n t a r y 8 6 ) . D a g e g e n w e n d e t sich m i t R e c h t K o n r a d t , E x i s t e n z 1 7 4 .
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Der U m g a n g mit dem Wort Gottes
V e r b p a a r e n x a x a v o e i v / j t a Q a x i J J t T e L V u n d a j t e Q X O u m / j t a o a u i v e i v . D e n B e w e i s für eine übergrei fende Allegorie k ö n n e n sie nicht liefern, d e n n in b e i d e n S a c h b e r e i c h e n (sich i m S p i e g e l betrach t e n / s i c h ins v o l l k o m m e n e G e s e t z der Freiheit vertiefen) s i n d sie j e für sich s t i m m i g . O b unter schiedliche G r a d e der B e t r a c h t u n g s i n t e n s i t ä t vorliegen, ist k e i n e e n t s c h e i d e n d e F r a g e . Schwieriger ist d a s G e g e n ü b e r v o n F o r t g e h e n u n d B l e i b e n z u b e s t i m m e n . In V. 2 4 legt es d i e S a c h e n a h e : N i e m a n d s c h a u t e n d l o s in d e n Spiegel, d a s F o r t g e h e n fuhrt z u m Vergessen. A b e r inwiefern »wird«(!) j e m a n d , der b e i m v o l l k o m m e n e n G e s e t z »verharrt«, d a b e i o d e r g a r d a m i t (?) z u m » T ä t e r des Wer kes«? W i e d e r u m h a n d e l t es sich u m eine s a c h - i m m a n e n t e Frage, d i e aus V. 2 5 selbst z u l ö s e n ist. I m m e r h i n k a n n festgehalten w e r d e n : D e r Vergleich zielt a u f d i e Vergeßlichkeit (nicht a u f die B e s t ä n d i g k e i t (gegen L ö s u n g a bei V o u g a ) . 2 1 2
4 . D i e Ergebnisse der A n a l y s e v o n 1 , 2 2 - 2 5 lassen sich f o l g e n d e r m a ß e n z u s a m m e n f a s s e n . I m Z e n t r u m steht die B e t o n u n g des T u n s (V. 2 2 a . 2 3 a . 2 5 b . c ) ; a u f d e m T u n liegt die V e r h e i ß u n g (V. 2 5 c ) . D e m T u n steht d a s N u r - H ö r e n g e g e n ü b e r (V. 2 2 . 2 3 a . 2 5 b ) . W e r nicht zur T ä t i g k e i t gelangt, b e t r ü g t sich selbst (V. 2 2 b ) . D i e S e l b s t t ä u s c h u n g w i r d m i t e i n e m Vergleich illustriert (V. 2 3 b . 2 4 ) , d e s s e n t e r t i u m c o m p a r a t i o n i s — n ä m l i c h die Vergeßlichkeit — d i e A n w e n d u n g in V. 2 5 b e s t i m m t . D a b e i w i r d zugleich an d a s M o t i v des H ö r e n s in V. 2 2 (das i m Vergleich V. 2 3 f. k e i n e R o l l e spielt) a n g e k n ü p f t ; es k o m m t d a r a u f an, d a s T u n nicht z u vergessen (V. 2 5 b ) . V. 2 5 ist s o m i t v o n V. 2 3 f. a b z u k o p p e l n ; er zieht die L e h r e a u s d e m Vergleich u n d ist nicht Teil desselben. V. 2 3 2 5 s i n d nicht als Allegorie z u lesen. D e r Spiegel-Vergleich h e b t nicht a u f Selbsterkenntnis ab, s o n dern a u f die F l ü c h t i g k e i t des E i n d r u c k s (nicht des B e t r a c h t e n s ) . D a s G e s e t z (V. 2 5 a ) ist nicht als besserer Spiegel v e r s t a n d e n , der bessere Selbsterkenntnis brächte. V. 2 5 b e t o n t eine dauerhafte B e s c h ä f t i g u n g m i t e i n e m b e s t i m m t e n G e s e t z , zugleich u n d v o r a l l e m aber d a s N i c h t - V e r g e s s e n des T u n s . D e r S e l i g p r e i s u n g (V. 2 5 c ) liegt s o m i t eine d o p p e l t e B e d i n g u n g (V. 2 5 a . b ) z u g r u n d e : Beharr lichkeit u n d T u n . Weil die Intensität bzw. D a u e r des Betrachtens a u c h s c h o n i m Vergleich v o r k a m (V. 2 3 b . 2 4 a ) , liegt der A k z e n t in V. 2 5 a u f d e m T u n , d a s nicht vergessen w e r d e n darf. D i e l o g i s c h e n O b j e k t e wechseln v o n L o g o s (V. 2 2 a . 2 3 a ) zu » v o l l k o m m e n e r N o m o s der Freiheit« (V. 2 5 a ) u n d W e r k (V. 2 5 b ) ; der letzte F a k t o r unterstreicht n o c h e i n m a l d a s B e w i r k e n (vgl. 1,4). D e r L o g o s (als W o r t G o t t e s : V. 1 8 . 2 1 ) k a n n als » v o l l k o m m e n e s G e s e t z , d a s der Freiheit« in E r s c h e i n u n g treten, u n d zwar als O b j . christlicher A u f m e r k s a m k e i t . D i e s e r N o m o s konkretisiert sich (wie 2 , 8 - 1 2 zei g e n ) als »königliches G e s e t z « , des näheren als das G e b o t der N ä c h s t e n l i e b e . J a k k a n n bei seinen A u s f ü h r u n g e n u n d seiner W o r t w a h l a u f d a s Verstehen seiner A d r e s s a t e n rechnen, d e s h a l b erläutert er speziell » G e s e t z der Freiheit« nicht; näherer A u f s c h l u ß läßt sich a m ehesten v o n 2 , 8 ff. her er warten.
21 Durch ÖLO sowie durch die semantische Opposition »Sanftmut/ Z o r n « 3 bindet Jak V. 21 an V. 19 f. (speziell V. 20) an. Das erste Partizip (outoOejievoi) und das finite Verb (öe^aoOe) betreffen das Handeln der Adressaten, während V. 21 c die Wirkkraft des Wortes beschreibt. Schwierig ist die syntaktische Zuordnung von »in Sanft mut«: gehört es zu »ablegen« oder zu »annehmen«? Das Aor.-Part. &jro08[xevoi kann vorzeitig oder gleichzeitig aufgelöst werden; es ist allenfalls implizit imperativisch, trägt also nicht den Akzent der Aussage als Handlungsanweisung. Der syntaktische Schwerpunkt liegt vielmehr zuerst beim Imperativ »nehmt an!«, daneben in der Qua lifizierung des Wortes als rettender Kraft (appositiver Partizipialsatz). - Zugang zu V. 21 hat man vor allem durch Kontextanalyse (speziell die Xoyog-Linie V. 18.21. 22 ff.), Begriffgeschichte (»eingepflanztes W o r t « ) und Formgeschichte (Taufpar21
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V i a 2 6 3 b e t o n t : » J a m e s m i s s e s t h e real p o i n t o f 1 : 2 2 - 2 4 a n d i n t r o d u c e s t h e i d e a o f t h e l a w in 1:25 in a d i s cordant way«.
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B e r e i t s b e i A r i s t o t e l e s , s. o. » T r a d i t i o n s l e m e n t e « .
i V g l . Dibelius, K E K 145.
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V o r b e m e r k u n g e n zu 1,21
änese oder ähnliches?) zu gewinnen versucht. Ebenfalls spielt die Metaphorik (able gen, annehmen, einpflanzen) eine Rolle: Kleidung, Vegetation, Geburt? Methodisch gesehen, empfiehlt sich der Ansatz beim Ganzen, nicht bei den Einzelteilen. - Das tragende Gerüst von V. 21 besteht aus den drei Komponenten: »Böses ablegen«, »das Wort annehmen« und »das Wort ist rettungskräftig«. Das weist (wiederum, s. besonders zu V. 18) auf frühchristliche Konversionsterminologie als Traditionshinter grund, auch wenn sie (wie hier) postkonversional angewendet w i r d . 5 In dieser Tra dition ist Ablegen (ajroxiOnui) des Schlechten topisch (ebenso R o m 13,12; Kol 3,8 ff.; Eph 4,22 ff.; IPetr 2,1 f.; 3 , 1 1 . 2 1 2 1 6 ; Hebr 12,1; l C l e m 13,1; 57,2; 2Clem 1,6; HermS 9,23,5 [=100,5]). Auch das »Annehmen des Wortes« ist in der Mission zu Hause (Lk 8,13; Apg 8,14; 11,1; 17,11; IThess 1,6; 2 , 1 3 ) / \ obschon wiederum ursprünglich in der Erstbegegnung mit dem E v a n g e l i u m . Besonders auffällig ist die Berührung mit IPetr 1,23-2,2; dort ist zunächst die Rede von »wiedergeboren aus unvergänglichem Samen durch das Wort Gottes« (vgl. Jak 1, 10 f.) mit der Deutung des .»Wortes« auf das Evangelium; es folgt der Hinweis auf das Ablegen alles Bösen (mit Lasterkatalog). ^ Von der »Rettung der Seelen« handelt gleichfalls IPetr 1,9; 3,20 (vgl. 1,22; 2,25). Damit sind die drei genannten Grundfaktoren von Jak 1,21 abgedeckt, so daß anzunehmen ist, daß Jak sich auf konversionale Tradition bezieht und sie als Erinnerung im Blick auf eine Erneuerung der Bekehrung benutzt. Es trifft zu, daß Jak dabei ein Theologe des Wortes ist und daß kein Hinweis auf irgendeinen Taufsakramentalismus o. dgl. vorliegt. Dessenungeachtet, bedient er sich der Konversionsterminologie. Es gibt noch zuviel »Altes« bei den Adressaten, speziell den Zorn (V. 19 f.). Die Ausdrücke » S c h m u t z « und »Schlechtes« sind dabei konventionell (IPetr 3,21 bzw. Kol 3,8; Eph 4,31; IPetr 2,1). Mit JteQiooeia drama tisiert Jak das Motiv: »all die viele Schlechtigkeit« . Die schwierig zu bestimmende syntaktische Position von »in Sanftmut« rührt wohl daher, daß Jak als Kontrast zu »Zorn« ein weiteres Stichwort der Konvertitenbelehrung , nämlich JtQaOrnc;, nicht völlig geschickt einfügte. ^ Es ist sinnvoller, »in Sanftmut« auf »annehmen« als auf »ablegen« zu beziehen. - Daß Logos in V. 21 dasselbe »Wort« wie in V. 18 und 22 f. meint, ist unbestritten. In V. 18.21b liegt der Akzent freilich bei der göttlichen 21
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215 V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 7 5 - 7 7 ; D i b e l i u s , K E K 1 4 4 - 1 4 6 . Hier auch »Schmutz«. S . freilich a u c h P r o v 2 , 1 ; 4 , 5 ; 1 0 , 1 8 ; S i r 6 , 2 3 ; 5 1 , 1 6 . G e g e n D i b e l i u s , K E K 1 4 6 ; K l e i n 1 3 6 ; e i n e R e - l e c t u r e ist d e s w e g e n d o c h n i c h t a u s g e s c h l o s s e n ! V g l . o. in d e r T r a d i t i o n s a n a l y s e z u d e n Q u e r v e r b i n d u n g e n z w i s c h e n J a k 1 , 2 6 f.; 2 , 1 ff. u n d I P e t r 1 , 1 4 - 1 6 . S o a u c h L a w s , C o m m e n t a r y 8 4 f.; v o n G e m ü n d e n , E i n s i c h t 7: p o s t c o n v e r s i o n a l e M a h n r e d e . D a r i n h a t F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 3 0 - 3 3 3 , R e c h t . A l l i s o n 1 6 5 f. sieht e i n e n H i n w e i s a u f d i e B e s c h n e i d u n g (unter B e z u g a u f IPetr 3 , 2 1 ) . In A p k 2 2 , 1 1 parallel m i t » U n r e c h t t u n « . M i t D i b e l i u s , K E K 1 4 4 f. D o r t a u c h a b g r e n z e n d z u a n d e r e n s y n t a k t i s c h e n Z u o r d n u n g e n ; s o bei W i n d i s c h , der a u c h Q i m a o i a v m i t x a x i a g v e r b i n d e t ( » d i e g a n z e S c h m u t z m a s s e d e r S c h l e c h t i g k e i t « ) . 224 V g l . P o p k e s , P a r ä n e s e 1 4 7 f. S o a u c h K l e i n 1 2 0 . 1 3 5 . B u r c h a r d , H N T z. S t . b e t o n t d i e O p p o s i t i o n z u » Z o r n « ; b e s t i m m t w e r d e hier d a m i t der »Wechsel, nicht das Leben danach«. 226 M i t K l e i n 1 2 0 A n m . 1 1 , d e r a u f a n a l o g e F o r m u l i e r u n g e n m i t öexoueii h i n w e i s t : I T h e s s 1,6 ( m i t F r e u d e ) ; A p g 1 7 , 1 1 ( m i t aller B e r e i t w i l l i g k e i t ) . V g l . a u c h S i r 3 , 1 7 a (»in S a n f t m u t v o l l b r i n g e d e i n e W e r k e « ) . A n d e r s Dibelius, K E K 144. 2 1 6
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Der U m g a n g mit dem Wort Gottes
Wirkkraft, während in V. 21a.22 f. der Mensch in die Aktivität gegenüber dem Logos tritt. Einzigartig im N T ist die Qualifizierung £Uxpuxog. 7 In der Auslegung stehen sich drei Positionen gegenüber. (1) Jak nehme auf die hellenistische, besonders stoische Lehre von der »angeborenen, von Natur aus eingepflanzten Vernunft« Bezug. Auch wenn terminologische Anleihen bei der Stoa gemacht worden sein sollten, so steht dieser Interpretation das »retten können« entgegen; davon redet die Stoa nicht. (2) Im Hintergrund stehe deuteronomistische T r a d i t i o n , ausgehend von Dtn 30,1.11-14; vgl. Jer 33,31; Sach 1,6; Ps 37,31; Prov 3,1. Kernpunkt sei, daß Gottes Wort uns nahe, im Herzen sei und wir es beherzigen sollen; futurisch gewendet in Jer 3 1 . Auch für Jak bezeichne das Wort in erster Linie »Gesetz« auf der dtn. L i n i e . Man muß freilich unterscheiden zwischen »Einstiftung des Wortes« (so Jer 31) und der Internalisierung des Gesetzes durch die F r o m m e n . Weil bereits im N T Dtn 30,14 im Sinn von »Wort des Glaubens« aufgegriffen wird (Rom 10,8), ist es wenig wahrscheinlich, daß Jak direkt und unabhängig auf die atl.-jüd. Linie zurückgriff. Vielmehr ist die Position (3) vorzuziehen, die »eingepflanztes Wort« auf die christliche Konversion zurückführt, unbeschadet einer christlichen Transformation der Aussagen von D t n 30 usw. ^ D a n n steht »Wort« hier nicht (einfach) für »Gesetz«, sondern für die »rettende B o t s c h a f t « . Die Christen haben das Wort angenommen als Wort Gottes, nicht als Wort der Menschen, und es w i r k t in ihnen (lThess 2,13). Das Wort wird in die Menschen »gesät« (Mk 4,15; M t 13,19; Lk 8,11 f. 15), »geschrieben« ( l C l e m 2,8; vgl. HermS 8,3,3 [=69,3]); ja, die Gnade der Geistesgabe bzw. die Gabe der Lehre wird »eingepflanzt« (euxpmoc;: Barn 1,2; 9 , 9 ) . D e m entspricht in IPetr 1,23 der »unvergängliche Same«, aus dem die Christen »wiedergeboren« s i n d . Auch die Herleitung von »eingepflanztes Wort« verweist demnach auf dieselbe Tradition wie bei den anderen Elementen von 1,21, nämlich auf die christliche Konversion. Bei der Bekehrung erhielten die Adressaten eine sie im Inneren verändernde »Eingebung« von Gott her. 22
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D a s A d j . k o m m t in L X X u n d N T n u r n o c h W e i s h 1 2 , 1 0 ( » a n g e b o r e n e S c h l e c h t i g k e i t « ) vor. Ä h n l i c h e n e g a tive A n l a g e n n e n n t P h i l o I m m 1 0 1 ; F u g 1 2 2 ; S p e c L e g 1 3 8 ; V i r t 2 3 ; P r a e m 5. » A n g e b o r e n « a u c h P s P h o k y l 1 2 8 ; J o s e p h Bell 1,88; A n t 1 6 , 2 3 2 ; J u s t A p o l II 8. D a h i n t e r steht g u t g r i e c h . T r a d i t i o n ( L - S - J 5 5 1 ) .
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Vgl. Klein 135-137. N ä h e r e s bei K l e i n 1 3 5 A n m . 9 3 ; J a c k s o n - M c C a b e , G o s p e l ; vgl. V o u g a 6 3 . ° K l e i n 1 3 6 f.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 3 2 ; vgl. K o n r a d t , E x i s t e n z 7 8 f. W e i t e r e B e l e g s t e l l e n bei K l e i n 1 3 6 A n m . 9 8 - 1 0 0 . S o K l e i n 1 3 7 ; vgl. F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 3 2 . S o d i e K r i t i k d u r c h K o n r a d t , E x i s t e n z 7 8 . 4 E s r 9 , 3 1 redet v o m E i n s ä e n d e r T o r a ; 4 Q 5 0 4 F r g . 1 K o l . II 13 ( M a i e r II 6 0 7 ) v o m E i n p f l a n z e n d e r T o r a ins H e r z . Sir 2 4 , 1 2 d a g e g e n h a n d e l t v o m » W u r z e l n d e r W e i s h e i t « in G o t t e s V o l k . V g l . v o n G e m ü n d e n , V e g e t a t i o n s m e t a p h o r i k 2 7 0 : d a s A d j e k t i v k a n n » a n - , e i n g e b o r e n « oder auch »eingepflanzt« bedeuten.
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Z u r b r e i t e n R e z e p t i o n v o n D t n 3 0 , 1 1 - 1 4 bei P h i l o s. K o n r a d t , E x i s t e n z 7 8 A n m . 2 5 9 . M i t K o n r a d t , E x i s t e n z 7 9 ; ä h n l i c h M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 0 2 f.; S c h n i d e r 4 8 f. 236 y G e m ü n d e n , E i n s i c h t 7: E u ^ u x o g X ö y o g ist A n t i p o d e d e r kmQv\xia. » D i e G e b u r t . . . d u r c h d a s W o r t d e r W a h r h e i t ist i m L e b e n d e s C h r i s t e n i m m e r w i e d e r d u r c h d i e A n n a h m e d e s in d e r K o n v e r s i o n e i n g e b o r e n e n bzw. e i n g e p f l a n z t e n W o r t e s ... z u a k t u a l i s i e r e n . « N a c h J o h 5 , 3 8 ; l j o h 1 , 1 0 b l e i b t d a s W o r t in u n s .
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V g l . a u c h Rom 6 , 5 o v u x p m o i , p e r s o n a l v e r s t a n d e n , i m K o n t e x t d e r T a u f e . H a n s H ü b n e r : E W N T I I I 8 2 4 . So auch Konradt, Existenz 79.
135
1,21-22 240
Die Metaphorik oszilliert zwischen »Pflanzung« (Agrikultur) und »Erzeugen/ G e b ä r e n « (vgl. V. 18). Eine strikte Abgrenzung zu ziehen, ist schwierig, weil beide Bilder physiomorph sind; für »Geburt« spricht die Beziehung zu V. 18 (ämKvr]OEv). Das aktivische »ablegen/annehmen« gehört dagegen in die Gewand-Metaphorik, die in der Tauftradition verbreitet ist (Kol 3,8 f f . ) . Allerdings modifiziert Jak die Bild welt durch die - auch logisch schwierige - Kombination zwischen »annehmen« und »eingepflanztes Wort«; aktivische und passivische, sozio- und physiomorphe Faktoren überlagern einander. Wie kann man etwas »Eingepflanztes«, gar mit der Neugeburt »Angeborenes« »annehmen«? Dieselbe Problematik ergibt sich in der Fortsetzung V. 22 f. bei »das Wort tun«. Solche Probleme werden anscheinend jedoch der jak Intention untergeordnet; ihm ist darin gelegen, daß Gottes Gaben (auch der Glaube: 2,14 ff.) in die Tat umgesetzt werden. Insofern bedeutet öexoum mehr als »akzep tieren«, nämlich: die Gabe aufgreifen, nutzen und praktizieren. 3 - Einstweilen (V. 21c) betont Jak jedoch die Rettungskraft dieses W o r t e s . Dabei steht öuvauxxi nicht für eine bloße Möglichkeit, sondern für die K r a f t . 5 Die Blickrichtung dürfte dabei eschatologisch sein; das entspricht der allgemeinen Perspektive bei Jak (so etwa 1,12). Abgesehen von der umstrittenen Stelle 5,15, ist oco^eiv (4,12; 5,20; ebenso wohl auch 2,14) auf die Vollendung hin - auch in bezug auf das Endgericht (vgl. 2.12 f.; 4,9 f.) - ausgerichtet. Wer sich an dieses »Wort« hält, verfügt über die Kraft quelle, die ihn durchträgt und ihm die Zielorientierung vermittelt. 22 Der Vers enthält eine (durch uovov eingeschränkte) Gegenüberstellung des Verhaltens in bezug auf den Logos (als dessen Täter bzw. Hörer) sowie eine warnende Kommentie rung im Part., stilistisch als etymologische Paronomasie XÖYog/jtaQaX,oyi^8O0aL gestaltet. Die Wortwahl weist Besonderheiten auf. Von sechs ntl. Belegen für JtoiT]tf|g finden sich vier bei Jak (1,22.23.25; 4 , 1 1 ) , sonst im Sinn von »Täter« nur R o m 2.13 (»des Gesetzes«), daneben »Dichter« in Apg 17,28. IIoir]Tr|c; als »Täter« ist Semi tismus. Ganz parallel liegt der Befund bei dxQoatr|g; es kommt im N T nur Jak 1,22.23.25 und R o m 2,13 vor. Selten im N T ist JtaQaX,oyi^8o6ai (nur noch Kol 2 , 4 ) . 9 Ein uovov verwendet Jak noch in 2,24, ebenfalls bei einer Verneinung. Obwohl in der L X X nur I M a k k 2,67 das Syntagma »Täter des Gesetzes« ^ vor kommt, ist es für die atl.-jüd. Tradition selbstverständlich, daß Gottes Wort(e)/ Gesetz zu tun i s t / s i n d . Die Formulierung »nur Hörer, nicht auch Täter« ist in die241
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G e m ü n d e n , V e g e t a t i o n s m e t a p h o r i k 2 7 0 f.
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Einseitig betont von Konradt, Existenz 7 8 . D o r t freilich » a u s z i e h e n / a n z i e h e n « . 3 V g l . Baker 9 1 .
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V g l . Mußner, Jakobusbrief 29; Frankemölle, Ö T K 3 3 9 .
IloLTiaig i m N T n u r J a k 1,25.
» E b e n s o D i b e l i u s , K E K 1 4 6 ; W i n d i s c h z. S t . ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 0 4 . D a s W o r t fehlt bei P h i l o ; in d e n atl P s e u d e p i g r a p h e n n u r P s S a l 4 , 1 1 u n d F r g M a n 2 , 2 3 , 3 . »Tun des Gesetzes« auch Sir 1 9 , 2 1 . 51 H e r b e r t B r a u n : T h W N T V I 4 6 7 f. S o E x 2 4 , 3 ; L e v 1 8 , 5 (zitiert in G a l 3 , 1 2 ) ; D t n 2 8 , 5 8 ; 2 9 , 2 9 ; 3 0 , 8 ff.; E z e c h 3 3 , 3 2 ; S i r 1 5 , 1 5 ; 1 9 , 2 0 ( a l l g e m e i n e r g e h a l t e n : S i r 3 , 1 ; 5 1 , 1 8 ; Prov 6 , 3 ) ; A b o t h 1,17; 5 , 1 4 ; 7 , 2 6 f. u . a .
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B u r c h a r d , H N T z. S t . : » M i t d e m W o r t d e r W a h r h e i t h a t G o t t d e n C h r i s t e n m e n s c h e n also n i c h t n u r m i t W i s s e n als M a c h t a u s g e r ü s t e t , s o n d e r n m i t einer K r a f t a n l a g e ... E s ist d a s G e g e n s t ü c k z u r B e g i e r d e « . M i t Konradt, Existenz 80.
136
Der U m g a n g mit d e m Wort Gottes 2
ser Gestalt freilich christlich, nicht j ü d i s c h . ^ Sie begegnet neben R o m 2,13 speziell in der Jesus-Tradition 53 (Mt 7,21 ff.; Lk 8,15; 11,28; vgl. M t 5,19). J a k legt auch sonst Wert auf das Tun (neben 1,22 f. 25 noch 2,12.13; 3,18; 4,17; 5,15); auf dem Tun liegt Heilsverheißung (so auch M t 7; Lk 8; R o m 2,13; vgl. Sir 3,1). Man darf annehmen, daß J a k hier von der jesuanisch-frühchristlichen Tradition, die ihrerseits auf der jüd. beruht, beeinflußt wurde. In dieser Tradition ist das » W o r t « 5 4 immer zugleich Gabe wie Aufgabe. Gottes Wort erschließt den Weg zum Leben, und als sol ches muß es auch befolgt werden. Indikativ und Imperativ sind nicht voneinander zu trennen oder gar gegeneinander auszuspielen. Weil Jak im Blick auf die Adressaten das Tun hervorheben muß, begnügt er sich mit kurzen Strichen bei der Darlegung der heilschaffenden Kraft des Wortes. Wie in Kap 2 ausgeführt wird, haben seine Adressaten noch einiges zu lernen in puncto praxis pietatis. Gleichwohl ist yiveoQz kaum ingressiv gemeint (»werdet [nun endlich mal] Täter . . . « ) , sondern betont ein aktives Sein (»seid also«). Die Partikel öe bedeutet hier etwa »also nun«. Es gehört zu den Eigentümlichkeiten des Menschen, sich selbst zu betrügen. naQaXoyi^8O0ai b e d e u t e t ^ : falsches Spiel treiben (z. B. mit Lohn: Gen 3 1 , 4 1 ; mit Jesu Geboten: 2Clem 17,6), betrügen (parallel mit Heuchelei: Ign M g 3,2), täuschen (durch falsche Vbrspielungen: Kol 2,4). Im reflexiven Gebrauch sind Täter und Opfer identisch. Diese Gespaltenheit 57 begegnet bei Jak auch in öiipuxog (1,8; 4,8). Neben der allgemein anthropologischen Problematik gibt es die spezielle Gefährdung beim frommen Menschen, stehen zu bleiben bei der spirituellen Initialerfahrung, d. h. beim Hören, Nur-Reden (auch im Sinn der Anrufung Gottes, vgl. M t 7,21) oder beim »schon Satt-Sein« ( I K o r 4,8), und zu meinen, das Wesentliche sei bereits er reicht. Die Heilserfahrung ist vielmehr, recht besehen, immer der Anfang eines Weges, wo es zu »wachsen, reifen« 58 (IKor 3,1 ff.; Hebr 5, 12; Kol 1,11.28 u. a.) und zu »bleiben« (Joh 8,31 ff) gilt. Die Dialektik des »schon - noch nicht« will immer wieder gelernt und in die Praxis umgesetzt sein. Das Problem der Selbsttäuschung treibt Jak verschiedentlich um (so 1,6-8.13.26; 2,9 ff 18 ff; 3,9-12.14; 4,3 ffll f. 13 ff; 5,1 ff); der Mensch ist aus sich selbst angefochten. Dieser Aspekt ist Jak so wichtig, daß er ihn (in bezug auf »Hörer und Täter«) in V. 22-25 negativ und positiv weiter entfaltet. 23a D e m Imperativ in V. 22 folgt eine Begründung in der Form eines Konditionalsatzes im Indikativ. Die Aufforderung im Plur, etwas zu sein bzw. zu werden, wird transponiert in die Betrachtung eines konkreten Exempels (ei'Tic;), wie es denn aussieht, wenn jemand (»nur« von V. 22 wird nicht wiederholt) ein Hörer und nicht ein Täter des Wortes ist. Die vorangehende Aufforderung bedarf offen sichtlich einer begründenden Erklärung; selbst wenn Jak hier auf Jesus-Tradition (wie 2
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S. o. T r a d i t i o n s a n a l y s e .
53 V g l . H a r t i n , S a y i n g s 1 7 0 f.
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E s ist n i c h t n ö t i g , X ö y o g hier als » G e b o t « - i m G e g e n s a t z z u V. 1 8 . 2 1 - z u fassen; g e g e n M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 0 4 f.
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Mit Davids, C o m m e n t a r y 96.
56 B a u e r - A . 1 2 5 3 .
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F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 3 9 , r e d e t m i t R e c h t v o n S c h i z o p h r e n i e . D e r M e n s c h l e b t in einer S c h e i n w i r k l i c h k e i t . Vgl. Zmijewski; Schule.
258 V g l . P o p k e s , P a r ä n e s e 1 4 5 f.
137
l,23a-24
Mt 7,21.24.26) zurückgreifen konnte, genügt die Aussage als solche noch nicht. Sie benötigt vielmehr für ihre Evidenz einen Vergleichsfall - wie ganz entsprechend im Schlußdoppelgleichnis der Bergpredigt/Feldrede. Das Vergleichsmaterial wird hier wie dort einem völlig anderen Erlebensbereich entnommen; Jak bringt (in V. 23b-24) nicht etwa einen unmittelbar einschlägigen Demonstrationsfall aus der Gemeinde praxis, wie das in 2,2-4.15 f. geschehen wird. V. 23a enthält im übrigen kein neues Material über V. 2 2 hinaus. Notierenswert bleibt die Beziehung auf den Logos (anders dann in V. 25). Der Konditionalsatz leitet die Frage ein, was geschieht, wenn jemand das Wort nicht »tut«. Der folgende Vergleich steht demnach unter der Per spektive »Unterlassen des Tuns«; diese Beobachtung ist für die sachgemäße Erfassung von V. 23b-25 wichtig. 23b-24 Jetzt folgt die Darlegung des in V. 23a eingeleite ten Vergleichs, der zunächst (V. 23b) lediglich die Beschreibung einer bestimmten Tätigkeit enthält: Jemand beschaut sein Gesicht in einem Spiegel. Die Formulierung 801X8V + Dativ wird dann durch einen weiteren Hauptsatz (V. 24) näher ausge führt, der die dargestellte Tätigkeit sowohl in der Sache fortsetzt (der Betrachtung folgen das Fortgehen und das Vergessen) als auch begründet (ydg); erst diese begrün dende Explikation legt den soeben beschriebenen Fall als Verstehenshilfe für die Behauptung von V. 22-23a aus. Ohne V. 24 bliebe V. 23a als logisches Beweismittel stumm. Das tertium comparationis ergibt sich demnach aus dem in V. 24 notierten Vorgang: »Wer nicht nach dem Wort handelt, dem bleibt vom Gehörten soviel, wie dem der sich im Spiegel beschaut, von seinem Spiegelbild: er vergißt e s « . Aufgrund der Formulierungen JTQÖooojtov xfjg yevEoeiDC, amov (V. 23) und ojtolog fjv (V. 24) hat man nun freilich gefolgert, die Spiegelmetapher ziele auf die Selbsterkenntnis , die auf diesem Weg jedoch nicht zu erlangen sei (sondern nur durch die ausdauernde Gesetzesbetrachtung, V. 2 5 ) . Das würde dann über ein einfaches tertium compa rationis (wie soeben dargelegt) hinausreichen. Beschreibt also V. 23b.24 »den Nor m a l f a l l « , oder steckt ein tieferer Aspekt darin? Zu Recht verweist man darauf, daß xaxavoetv nicht ein flüchtiges, oberflächliches Betrachten m e i n t und daß es in V. 24 nicht heißt »wie er aussah«, sondern »was für einer er w a r « . Aber ist in V. 23 der Genitiv xfjg yeveaecog wirklich überschießend, »überflüssig, nachklappend« ? Dient also »Spiegel« nicht (bzw. nicht nur) als Metapher der Vergänglichkeit , geht es Jak in der Tat um Selbsterkenntnis? - Nun verwendet Jak in dem formal kor respondieren Stück 1,6b den Vergleich auf das tertium comparationis hin, wobei die 259
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E b e n s o i n 1,6, d o r t als B e l e g f ü r d e n Zweifel, d e r n i c h t s e m p f ä n g t (V. 7 ) . D i b e l i u s , K E K 1 4 7 ; v g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 1 7 4 . B u r c h a r d , H N T z. S t . fragt: » A b e r v e r g i ß t e i n S p i e g e l g u c k e r i n d e r R e g e l s o f o r t ? A n t i k e B e l e g e s c h e i n t es n i c h t z u g e b e n « . V g l . d e n E x k u r s d o r t z u 1 , 2 3 f. (Hintergrund des Spiegelbildes).
261 V g l . V o u g a 6 5 m i t V e r w e i s a u f H i 3 7 , 1 8 ; S i r 1 2 , 1 1 ; W e i s h 7 , 2 6 ; S e n e c a N a t u r a l e s q u a e s t i o n e s I 1 7 , 4 ; E p i c Diss II 1 4 , 2 1 . 262 V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 1 7 4 f.; Schlatter, B r i e f z. S t . 2 6 3
K o n r a d t , Existenz 174: »nicht einen törichten Menschen«. Vgl. Cargal, Restoring 1 0 3 .
2 6 4
Z . B. Laws, C o m m e n t a r y 86.
2 6 5
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 4 0 : »zielt also a u c h a u f d i e i n n e r e B e s c h a f f e n h e i t « .
266 V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 4 0 f.; er v e r n e i n t d i e F r a g e u n d zieht b e s o n d e r s 1 , 1 1 h e r a n ( » S c h ö n h e i t d e s A u s s e h e n s « ) ; z u d e m w e r d e i n 1 , 2 3 d u r c h jtoöocoJtov e i n U b e r g a n g z u 2 , 1 . 9 2 6
7 S o TestHi 33,8. Vgl. Konradt, Existenz 1 7 4 A n m . 18.
angebahnt.
III. D e r U m g a n g m i t d e m W o r t G o t t e s
138
Vergleichsteile »Mensch/Welle« eine klare Differenzierung erlauben (der Zweifelnde ist genauso haltlos wie das Meeresgewoge). Das legt auch für l,23b.24 eine Begrenzung auf den Vergleichspunkt »es bleibt nichts« zumindest nahe. Das Syntagma JTQOGWJTOV tfjg yeveöewg amov braucht nicht mehr zu bedeuten als »das Aussehen, das er von Geburt aus h a t « . In eine solche »einfache« Interpretationsrichtung weist auch die (reflexive) Wiederaufnahme der Aussage in V. 24a: »er betrachtete sich selbst« (xax8vör]ö8v 8<XUT6V, dasselbe Verb wie in V. 23b). Andere wollen darüber hinausgehen ^ und in xfjg yeveöewg avxov einen Hinweis auf die imago Dei, also auf Gottes Schöpfungsintention , oder auf soziale R o l l e n sehen. Auch die Beziehung von yeveoig zur christlichen Neugeburt (1,18) wurde erwogen; dann würde es in V. 23 f. »um das Vergessen der dem Christen durch Gottes Heilshandeln bereits zukommenden Beschaffenheit« g e h e n . Erforderlich sind solche Erwägungen jedoch nicht; die Ge fahr einer allegorischen »Eisegese« liegt allzu n a h e . Der Vergleich zielt also nicht auf zwei Arten der Selbsterkenntnis, sondern auf das Vergängliche, das sich im Vergessen ausprägt. 268
26
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273
»Vollkommenes
Gesetz der
Freiheit«
D a s D o p p e l s y n t a g m a vöuog xeXeiog/6 xfjg etauGepiag (1,25) bzw. die einfache Version vouog eXeuSegiag (2,12) ist G e g e n s t a n d vielfacher kontroverser E r ö r t e r u n g g e w o r d e n . Festzuhalten ist
zunächst n o c h einmal, d a ß weder vöfiog xeXeiog n o c h vofiog eXeuGepiag in dieser F o r m u l i e r u n g s o n s t i n d e r g e s a m t e n antiken Literatur v o r k o m m e n . B e i d e F o r m u l i e r u n g e n s i n d d e m n a c h nicht o h n e weiteres a u f g r u n d v o n V o r g a b e n auflösbar. - In d e r F o r s c h u n g finden sich sehr differente L ö s u n g s a n s ä t z e , die a u f u n t e r s c h i e d l i c h e n W e g e n u n t e r n o m m e n w u r d e n , teils stärker a u f s y n c h r o ner, teils eher a u f d i a c h r o n e r E b e n e . D a b e i spielen nicht n u r die jeweiligen E r g e b n i s s e bei 1,18.21 (zu W o r t , G e s e t z usw.) m i t eine Rolle, s o n d e r n d a r ü b e r h i n a u s a u c h weitreichende E i n s c h ä t z u n g e n der G e s e t z e s t h e m a t i k i m J u d e n t u m u n d frühen C h r i s t e n t u m . 1. B e i vö^iog xeXeiog ist das Adjektiv unterschiedlich interpretiert w o r d e n : » v o l l k o m m e n , weil es v o n G o t t s t a m m t « ; i m G e g e n s a t z » z u m u n v o l l k o m m e n e n (rituellen) G e s e t z des A T « ; » i m S i n n e seiner G a n z h e i t « (wie öXog in 2 , 1 0 ) ; weil es »ein inklusives K o n z e p t ist, d a s d i e Vorschriftsunterweisung des A l t e n u n d N e u e n T e s t a m e n t s u m f a ß t « ; weil es das v o n J e r u n d E z ver2 7 4
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2 6 8
Dibelius, K E K 148; Davids, C o m m e n t a r y 98; Johnson, Mirror 6 3 4 ; Mußner, Jakobusbrief 145; Laws, Commentary 86. Vgl. Cargal, Restoring 102. V g l . M a r t i n , W B C 5 0 ; S i d e b o t t o m 3 5 ; S c h n i d e r z. S t . V g l . V o u g a 6 5 . Evtl. sei eine versteckte Ironie enthalten: y^VEOig als »edles G e s c h l e c h t « ; vgl. A . Kretzer: E W N T I 8 8 2 - 8 8 4 ; » w a s b i n ich!«. K o n r a d t , E x i s t e n z 1 7 5 . D a g e g e n s p r i c h t j e d o c h d a s T e m p u s »was für einer er war«. A u c h d i e D i a g r a m m e z u r Parallelität v o n V. 2 3 - 2 4 u n d 2 5 bei M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 0 6 ; M a r t i n , W B C 5 0 f.; u n d J o h n s o n , M i r r o r 6 3 4 , e n t g e h e n d e r G e f a h r nicht g a n z . G e g e n Allegorese a u c h B a k e r 9 4 . 274 Y g i j F r a n k e m ö l l e , G e s e t z 1 7 7 - 1 8 0 ; Karrer, P r ü f u n g 1 7 4 - 1 7 7 ( » D a s G e s e t z d e s J a k i s t . . . v o n v o r n h e r ein christlich e i n z u o r d n e n « , 1 7 7 ) ; G o p p e l t 5 3 3 ff. S c h n i d e r 5 1 ; vgl. F a b r i s 1 5 4 ff. 1 8 0 . B e i S c h n i d e r rindet sich z u d e m a u c h »weil es d i e g a n z e W ü r d e d e s Menschen schützt«. Vollenweider 1 8 5 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 0 9 . Schräge, Ethik 2 9 3 ; ebenso Schulz 6 4 5 : »das ganze Gesetz i m Unterschied zu den Einzelgeboten«. Gustav S t ä h l i n : T h W N T V I I I 7 5 : parallel z u öXöxfo'iQog in 1,4. V g l . L a w s , C o m m e n t a r y 8 7 . d u Plessis 2 3 7 ( m i t B e z u g a u f Pss 19 u n d 1 1 9 ) . 2 6 9
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» V o l l k o m m e n e s G e s e t z der Freiheit«
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2 7 9
heißene, v o n G o t t in unsere H e r z e n gepflanzte G e s e t z i s t ; »weil es d e n M e n s c h e n g a n z für seinen S c h ö p f e r in A n s p r u c h n i m m t « ; als eschatologisches G e s e t z , i m xeXoq v e r a n k e r t ; »das G e s e t z , w o d u r c h das v o l l k o m m e n e Werk, d. h. der totale G e h o r s a m g e g e n G o t t , e r m ö g l i c h t w i r d « . Interpretiert wird es a u c h aus ntl. Q u e r v e r w e i s e n , speziell » G e s e t z C h r i s t i « ( G a l 6 , 2 ; vgl. I K o r 9 , 2 1 ; R o m 3 , 2 7 ; 8 , 2 ; Bergpredigt; H e b r ) . Alle Versuche verdeutlichen d a s m e t h o d o l o g i sche P r o b l e m des a n g e m e s s e n e n A n s a t z p u n k t e s . - B e i vo\iog eXevSegiag stellt sich das P r o b l e m der A u f l ö s u n g des Genitivs D e n k b a r ist: G e n . o b i e c t i v u s , q u a l i t a t i s , originis bzw. s u b i e c tivus o d e r ein » G e n . des Zweckes u n d der R i c h t u n g « . J a k formuliert übrigens nicht partizipial »befreiendes G e s e t z « ( v o u o g eX,£v6eQü)v) u n d a u c h nicht personal » G e s e t z der Freien« ( v ö u o g ekevQzQiöv). A u c h hier stellt sich die Frage n a c h e i n e m a n g e m e s s e n e n A n s a t z p u n k t . M e t h o d i s c h gesehen, sollte die A u f l ö s u n g des G e n . nicht a m A n f a n g s t e h e n ; sie k a n n sich n u r aus anderen B e o b a c h t u n g e n ergeben. - E s ergibt sich: B e i d e W e n d u n g e n ( v o l l k o m m e n e s G e s e t z , G e s e t z der Freiheit) k ö n n e n nicht aus sich selbst heraus definiert werden. D a s gilt für die B e s t i m m u n g des 2 8 0
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Adjektivs xeXeioc; ebenso wie für die des G e n . xfjg e^euBepiac;. 290
2 . A u f d e m W e g der »semantischen Kontextanalyse« wird vor allem die R e l a t i o n z u m » W o r t der Wahrheit« (V. 18) u n d z u m »eingepflanzten W o r t « (V. 2 1 ) h e r v o r g e h o b e n . Für H . Frank e m ö l l e z. B . ist das » G e s e t z der Freiheit« m i t d e m » W o r t « i d e n t i s c h . J a k verstehe » G e s e t z « theozentrisch, nicht a n t h r o p o l o g i s c h . I h m gehe es » u m die Q u a l i t ä t der Freiheit der T o r a selbst«, wohl »ausgelöst d u r c h die s c h ö p f u n g t h e o l o g i s c h e A u s s a g e in 1,17 f . « . Inhaltlich sei »Sozialethik in ekklesialer Perspektive« (s. 2 , 1 fT.) g e m e i n t . M i t R. Heiligenthal wird gefolgert, » d a ß G l a u b e u n d G e s e t z ... z u m i n d e s t funktional identisch< s e i e n « . A u c h M . K o n r a d t stellt die R e l a t i o n zu V. 1 8 . 2 1 heraus, lehnt aber eine A u s t a u s c h b a r k e i t der Begriffe a b . V i e l m e h r beziehe sich » W o r t « a u f G o t t e s H e i l s h a n d e l n , » G e s e t z « a u f das » d a r a u f a u f b a u e n d e ( n ) bzw. darin e i n s t i m m e n d e ( n ) T u n des M e n s c h e n « . J a k rede v o n der Freiheit des C h r i s t e n , der das G e s e t z b e f o l g t . Der Rückbezug a u f V. 18 ff., j a a u f V. 13 ff. verweise für V. 2 5 a u f die »rechte A n n a h m e des euxpirtoc; Xöyog 291
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9 Fabris p a s s i m ; H a n s H ü b n e r : E W N T III 8 2 4 . 280 G o p p e l t 5 3 5 ; vgl. K u r t N i e d e r w i m m e r : E W N T I 1 0 5 8 . H . Preisker, D a s E t h o s des U r c h r i s t e n t u m s , G ü t e r s l o h 2 . Aufl. 1 9 4 9 , 1 3 3 . 282 T s u j i 1 1 1 . 283 M a y o r 7 3 . S t u h l m a c h e r , G e s e t z , v e r w e n d e t n u r d e n Titel o h n e näheren B e z u g a u f J a k . Eigenartigerweise w i r d diese F r a g e n u r w e n i g beachtet; vgl. S c h n a c k e n b u r g , B o t s c h a f t I I 2 1 3 f.; K o n r a d t , E x i s t e n z 9 3 - 1 0 0 ; F r a n k e m ö l l e , G e s e t z 2 0 5 f. 285 I m S i n n e v o n » G e s e t z , d a s zur Freiheit führt«; s o D i b e l i u s , K E K 1 4 8 ff.; D a v i d s , C o m m e n t a r y 9 9 ; G e r h a r d Delling: T h W N T V I I I 7 5 ; H a n s H ü b n e r : E W N T III 8 2 4 . 286 D a h i n tendiert F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 4 6 . 3 5 3 (das G e s e t z ist Freiheit); »freies G e s e t z « , a n a l o g 5 , 1 5 ( » G e b e t des G l a u b e n s « ) ; 3 5 4 : Freiheit des Gesetzes. D a g e g e n w e n d e t sich K o n r a d t , E x i s t e n z 9 5 . Als » G e s e t z , d a s aus der Freiheit s t a m m t « . - H i e b e r t , Epistle 1 3 7 , schreibt zwar » s u b j . « , m e i n t aber » o b j « : » . . . d e n o t i n g that this law p r o d u c e s t h e experience o f f r e e d o m « . 288 S c h n a c k e n b u r g , B o t s c h a f t II 2 1 3 : »das zur Freiheit fuhrt«, w a s nicht alternativ zu e i n e m G e n . qualitatis stehen müsse. 289 L e i d e r w i r d d a s nicht i m m e r g e n ü g e n d beachtet; z u m e i s t greift m a n allzu schnell n a c h d e r L ö s u n g »das G e s e t z , d a s befreit«; s o a u c h wieder z. B . M a r t i n , W B C 5 0 ; Wall 8 3 . 290 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 5 2 , u. a. 291 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 5 3 ; vgl. H o p p e 94; C a r g a l , R e s t o r i n g 104; K l e i n 144; J o h n s o n , M i r r o r 6 3 4 (vgl. a u c h 1,17 » v o l l k o m m e n e G a b e « ) ; K o n r a d t , E x i s t e n z 9 5 f. 292 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 5 3 - 3 5 5 . 293 E b d . 3 5 4 . 294 E b d . 3 5 5 . 295 Heiligenthal 3 1 . 296 F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 5 5 . D a b e i b e t o n e » G l a u b e « d e n a n t h r o p o l o g i s c h e n , » G e s e t z « d e n theozentrischen Aspekt. K o n r a d t , E x i s t e n z 7 1 f. E b e n s o G o p p e l t 5 3 3 . 298 K o n r a d t , E x i s t e n z 7 2 . 299 E b d . 9 5 . I n » G e s e t z der Freiheit« liege kein G e n . qualitatis vor.
2 8 1
2 8 4
2 8 7
2 9 7
III. D e r U m g a n g m i t d e m W o r t G o t t e s
140
n a c h seiner i m p e r a t i v i s c h e n S e i t e «
3 0 0
; d e r C h r i s t - v o n i h m , n i c h t v o m M e n s c h e n a l l g e m e i n sei
hier d i e R e d e - trete »in d i e d u r c h d a s W o r t vermittelte Freiheit v o n d e r B e g i e r d e ein« u n d ergrei fe d i e » M ö g l i c h k e i t d e s T u n s d e s v o m G e s e t z g e w i e s e n e n G u t e n « .
3 0 1
I m Gericht (2,12) werde dann
» ü b e r p r ü f t , o b ein C h r i s t e n m e n s c h d i e d u r c h d a s G e s e t z e r m ö g l i c h t e Freiheit b e w a h r t h a t « . 3. W ä h r e n d e t w a F r a n k e m ö l l e u n d K o n r a d t d e n diachronen halten
3 0 3
, a k z e n t u i e r e n d e s s e n Vertreter teils eher d e n h e l l e n i s t i s c h - s t o i s c h e n , d e n a t l . - j ü d .
jesuanischen oder den paulinischen Hintergrund.
3 0 2
A s p e k t für w e i t g e h e n d irrelevant 3 0 4
, den
D a b e i spielt n i c h t n u r » G e s e t z der Freiheit«,
s o n d e r n a u c h » v o l l k o m m e n e s G e s e t z « eine R o l l e . - »Freiheit« ist ein urgriechischer T e r m i n u s .
3 0 5
C h a r a k t e r i s t i s c h ist dafür d i e F o r m u l i e r u n g : »Frei ist, wer lebt, w i e er will« ( E p i c D i s s . I V 1 , 1 ) 3 ° 6 , u n d zwar i m B e r e i c h d e r tot eqp' f|ulv, d e s u n s zur V e r f ü g u n g S t e h e n d e n . Frei ist d e r W e i s e , d e r m i t d e m g ö t t l i c h e n L o g o s u n d W i l l e n k o n f o r m g e h t . D i e Freiheit w i r d d u r c h G e s e t z e reguliert u n d b e s c h ü t z t ; d i e b e i d e n E l e m e n t e s i n d also n i c h t G e g e n s ä t z e .
3 0 7
E s gilt, d e n g ö t t l i c h e n L o g o s - N o m o s
des K o s m o s z u f i n d e n , u n d zwar als B a s i s u n d R a h m e n der Freiheit. I m J u d e n t u m n i m m t speziell Philo solche G e d a n k e n a u f .
3 0 8
D e r S u c h e des Weisen nach d e m N o m o s entspricht jüdischerseits 3
die d e s F r o m m e n n a c h d e r T o r a ( = W e i s h e i t ) , d i e i h m ein G o t t gefälliges L e b e n e r m ö g l i c h t . ° 9 D e r E i n f l u ß dieser T r a d i t i o n a u f J a k w ü r d e eine I n t e r p r e t a t i o n
» G e s e t z , d a s Freiheit g e w ä h r t
und
bewahrt« nahelegen. 4 . M i t d i e s e m H i n t e r g r u n d w i r d oft e i n e
frühchristliche
Entwicklung
3 1
v e r b u n d e n . ° Für Krei
se, d i e d i e A u s e i n a n d e r s e t z u n g m i t d e m J u d e n t u m n i c h t s o s c h r o f f w i e P a u l u s geführt h ä t t e n , h a b e J e s u A u t o r i t ä t m i t d e r Z e i t d i e d e r T o r a überstrahlt; d i e W o r t e J e s u ( z u m a l d i e B e r g p r e digt
3 1 1
) seien z u m n e u e n G e s e t z g e w o r d e n . I m G e f o l g e v o n B e s t r e b u n g e n d e s h e l l e n i s t i s c h e n
J u d e n t u m s , das G e s e t z zu vereinfachen u n d , m i t Blick a u f die hellenistische Welt, die ethische K o m p e t e n z u n d Kompatibilität des Gesetzes herauszustellen
3 0 0
3 0 1
3 1 2
, h a b e m a n sich d e s R i t u a l g e s e t z e s
E b e n s o G o p p e l t 5 3 4 f.: es g e h e u m d i e R e l a t i o n z w i s c h e n I n d i k a t i v u n d I m p e r a t i v . Konradt, Existenz 9 5 .
3
02 E b d . 9 9 . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 5 4 : d a s S y n t a g m a ist n i c h t a u s j ü d . o d e r hellenistischer T r a d i t i o n a b l e i t b a r ; n i c h t n u r d i e F o r m u l i e r u n g , a u c h d e r G e d a n k e ist singulär. K o n r a d t , E x i s t e n z 9 7 , m e i n t d a g e g e n , es h a n d e l e sich w o h l u m s t o i s c h e s G e d a n k e n g u t , d a s d u r c h d a s (hellenistische) J u d e n t u m v e r m i t t e l t w u r d e , a b e r v o n J a k » e r s t m a l s begrifflich a u f d e n P u n k t g e b r a c h t « w u r d e . 304 V e r s u c h e , » G e s e t z d e r Freiheit« a u s j ü d . E r b e h e r z u l e i t e n (so z. B . F a b r i s ) , e n t b e h r e n d e r s i c h e r e n Basis; vgl. F. S t . J o n e s , » F r e i h e i t « i n d e n B r i e f e n d e s A p o s t e l s P a u l u s . E i n e h i s t o r i s c h e , exegetische u n d r e l i g i o n s g e s c h i c h t l i c h e S t u d i e , G ö t t i n g e n ( V & R ) 1 9 8 7 , 2 2 0 f. A n m . 6 7 . Z u m e i s t w i r d A b o t h 6 , 2 zitiert ( E x 3 2 , 1 6 sollte cheruth [=Freiheit] g e l e s e n w e r d e n ; » d e n n es g i b t für d i c h k e i n e n F r e i e n a u ß e r d e m , d e r sich m i t d e m S t u d i u m d e r T o r a b e s c h ä f t i g t « ) . A b e r d i e Stelle ist s p ä t . A n d e r e T e x t e (wie E x R 1 2 , 2 » E r f ü h r t e s i e a u s d e r F i n s t e r n i s u n d d e m T o d e s s c h a t t e n , a u s d e m eisernen J o c h z u m J o c h d e r T o r a , a u s d e r Sklaverei i n d i e F r e i heit«) u n t e r s t r e i c h e n i n erster L i n i e d i e e n g e V e r b i n d u n g z w i s c h e n E x o d u s u n d B e f r e i u n g . 305 V g l . Vollenweider; H e i n r i c h Schlier: T h W N T I I 4 8 4 - 5 0 0 ; J o n e s , Freiheit; H a n s W e r n e r B a r t s c h / R o m a n H e i l i g e n t h a l u. a.: T R E X I 4 9 7 - 5 1 1 ; D . N e s t l e : R A C V I I I 2 6 9 - 3 0 6 . D a s gilt u r s p r ü n g l i c h für d i e Polis, s p ä t e r für d e n E i n z e l n e n . E s f i n d e n sich s o g a r recht h ä u f i g F o r m u l i e r u n g e n m i t » G e s e t z + G e n . « ; v g l . H e r m a n n K l e i n k n e c h t : T h W N T I V 1 0 1 7 ; B a u e r - A . 1 0 9 7 ; V o l l e n w e i d e r 3 5 8 . » G e s e t z einer S t a d t « e t w a k a n n b e d e u t e n : d a s G e s e t z , d a s e i n e S t a d t e n t w i c k e l t e , d a s für sie c h a r a k t e r i s t i s c h ist u n d ihr L e b e n p r ä g t . S o speziell P h i l o P r o b . D e r S a t z » d i e m i t d e m G e s e t z l e b e n , s i n d frei« ( P r o b 4 5 ) , gelte i m e i g e n t l i c h e n S i n n n u r für d i e J u d e n . V g l . P o p k e s , L i b e r t y 1 3 9 f. 3 0 3
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V g l . e b d . 1 3 9 ; V o l l e n w e i d e r 1 2 3 ff. W i c h t i g e T e x t e w i e A r i s t , W e i s h , J o s A s b e n u t z e n e ^ E v O e o i a nicht; 4 M a k k n u r in 1 4 , 2 (s. d a z u D i b e l i u s , K E K 1 5 0 ) . S o e t w a D i b e l i u s , K E K 1 5 1 f. S o S t u h l m a c h e r , G e s e t z 2 3 9 ; s. bereits d e n U n t e r t i t e l seines A u f s a t z e s . V g l . N i e b u h r , G e s e t z ; vgl. A . d e Pury, Q o h e l e t et le c a n o n d e s k e t u b i m : C o l l o q u i u m B i b l i c u m L o v a n i e n s e 3 0 . J u l i - 1 . A u g . 1 9 9 7 ( » C e t t e t r o i s e m e p a r t i e d u c a n o n p a r a i t o r g a n i s e e s e l o n le p r i n c i p e d ' u n e a n t h o l o g i e d e g e n r e s litteraires, c o n c e p t b i e n atteste ä p a r t i r d e l ' e p o q u e h e l l e n i s t i q u e « ) , m i t B e z u g n a h m e a u f B . L a n g , » T h e Writings«: A Hellenistic Literary C a n o n in the H e b r e w Bible: L I S O R - S y m p o s i u m » C a n o n i z a t i o n and Decanonization«, Leiden Jan. 1997.
» V o l l k o m m e n e s Gesetz der Freiheit«
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314
entledigt. S o verstehe a u c h J a k d e n N o m o s als v o l l k o m m e n e s S i t t e n g e s e t z , u n d zwar g e g e n über d e m » u n v o l l k o m m e n e n G e s e t z der K n e c h t s c h a f t « . » D a s G e s e t z C h r i s t i wird d a g e g e n in L i e b e u n d Freiheit e r f ü l l t . « A u c h o h n e solche kultkritischen A s p e k t e w i r d festgestellt: » D i e d u r c h J e s u s C h r i s t u s g e w o n n e n e Freiheit v o m G e s e t z spricht d e m C h r i s t e n in der Erfüllung des Gesetzes Freiheit zu; in der Freiheit der L i e b e ... w i r d d a s G e s e t z der Freiheit e r f ü l l t . « Noch anders g e w e n d e t : G e s e t z m e i n e » d e n W i l l e n G o t t e s , der s o w o h l n a c h atl. wie ntl. E t h i k fordert, d e m Nächsten Gutes zu t u n . « Verschiedentlich wird a u f \p 1 8 , 8 B e z u g g e n o m m e n (»Das G e s e t z des H e r r n ist v o l l k o m m e n u n d w e n d e t d i e Seelen h e r u m , emoxQeqpcov. D i e W e i s u n g des H e r r n ist verläßlich u n d m a c h t d e n U n w i s s e n d e n weise«); d o r t steht j e d o c h ctpiofiog ( z u d e m p r ä dikativ), e n t s p r e c h e n d d e m hebräischen DDP (unversehrt, fehlerfrei, v o l l s t ä n d i g ) . D a m i t verknüpft m a n die Verheißung J e r 3 1 , 3 1 - 3 4 ; »es ist d a s G e s e t z der Freiheit, weil es d a s e s c h a t o l o g i s c h e G e s e t z i m S i n n e v o n J e r 3 1 , 3 1 ff. i s t . « D a s G e s e t z g e h ö r e wesenhaft: m i t Freiheit z u s a m m e n . O d e r , v o n xeA,eioc; her betrachtet: J a k d e n k e heilsgeschichtlich, n ä m l i c h a n d i e V o l l e n d u n g des Gesetzes d u r c h J e s u s ( M t 5 , 1 7 ) . In ähnlicher Weise wird diese L i n i e a u f M t 1 1 , 2 8 - 3 0 ; 1 7 , 2 6 hin gezogen. - E i n e spezielle Variante einer biblischen Intertextualität ist der R e k u r s a u f L e v 2 5 u n d D t n 15,1-11 (Sabbat- und Erlaßjahr). J a k h a b e die p r o p h e t i s c h e R e z e p t i o n dieser T r a d i t i o n (z. B . J e s 6 1 , 1 f.) ü b e r n o m m e n , w o n a c h d e n U n t e r d r ü c k t e n (s. J a k 1 , 2 6 - 2 , 1 1 ) Befreiung verheißen w i r d ( o b s c h o n es in L e v 2 5 dqpeoic; heiße, nicht eA,eu6eQia). D a s sei typisch für G o t t e s k o m m e n de Herrschaft (vgl. J u b 1 , 1 5 - 1 8 ; L k 4 , 1 4 - 3 0 ; 6 , 2 0 - 3 8 ; 1 1 , 2 - 4 ) , u n d g e r a d e d a s greife J a k m i t d e m A u s d r u c k vöuoc; ßaoiXixoc; ( 2 , 8 ) auf. D a s » G e s e t z der Freiheit« sei s o m i t d a s G e s e t z der k o m m e n d e n Gottesherrschaft ( 2 , 5 ) . 3 1 5
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5. Bezieht sich J a k a u f paulinische Tradition? G e r a d e d i e F o r m e l » G e s e t z der Freiheit« k ö n n t e in diese R i c h t u n g w e i s e n . D i e auffälligste Parallele bietet R o m 8 , 2 : » D e n n d a s G e s e t z des G e i s t e s des L e b e n s in C h r i s t u s J e s u s befreite (f|Xeu6eQü)oev) dich v o m G e s e t z der S ü n d e u n d des T o d e s « . Zweifellos ist der B e i t r a g des Paulus z u m T h e m a »Freiheit« der b e d e u t e n d s t e i m N T ; d a s gleiche gilt v o n » G e s e t z « . A b e r wie k ö n n t e m a n sich einen Z u s a m m e n h a n g m i t J a k vorstellen? - D e n k b a r ist (a) eine Traditionslinie, die »Freiheit« u n d » G e s e t z C h r i s t i « ( G a l 6 , 2 ; vgl. 5 , 1 3 ; R o m 8,2) ver bindet. E s k o m m e hinzu: D a s M o t i v v o m » G e r i c h t d u r c h d a s G e s e t z « ( J a k 2 , 1 2 ) ist der S t o a wie Philo fremd, nicht j e d o c h d e m frühen C h r i s t e n t u m , einschließlich P a u l u s . Allerdings v e r w e n d e 3 2 6
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V g l . j e d o c h a u c h C h e s t e r 3 7 : m a n d ü r f e e silentio nicht o h n e weiteres folgern, d a ß J a k d a s R i t u a l g e s e t z ver warf; d i e F r a g e m ü s s e vielmehr offen bleiben. D i b e l i u s , K E K 1 5 2 . S o a u c h wieder T s u j i 1 1 0 - 1 1 5 ; evtl. bestehe eine B e z i e h u n g z u d e n » H e l l e n i s t e n « der A p g ( 1 1 4 ) . T s u j i d e n k t d a n e b e n aber a u c h a n » N ä c h s t e n l i e b e « ( 1 1 1 f.). N o m o s stehe für d a s atl. G e s e t z , aber i m ethischen S i n n e . Vollenweider 1 8 5 . F ü r K l e i n 1 4 0 ist d a s nur ein N e b e n a s p e k t . ^ V o l l e n w e i d e r 185. H o p p e 9 7 ; w e d e r g e h e es u m »Freiheit v o m G e s e t z « n o c h u m »Freiheit d u r c h d a s G e s e t z « . Mußner, Jakobusbrief 107. 9 S o z. B . M a r t i n , W B C 5 1 ; vgl. a u c h H o p p e 9 5 . Fabris 2 3 9 , der d i e L i n i e h i n zur Weisheitstradition (Weish 9 , 1 7 ) verlängert. - D a s J u d e n t u m entwickelte allerdings keinen B e g r i f f eines » n e u e n Gesetzes der Freiheit« a u f der Basis v o n J e r 3 1 o d e r E z 3 6 , also i m S i n n e eines Gesetzes, d a s d e m » n e u e n B u n d « entsprechen w ü r d e . V g l . P o p k e s , L i b e r t y 1 4 0 . G o p p e l t 5 3 5 ; ü b e r n o m m e n v o n M a r t i n , W B C 5 1 . » E s fordert d e n M e n s c h e n so, d a ß es ihn zugleich d u r c h die G n a d e für e i n neues Verhalten frei m a c h t « ( G o p p e l t 5 3 5 ) . E b e n s o C a r g a l , R e s t o r i n g 1 0 4 . S o interpretiert G o p p e l t 5 3 5 d e n G e n . Mußner, Jakobusbrief 109. Fabris 2 4 0 ; d a z u k o m m e n n o c h J o h 8 , 3 2 ff.; M t 5 , 1 7 ; 7 , 1 2 ; 2 K o r 3 , 3 - 6 . 1 7 ; Rom 8,2.4; 1 3 , 8 - 1 0 ; G a l 5 , 1 4 (241). 5 Wall 9 3 - 9 9 . A n d e r s liegen die D i n g e in b e z u g a u f J o h ; w o er v o n Freiheit spricht ( 8 , 3 0 ff.), e r w ä h n t er d a s G e s e t z nicht, bzw. w o d a s » n e u e G e b o t « erscheint ( 1 3 , 3 4 ; 1 5 , 1 2 ; l j o h 2 , 7 f. u. a.), fehlt »Freiheit«. So Klein 143. K l e i n 1 4 3 verweist a u f Rom 2,6; I K o r 3 , 1 3 ; 2 K o r 5 , 1 0 ; ferner l T i m 5 , 2 4 f.; IPetr 1 , 1 7 . 3 1 4
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III. D e r U m g a n g m i t d e m W o r t G o t t e s
142
J a k » G e s e t z der Freiheit« anders als P a u l u s . Identisch m i t d e m » W o r t der Wahrheit« u n d d e m »ein gepflanzten W o r t « , u m g r e i f e es » a u c h die F u n k t i o n e n , die bei Paulus d a s E v a n g e l i u m ... u n d d i e G a b e des heiligen G e i s t e s i n n e h a b e n « . - Freilich, w e n n »Freiheit« bei J a k s o n s t keine R o l l e spielt, w e s h a l b b r i n g t er d a n n diese offenbar v o r g e p r ä g t e F o r m e l ? O d e r formuliert er etwa d o c h aus e i g e n e m U b e r l e g e n heraus, weil i h m s o viel »an der Verantwortlichkeit u n d Entscheidungsfreiheit des M e n s c h e n l i e g t « ? - D e n k b a r ist (b) a u c h e i n e andere V e r b i n d u n g . Bereits in I K o r ist erkenn bar, d a ß es in d e n p a u l i n i s c h e n G e m e i n d e n zu e i n e m ü b e r z o g e n e n Freiheitsverständnis k o m m e n konnte. In G a l 5 verhandelt P a u l u s »Freiheit« sowie ihre G e f ä h r d u n g in e i n e m Z u s a m m e n h a n g (V. 1 . 1 3 ) u n d stellt d e m sofort d a s L i e b e s g e b o t zur Seite - als E r f ü l l u n g v o n J i ä g v ö u o g u n d unter Z i t a t i o n v o n L e v 1 9 , 1 8 ( 5 , 1 4 ; vgl. R o m 1 3 , 8 - 1 0 ) . Paulus b e t o n t a u c h s o n s t d i e q u a s i n o m o s h a f t e B i n d u n g an C h r i s t u s ( G a l 6 , 2 : x a i oüxcog avajrXriQcboexe x ö v v ö u o v x o ü X q i c t x o ü , I K o r 9 , 2 1 : er sei ein e v v o u o g X q i o x o ü ; vgl. in der S a c h e R o m 6 , 1 2 ff.). D a s weitere Gesetzesverständnis bei P a u lus ist b e k a n n t e r m a ß e n nicht o h n e D i a l e k t i k u n d insofern u. U . a u c h m i ß d e u t b a r (was gleich falls v o m Freiheitsverständnis gilt). Steht J a k ähnlichen F e h l e n t w i c k l u n g e n g e g e n ü b e r wie Paulus in I K o r o d e r G a l ? S i n d d a b e i evtl. a u c h d a s » G e s e t z der Freiheit« u n d s o g a r d a s G e b o t der N ä c h stenliebe zu S c h l a g w o r t e n g e w o r d e n , d i e es n e u zu justieren gilt? D i e s e F r a g e n erheben sich speziell i m Z u s a m m e n h a n g v o n 2 , 8 - 1 3 ; v o n 1 , 2 5 allein k ö n n e n sie n i c h t b e a n t w o r t e t werden; bei 2 , 8 ff. m u ß d i e F r a g e wieder aufgegriffen w e r d e n . 3 2 9
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6 . A l s vorläufiges Ergebnis notieren wir: Weil J a k die W e n d u n g » v o l l k o m m e n e s G e s e t z der Frei heit« bei seinen Lesern als b e k a n n t bzw. verständlich voraussetzt, k a n n eine b l o ß s y n c h r o n e A n a l y se d e n H i n t e r g r u n d n i c h t erfassen; für d i e K l ä r u n g der k o m m u n i k a t i v e n A b s i c h t ist sie allerdings unerläßlich. F ü r d i e d i a c h r o n e U n t e r s u c h u n g ist a u f d i e K o n s t e l l a t i o n der F a k t o r e n bei J a k zu a c h ten, a u c h i m V o r b l i c k a u f 2 , 8 ff; d a s heißt vor allem, der F a k t o r e n : G e s e t z , Freiheit, V o l l k o m m e n heit, L i e b e s g e b o t . N ä h e r als d i e stoische L i n i e u n d ihre hellenistisch-jüd. R e z e p t i o n , als B e z u g n a h m e n a u f J e r 3 1 o d e r L e v 2 5 u n d a u c h als ein a b g e m i l d e t e r frühchristlicher N o m i s m u s stehen J a k A u s s a g e n bei Paulus. J a k k ö n n t e einer ähnlichen P r o b l e m l a g e g e g e n ü b e r s t e h e n wie Paulus; j a , sie wäre eine A u s w i r k u n g derselben. V o n allen u n s b e k a n n t e n Traditionsbereichen weist der p a u l i n i sche d i e m e i s t e n B e r ü h r u n g e n m i t J a k auf. A u c h d o r t konzentriert sich d a s G e s e t z i m G e b o t der N ä c h s t e n l i e b e ( R o m 1 3 , 8 - 1 9 ; G a l 5 , 1 4 ) , u n m i t t e l b a r m i t »Freiheit« verknüpft ( G a l 5 , 1 . 1 3 ) ; es ist die R e d e v o m » G e s e t z C h r i s t i « , d a s es zu erfüllen gilt ( G a l 6 , 2 ; vgl. I K o r 9 , 2 1 ) , u n d v o m » G e s e t z des G e i s t e s . . . « , d a s v o m » G e s e t z der S ü n d e u n d des T o d e s befreit« ( R o m 8 , 2 ) . W e n n i r g e n d w o i m N T eine Parallele z u m » v o l l k o m m e n e n G e s e t z der Freiheit« zu finden ist, d a n n hier. Alle ü b r i g e n A b l e i t u n g e n m ü s s e n sich m i t H i l f s k o n s t r u k t i o n e n behelfen. D i e H e r l e i t u n g a u s der P a u l u s - T r a d i tion b e d e u t e t nicht, d a ß nicht a u c h Paulus selbst a u f m a n c h e r l e i frühchristliche A n s ä t z e z u r ü c k greifen k o n n t e , d i e sich ihrerseits a u f alttestamentliches, j ü d i s c h e s u n d anderes M a t e r i a l b e z o g e n ; das zeigt sich speziell in der V e r b i n d u n g m i t d e m G e b o t der N ä c h s t e n l i e b e . - D i e G e n i t i v - A u f l ö s u n g v o n v ö u o g e X e u ö e Q i a g bleibt schwierig. O b w o h l die A n a l o g i e R o m 8 , 2 zu e i n e m G e n . obiect. rät ( » G e s e t z hin zur Freiheit«), k ö n n t e ein G e n . qualitatis d e n G e d a n k e n n o c h a n g e m e s s e ner u n d weiter erfassen: ein G e s e t z m i t Freiheitsqualität, d a s aus der Freiheit s t a m m t u n d Freiheit z u m Ziel hat (das w ü r d e einen G e n . o r i g i n i s u n d obiect. m i t u m f a s s e n ) . D e m Inhalt n a c h steht d a s G e b o t der N ä c h s t e n l i e b e i m V o r d e r g r u n d , wie 2 , 8 zeigt. - Wesentliche A u s f u h r u n g e n z u m » G e s e t z d e r Freiheit« folgen erst in 2 , 8 ff. B e i 1 , 2 5 bleiben einige Leerstellen; J a k läßt vieles u n g e s a g t .
329 K l e i n 1 4 4 . 330 S o K l e i n 1 4 4 . 331 V g l . P o p k e s , L i b e r t y 1 3 7 . K l e i n 1 4 4 will diese Ü b e r l e g u n g nicht gelten lassen. 332 U m s t r i t t e n ist zwischen Vollenweider u n d J o n e s , Freiheit, speziell d i e Frage, o b Paulus d i e Freiheit v o m G e s e t z vertrat; vgl. K o n r a d t , Existenz 9 3 A n m . 3 6 9 . - Z u r D e b a t t e über das paulinische Gesetzesverständnis vgl. jetzt J e n s Schröter, D i e Universalisierung des Gesetzes i m Galaterbrief. E i n Beitrag z u m Gesetzesver ständnis d e s Paulus, in: U d o K e r n ( H g . ) , D a s Verständnis d e s Gesetzes bei J u d e n , C h r i s t e n u n d i m Islam, M ü n s t e r ( L I T ) 2 0 0 0 , 2 7 - 6 3 (dort L i t e r a t u r - A n g a b e n ) .
1,25
143
D a s » v o l l k o m m e n e G e s e t z der Freiheit« ist in d e r S a c h e a m ehesten als d a s » G e s e t z C h r i s t i « das christliche G e s e t z d e s n e u e n B u n d e s m a n es als »Sittengesetz« b e z e i c h n e t
3 3 5
3 3 4
3 3 3
,
, z u verstehen. M a n trifft n i c h t g a n z d e n P u n k t , w e n n
; es ist a u c h » N o r m christlicher F r ö m m i g k e i t « .
3 3 6
Seinen
S c h w e r p u n k t h a t es b e i m G e b o t der N ä c h s t e n l i e b e ( 2 , 8 ) . J a k verliert kein W o r t ü b e r d a s W e s e n der Freiheit, s c h o n gar n i c h t g e m ä ß der alten U n t e r s c h e i d u n g zwischen »Freiheit v o n « u n d A u c h eine R e l a t i o n z u 1,14 f. (Freiheit v o n d e r B e g i e r d e )
3 3 8
sein; a b e r J a k führt es e b e n n i c h t a u s .
3 3 7
w i r d e b e n s o w e n i g expliziert w i e der
G e d a n k e einer F r e i s e t z u n g v o n u n s selbst z u m D i e n s t a n a n d e r e n . 3 4 0
»für«.
3 3 9
S a c h l i c h m a g d a s impliziert
E r verweist n u r a l l g e m e i n a u f einen B e r e i c h , w o Freiheit
gilt, » a n g e s a g t « ist. J a k v e r w e n d e t » v o l l k o m m e n e s G e s e t z der Freiheit« als eine A r t k o m m u n i k a t i ves S i g n a l a n seine Leser, o h n e d i e inhaltliche R i c h t u n g näher a n z u g e b e n . A n d i e s e m P u n k t w i r d n u n d i e s y n c h r o n e A n a l y s e wichtig. A m ehesten bietet d i e R ü c k b i n d u n g a n V. 1 8 . 2 1 , also an d i e A u s s a g e n ü b e r d a s W i r k e n d e s göttlichen W o r t e s a n u n s , einigen A u f s c h l u ß . Freiheit ist d e m n a c h geschaffen w o r d e n d u r c h d i e » G e b u r t d u r c h d a s W o r t der W a h r h e i t « , d i e u n s als V o l k G o t t e s in eine b e s o n d e r e B e z i e h u n g z u i h m stellt. In V. 1 5 - 1 8 b e g e g n e t u n s d i e G e g e n ü b e r s t e l l u n g v o n W a h r h e i t u n d Verirrung, L e b e n u n d T o d . D i e Freiheit der K i n d e r G o t t e s besteht d a r i n , d a ß sie G o t t e s W a h r h e i t u n d L e b e n s k r a f t erfahren h a b e n . D i e s e l b e Wirkkraft e r w ä h n t V. 2 1 : D a s m i t der K o n v e r s i o n »eingepflanzte« W o r t schafft H e i l u n d R e t t u n g . D i e Freiheit ist m i t der d u r c h G o t t ermöglichten Konversion d e m C h r i s t e n Xöyog - v ö u o g tauschbar.
3 4 2
m
3 4 1
zuteil g e w o r d e n . Insofern ist es richtig, w e n n d i e L i n i e
V. 1 8 . 2 1 . 2 2 f.25 d u r c h g e z o g e n wird. A l l e r d i n g s s i n d d i e Begriffe n i c h t a u s -
A ö y o g steht u m f a s s e n d e r für » W o r t G o t t e s « ; v ö u o g ist d a s G e s e t z , u n t e r d e m d i e
C h r i s t e n angetreten s i n d , d a s G e s e t z C h r i s t i ; es vermittelt W e g - W e i s u n g u n d will befolgt sein. D a s » W o r t « k a n n a u c h S u b j e k t sein, der N o m o s ist O b j . J a k ist v o r a l l e m a m T u n interessiert, w i e d e r S c h l u ß - M a k a r i s m u s in V. 2 5 c darlegt.
25 Die Logik von V. 25 bedarf der Klärung. Selig gepriesen wird jemand, der (a) sich in ein/das vollkommene(s) Gesetz, das der Freiheit, vertieft hat und der (b) verweilte, nicht ein Hörer der Vergeßlichkeit wurde, sondern ein Täter des Werkes. Die genannten Verbformen sind Aor.-Part. Wie also wird jemand »selig in seinem Tun« werden (Futur)? Was ist dabei wichtiger: der Gegenstand des Betrachtens (das »vollkommene Gesetz der Freiheit«) oder die Art des Betrachtens (sich vertiefen, verharren, nicht ein vergeßlicher Hörer werden)? - Hagammeiv ist hier am ehesten mit »sich hineinbegeben, sich vertiefen« wiederzugeben. Die Vokabel meint ein »sich vorbeugen, u m Einblick zu gewinnen« (3 der 5 ntl. Stellen beschreiben dabei Szenen an 343
333 K l e i n 1 4 1 . 334 H i e r h a b e n d i e H i n w e i s e a u f Jer 3 1 (s. o. i m T e x t Pkt. 5 ) ihr R e c h t . 335 V g l . D i b e l i u s , K E K 1 5 2 . 336 D i b e l i u s , K E K 1 4 8 ; vgl. H o p p e 1 2 9 . 337 V e r s c h i e d e n e V o r s c h l ä g e d a z u bei H o p p e 9 6 f.; K o n r a d t , E x i s t e n z 9 5 A n m . 3 8 3 . D a s b e t o n t K o n r a d t , E x i s t e n z 9 5 f. ( m i t L i t e r a t u r in A n m . 3 8 3 ) ; a n d e r s M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 0 8 . 9 Martin, W B C 5 1 ; Mußner, Jakobusbrief 108. E b e n f a l l s fehlt eine Ä u ß e r u n g ä la Rom 8 , 2 zur » B e f r e i u n g v o m G e s e t z d e r S ü n d e u n d des T o d e s « ; eine D i a lektik dieser A r t findet sich bei J a k nicht. A n d e r s H o p p e 9 7 . V g l . B u r c h a r d , H N T ( i m E x k u r s z u 1,25, D a s v o l l k o m m e n e G e s e t z d e r Freiheit): »Weil d a s G e s e t z z u m W o r t d e r W a h r h e i t g e h ö r t ( o d e r es ist), d a s z u E r s t l i n g e n m a c h t . . . u n d g e g e n d i e B e g i e r d e a u s r ü s t e t i s t 8Ä.£V0£QLa eher d i e d e r freien C h r i s t e n ... als d i e d e s G e s e t z e s , d i e es h e r v o r b r i n g t , d u r c h d r i n g t , b e s t i m m t ... D a s G e s e t z ist G o t t e s G e b u r t s g e s c h e n k a n d e n C h r i s t e n « . M i t K o n r a d t , E x i s t e n z 7 1 f. B a u e r - A . 1 2 5 1 ; E W N T III 6 8 . S o a u c h in Prov 7 , 6 L X X (sich v o n d e r T ü r a u f d i e S t r a ß e b e g e b e n ) u n d P h i l o L e g G a i 5 6 (in B e r a t u n g e n e i n d r i n g e n ) . D a s V e r b b e i P h i l o n u r hier; es fehlt (lt. Schlatter, B r i e f 1 5 0 ) bei J o s e p h u s .
3 3 8
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3 4 0
3 4 1
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144
III. D e r U m g a n g mit d e m W o r t G o t t e s 344
Jesu Grab: Lk 24,12; Joh 2 0 , 5 . 1 1 ) . Im Hinblick auf die zahlreichen Berührungen zwischen Jak und IPetr fällt auf, daß auch dort (1,12) das Verb erscheint (die Engel hatten Sehnsucht, in das den Propheten Verborgene, jetzt den Christen Verkündigte Einblick zu gewinnen). Der durch Jtapax'UJTTeiv und JtaQajieveiv bezeichnete Vorgang ist deutlich: Jemand vertieft sich dauerhaft in den Nomos. Wie steht dazu der Y£v6u£Vog-Satz, dessen Metaphorik auf V. 23 f. zurückgreift (Hörer, Täter, Vergeßlichkeit)? Das Sich-Vertiefen und Verharren erzeugt doch ebensowenig wie der Nomos von selbst einen Täter. Es ist auch keine Rede davon, daß der Betrachter eine bessere Selbsterkenntnis g e w i n n e ; und selbst dann wäre die Umsetzung in die Tat damit noch nicht gewährleistet. Man sollte deshalb übersetzen: »und dabei nicht ein Hörer sondern ein Täter ... geworden ist«. Die Verantwortung des Handelns liegt auch hier beim Menschen. - Vom »Vergessen« redet Jak nur hier in 1,24 f. Der Gen. ist qualitativ: »ein Hörer von vergeßlicher A r t « . Objekt des Vergessens ist in V. 25 doch wohl das T u n , wie der Gegensatz »Täter des Werkes« belegt; der Sachverhalt ist somit ein anderer als in V. 24, wo es um das »wer er war« des Spiegelbildes ging. Vergeßlichkeit ist ein menschlicher Defekt, der die Kontinuität der Sinneseindrücke, des Denkens und die sich dabei ergebenden Konsequenzen abb r i c h t . Daß Jak gerade egyov als Objekt des Tuns (Gen. obiect.) einführt, liegt in seiner generellen Betonung des Wirkens begründet. Es handelt sich lediglich um eine Akzentverlagerung gegenüber V. 22 f. (»des Wortes«), also um die Sinn-Nuance: »Täter des vom Wort verlangten Werkes«. - In V. 25 läuft syntaktisch alles auf den Makarismus hinaus, dessen Subjekt die drei Aor.-Part. JtaQaxuipac;, Jtaoapieivac;, y8VÖ|i8Vog aufgreift. Seligpreisungsterminologie bringt Jak nur noch in 1,12 und 5,11 (Verb); Form und Inhalt lassen somit V. 25 besonders bedeutsam werden. Die Bedeutsamkeit wird auch aus eoyov erkennbar, das erstmals seit 1,4 wieder erscheint, um dann in 2,14-26 breit thematisiert und in 3,13 (vgl. 2,18) noch einmal aufgegriffen zu werden. Schon hier bereitet Jak die Diskussion von »Glaube und Tat« in Kap. 2 vor. Weil in 2,12 (also kurz vor 2,14 ff.) auch das Syntagma »Gesetz der Freiheit« wiederum vorkommt, ergibt sich von 1,25 eine weitere Brücke zu Kap. 2 hin. Das wird durch den Gebrauch von vouog (1,25, mehrfach in 2,8-12, sonst nur 4,11) bestätigt. - In kurzen Worten notiert V. 25a.b, wie man »selig in seinem Tun« wird. Die Verben JtaQaxujrceiv und Jtaoau^veiv beschreiben einen auf Dauer angelegten 345
346
347
348
349
3 5 0
3 5 1
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344 Ä h n l i c h S i r 2 1 , 2 3 . 3 4 5
V g l . L . G o p p e l t , D e r erste P e t r u s b r i e f ( K E K ) 1 0 9 m i t A n m . 9 0 u n t e r H i n w e i s a u f g r H e n 9 , 1 u n d M t 1 3 , 1 6 f. 1 9 par.: » d i e P r o p h e t e n b e g e h r t e n z u s e h e n / h ö r e n , w a s ihr s e h t / h ö r t « . S c h l a t t e r , B r i e f 1 5 0 d e n k t a n d i e K ö r p e r h a l t u n g d e s s e n , d e r d i e T o r a liest u n d s i c h z u r T o r a r o l l e b e u g t .
3 4 6
S c h l a t t e r , B r i e f 1 5 2 : d i e J t a o a u o v r | i m T u n ist d i e Parallele z u r ujiou-ovrj 1,3.
3 4 7
S. o. i m V o r w o r t z u 1 , 2 2 - 2 5 .
3 4 8
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 4 1 , e r k e n n t d i e P r o b l e m a t i k : w a s d e r M e n s c h » i n w e n d i g ist, k a n n i h m k e i n S p i e g e l zeigen
d i e s k a n n i h m n u r >durch d a s W o r t d e r Wahrheit< ( 1 8 a ) i m A k t d e r A n n a h m e ( 2 1 b ) o f f e n b a r t
w e r d e n , a b e r erst d a n n , w e n n d i e A n g e r e d e t e n als H ö r e r a u c h >Täter d e s Wortes< ( 2 2 a ) g e w o r d e n s i n d « . V o n G e m ü n d e n , E i n s i c h t 8: » D a s B e w a h r e n d e r c h r i s t l i c h e n I d e n t i t ä t b e d a r f d e r u n a b l ä s s i g e n A u s e i n andersetzung mit d e m Wort Gottes.« 3 4 9
3
D a s S u b s t a n t i v k o m m t i m N T ü b e r h a u p t n u r hier vor.
50 B a u e r - A . 5 9 9 » v e r g e ß l i c h e r H ö r e r « ; D i b e l i u s , K E K 1 5 2 : d e r G e n . ersetzt d a s A d j . V g l . a u c h S i r 1 1 , 2 7 .
3 5 1
A n d e r s M a r t i n , W B C 5 0 » . . . not forgetting what he has heard«.
3 5 2
V o n G e m ü n d e n , E i n s i c h t 8: V e r g e s s e n w i r d als k o g n i t i v e s D e f i z i t c h a r a k t e r i s i e r t .
145
1,25
Vorgang. Wichtig scheint jedoch auch das zu sein, wohinein man sich vertieft und worin man verharrt. Erstmals finden sich hier die Termini vöuog und e^euöeota (ein Wort, das bei Jak überhaupt nur als Teil dieses Syntagma in 1,25 und 2,12 vor k o m m t ) , während xe^eioc; bereits in l , 4 a b . l 7 gebraucht w u r d e . Jak qualifiziert vouog zunächst durch »vollkommen« und fügt dann noch »das der Freiheit« hinzu als besonderes Interpretament. Kontextuell ist »vollkommenes Gesetz« leichter erfaß bar, weil es mit »vollkommenes Werk« (1,4) und »vollkommene Gabe« (von Gott: 1,17) korrespondiert. Intratextuell ist »Freiheit« dagegen nicht ableitbar. Zu notieren ist freilich, daß man lt. 2,12 »durch das Gesetz der Freiheit« gerichtet wird. - Welche Rolle spielt das »vollkommene Gesetz der Freiheit«? Das Adj. »vollkommen« signali siert bei J a k etwas Unübertreffliches und in diesem Sinn Eschatologisches; etwas von höchster Qualität, Reife und Vollständigkeit. Anscheinend besteht lt. 1,25 die Vollkommenheit nun gerade in der Relation zur Freiheit. Bereits die Qualifizierung durch »vollkommen« dient als particula differentiae; Jak hätte sonst auch »Gesetz Gottes« o. ä. schreiben können. Er hat also etwas Bestimmtes im Sinn, mit dem auch seine Adressaten etwas anfangen können. 57 »Vollkommenes Gesetz« ist eine Bezeich nung der Qualität, nicht der Quantität (»ganzes G e s e t z « ) . Andeutungen über die Qualität liefern nur die Faktoren »vollkommen«, »Freiheit« und in 2,8 flf. »das könig liche Gesetz« gemäß dem Nächstenliebegebot sowie die Rolle im Gericht. Weil in 2,12 der Faktor »vollkommen« gegenüber »der Freiheit« entfällt, ist letzteres wichti ger. Andererseits ersetzt »königlich« in 2,8 offenbar »vollkommen«. Wenn Jak das Gesetz »vollkommen« nennt, so wird das - falls es nicht seine eige ne Wortwahl sein sollte - auf frühchristliche Neophyten-Tradition zurückgehen. Dort spielt xeXeioq/ xe^eioxng eine wichtige Rolle als Anzeige von geistlicher R e i f e . »Vollkommenes Gesetz« bezeichnet dann die bestmögliche Lebensbasis. Dieses Gesetz wiederum ist mit der Freiheit offenbar untrennbar verbunden. — Anders als 1,18.21, wo der Logos als an uns wirkkräftig dargesellt wird, ist der Nomos in V. 25 nur Objekt menschlicher Aufmerksamkeit; dieser Wechsel war bereits gegenüber dem Logos mit »annehmen« (V. 21) und »Täter« (V. 22) eingeleitet worden. Von einer eigenen Wirksamkeit des Nomos ist in V. 25 direkt nicht die Rede. Der Nomos bewirkt oder gewährleistet für sich noch keinen »unvergeßlichen« Eindruck, wie man folgern müßte, wenn Nomos als Teil des Vergleichsbildes einen »besseren Spiegel« a b g ä b e . Das Vergessen ist vielmehr im Wesen des Menschen angelegt; der Unter schied zwischen V. 23-24 und V. 25 besteht freilich darin, daß man sein Spiegelbild nicht festhalten kann, das Tun jedoch durchaus nicht der Vergeßlichkeit anheimfal353
354
355
3 5 6
3
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V e r b u n d A d j . fehlen völlig.
3 5 4
D a n e b e n n o c h in 3 , 2 ( m i t » M a n n « ) . D i e V e r b e n T E ^ E I Ö C D in 2 , 2 2 u n d T E ? I E ( 0 in 2 , 8 s t e h e n in V e r b i n d u n g mit vouog.
3 5 5
D i e A u s s a g e b l i e b e a u c h o h n e » d a s der F r e i h e i t « sinnvoll.
356 V g l . M a r t i n , W B C lxxix-lxxxii. 357 V g l . K l e i n 1 4 3 . 358 V g l . d a z u bei 2 , 1 0 . A n d e r s H o p p e 1 2 9 . 359 V g l . P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 3 6 ff.; W h o l e n e s s 3 1 9 ff. 360 V g l . M t 5 , 4 8 ; H e b r 5 , 1 4 ; Phil 3 , 1 5 ; I T h e s s 5 , 2 3 ; s. ferner I K o r 2 , 6 ; 3 , 1 ff.; Phil 1 , 6 - 1 1 ; E p h 4 , 1 3 . 3 6 1
V g l . o. i m V o r w o r t z u 1 , 2 2 - 2 5 , speziell z u J o h n s o n .
146
III. D e r U m g a n g mit d e m W o r t G o t t e s
len muß. Gewiß, dieser Nomos hat auf jeden Fall eine hohe Qualität, die es aufmerksam und dauerhaft zu betrachten gilt; das Betrachten gewährleistet für sich jedoch noch kein Täter-Werden.362 Jak argumentiert nicht: »Wer sich vertieft in den ... Nomos ... und verharrt, der wird/ist geworden ... ein Täter des Werkes«.363 Vielmehr steht der y£vöu£Voc;-Satz offenbar konditional (»sofern er n i c h t s o n d e r n ... wurde«); auch und gerade gegenüber dem »vollkommenen Gesetz der Freiheit« gilt es, das Tun nicht zu vergessen. Dieser Nomos wird nicht mit einem defizitären Gesetz verglichen, sondern in seiner Qualität als unbedingt beachtenswert vorgestellt. Das Doppelsyntagma »vollkommenes Gesetz der Freiheit« setzt für sich und im Vorgriff auf 2,8-12 betrachtet ausgesprochen positive Signale, was seinen semantischen Gehalt betrifft. Der kommunikative Wert muß damit allerdings nicht identisch sein. Man wird und soll an das »Gesetz Christi« und die damit gegebenen Möglichkeiten christlicher Existenzgestaltung in Freiheit und Liebe denken (s. o.). Doch eben dieser Nomos wird auch zum kritischen Faktor (2,12). Jak erinnert an den hohen Stellenwert dieses Gesetzes und zugleich an den rechten Umgang damit. Worauf es auf jeden Fall und vor allem ankommt, ist die Umsetzung in die Tat. 3 6 4 Darauf verweist auch die Wiederaufnahme der Terminologie »hören — tun« ab V. 25b von V. 2 2 - 2 3 a her im Gegensatz zur Sinnlinie »sehen« in V. 23b-25a. Selig gepriesen wird der »Täter des Werkes«. Wie in 1,12 verwendet J a k eine Futurform (eoxai). Sie muß freilich nicht eschatologisch sein, wird der Betreffende doch »in seinem Tun«, nicht durch es365 selig sein. Das Tun ist etwas Gegenwärtiges; deshalb auch das Selig-Sein. Das Futur hat also eher logischen Charakter. D a s »Glücklich-Sein« erfährt nur der aktive Mensch; im Sinn der synoptischen Evangelien gesprochen: der Mensch in der konkreten, praktizierten Nachfolge Jesu. »Selig« signalisiert dabei weit mehr als ein Gefühl des Wohlbefindens, nämlich die Erfahrung der neugestalteten Existenz des Christen auf der Basis des »Gesetzes Christi« in der täglichen Ausübung.366 26-27 Ähnlich wie in V. 23 liegt auch hier ein Fall (»wenn jemand«) der Selbsttäuschung vor. Das zentrale Stichwort heißt jetzt 0oriox6c;/0Qr]GX£ia. Zunächst (V. 26) erfolgt die Beurteilung einer nichtigen Frömmigkeit, deren Kriterium die Nichtbeherrschung der Zunge ist. Die Bemerkung über den Betrug des Herzens ist überschießend; der Satz wäre auch ohne sie sinnvoll. D e m wird (V. 27) die bei Gott unanstößige Frömmigkeit gegenübergestellt; sie bezieht sich einmal auf das aktive Verhalten gegenüber »Waisen und Witwen«, zum anderen auf das eigene Verhältnis zur »Welt«. Hauptsächliche Sinnlinien sind: Umgang mit dem eigenen Körper (seine Zunge zügeln, sein Herz betrügen, sich selbst fernhalten von), Makellosigkeit (rein, unbefleckt, unanstößig), Not (Waisen, Witwen, Bedrängnis) und »Religion«. ?
3 6 2
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 4 1 , b e t o n t : d e r M e n s c h ist i m W e r d e n , G o t t h i n g e g e n ist u n v e r ä n d e r l i c h . A b e r ist d a s hier i m p l i z i e r t ?
3 6 3
A n d e r s setzt d e n A k z e n t G e r h a r d D e l l i n g : T h W N T V I I I 7 5 . 1 2 - 1 4 : » D a s g a n z e W e r k t u t , w e r a u f d a s v o l le, g a n z e G e s e t z d e r F r e i h e i t ... s t ä n d i g ... s o a c h t h a t
d a ß er es t u t . . . « . B a c k h a u s 1 4 8 ü b e r s e t z t : » D e r
aber, d e r s i c h h i n e i n b ü c k t ... u n d a u s h a r r t , d e r n i c h t ein H ö r e r d e r V e r g e ß l i c h k e i t g e w o r d e n ist, s o n d e r n ein T ä t e r d e s W e r k e s
d i e s e r w i r d selig s e i n ... in s e i n e m T u n « .
3 6 4
E b e n s o G . D e l l i n g : T h W N T V I I I 7 5 , 1 5 . D a s T u n ist d e r S k o p u s .
3 6 5
Frankemölle, Ö T K 3 4 1 : m o d a l , nicht instrumental.
3
66Vgl. o. z u 1,12.
1,26-27
147
Nach V. 19 f.23 ff. ist dies die dritte Richtigstellung im Umgang mit dem »Wort« im weiteren Sinne: verletzender (V. 20), tatenloser (V. 22-25) und jetzt unkontrol lierter Umgang. Die Inkongruenz der beiden »Definitionen« von Frömmigkeit in V. 26 und 27 ist verschiedentlich notiert worden.367 V. 26 moniert nicht in Entspre chung zu V. 27a.b die Absenz der sozialen Tat, sondern das unbeherrschte Reden; darin steht er V. 19 f. nahe. Die Aussage von V. 27c verläuft in noch wieder anderer Richtung: rechte Distanz zur Welt. 368 Jak stellt also drei Problemfelder fest: beim Reden, bei der Armenfürsorge und bei der eigenen Lebensgestaltung. Er wird auf sie zurückkommen, auf »Zunge zügeln« in 3,5-8, auf Barmherzigkeit und das Verhalten gegenüber Armen in 2,1-26 (speziell 2,2-6.9.13.15 f.), aber auch in 5,1-6, und auf die Distanz zur Welt in Kap 4-5 (speziell 4,4 ff. 13 ff; 5,1-6). So betrachtet, besitzt 1,26 f. in gewissem Maß expositioneilen Charakter für das folgende.369 Allerdings tauchen wesentliche Stichwörter später nicht wieder auf: Oorioxeta, d j c a t a v , fxdxaiog, auiavxoc;, öoqpavög, %f\Qa, OXltyig, ä o j t d o g . 3 7 0 Ähnliche Probleme wie in 1,26 f. behandelt Jak in der Tat später weiter; sie haben dann jedoch auch ihre eigene Thematik und Terminologie (wie vor allem JCQOOO)jro^T]fX'ipia, Glaube und Werke, Lehrer, Segen und Fluch, Weisheit, Auseinandersetzungen, Freundschaft, Erlangen von Reichtum). Vorsichtiger sollte man deshalb nur von Querverbindungen oder flashbacks reden, nicht von Stichwörtern und Amplifikation. Sicher ist Jak auch nicht nur von expositioneilen Gesichtspunkten bei der Zusammenstellung dieser Faktoren in 1,26 f. geleitet. Vielmehr spielt die Intertextualität eine wesentliche Rolle, wie die Traditionsanalyse bereits zeigte.371 Jak hat seine Thesen also aus diesen auch sonst von ihm verwendeten Traditionen entnommen und hier zum einen als weiteren Fall von Selbstbetrug (speziell im Umgang mit dem Wort), zum anderen als Vorblick auf weitere Ausführungen und als Uberleitung zu 2,1 ff. zusammengestellt. Gerade der unmittelbar zuvor erwähnte Begriff »Gesetz der Freiheit« bedarf noch der nähe ren Behandlung (s. 2,8-13); aber dafür muß der Boden bei den Adressaten erst auf bereitet werden, indem zunächst Grundsätzliches zur »Frömmigkeit« (1,26 f.) und Konkretes zum Sozialverhalten (2,1-7) gebracht wird. Oorjoxeia steht für »Religion in ihrem äußeren, zeremoniellen und öffentlichen Aspekt«372. Die antike Literatur verwendet das Wort sowohl im allgemeinen Sinn von »religiöses Verhalten, Religionsausübung« als auch mit negativer Akzentuierung
367 D i b e l i u s , K E K 1 5 3 ; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 1 0 - 1 1 3 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 5 9 ; K o n r a d t , E x i s t e n z 1 9 8 f. D i e A b w e i c h u n g v e r s u c h t e n s c h o n p 7 4 u. a. z u k o r r i g i e r e n (s. o. z u r T e x t ü b e r l i e f e r u n g ) . D a f ü r : R o b e r t s 2 1 5 f.; d a g e g e n : J o h a n s o n 1 1 8 f. V g l . n o c h M a t t h e w B l a c k , C r i t i c a l a n d E x e g e t i c a l N o t e s o n T h r e e N e w T e s t a m e n t T e x t s . H e b r e w s x i . l 1, J u d e 5 , J a m e s i . 2 7 , in: A p o p h o r e t a ( F S E r n s t H a e n c h e n , B Z N W 3 0 ) , B e r lin ( d e G r u y t e r ) 1 9 6 4 , 3 9 - 4 5 . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 6 1 , m e i n t , V. 2 7 sei » w i e ein K o m p e n d i u m d e s g e s a m t e n J a k o b u s b r i e f e s « . V g l . bereits C l a d d e r , A n l a g e , u n d d i e bei H a u c k , B r i e f 9 1 f. A n m . 7 9 , G e n a n n t e n . E b e n f a l l s x a O d p o g nicht; s. a b e r x a 0 a o ü ; E i v 4 , 8 . A u c h Sir m a h n t die Versorgung der Waisen u n d W i t w e n an (4,10, m i t der Verheißung »so wird G o t t dich S o h n n e n n e n « ; vgl. 3 5 = 3 2 , 1 4 f . = 1 7 f. [zur Z ä h l u n g vgl. G e o r g S a u e r . J S H R Z I I I / 5 , G ü t e r s l o h 1 9 8 1 , 5 9 0 ] ) u n d i n t e r p r e t i e r t d a s O p f e r e t h i s c h ( 3 5 = 3 2 , 1 ff.); a u c h er v e r b i n d e t d a m i t d a s T h e m a JtQÖöoojtov taxußdvEtv - w i e J a k 2 , 1 . 9 (Sir 3 5 = 3 2 , 1 2 f . = l 4 f.). A u c h I P e t r bietet m e h r e r e Parallelen: » h e i l i g i m Ver h a l t e n « , » G o t t als V a t e r a n r u f e n « , »er richtet o h n e A n s e h e n d e r P e r s o n « , » e r l ö s t e x xfjg [ l a t a i a g vuxöv dvaöTQO(pf)5« ( 1 , 1 5 - 1 8 ) .
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V o u g a 6 6 ; vgl. D i b e l i u s , K E K 1 5 3 .
III. D e r U m g a n g m i t d e m W o r t G o t t e s
148
373
als »(heidnischer) Kult, Götzendienst«. Jak wählt einen wenig »biblischen« Ausdruck374 und das evtl. in etwas distanzierter, aber durchaus in akzeptierender Weise. Wiederzugeben ist 0QT]ax£ia hier etwa mit »Religion, Gottesverehrung, Pietät (im weiteren Sinn)«.375 _ In V. 26 geht es um eine falsche Selbsteinschätzung376 als »religiöser Mensch«. Jemand beurteilt sich selbst in Hinsicht auf seine Observanz in bezug etwa auf Gottesdienstteilnahme, Gebete, Einhaltung zeremonieller Pflichten, Auftreten in der Öffentlichkeit usw.377 J k scheint den »nur-religiösen« Menschen vor Augen zu haben, den »Sonntagschristen«, der meint, er habe sich in puncto «iustitia adversus deum«378 nichts vorzuwerfen. Zwei Bewertungen stellt Jak dem in den beiden Partizipialsätzen (»nicht zügelnd sondern irreführend ...«) entgegen, bevor er abschließend (V. 26c) das Urteil fällt. Der Partizipial-Teil hat konzessiven Charakter: »Obwohl er nicht einmal die Zunge zügeln kann«379, sondern nur sein Herz täuscht.380 Die Bedeutung von djiaxdco (djtdxr], 8^ajtaxd(o)38i ist Täuschung, sowohl im Sinn von Betrug382 als auch von Illusion383. I N T »betrügen, verführen, betören, täuschen« u. a. der Reichtum (Mk 4,19 par.), die Begierde (Eph 4,22), nichtige Lehre (Kol 2,8; Eph 5,6), aber auch Menschen (2 Petr 2,10 f f ) . Wenn sich jemand selbst täuscht, so lebt er in einer Illusion, die hier sogar sein Innerstes, das Herz, erfüllt.384 A J konkrete Problemanzeige und zugleich Kriterium gilt bei Jak das unbeherrschte Reden, im Bildwort: die Zunge nicht am Zügel führen, wie man ein Pferd lenkt und kontrolliert (vgl. 3,2 ff).385 Jak läßt offen, was des näheren gemeint ist.386 I Vorgriff auf Kap. 3 wird man annehmen dürfen, daß Verantwortungslosig5
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3 7 3
K a r l L u d w i g S c h m i d t : T h W N T I I I 1 5 6 f. s p r i c h t s o g a r v o n » i n s e n s u b o n o / m a l o « . A b e r d a s ist evtl. etwas ü b e r z o g e n (s. d o r t A n m . 1 1 ) . B e i P h i l o e t w a finden sich b e i d e A k z e n t e ; p o s i t i v z u m j ü d . K u l t ( F u g 4 1 ; L e g G a i 2 3 2 . 2 9 8 ) , negativ über heidnische Religion (SpecLeg 1,315; I m m 2 1 [im Gegensatz zu e v o e ß e i a u n d ö a i o r r i s ] ) ; ä h n l i c h W e i s h 1 4 , 1 8 (V. 1 2 ff. 2 7 : d e r A n f a n g d e s A b f a l l s e r f o l g t e bei d e n G ö t z e n b i l d e r n ) . B e i J o s e p h u s steht 6QT|OX8ia für: j ü d . R e l i g i o n , öffentlicher T e m p e l k u l t ( A n t 1 , 2 2 2 ; 4 , 7 4 ; 5 , 3 3 9 u. a . ) ; in l C l e m 4 5 , 7 heißt es p o s i t i v ü b e r D a n i e l u n d seine F r e u n d e : » e r h a b e n e r u n d glorreicher D i e n s t d e s H ö c h s t e n « , parallel z u » i n f r o m m e r u n d u n t a d e l i g e r A b s i c h t G o t t d i e n e n ( ö o i ^ e v e i v ) « ; vgl. 6 2 , 1 . V g l . S c h m i d t : T h W N T I I I 1 5 8 ( d o r t eine L i s t e a n d e r e r T e r m i n i ) . I m N T findet sich d a s S u b s t a n t i v n u r n o c h A p g 2 6 , 5 ( j ü d . R e l i g i o n ) u n d K o l 2 , 1 8 ( » D e m u t u n d V e r e h r u n g d e r E n g e l « ; vgl. V. 2 3 ) . I n d e r L X X n u r 5 x , u n d z w a r in d e n A p o k r y p h e n (Weish; 4 M a k k 5 , 7 . 1 3 ) . R e l a t i v h ä u f i g v e r w e n d e n es d a n n d i e A p o l o g e t e n ( M a r t i n , W B C 5 2 ) . D a s A d j . QQT\OXÖC, v e r w e n d e t in N T u n d L X X n u r J a k . D a s A d j . d a n n e n t s p r e c h e n d m i t »religiös, f r o m m « ; d a s S u b s t a n t i v sollte m a n d a h e r n i c h t m i t » G o t t e s d i e n s t « w i e d e r g e b e n . V g l . M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 1 1 f. D i e W e n d u n g ei'xig ö o x e l . . . ( e i v a i ) findet sich v e r s c h i e d e n t l i c h bei P a u l u s : I K o r 3 , 1 8 ; 8 , 2 ; 1 1 , 1 6 ; 1 4 , 3 7 ; G a l 6 , 3 ; Phil 3 , 4 . D u r c h g e h e n d stellt sie d a s , w a s folgt, i n f r a g e . Vgl. Gerhard Delling, D e r Gottesdienst im Neuen Testament, Göttingen ( V & R ) 1 9 5 2 , 2 3 . S o definiert C i c e r o : R e l i g i o n ist i u s t i t i a a d v e r s u s d e o s ; K a r l P r ü m m , R e l i g i o n s g e s c h i c h t l i c h e s H a n d b u c h für d e n R a u m d e r altchristlichen U m w e l t , R o m ( P ä p s t l . B i b e l i n s t . ) 1 9 5 4 , 6 9 . 9 Dibelius, K E K 153. 380 B u r c h a r d , H N T z. S t : äXkä »leitet hier k e i n e n E r s a t z ein, also eher s t e i g e r n d « . 3 7 4
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A l b r e c h t O e p k e : T h W N T I 3 8 3 f.; A r m i n Kretzer: E W N T I 2 8 0 f. D a s W o r t k o m m t in d e r L X X h ä u f i g vor. G e r i c h t l i c h v e r f o l g b a r ; z. B . P O x y 1 0 2 0 , 8 ( O e p k e 3 8 4 , 1 5 f.). S o v o r a l l e m i m T h e a t e r : O e p k e 3 8 4 , 1 8 ff. 384 V g l H i 3 1 , 2 7 » m e i n H e r z b e t ö r e n « . 385 V g l . n o c h A p k 1 4 , 2 0 . I n J a k 3 ist, g e n a u b e s e h e n , n i c h t v o m Z ü g e l n , s o n d e r n v o m Z ä h m e n d e r Z u n g e d i e R e d e ( 3 , 8 ) ; d a s B i l d v o m Z ü g e l n / L e n k e n d e r P f e r d e bzw. Schiffe ist t r a d i t i o n e l l (s. o. » T r a d i t i o n s e l e m e n t e « u n d in d e r E x e g e s e v o n 3 , 2 f f ) . 386 M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 1 2 , d e n k t a n religiösen Streit a u s f r o m m e m Eifer, evtl. z w i s c h e n J u d e n c h r i s t e n u n d Paulus-Anhängern. 3 8 2
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149
1,26-27
keit beim Reden und dadurch ausgelöste Streitigkeiten in der Gemeinde anvisiert werden. Im Rückgriff auf 1,19 f. kann man auch auf vorschnelles und vor allem zor niges Reden hinweisen. Ebenfalls offen bleibt dabei, ob Jak lediglich allgemein menschliches Versagen oder den speziellen Umgang mit dem »Wort« Gottes (s. be sonders 1,22 f.) vor Augen hat; diese Frage kann allenfalls die Interpretation von 3,1 ff. klären (sie wird die letztgenannte Lösung befürworten). - Die Beurteilung sol cher »Frömmigkeit« als uaxcaog (V. 26c) bedient sich eines geprägten Terminus der atl. Götzenpolemik : etwas ist n i c h t i g . Schon in der griech. Tradition hatte die ses Wort einen »umfassenden metaphysischen Grundton«; es tastet einen Wert an; »da beginnt ein Stück vermeintlichen Seins in die Welt des Scheins a b z u s i n k e n « . In der L X X heißen uaxcaa »in erster Linie ... die Götter« der Heiden. »Nichtig« sind auch etwa die lügnerischen Worte von falschen Propheten und Götzen (Sach 10,2; Ez 13,6 f f . ) . Dieselbe Linie begegnet uns im N T : nichtige Gedanken der Welt-Wei sen (IKor 3,20), leere Spekulationen ( I T i m 1,3 ff; Tit 1,10 ff.; 3,9), Irrlehrer (2Petr 2, 18), das Leben vor der Konversion (Apg 14,15; IPetr 1,18; Eph 4 , 1 7 ) . Jak beur teilt somit solche Opnöxeia genauso wie Götzendienst; sie ist eine pseudo-religiöse Scheinwirklichkeit. Die positive Qualifizierung von 0QT]öxeia bietet V. 27 zunächst durch zwei Adjek tive, verbunden mit einer doppelten Aussage über Gott, dann durch zwei InfinitivSätze. » R e i n und unbefleckt « ( x a O a o a x a i a u i a v x o c ; ) sind nicht direkte semantische Oppositionen zu »nichtig«. Sie entstammen der Opferkultsprache , weitgehend ebenso dann »ohne Fehl« ( ä a m X o c ; ) - was eine ethische Verwendung nicht ausschließt. Kult-Kritik ist damit bei Jak allenfalls hintergründig verbun den. Bereits die atl. Propheten erheben die soziale Verantwortung über die kulti sche Observanz "; das wird im N T ü b e r n o m m e n . Kultische Fragen liegen für Jak 387
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387 H o r s t R o b e r t Balz: E W N T II 9 7 5 f. 3 8 8
O t t o B a u e r n f e i n d : T h W N T I V 5 2 5 - 5 3 0 . D o r t 5 2 5 , 2 0 ff. z u m U n t e r s c h i e d z u x e v ö g (»wertlos, weil i n h a l t s los«): »wertlos, weil t ä u s c h e n d o d e r w i r k u n g s l o s « . In d e r L X X h ä u f i g bei J e s a j a ( 1 , 1 3 ; 2 , 2 0 ; 2 9 , 8 ; 3 0 , 7 . 1 5 - 2 8 u . a . ) , Ezechiel (z. B . 8 , 1 0 ; 1 3 , 6 - 9 . 1 9 ) , in d e n Pss (so e t w a \p 5,9; 1 1 , 1 2 ) u n d Prov ( 1 2 , 1 1 ; 2 1 , 6 u. a.); bei S i r nur 34 (=31),5.
389 B a u e r n f e i n d : T h W N T I V 5 2 5 , 3 2 f. u n d 3 8 f. 3 9 0
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B a u e r n f e i n d 5 2 7 , 1 8 f. U n t e r fxdxaiog vereint sich eine g a n z e R e i h e h e b r ä i s c h e r W ö r t e r ( 5 2 6 f.). S o g a r d e r christliche G l a u b e w ü r d e o h n e d i e T o t e n a u f e r s t e h u n g u n t e r dieses V e r d i k t fallen: I K o r 1 5 , 1 7 . L t . Rom 8 , 2 0 ist d i e g e g e n w ä r t i g e S c h ö p f u n g d e r N i c h t i g k e i t ( = V e r g ä n g l i c h k e i t ) verfallen. V g l . z. B . E z 2 2 , 2 6 ; Rom 1 4 , 2 0 ; I T i m 1 , 1 5 .
3 V g l . L e v 5,3; N u m 5,3; D t n 2 1 , 3 3 ; m o r a l i s c h W e i s h 4 , 2 ; 8 , 2 0 ; k u l t i s c h H e b r 7 , 2 6 ; vgl. I P e t r 1,4; ethisch H e b r 1 3 , 4 . N e b e n x a O a o ö g a u c h H e r r n M 2 , 7 ( = 2 7 , 7 ) , n e b e n ä a j t i A o g S 5 , 6 , 7 ( = 5 9 , 7 ) . V g l . B a u e r - A . 8 9 f. B e i d e s z u s a m m e n a u c h Plut. M o r a l i a 3 8 3 b . 3 9 5 e .
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5 S. G e n 7 , 3 ; 8 , 2 0 ; L e v 4 , 1 2 ; 7 , 1 9 ; 1 1 , 3 2 ; 1 5 , 3 2 ; N u m 8,7; D t n 1 2 , 1 5 ; H e b r 1 0 , 2 2 .
3 9
6 B a u e r - A . 2 3 4 ; i m N T k u l t i s c h in I P e t r 1,19; 2Petr 3 , 1 4 ; vgl. H e r r n V 4 , 3 , 5 ( = 2 4 , 5 n e b e n x a O a o ö g ) . N i c h t in L X X .
7 V g l . F r i e d r i c h H a u c k , R u d o l f M e y e r : T h W N T III 4 1 6 - 4 3 4 . S o z. B . \p 5 0 , 1 2 ; Prov 1 2 , 2 7 ; T e s t B e n j 8 , 2 . 398 V g l W i n d i s c h 1 3 , d e r s i c h g e g e n eine B e z u g n a h m e a u f » p h a r i s ä i s c h e n R i t u a l i s m u s « w e n d e t . R e i c k e d e n k t a n z e l o t i s c h e C h r i s t e n , d i e d a s L i e b e s g e b o t n i c h t b e f o l g t e n . K u l t k r i t i k v e r n e i n e n u. a. L a w s , C o m m e n t a r y 9 2 ; S e i t z , L a w 4 8 3 . B u r c h a r d , H N T z. S t . : a n g e w e n d e t w i r d d e r » T o p o s S i t t l i c h k e i t ist d e r b e s t e Kult<«.
3 9
3 " J e s 1,10 ff.; 5 8 , 6 ; M i 6 , 6 - 8 ; H o s 6,6; 8,1 ff.; A m 2 , 6 ff. u. ö. V g l . a u c h d i e p h i l o s o p h i s c h e K u l t k r i t i k (so e t w a Plut. M o r a l i a 1 6 6 , » A b e r g l a u b e « ) , d i e i m hellenistischen J u d e n t u m teilweise ü b e r n o m m e n w i r d ; s o P h i l o S p e c L e g 1,15; T e s t j o s 4 , 6 ; vgl. E . F e r g u s o n , A N R W II 2 3 . 2 , 1 1 5 2 - 1 1 6 2 . 4 0 0
S. d a s Z i t a t v o n H o s 6 , 6 in M t 9 , 1 3 ; 1 2 , 7 . Ferner M k 7 , 1 - 1 2 par.; Rom 1 2 , 1 f. E b e n s o H e r r n M 2 , 7 ( = 2 7 , 7 ) ; S 5,7,1 (=60,1).
III. D e r U m g a n g m i t d e m W o r t G o t t e s
150
fern; auch die Wahl des Terminus 6QT]ax8ia/6QT]öx6g signalisiert nicht, daß er den Adressaten ein opferkultisches Religionsverständnis vorwirft. Er kritisiert das sub jektive Sicherheitsgefühl, die äußerliche »religious correctness« sei ausreichend. Für Jak steht außer Frage, daß die rechte Gottesverehrung mit der sozialen Verantwor tung einhergehen muß. »Rein und unbefleckt« sind nicht einfach aus sich selbst her zu definieren, sondern coram Deo: »bei (jtaQd) Gott und (dem) Vater«. Die Wen dung kommt bei Jak nur hier v o r (s. aber 3,9: Herr und Vater). »Vater« erinnert an 1,16. Wiederum zeigt sich das theozentrische Denken des Jak; hier aber ist die Got tesbezeichnung am persönlichsten gehalten. - Wahre Frömmigkeit verlangt Fürsorge für die Mittellosen und Eintreten für die Schutzlosen. Die Waisen und Witwen gel ten im A T geradezu klassisch als die Bedürftigsten hinsichtlich Versorgung und Rechtslage. Der fromme Jude wußte um die religiöse Verpflichtung zur Hilfe; die sen Ärmsten gilt Gottes besondere Z u w e n d u n g . Im Frühchristentum betonen das neben Jak wieder HermV 2,4,3 (=8,3); M 8,10 (=38,10); S 9,26.2 (=103,2); Barn 20,2; IgnSm 6 , 2 . ° 5 Die Zufugung »in ihrer Bedrängnis« schaltet jeden Zweifel aus. Auch OÄIipic; ist aus der atl. Tradition geläufig , zumal im Sinn der Bedrängnis, Not, Bedrückung des Volkes I s r a e l und der Gerechten . Es gilt, solche Bedrängten »aufzusuchen«. Das Verb emoxejrtoum umfaßt eine Reihe von Bedeutungsnuan c e n , auch in der L X X , darunter Krankenbesuche (als Liebesdienst oder ärztliche U n t e r s u c h u n g ) bzw. »sich um etwas kümmern, für etwas s o r g e n « . In dieser Ver wendung erscheint es im N T M t 25,36.43; Apg 7,23; 15,36; Hebr 2 , 6 . Jemand sucht Menschen auf, kümmert sich um sie, hilft ihnen g g f . Solche Sozialfürsorge ist also Bring- bzw. Hingehschuld. Jak verweist auf ein soziales Grundgebot (wie Jesus in M t 25,35 ff. in bezug auf Jes 58,7). »Religion« erweist ihre Qualität immer daran, wie man den »Geringsten« (Mt 25,40.45) Beachtung und Hilfe zukommen läßt; die Beispiele in Jak 2,2 f. 15 f.; 5,4.6 belegen es. - »Sich fehlerlos von der Welt zu halten« (V. 27c) erinnert zunächst an das »Ablegen des Schmutzes« V. 2 1 a . Erstmalig 401
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S c h o n g a r n i c h t als K r i t i k a m J u d e n t u m ( m i t L a w s , C o m m e n t a r y 9 2 ) .
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H a u c k , B r i e f 9 0 m i t A n m . 7 5 . Vgl. I C h r 2 9 , 1 0 ; Weish 2 , 1 6 ; Sir 2 3 , 1 . 4 ; 3 M a k k 5,7; Philo LegAll 2 , 6 7 ; I K o r 1 5 , 2 4 ; E p h 5 , 2 0 ; a u s g e f ü h r t e r I T h e s s 1,3 u n d in a n d e r e n P r ä s k r i p t e n (wie 2 K o r 1,3); Rom 1 5 , 1 6 .
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S. o. in d e r T r a d i t i o n s a n a l y s e .
4 0 4
E x 2 2 , 2 1 - 2 3 ( a b V. 2 0 w e r d e n p e r s o n a e m i s e r a b i l e s a u f g e f ü h r t [ M a r t i n N o t h , D a s zweite B u c h M o s e , A T D V, 1 5 0 ] ) ; D t n 1 0 , 1 8 ; 2 4 , 1 7 ; 2 7 , 1 9 ; J e s 1 , 1 7 . 2 3 ; J e r 5 , 2 8 ; 7 , 6 ; 2 2 , 3 ; E z 2 2 , 7 ; Ps 1 0 , 1 4 ; 6 8 , 6 ; 8 2 , 3 ; 1 4 6 , 9 ; P r o v 2 3 , 1 0 ; Sir 4 , 1 0 ; 3 5 ( = 3 2 ) , 7 ; 2 M a k k 3 , 1 0 . 405 V g l . a u c h J . - U . K r a u s e , W i t w e n u n d W a i s e n i m f r ü h e n C h r i s t e n t u m , W i t w e n u n d W a i s e n i m R ö m i s c h e n R e i c h IV, S t u t t g a r t 1 9 9 5 , s a m t d e r s c h a r f e n K r i t i k d a r a n d u r c h G . S c h ö l l g e n : Z A C 1 ( 1 9 9 7 ) , 1 3 7 - 1 4 0 . < * H e i n r i c h Schlier: T h W N T I I I 1 4 0 - 1 4 2 . 4
4
07 Z . B . E x 4 , 3 1 ; D t n 4 , 2 9 ; R i 6 , 9 ; 1 0 , 6 - 1 6 . B e s o n d e r s in d e n Pss: \p 3 3 , 2 0 ; 3 6 , 3 9 ; 4 9 , 1 5 ; 7 6 , 3 ; 1 3 7 , 7 u. a.; a u c h Sir 2 , 1 1 ; 6 , 8 . 1 0 ; 2 2 , 2 3 u. a. 09 H e r m a n n W o l f g a n g Beyer: T h W N T II 5 9 5 - 6 0 2 .
4 0 8
4
4 1 0
4 1 1
4 1 2
4 1 3
4 1 4
E b d . 5 9 6 , 4 5 ff. E b d . 5 9 7 , 9 ff.; als B i l d w i r d g e r n » H i r t - H e r d e « v e r w e n d e t : J e r 2 3 , 2 ; S a c h 1 1 , 1 6 ; E z 3 4 , 1 1 f.; S i r 7 , 2 2 ; 49,15(18). D a n e b e n bedeutet das Verb i m N T auch: A u s s c h a u halten, achtgeben u n d (von G o t t ) gnadenhaft h e i m s u c h e n ( J o a c h i m R o h d e : E W N T II 8 4 f.). Vgl. Laws, C o m m e n t a r y 89. V g l . a u c h 2 P e t r 2 , 2 0 ; 3 , 1 4 . J o h a n s o n b e t o n t , K o s m o s s t e h e hier n i c h t e i n f a c h »in t h e social s e n s e o f >mank i n d in g e n e r a h « ( 1 1 8 ) , v i e l m e h r : » . . . x o o f x o g m a y b e t a k e n in J a 1 , 2 7 t o m e a n a widespreaddisposition and power in mankindfor evil in Opposition to God« ( 1 1 9 ) .
1,26-27
151 4l
taucht xoouog auf; ähnlich dualistisch formuliert dann auch 4 , 4 . 5 Die »Welt« ver ursacht offenbar Befleckungen, Makel, Verunreinigungen, Schandflecken (vgl. 3,6). In kultischer Terminologie gedacht, würde eine Unbrauchbarkeit vor Gott entste hen. Möglich, aber nicht sicher ist, daß Jak ähnlich wie in Kap 4-5 speziell an »die den irdischen Genüssen und dem Reichtum verfallene Welt« 7 denkt. Eine Distan zierung von der »Welt«, nicht aber ein Rückzug aus ihr, ist a n g e s a g t . »Freundschaft mit der Welt« kann es für den Christen nicht geben, will er nicht öiipuxog werden (4,4.8). 416
41
418
4 1 5
E b e n s o M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 1 3 . N i c h t s o klar ist d i e L a g e in 2 , 5 u n d 3 , 6 . - K o n r a d t , E x i s t e n z 1 9 9 ,
4 1 6
V g l . S c h r ä g e , J a k o b u s b r i e f 2 3 f.; J a k ethisiere a l l e r d i n g s . S e i t z , L a w 4 8 3 , u n d L a w s , C o m m e n t a r y 9 2 : J a k
4 1 7
So Mußner, Jakobusbrief 113.
b e t o n t d i e D i s s o z i a t i o n v o n d e r T o d e s s p h ä r e (vgl. 1 , 1 5 ) . r e i n t e r p r e t i e r t d e n K u l t ; vgl. Rom 1 2 , 1 ; I P e t r 2 , 5 . 4 1 8
M i t K o n r a d t , E x i s t e n z 1 9 9 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 6 4 f., u. a. B u r c h a r d , H N T z. S t . e r i n n e r t a n d a s » S c h e m a S o l i d a r i t ä t n a c h i n n e n - A b g r e n z u n g n a c h außen«< (vgl. 1 Q S 1 , 9 - 1 1 u. a . ) .
IV. Glaube, Liebe, Taten und was dabei zu beachten ist 2,1-26 (1) M e i n e B r ü d e r , h a l t e t n i c h t d e n G l a u b e n a n u n s e r e n H e r r n J e s u s C h r i s t u s , ( d e n H e r r n ) der Herrlichkeit, in B e v o r z u g u n g e n . (2) Falls n ä m l i c h in eure V e r s a m m l u n g ein g o l d b e r i n g ter M a n n in g l ä n z e n d e r K l e i d u n g k o m m t , a b e r a u c h ein a r m e r in l u m p i g e r K l e i d u n g k o m m t , (3) ihr a b e r a u f d e n schaut, der die g l ä n z e n d e K l e i d u n g t r ä g t u n d (ihm) s a g t >Du, setze dich h i e r s c h ö n hin< u n d z u d e m A r m e n s a g t > D u , stell d i c h h i e r h i n o d e r s e t z e d i c h u n t e r m e i n e F u ß b a n k , (4) h a b t ihr d a n n nicht bei euch (selbst) d i s k r i m i n i e r e n d geurteilt u n d seid z u R i c h t e r n m i t b ö s e n U n t e r s c h e i d u n g e n g e w o r d e n ? (5) H ö r t , m e i n e g e l i e b t e n B r ü d e r , h a t G o t t n i c h t d i e i n d e r W e l t A r m e n e r w ä h l t a l s R e i c h e i m G l a u b e n u n d E r b e n s e i n e s R e i c h e s , d a s er d e n e n v e r h i e ß , d i e i h n l i e b e n ? (6) I h r j e d o c h h a b t d e m A r m e n d i e E h r e g e r a u b t . U n t e r d r ü k k e n e u c h n i c h t d i e R e i c h e n , u n d s c h l e p p e n n i c h t s i e e u c h v o r G e r i c h t ? (7) L ä s t e r n n i c h t s i e d e n g u t e n N a m e n , d e r ü b e r e u c h a n g e r u f e n w u r d e ? (8) W e n n i h r e i n e r s e i t s i n d e r T a t d a s königliche Gesetz haltet g e m ä ß der Schrift(stelle) >Du sollst deinen N ä c h s t e n lieben wie dich selbst<, d a n n h a n d e l t i h r r i c h t i g . ( 9 ) W e n n i h r a b e r b e v o r z u g t , b e w i r k t i h r S ü n d e ( u n d w e r det) d u r c h d a s G e s e t z als Übertreter gerügt. (10) D e n n wer d a s g a n z e Gesetz hält, aber in e i n e m sich verfehlt, ist aller s c h u l d i g g e w o r d e n . (11) D e n n d e r s p r a c h >Du sollst nicht ehe b r e c h e n ^ s a g t e a u c h > D u s o l l s t n i c h t töten<. W e n n d u a b e r n i c h t d i e E h e b r i c h s t , j e d o c h tötest, bist d u ein Übertreter des Gesetzes geworden. (12) S o redet u n d so handelt als solche, die durch das Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen. (13) D e n n erbarmungsloses G e r i c h t (trifft) d e n , d e r n i c h t E r b a r m e n p r a k t i z i e r t e . E r b a r m e n t r i u m p h i e r t ü b e r d a s G e r i c h t . ( 1 4 ) W a s i s t d e r N u t z e n , m e i n e B r ü d e r , falls j e m a n d b e h a u p t e t , G l a u b e n z u h a b e n , a b e r k e i n e T a t e n hat? K a n n d e n n etwa d e r G l a u b e i h n retten? (15) Falls ein B r u d e r o d e r eine Schwester ohne K l e i d u n g sind u n d der täglichen N a h r u n g entbehren, (16) j e m a n d von euch i h n e n a b e r s a g t e >Geht h i n i n F r i e d e n , m ö g e t i h r g e w ä r m t u n d e r n ä h r t w e r d e n d , i h r i h n e n j e d o c h nicht d a s L e i b e s n o t w e n d i g e gebt, w a s ist der N u t z e n ? (17) S o ist a u c h der G l a u b e , w e n n e r n i c h t T a t e n h a t , t o t b e i s i c h s e l b s t . ( 1 8 ) A b e r es w i r d j e m a n d s a g e n : D u h a s t G l a u ben u n d ich Taten; zeige mir deinen G l a u b e n ohne die Taten, u n d ich werde dir aus meinen T a t e n ( m e i n e n ) G l a u b e n z e i g e n . ( 1 9 ) D u g l a u b s t , d a ß e i n e r G o t t ist; d u h a n d e l s t r i c h t i g ; a u c h die D ä m o n e n g l a u b e n (das) u n d zittern. (20) Willst d u aber erkennen, d u »inhaltsloser« M e n s c h , d a ß d e r G l a u b e o h n e d i e T a t e n n i c h t s z ä h l t ? ( 2 1 ) A b r a h a m , u n s e r Vater, w u r d e er n i c h t a u s d e n T a t e n g e r e c h t f e r t i g t , a l s er I s a a k , s e i n e n S o h n , a u f d e n A l t a r d a r b r a c h t e ? ( 2 2 ) D u siehst, d a ß der G l a u b e z u s a m m e n w i r k t e mit seinen Taten u n d d a ß aus den Taten der G l a u b e z u m Ziel k a m , (23) u n d d a ß die Schrift(stelle) erfüllt w u r d e , die sagt >Abraham g l a u b t e G o t t , u n d (es) w u r d e i h m z u G e r e c h t i g k e i t a n g e r e c h n e t u n d er w u r d e F r e u n d G o t t e s g e n a n n t ^ (24) Ihr seht, d a ß der M e n s c h a u s Taten gerechtfertigt wird u n d nicht a u s G l a u b e n allein. (25) W u r d e in gleicher Weise nicht a u c h R a h a b , die H u r e , aus Taten gerechtfer tigt, die die B o t e n a u f n a h m u n d a u f a n d e r e m W e g hinausließ? (26) D e n n wie der K ö r p e r o h n e G e i s t tot ist, s o ist a u c h d e r G l a u b e o h n e Taten tot. 1
1.
Texteingrenzung
A u f die diversen syn- u n d d i a c h r o n i s c h e n B e z i e h u n g e n v o n 2 , 1 ff. zu 1,16 ff. (bes. V. 2 2 - 2 7 ) w u r d e bereits in der E i n l e i t u n g zu 1 , 1 6 - 2 7 hingewiesen. T r o t z allem ist es berechtigt, in 2 , 1 d e n B e g i n n eines n e u e n Absatzes zu sehen. J a k b r i n g t nicht nur eine weitere A n r e d e » m e i n e B r ü d e r « , s o n d e r n läßt a u c h d u r c h die zweite (nach 1,1 u n d zugleich letzte) N e n n u n g des N a m e n s »Jesus C h r i s t u s « erkennen, d a ß etwas inhaltlich W i c h t i g e s folgt, so daß sich eine Z ä s u r rechtfertigt. - Weil 3,1 f.
D i e letzten sechs W ö r t e r s t e h e n n i c h t in G e n 1 5 , 6 , s c h e i n e n v o n J a k j e d o c h z u m Z i t a t g e r e c h n e t w o r d e n z u sein; a n d e r n f a l l s b i l d e n sie e i n e Parallele z u » d a ß d i e S c h r i f t erfüllt w u r d e « .
Texteingrenzung/Textüberlieferung
153
nicht nur wieder m i t der A n r e d e » m e i n e B r ü d e r « b e g i n n t , s o n d e r n a u c h t h e m a t i s c h einen n e u e n A k z e n t (»Lehrer«) setzt u n d s o g a r zeitweilig in die W i r - R e d e übergeht, ist ein A b s a t z n a c h 2 , 2 6 unstrittig. Fraglich ist d a g e g e n , o b a u c h zwischen 2 , 1 3 u n d 14 eine U n t e r b r e c h u n g vorliegt. D a f ü r spricht zwar der formale N e u e i n s a t z » m e i n e B r ü d e r « in 2 , 1 4 , der allerdings a u c h s c h o n 2 , 5 g e g e b e n ist, u n d die K o n z e n t r a t i o n a u f das T h e m a » G l a u b e u n d W e r k e « in V. 1 4 - 2 6 , s o d a ß hier ein in sich relativ h o m o g e n e r A b s c h n i t t vorliegt. A b e r mehrere G e s i c h t s p u n k t e raten d a z u , 2 , 1 - 2 6 als G a n z e s zu b e t r a c h t e n . Z u m einen ist die V e r b i n d u n g v o n 2 , 1 4 ff. z u m V o r i g e n in 2 , 1 2 - 1 6 d u r c h die e s c h a t o l o g i s c h e Gerichtsperspektive u n d d a s T h e m a B a r m h e r z i g k e i t g e g e b e n . Ferner hatte 2 , 1 das T h e m a » G l a u b e n « bereits deutlich eingeläutet. Vor allem aber s i n d 2 , 1 - 1 3 u n d 1 4 - 2 6 nicht unerheblich parallel strukturiert (s. d a z u A b s c h n i t t 3 ) . D i e i m m e r wieder anzutreffende relative Isolierung v o n 2 , 1 4 - 2 6 entbehrt der ausreichenden G r u n d l a g e . 2
3
2.
Textüberlieferung 4
G r a v i e r e n d e textkritische P r o b l e m e enthält J a k 2 n i c h t . J e d o c h weisen eine h o h e A n z a h l v o n Vari anten a u f I n t e r p r e t a t i o n s p r o b l e m e an mehreren Stellen hin. D a s P r o b l e m der syntaktischen Bezie h u n g der W ö r t e r in V. l b spiegelt sich a u c h in d e n H a n d s c h r i f t e n (Wortfolge), e b e n s o d a s des etwas k o m p l i z i e r t e n S a t z b a u s v o n V. 3, d a z u der A n s c h l u ß v o n V. 4 . In V. 5 b bereitete das Ver s t ä n d n i s v o n T U ) X O Ö J I C O P r o b l e m e , in V. 8 a vor allem die W e n d u n g vöfxov t e X e i t e ß a o i X i x ö v u n d x a x a tf]v ygacpfrv (nicht d a g e g e n in V. 2 3 , ebenfalls i m S g . ) . In V. 1 0 a stießen sich verschiedene H s s . an tr]Qr|örj (Wortwahl u n d Verbform; Varianten v o n d e n Verben TeXeoo wie in V. 8 o d e r jtXrjQÖoo) u n d JtxaiOTj (ebenfalls V o k a b e l u n d F o r m ) . In V. 11 wollen einige d i e A b f o l g e der G e b o te »richtigstellen«, in V. 1 3 b Z e i t u n d A k t i o n s a r t v o n » r ü h m e n « . P r o b l e m e bereitete e%Vi V 14 u n d V. 17 sowie jeweils der A n s c h l u ß V. 1 4 / 1 5 u n d V. 1 5 / 1 6 . D e r n o t o r i s c h schwierige V. 18 zeigt Varianten bei » d e i n « , » m e i n « u n d » o h n e / a u s « , z u d e m zweimal in der W o r t f o l g e . In V. 19 variieren W o r t f o l g e u n d W o r t b e s t a n d v o n »einer ist (der) G o t t « erheblich. D a s seltene W o r t afjyr| in V. 2 0 ersetzen viele H s s (zumeist d u r c h »tot«, wie V. 1 7 u n d 2 6 , einige d u r c h »leer«). D a s (bei J a k einzi ge) Imperfekt ö u v r i g y e i (V. 2 2 ) verändern einige H s s . ins P r ä s e n s . E i n m ö g l i c h e s M i ß v e r s t ä n d n i s bei a y v e X o i soll m i t unterschiedlichen M i t t e l n ( » S p ä h e r « , » B o t e n Israels«) a u s g e r ä u m t w e r d e n . A n d e r e Varianten d i e n e n der V e r d e u t l i c h u n g o d e r zeigen einzelne Interpretationsrichtungen. D e r bereits in 1,27 m i t einer E i g e n a r t aufwartende p 7 4 vertritt a u c h in K a p . 2 S o n d e r l e s a r t e n : V. 6 » e u c h « , V. 7 » u n d « , V. 11 a j t o o x d x r i g (statt » Ü b e r t r e t e r « ) , V. 12 » W o r t « (statt » G e s e t z « ) , V. 1 8 b (Wortfolge), V. 2 0 »leer« (statt »nutzlos«). A n s o n s t i g e n kleineren A b w e i c h u n g e n bei unterschied lichen Z e u g e n seien n o c h erwähnt: V. 2 Artikel vor » S y n a g o g e « , V. 5 b »Verheißung« (statt » K ö n i g s herrschaft«), V. 6 b Varianten zu oi3x, V. 7 a x a i (statt o u x ) , V. 14 S t r e i c h u n g des Artikels vor öqpeXog (ebenso V. 1 6 ) , » d u sagst« (statt » j e m a n d s a g t « ) , V. 15 »oder« (statt » u n d « vor » m a n g e l n d « ) , H i l f s v e r b - E r g ä n z u n g (cböiv), V. 2 3 geringfügige » K o r r e k t u r « des Z i t a t s G e n 1 5 , 6 u n d E r s e t z u n g v o n » F r e u n d « d u r c h » K n e c h t « (evtl. a u c h dies eine »biblische« K o r r e k t u r ) , V. 2 4 E i n f ü g u n g v o n x o i v u v , V. 2 6 logische R e t o u c h e n (Streichung v o n » d e n n « , zweimal E i n f ü g u n g des direkten A r tikels). m
5
6
7
2
3
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5
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Als e i n G a n z e s ( » o n e single topic->faith a n d deeds«<) betrachtet a u c h J o h n s o n , A n c B 218f., 2 , 1 - 2 6 . B u r c h a r d , Z N W 1 9 8 0 , 2 7 f. b e t o n t d e n Z u s a m m e n h a n g u. a. d u r c h d a s A r g u m e n t , d i e F r a g e in V . 1 4 sig nalisiere » F o r t s e t z u n g , nicht N e u a n f a n g « . Ä n d e r u n g e n zwischen N e s t l e - A l a n d 2 5 . u n d 2 6 . Aufl. s i n d nicht z u registrieren. M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 4 2 A n m . 1: » . . . u m d a d u r c h die g r u n d s ä t z l i c h e G e l t u n g z u m A u s d r u c k zu b r i n g e n « . A u c h Schlatter, B r i e f 2 0 1 b e v o r z u g t d a s Präsens. F ü r diese L A tritt K i l p a t r i c k ein. V g l . u. z u m B e f u n d v o n » F r e u n d G o t t e s « i m AT.
154
IV. G l a u b e , L i e b e , Taten ...
3. Text-und
Kommunikationsstruktur
8
D i e M a h n u n g , den G l a u b e n nicht in » B e v o r z u g u n g v o n M e n s c h e n « zu »haben« (V. 1), gibt fürs erste die inhaltliche R i c h t u n g an; das Stichwort » B e v o r z u g u n g « wird in V. 9 n o c h einmal a u f g e n o m m e n , » G l a u b e « erst a b V. 14. J a k w e n d e t sich zunächst an die G e s a m t h e i t der Adressaten ( 2 . Pers. PI. u n d P e r s o n a l p r o n o m e n v\i- in V. 1-12, d a n a c h nur n o c h V. 16 u n d 2 4 , abgesehen v o n der A n r e d e in V. 1 4 ) . Rhetorische Fragen, die a u f B e j a h u n g zielen, beherrschen die A r g u m e n t a t i v e n in V. 2 - 4 . 5 . 6 b 7. A u c h der erzählte C a s u s »wenn . . . « (Eventualis) s a m t D i a l o g (V. 2 - 3 ) ist Teil einer solchen Frage. J a k appelliert also an die Urteilskraft der Leser, verstärkt n o c h d u r c h d e n Appell ans H ö r e n (V. 5 ) . D a s eigene Urteil des A u t o r s enthält bereits V. 6a; deshalb bilden V. 6 b - 7 eine Parenthese bzw. E r g ä n zung. - Beurteilende u n d belehrende Ausführungen charakterisieren V. 8 - 1 3 . D a s Verhalten der Adressaten wird antithetisch gewertet (»wenn . . . « , i m Realis: V. 8 - 9 ) . D a s T h e m a » B e v o r z u g u n g « wird jetzt in den K o n t e x t des Gesetzes ( v ö f x o g V. 8 . 9 . 1 0 . 1 1 . 1 2 , s o n s t nur n o c h 1,25 u n d 4 , 1 1 ) gestellt, w o b e i zugleich aus 1,25 » G e s e t z der Freiheit« wieder aufgegriffen wird. E r s t m a l s erscheinen direkte Bibelzitate, eingeleitet d u r c h » g e m ä ß der Schrift(stelle)« (V. 8) bzw. »der d a sprach« (V. 1 1 ) . Ein resultativer Appell scheint V. 12 zu sein (wenn die Verben imperativisch aufzulösen s i n d ) . Lehr satzstil h a b e n V. 10 u n d 1 3 . D e r A b s c h n i t t V. 8-13 ist s o m i t viel grundsätzlicher, sozusagen bibel d o g m a t i s c h e r gehalten als der vorige. J a k fragt nicht, s o n d e r n belehrt über N o r m e n für Verhalten u n d G e r i c h t . Inhaltlich lenkt der S c h l u ß (V. 13) zurück z u m T h e m a N ä c h s t e n l i e b e (wovon V 8 handelte) bzw. Barmherzigkeit. - D e r rhetorische Stil v o n V. 1 4 - 1 7 gleicht d e m v o n V. 1-7: die A n r e de an die »Brüder« (V. 1 4 , letztmals in K a p . 2) leitet einige rhetorische Fragen ein (V. I 4 a . b . l 5 - 1 6 ) , die jetzt aber (also anders als in V. 2 - 7 ) a u f eine negative A n t w o r t zielen (»nicht nützlich« V. I 4 a . l 5 f.; »er rettet nicht« V. 1 4 b ) . W i e in V. 2-3 stehen die Fragen i m Eventualis u n d behandeln einen k o n kreten C a s u s s a m t D i a l o g (V. 15a) über zwischenmenschliches Fehlverhalten. W i e d e r appelliert der Verfasser an das Urteilsvermögen der Leser. A n d e r s als in V. 2 - 3 wird hier zweimal die A u s s a g e eines x i g erwähnt. In V. 14 erhebt » j e m a n d « eine (theologisch offenbar falsche) Aussage. In V. 16 ist » j e m a n d « deutlicher als »einer v o n euch« bezeichnet; er gibt sich f r o m m , verhält sich j e d o c h unsozi al. D a s Nicht-Eingreifen der G e s a m t h e i t der Adressaten wird gerügt (V. 1 6 b ) . O b es sich b e i d e m a l u m denselben Tic; handelt oder u m zwei, m a c h t in der S a c h e keinen wesentlichen Unterschied. D i e B e z i e h u n g zwischen V. 14 u n d V. 15 f. b e d a r f freilich der K l ä r u n g . E n t s c h e i d e n d ist beidemal die fal sche theologische Einstellung. O b allerdings der x i g in V. 1 4 . 1 5 f. m i t d e m v o n V 18 fF. identisch ist, d a r f wegen des »aber« u n d der sachlich anderen Position in V. 18 bezweifelt w e r d e n . In V. 1 4 - 1 7 lautet das T h e m a : G l a u b e n , aber keine Werke »haben« (V. 1 4 . 1 7 a ) . D i e B e u r t e i l u n g durch den Ver fasser ist eindeutig, wie er abschließend konstatiert: ein G l a u b e »nur für sich selbst« ist »tot« (V. 1 7 b ) ; er » k a n n nicht retten« (V. 14b) D i e W e n d u n g x i x ö ö c p e ^ o g ( V I 4 a . l 6 b ) bildet eine inclusio. D i e D i s k u s s i o n u m G l a u b e u n d Werke k ö n n t e hiermit bereits als geklärt gelten u n d abgeschlossen wer den. J a k setzt sie j e d o c h n o c h eine Strecke fort. - In V. 18 fügt sich eine D e b a t t e m i t einer u n g e n a n n t e n Person (einem weiteren x i g ) , e i n e m »Interlokutor« an, u n d zwar weiterhin über die Bezie h u n g zwischen d e m » H a b e n « v o n G l a u b e u n d Werken, jetzt markiert durch die W ö r t e r »ohne« (V. 1 8 . 2 0 ) , »aufzeigen« ( V 18) u n d »aus« (V. 1 8 . 2 1 . 2 2 ) . Inhalt u n d Tragweite v o n » G l a u b e n « werden berührt (V. 1 9 ) , u n d die Schrift: wird zitiert (Abrahams Rechtfertigung: V. 2 1 . 2 3 ) . D i e 2 . Pers. S g . beherrscht die Szene; erst V. 2 4 kehrt z u m Plur. zurück. V o n der Satzkonstruktion her scheinen d e m nach V. 1 8 - 2 3 einen S o n d e r d i a l o g zu bilden; es bleibt j e d o c h n o c h zu prüfen, wie weit der E i n w a n d des Interlokutors reicht u n d wessen Seite er vertritt. D e r T o n ist schrofT ( V 1 9 b . 2 0 a ) ; aber w i e d e r u m zielt der A u t o r a u f das bessere E r k e n n e n des Angeredeten (V. 2 0 a . 2 2 a ) , a u c h in den Fragen V. 2 0 . 2 1 . - Inhaltlich direkt, aber formal anders ( 2 . Pers. Plur.) schließen sich V. 2 4 - 2 6 an. Z u n ä c h s t wird das evidente » Q u o d erat d e m o n s t r a n d u m « konstatiert (V. 2 4 ) , d a n n aber n o c h durch ein weiteres 9
10
11
8
V g l . a u c h M a r c o n i u n d Polhill, P r e j u d i c e .
9
Mußner, J a k o b u s b r i e f 123, notiert sogar einen scharfen Gegensatz.
1 0
D a s V e r b d y a j t ä v m i t d e m O b j e k t » M e n s c h e n « n u r hier; m i t » G o t t « in 1 , 1 2 u n d 2 , 5 .
1 1
A n d e r s M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 2 8 , d e r d i e E i n t e i l u n g V. 1 4 - 2 0 . 2 1 - 2 6 v o r n i m m t .
Text- u n d Kommunikationsstruktur/Traditionselemente
155
AT-Beispiel ( R a h a b ) in der F o r m einer zu bejahenden rhetorischen F r a g e ergänzt (V. 2 5 ) . B e i d e Verse (V. 2 4 f.) h a n d e l n v o n der Rechtfertigung aus Werken; in V. 2 4 a wird der G e g e n s a t z d u r c h d a s »aus G l a u b e n allein« (dieses u o v o v hat i m N T hier nur J a k o b u s ; vgl. 1,22 » n u r H ö r e r « ) verschärft. D i e g e s a m t e D e b a t t e u m G l a u b e u n d Werke schließt V. 2 6 a b , w o b e i V. 2 6 b w e i t g e h e n d m i t V. 17 u n d 2 0 b identisch ist, w ä h r e n d V. 2 6 a d u r c h einen a n t h r o p o l o g i s c h e n Vergleich (»Leib o h n e G e i s t « ) ein neues E l e m e n t einbringt. - Aufs G a n z e gesehen, existiert also eine gewisse Parallelstruktur v o n V. 1-13 u n d 1 4 - 2 6 (Fallbeispiele i m Eventualis, Schriftbelege; xaXcoc; Jtoietv V. 8 . 1 9 ) m i t den beiden S c h w e r p u n k t e n »Ansehen der Person« sowie » G l a u b e o h n e W e r k e « .
1 2
Weniger leicht durchsichtig
s i n d der a r g u m e n t a t i v e Z u s a m m e n h a n g v o n V. 8 - 1 3 sowie U m f a n g u n d Rolle des InterlokutorAbschnitts V. 18 ff. - K o m m u n i k a t o r i s c h zentral ist die Ü b e r z e u g u n g s a b s i c h t des A u t o r s . E r a p p e l liert an E i n s i c h t u n d Urteilsvermögen, führt F e h l m e i n u n g e n a d a b s u r d u m (so V. 6 f. 1 4 - 1 6 . 2 0 ) , belehrt des Besseren, überfuhrt die Adressaten der I n k o n s e q u e n z , argumentiert m i t den M i t t e l n der L o g i k , bezieht sich a u f anerkannte G r u n d s ä t z e u n d Erfahrungen (wie V. 2 6 a ) u n d läßt d i e H e i l i g e Schrift für seine A n s i c h t sprechen. D e r Verfasser w e n d e t sich gegen Fehlverhalten (V. 2 f. 15 f.), I n k o n s e q u e n z (V. 5 - 7 ) , aber a u c h g e g e n F e h l m e i n u n g e n (V. 1 4 ff. 18 fT.). N e b e n d i e K o r r e k t u r u n d B e l e h r u n g tritt also d i e D e s t r u k t i o n v o n fehlerhafter T h e o l o g i e u n d Praxis.
4.
Traditionselemente
D i e T r a d i t i o n s e l e m e n t e in J a k 2 s i n d unterschiedlicher A r t . (1) A l s s o l c h e g e k e n n z e i c h n e t e B i b e l zitate b r i n g e n V. 8 ( L e v 1 9 , 1 8 ) , V. 11 ( E x 2 0 , 1 3 f.; D t n 5 , 1 7 f.) u n d V. 2 3 ( G e n 1 5 , 6 ) . E n g d a m i t v e r b u n d e n s i n d d i e atl. E x e m p l a z u A b r a h a m / I s a a k (V. 2 1 ) u n d R a h a b (V. 2 5 ) . D a r i n unterschei d e t sich K a p . 2 v o m R e s t d e s Briefes, a u s g e n o m m e n n u r 4 , 5 f., w o d i e Schrift j e d o c h eher zur B e k r ä f t i g u n g dient, w ä h r e n d es in 2 , 8 - 1 1 u n d V. 2 0 - 2 6 a u c h u m d i e richtige, strittige S c h r i f t a u s l e g u n g z u g e h e n scheint. B i b l i s c h e E x e m p l a bieten s p ä t e r a u c h 5 , 1 0 f. 1 7 f. (2) Verschiedene traditionelle M o t i v e u n d M o t i v - V e r b i n d u n g e n b e s t i m m e n streckenweise d i e Darlegungen.
1 3
D e r Einfluß v o n Sir 3 5 , 1 1 ff. a u f J a k 2 , 1 - 1 3 ist bereits v o n 1,26 f. her e r k e n n b a r
(s. d o r t ) : G o t t ist ein unparteiischer Richter, der sich b e s o n d e r s der A r m e n a n n i m m t , der d e n G e r e c h t e n R e c h t schafft u n d der G e r i c h t hält. O b L e v 1 9 , 1 5 ff. ü b e r d a s Z i t a t v o n 1 9 , 1 8 in V. 8 h i n a u s i m H i n t e r g r u n d v o n J a k 2 steht, ist v e r m u t e t w o r d e n ,
1 4
b e d a r f j e d o c h der K l ä r u n g . I m m e r
hin w i r d 1 9 , 1 5 , d a s viel besser u n d direkter g e p a ß t hätte, g e r a d e n i c h t zitiert. D a ß G o t t der N o t helfer der E l e n d e n u n d A r m e n ist, lehren s c h o n d i e P s a l m e n ( 9 , 1 9 ; 4 0 , 1 8 u. a . ) . » d e n A r m e n entehren« (V. 6 a ) entspricht nur teilweise Sir 1 0 , 2 3 ;
1 6
1 5
Die Wendung
d e n n d o r t ( 1 0 , 1 9 ff.) lautet d i e
F r a g e , wer E h r e v e r d i e n e u n d wer nicht, u n d zwar u n a b h ä n g i g v o n R e i c h t u m , A u s s e h e n u n d A r m u t . A u c h ein A r m e r , der v e r s t ä n d i g ist, dürfe n i c h t verachtet w e r d e n . D i e F o r t s e t z u n g ( 1 0 , 2 4 ) beläßt » G r o ß e n , R i c h t e r n , M ä c h t i g e n « d i e E h r e ; nur sei keiner größer als der, der d e n H e r r n fürch tet. J a k 2 , 6 b . 7 g e h t also a n d e r e W e g e als Sir 1 0 . - D i e in V. 5 z u s a m m e n g e s t e l l t e n M o t i v e » G o t t
12 V g l . ferner F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 2 4 , s o w i e J o h n s o n , A n c B 2 4 6 , z u omtoq in V. 1 2 u n d 2 6 . J o h n s o n n o t i e r t z u d e m : V. 8 - 1 2 a r g u m e n t i e r e n halachisch, V. 2 0 - 2 5 h a g a d i s c h . D i e H a u p t d i f f e r e n z z w i s c h e n d e n b e i d e n Teilen b i l d e d e r Interlokutor. D ö p p e r k e n n t hinter 2 , 1 - 1 3 d e n r a b b i n i s c h e n G e d a n k e n v o n gemilut chassadim (Erweis v o n B a r m h e r z i g keit), d e r in d e r E r k e n n t n i s basiert, » d a ß sich b e i G o t t selber B a r m h e r z i g k e i t u n d G e r e c h t i g k e i t d u r c h d r i n g e n u n d E r b a r m e n u n d R e c h t zur G r u n d l a g e d e r S c h ö p f u n g g e h ö r e n « ( 6 7 f., A u f l i s t u n g der A s p e k t e v o n B a r m h e r z i g k e i t in J a k 2 , 1 - 1 3 : 7 1 ) , u n t e r B e z u g n a h m e a u f K l a u s M ü l l e r , D i a k o n i e i m D i a l o g m i t d e m J u d e n t u m . E i n e S t u d i e z u d e n G r u n d l a g e n sozialer V e r a n t w o r t u n g i m j ü d i s c h - c h r i s t l i c h e n G e s p r ä c h ( V D W I 1 1 ) , H e i d e l b e r g 1 9 9 9 , 1 4 4 ff. J o h n s o n , L e v i t i c u s 1 9 u n d A n c B z. St.; G i e r e 8 5 ff. D a s M o t i v ist in A T , J u d e n t u m u n d N T verbreitet. V g l . M a u r i c e G i l b e r t , W i s d o m o f the Poor: B e n Sira 1 0 , 1 9 - 1 1 , 6 , in: P a n c r a t i u s C . B e e n t j e s ( H g . ) , T h e B o o k o f B e n Sira in M o d e r n R e s e a r c h ( B Z A W 2 5 5 ) , Berlin (de G r u y t e r ) 1 9 9 7 , 1 5 3 - 1 6 9 . 1 3
1 4
1 5
1 6
156
IV. G l a u b e , Liebe, Taten .
erwählte d i e A r m e n « (vgl. I K o r 1 , 2 6 - 2 8 ) , » E r b e n der G o t t e s h e r r s c h a f t « ( M t 2 5 , 3 4 ; I K o r 6 , 9 f.; 1 5 , 2 0 ; G a l 5 , 2 1 ) u n d » d i e ihn lieben« (wie bereits 1,12; vgl. E x 2 0 , 6 ; D t n 5 , 1 0 u. a.; Ps 5 , 1 1 ; Sir 2,16;
i m N T Rom 8 , 2 8 ; 2 T i m 4 , 8 )
1 7
k ö n n t e n w e n i g s t e n s in g e w i s s e m U m f a n g d u r c h
liche katechetische T r a d i t i o n vermittelt w o r d e n s e i n .
1 8
frühchrist
Weitere traditionelle M o t i v e , d i e J a k verar 19
beitet, s i n d : » H e r r der H e r r l i c h k e i t « (V. 1; s. ä t h H e n 2 2 , 1 4 ; 6 3 , 2 f. ;
I K o r 2 , 8 ; vgl. A p g 7 , 2 ) ;
» G e w a l t g e g e n B e d ü r f t i g e u n d W e h r l o s e « (V. 6 b ; J e r 7 , 6 ; 2 2 , 3 ; E z 1 8 , 1 2 ; 2 2 , 7 . 2 9 ; A m 4 , 1 ; 8,4 u . a. 2 0
P r o p h e t e n ; W e i s h 2 , 1 0 ; 1 7 , 2 ) ; » g e h t in F r i e d e n « (V. 1 6 ) ; »ein G o t t « (V. 1 9 ; s. D t n 6 , 4 u n d d i e breite j ü d i s c h e R e z e p t i o n ) ; » F r e u n d G o t t e s « (V. 2 3 , d a z u s p ä t e r ) . (3) A u s der hellenistischen D i a tribe u n d v e r w a n d t e n B e r e i c h e n
2 1
(z. T. a u c h i m N T ) e n t n a h m J a k W e n d u n g e n w i e » D u h a n
delst/ihr h a n d e l t richtig« (V. 3 . 1 9 ; vgl. D i o C h r y s O r . 4 7 , 2 5 ) , » W a s n ü t z t es?« (V. 1 4 . 1 6 ; vgl. E p i k tet D i s s . I 4 , 1 6 u . ö.; P l a t o , G o r g i a s 5 0 4 e ; 5 1 3 e ; Sir 2 0 , 3 0 ; 4 1 , 1 4 ; Philo M i g r 5 5 ; P o s t C 8 6 ; I K o r 1 5 , 3 2 ) ; »Willst d u wissen?« (V. 2 0 ) , geläufiger allerdings in der F r a g e f o r m »Weißt d u / w i ß t ihr 2 2
n i c h t ? « ; » d u leerer M e n s c h « (V. 2 0 ; E p i k t e t D i s s . I 2 1 , 2 ; II 6 , 1 7 ; P l u t M o r a l i a 4 6 9 b u. a.; vgl. i m NT
Rom 2 , 1 . 3 ; 9 , 2 0 ; G a l 3 , 1 ) . (4) M e h r f a c h greift J a k offensichtlich frühchristliche,
teilweise
bereits j ü d . F o r m u l i e r u n g e n auf, d e r e n g e n a u e r e H e r l e i t u n g u n d B e d e u t u n g freilich weniger leicht e i n d e u t i g festzustellen s i n d . D a z u rechnen - außer d e m G e b o t der N ä c h s t e n l i e b e ( L e v 1 9 , 1 8 ) , d a s a u c h in d e n S y n o p t i k e r n
2 3
u n d bei P a u l u s erscheint - d i e b e i d e n S y n t a g m a t a » G e s e t z der Freiheit«
(V. 1 2 , s. bereits 1,25) u n d » k ö n i g l i c h e s G e s e t z « (V. 8 ) , d i e in dieser F o r m allerdings n u r bei J a k v o r k o m m e n . Traditionell bzw. geläufig s i n d : » Ü b e r t r e t e r des G e s e t z e s « (V. 9 . 1 1 ; 2 M a k k 1 5 , 1 0 ; J o s e p h A n t 8 , 1 2 9 ; Rom 2 , 2 3 ; vgl. Rom 2 , 2 5 . 2 7 ; G a l 2 , 1 8 ) ; » d a s g a n z e G e s e t z halten, n i c h t in e i n e m P u n k t v e r s a g e n « (V. 1 0 ; s. a u c h 3 , 2 , vgl. D t n 2 7 , 2 6 ; E x R 3 1 [ 9 2 c ] z u E x 2 2 , 2 4 ; G a l 5 , 3 , aber a u c h in der S t o a : P l u t M o r a l 1 0 4 6 f.); » d e n (guten) N a m e n a u s r u f e n ü b e r « (V. 7; vgl. A p g 2 , 3 8 ; 1 0 , 4 8 ; aber a u c h bereits D t n 2 8 , 1 0 ; J e r 7 , 3 0 ; 1 4 , 9 ; 2 M a k k 8 , 1 5 u. a . ) ; » e r b a r m u n g s l o s e s G e r i c h t « (V. 1 3 ; vgl. Prov 1 7 , 5 ; Sir 2 8 , 4 - 6 ; T o b 4 , 9 - 1 1 ; M t 5 , 7 ; 1 8 , 1 9 . 3 4 ; 2 5 , 4 5 f.). (5) J a k 2 weist relativ w e n i g e B e r ü h r u n g e n m i t IPetr auf. A b g e s e h e n v o m Ü b e r g a n g v o n J a k 1 z u 2 m i t d e m M o t i v » U n p a r t e i l i c h k e i t « ( I P e t r 1,17), ist n o c h » L ä s t e r n « ( J a k 2 , 7 ; IPetr 4 , 4 ) z u e r w ä h n e n . D a s Z u r ü c k treten der Ä h n l i c h k e i t e n ü b e r r a s c h t n a c h d e n zahlreichen B e r ü h r u n g e n in J a k 1 ( u n d a u c h w i e d e r in K a p 4 ) . - E r s t m a l s treten g e w i s s e Parallelen z u I J o h
2 4
in E r s c h e i n u n g ( a u c h sie w e r d e n in J a k 4
w i e d e r k e h r e n ) , w o ebenfalls d i e N i c h t - Ü b e r e i n s t i m m u n g v o n W o r t u n d T a t s o w i e d a s V e r s a g e n der Hilfe a n B e d ü r f t i g e n , j a M o r d g e r ü g t w e r d e n ( I J o h 2 , 9 - 1 1 ; 3 , 1 7 f.; J a k 2 , 1 1 . 1 5 f.). - A u c h H e b r 1 1 , 1 7 - 1 9 n e n n t A b r a h a m s D u r c h h a l t e n i m G l a u b e n s a m t Vertrauen a u f d e n G o t t , der v o n d e n T o t e n erweckt ( 1 1 , 2 1 ff.; vgl. Rom 4 ) , aber n i c h t d i e R e c h t f e r t i g u n g a u s (bzw. n i c h t aus) W e r k e n . E t w a s später ( H e b r 1 1 , 3 1 ) erscheint a u c h R a h a b als G l a u b e n s z e u g i n (s. J a k 2 , 2 5 ) , aber a u c h bei ihr o h n e H i n w e i s a u f die R e c h t f e r t i g u n g . (6) V o n b e s o n d e r e r B r i s a n z ist d i e F r a g e , o b J a k 2 a u f p a u l i nisches T r a d i t i o n s g u t z u r ü c k g r e i f t .
25
A b g e s e h e n v o n V. 1 4 - 2 6 ( b e s o n d e r s V. 2 1 - 2 4 ) , w o r a u f des
einzelnen n o c h z u r ü c k z u k e h r e n ist, existieren einige B e r ü h r u n g e n in F o r m u l i e r u n g bzw. G e d a n -
1 1 8
1 9
2 0
2 1
2 2
2 3
2 4
2 5
7
V g l . ferner T e s t S i m 3 , 8 ; ä t h H e n 1 0 8 , 8 ; PsSal 4 , 2 9 ; 6 , 9 ; 1 0 , 4 ; 1 4 , 1 . Vgl. Mußner, J a k o b u s b r i e f 120, zu »die ihn lieben«. H i e r z u s a m m e n mit: H e r r d e r Geister, d e r M ä c h t i g e n , Herrscher, Weisheit. N ä h e r e s s. u. i n der E x e g e s e v o n 2 , 1 5 - 1 6 . W a c h o b , V o i c e 5 9 ff., e r k e n n t i n 2 , 1 - 1 3 n a c h r h e t o r i s c h e m M o d e l l (er bezieht sich speziell a u f C i c e r o R h e t o r i c a a d H e r e n n i u m ) d i e H e r a u s a r b e i t u n g eines » T h e m a s « (V. 1, q u a » a b w e h r e n d e r R a t « , yv(b\ir\ ctJtoTQ8Jtxixr|), d a s i m F o l g e n d e n b e g r ü n d e t w i r d , u n d zwar m i t V. 2 - 4 als ratio u n d V. 5 - 1 1 als p r o b a t i o , i m einzelnen: V. 5 - 7 als A r g u m e n t a u s e i n e m Beispiel ( p a r a d e i g m a V. 5 u n d o p p o s i t i o V. 6 - 7 ) , V 8 - 1 1 als A r g u m e n t a u s e i n e m Urteil ( m i t p r o p o s i t i o a u f g r u n d des g e s c h r i e b e n e n G e s e t z e s V. 8, ex c o n t r a r i o V. 9 , F o l g e r u n g a u s d e m Urteil a u f g r u n d d e s G e s e t z e s V. 1 0 , c o n f i r m a t i o m i t H i l f e g e s c h r i e b e n e r B e z e u g u n g V. 1 1 ) . V. 1 2 - 1 3 b i l d e n d i e c o n c l u s i o ( G e s a m t b i l d 6 3 ; D e t a i l - V e r g r ö ß e r u n g e n 6 4 , 7 1 , 7 8 , 9 0 , 9 8 , 1 0 4 ) . I m N T R o m 6 , 1 6 ; 1 1 , 2 ; I K o r 3 , 1 6 ; 5,6; 6 , 2 f . 9 . 1 5 . 1 9 ; 9 , 1 3 . 2 4 . V g l . E b e r s o h n ; Berger, G e s e t z e s a u s l e g u n g ; W i s c h m e y e r ; S i m o n L e g a s s e , » E t q u i est m o n p r o c h a i n ? « E t ü d e sur l'objet d e l ' a g a p e d a n s le N o u v e a u T e s t a m e n t ( L e D i v 1 3 6 ) , 1 9 8 9 ; B u r c h a r d , L i e b e s g e b o t , N ä c h s t e n l i e begebot; Nissen. V g l . V o w i n c k e l , b e s o n d e r s 4 8 - 6 6 ; Schlatter, B r i e f 7 3 - 7 7 ; P o p k e s , A d r e s s a t e n 2 7 . 8 2 f. V g l . o. E i n l e i t u n g V 4 .
Traditionselemente/Redaktion und Intention
157
ken, die hier n o c h einmal zusammengestellt seien: »Unparteilichkeit« (V. 1: R o m 2,1 f.): » H e r r der D o x a « (V. 1; I K o r 2 , 1 8 ) ; » G o t t erwählte die A r m e n « (V. 5; I K o r 1,26 ff.); » E r b e n der Gottesherr schaft« (V. 5; I K o r 6,9 f.; 1 5 , 2 0 ; G a l 5 , 2 1 ) ; »die ihn lieben« ( R o m 8 , 2 8 ; vgl. 2 T i m 4 , 8 ) ; »Übertreter des Gesetzes« (V. 9 . 1 1 ; R o m 2 , 2 3 . 2 5 . 2 7 ; G a l 2 , 1 8 ; 5 , 3 ) ; die Herausstellung v o n L e v 1 9 , 1 8 sozusa gen als K r o n e des Gesetzes, zitiert o h n e K o m b i n a t i o n m i t d e m G e b o t der Gottesliebe, aber der 2 . Dekalogtafel vorgeschaltet u n d m i t d e m »Einhalten des ganzen Gesetzes« verbunden (V. 8 - 1 1 ; R o m 1 3 , 8 - 1 0 ; G a l 5 , 1 4 ) ; das Bekenntnis zu d e m einen G o t t (V. 19; I K o r 8,6; vgl. E p h 4 , 6 ; l T i m 2 , 5 ) . Solche B e r ü h r u n g e n brauchen, zumal w e n n sie sich nicht exklusiv a u f d a s C o r p u s P a u l i n u m bezie hen, nicht mehr als eine allgemeine G e d a n k e n - N ä h e zu implizieren; i m Z u s a m m e n h a n g m i t d e m Material aus 2 , 1 4 - 2 6 gewinnen sie j e d o c h kumulatives G e w i c h t . - F ü r eine B e z u g n a h m e v o n J a k 2 auf paulinische T r a d i t i o n spricht die i m Frühchristentum nur hier, u n d obendrein antithetisch vor gebrachte Berufung auf die Rechtfertigung A b r a h a m s , »unseres (Vor-) Vaters«, aus G l a u b e n , nicht aus Werken, unter Zitation v o n G e n 1 5 , 6 ( R o m 4 , 1 fF.; G a l 3,6 fF.). R o m 4 verweist zwar a u F d i e N a c h k o m m e n s c h a f t , nicht j e d o c h auF Isaaks OpFerung ( A q e d a ) . G e w i ß Formuliert a u c h Pls antithetisch, nämlich einer i m J u d e n t u m verbreiteten Ansicht gegenüber. Weil J a k 2 sich als Antithese gegen die se Antithese wendet, bleibt die Ansicht, daß J a k 2 auF paulinisches G e d a n k e n g u t (in welcher Gestalt u n d V e r w e n d u n g auch i m m e r ) B e z u g n i m m t , die angemessenste Erklärung. 26
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5. Redaktion
und
Intention
D i e eigene Arbeit des A u t o r s ist in K a p 2 unmittelbarer zu erkennen als vorher, u n d d a m i t auch sei ne Intention. J a k benutzt verschiedene Arten v o n TraditionsstofFen, u m seine A r g u m e n t a t i o n zu stüt zen. E r beruft sich a u f anerkannte G r u n d s ä t z e , läßt verschiedene M o t i v e aus der engeren christlichen u n d weiteren Tradition anklingen u n d operiert nicht zuletzt a u f d e m G e b i e t der richtigen Schrift auslegung. A u f der festen Basis von Bibel, Bekenntnis, Prinzipien, Erfahrungswahrheiten u n d Ü b e r z e u g u n g kritisiert er die Adressaten, u m ihr Verhalten s a m t ihren Einstellungen wieder zurecht zu bringen. J a k will überzeugen, richtige Urteile herbeiführen. Seine Rhetorik ist eher dikanisch-überführend (genus iudiciale) als symbouleutisch-weiterführend (genus deliberativum). J a k fühlt sich genötigt, die K u n s t der R e d e - u n d Verhandlungsführung zu benutzen, die darin liegt, den anderen ins Unrecht zu setzen. - D i e Intention des Autors besteht in beiden analogen Passagen ( 2 , 1 - 1 3 u n d 1 4 - 2 6 ) darin, sowohl Fehler i m sozialen Verhalten als auch in der theologischen Einstellung zu kor r i g i e r e n . In V. 1 4 - 2 6 liegt der Fehler in einer d u r c h mißbrauchte theologische (anscheinend pauli nische) Tradition genährten Einstellung, der G l a u b e allein ( x a O ' kavxr\v, %ü)Qic, t ü t v eoyoov, fiovov) g e n ü g e zur Seligkeit. D e r daraus resultierende Q u i e t i s m u s läßt es an ekklesio-sozialen K o n s e q u e n z e n m a n g e l n . In 2 , 1 - 1 3 ist die B e v o r z u g u n g der Reichen u n d E n t e h r u n g der A r m e n A u s d r u c k der fehl geleiteten sozialen A u s r i c h t u n g der Adressaten. D a ß a u c h dahinter eine falsche theologische Einstel l u n g liegt, legen V. 8-13 nahe. J a k fährt j a nach V. 7 nicht einfach m i t einem A u f r u f zu D e m u t u n d B e s s e r u n g fort, s o n d e r n fügt eine bibel-dogmatische Erörterung an. A u c h hier ist eine fehlgelaufene paulinische Tradition a n z u n e h m e n (wie n o c h näher gezeigt werden wird), die die Konzentration a u f das N ä c h s t e n l i e b e - G e b o t als R e d u k t i o n der G e b o t e mißverstand u n d die belehrt werden m u ß , d a ß ihr Verhalten (jrQoaamoXnu/ijjia, V 9) S ü n d e ist. E i n falsches Freiheitsbewußtsein (»Gesetz der Frei heit«, V. 12) k ö n n t e die Fehler n o c h gefördert haben. In beiden analogen Abschnitten wäre d a n n das xaXcog j t o l 8 l v (V. 8 . 1 9 ) als eingeschränkte B e j a h u n g zu v e r s t e h e n (»schön u n d g u t - aber«): N ä c h 28
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T r o t z aller Zweifel bei B u r c h a r d , K o n r a d t , J o h n s o n , Penner, C a r g a l u. a. m i t D i b e l i u s , E i c h h o l z , K l e i n , M u ß n e r u. a. Vgl. H a h n , Genesis. V g l . C r a n f i e l d 1 8 9 - 1 9 3 (»respect o f p e r s o n s « ) . 3 3 8 - 3 4 2 ; Felder; H e l d ; Phifer; D y r n e s s 1 4 (zu V. 13: » T h i s t h e n is h o w m e r c y t r i u m p h s , n o t j u s t in s h o w i n g impartiality, b u t in loving hospitality a n d w e l c o m e f o r t h o s e in n e e d . « ) . A n d e r s J o h n s o n , A n c B 2 3 1 . 2 4 1 : in V. 8 b e f ü r w o r t e n d , in V. 1 9 (»vielleicht in d i r e k t e m K o n t r a s t « z u V. 8 ) ironisch, sarkastisch.
IV. G l a u b e , L i e b e , T a t e n .,
158
stenliebe u n d M o n o t h e i s m u s - in O r d n u n g , aber sie dürfen nicht zu L e e r f o r m e l n v e r k o m m e n , s o n d e r n m ü s s e n zu p r a k t i s c h e n K o n s e q u e n z e n g e l a n g e n .
1 Jak greift das T h e m a m a n g erstmals seit 1,3.6 wieder auf, erweitert es christologisch und stellt es in Relation zu einer (falschen) Behandlung und Beurteilung von Men schen. 30 Der Satz ist imperativisch zu verstehen; in der Koine kann bei Negationen der Imperativ den Konjunktiv ersetzen. Als indikative Frage wäre der Satz nicht sinn voll, weil das ur| die Frage verneinen würde; Jak setzt jedoch das Gegenteil voraus, wie V. 2 ff. zeigt.3i - »Glauben haben« (ebenso 2,14.18) bezeichnet sonst ( M k 4,40; 11,22; M t 21,21; L k 17,6; Apg 14,9; R o m 14,22; IKor 13,2; l T i m 1,19; auch 4Makk 16,12) den vertrauensvollen Glaubensakt im Gegensatz zum Zweifel.32 Hier ist dagegen der Besitz eines geradezu objektivierbaren Gutes und der Umgang damit gemeint. Der Glaube wird dabei aufweisbar (vgl. V. 18), man kann ihn in unter schiedlicher Weise handhaben. - Neben 1,1 findet sich hier die einzige Erwähnung von »Kyrios Jesus Christus« bei Jak, jetzt aber erweitert durch »unser (Herr)« und Tfjg 8ö^T]g am Schluß.33 Die relativ lange christologische Formulierung bereitet Interpre tationsprobleme, speziell die Beziehung von tfjg öö§r]g, dazu auch die Bestimmung der Genitive. Jak verwendet das Wort 8 6 § a sonst nicht.34 Wahrscheinlich kombiniert er hier zwei frühchristliche bekenntnishafte Wendungen, nämlich »(unser) Herr Jesus Christus« und »Herr der Herrlichkeit«.35 Letzteres erscheint im N T nur noch IKor 2,8, ebenfalls christologisch gemeint. Wahrscheinlich handelt es sich ursprünglich um ein apokalyptisches Gottesprädikat,36 das in IKor 2 mit der »Weisheit Gottes« verbunden steht. - Wie aber ist das ganze Syntagma »xf]v J I I Ö T I V ... tfjg öö^rjg« auf synchroner Ebene aufzulösen? In Relation stehen »Glaube« und »Herr ...« sowie »Herr ...« und xfjg öö^rjg. Gegen die Verbindung »Glaube an die Herrlichkeit unseres Herrn . . . « 3 7 spricht die Wortfolge. Der Genitiv tfjg 86§r]g ist wahrscheinlich qualitativ38, d. h.: zum Wesen Christi gehört Herrlichkeit, Glanz, Licht.39 Denkbar, aber weniger naheliegend ist ein Gen. epexegeticus bzw. appositivus: »Herr der die Herrlichkeit i s t « . Möglich ist aber auch ein Gen. auctoris bzw. originis: Christus ist Ursprung der Herrlichkeit. Erst der Kontext kann letzten Aufschluß geben. 40
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Schlatter, G l a u b e 4 2 4 , n o t i e r t als » d r i t t e V e r a n l a s s u n g , d e n W e r t d e s G l a u b e n s z u b e t o n e n « ( n e b e n 1,3 u n d 1,6) d e n » K a m p f g e g e n d i e V e r d e r b n i s d e r L i e b e z u r w i l l k ü r l i c h e n , v o n d e r G e r e c h t i g k e i t a b g e s c h i e d e n e n Gunst«. Vgl. Mayor 79; Ropes 46; Johnson, A n c B 2 2 0 . Luck, Jakobusbrief 175. S . d a z u Karrer, P r ü f u n g 1 7 1 - 1 7 3 ( » H e r e i n n a h m e J e s u in G o t t e s H e r r l i c h k e i t « , 1 7 2 ) ; M u ß n e r , C h r i s t o l o g i e 1 1 2 f. ( i m p l i z i e r t ist a u c h J e s u A u f e r s t e h u n g v o n d e n T o t e n ) . A u c h d a s S y n o n y m xiur| fehlt ( a u ß e r i n a x u i d ^ a ) 2 , 6 ) ; ö o x e a ) in 1,26; 4 , 5 heißt n u r » m e i n e n « . M i t J o h a n n e s Schneider, D o x a . Eine bedeutungsgeschichtliche Schule, G ü t e r s l o h (Rufer) 1 9 3 2 , 1 3 5 ; vgl. Martin, W B C 5 9 . Einen liturgischen Hintergrund n i m m t auch Schnider 5 6 an. W o l f g a n g S c h r ä g e , D e r erste B r i e f a n d i e K o r i n t h e r I ( E K K V I I / 1 ) 2 5 5 m i t H i n w e i s a u f ä t h H e n 2 2 , 1 4 ; 2 5 , 3 ; 6 3 , 2 . I m A T v e r b r e i t e t ist d a s M o t i v d e r » H e r r l i c h k e i t d e s H e r r n « ; vgl. C l a u s W e s t e r m a n n : T h H A T I 8 0 2 ff. V g l . b e i M a y o r 7 9 . B u r c h a r d , C h r i s t o l o g i e 3 5 4 - 3 5 9 , H N T z. S t . , zieht Tfjg öö^ng z u xi]v m o x i v , » G l a u b e an d i e Herrlichkeit«. M i t Dibelius, K E K 160; Frankemölle, Ö T K 3 7 5 . M a y o r 8 1 f. d e n k t a n d a s a t l . - j ü d . M o t i v » S c h e k h i n a « ; vgl. M a r t i n , W B C 6 0 . S o z u e r s t B e n g e l ; s. M a y o r 8 0 - 8 2 ; H o r t 4 7 f.; L a w s , C o m m e n t a r y 9 5 - 9 7 .
159
2,1 41
Welchen argumentativen Wert hat der Hinweis auf die D o x a ? Vom Kontext her könnte der Kontrast zum falschen Glanz des Besuchers (2,2 f.) und zur Entehrung des Armen (V. 6) mitspielen. Die Nähe zu Sir 35,11 f. unterstützt diesen Aspekt, wo es heißt: Gott ist ein gerechter Richter, bei ihm gilt nicht öö^a JiQoacbjtov, oi> A,f|u^£Tai JtQÖacojrov em J t x c o x o v . In diesem Fall paßt der Gen. qualitatis am besten: allein Christus hat »Ansehen«. Jak könnte aber auch »Glaube« erläutern wollen; dann legt sich ein Gen. originis nahe: unser Glaube an Christus erwartet die Herrlichkeit von ihm her, er ist ihr Ursprung (vgl. 1,4.12: Vollkommenheit, Lebenskranz). 3 Anders als in 1,3 f. 12 geht es in Kap. 2 jedoch um die Gefährdung des Glaubens (vgl. bereits 1,5 ff. 13 ff), nicht um seine Vollendung. Deshalb wiegt die kontextuelle Relevanz (V. 2 f.6) von Doxa schwerer. Dann ist betont: Die Christus-Ehre (Gen. qualitatis) regelt auch das zwischenmenschliche Geschehen. Die Übersetzung »(Glaube an) unseren Herrn Jesus Christus (den Herrn) der/von Herrlichkeit« fängt das am ehesten ein. - Die hier zu m a n g gehörenden Genitive werden zumeist als objektive ausgelegt (Glaube an C h r i s t u s ) , gelegentlich aber auch als subjektive. So meint L. T. Johnson, Glaube sei sonst bei Jak (2,19.23) an den Vater gerichtet; die Jesus-Logien im Brief sprächen für die Interpretation »the faith of Jesus in G o d as reflected in his teaching«. 5 Weder der eine noch der andere Grund ist m. E. jedoch überzeugend. U. Luck rekurriert von »Herr der Herrlichkeit« (s. o. zu IKor 2,8) auf Weisheitstradition: Jesus gewann teil an der Doxa; die Weisheit verbürgt die Teilnahme. Christus eröffnete den Weg dorthin; es ist der Weg des Glaubens. Die Christen sollen den Glauben Jesu (Gen. subiectivus) h a b e n . Diese Interpretation bemüht jedoch zu sehr einen allgemeinen sapientialen Hintergrund für Jak. Das Verständnis »Glaube an ...« ist die bessere Lösung. - Beim Plural JtQoacojtoXniJApiai denkt Jak an Akte der Bevorzugung. Die Zusammenstellung mit »Glaube« ist in dieser Gestalt singulär und in der Sache eigenartig. Die Formulierung »den Glauben haben/halten in ...« verweist auf den M o d u s des gestalteten Lebens, nicht nur des uns begegnenden. Lt. 2,9 ist JiQoacojtoXnji'ipLa aktive Sünde. Auch sonst im N T wird sie negativ beurteilt; sie verletzt die Gleichbehandlung von Menschen, vor allem vor Gericht; dem Richter ist sie untersagt. Als Kompositum finden sich Nomen, Verb und Verbaladjektiv erst im N T (Apg 10,34; R o m 2,11; Kol 3,25; Eph 6,9; IPetr 1,17) ; die Wendung als solche 42
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E r a s m u s , C a l v i n u. a. v e r s t a n d e n ö ö ^ a als » A n s i c h t , M e i n u n g « u n d v e r b a n d e n d a s W o r t m i t J t o o o o o j t o Xr]u/i|)ia: » B e v o r z u g u n g e n a u s (persönlicher) M e i n u n g « ; s. M a y o r 7 9 f.; A d a m s o n , E p i s t l e 1 0 3 . D a g e g e n s p r e c h e n j e d o c h W o r t f o l g e , T r a d i t i o n u n d s e m a n t i s c h e r G e h a l t . T o w n s e n d , C o m m u n i t y 1 1 6 f., m e i n t » t h a t J a m e s is here referring to J e s u s as the S h e k i n a h o f G o d « ; d a s w i e d e r u m b e d e u t e : G o t t w o h n t bei s e i n e m Volk.
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S o M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 1 6 : g e g e n d e n P e r s o n e n k u l t in d e r G e m e i n d e ; e b e n s o S c h n i d e r 5 6 ; K o n r a d t , E x i s t e n z 1 3 7 ; B u r c h a r d , H N T z. S t .
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E s c h a t o l o g i s c h e D o x a - V e r h e i ß u n g f i n d e t sich: Rom 3 , 2 3 ; 8 , 3 0 ; P a r u s i e in D o x a : M k 8 , 3 8 u. a.; D o x a als
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S o u. a. R o p e s 1 8 7 ; C h a i n e 4 0 ; C a n t i n a t 1 2 0 .
L o h n u. ä.: Rom 2 , 7 . 1 0 ; 5 , 2 ; 8 , 1 8 ; I K o r 2 , 7 . 4 5
J o h n s o n , A n c B 2 2 0 ; er v e r w e i s t b e s o n d e r s a u f 2 , 5 . 8 ; d e s h a l b : »>der G l a u b e , d e r v o n J e s u s s t a m m t < i m
4 6
L u c k , J a k o b u s b r i e f 1 7 4 f. E r i n t e r p r e t i e r t » G l a u b e n h a b e n « i m G e g e n ü b e r z u m Zweifel.
S i n n e v o n >durch J e s u s a u s g e s p r o c h e n e . 4 7
Evtl. ist ev a u c h l o k a l , a d v e r b i a l o d e r s o z i a t i v z u v e r s t e h e n : » b e i , in Z u s a m m e n h a n g m i t « .
4 8
N i c h t in L X X u n d P r o f a n g r ä z i t ä t . V g l . E d u a r d L o h s e : T h W N T V I 7 8 0 f.; K l a u s B e r g e r : E W N T I I I 4 3 3 435; Held.
IV. G l a u b e , L i e b e , T a t e n .,
160
(jtQÖaoojtov Xaußdveiv) ist jedoch in der L X X verbreitet, vor allem in bezug auf Gott, der keine Bevorzugung vornimmt (ebenso im N T ; s. die o. gen. Stellen, dazu noch Gal 2,6). Gott ist unbestechlich; er beurteilt nicht nach Stand, Rang, Geltung; er ergreift keine Partei, läßt sich durch nichts blenden. Von Haus aus ist das hebräische D ^ S XÖJ eigentlich ein positiver Terminus des Begrüßungszeremoniells: dem Niedergebeugten wird »das Gesicht gehoben«, d. h. er darf sich zeigen.50 Die negative Konnotation wurde jedoch bald dominant, also der Mißbrauch des »Person-Ansehens« bei Gericht. Bei Gott kommt keinerlei Mißbrauch vor (vgl. o. zu Sir 35,11 f.). Deshalb steht JtQOO(DJtoXr]UA|na bei Jak in scharfem Kontrast zu »Herr der Herrlichkeit«. Wer an diesen Herrn glaubt, kann sich solches ungöttliche Verhalten nicht erlauben. - nooa(DJto?aiu/ipia ist zwar bevorzugt ein forensischer Terminus; er kann aber auf verschiedene Lebenssituationen angewendet werden. Für sich allein bestimmt er noch nicht die Umstände des folgenden Casus; diese können vielmehr erst aus 2,2-4 selbst erschlossen werden.51 2-4 Jak konkretisiert jetzt, wie JtQoacojtoXrifxipia aussieht bzw. aussehen kann. Die Verse bilden ein längeres Satzgefüge, nämlich einen Bedingungssatz im Eventualis (mehrfache Protasis in V. 2 f., Apodosis in V. 4) mit eingeflochtener wörtlicher Rede (V. 3b.c), in eine zu bejahende Frage ausmündend (V. 4).52 V. 4 könnte auch als Aussage verstanden werden; dann würde das oi) aber nur für die erste Hälfte gelten, und das mit positivem Sinn von ö i a x o i v o u m (»ihr habt bei euch nicht nach gesundem Urteil entschieden«). Passender ist jedoch, V. 4 als Appell an das Urteilsvermögen der Adressaten (wobei ov für beide Sätze gilt) zu verstehen; der Kommentar des Verfassers folgt erst im letzten Wort ( j t o v T i Q c b v ) und in V. 5 f. - Die Sinnlinien beim beschriebenen Fall sind in V. 23: in eine Versammlung kommen, auffällige Bekleidung, äußerer Anschein, jemanden ansprechen und einen Platz zuweisen; in V. 4: beurteilen und Innenbereich ( e v eauxotg), dazu eine ethische Kategorie (jtovtiqcov). Das Innere (V. 4) kommt, so argumentiert Jak, im Äußeren, ja Äußerlichen (V. 2 f.) zum tätigen Ausdruck. Vieles andere läßt der Text offen: den Status der Besucher und ihre Beziehung zur versammelten Gruppe, den Zweck ihres Kommens, die Art und Zielsetzung der Versammlung, den Wortsinn von Gvvaywyr]. Die Anrede ist ein nicht differenzierendes »ihr«, das als Kollektiv handelt und verantwortlich gemacht wird. Die Szene wird von der Erlebnisperspektive der Versammlung her entworfen. - Gewiß kann man sagen, daß die rhetorische Funktion des Textes wichtiger sei als die historische Bezugnahme.53 Aber Jak konstruiert nicht einfach ein übertriebenes, unrealistisches Demonstrationsbeispiel. 54 Eine solche Stilisierung würde den Zweck gefährden, die Adressaten auf eine bei ihnen prinzipiell mögliche Gefahrensituation hin anzusprechen.55 Zumindest zeigt das Beispiel (wie auch das in 2,15 f.), daß sich die Adressaten sozio-ökono49
4 9
Z u m s e m a n t i s c h e n F e l d vgl. Berger, a. a. O . : w a h r h a f t i g , r i c h t e n , B e s t e c h u n g , sozialer U n t e r s c h i e d . S . e t w a D t n 1,17; 1 0 , 1 7 ; L e v 1 9 , 1 5 u. a.
5 0
In d e r L X X w i r d d a b e i n e b e n
taxußdveiv
a u c h 0om|xd£eiv u n d ywcboxetv verwendet.
51 V g l . H e l d . 5 2
V. 4 k ö n n t e a u c h Teil d e r P r o t a s i s sein; es e n t s t ü n d e d a n n j e d o c h ein A n a k o l o u t h .
53 J o h n s o n , A n c B 2 2 7 . 5
4
Anders Dibelius, K E K 161-163.
55 S o d i e m e i s t e n n e u e r e n K o m m e n t a r e , z. B . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 8 7 ; S c h n i d e r 5 7 ; L a w s , C o m m e n t a r y 9 8 .
161
2,2-4
misch zwischen den beiden Schichten aufhalten; auch V. 5 f. bestätigt den Abstand zu Armen und Reichen. - Erstmals und nur in diesem Abschnitt verwendet Jak das Wort J t x c o x o g (2,2.3.5.6). Es bedeutet »bettelarm« im Unterschied zu »bedürftig« (jtevng).56 l d Sache beschreibt Jak in 2,15 dasselbe: jemand hat nichts anzuziehen und nichts zu essen. Das Griechentum kannte keine religiös motivierte Armenfursorge; anders dagegen das Judentum.57 Jak legt jetzt aber (anders als in 2,15 f.) darauf kein Gewicht; bedeutsam ist vielmehr die Geringachtung (vgl. V. 6a) eines Men schen. Eine theologische Qualifizierung bringt dann V. 5. - In der Forschung hat man aus Details in Kombination mit anderen Stellen bei Jak verschiedene Schlüsse gezogen. (1) Der Ausdruck »Synagoge« verweise auf judenchristliches, ja palästini sches Milieu; die christlichen Gemeinden hätten sich noch im Synagogenverband befunden.58 (2) Die Versammlung diene der Verhandlung von Rechtsangelegenhei ten, das Urteilen als Richter sei wörtlich zu nehmen.59 (3) Es handele sich um einen Gottesdienst ähnlich wie IKor 14,23 ff. (4) Der Wohlhabende weise sich durch den Goldring und das helle Gewand als zum Ritterstand gehörig a u s . Er werbe in der Gruppe um Stimmen und Unterstützung.62 (5) Die mit den örtlichen Verhältnissen unvertrauten Besucher seien entweder Christen von außerhalb (vgl. D i d 12) oder U n g l ä u b i g e oder Neophyten . (6) Der Text reflektiere den Konflikt zwischen christlichen Wandercharismatikern (arm) und ortsansässiger Elite (reiche Patrone u. d g l . ) . Als Gottesdienstbesucher würden sie ungleichmäßig behandelt. Alle diese Annahmen stehen in der Gefahr, den Text zu überfordern. - Nur hier wird im N T eine christliche Versammlung(sstätte) ovvaywyr) genannt; J a k kennt freilich auch den Ausdruck exxXr]öia, der dort (5,14) aber die Gruppe, nicht den Ort bezeichnet. Einen Anhalt für Frühdatierung und jüdisches Milieu bietet das Wort ovvaywyr] nicht. Gerade in spätapostolischer Zeit und danach gibt es Belege für eine christli che Verwendung: H e r m M 11,9.13 f. (=43,9.13 f.); Hebr 10,25 (Kompositum); IgnPol 4,2; Tr 3; JustDial 6 3 , 5 . - Unklar bleibt, ob Jak an eine Versammlung oder an n
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56 V g l . F r i e d r i c h H a u c k / E r n s t B a m m e l : T h W N T V I 8 8 5 - 9 1 5 ( d o r t 8 8 7 , 4 f.: d i e Jievia w e h r t sich g e g e n d i e V e r w e c h s l u n g m i t d e r jrcooxeta); H e l m u t M e r k l e i n : E W N T I I I 4 6 6 - 4 7 2 . B e i J a k fehlt d i e W o r t g r u p p e JT8VT]5, j r e t v d a ) (die i m N T i m m e r h i n 2 4 x v o r k o m m t ) ; m e h r f a c h b r i n g t er d e m g e g e n ü b e r TCUTEIV- ( 1 , 9 . 1 0 ; 4,6.10; i m N T insgesamt 38x). 5 7
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B o l k e s t e i n p a s s i m ; vgl. d e n E x k u r s bei M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 7 6 - 8 4 , zur j ü d . A r m e n f r ö m m i g k e i t . A d a m s o n , Epistle 105. S o v o r a l l e m W a r d , Partiality, C o n c e r n 7 8 - 1 0 7 ( m i t Verweis a u f Q u m r a n ) ; d o r t a u c h d a s A r g u m e n t , n a c h r a b b i n i s c h e r R e g e l ( S i f r e L e v 1 9 , 1 5 ; S a n h 6 , 2 ) m ü ß t e n d i e P r o z e ß g e g n e r gleich g e k l e i d e t sein. I h m schließt sich D a v i d s , E p i s t l e 1 0 9 , a n ; ä h n l i c h M a r t i n , W B C 6 1 , d e r I K o r 6 , 1 ff.; M t 1 8 , 1 7 h e r a n z i e h t . A u c h D y r n e s s 13 redet v o n » a p p e a r i n g b e f o r e c o u r t t r i b u n a l s « .
6 0
V g l . L a w s , C o m m e n t a r y 1 0 1 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 8 8 : es liege e i n e A m p l i f i k a t i o n v o n 1 , 9 - 1 1 vor; es h a n d e l e
6 1
V g l . L a w s , C o m m e n t a r y 9 8 f.; J u d g e 5 2 ; D a v i d s , E p i s t l e 1 0 8 ; R e i c k e 2 7 .
sich u m M i t c h r i s t e n . F e l d e r 5 5 d e n k t a n Besucher. 6 2
Reicke 27. Kritisch dazu Ernst Bammel: T h W N T V I 9 1 0 A n m . 2 4 0 .
6 3
D a v i d s , E p i s t l e 1 0 9 : C h r i s t e n h ä t t e m a n n i c h t Plätze a n w e i s e n m ü s s e n . S . d a z u bereits D i b e l i u s , K E K 1 6 8 .
6 4
B u r c h a r d , G e m e i n d e u n d H N T z. St.: evtl. Interessierte v o n a u ß e n (vgl. I K o r 4 , 2 3 - 2 5 ) ; d i e A d r e s s a t e n soll ten sich n i c h t s o v e r h a l t e n , » d a ß s i e A r m e n d e n U b e r t r i t t z u m G l a u b e n e r s c h w e r e n ( u n d d e n R e i c h e n w o m ö g l i c h z u leicht m a c h e n ) « .
6 5
S. Einleitung § 7 , 1 . K l o p p e n b u r g HervTeolStud: gegen »patronage«.
6 6
E s ist i m m e r h i n d e n k b a r , d a ß d e r A u t o r w e g e n eines i n t e n d i e r t e n B e z u g e s z u m H e r r e n b r u d e r u n d z u m j ü d .
6 7
Weitere B e l e g e bei W o l f g a n g S c h r ä g e : T h W N T V I I 8 3 9 , a u s g e r e c h n e t s o g a r bei d e n M a r c i o n i t e n ( 8 3 9 , 2 0 - 2 2 ) .
M i l i e u a b s i c h t l i c h s o stilisierte. D e r B e f u n d z u m T e r m i n u s b i e t e t a b e r a u c h d a z u k e i n e k l a r e G r u n d l a g e .
162
IV. G l a u b e , L i e b e , T a t e n .,
ein Gebäude denkt. Das Verb »hineinkommen« und die Erwähnung von Sitzgele genheiten brauchen nicht unbedingt für das letztere zu sprechen, sondern blieben auch im ersten Fall sinnvoll. Jak ist an einer einseitigen Sinnbestimmung anscheinend gar nicht interessiert. Daß man sich in einem Gebäude - also nicht im Freien - ver sammelte, legt die Nennung von »Schemel« zwar nahe; aber damit ist nicht gesagt, daß »Synagoge« Name eines bestimmten Gebäudes war. Man traf sich vornehmlich in geeigneten Häusern; architektonisch gesehen, waren die frühchristlichen Ver sammlungsstätten entsprechend eingerichtete Privathäuser. 9 Das trifft auch weithin für die jüdischen Stätten zu. Die Zuweisung der Plätze besagt nichts über bestimmte »Synagogen-Typen«70 _ Alle Aufmerksamkeit lenkt die Darstellung auf die beiden Besucher und die Reaktion der Versammelten. Die Versammlung ist für unterschied liche Menschen zugänglich, also wohl eine »normale« Zusammenkunft zum Gottes dienst (wie IKor 14,23 ff.). O b die beiden genannten Besucher Christen sind oder nicht, ist für den Bericht unerheblich; bedeutsam ist der soziale Unterschied. Beide 68
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6 8
J a k v e r w e n d e t d a s W o r t i m w e i t e s t e n S i n n : L a w s , C o m m e n t a r y 1 0 0 f.; vgl. S c h r ä g e : T h W N T V I I 8 3 6 .
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V g l . L . M i c h a e l W h i t e , T h e S o c i a l O r i g i n s o f E a r l y C h r i s t i a n A r c h i t e c t u r e ( H a r v T h S t 4 2 ) , Valley F o r g e (Trinity) I 1 9 9 0 , speziell K a p . 2 - 3 (christlich) u n d 4 ( D i a s p o r a - J u d e n t u m ) . D e r a r c h ä o l o g i s c h e B e f u n d ver weist für d i e Z e i t d e s f r ü h e n C h r i s t e n t u m s in e b e n d i e s e R i c h t u n g . - I n j ü n g e r e r Z e i t ist d a s T h e m a » j ü d . S y n a g o g e n w e s e n in d e r A n t i k e « vielfach d a r g e s t e l l t u n d erörtert w o r d e n , u. a. z u d e n F r a g e n : W e l c h e S y n a g o g e n g e b ä u d e s i n d für P a l ä s t i n a n a c h w e i s b a r , speziell für d i e Z e i t v o r 7 0 n. C h r . (s. A u s g r a b u n g e n in G a m l a ) ? B e d e u t e t d a s W o r t » G e b ä u d e « o d e r » V e r s a m m l u n g « (was e r g i b t d i e T h e o d o t u s - I n s c h r i f t in J e r u s a l e m , w a n n ist sie z u d a t i e r e n ) ? S . d a z u A . T. K r a a b e l , T h e D i a p o r a - S y n a g o g u e : A r c h a e o l o g i c a l a n d E p i g r a p h i c E v i d e n c e s i n c e S u k e n i k : A N R W II 1 9 . 1 , 4 7 7 - 5 1 0 ( A n g a b e n z u S u k e n i k s A r b e i t e n bei S c h r ä g e : ThWTSTT V I I 7 9 9 ) ; K . A t k i n s o n , O n F u r t h e r D e f i n i n g t h e F i r s t - C e n t u r y C E S y n a g o g u e : F a c t o r F i c t i o n ? A R e j o i n d e r to H . C
K e e : N T S 4 3 ( 1 9 9 7 ) , 4 9 1 - 5 0 2 ; D . U r m a n / P . V. M . F l e s h e r ( H g . ) , A n c i e n t S y n a g o -
g u e s : H i s t o r i c a l A n a l y s i s a n d A r c h a e o l o g i c a l D i s c o v e r y ( S P B 4 7 , 1 ) , L e i d e n (Brill) 1 9 9 5 ; H . C . K e e , D e f i n i n g the F i r s t - C e n t u r y C E S y n a g o g u e : Problems a n d Progress: N T S 4 1 ( 1 9 9 5 ) , 4 8 1 - 5 0 0 ; ders., T h e C h a n ging M e a n i n g o f Synagogue: A R e s p o n s e to Richard Oster: N T S 4 0 ( 1 9 9 4 ) , 1 8 1 - 1 8 3 ; ders., T h e Transfor m a t i o n o f t h e S y n a g o g u e after 7 0 C E : its I m p o r t for E a r l y C h r i s t i a n i t y : N T S 3 6 ( 1 9 9 0 ) , 1-24; L e s l i e J . H o p p e , T h e S y n a g o g u e s a n d C h u r c h e s o f A n c i e n t Palestine, C o l l e g e v i l l e ( L i t u r g i c a l Pr.) 1 9 9 4 ; M . C h i a t , H a n d b o o k o f S y n a g o g u e A r c h i t e c t u r e , C h i c o ( S c h o l a r s ) 1 9 8 2 ; L . I. L e v i n e ( H g . ) , T h e S y n a g o g u e in L a t e A n t i q u i t y , P h i l a d e l p h i a ( A S O R ) 1 9 8 7 ; d e r s . ( H g . ) , A n c i e n t S y n a g o g u e s R e v e a l e d , J e r u s a l e m (Israel E x p l o r . S o c . ) 1 9 8 1 ; D o n a l d D . B i n d e r , I n t o t h e T e m p l e C o u r t s : T h e P l a c e o f t h e S y n a g o g u e in t h e S e c o n d T e m p l e P e r i o d ( S B L . D S 1 6 9 ) , A t l a n t a ( S B L ) 1 9 9 9 ( B i n d e r m e i n t , S y n a g o g e n in P a l ä s t i n a s c h o n v o r 7 0 n. C h r . seien v o n B a u u n d O r g a n i s a t i o n h e r »hilfsweise S a k r a l r ä u m e g e w e s e n , d i e r ä u m l i c h d i e S a k r a l i t ä t d e s T e m p e l s c h r e i n s a u s d e h n t e n u n d d e n J u d e n ü b e r a l l d i e T e i l n a h m e a m Z e n t r a l k u l t g e s t a t t e t e n « , 3 2 ; vgl. d i e kritischen N o t i z e n v o n Leslie J . H o p p e : C B Q 6 2 [ 2 0 0 0 ] , 3 4 9 - 3 5 1 ) . S. jetzt a u c h C l a u ß e n , zur F o r s c h u n g ( 4 1 ff.) u n d a u s f ü h r l i c h z u m B e f u n d h i n s i c h t l i c h d e r a n t i k e n S y n a g o g e n ( 9 8 - 3 0 7 : T e r m i n o l o g i e , U r s p r ü n ge, Architektur, Funktionen, Rechtslage u n d -praxis, O r d n u n g , geographische Verbreitung). C l a u ß e n hebt d e n C h a r a k t e r als » H a u s s y n a g o g e « hervor, a n d e n d i e f r ü h c h r i s t l i c h e H a u s g e m e i n d e in m a n c h e r W e i s e a n k n ü p f e n k o n n t e ( 3 0 8 ff.). N i e b u h r , I d e n t i t ä t 3 4 5 , zieht e i n e V e r b i n d u n g z u d e n collegia, d. h. s i c h » n a c h A n a l o g i e religiöser V e r e i n e z u o r g a n i s i e r e n « . K l a u c k II 5 2 , notiert: D i e M i t g l i e d e r v e r s a m m l u n g eines Ver eins k a n n a u c h in n i c h t j ü d i s c h e n Q u e l l e n ovvaywyr], S y n a g o g e , g e n a n n t w e r d e n ( L S C G 1 7 7 , 9 3 f.; 1 3 5 , 2 0 ) « . Z u d e n D i a s p o r a - S y n a g o g e n : Rutgers 9 7 - 1 3 5 (mit geographisch gegliederter Tabelle 1 2 7 - 1 3 0 ) . 7 0
S c h r ä g e : T h W N T V I I 8 3 6 A n m . 2 5 6 , g e g e n L e o n a r d R o s t , A r c h ä o l o g i s c h e B e m e r k u n g e n z u einer Stelle d e s J a k ( J k 2 , 2 f.): P J B 2 9 ( 1 9 3 3 ) 5 3 - 6 6 , d e r d i e M e i n u n g v e r t r a t , J a k h a b e e i n e n g a l i l ä i s c h e n S y n a g o g e n t y p v o r A u g e n (der j e d o c h für d a s 1. J h . n i c h t n a c h w e i s b a r ist); m a n k ö n n e s o g a r d i e L a g e d e r S i t z g e l e g e n heiten bestimmen.
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V g l . a u c h d i e » S e g e n s f o r m e l « in 2 , 1 6 , s o f e r n J a k hier w i e d o r t a n d i e s e l b e S i t u a t i o n d e n k t . D i e C h r i s t l i c h k e i t d e s A r m e n ( q u a A r m e r ) ist e b e n s o w e n i g T h e m a w i e d a s » S e e l e n h e i l d e s R e i c h e n « ( D i b e lius, K E K 1 6 9 ) . - D a ß m a n H o n o r a t i o r e n d e n U b e r t r i t t erleichtern w o l l e , g e h t a u s d e m T e x t n i c h t h e r v o r ( a u c h n i c h t a u s 2 , 1 4 ff.; s. u . ) .
163
2,2-4
werden wie selbstverständlich »zugelassen«. Erst V. 5 mit der Qualifizierung »reich im Glauben« und »die ihn lieben« läßt erkennen, daß es sich in V. 2 f. um einen gläubi gen armen Menschen handelt. - Die Besucher werden unterschiedlich behandelt; das impliziert eine »Beurteilung« (V. 4), aber keinerlei Gerichtsverhandlung - weder über die Besucher noch über einen anderen Streitfall. - Den Akzent legt Jak auf die Zurücksetzung des Armen, wie V. 5-6a zeigen. Die Gegenfigur ist nur von ihrem Erscheinungsbild her gekennzeichnet. Das »glänzende Gewand« braucht nicht eine toga Candida zu bedeuten; lt. Lk 23,11; Apg 10,30 tragen auch Engel solche Gewän der. Zudem ist die Gegenüberstellung der Kleidung topisch; so erhielt etwa Joseph vor der Audienz beim Pharao dvxi QVJtcbong XaujtQdv eoOfjxa (Philo Jos 105). Ein Goldring ist hier eher Zeichen von Eitelkeit und Prunksucht als Insignie des ordo equester. Goldschmuck wurde damals gern als Luxus und Privilegiertengehabe ange prangert. 73 Jak kritisiert, daß die Adressaten sich beeindrucken lassen; die Absichten des »Mr. Goldfinger« sind völlig belanglos - also etwa, ob er auf Stimmenfang unter wegs ist; der Text sagt darüber nichts. - Auch der Arme wird hier nur als Objekt ekklesialen Fehlverhaltens vorgestellt, und zwar hinsichtlich seiner Menschenwürde, nicht seiner Bedürftigkeit (anders als 2,15 f . ) . - Mit Ironie zeichnet Jak das »Auf schauen«^ und die Beflissenheit der Versammlung (V. 3a). Möglicherweise bedeutet xaXoog als Höflichkeitsformel einfach »bitte«76; es kann aber auch mit xdOou adver bial verbunden sein und entweder den Komfort (»bequem«) oder die öffentliche Stel lung (»in dir geziemender Weise«) betonen. D e m Armen wird dagegen Desinteresse (»dies oder das, es ist mir egal«), Distanzierung (»dorthin«) und Degradierung (wört lich übersetzt: »unter meinen Schemel«) signalisiert - letzteres eine hyperbolische Redensart (gemeint ist: »auf den Fußboden«77), wobei »mein« evtl. auf Einzelsitze schließen läßt. - Die Szene zeigt Berührungen mit Lev 1 9 , 1 5 . Der Kontext in Lev 19 betrifft die Prosopolempsia vor Gericht. N u n folgt dem Hinweis auf Lev 19,18 (Nächstenliebegebot) in Jak 2,8 sogleich die Reprise von »Prosopolempsia«. Zusam74
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7 3
V g l . I P e t r 3 , 3 . E p i k t e t k a r i k i e r t ( D i s s I 2 2 , 1 8 - 2 1 ) e i n e n w e i ß h a a r i g e n G r e i s XQVOOve, bamvXiovc, e/cov noXkovc, (also g l e i c h m e h r e r e g o l d b e r i n g t e F i n g e r ) als b e s s e r w i s s e r i s c h e n S c h w ä t z e r u n d als H a l u n k e n . W e i t e r e T e x t e z u m R i n g e - T r a g e n u n d z u a n d e r e n M e t h o d e n d e s B e e i n d r u c k e n s in: N e u e r W e t t s t e i n 1 2 7 6 1 2 8 1 ; ferner d i e B e i t r ä g e v o n D . K o n s t a n , C l a r e n c e E . G l a d u n d T r o e l s E n g b e r g - P e d e r s e n in: F i t z g e r a l d , Friendship, 7 - 1 9 . 2 1 - 5 9 . 6 1 - 7 9 , über die Unterscheidung zwischen Freunden u n d Schmeichlern; H a n s - J ü r gen H o r n , Art. G o l d : R A C X I , 1 9 8 1 , 8 9 5 - 9 3 0 . Schlatter, B r i e f 1 6 7 m e i n t , d e r s c h m u t z i g e A n z u g d e s A r m e n m a c h e d e n Fall z u s ä t z l i c h d a d u r c h p e i n l i c h , d a ß m a n als J u d e d e n S a b b a t i m G o t t e s d i e n s t d u r c h d e n » S a b b a t r o c k « z u e h r e n h a t t e . - A b e r d i e s e r U m s t a n d m u ß hier n i c h t v o r a u s g e s e t z t sein; J a k d e u t e t n i c h t s d g l . a n . I m N T ist EJitßXejteiv recht selten; d a s W o r t i m p l i z i e r t » w o h l w o l l e n d e s I n t e r e s s e « (vgl. L k 1,48; 9 , 3 8 ) . ™ Dibelius, K E K 164 mit A n m . 3. D i b e l i u s , K E K 1 6 5 A n m . 3 ; selbstverständlich nicht » u n t e r d e n S c h e m e l « . D i e R e d e w e n d u n g k ö n n t e a u s d e m r ö m i s c h e n B r a u c h t u m bei F o r u m s t a m m e n : »der a u f d e n locus inferior V e r w i e s e n e s t a n d m i t d e m K o p f e t w a in der H ö h e d e s i m ö ö i o v d e s p r ä s i d i e r e n d e n M a g i s t r a t s « (vgl. C i c A d A t t i c u m II 2 4 , 2 ) . A b e r bei J a k sitzt der Betreffende. B a u e r - A . 1 6 8 7 verweist (in Z u s a m m e n h a n g m i t Ps 1 1 0 , 1 ; M t 5 , 3 5 usw.) a u f d i e F o r m u l i e r u n g bzw. I n t e r p r e t a t i o n » j m d n . z u m F u ß s c h e m e l fiir j m d n . m a c h e n , d . h. i h n völlig u n t e r w e r f e n , s o d a ß m a n i h m d e n F u ß a u f d e n N a c k e n z u setzen v e r m a g « ; für J a k 2 , 3 d ü r f t e d a s j e d o c h ü b e r z o g e n sein, o b s c h o n d a m i t d e r b e l e i d i g e n d e K l a n g d e u t l i c h wird. B a u e r - A . 1 6 8 0 f. übersetzt: » u n t e n a n d e n S c h e m e l « . D e r Vers d o r t v e r b i e t e t d a s Jtoietv d ö i x o v b e i m R i c h t e n ; m a n soll d e n A r m e n n i c h t d i s k r i m i n i e r e n (ov Xr|u/i|)T] jiQÖocojtov Jtxcoxoi)) n o c h s i c h v o m M ä c h t i g e n b e e i n d r u c k e n lassen {ovbe Oauuxxöeig jtQÖocojtov bvv&OTOv); v i e l m e h r soll m a n d e n N ä c h s t e n i n G e r e c h t i g k e i t r i c h t e n . 7 4
7 5
7 7
7 8
IV. G l a u b e , L i e b e , T a t e n .,
164
men mit anderen Faktoren könnte das auf eine Beeinflussung von 2,2-4 durch Lev 19 deuten.79 Allerdings liegt der Casus in V. 2 f. anders als in Lev 19, wo vom Ansehen der Kleidung nicht die Rede ist. Zudem zitiert Jak in 2,8 auffälligerweise gerade nicht den sachlich viel näher liegenden Schriftbeleg Lev 19,15; es ist nicht sicher, ob er ihn (wie Lev 19 insgesamt) überhaupt kannte. Es bleibt daher ungewiß, ob die forensi sche Terminologie in V. 4 von dorther beeinflußt wurde. - Die Formulierung speziell von V. 4a ist eine alte crux. Sämtliche Varianten aus folgenden Komponenten hat man durchgespielt: (1) Frage- oder Aussagesatz, (2) innerliches oder zwischen menschliches ev eauxotg, (3) aktive oder passive Bedeutung von öiaxpiveoGai (4) unterschiedlicher semantischer Gehalt von öiaxoiveoGai: separare (trennen, spalten), discrimen facere (Unterschiede machen), iudicare (beurteilen, richten, überlegen) und dubitare (zweifeln, Bedenken tragen), wobei im einzelnen der Gehalt positiv oder negativ angesetzt wird. Konsensus besteht weithin darin, V. 4 als Frage zu ver stehen (s. dazu bereits o.). Als Lösungen werden hauptsächlich vertreten: (a) »Habt ihr nicht unter/bei euch Unterscheidungen vorgenommen?« - also discrimen face re und zwischenmenschliches Geschehen (ev eautoic; = ev aA,X,r|Xoig). (b) »Habt ihr euch dann nicht untereinander geschieden?« - also wie zuvor, aber im medialen Sinn, bzw. sogar separare. (c) »Habt ihr nicht Unterscheidungen in euren Köpfen (minds) vorgenommen?« - wie vorher, aber als inneres Geschehen, (d) »Habt ihr nicht in euch selbst gezweifelt?« - dubitare als innerlicher Vorgang. - Eine Klärung ergibt sich am ehesten aus dem sachlich analogen V. 4b: die Adressaten haben sich im übertragenen S i n n - zu Richtern gemacht, und zwar »der bösen Überlegungen«. Der Gen. JTOVTJQCOV ist qualifizierend : die »Richter« haben sich von üblen Motiven leiten lassen. Als öia^oyiauoi können sogar die gerichtlichen Entscheidungen direkt bezeichnet werden. Jedenfalls sind die Gedanken der »Richter« böse, verdorben. Jak wählt forensische Sprache, obwohl der Fall doch »nur« von gesellschaftlichen Diffe renzierungen zu handeln scheint. Aber eben in der Zusammenfugung dieser beiden Sinnlinien, (Un-)Höflichkeit und Gericht, liegt die Pointe: Faktisch kommt solche Behandlung von Menschen einem Gerichtsurteil gleich. Auch kontextuell ist die Sinnlinie »Ungleichbehandlung vor Gericht« dominant, wie die Reprise von V. 1 in V. 9 zeigt, signalisiert JToa(j0JToA,r]u/i|na doch vor allem den forensischen Kontext. Hier entsteht der Konflikt mit dem »königlichen Gesetz« (V. 8, aus Lev 19,18) und dem »Gesetz der Freiheit« (1,25; 2,12). Ebenfalls juridisch geprägt sind V. 6b. 12 f. Jak will also mit V. 4 die Bewertung des Casus keineswegs abschließen; vielmehr zielt er kon textuell auf das theologische Selbstverständnis der Adressaten und konfrontiert sie 80
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S o J o h n s o n , Leviticus. Vgl. Einleitung § 5 , 1 .
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S c h n i d e r , D a v i d s , S c h r ä g e , V o u g a z. S t . , D a u t z e n b e r g : E W N T I 7 3 3 . 81 D i b e l i u s , K E K 1 7 0 . 8 2
Laws, C o m m e n t a r y 102.
8 3
V g l . H e l d ; R o p e s z. S t . S c h n i d e r 5 9 h ä l t d a s für m ö g l i c h . E b e n s o XQITT|C; in 4 , 1 1 f.; 5 , 9 , b e i d e m a l m i t B e z u g a u f G o t t . Evtl. ein S e m i t i s m u s ( D i b e l i u s , K E K 1 7 0 ) ; ä h n l i c h L k 1 8 , 6 . K e i n e s f a l l s liegt ein G e n . o b i e c t i v u s v o r ( R i c h ter ü b e r b ö s e G e d a n k e n ) .
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6 V g l . S i r 2 7 , 5 ; P T e b t 2 7 , 3 5 ; P L e i d B I 1 3 ; s. G o t t l o b S c h r e n k : T h W N T II 9 7 f. - A i a X o Y i o y ö g k a n n i m G r i e c h i s c h e n ( a u c h in d e r L X X ) p o s i t i v e w i e n e g a t i v e Q u a l i t ä t b e s i t z e n ; i m N T ist es w e i t h i n n e g a t i v g e b r a u c h t , z. B . M k 7 , 2 1 p a r . ; L k 2 , 3 5 ; 5 , 2 2 ; 6 , 8 ; 9 , 4 6 f.; R o m 1 , 2 1 ; I K o r 3 , 2 0 ; Phil 2 , 1 4 ; l T i m 2 , 8 .
165
2,4-5
mit dem ihnen bevorstehenden göttlichen Gericht. - Die Interpretation von V. 4a ergibt sich also aus dem Kontext. Von »Zweifeln« (öiaxQiveaGai als dubitare) ist in 2,1 ff. nicht die Rede. ? Vielmehr geht es hier um discrimen facere und iudicare zugleich: Unterscheidungen vornehmen, Menschen bewerten und beurteilen. Analog zu »böse Gedanken« wird ev eauxolc; »bei euch selbst« meinen, obwohl ein »unter euch« nicht ausgeschlossen ist. 5 Als Ganzes ist V. 5 eine zu bejahende rhetorische Frage. Die Anrede »meine geliebten Brüder« (so nur noch 1,16.19) und der Ruf zum Hören (so nur hier) verleihen ihr Nachdruck, geradezu »etwas dringend Beschwö rendes« . Jak zielt auf Einverständnis aufgrund der gemeinsamen religiösen Basis. Kontextuell betrachtet, fügt er dem Vorwurf der Ungleichbehandlung (V. 2-4) die Sonderstellung der Armen hinzu. Das geschieht fast exkurshaft; auch ohne V. 5 blie be der Gedankengang sinnvoll. Statt dessen holt Jak in V. 5 recht weit aus; die Aussa ge scheint ihm bedeutsam zu sein. Subjekt im Haupt- und Relativsatz ist Gott, im Partizip am Schluß sind es Menschen. Die inhaltliche Füllung des Hauptsatzes ergibt sich aus drei Akkusativ-Objekten, die ihrerseits durch (ev +) Dativ- bzw. GenitivAngaben qualifiziert werden. Der Vers enthält eine Reihe inhaltsschwerer Begriffe: Erwählung, Arme/Reiche, Welt, Glaube, Erbe, ß a a i l e i a , Verheißung, Liebe zu Gott. Jak greift somit tief in den theologischen Traditionsvorrat. Worauf will er bei dieser Fülle primär hinaus? - Hinsichtlich Zeitangaben, Empfängern und »Zuwendung« besteht Erläuterungsbedarf. (1) Die Aussagen beginnen in der Vergangenheit (»er erwählte«, Aor.), zielen zunächst anscheinend auf die Gegenwart (»Reiche im Glau ben«), lenken dann aber in der Sache offenbar in die Zukunft über (»Erben der Herr schaft«, »die er verhieß«), konditioniert durch ein Präsens-Partizip (»die ihn lieben«). (2) Hinsichtlich der Empfänger stehen zwei Aussagen nebeneinander: Einerseits beschenkt der erwählende Gott die Armen; andererseits verheißt er die Herrschaft »denen, die ihn lieben«. Wer also ist letztlich Empfänger des göttlichen Segens: die Erwählten, die Armen oder die Gott Liebenden? (3) Auch hinsichtlich der Zuwen dung durch Gott gibt es mehrere Faktoren: Die Armen sollen »reich im Glauben« sein sowie »Erben des Reiches«, das denen »verheißen« ist, die ihn lieben. Wer also empfängt wann was? - Daß sich Gott der Armen und Elenden als Helfer annimmt, ist feste Tradition in Judentum und Christentum. In der Tradition der sog. Armen frömmigkeit gehen dabei die Begriffe »arm« und »fromm« weithin ineinander über, insofern als der Arme, Elende, Bedrängte sein Vertrauen ganz auf Gott richtet. Als 8
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D a ß in 1,6 d a s W o r t ein Z w e i f e l n m e i n t , ist für 2 , 4 n i c h t a u s s c h l a g g e b e n d (»zweifeln« a u c h M k 1 1 , 2 3 par.; A p g 1 0 , 2 0 ; 1 1 , 1 2 ; Rom 4 , 2 0 ; 1 4 , 2 3 ) . A b e r a u c h » U n t e r s c h i e d e m a c h e n « k o m m t i m N T v o r ( M t 1 6 , 3 ; A p g 15,9; I K o r 11,29; J u d 2 2 ) , dgl. »beurteilen, richten« ( I K o r 6,5; 1 1 , 3 1 ; 1 4 , 2 9 ) , »bevorzugen« ( I K o r 4 , 7 ) , » s t r e i t e n « ( A p g 1 1 , 2 ; J u d 9 ) . » Z w e i f e l n « ist also k e i n e s w e g s der ntl. G e b r a u c h ( m i t D i b e l i u s , K E K 1 6 9 , g e g e n R o p e s u. a . ) .
8 8
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 9 0 . V g l . a u c h F e l d e r 5 6 ff.; Phifer 2 8 2 n o t i e r t als A u s r i c h t u n g d e s J a k : » D i e R e i c h e n
8
S o D t n 2 6 , 7 ; Ps 9 , 1 9 ; 1 0 , 1 4 . 1 7 ; 1 8 , 2 8 u. a.; J e s 1 1 , 4 ; 2 5 , 4 ; J e r 2 2 , 1 6 ; L k 4 , 1 8 f.; 6 , 2 0 par.; 7 , 2 2 par.; I K o r
u n d die A r m e n werden von den grenzenlosen Möglichkeiten Gottes umfaßt«. 9
1,26-28. 90 Ps 9 , 1 0 - 1 9 ; 1 0 , 2 ff.; 3 4 , 5 ff; 3 7 , 1 4 ff. u. a. D e r A r m e w i r d m i t d e n H e i l i g e n gleichgesetzt: P s S a l 5 , 2 . 1 1 ; 10,6; 1 5 , 1 ; 18,2. Eine der Selbstbezeichnungen der Q u m r a n - G e m e i n s c h a f t lautet » G e m e i n d e der A r m e n « ( 4 Q p P s 3 7 I I I 1 0 f ) . V g l . ferner i m N T G a l 2 , 1 0 ; I K o r 1 6 , 1 ; 2 K o r 8,4; 9 , 1 ( H e i l i g e ) . M u ß n e r , J a k o b u s brief 7 0 , spricht v o m »Idealtyp des F r o m m e n « .
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IV. G l a u b e , L i e b e , T a t e n
»arm« gelten sie lt. Jak »der Welt«; TÜ) xoofxco dürfte dativus modi bzw. ein Dativ der Beziehung sein (vor bzw. gegenüber der Welt). Singular ist jedoch die Aussage, daß Gott die Armen »erwählt« hat. Die nächste Parallele bietet IKor 1,27 f.: »Gott erwählte das Törichte, Schwache, Unedle der Welt, das Verachtete und das Nicht Seiende«. Die atl., jüd. und frühchristliche Tradition weiß von der Erwählung des Kleinen (Israel: Dtn 5,6-8; 9,5 f.; Bethlehem: Mi 5,1 ff.; David: l S a m 16) sowie von der Erhöhung der Niedrigen und der Verstoßung der Reichen (Ps 147,6; 2Sam 22,28; Lk 1,52). Jak rezipiert die Tradition, die von Gottes besonderer Zuwendung zu den Elenden spricht; kontextuell ist ihm das als Argument gegen das gemeindliche Verhalten wichtig. Jak denkt aber nicht an eine exklusive Erwählung der Armen; denn das würde die Adressaten von allen genannten Verheißungen ausschließen. Wie in 1,12 gilt die Verheißung vielmehr »denen, die ihn lieben« - ebenfalls eine über kommene Wendung (s. bei 1,12). »Arme vor der Welt« kann somit nur im Sinn der »Armen-Frömmigkeit« gemeint sein. Weder werden alle im sozio-ökonomischen Sinn Armen quasi automatisch reich im Glauben, noch ist »die Armen« ein Gleichname für »Christen«. Entscheidend ist vielmehr die Liebe zu Gott. - Jak begnügt sich nicht damit zu sagen, daß Gott die Armen erwählte, und sei es wie in IKor 1,27 f. gleichsam aus Ingrimm über die Weisen, Starken usw. Auch verweist er nicht wie M t 6,19 f. auf ein »Schätze sammeln im Himmel«. Vielmehr zielt die Erwählung auf ein »reich sein im G l a u b e n « . Damit ist nicht eine Entschädigung für entgangenen irdi schen Wohlstand gemeint. Vielmehr ist das gläubige Vertrauen das einzige, was diese Armen haben; ihr Reichtum besteht in ihrem G l a u b e n . Das ev ist wohl lokal zu ver stehen. Wer ihnen dieses Kapital nimmt, versündigt sich in besonderem Maße (vgl. Mk 9,42 par. M t 18,6: »einen der Kleinen, die auf mich vertrauen, zu Fall bringen«). IIiOTig trägt hier (wie auch in 1,6; 5,15) den Akzent »Vertrauen«, hoffnungsvolle Zuwendung. In Umkehrung der Verhältnisse in der Welt gilt solch eine Existenz, die einzig vom totalen Gottvertrauen getragen wird, als ein Privileg; die Erwählung ist eine Auszeichnung. Jak wertet Jttätig als »Vertrauen auf Gott« hoch. Im vorliegen den Fall geht es nicht darum, daß diese Menschen (qua Subjekt) auch »Werke haben« (s. 2,14 ff.), sondern es geht um die Wertschätzung von Menschen (qua Objekt), die außer ihrem Elend nur Gottvertrauen haben. - »Erben der Basileia«: Jak verwendet beide Wörter nur hier. »Verheißen« erscheint noch 1,12, auch dort verbunden mit »denen, die ihn lieben«. Das Motiv »erben«, biblisch ursprünglich in der Landverhei91
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9 1
V g l . B - D - R § 1 9 7 f. Z u » a r m v o r d e r W e l t « vgl. 2 K o r 1 0 , 4 ; A p g 7 , 2 0 . G e g e n » a r m a n w e l t l i c h e m B e s i t z «
9 2
V g l . S c h l a t t e r , B r i e f 1 6 9 ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 9 1 f.
s p r i c h t d e r G e g e n s a t z »reich i m G l a u b e n « ( D i b e l i u s , K E K 1 7 1 ) . 9 3
In d e r S a c h e ä h n l i c h w i e M t 5,3 bei d e n J I T C O / O I Jtvei>|xaTi (vgl. d a z u P o p k e s , G e r e c h t i g k e i t s t r a d i t i o n
18).
V g l . T e s t j u d 2 5 , 4 : i m R e i c h G o t t e s w e r d e n d i e u m d e s H e r r n w i l l e n A r m e n reich g e m a c h t w e r d e n (jrccoxoi j r X o i m o 0 r | O O V T a i ) . D i e Stelle fehlt a l l e r d i n g s in d e r a r m e n i s c h e n V e r s i o n ; vgl. E . B a m m e l : T h W N T V I 895. 9 4
V g l . Schlatter, B r i e f 169; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 120; Schnider 5 9 . D i e A r m e n sind nicht besonders reich an Glauben.
Etwas anders H a u c k ,
B r i e f 100f.: B e s i t z e r
innerer Kräfte u n d
Güter. -
Die
Akkusative
jtXouoio'ug u n d X X T J Q O V Ö U O U C ; h a b e n f i n a l e n bzw. k o n s e k u t i v e n S i n n ( d a m i t bzw. a u f d a ß sie s e i e n . . . ) , n i c h t e t w a k a u s a l e n ( d a n n h ä t t e G o t t d i e A r m e n e r w ä h l t , weil sie r e i c h a n G l a u b e n u n d E r b e n d e s R e i c h e s sind). 9 5
D i b e l i u s , K E K 1 7 1 : » i m G l a u b e n « e n t s p r i c h t ev
9 6
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 9 1 : d e n R e i c h e n ist e i n e s o l c h e E r f a h r u n g n i c h t m ö g l i c h .
XQIOTCÜ.
167
2,5-6a 97
ßung zuhause (Ex 32,13; N u m 26,52 ff. u. a.), wurde bereits im Judentum und verstärkt im Christentum spiritualisiert und eschatologisiert. »Das Reich Gottes (nicht) erben« findet sich im N T als Verheißung (Mt 25,34) wie auch als Warnung bzw. Abgrenzung (IKor 6,9.10; 15,20; Gal 5,21). Auch Jak kann nur das »Reich Gottes« meinen; die Formulierung »das Reich (Gottes) erben« ist bereits abgeschliffen. Die im N T außerhalb der Synoptiker seltene Verwendung von »Reich Gottes« ist in der Tauf-Paränese verwurzelt. »Erbe« ist unmittelbar mit »Gottes-Kindschaft« verbunden. Erbe-Sein ist ein Recht des Kindes; der Erbe (bzw. die Erbin) hat Teil an der »Besitzgemeinschaft« der familia Dei. Die Verheißung hat eschatologische Qualität; aber das Erbe-Sein bezeichnet ein bereits gegenwärtiges Statusrecht. - Die beiden Aoriste »(Gott) erwählte, verhieß« sind zeitlich nicht näher fixiert. Sie sind als komplexive Aoriste aufzulösen: Gott hat das so statuiert (ebenso 1,12). Bei Gott ist das keine Frage der Zeitmessung; er reagiert nicht sekundär; seine Regelungen stehen längst fest. 6a Der kurze Satz ist zugleich Aussage wie Urteil. Er bezieht sich sowohl auf den Casus V. 2-4 als auch auf die Ausführung von V. 5. Der »Arme« (V. 2. 3.5.6) ist nicht nur der erwähnte Besucher, sondern (wegen V. 5, Plur.) auch generisch der von Gott Erwählte. Den Kontrast zu V. 5 markiert der Anfang »Ihr jedoch«. Das Verhalten der »geliebten Brüder« steht im krassen Gegensatz zu Gottes Handeln. Der Aor. »ihr entehrtet« bezieht sich zunächst auf den geschilderten Casus (aoristus historicus); durch die Verbindung mit V. 5 erhält er aber grundsätzlichen, nahezu gnomischen Charakter. 3 - Inmitten der sonst primär juridischen Sprachwelt des Kontextes (s. zu V. 1.4.5b.8 ff.) wechselt Jak jetzt in ein anderes Sinn-Paradigma über, nämlich das von Ehre und S c h a n d e . Das entspricht dem Casus von V. 2-4, der aber zunächst (V. 4 f.) rechts-terminologisch interpretiert wurde. Abgesehen von 5,7 (»kostbare Frucht«), verwendet Jak den Wortstamm TUA- nur hier. Der semantische Gehalt von diiud^ü) ist klar: entehren, nicht wertschätzen, der Schande preisgeben. 5 In der Bezugnahme auf die Armen steht Jak in alter jüdischer, primär weisheitlicher 98
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97 J o h a n n e s H . F r i e d r i c h : E W N T II 7 3 7 f. 9 8
V g l . Ps 1 6 , 5 £ ; ä t h H e n 3 9 , 4 ff. H ä u f i g b e g e g n e t d i e W e n d u n g » d a s e w i g e L e b e n e r b e n « : ä t h H e n 4 0 , 9 ; M k 1 0 , 1 7 parr.; L k 1 0 , 2 5 u. a.; I P e t r 1,4; H e b r 1,14; 6 , 1 2 u. a. A l s E r b e e r s c h e i n e n ferner: H e r r l i c h k e i t , L e b e n s k r a n z u. a.; s. Rom 8 , 1 7 ; G a l 3 , 2 9 ; 4 , 7 ; T i t 3 , 7 ; I P e t r 1,4.
99 S o J o h 3 , 3 . 5 ; Rom
1 4 , 1 7 ; I K o r 4 , 2 0 ; 6,9f. V g l . G ü n t e r H a u f e , R e i c h G o t t e s bei P a u l u s u n d in d e r J e s u s -
t r a d i t i o n : N T S 3 1 ( 1 9 8 5 ) 467-472; K a r l D o n f r i e d , T h e K i n g d o m o f G o d in P a u l , in: W. W i l l i s ( H g . ) , T h e K i n g d o m o f G o d in 2 0 t h - C e n t u r y I n t e r p r e t a t i o n , P e a b o d y 1 9 8 7 , 1 7 5 - 1 9 0 ; G . J o h n s o n , » K i n g d o m o f G o d « S a y i n g s in P a u l s E p i s t l e s , in: F r o m J e s u s to P a u l ( F S F. W. B e a r e ) , 1 9 8 4 , 1 4 3 - 1 5 6 ; P o p k e s , A d r e s s a ten 1 2 1 . 1 4 1 . 100 V g l . A d r i a n S c h e n k e r , G o t t als V a t e r - S ö h n e G o t t e s . E i n v e r n a c h l ä s s i g t e r A s p e k t einer b i b l i s c h e n M e t a p h e r : F r Z P h T h 2 5 ( 1 9 7 8 , 3 - 5 5 ) 2 6 f.; a u c h in: d e r s . , T e x t u n d S i n n i m A l t e n T e s t a m e n t . T e x t g e s c h i c h t l i che u n d bibeltheologische Studien, F r i b o u r g / G ö t t i n g e n 1 9 9 1 , 1-53. 1 0 1
S c h e n k e r , F r Z P h T h 18
ff25
ff;
H a n s D o m b o i s , E v a n g e l i u m u n d soziale S t r u k t u r e n , W i t t e n ( L u t h e r )
1967, 28-33. 1 0 2
1 0 3
1 0 4
A n d e r s d a g e g e n e t w a T i t 1,2 » v o r e w i g e n Z e i t e n v e r h e i ß e n « . Dibelius, K E K 172. Ä h n l i c h I K o r 1 1 , 2 2 : Ihr b e s c h ä m t d i e , d i e n i c h t s h a b e n .
105 V g l , P l a t o , P h a i d o n 1 0 7 b ; X e n o p h o n K y r o p a i d 1 , 6 , 2 0 . - I m N T s. M k 1 2 , 3 - 5 parr. n e b e n v e r p r ü g e l n , a u f s H a u p t s c h l a g e n , j a töten; Rom 1 , 2 1 - 2 4 : d i e V e r w e i g e r u n g d e r E h r u n g G o t t e s f ü h r t z u r E n t e h r u n g d e s e i g e n e n S o r n a ; 2 , 2 3 : G e s e t z e s ü b e r t r e t u n g e n e n t e h r e n G o t t ; A p g 5 , 4 1 : in d e r V e r f o l g u n g w e r d e n C h r i s t e n » u m des N a m e n s willen« entehrt.
168
IV. G l a u b e , L i e b e , T a t e n .,
Tradition. »Wer die Bedürftigen entehrt, der sündigt; selig aber ist, wer sich der Armen erbarmt« (Prov 14,21); ja, »wer dem Bedürftigen Gewalt antut, versündigt sich an dem, der ihn geschaffen hat. Wer ihn (Gott) aber ehrt, erbarmt sich des Armen« ( 1 4 , 3 1 ) . Eine Entehrung muß nicht immer Gewaltzufügung implizieren; wie der Casus hier zeigt, steht im Zentrum die Mißachtung der Menschenwürde, zumal die des Schutz bedürftigen - ganz im Gegensatz zu Gottes Einstellung. 6b-7b Gegenüber V. 6a dreht Jak die Subjekt-Objekt-Beziehung um. Er sagt nicht »... aber die Reichen hofiert ihr!« Vielmehr wird jetzt betrachtet, was die Reichen den Adressaten (nicht: den Armen) antun. Ebenfalls wechselt das Tempus; das Präsens (vorher Aor.) deutet auf ein ständiges Ergehen. Angesprochen wird die Erfahrung der Adressaten; sie kön nen die beiden parallelen rhetorischen Fragen ehrlicherweise nur bestätigen. Von den Reichen ist generell als gesellschaftlicher Schicht die Rede, nicht als konkreten Ein zelpersonen. Erstmals seit 1,10 f. werden sie wieder erwähnt (danach nur noch 5,1); sie stehen in einem merkwürdigen Kontrast zu den »Reichen im Glauben« von V. 5. In V. 6b erscheinen sie als Bedrücker, in V. 7 als Lästerer; V. 6b bewegt sich also auf sozio-ökonomischem und juristischem Feld, V 7 auf religiösem. Die Reichen sind offensichtlich mächtig, ungerecht und u n f r o m m . - In V. 6b werden zwei Handlungen notiert: unterdrücken und vor Gericht schleppen. Hintergrund, U m stände, Art und Weise usw. bleiben unaufgeschlüsselt. Wahrscheinlich sollen beide Handlungen im Zusammenhang verstanden werden; die Terminologie legt die Vor gänge jedoch nicht näher fest. KaxabvvaoxevEiv besagt »mit Gewalt niederdrüc ken«; in sozial-ethischer Bedeutung im N T nur h i e r . Der Ausdruck ist besonders aus der atl.-prophetischen Sozialkritik bekannt (Unterdrückung der Rechtlosen und Armen: Dtn 24,7; Jer 7,6; 22,3; Ez 18,12; 22,7.29; A m 4,1; 8,4; Hab 1,4; Sach 7,10; Mal 3,5; Weish 2,10; 1 7 , 2 ) . Verschiedene Formen ungerechter Machtausübung können impliziert sein; »die Reichen« deutet hier zunächst auf wirtschaftliche Macht. Denkbar sind somit Wucher, überhöhte Preise, Hungerlöhne (vgl. 5,4), Verdrän gung, Übervorteilung, Schulden, Repressalien u. dgl. - »Vor Gericht schleppen« (im N T ähnlich noch Apg 16,19) impliziert zunächst ein kraftvolles, gewalttätiges, über mächtiges »Ziehen und Z e r r e n « . Immerhin wird nicht einfach nur nackte Gewalt ausgeübt, sondern Gewalt in formal-rechtlicher Gewandung. Eig XQixr|Qia wird hier »vor Gerichtshöfe« heißen, denn die andere Bedeutung »Rechtssache, Rechtshan106
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n o c h Prov 2 2 , 2 2 : » B e r a u b e n i c h t d e n B e d ü r f t i g e n - a r m , w i e er ist, u n d e n t e h r e n i c h t d e n S c h w a c h e n
in d e n T o r e n « . A b g e s c h w ä c h t bei Sir 1 0 , 2 3 : » E s ist n i c h t g e r e c h t , d e n v e r s t ä n d i g e n A r m e n z u e n t e h r e n ; u n d es g e z i e m t sich n i c h t , e i n e n s ü n d i g e n M a n n z u v e r h e r r l i c h e n « . L t . R o m 8 , 3 0 ; L k 1 5 , 7 2 g e h ö r e n z u r Wiederherstellung des Verlorenen auch Ehre u n d W ü r d e . 1 0 7
1 0 8
F e l d e r 5 9 n o t i e r t die W i c h t i g k e i t d e r P e r s o n a l p r o n o m i n a . » O l J t l o i J O i o i . . . ist v e r b r e i t e t e , oft g e r i n g s c h ä t z i g e G r u p p e n b e z e i c h n u n g « . S i e g e h e n a b e r n i c h t als G r u p p e g e g e n d i e A d r e s s a t e n v o r ( B u r c h a r d , H N T z. S t . ) .
1 0 9
F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 9 4 , b e m e r k t z u t r e f f e n d : D i e R e i c h e n v e r h a l t e n s i c h leider s t a t u s s p e z i f i s c h . - B o g g a n 2 6 6 f. m e i n t , J a k w e n d e sich n i c h t s o sehr g e g e n d i e R e i c h e n als g e g e n d i e G e m e i n d e l e i t e r . W i e in 5 , 1 - 6 w ü r d e n d i e R e i c h e n n i c h t als s o l c h e verurteilt, s o n d e r n w e g e n spezifischer V e r g e h e n . E h r h a r d t 4 3 5 ff", ver gleicht zu 2,5 u n d 5,1 A p k 3 , 1 7 .
1 1 0
S o n s t noch A p g 10,38: d u r c h den Teufel.
1 1 1
V g l . Felder, Partiality 5 8 f.
1 1 2
V g l . A l b r e c h t O e p k e : T h W N T II 5 0 0 f.
1
!3 Weitere A n g a b e n bei B a u e r - A . 9 2 0 .
169
2,6-7b
del« ergibt wenig Sinn. Die Reichen wollen also ihr vermeintliches Recht gerichtlich erzwingen. Denkbar sind zivil- wie strafrechtliche Prozesse. Woran nun Jak denkt, ist allenfalls aus dem weiteren Horizont abzuleiten. Völlig unwahrscheinlich ist ein primär innerjüd. Geschehen, d. h. reiche (!) Juden hätten Christen vor die örtlichen jüd. Schiedsgerichte g e b r a c h t . Die Juden waren in der Regel eher arm und in solchen Angelegenheiten tolerant, abgesehen von Lehrstreitigkeiten. Im Hintergrund dürfte auch nicht das Jesus-Wort M k 13,9 ff. (um Jesu willen den Gerichten überantwortet und in den Synagogen geschlagen, vor Fürsten und Könige gestellt werden) stehen; denn dort ist von Machenschaften der Reichen keine Rede. Nichts deutet ferner auf Steuereintreiber aus dem Ritterstand (s. o. zu V. 2 ) . 7 Näher liegen Verhältnisse wie in Apg 16,19 ff; 19,23 ff; die Beeinträchtigung von Geschäftsinteressen führte stellenweise zu Anklagen vor G e r i c h t . Allgemeiner sind die Angaben in l T i m 6,1; IPetr 3,16; 4,4: Christen sahen sich Verleumdungen als angebliche Übeltäter ausgesetzt. Diese Interpretationen gehen vom Verhältnis »Nichtchristen contra Christen« aus. Innerchristlich käme als Parallele IKor 6,1 ff. in Betracht: Christen gehen gegeneinander vor G e r i c h t . Die Frage, ob mit »den Reichen« überhaupt bzw. auch Christen gemeint sein können, kann erst bei V. 7 erörtert werden. V. 6b appelliert an eine allgemeine Erfahrung seitens der Adressaten, daß ein MachtSchwäche-Verhältnis rücksichtslos gegen sie ausgenutzt wird. Das Verb ßA,aoqpr)U£iv (V. 7) gestattet einigen Interpretationsspielraum: üble Nachrede, in Verruf bringen, verhöhnen, verspotten, schmähen bis hin zur Lästerung im Sinn der religiösen Herabwürdigung. Objekt ist der »gute Name, der über euch ausgerufen wurde«. Im A T und Judentum läßt die »Ausrufung des Namens (sc. Gottes)« jemanden bzw. etwas zum Eigentum (Gottes) werden: Gottes Volk, andere Per114
115
116
n
118
119
120
1 1 4
B u r c h a r d , H N T z. S t . : » . . . d a ß sie einzeln a r m e V e r w a n d t e , K l i e n t e n , S k l a v e n , T a g e l ö h n e r (s. 5 , 4 ) , M i e t e r , S c h u l d n e r , Bittsteller, vielleicht s c h w ä c h e r e K o n k u r r e n t e n k u r z halten u n d s c h i k a n i e r e n , j e d e n f a l l s n i c h t u n t e r s t ü t z e n « . - I m r ö m i s c h e n R e c h t s s y s t e m d a m a l s w a r es für L e u t e g e r i n g e r e n S t a n d e s g a r n i c h t m ö g l i c h , e i n e n Prozeß g e g e n H ö h e r g e s t e l l t e einzuleiten; m a n wollte d a m i t d e n R e s p e k t g e g e n ü b e r letzteren w a h r e n ( B r u c e W. W i n t e r , After Paul Left C o r i n t h . T h e I n f l u e n c e o f S e c u l a r E t h i c s a n d S o c i a l C h a n g e , G r a n d R a p i d s [ E e r d m a n s ] 2 0 0 1 , 5 8 - 6 0 ) . I n s o f e r n b e l e u c h t e t J a k 2 , 6 n u r d i e potentielle » N o r m a l i t ä t « . V g l . M a x Käser, D a s 2
r ö m i s c h e Privatrecht. I. D a s a l t r ö m i s c h e , d a s v o r k l a s s i s c h e u n d d a s klassische R e c h t , M ü n c h e n ( B e c k ) 1 9 7 1 , § § 2 0 ( 8 3 - 8 5 ) u n d 6 5 ( 2 7 5 - 2 7 9 ) zur nicht g e g e b e n e n bzw. e i n g e s c h r ä n k t e n H a n d l u n g s f ä h i g k e i t v o n U n m ü n d i g e n , F r a u e n u. a.; § 6 7 ( 2 8 3 - 2 8 9 ) zur rechtlichen S t e l l u n g der S k l a v e n . 1 1 5
G e g e n M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 2 2 ; H i e b e r t , E p i s t l e 1 6 0 ; A d a m s o n , E p i s t l e 1 1 0 f.
1 1 6
Vgl. Terence L . D o n a l d s o n , Zealot a n d Convert: T h e O r i g i n o f Pauls Christ-Torah Antithesis: C B Q 51 ( 1 9 8 9 ) 6 5 5 - 6 8 2 . - D a ß m a n c h e reiche G ö n n e r u n d B e s c h ü t z e r (als » G o t t e s f ü r c h t i g e « ) v o n d e n J u d e n z u d e n C h r i s t e n überliefen, weist a u f d i e ö k o n o m i s c h e u n d rechtliche N i e d r i g s t e l l u n g d e r S y n a g o g e n hin.
1 1 7
G e g e n L a w s , C o m m e n t a r y 1 0 4 f. - Z u m Zollwesen vgl. Fritz H e r r e n b r ü c k , J e s u s u n d d i e Zöllner. H i s t o r i s c h e
1 1 8
V g l . J o a c h i m M o l t h a g e n , D i e ersten K o n f l i k t e der C h r i s t e n in der g r i e c h i s c h - r ö m i s c h e n Welt: H i s t o r i a 4 0
1 1 9
D a s w i r d e r w o g e n bei L a w s , C o m m e n t a r y 1 0 4 f.; Polhill, P r e j u d i c e . - E s ist freilich k e i n e s w e g s sicher, d a ß
u n d neutestamentlich-exegetische U n t e r s u c h u n g e n ( W U N T II 4 1 ) , T ü b i n g e n ( M o h r ) 1 9 9 0 , speziell K a p . 3 - 6 . ( 1 9 9 1 ) 4 2 - 7 6 ; Dibelius, K E K 174. I K o r 6 ein V o r g e h e n g e g e n A r m e (so e t w a A . C . M i t c h e l l , R i e h a n d P o o r in the C o u r t s o f C o r i n t h : L i t i g i o u s n e s s a n d S t a t u s in 1 C o r i n t h i a n s 6 . 1 - 1 1 : N T S 3 9 [ 1 9 9 3 ] 5 6 2 - 5 8 6 ) w i d e r s p i e g e l t ; vgl. a u ß e r d e n K o m m e n t a r e n : J . D . M . D e r r e t t , J u d g e m e n t a n d 1 C o r i n t h i a n s 6: N T S 3 7 ( 1 9 9 1 ) 2 2 - 3 6 ; B r u c e W. Winter, C i v i l L i t i g a t i o n in S e c u l a r C o r i n t h a n d the C h u r c h . T h e F o r e n s i c B a c k g r o u n d to 1 C o r i n t h i a n s 6 . 1 - 8 : N T S 3 7 (1991) 559-572. 1 2 0
H e r m a n n W o l f g a n g Beyer: T h W N T I 6 2 0 - 6 2 4 . D o r t 6 2 1 , 1 3 ff. b e s o n d e r s z u m W o r t f e l d bei Philo. » L ä s t e r u n g « findet sich a u c h in urchristlichen L a s t e r k a t a l o g e n ( K o l 3 , 8 u. a.).
170
IV.
Glaube, Liebe, Taten
sonen, Tempel usw.: Dtn 28,10; 2 K ö n 8,43; Jes 43,7; Jer 14,9; 15,6; A m 9,12; 2Chr 7,14; 2Makk 8,15; PsSal 9,9 u. a. Im N T erscheint die Formulierung nur hier. Zu meist deutet man Jak 2,7 christologisch-tauftheologisch (getauft »auf den Namen«, wo der Name Jesu ausgerufen w u r d e ) . H . Frankemölle hält dem entgegen, daß das zwar möglich, aber nicht gesichert sei; der »Name (des Herrn«) sei in 5,10.14 der Gottes; auch 1,18.21 sei theozentrisch. Trotz dieser Bedenken dürfte die Qualifizie rung naXöv auf den Namen Christi hinweisen. Der N a m e Jesu (Christi) wurde lt. Apg 2,38; 8,16; 10,48; 19,5 (vgl. M t 28,19) bei der Taufe e r w ä h n t . Gewiß, »guter Name« könnte auf eine jüd. Umschreibung des Gottes-Namens zurückgehen ; im christlichen Kontext legt sich jedoch der Christus-Name unmittelbar nahe. Das bele gen auch ähnliche Wendungen mit (ejri)xaA,eiv bei HermS 8,1,1 (=67,1); 8,6,4 (=72,4); 9,14,3 (=91,3); vgl. 9,12,4.8 (=89,4.8); 9,13,2 f. (=90,2 f.) u. a. Der Name Jesu Christi war für die Christen nicht nur Zentrum der Heilserfahrung (wie Apg 4,12.17 f.; 5,28), sondern wurde auch zum Grund von Haß, Verwerfung und Verfol gung seitens der Umwelt (Mt 10,22; Lk 6,22; 21,12; IPetr 4,14.16). Der Name Christi gewann dabei zunehmend Identitäts-bildenden und emotionalen Wert. In der Form Xoioxiovög (Apg 11,26; 26,28; 1 Petr 4,16) wurde er im Laufe der Zeit gefährlich im Sinn der Anklage um des nomen ipsum willen (PlinJ, ep. 96-97; evtl. auch IPetr 4,16). Das ist jedoch bei Jak nicht der H i n t e r g r u n d ; denn Spuren staat licher Verfolgung fehlen; die Reichen lästern den Namen, nicht werden die Christen um des Namens willen angeklagt. - Welches spezielle Interesse freilich hätten die Rei chen an solcher Lästerung? Wollten sie die Christen als religiöse Gruppe diffamieren, um sie leichter ausbeuten zu können? Muß man jedoch davon ausgehen, daß es sich um reiche Nichtchristen handelt, die über den christlichen Glauben in irgendeiner Weise spotteten? Wären die Reichen selbst Christen, würden sie den »guten Namen« selber tragen und ihn durch ihr »unsolidarisches« Verhalten zum Spott m a c h e n , also etwa wie in IKor 6,1 ff. gemeint. Allerdings bleibt dann unerklärt, weshalb Jak sie nicht direkt anspricht; das eqp i>[xäg scheint das ouxoi nicht zu inkludieren, wie auch das deutliche Gegenüber der beiden Gruppen in V. 6b belegt. Die Frage »Sind die Reichen Christen oder nicht?« sollte aber noch aus anderer Perspektive beleuchtet werden. Welche Funktion hat V. 6b.7 im Kontext? Weshalb wird überhaupt auf das üble Verhalten »der Reichen« hingewiesen? Wozu dient der recht pauschale Angriff auf eine Personengruppe? Nur hier (V. 5-7) operiert Jak expressis verbis mit dem Gegenüber »Arme/Reiche«. Beide werden wiederum von den Adressaten unterschie den, wie die Pronomina zeigen. Das mag soziologisch verständlich sein, erzeugt aber Probleme bei der religiösen Zuordnung. Wenn V. 5 nicht-exklusiv zu verstehen ist 121
122
123
124
125
126
3
1 2 1
S o z. B . D i b e l i u s , K E K 1 7 5 ; M u ß n e r , T a u f l e h r e 6 2 . - D i e A u s r u f u n g d e s N a m e n s C h r i s t i w ü r d e d i e B e s i t z e r g r e i f u n g d u r c h i h n s i g n a l i s i e r e n (vgl. Rom 6 , 1 1 ff.).
1 2 2
Frankemölle, Ö T K 3 9 6 - 3 9 8 .
1 2 3
P a u l u s ist d a r i n z u r ü c k h a l t e n d e r ; vgl. I K o r 1 , 1 3 . 1 5 ( g e t a u f t elg x o Ö V O L U X ) g e g e n ü b e r I K o r 1 2 , 1 3 ( g e t a u f t eig ev OÖÖLUX bzw. j w e D L i a ) ; G a l 3 , 2 7 u n d Rom 6 , 3 ( g e t a u f t eig X Q I O T O V ['Inocröv]).
1 2 4
B u r c h a r d , H N T z. S t . : » J a k k a n n ... sehr w o h l d e n s c h ö n e n N a m e n G o t t e s (vgl. der k ö n n t e bei d e r T a u f e g e n a n n t w o r d e n s e i n « .
1 2
5 M i t Dibelius, K E K 174.
1 2 6
S o F r a n k e m ö l l e , Ö T K 3 9 5 : J a k w o l l e sie d a v o n a b b r i n g e n .
1 3 4 , 3 ) m e i n e n ... A u c h
2,6-7b
171
(die Verheißungen gelten nicht nur den Armen), kann man das auch für V. 6b.7 reklamieren (auch Christen könnten zu den gefährdeten Reichen gehören). Wahr scheinlich übernimmt Jak den traditionellen Gegensatz »arm/reich«, weil er die Ver werflichkeit, ja auch die Absurdität der JtQOOCOJtoX.n^ia, wie im Casus V. 2 f. darge stellt, daran verdeutlichen will. Die Tradition »arm/reich« führt ihn zu einem kleinen Exkurs in V. 5-7, bevor er alsbald (V. 9) zum Thema JtQOOCOJtoXn^iipLa zurückkehrt. Ansprechpartner ist für Jak durchgehend das »ihr«; deren Verhältnis anderen gegenü ber steht im Zentrum. Trotz V. 5 ist »der Arme« nicht das Thema für Jak, ebensowe nig »die Reichen« in V. 6 f. Insofern ist es eine nebensächliche und letztlich nicht beantwortbare Frage, ob die einen bzw. die anderen Christen sind oder nicht. Die Intention des Jak besteht darin, die Adressaten vor konkreter falscher Lebensausrich tung zu warnen, und zwar in ihrer Behandlung von Menschen, die nicht derselben sozialen Schichtung angehören wie sie selbst.
Vorbemerkungen
zu 2,8-13
(Gedankenführung
und
Hintergrund)
1. G e g e n ü b e r 2 , 1 - 7 wechselt der Stil; statt m i t echten bzw. rhetorischen F r a g e n äußert sich J a k jetzt in l o g i s c h - b e g r ü n d e n d e r u n d feststellender Weise. Z w e i parallelen, aber a n s c h e i n e n d antitheti schen K o n d i t i o n a l s ä t z e n i m Realis (V. 8 f.) folgen zwei B e g r ü n d u n g e n (V. 1 0 . 1 l a ) , d a n a c h ein wei terer » w e n n « - S a t z i m Realis (V. I I b ) u n d eine F o l g e r u n g (V. 12) s a m t B e g r ü n d u n g (V. 1 3 ) . T h e m a t i s c h n e u u n d d e n A b s c h n i t t b e s t i m m e n d ist d a s T h e m a N o m o s (V. 8 . 9 . 1 0 . 1 1 . 1 2 , sonst nur 1,25 u n d 4 , 1 1 ) . E r s t m a l s a u c h w i r d die Schrift ins Spiel gebracht. 2 . D i e V e r b i n d u n g zu 2 , 1 - 7 ist d u r c h d a s T h e m a JtQOöu):jToXr]u/ipia g e g e b e n (V. 1.9). E s liegt eine m e h r als nur lockere S t i c h w o r t v e r k n ü p f u n g vor; vielmehr beleuchtet J a k jetzt die t h e o l o g i s c h e n H i n t e r g r ü n d e der festgestellten Fehleinstellung. D a s einleitende e l j i e v x o i in V. 8 steht k a u m adversativ zu V. 6 a ; d e n n V. 6 a ist bereits selber N e g a t i v p a r t ( ö e ) zu V. 5, u n d dazwischen steht n o c h V. 6 b - 7 . D a s u i v x o i weist also nicht zurück, s o n d e r n v o r a u s a u f V. 9 ( d e ) . D a m i t stellt sich natürlich die F r a g e , w i e s o J a k in V. 8 g e r a d e L e v 1 9 , 1 8 zitiert u n d welchen a r g u m e n t a t i v e n S i n n V. 8 besitzt. Eigenartigerweise zitiert J a k (wie bereits festgestellt) nicht L e v 1 9 , 1 5 , d a s R e c h t s b e u g u n g u n d B e v o r z u g u n g verbietet, also näher gelegen hätte als 1 9 , 1 8 . E s g e h t i h m offenbar u m eine g r u n d s ä t z l i c h e D e b a t t e m i t d e n Adressaten über die Basis ihres H a n d e l n s ; u n d dafür scheint i h m das Z i t a t L e v 1 9 , 1 8 ( N ä c h s t e n l i e b e ) a n g e b r a c h t zu sein. 3. J a k stellt d a s Verhalten der A d r e s s a t e n in die Perspektive der B e u r t e i l u n g , u n d zwar p r i m ä r d u r c h d a s G e s e t z . In forensischer S p r a c h e werden sie als » T ä t e r « m i t d e m » G e r i c h t « konfrontiert. Z w e i m a l heißt es » Ü b e r t r e t e r « (V. 9 . 1 1 ) , zweimal ist v o m » G e r i c h t « die R e d e (V. 1 2 . 1 3 ) . D a z u k o m m e n » S ü n d e t u n « , »überführt w e r d e n « (V. 9 ) u n d » s c h u l d i g sein« (V. 1 0 ) . D e m k o r r e s p o n d i e ren Verben des m e n s c h l i c h e n H a n d e l n s : erfüllen (V. 8 a ) , tun (V. 8 b . 1 2 . 1 3 ) , schaffen (V. 9 ) , halten (V. 1 0 ) , ehebrechen u n d töten (V. 1 1 ) ; d a n e b e n erscheinen je e i n m a l » w e r d e n « (V. 11) u n d »reden« (V. 1 2 ) . - D i e B e u r t e i l u n g s g r u n d l a g e ( N o m o s ) scheint allerdings der K l ä r u n g zu bedürfen. D a r a u f deutet eine m e h r f a c h e Q u a l i f i z i e r u n g v o n » G e s e t z « . In V. 8 ist v o m » k ö n i g l i c h e n G e s e t z « die R e d e , in V. 12 v o m » G e s e t z der Freiheit« (wie 1,25). V. 10 differenziert zwischen »das g a n z e G e s e t z « u n d »eins - alle«, w ä h r e n d V. 9 u n d 11 einfach v o m » G e s e t z « (in V. 9 m i t Artikel, in V. 11 o h n e ) h a n d e l n . Einerseits geht es also u m ein näher gekennzeichnetes G e s e t z , w o b e i » k ö n i g l i c h e s 1 2 7
1 2 8
1 2 9
1 2 7
A n d e r s M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 2 3 ; D a v i d s , E p i s t l e 1 1 4 - 1 1 6 : Ihr h a b t (zwar) d e n A r m e n m i ß a c h t e t , aber w e n n ihr d a s k ö n i g l i c h e G e b o t e r f ü l l t d a n n h a n d e l t ihr g u t . L e v 1 9 , 1 7 h ä t t e evtl. für J a k 2 , 9 gepaßt: d e n B r u d e r zurechtweisen (eX.6YX6iv). i ^ V g l . Martin, W B C 67. 1 2 8
IV. G l a u b e , L i e b e , T a t e n .,
172
G e s e t z « u n d » G e s e t z d e r Freiheit« wahrscheinlich m i t e i n a n d e r sowie m i t L e v 1 9 , 1 8 identisch s i n d . H i e r liegt offenbar d e r S c h w e r p u n k t b e i d e n A d r e s s a t e n , d e n n sie » v o l l b r i n g e n « (xeXeco) dieses G e s e t z (V. 8 ) u n d w e r d e n d a n a c h gerichtet w e r d e n (V. 1 2 ) . A u f der a n d e r e n Seite w i r d b e t o n t : hält m a n d a s g a n z e G e s e t z , d a n n k a n n m a n es nicht n u r auswahlhaft erfüllen (V. 1 0 f . ) . E i n e s o l c h e E r ö r t e r u n g ü b e r d a s G e s e t z u n d seine G e l t u n g w i r d a m ehesten a u f d e m H i n t e r g r u n d d e r früh christlichen G e s e t z e s r e z e p t i o n v e r s t ä n d l i c h . B e k a n n t l i c h g e w a n n d a b e i d a s L i e b e s g e b o t ( o b n u n als D o p p e l g e b o t o d e r n u r als G e b o t d e r N ä c h s t e n l i e b e
1 3 0
) eine h e r a u s g e h o b e n e B e d e u t u n g , w i e es s o
i m J u d e n t u m n i c h t d e r Fall war. D a s N ä c h s t e n l i e b e g e b o t L e v 1 9 , 1 8 spielt in d e r z e i t g e n ö s s i s c h e n j ü d . Literatur k e i n e entschei d e n d e R o l l e . Zitiert u n d als »großer u m f a s s e n d e r G r u n d s a t z in der T o r a « bezeichnet w i r d es erst b e i R a b b i A q i b a (SifrLev 1 9 , 1 8 ) .
1 3 1
Verschiedentlich w i r d d a s N ä c h s t e n l i e b e g e b o t indirekt aufgegrif
fen ( J u b 2 0 , 2 ; 3 6 , 4 . 8 ; S i r 1 3 , 1 5 ; A b o t h 1,12 Hillel; T e s t l s s 5 , 2 ; 7 , 6 ) 1 3 2 stellenweise b e i m j ü d . N e o phyten-Unterricht.
1 3 3
D a s D i a s p o r a j u d e n t u m stellte n e b e n d e r G o l d e n e n R e g e l ( T o b 4 , 1 5 ; A r i s t
2 0 7 ; s l a v H e n - 6 1 , 1 ) in d e r A n k n ü p f u n g a n d e n H e l l e n i s m u s v o r a l l e m d a s D o p p e l p r i n z i p » F r ö m m i g k e i t ( g e g e n ü b e r G o t t ) u n d G e r e c h t i g k e i t ( g e g e n ü b e r d e n M e n s c h e n ) « heraus (euoeßeia bzw. oöLOxrjg u n d
134
dixaiocruvr]) ,
w o b e i letzteres a u c h d u r c h ( p i X a v ö o c o m a ersetzt w i r d .
1 3 5
A r t S u m m e d e s G e s e t z e s galt z u d e m der D e k a l o g , a u c h in proselyten-katechetischer dung.
1 3 6
D i e s e m Zweck diente auch Lev 1 9
1 3 7
A l s eine Verwen
, aber eigenartigerweise n i c h t 1 9 , 1 8 . I m C h r i s t e n
t u m d a g e g e n w u r d e d a s L i e b e s g e b o t z u m A u s l e g u n g s k a n o n d e s G e s e t z e s ( M k 1 2 , 3 1 ff. parr.; Rom 1 3 , 9 , ; G a l 5 , 1 4 ; J o h 1 3 , 3 4 f.; l j o h 2 , 7 f.). D a s k o n n t e a u c h z u E i n s e i t i g k e i t e n u n d M i ß v e r s t ä n d nissen führen, w i e sie J a k 2 offenbar voraussetzt; d a s heißt: a u s d e r S u m m e d e s G e s e t z e s w a r ein E i n z e l g e b o t g e w o r d e n . E s w u r d e d e s h a l b n ö t i g , d i e ratio legis n e u z u entfalten bzw. z u e n t d e c k e n , u m einer t h e o l o g i s c h e n B e l i e b i g k e i t z u w e h r e n . 4 . W i e in d e r E i n l e i t u n g z u 2 , 1 - 2 6 bereits notiert, ist eine g e w i s s e A n a l o g i e z u 2 , 1 4 ff. festzu stellen. A u c h d o r t folgt d e r B e h a n d l u n g d e s C a s u s eine t h e o l o g i s c h e E r ö r t e r u n g s a m t Schriftver weis (V. 2 3 ) . W i e in 2 , 8 w i r d in V 1 9 eine a n sich richtige t h e o l o g i s c h e Position m i t d e m K o m m e n t a r xaAxog JtoieTv versehen. Z u fragen ist weiter, o b n i c h t hier w i e d o r t kritisch a u f eine » p a u linische« T r a d i t i o n B e z u g g e n o m m e n w i r d .
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I m m e r h i n ist n i c h t n u r G e n 1 5 , 6 eine p a u l i n i s c h e
Kardinalstelle, s o n d e r n a u c h L e v 1 9 , 1 8 . L t . Rom 1 3 , 8 - 1 0 u n d G a l 5 , 1 4 w i r d d a s g a n z e G e s e t z i m G e b o t d e r N ä c h s t e n l i e b e erfüllt. N u r in Rom 1 3 , 8 - 1 0 u n d J a k 2 , 8 findet sich d i e H e r a u s s t e l l u n g v o n L e v 1 9 , 1 8 g l e i c h s a m als K r o n e d e s G e s e t z e s , separat v e r w e n d e t (also n i c h t als D o p p e l g e b o t d e r Liebe),
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d e r zweiten D e k a l o g t a f e l vorgeschaltet, b e g i n n e n d m i t » e h e b r e c h e n « , u n d v e r b u n d e n
W ä h r e n d d a s G e b o t d e r L i e b e z u G o t t u n s t r i t t i g w a r u n d o f f e n b a r keiner I n t e r p r e t a t i o n b e d u r f t e , erfährt d i e A u s r i c h t u n g a u f M e n s c h e n i m N T m e h r e r e M o d u l a t i o n e n : M t 5 , 4 3 f. Feindesliebe; J o h 1 3 , 3 4 f. d i e J ü n g e r sollen e i n a n d e r lieben, w i e J e s u s s i e liebte; Rom 1 3 , 8 - 1 0 u n d G a l 5 , 1 4 N ä c h s t e n l i e b e ; E p h 5 , 2 5 ff. L i e b e des M a n n e s zur E h e f r a u n a c h C h r i s t i V o r b i l d in b e z u g a u f d i e G e m e i n d e ; l j o h 2 , 1 0 u. a. B r u d e r l i e be. V g l . a u c h d i e F r a g e n a c h d e r B e s t i m m u n g des N ä c h s t e n i n L k 1 0 , 2 9 . 3 6 . S t r . - B . I 3 5 7 ; N i s s e n 2 8 8 ff.; L e n h a r d t / P e t e r v o n der O s t e n - S a c k e n , R a b b i A k i v a , Berlin 1 9 8 7 , 178f. - H i e r w i e i n T a r g j e r u s c h I ist d a s G e b o t v e r k n ü p f t m i t d e r G o l d e n e n Regel: S t r . - B . I 3 5 3 . 3 5 7 ; N i s s e n 3 9 3 f. P h i l o u n d J o s e p h u s zitieren L e v 1 9 , 1 8 nicht. Z u Q u m r a n vgl. W i s c h m e y e r 1 6 5 ; e b e n s o 1 6 4 z u Sir ( N a t u r gesetz); d o r t 3 1 ( 3 4 ) , 5 a u c h d i e G o l d e n e R e g e l . V g l . W i s c h m e y e r 1 6 6 (zu Hillel). Z . B . Arist 1 3 1 f. ( z u s a m m e n m i t »ein G o t t « ) ; Philo S p e c L e g II 6 3 . S o e t w a P h i l o D e c a l 1 1 0 : (piMvOowJtoi u n d (piAöOeoi. V g l . Berger, G e s e t z e s a u s l e g u n g 1 4 3 ff. T e n d e n z ist, ö i x a i o a u v T ] als B a r m h e r z i g k e i t bzw. als H a l t e n aller G e b o t e z u verstehen; B e r g e r 1 5 4 . 1 5 8 ; E t h e l b e r t Stauffer: T h W N T I 4 0 f. V g l . Berger, G e s e t z e s a u s l e g u n g 2 0 1 . 2 7 0 ; N i e b u h r , G e s e t z 6 1 ff. (allerdings n u r bei Philo, L A B u n d J o s e phus); Wischmeyer 163. N i e b u h r , G e s e t z 6 0 ff. ( m i t A n m . 2 0 5 ) . 2 3 5 ff.; vgl. N i s s e n 2 7 8 - 3 0 8 ; Berger, G e s e t z e s a u s l e g u n g 8 0 - 1 7 6 . D i e F r a g e w i r d für 2 , 8 ff. relativ selten erörtert. A u f p a u l i n i s c h e n S p r a c h h i n t e r g r u n d verweist E c k a r t ; vgl. ferner B e t z , F r e e d o m . 9 S o M k 1 2 , 2 8 - 3 4 ; M t 2 2 , 3 6 - 4 0 ; L k 1 0 , 2 5 - 2 8 ; D i d 1,2. F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 0 2 , schließt v o n 2 , 5 a u f d a s D o p p e l g e b o t . A b e r d o r t findet sich kein G e b o t , s o n d e r n (wie in 1,12) eine traditionelle F o r m e l .
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m i t » d a s g a n z e G e s e t z e i n h a l t e n « . Z w a r erscheint b e i M t 5 , 4 3 e i n m a l d a s N ä c h s t e n l i e b e g e b o t für sich u n d in M t 1 9 , 1 8 f. s o g a r in V e r b i n d u n g m i t d e r zweiten D e k a l o g t a f e l , a b e r e b e n n i c h t v o n d i e ser a b g e h o b e n , s o n d e r n g e r a d e z u als Teil d e r s e l b e n . R o m 1 3 , 1 0 fügt h i n z u : d i e A g a p e x a x ö v OVK
egya^exai Rom
(vgl. d e n W o r t l a u t J a k 2 , 9 ) . V o m
2 , 2 7 die Rede, i m
Kontext dort
VOJIOV
xeA,eiv
auch von
ist a u ß e r J a k 2 , 8 i m N T s o n u r n o c h in
»Übertretung« (2,23.25.27) und
»richten«
( 2 , 1 2 . 1 6 . 2 7 ) , a l s o ä h n l i c h w i e bei J a k hier. Ferner bietet G a l 5 e i n e e n g e R e l a t i o n z w i s c h e n »Freih e i t « (V. 1.13 f.) u n d » d a s g a n z e G e s e t z e i n h a l t e n « (V. 3 ) . D a ß d a s S y n t a g m a » G e s e t z d e r Freiheit« a u f p a u l i n i s c h e T r a d i t i o n z u r ü c k z u f ü h r e n sein k ö n n t e , w u r d e bereits b e i 1,25 erörtert. D i e F r o n t s t e l l u n g in J a k 2 , 8 - 1 3 s c h e i n t also der in 2 , 1 4 ff. n i c h t u n ä h n l i c h z u s e i n , d. h. fehlgelaufene p a u l i n i s c h e T r a d i t i o n aufzugreifen. I m f o l g e n d e n ( b e s o n d e r s z u V. 1 0 ) w i r d s i c h d i e s e E i n s c h ä t z u n g weiter e r h ä r t e n .
8 Der Konditionalsatz im Realis setzt voraus, daß die Adressen tatsächlich das »königliche Gesetz« halten. Das ist festzuhalten, obwohl von uivxoi und vom Kontext her Zweifel daran aufkommen könnten. Jak hält ihnen nicht eine wünschenswerte Eventualität vor Augen, sondern geht von einem Verhalten aus. In sich und im Gegenüber zu V. 9 (ei Ö£ ...), und nicht etwa zu V. 6a (s. o.), enthält V. 8 eine positive Aussage. Als particula emphatica dürfte fxevtoi ein verstärktes uiv darstellen. Ein zweifelndkonzessiver Akzent (»wenn ihr wirklich . . . « ) braucht vom Wort her nicht enthalten zu sein. Man kann also übersetzen: »Wenn ihr einerseits in der Tat...«. Die Probleme von V. 8 bestehen in der Bestimmung von »königliches Gesetz«, der Formel »gemäß der Schrift« und der Notiz »ihr handelt wohl«. - Kontextuell könnte ß a a d i x ö g auf »(Erben der) Herrschaft« in V. 5 zurückverweisen. Dann wäre das Gesetz der Gottesherrschaft gemeint, evtl. sogar einfach »Gottes königliches G e s e t z « . Freilich ist ßaöiAeta in V. 5 eine Größe der zukünftigen Verheißung. Zumeist versucht man deshalb, das Adjektiv begriffsgeschichtlich - also diachron, nicht synchron - zu füllen. Der Sinn (auch in bezug auf »Gesetz«) ist dann: »von königlicher Würde, Art, Herkunft, Rang« bzw. »dem König gehörig, angemessen.« Die antike Philosophie plädiert für die Ubereinstimmung zwischen Recht und Herrschaft; ist das der Fall, dann regiert ein König richtig, was wiederum identisch ist mit der Herrschaft des richtigen Gesetzes. Weil das Syntagma »königliches Gesetz« immerhin relativ geläufig war, legt sich auch für Jak 2,8 die Bedeutung »Gesetz von königlichem Rang« nahe. Damit ist zugleich eine Hervorhebung, ja Uberordnung und Vorrangstellung impliziert. 140
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140L-S-J 1 1 0 2 f (B I I 4 b ) . 1 4 1
V g l . J o h n s o n , A n c B 2 3 0 ; H a u c k , B r i e f 1 0 5 : I n W a h r h e i t liege k e i n H a l t e n d e s G e s e t z e s vor.
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D e r W o r t s t a m m ß a o - e r s c h e i n t s o n s t n i c h t bei J a k .
1 4
3 S o Frankemölle, Ö T K 4 0 0 - 4 0 2 ; Chester 3 8 .
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Material bei L - S - J 3 0 9 ; Bauer-A. 2 7 3 ; K a r l - L u d w i g S c h m i d t : T h W N T I 5 9 3 ; D o d d , Bible 3 9 ; D e i ß m a n n 3 1 0 ; Dibelius, K E K 178. - D a s Adjektiv k o m m t i m N T nur noch J o h 4 , 4 6 . 4 9 ; A p g 12,20f. vor u n d bedeutet d o r t jeweils » d e m K ö n i g z u g e h ö r i g « , u n d zwar i n b e z u g a u f P e r s o n e n w i e S a c h e n
1 4
;
5 Vgl. 2 M a k k 3 , 1 3 ; 4 , 2 5 ; Weish 6,20; Plato ep. V I I I 3 5 4 c ; PsPlato M i n o s 3 1 7 c ; verschiedene Inschriften; E p i c D i s s I V 6 , 2 0 ; P h i l o V i t M o s I I 1 ff.; 1 4 , 2 ; S p e c L e g I V 1 6 8 .
146 V g l p l a t o e p . V I I I 3 5 4 c . V g l . D o d d , B i b l e 3 9 : v ö u o c , ß a o i l i x ö g sei » a l m o s t a c o m m o n - p l a c e o f G r e e k p o l i tical w r i t e r s « g e w e s e n . D i e B e d e u t u n g s c h w a n k t e z w i s c h e n » a l a w g i v e n b y o r w o r t h y o f a k i n g « ( d a s u n t e r s c h e i d e d e n w a h r e n K ö n i g v o m T y r a n n e n ) u n d » l a w w h i c h is itself t h e k i n g « . F e l d e r 6 0 f.: i m H i n t e r g r u n d steht »königliches Gesetz«. 1 4 7
M i t H o p p e u. a., g e g e n F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 0 2 ( d i e T o r a sei i n s g e s a m t g ö t t l i c h ) ; J o h n s o n , A n c B 2 3 0 (all t h e law, n o t r e s t r i c t e d t o L e v 1 9 , 1 8 ) .
174
IV. G l a u b e , L i e b e , T a t e n .
Übrigens verweisen beim Gebot der Nächstenliebe weder Jak noch Paulus auf eine Herkunft bzw. einen Charakter als Herrenwort Jesu. - Die seltene Formel x a x d xfjv YQOt(pf|v bezieht sich syntaktisch primär auf »königliches Gesetz«, nur indirekt auf das Verb »erfüllen«. K a x d steht für eine Entsprechung, daneben auch für Ursprung und A u t o r i t ä t , YQaqpri hier doch wohl eher für »Schriftstelle«, nicht für »die Schrift insgesamt«. Die Schriftstelle zeigt an, was mit »königlichem Gesetz« gemeint ist, nämlich das G e b o t der Nächstenliebe. Wie auch anderswo im Frühchristentum gilt das Liebesgebot als norma normans, als Kanon des Gesetzes. Die Adressaten haben es sich als solches zu eigen gemacht. A m Wortlaut des LXX-Textes nimmt weder Jak noch sonst jemand im N T eine Änderung vor. - Abgesehen von den Formeln »denen, die ihn lieben« (1,12; 2,5) und »geliebte Brüder« (1,16.19; 2,5), verwendet Jak nur hier das Verb ayanäv (das Substantiv fehlt). Das Wort hat bekanntlich einen ausgesprochenen »biblischen« Hintergrund und K l a n g . Semantisch bezeichnet es in dieser Tradition die positive, hilfreiche Zuwendung vor allem zu Personen (vgl. den Kontext Lev 19 oder R o m 12,10a). II)a]öiov wird, obwohl ein Adjektiv, substantivisch oder adverbial g e b r a u c h t . Besser als die superlativische Übersetzung, die den Radius eingrenzt, ist »der/die Nahestehende«. Gemeint ist ein Mit-Sein, ein konkretes Gegenüber, also eine Beziehung, die beiderseits bedeutsam sein kann und nicht einfach übergangen werden d a r f . Die nähere Bestimmung ergibt sich aus dem Lebenskontext. Daraus resultierten - auch im Judentum - Debatten darüber, wie weit bzw. eng der Beziehungskreis r e i c h e . Lev 19,18 zeigt an: der Maßstab der Selbstliebe soll die Unterschiedslosigkeit der Menschen, die Gleichwertigkeit des anderen b e t o n e n . Daß dazu auch der Arme rechnet, wissen bereits Prov 14,21; Testlss 5,2; s. dann Lk 10,25-37. - Die Adressaten »erfüllen« das königliche Gesetz. Zumeist findet sich im N T dafür j t A j i q o w (Gal 5,14; R o m 13,8.10; vgl. 8,4), vöuov xetaTv nur noch R o m 2 , 2 7 . Der Akzent liegt weniger auf Vollständigkeit als auf dem »zur Tat werden l a s s e n « . Jak erkennt an (Realis), daß die Adressaten die Erfüllung des königlichen Gesetzes ernstnehmen. Er kommentiert: xaXcog Jtoietxe - eine relativ magere Notiz im Gegenüber zu dem, was in V. 9b folgt. Auch die Wiederholung in V. 19 gibt zu denken. Erteilt er ein volles 148
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V g l . W i l h e l m K ö h l e r : E W N T II 6 2 4 - 6 2 7 . 149 M i t H a n s H ü b n e r : E W N T I 6 3 7 . B e i J a k fehlt £vxo^r|. !5i S . d i e V o r b e m e r k u n g e n z u 2 , 8 - 1 3 ( P k t . 3 ) . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 0 2 , m e i n t d a g e g e n , L e v 1 9 , 1 8 d i e n e hier als L e r n h i l f e u n d M a ß s t a b für d a s g a n z e G e s e t z . M i r b l e i b t d i e s e D e u t u n g unklar. 1 5 0
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N u r in M t 5 , 4 3 fehlt »wie dich selbst«.
^ V g l . Gerhard Schneider: E W N T I 19-29; Ethelbert Stauffer/Gottfried Quell: T h W N T I 2 0 - 5 5 . i54Klaus H a a c k e r : E W N T III 2 6 5 - 2 6 9 ; J o h a n n e s F i c h t n e r : T h W N T V I 3 0 9 - 3 1 6 . !55 B a u e r - A . 1 3 5 1 f. V g l . Berger, G e s e t z e s a u s l e g u n g 1 0 0 f. ( s y n o n y m z. B . m i t xoivoovöc;). S . d a z u Berger, G e s e t z e s a u s l e g u n g ; N i s s e n . I m N T n e b e n L k 1 0 a u c h Rom 1 5 , 2 ; E p h 4 , 2 5 : B r ü d e r (so a u c h J a k 4 , 1 1 f.). F e l d e r 6 3 ff. m e i n t , J a k b e t r a c h t e L e v 1 9 , 1 8 als n u r ein G e b o t u n t e r a n d e r e n i m M o r a l g e s e t z des AT. J a k betone die »Einheit des Moralgesetzes« (65, zu 2 , 1 1 ) . T h e i ß e n , R e l i g i o n 1 0 9 f.: d a s G e b o t d e r N ä c h s t e n l i e b e e n t h ä l t d i e T e n d e n z z u r G l e i c h b e r e c h t i g u n g . V g l . J o s e p h Bell 2 , 4 9 5 . A u c h ( p u X d o o e i v u n d jtodoaEiv w e r d e n v e r w e n d e t (s. Rom 2 , 2 5 f.). M i t H a u c k , B r i e f 1 0 5 . A n d e r s F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 0 3 , d e r a u f d a s M o t i v f e l d » v o l l k o m m e n « bei J a k h i n weist (u. a. 1 , 2 5 ) . - H . H ü b n e r : E W N T I I I 8 3 0 - 8 3 2 : v o l l e n d e n , erfüllen, u. a. 1 5 6
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2,8-9
oder ein eingeschränktes Lob? Zumeist entscheidet man sich für das erste. Eine gewisse Einschränkung, u. U. sogar mit ironischem Unterton, ist aber nicht auszu schließen. Jak würde dann vermerken: »Das ist durchaus und an sich richtig gehandelt; doch darüber ist noch mehr zu sagen.« 9 Es folgt das kritische Gegenüber zu V. 8, wieder im Realis formuliert. Jetzt wird das in V. 1 eingeleitete Hauptthema erneut direkt angesprochen. Das Verb JtQOötojroXrjureTv ist übrigens ein Neologismus und kommt nur hier v o r . Anscheinend liegt Jak an der festen Begrifflichkeit, deshalb verwendet er nicht das übliche JtQÖacojtov Xaußdveiv. Die besondere Gefahr solchen Tuns betrifft lt. V. 1 gerade den christlichen Glauben, über den alsbald (V. 14 ff.) noch mehr zu sagen sein wird. Bisher hatte Jak anhand des Casus in V. 2 f. stärker auf die konkreten Implikationen des Tuns hingewiesen: daß man sich von schlechten Gedan ken leiten läßt (V. 4), Gottes Einstellung zuwider handelt (V. 5-6a), Partei für die fal sche Seite nimmt. Das war rational-plausibel geurteilt. Jetzt äußert er sich direkter und drastischer, und zwar »im Namen des Gesetzes«. - »Ihr bewirkt, produziert (eoyd^eoöe) Sünde.« Jak begnügt sich nicht mit einem einfachen »ihr sündigt«, son dern betont das menschliche Schaffen, wie bereits in 1,20 (negativ) und 1,3 (positiv, K o m p o s i t u m ) . Die Sünde wiederum führt lt. 1,15 zum Tod; damit ist indirekt das Motiv vom Tot-Sein des Glaubens ohne gute Werke in 2,17.26 eingeläutet. Aber damit nicht genug; Jak läßt »überfuhrt vom Gesetz als Übertreter« folgen, stellt die Sachfrage also vor das Forum des Gesetzes. - Die Grundbedeutung von eXzyxew ist: Konfronta tion eines Täters zwecks Klarstellung der Nichtübereinstimmung seines Tuns mit einem S t a n d a r d . In der ntl. Bekehrungsterminologie bezeichnet das Wort die klä rende Überwindung der inneren Gespaltenheit einer Person; dabei gewinnt es auch die Konnotation »aufdecken, ans Licht bringen« und »strafen«. Jak betont freilich die Anklage, nicht die Bekehrung. Das Gesetz deckt auf, überführt jemanden, und zwar »als Übertreter«. Das Gesetz handelt hier quasi als Person; es »macht die Sünde justitia b e l « . IIaQaßdxT]g ist ein im N T relativ selten vorkommendes Wort (bei Jak noch in 2,11). Zuhause ist der Wortstamm im Rechtsleben; in der L X X bezieht sich der 161
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S . bereits in d e r E i n l e i t u n g z u 2 , 1 - 2 6 u n t e r » R e d a k t i o n u n d I n t e n t i o n « ; D a v i d s , E p i s t l e . V g l . a u c h d e n S p r a c h g e b r a u c h in d e n K y n i k e r b r i e f e n ; s o N r . 2 8 ( D i o g e n e s a n d i e H e l l e n e n ) : A b r a h a m J . M a l h e r b e ( H g . ) , T h e C y n i c Epistles ( S B L . S B S t 12), Atlanta (Scholars) 1986, 1 2 0 Z . 8 ; 1 2 2 Z . 2 8 ; 1 2 4 Z . 8 . D a s P e r s o n a l s u b s t a n t i v n u r in A p g 1 0 , 3 4 . H a u c k , B r i e f 1 0 8 , weist d a r a u f h i n , d a ß Sir s o l c h e F r a g e n o f t ä u ß e r l i c h - o p p o r t u n i s t i s c h b e h a n d e l e . 164 V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 0 5 . S . a u c h M t 7 , 2 3 ( = Ps 6 , 9 ) : U n r e c h t schaffen. D i e W e n d u n g » S ü n d e schaf fen« e r s c h e i n t i m N T n u r hier. B e i H e r r n ist eQyäC,eoQai in ä h n l i c h e n V e r b i n d u n g e n b e l i e b t ( H a u c k , B r i e f 108 A n m . 26). T r o e l s E n g b e r g - P e d e r s e n , E p h e s i a n s 5 , 1 2 - 1 3 : eXey%eiv a n d C o n v e r s i o n in t h e N e w T e s t a m e n t : Z N W 8 0 ( 1 9 8 9 ) 8 9 - 1 1 0 , speziell 9 7 u n d 1 0 0 . I m N T e r s c h e i n t d a s V e r b 17x, b e s o n d e r s in s p ä t e r e n B r i e f e n . 166 E n g b e r g - P e d e r s e n 1 0 0 f . 1 0 8 - 1 1 0 ; s. I K o r 1 4 , 2 4 f.; E p h 5 , 1 2 f.; J o h 3 , 2 0 f. V g l . Felix P o r s c h : E W N T I 1041-1043. 167 M i c h a e l Wolter: E W N T I I I 3 4 ; s. R o m 4 , 1 5 . V g l . F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 0 6 : d a s e i g e n t l i c h e S u b j e k t ist G o t t , d e r eine G e s e t z g e b e r ( 4 , 1 2 ) . 168 V g l J o h a n n e s S c h n e i d e r : T h W N T V 7 3 3 - 7 4 1 . D e r G r u n d liegt w o h l i m a n d e r e n S ü n d e n v e r s t ä n d n i s d e s N T ( e b d . 7 3 5 , 1 5 ff.). n a o a ß d x r i g fehlt in d e r L X X s o w i e bei P h i l o u n d J o s e p h u s ( 7 3 7 , 2 5 ) . I m N T k o m m t es in R o m ( 4 x ) u n d G a l ( l x ) vor, d a z u l T i m ( l x ) u n d H e b r ( 2 x ) . 169 N ä h e r e s b e i S c h n e i d e r 7 3 3 , 2 7 ff., u. a. z u Inschriften: M i ß a c h t u n g v o n B e s t i m m u n g e n , W o r t b r u c h , Ver t r a g s v e r l e t z u n g u. d g l . 1 6 2
1 6 3
1 6 5
#
IV. G l a u b e , L i e b e , T a t e n .
176
Terminus (als Verb) vor allem auf das Schuldig-Werden an Gottes Gesetz und Wort. Jak beläßt es bei der pauschalen Angabe »durch das Gesetz«; er hätte, wie gezeigt, direkt Lev 19,15 anführen können, aber das geschieht nicht. Das Verbot der Vorteilgabe ist im A T allerdings nicht nur dort in Lev 19, sondern mehrfach ausge sprochen (Ex 23,6; Dtn 1,17; 10,17; 16,19 f.) sowie im Judentum und Frühchri stentum geläufig (s. o. zu 2,1); zudem entspricht es allgemeinem Rechtsempfinden. Weshalb stellt Jak dann etwas als Vergehen gegen das Gesetz heraus, das eigentlich selbstverständlich ist? Wissen denn die Leser nichts davon? Eine Belehrung über das, was JtQoaa)JtoX,T]|j,i^ia konkret bedeuten kann, hatte er in V. 2 ff. gegeben; ein Irrtum über das »Was« ist somit ausgeräumt. Aber ist das »Daß« der Unerlaubtheit von Vor teilgabe nicht ebenso als klare Regelung voraussetzbar? Existierten bei den Adressaten etwa doch Vorstellungen über das Gesetz, die der Korrektur bedurften? Diese Fragen leiten zu V. 10 über. 10 Jak wechselt von der Anrede zum ebenso generalisierenden wie jeweils den konkreten Einzelfall treffenden Stil »wer immer ...«, im A o r . for muliert. V. 10 soll V. 9 und wohl zugleich V 8-9 insgesamt begründen (yäg). Die Struktur wird vom Gegensatz »halten - fehlgehen« sowie von der Relation »ganz, eins, alle« bestimmt. Das Verb inpetv ist im N T in solchen Sachzusammenhängen geläufig, freilich in ungleichmäßiger Verteilung. Gegenüber TeA,eiv in V. 8 ist rnoetv schwächer: einhalten, beachten, befolgen, ÜTaieiv (vgl. 3,2) bedeutet: ansto ßen, straucheln, fehlen, irren, ins Unglück g e r a t e n . Nicht nur die groben, intentionalen Fehler, sondern sogar die kleinen Mißgeschicke und Unachtsamkeiten haben fatale Folgen (wie beim Lehren: 3,2 ff). Nur die Vollständigkeit zählt; andern falls ist man »alles schuldig«. Die Ergänzung von evi und Jtdvxcov ist wahrscheinlich generell »in einem/allen Punkte(n)« zu fassen. 4 E v o x o g mit Gen. heißt hier »schul dig gegenüber einer Sache« (vgl. IKor 1 1 , 2 7 ) . Das Vergehen haftet an der Person; sie ist zu einem evo/og »geworden«. - Judentum und Hellenismus waren sich über die Unteilbarkeit von Gesetz und Recht, die »Solidarität der T u g e n d e n « einig. So besagt die atl. Tradition etwa: Man muß »alle Worte dieses Gesetzes tun« (z. B. Dtn 29,29), »alles, was ich euch aufgetragen habe« (z. B. Dtn 1,3.18 u. ö . ) . Die Nega tiv-Version (»wer ein Gebot nicht hält, hält alle nicht«) diente den Rabbinen zur Gleichgewichtung der G e b o t e . Auch Paulus zitiert (polemisch) den Grundsatz: Gal 3,10 (=Dtn 27,26); 5 , 3 . Interessanterweise findet sich im Judentum auch die 170
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S o e t w a E x 3 2 , 8 ; N u m 1 4 , 4 1 ; J e s 6 6 , 2 4 ; a u c h bei » E h e b r u c h « (Sir 2 3 , 1 8 ; 4 2 , 1 0 ) . V g l . S c h n e i d e r 7 3 4 , 9 ff.
1 7 1
Evtl. ein g n o m i s c h e r A o r . (so M a r t i n , W B C 6 9 ) .
1 7 2
V g l . R e i n h a r d K r a t z : E W N T III 8 4 9 - 8 5 1 . D i e B e d e u t u n g w e c h s e l t oft zu: a u f b e w a h r e n , e r h a l t e n , b e h a l ten, b e s c h ü t z e n . D a s V e r b fehlt bei M k , L k , H e b r , selten bei P a u l u s , h ä u f i g d a g e g e n bei J o h (s. J o h 8 , 5 1 f f ; 1 4 , 5 . 2 1 f f ; 1 5 , 1 0 . 2 0 ; l j o h 2 , 3 ff.; 3 , 2 2 . 2 4 ; 5 , 3 . 1 8 ) . D i e L X X zieht z u m e i s t q r u X d a a e i v vor.
1 7 3
Bauer-A. 1 4 5 5 . I m N T sonst nur R o m 1 1 , 1 1 ; 2Petr 1,10.
1 7 4
M i t R o p e s 1 9 9 f. M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 2 4 : vouxo; ä h n l i c h H a u c k , B r i e f 1 1 0 : E i n z e l g e b o t .
^
Weitere M ö g l i c h k e i t e n i m N T : Strafe ( M k 1 4 , 6 4 par.); Vergehen ( M k 3 , 2 9 ) . Vgl. R. Kratz: E W N T 1 1 1 1 7 f.; L a w s , C o m m e n t a r y 1 1 2 .
1 7 6
M a y o r 2 1 4 f. V g l . B o y l e 6 1 2 f. m i t H i n w e i s a u f S e n e c a benefic.
1 7 7
V g l . a u c h Q u m r a n : 1 Q S 1,3 f. 8 f.; 9 , 1 3 .
1 7 8
S t r . - B . III 7 5 5 . S o z . B . E x R 3 1 ( 9 2 c ) ü b e r d a s Z i n s e i n n e h m e n . F e r n e r : E i n e G e b o t s ü b u n g w i r d d u r c h e i n e w e i t e r e b e l o h n t , e i n e Ü b e r t r e t u n g d u r c h e i n e a n d e r e bestraft ( A b o t h 4 , 2 ) .
1 7 9
V g l . weiter 4 M a k k 5 , 2 2 : kleine u n d g r o ß e G e s e t z e s ü b e r t r e t u n g e n s i n d gleich. Ä h n l i c h Philo L e g A l l III 2 4 1 .
177
2,10-11 180
positive Version: »Wer ein Gebot hält, hält a l l e . « Die Paradoxie wird durch den Gedanken aufgehoben, es komme auf die richtige Grundeinstellung des Menschen an: »Wo alles zusammen-stimmt, gilt: wer eine Tugend hat, hat alle«. So formulieren nicht nur Philo VitMos II 7 und Testlss 1-2; sondern auch hellenistische und römi sche Autoren vertreten eine solche Meinung (DiogLaert 125; Stob Eklogai II 63; Cicero Off II 1 0 , 3 5 ) . Seneca bringt als stoisches D o g m a den Satz »Wer ein Laster hat, hat alle« (De beneficiis 4,21,1; 5 , 1 5 , 1 ) , also die Negativ-Version, und zwar in einem Jak 2 nicht unähnlichen Kontext: Wohltaten geben bzw. annehmen, ohne den Stand der Personen anzusehen; denn bei Wohltaten komme es auf den Geist der Handlung a n . 3 - Vertritt Jak einen rigorosen N o m i s m u s ? Geht der »Blick für die Wertunterschiede« verloren? Nun formuliert Jak jedoch nicht den dann zu erwar tenden Grundsatz: »Wer das Gesetz hält, muß es ganz halten; denn bereits ein Verge hen verletzt alle Gebote« (Schluß vom Prinzip auf die Totalität)! Vielmehr argumen tiert er: »Wer das ganze Gesetz hält, aber in einem fehlt, ist aller schuldig« (Schluß von »ganz« auf »alle«). Impliziert ist doch wohl bei denen, die »das ganze Gesetz halten«, die Intention, nichts auszulassen, sondern alles einzuhalten, zumindest de f a c t o . Wer dieses Vorhaben pflegt, wird in der Tat an der Vollständigkeit gemessen. Will Jak überhaupt einen Grundsatz statuieren, oder argumentiert er nicht eher kommunika tiv von den Vorgaben und Intentionen der Adressaten her? Lautet ihr Anspruch etwa, sie hielten ja in der Tat das ganze Gesetz - und zwar durch das Gebot der Nächsten liebe? Immerhin könnten sie sich auf Paulus berufen: 6 yö.Q J t ä g vouog ev evl koyw jT8Jt^r|QCüTai, nämlich Lev 19,18 (so Gal 5,14); und Rom 13,8 f. sagt: »Wer den anderen liebt, vöuov jteJt^r|Qü)xev«, denn das (und nun folgt »du sollst nicht ehebre chen, töten, stehlen, begehren und irgendein anderes Gebot«) ev x(b Xöyq) xovxu) avaxecpataxuyÖTCU, nämlich Lev 19,18. Jak würde die Adressaten dann auf ihren eigenen Anspruch und Standard ansprechen und sie dabei behaften, indem er die Zu sammenfassung des Gesetzes durchbuchstabiert. Eben das geschieht in V. 11, und zwar anhand derselben Dekalog-Gebote wie bei Paulus. Liest man den Text auf einem solchen frühchristlich theologie-geschichtlichen Hintergrund, stellt sich das Problem des angeblichen rigorosen Nomismus ganz anders dar. Nicht Jak vertritt einen sol chen, sondern die Adressaten sind einem Fehlschluß erlegen. 11 Der Vers wirkt auf den ersten Blick etwas pedantisch, indem zweimal die Verbindung zwischen densel ben beiden Geboten notiert wird, zunächst als Wort Gottes, dann als Tat des Men schen. V. 1 l c ist zudem Reprise von V. 9 c . Zunächst (V. I I a ) wird statuiert »der 181
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S t r . - B . III 7 5 5 ; I V 2 2 . S o speziell M i d r P s 1 5 § 7 ( 6 0 a ) ; S a n h 8 1 a ü b e r R . A q i b a , d e r d a m i t R a b b a n G a m a liel tröstet.
1 8 1
D i e T e x t e i m e i n z e l n e n bei D i b e l i u s , K E K 1 8 0 . V g l . a u c h P l u t M o r a l i a 1 0 4 6 f.; ferner T i t 1 , 1 5 : D e n R e i n e n ist alles rein, d e n B e f l e c k t e n n i c h t s .
1 8 2
D a r a u f v e r w e i s t bereits A u g u s t i n u s e p . 1 6 7 (an H i e r o n y m u s ) ; s. M a y o r 9 3 ; H a u c k , B r i e f 1 1 2 A n m . 3 6 . 3Vgl. Boyle612f. 184 V g l S c h r ä g e ; H a u c k ; W i n d i s c h ; D i b e l i u s ; D a v i d s z. S t . ; n i c h t selten w i r d er als » j ü d i s c h « g e k e n n z e i c h n e t . Frankemölle, Ö T K 4 0 7 , meint, dagegen spreche i m Kontext nur »Gesetz der Freiheit«.
1 8
1 8 5
S o Dibelius, K E K 180. - Eine Differenzierung zwischen Ritual- u n d Sittengesetz würde das Problem nicht l ö s e n ; vgl. H a u c k , B r i e f z. S t . ; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 1 1 .
1 8 6
A n d e r s sieht d i e L a g e in G a l 5,3 a u s . D o r t m u ß erst d a r a u f h i n g e w i e s e n w e r d e n , d a ß » d a s g a n z e G e s e t z z u t u n « sei (uaQTi>QOum . . . Jtavxi avOocbjtcp J I E Q I T E U A ' O I I E V P ö t i öcpEiXETnc; e o r i v O\OV T Ö V v ö u o v j t o i f ] o a i ) .
1 8 7
Dibelius, K E K 183, notiert dazu: »was zu beweisen war«.
IV. G l a u b e , L i e b e , T a t e n .
178
sagte, sagte auch«; V. 1 l b ist dagegen wieder (wie V. 8.9) ein Konditionalsatz im Realis. - Inhaltlich zentral sind die beiden ersten Gebote der zweiten Dekalogtafel, und zwar in der Reihenfolge »ehebrechen - morden«. Diese Abfolge entspricht einer damals verbreiteten T e n d e n z ; sie findet sich auch: in der L X X (B) von Ex 20,1315 und Dtn 5,17-19; Philo; PsPhokyl 3 - 6 ; Papyrus Nash; PsPhilo LibAnt 11,10; im NT190 Lk 18,20 und Rom 13,9; später Barn 20,1; Justin Dial 93 u. a. Mit »mor den« beginnen dagegen: H T zu Ex 20 und Dtn 5; Targumim; Joseph Ant 3,91; M t 5,21-30; 19,18; M k 10.19. - Das »Wort« (eforcbv, eiJtev) Gottes, des »einen Gesetz gebers und Richters« (4,12), ist durchaus deutlich, konkret und lebensbezogen, refe riert Jak. Es betont die Unantastbarkeit von Ehe und Leben; sie stehen unter dem besonderen Schutz Gottes; jeder Ubergriff ist untersagt. - Als Realis besagt V. I I b , daß der Verfasser davon ausgeht, der Angeredete begehe zwar nicht Ehebruch, mor de jedoch. Nun könnte es sich freilich um ein lediglich rechts-theoretisches, logisches Problem handeln, weil die beiden Gebiete vom AT her in dieser Zusammenstellung gegeben sind und die 2. Pers. Sg. exemplarischen Charakter haben kann. Jak würde nur belegen, was bereits in V. 9 ausgesprochen wurde: »du bist ein Übertreter des Gesetzes«. Es stellt sich jedoch die Frage, ob V. 11 situativ gedeutet werden darf. Immerhin ist in 4,2 und 5,6 vom Morden die Rede, zumindest im Sinn von »ihr geht über Leichen«. Die Anrede |ioixaX,ideg (fem.) in 4,4 ist dagegen sicher übertragen gemeint; auf Ehe- und Sexualfragen kommt Jak sonst nicht zu sprechen. Bei einem engen Rückbezug von V. 11 auf das Vorige (2,2 f f . ) 3 würde Jak sagen: »Euer Ver halten läuft auf Mord hinaus.« Immerhin wird die Verachtung des Nächsten bereits in Prov 14,21 als Sünde gekennzeichnet. Hätte er rein logisch-theoretisch argu mentieren wollen, so hätte Jak die Argumentation auch umkehren können (»wenn du nicht mordest, aber die Ehe b r i c h s t . . . « ) . Das geschieht jedoch nicht; offenbar liegt ihm doch an einer inhaltlichen Akzentuierung, nämlich des Mordens. Darauf ver weist auch der weitere Kontext: »nicht Barmherzigkeit üben« (V 13.15 f.). - Jeden falls paßt dieser Akzent gut in die Gesamtargumentation seit 2,1. Jak benennt erst 188
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V g l . d a z u N i e b u h r , G e s e t z 1 6 - 1 8 ; N i k o l a u s Walter: J S H R Z I V / 3 , 1 9 7 ; F r i e d r i c h H a u c k : T h W N T I V 7 3 8 A n m . 2; K r i s t e r S t e n d a h l , T h e S c h o o l o f St. M a t t h e w a n d its U s e o f t h e O l d T e s t a m e n t , C o p e n h a g e n (Vill a d s e n & C h r i s t e n s e n ) 1 9 6 8 , 6 0 - 6 4 ; Berger, G e s e t z e s a u s l e g u n g 2 5 8 ff. Z u r V o r g e s c h i c h t e d e s D e k a l o g s vgl. auch Vokes; Grant, Decalogue; Lincke; G . Müller; G ü n t e r Stemberger, D e r D e k a l o g im frühen J u d e n t u m : J B T h 4 ( 1 9 8 9 ) 9 1 - 1 0 3 ; Y. A m i r , D i e Z e h n G e b o t e bei P h i l o n v o n A l e x a n d r i e n , in: d e r s . , D i e h e l l e n i s t i s c h e G e s t a l t d e s J u d e n t u m s bei P h i l o n v o n A l e x a n d r i e n ( F J C D 5 ) , N e u k i r c h e n 1 9 8 3 , 1 3 1 - 1 6 3 ; z u d e r d e s E h e bruchsverbots Bottini, Sentenze 1 7 3 - 1 7 5 . V g l . N i k o l a u s W a l t e r 1 9 7 ; E i n b r u c h in f r e m d e E h e n - M ä n n e r l i e b e - B l u t v e r g i e ß e n . !90 In M k 1 0 , 1 9 e i n i g e H s s . S o D i b e l i u s , K E K 1 8 3 ; z u e r g ä n z e n sei etwa: » S o s e i d a u c h ihr, w e n n ihr a n d e r e G e b o t e haltet, e u c h a b e r mit eurem parteiischen B e n e h m e n gegen das Liebesgebot versündigt«, Übertreter des-Gesetzes. 1 8 9
1 9 1
1 9 2
1 9 3
1 9 4
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S . E i n l e i t u n g § 1,3. B e r e i t s A u g u s t i n u s ( e p 1 6 7 ) b e z i e h t V. 11 z u r ü c k a u f V. 8: »weil er g e g e n d i e L i e b e verstieß, w o r i n d a s g a n ze G e s e t z h ä n g t « . B e d a V e n e r a b i i i s setzt d i e V o r t e i l g a b e m i t M o r d u n d E h e b r u c h g l e i c h ( J o h n s o n , A n c B 233). S. auch M t 5 , 2 1 - 2 6 , w o M o r d m i t Z o r n u n d V e r w ü n s c h u n g des Bruders verknüpft wird. T e s t G a d 4 (gegen d e n H a ß ) ist hier z u a l l g e m e i n g e h a l t e n , S i r 3 4 , 2 4 z u speziell (s. a b e r z u J a k 5 , 5 f.). L e d i g l i c h als F r a g e k a n n m a n n o t i e r e n , o b d i e A d r e s s a t e n e t w a a u f ihre i n t a k t e E h e m o r a l s t o l z w a r e n (vgl. P o p k e s , A d r e s s a t e n 1 1 8 ) ; in d e n G e d a n k e n g a n g w ü r d e d a s p a s s e n , a b e r weil J a k s o n s t n i e s o l c h e A s p e k t e a n s p r i c h t , w i s s e n wir z u w e n i g ü b e r d e n m ö g l i c h e n H i n t e r g r u n d .
2,11-13
179
einmal (in 2,1) das Verhalten der Adressaten als JtQOöWJtoXnu/i|na; er beschreibt und bewertet es in V. 2-7, um dann die Vorteilgabe in V. 9 als Sünde zu bezeichnen. Mit V 8 kommt ein anderes Element hinein, das in V. 10 f. fortgeführt wird: die Adres saten behaupten fälschlicherweise, mit dem Liebesgebot hielten sie das ganze Gesetz. Aber ihr Verhalten straft sie Lügen. Sie haben nicht begriffen, was das Gebot Lev 19,18 impliziert; und sie haben den Bezug auf den Dekalog vergessen. 12-13 Die beiden Verse werden durch ein »denn (ydo)« sowie durch »tun« und »Gericht« mit einander verklammert. Subjekt in V. 12 ist »ihr«; in V. 13 dagegen sind es zwei Abstrakta im Sg.: Gericht und Erbarmen. Ein syntaktisches und inhaltliches Problem bildet das unverbundene Nebeneinander der Vershälften 13a/b. V. 12 greift termino logisch auf 1,19.22-25 zurück: Xdkelv (1,19), JtoieTv, Jtoinxfig, jtoinoig (1,22 f.25), vöuog xfjg eXevQeQiac, (1,25). Von Erbarmen (eXeog, 2,13) war bisher noch nicht die Rede. Die Verbindungen zu 2,1 ff. sind: vöuog (V. 8-11), XQioig, XQixf|g, öiaxQiveiv (V. 4; vgl. »überführt werden«, »schuldig sein«: V. 9 f.) sowie JtoieTv (V. 9; s. aber den Formelcharakter). Jak führt also vor allem die Gedanken von 1,19-25 und 2,8-11 einem Abschluß zu, wobei der Casus in 2,2 ff. mit hineinspielt. Der Zusammenhang zwischen »Reden und Tun« sowie »Gesetz der Freiheit« wird so zuende gebracht, daß er in die Perspektive des Gerichts und dieses wiederum in die des Erbarmens bzw. Nicht-Erbarmens gestellt wird. Gewiß hat V. 13 nach Form (zwei kurze »Statements« nebeneinander) und Inhalt (Gericht, Erbarmen) einen gewissen Eigencharakter. 97 Jak liebt aber auch sonst solche abrundenden Sätze (1,12; 2,26; 3,18; 4 , 1 7 ) . M a n sollte deshalb weder V. 12 f. als selbständige kleine Einheit behandeln 99 noch V 13 vom Kontext als freistehende Sentenz isolieren. - Das dop pelte oikoog in V. 12a ist wahrscheinlich sowohl als Konsequenz des Vorigen (speziell V. 8-12) als auch in bezug auf das dbg ... in V. 12b zu lesen. Jak zieht aber eben nicht nur die Konsequenz (Handlungsanweisung), sondern verweist auch auf das Gericht (Handlungsbeurteilung). Die beiden finiten Verben sind vom kontextuellen Sinnge fälle her als Imperative aufzulösen. Das zweifache oikcog mit x a i stellt eine feste Gleichung her: »So redet und so handelt auch!« Der Akzent liegt auf dem JtoieTxe wie überall im K o n t e x t . Das Reden ist keineswegs falsch; es muß nur in die Tat umgesetzt werden. Diese zunächst formale Aussage wird inhaltlich einmal durch das, was in V. 8-11 positiv notiert war, gefüllt, also durch das Gebot der Nächstenliebe und den im Dekalog manifesten Willen Gottes. Die Aussage (in V. 12) könnte, so 1 9 6
1
1 9 8
1
200
201
1 9 6
I m weiteren n u r n o c h 3 , 1 7 (im Tugendkatalog); x a x a x o u x ä a G a i erscheint n o c h einmal 3 , 1 4 (sonst n u r n o c h Rom 1 1 , 1 8 ) .
197 V g l . L a w s , C o m m e n t a r y 1 1 7 : b e i d e A u s s a g e n seien n u r l o s e m i t d e m v o r i g e n v e r b u n d e n u n d e r s c h e i n e n » p r o v e r b i a l in f o r m « ; D a v i d s , C o m m e n t a r y 1 1 8 : u r s p r ü n g l i c h frei u m l a u f e n d ; D i b e l i u s , K E K 1 9 3 : V. 1 3 sei e i n » s e l b s t ä n d i g e r S p r u c h « , w a s a u c h » s e i n e g e s c h l o s s e n e F o r m « zeige; M u ß n e r , J a k o b u s b r i e f 1 2 6 f.: feste Sentenz. 1 9
8 V g l . H a u c k , Brief 115.
1 9 9
Teilweise geschieht das sogar bei Frankemölle, Ö T K 4 1 1 - 4 1 9 .
2 0 0
S o d u r c h w e g die K o m m e n t a r e . M ö g l i c h wäre an sich a u c h der Indikativ, also die K o n s t a t i e r u n g » S o redet
2 0 1
A n d e r s B u r c h a r d , G e m e i n d e , d e r in V e r b i n d u n g m i t 2 , 1 4 ff. d e n A u f r u f z u r U n t e r w e i s u n g v o n U b e r t r i u n
u n d s o h a n d e l t i h r « . A b e r w a s sollte s o l c h eine F e s t s t e l l u n g hier? w i l l i g e n i m G e s e t z d e r F r e i h e i t e r k e n n t . V g l . j e t z t H N T z. S t . : »V. 1 2 f o r d e r t . . . u m f a s s e n d e n G e s e t z e s g e h o r s a m in W o r t u n d T a t « .
180
IV. G l a u b e , L i e b e , T a t e n .,
betrachtet, mit JtoieTxe enden; Jak füllt sie jedoch auch noch durch den Hinweis auf das Gericht »durch das Gesetz der Freiheit«, syntaktisch verbunden durch (bg [xeXAovxeg. Das Verb \ieXkeiv verwendet Jak nur hier. Es braucht darin nicht nur die Zukünftigkeit oder Unausweichlichkeit zu liegen , sondern könnte auch ein Selbst verständnis bezeichnen, im Sinn der »beabsichtigten H a n d l u n g « ° 3 . Auf jeden Fall unterstreicht u^XAovxeg: »Ihr werdet so gerichtet werden - das ist gewiß«. Evtl. klingt zudem ein Unterton mit: »Ihr wollt es ja selbst s o ! « - Die seltene Formulierung »durch das Gesetz (öia vöuxru) gerichtet werden« - nicht wie üblich »dem Gesetz gemäß, x a x a (xöv) v ö u o v « ° 5 - läßt das Gesetz zum logischen Subjekt werden. For mulierung und Gedankenzusammenhang berühren sich eng mit R o m 2,12 f.: »Die im Gesetz sündigten, werden durch das Gesetz gerichtet werden; denn nicht die Hörer des Gesetzes sind bei Gott gerecht, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden«. Die Verkopplung zwischen »Gericht« und »Gesetz« ist natür lich in der Sache angelegt und konventionell, auch im J u d e n t u m . Die Spitze bei Jak liegt aber bei dem besonderen »Gesetz der Freiheit«. Gerade mit diesem Gesetz werden sich die Adressaten beim Gericht konfrontiert sehen. Daß dabei an das eschatologische Gericht Gottes gedacht ist, steht außer Frage. - In 1,25 hatte Jak offen gelassen, wofür dieses Gesetz inhaltlich steht. Auch jetzt wird das Syntagma nicht expliziert. Seine Verwendung hat eher kommunikatorische als informatorische Funk tion. Die Leser wissen offensichtlich, was damit gemeint ist. Jak scheint einen beson deren Nerv treffen zu wollen, der mit »Freiheit« zusammenhängt, fast als wolle er sig nalisieren: »Euer geliebtes Gesetz der Freiheit, auf das ihr so stolz seid, wird euer Richter sein«. Eine inhaltliche Füllung läßt nur der Kontext (2,8 ff.) erkennen. Jeden falls liegt es nahe, dieses Gesetz mit dem »königlichen«, d. h. mit dem Gebot der Nächstenliebe (V. 8) zu identifizieren. Konkretere Hinweise auf den Inhalt der jak Interpretation liefert der weitere Kontext: ^ die Fürsorge für die Waisen und Witwen ( 1 , 2 7 ) , die Achtung des Armen (2,2 ff.) und die Hilfe für Bedürftige (2,15 f.). Jak hat im übrigen klargestellt (V. 10 f.), daß es keine illegitime Aushöhlung des »Geset zes der Freiheit« geben darf. In V. 13 wird mit »Erbarmen« noch ein besonderer Aspekt folgen. Jak kritisiert dieses Gesetz keineswegs; entscheidend ist für ihn, daß es wirklich getan und nicht mißbraucht wird. V. 12 trägt einen warnenden Unterton, wie immer man die kommunikatorische Situation einschätzt. Möglicherweise wenn nicht sogar wahrscheinlich - bezieht sich Jak auf frühchristliche theologische Fehlentwicklungen im Einflußbereich der paulinischen Mission. Ähnlich wie in 2,14 ff. würde Jak auch hier einem theologischen Reduktionismus entgegentreten. 202
2
2 0 4
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208
2 0 2
M a r t i n , W B C 7 0 : » z u k ü n f t i g e A k t i o n , d i e g e w i ß ist«. B a u e r - A . 1 0 1 5 f.: i m B e g r i f f s t e h e n , u n a u s w e i c h l i c h sein, » w i r d g e w i ß . . . « .
2
2
2
°3 Bauer-A 1015. °
4
V g l . H a u c k , B r i e f z. S t . ( w o l l e n ) .
° 5 S o z. B . ( m i t v ö u o c j J o h 1 8 , 3 1 ( m i t x o i v e i v ; L k 2 , 2 2 . 3 9 ; J o h 1 9 , 7 ; ( m i t e v u o M j ) L k 2 3 , 5 6 . V g l . W i l h e l m K ö h l e r : E W N T II 6 2 6 .
2 0 6
2 0 7
Vgl. Frankemölle, Ö T K 4 1 4 . K o n r a d t , E x i s t e n z 2 0 9 f., b e t o n t , a u c h V . 1 4 ff. k ö n n e w i e eine G e r i c h t s s z e n e (s. V. 1 2 f.) g e l e s e n w e r d e n ; d i e r h e t o r i s c h e n F r a g e n in V 14 seien a u s d e r sicheren P o s i t i o n v o n V. 1 2 f. f o r m u l i e r t .
2 0 8
I m A T fällt auf, d a ß d i e Z u s a m m e n s t e l l u n g v o n K a r d i n a l t u g e n d e n m e h r f a c h m i t d e m E i n t r e t e n für W a i sen u n d W i t w e n v e r b u n d e n ist: J e s 1 , 1 7 ; J e r 2 2 , 3 ; S a c h 7 , 9 f.
181
2,12-13
Aber selbst wenn solch eine Kommunikationssituation mit einer speziellen Polemik nicht impliziert sein sollte, bleibt der Aspekt der besonderen Konfrontation in der Sache: Es ist gerade dieses Gesetz, das sie richten wird. - 2,13a ist ein Nominalsatz; »erbarmungslos« steht prädikativ; zu ergänzen ist: »wird sein, wird ergehen«. Die Logik richtet sich nach dem ius talionis: im Gericht begegnet man seinem eigenen Verhalten; der Tat-Ergehen-Zusammenhang holt einen e i n . ° 9 Entscheidendes Krite rium ist »Erbarmen, Barmherzigkeit«. Das Adjektiv aveX,eog scheint Jak übrigens selbst geprägt zu h a b e n . Er verwendet den umfassenderen Ausdruck eX,eog, nicht den verengten eA,er]|ioai)vr] (»Armenliebe als Tugend und Armengabe als T a t « ) . Während die L X X eine große Anzahl an Stellen mit eX,eog aufweist (zumeist für ipö), begegnet uns das Substantiv im N T nur 2 7 m a l , dabei in der Formulierung »Barm herzigkeit üben, Gutes tun (jtoieTv)« lediglich Lk 1,72; 10,37 und Jak 2,13. Das Wort hat vom AT her einen deutlich religiösen Klang. Gott selbst läßt Erbarmen erge h e n ^ (vgl. etwa Lk 1,50.54.58.72.78 mit den Rückbezügen auf Ps 97,3; 102,17; 105,8; 106,45; Jes 60,1 f . ) . Ebenso verlangt Gott ein entsprechendes Verhalten zwischen Menschen (so z. B. Hos 6,6, rezipiert in M t 9,13; 12,7). Mit X Q i ö i g zusam men findet sich eXeog ntl. in M t 23,23, aber parallel, nicht antithetisch. Die Wurzel für diese Zusammenstellung liegt im AT; danach stehen Gerechtigkeit, Barmherzig keit, gerechtes Gericht, Wahrheit und Friede sehr wohl miteinander in Einklang; die Verletzung eines Elements beeinträchtigt auch die anderen. ^ Im Judentum wurde mehrfach das Verhältnis zwischen Gerechtigkeit und Gnade erörtert, und zwar mit dem Ergebnis: Im gegenwärtigen Aon triumphiere Gottes Barmherzigkeit über das R e c h t ; das werde erst im Endgericht anders, wenn es keine Umkehrmöglichkeit mehr g e b e . Insofern liest sich V. 13a wie eine prophetische und rabbinische R e g e l . Auch Jak betont: Im Endgericht wird es für den Mitleidlosen kein Mitleid geben. ^ - Was besagt dann der ohne Konjunktion angeschlossene V. 13b, daß näm lich Erbarmen über das Gericht triumphiere? KaxaxauxcxöOai bezeichnet die Geste des S i e g e r s . Jak bedient sich der Metapher einer streitigen Auseinandersetzung: Erbarmen, Barmherzigkeit (eA,eog) erringt den Sieg über Gericht, Verurteilung ( x o i ö i g ) . Wessen Erbarmen - Gottes oder des Betroffenen? Jak verzichtet auf nähe2
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2
2 1 4
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221
209 1m N T b e s o n d e r s M t 7 , 7 ; 1 8 , 2 9 . 3 4 ; 1 5 , 4 5 f.; v g l S i r 2 , 1 8 ; 5,6; 1 6 , 1 1 - 1 4 ; T o b 4 , 5 - 1 1 ; 1 2 , 7 - 1 0 ;
14,8-11.
V g l . H e i l i g e n t h a l 2 9 8 f. 2 1 0
V g l . B a u e r - A . 1 2 7 ; a t t i s c h heißt es d v n t a r i g .
2 1 1
V g l . F e r d i n a n d S t a u d i n g e r : E W N T I 1 0 4 4 : z\er\\ioovvr\
ist i m k l a s s i s c h e n G r i e c h i s c h u n b e k a n n t . V g l .
T e s t A b r 16. - J a k h a t m e h r als n u r A l m o s e n i m B l i c k ( m i t H e i l i g e n t h a l ) . 2 1 2
S t a u d i n g e r : E W N T I 1 0 4 6 - 1 0 5 2 . E s fehlt bei M k , J o h , A p g . D i e e n t s p r e c h e n d e n V e r b e n k o m m e n
etwa
e b e n s o h ä u f i g vor. 2 1 3
I m A T ist z u m e i s t G o t t d a s S u b j e k t v o n » B a r m h e r z i g k e i t t u n « . V o n M e n s c h e n ausgesagt: Sir 2 9 , l ; T e s t S e b u l 5 , l .
2 1 4
D i e h y m n i s c h e F o r m ist n i c h t zufällig; s. S t a u d i n g e r
2
1047.1049.
15 V g l . ä h n l i c h e K a r d i n a l w e r t e in J e s 1,17; J e r 2 2 , 3 ; M i 6 , 8 ; S a c h 7 , 9 f.; Ps 8 5 , 9 - 1 4 ; J u b 1,16 f.
2 1 6
Nissen 9 9 - 3 2 9 (»Gericht u n d Gnade«); »Barmherzigkeit drückt das Recht nieder« (110).
2 1 7
Nissen
2
114.
i s D i b e l i u s , K E K 1 8 3 f.
2 1
9 V g l . S t r . - B . I I I 7 5 5 . R . A q i b a : i m G e r i c h t g i b t es k e i n M i t l e i d .
2 2 0
B a u e r - A . 8 3 5 , d o r t a u c h e i n e G l a d i a t o r e n - I n s c h r i f t . I m N T n u r n o c h J a k 3 , 1 4 u n d Rom
1 l , 1 8 a . b (»sich
b r ü s t e n , g r o ß t u n , e r h a b e n sein ü b e r « ) . In der L X X n u r J e r 2 7 ( = 5 0 ) , 1 1 . 3 8 ; S a c h 1 0 , 1 2 . N u r i m p l i z i t h e i ß t d a s W o r t » f u r c h t l o s s e i n « (so z. B . L a w s , C o m m e n t a r y 1 1 8 ; S p i t t a 7 0 f.; S c h n i d e r 6 7 ) . 2 2 1
V o u g a 8 2 betont zu Recht: nicht der G l a u b e , sondern das E r b a r m e n triumphiert.
IV. G l a u b e , L i e b e , T a t e n .
182
re Angaben. Das Judentum betont, daß der Mensch seinem Nächsten Unrecht erlas sen und nicht an Zorn, Haß und Groll festhalten soll; andernfalls dürfe er nicht auf Vergebung hoffen (Sir 2 8 , 1 - 7 ) . Ja, Barmherzigkeit (eXenuoouvr]) sühnt Sünden (Sir 3,30) bzw. rettet aus dem Tod und reinigt von jeder Sünde (Tob 12,9). N u n spricht Jak nicht von S ü h n e , sondern von einem Widerstreit. Gegenüber dem Gericht hält das Erbarmen Bestand - und nur dieses, so wird man ergänzen dürfen. Der Verzicht auf einen Gen. subiectivus bei eXeog (wessen Erbarmen?) könnte beab sichtigt sein; beides ist impliziert: Das menschliche Erbarmen findet Respons beim Erbarmen G o t t e s . V. 13b ist dann positiver Gegen-Satz zur »Regel« V. 13a. Gottes Gericht fragt zu allererst nach praktiziertem Erbarmen. Nur dieses triumphiert über das Gericht; denn das Erbarmen entspricht Gottes eigenem Wesen und Willen. 5 Das theologische Leitwort eXeog interpretiert auch »lieben« (ayanäv), das Jak, abge sehen von der Anrede, nur formelhaft (1,12; 2,5) und im Zitat (2,8) bringt; mögli cherweise mangelte es diesem Wort in seinem Umfeld an theologischer Schärfe und K l a r h e i t . »Erbarmen« ist also für Jak ein hoch-theologischer und -ethischer Begriff. Er signalisiert eine göttlich-menschliche Solidargemeinschaft, die sich gegenüber dem weniger Begüterten und Begabten, ja vor allem dem Bedürftigen und Herabge setzten (vgl. 1,9-11; 4,7 ff.) b e w ä h r t . Das ist Gottes höchst eigenes Wesen. In die ser Richtung will Jak auch das »Gesetz der Freiheit« interpretiert wissen. 222
223
224
22
226
227
Vorbemerkungen
zu 2,14-26
(Gedankengang
und
Hintergrund)
B e k a n n t l i c h s t e h t g e r a d e d e r A b s c h n i t t 2 , 1 4 - 2 6 vielfach i m Z e n t r u m d e s Interesses a n J a k , w a s nicht heißen m u ß ,
er sei » d a s Z e n t r u m « d e s B r i e f e s .
unter den Bezeichnungen »Paulus und J a k o b u s «
2 2 2
2 2 9
2 2 8
S o l c h e s Interesse firmiert
, »Glaube und W e r k e «
2 3 0
vorzugsweise
, »Rechtfertigungsleh-
Ä h n l i c h P s P h o c y l 9 - 1 2 ( w o a u c h » n i c h t n a c h A n s e h e n richten!« e r s c h e i n t ) ; D a n 4 , 2 7 b L X X ; T B Q 9 , 3 0 : » S o l a n g e d u b a r m h e r z i g bist, e r b a r m t sich d e r B a r m h e r z i g e ü b e r d i c h « ( S t r . - B . I 2 0 3 ; e b e n s o d i e N e g a t i v seite b S c h a b b 1 5 1 b ) .
2 2 3
M i t K o n r a d t , Existenz 3 0 0 A n m . 8 9 ; anders Lautenschlager 1 8 2 (bei R a h a b dienen die Werke der B a r m h e r z i g k e i t als K o m p e n s a t i o n f ü r E h e b r u c h ) . D y r n e s s 1 4 sieht e i n e n K o n t r a s t z u V. 1 1 .
2 2 4
D a s e n t s p r i c h t d e n zitierten r a b b i n i s c h e n Stellen ( S t r . - B . I 2 0 3 ) .
2 2 5
M a n c h e K o m m e n t a t o r e n m e i n e n , e i n e n W i d e r s p r u c h z u 2 , 1 0 registrieren z u m ü s s e n ; s o e t w a L a u t e n schlager 1 8 2 .
226
m
g r u n d s ä t z l i c h e r W e i s e H a y s 2 0 0 ff.: w e d e r » L i e b e « n o c h » B e f r e i u n g « seien für d a s »focal i m a g e « d e r
ntl. E t h i k a u s r e i c h e n d . Ü b r i g e n s fehle äyäm)
a u c h in A p g (auffälligerweise speziell in d e n l u k S u m m a r i e n
d e r a p o s t o l i s c h e n P r e d i g t ) u n d e r s c h e i n e n u r selten i n H e b r u n d A p k . V g l . a u c h W i l s o n p a s s i m . 2 2 7
V g l . D y r n e s s 14: » S h o w i n g mercy is t h e w a y t h a t love will e x p r e s s itself in this n e w Community.«
2 2 8
L i t e r a t u r b e i B u r c h a r d , H N T z. S t . ; P o p k e s , A d r e s s a t e n 4 2 f. u. a.; s o W a l k e r ; L a c k m a n n ; L o h s e , G l a u b e ; Schräge, Ethik 2 6 7 - 2 6 9 ; G o p p e l t 5 4 0 - 5 4 2 ; L i n d e m a n n , Paulus 2 4 0 - 2 5 2 ; D a s s m a n n 108-118; L ü d e m a n n 1 9 7 - 2 0 4 ; . Z u 2 , 1 4 - 2 6 s. P o p k e s , A d r e s s a t e n 6 3 ff. 1 1 5 f f ; H e i l i g e n t h a l 2 7 . K r i t i k a n d e r Ü b e r s c h ä t z u n g v o n 2 , 1 4 - 2 6 z u R e c h t b e i F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 2 1 f. V g l . w e i t e r F a y 4 1 0 ff. ( u . a. z u m E r k e n n t n i s i n t e r e s se); B l o n d e l 1 4 7 ( W e r k e d e r L i e b e ) ; E c k a r t 5 2 4 (Vergleich m i t 1 , 1 9 - 2 5 ) ; N e u d o r f e r 2 8 5 ff. ( g e g e n L a u t e n s c h l a g e r u. a . ) . B u r c h a r d , H N T z. St.: 2 , 1 4 - 2 6 ist ein E x k u r s z u 2 , 1 2 f. » E r ... s o l l . . . z u m H a n d e l n f u h r e n , n i c h t n u r z u E i n s i c h t « . T h e o l o g i s c h e s H a u p t s t ü c k d e s Briefes »ist eher 1 , 1 2 - 2 5 , w e n n ü b e r h a u p t e i n e s « .
2 2 9
O d e r umgekehrt. Z . B . Jeremias; Eichholz, Jakobus; Bauckham, W i s d o m 113-140; Lodge.
230 Y g j
z
ß W a l k e r ; L a u t e n s c h l a g e r ; E i c h h o l z , G l a u b e ; L o r e n z e n . - Schweizer, E i n l e i t u n g 1 0 5 f., n o t i e r t d e n
U n t e r s c h i e d , d a ß J a k » W e r k « i m Plur. v e r w e n d e , P a u l u s d a g e g e n d e n S g . , » w o er v o n Ä u ß e r u n g e n d e s G l a u b e n s s p r i c h t « . A u f s G a n z e g e s e h e n , sei J a k e i n e » W a r n u n g v o r billiger G n a d e « ( 1 0 6 ) . B u r c h a r d , H N T
Vorbemerkungen zu 2,14-26 re«
2 3 1
u .ä. I m p l i z i e r t ist d a b e i n i c h t n u r d i e h i s t o r i s c h e F r a g e n a c h d e r zeitlichen u n d s a c h l i c h e n
Relation zwischen J a k u n d P a u l u s des
183
ntl. K a n o n s
2 3 3
2 3 2
, sondern mehr noch die nach der theologischen S t i m m i g k e i t
, n a c h d e m Verhältnis z w i s c h e n j ü d i s c h e m u n d c h r i s t l i c h e m V e r s t ä n d n i s v o n
Glauben und Werken
2 3 4
, v o r a l l e m aber d i e n a c h der K l a r h e i t d e r R e c h t f e r t i g u n g s l e h r e .
235
Auf
d e m H i n t e r g r u n d dieser R e z e p t i o n s g e s c h i c h t e k a n n der j a k G e d a n k e n g a n g gar n i c h t s o r g f ä l t i g g e n u g analysiert w e r d e n . den.
2 3 7
2 3 6
D a b e i m u ß a u c h der e n g e r e u n d weitere K o n t e x t e i n b e z o g e n wer
E b e n f a l l s ist z u u n t e r s u c h e n , inwieweit n e u e r e A n s ä t z e bei d e r S t r u k t u r i e r u n g
2 3 8
zur K l ä
rung beitragen. D i e verschiedenen Interpretationsvorschläge w i e d e r u m sind daraufhin zu besehen, m i t w e l c h e n V o r a u s s e t z u n g e n hinsichtlich K e n n t n i s s e n u n d V e r s t e h e n a u f S e i t e n d e s J a k bzw. sei ner Leserschaft: sie r e c h n e n . 1. E i n e erste U n t e r e i n h e i t b i l d e n V. 14-17.
D i e F r a g e in 2 , 1 4 a xi x ö öqpeXog w i r d in V. 1 6 c als
i n c l u s i o w i e d e r aufgegriffen u n d in V. 1 7 d u r c h eine c o n c l u s i o (ouxcog . . . ) a b s c h l i e ß e n d (so s c h e i n t es w e n i g s t e n s a u f d e n ersten Blick) b e a n t w o r t e t . Z u r D e b a t t e steht d a s » H a b e n « v o n G l a u b e u n d W e r k e n . D i e V e r b i n d u n g d e r F a k t o r e n G l a u b e u n d W e r k e d u r c h d a s V e r b » h a b e n « ist e i g e n t ü m lich für d i e j a k B e h a n d l u n g d e r T h e m a t i k , allerdings n u r in 2 , ( 1 . ) 1 4 - 1 8 a , n i c h t m e h r in V. 1 8 b - 2 6 ; o b sie freilich v o n i h m s t a m m t , ist eine a n d e r e F r a g e . D a s A r g u m e n t a t i o n s z i e l d e s J a k ist z u n ä c h s t e i n m a l in V. 1 7 enthalten: E i n G l a u b e ( S u b j e k t ) , d e r k e i n e W e r k e » h a t « , ist t o t . Kombination »Glauben (Objekt) h a b e n «
2 4 0
2 3 9
D i e umgekehrte
findet sich V. 14 ( u n d w i e d e r V. 1 8 ) ; sie w i r d p r o b l e -
m a t i s i e r t . D a s U r t e i l d e s A u t o r s w i r d d u r c h zwei rhetorische F r a g e n m i t d e n S t i c h w ö r t e r n » n u t z e n « (V. 1 4 . 1 6 ) u n d »retten« (V. 14) s o w i e d u r c h d i e F e s t s t e l l u n g d e s T o t - S e i n s (V. 1 7 ) a u s g e s p r o c h e n .
2 3 1
2 3 2
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2 3 5
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z. St.: » T h e m a i s t . . . d a ß G l a u b e allein, i n V. 1 2 vertreten d u r c h d i e E r w a r t u n g , n a c h d e m G e s e t z d e r F r e i heit i m G e r i c h t w o h l w o l l e n d beurteilt z u w e r d e n , d o r t n i c h t rettet, weil er o h n e >Werke< t o t ist«. Z . B . H a a c k e r , J u s t i f i c a t i o n ; vgl. a u c h C o m p t o n . S . d a z u d i e E i n l e i t u n g § 5,4. - S t u h l m a c h e r I I (zu 2 , 1 4 - 2 6 s. 6 0 - 6 6 ) will d i e K r i t i k , » d i e in 2 , 1 4 - 2 6 a n d e r p a u l i n i s c h e n A u f f a s s u n g v o n R e c h t f e r t i g u n g g e ü b t w i r d « , in d a s Verhältnis z w i s c h e n J a k u n d P a u l u s ein o r d n e n ( 6 1 ) ; er sieht » i m J a k e i n w i r k l i c h v o m H e r r e n b r u d e r a u t o r i s i e r t e s Z i r k u l a r s c h r e i b e n a n d i e C h r i s tenheit in der D i a s p o r a « , das »den gemäßigten Paulusgegnern den R ü c k e n « stärkt, »die d e n H e i d e n (nur) d i e T a u f e u n d d i e E i n h a l t u n g d e r v o m L i e b e s g e b o t her g e w i c h t e t e n ( J e s u s - ) T o r a a b f o r d e r t e n « ( 6 3 ) . Z . B . Eichholz, J a k o b u s ; B a u c k h a m , W i s d o m 1 1 2 - 1 5 7 »James in canonical context«, 1 1 3 - 1 4 0 z u »James a n d Paul«; L ü h r m a n n 7 8 (»Klarheit der Schrift«). Vgl. Ernst B a m m e l , G l a u b e III. Zwischentestamentliche Zeit u n d rabbinisches J u d e n t u m : T R E 13 ( 1 9 8 4 ) 3 0 4 f.; M a r t i n B u b e r , Z w e i G l a u b e n s w e i s e n , Z ü r i c h 1 9 5 0 . A u c h d i e A b r a h a m - R e z e p t i o n spielt d a b e i eine w e s e n t l i c h e R o l l e , w a s sich i n d e n z a h l r e i c h e n n e u e r e n S t u d i e n w i d e r s p i e g e l t ; s. d a z u P. M ü l l e r ; Berger, A b r a h a m ; H a h n / M ü l l e r , T h R 1 9 9 8 , 4 0 f.; L a m b r e c h t ; L o n g e n e c k e r , A b r a h a m (er b e t o n t , d a ß es f ü r d i e A b r a h a m - R e z e p t i o n a u f d i e j e w e i l i g e n U m s t ä n d e a n k o m m t ) ; M a y e r ; N e u b r a n d ; Roloff; S a n d m e l ; S o a r d s ; Siker; W i e s e r ; M a r t i n H e n g e l , J u d e n t u m u n d H e l l e n i s m u s ( W U N T 1 0 ) , T ü b i n g e n ( M o h r ) 3 . A u f l . 1 9 8 8 , 5 5 2 f. (zur W e r t s c h ä t z u n g A b r a h a m s bei d e n H e l l e n i s t e n i m f r ü h e n 2 . J h . v. C h r . ) . Z u » G l a u b e « vgl. n o c h C a n t i n a t , foi, u n d S a t o 6 7 : » D i e K i r c h e n m i t g l i e d e r , d i e d e r A u t o r i m S i n n e hat, h a b e n o f f e n b a r d e n ethi s c h e n E r n s t des P a u l u s beiseite g e l a s s e n u n d d i e W o r t e d e s P a u l u s z u i h r e m e i g e n e n N u t z e n s o a u s g e l e g t , d a ß sie ihren Status quo rechtfertigen. D i e K r i t i k d e s A u t o r s zielt g e r a d e a u f d i e s e e g o z e n t r i s c h e Idealisierung des Glaubens«. S o b e s o n d e r s d i e l u t h e r i s c h e I n t e r p r e t a t i o n , einschließlich d e r F r a g e d e r » S a c h k r i t i k « - z u m e i s t a n J a k ; vgl. N e u d o r f e r ; M a r x s e n ; S c h u l z 6 4 2 ff. Z u r ü c k h a l t e n d S c h r ä g e , E t h i k 2 6 9 . N a c h w i e v o r h e r v o r r a g e n d : D i b e l i u s , K E K 1 8 4 ff. m i t zwei E x k u r s e n ( D a s A b r a h a m - B e i s p i e l , 2 0 7 - 2 1 4 ; G l a u b e u n d Werke bei Paulus u n d Jakobus, 2 1 4 - 2 2 1 ) . Neuere Literatur bei Konradt, Existenz 2 0 7 - 2 4 8 . Z u r Stilistik s. W e s t h u i z e n . B u r c h a r d , H N T z. S t . , gliedert: »V. 1 4 - 1 7 m a c h e n d a s T h e m a v o r l ä u f i g p l a u s i bel«; V. 1 8 - 2 6 R e a k t i o n a u f E i n w a n d (V. 1 8 a ) ; J a k b r i n g t » z u n ä c h s t d e n E i n w e n d e r i n B e w e i s n o t (V. 1 8 1 9 ) u n d b e w e i s t i h m d a n n seine e i g e n e T h e s e d a r a n , d a ß A b r a h a m a u f G r u n d v o n T a t e n als g e r e c h t a n e r k a n n t w u r d e (V. 2 0 - 2 3 ) « . V. 2 4 zieht d a r a u s V e r a l l g e m e i n e r u n g , w e n d e t sich w i e d e r a n d i e A d r e s s a t e n ; V. 2 5 stützt d e n S a t z d u r c h Beispiel, V. 2 6 d u r c h Vergleich; d a m i t a b s c h l i e ß e n d n o c h e i n m a l d a s T h e m a . B u r c h a r d , Z N W 1 9 8 0 , 2 7 ff.; F r a n k e m ö l l e , Ö T K 4 2 1 ff.; g e g e n D i b e l i u s , K E K z. S t . S o v o n d e r R h e t o r i k ( W a t s o n , J a m e s 2 ) o d e r P o e t i k ( B ü r g e ) her. D e m e n t s p r i c h t p o s i t i v 1,4: D i e A u s d a u e r soll ein v o l l k o m m e n e s W e r k h a b e n . A n d e r s gemeint in 2 , 1 : d e n G l a u b e n halten, behandeln.
IV. G l a u b e , L i e b e , Taten .
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D i e F o r m u l i e r u n g in V. 1 4 c klingt n o c h recht kategorisch. N u n fügt J a k aber in V. 1 7 c alsbald q u a lifizierend an: »der G l a u b e x a 6 eauxfrv ist t o t « , ähnlich wie später in V. 2 4 b »aus G l a u b e n , u\övov«. D a m i t qualifiziert er d e n G l a u b e n , der nicht zu retten v e r m a g , näher als einen G l a u b e n , der bei sich selbst b l e i b t . - Intratextuell erinnert 2 , 1 4 c an 1,21 (»das eingepflanzte W o r t k a n n die Seelen r e t t e n « ) . D i e S a c h l a g e in 2 , 1 4 ff. gleicht der in 1 , 2 2 - 2 5 bis zu e i n e m gewissen G r a d . D o r t w u r d e in ähnlicher Weise vor d e m I r r t u m gewarnt, das bloße (u\6vov; d a s W o r t nur 1,23 u n d 2 , 2 4 ) Z u h ö r e n reiche a u s ; w a s zählt ( z u m »Selig-Sein« 1,25), ist vielmehr d a s T u n des Wortes ( 1 , 2 3 ) bzw. des Werkes ( 1 , 2 5 ) . D a s T h e m a » G l a u b e « fuhrt 2 , 1 4 - 2 6 zwar über 1 , 2 2 - 2 5 hinaus; aber die E n t s p r e c h u n g zwischen N u r - H ö r e n u n d N u r - G l a u b e n ist evident. D a s P r o b l e m liegt h ü b e n u n d d r ü b e n bei der praktischen K o n s e q u e n z l o s i g k e i t . J a k hat offensichtlich einen inaktiven G l a u b e n im Visier. A n d e r s als in 1 , 2 2 - 2 5 führt J a k jetzt a b e r e i n e b e s t i m m t e B e h a u p t u n g eines » J e m a n d « an u n d bringt d a m i t einen M e i n u n g s s t r e i t zur S p r a c h e : J e m a n d sagt ( 2 , 1 4 b ) , »er h a b e G l a u b e n « . D e m stellt der A u t o r sofort die Qualifizierung zur Seite: »er hat aber keine W e r k e « . V. 1 4 c scheint d a r a u f h i n z u d e u t e n , d a ß der s o e b e n Zitierte selbst ( u n d nicht nur J a k als K o m m e n tierender) d a m i t die H e i l s e r w a r t u n g v e r b i n d e t . 5
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D a s Beispiel in V. 15 f. redet v o n einem Verhalten zwischen Christen; es zeigt eine z u m i n d e s t gedankenlose Einstellung einiger gegenüber armen M i t - C h r i s t e n . K o m m e n die so Dargestellten gar nicht auf den G e d a n k e n , daß echter G l a u b e mit praktizierter F r ö m m i g k e i t einhergehen m u ß ? J a k stellt Fragen, u m die Differenz deutlich werden zu lassen. D i e Frageform ist nicht nur Stilmittel, s o n dern impliziert als G e g e n ü b e r eine falsche Einstellung b e i m T h e m a » G l a u b e « . D i e Primärfrage in 2 , 1 4 - 1 7 lautet: » W o z u ist das nützlich?« J a k wendet sich gegen einen defizitären G l a u b e n , u n d zwar in einer Weise, daß der G l a u b e i m Z u s a m m e n h a n g mit der Heilsfrage zunächst schlechte N o t e n zu b e k o m m e n scheint. D i e N o t i z x a 6 ' tavxr\v a m Schluß deutet d a n n aber a u f weiteren A r g u m e n t a tionsbedarf hin: Inwiefern ist der i m vorigen kritisierte G l a u b e unzureichend? Abgesehen davon, ist V. 1 4 - 1 7 in sich abgerundet u n d sachlich abgeschlossen, wie das »Todesurteil« V. 1 7 c zeigt. 245
2 . E i n e weitere Untereinheit scheint in V. 18-20 vorzuliegen. In 2 , 1 8 wird die W o r t k o m b i n a tion v o n » h a b e n « u n d » G l a u b e « bzw. »Werke« zunächst fortgeführt, d a n n aber sogleich d u r c h die E l e m e n t e ö e i x v u u i (»aufzeigen, beweisen«: V. 18b.c) u n d xwgic, ( » o h n e , getrennt v o n « : V. 1 8 b . 2 0 ) modifiziert. I m einzelnen bereitet V. 18 eine U n s u m m e an P r o b l e m e n , die wir j e d o c h einstweilen zurückstellen k ö n n e n , weil m a n d e n G e d a n k e n g a n g a u c h u n a b h ä n g i g v o n ihrer K l ä r u n g relativ g u t weiter verfolgen k a n n . M e t h o d i s c h gesehen, ist es bedenklich, v o n einer n o t g e d r u n g e n nicht p r o blem-freien Interpretation des V. 18 a u s d e n G e d a n k e n g a n g zu entwerfen. D a s ist speziell g e g e n die A u f f a s s u n g e i n z u w e n d e n , V. 1 8 c enthalte die D i s p o s i t i o n für d a s F o l g e n d e ; J a k wolle in V. 1 9 2 6 sein Versprechen einlösen, » d e n G l a u b e n als rettende G r ö ß e d a r z u l e g e n « . D e r Aufweis in V. 18c bezieht sich schließlich a u f »aus meinen W e r k e n « ; a u f diese rekurriert J a k j e d o c h i m folgen d e n gar nicht. F ü r d e n G e d a n k e n g a n g ist die B e o b a c h t u n g wesentlich, d a ß a u f j e d e n Fall V. 2 0 ein Urteil enthält, das d e m in V. 17 entspricht: G l a u b e o h n e W e r k e ist d o y r i (ertraglos, 246
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A n d e r s ist d i e L a g e in 5 , 1 5 : » D a s G e b e t d e s G l a u b e n s wird i h n retten«, allerdings d e n K r a n k e n , also j e m a n d anders. Ahnliches besagt 5 , 2 0 . Zcp^eiv erstmals wieder seit 1 , 2 1 ; d a n a c h n o c h 4 , 1 2 ; 5 , 1 5 . 2 0 . - V g l . K o n r a d t , E x i s t e n z 2 3 4 ff. K o n r a d t , E x i s t e n z 2 3 7 (iustitia inactiva). J e d o c h n u r implizit! 5 G a n z ähnlich I J o h 3 , 1 7 . M i t V. 18 t u t sich jeder K o m m e n t a t o r schwer. E i n e glatte, a u f allgemeinen K o n s e n s s t o ß e n d e L ö s u n g gibt es in der F o r s c h u n g nicht. 7 K o n r a d t , E x i s t e n z 2 2 3 ; B u r c h a r d , Z N W 1 9 8 0 , 3 7 f. I n V 1 8 b heißt es d a g e g e n » d e i n e n G l a u b e n « . V. 2 0 scheint die Passage a b V 1 8 z u beschließen. Freilich heißt es in V. 2 0 nicht ovv, s o n d e r n ö e . D a r a u s k ö n n t e m a n a u f E r ö f f n u n g einer n e u e n Einheit folgern; s o K o n r a d t , E x i s t e n z 2 2 6 f., der allerdings V 2 0 m i t V 2 1 - 2 3 u m der S a c h e willen e n g z u s a m m e n sieht. Cf. B a u e r - A . 2 1 0 . A u c h M t 2 0 , 3.6; I T i m 5 , 1 3 » o h n e B e s c h ä f t i g u n g « ; T i t 1 , 1 2 »faule B ä u c h e « . J a k b r i n g t ein s c h ö n e s Wortspiel m i t egya.
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Vorbemerkungen zu 2,14-26
185
u n b r a u c h b a r ) . In V. 2 6 w i r d J a k d i e W e n d u n g f| m o r i g Xu)Qig eoycov n o c h e i n m a l aufgreifen, also in s e i n e m Abschlußurteil; d e s h a l b findet sich a u c h bereits in V. 2 0 d i e m a ß g e b l i c h e A u s s a g e d e s J a k . In V. 2 0 spricht also der A u t o r selbst (wieder), wie i m m e r m a n d i e R o l l e n in V. 18 ff. verteilt sehen will. D i e b e i d e n x^Qig-Sätze in V. 1 8 . b . 2 0 bilden für V. 1 8 - 2 0 eine inclusio. D i e scharfe Invektive in V. 2 0 a bestärkt d e n E i n d r u c k , d a ß V. 1 8 - 2 0 eine in sich a b g e r u n d e t e kleine E i n h e i t ist. T h e m a ist d i e Aufweisbarkeit bzw. Beweisbarkeit d e s G l a u b e n s ( b e i d e m a l ist maxie; O b j e k t v o n ö e i x v u u x ) . E r s t m a l s w i r d in V. 1 9 » g l a u b e n « ( z w e i m a l Verb) inhaltlich b e s t i m m t , n ä m l i c h als G l a u b e a n d e n einen G o t t . V o n d i e s e m G l a u b e n k a n n m a n j e d o c h nicht a u f heilvolle A u s w i r k u n g e n b e i m S u b j e k t schließen (V. 1 9 b ) . W i e d e r u m also ist (implizit) d i e V e r b i n d u n g zwischen G l a u b e u n d H e i l i m Blick. M i t V. 1 8 hatte eine A r t S o n d e r d i a l o g m i t e i n e m J e m a n d b e g o n n e n . D i e s e r D i a l o g k ö n n t e — w i e a u c h d i e S a c h d i s k u s s i o n - m i t V. 2 0 b e e n d e t sein; aber J a k setzt beides fort. 3. E s folgt in V. 2 1 d e r H i n w e i s a u f A b r a h a m u n d d a s T h e m a R e c h t f e r t i g u n g . W e s h a l b b r i n g t J a k diese b e i d e n E l e m e n t e ? W a s k ö n n e n sie d e m bisherigen D i s k u r s n o c h beifugen? Inwiefern h a n delt es sich evtl. u m eine digressio? I m m e r h i n lenkt die S c h l u ß c o n c l u s i o V. 2 6 z u V. 2 0 z u r ü c k u n d sagt nichts m e h r z u m T h e m a Rechtfertigung. I n n e r h a l b v o n V. 2 1 - 2 6 b i l d e n V. 21-23 eine weite re U n t e r p a s s a g e . - D i e V e r b i n d u n g zwischen » G e r e c h t i g k e i t « u n d » b e w i r k e n « (eQyäQeoQai) war b i s l a n g n u r 1,20 aufgetaucht, allerdings in einer V e r n e i n u n g (»der Z o r n eines M a n n e s bewirkt keine G e r e c h t i g k e i t G o t t e s « ) . A b r a h a m dient als Beweis d e r R e c h t f e r t i g u n g a u s W e r k e n (V. 2 1 a ) . Von s e i n e m G l a u b e n ist in d e m Schrifthinweis ( G e n 2 2 ) allenfalls implizit die R e d e ; erst i m Z i t a t v o n G e n 1 5 , 6 (V. 2 3 ) heißt es expressis verbis » A b r a h a m g l a u b t e G o t t « . J a k sieht (in V. 2 1 ) offen bar in A b r a h a m s T a t d e n e n t s c h e i d e n d e n Vertrauensbeweis; e n t s p r e c h e n d V. 18 k ö n n e m a n also bei A b r a h a m aus d e m W e r k a u f d e n G l a u b e n zurückschließen. Insofern ist V. 2 1 ein N a c h t r a g z u V. 1 8 - 2 0 . A b e r J a k k o m m t es nicht n u r d a r a u f an, s o n d e r n a u f das T h e m a Rechtfertigung, w i e V. 2 3 . 2 4 . 2 5 - also a u c h über d a s A b r a h a m - B e i s p i e l h i n a u s - belegen. D i e B e h a n d l u n g d e r A b r a h a m - T h e m a t i k u m f a ß t V. 2 1 - 2 3 . D e m entspricht die B e i b e h a l t u n g der A n r e d e in d e r 2 . Pers. S g . , also des » S o n d e r d i a l o g s « . D i e F o l g e r u n g a u s d e m H i n w e i s a u f A b r a h a m s T a t ist bereits in V. 2 2 enthalten, u n d zwar in d e r G e s t a l t eines A p p e l l s a n d i e E i n s i c h t (ßXejteig) - n a c h d e m A p p e l l v o n V. 2 0 a n die E r k e n n t n i s (OeXeig ö e y v ö j v a i ) . D i e d o p p e l t e A u s s a g e über die m o x i g in V. 2 2 ist frei lich k o m p l e x u n d kontextuell ü b e r r a s c h e n d : » D e r G l a u b e wirkt m i t seinen W e r k e n z u s a m m e n ; d e r G l a u b e w i r d aus d e n W e r k e n v o l l e n d e t . « J a k fugt hinzu, d a ß s o die Schrift(stelle) G e n 1 5 , 6 ( a n die er a n h ä n g t : » u n d w u r d e F r e u n d G o t t e s g e n a n n t « ) erfüllt w u r d e . D i e A u s s a g e n in V. 2 2 s i n d m i t d e n bisherigen nicht völlig k o n g r u e n t ; d e n n jetzt heißt es nicht m e h r » G l a u b e o h n e W e r k e ist tot, n u t z l o s « , s o n d e r n d e r G l a u b e w i r d m i t d e n W e r k e n i n eine A r t Interaktion gestellt, erhält d a m i t eine positive F u n k t i o n u n d gilt g e r a d e z u als Ziel d e r Werke. D i e L o g i k ist in V. 2 2 a nicht g a n z deutlich; d e n n w a s soll ein » Z u s a m m e n w i r k e n m i t d e n W e r k e n « b e d e u t e n ? Ebenfalls ist nicht o h n e weiteres klar, w i e d e r G l a u b e »aus d e n Werken vollendet« wird. A n s c h e i n e n d ist V. 2 2 eine Schnittstelle in der a r g u m e n t a t i v e n Verarbeitung v o n T r a d i t i o n e n , die n o c h b e s o n d e r e r B e a c h tung b e d a r f . J a k arbeitet a u f die rechte Interpretation d e s Z i t a t s G e n 1 5 , 6 h i n , d a s v o n A b r a 2 5 1
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J a c o b s betrachtet 2 , 2 1 - 2 3 als einen M i d r a s c h a u f d e m H i n t e r g r u n d f r ü h j ü d i s c h e r E x e g e s e . D e r H i n w e i s a u f A b r a h a m reflektiere » a c o m p l e x o f ideas w i d e l y current i n early times, relating t o A b r a h a m ' s love for God as characterized b y his faith-obedience, his total Submission t o t h e D i v i n e will« ( 4 6 1 ) . D a r i n sieht K o n r a d t , E x i s t e n z 2 2 7 f., richtig. V. 2 4 ist N e u e i n s a t z . D i b e l i u s , K E K 197: D e r Verfasser g e h t u n m e r k l i c h v o n der D i a l o g f o r m a b . R i c h t i g d a g e g e n K o n r a d t , E x i s t e n z 2 2 7 ff. 54 Teilweiser C h i a s m u s ; V. 2 2 a G l a u b e - Verb - Werke; V. 2 2 b W e r k e - G l a u b e - Verb. 55 D i b e l i u s , K E K 2 0 0 f. D a s P r o b l e m zeigt sich in d e n U b e r s e t z u n g e n . D i b e l i u s , K E K 2 0 1 : »der G l a u b e hilft d e n W e r k e n « ; L a u tenschlager 1 8 0 : der G l a u b e hat zur R e c h t f e r t i g u n g A b r a h a m s lediglich (!) m i t g e w i r k t (vgl. 1 8 0 A 7 8 z u S t u h l m a c h e r ) ; K o n r a d t , E x i s t e n z 2 2 9 f.: » D e r G l a u b e wirkte (kontinuierlich) m i t d e n W e r k e n z u s a m m e n « . S c h n i d e r 6 7 » D e r G l a u b e h a l f seinen W e r k e n « ( 7 3 Interpretation: » D e r G l a u b e arbeitet m i t , i n d e m er die W e r k e hervorruft, sie unterstützt u n d i h n e n hilft«); A d a m s o n , E p i s t l e 1 2 1 »faith s h a r e d in his w o r k s « . 257 V g l . B u r c h a r d , Z N W 1 9 8 0 , 4 2 : V 2 2 will » d e n G l a u b e n h e r u n t e r s p i e l e n « (s. aber K o n r a d t , E x i s t e n z 2 2 9 ) . 2 5 2
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IV. G l a u b e , Liebe, Taten .
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h a m s G l a u b e u n d R e c h t f e r t i g u n g handelt, aber nicht (direkt) v o n seinen W e r k e n , w ä h r e n d d i e A n s p i e l u n g a u f G e n 2 2 in V. 2 1 b expressis verbis weder v o n ( A b r a h a m s ) G l a u b e n n o c h v o n W e r k e n n o c h v o n der R e c h t f e r t i g u n g s p r a c h . J a k stellt der g a n z e n U n t e r p a s s a g e V. 2 1 - 2 3 j e d o c h p o i n tiert v o r a n : A b r a h a m 8 Ö i x a i ( b 0 T ] , u n d zwar »aus W e r k e n « . J a k b a u t a n s c h e i n e n d a b V. 2 1 e i n e m a n d e r e n , gegenteiligen Verständnis v o n G e n 1 5 , 6 v o r . E r bezieht G e n 15 bereits i m V o r w e g a u f G e n 2 2 , d. h. Isaaks O p f e r u n g , d i e A q e d a . D a b e i w i r d a u c h A b r a h a m s G l a u b e n e u beleuchtet (V. 2 2 ) . J a k m u ß t e a u f S e i t e n seiner A d r e s s a t e n offenbar m i t d e m H i n w e i s a u f A b r a h a m s G l a u b e n u n d R e c h t f e r t i g u n g ( s a m t Schriftzitat) rechnen als A r g u m e n t g e g e n seine eigenen A u s f u h r u n g e n über die m o x i g . W i e a u c h a n d e r s w o bei J a k ist an solchen Schnittstellen ein gewisses S c h w a n k e n in der G e d a n k e n f ü h r u n g z u b e o b a c h t e n . D a ß J a k f o r m a l die D e b a t t e ü b e r A b r a h a m i m S o n d e r d i a l o g m i t d e m av0Qu)Jtog x e v ö g (V. 2 0 ) ablaufen läßt, scheint b e a b s i c h t i g t z u sein: N u r ein törichter M e n s c h k a n n d a s G e g e n t e i l dieser A r g u m e n t a t i o n b e h a u p t e n . 2 5 8
2 5 9
4. E i n e letzte E i n h e i t b i l d e n V 24-26. M i t V. 2 4 kehrt J a k zur A n r e d e i m Plural z u r ü c k , o h n e d a n n j e d o c h weiter m i t d e n A n g e r e d e t e n in direkte K o m m u n i k a t i o n z u treten. E r b r i n g t zwei Fest stellungen (V. 2 4 . 2 6 ) u n d eine rhetorische F r a g e (V. 2 5 ) . E n t s p r e c h e n d V. 2 2 w i r d in V. 2 4 der A r g u m e n t a t i o n s e r t r a g a d o c u l o s d e m o n s t r i e r t (»ihr seht«); V. 2 6 b folgert w i e V. 1 7 d u r c h ein oikcng, jetzt aber mittels eines a n t h r o p o l o g i s c h e n Vergleichs ( V . 2 6 a ) . G e n a u betrachtet, zieht V. 2 4 die K o n s e q u e n z aus V. 1 4 - 1 7 u n d V. 2 1 - 2 3 zugleich; d e n n »gerechtfertigt w e r d e n a u s W e r k e n « ist das in V. 2 1 a n g e g e b e n e (neue) T h e m a u n d »nicht aus G l a u b e n allein« entspricht d e m » G l a u b e für sich« in V. 1 7 c . D a s R a h a b - B e i s p i e l unterstreicht diese A r g u m e n t a t i o n : »Sie w u r d e a u s W e r k e n gerechtfertigt«, w o b e i ihre e n t s c h e i d e n d e T a t g e n a n n t wird. V o n R a h a b s G l a u b e ist expressis verbis nicht d i e R e d e , o b w o h l der K o n t e x t (einschließlich V. 2 6 ) zeigt, d a ß J a k weiterhin p r i m ä r a m T h e m a » G l a u b e / W e r k e « interessiert ist. V. 2 6 d a g e g e n greift m i t der F o r m u l i e r u n g m o x i g X ^ Q ? eQycov a u f V. 1 8 - 2 0 zurück, speziell a u f V. 2 0 b , z u d e m m i t »tot« a u f V. 1 7 c . E s fehlt in V. 2 6 j e d o c h eine qualifizierende B e m e r k u n g w i e in V. 1 7 . 2 4 (»für sich«, »allein«); d a s Urteil w i r d einfach ü b e r d e n » G l a u b e n o h n e . . . « gefällt. A m S c h l u ß kehrt J a k s o m i t zur einfachen, g r u n d s ä t z l i c h e n Feststellung ü b e r d i e R e l a t i o n zwischen G l a u b e u n d W e r k e n zurück: G l a u b e o h n e W e r k e ist tot. K r i t e r i u m ist die L e b e n d i g k e i t ; o h n e W e r k e ist der G l a u b e wie ein lebloser K ö r p e r . 1
5. J a k h ä t t e d i e G e d a n k e n ü b e r » G l a u b e u n d W e r k e « d u r c h a u s a u c h o h n e R e c h t f e r t i g u n g s t h e m a t i k , A T - B e i s p i e l e ( A b r a h a m , R a h a b ) u n d Z i t a t i o n v o n G e n 1 5 , 6 darlegen k ö n n e n . V. 21-25 b r i n g e n eine gewisse sachliche U n r u h e in d e n A r g u m e n t a t i o n s g a n g . Speziell die Stelle G e n 1 5 scheint für J a k ein Störfaktor z u sein. E r scheint z u d e m g e m e r k t z u h a b e n , d a ß seine Interpretation vielleicht d o c h nicht g a n z stringent für d e n W i d e r p a r t a u s s a h . D e s w e g e n fügt er ( a u c h n a c h der c o n c l u s i o V. 2 4 ) n o c h d a s R a h a b - B e i s p i e l hinzu; d e n n hier b e s t a n d a n s c h e i n e n d k e i n e U n s i c h e r heit. V o n R a h a b s G l a u b e sagt zwar d i e Schrift expressis verbis n i c h t s , w o h l aber v o n ihrer T a t ; also w a r hier a u c h nichts mißzuverstehen, anders als evtl. bei A b r a h a m . D i e T e x t e e r w ä h n e n aller d i n g s a u c h n i c h t eine R e c h t f e r t i g u n g R a h a b s ; d a ß J a k e ö i x a i d ) 6 T ] zufügt, zeigt sein t h e o l o g i sches u n d a r g u m e n t a t i v e s Interesse a n . D i e s e r Beleg stützt seiner A n s i c h t n a c h die s o e b e n geliefer te Interpretation des A b r a h a m - B e i s p i e l s : » d e r / e i n M e n s c h w i r d aus d e n W e r k e n g e r e c h t f e r t i g t . . . « (V. 2 4 ) . - D i e s e F o r m u l i e r u n g n u n steht b e k a n n t l i c h in enger sprachlicher N ä h e z u Rom 3 , 2 8 , w o Paulus seine A r g u m e n t a t i o n vorläufig abschließt, bevor er m i t » A b r a h a m , u n s e r e m Vater« ( 4 , 1 ) , m i t d e s s e n R e c h t f e r t i g u n g nicht e § EQywv ( 4 , 2 ) u n d d e m Schriftbeleg G e n 1 5 , 6 ( 4 , 3 ) b e g i n n t : 2 6 0
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V g l . L a u t e n s c h l a g e r 1 7 9 m i t A n m . 7 1 : weit geeigneter w ä r e n G e n 2 2 , 1 6 f.; 2 6 , 5 ; I M a k k 2 , 5 2 ; Sir 4 4 , 2 0 ; J u b 2 3 , 1 0 gewesen, u n d zwar in e i n e m V e r s t ä n d n i s , w i e es P a u l u s vertritt. 59 M i t D i b e l i u s , K E K 2 0 0 . ^o Z u G e n 1 5 , 6 s. H a h n , G e n e s i s ; M o s i s 2 2 5 ff. A n d e r s H e b r 1 1 , 3 1 , w o a u c h R a h a b in d i e R e i h e » i m G l a u b e n . . . « gestellt w i r d . - J o s 2 , 9 - 1 1 enthält ein B e k e n n t n i s der R a h a b , d a s d e m in J a k 2 , 1 9 nicht u n ä h n l i c h ist: » D e n n der Herr, euer G o t t , ist G o t t i m H i m m e l o b e n u n d a u f der E r d e u n t e n « . J a k h ä t t e d a s g u t v e r w e n d e n k ö n n e n ; o b er d a v o n w u ß t e , ist zwei felhaft. V g l . L a u t e n s c h l a g e r 1 8 2 . A b g e s e h e n v o n ihrer R e t t u n g d u r c h V e r s c h o n u n g ; aber d a s ist etwas a n d e r e s .
2
2
2 6 1
2 6 2
Vorbemerkungen zu 2,14-26
187
» W i r folgern n ä m l i c h : ö i x a i c n j a ö a i m a x e i dvOocojiov %(x)Qi<; EQywv s c h e i n e n a u c h d i e W e n d u n g e n » A b r a h a m , unser V a t e r «
2 6 4
W
vo\iov«
(3,28).
2 6 3
H i e r er-
L
u n d X Q ? eovcov (wie J a k 2 , 1 8 . 2 0 . 2 6 ) .
Ä h n l i c h p o i n t i e r t äußert sich P a u l u s in G a l 2 , 1 6 : ov ö i x a i c n j x o a dv0Qü)JTog e § e D y c o v vo\iov
edv
6 i d m a x e c n g . E s folgt in G a l 3 der H i n w e i s a u f A b r a h a m , eingeleitet m i t d e m Z i t a t v o n G e n 15,6.
2 6 5
J a k argumentiert offenkundig antithetisch
266
, u n d d a s n i c h t n u r der S a c h e n a c h (»er w u r -
d e a u s W e r k e n gerechtfertigt«: V. 2 1 . 2 4 , a u c h V. 2 5 ) , s o n d e r n a u c h in d e r D i k t i o n : » u n d nicht a u s G l a u b e n allein« (V. 2 4 ) . D i e adverbiale N o t i z » n i c h t . . . allein« zielt p o l e m i s c h a u f d i e A u s s c h l i e ß lichkeit der G e g e n f o r m u l i e r u n g ( m a x e i . . . X ^ Q ? EQywv..). 1
S i e zeigt j e d o c h zugleich eine gewisse
K o n z e s s i o n a n (»nicht nur, a b e r a u c h nicht v ö l l i g o h n e « ) . O f f e n b a r schätzt J a k d e n G l a u b e n a n sich j a n i c h t n e g a t i v ein. E r k ö n n t e n i c h t einfach u m g e k e h r t konstatieren: » . . . gerechtfertigt (ganz) o h n e G l a u b e n « ; d e s h a l b m u ß er u o v o v h i n z u s e t z e n . dem
2 6 7
P a u l u s will d i e » W e r k e (des G e s e t z e s ) « a u s
R e c h t f e r t i g u n g s g e s c h e h e n a u s g e s c h l o s s e n sehen, nicht aber J a k a n a l o g d e n G l a u b e n . D e s h a l b
k a n n er in V. 2 2 a u c h v o m cruveQYelv u n d x e ) i £ i c n j ö 0 a i d e s G l a u b e n s reden, w i e i m m e r diese b e i d e n Verben d e s näheren g e m e i n t s i n d . W e n n d e r G l a u b e W e r k e » h a t « , ist ein positiver Prozeß z u verzeichnen. D e r G l a u b e b e h i n d e r t d i e W e r k e nicht, n o c h u m g e k e h r t . V i e l m e h r tritt ein Reifevorg a n g ein, w i e ihn bereits 1,3-4 anspricht: D e r e r p r o b t e G l a u b e bewirkt A u s d a u e r ; diese soll ein vollkommenes Werk »haben«, damit die Christen » v o l l k o m m e n u n d unanstößig werden«. Eine s o l c h e p o s i t i v e E n t f a l t u n g w ü n s c h t sich J a k , u n d e b e n diese e r k e n n t er bei A b r a h a m ( 2 , 2 1 - 2 3 ) . D i e s e r g l a u b t e G o t t , b e w a h r t e d a s Vertrauen g e r a d e in der E r p r o b u n g ( A q e d a ) ; bei i h m wirkten G l a u b e u n d T a t H a n d in H a n d ; sein G l a u b e w u r d e » v o l l k o m m e n « , d. h. g e m ä ß 1,3 f. 1 2 »gereinigt u n d gereift«. S e i n Verhalten gipfelt in der G e r e c h t s p r e c h u n g u n d E r n e n n u n g z u m F r e u n d G o t t e s - s o interpretiert J a k offensichtlich d a s Z i t a t G e n 1 5 , 6. D a ß J a k antithetisch a r g u m e n t i e r t , w i r d z u m S c h l u ß n o c h e i n m a l d a r a n erkennbar, d a ß er es n i c h t bei seiner e i g e n e n D a r s t e l l u n g des A b r a 1
h a m - B e i s p i e l s beläßt, s o n d e r n in V. 2 4 . 2 6 zwei negative A b g r e n z u n g e n ( x a i oi>% .., X ^ Q ? •••) b r i n g t . D i e D e u t u n g der H e i l i g e n Schrift ist strittig; es g e n ü g t nicht, d i e eigene - richtige - Interp r e t a t i o n d a r z u l e g e n ; m a n m u ß a u c h d i e falsche z u r ü c k w e i s e n . 6. E i n e für d i e E r f a s s u n g d e s G e d a n k e n g a n g e s - g e r a d e bei d i e s e m A b s c h n i t t