Hermippos: Die Fragmente Ein Kommentar
Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde Der Philologischen Fakultät...
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Hermippos: Die Fragmente Ein Kommentar
Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde Der Philologischen Fakultät Der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.
vorgelegt von
Christophoros Gkaras aus Athen / Griechenland
SS 2008
Erstgutachter:
Prof. Dr. Bernhard Zimmermann
Zweitgutachter:
Prof. Dr. Andrea Bagordo
Vorsitzende des Promotionausschusses Der Gemeinsamen Kommission der Philologischen, Philosophischen und Wirtschaftsund Verhaltenswissenschaftlichen Fakultät:
Datum der Fachprüfung: 09. 01. 2009
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Prof. Dr. Ralf von den Hoff
Biographische Daten und Karriere Die Informationen über Hermippos’ Leben sind rar. Die Suda informiert uns, dass er ein Komödiendichter der alten Komödie, und dass er einäugig war (ἑτερόφθαλμος, ε 3044). Sein Bruder hieß Myrtilos (Μύρτιλος, PA 10497) und war auch ein Komiker, sein Vater – dessen Name ebenfalls in der Suda steht, aber im Eintrag seines Bruders, vgl. μ 1460 – Lysis(Λῦσις, PA 9569)1. Mehr Informationen stehen uns jedoch über sein Werk zur Verfügung. Nach der Suda verfasste er 40 Komödien, von denen uns 10 Titel und 94 Fragmente erhalten sind. Die Zahl der verlorengegangenen Stücke ist in der Tat relativ groß und entspricht verhältnismäßig nicht der generellen Tendenz unter den Vertretern der alten Komödie2. Andererseits könnte die Zahl seiner Siege eventuell eher für eine grosse Produktivität sprechen3. Er gewann viermal an den Lenaien; sein Name erscheint in der Lenäensiegerliste nach Pherekrates und vor Phrynichos4. Sein Name steht auch in der Liste der städtischen Dionysien, zwischen jenem des Pherekrates und Aristomenes. Die Zahl seiner Dionysiensiege wissen wir jedoch nicht, weil in der entsprechenden Inschrift nur die ersten drei Buchstaben seines Namens lesbar sind. Aus diesem Grund, d.h. wegen des Vorkommens in der Siegerliste, kann ihm nur ein Sieg mit Sicherheit zugeschrieben werden, wobei es – vor allem wegen der vier Lenäensiege und der Tatsache, dass sein Dionysiensieg am Anfang seiner Karriere errungen wird – logischer ist, davon auszugehen, dass er mindestens noch einmal gewonnen hat. Sein erster Dionysiensieg wurde von Capps, nach der Veröffentlichung der entsprechenden Inschrift im Jahre 1943 auf 436-5 datiert5 und seitdem einstimmig angenommen. Sein Debut dürfte nicht viel früher gewesen sein und ist vielleicht gegen Anfang des vierten Jahrzehntes zu setzen6. Umstritten ist jedoch in der Forschung die Dauer seiner poetischen Laufbahn. Geissler7 schränkte sie anfänglich auf 15 Jahre ein (430-415), da er den ersten Sieg auf das
Über die Theaterfamilien in Athen siehe Sutton 1987, 9-26. D.h. für die anderen Vertreter der alten Komödien erwähnt die Suda eine beträchtlich kleinere Zahl Komödientitel, die fast immer sehr nah an der Zahl der erhaltenen Komödien (oder Komödientitel) steht, z.B. 17 für Pherecrates und Eupolis (genauso viele sind erhalten), und 24 für Theopompos (von denen 20 erhalten sind). Für die anderen Dichter, z.B. Crates, Callias und Phrynichos ist die Zahl kleiner. 3 Man muss natürlich bei solchen Vergleichen vorsichtig sein, z.B. hat Eupolis mit nur 17 Komödien dreimal an den Lenaien und mindestens einmal an den Dionysien gewonnen. 4 Siehe Mette 1977, 213. 5 Siehe Capps 1943, 3. 6 Siehe auch Mensching 1964, 34-5: “Nach seinen 6-7 Siegen zu urteilen, gehört er zu den recht erfolgreichen Komikern, so dass zwischen erster Aufführung und ersten Sieg kein großer Abstand anzunehmen sein dürfte; um 439/38 mag er debutiert haben”. 7 Geissler 1925, 47 Anm. 2. 1 2
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J. 426 legte. Später8, Capps folgend, korrigierte er dieses Datum auf 435, ohne aber eine nochmalige Überprüfung der chronologischen Grenzen vorzunehmen. Nesselrath9 glaubt, dass Hermippos hauptsächlich in den 430ern und 420ern aktiv gewesen ist und bis spätestens 410 Komödien aufführte. Mensching10 setzt den Anfang seiner Karriere auf 439-8 und das Ende auf 410. Seiner Meinung nach dürfte Hermippos mindestens zehn Mal an beiden poetischen Wettbewerben teilgenommen haben, und wenn er nicht jedes Jahr an einem Wettbewerb teilnehmen könnte – besonders um 420, als die Zahl der aufgeführten Komödien von 5 auf 3 eingeschränkt wurde –, müsste die Zahl der doppelten Aufführungen höher gewesen sein. Eine längere poetische Laufbahn, von etwa 40 Jahr vermutet Gilula, die seine Karriere zu Ende des 4.ten Jahrhunderts bringt11. Eine solche Laufbahn ist auch meiner Meinung nach in Hermippos’ Fall passender, wenn natürlich die Zahl der 40 Stücke, die das Lexikon der Suda überliefert, keine falsche Zahl ist. Es ist unnötig zu vermuten, dass Hermippos vom Anfang bis Ende seiner Karriere jedes Jahr an einem Wettbewerb teilgenommen hat, oder dass er sonst 15 Jahre oder noch mehr (d.h. die Hälfte seiner Karriere, nach Mensching und Nesselrath) für beide Wettbewerbe im selben Jahr einen Chor bekam. poetische Laufbahn annehmen muss, nämlich von etwa 40 Jahren. Hermippos dürfte also gegen 438 debutiert haben und bis ungefähr ans Ende des Jahrhunderts tätig gewesen sein. Hermippos steht also zeitlich, wie Körte bemerkt, zwischen Kratinos und Aristophanes (oder Eupolis), Zeitgenosse von Pherekrates, neben dem er, wie schon erwähnt, in beiden Siegerlisten steht. Die Zahl der Siege von Hermippos (sicher 5 und wahrscheinlich 6 oder 7) deutet zweifellos darauf hin, dass er zu den bedeutendsten Komödiendichtern der alten Komödie gehörte. Selbst Aristophanes’ Angriff gegen ihn in Nubes 551-9 (siehe die Einleitung weiter und Komm. zur Komödie Ἀρτοπώλιδες), zusammen mit Eupolis und Phrynichos zeigt zweifelsohne zunächst einmal, dass Aristophanes ihn für einen der wichtigsten Rivalen hielt und bestätigt außerdem gewissermaßen die vorherige Vermutung und die Meinung der Mehrheit der Forscher12. Hermippos’ Anklage wegen ἀσεβεία gegen Aspasia Plutarch berichtet im 32. Kapitel seiner Vita des Perikles von einer γραφὴ ἀσεβείας, die der Dichter gegen Aspasia erhob, wobei er hinzufügt, er habe sie Geissler add. S. ix. Nesselrath 1995, 12. 10 Mensching 1964, 40. 11 Gilula 2000, 77. 12 Zu einer solchen Einschätzung kommt z.B. Storey 1990, 10 n. 28: “Hermippus was one of the major figures in the history of comedy before Eupolis and Aristophanes”, mit der auch Gilula 2000, 76 einverstanden ist. 8 9
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außerdem beschuldigt, als Kupplerin freigeborene Frauen, die mit Perikles Umgang hätten, bei sich aufgenommen zu haben, vgl. Per. 32.1: Περὶ δὲ τοῦτον τὸν χρόνον Ἀσπασία δίκην ἔφευγεν ἀσεβείας͵ Ἑρμίππου τοῦ κωμῳδιοποιοῦ διώκοντος καὶ προσκατηγοροῦντος͵ ὡς Περικλεῖ γυναῖκας ἐλευθέρας εἰς τὸ αὐτὸ φοιτώσας ὑποδέχοιτο. Es liegt die Vermutung nahe, dass dieser Prozess, wie wahrscheinlich auch derjenige gegen Pheidias (Per. 31) und Anaxagoras (Per. 32.), Perikles selbst als indirektes Ziel hatte13. Das hat eine besondere Bedeutung, weil der Politiker in einer Komödie des Dichters, den Μοῖραι, mehrmals – direkt und indirekt – und in manchen Stellen (vgl. Fr. 47) heftig angegriffen wird14. Plutarch erzählt einige Zeilen weiter, wie Perikles sie verteidigte und am Ende ihren Freispruch erreichte, aber nur nachdem er unter vielen Tränen die Geschworenen darum gebeten hatte15. Das Bild des weinenden Perikles wird bei Plutarch auf den Sokratiker Aischines zurückgeführt und ist auch bei Athenaios belegt, der weniger Informationen gibt und außerdem keinen Gewährsmann erwähnt16. Es wird angenommen, dass Aischines ebenso Athenaios’ Quelle ist, siehe auch Stadter 1989, 297 und Ehlers 1966, 66 Anm. 108. Die Frage, die unmittelbar gestellt wird, betrifft die Historizität dieses Prozesses: Hat der Prozess tatsächlich stattgefunden, oder geht es eher um eine fiktionale, wahrscheinlich aus einer Komödie des Dichters stammende, Gerichtsszene, die in der Spätantike als wahre interpretiert wurde? Eine Reihe von weiteren Fragen, die damit eng verbunden sind, taucht gleichzeitig auf: Was ist zunächst unter der Anklage ἀσεβεία genauer zu verstehen? Lässt sie sich mit der zweiten Anklage der προαγωγεία (Kuppelei) kombinieren, und wenn ja, wie? Wie ist die Tatsache, dass der Ankläger ein Komödiendichter ist, und dass sowohl die Angeklagte, Aspasia, als auch der indirekt Betroffene, Perikles, häufige Ziele der Komiker waren, zu bewerten? Wie glaubwürdig ist die Geschichte, die Plutarch über den weinenden Perikles erzählt, und wie vertrauenswürdig ist der Gewährsmann Aischines? Wie eng ist letztendlich der Zusammenhang zwischen dieser Geschichte und dem Gerichtsprozess? Die Tatsache, dass ein Komödiendichter bei seinen Angriffen offene politische Präferenzen zeigt, und gegen seine politischen Gegner auch außerhalb der Bühne kämpft, scheint auf den ersten Blick verdächtig zu sein, sollte aber nicht ohne weiteres zum Schluss führen, dass einem Komödiendichter so etwas nicht erlaubt wäre. Man muss also vorsichtig
So Natorp 1892, 493-4, Ehlers 1966, 69. Siehe Einleitung zu der Komödie Μοῖραι. 15 Per. 32.5: Ἀσπασίαν μὲν οὖν ἐξῃτήσατο͵ πολλὰ πάνυ παρὰ τὴν δίκην͵ ὡς Αἰσχίνης φησίν͵ ἀφεὶς ὑπὲρ αὐτῆς δάκρυα καὶ δεηθεὶς τῶν δικαστῶν. 16 Ath. 13.589e: … καὶ φευγούσης ποτὲ αὐτῆς γραφὴν ἀσεβείας λέγων ὑπὲρ αὐτῆς πλείονα ἐδάκρυσεν ἢ ὅτε ὑπὲρ τοῦ βίου καὶ τῆς οὐσίας ἐκινδύνευε. Dass Aischines ebenso Athenaios’ Quelle ist, ist sehr wahrscheinlich, siehe auch Stadter 1989, 297 und Ehlers 1966, 66 Anm. 108. 13 14
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Plutarchs Informationen untersuchen und die Stärke der in der Forschung gegebenen Argumente abwägen. Die Forschung über die Historizität des Prozesses ist in der Tat höchst uneins. Viele Gelehrte haben dazu Stellung genommen und zahlreich sind auch die Argumente die für17 und gegen18 die Historizität gebracht wurden19. Diejenigen, die ihre Historizität zurückweisen, konzentrieren ihre Argumentation zunächst auf die Unwahrscheinlichkeit, dass Aspasia, die Perikles so viele Jahren lang treu gewesen ist und ihm sogar einen Sohn gebar, eine Kupplerin für Perikles gewesen sein könnte20 und denken, dass die Stelle die – direkten oder indirekten – Vorwürfe widerspiegelt, die in der Komödie einerseits gegen Aspasia so häufig gemacht werden, und andererseits auf diese besondere erotische Lust des Perikles anspielen21. Ihr zweiter Trumpf ist die zweifellose Unzuverlässigkeit des Sokratikers Aischines, der diese Szene aus dem Gerichtsprozess berichtet, wo Perikles unter Tränen um den Freispruch Aspasias bittet und ihn am Ende erreicht22. Die Bezeugung des Aischines ist sicherlich aus vielen Aspekten heraus verdächtig23, wie z.B. die Tatsache, dass er oft über in Tränen ausbrechende Leute erzählt, oder dass ihm schon in der Antike seine Beschimpfungsneigung und die Maßlosigkeit seiner Kritik vorgeworfen wird (vgl. Ath. 5.220a). Es ist deswegen wahrscheinlich, dass seine Bezeugung einen rein anekdotischen Charakter hat24, oder nichts anderes als Klatsch ist, auch wenn sie gewissermaßen die auch in der Komödie oft erwähnte Schwäche des Perikles für Aspasia zeigt, die auch mit dem Vorwurf, dass sie einen starken politischen Einfluss auf ihn ausübte25, verbunden ist26. z.B. Schubert 1994, 115-6, Bauman 1990, 37-40, Stadter 1989, 297-8, Ostwald 1986, 194-6, Mansfeld 1980, 32 und 76-80, Schwarze 1971, 110-113, Frost 1964, 396-8, Gomme 1956, 184-9, Körte RE s.v. Hermippos. Mit einigen Zweifeln auch Carey 1994, 80-81, Ehlers 1966, 68-73, Natorp 1892, 493-4. 18 z.B. Raaflaub 2000, 103-6, Wallace 1994, 131-2, Henry 1995, 15-16 und 24-25, Montuori 1988, 2017, Podlecki 1987, 106-7, Dover 1975, 28, Ehrenberg 1951, 453, Jacoby FGrH III.6, suppl. ii, 167.29, Anm. 113, Rosenberg 1915, 217-19, Klein 1979, 509-10, vielleicht auch Tulli 2007, 311-12 Anm. 33. 19 Gilula 2000, 76-7 präsentiert das Thema ohne explizit zur Historizität des Prozesses Stellung zu nehmen. 20 z.B. Montuori 206. 21 So z.B. Raaflaub 2000, 106, Wallace 1994, 131, ähnlich auch Henry 1995, 24-5, der die interessante Bemerkung macht, dass: “Those allegations attributed to Pericles a personal behavior somewhat counter to the purpose and spirit of his own citizenship law, and if true, intimated that in the matter of sexual appetite, Pericles, like other popular politicians late and and soon, felt himself above or beyond the law“. 22 Wallace 1994, 131-2, Raaflaub 2000, 106. 23 Über diese Aspekte siehe vor allem Wallace 1994, 131-2. 24 Viele von den Gelehrten, die die Historizität des Prozesses annehmen, geben sogar die Problematik Aischines’ Bezeugung zu, oder sie halten sie sogar für anekdotologische Information, siehe z.B. Schwarze 1971, 110-112, Ehlers 1966, 68-9. 25 Die Komödie geht weiter mit dem Vorwurf, dass er den Peloponnesischen Krieg in ihrem Interesse führte, vgl. die Acharner und siehe Wallace 1994, 131. 26 So Podlecki 1987, 106-7, der glaubt, dass die Szene aus einer Komödie stammt, vermutet dass Aspasia hier verspottet wird, “for encouraging Pericles to let Athens be ‘infected’ by new ideas”. 17
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Ein anderes problematisches Thema ist die Anklage wegen ἀσέβεια und ihre sehr allgemeine Bedeutung. Montuori konzentrierte sich hauptsächlich auf die beiden Vorwürfe (ἀσέβεια, die genannt wird und προαγωγεία, die aus dem Kontext zu verstehen ist) und versuchte sie zu dekonstruieren. Er kam am Ende zu dem Schluss, dass Hermippos‘ Anschuldigung entweder keine gerichtliche Anschuldigung war, oder, falls sie doch eine solche war, in einer anderen Weise gemacht wurde, und auf anderen Gründen aufgebaut wurde, als denjenigen, die in Plutarchs‘ Text zu lesen sind. Er hält es deswegen für wahrscheinlicher, wie die große Mehrheit der Gelehrten die gegen die Historizität des Prozesses argumentieren, dass es um eine Gerichtsszene in einer Komödie des Dichters geht, und dass Plutarch von seiner Quelle, die mit erheblicher Freiheit die Anklage und die Verteidigung Aspasias interpretiert hat27, irregeführt wurde28. Nicht weniger sind andererseits die Gelehrten, die die Historizität des Prozesses oder ihre Wahrscheinlichkeit annehmen. Eines der Hauptargumente betrifft die Anklage selbst, die zunächst in der Antike sehr ernst war, und entweder mit Tod oder mit Verbannung bestraft wurde und die Tatsache, dass die Klageformen in Plutarchs‘ Text, die die Prozesse gegen Pheidias und Anaxagoras betreffen, religiöse Konnotationen haben29. Die Anklage der Kuppelei mag auf den ersten Blick auffallend und schwerlich glaubwürdig sein30, könnte sich aber auf Gesetze beziehen, die ehebrecherischen Frauen und Prostituierten – und natürlich auch Kupplerinnen – den Zugang zu Tempeln und heiligen Riten oder Mysterien verboten31. Die Anklage wegen ἀσέβεια ist, wie schon erwähnt, sehr allgemein und könnte nach der Meinung einiger Forscher mit dem atheistischen Denken der Milesierin verbunden sein32. Was Aischines‘ Aussage betrifft, so wird sie, wie schon gesagt, von vielen als eine anekdotische Information betrachtet, zeigt aber gleichzeitig zunächst, dass eine Wahrheit sich doch in der plutarchischen Erzählung befinden könnte33. Auf jeden Fall stellt Aischines’ Aussage dieses intime Verhältnis zwischen Perikles und Aspasia dar und passt auch zum Verspottungsbild seiner – angeblichen
Charakteristisch dafür ist die Meinung von Dover 1975, 28: “…traditions about personages in the late fifth century might be ultimately derived from uncritical reading, or unscrupulous use of comedy … Hermippos may have said something in a parabasis comparable in character with the boasts of Aristophanes in Ach. 633 ff. and Clouds 549 ff., describing ridicule and vilification uttered within a play as if it were action taken in real life”, siehe auch Rosenberg 1915, 218-19. 28 Siehe auch Wallace 1994, 131 und Henry 1995, 24-5. 29 So Bauman 1990, 38: “The charge of asebeia was not well suited to a comic vein and the fact that every item on the list has a religious connotation leads to its credence”. 30 Ostwald 1986, 195 bemerkt dazu, dass ein Teil der von Plutarch gegebenen Informationen “may preserve mere gossip that Aspasia acted as a procuress for Pericles”, siehe auch Bauman 1990, 38. 31 Siehe z.B. Ostwald 1986, 195, Bauman 1990, 38; Stadter 1989, 298. 32 So z.B. Schubert 1994, 115-6. 33 Stadter 1989, 297-8. 27
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oder wahren – erotischen Laszivität34. Perikles’ Reaktion mag natürlich nicht so glaubwürdig sein, und ist, wie Ehlers sie beschreibt, “auffallend und in manchem Sinne anstößig”, war aber im Allgemeinen keine rare Reaktion bei Gerichtsprozessen in Athen und kann gewissermaßen durch seine Schwäche zu ihr erklärt werden, oder könnte vielleicht am Ende doch das einzige Mittel gewesen sein, mit dem Perikles ihren Freispruch hat beschaffen können35. Letztendlich, auch wenn anzunehmen wäre, dass Aischines‘ Bericht kein einziges Körnchen Wahrheit enthält und dass er aus irrelevanten Gründen36 diese Geschichte als wahre überlieferte, braucht die Authentizität des Prozesses nicht total von der Zuverlässigkeit des Berichtes abhängig zu sein. Mit anderen Worten hätte ein Prozess genauso gut in der Wirklichkeit stattfinden können, auch wenn Perikles mit mehr ‘rechtschaffenen’ Mitteln, d.h. ohne Tränen, ihren Freispruch schaffte. Eine gewisse Übereinstimmung in der Meinung der Forscher ist jedoch bezüglich der Datierung des – wahren oder fiktiven – Prozesses zu bemerken. Plutarch selbst informiert uns, dass die Prozesse gegen Aspasia und Anaxagoras “περὶ τοῦτον τὸν χρόνον”, d.h. ungefähr um die Zeit von Pheidias’ Prozess, kurz vor dem Ausbruch des peloponnesischen Krieges, stattgefunden haben (Plut. Per. 31-32.)37. Eine frühere Datierung scheint jedoch plausibler zu sein. Perikles musste seine Affäre mit Aspasia gegen Ende der vierziger Jahre des 4. Jh., angefangen haben38. Ist es anzunehmen, dass das versteckte Ziel Perikles selbst gewesen ist, und dass seine Affäre mit Aspasia, das Mittel war39, einen Angriff gegen ihn durchzuführen, dann wären die ersten Jahre ihrer Beziehung, als ihr Verhältnis noch mehr Gesprächsstoff lieferte, ein viel passenderer Zeitraum – als um 433, als die beiden schon fast 10 Jahre zusammen gewesen wären – für einen Versuch, daraus politisch zu profitieren. Eine Datierung gegen 438/7, die die Mehrheit der Gelehrten vorschlägt40, ist also durchaus möglich. Ein Zusammenhang mit dem vor einem Jahr beendeten samischen Krieg41, über den der Klatsch geherrscht haben musste, Aspasia habe Perikles überzeugt, sich für ihre Heimat, Miletos, einzusetzen, ist vielleicht auch nicht auszuschließen. Der gleiche Zeitraum, d.h. die ersten Jahre von Perikles‘ und Aspasias Affäre wäre auch für einen fiktiven Gerichtsprozess geeignet. Da Hermippos’ erster
Siehe Schwarze 1971, 13 Anm. 21. So Ehlers 1966, 69-70, Schubert 1994, 115-6. 36 Diese Gründe sind mit Aischines’ Unzuverlässigkeit verbunden, siehe oben. 37 Vor dem peloponnesischen Krieg ist der Prozess auch nach Baumans’ Meinung zu datieren. 38 Ihr Sohn, Pericles II, war in 410/9 und musste in der Zeit mindestens 30 Jahre alt gewesen sein, siehe Frost 1964, 395. 39 Ähnlich wie im Fall von Pheidias und Anaxagoras. 40 So z.B. Gilula 2000, 76, Frost 1964, 395-6, Mansfeld 1980, 32 Anm. 30 und S. 79ff, Ostwald 1986, 194ff. und Stadter 1989, 298 (der allerdings das Datum 438/7 zu präzise findet). 41 Vorgeschlagen von Frost 1964, 396. 34 35
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Dionysien Sieg um 435 und sein Debut gegen 438 datiert wird42, kann mann vermuten, dass dieser Prozess entweder seiner folgenden poetischen Karriere Auftrieb gegeben haben dürfte43, oder dass er in seiner ersten erfolgreichen Komödie 435 stattfinden hat. Es ist jedenfalls komisch, dass keine von der erhaltenen Komödien sich um diese Zeit datieren lässt44. Überlieferungsquelle der Komikfragmente Hermippos’ Fragmente sind, wie bei der Mehrheit der Komikfragmente der Fall ist, zum größten Teil in lexikographischen und grammatischen Quellen erhalten. Die wichtigste von denen sind die folgende45: 1) Die Deipnosophisten des Athenaios von Naukrate46, in denen insgesamt 25 Fragmente des Dichters sind. Fünf von diesen sind in der Epitome ohne Komödienangabe. 2) Das Lexikon des Photios (21 Fragmente). 3) Das Lexikon des Pollux (15 Fragmente). 4) Das Lexikon des Antiattizist (5 Fragmente). 5) Das Lexikon des Hesychios (6 Fragmente). 6) Lex. Bachmann (9 Fragmente). 7) Das Lexikon der Suda (6 Fragmente). 8) Die aristophanischen Scholia überliefern 8 Fragmente. 9) 19 Fragmente sind in anderen Quellen erhalten, wie z.B. das Etymologicum Genuinum, die Praeparatio Sophistica des Phrynichos, bei Eustathios, das Lexikon des Zonaras u.a47. Die Bemerkungen von Arnott über die Art der Textüberlieferung der komischen Fragmente48 treffen zum großten Teil auch für Hermippos zu. Die Fragmente sind meistens in gutem Zustand überliefert und nur in wenigen ist der Text korrupt49. Für 65 Fragmente wird der Titel der zugehörende Komödie überliefert, für zwei noch (Fr. 47 und 63) ist die Zugehörigkeit zu einer Komödie (den Μοῖραι und den Φορμοφόροι entsprechend) ziemlich gesichert und noch eins (Fr. 77) darf den Φορμοφόροι zugeschrieben werden50.
Siehe oben in der Einleitung. Siehe Gilula 2000, 76. 44 Darüber siehe auch das entsprechende Kapitel der Einleitung. 45 Über die erste vier Quellen, Athenaios, Pollux, Photios und Antiattizist siehe Arnott 2000, 4-10. 46 Ende des 2./Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. 47 Natürlich gibt es Fällen, wo ein Fragment in mehreren Quellen erhalten ist. Das ist der Fall z.B. bei allen Einträgen im Lexikon der Suda und Lex. Bachmann, die oft Einträge des Lexikons des Photios wiederholen. 48 Siehe Arnott 2000, 2-4. 49 Korrupt ist die Überlieferung in Fr. 7, 18, 24, 47, 62, 86. 50 Kassel-Austin behalten jedoch ohne jene Erklärung das Fragment in der Incerta. 42 43
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Themen und Richtungen in Hermippos‘ Dichtung Es wird in den letzten Jahren in der Forschung versucht, die bisher stark geprägte aristophanozentrische Interpretation der Alten Komödie, die ihren politischen Charakter oft überbetonnte und sie als überwiegend – und manchmal rein – politisch betrachtete, in Zweifel zu ziehen51. Es wird also immer haüfiger angenommen, dass schon es in der erste Phase der komische Produktion mehrere Richtungen gab, und das die Themen, die die Komödiendichter behandelten, sich nicht nur auf das Leben des Polis beschränkten52. Die erhaltenten Komödientitel und Fragmente legen die Vermutung nahe, dass Parodien von mythologischen Themen schon in der letzten 20 Jahren des 5. Jh. beliebt waren53. Parodien gab es aber auch nicht nur von Mythen sondern von Tragödien und sind ebenfalls auf das Ende des 4.ten Jh. Oft zu datieren. Eine andere Kategorie bildete die bürgerliche Komödie, die charakteristisch für Krates und Pherekrates zu sein scheint54, Beispiele von der wir aber auch von anderen Dichtern, wie Kratinos (Πυτίνη55) und Phrynichos (Μονότροπος) haben. Diese Richtungen lässt sich auch in Hermippos Komödien beobachten, oder zumindest vermuten. Das politische Element scheint in Hermippos’ Dichtung vorherrschend zu sein. Das athenische Leben dürfte die Komödie Δημόται thematisieren, deren zentraler Plot jedoch schwierig herzustellen ist56. Mehrere Komödien scheinen sich mit politischen Themen zu befassen. Der peloponnesische Krieg steht in mehreren Stücken im Vordergrund: In den Μοῖραι ist ein Angriff gegen die defensive Politik des Perikles zu beobachten, wohingegen die Στρατιῶται oder Στρατιώτιδες, dessen Chor aus effeminierten Soldaten bestand und vielleicht auch die Φορμοφόροι, in der die thalassokratische Macht und das Reichtum Athens gelobt wurde57, heiterere Auffassungen des Kriegs zu sein scheinen. Eine Komödie gehört zu den Demagogenkomödien und richtet sich grundsätzlich gegen Hyperbolos, die Αρτοπώλιδες, auch wenn sie seine Mutter
Siehe z.B. Csapo 2000, 115-7. Siehe Mastromarco 1992, 362-5. 53 Webster rechnete, dass um die Hälfte der Stücke dieser Zeit auf eine Mythosparodie basierte, ein Prozentsatz, der sogar höher als derjenige zwischen 400-350. 54 Die Mehrheit der Titel und der Fragmente der Komödien beider Dichter deuten darauf hin. Über den ersten schreibt Aristoteles (Poet. 1449b), dass er „πρῶτος ἦρξεν ἀφέμενος τῆς ἰαμβικῆς ἰδέας καθόλου ποιεῖν λόγους καὶ μύθους” und Crates scheinen seine Aussage zu bestätigen. 55 Mit dieser Komödie trat Kratinos dem Angriff, mit dem ihm Aristophanes in der Parabase der Ritter zusetzte (vgl. Eq. 526-546), entgegen, und errang in seinem letzten Wettbewerb den ersten Platz, Aristophanes‘ Wolken auf den dritten Platz verweisend. 56 Die Komödie könnte jedenfalls auch eine bürgerliche Komödie sein, zumal keine politische Anspielung in den Fragmenten zu finden ist, siehe auch die Einleitung zum Fragment. 57 Es ist jedenfalls nicht auszuschließen, dass die Komödie gleichzeitig die imperialistische Stimmung der Zeit in Athen satirisiert haben, siehe die Einleitung zur Komödie. 51 52
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als Protagonistin hatte58. Politische Anspielungen lässt sich weiter in zwei Komödien des Hermippos, die Θεοί und die Κέρκωπες, beobachten, auch wenn ihre Titel nicht auf politischen Themen hindeuten. Die von Hermippos gegen Aspasia erhobene Anklage59, fiktive oder wahre, und die nicht wenige Verspottungen von bekannten – oder gelegentlich weniger bekannten – Persönlichkeiten60 ist eine weitere Bestätigung, dass das Leben der Polis und der Krieg die wichtigsten Inspirationsquellen des Dichters gewesen waren. Eine zweite Kategorie bilden die Komödien, die wahrscheinlich einen mythologischen Plot hatten. Diese sind die Ἀγαμέμνων, Ἀθηνᾶς γοναί, und die Εὐρώπη. Zu diesen könnten auch – vom Titel her – die schon erwähnten Komödien Θεοί und Κέρκωπες gehören, deren Fragmente jedoch keinen mythologischen Plot beobachten lassen, sondern vielmehr den Gedanken erlauben, dass sie doch politische Themen behandelten. Ἀθηνᾶς γοναί ist die erste Komödie einer großen Liste von Komödien, die als Thema den Geburt eines Gottes hatten, ist vielleicht die einzige, die zu der alten Phase der Komödie gehört61. Die Fragmente legen zwar die Vermutung nahe, dass die Geburt der Göttin im Vordergrund stand, es wäre jedoch falsch die Möglichkeit auszuschließen, dass eine Komödie über die Schutzgöttin Athens politische Anspielungen enthalten könnte, oder einen allegorischen Charakter haben, der in der Überlieferung verloren gegangen ist62. Ἀγαμέμνων und Εὐρώπη sind mit größeren Wahrscheinlichkeit als alle andere mythologisch, wobei es auch in ihrem Fall nicht feststellbar ist, ob sie Mythosparodien, oder Parodien der gleichnamigen Tragödien des Aischylos sind. Persönliche Verspottung und Angriffsziele Den Absicht des Dichters politisch zu wirken zeigen auch die Erwähnungen oder die Anspielungen auf Persönlichkeiten der Zeit, in dem Hermippos seine Komödien schrieb. Zwei von denen scheinen, eine besondere Stelle zu belegen, weil sie Angriffziele einer ganzen Komödie sind: Die erste ist Hyperbolos, über den die aristophanischen Scholia schreiben, dass Hermippos‘ Komödie Ἀρτοπώλιδες ihn angegriffen hatte. Er wird namentlich nicht erwahnt, ein Fragment lässt jedoch vermuten, dass er selbst eine Rolle in der Komödie gehabt hat. Die zweite ist Perikles, der in den Μοῖραι – mindestens – in zwei
Csapo 2000, 119 nennt den Plot dieser Komödie, der sich um einen bestimmten komoidoumenos dreht, ad hominem plot. Insgesamt wurden 21 Komödien mit einem solchen Plot gegen das Ende des 5. Jh. aufgeführt, von denen 16 zwischen 424 – 415 zu datieren sind. 59 Siehe den entsprechenden Kapitel der Einleitung. 60 Siehe den entsprechenden Kapitel der Einleitung. 61 Die γοναί Komödien waren besonders beliebt in der mittleren Phase. 62 Es wäre z.B. auch aus den Fragmenten der Komödie Ἀρτοπώλιδες kaum möglich festzustellen, dass sie gegen Hyperbolos richtete, wenn die aristophanische Scholien (und der aristophanische Text) uns diese Information nocht gegeben hätten, siehe die Einleitung zur Komödie. 58
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Stellen angegriffen wird (Fr. 42 und 47). Die anderen Fällen von ὀνομαστὶ κωμῳδεῖν sind die folgende: • Der oligarchische Politiker Peisander (Fr. 7 Ἀρτοπώλιδες), wegen seines groben und ungehobelten Aussehens. • Der Stratege Leotrophides zusammen mit Thumantis, ein bekannter Obdachloser (Fr. 36 Κέρκωπες) wegen ihrer Magerkeit. • Hierokleides (oder Pherekleides, ein Hellenotamias), gennant dort Κολακοφοροκλείδης, wahrscheinlich Steuergeldunterschlagung. • Der Philosoph Diagoras der Melier (Fr. 43 Μοῖραι) als Pedant oder Schwätzer (Τερθρεύς). • Der Tragiker Nothippos (Fr. 46 Μοῖραι) wegen seiner Gefräßigkeit. • Teles, ein unbekannter Feigling (Fr. 47 Μοῖραι). • Perikles (Fr. 47 Μοῖραι), genannt βασιλεὺς Σατύρων, wegen seiner Feigheit und Wollust. • Alkibiades (Fr. 57 Στρατιῶται), als der Ἄβυδος genannt, im Bezug auf sein lasterhaftes Leben, jedoch nicht direkt verspottet. • Der König der Odryser Sitalkes (Fr. 63.7 Φορμοφόροι), ironisch erwähnt wegen der Hilfe, die ihm den Athener versprochen hatte, aber nie kam. • Der Makedonien König Perdikkas II (Fr. 63.8 Φορμοφόροι), wieder ironisch erwähnt, wegen seiner Unzuverlässigkeit und seines unaufrichtigen Verhaltens. • Der Komödiendichter Phrynichos (Fr. 64 Φορμοφόροι) wegen Aneignung von fremdem komischem Material. Der Krieg ist, wie schon gesagt und wie auch die obenerwähnten Verspottungsfälle zeigen, ein sehr wichtiges Thema in Hermippos’ Dichtung. Die effeminierte Soldaten, die wahrscheinlich der Chor der Komödie Στρατιῶται oder Στρατιώτιδες bilden, ist nur zum Teil als ein lustiges Motiv, das einfach zum Lachen bringt, offensichtlich aber war gleichzeitig ein Streitpunkt, im Rahmen der Diskussion, dass es im Krieg Leute gaben, die versuchten, ihre Pflichte zu vermeiden, und so zu sagen, die Last auf andere abzuwälzen. Eine andere Gruppe, die von der Komödie attackiert wird, die Kriegsgewinnler, tritt auch in Hermippos’ Komödie auf, mit Sicherheit in Fr. 52, wo ein Sklavenhänder auf die Bühne kommt, und vielleicht auch in Fr. 29, wenn die Rede dort von einem Wucherer ist. Ein besonderes Interesse scheint außerdem der Dichter an Philosophie gehabt zu haben. Außer der Verspottung des Diagoras (Fr. 46 Μοῖραι) gibt es eine Darstellung einer herakliteischen Theorie über das Jahr (Ἐνιαυτός, Fr. 73), und in noch zwei Fragmente geht es um Wörter, die die philosophische (oder rhetorische) Tätigkeit satirisieren (λεπτολογία Fr. 21 Δημόται ‘spitzfindige Argumentation’, und περιλέγειν, ‘überflüssig reden’, Fr. 89).
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Datierung der Komödien Nur fünf von Hermippos’ erhaltenen Komödien können mit kleinerer oder grösserer Wahrscheinlichkeit datiert werden63. Der Zeitraum dieser Komödien ist der pelopponesische Krieg (430-415), der logischerweise auch der Höhepunkt seiner Karriere kennzeichnen muss. Zwei Komödien sind auf den Auffbruch des Krieges zu datieren. Die älteste von diesen ist wahrscheinlich die Μοῖραι, die im Jahr 430 v. Chr. sollte aufgeführt gewesen sein und die andere ist die Στρατιῶται oder Στρατιώτιδες (430-429). Zeitlich nah zu diesen stehen die Φορμοφόροι (427-425). In der Zeit der Nikias-Frieden wurde die nach dem Demagoge Hyperbolos gerichtete Komödie Ἀρτοπώλιδες (421-417, vielleicht gegen 420/19) auf die Bühne gebracht. In der gleichen Zeit, oder vielleicht etwas später (420-414) würden die Κέρκωπες aufgeführt. Auf inhaltliche Elemente, bzw. auf die Vermutung, dass die Komödie sich auf den Aufruhr in Athen wegen der Hermenverstümmelung und der Verunglimpfung der eleusischen Mysterien gründet sich die Datierung der Θεοί auf 415 v.Chr. Nicht feststellbar ist, mangels jener Erwähnung von Namen oder Ereignisse, der Zeitraum der Aufführung von vier Komödien, Ἀγαμέμνων, Ἀθηνᾶς γοναί, Δημόται und Εὐρώπη. Eine von denen dürfte jedenfalls die erste siegreiche Komödie des Dichters gewesen sein (vielleicht die Ἀθηνᾶς γοναί, siehe unten) die 436/5 in den Dionysien den ersten Platz belegte. Mit einem großen Risiko verbunden ist die Datierung zwei Komödien, auf die erstere Periode seiner Karriere (d.h. in der 40‘ Jahrzehnte), des Άγαμέμνων und der Εὐρώπη, die auch Titel zwei Komödien des Tragikers Aischylos waren, vor allem weil mit Wiederaufführungen der Tragödie des letzteren nach seinem Tod gerechnet werden muss. Andererseits könnten diese Komödien, die auf mythologische Themen hinweisen, Stücke der letzteren Periode der literarischen Produktion des Dichters gewesen (d.h. der letzten 15 Jahren des 4. Jh.). Hermippos könnte in diesem Fall seine Karriere mit politisch geprägten Komödien angefangen haben, woran auch der – wahre oder fiktive – Prozess gegen Aspasia denken lässt64, und später ein Interesse an mythologischen Themen gezeigt haben. Eine ähnliche Vermutung könnte auch für die Komödie Ἀθηνᾶς γοναί gemacht werden, d.h. sie könnte entweder den ersten Sieg des Dichters markieren65, oder sonst ein späteres Stuck sein, und so zeitlich näher zu den anderen γοναί Komödien stehen, die jedenfalls Stücke der mittleren Phase der attischen Komödie sind.
Über die Gründe jeder Datierung siehe die Einleitung zu den Komödien. Siehe den entsprechenden Kapitel der Einleitung. 65 Argumentationspunkte dafür wären, dass diese Komödie mit einer gewissen Neuartigkeit seitens des Dichters verbunden ist, nämlich dass das Mythos des Geburts der Göttin parodiert wird (siehe die Einleitung zur Komödie) und dass sie im Vergleich zu den anderen drei besser erhalten ist. 63 64
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Hermippos als Iambograph Der am besten belegte Fall iambographischer Tätigkeit im 5. Jahrhundert ist Hermippos66. Insgesamt sind 8 Fragmente in den aristophanischen Scholien und bei Athenaios erhalten. Die Zitate werden entweder mit dem Ausdruck ἐν (τοῖς) ἰάμβοις (Fr. 2, 4, 7, 8 West) oder mit der Bezeichnung des genaueren Metrums, d.h. (ἐν τοῖς) τριμέτροις (Sch. Ar. Av. 1150 = Fr. 3 W.) / τετραμέτροις (Sch. Ar. Vesp. 1169 = Fr. 5 W., Sch. Ar. Av. 304 = Fr. 6 W.), eingeleitet. Von besonderer Wichtigkeit sind zwei Stellen: die erste ist Ath. 461e (Fr. 4 W.), wo Athenaios zwei trochaische Tetrameter unter der Bezeichnung ἐν τοῖς ἰάμβοις anführt, was ein schlagender Beweis dafür ist, dass er unter ἰάμβοις das Genre und nicht das Metrum verstand. Die zweite Stelle ist Sch. Ar. Plut. 701 (Fr. 1 W.), in der der einführende Ausdruck ἐν τῳ [πρώτῳ] ἰάμβω τῶν τριμέτρων ist, was die Vermutung nahe legt, dass auf jeden Fall ein getrenntes Werk bekannt war, das den Gesamttitel Ἴαμβοι trug und – mindestens – zwei Bücher umfasste, eines mit den iambischen Trimetern und eines mit trochaischen Tetrametern67. Dadurch erklärt sich auch die Abweichnung ἐν τοῖς τριμέτροις und ἐν τοῖς τετραμέτροις bei Athenaios und den aristoph. Scholien. In den erhaltenen iambischen Fragmenten lassen sich nicht mit Sicherheit die traditionellen Elemente des Genres erkennen, und es ist außerdem weder möglich festzustellen, ob und wie (d.h. bewusst oder nicht) Hermippos die festen iambischen Komponenten für seine persönliche Invektive anwendete, noch inwiefern er Iamben als eine von der Komödie unterschiedliche literarische Gattung zu diesem Zweck verstand68. Persönliche Verspottung könnte man jedoch in Fr. 6 vermuten, in dem der Name des Themistokles vorkommt, das Fragment ist jedoch sehr korrupt überliefert und es ist deswegen schwierig, zu einem plausiblem Schluss über den Inhalt zu kommen. Ähnliches gilt auch für Fr. 5, wo die Rede von einem effeminierten Strategen sein könnte69. Noch ein traditionell iambisches Element ist in der Verwendung der ersten Person im Fr. 4 und wahrscheinlich auch im Fr. 5 zu finden. Über Hermippos‘ iambographische Tätigkeit vermutet West70, dass er die Iamben als Alternative zur Komödie verwendete, entweder während der Zeit des Verbotes des ονομαστί κωμῳδεῖν71, oder als Rückkehr zu einer älteren Schreibweise. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Iamben das Ergebnis eines Experimentierens mit der literarischen Gattung waren, die die Form eines Über die Aufführung von Iamben in Athen siehe Bartol 1992, 65-71. Siehe auch Meineke I S. 96: „… laudantur Hermippi Iambi, Trimetri et Tetrametri, de quibus, ut brevi rem complectar, ita statu ut Hermippum carminum probrosorum (ἰάμβων) volumen edidisse credam, quorum alia trimetris iambicis, alii tetrametris trochaicis composita essent“. 68 Über die Zusammenhänge zwischen Iambus und der (alten) Komödie siehe Rosen 1988, 9-35. 69 Über die vorgeschlagene Identifizierung mit Amynias siehe Kommentar zu Iamb. 5. 70 West 1974, 33. 71 Über das Dekret des Morychides siehe Einleitung zur Ἀθηνᾶς γοναί. 66 67
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eigenen literarischen Produktes annahm. Nicht unwahrscheinlich ist letztlich, dass diese Iamben zur Rezitation in Symposien bestimmt waren. Hermippos als Parodist Nach Polemons Bezeugung schrieb Hermippos Parodien, vgl. Polem. Fr. 45 Preller= Ath. 15.699a: Πεποίηκε δὲ παρῳδίας καὶ Ἕρμιππος ὁ τῆς ἀρχαίας κωμῳδίας ποιητής. In seiner kurzen Schilderung der Parodiegeschichte erwähnt Polemon als Parodieautoren noch zwei Komödiendichter, Epicharm und Kratinos72. Eine zentrale Rolle in seiner Beschreibung nimmt Hegemon ein, bekannt auch durch das Pseudonym Φακῆ (“Linse“), der als erster an Parodiewettbewerben teilnahm. Wie sind aber alle diese vier Fälle von Parodieautoren – und im weiteren Sinne Polemons Informationen – zu bewerten, bzw. wie ist ihre Beschäftigung mit dem parodischen Genre zu interpretieren? Wie sind also ihre Parodien zu verstehen? Waren sie in Komödien einbezogene Stücke, oder selbständige literarische Produkte? Der Fall des Hegemons scheint klar zu sein. Er war höchstwahrscheinlich der erste, der sich professionell und fast ausschließlich73 mit dem parodischen Genre beschäftigte, als erster an Wettbewerben teilnahm und mehrere Siege errang74. Das kann jedoch nicht in den anderen drei Fällen gelten. Polemon selbst scheint auf die erste unserer Fragen eine ziemlich deutliche Antwort für Epicharm und Kratinos zu geben: Parodische Elemente hatte der erste ἐπ΄ ὀλίγον in einem seiner dramatischen Stücke und der zweite in seiner Komödie Ευνείδαις benutzt (im Text: κέχρηται). Die Parodien der zwei früheren Komödiendichter, Epicharm und Kratinos, sind also wahrscheinlich nicht als selbständige literarische Gattung zu verstehen. Sollte jedoch der gleiche Schluss für Hermippos‘ Fall gezogen werden? Householder75, Meineke76 folgend, antwortete positiv auf diese Frage, wohingegen Gilula77 für die Möglichkeit argumentiert, dass Hermippos unter dem Einfluss Hegemons sich mit der Parodie als selbständige literarische Gattung beschäftigte. Auf eine solche Beschäftigung scheint sich meiner Meinung nach auch Polemons‘ Bezeugung zu beziehen. Hermippos wird zunächst getrennt von Epicharm und Kratinos erwähnt, nach Hegemon und Ath. 15. 698c: Κέχρηται δὲ καὶ ὁ Ἐπίχαρμος ὁ Συρακόσιος ἔν τινι τῶν δραμάτων ἐπ΄ ὀλίγον καὶ Κρατῖνος ὁ τῆς ἀρχαίας κωμῳδίας ποιητὴς ἐν Εὐνείδαις. 73 Er hat nämlich auch eine Komödie εἰς τὸν ἀρχαῖον τρόπον geschrieben. 74 Vgl. Ath. 15. 699c: Τούτων δὲ πρῶτος εἰσῆλθεν εἰς τοὺς ἀγῶνας τοὺς θυμελικοὺς Ἡγήμων καὶ παρ΄ Ἀθηναίοις ἐνίκησεν ἄλλαις τε παρῳδίαις καὶ τῇ Γιγαντομαχίᾳ. 75 Householder 1944, 3 Anm. 8: “Most probably the case of Hermippus is analogous to that of Epicharmus and Cratinus mentioned by Polemo in 698c; that is, all three employed the style and form of parodia for longer or shorter passages in their comedies”. 76 Meineke I S. 92: „mihi Hermippus parodias istas fabulis suis intexuisse videtur, Epicharmi Cratini aliorumque exemplum sequutus“. 77 Gilula 2000, 81-82. 72
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ohne jene beschränkende Aussage (wie ἐπ΄ ὀλίγον) oder Komödienangabe. Zweitens ist der Ausdruck πεποίηκε παρωδίας vom Verb κέχρηται, das für Epicharm und Kratinos benutzt wird, zu trennen und deutet eher auf eine selbständige literarische Gattung. Die Verbindung zwischen Hermippos und Hegemon (d.h. dass sie beide Parodien geschrieben hatten) ist dann, außer der Erwähnungsreihe durch das καί festzustellen, siehe oben. Der von Polemon – durch das Wort τούτων, das sich auf die drei anderen Komödiendichter zusammen bezieht – ausgedrückte Unterschied scheint zuletzt lediglich an der Feststellung zu liegen, dass Hegemon an den entsprechenden Wettbewerben teilnahm, wobei das Wort πρῶτος nicht die Möglichkeit einer späteren Teilnahme des Hermippos ausschließen sollte, der älter als die beiden anderen war. Hermippos hat also ein Interesse nicht nur am iambischen, sondern vielleicht auch am parodischen Genre gehabt. Als Experimente mit letzterem Genre könnte man eventuell die Fragmente 63 und 77 betrachten, die gleichzeitig Anlass zur Diskussion geben, ob und wie er parodische Stücke in seine Komödien einbezog. So lässt sich z.B. die Diskussion über die umstrittene Zugehörigkeit der Komödie Φορμοφόροι des Fr. 63 verstehen (siehe Komm. zum Fragment), welche ein ausgezeichnetes Beispiel des parodischen Genres sein könnte. Das andere Fragment (Fr. 77), das auch in Hexametern geschrieben ist, in dem der Gott Dionysos von Weinen berichtet, könnte noch ein zweites Beispiel seiner Parodien sein, zumal es ohne Angabe des Komödientitels bei Athenaios (Epit. I S. 29) erhalten ist. Hermippos‘ Beschäftigung mit unterschiedlichen literarischen Gattungen, wie Iambos und Parodie, hätte also eine eigene Form gehabt haben können, noch wahrscheinlicher wäre es aber, dass er gelegentlich – oder auch systematisch – Stücke von beiden Genren in seine Komödien einbezog.
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Ἀγαμέμνων Im Lexikon Messanense1 (ed. Rabe RhM 47, S. 411) ist das einzige Fragment einer Komödie von Hermippos erhalten, die den Titel Agamemnon trägt. Derselbe Titel ist in der griechischen Literatur nur für zwei Tragödien belegt: Für den ersten Teil der Orestie des Aischylos (458 v. Chr. aufgeführt), die die Rückkehr und Ermordung des Kriegsführers behandelt, und für eine Tragödie Ions, von der nur fünf Fragmente erhalten sind2. Der Gedanke von Kock3, dass Hermippos eine Parodie der oben erwähnten Tragödien geschrieben haben könnte, ist zwar vom Titel her einleuchtend. Es ist aber schwer, wegen des Mangels an anderen Informationen über den Inhalt des Werkes mit Sicherheit festzustellen, ob es sich um eine Parodie des Agamemnonmythos oder einer der oben erwähnten Tragödie handelt. Das einzige erhaltene Fragment, wo eine Szene, die eine Trugvorstellung enthält, parodiert wird, scheint eher auf ersteres hinzuweisen; eine solche Szene ist im Agamemnonmythos in der Rückkehr des Orestes nach Mykene und die Ermordung Klytaimnestras zu finden, wohingegen es in der aischyleischen Tragödie keine gibt4. Die Datierung des Stückes ist unsicher, ähnlich wie bei den anderen Komödien des Dichters, deren Titel auf ein mythologisches Thema andeuten. Es wäre möglich, dass der Dichter entweder am Anfang seiner Karriere, unter dem Einfluss von Kratinos mythologische Komödien schrieb, oder anderseits, dass diese Komödien eher auf das Ende des Jahrhunderts zu datieren wären, siehe auch den Kapitel der Datierung in der Einleitung. Fragment 1 Κάτειπε πόθεν εἶ μηδὲ <τι> ψεύσῃ μάτην. Sag klar woher du kommst, und lüg nicht vergebens. Das Metrum ist ein vollständiger iambischer Trimeter. Die Frage nach der Herkunft einer unbekannten Person ist häufig in der griechischen Literatur. Im Epos ist die Offenbarung der Identität eines Gastes sehr stark mit der Institution der ξενία verbunden und ist auch von großer Bedeutung, weil dadurch die künftige gegenseitige Gastfreundschaft von der Seite des ξένος dem Gastgeber garantiert wird (vgl. Od. 9.16-8). Die Frage wird immer im Rahmen eines oft strengen Rituals gestellt5 und zwar mit einer Formel (τίς πόθεν εἶς ἀνδρῶν; πόθι τοι πόλις ἠδὲ τοκῆες, Od. 1.170, 10.325, 14.187, 15.264, 1
Rabe Rabe 1892, Siehe TrGF I. p. 97ff. 3 Kock 1893, 237f. 4 Siehe auch die Einleitung zu Fr 1. 5 Siehe Reece 1993, 5-47, bes. 25-28. 2
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19.105, 24.298), die nur selten variiert6. Für eine detaillierte Interpretation dieser Formel und ihrer Variationen siehe Webber 1989, 3-13. In der Tragödie wird die Frage nach der Herkunft einer unbekannten Person in dem Moment gestellt, wo diese auf die Bühne tritt. Interessanter ist jedoch die Beobachtung, dass in diesem Fall meistens eine ἀναγνώρισις folgt. Eine ähnliche Frage stellt z.B. Helena dem schiffbrüchigen Teukros (Eur. Hel. 83), Ion der ihm noch unerkannten Mutter Kreusa (Eur. Ion 258-9), und Aigisthos Orestes und Pylades nach dem Botenbericht (Eur. El. 779-80). Die Frage nach der Herkunft der befragten Person könnte jemandem, der vor kurzem in eine Stadt gekommen ist, gestellt werden. Dieser ist wohl kaum ein Bote, weil diese in der Tragödie und der Komödie meistens schon vor dem Anfang ihrer Rede erkannt werden und ihnen sonst keine Frage gestellt wird. Eine Ausnahme bildet S. OT 932-933, wo Iokaste den Boten aus Korinth nach dem Ziel seiner Ankunft fragt. Das Fragment scheint genau diese Frage nach der Herkunft dadurch zu parodieren, dass die gefragte Person davor gewarnt wird, nicht zu versuchen zu lügen. Μάτην deutet wahrscheinlich an, dass eine Lüge zwecklos wäre, da die Wahrheit ans Licht kommen wird. Es ist jedoch schwierig festzustellen, worauf die Sicherheit des Gastgebers beruht. Eine trügerische Verstellung ist jedenfalls an vielen tragischen Stellen zu finden. Orestes (A. Choeph. 674 ff.) stellt sich seiner Mutter als Δαυλιεὺς ἐκ Φωκέων vor, und in der fragmentarisch erhaltenen Tragödie Πηνελόπη, ebenfalls von Aischylos geschrieben, gibt Odysseus eine falsche Herkunft an7. Im Philoktet beschränkt sich das Trugsthema nicht nur auf die Trugvorstellung des Neoptolemos, sondern prägt den gesamten Handlungsverlauf, wie auch in den Choephoren und den Bakchen, wo Dionysos eine menschliche Gestalt annimmt und sich Pentheus und dem Chor als ihr eigener Beauftragter ausgibt8 (). Über den Identitätstrug – und auch über die Formen die Funktion der Trugreden in der altgriechischen Literatur –, der häufig bei Euripides vorkommt, und mehrmals mit einer ἀναγνώρισις verbunden ist, siehe Fuchs 1993 S. 101-4. Theoretisch könnte die Komödie auch den Mord an Klytaimnestra behandelt haben, weil er zum gleichen mythologischen Kreis gehört. In diesem Fall könnte dieses Fragment als Parodie der aischyleischen Trugrede des Orestes betrachtet werden. Eine zweite, weniger wahrscheinliche, Möglichkeit wäre, dass die Frage an Andromache gerichtet wurde, da ihre Identität nicht bekannt war, als sie als Sklave Agamemnons nach Argos kam. κάτειπε: Das Verb im Praesens καταγορεύω bedeutet „erklären“, „kundtun“, oder einfach, wie hier, „sagen“ und kann auch eine indirekte Frage als Objekt
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Vgl. Od. 7.328, 3.71, 9.252. Fr. 187 Radt = 482 Mette: ἐγὼ γένος μέν εἰμι Κρὴς ἀρχέστατον, vgl. Od. 14. 199 8 Eur. Ba. 464-6, siehe Fuchs 1993, 6. 7
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haben (Ar. Pax 20, 657). Aus diesem Grund braucht man den Vorschlag von Kaibel κἆιτ᾿ εἰπὲ nicht anzunehmen. τι: Rabe9 schlägt an dieser Stelle zwei Korrekturen vor: μηδὲ τι oder μὴδ᾿ ἕτι. Kassel-Austin vermuten auch μηδὲ μοι und geben als Beispiele Il. 5. 249 und Plat. Apol. 20e an. Die Verbindung des Verbs mit dem Dativ ist aber selten und in späterer Zeit zu finden (Act. Ap. 5.4), und deshalb ist meinem Erachten nach die Korrektur μηδὲ τι von Rabe vorzuziehen10, wenn wir einen iambischen Trimeter bilden wollen.
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Rabe 1892, 411. Vgl. Ar. Ach. 561, Eccl. 445, Pl. Symp. 214 e 10.
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Ἀθηνᾶς γοναί Hermippos ist der πρῶτος εὐρετής der Θεῶν γοναί Komödien. Diese waren Komödien, die die Geburtsmythen griechischer Götter und Göttinnen dramatisierten und wahrscheinlich satirisch behandelten. Dreizehn oder vierzehn Titel sind uns erhalten1: nämlich vier Ἀφροδίτης γοναί - Komödien, von Philiskos, Polyzelos, Nikophon und Antiphanes, drei Διονύσου γοναί von Polyzelos und Demetrios, zwei Πανὸς γοναί von Philiskos und Araros, und je einmal Διός γοναί, Ἑρμοῦ γοναί2, Ἀρτέμιδος καὶ Ἀπόλλωνος γοναί und Μουσῶν γοναί, die ersten drei von Philiskos, und die letzte von Polyzelos. Es ist interessant, dass Hermippos der einzige Dichter der alten Komödie ist, der eine solche Komödie geschrieben hat. Alle anderen Dichter, Antiphanes, Anaxandrides, Araros, Philiskos, Nicophon, Polyzelos und Demetrios gehören zur mittleren Komödie. Die Datierung des Stückes ist eine schwierige Aufgabe, denn wir haben keinen Hinweis außer dem Titel, der uns zu einer mindestens glaubwürdigen Vermutung führen könnte. Meineke3 dachte, die Komödie sei zur Aufführung innerhalb dieser Jahre gekommen, als die Freiheit der Komiker durch das Dekret des Morychides (439-7) angeblich eingeschränkt wurde. So seien die Komiker gezwungen gewesen nach sichereren, d.h. apolitischen Themen, zu suchen. Von dieser Vermutung ist aber Kock nicht überzeugt. Nach Nesselrath könnte die Komödie in den 430er Jahren aufgeführt worden sein, weil er Hermippos’ poetische Laufbahn von 430 bis höchstens 410 beschränkt4. Beide Vermutungen gründen sich jedoch auf falsche – oder zumindest unsichere – Voraussetzungen und noch zweifelhaftere Belege. Die Historizität z.B. des Morychides-Dekrets wird von vielen Forschern bestritten5. Ganz problematisch ist auch Platonios’ Bezeugung von Aristophanes’ Αἰολοσίκων und Kratinos’ Ὀδυσσεῖς, die Nesselrath selbst nicht ganz akzeptiert, obwohl er eine historische Ähnlichkeit zwischen den drei Werken vermutet6. Noch wichtiger ist es aber, das mit der größtmöglichen Sicherheit abgegebene Urteil über den rein mythologischen und deshalb apolitischen Charakter der θεῶν γοναί-Komödien in Zweifel zu ziehen. Die Fehlen der politischen Satire in den Komödien der mittleren Periode darf uns nicht täuschen und unkritisch zum Schluss führen, dass auch Hermippos’ Komödie, die im Gegensatz zu den
Der Titel von Philiscus’ Komödie Ἕρμοῦ καὶ Ἀφροδίτης γοναί muss wahrscheinlich getrennt werden; die Geburtsgeschichte der zwei Götter ereignen sich in ganz anderen Rahmen und Umgebungen, so dass es unmöglich scheint, eine Verbindung zwischen ihnen herzustellen. 2 Siehe Fußnote oben. 3 Meineke I. S. 279. 4 Nesselrath 1995, 12: … “he may have produced plays in the years after 420. There is scarcely a possibility to move him further down the timescale (not beyond 410, at any rate)”. 5 S. Halliwell 1991, 58. 6 Nesselrath 1995, 12-3. 1
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anderen der alten Komödie angehören muss, kein politisches Element besaß. Vielmehr muss uns Athenas Auswahl aus allen Göttern Verdacht schöpfen lassen, dass diese Komödie, auch wenn sie einen mythologischen Inhalt gehabt hatte, nicht apolitisch sein könnte, worin sie sich natürlich grundsätzlich von den anderen γοναί Komödien unterscheiden würde. Schließlich wäre es logisch zu vermuten, dass eine Komödie, die die Schutzgöttin der Stadt als Thema hatte, Anspielungen auf das athenische politische Leben und vielleicht auch auf die Politik des Perikles, mit dem der Dichter anscheinend befeindet war (siehe Fr. 47 und Einleitung zur Μοῖραι und vgl. auch Schwarze 1971, 101-5) enthielt. Eine Komödie, die als Thema die Lieblingsgöttin der Athener gehabt hätte, brächte eine Hauptfrage mit sich: Inwiefern und bis zu welchem Punkt – wenn überhaupt – wäre dem Dichter erlaubt gewesen, die Göttin komisch darzustellen? In der aristophanischen Forschung bemerkt man die Tendenz, die Wichtigkeit der Behandlung Athenas durch den Dichter im Bezug auf die Reaktion des Publikums zu unterschätzen. Das Publikum würde sehr gerne komische Darstellungen von Zeus, Poseidon oder Dionysos sehen, gleichzeitig aber würde es die spöttische und respektlose Behandlung Athenas als Beleidigung empfinden, entweder weil ihr immer Hochachtung entgegengebracht wurde oder weil keine komische oder populäre Tradition mit ihr verbunden wurde. Wilamowitz kommt fast ohne Hemmung zum Schluss, „die Athener ertrugen, dass der Mythos ihrer Göttin in das Lächerliche gezogen ward; er musste ihnen schon ein bloßer Mythos sein“7. Anderseits bestreiten einige Forscher, dass Athena die Hauptfigur oder das Hauptthema der Komödie gewesen ist. Nock8 z.B. glaubt, die Komödie sei eine Satire mehr über Zeus als über die verehrte Göttin und Winkler9 behauptet, γοναί solle nicht “Geburt” sondern “Nachkommenschaft” bedeuten, und das Stück könne von Ehe- oder Jungfrauen handeln, die die Arbeit und das Wesen der Göttin veranschaulichten oder pervertierten. Die Meinung Winklers kann nur schwer angenommen werden10, es ist aber trotzdem wahr, dass das Wort γοναί, beziehungsweise der Plural, nicht so einfach zu erklären ist: Die erste Bedeutung des Wortes ist sogar ‘Nachkommenschaft’, auch ‘Rasse’, ‘Familie’, ‘Generation’. Nicht selten aber hat das Wort die Bedeutung ‘Geburt’, und mit dieser Bedeutung wird es am häufigsten im Plural verwendet11. Schließlich dürfte dieser Plural auch als poetisch angenommen werden. Infolgedessen stand im Zentrum der Komödie höchstwahrscheinlich die Geburt Athenas. Daraus folgt, dass die Göttin nicht nur auf die Bühne gebracht Kleine Schriften V 2 S. 423. 8 Nock 1986, 543. 9 Winkler 1982, 138. 10 Fr. 2, wo Zeus den Namen Pallas für die neugeborene Göttin wählt, spricht sogar dagegen. 11 Vgl. Pind. I. 7.7: Ἡρακλείοις γοναῖς, Aesch. 3.111: κατὰ φύσιν γονὰς ποιεῖσθαι. 7
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wurde, sondern auch eine der Protagonisten war. Über Athenas Geburt steht uns ein lukianischer Dialog zur Verfügung (13.8), wo Hephaistos, nachdem er Zeus’ Kopf mit seiner scharfkantigen Axt gespaltet und diese wundersame Geburt verursacht hat, sich sofort in die neugeborene Jungfrau verliebt und sie ohne Erfolg zu verfolgen beginnt12. Da dieser Dialog sicherlich nur zur Rezitation und nicht zur Aufführung bestimmt war, können wir damit rechnen, dass Lukian versucht haben würde, eine solche Szene zu beschreiben, die seine Zuhörer (und seine Leser) sich vorstellen konnten, wo Athena genau nach dem Schlag des Hephaistos bewaffnet aus Zeus’ Kopf entspringt und alle, besonders Hephaistos, in Erstaunen versetzt. Es wäre natürlich unmöglich, diese Szene direkt auf die Bühne zu bringen, und das lässt sich sogar anhand eines erhaltenen Fragments beweisen (Fr. 2). Hermippos hätte sich also wahrscheinlich darauf beschränken müssen, die Ereignisse gerade vor und nach der Geburt auf der Bühne zu präsentieren und die Geburt selbst durch einen Boten erzählen zu lassen. Dass das Ärgernis, das die Geburt Athenas erregte, Teil des Plots war, lässt Fr. 3 vermuten. Außerdem ist eine komische Darstellung der Göttin auf jeden Fall plausibel zu erachten, besonders wenn, wie Anderson überzeugend argumentiert, komische Elemente schon in den wenigen Erwähnungen in Aristophanes zu finden sind13. Eine wichtige Rolle müsste auch die Webkunst gespielt haben, wie Fr. 4 vor allem, aber auch Fr. 5 und 6 denken lassen, und ein Webewettbewerb ist auch nicht total auzuschließen14. Man könnte sich vielleicht vorstellen, wie die Göttin gleich nach ihrem erstaunlichen Auftauchen und vollbewaffnet ihre τέχνη auszuüben beginnt. Fragment 2 ὁ Ζεὺς „δίδωμι Παλλάς“ ἠσὶ „τοὔνομα“. Der Zeus sagt, „Ich gebe (sc. ihr, d.h. dem Mädchen) den Namen Pallas“. Das Fragment ist in drei Lexika enthalten15, die Überlieferung ist aber in allen Handschriften problematisch. Es stammt wahrscheinlich aus einem Botenbericht (siehe auch Einleitung zur Komödie). Der Bote erzählt über die Entscheidung des Zeus, dem aus seinem Kopf gerade herausgesprungenen Mädchen den Namen Pallas zu geben. Interessant ist die Tatsache, dass Hermippos’ Stelle die einzige ist, wo die Namensgebung von Zeus vorgenommen wird16, wobei allerdings die Komödiendichter die Freiheit Über Hephaistos’ Leidenschaft zu Athena und seinen sexuellen Angriff siehe Deacy 2002, 48ff. Anderson 1995, 24-27, 29. 14 An einen Wettbewerb zwischen Athena und Akko dachte Wilamovitz, siehe Komm. zu Fr. 6. 15 Phot. ε 61,22, Etym. Gen. AB (Etym. magnum p. 416,31), Suda η 100. 16 Lukian erwähnt in seinem Dialog nicht den Namen Πάλλας, sondern schreibt nur κόρη. 12 13
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gehabt hätten, Verfahren, die bei den Menschen üblich waren, wie die Namensgebung, in Geschichten über das Leben auf dem Olymp zu übertragen, zumal in einer Komödie, die – zumindest teilweise – eine solche Geschichte zum Thema hatte. δίδωμι Παλλάς: Der Vers ist korrupt überliefert17. Verschiedene Emendationen wurden vorgeschlagen18. Den besten Sinn gibt vielleicht die Korrektur von Porson (auch von K.-A. angenommen), auch wenn die Wendung δίδωμι ὄνομα nicht sehr gebräuchlich ist (siehe Komm. unter τοὔνομα). Παλλάς: Die Verbindung von τοὔνομα mit dem Nominativ scheint auf den ersten Blick unpassend zu sein. Im Altgriechischen aber (wie auch im neugriechischen) ist die Verwendung des Nominativs für die Erklärung eines Wortes, besonders eines Namens, gebräuchlich. Häufig ist sogar der Name mit den Wörtern ὄνομα und ἐπωνυμία oder mit den Ausdrücken ὄνομα ἐστὶ μοι, ὄνομα ἔχω verbunden19. Es ist trotzdem wahr, dass bei einem transitivem Verb, wie z.B. ὄνομα τίθεμαι τινι, häufiger der Akkusativ steht20. Die Etymologie des Wortes Παλλάς ist unsicher, siehe RE s.v. Pallas, Kirk 1993, 52 (zu Il. 5.1) und Hainsworth 1993, 177 (zu Il. 10.245). ἠσί: Photios p. 61,22 = Suda η 100: ἦ δ’ ὅς. οἱ μὲν περὶ Ἐρατοσθένην (Fr. 52 Str.) ἀντὶ τοῦ ἔφη δε ὅς … καὶ ἦν δ’ ἐγὼ ἄντὶ τοὐ ἔφην δὲ ἐγὼ. παρὸ δὴ καὶ Ἕρμιππος ἐν Ἀθηνᾶς γοναῖς ἠσὶν ἀντὶ τοῦ φησὶν. Das selten gebrauchte Verb ἠμὶ wird zweimal von Aristophanes benutzt in der 1. Pers. Singular und zwar im Rahmen einer emphatischen Wiederholung21. Das Verb in der 3. Person ist nur im Hermippos’ Fragment zu finden. Die äolische Form ἦσι ist bei Sappho (Fr. 109) und die dorische ἠτί bei Alkman (PMG 136) belegt. τοὔνομα: Das Verb, das am häufigsten für den Ausdruck ‘einen Namen geben’, benutzt wird, ist τίθημι (oder τίθεμαι), wie Kock22 bemerkt, vgl. Ar. Nub. 65,
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Photios hat διδωνω πολλὰς, Suda und F διδώνω πολλὰς, G und I διδώνω πολὺ, M διδώναι πολλὺ und A hat eine Lücke. 18 Palmer 1883, 336 schlägt δ᾿ ἰδών, ναί, Παλλάς vor, und Headlam 1895, 279 δ᾿ ἰδών νιν (oder αὖ), Πάλλας. Ähnlich ist Kaibels' Korrektur zu δ᾿ ἰδών, ὦ Παλλάς, der den Vers folgenderweise versteht: ‘ὁρθῶς σὺ τοῦτο τὸ ὄνομα ὠνομασμένη’. 19 Vgl. Hdt. 3.85: Δαρείῳ ἦν ἱπποκόμος, τῷ οὔνομα ἦν Οἰβάρης, 7.216: Οὔνομα τῷ ὄρει τούτῳ κεῖται Ἀνόπαια, Aeschin. 2.99: Ἁνὴρ γενόμενος προσείληφε τὴν τῶν πονηρῶν κοινὴν ἐπωνυμίαν συκοφάντης, Xen. Oec. 6.14: ὅπως τοὺς ἔχοντας τὸ σεμνὸν ὄνομα τοῦτο τὸ καλὸς τε κἀγαθὸς ἐπισκεψαίμην. 20 Vgl. Hdt 6.63: Δημάρητον αὐτῷ οὔνομα ἔθετο, Pl. Civ. 369: ταύτῃ τῇ ξυνοικίᾳ ἐθέμεθα πόλιν ὄνομα, siehe Kühner-Gerth Bd. II, S. 45f. 21 Nub. 1145: παῖ, ἠμί, παῖ παῖ, Ran. 37: παῖ, ἠμί, παῖ. 22 Kock I S. 225: „ceterum pater fere ὄνομα τίθεται, non δίδωσιν“.
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Av. 923, Theopomp.Com. Fr. 32.2 Νεμέα. Nichtsdestoweniger ist bei zwei Historikern, Hellanikos23 und Κtesias24, eine ähnliche Verbstruktur zu finden. Fragment 3 τὴν μὲν διάλεκτον καὶ τὸ πρόσωπον ἀμνίου ἔχειν δοκεῖς, τὰ δ᾿ ἔνδον οὐδὲν διαφέρεις δράκοντος Du scheinst die Stimme und den Antlitz eines Lammes zu haben, innerlich aber unterscheidest du dich überhaupt nicht von einer Schlange. Das Fragment dürfte zu einem Gespräch gehören, wo der Redner dem anderen Hinterlist oder Schläue vorwirft. Der Kontext ist viel zu wenig, um festzustellen, wer hier angegriffen wird. Dass die Vorwürfe an Athena gerichtet sind, scheint weniger plausibel zu sein, denn sie wird in der Regel kaum als eine Göttin mit naivem Gesicht dargestellt. Vielleicht wird Hera – von Zeus oder Leto – hier angegriffen, die sicherlich gegen die Geburt Athenas gewesen wäre, oder Leto selbst von Hera. Ein letzter Kandidat ist natürlich Zeus, der sicherlich im Zusammenhang eines amourösen Abenteuers mit mildem Gesicht und verführerischer Sprechweise auftreten würde. Über den Kontrast zwischen ‘Sprache’ und ‘Denken’ vgl. Eur. Hipp. 612, Andr. 452. διάλεκτον: ‘Sprechweise’, ‘Akzent’, vgl. Ar. Fr. 685, D. 37.55. πρόσωπον: Wir haben in der Komödie zwei interessante Parallelen, Kratin. Fr. 314: ἔχων τὸ πρόσωπον καρίδος μασθλητίνης, „im Gesicht rot wie eine Krabbe“, und Teleklid. Fr. 46: δοθιῆνος ἔχων τὸ πρόσωπον, „wie ein Abszess“. ἀμνίου: Genetiv des Diminutivs ἀμνίον, und nicht ἄμνιος, wie das Etym. Gen. überliefert (s.v. ἀρνός = EM 146,23), vgl. Lobeck 1853-62, 430. Ausdrücke mit ἀμνός sind rar in der Komödie. In Ar. Pax 935-6 wird den Athenern geraten, ἀμνοὶ τοὺς τρόπους miteinander zu sein, und πραότεροι (‘freundlicher gesinnt’) den Alliierten (siehe Olson s.v). Ἀμνοκῶν in Ar. Eq. 264 bedeutet wahrscheinlich ‘schlicht’, oder sogar ‘einfältig’. Philippides (Fr. 30) spricht von einem skrupellosen Sykophanten, der aber nach einer Bestechung ἀμνίου μαλακώτερος weggeht (vgl. Ter. Ad. 534: tam placidum quam ovem). Wenn die Phrase διάλεκτον καὶ πρόσωπον ἀμνίου wörtlich zu nehmen ist, dann hätte man sich das Bild einer gelassenen, schlichten, und vielleicht naiven
Vgl. 1a,4,Fr. 132: τοῖς ἀνθρώποις ἔδωκε τὸ ὄνομα καλεῖσθαι Μήδους ἀπ᾿ αὐτῆς Vgl. 3c,688, Fr. 45p: … οἱ καλούμενοι Κυνοκέφαλοι, οἷς τὸ ὄνομα ἔδωκεν ἡ τοῦ σώματος ὄψις τε καὶ φύσις 23 24
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Person vorzustellen (siehe Einleitung), ein Bild, das aber, nach dem nächsten Vers, nur trügerisch sein soll. τὰ δ᾿ ἔνδον: Attraktion, (die Verbindung eines Adverbs – in diesem Fall eines Ortsadverbes – mit einem Artikel), siehe Kühner-Gerth Bd. II 1, S. 546 Anm. 1, vgl. Eur. Orest. 1514, Ar. Lys. 512, Praxilla PMG 754. δράκοντος: Δράκων (nach LSJ austauschbar mit ὄφις) ist besonders häufig bei Homer (nur im Il. 12.208 steht ὄφις, aber 12.202 und 220 δράκοντα, und sonst nur δράκων, vgl. Il. 3.33, 6.181, 11.26, 39 u.a.). Hesiod setzt bei der Beschreibung der Chimaira beide Wörter zusammen (vgl. Theog. 321-4). Über die Etymologie des Wortes siehe RE II, A 1, S. 531 ff. Normalerweise wird δράκων für große Schlangen, besonders Vipern verwendet. Bei Äsop sind viele Mythen mit Schlangen zu finden25. In vielen von diesen wird die Schlange als πονηρός (in Fab. 211 zusammengesetzt mit ὕπουλος) bezeichnet, vgl. Fab. 28, 62, 248 und 211. Der berühmteste von diesen Mythen ist Fab. 62, wo ein Bauer eine durchgefrorene Schlange aus Mitleid an seinem Busen wärmt und dann von ihr tödlich gebissen wird. Aus dieser Geschichte stammt wahrscheinlich auch der Spruch ὄφιν ἐν κόλπῳ τρέφειν (eine Schlange an seinem Busen nähren), vgl. Thgn. 1599-602 und A. Ch. 928. Mit dieser metaphorischen Bedeutung, d.h. ‘schalkhaft’, ‘schelmisch’, wird δράκων auch in Hermippos’ Fragment verwendet, siehe auch Einleitung zum Fragment. Fragment 4 ἀπό τῆς τραπέζης τουτονί τον στήμονα ἄττεσθ᾿ ἐπινοῶ Ich beabsichtige, auf den Tisch zu steigen und diese Kette zu stellen. Das Fragment wird von Photios (α 3129) überliefert. Es spricht von einer der wichtigsten Tätigkeiten der Frauen in der athenischen Gesellschaft, dem Weben. Die überwältigende Mehrheit der Frauen, unabhängig von Alter, sozialem oder familiärem Status, beschäftigten sich für mehrere Stunden am Tag mit dem Weben und dem Spinnen. Die Kleidungstücke, aus Leinen oder häufiger aus Wolle, wurden entweder für die Bedürfnisse der Familien, oder als Gabe an die Götter gebraucht. Athena als Göttin aller Hausarbeiten beziehungsweise als Herrin der Frauenarbeit ist sehr eng mit dieser Tätigkeit verbunden und wurde auch unter anderem als Göttin des Webens angesehen. Diese enge Beziehung lässt sich 25
Mit Δράκων Fab. Apth. Rhet. 28, Fab. 237, 255 und mit ὄφις Fab. 51, 62, 130, 211, 212, 213, 236 und 248.
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durch mehrere literarische Beispiele wie auch archäologische Funde beweisen. In Hes. Op. 60-65 erteilt Zeus Athena den Auftrag, Pandora das Weben einer komplexen Kette beizubringen und in Theogonie 573-5 sorgt die Göttin für die passende Kleidung für das Mädchen. Sehr bekannt war zuletzt auch die Geschichte, die Ovid über den Webwettbewerb zwischen Athena und Arachne erzählt, der die Verwandlung der letzteren in eine Spinne zur Folge hatte (vgl. Ov. Met. 6. 1-146). Der Sprecher ist nicht klar zu bestimmen, weil es sich bei den zwei Verben des Fragments um Infinitiv- bzw. Partizipformen handelt. Über die Vermutung, dass der Satz von der Göttin Athena gesprochen wird, siehe unter ἐπινοῶν. In diesem Fall dürfte die Göttin, in ihrer zuvor genannten Eigenschaft als Herrin der Hausarbeit, andere Frauen oder junge Mädchen die Webkunst lehren wollen oder selbst versuchen, ein Kleidungsstück zu fertigen, das Aufsehen erregen würde. Das Fragment könnte eventuell zu einer Agonszene gehört haben, die dann Athena und eine sterbliche Frau als Protagonisten gehabt hätte, z.B. Arachne oder die in Fr. 6 erwähnte Ακκώ26. Über die Webkunst siehe Blümner 1912, 135ff., über das Verfahren S. 140ff. Über die Geschichte des Webens, die Verbindung mit der Göttin und Athenas peplos siehe Barber 1992, 103-106. ἀπὸ τῆς τραπέζης: Es ist nicht ganz klar, wozu ein Tisch benötigt wird, aber es ist logisch zu vermuten, dass an der Stelle versucht wird, eine längere Kette zu weben. Eine solche Vermutung würde vielleicht das Argument bestärken, dass Athena hier die redende Person ist, weil sie vor allem einen größeren und deswegen prächtigeren Peplos weben würde. Die Konstruktion des Webstuhls lässt sich mit gewisser Sicherheit erschließen, so dass die Kleidungsstücke, die in dieser Weise gewoben wurden, nicht größer als 1,2m bis 1,8m in Länge oder Höhe gewesen sein könnten. Um eine längere Kette zu weben, was schwierig und sicherlich ungewöhnlich gewesen sein sollte, würde man einen – in Länge und Höhe – größeren Webstuhl benutzen müssen. In diesem Fall könnte vielleicht der Webstuhl unseres Fragments dermaßen groß gewesen sein, dass man auf einen Tisch steigen musste, um zu weben. Ein etruskisches Pendulum27 zeigt sogar eine Weberin, die auf einem Balkon sitzt und ein kleiner korinthischer Arybalos, der den Webwettbewerb zwischen Athena und Arachne darstellt, zeigt Frauen, die auf Fußbänken stehen und weben. Außerdem wird die Präposition ἀπό für Handlungen verwendet, die von einem höher gelegenen Ort oder Gegenstand aus geschehen28. Über die Verbindung der Verben, die „hangen, hängen, haften“ bedeuten (=
Auf einen Wettbewerb zwischen Athena und Akko schließt Wilamowitz, siehe Fr. 6. Villanovan bronze pendant, ca 600, Museo Civico Archaeologico, Bologna. 28 Vgl. Hdt. 1.79: ἀφ᾿ ἵππων μάχεσθαι, Xen. An. 1.2.7: ἀφ᾿ ἵππων θηρεύειν, ferner ἄρχεσθαι ἀπό τινος. Siehe Kühner-Gerth Bd. I S. 456 § 1. 26
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κρεμάννυμι, ἅπτομαι, δέω), mit der Präposition ἀπό (und ἐκ), siehe KühnerGerth Bd. I S. 544c. ἄττεσθαι: Ἄττεσθαι war nach Photios (Phot. α 2979) das attische Wort für διάζεσθαι. Nachdem der Webstuhl aufgestellt worden ist, müssen die Fäden aufgezogen werden. Gewichte (ἄγνυθες) werden unten angehangen, um die Fäden straff zu spannen. Mit Hilfe des κανών werden die Fäden in zwei Teile geteilt. Die eine Gruppe wird mit Schlingen an diesem Schlingenstab gebunden, während er vor den anderen liegt, so dass man in ihm die hinteren Fäden nach vorne ziehen kann und so das Fach wechseln. Dieses Verfahren heisst διάζεσθαι oder ἄττεσθαι. Eine Skizze des Webstuhls mit seinen Einzelteilen und eine kurze Beschreibung hat Barber. Blümner nennt als synonyme Wendung στῆσαι τὸν στήμονα und στημονίζεσθαι oder προφορεῖσθαι τὸν στήμονα29. Von ἄττεσθαι und διάζεσθαι stammen auch die Substantive ἄσμα und δίασμα, vgl. Phot. α 2979 (≅ Suda α 4186 ≅ Lex. Bachm. 152, 21) und auch Nonn. Dion. 6. 150, wo das gleiche Verfahren, d.h. das Aufziehen der Fäden, beschrieben wird. Es ist deswegen plausibel, dass στήμων und ἄσμα oder δίασμα Synonyme waren. ἐπινοῶν: Diese Lesart hat Lex. Bachm., während Photios ἐπὶ νοῶν hat. Valckenaer schlug ἐπινοῶ vor, und diese Korrektur nahmen Meineke und Bergk an. Der Letztere kam darüber hinaus zum Schluss, dass Athena in diesem Fragment geredet habe. Es liegt die Vermutung nahe, dass Athena eine der Protagonisten der Komödie gewesen sei, und deswegen scheint es mir auch richtig, ihr diese Verse zuzuschreiben zu dürfen. Siehe auch die Einleitung und unter ἀπὸ τῆς τραπέζης. Fragment 5 καιροσπάθητον ἀνθέων ὕφασμα καινὸν Ὡρῶν λεπτοὺς διαψαίρουσα πέπλους ἀνθέων γέμοντας Ein neulich von den Horen dichtgewobenes geblümtes Gewand (Die Brise) feine mit Blumen ausgeschmuckte Peplos sanft fegend. Zwei getrennte Verse, die zusammen von verschiedenen Lexika (Photios, Suda und Lex. Bachmann) überliefert sind. Ihre zwei Gemeinsamkeiten sind das Wort ἀνθέων, beziehungsweise die Genetivform, und das Metrum, katalektischer iambischer Tetrameter. Über die Funktion des Metrums, das 29
Blümner 1912, 143-4 und 144 Anm. 1 und 2.
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meistens in der Parodos (Wespen, Lysistrate, Ekklesiazusen, Plutos) oder im epirrhematischen Agon einer Komödie vorkommt, siehe Perusino 1968, 41 und Zimmermann I S. 43 und 146. καιροσπάθητον: ‘dichtgewoben’, vgl. TrGF ad. 7, λεπτοσπαθήτων χλανιδίων. Die zweifellos richtige Korrektur des in den Codizes überliefert κηροσπάθητον stammt von Toup (Emend. II p. 482). Καῖρος (oder καίρωμα) hießen die Schlingen, die vermutlich am unteren Ende der Kettenfäden angebunden wurden, und die dazu dienten, dass die letzteren in der Ordnung parallel nebeneinander blieben und nicht in einander gerieten30. Die σπάθη (‘Webeschwert’) war eine flache hölzerne Schneide, mit der die Weber die Fäden schlugen um das Gewebe kompakt und fest zu machen (vgl. Philyll. Fr. 12). Die Σπάθη wurde im aufrechten Webstuhl benutzt, wohingegen im waagerechten das passende Werkzeug die κτείς (‘Kamm’) war. Eine interessante Parallele gibt es in Homer (Od. 7. 107-9: καιροσσέων δ᾿ ὀθονέων ἀπολείβεται ὑγρὸν ἔλαιον). Die Bedeutung von καιροσσέων ist auf jeden Fall nicht klar, jedoch könnten die zwei Adjektive synonym sein. Die homerischen Scholien zum Vers identifizieren, sicherlich irrigerweise, καῖρος mit μίτος. Für mehrere Identifizierungen der zwei Wörter siehe Blümner 1912, 145ff. ἀνθέων: Für die Endung der Genitiv Plural in –έων siehe Alpers 1981, 154-5 (zu Or. Fr. A 9). Die Ausnahmen sind wenige, z.B. Pherecr. Fr. 51 Δουλοδιδάσκαλος, Xen. Kyn. 5.5.4, Pl. Crit. 115a. Aristoteles und Theophrastos benutzen fast ausschließlich ἀνθῶν. ὕφασμα: Das Wort bedeutet nicht nur ‘Stoff’, ‘Gewebe’, sondern auch, wie hier, ‘Gewand’, ‘Kleid’, vgl. Od. 3.274, A. Ch. 231. Ὡρῶν: Die Horen waren die drei Tochter von Zeus und Themis (vgl. Hes. Th. 709) und Wärterinnen der Himmelstore auf dem Olymp (Il. 5.749). Ihre Namen waren Eunomia, Dike und Eirene. Häufig sind sie mit den Χάριτες zusammengebracht (vgl. h.Ap. 194). In Cypria wird von Kleidern berichtet, die die Ὧραι zusammen mit den Χάριτες gemacht und mit Blümen gechmuckt haben31. διαψαίρουσα: Mit dieser Bedeutung wird das Wort nur in diesem Fragment und in Ar. Av. 1716-7 benutzt32. Meineke33 vermutete, dass das Subjekt des
Vgl. Eust. Od. p. 1571.56, Phot. κ 123,15 und EM 498.7. Vgl. Cypr. 1.4: εἵματα μὲν χροῒ ἕστο͵ τά οἱ Χάριτές τε καὶ Ὧραι / ποίησαν καὶ ἔβαψαν ἐν ἄνθεσιν εἰαρινοῖσιν͵ / οἷα φέρουσ΄ ὧραι 32 Ar. Av. 1716-7: θυμιαμάτων δ᾿ / αὖραι διαψαίρουσι πλεκτάνην καπνοῦ. 33 Meineke II, 1 S. 382, mit dem Hinweis auf Ar. Av. 1717. 30
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Partizips ebenfalls αὔρα sei, worin aber Kaibel34 Zweifel setzte, und das Wort zu διακαθαίρουσα (‘gründlich reinigen’) korrigierte. πέπλους: Peplos war ein viereckiges Obergewand für Frauen (schon in Hom. Od. 18.292, das Wort wird ebenfalls auch für ein normales Tuch, eine Decke, oder Leichentuch benutzt, vgl. Il. 24.796, Eur. Tro. 432), meistens aus Wolle, das zunächst in ihrem oberen Drittel einmal umgeschlagen wurde, dann um den Körper so gelegt, dass der gefaltete Teil, das ἀπόπτυγμα, auf Brust und Rücken aufhängte und schließlich auf beiden Schultern mit Nadeln genestelt wurde. Für weitere Informationen über das Anziehen und die Drapierung des Peplos siehe Bieber 1973, 430-5. Für allgemeine Informationen über die Geschichte der griechischen Kleidung bis zu der römischen Kaiserzeit siehe Bieber 1967, 17-45. Über die bestrittene Identifizierung des Peplos mit dem in Herodot (5.87) erwähnten dorischen Gewand, siehe Studniczka, Marinatos und Pekridou-Gorecki 1989, 78-79. Peplos ist auch stark mit dem Kult verbunden, vgl. Paus. 5. 16, über die Hera von Olympia und den Peplos, den 16 Frauen jede fünf Jahre webten und ihr gewidmet. Sehr bekannt war auch das Weben des Peplos für Athena Polias, der anlässlich der Großen Panathenäen neu gewebt und mit einer Darstellung der Gigantomachie verziert wurde, siehe Barber 1992, 104-106 und Fr. 4. Fragment 6 Das letzte Fragment der Komödie ist die Erwähnung einer sprichwörtlich dummen Frau, Ἀκκώ. Die Scholia (vet.) Platonica (Gorgia 497a), auf die Erklärung des Wortes ἀκκίζομαι, ‘Unkenntnis oder Dummheit (oder auch Gleich-gültigkeit) vortäuschen’, führen seine Etymologie auf diese einfältige Frau zurück, und geben die Information, dass Hermippos sie in Ἀθηνᾶς γοναί erwähnte und Amphis eine nach ihr genannte Komödie schrieb. Fragmente aus der letzteren Komödie sind nicht erhalten, es gibt aber einige anekdotenhafte Geschichten über sie. Nach der ersten, von den platonischen Scholien überliefert, war Ἀκκώ so dumm, dass sie ein unvollständig gewobenes Kleid aus dem Webstuhl wegnahm und anzog und außerdem ihr eigenes im Spiegel reflektiertes Bild schaute und zu diesem Bild sprach, als wäre eine andere Frau. In den platonischen Scholien von Arethas (Sch. rec. Gorg. 497a) wird eine ähnliche – und eigentlich in eine rätselhafte Weise geschriebene – Geschichte überliefert. Die dumme Akko wird während des Webens von einer anderen Frau gerufen, und beginnt nach ihrer Rückkehr ein neues unvollendetes Kleidungsstück zu weben. Wilamowitz35 vermutet sogar, dass ein Webewettbewerb zwischen Akko und Athena, ähnlich zu dem vom Ovid in 34 35
Bei K.-A. Bd. V S. 565: “potest mulier dici διακαθαίρουσα πέπλους”. Wilamowitz-Moellendorff 1873, 141.
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den Metamorphosen beschriebenen Wettbewerb zwischen Athena und Arachne (siehe auch Fr. 4), auf die Bühne gebracht worden sei. Um Akko wurde allerdings auch eine ganz verschiedene Tradition entwickelt. Nach ihr war Akko eine Schreckgestalt, die Frauen zur Sprache brachten, um die Kinder am Faulenzen zu hindern, vgl. Plut. Sto. Rep. 15). Gegen diese Tradition argumentierte Winkler 1982, 137-8.
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Αρτοπώλιδες In den Parabase der Wolken (551-559) greift Aristophanes nach einer Sebstlobrede alle komischen Dichter an, die sich mit dem δείλαιον Hyperbolos und seiner Mutter beschäftigen, während er den μέγιστον ὄντα Kleon angegriffen und geschlagen hat. Zwei komische Dichter, die eine Komödie gegen Hyperbolos schrieben, werden genannt, Eupolis und Hermippos1. Merkwürdigerweise wird der Komiker Plato, der eine nach dem Demagogen benannte Komödie schrieb2, in Aristophanes’ Angriffsliste nicht erwähnt, wofür eine logische Erklärung wäre, dass Platons Komödie später zu datieren ist. Aristophanes nennt nur den Titel der Komödie des Eupolis, Μαρικᾶς (Fr. 192 - 217), die Scholien aber geben uns die Information über Hermippos’ Komödie „ἔοικε δὲ τὰ εἰς τὰς Ἀρτοπώλιδας λεχθέντα κατ’ αὐτοῦ σημαίνειν“. Aus den Scholien wird deutlich, dass der Demagoge die hintergründige Zielscheibe des Angriffs des Komikers in dieser Komödie gewesen ist. Die Hauptprotagonistin war jedoch zweifellos seine Mutter, die wahrscheinlich als Brotverkäuferin dargestellt wurde; ihre Kolleginnen mussten den Chor gebildet haben. Als paralleles Beispiel kann man Euripides’ Mutter nennen, die λαχανοπωλήτρια (‘Kohlverkäuferin’) gewesen sein soll. Das komische Potential, das eine Brotverkäuferin besaß, lässt sich durch die verschiedenen Erscheinungen bei Aristophanes beobachten: In Ran. 857-8 rät Dionysos beiden Tragikern davon ab, ὥσπερ ἀρτοπώλιδας zu schimpfen. In Lys. 456-60 sind die Brotverkäuferinnen unter den Alliierten, die Lysistrata drängen, zu schlagen, zu schimpfen und sich schamlos zu benehmen, siehe auch Heath 1990, 153. Über Hyperbolos’ Mutter wissen wir fast nur, was die Komiker über sie schreiben. Eupolis stellte sie als eine versoffene Greisin dar, die den κόρδαξ, einen vulgären Tanz, tanzte (vgl. auch Ar. Nub. 552). Storey3 glaubt – basierend auf προσθείς (Nub. 555) –, dass sie trotzdem keine große Rolle in dieser Komödie spielte. Die Scholia in Pl. 1037 geben uns zwei ziemlich rätselhaften Informationen, zuerst dass Eupolis sie mit einer τηλία (ein Tafel, die die Bäcker benutzten) verglichen hat und dann dass jemand auf die Bühne tritt und sagt, dass die Gebeine von Hyperbolos auf eine τηλία gelegt worden seien. Storey vermutet, es sei sie, die am Ende der Komödie auf die Bühne tritt und in einer paratragischen Szene um ihr Kind trauert und dann den vulgären κόρδαξ tanzt. Außerdem neigt er zur Annahme, dass sie als eine Brotverkäuferin dargestellt wurde, was die Angemessenheit der τηλία erläutern würde, und
Man kann zunächst sagen, dass Aristophanes’ Angriff vielmehr als Ehre für Hermippos zu verstehen ist, denn er beweißt vor allem, wie Gilula 2000, 75 (;) bemerkt, dass Hermippos einer seiner wichtigsten Rivalen war. 2 Auf diese Komödie weisen die aristophanischen Scholien zum Vers 558 hin. 3 Storey 2003, 204-5. 1
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auch ein Vorbild für die Ἀρτοπώλιδες gewesen wäre (siehe auch Sommerstein 2000, 449 n. 35, Camon 1961, 191 und Sonnino 1997, 43-60). Hermippos in unsere Komödie (vgl. Fr. 10 und 12, siehe Meineke I S. 94, Kock I S. 227, Bergk 1838, 313, Lobeck 1843, 148) und Plato im Kleophon (vgl. Sch. Ar. Ran. 681) brachten eine barbarisch sprechende Frau auf die Bühne, vielleicht auch von barbarischer Herkunft, ein Vorwurf, der sowieso Hyperbolos selbst häufig gemacht wurde (Polyzelos Fr. 5, Pl.Com. Fr. 185, vgl. Fr. 183). Über den Inhalt von Hermippos‘ Komödie ist sonst wenig zu sagen. Fr. 8 lässt vermuten, wenn die Verse sich natürlich auf Hyperbolos beziehen, dass er selbst vielleicht irgendwelche Rolle in der Komödie hatte, und zwar dass er in eine schwierige Situation geriet, aus der er aber gerettet wurde. Die Komödie richtete sich sonst auch gegen andere Politiker, nämlich Peisander, der in Fr. 7 verspottet wird. Die Datierung der Komödie von Geissler (p. 46), der ich zustimme, ist auf 420-419. Eupolis’ Μαρικᾶς, im Jahre 421 aufgeführt, gibt uns einen sicheren Terminus post quem, and als Terminus ante quem darf man den Ostrakismos des Politikers kurz vor den Dionysien 417 annehmen. Die Verse in der Parabase der Nubes können sich deshalb auf die Kömodien von 418 spätestens beziehen. Ugolini4 vermutet, Hyperbolos sei in mindestens einer gegen ihn gerichteten Komödie nach seiner Verbannung angegriffen worden. Diese Vermutung, auch wenn sie eine gewisse Ähnlichkeit mit der Tatsache haben könnte, dass auch Kleon nach seinem Tod von den Komikern bzw. Aristophanes verspottet wurde (vgl. Ar. Nub. 591-4), scheint nicht plausibel zu sein und kann jedenfalls durch die Fragmente nicht bestätigt werden. Wir können nicht mit Sicherheit feststellen, worin genau die klar spürbare Ironie der Verse in den Wolken besteht, inwiefern seine häufige Angriffe gegen Kleon sich von anderen Komikern unterscheiden5 und vor allem, warum er tatsächlich auf einen ähnlichen Angriff gegen Kleons Nachfolger verzichtet. Es ist jedenfalls durchaus möglich, dass Neid oder Bedauern dahintersteckt, dass er selbst dieses komische Potential nicht ausgenutzt hatte, und dass er versucht, die Wichtigkeit oder die Originalität der Komödien seiner Rivalen herunterzuspielen. Fragment 7 † ἐνέβαινε σιγῆ Πείσανδρος μέγας αὐτὸς † ὥσπερ Διονυσίοισιν οὑπὶ τῶν ξύλων, † ἐλαίης ἔρεισιν ὄνον κανθήλιον
Ugolini 1928, 279. Ugolini 1928, 279 denkt, die Kühnheit und nicht die Originalität sei die Pointe seiner Verteidigung. 4 5
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Stumm bestieg Peisander der Grosse in Person einen Lastesel, wie der Platzanweiser bei den Dionysien, sich stützend mit einem Stock aus Olivenholz. Das Fragment stammt aus den aristophanischen Scholien (Av. 1556). Seine Überlieferung im ersten und letzten Vers ist problematisch. Der einzige gut erhaltene Vers, d.h. der zweite, ist ein iambischer Trimeter). Die verspottete Person ist Peisander6, ein Politiker in Athen, der in der Zeit des peloponnesischen Krieges aktiv war. Er nahm an den Feldzügen in die Chalkidike im Jahr 429 (Thuc. 2.79) und nach Thrakien im Jahr 422 Teil. Obwohl er als ein scheinbarer Demokrat eine führende Rolle in der Ermittlung bei der Hermenverstümmelung gespielt hatte (415 v. Chr., vgl. And. 1.27, 1.36), zeigte er einige Jahre später großen Eifer für die Vorbereitung der oligarchischen Revolution. Er bemühte sich um Hilfe des persischen Grosskönigs und um die Zurückbeorderung von Alkibiades (Thuc. 8.49, 53). Er klagte darüberhinaus den Strategen Phrynichos an, der aus diesem Grund durch Leon ersetzt wurde. Er gehörte schließlich zu den Anführern des oligarchischen Coups (Thuc. 8.68, Arist. Ath.Pol. 32.2) und war sogar derjenige, der das Regime der Vierhundert vorschlug, das später installiert wurde. Als dieses die Macht verlor, floh er nach Sparta (Thuc. 8.98), und wurde in Abwesenheit wegen Hochverrats verurteilt. Peisander wurde sehr oft in der Komödie angegriffen, eine Demagogenkomödie von Platon trägt seinen Namen7. Die komische Pallette besteht aus Witzen über seine politische Korruptheit (Ar. Lys. 489-91, Fr. 84 Βαβυλώνιοι), seine Feigheit (Eup. Fr. 35 Ἀστράτευτοι, Phryn. Fr. 21 Μονότροπος, Ar. Av. 1556-60, vgl. Suda π 1467: δειλότερος Πεισάνδρου), sein massiges und grobes Äußeres8 (in diesem Fragment, auch Eup. Fr. 195 Μαρικᾶς, Ar. Pax 395, Phryn. Fr. 21 Μονότροπος) und seine Gefräßigkeit (Eup. Fr. 99. 1-4 Δῆμοι9, Ath. 10.415d = Com.Adesp. Fr. 119, gibt die Information, dass er zusammen mit Kleonymos von den Komikern als πολυφάγος dargestellt wird). Über die Implikationen über seine Feigheit und die Diskrepanz zwischen seinem grandiosen oder kriegerischen Bildnis vgl. Sch. Ar. Pax 39510 und siehe Storey 2003, 78. Er behauptet, dass die Verspottung wegen seiner Feigheit später in den 410er Jahren kommt, hält die Stelle in den Vögeln (Av. 1556-8) für Peisandros Glauketou Acharneus (PA11770, LGPN 3, PAA 771270). Platons’ Komödie wird meistens auf 422/421 datiert, siehe Sommerstein 2000, 439ff, Radermacher 1926, 55. Für eine spätere Datierung entscheidet sich Geissler 1969, 51 und Add. xv. 8 Siehe auch unter μέγας und οὐπὶ τῶν ξύλων über seine Darstellung in Hermippos Fragment. 9 Über dieses Fragment gibt es jedoch eine heftige Diskussion, betreffend vor allem der Bedeutung des Verbs διαστρέφειν, siehe Storey 2003, 142ff. 10 Sch. Ar. Pax 395: εἴ τι Πεισάνδρου ἴσως εἰρωνεύεται· ἐπὶ δειλίᾳ γὰρ ἐσκώπτετο παρὰ πολλοῖς. οὗτος φιλοπόλεμος ἦν καὶ πολεμοποιὸς κερδῶν ἰδίων ἕνεκεν. ἦν δὲ δειλὸς καὶ μέγας͵ καὶ ἐκαλεῖτο ὀνοκίνδιος. ἐχρῆτο δὲ τριλοφίᾳ καὶ ὅπλοις ἐπισήμοις ὑπὲρ τοῦ δοκεῖν ἀνδρεῖος εἶναι μὴ ὤν. καὶ ἐν ἄλλοις δὲ ἐπαχθῶς αὐτοῦ λαμβάνεται. 6 7
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die erste, die darauf anspielt und vermutet11, dass irgendein mit der sizilischen Expedition verbundenes Ereignis hinter diesen Spötteleien stecken könnte, z.B. dass er es geschafft hat, die Ableistung des Militärdienstes zu umgehen, um nicht mit nach Sizilien fahren zu müssen, entweder anfänglich, im Jahr 415, oder bei der Truppen-verstärkung im folgenden Jahr. † ἐνέβαινε: Das ist die Lesart der Handschriften. Das Verb ἐμβαίνω ist entweder transitiv (Objekt meistens im Akkusativ oder Dativ) oder wird mit einem präpositionalen Attribut benutzt. Alle Bedeutungen des Verbs, ‘hereinkommen’, ‘rennen’, ‘an Bord gehen’, ‘treten’, ‘wahrnehmen’, passen nicht zu unserer Phrase. Deswegen scheint das Verb ἀναβαίνω (“auf ein Pferd aufsteigen”, Xen. An. 4.1.7, 7.1.3, Theopomp.Hist. 2) in Verbindung mit dem ὄνον κανθήλιον im dritten Vers passender zu sein. Das Verb war außerdem der Terminus technicus in attisch für ‘hinaufsteigen und das Wort ergreifen’ in der Stadtsitzung der Ekklesia. σιγῆ: siehe unten οὑπὶ τῶν ξύλων. vgl. Eur. IA 1560 und 1563-4. μέγας: Die Hinzufügung des Artikels zwischen dem Namen und dem Adjektiv, die Herwerden vorschlug, ist meiner Meinung nach richtig, zunächst weil dieser Gebrauch in Ar. Ach. 853 belegt ist, zumal der Artikel im parallelen Fragment von Eupolis (Fr. 195 Marikas) auch zu finden ist12. Mit demselben Adjektiv wird Peisander im Μαρικᾶς charakterisiert, in einem Fragment, das auch andere Ähnlichkeiten (z.B. das Wort οὑνοκίνδιος, siehe ὄνος) mit Hermippos’ Fragment hat (Fr. 195). Woodhead13 glaubt, dass diese Beschreibungen sich lediglich darauf beziehen, dass er eine gute und nicht fette Figur hatte und dass die Phrase in Hermippos’ Fragment ὁ ἐπὶ τῶν ξύλων zur gleichen Schlußfolgerung führt. Die aristophanischen Scholien, die dieses Fragment überliefern, haben eine eher positive Charakterisierung dafür (Sch. Ar. Av. 1556: ἦν δὲ καὶ τὸ σῶμα εὐεκτὴς, ὡς Ἓρμιππος ἐν Ἀρτοπώλισι). Meiner Meinung nach, ist der Eindruck, den man aus den beiden Fragmenten und den Scholien gewinnt, der eines massigen, starken, aber sicherlich auch groben und ungehobelten Mannes (ähnlich – in Zusammenhang mit seiner angeblichen Feigheit – einem miles gloriosus, wie Storey14 bemerkt) als das eines wirklich fetten oder übergewichtigen. οὑπὶ τῶν ξύλων: Die Vermutung von Meineke, dass ein Angestellter, verantwortlich für die Sitze im Theater, hier gemeint sei, scheint nicht plausibel, besonders weil in diesem Fall σιγῆ ganz schwer zu erklären ist. 11
Der Gedanke stammt von Sommerstein 1985, 51. Metrisch ist der erste Vers sowieso problematisch. 13 Woodhead 1954, 132. 14 Storey 2003, 78. 12
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Πρῶτον ξύλον war die erste Reihe der Sitzplätze des athenischen Theaters, wo die πρυτανεῖς saßen, die deswegen auch πρωτόβαθροι hießen. vgl. Ar. Ach. 25, Vesp. 90. Fritzsche15 macht aber die ansprechende Vermutung, dass hier ein großer Phallos gemeint sei, wie derjenige, der beim dionysischen Umzug auf einer Stange getragen wurde (siehe Csapo 1997, 265-273, R. Parker 2005, 318 ff. und Deubner 1932, 136 und tab. 22). Eine attische schwarzfigurige Tasse (Archaeologico Museo nazionale di Firenze, 3897, Seite A and B) stellt eine Prozession mit sechs nackten Männern dar, die einen Phallos tragen und eine große Stange auf den Schultern haben. Diese Stange wird als Basis für eine zweite, dickere und vielleicht auch etwas längere Stange benutzt, die einen großen Phallos bilden soll. Auf der eine Seite kann man einen riesigen Satyr sehen und auf der anderen ein Geschöpf mit vergrößerten Brust, Bauch und Hinterbacken – das man mit einem ὄνος vergleichen könnte –, auf dem eine männliche Figur sitzt16. Der „große“ Peisander könnte wohl hier mit diesem Satyr oder sogar noch besser mit dieser tierischen Figur verglichen werden, und der ὄνος κανθήλιος bezieht sich vielleicht auf das gleiche Bild. ἐλαίης: Ἐλαία (att. ἐλάα) war der traditionelle athenische Baum, den die Göttin selbst zum ersten Mal in Attika gepflanzt hatte, vgl. Soph. OС 701, Hdt. 5.82. † ἐλαίης ἔρεισιν: Der dritte Vers birgt viele kritische Probleme, die eine plausible Rekonstruktion nicht ermöglichen. Das Wort ἔρεισις bedeutet ‘Stoß’, ‘Schieben’, ‘Drängen’ (τὴν τοῦ πέτρου ἔρεισιν, Dion.Hal. De comp. verb. 20.80) und kann in unserer Phrase kaum einen zufrieden stellenden Sinn ergeben. Was hier wahrscheinlich gemeint ist, ist ein Stock, der zum Stützen benutzt wurde. Das altgriechische Wort dafür wäre ἔρεισμα, vgl. Eur. Herc. 254, 109. Es bleibt trotzdem unklar, wie sich ein Stützstock mit einem Esel kombinieren lässt (siehe auch Komm. unter ὄνον). ὄνον κανθήλιον: Die Phrase könnte sich auf Peisander beziehen. In Eup. Fr. 182 Μαρικᾶς wird er als ὀνοκίνδιος, ‘Maultiertreiber’, charakterisiert. Woodhead17 vermutet, dass diese zwei Charakterisierungen, d.h. bei Eupolis und Hermippos andeuten, dass er ansehnlich großes landwirtschaftliches Eigentum besessen habe. Es wäre aber auch plausibel zu vermuten, dass sie Peisander als Besitzer von Eseln darstellen, die zur Transportierung von Guten dienten. Eine interessante Parallele findet man in Dem. 42.7, wo über einen reichen Φαίνιππος gesagt wird, dass das Holztransportgeschäft mit seinen sechs Eseln 12 Drachmen täglich abwarf18. Peisander ist außerdem einer der vier großen “Affen” (die anderen drei sind Lykeas, Teleas und Exestekides) des Bei K.-A. Bd. V S. 566. Für mehrere Informationen über diese Prozession siehe Csapo 1997, 265-273. 17 Woodhead 1954, 133. 18 Siehe Olson 1991, 417-8. 15 16
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Phrynichos-Fragments (Fr. 20, Monotropos). Die ὄνοι κανθήλιοι waren besondere große Esel, die sich als Lastesel eigneten (vgl. Ar. Lys. 290, Vesp. 170). Die Phrase ist aber auch ein Ausdruck für ‘Idiot’, ‘dumm’ (vgl. Lysipp. Fr. 8, Luc. Jup. Tr. 31, Pl. Symp. 221e). Andererseits wird Peisander anderswo nicht als dumm verspottet (siehe Πείσανδρος), und der Akkusativ macht klar, dass es sich um ein Objekt handelt (vielleicht von ἀνέβαινε). Die ὄνοι tauchen außerdem oft bei Prozessionen auf19, sind eng mit Dionysos verbunden und werden sogar häufig mit erigierten Phalloi dargestellt. Die Darstellung Peisanders auf einem Esel passt also gut zu seinem Gesamtbild in diesem Fragment und seine Darstellung als Dionysos oder als Satyr wäre vielleicht auch nicht auszuschließen (siehe auch unter οὑπὶ τῶν ξύλων). Der eventuelle Besitz von Eseln oder Land könnte letztendlich auch durch eine solche Darstellung vom Dichter zusätzlich angedeutet werden. Fragment 8 φέρε νυν ἀγήλω τοὺς θεοὺς ἰοῦσ’ ἐγὼ καὶ θυμιάσω τοῦ τέκνου σεσωσμένου Nun, lass mich gehen um den Göttern Ehre zu erweisen und Weihrauch zu verbrennen, dafür dass mein Kind gerettet worden ist. Die zwei Verse wurden höchstwahrscheinlich von Hyperbolos’ Mutter gesprochen. Sie will die Götter verehren und ihre Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, weil ihr Sohn gerettet wurde. Hier handelt es sich wahrscheinlich um ein Gebetszene, auch wenn das Verb θυμιάζω, ‘räuchern’, eine Opferszene vermuten lässt. Wir wissen leider nicht, auf welche Gefahr oder Geschichte sich diese Verse beziehen könnten. Eupolis’ Μαρικᾶς (nach den Sch. Ar. Plut. 1037, siehe auch Einleitung zur Komödie) endet mit Hyperbolos’ Eliminierung. Sommerstein20 vermutet sogar, dass der Antagonist ein reicher Athener war, und bemerkt, dass die Fragmente der Komödie viele Bezüge auf einen luxuriösen Lebenstil enthalten. Die Situation ist natürlich bei Hermippos anders, weil Hyperbolos gerettet wird, oder einfach überlebt. Es ist trotzdem möglich zu vermuten, dass diese Verse auch gegen Ende des Stuckes gelegen waren, besonders wenn Hyperbolos selbst eine Rolle in der Komödie gehabt hatte. φέρε νυν: Die Codices überliefern νῦν, die vorgeschlagene Korrektur von Elmsley21 ist aber vielleicht richtiger; die viele Parallelen in der Komödie (Ar. Eq. 113-4, Nub. 731, Vesp. 848, Pl. 768,) ist ein eindeutiger Beweis dafür. Dieses Vgl. die Prozession mit Dionysos und Hephaistos: die Rückkehr des Hephaistos auf den Olymp. Sommerstein 2000 S. 442, 448 Anm.32. 21 Elmsley 1822, 95. 19 20
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νυν ist die enklitische Form von νύν, es wird in einer übertragenen Bedeutung benutzt, ist mit dem Wort ‘nun’ vergleichbar und hat keine temporale Funktion (siehe Kühner-Gerth Bd. I S. 118.4). Νύν übernimmt sehr häufig bei Imperativen oder Konjuktiven der Aufmunterung – wie hier – die Rolle einer leisen folgernden Konjuktion und ist in diesem Fall mit dem lateinischem ‘igitur’ vergleichbar. ἀγήλω: Es ist bemerkenswert, dass das Verb ἀγάλλω (‘Ehre erweisen’) als ein rein attisches Wort betrachtet wird (vgl. Phot. α 164: ἀγῆλαι· τιμῆσαι. τῶν πάνυ δὲ Αττικῶν ἐστιν ἡ λέξις). Das Wort ist in der Komödie immer in rituellem Kontext belegt (vgl. Ar. Pax 396-9, Th. 128, Eup. Fr. 131 Δήμοι, Theopomp.Com. Fr. 48 Πηνελόπη). ἰοῦσ᾿ ἐγὼ: Das ist die Korrektur von Elmsley, der ich mich auch anschließe22. Ein unvollständiges Wort am Ende eines Verses (der nächste Vers beginnt sogar mit Konsonanten) ist sicher nicht gewöhnlich. Der einzige Einwand, den man gegen die letzte Lesart erheben kann, ist, dass ἔσω nie in der Komödie vorkommt, sondern nur εἴσω. Ellendt23 bevorzugt ἔσω, obwohl er die Abwesenheit des Wortes in Aristophanes und Platon zugibt, und ist davon überzeugt, dass es sich um eine Parodie eines tragischen Verses handelt, wo nicht nur ἰοῦσ᾿ ἔσω eben am Ende des Verses stand, sondern auch der nächste Vers des Fragmentes (außer ἀγήλω). σεσωσμένου: Sandbach schlug die Korrektur σεσωμένου vor. Bei Suda steht, dass die Form ohne σ früher und die Form mit σ später ist. Aischylos ist der erste – und der einzige – Tragiker, der die Form ohne σ benutzt. Im 5. Jh. aber herrscht die Form mit σ (vgl. Soph. Ant. 314, Eur. Heracl. 432), Plato benutzt die Form ohne σ, vgl. Pl. Leg. 645b2, 655b1 u.a., einmal aber auch mit σ, vgl. Tim. 23a5), die sowieso weitaus häufiger benutzt wird (vgl. Dem. Phil. 4.74), und deswegen ist sie meiner Meinung nach vorzuziehen. Fragment 9 ὦ σαπρὰ καὶ πασιπόρνη καὶ κάπραινα morsche und Nutte und lüsterne Frau Der Vers in seinem überlieferten Zustand ist drei trochaischen Metren und kann daher nur unvollständig sein. Die Verse könnten von dem Chor oder von Suda und Photios überliefern οἵους ἐγὼ, Lex. Bachmann οἴους ἐγῶ, womit man schwerlich etwas anfangen kann. Die zwei Manuskripte der Scholien zu Euripides, die den ersten Vers erhalten, sind auch nicht einig: Manuskript A hat εἴσω ἰοῦσ᾿, B hingegen hat ἰοῦσ᾿ ἔσω. 23 Ellendt 1872, 543. 22
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Hyperbolos’ Mutter gesprochen werden, oder sonst aus irgendwelcher Rivalin über sie gesagt werden. σαπρὰ: vgl. Ar. Eccl. 884, 1098, Thesm. 1025, Hsch. σ 187). Das Adjektiv hat sicherlich hier eine abwertende Konnotation, auch wenn es gelegentlich auch mit einer neutralen Bedeutung verwendet wird24. πασιπόρνη: Das Adjektiv ist ἅπαξ. Vgl. ἱππόπορνος, Alciphr. 4.14.1, 4.11.8, Suda ι 575. Athenaios (13.594b-d, vgl. Archil. Fr. 331) erzählt eine Geschichte über eine Πλαγγῶν aus der Milet, der die Ionen den Spitznamen Πασιφίλαν gegeben hatten, weil sie sich mit einer anderen Frau, Βακχίς, einen jungen Liebhaber teilte. Das Wort hat höchstwahrscheinlich eine ähnliche Bedeutung, d.h. eine gemeine Prostituierte, die jeder nimmt. κάπραινα: Bedeutet metaphorisch eine lüsterne und vulgäre Frau, siehe Ael. Dion. Fr. κ 9 et 10, vgl. Phryn. Com. Fr. 34 Μοῦσαι: ὦ κάπραινα καὶ περίπολις και δρομάς, Pherecr. Fr. 186: άνδροκάπραινα καὶ μεθύση καὶ φαρμακίς, Ar. Plut. 1024 γραός καπρώσης. Die Endung –αίνα verweist auf verschiedene Tiere (andere Beispiele sind λύκαινα, λέαινα, δράκαινα, ὕαινα) und hat sehr oft eine abwertende Konnotation, vgl. λέαινα Eur. Med. 1342, 1407 (über Medea); A. Agam. 1258 (über Klytaimnestra), siehe Craik 1979, 62. In der Komödie sind Namen mit dieser Endung sehr oft komische Prägungen, in der Form und oder Bedeutung, wie z.B. Σκύθαινα (Ar. Lys. 184, Alex. Fr. 332), μαγείραινα (Pherecr. Fr. 64 Ἴπνος ἤ Παννύχις), ἰχθυοπώλαινα (ib.), ἀλεκτρύαινα (Ar. Nub. 666), κηρύκαινα (Eccl. 713) u.a. Zu komischen Endungen bei den Namen siehe Peppler 1918, 173-183. Über den Unterton dieser Wörter, bzw. des Wortes καταπύγαινα, siehe auch Fraenkel 1974, 147ff. Fragment 10 καὶ τάριχος πίονα Und fettigen geräucherten Fisch. Die Phrase ist grammatisch falsch, weil die Endung des Substantivs mit deren des Adjektivs nicht stimmt. Τάριχος hat zwei Genera im altgriechischen, männlich und sächlich. Infolgedessen kann diese Form entweder Nominativ Singular sein, männlich oder sächlich, oder Akkusativ Singular sächlich. Πίονα andererseits kann entweder Akkusativ Singular männlich, oder Nominativ und Akkusativ Plural sächlich sein. Es liegt die Vermutung nahe, dass diesen Barbarismus von Hyperbolos’ Mutter ausgesprochen wurde (siehe Einleitung zur Komödie). 24
Vgl. Ar. Pax 698, Phot. σ 499: σαπρόν οὐ τὸ μοχθηρὸν καὶ φαῦλον· ἀλλὰ τὸ παλαιόν.
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τάριχος: Bei LSJ steht, es sei festgelegt, dass die männliche Form ionisch und die sächliche attisch ist. Chantraine25 glaubt, dass die männliche Form die originale sein muss, während die sächliche eine kollektive Form ist, die vielleicht unter dem Einfluss vom κρέας gebildet wurde. In der Komödie herrscht die sächliche Form mit wenigen Ausnahmen: Ar. Fr. 200 Δαιταλεῖς, Crates Fr. 17.2 Θηρία, Cratin. Fr. 40 Διονυσαλέξανδρος, Pl.Com. Fr. 49 Ζεῦς Κακούμενος. Über den τάριχος siehe Kommentar zum Fr. 63.5. πίονα: ‘fett’, ‘fettig’. Bei Homer vor allem für Tiere (πίονα μῆλα Il. 12. 319, Od. 9. 217, siehe auch Fr. 63. …; πίονα μήρια Il. 1.40, Od. 4.764), vgl. Antiph. Fr. 184 Παράσιτος: τάριχος ... πῖον, ὀλόλευκον, θερμόν. Auch für Männer, vgl. Ar. Ran. 1092, Pl. 560, Telecl. Fr. 1.15 Ἀμφικτύονες. Fragment 11 Poll. 7.198: γελγοπῶλαι, γελγόπωλις· εἴρηται γὰρ ἡ γελγόπωλις ἐν Διονυσαλεξάνδρωι Κρατίνου (Fr. 51), ὥσπερ ἐν Ἀρτοπώλισιν Ἑρμίππου το γελγοπωλεῖν. Γέλγη waren billige kümmerliche Kleinlichkeiten, Tand oder Kinkerlitzchen, wie Eustathios nach Aelios Dionysios berichtet26. LSJ (Supplementum) gibt für γελγοπωλέω eine positivere – aber meiner Meinung nach falsche – Bedeutung, ‘sell fancy goods’, ‘feine, raffinierte Waren verkaufen’, vielleicht aufgrund einer falschen Interpretation eines Eintrages im Lexikon des Aelios Dionysios27. Γέλγις hieß der Kopf des Knoblauchs (Hsch. γ 295, Suda γ 110) und in Plural, γέλγεις, die Knoblauchzehen (vgl. Thphr. HP. 7.4.12, CP. 1.4.5) eine Bedeutung aber des Verbes γελγοπωλεῖν als ‘Knoblauch verkaufen’ wäre vielleicht nicht anzunehmen. Fragment 12 Hesych. δ 2122 δοκικῶ· ἀντὶ τοῦ δοκῶ. ἔπαιξε δὲ Ἔρμιππος ἐν Ἀρτοπώλισι Das Scholium in der Aldine zu Nub. 552 (τὴν μητέρα· τὴν Ὑπερβόλου, τὴν δοκοῦσαν ἐν ταῖς Ἀρτοπώλισι) und dasjenige zu Nub. 555 (προσθεὶς αὐτῷ γραῦν μεθύσην: τὴν μητέρα Ὑπερβόλου τὴν δοκοῦσαν) in Verbindung mit diesem Fragment brachten einige Gelehrte auf den Gedanken, dass Δοκῶ der
Chantraine 1980, 1094. Eust. Il. p. 927.54: ῥῶπος μέντοι λεπτὸς καὶ εὐτελὴς φόρτος, ὡς δὲ Αἴλιος Διονύσιος λέγει (ρ 14), καὶ ποικίλος. γέλγην δέ, φασίν, αὐτὸν ἔλεγον οι παλαιοί. 27 Ael. Dion. ρ 14: ῥῶπος καὶ γέλγη· ὁ ποικίλος καὶ λεπτὸς φόρτος, ὅθεν ῥωποπώλης καὶ γελγοπώλης 25 26
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wahre Name von Hyperbolos’ Mutter gewesen sein könnte. Bergk28 korrigierte das δοκοῦσαν des ersten Scholiums zu Δοκῶ und die δοκικῶ und δοκῶ des Fragmentes zu Δοκικῶ und Δοκῶ und schloss daraus dass Δοκῶ der Name der Mutter gewesen sei. Kirchner korrigierte in ähnlicher Weise das zweite Scholium: προσθεῖς γραῦν μεθύσην τὴν Δοκῶ μητέρα τοῦ Ὑπερβόλου und kam zum gleichen Schluss wie Bergk. Camon29 steht allen diesen Korrekturen und daran gezogenen Schlüssen auf den Namen skeptisch gegenüber und akzeptiert nur, das Doko die Protagonistin heißen könnte, die Hyperbolos’ Mutter in der Komödie spielte. Wenn aber die Überlieferung der Scholien an der Stelle nicht korrupt ist, besteht kein Grund zu denken, dass die aristophanischen Scholien denjenigen Namen erwähnt haben, den Hermippos für sie benutzte. In einem solchen Fall wäre es außerdem durchaus möglich, dass es bei Hermippos ein Wortspiel mit dem Namen von Hyperbolos’ Mutter, dem Verb δοκώ und seiner ‘barbarische’ Version δοκικώ tatsächlich gab.
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Bergk 1838, 313. Camon 1961, 189.
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Δημόται Über diese Komödie stehen uns leider keine Testimonia oder andere Informationen zur Verfügung, und deswegen sind wir hinsichtlich der Handlung nur auf Vermutungen angewiesen. Eine plausible Datierung ist mangels jeder Erwähnung von Namen oder Ereignissen nicht möglich. Theoretisch könnte die Komödie das bürgerliche Leben in Athen zum Thema haben1. Die zehn Fragmente der Komödie scheinen sich auf verschiedene Szenen des athenischen Lebens zu beziehen, ein zentrales Thema ist jedoch nicht feststellbar. Das Symbolon im Fragment 13 z.B. wurde auf der Agora oder in Gerichtsprozessen gebraucht. In Fr. 14 könnte es um einen Koch gehen (κακκάβη, Fr. 19, ist ebenso ein Utensil zum Kochen). Fr. 15 hat einen militärischen Kontext, das Wort des Fr. 17 bezieht sich auf ein Kleid, das Wort βᾶ (Fr. 18) könnte im Rahmen eines Spiels verwandt worden sein und λεπτολογία (Fr. 21) wird in der Komödie fast ausschließlich zur Verspottung der philosophischen Tätigkeit benutzt. Leider ist die Mehrheit der Fragmente zu kurz (sechs von ihnen sind Einzelwörter), um überhaupt zu einem sicheren Schluss kommen zu können. Die generelle Tendenz der Alten Komödie, Szenen des Alltags darzustellen, legt die Vermutung nahe, dass Komödien aufgeführt wurden, die das athenische Alltagsleben thematisierten. Die Fragmente gewähren uns jedoch leider keinen Einblick darüber, weder welche Struktur eine solche Komödie gehabt haben dürfte, noch wie das Hauptthema integriert werden könnte. Was für einen Chor sollte man von einer Komödie mit dem Titel Δημόται erwarten? Die erste Möglichkeit wäre, dass der Chor aus Bürgern eines Demos gebildet wurde. Man hätte vielleicht in einem solchen Fall den Namen dieses Demos als Titel erwartet (vgl. die Acharner, die Προσπάλτιοι des Eupolis2 und die Ποτάμιοι des Strattis). Eine zweite – vielleicht wahrscheinlichere – Möglichkeit wäre, dass der Chor aus Bürgern verschiedener Demen bestand (vgl. den Chor im Frieden). Whitehead3 erörtert das komische Potential, das sich aus den Namen und Stereotypen verschiedener Demen gewinnen lässt. Eine komische, mit vielen Übertreibungen reich verzierte Darbietung dieser Stereotypen sollte als Thema dieser Komödie nicht ausgeschlossen werden. Über die politische Organisation und die Beteiligung der Demen an der öffentlichen Verwaltung siehe Whitehead 1986, Kap. 3, Milios-Nikolaou 1986, Kap. 2-4. Statistische Informationen über die Zahl der Demen und ihre Vertretung in den politischen Körperschaften Athens bietet Traill 1975, 73-95. Über die Wörter δημόται, δημοτεύεσθαι, δημοτευόμενος und die Einführung An dieser Wahrscheinlichkeit äußert Whitehead 1986, 330 seine Zweifel und führt als Beispiel Eupolis’ Δήμοι, deren Thema die Rückkehr von vier verstorbenen politischen Persönlichkeiten (nämlich Solon, Miltiades, Aristeides und Perikles) nach Athen ist. 2 Siehe Storey 2003, 238-9, der vermutet, dass Προσπάλτη Eupolis’ eigener Demos sein könne. 3 Whitehead 1986, 397-400. 1
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und die Entwicklung des δημοτικόν siehe Whitehead 1986, 77-85, ebenso über seine Erscheinung und Nutzung als komisches Element in der Komödie (S. 327245, vor allem in der alten Komödie S. 327-338). Über die Darstellung des Demos in der alten Komödie im Allgemeinen siehe Reinders 2001, 123-2774. Fragment 13 οἴμοι, τὶ δράσω σύμβολον κεκαρμένος; O weh, was soll ich machen, wie ein Symbolon geschoren? Der Sinn des Fragmentes ist wegen der unsichere Bedeutung des Wortes κεκαρμένος nicht klar. Pollux erklärt das Wort zunächst als ‘abgeschabt’, oder ‘abgeschnitten’. Für σύμβολον κεκάρμενος nimmt LSJ die Bedeutung ‘halfcropped’ (‘halb-geschnitten’) an,. Interessant ist die Interpretation des Verses von Müri5, „Was soll ich tun ohne Symbolon? Man hat sich einen Mann vorzustellen, der um seine Soldmarke oder um einen Schuldschein geprellt worden ist“. Als parallele Stelle für diese Bedeutung des Verbs führt er Herodas 3.39 an (ἀλλὰ τὴν μάμμην, γρηὺν γυναῖκα κὠρφανὴν βίου, κείρει). Bain6 erhebt Einwände gegen diese Erklärung. Er glaubt, dass Pollux, auch wenn er den Text vielleicht missverstanden hatte, darunter eine Art Haarschnitt verstand. Außerdem ist seiner Meinung nach ein Artikel vor dem Substantiv notwendig (vgl. Ar. Ach. 164). Es ist wahr, dass das Verb κείρω häufig mit der Bedeutung “einen Haarschnitt haben“ benutzt wird7. Zwei Stellen in den Thesmophoriazusen geben uns eine Idee, was unter σύμβολον κεκαρμένος zu verstehen wäre: In Ar. Thesm. 838 sagt der Chor, dass die Mutter, die einen unwürdigen Sohn geboren hat σκαφίον ἀποκεκαρμένην sein sollte. Nach Sommerstein (Komm. zu Thesm. 838) war ein solcher Haarschnitt, bei dem die Haare seitlich um den Kopf herum geschnitten wurden, so dass sie eine runde Form oben auf dem Kopf (wie eine Schale) annahmen8, charakteristisch für einen Sklaven (vgl. Ar. Av. 911) und wurde demnach als eine schändliche Demütigung für einen freien Bürger erachtet. Ein noch lustigeres Bild, nämlich von einem halbgeschnittenen Kopf, d.h. einem unvollendeten Haarschnitt, lässt sich in Ar. Thesm. 226-79 vorstellen. Die Szene in Hermippos‘ Fragment könnte man dann folgendermaßen verstehen, dass jemand einen unglücklichen Besuch beim Friseur gehabt hat, oder sogar dass Das zweite Kapitel des Buches (S. 28-70) ist eine Geschichte des Begriffs in der Literatur. Müri 1976, 5. 6 Bain 1982, 9. Er weist auch auf Dobree 1874a, 236 hin. 7 Vgl. Eur. Or. 458, S. Fr. 473: Σκυθιστὶ χειρόμακτρον ἐκκεκαρμένος. 8 Eine solche Frisur würde man heutzutage vielleicht als ‘Pilzkopffrisur‘ beschreiben. 9 Ar. Th. 226-7: Οὔκουν καταγέλαστος δῆτ΄ ἔσει / τὴν ἡμίκραιραν τὴν ἑτέραν ψιλὴν ἔχων; 4 5
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der Friseur weggelaufen ist, bevor er mit dem Haarschnitt fertig war. Die betroffende Person gerät in Panik bei dem Gedanken, dass er jetzt lächerlich aussieht und dass er so nicht mehr in der Öffentlichkeit auftreten oder zu einem wichtigen privaten Anlass gehen kann. οἴμοι: cf. Ar. Nub. 844. Ausruf aus Furcht, Angst, Kummer (wie hier) oder Schmerz, aber auch Zorn (vgl. Ar. Ach. 590) oder Mitleid. σύμβολον: Pollux (9.70), der dieses Fragment zusammen mit Fr. 61 (das zu der Komödie Φορμοφόροις gehört) überliefert, erklärt das Wort als eine Münze oder Halbmünze, die in einem Geschäft benutzt wurde. Nach Pollux wurde entweder nur die eine Seite der Münze geprägt und die andere abgeschabt (κεκάρθαι), oder die Münze wurde geteilt und jeder behielt ein Teilstuck, um festzustellen, dass der eine etwas im Voraus genommen hat und dem anderen noch schulde (siehe auch unter κεκαρμένος). Symbolon war eigentlich in Athen der amtliche Name für Erkennungs-, Eintritts- und Berechtigungsmarken. Eine tiefgründige Studie über die Bedeutungsgeschichte des Wortes ist Müri zu verdanken10. Das Wort kommt zweimal im Bericht des Prozesses des Schöffengerichtes in Arist. Ath. 65.2 und 68.2 vor (siehe Sommerstein zu Ar. Pl. 277-8). Beim Eintritt in den Gerichtshof bekamen die Richter eine Marke, die ihnen wahrscheinlich die Stimmberechtigung gewährte. Vor der Abstimmung mussten sie diese Marke zurückgeben und danach erhielten sie eine neue, die eben σύμβολον hieß. Sofern keine weiteren Stimmkontrollen benötigt wurden, konnten die Richter nach Beendigung der Sitzung mit dieser Marke ihren Sold – der 3 Obolen betrug – bekommen. Ähnliche Marken, die höchstwahrscheinlich auch σύμβολα hießen, wurden zur Teilnahme an der Volksammlung und zum Eintritt ins Theater benutzt (vgl. RE IV, A, 1 S. 1092). κεκαρμένος: Über die in diesem Vers umstrittene Bedeutung des Verbes κείρομαι siehe die Einleitung zum Fr. Fragment 14 νῦν δ᾿ οὐδ᾿ ἀφύην κινεῖν δοκεῖς Du gibt jetzt den Eindruck, nicht einmal Sardellen umrühren zu können. Der Vers ist entweder ein iambischer Dimeter oder – wahrscheinlicher – Teil eines iambischen Trimeters. Im ersten Metrum gibt es einen anapästischen Fuß.
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Müri 1976, 1-44.
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Es handelt sich anscheinend, wie schon Herwerden11 und Taillardat12 bemerkten, um eine Parodie eines Sprichwortes (siehe Komm. unter κινεῖν). Taillardat vermutet außerdem, dass der Ausspruch von einem faulen Koch getan wird. Es ist jedoch meiner Meinung nach wahrscheinlicher, dass die betreffende Person, der wohl ein Koch sein könnte, wegen völliger Unfähigkeit oder Inkompetenz mit einem Vorwurf bedacht wird. ἀφύη: Das Wort deutet nicht auf einen bestimmten Fisch, wie manchmal gedacht – und entsprechend übersetzt – wird, wie z.B. Sardelle, Sardinen, kleine Heringe, Sprotte u.a., sondern war eher ein populärer Ausdruck für ein Pfannengericht von verschiedenen kleinen und jungen Fischen13. Nach Hesychios14 ist nur der Plural im Attischen verwendbar, in Athenaios’ Kapitel aber über ἀφύη (7.22-24) und in der Komödie im Allgemeinen gibt es zahlreiche Belege des Wortes im Singular15. Die Etymologie des Wortes ist nicht sicher16: von ἀφρός, Schaum (vgl. ἀφρίτις Ath. 7.22), oder ἀφ᾿, ὕειν, regnen, oder von ἀ, φύειν (vgl. EM 179,40, Ath. 7.125). Ein berühmtes athenisches Gericht war die Φαληρική ἀφύη, d.h. die kleinen Fische (ἀφύαι) die im Φάληρον gefangen wurden17. Siehe auch Thompson 1947, 21-3. κινεῖν: Bei dem Mimographen Herodas kommen zwei ähnliche Sprichwörter vor, μήδε κάρφος κινεῖν (1.54-5, 3.67) und μηδὲ ὀδόντα κινεῖν (3.49), die wahrscheinlich die gleiche Bedeutung haben. Außerdem hat κινεῖν hier eine die Funktion eines Fähigkeit bezeichnenden Verbs (siehe die Übersetzung), die bei Herondas zu fehlen scheint. Fragment 15 ἔχοντες ἴσον ἀσπίδιον ὀγκίῳ Ein Schildchen haltend, so groß wie ein Korbgeflecht. Das Metrum ist unsicher. Meineke18 liest einen im letzten Fuß gekürzten senarium italicum, wohingegen Kock Päone hört. Um einen iambischen Trimeter (mit zwei aufgelösten langen Silben in den ersten zwei Metren) zu
Herwerden 1903, 20 Fr. 15. Taillardat 1962, 1183. 13 Vgl. Arist. HA 569b22, Pherecr. Fr. 109 Λῆροι. 14 Hsch. α 8804, vgl. Eust. Od. p. 1657,44. 15 Vgl. z.B. Callias Fr. 7 Κύκλωπες, Aristonym. Fr. 3 Ἥλιος ριγῶν, Archippos Fr. 16 Ἰχθύες, Euphron Fr. 11, Machon Fr. 5.36. 16 Siehe Thompson 1947, 22, Frisk 1960, 197 und Chantraine 1970, 148. 17 Vgl. Ar. Ach. 901, Av. 76, Sotad. Com. 1.30 Ἐγκλῃόμεναι. 18 Meineke 1823, 533. 11 12
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erhalten, muss ein Fuss – oder eine lange Silbe – am Ende hinzugefügt werden. Meinem Erachten nach ist aber der Vers vollständig, und wird von zwei Dochmien gebildet. Zur Form der Dochmien siehe Conomis 1964, 23-50. Der Dochmius wird oft in der Komödie in paratragodischen Versen benutzt19, weil er im Allgemeinen als ein tragisches Metrum betrachtet wird. Über den Inhalt des Fragmentes siehe unter ὀγκίον. ἀσπίδιον: vgl. Men. Fr. 675, Thphr. Char. 21.6. Kassel-Austin vermuten, dass eine ἰτέα, ein geflochtener Schild aus Weide, hier gemeint ist20 und verweisen auf Gow 1952, 320 (zu Theocr. 16.79). Hermippos’ Fragment könnte in einem solchen Fall das Bild eines der oben genannten euripideischen Versen21 parodieren. ὀγκίον: Ein homerisches ἅπαξ (Od. 21.61). Ὀγκίον oder ὄγκιον war eine Kiste zur Aufbewahrung von Eisenwerkzeug oder die Widerhaken der Pfeilspitze (ὄγκοι), vgl. Hsch. ο 41. Das Wort bietet einige Schwierigkeiten bezüglich der Betonung22, der Etymologie (entweder aus ἐνεγκεῖν, ‘etwas, das zum hineintragen dient’23, oder aus ὄγκος24, ‘ein Behälter für Pfeilspitzen’, vgl. Eust. Od. 2.245) und des Baumaterials25. Noch schwieriger lässt sich aber die Funktion des Bildes bzw. des Vergleichs feststellen. Der homerische Text spricht zunächst von viel Eisen und Kupfer, die zu diesem ὀγκίον gelagert werden konnte26. Zweitens scheinen alle Beschreibungen27 eine große Kiste zu bezeichnen, und bei einigen ist sogar die Größe besonders betont. Eustathios schreibt z.B. τέως γε μὴν ὄγκιον ἡ θήκη, φασί, τῶν ἀκίδων· καὶ εἴρηται, φασι, παρὰ τὸ ὀγκῶδες εἶναι, und Hesychios erwähnt auch Äxte, die dort hinein gelegt wurden. Man sollte also entweder vermuten, dass es auch kleinere Kisten gab, oder das Bild bei Hermippos als ein Aprosdoketon verstehen.
Siehe Dale 1968, 113, vgl. Ar. Th. 715-6= 723-4 und siehe Zimmermann 1985, 166 (Bd. 1). Vgl. Ar. Fr. 65, Eur. Heracl. 376 (lyr.), Suppl. 695, Tr. 1193, Cyc. 7. 21 z.B. Suppl. 695: Κρέων τὸν ἐνθένδ’, ἰτέαν λαβὼν χερὶ / χωρεῖ. 22 Siehe Chantraine 1933, 54, der für eine Betonung der daktylischen Wörter in der vorletzten Silbe argumentiert. 23 Russo 1992, 154 (zu Od. 21.61), hält die erste Ableitung für plausibler, auch wenn er eine Erklärung des Wortes ὀγκίον als ‘Korb, Kiste mit Handgriffen’ wegen der Ähnlichkeit der letzteren mit diesen gekrümmten Pfeilspitzen vermutet. 24 Siehe auch Frisk s.v. Er nennt zwei Etymologien des Wortes ὄγκος, nämlich eine Kiste mit Haken und eine Kiste als Lastträger. 25 Aus dem Lexikon des Pollux, 10.165, das auch Hermippos’ Fragment überliefert, lässt sich vermuten, dass es sich um ein Korbgeflecht handelt. 26 Vgl. Od. 21. 61-2: ἔνθα σίδηρος / κεῖτο πολύς καὶ χαλκὸς. 27 Nämlich bei Hesychios, Pollux und Eustathios, siehe oben. 19 20
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Fragment 16 οὐ φροντίς Ιπποκλείδηι Es ist Ippokleides egal. Eine ausführliche Geschichte über dieses Sprichwort erzählt Herodot (6.129): Kleisthenes, der Tyrann von Sikyon, wollte seine Tochter Agariste verheiraten und lud zu diesem Ziel alle Verehrer zu einem großem Fest ein. Da gab Ippokleides, einer der Verehrer, einem Flötenspieler den Befehl zu spielen, und fing an zu tanzen. Kleisthenes fand seinen Tanz ungeeignet und dreist, und am Ende zeigte er offensichtlich sein Missfallen, indem er zu ihm sagte, dass er wegen des Tanzes seine Chancen zu heiraten vergeben habe (ἀπωρχήσαο γε μὲν τὸν γάμον). Ippokleides äußerte dann seine Gleichgültigkeit mit diesem Vers, der schließlich ein Sprichwort geworden ist, bezüglich einer Sache, die jemandem belanglos scheint28. Der gleichen Version folgen Zenobios (5.31)29 und Diogenianos30 (7.21). Eine etwas veränderte Geschichte überliefert Photios (p. 363,6): Kleisthenes änderte seine Meinung über die versprochene Heirat wegen des Tanzes und gab stattdessen seine Tochter Megakles zur Braut. Mehrere Abweichungen von beiden Versionen kommen in der Sprichwortsammlung des Codex Koislinianos (395)31 vor, wo Ippokleides, der Kleisthenes’ Tochter heiraten sollte, während des Hochzeitfests die Tochter von Megakles tanzen sah und sich entschied sofort seine Braut zu verlassen und sie zu heiraten. Als Megakles ihn warnte, er würde seine Entscheidung bedauern, antwortete er mit diesem Ausspruch. Der Vers ist unvollständig, könnte aber, wie Kock glaubt, die letzten zwei Metren eines katalektischen iambischen Tetrameters sein. Kassel-Austin32 vermuten eine metrische (ein iambisches Metrum gefolgt von einem Baccheus oder auch inhaltliche Ähnlichkeit zwischen Hermippos’ Vers und eine aristophanische Stelle (Ran. 416ff.). Fragment 17 Poll. 7.89 (ὑποδημάτων εἴδη) αὐτοσχεδὲς εἰργασμένον· Ἕρμιππος εἴρηκεν ἐν Δημόταις.
δὲ
ὑπόδημα
τὸ
ἁπλῶς
Siehe Sch. Luc. 5.8 und vgl. Luc. Apol. 15.17, Ps.-Luc. Philopatr. 29. Gaisford 1836, 350-1. 30 Gaisford 1836, 213. 31 Gaisford 1836, 153f. 32 K.-A. Bd. V, S. 569: „sed possunt versus fuisse quales Aristophanes scripsit Ran. 416sqq., si modo Hermippi ipsa verba servata sunt“. 28 29
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Die Mehrheit der Handschriften überliefert αὐτοσχεδές. Bekker emendiert zu αὐτοσχεδίς und Kock nimmt seine Emendation an. Meineke nimmt die Lesart des Kodexes A αὐτοσχιδές an und verweisst auf Cephisid. Fr. 4.133 und Ammon. Diff. 45834. In LSJ liest man unter dem Eintrag αὐτοσχιδής die Bedeutung ‘simply slit’(=einfach geschlitzt), ‘simple’. Das Wort braucht jedoch nicht zu einem Adverb (αὐτοσχεδίς) emendiert zu werden. Pollux’ Beschreibung bezieht sich wahrscheinlicher auf ein Substantiv oder Adjektiv. Die Lesart αὐτοσχιδές ist plausibel, das Vorkommen aber des Wortes αὐτοσχεδές mit einer ähnlichen Bedeutung bei Hesychios wiederum35 lässt keinen Zweifel daran, dass das Wort richtig überliefert wurde. Fragment 18 Antiatt.36 p. 85,31: [βᾶ] πρὸς τοὺς † κατάρνη ἀναφωνήσαντας εἰώθασιν οἱ ἀντιτιθέντες ἀντεμβοᾶν, καὶ ἔστιν οἱονεὶ σκῶμμα. Ἕρμιππος Δημόταις. Das Lemma, bzw. das Wort βᾶ, hat Meineke aus einer Stelle bei Eustathios ergänzt37. Aus beiden Passagen geht hervor, dass das Wort im Rahmen eines Spiels oder Rituals – oder vielleicht auch außerhalb dieses Rahmens – die Funktion eines lustigen oder spielerischen Widerwortes einnimmt. Die Bezeichnung ἐπίρρημα in Eustathios ist eigentlich unangebracht, weil es sich um eine Interjektion handelt. Ein Zusammenhang mit dem Wort βῆ, das sich auf den Klang vom Blöken der Schafe bezieht38, ist auch nicht auszuschließen. Das Wort, das die größte Schwierigkeit bereitet, ist κατάρνη. Die in den Handschriften überlieferte Form gibt zunächst keinen Sinn. Sicking emendierte zu κάθαρμα39. Plausibler ist die Emendation von Bothe zu καταρνῇ40, mit Hinweis auf S. Ant. 44241. Fragment 19 Antiatt. p. 104, 33 κακκάβη· Ἕρμιππος Δημόταις Cephisid. Fr. 4.1: σανδάλια δὲ τῶν λεπτοσχιδῶν, vgl. auch Phryn. PS 85,10: λεπτοσχιδής· οἷον λεπτῶς ἐσχισμένος καὶ λεπτῶς πεφροντισμένος. 34 Ammon. Diff. 458: σχισταὶ τὰ ὑποδήματα. σχιστὸς δὲ ἁρσενικῶς χιτὼν γυναικεῖος, Eup. Fr. 287: οὐ δεινά † ταῦτα δὲ Ἀργείας φέρειν / σχιστὰς ἐνεργεῖν. 35 Vgl. Hsch. α 8466: αὐτοσχεδές· ὑποδήματος εἶδος γυναικείου. 36 Bekker 1814, 85. 37 Eust. Il. p. 855,20: κεῖται ἐν Ἐπιλογῇ λέξεων ἀρχαίᾳ, ὅτι ἅ ἅ δασυνθὲν γέλωτα δηλοῖ. οὕτω καὶ βᾶ ἐπίρρημα παρὰ Ἑρμίππῳ, ὅπερ εἰώθαμεν ἀντιβοῶντες λέγειν, ὡς καὶ τοῦτό φασιν οἱ παλαιοί. 38 Vgl. Cratin. Fr. 43, Ar. Fr. 642 und andere ähnlich konstruierte Wörter, wie βηβήν, der Schafe, und βήζει, φωνεῖ, vgl. Hsch. β 545-6. 39 Sicking 1883, 62. 40 Bothe bei K.-A.: ‘contra illos qui clamant negas?’ 41 S. Ant. 442: φῆς ἤ καταρνῇ δεδρακέναι τάδε;. 33
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Die Form die in den Attizisten getadelt wird, ist die männliche, vgl. Phryn. Ecl. 400 F.42, Orus B 8143, Moer. 200,1144, Hsch κ 31345. Κακκάβη war ein Utensil, wahrscheinlich ein Kessel oder Topf, das zum Braten benutzt wurde46. Das Etymologicum Magnum (EM 485,1) überliefert eine Etymologie des Wortes aus dem Verb κάμπτω, das in diesem Fall die Bedeutung von κοιλαίνω, ‘aushöhlen’, ‘konkav sein’, hat. Fragment 20 Antiatt. p. 105, 7 κατόχους τινὰς λέγουσιν οἱ παιδοτρίβαι. καὶ κατόχως εἴρηται ἀντί του μνημονικῶς. Ἕρμιππος Δημόταις Auf eine zufrieden stellende Erklärung zu kommen, aus welchem Grund der Antiattizist das Wort κατόχως verteidigen will, ist nicht einfach. Bergk47 vermutete, dass das Wort von Hermippos in einer anderen Bedeutung benutzt wurde, nämlich ‘vom Gott besessen’ oder ‘unter göttlichem Einfluss’, eine Bedeutung, die ebenfalls gut belegt ist48. Κατόχους nannten offensichtlich die Lehrer jene Schüler, die über ein hervorragendes Gedächtnis verfügten. Fragment 21 Antiatt. p. 106,26 = Phot. p. 215,15 ≅ Suda λ 297 λεπτολογία· Ἕρμιππος Δημόταις. Die Technik, spitzfindig zu argumentieren, war, wie Beta49 bemerkt, in jene Kenntnisse einbezogen, über die ein Sophist unbedingt verfügen musste. Den Sophisten vor allem, aber auch den anderen Philosophen, wie Plato und Isokrates, wurde häufig der Vorwurf – in der Komödie sehr häufig in Gestalt einer ironischen oder satirischen Bemerkung – gemacht, dass Philosophie nichts anderes als ἀδολεσχία oder λεπτολογία war50. Diesen Vorwurf zitiert Plato selbst in Rep. 607c (λεπτῶς μεριμνῶντες). Ein besseres Bild lässt sich in den Wolken gewinnen. Sokrates wird in Vers 359 als λεπτοτάτων ληρῶν ἱερεὺς 42
Phryn. Ecl. (Lobeck 1820, 427) κάκκαβον· διὰ τοῦ η κακκάβην λέγε, τὸ γὰρ διὰ τοῦ ο ἀμαθές. καὶ γὰρ Ἀριστοφάνης ἐν Δαιδάλῳ (Fr. 204) διὰ τοῦ η χρῆται 43 Orus B 8 (Alpers 1981, 228-9): κακκάβην δεῖ λέγειν, οὐχὶ κάκκαβον.. 44 Moer. 200,11 (Bekker 1833, 200): κακκάβη Ἀττικοί, κάκκαβος Ἕλληνες 45 Hsch κ 313: κακκάβη· κρίκον. ἤ χύτρα, ἣν ἡμεῖς κάκκαβον. 46 Vgl. Antiph. Fr. 216.3. 47 Bergk 1838, 317. 48 Vgl. Poll. 1.15, III.68, Ael. VH 3.9. 49 Beta 2004, 136. 50 Vgl. Ar. Fr. 506 (gegen Prodikos), Eup. Fr. 386 (gegen Sokrates) und 388, Cratin. Fr. 342, Alex. Fr. 185 (gegen Plato). Über diesen Vorwurf und die Empfindlichkeit mit der die Philosophen darauf reagierten siehe Natali 1987, 235-41.
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angesprochen, Strepsiades äußert seinen Eifer, wie ein echter Philosoph, zu λεπτολογεῖν ... καὶ περὶ καπνοῦ στενολεσχεῖν51, und am Ende der Komödie (v. 1496), antwortet er voller Schadenfreunde und mit äußerster Ironie dem erstaunten Schuler des Sokrates dass er eine spitzfindige Diskussion mit den Balken des Hauses führt (διαλεπτολογοῦμαι ταῖς δοκοῖς τῆς οἰκίας), während er das φροντιστήριον in Brand setzt. Über die Bedeutung des Wortes λεπτολογία vgl. auch Phryn. PS 85.1452 und siehe Denniston 1927, 119. Über die Bedeutung – und die Entwicklung – des Wortes λεπτός siehe E. Reitzenstein 1931, 25-40. Es ist nicht ganz klar, warum das Wort λεπτολογία als falsches Attisch galt; es könnte sein, dass stattdessen das Verb, bzw. der Infinitiv gebräuchlich war, vgl. auch λεπτολόγος Ar. Ran. 876, ὑπολεπτολόγος Crat. Fr. 342. Fragment 22 Phot. p. 3987, 8 (p. 65 Naber) πάρισθι· παραγίνου, παρατύγχανε Alle drei Verben, πάρειμι, παραγίγνομαι und παρατυγχάνω bedeuten „anwesend sein“. In einigen Fällen, z.B. mit dem Wort μάχῃ, scheinen sie sogar austauschbar zu sein, vgl. Od. 4. 497, Pl. Chrm. 153c, Plb. 3.70.7. Πάρειμι wird häufiger mit der Präposition ἐν benutzt (vgl. ἐν λόγῳ Ar. Ach. 513, ἐν ταῖς συνουσίαις Pl. Prt. 335b, aber auch ohne Präposition, vgl. Eur. Hipp. 805), die anderen zwei meistens mit einem Objekt in Dativ (vgl. παρεγένου τῇ συνουσίᾳ, Pl. Symp. 172c, παρατυχῶν τῷ λόγῳ Hdt. 7. 236, aber παρατετύχηκεν ἡμῖν ἐν τοῖς λόγοις, Pl. Prt. 340e).
Στενολεσχῶ ist ein Synonym von λεπτολογῶ, siehe auch LSJ. Phryn. PS 85.14: λεπτολογία· σημαίνει τὸ περὶ τῶν μικρῶν φροντίζειν καὶ ἀδολεσχεῖν. ἢ σημαίνεται ἡ κνιπότης. 51
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Εὐρώπη Eine Komödie, die mit großer Sicherheit zu der Kategorie der mythologischen Travestien gehört, ist die Ευρώπη. Kömodien mit dem gleichen Titel haben Platon (Fr. 43-45) und Eubulos (Fr. 33) geschrieben. Das einzige erhaltene Fragment (Fr. 23) lässt keine Vermutungen über die Handlung zu. Eine gleichnamige Tragödie, für die auch der Titel Κάρες überliefert ist, hat Aischylos geschrieben1. Fr. 99 lässt vermuten, dass das Thema dieser Tragödie der Tod Sarpedons und die Besorgnis seiner Mutter gewesen sei. Dieser Mythos ist auch der Lyrik nicht fremd. Damit befasst sich Archilochos in seinem Gedicht Εὐρώπα (PMG 562), und vielleicht auch Stesichoros in Εὐρώπεια (PMG 195). Die Datierung der Komödie ist eine schwere Aufgabe, könnte sich jedoch daraus ergeben, wenn eine Beziehung zwischen Hermippos’ Komödie and dem aischyleischen Stück anzunehmen ist. Nach Schmid2, dem sich auch Mette3 anschließt, war die Tragödie der erste Teil einer Trilogie, zu der auch Μέμνων und Ψυχοστασία gehörten. West4 geht noch weiter mit der Behauptung, es sei nicht Aischylos, sondern sein Sohn Euphorion gewesen, der diese Trilogie vervollständigt habe, indem er den ersten und den letzten Teil schrieb. In diesem Fall wäre wohl eine spätere Aufführung der Trilogie – in den letzten Lebensjahren des Aischylos’ oder nach seinem Tod (456 v. Chr.) – anzunehmen. Könnte dann vielleicht Hermippos, der eine gewisse Vorliebe für Aischylos gehabt zu haben scheint (vgl. auch seine Komödie Ἀγαμέμνων), diese Komödie in den ersten Jahren seiner poetischen Laufbahn geschrieben haben? Der Mythos von Europa war schon in der Antike sehr bekannt5. Nach der verbreitesten Version ist sie Tochter des Phoinix. Zeus verliebt sich in sie, und nimmt die Gestalt eines schönen und gleichzeitig sanften Stiers an. Das Mädchen, gefesselt von seinem Charme, setzt sich auf seinen Rücken und sofort springt der Stier in die Wogen und bringt sie nach Kreta. Dem Zeus gebiert Europa Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. Wenn sie Asterios, den König von Kreta, heiratet, bekommt sie von Zeus drei Geschenke, den Bronzemann Talos, zur Bewachung der Insel, einen Hund, der nie seine Beute verliert, und einen Speer, der nie sein Ziel verfehlt. Nach einer anderen Version ist Agenor ihr Vater, der nach ihrem Verschwinden seine drei Sohne, Kadmos, Phoenix und Kilix und auch seine Gemahlin Telephassa schickt, um sie
Radt 1985, 217-222. Schmid 1934, 189. Ihm schließt sich Mette an. 3 Mette 1963, 108-112. 4 West 2000, 347-50. 5 Für die detaillierte Geschichte, siehe Roscher s.v. Europa. 1 2
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aufzuspüren. Wenn sie aber daran scheitern, entscheiden sie sich nicht zurückzukehren und sich woanders anzusiedeln6. Die mythologischen Komödien sind charakteristisch für die mittlere Phase der altgriechischen Komödie, ihre Produktion hat aber sicherlich in der alten Phase – sogar in der ersten Jahren – angefangen (vgl. die verschiedenen Komödientitel von Kratinos, Kallias und Strattis und siehe Einleitung). Nicht wenige von ihnen sind solche, die die Affären des Zeus parodierten7. Hermippos ist anscheinend der erste, der sich eines solchen Themas annahm. Ihm folgen chronologisch Plato, Archippos, Sannyrion and Apollophanes. Fragment 23 ῥύζων ἅπαντας ἀπέδομαι τοὺς δακτύλους Knurrend werde ich alle meine Finger verschlingen. ῥύζων: Das Verb wird bei Photios (p. 481.13 und 492.3), in der Suda (ρ 21) und Pollux (5.86) bezeugt, bei den ersten zwei zusammen mit dem Verb ῥάζειν (vgl. Kratin. Fr. 26 Δηλίασιν.) und bei Pollux mit dem Verb ἀρράζειν. In allen drei Lexika hat das Wort die Bedeutung ὑλακτέω, ‘knurren’8. Eine kontrahierte Form des Verbs erscheint in der Suda (ῥυζεῖν) und bei Hesychios (ῥυζῶν), wo eine andere, aber ähnliche Bedeutung erwähnt wird (ρ 477: ῥυζῶν· πενθῶν· διὰ τὸ τοὺς πενθοῦντας ἄναυδον τινα ἦχον προφέρειν, vgl. Phot. p. 492,3). Bei Pollux (5.89) und Eustathios (Od. 2.112) kommt eine dritte Form vor, ῥοίζειν, die die Bedeutung ‘schreien’, oder wieder ‘knurren’, haben soll. Über die onomatopoietische Funktion, die auch Beta9 annimmt, siehe Tichy10. Es liegt infolgedessen die Vermutung nahe, dass hinter allen diesen Verbvariationen der Klang des Bellens oder Knurrens zu verstehen ist. Es ist aber meiner Meinung nach nicht sicher, dass das Verb ausschließlich negativ gefärbt ist. Photios und Suda fügen nach Hermippos’ Vers hinzu, dass es ἀπὸ τούτου δὲ ἐπὶ τοὺς πικραινομένους καὶ σκαιολογοῦντας μετηνέχθη. Diese Formulierung (ἀπὸ τούτου ... μετηνέχθη) lässt sich dadurch erklären, dass das Wort ursprünglich nicht unbedingt im Zusammenhang mit πικραίνεσθαι oder σκαιολογεῖν (‘sich unbeholfen ausdrücken’) stand. Vielmehr darf man
Das einzige erhaltene Fragment von Eubulos’ Komödie (Fr. 33) scheint ein Auftrag an Kadmos zu sein (nach Meineke aus einem Orakel, und nach Hunter von einem deus ex machina erteilt), er solle Korinth gründen. 7 Siehe Capps 1904, 73 und Anm. 3. Er erwähnt sechzehn erhaltene Komödientitel, die auf solche Themen weisen. 8 In dieser Bedeutung stimmt auch Beta 2004, 88 zu, und hinzufügt, dass die zwei Verben von den Komikern über Leute benutzt wurden, die mit einer schroffen oder schrillen Stimme redeten. 9 Beta 2004, 88. 10 Tichy 1983, 113. 6
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annehmen, dass der Satz sich auf die nächsten Beispiele bezieht11. In Hermippos’ Vers aber und in Verbindung mit dem Ausdruck ἀπέδομαι τοὺς δακτύλους (siehe unten) ist wohl ein komischer oder spielerischer Ton zu hören. Deswegen scheint plausibel, dass der Redner „jault“, nicht um seine Missbilligung oder Beanstandung, sondern um sein Vergnügen oder seine Zufriedenheit auszudrücken. ἀπέδομαι τοὺς δακτύλους: „die Finger verschlingen“, cf. Ar. Av. 26. Der Witz, eine Mahlzeit wird so lecker sein, dass der Gast aus Gefräßigkeit seine Finger mitverschlingen wird, anscheinend in seinem Versuch, auch den letzten Bissen zu genießen, ist nicht selten in der Komödie, vgl. Alex. Fr. 178 Παννυχίς: θαυμαστὸν ἐμὸν εὕρημα. πάνυ πολὺν δ΄ ἐγὼ / ἐὰν παραθῶ σοι͵ προσκατέδει τοὺς δακτύλους / σαυτῷ γε χαίρων, Aristophon Fr. 9.9-10: κἂν μὴ κατεσθίωσι καὶ τοὺς δακτύλους͵ / ἐθέλω κρέμασθαι δεκάκις; auch Plaut. Pseud. 881-4, vgl. Ar. Ach. 799-809. Wie Gulick bemerkt12, sei das Essen mit den Fingern in einer Gesellschaft, in der die Gabel fehlte, eine normale Tätigkeit gewesen. Trotz der Tatsache, dass eine andere präpositionale Vorsilbe von Alexis und Aristophon benutzt wird – nämlich das Verb (προσ-)κατέδομαι –, scheint es mir klar, dass es sich um das gleiche Bild handelt, siehe auch Kock Ι S. 230 und K.-A. Bd. V S. 571.
Cratin. Fr. 26 Δηλιάδες: ἵνα σιωπῇ τῆς τέχνης ῥάζωσι τὸν λοιπὸν χρόνον, und 27: Ἔρραζε πρὸς τὴν γῆν· ὁ δ᾿ ἠσκάριζε κατεπόρδει 12 Arnott 1996, 526. 11
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Θεοί Von der Komödie mit dem Titel Θεοί sind zwölf Fragmente erhalten. Der Titel bringt uns natürlich auf den Gedanken, dass der Chor aus Göttern bestand. Wilson vermutete, dass es sich um einen “individualisierten” Chor1 handelte. Anderseits sollte nicht ausgeschlossen werden, dass die Götter die Protagonisten der Komödie waren, und in den ersten zwei Fragmenten (Fr. 24, 25, meiner Meinung nach auch in Fr. 32) ist das sogar gut vorstellbar. In diesem Fall wäre vielleicht ein Chor aus anderen niederen Gottheiten zu erwarten. Man könnte sich außerdem eine Komödie vorstellen, wo Götter und Menschen zusammen auf die Bühne gebracht wurden und an gemeinsamen Szenen teilnahmen. Wir können nicht viel mehr wissen, etwa ob alle oder sonst welche Götter beteiligt waren2; Ein komischer Dichter hätte jedenfalls keine Hemmung gehabt, irgendwelche Götter zu Protagonisten in einer Komödie zu machen, sie mit sterblichen Menschen zu vermischen, oder sie sonst in irgendeiner Weise zu verspotten. Die Datierung der Komödie ist nicht sicher. Wilamowitz3 weist die Komödie dem Jahr 429 zu, später aber nimmt er es zurück4, hinzufügend dass es an Fragmenten mangelt, die eine plausible Rekonstruktion einer Szene erlauben, mit der Ausnahme von Fr. 315. Geissler besteht trotzdem auf der Richtigkeit von Wilamowitz‘ Datierung auf 429, auf Athen. 478 b-c und 119 b hinweisend, wo er eine zeitliche Anordnung der erwähnten Komödien erschließt. Aus Geisslers’ Argument könnte man aber meiner Meinung nach im besten Fall einen Terminus ante quem gewinnen und zwar Platons’ Komödie Ζεὺς Κακούμενος, die er zwischen Kratinos’ Διονυσαλέξανδρος und Aristophanes Δαιταλείς datiert, also zwischen 430 und 427. Es handelt sich aber um ein großes Risiko, sich für eine zeitliche Anordnung beider Stellen bei Athenaios zu entscheiden, zumal er oft Stellen von Komödien hintereinander zitiert, die keine chronologische Reihenfolge haben. Es wäre jedoch vielleicht möglich, eine spätere Datierung zu vermuten, und zwar die Periode nach dem großen Aufsehen, das wegen der Profanierung der eleusischen Mysterien erregt worden ist (also nach 415 v. Chr.). Fr. 30 spricht von einem ‘heiligen Gerücht’, was an die Gespräche in der Stadt über die Verunglimpfung der Mysterien oder die Hermenverstümmelung denken lässt. In zwei Fragmenten der Komödie (Fr. 25 und 32) handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Szenen, wo ein religiöses Fest parodiert oder sogar A. M. Wilson 1977, 278 ff. bezeichnet die Chöre, in denen jedes Mitglied eine individuelle Identität hatte, mit dem Begriff “individualized” oder “multiform”. 2 Harvey 2000, 120 n. 47 überlegt sich, ob Apollo zwischen den Chorliedern sein könnte, oder ob die Komiker vermieden – ähnlich wie bei Athena –, ihn zu parodieren. 3 Wilamowitz-Moellendorff, Obs. Crit. S. 25. 4 Wilamowitz-Moellendorff 1873, 140. 5 Über seine Meinung siehe dort. 1
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verunglimpft wird6. Eine Parodie, jedoch keines religiösen Festes, sondern einer sympotischen Szene ist außerdem der Fall in Fr. 24. In allen drei Fragmenten ist eine direkte Teilnahme der Götter wahrscheinlich, wobei es die Götter selbst sind, die versuchen, Feste ins Lächerliche zu ziehen, indem sie sich verkleidet einmischen, um teilnehmende Mädchen zu entführen (Fr. 25), oder sie parodisch nachahmen (Fr. 32), ähnlich wie es Alkibiades und seine Kameraden gemacht hatten. Diese Komödie könnte also solche Elemente aufgewiesen haben, die sich als eine Art von Antwort seitens der komischen Dichtung auf die erschütternden Ereignisse der Zeit betrachten lassen könnten. Fragment 24 ἔπειτ᾿ ὅταν πινώμεθα ἤ διψώμεθα, εὐχόμεθα πρὸς τοῦθ᾿ † ὁ οἶνος ᾦ κέρας γενοῦ οὐκ ἀστου καὶ πηλουγω † φέρω παίζων ἅμα καυθεὶς γεγένηται τοῦτο πέντε καὶ δύο Dann, wenn wir trinken und Durst haben, wünschen wir uns zu diesem „Horn, werde Wein„ und ich bringe es, spielend Schlauch und Beil, und es wird sofort Wein, im Mischungverhältnis vom fünf zu zwei. Das Fragment ist bei Athenaios (10. 426f) problematisch überliefert, vor allem der zweite und der dritte Vers, die in der in den Manuskripten überlieferten Form keinen Sinn ergeben können. Es ist jedenfalls klar, dass es sich um eine Symposiumsszene handelt. Der Redner verspottet in einer ironischen und scherzhaften Haltung den Aberglauben der Menschen bezüglich der bekannten „vita felicissima“ der olympischen Götter, deren Wünsche sofort und mühelos erfüllt werden7. Es wurde suggeriert8, dass der Redner ein Sklave ist, vor allem wegen der zwei barbarisch klingenden Verben des ersten Verses (siehe Kommentar zum Vers). Pütz9 argumentiert dagegen, es sei komisch, dass ein Sklave bei seinem Spott sich selbst in die Gruppe der Symposiasten einschliesst, wie die erste Person Plural des πινώμεθα und διψώμεθα eindeutig zeigt. Stattdessen hält er es für wahrscheinlicher, dass der Redner einer der Symposiasten ist, der selbst geht, den Wein zu kaufen. Attraktiv ist aber auch die andere Vermutung von Bergk, Merkur sei in diesen Versen gemeint10, weil die Erläuterung der Szene – in diesem Fall eine Symposiumszene auf dem Olymp, wie die vielen, von denen Homer berichtet – Eine Parodie, jedoch keines religiosen Festes, sondern einer sympotischen Szene ist vielleicht der Fall im Fr. 24. 7 Vgl. Kaibel ms. in K.-A. 8 Siehe unter πεινώμεθα. 9 Pütz 2003, 206. 10 Κ.-A.: „ Bergio videtur de deorum felicissima vita facere Mercurius aut alius quis (barbarus fortasse) minister.“ 6
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beträchtlich vereinfacht. Die Götter wünschen sich mehr Wein, äußern ihren Wunsch dem κέρας, und während alle erwarten, dass das Horn sofort mit Wein gefüllt wird, greift der Diener der Götter ein, der offensichtlich zu ihrer Gesellschaft gehören muss, und ohne dass sie es bemerken das Horn wieder voll mit Wein bringt. πινώμεθα: Die rare mediale Form des Verbes, in Verbindung vielleicht mit der allgemein schlechten Überlieferung des Textes, führte die Philologen, entweder zur Korrektur11, oder zu dem Schluss, es handelt sich um einen Barbarismus (Kaibel bei K.-A.) und dass die Verse von einem Sklaven gesprochen werden (Bergk, Meineke12, siehe Einleitung). In Wirklichkeit aber ist diese mediale Form mit aktiver Bedeutung im Altgriechischen gut bezeugt, sowohl transitiv13 als auch intransitiv14, weshalb vielleicht kein besonderer Grund besteht, die überlieferte Form zu emendieren. Der erweiterte Sinn ist der folgende: „Wenn wir bei einem Symposium Wein trinken, und dann irgendwann Durst bekommen, da es keinen Wein mehr gibt...“. διψώμεθα: In späteren theologischen und kirchlichen Texten ist eine mediale Form bezeugt, vgl. Rom.Mel. Cant. 19.9.4: Τοῦ ὕδατος γὰρ τούτου ὁ πίνων καθ᾿ ἐκάστην πάλιν διψήσεται, Greg.Naz. Sanct.Bapt. 36.397.30, Carm. mor. 939.1. εὐχόμεθα πρὸς τοῦτ᾿ οἶνος ὦ κέρας γενοῦ: Der Vers ist in den Manuskripten korrupt überliefert15. Die zumeist angenommene Korrektur, der ich auch zustimme, ist von Valckenaer16. Es ist wahrscheinlich, wie auch Bergk bemerkt, dass das Ἀμαλθείας κέρας damit gemeint ist17. Die Verbindung des Verbs εὔχομαι mit der Präposition πρός ist bezeugt18 und deswegen vielleicht unnötig zu korrigieren, auch wenn wir aufgrund des Metrums gezwungen sind, eine Elision genau vor der direkten Rede zu haben. Diese Schwierigkeit wäre jedenfalls durch eine Verbindung mit Dativ – in unserem Satz wäre dies τούτῳ –, eben bezeugt19, zu überwinden. πεινώμεθα Bergk 1838, 317, πεινῶμεν Emperius 1847, 349, das Fragment spricht aber nirgendwo über essen. 12 Meineke 1867, 193 vergleicht den Gebrauch der medialen Form mit einem ähnlichen Barbarismus in Aristophanes’ Frieden, wo Datis, wahrscheinlich ein Sklave, die nicht existierende Form χαίρομαι benutzt (Pax 289): „ὡς ἥδομαι καὶ χαίρομαι κεὐφραίνομαι.“ 13 Vgl. Ibyc. Fr. 17, Pi. O. 6.86 14 Vgl. Nic. Th. 912 und ἐκπίομαι Ar. Ach. 199, ἐμπίομαι Thgn. 1129. 15 Ath. 10. 426f: Eὐχόμεθα πρὸς τοῦθ’ † ὁ οἶνος ωκαιρας γενου. 16 Bestätigt Peppink 1936, 61. Andere Emendationen: Bergk hat auch an οἶνον ὦ κέρας διδοῦ gedacht, was Herwerden in seiner sonst ganz veränderten Version des Fragmentes annahm, siehe Herwerden 1903, 20. Kaibel schlägt τοῦτ᾿· ὦ οἶνος, ὦ κρέας γενοῦ vor und Kock τοῦτ᾿ οἶνον εὖ κεκραμένον. Das ganze Fragment hat außer Herwerden auch Blaydes 1896, 29 wiedergebaut. 17 Bei K.-A. Bd. V S. 572. 18 Xen. Mem. 1.3.2, 4.2.36. 19 Vgl. Pl. R. 545d: εὐχώμεθα ταῖς Μούσαις εἰπεῖν. 11
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ὦ κέρας: Über andere Emendationen für die korrupte Lesart ωκαιρας der Manuskripte, siehe oben. Nach Ovid (Fast. 5.115-128) brach Zeus der ihn nährenden Ziege Amaltheia20 ein Horn ab, gab es den Töchtern des Melisseus und legte in dasselbe einen solchen Segen, dass alles, was man sich wünschte, sich sofort erfüllte. So entstand das Horn des Überflusses, cornu copiae, Symbol materieller Segensfülle, das oft in der Komödie erwähnt wird (Ar. Fr. 707, Cratin. Fr. 261 Χείρωνες, Antiph. Fr. 108 Ἱππεῖς). ἀσκόν τε καὶ πέλεκυν: Der überlieferte Vers der Manuskripte οὐκ ἀστοῦ καὶ πηλουγω gibt keinen Sinn und eine Emendation ist deswegen nötig. Die Korrektur von Bergk κἀς τοῦ καπήλου ist meistens angenommen worden, nämlich von Kaibel, Meineke und Gulick, ist aber nicht überzeugend, weil der Genitiv nach der Präposition εἰς schwerlich begründet werden kann21. Viel interessanter ist aber die vorgeschlagene Korrektur von Viljoen22. Er vermutet, dass im korrupten Text ein Spiel gemeint ist23, das Theophrast auch erwähnt (Char. 5.5), nämlich ἀσκός und πέλεκυς. Die beste Interpretation, welches dieses Spiel sein könne, hat Koujeas gegeben24. Der ἄρεσκος hebt das Kind des Gastgebers und sagt ἀσκός, auf seine Leichtigkeit anspielend, gleich danach aber setzt er es wieder ab, πέλεκυς hinzufügend, als wäre jetzt das Kind schwer zu tragen. Die Analogie ist klar. Während des Tragens von Wein, spielt der Redner das gleiche Spiel. Er hebt das Horn, als wäre leicht wie ein Schlauch, und setzt es wieder ab, als wäre es schwer wie ein Beil. κεὐθύς: Die Konjektur von Bergk für die korrupte Lesart καυθεὶς des Manuskriptes A wurde fast einstimmig angenommen. Die Konjektur καὖθις, von Musaios, gibt meiner Meinung nach einen weniger überzeugenden Sinn. πέντε καὶ δύο: Die gewöhnlichsten Mischungsverhältnisse von Wasser und Wein in der Komödie sind 3:1, 5:2, 2:1. Die in diesem Fragment erwähnte Mischungsverhältnis (vgl. Eup. Fr. 6 Αἶγες, Amips. Fr. 4 Ἀποκοτταβίζοντες und Nicoch. Fr. 2 Ἀμυμώνη ἤ Πέλοψ und 16 Λήμνιαι) ist nur ein bisschen stärker als die anscheinend traditionelle Mischung25, nämlich 3:1. Darüber siehe Pütz 2003, 203-211.
Nach anderen Versionen war Amaltheia eine Nymphe, der Rhea durch Themis den neugeborenen Zeus übergab. 21 Kassel-Austin nehmen diese Korrektur auch nicht an. Emperius schlägt stattdessen die Präposition ἐκ vor (näml. κἀκ), was jedenfalls scheint, syntaktisch richtiger zu sein. 22 Viljoen 1937, 53. 23 Das hat Kock zuerst gedacht, I S. 231: mihi constat neutiquam ... neque quid sit παίζων. 24 Koujeas 1906, 478-80, siehe auch Thumb 1914, 191. 25 Diese Analogie ist schon in Hes. Op. 593 belegt. 20
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Fragment 25 ὥσπερ αἱ κανηφόροι λευκοῖσιν ἀλφιτοῖσιν ἐντετριμμένος. (Β.) ἐγὼ δ᾿ ἐνέκαψα λανθάνων τὴν διφροφόρον Mit weißem Mehl eingerieben, wie die Korbträgerinnen. (B.) Ich aber hab’ das hinuntergeschlungen, ohne dass die Klappstuhlträgerin es bemerkte. Das Fragment stammt aus den aristophanischen Scholien (Sch. Av. 1551). Als Hintergrund sollte man sich einen Umzug im Rahmen einer Feier in Athen vorstellen. Das Gespräch findet zwischen zwei Männern statt, die versucht hatten, sich in den Umzug einzureihen und etwas Unanständiges zu begehen. Man könnte vermuten, dass die Panathenaia hier gemeint sind, an denen die Zahl der Kanephoren und dementsprechend ihrer Helferinnen, der Diphrophoren, bestimmt groß genug gewesen wäre, um sich einfach unter die Leute zu mischen, besonders – wie auch im Text steht – wenn man sich vorher verkleidet hatte. Über die hierbei zugrunde liegende Absicht sind mehrere Vermutungen geäußert worden. Meineke26 denkt, dass das Ziel war, Geld zu stehlen. Kaibel27 weist stattdessen auf Ar. Lys. 646 hin (ἰσχάδων ὁρμαθὸν ἔχων) und glaubt, dass die zweite Person die gestohlenen Feigen verschlang um der Aufmerksamkeit seiner Begleiterin zu entgehen. Wilamowitz28 ruft sich die Verfolgung der Herse durch Hermes während der Panathenaia in Erinnerung (vgl. Ovid. Met. 2.711) und vermutet, dass es sich um die gleiche Szene handelt und dass das Gespräch zwischen Hermes, der die κανήφορος Herse verfolgt, und einem Sklaven, einem Xanthias oder Sosias, der anderseits mit einer Diphrophore vorliebnehmen muss, stattfindet. Kock29 ist skeptisch gegenüber den Vermutungen von Meineke und Wilamowitz, er spricht auch von einem spielerischen Diebstahl oder Betrug („iocoso furto“), ist aber selbst nicht sicher, was sie eigentlich zu stehlen versuchen. Taillardat30 schließlich will Zeus hier als Protagonist in eine seiner häufigen amourösen Abenteuer erkennen. Dass die Protagonisten – oder zumindest einer von der beiden – Götter sind, ist allein vom Titel der Komödie her (Θεοί) wahrscheinlich. Dass sie beide in irgendeine Frauengeschichte geraten sind, scheint auch die plausibelste Vermutung zu sein. Eine komische Darstellung von Zeus, der in diesem Fall nicht allein auf Mädchen jagt, wäre sicherlich interessant. Wer könnte aber sein Begleiter in diesem Abenteuer sein? Ein Gott vielleicht,
Meineke II,1 S. 390. Bei Kassel-Austin, Bd. V, S. 573. 28 Wilamowitz-Moellendorff 1873, 141-2. 29 Kock I S. 231. 30 Taillardat 1959, 67. 26 27
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Hermes oder Apollo, oder warum nicht Herakles, der in seinem Hunger die ἄλφιτα, mit denen er sein Gesicht eingerieben hatte, verschlingt. κανηφόροι: Jungfrauen, die während der Prozessionen bei attischen Festen einen Korb trugen, mit allen zum Opfer notwendigen Gegenständen, wie der Opfergerste, dem Opfermesser, Binden oder, besonders in den Mysterienkulten, die den profanen Augen zu schauen verwehrten ἱερά. Die Kanephoren gehörten offensichtlich zu jedem kleinen oder größeren Opfer – sie sind auch für die Panathenaia bezeugt und ihre Zahl wäre natürlich der Wichtigkeit des Opfers entsprechend groß. Kanephoren konnten nur die Mädchen werden, die aus aristokratischen Athener Familien stammten. Ihre Berufung auf dieses Amt erforderte sicherlich gründliche Vorbereitung und vielleicht auch beträchtliche Kosten seitens der Familie, war aber gleichzeitig natürlich ein Grund zu großem Stolz und Prestige, denn sie war, wie eine aristophanische Stelle (Lys. 641-7) verstehen lässt, der höchste Stand im Dienst der athenischen Göttin, den eine Jungfrau erreichen konnte. Für weitere Informationen siehe Simon 1983, 60ff. und Brelich 1969, 274-290. ἀλφιτοῖσι: Enthülste Gerstenkörner, grobgemahlen im Naturzustand, zu verschiedenen Zwecken benutzt, z.B. zum Braten (cf. Il. 18.560, Od. 14.77) oder um das Opfertier (Od. 14.429) damit zu bestreuen, sie mit Wasser zu mischen und über offenem Feuer in einem Behälter kochen, um das athenische Grundnahrungsmittel μᾶζα vorzubereiten (siehe Arnott 1996, 425), aber auch, wie dieses Fragment beweist, im Ritus. Für allgemeine Informationen über die ἄλφιτα siehe Blümner 1912, 51ff und Amouretti 1986, 123-7, 218ff., 288ff. ἀλφιτοῖσι ἐντετριμμένος: “Mit weißem Mehl eingerieben”. Burkert hat überzeugend nachgewiesen, dass das Bild der mit weißem Mehl bedeckten Kanephoren zu diesem rituellen Rahmen gehört, der die Bedeckung von Jungfrauen mit weißem Schorf auftreten lässt und eine Imitation der grässlichen Verwandlung der Protoiden ist31. Ein ähnliches Bild findet man im Hermeshymnos (h.Merc. 552-6, vgl. auch die Graien im Perseusmythos), wo die Weissagerinnen ‘Thriai’ im Dienst des delphischen Apollon als παρθένοι ... κατὰ δὲ κράτος πεπαλαγμέναι ἄλφιτα λευκά beschrieben werden32. ἐνέκαψα λανθάνων: Das ist die Emendation von Porson für die Überlieferung ἔνεκα ψαλάθων der meisten Handschrifte. Edmonds schlägt ἐνέκαψα διαλαθών, was nach Taillardat besser paläographisch ist. Er selbst aber liest nicht ἐνέκαψα, sondern ἐνέκοψα, mit einer Bedeutung, die man in einer Inschrift auf Thera findet und die in diesem Fragment höchstwahrscheinlich 31 32
Burkert 1997, 191. Über die Protoiden siehe Calame 1977, 214-8. Für andere Beispiele siehe Burkert 1997, 191.
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obszön ist33. Ἑγκόπτω ist sonst ein Synonym von κρούω, πατάσσω, oder τύπτω. Mir scheint trotzdem λανθάνων eine plausiblere Lesart als διαλαθών zu sein. Außerdem ist die Bedeutung von ἐγκόπτω in der Inschrift – überhaupt der einzige Gebrauch des Verbs, der einen Sinn in unserem Fragment ergeben könnte – zumindest rätselhaft. Anderseits ist ἐγκάπτω in der Komödie gut belegt34. Meineke vermutete, dass es sich hier um eine komische Szene handelt, wo man kleine Münzen, die man im Mund oft trug, verschluckt, weil das gleiche Verb an zwei Stellen (Ar. Vesp. 791 und Alex. Fr. 128.7) benutzt wird. Es ist aber fraglich, wie eine solche Szene hierzu passen könnte, und es ist deswegen plausibler, dass die ἄλφιτα des vorangegangenen Verses wieder als Objekt zu verstehen sind, d.h. der zweite Protagonist der Szene gibt zu, die ἄλφιτα, mit denen er seinen Gesicht bedeckt hatte, aus Hunger verschluckt zu haben. διφροφόρον: Die Diphrophoren waren Metökenmädchen, die während der Feste die Aufgabe hatten, Sessel für die Kanephoren zu tragen, ähnlich wie die σκιαδηφόροι, die Schirme zum Sonnenschutz der adligen Athener Mädchen trugen. Auf diese Sessel konnten sich die letzteren während der Wartezeit, zu der sie keinen Dienst hatten, setzen. Da sie anscheinend weniger bedeutend als die Kanephoren waren, war, wie Parke35 bemerkt, ihre Rolle wahrscheinlich nicht so sehr rituell, sondern sie sorgten mehr für den Komfort der aristokratischen Kanephoren während der Feier, die oft unter glühender Sonne stattfand. In der Mitte der östlichen Friese des Parthenons werden zwei Mädchen dargestellt, die Sessel auf ihrem Kopf tragen. Es ist aber umstritten, ob sie mit den Diphrophoren oder den Kanephoren zu identifizieren sind36. Fragment 26 ἐξ ἀγορᾶς δ᾿ έγὼ ὠνήσομαι λύχνον τιν᾿ ἤ στίλβην Vom Markt werde ich eine Lampe oder eine στίλβη kaufen. Das Fragment befindet sich im Lexikon des Photios37. Einen sehr ähnlichen Text gibt es auch beim Komiker Plato, bei Pollux (7. 103) überliefert38. Naber39 und
IG XII. 3. 536: Ἐνπεδοκλῆς ἐνεκόπτετο τάδε ὠρκε(ῖ)το μὰ τὸν Ἀπόλ(λ)ω. Vgl. Ar. Pax 7, Vesp. 791, Strattis Fr. 25 Λημνομέδα, Alex. Fr. 133.7 Λέβης. 35 Parke 1977, 44. 36 Darüber siehe Simon 1983, 67 (und pl. 20) mit weiteren Bibliographieangaben. 37 Phot. σ 538,21 στίλβην· λύχνωι τι ἐοικὸς. Ἕρμιππος Θεοῖς· ἐξ … στίλβην. 38 Fr. 206: Φείδεσθε τοὐλαίου σφόδρ᾿, ἐξ ἀγορᾶς δ᾿ ἐγὼ / Ὠνήσομαι στίλβην τιν᾿, ἥτις μὴ πότις. 39 Naber 1864-5, 23-24 (Prolegomena) gibt trotzdem eine gedämpfte Verwicklung zu. 33 34
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Cobet40 äußerten ihre Zweifel daran, ob man mit Sicherheit darauf schließen darf, dass Plato die Verse von Hermippos übernommen hatte. Cobet führt außerdem mehrere ähnliche Beispiele an, wo Aristophanes Verse von Pherekrates nachahmt41. Die Ähnlichkeit der zwei Verse ist jedenfalls merkwürdig, weil sie nichts besonders Interessantes aufzuweisen scheinen42. στίλβη: Die Lexikographen scheinen nicht zu wissen, wodurch sich eine στίλβη von einem λύχνος unterschied. Photios schreibt, dass die στίλβη einem λύχνος ähnelte und Pollux an einer Stelle, dass es ein Tongefaß war, das statt eines λύχνος benutzt wurde (Poll. 5.103) und an einer anderen, dass sie eine Art von λύχνος war (Poll. 10. 119), vgl. auch Ar. Fr. 573: στίλβη θ΄ ἣ κατὰ νύκτα μοι / φλόγ΄ ἀνασειράζεις ἐπὶ τῷ λυχνείῳ. Hesychios (σ 1860) gibt als Synonyme die Wörter λύχνος, ἐλλύχνιον, φανός und das attische ἔσοπτρον. Fragment 27 καὶ πρὸς κύβους ἕστηκ᾿ ἔχων <τὸ> κήθιον Und stand bei dem Würfelspielplatz, die Würfelschachtel haltend Unter Hinzufügung des Artikels vor κήθιον, der schon in Kodex G ergänzt wurde und auch grammatisch besser ist, kann ein vollständiger iambischer Trimeter gebildet werden. Es ist kaum möglich, das Fragment in irgendeiner Hinsicht in die Handlung einzubeziehen. Der Redner ist unbekannt und es ist auch unklar, ob er über sich selbst spricht oder über jemand anderen. Man kann sich vielleicht nur als Standort einen Platz vorstellen, möglicherweise in der Nähe der Agora, wo die Athener κύβους oder auch andere Spiele spielten. Über das Würfelspiel siehe Fittà 1998, 110-122. κύβους: Es lässt sich nicht bezweifeln, dass mit diesem Wort nicht die Würfel selbst (die κύβοι oder die ἀστραγάλοι) sondern die Lage, wo das betreffende Spiel gespielt wurde, gemeint ist43. Nach Meineke44 ist κύβοι ein Synonym von πεσσοί, vgl. Sch. Eur. Med. 68: πεσσοὺς δὲ, ἐπεὶ ἀπὸ τῶν ἐν τοῖς τόποις ὠνόμαζον τοὺς τόπους, und Cratin. Fr. 7 Αρχίλοχοι; siehe auch Lamer RE XIII 2, 1936, 10sq. Kock überlegte sich, ob ein Artikel zwischen der Präposition und dem Namen hinzuzufügen sei, die Beispiele aber sind überzeugend, was die
Cobet 1840, 64. Vgl. Pher. Fr. 113.29 ≈ Ar. Ran. 515, Pher. Fr. 199 ≈ Ar. Fr. 264.1 Δαναΐδες. 42 Kabel bei K.-A. Bd. V S. 573 bemerkt darüber: „Miror in tam triviale re duorum poetarum consensum, sed dubitare non audeo“. 43 Für mehrere Beispiele dieses metonymischen Gebrauchs siehe Kühner-Gerth Bd. 1 S. 12-13. 44 Meineke II,1 S. 391. 40 41
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Entbehrlichkeit des Artikels angeht45. Viel schwieriger ist trotzdem die Rechtfertigung der Präposition und vor allem des Kasus. Πρός zusammen mit Akkusativ kann im besten Fall die Richtung bezeichnen, was hier wegen ἕστηκα nicht passt. Die Emendation von Herwerden46 auf Dativ κἀν τοῖς κύβοις scheint in die richtige Richtung zu gehen, auf die Präposition πρός aber braucht man nicht zu verzichten47. κήθιον: Diminutiv von κηθίς, -ίδος. Κηθίς war die Schachtel, in der die Würfel (ἀστράγαλοι) enthalten waren (vgl. Hsch. κ 2474), und aus dem sie, wie die aristophanischen Scholien (Vesp. 674b) und Photios (κ 161) berichten, herausgeworfen wurden. Athenaios (11. 477d) und Eustathios (Il. 4.581) etymologisieren das Wort aus dem epischen Verb χανδάνω (fut. χείσεται), “χωρεῖν”, “enthalten”. Eustathios berichtet außerdem, dass die Form κήθιον die ionische Form des Wortes χήτιον ist, die κατὰ τὸ εντεῦθεν ἐνθεῦτεν λέγεται48. Dieses Phänomen, bei der zwei aufeinander folgende „stumme“ Verschlusslaute ihre Aspiration umkehren, d.h. der stimmlose wird aspiriert und die aspirierte stimmlos, erläutert Eustathios an einer anderen Stelle (Il. 2.696) durch mehrere Beispiele, z.B. ἔθαπον – ἔταφον, κιθῶνα – χιτῶνα, κύθρα – χύτρα u.a. Als synonyme Wörter werden κύμβιον und κιβώριον von Athenaios (11. 477d) und κηθάριον von den aristophanischen Scholien (Vesp. 674b) und Hesychios (κ 2474) erwähnt. Fragment 28 ἃ τόθ᾿ ἥσθην, ταῦτα νῦν ἀνήδομαι Woran ich mich damals erfreut habe, bereitet mir jetzt keine Freude. Der Vers, ist im überlieferten Zustand unmetrisch49. Die Hinzufügung einer langen Silbe im ersten Fuss ist deswegen nötig, um die metrischen Schwierigkeiten zu überwinden (siehe unten ἃ τόθ᾿ ἥσθην) und einen iambischen Trimeter bilden zu können.
Vgl. Eur. Med. 68 (πεσσοὺς προσελθών) und Synes. Epist. 45 p. 84,4 Garz. (ἐν τηλίᾳ καὶ κύβοις καὶ καπηλείοις καλινδηθείς 46 Herwerden 1903, 21. 47 Vgl. S. Tr. 371: ταῦτα πολλοὶ πρὸς μέση Τραχινίων ἀγορᾷ συνεξήκουον und S. Ai. 95: ἔβαψας ἔγχος εὖ πρὸς Αργείων στρατῷ. Siehe auch Kühner-Gerth Bd. I S. 517-8, §441. 48 Andere Wortpaare, die nach dieser Wortbildung umgebildet sind, sind φάτνη – πάθνη, χιτών – κιθών, βάτραχος – βάθρακος, vgl. auch Eust. Il. 2.698. 49 Phryn. PS p. 44.7: ἀνήδομαι ἐφ᾿ οἶς ἥσθην· ἀντὶ τοῦ οὐκεθ᾿ ἥδομαι (οὐκ ἐφηδομαι cod., corr. Bekker.) Ἕρμιππος· ἅ τόθ᾿ ἥσθην, ταῦτα νῦν ἀνήδομαι. ἀντὶ τοῦ καὶ τὴν ἐπ᾿ ἐκείνοις γεγενημένην ἀπορρίπτω καὶ ἀποτίθεμαι ἡδονήν. 45
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ἃ τόθ᾿ ἥσθην: Verschiedene Emendationen wurden zur Berichtigung des unmetrischen Anfang des Verses vorgeschlagen, nämlich ἅ <γὰρ> von Valckenaer (zu Eur. Hipp. S. 259 E), ἁγὼ von Bothe, χἄ von Bekker und ὅσα von Kaibel50. Eine Verbindung des Verbes ἥδομαι mit einem Pronomen im Akkusativ ist im Singular belegt, vgl. Ar. Ach. 13: ἕτερον ἥσθην, Ran. 748: τοῦθ᾿ ἥδομαι und sonst nur mit Adjektiv im Νeutrum Plural, vgl. Ar. Ach. 2, Thuc. 3.40. Theodoridis51 führt die Lösung auf den Text von Phrynichos zurück, der, seiner Meinung nach, als Lemma die bei Hermippos vorgefundene Konstruktion ἐφ᾿ οἶς τοθ᾿ ἥσθην mit der bei ihm – und bei anderen Lexikographen auch – gewöhnlichen Umstellung setzte: ἐφ᾿ οἶς τοθ᾿ ἥσθην, ταῦτα νῦν ἀνήδομαι. Seine Emendation ist jedenfalls interessant, vor allem weil der Satz (ἀνήδομαι ἐφ᾿ οἶς τοθ᾿ ἥσθην) fast gleich in beiden Quellen, die dieses Fragment erhalten52 überliefert wird. ταῦτα νῦν ἀνήδομαι: Beispiele, wo das Präfix α(ν)- zur Erzeugung von Verben mit privativer Bedeutung benutzt wird, sind wenige in der griechischen Literatur53, vgl. Theognis 621: πᾶς τις πλούσιον ἄνδρα τίει, ἀτίει δὲ πενιχρόν, die Verben ἀπιθέω und ἀτιμάζω, fast ausschließlich im Epos belegt54, das homerische ἀέλπτοντες und das äolische ἀσυννέτημμι, Alc. Fr. 326.1. Diese unregelmäßige Funktion in der späteren Literatur (in der Regel wird α als Negativpräfix von Verbaladjektiven und Substantiven und nicht von Verben benutzt) lässt sich auch dadurch beweisen, dass mit der Ausnahme der homerischen und äolischen Verben das privative Parasyntheton in den anderen Fällen nahe beim Simplex steht55. Durch die Präsenz von τίω erklärt auch Hudson56 das privative ἀτίω von Theognis’ Vers her, während Boisacq es ‘une création temporaire’ nennt, ‘qui s’ explique par l’ antithèse’57. Die Vermutung von Wackernagel58 schließlich, dass in Hermippos’ Fall die Verben mit ἀναnach Art von ἀνεύχομαι „ein Gebet zurücknehmen“ hineinspielen, ist – auch wenn etwas undeutlich geäußert – ebenfalls möglich, weil die Funktion der Präposition ἀνά in diesen Verben ähnlich ist.
Für die letzten zwei Emendierungen ist noch die Hinzufügung einer Silbe notwendig. Theodoridis 1979, 31. 52 Phryn. PS 44,7 und Photios α 1913. 53 Diese hat Wackernagel 1957, 292 gesammelt. 54 Siehe auch Brugmann 1913, 610, der dieses homerische ἀτιμάζω nicht als eine ‘fehlerhafte Bildung’ versteht, die man aus den homerischen Gedichten herauskorrigieren muss, sondern als eine Umbildung des von ἄτιμος kommenden ἀτιμάζω. 55 Vgl. den Vers von Theognis und Pl. Parm. 156b: ἀνόμοιον γε καὶ ὅμοιον ὅταν γίγνηται, (ἀνάγκη) ὅμοιοῦσθαὶ τε καὶ ἀνομοιοῦσθαι. 56 Hudson 1979, 621. 57 Boisacq 1950, 96 Anm. 2. Aus der Antithese erklärt sich nach Brugmann 1913, 610 auch ἀτίει. 58 Wackernagel 1957, 292. 50 51
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Fragment 29 τόν τε κότυλον πρῶτον ἤνεγκ᾿ ἐνέχυρον τῶν γειτόνων Den Becher habe ich zunächst gebracht, den ich als Pfand von den Nachbarn bekommen habe. Der Vers ist ein trochaischer Tetrameter. Wegen der Elision ist es nicht möglich festzustellen, ob das Verb in der 1. oder der 3. Person steht. Zwei logische Rekonstruktion der Szene sind möglich: Der Sprecher, im ersten Fall ein Geldverleiher – vielleicht ein Wucherer –, kommt auf die Bühne und sagt, dass er diesen κότυλος gebracht hat, den er von den Nachbarn als Pfand genommen hatte, oder umgekehrt, dass er den Becher ihnen als Pfand geben will. Über die ἐνεχυρασία siehe Harrison 1971, 244. Über den rechtlichen Hintergrund des Darlehensrechtes siehe Harrison 1968, 260-2. Über Geldverleih und Zurückzahlen im Altertum im Allgemeinen siehe Millett 1991, 53-84. κότυλον: Ein kleines Trinkgefäß, das die Form eines Bechers oder einer Tasse hatte. Es ist nicht klar, ob die weibliche Form κοτύλη das gleiche Gefäß bezeichnete59, es gibt aber zumindest einen eindeutigen Beleg für einen identischen Gebrauch60 und sonst keinen anderen, wo sich die zwei Wörter deutlich unterscheiden. Athenaios (11. 478e-f) berichtet von zwei Arten von κότυλοι, eine, die keinen Griff hatte, ein εἶδος ποτηρίου, und eine παρὰ τοῖς Αἰτωλοῖς καὶ τισι τῶν Ἰώνων, die gleich aussah, aber einen Griff hatte61. ἤνεγκ᾿: In Antiphon62 ist ἐνέχυρα φέρειν als Synonym von ἐνέχυρα λαμβάνειν zu verstehen, siehe Maetzner 1838, 256. In Hermippos Fragment könnte sich auch ein ähnlicher Sinn ergeben, es ist aber vielleicht einfacher zu vermuten, dass φέρω seine Hauptbedeutung hat, siehe die Einleitung. ἐνέχυρον: ‘Pfand’. Das Wort bezeichnet entweder ein bewegliches Gut, das als Sicherheit für ein Darlehen vom Entleiher angeboten und vom Verleiher angenommen wird (vgl. Ar. Eccl. 755), oder ein Objekt, das aufgrund einer Pfändung sequestriert wird (vgl. Ar. Nub. 34-5, siehe auch Harrison 1968, 254). Es liegt die Vermutung nahe, dass das ἐνέχυρον während des Darlehens in den Besitz des Kreditsgebers gelangte. Nach Harrison63 muss man aber mit großer Im LSJ sind beide Wörter synonym, vgl. Ath. 11.57. Sch. Il. 22. 494, Ariston. Gramm., De sign. Il. 22.494. Darauf bemerkt Friedländer 1853, 325, dass die männliche Form bei Homer nicht belegt ist und dass die Bemerkung an der Stelle nicht vom Grammatiker entstammen ist. 61 Vgl. auch Ath. 11. 478b: τα μόνωτα ποτήρια κότυλοι. 62 Antipho 6.11: ἐνέχυρα βίᾳ φέρων. 63 Harrison 1968, 254. 59 60
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Vorsicht annehmen, wie Harrison bemerkt, dass der Terminus eine bestimmte Art von echter Sicherheit bezeichnete – wie das römische pignus –, deren wesentliche Bedingung genau diese Übertragung des Pfandbesitzes war, denn das Wort wird zumindest in einem Fall benutzt, um ein Objekt zu bezeichnen, das als Pfand für eine πρᾶσις ἐπὶ λύσει angenommen wurde, für eine bestimmte Zeit aber eindeutig im Besitz des Schuldners geblieben war (siehe darüber Harrison 1968, 254 Anm. 1). Fragment 30 φήμης ἱερᾶς ἐξοιγνυμένης ὥσπερ πέπονος δοθιῆνος Ein heiliges Gerücht, das sich wie ein reifer Abszess ausbreitet. Der Vers ist ein katalektischer anapästischer Tetrameter. Das Metrum wird vor allem in Dialogpartien der Komödie benutzt und könnte natürlich auch zu der Parabase des Stückes gehören, auch wenn es noch in anderen Teilen zu finden ist, z.B. in der Parodos der Wolken (v. 314-456). Kock und Blaydes64 emendierten das Wort φήμης zu φωνῆς, bzw. κεφαλῆς und vermuteten beide, dass Perikles hier damit gemeint sei. Es ist aber meiner Meinung nach unnötig, eine Emendation vorzunehmen, besonders an einer Stelle, an der die Handschriften einig sind, oder überhaupt einen Bezug auf Perikles zu bauen zu versuchen. Das Verb ἐξοίγνυμι ist ἅπαξ (siehe unten), und es ist deswegen – wenigstens theoretisch und methodologisch – falsch, einen metaphorischen Gebrauch, also eine Bedeutung in der Richtung von ‘ausbrechen’ oder ‘ausbreiten’, auszuschließen. Der Vers spricht also von einem Gerücht, das eventuell lange Zeit versteckt blieb, wie ein Abszess der langsam wächst, und dann plötzlich zu vielen Leute bekannt wurde, ähnlich einem gereiften Abszess, der aufbricht und Eiter fließen lässt. Interessant ist die Tatsache, dass dieses Gerücht als ‘heilig’ beschrieben wird. Das Adjektiv legt die Vermutung nahe, dass es mit einem heiligen Fest verbunden ist und unterstützt die Hypothese der Einleitung, dass die Komödie als Thema die Aufregung in Athen zur Zeit der Aufdeckung der Profanierung der eleusinischen Mysterien und der Hermokopiden. Der ironische Ton des Fragmentes könnte also am Vergleich dieses ‘heiligen Gerüchtes’ eines so gravierenden Verbrechens mit dem niedrigen Bild eines aufgebrochenes Abzesses liegen. ἐξοιγνυμένης: Außer Hermippos gibt es nur eine Stelle bei Hippokrates (Loc.Hom. 25), an der das Verb ἐξοίγω, mit der Bedeutung von ‘reißen’, ‘einen Einschnitt machen’, viermal – und zwar stets in Partizipform – erscheint. 64
Blaydes 1896, 30.
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πέπων: Das Adjektiv wird für ein Korn oder einen Frucht (Hdt. 4.23, S. Fr. 181, βότρυς X. Oec. 19.19, ἄπιος Alex. 34.5), einen Wein (vgl. Ar. Fr. 688.5), oder in übertragener Sinne für eine Person (vgl. Ar. Eq. 260) verwendet. δοθιῆνος: vgl. Ar. Vesp. 1170-2, Telecl. Fr. 43. Fragment 31 λεπάδας δὲ πετρῶν ἀποκόπτοντες κρεμβαλιάζουσιν Sie schneiden die Napfschnecken von den Felsen ab und spielten rhythmisch die Klapper. Der anapästische Vers ist – wahrscheinlich – am Ende unvollständig. Cobet fügt nach ἀποκόπτοντες das Wort κρούοντες hinzu, und teilt das Fragment in zwei anapästische Dimeter65, die Präsenz von drei Verben – die ersten zwei in der Partizipform – hintereinander in asyndetischer Anordnung jedoch ist eher zu vermeiden. Es ist wohl besser zu vermuten, dass es ein oder mehrere Wörter nach κρεμβαλιάζουσιν gab, oder, dass der Vers in ἀποκόπτοντες endete und ein neuer mit κρεμβαλιάζουσιν begann. Es liegt die Vermutung nahe, aufgrund natürlich auch des Komödientitels, dass die Götter Protagonisten in dieser Szene sind. Wilamowitz66 sah in diesem Fragment eine kriegerische Szene, nämlich die Gigantomachie, die im Phlegraion Feld stattgefunden hatte, ἵν᾿ οἱ Θεοὶ τοὺς Γηγενεῖς ἀλαζονευμένοι καθυπερηκόντισαν. Kaibel äußert seine Zweifel daran und spricht – richtig, meiner Meinung nach – über eine Art von Symposiumszene, bei der die Götter nach dem Essen tanzen und klappern. λεπάδας: Napfschnecke, die sich an Felsen fest setzen, so dass es schwer ist, sie abzuziehen (vgl. Sch. Ar. Pl. 1096, Photios λ 284 und daher über das entsprechende Sprichwort Ar. Vesp. 105: ὤσπερ λεπὰς προσευχόμενος τῷ κιόνι und Ar. Pl. 1095-6: τὸ γρᾴδιον / ὥσπερ λεπὰς τῷ μειρακίῳ προσείχετο). Über die λεπάς im Allgemeinen siehe Thompson 1947, 148. κρεμβαλιάζουσιν: ‘κροταλίζουσι’, ‘die κρέμβαλα (oder die κρόταλα) spielen’. Die κρόταλα waren Schlaginstrumente, die aus zwei hohlen Stücken von Schale, Holz oder Metal in verschiedenen Formen bestanden (vgl. Eust. Il. 10.160, siehe Michaelidis 1978, 179-80). Sie wurden bei den Festen zu Ehren vor allem von Kybele oder Dionysos benutzt, um den Rhythmus der Tänzer zu 65 66
Cobet 1862, 295. Wilamowitz-Moellendorff 1873, 140-1.
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halten (vgl. Hsch. κ 4049), ähnlich wie die Kastagnetten67. Über κροταλίζω und κρεμβαλιάζω siehe auch Cobet 1862, 296, der glaubt, dass sich das zweite Verb auf die Giganten bezieht. Fragment 32 καὶ σὲ τί χρὴ παραταιναρίζειν; Und wozu musst du die Tainaria feiern? Der Vers ist unvollständing. So wie er überliefert ist, hat er eine daktylische Form. Die Tαινάρια war ein lakonisches Fest des Poseidon Ταινάριος, bezeugt von Hesychios (τ 33: ταιναρίας), siehe darüber Nilsson 1995, 67 ff. und RE IV A.2, S. 2027. Es lässt sich nicht bezweifeln, dass das Fest zumindest ursprünglich am Kap Tainaros gefeiert wurde. Ein Heiligtum des Gottes ist aber auch in Sparta bezeugt (vgl. Paus. 3.12.5) und die dort gefundenen Inschriften, die Listen von Ταινάριοι68 enthalten, beweisen, dass eine Feier auch in Sparta stattfand. Die Erwähnung eines σιοφόρος setzt eine Prozession voraus, bei der das Gottesbild getragen wurde. Es ist aber wegen der Distanz unwahrscheinlich, eine Prozession von Tainaron nach Sparta zu erwarten; der Zug ging vielleicht von der Stadtgrenze zum Heiligtum nach Sparta, um die Einkehr des Gottes darzustellen (siehe Wilamowitz zu IG V 1.212). τί: ‘warum’, ‘wozu’, vgl. S. OC 332: “τέκνον, τί δ᾿ ἦλθες;” und Dem. 1.14: “τἰ οὖν ταῦτα λέγεις, siehe auch Kühner-Gerth, Bd. I S. 310 Anm. 6. παραταιναρίζειν: Es ist nicht ganz klar, inwiefern die Präposition παρά die Bedeutung des Verbs verändert. Die Vermutung von Kock, παραταιναρίζειν bedeute παραφρονεῖν oder παραπαίειν, beeinflusst anscheinend von der Erklärung des ähnlich konstruierten Verbes παρασαβάζειν im Photios’ Lexikon69, ist kaum plausibel, und Meineke hat richtigerweise seine Zweifel daran geäußert. Man sollte also nach einer anderen Bedeutung für παραταιναρίζω Ausschau halten. Παρά als Vorsilbe hat verschiedene Bedeutungen, diejenige aber, die vielleicht am besten zu diesem Verb passt, ist ‘ähnlich wie’, ‘leicht verändernd’, ‘nachahmend’70. Das Verb παραταιναρίζω Aus diesem Grund wird auch das Verb κρεμβαλιάζω als ‘mark time with the castanets’ in LSJ erklärt. 68 So hießen die Teilnehmer am Fest, die Hesychios Ταιναρισταί nennt. 69 Phot. p. 383, 15: παρασαβάζειν· παραμαίνεσθαι· ἀπὸ τοῦ σαβοῦ· τοὺς γὰρ παρὰ τῷ Σαβαζίῳ βακχεύοντας καλοῦσι σαβούς· καὶ τὸ βακχεύειν σαβάζειν 70 Παρά hat ziemlich häufig diese Bedeutung von ‘ähnlich wie’, ‘leicht verändernd’, ‘ähnelnd’, ‘imitierend’. Eine solche Bedeutung – neben anderen – wird auch von vielen Forschern dem Wort παρῳδία zugewiesen. 67
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könnte also hier bedeuten “das Fest der Ταινάρια nachahmen”, also feiern ähnlich wie die Ταιναρισταί tun. Man sollte sich in diesem Fall jemanden vorstellen, der versucht hat in Athen die Tainaria zu feiern, obwohl das Fest bekanntlich lakonisch war. Eine andere Person reagiert auf diese Aktion und fragt irritiert, warum er so etwas tun muss. Wenn man in dieser Situation Götter auf der Bühne sehen möchte, dann wäre es logisch zu denken, es ist Poseidon, der mit diesem Satz sein Ärgernis über die Verunglimpfung seines Festes ausdrückt. Andererseits man könnte auch an eine noch lustigere Szene denken, nämlich dass Poseidon selbst ein Element aus der Feier nachahmt, mit dem offensichtlichen Ziel, Gelächter zu erzeugen, und ein anderer fragt scherzend oder vielleicht auch verblüfft nach dem Grund seiner Mimik. Fragment 33 Phot. α 1290 ἀμυλιδωτόν: χιτωνίσκου τι γένος καλοῦσιν. Ἕρμιππος Θεοῖς. Das Wort wird auch von Hesychios ohne die Erwähnung eines Dichters überliefert71 und ist sonst ἅπαξ. Wir wissen nicht, welche besonderen Merkmale dieser χιτωνίσκος oder χιτών haben könnte, und eigentlich wird sonst nicht von anderen εἴδη oder γένη von Chitonen berichtet. Man könnte jedoch vermuten, dass es sich um einen kürzeren Chiton handelte, der bis zur Kniescheibe reichte72. Für weitere Informationen über das Anziehen und die Drapierung des Chitons (und anderer Kleider) siehe Pekridou-Gorecki 1989, 7177, 85-7 und Bieber 1967, 32-34 und 1973, 430-5. Fragment 34 Hsch. μ 1347: μῖλαξ· ἡλικία. ἔνιοι δὲ μέλλαξ. καὶ παρ᾿ Ἑρμίππωι ἐν Θεοῖς, ἀγνοήσας Ἀρτεμίδωρος· ἐκεῖ γὰρ μῖλάξ ἐστιν. δηλοῖ δὲ τὸν δημοτικόν. Das Fragment überliefert auch Herodianos73. Μῖλαξ ist mit der Bedeutung von ‘Alter’ oder ‘Jugend’ an keiner anderen Stelle zu finden74. Μέλλαξ ist stattdessen häufiger belegt75 und ist Synonym von μεῖραξ. Aus diesem Grund ist meiner Meinung nach die Richtigkeit der angegebenen Information im Eintrag des Lexikons in Frage zu stellen, d.h. es ist nicht wahrscheinlich, dass bei Hermippos das Wort μῖλαξ belegt ist. Wenn Artemidoros tatsächlich geiirt hat, wie Hesychios schreibt, dann musste ein anderes Wort gewesen sein, z.B. das Wort μεῖλαξ, wie Kaibel vermutet, das im Hermippos’ Text stand, und das Hsch α 3844: ἀμυλιδωτόν· χιτῶνος εἶδος. Ἐπιμυλλίδα oder μύλη, vgl. Hp. Mochl. 1, Gal. Consuet. 19.99; Ruf. Onom. 120. 73 Hdn. Περὶ Ὀρθογραφίας 3.2.551. 74 Das Wort wird im Attischen statt σμῖλαξ, ‘Steineiche’ oder ‘Winde’, benutzt. 75 Vgl. Hsch μ 636: μέλλακες· νεώτεροι, PΜag. Par. I. 343, CIG 4682 Alexandria, Eg. Louvre 17. 71 72
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Synonym von μεῖραξ wäre76. Der Sinn des letzten Satzes, d.h. die Erklärung des Wortes als δημοτικός ist ebenfall problematisch77 und könnte eventuell mit einem Fehler bei Hesychios verbunden sein, nämlich κ 2171: κέλλικας· δημότας, wozu Lobeck78 vermutet hat, dass κέλλικας durch μέλλικας ersetzen werden sollte. Fragment 35 Poll. 9. 126: τὸ δὲ ρῆμα τὸ πεντελιθίζειν ἔστιν ἐν τοῖς Ἑρμίππου Θεοῖς. Die Handschriften überliefern πενταλιθίζειν, aber eine Stelle im Lexikon von Photios79 zeigt klar, dass die richtige Form diejenige mit ε ist. Πεντάλιθα80 oder πεντέλιθα81 heißt das von Pollux beschriebenε Spiel, bei dem man fünf Steine, ἢτοι λιθίδια ἢ ψήφοι ἢ ἀστράγαλοι, mit dem Handrücken hochwarf und dann mit dem Handteller wiederauffing. Diejenigen Steine, die man nicht geschafft hatte aufzufangen, musste man mit den Fingern aufsammeln. Das Spiel soll nach Pollux besonders beliebt bei Frauen und Kindern sein.
Bei K.-A. Bd. V S. 576: „Aut hoc verum aut μεῖλαξ, quod non diversum videtur a μεῖραξ“. Latte: μῖλαξ = δημοτικός „nondum expeditum“. 78 Lobeck 1837, 12815. 79 Phot. π 411,3. πεντελιθίζειν: διὰ τοῦ ε λέγουσιν. 80 Vgl. Poll. 9.126. 81 Vgl. Ar. Fr. 383: πεντελίθοισί θ᾿ ὁμοῦ λεκάνης παραθραύσμασι. 76 77
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Κέρκωπες Eine weitere Komödie, die einen Titel aus dem mythologischen Bereich trägt, sind die Κέρκωπες. Die Geschichte der Kerkopen wird von verschiedenen Quellen erzählt1. Sie waren zwei Brüder aus der Oichalia2, Schelme, Räuber und Betrüger, die von ihrer Mutter vor Melampygos gewarnt wurden. Als sie versuchten, Herakles auszurauben, entdeckte er ihren Ausschlag und band sie mit den Beinen an einen Tragbalken. Mit den Köpfen nach unten konnten sie Melampygos, von dem ihre Mutter gesprochen hatte, schließlich erkennen. Jedoch amüsiert von ihren spaßhaften Bemerkungen, befreite der Held sie und ließ sie weggehen. Die mythographischen Quellen über die Kerkopen weisen eine große Vielfältigkeit auf, was die Namen der zwei Brüder betrifft. Bei Diotimos heißen sie Olos und Eurybatos. Lukian (Alex. 4) erwähnt vier Namen, Εὐρύβατος, Φρυνώνδας, Ἀριστόδημος und Σώστρατος. In den Scholien des Werkes aber findet man die Namen Σίλλος und Τριβαλλός. Im Lexikon des Harpokration (175) werden die Namen Κάνδουλος und Ἄτλας angeführt3, bei Photios (κ 158) Ἄνδουλος und Ἄτλας. Die Namen Πάσσαλος und Ἄκμων (aus Irrtum wird vielleicht auch Ἀκλήμων überliefert) werden den zwei Brüdern von Nonnos (siehe Anm. 103) gegeben. Verschiedene Namen werden ebenfalls für die Mutter angeführt. Von diesen sind zwei für plausibel zu halten. Bei Zenobios (5.10) und Eustathios (Od. 2.202) heißt sie Theia, Tochter des Okeanos, und in der Suda (κ 1405) findet man den Namen Μεμνονίς. Über Erklärungen, Emendationen und Ergänzungen zu den Namen siehe Röscher S. 1170-1. Die Geschichte der Kerkopen existierte schon in homerische Zeit. Es gab sogar ein παίγνιον mit dem Titel Κέρκωπες unter dem Namen Homers, das die Einträge in der Suda (κ 1406) und Harpokration (174.15) zu schildern scheinen. Das wichtigste Element dieser Erzählungen ist die zum Sprichwort gewordene Warnung der Mutter (μὴ περιτυχεῖν μελαμπύγῳ4, siehe Röscher II,1 S. 1168). Herodotos (7.126) berichtet von den Melampygosfelsen und den ἕδραι der Kerkopen an der Steige Ἀνοπαία. Die griechische Komödie scheint ein lange anhaltendes Interesse am Mythos der Kerkopen gehabt zu haben. Komödien mit dem gleichen Titel haben auch Eubulos5 und Platon6 geschrieben. Kratinos erwähnt sie auch in Ἀρχίλοχοι, und es gibt auch eine Komödie mit dem Titel Κέρκωπες von Menippos, die aber Nonnos, narr. ad Greg. invect. 1,39 p. 140 (Westermann, Mythogr. S. 375), dann in Tzet. Chil. 5.74 ff, Zenob. 5,10 und im Cod. Coinsl. Nr. 177 (Corp. Paroemiogr. 1.119). 2 So berichtet Diotimos, Ἠρακλέους Ἄθλα, vgl. Schol. Luc. Alex. c. 4. 3 Als Gewährsmann wird Αισχίνης ἐν τοῖς ἰάμβοις erwähnt, den Lobeck 1829, 1302 zu Αισχρίων korrigiert. 4 Die ist schon bei Archilochos zu finden (Fr. 178, West 1998, 68, siehe auch Röscher S. 1168). 5 K.-A. V S. 218-9, Fr. 52-3. 6 Ξάνται ἤ Κέρκωπες, K.-A. Bd. VII S. 472-3, Fr. 95-7. 1
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nach Meineke nur auf Verwechslung mit Hermippos beruht7. Stellen in verschiedenen Lexika8 zeigen jedoch deutlich, dass das Wort auch sprichwörtlich als ‘Betrüger’, ‘Schwindler’ benutzt wurde. Deswegen kann man nicht mit Sicherheit für alle Komödien, die diesen Titel trugen, feststellen, ob sie einen rein mythologischen Inhalt hatten, oder ob sich der Dichter in der Komödie gegen verschlagene Schwindler und schlaue Betrüger richtete9. Das erste scheint für die Komödie von Eubulos der Fall zu sein, wo wahrscheinlich auch Herakles auf die Bühne trat, vgl. Eub. Fr. 53. Die wenigen Fragmente der Komödie Platons lassen keine Vermutung zu. Aus Hermippos’ Fragmenten lässt sich eben keine mythologische Ebene erschließen, die erhaltenen Fragmente10 lassen jedoch die Anwesenheit von Betrügern vermuten. Ein plausibler Plot kann jedenfalls wegen der Unzulänglichkeit der erhaltenen Verse nicht rekonstruiert werden, und außerdem ist nicht feststellbar, ob es sich in diesen Fragmenten um Szenen handelt, die im zentralen Plot integriert waren, oder ob sie mit persönlicher Verspottung oder einer Abfertigungsszene zu tun haben. Für die Datierung der Komödie sollten vor allem Fr. 36 und 40 berücksichtigt werden. In Fr. 36 werden Leotrophides und Thumantis erwähnt. Der erste wird in den Vögeln verspottet (414 v. Chr.)11, und der zweite in den Rittern (424). Den Spitznamen Κολακοφοροκλείδης in Fr. 40 gibt es auch in den Κωμασταί von Phrynichos (414). Die vorgeschlagene Identifizierung der Verspotteten mit Pherekleides12, der ich zustimme, ist eine weitere Unterstützung einer etwas späteren Datierung der Komödie, als diejenige, die Geissler vorschlägt (420-15)13, also gegen 414 v. Chr. Fragment 36 νῦν γὰρ πενόμενοι ἀνάπηρά σοι θύουσιν ἤδη βοίδια, Λεωτροφίδου λεπτότερα καὶ Θουμάντιδος Jetzt nämlich, da sie in Not sind, opfern sie dir schon verstümmelte Kälber, dünnere als Leotrophides und Thumantis.
Meineke I S. 94. Suda κ 1410 ≈ Photios p. 157.21: Κέρκωψ· ἀπατεών, Bekker Anecd. 1.271.14: Κέρκωψ· ὁ ἐπὶ πονηρίᾳ κωμῳδούμενος. 9 So Meineke I S. 94. 10 Vor allem Fr. 38 wo ein goldene Trinkglass geklaut wird, und Fr. 39 das der Spitzname Κολακοφοροκλείδης erwähnt, vielleicht auch Fr. 37 und 36. 11 Über die Identifizierung mit dem athenischen Strategen Leotrophides siehe Komm. zum Wort. 12 Siehe Komm. zum Fragment 40. 13 Geissler setzt sowieso das Ende der Karriere von Hermippos auf 415, was aber meiner Meinung nach nicht akzeptiert werden sollte (siehe über Hermippos‘ Karriere in der Einleitung). 7 8
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Die Verse sind iambische Trimeter, von denen der erste nicht komplett ist. Athenaios informiert uns, dass Dionysos hier angesprochen wird14, erwähnt aber nicht den Sprecher. Der Sprechende berichtet scherzend von verarmten Opfernden, die in eine solche Armut gerieten sind, dass sie keine kräftigen Stiere mehr opfern können, sondern nur dürre und magere Kälber. Es gibt natürlich in der Komödie eine Vielfalt von Themen und spöttischen Anspielungen, die mit πενία verbunden sind. Von Aristophanes selbst werden häufig πένητες mit verschiedenem Hintergrund (Aristokraten, pseudoploutoi oder “Nouveau-pauvre”) und aus verschiedenen Gründen verspottet, z.B. für ihre Verwendungssucht und Ausschweifung, die zu der Veränderung ihres damaligen reichen Leben geführt hat, weil sie weiter teure aristokratische Aktivitäten trotz ihrer jetzigen Verarmung übernehmen wollen, weil sie so tun als ob sie reich wären, obwohl sie in Wirklichkeit arm sind, oder auch einfach für ihren ständigen Hunger15. In Hermippos’ Fragment werden Leotrophides und Thumantis für ihre Magerkeit verspottet. Es ist aber sonst nicht sicher, ob es in den ersten zwei Versen überhaupt eine Verspottung gibt. Der Plural πενόμενοι lässt vermuten, dass es um eine größere Gruppe geht, vielleicht die Bürger eines Demos oder einer Stadt. Es wäre möglich zu vermuten, dass die Opfernden mit den kranken Tieren versuchen, den Gott zu betrügen. Es ist aber wahrscheinlicher, dass keine List in diesem Fall dahinstersteckt. Vielmehr könnte man sich vorstellen, dass sich möglicherweise über den Gott selbst lustig gemacht wird, weil ihm der nötige Respekt nicht erwiesen wird. πένομενοι: Bei Homer bedeutet πένομαι ‘arbeiten’, ‘sich abmühen’, vgl. Od. 10.348, 4.64. Nach Homer ist eine Bedeutungsverschiebung zu bemerken, nämlich, hin zu ‘in Armut / Not leben’, vgl. Sol. Fr. 15, Eur. Hec. 1220, Thuc. 2.40. ἀνάπηρα θύουσι βοίδια: Es liegt die Vermutung nahe, dass die Opferung von verkrüppelten16, oder vielleicht einfach verletzten Tieren als Respektlosigkeit gegen die Götter betrachtet wurde. In einer Stelle bei Platon (Alc. 2.149a), wo ein Vergleich zwischen den Athenern und den Spartanern bezüglich des Respekts zu den Götter angestrebt wird, wird den letzteren vorgeworfen, dass sie gelegentlich ἀνάπηρα θύουσιν, und dass sie im Allgemeinen aus einer Veranlagung zur Vernachlässigung den Göttern eine beträchtlich geringere Ath. 12.551a: φησί δ᾿ οὔτως ὁ Ἕρμιππος πρὸς τὸν Διόνυσον τὸν λόγον ποιούμενος. vgl. Plut. Per. 3.7: ὁ δ᾿ Εὔπολις (φησί) ἐν τοῖς Δήμοις πυνθανόμενος περὶ ἑκάστου τῶν ἀναβεβηκότων ἐξ Ἃιδου δημαγωγῶν ὡς ὁ Περικλῆς ὠνομάσθη τελευταίος·, und Pollux 9.102: ὁ γοῦν Ταξιάρχοις Εὔπολις τοῦ Φορμίωνος εἰπόντος (Fr. 269.1) ἀποκρίνεται (worauf Meineke “respondentem fecit Bacchum” schrieb). 15 Für einen Überblick über den Begriff πενία und Beispiele von πένητες in der Komödie siehe Storey 1977, 138-158. 16 Das Adjektiv ἀνάπηρος, ’verstümmelt’, ’verkrüppelt’, wird für Personen (vgl. Lys. 24.13, Pl. Cri. 53a) und Tiere (Pl. Alc. 2. 149a, Thphr. Piet. 12.36, Arist. PA 773a 13) verwendet. 14
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Verehrung bezeugen, obwohl sie als Stadt genauso reich sind. In Hermippos’ Fragment scheint jedenfalls der Fall anders zu liegen, da die Verse wahrscheinlich keinen Vorwurf enthalten, sondern einen Witz über die prekäre ökonomische Lage der betreffenden Bürger17. βοίδια: Die korrekten attischen Diminutivformen von βούς sind βοίδιον und βοΐδιον, während βούδιον als falsches Attisch gilt18. Beim Antiatticista19 wird auch die Komödie von Hermippos erwähnt20. Die verschiedenen Quellen, die das Fragment erhalten haben, sind aber in diesem Punkt uneinig. Alle Handschriften von Athenaios (Ath. 13.551a) überliefern βοΐδια, Kaibel aber und Meineke nehmen in ihren Ausgaben die Korrektur – offensichtlich nach dem Lemma beim Antiatticista – βούδια von Dindorf an. Diese Korrektur übernimmt auch White in seiner Ausgabe der aristophanischen Scholien zu den Vögeln, obwohl alle Handschriften der Scholien βοίδια überliefern. In der Suda (λ 278) trifft man auf die Formen βοίδια21 und βοΐδια22 und bei Eustathios (Il. 4.684), der den Titel der Komödie nicht erwähnt, nur βοίδια. Es lässt sich deswegen nicht einfach entscheiden, welche Form in unserem Text stand, es ist jedenfalls unnötig, die Lesart aller Handschriften, die das Fragment überliefern und die gewissermaßen einig sind, abzulehnen, also βοίδια oder βοΐδια, zumal bei dem Antiatticista zahlreiche Ungenauigkeiten zu finden oder zu verdächtigen sind23. Λεωτροφίδου: Wahrscheinlich mit dem athenischen Strategen Λεωτροφίδης zu identifizieren24, der im Jahre 409, als die Megarer die unter Athens Herrschaft stehende Nisaia eroberten, zusammen mit Timarch gegen die Megarer entsandt wurde, und sie trotz ihrer großen Überzahl besiegte25. Leotrophides wird sonst in der Komödie wegen seiner Magerkeit häufig verspottet. In den Vögeln (v. 1406) figuriert er als ein Choregos von der Κεκροπίς φυλή für eine vermutliche διδασκαλία des ebenfalls sehr dünnen Kinesias. Bei Theopomp wird er als ein sehr großer Mann mit dem Aussehen eines Löwen beschrieben, der aber so ein blasses Gesicht hatte, als wäre er tot26. Lukian schließlich stellt ihn und einen offensichtlich ebenfalls mageren Κόνων zwei Schwergewichtsathleten, Timon und Milon, gegenüber27. Darüber siehe Einleitung zum Fragment. Vgl. Phryn. Ecl. 61: νοίδιον καὶ βοίδιον ἀρχαία καὶ δόκιμα, οὐχὶ νούδιον καὶ βούδιον, διὰ τοῦ υ, Philemon p. 356: βοΐδιον· οὐ βούδιον. 19 Antiatt. p. 85, 29: βούδια· οὐ μόνον βοίδια. Ἕρμιππος Κερκωψι. 20 Die Richtigkeit des Eintrags hat Latte 1968, 615 abgelehnt. 21 Gaisford und Bekker. 22 Küster und Adler. 23 Siehe auch Latte 1968, 613-5. 24 Darüber siehe Davies 1981, 161, vgl. Sommerstein zu Ar. Av. 1406 und Dunbar 1995, 673. 25 Vgl. D.S. 13.65. 26 Fr. 25 Καπήλιδες: εὔχρως τε φάναι καὶ χαρίεις ὥσπερ νεκρός. 27 Vgl. Luc. Hist.Conscr. 34. 17 18
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Θουμάντιδος: Viel weniger ist über Θούμαντις bekannt, der sonst nur in Ar. Eq. 1268-73 erwähnt und wegen seiner πενία verspottet wird. Bei Aristophanes ist Thumantis ein immer hungriger Obdachloser, der bis zum Orakel von Delphi gekommen ist, um bei der Pythia um Befreiung von seiner Armut zu betteln. Über die Einwände, die gegen die Wahrscheinlichkeit eines Zugangs zum Orakel für einen Athener vorgebracht wurden, siehe Van Leeuwen und Sommerstein zu Ar. Eq. 12 1268, vgl. Thuc. 4.118. Fragment 37 ἤδη τεθέασαι κόκκον ἐν χιόνι ῥόας; Hast du schon mal ein Granatapfelkorn im Schnee gesehen? ἤδη τεθέασαι: vgl. Magn. Fr. 1, Ar. Nub. 766, Alex. 273, Eup. Fr. 226 Πόλεις. Eine Reihe von ähnlich formulierten Fragen gibt es außerdem im ersten Teil des Unterrichts zwischen Sokrates und Strepsiades28. Diese Fragen scheinen eine gewisse Typologie zu haben. Das Verb wird normalerweise im Perfekt, aber auch manchmal im Aorist29 gebraucht, der in diesem Fall als Perfekt benutzt wird. Häufig ist auch das Wort πώποτε zu finden30, auch wenn das Wort ἤδη in diesem Kontext schon die gleiche Bedeutung zu haben scheint. Die Satzstellung ist verschieden, die Tendenz ist aber, dass das Verb und ἤδη an der ersten Position stehen31. Am häufigsten wird eine merkwürdige oder lustige Frage gestellt – wie auch beim Hermippos’ Fragment –, die fast immer positiv beantwortet wird. ῥόας: Es gibt eine Reihe von Diskrepanzen bei den Grammatikern, die zunächst die Betonung des Worts auf der letzten oder vorletzten Silbe, zweitens die Synonomie mit dem Wort ῥοιά, und drittens die Gültigkeit des ersten als richtig attisch – wieder in Gegensatz zu dem zweiten – betreffen. Bei Herodianos steht zweimal32, dass ῥοά auf der letzten Silbe betont werden muss. Bei einem Hesychios Lemma (ρ 470) findet man auch ῥοά. Die überwiegende Mehrheit aber der auf der vorletzen Silbe betonten Formen, zumindest in der älteren Literatur, zusammen mit zwei Grammatikerstellen33 Vgl. Ar. Nub. 346, 370, 386. Vgl. Eup. Fr. 226, Ar. Nub. 346, 386 30 Vgl. Ar. Nub. 370, Alex. Fr. 273, Amp. Fr. 27, Eup. Fr. 226. 31 Ausnahmen für das Verb sind Ar. Nub. 370, 386, 767 und für ἤδη Ar. Nub. 370, Amp. Fr. 27 Ὀδυσσεύς, Eup. Fr. 226 Πόλεις. 32 Vgl. 1.301, 2.271: τὰ διὰ τοῦ οα σπάνια καὶ κατὰ πάθος γενόμενα παρ᾿ Ἀττικοῖς προπαροξύνεται, οἴα ὄα, χροία, χρόα. τὰ δ᾿ ἐπενθέσει ὀξύνεται στοιά στοά, ῥοιά ροά nach Arkadius. 33 Choreob., Epim. in Psalm. p. 93 ≈ EM Kall. p. 704,58: Τὰ εἰς α λήγοντα θηλυκά, εἰ μὲν τῷ ο παραλήγεται, παροξύνεται, οἷον χρόα, ῥόα. πόα· εἰ δὲ τῇ οι διφθόγγῳ, ὀξύνεται· οἷον χροιὰ, ῥοιὰ, ποιά. 28 29
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zeigt klar, dass die letztere – auch bei Hermippos stehende – Form bevorzugt werden muss. Die Frage, ob ῥόα richtig attisch war34 ist auch nicht schwierig zu beantworten. Im fünften Jahrhundert ist fast ausschließlich diese Form belegt, in der Komödie wird nur sie benutzt35 und nur im vierten Jahrhundert, bei Aristoteles und Theophrast, fängt auch die andere Form an, zu erscheinen36. Die epische und ionische Form ist ῥοιή37. Viel schwieriger ist trotzdem eine Antwort auf die Frage zu geben, ob ῥοιά und ῥόα als Synonym benutzt wurden. Es ist sicher – und steht auch bei den Grammatikern38 –, dass ῥοιά am Anfang am häufigsten für den Baum und ῥόα für die Frucht benutzt wurde. Das Gegenteil steht jedoch bei Eustathios39. Schon bei Aristoteles40 ist dies nicht mehr so klar und Theophrast, der im Allgemeinen ῥόα bevorzugt, scheint die zwei Wörter als Synonym zu benutzen. Es ist deswegen nicht auszuschließen, dass die zwei Formen späterhin, nämlich ab dem 4. Jh. v.Chr., nicht mehr unterscheidbar waren. Fragment 38 χρυσίδ᾿ οἴνου πανσέληνον ἐκπιὼν ὑφείλετο Nachdem er Wein aus einem goldenen vollmondformigen Trinkgefäss ausgetrunken hatte, nahm er es heimlich mit. Der Vers ist ein trochaischer Tetrameter. Die Szene muss man sich wahrscheinlich folgendermaßen vorstellen: Jemand wird zu einem Symposion eingeladen, das vermutlich von einem reichen Freund organisiert wird. Begeistert von den goldenen Tassen, in die der Wein eingegossen wird, entscheidet er, nachdem er seinen Wein ausgetrunken hat, diese mitzunehmen. Kaibel hat die folgende Interpretation gewagt: Der Vollmond wird hier mit der goldenen Tasse von Zeus verglichen, aus der einer der Kerkopes Wein getrunken und sie dann mitgenommen hat. Das Metrum würde jedoch die Vermutung erlauben, dass der Vers zu der Parabase gehört, wo möglicherweise ein Athener, vielleicht ein πένης, verspottet wird, vgl. auch Fr. 36, wo Leotrophides Thumantis verspottet werden. Ein ähnliches Bild lässt sich in Vgl. Moer. 208.32: ῥοιά Ἀττικοί, ῥόα Ἕλληνες, Thom.Mag. Ecl. ρ p. 322,10: ῥοιά κάλλιον ἤ ῥόα. Schon drei mal bei Aristophanes, Vesp. 1269, Fr. 50, 610. 36 Vgl. Arist. Probl. 923b25, Thphr. HP 1.6.3. 37 Vgl. h.Cer. 371, 412 und Hdt. 4. 143, 7.41. 38 Vgl. Ammon. Diff. 401 ≈ Ptolem. Gramm., De dif. voc. ρ 135: ροιά σύν τῷ ι τὸ δένδρον, ῥόα δὲ ὁ καρπός, vgl. auch Poll 6.80. 39 Eust. Od. 1. 266: ροιὰ δὲ νῦν μὲν τὸ δένδρον. λέγεται δὲ ὁμονύμως αὐτῇ ῥοιὰ καὶ τὸ αὐτῆς καρποφόρημα .... δῆλον δὲ ὀτι καὶ ρόα λέγεται ὁμοίως τῷ, χροιά χρόα.), vgl. auch Hsch ρ 470 und Thom.Mag. Ecl. ρ p. 322.10. 40 Vgl. Arist. Probl. 923b25. 34 35
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einem Fragment des Eupolis (Fr. 395) bebobachten, wo Sokrates bei einer επίδειξιν von Stesichoros eine οἰνοχόη klaute. χρυσίδ᾿: Athenaios berichtet (11. 105), dass die Athener mit dem Begriff χρυσίδας die goldenen Gefäße bezeichneten, mit ἀργυρίδας die silbernen (vgl. Ar. Ach. 74, Pax 425). Das Wort wird auch für andere goldene Dinge benutzt, nämlich für Platten (vgl. Lib. Ep. 22.3), Kleider (vgl. Luc. Nigr. 11) und Schuhe (vgl. Luc. DDeor. 2.3). πανσέληνον: Es gibt verschiedene Interpretationen für das Wort. Villebrune41 übersetzt es als ‘vollmondformig’ und Schweighäuser42 als ‘voll’. Meineke ist nicht zufrieden mit dieser Interpretation, emendiert zu πανσελήνοις, und vermutet heilige Feste, die in der Zeit eines Vollmonds gefeiert wurden43. Es ist fraglich, inwiefern sich ein besserer Sinn aus dieser Emendation ergibt, der größte Einwand gegen diesen Vorschlag ist jedenfalls das Fehlen des Artikels. Der Ausdruck ἐν ταῖς πανσελήνοις oder ταῖς πανσελήνοις kommt zwar sehr häufig vor in der griechischen Texten und es gibt nur ganz wenige Beispiele, wo der Artikel überhaupt weggelassen wird44. Über Kaibels’ Erklärung siehe die Einleitung. Meiner Meinung nach ist die Erklärung von Villebrune, trotz Ermangelung anderer ähnlicher Stellen, zufriedenstellend. ἐκπιών: ‘austrinken’, vgl. Soph. Fr. 483, Pherecr. Fr. 143.9 Τυραννίς. Häufig auch mit metaphorischer Bedeutung, vgl. Ar. Nub. 712, Pl.Com. Fr. 9 Αἰ ἀφ᾿ ἱερῶν, Eur. Hipp. 626, Soph. Ant. 532. ὑφείλετο: Häufig in der Komödie belegt, vgl. Ar. Eq. 744-5, Nub. 179, Ran. 148, 1240, Pl. 1139-40. Auch metaphorisch benutzt, vgl. Aesch. 3.145, 3. 66. Fragment 39 Hsch. κ 3309: Κολακοφοροκλείδης· Ἱεροκλείδης, ὅν ἐπὶ πονηρίαι κωμωιδοῦσιν, Ἕρμιππος μὲν ἐν Κέρκωψι, Φρύνιχος δὲ ἐν Κωμασταῖς. ὁ δὲ Ἀσκληπιάδης Κλεώνυμον εἶναι ὑπέλαβεν, οὐδὲ τὸ τέλειον τοῦ ὀνόματος ἐπιστήσας Das Fragment ist ein Lemma in Hesychios’ Lexikon – stammend wahrscheinlich aus einem Komödienscholion –, das über einen Ἱεροκλείδης berichtet, der ἐπὶ πονηρίᾳ verspottet wird, und zwar von zwei Komikern, Hermippos in den Κέρκωπες und Phrynichos in den Κωμασταί (Fr. 18). Der „ronde comme la pleine lune“, bei K.-A. Bd. V S. 578. Zusammen mit Toup 1790, II 390. 43 Meineke ed. min. p. viii: p. 144 fr. 36: vide igitur an πανσέληνοις scribendum idque de sacris plenilunii tempore celebratis (Intpp. ad Soph. Ö. R. 1090) intellegendum sit. 44 Vgl. A. Th. 389-90, And. 1.38, im Dativ aber ist das Wort nur einmal belegt, Eust. Il. 4.542.22. 41 42
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Spitzname Κολακοφοροκλείδης ist wahrscheinlich eine Erfindung eines der zwei Komiker, den der andere danach auch verwendete, es sei denn, es handelte sich um einen sonst gewöhnlichen Spitznamen, unter dem der Verspottete bekannt war. Im ersten Fall – gewissermaßen aber auch im zweiten – ist eine zeitlich nahe Aufführung der zwei Komödien zu vermuten45. Ein zweites Lemma in Hesychios’ Lexikon46, gibt uns eine variierte Lesart des ersten komischen Namens47. Meineke korrigierte den ersten Spitznamen zu Κολακοφωροκλείδης48, und seine Korrektur wurde danach von den meisten Forschern angenommen49. Das Lemma gibt weiterhin die Information, dass Asklepiades eine Identifikation des Verspotteten mit Kleonymos vermutete. Seine Identifikation, die offensichtlich auf Kleonymos’ Verspottung in Ar. Vesp. 592 zurückgeht50, wird unmittelbar abgelehnt mit der Bemerkung, Asklepiades habe το τέλειον τοῦ ὀνόματος, also den wirklichen Namen der Person, die dahinter steckte, nicht verstanden. Die Tatsache, dass Asklepiades, der Kommentare zu den Vögel und den Frösche schrieb, verschiedene andere Fehler beging51, vor allem in seinem Versuch parodische Anspielungen festzustellen, macht seine Interpretationen insgesamt unzuverlässig52. Auch wenn man mit Sicherheit einen Irrtum des Asklepiades annehmen kann, bleibt die Identifizierung des Verspotteten mit Hierokleides problematisch. Nicht nur wird er in der Komödie sonst nirgends erwähnt, sondern es scheint auch eine vergebliche Aufgabe zu sein, einen plausiblen oder interessanten Kandidaten unter den Trägern dieses Namens in der proposopographischen Forschung auszumachen53. Die Vermutung von Dobree, dass der Verspottete nicht Ἱεροκλείδης, sondern Ἱεροκλής war54, kann nur schwerlich akzeptiert werden, vor allem wegen der geringen Ähnlichkeit zwischen dem wirklichen und dem komischen Namen. Ein interessanter und jedenfalls gut begründeter Vorschlag stammt von Chronopoulos55. Nach seiner Meinung ist der Verspottete mit Pherekleides zu Siehe auch die Einleitung zur Komödie. Hsch. κ 3579: Κορακοφοροκλείδης· ... ἔστι γὰρ Ἱεροκλείδης. 47 In diesem Lemma fehlt die Quelle, die logischerweise wieder die zwei – oder eine der zwei – Komödien sind. 48 FCG II,1 S. 394. 49 Die Korrektur nahm z.B. Latte, Kock I S. 234 und Sommerstein 1996, 347 an. Nur in K.-A. bleibt die überlieferte Form Κορακοφοροκλείδης unverändert. Dobree bevorzugt Κορακοφοροκλείδης, weil Ἱεροκλής in Pax 1125 κόραξ ἐξ Ὠρεοῦ genannt wird. 50 Vgl. Vesp. 592: εἶτ Εὔαθλος χὠ μέγας οὗτος Κολακώνυμος, ἀσπιδαποβλής. 51 Darüber siehe Boudreaux 1919, 87. 52 Siehe auch Wentzel in RE II,2 s.v. Asklepiades. 53 Mögliche Identifikationen wären: PA 7459, LGPN (28): c. 411, PA 7460, LGPN (24): 409, PA 7462, LGPN (25): 425/4, PA 7471, LGPN (18): 400/399. 54 Der χρησμολόγος Ἱεροκλής wird zweimal in der Komödie verspottet, im Frieden 1043-1126, und in Eup. Fr. 231 Πόλεις. 55 Siehe Chronopoulos 2006, 139-143. 45 46
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identifizieren. Pherekleides war 415 πάρεδρος Ἑλληνοταμίων oder Ἕλληνοταμίας, als ihm eine sehr hohe Summe anvertraut wurde, die für die Finanzierung einer militärischen Operation verwandt werden sollte. Es könnte sogar der Fall sein56, dass das Geld vor der Operation gegeben wurde und dass er mit dem Strategen Telephonos mitgefahren ist, um ihn von seinen finanziellen Verantwortungen zu entlassen, was natürlich Anlass zu – mehr oder weniger gerechtfertigten – Gerüchten in Athen gegeben hätte. Die wichtigsten Punkte seiner Argumentation sind die folgenden: Die Datierung beider Stücke57 unterstützt die Identifizierung. Der Name Φερεκλείδης bot sich gut für die Verspottung eines Finanzbeamten58 an und das etymologische Spiel, auf das sich der Spitzname Κολακοφοροκλείδης gründet – außer der Tatsache, dass zwischen beiden Namen eine enge Ähnlichkeit besteht, die bei Ἱεροκλείδης, geschweige denn bei Ἱεροκλής fehlt –, wird bei dieser Identifikation voll entfaltet. An zwei Stellen der Wespen des Aristophanes sind diese Elemente des Verspottungsbildes von Κολακοφοροκλείδης zu erkennen: In Vesp. 1098-1101 werfen die Kämpfer der Perserkriege den νεώτεροι vor, dass sie den nach Athen gebrachten φόρος unterschlagen. Früher, im Agon, wurden diese “Steuerbetrüger” ausführlicher beschrieben (Vesp. 655 ff.), und zwar als die κόλακες des Demos, diejenige die dem Volk versprechen “οὐχὶ προδώσω τὸν Ἀθηναίων κολοσυρτόν, αλλὰ μαχοῦμαι περὶ τοῦ πλήθους ἀεί”. Die Identifizierung mit Pherekleides weist eigentlich nur eine metrische Schwierigkeit auf, denn das Wort Κολακοφοροκλείδης besteht aus 4 kurzen Silben, gefolgt von einer anceps und 2 langen, und kann deswegen schwerlich zu einem Sprechvers gehören. Fragment 40 Athen. 3.123 ef: “οἴδασιν, ὦ φίλτατοι ἀνδρῶν, οἱ ἀρχαίοι καὶ τὴν πάνυν ψυχροῦ πόσιν”. Ἀλἐξις γοῦν ἐν Παρασίτῳ φησί (Fr. 184), … ὀνομάζει δὲ καὶ Ἕρμιππος ἐν Κέρκωψι φρεατιαῖον ὕδωρ οὕτως. Im Hof athenischer Wohnungen befanden sich häufig Brunnen59, die ihren Besitzern sehr nützlich waren, weil das Wasser drinnen immer kühl blieb (im Winter sogar wahrscheinlich eiskalt). Dieses kalte Wasser wurde vor allem zum Kühlen des Weines benutzt, wofür es zwei Methoden gab. Die erste war, den
West argumentiert dafür, siehe Chronopoulos 2006, 141 Anm. 13. Sicher für die Κωμασταί, weil sie den ersten Preis in den Dionysien 414 gewonnen hatten, wahrscheinlich 414 auch für Hermippos, siehe Einleitung. 58 Das Verb φέρομαι war der Terminus technicus für die Steuerbezahlung der Seebundstaaten, siehe Chronopoulos 2006, 142 Anm. 22. 59 Vgl. Alexis Fr. 184 Παράσιτος und siehe Arnott 1996, 548. 56 57
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Wein direkt mit dem kalten Wasser zu vermischen60. Die zweite Möglichkeit war, Weingefäße (ψυγεὺς ἤ ψυκτήρ, Ath. 11.502) im Brunnen kühlen zu lassen und nach Bedarf zu benutzen61. Der Ausdruck φρεατιαῖον ὕδωρ in Hermippos’ Fragment wird also zusammen mit einem Alexis Fragment62 von Athenaios erwähnt, zur Bestätigung, dass die Griechen kaltes Wasser tranken. Ohne Zweifel ist φρεατιαῖον ὕδωρ wörtlich als ‘Wasser aus dem Brunnen’ zu verstehen, und mit dieser Bedeutung wird es häufig im Gegensatz zu ῥυτόν ὕδωρ benutzt63. Auch wenn zu vermuten wäre, dass das Wasser im Brunnen tatsächlich nicht immer kalt bleiben konnte – besonders im Sommer –, scheint es mir klar, dass die Nebenbedeutung von ‘kaltes Wasser’ sehr häufig mitschwang64 und aus diesem Grund wird Alexis von Athenaios an dieser Stelle erwähnt. Es ist außerdem wahrscheinlich, wie Kaibel vermutet, dass Hermippos’ Vers ausgefallen ist, weil in zahlreichen ähnlichen Wortverbindungen (mit einem Verb und οὕτως am Ende des Satzes) bei Athenaios immer ein Beispiel folgt, vgl. Ath. 3.90a, 100d, 7.307b, 9.366c u.a. Fragment 41 Antiatt. p. 88, 29: διαλέγειν· ἀντὶ τοῦ διαλέγεσθαι. Ἕρμιππος Κέρκωψιν. Διαλέγομαι ist in der Komödie fast ausschließlich in der zweiten Person belegt, entweder im Imperativ- διαλέγου65 oder im Indikativform διαλέγει66. Die Hauptbedeutung ist ‘sich mit jmdm. unterhalten’, und es liegt die Vermutung nahe, dass das aktive Verb mit derselben Bedeutung in Hermippos’ Vers benutzt wurde. Es wäre aber auch eine zweideutige obszöne Bedeutung nicht auszuschließen, denn ein solcher Gebrauch des Verbes ist sonst gut belegt, sowohl in der mittleren Form67 als Synonym von ‘Geschlechtsverkehr haben’, als auch in der aktiven68.
Gelegentlich auch gemischt mit Schnee, vgl. Strattis Fr. 60 Ψυχασταί: οἶνον γὰρ πίειν … καὶ χιόνι μεμιγμένον, Machon Fr. 16.276, Alexis Fr. 145.10 Μανδραγοριζόμενη, Xen. Mem. 2.1.30, und siehe Gow 1965, 107 und Arnott 1996, 426. 61 Vgl. Lysipp. Fr. 1 Βάκχαι, siehe auch Broneer 1947, 239, der von ausgegrabenen Brunnen berichtet, wo zerbrochene Weintöpfe entdeckt worden sind, von denen viele gestempelte Handgriffe hatten. 62 Alex. Fr. 184. 63 Vgl. Thphr. CP 2.6.3, Plut. 2.954c, Arist. Mete. 353b26. 64 Vgl. Gal. 11.556, 568, Alex.Aphr. Pr. 1.56. 65 διαλέγου, vgl. Ar. Pax 1061, Ran. 176, Eccl. 890, Men. Sam. 496 66 διαλέγει, vgl. Eccl. 930, Men. Dysc. 345. 67 Vgl. Ar. Eccl. 890, siehe auch Sommerstein s.v., Pl. 1082, Hyp. Fr. 171, Plut. Sol. 20 68 Ar. Lys. 720: διαλέγουσαν τὴν ὀπὴν: ‘das Loch hineinschlagen’, mit ‘Loch’ auch als ‘Vagina’ zu verstehen, siehe auch Henderson 1987, 164). 60
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Μοίραι Die älteste von den erhaltenen Komödien von Hermippos – zumindest von denen, die mit größerer oder kleinerer Wahrscheinlichkeit datiert werden können – sind die Μοῖραι. Die Komödie scheint die Stimmung in Athen in den ersten Jahren des peloponnesischen Krieges, und insbesondere während des Einfalls in Attika zu thematisieren1. Fr. 48 erweckt den Anschein eines vor kurzem angefangenen Kriegs, wo die Männer auf das Kottabosspiel und die Symposien verzichten, und sich für den Kampf ausrüsten müssen. In Fr. 46 gibt der Chor einen Ratschlag, wie die Athener am besten ihre Stadt schützen können, und gleichzeitig die Lakedaimonien am einfachsten vernichten. Ein zweiter wichtiger Punkt, der in zwei Fragmenten auftritt ist ein Angriffsversuch gegen Perikles2. Inwiefern und bis zu welchem Grad dieser Angriff Thema der Komödie gewesen ist, lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden, man dürfte jedoch vermuten, auch anhand einiger Elemente in den Fragmenten, dass er in der ganzen Komödie im Hintergrund stand und gelegentlich – mindestens einmal, in Fr. 47 – eine unverhüllte Form annahm. Überraschend ist auf jeden Fall der Titel der Komödie, die Μοῖραι. In der Theogonie (211-220) finden wir sie zunächst als Tochter der Nacht und Schwester des Moros und des Thanatos, eine Genealogie, die stark mit ihrem ursprünglichen chtonischen Charakter verbunden ist und ihre uralte Existenz unterstreicht, die auch in der Tragödie erwähnt wird3. In einer späteren Stelle (900-906) macht sie aber Hesiod zu Töchtern von Zeus und Themis, und dort bilden sie, wie auch die Horen und die Chariten, zum ersten Mal eine Dreiheit (ihre Namen sind Klotho, Lachesis und Atropos). Im neuen Pantheon unter der Vorherrschaft des Zeus übernehmen sie eine neue Rolle. Sie sind nämlich diejenigen, die das Schicksal und die Lebensdauer jedes Sterblichen bestimmen, und, wie Hesiod schreibt4, ihnen das Gute und das Böse verteilen. Von wesentlicher Bedeutung ist aber, dass eine Redefinition ihres Verhältnisses zu den anderen Gottheiten und vor allem zu Zeus zu beobachten ist. Schon Hesiod sagt, dass Zeus ihnen πλείστην τιμήν gab. In einem lyrischen Fragment5 werden sie erwähnt als diejenigen, die am nächsten zu seinem Thron sitzen. Auch wenn sie in der Durchführung ihrer neuen Aufgabe eine gewisse Unabhängigkeit zu haben scheinen, ist es im Allgemeinen anzunehmen, dass ihre Macht bis zu einem gewissen Grad abhängig von seiner Macht ist6. Diese Das lassen vor allem Fr. 42, 46, 47, 48 mehr oder weniger vermuten. Dieser nimmt die Form einer Anspielung mit einem ironischen Ton in Fr. 42 und ist ganz direkt in Fr. 47. 3 Vgl. A. Prom. 895, Eum. 172, Soph. Ant. 987. 4 Vgl. Theog. 905-6. 5 PMG Fr. 1018,1-3 Page. 6 Vgl. Eur. El. 1248. Die Diskussion zum vielumstrittenen Thema der Rolle des Schicksals – vor allem in der homerischen Dichtung, aber auch in der Tragödie, z.B. in Prometheus – weist 1 2
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enge Verbindung lässt sich auch im Kult sehen7, vor allem durch Zeus’ Anrufung als Μοιραγέτης. Die Mächtigkeit der Moirai, als Verwalter des uralten Rechtes, und Spender allen Glücks – nicht nur bei der Geburt, aber auch später, bei der Ehe, denn sie sind auch mit Eileithyia verbunden – ist also gegeben. Ihre Verbindung mit uralten und chthonischen Gottheiten, wie die Nacht, und auch Gaia, Demeter und Persephone8, und vor allem mit den Erinyen, zwischen denen, zumindest im Volksglauben, nicht immer scharfen Grenzen gezogen wurden9, lässt sie unter die finstersten und ehrfurchtgebietendsten Gottheiten klassifizieren. Nichtsdestoweniger wagte sich der Volkshumor auch an sie heran. Das beste Beispiel bietet uns die Geschichte über Admetos – erzählt von Aischylos (Eum. 723ff) und Euripides (Alk. 1232) – wo Apollon beim Hochzeitfest, im Hause des Pheres die Moiren betrunken gemacht hat, so dass Admetos am Leben bleiben durfte, wenn er an seinem Todestag eine Person anin seiner Stelle fand, wenn Hades für ihn käme. In der Galinthiaslegende (Ant.Lib. 29) wurden die Moiren von der Dienerin der Alkmene überlistet; das Ergebnis war die Geburt des Herakles, die die Moiren, nach dem Befehl der Hera, durch Zauberei behinderten. Galinthia wurde danach durch Verwandlung in ein Wiesel bestraft, das durch die Ohren empfing und aus dem Mund gebar. Es lässt sich leider aus den erhaltenen Fragmenten nicht einsehen, welche Rolle die Moirai in Hermippos’ Komödie gespielt haben könnten. Dass sie den Chor bildeten ist unwahrscheinlich, denn dafür würde man mit vierundzwanzig Moiren rechnen müssen10. Es ist vielleicht dann logischer anzunehmen, dass sie direkter, als Protagonisten auf die Bühne, auftraten. Perikles trat ebenso auf die Bühne auf, wie Fr. 47 erschließen lässt. An dieser Stelle wird er als ‘König der Satyrn’ angeredet, während er in Fr. 42 ‘Zeus’ genannt wird11. Trotz dieser Diskrepanz, ist nicht auszuschließen, dass er in der Komödie als Zeus auf die Bühne gebracht wurde, ähnlich wie in Kratinos’ Nemesis (vgl. Fr. 188). Es wäre also möglich, dass Hermippos mit dem Titel auf diese Beziehung zwischen den Moirai und Zeus anspielte, oder dass er versuchte, eine ähnliche Verbindung zwischen Perikles – als Zeus – und ihnen herzustellen. Eine ganz andere Erklärung gab Bergk12, dass der Titel der Komödie auf ein lakedaimonisches militärisches Korps, die μόρα, zurückgehe13. schwierige und Fragen auf. Eine kurze Darstellung findet man in RE XV, S. 2453-2460, in 2463-4 wird auch über Aischylos diskutiert. 7 Alle entsprechenden Fälle, in Athen und in andere Städten, kann man in RE XV S. 2451-2 und LIMC 6.1, S. 636-8 finden. 8 Die wird auch im Kult bezeugt, siehe RE XV S. 2451-2 und LIMC 6.1, S. 636-8. 9 Vgl. z.B. den Kult in Sikyon. 10 Harvey 2000, 105 bemerkt dazu: “It is not very likely that their number was inflated to twentyfour: over-stuffing on this scale would result in an intolerably over-determined world”. 11 Siehe Kommentar zum Fragment und zum Wort. 12 Bergk 1838, 318. 13 Vgl. Xen. HG 2.4.31, Lac. 11.4.
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Skeptisch gegen Bergks’ Vermutung stehen Meineke und Schwarze14. Es besteht kein hinreichender Grund, das Wort μόρα mit einem Wort zu wechseln, das eine so lange Geschichte hat und von einer so großen Wichtigkeit ist wie μοῖρα, vor allem wenn keine Verbindung zwischen dieser Komödie und einem lakaidemonischen Korps festzustellen ist. Eine Tragödie – oder satyrisches Drama – mit dem Titel Μοῖραι, von der nichts erhalten ist, schrieb Achaios. Er wurde 484/3-481/0 geboren, war etwa junger von Sophokles und führte auch Tragödien ab 448/7-445/4 auf, ungefähr in der gleichen Zeit wie Euripides, siehe Suda α 4683. Die Komödie wurde, wie schon erwähnt, am Anfang des Peloponnesischen Kriegs aufgeführt. Noch genauer kann sie mit Hilfe des Fr. 47 datiert werden, dessen Zuschreibung zu den Μοῖραι aber in der Forschung umstritten bleibt. Die Anrede im ersten Vers βασιλεῦ Σατύρων spielt ohne weiteres auf Kratinos’ Διονυσαλέξανδρος an15, wo Perikles auf der Bühne als Dionysos dargestellt wurde16. Da Kratinos‘ Komödie an den Lenäen 430 zur Aufführung gebracht wurde, hatte Hermippos bestimmt genügend Zeit, bis zu den Dionysien des gleichen Jahres diese Anrede passend einzufügen17, wenn die Erinnerung von Perikles-Dionysos noch frisch war. Außerdem war Perikles, der 430 bei beiden Dionysosfesten noch Stratege war, zu diesem Zeitpunkt zur Zielscheibe heftiger Kritik geworden, wohingegen im Winter 430/29, wie Koerte bemerkt, „die Stimmung so stark zugunsten des Perikles umschlug, dass eine wesentlich gegen ihn gerichtete Komödie 429 unzeitgemäß gewesen wäre“ 18. Fragment 42 ὁ Ζεὺς δὲ τούτων οὐδὲν ἐνθυμούμενος μύων ξυνέπλαττε Θετταλικὴν τὴν ἔνθεσιν Zeus aber, nichts davon berücksichtigend, formte mit geschlossenen Augen den thessalischen Bissen zusammen. Die Rede ist wahrscheinlich von Perikles, der häufig mit Zeus in Verbindung gebracht wird, entweder durch typische Adjektive des Göttervaters, oder durch direkte Benennung als Zeus19. Der Ton des Fragmentes ist ironisch, der ganze Sinn der Verspottung ist aber obskur. Perikles bereitet, mit geschlossenen Augen (μύων), ohne sich der Situation wirklich bewusst zu sein (τούτων οὐδὲν Meineke I S. 91, Schwarze 1971, 105. Dafür haben Wilamowitz 1904 S. 665-6 und Croiset 1904, 297 überzeugend argumentiert. 16 Fr. 47 weist eine erweiterte Anlehnung an Kratinos auf, wie Schwarze 1971, 104-5, gezeigt hat. 17 Siehe auch Koerte 1911, 256. 18 Seine Bemerkung betrifft eigentlich Kratinos’ Stück, wäre aber gültig auch für Hermippos’ Komödie, wenn es anzunehmen ist, dass sie auch gegen ihn richtete. 19 Siehe Beispiele im Kommentar. 14 15
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ἐνθυμούμενος), den ‘thessalische Bissen’ vor, also einen anscheinend großen Plan, vielleicht ein bedeutendes Bündnis mit den thessalischen Städten20. Die Verse wurden anscheinend von jemandem gesprochen, der gegenüber der Politik des Perikles misstrauisch war. Schwarze21 erklärt den bei Hermippos ausgedrückten Vorwurf, dass „Perikles den Athenern, wie wir sagen würden, ‘diese Suppe eingebrockt hat’ “. Meiner Meinung nach aber besteht die Ironie eher darin, dass Perikles die schwierige Situation, in der sich Athen in dieser Zeit befand, nicht richtig einschätzte, und bei nicht klarem Verstand22 große, aber gleichzeitig auch zweifelhafte, Pläne schmiedete, um Athen aus dieser Situation zu befreien. Die Passage würde vielleicht auch zu der Parabase passen, das Metrum aber (iambische Trimeter) schliesst nicht andere Möglichkeiten aus. ὁ Ζεὺς: Perikles wird oft in der Komödie mit Zeus verglichen, im Rahmen dieses Tyrannenbildes, das die Komiker ihm häufig vorgeworfen hatten. Den größten Anteil an diesen Angriffen besitzt Kratinos. In Χείρωνες (Fr. 258) wird Perikles zunächst explizit τύραννος genannt, und dann νεφεληγερέτας, ein typisches homerisches Adjektiv von Zeus. In Νέμεσις wird er als Zeus auf die Bühne gebracht23. In ähnlicher Weise tritt er in Θρᾷτται mit der Maske eines “zwiebelköpfigen Zeus” auf die Bühne24. Außer Kratinos wird Perikles, nach Athenaios’ Bericht, von Telekleides in Ἡσίοδοις Ὀλύμπιος genannt. Mit dem gleichen Adjektiv οὑλύμπιος charakterisiert ihn auch Aristophanes in den Acharnern (530-1). Dass Perikles in einem anderen Fragment der Μοῖραι (Fr. 47) als Dionysos, βασιλεῦς Σατύρων, angeredet wird sollte kein Problem aufweisen, denn – wie Schwarze bemerkt – es handelt sich dort um einen bewussten Anklang an den Διονυσαλέξανδρος von Kratinos, der die feste Benennung des Perikles als Zeus überhaupt nicht stört. οὐδὲν τούτων ἐνθυμούμενος: Wahrscheinlich auf die peloponnesische Invasion in Attika zu beziehen und den Schaden, den die Eindringlinge anrichteten, vor allem die Vernichtung der Feldfrüchte, vgl. K-A. Bd. V S. 579 ‘calamitatum ex hostium coortarum’, Meineke II,1 S. 399. μύων: Bergk hält das Wort für korrupt und emendiert aus der Lesart μύρων, die der Kodex P und andere ältere Ausgaben überliefern, zu Μοιρῶν. Er begründet seine – schon von Meineke zurückgewiesene25 – Korrektur damit, dass Μοιρῶν auf das lakedaimonische militarische Korps μόρα anspielt, Siehe Komm. unter Θετταλικὴν τὴν ἔνθεσιν. Schwarze 1971, 107ff. 22 Das zeigen deutlich μύων und οὐδὲν ἐνθυμούμενος. 23 Vgl. Fr. 118: μόλ᾿ ὦ Ζεῦ ξένιε καὶ κάριε. 24 Vgl. Fr. 73: ὁ σχινοκέφαλος Ζεὺς ὅδε προσέρχεται / Περικλέης. 25 Meineke II,1 S. 399. 20 21
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worauf auch der Titel der Komödie zurückgeht26. Das Verb μύω, ‘die Augen schließen’, in Zusammenhang mit οὐδὲν ἐνθυμούμενος, ‘nichts erwägend’, ergibt jedoch einen guten Sinn27, aus welchem Grund hier keine Emendierung notwendig ist. Θετταλικήν τὴν ἔνθεσιν: vgl. Athen. 10.418d: ἔλεγον δὲ καὶ Θεσσαλικὴν ἔνθεσιν τὴν μεγάλην, ähnlich Hsch. θ 422, vgl. Phot. p. 88,11 und Poll. 6.43, ὁ μέγας ψωμός, und Eust. Il. 3. 237.14 ἡ μεγάλη τροφή. Die Thessaler waren bekannt für ihre großen und luxuriösen Bankette28, ihre Gefrässigkeit29 und ihre Gewohnheit, Fleisch in große Stücke zu schneiden30. Darüber siehe auch Taillardat 1962, 171 Anm. 2. Über die Gewohnheiten der Thessaler siehe Goebel 1915, 67-69. Der Vers spielt wahrscheinlich auf die Bemühungen Athens an, an Beziehungen mit den thessalischen Städten anzuknüpfen. Thukydides berichtet von zwei Kontingenten, die den Athenern gesandt wurden, κατὰ το παλαιὸν ξυμμαχικόν (Thuc. 2.22.3), eine von den Larisaiern, von Polymedes und Aristonus befehligt, und eine von den Pharsalern, unter Menon. Die Haltung der thessalischen Städte war häufig schwankend. Der Grund dafür war, dass sowohl die große Mehrheit der Bevölkerung, als auch einige fürstliche Familien mit Athen gute Beziehungen unterhielten, die Ritterschaft aber und der Adel Lakedomonien-freundlich waren. Larisa und Pharsalos sind jedenfalls unter der Alliierten der Athener in 2.9.4 nicht aufgelistet. Somit lässt sich denken, dass ein Umschwung, zumindest in diesen zwei Städten, inzwischen stattgefunden hat, und dass Hermippos’ Vers sich vielleicht doch auf diese Änderung beziehen könnte. Welche Rolle Perikles dabei selbst gespielt hat, ist uns unbekannt, das Fragment lässt jedoch wenig Zweifel daran, dass er daran beteiligt gewesen ist31. Fragment 43 μείζων γὰρ ἢ νῦν δή ΄στι͵ καὶ δοκεῖ γ’ έμοι͵ ἐὰν τοσοῦτον ἐπιδιδῷ τῆς ἡμέρας͵ μείζων ἔσεσθαι Διαγόρου τοῦ Τερθρέως. Er ist nämlich größer als gerade eben und scheint mir, wenn er jeden Tag so weiterwächst, größer als Diagoras, der Sohn des Terthreus, zu werden. Bergk 1838, 318: „Μοιρῶν autem, quod restitui, intellegendum est de moris Lacedaimoniorum, a quibus fabulam nomen traxisse conjicio“. 27 So auch Schwarze 1971, 108, siehe auch Einleitung zum Fragment. 28 Vgl. Ar. Fr. 507 Ταγηνισταί. 29 Vgl. Mnesim. 8 Φίλιππος: τῶν Φαρσαλίων / ἤκει τις, ἵνα καὶ τὰς τραπέζας καταφάγῃ; 30 Vgl. Crates Fr. 21 Λαμία: ἐπεὶ τριπήχη Θετταλικῶς τετμημένα, und Philetaer. Fr. 10 Λαμπαδηφόροι: χειροβαρές σαρκὸς ὑείας θετταλότμητον κρέας. 31 Darüber siehe auch Busolt 1904, 920 und Gomme 1956, 78. 26
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Wir wissen leider nicht, wer spricht, noch, über wen die Rede ist. Kaibel32 vermutete, es sei eine Person gemeint, die von Perikles große Ehre genoss, und mit Diagoras verglichen werden konnte, wie z.B. Damon. Fritzsche33 dachte stattdessen, die Rede sei hier von Kleon, der Perikles in seinen Reden anscheinend immer heftiger angegriffen habe. Seine Vermutung, die offensichtlich auf den letzten Versen des Fr. 44 beruht, wo Kleon als ein bedrohlicher Rivale des Perikles dargestellt wird, wurde – wohl mit Recht – von Jacoby34 abgewiesen. Der Vergleich scheint in eine wörtliche und nicht figurative Ebene gezogen zu werden, und damit gibt es keinen passenden Kontext für eine Anspielung auf Kleon. ἢ νῦν δή ΄στι: Bergks Emendation35 ist wahrscheinlich richtig. Zur Bedeutung von νῦν δη (oft als ein Wort, νυνδή, geschrieben) vgl. Ar. Pax 5, 293, Lys. 327, Plut. 517, Magn. Fr. 6 Τιτακίδης und siehe Denniston 1975, 206-7. καὶ δοκεῖ γέ μοι: Die Handschrifte überliefern δέ oder δή36. Bergk korrigierte zu γ᾿ ἐμοί. Die Partikel γε ist vielleicht richtig, die schwache Form μοι scheint aber hier passender zu sein, zumal diese Verbindung auch an anderer Stelle belegt ist37, im Gegensatz zu allen anderen Verbindungen, die nirgendwo belegt sind. ἐὰν τοσοῦτον ἐπιδιδῷ τῆς ἡμέρας: Der Vers ist korrupt überliefert38. Die von Kassel-Austin gedruckte Version, nämlich nach der Korrektur von Dindorf39 zu τοσοῦτον, und der Beibehaltung der Lesart ἐπιδιδῷ der Suda40, ist sicherlich die beste. Διαγόρου τοῦ Τερθρέως: Die Identifizierung des Verspotteten Diagoras mit dem notorischen Atheisten Diagoras dem Melier, der oft bei Aristophanes verspottet wird41, bleibt in der Forschung umstritten. Die aristophanischen Scholien42 unterscheiden zwischen zwei Diagoras, offensichtlich in der Meinung, dass das Verspottungselement der Größe im Fall von Hermippos Bei K.-A. Bd. V S. 580. Fritzsche 1845, 186. 34 Jacoby 1959, 9. 35 ἤ νῦν δή ᾿ στι Bergk 321: ἦν νῦν δε ἐστι (δ᾿ ἔστι Suda) codd 36 γ᾿ ἐμοί Bergk: δέ μοι Schol. V: δή μοι Suda: μοι Barb: μο Θ 37 Vgl. Xen. Anab. 7.6.40, Pl. Crat. 400b. 38 ἐάν τι τούτων Schol. V: ἐάν τις Suda (praeter cod. V qui ἔτι): τούτων post spat. vac. 5 litt. Θ Barb ἔπιδίδωι τῆς Suda: ἐπιδίδωται Schol. V: ἐπιδίδοται Θ Barb 39 ἐὰν τοσοῦτον Dindorf in add. (vol. III p. 408). 40 Vgl. Pl. Euthd. 271b, Hdt. 2.13, Thuc. 8.24. 41 Vgl. Ar. Av. 1072-5, Ran. 318-20, implizit Nub. 830-1, erwähnt auch – fast sprichwörtlicherweise – bei Lysias 6.17, Κατ᾿ Ἀνδοκίδου. 42 Sch. Ran. 320, vgl. auch Suda ι 15. 32 33
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nicht zu dem Bild des Atheisten Diagoras passen kann. Wäre diese Identifizierung anzunehmen (dafür sind Sommerstein43, Jacoby44, Romer45 und Helm46), würde das bedeuten, dass Diagoras doch viel früher – also nicht 42347 sondern 430, in Athen bekannt war. Gegen die Identifizierung sind, außer den Scholien, Woodbury48 und Winiarczyk49. Meiner Meinung nach liegt Diagoras ὁ Τερθρεύς, also Diagoras der ‘Pedant’, oder der ‘Schwätzer’50, nicht so extrem weit vom Atheisten51 und könnte auf jeden Fall gut zu einem Dichter mit philosophischen Interessen passen, wie Diagoras der Melier vermutlich war, oder zumindest theoretisch gewesen sein könnte. τοῦ Τερθρέως: Aufgrund des Genitivs lässt sich nicht sagen, ob der Name, worauf sich das Wortspiel bezog, ein Patronymikon oder ein Demotikon war. Τερθρεύς Νέστο[ρος] liest man auf einem Ostrakon, das mit einiger Unsicherheit auf 471 datiert wird. Wie aber Brenne52 richtig bemerkt, geht es wohl wieder um einen Scherz oder eine Anspielung auf eine Person, die unter diesem Spottnamen ebenfalls bekannt war. Die antiken Lexika geben λεπτολογία oder φλυαρία als Synonym von τερθρεία53. Die meisten von diesen Lexika überliefern eine sicherlich interessante Ableitung des Wortes aus dem nautischen Begriff τέρθρον, erklärt als σχοινίον τι ἐν τοῖς πλοίοις λεπτόν, oder – im Plural τερθρίοι – οἱ ἔσχατοι κάλοι54, oder im Allgemeinen τό ἔσχατον καὶ ὑψηλόν55. Jacoby56 hält diese komische Etymologie für falsch und bevorzugt nicht, Τερθρέως mit τέρθρον in Verbindung zu setzen, ohne jedoch eine ausreichende Erklärung dafür zu geben. Eine etymolologische Verbindung zwischen den zwei Wörtern ist jedoch ohne Zweifel anzunehmen57 und eine inhaltliche Annäherung der zwei Bedeutungen ist wohl auch möglich zu sehen (σχοινίον λεπτόν, τὸ ἔσχατον, τὸ ὑψηλόν und τερθρεία, τερθρεύομαι: λεπτολογώ, φλυαρῶ, über angeblich wichtige, ὑψηλά, Themen schwatzen). Siehe seinen Kommentar zu Ar. Av. 1073 und Ran. 320. Jacoby 1959, 9-10 45 Romer 1994, 354. 46 Helm 1906, 379. 47 Erste Aufführung der Wolken (423), siehe Romer 1994, 353. 48 Woodbury 1965, 187: „ In the absence of positive evidence, it is prudent to accept the Scholiast’s distinction and dismiss the fragment“. 49 Winiarczyk 1979, 191-213. 50 Siehe auch nächstes Lemma. 51 Vielleicht entwickelte er sogar im Rahmen dieser pedantischen Denkweise ein starkes atheistisches Denken. 52 Brenne 2002, 69. 53 Vgl. Phot. τ 578,12, Hsch. τ 521, Suda τ 344, EM Kall. 752,48. Andere Erklärungen sind λογομαχία, ἀπάτη, φληναφία, περιέργεια, γοητεία, περιπάθεια. 54 Vgl. Sch. Ar. Eq. 440). 55 Vgl. Hsch. τ 526, Sch. (Tr.) Eq. 440. 56 Jacoby 1959, 10. 57 Siehe auch Chantraine 1980, 1107 und Frisk 1970, 789-80. 43 44
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Außerdem ist es ganz klar, dass das Wortspiel in Hermippos’ Fragment beide Bedeutungen verlangt. Im Vordergrund steht die τερθρεία, und durch diese ist er wohl mit Diagoras der Melier zu identifizieren. Das Wort Τερθρέως evoziert aber gleichzeitig die ursprüngliche Bedeutung von ἔσχατον und ὑψηλόν, die sich auf die verspottete Person beziehen, und dadurch findet das Wortspiel seine vollendete Begründung. Fragment 44 oἶσθα νῦν ὅ μοι ποίησον; τήνδε νῦν μή μοι δίδου͵ ἐκ δὲ τοῦ κέρατος αὖ μοι δὸς πιεῖν ἅπαξ μόνον. Weißt du, was du jetzt für mich tun sollst? Gib mir diese jetzt nicht, sondern gib mir nur noch ein einziges Mal wieder vom Horn zu trinken. Das Metrum ist ein trochaischer katalektischer Tetrameter. Die Szene ist wahrscheinlich symposiastisch. Einer der Gäste drückt in einem fast flehentlichen Ton seinen Wunsch aus, dass ihm nicht ein normales und anscheinend kleines Glas gegeben werde, sondern noch einmal die Erlaubnis, vom κέρας zu trinken. Man könnte vermuten, dass das Ἀμαλθείας κέρας, das Horn des Überflusses damit gemeint ist, oder, dass das Horn mit einem besonderen Wein, oder Ambrosia, gefüllt ist und der Gast, vielleicht ein auf dem Olymp eingeladener Sterblicher – und warum nicht Perikles – seinen Gastgeber bittet, ihm zu erlauben, das göttliche Getränk zu kosten. οἶσθα νῦν ὅ μοι ποίησον: Eine gebräuchliche, ohne Zweifel aus der Alltagssprache stammende Formel, die häufig in der Komödie und der Tragödie belegt ist, vgl. Ar. Eq. 1158-9, Av. 54, 80, Pax 1061, Men. Fr. 916, Eur. Cycl. 131, Hec. 225, Heracl. 451, Hel. 1233, S. OT 543. Siehe auch Kühner-Gerth Βd. I S. 239 Anm. 3 und Stevens58 für weitere Bibliographie. τήνδε νῦν: Wahrscheinlich ist das Wort κύλικα zu verstehen, eines der am häufigsten benutzten Weingefäße59. Eine zweite Möglichkeit wäre, dieses Fragment mit dem nächsten (Fr. 45) in Verbindung zu bringen, wo eine λεπαστή erwähnt wird. Meineke emendiert das zweite νῦν des Satzes zu μὲν,
Stevens 1976, 36: These are generally rhetorical questions, followed immediately by a command or entreaty to which they request attention. The corresponding English idiom would sometimes be “Now listen …”, or “I will tell you what …”. Occasionally the interrogative sense of the phrase is revived by an answer before the command is given … It seems probable that in this type of the phrase the more abrupt and emphatic imperative is substituted for a future or some periphrastic form. 59 Vgl. Pherecr. Fr. 45 Δουλοδιδάσκαλος. 58
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wohl mit Recht, zumal gleich danach ἐκ δὲ folgt60. Für das erste νῦν gibt es auch die Lesart νυν61. Das Fragment weist aber sonst keine kritische Schwierigkeit auf, weswegen eine Emendation nicht zwingend nötig ist. ἐκ δὲ τοῦ κέρατος αὖ μοι δὸς πιεῖν: Δίδωμι wird häufig im Kontext von Essen und Trinken verwendet, vgl. Hdt. 4.173: ἐκ χειρὸς διδοῖ πιεῖν, Cratin. Fr. 132 Νόμοι: χρυσίδι σπένδων γέγραφε τοῖς ὄφεσι πιεῖν διδούς, Pherecr. Fr. 75 Κοριαννώ, Ar. Fr. 208 Δαιταλῆς, Eup. Fr. 271. Ταξίαρχοι: δίδου μάσασθαι, Hegem. Fr. 1 Φιλίνη: δὸς καταφαγεῖν. Fragment 45 ἢν ἐγὼ πάθω τι τήνδε τὴν λεπαστὴν ἐκπιών τῷ Διονύσω πάντα τἀμαυτοῦ δίδωμι χρήματα Wenn mir etwas passiert, nachdem ich dieses tiefe Trinkgefäß ausgetrunken habe, gebe ich Dionysos mein ganzes Eigentum. Die zwei Verse sind eine parodische Nachahmung der juristischen Sprache, in der ein Testament geschrieben wird62. Das Metrum sind trochaische Tetrameter, genau wie in Fr. 44. Bergk hat die zwei Fragmente, ‘propter numeri et sententiae si