REINHOLD MERKELBACH
ROMAN UND MYSTERIUM IN DER ANTIKE
RE I N H O LD M E R K E LB A C H
ROMAN UND MYSTERIUM IN DER ANTIKE
C. H. BECK'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG MÜNCHEN UND BERLIN
1962
Gedruckt mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft Einband und Schutzumschlag von Arthur Schram!, München
© C.H.Bcck'sche Verlagshuchhandlung (Oscar Beck) München 1962 Druck der C. H. Beck'.schen Buchdruckerei Nördlingen Printed in Germany
KA R L MEULI in Verehrung und Dankbarkeit gewidmet
VORWORT Epos, Lyrik und Drama haben ihren Ursprung i n der Religion. Die Entstehung des antiken Romans glaubten die Gelehrten - mit Ausnahme von Karl Kerenyi - anders erklären zu können. Aber schon aus allge meinen Gründen ist wahrscheinlich, daß es mit dem Roman nicht anders steht als mit den übrigen literarischen Gattungen der Antike. Daß der Roman tatsächlich aus religiösen Wurzeln erwachsen ist, wollen wir in diesem Buch nachweisen. Die antiken Liebesromane hängen eng mit den Mysterien des sinken den Altertums zusammen, mit den Kulten der lsis, des Mithras, des Dionysos und des Sonnengottes. Die Romane werden zu Haupt quellen für diese Religionen, über die wir sonst nur wenige Zeugnisse haben. Freilich sind die Schwierigkeiten nicht gering, die sich uns bei der Erforschung dieser Kulte entgegenstellen. Es sieht zunächst so aus, als sollte der Boden des wissenschaftlich Beweisbaren verlassen werden, als gälten die Gesetze der Logik nicht mehr. Aber der erste Eindruck trügt. Das Denken der Mysterientheologen lief in festen, von der Tradition vorgegebenen Bahnen ; die mystischen Bedeutungen der Symbole und Episoden lagen im wesentlichen fest. Sicher wird mancher Leser über die einförmige Wiederkehr immer gleicher Episoden und Deutungen klagen. - Dies Buch will nur nachweisen, daß die Romane wirklich My sterientexte sind ; die Untersuchung der einzelnen Kulte muß danach neu aufgenommen werden. Viele wichtige Bemerkungen verdanke ich Walter Burkert, Ernst Köberlein und Ludwig Koenen, der auch die Korrekturen mitgelesen hat. Ihnen gilt mein herzlicher Dank. Gewidmet sei dies Buch dem Forscher, der in unserer Zeit am meisten zum Verständnis der alten Religion beigetragen hat und ein rechter Nachfahr des großen Bachofen ist. R. M.
I N HALT SVE R Z E I C H N I S XI
Abkürzungen Apuleius
1
Psyche
1
Isisdeutung des Psychemythos .
8
Imitatio Isidis . . . . . . . . .
53
Doppelsiun, Allegorie und Symbolik
55
Die Verschlüsselung des Isismythos
65
Lüge und Wahrheit
70
Charite . . . .
72
Der kluge Arzt
79
Die beiden Brüder
80
Giftmischerinnenmimus .
88
Xenophon von Ephesos . Achilleus Tatios .
.
. .
91 114
Die Historia Apollonii regis Tyri
161
Der Clemens-Roman
172
Iamblichos
178
Longus . .
192
Antonius Diogenes
225
Heliodor
234
.
.
.
·
.
Beilage I Der Seelenhymnus der Thomasakten und die Weihe Julians
299
Beilage II Die Europa des Moschos
326
Beilage III Über die Geschichte des Romans im Altertum .
333
Register
. . . . . . . . . . . . .
341
Nachweis der Tafeln und Abbildungen
346
ABKÜRZUNGEN Altheim, Literatur und Gesellschaft im ausgehenden Altertum. Halle Bruhl, Liber Pater. Paris
1948
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Dittenbergcr, 0.
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Fcstugiere, Revelation
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La· Revelation d'Hermes Trismegiste. Paris
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Hopfner, Offenbarungszauber
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Lieferung:
1926
A bkürz u n g e n
XII
Müller, lsisaretalogien Dieter Müller, Ägypten und die griechischen lsisaretalogien. Abhandl. der sächs. Akademie, phil.-hist. Klasse 53, 1 (1961) =
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The Dionysiac Mysteries of the Hellenistic and Roman
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Papyri Graecae Magicae, herausgegeben von K. Preisendanz. Leipzig
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Die hellenistischen Mysterienreligionen3. Leipzig 1927
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Hellenistische Wundererzählungen. Leipzig 1 906 Mythen und Legenden um ägyptische Gottheiten
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Rohde, Roman Der griechische Roman und seine Vorläufer3. Leipzig 1914 (zitiert nach den am Rand angegebenen Seitenzahlen der l. Auflage, 1 876). =
Rohde, Georg, Longus und die Bukolik. Rheinisches Museum 86, 1937, 23 ff. Schneider-Menzel bei Altheim s. oben unter Altheim Schott, Altägyptische Liebeslieder. Zürich 1 950 Vermaseren, Corpus Inscriptionum et Monumentorum Religionis Mithriacae I-11. Den Haag 1 956-1960 Literatur über die Isismysterien s. S. 7; über die Mysterien des Dionysos s. S. 1 93, 3; über den Seelenhymnue s. S. 299.
APU LE I U S PSYCHE
I
Psy c h e u n d Lu c i u s
Die Geschichte der Psyche steht genau i n der Mitte der Metamorpho· ;.;en des Apuleius. Die Haupthandlung des Romans erzählt das Schicksal des jungen Römers Lucius, der durch seine vorwitzige Neugier (curio s itas) 2 in einen Esel verwandelt wird. Er muß den verschiedensten Herren dienen und durchirrt die Welt. Schließlich wird er durch die Gnade der lsis von seiner Eselsgestalt befreit. Viele Mühen hat er überstanden ; schließlich haben ihn aber die Stürme des Schicksals zum Hafen des Friedens und zum Altar der Barmherzigkeit geführt.3 Er wird in die Mysterien der lsis eingeweiht. Die Befreiung von der Eselsgestalt und der Eintritt in den Dienst der lsis fallen zusammen. Der Esel ist nämlich die Verkörperung alles dessen, was der lsis feindlich ist. Er ist das Tier des Seth, des Mörders des Osiris. Die Irrfahrt des in den Esel verwandelten Lucius bei Apuleius ist eine spannende und unterhaltende Geschichte ; aber neben dieser ersten, an der Oberfläche liegenden Bedeutung liegt eine zweite, die dem Apuleius vor allem am Herzen lag. Die Eselsgestalt symbolisiert das Leben ohne lsis. Jeder, der in den Dienst der Göttin tritt, wird wie Lucius aus einem Esel in einen Menschen verwandelt. "Zieh das Fell dieses Tieres aus, das mir schon immer verhaßt war", sagt lsis.4 Die Geschichten des Lucius und der Psyche sind einander in den Grund· zügen sehr ähnlich. Lucius ist ein Diener der lsis, Psyche eine Dienerin der Venus (= Isis) . Durch Neugier (curiositas) wird Lucius zum Esel, dem der lsis verhaßten Tier. Psyche läßt sich dazu verleiten, den Ge· l iebten nachts zu betrachten. Ihre curiositas wird mit der Trennung von 1 Eine kurze Zusammenfassung der Hauptthesen dieses Kapitels habe ich im Philo logus 102, 1 958 gegeben. z Apul. XI 1 5 , 1 curiositatis improsperae sinistrum praemium reportasti. 3 Multis et variis exanclatis laboribus magnisque Fortunae tempestatibus et maximis "':tus procellis ad portum Quietis et aram Misericordiae tandem Luci venisti, sagt der lsispriester (XI 1 5 , 1 ). ·I XI 6, 2 pessimae mihique iam dudum detestabilis beluae istius corio te protinus exue. I
Merkelbach
2
Apu l e iu&
Eros bestraft. Den Irrfahrten des Lucius entsprechen die der Psyche: Lucius sucht seine wahre Gestalt, Psyche sucht Eros. In Wahrheit ist das ganze Leben des Menschen eine solche Irrfahrt. Dem Dienst des Lucius bei verschiedenen Herrn entsprechen die Prü fungen der Psyche im Dienst der Venus. Wie Psyche hat auch Lucius Schweigen gelobt.1 Die Weihe des Lucius enthält eine Reise ins Land des Todes ; Psyche steigt zu Persephone hinab. Beide sterben und werden gerettet, Lucius durch die Gnade der lsis, Psyche durch die Liebe des Eros. Am Ende der Weihe wird Lucius zum Ebenbild des Sonnengottes,2 er ist zum Gott geworden ; Psyche wird in die Gemeinschaft der Götter aufgenommen. So spiegelt sich das Schicksal des Lucius im Schicksal der Psyche, und umgekehrt. Daß die Geschichte der Psyche eine allgemeinere Be deutung haben und irgendwie das Geschick der Menschenseele darstellen müsse, ist schon oft gesagt worden. Psyche ist nun einmal nicht irgend ein beliebiger Name. Psy c h e u n d Ch a r i t e
Die Beziehungen der Psychegeschichte zu der Rahmenerzählung sind damit noch nicht erschöpft. Die Geschichte wird in einer besonderen Situation erzählt : Die Räuber, welche den Esel Lucius geraubt haben, entführen später ein junges Mädchen, Charite. Das Mädchen war gerade dabei gewesen, sich zum Hochzeitsfest zu schmücken. Sie ist untröstlich. Da erzählt ihr eine Alte, die bei den Räubern lebt, die Geschichte von Eros und Psyche. Der Esel hört zu. Nach einigen Wechselfällen gelingt es dem Bräutigam der Charite, die Räuber zu überwältigen und sein Mädchen zu befreien. Mit Charite wird auch Lucius aus der Gewalt der Räuber befreit. Charite ist also von ihrem Bräutigam getrennt worden wie Psyche von Eros. Beide bestehen Prüfungen und werden schließlich wieder mit dem Geliebten vereinigt.3 Aber auch zwischen den Schicksalen der Charite und des Lucius gibt es Beziehungen : Beide sind in die Hand der Räuber gefallen. Charite wird von den Räubern befreit, Lucius von der Eselsgestalt. Charite vereinigt sich mit dem Bräutigam, Lucius in der Mysterienweihe mit der Gottheit. 1 XI 1 1 , 3 magno silentio tegendae religionis ; 1 5 , 5 sacramento rogaberis; 2 1 , 7 magna religionis . . . silentia. 24, 5. 2 XI 24, 4 sie ad instaT Solis exornato me. Der ägyptische Name des Sol ist Horos. 3 Vgl. Reitzenstein, Das Märchen . . 18. .
3
Psych e
Diese Parallelismen gehen so ins einzelne, daß an Zufall kaum zu denken ist. Die Geschichten des Lucius, der Charite und der Psyche illustrieren sich gegenseitig. Den irdischen Erlebnissen des Lucius und der Charite entsprechen die mythischen der Psyche. Es ist ein einziges Grundthema, das uns in verschiedenen Variationen entgegentritt. Was das bedeutet, wird uns klar werden, wenn wir eine weitere Reihe von Ähnlichkeiten verfolgen : die der Psychegeschichte mit dem lomythos. Psy c h e u n d Io
Man hat längst gesehen, daß die Geschichten der Psyche und lo sich in vielen Punkten sehr ähnlich sind.l a) lo war eine Priesterin der Hera, Psyche eine ancilla der Venus.2 b) Beide werden von den Menschen verehrt, als ob sie die Göttin selber wären. c) Dies erweckt die Eifersucht der Göttinnen. d} Die Väter der lo und Psyche fragen das Apollonorakel von Deiphi (Aesch. Prom. 658) bzw. Milet um Rat. e) Träume der lo und das delphische Orakel verlangen, daß lo zur Hochzeit mit Zeus zur Wiese von Lerna komme (Aesch. Prom. 652). Das Orakel des milesischen Apoll befiehlt dem Vater der Psyche, sein Kind zur Hochzeit mit einem Drachen auf einem Fels auszu· setzen. f) Durch das Orakel gezwungen und ungern (&xwv) verstößt los Vater die Tochter. Dasselbe gilt von Psyches Vater. g) Zeus vereinigt sich in Liebe mit lo, Eros mit Psyche. Hera und Venus wissen nichts davon. h) Ein Vogel verrät der Hera die Liebschaft des Zeus, der Venus die des Eros.3 Die Liebenden werden getrennt. i} Nun verfolgt Hera die Io, Venus die Psyche . k) Io und Psyche durchwandern in langen Irrfahrten die Welt. Beide sind schwanger. I) Der lo weist Prometheus den Weg, der Psyche Pan. 1 Vgl. Helm, Neue Jahrbücher für das klassische Altertum 33, 1914, 194 und 200. Kerenyi, Roman 189. 192. 218ff. 2 Siehe die Stellen unten S. 6 5 ,2. 3 Ps. Apollodar .Bibi. li 7 fL"fJ\IUCltx\ITO' tiprxxo,. Apul. V 28. ·
I•
4
Apuleius
m) Schließlich befreit Zeus die lo von der Kuhgestalt ; Eros rettet die wie tot hingesunkene Psyche. n) Beide Heldinnen gebären ein göttliches Kind. Man sagt nicht zuviel, wenn man feststellt, daß die ganze Geschichte der lo auf Psyche übertragen worden ist. Psyche ist mit lo identisch. Nun haben die Griechen die argivische Heroine lo mit der ägyptischen Göttin lsis identifiziert.! Wenn aber Psyche mit lo identisch ist, und lo mit lsis, dann ist Psyche auch mit lsis gleichzusetzen. Hier öffnet sich eine überraschende Perspektive. Ist das Mittelstück des apuleianischen Romans ein ver schleierter lsismythos ? Die Ähnlichkeit der Geschichten des lsisdieners Lucius und der Psyche würden sich so leicht erklären :2 Irrfahrten und Rettung des Lucius ent sprechen denen seiner Göttin lsis (-Psyche) . Überhaupt sind die irdischen Irrwege des Menschen nur eine Wiederholung der Irrfahrten der lsis, und aus dem glücklichen Ende jener mythischen Irrfahrt schöpften die Mysten die Hoffnung, auch ihr Lebensweg werde glücklich enden. Psy c h e , Ve n u s u n d I s i s
Wenn Psyche eine Verkörperung der lsis ist, dann müssen auch die anderen Personen der Psyche- Geschichte ägyptische Götter sein. Wer ist Eros, der Gatte der Psyche ? Sein ägyptischer Name ist Harpokrates. Dies ist der Name des jugend lichen Horos.3 Horos ist der ägyptische Sonnengott und der Gatte der 1 Die sehr oft bezeugte Identifikation beruhte auf folgenden Entsprechungen der losage mit dem Mythos der Isis : Nach dem Tode des Osiris irrt die schwangere lsis durch die Welt, um den Leichnam des Gatten zu suchen. Sie geht dabei in Kuhgestalt (Plutarch, De Iside 39 und 52). Sie findet den toten Gatten und erweckt ihn zu neuem Leben als König der Toten. lsis gebiert den Horos, der auf der Erde die Stelle des Osiris einnimmt : Er wird König der Götter und Gatte der Isis. Er gründet Memphis (Ps. Apollod., Bibi. 1110). lo war eine Geliebte des Zens und empfing von ihm einen Sohn. Um die Gattin Hera zu täuschen, verwandelte Zens die lo in eine Kuh. Aber Hera verfolgte lo mit ihrer Eifersucht. Sie jagte die Schwangere in die Fremde. Erst nach langer Irrfahrt fand diese eine Zuflucht in Ägypten. Dort befreite Zeus sie von ihrer Kuhgestalt. Sie gebar den ägyptischen König Epaphos, den König von Memphis. 2 Auf Charite kommen wir unten S. 75ff. zurück. a Bei der Gleichsetzung von D p o� und " E p (J)� mag die Identität der Consonanten eine Rolle gespielt haben. Wie unmittelbar Horos dem Eros entsprach, sehe man aus Plut. De lside 57. T
Psych e
5
lsis, ganz wie Eros der Gatte der Psyche ist.1 Eros-Harpokrates ist auf vielen Statuetten dargestellt. Meist legt er den Finger an den Mund, die Eingeweihten an die Schweigepflicht des Mysten mahnend. 2 Dreimal mahnt Eros bei Apuleius die Psyche zum Schweigen. Aber wer ist Venus ? Ihre ägyptische Entsprechung ist doch wieder Isis ; aber wie kann lsis gleichzeitig Psy dw und Venus sein ? Hier liegt in der Tat eine Schwierigkeit. Aber bevor wir all die merkwürdigen Congruenzen als puren Zufall er klären, welche uns zu dem Schluß geführt haben, Psyche :;ei Isis, wollen wir doch etwas genauer zusehen. Wenn man nämlich erwägt, daß im ägyptischen Mythos Harpo krates der Sohn der Isis, bei Apuleius Eros (-Cupido) der Sohn der Venus ist, dann findet man erneut, daß die Rückübersetzung ins Ägyptische richtig ist. Aber wie soll man sich erklären, daß lsis bei Apuleius in zwei Gestalten erscheint ? - Daran möge man sich nicht Ahb. 1 zu sehr stoßen. Auf dem bekannten Fresco im lsistempel zu Pompei ist dargestellt, wie Isis die Io in Ägypten aufnimmt.3 Auch auf dem Bild kommt Isis doppelt vor. Ü berhaupt erscheint die Göttin j a in vielerlei Gestalt, als Demeter, Hera, Aphrodite, Persephone, Artemis, Nemesis, Tyche usw.4 Um ihre verschiedenen Aspekte zur Darstel lung zu bringen, darf der Mythos sie in zwei Personen aufspalten. Psyche, das ist die leidende Isis, mit der sich die Mysten identi fizieren, aus deren Rettung sie Hoffnung schöpfen. Venus, das ist die regina Isis, welche dem Mysten als Herrin gegenübertritt. Sie ist es, die den Lauf der Welt bestimmt. Er scheint dem Menschen manch mal wunderlich, j a feindlich ; die blinde Fortuna regiert, so sieht es aus, Tyche - auch sie eine Erscheinungsform der Isis. 5 Aber wenn der 1 Plutarch, Amat. 19 p. 764 B AtyuTC-riOI . . . vo(-tt�ouow "Epw-ra -rov �).1ov (Hin weis von L. Koenen). 2 Dies ist die einhellige Auffassung des griechisch-römischen Altertums : Catull 74, 4. Varro, de lingua Latina V 57. Ovid Metam. IX 692. Plut., De Iside 68. Damas kios, vita Isidori 107. Ausonius XVIII 29, Epigr. 25 (p. 286, 27 Peiper). Plin. nat. hist. XXXIII 3, 4 1 . 3 Pfuhl, Malerei und Zeichnung 666. Schefold, D i e pompeianische Malerei Tafel 43. 4 Isis myrionyma: Dessau 4376 a. Sammelhuch griech. Urk. aus Ägypten I 4650. Vgl. Dessau 436 1 ; 4362 una quae es omnia dea lsis. Apul. XI 5. Isidoros, Suppl. Epigr. Graec. VIII 548, 23 8n (-tOUV7J d O"U &TC(XO"(XI al {mo 'rW\1 e.&vwv O\IO(-ta�6(-tE:VCl:l .&e:at C}_).).al. Suppl. Epigr. Graec. VIII 657 Sammelhuch griech. Urk. aus Ägypten 7791. 5 Isi(s)tyche : Dittenherger-Hiller, Sylloge 1 133. Dessau 3687. Isidoros, Suppl. Epigr. Graec. 8, 548-550. Pap. Oxy. 1 380, 51. Apuleius XI 15 spielt mit der geheimen =
6
Apu lei u s
Myste seine Bahn durchlaufen hat, wird er am Ende sehen, daß Tyche nicht böse gewesen ist. Sie hat ihn geprüft, wie Venus die Psyche ; wie Lucius, hat der Mensch viel erleiden müssen. Aber am Ende hat Venus die Psyche zum Olymp emporgeführt, hat Isis den Lucius von der Esels gestalt befreit. Der Mensch erkennt, daß lsistyche ihn zum Heil geführt hat. Der lsispriester spricht im XI. Buch zu Lucius : "Die blinde Fortuna hat das Ende nicht voraussehen können ; sie hat dich zu frommem Glück geführt, indem sie dich mit den schlimmsten Mühen quälte . . . Was haben die Räuber, die wilden Tiere, das Hin- und Herirren auf rauhen Wegen, die tägliche Todesangst jener schlechten Fortuna genützt ? Jetzt bist du wirklich in den Schutz einer Fortuna aufgenommen, aber einer sehenden."1 Der wahre Name dieser "sehenden Fortuna" ist Providentia Pronoia. 2 Die Venus in der Psychegeschichte ist also jene Herrin lsis, deren Handlungen dem Menschen zunächst als Manifestationen der blinden, feindlichen, ja grausamen Tyche erscheinen, und die sich am Ende doch als gnädige Herrin und gütige Vorsehung zu erkennen gibt, welche den Menschen durch alle scheinbaren Fährnisse zum Heil führt.3 Wenn dies richtig ist, dann muß die Geschichte der Psyche bei Apu leius nähere Beziehungen zu den Mysterien der lsis haben, als man hisher gedacht hat. Dies ist auch wirklich der Fall ; wir werden es durch eine Interpretation des Psychemythos beweisen, wobei wir versuchen werden, uns auf den Standpunkt des Isismysten zu stellen. Die folgende Interpretation des Psychemythos ist nicht ohne Vorgänger. Auf S. XXXII-XXXVIII seiner Ausgabe (Leipzig 1842) hat Hildebrand den engen Zusam menhang der Psychefabel mit dem XI. Buch und den lsismysterien vertreten. Auch einige andere ältere Studien haben wichtige Erkenntnisse vorweggenommen. Ich nenne : Johann Adam Hartung, Auslegung des Mährchens von der Seele und des Identität der Fortuna mit Isis. Das Fortunaheiligtum zu Praeneste war in der Kaiser zeit praktisch ein Isisheiligtum, wie die Inschriften und das Nilmosaik zeigen. Daß in V enus zwei verschiedene göttliche Funktionen vereinigt sind, hat auch Erbse gesehen (Eranos 48, 1950, 125). Hildebrand sprach vom fatum (Ausg. S. XXXII und XXXV). 1 XI 1 5 , 2- 3 Fortunae c aecitas dum te pessimis periculis discruciat, ad religiosam istam beatitudinem improv ida produxit mali tia Quid latrone11 , quid ferae, qui d servi tium, quid asperrimorum itinerum ambages reciproc ae, quid metus mortis c oti dianae nefariae Fortunae profuit? In tutelam iam rec eptus es Fortunae sed videnti s 2 Vgl. XI 5, 4 iam tibi prov identia mea inlucescit dies salutaris. 10, 4 deae summatis auxiliaris providen tia. 1 2 , 1 deae maximae prov identia . . . Fortun am superarem. 18, 1 deae providentis adorabile beneficium. Ilp6vot<X als Name der lsis : Pap. Oxy. 1 380, 43. 3 Plotin VI 9 [ 9] 9, 2 5 ff. setzt Psyche ohne weiteres mit Aphrodite gleich, worüber man sich mit Recht gewundert hat. Wenn unsere Hypothese sich bewährt, ist die Erklärung einfach. .
•
•
.
•
•
P s yc h e
7
Mährchens von der schönen Lilie (Progr. Erfurt 1866). Adolf Zinzow, Psyche und Eros (Halle 1881), besonders S. 128-133. Heinrici, Preußische Jahrb. 90, 1897, 390ft'. La vagnini, Annali della Scuola Normale Superiore di Pisa 29, 1923 = Studi sul romanzo greco (Messina-Fircnzc 1950) 109 ff.; Erich Neumann, Apuleius, Amor und Psyche, ein Beitrag zur seelischen Entwicklung des Weiblichen (Zürich 1952). Über das wich tige Werk von Kerenyi s. unten S. 89. Vor allem sind aber die Abhandlungen von Hichard Reitzenstein zu nennen. In seinem Buch "Das Märchen von Amor und Psyche bei Apuleius" (1912) hat er gesagt (S. 21), der Mythos sei noch nicht gefunden, der den Schlüssel zur Geschichte von Eros und Psyche gebe. Er hat diesen Mythos gesucht und noch viermal über Psyche geschrieben: Eros und Psyche in der griechisch-ägyp· tischen Kleinkunst (1914); Die Göttin Psyche in der hellenistischen und frühchrist lichen Literatur (Sitz.-Ber. Heidelb. Akad. 1917, Abh. 10); Noch einmal Eros und Psyche (1930); Eros als Osiris (Nachr. Gesellsch. der Wiss. Göttingen 1930, 396 ff.). In der letzten Abhandlung sprach er von der Totenweihe des Osiris. - Die konsequenteste Mysteriendeutung des Psychemythos hat Jeanmaire in einem kleinen Vortrag "Le conte d'Amour et de Psyche" gegeben, in dem er die Geschichte des Apuleius mit den Fresken der villa dei misteri verglich. Er hat die Hauptpunkte richtig gesehen, aber noch nicht von den Iaismysterien gesprochen. -Ich habe mich bemüht, auf diejenigen Stellen älterer Abhandlungen zu verweisen, an denen schon gleiche Ansichten ver· treten worden sind. Aber ich fürchte, hier manches übersehen zu haben. Die Literatur über die Isismysterien ist groß; eine zusammenfassende Darstellung fehlt. Besonders hilfreich waren mir folgende Abhandlungen: Alföldi, A festival of lsis (Dissertationes Pannonicae II 7, Budapest-Leipzig 1937). Berreth, Studien zum laisbuch in Apuleius' Metamorphosen (Diss. Tübingen 1931). Cumont, Les Religions Orientales dans le paganisme romain. Dölger, Nilwasser und Taufwasser (Antike ·und Christentum 5, 1936, 153 ff.). Drexler, Roseher s. v. Isis. Egger, Zwei oberitalische Mystensarkophage. Mitteilungen des Deutschen Archäolog. Instituts 4,, 1951, 35-64. v. Gonzenbach, Untersuchungen zu den Knabenweihen im Iaiskult der römischen Kaiserzeit (Antiquitas Reihe 1 Band 4, Bonn 1957). Gressmann, Tod und Auferstehung des Osiris (Der alte Orient 23, 3, Leipzig 1923). Harder, Karpakrates von Chalkis und die memphitische lsispropaganda (Abhandlung der Preuß. Akad. der Wiss. 1943, philosoph.-hist. Klasse Nr. 14). Hopfner, Komm. zu Plutarch, De lside; Fantes Historiae religionis Aegyptiacae; Griechisch-ägyptischer Offenbarungszauber; Artikelserie im Archiv Orientalni (3, 1931; 7, 1935): Orientalisch-religionsgeschichtliches aus den griech. Zauberpapyri Ägyptens. Lafaye, Daremberg-Saglio s. v. Isis. Morenz, Die Zauberflöte (Münsterische Forschungen 5, Münster 1952). Nilsson, Geschichte· der griechischen Religion II. Peek, Der lsishymnus von Andros und verwandte Texte (Berlin 1930). Roeder, Roseher s. v. Usi-Re; REs. v. Horos, Isis, Sarapis. Rusch, De Serapide et Iside in Graecia cultis, Diss. Berlin 1906. Besonders viel Material zur Erklärung des Psychemythos und der Romane habe ich den Sammlungen von Hopfner entnommen. - Fraser, Two Studies on the Cult of Sarapis (Opuscula Atheniensia 3, Lund 1960) kam zu spät in meine Hand.
8
Ap u l e i u s
I s i s de u t u ng d e s Psy c h e my t h os
Wir wollen nun darlegen, in welcher Weise sich die Geschichte der Psyche auf die lsismysterien bezieht, und sprechen zu diesem Zweck die Geschichte der Psyche durch. Ein König und eine Königin hatten drei Töchter. Die jüngste war so schön, daß die Armut der menschlichen Sprache ihre Schönheit nicht genügend preisen konnte. - Die Schönheit Psyches ist göttlich ; es ist ein erster Hinweis darauf, daß die Heidin eigentlich eine Göttin ist. Die Menschen verehrten Psyche, als sei sie die Göttin Venus selbst, oder als habe die Erde eine neue Venus hervorgebracht. - Hier ist die geheime Identität der Psyche mit Vefus-Isis angedeutet. Wichtig ist auch der Gedanke, Psyche sei eine neue Venus ; er führt auf die in der ägyptischen Religion so charakteristische Lehre von der Reinkarnation der Götter in König und Priester .1 Man opfert dem Mädchen ; wenn sie morgens hervortritt,2 wird Venus angerufen. Darüber entrüstet· sich die wahre Venus und sagt (IV 30) : En rerum naturae prisca parens, en eiementarum origo initialis, en orbis totius <domina)3 alma Venus, quae cum mortali puella partiario maiestatis honore tractor . . . Wer diese Venus ist, ergibt der Vergleich mit XI 5, wo lsis von sich sagt : rerum naturae parens, elementorum omnium domina, saeculorum progenies initialis . . . Daß die beiden Göttinnen, deren Macht in fast identischenWorten beschrieben wird, zusammenfallen, ist offensichtlich. 4 Es verbirgt sich hier hinter Venus nicht nur lsistyche, sondern auch Isis-Nemesis. Nemesis ist auch eine der Erscheinungsformen der lsis ;5 als solche straft sie die Ü berheblichkeiten der Menschen. Die auf Ahb. 2 wiedergegebene Gemme zeigt die Göttin mit der in der Weise 1 Die Griechen haben diese Reinkarnationslehre offenbar mit der pythagoreischen Seelenwanderungslehre gleichgesetzt, und die hermetische Lehre von den Ketten ( cre:�pod) ist von hier zu verstehen. 2 IV 29, 4 in matutino progressu. Man denkt an die Matutinae des Isisdienstes (XI 20, 3. 22, 7. 27, 6). 3 ( domina) add.van der Vliet, vgl. X I 7, 4 orbis totius dominam (von Isis). 4 In IV 30, 2 ist vielleicht zu schreiben: Nimirum communi nominis piame nto ( con tenta) vicariae venerationis incestum sustinebo ... ? 5 Der letzte der vielen Namen, welche Isis in ihrer Selbstoffenbarung bei Ap ul. XI 5, 3 aufzählt, ist Rhamnusia, also Nemesis; dann folgt das verum nomen: Isis. Vgl. ferner P.G.M.VII 503 xup[()(,Tim�, Ne{Le:m�, 'Aap&cr-re:�()(; den Hymnus des Mesomedes an Nemesis-Tyche-Nike; die delischen Inschriften des Sosion, Priesters der Isis-Nemesis und des Sarapis (Roussel-Launey, Inscriptions de Delos 2038, 2062-63 ; Dittenhergcr, 0. G. I. 342). •
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der Nemesis erhobenen Hand ; diese Hand lüpft aber nicht das Ober gewand, wie es Nemesis sonst tut, sondern hat einen Schmetterling (Psyche) gefaßt.l Venus ruft Eros und trägt ihm auf, Psyche mit seinem Pfeil zu treffen und in Liehe zu einem nichtswürdigen Menschen zu stürzen, dem For tuna2 alle Glücksgüter genommen hat. Danach geht sie zum Meer, dessen Wellen sich sofort glätten. Die Nereiden singen und tanzen im Reigen um sie, die Tritonen begleiten sie.3 So fährt Venus zum Okea nos. - Mehr noch ahs Venus ist lsis Herrin des Meeres und der Schiffahrt. Eines ihrer großen Feste ist das im XI. Buch beschriebene navigium Isidis, die 7tAOL<X cpifcrL<X. In der lsisaretalogie von Kyme sagt sie (15) eyw Abb. 2 (\-"\ I > \ > I >f >' (\-"\ I ( 39 ) E"(W 'lTUV\IXO"O"LIX Ep"(<X eupov. IXVEfLWV XIXL\ 'lTUV\IXO"O"'YJ<; sLfLl xup[,x. (4 3 ) E"(W 7tp<Xuvw4 X<Xl XUfL<X[vw &&J..,xacr,xv. (49 ) E"(W V<XU't"LA(<X<:; •
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Im Isishymnus von Andros heißt es (152-57) :
7tpcX't"IX. a· E7tl O"EAfL<X"t"L aoupwv XOA7tW"t"tXV o&6v<XLO"L &o!Xv "t"pomv t&uve:crxov o!afL<X x,x&m7te:UOLO"<X, a<XfL<X�OfLEV<X<:; aE: &,xJ..&crcr,xc; bJXU7topoL<; EAcX"t"<XL<; eALXtXV gO""t"<XO"e: xopd,xv ßwp[aoc;6 e:uJ..o z[,x, 7tEpL7ttXAAE"t"O a· EV cppe:al .S.&fLßoc; dpe:a[,xv &Ml)TOV E7t' o&fL!XO"L 7t<X7t"t"IXLVO[cr<XL<;. Hier haben wir den Tanz der Nereiden wie bei Apuleius. Eros fliegt zur Erde hinab. Als er die Schönheit der Psyche sieht, staunt er sie an ; in Gedanken verloren, sticht er sich selbst mit dem 1 Vgl. auch Tafel IV und Abb. 5
und 7 links (S. 29 und 34).
2 Also in Wahrheit Isistyche selbst. - Hier, wie oft in den Götterszenen, finden sich
ausgesprochen komische Züge, die an Lukian und die Apocolocyntosis denken lassen. Dies widerspricht der Isisdeutung des Ganzen nicht im geringsten, denn die lächerlich �cmachten Götter sind die griechisch-römischen, die nur ein schwacher Abglanz der wahren ägyptischen Götter sind. Ferner gehört das Burleske zum Stil der aretalogi �chen Erzählung, s. unten S. 8611". 3 Einer hält ihr einen Spiegel vor: alius sub oc ulis dominae spec ulum progerit. Auch in der Isisprozession des XI. Buches werden Spiegel mitgeführt: 9, 2 mulieres . . aliae, quae nitentibus spec ulis pone tergum reversis venienti deae obvium c ommonstrarent ob srquium. 'Apul. IV 3 1 , 4 ecc e iam profundum maris sudo resedit vertic e. 5 Mehr bei Müller, Isisaretalogien 6111". 6 Mutter der Nereiden.
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Ap u l e i u s
Pfeil, den er aus dem Köcher genommen hatte, um Psyche zu tre:ff e n.1 So verlieht er sich selbst in Psyche und führt den Auftrag der Venus nicht aus.2 Da sich kein Freier um Psyche bewirbt, 3 vermutet ihr Vater den Zorn einer Gottheit und befragt das Orakel des milesischen Apoll. Der Gott antwortet : Montis in excelsi scopulo rex siste puellam ornatam mundo funerei thalami. Nec speres generum mortali stirpe creatum, sed saevum atque ferum vipereumque malum, quod pinnis volitans super aethera cuncta Jatigat jlammaque et ferro singula debilitat, quod tremit ipse Iovis quo numina terrificantur,4 fluminaque horrescunt et Stygiae tenebrae. Das Orakel ruft Psyche zur Hochzeit mit Eros. Es ist in vieler Hinsicht merkwürdig. � a· &:pLcr-re:p&: x dp 1 Vgl. P. G. M. XII 18 7tObJcrO\I �EpWTO( ... AO((J.1t(J(al)<jl6pov Xp(J(-rd-rw -r6�ov )(O(L [3€/..o <;. )(O(L 'Yux'iJv -re/..e:cro\1 TO(\JT0\1 w<; "EpWTO(. Dieser Eros will Psyche treffen (Reitzenstein, Das Märchen 80). 2 Apuleius hat diese Szene übergangen, wohl um dadurch eine spannende Wirkung hervorzubringen. Das Allgemeine ergibt sich aus V 24, 3-4; die Einzelheiten darf man aus der analogen Szene V 23, 1-3 ergänzen. Fulgentius hat die hier ergänzte Szene nicht ausgelassen (Mythol. III 6). - Die ganze Szene ließ sich allegorisch deuten, als Sturz des Göttlichen in die Materie; vgl. Corp. Herrn. I 14 und unten S. 162 (Historia Apollonii); oder man konnte auf das Erbarmen des Gottes deuten, der die Seele des Menschen retten will. - Die gnostische Lehre des Valentin (Sophia, Achamoth) hängt von dem heidnischen Mythos ah. Vgl. schon Heinrici, Preuß. Jahrb. 90, 1897, 4 11/6. 3 Eros trifft natürlich keinen Menschen mit einem Pfeil, der Liebe zu Psyche er wecken würde. 4 Die Bedeutung dieses Verses ist umstritten. Der Zens, vor dem die Götter er schrecken, ist wohl Hades; auch zujlumin a ist ja Stygia zu ergänzen. Im Griechischen mag der Vers gelautet haben: Ze:u<; -re: XO(TO(X&6vw<;,
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a) Das Orakel des Apollon giht einen Spruch, welcher genau den Wünschen des Eros entspricht. Haben die beiden Götter sich verab redet ? Davon steht nichts im Text. Man kann antworten, der Orakelgott sei eben allwissend. Die richtige Antwort dürfte anders lauten. Wie lautet der ägyptische Name des Apollon? Horos. Der ägyptische Name des Eros ist Harpokrates, der junge Horos. Die beiden Götter sind identisch.! Kein Wunder, daß das Orakel des Apollon im Dienste des Eros steht. b) Warum heißt Eros ein "giftiges Übel, das mit Flügeln durch den Äther fliegt" ? Man pflegt zu antworten : Weil Eros Flügel hat und weil seine Pfeile mit Liebesschmerz vergiftet sind. Aber später erfahren wir, daß Eros die Gestalt eines Drachen hat.2 Nun ist zwar Eros kein Drache ; aber der Ä gypter Harpokrates ist es.3 Vor allem in den Zauberpapyri wird er oft Drache genannt.4 c) Psyche wird für einen Drachen ausgesetzt wie Andromeda. Andro meda wird von dem geflügelten Helden Persens befreit ; ihr Mythos wurde als Sinnbild der unverhofften Rettung des Menschen aus größter Gefahr und als Verheißung einer Rettung der Seele durch Gott ge1 Weihinschrift aus Delos, Dittenberger-Hiller, Sylloge 1 1 3 2 �Im3L crCJl't"dpc:tL 'Acr..&p't"EL ' Acppo 3lTI)L xoct "EpCJl't"L 'Apcpoxp&TEL ' A7toMCJlVL X't"A. Inschrift von Neapel I. G. XIV 7 1 9 "Im3L ' A7toAACJlvc:t TQpov 'Ap7toxp&TI)v. Magische Gemme in Wien
(Heliotrop; C. I. G. 7045) M€yocc; T!1poc; ' A7toMCJlv 'Ap7toxp&T(1Jc;) Eul:AocToc; TWL <popouvn (Bonner, Magical Amulets 1 68). 2 V 1 7, 3 immanem colubrum multinodis voluminibus serpentem, veneno noxio colla sanguinantem hiantemque ingluvie profunda. 18, 3 venenati serpentis. 20, 3 sulcatum trahens gressum. 20, 5 serpentis. 26, 3 ingluvie voraci. 3 Phiion von Byblos, Fragm. Hist. Graec. 111 572 Drache mit Falkenkopf (Horos ist Falke). In Kanopos war Harpokrates halb als Mann dargestellt, halb als Krokodil : Catalogue of the Greek Coins in the British Museum, Alexandria and the Nomes, by R. S. Poole, 1892, S. LXVI und Tafel XVII 462. Bonner, Magical Amulets 290 (D 220). Milne, Catalogue of the Alexandrian Coins in the Ashmolean Museum (1933) nr. 657 (Tafel II). Horos als Krokodil s. Hopfner, Komm. I 102. 4 P. G. M. IV 1 637 (Anrufung des Agatho s Daimon-Helios, des Königs von Ä gypten und der ganzen Welt) m'l d 6 {Leyocc; 5cpLc;. I n IV 2427 heißt ein Drache Agathos Daimon - Harponknuphi. In XII >tOff. wird eine Ero sstatuette angerufen ; da h eißt es (89) : ev ae: 't"OLc; 7tpoc; VO't"OV fLEPEOW 3p&xCJlV d 7t't"Ep0EL37jc; . &c; y<Xp �cpuc; TijL &::A1J&docL. Ähnlich in der Anrufung des Apollon-Horos-Harpokrates II 1 1 1 ev 31: 't"OL<; 7tpoc; :Alßoc fLEpEO"L fLOpcp-J)v �XEL<; xpoxo 3dJ.ou, oup<Xv 5cpECJl<; . . . ev 31: 't"OLc; 7tpoc; &:1t1JALWTI)V fLEpEcrL 3p&xov't"oc �XELc; 7t't"Epocpu'ij. I n IV 994 hält Horos al s Attribut 3p&xonoc &:yc:t&ov !Epov 3ocl{Lovoc ; in IV 2 7 7 1 hält Orion(-Horos) als Attribut 3p& xov't"oc {Leyocv. - Man darf auch an die Uräusschlange an der Krone des ä gyptischen Königs (Inkarnation des Horos) und an die aspis erinnern, welche als Symbol der Isis im XI. Buch erwähnt wird (4, 3. 1 1 , 4), ferner an Juvenal 6, 5 3 8 argentea serpens; die Stelle bezieht sich auf den O siriskult.
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deutet.1 Noch mehr gilt dies für Psyche ; der geflügelte Gott Eros Moros wird ihr nicht den Tod, <;ondern die Unsterblichkeit bringen. d) Nach dem Orakel scheint es, als sei Psyche zu einer Totenhochzeit bestimmt, zu einem funereus thalamus.2 In Wahrheit geht sie zur Hoch zeit mit Eros. Ihr entspricht im Mysterienritual die Weine, in der der alte Mcnseh stirbt und der neue geboren Wird. Jede Weihe (n:Ae-r�) ist gleichzeitig ein Tod,3 das Brautgemach (&ci:AotfLoc;) der Mysterien ein Grab (-r&q>oc;).4 Aber wie aus diesem rituellen Tod neues Leben hervorgeht, so darf der Myste hoff� n, daß einst auch dem körperlichen Tod neues Leben folgen wird. 5 e) Psyche wird zu der Weihe durch ein Orakel gerufen. Kein Mensch darf es von sich aus wagen, zur Mysterienfeier ZU' gehen ; er muß den Ruf des Gottes abwarten. Dies schärft der lsispriester dem Lucius im XI. Buch ein (21, 6). Lucius macht drei Weihen durch ; jedesmal wird er durch ein Traumgesicht gerufen. Ob die Berufung durch ein Orakel, durch ein Traumgesicht oder wie immer erfolgt, ist dagegen gleichgültig. 6 In den kleinsten Ereignissen des täglichen Lebens kann der Myste den Fingerzeig der Göttin erkennen.7 Der Vater der Psyche gehorcht dem Orakel, wenn auch ungern. Die Brautfackeln werden entzündet, das Mädchen wird mit dem Schleier (jlammeus) geschmückt. - Auch zur Mysterienweihe wird der Initiand mit Fackeln geleitet. Die Verhüllung des Initianden durch den Schleier sieht man auf vielen Monumenten. 8 1 Vgl. unten S. 125 (Ach. Tat.). In der Basilica bei der Porta Maggiore ist die ent sprechende Sage von der Rettung der Hesione durch Herakles dargestellt. Carcopino, La basilique pythagoricienne 327 ff. 2 V gl. IV 33, 4 feralium nuptiarum. 34, 1 feralis thalami. non nuptias sed exequias. 3 Plutarch bei Stob. eclog. IV 52, 49 p. 1 089, 9 Hense 8to xcxt -ro p'ijflo<X -rwt pi)[locx-n
xcxt -ro �pyov -rwt �pywt -rou -re::Aeu-riiv xcxt -re::Ae:!cr,&o:t 1t"pocreotxe:.
4 Vgl. Kerenyi, Roman 1 74. Das Bild kommt in den meisten Romanen vor, die wir unten besprechen werden. 6 Über Tod und Wiedergeburt ist die grundlegende Darstellung von Dieterich zu vergleichen, Mithrasliturgie 1 57 ff. Das Wort renatus kommt im XI. Buch mehrfach vor (14, 2. 16, 4. 2 1 , 7) und deutet immer auf die Wiedergeburt im Mysterium. Nach der Weihe des Lucius wird dessen "geistlicher Geburtstag" gefeiert (XI 24, 4 natalem sacrum). 6 Bei Apuleius XI 5-6 erscheint lsis dem Lucius im Traum und gibt ihm ihre Weisung. Lneins faßt den Traum als oraculum auf (X 7, 1 , vgl. 13, I nocturni oraculi). 7 And1 zur Wallfahrt wird die Isisdienerin durch einen Traum gerufen : luvenal l1, 5:111 f. crcdit enim ipsius dominae se voce moneri: en animam et mentem cum qua di nurlt• loqwmlur. " EJ.,usis: Lovatellische Urne, Nilsson, Rel. II Tafel 43 , 2 = Leipoldt, Bilderatlas Ahh. 11!1 Harrison, Prolegomena 547 ; Sarkophag von Torre Nova, Leipoldt Abb.
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Die Totenhochzeit wird vorbereitet ; im ganzen Land wird ein iustitium angesagt. - Man übersetzt dies mit "Landestrauer". An sich ist das Wort doppeldeutig ; die Gerichte sind auch an Feiertagen geschlossen. Der Landestrauer der Erzählung entspricht im Kult der Feiertag, an welchem eine Weihe stattfindet. Alle profanen Geschäfte ruhen an die sem Tag. Der Kalender des Philocalus1 würde zu einem solchen Tag bemerken : dies Aegyptiacus. Die Eltern zögern, Psyche hinauszuführen ; aber Psyche geht freiwillig voran. 2 - Freiwillig3 muß der Myste zur Weihe gehen, die eine Art von Tod ist ; ad instar voluntariae mortis wird die lsisweihe gefeiert (XI 21, 7). In feierlicher Prozession (pompa) und mit Fackelgeleit führt man Psyche auf den Fels und verläßt sie. - Prozession und Fackeln he ziehen sich auf die Kulthandlung. Es erhebt sich ein leichter Wind und trägt das Mädchen ins Tal hinah.4 - Man hat längst den Sprung der Sappho vom Ieukadisehen Fels verglichen, wie er in der pythagoreischen Basilica bei der Porta Maggiore in Rom dargestellt ist.5 Von himmlischer Liehe zu Apollon ergriffen, springt die Dichterin in den Abgrund. Aber Nereiden halten einen Schleier und fangen sie auf. Es ist eine Entrückung in ein seliges Jenseits. Aber diesen Bildern haben kultische Realitäten entsprochen. Im itali schen Bacchuskult wurden die Novizen durch Versenkungsmaschinen in die Tiefe gerissen und galten als von den Göttern geraubt. 6 In der so genannten Mithrasliturgie erhält der SchülS(r des Zauberpriesters fol gende weisung (Pap. Graec. Mag. IV 5 39 ): o�e:� O'E:IXU't'OV cXVIXXOU(jl��6fLE:VOV XIX� U1te:pß1X[VOV't'IX e:L; Ü�o�, iilcr't'e: cre: aoxdv fLEO'OV 't'OU cXEpo� e:lv!X�. Ent sprechende Szenen bei Achilleus Tatios und Heliodor werden wir unten 186 ; Terracotta aus Eleusis, Leipoldt Abb. 187. Dionysoskult : Campanarelief, Cumont Rel. Or. Tafel XVI 2 = Leipoldt Abb. 1 7 1 Harrison 519 Nilsson, Dion. Myst. 89 ; Farnesina stucco Cumont Tafel XVI 1 Leipoldt Abb. 168 Harrison 520 = Nilsson, Dion. Myst. 7 9 ; Gemme des Tryphon, Leipoldt Abb. 185 Harrison 532 (Eros und Psyche) ; Glasamphora bei Cumont, Rel. Or. 202 = Lux Perpetua 2 1 1 = Nilsson, Dion. Myst. 82 ; und vor allem die "Braut" in der villa dei misteri. 1 C. I. L. I I p. 2 56 = Hopfner, Fontes 522. 2 IV 34, 6 festi no feli ces i stas nupti as obi re, festino generosum illum mari tum meum " ide re. 3 Schon von Kerenyi 175 hervorgehoben. 4 IV 35, 4 mitis aura . . vehens ; vgl. XI 23, 7 (von Lucius) per omnia vectus elementa. 5 Kerenyi, Archiv für Religionswissenschaft 24, 1 926, 70. Jeanmaire, Psyche 47 f. 6 Livius XXXIX 1 3, 1 3 raptos a dis homi nes dici, quos machina e i llig atos ex conspectu in abditos specus abripiant. Vgl. Reitzenstein, Das Märchen 26. =
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S. l51 und 256 kennenlernen ; vgl. auch den Sturz derjenigen, welche die Katahasis zu Trophonios in Lehadeia wagten (Pausan. IX 39, 11). Psyche findet sich in einem schönen Tal und entschlummert.1 Als sie erwacht, sieht sie einen Hain und eine reine Quelle.2 Neben der Quelle steht ein herrliches Haus. Man konnte gleich sehen, daß es das Haus eines Gottes war : die Decken waren aus Elfenhein und Cedernholz, die Säulen golden, die Wände des Eingangs mit silbernen Platten bedeckt, innen aus massivem Gold. Auf dem Fußhoden waren Mosaiken aus Edcbtcinen. Dreimal glücklich sind jene, die sie betreten dürfen. Psyche betritt das Haus. Dies Haus des Eros ist das Mysterienhaus ; in ihm nimmt Psyche Wohnung, wie Lucius im XI. Buch vor der Weihe eine Zelle im Tempel bezirk mietet, um sich auf die Weihe vorzubereiten (19, 1).3 Daß die Tempelwände zum Teil wirklich aus Gold und Silber waren, sehen wir aus dem Bericht des Rufin über das Serapeum zu Alexandria ( eccles. hist. XI 23) . Herr des Hauses ist Eros-Horos ; er wird in einem Zauberpapyrus angerufen : emx�XAOÜfL�XL ae -rov ev Tijt XIXA�t XOLTIJL, -rov ev -rwt 7to &etv wt otx.wt.4 Dies Mysterienhaus ist ein Abbild des glücklichen Jenseits, des Ely siums, in das der Myste zu kommen hofft. Im eleusinischen Kult zeigte man den Eingeweihten reine Orte, Wiesen, Stimmen, Reigen, heilige 1 Verkündungen und Erscheinungen.5 Wer dies sehen durfte, war glück selig; singt der homerische Demeterhymnus (480),
ilAßto� öa-rt� tSwv x.e�v' da' {mo x&6 v ' · o'LSe fLEV ß(ou -re).eu-rocv, o'LSev SE: St6aSo-rov &pxocv, 1
Vielleicht bezieht sich dies auch auf den Kult, vgl. XI 3, 1 . Die Quelle gehört zum Tempel. 3 Man darf auch an die x&:·roxm im Serapeum von Memphis erinnern. Im Serapeum zu Alexandria waren domus . . . in excelsum porrectae, in quibus hi, quos appellabant ocyve:uoVTa:� commanere soliti erant (Rufin, eccles. hist. XI 23). 4 P. G. M. XII 40; Reitzenstein, Das Märchen . . 81. Bei Apuleius (V I, 7) heißt es : . . . ut cquidem illud recte videatur ad conversationem humanam magno Iovi fabricatum caele.•tc palatium. Vielleicht sollte man den magnus Iupiter auf Sarapis-Horos deuten. 5 Plutarch bei Stob. eclog. IV 52, 49 tx 31: -rou·rou . . . -r67tot xa:-&a:pot xa:t :Ae:tf.Lwve:� f:3€1;a:VTO, cpwv.X� xa:t xopda:� xa:t O"EfLVOTI)'t'CX� &xoucr[L&:-rwv [e:p wv XCXL cpa:cr[L&:-rwv ocy(wv i: x o v -r E � · f:v a:I� 6 1ta:v-re::A-Ij� -�31J xa:t fLE:fLU1JfLEvo� f::Ae:u-&Epo� ye:yovw� xa:t Gicpe:-ro� 7te:pttwv 2
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Psyche
:-;agt Pindar (fr. 137) ; noch höher preist Sophokles die Epopten (fr. 753 Nauck) : W� -rpl.� iSA ß Lo L xei:voL ßpo-rwv, ot -rocihoc 8epx·lh:v-re� 't"EA'YJ fLOAc.ucr' e� "Ati3ou. -roi:cri3e y!Xp fl.O\/Ot� exd �ljv EO"'t"L, 't"OL � 8' &AAOLO"L mxv-r' ExEL xocxoc. Hierauf spielt Apuleius an, wenn er den Lucius felix . . . et ter beatus nennt (XI 16, 4), wenn der Priester ihn anredet 0 Luci te felicem te beatum (XI 22, 5).1 In der Psychegeschichte ist er vorsichtiger : vehe menter, iterum ac saepius beatos illos qui super gemmas et monilia calcant, sagt er. Das Wort ter beatus, dessen Mysteriensinn zu offenkundig ist. wird vermieden ; nur wer aufmerkt, erkennt es in dem saepius. Und glücklich gepriesen wird nicht der Myste, sondern derjenige, welcher den mit Edelsteinen belegten Fußhoden betritt. Das wird nur dem he schieden sein, den lsis zur Weihe gerufen hat ; aber der<11icht eingeweihte Leser wird über die Worte hinweglesen, sich vielleicht über den etwas exaltierten Ausdruck wundern und denken, er habe nichts weiter zu bedeuten. Diese absichtliche Verschleierung der Beziehungen auf den Mysterienkult wird uns noch öfters begegnen. Psyche betritt das Haus und bewundert seine Pracht. Sie kann sich frei bewegen ; nichts ist versperrt, kein Wächter hält sie ab.2 Sie genießt einen Vorgeschmack der seligen Freiheit, die den Mysten im Elysium erwartet.3 Eine Stimme mahnt sie, sich auszuruhen und dann zu baden. Psyche gehorcht. - Das Bad ist das rituelle Bad vor der Mysterien weihe ; Lucius nimmt es noch als Esel.' Dann setzt sich Psyche zu Tisch ; unsichtbare Diener bringen ein Mahl. Danach folgt ein Sologesang, Zitherspiel und ein Chorlied ; die Musikanten i:cr-re:(f>ct\/Wfl.E\10� öpytoc�e:t XTA. V gl. Kehes, Pinax 17 und 20 (pyt hagoreische Myste rien). Dion Chrysosto mo s 1 2, 3 3 e:t TL� &v8pct . . . fLUdcr11ctt 7t"ctpct8o(1J d� !J.UO"Ttx6v 'tWGt !J.UX0\1 um:p(f>ulj XOCMe:t. 1 In XI 29, 4, wo Lucius zur dritten Weihe gerufen wird, muß dieser Gedanke wohl auch hergestellt werden : exulta ter futurus, quod alii vel semel vix conceditur, teque de isto numero merito praesume ter (semper F, c o rr Leo) beatum. Durch die dritte Weihe wird Lucius -rptcr6Aßto�. 2 V 2, 2 nullo vinculo nullo claustro nullo custode totius orbis thensaurus ille munie batur. Vgl. Plutarch (oben S. 14 Anm. 5). 3 V 3 Sensit Psyche divinae providentiae beatitudinem. ' XI 1, 4 meque protinus purificandi studio marino lavacro trado septiesque summerso .fluctibus capite deam . . . adprecabar. Das siehenmalige Tauchen zeigt, daß auf ein Hitual angespielt wird. Badehäuser im Iseum zu Eretria : Papadakis, Arch. Delt. 1 , 1 9 1 5 , 1 2 9 : Nock, Conversion (Oxford 1 933 ) 294. .
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Von Stimmen und xope�IX� spricht der oben S. 14,5 zitierte Plutarchtext, welcher die eleusinische Weihe beschreibt. Daß m a n Vnrriehtungen kannte, um das Essen von unsichtbaren Die nern b ri n ge n zu lassen, ergibt sich aus dem Bericht der clementinischen Homilien iiber die Zaubereien des Sirnon Magus und aus Philostrats Ap oll o n i o l' r o m an . l Der Abend bricht herein, 2 und Psyche geht zu Bett. Mitten in der Nacht3 hört sie ein Geräusch. Psyche erschrickt und fürchtet für ihre Jungfernschaft, und schon ist der unsichtbare Gatte gekommen und macht sie zu seiner Frau. Vor dem Aufgang der Sonne enteilt er rasch. Wir wissen, der Gatte ist Eros-Horos, der ägyptische Sonnengott. Er muß die Geliebte vor Tagesanbruch verlassen, um seine Reise über den Himmel anzutreten. Diese Episode entspricht der heiligen Hochzeit (tepoc; y&.f.Loc;) der lsis mysterien.4 Unzweifelhafte Zeugnisse beweisen, daß zur Einweihung einer Novizin in den Kult der Isis die Liebesvereinigung mit dem Gott gehörte, dessen Rolle ein Priester spielte. bleiben U n l'i d l t h a r .
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a) Rufin (Eccles. hist. XI 25) erzählt von Tyrannus, einem alexandrini schen Priester des Saturn (= Kronos =Aion= Sarapis), der quasi ex responso numinis diesem oder jenem Anbeter des Gottes verkündete, seine Frau solle im Tempel übernachten. Die Männer waren froh über die gnädige Herablassung des Gottes. 5 Man schmückte die Frau - wie Psyche - und sandte sie mit Geschenken zum Tempel.6 Der Priester 1 Ho mil. li 3 2 , 2 E\1 ad1t\IOL� e:t3w:Act TCct\ITOactTCW\1 ta<:wv TCctplcrT'I)O"W, TtX E\1 o b
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Psyche
schloß sie allein ein, ging durch einen unterirdischen Gang, stellte sich hinter eine hohle Statue, die an der Wand stand, und sprach die Frau an.l Diese erzitterte vor Schreck und Freude - wie Psyche -,2 daß sie des Umgangs mit dem Gotte gewürdigt werde.3 Dann löschte der Prie ster plötzlich alle Lichter durch eine dafür konstruierte Vorrichtung und umarmte die "verdutzte"4 Frau. b) In die Regierungszeit des Tiberius fiel der Skandal um den römi schen Ritter Decius Mundus. Dieser hatte sich in die junge und schöne Paulina, die Frau eines vornehmen Mannes, verliebt. Aher alle seine Anträge wurden abgewiesen. Da bekannt war, daß Paulina eine eifrige lsisdienerin war, bestach Mundus durch eine Sklavin einen lsispriester ; dieser sagte der Paulina, Anubis befehle ihr, zu ihm zu kommen.5 Der Frau war dies hocherfreulich und sie rühmte sich vor ihren Freundinnen der Gnade des Anubis. 6 Auch ihr Mann war einverstanden. Paulina ging in den Tempel und speiste (wie Psyche) ; als es Schlafenszeit war,7 wurden die Türen des Tempels geschlossen und die Lichter gelöscht. s Mundus war im Tempel versteckt gewesen, und Paulina gab sich ihm hin, im Glauben, er sei der Gott. - Die Sache ging sehr übel aus, Mundus wurde verbannt, der ägyptische Kult in Rom verboten. Die ganze Begebenheit erklärt sich nur unter der Voraussetzung, daß auch in Rom dasselbe Ritual galt wie in Alexandria. c) Bei Plutarch haben wir sogar Reste einer theologischen Recht fertigung dieses Mysterienbrauchs. Wir werden die Stellen unten S. 144 besprechen. Die Einweihung in den Geschlechtsverkehr ist also ein Bestandteil der lsisweihe gewesen ; die Weihe war gleichzeitig eine Hochzeit.9 Wir 1 V gl. oben die unsichtbaren Stimmen, welche mit Psyche sprechen. 2 ut pavore et gaudio infelix mulier trepidaret. V gl. Apul. V 4, 2 tune (Psyche) vir·
ginitati suae pro tanta solitudine metuens et pavet et horrescit. Vgl. S. 226, 5. 3 quod dignam se tanti numinis putaret adloquio. Im Griechischen wird das doppel deutige O[J.L:Ae:rv .&e:wL gestanden haben ( Reitzenstein, Myst. Rel. 246, 3). 4 obstupefactae et constematae mulierculae. Vgl. Anm. 2. 6 Josephus, Antiq. lud. XVIII 4 (73) KE:AE:UOV't"O� w� CXU't"OV &:A.&dv, wieder die Berufung. 6 TijL 3' e:ux-ro� o A6yo� 1jv xcxt -rcxr� . . . cp(:AcxL� €ve:xcxA:Aw7tl�e:-ro TijL €1tt -rou-roL� &�LWO'E:L (dignatione) -roü 'AvoußL3o�. Auch nach der Nacht im Tempel rühmt sich Paulina der "Epiphanie" des Gottes. 7 Vgl. Apul. V 4, 1 vespera suadente concedit Psyche cubitum. 8 Josephus, Ant. XVIII 4 (74) xwpd ouv d� 't"O 't"t[J.E:VO� xcxt 3e:L1tV�O'CXO'CX w� Ö7tVOU xct�po� 1jv x:Ae:Lcr.&e:Lcrwv -rwv .&upwv . . . xcxt -r� Mxvcx tx7to3wv 1jv x-r:A. 9 Natürlich muß die heilige Hochzeit eine Individualweihe gewesen sein. Aber auch die von Lucius im XI. Buch beschriebene Weihe galt ihm allein. - Ich merke hier an, •
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werden demseihen B rauch auch i n den Dionysosmysterien begegnen. Daß viele Weihen bei primitiven Völkern ähnliche, oft viele rauhere Zeremonien enthalten, ist bekannt. Die Entrüstung des Christen Rufin ist verständlich. Nur zu leicht konnte ein solcher Brauch in wüste Orgien ausarten.1 Die Alten haben das offensichtlich mit anderen Augen angesehen. Der Mythos der Psyche ist ja sozusagen die theoretische Erklärung des Mysterienbrauchs. Wie in ihm die heilige Hochzeit dargestellt wird, so sollte das Ritual von dem Mysten verstanden werden. Wenn der moderne Betrachter gerecht urteilen will, muß er sich auf den Standpunkt stellen, welcher im Mythos vorgeschrieben wird. In ihm aber steht nichts, das man als anstößig empfindet. Voraussetzung dafür, daß diese Liebesverbindung als heilige Handlung empfunden wurde, ist, daß die lnitiandin ihren Partner als Gott, nicht als Menschen betrachtete. Deshalb ist das Geheimnis so wichtig, mit welchem die Zeremonie umgeben wird. Der Priester, welcher die Rolle des Gottes spielt, muß unsichtbar bleiben ; Psyche darf ihren Gatten nicht sehen. Der Mythos ist vorbildlich für alle Frauen, die in die My sterien der lsis aufgenommen werden ; sie lernen aus ihm, daß man das große Glück und die Hoffnungen auf ein besseres Jenseits verliert, wenn man in vorwitziger Neugier den unsichtbaren Gatten zu sehen versucht.2 daß die Legende von der Empfängnis des Augustus überraschende Ähnlichkeit mit dem Psychemythos zeigt (Sueton, Aug. 94, 4 aus den Theologumena des Ä gypters Asklepiades von Mendes ; Dio Cassius 45, 1 ) : Atia, die Mutter des Augustus, war zu einem Nachtfest in den Tempel Apollons ( des Horos) gegangen. Sie sei dort einge schlafen ; da sei eine Schlange (draco ; wie bei Apuleius) plötzlich zu ihr gekrochen und habe sie kurz darauf verlassen. Sie sei erwacht und habe sich gereinigt, wie wenn sie bei ihrem Gatten gelegen habe. Im zehnten Monat danach sei Augustus geboren und daher für einen Sohn Apollons gehalten worden. - Die ägyptische Herkunft der Le gende wird niemand in Zweifel ziehen ; und doch hat es schon in den Jahren nach Caesars Tod in Rom eine ähnliche Legende gegeben, die sich an den Mythos von Rhea Silvia und Romulus anlehnte. Dies hat Erika Sirnon in ihrer Deutung der Port landvase nachgewiesen. In den letzten Jahren Caesars und in den Jahren nach seinem Tod (etwa 44-39) wirkten in Rom die Vorstellungen von dem urrömischen Königtum des Romulus und ;.on dem orientalischen Heilskönig ( O"CilTIJP ) der die goldene Zeit heraufführt, mächtig zusammen ; s. die IV. Ecloge und Alföldi, Mus. Helv. 7/8, 1950/5 1 . Mit der Entfremdung zwischen Octavian und Antonius setzt die national-römische Reaktion ein. 1 Der Kult der Isis genoß an manchen Orten nicht den besten Ruf; die Damen der römischen Halbwelt waren der Isis ergeben, und die etwas schwüle Atmosphäre bei Achillcus Tatios ist für manche Kreise unter den Isisverehrern charakteristisch. Um so stärker hebt sich der reine Psychemythos bei Apuleius ab. 2 Es ist wohl klar geworden, daß wir es mit einem Kultbrauch zu tun haben, nicht mit dem Märchenmotiv vom unsichtbaren Gatten oder vom Tierbräutigam. Ludwig =
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Eros eröffnet der Geliebten, daß die "wilde Fortuna" ihr mit einer tödlichen Gefahr droht :1 Die Schwestern werden sie suchen. Um gar nicht erst in Gefahr zu kommen, soll Psyche sich vor ihnen verbergen. Aher Psyche bittet inständig : Da es ihr verwehrt sei, sein heiliges Ant litz zu sehen, 2 möge er ihr wenigstens den Anblick der Schwestern er lauben. Eros kann dies nicht verweigern. Aher Psyche soll nicht mit ihnen über den Gatten sprechen und nicht in frevelhafter Neugier3 ver suchen, ihn zu sehen. Wenn sie das Geheimnis bewahren kann,4 wird das Kind, welches sie trägt, unsterblich werden. Psyche gelobt zu schweigen. Mit der Nacht entschwindet der Gatte. r. Der Geweihte darf mit nie mand über die Geheimnisse der Mysterien sprechen. Daran mahnen die vielen erhaltenen Statuetten des Harpokrates, der den Finger an den Mund legt.6 Der Myste mußte völlige Verschwiegenheit geloben ; selbst den nächsten Verwandten durfte er nichts erzählen. Er war nun in eine neue Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern eingetreten ; die leih liehe Verwandtschaft mußte dagegen zurücktreten. 7 In dem auf Papy-
Friedländers Abhandlung "Das Märchen von Amor und Psyche" (Darstellungen aus der Siit:engeschichte Roms10, 1921, IV 89 ff. ; zuerst erschienen 1857) war seinerz.eit sehr verdienstlich, und die Märchenparallelen zum Psychemythos sind ganz offen kundig. Die Erklärung wird aber anders sein, als Friedländer dachte : Nicht der Psyche mythos hängt von antiken Märchen ab, sondern die ähnlichen Märchen sind als Über reste von Mythen und Riten zu deuten, die sich ursprünglich auf Initiationszeremonien bezogen haben. J acob Grimm war ganz im Recht, als er meinte, manche der von ihm und seinem Bruder gesammelten Märchen seien Zeugnisse der deutschen Mythologie. Die späteren Märchenforscher haben das für eine romantische Verirrung Grimms ge halten. Aber er hat tiefer gesehen als seine Epigonen. 1 V 5, 2 exitiabile tibi periculum minatur Fortuna saevior; V 1 1 , 3 velitatur Fortuna perfolae lupulae . . . nefarias insidias tibi comparant. Vgl. XI 15, 3 über die Verfolgung des Lucius durch die nefaria Fortuna. - Ich fasse im folgenden der Kürze halber die vier Gespräche des Eros mit Psyche in eines zusammen. 2 V 1 3 , 2 sacrosanctae imaginis tuae. Danach spricht sie Eros (d. h. den Sonnengott Horos) an als meum lumen (V 13, 5). - Daß mea lux u. dgl. auch Topoi der Liebespoesie sind, ist klar. Im Zusammenhang des Apuleius aber hat meum Iumen zusätzlich die angegebene mystische Bedeutung. 3 V 6, 6 sacrilega curiositate; V 19, 3 ; V 23, 1 ; VI 20, 5 temerariae curiositatis; VI 2 1 , 4 ; XI 1 5 , 1 curiositatis improsperae; 23, 5 temerariae curiositatis. 4 V 1 1 , 6 si texeris nostra secreta silentio. Dies Schweigen wird als religiosa continentia bezeichnet (V 1 2 , 5). 5 V 5, 4 eo simul cum nocte dilapso. 6, 10 luce proxumante de manibus uxoris evanuit. 13, 6 praevertit statim lumen nascentis diei. 19, 2 lucifugam; vgl. oben S. 16. - Ich no tiere hier noch zwei Stellen, an denen eine griechische Vorlage des Apuleius durch scheint : V 6, 9 mi marite, tuae Psychae dulcis anima = 'Yux'ij� IJiux-fJ ; 1 3 , 4 Psychae animam ('Yux'ij� IJiux-fJv) gaudio recrea. 6 Siehe oben S. 1 und 5 und Abb. 1, S. 5. 7 Psyche darf ihre Schwestern nicht mehr "Schwestern" nennen : V 1 2 , 6 quas tibi sorores appellare non licet. Vgl. V 14, 3 sorores nomine mentientes. - Die Schwestern, •
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rus erhaltenen Mysterieneid1 heißt es : e7tO!J.VU!J.CXL 8 E: xcxl. otJt; 7t[pocrxuvw .&]e:out; CJUV't"1Jp�aELV KCXL cpuJ..&. ( �e:LV 't"cX !J.E't"ot8]e:8o(Jkvcx !J.OL !J.Ucr�pLot - [ \t'\ ] > [ I 'I \ > - [ I > � e:uopxouv 't"L !J.EV e:u EL1J, e:cpw ] pxouv 't"L oe: 't" cx e:vcxv 't"Lot, e:cxv 't"L -rou-rwv e:KACX· J..] �crw. Die Schwestern der Psyche vertreten hier ganz allgemein die Nichtinitiicrten. 2 Als die Schwestern auf dem Berg die tote Schwester beweinen, hat Psyche Mitleid mit ihnen. Der Wind trägt sie zu ihr ins Tal.3 Zuerst freuenI sie sich, daß Psyche lebt ; aber bald werden sie auf ihr Glück neidisch. Sie fragen Psyche neugierig (V 8, 3) aus. Einmal sagt Psyche, ihr Gatte sei ein junger Mann, ein andermal, er habe schon graue Haare.4 Die Schwestern merken bald, daß ein Gott ihr Gemahl ist, den sie noch nie gesehen hat. Sie fürchten, daß j ener Psyche unsterblich machen werde. 5 Sie reden nun der armen Psyche ein, ihr Gatte sei ein Drache, und raten ihr, mit einem Messer sein Haupt abzuschneiden. •
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welche Psyche verlocken wollen, die Geheimnisse auszuplaudern, werden mit Sirenen verglichen (V 1 2 , 6). Psyche soll sie nicht beachten. Hier ist an Odysseus als Prototyp des wahren Mysten gedacht, der den Lockungen der Sirenen widersteht. Ü ber Odysseus s. unten S. 249 ; auch Lucius vergleicht sich ihm (IX 13, 4). Über die Symbolik des Odysseus und der Sirenen s. H. Rahner, Griechische Mythen 414 ff. ; Courcelle, Rev. Et. Anc. 46, 1 944, 65-93 ; Carcopino, De Pythagore aux apötres 192 ff. 1 Pap. Soc. It. 1 1 62 u . 1 290 ; ich werde an anderer Stelle zeigen, daß es der Eid der Isismysterien ist. Vgl. vorläufig : Annales Universitatis Saraviensis (Philosophie Lettres) 8, Saarbrücken 1959, 51 f. 2 Vgl. Jeanmairc, Psyche 48 : Ce symbolisme ii caractere religieux place volontiers ii cöte des themes qui evoquaient l'idee du salut d'autres themes, d'autres allegories qui signifiaient l'ignorance, les malheurs reserves a l'incredule (z. B. Kirche-Synagoge, kluge-törichte Jungfrauen). Vgl. auch Reitzenstein, Das Märchen 26. - Hildebrand, Ausg. S. XXXII schlug eine andere allegorische Interpretation vor : Sorores quae Psychae fuisse dicuntur, cupiditates sunt turpes et inhonestae corporisque voluptates, quae externa sua tamquam specie gratae ac formosae et dulcedine sua allicientes de· scribuntur, quaeque cum animae arctissime coniunctae sint et eandem cum ea sedem habere videantur, eius sorores apte appellantur. - Da alle symbolischen Erzählungen vieldeutig sind, schließt die eine Deutung die andere nicht aus. 8 Vom Wind heißt es in V 14, 2 nec immemor Zephyrus regalis edicti. Warum regalis ? Weil Horos König ist. 4 Man weiß bei diesem Text manchmal nicht, wie weit man in der Unterlegung eines doppelten Sinns gehen darf. Vielleicht verplaudert sich Psyche nur, damit die Ge schichte weitergeht. Vielleicht hat dieses Verplaudern aber auch einen mystischen Sinn. Horos ist nämlich jung und alt zugleich ; denn er ist mit Kronos identisch : a) Da Horos jedes Jahr neu geboren wird (am 6. Januar), erneuert er sich immer wieder und ist daher die Ewigkeit, Aion. Aion aber ist Chronos/Kronos. b) Barpakrates führt nach seinem Namen die Sichel (&p7t7j\l xp!X't"e:'i:), wie Kronos. c) Als Sonnengott ist Horos je den Morgen jung, j eden Abend alt. Vgl. P. G. M. IV 1695, Mettemichstele 38 (Roeder, Urkunden 87) und Morenz, Äg. Rel. 152 und 176, auch Martianus Capella I 76. 1 V 9, 6 deam illam deus maritus efficiet iam deam spirat mulier . Der Myste hat Anteil am Göttlichen erlangt. - Psyches Sohn wird ein infans aurens werden, •
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Nach schwerem Seelenkampf entschließt sich Psyche, dem Rat der Schwestern zu folgen. Sie bereitet alles vor. Als Eros nachts entschlafen ist, greift sie zum Messer und entzündet die Lampe. Voll Erstaunen �ieht sie die Schönheit ihres Gatten. Die blonden Haare seines goldenen Hauptes (capitis aurei) glänzen in so übermäßig blitzendem Glanz (splendore nimio fulgurante),1 daß das Licht der Lampe fast verlischt ;2 die Federn der Flügel glänzen hell (�andicant), sein Körper ist glatt und leuchtend (luculentum) . - Hier wird der Sonnengott Horos he schrieben. Von Liehe überwältigt, 3 küßt Psyche den Schlafenden. Ein Tropfen des heißen Öls fällt auf den Gott. Er erwacht und entfliegt. 4 - Psyche hat das Gebot übertreten. Die Strafe ist die Trennung von dem Gelieb ten. Aber warum erzählt der Mythos von einer Heidin, die das Ver hotene tut ? Warum führt er uns nicht eine Psyche vor, die in j eder Hinsicht dem Mysten ein Vorbild sein kann ? Hierauf gibt es mehrere Antworten, die alle richtig sind und einander nicht ausschließen. Zunächst fällt jeder Mensch in Sünde. Die Gnade des Gottes wird sie wieder vergehen ; daher muß die vorbildliche Geschichte Sünde und Vergebung vorführen . Ferner wird in solchen vorbildlichen, man könnte fast sagen p äda gogischen Geschichten ein Verbot dadurch eingeschärft, daß die Strafe für die Übertretun g dem Hörer vor Augen geführt wird . Rotkäppchen --- ----------- ---- -------
prorsus Cupido (V 14, 5). - Zu iam . . . deam spirat mulier, quae . . . ventis ipsis imperat vgl. die Selbstoffenbarung der Isis : l:yw . . &vi!J-(,)V . . :d!J-L xuplo: (Inschrift von Kyme Zeile 39 ; Peek S . 1 24). Pap. Oxy. 1 380, 237 f. cru &vi[J.wv 'TO xpcho� E:xet�. Vgl. Müller, lsisarctalogien 61-67. 1 Vgl. P. G. M. IV 635 -&eov vew'Tepov . . . ttuptv6-rp tza ; die Haare des Eros auf der Gemme Abb. 4 (S. 29) ; den Strahlenkranz des als Sol aufgeputzten Lucius, Apul. Met. XI 24, 4 palmae candidae foliis in modum radiorum prosistentibus (Sol = Horos = Eros ; Lucius trägt in der Rechten eine Fackel.) 2 Vorher hatte es geheißen, daß das Licht der Lampe beim Anblick des Gottes auf leuchtete (lumen hilaratum increbruit) und daß die frevlerische (sacrilega) Klinge hell glänzte. Von dem Sonnengott stammt alles Licht, daher erglänzt die Lampe. Das Wort sacrilegus hat nur in religiösem Zusammenhang Sinn. - Vor dem Bett liegen Pfeil und Bogen, magni dei propitia tela. " Gnädig" sind die Pfeile des Gottes, wenn sie den Menschen mit himmlischer Liebe erfüllen. 3 V 23, 3 Psyche in Amoris incidit amorem. Um des Wortspiels willen, das ver mutlich aus dem Griechischen stammt ( d� "Ep
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wird vom Wolf gefressen, denn die Kinder sollen Angst davor bekommen, allein in den Wald zu gehen. Als Demeter das eleusinische Königskind, dessen Wartung sie übernommen hat, übers Feuer hält und von allem Sterblichen reinigen will, da kommt die Mutter hinzu, sieht es und schreit auf. Das Kind fällt ins Feuer und stirbt. Diese Geschichte soll die Eltern der eleusinischen Initianden davon abhalten, bei der Weihe zusehen zu wollen ; das eleusinische Feuerritual macht unsterblich, aber wenn Unberufene zusehen, bringt es dem Initianden den Tod.1 So soll die Geschichte der Psyche den Isismysten davor warnen, das Aller· heiligste zu sehen. Schließlich scheint es, als habe die Szene mit der Lampe noch eine weitere Funktion. Sie warnt vor der Neugier. Andererseits aber ist das Anschauen des Gottes im lsismysterium ein Bestandteil der Weihe ge· wesen.2 Nocte media vidi Solern candido coruscantem lumine, sagt Lucius von sich (XI 23, 7) ; es gilt auch von Psyche : Sie hat den leuchtenden Eros-Horos nachts gesehen. Bei der heiligen Hochzeit war es verboten, den Gott zu sehen. Es folgte aber - vermutlich einige Zeit später, wie auch in der Geschichte der Psyche - eine andere Zeremonie, die den Mysten allein, [J.OVo� ·7t po� [.t6vov,3 dem Gott gegenüberstellte. Es ist denkbar, daß eine Statue gezeigt wurde ;4 manchmal dürfte ein Priester in der Rolle des Gottes aufgetreten sein. Es ist in diesem Zusammen· hang vielleicht wichtig, daß der Priester, welcher den Lucius weiht, den Namen Mithras führt (XI 22, 3) . Da Mithras Sonnengott ist, ist dies nur ein anderer Name für Sol-Horos. Vermutlich steht Mithras nur als D eckname im Apuleiustext. In dem Priester, dem irdischen Stell vertreter - oder wenn man will, einer Hypostase - des Horos, erschien 1 Es gibt mehr solche Verbotsmythen. Hätte Peleus nicht zugesehen, wie Thetis den Sohn Achills ins Feuer hielt, wäre dieser unsterblich geworden. Der Tod der Kinder der Medea muß ursprünglich einen ähnlichen Sinn gehabt haben. Die Sage von Or pheus und Eurydike verbietet, sich beim Rückweg aus dem Jenseits umzublicken ; die von Pandrosos, Aglauros und Herse verbietet, die cista mystica zu öffnen (Eur., Ion 273. Ps. Apollodor, Bibi. III 189). 2 In Eleusis war die höchste Weihe die Epoptie. Daß die eleusinischen Mysterien die Isismysterien beeinllußt haben, ist zweifellos. 8 Vgl. Cumont, Le culte egyptien et le mysticisme de Plotin, Memoires et Monu ments de Ia Fondation Eugene Piot 25, 1921/22, 77ff. ; Reitzenstein, Myst. Rel. 128. 4 Vgl. Apul. XI 1 7 , 5, wo Lueius in ekstatischer Versenkung eine Isisstatue betrach tet. Die in mehreren Repliken vorhandene Statue des schlafenden Eros könnte ur sprünglich für einen solchen Kultbrauch bestimmt gewesen sein. V gl. Mansuelli, Galleria degli Uffizi, Le Sculture I (Rom 1 958) fig. 1 07-1 1 0 und S. 141 (andere Exem plare).
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der Gott selber. Auch dem Thessalos von Tralles1 und dem Mysten der Mithrasliturgie erscheinen lebendige Götter. Psyche sieht Eros beim Schein der Lampe (lucerna). Auch dies weist darauf hin, daß sich ein Ritual in der Erzählung spiegelt : Die Lampe ist ein heiliger Gegenstand, ein Symbol der lsismysterien. Sie kommt in der lsisprozession des XI. Buches vor (10, 3) und ist auch sonst hezeugt.2 Bei der nächtlichen Weihe ist sie unentbehrlich. Indem der Myste Gott anschaut und sich in ihn versenkt, tritt er aus der Zeit heraus und erhält einen Vorgeschmack der Ewigkeit.3 Aber die Weihe dauert nur eine kurze Weile. Der Myste wird wieder vom Gott getrennt, er muß zurück ins Leben, wie Psyche. 4 Sein weiteres Leben wird eine Irrfahrt im Dienst seines Gottes sein. Erst nach der letzten Weihe, dem Tod, wird er endgültig mit Gott vereinigt werden. Für Psyche gilt dasselbe. Erst nachdem sie zu Proserpina gegangen ist, wird sie auf immer mit Eros vereinigt. Als Eros die Geliebte verlassen hat, stürzt sie sich in die Flut des nächsten Flusses. Sie will sterben ; aber der Fluß trägt sie sanft ans Ufer. - Es handelt sich um ein Tauchbad, einen Sühne- und Reini gungsritus, wie er für die lsismysterien bezeugt ist. Lucius wird vor der Weihe in ein Bad geführt, das offensichtlich im Tempelbezirk liegt. Dort wäscht er sich ab. Danach spricht der Priester die Verzeihung der Götter aus und begießt ihn mit reinem Lebenswasser.5 Das Begießen mit Lehenswasser ist auf vielen altägyptischen Denkmälern dargestellt. Das Untertauchen des Täuflings ist ein ritueller Tod ; die lsisweihe wird gefeiert ad instar voluntariae mortis et precariae salutis (x.ocpL�O!LEV'Y)� <J(i)TI) pLot�}.6 Dementsprechend will Psyche wirklich sterben ; die Ret1 Catal. Cod. astrol. gral)c. VIII 3, 134 ; 4; 253. Vgl. zuletzt Festugiere, La Reve lation d'Hermes Trismegiste I 56. 2 Berreth, Studien zum Isisbuch in Apuleius' Metamorphosen 57 ff. 3 Hildebrand S. XXXIV interpretierte : lampadem . . . symbolum esse duco, quo animaln indicatur percepisse, quo statu prius fuerit, antequam lapsa erat. 4 Als Eros entfliegt, hängt Psyche sich an sein Bein und versucht, ihn auf seinem Flug in die Höhe zu begleiten. Aber bald sinkt sie ermattet zur Erde nieder. Man darf allegorisch deuten : Solange der Mensch im Körper ist, kann er dem Höhenflug des Gottes ins Reich des reinen Geistigen nicht folgen. Aber der Gott verläßt seinen Diener nicht ganz ; nec deus amator humi iacentem deserens, heißt es (V 24, 2). 6 XI 23, l sacerdos . . . me deducit ad proximas balneas et prius sueto lavacro traditum praefatus deum veniam purissime circumrorans abluit. Dies ist ein ßcbt-rtcr[LOI: d<; &ljle:crtv a[LOI:p't"LWV. Vgl. das ägyptische Totenbuch Kap. 17, 1 1 f. (Roeder, Urkunden 241) und Peek, Griechische Versinschriften 1 1 63 = I. G. V 2, 472, Vers 10 (Hinweis von L. Koe nen). Der Ritus ist universell. Vgl. auch S. 1 5 ,4. 6 XI 2 1 , 7. Daß diese Worte mit der Taufe zusammengehören, hat Reitzenstein ge-
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tung wird i h r gctiehenkt. Von Tauchbädern i m lsiskult weiß auch Tcrtulli an (de haptismo 5, 1) : nam et sacris quibusdam per lavacrum initiantur, lsidis alicuius aut Mithrae.1 Vom Kult der Magna Mater be hauptet .J uvenal (6, 520 ff. ) , daß ihre Verehrer mitten im Winter den Tiher aufhaekten und zur Buße dreimal untertauchten. Den Sprung der Sa pp h o vom leukadischeu Fels haben wir oben herangezogen, von dionyHiHchen Taufen werden wir heim Roman des Longus sprechen. Am Ufer des Flusses, aus dem Psyche gerettet wird, sitzt Pan und lehrt gerade die Nymphe Echo ihm zu antworten. - Pan ist eine Ge stalt der dionysischen Mysterien, ein Diener des Dionysos. Bei Apuleius heißt er deus pastor (V 26) ; er ist ein ßoux6Aoc;, ein dionysischer Myste. Wir sehen ihn auf einem Fresco in der villa dei misteri, und die Ge schichte der Echo kommt auch bei Longus (III 2 3) vor. Die Verwandt schaft der Osiris- und Dionysosmysterien - der griechische Name des Dionysos ist ja Osiris - hat bewirkt, daß eine gewisse Angleichung der beiden Mysterienkulte stattgefunden hat.2 Pan vertritt hier einen My steriendiener. Er sagt zu Psyche : "Ich hin zwar ein bäurischer Schafhirt ;3 aber wenn ich richtig rate - die Weisen nennen das Walusagen -, . so bist du Iieheskrank. Versuche nicht wieder, dich selbst zu töten,4 und traure nicht mehr ;5 bete den Eros an, der der oberste der Götter ist, und ver diene ihn dir durch treuen Dienst." - Wenn der Initiand eine schwere Prüfung bestanden hat und noch voller Schrecken ist, trifft er einen Mystagogen, der ihm Mut zuspricht. Hier ist der Mystagoge sogar im Besitz der Weissagekunst (divinatio fLIXV-n:(IX) . Man darf an das merksehen (Myst. Re!. 221). precaria salus x.ccpL�OfLE'I"I) O"WTI)plcc : Reitzenstein, Myst. Rcl. 39. - Durch den rituellen Tod beim Untertauchen wird der Myste zum "Ertrunkenen" Esies-Osiris. Vgl. Hdt. II 90 und Antinoos, auch Suppl. Epigr. Graec. VIII 473/74 Peek, Griechische Versinschriften 1 897 Sammelbuch griechischer Urkunden aus Aegypten V 7540. 1 Vgl. auch de praescriptione haereticorum 40 : (diabolus) ipsas quoque res sacra mentorum divinorum idolorum mysteriis aemulatur. tingit et ipse quosdam utique cre dentes et fideles suos ; expiationem (v. I. expositionem) delietarum de lavacro repromittit. 2 Von Panen und Satyrn spricht Plutarch, De Iside 14. - Auf dem herculanensischen Bild mit der Anbetung des heiligen Wasserkrugs sieht man vorn rechts einen Rohr flötenbläser, eine Art Pan (Leipoldt Abb. 53 = Cumont, Re!. Or. Tafel VII 2 = Döl gcr, Antike und Christentum 5, 1936, Tafel 1 2). Echo wird auf der Karpokratesinschrift von Chalkis genannt, welche Harder ediert hat (s. oben S. 7). Der ägyptische Name dt's Pan ist Min. 3 upilio, cci7t6Ao�, auch ein Wort der Dionysosmysterien. ' D.-r Selbstmord ist den Mysten verboten, vgl Platon, Phaidon 62 C und unten s. 276, 1 . 6 Dies klingt an das -3-&pp�L an, welches uns später oft begegnen wird. =
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würdige Bild in der villa dei misteri erinnern, auf dem ein Satyr in eine Wasserschale blickt. Man hat es schon öfters auf eine Weissagung aus einer Schüssel gedeutet (A.exoc.VO !J.OC.V't'doc.) .1 Jedenfalls hat die Mantik in den Mysterien eine Rolle gespielt.2 Eros heißt hier deorum maximus ; es ist gleichzeitig Horos gemeint, der König der Götter. Ihn soll Psyche, ihn soll der Myste anbeten ; durch treuen Dienst soll er ihn verdienen : blandis obsequiis promerere. Die Wendung kommt noch oft vor : VI 10, 2 sagt Venus zu Psyche sedulo ministerio amores tuos promereri ; bei Lucius wird gar vierfach vom treuen Dienst an Isis gesprochen : XI 6, 7 quodsi sedulis obsequiis et religiosis ministeriis et tenacibus castimoniis numen nostrum promerueris ; 15, 5 teque iam nunc obsequio religionis nostrae dedica et ministerii iugum subi voluntarium ; 2 1 , 1 sedulum colendi frequentabam ministerium ; 22, 1 sedulum . . . obibam culturae sacrorum ministerium. Psyche dankt Pan schweigend und erweist ihm als rettendem Gott Verehrung.3 Dann beginnt' ihre Wanderschaft. Sie kommt durch die Städte ihrer Schwestern. Als diese hören, daß der unsichtbare Gatte Eros gewesen war, eilen sie zu dem Fels, von dem aus sie durch den Wind in das Tal hinabgetragen worden waren ; denn sie wollen nun selbst Ge· mahlinnen des Gottes werden. Aber diesmal ist kein Wind da, der sie trägt. Sie springen vom Fels herab in den Tod. - Im XI. Buch be· lehrt der Isispriester den Lucius darüber, daß ein Novize nur eingeweiht werden dürfe, wenn einerseits an ihn, andererseits auch an den Weihe· priester ein Zeichen der Göttin ergehe. Daher solle Lucius nicht drängen ; auch werde kein Priester ohne Geheiß der GöttinI die Weihe vollziehen, denn dies bedeutet den sicheren Tod. 4 Pausanias berichtet über ein Isisheiligtum in Griechenland (Tithorea) :5 Als einst ein Ungeweihter 1 Mudie Cook, Journ. Rom. Stud. 3, 1913, 167 ; Macchioro, Zagreus (Bari 1 920) 96 ; Jcanmaire, Psyche 37 ; Rostovtzcff, Mystic ltaly 51 ; Delatte, La catoptromancic grecque (Liege 1932) 188-202 ; Herbig, Neue Beobachtungen am Fries der Mysterien villa in Pompei (1958) 28. Diese Deutung hat j edoch Widerspruch gefunden, s. Hopf ner, Offenbarungszauber II § 272. 2 Siehe besonders Eitrem, Orakel und Mysterien am Ausgang der Antike (Albae Vi giliae Neue Folge Heft 5, Zürich 1'947). 3 V 26, 1 nulloque sermone reddito sed adorato tantum numine salutari. Das Schweigen ist im Ritual vorgeschrieben. 4 XI 2 1 , 5/6 aviditati contumaciaeque summe cavere et utramque culpam vitare ac neque vocatus morari nec non iussus festina.re deberem; nec tamen esse quemquam de suo numero tam perditae mentis vel immo destinatae mortis qui, non sibi quoque seorsum iubente domina, temerarium atque sacrilegum audeat ministerium subire noxamque letalem contrahere. 5 Paus. X 32, 1 3 o\he: f!ao8oc; l:c; -.;o &8u-.;o\l &I.AoLc; ye: � l:xd\loLc; l:a-.;l\1 o�c; li\1 cxÖ-.;� 7tpOntJ.�acxacx (dignata) Tj 'laLc; xcx/..E !llJ L a�iic; 81' t\IU7tV(W\I.
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Apul e i u s
den Tempel betrat, sah er alles voller Göttererscheinungen. Er kam zwar in die Stadt zurück und erzählte, was er gesehen hatte, starb dann aber sogleich.1 Ebenso erging es einem römischen Beamten, der es wagte, an der heiligen Kulthandlung in Koptos in Ägypten teilzuneh· men.2 Ähnliches über andere Mysterienkulte berichten Pausanias X 32, 13 (über Städte am Maeander) und Damaskios (vita Isidori 131) über Hierapolis in Phrygien. Aber selbst in Eleusis galt dies Gesetz. Aus dem Jahre 200 v. Chr. berichtet Livius XXXI 14 : Acarnanes duo iuvenes per initiorum dies non initiati templum Cereris imprudentes religionis cum cetera turba ingressi sunt. facile eos sermo prodidit absurde quaedam percunctantes, deductique ad antistites templi, cum palam esset per errorem ingressos, tamquam ob infandum scelus interfecti sunt. Inzwischen meldet eine Möve der Venus, daß ihr Sohn sich in Psyche verlieht habe. Wütend eilt die Göttin nach Hause und findet dort ihren Sohn krank im Bett liegen ; denn das Öl der Lampe hatte ihn versengt. Sie hält ihm eine lange lächerliche3 Strafrede, droht, statt seiner einen ihrer Sklaven zu adoptieren, und ruft ihre Feindin Sobrietas,4 um ihn zu züchtigen : sie soll ihm Köcher und Pfeile wegnehmen, den Bogen ent· spannen, die Fackeln löschen, ja sie soll ihn züchtigen, die Locken ab schneiden und die Flügel stutzen. - Diese Szene erinnert an die Werke der antiken Kleinkunst, welche J ahn einst besprochen hat :5 Man sieht, wie Psychen den Eros binden, ihn mit Fackeln brennen, die Pfeile zer brechen, den Bogen entspannen. Man hat versucht, diese kleinen Kunst· 1 ihid. 32, 17 xtd <:poccr[ 1t"OTe: &v{}pw7tov ou Twv xocTocßoc�v6vTwv �� TO &Bu -rov ßeß1J:I-ov Be, �vlxoc l)p xe:To � 1tup� xocle:cr{}oc�, T'!JV�xocÜToc icre:f-{}e�v ig TO &Bu t"ov l'mo 1t"OAU7tpocy· fLOcrUV'IJ� Te: xoct TOAfL'IJ�, xoc( o t mxvToc &:v&:1t:l-e:oc e:EBC::. :t-wv <:pocl vitcr{}oc�, xoct &:voccrTpe<jloc� fL� OCUTOV €� T-ljv T�{}opeocv, B�1JY1JcrcXfLe:vOV BE: & i{}e&:crocTO &:<:pe:ivoc� T-ljv <Jiux�v. 2 ibid. 32, 18 TOT& ouv TOV ' PwfLOC�OV 8� e1t"&Ti:Tp oc1t"TO Aryu1t"TOV &vBpoc !:<:p'IJ XP�fLOCcrtv &:voc1t"dcrocvToc ic; TO &BuTOV XOCTOC1t"ewjloc� 't"'ij� "Icr�Bo� TO iv K61t"TM . xoct 0 ecr7te:fL<:p{}dr; &:vecrTpe:<jle: fL� ix TOÜ &:BUTOU, a�'IJY1JcrcXfLE:VOV BE: 01t"6croc i{}e&:crocTO xoct TOÜTOV OCUTLXOC i=v{}ocv6fL1JV Te::f-e:u't"'ijcroc�. - Im Trophoniosheiligtum zu Lebadeia ist ein Mann um gekommen, der eingedrungen war, um Gold zu stehlen (Pausan. IX 39, 1 2). 8 Über das Burleske in den Götterszenen s. oben S. 9,2 und unten S. 86 ff. An unserer Stelle ist besonders deutlich, daß es alles gar nicht so ernst ist - Venus ist ja im Grunde mit Psyche identisch. 4 Griechisch �w<:ppocrUV'I), wieder ein Beleg dafür, daß ein griechischer Text zugrunde liegt. - Die allegorischen Personen (Sobrietas, Consuetudo, Sollieitudo, Tristities) hat man schon inlmer für eine allegorische Deutung der ganzen Psychegeschichte ange
fii hrt.. 6 Berichte über die Verhandlungen der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissen Hehuftmt 3, 1851, 156; vgl. auch die Vignetten in seiner Separatausgabe der apuleiani Hdum l'Hydtegeschichte, deren spätere Auflagen von Michaelis besorgt wurden. Eine
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Psyche
werke zur Rekonstruktion einer älteren Psychegeschichte zu verwerten. Das hat freilich seine Schwierigkeiten, da es den Psychemythos zwar gewiß schon in hellenistischer Zeit gegeben hat, er aber in den Details
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sehr geschwankt haben dürfte. Das Entscheidende war eben immer die Beziehung auf das MysterienrituaL In dem Ritual sind immer Züchti· gungen des Initianden vorgekommen. Wenn ein Mädchen geweiht wurde, so erzählte der zugehörige Mythos von einer Züchtigung der Psyche ;1 wenn ein junger Mann geweiht wurde, so wußte der Mythos sorgfältige Bearbeitung des archäologischen Materials ist ein dringendes Bedürfnis. Ich habe einiges zusammengestellt, vor allem nach Jahn und Waser (Roschers My thol. Lexikon 111 3237-56), ohne jede Absicht auf Vollständigkeit. Bekanntlich gibt es ein Repertorium von Collignon, Essai sur les monuments grecs et romains relatifs au mythe de Psyche. Bibliotheque des ecoles fran�aises d'Athenes et de Rome fase. II, Paris 1877. Zu Abb. 3 s. S. 28 Anm. 1 . 1 Tafel I 2 Psyche in Fußangel gefangen, mit Eros ; 3 Eros fesselt Psyche ; 4 gefan gene Psyche mit Eros ; Psyche trägt einen Karst, muß also graben, vgl. unten S. 141 (Achilleus Tatios) ; alles Gemmen (vgl. Furtwängler, Antike Gemmen 34, 28 ; 57, 12). Statue der gepeinigten Psyche im Kapitolinischen Museum (Tafel 111) und den Uffizien. Iaspis aus Florenz, Eros tritt Psyche zu Boden, reißt sie an den Haaren und sengt sie mit der Fackel : Abb. 4. Gefesselte Psyche vor Erosstatuette : Tafel II 3. Sardonyx aus Petersburg, Eros fesselt Psyche, Furtwängler 57, 14 Jahn-Michaelis 8 1 . Hierher gehören auch die Darstellungen, auf denen Eros einen Schmetterling (Psyche) versengt, z. B. Tafel II 1 und 2. Vgl. Pap. Graec. Mag. IV 1723 ff. yM<j;ov "EpcuTIX AIXfL· mi/)01: Xp1XTOUVTIX XIXOfLEV'IJV (jlAEYOVTIX T�V 'f"ux-fJv. Bei Bonner, Magical Amulets Nr. 157 fesselt Eros die Psyche wie eine Mumie ; in Nr. 161 versengt Psyche den gefesselten Eros, dahinter der Greif der Nemesis. Vgl. Bonner S. 43 Anm. 99 und S. 1 1 8-1 22, mit weiteren Nachweisen. Auf dem neuattischen Marmorkrater Chigi (Abb. 5) hält Eros, auf einem Sockel =
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A p u l e i us von
Fel-isd u n � mul Geißelung des Eros-Harpokrates durch Psyche
Isis.1 Die!'e Da nrt.ellungen sind daher für uns mehr wegen ihrer Bezie hung auf den My!'terienkult wichtig als wegen ihrer Beziehung auf eine verlorene Fal-iHung des Psychemythos ; und wenn der apuleianische Bericht in der Züchtigung des Eros mit Darstellungen der antiken Kleiukum;t übereinstimmt, so folgt daraus, daß es bei der Initiation j unger Männcr Züchtigungen (xoAcXO"ELi;) gegeben hat, wie wir entsprechende für die Mädchen noch aus der Geschichte der Psyche erschließen werden. Daß Sobrietas vor der Weihe die Herrin des Mysten war, ersieht man aus XI 3 0 ; dort nimmt Lucius vor der dritten Weihe freiwillig die Nüchternheit auf sich (spontali sobrietate) . Das Abschneiden der Locken des Eros darf man wohl als ein Ab schneiden der Horoslocke deuten, ein lnitiationszeremoniell, auf das wir unten (S. 92) zurückkommen werden.2 Die Drohung der Venus, an Stelle des Eros einen ihrer Sklaven zu adoptieren, spielt darauf an, daß j eder Myste durch die Initiation Adoptivsohn der lsis wurde. Venus eilt aus dem Haus und trifft Ceres und luno. Sie bittet die beiden, mit ihr nach Psyche zu suchen. Die Göttinnen legen ein gutes Wort für das Mädchen ein. Venus eilt weiter. - Die Szene ist sehr heiter ;3 der Kenner des Doppelsinns der ganzen Geschichte sieht ohne stehend, weinend einen Schmetterling über die Fackel. Links Nemesis, rechts Elpis ( ? ) mit Blume. Ein ganzes Compendium des Psychemythos bietet die Onyxvase zu Leningrad Abb. 6. In der Mitte ApoDon (-Horos) mit Leier, sitzend, und Artemis (-Isis) stehend, mit Hirsch. Links oben versengt Eros den Schmetterling, links unten wird Eros von einem Schmetterlingspaar gezogen. Rechts verfolgt Eros die wasserholende Psyche ; er hält in der linken die Fackel, in der Rechten den Kranz. Weiter rechts zeigt die sit zende Aphrodite auf Eros mit dem Schmetterling ; Eros hat gerade davon abgelassen ihn zu versengen. Rechts unten hat Eros Psyche an einen Baum gebunden und schießt einen Pfeil auf sie. 1 Abb. 3 Sarkophagrelief aus Rom : Eine Psyche fesselt Eros, eine andere verbrennt Köcher und Bogen. Tafel I 5-6 Gemmen, auf denen Eros in der Fußangel gefangen ist ; 7 Statuette und 8-10 Gemmen mit Fesselung des Eros ; 1 1 Gemme : Gefesselter Eros mit Karst (als fossor), daneben Psyche mit Fackel. Schmetterling fesselt Eros : Tafel II 4. Psyche bemitleidet den gefesselten Eros, Marmorgruppe aus Aphrodisias, s. W aser bei Roseher 111 3246. 2 Vgl. auch die Tonsur der Isisdiener (XI 10, 1 von den Priestern, 30, 5 von Lucius). 3 Ganz köstlich ist V 3 1 , 4 die besänftigende Rede der Göttinnen : Bedenke doch, wie a l t. dein Sohn schon ist ! Meinst du, er sei noch ein Knabe, nur weil man dir dein Alter u idrt anmerkt ? an quod aetatem portas bellule, puer tibi semper videtur ? (portas ist eine mrumd atio palmaris von Van der Vliet ; F hat unsinnig portat). Dus literarische Vorbild dieser Szene ist natürlich Apoll. Rhod. 111 Anfang. Aber im Zusammenhang des Apuleius erhält das alte Motiv einen Hintersinn, der b ei Apol
lnnin• fdrlt.
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weiteres, daß lsis hier seihdritt auftritt - Ceres und luno sind j a auch Namen der lsis - und daß die Verfolgung der Psyche durch Venus Fortuna in Wahrheit von einer Göttin ausgeht, die es gut mit Psyche
Abb. 4 Abb. 5
Abb. 6
meint und sie in den Hafen des Heils führen wird, wenn Psyche die Prüfungen besteht, welche Fortuna ihr bereitet. Inzwischen irrt Psyche auf der Erde hin und her und sucht Tag und Nacht ihren Gatten.1 - Dem entspricht im Mythos das Suchen der lsis 1 VI 1 Interea Psyche variis iactabatur discursibus, dies noctesque mariti vestigationibus (intenta suppl. V an der Vliet).
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nach ihrem G-atten Osiris, bzw. nach dem Sohn Horos.1 Diese Irrfahrt der lsis ist das mythische Vorbild der Irrfahrt des lsismysten durchs Leben. Im Mysterienkult werden die Mühen des Lebens symbolisiert durch ein Hin- und Herirren in unübersichtlichen G-ängen des Weihe hauses. Die verschiedensten Prüfungen erwarteten den Mysten, auch plötzliche Schrecken und scheinbare Lebensgefahr, aus denen er durch das Eingreifen des G-ottes oder hilfreicher G-eister gerettet wurde. Quid latrones, quid ferae, quid servitium, quid asperrimorum itinerum ambages reciprocae, quid metus mortis cotidianae nefariae Fortunae profuit ? In tutelam iam receptus es Fortunae, sed videntis. So sagt der lsispriester zu dem geretteten Lucius im XI. Buch (15, 3), und diese Worte beziehen sich nicht nur auf die G-eschichte des Lucius, sondern auf jeden Mysten. Die G-efangennahme durch Räuber, die Bedrohung durch wilde Tiere, knechtischer Dienst und Hin- und Herirren auf rauhen Wegen gehörten, wie wir noch deutlicher erkennen werden, zum WeiberituaL Bekannt ist die auf die Prüfungen der eleusinischen Mysterien bezügliche Stelle des Plutarch :2 7tAOCVIX� 't'OC 7tpW't'IX XIXt m:pLapOfl.IXt xom:i> ae:L� XIXt aLoc crx6-rou� -rw&� i57to7t-rot 7tope:'i:IXL x!Xt &-reJ..e:cr-roL, e:hiX 7tpo -roü -reJ..o u� !Xu-roü -roc ae:Lvoc 7tocv-riX, cpp(x'YJ x!Xl. -rp6fl.o� x!Xl. tapw� xiXl. &ocfl.ßo�. Vgl. schon Platon, Phai don 81 A. Auf einem steilen Berg erblickt Psyche einen Tempel der Ceres. Sie eilt hinaus und findet Sicheln und Erntegerät achtlos durcheinander geworfen. Die Schnitter hatten einfach alles liegen gelassen, als man die Arbeit wegen der großen Hitze einstellte. Psyche ordnet alles sorg fältig.3 Da tritt Ceres zu ihr. Sie ist gerührt darüber, daß die von Venus verfolgte Psyche Zeit findet, sich um etwas anderes zu kümmern als um ihre Rettung.4 In feierlichem G-ebet bittet Psyche die G-öttin um Hilfe. Aber so gern Ceres das auch tun wollte, sie darf nicht gegen den Willen der Venus handeln. - Dies ist die erste Prüfung der Psyche. Sie hat sie bestanden, und Ceres-Demeter-lsis ist ihr gnädig. Aber noch ist sie nicht gerettet,Venus-Isis-Tyche wird noch weitere Prüfungen über sie ver hängen. Das G-ebet der Psyche an Ceres ist bemerkenswert : Per ego te frugi feram tuam dexteram istam deprecor, per laetificas messium caerimonias, 1 Die Stellen hierfür s. unten S. 67. 2 Bei Stob. ecl. 52, 49 (V 1089 Hense).
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VI 2 sedulo vgl. oben S. 25 ; VI 1, 5 rite. ' de tua salute. In Wahrheit wird die trWTY)p(oc der Psyche natürlich gerade dadurch l�erht,igcführt, daß sie die ihr gestellten Aufgaben erfüllt.
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per tacita secreta cistarum et per . . . luminosarum filiae inventionum remeacula et cetera quae silentio tegit Eleusinis Atticae sacrarium . . . Die geheime Identität der Ceres-Demeter mit lsis ist deutlich. Beide sind Herrinnen der Feldfrucht und Ernte ; im Kult beider spielt die cista mystica eine große Rolle ; der luminosa inventio filiae im Kult der De meter entspricht die e:Üpe:
Psyche wandert weiter. Sie sieht im Tal ein Heiligtum der luno und glaubt, sie dürfe keinen Weg unterlassen, der ihr die Hoffnung auf eine Wendung rum Besseren (spei melioris viam) bringen könne. - Spes melior ist wieder ein Mysterienwort. Es kommt auch im XI. Buch vor, wo der lsispriester den Lucius tröstet spei melioris solaciis (21, 3). Es ist die &yoc.&� �A7tLc; der eleusinischen Mysterien,1 und sie bezieht sich nicht nur auf das Lehen auf Erden, sondern auch im Jenseits. Psyche betet zu luno : Magni Iovis germana et coniuga, . . . sive celsae Carthaginis quae te virginem . . . percolit, beatas sedes frequentas, seu prope ripas Inachi, qui te iam nuptam Tonantis et reginam deorum me morat, inclitis A rgivorum praesides moenibus, quam cunctus oriens Zygiam veneratur . . . , sis meis extremis casibus Iuno Sospita meque in tantis exanclatis laboribus2 defessam imminentis periculi metu libera. quod sciam, soles praegnatibus periclitantibus ultro subvenire. - Wieder ist das ganze Gebet so ah gefaßt, daß man es ebensogut auf luno-Hera wie auf lsis beziehen kann. Hera ist Schwester und Gemahlin des Zeus, Isis des Osiris- Sarapis.3 Wie Hera ist lsis Jungfrau (IIocp.&evoc;, K6p'Y)) 1 Dafür hat Cumont viele Belege beigebracht (Lux perpetua 401 ff.) ; vgl. unten S . 9 3 , 1. 2 Vgl. XI 1 5 , 1 multis et variis exanclatis laboribus (von Lucius). 3 Für die Gleichung Sarapis-Zeus genügt der Hinweis auf die Inschrift e:!<; Ze:u<; I:&pocm<; "HALO<; (Cumont, Rel. Or. 79), oder der Blick auf eine der Darstellungen des Sarapis im Typ des Zeus (z. B. Leipoldt Abb. 1 3 u. 1 5). - Das germana et coniuga des Apuleius nimmt Homers xocmyv1rr"fl ... (}.).ox6<; Te: auf; eines der zahlreichen Beispiele dafür, daß einer bereitstehenden literarischen Form der Griechen ein neuer Sinn unter gelegt wird, die Beziehung auf einen orientalischen Kult. - Für das ägyptische Vorbild vgl. Müller, Isisaretalogien 29 ; die Seihstoffenbarung der lsis (6) sagt yuv� xoct •
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und Mutter in einem.1 Wenn luno hier als regina deorum angerufen wird, so betet Lucius in XI 2 lsis als regina caeli an. Der luno zygia entspricht die Ehegöttin lsis, die in der Inschrift von K yme von sich sagt : (17) S:yw yuv��x� x�l. &vop� cruv�y�yov. (30) S:yw cruyyp�
&.oe yevE:.&:t.. �c; &.px!Xv &.v opl. yuv��x� cruv&.y�yov ei') -re crs:Mv�c; ,, ,, "'-� , • . r.- <:> ' <:> , L o�, 't"S:'IT<M\O-roc; �pnov epyou oex�-r�v �'t' ec;
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sucht.1 - Im lsisdienst ist Hermes-Annhis der Herold und Diener der Götter. Ein Priester mit seiner Hundskopfmaske geht in der lsis prozession des XI. Buches mit (1 1, 1) : horrendus ille superum commeator et inferum . . . Anubis, laeva caduceum gerens, dextera palmam virentem quatiens. Psyche kommt zum Palast der Venus, um sich zu stellen. Sofort eilt ihr Consuetudo entgegen, eine Dienerin, packt sie an den Haaren und schleift sie hinter sich her. Psyche wehrt sich nicht. - Der Initiand muß die Züchtigungen, die er in der Weihe überstehen muß, über sich ergehen lassen. Er darf sich nicht wehren. Daß Psyche an den Haaren gerissen wird, bezieht sich auf den Kult. Eine Gemme, auf der Eros die Psyche an den Haaren reißt und mit der Fackel sengt, haben wir oben S. 29 abgebildet. In einem Liebeszauber wurde eine Statuette verwendet, auf der Aphrodite rittlings auf Psyche sitzt und sie mit der linken Hand an den Haaren packt.2 Diese Statuette ist gemacht in Erinnerung an eine Züchtigungsart, die im Mysterien kult üblich war. Die nahe Verwandtsch aft der Zaubertexte mit den ägyp tischen Priesterbüchern braucht nicht mehr bewiesen zu werden. Psyche wird vor Venus geführt und den Dienerinnen Sollicitudo und Tristities zur Züchtigung übergeben.3 Sie geißeln das arme Mädchen und quälen es mit allen möglichen Foltern. - Hinter Venus steht hier Isis-Nemesis (vgl. oben S. 8,5) . Ihr unterstanden im Mysterienritual die Züchtigungen, welche der Initiand zur Buße für seine Sünden und Verfehlungen über sich ergehen lassen mußte.4 Ein pompeianischesWand gemälde (Tafel IV) zeigt, wie Nemesis (kenntlich an der das Gewand lüpfenden, erhobenen Hand) einen weinenden Erosknaben, der eine Hacke in der Hand trägt, wieder vor Venus führt. Er hat die Garten1 Literarisches Vorbild ist bekanntlich Moschos, "Epw<; apotrtih<J<;. 2 P. G. M. IV 1723 yM\jlov ' AcppoalTIJV 1rtmcr·d xot-&"l)fi.EV"IJV ertt 'F'uxJi<; Tij� &p �o--r c: pih xe:�pt xpot-roucr:xv 't"OU<; ßocr-rpuzou<; (das folgende Wort &votaEO"fi.EUOfi.EV"I)V hat Kerenyi, Uoman 1 94, mit Recht als verkehrte Erklärung gestrichen). - Das An-den-Haaren Reißen kam auch in den Mithrasmysterien vor. Nach Gregor von Nazianz (or. IV 89) wurde der Märtyrer Marcus, Bischof von Arethusa, von Heiden gequält, welche die ansgesuchtesten Foltern aus den Mithrasmysterien kannten : EtAxC:TO a�a. rt),ot-rc:�wv, ,;>�e:'ho xot-&' {mov6f1.wv, Twv -rp �xwv e:\::1-xe:-ro . . . fl.�"(VUfl.EV"IJ<; Tij� ottx[ou Tij<; üßpe:w<; rt:xp<X -rt0v &�lw<; iv Ml-&pou -ro�otu-rot xo),ot�Ofl.EVWV (Cumont, Textes et Mon. II 1 5 ; Kerenyi, Homan 1 28). 3 Im Pinax des Kebes 10 werden die Sünder häßlichen Frauen übergeben, die sie p;eißeln und quälen. Die Frauen heißen T�fi.wplot, Aurt"l) , ' O Mv"IJ , ' O aupf1.6<;, ' A-&uf1.[ot. 4 Hildebrand S. XXXV erklärte allegorisch : Sollicitudini et Tristitiae torquenda I raditur (sc. Psyche) i. e. summis conscientiae doloribus et contemptione, qua Venus in eam invehit, principio punitur. :;
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arheit mit der Hacke vollbracht, die eine seiner Prüfungen gewesen ist ; Venus wird nun entscheiden, was weiter mit ihm geschehen soll. Geißelung und F�h er, w{e Psyche sie ertragen muß, gehören zum RituaJ.l Sie werden uns in den anderen lsisromanen wieder begegnen.
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Ein schönes Fresco der villa dei misteri (Ahh. 9, S. 49) stellt die Geißelung einer jungen Frau dar, die in die Mysterien des Dionysos eingeweiht wird. In den Mithrasmysterien sollen die Initianden sogar zwei Tage lang gegeißelt worden sein.2 Auf einem pompeianischen Wandgemälde sieht man, wie Eroten eine gefesselte Psyche peinigen ; eine andere Psyche stemmt der Gefesselten eine Fackel gegen den Leih (Ahh. 7) . Links steht Nemesis, rechts Elpis ( ? ) mit Palmhlatt. 1 Vgl. Kerenyi, Roman 25 u. 123 ; Jeanmaire, Psyche 46.
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Mythograph Nonnos (Migne, P. G. 36, 989) im Kommentar zu Gregor von Nazianz (or. IV 89) Kap. 6 Cumont, Textes et Monuments II 27. - Peinigungen gdtörtcn zum Weiberitual vieler Initiationen. Ich nenne nur die Geißelung der spar1 a u i s e hcn Epheben beim Fest der Artemis Orthia. Auf pythagoreische Mystericn scheint �i,·h Kcbes, Pinax 10 zu beziehen. Vgl. ferner Horazens Gebet an Isis (Carm. 111 26) r<'JI,irm sniJlimi jlagello tange Chloen. - Plut., De lside 26 (nach Xenokrates, fr. 25 Heinze) �pri .. ht von Schlägen an Festtagen in einem Zusammenhang, in dem nur die Myste ril'lt d l'r Ikmctcr gemeint sein können. =
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Nach der Folterung wird Psyche wieder vor Venus geführt. Diese fährt auf sie los, reißt ihr das Kleid in Stücke, reißt sie an den Haaren und schlägt ihren Kopf. - Daß der lsisdienerin das Kleid zerrissen wird und daß sie Ohrfeigen bekommt, werden wir in den anderen Ro manen wiederfinden. Es ist wieder ein Zug des Rituals : Der Weihe gehen Buße und Züchtigung voran. V enus sagt : "Du scheinst mir ein so häßliches Mädchen, daß du dir nur durch fleißigen Dienst deinen Geliebten verdienen kannst. Jetzt werde ich erproben, ob du tüchtig bist." Es folgen die vier Aufgaben der Psy che. sedulo ministerio amores1 tuos promereri heißt es ; auf die wört lichen Parallelen im XI. Buch haben wir oben S. 25 hin gewiesen. Den Aufgaben der Psyche ,!:Jntsprechen im Kult Prüfungen, die der Initiand bestehen muß. Die Aufgaben werden teils durch Helfer vollbracht wer den, teils durch die Befolgung guten Rates. Im Kult gibt den guten Rat der Mystagoge ;2 daß die Rolle des Mysten im wesentlichen passiv ist, ist bekannt. "Nicht lernen müssen die Initianden, sondern erleiden", sagt Aristoteles. 3 V enus schüttet Weizen, Gerste, Hirse, Mohnkörner, Erbsen, Linsen und Bohnen aufeinander und vermischt alles. Psyche muß die einzelnen Fruchtarten wieder voneinander sondern.. Die Aufgabe scheint unlös bar ; da kommen Ameisen gelaufen und sondern die Kerne in verschie dene Haufen. - Es ist die Aufgabe Aschenputtels. Wie sie im Kult zur Darstellung gebracht wurde, weiß ich nicht. Vielleicht hängt diese Auf gabe mit der Panspermie zusammen, jener Mischung aller Frucht arten, die in Eleusis in einem rituellen Heiltrunk getrunken wurde. 4 Ein Mädchen (manchmal eingeschlafen) vor einem K orb, Ameise und Adler mit Kranz finden sich auf mehreren Gemmen (s. Tafel II 5). Die früher allgemein geltende, von Furtwängler (Antike Gemmen 111 293) -
1 VI 1 0,2 : Überliefert ist amatores, aber der Plural würde aus Psyche eine gewöhn liche Dirne machen und widerspricht gänzlich dem Sinn der Erzählung. Ich nehme daher an, daß Apuleius geschrieben hat amores und daß ein Abschreiber das "ver deutlichen" wollte und amatores einsetzte. 2 Bei Kebes (Pinax 4 und 30-32 ; vgl. 16) spricht ein Daimon(ion) den ins Leben Tretenden Mut zu (!hxppdv, s. unten S. 100, 4) und gibt ihnen guten Rat. Im Kult ent spricht ihm der Mystagoge. 3 Synesios Dio 8 p. 48 A Aristot. fr. 15 Rose (p. 79 Walzer, p. 84 Ross) ' ApLcrTOT�A"I)c; ci:�wi: Touc; Te:AOUfJ.evouc; ou fL<X&dv n lldv ci:AJ.ci: 1t<X&dv r.od llLocTe:&7jvc:u. Vgl. Ach. Tat. V 23, 6 (unten S. 143). 4 Erstes Zeugnis ist Hymn. Dem. 207-1 1 (Kykeon) ; vgl. etwa Mannhardt, Antike Wald- und Feldkulte 167. 216. 226ff. 248 ff. Mit unserer Stelle wurde der Brauch ver glichen von Kerenyi (Roman 193) und Jeanmaire (Psyche 46). =
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bestrittene Deutung auf Psyche halte ich für sicher, da Ameise und Adler nu� · in der Psychegeschichte eine Rolle spielen.1 Der Kranz ist das Ehrenzeichen des Mysten (Apul. XI 24, 4) . Die Ameisen heißen bei ..... Apuleius terrae omniparentis agiles alumnae. Wer die Allgebärende ist, ersehe man aus XI ll, 2 bos, omniparentis deae fecundum simulacrum. Voll Erstaunen sieht Venus bei der Heimkehr, daß Psyche die Auf gabe gelöst hat. Sie wirft ihr als Speise ein Stück gewöhnliches Brot vor. Dann geht sie schlafen. Eros wird in strengem Gewahrsam gehalten. damit er nicht zur Geliebten kommen kann. So verbringen die Liehen· den die Nacht unter einem Dach und sind doch getrennt. - Das Brot essen bezieht sich vermutlich auf ein rituelles Mahl, s. unten S. 4 7. Die Trennung der Liebenden, die im seihen Haus in verschiedenen Räu men eingesperrt sind, wird uns noch oft begegnen. Sie wird auch zum Ritual gehört haben. 2 Als zweite Aufgabe soll Psyche die goldene Wolle der frei weidenden, wilden und giftigen Sonnenschafe3 holen. Dies scheint so schwer, daß Psyche sich in den Fluß stürzen will, um zu sterben. Da beginnt das Schilf, von Gott inspiriert (divinitus inspirata), zu sprechen. Psyche soll das heilige Wasser des Flusses nicht durch den Tod beflecken. Gegen Abend, wenn die Schafe ermüdet sind, kann sie die Wollflocken vom Laub des angrenzenden Haines ohne Gefahr abstreifen. Psyche befolgt den Rat und bringt abends der Herrin die goldene Wolle. - Die Aufgabe bedeutet schon einen virtuellen Tod : Psyche will sich in den Fluß stürzen. Aber da kommt guter Rat von der Binse, dem heiligen Gewächs des Nils. Nach Plutarch (De Iside 36) symbolisiert die Binse den König von Ä gypten.4 Die Binse ist also ein Vertreter des Horos ; 1 Es ist freilich bei manchen Gemmen zweifelhaft, ob Psyche oder Rhea Silvia oder Atia (s. oben S. 1 8 , 0) gemeint ist, da die drei Legenden ineinander übergehen. Wie Psyche von Eros im Schlaf zu seiner Frau gemacht wird, so Rhea Silvia (die Mutter des Romulus) von Mars, so Atia (die Mutter des Augustus) von Apollon. Für einige Gemmen hat Alföldi die Deutung auf Rhea Silvia sicherstellen können, da die Frau eine phrygische Mütze trägt (Die trojanischen Urahnen der Römer, Basel 1957, 1 3 u n d Tafel V I I 4 u n d 5 ; vgl. schon Mus. Helv. 7, 1950, 2 ff.). 2 Ü ber Keuschheitszeiten im Isiskult vgl. Tibull I 3, 26 ; Properz II 28, 62. 33, 1 ; IV 5 , 34 ; Ovid, Am. I 8, 74 ; 111 9, 33f. ; Tertullian, de ieiunio 2 (Vergleich mit den Xero phagien der Christen) ; unten S. 104 und 1 3 2 f. 3 Apuleius sagt nicht ausdrücklich, daß es Sonnenschafe sind ; es ist aber nach dem Zu sammenhang nicht anders möglich. Vgl. Fulgentius Mythol. III 6 p. 68, 18 Helm (Solis armenta). 4 Gcnaucr gesprochen ist die Binse das Symbol von Oberägypten, die Biene von Untcriigypten. Hopfner, Komm. II 167. - In Dendera wird der heilige Korb für den Kopf des Osiris aus Binsen gemacht (Brugsch, Zeitschr. für ägypt. Sprache 19, 1881 , 91).
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jedenfalls ist sie von diesem Gott inspiriert. Danach wird man die sanctae aquae des Flusses auf den Nil deuten dürfen ; im griechisch römischen Ku�t konnte jedes andere Gewässer den Nil vertreten. Die aus dem Schilf kommende Stimme ließ sich im Mysterienhaus leicht darstellen.! Sie lehrt die Psyche ihr Heil (salutem) . Im übrigen ist es eine häufige lnitiationsprobe, daß der Held einen goldenen, all'o wunder baren Gegenstand erringen muß : Man denke an das goldene Vließ und an den ramus aureus, den Aeneas brechen muß und dem Frazer sein berühmtes Werk gewidmet hat.2 Noch schwerer ist die dritte Aufgabe : Psyche muß in emer Urne (urnula) das eiskalte Wasser der Styx holen, das auf der Höhe eines steilen Berges entspringt. Es wird von Drachen bewacht ; es ist hoch heilig und tödlich zugleich (sanctissimi nec minus truculenti fontis) . Das Wasser selbst ist sprachbegabt ; " Geh weg" und "Vorsicht" und "Flieh" und "Du mußt sterben" ruft es dem armen Mädchen zu. Aber die gute Vorsehung hilft.3 Der Adler, der Vogel des Zeus, der einst den Gany med in den Himmel getragen hatte, nimmt Psyche die Urne ab, fliegt an den Drachen vorbei, holt das Wasser und bringt es dem Mädchen. Froh eilt sie damit zu Venus. Die Stimmen, welche das mutige Mädchen verscheuchen wollen, müssen im Mysterium dargestellt worden sein. Das hat schon Thor . lacius4 gesehen : Cum ad terrendam Psychen, quae aquam ex Cocyti fonte petitum iverat, nunc saxum immani magnitudine, nunc vigiles dracones, nunc vocales aquas conspirasse; cum hos inprimis clamores ipsi ohlatos fuisse lego (Met. VI 14, 5) : discede, quid facis ? vide, quid agis ? cave, fuge, peribis, videre mihi videor et audire hominem initian dum, per mysticos maeandros ductitatum variaque terriculamenta, quo rum dramatica repraesentatio graves in eius animo aculeos relinquere deberet. 1 Das Schilf heißt harundo humana. 2 Daß beide Mythen mit einem Initiationsritual zusammenhängen, ist wohl klar.
Vgl. Jeanmaire, Psyche 47 ; auch Mus. Helv. 18, 1961, 86-90. 3 Hier schimmert wieder die griechische Vorlage durch : Nec providentiae bonae graves oculos innocentis animae ('YYX H �) latuit aerumna. Ebensogut hätte Apuleius über setzen können innocentis Psychae. Der Doppelsinn war im Lateinischen nur annähernd wiederzugeben. - Ferner ist in VI 15, 6 aquila mit der maskulinen Form commenlus konstruiert. Im Griechischen hieß es &E-r6c; ; Apuleius hat den Genus-Wechsel nicht beachtet (Helm, Neue Jahrbücher 33, 1914, 179). 4 Proinsiones et opuscula Academica I, Havniae 1 806, 371 ; zitiert von Hildebrandt, Ausg. S. XXXVII. Von Stimmen bei der Mysterienweihe spricht Dion Chrysost. 12, 33 .
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Die Szene ist i n einem Fresco i n der Aula lsiaca des Caligula auf dem Kapitol dargestellt worden (Tafel V) . Im Zentrum des Bildes gießt ein schwebender Adler Wasser aus einem Krug, den er in den Klauen hält.1 Dieses W asscr wird von einem Mädchen in einem anderen Krug auf gefangen. Das Mädchen hat keine Flügel ; aber es ist offensichtlich Psyche gemeint. Links ist ein Tempel, vor dem ein Gott sitzt ; da zwei Pfeile danebenliegen, ist Eros dargestellt. Neben ihm steht eine Göttin (Venus-lsis), die aufgeregt auf das Wunder weist.2 Rechts sieht man einen j ungen Gott, der Psyche wohl irgendwie geholfen hat, vielleicht Her mes. - Die Darstellung stimmt nicht vollständig mit der des Apuleius überein. Aber wir haben gelernt, daß der Kult hier das Primäre ist. Er war veränderlich, und folglich konnte der zugehörige Mythos in De tails abweichen, wenn nur der entscheidende Punkt richtig zur Dar stellung gehracht wurde. Das ist hier das Wasserholen und die Lösung der scheinbar unerfüllbaren Aufgabe durch wunderbare göttliche Hilfe. Wer das Wasser der Styx holen will, muß in die Unterwelt .hinab steigen ;3 die Aufgabe ist tödlich (letalis) ; das Wasser zu berühren bringt den Tod. Aber dieses Wasser ist gleichzeitig das Wasser des Lebens.4 Im lsiskult ist es das heilige Nilwasser. Es spielte dort eine sehr große Rolle.5 Wir sehen z. B. auf einem bekannten Fresco aus Herculaneum, wie ein weißgekleideter lsispriester aus dem Tempel tritt und den an dächtigen Gläubigen die Urne mit dem heiligen Wasser präsentiert.6 Der Priester faßt das heilig-gefährliche Gefäß nur mit verhüllten Hän den an. Dasselbe gilt von dem Priester, der die Urne auf_ dem vaticani schen Isisrelief7 trägt. Im XI. ßuch wird der Priester mit der Urne so beschrieben (11, 3) : Gerebat alius felici suo grernio surnrni nurninis vene randarn effigiern, non pecoris non avis non ferae ac ne horninis quidern ipsius consirnilern, sed sollerti repertu8 etiarn ipsa novitate reverendarn, altioris utcurnque et rnagno silentio tegendae religionis argurnenturn inef1 Vgl . auch die Gemmen Tafel II 5 und I 1 .
Ähnlich ist die Haltung der auf Abb. 6 ( S . 29) rechts sitzenden Göttin (Aphrodite-Isis). Auch der Kokytos wird genannt (VI 13, 4). t Rohde, Psyche II 390 Anm. Friedländer, Sittengeschichte10 IV 1 14. 5 Vgl. Dölger, Antike u. Christentum 5, 1936, 153 ff. • V gl. oben s. 24, 2. - Porphyrio s, De abstinentia IV 9 ö8wp 8& XIXL 7rup ae ßov · T<XL !L
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Lcipoldt Abb. 56 = Cumont, Rel. Or. Tafel VIII I = Nilsson Rel. II Tafel lO, 1. Vgl. auch Anubis mit der Wasserfiasche, Cumont Rel. or. Tafel VI. 8 e:u p e ae: L.
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fabile, sed ad istum plane modum fulgente auro .figuratum : urnula faber rime cavata etc. Man ist sich darüber einig, daß der unaussprechbare Inhalt der Urne das :Nilwassen, war, das mit Osiris identisch war.1 Das Wiederfinden des Osiris geschah am Tag der Nilschwelle, dem ägyptischen Neuj ahrstag.2 Man stellte die e:Öpe:crLc; mimisch dar, indem man feier lich das Nilwasser schöpfte (Plut., De Iside 12 u. 39) . Dieses heilige Wasser wurde zu gewissen Gelegenheiten im Tempel gespendet.3 So holt im XI. Buch der Priester aus dem Allerheiligsten des Tempels das " Quellwasser" und spendet es : de penetrali fontem petitum spondeo4 libat (20, 4) . Ein ganz ähnliches Ritual muß der Erzählung vom Wasser holen der Psyche entsprechen. Daß Psyches Wasserholen in der Weihe zur Darstellung gehracht wurde, zeigen auch Terracottastatuetten. Einmal trägt Psyche die Flasche,5 ein anderes Mal Eros.6 Das Wechseln ist, ebenso wie bei der Geißelung, aus dem Kult zu erklären : Wenn ein Mädchen geweiht wurde, mußte Psyche das Wasser holen, wenn ein Mann, wurde die Auf gabe dem Eros gestellt. Auf anderen Terracotten ist dargestellt, wie Eros und Psyche sich umarmen ; in der linken Hand trägt Psyche die Flasche. 7 "Dadurch, daß sie das Gefäß bringt, hat Psyche sich die Wie dervereinigung mit Eros erworben" (Reitzenstein, Kleinkunst 7) . Auch Lucius muß bei seiner Weihe das Styxwasser geholt haben, das von Drachen bewacht wurde.. Er ,trä� nämlich ein Gewand, das mit
1 V gl. z. B. Plutarch, de I side 32 Ne:Thov e:!viXL -rov "Ocrtptv. 33 xoU.o\icrt . . . "OcrtpLv (LEV c!ml..w t; &n:IXO'IXV -ri]v uypon:otov:apxi]v XIXl 8UVIX!J.LV. 36 oö (LOVOV 8E 'I"OV Ne:Thov, cXAAcX n;ä.v uypov cX71:AWt; ' Ocrlpt8ot; an;oppoi]v XIXAOUO'L. Pap. Graec. Mag. XII 233 eyoo e:l!J.L "OcrtpLt; b xoU.oÖ(Le:vot; ß8oop. Hippolyto s refutatio V 23 "OaLpLv 8E Myoucrtv ß8oop. Origenes in Celsum V 38 (Le:TIXAIX(Lßocvoucrtv -rov "Ocrtptv e:lt; ß8oop. Heliodor IX 9. Porphyrios bei Euseb, praep. ev. 111 1 1 , 5 1 . Ps. Clemens, Recognitiones X 27. Verehrung des Wassers : Firmic. Matern. err. 2, 5. 2 Die Zeremonie ist von da auf andere Feste übertragen worden. Näheres in einer Ax beit über Festdaten der Isisreligion. 3 Serv. Aen. II 1 1 6 in templo lsidis aqua sparsa de Nilo esse dicebatur (wenn man im Iaistempel Wasser spendete, sagte man, dies sei Nilwasser). 4 Man schöpfte das Wasser mit dem crn;ov8e:iov, welches man auf dem oben S. 38, 7 angeführten vaticanischen Relief sehen kann. Es wird dort von einer Priesterin getragen. Vgl. auch Clemens Alex., Strom. VI 4, 37 (II 449 Stählin) ; Plut. , De lside 36. Statue der athenischen Iaispriesterin Amaryllis mit dem u8pe:iov : Erman, Die Religion der Ägypter3 (1934) 432. 5 Reitzenstein, Kleinkunst, Abb. 8 = "Noch einmal Eros und Psyche" Abb. 1 1 . " Abb. 1 2 und die von 6 Reitzenstein, Kleinkunst Abb. 9 = "Noch einmal Reitzenstein, Kleinkunst 10, besprochenen Stücke aus Karlsruhe und Berlin. 7 Reitzenstein, Kleinkunst Abb. 3 = "Noch einmal Abb. 3 ; Kleinkunst Abb. 4 a = "Noch einmal Abb. 5. - Vgl. auch Perdrizet, Les terres cuites grecques d' E: gypte de Ia Collection Fouquet (Paris 1921) Nr. 240 (Tafel 36). .
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lauter wilden Tieren bestickt war (XI 24, 3) : quaqua tamen viseres, colore vario circumnotatis insignibar animalibus ; hinc dracones Indici, inde grypes Hyperborei, quos in speciem pinnatae alitis generat mundus alter (d. h. die Unterwelt) . Hanc Osiriacam1 stolam sacrati nuncupant. Hier ist Lucius rings von Drachen der Unterwelt umgebe� . Es ist kaum zu kühn, wenn man annimmt, der Weg der Psyche an den Drachen vor bei sei bei der Weihe des Lucius dadurch dargestellt worden, daß der My:stc ein Kleid anzog, das mit Drachen bestickt war. So war er mitten zwÜ;chen den Tieren und in größter Todesgefahr. Der Kult hat sich immer solcher andeutenden Darstellungen bedienen müssen.2 Es kam aber nicht nur im Kult vor, daß man Wasser vom Quell holte, sondern auch in Wirklichkeit. Juvenal spottet über eine römische Dame, die eine Wallfahrt macht, um das heilige Wasser zu holen (6, 526 ff.) : si candida iusserit Io ibit ad Aegypti finem calidaque petitas a Meroe portabit aquas , ut spargat in aede Isidis. Die Dame ist nach Syene gereist, an die Grenze von Ägypten, wo der Nil aus den Felsen des l. Kataraktes hervorsprudelt.3 Hier war die " Quelle" des Nils.4 Wir verstehen jetzt, warum die Styxquelle des Apuleius einem Fels entspringt. Seneca berichtet, jenseits von Syene, dem letzten Ort Ä gyptens, sei ein Ort Philae, an dem die Ä gypter Isis verehrt hätten. Als lsis den Gatten Osiris bestatten wollte, wählte sie eine kleine, felsige Insel bei Philae, welche Ahatos genannt wurde. Man konnte von Philae aus nur schwer zu ihr gelangen, da der Nil an dieser Stelle sumpfähnlich, 1 Osiriacam ist eine Konjektur von Kaibel ; überliefert ist Olimpiacam. Aber wenn die Drachen dem mundus alter angehören, dann kann dies Kleid nicht olympisch heißen. 2 Aus dem Tempel von Edfu führte ein Gang unter der Außenmauer hindurch zu einer unterirdischen heiligen Quelle. Von dort wurde das heilige Wasser geholt. Dies entspricht dem Gang der Psyche zur Nilquelle. Vgl. Fairman, Bulletin of the John Rylands Library 37, 1954, 172 (mit Tafel gegenüber S. 168). 3 Vgl. auch die Wallfahrt des Epistrategen Kallimachos, der im Jahr 62 v. Chr. Befehlshaber im Roten Meer war, zur "Herrin lsis" nach Philae (Dittenberger, 0. G. I. 1116).
4 Hcrodot II 28. Dittenberger, 0. G. I. 168, 9. Spiegelberg, Die Glaubwürdigkeit von J l crndnts Bericht über .Ä gypten 18 (mit Anm. 14) und Abb. 2. Strabon XVII 1, 52 p. 11 1 1). Sog. Hungersnotstele, bei Kees, Lesebuch 2 1 : "Es gibt eine Stadt inmitten der Wasser, dort wo der Nil entspringt : Elephantine ist ihr Name." (Roeder, Urkunden
1 7'J). Hcitzcnstein, Myst. Rel. 144, 1 u. 220, 1.
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schlammig und voller Papyrusgestrüpp war. Der Sumpf hieß " Styx". Bei der Insel Ahatos merke man es zuerst, wenn der Nil wieder ansteige.1 Wer also zu diesem Ort gelangen wollte, mußte Ägypten, das Land der Lebenden, hinter sich lassen, die Felsenge des ersten Kataraktes durch schreiten, auf der heiligen Insel Philae landen und von dort die schwierige Überfahrt über den Styxsumpf2 zu der Felsinsel Ahatos m achen , an der man die Nilflut zuerst wahrnahm . Dort war Osiris bestattet, der Gott der Toten. Wer diese Reise unternahm, fuhr ins Jenseits.3 Das Spenden des Wassers war eine wichtige Zeremonie im Toten ritual. Indem lsis dem Osiris das kühle Lehenswasser spendete, erweckte sie ihn zu neuem Leben. Man sieht das Spenden des Lebenswassers oft an den Tempelwänden Ä gyptens dargestellt.4 Wie Osiris wünschte der Ägypter nach dem Tod durch das Lebenswasser neu belebt zu werden. oder
�ol. ae ' ÜcrtpLao� ocyvov öa(J)p "'lcrL� xocptmXL'rO
1 Die Stellen sind : Serv. Aen. VI 1 54 Seneca scripsit de situ et de sacris Aegyptiorum. hic dicit citra (circa codd., correxi) Syenen, extremam Aegypti partem, esse locum, quem Philas, hoc est amicas, vocant ideo, quod illic est placata Isis ab Aegyptiis, quibus irasce batur, quod membra mariti Osiridis non inveniebat, quem frater Typhon occiderat. quae inventa postea cum sepelire vellet, elegit vicinae paludis tutissimum locum, quem t ransitu constat esse difficilem; limosa enim est et papyris referta et alta. ultra hanc est brevis insula, inaccessa hominibus, unde Abatos appellata est . . . haec palus Styx vocatur, quod tristitiam transeuntibus gignit. sane ad illam insulam ab his, qui sacris imbuti sunt, certis transitur diebus. Sen. N at. quaest. IV a, 2, 7 primum incrementum Nili circa insulan. Philas visitur. exiguo ab hac spatio petra dividitur. "AßtX-rov Graeci vocant, nec illam ulli nisi antistites calcant. illa primum saxa aueturn jluminis sentiunt. post magnum deinde spatium duo eminent scopuli; Nili venas vocant incolae. ex quibus magna vis funditur, non tarnen quanta operire possit Aegyptum. Es sind die Felsen des l. Kataraktes ; sie sind eine Art Jenseitstor. Vgl. etwa Horn. fl. 73 ot ilE: Mw crx61tE:AOL (über Skylla und Charybdis). paludes. V gl. auch Frankfort, Kingship and the Gods 2 Apul. VI 13, 4 Stygias (Chicago 1948) 190 und 374 Anm. 13. 3 Eine Reise zum Osirisgrab von Abydos kann dieselbe Bedeutung gehabt haben wie die Reise nach Syene. 4 Vgl. die von Reitzenstein, Nachr. Gött. Ges. Wiss. 1 930, 405 abgebildete Dar stellung eines ägyptischen Sarkophags (heute in Besan'ion), auf der Osiris der "lebenden Seele" eines Toten das Lebenswasser spendet. Siehe auch Reitzenstein, Myst. Rel. 220 (Totentaufe im Pap. Rhind. ; s. "Die beiden Totenpap. Rhind des Museums zu Edin lmrg", bearbeitet von Georg Möller = Demotische Studien, herausgeg. von Wilh. Spiegelberg, Heft 6, Leipzig 1913, S. 27 und 31 ; Roeder, Zauberei und Jenseitsglauben im alten Aegypten, Zürich 1961, 344) ; Roeder, Urkunden 41 (aus den Stundenwachen der Osirismysterien). 5 Dies "kühle Wasser" kommt schon auf dem orphischen Goldplättchen von Petelia vor, Orph. fr. 32 a = Vorsokratiker 1 B 17 = (Harrison-)Murray, Prolegomena 659 = I l livieri, Lamellae aureae Orphicae 1 2 . •
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s o heißt es, selbst auf römischen Sarkophagen.1 Das rp&p(J.cxxov Tijc; &.&cxvcx a-Lcxc;, welches Isis nach Diodor I 25, 6 gefunden hat, war eben das Le benswasser. Wenn der Priester den Lucius vor der Weihe mit reinem Wasser übergießt (XI 23, 1 purissime circumrorans abluit), so ist das eine Vor wegnahme der Totentaufe in der Weihe. Wie er in der Weihe nach dem potentiellen Tod durch Untertauchen neu belebt wurde durch das Be sprengen mit reinemWasser, so wird der Myste auch im Jenseits durch das Lebenswasser aus dem Tod erweckt werden. DiesWasser war kühl. Darum betont Apuleius, daß das Styxwasser kalt war (VI 13, 5 rorem rigentem) . Während bei Apuleius Psyche das Wasser holt, vielleicht für den ver wundeten Eros,2 zeigt eine Kanne aus Kairo umgekehrt, wie Eros vom Himmel herabschwebt und der aus der Erde auferstehenden Psyche das Wasser des Lebens spendet.3 Die Umkehrbarkeit der Beziehungen zwischen Eros und Psyche ist uns bereits vertraut. Wer ist schließlich die Providentia bona, welche in äußerster Not der Psyche den Adler zu Hilfe schickt ? Es ist dieselbe Isis, welche der Psyche als Venus-Fortuna die Aufgabe gestellt hat. Alles, was geschieht, geschieht für den Isisdiener durch seine Göttin. Derselbe Adler, der den Ganymed zum Himmel trug, holt Psyche das Wasser des Lebens. Vermutlich ist die Erwähnung Ganymeds nicht zu fällig. Seine Entrückung hat immer als Symbol und Verheißung der Unsterblichkeit gegolten. 4 Die letzte Aufgabe führt Psyche geradezu in den Hades.5 Sie soll in einer Dose (pyxis) Schönheitssalbe6 von Proserpina holen. Psyche ver steht, daß man sie zwingt, freiwillig (ultro) zum Tartaros hinabzugehen. 1 Peek, Griech. Versinschr. 1556 ; vgl. 1 544, 1842, 141 0 ; Kaibel, Epigrammata Graeca 7 1 9 ; S. E. G. VIII 591 ; Dessau 8171 ; I. G. XIV 1488. Vgl. Cumont, Rel. Or. 246 Anm. l l 2/13. 2 Siehe unten S. 66-69. " Ahh. 6 u. 7 Nachr. 3 Reitzenstein, Kleinkunst Ahh. 5 = "Noch einmal Gött. Ges. Wiss. 1930, 398. 4 Vgl. unten S. 108, 3. 5 Als Psyche hört, daß sie znm Hades hinabsteigen muß, heißt es : tune Psyche vel maxime sensit ultimas fortunas suas et velamento reiecto ad promptum exitium sese com pclli manifeste comperit. Hier bedeutet velamento reiecto nach dem Wortsinn, daß V enus ihre mörderische Absicht nicht mehr verbirgt. Nach der allegorischen Auslegung wird vermutlich darauf angespielt, daß die Seele (Psyche) heim Gang znm Hades das Kleid des Körpers, der die Seele verhüllt, ablegen muß. So Doerrie, Porphyrios' Symmikta z(,l mnata (München 1959) 200 und 210. • formonsitas. Dies ist wieder aus dem Griechischen übersetzt, denn formonsitas heißt �
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Sie steigt auf einen hohen Turm, um sich herabzustürzen ; aber der Turm fängt an zu sprechen und ihr die Zukunft anzusagen.1 Psyche muß zwei Kuchen in den Händen tragen und zwei Geldstücke im Mund. Wenn sie der Anweisung des Turms folgt, wird sie die Aufgabe lösen können. Die Dose (pyxis) ist die cista mystica, ein heiliges Symbol der Göttin. Im XI. Buch ( 1 1 , 2) wird sie in feierlicher Prozession einhergetragen. Man sieht sie auch auf den Monumenten. 2 Das Wort cista vermeidet Apu• leius absichtlich ; die Mysterienbedeutung wäre zu offenkundig gewesen. Der Gang zum Hades in der Weihe ist ein Tod. Wie ernst es mit diesem symbolischen Tod war, ersieht man deutlich aus den Kuchen, die Psyche in der Hand trägt, und den Geldstücken, die sie im Munde mitnimmt. Man weiß, daß man den Toten wirklich einen Kuchen zur Besänftigung des Cerberus mitgab und daß sie einen Obolos, das Fährgeld für Charon, im Munde hatten.S Die Bedeutung dieses rituellen Todes ist klar : Wer in der Weihe den Tod überwunden hatte, würde ihn auch am Lehensende überwinden ; wer in der Weihe gelernt hatte, welchen Weg er im Jenseits zu gehen habe, würde auch nach dem Tod den rechten Weg :finden.4 Daß die Weihe eine voluntaria mors sein muß, haben wir schon oben (S. 13) besprochen. Die Anweisung des Turms ließ sich im Kult leicht darstellen. Daß das Jenseits im I piskult gezeigt wurde, ist durch eine Notiz Suetons (Caligula 57) sicher ; es heißt da : parabatur et in noctem spectaculum, quo argumenta inferorum per Aegyptios et Aethiopas ex· plicarentur. Natürlich ist auch an die berühmten, rätselhaften Worte des Lucius zu erinnern ( X I 23, 7) : accessi confinium mortis et calcato Proser· pinae limine per omnia vectus elementa remeavi, nocte media vidi solem candido coruscantem lumine, 5 deos inferos et deos superos6 accessi coram et adoravi de proxumo. 1 VI 20 sie turris illa prospicua vaticinationis munus explicuit. Ü ber Divination im Kult s. oben S. 24f. 2 Cumont Rel. Or. Tafel VI Mitte Leipoldt Abb. 57 ; Leipoldt Abb. 58. 3 S chol. Aristoph. Lysistr. 6 0 1 1] tJ.e::An-roü-roc E:atao-ro -roi<; ve:xpoi<; w.; e:t.; -rov K
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Es ist n u n z u zeig en, daß die einzelnen Stationen des Weges der Jlsyclw i h r Gege nbild im Kult hatten.1 Durch
d 1 1 Tor,
dessen Schwelle (limen) Psyche überschreitet, gelangt
l'i c durch t�i nen langen Gang2 in die Unterwelt. Zuerst trifft sie aufeinen Rscltrt�ihe•· mit einem lahmen Esel. Immer wieder fällt ihm das Reisig h cruu ter, d a s der Esel tragen soll, und so kommt er nicht vom Fleck. Er bittt�t Psyche, ihm heim Aufladen des Holzes zu helfen ; aber von clem Turm helehrt geht Psyche schweigend an ihm vorbei. - Warum d arf Psyche dem armen Alten nicht helfen ? Nun, sein Name ist Oknos,
der Zauderer. Er hat im Lehen immer gezaudert, zur Mysterienweihe zu gehen. So ist er im Jenseits zu ewiger fruchtloser Mühe verdammt.3 Auch auf bildliehen Darstellungen, die Beziehung zu den Mysterien haben, ist er zu sehen.4 Sein Name wird absichtlich verschwiegen ; der profane Leser soll nicht erkennen, daß der Greis eine Person ist, die mit dem Mysterienkult zusammenhängt. Das Schweigen der Psyche ist das silentium mysticum, das auch Lucius beobachten muß.5 Dann setzt Psyche im Nachen des Charon über den schlammigen Unterweltsfluß. Der Fährmann nimmt ihr das Geld aus dem Mund. Diodor I 96, 8 sagt : "Was die Griechen über den Hades erzählen, stimmt 1 Die Beziehung dieser Aufgabe auf die Mysterienweihe ist so naheliegend, daß sie schon von mehreren Forschern erwogen worden ist. Vgl. etwa Heinrici, Preuß. Jahrb . 90, 1897, 406 ; Neumann, "Apuleius, Amor und Psyche" (Zürich 1952) 193. Nach Hcrodot II 122 ist König Rhampsinit in den Hades herabgestiegen, hat dort mit Demeter(-Isis) gewürfelt und ein goldenes Tuch zurückgebracht. Zum Andenken daran wurde zu Herodots Zeit ein Fest gefeiert, bei dem einem Priester im Heiligtum der Demeter die Augen verbunden wurden ; man ließ ihn allein, und zwei Hunde brachten ihn zu einem 20 Stadien von der Stadt entfernten Heiligtum der Göttin und wieder zurück. Dies ist ein Katabasis-Ritual. 2 Vgl. den oben S. 40,2 erwähnten unterirdischen Gang beim Horastempel zu Edfu. 3 Vgl. Aesop fab. 60 Hausrath ; Wilamowitz, Griechische Tragödien 111 82, 1 ; Boll, Archiv für Religionswissenschaft 19, 1919, 1 5 1 ; Meautis, Recherehes sur le pythago risme (Neuchatel 1922) 7 7 ff. Ein wenig anders gewendet ist der Gedanke bei Oknos dem Seilßechter ; im wesentlichen laufen beide Bilder auf dassellie hinaus. V gl. die Nachricht Diodors (I 97, 3) über die rituelle Darstellung des Seilßechtens des Oknos bei Memphis und den demotischen Setomroman (Roeder, Altägyptische Erzählungen und Märchen, Jena 1927, 162 f.). S. auch Plut. mor. 473 C (De tranqu. anim. 14). 4 Grab bei Ostia mit dionysischen Darstellungen s. Calza, Notizie degli Scavi 1928, 1 5 1-169 u. Wilamowitz, Kl. Sehr. V 1 , 528. Lekythos von Palermo bei Harrison, Prole �nmena 617 (Oknos zwischen den Danaiden). - In der korinthischen lsisprozession bei A Jmleius XI 8, 4 sieht man asinum adambulantem cuidam seni debili, was Apuleius u n f Pt�gusus und Bellerophontes deutet. Die Gruppe stellt wahrscheinlich gleichzeitig O k nnK und seinen Esel dar, was Apuleius verschweigen mußte. 1' X I 2 2 , 1 probabili taciturnitale sedulum obibam ministerium. Vgl. Case l, D e p h i lnKnp h n ru m Graecorum silentio mystico (Diss. Bonn, Gießen 1919). •
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zu dem, was in A gypten noch heute Wirklichkeit ist. Ein Nachen, der ßiipLc; heißt, setzt die Toten über ; dem Fährmann, der in der Landes sprache Charon heißt, gibt man als Fährgeld einen oßoA6c;."l Nach Apuleius fährt Charon mit einer sutilis curnba. Nach Strabon (XVII I, 50 p . 818) waren bei Philae aus Ruten geflochtene Kähne in Gebrauch ( &)(3"':' EOLXEWXL aL�'ltAOX�VWL). Bei Memphis gab es nach Diodor I 96, 7 einen acherusischen Teich. Die Fahrt der Psyche zur Unterwelt konnte im Kult überall durch eine Kahnfahrt über den heiligen Teich beim Tempel zur Nekropole dargestellt werden. Ein Greis, der in dem "trägen Fluß" steckt, schwimmt heran, streckt die Hände nach ihr aus und bittet sie, ihn in den Nachen zu ziehen. Aber der Turm hatte es ihr verboten : nec tu tarnen inlicita adjlectare pie tate. Psyche fährt an ihm vorbei. - Wieder fragt man, warum sie dem Alten nicht helfen darf. War er ein schlimmer Sünder, ein Vater mörder ? Nein, er ist auch nur ein Nicht-Eingeweihter. Wer die Reini gungen des Mysterienkultes verschmähte, der mußte im Jenseits ewig im Schlamm stecken. In Eleusis zeigte man nach Plutarch2 dem Mysten da s j enseitige Los dieser Unglücklichen : Tov &:fLtrYJTOV en�u&� Twv �
VT(J)V &:xcX.-\J.�pTOV E(jlOpwv 15x:t..o v ev ßopß6pwL 1t0AAWL x�t OfLLXA"YJL 1t�T01) fLEVOV uq/ t�UTOU x�t O'UVEA�UVOfLEVOV, tpoßwL ae 3-�vciToU TO�c; X�Xo�c; &:mcrT��L Twv he:� &:y�&wv EfLfLEVOVT�. Allgemeiner sp richt Platon, Phaidon 69 C : XLvauve:UOUO'L . . . ot Tocc; TZAE:Tocc; �fL�V . . . X�'t'otcr't"fJcrotvTe:c; . . . ottv�ne:cr-9-otL Ö-rL i:lc; ?J.v &:fLU"I)Toc; xotl. hE:A::: crToc; e:tc; ''AL aou &:
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B e i Stobaios, Eclog. 5 2 , 4 9 .
3
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V gl.
auch Kebes, Pinax 24.
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Apuleius
immer als Vertreterinnen der Nicht- Geweihten aufgefaßt worden. Sie haben die Ehe versäumt und müssen daher ewig vergehlich Wasser in ein Faß ohne Boden schöpfen, zum Brauthad, das nie stattfinden wird. Nun war die Ehe ein 't"EAoc;; , die Mysterien -Weihe eine 't"t:.At:.'t"ij, und in der Vorzeit fiel beides wohl überhaupt zusammen.I So ist der Mythos der Danaiden immer auf die &[Ltl'Y)'t"O� bezogen worden.2 Entsprechend muß das Bild von den anus textrices gedeutet werden : Sie sind alte Jungfern, die die Ehe versäumt haben. Zur Strafe wehen sie im Hades ein Brautgewand, das sich immer wieder von selbst auflöst. 3 Die Ehe, welche diese Mädchen versäumt haben, ist der tepoc;; ycf[Loc;; der Isismyste rien ; sie sind also auch Ungeweihte. Man wird vermutlich folgern dürfen, daß es im Isiskult keine Jungfrauen gegeben hat. Daß Weherinnen auf treten, nicht Wasserschöpferinnen, dient wohl wieder der Verschleie rung. Bei den Wasserschöpferinnen hätte die Deutung auf die Danaiden, d. h. die Ungeweihten, allzu nahe gelegen. Vor der Schwelle (limen) der Proserpina wacht der Höllenhund Ker heros. Psyche wirft ihm den einen Kuchen vor, den sie mitgehracht hat, und besänftigt so seine Wut. - Aus Mythos und Poesie ist dies öfters bezeugt, z. B. bei Vergil (Aen. VI 420) . Im Kult ist mir Ähnliches nur aus dem Bericht des Pausanias über das Trophoniosheiligtum zu Leha deia bekannt ; wer hinabsteigt, hält [LcX�occ;; [LEfLOCY [LEVIXc;; [LEAm (IX 39, 11). Vgl. ferner unten S. 107 f. über Xenophon von Ephesos. Psyche betritt den Palast der Proserpina. Diese nimmt sie freundlich auf, bietet ihr einen Sessel und ein reiches Mahl an. Aber durch den Turm gewarnt, setzt Psyche sich demütig zu Füßen der Herrin4 und 1 Der Zusammenhang von TtAo<; u. n::Ac:'t"-ij ist bekannt : Plut. , De Iside 77 ; Pol lux 111 38 ; Schol. Pind. Nem. X 3 1 . Vgl. etwa Gernet, Revue des Etudes Grecques 41, 1928, 345 ff. ; Wilamowitz, Kl. Sehr. V 1 , 528. 2 Lesche des Polygnot s. Pausanias X 3 1 , 9 und 11. Platon, Gorgias 493B. Ps. Platon, Axiochos 371E. Carcopino, La Basilique Pythagoricienne 1 3 1 u. 284. Rohde, Psyche I 3 2 6 ff. Harrison, Prolegomena 6 1 3 ff. - Daß die Wasserschöpferinnen erst im Axiochos den Namen "Danaiden" führen, halte ich für puren Zufall der Überlieferung, nicht für Zeichen "geschichtlicher Entwicklung". Das Schicksal der &n�Ac:crToL muß den Gläubigen immer in einem Mythos vor Augen geführt worden sein ; die alte Zeit dachte doch nicht in der abstrakten Kategorie. 3 Bei Heranziehung folkloristischen Materials ließe sich diese Deutung zu einem hohen Grad von Wahrscheinlichkeit erheben. Aber das führt hier viel zu weit. Vgl. einHtweilen Waser, Schweizerisches Archiv für Volkskunde 2, 1898, 55-58. 4 Eine ganz ähnliche Szene muß im eleusinischen Kult vorgekommen sein. Der houwrische Hymnus erzählt : Als Demeter das Haus der Königin von Eleusis, Metaneira, '"'' ra r, da bot ihr diese den Thron an ; aber Demeter wollte nicht auf ihm sitzen. Sie b l i d > s t u m m stehen ; schließlich setzte sie sich auf einen einfachen Stuhl (191 ff.). Ht· n w l t•r isr hier Prototyp der Mysten.
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bittet um ein gewöhnliches Stück Brot. Sie ißt es und richtet die Bot schaft der Venus aus. Proserpina füllt die Dose und gibt sie Psyche. Diese eilt zurück ans Licht, vorbei an Cerberus, und wird von Charon über den Fluß gesetzt. - Die Proserpina, der sich Psyche demütig naht, ist keine andere als die Herrin lsis selbst. Kore ist der gemeinsame Name beider Göttinnen, und die Identität wird von Plutarch (De lside 27) ausdrücklich bezeugt.l Im XI. Buch sagt lsis zu Lucius (6, 6) : cum spatium saeculi tui permensus ad inferos demearis, ibi quoque in ipso sub terraneo semirotundo me, quam vides, Acherontis tenebris interlucentem Stygiisque penetralibus regnantem . . . adorabis. Psyche soll ein einfaches Stück Brot erbitten und essen ; panem sordi dum petitum esto, sagte der Turm. Wirklich begnügt sie sich nachher mit Brot (cibario pane contenta) . Man kann dies als eine Art Fasten deuten ; auch Lucius muß j a vor den Weihen fasten und sich aller Fleischnahrung enthalten.2 Man kann ferner sagen, Psyche dürfe nicht von der Speise der Unterirdischen essen, wenn sie das Licht wieder sehen wolle. Dies ist alles richtig, aber die Bedeutung des Brotessens ist damit nicht erschöpft. Das ganze Kapitel ist voller Anspielungen auf den Kult, wie wir gesehen haben. Jetzt, am Höhepunkt der Jenseitsreise, reicht Proserpina-lsis der Psyche ein Stück Brot : Das muß ein sakramentales Mahl sein. Osiris ist der Gott des Getreides, ist das Getreide selbst. Psyche ißt den Leib ihres Gottes. Daß solches sakramentale Brotessen in heidnischen Mysterien vorkam, ist sicher.3 Von den Mithrasmystcrien ist es bezeugt, s. unten S. 183, 4. Auch in den anderen Romanen werden uns Beispiele eines sakramentalen Mahles begegnen. Indem Proserpina lsis der Psyche das heilige Brot reicht, verleiht sie ihr Unsterblichkeit. An der Oberwelt angekommen, läßt Psyche sich aus Neugier verleiten, die D ose zu öffnen, obwohl der sprechende Turm sie gewarnt hatte. Aber in der Dose war keine Schönheitssalbe, sondern tödlicher Schlaf. Wie tot sinkt Psyche nieder. Aber Eros rettet die Geliebte. Er war in zwischen gesundet ; die Bewachung täuschend, war er aus dem Fenster 1 Porphyrio s 1t. ocy1XA!J.oc-rcuv (Bidez p. 19*), bei Euseb, praep. ev. III l l, 50 -ro 3' IXÖ-ro l>uviX-rcXL K6p'l) 7t1Xp "EAA'I)c:n . . . xiXt •J en� 7t1Xp' Atyu7t-r(o��. V gl. auch Ps. Kallisth. I 3 3 , Julian epist. 1 1 1 Bidez- Cumont, Pap. Oxy. 1 3 80, 72 und 1 0 5 . 2 XI 6, 7 tenacibus castimoniis. 2 1 , 9 cibis profanis . . . temperarem. 23, 2 cibariam voluptatem coercerem neque ullum animal essem et invinius essem. 28, 5 inanimis contentus cibis. 30, I inanimae . . . castimoniae iugum subeo. Fasten in Eleusis : Clemens Al., Protr. II 2 1 &v-l]a-re:uaiX. Der erste Tag der attischen Thesmophorien hieß V'l)a-rdiX. Die fastenden Frauen saßen auf der Erde. Plutarch bezeugt ein entsprechendes Fest der Isisreligion (De Iside 69). 3 Vgl. Dieterich, Mithrasliturgie 102. •
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herausgeflogen. S o wischt e r den Schlaf von Psyche, erweckt s1e und spricht : Ecce rursum perieras, misella, simili curiositate. Apuleius weist also selbst auf die Szene mit der Lampe hin, als Psyche schon einmal durch Neugier sündigte. Warum übertritt sie zum zweiten Mal das Gebot ? Die Antwort ist wieder dieselbe wie damals. Es ist dem Mystcn streng verboten, die cista mystica zu üfl'nen. Die Strafe, welche folgen wür de, i:;t der Tod, wie man aus der Ge schichte der Psyche lernen kann.1 Andererseits ist offensichtlich der An blick des Allerheiligsten, des Inhalts der cista mystica, gleichzeitig das höchste Sakrament. 2 Das Heiligste ist gleichzei tig das Gefährlichste, wie wir aus dem lateinischenWort sacrum wissen. Es über steigt die menschliche N atur so sehr, daß es tötet. Aber gleichzeitig kann es Un Abb. 8 sterblichkeit verleihen ; und hängen nicht Tod und Unsterblichkeit in geheimer Weise zusammen ? Wir müssen also annehmen, daß in den lsismysterien zur Epoptie, zur hejligen Schau, der Anblick der hochheiligen Gegenstände in der cista mys h ca gehörte. 3 Die beiden verbotenen Handlungen der Psyche führen gleichzeitig den Anblick und die Kommunion mit dem Göttlichen herbei und stehen daher in Beziehung zu der geheimsten Mysterienweihe. -
Diese Deutung läßt sich bekräftigen durch zwei Szenen auf dem dionysischen Fries der villa dei misteri (s. Ahb. 8 und 9). In der einen Gruppe sieht man die als Braut mit dem Schleier gekleidete Initiandirr auf einem Schemel sitzen, dem Betrachter den Rücken kehrend. Links von ihr bringt eine Dienerin einen verdeckten Korb (x&veov oder xa),oc�'l�). Die Braut hebt die Decke hoch. Sie hat also getan, was verboten war : sie hat in den Korb geblickt und die heiligen 1 Vgl. oben S. 2 l f. 2 Es fa1lt unserem modernen Denken schwer, eine solche doppelte Interpretation
einer Szene anzunehmen. Wir denken in den Kategorien des Entweder-Oder. Die Alten haben nicht so logisch gedacht. Die ganze Geschichte war ihnen ein Symbol, und Symbole sind vieldeutig. Es ist der große Vorteil der Symbolsprache, daß sie nicht eindeutig fixiert ist. Ihre Tiefe ist mit Worten nicht auszuschöpfen, Das logische Wor t bleibt im Irdischen ; das Symbol reicht ins Unendliche, ins Transzendente. " Au ch in Eleusis gehörte das Ö ffnen der cista mystica zum W eiheritual . D a s .,..',v lhJILOC bei Clemens Al. , Protr. l i 2 1 lautet : E:v·�cr-:-eucrx, smov 70\1 XUY.EWV:Y, EAaßov Cx x[rr-r·IJ � . E:pyacrtX[J.SVQ� om:dtE[J."Y)\1 d� Y.tXAOd�ov w:d EY. Y.:YAa&ou d� Y.LO'TIJV. Wie die c· i s l a m y s t i e a sich ö ffnet, zeigt da s Relief bei Cumont, R e ! . Or. Tafel VI Lei =
p c d c h , A t . I!. !i i .
Psyche
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Gegenstände gesehen. Sie dreht sich nun nach rechts und hält ihre Hand über ein Becken. Eine Dienerin tritt an sie heran und übergießt die Hand, welche gesündigt hat, mit reinigendem Wasser. Dies ist eine Sühnezercmonie. Die andere Gruppe stellt dar, wie die Initiandin vor der Getreideschwinge (t.txvov) kniet, in welcher der Phallos aufgerichtet steht. Er ist unter einem dunklen Tuch ver borgen. Das Mädchen zieht das Tuch weg und sieht das schrecklich-heilige Symbol des Gottes. Mit ihm in Berührung zu kommen ist Sünde, selbst wenn man davor
Abb. 9 kniet. So zeigt die nächste Szene, wie ein geflügelter weiblicher Dämon die S ünde straft : Der Engel schwingt die Peitsche über die Braut, die reuig-demütig ihren Rücken entblößt hat und ihn der Geißelung darbietet.l Dabei kniet sie und hat ihren Kopf in den Schoß einer gütigen älteren Frau gelegt, die ihr über die Haare streicht und sie über die Schmerzen tröstet. Als aber die Züchtigung überstanden ist, hat die Initiandin, die das Allerheiligste gesehen hat, auch das höchste Glück erreicht :2 Die nächste Szene stellt sie in leichtbeschwingtem, seligen Tanze dar. Nun beachte man, daß der peit schenschwingende Engel nicht nur zu der Strafszene rechts gehört, sondern auch zu der Enthüllung des Phallos links. Während die rechte Hand die Peitsche schwingt, ist die linke abwehrend gegen das Tun des Mädchens erhoben, welches den Phallos auf deckt. Diese Geste der Hand ist aus einer anderen Darstellung genommen, die sich auf den Monumenten sehr oft findet. Auf ihr deckt ein Mädchen den Phallos auf; rechts davon flieht ein Flügelwesen voller Entsetzen, die Hand abwehrend erhoben.3 In dem Engel des Mysterienfrieses sind also abkürzend zwei Handlungen zur Darstellung ge1 Die beiden Figuren gehören zusammen, wenn auch ein Knick der Wand zwischen ihnen liegt. In dem zugrunde Iiegenden Entwurf müssen die beiden Figuren noch näher beieinander gestanden haben. Man beachte, daß der Raum rechts unten neben dem peitschenschwingenden Engel frei ist : in ihn gehörte bereits ein Teil der Figur der "Braut". Ebenso ist der ganze Raum links über der Braut frei ; sie wurde ursprünglich von dem Flügel des Engels überschattet. - Vgl. auch S. 208,2. 2 Jeanmaire (Psyche 45) sagt, que des interdits s'opposent a Ia revelation, a Ia con tcmplation de l'objet sacre, et que la levee de ces interdits, qui est la condition prea lable du sacrement, comporte des epreuves, des souffrances, une passion, un equiva lcnt de la mort rituelle. 3 S. Nilsson, Dion. Myst. S. 128 f. Abb. 3 5 f. und S. 96 Abb. 23 ; auch unten S. 2 1 3 f. und 220, 3. 4
Merkelbach
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bracht worden, ganz wie in der oben besprochenen auf dem Schemel sitzenden Braut. Damit wird angedeutet, daß jeweils die beiden aufeinander folgenden Szenen (Auf decken und Sühne) dem Sinn nach eng verbunden sind. Die beiden besprochenen Grup pen lehren uns also : I. Das Aufdecken und Anschauen der heiligen Gegenstände ist ein heiliger Mysterien brauch und doch gleichzeitig Sünde, die gesühnt werden muß. 2. Wie die Handlung der Psyche einen doppelten Sinn hat, so haben die beiden Mittel figuren der besprochenen Gruppen eine doppelte Funktion, sie beziehen sich auf Ent hüllung links und Reinigung rechts.
Eros hat also die Geliebte gerettet, wie immer die Gnade des Gottes den Mysten zum Heil führt. Eine Illustration unserer Szene ist die oben S. 42 besprochene Kanne, auf der Eros, vom Himmel herabsteigend, der aus der Erde (dem Tod) aufsteigenden Psyche das Lehenswasser spendet. Wie genau die Entsprechung zwischen der letzten Aufgabe der Psyche und der Weihe des Lucius ist, braucht kaum hervorgehoben zu werden. Accessi confinium mortis et calcato Proserpinae limine . . . remeavi, es gilt für heide, und wenn Lucius fortfährt : deos inferos et deos superos accessi coram et adoravi de proxumo, so stimmt auch dies genau zum Mythos der Psyche : Von Persephone kommend steigt sie zum Olymp empor. Ein paar Worte über die vollständige Übereinstimmung der ersten Weihe der Psyche im Palast des Eros mit der zweiten Weihe, dem Gang ins Totenreich, sind vielleicht am Platze. Beide enthalten Hochzeit und Tod, in beidem ist das Verbotene gleichzeitig das höchste Sakrament. Beide entsprechen genau der Weihe des Lucius. Die Initiationsriten sind ein Sinnbild des ganzen Lehens. Der Verhindung der Psyche mit Eros entspricht die erste Weihe des Mysten, ihren Prüfungen des Menschen weiteres Erdenwallen, ihrem Gang zu Persephone der Tod. Aber das Initiationsritual ist ein vorweggenommener T.od, eine vorweggenommene Verhindung mit Gott, eine vorweggenommene Wiedergeburt. So ent spricht der Gang der Psyche in die Unterwelt nicht nur dem Tod des Menschen, sondern auch der ersten Weihe, die Prüfungen sind Sinnbilder der Fährnisse des Menschen in der Welt und doch auch wieder einfach nur Voraussetzungen für die Weihe. Derselbe Gedanke wiederholt sich immer wieder, und sein Ende mündet in seinen Anfang. Ob man die Betäubung der Psyche auch im Kult dargestellt hat ? Die Möglichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, denn die Verwendung von Schlaftränken kann mit ziemlicher Sicherheit für das Mysterienritual t:rHehlossen werden (s. u. S. 83) . Hier ist freilich nicht von einem Trank d it: Hede, sondern von einem infernus somnus ac vere Stygius, der Psyche m i t ei n er dichten Schlafwolke (crassa soporis nebula) umfängt, sobald
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Psy c h e
sie den Deckel der Dose geöffnet hat. Das kann ein wohlriechendes ätherisches Öl gewesen sein, das vielleicht mit Alkohol vermischt war und eine narkotische Wirkung ausübte. Da solche Öle auch zur Schön heitspflege verwendet werden, wäre die Bezeichnung " Schönheitssalhe" für ein solches Narcoticum gar nicht abwegig. Priester Zauberer und Alchimist waren im hellenistisch-römischen Ä gypten häufig in einer Per son vereint ; auf Zauberkunststücke der im Mysterium fungierenden Priester werden wir noch mehrfach zu sprechen kommen . Dem Gang der Psyche in die Unterwelt und der todesähnlichen Ohn macht nach dem Ö ffnen der Dose liegt der gleiche Gedanke zugrunde wenn man ihn theoretisch formuliert. Man könnte fast von einer Dublette sprechen. Aber auch die zweite und dritte Aufgabe der Psyche bringen den gleichen Gedanken zur Darstellung. Sowohl der Kult wie die sym bolische Erzählung liehen solche Pleonasmen. In beiden Fällen wird bildlich, nicht theoretisch gedacht, und das Bild wird verstanden, ohne daß es in abstrakte Ausdrücke umgesetzt wird. Daher fiel es den Alten gar nicht auf, daß hier - vom logischen Gesichtspunkt aus betrachtet Dubletten vorliegen. Sie wurden nicht müde, den großen Grundgedan ken, der sie beherrschte, in immer neuen Bildern auszudrücken. Psyche bringt der Herrin Venus die gewünschte Dose, Eros1 aber fliegt zum Olymp und bittet den Göttervater Jupiter, der Geliebten die Unsterblichkeit zu verleihen. Jupiter beruft eine Götterversammlung ein und verkündet, daß er dem Eros, den er mit seinen eigenen Händen aufgezogen habe, nun eine Frau gehen wolle, Psyche. - Die ganze Szene ist wieder burlesk, wie die meisten Götterszenen des Apuleius. Für den Profanen wird damit der heilige Sinn der ganzen Geschichte vertuscht. Für den lsismysten ist die Szene in anderer Weise spaßhaft . Diese ganzen griechischen Götter, von denen Apuleius erzählt, sind doch nur etwas Vordergründiges. Sie sind nur niedere Emanationen der großen ägyptischen Götter. Wer ist denn der Zeus der Ä gypter ? Sarapis. Wenn man ihn mit Osiris gleichsetzt, so ist Eros-Harpokrates sein
1 Hier ist wieder eine Spur des griechischen Originals. VI 22 heißt es : Cupido matris suae repentinam sobrietatem pertimescens etc. Es ist aber nirgends davon die Rede, daß Venus sich plötzlich zur sobrietas bekehrt habe. Dagegen heißt es in V 30, 6 von der Feindin der Venus Sobrietas ( = :EwcppocrU\11)), daß sie zur Aufseherin über Eros gesetzt ist, um ihn zu züchtigen. Diese Züchtigung ist es, die Eros fürchtet. In dem griechischen Original war also vermutlich von der personifizierten :EwcppocrÜv1J die Rede ; Apuleius hat das Wort aber nicht als Eigennamen, sondern als gewöhnliches Substantiv übersetzt. - crwcppocrU\11) heißt fast "Keuschheit" •
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Sohn.! Deshalb nennt ihn Jupiter- Sarapis fili und betont, daß e r ihn selbst aufgezogen hat. Wenn man aber Sarapis mit Horos gleichsetzt, was gleichfalls richtig ist, so steht hier Eros-Horos bittflehend vor Jupiter- Sarapis-Horos. Wir haben ähnliche Situationen schon mehr fach kennengelernt. Die Isispriester haben ein solches Spielen mit hinter griiiHligen Bedeutungen geliebt. Hinter diesem Scherzen verbarg sich fiir �ic j edoch heiliger Ernst, der Glaube an den einen unerkennbaren m ui unnennbaren Gott, der hinter allen vorläufigen Namen verborgen ist. Mcrcur2 entrafft Psyche zum Himmel,3 und Jupiter reicht ihr den Becher mit dem Unsterblichkeitstrank Ambrosia : Sume, inquit, Psyche et immortalis esto. Eben aus der Unterwelt kommend, wird Psyche zum Himmel entführt. Wie Lucius, kann sie von sich sagen, daß sie durch alle Elemente gefahren ist und die unteren und oberen Götter aus der Nähe verehrt hat. Es ist also wahrscheinlich, daß auch dieser Szene der Erzählung eine Handlung im Kult entsprach.4 Der Trank, welcher Unsterblichkeit verlieh, wird im Ritual ein Trank des geweihten Nilwassers gewesen sein. Das Nilwasser war ja Osiris, sein Trinken ein Sakrament. Wir werden dem Wassertrinken auch in den anderen Ro manen begegnen. Psyche ist zur Göttin geworden. Was wir von Lucius im XI. Buch hören, entspricht genau. Er ist als ein Ebenbild des Horos aufgeputzt (24, 4 sie ad instar Solis exornato me), ist mit dem Gott eins geworden. Nun wird das Hochzeitsmahl gefeiert.6 Accumbebat summum torum maritus Psychen gremio suo complexus. - Hier denkt man sofort wieder -
1 Karpokratesinschrift von Chalkis : Kapr.oxpch'l]<;; d{Lt &yw, I:o:p<Xm8o.;; xo:t "Icn8o.;; M.;;. • D. h. Anubis, horrendus ille superum commeator et inferum (XI 1 1 , 1). 3 Eine entsprechende Szene stellt das von Reitzenstein, "Noch einmal . . . " Abb. 1 5 abgebildete Relief aus dem Mithraeum von Capua dar ; hier führt Eros die Psyche (Vermaseren, mon. 186 fig. 56). - Bei Apuleius wird also eine &vo8o.;; \jlux'ij.;; dar gestellt. Porphyrios wird später ein Buch de regressu animae schreiben. 4 Vgl. die oben S. 42 besprochene Kanne, auf der Eros, vom Himmel herabßiegend, Psyche den Unsterblichkeitstrank einschenkt. Auch diese Darstellung bezieht sich auf das Mystcricnritual. Hier ist auch der Filocyriussarkophag zu nennen, auf dem die Überfahrt von Eroten und Psychen zum Hafen von Alexandria dargestellt ist (Tafel VI). Die linke Psyche hält einen Becher in der Hand. Der rechts oben im Clipeus abgebildete verstorbene Knabe war ein Isismyste, denn er trägt die Horoslocke. Über die Boot fuhrt nach Alexandria s. unten S. 1 36. 5 Die Umarmung der beiden wieder vereinigten Liebenden zeigt die bekannte Gruppe vnm Kapitol und eine Reihe von Terrakotten (Reitzenstein, Noch einmal . . . Abb. 2-5 , 1 0). B i o Hochzeit des Eros und der Psyche ist dargestellt auf Sarkophagen (Cumont, S y mhnl i•mc funeraire 297 fig. 66 ; Britisches Museum : Apulei Psyche et Cupido, rec . .l uhn-M id•aclis p. 68) und Gemmen (Gemme des Tryphon, oft abgebildet, z. B. Har=
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lmitatio Isidis
an die villa dei misteri, deren Zentralbild Dionysos im Schoß der Ariadne zeigt. Aber auch die Weihe des Lucius, sein "geistlicher Geburtstag", schloß mit einem FestmahJ.l Die Musen sangen, Apollon spielte zur Zither, Venus tanzte, ein Satyr blies die Flöte, ein Pan die Hirtenschalmci. - Hier sind wir also wirk lich bei einem facetum convivium. Den Pan mit der Schalmei sieht man, wie bemerkt, auch in der villa dei mistcri. Vor allem aber schließt auch dort ein Tanz die Serie der Bilder ab : es ist eben der Schluß der Weihe. 2
I M I TAT I O I S I D I S
Wir haben eingangs gesagt, lsis trete im Psychemythos doppelt auf, als Venus-Fortuna (lsistyche) und als Dienerin der lsis, welche die mythischen Schicksale der lsis nacherlebe und so einerseits mit der Göttin, andererseits mit der menschlichen Dienerin, der Mystin der lsis, identisch sei. Wir haben uns das Verhältnis von Venus zu Psyche klar zumachen gesucht, indem wir sagten, lsis sei in zwei Personen auf gespalten. Ein antiker Erklärer würde vermutlich ein anderes Bild gebraucht und gesagt haben, Venus und Psyche seien Emanationen (&.7tö ppo1Xl) der Isis. Ohne daß das Wesen der obersten Göttin dadurch verändert würde, gehen aus ihr göttliche, halbgöttliche und menschliche Wesenheiten hervor, die in immer geringerem Grad Anteil am Wesen der Göttin haben. 3 Eine fortlaufende Kette ( cre:Lp&) verbindet all diese Wesen mit ihrem Ursprung, der Göttin. Psyche ist ein halbgöttliches Wesen, zwi schen Gott und Mensch ; sie wiederholt den Mythus der lsis, steigt am Ende zu ihrem Ursprun g empor und vereinigt sich mit der Göttin. Der rison, Prolegomena 532 Abb. 152, Jalm-Michaelis 69, Furtwängler, Antike Gemmen Tafel 57, 1 1 ; s. auch Tafel I 12 ; Furtwängler 50, 34 Jahn-Michaelis 76). Vgl. ferner P. G. M. IV 1738 (yA>J<jlov) 'l"ux·�v K()(L "E pcu't"()( 7te:pmm:Ae:yfLzvou� E()(U't"G��1 XI 24, 4 exhinc festissimum celebravi natalem sacrum (sacrorum F, corr. Rohde), ct suaves et faceta convivia. - Vgl. auch Youtie, Harv. Theol. Rev. 41, 1 948, 9-29 (The cline of Sar apis ). 2 Einen burlesken Tanz im Isisheiligtum zeigt ein Relief aus Aricia (Leipoldt Abb. 1 7 ) ; vgl. den Solotanz auf dem herculanensischen Wandgemälde, Leipoldt Abb. 54 (bessere Abb. : "Ayye:"Ao� 1, 1 925). - Rätselhaft ist mir der Schluß der Ge schichte : Psyche gebiert eine Tochter Voluptas. Ich weiß dafür kein griechisch-ägyp tisches Ä quivalent anzugeben. - Den Mysteriensinn des Festmahls hat schon Heinrici t rkannt (Preuß. Jahrb. 90, 1 897, 407). Gesang und Reigentanz im Elysium, nach der Darstellung der Eleusinischen Mysterien, s. oben S. 14, 5 (Plutarch). 3 Über ähnliche theologische Gedanken der alten Ä gypter s. Morenz, Ä g. Rel. 145 ff. =
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Apuleius
Mensch kann den Mythos der Psyche wiederholen. Nach dem Tode wird sich seine Seele (Psyche) vom Körper lösen und ins Zwischenreich der Psychai aufsteigen. Von dort aus wird sie - wie Psyche - nach weiteren Prüfungen in Verhindung zur Göttin treten können.1 Diese Nachahmung des heiligen Mythos hat im Kult der Isis und im Leben der Isismysten eine große Rolle gespielt. Plutarch sagt, Isis habe nach der Auffindung des Osiris und der Rache an Seth nicht gewollt, daß die Prüfungen, Kämpfe und Irrfahrten ver gessen würden, welche sie bestanden hatte. Sie habe daher die heiligsten Weihen gegründet und ihnen Bilder, Andeutungen und Nachahmungen ihrer damaligen Schicksale beigemischt, welche Männer und Frauen fromm machen und diejenigen trösten sollt� n, welche gleiches Schicksal erlitten.2 Wir haben gesehen, daß der lsismyste in der Weihe wirklich die Schicksale der Psyche-Isis nacherlebte und ihnen die Gewißheit endlicher Rettung entnahm. Er wurde im heiligen Drama mit Psyche lsis identisch. a Das Weiberitual seinerseits stand wieder in genauer Beziehung zum Lehen des Isismysten. Die Wechselfälle des Lehens entsprachen der mythischen Irrfahrt der lsis, die im Mysterium nachvollzogen wurde, die Unglücksfälle im Lehen entsprachen den Peripetien im heiligen Drama (Schiffbruch, Gefangennahme durch Räuber usw. , s. unten). Epiphanios berichtet, die Verehrer der Isis hätten ihre Töchter und Frauen ermahnt, sie sollten die Handlungen der Götter nachahmen.4 1 Plutarch (De facie, gegen Ende) lehrt bekanntlich, die �ux� stehe zwischen crw(L� und voÜ<; ebenso, wie der Mond zwischen Erde und Sonne stehe. Psyche und Selene sind Mittelwesen (Bachofen, Werke VII 33). Der erste Tod auf der Erde führt zur Befreiung der Psyche aus dem Körper, der zweite auf dem Mond zur Befreiung des Nous aus der Psyche. Man könnte den mehrfachen rituellen Tod der Psyche bei Apuleius von dieser Lehre her allegorisch deuten. 2 Plutarch, De I side 27 � ae: 't'L(LWpO<; 'OcrlpLI3o<; &:13c:Atp1j XIXt yuv-1] -r-l]v Tucpwvo<; crßecr�cr� xiXt x�-r�1t�ucr�cr� (L�vl�v x�t ).ucrcr�v oü 7t<:p Ldl3c: -rou<; &-&Aou<; XIXl -rou<; &:ywv�<;. oli<; &:vhA1J, x�t 7tAaV�<; �Ö't"'ij<; x�t 7toAM (Lev �py� crocpl�<;. 7tOMtX 13' &:vl3pd�<; &:(LV1Jcr-r[�v 07tOA�ßoücr�v x�t !!LW7t�V, &:MtX 't'�t<; d:yLW't'(h�L<; &:v�(LL��cr� 't'C:AC:'t'IX'i:<; dxoviX<; XIXt 07tO· vol�<; x�t (LL(L�(L�'t'IX -rwv -r6-rc: 7t�-&1J(LtX't'(l)V c:Ücrc:ßd�<; O(LOÜ 13l l3�y(L� x�t 7to:po:(Lll-&Lov &:vl3p&:crL xo:l yuvo:L�tv 07t0 I!U(LtpOpwv exo(LeVOL<; O(LOL(l)V xo:-&wcrlwcrc:v. Die in den " Stu dien zur Textgeschichte und Textkritik" (Festschrift Jachmann , Köln 1 959) 1 79 zu dieser Stelle vorgeschlagene Konj ektur ziehe ich zurück. 3 Jede Isispriesterin trug die Attribute der Göttin und vertrat die Göttin selber, jeder Jüngling mit der Moroslocke wurde dem Gott angeglichen usw. ' Aneoratus 104 -roc<; �o:u-rffiv -3-uyo:-repo:<; -rc: xo:t yuvo:i:xo:<; xo:t &:13c:Atpoc<; -rwv -&c:wv o:Ü-rwv 7tp&:�c:L<; (LL(Ldcr-&o:L 7to:po:woüv-rc:<;. - Wie es ko mmt, daß der heilige Mytho s sich imnwr wieder in der materiellen Welt wiederholt, erörtert Synesio s, Aegypt. li 7 p. 1 2 7/:! ß.
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Dies bezieht sich auf Leben und Mysterium. Erniedrigende Arbeiten, ja Sklavendienste gab es in beiden. lsis selbst hatte einmal ihr Lehen als Bettlerin fristen müssen (unten S. 174) . Die Versuchungen des Lehens spiegelten Versuchungen im Mysteriendrama, die wir noch näher kennenlernen werden. Auch der Tod war in der Weihe vorweggenommen worden. So trat der Isismyste nicht nur in der Weihe, sondern im ganzen Leben in die Fußtapfen seiner Göttin ; alles war ihm nur eine Wieder holung der mythischen Schicksale der lsis, alles rief dem Menschen zu : Sei getrost und guter Hoffnung.
D O P P E L S I N N , A LL E G O R I E U N D S YM B O L I K
Es ist eine mystische Welt, in die ich den Leser geführt habe. Dem modernen Menschen ist eine Denkweise, wie sie hier vorliegt, verdächtig. Wir möchten, daß alles klar und rational sei. Aber der Altertumsforscher darf sich von solchen Gefühlen nicht leiten lassen. Die Alten haben an ders gedacht, und wenn er sie verstehen will, muß er schon versuchen, ihre Gedankengänge nachzuvollziehen. Ich möchte daher eine Reihe von Zeugnissen zusammenstellen, aus denen hervorgeht, daß die allegorische Deutungsweise und das Denken in Symbolen, welches uns im Psyche mythos in so überraschender Weise entgegengetreten ist, dem ganzen späten Altertum natürlich, ja selbstverständlich gewesen ist. Wir beginnen mit einigen christlichen Zeugnissen. Die heiligen Bücher und die Lehren der christlichen Religion sind nicht geheim, im Gegen· satz zu den heidnischen Mysterien. Aber den Nimbus des Geheimnis vollen, auf verborgene Tiefen Hindeutenden mochte die alte Kirche doch nicht missen.1 1 Gute Darstellungen der Allegorese findet man bei Hatch, The Inftuence of Greek Ideas on Christianity (London 1890 ; Nachdruck New York 1957) 5 8-78 und bei Lei poldt-Morenz, Heilige Schriften (Leipzig 1953) 1 2 3 ff. Die im folgenden besprochenen Stellen aus Kyrill und Augustin hat Leipoldt beigebracht, Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Leipzig 3, 1953/54, 73. Interessante neue Werke sind Buffiere, Les mythes d'Homere et Ia pensee grecque, Paris 1956 ; Pepin, Mythe et Allegorie (Paris 1958) ; R. P. C. Hanson, Allegory and Event (London 1959). - Ein Verständnis der Schönheit der christlichen Alle gorese vermittelt Rahner, Griechische Mythen in christlicher Deu tung. - Die folgenden Seiten haben nicht die Absicht, den Leser in die christliche Alle gorese einzulühren ; nur ein paar leicht faßliche Beispiele sollen auf die heidnischen Texte vorbereiten.
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Kyrill von Jermmlem lehrte die Katechumenen : "Zu denen, die nicht hören konnten, hat der Herr in Gleichnissen gesprochen ; seinen Jüngern aber erklärte er die Gleichnisse, als sie für sich allein waren.1 Diese Mysterien , die die Kirche dir jetzt beim Übertritt aus dem Katechumenat erklärt, durf man den Heiden nicht erklären. Denn wir sagen einem Heiden nieht die Mysterien über Vater, Sohn und Heiligen Geist, und sprcehcn auch vor Katechumenen nicht offen über die Mysterien, sond<�rn von vielem reden wir oft verhüllt, damit die eingeweihten Gläubigen es erkennen und die nicht Eingeweihten keinen Anstoß nehmen."2 Augustin sagt, man solle gelehrte Katechumenen den Hintersinn der Heiligen Schrift lehren, damit sie nicht etwa meinen, man müsse die Erzählungen der Bibel nach ihrem Wortsinn verstehen. Der Wortsinn sei gleichsam nur der Körper der Heiligen Schrift, der allegorische Sinn aber ihr Geist, und wie der Geist wichtiger sei als der Körper, so sei der allegorische Sinn wichtiger als der Buchstabensinn. Daher müsse man den verborgenen Sinn enthüllen und dem Verständnis eröffnen. Auch habe das Geheimnis einen großen Wert. Die Dunkelheit der Rätsel schärfe die Liebe zur Wahrheit und helfe, die geistige Starre des Hoch muts abzuschütteln, und dies müßten gerade gelehrte Katechumenen durch das Beispiel erfahren, indem eine Erzählung, welche nach dem Wortsinn nichts Besonderes zu bedeuten schien, ihre Tiefe eröffnet, wenn sie allegorisch enträtselt wird.3 Augustin entschloß sich erst zur Taufe, als er von Ambrosius lernte, daß gewisse anstößige Episoden des Alten Testam ents nicht nach dem •
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Vgl. Marcus 4, 1-20 ; Matth. 13, 1-23 ; Lucas 8, 4 -1 5 .
2 Kyrill von Jerusal em catech. VI 29 p. 1 0 6 B Toutte (P. G. 3 3 , 589) : E:�tv
ouv 0 Kuptoc; Toi:c; (J. �V cixoü crttL !L-IJ 8uvafLEVOLt; EV n;apaßoÄai:c; . Toi:c; 8� (J.!X.th)Tai:c; en;eÄue KaT' [/l(av TeXt; n;ocpaßoMc; • • • • • T�XÜTa TOC (J.U crTi) p ta , &. vüv 1) ' E xx);1Jcr(a 8t1)yeha( crot TWL EX X!XTl))(OU(J.EVc.JV (J.ETaßaÄÄO(J.EVc.JL, oöx ecrTLV &.!I-oe; E-&vtxoi:c; 8 t1)ye:i:cr&at. oö ydcp e-3-vLXW L TeX n;e:pl IIaTpoc; xocl Ytoü xocl ciy(ou IIve:U(J.!XTOt; 8L1)YOU(J.e:&a (J.UcrTi)pta, oö8E: TOC n;e:pl TWV fLUcrT1)plc.Jv en;l X!XT1))(0U(J.EV6lV Äe:uxwc; Ä!XÄOÜfLEV, &lloc TI:OAAOC n;c.ÄÄiXKLt; Äeyo(J.EV tmxeKaÄUfLfLEVc.Jc;, �voc ot d86Tec; mcrTol voi)crc.Jm, Kat a t fl.iJ d 8 6 Te c; fL-IJ ß Äoc ß w cr L . 3 De catechizandis rudibus 9 (13) über den Unterricht an gelehrte Katechumenen :
Maxime autem isti docendi sunt scripturas audire divinas, ne . . . arbitrentur carnalibus integumentis involuta atque operta dicta vel facta hominum, quae in illis libris leguntur, mm et•olvenda atque aperienda ut intelligantur, sed sie accipienda ut litterae sonant; deque ip�" utilitale secreti, unde etiam mysteria vocantur, quid valeant aenigmatum latebrae ad mll t�TI•m veritatis acuendum decutiendumque fastidii torpor�:m, ipsa experientia proban drmr t•.•t tnlibus, cum aliquid eis, quod in promptu positum non ita movebat, enodatione ""''1/."rim• t�lirrli�ts eruitur. his enim maxime utile est nosse, ita esse praeponendas verbis _. ,."".,. ,;.,�, ul fiTtreponitur animus corpori.
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Wortsinn zu verstehen; sondern allegorisch zu deuten seien (Confess. V 14, 24) . Die systematische Allegorese hat Origenes in die christliche Theologie eingeführt. Er legte allen Schriftstellen einen dreifachen Sinn unter, den somatischen, psychischen und pneumatischen.1 Der allegorische Sinn war wichtiger als der (somatische) Schriftsinn ; manche Stellen der Bibel enthielten pneumatische Wahrheit in somatischer Lüge. Gewisse An stöße hat Gott selbst in den Text der Heiligen Schrift gebracht, um auf den verborgenen Sinn binzuweisen.2 Diese allegorische Methode hat Origenes von den heidnischen Theo logen übernommen. Das bezeugt Porphyrios ausdrücklich : "Origenes benützte die Bücher des Chairemon und des Stoikers Cornutus, aus denen er die allegorische Deutungsweise der hellenischen Mysterien lemte und sie auf die jüdischen Schriften anwandte. "3 In unserem Zusammenhang ist der Hinweis auf Chairemon besonders wichtig, denn dieser war ein ägyptischer Priester der Zeit Neros. Die symbolisch-allegorische Deutungsweise war also in der ägyptischen Reli gion gebräuchlich. Dasselbe ergibt sich aus den Schriften des Juden Philon, der ein Zeit genosse des Chairemon war. Er allegorisierte das Alt e Testament, und es ist offenkundig, daß er die Methode nicht erfunden hat.4 Er war wie Origenes Alexandriner5 und hat sie der ägyptischen Mysterientheologie entnommen. Die ägyptische Religion ist aber in hellenistisch-römischer Zeit die Isis-Osiris-Religion. Für die Symbolik der Ä gypter haben wir noch mehr Zeugnisse. Ori genes sagt, daß dort die "Weisen" (die Priester) nach den überkommenen 1 Diese Dreiteilung entspricht der in der spätantiken Philo sophie g ebräuchlichen Dreiteilung des Menschen in Körper, Seele und Geist (crw[Ltx, <)Iux�. vou� ; z. B. Plutarch, D e fa cie 2 8 p . 943 A). 2 D e principiis IV 2, 9 ( 1 6 ) p. 3 2 1 . Diese Technik wird uns bei H eliodor begeg nen. 3 Euseb hist. eccles. VI 1 9, 8 Porphyrio s XIXTeX X ptcrna;vwv fr. 39 Harna ck Chairemon t est. 9 Schwyzer �xp'ij-ro 131: (sc. o ' OptyevlJ�) xa;t X<Xtpl)[Lovo� -rou :L:-rw·c xou Kopv01hou -re: -riX1:� ßlß:Ao t�, 7ttxp' wv -rov [Le:-ra;).lJ7tnxov -rwv 7t1Xp' "E:A:AlJm [LUO"T'l)p lwv yvou� -rp67tov -riX1:� ' l oul3a;·cxa;1:� 7tpocr'ij<jle:v ypa;cptxi:� (6 1 8 T 8 Jacoby). - Natürlich ist Ori �enes nicht allein von den "hellenischen Mysterien" abhängig, wie es Porphyrios will, 'ondern auch von Philon ; und daß schon Jesus selber doppelsinnig sprach, lehren die oben S. 56 Anm. 1 zitierten Bibelstellen. 4 Ü ber die Abhängigkeit des Phiion von der Theologie der I sismysterien s. das hervorragende Werk von J. Pascher, ' H ßa;m:f.tx� 6 136�. D er Königsweg zur Wieder geburt und Vergottung b ei Phiion von Alexandreia (Paderborn 1 9 3 1 ). 5 D erj enige Kirch envater, der die christliche Lehre am meisten als My sterium g cfaßt hat, war der Al exandriner Clemens. =
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Schriften vieles über ihre Götter "philosophieren", während die Laien nur Mythen hören, deren Sinn sie nicht verstehen. Wer nun durch Ägypten reisen würde und sich nur von den Laien helehren ließe, ohne mit den Priestern zu sprechen und von ihnen die geheimen Lehren zu lernen, und meinte, er habe alles über die Religion der Ägypter gelernt, der würde sich sehr irren.l Plutarch spricht darüber, daß die ägyptischen Priester keine Fische essen. Dafür gibt es zweierlei Gründe ; der eine ist offen und gleich zur Hand ; der andere ist "heilig und gekünstelt" und hängt mit den "from men philosophischen Lehren" über Isis und Osiris zusammen. Auch hier wird auf zwei Ebenen erklärt .2 An einer anderen Stelle sagt Plutarch, der Mythos von Isis und Osiris sei die Andeutung eines tieferen Sinnes, der die Gedanken auf anderes hinlenke. 3 Dieser hintergründige, allego rische Sinn ist der entscheidende. Wer in die ägyptische Priesterkaste aufgenommen wurde, dem teilte man die philosophischen Lehren mit, die meist unter Mythen und Geschichten verborgen waren, welche die Wahrheit nur schwach andeuteten und durchscheinen ließen. Die Sphin gen vor den ägyptischen Tempeln deuteten an, daß die Theologie der Ägypter eine geheimnisvolle Weisheit sei. 4 Wir wollen uns nun an einigen Beispielen die Theorie der spätantiken allegorisch-symbolischen Mythendeutun g vor Augen führen.5 Dabei dür1 Origenes in Cels. I 1 2 llo x.e:r lle: fLO � (sc. 0 KE:Acro�) 't"O�OU't"OV 't"t 1t"E:1t"0�1JX.e:v()(�. w� d ·n� Tij� A!ytm't"@ emll1JfL�cr()(�, ltv.&()( ol fL �v A !yu1t"'t"[wv crocpol X.()(TtX TtX mhp�()( yp&!J.{L()(T()( 1tOMtX CflLAOcro<poi:Jcr� 7te: p l -rwv 7t()(p' 0(\hor� VE:VOfL�O"fLeV 'T:()( �� ()(U'T:WV fLCX.&1j't"E:UO"CX� )(()(L {L1jlle:vl 'T:WV ! e:p ewv O"Ufl.fl.L�()(� fL1Jil' &1t6 -r�vo� ()(U't"wv -rd: A!yu7tTlwv &7t6pp1J't"()( {L()(.&6>v. & ll' d1tov 7te:pl Alyu7t't"L1: ywwcrx6fLE:V()(� Ü1t"O 'T:WV AOY �XWV ). 2 De Iside 7 o! ! e: p d� . I>Uo ).6you� ltxovTe:�. &v Tov fL1:v le:pov xo.:t 7te:p�no v 0(0-lh� ( cap. 32) &vo.:A�<Ji o fL O: � , 0 I)' efL
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fen wir uns nicht auf ägyptische Texte beschränken. Die geheimen Bücher der heidnischen Mysterien sind von dem siegreichen Christentum vernichtet worden. Wir müssen die Belege nehmen, wo wir sie finden ; wir können darauf vertrauen, daß die Methoden der heidnischen Theo logen einander sehr ähnlich waren. Zunächst wollen wir hören, was A.rnobius einen gebildeten Heiden zur Verteidigung der scheinbar anstößigen heidnischen Mythen sagen läßt : "All diese Geschichten . . . enthalten heilige Geheimnisse und wunderbar tiefe Gründe, die auch ein lebhafter Geist nicht so leicht ergründen kann. Denn nicht das wird angedeutet und gemeint, was da ge:;; chrieben steht und was der oberflächliche Sinn der Worte zu sein scheint ; vielmehr muß alles in allegorischem und hintergründigem geheimen Sinn ver standen werden . . . Man sagt das eine und meint ein anderes, und unter der auch dem Volk verständlichen Einfachheit der Sprache ist verborgen der geheime Sinn und die verhüllte Tiefe des Mysteriums."1 Sehr interessante Ausführungen macht Julians Freund Sallustios in seinem kleinen Kompendium der heidnischen Theologie.2 Ein großer Nutzen der Mythen, sagt er, besteht darin, daß man ihre Deutung suchen muß, so daß der Geist nicht in Trägheit verharrt. Denn wie die Götter gleichzeitig sagbar und unsagbar, offenkundig und unsichtbar, deutlich und verborgen sind, so die Mythen. Und wie die sichtbaren Güter allen der Humanitas", Bern 1 960) 1 7-36. Auf die Stellen aus Olympiodor, Proklos und Ma crobius bin ich erst durch seine Abhandlung aufmerksam geworden. 1 V 32 istae omnes historiae mysteria in se continent sancta, rationes miras atque altas nec quas facile quivis possit ingenii vivacitate pernoscere. neque enim quod scripturn est atque in prima est positum verborum fronte, id significatur et dicitur, sed allegoricis sensibus et subditivis intelleguntur omnia illa secretis. . Aliud quidem dicitur, sed intellegitur aliud, et sub vulgari simplicitate sermonis latet ratio secreta et altitudo involuta mysterii. Ä hnlich Pausanias VIII 8, 3 'EU.1jvwv TOÜ<; VO[.tt�OfLevou<; ao<poÜ<; 8L' cxtvLy[L(hwv 1ttXACXL xcxt OUXeT' EX TOÜ �eo<; Myew TOO<; A6yow;; . a IIept %ewv xcxt XOO"fLOU 3 : &�tov TOÜTO 1tf: WTOV EX TWV [LU%wv wcpeAe'La%cxL TO ye �'1)Tdv xcxt fL� &pyov T�v 8Ltivotcxv �Xt>tv cxuToo.; fLEv oöv Too.; %eoo.; xcxTtX To P'1JT6v Te xcxt &pp'Y)TOV, &cpcxve<; Te xcxl cpcxvep6v, crcxcpe<; Te: xcxl xpurcT6[Le:vov ol [LÜ%ot fLLfLoÜvTcxL xcxt �v Twv %e:wv &ycx3-6T1JTCX, lln &crrce:p Exe:�vot TtX fLEv Ex Twv cxtcr%'1)TWV &ycx%tX xoLvtX rciicrtv ETCOL'IJO"CXV, TtX ae: EX TWV VO'IJTWV [LOVOL<; TO�<; EfLCjlflOO"LV, o(hw<; ol [LÜ3-0L TO [LeV dvcxL -ll e:oo.; rcpo<; &rccxvTcx<; :Aeyoumv, Tlve:<; 81: o?iToL xcxt 6rco�oL To�<; 8uvcx�-t€voL<; e!8€vcxt TO fLI:v rctivTcx<; T�v m:pl %e:wv &:A1j%etcxv 8LMcrxe:tv E3-€Ae:Lv To�.; [LE:v &vo1jToL<; 8Loc TO !L� ouvcxa%cxL [Lcx\13-&ve:LV XCXTCXCflflOV'IJO'LV, TO�<; ae: O"TCOUOCXLOL<; pcxL3-U[LLcxV EfLTCOLEL, TO OE OLtX (J.U3-wv TtXA'1j3-E:.; emxpurcn:tv TOO<; [LEV XcxTcxcppove:Lv oux EiiL, TOO<; 81: CjlLAOO'OCjlELV &vcxy x&�e:L. &U.tX 8LtX TL [Lotxdcx.; xcxt x:Aorcoc<; xcxl rccxTepwv 8e:cr[LoO<; xcxt T�\1 &U.'Yjv horclcxv €v TOL<; [LU3-ot<; dp1jxcxmv ; ij xcxt TOÜTO &�tov %cxufLcxTo<; tvcx 8ttX Tij<;
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Menschen gemeinsam sind, die des Geistes aber nur den Denkenden, ::;o lehren die Mythen alle Menschen, daß es Götter gibt ; aber nur den jenigen, die imstande sind zu begreifen, geben sie Aufschluß über das Wesen d er Götter. Es wäre Torheit, alle Menschen die Wahrheit über d i e Glitter lehren zu wollen ; dies würde bei den Dümmeren Verachtung dessen erzeugen, was sie nur nicht richtig verstehen können, bei den K l u gen aber Nachlässigkeit und Leichtsinn fördern. Wenn man aber d i e Wahrheit in Mythen verhüllt, so können die Dümmeren sie nicht verachten, und die Klugen werden gezwungen nachzudenken. Daher haben auch die scheinbar wunderlichen Mythen ihren Wert ; man ver steht sofort, daß hier die Worte nur etwas Vorläufiges sind und daß die Wahrheit verborgen ist. Dieselbe Theorie vertritt Julian. Die Alten haben die Gründe aller Dinge mit Hilfe der Götter gesucht und gefunden, sie aber dann mit paradoxen Mythen bekleidet. An dem Paradoxen und Unsinnigen er kennt man, daß dies nicht der wahre Sinn ist, und wird so dazu ermahnt, die Wahrheit zu suchen. Für einfache Leute genügt der Nutzen, welchen schon die unerklärten Mythen bringen, denn ihre Symbolik hängt in geheimer Weise mit dem Göttlichen zusammen. Den Klügeren aber wird die Wahrheit über die Götter erst dann richtig nützlich, wenn man die Mythen mit Hilfe der Götter prüft und den tieferen Sinn ergründet und findet. Dabei helfen gerade die Rätsel, welche daran erinnern, daß man hier etwas suchen muß. So kommt man zum Ziel, indem man prüfend und findend voranschreitet.1 Auch unverstandene Mythen haben ' Wert. Das geheime Wesen der Götter kann man nicht ungeweihten Ohren mit nackten Worten mit teilen. Oft nützt schon die geheime Kraft der magischen Buchstaben, auch wenn man sie nicht versteht, und heilt Seele und Leib. So geht es 1 Or. V p. 170 A: o! 7tiXAIXLOL 'rW'I O'l'rW'I &d -ra<; IXh(IX<; �"lJ'rOU'i'r!:<; ucp' -l)y<:{lOO'� TOL<; -3-co'L<;, �7tl':�'riX cup6v-rE<; ecrx€7tiXO'IX'I IXUTa<; {lU-3-m<; 7t1Xp1XIl6�o�<;. L'IIX aLa -rou 7t1Xp1XIl6�ou XIXL &7t<:f.Lcp1X(vono<; -ro 7tAcicr{liX cpwpiX-3-ev e1tt -r�v ��T"IJO"Lv -l){loc<; Tij.; iXA"l)-ll-d iX<; 7t p o -rpe <)i"l)L , TOL<; {lE'I taLTIXL<; &pxoUO""l)<; -r'ij<; &A6you XIXL aLa 'rW'I 0"\Jf.LßoAW'I {lO'IW'I W
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auch mit den Mythen. Da die Ohren der vielen das Göttliche nicht rein aufzufassen vermögen, gießt man es in sie hinein in Rätseln und in der iiußerlich-theatralischen Aufmachung der Mythen.! Zum Schlußmythos des Gorgias bemerkt Olympiodor in seinem Kom mentar : Wie man aus dem Sichtbaren und Körperlichen auf das Du körperliche und Unsichtbare schließt, so auch bei den Mythen ; wir schreiten vom Sichtbaren ins Unsichtbare. Wenn wir von Liebschaften der Götter hören, von Fesselung und Zerreißung und Entmannung des Uranos und dergleichen, so folgen wir bei derartigen Mythen nicht dem, was sie an der Oberfläche zu sein scheinen, sondern dringen in die Tiefe und suchen die Wahrheit.2 Der Mythos ist eine erfundene Erzählung, welche die Wahrheit im Abbild erkennen läßt.3 In immer neuen Wen dungen schärft Olympiodor ein, daß der Mythos uns nach der verbor genen Wahrheit suchen läßt ; denn schlecht wäre ein menschliches Lehen, welches nur die trügerische Oberfläche achtet und nicht nach dem in ' der Tiefe des Mythos Verborgenen sucht.4 Wie in den Tempeln die heiligen Geräte und die Mysterien hinter Vorhängen verborgen sind, damit nicht jeder beliebige Unwürdige sie sehen kann, so verdecken bei Platon die Mythen die Lehren, damit sie nicht nackt sind und jedem zugänglich, der da will. 5 Die Theorie des Porphyrios über die Mythen liegt, wie Theiler6 gezeigt hat, in doppelter Brechung vor, bei Proklos (im Kommentar zum 1 Or. VII p . 2 1 6 C : 't"O &rroxEXpU!J.!J.Evov Tij<; 't"iJw .&e:wv oöcrliXc; oöx &vexe:'t"IX� yu!J.votc; dc; &xiX.&&p't"OU<; &x o <X c; p(rr't" e: O".&IX � P�!J.IXmV. iSrre:p a� 't"W\1 XIXPIXX�pwv � &rr6pp"IJ't"O<; cpomc; wcpe:'Ae:i:v rrecpuxe: XIX! &yvoOU!J.E'I"IJ - .&e:p 1Xm:oe: � yo uv oö <Jiux<Xc; !J-0'10'1, &.'A'A<X XIXL O"W!J.IX't"IX, XIXL .&e:wv rro�e:r 7t1Xpoucr(IXc; - 't"OU't"' OL!J.IX� rro'AA& x�<; y(yve:cr.&IX� XIXL a�,x 't"W" (.LOlt wv, iS't"IX'I d<; 't"
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Schlußmythos des platonischen " Staates") und bei Macrohins (im Kom mentar zum Somnium Scipionis) . Die erzählerische Einkleidung, sagt Proklos, entspricht dem Wesen der Natur, die sich nach dem Wort Heraklits (fr. 123) zu verbergen lieht. Die Götter, die Herren der Natur, spenden uns durch solche scheinbar trügerische Darstellungen ihre Gaben im Schlafen und Wachen, Dunkles sprechend, das eine durch etwas anderes bezeichnend - geformte Ab bilder des ungestalteten Unsagharen -, durch die Darstellungen das ent sprechende andere andeutend ; von dieser Art sind die Tempel voll und die Riten in den Mysterienhäusern, welche eben durch das Geheime und Unerkennhare auf die Initianden wirken.1 Bei den Weihen benützt man die Mythen, um die unsagbare Wahrheit über die Götter zu ver schließen. So wird bei den Weihen ein Mitempfinden der Seelen mit den heiligen Handlungen auf unerforschliche und göttliche Art verur sacht. Die einen der Initianden werden erschreckt, da sie von göttlichen Schreckbildern erfüllt werden ; die anderen werden durch die heiligen Symbole in einen dem Göttlichen ähnlichen Zustand versetzt, treten in der Ekstase aus sich heraus, fassen feste Wurzeln im Göttlichen und werden des Gottes voll. Offenbar erwecken die den Göttern nachstehen den, uns aber übergeordneten Wesen uns durch die Sehnsucht nach dieser heiligen Gemeinsamkeit zur Sympathie mit den Göttern.2 Ganz ähnlich Macrohins : Die Kenntnis der heiligen Dinge wird unter dem frommen Schleier der Mythen, in schöne Worte gekleidet, mitgeteilt. Die :N"�tur will nicht, daß man sie offen und nackt darstellt ; sie hat dem gemeinen Sinn der Menschen ihr Verständnis durch die verschieden artigsten Hüllen entzogen und will, daß ihre Geheimnisse von den Wei1 Proklos in remp. II p. 107, 5-1 4 Kroll 'l'O 7tAIXG!J.<X'l'w8e:<; 'l'OÜ't'o XIX'l'oc cpumv 7tW <; XIX! 1j cpua t<; XpU7t'l'E:G3-IX L Cj)LAE:L XIX3- ' ' H p ocXAE: L'l'OV • • • o! 81XL!J.OVE:<; ot 7tpoa't'OC'l'IXL
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D opp e l s i n n , A l l eg o r i e u n d S y m b o l i k
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sen m Mythen behandelt werden. Auch die Mysterien selbst werden 1lurch die Hüllen der (symbolischen) bildliehen Darstellungen bedeckt, damit auch für die Geweihten die Natur sich nicht nackt und bloß dar stelle ; nur die obersten Mystengrade kennen durch Vermittlung der Philosophie die geheime Wahrheit, während die anderen sich mit den symbolischen bildliehen Darstellungen begnügen, welche das Mysterium vor der Entweihung schützen.1 Daß also die spätantiken Autoren - und speziell die ägyptischen Priester - allegorisiert haben, steht außer Zweifel. Damit ist die Berech tigung der oben gegebenen allegorisch-symbolischen Deutung des Psy che-Mythos erwiesen. Eine andere Frage ist, wie wir über solche allegori sierende Literatur urteilen sollen. Im allgemeinen geht das Urteil der modernen Philologen von der stoischen Homerallegorese aus. Die Dichter der Ilias und Odyssee haben mit ihren Versen nun einmal keinen allegorischen Sinn verbunden ; er ist erst später gewaltsam hineingedeutet worden. Vielfach wollten die allegorisierenden Erklärer nur in apo� ogetischem Bemühen den geliebten Homer gegen die Angriffe der Philosophen (Xenophanes, Platon) ver teidigen. Allmählich erwuchs daraus ein ganzes Gebäude der Homer allegorese. Wer die spätantike Philosophie studiert, muß diese Gedanken gänge kennen.2 Aber nicht überall sind die allegorischen Deutungen dem Gegenstand erst nachträglich aufgepfropft ; viele Dichtungen enthalten allegorisch symbolische Bezüge, die von vorneherein beabsichtigt waren. Wer hier von der Symbolik absehen wollte, würde das zu behandelnde Objekt in der Mitte entzweischneiden. Zu guten Resultaten könnte das kaum führen. Wer Goethes "Heidenröslein" erklären will, kommt nicht darum
1
In somn. Scip. I 2, 1 1 saerarum .rerum notio sub pio figmentorum velamine honestis teeta rebus et vestita nominibus enuntiatur. (17/18) inimicam esse naturae apertarn nu tlamque expositionem sui, quae sieut vulgaribus hominum sensibus intelleeturn sui vario rcrum Iegmine operimentoque subtraxit, ita a prudentibus areana sua voluit per fabulosa traetarl. sie ipsa mysteria figurarum tuniculis operiuntur, ne vel haee adeptis nudam rcrum talium se natura praebeat, sed summatibus tantum viris sapientia interprete veri tlreani eonseiis eontenti sint reliqui ad venerationem figuris defendentibus a vilitate seere tum. � tunieulis ist Konjektur von Theiler für euniculis, worunter man allenfalls "labyrinthische Irrgänge" verstehen könnte. - Im folgenden Absatz wird berichtet, daß der Pythagoreer Nnmenios die eleusinischen Mysterien philosophisch interpretiert et
hat.
2 V gl. Gaios und Albinos bei Proklos in Tim. III 234, 17 (zu Tim. 29 BC) und Doerrie
in dem Sammelband Sources de Plotin (Entretiens de Ia Fondation Hardt V, Genf
1 960) 200f. und Hermes 83, 1955, 454, 7 : 85, 1957, 430, 3.
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Apuleius
herum z u sagen : Das Röslein bedeutet das Mädchen ; wer " Gefunden" erklären will, muß sagen : Das Veilchen ist Christiane. Der Reiz dieser Gedichte beruht gerade auf dem Hin und Her, auf dem Ineinander zweier verschiedener Sphären. Diese doppelsinnigen Formen dichterischer Rede sind sehr alt - wie alles Komplex-Vielfältige alt ist, alles Logisch-Einfache jung. Die grie chische Lyrik ist voll von diesem Denken auf zwei Ebenen. Bei Sappho und Pindar bezieht sich der Mythos auf das Jetzt und Hier, und das Jetzt und Hier spiegelt sich im Mythos. Alkaios und Anakreon haben ausgeführte Allegorien gegeben. Die Lyrik ist hierin - morphologisch betrachtet - älter als Homer, wie j a überhaupt Homer sich in viel facher Hinsicht als "jünger" erwiesen hat, als es Pindar und Aeschylus sind. In Ägypten ist dieses anscheinend unlogische Ineinander von Mythos und Realität niemals von einem philosophisch-logischen Denken abge löst worden. Hier wurde der Mythos immer auf mehreren Ebenen ver standen, hatte immer einen doppelten Boden. Nun ist der Psychemythos, wie wir gesehen haben und bald noch deutlicher erkennen werden, in Wirklichkeit ein Isismythos. Daraus ergibt sich, daß hier die allegorisch-symbolische Deutung nichts sekun där Hinzugetretenes ist. Nein, die doppelte und dreifache Bedeutung hat immer dazu gehört, sie ist ein wesentlicher und charakteristischer Bestandteil dieses Mythos. Wer sie nicht kennt, hat nur die Hälfte von dem verstanden, was der Mythos bedeuten sollte. Von der stoischen Homerallegorese mag man sich abwenden ; hier sollte man sich davor hüten. Wer nur ein wenig über den Doppelsinn des Psychemythos nach denkt, wird finden, daß diese Art sich auszudrücken sehr große Vorteile bietet. Hier wird das eine gesagt und gleichzeitig das andere ; ein Ent weder-Oder hat hier keinen Platz. Was ein logischer Gegensatz schien, _wird in einer höheren Einheit aufgehoben. Der Mythos ist nicht ein deutig wie unser logisch scheidender Verstand, sondern vieldeutig wie die Welt um uns. Ein Gedanke reiht sich an den anderen, und während man meint, immer weiterzuschreiten, ist man unversehens wieder am Ausgangspunkt der Gedanken angelangt. Was eine Reihe von Gedan ken schien, erweist sieh als Zyklus ; und ehendarum kann der Gedanke immer weiter gehen, anscheinend bis ins Unendliche.
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D i e Ve rs c h l ü s s e l u ng d e s I s i s m y t h o s
D I E V E R S C H LÜ S S E L U N G D E S I S I S M Y T H O S
Wir haben uns davon überzeugt, daß die Geschichte der Psyche ein l.spo� Myo� der Isismysterien gewesen ist. Für viele Szenen ließ sich zeigen, daß sie ähnlichen Partien des Io-Mythos entsprachen. Aber manche Episoden haben keine solchen Parallelen in der Geschichte der Io, so die nächtliche Szene mit der Lampe und die Prüfungen der Psyche. Das sind aber gerade diejenigen Stellen, welche die meisten Beziehungen zum Mysterienritual haben. Woher stammen diese Par tien ? Sind sie der Geschichte der Io-Psyche sekundär einverleibt, um sie auf die Mysterien deuten zu können ? Sehr wahrscheinlich ist dies nicht. Man würde eher erwarten, daß die Mysterien von Anfang an in Beziehung standen zu einem Isismythos, und daß dieser ägyptische Mythos sekundär durch einige Episoden aus den Mythen der "griechischen lsis" Io erweitert wurde. In der Tat läßt sich zeigen, daß der Hergang so gewesen ist. In der Psychegeschichte sind nämlich zwei vollständige Erzählungen mitein ander verquickt.l Eine Analyse der Motive, welche bei Apuleius vor kommen, kann dies leicht zeigen. Der Anfang der Geschichte ist aus dem Io-Mythos (A) genommen :. Psyche, eine Sklavin der Venus, 2 wird als Göttin verehrt, und Venus ist eifersüchtig. Ein Orakel lädt Psyche zur Hochzeit, Eros macht Psyche zu seiner Frau. Aber alles, was im Mysterienhaus folgt, fehlt im Io-Mythos ; erst mit dem Vogel als Angeber wird wieder ein Motiv aus diesem aufgenommen. Was dazwischen steht, ist der Anfang einer vollständigen Geschichte 1 Dies hat Bieler klar erkannt (Archiv für Religionswissenschaft 30, 1933 ; vgl. Erbse, Eranos 48, 1950). Zu den in diesem Kapitel auseinandergesetzten Ergebnissen bin ich auf dem Umweg über die Motivanalyse gekommen. Dabei ergaben sich als Vor lagen der Psyche-Erzählung zwei "Märchen", deren eines mit dem Io-Mythos identisch war. Daraus folgte alles Weitere. Mein Vertrauen in die Möglichkeit, durch solche Analysen brauchbare Resultate zu erzielen, ist durch diese Erfahrung gestärkt worden. 2 Dies steht erst in V 3 1 , 2 Psychen illam fugitivam volaticam. VI 4, 5 servos profugos. 5, 3 dominae tuae. 7 , 3 delitescentem ancillam. 8, 2 fugitivam Veneris ancil lam. 8, 6 tandem ancilla nequissima dominam habere te scire coepisti. Es stammt aus der Geschichte der Io, die Dienerin der Hera ist. Zum Isismythos paßt der Zug nicht gut, daher hat Apuleius ihn eingangs übergangen. Ancilla Veneris bedeutet entweder, daß Psyche �ine Priesterin der Venus-Isis war (wie Io), oder daß sie dem Dienst der Göttin von Jugend auf geweiht war. - Vgl. XI 1 5 , 5 cum coeperis deae servire (über Lucius). -
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Apuleius
(B) : Psyche vereinigt sich mit Eros, verpflichtet sich zum Schweigen, wird von den Schwestern überlistet, entzündet die Lampe, um Eros zu töten ; der Gott entflieht, und Psyche sucht ihn in langer Irrfahrt. Hier ist zu vermerken, daß nach V 23 Psyche den Eros nicht verwundet ; nur ein Tropfen heißen Öls fällt auf den Gott, dieser erwacht und fliegt davon. Später zeigt sich aber, daß Eros ernstlich krank ist ;1 Psyche muß sogar das Wasser des Lehens holen - doch wohl um ihn zu heilen. Man h at sogar geschlossen, daß ursprünglich Psyche den Geliebten mit dem Schwert getroffen hahe.2 Die Erzählung springt zu Venus über (A) : Ein Vogel meldet ihr, daß Eros sich in Psyche verlieht habe, und Venus verfolgt sie "über den ganzen Erdkreis'? wie Hera die lo. Die folgende Erzählung ist doppelt motiviert : Psyche irrt umher, weil sie sich gegen Venus vergangen (göttliche Ehren, A) und weil sie gegen Eros gefrevelt hat (Neugier, B) ; weil Venus sie verfolgt (A) , und weil sie Eros sucht4 (B) . Die Kombination zweier Erzählungen ist offensichtlich. Psyche besteht alle Prüfungen und wird mit Eros vereinigt (B) . Im lo-Mythos (A) fehlen die Aufgaben, das Ende ist identisch. Es sind also zwei ursprünglich selbständige Mythen ineinander gearbeitet, der von lo (A) und ein anderer, in welchem die Heidin Gemahlin des Gottes wurde, sein Gebot übertrat, ihn in langer Irrfahrt suchte, viele Prüfungen bestand und mit ihm vereinigt wurde (B) . Die 1 V 28, 1 ille vulnere lucernae dolens in ipso thalamo matris iacens ingemescebat; 28, 3 adustum filium eius gravi vulneris dolore mareentern dubium salutis iacere; 29, 1 aegroto puero; VI 16, 5 filium curat aegrotum. - Man kann erwägen, ob die "Verbrennung" auf eine Feuertaufe zu beziehen ist. 2 Reitzenstein, Das Märchen . . 22 f. ; Bieler, Archiv für Religionswissenschaft 30, 1 933, 2 5 4 ; Erbse, Eranos 48, 1 9 50, 1 1 7. D er Schluß ist verlo ckend, hat es doch sogar einen " f.lpou �I<Xfl. EAicrfLo<; gegeben (Plut . , De Iside 20), und eine Terra cotta Lamp e scheint darzustellen, wie Psyche den Ero s am Hal s verwundet (s. Pagen stecher, Ero s und Psyche, Sitz. Ber. H eidelb erg 1 9 1 1 , Abh. 9 Tafel 111 b ; Reitzen stein, Das Märchen . . 89 ; Kleinkunst, Tafel I 1 ; Noch einmal Eros und Psych e 86). Umgekehrt hat auch Horo s der lsis den Kopf abgeschlagen (Mit Plut. De Iside 20 vgl. P. Beattie I = Lefebvre, Romans 1 9 4 ; P. Sallier 4 = Kees, Lesebuch 35). Ferner hat l sis dem Horos die Hände abgeschlagen, Tot enbuch Kap. 113 ( Ro eder, Urkunden 2 7 2 ; Kees, Lesebuch 35) und P. Beattie I (Lefebvre, Ro mans 1 96). Osiris wird gar &x€
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eigentlichen Mysterienelemente enthält dieser zweite Mythos : die heilige Hochzeit, das Schweigegebot, das Suchen und den Gang ins Jenseits. Dieser Mythos kann kein anderer gewesen sein als ein Isismythos. Nun ist uns freilich kein genau entsprechender Isismythos über liefert. Aber man darf nicht vergessen, daß der Mythos früher Völker nicht so festliegt wie die heilige Geschichte des Christentums. Diese ist historisch ; der Mythos der frühen Kulturen aber deutet den Sinn aller wichtigen Dinge im Leben, indem er sie auf eine höhere, mythische Realität zurückführt.1 Der Menschen Auffassungen vom Sinn ihrer Handlungen aber wandeln sich, und mit ihnen wandelt sich der Mythos. Daher liegt er nicht fest ; er wird immer dem angepaßt, was die Menschen für das Eigentliche und Wahre halten. Daraus ergibt sich das eigen tümlich Schillernde der mythischen Erzählungen, die bald so bald so lauten. Wir können gar nicht erwarten, daß die eine uns bekannte aus führliche Darstellung des Isismythos, die bei Plutarch, die einzige ge wesen ist. In der Tat werden wir noch verschiedene abweichende Isis mythen kennenlernen. Wir postulieren also, daß es einen Isismythos gegeben habe, welcher . die oben als B bezeichnete Komponente des Psychemythos gewesen ist. Zwei wichtige Züge dieses Isismythos sind auch bezeugt : a) Psyche sucht den Eros. Von Isis heißt es meist, daß sie Osiris suchte ; aber es gibt auch Traditionen, nach denen sie Horos gesucht hat : Minucius Felix 22 Isis perditum filium cum Cynocephalo suo2 inquirit . . . ; mox invento parvulo gaudet Isis . . . Cynocephalus inventor gloriatur etc. ; Arnobius I 36 Isis furva maerens perditum filium ; Hygin fab. 277 velificia primum invenit Isis ; nam dum quaerit Harpocratem filium suum, ratem veli.ficavit. Cassiodor Var. V 17 Isis . . . cum per maria Harpocran filium suum audaci femina pietate perquireret. Lac tanz div. inst. I 21, ll Isidis Aegyptiae sacra sunt, quatenus filium par vulum vel perdiderit vel invenerit. Ps. Apollodor, Bibi. II 9 Io(-Isis) sucht Epaphos(-Horos) . •
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1 Weil der Mytho s auf alle wichtigen Fragen Antwort geben muß, ko mmen auch abstoßende Dinge darin vor, die Plutarch übergeht ( De I side 20 -rwv 8ucrrpl)[LO-roc-rrov i�cnpe:&ev-rrov). Eine altägyptische Geschichte berichtet, daß Seth den Horo s pä dera stisch mißbraucht habe (Pap. Beatty I ; Lefehvre, Romans 1 96 ; Hopfner, Komm. I 140 f.). Das fügt sich schwer zu dem übrigen Mytho s ; aber da die Knabenliehe auf Erden vorko mmt, muß sie auch ein Vorbil d im Mytho s gehabt haben, und "der" Knabe der Götterwelt ist Horos, "der" Böse Set h . 2 Dies ist Anubis.
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Apuleius
h) Psyche bringt d a s Lebenswasser, um Eros z u heilen. Oft bezeugt ist, daß lsis den Osiris mit dem "kühlen Wasser" wieder zum L ehen erweckt ; es gibt aber auch einige Zeugnisse dafür, daß Isis den Horos lebendig gemacht oder aus Krankheiten geheilt hat. Diodor I 25, 6 e:upe:!:v /')' CXU't"�V xcxt 't"O Tijc;; oc.&cxvcxcr(cxc;; qJ
D i e Ve r s c h l ü s s e l u ng d e s Is i s myl h o s
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bei Apuleius das Lehenswasser holt, das (nach dem ganzen Zusammen hang) dazu dient, um Horos vor tödlicher Krankheit zu retten, so wie derholt sie den Mythos der lsis. Merkwürdig ist ferner ein Satz bei Apul. V 28, 5 . Dort meldet die Möve der V enus, daß Eros, in Psyche verlieht, sich aus der Welt der Menschen entfernt habe ; ac per hoc non voluptas ulla non gratia non lepos, sed incompta et agrestia et horrida cuncta sint, non nuptiae coniu gales non amicitiae sociales non liberum caritates, sed enormis colluvies et squalentium foederum insuave fastidium. Unfruchtbarkeit und Chaos sind über die Menschen durch die Abwesenheit des Eros herein gebrochen. Ich will nicht sagen, dieser Zug sei bei Apuleius ungenügend motiviert ; aber daß es sich um ein uraltes, hieratisches Motiv handelt, das ursprüng lich zu dem Tod eines Gottes gehört hat, wird niemand bestreiten. Es findet sich schon im babylonischen Ischtar-Epos, im Baal-Epos von Ugarit und im hethitischen Telipinu-Mythos ; in Griechenland ist es aus dem Mythos vom Raub der Persephone bekannt. Es ist auch für Ägypten bezeugt ; nach dem Tod des Königs trauert und fastet man, pflegt sich nicht, genießt nicht der Liebe (Diodor I 72 aus Hekataios 264 F 25) . Viel leicht wurde auch in der Psychegeschichte das Chaos ursprünglich durch den Tod des Gottes ausgelöst.l Es sind also im Psychemythos zwei ältere Mythen von lsis und von lo zusammengeflossen. Wenn die Griechin lo in Wahrheit lsis gewesen war, so folgte mit Notwendigkeit, daß ihre Erlebnisse die der lsis waren ; der lsismythos mußte also um die Erlebnisse der lo "synkretistisch" erweitert werden, wie bei Plutarch der Isismythos Episoden aus dem Mythos der Demeter und der syrischen Göttin in sich aufgenommen hat. Eine ganz ähnliche Verquickung des Io- und lsismythos findet sich in der Bibliothek des Ps. Apollodor II 9. Durch die Aufnahme der logeschichte in den Mythos der Isis (-Psyche) ergab sich die oben be handelte merkwürdige Verdoppelung der Isis, welche in Gestalt der Psyche (Io) und der Venus (Hera) auftritt ; den theologischen Sinn dieser Zweiheit der Isis haben wir oben besprochen. Hier wird der heilige Mythos in eigenartiger, verschlüsselter Weise erzählt. Allein der Name der lsis scheint ein Geheimname gewesen zu 1 Man kann auch noch auf andere Weise wahrscheinlich machen, daß Eros in einer früheren Form des Mythos gestorben ist. Psyche sucht Eros und holt das heilige Wasser, wie im Mythos Isis den toten Osiris gesucht und mit dem heiligen Wasser belebt hat. Da Psyche der Isis, Eros dem Osiris entspricht, wird auch er ursprünglich gestorben sein.
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Apuleius
sein ; man lese bei Apuleius X I 1-5 nach, mit wie vielen Namen Lucius die Mondgöttin anbetet, bis sie ihm am Ende einer langen Offenbarungs rede ihr verum nomen enthüllt. Die Heiligkeit des Namens ist uns durch das Studium früher Kulturen vertraut geworden. Der Mythos war nicht weniger heilig. Er war Ausdruck einer höheren überirdischen Wirklich keit, und darum von unvorstellbarer Wirksamkeit. Das Rezitieren des Mythos war immer gleichzeitig auch ein Zauberspruch - "Wie das Wort so wichtig dort war, weil es ein gesprochen Wort war." Der Mythos ist also geheim gewesen ;1 im Totenritual, in Zaubertexten wird auf ihn angespielt, aber eine vollständige Erzählung des Mythos von Isis und Osiris aus pharaonischer Zeit fehlt. 2 Es blieb den Griechen vorbehalten, den lsismythos schriftlich niederzulegen (Hekataios-Diodor, Plutarch) . Wenn der Mythos in pharaonischer Zeit aufgeschrieben wurde, dann in derselben verschlüsselten Form, welche wir bei Apuleius kennengelernt haben und die uns noch oft begegnen wird. L üg e u n d Wa h r h e i t
D a e s für unsere weitere Untersuchung wichtig ist, hierüber volle Klarheit zu erhalten, referiere ich den Inhalt des altägyptischen "Mär chens" von Wahrheit und Lüge.3 Es ist völlig identisch mit dem heiligen Mythos, nur sind die Namen der Götter durch Decknamen ersetzt, welche dem Unkundigen die wahre Bedeutung des Schriftstücks ver hüllen. Lüge ( Seth) hatte seinem älteren Bruder Wahrheit (Osiris)4 ein Messer geliehen, und es ist irgendwie abhanden gekommen, vermutlich durch einen unredlichen Trick von Lüge. Nun klagt Lüge vor dem Götter gericht gegen Wahrheit und verlangt, er solle ihm das geliehene Messer zurückg�ben, "dessen Klinge der Berg von J al ist, dessen Schaft die Bäume · von Koptos sind, dessen Scheide das Gottesgrab ist, dessen 1 Der Isishymnus von Andro s spricht über den cpp,xoc:Aeov . . . tepov A6yov (Vers 1 2 ) . Herodot verschw eigt d e n Lepo<; A6yo<; d e r ägyptischen Religion. 2 Am ehesten ist die Erzählung vom Streit des Horos und Seth im Pap. Beatty I zu nennen (Spiegel, Die Erzählung vom Streite des Horns und Seth, Glückstadt 1937 ; Lefebvre, Romans 178 ff. ; Roeder, Mythen und Legenden 33 ff. ; Clark, Myth and Symbol in Ancient Egypt CLondon 1 959) 195-208 ; (Pritchard-)Wilson, Ancient Near Eu�tl'rn Texts relating to the Old Testament 14 ff.). 3 Pup. lleatty II; Lefebvre, Romans 159 ff. ; Schott, Liebeslieder 205 ff. ; Roeder, l\l y t lwn uml Legenden 74 ff. 4 V v; l . P. G. M. V 1 48 (vo n Osiris O nnophris) �yw dflo' � &.J.�.&e,oc.
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D i e Vers c h l ü s s e l u ng d e s ls i s m y t h o s
Schlinge die Herden von Kai sind", d. h. ein unvorstellbar riesiges Messer. Wahrheit (Osiris) kann dieses Messer nicht gehen, und so wird er, auf Antrag von Lüge (Seth), nach dem Richterspruch der Götter verurteilt und gehlendet.1 Dann befiehlt Lüge zwei Dienern, sie sollten Wahrheit in die Wüste führen, damit die Löwen ihn zerrissen. Die Diener aber haben Er barmen mit Wahrheit, legen ihn bei einem Hügel nieder und gehen ihm etwas Brot. Nach einiger Zeit ging Güte (Isis) hinaus und fand Wahr heit (Osiris) .2 Er war sehr s�hön, und Güte liebte ihn. Sie holte ihn als Pförtner in ihr Haus, umarmte ihn3 und gebar einen Knaben (Horos) . Er war "wie" ein Götterkind. Aber die Knaben, die mit ihm spielten, verspotteten ihn, daß er keinen Vater habe. 4 Er fragte die Mutter, wer sein Vater sei. 5 Sie zeigte ihm den Blinden. Da läßt der Sohn ein Krokodil rufen und holt seinen Vater.6 Er setzt den Vater auf einen Stuhl und gibt ihm zu essen und zu trinken. Dann beschließt er, den Vater zu rächen.7 Er nimmt ein wunderbar schönes Rind8 und übergibt es einem Hirten von Lüge (Seth), der es gegen Bezahlung hütet. Aber Lüge will ein Rind essen und wählt das schönste Tier, das des " Sohnes". 9 1 Dies erinnert daran, daß Horos im Kampf mit Seth sein Auge verloren hat ; von Osiris ist es nicht bezeugt. 2 Das Finden des O siris ist das Hauptfest der l sisreligion (e:Öpe:m�). Eine ähnliche Episo de findet sich im Pap. Beatty I, wo Hathor (lsis) den geblendeten Horos (Osiris) in der Wüste findet und heilt (Lefebvre, Romans 1 95 ; Roeder, Mythen und Legenden 56 f.). a Dies ist der le:po� y&.fLo�. 4 lsis hat Horos in der Umarmung des toten Osiris empfangen, den sie zum Leben erweckt hatte. Daher warf Seth dem Horos uneheliche Geburt vor und erhob den An spruch, selbst König und Nachfolger des Osiris zu werden. Aber in einer Verhandlung vor dem Göttergericht wurde die Echtbürtigkeit des Horos festgestellt (Plut., De lside 54). r. Vgl. den demotischen magischen Papyrus XVIII 16 "I am Horns, son of Osiris , born of lsis, the noble boy whom lsis loves, who inquires for his father Osiris Onnophris" ; Griffith-Thompson (s. S. 68,6) I 1 2 1 . 6 Vielleicht Anspielung darauf, daß Horos- Sobek i n Gestalt eines Krokodils die Leiche des Osiris aus dem Wasser an Land gebracht hatte ; s. die Abb. bei Hopfner, Komm. I 102. Lefebvre (Romans 1 66) erklärt freilich ganz anders. 7 Horos ist immer der Rächer seines Vaters. s Es ist vermutlich ein Apisstier, eine Inkarnation des Osiris. 9 Er schlachtet also den Apisstier. Im "Märchen" von den beiden Brüdern (s. unten S. 81) kommt eine ähnliche Episode vor. Man fragt sich, ob es im alten Ägypten nicht ein "kosmogonisches" Stieropfer gegeben hat, das dem Stieropfer des Mithras ent sprach, aber später abkam. Aus dem Mithrasstier entstand die Welt, wie aus Gayo· mard, Purusa, Ymir, ursprünglich wo hl auch aus Osiris-Apis. -
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Apuleius
Der Sohn (Homs) bringt deshalb Lüge ( Seth) vor das Göttergericht und fordert ein Rind, "das so groß ist wie das meine . . . Sein eines Horn stand iiber dem Westgebirge, sein anderes Horn über dem Ost gebirge, der große Fluß war seine Ruhestätte. Täglich wurden ihm 60 Kälber geboren". Da sagen die Götter, es gebe kein solches Rind. Da fragt der Sohn zurück : " Gibt es ein Messer, dessen Klinge der Berg von .Tal ist, dessen Schaft die Bäume von Koptos sind, dessen Scheide das Gottesgrab ist, dessen Schlinge die Herden von Nuhien sind ?" Und er verlangt von den Göttern : "Richtet zwischen Wahrheit und Lüge. Ich hin der Sohn, der gekommen ist, ihn zu rächen. " 1 Lüge glaubt, die Diener hätten Wahrheit getötet, und schwört : "Wenn man Wahrheit :findet, und er lebt, soll man mich auf beiden Augen blenden". Der Sohn nimmt diese Bedingung an. Wahrheit wird gebracht. Die Götter entscheiden den Streit zugunsten des Sohnes, und Lüge wird gehlendet.2 So rächte der Sohn den Vater, und so wurde der Streit zwischen Wahrheit und Lüge entschieden. Dies ist nichts anderes als der heilige Mythos von Isis und Osiris, Horos und Seth. Die Abweichungen von der bekannten Version sind geringfügig ; wir werden stärkere Variationen kennenlernen. Die wah ren Namen der Götter werden nicht genannt - ganz wie bei Apuleius.
C HAR I T E
Die Geschichte der Psyche ist nicht die einzige Einlage des Apuleius in den Eselsroman, welche sich auf die Isismysterien bezieht. Im Psyche mythos war nur von Isis und ihrem Sohn Eros-Horos die Rede, nicht von dem Tod und der Wiederauferstehung des Osiris. Auch sie kommen bei Apuleius vor, in den Geschichten der Charite und des klugen Arztes. Bevor wir aber zu der Geschichte der Charite übergehen, müssen wir kurz über die Gleichsetzung des Osiris mit Adonis sprechen. Eine der wichtigsten Lehren der hellenistischen Theologie ist, daß Osiris, Adonis, Attis in Wahrheit nur verschiedene Erscheinungsformen desselben Gottes seien. 3 Alle drei sind Geliebte einer großen Göttin, 1
Dies ist das oben erwähnte Göttergericht zwischen Seth und Horos. Der Sohn,
dr.r den Vater rächt, ist Horos. 2 nit�s fehlt im Pap. wegen einer Lücke. :• Hii'Ht� Lehre ist richtig. Das hat schon Mannhardt gesehen (Wald- und Feldkulte I 5 7 1 IT. J l 273 ff.), Frazer eindrucksvoll dargelegt (Adonis Attis Osiris II 1 2 6 f. , auch
211 1 ).
Ch a r i t e
73
sterben und werden zu neuem Lehen erweckt. Über das Allgemeine hin aus sind in zahlreichen Einzelheiten bemerkenswerte Übereinstimmun gen vorhanden, von denen ich einige zusammenstelle, ohne Absicht auf Vollständigkeit.
l . Adonis wird von einem Eher getötet. Das gleiche gilt von Atys bei Herodot I 34 ff. ; dieser Atys ist nur ein Doppelgän ger des Attis.1 Von Osiris-Horos hat es ähnliche Traditionen gegeben : Im l l2. Kapitel des Totenbuches2 tritt dem Horos Seth in Gestalt eines schwarzen Schwei nes entgegen und stößt ihm ein Auge aus. Horos fällt ohnmächtig zu Boden. Auch nach einem Pyramidentext wurde Horos von einem Eher geblendet.3 Nach Plutarch (De lside 8, vgl. 18) fand Seth den Leichnam des Osiris, als er einen Eher verfolgte, und zerriß ihn in viele Teile. Ur sprünglich scheint Seth der Eber gewesen zu sein. 4 2 . Attis entmannt sich. Auch dem Osiris wird das männliche Glied abgeschnitten ; nach manchen Traditionen tut dies Seth, nach anderen Osiris selber (s. unten S. 80 über Bata) . 3 . Im Kult des Attis wurde eine Pinie gefällt, im Kult des Osiris ein Baum ; Plut. De Iside 2 1 (-ro [J.�\1 �ut.ou) und Firmicus Maternus, err. 27. 4. Osiris wurde in einem Holzsarg bestattet, ursprünglich in einem ausgehöhlten Baum, 5 und wieder zum Leben erweckt. In Byblos ist die Mumie des Osiris in einem Erikabaum eingewachsen. Adonis wurde aus dem Myrrhenbaum geboren. Attis ist der Pinienbaum. Das Fällen der Pinie entspricht der Entmannung des Attis ; eine entsprechende Osiris tradition wird uns unten S. 81 begegnen. Nach Ps. Apollodor (Bibi. 111 184) ist Adonis schon als Kind in einen Holzkasten gelegt worden, wie Osiris. 5 . Aus dem Grab des Attis sproßten Veilchen, aus dem des Adonis Rosen und Anemonen. 1 Ed. Meyer, Forschungen zur Alten Geschichte II 237 ff. 2 Kees 33. Roeder, Urkunden 271.
3 Pyr. 1268 b ; Frankfort, Kingship and the Gods 293 ; Mercer, The Pyramid Texts
in Translation and Commentary (New York 1952) 111 634 "blinded by a pig".
4 Seth als Eber, Abbildung aus dem Totenbuch bei Hopfner, Komm. II 122. Auch Herodot II 47 scheint den Tod des Osiris durch den Eber Seth zu kennen. Vgl. noch Horapolion II 37 ; Frazer, The Golden Bough (Abridged edition, 1922) 475 Spirits of the Corn and of the Wild II 30. 5 Auf einem Relief von Denderah ist der Sarg des Osiris von einem Baum umwachsen, s. Hopfner, Plut.-Komm. I 51 Abb. 3. Über Osiris im Baum s. noch Frazer, Adonis Attis Osiris II l lO. =
Apuleius
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6. Isis sucht den Osiris, Aphrodite den Adonis. Man feiert d a s Wieder finden nicht nur des Osiris, sondern auch des Adonis.1 Die Identität von Osiris und Adonis bezeugen zahlreiche antike Autoren : 1 . Die Naassenerpredigt bei Hippolytos, Elenchos V, 7 l l ff. 22 f. 2 . Ps. Lukian, De dea Syria 7. dal aE evLO� Buß/...( trOC 't"OV ''0 O'�p�v 't"0\1 A'�YU1t't"LOV, XOC� 't"OC 1tE:\I:trE:OC XOC�' 't"OC opy�oc {d . h Cl (jl 'lTOC� (\ . ' , .., .., , ' ' '0 · d.1e F eiern In Bybl os ) oux ' e<; ' 't"OV ' ''A o�
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1 Cyrill von Alexandria, Comm. in Ies. 18, 1 (P. G. 70, 441). - Nach Plutarch, Kleo menes 33 hat Ptolemaios IV. Philopator in Kanopos Dionysosfeste und Mysterien der phrygischen Göttin gefeiert (Hinweis von L. Koenen). 2 "in wahrhaft mystischer Versenkung in Gott" ; man erinnere sich, daß &e:oxptX· altX dies b edeutet, Dama skio s, vita Isidori § 5 )((X� -ro\h·' av eLlJ &e:oxpt;to-(tX, [LOCAAOV lll: !!vwo-L� 7t'tXVTe:A.-f]�. in&vo3o� ,c;,v lJfLe:Tl:pwv �uxwv 7tpo� TO &e:rov XTA. V gl. Reitzenstein, Das iranische Erlösungsmysterium 1 9 7 f. 3 Ari stides Apolog. 1 2, 2 ; Stephanos von Byzanz s. v. Bü�A.o� ; Ps. Iohannes D a m a 11e. vita Barlaam et Ioasaph 2 7 (249), P. G. 96, 1 1 1 7. Verehrung des Adonu N i riH z u Amathus : Steph. Byz. s. v. 'A[LtX&ou�. ' lle dea S y ria 7. In den Adoniazusen des Theokrit wird der Leichnam des ,
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Ch a r i t e
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Der Fäden sind also viele, die Adonis und Osiris verbinden. Wie Astarte dem Ägypter nur ein Name der lsis ist,1 so Adonis nur ein Name des Osiris. Dies wird uns helfen, die Geschichte der Charite bei Apuleius zu verstehen. Charite ist jenes Mädchen, das die Räuber am Hochzeitstag entführt hahen.2 Sie brachten sie in die Räuberhöhle, trösteten sie aber gleich : "Sei unbesorgt um dein Lehen und deine Ehre" (IV 23, 4), und über gaben sie einer alten Frau. Diese versucht sie zu beruhigen, aber Charite ist untröstlich ; sie hat nur schwache Hoffnung auf Rettung3 und träumt, ein Räuber habe ihren Bräutigam getötet.4 " Sei guten Mutes, Herrin'',5 sagt darauf die Alte und erzählt die Geschichte der Psyche, die auch von dem Geliebten getrennt wurde, aber am Ende ihn wieder erlangte. Als die Geschichte zu Ende ist, kommt der Bräutigam und befreit das Mädchen. Man feiert froh die Hochzeit. - Auf die Ähnlichkeit des Grundthemas in den Geschichten der Psyche und der Charite haben wir schon oben hingeweisen (S. 2 f.) ; Charite ist eine Doppelgängerin der Psyche. Daß sie auch eine Doppelgängerin der lsis ist, wird sich gleich zeigen.& Bald nach der Hochzeit kommt der junge Mann, Tlepolemos, auf schreckliche Weise ums Lehen. Ein Altersgenosse namens Thrasyllos ("der Frechling"), 7 ein berüchtigter Wüstling, hatte vor ihm um Charite Adonis ins Meer geworfen, als ob er Osiris wäre, dessen Leichnam nach Byblos s chwimmt. 1 I sislitanei P. Oxy. 1 3 80, 1 1 6 &v � L ilwvL 'AcrTci: pTIJ V. Isishymnus S. E. G. VIII 548, 18 'Acr't"ci:p't"1JV . . . crE: �ÜpoL x):ljL�oucrw. V gl. oben S. 1 1 , 1 (Sylloge 1 1 32). 2 Die Gefangennahme durch die Räuber kommt in allen anderen Romanen vor und ist wahrscheinlich bei der Mysterienweihe gespielt worden. Die Räuber wurden von Mysteriendienern dargestellt. 3 IV 24, 5 sub incerta salutis spe. 4 Der Traum weist voraus auf den Tod des Tlepolemos in Buch VIII. 5 IV 27, 5 bono animo esto ( .&u [L ov IExo: &:ycdMv) ; dies sind Mysterienworte, s. unten S. 255, 2. Vgl. auch Apul. VII 1 2 , 2. 6 IV 26, 3-4 spricht Charite von ihrem Bräutigam fast wie lsis von Osiris sprechen könnte : speciosus adolescens meus alioquin consobrinus, tantulo triennio maior in aetate (O siris ist 3 Tage älter als his, Plutarch De Iside 1 2), qui mecum primis ab annis nutritus et adultus individuo contubernio domusculae immo vero cubiculi torique (Isis und Osiris haben sich schon im Mutterleib verbunden, Plutarch I. c.) . . . mihi pigneratus. Dies steht sogar im Widerspruch zu VIII 2 und ist um so bezeichnender. - In IV 26, 8 wird Attis verglichen (Hinweise von L. Koenen). 7 VIII 8, 1 Thrasyllus ipso nomine temerarius, vgl. VIII 1, 3. Er ist Vertreter des Seth. Ganz ähnlich wie Apuleius den Thrasyllos schildert Synesios den Typhos (Aigyp· tioi I 2-4) ; und wie Tlepolemos bei Apuleius bonus ist (VIII 2, 2), so Osiris bei Synesios (Hinweis von L. Koenen). =
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angehalten, war aber abgewiesen worden. Sie heiratete den guten Tle polemos. Nun stellte sich Thrasyllos, als sei er der beste Freund des jungen Gatten, um eine Gelegenheit zu finden, ihn zu töten. Eines Tages jagten die beiden auf Rehe ; denn Charite ließ nicht zu, daß ihr jun ger Mann Jagd auf gefährlichere, mit Hauern bewehrte Tiere machte.1 Die Treiber legen Netze um ein Gebüsch, in dem sie Rehe vermuten ; die Hunde erheben ihr Gebell, und heraus kommt ein riesiger Eber, wie man noch keinen gesehen hatte, zerreißt die Netze und entflieht. Thra syllos fordert Tlepolemos auf, mit ihm den Eber zu erjagen. Sie reiten dem Tier nach, das sich stellt. Tlepolemos trifft es mit dem Speer, Thrasyllos aber sticht das Pferd des Tlepolemos mit dem Speer in die Sehnen der Hinterbeine. Dieses stürzt und wirft den Reiter zu Boden. Der wütende Eber greift den Liegenden an und verwundet ihn mit seinen Hauern an den Beinen. Thrasyllos aber gibt ihm den Todesstoß in den rechten Oberschenkel und tötet dann den Eber. - Dies ist der Tod des Adonis, mit dem einzigen Unterschied, daß hier der Tod durch den Eber und einen bösen Freund herbeigeführt wird. Tlepolemos ist näm lich Adonis und Osiris in einem ; als Adonis stirbt er durch den Eber, als Osiris durch die Hand des Thrasyllos, der hier die Rolle des Seth spielt.2 Der Tod wird durch eine Wunde am Oberschenkel herbeige führt, wie bei Adonis. Vbrigens ist der Tod des Atys bei Herodot der Szene des Apuleius noch ähnlicher als irgendeine überlieferte Version der Adonissage. Inzwischen waren die Treiber und Diener nachgekommen und finden den toten Herrn. Thrasyllos stellt sich untröstlich. Die Kunde vom Tod des Tlepolemos kommt rasch zum Haus der Charite. "Wahnsinnig und rasend vor Leid eilt sie wie eine lrregewordene in wildem Lauf über die bevölkerten Plätze und über die Fluren, mit unsinnigem Geschrei den Tod des Gatten beklagend. "3 Die Leiche des Gatten wird gebracht. 1 VIII 4, 1 nec enim Charite mariturn suum quaerere patiebatur bestias armatas dente vel comu. Adonis war auf die Hasenjagd gegangen und war auf wilde Tiere gestoßen, Theokrit I l l O xo:t 1t-r6ixo:c; ß&.:Ue:L xo:t ·lhJpLIX 1tciv-r1X 8Lroxe:L ; vgl. Bions Klage der Aphrodite um Adonis 60f. -rL ydtp -roAfL'IJPE xuv&.ye:Lc; ; xo:).oc; EWv -rocrcroihov EfL�vo:o .&1Jpl 7ttXAO:LELV ; 2 Man kann auch sagen, Seth habe sich sowohl in Thrasyllos als auch in dem Eber verkörpert. 3 VIII 6, 5 amens et vecordia percita cursuque bacchata furibundo per plateas popu lmltl.� ct arva rurestria fertur insana voce casum mariti quiritans, wie Aphrodite nach AduuiH Tod (Bion 19-24) &: 8' 'Acppo8t-ro: ).ucro:fLEVot 7tAOXO:fL'i: 8o:c; &vdt 8pufLwc; &M.A1J 'rO:L m:vlltXAEot b�u 8e xroxooucro: 81' &yxe:o: fLo:xpdt cpope:i-ro:L 'AcrcropLov ßo6wcro: 1t6cr1v xo:l 1tiX'i: �rt XIXAE:Ürro:. •
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Ch a r i t e
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"Da sank sie ohnmächtig ganz auf die Leiche herab und hätte ihm fast an Ort und Stelle ihren Geist zurückgegeben, den sie ihm gelobt hatte".1 - Das erinnert an die letzte Umarmung des Adonis durch Aphrodite, aber auch an die des Osiris durch lsis. Doch lsis hat mit ihrer Um armung dem toten Gatten den Lebensatem zurückgegeben, und eben daran will Apuleius erinnern. Tlepolemos wird bestattet ; Thrasyllos geht im Trauerzug mit und beklagt seinen "Bruder"2 - denn Seth war der Bruder des Osiris. Charite versucht zu sterben ; sie nimmt keine Speise mehr zu sich, wäscht und pflegt sich nicht mehr, verbirgt sich in dunklen Gewän dern. - Es ist das von Meuli3 geschilderte Betragen der Melancholikerin, die ihrer Trauer freien Lauf läßt. Die Welt soll stillstehen, alles soll zu grunde gehen. Charite wiederholt die Trauer der G1ittinnen : Demeter aß nichts und wusch sich nicht, als sie Persephone suchte,4 und zu Aphrodite sagen die Dienerinnen (Bion 76 :11". ) wc; Tfjvoc; "t's&wxxe x<Xt &v&e0t mxv"t'<X fL<Xpifv&'tJ . p<X�ve �s v�v �up(mcr�v
1 VIII 6, 6 labantique spiritu totam se super corpus effudit ac paenissime ibidem quam devoverat ei reddidit animam. Bion 42-45 mixe:occ; tXiJ.7te:Tcl:croccroc x�vupe:To · Mdvov "A3oov�. /lUcr1t"OTiJ.E iJ.z'rVOV "A8oov�, 1t"OCVUcrTOCTOV ehe; cre: XLXdOO, ehe; cre: 7te:pmTu!;oo xoct xd:Ae:oc Xd:Ae:cr� 11-e:L!;oo. ltype:o TUT-3-ov "Ailoov�. TO 3' cdi 1t"UiJ.ocT6v iJ.<: cpl:A7Jcrov XTA. Plut. De Iside 1 7 Tl7n 7tpocr
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A p u. l e i u s
Charite schaudert ; da sie nun den wahren Sachverhalt ahnt, erbittet sie Bedenkzeit. In der Nacht erhebt der Schatten des toten Tlepolemos sein blutüherströmtes, leichenblasses Antlitz und enthüllt der Gattin, wie er ums Leben gekommen ist.1 Als Thrasyllos seinen Antrag erneuert, bittet Charite ihn, das Trauerjahr abzuwarten.2 Auf sein Drängen hin erlaubt sie ihm aber, sie nachts heimlich zu besuchen. Kein Licht darf dabei leuchten.3 Der Verblendete geht auf diese "Hochzeit" ein, die ihm tödlich werden sollte.4 Als die Nacht hereinbricht,5 ist er zur Stelle. Eine alte Dienerin der Charite führt ihn ins Schlafgemach und reicht ihm einen Schlaftrunk. Thrasyllos trinkt ihn und schläft ein. Nun be tritt Charite das Zimmer. Nicht töten will sie ihn - sie will ihn schlimmer bestrafen. Er soll das Licht der Augen verlieren und wünschen, lieber tot zu sein, als leben zu müssen. "Erwache zum strafenden Dunkel . . . So haben Hochzeitsfackeln dein Brautgemach beleuchtet". Mit einer Haarnadel sticht sie ihm die Augen aus, eilt zum Grab des Gatten und erdolcht sich. Neben ihm wird sie bestattet und ist nun auf ewig mit ihm vereint. 6 Dies ist die Rache, welche lsis an Seth nimmt. Sie tötet ihn nicht ;7 Seth kann nicht sterben, solange das Böse in der Welt ist. Aber er wird geblendet. 8 Isis aber vereinigt sich als Herrin des Totenreiches9 für immer mit dem toten Osiris. -
1 Dies erinnert an den ägyptischen Brauch der Totenaussagen im Dienste des Rechts, welchen Morenz behandelt hat (Würzburger Jahrbücher 3, 1948, 290 ff.). - Nach Plut arch, De Iside 19 ist der tote Osiris dem Horos erschienen, als dieser sich zur Rache an Seth bereitete. 2 VIII 9, 7, vielleicht eine Anspielung auf das jährliche Fest ? 3 VIII 10, 6 nu.llo lu.mine conscio. 4 VIII 1 1 , 1 placu.it Thrasyllo scaena feraliu.m nuptiaru.m, vgl. IV 34, 1 (von Psyche) feralis thalami; non nu.ptias sed exequ.ias su.as. 5 VIII 1 1 , 2 u.bi sol tandem nocti decessit, vgl. V 4, 1 (von Psyche) provecta nocte und XI 23, 3 (von Lucius) sol cu.rvatus intrahebat vesperam. 8 Die Geschichte der Erigone bei Nonnos (Dion. 47, 34ff.) zeigt zwei beachtenswerte Ü bereinstimmungen mit der Geschichte der Charite : a) Der getötete lkarios erscheint Erigone im Traum und nennt ihr die Mörder. b) Erigone tötet sich am Grab des Ika rios. - Erigone wird nach dem Tod verstirnt ; ihr Sternbild (Jungfrau) ist das der Isis . Die Ähnlichkeiten sind also nicht etwa zufällig. Über die zahlreichen Beziehungen der Erigone des Erathosthenes zum lsismythos werde ich bald ausführlich handeln. 7 Plut., De Iside 19. s Pap. Beatty II, s. oben S. 72. 9 Über lsis-Proserpina vgl. oben S. 47. - Mit einem Wort sei hier auch an die häu figen Darstellungen einer Eherj agd auf den antiken Sarkophagen erinnert. Ob dar .I iigcr Adonis, Meleager oder Hippolytos heißt, tut wenig zur Sache ; ursprünglich wer Allunis gemeint, der so plötzlich in seiner Jugendblüte dahingerafft wurde. Meleager und Hippolytos sind nur andere Namen. Auch der in dem Sarkophag Bestattete, "" d i i r r.,n wir schließen, war so plötzlich gestorben. Das Schicksal des Adonis ließ hoffen, •
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D e r k l ug e A rz t
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Der ganze Schluß der Erzählung bezieht sich aber nicht nur auf den Mythos, sondern auch auf den Mysterienkult. Die Übereinstimmungen mit den Erzählungen von Psyche und Lucius sind in den Anmerkungen angegeben. Der Unterschied ist, daß Psyche und Lucius von Eros und Isis zur Weihe gerufen werden. Der Tod, den sie sterben, ist nur ein Scheintod. Dem Thrasyllos aber bringt der Schlaftrunk ewiges Ver· derben. Er hat keine rechtmäßige Ehe erstrebt, die von Hochzeitsfak keln beleuchtet wird, darum ist ewige Finsternis sein Lohn. Das sollen sich alle gesagt sein lassen, die solchen Liebesabenteuern nachgehen. Aber mehr noch, er hat frevlerisch die Umarmung der Charite-lsis begehrt, ohne von ihr gerufen zu sein ; er hat sich zu der nächtlichen Mysterienweihe von sich aus1 gedrängt. Darum ist er ebenso verloren wie die Schwestern der Psyche, die ungerufen Gemahlinnen des Eros hatten werden wollen. Alle Frauen sollen sich ihr Schicksal, alle Männer das des Thrasyllos zu Herzen nehmen.
D E R K LU G E AR Z T
Wir haben gesehen, in welcher Weise Apuleius in seinem Roman auf den Mythos vom Tod des Osiris angespielt hat. An die Wiedererweckung des Osiris aus dem Tod hat er in einer anderen Geschichte, der vom klugen Arzt, erinnert. Es wird uns aber das Verständnis dieser Episode erleichtern, wenn wir uns vorher wieder eine mythische Geschichte aus altägyptischer Zeit vergegenwärtigen, das "Märchen" von den beiden Brüdern.2 Es ist wieder eine Darstellung der Osirissage ; der Held wird nicht Osiris genannt, sondern Bata, d. h. " Seele des Landes", "Verkör· daß auch aus seinem Tod neues Leben im Kreislauf der Dinge entstehen werde. Die Darlegungen von Cumont (Symbolisme funeraire 436 ff.) sind hiernach zu ergänzen. 1 VIII 10, 4 opertas exoptat ultro tencbras. Auch von hier aus zeigt sich, daß das Ent zünden der Lampe durch Psyche das höchste Sakrament bedeutet. - Hier sei noch auf eine nahe Parallele zur Geschichte der Charite in dem demotischen Petubastis roman verwiesen. Ein gewisser Bes verliebt sich in Tentsi, die Geliebte seines Freundes llaryothes. Da Tentsi ihn abweist, ermordet er Haryothes heimtückisch und will Tentsi verführen. Diese willigt zum Schein ein, verlangt aber, daß man zuvor Hary othes begraben solle, und tötet dann sich selbst am Grab des Gatten. Vgl. Barns und Volten in den Akten des VIII. Internationalen Kongresses für Papyrologie (Wien 1956) 32 bzw. 1 50. 2 Pap. d'Orbiney ; Erman, Die Literatur der Ä gypter 1 97 ff. ; Roeder, Altägyptische Erzählungen und Märchen 8 9 1f. ; Lefebvre, Romans 1 37 1f. ; Schott, Liebeslieder 193 1f; (Pritchard-)Wilson, Ancient Near Eastern Texts relating to the Old Testament 23.
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Ap u l e i u s
perung des Landes"1 - ein durchsichtiger Name des Urkönigs Osiris. Die ganze Geschichte weicht nicht unwesentlich von den anderen uns bekannten Formen des Osirismythos ab ; es ist an das oben S. 67 über die Wandelbarkeit des Mythos Gesagte zu erinnern. Die Übereinstim mungen sind andererseits doch so groß, daß an der Gesamtdeutung nicht gezweifelt werden kann. D i e b e i d e n B r ü de r
Bata hütete das Vieh seines älteren Bruders Anuhis, und es gedieh wunderbar. Er war stark und schön, und die Frau seines Bruders ver liebte sich in ihn. Sie versuchte ihn zu verführen, doch Bata wies sie ab. Da tat die Frau, als sei sie von Bata geschlagen worden, verleumdete ihn bei Anubis und forderte diesen auf sie zu rächen. Anubis wollte Bata töten ; dieser floh auf die andere Seite des Nils. Als die Sonne auf leuchtete, rief er sie zum Richter an und enthüllte Anubis den wahren Hergang. Dann nahm er ein Schilfmesser, schnitt sich sein Glied ab2 und warf es ins Wasser. Ein Fisch verschluckte es.3 Bata sagt Anubis noch, er werde nun zum Tal der Zeder gehen und dort leben. Er werde sein Herz auf den Wipfel der Zeder legen. Wenn ihm etwas zustoße, werde dem Anubis das Bier im Becher aufschäumen. Dann möge Anu bis aufbrechen und das Herz des Bruders suchen. Anubis ging traurig nach Hause und tötete die böse Frau. 4 Bata ging nun aus Ägypten weg und kam zum Tal der Zeder. Sein Herz legte er auf den Wipfel des Baumes. Die Götter schufen ein wunder bar schönes Mädchen und gaben es ihm zur Frau. 5 Aber eines Tages 1 J acobsohn, Die dogmatische Stellung des Königs in der Theologie der alten Ägypter (Glückstadt 1939) 1 3 . "Der Name des Bata wird ebenso wie der des Anubis mit dem Zeichen für Gott determiniert." - Die Arbeit von J acobsohn enthält viele wert volle und weiterführende Beobachtungen ; ihr manchmal unfertiger, skizzenartiger Charakter erklärt sich wohl aus den besonders widrigen Umständen, unter welchen sie geschrieben worden ist. 2 Sonst schneidet Seth dem Osiris das Glied ab, als er ihn zerstückelt, und wirft es in den Nil (Plutarch, De Iside 18 und 36). Vgl. den Attismythos. Vielleicht ist in einem verlorenen Roman auf diese Episode angespielt worden ; Petron 108, 11 sieht ganz wie eine Parodie aus. 3 Dasselbe erzählt Plutarch ; vgl. auch Diodor IV 6 und P. G. M. V 278. 4 Wer die Frau des Anubis ist, weiß ich nicht zu sagen. Von einem Ehebruch des O�iris mit Nephthys, der Frau des Seth, berichtet Plutarch, De Iside 14 ; das Kind d i••s<'r Verbindung war Anubis. Vgl. auch P. G. M. IV 102 (koptisch). '' Di•�scs Mädchen ist wahrscheinlich Isis selbst, denn sie wird nachher Gemahlin d •·s l ' haran und Mutter des Horos. Vielleicht haben schon die alten Ägypter die Ge-
D e r kluge A rzt
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fiel eine Locke ihres Haars ins Meer und wurde nach Ägypten ge :-;chwemmt. Man brachte sie dem Pharao, weil sie so schön duftete. Der König schickte Boten aus um die Frau zu holen, der diese wunderbare Locke gehörte. Bata tötete die Boten. Da schickte der Pharao eine Frau mit schönem Schmuck als Geschenk für das wunderbare Mädchen. Der Schmuck verführte das Mädchen, sie kam mit der Botin nach Ägypten und wurde Gemahlin des Königs. Sie riet dem Pharao, die Zeder fällen zu lassen, auf der Batas Herz lag. Als die Zeder stürzte, fiel auch Bata tot zu Boden.1 Da schäumte das Bier im Becher des Anubis, und er machte sich auf, das Herz des Bruders zu suchen. Er fand Bata tot auf seinem Bett liegen. 2 Lange suchte er das Herz des Bruders ; schließlich fand er es. 3 Er warf es in einen Krug frischen Wassers. Es löste sich darin auf. Er gab es Bata zu trinken. Da wurde dieser wieder lebendig.4 Nun verwandelt sich Bata in einen herrlichen Stier5 und geht nach Ägypten. Seine Epiphanie wird im ganzen Land jubelnd begrüßt, als ein großes Wunder. Er gibt sich der Frau zu erkennen, und diese verlangt von Pharao, er solle den Stier schlachten. Man feiert ein großes Opferfest.6 Der Stier wird geschlachtet. Zwei Blutstropfen fallen neben das Tor des Palastes ; aus ihnen wachsen zwei große Perseahäume.7 schichte allegorisch gedeutet, etwa wie wir die Venus bei Apuleius als Isis tyche deuten, die bei aller scheinbaren Feindschaft die Heidin doch schließlich zum Heil führt. Im Grunde ist ja der Pharao der Batageschichte mit Bata-Osiris identisch, bzw. Osiris Horos ist in zwei Personen aufgespalten, den Pharao und Bata. In solchen Fällen kann man schwer eine eindeutige Erklärung geben. Man vergleiche auch, daß Isis dem Horos die Hände abschneidet, oben S. 66, 2 . 1 Über das Fällen eines Baumes i m Osiriskult s. oben S. 73. Es i s t als mythisches Bild dem Abschneiden des Gliedes äquivalent, hier wie im Attiskult. Die umgekehrte Bedeutung hat dann das Aufrichten des Djedpfeilers im Osirisdienst. 2 Bata= Osirismumie. 3 Nach Plut. 14 war Anubis Begleiter der lsis, nach Minucius Felix 22 (oben S. 67) half er ihr beim Suchen und fand schließlich den Osiris. 4 Bata wird also durch das Lebenswasser wieder lebendig. Wir erinnern uns an den Krug mit Lebenswasser, welchen Psyche holt ; überhaupt wird Osiris im Jenseits durch einen Trank kühlen Wassers wieder belebt, s. oben S. 41, nur daß meist Isis dieses Wasser spendet. - Bei der Wiederbelebung des Toten (Osiris) brachte man das Herz eines geschlachteten Tieres, welches hier das Herz des Toten vertrat, an den Mund des Toten. So wurde der Tote (Osiris) ins Leben zurückgerufen. Vgl. Moret, Du caractere religieux de la royaute pharaonique (1902) 159-162. 6 Gemeint ist der heilige Stier Apis. V gl. Plut. De lside 43 't"OV 3' TAmv dx6voc f.I.EV ' 0 cr(pL3o<; �f.i.ljiuxov e:!vo:L. 6
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Kosmogonisches Opfer ? Vgl. oben S. 71. Der Perseabaum war der Isis heilig, Pint. De Iside 68. Nach Aelian, nat. anim. XI 11 Merkelbach
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Wieder gibt Bata sich der Frau zu erkennen. Sie verlangt, daß man die Bäume fällt und aus ihnen Möbel macht. Beim Fällen sieht sie zu.I Da fliegt ein Splitter in ihren Mund. Sie wird von ihm schwanger und gebiert einen Sohn. Er ist der wiedergeborene Bata.2 Im ganzen Lande feiert man die Geburt des Erbprinzen. Als der König stirbt, besteigt der Sohn den Thron. Er läßt die Köni gin hinrichten, zur Strafe für das, was sie Bata angetan hatte. 3 Wie man nun im einzelnen über diese Geschichte urteilen mag - das letzte Wort haben natürlich die Ägyptologen -, das eine steht wohl fest : Wir haben hier eine Mythenerzählung aus dem Osiriskreis vor uns, in welcher das Motiv vom keuschen Joseph und der Frau des Potiphar vorkommt, und zwar nicht als interessantes aber unverbindliches No vellenmotiv, sondern in einer religiös-moralischen Erzählung mit lehr hafter Absicht. Man wird kaum bezweifeln, daß es hier seinen echten ursprünglichen Sinn hat. Wir werden ihm in den antiken Romanen oft wieder begegnen. Niemals ist es ein bloßer Erzählungsstoff; immer lehrt es, wie der Mensch sich in den Versuchungen verhalten soll, die im Leben an ihn herantreten. Wir kommen zu der Geschichte vom klugen Arzt (X 2-12) . Apuleius tut hier alles, um den Leser auf eine falsche Fährte zu locken : iam ergo Ieetor optime scito te tragoediam non fabulam legere et a socco ad cotur num ascendere . . . heu medicorum ignarae mentes. . . . Man erwartet, daß eine grausige Geschichte folgt, in der ein Arzt eine unglückliche Figur macht. Es läßt sich auch alles so an ; aber am Schluß folgt ein ausgesprochenes happy end, mit Lohn für die Guten und Strafe für die Bösen, und es wird durch einen klugen Arzt herbeigeführt. - Die Tragödie hat sich in eine Komödie verwandelt, und wer wird einen tie feren Sinn hinter all dem suchen ? Vielleicht ist es am Platz, den Leser dar an zu erinnern, wie Apuleius den Psychemythos einleitet : Sed ego te narrationibus lepidis anilibusque fabulis protinus avocabo, sagt die Alte. Am Ende des Mythos heißt es gar : Sie captivae puellae delira et temulenta illa narrabat anicula, und das Ganze ist nichts weiter gewesen als eine bella fabella man überhöre in diesen Worten nicht das -
wurde einem heiligen Mnevisstier durch einen solchen Baum das Leben gerettet. Nach dem demotischen Zauberpap. wurde Horos in Abydos unter dem Perseabaum geboren (VI 22 ; Hopfner, Komm. I 86). In Abydos war das "echte" Grab des Osiris. 1 Mythologische Dublette zum Fällen der Zeder, vgl. oben S. 51 (Pleonasmen). 2 Der Prinz ist Horos, der wiedergeborene Bata-Osiris. 3 I> er Sohn Bata ist also der Rächer des Vaters Bata, wie der Sohn Horos den Vater u�iri� rikht. Wir erinnern uns daran, daß Horos die Isis köpfte, oben S. 66, 2.
D e r k l u g e A rz t
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Diminutivum und den volkstümlichen, unliterarischen Charakter des Wortes bellus. Hier soll der nicht eingeweihte Leser irregeführt und der mystische Charakter der Erzählung verschleiert werden. In der Arzt Geschichte ist es nicht anders. Sie liest sich wie eine bunte Burleske ; erst der aufmerksame Leser bemerkt, daß hinter der Komödie ein tieferer Sinn verborgen ist. Ein Familienvater hatte nach dem Tode :seiner Frau, die ihm einen trefflichen Sohn geboren hatte, eine zweite Frau geheiratet. Auch diese gebar einen Sohn. Als ihr Stiefsohn herangewaclu;cn Ü;t, verlieht sie sich in ihn und trägt ihm ihre Liehe an. Als er Ausflüchte macht, schlägt die Liehe in Haß um. Sie läßt durch einen Sklaven Gift holen und mischt dem Stiefsohn den Todestrank.1 Aber unglücklicherweise kommt ihr eigener Sohn durstig nach Hause, findet den Becher, trinkt ihn in einem Zug aus2 und sinkt wie tot zu Boden. - Man sieht ohne weiteres, daß der Stiefsohn hier die Rolle des Bata-Osiris spielt. Aber wie im Psychemythos Isis in zwei Personen zerspalten ist, Psyche und Venus, so tritt hier Osiris in doppelter Gestalt auf, als Stiefsohn und als dessen jüngerer Halbbruder. Daß der jüngere Bruder hier stellvertretend für den älteren "stirbt", daß die beiden Figuren von einem gewissen Aspekt her betrachtet zusammenfallen, ist hinreichend deutlich. Der Gift trunk ist aber, wie sich später zeigt, nur ein Schlaftrunk, aus dem der Scheintote zu neuem Lehen erwacht, wie Osiris aus dem Tod zum Lehen aufgeweckt wird. Dieser Gift- oder Schlaftrunk wird uns noch öfters begegnen. In einer bestimmten Weihe wurde dem Mysten ein solcher Schlaftrunk gereicht, den er in einem Zug leeren mußte, um dann wie tot niederzusinken. Auf diesen rituellen Tod folgte eine Wiederaufer stehung, und der Myste nahm die sichere Hoffnung mit, daß auch auf den wirklichen Tod ein ähnliches Erwachen im Jenseits folgen werde.3 Der Knabe wird in einem Sarg begraben. - Es hat in der Osiris weihe ein richtiges Sargritual gegeben. Der Initiand wurde in den Sarg gelegt und wieder herausgeholt. Dies müssen wir aus den entsprechen1 Der Trank ist angeblich bestimmt für einen Kranken, der morbi inextricabilis vetemo vehementer implicitus (X 9, 1) sterben will . Im allegorischen Sinn ist dies wahr ; der im Schlaf befangene alte Mensch stirbt in der Weihe. 2 X 5, 1 repertum ( !) vini poculum continuo perduxit haustu. Das Austrinken des Schlaftranks in einem Zug war vermutlich vom Ritual vorgeschrieben. 3 Vgl. auch den Vergessenstrunk, den die Menschen nach Kebes (Pinax 5) beinl Eintritt ins Leben trinken müssen. Die mythische Vorstellung vom Lethetrank scheint auf ein uraltes Ritual zurückzugehen, in welchem der Initiand lernte, welchen Weg er nach seinem Tod zu gehen habe, um in ein glückliches Jenseits zu gelangen. Lethe in1 Kult dargestellt : Pausan. IX 39, 8. 6•
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den Partien d e s Xenophon von Ephesos, Achilleus Tatios und der Historia Apollonii erschließen ; wir kommen unten darauf zurück. Um alle Nachforschungen auf eine falsche Fährte zu locken und sich wenigsten:; so an dem Stiefsohn zu rächen, beschuldigt die böse Frau den Stiefsohn, er habe seinen Bruder durch Gift ums Leben gebracht, 1 weil dieser sich einer frevlerischen Liebesleidenschaft des Älteren nicht hingegehen habe. 2 Auch sie selbst sei von ihm mit dem Schwert bedroht worden. Der Knabe wird bestattet, der Jüngling vor Gericht gestellt. Die nun folgende Gerichtsverhandlung hat im Mythos ein doppeltes Vorbild : a) An vielen Stellen ist in den altägyptischen Texten von dem Rechts streit zwischen Horos und Seth die Rede, der vor dem Göttergericht zugunsten des Horos entschieden wurde.3 Auch Plutarch erwähnt diese Gerichtsverhandlung. Das Zeugnis des Hermes (Thot) hat den Prozeß zugunsten des Horos entschieden.4 b) Osiris wurde nach seinem Tode von einem Gericht, dem Re präsidierte, gerechtfertigt.5 In derselben Weise wird jeder Tote vor ein Gericht der Götter gestellt werden, das seine guten und bösen Taten gegeneinander ahwägt.6 Eine solche Gerichtsverhandlung soll sogar schon vor der Beisetzung des Leichnams ganz real stattgefunden haben, worüber man das Nähere bei Diodor I 92 nachlesen kann. - Man wird schließen müssen, daß auch vor der Mysterienweihe eine Art Gerichts verhandlung durchgeführt wurde, vielleicht nur in sehr summarischer Weise eine Prüfung des bisherigen Lebenswandels des Kandidaten. Wie Horos erst König werden konnte, als seine Echtbürtigkeit erwiesen war, so konnte der Myste erst geweiht und mit Horos identifiziert7 werden, wenn seine Würdigkeit nachgewiesen war. Diese " Gerichtsverhandlung" vor der Initiation ist eine Vorwegnahme der Gerichtsverhandlung vor 1 X 5, 3 insimulat privigni veneno filium suum interceptum. et hoc quidem non adeo mentiebatur, quod iam destinatam iuveni mortem praevenisset puer. Die Identität der beiden Brüder ist deutlich. 2 Die Verleumdung der Potiphar ist hier etwas anders gewendet. 3 Ein Beispiel oben S. 72 in der Geschichte von Lüge und Wahrheit (Pap. Beatty II). Vgl. ferner etwa P. G. M. VIII 23 ff. ; Pap. Beatty I (Lefebvre, Romans 178 ff. Schott, Liebeslieder 209 ff. ; Roeder, Mythen und Legenden 25 ff. ) ; Hopfner, Komm. I 1 1 0 ff. und 140 ff. ; Pyramidentexte 956-960 und 575-580 bei Kees, Lesebuch 3 1 . ' Totenbuch Kap. 1 (Roeder, Urkunden 226). Plut., De Iside 54. � Totenbuch Kap. 18 (Roeder, Urkunden 249-251). • Totenbuch Kap. 125 (Roeder, Urkunden 274 ff.). Das Abwägen des Herzens gegen daH "Hecht" wird immer wieder dargestellt. 7 Apul. XI 24, 4 ad instar Solis exornato me.
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der Bestattung bzw. des Totengerichtes, wie die ganze Weihehandlung ein vorweggenommener Tod ist. Die beiden mythischen Vorbilder des Gerichts fallen im Grunde ineinander. Als Hauptzeuge tritt vor Gericht der Sklave auf, welcher das Gift für die Stiefmutter besorgt hatte. Er behauptet, der ältere Bruder habe das Gift gemischt und es eigenhändig dem Jüngeren gegeben. - Der Sklave spielt die Rolle des Seth, dessen Decknamen "Lüge" wir oben kennen gelernt haben. Apuleius nennt ihn cruciarius, verbero, furcifer, latro. Als die Richter1 zur Abstimmung schreiten wollen, erhebt sich ein Arzt im Zuhörerraum und erklärt, der Sklave selber habe das Gift bei ihm geholt. Zum Beweis präsentiert er den Siegelabdruck, mit welchem er den Goldbeutel (in Voraussicht des Kommenden) von dem Sklaven hatte versiegeln lassen. Die Rede des Arztes rettet den Jüngling. Dieser kluge Arzt ist natürlich Thoth-Hermes des ägyptischen Mythos. Daß Hermes Trismegistos ein großerArzt ist, braucht nicht belegt zu werden.2 Er wird von den Griechen auch mit dem "Aoyoc, gleichgesetzt (Plut., De lside 54) . Als der Sklave seine Schuld noch immer leugnet, eröffnet der Arzt dem Gericht, daß er dem Sklaven kein Gift gegeben habe, sondern einen Schlaftrank, den er mit Mandragora3 gemischt habe. "Wenn wirklich der Knabe den von mir gemischten Trank genommen hat, dann lebt er ; er schläft nur und wird die Starre des Schlummers abschütteln und ans Licht des Tages zurückkehren".4 Man eilt zum Grab des Knaben. Der Vater selbst öffnet den Sarg. D a schüttelt der Knabe den tödlichen Schlaf ab und steht auf aus dem Reich des Todes. Der Vater umarmt ihn, sprachlos vor Freude, und zeigt ihn der Menge. Der noch in Leichen binden gehüllte Knabe wird vor das Gericht gebracht.5 - Wir sind hier 1 Sie heißen decuriones (X 6, 2.4 ; 8, 1 ). Die decuriones sind eine hohe Klasse der lsispriester (Apul. XI 30, 4; Dessau 6367 ; v. Gonzenbach, Knabenweihen l l 6 f.). z Auf der Mettemichstele belebt Thoth den Horos (Roeder, Urkunden 95). Vgl. ferner Clemens Al., Strom. VI 4, 37, 3. 3 Ü ber die Mandragora-Symbolik hat Rahner lehrreich gehandelt ( Griechische Mythen 284 ff. ). Es gibt mehrere Möglichkeiten all egorischer Deutung : Die "kopf lose" Mandragorawurzel ist ein Abbild des kopflosen (&xetpcx:Aoc;) Gottes, des Osiris. Wie O siris, wacht der Mandragora -Betäubte wieder auf. Der Mandragora-Betäubte ist aus der himmlischen Heimat in den "Schlaf" des Irdischen gesunken, bis ihn der "Vater" wieder erweckt und an die wahre H eimat erinnert. B eweisbar ist dies all es nicht. 4 X l l , 3 vivit et quiescit et dormit et protinus marcido sopore discusso remeabit ad diem lucidam. 5 X 12, 2 ecce pater, suis ipse manibus coperculo capuli remoto, commodum discusso
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Zeugen einer Totenerweckung im MysterienrituaL Der Initiand ist "gestorben", mit Leichenbinden umwickelt, d. h. zur Mumie (Osiris) gemacht und in den Sarg gelegt worden. Nun wird der Sarg von dem amtierenden Priester, der der geistige Vater (pater) des neuen Mysten ist, geöffnet. Der Priester umarmt den Scheintoten und erweckt ihn zu neuem Lehen, wie Horos (der Lebende) im ägyptischen Mythos Osiris (den· Toten) umarmt und wiederbelebt hatte. Dann wird der Auferstandene dem Volk vorgestellt. Ähnlich wird Lucius, der in der Weihe das Reich des Todes betreten hatte, am Ende der heiligen Hand lung als Sol (Horos, neuer Osiris) aufgeputzt und der Menge gezeigt (XI 23-24) . So war das Verbrechen des Sklaven und der Stiefmutter bewiesen. "Die nackte Wahrheit" tritt mitten unter die Richter,1 die Stiefmutter wird verbannt, der Sklave gekreuzigt, der Arzt darf das Geld behalten, welches er für das Gift bekommen hatte, als Lohn für den zweckdien lichen Schlaf (opportuni somni pretium), und so endet das Schicksal (fortuna) des alten Vaters so, wie es der göttlichen Vorsehung (provi dentia) würdig ist. - "Wahrheit" als Namen des Osiris haben wir oben kennen gelernt ; auch Isis ist die Schützerin der Wahrheit.2 Wie "oppor tun" der Schlaftrunkt ist, den der "Arzt" gegeben hat, ermißt man erst, wenn man daran denkt, daß der Scheintod in der Mysterienweihe dem Initianden das ewige Heil sichert. Wie das Geschick (fortuna) des Vaters nur scheinbar von dem launischen Glück (Fortuna, T6zYj), in Wahrheit von der Vorsehung ( Providentia, Ilp6voLa) geleitet wurde, so hat Isis-Tyche-Pronoia ihren Mysten durch scheinbar widrige Zufällig keilen hindurch zum vorbedachten Glück geführt. Unsere Interpretation hat den ernsten Hintersinn hervorgehoben. Für den naiven Leser wirkt der Schluß des Stückes eher possenhaft. Uns scheint ein solches Ineinander von Scherz und Ernst unpassend. Die alten Völker dachten hierüber anders : Auf die Tragödie folgte das Satyrs p iel. Der Übergang vom Scherz zum Ernst und wieder zum Scherz war den Alten leichter als uns. "In den Gesetzen (VII p . 816 D) erklärt Plato, daß der Ernst ohne den entsprechenden Scherz unvollmortifero sopore surgentem postliminio mortis deprehendit filium eumque complexus artis
,, imc, verbis impar praesenti gaudio (rituelles Schweigen), producit ad populum. atque
nt l'rtlt adhuc feralibus amiculis instrictus atque obditus deportatur ad iudicium puer. 1 X 1 2 , 4 procedit in medium nuda veritas. 2 l sisn lfcnbarung von Kyme (Peek 1 24, I. G. XII Su ppl . p. 98) 29 eyw o:o �l:rJ&&,; YJ1.A•'>v t'JIJ[l.O&ET"I)O'OC VO[l.L�e:cr&oc�. V gl. auch 34 eyw 'l;Q'J &IHxw<;; em[3ou"Ae:uovo:oc &llo�<;; ,·m r, zdp �••v
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kommen und unverständlich sei. Eben darum waren Mysterienparodien wie in den aristophanischen Vögeln und ihrer Kosmogonie (693 ff.) den Alten nicht so anstößig, als sie uns scheinen könnten."1 Man darf �;ie einer kindlicheren Stufe der Menschheit vergleichen - wobei ich betonen möchte, daß der Vergleich nicht gepreßt werden darf und cum grano salis zu verstehen ist. Das Kind kennt nicht den strengen Unterschied von Scherz und Ernst, beides schlägt unversehens ins Gegenteil über ; eine gleichartige Seelenstimmung durch Stunden durch zuhalten ist es unfähig. Mutatis mutandis müssen wir für frühere Zeiten ähnliches voraussetzen. 2 Eine solche Mischung von Scherz und Ernst ist allen sakralen Dar stellungen eigen. In den mittelalterlichen Mysterienspielen hielten sich die Zuschauer den Bauch vor Lachen. Noch Shakespeare konnte nicht auf die komischen Szenen in der Tragödie verzichten. Dieses komische Element eignet allen mimetischen Darstellungen. Der Schauspieler ist hinter einer Maske verborgen. Er spielt einen Gott oder einen Heros und ist doch nur ein gewöhnlicher Mensch. Wenn der Zuschauer sich täuschen läßt und willig folgt, ist der Eindruck erhaben. Wenn er aber daran denkt, daß sein Freund Fritz hinter der Maske steckt, so kann die Diskrepanz zwischen Schein und Wirklichkeit leicht lächerlich wirken. Dasselbe gilt für den Schauspieler selbst. Der eine versetzt sich ganz in seine Rolle, der andere empfindet die Vermummung selbst irgendwie als peinlich oder komisch. Es liegt sehr nahe, den Harlekin zu spielen. Nun haben wir gesehen, daß Szenen wie der Scheintod durch einen " Gift"trank und die Wiedererweckung im Mysterienkult gespielt worden sind. Ähnliche Beispiele werden uns später begegnen. Man hat offenbar richtige kleine Mimen aufgeführt, und es kann dabei - trotz dem heiligen Inhalt des Dargestellten - nicht ohne Lachen abgegangen sein. Die Diskrepanz, welche sich bei Apuleius geltend macht, liegt in der Natur der Sache. In den sakralen Mimen wurden die Mysterienwahrheiten in stets wech selnden Handlungen vorgeführt. Auf diese Weise lernten die Zus chauer, den Alltag aus dem Mythos heraus zu verstehen : An jedem Tag wieder holte sich in immer wechselnder Form der Mythos. Gerade weil er dem Herzen der Eingeweihten nahestand, konnte man auch über ihn lachen. B a chofen, Werke IV 3 4 5 , 4. 2 Diese Erkenntnis verdanke ich einem G espräch mit Karl Meuli. V gl . auch Ra derma cher, Weinen und Lachen (Wien 1 947). 1
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Die Gifttrank- Szene speziell erinnert nur z u sehr an den Giftmischerin nenmimus, den man auf Papyrus gefunden hat.1 Eine Frau will einen Sklaven und seine Gefährtin hinrichten lassen, weil der Sklave ihren Liebeswünschen nicht nachgekommen ist. Aher als die beiden zur Exe kution geführt werden, erscheinen die Götter und retten sie. 2 Die böse Frau bringt die beiden aber wieder in ihre Gewalt ; sie befiehlt wieder, die beiden hinzurichten. Aher die Mitsklaven führen die Exekution nur zum Schein durch. Die Leichen werden zugedeckt auf die Bühne gestellt. Dann "tötet" die Frau den eigenen Mann mit Gift ; ihr Parasit lacht verstohlen, denn er weiß, daß es nur ein S chlaftrunk ist. Der Vergiftete wird tot auf die Bühne gebracht, man beginnt die Totenklage - da steht der Totgeglaubte auf. Er fragt, auf die zugedeckten "Leichen" deutend, was das bedeuten solle. Man deckt die Tücher ab, die beiden sind wieder lebendig. Ist dies noch ein Mysterientext ? Ich will das nicht behaupten. Aher jedenfalls zeigt er, wie leicht ein Mysterienspiel in den profanen Mimus übergehen konnte. Der Inhalt ist fast identisch. Die Christen haben ge wußt, warum sie Theater und Mimus als Teufelswerk verboten : Beide hingen nur allzu eng mit dem heidnischen Kult zusammen. Die hier besprochene Mischung von Scherz und Ernst findet sich jedoch nicht nur im Mimus, sondern auch in der reinen Erzählung. Die antiken Geschichtenerzähler hießen bekanntlich Aretalogen. 3 Das Wort erklärt sich aus "t'!Xc; cipE"t'iX.c; MyE�v, die Wundertaten des Gottes erzäh len.4 Oft hielten diese Erzähler sich sogar in Tempeln auf.5 Aber viel fach sind diese Aretalogen einfach Possenreißer. Das widerspricht sich nicht ; es konnte sogar wünschenswert scheinen, das Publicum durch lustige Erzählungen anzulocken. Manchmal scheint es geradezu un anständig hergegangen zu sein ; eine Erklärung des Wortes lautet (Schol. zu luvenal 15, 16) : mihi autem videtur aretalogos illos dici, qui 1 Pap. Oxy. 413. Sudhaus, Hermes 41, 1906, 247 ff. ; Crusius, Herondae mimiambi 1 1 0 ff. ; Page, Greek Literary Papyri no. 77. Die Ähnlichkeit des Stücks mit Roman episoden hat schon Sudhaus bemerkt. Vgl. das Risusfest bei Apulcius 11 30-111 1 3 . 2 Die unverhoffte Rettung durch die Götter ist ein Mysterienmotiv, s. unten S. 98. 3 Die Stellen, an denen aretalogus vorkommt, hat Kiefer zusammengestellt (Areta logische Studien, Diss. Freiburg, Leipzig 1929). • Schol. zu luvenal lS, 16 aretalogi sunt qui deorum virtutes loquuntur. Reitzen �t c•in, Wundererzählungen B. b Lihcr Hermetis (ed. Gundel) p. 90, 7 sacris locis detinentur et fabulas (f.l.u&ou�) ruitant vel exponunt. Firmic. Matern., Math. 11 p. 307, 23 divinas quasdam artes studiosis intrrl"''llltionibus explicantes. •
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t•a, quae dicta non sunt (&pp1J-rtx), in vulgus proferunt. Die Etymologie ist falsch, zeigt aber, was man von den Aretalogen hielt : &pp1JTOC ist gleich cx1crxpcf. Eine Mischung von Scherzen, ja Schlüpfrigem mit Ernstem und Heili gem, das waren also die Geschichten der Aretalogen, die im Dienst der Tempel standen und den Hörer zum wahren Glauben führten. Wundern wir uns, wenn bei der Transposition der mündlichen Erzählung ins Schriftliche ein so zwischen Ernst und Scherz schillerndes Werk ent stand, wie der Roman des Apuleius ?1 Wir nehmen hiermit von Apuleius Abschied. Wir }Iahen dargelegt, daß viele seiner Erzählungen einen mystischen Hintersinn haben. Diese unsere Auffassung der apuleianischen Erzählungen weicht von der her kömmlichen beträchtlich ab. Aber wir können uns auf einen berühmten Erforscher der antiken Religion berufen, auf Karl Kerenyi, der in seinem vor über 30 Jahren erschienenen Buch über die griechisch-orientalische Romanliteratur bereits sehr ähnliche Ansichten vorgetragen hat. Die Kritik hat wenig mit dem Buch anfangen können.2 Unsere Unter suchungen aber haben Kerenyis Darlegungen in unerwartetem Ausmaß bestätigt. Es ist nämlich nicht allein das Werk des Apuleius ein Buch mit doppeltem Boden ; vielmehr gilt dies für alle antiken Romane, mit alleiniger Ausnahme des Chariton. Es sind alles Mysterientexte ;3 überall ]iegt hinter dem buchstäblichen Sinn ein Mysteriensinn verborgen, alles 1 Schon die altägyptische Erzählung vom Streit des Horos und Seth (P. Beattie I) wirkt auf den heutigen Leser manchmal skurril. "Par leur conduite generalemcnt vulgaire ou ridicule, les dieux ne sont dignes d'aucun respect" ; "le vocabulaire est pauvre et commun, le style est plat" (Lefebvre, Romans S. XXIII und 1 82). Über das Zusammengehen von Religion und Ergötzung s. auch Reitzenstein, Das Märchen . . . 45. 2 Siehe etwa Nock, Gnomon 4, 1928, 485. Nur Franz Altheim hat mehrfach seine Zustimmung zu der These Kerenyis ausgesprochen. 3 Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß gerade Erwin Rohde, der große Erforscher der griechischen Religion, sich Apuleius und den griechischen Roman zum Gegenstand seiner ersten Bücher gewählt hat, religiöse Texte also - und daß von der religiösen Bedeutung der Romane bei ihm nicht ein einziges Wort zu finden ist. Es muß sich ein Etwas in Rohde zu diesen Texten hingezogen gefühlt haben ; aber der Verstand konnte nicht verifizieren, was das Gefühl empfunden hatte. Die Erklärung des merk würdigen Phänomens ist Sache der Psychologen ; ich will aber ein paar Worte von Eliade zitieren : Un conte ne s'adresse pas a Ia conscience eveillee, secularisee : il exerce son empire sur les zones profondes de Ia psyche, il nourrit et stimule l'imagination (Les) images . . . , reveillees par les contes, agissent directement sur Ia psyche de l'audi t.oire, meme lorsque, consciemment, celui-ci ne se rend plus compte de Ia signification premiere de tel ou tel symbole (Forgerons et alchimistes, Paris 1956, 1 1 2). Ähnliches wie von Rohde gilt von Richard Reitzenstein, dem Verfasser des Buches über die -
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Ebenen erklärt werden.1 Wir werden dies nachweisen, in Hu mane der Reihe nach durchsprechen und jeweils den M y H I.I�ric,mo � i n n angeben. Es muß betont werden, daß dieser den Ober fl ildum l'l i n n · wenn man will, den literarischen Sinn - nicht etwa aufhebt ; c l i tlHer h t lhill t nach wie vor seine Gültigkeit. Es ist nur der Zusammenhang u n scrtlr Untersuchung, der uns auf den Mysteriensinn besonderen Wert l t�gen läßt. Wir beginnen mit den anderen Isisromanen. m u ll n u f z w t�i
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bcllcnistischen Mysterienreligionen. Er hat sich unablässig um das Verständnis des Psychemythos bemüht und fünfmal darüber geschrieben. Die religiöse Bedeutung des Mythos hat er deutlich empfunden, ohne davon genaue Rechenschaft geben zu können. 1 "Denn daß ein Wort nicht einfach gelte, das müßte sich wohl von selbst verstehn." Go ethe, \Vestöstlicher D ivan.
X E N O PH O N VON E P H E SO S Das Werk des Xenophon ist uns nicht in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten. Es ist, vermutlich im 3. J ahrh., von einem Mann umgearbeitet worden, der dem Sol invictus in dem Werke den Platz zuweisen wollte, welcher ihm nach der damals herrschenden Sonnentheologie gebührte. Bei der Umarbeitung wurden einige Episoden zugesetzt, vor allem über die Helios-lnsel Rhodos ; an manchen Stellen sind durch diese U marbei tung Verwirrungen entstanden. Im allgemeinen läßt sich aber der ur sprüngliche Zusammenhang ziemlich sicher erkennen ; ich habe in der folgenden Besprechung der Ephesiaka die Zusätze der Helios-Bearbei tung gekennzeichnet. Der Verfasser der Helios-Redaktion hat die Myste rienbedeutung des Romans verstanden und sie auf den Kult des Helios bezogen. Seine Zusätze sind für uns also nicht wertlos. Xenophons Werk scheint 10 Bücher umfaßt zu haben. Uns liegt nur eine Epitome in 5 Büchern vor.1 Zweifellos sind der Kürzung manche Ausdrücke zum Opfer gefallen, die uns als Verweise auf das Mysterien ritual wichtig wären. Aber die Hauptpunkte sind auch in der Epitome noch deutlich. 2 I . Buch. In Ephesos wuchs ein Jüngling von wunderbarer Schönheit auf, Habrokomes. Alle Ephesier und die Bewohner des übrigen Asien verehrten ihn, ja sie beteten ihn wie einen Gott an. Habrokomes wurde so stolz, daß er sich für schöner als Eros selbst hielt und den Gott für nichts achtete. Darüber zürnte Eros. Ein Fest der Artemis gab ihm Gelegenheit zur Rache. Habrokomes war 16 Jahre alt und gehörte schon zu den Epheben. Er zog in der Prozession des Festes mit, bei welchem Jünglinge und Mädchen sich trafen und Ehen geschlossen wurden. 1 Vgl. Su(i)da(s) s. v. Xenophon ; die Epitomierung wurde nachgewiesen in dem aus gezeichneten Aufsatz von Bürger, Hermes 27, 1 892, 36 ff. Ein neuer Editor des Xeno phon sollte im kritischen Apparat die Stellen bezeichnen, an denen der Epitomator gekürzt hat. Der Epitomator ist nicht identisch mit dem Verfasser der Helios-Bearbei tung, denn auch Partien, welche zur letzteren gehören, sind epitomiert, wie V 5-6 (Bürger 53 und 58) und V 10 (Bürger 54, 1 und 59). 2 Daß die Ephesiaka ein Isisroman sind, hat schon J, Burckhardt erkannt (Die Zeit Konstantins des Großen2 195). Im übrigen s. Kerenyi 58 ff. Der Äg yptologe A. Rusch urteilte : ,. Totus liber Isidis cultu refertus" (De Serapidc et Iside in Graecia cultis 64).
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d es Mädchenzuges ging Antheia. Sie war 14 Jahre alt1
der Jungfrauen. Sie trug ein knielanges gegürtetes und ein Rehfell ; sie hatte Köcher, Pfeile und Speere, u u t l l l m u l t' folgt en ihr. Oft schon hatten die Ephesier sie als Artemis n · rd 1 r 1 . So auch diesmal ; laute Rufe erschollen, die sie bald als Göttin, l w l d a l s Tochter der Göttin bezeichneten ; man betete sie an und pries i l • �'�' .Eltern glücklich. Aber dieselbe Bewunderung brachte man auch t l e m Habrokomes entgegen, man rief: "Habrokomes ist schön, er wie kein anderer ist ein Abbild des schönen Gottes." In dieser Erzählung ist das Eingangsmotiv von Eros und Psyche verdoppelt. Wie Psyche, werden hier Habrokomes und Antheia vom Volk als Götter verehrt. Psyche war eine Doppelgängerin der lsis, wie wir gesehen haben. Hier wird Habrokomes dem Eros, Antheia der Arte mis-Isis gleichgesetzt. Dem Zorn des Eros gegen sein anderes Ich Habro komes entspricht der Zorn der Venus gegen Psyche. Der Name Habrokomes bezeichnet einen Jüngling mit langem Haar. Solches langes Haar war ein Kennzeichen des Horos-Eros bzw. eines dem Horos geweihten Knaben.2 Unsere Tafel VI zeigt eine der Dar stellungen der Horoslocke : Auf dem Sarkophag des Filocy1·ius sieht man rechts oben das Brustbild des Gestorbenen mit der Locke. Die Göttin, welcher Habrokomes und Antheia dienen, heißt Artemis. Erst gegen Ende des Romans enthüllt sich dem Leser, daß es Isis ist, welche die beiden zum Heil geführt hat ; und schließlich kehren sie doch wieder zur Artemis von Ephesos zurück. Aber "Artemis" ist durch den ganzen Roman nur ein Deckname der Isis. Tingeweihte sollen den Text nicht verstehen, falls er in ihre Hände kommt ; und auch dem lnitüerten soll sich der Sinn erst langsam erschließen. Man vergleiche den Anfang des XI. Buches der Metamorphosen : Lucius betet die Mondgöttin unter vielen Namen an, doch der Name lsis fehlt ; lsis selbst nennt sich mit zehn anderen Namen, bevor sie das verum nomen enthüllt. Die Namen "lsis", "Osiris", " Sarapis" haben auch in der Kaiserzeit noch etwas von Geheimnamen an sich. Sie sind so zauberkräftig, daß man sie nicht ohne Not in den Mund nehmen und Fremden nicht nennen soll.3 u ud t l it· ��·lliiusW l ' u q • n •·��· w a • u l
1 Im Alter von 1 5 Jahren hat eine spätere Isispriesterin die Weihen empfangen ("Isis schmückte sie mit ihrem Kleid"), s. Peek, Griech. Versinschriften 1 1 63 I. G. V 2, 472 aus Megalepolis. 2 Die Moroslocke hat vor kurzem Victorine v. Gonzenbach monographisch behandelt (Untersuchungen zu den Knabenweihen im Isiskult, s. oben S. 7). Als literarisches Zt•n��:nis ist nachzutragen Macrob., Sat. I 2 1 , 14. : > H erodot wagt es nicht, den Namen des Osiris zu nennen. - Die Sache ist auch für di«• B«•nrl cilnng der Zauberpapyri wichtig ; ich hoffe, bald darauf zurückzukommen. =
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Im Tempel der Artemis treffen die Züge der Jünglinge und der Mäd· chen zusammen und hier verlieben Antheia und Habrokomes sich in· einander. - Die Göttin wird, so dürfen wir schließen, diesem Liebespaar gnädig sein. Die beiden jungen Leute hatten eine so heftige Liebe eingesogen, daß sie beim Versuch, sie zu überwinden, verschmachteten und den Tod erwarteten ('t'e:.ß.v��e:a.ß.(XL 7tpoa8oxw (le:VoL) . - Die Weihe ist ein Tod. In ihrer Not fragen die Eltern den Apollon von Kolophon um Rat. (Wir kennen Apollon als Orakelgott aus Apuleius ; er ist mit Horos·Eros identisch.) Er prophezeit : "Warum sucht ihr Anfang und Ende der Krankheit ? Die Heilung kommt von ihrem Ursprung. Aber ich sehe, daß diesen schlimmes Leid und ausweglose Qual bevorsteht. Beide wer· den übers Meer fliehen, von Seeräubern verfolgt ; sie werden in Ketten arbeiten bei Männern, die auf dem Meer leben ; Grab und gewaltiges Feuer werden beiden Brautgemach sein. Aber danach wird ihr Los ein besseres sein : An den Fluten des heiligen Flusses werden sie der hehren, heiligen Retterin reiche Geschenke weihen."1 Da beschlossen die Eltern die Ehe der beiden jungen Leute. Ein Nachtfest war der rechte Zeitpunkt. Man opferte der Artemis, und als die Nacht kam, führte man die Braut mit Fackeln und unter Absingen von Hochzeitsliedern ins Brautgemach. Auf der Decke des Brautbettes war dargestellt, wie Eros, die brennende Fackel in der Hand, Ares zu Aphrodite führt. - Die Ähnlichkeiten zum Mythos der Psyche sind deutlich : Dem funereus thalamus von Apul. IV 33 entspricht hier 't'OC<poc; .&ocA(X (lOc; im Orakel, dem Hochzeitszug der Psyche mit Fackeln und •
1 I 6, 2 ·dTCn ;co.&e:!n (Lcx.&_:'Lv vouaou -re"Aoc; 7J 8E: x � l &� x�v ; , , , vouaoc; !:xe:t, A.uatc; &(Lcpo-re:pouc; (Ltcx !:v.&e:v &fL, lia-rcxt. 8e:t\lil: 8' OpW TOLa8e:aat mX.IJ-7] XCXt cX\1�\IU TIX �pycx cX(Lcp6-re:poL cpe:u�oVTcxt imdp &A.cx A'7]ta-ro 8!oox-rot, 8e:a(L&: 8E: fLOX.IJ-�aouat TCcxp' &v8pocat !J.L�o.&cxMaaotc;, xcxt -roccpoc; &fLcpo-repmc; .&OC"Acx(Loc; xcxt 'TCÜp &!87J"Aov. &AA.' ht TCou (Le:-r&: �(Lcx-r' cipdovcx l't"OTfLOII �xouat XIX! 'TCOTIX(LOÜ {e:poÜ TCcxpil: ptU(LCXCSL 8ot!(LOIIL CSE:(LII'ij L aoo-rdp"'JL fLe:TOma.&e: TCcxp(a-rcxa' li"Aßtcx 8wpcx. Für den Wortlaut des Orakels s. meine Bemerkungen in den " Studien zur Text• gescbichte und Textkritik" ( Festschrift für Günther Jachmann) 1 79. Die Worte cipe:(ovcx TCOT(LOV erinnern a n die Verheißungen der Mysterien. Dort machte man den Initianden Hoffnungen auf ein besseres S chicksal auf Erden und nach d em Tode ; wir haben die �A.1t"(8e:c; ciycx.&cx! auf S. 31 bespro chen. Vgl. Cicero , de leg. II 36 über die Mysterien : neque solum cum laetitia vivendi rationem accepimus, sed etiam cum spe meliore moriendi. - Daß das ganze Orakel sich auf die Mysterien und ihr Ritual bezieht, wird im folgenden im einzelnen gezeigt werden. •
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Hymenaeus das Geleit der Antheia, dem Hereinbrechen der Nacht bei Apul. V 4 die Worte Xen. I 8, 1 �xoUO"'YJ� 't"Yj� vux-t6�. Die Hochzeit findet statt bei einer Nachtfeier der Artemis-Isis ; sie ist gleichzeitig eine Initiation. Die Vcrmählten umarmen einander. Sie sind vor Freude ganz ent kräftet (ucp' � �ov'ijc; 7t1X pEL f.LEVm) . "0 ersehnte Nacht", sagt Habrokomes, "o Mädchen mir lieber als das Licht", di cpc..Ho � � �[wv ef.Lo( x6p'Y). Ähnlich hatte Psyche zu Eros gesagt : teneo te, meum Iumen (Apul. V 13) . Antheia ist aufs tiefste gerührt und vergießt Ströme von Tränen, indem sie den Gatten umarmt, sein Gesicht küßt, ihre Lippen auf seine Lippen preßt, so daß der Lebenshauch im Kuß in den Geliebten hinübergeht (x1Xt
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lung in Gang zu bringen. Aber man kann die griechischen Liebesromane nicht verstehen, wenn man die mystische Bedeutung der einzelnen Epi soden nicht kennt. "Nichts ist Selbstzweck, alles Hieroglyphe", könnte man hier mit Bachofen sagen (Werke VII 204) . Das Orakel schickt das Liebespaar auf die Seereise : Gott hat jedem Menschen die Irrfahrt durchs Lehen bestimmt, diesem Schicksal kiinnen wir nicht entrinnen. Keinem Helden der lsisromane bleibt der Schiffbruch erspart : keines Menschen Lehen verläuft ohne Unglücksfälle. Diese Episoden kommen in fast allen Romanen vor. Wer die Romane nur als Literaturwerke betrachtet, wundert sich über den geringen Erfindungsreichtum der Dichter. In Wahrheit ist die stereotype Einheitlichkeit der Schicksale aller Helden griechischer Liebesromane nur ein Beweis mehr für den religiösen Sinn dieser Texte. Dieser war vorgegeben, und mit ihm die stereotypen Episoden. Daß die!>elben außerdem alle auf den Kult he zogen sind, der ein Abbild des Lehens war, wird unten im einzelnen ge zeigt werden. Hahrokomes und Antheia sind Mysten, die von Jugend auf dem Dienst der lsis geweiht waren. Aber Hochzeit und Isisweihe führen den Mysten noch nicht auf immer in den Hafen des Heils und der Ruhe.1 Noch steht ihm die Fahrt über den stürmischen Ozean des Lehens mit all seinen Gefahren bevor. Aber die Göttin wird ihren Dienern in allen Gefahren schützend zur Seite stehen, gute Fahrt (e:\htA.ot<X) gehen und sie am Ende in die wahre Heimat geleiten.2 Ein altägyptisches mythisches Vorbild für die Seereise der lsismysten gibt es natürlich nicht.3 Aber in hellenistisch-römischer Zeit hat sich dies geändert. Isis als Patronin aller Seefahrer leitet in jedem Jahr mit dem Fest der llA.ot<Xcpecrt<X die Periode der Schiffahrt ein. Ein unbe manntes Schiff wurde aufs Meer hinaus gelassen (Apul. XI 16) ; wir dürfen wohl interpretieren, Isis selbst fuhr auf ihm als erste aufs Meer 1 Apul. XI 1 5 , 1 portum Quietis. Corp. Herrn. VII 1-2
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hinaus. Velificia primum invenit lsis ; nam cum quaerit Harpocratem filium suum, ratem veli.ficavit, berichtet Hygin (fab . 277) . Von ihrer See reise nach Byblos auf der Suche nach Osiris berichtet Plutarch. Die Romanhelden wiederholen die Seereise der Isis. Es ist auch an die Reise des Sonnengottes (Horos) zu erinnern, der täglich auf einem Nachen (ßiip��) über den feuchten Äther1 von Ost nach West fährt. Ihre erste Station ist Samos, die heilige Insel der Hera, wo sie der Göttin opfern. - Wir erinnern uns des Gebets der Psyche an die Hera von Samos (Apul. VI 4, 1) ; sie war nur eine Erscheinungsform der Isis. Auf der Weiterfahrt schwören die Gatten einander bei der großen Artemis der Ephesier ewige Treue. - Dies bezieht sich auf den Eid des Mysten. (Es folgt ein Zusatz in maiorem Solis gloriam ; das Schiff legt auf Rhodos an, der Insel des Helios. Auch hier wird das Paar wie Götter verehrt, man opfert und feiert ihre Anwesenheit (E:ma'YJ[LLcx) als Fest. Habrokomes und Antheia weihen im Heliostempel eine goldene Rüstung. ) Auf der Weiterfahrt sind die Schiffer voll Leichtsinn, trinken und berauschen sich. Dem Habrokomes erscheint im Traum eine übergroße Frau in rotem Gewand, furchtbar anzusehen ; es wird Isis selber sein. Sie schien das Schiff zu verbrennen, rettete aber das junge Paar denn sie als einzige, so dürfen wir hinzusetzen, leben nicht in Leichtsinn und Rausch (pcx&U[LLCX xcxt [LE&1J).2 Wirklich folgten schon seit geraumer Zeit Seeräuber unauffällig dem Schiff. Als sie sehen, daß die Mannschaft berauscht ist, greifen sie das Schiff an und erobern es. Die Besatzung springt ins Meer oder wird niedergemetzelt, das junge Paar mit der Beute und einigen Sklaven auf das Piratenschiff gebracht. Dann zünden die Seeräuber das Schiff an und verbrennen den Rest seiner Besatzung. - Die in Leichtsinn und Rausch lebenden Menschen sind verloren, wie die Besatzung des Schiffes. Die Isisdiener aber bestehen alle Gefahren ; sie werden nicht mit den a ndern vom Feuer verzehrt. Der Brand des Schiffes ist das Feuer (1tup &.t a'Y)Aov) des Orakels. Im Mysterienritual entspricht ihm die Feuerprobe.3 1 Z.
B. Clemens Al. , Stro m. V 7, 4 1 , 3 o 'i]:Ato� 3t' &€pa� Porphyrio s bei Euseb, praep. ev. II I 1 1 , 48 ( =
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2 Vgl. Corp. H errn. I 27 i:l :Aoco( , &v 3pe:� y"l)ye:ve:!�, o [ f.L€&1J t xoct Gn:vM eocu't"oÜ� ex3e: �c.lx6-re:�