Ren Dhark
Sterbende Sterne
Die große SF-Saga von Kurt Brand
Band 14
Vorwort Ein Verzeichnis sämtlicher bisher erschi...
49 downloads
1102 Views
1MB Size
Report
This content was uploaded by our users and we assume good faith they have the permission to share this book. If you own the copyright to this book and it is wrongfully on our website, we offer a simple DMCA procedure to remove your content from our site. Start by pressing the button below!
Report copyright / DMCA form
Ren Dhark
Sterbende Sterne
Die große SF-Saga von Kurt Brand
Band 14
Vorwort Ein Verzeichnis sämtlicher bisher erschienenen und lieferbaren REN DHARK-Titel und -Produkte finden Sie auf den Seiten 349 und 350. I.Auflage HJB Verlag & Shop e.K. Postfach 22 01 22 56544 Neuwied Bestellungen und Abonnements: 02631 -354832 02631 -356100 Buchhaltung: 026 31 -354834 Fax:02631-356102 www.ren-dhark.de © REN DHARK: BRAND ERBEN Buchbearbeitung: Heinz Mohlberg Titelbild: Ralph Voitz Druck und Bindung: Westermann Druck Zwickau GmbH © 1999 HJB Verlag
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 3-930515-24-5 In den vorangegangenen Bänden 12 uns 13 stand die Eroberung und Erforschung der Sternenbrücke, einer der vielen MysteriousHinterlassenschaften, im Mittelpunkt. Die Entwicklung gipfelte im Durchbruch nach Erron-3, der Ren Dhark Zugang zu einem Mysterious-Archiv in einem anderen Universum verschaffte. Die Folgen dieses Besuches ziehen sich durch das gesamte vorliegende Buch. Und zunehmend gewinnen die Tel, die von den Terranem Schwarze Weiße genannt werden, an Bedeutung. Diese neue Rasse auf der einen Seite und auf der anderen die immer stärker in den Vordergrund rückende Bedrohung durch die Schattenstattonen, die gnadenlos überall in der Milchstraße Kampfhandlungen eröffnen, bilden den Hintergrund des neuen Romans. Die Suche nach den Mysterious, die in den vergangenen Bänden stets einen großen Teil der Handlung ausmachte, wird zu Gunsten der Auseinandersetzungen mit diesen neuen Völkern vorübergehend etwas zurückgenommen. Ergänzt werden die actionreichen Abenteuer durch die Erlebnisse von Mark Carrells Cyborgtruppe, die die neu entdeckten Transmitter-Straßen erkundet. Mehr oder weniger unfreiwillige Begleiter sind dabei Manu Tschobe, Jos Aachten van Haag und Chris Shanton samt seinem Robothund Jimmy. Auch auf der Erde nehmen neue Entwicklungen ihren Lauf. Die nicht umgeschalteten Robonen sind nach wie vor aktiv, die terranische Raumfahrtindustrie baut neue, eigene Konstruktionen, und - der Exodus der Menschen ins Weltall beginnt! Neben dem großen Thema - der Suche nach den Mysterious werden diese Ereignisse in den nächsten Büchern immer mehr an Bedeutung gewinnen. Hier kündigen sich spannende Entwicklungen an. An dieser Stelle möchte ich nicht die Gelegenheit verstreichen lassen. Sie auf den in Kürze erscheinenden vierten Ren DharkSonderband aufmerksam zu machen. Unter dem Titel Hexenkessel Erde schildert uns der Verfasser Märten Veit — bekannt u.a. als einer der Autoren von Die Abenteurer - aus der Sicht eines Betroffenen die Ereignisse zur Zeit der Giant-Invasion und danach. Weitere Sonderbände sind in der konkreten Planung. Der fünfte Band wird voraussichtlich im Frühjahr 2000 erscheinen. Zum Schluß des Vorwortes die Titel der Originalromane, die mehr oder weniger überarbeitet und teilweise gekürzt in dieses
Buch eingeflossen sind: Sterbende Sterne, Die unheimlichen Freunde, Flucht ins Karmin-Universum, Die Zeitlosen, Alarmstufe Null auf Terra, allesamt von Kurt Brand - dem geistigen Vater Ren Dharks - verfaßt. Köln, im Friihsommer 1999 Heinz Mohlberg Prolog Sommer 2057. Commander Ren Dharks mittlerweile übermächtiger Wunsch, endlich einem lebenden Mysterious gegenüberzutreten, läßt ihn jegliche Vorsicht vergessen. Geradezu besessen von dieser Vorstellung, dringt er mit seinem Ringraumer in ein frem des Kontinuum ein. Ausgangspunkt ist das Zwitt-System in der von den Schwarzen Weißen eroberten Stemenbriicke. Von dort aus gelangt er nach Erron-3, einem weiteren Stützpunkt der Geheimnisvollen, in dem sie ihr gesamtes Wissen in Mentcapform gespeichert hatten. Dhark stellt schnell fest, daß das Vermächtnis von Erron-3 eher schädlich für die Menschheit und ihre Entwicklung ist. Außer ihm und zwei Begleitern - Dan Riker und Miles Congollon - wird allen Besatzungsmitgliedern die Erinnerung an dieses Wunderwerk genommen. Aber in einer Beziehung ist Erron-3 eine Enttäuschung. Auch hier erfährt der Commander nichts über das Aussehen der von ihm verzweifelt Gesuchten! Als die Terraner schließlich das fremde Kontinuum wieder verlassen können, irrt das Flaggschiff P01NT OF orientierungslos durch die Galaxis - an Bord des Ringraumers weiß niemand, ob man sich überhaupt noch in der heimatlichen Milchstraße aufhält. Auf Planet l des Zwitt-Systems im Bereich der Sternenbrücke versuchen Arc Doorn und Anja Riker derweil verzweifelt, die Verbindung nach Erron-3 durch den Materiesender wiederherzustellen - vergeblich. Sie können nichts zur Rückkehr von Dhark und Co. beisteuern. Die Schwarzen Weißen sind aus dem Bereich der Sternenbrücke zwar vertrieben - dennoch sinnen sie auf Rache und die Möglichkeit, den Terranem Schaden zufügen zu können. Auf der Erde deutet sich eine Zusammenarbeit zwischen den nicht umgeschalteten Robonen, die weiterhin im Untergrund agieren, und dieser Rasse an.
Und die unheimlichen schwarzen Raumschiffe, von denen bislang nur die fragmenthaften Umrisse bekannt sind, greifen in letzter Zeit immer mehr und heftiger an allen Fronten an. Woher diese gnadenlosen Angreifer kommen, die in der Milchstraße scheinbar alle Völker ohne Vorwarnung attackieren, und was der Grund für ihren erbarmungslosen Vemichtungsfeldzug ist - das steht auch weiterhin in den Sternen. Der afrikanische Arzt und Hyperfunkspezialist Manu Tschobe, der GSO-Agent Jos Aachten van Haag und der Ingenieur Chris Shanton in Begleitung seines Robothundes Jimmy haben ein weiteres Rätsel der Mysterious ans Tageslicht gebracht - die Transmitter-Straßen! Ein Netz von Verbindungen durch die ganze Milchstraße und vielleicht sogar darüber hinaus eröffnet sich auf einmal den Menschen! Gerade also erst hat Terra mit sehr viel Mühe ein kleines Rätsel aus der gigantischen Hinterlassenschaft der Mysterious gelöst, da stellt sich den Verantwortlichen bereits wieder das nächste. Und während es in der Galaxis und auf Tena an allen Ecken und Enden brennt, während sich die Sturmwolken am Firmament der Milchstraße immer mehr verdichten, fehlt ein Mensch... Ren Dhark Vier Cyborgs ließen ihre Plastiksäcke mit den Ausrüstungsgegenständen fallen, griffen blitzschnell zu ihren Waffen. Sie hörten die gellenden Schreie von zotteligen, riesenhaften Gestalten die panikartig den Ausgängen zustrebten. Das Feuer vor ihnen mit der flachen Schale, die von einem Dreibein über den züngelnden Flammen gehalten wurde, war das einzige Licht in diesem aus unbearbeiteten Quadern erbauten Raum. Mark Carrell, der als erster die Transmitterkugel verlassen hatte, sprang den dunkelbraunen Gestalten sofort hinterher. Lati Oshuta übernahm die optische Erkundung des Felsenrauroes. Sass die beiden Eingänge sichern!" ordnete Holger Alsop an, dessen Stimme kaum verändert klang, obwohl er sein Zweites Sy stem eingeschaltet hatte. Ihr erster Versuch, eine unbekannte Transmitter-Straße zu benutzen, hatte in diesem viereckigen rohen Bau mitten in eine Versammlung riesenhafter Gestalten geführt.
Mark Carrell sah die letzten Zotteligen den beiden türlosen Ausgängen zulaufen. Niemand von ihnen wagte es, einen Blick hinter sich zu werfen. Er, der Fremde mit seiner unheimlichen Waffe, war ihnen allem Anschein nach zum Alpdruck geworden. Plötzlich gab unter ihm gab der Boden nach - lautlos verschwand er in dem dunklen Loch. Holger Alsop nahm die Bewegung Carrells aus den Augenwinkeln wahr und näherte sich schnell der Öffnung; warf sich dicht vor dem Loch zu Boden. Laut rief er nach Carrell, der sich aber nicht meldete. Kurz entschlossen sprang er wieder auf, schaltete den Scheinwerfer seines Raumanzuges ein und ließ den enggebundelten Strahl in die Tiefe schießen. Sein Zweites System ließ keine Gefühlsregungen zu. Sein auf logischer Basis arbeitendes Programmgehim nahm sachlich alles auf. Es registrierte fremdartig aussehende Maschinen, verkleidete Aggregate und ein Spiegelsystem, das den Lichtstrahl vielfach zurückwarf. Unbeeindruckt durch diese Blendung, die ihm das Seh vermögen nicht einschränkte, schickte Alsop den Strahl an der Anlage entlang, doch soweit das Licht auch reichte, von Mark Carrell war keine Spur zu entdecken. Sass sicherte die beiden Eingänge und warf einen forschenden Blick nach draußen. Am Himmel stand eine dunkelrote Sonne, aber nicht im Morgen oder im Abend, sondern im Zenit. Im Dämmerlicht war das Flußtal mit seinen steilen Hängen nicht gut zu erkennen. Bram Sass schaltete sein Augensystem auch auf Infrarot und sah die Landschaft plötzlich so gut, als ob sie von einer blendend hellen Sonne beleuchtet würde. Von den Zotteligen konnte er keine Spur entdecken, aber viele große Tiere näherten sich dem Fluß oder kamen durcli die reißende Strömung von der anderen Seite herüber. Sie waren größer als Kühe, jedoch kleiner als Elefanten. Zwei ausgeprägte Höcker an den Seiten, die bei jedem Schritt hin und her schwankten, gaben ihnen ein ungewohntes Aussehen. Plötzlich tauchten aus einer kleinen, aber steil abfallenden Senke die ersten Zotteligen auf. Sie eilten die Steigung empor und rannten mit schwingenden Armen durch die Herde, die von ihnen keine Notiz nahm. Ihr Ziel war der Fluß. Sie wateten ins Wasser, und als es den ersten bis an die dicht behaarte Brust reichte, warfen sie sich hinein, um in starken Schwimmstößen das andere Ufer zu erreichen. Bram Sass konnte zwischen niedrigen Sträuchern nur eine Reihe Löcher im Boden entdecken, die alle von einem flachen Steinwall
umgeben waren. Selbst sein Programmgehirn konnte ihm für diese Löcher keine Erklärung geben, bis er die ersten Humanoiden in ihnen verschwinden sah: Sie hatten es mit Höhlenbewohnern dieser unbekannten Welt zu tun. Lati Oshuta schleppte die Plastiksäcke heran und baute sie neben Holger Alsop auf, der den Scheinwerfer seines Raumanzuges abgeschaltet hatte. „Oshuta, seilen Sie mich ab!" Alsop hatte bereits die Schlinge des Seiles aus einem der Ausrüstungssäcke um seine Hüften gelegt und hing über der Kante. „Fertig!" sagte Oshuta und ließ das Seil nach. Wenig später hatte Holger Alsop den Boden erreicht. Abermals rief er nach Mark Carrell, und wiederum bekam er von seinem Kameraden keine Antwort. Der Cyborg war und blieb verschwunden. Erneut stach der grelle Strahl des Scheinwerfers durch das Dunkel. Alsop betrachtete die Maschinen in blauer Unitallverkleidung nur flüchtig. Carrells Schicksal war ihm wichtiger, als herauszufinden, wie einfältige Humanoide dazu gekommen waren, ein grobschlächtiges Gebäude um den Kugeltransmitter zu errichten. Wahrscheinlich hatte sie das rote Flackern in der Schwärze der Kugel dazu veranlaßt und sie glauben lassen, sie sei der Sitz einer Gottheit. Aber warum waren sie dann nicht wie Götter verehrt worden, als sie in die Versammlung der Zotteligen hineingeplatzt waren? Er blickte nach oben. Im Widerschein der Flammen erkannte er Lati Oshuta, der dicht an der Kante stand und zu ihm herabblickte. In jeder Hand hielt der Mann eine Strahlwaffe. „Helmfunk-Verbindung, Oshuta! Sagen Sie auch Sass Bescheid." Alsop zog den Klarsichthelm über den Kopf, der sofort halbstabil wurde, als er sich automatisch schloß. Dann schaltete er den Helmfunk ein, wollte mit Oshuta einen Probespruch austauschen, als er mit halb geöffnetem Mund auf die Worte lauschte, die aus dem kleinen Lautsprecher drangen. „Kommen Sie schnell! Schnell..." Das war einwandfrei Mark Carrells Stimme, der zu größter Eile drängte. „Ich komme, Carrell!" rief Alsop zurück, „aber wo kann ich Sie denn finden?" „In Höhe des Transmitters. Achten Sie aber auf die energetische Sperre, sie hat mir Ärger genug gemacht!" Ärger? „Ärger?" fragte Alsop ohne Gemütsbewegung.
„Und ob! Schalten Sie Ihr Zweites System ab, Holger, sonst läßt l die Sperre Sie nicht durch. Aber kommen Sie doch endlich!" Alsop mußte Oshuta und Sass informieren. Während er noch mit ihnen sprach, schaltete er auf normal zurück, aber ganz wohl war ihm dabei nicht. Er konnte nicht verstehen, wieso eine energetische Sperre ihn als Mensch passieren ließ, aber einen Cyborg abstoppte. Auswertung der vorhandenen Fakten ergibt mit 75 % Wahrscheinlichkeit: Es wird eine Gehirnstrommessung durchgeführt. Ein Cyborg hat anders verlaufende Schwingungen! Die Ströme eines Terraners entsprechen scheinbar den geforderten Werten! teilte Alsops Programmgehini nach einer kurzen Berechnungspause lapidar mit. Hastig setzte er sich in Bewegung und lief in die Richtung, die Mark Carrell ihm angegeben hatte. Unter den Menschen in der POINT OF herrschte eine eigenartige, einmalige Unruhe. Demletzten war bewußt geworden, daß auch in seiner Erinnerung eine unbekannte Zahl von Stunden fehlte. Einer befragte deswegen den anderen. Niemand konnte eine Erklärung dafür geben, und die drei Männer im Raumer, die in der Lage gewesen wären, die Unruhe zu beseitigen, schwiegen. Erron-3 mußte ein Geheimnis bleiben, das dort gespeicherte Wissen durfte nur langsam und behutsam verwendet werden; die Wunder der Mysterious-Technik mußten verantwortungsvoll verwaltet werden. Nur ein paar Mann hatten kaum Zeit, sich über ihr plötzliches Wissen zu wundern: die Experten der astronomischen und astrophysikalischen Abteilung. „Versuchen Sie herauszufinden, wo in der Galaxis wir uns auf 10 halten! Stellen Sie aber vorher fest, ob wir tatsächlich auch in unserer Milchstraße sind!" hatte Ren Dhark ihnen aufgetragen, um wenigstens sie abzulenken. Mehr als zwanzig Mann schufteten. Sie beanspruchten den Checkmaster allein für ihre Aufgaben. Die Proteste der Funk-Z und der beiden Waffensteuerungen verhallten ungehört. Diese Teams hatten zu warten, bis die Experten die vom Commander gestellten Aufgaben gelöst hatten. Das Schiff flog in einem Lichtmonat Abstand an einer Riesensonne vorbei, gegen die Beteigeuze ein Zwerg war, und hielt Kurs
auf einen Stern, der wahrscheinlich Planeten besaß und in 2,4 Lichtjahren Abstand seine Bahn zog. Seit mehreren Stunden steuerte der Ringraumer mit 0,89 Licht diesem Ziel zu. Die Offiziere Falluta und Bebir mühten sich mit der neuen Steuerschalterkombination für das Hy-Kon ab. Der Angriff der Schwarzen Weißen hatte seinen Einsatz zu einer dringenden Notwendigkeit gemacht. „Dhark, woher haben wir dieses Wissen?" stöhnte Leon Bebir verzweifelt, der sich mit der Bedienung der vierzehn Steuerschalter, die bisher nie benutzt worden waren, schwer tat. „Wie soll ich das wissen, Bebir?" erwiderte Dhark, den Ahnungslosen mimend. „Erinnern Sie sich, daß sogar der Checkmaster nicht in der Lage ist, zu sagen, was in den letzten Tagen und Stunden mit uns und dem Schiff geschehen ist? Wir müssen mit unserem neuen Wissen eben fertig werden. Ich vermute, daß es mit unserem Aufenthalt in der Stemenbrücke und auf Zwitt zusammenhängt; ich wurde dort ja hypnotisch beeinflußt und als Steuerung mißbraucht; anders kann ich mir dies auch nicht erklären. Vielleicht eine zeitversetzte Hypno-Suggestion?" „Ja...", sagte der Zweite sinnierend, und die restlichen Offiziere, die aufmerksam der Debatte gelauscht hatten, nickten zustimmend, ,ja, das wäre eine Erklärung, Dhark." Dan Riker mischte sich ein. „Ende der Unterhaltung. Los, Bebir, Sie sind an der Reihe. Wiederholen Sie die Aufgabe, die Falluta gerade hinter sich gebracht hat!" Zu Dhark gewandt flüsterte er: „Gute Idee, Ren, die Ausrede mit der Suggestion, die gibt uns erst mal Luft. Wir lassen dies als mutmaßliche Erklärung verbreiten!" In der Funk-Z und den beiden Waffensteuerungen ging es nicht viel anders zu. Die Teams wurden gedrillt! Walt Brugg erklärte erneut, was ,Gringer' war. „Gringer ist ein Störfeld oder Störraum, der aber nicht auf vierdimensionaler Basis arbeitet, sondern konstantenneutral ist. Dieser Ausdruck bedeutet, daß mit Gringer eine Wirkung erzeugt wird, die wohl von der Existenz der Konstanten weiß, aber ihren physi kalischen Zwang mißachtet. Die Konstantenneutralität schafft im Normalraum bis zu einem Durchmesser von 7,2 Lichtjahren eine anomale Wirklichkeil, in der die Naturgesetze nicht autgehoben worden sind, aber auch nicht mehr jene unerschütterliche Festigkeit haben. Sie bewirkt, daß die Ortungen keine genauen Werte mehr liefern können; sie stört die direkte wie auch indirekte Sicht.
Es hilft auch nichts, einen Umweg über den Hyperspace zu ma chen und mitten in den Störraum einzubrcchen. Die Werte, die man mittels des einen wie des anderen Verfahrens erhält, stimmen nicht mehr. Natürlich haben die Anlagen des Schiffes, das den Störraum erzeugt, die Möglichkeit einwandfrei zu orten, da uns ja die Mißweisungen, wie ich vorhin demonstrierte, bekannt sind..." Brugg sah seine Männer an, holte tief Luft und sagte weiter: „Als wir Gringer einsetzten, konnten Sie auf der Bildkugel einen Schleier beobachten, der sich unwahrscheinlich schnell nach allen Seiten ausbreitete. Die Strahlbahnen der Schwarzen Weißen wurden unscharf, und scheinbar verschwanden die Sterne in naher und weiterer Umgebung. Anstelle des Nachtschwarz trat draußen im Raum ein Grau auf. Tatsächlich veränderte sich dort gar nichts. Nur wir sahen es mit unseren Augen so, und die Ortungen der Schwarzen Weißen nahmen es ebenfalls so auf. Ihre Schiffe wurden sozusagen auf allen Augen blind..." Während Männer, die immer wieder bewiesen hatten, eine gute Auffassungsgabe zu besitzen, langsam aber sicher verzweifelten, weil sie das Neue nur sehr schwer verstehen konnten, raste die POINT OF mit gleichbleibender Geschwindigkeit ihrem Ziel zu. Jens Lionel und seine Kollegen arbeiteten wie Besessene, denn sie wollten so schnell wie möglich dem Commander berichten, wo in der Milchstraße sich der Ringraumer befand. Eine Minute nach der anderen verging. Aus Minuten wurden Stunden, und noch immer zeichnete sich keine Antwort ab. In der Astrophysik war man etwas ruhiger, wenngleich man dort auch mit neuem Wissen arbeitete, und die Unruhe, die nebenan bei den Astronomen herrschte, ließ man gar nicht erst aufkommen. „Lionel, wir haben Stemenkarten mit astrophysikalisehen Werten, die alles bisher Geschaffene in den Schatten stellen. Wie sieht's bei ihnen aus? Sind Sie auch schon so weit, damit wir uns ergänzen können?" „So gut wie Sie haben wir's nicht, aber wenn Sie mir wenigstens verraten könnten, was wir auf Grün 56:05,89 vor uns haben", gab Lionel ungehalten zurück. Der andere wiederholte murmelnd die Koordinaten, ein kurzes Zwiegespräch war zu hören. „In zehn Minuten. Meine Kollegen befassen sich bereits damit. Auf was tippen Sie denn, Lionel?" Der hatte es sich längst abgewöhnt, Prognosen zu stellen. Wenn er sich nur daran erinnerte, wie winzig das Wissen der Menschheit um die Galaxis gewesen war, obwohl schon terranische Sternenschiffe mit dem Time-Effekt Kurs auf Planeten femer Systeme genommen hatten, und die damaligen Erkenntnisse mit ihren heuti-
gen verglich, dann mußte er sich immer wieder sagen, daß sie auch heute noch nicht viel wußten. „Ich bin kein Hellseher! Ich bin Astronom. Bitte, reichen Sie mir Ihre Untersuchungsresultate..." Weiter kam er nicht, denn der andere hatte ihn unterbrochen. 12 „Lionel, wir sind so weit, aber... aber..." Er rieb sich sein Kinn, wiegte den Kopf und überflog die Folie in seiner Hand noch einmal mit mißtrauischem Blick. „Hm! Das ist ein Ding! Lionel, Sie werden denken, meine Kollegen seien übergeschnappt, und ich... na, ich glaub's bald auch. Also, das Ding auf Grün 56:05,89 sind siebzehn Sonnen, die man kurzgeschlossen hat!" „Bitte?!" quälte Jens Lionel sich ab und dachte: Die sind tatsächlich übergeschnappt! „Wir können es nicht ändern, aber diese siebzehn Sonnen sind kurzgeschlossen worden! Lionel, kann ich was dafür?!" In Lionels Gehirnwindungen gab es Alarm! „Was haben Sie plötzlich, Lionel?" Der dachte an die Sternenbrücke! Der dachte daran, daß acht Sonnen die Energie geliefert hatten, um ein Hy-Kon zu erzeugen. War ihnen in der Stemenbrücke nicht demonstriert worden, daß es sogar Mittel und Wege gab, die Energie von mehreren Sonnen abzurufen und für eigene Zwecke zu verwenden? Konnte es nicht ebenso möglich sein, den energetischen Haushalt von siebzehn Sonnen kurzzuschließen? „Lionel, was haben Sie auf einmal? Gefallen Ihnen diese siebzehn kurzgeschlossenen Sonnen doch?" kam die drängende Frage. „Ja!" Und dann sprach er von der Sternenbrücke, doch damit konnte er seinen Kollegen nicht zu Begeisterungsstürmen provozieren. „Alles gut und schön, aber Energie abrufen und Sonnen kurzschließen, Lionel, das ist doch ein himmelweiter Unterschied!" „Für uns ja! Aber auch für die Mysterious?" Der Mann in der Astrophysik wollte sich nicht streiten. „Ich lasse Ihnen unsere Unterlagen überspielen. Vergessen Sie aber die Stemenkarten nicht. Wir benötigen sie zwecks Übertragung." Der Bildschirm der Bordverständigung wurde dunkel. Lionel blieb nachdenklich sitzen. Das Objekt auf Grün 56:05,89 war sie benundvierzig Lichtjahre entfernt. Ein Katzensprung - eine relativ kurze Transition. 14
Ob er Ren Dhark darauf aufmerksam machen sollte? Er machte ihn darauf aufmerksam. Dhark sah Dan Riker an. „Siebzehn Sonnen, deren energetischer Haushalt kurzgeschlossen worden ist? Ren, ich kann mir unter einem energetischen Kurzschluß leider nichts Schönes vorstellen." Das war der verklausulierte Rat, diese winzige Stemballung in siebenundvierzig Lichtjahren Entfernung nicht anzufliegen. Ren Dhark war hartnäckig. „Schau dir mal die beiden Folien an, Dan!" Kurz darauf hatte er vergessen, daß er seinem Freund abgeraten hatte, sich den Fall aus der Nähe anzusehen. Die P01NT OF ging auf neuen Kurs. Das veränderte Ziel lag auf Grün 56:05,89! Sie flogen siebzehn Sonnen an! Sie flogen auf die Quelle einer starken, aber auch erstaunlich lokal begrenzten Radioemission zu! Jos Aachten van Haag betrachtete schon wieder mißtrauisch sein Gesicht. Was war nur damit los? Woher kamen die nicht sichtbaren Spannungen in der Haut und die partiellen Zonen vollkommener Gefühllosigkeit, die aber nie lange anhielten und so schlagartig wieder verschwanden, wie sie aufgetaucht waren? Ich müßte einen Arzt aufsuchen, dachte er, und spielte schon mit dem Gedanken, sich die Medo-Station in der A-01 von innen anzusehen, als Chris Shanton eintrat, um seinen wieder komplett hergestellten Jimmy zu präsentieren. Zeit genug dazu hatte er bis jetzt auf Planet l des Zwitt-Systems gehabt. Der Dicke stutzte, als er bemerkte, daß Jos sich hastig von dem Spiegel abwandte. „Jos, stimmt etwas mit Ihrem Gesicht nicht?" „Wieso, Shanton? Wie kommen Sie darauf?" 15 „Weil ich mit meinem Gesicht auch nicht mehr zufrieden bin!" Shanton hatte die gleichen Beschwerden wie van Haag. Plötzlich dämmerte es den beiden. „Das schwarze Zeug, das wir uns ins Gesicht geschmiert haben, um wie ein Schwarzer Weißer auszusehen, Shanton!" Jimmy spitzte die Ohren, weil er den Fluch, den der Herr und Konstrukteur gerade ausgestoßen hatte, noch nicht kannte. „Nein", sagte Shanton danach, „nicht in die Medo-Station der A01! Wozu haben wir den Transmitter, Jos? Ab nach Hope, und von
dort mit dem nächsten Raumschiff nach Terra, und dann ins ' Brana-Tal." \ Er blickte Jos fragend an. „Kommen Sie mit nach Terra über den Transmitterweg nach Hope, Jos?" „Das wird das beste sein, Shanton. Aber wir sollten einen kurzen Umweg über den Verteiler nehmen und im Beiboot nach der trOkkengeWOrdenen Schmiere suchen; dann haben die Ärzte etwas zu analysieren!" Sie ahnten nicht, wie sehr sie diesen Entschluß noch bereuen würden. Holger Alsop hatte Mark Carrell erreicht. Zwei Scheinwerferbahnen beleuchteten einen Knochenberg. Knochen von riesenhaften Menschen! Knochen, die schmutziggrau waren, und Knochen, die schon langsam zu Staub zerfielen. Stumm starrten sie das Furchtbare an, aber auch das andere, um das die Knochen aufgeschichtet waren: die Statue eines goldenen Menschen! Wer auf Terra kannte ihn nicht, den Goldenen Menschen von Mirac? Die TV-Stationen hatten tagelang von dieser Entdeckung berichtet. Im Goldenen Menschen von Mirac sah Terra die Mysterious! Man halte sich mit fast hypnotischem Zwang eingeredet, so und nicht anders könnten die Geheimnisvollen einmal ausgesehen haben; und auf Mirac hatten sie sich dann selbst ein Denkmal gesetzt. Und nun standen Mark Carrell und Holger Alsop in einem Kellergewölbe auf einem unbekannten Planeten und sahen den Goldenen Menschen zum zweitenmal - mit Armen und mit Kopf! Drei Meter hoch war die Plastik. Bis zu den Knien war sie durch die Knochen verdeckt. Aber alles andere bot sich ihren Blicken dar: Die Arme, die sich zum Himmel emporreckten, und der Kopf, der unmißverständlich zu den Sternen hinauf sah. Aber ein Kopf ohne Gesicht! Ein Gesicht, das leer war; nichts anderes als eine leicht gewölbte Fläche. Nicht die kleinste Andeutung von Augen, einer Nase oder einem Mund. Sogar das Kinn war nicht modelliert. Ein Nichts in menschlicher Gestalt! Dennoch ein eindrucksvolles Nichts. Es wurde nicht allein durch den Goldton ausgelöst, sondern durch die Haltung, durch die sich emporreckenden Arme und die leicht gebogenen Hände, als wollten diese zweimal fünf Finger einen Stern umfassen.
Langsam wanderten Carrell und Alsop um den Knochenberg herum. Wo auch immer sie diese Relikte grausamer Menschenopfer mit dem Fuß berührten, zerfielen sie zu Staub; die Stätte wurde schon lange nicht mehr benutzt. Unwillkürlich dämpfte Carrell seine Stimme zum Flüstern. „Genau über uns muß sich der Kugeltransmitter befinden." Weiter kam er mit seiner Bemerkung nicht, weil Alsop ihn hart angestoßen hatte, und gleichzeitig auf der Stelle herumwirbelte. Beide schalteten blitzschnell auf ihr Zweites System! Keine Sekunde zu früh! Die Scheinwerferstrahlen hatte ihre Bewegungen mitgemacht. Im grellen Lichtkegel standen drei Zottelige, die trotz des Haarvorhanges vor ihren Augen geblendet waren und sich in dieser Lage nicht anders verhielten als Menschen von Terra. Sie halten die sechsfingrigen Hände hochgerissen und benutzten sie als 16 17 Schutz gegen die grelle Lichtflut. An ihren Fingern blitzte es auf. Sie trugen Ringe mit großen geschliffenen Steinen! Diese Steine spiegelten das Licht in sattem Grün und weichem Blau wider. Die Füße der Zotteligen waren nicht nackt! Silbergraue, enganliegende Sandalen, die bis zum Ansatz der Waden reichten, umhüllten sie. Langsam ließen die Humanoiden ihre zur Abwehr hochgerissenen Hände sinken. „Abblenden!" befahl Holger Alsop, und beide schalteten herunter. Die Strahlen blieben, aber ihre Leuchtkraft war auf ein Zehntel der normalen Leistung herabgesetzt worden. Unbeweglich standen die drei fellbedeckten Riesen in dem dunklen Torbogen, dem Ausgang eines unterirdischen Ganges. Zwei Stufen fehlten bis zum Boden, der mit glattgeschliffenen, aber unregelmäßigen Steinplatten ausgelegt war. „Sicherung, Carrell!" Holger Alsop trat zur Seite, um seinem Kollegen das Schußfeld nicht einzuengen, und ging dann langsam auf die Fremden zu, die leeren Hände beruhigend erhoben. Verstanden die Bewohner dieses Planeten seine Geste?
Er mußte ihr Vertrauen erringen! Unbedingt!
Sie reagierten auf seine Geste nicht.
Da blieb er stehen, öffnete seinen Klarsichthelm und begann zu
sprechen, obwohl ihm klar war, daß sie ihn nicht verstehen konn-
ten. Aber vielleicht nahmen sie den beruhigenden Klang seiner Stimme wahr. Lauschend bewegten die Zotteligen den Kopf. Der in der Mitte stand und einen halben Kopf größer war als seine Begleiter, griff zum rechten Mittelfinger und streifte seinen grün leuchtenden Ring ab. Er hielt ihn mit Daumen und Zeigefinger, drehte ihn im Lichtstrahl hin und her, und legte ihn dann auf die erste Steinplatte vor den beiden Treppenstufen zum Gang. Langsam richtete er sich wieder auf, und nun kam Bewegung in alle drei. Rückwärts gehend, zogen sie sich in den unterirdischen 18 Gang zurück, aber nicht weiter als acht oder neun Meter. Dort blieben sie, von rauhen Quadern umgeben, abwartend stehen. Das Geschenk annehmen! sagte Alsops Programmgehim. Er trat vor, bückte sich und nahm den Ring auf. Mit dieser Tätigkeit schaltete er bewußt auf Normal zurück, darauf vertrauend, daß Mark Carrell auf dem Zweiten System seine Sicherheil garantierte. Fasziniert betrachtete er das Kleinod. Er hielt einen Ring in Händen, der von einem genialen Künstler geschaffen worden war, denn unbeschreiblich war die Fassung des daumennagelgroßen, wunderbar geschliffenen Steines, der eine etwas längliche Form hatte. Winzige schwarze Steine, die auch das Licht reflektierten, umgaben die Fassung in einer doppelten Reihe. Dahinter wölbte sich in mattem Rosa die ovale Schale, in der alles gebettet lag. Von zwei ziselierten Schenkeln, die allegorische Darstellungen zeigten, wurde sie von beiden Seiten gefaßt. Erstaunlich schwer war dieser Schmuck, der aus einem Material gefertigt war, das Holger Alsop nicht kannte. Prüfend maß er, ob der Ring ihm wenigstens am Daumen passen würde - als er mit den Augenlidern zwinkerte und zugleich den Kopf schüttelte. Hatte der Ring, als er ihn aufhob, nicht einen bedeutend größeren Durchmesser besessen als nun? Oder hatte es an der diffusen Beleuchtung gelegen, daß er sich so verschätzt hatte? Langsam streifte er ihn über den rechten Mittelfinger. Der Ring paßte! Aber er konnte nicht passen, denn die Zotteligen hatten gemäß ihrer Körpergröße zweimal stärkere Finger als er! Ist das wichtig w wissen? hörte er in seinem Kopf. Im gleichen Augenblick hatte er wieder auf sein Zweites System geschaltet, um den Schock nicht zum Tragen kommen zu lassen.
Mit der nüchternen Seelenlosigkeit seines Programmgehims betrachtete er nun das Schmuckstück an der rechten Hand. Und nun sah er das Emblem einer Galaxis-Spirale rechts und links vor dem Rand der kleinen ovalen Schale, in welcher der 19 Stein und die Doppelkette gebettet lagen. Ein Ring der Mysterious steckte an seinem Finger! Aber war er über diesen Ring in der Lage, sich telepathisch mit den Bewohnern dieses Planeten zu verständigen? Er warf Mark Carrell einen Blick zu, der nur beobachtend und sichernd unbeweglich auf der Stelle stand. Und Holger Alsop schaltete wieder auf normal zurück. Kannst du mich verstehen ? dachte er. Ja, aber warum hatte ich gerade keine Verbindung mit dir? hörte er Antwort und Gegenfrage. Ich wollte nicht! wich Holger Alsop aus. Aber wenn ihr keinen Überfall au/uns plant, dann kommt näher! forderte er sie auf. Nein! vernahm er die Antwort. Uns ist untersagt, den Raum der Gebeine und den Tempel des Strahlenden w betreten, und nur, wer nicht mehr ist, hat das Recht, vor dem Strahlenden liegen w dürfen. Alsop mußte Mark Carrell über den Stand der Dinge unterrichten. Er schloß seinen Klarsichthelm wieder und teilte Carrell über Funk in lapidarer Kürze mit, was er bis jetzt erfahren hatte. Kaum war er zu Ende gekommen, als sich Bram Sass, der die beiden Eingänge oben zu sichern hatte, meldete. „Aus den Erdhöhlen auf der anderen Seite des Flusses bekommen wir scheinbar Besuch von mehr als hundert Eingeborenen. Sie ziehen abgedeckte Platten hinter sich her. Was soll getan werden? Sie schocken?" „Wie weit sind sie noch entfernt, Sass?" fragte Alsop zurück. „Vierhundert Meter. Bis sie alle durch den Fluß sind, vergehen noch fünf Minuten Normzeit." „Die benötigen wir. Wir melden uns gleich wieder." Er mußte versuchen, über die drei Eingeborenen zu erfahren, was dieser Aufmarsch oben zu bedeuten hatte. Die Antwort erschütterte ihn. Sie, die Terraner, mit ihrer nackten Haut dem Ebenbild des Goldenen Menschen so ähnlich, waren in den Augen der Blubs die bösen Dämonen, die hinter dem Horizont wohnten und den Sturm
erzeugten, die Wasserfluten vom Himmel stürzen ließen und die Carran-Seuche den Virdenen schickten. ...wir aber wissen, daß ihr nicht hinter dem Horizont wohnt, weil uns angezeigt worden ist, über welchen Weg ihr kamt! Der Eingeborene sprach vom Kugeltransmitter? Nein, wurde der Cyborg in seinen Gedanken unterbrochen, wir wissen nur aus der Überlieferung, daß durch das Schwarze mit seinem roten Leuchten in der Tiefe einstmals ein Kommen und Gehen war, doch schon seit vielen hundert Umläufen ist das Tor zu den Sternen verschlossen. Bram Sass meldete sich wieder. „Holger, der größte Teil der Eingeborenen hat unser Flußufer erreicht..." Sage deinen Freunden, sie sollen in den Tempel des Strahlenden hinabsteigen und uns folgen, denn niemals werden die Blubs es wagen, vor ihn zu treten. Die Wand, die euch hindurchließ, wurde sie verbrennen! Oshuta und Sass zeigten keine Verwunderung über die Nachricht, die Alsop ihnen durchgab und auch nicht darüber, daß er ihnen befahl, auf normal zurückzuschalten. „Wir kommen!" Bram Sass und Lati Oshuta folgten unaufgefordert den beiden anderen Cyborgs durch den unterirdischen Gang; die drei Zotteligen gingen vorweg. Holger Alsop erklärte unterwegs seinen Kameraden mit wenigen Worten die verblüffende, aber auch zugleich unerklärliche Wirkung des Ringes an seiner Hand, der allem Anschein nach erst die telepathische Verständigung ermöglichte. Der Gang, über drei Meter hoch, aber nicht besonders breit, war aus großen, kaum bearbeiteten Quadern errichtet, die man ohne Verbindungsmaterial aufeinandergesetzt hatte. Unter dem Gewicht der schweren Brocken war eine Konstruktion errichtet worden, die Jahrtausende überstand, wenn nicht ein Erdbeben alles zusam 20 21 menstürzen ließ. Der Gang verlief keineswegs geradlinig, hielt aber dennoch die einmal eingeschlagene Richtung bei. Schließlich erreichten sie eine Treppe, die immer breiter wurde, je tiefer sie kamen. Die Dunkelheit, nur durch die Scheinwerferstrahlen aufgehellt, wich allmählich.
Blaues Licht strahlte aus den Wänden, und da erst fiel den Terranem auf, daß diese Wände nicht mehr aus aufeinandergeschichteten Quadern bestanden, sondern unitallblau leuchteten. Die leicht flimmernde energetische Sperre erklärte ihnen dann, weshalb sie die Blubs nicht zu fürchten hatten. Ungehindert traten sie hindurch. Außer einem leichten Prickeln verspürten sie nichts, und dann standen alle vier Cyborgs wie angewurzelt. Vor ihnen breitete sich ein kuppelartiger Raum aus, dessen Decke strahlend blaues Licht emittierte. Aber der Blickfang war eine Bildkugel, wie die Cyborgs sie von der POINT OF her kannten, und diese Bildkugel arbeitete! Sie zeigte den Stemenhimmel um diesen unbekannten Planeten, den sie über eine Transmitter-Straße erreicht hatten. Unwahrscheinlich beeindruckend war das Bild, das die mehr als acht Meter messende Kugel zeigte. Sie schwebte frei im Raum, war weder mit der Kuppeldecke, noch mit dem Boden verbunden, und gab dennoch ihr Geheimnis nicht preis, nach welchem Prinzip sie arbeitete. Du kennst das Auge der Tiefe? vernahm Holger Alsop die Frage in seinem Kopf. Eine Wand war mit Instrumenten übersät, vor der anderen war ein Schaltpult aufgebaut worden, das die Cyborgs magnetisch anzog. Mark Carrell mußte auf sein Zweites System umschalten, denn in seinem normalen Wissen gab es nichts, was ihm diese komplizierte Anlage vertraut machte. Das Material des Sessels paßte sieh sofort seiner Figur an, als er darin Platz nahm. Der Sitz war zu klein für die drei zotteligen Riesen, die, je länger die Terraner mit ihnen zusammen waren, mehr 22
und mehr von ihrem fremdartigen Aussehen verloren.
Nun zeigte sich, daß Mark Carrell nicht nur der erste Cyborg einer neuen Serie war, sondern daß auch sein Programmgehirn eine höhere Qualitätsstufe aufwies - es war mit den letzten Erkenntnissen terranischer Wissenschaft bestückt und besaß eine wesentlich höhere Speicherkapazität als das der Cyborgs der ersten Generation! Eine kleine, knapp einen halben Meter durchmessende Bildkugel als Kontrollgerät stand, ebenfalls schwebend, über dem Schaltpult. Carrell brachte die Steuerschalter in andere Positionen. Gleichzeitig wechselte die Wiedergabe der Bildkugel. Die leuchtenden Punktquellen der abertausend Sonnen auf schwarzem Untergrund verschwanden. Ein Planet tauchte auf, eine Welt, die im
Dämmerlicht lag und von einer dunkelroten Sonne beschienen wurde. Das ist unsere Welt! hörte Holger Alsop sagen, und unverzüglich informierte er Mark Carrell, der gerade versuchte, die nähere Umgebung um den Kugeltransmitter sichtbar werden zu lassen. Er mußte suchen, denn die Anlage, vor der er saß, unterschied sich stark von der in der POINT OF und in den Flash. Da orgelte ein Schrei durch den Kuppelraum. Die Eingeborenen hatten ihn ausgestoßen, und wie Menschen, die sich vor Freude kaum halten konnten, klatschten sie in ihre mächtigen, behaarten Pranken. Auch Bram Sass hatte auf den ersten Blick das Tal mit dem Fluß erkannt, die dunklen Löcher mit den niedrigen Erdwällen zwischen den Sträuchem, und dann sah er die Zotteligen im Halbkreis vor dem quadratischen Bauwerk aus groben Quadern stehen, wo sie unerklärbare Vorbereitungen trafen. Sie prüfen die Windrichtung, um dann das donnernde Feuer tu entfachen, mit dem sie euch aus dem Tempel treiben wollen! verstand Holger Alsop. Ein donnerndes Feuer? fragte er zurück, erhielt aber auf seine Frage keine Antwort. 23 Einer der Eingeborenen beugte sich über Mark Carrell und legte ihm seine behaarte Pranke auf die Schulter. Der Eingeborene betrachtete aufmerksam den Cyborg und dessen Handlungen an dem Schaltpult. „Carrell, er will wissen, welche Positionen die Steuerschalter einnehmen müssen, damit sie die Sterne in der Bildkugel sehen können!" teilte Alsop den Wunsch des Zotteligen mit. Er wunderte sich nicht über die verblüffende Auffassungsgabe der Eingeborenen. „Laut ihrer Überlieferung war es ihnen bei Todesstrafe untersagt, dieses Schaltpult auch nur zu berühren, aber wir haben es hier scheinbar mit drei Ketzern zu tun, die mit Recht ihre alten Überlieferungen anzweifelten." Der angrenzende Raum hinter der Kuppel erklärte endlich, woher diese .Ketzer' ihr Wissen bezogen hatten, daß ihr Besuch über eine Transmitter-Straße zu ihnen gekommen war und nicht zu den Dämonen gehörte, die hinter dem Horizont wohnen sollten. Ein ovaler Bildschirm, über dem das Emblem einer Galaxis-Spirale im Goldton leuchtete, war in Tätigkeit und zeigte nicht nur den Transmitter oben im Tempel, sondern auf der linken Seite eine
scharfbegrenzte Leuchlbahn, die zwei Punkte miteinander verband. Die Transmitter-Straße vom Verteiler zu dieser Welt! Die größte Überraschung erwartete sie noch. Die drei Eingeborenen führten sie zu ihrem Volk! Stolz nannten sie sich die Barrans — die Klugen — und stolz gingen sie den vier Terranern voraus durch ihre unterirdische Stadt, die nur von den Mysterious erbaut worden sein konnte! Unitall, wohin der Blick fiel; überall das sattsani bekannte, bläuliche Licht. Die Barrans, die ihren Planeten Sero nannten, hallen sich im Verlaufe der Jahrhunderte mit der Stadt und ihrer Technik wenigstens halbwegs vertraut gemacht. So hatten sie ihr Leben, das sie der Überlieferung nach vorher auf der Oberfläche unter einer verlöschenden Sonne geführt hatten, grundlegend verändert. Ihre Zahl gaben sie mit dreißigtausend an, doch die zehnfache Menge hätte in dem großen Komplex unter der Erde auch noch bequem Platz gefunden. Immer wieder wunderte sich Holger Alsop über die Diskrepanz zwischen Aussehen und Wissen der Barrans. Fragen nach den Mysterious, in der Hoffnung, die Überlieferung der Barrans könnte präzise Angaben darüber enthalten, konnten sie aber nicht beantworten. Ja, der Cyborg fand nicht einmal heraus, vor wieviel Jahrhunderten oder Umläufen, nach denen die Eingeborenen rechneten, die Geheimnisvollen verschwunden waren. Mark Carrell erinnerte an die goldene Plastik im Kellergewölbe. Während sie um den Schwebetisch saßen, der zu Ehren der Terraner passend zu deren Größen herabgelassen worden war, berichtete Sarronala von dem, den sie den Strahlenden nannten. „Früher einmal stand er auf Sero, dort, wo die Sternenschiffe ankamen und wieder fortflogen. Als das letzte dann verschwunden war und es auf Sero still wurde und es lange, lange still blieb, wagte es endlich der Große Boridu, in die Stadt einzudringen, welche die Grauen verlassen hatten. Am Eingang traf er auf den Strahlenden, der schon so viele Barrans getötet hatte, die ihm zu nahe gekommen waren. Die Grauen waren grausamer als unsere Götter, und wenn ihre Schiffe kamen oder wieder davonflogen, durfte kein Barran in der Nähe sein. „Die Grakos!" stieß Bram Sass aus, der, seitdem er zum erstenmal von der Überlieferung der Utaren gehört hatte, die Grakos diese Geißel der Galaxis - nicht mehr vergessen konnte.
Die Barrans nannten sie die Grauen, aber wie kamen sie zu dem Namen, wenn sie nie einen einzigen Mysterious zu Gesicht bekommen hatten? Sarronala konnte darauf keine Antwort geben. Zweifelnd sahen sich die Cyborgs an. Was war Wahrheit? Was war Mär? Aber die verlassene Stadt der Mysterious war real. Doch warum 24 war sie auf diesem unbedeutenden Planeten unter einer verlöschenden Sonne angelegt worden? Warum besaß Sero einen Kugeltransmitter? Was gab dieser Welt diese Bedeutung? Die Barrans wußten von keiner technischen Anlage auf ihrer Welt. Sie lebten in der dauernden Angst, die Grauen könnten eines Tages zurückkehren und ein grausames Strafgericht halten, weil sie ihre Stadt im Besitz anderer fänden. Sarronala, die Grauen werden nicht wiederkommen, denn wir Terraner suchen sie schon seit vielen Jahren auf vielen Sternen. Wir glauben nicht mehr daran, daß sie noch leben. Ein Volk der Grauen gibt es nicht mehr. Aber kennt ihr den Ausdruck: Grakos? Das sind doch die Grauen! vernahm Alsop die Stimme Sarronalas in seinem Kopf. Die P01NT OF tastete sich langsam vorwärts, seitdem sie den Emissionsbereich der siebzehn Sonnen erreicht hatte, die alle ihrem gemeinsamen Untergang entgegenjagten. Siebzehn Sonnen waren aus ihrer Bahn gebracht worden. Siebzehn Sonnen rasten einem unsichtbaren Mittelpunkt zu; aber bevor sie ihn erreichten, mußten sie sich wie eine Nova aufblähen und zum allesverschlingenden Moloch werden. Falluta hatte die POINT OF übernommen. Ren Dhark und Dan Riker befanden sich in der astrophysikalischen Abteilung, wo größte Aufregung herrschte, denn zwei Hypothesen waren aufeinandergeprallt, und keine der beiden Parteien wollte einen Schritt von ihrer Annahme abgehen. „Wir haben ein Naturereignis vor uns!" behauptete die eine, aber zahlenmäßig schwächere Gruppe. „Wir sehen hier das Resultat von wahnsinnig gewordenen Intelligenzen, die verbrecherisch mit siebzehn Sonnen gespielt haben!" behauptete die zweite Gruppe. Aber noch konnte weder die eine noch die andere Hypothese 26
25
bestätigt oder entkräftet werden. Zu weit vom Schauplatz war der Ringraumer entfernt. Das Schiff hielt Kurs auf die Sonne, die innerhalb der kleinen Ballung noch am weitesten draußen stand - ein B-Typ mit einem 5,6fachen Sonnendurchmesser, von strahlend weißer Farbe und ungewöhnlich heiß. „Künstlich aufgeheizt!" „Unsinn! Was wir sehen, ist ein ganz normaler Prozeß, der durch die Schrumpfung der Ballung ausgelöst worden ist. Vielleicht erinnern Sie sich an .Brigthons viertes Gesetz', oder denken Sie an die ,Kossandriner Formel'!" Sie warfen sich gegenseitig Formeln und Fachausdrücke an den Kopf. Die Stimmung war aufgeheizt. Dan Riker und Ren Dhark schauten sich ratlos an - und schüttelten die Köpfe. Jens Lionel mußte der Unglücksrabe sein, der zum berühmten Funken im Pulverfaß wurde. Ahnungslos schaltete er zur Astro durch und meldete: „Der B-Typ, den wir anfliegen, hat Planeten, aber die sind alle kaputt!" Das hätte er niemals sagen dürfen! Kaputt! „Woher wollen Sie auf diese Entfernung wissen, daß diese Planeten tatsächlich .kaputt' sind, Lionel?" wurde er empört zurechtgewiesen. „Meine Herren!" Ren Dhark verschaffte sich Gehör, es wurde ruhiger, die erregten Stimmen verstummten. „Bitte etwas mehr Disziplin. Sie sind doch alle hervorragende Wissenschaftler, respektieren Sie die Meinung des anderen. Ich erwarte im übrigen Ihren Bericht morgen gegen 8 Uhr Normzeit!" Aber auch am anderen Bordtag gegen 9 Uhr hielt er noch keinen Bericht in Händen. Die astronomische wie die astrophysikalische Abteilung schwiegen sich aus. Falluta, l. Offizier der POINT OF, war diesen Experten nicht besonders gut gesonnen. 27 „Ich habe ihn schon dreimal angefordert und wurde beim letztenmal angeschnauzt, nicht dauernd zu stören. Lionel hat sich wieder einmal unmöglich benommen!" Diese ewigen Reibereien zwischen Besatzung und Wissenschaftlern, die nur ihrer Arbeit nachgingen, waren auch auf der POINT OF nicht zu beseitigen. Doch auch an diesem Bordmorgen hörte Dhark darüber hinweg. Streitigkeiten sorgten für Bewegung
und frischen Wind und verhinderten den Ausbruch von Muffigkeit an Bord. Er sah wieder auf das Chrono der Zentrale. Halb zehn! Die Herren ließen sich wirklich Zeit; sie brachten nicht einmal eine Entschuldigung dafür zustande, daß sie sich mit ihrem Bericht verspäteten. Leon Bebir im Co-Pilotensitz drehte sich mitsamt seinem Sessel um. „Für Sie! Die Astro, Dhark." „Ja?" meldete er sich, als er links neben Falluta getreten war und den Bildschirm der Verständigung sehen konnte. „Dhark, wir haben uns bei Lionel entschuldigt. Wir alle. Die drei kümmerlichen Planelen, welche die Sonne vom Typ B besitzt, sind tatsächlich kaputt!" Dieses Wort tat Ren Dhark in den Ohren weh. „Was heißt das denn, kaputt?" „Na, eben kaputt! Was denn sonst? Die hat jemand auseinandergebrochen und..." „Darf ich Sie bitten, endlich Klartext zu redeil und mit diesem Unsinn aufzuhören!" stotterte Dhark, der für einen Augenblick den Überblick verloren hatte. Der Astrophysiker murmelte eine Entschuldigung, er konnte die Verwirrung des Commanders verstehen. „Dhark, diese drei Planeten sind mutwillig durch Intelligenzen zerstört worden, denn wir haben kontinentgroße Bruchstücke im Raum treibend gefunden, die bei etwas Phantasie in die Bruchstellen der Umläuler passen!" Beide Seiten schwiegen. Der Experte wartete, was der Commander zu sagen hätte, während Dhark versuchte, sich vorzustellen, welche Energien erforderlich waren, aus einem Planeten kontinentgroße Stücke herauszubrechen. Nur zögernd stellte Ren Dhark dann seine Frage: „Können Sie jetzt schon bestimmen, wann dieser Zerstörungsakt stattgefunden hat?" „Leider nicht. Dafür müßten wir bedeutend näher heran, aber wiederum möchten wir empfehlen, die POINT OF erst einmal zu stoppen. Ehrlich gesagt, wir kommen mit diesen siebzehn Sonnen nicht klar, weil wir nicht erkennen, was man mit ihnen angestellt hat." In der Zentrale horchte auch der letzte Mann auf. „Sie sind überzeugt, daß sich diese Sterne nicht normal verhalten? Daß kein natürlicher Prozeß abläuft?"
„Mit hundertprozentiger Sicherheit können wir es nicht behaupten, Dhark, denn was über die Milchstraße wissen wir schon sicher! Aber das Gesamtbild paßt in keine unserer Vorstellungen hinein. Bitte, lassen Sie uns Zeit." Er nickte und schaltete wortlos ab. Niemand sah ihm an, welche Sorgen er sich plötzlich machte, und daß sich seine Gedanken mit den Schwarzen Weißen und ihren Doppelkugelraumem beschäftigten. Hatten sie hier ihre Hand im Spiel gehabt? Vielleicht würde es die nahe Zukunft verraten. Bert Stranger, der Reporter der Terra-Press, war nicht wiederzuerkennen. Der Mann mit der unglücklichen Figur sah nicht mehr lächerlich aus, und die beiden Robonen, die er vor seinem Schokker hatte, fanden ihn bestimmt nicht lächerlich. „Ich frage nicht noch einmal!" sagte der kleine Dicke warnend. „Ich habe nun lange genug auf eine Antwort gewartet." 28 29 Sein Paraschocker war auf minimale Dosis geschaltet, er würde nicht paralysieren, sondern nur sehr unangenehme Zuckungen verursachen. Lässig betätigte er den Kontakt. Gemächlich schwenkte der Abstrahlpol auf den zweiten zu, der nun auch in seinem Sessel zusammensackte, die Lippen bewegte, aber kein Won mehr darüberbrachte. In Gedanken hatte Bert Stranger jedesmal bis zehn gezählt, und nun ließ sein Finger den Kontakt wieder in die Ausgangsstellung zurückspringen. Ob die erste Probe ausreichte, diesen verstockten Burschen den Mund zu öffnen? Mitleidlos beobachtete er die Angstgefühle, die sich in ihren Augen widerspiegelten. Borgin brachte nur ein Stöhnen fertig. Marenu starrte dumpf vor sich hin. Ihm machte die schwache Dosis mehr zu schaffen als seinem Partner. Borgin & Co, die unscheinbare Firma, die mit Sensoren handelte und es verstanden hatte, die Hobbygelüste der Menschen anzusprechen. Trotz ihres unscheinbaren Aushängeschildes betrug der letzte Jahresumsatz der Firma über hundert Millionen Dollar.
Bert Stranger stand mit dem Rücken zur Tür. Von seinem Platz aus konnte er das ganze Büro übersehen und verhinderte durch seine Position gleichzeitig, daß ein unerwünschter Besucher eintreten konnte. „Okay, dann ist die zweite Behandlung fällig!" kündigte er kaltschnäuzig an, und wieder krümmte sich sein Zeigefinger. Sie waren zäher, als er erwartet hatte. Sie wanden sich unter dem Strahlbeschuß, dennoch kam kein Wort über ihre blaß gewordenen Lippen. Unwillkürlich drängte sich bei dem Reporter der Verdacht auf, daß sowohl Borgin wie auch Marenu behandelt worden waren - nicht reden konnten! Er erhöhte die Dosis leicht. Gern tat er es nicht, aber in diesem Fall ging es um mehr, als herauszufinden, wer hinter der .Aktion 30 Mikrosender' steckte. Er hatte im Laufe seiner Nachforschungen verschiedentlich von einer Verbindung zwischen nicht umgeschalteten Robonen und sogenannten .Schwarzen Weißen' gehört. Die letzteren waren ihm immer noch kein Begriff! Und dann waren auch noch die Worte .Doppelkugelraumer' und .Invasion' gefallen! Es war nicht leicht gewesen, die Verteilerzentrale zu finden, von der aus die Mikrosender weitergeleitet wurden; und es war ihm unmöglich gewesen, herauszufinden, woher diese höllischen Kleinstgeräte kamen. Von diesen Schwarzen Weißen, die mit einigen nicht umgeschalteten Robonen in Verbindung stehen sollten? Die beiden Männer krümmten sich schweißnaß hinter ihrem großen Sehreibtisch in den Sesseln hin und her. Fast hätte Stranger Mitleid an den Tag gelegt. Konnten sie wirklich nicht über die Mikrosender sprechen? Könnte die Spezialbehandlung so nachhaltig sein, daß sie darüber auch trotz ihres Wollens keine Aussage machen konnten? Auf dem Gang hörte Bert Stranger Schritte, die an der Tür, gegen die er gelehnt stand, haltmachten. Jemand wollte eintreten und rüttelte energisch an der blockierten Tür. Der Reporter mußte schnell handeln. Ihm lag nichts daran, in einen Kampf verwickelt zu werden. „Okay!" sagte er, schaltete seinen Paraschocker hoch und paralysierte die beiden Männer hinter dem Schreibtisch. Gleichzeitig trat er zur Seite und gab die Tür frei, die sofort mit einem lauten Knall aufsprang. Von seinem Schwung vorwärts gerissen stolperte ein Mann in den Raum. Die Strahlwaffe in seiner Hand ließ Bert Stranger blitzschnell handeln. Der Schocker zischte
kurz, dann fiel der Fremde wie ein gefällter Baum zu Boden. Der Reporter beugte sich über den Eindringling, der besinnungslos auf dem dicken Teppich lag. Seine Strahlwaffe lag einen halben Meter weiter entfernt. „Was ist denn das für ein Ding?" murmelte der Reporter, der immer wieder wegen seiner Figur unterschätzt wurde. Er hatte die 31 Waffe an sich genommen und betrachtete sie neugierig von allen Seiten. Solch ein Modell hatte er noch nie gesehen. Vorsichtshalber steckte er die superleichte Waffe ein. Er drehte den Mann, der mit dem Gesicht auf dem Boden lag, um. Quer über das Gesicht verlief ein Riß, durch den es schwarz schimmerte. „Unendliche Milchstraße!" stieß er aus, als er die schwarze Haut sah. Und dann sagte er gar nichts mehr, als er eine Fleischplastikmaske in der Hand hielt. Vor ihm lag ein Schwarzer, dessen Gesieht aber keinen negroiden Einschlag hatte! Ein Schwarzer Weißer? Stranger wurde abwechselnd kalt und heiß. Er schaltete sein Vipho ein. Hauptfrequenz der GSO, und verlangte nach Bernd Eylers, dem unscheinbar aussehenden Chef der Organisation. Gegen seine Erwartung wurde der Reporter sofort durchgestellt. Bert Stranger liebte das Effektvolle. „Eylers, sehen Sie sich den an!" und richtete sein Vipho auf den schwarzen Mann am Boden. Hastig gab er durch, was passiert war und wo in Melbourne er sich befand. „Borgin & Co.! Scheinen behandelt zu..." Bernd Eylers in Alamo Gordo, in der Zentrale der GSO, redete dazwischen. „Ich habe Großalarm ausgelöst. Stranger. In ein paar Minuten..." Er verstummte. Auch Bert Stranger sagte kein Wort. In den Büros der Firma Borgin & Co. war der Teufel los! Ren Dhark war nervös, obwohl er sich alle Mühe gab, es nicht zu zeigen; aber seinem Freund Dan konnte er nichts vormachen. Der beobachtete, wie Ren alle wichtigen Einsatzstellen seines Schiffes kontrollierte. „Clifton, haben Sie Ihr Team auf Mix gedrillt?" Bud Clifton, der Mann mit dem Kindergesicht, kommentierte leicht genervt: „Dhark, meine Leute träumen schon davon!"
Jean Rochard, Chef der WS-Ost, meinte mit ironischem Unterton: „Wir spielen inzwischen mit allen Mix-Sorten wie vorher mit Dust-, Nadel- und Strich-Punktstrahlen." Das hörte sich nicht gut an, das Klima an Bord der P01NT OF war gereizt. „Ren, behandle die Leute nicht wie kleine Kinder! Merkst du denn nicht, wie du ihnen mit der ewigen Nachfragerei auf die Nerven gehst? Gönne ihnen mal eine Ruhepause. Du machst es nicht besser, indem du laufend nachfragst", lenkte Riker den Commander ab, der zu einer gepfefferten Entgegnung anheben wollte. Ich will ihnen doch nur helfen! wollte er Riker sagen, auf dessen Kinn sich der rote Punkt bemerkbar machte, der sich besonders in angespannten Situationen zeigte. „Dan, verzeih', ich habe für einen Augenblick die Kontrolle verloren. Ja, die Leute sind erschöpft! Bud und Jean, bitte entschuldigen Sie meine Ungeduld!" Dhark wandte sich von der Bordverständigung ab und Tino Grappa zu. „Grappa, halten Sie die Ohren steif!" - mehr sagte er nicht. Ren trat hinter Dan Riker, legte ihm die Hand auf die Schulter und hatte für ihn nur ein Wort übrig: „Danke!" Dann verließ er die Zentrale und suchte die Funk-Z auf. Glenn Morris und Elis Yogan machten Dienst mit ihren beiden Teams. Walt Brugg und seine Männer nahmen eine Handvoll Schlaf. „Wie sieht es mit Gringer aus, Yogan?" Der grinste gemütlich. „Ist aber schon komisch, wenn man auf einmal über solch ein Wissen verfügt. Die verdammten Mysterious mit ihren posthypnotischen Instruktionen." Dhark atmete erleichtert auf. Auch diese beiden Offiziere nahmen Dans Idee mit der posthypnotischen Suggestion scheinbar als ausreichende Erklärung hin. 32 33 „Heiliger Strohsack, mit der Funk-Z angreifen... keiner von uns kann das glauben!" Dhark war wieder an Erron-3 erinnert worden. Erron-3, das Hauptarchiv der Mysterious, in einem blaßblauen Universum versteckt, und dort auf einem Planeten so abgesichert, daß kein Unbefugter das Archiv betreten konnte. Aber wieso waren sie, die Terraner, keine Unbefugten gewesen? Bedeutete dies nicht, daß sich Mysterious und Terraner sehr ähn-
lich waren? Aber dann fiel ihm auch schon wieder ein, daß zum Beispiel an Bord des Ringraumers alle möglichen Luftgemische und Gravowerte einzustellen waren. Seine Hypothese fiel in sich zusammen - er kam bei der Lösung einfach keinen Schritt weiter. Im Pilotensessel nahm er wieder Platz. Der Ringraumer hatte sich dem am weitesten draußen stehenden Stem bis auf eine Lichtstunde genähert. Die drei zum Teil zerstörten Planeten waren deutlich in der Bildkugel zu sehen. Der größte davon zeigte starke Beschädigungen, aber auch zwei der gewaltigen kontinentalen Brocken, die gleich eckigen Monden um diesen Umläufer kreisten! „Das ist alles halb so schlimm", sagte er halblaut. „Es wird dann unvorstellbar, wenn sich herausstellt, daß man diese siebzehn Sonnen verschoben hat, um sie mit ihrem energetischen Haushalt kurzzuschließen!" Dan Riker hatte ihn verstanden. „Ich habe Angst, daß es stimmt, Ren!" „Ich auch. Aber wer besitzt diese unvorstellbaren Mittel, um Sonnen aus ihren Bahnen zu reißen?" Rikers Gesicht drückte Mißbehagen aus. „Die Grakos! Diese Teufelei würde zu ihnen gut passen!" Ren Dhark war ihm dankbar, daß nicht auch er in den Grakos die Mysterious sah, aber seine Erleichterung erhielt im nächsten Augenblick einen gewaltigen Stoß. Meam, ein junger Astrophysiker, rief durch. „Dhark, wir haben die erste Altersbestimmung vorliegen, nicht 34 genau, aber in ihrem Wert richtig. Diese drei Planeten wurden vor rund tausend Jahren beschädigt. Der Spuk mit den siebzehn Sonnen hat um die gleiche Zeit eingesetzt. Wir haben nur eine Erklärung: Damals muß irgendwer mit der Raum-Zeit-Struktur manipuliert haben." Mit 0,3 Licht näherte sich die P01NT OF der äußeren Umlaufbahn des größten der drei Planeten. Der mächtigste kontinentale Brocken von der Größe Nordamerikas und dem Aussehen einer gigantischen Warze stand in 654.000 Kilometern Abstand darüber. Die beiden kleineren waren auf Rot 23 zu sehen und wirkten auf den ersten Blick wie Zwillinge . Die Meere auf der zerstörten Welt waren verdampft, die Reste der Atmosphäre eine angeheizte Gasmischung, deren radioaktive Verseuchung schon vor tausend Jahren die letzte Zelle vernichtet haben mußte.
Neben Dhark flackerte eine Alannkontrolle auf. Tino Grappa hatte Alarm ausgelöst, meldete sich aber nicht mit neuen Ortungswerten. Und das war erregend. Unwillkürlich legte Ren Dhark seine Fingerspitzen auf die Steuerschalter, bereit, in jedem Moment den Sie hochzuschalten, oder von Sie auf Sternensog zu gehen. Gespannt beobachtete er die Instrumente, über die ihm Grappa die von ihm erfaßten Werte herübergab. Er stutzte. Im Bereich des Mittelpunktes, um den sich alle siebzehn Sonnen bewegten, gab es einen unscharfen Sektor. Ein Gravitationszentrum von unvorstellbarer Stärke? Eine energetische Ballung, die selbst mit den tastenden Hyperstrahlen fertig wurde und sie verfälschte? Dhark bereitete sich auf alles Mögliche vor, doch eine Variante übersah er. Eine Strukturerschütterung dicht hinter dem größten, stark beschädigten Planeten löste Alarm in der POINT OF aus! Im gleichen Moment gab es diesen unscharfen Sektor im 35
Mittelpunkt der siebzehn Sonnen nicht mehr.
Bevor die Offiziere im Leitstand erfaßten, was talsächlich geschehen war, wurde das obere Inlervallfeld des Ringraumers durch einen Strahlvolltreffer zum Zusammenbruch gebracht. Belastung des unteren Intervalls: 98,2 Prozent! „Kursänderung!" schrie Ren Dhark, während er ein halbes Dutzend Steuerschalter in andere Positionen brachte. Beide WS schössen aus allen verfügbaren Antennen. Automatisch hatte die Funk-Z Gringer eingesetzt! Das Aussehen der Bildkugel veränderte sich. Die POINT OF hatte sich eingetamt! Sternensog! Abrupt der Übergang auf Überlicht! Wie ein Ungeheuer der Urzeit brüllte das Triebwerk des Ringraumers auf. Titanische Kräfte, durch den Brennpunkt erzeugt, schleuderten die POINT OF über Grün 4:75,03 seitlich an der Ballung vorbei. Für Sekunden wurden die Andruckausgleicher weil über ihre maximale Belastung beansprucht, Andruck kam aber trotzdem nicht durch. Siebzehn Sonnen, zu einem kleinen Haufen zusammengefaßt, schienen an der POINT OF vorbeizurasen und immer schneller in
die Raumtiefe zu stürzen. Sekunden, die voll unerträglicher Spannung waren, vergingen unendlich langsam. „Commander, man hat über eine Hyperfrequenz eine der Sonnen angezapft und mit Gry 275 hoch 35 versucht, uns in die Hölle zu jagen!" Dies erklärte den schnellen Zusammenbruch des Intervallfeldes. Nicht in die Ballung einßiegen! Der Checkmaster, das rätselhafte Bordgehirn der POINT OF, hatte zu allen gesprochen. Nicht in die Ballung einßiegen - sie lag schon weit hinter ihnen. Der Sternensog jagte das Schiff mit mehr als tausendfacher Lichtgeschwindigkeit tiefer ins Sternenmeer hinein. Angriff aus Rot! Und aus der gleichen Richtung eine Gefügeerschütterung, die kein Ende nehmen wollte. Der Gegner hatte sie in einer Transition eingeholt, stand weit vor ihnen und eröffnete aus dieser Entfernung, die mit jeder Sekunde kleiner wurde, sein Vernichtungsfeuer! Die POINT OF schlug zurück. Bud Cliftons Kindergesicht war verzerrt. Er sah sie über seine Zielsteuerung, diese winzigen Punkte, die sich so scharf gegenüber der Schwärze des Weltalls abhoben. Du oder ich! dachte er nur und betätigte die Kontakte. Die in der Unitallhaut liegenden Antennen, die man auf dem Kontrollbildschirm als grafisch gezeichnete Spiralbahnen erkennen konnte, waren wie freistehende Antennen von jeder WS aus durch Veränderung ihrer molekularen Struktur zu richten. Einundzwanzig Antennen konnte Bud Clifton einsetzen gegen mehr als vierzig Schiffe, die der POINT OF feuernd entgegenrasten. Mix! Die neue Waffe - und auch wiederum nicht. Die POINT OF hatte sie schon immer besessen, nur war den Menschen nichts darüber bekannt gewesen. Mix, das die Schinnfelder der Doppelkugelraumer zerfetzte und dabei die fremde Abschirmenergie verwendete, um das erfaßte Schiff zu einer Bombe zu machen. Mix - überlichtschnell - traf gleich dreimal. Der Weltraum hatte vorübergehend drei neue Sonnen, die aber schnell wieder erloschen. Sechzehn Antennen fielen aus. Ren Dhark beanspruchte sie.
Er setzte das Hy-Kon ein, die furchtbarste Waffe, über die sein Schiff verfügte. Die dreiundzwanzig halbkugelförmigen Energieerzeuger in der POINT OF heulten auf, ihre Belastung stieg auf über 300 Prozent, sämtliche nicht unmittelbar benötigte Energie wurde abgezogen. 36 37 Miles Congollon, der Eurasier im Maschinensaal des Ringraumers, betrachtete sorgenvoll seine Anzeigen. Er war bereit, jederzeit Schaltungen vorzunehmen. Hy-Kon, das Ren Dhark zum erstenmal auf dem Planeten Zwitt kennengelernt hatte, als Hypnogewalten ihn zum Checkmaster der Zentrale im Mittelpunkt dieser rätselhaften Welt werden ließen. Das opalisierende Licht tauchte wieder auf. Ebenfalls jener Ring, der sechsfach unterteilt war und den geschlossenen Verband der Angreifer umhüllte. Drei schwache Strukturerschütterungen verrieten, daß der Gegner die riesengroße Gefahr erkannt hatte, in der er sich plötzlich wieder befand. Doch nur diesen paar Räumern gelang die Flucht. Das Hy-Kon schlug zu! Es verschlang das Opalisierende und mehr als vierzig Raumer, die die POINT OF vernichten wollten. Der Weltraum wurde aufgerissen, und dieser Abgrund, aus dem es wahrscheinlich keine Rückkehr mehr gab, verschlang eine Flotte der Schwarzen Weißen. Dhark schaltete wieder von Sternensog auf Sie und nahm seinen Ringraumer auf Gegenkurs. .Jetzt werden sie erst recht alles versuchen, uns den Garaus zu machen; und es wird ihnen gelingen, wenn wir ihnen noch einmal die Möglichkeit geben, die Energie einer Sonne anzuzapfen." Dhark war an den Checkmaster getreten und wollte einige Auskünfte haben, Nacheinander bekam er drei Antworten. Grappas Behauptung, die POINT OF sei mit der energetischen Leistung einer Sonne angegriffen worden, stimmte! Die Warnung, nicht in den kleinen Sternhaufen einzufliegen, bestand nach wie vor. Warum? Die dritte Antwort war durch Dharks Frage ausgelöst worden. Die stabilen Bahnen der sieblehn Sonnen sind gestört worden, und es läßt sich nicht mehr rechnerisch erfassen, wann die erste w einer Nova wird und mit ihrem Ausbruch alle anderen Sterne ver 38
nichtet! Der Checkmaster hatte von sterbenden Sternen gesprochen, aber klang durch seine Antwort nicht auch, daß ihm diese SiebzehnerKonstellation bekannt war? Dhark stellte eine vierte Frage. Der Checkmaster zeigte ununterbrochen Grün, dann, nach mehr als einer Minute, warf er eine Folie aus. Verblüfft las der Commander: Die Siebzehner-Konstellation ist als Energiezentrale für den Sektor 35/2 bekannt, aber es ist nicht nur unmöglich, weitere Auskünfte über die Energiezentrale w liefern, sondern auch Sektor 35/2 kann nicht erklärt werden. Koordinaten über die Position der Siebzehner-Konstellation liegen ebenfalls nicht vor. Ren Dhark ging diese Auskunft nicht aus dem Kopf. „Demnach müßten diese siebzehn Sonnen von den Mysterious auf neue, aber stabile Bahnen gebracht worden sein. Doch nach ihrem Verschwinden aus der Milchstraße haben andere diese Konstruktion so gestört, daß man nun mit einem blitzartigen Untergang rechnen muß. Schön! Aber was heißt Sektor 35/2? Gibt es vielleicht auch die Energiezentrale 35/1 und damit insgesamt siebzig solcher Anlagen in der Galaxis?" Dan Riker zuckte die Schultern. „Ren, ich denke an etwas anderes. Erinnerst du dich noch, daß unsere POINT OF in der ersten Zeit, als wir kaum in der Lage waren, den Ringraumer richtig zu fliegen, von allen Intelligenzen immer wieder angegriffen wurde? Erst durch die Utaren hörten wir von den Grakos. Und nun haben wir diesen ständigen Ärger mit den Schwarzen Weißen! Drängt sich nicht der Verdacht auf, daß auch sie uns für Grakos halten?" Ren Dhark winkte ab. Wie oft hatte er schon darüber nachgedacht — und wie oft war er schon bereit gewesen, in den Mysterious auch die Grakos zu sehen; doch dann hatte es hier und da Kleinigkeiten gegeben, die ihn zwangen, sich mit seinem Urteil zurückzuhalten. Erron-3! 39 Riker und er hatten nur einen winzigen Teil des dort gespeicherten Wissens in sich aufnehmen können, aber wenn sie nicht alles täuschte, dann barg Erron-3 auch all das, was ausreichte, Sonnen neue Bahnen zu geben oder Sonnen gegen andere Sonnen prallen zu lassen! Vor rund l .000 Jahren - was konnte damals passiert sein, das die Mysterious gezwungen hatte, alles aufzugeben, alles zu
verlassen, um es nie mehr zu betreten? Hope, Erron-3 und all die anderen Stützpunkte! Würden die Menschen dieses Rätsel einmal lösen, oder wenigstens auf einem Planeten die naturgetreue Abbildung eines Geheimnisvollen entdecken? Abrupt ließ Ren Dhark die Folie sinken. „Ich zweifele die Aussage des Checkmasters an. Uns hat er gewarnt, in den kleinen Sternhaufen einzufliegen, aber sind die Schiffe der Schwarzen Weißen nicht aus der Ballung gekommen, nachdem wir uns abgesetzt hatten?" Die POINT OF nahm wieder Kurs auf die sterbenden Sterne! Holger Alsop strich sich über sein graues, nach hinten gekämmtes Haar, während Sarronala neben ihm stand und sie sich unterhielten. Sowohl der Zottelige als auch Alsop trugen einen der Ringe. Die Barrans halten sie in einem Gebäude gefunden und eher durch Zufall ihre Eigenschaft entdeckt. Jetzt wurden sie dazu verwendet, bei Verdächtigen Schuld oder Unschuld nachzuweisen. Alsop und Sarronala standen zusammen auf der Spitze eines Hügels, von dem aus man den Tempel der Blubs sehen konnte. Holger Alsop betrachtete ihn unzufrieden. Er sah die Blubs, und er hörte das donnernde Feuer. Über eine Stunde lang beobachtete er, wie die Blubs ihren Tempel mit dem Kugeltransmitter ausräucherten. Es war verblüffend, wie geschickt sie die Qualmwolken in das Innere lenkten. Bald werden sie den Strahlenden sehen, .hörte' Alsop seinen Begleiter sagen. Sarronala wandte sich ab, er wollte zurück in die unterirdische Stadt. Auf gedankliche Anfragen von Alsop reagierte der Zottelige nicht mehr. Achselzuckend folgte ihm der Cyborg. Eine Stunde später traf er wieder auf Bram Sass, Lati Oshuta und Mark Carrell. Die drängten darauf, über den Kugeltransmitter wieder zu verschwinden. „Mehr als hundert Blubs haben den Tempel besetzt, und die Barrans fürchten nun um die Plastik ihres Strahlenden...", setzte Alsop an. „... den wir mitnehmen sollten!" beendete Carrell den Satz. „Nein! Wir dürfen eine Plastik, die von den Barrans verehrt wird, nicht stehlen!" Vehement stellte sich Alsop gegen Carrells Idee. Seine Entscheidung wurde akzeptiert, aber der Vorschlag, einen Tag verstreichen zu lassen, bis sich die Blubs wieder beruhigt hatten, wurde von den restlichen drei Cyborgs verworfen. Fünf Barrans begleiteten sie.
Die Terraner kehrten auf dem Weg zurück, auf dem sie die Stadt erreicht hatten. Als sie die Treppe hinaufgestiegen waren und den Gang erreichten, schalteten die Cyborgs automatisch auf ihr Zweites System. Wie angewurzelt blieben sie stehen. Ihre superempfindsamen Ohren vernahmen Schreien, Brüllen und Heulen. Im Tempel des Strahlenden mußte sich eine Katastrophe abspielen. Vier Cyborgs stürmten voran, an der Spitze Mark Carrell - die Barrans blieben zurück. Im nächsten Moment sahen die Männer zuckendes, dunkelrotes Licht, das von kurzen, grellen Blitzen aufgehellt wurde. Wie auf ein Kommando blieben sie stehen. Der Strahlende, der Goldene Mensch, dessen gigantische Ausgabe auf dem Planeten Mirac als Torso zu sehen war, mordete! Sein nicht modelliertes Gesicht, diese leichte Wölbung ohne die Andeutung eines Kinns, war nichts anderes als ein Abstrahlpol; 40 41 und über diesen Abstrahlpol verschickte er Blitze, die unter den brüllenden, verzweifelt heulenden Blubs, die flach auf dem Boden lagen, mit tödlicher Kraft einschlugen. Im Raum stank es nach verbranntem Fleisch und versengten Haaren. Der Goldene Mensch war ein Mörder! Holger Alsop riß seinen überschweren Biaster hoch, zielte auf den Hinterkopf der Plastik und sah den hochenergelischen Strahl darauf einschlagen! Er begriff nicht, was er tat! Noch weniger begriff er, daß etwas Ähnliches auf einem anderen Planeten schon einmal getan worden war! Auch er zerfetzte einer in Goldton schimmernden Plastik den Kopf und brannte die zur Decke ausgestreckten Arme bis zu den Ellbogen ab, weil auch sie tödliche Strahlen emittierten! Dann konnte der Goldene Mensch nicht mehr morden! Langsam ließ Alsop seinen Biaster sinken. Neben ihm sagte Bram Sass emotionslos nur ein Wort: „Mirac!" Sie sahen sich an. In jedem Programmgehirn bewegte sich die gleiche Frage: War der Goldene Mensch auf Mirac auch ein Mörder gewesen, der anfliegende Raumschiffe vernichtete? Hatte die gigantische Plastik auf jener Welt auch die Aufgabe gehabt, gnadenlos zu zerstören, und war sie schließlich deswegen
zum Torso geworden, damit sie nicht länger sinnlos vernichten konnte? War der zerstörte Ringraumer, der heute noch in der Nähe der riesigen Statue lag, ein Opfer des Goldenen Menschen geworden? Sein letztes Opfer vielleicht? Die Mysterious - die Grauen - und die Grakos?! Drei verschiedene Namen und doch nur eine Rasse? Oder? Die wenigen überlebenden Blubs starrten zu ihnen herüber. Panik brach unter den Riesen aus, die an den verkleideten Aggrega 42 ten vorbeirannten und in der Dunkelheit verschwanden. Zurück blieben der Torso, eine dunkelrot flammende, dicht vor dem Zusammenbruch stehende energetische Sperre, vier Cyborgs - und die Leichen der Blubs! „Ich habe alles gespeichert!" sagte Bram Sass und schaltete sein Aufnahmegerät ab. Seine Aufnahmen würden den Experten auf Terra manches Rätsel zu lösen geben. „Sass und Oshuta, sichern!" schnarrte Mark Carrell, der sich mit Holger Alsop durch einen Blick verständigt hatte. Sie machten sich daran, festzustellen, welcher Zusammenhang zwischen der inzwischen völlig zusammengebrochenen Sperre und dem Goldenen Mensehen bestand. Zwei Biaster wurden mit den sterblichen Überresten der Blubs schnell fertig. Im weichen Goldton schimmerte der flache und kaum einen Meter lange Sockel. Ihm ging Alsop zu Leibe. Er schmolz die rechte Ecke ab, und was man auf Mirac im Sockel der großen Plastik nicht entdeckt hatte, fand man hier. Eine Zielsteuerung, wie man sie von der POINT OF her kannte! Mark Carrell war nicht damit zufrieden. Er suchte weiter. Seinen Biaster handhabte er wie ein Chirurg sein Skalpell. Behutsam legte er die Verkleidung noch weiter frei, dann richtete er sich keineswegs überrascht auf und deutete auf den kleinen Taster. „So hatte ich es mir auch vorgestellt, und es stimmt nun auch mit dem überein, was die Überlieferungen der Barrans sagen. Über diesen Taster stellte sich die Plastik automatisch auf jede energetische Sperre in ihrer Nähe ein. Die zum Eingang der unterirdischen Stadt bestehende Sperre wurde wahrscheinlich abgeschaltet, als die Mysterious sie verließen, und ausgerechnet in diesen Raum unter dem Kugeltransmitter, in dem noch zwei energetische Sperren existierten, schafften die Barrans die Plastik. Tausend Jahre
stand das Ungeheuer und rührte sich nicht. Heute mußten die rachedurstigen Blubs gleich in Massen hier eindringen und die erste 44 Sperre so hoch belasten, daß der Taster des Strahlenden reagierte; und dann ging das Gemetzel los! Na, ich bin wirklich nicht mehr in der Lage, zu sagen, die Mysterious wären mir noch sympathisch. Pfui Teufel, so eine Mordmaschine hätte ich ihnen nicht zugetraut!" Ungehindert erreichten sie den Transmitterraum. Das rote Flakkern in der Kugel zog sie magnetisch an. Mark Carrell kontrol lierte die Einstellung. Von dieser Anlage aus führte der Weg weiter. Niemand von ihnen dachte daran, zu jener Welt zurückzukehren, auf der der Verteiler stand; waren sie doch erst ein kleines Stück über die Transmitter-Straßen der Geheimnisvollen gewandert. Sie packten die Plastiksäcke mit ihrer Ausrüstung, sie schlössen den Klarsichthelm und schalteten den Funk ein. Darin gingen sie gleichzeitig auf die schwarze Kugel zu, in der es rot flackerte. Vier Cyborgs schritten weiter über eine Transmitter-Straße! Mehr als zweihundert Polizei-Jetts der Stadt Melbourne gingen plötzlich auf neuen Kurs. In mehr als zweihundert Jetts heulte der Alarm. Die Zentralsteuerung hatte die Fahrzeuge übernommen. Dazwischen rasten ein paar vorbei, die kein Abzeichen trugen, aber mit ihrer hohen Fahrt verrieten, daß sie nicht zum Vergnügen unterwegs waren. „23. Bezirk hermetisch absperren! Keinen Jett ein- oder ausfliegen lassen! Achtung! Achtung! Reporter Bert Stranger befindet sich im Haus 345/4 des 8. Quadrats in höchster Lebensgefahr! Stranger ist über Vipho nicht mehr zu erreichen. Prägen Sie sich Strangers Konterfei ein..." Im Jett 3/102 der GSO saßen Bullander, Ukasi und Gemry. Sie hatten sich zufällig über dem 23. Bezirk befunden, als sie der Alarm der GSO erreichte. „Runter!" stieß Bullander aus, und ihr Jett kippte wie ein Stein 45 in die Tiefe. Das Landedach schien ihnen entgegenzurasen, doch ein paar Meter über der stabilen Plastikfläche fing Bullander den Spezialjett ab und setzte ihn weich auf. „Borgin & Co. 18. Stock, 2.306 bis 2.314!"
Das war drei Etagen unter dem Landedach, „Verdammter A-Grav!" knurrte Ukasi, dem es zu langsam in die Tiefe ging. 18. Stockwerk! Rechts mußten die Räume 2.306 bis 2.314 liegen. Der Lärm, der ihnen entgegenkam, war der sicherste Wegweiser. Drei durchtrainierte GSO-Männer spurteten los. Eine solide verarbeitete Tür flog auf den Gang, dahinter stand eine häßliche Strahlbahn. „B lasterfeuer!" analysierte Gemry, und auf seinem Gesicht gab es kein eingefrorenes Lächeln mehr. Ein Mann stürzte aus der Türöffnung, sah die drei Beamten heranrasen und wollte auf sie anlegen. Trotz seiner unglaublichen Reaktionsschnelligkeit kam er um den Bruchteil einer Sekunde zu spät. Er wurde vom sirrenden Schockerstrahl Ukasis niedergemäht. Bullander riskierte nichts. Die kleine schwarze Kugel mit dem Aufschlagzünder flog davon, durch die Türöffnung in den Raum, aus dem der Lärm kam. Blendgranate! Augen zusammenpressen! Wie Torpedos schössen sie in das erste Büro von Borgin & Co. Lautlos sprachen ihre Paraschocker. Das leichte Zischen ging in Stöhnen und wildem Fluchen unter. Vier Mann hielten sich die Augen zu und tappten wie Blinde umher, bevor sie umfielen. Bullander war schon an der nächsten Tür. Sie war verschlossen. Er zerstörte den Verschluß mit einem Blasterschuß und trat die Tür auf. „Nicht!" brüllte der Athlet auf, der blitzschnell den Mann erkannte, der ihn bereits im Visier hatte. „GSO!" 46 Bert Stranger senkte seine Waffe, und auf seinem Gesicht stand jener babyhafte Ausdruck, der schon so viele Menschen zur Verzweiflung getrieben hatte. „Sie sind aber schnell gekommen!" Er sagte es so, als ob er genau das Gegenteil ausdrücken wollte. Bullander sah rot. Dieser Reporter schien sich so wichtig zu nehmen, daß er eine Abfuhr verdiente. Gleichzeitig fiel ihm aber ein, was für ein Aufwand wegen dieser .Witzfigur' betrieben wurde. Besser, ich halte mich wriick, bevor ich noch Ärger mit Eylers bekomme, dachte er und ging sofort zur Tagesordnung über.
Kurz danach tauchten Ukasi und Gemry, die den restlichen Widerstand gebrochen hatten, auf. Ihre Spezialviphos schlugen Alarm. Ukasi meldete sich und riß dabei die Augen auf.
Der Chef war auf der Phase - Bernd Eylers!
„Ja, ist hier..."
„Geben Sie ihm Ihr Vipho!"
Wer um alles in der Welt ist denn dieser Stranger? fragte sich
Ukasi in Gedanken und reichte dem Reporter sein Spezialvipho,
das er laut unterzeichneter Dienstvorschrift unter keinen Umstän-
den aus der Hand geben sollte.
„Eylers, Sie haben mir erstklassige Männer geschickt." Augen-
zwinkernd schaute Stranger zu den GSO-Männern hinüber. „Ja,
natürlich sind noch alle da. Sie wollen den Gruppenleiter spre-
chen? Okay! - Wer von Ihnen ist es denn?"
Bullander ging langsam auf, wer dieser Reporter war; und er war
heilfroh, den Kerl nicht zur Schnecke gemacht zu haben.
„Ja!" sagte er viermal hintereinander.
„Nein!" sagte er zum Schluß und gab seinem Kollegen Ukasi
das Spezialvipho zurück.
Zum erstenmal betrachtete er den Schwarzen, der geschockt am
Boden lag. Er sah so menschlich aus und war doch ein Außerirdi-
scher!
Er und seine beiden Kollegen sollten sich genau nach Strangers
47
Direktiven richten! Und er sollte Stranger mitteilen, daß der S-
Kreuzer C-089 gleich in Melbourne landen würde, um den Repor-
ter und die gesamte Firma Borgin & Co. mitsamt dem Schwarzen
Weißen nach Alamo Gordo zu bringen!
Zwei Stunden später saß Stranger dem Chef der GSO gegenüber.
Der S-Kreuzer hatte alle Beteiligten nach Alamo Gordo gebracht.
Eylers bekam über Vipho gerade die erste Stellungnahme der
Ärzte herein. Stranger hörte schweigend zu, von dieser Materie
verstand er nichts!
„Also verändert?" vergewisserte sich Eylers noch einmal.
„Ja. Ob Robone oder Terraner, alle sind verändert. Wenn es ein
Einzelfall wäre, könnte man an eine Mutation glauben, an eine
Entartung..."
„Was haben Sie gesagt, Doktor? Eine Entartung des Gehirns...?"
„Ja", sagte der Arzt nur noch.
Eylers unterbrach die Verbindung. Neue Verbindung mit dem
Brana-Tal. „Ich muß Echri Ezbal sprechen, aber sofort!"
Wenige Sekunden später tauchte das durchgeistigte Gesicht Echri Ezbals auf der Scheibe auf. „Ich habe interessante Neuigkeiten für Sie, Ezhal", begann Bernd Eylers, während Stranger immer noch sein Aufnahmegerät laufen ließ, um jede Geste, jedes Worte zu fixieren. „Wir verlügen über sechzehn entartete Terraner und Robonen, und über einen humanoiden Schwarzen Weißen, dessen Heimat irgendwo in der Galaxis liegt." Ezbal sah ihn starr an. Trotz Bart war zu erkennen, wie stark seine Lippen zitterten. „Eylers, Sie haben von Entarteten in Verbindung mit einem Schwarzen Weißen gesprochen, der aus der Galaxis stammt?" „Ja, Ezbal!" „Dann bin ich in zehn Minuten über Transmitter bei Ihnen. Großer Himmel, das könnte endlich den Fall mit den beiden entarteten Cyborgs erklären!" Die P01NT OF flog den kleinen Sternhaufen dieses Mal aus der entgegengesetzten Richtung an, nachdem sie eine kurze Transition durchgeführt hatte. Die Ortung in der Zentrale war durch drei Mann besetzt, und im gesamten Schiff bestand erhöhte Alarmbereitschaft. Das Gebiet um diese siebzehn sterbenden Sonnen war selbst Commander Dhark unheimlich geworden. Ihn störte weniger das Wissen, in einem unbekannten Teil der Milchstraße zu sein, als die Erkenntnis, daß in diesem Sektor die Heimatwelt der Schwarzen Weißen liegen mußte oder zumindest ein wichtiger Stützpunkt. Die Astrophysiker hatten endlich ihren ersten Bericht fertiggestellt. Er war eine einzige Warnung, die Ballung zu meiden, denn bei elf der siebzehn Sonnen stimmte das Druckgleichgewicht nicht mehr, und der katastrophenartige Zusammenbruch wurde nur deswegen aufgehalten, weil die übrigen sechs Sonnen den hohen Energieanforderungen gerecht wurden und ununterbrochen an die elf labilen Sterne Energie lieferten. Die Experten hatten von einem einmaligen Zusammenspiel gesprochen, das leider vor rund tausend Jahren durch schwere Bahnstörungen aus dem Gleichgewicht gebracht worden sei, was nun den Untergang der Ballung über kurz oder lang herbeiführen müsse. Doch wann die Katastrophe einsetzen würde, konnten sie nicht sagen. Zu viele Momente spielten eine Rolle, und die Astrophysiker gaben unumwunden zu, daß ihnen auf diesem Gebiet die Er-
fahrungen fehlten. Sie sprachen von einem ehemaligen energetischen Wechselspiel, das den Bestand dieser Ballung bis zum Ende des Universums garantiert hätte, wenn nicht durch Manipulationen nun drei der siebzehn Sonnen ihre Energie an Sterne abgäben, die sie gar nicht benötigten, während vier andere danach hungerten und mit ihrem Druckgleichgewicht immer tiefer in den Minusbereich gerieten. 48 49 Daran dachte der Commander, während sich die POINT OF erneut diesen sterbenden Sonnen näherte, die übrigens gar nicht anders aussahen als die anderen Sterne ringsum. Nur ein Fachmann konnte auf Grund seiner Untersuchungen erkennen, daß mit dieser kleinen Ballung etwas Ungeheuerliches geschehen war. Vor rund tausend Jahren! Zu der Zeit, in der die Mysterious aus der Milchstraße verschwanden! Hatten sie ihr eigenes Werk zerstört? Oder waren andere Intelligenzen die Zerstörer eines Denkmals geworden, das siebzehnfaches Sonnenformat besessen hatte? Eine weitere Frage war weder von den Astronomen noch von den Astrophysikern beantwortet worden. Sie konnten nicht erklären, wie man die Kraft einer Sonne anzapfte und von ihr einen gelenkten Strahl auf ein Raumschiff abschoß. Nur das eine stand fest, daß ein Intervall der POINT OF von einem Energiestrahl gestreift worden war, der einen Durchmesser von mehr als dreihundert Kilometern gehabt hatte. Dhark hatte ungläubig nachgefragt. War es ein Trost zu hören, daß man Strahlen von diesen giganti schen Dimensionen nur in einer Ballung erzeugen könne, in der es wie hier diese extremen Verhältnisse gab? Die Astros meldeten sich wieder. Ihre Koordinaten wurden gleichzeitig dem Bordgehirn gegeben, und es berechnete schon für alle Fälle den eventuellen neuen Kurs. „Die tiefgelbe Sonne vorn Typ dK ist interessant. Nicht nur, weil sie einer der stabilsten Sterne in dem Haufen ist, sondern auch, weil sie sechs Planeten hat. Wir möchten sie als Ziel empfehlen." Der Sonnendurchmesser dieses Sterns betrug 0,3, doch seine Masse, in Sonnenmassen berechnet, ergab den phantastischen Wert von 37,4! Ein hübscher Zwerg mit beachtlicher Schwerkraft. Es gehörte zu den seltenen Ausnahmen, daß Sonnen dieser Spektralklasse Planeten besaßen.
Das Schiff ging auf den neuen Kurs. Sternensog löste Sie ab, und mit ununterbrochen steigender Beschleunigung raste der Ring50 raumer im Überlichtbereich auf den tiefgelben Zwerg zu. Die Bereitschaft im Raumer wurde durch Alarmstufe l abgelöst. In der Funk-Z zuckte Walt Brugg an der Echokontrolle zusammen. Drei ferne Hypersender, die betriebsbereit waren, hatte er mit seinem Tasteraggregat erfaßt. Glenn Morris mußte ihm helfen. Die beiden Männer hörten nicht mehr, was um sie herum gesagt wurde. Lichtjahrwerte wurden ausgeworfen, und dann lagen die Positionen der unbekannten Sender fest. „Das muß Dhark erfahren!" bestimmte Brugg. Der Commander lauschte aufmerksam. .»Achtzehn Lichtjahre, die eine Station auf Grün, und die beiden anderen, eine auf Rot, die andere auf Blau, sind sechsundzwanzig Lichtjahre entfernt. Danke, ich werde es nicht vergessen." „Ziemlich nah!" sagte Riker, der mitgehört hatte. „Sehr nah, und ich glaube, daß man auf diesen Welten längst unsere kurze Transition festgestellt hat." Dhark drehte sich nach den Ortungen um. „Grappa, ich vertraue auf Sie!" Der Mann, dem man nachsagte, mit seinen Ortungen verheiratet zu sein, nickte nur stumm. Der Brennpunkt des Stemensogs schleuderte das Schiff auf sein Ziel zu. In der Bildkugel wurde die Sternkonstellation immer deutlicher. In 2,2 Lichtjahren Abstand passierte die POINT OF eine gelbrote GM-Sonne, die ein Zwilling von Scheat im Pegasus hätte sein können. „Distanz noch elf Lichtstunden!" meldete Grappa. Dreißig Minuten später ging Ren Dhark auf negative Beschleunigung. An diesem Punkt steckten sie schon vier Lichtjahre tief in der Siebzehner-Konstellation. Durchruf aus der Astroabteilung! „Commander, die elektromagnetischen Werte jagen plötzlich wieder in die Höhe. Wir fliegen in einen Magnetorkan mit extrem hohen Werten hinein!" „Danke!" 51 Dhark bemerkte den kritisierenden Blick seines Freundes. „Dan, diesmal verlasse ich mich ausschließlich auf den Checkmaster.
Solange er die Kontrolle über das Schiff nicht an sich reißt, haben wir nichts zu befürchten..." Er hätte mit dieser letzten Behauptung noch ein wenig warten sollen. Mitten im Bereich der sterbenden Sonnen maß Tino Grappa eine Erschütterung des Raum-Zeit-Gefüges an. „Rund zwanzig Raumschiffe sind transitiert!" Eine weitere Meldung kam nicht. Hatten sie es wieder mit Doppelkugelraumern der Schwarzen Weißen zu tun? Wollten sie erneut versuchen, die POINT OF zu vernichten? Achtundzwanzig Minuten nach der ersten Meldung gab Grappa durch: „Der unbekannte Raumerverband hat die Ballung in einer Transition wieder verlassen. Die Möglichkeit steht noch offen, daß ein Schiff die Transition nicht mitgemacht hat. Leider kann das Zentrum des Sternhaufens nicht exakt abgetastet werden!" Der Sie löste den Sternensog ab, und der Ringraumer flog mit 0,89 Licht in das System der tiefgelben dK-Sonne ein, die tatsächlich sechs Planeten besaß, von denen vier Jupiterformat hatten, während die beiden Umläufer auf der dritten und vierten Bahn Terra glichen. Nur mit ihren Gravowerten von l ,2 lagen sie etwas hoch. „Vier ist eine Sauerstoffwelt..." Vier wurde angeflogen, eine im satten Blau schimmernde Kugel, die unter einer dichten Wolkendecke lag. Infrarot riß sie auf. Meere wurden sichtbar, Kontinente, Inseln — eine Welt, die zum Besuch einlud. „Energieortung spricht an! POINT OF liegt in Fremdortung, aber sie kommt nicht von dem Planeten unter uns... Großer Himmel, der Umläufer hat ja drei Monde!" Aber künstliche! Es waren gigantische Raumstationen von mehr als fünfzehn Kilometern Durchmesser! Dan Riker und Ren Dhark blickten staunend auf die Bildkugel. Beide stellten sich das gleiche vor: Die Feuerkraft dieser drei Satelliten! Die Bildkugel wurde umgeschaltet. Sie griff nach der rechten Station und erfaßte sie mit maximaler Vergrößerung. Eine im matten Silberton schimmernde Kugel drehte sich im Raum. Ihr Abstand zum Planeten betrug 128.000 Kilometer. Weder ein Antennenmast noch die Andeutung einer Schleuse waren zu sehen. Langsam rotierte die Station während ihres Umlaufes. Die Offiziere in der Zentrale glaubten an eine Sinnestäuschung. Ein schwarzer Schatten tauchte auf der Silberkugel auf! Sie hatten sich nicht getäuscht.
Dieses Wunderwerk einer unbekannten Technik war schwer beschädigt. Das Loch darin, das sie zuerst nur als Schatten erkannt hatten, war über drei Quadratkilometer groß. Jetzt fielen die ersten Strahlen der dK-Sonne hinein, doch danach vergingen noch zehn Minuten, bis man Einzelheiten im Innern erkennen konnte. Sie blickten auf die Zerstörung. Eine atomare Explosion hatte dort einmal gewütet und mehrere Kilometer tief alles vernichtet, zerfetzt, geschmolzen und zerrissen. Aber dennoch war die POINT OF von diesem Torso geortet worden! Dennoch arbeitete die fünfzehn Kilometer große Kugel, dieser künstliche Mond eines erdähnlichen Planeten in diesem Sektor! In der Funk-Z stieß Walter Brugg einen Fluch aus. „Die zerbeulte Dose hat einen Hyperfunk-Impuls abgestrahlt! Himmel noch mal, und da werden auch schon die drei großen Stationen lebendig! Morris, passen Sie auf!" Dem jungen Funkspezialisten, der in der Hope-Zeit von Ren Dhark so stark gefördert worden war, weil er ihn als erstklassigen Könner entdeckt hatte, entging kein Blip! Wie ein sensorisch gesteuertes Aggregat arbeitete die Besatzung Hand in Hand. 52 Energieortung auf dem vierten Planeten! Starker Funkverkehr um die Sternenballung herum! Transitionen in relativer Nähe durch starke, unbekannte Raumer verbände! Auf der Welt unter ihnen liefen immer mehr Energieerzeuger an. Doch von diesem Planeten ging kein einziger Spruch in den Raum. Auch schien zwischen ihm und seinen drei Satelliten kein Kontakt zu bestehen. „Angriff...!" schrie Ren Dhark auf, als er in der Bildkugel vier gewaltige, grellgriine Strahlbahnen erkannte, die aber nicht seinem Schiff galten. Alle drei Strahlbahnen schlugen in der zum Teil zerstörten Station 128.000 Kilometer über dem Planeten ein! Eine Welt griff ihre Monde an! Hinter seinen Ortungen rief Grappa verzweifelt: „Ich werde aus diesem Ortungssalat nicht mehr klug! Jetzt hat uns auch der Planet von fünf Stellen erfaßt!" Aber der Angriff auf die POINT OF blieb aus!
Die Raumstation schlug zurück! An acht Stellen eröffnete sie aus unsichtbaren Strahlantennen das Feuer auf den Planeten. Doch der Planet war wie ein Wesen aus Fleisch und Blut auf der Hut. Mit einem einzigen Feuerschlag aus all seinen planetarischen Forts ging er zum Gegenangriff vor. In der Raumschwärze, von einem Gitterwerk teuflisch glühender Energiebahnen aufgerissen, explodierte ein fünfzehn Kilometer durchmessendes Wunderwerk! Für Minuten hatte der vierte Planet einer tiefgelb leuchtenden dK-Sonne eine zweite, dann verblaßte die Lichtorgie. „Grappa, was war nun wirklich los?" verlangte Ren Dhark zu wissen, der mit starrem Blick dieses unverständliche Geschehen über die Bildkugel verfolgt hatte. „Sie meinen, was noch los istf Dhark, es war zuviel. Nur noch der Checkmaster kann dieses Durcheinander entwirren. Bitte, einen Moment Geduld, die Auswertung muß gleich kommen!" 54 „Stimmt!" brummte Riker, der über seine Instrumente die Hauptwerte der Ortung abgelesen hatte. „So etwas habe ich noch nicht erlebt, und so exakt wie eben ist unser Standort noch nie verraten worden. Ren, mach dich auf vieles gefaßt, wenn du es nicht vorziehst, aus diesem Bereich zu verschwinden!" Dhark stellte keine Fragen mehr. Er wartete auf das Resultat des Checkmasters. Immerhin gab ihm die Zerstörung der Raumstation zu denken. „Dhark!" rief Brugg aufgeregt über die Verständigung. „Wir sollen über einen Peiler landen! Hören Sie sich das einmal an!" Und er hörte! Er war der einzige, der diese Worte einer unbekannten Sprache verstand. Ihm war sie seit Zwitt nicht mehr unbekannt. Er beherrschte die Sprache der Mysterious! Und diese Aufforderung, die da über die Antennen hereinkam, war unmißverständlich. Landequadrat 67/32c ist frei! Landequadrat 67/32c ist frei! Ununterbrochen strahlte ein Sender auf dem Planeten diesen Ruf ab! Ununterbrochen stand sein Peilstrahl, über den die POINT OF das Landequadrat finden konnte! „Du willst landen, Ren?" fragte Riker besorgt, nachdem Dhark den Spruch übersetzt hatte. „Wie damals auf Zwitt. Müssen wir nicht? Werden wir noch einmal eine Gelegenheit finden wie diese?" „Und an die verräterischen Sprüche der vernichteten Station denkst du gar nicht?"
„Doch, aber auch daran, daß wir das Hy-Kon haben!" „Ja, das haben wir, und jetzt sage ich es dir, Ren. Ich bin gar nicht glücklich darüber, weil es mir zu unheimlich und auch zu unmenschlich ist. Außerdem hat es den Energiehaushalt der POINT OF ganz schön belastet. Frage mal Miles. Er vermutet irgendwelche Nebenwirkungen, kann sie aber noch nicht beweisen!" „Wir verdanken dem Hy-Kon unser Leben, und die POINT OF existiert noch, mein Lieber!" „Aber um welchen Preis? Die Schwarzen Weißen werden immer 55 unsere unerbittlichen Feinde sein. Würdest du mit einem Gegner verhandeln, der dir gleich Hunderte von Raumschiffen vernichtet hat - sie in ein Hyper-Kontinuum schleuderte?" „Wir haben den Kampf nicht begonnen..." „Stimmt, aber wir sind den Schwarzen Weißen in die Quere gekommen, die nichts anderes in der Sternenbrücke getan haben als wir auf Hope: die zurückgelassenen Schätze der Mysterious in ihren Besitz zu bringen. Und jeder verteidigt seinen Besitz." „Das wäre nur menschlich, ja, Dan!" Rens Stimme klang bitter. „Doch leider haben wir die Schwarzen Weißen in der Sternenbrücke nur von der unmenschlichen Seite kennengelernt. Nicht in einer einzigen Situation zeigten sie Verhandlungsbereitschaft. Wir müssen uns damit abfinden: Sie sehen uns sehr ähnlich - aber das sind nur Äußerlichkeiten!" Der Checkmaster hatte das Durcheinander in den Ortungsdaten entwirrt. Im Bereich der sterbenden Sterne sammelten sich drei große Schiffs verbände! Die vernichtete Raumstation hatte jenen drei fernen Hyperfunkstationen bis auf die Bogensekunde genau den Standort der POINT OF mitgeteilt! Der Planet unter ihnen hatte den Ringraumer identifiziert und seine Landung genehmigt! Dharks Entschluß stand fest. Die POINT OF stieß zum Planeten hinunter. „Notfalls können wir noch ein Mittel einsetzen — die Zeitverschiebung! Wir haben es gar nicht nötig, jeden Angriff auf unser Schiff mit einem Gegenangriff durch das Hy-Kon zu beantworten!" beschwichtigte Ren seinen Freund, der mit dem Vorhaben nicht einverstanden war. „Falluta, lösen Sie mich ab!" konterte Riker. Auf seinem Kinn war der rote Punkt zu erkennen. „Ren, eines Tages — irgendwann
einmal - hast du den Bogen überspannt! Wenn du mich brauchst, ich bin in der Messe." Stampfende Schrittes verließ er den Leitstand. Sein Platz wurde vom Ersten Offizier der POINT OF, Falluta, eingenommen. Die Bremskräfte des negativ geschalteten Sie stoppten den Raumer ab, als er in die oberen Luftschichten der unbekannten Welt einbrach. Grappa meldete von der Ortung: „Die drei erfaßten unbekannten Verbände beschleunigen und scheinen ihrem Transitionspunkt entgegenzurasen!" Ren Dhark hatte nur ein Nicken dafür übrig. Die Wiedergabe der Bildkugel ließ ihn nicht los. Unter ihnen, am Rand einer kleinen Hochebene, auf der anderen Seite von einer ausgedehnten Stadt begrenzt, war der versandete Raumhafen zu erkennen. An einer Stelle gab es kein Erdreich - dort, wo ein rotes, rhythmisch aufleuchtendes Licht das Landequadrat 67/32c kenntlich machte. Chris Shanton war mit Jimmy zum Beiboot der Schwarzen Weißen gegangen, um nach der eingetrockneten Schmiere zu suchen, die ihm und Jos diese Unpäßlichkeit bereitete. In der Zwischenzeit langweilte sich Jos Aachten van Haag im Verteiler unter der Landepiste und drehte eine Runde nach der anderen um den schwarzen Kugeltransmitter in der großen Grube. Hin und wieder warf er den für ihn nichtssagenden Instrumenten und dem Schaltpult oberflächliche Blicke zu. Plötzlich stutzte er. Unwillkürlich blieb er stehen. Hastig begann er zu zählen. Neun Instrumente, die alle „Null" angezeigt hatten, leuchteten auf und zeigten sich ständig verändernde Werte. „Was ist denn hier los?" stieß er aus und sah sich unwillkürlich um, ob er sich immer noch allein im Verteiler aufhielt. Jimmy, der robotische Scotchterrier, sauste in großen Sprüngen heran. Zwischen den Zähnen hielt er das, was einmal eine schwarze Maske gewesen war. Sie bestand aus jenem undefinierbaren Material, das sie in dem Schiff der Schwarzen Weißen 56 57 gefunden hatten. Schnaufend kam der Diplom-Ingenieur die breite Straße zur Grube hinunter. Von seiner Stirn tropfte der Schweiß. „Mann, ist das draußen eine..." Da hatte er die neun in Betrieb befindlichen Instrumente gesehen, und übergangslos fragte er verblüfft:
„Was ist das denn? Haben Sie hier etwa herumgespielt, Jos?" Der andere verneinte energisch. „...plötzlich waren die Dinger aktiv. Haben Sie auch keine Ah nung, was das zu bedeuten hat?" „Leider nein!" gab Shanton nicht besonders freundlich zur Antwort, schob den GSO-Mann zur Seite und studierte die Schalterstellungen. „Hm...", brummte der Dicke, strich über seinen Backenbart und brummte noch einmal. „Das könnte..." Er schwieg unvermittelt, streckte seine Hand aus, zögerte etwas und brachte dann einen Steuerschalter in eine andere Position. Ein Bildschirm flammte auf, dann ein zweiter. Ihnen war wieder einmal ein Blick in unbekannte Sternenregionen gegönnt. Nur konnte Shanton damit herzlich wenig anfangen. „Wenn Sie wenigstens ein bißchen von Astronomie verstünden, Jos!" Jos schwieg. „Da müssen wir wohl..." „Was müssen wir?" unterbrach Jos ihn und sein Schweigen erregt. Er ahnte, welchen Plan der Dicke verfolgte. „Was schon? Dieselbe Strecke aktivieren und in die Kugel steigen, um zu sehen, was am anderen Ende der Transmitter-Straße los ist." „Sie sind verrückt geworden, Shanton!" Der Dicke grinste ihn gutmütig an. „Wenn Sie meinen, Jos. Sie können allerdings auch allein zum Transmitter im Dschungel wandern. Jimmy und ich sehen aber nach. Nicht wahr, du prachtvoller Mistköter?" „Klar, du Dickwanst mit einer trockenen Leber!" erwiderte der Scotch, dessen neues Synthetikfell glänzte, als oh er gerade einem 58 Hundebad entstiegen sei. Doch vorsichtig, wie ihn sein sensorisches Innenleben hatte werden lassen, verzog er sich gleichzeitig aus der Reichweite der Pranken seines Herrn, der es noch nie gern gehört hatte, wenn man auf seine manchmal doch arg strapazierte Leber anspielte. Jos Aachten van Haag verzog keine Miene über das kurze Zwi schenspiel. „Okay, ich mache Ihren Ausflug mit. Einer muß schließlich die Augen offenhalten, damit Ihrem Speckbauch nichts passiert. Vergessen Sie aber nicht, daß wir nichts zu trinken und keine Lebensmittel bei uns haben." „Glauben Sie denn, ich wollte die Galaxis umrunden?" knurrte Shanton, der seine Erleichterung darüber verbarg, daß Jos Aachten
van Haag ihn nicht im Stich ließ. „Und jetzt lassen Sie mich in Ruhe justieren!" Kurz darauf war er sicher, die richtige Einstellung vorgenommen zu haben. Nebeneinander betraten sie mit Jimmy die schwarze Kugel, und nebeneinander verließen sie irgendwo eine Gegenstation. Wortlos blieben sie stehen. Die Ortungen des Robothundes liefen. Ununterbrochen gab er bekannt, was sein kleiner leistungsfähiger Suprasensor ausgewertet hatte. „Ruhe, du Blechdose auf Pfoten!" fauchte Shanton sein Erzeugnis an, das beleidigt verstummte. „Sehen Sie einen Cyborg?" fragte er flüsternd den neben ihm erstarrten Jos Aachten van Haag. „Shanton, in welche Hexenküche haben Sie uns gebracht?" flüsterte der GSO-Mann fassungslos zurück. Sie standen in schwindelnder Höhe auf einer Galerie. Hinter ihnen befand sich die schwarze Transnütterkugel. Vor ihnen aber breitete sich ein gewaltiges Rührwerk aus, das einige hunderttausend Tonnen einer undefinierbaren Flüssigkeit nicht zur Ruhe kommen ließ. Und diese riesengroße Pfanne aus Unitall lag unter blauem Himmel und war nur durch eine energetische Kuppel geschützt. Mehr als dreißig Meter breit war der waagerecht verlaufende Rand, auf dem sich robotische Konstruktionen bewegten, 59 die von einem verkleideten Gerät zum anderen fuhren, neue Einstellungen daran vornahmen und von den beiden Wesen auf der hohen Galerie keine Notiz nahmen. Jimmy schnüffelte unruhig hin und her. „Shanlon, was haben Sie im Verteiler eingeschaltet? Ich frage Sie noch einmal..." Jos unterbrach seine Frage und deutele schweigend nacli rechts. Beide hatten das Tor in der Felswand übersehen. Im hohen Torbogen standen drei Wesen, die sie nur zu gut kannten. „Giants!" flüsterte Chris Shanton hilflos, und gleichzeitig schoß ihm ein wahnsinniger Verdacht durch den Kopf. Aber er wollte nicht wahrhaben, was er vermutete. Die riesige Pfanne mit der graubraunen Flüssigkeit durfte damit nichts zu tun haben! Das war doch Irrsinn! Und was er sah, war auch nicht real. Höchstens eine Bildprojektion! Mit diesen drei Giants wollte man ihm und Jos einen Schrecken einjagen!
Jimmys sensorisches Innenleben war nicht zu erschrecken. Seine Ortungen meldelen ihm die Gefahr. Er öffnete sein Maul und schob seine Zunge mit dem Abstrahlpol auf der Spitze heraus. Dann schoß er so kaltblütig, wie es ihm sein Suprasensor befohlen hatte, nachdem Rückfrage beim Programm erfolgt war. Zwei Giants brachte er zu Boden. Den dritten nicht mehr. Zwischen ihm und ihnen stand plötzlich eine absichernde energetische Wand, an der Jimmys Strahl abprallte. Einen Augenblick später streckten Shanton und Jos die Waffen. Die Zunge des Scotch war nicht mehr zu sehen. Ein blaues Feld hatte sie eingehüllt und nahm ihnen jegliche Bewegungsfreiheit. Aber sie konnten alles sehen und hören, was sich um sie herum abspielte. Durch das Tor im Felsen kamen Giants heran, um sie abzuholen. Sie krümmten ihnen kein Haar. Von Jimmy nahmen sie keine Notiz. Der Hund schien für sie nicht vorhanden zu sein. Störte es sie denn nicht, daß er zwei der ihren niedergestreckt hatte? Die P01NT OF stand auf dem Landequadrat 67/32c. Der Sie arbeitete im Nullbereich; lediglich ein Kommandoim puls war erforderlich, um die A-Grav-Kräfte des Ringraumers auf hundert Prozent Leistung kommen zu lassen. Ununterbrochen suchten die Ortungen des Schiffes den Bereich der sterbenden Sterne ab. Die drei fremden Raumschiffpulks, die zunächst einem gemeinsamen Transitionspunkt zugejagt waren, hatten sich wieder getrennt und auf verschiedenen Routen Kurs auf drei der siebzehn Sonnen genommen. Die Astrophysiker warnten den Commander. „Wir können nur ahnen, was man vorhat, Dhark. Aber wenn unsere Ahnungen richtig sind, dann besteht für die gesamte Ballung höchste Gefahr..." „Mearn, reden Sie nicht um den Brei herum. Heraus mit der Sprache! Was befürchten Sie?" „Daß es zu einer Stemkatastrophe kommt, die künstlich ausgelöst ist!" „Das ist unmöglich, Meam!" Der Commander wußte nichts anderes zu entgegnen. „Dhark, wenn man plötzlich das Druckgleichgewicht zusam menbrechen läßt, dann tritt die Katastrophe binnen einer Sekunde ein. Dann haben wir es mit einer siebzehnfachen Nova zu tun."
Dhark hatte seine Fassung wiedergefunden. Er riß die Gesprächsleitung wieder an sich. „Das habe ich schon einmal gehört, Mearn, aber ich habe noch nicht gehört, warum Sie diese Katastrophe gerade jetzt befürchten." „Der Kurs der Raumschiffverbände läßt es uns ahnen, Comman 60 61 der. Sie fliegen auf jene Sonnen zu, die von anderen Sternen mit Energie versorgt werden müssen, wenn sie nicht zusammenbrechen sollen." Dhark liebte kurze Erklärungen. „Angenommen, Ihre Hypothese stimmt - wieviel Zeit haben wir dann noch? Oder anders gefragt: Wann müssen wir aus diesem Sternhaufen verschwinden?" „Im gleichen Moment, in dem sich die fremden Pulks durch Transition absetzen." „Andere Beobachtungsmöglichkeiten haben wir nicht?" „Keine! Wenn die zusammenbrechenden Sonnen ihre freiwerdenden Energien emittieren, gehen davon leider gut dreißig Prozent direkt in den Hyperspace, und wenn man sich vor Augen hält, daß die in einer Sekunde freiwerdende Energiemenge ziemlich genau jener Menge entspricht, die in einer Milliarde Jahren in einer Sonne frei wird, begreift man, daß diese siebzehn Sterne alle in der gleichen Sekunde untergehen müssen. Bei all unserem Wissen können wir in diesem Fall nicht sagen, ob eine Nova oder eine Supernova entstehen wird." „Danke, Mearn." Er ging zum Leitstand zurück und teilte seinen Offizieren mit, was er bei den Astros gehört hatte. „Es kommt auf die Sekunde an, aber in erster Linie auf unsere Ortungen. Die P01NT OF hat unverzüglich zu starten, wenn die Anzeichen dafür sprechen, daß der Verdacht unserer Wissenschaftler sich bestätigen könnte. Im extremen Fall ist die Zeitverschiebung zu benutzen, die aber nicht über vierundzwanzig Stunden hinausgehen soll. Programmieren Sie den Checkmaster entsprechend. Falluta, Sie übernehmen das Schiff!" Je länger Ren Dhark sprach, um so unruhiger wurden seine Männer. Deutete der Commander nicht an, daß er die POINT OF verlassen wollte? Kurz darauf erfuhren sie die komplette Wahrheit. „Mit drei Flash werden wir versuchen, uns ein Bild von dieser Welt zu machen. Funkverkehr mit dem Ringraumer wird nicht bestehen, wohl aber wird bei den Flash der Empfang eingeschaltet
62
sein. Im Notfall sind wir also sofort zu erreichen."
Knapp eine Viertelstunde später flogen drei Flash aus. Die erfahrensten Piloten hatte Dhark für diesen Einsatz ausgesucht. Dhark flog mit Wonzeff, Mike Doraner beförderte Jektow, und Kranil war Rui Warrens Kopilot. Die POINT OF, der versandete Raumhafen und die verlassene Stadt blieben hinter ihnen zurück. All das interessierte sie nicht. Sie wollten jene gewaltige Anlage besichtigen, die sie auf dem Landekurs in rund 5.000 Kilometern Entfernung bemerkt hatten. In Keilformation jagten die Blitze mit fünffacher Schallgeschwindigkeit über einen langgestreckten Kontinent, überquerten Flüsse, Gebirge und Ebenen. Ununterbrochen lief der Empfang, aber aus dem Ringraumer kam kein Funkspruch. Immer wieder sah Ren Dhark zur Bildprojektion über seinem Kopf hoch. Diese wunderbare Welt und ihre Schönheiten nahm er in sich auf. Einmal dachte er an Dan Riker, der ihn einen Verrückten genannt hatte, als er von seinem Entschluß hörte. Trotzdem hatte er ihm viel Glück gewünscht. Dhark wußte, daß Dan recht hatte mit seinen Vorwürfen. Er, Dhark, war regelrecht süchtig geworden nach der Suche nach den Geheimnisvollen — den Mysterious! Aber hatte er die Vorwürfe nicht überhören müssen^. War es nicht auch für alle Terraner zum zwingenden Muß geworden, zu erfahren, warum die Mysterious ein Sternenreich von einem Tag zum anderen aufgegeben hatten? Freiwillig oder gezwungen? Und wenn das letztere der Fall gewesen war, dann mußte Terra wissen, wie diese Gefahr ausgesehen hatte, die vor tausend Jahren eine Rasse mit einer schier unvorstellbaren Hochtechnik vernichten konnte. Waren es die Grakos gewesen? Mit Gewalt schüttelte Dhark diese Gedanken ab. Immer häufiger verband sich seine Vorstellung über die Grakos mit den Mysterious. Er identifizierte sie immer häufiger damit! Überrascht legte er den Kopf noch weiter in den Nacken. 63 „Stoppen, Wonzeff!" Der Brennkreis unter dem plumpen Flashkörper wurde auf ne gative Beschleunigung geschaltet. Unter ihnen breitete sich ein Ruinenmeer aus! Bäume und Sträucher wuchsen zwischen den Trümmern. Der Flugsand vieler Jahrhunderte halte ganze Straßenzüge verschüttet,
und Wind und Wetter waren die zerstörerischen Kräfte gewesen, die hohe Bauwerke zum Einsturz gebracht hatten. Dharks Flash zeigte mit der stumpfen Nase nach unten. Sechs spinnbeindünne Ausleger wurden ausgefahren, als er dicht über dem Boden war. Neben ihm landeten Warren und Doraner. Alle stiegen aus, nur Warren blieb bei seinem Flash. Er hatte den Empfang unter Kontrolle zu halten. „Nein," sagte Wonzeff nach ein paar Minuten, als sie nach ei nem kurzen Gang wieder ihre Blitze erreichten, „das ist niemals eine Stadt der Mysterious gewesen. Hier müssen andere Intelligenzen gehaust haben." Um seinen Beinen zusätzlich etwas Bewegung zu verschaffen, trat er hier und da einen kleinen Stein fort. Plötzlich blinkte und blitzte es vor ihm. Ahnungslos bückte er sich. „Was haben Sie da gefunden?" fragte Ren Dhark. Stumm zeigte ihm Pjetr Wonzeff eine im Goldton schimmernde Plastik von knapp zehn Zentimeter Länge. Eine Nachbildung des Goldenen Menschen aufMirac. „Hier? Zwischen diesen Ruinen?" Die Plastik wanderte von Hand zu Hand. Jeder wunderte sich, daß das Gesicht nicht modelliert war, sondern sich nur als glatte, leicht vorspringende Wölbung zeigte. Nicht einmal das Kinn war angedeutet. „Vielleicht sind diese Ruinen aufschlußreicher als die technische Großanlage, die wir besichtigen wollten", sagte Dhark in Gedanken. Sie schalteten ihre Spezialviphos auf höchste Lautstärke, damit sie unter keinen Umständen Rui Warrens Alarm überhören konn 64 ten. Dhark und seine Begleiter näherten sich einer Ruine, die noch vier Stockwerke besaß. Die gemauerte Hausfront war glatt, ohne Fensteröffnungen, aber ungewöhnlich breit und hoch das Tor, das ins Haus führte. Im Halbdunkel schaltete der Commander seinen Scheinwerfer an. Unbeweglich blieb der Lichtkegel auf der Wand stehen. Fünf Menschen betrachteten ein Wandgemälde, das in grünen und gelben Farben gehalten war. Drei Figuren, halb Affe, halb Schildkröte, kämpften mit einer Schlange, die sechs Beinpaare hatte und auf dem Schädel zwei Hörner trug, die in Nadelspitzen ausliefen. Zwei der Figuren hielten sich mit ihren langen Affenarmen an diesen Hömern fest und
versuchten das Ungetüm zu Boden zu reißen, die dritte Figur jedoch hielt etwas in den Händen, das wie eine Strahlwaffe aussah. Kranil machte seine Aufnahmen von diesem einzigartigen Dokument einer unbekannten intelligenten Rasse, die gleich den Schildkröten einen gepanzerten Rücken besaß, auch mit ihrem Kopf an diese terranische Spezies erinnerte, mit dem übrigen Teil des Körperbaus jedoch unwillkürlich an Affen denken ließ. Auffallend die kräftigen Beine, die langen Arme und der leicht geringelte Schwanz. Anstelle eines Fells zeigte bei einer Figur die Brustpartie eine leicht geschuppte Oberfläche, die einem Panzerkleid aus dem Mittelalter ähnelte. Je tiefer sie kamen, desto glatter wurde der Boden. Plötzlich fiel von oben her Licht ein. Dhark und seine Männer betraten einen großen geschlossenen Hof, und als sie nun in die Höhe blickten, sahen sie eine Fensterreihe nach der anderen, und außen an der Mauer die Reste einer Treppe. Jektow, der etwas zurückgeblieben war, meldete sich durch einen lauten Ruf. Sein Scheinwerferstrahl stieß durch eine Fensteröffnung in einen Raum hinein. Schweigend betrachteten fünf Terraner die Skelette mit dem 65 Panzerschild auf dem Rücken. Sie standen vor Wesen, die ermordet worden waren. Zertrümmerte Schädel, gespaltene Panzerbukkel, gebrochene Gliedmaßen redeten eine unmißverständliche Sprache. „Steigen wir hinein, denn allzu weit dürfen wir uns von den Flash nicht entfemen", schlug Dhark vor. Dieses Gebäude, das eindeutig Wohnzwecken gedient hatte und nur Fenster zum Innenhof hin hatte, war ein Leichenhaus. In jedem Raum stießen sie auf Skelette, auf zerstörtes Mobiliar und Plunder, dessen Zweck sie nicht verstanden. Die Treppe in den Keller entdeckte Mike Doraner. Er schlug vor, sich unten einmal umzusehen „Aber dabei belassen wir es dann!" bestimmte Dhark, der von einer unerklärlichen Unruhe befallen worden war. Der Zugang zum Keller mußte erst in den letzten Jahrzehnten wieder erkennbar geworden sein; morsches, teilweise verfaultes Holz ließ darauf schließen. Vorsichtig stiegen die Männer über Steinstufen in die modrig riechende Tiefe. Hier trafen sie auf unzerstörte metallene Behälter, die verschlossen waren und dem einfachen Versuch widerstanden, sie aufzubrechen.
Eine abgesperrte Tür hielt sie auf. Pjelr Wonzel'f trat sie auf. Knirschend in rostigen Angeln schwang sie zurück Im Lichtkegel sahen sie schon wieder Skelette. Acht Stück. Aber diese zeigten keine Beschädigungen. Sie lagen der Reihe nach am Boden. Vier breite Lagerstätten, deren Bespannung bei der leisesten Berührung zerfiel, drei schrankähnliche Gebilde, deren Türen weit geöffnet waren, neben Dingen des Alltags, die zum größten Teil für die Nahrungsaufnahme bestimmt waren; das war die karge Einrichtung. Schon wollte man sich abwenden, als Ren Dhark etwas unter dem Skelett liegen sah, das dazu nicht paßte. Was er hervorzog, war ein Foliant, dessen Seiten aus einer Metallegierung bestanden. Ahnungslos blätterte er darin herum, während Wonzeff seinen 66 Lichtstrahl auf das graue Werk gerichtet hielt. Zuerst erkannte Dhark die Zeichnungen kaum, weil sie nur in die glatten Flächen eingeritzt waren, doch als er den Band etwas schräg hielt, konnte er jede Einzelheit ausmachen. Der Untergang der Stadt, in deren Ruinen sie sich aufhielten, war hier aufgezeichnet worden. Eine Invasion aus dem Raum hatte stattgefunden; anders war die allegorische Darstellung eines Blitzes nicht zu deuten. Fremde Wesen, als Ungeheuer dargestellt, jagten durch die Straßen der Stadt, trieben in Massen die Einwohner vor sich her oder schlugen sie mit bizarren Waffen nieder. Dann mußten unsichtbare Kräfte am Werk gewesen sein, die ganze Straßenzüge in Ruinen verwandelten. Von einem Bild zum anderen verlor diese große Ansiedlung ihr freundliches Gesicht. Plötzlich, kaum daß Dhark wiederum eine Seite umgeblättert hatte, ließ er den schweren Band aus Metallseiten sinken. „Nein!" stieß er aus. „Nein!" Er nahm er den Folianten langsam wieder hoch und zeigte seinen Begleitern, was ihm diesen starken Schock versetzt hatte. Niemand sprach. Die Zeichnung war ein einziger Aufschrei! Die Zeichnung war der Fluch eines Verzweifelten! Eine gequälte, intelligente Kreatur verdammte die Zerstörer ihrer Stadt und die Mörder der Bewohner! Die Zeichnung zeigte den Sklavenhalter der Galaxis - den Goldenen Menschen! Er war als Ungeheuer dargestellt worden, das die Wesen mit dem Rückenpanzer und den Affenarmen zertrat, dabei aber seine
Arme zum Himmel ausstreckte und in seinen Händen eine Sonne hielt. Die flehentlichen Gesten der gemarterten Kreaturen berührten den Goldenen Menschen nicht, der übrigens auch auf dieser Zeichnung kein Gesicht hatte. Wilde Striche quer durch die Zeichnung sprachen noch von der seelischen Erregung, die dem unbekannten Künstler hier den Sti 67
chel geführt hatte.
Aus ihren Viphos sprang Rui Warrens alarmierender Schrei:
„Das Signal von der P01NT OF! Das Signal von der POINT OF!"
Fünf Männer rasten die Kellertreppe hinauf, sprangen durch ein Fenster, jagten über den Gang auf die verwehte Straße und hetzten auf ihre Flash zu. Dhark schleuderte den Folianten hinein, folgte ihm in einem Satz und schloß den Einstieg. Aus dem Empfang tönte es ununterbrochen: „Wir starten! Sie und A-Grav aufMaximum geschaltet! Die drei Raumschiffverbände haben..." Da schlug eine Technik, die vor rund tausend Jahren von ihren Erbauern zurückgelassen worden war, noch einmal zu. Während die Ausleger der Flash eingefahren wurden und die Blitze mit steigender Geschwindigkeit Kurs auf die POINT OF nahmen, fauchten und brüllten die planetarischen Forts dieser Welt auf und stießen ihre titanischen Strahlbahnen in den Himmel hinein. Aber diese Welt war es nicht allein, die zugriff. Die beiden Raumstationen waren zu Ungeheuern geworden, und die Energiehahnen, die sie emittierten, lagen in der gleichen Richtung. Die Planeten im Bereich der sterbenden Sterne waren wach geworden! Viele Planeten! Gemeinsam mußten sie zur gleichen Zeit ihre intakten Strahlgeschützstellungen aktiviert und auch erkannt haben, aus welchen Richtungen ihnen Gefahr drohte! „POINT OF, Grappa, bitte kommen!" Plötzlich war Dhark klargeworden, weshalb man drei Planeten jener Sonne, die am weitesten außerhalb des Haufens lag, zerstört hatte. „Ja?" Das war Tino Grappas Stimme. „Stimmen die Energiebahnen mit dem letzten Aufenthaltsort der Raumerpulks überein?"" „Nein, Dhark! Das haben wir zuerst auch gedacht..." Wütend unterbrach er Grappa. „Was passiert denn im Moment?" „Das wissen wir nicht. Wir können nicht erkennen, was unter Beschuß genommen wird. Mehr als zwanzig Planeten spielen ver 68
rückt, und da, wohin sie schießen, gibt es nichts ..." „Wirklich nicht? Grappa, zeigen Sie, was Sie können! Don, wo die Strahlen einschlagen, muß es etwas geben. Ich bleibe auf Empfang!" Grappa dachte nicht an seine neue Aufgabe. „Dhark, kommen Sie schnell! Rasch, sonst ist es zu spät! Falluta benutzt die Zeitverschiebung. Wir springen um eine Stunde zunick! Der Checkmaster fühn bereits aus!" Pjetr Wonzeff und die beiden anderen Flashpiloten hatten mitgehön. Noch schneller als sie handelte Dhark. „Gedankensteuerung meines Flash übernimmt!" Er mußte sich konzentrieren und durfte jetzt keine einzige Sekunde mehr verlieren. Bevor die POINT OF die ZV benutzte, hatten alle drei Flash in den Depots des Schiffes zu liegen. Das schützende Intervall fiel weg! Die Gedankensteuerung hatte eingegriffen. Das Pfeifen war zu hören! Kamen sie tatsächlich noch rechtzeitig zurück, oder war sein Raumer schon verschwunden, wenn ihre Flash transitienen? „Dhark, in drei Sekunden ist es so weit..." Da sprangen die Blitze! Nur die Gedankensteuerung konnte einen Sprung mit dieser Millimeterpräzision ausführen! Das Universum riß auseinander! Das Nichts kam von allen Seiten hinein! Unerträgliche Last fiel über die Menschen und schien sie zerdrücken zu wollen. Noch einmal stöhnten sie auf, dann nahm sie die barmherzige Bewußtlosigkeit in ihren Schutz. Zeitverschiebung! Eingriff in den Ablauf der Zeit! 69 Der Eingriff in den Ablauf der Zeit kann nie über die Lebensspanne des einzelnen Individuums hinausgehen und ist nur in Richtung auf die Vergangenheit möglich! Ren Dhark erwachte wieder aus seiner Bewußtlosigkeit und rieb sich leise stöhnend den schmerzenden Kopf. Neben ihm lagen Wonzeff, Jektow, Doraner und Kranil. Zwischen den beiden vorderen rechten Auslegern schien Rui Warren zu schlafen. Nun begann auch er leise zu stöhnen
Der Conunander sah auf sein Chrono. Vor wenigen AUgenblikken hatte Wonzeff die kleine Plastik des Goldenen Menschen gefunden und sie herumgereicht. Aber das stimmte laut Angabe seines Chronos nicht. Vierzehn Minuten lang hatte er bewußtlos gelegen. Vor vierzehn Minuten waren sie mit allen drei Flash in den Depots der P01NT OF durch Transition gelandet. In derselben Sekunde mußte der Ringraumer eine Zeitverschiebung um eine Stunde vorgenommen haben, und sie waren kraft der Gesetze der ZV wieder hier angekommen. Er raffte sich auf. Allein stürmte er los. Jede Minute war jetzt kostbar, aber auch unersetzlich jener Foliant, der in dem Keller mit den acht Skeletten lag. Ihn mußte er bergen. Erst dann konnten sie zur POINT OF zurückrasen. Jeder Schritt wurde ihm zur Qual. Nur nicht daran denken, daß du schon einmal hier gewesen bist! befahl er sich in Gedanken. Nicht daran denken, daß Falluta die Gesetze der ZV immer noch nicht genügend verstanden hatte, sonst hätte er das Schiff um wenigstens zehn Stunden in der Zeit versetzt. So aber befand es sich ein zweites Mal auf dem Landeplatz 67/32c. Er trat die Tür zum Kellerraum auf, riß den Folianten unter dem Skelett hervor, klemmte ihn sich unter den Arm und rannte mit keuchenden Lungen zurück. Niemand war in der Zwischenzeit erwacht. Die Männer kamen gerade von selber zu sich. Mühsam 70 schleppten sie sich in die Flash. Automatisch schlössen sich die Einstiege und die drei Flash rasten zu ihrem Mutterschiff zurück. Als Ren Dhark in die Zentrale stürmte, sah er seine Offiziere auf dem Boden liegen und die beiden Piloten in ihren Sesseln hängen. Falluta mußte seinen Platz räumen. Dhark schaltete das Triebwerk hoch. Sie kam, und zugleich AGrav. Der Ringraumer hob ab und fuhr seine Teleskopstützen ein. Brüllend wurden die dichten Luftmassen zur Seite gestoßen. Immer größer wurde die Beschleunigung des Schiffes. Intervalle einschalten! Kurs aus dem kleinen Sternhaufen! Ein Blick aufs Chrono der Zentrale. Vor einunddreißig Minuten hatte die ZV um eine Stunde stattgefunden. Neunundzwanzig Minuten verblieben noch, um seinem Schiff und der Besatzung eine günstigere Ausgangsposition zu
verschaffen. Denn was in neunundzwanzig Minuten passieren würde, hatte er doch schon einmal erlebt. Er verließ den Pilotensitz, trat an den Checkmaster und programmierte eine Kurztransition, die das Schiff um rund zwanzig Lichtjahre versetzen sollte. Alles lief routinemäßig ab. Die Intervalle verschwanden, das Pfeifen setzte ein und der Sprung erfolgte. Die Bildkugel arbeitete wieder, und die siebzehn Sonnen standen tief im schwarzen All. Dhark warf einen Blick auf das Chrono. In neun Minuten war die Zeitverschiebung zu Ende. Die ersten Männer wurden wieder wach. Hinter seinem Sessel richtete sich Palluta auf. An den Ortungen stöhnte Tino Grappa. Dan Riker kam wankend in den Leitstand. Sie konnten kaum einen klaren Gedanken fassen. Die Energieortung der POINT OF schlug an. Im Bereich der sterbenden Sterne griffen zahlreiche Planeten in einer gemeinsamen Aktion drei nicht erkennbare Ziele an, während sie drei große Raumerverbände ungehindert ihrem Transitionspunkl entgegenrasen ließen. 71 „Dhark, ich kann auch jetzt nicht feststellen, worauf die planetarischen Forts schießen!" erklärte Grappa, der mit der Energie- und Massenortung manipulierte und verzweifelte, weil er jene unter Strahlfeuer genommenen Ziele nicht erfassen konnte. Aber die aus allen Geschützen schießenden Planeten feuerten doch nicht ins Leere hinein. „Raumschiffe der Fremden sind in Transition gegangen!" In Richtung der siebzehn Sonnen wurde es fürchterlich hell. Eine Helligkeit, die sich blitzartig nach allen Seiten ausbreitete und in ihrer Lichtflut Sterne verschwinden ließ. „Energieortung auf Stand-by!" stieß Grappa hervor. Die Bildkugel minimierte die Lichtflut auf ein erträgliches Maß. „Hyperbereich abschalten?" fragte Leon Bebir im Co-Sitz. „Dann können wir den Werdegang einer Supernova nicht mehr verfolgen", widersprach Dhark mit seiner Erklärung. „Eine Supernova?" „Ja! Die ungewöhnliche Lichtflut beim Ausbruch hat es verraten. Eine Sonne brach eben zusammen und riß sechzehn weitere Sterne mit sich. Sehen Sie sich diese Lichthölle an, die mehr als lO.OOOmal heller ist als das Aufleuchten einer Nova. Aber warum das alles? Nur um den Versuch zu unternehmen, uns zu vernichten? Oder sind wir mit unserem Erscheinen nur die Initialzündung
für ein lange geplantes Vorhaben gewesen?" „Von wem reden Sie, Commander?" „Von den Nachfolgern der Grakos. Von den Schwarzen Weißen, die eine Bastion der Mysterious untergehen ließen. Wenn wir nicht aufpassen, dann erlebt die Stemenbrücke über kurz oder lang das gleiche Schicksal - und Terra wird dann auch an die Reihe kommen. Terra..." Er lauschte dem Wort nach und stellte sich die blaue Erde vor, die er so oft bewundert hatte, wenn er sie aus dem Raum kommend wieder anflog. Terra! Wo im Sternenmeer lag Terra? 2. Arc Doorn verzweifelte. Wer verstand diese Anlage der Mysterious? Selbst ihm waren die vielen Aggregate ein Buch mit sieben Siegeln. „Zwitt", murmelte er, während seine Hände auf der kühlen Unitallverkleidung lagen und sein Blick die beiden Instrumentenreihen überflog. Arc Doorn achtete nicht auf die Schritte, die hinter seinem Rükken aufklangen. Anja Riker trat neben ihn und legte ihre Hand auf seinen Arm. „Are, wir haben den Energieausbruch lokalisieren können." „Und?" Der rothaarige Sibirier mit der Boxernase und dem grobporigen Gesicht war wieder einmal ein Musterbeispiel an Gesprächigkeit. Anja Riker hatte die kurze Frage als Aufforderung angesehen, weiterzuspreehen. „Wir haben nebenher einige merkwürdige Feststellungen gemacht, Doorn. Es..." Plötzlich glaubte Arc Doorn allein im großen Raum zu sein. Er nahm die Stimme von Anja Riker, deren Mann zusammen mit der POINT OF verschollen war, nicht mehr wahr. Die beiden Instrumentenreihen sprachen zu ihm, sie gaben sich ihm zu erkennen. Er verstand, was sie anzeigten, und sie lieferten ihm die Hinweise, nach denen er die ganze Zeit über vergebens gesucht hatte. Buchstäblich ließ er sich in den Sessel an der linken Seite fallen. Seine Arme streckten sich, und dann lagen seine Fingerkuppen auf vier Steuerschaltern.
Anja Riker, die ihre Verärgerung über Doorns eigentümliches Gebaren gezeigt hatte, blickte ihn jetzt mit immer größer werdendem Staunen an. „Drei steht. Siebzehn kommt! Acht und vier schalten ab! Haupt72 73 kontrolle auf sechs. Die letzten Phasen sind drauf. Na, und da haben wir ihn ja!" Die Verbindung mit Zwitt stand. Im gleichen Moment waren drei Instrumente, die sich bisher nicht gerührt hatten, aktiv geworden. Die Sonnenkorona mit ihren Abermillionen Flächenprojektor-Stationen war keine Sperre mehr. Den Instrumenten nach schien sie nicht einmal zu existieren. Doorn riß triumphierend den Kopf herum. „Und jetzt rufe ich Terra! Jetzt komme ich auch durch die Sternenbriicke! Und Terra wird uns hören!" Anja fieberte auf einmal wie Are. Würde es ihm gelingen, die Verbindung mit der Erde herzustellen? „Hier Doorn auf Planet l im Zwitt-System! Ich rufe Terra! Bitte kommen! Ich rufe Terra! Bitte kommen!" Anja Rikers Hände lagen um seine breiten Schultern. „Are, bitte denken Sie daran, auch nach der POINT OF zu rufen!" Die Sorge um Dan machte ihr zu schaffen. Sie saß hier in der Sternenbrücke fest und konnte nichts tun! „Terra, bitte kommen! Hier Doorn auf Planet l im Zwitt-System." Doorn wiederholte ununterbrochen seinen Ruf. Terra mußte ihn hören! Terra mußte antworten! Wenn Terra geantwortet hatte, dann, aber erst dann, wollte er versuchen, mit der verschollenen POINT OF Koniakt zu bekommen. Anja sah die Notwendigkeit der Reihenfolge ein, auch wenn die Ungewißheit um Dans Schicksal ihr fast den Verstand raubte. Ihre Angst war das ungewollte Eingeständnis, daß auch sie, die doch die Mysterious-Mathematik beherrschte, nicht in der Lage war, den Strukturbruch zwischen zwei Kontinua wieder an derselben Stelle entstehen zu lassen, an der die POINT OF in ein anderes Universum eingebrochen war. „Hier Doorn auf Planet l im Zwitt-System! Ich rufe Terra! Bitte kommen."
74 War die Abschirmung innerhalb der Stemenbrücke absolut? „Ich rufe Terra! Bitte kommen." Aber von Terra kam keine Antwort. In einer Entfernung von 19,74 Lichtjahren verfolgte die Besatzung des Ringraumers, wie siebzehn Sonnen zu einer einzigen Supernova wurden. Sie erlebten mit, daß die unvorstellbaren energetischen Ausbrüche teilweise den Hyperspace benutzten, um das Verderben im zeitlosen Ablauf auch außerhalb der Population auftreten zu lassen. Das Weltall schien zu brennen. Leon Bebir im Co-Sitz hielt den Atem an. Von den Nachfolgern der Grakos hatte der Commander gesprochen? Von den Schwarzen Weißen? Dhark bemerkte den Blick. „Warum starren Sie mich so entgeistert an, Bebir? Glauben Sie nicht, daß Terra auch gefährdet ist?" Von Terra hatte Dhark auch gesprochen, und von der Sternenbrücke, der das gleiche Schicksal drohen könnte wie diesen siebzehn Sonnen, die sich in Äonen vielleicht wieder zu einem einzigen Stern zusammenfinden würden. Aber das Schicksal der Erde und der Sternenbrücke lag noch in der Zukunft. Gegenwart war die Existenz der Schwarzen Weißen. Nur, wie war der Commander auf den Gedanken gekommen, in ihnen die Nachfolger der Grakos zu sehen? Der Zweite Offizier der POINT OF fragte den Commander. „Habe ich das gesagt, Bebir? Wenn, dann war es nur ein Gedanke, eine Vermutung. Diese Schwarzen Weißen..." Er verstummte und betrachtete wieder die Bildkugel, die ein Inferno im leeren Raum zeigte. Die siebzehnfache Supernova mit ihrer unerträglichen Lichtflut wurde nicht dargestellt. „Ich muß immer wieder daran denken, unter welchen Umständen wir seinerzeit auf dem Planeten Hidplace unsere erste Begegnung mit den robotischen Schwarzen Weißen hatten. Sie standen 75 eindeutig auf unserer Seite, die nicht umgeschalteten Robonen bekämpften sie. Ich verstehe den Widerspruch nicht, daß uns diese Rasse jetzt mit nahezu tödlichem Haß verfolgt." Tino Grappa unierbrach ihn. Der Ortungsspezialisl meldete den Anflug eines Raumschiffes. Die Waffensteuerungen bekamen Grappas Werte. „Feuerbereitschaft besteht!" kam von den beiden WS zurück.
„Okay!" Dhark dachte nicht daran, Fahrt aufzunehmen. Solange es sich nur um ein Schiff handelte, wurde der Ringraumer leicht mit dem Gegner fertig. „Fremdes Schiff bremst ab, hat gerade Kurskorrektur vorgenommen und wird etwa in 500.000 Kilometern Abstand an uns vorbeifliegen." „Immer noch nicht zu erkennen, wie das fremde Schiff aussieht, Grappa?" Die Überraschung war vollständig! Drei Doppelkugelraumer kamen ein paar tausend Kilometer neben der POINT OF aus der Transition und griffen das Schiff aus allen verfügbaren Strahlantennen an! Das obere Intervall wurde mit achtundneunzig Prozent belastet. Im Schiff fuhren automatisch ein halbes Dutzend M-Konverter an. Das Brummen der Transformer war zu hören. Alarm heulte durch den Ringraumer! Grelle Strahlenbahnen prallten vom Miniwellraum der POINT OFab. Das Schiff schlug zurück! Mit gewohnter Präzision arbeiteten die beiden Zielsteuerungen. Weder Clifton noch Rochard hatten auf die Feuererlaubnis des Commanders gewartet. Der schaltete den Sie hoch. „An Waffensteuerungen!" rief er über die Bordverständigung durch. „Lassen Sie..." Dhark verstummte. Ein neuer, abermals unerwarteter Zwischenfall hatte sich ereignet. Jenes unbekannte Schiff, das nach Grappas Angaben in einem Abstand von rund einer halben Million Kilometern an der POINT OF vorbeifliegen sollte, griff die drei Schiffe der Schwarzen Weißen an! Die erste winzige Sonne entstand, die zweite, und fast im gleichen Atemzug verkündete das dritte Aufleuchten, daß auch der letzte Gegner vernichtet worden war. Nicht durch die Strahlwaffen der POINT OF! Durch den fremden Raumer, der nach dem dritten Abschuß beschleunigte, dabei den Kurs um hundertachtzig Grad änderte und sich mit hoher Fahrt vom Ringraumer entfernte! Der Spuk hatte keine drei Minuten gedauert. Die POINT OF befand sich wieder allein im leeren Raum zwi schen den Sternen!
Mit seinem Sessel drehte sich Dhark nach Grappa um. Der ahnte, was ihm der Commander sagen wollte. „Ich kann den Kahn nicht mehr erfassen, Dhark." „Aber wir sehen ihn doch noch in der Bildkugel!" deutete Dhark auf die Wiedergabe. „Und wenn! Was hilft es, wenn meine Ortungen streiken? Massen-Energie-Distanz und Materieorlungen. Hier steht alles auf Null!" Die Strukturerschütterung, angezeigt durch ein Instrument, war nicht zu übersehen. Das fremde Schiff hatte sich durch Transition abgesetzt! Der unbekannte Freund der Tenaner, der unaufgefordert in den Kampf eingegriffen hatte, war spurlos verschwunden. In der Kommandozentrale sah einer den anderen fragend an. Auch Ren Dhark stellte keine Ausnahme dar. Schulterzucken überall. Niemand konnte eine Erklärung geben. Es reichte nicht einmal zu einer vagen Vermutung. „Schade!" sagte der Commander. „Schade, daß von keinem der drei Schiffe etwas übriggeblieben ist. Zu gern hätte ich mir ein Schiff der Schwarzen Weißen einmal von innen angesehen." 76 77 Seine Offiziere waren weniger neugierig als er. Die meisten dachten an Terra und nur ein paar an die Stemenbriicke. Aber daß sie mitsamt dem Schiff durch einen Materiesender in ein anderes Universum befördert worden waren, wußte niemand mehr. Nach wie vor war unbekannt, wo sich der Ringraumer in der heimatlichen Galaxis aufhielt. Mit der Vermutung der hilflosen Astronomen, weit hinter dem Zentrum der Milchstraße zu stecken, konnte der Commander nicht viel anfangen. Leon Bebir, der die abenteuerliche Zeit auf Hope nicht miterlebt hatte, erinnerte Dhark daran, daß man damals doch auch nicht gewußt habe, wo das Sol-System zu finden sei. „Man kann die damalige Situation nicht mit der heutigen vergleichen. Aber da fällt mir etwas ein, an das ich schon lange nicht mehr gedacht habe." Er sah sich nach Falluta um, seinem Ersten. „Übernehmen Sie das Schiff, ich bin gleich wieder zurück." Nach einer Stunde war er noch immer nicht wieder im Leitstand. Ren Dhark hielt sich in der astronomischen Abteilung auf. Dort hatte er die Experten mit einem Stoß Folien überrascht.
„Sie stammen vom Planeten Mirac. Aus dem Flash, den Riker und ich versteckt im Fels gefunden haben. Schauen Sie sich die Karten genau an. Vielleicht liefern sie uns einen Hinweis, in welcher Region der Milchstraße wir stecken." Jens Lionel gab die Karten sofort weiter und sah den Commander etwas mißmutig an. „Warum haben Sie uns die Karten nicht schon längst überreicht. Das hätte uns eine Menge Zeit und Ärger erspart, Dhark!" Er ließ keinen Zweifel an seinem Unmut. Vom Auswertungstisch kam ein Aufschrei: „Großer Himmel, hier sind ja die siebzehn Sonnen kartographisch erfaßt." Hielten sie die Spur in der Hand, die ihnen den Weg nach Terra zeigte? Lakonisch kommentierte Lionel die Entdeckung mit „Das hätten wir schon vor Stunden herausbekommen können!" und blickte Dhark vorwurfsvoll an. Der drehte sich auf dem Absalz um und verließ kommentarlos 78 die Astroabteilung. Acht Beamte der GSO schafften einen Schwarzen Weißen, der wohl humanoid, aber kein Mensch der Erde war, per Transmitter in die Cyborg-Station im Brana-Tal. Bernd Eylers und Bert Stranger folgten wenige Minuten später, nachdem gewiß war, daß keiner der sechzehn entarteten Terraner und Robonen entfliehen oder Selbstmord begehen konnte. „Sofort per Transmitter ebenfalls ins Brana-Tal schaffen, wenn die Anweisung kommt. Oberste Sicherheitsstufe!" Ezbal, der Schöpfer der Cyborgs, erwartete die Ankömmlinge zusammen mit seinem Spezialteam. „Sehen Sie sich diesen Mann an!" hatte er nur zu den Ärzten gesagt und auf den Schwarzen Weißen gedeutet, der nun nackt auf einem Untersuchungstisch lag und durch energetische Klammem fixiert wurde. „Untersuchen Sie ihn nach der gewohnten Methode." Eylers und Stranger betrachteten alles aus der zweiten Reihe. Der Schwarze Weiße wollte sich nicht untersuchen lassen und kämpfte verzweifelt gegen die energetischen Klammem an. Er bäumte sich auf, schrie, brüllte und spie zum Schluß den ihn untersuchenden Arzt an. Eine luftdurchlässige transparente Kapuze machte diesem spukkenden Toben ein Ende.
„Ezbal, wir müssen Schichtaufnahmen machen!" sagte der Arzt, der den Unbekannten als dritter untersucht hatte. Stumm nickend gab Echri Ezbal seine Zustimmung. Das Schichtaufnahmegerät lief. Der Raum wurde verdunkelt, und an der weißen Wand flammte die Projektion auf. Eylers und Stranger glaubten eine terranische Fremdsprache zu hören, als die Diskussion der Mediziner einsetzte. Sie verslanden nur, daß dieser Schwarze Weiße zwei Her79 zen besaß, zwei komplette, aber auch vollständig voneinander getrennte Kreisläufe, ebenso ein doppeltes Nervensystem. „Wenn der Zahnschmerzen hat, dann hat er sie gleich zweimal!" spottete Stranger, der am liebsten diese Wissenschaftler aufgefordert hätte, sich so auszudrücken, daß er auch ein wenig versland. „Die Aufnahmen vom Kleinen und Großen Gehirnstrommusler müssen noch ausgewertet werden, aber man kann jetzt schon sagen, daß sich das Große wesentlich vom Homo sapiens unterscheidet." „Bitte spezifischer!" warf Echri Ezbal ein, der sich beobachtend im Hintergrund hielt und nicht an der Debatte beteiligte. „Wir haben im Akuta-Bereich einen ausgeprägten T-Komplex festgestellt und im Shylo-Lappen einen Strahlungsknoten entdeckt, den wir Menschen nicht besitzen. Hätten wir ihn, bestünde die Menschheit überwiegend aus Genies. Entweder ist dieser Humanoide eine Ausnahmeerscheinung innerhalb seiner Rasse und damit ein Genie, oder, falls er zum normalen Durchschnitt gehört, ist diese Rasse genial. Darauf weist der T-Komplex hin." Bert Stranger, der schon viele Menschen mit seinem unschuldigen Babyblick zur Raserei gebracht hatte, flüsterte verständnislos zu Eylers: „Eylers, verstehen Sie ein Wort?" Der schüttelte verneinend den Kopf. „Test des 1.0.!" Dem Schwarzen Weißen wurde die transparente Kapuze abgenommen. Er hatte es sich in der Zwischenzeit überlegt und verzichtete nun darauf, noch einmal Spuckversuche zu machen. Bert Stranger schob sich leicht nach vorne, um einen direkten Blick auf den Außerirdischen zu haben. Niemand hielt den Reporter zurück. Dieser Fremde von einem anderen Stern interessierte ihn deshalb so stark, weil er trotz seiner schwarzen Hautfarbe wie ein Weißer aussah. Die hohe Stirn, der leichte Wulst in Höhe der Au-
genbrauen und das gut modellierte Kinn mit den kaum angedeuteten Backenknochen gaben seinem Gesicht einen durchgeistigten Ausdruck. Unter den dunklen, seidig glänzenden Wimpern bewegten sich Augen, die in sattem Samt schimmerten. Je nach Lichteinfall verengten oder erweiterten sich die Pupillen. Die zitternden Nasenflügel einer schlanken Nase und die leicht eingezogenen Lippen verrieten die maßlose Wut des Fremden. Befrem dend dagegen war die Tatsache, daß die dunklen Augen keine seelische Regung widerspiegelten. Der Intelligenzquotient sollte festgestellt werden.
Ein Arzt legte dazu vier Saugkontakte an.
„Test!" ging der Ruf durch den Untersuchungsraum.
Der Hauptschalter wurde auf Ein gelegt.
Der Fremde bäumte sich krampfhaft auf, drehte den Kopf zur
Seite und stellte das Atmen ein. Entsetzt trat Bert Stranger zurück! Der Schwarze Weiße war tot. Für den Bruchteil einer Sekunde war es im Untersuchungsraum totenstill. Dann jedoch kam Leben in die Mediziner. Sie nahmen den Kampf gegen den Tod auf. Dieser Fremde von einem unbekannten Planeten sollte nicht tot bleiben. Hier und da ging ein Ruf durch den Raum. „Schrittmacher läuft."
„Massagen auf drei!"
„Sauerstoffversorgung okay."
„Wo bleibt der Wert von den Ce-Bahnen?"
In diesem Moment war Echri Ezbals Stimme zu hören! „Nein!
Ce-Bahnen nicht anmessen! Soll er uns denn endgültig unter den Händen sterben?" Niemand wagte es, dem Chef der Cyborg-Station zu widersprechen. „Zum Teufel", flüsterte Stranger dem Leiter der GSO ins Ohr, „wissen Sie, was eine Ce-Bahn ist?" Der wußte es natürlich auch nicht. Der Sekundenzeiger des Chronos wanderte unermüdlich weiter. Einige Ärzte resignierten. 80 81 Seit mehr als zehn Minuten wurde der Fremde künstlich mit Sauerstoff versorgt und versuchten zwei Schrittmacher, seine beiden Herzen wieder in Gang zu setzen, aber keines der vielen In-
strumente an den Aggregaten zeigte an, daß das Leben wieder zurückkehrte. „Abschalten!" Niemand schaltete ab. Alle starrten Echri Ezbal an, der dann eigenhändig die Sauerstoffversorgung, die Schrittmacher und die Massagegeräte ausschaltete! „Überprüfung des Shylo-Lappens auf elektrische Kapazität, meine Herren!" Die anwesenden Ärzte und Eylers und Stranger starrten den greisen Brahmanen ungläubig an. „Jetzt halten die anderen Ezbal für übergeschnappt!" flüsterte Stranger dem GSO-Chef zu. Zehn Sekunden ließ Echri Ezbal verstreichen. Er, der mit gekreuzten Armen bewegungslos stand, sagte dann: „Meine Herren, wenn Sie das noch nicht begriffen haben: Der Fremde lebt! Dieser Mann wollte uns zwingen, ihn zu töten." „Aber..." „Kein Aber!" donnerte Ezbals Stimme. „Darf ich Sie auf das .Gillford-Phänomen' aufmerksam machen, über das Kollege Gilltbrd vor einigen Monaten referierte?" Vier Experten beugten sich über den Fremden. Kontakte wurde angebracht, Messungen vorgenommen. Ein Stöhnen ging durch den Raum. „Nun?" Ezbals Stimme hatte wieder ihre Ruhe ausstrahlende Wirkung. „Wir... Ezbal... wir..." Der Mediziner an den Kontrollen stotterte. „Ezbal, wir haben es hier mit einem zweiten Gillford-Phänomen zu tun. Sie - Sie hatten recht: Der Fremde lebt." „Lassen wir ihm Zeit, bis er sich bequemt, wieder normal zu 82 reagieren. Aber, meine Herren", und nun schwang leiser Vorwurf mit, „hat Ihnen der Strahlungsknoten im Shylo-Lappen nicht zu denken gegeben? Leider bin ich selbst erst etwas spät stutzig geworden." Damit entschuldigte er das Verhalten seiner Mitarbeiter und erntete deswegen dankbare Blicke. Die sechzehnte Minute brach an, als sich der Schwarze Weiße plötzlich bewegte, die Augen aufschlug und einen Laut über die Lippen brachte, der nichts anderes als ein Fluch sein konnte. Bernd Eylers wandte sieh zu dem Reporter. „Stranger, was wollen wir hier? Man wird uns benachrichtigen, wenn man mit diesem Schwarzen Weißen weitergekommen ist. Ich muß nach Alamo
Gordo zurück. Vielleicht gelingt es uns doch noch, einen der sechzehn veränderten Robonen zum Sprechen zu bringen." „Einverstanden, wenn ich mitkommen darf." Der Reporter in ihm war hellwach. „Einverstanden!" sagte Eylers, der nicht vergessen hatte, was Terra diesem Mann mit der unglücklichen Figur zu verdanken hatte. Allein durch ihn und die Affäre mit den Mikrosendern war endlich Licht in eine Sache gekommen, die lange Zeit unlösbar gewesen war. Echri Ezbal versicherte ihnen, sie sofort unterrichten zu lassen, falls der Fremde freiwillig oder unfreiwillig Aussagen machen würde. Wenig später befanden die beiden ungleichen Männer sich in der Zentrale der GSO in Alamo Gordo. Bei den dort versammelten Gehirnexperten herrschte Ratlosigkeit. Abermals vernahmen Eylers und Stranger nur Ausdrücke aus der medizinischen Terminologie. Der GSO-Chef unterbrach die Debatte mit der Aufforderung, einen Bericht zu geben, den er als medizinischer Laie auch verstehen konnte. „Bitte!" sagte Professor Dentrola leicht verschnupft, weil er sich durch den Chef der GSO gemaßregelt fühlte. „Wir haben es bei den sechzehn Robonen mit einer neuen Spezies Mensch zu tun, denn unter dem vierten Ventrikel unter dem Kleinhirn befindet 83 sich etwas, das bisher noch bei keinem Menschen gesehen worden ist. Mit .Gehirnventrikel' werden vier miteinander verbundene Hohlräume bezeichnet. In dem vierten, der durch dieses, ich möchte sagen, neue Organ nun etwas verkleinert wurde, befindet sich eine Geschwulst, die deshalb bemerkenswert ist, weil sie einen Kern in sich trägt, der eindeutig aus nicht biologischem Material besteht, also ein Fremdkörper ist. Noch können wir nicht sagen, ob diese Geschwulst die entarteten Robonen daran hindert, uns die verlangten Aussagen zu machen." Eylers blickte ihn fragend an. Professor Dentrola verstand den Blick. Er schüttelte den Kopf. „Nein, wir können die Geschwulst nicht operativ entfemen. Wir könnten den Robonen nur ein neues Gehirn einsetzen, aber was wäre damit erreicht?" Eylers, der Mann mit dem Alltagsgesicht, winkte leicht verärgert ab. „Professor, es ist Ihnen doch klar, daß wir unbedingt wissen müssen, welche Verbindungen zwischen den nicht umgeschalteten Robonen und den Schwarzen Weißen bestehen! Wir müssen alles
wissen, alles! Wir müssen so schnell wie möglich erfahren, was sich zwischen den Robonen und dem Vertreter einer uns unbekannten humanoiden Rasse abgespielt hat! Wir müssen restlos alles erfahren! Ich hoffe, daß Sie mich verstanden haben." Bert Stranger hörte zum einen Teil interessiert und zum anderen Teil mit immer größer werdender Enttäuschung zu: Dieser Fall war voll dramatischer Effekte, aber er war kein Fall, den er über die Terra-Press publizieren konnte. Wegen Verrats von Staatsgeheimnissen wollte er keinen Prozeß an den Hals bekommen! Eylers und Stranger verließen die Medo-Station. Im A-Grav schwebten sie nach oben. Beide schwiegen, und erst, als sie über den breiten Gang gingen, sagte der Chef der GSO: „Ich habe die Befürchtung, daß wir nichts, aber auch gar nichts erfahren werden." „Hm", brummte der Reporter, „dann wird es wohl das beste sein, sich auf die bösesten Überraschungen in diesem Fall vorzu 84 bereiten." „Das habe ich schon getan, aber gerade in diesem Fall möchte ich doch einmal unrecht behalten und durch ein positives Ergebnis überrascht werden", hoffte Eylers. Jos Aachten van Haags Vermutung, daß sie sich in der Geburtsstätte der Giants aulhielten, war richtig. Das blaue Feld, das sie eingehüllt hatte, war verschwunden. Die Giants, die All-Hüter, die nicht mehr existieren sollten, lebten nicht nur auf diesem unbekannten Planeten, der am Ende einer Transmitter-Straße lag, sondern diese Bio-Roboter, die den Ten-anern so lange ein Rätsel gewesen waren, stellten hier sogar ihre eigene Rasse her! Der abgebrühte GSO-Mann ließ sich weder durch ihre Sprache, die wie das Zischen von Vipern und Nattern klang, noch durch den Anblick der Raubtierköpfe irritieren, denn er hatte sich fast alle Filme über die All-Hüter angesehen. Aber was war mit den Cyborgs los? Warum standen sie am anderen Rand des felsigen Weges und blickten sie gelassen an? Hatten sie auf ihr Zweites System geschaltet, um weniger angreifbar zu sein? Und wieso trafen sie hier auf die vier Männer? „Die vier haben dafür gesorgt, daß wir hier landeten!" polterte Shanton los, zog sich die Hose, die der Schwerkraft folgen wollte, wieder hoch - und schnallte den Gürtel enger.
„Sehen Sie, Jos, ich habe schon wieder an Gewicht verloren", meinte er mit Unschuldsmiene zu dem GSO-Spezialisten. Jimmy kommentierte Shantons Mitleidsarie auf seine Weise: „Der Dicke sieht ja geradezu verhungert aus!" Jos grinste, und auch Shanton konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „Ich vermute, die Anzeigen, die wir sahen, bezogen sich auf diese vier Typen, als sie den Transmitter auf diese Station einstellten. Und wir sind dann so blöd, auch noch hierherzukommen, 85 ich..." „Achtung!" stieß Jos aus, der plötzlich von drei Giants umringt war. Einer packte ihn an den Schultern und stieß ihn nach links, zu den Cyborgs hinüber. Der GSO-Mann ließ sich gern dazu auffordern, und er nutzte seine Chance. Zischend fuhr er die Cyborgs an: „Können Sie mir einmal sagen, was uns hier erwartet?" Holger Alsop bewegte kaum seine Lippen, als er sagte: „Nicht sprechen!" Die Schnauze des Scotchtemers stieß Jos in die Kniekehle. Verärgert drehte er sich um, stieß einen Wutschrei aus. Mit Judogriffen schleuderte er zwei der drei Giants zur Seite und wollte dem Dicken zu Hilfe kommen, der von fünf All-Hütern fortgeschleppt wurde. Da streckte ihn ein Faustschlag Mark Carrells zu Boden. Er sah nicht, daß sich die beiden Giants wieder erhoben und ihn aus ihren Raubtieraugen starr anblickten. Warum greifst du uns an? Verwirrt faßte sich Jos an den Kopf, der ihm von Carrells hartem Schlag schmerzte. Nein, wir sind nicht eure Feinde. Als All-Huter sind wir niemandes Feind! Zum Teufel, dachte er vollends verwirrt, warum schleppt man denn Shantonfort? Er kommt wrück! Bald! Langsam erhob sich Jos Aachten van Haag und schaute die vier Cyborgs hilfesuchend an,. Aber deren Blick glitt an ihm vorbei, als wollten sie mit ihm nichts gemein haben. Auch dein Gesicht ist krank! Selten hatte Jos Aachten van Haag so töricht ausgesehen wie in diesem Moment, als er vergaß, seinen Mund wieder zu schließen. Sein Gesicht war nicht in Ordnung, wie auch das von Chris Shanton nicht. Aber woher wußten es die Giants? Und warum reagierte Jimmy nicht, der doch gesehen hatte, daß man seinen Herrn fortschleppte? Jimmy saß bei Fuß, den Kopf in
86 etwas schräger Haltung, und schaute sich die Giants der Reihe nach an. Zischen klang auf und wurde lauter, doch nur Jos drehte sich, um die Ursache des Geräusches kennenzulernen. Eine Schwebeplatte mit transparenter Kuppel jagte mit hoher Fahrt heran, ging auf Landekurs und hielt dicht vor den Terranem. Wie eine Nuß klappte die Kuppel auf, und fünf Giants in enganliegender Uniform richteten sich auf und blickten zu ihnen herüber. Einsteigen! hieß die Geste, mit der Jos aufgefordert wurde, die Schwebeplatte zu betreten. Geheuer war ihm dabei nicht. Die Cyborgs folgten wie Marionetten und traten wortlos neben ihn. Zwischen seinen Beinen hielt sich Jimmy auf, dessen suprasensorisches Gehirn sich keine Gedanken machte, was in der Zwischenzeit mit seinem Herrn und Erbauer geschehen sein könnte. Weich hob die Schwebeplatte ab, nahm Fahrt auf und zog über eine felsige Landschaft dahin. Jos Aachten van Haag sah nur hin und wieder ein paar Felszacken, aber nach einem Flug von knapp fünf Minuten waren auch diese nicht mehr zu sehen. Der Himmel war und blieb wolkenlos. Langsam verrann die Zeit, und Jos stellte fest, daß er seine Ungeduld kaum noch zügeln konnte, weil er das Verhalten der Cyborgs nicht verstand. Kurz heulte ein Andruckausgleicher auf, als das giantische Fahrzeug plötzlich aus dem waagerechten Flug in den senkrechten gezwungen worden war und einer Öffnung auf der Planetenoberfläche zustrebte. Die Cyborgs blickten starr geradeaus, die fünf Giants warfen ihnen nicht einen einzigen Blick zu. Über ihnen wurde der Ausschnitt des blauen Himmels immer kleiner. Flogen sie in einer gigantischen Hohlröhre tiefer oder in einen metallverkleideten Schacht ein? Nach einer Weile - Jos hatte keine Ahnung, wie tief sie hinabgeflogen waren - setzte die Schwebeplatte ziemlich hart auf. Jos schaute prüfend um sich. An das dunkelrote Licht mußte 87 sich der GSO-Mann erst einmal gewöhnen. Gleich Schatten gingen die fünf Giants an ihm vorbei und verließen die Schwebeplatte. Die Kuppel über ihnen war wieder zurückgeklappt worden, ohne daß er davon etwas bemerkt hatte. Folgen! hörte er den Befehl in seinem Kopf, und automatisch setzte er sich zusammen mit den Cyborgs in Bewegung. Ihr Ver-
halten machte ihm nun wieder klar, daß sie die schwache Rückschaltungsphase zum Normalgehim aktiviert hatten, denn im Bereich ihres Zweiten Systems hätten sie die Gedankenimpulse der Giants niemals empfangen können. Zögernd folgte Jos den Männern und blickte sich dabei nach allen Seiten um. Sie befanden sich am Ende einer mehrere hundert Meter durchmessenden Röhre, die in vierzig Metern Höhe über ihnen endete, kuppeiförmig dem Boden zustrebte und ein Sirahlensystem von Gängen erkennen ließ. Weit voraus gingen die fünf Giants, die sie an diesen Platz gebracht hatten. Sie sahen sich nicht nach den Terranern um und verschwanden nun in einem der vielen Gänge, in dem die Beleuchtung noch schlechter war als in dieser Endstation der Röhre. Die Terraner erreichten den Gang, in dem die fünf Giants verschwunden waren. Mit jedem Schritt, der sie weiter hineinbrachte, wurde es noch dunkler. Plötzlich war der Boden unter Jos' Füßen nicht mehr fest. Ein Rollband trug ihn und die anderen mit hoher Geschwindigkeit fort. Der GSO-Mann verwünschte seine Bereitschaft, sich auf dieses Transmitterabenteuer eingelassen zu haben, noch mehr aber die vier Cyborgs, aus deren Verhalten er nicht schlau wurde. In der Dunkelheit war ein winziger Punkt zu erkennen, der schnell größer wurde. Licht! Tageslicht? Jos' Augen bekamen Zeit, sich an die Lichtflut zu gewöhnen. Die ersten Einzelheiten in der Feme waren zu erkennen: eine glitzernde Fläche, die Licht nach allen Seiten widerspiegelte. Plötzlich weitete sich der Gang. Das Band stopple abrupt ab, und dann war der Übergang zum festen Boden kaum festzustellen. Sie hatten den Anfang einer langgestreckten Halle erreicht, die von einem Konkavspiegel beherrscht wurde. Und dieser nach innen gewölbte Spiegel war in abertausend unregelmäßige Felder unterteilt. Die Konstruktion schwebte. An keiner Stelle war sie mit dem Boden, einer Wand oder der Decke verbunden. Das Licht, das sie den Terranern entgegenwarf, weckte bei Jos den Eindruck, auf eine kleine, aber grelle Sonne zuzugehen. Den Cyborgs machte diese Lichtflut nichts aus, weil sie über ihr Zweites System sahen und nicht geblendet werden konnten. Jimmy, der sich dicht bei dem GSO-Mann aufgehalten hatte, sonderte sich unauffällig ab und glitt dicht an der rechten Wand vorbei. Mittels seiner robotischen Initiative hatte er seine Ortung eingeschaltet und führte seinem Suprasensor alle ermittelten Werte zu. Jos, der ihm aus zu-
sammengekniffenen Augen hin und wieder einen Blick zugeworfen hatte, bemerkte nicht, daß der Scotchterrier seine Zunge nur so weit aus dem Maul herausgeschoben hatte, um den Abstrahlpol freizugeben. Die unregelmäßigen Felder des Konkavspiegels veränderten ihre Position. Das Licht wurde nicht mehr wahllos widergespiegelt, sondern genau auf die kleine Gruppe Terraner gerichtet. Voller Entsetzen preßte Jos beide Hände gegen die Augen. Wer von den vier Cyborgs ihn rechts und links am Arm festhielt und führte, vermochte er nicht zu sagen. Warum schließe ich nicht meinen Klarsichthelm, stellte er sich die Frage, aber die Angst, von dem gebündelten Licht für Stunden geblendet zu werden oder Schaden an seinen Augen zu erleiden, lahmte seine Aktivität. Dann glaubte er an Spuk, weil er plötzlich fror. Seine Hände wurden kalt, sein Gesicht; Kälte kroch in den Raumanzug hinein. Ein Frostschauer nach dem anderen schüttelte ihn, und mit jedem weiteren Schritt wurde die Kälte unerträglicher. Die beiden Cyborgs führten ihn mit gleichmäßigem Schritt wei 88 89 ter. Mit ihrem Zweiten System waren sie gegen Kälte bis zu einem bestimmten Punkt unempfindlich. „Meine Hände! Mein Gesicht! Ich erfriere", stieß er über seine eiskalten Lippen, die wie unter tausend feinen Nadelstichen schmerzten und kaum noch in der Lage waren, klare Worte auszusprechen. „Noch zehn Schritte, und wir sind hier durch!" hörte er Marc Carrell an seiner linken Seite sagen. Zehn Schritte, die ihm zur Ewigkeit wurden. Zehn Schritte, die ihn noch tiefer in das Kälteinfemo führten. In Gedanken zählte er mit. Der zehnte Schritt! Blindlings stürmte er vorwärts - und taumelte! Eine glühendheiße Hitzewand sprang ihn an. Zur Hölle, fluchte er in Gedanken, wollen diese verdammten Giants uns jetzt rösten? Unerbittlich schleppten ihn die beiden Cyborgs weiter. „Jos, Sie können die Hände herunternehmen, wir sind durch! Um uns herum herrscht normale Temperatur! Der Übergang aus der Kältezone war nur ein Schritt. Atmen Sie tief und ruhig durch,
und nehmen Sie die Hände herunter!" sagte Carrell in beruhigendem Ton. Jos' Hände sanken herab. Staunend sah er sich um. „Wo sind wir denn?" Seine Frage hatte Berechtigung. „Das wissen wir auch nicht", erwiderte Carrell gelassen. „Wir sind durch den Konkavspiegel gegangen, aber seine Rückseite ist hinter uns nicht mehr zu sehen." Holger Alsop war auch stehengeblieben. Er interessierte sich für den Boden, auf dem sie standen. „Wir werden bewegt." Eine Blechstimme krächzte dazwischen. Jimmy bewies, daß er sein phänomenales Können nicht verloren hatte. „Wir fliegen seit siebzehn Sekunden Normzeit in die Tiefe." 90 Jos schaute ungläubig — davon war nichts zu bemerken! „Wir bremsen ab!" Jimmy wurde gesprächig. „Und wo steckt Shanton?" fauchte ihn der GSO-Mann an, der nicht vergessen hatte, daß man den Dicken von ihnen getrennt hatte. „Wo schon? In diesem komplizierten Bau." Jimmys Antwort befriedigte van Haag keineswegs, aber er hatte auch erkannt, daß es jetzt wenig Sinn hatte, den Robothund zu präziseren Aussagen zu zwingen. Dumpf klang es auf. Der Boden unter den Füßen zitterte kurz. „Wir sind da!" gab Jimroy bekannt. Beinahe gleichzeitig öffnete sich die linke Wand und gab den Blick in einen Raum frei, der bei Jos Aachten van Haag eine vollkommen menschlich normale Reaktion auslöste. „Nein, das ist nicht real! Das kann nicht sein! Man spiegelt uns etwas vor. Großer Himmel." Seine Worte machten auf die vier Cyborgs keinen Eindruck. Ihr Zweites System ließ Emotionen nicht zu, soweit sie nicht Bestandteil ihres Programms waren. Mit der logischen Kälte ihres Zusatzgehirns nahmen sie auf, was sie über das Augensystem ihres zweiten Ichs sahen. Etwas Unglaubliches! Die Sternenkarte, auf der die siebzehn Sonnen eingetragen waren, half den Männern der POINT OP nicht weiter. Sie umfaßte nur einen Raum von gut zweitausend Lichtjahren Durchmesser und
gab keinen Hinweis darauf, in welcher Region dieser Sektor der Milchstraße lag. Jens Lionel, Teamchef der Astronomen an Bord des Plaggschiffes, zuckte resignierend mit den Schultern und versuchte dabei, Ren Dharks forschenden Blick nicht zu sehen. 91 Der Commander legte ihm die Hand auf die Schulter. „Lionel, es muß eine Möglichkeit geben, das Zentrum der Galaxis zu bestimmen!" Vorwurfsvoll unterbrach ihn der Experte: „Glauben Sie, wir hätten nicht alles versucht? Aber was hätten Sie mir vor drei Stunden vorgehalten, wenn ich Ihnen hätte sagen müssen, daß wir an drei verschiedenen Stellen das Zentrum vermuten. Und inzwischen haben wir ein viertes Zentrum ausgemacht." „Lionel, wenn Sie und Ihre Kollegen uns nicht weiterhelfen können, dann bleibt uns nur eine Möglichkeit offen: so lange zu transitieren, bis wir ein Sternbild entdeckt haben, nach dem wir uns richten können." „Das kann Jahre dauern, Dhark!" „Ich vertraue auf Sie, Lionel!" umschmeichelte der Commander den Astro-Wissenschaftler. „Sie schaffen es schon". Dabei war Dhark längst nicht so sicher, wie er sich nach außen gab. Terra! Wo lag Terra? Vor oder hinter den Dunkelwolken, von denen sie unigeben waren? Wo war das Zentrum der Milchstraße zu suchen, das durch einen Hochorkan des elektromagnetischen Feldes zu einer unpassierbaren atomaren Hölle geworden war? Aber atomare Höllen dieser Art hatten Lionel und seine Mitarbeiter gleich an vier Stellen festgestellt. Dagegen war der Untergang der siebzehn Sonnen ein harmloses Feuer. „Lionel, wir müssen uns heute noch entscheiden, wie wir vorgehen müssen. Bitte denken Sie daran." Er verließ die astronomische Abteilung und suchte Dan Riker in seiner Kabine auf. Über die Bordverständigung wurde auch Miles Congollon herbeigerufen. Drei Männer, die allein um Erron-3 im blaßblauen Universum wußten, saßen zusammen. Sie hatten jene Mentcap nicht geschluckt, die allen anderen das Wissen um den Materiesender auf Planet l im Zwitt-System genommen hatte.
„Wir haben im Erron-Archiv etwas übersehen!" behauptete Dan Riker. „Die Mysterious haben im Blaßblauen das Archiv errichtet. Sie sind also zwischen den beiden Kontinua ständig hin und her geflogen, demnach müssen sie auch die Technik beherrscht haben, zu ihrem Ausgangspunkt in der Milchstraße wieder zurückzufinden." „Okay, Dan, das mag durchaus stimmen". Dharks Stimme klang nervös, die Ungewißheit ihres Aufenthaltsortes zehrte auch an seinen Nerven. „Aber versuche dich in die Lage der Mysterious zu versetzen. Aus einem schwerwiegenden Grund haben sie Erron-3 in einem anderen Universum angelegt. Sie selbst beherrschten die Technik, sich zwischen zwei Kontinua zu bewegen. Lag es da nicht auf der Hand, eine letzte Zusatzsicherung einzubauen, Erron3 auch dann noch zu schützen, wenn es dennoch von einer anderen Rasse entdeckt worden war? Und diese Sicherung bestand darin, die interkontinuale Technik nicht preiszugeben, so daß das wieder abfliegende fremde Raumschiff unweigerlich in irgendeiner der Milliarden Galaxien rematerialisieren müßte." Ruckartig riehtete sich Miles Congollon auf. Dan Riker klatschte die flache Hand auf den Schwebetisch. „Das ist doch verrückt! Wir stecken in unserer Galaxis! Die Sternkarte mit den siebzehn Sonnen beweist es!" „Sie beweist gar nichts, und wenn du vergessen haben solltest, daß unsere Astronomen inzwischen vier Zentren dieser Milchstraße entdeckt haben, so bestärkt mich diese Tatsache in dem Verdacht, uns in einer fremden Galaxis aufzuhalten", konterte Dhark, der von seiner These überzeugt war. „Und wieso treiben sich hier die Schiffe der Schwarzen Weißen herum, mein Lieber?" „Weil sie die interkontinuale Raumflugtechnik beherrschen, wir aber nicht!" Miles Congollon, der manchmal einen melancholischen Ein 92 93 druck machte, schmunzelte. „Dhark, das klingt einfach zu unwahrscheinlich." „Ich sehe nicht wieso, Congollon!" fauchte Dhark ihn an, der durch seinen scharfen Ton verriet, in welcher Verlassung er sich befand. Congollons Schmunzeln blieb.
Er lehnte sich gemütlich zurück, legte das linke Bein über das andere und sagte lässig: „Die Zett-Vau!" Als ob Ren Dhark und Dan Riker vom Strahl eines Paraschokkers getroffen worden wären, so saßen sie dem Chefingenieur der POINT OF gegenüber. „Die Zeitverschiebung!" flüsterte Dhark mit zuckenden Lippen. „Die Zeitverschiebung." „Und ich habe daran auch nicht gedacht", murmelte Riker, der mit fahrigen Bewegungen über sein Gesicht strich und den Kopf schüttelte. Der Weg von Rikers Kabine zur Kommandozentrale war nicht weit. „Bitte, lassen Sie mich allein am Checkmaster!" forderte der Commander die drei diensttuenden Offiziere auf. Dhark gab seine Fragen an das Bordgehini. Die Grünkontrolle leuchtete auf. Die Antwort kam sofort. Ren Dhark preßte die Lippen zusammen, als er die Folie las. Wortlos verließ er den Leitstand. Ohne Kommentar legte er die Antwort des Cheekmasters seinem Freund Riker vor. Der las halblaut: „Zeitverschiebungen sind nur innerhalb des Kontinuums möglich. Jedes Raum-Zeit-Gefüge unterliegt seinen eigenen Zeitgesetzen, und jeder kontinuale Raum ist gegenüber jedem anderen eine unüberwindliche Zeitschranke." Miles Congollon winkte ab. Er wollte die enttäuschende Nachricht, die er gerade gehört halte, nicht extra noch einmal lesen. 94 Riker stützte den Kopf in beide Hände. „Wir können demnach nur Zeitverschiebungen bis zu der Sekunde vornehmen, in der wir aus dem blaßblauen Universum in unser Raum-Zeit-Gefüge zurückkamen?" „Ja!" sagte Dhark entmutigt. „Jetzt ist nicht mehr die Geburtsstunde des jüngsten Bordmitgliedes die ZV-Grenze, sondern der Rückkehrmoment in unser Kontinuum. Der Besuch von Erron-3 hat uns viel gekostet. Er kostet uns vielleicht die..." „Ren, wie ist das mit dem Wegweiser, den du in Ma-Soors Kabine gefunden hast und der uns nach Erron-3 brachte?" Riker wollte seinen Freund auf anderen Gedanken bringen. Dhark holte das Gerät aus der Tasche und drehte es hin und her. „Ich kann es versuchen. Aber ich habe keine große Hoffnung."
„Ren, du bist unerträglich. Mußtest du uns eben sagen, daß du den Wegweiser ohne jede Hoffnung einsetzen willst?" Müde winkte Ren Dhark ab. „Schon gut, Dan. Dieser Wegweiser..." Den Rest des Satzes sprach er nicht aus. „Es wäre zu schön, wenn er uns den Weg nach Terra zeigen würde, oder wenigstens zum Zwitt-System." Die Diskussion wurde durch die Bordverständigung unterbrochen. Elis Yogan aus der Funk-Z meldete nun plötzlich stärker werdenden Hyperfunkverkehr. „Wenn unsere Beobachtungen stimmen, haben wir es mit funkenden Schiffen der Schwarzen Weißen zu tun." Yogan wurde vom Ersten Offizier gestört. „Dhark, wir haben ein System ausgemacht, dessen sechster Planet eine Sauerstoffwell ist." „Anfliegen, Falluta. Ich komme gleich hinüber." Fünf Minuten später stand er im Leitstand und ließ sich die wichtigsten Angaben über das Planetensystem geben. Die Sauerstoffwelt sollte als Sprungbrett dienen, von dem aus die POINT OF die Suche nach Terra beginnen wollte. Dhark nahm im Co-Sitz Platz und setzte seinen Wegweiser ein. 95 Er gab die Antennenstellung der astronomischen Abteilung bekannt, die ihm binnen weniger Minuten mitteilen konnte, daß die Antenne in den Leerraum zwischen den Galaxien zeigte. Er hatte keine andere Nachricht erwartet. Mit dein Wegweiser kam man nach Erron-3, aber er war nicht in der Lage, ein Raumschiff wieder zum gewünschten Punkt in der heimatlichen Milchstraße zurückzuführen. Kurz dachte er an Arc Doorn und an den Materiesender auf Planet l. Während er sich noch einmal alle Vorgänge durch den Kopf gehen ließ, die mit dem Einflug ins blaßblaue Universum in Zusammenhang standen, glaubte er, den Fehler erkannt zu haben, der ihnen unterlaufen war. „Commander", rief ihn Grappa an, „wir werden von Fremdortung erfaßt!" „Was?" „Aus Grün 33:56 und aus Rot 18:04." „Und was sagen unsere Ortungen, Grappa?" „Nichts, Dhark. Das ist das Bestürzende."
Eins kam zum anderen, aber in keinem Fall war es bisher etwas Gutes gewesen. Verstohlen wischte er sich den Schweiß von der Stirn. Ich gehöre ins Bett, dachte er erschöpft. Schlafen möchte ich, viele Stunden lang schlafen. Er rief zur Funk-Z durch. Die Echokontrolle sollte eingesetzt werden. Vielleicht traf sie auf den beiden Koordinatenlinien auf Raumschiffe, die dann eine Erklärung für die Fremdortung waren. Elis Yogan meldete Fehlanzeige. Einige Minuten später war alles wieder normal. Dan Riker stand neben Grappa. Er hatte alles aus eigener Sicht miterlebt und konnte zu dem rätselhaften Fall ebensowenig sagen wie der Ortungsexperte. Woher sollten sie auch wissen, daß sie von Erron-3 etwas mitgebracht hatten, das eine deutliche Spur zwischen den Sternen hinterließ? Nur mußte man ein Auge dafür haben, um diese Spur zu sehen. Plötzlich war die Landung auf dem unbekannten Sauerstoffplaneten in Frage gestellt. Ein Schiff im gelandeten Zustand war viel leichter zu vernichten als ein Raumer in der Unendlichkeit zwi schen den Sternen. „Ich würde es nicht riskieren, Ren", sagte Dan Riker. Der sah die geröteten Augen seines ebenfalls übernächtigten Freundes. Dann dachte er an seine Besatzung, die schon seit so vielen Stunden ununterbrochen Dienst gemacht hatte. „Wir landen! Falluta, bringen Sie das Schiff herunter." Drei Stunden später setzte die POINT OF mit ausgefahrenen Teleskopbeinen auf. Das Schiff war auf der Nachtseite des Planeten gelandet. Am grünen Himmel standen zwei kleine Monde, und das Stemenmeer der Galaxis war zu sehen. Leutnant Snubs in der großen To-Funkstation Cent Field zuckte zusammen. Der Frequenztaster zeigte plötzlich Höchstwerte. Automatisch las der Leutnant die Frequenz. In den Hochleislungslautsprechern war aber nur das statische Rauschen zu hören. Rief im Raum ein Schiff nach Terra und kam mit seinem schwachen Sender nicht durch? Snubs überlegte nicht lange. „Order B-2!" gab er an die anderen Abteilungen durch und handelte schon. Für außergewöhnliche Fälle mußte er keine Genehmigung einholen.
Die große To-Funkantenne mit dem funkelnden Richtkristall schwenkte in andere Position. Die 37.000 Tonnen schwere Konstruktion auf dem Flachdach des To-Funkgebäudes wurde durch A-Grav-Kräfte praktisch auf ,Null' gebracht und war dadurch so leicht wie ein Justiergerät zu handhaben. Snubs hatte plötzlich alle Hände voll zu tun. Dritten und vierten Konverter anfahren. 96 Energie auf Antenne! Sätze Ber und Dor einschalten! Hochleistungsgeräte für einlaufende Sendungen unter zehnmillionstel Watt. To-Justierung A einsetzen. Zwei der großen Suprasensoren traten als Zusatzkontrolle hinzu, und aus den beiden Lautsprechern rauschte weiter die Statik, aber zu verstehen war kein Ton. Leutnant Snubs begann sich unwohl zu fühlen. Warm wurde ihm auch. In seiner Verzweiflung riskierte er das Äußerste: „Den gesamten Empfang der To-Funkstalion von Cent Field auf die große Antenne." Ein paar tausend Gespräche brachen zusammen. Cent Field war nicht mehr in der Lage, mit einem einzigen Raumer der TF zu sprechen. Hinter Snubs öffnete sich ein Schott, ein wütender Captain trat ein. „Snubs, sind Sie verr...!" Im nächsten Moment verstanden beide ihre eigenen Worte nicht mehr. Die beiden Lautsprecher versuchten den Posaunen von Jericho Konkurrenz zu machen. Ich rufe Terra! Bitte kommen! Hier Doorn auf Planet t im ZwittSystem! Ich rufe Terra! Bitte kommen! Leutnant Snubs fand keine Möglichkeit, sich die Ohren zuzuhalten. Er mußte dieses Höllenspektakel aushallen. Der Captain hatte es leichter. Der war schon wieder draußen und stand halbtaub vor der Tür. Hier konnte er den Funkruf mit präziser Deutlichkeit verstehen. Snubs nahm Schaltungen in einem Tempo vor, wie er es nie für möglich gehalten hatte. Satz Ber ausschalten! Vierten Konverter auch! Und vom Gesamtempfang herunter! Aber aus den beiden Lautsprechern brüllte Doorns Stimme mit unveränderter Stärke.
98 Auch den Satz Dor weg! Snubs begann, nach einer anderen Richtung hin zu verzweifeln. Warum, zum Teufel, konnte er den Höllenspektakel nicht auf ein erträgliches Maß schalten? Er bekam Stielaugen! Die Sendung kam mit mehr als vier Millionen Kilowatt herein! „So etwas gibt es doch gar nicht!" brüllte der nun tatsächlich verzweifelte Mann auf. Aber die Kilowattanzeige blieb bei ihrer Angabe. Phase 18 des zweiten Kreises zeigte 150 Grad Celsius an. Dort wollte etwas zu schmoren beginnen. Da hatte Snubs die Idee seines Lebens. Spiegel-Re einschalten. Das war ein Gerät aus der MysteriousTechnik. Begriffen hatte er es nie, und man flüsterte sich in Funkerkreisen zu, daß es auf Terra keinen Menschen geben sollte, der die Funktionsweise dieses Aggregates wirklieh verstünde. Spiegel-Re war aktiv! Die Sprechkontrolle zeigte grün. Snubs mußte brüllen und die Lippen fast gegen das Mikro drÜkken, damit ihn Arc Doorn viele, viele tausend Lichtjahre weit in einem anderen Spiralarm überhaupt verstehen konnte. „Terra ruft Doorn auf Planet l im Zwitt-System! Terra ruft Doorn! Bitte kommen! Bitte kommen!" Die große To-Funkanlage strahlte den Ruf mit mehr als vier Millionen Kilowatt zurück. Diese phantastische Leistung machte der Spiegel-Re möglich. Und dann ging für einen jungen Leutnant der Morgenstern auf. Er legte Doorns Ruf zu Marschall Bulton. Der Captain, der ihm vor wenigen Minuten noch die Hölle heiß machen wollte, gratulierte ihm. Und auch die erfahrensten Funkingenieure klopften ihm anerkennend auf die Schulter. Ein Sender mit vier Millionen Kilowatt? Eigentlich undenkbar, aber hier wurde er ihnen durch das Spiegel-Re vorgeführt. Großer Himmel, über welch einen Sender mußte erst Arc Doorn 99 verfügen? Sie alle hinter Leutnant Snubs hörten mit. Der Sibirier gehörte zur Besatzung der POINT OF. Die hatte innerhalb der TF schon immer eine Sonderstellung inne. Man konnte es aus dem heraushören, was Doorn dem Marschall sagte, und wie er es ihm sagte:
„Ja, wo bleiben denn die Kähne? Hier liegt nur ein S-Kreuzer, Marschall. Achtzehn Ringraumer sollen nach Zwitt unterwegs sein? Seit vorgestern? Und wo sind die jetzt, Marschall Bulton?" Der Choleriker Bulton blieb ruhig. „Doorn, versuchen Sie mit Ihrem Riesensender den Flottenverband anzurufen. Cent Field bleibt auf Empfang." Nach zehn Minuten war Doorn wieder zu hören. „Die Schiffe, die laut Ihren Angaben nach Zwitt unterwegs sein sollen, melden sich nicht." Bulton überlegte nicht lange. „In einer Stunde ist ein zweiter S-Kreuzerverband aus fünfzig Schiffen nach Zwitt unterwegs. Können Sie mit dem Verband ununterbrochen in Verbindung bleiben?" „Nein!" sagte der Sibirier auf Planet l im Zwitt-System. „Kann ich nicht. Damit stoße ich die Schwarzen Weißen ja mit der Nase darauf, wo Terra zu suchen ist." Plötzlich hatte Bultons Stimme eine andere Klangfarbe. „Doorn", sagte er schwer atmend, „die GSO hat auf Terra einen Schwarzen Weißen, der mit entarteten Robonen zusammenarbeitete, festgenommen." Auf Planet l schwieg ein Mann. „Bulton, ich bin nicht der Mann, der große Entscheidungen zu fällen hat, aber wenn das wahr ist, was Sie gesagt haben, dann geht Terra einer gefahrvollen Zeit entgegen. Haben Sie Nachricht vom Commander?" fuhr der bullige Sibirier nach einer kurzen Pause fort. „Was? Sie wissen nicht, wo der Ringraumer steckt, Doorn?" „Hätte ich sonst seit Tagen versucht, diesen verdammten Mystc rious-Sender in Betrieb zu bekommen?" „Sie müssen ihn finden, Doorn. Sie mit Ihrem Sender kommen bis ans andere Ende der Galaxis. Doorn, der Commander muß so schnell wie möglich nach Terra zurück." „Leichter gesagt als getan. Ich versuche, ihn zu finden. Ich melde mich in genau vier Stunden Normzeit wieder." Im Brana-Tal gab man nicht auf, wenngleich sich von Stunde zu Stunde deutlicher abzeichnete, daß es wahrscheinlich unmöglich war, dem Schwarzen Weißen sein Wissen gewaltsam abzunehmen. Eylers hatte ein paarmal aus Alamo Gordo angefragt und war immer wieder auf später vertröstet worden. Dann hatte ihn der Stab der TF von Doorns Funkspruch unterrichtet.
Ren Dhark wieder einmal verschollen! Und achtzehn Ringraumer, die den Befehl hatten. Planet l im Zwitt-System anzufliegen, waren dort nicht angekommen. Henner Trawisheim war nicht zu sprechen, er saß seit Stunden mit den Offizieren des Stabes zusammen, um die Verteidigung des Sol-Systems noch einmal in allen Punkten durchzugehen. Niemand hatte es bisher ausgesprochen, und die Terraner ahnten nichts von der drohenden Gefahr, aber bei der TF war man überzeugt, daß ein Angriff der Schwarzen Weißen bevorstand. Eylers' Vipho meldete sich. Ein Arzt aus der Medo-Station der GSO blickte ihn unruhig vom Schirm aus an. „Eylers, wir können für das Leben der sechzehn Robonen nicht mehr garantieren. Sie sind irgendwie anders - entartet." Dessen Alltagsgesicht wurde starr und seine Stimme leise, fast zu leise. Drohung sprach aus ihr. „Was haben Sie mit den Männern angestellt, Horris?" „Nichts. Oder doch, wir haben alles versucht, den Verfall aufzu 100 halten, aber jeder Versuch ist fehlgeschlagen." „Ich bin in fünf Minuten bei Ihnen." Drei Sperren passierte er, bis er vor den Betten stand, in denen sechzehn entartete Robonen lagen. Unheimlich hatten sie sich verändert. Männer, die vor ein paar Stunden noch jung, gesund und kräftig gewesen waren, sahen nun wie hundertfünfzigjährige Greise aus, die kurz vor dem Sterben stehen. „Hier nicht!" sagte Horris schnell, als er bemerkte, daß Eylers sprechen wollte. Im Stationszimmer trafen sie neben drei weiteren GSO-Ärzten die beiden Professoren Smith und Bracking an. Die Medo-Station hatte die Experten zu Rate gezogen. „Rätselhaft, Eylers", erklärte Bracking. „Die Zellen nehmen kei nen Sauerstoff mehr auf. Wir haben Echri Ezbal befragt, leider kann er uns auch keine Erklärung geben. Diese sechzehn haben höchstens noch eine Stunde zu leben." Er war ein guter Prophet. Achtundfünfzig Minuten nach dieser Angabe waren alle sechzehn tot. Todesursache: Sauerstoffmangel! Die Lungen der entarteten Robonen hatten dem Blutkreislauf keinen Sauerstoff mehr zugeführt.
Drei Leichen wurden zur großen Klinik von Alamo Gordo geflogen. Dort sollte die Obduktion die Ursache des unerklärlichen Lungenversagens ans Tageslicht bringen. Bernd Eylers wartete in seinem Büro auf den Befund, als das Brana-Tal ihn anrief. Ezbal sprach mit ihm. „Der Schwarze Weiße ist tot, gestorben am Lungenversagen. Aber wir können den Grund nicht entdecken, Eylers. Wir sind ratlos!" Die Ärzte in Alamo Gordo, die die Leichen seziert hatten, konnten auch keine Erklärung abgeben. In Bernd Eylers' Arbeitszimmer brannte weit nach Mitternacht noch das Licht. Der Mann, der für die Sicherheit Terras verantwortlich war, zerbrach sich den Kopf, wie er dieser Aufgabe ge 102
recht werden konnte.
Die Spur, die sie in den Händen gehalten hatten, war ihnen wieder entglitten. Dieser Schwarze Weiße, gestorben vor ein paar Stunden im Brana-Tal in der Cyborg-Station, was hatte er erfahren und was hatte er an sein Volk weitergegeben? Stand die Invasion Terras durch die Doppelkugelraumer der schwarzen humanoiden Rasse dicht bevor? Nicht einmal der Mann, der ständig über die wichtigsten Ereignisse informiert war, konnte darauf eine Antwort geben. Jos Aachten van Haag und die vier Cyborgs mußten damit fertig werden, die All-Hüter bei der Tätigkeit zu sehen, die genau dem Begriff All-Hüter entsprach. Sie standen auf einer Galerie in einer Hohlkugel, die in ihren Maßen einem l .000-Meter-Raumschiff glich. Die Galerie umlief die innere Wandung der Kugel in Höhe des Äquators. Sie war ein geschlossener Ring von mehr als dreißig Metern Breite mit einer niedrigen Brüstung. In unregelmäßigen Abständen war dieses Geländer, das einen ungestörten Blick sowohl nach unten als auch noch oben zuließ, mit Schaltpulten bestückt, hinter denen Giants in scharlachroten Uniformen saßen und keine Notiz von den fünf Terranem nahmen, die sich langsam näherten. Jos' Blick hatte sich an einem Punkt im Zentrum der Hohlkugel festgebrannt. Fünfhundert Meter von ihm entfernt, auf gleicher Ebene, auf der er sich mit den Cyborgs aufhielt, stand im Zentrum eine kleine, blau leuchtende Kugel, von der Strahlbahnen in glei-
cher Farbe nach allen Richtungen abgingen. Aber es waren nicht die einzigen Bahnen, die er sah. Viele andere, die kreuz und quer verliefen, durchschnitten die ersten, und jeder Schnitt- und Berührungspunkt war durch einen kugeligen Knoten zusätzlich markiert. Der GSO-Mann hatte die niedrige Brüstung zwischen zwei 103 Schaltpulten erreicht und blickte in die Tiefe. Dort unten stand ein Gitterwerk, ebenso eindrucksvoll und verwirrend wie das über ihm. Doch keine einzige Strahlbahn traf die blauschimmernde, fugenlose Innenseite der riesigen Hohlkugel. Jede endete davor, und ihr Ende war durch einen Knoten gekennzeichnet, der im Gegensatz zu den anderen in rotem Farbton leuchtete. Eine winzige Veränderung in diesem verwirrenden Gitterspiel sich kreuzender Strahlbahnen lenkte seinen Blick nach links. Eine Strahlbahn flackerte in rhythmischem Leuchten grellweiß. Die beiden Knotenpunkte ebenfalls. Und dann entdeckte er, daß dieses Grellweiße von links auf den Mittelpunkt zulief. Jos Aachten van Haag kniff unwillkürlich die Augen zusammen, denn im Bereich der andersfarbigen Strahlhahn war etwas Neues hinzugekommen: leuchtende, scharf abgegrenzte Punkte, die an Sternbilder erinnerten. Er reagierte normal, als er sich hilfesuchend nach den Cyborgs umdrehte, die dicht hinter ihm standen und mit ihrem logischen System dieses grandiose Bild in sich aufnahmen. Marc Carrell, der Cyborg der neuen Serie, schaltete auf normal zurück. Seine Augen hatten den gleichen Ausdruck, der auch bei Jos zu beobachten war. „Einmalig!" sagte er schwer und legte seine Hand auf die Schulter des GSO-Mannes. „Das ist die Überwachung der Transmitter-Straßen! Diese Giants sind wirkliche All-Hüter. Sie hüten das All, durch das die Transmitter-Straßen laufen." „So?" Der mißtrauische GSO-Agent kam bei Jos zum Vorschein. „So einfach soll das alles sein? Wir kommen durch Zufall hier an, man befördert uns in die Tiefe, schickt uns durch einen Konkavspiegel und zeigt uns dann alles mit einer Bereitwilligkeit, die anomal ist. Oder, Carrell?" Sein Blick fiel aufJimmy. Jos griff nach Carrells Arm. „Schauen Sie sich den Köter an." Der machte keinen besonders friedfertigen Eindruck. Die Zunge stand starr aus dem Maul, und der gefährliche Abstrahlpol war auf ein Schaltpult gerichtet, an dem drei Giants saßen. „Jimmy, was ist da los?"
Jimmy antwortete nicht. Er handelte nach der Auswertung seines Suprasensors und dessen Speicherteil. Die Robotkonstruktion setzte eiskalt den BiasterStrahl ein! Drei der vier Cyborgs hatten noch auf ihr Zweites System geschaltet. Sie versuchten den Scotch an seinem wahnsinnigen Angriff auf die bewegungslos hinter dem riesigen Schaltpult sitzenden Giants zu hindern. Holger Alsop riß Bram Sass und Lati Oshuta zurück. Jos Aachten van Haag hielt den Atem an. Die drei Giants hinter dem Kom mandopult drehten sich ruckartig um. Ihnen galt Jimmys tödlicher Angriff gar nicht, sondern drei Schatten, die im Bruchteil einer Sekunde aus dem Nichts entstanden waren und nun menschenähnliche Umrisse erhielten! Die Cyborgs rissen ihre Biaster hoch! Sie griffen an wie der Robothund. Sie schössen auf Gespenster, wie schon einmal auf Schatten im Industriedom von Hope geschossen worden war. Vernichtet sie! Vernichtet sie! So gellte in Jos' und Carrells Kopf der telepathische Ruf der Giants. Die Schatten jagten davon. Menschen? Oder schon wieder entartete Cyborgs? Hielten sich Schwarze Weiße unbemerkt in der Kontrolle der Transmitter-Straßen auf, und nur Jimmy mit seinen robotischen Fähigkeiten hatte sie entdeckt, weil er schon einmal im Industriedom mit Schatten seine Erfahrungen gemacht hatte? Blitzschnell war eine energetische Sperrwand vor den fliehenden Schatten, die nach wie vor unter Blasterfeuer lagen, errichtet worden. 104 Sie war keine Sperre! Die Schatten durchbrachen sie! Die Schatten nahmen im Moment des Durchbruches menschliche Formen an, aber sie wurden nicht deutlich genug, um die Terraner erkennen zu lassen, mit wem sie es zu tun hatten. Dann war das Blasterfeuer wirkungslos geworden. Es prallte an der hochenergetischen Sperre wirkungslos ab. Jimmys und die Cyborgs stellten das Feuer ein.
Hinter der von Giants errichteten Sperre war der Spuk verschwunden. Wenn er sich genauso verhielt wie die Schatten im Industriedom, dann war er längst wieder ins Nichts zurückgekehrt... Einer der drei Giants vom Schaltpult kam auf sie zu. Aber hatte der All-Hüter immer noch nicht begriffen, daß die Entdeckung der Gefahr auf Jimmys Konto ging? Er beachtete den Hund nicht, auch nicht die drei Cyborgs, die immer noch ihr Zweites System eingeschaltet hatten, sondern nur Marc Carrell und Jos Aachten van Haag. Wer ist der mit dem kranken Gesicht, Kranker? Auf jede Frage war der GSO-Mann vorbereitet gewesen, aber nicht auf diese. Entgeistert, nicht in der Lage, klar zu denken, starrte er den mehr als zwei Meter fünfzig großen Giant an. Dieser All-Hüter wollte wissen, wer Chris Shanton war, statt eine Erklärung für das dreifache Auftauchen von Schatten, die davongelaufen waren, einzuholen. Jos atmete erst einmal tief durch, setzte zum Sprechen an und wurde sich bewußt, daß dieser Giant aller Wahrscheinlichkeit nach seine Gedanken lesen konnte. Das Raubtiergesicht veränderte sich nicht, als Jos seine Gedanken auf die Antwort konzentrierte. Sie mußte jedoch zur Zufriedenheit des Giants ausgefallen sein, denn die nun folgende Aufforderung war freundlich und klar: Folge mir, damit du auch nicht länger ein Kranker bist! In diesem Moment fühlte Jos wieder die Beschwerden in seinem Gesicht, und ihm, dem sonst so mißtrauischen GSO-Mann, kam es 106 gar nicht in den Sinn, hinter der Aufforderung des Giants eine Falle zu sehen. Erst als Marc Carrell ihn zurückhielt und scharf fragte, wohin er gehe, begriff er, daß dieser keinen der telepathischen Impulse empfangen hatte. „Wahrscheinlich Shanton abholen und mich dabei auskurieren." Carrell starrte ihn verblüfft an. „Der Giant hat keine einzige Bemerkung über die drei Schatten gemacht?" „Keine! Nur von Shanton und mir ist die Rede gewesen." „Auskurieren? Sind Sie denn krank? Glauben Sie denn, die Giants könnten Ihnen helfen?" fragte der Cyborg mit leichtem Spott in der Stimme. „Wir haben Roboter vor uns." „Aber verdammt kluge, Carrell, und gerade ich vertraue ihnen. Nur weiß ich nicht, warum." Jimmy rührte sich nicht, als er mit dem Giant davonging.
Die vier Cyborgs sahen ihm nach. Carrell, der wieder auf sein Zweites System geschaltet hatte, beantwortete Bram Sass' Frage in gleichmütigem Ton: „Vielleicht sehen wir beide bald wieder. Vielleicht auch nicht." Eine Blechstimme tönte dazwischen: „Sie kommen wieder, und dem Dicken geht es prima." Jimmy sah sie der Reihe nach an, nickte dann, wie ein Hund nickt, und trollte sich zur Seite. Er wollte freies Schußfeld haben. Sein suprasensorisches Innenleben hatte die drei Schatten, die er nur mit Hilfe seiner Ortungen entdeckt hatte, nicht vergessen. Marc Carrell studierte mit seinen Kameraden wieder das Gewirr der blauleuchtenden Strahlbahnen mit ihren Knotenpunkten. Eine Transmilter-Straße war nach wie vor in Betrieb. „Könnte der Doppelpunkt über dem linken äußeren Knoten nicht das Col-System sein?" fragte Lati Oshuta. „Möglich", erwiderte Holger Alsop. „Vielleicht hat Terra über Hope Spezialisten zu dem Planeten geschickt, der auf dem Grund seines Ozeans eine Raumschiffwerft der Mysterious besitzt." Er traf mit seiner Vermutung mitten ins Schwarze. 107 Dockyard, wie jemand diesen Planeten getauft hatte, von dem man immer noch nicht wußte, wo im Sternenmeer er lag, erlebte eine Experteninvasion. Mehr als dreitausend Ingenieure, Techniker und hochqualifizierte Monteure waren von den Bandstraßenwerften Terras abgezogen, mit drei Ringraumem und einer unwahrscheinlichen technischen Ausrüstung nach Hope geschafft worden und hatten von dort unter Leitung von Manu Tschobe die Transmitter-Straße nach Dockyard benutzt. In einem einzigen Angriff war der wilde Dschungel um die Gegenstation auf Dockyard niedergebrannt worden und damit der Weg zur unterseeischen Werft der Mysterious frei. Das allgemeine Funkverbot zwischen der Expeditionstruppe auf Dockyard und Hope oder der Erde durfte nur im Fall größter Gefahr durchbrochen werden, denn unter allen Umständen sollte die vermutlich exakt arbeitende Hyperfunk-Überwachung der Schwarzen Weißen nicht dahinterkommen, daß Dockyard inzwischen von Terranem besetzt worden war. Zwei Stunden später, nachdem der letzte Mann aus der Transmitterkugel getreten war, lag die galaktische Position Dockyards fest. Eine Meisterleistung der Astronomen. 11.849 Lichtjahre trennten Hope und Dockyard!
Die tragbaren Ortungsgeräte meldeten während der gesamten zweistündigen Aktion immer wieder: Fremdortung unbekannter Art. Ursprungsort nicht w lokalisieren! Diese Meldung war für Manu Tschobe nichts besonderes, hatte dies doch schon Jimmy, der Robothund des Zweizentnermannes Shanton, während ihres ersten Besuches auf Dockyard festgestellt. „Keine Aufregung, Leute, dies ist ganz normal. Wir werden nur abgetastet. Aber die Anlage wird uns als berechtigt anerkennen." Tschobe wimmelte die besorgten Hinweise der Ortungsspezialisten ab - ihn störte die immer wiederkehrende Meldung nicht! Und dann erlitten Tschobe und die Experten einen Schock! Wo Chris Slianlon und Manu Tschobe vor nicht allzu langer Zeit auf elf Bandstraßen den endlosen Arbeitstakt der Ringraumerherstellung hatten betracliten können, empfing die Männer jetzt nur noch das für Mysterious-Einrichtungen typische blaue Licht, dessen Ursprung nirgends zu erkennen war! Die Druckkörper der kleinen Ringraumer lagen auf dem Boden auf, rings um sie verstreut waren noch nicht eingebaute Aggregate abgestellt! Fünfundachtzig Meter durchmaßen diese Kleinausgaben der POINT OF, und der Durchmesser der Druckkörper belief sich auf rund fünfzehn Meter. Wie die Raumer von innen aussahen, hatten die Männer aber bei dem ersten Besuch der unterirdischen Werft nicht erkennen können. Energetische Felder hatten die offenstehenden Schleusen versperrt! Sie hatten nur festgestellt, daß die fertig montierten Raumer am Ende der Montagestraße in ein Depot geschafft wurden, in dem sie wieder abgewrackt wurden. Unitall, das von Terranern bislang mit keinen Mitteln zu bearbeitende Metall der Mysterious, wurde hier wie Butter auseinandergeschnitten und wieder in Rohmaterial verwandelt. Anschließend begann der Produktionszyklus der Miniringraumer erneut, um irgendwann wieder in diesem Depot zu enden! Und dies wohl schon seit endlosen Zeiten! Jetzt war es ebenso ruhig wie damals, aber jetzt rührte sich nichts mehr! Diplom-Ingenieur Matuko Ikuda, der auf Terra verantwortlich für den Zellenbau der neuen To-Raumer war, blickte den Afrikaner ungläubig an. „Ich kann es nicht glauben, was ist hier passiert! Das ist...!" Tschobe war fassungslos. 108
Zusammen mit Ikuda ging er an zwei Ringraumerstraßen entlang. Die Männer mußten den herumliegenden Teilen auswcichen. Der Afrikaner erinnerte sich, welchen Eindruck diese Anlage auf ihn, Shanton und Jos machte, als sie sich hier zum erstenmal aufgehalten hatten. Er trat an einen der kleinen Ringraumer heran und versuchte, die Schleuse zu betreten. Vergebens! Damals wie heute verwehrte ein Energiefeld den Zutritt ins Innere, diese Sperre funktionierte nach wie vor. Entmutigt trat der Afrikaner zurück. Überall gingen zwischen den Bandstraßen die Männer umher, versuchten vergeblich, die Raumer zu betreten und spekulierten lauthals über die neue Situation. Spezialisten vermaßen die Anlage und die wie zufällig hingestreut daliegenden Raumer, nahmen alles auf und versuchten sich ein genaues Bild der unterirdischen Werft zu machen. „Wer oder was hat dies alles hier abgeschaltet? Oh es etwas mit den Ortungsmeldungen zu tun hat?" murmelle Tschobe immer wieder fragend vor sich hin. Der Arzt und Hyperfunkspezialist konnte nicht ahnen, daß er mit seiner Vermutung auf dem richtigen Weg war. Die Anlage, die bei dem ersten Besuch die Gehirnstrommuster angemessen und gespeichert hatte, stellte bei der Überprüfung der neu eintreffenden Personen Abweichungen von der Norm fest. Cyborgs - das Expeditionskorps hatte zwei Cyborgs mit im Team, die speziell ausgebildet waren in Metallverarbcitungsfragen — wurden von der Überwachungsanlage als nicht berechtigt angesehen. Bis zur Klärung durch die Kommandozentrale schaltete die Überwachungseinheit die Werft auf Wartezustand. Mit typischer Robotgeduld wartete sie auf Antwort der viele tausend Lichtjahre entfernten Zentrale — einer Zentrale, die allerdings seit hunderten von Jahren nicht mehr existierte! Aber die Robotzentrale kannte keine Ungeduld - sie halte Zeit bis in alle Ewigkeit. Und bis dahin 110 würde die Produktion stillgelegt sein. Abrupt war Matuko Ikuda stehengeblieben. Er hielt den Afrikaner fest. „Wer hat die Mammuts im Industriedom eingeschaltet? Der Commander etwa? Können wir nach belieben ein- und ausschalten? Oder wer sonst? Sind vielleicht irgendwo in der Galaxis jetzt unsere Gesichter auf Bildschirmen zu sehen?" Ein Schauer fuhr
über Ikudas Rücken, und er blickte sich suchend um. Sein Gesicht wirkte auf einmal gehetzt. Tschobe verzog sein Gesicht und blickte Ikuda fest in die Augen. Er konnte die Gefühle des Diplom-Ingenieurs nachvollziehen. Ihm war es oft auch ähnlich ergangen! „Ich könnte Ihnen auch tausend und mehr Fragen von dieser grundsätzlichen Bedeutung stellen, und Sie könnten mir auch auf keine einzige eine plausible Antwort geben. Mann, Matuko, wir wissen doch nicht einmal, ob die Mysterious noch leben oder nicht. Was kennen wir denn von ihnen? Ein paar Sterneninseln, auf denen sie ihre Spuren hinterlassen haben, und wo wir auf ihre Spuren treffen, bleibt uns der Mund vor Staunen offen. Und von ihrer Technik verstehen oder kennen wir doch sowieso nur einen Bruchteil!" Tschobes Spezialvipho unterbrach das Gespräch. Jon Mikels, ein junger Leutnant der TF, berichtete kurz: „Tschobe, alle Abteilungen liegen still! Wir sind hier überflüssig. Wir bekommen die Produktion bestimmt nicht wieder ins Laufen!" „Okay, geben Sie Order zur Rückkehr, Bitten Sie Füller, den Sicherheitschef, eine Truppe zusammenzustellen. Sie soll hier die Stellung halten, bis unsere Spezialisten von Terra hier sind. Die sollen sich dann mit der Problematik herumschlagen, warum hier alles abgeschaltet ist!" ordnete Tschobe kurz an. Sein nachdenklicher Blick streifte den Mann von den japanischen Inseln. „Ich persönlich glaube nicht, daß die sogenannten Experten hier etwas ausrichten können. Können wir denn auf Hope überhaupt nennenswerte Erfolge vorweisen?" 111 Sieben Stunden später war die Expedition bis auf Füllers Sicherheitstrupp - fünfzig Soldaten - wieder vollständig über den Kugeltransmitter nach Hope zurückgekehrt. Von dort gingen über To-Funk ein paar hundert geraffte und zerhackte Kurzimpulse nach Alamo Gordo, Terra . Die wichtigsten Klartexte wurden Marschall Bulton vorgelegt. Der stöhnte erleichtert auf, nachdem seine Ordonnanz das Zimmer verlassen hatte. „Schöner Saturn, woher hätte die TF die Mannschaften für diese Schiffe eigentlich nehmen sollen?" Und dann genehmigte er sich einen dreifachen Drink! Arc Doorn wurde von dem Ringraumer angerufen, der auf Planet l in Wartestellung lag,
„Wir haben einen Verband von fünfzig S-Kreuzern im Empfang, und wir..." „Ich auch!" knurrte Doorn in seiner gewohnt knappen Art zurück. „Colonel Clark soll sich nach der Landung bei mir melden." Er schaltete ab. Die Frau an seiner Seite sah ihn lächelnd an. „Are, manchmal könnten Sie ruhig einmal etwas gesprächiger sein." „Möglich", brummte er. „Aber wie sieht es mit Ihren Berechnungen aus, Anja? Werden wir es schaffen, den Strukturbruch an der gleichen Stelle wieder entstehen zu lassen, an der die P01NT OF über den Materiesender in ein anderes Universum eingebrochen ist?" Anja Riker, die den mundfaulen Sibirier schon seit ihren gemeinsam erlebten Abenteuern auf Hope gut kannte, zuckte müde die Schultern. Das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht. „Are, ich hatte mir zuviel vorgenommen. Seit einer Stunde weiß ich, daß es unmöglich ist, einen Strukturbruch zweier Kontinua an der gleichen Stelle noch einmal entstehen zu lassen." Der rothaarige Mann nickte nur. Anja brauchte ihm nicht zu sagen, was das bedeutete. Die POINT OF war in einem anderen Weltall, und es gab keine Rückkehr ins heimatliche Raum-Zeit-Gefüge. „Are, warum sagen Sie nichts?" fragte sie ihn, und jetzt schwang wieder Angst in ihrer Stimme mit. Er ging auf ihre Frage nicht ein. „Hoffen wir, daß ich mit dem Planetensender die POINT OF erreiche, wenn es ihr doch noch gelungen ist, wieder zurückzukommen." Aber er sagte ihr nicht, daß er schon vor mehr als zwei Stunden den Versuch eingestellt hatte, Kontakt mit dem Ringraumer zu bekommen. „Warum sollte es dem Schiff nicht gelingen, Doorn? Es ist doch auch aus dem Karmin-Universum zurückgekommen." Hinausgeworfen worden, dachte Are da. Vom Nor-ex hinausgeworfen worden. Aber vielleicht kann sich die POINT OF mit Hilfe ihrer To-Funkkcmonen den Weg wriick bahnen! „Natürlich", sagte er, „die POINT OF ist aus dem Karmin ja auch wieder zurückgekommen, und darum werde ich auf der Frequenz des Schiffes regelmäßig durchrufen!" Impulsiv umarmte Anja Riker ihn, eine Last fiel von ihr ab. „Are, Sie sind ein feiner Kerl!" und dann wirbelte sie hinaus.
Und Riker hat in dir eine palente Frau, dachte er, während er ihr bewundernd nachsah, aber dann dachte er an Doris, seine Frau. Glaubte, sie vor sich stehen zu sehen - glaubte, ihre Stimme zu hören - glaubte, die Wärme ihres Körpers zu fühlen. Der bullige Mann mit der Boxernase und dem grobporigen Gesicht, dem man kaum Sensibilität zutraute - er konnte Anja verstehen! Doorn fand übergangslos wieder zurück in die Realität. Die Wirklichkeit um ihn herum war ganz anders: nüchtern, kalt und teilweise fremd. Mysterious-Technik! „Ihr jagt uns ganz hübsch quer durch die Milchstraße. Der Teu 112 113 fei soll euch holen." Er hatte sie nicht zum erstenmal verwünscht, die Mysterious, diese Geheimnisvollen, die der Menschheit durch die Begegnung mit ihrer Technik vollkommen neue Akzente gesetzt hatten. Der Weg ins Weltall war erst durch sie, die großen Unbekannten, möglich geworden. Colonel P.S. Clark trat ein. Allein, ohne seine Offiziere. Doch die Begrüßung fiel aus. Die planetengroße Funk- und Empfangsanlage fing den Notruf eines terranischen Schiffes auf. Verstümmelt kam der Ruf herein, als ob der Sender immer wieder ausfiele. Sind von... die meisten... A-096 ist als einziger... SO... dinaten Grün 34:0... Blau 123:55,4... S-Kreuwr... Aus! Kein Empfang mehr auf der Frequenz. Doorn sah die Handknöchel bei P.S. Clark weiß werden. Er ahnte, zu welchem Verband das Schiff gehörte, das SOS gefunkt hatte. „Das war eines der Schiffe, die hier nie eingetroffen sind, Doorn. Ich muß zurück. Bis später." Der Colonel hastete hinaus. Doorn folgte ihm langsam. Sein Platz war und blieb auf Planet l im Zwitt-System. Vierundzwanzig Normstunden Ruhe hatten die Körperkräfte der Besatzung wieder regeneriert und auch die Stimmung an Bord der P01NT OF gehoben. Die Ortungen, die tief in den Raum griffen, hatten nichts Bemerkenswertes feststellen können.
Es war 3:10 Uhr Normzeit, als die P01NT OF wieder abilob, zuerst von den A-Grav-Kräften getragen wurde, um in größerer Höhe dann durch den Sie in den freien Raum gerissen zu werden. Langsam versank die Sauerstoffwelt unter ilmen, auf der sie sich 114 24 Terrastunden lang aufgehalten hatten, ohne allzuviel von dem unbekannten Planeten zu sehen. Die Sie-Leistung schaltete sich automatisch höher und hatte schon 0,6 Licht erreicht, als die FunkZ Alarm schlug. Walt Brugg hatte keine Sekunde gezögert, als er den plötzlich stark einsetzenden Hyperfunkverkehr feststellte. Noch während er seine Mitteilung durchgab, verkrampften sich die Hände um die Kanten des Oszillo. Er unterbrach seine Durchsage und begann mit einer anderen. „Dhark, das Neue ist wichtiger. Unser Schiff liegt im Funkschatten! Ich versuche gerade, die Echokontrolle einzusetzen, aber damit komme ich auch nicht mehr durch. Wir können keinen Spruch mehr hinausschicken, aber auch keinen einzigen empfangen. An den Geräten der Funk-Z liegt es nicht." Tino Grappa, der die Durchsage mitgehört hatte, konnte keine Vorkommnisse melden. Seine Ortungen arbeiteten nach wie vor einwandfrei. Der Commander drehte sich kurz zu seinen Offizieren am Checkmaster um. „Sprungkoordinaten auf Grün 43:50, programmieren Sie eine Transition über 20.000 Lichtjahre. Sprung durch den Checkmaster." Die Sie-Leistung stieg auf fünfundneunzig Prozent. Der Brennkreis mit seiner ungeheuren Wirkung beschleunigte die P01NT OF immer stärker und jagte sie der Lichtgeschwindigkeit entgegen. „Sprungkoordinaten erstellt! Checkmaster hat Schiff übernommen!" kam die Meldung an Ren Dhark. Er und Riker hatten bis nach Ende der Transition nichts mehr zu tun. Entspannt saßen sie in ihren Sesseln. Die X-Zeit lief. Ein Routinemanöver auf der P01NT OF. Die Intervalle wurden abgeschaltet und das vor jeder Transition zu hörende Pfeifen setzte ein. Sprung! Er war nicht wie auf den erbeuteten Kugelraumern der Giants, 115
wo jede Transition ein nicht unterdrückbares Angstgefühl erzeugte. Das Flaggschiff der TF hatte seine Position innerhalb des Sternenmeers auf Grün 43:50 um 20.000 Lichtjahre verschoben. Die Sterne, die über die wieder arbeitende Bildkugel in die Zentrale leuchteten, verrieten es. Von der Supernova hinter ihnen war keine Spur mehr zu sehen. Das Licht dieses gigantischen Ausbruches brauchte 20.000 Jahre, um in dieser Region vom Stemenuntergang zu berichten. „Na, Brugg, wie sieht es nun bei Ihnen aus?" fragte Dhark den Funkoffizier. „Alles wieder okay, Dhark. Hoffentlich bleibt es so." „Wie soll ich das verstehen, Brugg?" Walt druckste herum. „Bei uns ist eine Panne passiert, als das Schiff auf dem Sauerstoffplaneten lag. Wie Yogan und auch ich es übersehen konnten, ist mir unbegreiflich. Dhark, die P01NT OF hat von den vierundzwanzig Liegestunden genau zwanzig und eine halbe in einem Funkschatten gelegen." „Und das ist weder Ihnen noch Yogan aufgefallen?" „Wir haben es übersehen. Vielleicht, weil wir zu müde waren." „Okay, Walt. Machen Sie sich nicht verrückt, es wird schon nichts geschehen!" Er wollte abschalten, als er auf dem kleinen Schirm links auf dem Instrumentenpult Bruggs Zusammenzucken bemerkte. „Was gibt es?" „Dhark, jetzt fliegen wir in einen superstarken Störbereich hinein. Als ob rundherum Quasare ständen." Grappa meldete sich nicht. „Brugg, bleiben Sie in der Verbindung, ich schalte die Astronomen dazu." Er fragte aber zunächst bei den Astrophysikern an. „Ja, auch eben von uns festgestellt. Es müssen Quasare sein, Dhark, aber es dauert wenigstens noch eine gute halbe Stunde, bis wir klar sehen." Dhark drehte sich zum Bordgehirn um. ,,Meine Herren, Checkmaster zu der Situation befragen!" Kurz darauf kam das Ergebnis vom Bordgehini. Erfaßte Daten schließen mit absoluter Sicherheit aus, daß Schiff sich Quasaren nähert Der superstarke Störbereich, der sogar den Hyperfunk unterbindet, muß einen anderen Ursprung haben. Kontrollen erforderlich! Die Astronomen und Astrophysiker wurden von der Aussage des Checkmasters informiert. Dort stieß die Nachricht zuerst auf
Unglauben, aber dann war es der junge Mearn, der Lionel auf einen Fehler aufmerksam machte, der diesem unterlaufen war. Er hatte vergessen, die Hochwerte der elektromagnetischen Störung einzukalkulieren. Als er seine Berechnung neu aufgestellt und durch den Suprasensor hatte überprüfen lassen, lag ein Resultat vor ihm, das ihn zwang, bei den Kollegen der Astrophysik anzurufen. „Wir hatten auch schon festgestellt, daß irgend etwas nicht stimmen konnte", wurde ihm vorgehalten, „aber daß gerade Ihnen dieser simple Fehler unterlaufen konnte, Lionel!" Die Rivalität zwischen den beiden Abteilungen kam wieder zum Vorschein. „Ich kann es auch nicht erklären" erwiderte der gerügte Team chef erbost, „beim nächsten Mal, wenn Ihnen eine Panne unterläuft, reibe ich Ihnen Ihren Fehler auch unter die Nase. Ende." Wütend schaltete er die Verständigung ab, und fragte - wie um sich abzureagieren - seine Kollegen, worauf nun die P01NT OF zuflog. „Wenn die Astrophysiker es nicht herausfinden, wie sollen wir..." Er unterbrach den Kollegen. „Reden Sie keinen Unsinn und verschanzen Sie sich nicht hinter der Astrophysik. An die Arbeit, meine Herren. Alle Messungen noch einmal durchführen, und jedes Resultat gleich dreifach auf seine Richtigkeit kontrollieren. Bitte." Die Stimmung in der astronomischen Abteilung war nicht gut. 116 117 In rund 6.500 Lichtjahren Entfernung stand ein Pulk aus fünf Doppelkugelraumern — Schiffe der 700-Meter-Klasse — also Giganten im Gegensatz zur POINT OF. Der Verband flog eng gestaffelt in Keilformation. Eigentlich eine Belastung für jeden der fünf Kommandanten, aber weil sie wußten, was diesmal auf dem Spiel stand, hatten sie die Order, die Formation unter keinen Umständen aufzugeben, bisher streng befolgt. Wer Dro Cimc leitete persönlich den Einsatz - etwas, das es seit vielen Umläufen in der Flotte der Schwarzen Weißen, die sich selbst Tel nannten, nicht mehr gegeben hatte. Ein Wer betrat ein Schiff höchstens zur Inspektion, aber er machte keinen Raumflug mit. Darum hatte Dfasi, Kommandant der ZGUTH, geglaubt, degradiert zu werden, als der Wer sein
Schiff betrat und ihm kurz erklärte, er übernähme die Kommandogewalt. Erst auf dem Flug in den Sternenraum waren Dfasi und auch die vier anderen Schiffskonimandanten über den Zweck des Unternehmens aufgeklärt worden. In seinem Vortrag hatte der Wer unter anderem gesagt: „Wir haben inzwischen eine Erklärung für die Schiffsverluste, die unsere stolze Flotte in der letzten Zeit erlitten hat. Jedesmal, wenn die Verbindung zu unseren Schiffen abbrach, stellte die Strukturüberwachung einen Bruch des Kontinuums im Bereich des Kampfes fest. Dieser Ringraumer, den die Terraner — wie sie sich selber bezeichnen - benutzen, muß aus der Fertigung der Rakes stammen, wenngleich dieses Schiff zum Teil mit Waffen bestückt ist, die uns unbekannt sind. Welche Gefahr dieses Schiff darstellt, wird Ihnen begreiflich, wenn Sie sich unsere Verluste in der letzten Zeit vor Augen halten. Aus diesem Grund hat der Vank, nachdem das Unternehmen der siebzehn Sonnen gescheitert ist, einen Plan ausgearbeitet, der zur 118 Vernichtung des Ringraumers führen muß, wenn wir ihn genau befolgen. Ich bin kein Fachmann, der Ihnen die einzelnen Abläufe erklären kann, aber soviel sei Ihnen gesagt, daß dieses Rake-Schiff in eine Falle einfliegen wird, in der ihm auch die Zeitverschiebung nichts mehr hilft. Sollte sie vom Kommandanten des Ringraumers eingesetzt werden, was von unserer Seite erhofft wird, dann beschleunigt er damit den Untergang seines Schiffes. Mehr als siebenhundert Einheiten unserer Flotte sind an diesem Unternehmen beteiligt. Sie und ich haben die Ehre, die Koordinatoren in diesem Fall zu sein. Studieren Sie bitte nachher die schriftlichen Anweisungen, die Ihnen mein Mih überreichen wird, und halten Sie sich immer wieder vor Augen, daß das Rake-Schiff vernichtet werden muß. Zur nächsten Besprechung werde ich Sie zu gegebener Zeit wieder auf die ZGUTH rufen lassen." Noch dreimal nach diesem Vortrag hatte der Wer sie auf die ZGUTH gerufen. Dreimal hatte er die vorzügliche Koordinationsarbeit lobend erwähnt. Nun saßen sie zum vierten Mal in der Brücke Wer Dro Cimc gegenüber. Mitten im Raum, kaum ein paar Meter von ihnen entfernt, stand freischwebend eine Sternenkarte. Ein rötlich leuchtender Punkt, der langsam seine Bahn zog, war der gejagte Ringraumer. Wer Cimc sichtete die letzten Meldungen, während die fünf Kommandanten sich flüsternd unterhielten und der Projektion hin
und wieder einen kontrollierenden Blick zuwarfen. Als Dro Cimc den Kopf hob und die Unterlagen zur Seite schob, verstummte das Gespräch. Die drei blau funkelnden Diamanten als Verschluß des körpereng getragenen Tiks blitzten grell auf, als sich der Wer zurücklehnte und seinen Blick von einem zum anderen schweifen ließ. „Wir haben die Transition des Ringraumers verfolgen können und seine Sprungspur sogar im Hyperspace festgestell;. Die Wissenschaftler des Vank bezeichnen es als Novum und haben keine Erklärung dafür. Doch mit diesem Problem haben wir uns nicht zu 119 beschäftigen. Uns genügt es, daß das Schiff eine Spur hinterläßt, die es auch durch Transitionen nicht verwischen kann. Im Laufe der drei letzten Zeiteinheiten war jeder Versuch erfolgreich, die Punkanlage des Ringschiffes lahmzulegen. Jeder Suchruf nach dem Raumer, den man POINT OF nennt, der aus jenem Bereich kam, in dem unsere Station zerstört wurde, konnte abgelenkt werden. Im Augenblick fliegt das Schiff einen Sektor der Galaxis an, der eine Pseudoballung von Quasaren darstellt. Unsere Wissenschaftler haben sich die Mühe gemacht, einen Pseudotyp zu entwickeln, den es in unserer Population nicht geben kann. Nach der logischen Wahrscheinlichkeitsrechnung werden die Terraner die Ballung als Quasarenbereich erkennen und darum so weit hineinfliegen, bis wir unsere Falle zuklappen lassen können. Damit läuft nun der letzte Teil des Planes an. Machen Sie jeden einzelnen Koordinator darauf aufmerksam, daß unter keinen Umständen die kleinste Panne geschehen darf. Die Kommandanten der siebeilhundert Einheiten, die auf Qor im gleichen Abstand zum Ringschiff stehen wie wir zu ihm, haben nur die Aufgabe, die Pseudoballung konstant zu halten. Wir allein sind es, die die Falle schließen können. Darum hängt von uns allein der Erfolg des Planes ah." Dro Cimc wandle sich der projizierten Sternenkarte zu. Der Wer sprach flüssig und unmißverständlich. Er deutete den Sektor an, in dem die POINT OF untergehen sollte. Er sprach auch über die negative Auswirkung der Zeitverschiebung, wenn der Konimandant des Ringschiffes sie anwenden sollte. Aber fünf Kommandanten starrten ihn verblüfft an, als er sie aufforderte, Fragen zum Problem zu stellen. Auch dieses Einmalige unterstrich, welche immense Be'deutung der Vank ihrem Unternehmen beimaß. Noch nie in der ruhmreichen Geschichte ihres Volkes waren mehr als siebenhundert Ein-
heiten eingesetzt worden, um ein einziges Schiff, das aus der Produktion der Rakes stammen mußte, zu vernichten. „Wer, wenn das Ringschiff aber transitiert, was passiert dann?" Dro Cimc blickte auf seinen Zeitmesser. Das Gesicht des schlanken, hageren Mannes, der seine elegante graue Uniform über der Brust glattstrich, zeigte ein hartes Lächeln. „Die POINT OF wird nicht transitieren, weil wir sie daran hindern müssen." „Wie können wir das Ringschiff daran hindern. Wer?" fragte Dfasi, der seinen eigenen Mut nicht verstand, inquisitorische Fragen an Dro Cimc zu stellen. „Durch Q!" Zwei Wörter, davon war ein Wort nur ein Buchstabe. Über ,Q' wurde schon seit langem in der Flotte geflüstert, aber es gab keinen Kommandanten, der sagen konnte, auf welcher Basis diese neue Waffe überhaupt wirksam wurde. Unter den fünf Kommandanten brach Schweigen aus. Niemand wagte, eine Erklärung über Q zu verlangen. Q war ein Tabu, und gleich, welche Position einer innehatte: Wer gegen das Tabu verstieß, verwirkte sein Leben. Dfasi durchbrach die Stille, ein Mann, der in zahllosen Einsätzen sein Können bewiesen hatte und dessen Meinung zählte. „Wer, wir behaupten, das Ringschiff würde aus der Produktion der Rakes stammen: Aber dieses Schiff verfügt über eine bislang unbekannte Bewaffnung - die Kampfkraft ist daher schwer einzuschätzen. Angenommen der Fall, die Terraner haben nur die Ringform der Rakes nachgeahmt, ansonsten aber ihre eigene Technik verwendet — kann unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte von uns immer noch behauptet werden, daß wir das Schiff vernichten können?" In der Brücke hielt sogar der Wer den Atem an. Dfasi hatte die Arbeit des Vank in Zweifel gezogen. Dfasi glaubte nicht an den erfolgreichen Ablauf eines Plans, den Wissenschaftler des Vank unter Berücksichtigung aller Möglichkeiten ausgearbeitet hatten! Dfasi hatte sich in diesem Moment als Defätist zu erkennen gegeben — und ein defätistischer Kommandant konnte ohne Urteil als Brennmaterial verwendet werden. Der Kodex der Einheiten 120 121 schrieb es vor. In diesem Punkt war er von unerbittlicher Härte! Die Stimme des Wers hatte metallischen Klang, als er DfasI schneidend scharf fragte: „Sie zweifeln die Arbeit des Vank an?"
DfasI richtete sich in seinem Sessel kerzengerade auf. „Nein, Wer. Ich zweifle die Arbeit des Vank und seiner Wissenschaftler nicht an, aber ich habe Sorge, ob der Kluis auch alle Möglichkeiten in seine Wahrscheinlichkeitsrechnung einbezogen hat. Darf ich daran erinnern, daß er schon dreimal versagte: Das erstemal, als wir die Gillir angriffen und ein Drittel der Flotte verloren. Ein zweites Mal, als die verbündeten Xoxu..." „Genug!" unterbrach ihn der Wer, dessen Oesicht trotz seiner ansonsten tiefschwarzen Hautfarbe jetzt sehmutziggrau aussah. Seine Lippen zitterten, die Nasenflügel bebten, und in seinen grünen Augen stand das Leuchten unkontrollierter Wut. Zum zweitenmal hatte DfasI einen sehr schweren Verstoß gegen den Kodex der Einheiten begangen, denn man sprach nie über die drei Niederlagen — die einzigen in der Geschichte des Volkes. „Ja, genug. Wer!" sagte DfasI, dtfr den Wer trotzig anblickte. „Hoffentlich hat der Kluis auch diese drei Vorkominnisse in seine Wahrscheinlichkeitsrechnung einbezogen. Wenn ja, dann habe ich nichts mehr zu sagen. Dann weiß auch ich, daß wir den Ringraumer der Terraner vernichten werden!" Hatte der Wer seine letzten Worte gehört? Die übrigen Kommandanten waren nicht dieser Meinung, und jeder von ihnen sah in Gedanken schon, wie DfasI als Brennmaterial einem Konverter zugeführt wurde. Durch Wer Dro Cimc ging ein Ruck. Er erllob sich. „Warten Sie auf mich!" Damit stampfte er aus der Brücke. Als er den Funkraum der ZGU l H betrat, wollte ihm der Diensttuende Meldung machen, aber herrisch winkte der Wer ab. „Verschaffen Sie mir eine Blitzverbindung zum Vank, Region Kluis!" Er wollte mit der Gehimzentrale sprechen. Er wollte auch gegen den Kodex der Einheiten verstoßen, wie DfasI es zu tun gewagt hatte. 122 Wer Dro Cimcs Befehl war gehört worden. Der große Sender stieß über den Hyperspace seinen gerichteten Ruf aus. Ein rechteckiger Bildschirm, dessen Ecken abgerundet waren, flammte auf. Das Symbol des Kluis erschien auf der Scheibe. Der Kontakt zur Gehimzentrale des Vank stand. Der Wer sprach offen. Je länger er sprach, um so deutlicher fühlte er das Entsetzen, das sich im Funkraum breitmachte. Von allen Seiten wurde er angestarrt. Viele hielten den Atem an, und
nicht wenige unter ihnen sahen den Wer schon mit Schimpf und Schande aus den Einheiten ausgestoßen. Unverändert blieb das Symbol des Kluis auf dem Bildschirm, aber die Stimme, die über den zweiten Kanal kam, klirrte wie Eis. Herrisch unterbrach der Wer den unsichtbaren Sprecher. „Hier spricht Wer Cimc! Ich benötige keine dummen Belehrungen. Ich verlange nichts anderes, als daß die Wahrscheinlichkeitsrechnung des Kluis in den von mir vorgetragenen Punkten sofort überprüft wird." Hohn klang durch, als die Erwiderung kam: „Wer, Sie scheinen nicht begriffen zu haben, daß Sie mit dem Vankko sprechen." Es gab nur drei Vankko, aber es gab rund fünfzig Wer! Und der Vankko im Kluis unterstand direkt dem Vank, er hatte jederzeit Zutritt zu ihm. Ein Wer aber mußte erst um Audienz bitten, die ihm im günstigsten Fall nach einer Zeiteinheit gewährt wurde. Mit einer unheimlichen Ruhe in der Stimme sagte Dro Cimc: „Es ist mir in diesem Augenblick völlig gleichgültig, mit wem ich spreche, und ich würde auch keine Rücksicht nehmen, meine Forderung in der gleichen Stärke dem Vank vorzutragen. Vankko, ich kenne Ihren Namen nicht, aber ich verlange binnen fünf Brucheinheiten, daß ich Antwort auf meine Fragen erhalte. Des weiteren mache ich Sie darauf aufmerksam, daß der Plan des Vank in der letzten Phase angelaufen ist. Vankko, ich warte nur fünf Brucheinheiten. Warte ich vergeblich, dann breche ich das Unternehmen ab." 123
Als er sieh umdrehte, blickte er in entsetzte Gesichter.
Der Wer hatte dem Vankko gedroht wie noch nie jemand in der
Geschichte ihres Volkes! Mußte er jetzt nicht verhaltet werden
und als Brennmaterial verwendet werden? Alle warteten auf einen
entsprechenden Befehl des Vankko.
Dro Cimc verließ mit einem spöttischen Lächeln den Funkraum.
ich in einer Zeiteinheit. Das Unternehmen werde ich sofort abbre-
chen."
Auf dem Bildschirm verschwand das Symbol des Kluis.
Wer Dro Cimc wandte sich ab. Niemand sah, wie heftig seine
beiden Herzen schlugen.
Die Galgenfrist für Ren Dhark und seine POINT OF war verlängert worden. Eine Brucheinheit verging! Die zweite Brucheinheit verging!
Im Funkraum wurde die Besatzung drei Brucheinheiten nach Dro Cimcs Ultimatum an den Vankko wie von einer Lähmung befallen. Die selbe Stimme, die noch vor kurzer Zeit im Vollgefühl der Macht dem Wer aus der Gehirnzentrale des Vank entgegengeklungen hatte, verlangte jetzt mit allen unverkennbaren Anzeichen einer Panik, Wer Dro Cimc zu sprechen. „Wo ist er? Warum hat er nicht gewartet? Warum erhalte ich keine Antwort? Ich muß den Wer sprechen. Sofort!" Der Diensthabende schaltete sofort in die Zentrale zum Wer weiter. Auf dem Bildschirm vor Cimc erschien das Symbol des Kluis. „Wer Cimc, brechen Sie sofort das Unternehmen ah, aber lassen Sie die Pscudohallung bestehen. Der Kluis hat weder unsere Niederlage im Sektor der Diskotr berücksichtigt, noch die Möglichkeit, daß die Terraner ihren Ringraumer wohl nach dem Vorbild der Rakes gebaut, ihn aber mit ihrer eigenen Technik bestückt haben. Wir benötigen eine Zeiteinheit, um die Wahrscheinlichkeitsrechnung neu durchzuführen und den Plan darauf abzustellen." Wer Dro Cimc bestätigte die Anweisungen. Die anwesenden Offiziere atmeten erleichtert auf. „Vankko, teilen Sie dem Kommando der Einheiten mit, daß ich Kommandant DfasI wegen außerordentlicher Verdienste außerhalb der Serie zum Kewir ernannt habe. Ihre neuen Direktiven erwarte Jos Aachten van Haag sah zwar Chris Shanton, den dicken Diplomingenieur, aber er konnte nicht mit ihm sprechen. Er und der Dicke wurden von den Giants verarztet. Sie behandelten ihre Gesichter. Man hatte Jos ebenso angeschnallt wie den zwei Zentner schweren Mann, der auch auf einem Schwebetisch lag und sich nicht rührte. Von einem Backenbart war nichts mehr zu sehen, den Haarkranz um die Glatze herum gab es auch nicht mehr. Shanton war die sekundären Merkmale seines Geschlechts, auf die er so verbissen stolz gewesen war, in der Welt der All-Hüter losgeworden. Unmerklich fiel Jos in Schlaf. Krachen und Donnern, Beben und Zittern weckten ihn. Als er wieder die Kraft hatte, die Augen zu öffnen, schloß er sie schnell wieder. Die Decke riß auseinander. Der Boden schüttelte sich wie unter einem schweren Erdbeben. Sein Schwebetisch schwankte wie betrunken hin und her, und nur die energetischen Fesseln verhinderten, daß er aus gut anderthalb Metern Höhe zu Boden stürzte.
„Zum Teufel, was ist hier los?" hörte er den orgelnden Baß des Dicken. Giants rannten vorbei, verschwanden. Das Krachen und Donnern nahm an Stärke zu. Scharfe Explosionen klangen auf, und unbeschreibliches Lärmen folgte ihnen. 124 125 Eine besonders laute Explosion erklang neben dem Kopf des GSO-Mannes — und dann... ...dann warerfrei! Die Steuerung seines Schwebetisches war in die Luft geflogen! Er eilte zu Shanton hinüber und schaltete die Steuereinheit aus. „Sie?" schnaubte der Dicke, als er erkannte, wer ihm die Strahlfesseln löste. „Haben Sie dieses Theater ausgelöst?" Die Frage des Diplom-Ingenieurs weckte in Jos einen Verdacht. Die drei Schatten. Waren sie die Urheber der Katastrophe? Neben ihm brüllte jemand in Stentorstärke. „Mein Bart! Meine Haare! Ich drehe diesen Vögeln den Hals rum." Van Haag hatte keine Zeit, sich beim tobenden Shanton aufzuhalten, der seiner altmodischen Manneszierde nachweinte. Alle Giants verschwanden nach links durch ein Schott, das sich nicht mehr schließen konnte, weil die Wand verzogen war. Jos brüllte den Dicken an. „Können Sie Jimmy heranholen? Ja? Dann schnell. Wir haben drei Schatten hier." „Schatten? Welche?" Shanton schnappte nach Luft. Aber die beiden Schatten gab es doch mit dem Tod der entarteten Cyborgs nicht mehr. „Wieso auf einmal drei?" Jos verzweifelte. Der Dicke war von einmaliger Begriffsstutzigkeit. „Verflucht, Shanton, schaffen Sie Ihren Köter heran, oder wir gehen alle vor die Hunde." Die rechte Wand gab nach, eine Wand aus Metall, aber nicht aus ünitall. Ein paar tausend Tonnen schwer, mehr als drei Meter dick, kippte sie in den Raum hinein, der so etwas wie eine MedoStation der Giants gewesen war. Jos und Shanton jagten zur linken Seite zurück. Hier deformierte sich die Scholtöffnung. „Raus!" brüllte Shanton, der seine Angst zeigte und den GSOMann mit sich riß. Dicht hinter ihnen brach der Boden ein. Er hatte den Aufprall der schweren Wandseile nicht ausgehallen. 126
Beide Männer taten zur gleichen Zeit das gleiche: Sie schlössen ihren Raumhelm blitzschnell. Es war auch nötig, denn vor ihnen schmolzen Aggregate, lagen bewegungslose Giants herum oder verbrannten in den Stichflammen, die aus aufgerissenen Verkleidungen Schossen. Shanton manipulierte an seinem kleinen Kommandogerät, mit dem er hin und wieder seiner Robotkonstruktion Befehle erteilte, wenn es dieser angenehm war, ihnen nachzukommen. Van Haag riß seinen Biaster hoch. Links von ihnen mußten sich die Wesen befinden, auf deren Konto diese Verwüstung ging. Dicht neben ihm schlug ein Blasterstrahl ein und verwandelte den Boden in glühendes Gestein. Im gleichen Moment schoß der GSOMann auf gut Glück aus seiner Waffe. Die Wand verging, wo der Strahl sie traf. Jos ließ den Strahl nach rechts wandern. Hier war nicht mehr viel zu zerstören. „Worauf schießen Sie denn?" fragte da Shanton mit Brüllstimine über Helmfunk bei ihm an. „Ich will Schatten..." Da wurde ein Schatten unter der Blasterenergie sichtbar. Die Umrisse eines Menschen?! Aber sahen die Schwarzen Weißen nicht auch wie Menschen aus, wenn man von ihrer schwarzen Hautfarbe absah? Etwas auf vier Beinen sauste an ihnen vorbei. Jimmy war da. Jimmy mit der Zunge aus der Schnauze, Jimmy, der Robot, schoß mit allen Energiereserven. Abwechselnd mit Biaster und mit Schocker! Er machte den zweiten Schatten sichtbar. Und dann riß es beide Schatten um! Zwei Schatten am Boden! Zwei Schatten, die ihre schattenhaften Glieder verdrehten und verrenkten. Schneller als seine menschlichen Begleiter stand Jimmy bei den Schatten. Der Abstrahlpol pendelte zwischen seinen beiden Opfern, die er nicht aus den Augen ließ, hin und her. Er glich einem Hund, der darauf wartete, seine Beute anzuspringen und zwischen 127 die Fangzähne zu nehmen. „Der dritte scheint nicht in diesem Raum zu sein", Jos sagte es im Selbstgespräch. „In Deckung!" gellte es ihnen über den Helmfunk in den Ohren. Sie warfen sich zu Boden. Dicht über ihrem Rücken zischle ein Blasterstrahl hinweg.
Jimmy griff wieder aktiv ein. Aber andere von der anderen Seite auch. Die vier Cyborgs waren aufgetaucht. Der dritte Schatten stand im Blasterfeuer. Auch dieser Schatten ging zu Boden. Blitzschnell waren zwei Zentner Lebendgewicht über ihm, und eine sehnige Faust schlug dorthin, wo normalerweise das Kinn zu sein hatte. Shanton, der danach kniete, rieb sich seine rechte Hand. Aber wieviel menschlich verständliche Freude und Genugtuung lag in seiner Bemerkung, die die anderen über Helmfunk hörten: „Mann, habe ich dem eine gescheuert." Plötzlich wimmelte es von Giants. Sie schafften ihre Toten hinaus, als würden sie Unrat forträumen. Von den Schatten auf dem Boden zwischen den immer noch flammenspuckenden, schmelzenden Aggregaten nahmen sie keine Notiz. „Die Giants hat noch nie jemand richtig verstanden", sagte Shanton unzufrieden und tastete dabei den dritten Schatten ab, dem er den Kinnhaken versetzt hatte. „Aber diesen Burschen hier kann ich fühlen, doch nur als Schatten sehen. Ich habe doch keine verdrehten Augen im Kopf." Er blickte auf und sah Holger Alsop an. „Sehen Sie ihn mit dem Zweiten System anders als ich, Al sop?" „Auch nur als Schatten." Jos war mit Bram Sass und Marc Carrell zu den beiden anderen gegangen, die von schweren Trümmerstücken zu Boden gerissen worden waren. „Die sind tot", sagte Jos Aachten van Haag nach kurzer Untersuchung ungerührt, und wollte noch mehr sagen, als er in seinem Kopf die Frage hörte: Ihr seid weiß, die drei anderen aber sind schwarz.. Wißt ihr etwas über sie? Eine Stunde später konnten die Terraner diese Frage der Giants immer noch nicht beantworten, obwohl die drei Schwarzen Weißen, von denen zwei tot waren, ihr Schattendasein aufgegeben hatten. Fünf Giants, die den Terranern dadurch aufgefallen waren, daß sie ständig zusammenblieben, mußten wohl über medizinische Kenntnisse verfügen, denn sie untersuchten den dritten mittels aller möglichen Instrumente. Bram Sass und Lati Oshuta, die als einzige Cyborgs jemals mit Robotern der Schwarzen Weißen zusammengekommen waren, konnten hier auch nicht weiterhelfen. Eigenartig war dazu, daß die Giants nicht einen Versuch unternahmen, mit ihren Besuchern in telepathischen Kontakt zu treten.
Plötzlich ging eine starke Veränderung mit dem Schwarzen Weißen auf dem Untersuchungstisch vor sich. Die giantische Fünfergruppe wurde von einer unerklärlichen Aktivität erfaßt. Schlangenzischen war zu hören. Neue Geräte wurden herangefahren, und als dem Schwarzen Weißen eine Maske über Mund und Nase gestülpt wurde und leises Zischen zu hören war, begriffen die Terraner, daß auch das Leben des dritten Gefangenen gefährdet war. Zehn Minuten später war er tot. Seine Lungen haben sich geweigert, Sauerstoff aufzunehmen! Die Schwarthäutigen sind anders als ihr. Jeden von euch können wir kunstlich mit Sauerstoff versorgen, aber keinen Schwanhäutigen! „Warum nicht?" fragte Jos Aaehten van Haag. Aber der GSO-Agent erhielt keine Antwort darauf. Die Cyborgs standen nur ruhig daneben und registrierten alles. Kurz darauf führte man die Männer hinaus, nur von einem Giant begleitet. Sie waren wieder ahnungslos, als sich nach einem kurzen Weg über einen hell beleuchteten Gang linker Hand ein Schott öffnete und sie aufgefordert wurden, einzutreten. 128 129 „Kann nicht stimmen", warfJos ein. „Jimmy hätte sie entdecken müssen!" Und er dachte zugleich an dessen erstklassige Ortungsanlage, die ihm der Dicke eingebaut hatte. „Moment!" polterte Shanton, bückte sich nach Jimmy, öffnete mit schnellem Griff seine Bauchdecke und betätigte einen Schalter. Die Blechstimme des Scotchterriers klang auf. Er gab seine gespeicherten Erkenntnisse ab. Ortungsanlage blockiert. Waffensystem gesperrt. Funksektor lahmgelegt. In dieser Tonart ging es ununterbrochen weiter. Doch dann hatte der Speicheneil etwas anderes auszusagen. Noch vor Passieren des Konkavspiegels wurden die Sperren langsam wieder abgebaut. Seine Individualortung hatte drei Personen erfaßt, die nicht zu erkennen und im nächsten Moment verschwunden waren. Hier auf der Galerie wurden sie zum zweiten Male erfaßt und unter Blasterfeuer genommen. Durch den Beschuß zeigten sie sich als Schatten. Shanton hatte seine Gedanken völlig auf Jimmys Angaben konzentriert. Auch die auf telepathischer Grundlage lauschenden Giants erhielten auf diese Weise sofort alle Informationen.
Der Dicke hatte Jimmys Bauchdecke wieder geschlossen und richtete sich auf. „Einen Augenblick keine Störung, meine Herren. Ich möchte den Giants zusätzliche Informationen liefern und zugleich auch eine Reihe von Fragen stellen. Der gesamte Kom plex betrifft unseren Zusammenstoß mit den beiden entarteten Cyborgs, den Schwarzen Weißen und der Vernichtung des Doppelkugelraumers." Er konzentrierte sich darauf, während er aus zwei Paar Raubtieraugen unverwandt angeblickt wurde. Die sie begleitenden Giants lauschten. Wir keimen keine Schiffe, wie ihr sie gesehen habt! Es wurde immer unwahrscheinlicher. Die Giants kannten auch die Kugelraumer ihrer Artgenossen nicht. Der Cal war ihnen ein unverständlicher Begriff! Schilfe 134
vom Typ des Ringraumers wollten sie noch nie gesehen haben!
Und in ihrem Wissen gab es nicht den kleinsten Anhaltspunkt über
die Mysterious.
„Wie bei den Cal-Giants!" stellte Alsop fest, der in der Zeit seines Studiums, als er robonische Entwicklungslehre belegte, auch alle Informationen über die Giants gesammelt hatte. Die beiden hellgrauen Raubtierwesen in der mausgrauen Uniform hatten auf die Frage, wer denn die Kantine eingerichtet hätte, nur die lapidare Antwort: Sie war schon immer da! „So kommen wir nicht weiter", stellte Marc Carrell fest. „Wir selbst sind keine Experten. Wir sollten so schnell wie möglich Terra unterrichten, und am besten diese beiden Giants bitten, uns zur Erde zu begleiten." Die Überraschung ließ nicht auf sich warten. Wie soll das denn geschehen ? „Natürlich über die Transmitter-Straßen." Sie sind jedem All-Hüter verschlossen! „Sterne und Boliden", fluchte Jos Aachten van Haag, „jetzt reicht mein Verstand nicht mehr aus, um auch das noch zu begreifen." Durch den SOS-Ruf, der verstümmelt auf Planet l aufgefangen worden war, konnte die Position des S-Kreuzers, der sich in Raumnot befand, genau bestimmt werden. Mit höchstzulässiger Beschleunigung hatte Colonel P.S. Clark mit seinem Verband von fünfundvierzig Ringraumem - der Rest
blieb als Reserve zurück - das Zwitt-System verlassen, war durch den Strahlenschlauch der Sternenbrücke in den freien Raum gebrochen und transitierte schon zwanzig Minuten nach dem Start von Planet l. Colonel Clark, der sein Schiff, die QUEEN KELLY, selbst führte, 135 wartete immer ungeduldiger auf die Meldungen. Als sie nicht einliefen, beorderte er C-234, C-235 und C-236, das Gebiet mit höchster Geschwindigkeit zu umfliegen. „Vermeiden Sie aber Transitionen. Wenn es hier nicht geheuer ist, wollen wir andere nicht mit Gewalt auf uns aufmerksam machen." Die drei S-Kreuzer setzten sich ab und verschwanden im Dunkel des Raumes. Die übrigen Schiffe suchten nach Plan weiter. Ihre Ortungen stießen tiefer ins All vor. Drei Meteoriten konnten die Spezialisten nur für ein paar Minuten täuschen, dann waren sie als tote Gesteinstrümmer erkannt. P.S. Clark ließ das Resultat der Funkpeilung noch einmal überprüfen und verglich den Standort seiner Schiffe mit den angegebenen Koordinaten. Unzufrieden sagte er zu seinem Kopiloten: „Wir können ein paar tausend Kilometer vom genauen Punkt entfernt sein, aber was spielt das schon für eine Rolle. Zum Donnerwetter, eins der Schiffe..." „Colonel", kam der Durchruf aus der Funk-Z, „wir empfangen auf der Spezialviphowelle. Standort des Senders: der zwanzigste Planet. Ein übler Bursche mit einer Schwerkraft von 3,2 Gravos, Cyan-Atmosphäre." „Verraten Sie mir doch bitte auch, wie weit wir von diesem Planeten entfernt sind", säuselte Clark über die Verständigung und verriet damit, daß seine Stimmung nicht gerade die beste war. „382 Millionen Kilometer." „Okay. Verbindung mit C-241 und mit C-246. Ich muß die beiden Kommandanten sprechen." Acht Minuten später setzten sich die zwei S-Kreuzer zum zwanzigsten Planeten ab. Auf dem Bildschirm verfolgte Clark, wie die Schiffe schnell kleiner wurden und dann in der Raumtiefe versehwanden. Die ersten Meldungen liefen von den drei Ringraumem ein, die das System vor der äußeren Bahn umrunden sollten. „An Colonel Clark von C-235. Keine Beobachtungen, nur FunkZ fängt auf der Frequenz der Spezialviphos Blips auf, die vom zwanzigsten Planeten kommen."
„Die auch", sagte Clark halblaut und drehte sich mit seinem Sessel um. In der rechten Ecke der Kommandozentrale arbeiteten drei Offiziere am Suprasensor. „Überprüfen Sie doch noch einmal alle Möglichkeiten, aber ganz besonders den Fall einer Fehltransition. Wie sonst sollte der vermißte Verband in diese Ecke der Galaxis kommen." Er hatte nicht lange auf die Auswertung zu warten. „Colonel, eine Fehltransition, die den Verband in diesen Sektor gebracht haben könnte, ist völlig ausgeschlossen." „Auch bei einem glatten Versagen des Bordsuprasensors?" wollte Clark wissen, der wie jeder andere S-Kreuzerkommandant bedauerte, daß die erbeuteten Ringraumer keinen Checkmaster besaßen. Deshalb hatte man aus der Not eine Tugend gemacht und allen S-Schiffen hochwertige Suprasensoren als Bordgehirne eingebaut. „Dann müßte der Suprasensor schon besoffen gewesen sein." „Wie bitte?" fuhr Clark dazwischen, der die geflüsterte Bemerkung verstanden hatte. „Bei der TF gibt es nichts, was besoffen sein kann! - Wenigstens offiziell", fügte er dann noch schnell hinzu und grinste leicht. Für sich selber dachte er Oder bei Anordnung! und erinnerte sieh dabei an seine Ausbildungszeit in der Callisto-Akademie. „Sorry, Colonel", entschuldigte sich der Oberleutnant, dem die Bemerkung herausgerutscht war, „aber auch ein .betrunkener' Suprasensor hätte den Pulk nicht auf diese Position bringen können. Sie liegt allein auf Grün um 123 falsch. Auf Rot kommen wir sogar auf 167. Der Verband kann doch nicht in der Transition eine Drehung um fast 14 Grad gemacht haben." „Dann müßte sich jemand einen üblen Scherz erlaubt haben." Die Funk-Z war wieder da. „Verbindung mit C-242, Colonel." 136 137 Von diesem S-Kreuzer kam die Meldung: „Wir empfangen die Blips eines Spezialviphos immer deutlicher, aber auf alle Durchrufe haben wir bisher keine Antwort bekommen." „Halten Sie höchste Alarmbereitschaft!" mahnte Clark den Kommandanten der C-242. „Mir gelallt die Sache immer weniger." Kurz darauf setzte er einen Lagebericht über To-Funk nach Terra ab.
„Wo stecken Sie, Colonel?" kam vom Stab der TF die Rückfrage. „Sie haben Planet l wieder verlassen?" Verblüfft musterte der Offizier im Funk des Stabes seinen Kontroll-Oszillo. Der zeigte keine Amplitude mehr. Der Kontakt zu Clarks S-Kreuzern war unterbrochen. Die Antennen der Ringraumer schössen ununterbrochen Nadelstrahlfeuer. Das Heulen der Aggregate, Konverter und Transformer in den Schiffen wurde lauter. Mit steigender Präzision schössen sich die Offiziere der Waffensteuerungen auf den unheimlichen, hinterlistigen Feind ein. Als Zielpunkte hallen sie nur den Beginn der Kampfstrahlen, die ihnen entgegenschlugen. „Großer Himmel, mit wem haben wir es denn eigentlich zu tun, der uns so nett empfängt?" rief Clark wütend zu den Ortungen. „Keine Auskunft möglich. Gegner nicht zu erkennen. Ortungsschutz ist nicht zu durchbrechen!" lautete die militärisch knappe Antwort, in der alles enthalten war. Unwillkürlich mußte P.S. Clark an die Nogk und ihren verzweifelten Kampf gegen einen unsichtbaren Gegner denken, der erst mit Hilfe von Terras Ringraumem hatte entschieden werden können. Hatten sie es jetzt mit dem gleichen Gegner zu tun? „Treffer!" brüllte der Kommandant der C-247, als nur ein paar tausend Kilometer vor seinem Schiff eine Sonne entstand und innerhalb Sekunden explodierte. 138 Dann ging es Schlag auf Schlag. Die zwölfte Sonne verpuffte. Die dreizehnte war der S-Kreuzer C-249. Er löste sich mit seiner Mannschaft in Atome auf. Von C-241 kam eine Warnung. „Colonel, ein unsichtbarer Raumschiffverband hat den 20. Planeten verlassen und rast Kurs Kampfposition!" Dann gab die C-241 keine Antwort mehr, und von der C-242 kam nur noch der Anfang eines Notrufes durch, der mitten im Wort abriß. Dreizehn Schiffe hatte Colonel P.S. Clark schon verloren, gegen einen Feind, von dem er nichts wußte! Das untere Intervall der QUEEN KELLY stand nicht mehr, das obere wurde durch Strahlvolltreffer bis dicht vor den Zusammenbruch belastet. Clark schaltete den Sternensog ein. Titanische Kräfte, im Brennpunkt entwickelt, rissen das Schiff aus seiner Position und
schleuderten es, während die Andruckausgleicher im Raumer satanisch heulten, dem Inferno entgegen. „Alle Energie auf Antrieb und Intervalle. Waffensteuerung aus!" Clark setzte alles auf eine Karte! Er trat die Flucht nach vome an! Der obere Miniweltraum hielt stand, das untere Intervall baute sich wieder auf! Wunderbar gehorchte das Ringschiff jedem Steuerimpuls. Es raste mit Überlicht dem unbarmherzigen Angreifer entgegen. Der Sternensog arbeitete exakt. Die fremden Intelligenzen an Bord der gegnerischen Schiffe mußten ihn für einen Selbstmörder halten. Dann drang das Schiff in den Gegner ein! Stemensog aus, auf Sie umschalten! Im Schiffsrumpf tobten die dreiundzwanzig halbkugelförmigen Energieerzeuger. Die Andruckabsorber heulten infernalisch auf! Nur noch 0,15 Lichtgeschwindigkeit, weiter fallend! „Volle Energie auf die Strahlwaffen!" Die rosafarbenen, überlichtschnellen Nadelstrahlen tobten sich 139 nach allen Seiten aus. Alle Antennen des Ringraumers waren auf Waffe geschaltet worden. Der S-Kreuzer konnte in dieser Lage weder einen Funkspruch auffangen noch abstrahlen. Clarks Augen weiteten sich. Die Bildschirme über dem Instrumentenpult zeigten plötzlich mehr als nur das grelle Feuer der Vernichtungsstrahlen. „Dauerfeuer! Dauerfeuer! Draufhallen!" Das Unsichtbare wurde sichtbar. Ein Koloß! Ein irrsinniger Gigant - irrsinnig in der Konstruktion. Sie sind schon wieder da! Sie, die den Nogk die Hölle heiß machen wollten.' Sie mit ihren Riesenstationen! dachte er und wurde bei jedem Gedanken ruhiger. Die QUEEN KELLY war in einer riesigen Halle abgebremst und zum Stillstand gebracht worden! Sein S-Kreuzer traf mit jedem Schuß! Das Unsichtbare wurde unter diesem Überfluß von Fremdenergie sichtbar! Drei weit vorspringende Galerien, die im glosenden Feuer lagen - Galerien, mit schmalen und langen Vorsprüngen und diese schmolzen schon. Dazwischen schattengleich hin- und herrasende Flugkörper. Sie zerplatzten wie trockene Erbsen, wenn sie in einen Nadelstrahl gerieten.
Alle fünfundvierzig Antennen feuerten ununterbrochen. Nicht eine einzige setzte für eine Sekunde aus. Da kam die NEMESIS! Drei andere S-Kreuzerkommandanten hatten Clarks Himmelfahrtsmanöver nicht übersehen. Sie waren mit ihren Schiffen nachgestoßen. Auch mit Hilfe des Stemensogs und im Schutz ihrer Intervalle! Auf vier S-Schiffen feuerten die Antennen, deren Aufgabe es war, den unmenschliehen Gegner zu vernichten. „Colonel, was sehe ich denn eigentlich?" rief der Kopilot seinem Kommandanten hilflos zu. „Verraten Sie es mir, und ich wäre glücklich!" knurrte Clark, der 140 sich die Augen rieb, weil er dieses Irrsinnige, Verbogene und Verdrehte nicht begreifen konnte. Er mußte an Huxley denken, der mit einer ähnlichen Station als erster seine Erfahrungen gesammelt hatte. Was hatte er über ihre Größe gesagt? Acht Kilometer Durchmesser? Eine einzige Station? Die Bildschirme schienen auseinanderzufliegen. Sie wurden mit den gleißenden Stichflammen, den tobenden Explosionen und grellen Energieausbrüehen nicht mehr fertig. Rot! Weiß! Weiß! Und wieder Rot! Rot im grellsten Leuchten! Schatten, die riesige Trümmerstücke waren und quer durch das Innere eines verdrehten Giganten flogen. Und dann kippten sieben Steuerschalter im gleichen Moment in andere Positionen. Clark flüchtete! „Absetzen!" schrie er über To-Funk den Kommandanten der drei anderen S-Kreuzer zu. Hoffentlich hatten sie ihn verstanden. Hoffenilich blieb ihnen noch Zeit, die auseinanderfliegende Hölle zu verlassen! Sie war zu einer Sonne geworden, diese Hölle aus Explosionen, Licht, Energien und Umwandlungsprozessen! Ein Raumer von dreien war ihm gefolgt, die anderen zwei gingen in der künstlichen Sonne, die sich mit rasender Geschwindigkeit aulblähte, unter. Clark hatte keine Zeit, an die vernichteten Schifte zu denken.
Es gab noch eine zweite Riesenstation! Ein Gigant, dessen Ortungsschutz vollständig und dessen Deflektorschirm einzigartig war. Clark brüllte die Namen von drei Kreuzerkommandanten, die ihm bei seinem gewagten Manöver folgen sollten. „Wir folgen!" kam der To-Funkspruch bei ihm an. Die vier Ringraumer flogen im Schutz ihrer Intervalle in das Fremde ein! Die restlichen Ringraumer nahmen die feindliche 142 Station unter Punktbeschuß. Genau sieben Minuten und drei Sekunden später gab es auch das zweite Monstrum nicht mehr. Die Vernichtung der zweiten Station hatte aber noch einmal fünf S-Kreuzer gekostet. Insgesamt hatte Clarks Verband zwanzig Ringraumer verloren. Ringraumer, die bislang als fast unschlagbar gegolten hatten, waren von einem unheimlichen Gegner unglaublich schnell und fast chancenlos vernichtet worden! Die TP hatte den größten Verlust erlitten, seitdem die Terranische Flotte mit den neuen Raumern ausgestattet worden war. Colonel P.S. Clark sprach wieder über To-Funk mit dem Stab in Cent Field. Er kam sich nicht als Feldherr vor, der eine Schlacht gewonnen hatte. Es fiel ihm schwer, zu berichten, zwanzig stolze Ringraumer verloren zu haben. Daß er mit seinem Verband dabei zwei gigantische Stationen eines ihnen unbekannten Gegners vernichtet hatte, erfreute ihn unter diesen tragischen Aspekten nicht mehr. „Kommen Sie mit Ihrem Pulk zurück, Colonel. Zurück nach Cent Field. Larsen und Szardak sind nach Planet l unterwegs und werden dort Ihre Aufgabe übernehmen. Der Stab erwartet von Ihnen sofort nach der Landung einen detaillierten Bericht. Marschall Bulton und Henner Trawisheim werden zugegen sein. Ende." Clark gab die Order an den Restverband und die in der Sternenbrücke verbliebenen Raumer weiter. Dann sah er seinen Erslen Offizier fragend an. „Ich soll dem Stab vortragen. Was denn? Irgend etwas von schwarzen Stationen? Die erklären mich doch für verrückt! Von der Praxis haben die doch sowieso keine Ahnung. Die suchen doch jetzt nur noch einen Schuldigen! Na, schauen Sie mich nicht so dumm an. Was zum Beispiel würden Sie den klugen Stabsoffizieren erzählen?"
Der zuckte zuerst einmal mit den Schultern, dann sagte er: „Daß wir angegriffen wurden und zurückschossen. Daß Sie dann in so ein großes Ding einflogen, und daß drei andere S-Kreuzer nach 143 kamen. Und daß dann das Ding schließlich auseinanderflog. Und kurz darauf das zweite auch." „Das würden Sie dem Stab erzählen, Pentkowski?" „Was denn sonst, Colonel?" „Hm", Clark schüttelte den Kopf und rieb sich das Kinn. „Ich würde so etwas nie zu erzählen wagen. Und nie in dieser Form, denn man beginnt keinen Satz mit ,daß', und man nennt ein ,Ding' niemals Ding." „Colonel, was war es denn? Sagen Sie es mir doch", forderte ihn Oberleutnant Pentkowski auf. „Ich? Ich soll es Ihnen sagen? Wieso denn? Ich weiß es doch auch nicht, wie das verdammte Ding ausgesehen hat." „Sagten Sie .Ding', Colonel?" fragte Pentkowski und brachte sogar ein vergnügtes Grinsen zustande. Die Antwort, die P.S. Clark seinem Oberleutnant gab, war nicht druckreif. Kurs und Geschwindigkeit der POINT OF waren unverändert, und das Flaggschiff der TF näherte sich unaufhaltsam dem Zen trum des immer noch nicht erkennbaren Störungsbereiches. Ren Dhark blickte auf sein Chrono. „Ich gebe den Experten noch zehn Minuten, und haben sie mir dann immer noch keine präzisen Angaben zu bieten, dann gehen wir in Transition." Er drehte sich zu den Offizieren am Checkmaster um. „Programmieren Sie einen Sprung über 8.000 Lichtjahre. Transitionsrichtung wie gehabt." „Du willst also vor und nicht hinter der Dunkelwolke herauskommen, Ren?" fragte Dan Riker, der die Stemenkarte studierte, die ein Astronomenteam erst vor knapp einer Stunde entwickelt hatte, und auf der alle wichtigen Sterne bis auf 10.000 Lichtjahre erfaßt waren. „Warum läßt du unseren Experten plötzlich keine Zeit, zu untersuchen, ob wir es mit Quasaren oder mit einem anderen Phänomen zu tun haben? Auf ein paar Stunden mehr oder weniger kommt es doch nicht an." Dhark warf seinem Freund einen vielsagenden Blick zu. „Du hast Arc Doorn auf Planet l vergessen. Wir haben ihn und seine Assistenten nicht verpflichtet, über unseren Versuch mit dem Ma-
teriesender strengstes Stillschweigen zu bewahren. Erfahren unsere Männer davon, dann werden sie sich fragen, wieso sie so etwas Einmaliges vergessen konnten, und was sich dann daraus entwickelt, können wir nicht einmal erraten. Ich bin froh, daß sie die Erklärung mit der angeblich posthypnotischen Beeinflussung als Wahrheit ansehen!" „Okay. Auch Lügen mit Mentcaps haben kurze Beine. Da, Ren, Lionel will dich sprechen." Er deutete auf die kleine Bildscheibe der Verständigung. Der Bordastronom sah unternehmungslustig aus. „Dhark, wir haben es doch mit Quasaren zu tun, auch wenn der Checkmaster hundertmal das Gegenteil behauptet. Dafür haben wir auch eine Erklärung, denn die Quasare, auf die wir zufliegen, dürfte es nach der Meyrinkschen Kette in unserer Galaxis gar nicht geben. Sie sind, wenn ich die Sterne unserer Milchstraße unter dem Begriff Rasse zusammenfassen darf, rassefremd. Wir haben es mit dem hochinteressanten Fall zu tun, auf Quasare gestoßen zu sein, die sich aus dem Verband ihrer Galaxis vor Abermillionen Jahren trennten und dann vor nicht .allzu langer' Zeit von unserer Population eingefangen wurden." „Haben Sie Ihre Arbeit durch den Checkmaster überprüfen lassen, Lionel?" Der Glanz in den Augen des anderen verschwand. „Natürlich nicht, denn der Checkmaster wird sagen, wir hätten Unrecht, doch in diesem Fall werden wir keinen Schritt von unseren Erkenntnissen abweichen. Im Gegenteil, ich bin beauftragt. Sie zu..." Dhark kappte die Verbindung. „Was ist denn ich dich gefahren?" fragte Dan Riker bestürzt und stellte sofort fest, daß Ren Dhark ihm nicht zuhörte. Er folgte 144 145 dessen Blick, und im gleichen Augenblick verkrampften sich seine Hände um die Lehnen seines Kopilotensessels. Die Wiedergabe der Bildkugel war von erschreckender Fremdheit. Sie zeigte keine Sterne mehr, aber ein fahles Gelb, das aus allen Richtungen auf die POINT OF zustürzte. „Nottransition!" befahl Dhark mit klirrender Stimme. Die Gedankensteuerung meldete sich. Transition nicht durchführbar! Größte Gefahr für das Schiff!
Schalte auf Sternensog und versuche nächsten Planeten w erreichen! Ren Dhark glaubte, mit offenen Augen geträumt zu haben. Seine POINT OF befand sich in Gefahr? Mit aller Energie konzentrierte er seine Gedanken: Zeitverschiebung benutzen! Nichts geschah! Die vermeintlichen Quasare sind keine Quasare, sondern nichts anderes als eine atompische Biegung der Konstanten. Die Zeitverschiebung würde im Bereich der Zeitkonstante w einem Bruch führen und die POINT OF in eines der Universen schleudern. Kein Mensch in der Zentrale verstand den Ausdruck atompisch, auch Ren Dhark nicht, der seit seinem Erlebnis im Zentrum des Planeten Zwitt des Glaubens gewesen war, die Sprache der Mysterious vollendet zu beherrschen. War dieser Begriff erst von den Mysterious geprägt worden, nachdem sie Erron-3 im blaßblauen Universuni angelegt hatten, und nur den Geheimnisvollen in seiner Bedeutung klar, die um das Hauptarchiv wußten? „Sieh dir das an, Ren", sagte Riker mit heiserer Stimme und leiser, als er sonst gewohnt war zu sprechen. Im fahlen Gelb, das den gesamten Weltraum beherrschte, waren Filamente zu sehen, die aus allen Richtungen kommend, nur ein Ziel hatten: die POINT OF! „Sternensog läuft!" sagte Ren Dhark, der nun verstand, warum 146 er mit seinem Schiff hatte transitieren wollen. Sein Unterbewußtsein hatte ihn vor diesen vermeintlichen Quasaren gewarnt, nur zu spät hatte er den Warnungen Gehör geschenkt. Die Filamente, Staubfäden einer Blüte ähnlich, vermehrten sich mit rasender Geschwindigkeit. In ihrer langgestreckten Form, an den Rändern leicht verwaschen und übergehend ins fahle Gelb, verbanden sie sich auf dem Weg zu ihrem Ziel mit vielen tausend anderen, wurden zu einem unordentlichen Geflecht, formten sich mehr und mehr zu einem Strick, der aus groben Fasern bestand. Und diese Strick