Josuah Parker räusperte sich diskret, zu vernehmen waren. In der großen um die Aufmerksamkeit der Lady Wohnhalle schien...
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Josuah Parker räusperte sich diskret, zu vernehmen waren. In der großen um die Aufmerksamkeit der Lady Wohnhalle schienen sich noch oder Agatha Simpson zu erregen. Sie hatte wieder die Gäste zu befinden, die sich gerade ihre Gäste verabschiedet und eben erst von der älteren Dame verabschiedet hatten. musterte durch ihre Stielbrille die Reste »Sehen sie sich des kleinen Festdas an, Mr. Parker«, Dio Hauptpersonen: mahls, das sie an sagte Lady Agatha Jimmy Stocker- er verleiht diesem Abend notanklagend und deuLastwagen mit Inhalt. gedrungen hatte getete mit ihrer Lorben müssen. Gegnette auf eine PlatGary Curtís - baut Fertigschäftsfreunde wate, auf der nur noch Garagen und spielt varen bei ihr zu Gast traurige Reste eines banque. gewesen, und Lady Bratens auszumaButler Parker - serviert Agatha, berüchtigt chen waren, »die Tricks am laufenden geradezu für ihre Leute haben sich ja Band. Sparsamkeit, war direkt schamlos die Lady Agatha Simpson - sie über ihren Schatten Bäuche vollgegesprungen. Sie produziert verrückte schlagen.« hatte sich ein kaltes Theorien. »Myladys Gäste Büfett ins Haus kehrten ins Haus bringen lassen, das zurück«, meldete nach ihrer Einschätzung selbstver- Parker höflich und diskret, »es haben ständlich viel zu teuer war. sich Dinge ereignet, die man nur als Parker räusperte sich erneut, wäh- ausgesprochen peinlich bezeichnen rend im Hintergrund erregte Stimmen kann und sogar muß.« 3
»Wollen sie sich etwa noch mal über das Büfett hermachen?« grollte die passionierte Detektivin. »Zwei von Myladys Gästen wurden ihrer Wagen beraubt«, erklärte der Butler gemessen, »es handelt sich um einen Bentley und um einen Rolls Royce.« »Wie war das?« Sie konzentrierte sich endlich auf ihren Butler. »Man vermißt zwei Wagen, Mylady, die man nicht gerade als billig bezeichnen kann.« »Sie sind gestohlen worden?« »So kann man es selbstverständlich auch ausdrücken, Mylady.« Parker deutete eine knappe, zustimmende Verbeugung an. »Das darf doch wohl nicht wahr sein.« Sie runzelte die Stirn, »Will man mich etwa für den Schaden haftbar machen, Mr. Parker?« »Ansprüche dieser oder ähnlicher Art wurden bisher noch nicht angemeldet, Mylady.« Parker trat zur Seite, als seine Herrin ihre majestätische Fülle in die große Wohnhalle bewegte. Sie war eine Dame, die das sechzigste Lebensjahr überschritten hatte, doch sie strahlte noch eine unbändige Energie aus. Lady Agatha war eine vermögende Frau, die sich jedes noch so verrückte Steckenpferd leisten konnte. Sie hielt sich unter anderem für eine geborene Kriminialistin und war gefürchtet wegen ihrer Direktheit. Agatha Simpson war groß, von stattlicher Fülle und hatte dunkle, schnelle Augen, denen nichts entging. Ihre Gesten erinnerten an die einer exaltierten Schauspielerin, ihre Stimme war mehr als nur baritonal gefärbt. Als sie die Wohnhalle betrat, stand sie ihren Gästen gegenüber, die plötzlich ihre Luxuswagen vermißten. Es waren Frauen und Männer, die solch einen Verlust durchaus verschmerzen konnten. Deshalb dachten sie auch im Traum nicht daran, Mylady Vorwürfe zu machen. »Ich fasse diesen Diebstahl selbstverständlich als eine persönliche Be4
leidigung auf«, stellte Lady Agatha kurz und bündig fest, »ich werde diese Subjekte finden und zur Rechenschaft ziehen. Ist es nicht so, Mr. Parker?« »Mylady pflegen jeden Kriminalfall zu lösen«, kommentierte der Butler diese Frage. Er war etwas über mittelgroß, fast schlank und das Urbild eines nochherrschaftlichen Butlers bester englischer Schule. Parker hatte das glatte, fast ausdruckslose Gesicht eines professionellen Spielers und war die würdevolle Höflichkeit in Person. Sein Alter war nicht zu bestimmen. »Es ging natürlich nicht um diese beiden Wagen«, redete die ältere Dame weiter und wandte sich wieder ihren Gästen zu, »man wollte selbstverständlich mich treffen.« »Eine Herausforderung, die Mylady annehmen werden«, meinte Josuah Parker. »Bringen Sie sich nicht in Schwierigkeiten«, sagte einer der beiden männlichen Gäste warnend, »wir haben ja schließlich noch gleichwertige Ersatzwagen in unseren Garagen.« Agatha Simpson musterte die beiden Ehepaare und schüttelte dann energisch den Kopf. »Sie werden Ihre Wagen zurückbekommen«, prophezeite sie nachdrücklich, »Mr. Parker wird sich dabei um die unwichtigen Details kümmern.« »Wie Mylady zu wünschen belieben.« Parker deutete eine knappe Verbeugung an. »Möglicherweise habe ich bereits schon eine Spur«; hoffte sie, »aber zur Zeit möchte ich darüber noch nicht reden. Das Überraschungsmoment muß auf meiner Seite bleiben.« »Sollte man nicht vielleicht die Polizei verständigen?« fragte der zweite männliche Gast leichtsinnigerweise. Dafür handelte er sich einen fast vernichtenden Blick der älteren Dame ein. »Was versprechen Sie sich davon, mein Bester?« fragte sie grollend, »man wird die Anzeige aufnehmen
und anschließend die Hände in den Schoß legen.« Während Parker Kognak servierte, um die Nerven der noch betroffenen Gäste ein wenig zu dämpfen, entwikkelte die Detektivin ihren Plan, wie sie sich ihre kommende Auseinandersetzung mit den Autodieben vorstellte. Sie kündigte an, umgehend in die kriminelle Szene zu steigen und erste Ermittlungen aufzunehmen. »Noch einmal, meine Lieben«, machte sie klar, »es geht nur um mich. Man wollte mich treffen oder sogar verhöhnen. Und so etwas läßt eine Lady Simpson nicht auf sich sitzen. Rechnen Sie bereits in den kommenden Stunden mit ersten Resultaten. Aus Erfahrung weiß ich nur zu gut, wie man solch einen Fall anpackt. Ist es nicht so Mr. Parker?« »Mylady pflegen sich niemals zu irren«, lautete Parkers höflich-gemessene Antwort. Er war durch keine noch so kühne Behauptung seiner Herrin auch nur andeutungsweise zu erschüttern.
Agatha Simpson saß im Fond von Parkers hochbeinigem Monstrum. Dabei handelte es sich um ein ehemaliges Londoner Taxi, das einen Ehrenplatz in einem Automuseum verdient hätte, was das eckige Aussehen betraf. Doch der erste Eindruck täuschte ungemein. Unter dem schwarzen Blechkleid verbarg sich modernste Technik. Dieser Wagen war nach den Vorstellungen des Butlers aufwendig umgebaut worden und stellte fast so etwas wie eine Trickkiste auf Rädern dar. Myladys Gäste hatten sich längst von Taxis in ihre luxuriösen Stadtetagen bringen lassen. Agatha Simpson befand sich auf dem Weg in die kriminelle Szene der Millionenstadt London, obwohl es bereits auf Mitternacht zuging. Sie war eine ungeduldige Frau, die immer viele Dinge
auf einmal erledigen wollte. Zudem reizte es sie, in dieser Nacht noch tätig zu werden, da die Nachtprogramme der Fernsehstationen ohnehin nichts boten, was sie interessiert hätte. »Und zu wem fahre ich jetzt?« erkundigte sie sich in Richtung Parker, der steif und würdevoll am Steuer saß. »Falls meine Wenigkeit Mylady richtig, verstand, wollen Mylady einen privaten Nachtclub besuchen«, antwortete der Butler, »in diesem Nachtclub pflegen sich besonders interessante Mitglieder der Unterwelt einzufinden.« »Das hört sich aber sehr gut an«, fand die ältere Dame und nickte wohlwollend, »und wo befindet sich dieser Nachtclub?« »Im Stadtteil Chelsea, Mylady. Der Betreiber des Clubs ist ein gewisser Bernie Craine, der dafür bekannt ist, daß er besonders interessante kriminelle Aktionen finanziert.« »Er wird es bald nicht mehr tun«, prophezeite sie unternehmungslustig, »ich werde dieses Subjekt zur Ordnung rufen.« »Mr. Bernie Craine läßt sich von äußerst handfesten Männerrn betreuen, Mylady«, warnte Josuah Parker, »in Kreisen der Unterwelt hat er engagierte Gegner.« »Warum will man ihm an den Kragen, Mr. Parker?« »Mr. Bernie Craine pflegt seine Klienten gern zu betrügen und zu übervorteilen.« »Natürlich hat er diese Autodiebe zu mir nach Shepherd's Market geschickt«, wußte die ältere Dame wieder mal genau. »Mr. Bernie Craine könnte zumindest wissen, wer diese Diebe geschickt hat.« »Sie haben mich neugierig gemacht, Parker.« Sie ließ sich wieder in die Rückpolster sinken und hing ihren Gedanken nach. Dann kam ihr plötzlich eine Idee. 5
»Wird in diesem Nachtclub gespielt?« erkundigte sie sich. »Mylady denken sicher an Glücksspiele diverser Art?« »Natürlich«, meinte sie, »ich könnte ja vielleicht die Unkosten wieder hereinholen, die ich mit dem Abendessen hatte.« »Solch eine Möglichkeit wird sich wahrscheinlich ergeben, Mylady.« Parker wußte nur zu genau, daß seine Herrin diese Ausgaben noch längst nicht verschmerzt hatte. »Erinnern Sie mich an ein nettes Spielchen«, sagte sie nachdrücklich, »eine Frau wie ich muß jede Möglichkeit nutzen, um ein paar Pennies zu verdienen.« Parker verzichtete auf eine Antwort und konzentrierte sich auf die Fahrbahn. Auch er dachte an den Diebstahl der beiden Luxuswagen und konnte sich kaum vorstellen, daß es sich dabei um eine Gelegenheitsarbeit gehandelt hatte. Seiner Ansicht nach Waren die beiden Wagen gezielt gestohlen worden. Und das konnten nur Kriminelle getan haben, die solche Wagen auch wieder abzusetzen vermochten. »Der Privatclub«, meldete Parker nach einer kleinen Weile. Er fuhr mit dem hochbeinigen Monstrum an einem Baldachin vorüber, der von einer normalen Haustür bis an den Bordstein führte. Rechts von der völlig glatten und schmucklosen Tür war ein kleines Bronzeschild angebracht, das den Namen des Clubinhabers zeigte. Sonst deutete nichts auf einen privaten Nachtclub hin. »Kein Parkplatz, keine Autos?« fragte Lady Agatha enttäuscht. »Die Wagen dürften in einer Sackgasse links der Häuserzeile stehen«, erwiderte der Butler, »sie werden wahrscheinlich diskret und gut bewacht.« »Diesen Parkplatz werde ich mir später ansehen«, erwiderte Agatha Simpson. »Möglicherweise umgehend, Myla6
dy?« fragte Josuah Parker, »man könnte und sollte den Privatclub vielleicht durch einen Seiteneingang betreten. Mylady hätten dann den Vorzug, überraschend in Erscheinung treten zu können.« »Genau das wollte ich natürlich gerade vorschlagen«, lautete ihre Antwort, obwohl sie von der Sackgasse und einem Seiteneingang nichts gewußt h a t t e Aber um nichts in der Welt hätte sie so etwas zugegeben. Parker bremste leicht seinen Wagen und fuhr in die Sackgasse. Nach wenigen Metern hielt er vor einem Schlagbaum, hinter dem ein großer, breitschultriger Mann stand, der einen fußlangen Mantel und eine Art Militärmütze trug. Als das hochbeinige Monstrum stand, kam der Mann um den Schlagbaum herum, salutierte und beugte sich zu dem Wagenfenster hinab. »Man erlaubt sich, einen wunderschönen Abend zu wünschen«, grüßte Josuah Parker gemessen und höflich, nachdem er das Seitenfenster herabgelassen hatte, »würden Sie freundlicherweise einen prüfenden Blick auf diesen Gegenstand in meiner Hand werfen?«, Der Mann nickte und beugte sich noch weiter vor. Er hätte es besser nicht getan!
Parker drückte auf den Knopf der kleinen Sprayflasche in seiner Hand. Worauf der Mann zurückfuhr und hustete. Dann langte er in die rechte Tasche seines fußlangen Mantels und schniefte. Mit der linken Hand wischte er sich durch das feucht gewordene Gesicht, vergaß darüber, was er aus seiner Manteltasche hervorziehen wollte, lachte unvermittelt entspannt und heiter, wischte erneut durchs Gesicht und rieb sich so, ohne es zu wollen, den Spray noch intensiver in die Augen, die bereits nachdrücklich tränten.
»Hatten Sie eventuell die Absicht, eine Schußwaffe zu ziehen?« fragte der Butler, während er ausstieg. Er stand dicht vor dem Schrankenwärter und langte mit der rechten Hand in die bewuße Manteltasche. Diese Hand, die von einem schwarzen Lederhandschuh umgeben war, bewegte sich dabei recht geschmeidig. Die Finger fanden tatsächlich eine Schußwaffe, die Sekunden später in Parkers Manteltasche verschwand. »Mr. Craine hat Besuch?« erkundigte sich Parker. »Eben g e k o m m e n , antwortete der Mann lächelnd und machte dabei einen etwas versonnenen Eindruck, »zwei tolle Typen sind da bei ihm, aber die kenn' ich nicht.« »Sie sollten sich jetzt ein wenig der Ruhe hingeben«, schlug Parker dem Mann vor, »die Nacht ist noch sehr lang, wie ich bemerken möchte.« »Ich hau' mich in meinen Glaskasten«, meinte der Schrankenwärter und deutete auf einen Verschlag, der hinter einem Mauervorsprung in Teilen auszumachen war. Dann setzte er sich in Bewegung und war bald darauf verschwunden. »Sie haben wieder mal Zeit verschwendet, Mr. Parker«, ließ Agatha Simpson sich vernehmen, nachdem der Butler ihr die hintere Wagentür geöffnet hatte, »ich hätte so etwas anders und schneller erledigt.« Sie ließ ihren perlenbestickten Pompadour pendeln, einen Handbeutel an langen Schnüren, wie ihn die Damen um die Jahrhundertwende trugen. Sie meinte allerdings eindeutig ihren sogenannten Glücksbringer im Pompadour, nämlich ein echtes, großes Pferdehufeisen, das nur oberflächlich in dünnen Schaumstoff gewickelt war. »Mylady werden mit einiger Sicherheit noch sehr nachdrücklich werden müssen«, entgegnete der Butler, »wenn es gestattet ist, wird meine Wenigkeit vorausgehen.« Er wartete die Erlaubnis allerdings
nicht ab, sondern setzte sich in Bewegung. Parker kannte sich hier in etwa aus. Vor Jahresfrist war er schon mal in diesem Club gewesen und hatte dabei Ortskenntnisse gesammelt. Lady Agatha folgte energisch. Man sah es ihr deutlich an, daß sie darauf brannte, sich endlich mal wieder betätigen zu können. Parker hatte einen Seiteneingang erreicht, der selbstverständlich geschlossen war. Für ihn war das jedoch kein Hinderungsgrund. Mit seinem Spezialbesteck, das oberflächlich an das eines passionierten Pfeifenrauchers erinnerte, brachte Parker das Yale-Schloß dazu, sich umgehend zu öffnen. Parker drückte die Tür auf und betrat einen schmalen Korridor, der mit einem Teppichläufer ausgelegt war. Man hörte leise Musik aus der Tiefe des Hauses, wenig später das Klirren von Gläsern und Geschirr. Parker und Lady Agatha passierten eine nur angelehnte Tür, die den Blick in die Küche des Privatclubs gestattete. Nachdem sie eine vierstufige Treppe hinter sich gebracht hatten, erreichten sie eine Art Lichthof, auf den einige Türen mündeten. Die Musik war jetzt besser zu hören. Josuah Parker hielt auf eine der Türen zu und zuckte mit keiner Wimper, als sie plötzlich geöffnet wurde. Ein drahtiger Mann, vielleicht dreißig Jahre alt in tadellos geschnittenem Smoking blieb überrascht stehen und musterte Parker und Lady Agatha. »Wo kommen Sie denn her?« fragte er. »Kann man davon ausgehen, daß Sie schweigen können?« stellte Parker die Gegenfrage, wähend er höflich die schwarze Melone lüftete. »Natürlich kann ich schweigen«, reagierte der junge Mann verblüfft. »Meine Wenigkeit ebenfalls«, betonte Josuah Parker und . . . setzte dann die Wölbung seiner Kopfbedeckung auf die Stirn des Mannes. Da die Melone mit Stahlblech gefüttert War, rutschte der Getroffene wieder gegen 7
die Tür, öffnete sie ungewollt und war dann nicht mehr in der Lage, weitere Fragen zu stellen.
Die drei beleibten Männer in einem komfortabel eingerichteten Büro nahmen erst mit einiger Verspätung wahr, daß sich Besuch eingestellt hatte. Bernie Craine, dick, groß und mit einer Halbglatze versehen, stemmte sich aus seinem Ledersessel und blickte Parker völlig irritiert an. Die beiden anderen Männer, gut und gern einen Kopf kleiner, waren nur neugierig. Sie hatten eindeutig keine Ahnung, wer Josuah Parker war. Auch der Butler hatte die glatten, geröteten Gesichter vorher noch nie gesehen. »Parker?« fragte Bernie Craine. »Meine bescheidene Wenigkeit erlaubt sich, Sie, Mr. Craine, Lady SimpSon vorzustellen.« »Lady Simpson?« Bernie Craine hüstelte nervös. Dieser Name schien ihm einiges zu sagen. Die beiden anderen Männer hingegen glaubten wohl an einen Scherz. »Woher hast du denn diese Ulknummern, Bernie?« fragte der kleinere der beiden Männer. »Die sind ja direkt varitéreif«, urteilte der zweite Gast und lachte schallend. »Meinen Sie mich?« erkundigte sich die ältere Dame. Ihr perlenbestickter Pompadour geriet in leichte Schwingung. »Klar doch, altes Mädchen«, erwiderte der Kleinere und lachte ebenfalls hemmungslos. Lady Agatha nickte erfreut ob dieser Antwort, schob ihre majestätische Fülle vor und . . . verabreichte dem Lachenden eine ihrer gefürchteten Ohrfeigen. Der so Behandelte flog fast aus dem Ledersessel und lachte nicht mehr. »Sagten Sie altes Mädchen zu mir?« fragte Agatha Simpson den zweiten Gast. »Ich . . . ich hab' kein Wort gesagt«, 8
behauptete der Mann und hob abwehrend die Hände, dabei zog er unwillkürlich den Kopf ein. Doch dann jaulte er gequält auf. Lady Agatha hatte die Spitze ihres linken Schuhs gegen das rechte Schienbein des Mannes gesetzt. »Wagen Sie es nicht noch mal, eine wehrlose Frau zu beleidigen«, warnte Agatha Simpson die beiden Männer, »ich könnte sonst nämlich ärgerlich werden »Guter Gott, was haben Sie da getan?« Bernie Craine war kreidebleich und rang die Hände, »das sind ... Äh . . . Also wissen Sie, Lady, es sind meine Gäste.« »Wer sind die beiden Subjekte?« wollte die Detektivin umgehend wissen. »Eine baldige Antwort wäre angebracht«, schaltete Josuah Parker sich höflich ein. »Zwei Besucher aus den Staaten«, erwiderte Bernie Craine hastig, »ich kenne ihre Namen noch nicht und . . . « »Sie haben die Stirn, mich belügen zu wollen?« Agatha Simpson klatschte ihren Pompadour auf die Brust des Nachtclubbetreibers. Bernie Craine atmete daraufhin zischend aus und wurde in den Sessel zurückgeworfen. Dann schnappte er nach Luft und fingerte nach seiner Brustpartie. Er hatte das Gefühl, von einem auskeilenden Pferd getroffen worden zu sein. »Hale Brady und Lefty Sonteff«, stöhnte Craine, »sie wollen hier in London einen Club aufmachen.« »Sie wollen nicht zufällig gestohlene Autos aufkaufen?« fragte die ältere Dame ungewöhnlich freundlich. Sie verzichtete wieder mal auf jede Einleitung und kam sofort zur Sache. »Gestohlene Autos ?« Craine zwinkerte nervös. »Wie kommen Sie denn darauf?« »Mr. Parker wird Ihnen die Einzelheiten mitteilen, mein Bester.« Die ältere Dame hatte Flaschen und Gläser auf einem Beistelltisch entdeckt und bediente sich umgehend. Sie ent-
schied sich für einen doppelten Brandy. Die Besucher aus den Staaten blickten völlig konsterniert auf die Gäste. Sonteff, der kleinere der beiden Männer, strich vorsichtig über seine brennende Wange, Brady massierte sein schmerzendes Schienbein. Bernie Craine tastete sich mit der linken Hand vorsichtig an eine auf dem Schreibtisch angebrachte Klingel heran. »Mylady würde es mit Sicherheit als einen unfreundlichen Akt betrachten, Mr. Craine, falls Sie die Klingel betätigen sollten«, erklärte Josuah Parker höflich, worauf Craine hastig seine Hand zurückzog und sich zum Ausgleich mit seiner leicht geprellten Brustpartie befaßte. »Sie also lassen Luxuswagen stehlen«, schaltete die Detektivin sich ein, die nachhaltig ihren Kreislauf gestützt hatte. Ihre Wangen färbten sich rosig. Sie blickte streng auf Craine. »Ich habe keinen blassen Schimmer, wovon Sie eigentlich reden«, antwortete der Betreiber des Nachtclubs schneil. »Mylady geht davon aus, Mr. Craine, daß Sie Personen kennen, die in diesem Gewerbe tätig sind«, fügte der Butler hinzu, »und dazu sollten Sie sich vielleicht ein wenig ausführlicher äußern.« »Wagen werden doch immer gestohlen«, meinte Craine, »das ist ein alter Hut.« »In diesem speziellen Fall scheint man es jedoch auf Luxuswagen abgesehen zu haben, von denen als sicher anzunehmen ist, daß sie ihre Käufer finden werden.« »Ich .., Ich könnte mich ja vielleicht mal umhören«, schlug Bernie Craine vor. »Mit einem Namen und der entsprechenden Adresse wäre Mylady bereits gedient«, antwortete der Butler. »Oder soll ich noch mal beleidigt werden?« erkundigte sich Lady Agatha hoffnungsfroh und versetzte ihren Pompadour erneut in leichte Schwingung. »Jimmy Stoker«, gab Craine schleu-
nigst zurück, »aber von mir haben Sie den Namen nicht. Ich habe kein Wort gesagt. Ich weiß von nichts.« »Und wo kann Mylady besagten Mr. Jimmy Stoker finden? «lautete Parkers nächste Frage. »Auf der anderen Seite der Themse, in Lambeth«, erwiderte Craine, »in der Nähe vom Hospital. Stoker hat da einen Lkw-Verleih.« »Verdammt, was ist hier eigentlich los?« fragte der Mann aus den Staaten; der Sonteff hieß.
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»Das hier alles kann doch nicht wahr sein«, wunderte sich sein Begleiter der laut Craine Hale Brady hieß. »Sie hatten soeben die Ehre, Lady Simpson kennenlernen zu dürfen«, sagte Josuah Parker gemessen, »Sie sollten sich dieses Vorzugs bewußt sein.« »Wollen Sie mich vielleicht noch mal angreifen?« fragte die ältere Dame. »Kein Gedanke daran, Lady Simpson«, warf Bernie Craine hastig ein, »ich sag' das auch für meine Besucher.« »Schade, sehr schade«, erwiderte die ältere Dame, »Mr. Parker, wäre da sonst noch etwas?« »Mylady verfügen über alle Informationen, die zur Zeit benötigt werden«, erklärte Josuah Parker, »zu einem späteren Zeitpunkt können Mylady ja durchaus noch mal zurückkommen.« »Mit Vergnügen«, lautete ihre Antwort, »ich weiß bereits jetzt, daß ich mich hier nie langweilen werde.«
»Natürlich sind die beiden Lümmel aus den Staaten die Aufkäufer der gestohlenen Luxuswagen, Mr. Parker«, behauptete Agatha Simpson fünf Minuten später. Sie saß wieder im Fond von Parkers hochbeinigem Monstrum und hatte den Fall aus ihrer Sicht bereits gelöst. »Ein reizvoller Gedanke, Mylady«, kommentierte der Butler höflich die Feststellung seiner Herrin. »Ich hätte die beiden Subjekte zu mir ins Haus einladen sollen«, redete Lady Agatha munter weiter. »Dort hätte ich mich dann in aller Ruhe mit ihnen unterhalten können.« »Mylady verzichteten jedoch darauf, um diesem erwähnten Mr. Jimmy Stoker einen Besuch abzustatten.« »Richtig, da gibt es ja noch diesen Straker«, sagte sie und bewies damit, daß sie sich wieder mal einen Namen nicht merken konnte. »Stoker, Mylady, Jimmy Stoker«, 10
korrigierte Parker geduldig. Er kannte ihre Schwäche. »Wie auch immer, Mr. Parker«, Ihre Stimme nahm einen ungeduldigen Klang an. »Also gut, vielleicht finde ich dort bereits die beiden gestohlenen Wagen.« »Mit Überraschungen ist stets zu rechnen, Mylady. Mr. Craine könnte die bewußte Adresse absichtlich genannt haben, um Mylady in eine Falle zu locken.« »Dann wird dieser Lümmel aus dem Nachtclub aber noch einiges erleben«, gab Agatha Simpson munter Zurück, »so etwas würde ich m i r nie bieten lassen,« Ein Gefühl für Gefahr war Lady Agatha unbekannt. Sie konnte es sich einfach nicht vorstellen, daß ihr ernstlich etwas passierte. Sie hielt es einfach für selbstverständlich, daß man sie respektierte. Für Butler Parker lagen die Dinge selbstverständlich nicht so klar wie für Lady Simpson. Gewiß, seiner Ansicht nach waren die beiden Besucher aus den Staaten eindeutig Gangster, doch sie hatten wohl kaum etwas mit den gestohlenen Luxuswagen zu tun. Und auch ein Bernie Craine würde sich niemals die Blöße, geben, unmittelbar mit den Autodieben zusammenzuarbeiten. Dazu war dieser Mann einfach zu gerissen. Er agierte aus dem Hintergrund und hielt sich stets bedeckt. Bernie Craine war bisher nie ein unnötiges Risiko eingegangen. »Werde ich bereits verfolgt?« lautete Myladys nächste Frage. Parker hatte bereits mit ihr gerechnet. »Bisher vermochte meine Wenigkeit keinen auffälligen Wagen auszumachen, Mylady.« »Das ist eigentlich eine Frechheit«, grollte die ältere Dame. »Man könnte Mylady in der Firma des Mr. Jimmy Stoker erwarten.« »Wer ist Jimmy Stoker?« Sie hatte wieder mal, den Namen vergessen. »Der Verleiher von Lastwagen, dessen Adresse Mr. Craine nannte.« Par-
kers höfliche Geduld war einfach nicht zu erschüttern. »Die Dinge passen haargenau ineinander«, redete Agatha Simpson munter weiter. »Ich habe natürlich bereits über Einzelheiten nachgedacht, Mr. Parker, und weiß jetzt, nach welcher Methode die Auto-Gangster arbeiten.« »Mylady sehen in meiner Wenigkeit einen äußerst interessierten Zuhörer.« »Die gestohlenen Wagen werden zu diesem Lkw-Verleih gebracht, dort umgespritzt und dann mit falschen Papieren in irgendeinen kleinen Hafen gebracht, von wo aus man sie hinüber auf den Kontinent schafft.« »Mylady dürften mit dieser Theorie bereits den oft zitierten Nagel auf den Kopf getroffen haben.« »Ich weiß, ich weiß.« Sie lächelte wohlwollend. »Mir kann man eben nichts vormachen. Übrigens habe ich vor einigen Wochen einen Kriminalfilm im Fernsehen gesehen, in dem man ähnlich vorging.« »Das Problem besteht in der Tat darin, die gestohlenen Luxuswagen außer Landes zu schaffen«, erklärte Josuah Parker, »nur auf dem Kontinent oder im noch weiter entfernten Ausland dürften diese Wagen abzusetzen sein.« »Ich sehe alles ganz deutlich vor mir«, behauptete Lady Agatha, »um die Details, Mr. Parker, dürfen Sie sich kümmern. Ich lasse Ihnen da wieder Völlig freie Hand. Für Sie muß es doch eine Kleinigkeit sein, den Verladehafen ausfindig zu machen.« »Meine Wenigkeit wird sich immer strebend bemühen, Mylady. Vielleicht sollte man aber vorher noch herausfinden, ob es sich bei dem Diebstahl der beiden Wagen tatsächlich nicht nur um einen Einzelfall handelt.« »Gut, Mr. Parker, auch das dürfen Sie noch übernehmen«, entschied sie, »auch Sie sollen mal ein Aha-Erlebnis haben. Ich gönne es ihnen von Herzen.« »Mylady sind wieder mal zu gütig.« »So ist meine Natur, Mr. Parker. Üb-
rigens, werde ich noch immer nicht verfolgt?« »Man scheint Mylady in Sicherheit wiegen zu wollen«, erwiderte der Butler höflich. »Das wird es sein.« Sie war beruhigt. »Aber man wird sich wundern, Mr. Parker. Als ehemalige Pfadfinderin bin ich allzeit bereit.« Parker hielt es für angebracht, darauf nicht näher einzugehen. Ihm war allerdings klar, daß wieder ein mittelgroßes Chaos auf ihn wartete.
Das zweiflügelige Tor im Bretterzaun war weit geöffnet und lud förmlich zum Nähertreten ein. Am hinteren Ende des großen Platzes war eine Lagerhalle auszumachen. Im ersten Stock waren einige Fenster beleuchtet. Selbst nach Mitternacht schien man in Jimmy Stokers Betrieb noch zu arbeiten. Vor der Lagerhalle und rechts davon in Parktaschen standen Lastwagen aller Art, schwere Krangeräte, Spezial-Schwertransporter u n d kleinere Kastenlieferwagen. Jimmy Stokers Betrieb, machte einen durchaus seriösen Eindruck. Hier schien man nichts verbergen zu wollen. Peitschenlampen erhellten den Parkplatz. »Nun, Mr. Parker, was halte ich davon?« erkundigte sich Lady Agatha. Der Butler hatte sein hochbeiniges Monstrum vor dem Tor gestoppt, damit man sich einen ersten Überblick verschaffen konnte. »Die Firma Stoker macht einen durchaus seriösen Eindruck, Mylady.« »Dieser Eindruck täuscht natürlich«, gab sie zurück, »in der Lagerhalle ist man schon dabei, die beiden gestohlenen Wagen umzufrisieren.« »Mylady beabsichtigen, einen prüfenden Blick in die Lagerhalle zu werfen?« erkundigte sich Josuah Parker, »Worauf warten Sie noch, Mr. Parker?« Sie nickte nachdrücklich und machte sich einsatzbereit. Dann prüf11
te sie den sogenannten Glücksbringer im Pompadour und griff nach den beiden Hutnadeln, die das skurrile Modegebilde in ihrem Haar festhielten. Sie erinnerten an kleine Bratspieße. Josuah Parker hatte den Gang eingelegt und fuhr auf das Grundstück. Im Rückspiegel beobachtete er das Tor und wartete eigentlich darauf, daß es sich schloß. Erstaunlicherweise war dies aber nicht der Fall. Vor dem Lagerhaus angekommen, hielt Parker und blieb am Steuer sitzen. »Worauf warte ich denn jetzt?« erkundigte sich Agatha Simpson grollend. »Man müßte das Nahen des Wagens unbedingt wahrgenommen haben, Mylady«, gab Josuah Parker zurück, »nach Lage der Dinge müßte recht bald ein Mitarbeiter der Firma erscheinen.« »Ich lasse mich überraschen.« Sie lehnte sich wieder zurück. »Ich habe gute Nerven und kann warten.« Parker setzte natürlich auf die Schußsicherheit seines Wagens. Mit normalen Feuerwaffen konnte man gegen Insassen nichts ausrichten. Dieser Schutz hatte sich in der Vergangenheit schon häufig bewährt und Leben erhalten. Die Sekunden verstrichen, und Lady Agatha bewies recht bald, wie einmalig gut ihre Nerven waren. Sie räsonierte, als sich nichts tat, wollte aussteigen und die Lagerhalle, stürmen, doch Parker brachte sie dazu, weiter sitzen zu bleiben. Als eine Minute vergangen war, wurde Agatha Simpson ärgerlich. »Diese Subjekte haben Zeit, wichtige Spuren zu verwischen«, mäkelte sie aufgebracht, »Mr. Parker, Sie begehen wieder mal einen Kardinalfehler.« »Für den meine Wenigkeit sich bereits jetzt entschuldigen möchte«, erwiderte der Butler. Bevor er noch etwas hinzufügen konnte, fiel plötzlich ein Lichtschein in das Halbdunkel vor dem Lagerhaus. Fine Tür war weit ge12
öffnet worden. Ein untersetzter Mann, der von einem Wachhund begleitet wurde, trat ins Freie und näherte sich dem hochbeinigen Wagen. »Es geht eben nichts über starke Nerven«, meinte die Detektivin selbstzufrieden, »meiner Geduld ist man nicht gewachsen.« »Mylady sind in allen Lebenslagen ein Vorbild«, behauptete Josuah Parker und blickte in den Außenspiegel. Er hatte den Eindruck, daß hier eine Art Ablenkungsmanöver inszeniert wurde. Der Mann mit dem Wachhund sollte die Aufmerksamkeit auf sich lenken, damit andere Personen sich an den Wagen pirschen konnten. Und Parker hatte sich nicht getäuscht. Zwei Gestalten waren bereits hinter dem hochbeinigen Monstrum auszumachen, die höchstens noch vier bis fünf Meter vom Wagenheck entfernt waren. Sie hatten sich geduckt und fühlten sieh eindeutig unbeobachtet. Für den Butler war es klar, daß er etwas unternehmen mußte. So legte er einen der vielen Kipphebel auf dem reichhaltig bestückten Armaturenbrett um, nachdem er eine Zentralsicherung unter dem Wagenboden gelöst hatte. Unmittelbar nach der Betätigung dieses Hebels war eine Art dumpfer Abschuß zu vernehmen. Aus zwei Düsen unter dem Heck des Wagens schossen pechschwarze Wolken hervor, die die beiden Gestalten völlig einhüllten. Zwei bis drei Sekunden später war bereits ein erstes Husten zu vernehmen, das durchaus gequält und verzweifelt klang.
Der Schäferhund bellte hysterisch und riß an der Leine, die der Mann in beiden Händen hielt. Das Tier war wie von Sinnen und zeigte sein ausgeprägtes Gebiß. Dann riß es sich los und jagte auf den Wagen zu. Parker hatte das Fenster an seiner Seite ein wenig abgesenkt und wartete
darauf, daß der Hund die Schnauze in den Fensterspalt zwängte. Der Butler hatte bereits eine kleine Spraydose aus einer seiner vielen Westentaschen geholt und war bereit, einen eventuell aufkommenden Schnupfen des Vierbeiners prophylaktisch zu behandeln. Bei der Spraydose handelte es sich um ein medizinisches Gerät, das es in jeder Apotheke zu kaufen gab. Es war kaum größer und stärker als ein Einweg-Feuerzeug und stammte aus Parkers privatem Labor. Der Inhalt der Dose bestand aus einer Flüssigkeit, die die Schleimhäute von Nase, Mund und Augen reizte. Gesundheitlich war dieser Stoff aber mit Sicherheit unbedenklich. Der Schäferhund hatte sein Ziel bereits erreicht, sprang am Wagen hoch und nahm Witterung auf. Er entdeckte den Fensterspält und tat genau das, worauf Josuah Parker gewartet hatte. Das Tier fletschte noch mal bedrohlich die Zähne, schob dann gierig die Schnauze durch den Spalt und schnappte mit verdrehtem Kopf zu. Parker hörte das Klicken und Knirschen der Zähne. Einen Augenblick später machte der Hund einen etwas irritierten Eindruck. Parker hatte ihm eine Dosis seines Spezial-Sprays verabreicht, und sich dabei fast liebevoll um das Riechorgan des kläffenden Wachhundes konzentriert. Der Vierbeiner war zurückgewichen, setzte sich auf die Hinterläufe und wischte sich zuerst mit der linken, dann mit der rechten Pfote über die Nase, um sich eines starken Kitzels zu erwehren. Der Hundeführer rief Kommandos, versuchte angestrengt, den Schäferhund erneut zu motivieren, doch das Tier schien den Mann nicht zu hören. Es wischte sich inzwischen ein wenig ungelenk die Augen und stieß dabei hechelnde Töne aus. »Wann kann ich denn endlich aussteigen?« fragte Lady Agatha grollend, »ich will mir das Lagerhaus ansehen, Mr. Parker.«
»Mylady wollen sicher noch warten, bis der Hundeführer seine Schußwaffe gezogen hat«, erwiderte der Butler höflich, »mit dieser Reaktion ist nämlich noch zu rechnen.« Parkers Vermutung bestätigte sich umgehend. Der Mann, der bei seinem Vierbeiner nichts mehr ausrichten könnte, bastelte an einer Halfter herum und mühte sich, die darin steckende Pistole zu ziehen. Parker, der um den Lack seines Wagens fürchtete, löste das kleine Problem auf seine spezielle Art. Er hatte längst in die Ziertuchtasche seines schwarzen Zweireihers gegriffen und den sogenannten Seestern hervorgezogen. Dabei handelte es sich um die erstaunlich naturgetreue Nachbildung eines echten. Fünf lange, schlangengleiche Arme umstanden einen handtellergroßen Körper, der aus Weichgummi bestand. Diese Arme, ebenfalls aus diesem Stoff, hingen noch schlaff und ungeordnet herunter, gerieten jedoch in eine erstaunlich schnelle Rotation, als Parker den Seestern aus dem Handgelenk in Richtung des Wachmannes schleuderte. Einen Moment später klatschte der Weichgummikörper gegen den Hals des völlig verdutzten Mannes. Die langen Arme des Seesternes schlangen sich um das Genick des Getroffenen und bildeten eine Art Manchette, die den gesamten Hals umspannte. Vor lauter Schreck gab der Wachmann den Versuch auf, weiter nach seiner Schußwaffe zu langen. Automatisch griff er nach dem Hals. Er fühlte sich gewürgt, hatte ein scheußliches Gefühl auf der Haut und glaubte ersticken zu müssen. Dabei griffen seine Finger in winzig kleine Dornen, die ihrerseits mit noch kleineren Widerhaken versehen waren. Diese Dornen haften sich auch bereits in den Hals gekrallt, was der Mann jedoch nicht spürte. Da die Dornen chemisch präpariert waren, löste sich bald die Spannung im Getroffenen. Er ließ die Hände sinken, lächelte 13
Wie abwesend und setzte sich neben seinen Hund, der sich bereits ausgestreckt hatte und ein wenig schielte. Parker blickte in den Außenspiegel. Die beiden Männer, die sich an die Rückseite seines Wagen gepirscht hatten, liefen inzwischen zurück zum Lagerhaus und kümmerten sich nicht weiter um die Besucher. Dabei hüstelten sie wie erkältete Seehunde. »Einer Visitation der Lagerhalle dürfte nichts mehr im Weg stehen«, sagte Parker, während er ausstieg. Er öffnete den hinteren Wagenschlag und lieh Mylady seine hilfreiche Hand. Sie schob ihre majestätische Fülle nach draußen und schritt dann energisch zur Lagerhalle. Die Detektivin konnte noch nicht wissen, daß eine herbe Enttäuschung auf sie wartete.
»Weit und breit war kein Wagen zu sehen«, meinte die ältere Dame eine Stunde später grollend, »natürlich hatte man die Luxusautos rechtzeitig weggeschafft.« Ihre Zuhörer waren Kathy Porter und Mike Rander, die sich im altehrwürdigen Fachwerkhaus der Lady in Shepherd's Market eingefunden hatten. Sie waren aus Mike Randers Anwaltskanzlei in der nahen Curzon Street herübergekommen, um sich in den neuen Fall einweihen zu lassen. Kathy Porter, schlank, groß, attraktiv und stets ein wenig zurückhaltend wirkend, war etwa dreißig Jahre alt und die Sekretärin und Gesellschafterin der Lady Simpson. Sie wurde von der älteren Dame wie eine leibliche Tochter behandelt und genoß jede erdenktliche Freiheit. Mike Rander, seines Zeichens Anwalt, erinnerte durchaus an einen weltbekannten James-Bond-Darsteller. Er war runde vierzig, wirkte fast ein Wenig phlegmatisch und war bekannt für seinen Sarkasmus. Nach der Rückkehr aus den USA, 14
wo er zusammen mit Parker eine Reihe abenteuerlicher Kriminalfälle gelöst hatte, war er von Lady Agatha sofort im wahrsten Sinn des Wortes vereinnahmt worden und verwaltete jetzt neben seiner Praxis als Anwalt ihr immenses Vermögen. »Wie ist dieses kleine Intermezzo denn ausgegangen, Mylady?« fragte Kathy Porter. »Mr. Parker hatte wieder mal dafür gesorgt, daß keines dieser Subjekte ansprechbar war«, erzählte Agatha Simpson weiter, »und von einer Falle konnte selbstverständlich keine Rede sein, aber das sagte ich ja bereits voraus. War es nicht so, Mr. Parker?« »Myladys Voraussicht grenzt immer wieder an Prophetie«, kommentierte der Butler diese Behauptung. »Ja, ich wundere mich auch immer wieder«, redete sie munter weiter, »ich habe mir natürlich die Büroräume angesehen.« »Unterlagen, die ein erstes Licht in diesen neuen Fall hätten werden können, wurden leider nicht gefunden«, warf der Butler ein. »Dafür dürften wir bald Jimmy Stoker am Hals haben«, sagte Mike Rander, »wahrscheinlich ist er inzwischen bereits informiert worden! Kennen Sie diesen Stoker, Parker?« »Nur dem Namen nach, Sir«, gab der Butler zurück, »man sagte ihm Verbindungen zur Unterwelt nach. Er scheint nach Lage der Dinge für sie gewisse Transporte durchzuführen.« »Sie glauben an eine Gang, die Luxuswagen stiehlt?« »Aber mein Junge, das liegt doch eindeutig auf der Hand«, warf Lady Agatha sofort ein, »mich vermag man nicht zu täuschen. Ich bin da einer internationalen Bande auf der Spur.« »Oder nur ein paar kleinen Gaunern, die jetzt auf zwei Luxuskarossen herumsitzen und nicht wissen, wem sie sie andrehen können.« Mike Rander lächelte ironisch. »Diese internationale Bande hat ja nicht rein zufällig vor meinem Haus
hier operiert«, redete die ältere Dame weiter, als habe sie nichts gehört, »man wollte mich demütigen. Das ist mir inzwischen klar geworden.« »Man will sich also mit Ihnen wieder mal anlegen, Mylady?« Mike Rander blieb ernst. »Selbstverständlich, mein Junge«, pflichtete sie ihm bei, »aber ich werde die Herausforderung selbstverständlich annehmen.« »Dann dürften ja wieder mal unruhige Zeiten auf uns zukommen«, vermutete der Anwalt. »Das möchte ich mir aber auch ausgebeten haben«, hoffte sie, »wie stehe ich denn vor meinen Gästen da, deren Wagen gestohlen wurden? Ich werde die beiden Fahrzeuge zurückschaffen.« »Könnte der Hinweis dieses Bernie Craine ein Trick gewesen sein, Mr. Parker?« fragte Kathy Porter, »wollte er sie auf Stoker hetzen?« »Dies sollte man erst mal unterstellen, Miß Porter«, erwiderte Josuah Parker, »nach Lage der Dinge könnte man auf dem Betriebshof des LkwVerleihs durchaus auf Mylady gewartet haben.« »Darüber werde ich mit dem Nachtclubbesitzer noch reden«, kündigte die ältere Dame an, »erinnern Sie mich daran, Mr. Parker. Ich werde ihn zur Rechenschaft ziehen.« »Mylady können sich auf meine Wenigkeit voll und ganz verlassen«, entgegnete der Butler, »denken Mylady daran, die Behörden zu verständdigen?« »Ausgeschlossen«, sagte sie abwehrend, »ich war die Gastgeberin. Und vor meinem Haus wurden der Bentley und der Rolls Royce gestohlen. Das ist eine reine Privatsache zwischen mir und dieser internationalen Bande.« Bevor Mike Rander antworten konnte, läutete das Telefon. »Die Gegenseite scheint sich bereits zu rühren«, tippte der Anwalt an, während der Butler zum Wandtisch
schritt, auf dem das Telefon stand. Er hob ab und nannte seinen Namen. »Hier Craine«, meldete sich der Nachtclubbetreiber, »ich habe schon ein paar Mal versucht, Sie zu erreichen, Mr. Parker.« »Sie können mit weiteren Hinweisen dienen?« erkundigte sich der Butler. »Ich denke schon«, redete Bernie Craine weiter, »vergessen wir das Theater in meinem Büro, einverstanden? Ich werde dafür sorgen, daß die beiden Wagen bald wieder vor Ihrer Tür stehen. Ist das ein Angebot?« »Meine Wenigkeit wird Ihr Angebot an Mylady weiterreichen.« »Ziehen wir doch erst gar keine Show ab«, sagte Craine eindringlich, »das führt doch zu nichts. Ich denke, in ein paar Stunden sind die vermißten Wagen wieder da.« »Mylady wird geruhen, sich überraschen zu lassen«, lautete Parkers Antwort.
Butler Parker befand sich im Souterrain des noblen Fachwerkhauses, das auf den Gewölben einer ehemaligen alten Abtei errichtet worden war. Shepherd's Market, in der Nähe von Hyde Park und Green Park, war eine stille Oase inmitten von London. Das zweistöckige Haus stand an der Stirnseite eines rechteckigen Platzes, der von kleineren Fachwerkhäusern gesäumt wurde. Auch diese Häuser gehörten zu Myladys Besitz und waren untereinander verbunden. Zur nahen Durchgangsstraße hin war das Areal durch eine Backsteinmauer und ein Gittertor abgegrenzt. Dieses Tor war normalerweise stets weit geöffnet und gestattete die Durchfahrt bis zum Haus der Lady. Am frühen Morgen saß Josuah Parker in einem Ledersessel in seinem privaten Wohnraum und entspannte. Aus naheliegenden Gründen verzichtete er darauf sich zu Bett zu be15
geben. Er wartete, daß die hausinterne Alarmanlage sich meldete. Für den Butler stand es fest, daß der gestohlene Bentley und der Rolls Royce zurückgebracht wurden. Lady Agatha hatte sich längst zur Ruhe begeben. Mike Rander und Kathy Porter waren in die Curzon Street zurückgefahren. Parker hatte also Zeit, sich mit dem anstehenden Fall zu befassen. Der Anruf des Nachtclubbesitzers Craine bewies, daß gewisse Personen in der Unterwelt jedem Ärger aus dem Weg gehen wollten. Dafür waren sie bereit, die gestohlenen Wagen wieder herbeizuschaffen. Mittel und Wege dazu hatten sie ganz sicher. Wahrscheinlich wollte man im letzten Moment gerade noch eine Entwicklung stoppen, an deren Ausweitung man nicht interessiert war. Ob diese Bereitschaft mit Craines beiden Besuchern zusammenhing, mußte die nahe Zukunft erweisen. Parker war geneigt, dies zu unterstellen, Lefty Sonteff und Hale Brady schienen Craine unter Druck gesetzt zu haben. Wegen dieser beiden Männer, die er in Craines Büro angetroffen hatte, ließ Josuah Parker bereits seine Verbindungen spielen. Er hatte gute Freunde in den USA, die ihrerseits in engem Kontakt zu dortigen Behörden standen. Sonteff und Brady waren mit Sicherheit keine normalen Touristen oder Geschäftsfreunde, die in London einen Club einrichten wollten. Craines Angebot, nach Anlieferung der beiden gestohlenen Wagen alles zu vergessen, konnte nur ein Ablenkungsmanöver sein. Man wollte Lady Simpson und ihn nur in Sicherheit wiegen. Allein die Tatsache, daß er Sonteff und Brady nur gesehen hatte, konnte bereits einen Mordbefehl ausgelöst haben. Ohne Erregung nahm Parker zur Kenntnis, daß eine rote Warnlampe über der Schalttafel aufflammte. Die Alarmanlage meldete Besuch auf dem Vorplatz. Parker erhob sich 16
aus dem bequemen Ledersessel und schaltete die Fernsehkamera ein, die unter dem Vordach des Eingangs angebracht war. Nach wenigen Augenblicken war auf dem Monitor ein Bild zusehen. Zwei Wagen rollten langsam an das Haus heran. Es handelte sich um einen Bentley und einen Rolls Royce. Die Beleuchtung des Platzes reichte völlig aus, um ein scharfes Bild zu liefern. Die beiden Wagen tasteten sich förmlich an das zweistöckige Fachwerkhaus heran, wurden angehalten und dann von den Fahrern verlassen. Diese Fahrer waren um die fünfundzwanzig Jahre alt, mittelgroß und schlank. Sie trugen Jeans und schwarze Lederjacken. Sie hatten es sehr eilig, von dem Vorplatz wieder wegzukommen. Ohne sich auch nur einen Moment aufzuhalten, liefen, sie zurück, zum weit geöffneten Tor und waren kurz darauf in Richtung Durchgangsstraße verschwunden. Parker hätte die beiden Fahrer der Luxuswagen leicht abfangen können, doch er hatte eine andere Taktik eingeschlagen. Es gab da einen gewissen Horace Pickett, der früher mal ein Meister in Sachen Taschendiebstahl war. Dieser Mann stand inzwischen längst auf der Seite des Gesetzes. Parker hatte ihm mal das Leben gerettet. Seit dieser Zeit war es für Horace Pikkett eine Ehre, dem Butler behilflich zu sein. Pickett also war von Parker informiert worden und sorgte dafür, daß die jungen Männer beschattet wurden. Parker wollte so herausfinden lassen, wer die Fahrer waren und wo sie wohnten. Daraus wieder ließen sich weitere Schlüsse ziehen. Vielleicht hatte er es genau mit jenen Männern zu tun, die die beiden Wagen vor Stunden gestohlen hatten . . . Nachdem Parker seine private Fernsehübertragung abgeschlossen hatte, begab er sich zu Bett. Im Anschluß an seinen großen Wohnraum verfügte er im Souterrain des Hauses noch über
ein Schlafzimmer, ein Bad, eine kleine Privatküche und über einen weiteren großen Raum, den er sein Labor nannte. Das hier war sein ganz privates Reich, das er sich nach eigenem Geschmack eingerichtet hatte. Mahagoni-Möbel, Sitzgruppen aus gestepptem Leder und Bücherregale zeugten von gediegenem Geschmack. Vor dem Einschlafen blätterte der Butler noch in technischen Magazinen, um auf dem laufenden zu bleiben. Er brauchte Anregungen, um neue Hilfsmittel entwickeln zu können.
Chief-Superintendent McWarden war ein untersetzter, beleibter Mann von schätzungsweise fünfundfünfzig Jahren. Er hatte das Temperament einer stets leicht gereizten Bulldogge, leitete im Yard ein Sonderdezernat, befaßte sich mit organisiertem Verbrechertum und war häufiger Gast im Haus der Lady Simpson. Er schätzte die Zusammenarbeit mit Butler Parker, genierte sich keineswegs, dessen Rat und Hilfe anzunehmen, stritt sich unentwegt mit Lady Agatha und genoß es, ihre berüchtigte Sparsamkeit zu torpedieren. An diesem Morgen erschien er bereits früh in Myladys Haus und fand sie am Frühstückstisch vor. Die ältere Dame runzelte die Stirn, als McWarden von Butler Parker in den kleinen Frühstücks-Salon geführt wurde. Dann warf sie einen hastigen Blick auf die Platten, die Parker erst vor wenigen Minuten serviert hatte. Sie enthielten ihre strenge Diät, die sie seit vielen Monaten einhielt. Es handelte sich da um Rührei mit Schinken, um Rostbratwürste, gebackene Nierchen, Lachsscheiben, kalten Braten, Geflügelsalat, Käse und diverse Brotsorten. »Ich sehe, Sie kasteien sich wieder mal, Mylady«, frotzelte McWarden, nachdem er die Hausherrin begrüßt hatte.
»Wer richtig arbeitet, muß auch entsprechend essen«, blaffte sie, »in Ihrem Fall, mein Lieber, brauchten Sie überhaupt nichts zu essen!« »Ich nehme höchstens ein Scheibchen Leberpastete auf Toast«, erklärte der Chief-Superintendent, »ja, und dazu vielleicht noch eine Tasse Kaffee, Ich möchte Sie keineswegs berauben.« »Sie frühstücken wohl am liebsten bei mir, wie?« grollte sie, eingedenk seiner Besuche. »Richtig«, bestätigte McWarden ironisch, »wo sonst bekommt man solch eine ausgewogene Diät, Mylady?« »Sie kamen zufällig des Weges, Sir?« fragte Parker, als er ein Gedeck auflegte. »Ich komme im Grund sehr dienstlich«, korrigierte der Chief-Superintendent, »heute morgen ging eine Diebstahlsmeldung über meinen Schreibtisch, die aufhorchen ließ.« »Sie können wirklich noch aufhorchen?« wollte die ältere Dame süffisant wissen. »Wenn es sich um eine Lady Simpson handelt, bin ich stets hellwach«, bekannte McWarden und legte sich dick die Leberpastete auf die Toastscheibe. Agatha Simpson nahm dies stirnrunzelnd zur Kenntnis und hüstelte warnend. »Sie erfuhren, Sir, daß zwei Autos vor Myladys Haus gestohlen wurden?« Parker ließ sich nicht vom Thema abbringen. »Es geht da um einen Bentley und um einen Rolls Royce«, sagte McWarden, »die Eigentümer der Wagen erstatteten Anzeige gegen Unbekannt.« »Und was habe ich damit zu tun, mein Bester?« fragte die ältere Dame und deckte einige Wärmeglocken über die Silberplatten, damit McWarden sich nicht mehr orientieren konnte. »Es machte mich einfach stutzig, wenn vor Ihrem Haus zwei Wagen gestohlen werden«, antwortete der Chief-Superintendent und lächelte flüchtig, »ich könnte mir nämlich vor17
stellen, daß Sie, Mylady, diesen Diebstahl aufklären wollen.« »Was könnten Sie dagegen haben, McWarden?« »Im Grund gar nichts, Mylady, aber ich möchte Sie warnen. Ich halte das für meine Pflicht. Sie könnten nämlich einigen Ärger bekommen.« »Etwa mit Ihnen, mein Bester?« Spott lag in ihrer Äußerung. »Mit organisierten Gangstern, die sich auf Luxusfahrzeuge spezialisiert haben«, lautete McWardens Antwort, »wir sind schon seit geraumer Zeit einer internationalen Bande auf der Spur, die teure Autos in den nahen Osten schmuggeln, nachdem sie hier auf der Insel gestohlen wurden.« »Wo liegt da der Gewinn für die Gangster?« fragte die Detektivin. »Diese Wagen sind erst mal sofort zu bekommen, Mylady, und zwar von den Straßen weg. Es entfallen also lane Lieferfristen. Zudem kosten die Wagen nichts, denn sie werden ja gestohlen. Und man kann sie weit unter dem Normalpreis absetzen und dennoch Riesengewinne machen.« »Wie umgehen die erwähnten Gangster die Schwierigkeit, Sir, die Wagen auf den Kontinent hinüberzubringen?« schaltete Josuah Parker sich gemessen ein. »Sammeltransporte per See«, lautete die lakonische Anwort des ChiefSuperintendenten, »aber wir wissen nicht, wie und von wo aus die gestohlenen Fahrzeuge verschifft werden.« »Könnte man unterstellen, Sir, daß die Bande bereits einen Namen hat?« lautete Parkers nächste Frage. »Sie nennen sich schlicht und einfach die Knacker«, entgegnete McWarden, »diese Bande wird eindeutig sehr straff geführt und dürfte über ein erstklassiges Spitzesystem verfügen, das für die Wagen sorgt. In einigen Fällen wurden Besitzer oder Tankwarte sogar brutal zusammengeschlagen, als sie sich Wagendiebstählen entgegenstellten. Wie gesagt, Sie sollten sehr vorsichtig sein, Mylady.«
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»Man nennt sie also die Knacker«, wiederholte die ältere Dame versonnen, »und es handelt sich um eine internationale Bande. Das hört sich sehr gut an, mein lieber McWarden.« »Ich möchte wetten, daß Sie sich bereits in diesen Fall eingehängt haben, Mylady.« »Aber nein«, schwindelte sie mit Undschuldsmiene, »mit solchen Kleinigkeiten gibt sich eine Lady Simpson nicht ab.« »Dadurch ersparen Sie sich vielleicht ein paar gezielte Schüsse, Mylady«, sagte McWarden, »wie gesagt, diese Knacker sind erstklassig organisiert und scheuen vor keiner Brutalität zurück.« »Eine Dienststelle Ihrer Güte, Sir, wird doch sicher bereits erste Spuren entdeckt haben«, vermutete Josuah Parker, »darf es übrigens noch etwas Kaffee sein?« »Aber natürlich.« McWarden nickte und langte nach einer zweiten Toastscheibe. »Der Kaffee ist ausgezeichnet. Und wie ist der Lachs, Mylady?« »Er schmeckt nach Tran«, wehrte sie gereizt ab. »Aber das macht überhaupt nichts, Mylady«, erklärte McWarden, »ich liebe sogar solch einen leichten Beigeschmack nach See und Weite. Mit Ihrer Erlaubnis werde ich mich bedienen.« »Sie konnten bereits erste Spuren ausmachen, Sir?« wiederholte der Butler seine Frage. »Wir wissen nur, daß wir es nicht mit den üblichen kleinen Autodieben zu tun haben«, sagte der Chief-Superintendent, »um es mal so zu sagen, Mr. Parker: Wir haben es mit einer völlig neuen Qualität dieser Kriminalität zu tun. Hier wird in großem Stil gearbeitet, hier wird gezielt gestohlen. In meinem Dezernat häufen sich die einschlägigen Anzeigen. Inzwischen sind weit über hundert Fahrzeuge dieser Nobelklasse verschwunden. Der Wert geht in die Millionen.« »Sie haben mir den Mund wässerig
gemacht, McWarden«, warf die Hausherrin ein, »da Sie natürlich mit solch einem Fall nicht fertig werden, werde ich mich wohl einschalten müssen.« »Ich, kann immer nur warnen«, erklärte McWarden, doch Josuah Parker hatte den festen Eindruck, daß der Chief-Superintendent mit Myladys Erklärung mehr als zufrieden war. Er war sicher nur gekommen, um Agatha Simpson für eine Mitarbeit zu gewinnen.
Man sah ihnen deutlich an, daß sie von der Rußwolke erwischt worden waren. Als Josuah Parker und Agatha Simpson auf dem Betriebshof des Lkw-Verleihs erschienen, kamen zwei Männer um einen Lastwagen herum und blickten die Besucher abwartend an. Die fette Rußwolke, die unter dem Heck des hochbeinigen Monstrums hervorgeschossen war, haftete noch in großen Partien auf der Gesichtshaut der Männer. »Man wünscht einen recht schönen Morgen«, grüßte Josuah Parker und lüftete die schwarze Melone, »würden Sie Mr. Stoker freundlicherweise dahingehend informieren, daß Lady Simpson geneigt ist, einige Fragen zu stellen?« »Wie war das?« fragte einer der jungen Männer. »Ist Ihr Arbeitgeber da?« übersetzte die ältere Darrte barsch, »falls ja, dann wird er mir einige Fragen beantworten.« Sie wartete die Reaktion nicht ab, sondern setzte sich in Bewegung und marschierte zum Eingang des Bürotrakts. Die beiden jungen Männer wußten nicht so recht, wie sie sich verhalten sollten, machten dann aber einen erleichterten Eindruck, als plötzlich der Hundeführer mit seinem Vierbeiner aus der Tür trat. Der Schäferhund nahm sofort Witterung auf und jaulte verhalten. Als Josu-
ah Parker auf ihn zuschritt, legte das Tier sich flach auf den Boden und studierte die Steinplatten. Es traute sich nicht, Parker auch nur versuchsweise anzublicken. Der Hundeführer, der an den Seestern dachte, faßte unwillkürlich nach seinem Hals und lächelte verlegen. Er wich ein Wenig zurück, als Parker ihn erreichte. »Mr. Stoker befindet sich in seinem Büro?« fragte der Butler. »Natürlich, Sir, natürlich.« Der Hundeführer riß an der Leine, doch der Hund blieb liegen. Er hatte überhaupt keine Lust, sich noch mal mit dem Butler zu befassen, Er knurrte noch nicht mal. »Darf man sich an Ihrem momentanen Befinden erkundigen?« wollte Josuah Parker wissen. »Alles okay, Sir, alles okay«, lautete die schnelle Antwort. Dann zog und zerrte der Hundeführer weiter an der Leine und schleifte seinen Vierbeiner von der Haustür weg. Mylady und Parker konnten ohne weiteres eintreten. Die beiden jungen Männer waren in das Lagerhaus gelaufen. Entweder wollten sie sich in Sicherheit bringen, oder aber sie leiteten irgendeinen Racheplan ein. Parker kümmerte sich aber nicht weiter um sie. Mylady brachte ihre junonische Fülle hinauf ins erste Geschoß und marschierte dann energisch auf ein Büro zu, dessen Tür weit geöffnet war. Zwei Männer etwa vierzig Jahre alt, machten gerade Teepause. Es waren stämmige, sehr handfest aussehende Kerle, die Mylady neugierig betrachteten. »Ich warte«, sagte die ältere Dame barsch, als sie den Raum betreten hatte. »Worauf?« fragte einer der Stämmigen. »Ich warte darauf, daß Sie aufstehen«, redete die Detektivin grollend weiter, »Sie sehen sich einer Dame gegenüber.« »Eine Geste der Höflichkeit wäre durchaus angebracht«, schaltete Josuah Parker sich würdevoll ein. 19
»Seid ihr noch zu retten?« fragte der Mann, der nicht wußte, worauf Mylady wartete. Die ältere Dame antwortete auf ihre unverwechselhafte Art. Sie holte mit dem Pompadour aus und knallte den darin befindlichen Glücksbringer auf die Tischplatte. Daraufhin sprangen die beiden großen Teebecher etwa achteinhalb bis zehn Zentimeter hoch und kippten nach Erreichen der Gipfelhöhe um. Der heiße Tee mischte sich mit der Milch, die ebenfalls umgefallen war. Die Stämmigen sprangen auf, fuhren zurück und starrten Lady Agatha entgeistert an. »Sie sollten zukünftig die Form wahren«, mahnte Josuah Parker und öffnete eine Doppeltür. Er betrat ein nüchtern eingerichtetes Büro und lüftete die schwarze Melone in Richtung eines schlanken, großen Mannes, der eine Hornbrille trug. »Mr. Jimmy Stoker?« fragte Parker gemessen. »Stoker«, bestätigte der Brillenträger und erhob sich vom Schreibtischsessel, »und wer sind Sie?« »Sie haben die Ehre, Lady Simpson einige Fragen beantworten zu dürfen«, antwortete Josüah Parker und blieb links von der Tür stehen. Er rechnete mit weiteren Besuchern. Da waren schließlich immer noch die beiden Stämmigen im Vorzimmer, die ihren kleinen Schock inzwischen kompensiert haben mußten. Mit ihrem baldigen Erscheinen war unbedingt zu rechnen.
Sie enttäuschten Parker keineswegs. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis sie auf der Bildfläche erschienen. Sie zeigten dabei nur wenig Vorsicht, hatten sich mit tückischen Stahlruten ausgerüstet, und waren fest entschlossen, Mylady und Parker, damit zu Leibe zu rücken. 20
Der Butler setzte den Bambusgriff seines Universal-Regenschirms auf die Brust des Mannes, der ihm am nächsten war. Der Getroffene verbeugte sich daraufhin ungemein höflich, warf die Stahlrute weg und kniete dann devot vor Lady Simpson. Er wirkte wie ein Vasall, der seiner Königin huldigte. Der zweite Mann fuhr herum und wollte Parker attackieren. Er hatte die wippende Stahlrute bereits hochgerissen Und brauchte eigentlich nur noch zuzuschlagen. Er konnte den Butler einfach nicht verfehlen. Doch Josuah Parker war keineswegs gewillt, dies geschehen zu lassen. Mit der Spitze seines Schirmes stach er auf den Angreifer, der daraufhin erst mal die allgemeine Übersicht verlor, dann die Stahlrute und schließlich die Kontrolle über seine Muskeln. Er quiekte verhalten und klappte förmlich in sich zusammen. Anschließend nahm er auf dem Boden neben seinem Partner Platz und gab sich seinen Gedanken hin. »Das war schon recht passabel, Mr. Parker«, urteilte die ältere Dame und nickte wohlwollend, »aber Sie hätten selbstverständlich wesentlich härter zuschlagen müssen.« »Was . . . Was soll denn das?« fragte Jimmy Stoker und rückte seine vor Aufregung verrutschte Brille wieder zurecht, »hören Sie mal, ich habe ...« »Sie haben nur zu antworten, wenn ich Sie frage, junger Mann«, herrschte Lady Agatha den Lkw-Verleiher an, »und jetzt will ich von Ihnen wissen, wo die beiden Wagen geblieben sind, die man vor meinem Haus in Shepherd's Market gestohlen hat.« »Zwei Wagen gestohlen? Ich weiß von nichts.« Jimmy Stoker starrte die ältere Dame völlig entgeistert ah. »Wer behauptet, ich hätte sowas getan?« »Mir ist der Name entfallen«, gab Lady Agatha zurück, »aber Sie wurden mir als Dieb genannt.« »Das ist doch Unsinn«, brauste Sto-
ker auf, »hier will mir jemand ein Bein stellen. Ich habe mit gestohlenen Wagen nichts zu tun.« »Wurde ich gerade beleidigt?« erkundigte sich Agatha Simpson bei ihrem Butler. »Dieser Tatbestand wurde vielleicht andeutungsweise erfüllt, Mylady«, wiegelte der Butler ab. »Nun gut, ich warte«, meinte Agatha Simpson und widmete sich wieder dem Lkw-Verleiher, »ich fühle mich allerdings bereits beleidigt.« »Hier will Sie keiner beleidigen, Lady«, versicherte Stoker nervös und schielte auf die beiden Mitarbeiter, die nach wie vor auf dem Boden saßen und ihren Gedanken nachhingen. »Gewisse Personen der Szene die Ihnen ja nicht unbekannt sein dürfte, versicherten Mylady, daß Sie ein Mitglied der Knacker-Gang sind«, ließ Parker sich jetzt vernehmen. »Niemals«, fuhr Stoker hoch, »niemals! Wer sollen denn diese Knacker sein?« »Der Tatbestand einer akuten Beleidigung rückt immer näher an Mylady heran«, sagte der Butler, worauf die ältere Dame ihren Pompadour in leichte Schwingung versetzte. »Also schön, von den Knackern habe ich vielleicht schon mal gehört«, sagte Jimmy Stoker nun schleunigst, »aber mit diesen Leuten habe ich noch nie zusammengearbeitet. Mein Wort darauf!« »Was wissen Sie im Detail von diesen sogenannten Knackern?« wollte Josuah Parker wissen. »Na ja, die klauen Luxuswagen, wie ich gehört habe«, erwiderte Stoker, »aber mehr weiß ich nicht« »Mylady wären durchaus einverstanden, auch nur von einem Gerücht zu vernehmen«, schickte Parker gemessen voraus, »wer soll Ihrem Wissensstand zufolge diese sogenannten Knacker dirigieren?« »Ich will jetzt endlich einen Namen hören, junger Mann«, donnerte die
energische Dame den Lkw-Verleiher an, »ich lasse mich nicht länger hinhalten.« »Gary Curtis«, kam prompt die Antwort, »aber ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht. Ich habe das nur mal so aufgeschnappt.« »Und wer ist dieser besagte Gary Curtis?« forschte Parker weiter nach. »Curtis macht in Beton-Garagen«, lautete die Auskunft. »Fertiggaragen hier in Lambeth. Aber hören Sie, ich will nichts gesagt haben. Der Mann ist verdammt gefährlich.« »Die genaue Adresse, wenn man höflichst bitten darf.« Parker merkte sich das, was Jimmy Stoker nannte. Er verfügte damit über einen weiteren Anhaltspunkt, um an die Bande der Autoknacker heranzukommen. Ob es sich bei diesem Gary Curtis nun bereits um den richtigen Mann handelte oder nicht, spielte dabei keine Rolle. Parker kam es darauf an, für Unruhe in der einschlägigen Szene zu sorgen. »Habe ich noch weitere Fragen, Mr. Parker?« erkundigte sich die ältere Dame. »Mylady hatten noch die Absicht, sich nach Mr. Bernie Craine zu erkundigen«, erinnerte der Butler und brachte damit den Nachtclub-Betreiber absichtlich ins Gespräch. »Also, junger Mann, was sagen Sie zu meiner Frage?« wollte Lady Agatha wissen. »Craine?« Jimmy Stoker nagte für einen Moment an seiner Unterlippe." »Hat er meinen Namen genannt, Lady?« »Wenden Sie sich an Mr. Parker«, gab sie Unwirsch zurück. »Mylady enthält sich jeden Kommentars«, erwiderte der Butler, »Sie kennen also den gerade erwähnten Mr. Bernie Craine?« »Und ob ich Craine kenne!« Jimmy Stoker fletschte fast die Zähne. »Dieser gerissene Hund hat seine Finger überall drin, aber wenn's darauf ankommt, will er's nicht gewesen sein. 21
Craine will mich also in die Pfanne hauen?« »Diese Frage sollten Sie an Mr. Craine, nicht aber an meine Wenigkeit richten«, entgegnete Josuah Parker. »Das war es bereits, Mr. Stoker. Sie erwiesen sich als ausgesprochen kooperativ, wenn man so sagen will.« »Sie haben mich unter Druck gesetzt«, beschwerte sich der Mann fast vorwurfsvoll. »Reden Sie keinen Unsinn, junger Mann«, raunzte Agatha Simpson ihn daraufhin an, »wer hat denn wen bedroht? Ich bin nur eine schwache Frau, die dazu noch am laufenden Band beleidigt wurde. War es nicht so, Mr. Parker?« »So könnte man in der Tat die Geschehnisse interpretieren«, lautete Parkers Antwort. Dann trat er zur Seite und ließ seine Herrin vorausgehen. Sie stieg über die beiden Männer hinweg, die sich schleunigst flach auf den Boden ausgestreckt hatten. Und es war sicher nur ein dummer Zufall, daß ihr nicht gerade kleiner linker Schuh dabei auf die Brust eines der beiden Stämmigen geriet, der daraufhin einen schrillen Laut ausstieß. »Können Sie denn nicht aufpassen?« fuhr sie ihn zusätzlich noch an, »um ein Haar wäre ich gestolpert.«
Pickett verfügte über tadellose Manieren. Nach kontinentaler Art küßte er Lady Agatha die, Hand. Er besorgte das mit einer oft geübten Selbstverständlichkeit, und Agatha Simpson nickte ausgesprochen wohlwollend. Die Lady, Butler Parker und Horace Pickett hatten sich in der Cafeteria eines großen Warenhauses in der Innenstadt getroffen, nachdem Parker mit dem ehemaligen Eigentumsverteiler per Telefon Kontakt aufgenommen und sich hier verabredet hatte. »Sie bringen hoffentlich gute Nachrichten, mein lieber Pickett«, säuselte 22
die ältere Dame überraschend freundlich, »was sollten Sie noch für mich herausfinden?« »Es geht um die beiden Männer, die den Bentley und den Rolls Royce zurückgebracht haben«, erinnerte Pikkett. Er war groß, schlank, hatte eisgraues Haar, einen gepflegten Schnurrbart in gleicher Farbe und mochte an die sechzig sein. Er erinnerte an einen pensionierten Offizier. »Richtig, mein lieber Pickett«, sagte Agatha Simpson, »Sie haben also herausgefunden, wer die beiden Subjekte sind?« »Und wo man sie entdecken kann?« fügte der Butler hinzu. .. »Freunde von mir haben das festgestellt«, erwiderte Pickett, »die beiden Männer sind zur Zeit arbeitslose Lastwagenfahrer und wohnen in einer kleinen Pension hier in Soho. Sie helfen hin und wieder im Hafen aus. Möchten Sie die Namen der Männer haben?« »Nicht im Augenblick«, erwiderte der Butler, »die Adresse genügt.« »Ich habe die Namen hier aufgeschrieben«, redete Pickett weiter und schob dem Butler einen kleinen Notizzettel zu, »ich glaube nicht, daß die Männer besonders wichtig sind, es sich typische Handlanger.« »Was ich von Anfang an bereits wußte«, behauptete Lady Agatha umgehend. »Den Bentley und den Rolls habe ich wegschaffen lassen«, redete Pikkett weiter, »ich glaube kaum, daß man sie finden wird.« »Ob das eine richtige Entscheidung war, wird sich erst noch herausstellen müssen«, sagte die ältere Dame und blickte ihren Butler an. »Was bezwekke ich eigentlich damit, Mr. Parker? Das wollte ich sie bereits die ganze Zeit fragen, aber dann hatte ich doch wichtigere Dinge zu tun.« »Die sogenannten Knacker stahlen den Bentley und den Rolls Royce, Mylady«, erinnerte Josuah Parker höflich-geduldig, »nach Myladys Inter-
vention im Nachtclub wurden beide Wagen zurückgebracht, eben von jenen Männern, die von Mr. Pickett beschattet wurden.« »Das weiß ich ja längst alles«, meinte sie leicht ungeduldig, »aber warum habe ich die beiden Wagen nicht an meine bestohlenen Gäste zurückgegeben? Ich habe mir doch sicher etwas dabei gedacht, oder?« »Mylady wollen mit dieser kleinen List die Gegenseite irritieren«, setzte Parker ihr weiter auseinander, »Mylady werden Mr. Craine gegenüber darauf bestehen, daß die Wagen endlich herbeigeschafft werden. Mr. Craine weiß aber, daß sie zurückgebracht wurden, nun aber nicht mehr vorhanden sind. Er wird nun seinerseits Ermittlungen anstellen müssen und nach den neuen Dieben suchen.« »Habe ich mir das nicht sehr gut ausgedacht, mein lieber Pickett?« fragte sie bei dem ehemaligen Visitator fremder Brieftaschen an. »Ihre Taktik, Mylady, kann man nicht lernen«, erwiderte Pickett diplomatisch, »die Sache mit den beiden Wagen ist ein Glanzstück. Craine wird jetzt aktiv werden müssen, um Sie zu beruhigen.« »Er möchte erreichen, daß Mylady sich nicht weiter um Autodiebstähle kümmern«, warf Josuah Parker ein, »nur aus diesem Grund ließ Mr. Craine die gestohlenen Wagen wieder herbeischaffen.« »Dann weiß er auch, wer die Autodiebe sind«, gab sie zurück. »Was die Autodiebe ebenfalls wissen, Mylady«, redete der Butler weiter, »sie werden also mit dem Gedanken spielen, Mr. Craine mundtot zu machen. Da Mr. Craine dies jedoch vermutet, wird er schleunigst die Szene verlassen und untertauchen.« »Genau das wollte ich erreichen«, behauptete die ältere Dame. »Seine Sicherheit dürfte erst dann wieder gewährleistet sein, Mylady, wenn die Autoknacker hinter Schloß und Riegel sitzen«, fügte Parker ge-
duldig hinzu, »also dürfte er Mylady einen entsprechenden Hinweis zuspielen.« »Ich bin wirklich gut«, lobte sie sich ohne falsche Bescheidenheit, »so etwas ist kaum noch zu übertreffen.« »Mylady haben sicher die Absicht, Mr. Crain jetzt einen Besuch abzustatten«, vermutete Parker. »Wollte ich mir nicht erst diesen Garagenlümmel ansehen?« fragte sie ein wenig unsicher. »Mylady entschieden sich für Mr. Craine, um die beiden Wagen anzufordern«, gab Parker zurück. »Richtig, so etwas muß ich wohl gesagt haben«, reagierte sie zerstreut, »und dafür gab es gewiß Gründe. Worauf warte ich denn eigentlich noch? Mr. Pickett, ich bin sehr zufrieden mit Ihnen. Irgendwann werde ich Sie zum Tee einladen.« Pickett, der diese Einladungen bereits kannte, zumal sie nie ausgesprochen wurden, deutete eine Verbeugung an. »Sie könnten dann etwas Gebäck mitbringen«, redete sie weiter, »ich sorge dann für den Tee.« »Ich freue mich schon jetzt auf den Tee, Mylady.« Pickett blieb ernst und glaubwürdig. Er kannte die Sparsamkeit der älteren Dame. »Aber jetzt muß ich unbedingt weiter«, sagte sie und erhob sich, »schade, sehr schade, daß ich überall gebraucht werde, es gibt ja leider noch soviel zu tun.« Sie winkte Pickett hoheitsvoll zu und bewegte ihre Fülle dann zum Ausgang. Sie räusperte sich explosionsartig, als plötzlich zwei Männer neben ihr auftauchten und sie in die Mitte nahmen. Beide Besucher der Cafeteria hatten sich Mäntel über den Arm gelegt. Unter diesen Mänteln befanden sich mit letzter Sicherheit Schußwaffen, wie Josuah Parker wußte, der die Szene beobachtet hatte.
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Josuah Parker war in großer Sorge. Er hatte das Gefühl, daß der alten Dame, die sich zudem nicht vorstellen konnte, daß etwas passieren könnte. Agatha Simpson handelte stets impulsiv und wurde aggressiv, wenn man sie unter Druck setzen wollte. Parker war zu weit entfernt, um sich in das Geschehen einschalten zu können. Er stand noch zusammen mit Pickett am Tisch in der Cafeteria. Pikkett hatte die Szene mitbekommen und tauchte augenblicklich in einer Gruppe von Gästen unter, die einen anderen Ausgang wählte. Der Butler tat so, als hätte er den Vorgang völlig übersehen. Er fühlte, daß die beiden Männer ihn beobachteten, ignorierte dies aber und ging zu einem Zigaretten-Automaten, um sich dort recht umständlich eine Packung zu ziehen, obwohl er Zigaretten nicht rauchte, Als er sich aufrichtete, waren Mylady und die beiden Männer bereits nicht mehr zu sehen. Parker ahnte, daß auf keinen Fall die Rolltreppen benutzt würden. Die beiden Männer konnten nur daran interessiert sein, Lady Agatha ohne jedes unnötige Risiko in die benachbarte Tiefgarage zu schaffen. Josuah Parker setzte also wieder mal voll auf seinen Instinkt und schritt zu einem der Aufzüge. Er wählte das Tiefgeschoß und ließ sich nach unten befördern. Im Erdgeschoß angekommen, wechselte Parker in die Tiefgarage und brauchte dazu nur wenige Augenblikke. Er orientierte sich kurz, entdeckte die Eisentür, hinter der sich die Feuertreppe befand, und ging hinter einem der schweren Betonpfeiler der Tiefgarage in Deckung. Er präparierte seinen Universal-Regenschirm, langte nach der Gabelschleuder und steckte sie zusammen. Er war bereit, die beiden Männer und Lady Agatha zu empfangen. Es dauerte erstaunlich lange, bis sich endlich etwas tat. Für einen Augenblick hatte Parker bereits angenommen, auf das falsche Pferd gesetzt 24
zu haben. Doch dann wurde plötzlich die bewußte Eisentür aufgestoßen. Die beiden Männer erschienen und machten einen leicht mitgenommenen Eindruck. Lady Agatha schien nicht unbedingt freiwillig mitgekommen zu sein. Der linke Sakkoärmel eines der beiden Männer war halb herausgerissen worden, der zweite Mann wies ein zerrissenes Oberhemd auf. Einer der beiden Männer hinkte. Doch auch Lady Agatha schien einiges eingesteckt zu haben. Ihre eigenwillige Hutschöpfung saß windschief auf ihrem grauweißen Haar, die Jacke ihres TweedKostüms war ebenfalls eingerissen. Die Männer schleppten und zerrten die ältere Dame zu einem dunklen Kastenlieferwagen, aus dem ein dritter Mann stieg, der um den Wagen herumlief und die hintere Tür öffnete. Parker zögerte keinen Moment und setzte zuerst einen seiner gefürchteten Pfeile ein. Dieses seltsame Geschoß, das aus dem Blasrohr eines Amazonas-Indianers zu kommen schien, war etwa so groß wie eine Stricknadel und wies am Schaft einige kleine bunte Fe-, dem auf. Der Pfeil, angetrieben von komprimierter Kohlensäure, jagte durch den hohlen Schirmstock undflog auf den links von Agatha Simpson stehenden Gangster zu, der überhaupt, nicht mitbekam, wie ihm geschah. Erst als der Pfeil in seinem linken Oberarm landete, zuckte der Getroffene mit einiger Spätzündung zusammen und ließ Mylady augenblicklich los. Dann starrte er entsetzt auf den Blasrohrpfeil. Wahrscheinlich dachte er automatisch an Pfeilgift und schnellen Tod. Parker nutzte die Verwirrung dazu, ein zweites Geschoß durch die Luft zu schicken. Diesmal benützte er seine Gabelschleuder, in deren Lederschlaufe er eine hart gebrannte Tonmurmel gelegt hatte. Nur ein feines Zischen war zu vernehmen, als diese Tonmurmel sich dem Opfer näherte. Kommentarlos sackte der Mann zu-
sammen und ließ dabei Lady Agatha ebenfalls los. Die ältere Dame blickte ein wenig überrascht auf ihre beiden Begleiter, die nicht mehr ganz bei der Sache waren. Dann erinnerte sie sich daran, daß sie sich noch im Besitz ihres perlenbestickten Pompadours befand. Und sie setzte ihn ungemein gekonnt ein. Als der Fahrer des Kastenlieferwagens einsatzfroh um den Wagen herumkam, um Mylady in Empfang zu nehmen, erlebte er sein Waterloo. Die passionierte Detektivin setzte ihm ihren sogenannten Glücksbringer auf die linke Wangenseite, worauf der Unterkiefer sich ein wenig verschob. Um diesem Mann jede noch so geringe Hoffnung zu nehmen, trat sie ihm kurz danach gegen das linke Schienbein und veranlaßte ihn auf diese Art sich auf den Betonboden zu setzen. Der Mann, der von dem Pfeil getroffen worden war, hatte sich entspannt gegen die Betonwand der Tiefgarage gelehnt und bereits die Augen geschlossen. Das chemische Präparat, mit dem die Pfeilspitze bestrichen war, tat bereits seine Wirkung. »Darf man davon ausgehen, daß Mylady sich wohl fühlen?« erkundigte sich der Butler, während er auf seine Herrin zuschritt und dabei die schwarze Melone grüßend lüftete. »Sie haben mir den ganzen Spaß verdorben«, räsonierte sie prompt, »ich hatte gerade vor, diese Subjekte zu überwältigen.« »Ein Vorgang, der in der Tat deutlich auszumachen war«, gab der Butler höflich zurück. In seinem glatten Gesicht rührte sich kein Muskel.
»Mr. Parker?« fragte Bernie gedehnt und überrascht. »In der Tat, Mr. Craine«, antwortete der Butler, der von Lady Simpsons Haus anrief, »Sie hatten angekündigt,
die beiden gestohlenen Wägen zurückbringen zu lassen.« »Natürlich habe ich das angekündigt. Und sie müssen längst bei Ihnen in Shepherd's Market sein.« »Eine Behauptung, die noch des Beweises bedarf«, redete Parker weiter, »bisher konnte die Rückkehr der beiden Wagen noch nicht registriert werden.« »Das verstehe ich nicht, Mr. Parker.« Bernie Craine atmete hörbar durch. »Ich weiß genau, daß sie zurückgebracht werden sollten.« »Man dürfte Sie falsch informiert haben, Mr. Craine. Mylady ist verständlicherweise verstimmt.« »Lady Simpson?« fragte Craine überflüssigerweise. »Lady Simpson«, bestätigte der Butler, »Mylady erwägt eine härtere Gangart gegenüber den sogenannten Knackern.« »Knacker, Mr. Parker? Hören Sie, da muß ein Mißverständnis vorliegen. Man hat mir zugesagt, die beiden Wagen zurückzuschaffen. Und darauf habe ich mich verlassen. Ich werde sofort Nachforschungen anstellen.« »Sie wissen mit dem Begriff Knakker demnach einiges anzufangen, wie meine Wenigkeit vermutet.« »Ich . . . Ich habe schon mal davon gehört, aber nur am Rand, Mr. Parker. Ah, das alles ist mir verdammt unangenehm.« »Sie untertreiben, Mr, Craine, oder aber Sie schätzen Ihre momentane Lage nicht richtig ein.« »Wie soll ich denn das verstehen?« »Die sogenannten Auto-Knacker müssen durchaus befürchten, daß Mylady sich ab sofort mit Ihnen in Verbindung setzen wird, um Informationen über die Diebe der bewußten Wagen einzuholen.« »Ich weiß überhaupt nichts von diesen Knackern«, versicherte der Nachtclubbesitzer eindringlich, »ich habe, was die beiden Schlitten betrifft, nur ein paar lose Verbindungen benutzt.« »Hoffentlich sehen die Knacker dies 25
ebenso«, erklärte der Butler, »es könnte natürlich auch sein, daß man Sie als Mitwisser mundtot machen wird. Die Methoden der Knacker sollen rigoros sein.« Auf der Gegenseite blieb es für einen Moment still, dann war wieder das scharfe Atmen von Bernie Craine zu vernehmen. »Ist das auch kein Trick mit den beiden Wagen?« wollte Craine nun wissen. »Mylady pflegt niemals mit Tricks zu arbeiten, Mr. Craine. Da Sie die Lage nicht mehr zu überblicken vermögen, werden Mylady und meine Wenigkeit ab sofort jeden weiteren Kontakt zu Ihnen beenden.« Parker legte auf und begab sich in die große Küche des altehrwürdigen Hauses, um einen kleinen mittäglichen Imbiß für Lady Agatha zuzubereiten. Er hatte die Küche hoch nicht ganz erreicht, als das nach unten geschaltete Telefon sich bereits meldete. Parker hob den Hörer jedoch nicht ab. Er wußte mit letzter Sicherheit, daß Craine am Apparat war. Der Anrufer versuchte noch einige Male kurz hintereinander, Parker an den Apparat zu locken, doch er reagierte nicht. Da bis zum Servieren des Imbiß noch etwas Zeit verblieb, begab sich der Butler in einen anderen Teil des ausgedehnten Souterrains und warf einen Blick in das Gästezimmer, in dem die drei Männer aus der Tiefgarage untergebracht waren. Parker hatte sie mit dem kleinen Kastenlieferwagen hierher geschafft und sie gebeten, sich als Gäste des Hauses zu fühlen. Während der Fahrt nach Shepherd's Market hatte die ältere Dame Parkers hochbeiniges Monstrum bewegt und erstaunlicherweise kein Chaos angerichtet. Das versuchte Kidnapping schien ihr doch ein wenig unter die Haut gegangen zu sein. Die drei Männer machten einen niedergeschlagenen Eindruck, wie Parker durch den kleinen, Türspion feststellein konnte. Sie befanden sich in 26
durchaus komfortabler Umgebung, was die Zimmereinrichtung betraf. Es gab zwei Bettcouches, Sessel und ein Sideboard, auf dem Flaschen mit Fruchtsaft und Gläser standen. Eine Tür führte hinüber in ein völlig regulär eingerichtetes Badezimmer. Man redete nicht miteinander und hing offensichtlich seinen mit Sicherheit trüben Gedanken nach. Falls sie aber redeten, sorgte eine hausinteme Anlage dafür, daß diese Gespräche mitgeschnitten wurden. Noch ließ der Butler sich bei den Gästen des Hauses nicht sehen. Sie brauchten noch einige Zeit, um sich mit dieser für sie neuen Situation abzufinden. Parker hatte viel Zeit
»Mylady pflegt noch der Ruhe«, sagte Josuah Parker, als Kathy Porter und Mike Rander am frühen Nachmittag im Haus der älteren Dame erschienen. »Schläft sie tatsächlich, Parker, oder sieht sie sich wieder mal einen Fernseh-Krimi an?« fragte der Anwalt lächelnd. »Mylady studiert zur Zeit einen Kriminalfilm, Sir«, berichtete der Butler, »meine Wenigkeit darf daran erinnern, daß Mylady plant, innerhalb der nächsten Tage schon mit der Niederschrift eines Drehbuches zu beginnen.« Agatha Simpson hatte tatsächlich vor, sich auf literarischem Gebiet zu betätigen. Es war ihre erklärte Absicht, erst mal einen Bestseller zu schreiben. Dann plante sie, eine gewisse Schriftstellerin namens Agatha Christie völlig in den Schatten zu stellen. Und schließlich wollte sie dann noch eine Krimi-Serie für das britische Fernsehen starten. Ihre Pläne waren groß, ihre Absichten ebenfalls, doch sie hatte bisher einfach keine Zeit, um zur Tat zu schreiten. Sie ließ sich nur zu gern ablenken. »Miß Porter und ich haben mit einigen Fachleuten aus Kreisen der Spedi-
tion gesprochen«, schickte Mike Rander voraus, während Josuah Parker Sherry servierte; »es sind erklärte Spezialisten, die sich für uns den Kopf zerbrochen haben.« »Es herrscht die Ansicht vor, Mr. Parker, daß man Autos nicht so ohne weiteres verladen kann«, schaltete Kathy Porter sich ein, »dazu braucht man Kaianlagen, schweres Hebezeug und entsprechende Schiffe.« »Die normalen Häfen dürften für einen Abtransport der gestohlenen Fahrzeuge kaum in Betracht kommen«, ließ Parker sich vernehmen, »die einschlägigen Kontrollen sind zu streng, was allein die Ausfuhrpapiere betrifft.« »Wir haben nachgebohrt«, meinte der Anwalt, »wir haben von verschwiegenen Buchten gesprochen. Darüber sollten die Leute sich mal ihre Gedanken machen. Und sie haben es getan!« »Ihnen wurden Möglichkeiten einer illegalen Verladung angeboten, Sir?« erkundigte sich der Butler. »Komplizierter geht's kaum noch, nicht wahr, Kathy?« »Ein kleiner Frachter schon kann nicht nahe genug an die Küste heran, um die gestohlenen Wagen aufzunehmen«, redete Kathy Porter weiter, »er muß auf Reede bleiben. Um die Fahrzeuge an solch einen Frachter aber heranzubringen, braucht man eine Art Fähre, die ihrerseits wieder beladen werden muß.« »Die Knaben von den Speditionen boten uns noch eine weitere Möglichkeit der Verladung dieser Fahrzeuge an«, sagte der Anwalt, »sie sprachen von einem Lasten-Hubschrauber den man aber weithin hören und sehen würde. Eine heimliche Verschiffung der Fahrzeuge halten die Fachleute für ausgeschlossen.« »Könnte man dazu nicht vielleicht eine besonders abgelegene und stille Bucht benutzen, Sir?«erkundigte sich der Butler. »Wo wollen Sie die hier finden, Par28
ker?« fragte Mike, Rander skeptisch zurück, »so etwas gibt es höchstens im Norden der Insel. Aber dabei sollten Sie die Küstenwache nicht übersehen. Zudem gibt es auch noch Radar zur Überwachung der gesamten Küstenlinie.« »Dennoch müssen die sogenannten Knacker Mittel und Wege gefunden haben, Sir, um die gestohlenen Fahrzeuge außer Landes zu bringen.« »Vielleicht zerlegt in Einzelteile, Mr. Parker?« bot Kathy Porter eine weitere Möglichkeit an. »Getarnt als Schrott«, fügte Mike Rander hinzu, »was halten Sie denn von solch einer Variante, Parker?« »Getarnt unter Schrott, Sir, wenn meine Wenigkeit diese kleine. Korrektur anbringen darf«, antwortete Josuah Parker. »Das wäre doch eine Lösung des Problems«, redete der Anwalt weiter, »und ich muß gestehen, daß sie mir verdammt gut gefällt.« »Man sollte solch eine Möglichkeit keineswegs ausschließen, Sir«, gab der Butler zurück, »wenngleich solch ein Verfahren vielleicht ein wenig ineffektiv sein dürfte. Dazu müßte man die Luxuswagen erst mal demontieren und sie später wieder zusammensetzen. Darunter könnten die Fahrzeuge bei unsachgemäßer Behandlung leiden.« »Okay, Parker, dann warten wir auf Ihren Vorschlag«, erwiderte der Anwalt lächelnd, »ich wußte doch gleich, daß ich wieder mal mit Zitronen gehandelt hatte.« »Meine Wenigkeit möchte keineswegs auch nur in den vagen Geruch der Besserwisserei geraten, Sir«, schickte Josuah Parker voraus, »man erlaubte sich, an geeignete Container zu denken, die von der Größe her in der Lage sind, Luxusfahrzeuge ohne Schwierigkeiten aufzunehmen.« »Werden diese Container vor dem Verschiffen nicht geprüft?« wollte Kathy Porter wissen. »Mit Sicherheit, Miß Porter«, ent-
gegnete der Butler, »aber man räumt solche Container selbstverständlich nicht aus, wenn die Begleitpapiere keinen entsprechenden Verdacht aufkommen lassen. Man könnte die gestohlenen Fahrzeuge in den Containern geschickt tarnen.« »Okay, Problem erkannt, Problem gelöst«, ließ Mike Rander sich ein wenig spöttisch vernehmen, »jetzt brauchen wir nur noch die richtigen Container zu finden.« »Und die Personen, Sir, die diese Container entsprechend füllen und präparieren«, fügte Josuah Parker hinzu, »womit man wieder bei den erwähnten Auto-Knackern sein dürfte.« »Die uns Knüppel zwischen die Beine werfen werden, Parker. Wo wollen wir ansetzen?« »Könnten uns die Gäste unten im Souterrain nicht Weiterhelfen?« tippte Kathy Porter an. »Es erhebt sich in diesem Zusammenhang die Frage, Miß Porter, ob sie den Knackern zuzurechnen sind.« »Etwa nicht?« wunderte sie sich. »Meine Wenigkeit möchte unbedingt noch mal auf die beiden Personen verweisen, Miß Porter, die man im Büro des Mr. Bernie Craine antraf«, erinnerte Josuah Parker, »es handelte sich um die Herren Lefty Sonteff und Hale Brady, die beide aus den Staaten kommen.« »Eindeutig zwei Gangster, wie?« fragte Rander nach. »Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, Sir«, lautete Parkers Antwort, »es fragt sich, ob sie mit den gestohlenen Luxuswagen überhaupt in Verbindung zu bringen sind.« »Sie vermuten, unsere Gäste könnten von diesen beiden US-Besuchern engagiert worden sein?« Wollte Kathy Porter wissen. »Man sollte dieser Frage nachgehen, Miß Porter«, schlug Josuah Parker vor, »die Herren Sonteff und Brady könnten auch wegen ganz anderer Geschäfte den Nachtclubbetreiber Craine aufgesucht haben. Nicht ohne Grund ver-
suchte Mr. Craine, Mylady zu besänftigen und für die Rückgabe der beiden gestohlenen Wagen zu sorgen. Und nicht ohne Hintergedanken verwies Mr. Craine auf die beiden Gangster Jimmy Stoker und Gary Curtis. Es war und ist sicher seine Absicht, Mylady von den beiden Besuchern abzulenken.« »Und was werden Sie unternehmen, Parker?« wollte der Anwalt wissen. »Mylady haben die Absicht, dem Fertiger von Betongaragen einen Besuch abzustatten, der möglicherweise nicht sehr friedlich verlaufen wird.« »Und was bleibt da für uns?« Rander zeigte auf Kathy Porter und sich. »Wir möchten wieder mal mitspielen«, warf Kathy Porter ein. »Es wäre von Nutzen zu erfahren, Miß Porter, nach welchen Modalitäten Container verschifft werden«, gab Josuah Parker zurück, »darf man dies vielleicht als eine Anregung betrachten?« »Man darf«, sagte Mike Rander, »Miß Porter und ich werden uns jetzt erst mal sachkundig machen, Parker. Passen Sie und Mylady inzwischen auf sich auf, damit sie nicht einbetoniert werden!«
Die Betonwarenfabrik machte einen durchaus guten Eindruck. Nachdem Parker durch das Tor auf das Grundstück gefahren war, sah er sich umgeben von kleinen Gebirgen, die aus Betonfertigteilen aller Art bestanden. Neben Fertiggaragen bot Gary Curtis auch Kanalrohre in fast jeder Übergröße an. Dazu gab es SandwichBauteile für Kellergeschosse und Fabrikationshallen. Klein war dieser Betrieb nicht, wenngleich auch kein einziger Mitarbeiter weit und breit zu sehen war. »Nun, Mr. Parker, was halte ich denn davon?« erkundigte sich die ältere Dame. Sie saß im Fond von Parkers hochbeinigem Monstrum und machte einen 29
etwas angespannt-neugierigen Eindruck. »Meine Wenigkeit möchten davon ausgehen, daß Mylady sich zu wundern geruhen«, beantwortete Parker die Frage. »Das ist völlig richtig«, bestätigte Agatha Simpson, »nach Unterwelt sieht das hier aber gar nicht aus. Offen gesagt, Mr. Parker, ich bin etwas enttäuscht.« Parker, der die Betongebirge inzwischen passiert hatte, hielt auf ein zweistöckiges Bürogebäude zu, das natürlich aus Fertigteilen bestand. Vor diesem langgestreckten Bau parkten einige Wagen, darunter befand sich eine Jaguar-Limousine. »Aha«, reagierte Agatha Simpson umgehend, »wahrscheinlich ein gestohlenes Fahrzeug, wie?« »Nicht unbedingt, Mylady«, wiegelte Josuah Parker ab, »solch ein Fahrzeug hätte man wohl mit Sicherheit den Blicken der Öffentlichkeit entzogen.« »Wer weiß, wer weiß.« So schnell Wollte sie sich nicht geschlagen geben. »Ich werde den Dingen natürlich auf den Grund gehen, Mr. Parker. Erinnern Sie mich daran.« Parker hatte sein hochbeiniges Monstrum angehalten, stieg aus und öffnete den hinteren Wagenschlag. Lady Agatha schob ihre Fülle ins Freie und schaute sich unternehmungslustig um. Als sie einen mittelgroßen Mann ausmachte, der um die Hausekke kam, steuerte sie sofort auf ihn zu. Der Mann war vielleicht fünfzig, untersetzt und stämmig. Er trug Manchesterhose, kariertes Hemd und Lederjacke. Er kaute auf einer dicken Zigarre, erblickte Agatha Simpson seinerseits und ging ihr dann entgegen. »Gurtis«, stellte er sich vor, »was kann ich für Sie tun, Madam?« »Lady Simpson«, erwiderte Parker, der inzwischen neben seiner Herrin stand, »mein Name ist Josuah Parker.« »Lady Simpson und Butler Parker.« 30
Gary Curtis schien mit den beiden Namen etwas anfangen zu können. Er musterte seine Besucher ausgesprochen neugierig. »Lady Simpson wünscht eine Auskunft in Sachen Auto-Knacker, Mr. Curtis«, schickte der Butler voraus, »Ihr Name wurde in diesem Zusammenhang als der eines Experten bezeichnet.« »Und wer hat meinen Namen genannt?« fragte Curtis und wirkte plötzlich amüsiert. »Ein Lkw-Verleiher«, platzte Lady Agatha heraus und pfiff somit auf alle Taktik, »wie hieß denn noch die Person, Mr. Parker?« »Wahrscheinlich war es Jimmy Stoker, oder?« Gary Curtis lächelte wissend und zeigte keinen Ärger, »er nutzt jede Gelegenheit, mir was anzuhängen. Sie also sind Lady Simpson und Butler Parker?! Ich hatte Sie mir völlig anders vorgestellt.« »Man kann hoffentlich davon ausgehen, Mr. Curtis, daß Sie angenehm enttäuscht sind«, meinte Josuah Parker. »Kaum zu glauben, daß so etwas wie Sie sich mit der Unterwelt anlegt«, wunderte sich Gary Curtis, »eigentlich sind Sie doch bereits im reifen Pensionsalter.« »Ich hoffe, Sie wollten mich gerade beleidigen«, erwiderte die ältere Dame und brachte ihren Pompadour umgehend in Schwingung. »Aber überhaupt nicht«, wehrte Gary Curtis sofort ab, »Sie sollen ja schließlich Erfolge haben, also muß an Ihnen was dran sein, denke ich.« »Lenken Sie gefälligst nicht vom Thema ab, junger Mann«, raunzte die resolute Dame den Betonwarenfabrikanten an, »wie ist das mit den gestohlenen Luxuswagen? Sie gehören selbstverständlich zu diesen Subjekten, die sich Knacker nennen, wie?« »Ist das 'ne Masche von Ihnen, so einfach mit der Tür ins Haus zu fallen, Lady?« wunderte sich Gary Curtis schon wieder.
»Mylady liebt die rückhaltslose Offenheit«, antwortete Parker für seine Herrin. »Ich ebenfalls«, meinte Curtis, schob seinen Ring- und Mittelfinger in den Mund und stieß einen schrillen Pfiff aus. »Was soll das?« fragte Lady Agatha. »Mr. Curtis dürfte mit diesem Pfiff einige seiner Mitarbeiter auf den Plan rufen wollen«, gab Josuah Parker zurück. »Nach Lage der Dinge ist bereits in den nächsten Sekunden mit einigem Ungemach zu rechnen, Mylady.«
Parker hatte sich nicht getäuscht. Um die Ecke des Bürotraktes kamen zwei Männer in grauen Overalls. Sie hatten sich mit einem Spaten und einer handlichen Brechstange bewaffnet. Sie bremsten ihren Schwung ab, als sie Curtis, Lady Simpson und den Butler ausmachten. »Scheucht sie vom Gelände, Jungens, aber sorgt dafür, daß sie ein paar Mal stolpern«, sagte Gary Curtis wie beiläufig, »sie brauchen ein paar Schrammen, von mir aus auch einen Knochenbruch.« Curtis trat ein wenig zurück, um seine Mitarbeiter nicht zu behindern. Dadurch aber brachte er sich genau in den Wirkungsbereich des Pompadours, der an langen Schnüren hing und so über eine beachtliche Reichweite verfügte. Lady Agatha nutzte dies konsequent und geradezu lustvoll aus. Sie ließ den perlenbestickten Handbeutel fliegen und setzte ihn dann gekonnt auf die Brust des überraschten Betonwarenherstellers. Gary Curtis wurde voll erwischt und klatschte satt gegen die Wand der Bürobaracke. Sein Hinterkopf suchte und fand innigen Kontakt mit den Betonfertigteilen, aus denen das Bürohaus bestand. Curtis verdrehte die Augen zuerst nach oben, schielte dann Lady Simpson an und rutschte schließlich völlig entspannt zu Boden.
Die beiden Männer, die von Curtis herangepfiffen worden waren, hatten sich in Salzsäulen verwandelt. Sie starrten auf Lady Agatha, die freudig, vielleicht auch ein wenig boshaft lächelte. »Die Herren hatten spezielle Wünsche?« fragte Parker sie in seiner höflichen Art. »Nee, eigentlich nicht«, antwortete der Mann, der den Spaten zum Schlag gehoben hatte. »Oder doch.« Der Mann mit der handlichen Brechstange hatte sich gefaßt und wollte zur Sache kommen. Da er knapp vor dem Butler stand, wollte er ihm die Brechstange über die linke Schulter ziehen. Parker wartete den richtigen Moment ab, um dann seitlich auszuweichen. Vom Schwung des Schlages mitgerissen, verbeugte sich der Mann förmlich und gab Parker so Gelegenheit, seinerseits mit dem Regenschirm zuzuschlagen. Der Butler besorgte das mit fast elegant zu nennender Geste. Er warf den Regenschirm senkrecht in die Luft, griff dann mit der rechten Hand, die von einem schwarzen Handschuh umgeben war, nach dem unteren Drittel des Schirmstocks und setzte den Bambusgriff danach zwischen die Schultern des Schlägers. Der Getroffene legte sich flach auf die Steinplatten und rutschte auf dem rauhen Waschbeton etwa dreißig Zentimeter nach vom. Nachdem seine Energie sich verbraucht hatte, blieb er ruhig liegen. Der Mann mit dem Spaten hatte nur noch den einen Wunsch, möglichst schnell das Feld zu räumen. Er kam jedoch nicht weit. Parker bremste die Absetzbewegung mit dem Schirmgriff, den er hinter den rechten Fuß des weglaufenden Mannes legte. Dann genügte ein kurzer Ruck, um auch diesen Mann auf den Waschbeton zu schicken. Der Spaten klapperte über die Platten und blieb vor Kanalrohren aus Beton liegen. 31
Ähnlich erging es dem Mann nach völlig mißglücktem Versuch, halbwegs wieder auf die Beine zu gelangen. Parker wandte sich Lady Agatha zu Und lüftete höflich die schwarze Melone. »Recht begabt, Mr. Parker«, kommentierte die Detektivin den Einsatz, »ich bin sicher, daß Sie es eines Tages noch lernen werden.« »Mylady wecken Hoffnung in meiner bescheidenen Wenigkeit«, gab der Butler zurück. »Falls es erlaubt ist, sollte man die Personen in eine Lage versetzen, die es ihnen nicht mehr gestattet, sich später in das Geschehen einzuschalten.« »Ich lasse Ihnen da völlig freie Hand«, meinte Agatha Simpson und nickte wohlwollend, »tun Sie sich keinen Zwang an, Mr. Parker. Ein Mann wie Sie braucht sein Aha-Erlebnis!«
Josuah Parker improvisierte. Nachdem er Curtis' stämmige Mitarbeiter in ein senkrecht stehendes Kanalrohr aus Beton eingefüllt hatte, verschloß er die obere Öffnung mit einem zweiten Kanalrohr, das er quer über das Rohr legte. Dazu benutzte er als Transport- und Hebemittel einen starken Gabelstapler. Die beiden Männer saßen nun fast wie eingemauert in ihrem runden Gefängnis und konnten nicht weiter stören. Lady Agatha spritzte inzwischen den Betonwarenhersteller mit Wasser ab, das aus einem Schlauch stammte. Sie besorgte dies mit Zielsicherheit und Hingabe. Gary Curtis war längst wieder zu sich gekommen und prustete wie ein Rekordschwimmer. »Nun haben Sie sich gefälligst nicht so«, herrschte Sie Curtis an, »reißen Sie sich zusammen!« Sie gab ihm eine Chance, sich aufzurichten. Curtis streckte abwehrend die Arme aus. »Genug, Lady, genug«, gurgelte er 32
und spuckte Wasser, »ich bin bedient.« »Nun, man wird sehen, junger Mann«, erwiderte sie, »Mr. Parker wird Ihnen einige Fragen stellen, und zwar in meinem Auftrag. Halten Sie sich an die Wahrheit! Ich merke sofort, wenn man mich belügt.« »Man sollte vielleicht noch mal auf das Thema Auto-Knacker zurückkommen«, schlug der Butler in seiner höflichen Art vor, »Mylady wünscht dazu einige Informationen.« »Okay, ich kenne die Auto-Knakker«, räumte Gary Curtis ein, »daß es die gibt, ist ja kein Geheimnis.« »Mylady möchte wissen, wer die sogenannten Auto-Knacker agieren läßt.« »Wie war das?« Gary Curtis spuckte noch etwas Wasser und sah den Butler irritiert an. »Wie heißt das Subjekt, daß die Auto-Knacker führt?« übersetzte Agatha Simpson ihres Butlers Ausdrucksweise. »Ich hab' wirklich keine Ahnung, Lady«, sagte Curtis ungemein hastig, »ich schwöre, daß ich keine Ahnungha . . . « Der Rest des geplanten Satzes ging in ein Gurgeln über. Lady Agatha hatte den Wasserschieber wieder voll aufgedreht und spritzte den Betonwarenhersteller noch mal gründlich ab. Curtis krabbelte auf allen Vieren davon, bis der Wasserstrahl ihn auf dem Waschbeton festnagelte. »Okay«, meinte er schließlich, als die Lady ihm erneut eine Atempause verschaffte, »wenden Sie sich an Bernie Craine, der weiß mehr darüber.« »Wer ist Bernie Craine?« wollte die Detektivin umgehend wissen. Sie schien den Namen vorher noch nie gehört zu haben., »Der hat 'nen Nachtclub in Chelsea«, erklärte Curtis, »Craine hat seine Finger überall drin, glauben Sie mir.« »Was sage ich zu dieser Bitte, Mr. Parker?« Die ältere Dame wandte sich an ihren Butler.
»Mylady sollten dieser Anregung vielleicht nachgehen«, schlug Josuah Parker vor. »Und was mache ich inzwischen mit diesem Subjekt hier? Schließlich sollte ich doch mißhandelt werden, oder etwa nicht?« »Man könnte auch Mr. Curtis in eine Betonröhre verpacken, Mylady.« »Aber in eine enge«, meinte sie mit Nachdruck, »aber glauben Sie nicht, daß ich nachtragend bin, Mr. Parker.« »Meine Wenigkeit würde nie auf solch einen Gedanken kommen, Mylady.« »Bevor wir fahren, Mr. Parker, werde ich noch einen Blick in die Firmenräume werfen.« »Möglicherweise werden Mylady fündig«, versicherte Josuah Parker, um sich dann mit Gary Curtis zu befassen. Er lud ihn ein, in eine der Betonröhren zu steigen. Curtis, der inzwischen mit Parker allein war, reagierte giftig. »Dafür werden Sie mir noch bezahlen«, sagte er gereizt, »so ist noch niemand mit mir umgesprungen.« »Sie können von Glück sagen, Mr. Curtis, daß Mylady sich momentan in einer besonders heiteren Grundstimmung befindet«, erwiderte der Butler. »Darf man daran erinnern, Mr. Curtis, daß Sie an einigen Knochenbrüchen interessiert waren, was Mylady und meine Wenigkeit betraf?« »Das war doch nur so dahergeredet«, verteidigte sich Curtis, »ich war eben wütend.« »Sie sollten sich bei Mr. Jimmy Stoker bedanken«, schlug der Butler vor, »der Verleiher von Lastkraftwagen war in der Tat so entgegenkommend, Ihren Namen im Zusammenhang mit den erwähnten Auto-Knackern zu nennen.« »Stoker werde ich mir noch kaufen.« »Wäre dieses Betonrohr eventuell genehm?« fragte Parker und deutete mit der Schirmspitze auf ein ganz be-
stimmtes Kunstwerk aus der Fabrikation. »Ich soll da tatsächlich 'reinklettern?« entrüstete sich Gary Curtis. »Wenn Sie bitte so freundlich wären, Mr. Curtis.« Parker, nickte andeutungsweise, worauf der Betonwarenhersteller seufzte und sich daran machte, das hohe, aufrecht stehende Betonrohr zu erklettern. Es dauerte einige Zeit, bis er dann im Rohr verschwunden war. Josuah Parker bemühte noch mal den mächtigen Gabelstapler und legte ein zweites Rohr über die Öffnung. Auch Curtís wurde es auf diese Art unmöglich gemacht, sein Gefängnis zu verlassen. Der Butler begab sich hinüber zum Bürogebäude und fand dann die ältere Dame, die dabei war, eine kleine Durchsuchung vorzunehmen. Auch bei dieser Gelegenheit bewies sie mit leichter Hand, wie schnell und konsequent sie für Chaos sorgen konnte.
»Und warum fahre ich nicht sofort zu diesem Nachtclub-Subjekt?« erkundigte sich die ältere Dame. Sie saß wieder im Fond von Parkers Wagen und machte einen unzufriedenen Eindruck. »Mylady gehen von der sicheren Tatsache aus, daß man dort bereits auf Mylady wartet«, lautete Parkers Antwort. »Meine Wenigkeit darf in diesem Zusammenhang an die drei Personen erinnern, die Mylady in der Cafeteria des Warenhauses entführen und dann von der Tiefgarage aus wegschaffen wollten.« »Gut, gut, und was unternehme ich jetzt?« fragte sie, »ich gehöre nicht zu den Frauen, die ihre Hände in den Schoß legen, Mr. Parker. Das sollten gerade Sie wissen.« »Mylady deuteten an, die drei Gäste im Haus vernehmen zu wollen«, meinte Parker gemessen, »aber möglicher33
weise kann meine Wenigkeitsich auch verhört haben.« »Sie haben sich nicht verhört.« Sie nahm Parkers Anregung dankbar auf. »Ich will schließlich endlich wissen, wer m i r die drei Lümmel auf den Hals geschickt hat, Mr. Parker.« »Mylady denken sicher bereits an die beiden Herren Lefty Sonteff und Hale Brady. »Wer ist denn das schon wieder?« »Die Besucher aus den USA, die Mylady in Mr. Craines Büro vorfanden.« »Wie ich bereits sagte.« Sie nickte wie selbstverständlich. »Sie gehören natürlich zu diesen Auto-Knackern, Mr. Parker.« »In einem Kriminalfall sollte man keine Eventualität ausschließen«, gab Parker diplomatisch zurück. »Denken Sie an meine Worte«, redete sie eifrig weiter, »ich irre mich eigentlich nie.« Parker verzichtete auf eine Antwort. Er hüllte sich in Schweigen, blickte in fast regelmäßigen. Abständen in den Außenspiegel seines hochbeinigen Monstrums und beobachtete die Straße hinter sich. Er dachte an die verhinderten Kidnapper aus der Cafeteria. Sie waren schließlich urplötzlich erschienen, mußten also die ganze Zeit über Mylady und ihn beschattet haben. So etwas durfte nicht noch mal passieren, das Risiko war einfach zu groß. Parker konnte keine Verfolger aus-achen, was jedoch kein Beweis dafür war, daß man nicht beschattet wurde. Der Verkehr auf den Straßen war einfach zu unübersichtlich. Gerissene Profis hatten durchaus die Möglichkeit, sich verdeckt an einen ganz bestimmten Wagen zu hängen. »Ich habe mir Gedanken über den Abtransport der gestohlenen Luxuswagen gemacht«, ließ Agatha Simpson sich nach einer Weile vernehmen, »das Verfahren ist sehr einfach.« »Mylady denken an Möbelwagen?« erkundigte sich Parker höflich. 34
»Tatsächlich«, räumte sie ein, »wie sind Sie darauf gekommen, Mr. Parker?« »In einem Kriminalfall, Mylady, den das Fernsehen zeigte, arbeitete eine Diebesbande nach diesem Verfahren«, redete Parker weiter, »die Luxuswagen wurden in einen Möbelwagen geschafft und dort erst mal Umgespritzt.« »Diesen Film muß ich übersehen haben«, schwindelte Agatha Simpson. Parker wußte genau, daß sie ihn doch gesehen hatte. Sie hatte sogar mit ihm darüber gesprochen. »Mylady beschäftigen sich darüber hinaus aber sicher nach wie vor mit der Kardinalfrage, wie die betreffenden Wagen schließlich außer Landes geschafft werden.« »Natürlich von einer verschwiegenen Bucht aus, Mr. Parker«, erklärte sie munter, »es wird doch irgendwo eine entsprechende Landebrücke oder auch Pier geben. Ich sehe sie förmlich vor mir. Denken Sie an den zweiten Weltkrieg und an die Landung in der Normandie, Mr. Parker. Damals gab es doch schwimmende Landungsbrücken und Pontons.« »In der Tat, Mylady.« Parker war gespannt, was seine Herrin sonst noch vor sich sah. »Sehen Sie.« Sie nickte zufrieden Und ließ sich wieder in die Polster zurücksinken, »Solch ein Landungsgerät brauchen Sie nur zu finden, Mr. Parker, natürlich auch die entsprechende Bucht. So schwer kann das doch gar nicht sein. Ich kann mich schließlich nicht um alles kümmern. Ein wenig müssen Sie sich auch anstrengen.« »Meine Wenigkeit wird sich bemühen«, versprach Josuah Parker. Aufforderungen dieser Art kannte er nur zu gut.
Die drei Männer im sogenannten Gästezimmer des Hauses machten einen sprungbereiten Eindruck. Sie Hatten sich inzwischen erholt und warteten darauf, sich aus eigener Kraft befreien zu können. Sie saßen zwar auf den Bettcouches, aber sie wollten dort ganz sicher kaum bleiben. Sie wurden allerdings ein wenig stutzig, als sie hinter dem Butler Mike Rander ausmachten, der mit in das Souterrain gekommen war. Parker servierte Tee. »Sie haben gleich die Ehre, Mylady einige Fragen beantworten zu dürfen«, sagte Parker, »und da Mylady relativ ungeduldig ist, sollten Sie sich klarer Antworten befleißigen.« »Und gar nicht erst auf die Idee kommen, hier Arger machen zu wollen«, fügte Mike Rander lässig hinzu, »Sonteff und Brady sind weit.« »Wer soll denn das sein?« fragte der Wortführer der Männer. Es war jene Person, die von Parkers Pfeil getroffen wurde. »Klären Sie das mit Lady Simpson«, antwortete der Anwalt und lehnte sich ausgesprochen lässig gegen die Wand des Gästezimmers, »sie hat da so ihre eigenen Methoden, die ziemlich ungewöhnlich sind.« Diesen Eindruck hatte auch einer der drei Männer. Er faßte unwillkürlich nach seiner Kinnlade. »Was soll das verdammte Theater?« fragte der Wortführer, »wir verlangen, daß wir sofort abhauen können, oder wir hetzen Ihnen die Polizei auf den Hals.« »Und die wird Ihnen glauben, wie?« fragte Mike Rander ironisch. »Was wollen Sie der Polizei denn erzählen?« »Naja, wir sind überfallen und entführt worden.« »Von Lady Simpson und ihrem Butler?« »Klar doch. Wir sind 'reingelegt worden, mit Tricks, die nicht fair sind, Von wegen Giftpfeil und so.« »Und das wird man Ihnen bei der Polizei abnehmen, alter Knabe?«
»Weil's doch schließlich stimmt«, brauste der Mann auf, »mir hat man 'nen Pfeil in den linken Oberarm gejagt.« »Und was haben Sie abbekommen?« Mike Rander wandte sich an den Mann, der bisher geschwiegen hatte. »Weiß ich nicht«, gab der zurück und faßte an seinen Hinterkopf. Er fand auf Anhieb die nicht gerade kleine Beule, »weiß ich nicht, aber mich hat da was getroffen.« »Und was sollte das gewesen sein?« Randers Tonfall klang sarkastisch. »Keine Ahnung, bei mir war plötzlich Kurzschluß.« »Und Sie haben ebenfalls plötzlich die Flagge eingeholt?« Rander blickte den zweiten Mann an. »Weil die Lady mir da was auf die Brust gesetzt hat, was . . . Zum Henker, sie hat mich niedergeschlagen. 'n Gaul hätte nich' härter auskeilen können.« »Sie haben alle eine lebhafte Phantasie«, faßte der junge Anwalt zusammen, »und die Polizei wird aus dem Lachen nicht herauskommen.« »Sind wir nun abgeschleppt worden oder nicht?« brüllte der Wortführer wütend. »Stecken wir hier in diesem Bunker oder etwa nicht?« »Meine bescheidene Wenigkeit möchte Sie daran, erinnern, daß Sie einer Einladung Myladys folgten«, schaltete Josuah Parker sich in seiner höflichen Art ein. »Das ist doch gelogen«, brüllte der Mann, »verdammt, wir sind alle betäubt gewesen, als man uns hierher schleppte. Wir haben das überhaupt nicht gemerkt.« »Gehen Sie möglicherweise davon aus, daß die Herren Sonteff und Brady Ihnen das glauben?« fragte der Butler. »Natürlich glauben die da . . . Moment mal, wer sind Sonteff und Brady? Wir kennen die doch überhaupt nicht.« »Ihr nicht zu überhörender Akzent 35
läßt den Schluß zu, daß Sie amerikanische Staatsbürger sind.« »Und zwar kommen Sie aus der Gegend von New York«, fügte Mike Rander lächelnd hinzu, »ich war einige Jahre drüben und habe ein Ohr dafür bekommen.« »Und mir platzt jetzt endgültig der Kragen«, erklärte der Wortführer und wurde leichtsinnig. Er hatte Mike Rander falsch eingeschätzt und hielt ihn für einen Gegner, mit dem man kurzen Prozeß machen konnte. Er lief auf den Anwalt zu und damit auch gleichzeitig in dessen Linke. Der Mann mit der schmerzenden Kinnlade wollte sich mit Parker befassen und ließ sich dazu einen Trick einfallen. Er fintierte mit seiner Rechten und wollte dann nachtreten. Der Butler wich ausgesprochen elegant aus, umfaßte mit den diesmal weiß behandschuhten Händen den Fuß des Tretenden und verdrehte ihn. Daraufhin wendete sich auch der Besitzer des Fußes in der Luft, auf der er bereits schwungvoll lag, und klatschte danach satt zu Boden. Der dritte Mann bremste im letzten Moment seinen Schwung und wich zurück. »Schon gut, schon gut«, sagte er abwehrend, »nur keine Mißverständnisse, Leute, »is' alles nicht so gemeint.« »Wie schön für Sie, alter Junge«, erwiderte der Anwalt, »wie wär's denn jetzt mit einer hübschen Unterhaltung? Ich bin sicher, daß Sie uns eine Menge zu sagen haben.«
»Wie enttäuschend«, urteilte Lady Agatha, die sich zum Nachmittags-Tee in der großen Wohnhalle ihres Hauses eingefunden hatte, »die drei Subjekte haben bereits Geständnisse abgelegt?« »Einer von ihnen, Mylady«, sagte Mike Rander, »aber mehr als er haben die beiden anderen Knaben wohl auch kaum zu sagen.« 36
»Sie gehören zu den Auto-Knakkern, nicht wahr?« Die Detektivin lehnte sich selbstzufrieden zurück. »Ich wußte es doch gleich, mein lieber Junge.« »Natürlich«, antwortete Rander ernst. Es kostete ihn einige Mühe, ein Lächeln zu unterdrücken, zumal Kathy Porter ihn ansah. Sie stand seitlich hinter der älteren Dame und ahnte natürlich, daß jetzt eine Korrektur erfolgte. »Natürlich«, wiederholte Mike Rander, während Parker den Tee reichte, »früher oder später wären die Burschen mit Sicherheit noch Auto-Knakker geworden, daran besteht kein Zweifel. Im Moment aber gehören Sie zu diesen beiden US-Touristen Sonteff und Brady.« »Die gekommen sind, um teure Luxuswagen aufzukaufen, wie?« Agatha Simpson blieb auf ihrer Linie. »Nicht direkt, Mylady«, korrigierte der Anwalt erneut, »sie sind so eine Art Vorhut einer Organisation, die hier in London Fuß fassen will.« »Von welcher Organisation sprechen Sie, Mike?« Agatha Simpson runzelte die an sich schon faltige Stirn noch zusätzlich. »Wahrscheinlich steckt die Mafia dahinter«, vermutete der Anwalt, »Details kennen die drei Leibwächter nicht. Man wird die beiden Knaben Sonteff und Brady sprechen müssen.« »Was ich natürlich tun werde«, versprach die ältere Dame umgehend, »der Tag ist noch lang. Und was haben die drei Subjekte nun ausgesagt?« »Ihr Auftritt, Mr. Parker.« Rander wandte sich an den Butler und fügte dann in Richtung Mylady erklärend hinzu, »er hat sich mit diesem Singvogel befaßt, ich bin bei den beiden anderen Leuten geblieben.« »Die Herren Sonteff und Brady, Mylady, erreichten London vor knapp einer Woche«, berichtete Josuah Parker in der für ihn typischen Art, »sie bezogen Quartier in einem Hotel der Mittelklasse in der Nähe von Victoria Sta-
tion. Die Leibwächter mieteten sich in einer nahen Pension ein. Man verbrachte die Tage bis gestern damit, ausgedehnte Fahrten durch die Stadt zu unternehmen und sich die Hafenanlagen anzuschauen, bis es zu dem bereits bekannten Kontakt und Besuch bei Mr. Bernie Craine kam.« »Bernie Craine?« Die ältere Dame hüstelte ein wenig gereizt. Namen machten sie stets nervös. »Der Betreiber des privaten Nachtclubs, Mylady«, erläuterte d e r Butler diskret. »Natürlich, wer denn sonst?« Sie sah Parker fast empört an. »Die Herren Sonteff und Brady stammen aus New York«, berichtete Parker weiter, »die drei Leibwächter ebenfalls. Vor der Ankunft in London hielt man sich fast eine Woche in Amsterdam und Brüssel auf.« »Wegen der Luxuswagen«, stellte die Detektivin mit Nachdruck fest. Sie hatte sich erst mal festgelegt und dachte nicht daran, diese Position zu räumen. »Man sollte in der Tat keine noch so geringe Möglichkeit ausschließen«, entgegnete Josuah Parker geduldig, »der Gesprächspartner meiner Wenigkeit deutete an, man habe in New York in der Sparte Versicherung gearbeitet.« »Versicherung?« Agatha. Simpson runzelte erneut die Stirn. »Was stelle ich mir denn darunter vor? Ich habe es hier doch schließlich mit Gangstern zu tun, oder?« »Ausgesprochen, Mylady.« Parker nickte andeutungsweise. »Es dürfte sich um sogenannte Schutzgelder handeln. Gegen monatliche Zahlungen verspricht man seinen Kunden, daß die diversen Einrichtungen von Clubs, Ladenlokalen und Büros nicht beschädigt werden. Zahlt man hingegen nicht, so wird nachhaltig zerstört. Besonders hartnäckige Personen, die sich für solche Versicherungen nicht zu erwärmen vermögen, können mit an Sicherheit grenzender Wahrschein38
lichkeit mit längerem Aufenthalt im Hospital rechnen.« »Sonteff und Brady wollen das Geschäft hier in London neu beleben und in großem Stil aufziehen«, übersetzte Mike Rander. »Dagegen werde ich natürlich sofort etwas unternehmen«, versprach die ältere Dame. »Sie haben sich von Bernie Craine in die Londoner Verhältnisse einweihen lassen?« fragte. Kathy Porter dazwischen. »Sehr wohl, Miß Porter«, bestätigte der Butler, »die Touristen aus den Staaten ließen sich von Mr. Craine beraten, wenn man so sagen darf.« »Sonteff und Brady haben also Mylady und Sie verfolgen lassen, ja?« »In der Tat, Miß Porter.« Parker nickte. »Mr. Craine konnte ja Myladys Adresse ohne weiteres nennen. Daraufhin wurden drei Leibwächter abgestellt, eine Verfolgung aufzunehmen, die in Kidnapping münden sollte.« »Und was hatte man mit Mylady und Ihnen vor?« Kathy Porter beugte sich vor. »Was wohl, Kindchen?« Die ältere Dame lächelte mild. »Man wollte mich natürlich als Augenzeugin umbringen. Ich bin für die Gangster doch das rote Tuch.« »Man sollte in diesem Zusammenhang das Geschick der Verfolger nennen«, meinte Josuah. Parker, »es gelang ihnen, Mylady und meiner Wenigkeit unbemerkt zu folgen.« »Hätte ich mich darum gekümmert, Mr. Parker, wäre das nicht passiert«, warf die ältere Dame ein, »aber Sie neigen zum Leichtsinn.« »Ein unverzeihlicher Fehler, Mylady.« Josuah Parker senkte kurz den Kopf. »Was werde ich jetzt mit den drei Lümmeln machen?« wollte sie wissen. »Mylady haben bereits entsprechende Pläne?« fragte Parker. »Sie brauchen einen ordentlichen Denkzettel«, entschied Agatha Simpson.
»Wie wäre es denn, wenn wir dem guten alten McWarden mal wieder eine Freude machen würden?« fragte Mike Rander. »Sehr schön, mein Junge.« Die ältere Dame war einverstanden. »Mr. Parker, lassen Sie sich etwas Hübsches einfallen, mit dem ich einverstanden sein kahn.« »Meine Wenigkeit wird sich bemühen, Myladys Wohlgefallen zu erregen«, erwiderte Josuah Parker. »Aber diese Subjekte gehören hinter Schloß und Riegel«, erinnerte Agatha Simpson, »sie dürfen mir nicht nur mit einem blauen Auge davonkommen.« »Wie Mylady zu wünschen belieben.« Parkers Gesicht blieb glatt und ausdruckslos wie immer. »Nun gut.« Die Detektivin stand auf. »Was hätte ich noch für den Rest des Nachmittags vor?« »Mylady haben die Absicht, die Herren Sontoff und Brady aufzusuchen«, antwortete der Butler, »falls sie sich natürlich noch in ihrem Hotel aufhalten und es nicht vorgezogen haben, das Quartier zu wechseln.« »Und wenn das so ist?« Sie stutzte nun doch. »Dann dürften Mylady mit einiger Sicherheit Kontakt mit den sogenannten Auto-Knackern bekommen.« »Aha! Und wieso, Mr. Parker?« Sie wirkte leicht irritiert. »Die besagten Auto-Knacker, Mylady, dürften nur darauf warten, Mylady belästigen zu können«, versicherte Josuah Parker, »und dazu müßte man ihnen Gelegenheit geben.«
Parker wartete im großen Wohnraum auf das Erscheinen seiner Herrin. Sie war in ihre Privaträume gegangen, um sich für die geplante Ausfahrt umzukleiden. Kathy Porter und Mike Rander hatten das altehrwürdige Fachwerkhaus bereits wieder verlassen. Sie wollten sich weiter um die
Speditionen in der Stadt kümmern, um Firmen, die sich auf Export spezialisiert hatten. Das Telefon meldete sich. Parker schritt ohne Hast zum kleinen Wandtisch, hob ab und gab sich zu erkennen. Auf der Gegenseite stellte sich ein gewisser Lefty Sonteff vor. »Sie kennen mich?« fragte der USTourist sicherheitshalber. »Man hatte bereits das einseitige Vergnügen«, antwortete Josuah Parker, »Sie machten die nachdrückliche Bekanntschaft mit Lady Simpson.« »Erinnern Sie mich bloß nicht daran«, redete Lefty Sonteff weiter und lachte erstaunlicherweise ein wenig amüsiert, »so etwas wie Ihre Lady haben Brady und ich noch nie erlebt. Solche Figuren kennen wir drüben in den Staaten nicht.« »Sie sind sehr offen, was Ihre Namen betrifft.« »Sie wissen doch längst, wer wir sind und was wir hier wollen, oder?« »Ihre Leibwächter, um diesen Ausdruck zu verwenden, waren bereits so entgegenkommend, entsprechende Hinweise zu liefern.« »Okay, Mr. Parker. Ich hoffe, man kann sachlich mit Ihnen reden.« »Sie sollten es zumindest auf einen entsprechenden Versuch ankommen lassen, Mr. Sonteff.« »Wir haben uns noch mal mit Bernie Craine unterhalten. Also eines steht fest: wir haben mit dieser Autoknakker-Bande nichts zu tun! Das ist nicht unser Bier. Wir sind eigentlich nur durch 'nen dummen Zufall in die Geschichte 'reingeraten,« »Sie wollen hier in London eine Versicherung etablieren?« »Wie auch immer, Mr. Parker. Solange Sie unsere Kreise nicht stören, solange kümmern wir uns nicht um Ihre Lady und um Sie. Ist das ein Angebot?« »Sie haben Mylady verärgert, wie in aller Deutlichkeit gesagt werden muß.« »Wegen der drei Leute von uns? 39
Schwamm drüber, Mr. Parker. Wo stecken unsere Leute eigentlich?« »Sie betrachten sich als Myladys Gäste.« »Sie sind in diesem Haus in Shepherd's Market?« »Es besteht kein Grund, dies abstreiten zu wollen.« »Lassen Sie die Jungens wieder 'raus, Mr. Parker. Wie gesagt, wir vergessen umgehend, daß es da kleine Mißverständnisse gab, Noch mal: mit den Auto-Knackern haben wir nichts zu tun.« »Zu diesem Schluß ist auch Mylady bereits gekommen.« »Warum wollen wir uns dann noch gegenseitig beharken?« fragte Sonteff gut gelaunt, »vielleicht können wir Ihnen sogar einen goldrichtigen Tip geben.« »Sie denken an einen Hinweis, der sich auf die erwähnten Auto-Knacker bezieht?« »Richtig, Mr. Parker. Nehmen Sie das als ein Zeichen unseres guten Willens. Noch mal: wir wollen uns mit Ihrer Lady und mit Ihnen nicht anlegen.« »Sie haben eine Alternative für den Fall anzubieten, daß Mylady auf Ihren Vorschlag nicht einzugehen gedenkt?« »Dann müßten wir natürlich mit harten Bandagen zulangen, Mr. Parker. Wir sind keine Anfänger, aber das dürften Sie bereits verdammt genau wissen.« »Sie sprachen von einem Tip, der Ihrer Ansicht nach goldrichtig sein soll, Mr. Sonteff.« »Sie wollen doch sicher wissen, wie man die Luxusschlitten von der Insel 'runterschafft, wie?« »Sie haben Mr. Craine um entsprechende Hinweise gebeten, wie zu vermuten ist.« »Wieso Craine?« Auf der Gegenseite war leises Lachen zu hören. »Gut, Mr. Parker, Sie sind ein ganz cleverer Bursche. Sie ahnen bereits, wie gewisse Dinge gelaufen sind, oder?« 40
»Sie dürften inzwischen längst wissen, daß Mr. Craine bestimmte Unternehmungen der Unterwelt finanziert. Er muß nach Einschätzung der Lage in etwa wissen, wer die Auto-Knacker sind.« »Wir haben Craine ein paar Fragen gestellt«, schickte Lefty Sonteff voraus, »und seine Antworten können Sie von uns haben, Mr. Parker. Aber wie bereits gesagt, dafür verlangen wir, daß Sie meinen Partner und mich Vergessen.« »Wo wären für Sie die Sicherheiten, daß Mylady den peinlichen Vorfall in der Tiefgarage auch tatsächlich vergessen wird?« »Ihre Klugheit, Mr. Parken Sie werden sich doch kaum mit einer Organisation anlegen, deren Arm verdammt weit reicht, oder?« »Sie überschätzen mit Sicherheit die Funktionalität meiner grauen Zellen«, meinte Josuah Parker höflich, »aber Sie sollten es durchaus auf einen Versuch ankommen lassen. Darf man sich übrigens nach dem momentanen Befinden Mr Craines erkundigen?« »Dem geht es bestens«, lautete die knappe Antwort. »Mr. Craine könnte nicht das sprichwörtliche Weite gesucht haben? « »Wen soll er gesucht haben?« »Könnte Mr. Craine sich nicht dazu durchgerungen haben, London eine gewisse Zeit zu verlassen?« »Sie meinen, ob er sich abgesetzt hat?« »So kann man es natürlich auch ausdrücken«, erwiderte Josuah Parker. »Keine Ahnung, wo er jetzt steckt, aber doch wahrscheinlich in seinem Club. Rufen Sie ihn da doch mal an, dann wissen Sie's genau.« »Da wären nun die Hinweise in Sachen Auto-Knacker«, erinnerte der Butler, »Sie finden mein geneigtes Ohr.« »Mann, Sie können sich vielleicht ausdrücken«, bemängelte der US-
Tourist und lachte leise, »da muß man verdammt genau hinhören.« »Meine Wenigkeit bemüht sich, einem allgemeinen Sprachverfall vorzubeugen«, erklärte der Butler gemessen, »aber das sollte Sie keineswegs daran hindern, die angekündigten Hinweise zu geben.« »Wenn Sie die Auto-Knacker hochnehmen wollen, Mr. Parker, dann sehen Sie mal nach, was ein gewisser Gary Curtís in seinen Fertiggaragen transportiert. Alles weitere überlasse ich Ihrer Phantasie.« »Ich möchte keineswegs verhehlen, daß Sie in meiner Wenigkeit einige Verblüffung auslösen«, gestand Josuah Parker. »Profis wissen eben doch besser Bescheid als Amateure«, sagte Lefty Sonteff. »Noch etwas, Mr. Parker: ersparen Sie sich einen Besuch in dem Hotel, in dem Brady und ich abgestiegen sind. Natürlich haben wir längst die Bleibe gewechselt.« »Man wird nicht versäumen, Mylady entsprechend zu informieren«, versprach Josuah Parker, bevor er auflegte.
»Und er hat sich gemeldet?« fragte Agatha Simpson knapp zehn Minuten später. Sie saß im Fond von Parkers hochbeinigem Wagen und hatte den Bericht ihres Butlers zur Kenntnis genommen. »Mr. Bernie Craine war eindeutig am Telefon, Mylady, als meine Wenigkeit seinen Nachtclub anrief.« »Dann ist er also nicht untergetaucht«, meinte sie, »irgendwie habe ich mir das fast schon gedacht, Mr. Parker.« »Er könnte gezwungen worden sein, auf diesen Anruf zu warten, Mylady. Nicht ohne Grund dürfte Mr. Sonteff meine Wenigkeit angeregt haben, dort anzurufen.« »Natürlich nicht, Mr. Parker«, gab sie streng zurück, »wahrscheinlich hat
dieses Subjekt sich entschlossen, die Auto-Knacker zu verraten.« »Die beiden US-Touristen, Mylady könnten im Nachtclub auf Mylady warten.« »Eine Falle.« Sie hatte endlich begriffen und schwenkte sofort um, »Ich vermutete es doch gleich. Es geht eben nichts über einen sicheren Instinkt, nicht wahr?« »Man hofft, Mylady und meine Wenigkeit unschädlich machen zu können«, erklärte Josuah Parker. »Die beiden Gangster aus den Staaten können erst dann wieder beruhigt weitermachen, wenn Mylady nicht mehr eingreifen können.« »Und was werde ich jetzt unternehmen? Wir fahren doch zum Nachtclub, oder?« »Mylady haben die Absicht, den beiden Gangstern eine derbe Lektion zu erteilen.« »Und ob ich die Absicht habe!« Sie nickte nachdrücklich. »Ich hoffe, Sie haben sich bereits entsprechende Gedanken gemacht.« »Im Nachtclub selbst dürften die Herren Sonteff und Brady sicher kaum auf Mylady warten.« »Ausgeschlossen, Mr. Parker. Und wo werde ich sie finden?« »Auf dem Parkplatz neben dem Club, Mylady.« »Richtig, ich erinnere mich«, sie nickte erneut »Und wo da genau?« »Bereits am Schlagbaum, Mylady. Man darf auf die bescheidene Unterkunft verweisen, in der der Parkplatzwächter bei schlechter Witterung Schutz findet« »Ich sehe alles genau vor mir.« Sie wußte jetzt, was sie zu sehen hatte. »In diesem Wachhäuschen wird einer der beiden Gangster stehen, und der zweite Lümmel dürfte sich knapp neben dem Seiteneingang aufgebaut haben.« »Myladys Voraussicht grenzen immer wieder an Prophetie«, antwortete der Butler höflich. »Ich weiß, ich weiß«, lobte sie sich, »manchmal bin ich selbst überrascht, 41
wie treffsicher ich bin. Nun gut, ich werde den beiden Mördern Manieren beibringen. Sorgen Sie dafür, daß die Subjekte mir nicht entkommen, alles Weitere werde ich dann übernehmen.« Sie bekam nicht mit, daß Parker keineswegs die Sackgasse ansteuerte, hinter der der Parkplatz des Clubs lag. Der Butler hielt überhaupt nichts davon, unnötige Risiken einzugehen. Zudem wollte er den Gangstern aus den Staaten jeden Fluchtweg verstellen. »Das kommt mir hier alles sehr bekannt vor«, sagte die Detektivin, nachdem Parker sein, hochbeiniges Monstrum angehalten hatte. Der Wagen stand in einer schmalen Seitenstraße, die keineswegs als Sackgasse diente. »Würden Mylady meine Wenigkeit für einen Moment entschuldigen?« bat Josuah Parker. »Was haben Sie vor?« »Es gilt, Mr. Craine einen möglichen Fluchtweg zu verbauen«, erklärte der Butter, »der Privatclub stößt dort an das Haus an.« »Tun Sie sich keinen Zwang an«, meinte die ältere Dame, »wo befindet sich der Schlagbaum?« »Auf der anderen Seite des Häuserblocks, Mylady, eine Tatsache, die Mylady längst zur Kenntnis genommen haben werden.« »Richtig«, bestätigte sie umgehend, »das hier kam mir doch gleich so fremd vor. Nun, beeilen Sie sich, Mr. Parker! Ich brenne darauf, den beiden Subjekten endlich Manieren beizubringen.« Parker lüftete die schwarze Melone und verließ seinen Wagen. Er betrat ein Bürohaus und ignorierte souverän einen Portier, der seinerseits beeindruckt und betreten zugleich wegschaute, um Parker keine Fragen stellen zu müssen. Parker betrat den Fahrstuhl, ließ sich in die zweite Etage bringen, stieg hier aus und benutzte die Treppe, um ins Souterrain des Hauses zu gehen. Von hier aus erreichte er ohne jede Mühe einen schmalen Hinterhof. Er brauchte sich nur kurz zu orientieren, um Bescheid zu wissen. 42
Am hinteren Ende des Hinterhofes machte er eine ehemalige Remise aus, die man in zwei Doppelgaragen umgewandelt hatte. Parker betrat eine von ihnen, entdeckte eine verstaubte Holztreppe, die auf eine Art Dachboden führte Und konnte von einem kleinen Fenster aus schließlich frei und ungehemmt auf den Parkplatz des Privatclubs blicken. Er sah auf Anhieb rechts unter sich einen schlanken Mann, der einen Trenchcoat trug und sich den Hut tief in die Stin gedrückt hatte. Dieser Mann stand in einer schmalen Mauernische und las in einem Comic-Heft. Aus reiner Langeweile stand der Mann dort bestimmt, nicht. Es war weder Sonteff noch Brady, wie Parker wenig später ausmachen konnte. Die beiden US-Touristen mußten wohl Mitarbeiter engagiert haben. Josuah Parker griff mit den schwarz behandschuhten Händen nach dem Fenster und prüfte die Möglichkeit, es geräuschlos öffnen zu können. Doch schon bei der geringsten Bewegung der unteren Fensterhälfte war ein feines Quietschen zu vernehmen. Parker mußte also wieder mal improvisieren.
Mit der linken Hand schlug Josuah Parker die Scheibe ein und sorgte dafür, daß sie in großen Splittern nach unten fiel. Er setzte darauf, daß der Comic-Heftleser sich aus der Mauernische löste und nach vorn sprang. Seine Rechnung ging auf. Das Klirren der geborstenen Scheibe ließ den Mann hochschrecken. Er drückte sich hastig von der Mauer ab und sprang wie ein irritiertes Känguruh aus der Deckung. Der Mann aber war Profi. Gleichzeitig griff er nach seiner Schulterhalfter und wollte eine Schußwaffe ziehen. Der Butler hatte mit dieser Bewegung gerechnet und reagierte entsprechend. Er schickte mit der rechten Hand be-
reits seinen sogenannten Seestern nach unten. Zielsicher und kraftvoll landete er genau im Gesicht des völlig verblüfften Mannes, der einen erstickten Schrei ausstieß und die Waffe zu ziehen vergaß. Der weiche Plastikkörper des Seesterns setzte sich auf Mund und Nase des Gegners, die fünf schlangenartigen Arme klatschten dem Mann um Ohren und Hinterkopf. Der Getroffene fiel rücklings zu Boden, griff automatisch nach dem unheimlichen Gegenstand und sorgte dafür, daß er nachdrücklich geimpft wurde. Parker kümmerte sich nivht weiter um diesen Mann, seine Aufmerksamkeit galt dem nächsten Gegner, mit dessen Existenz er fest rechnete. Und er sollte sich erneut nicht getäuscht haben . . . Von der Schranke her brauste ein zweiter Mann auf den Parkplatz. Er hatte selbstverständlich das Klirren der Scheibe gehört, wahrscheinlich auch den erstickten Aufschrei seines Partners. Der zweite Mann hielt bereits eine Automatik in der Hand. Der Schalldämpfer war von beachtlicher Länge. Fast wie nebenbei erledigte Josuah Parker auch diesen Mann. Er benutzte dazu die Gabelschleuder und verschoß eine hart gebrannte Tonmurmel. Nach dem Aufschlag des seltsamen Geschosses warf der Mann die schallgedämpfte Waffe fast freudig hoch in die Luft, sprang ihr mit geschlossenen Beinen nach, grätschte sie in der Luft und ließ sich anschließend auf dem Asphalt nieder. Josuah Parker wartete noch einen Moment, verließ dann den Dachboden und begab sich zurück in das Bürohaus. Der Portier vorn in der Empfangshalle zwinkerte nervös mit den Augen, als Parker aus dem Souterrain kam, stellte jedoch erneut keine Fragen. Parker lüftete höflich die schwarze Melone und ging auf die Straße. »Guter Gott, Mr. Parker, wo haben Sie gesteckt?« räsonierte die ältere
Dame, »ich habe mich bereits schrecklich gelangweilt.« »Es galt, Mylady, einige kleine und an sich unbedeutende Hindernisse aus dem Weg zu räumen«, erklärte der Butler, während er sein hochbeiniges Monstrum in Bewegung setzte. »Wie Mylady bereits voraussagten, haben die beiden US-Touristen Sonteff und Brady neue Mitarbeiter engagiert, um Mylady auf diese Art aus dem Weg räumen zu lassen.« »Und wo stecken die Subjekte jetzt?« »Sie pflegen momentan der intensiven Ruhe, Mylady, wenn meine Wenigkeit es so ausdrücken darf.« »Ich werde mir diese beiden Subjekte umgehend ansehen und sie dann verhören«, kündigte Lady Agatha ausgesprochen unternehmungslustig an, »aber war da nicht noch etwas, Mr. Parker?« »Mylady haben die Absicht, Mr. Craine einige Fragen zu stellen«, erinnerte der Butler, »es könnte durchaus sein, daß er sich noch in den Räumen seines Privatclubs befindet.« »Worauf warte ich dann eigentlich noch?« Sie räusperte sich explosionsartig. »Bringen Sie mich zu ihm, Mr. Parker. Der Lümmel wird es noch bedauern, sich mit mir angelegt zu haben.«
»Mr. Craines Zustand ist mehr als bedenklich«, sagte Josuah Parker, »Mylady fanden den Betreiber des Nachtclubs in äußerst bedauerlichem Zustand.« »Zwei Schußwunden«, schaltete die ältere Dame sich ein und blickte Kathy Porter und Mike Rander an, die zusammen mit ihr am Tisch Platz genommen hatten, um das Dinner einzunehmen, »ich habe diesen Mann selbstverständlich sofort fachgerecht verarztet.« »Mylady bewiesen wieder mal bemerkenswerte Fach- und Sachkennt43
nisse«, sagte der Butler höflich, »die beiden Schußwunden hätten von einem Notarzt nicht besser versorgt werden können.« »Lebensgefährliche Verletzungen?« wollte Mike Rander wissen. »In der Tat, Sir«, läutete Parkers Antwort, »beide Schüsse trafen den Brustkorb in der Herzgegend.« »Da halfen nur blutstillende Kompressen«, rühmte Agatha Simpson ihre Fertigkeiten, »als ehemalige Pfadfinderin kennt man sich natürlich in Erster Hilfe aus, nicht wahr?« Sie warf Parker einen knappen Blick zu, der viel ausdrückte. Sie, wollte keineswegs daran erinnert werden, wie ihre Erste Hilfe tatsächlich ausgefallen war. Sie hatte Craine ausgiebig mit Whisky versorgt und ihn durch fast sanfte Ohrfeigen ins Leben zurückrufen wollen. Ihre Kompressen und der Notverband mußten dann mit Sicherheit einige Rippen Bernie Craines in Bruchgefahr gebracht haben. Erst durch Parkers Eingreifen war es dann gelungen, Craine vor dem Schlimmsten zu bewahren. »Ich bewundere Sie immer wieder, Mylady«, meinte Kathy Porter ernst. Sie schien etwas zu ahnen, denn sie tauschte mit Mike Rander einen schnellen Blick. »Wahrscheinlich dürfte er von diesen beiden US-Touristen niedergeschossen worden sein«, vermutete Mike Rander und wechselte damit schnell das Thema. »Oder von den beiden Personen männlichen Geschlechts, Sir, die auf dem Parkplatz auf Mylady warteten.« »Was ist aus ihnen geworden?« fragte Kathy Porter. »Mr. Parker war so voreilig, die Polizei zu verständigen«, räsonierte die ältere Dame prompt und warf ihrem Butler einen unterkühlten Blick zu, »in meinen Augen war das eine übereilte Reaktion.« »Es galt, Mr. Bernie Craine möglichst schnell in ein Hospital zu schaffen, Mylady«, erinnerte Parker, ohne 44
sich von dem Blick seiner Herrin beeindrucken zu lassen, »was sich nur über einen Notruf bei der Polizei bewerkstelligen ließ.« »Papperlapapp«, gab sie grollend zurück, »aber vorher hätte man diesen Nachtclubbesitzer noch nach den Tätern fragen können.« »Früher oder später wird er reden, falls er durchkommt«, wiegelte Mike Rander ab. »Natürlich wird er durchkommen, mein Junge«, wußte Agatha Simpson, »ich habe schließlich Erste Hilfe geleistet.« »Wann wird Craine wohl Aussagen machen können?« fragte der junge Anwalt und wandte sich an Parker. »Darüber dürften mit einiger Sicherheit noch Tage vergehen«, vermutete Butler Parker, »meine Wenigkeit möchte noch mal betonen, daß die beiden Verletzungen schwer sind.« »Was das alles Zeit kosten wird«, ließ Lady Agatha sich vernehmen, »die beiden Lümmel vom Parkplatz werden der Polizei gegenüber bestimmt nicht reden. Hier in meinem Haus hätte ich sie aber dazu gebracht, sich mir anzuvertrauen.« »Weiß der Chief-Superintendent bereits von diesem Zwischenfall in Chelsea?« fragte Kathy Porter. »Davon sollte man ausgehen, Miß Porter«, lautete Parkers Antwort, »meiner bescheidenen Ansicht nach dürfte er die beiden Männer vom Parkplatz bereits intensiv verhören.« »Und natürlich nichts erfahren«, freute sich die ältere Dame, »von Verhörtechnik hat der gute McWarden überhaupt keine Ahnung.« »Dann hat McWarden alle Hände voll zu tun«, vermutete Mike Rander, »inzwischen müßten sich ja auch die drei Knaben bei ihm eingefunden haben, die Sie ausgesetzt haben, Parker.« »Die Polizei müßte sie längst in Gewahrsam genommen haben, Sir.« »Und wie haben Sie dafür gesorgt, Parker?« Mike Ränder lächelte. Ihm
war klar, daß der Butler sich wieder mal etwas hatte einfallen lassen. »Die drei betreffenden Personen, Sir, muß man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf einer Parkbank im Hyde Park angetroffen haben«, schickte Josuah Parker voraus. »Mr. Pickett und einige seiner Bekannten waren so hilfsbereit und entgegenkommend, eine gewisse Hilfestellung vorzunehmen.« »Nur auf einer Parkbank im Hyde Park?« fragte Agatha Simpson mehr als enttäuscht. »In einem Zustand, Mylady, den man nicht gerade als schicklich bezeichnen kann«, redete der Butler höflich weiter, »außer ihren Schulterhalftern trugen sie nur noch ihre Unterhosen.« »Guter Gott«, lachte Rander, »das muß ja ein Bild für Götter gewesen sein. Und dazu waren sie wohl auch noch volltrunken, nicht wahr?« »Ein bewährtes Verfahren, Sir, um die Behörden zum Eingreifen zu veranlassen«, meinte der Butler. »Die drei Begleiter der Herren Sonteff und Brady wurden überredet, ein gewisses Quantum an Alkohol zu sich zu nehmen. Wie sich bald zeigte, kamen sie schon nach kurzer Zeit mehr als willig dieser Einladung nach.« »Damit dürften diese Burschen erst mal weg vom Fenster sein«, sagte der Anwalt. »Und dafür wird der Chief-Superintendent wohl bald auf unserer Bildfläche erscheinen«, warf Kathy Porter lakonisch ein. »Malen Sie nicht den Teufel an die Wand, Kindchen«, sorgte sich die ältere Dame umgehend, »also ich werde mich erst mal in mein Studio zurückziehen. Ich muß über meinen Fall nachdenken, meine Lieben.« Sie erhob sich und schritt majestätisch hinüber in die große Wohnhalle. Sie hatte die Treppe, die ins Obergeschoß führte, noch nicht ganz erreicht, als die Türglocke sich meldete. Daraufhin wurde Lady Agatha ungemein
schnell, gab ihre damenhafte Würde auf und lief wie ein junges Mädchen nach oben.
Josuah Parker hatte den Wandschrank rechts vom verglasten Vorflur geöffnet und die Fernsehkamera über der Haustür eingeschaltet. Auf dem Monitor im Wandschrank war der Betonwerker Gary Curtis zu sehen. Er kam nicht allein. In seiner Begleitung befanden sich seine beiden Mitarbeiter, die Parker bereits kannte. Die drei Männer machten einen nervös-ungestümen Eindruck. Die beiden in Overalls steckenden Typen hatten sich Axtstiele mitgenommen. Gary Curtis in seiner Lederjacke kaute auf einer Zigarre» »Darf man sich nach Ihrem Begehren erkundigen?« fragte Josuah Parker über die Wechselsprechanlage nach draußen. Curtis, überrascht von Parkers Stimme, zuckte zusammen. »Mylady pflegt u m , diese späte Nächmittagsstunde nicht zu empfangen«, redete Parker weiter, »aber möglicherweise möchten Sie eine Nachricht hinterlassen, Mr. Curtis.« »Verdammt,, machen Sie auf, oder wir schlagen die Haustür ein«, drohte der Betonwarenfabrikant wütend. Er hatte endlich die Wechselsprechanlage entdeckt und hob seine Stimme, »ich lasse Ihnen genau eine Minute, Parker.« »Sie scheinen sich in einer Stimmung zu befinden, die man nur als gereizt bezeichnen kann«, stellte der Butler höflich fest. »Und ob ich geladen bin«, brüllte Curtis, »Sie haben mich und meine Leute genarrt. So was lassen wir nicht auf uns sitzen.« »Sie haben spezielle Absichten, falls Sie eingelassen werden sollten?« »Die Minute ist gleich um«, schmetterte Gary Curtis ins Mikrofon, »wir schlagen die Tür ein, wetten?« »Vielleicht ließe sich ein späterer 45
Zeitpunkt vereinbaren«, meinte Parker gemessen, »wie bereits deutlich gemacht, Mr. Curtis, Mylady empfängt um diese Zeit nicht.« »Los, Jungens, macht die Tür zu Kleinholz«, verlangte Gary Curtis von seinen beiden Mitarbeitern. Die Angesprochenen verließen den überdachten Vorbau und gingen auf einen Wagen zu, der eine kleine Ladefläche hatte. Sie holten dort zwei Spitzhacken und diverses Baugerät, kehrten zurück unter den Vorbau und ließen deutlich erkennen, daß sie die Haustür einzuschlagen gedachten. Sie konnten selbstverständlich nicht wissen, daß diese Tür so massiv war wie der Eingang zu einem Bankgewölbe. Sie bestand aus erstklassigem Sonderstahl, der von dünnem Edelholz getarnt wurde. Parker dachte an die Reparaturkosten und handelte dementsprechend. Er legte einen der vielen Kipphebel um, die sich im Wandschrank befanden und blickte dabei höflich-interessiert auf die erregten Männer. Einer von ihnen holte gerade zum ersten Schlag mit der Spitzhacke aus, doch er schlug schon nicht mehr zu .... Aus einer Reihe feiner, im Türrahmen angebrachter Düsen schoß eine Art milchig-weißer Wasserdampf hervor. Die Männer, die mit solch einer Überraschung nicht gerechnet hatten, fuhren sofort zurück, behinderten sich dabei wechselseitig und fügten sich Schaden zu. Der Mann, der die Spitzhacke zum Schlag erhoben hatte, ließ sie ohne jede Vorwarnung fallen. Die Landung des Werkzeuges erfolgte auf den linken Zehen seines Nebenmannes, der daraufhin brüllte. Ein feuchter Film hatte sich auf die Gesichter der drei Besucher gelegt. Sie wischten ihn ab, verteilten ihn dadurch nur noch intensiver und reizten auf diese Art ihre Tränendrüsen. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis die drei Männer unter dem Vordach wie zwiebelschneidende Hausfrauen weinten. 46
»Seien Sie eines gewissen Mitgefühls meinerseits sicher«, ließ Josuah Parker sich vernehmen, »es wird erfahrungsgemäß einige Stunden dauern, bis Ihr Tränenfluß sich beruhigt. Darf man Sie jetzt bitten, das sogenannte Weite zu suchen? Oder legen Sie Wert darauf, hier im Haus behandelt zu werden?« Sie machten deutlich, daß dieser Vorschlag ihnen nicht sonderlich paßte, tasteten sich zu ihrem Fahrzeug zurück, stiegen ein und fuhren in Schlangenlinien zur nahen Durchgangsstraße.
»Ich komme nicht zufällig vorbei«, schickte der Chief-Superintendent McWarden grimmig voraus, »ich muß unbedingt mit Ihnen reden, Mylady.« »Sie haben einen schlechten Zeitpunkt gewählt, mein Lieber«, erwiderte die ältere Dame, »wir hatten bereits unser Dinner. Ich glaube, es ist noch nicht mal eine Tasse Tee da.« »Ein Sherry würde mir bereits reichen«, gab der Chief-Superintendent zurück, »aber ich will Sie nicht berauben.« »Wie rücksichtsvoll«, fand die Hausherrin, »eine Frau wie ich muß schließlich mit jedem Penny rechnen. Sie machen übrigens einen etwas verärgerten Eindruck. Oder sollte ich mich da täuschen?« »Sie sehen das völlig richtig, Mylady«, erwiderte McWarden, »ich muß noch mal auf Craine zurückkommen, Bernie Craine.« »Kenne ich diesen Mann?« Die Lady wandte sich an ihren Butler. »Mr. Craine ist Besitzer eines Nachtclubs, Mylady, der von zwei Schüssen niedergestreckt wurde.« »Natürlich, ich weiß«, gab sie sofort gereizt zurück, »diesem Craine rettete ich ja das Leben, war es nicht so?« »So muß man sagen, Mylady.« Parker deutete eine knappe Verbeugung an.
»Diese beiden Männer vom Parkplatz wollen von den Schüssen natürlich nichts wissen«, sagte McWarden, »im Gegenteil, sie kommen mir da mit einer abenteuerlichen Geschichte.« »Und die lautet?« Agatha Simpson kniff erwartungsvoll die Augen zusammen. »Sie wollen von nichts wissen«, redete der Chief-Superintendent weiter, »angeblich hat man sie überfallen und zusammengeschlagen, bevor sie sich überhaupt zur Wehr setzen konnten.« »Eine Schutzbehauptung, Sir«, warf Parker ein. »Natürlich«, pflichtete McWarden ihm bei, »wir haben uns die Waffen der Männer angesehen und Schußproben vorgenommen. Die Kugeln, die Craine erwischt haben, stammen auf keinen Fall aus ihren Pistolen.« »Kennt man inzwischen die Identität der beiden Personen, Sir?« erkundigte sich Parker. »Sie stammen hier aus London, sind mehrfach vorbestraft, und bekannt als Schläger«, meinte der Chief-Superintendent, »wegen verbotenen Waffenbesitzes können wir sie erst mal festsetzen. Aber da wäre noch eine andere Sache, die mir zu denken gibt.« »Sie machen mich ja direkt neugierig«, spöttelte Agatha Simpson. »Ich habe beiläufig mitbekommen, daß man im Hyde Park drei Männer festgenommen hat, die volltrunken waren«, berichtete McWarden weiter, »sie trugen nur Unterhosen und dazu erstaunlicherweise Schulterhalfter mit passenden Waffen.« »Welch ein Verfall der Sitten, Mr. Parker, nicht wahr?« Lady Agatha schaute ihren Butler gespielt indigniert an. »Falls Mylady gestatten, möchte auch meine Wenigkeit sich wundern«, antwortete Josuah Parker. »Diese Geschichte verrät allerdings eine gewisse Handschrift«, sagte McWarden und lächelte flüchtig, »in der Vergangenheit ist mir so etwas schon mal gemeldet worden. Und spä-
ter stellte sich heraus, daß ein gewisser Mr. Parker Kriminelle auf diese Art ausgesetzt hat.« »Bestehen Sie darauf, Sir, diesen Vorfall zu vertiefen?« erkundigte sich der Butler. »Ganz sicher nicht, Mr. Parker«, redete der Chief-Superintendent weiter, »aber ich würde gern wissen, wer die drei Männer sind. Vielleicht können Sie mir da mit einem kleinen Hinweis helfen, oder?« »Die Identität der drei Personen konnte noch nicht ermittelt werden, Sir?« »Unterhosen haben keine Taschen, Mr. Parker. Papiere haben wir also nicht gefunden.« »Die Herren haben sich bisher geweigert, Angaben zur Person zu machen, Sir?« »Sie waren und sind volltrunken, aber sie haben hin und wieder etwas gebrabbelt, was wir noch nicht einordnen können.« »Nun haben Sie sich gefälligst nicht so, McWarden«, grollte die ältere Dame, »natürlich haben Sie da einiges verstanden. Sagen Sie schon endlich, was Sie gehört haben.« »Nun ja, zwei Namen, aber ziemlich undeutlich.« »Könnte es sich um die Namen Sonteff und Brady gehandelt haben, Sir?« erkundigte sich der Butler. »Möglich, ja, sogar sehr wahrscheinlich.« McWarden sah Parker erwartungsvoll an, der dem Chief-Superintendent nun einige Informationen lieferte, obwohl die Lady ihn mehr als streng musterte und dabei den Kopf schüttelte. Sie war mit Parkers Vorgehen überhaupt nicht einverstanden, doch Parker hielt es für richtig, den höheren Yardbeamten völlig einzuweihen. Nur im gemeinsamen Vorgehen konnte dieser Fall zu einem glücklichen Ende gebracht werden. »Wie der Zufall so spielt«, meinte McWarden, nachdem Parker geendet hatte, »über diese Auto-Knacker sind 47
Sie an die beiden US-Gangster geraten, die mit der Autobande wohl kaum etwas zu tun haben dürften, wie?« »Mylady vertritt nachdrücklich diese Ansicht«, behauptete Josuah Parker. »Das stimmt«, schaltete die schmollende Dame sich prompt ein und nickte Parker plötzlich wieder wohlwollend zu, »beide Fälle haben miteinander nichts zu tun, das sieht man doch auf den ersteh Blick.« »Tatsächlich?« fragte McWarden skeptisch »Ich möchte mich da vorerst lieber nicht festlegen, Mylady.« »Ihnen fehlt wieder mal der Gesamtüberblick«, tadelte sie den Yardbeamten, »ich bin schließlich rein zufällig an die beiden Subjekte aus den Staaten geraten. Aber sie können mir den Blick nicht verstellen. Eine Lady Simpson läßt sich grundsätzlich nicht täuschen.« »Sind Sie denn in Sachen AutoKnacker weitergekommen?« McWarden wechselte schleunigst das Thema. »Wir tappen, offen gesagt, noch im dunkeln. Und Bernie Craine wird uns vorerst nicht weiterbringen. Es braucht Tage, bis er sprechen kann.« »Bis dahin habe ich diesen Fall längst gelöst, nicht wahr, Mr. Parker?« Agatha Simpson blickte ihren Butler hoffnungsfroh an. »Mylady werden wieder mal obsiegen«, lautete Parkers Antwort »Weil ich nämlich bereits genau weiß, wie die Luxuswagen auf den Kontinent geschafft werden«, behauptete die ältere Dame weiter, »aber Sie werden verstehen, mein lieber McWarden, daß ich darüber noch nicht reden kann, ich brauche noch ein paar Beweise.« »Tatsächlich, Sie wissen, wie die gestohlenen Wagen von der Insel gebracht werden?« McWarden staunte. »Es handelt sich um einen ganz einfachen Trick«, meinte Lady Agatha und lächelte, »ich werde die AutoKnacker auf frischer Tat ertappen 48
und überführen. Ist es nicht so, Mr. Parker?« »Mylady werden wieder mal mit starker und sicherer Hand zugreifen«, sagte Parker. In seinem glatten Gesicht rührte sich kein Muskel.
Es war Nacht. Lady Agatha befand sich in ihrem Studio, um den anstehenden Fall noch mal gründlich zu überdenken, wie sie gesagt hatte. Tatsächlich aber saß sie vor dem Fernsehgerät und schaute sich einen Kriminalfilm an. Kathy Porter und Mike Rander waren in der City Unterwegs, um sich in einem renommierten Club mit einem Spitzenmann der Reeder-Vereinigung zu treffen. Josuah Parker hatte die hausinterne Alarmanlage eingeschaltet und wollte Sich gerade in seine privaten Räume begeben, als das Telefon klingelte. Sonteff war am Apparat. »Meine Wenigkeit war so frei, auf Ihren Anruf zu warten«, sagte Josuah Parker gemessen, »Sie wollen sicher deutlich machen, daß weder Sie noch Ihr Mitreisender Brady die beiden Schüsse auf Mr. Bernie Craine abgefeuert haben, nicht wahr?« »Haargenau, Parker«, bestätigte der Mann aus den Staaten, »ob Sie es nun glauben oder nicht, wir haben mit den Schüssen nichts zu tun.« »Aber Sie wissen davon, wie man Ihren Worten, entnehmen kann« »Natürlich haben wir das inzwischen erfahren, Parker. Wir wissen auch, daß Sie da zwei Typen außer Gefecht gesetzt haben, die am Club auf Sie warteten.« »Diese beiden Personen nannten der Polizei gegenüber die Namen Sonteff und Brady.« »Wundert Brady und mich noch nicht mal«, gab der US-Tourist zurück. »Mann, merken Sie denn nicht, daß hier ein Ablenkungsmanöver inszeniert wird?«
»Könnten Sie sich dazu vielleicht ein wenig näher äußern?« bat Josuah Parker. »Die verdammten Auto-Knacker wollen doch von sich ablenken, Parker. Sie und Ihre Lady sollen sich auf Brady und mich konzentrieren. Und die Auto-Knacker hoffen, daß Wir uns dabei gegenseitig die Schädel einschlagen.« »In diesem Zusammenhang verweisen Sie sicher noch mal auf Mr. Gary Curtis, der Ihrer Ansicht nach der Kopf der Autoknacker-Bande sein soll, nicht wahr?« »Das hat Craine so gesagt. Mann, Parker, wir kennen uns in London so gut wie gar nicht aus. Woher sollten wir von diesem Gary Curtis erfahren Haben, wenn nicht von Craine.« »Mr. Craine wird wahrscheinlich bereits morgen Rede und Antwort stehen können«, bluffte Josuah Parker. »Dann wird er Ihnen auch bestätigen, daß nicht wir auf ihn geschossen haben, Parker. Er ist von den AutoKnackern hochgenommen worden, sehen Sie das doch endlich ein.« »Ihre Leibwächter genießen inzwischen Gastrecht bei der Polizei.« »Okay, Schwamm drüber, Parker, vergessen wir sie. Die werden auch Wieder 'rauskommen. Spielen wir die dumme Geschichte doch nicht unnötig hoch. Brady und ich machen Ihnen noch mal ein Friedensangebot.« »Sie werden mit einem interessierten Ohr rechnen können, Mr. Sonteff.« »Brady und ich sorgen dafür, daß Sie sich die Auto-Knacker unter den Nagel reißen können. Und dafür lassen Sie meinen. Partner und mich dann aus dem Spiel. Verdammt, wir wollen uns nicht mit Ihrer Lady und mit Ihnen anlegen, begreifen Sie das doch endlich!« »Sie wollen für My lady tätig werden?« »Notgedrungen, Parker, weil wir unsere Ruhe haben wollen. Mann, so was ist uns auch noch nicht passiert: Brady und ich müssen uns für zwei Amateur-
detektive abstrampeln. So was glaubt uns drüben in den Staaten kein Mensch.« »Man sollte Ihnen viel Erfolg wünschen, Mr. Sonteff.« »Irgendwann, Parker, spielen wir aber nicht mehr mit. Halten Sie sich 'raus, was Brady und mich betrifft!« »Mylady vermutet nach wie vor, daß Sie die Aufkäufer der gestohlenen Luxuswagen sind, Mr. Sonteff.« »Quatsch, Parker,, Sie wissen doch längst, in welcher Branche wir arbeiten, oder etwa nicht? Luxusschlitten sind nicht unser Bier. Nochmal: Brady und ich liefern ihnen den Boß der Knacker frei Haus.« »Ein geradezu bemerkenswertes Angebot, Mr. Sonteff.« »Es ist sogar der nackte Wahnsinn«, entgegnete Sonteff fast wütend, »drüben in den Staaten würden wir 'nen anderen Ton anschlagen, glauben Sie mir, drüben in den Staaten wären Sie längst geliefert.« »Ihre Offenheit kann man nur als erfreulich realistisch bezeichnen, Mr. Sonteff.« »Unser Pech, Parker, daß Sie ausgerechnet dann bei Craine aufkreuzten, als Brady und ich mit ihm quasselten.« »Meine Wenigkeit bedankt sich für dieses Gespräch«, meinte Josuah Parker und legte auf, Er schritt nachdenklich hinunter ins Souterrain des altehrwürdigen Fachwerkhauses und blieb noch lange wach. DerButler überdachte den anstehenden Fall, der einige Rätsel aufgab.
»Geruhten Mylady eine angenehme Nacht gehabt zu haben?« erkundigte sich Parker am anderen Morgen, als seine Herrin im Frühstückssalon erschien. Sie trug einen weiten, wallenden Mantel und musterte das vorbereitete Frühstück auf dem Sideboard. »Ich weiß nicht recht«, beantwortete sie die Frage, »es ist während der Nacht nichts passiert?« 49
»Die Nachtstunden, Mylady, zeichneten sich durch permanente Ruhe aus.« »Man hat noch nicht mal den Versuch gemacht, mich zu stören?« grollte sie. »Die Unterwelt dürfte Myladys Ruhebedürfnis voll und ganz respektiert haben.« »Was steht denn heute auf meinem Programm?« wollte sie wissen, nahm am Tisch Platz und nickte anerkennend, als Parker vorlegte. »Haben Sie auch die jeweiligen Kalorien mitberechnet?« fragte sie. »Einheit für Einheit, Mylady«, gab Josuah Parker zurück, »Mylady brauchen keine Befürchtungen zu hegen.« »Ich bleibe bei meiner strengen Diät«, ließ sie wissen, »ich werde jeder Verlockung widerstehen, Mr. Parker. Sie wissen hoffentlich, wie schwer so etwas ist.« »Mylady kasteien sich förmlich.« Parkers glattes Gesicht blieb ausdruckslos. Er reichte das obligate Rührei mit Frühstücksspeck, gebakkene Nieren und diverse Würstchen, Lachs und eine kleine Fleischpastete, Käse, Marmeladen und verschiedene Brotsorten. Dazu trank die ältere Dame starken Kaffee, den sie mit einem Schuß Brandy aufhellte, um ihren Kreislauf in Gang zu bringen. Sie hielt das alles für strenge Diät. »Ich wollte doch heute einiges unternehmen«, schickte sie voraus,, »was war es denn noch, Mr. Parker?« »Mylady planen, Mr. Jimmy Stoker einen Besuch abzustatten«, beantwortete Parker ihre Frage: Sie hatte davon selbstverständlich nichts verlauten lassen, doch sie merkte es noch nicht mal. »Richtig«, bestätigte sie sogar, »Stoker ist doch dieses Subjekt, das ...« » .. .das in Lambeht einen LkwVerleih betreibt«, erinnerte der Butler diskret, »Mylady statteten dieser Firma bereits einen Besuch ab. Mr. 50
Jimmy Stoker gilt als der Spediteur der Unterwelt.« »Ich weiß, ich weiß«, erwiderte die Detektivin leicht gereizt, »diesem Subjekt traue ich nicht über den Weg.« »Myladys Mißtrauen dürften wieder mal angebracht sein«, meinte Josuah Parker, um ihr dann von seinem Gespräch mit Lefty Sonteff zu berichten. »Sehr pikant«, sagte sie schließlich und nickte, »Gangster suchen Gangster. Man scheint mich zu fürchten. Doch was heißt hier scheint? Man fürchtet mich!« »Mylady vermögen schrecklich zu sein«, stellte der Butler fest. »Das ist wahr.« Sie war mit dieser Klarstellung völlig einverstanden. »Wie lautete noch meine Theorie, was die Luxuswagen betrifft, Mr. Parker? Ich weiß, daß ich da eine geniale Idee hatte.« »Mylady können sich durchaus vorstellen, daß die gestohlenen Wagen in den Fertiggaragen Mr. Curtis' außer Landes geschafft werden«, erinnerte Josuah Parker, »Mylady sehen jedoch auch durchaus noch eine zusätzliche Möglichkeit.« »Richtig«, bestätigte sie und nickte wohlwollend, »man muß flexibel Sein, Mr. Parker. Welche Möglichkeit habe ich noch herausgefunden?« »Mylady können sich ebenfalls vorstellen, daß die erwähnten Wagen in einer stillen Bucht auf einen Frachter verladen werden. In diesem Zusammenhang wird an einen Lastenhubschrauber gedacht, der die Verladearbeiten übernimmt. Zusätzlich wurde noch in Erwägung gezogen, daß die Luxuswagen vielleicht über schwimmende Landungsbrücken oder auf Pontons an wartende Frachter herangebracht werden.« »Und für welche Bucht hatte ich mich entschieden, Mr. Parker? Wollten Sie das nicht untersuchen?« »Dazu blieb wegen der sich bisher überschlagenden Ereignisse noch
keine Zeit, Mylady«, entgegnete der Butler, »aber vielleicht ist Mr. Stoker in der Lage, dazu einige Informationen zu liefern.« »Worauf warte ich eigentlich noch?« fragte sie unternehmungslustig, »machen wir uns sofort auf den Weg, bevor der gute McWarden hier erscheint. Er weiß schließlich, daß ich um diese Zeit frühstücke.« Im selben Moment klingelte das Telefon. Parker hob ab und meldete sich. »Sonteff hier«, tönte es ihm entgegen, »hören Sie, Parker, wir liefern Ihnen den Boß der Auto-Knacker frei Haus. Was sagen Sie jetzt?« »Ihre freiwillige Mitarbeit kann man nur als ausgesprochen effektiv bezeichnen«, antwortete der Butler. »Merken Sie sich genau folgende Adresse«, schickte Sonteff voraus, um sie dann betont langsam zu nennen, »genau dort finden Sie Curtis. Und er ist gerade dabei, 'ne neue Sendung umzuspritzen. Beeilen Sie sich! Damit haben Brady und ich unser Versprechen eingelöst. Ab sofort existieren wir für Sie nicht mehr. Falls Sie sich aber an diese Vereinbarung nicht halten, Parker, wird scharf geschossen. Und glauben Sie uns, wir treffen verdammt genau.«
»Ich kann sehr gut verstehen, Mr. Parker, warum wir Kriminalautoren immer wieder unsere Handlungen in die Häfen verlegen«, meinte die ältere Dame eine Stunde später. Sie saß im Fond von Parkers hochbeinigem Wagen und blickte interessiert aus dem Seitenfenster. Parker steuerte die Adresse an, die Sonteff genannt hatte. Man befand sich bereits bei den Surrey Commercial Docks jenseits der Themse und damit in einem wahren Labyrinth von Lagerschuppen, Kaianlagen, Krananlagen und Hafenbecken. Es roch nach modrigem Wasser, Teer und verfaulten Fischen. Leichter Nebel
herrschte, durch den das langgezogene, klagende Tuten der Schlepper wie durch Watte drang. Lastwagen, lange Sattelschlepper mit Containern, kleine Lieferwagen und hochbeinige Container-Transporter waren allenthalben zu sehen. »Und dann dieser hübsche Nebel«, schwärmte die ältere Dame weiter, »ich denke, Mr. Parker, ich Werde meinen ersten Bestseller hier im Hafen spielen lassen. Wie denken Sie darüber?« »Eine glücklichere Wahl könnten Mylady mit Sicherheit nicht treffen«, erwiderte Josuah Parker in seiner höflichen Art, »man dürfte Mylady das Manuskript förmlich aus der Hand reißen.« »Natürlich«, redete sie weiter, »überall hier könnten doch Täter lauern. Spüren Sie das nicht ebenfalls?« »Möglicherweise warten sie bereits heute und hier auf Mylady.« »Ich hätte nichts dagegen, Mr. Parker«, reagierte sie erfreut, »Sie wissen doch, ich brauche die Herausforderung. Sagen Sie mir rechtzeitig, wo die Subjekte sind.« »Meine Wenigkeit wird sich bemühen, Mylady.« Parker hatte eines der großen Drahttore passiert und näherte sich einem Gebäudekomplex, der eine Ansammlung von Lagerschuppen, kleinen Firmen, Bürobaracken und Fabriken darstellte. Er hatte sich die Adresse, die der US-Tourist Sonteff ihm genannt hatte, sehr gut gemerkt. Weit bis zu dem Betrieb, um den es sich handelte, konnte es nicht mehr sein. »Ich werde also diesen Garagenfabrikanten dabei überraschen, wie er Luxuswagen umspritzt?« fragte die Detektivin. »So lautete der Hinweis des Mr. Sonteff«, bestätigte Josuah Parker. »Es handelt sich natürlich um eine Falle.« »Davon sollten Mylady in der Tat ausgehen. Mit lebensgefährlichen Überraschungen dürfte fest zu rechnen sein.« 51
»Ich werde diesen Subjekten eine Lektion erteilen«, redete die ältere Dame munter weiter. Wieder mal war sie sich der Gefährlichkeit der Lage überhaupt nicht bewußt. Parker, der die Seitenstraße erreichte, an deren Ende der bezeichnete Betrieb lag, stoppte sein hochbeiniges Monstrum. »Ich denke, ich werde die Gangster völlig verblüffen«, meinte Lady Agatha animiert, »ich werde direkt in die Höhle des Löwen marschieren, Mr. Parker. Was halten Sie von meiner Taktik?« »Mylady werden einige Verwirrung auslösen.« »Das möchte ich mir aber auch ausgebeten haben«, redete sie weiter, »man m u ß stets das tun, womit die Gegenseite nicht rechnet« »Aus diesem Grund könnten Mylady vielleicht noch eine wirksame Variante einbauen.« »Gegen gute Vorschläge habe ich keine Einwände, Mr. Parker. Und was stelle ich mir darunter konkret vor?« »Meine bescheidene Wenigkeit könnte möglicherweise auf einem Um- oder Seitenweg die Gegner in der Flanke angreifen. Mylady äußerten sich bei anderer Gelegenheit ähnlich zu ähnlichen Problemen.« »Den Gegner in die Zange nehmen.« Sie nickte zustimmend. »Sie haben tatsächlich dazugelernt, Mr. Parker«, meinte Agatha Simpson und nickte wohlwollend. »Mylady müßten meiner Wenigkeit einen zeitlichen Vorsprung einräumen«, schlug der Butler weiter vor. »Den sollen Sie selbstverständlich bekommen. Wieviel Minuten werden Sie brauchen?« »Etwa zehn Minuten, Mylady, da meine Wenigkeit einen erheblichen Umweg machen muß.« »Einverstanden.« Sie nickte und lächelte in, froher Erwartung. »Nach zehn Minuten werde ich den Wagen verlassen und wohin gehen?« Butler Parker beschrieb ihr genau den Weg, den sie zu nehmen hatte, 52
und Verließ dann sein hochbeiniges Monstrum. Er hatte durchaus mit dem Gedanken gespielt, die Zentralverrieglung von außen in Tätigkeit zu setzen, um seine Herrin auf diese Art zu neutralisieren. Da er jedoch das wilde Temperament der Lady nur zu gut kannte, verzichtete er auf die geplante Ungeschicklichkeit, zumal er einen anderen Weg kannte, um Mylady vor Gefahr zu bewahren.
Butler Parker befand sich auf dem Flachdach der kleinen Fabrik und lüftete höflich die schwarze Melone in Richtung eines Schwenkkrans, in dessen Steuerhaus ein gewisser Mr. Horace Pickett stand. Der ehemalige Eigentumsumverteiler erwiderte den Gruß und zog sich dann in das kleine Steuerhaus zurück. Der Kranführer der Anlage ließ den langen schlanken Ausleger zurückschwenken und senkte dabei den großen Drahtkorb ab, in dem Josuah Parker sich auf das Dach hatte heben lassen. Vor der Fahrt hierher zu den Surrey Docks hatte der Butler Fühlung mit Horace Pickett aufgenommen, der seinerseits dafür gesorgt hatte, daß ein Schwenkkran zur rechten Zeit an der richtigen Stelle stand. Parker überließ nichts dem Zufall, wenn es sich eben nur einrichten ließ. Der Butler schritt würdevoll und gemessen über das Flachdach hinüber zum würfelförmigen Dachaufbau, der den Anschluß eines Treppenhauses bildete. Die Tür war verschlossen, doch den Butler kümmerte das nicht weiter. Er langte in seine linke Manteltasche und holte eine Sprayflasche hervor, in der sich ein schnell wirkendes Rostlösungsmittel befand. Er sprühte das Schlüsselloch ein und bemühte anschließend sein kleines Spezialbesteck. Es erinnerte an das eines passionierten Pfeifenrauchers, war jedoch wesentlich mehr. Parker brauchte nur
wenige Augenblicke, bis er die Tür lautlos öffnen konnte. Dazu hatte er die Türangeln ebenfalls eingesprüht, was sie ihm nun dankten. Der schwere Geruch nach Farben stach in Parkers Nase. Er hörte das starke Summen einer Absaugvorrichtung, hörte ein Rühren und Schaben, Schritte auf Metallrosten, dann ein Gurgeln und Plätschern. Natürlich wußte Josuah Parker, in welchen Betrieb er eindrang. Es handelte sieh um eine kleine Fabrik, die Farben für Schiffsanstriche herstellte. Hierher hatte Sonteff ihn bestellt und sicher nicht ohne Grund. Ein Kontakt mit den Autoknackern War wenig wahrscheinlich. Seiner Ansicht nach wollten Sonteff und sein Partner Brady hier einen endgültigen Schlußstrich ziehen. Parker befand sich auf einer Treppe, deren Stufen aus Gitterrosten bestand, durch die man tief ins Erdgeschoß blicken konnte. Nachdem seine Augen sich an das in der Fabrikationshalle herrschende Zwielicht gewöhnt hatten, konnte er große Rohrleitungen, Bottiche, Arbeitsbühnen und Kessel ausmachen. Menschen waren nicht zu sehen, aber er hatte sie immerhin gehört. Vorsichtig stieg Josuah Parker tiefer nach unten. Der Geruch nach bleihaltigen Farben verstärkte sich noch. Die Luft wurde schwer und stickig. Parker nahm sich viel Zeit. In der rechten, schwarz behandschuhten Hand hielt er seinen Universal-Regenschirm. Er war bereit, sofort einen seiner Blasrohrpfeile nach unten zu schicken. In der linken Hand, die natürlich ebenfalls von einem schwarzen Lederhandschuh umschlossen wurde, hielt der Butler eine kleine Blitzlichtbombe. Und dann entdeckte er zwei Gestalten. Sie standen auf einer Arbeitsbühne in Höhe einiger Farbbottiche, in der eine weiße Grundmasse angerührt wurde. Zwei überdimensional große 54
Schaufeln mühten sich ab, die zähe Masse in Bewegung zu halten. Sie bewegten sich im Zeitlupentempo. Sonteff und Brady hatten Position neben einer dicken Rohrleitung bezogen, wo von aus sie den Eingang zur Fabrikhalle völlig überblicken konnten. Die beiden Männer redeten miteinander, doch Parker verstand natürlich nichts. Sie hielten Schußwaffen in Händen und warteten sicher ungeduldig auf das Erscheinen ihrer Opfer. Parker hatte sich also nicht getäuscht. Die Gangster aus den Staaten hatten nun ihren Fall selbst übernommen und auf fremde Hilfe verzichtet. Sie wollten hier vollendete Tatsachen schaffen. Auf einen Doppelmord kam es ihnen mit Sicherheit nicht an. Parker fragte sich kurz, wo die Arbeiter dieser Firma sich wohl aufhalten mochten. Waren sie von Sonteff und Brady eingesperrt worden? Oder war vielleicht noch Schlimmeres mit ihnen geschehen? Parker befand sich auf der vorletzten Treppenbühne. Weder Sonteff noch Brady kamen auf den Gedanken, einen Blick auf die Eisentreppe zu werfen. Sie waren auf den Eingang fixiert und konnten es sich wohl nicht vorstellen, daß es noch einen anderen Zugang zu diesem Betrieb gab. Parker setzte auf seine kleine Blitzlichtbombe. Mit dem Schirm Schlug er gegen das Eisengeländer, gleichzeitig zündete er das Blitzlicht, in dem er den Patent-Kugelschreiber in seiner Hand durch einen Druck auf den Halteclip aktivierte. Eine ungemein grelle Sonne erfüllte den Fabrikraum. Parker, der seine Augen abgewandt und geschlossen hatte, wurde, selbst noch leicht geblendet. Als er sich umdrehte, standen Sonteff und Brady wie Salzsäulen auf der Arbeitsbühne und kniffen die schmerzenden Augen zu. Sie wa-
ren immerhin ohne jede Vorwarnung von dem grellen Lichtblitz getroffen worden. Josuah Parker glitt schnell, aber immer noch würdevoll die restlichen Stufen hinunter und entwaffnete die beiden Gangster. Sie ließen das widerstandslos mit sich geschehen. Wahrscheinlich bekamen sie nicht mal genau mit, was mit ihnen geschah. »Für eine gewisse Zeit werden Sie noch in Ihrer Sehfähigkeit beeinträchtigt sein«, sagte Parker in seiher höflichen Art, »nachhaltige Schäden sind jedoch nicht zu befürchten.« »Parker?« fragte der große und beleibte Sonteff mit gequetschter Stimme. »In der Tat«, antwortete der Butler, »aus Gründen, die Sie sicher verstehen werden, erlaubte sich meine Wenigkeit, einen etwas ungewöhnlichen Weg zu nehmen, um zu Ihnen zu gelangen.« »Da . . . Dafür bringen wir Sie eines Tages um«, drohte Brady entrüstet. »Vorher aber sollten Sie meiner Wenigkeit noch einige Fragen beantworten«, schlug Butler Parker vor. »Einen Dreck werden wir tun«, erwiderte Sonteff wütend. »Vielleicht entschließen Sie sich doch noch zu einer kooperativen Haltung«, meinte Josuah Parker. »Darf ich Sie jetzt bitten, sich in einen der Farbbottiche zu begeben?« »Wie war das?« tat Brady verwundert und rieb sich die Augen. »Sie können frei wählen«, redete Josuah Parker weiter, »knapp unter ihnen befindet sich ein Rührkessel mit weißer Farbe. Man wird Ihnen selbstverständlich behilflich sein, darin Platz zu nehmen.« »Sind Sie wahnsinnig, Parker?« brüllte Sonteff und rieb sich ebenfalls die brennenden Augen. »Falls Sie meine Wenigkeit so einschätzen, müssen Sie mit gezielten Schüssen rechnen«, erwiderte der Butler, »darf ich Ihnen jetzt meine hilfreiche Hand leihen?«
Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis die beiden US-Gangster im Farbbottich waren. Sie wurden von den sich langsam drehenden Schaufeln erfaßt und mit der Farbe innig vermischt. Josuah Parker griff nach einem Kanister, der laut Aufschrift eine rote Zusatzfarbe enthielt, öffnete ihn und ließ den Stoff ohne Hast in die weiße Farbmasse fließen. Sonteff und Brady ruderten mit den Armen und wurden von den langsamen Rührschaufelh im Kreis durch den großen Rührbottich getrieben. Sie machten keinen entspannten Eindruck.
»Ich bin zutiefst verärgert«, grollte Agatha Simpson und bedachte ihren Butler mit eisigem Blick. Sie befand sich in Begleitung von Horace Pickett, der sich sicherheitshalber einen Schritt seitlich hinter der älteren Dame aufgebaut hatte. »Mylady sehen meine Wenigkeit bestürzt«, antwortete Parker. »Sie haben mich in das falsche Gebäude geschickt«, redete sie gereizt weiter, »und Sie haben das absichtlch getan, Mr. Parker.« »In gutem Glauben, Mylady«, entgegnete der Butler höflich, »möglicherweise täuschte meine Wenigkeit sich, als die Lage der Fabrik beschrieben wurde.« »Ich lief da in einer Seilerei herum und habe mich fast verirrt«, sagte sie aufgebracht, »erst der gute Pickett hat mich aus dem Labyrinth befreit.« »Im Grund haben Mylady nichts versäumt«, erklärte der Butler, »die Herren Sonteff und Brady leisteten keinen Widerstand.« »Wo stecken die Lümmel jetzt?« wollte sie wissen, »und was Ihren Hinweis auf die Fabrik angeht, Mr. Parker, so werden wir uns darüber noch ausgiebig unterhalten müssen.« »Stets zu Myladys Diensten.« Parker deutete eine knappe Verbeugung 55
ah. Natürlich hatte er seine Herrin absichtlich in den falschen Betrieb geschickt, um sie vor Schaden zu bewahren. Wie richtig die Vorsichtsmaßnahme gewesen war, hatte sich ja mehr als deutlich gezeigt. Beim Betreten der Fabrikationshalle der Farbenfabrik wäre sie unweigerlich von den beiden Gangstern Sonteff und Brady niedergestreckt worden. Lady Agatha ließ sich ablenken. Sie blickte in den Rührbottich und lächelte boshaft. Sonteff und Brady wurden nach wie vor durch die zähe Brühe gerührt und hatten sich an den Rührschaufeln festgeklammert. »Sehr erfreulich«, stellte die ältere Dame fest, »Sie haben da ganz in meinem Sinn gehandelt, Mr. Parker.« »Mylady machen meine Wenigkeit überaus glücklich«, behauptete Josuah Parker. »Kann man die Schaufeln nicht schneller laufen lassen?« fragte sie. »Eine Steigerung der Drehfrequenz ist leider nicht gegeben, Mylady«, entgegnete der Butler. »Sehr bedauerlich«, fand sie, »etwas mehr Tempo würde ich mir schon wünschen.« »Ich habe die Polizei verständigt«, schaltete Horace Pickett sich ein, »ich habe mir den Chief-Superintendenten geben lassen.« »Wieso sind Sie eigentlich hier im Hafen?« Die ältere Dame wandte sich an Pickett. »Meine Wenigkeit bat Mr. Pickett, hier am Schauplatz der Ereignisse zu erscheinen«, erläuterte der Butler. »Dank der Mithilfe Mr. Picketts konnte meine Wenigkeit auf das Dach der Farbfabrik angehoben werden.« »Ich werde Sie bei Gelegenheit zum Tee einladen.« Sie schenkte Pickett einen freundlichen Blick. Dann wurde sie erneut abgelenkt. McWarden erschien auf der Bildfläche und wurde begleitet von einigen Männern, die zu seinem Dezernat gehörten. McWarden ließ sich von Parker kurz Bericht erstatten und nahm dann die 56
beiden Schußwaffen entgegen, die Parker erbeutet hatte. »Meiner bescheidenen Ansicht nach dürfte aus einer der Waffen auf Mr. Bernie Craine geschossen worden sein«, sagte Parker abschließend. »Ich lasse das sofort abchecken, Mr. Parker.« McWarden schloß sich der inzwischen völlig heiteren Stimmungslage der älteren Dame an und blickte auf die beiden US-Touristen. »Ein schöner Teilerfolg«, sagte McWarden in Richtung Parker, »aber damit dürften Sie den eigentlichen Fall noch nicht gelöst haben.« »Sie spielen mit Sicherheit auf die sogenannten Auto-Knacker an, nicht wahr?« »Um die geht es doch nach wie vor, oder?« McWarden deutete auf die beiden in der Farbe dahintreibenden Gangster. »Es fragt sich allerdings, ob die da unten etwas mit den AutoKnackern zu tun haben. Völlig ausgeschlossen ist das nicht, wie?« »Das ist ein völlig anderer Schuh, mein Lieber, erkennen Sie denn das nicht?« wunderte sich die ältere Dame. »Die beiden Subjekte haben mit den Auto-Knackern überhaupt nichts zu tun. Das wußte ich von Anfang an. Im Gegensatz zu Ihnen, McWarden, weiß ich nämlich sehr genau zu unterscheiden.« Was die ältere Dame da sagte, entsprach keineswegs der Wahrheit. Vehement hatte sie die Ansicht vertreten, Sonteff und Brady seien nichts anderes als Aufkäufer der gestohlenen Luxuswagen. Parker hütete sich jedoch, Mylady zu korrigieren, zumal er wirklich aus Erfahrung wußte, wie oft sie ihre Meinung änderte. Mc Wardens Mitarbeiter machten sich daran, Sonteff und Brady zu bergen. Sie ließen sich damit allerdings viel Zeit. Als die beiden Gangster endlich erschöpft und farblich total aufgefrischt neben dem Rührbottich saßen, machten sie einen völlig resignierten und erschlafften Eindruck. »Zum Teufel mit London«, sagte
Sonteff schließlich, »mit Amateuren darf man sich nicht einlassen, man verliert nur. Drüben in den Staaten wär' uns so was nie passiert.«
»Und was mache ich jetzt? « fragte die passionierte Detektivin. Sie saß im Fond von Parkers hochbeinigem Monstrum und sah unternehmungslustig aus. »Mylady hegen bestimmte Wünsche?« erkundigte sich Josuah Parker. »Wie wäre es denn mit diesem Garagenhersteller?« »Mr. Gary Curtis, Mylady. Wiederholt wurde auf ihn verwiesen, was die AutoKnacker betrifft.« »War da nicht noch ein Subjekt?« »Mr. Jimmy Stoker, Mylady, der zu denen gehört, die Mr. Curtis als einen Auto-Knacker bezeichnen.« »Genau den meine ich, Mr. Parker. Ich denke, ich sollte mich mit ihm be-, fassen. Er kennt mich noch zu wenig.« »Mr. Stoker dürfte Myladys ersten Besuch in unangenehmer Erinnerung haben.« »Das möchte ich aber auch hoffen.« Sie lächelte versonnen. »Gut, Mr. Parker, Sie dürfen frei entscheiden. Aufsuchen werde ich beide Gangster. Wahrscheinlich stecken sie alle mit den Auto-Knackern unter einer Decke.« »Wobei Mr. Stoker sich besonders verdächtig gemacht hat«, warf Josuah Parker ein, »er verwies zu schnell und zu gezielt auf Mr. Curtis. Dies bezieht sich auch auf die Herren Sonteff und Brady. Auch sie belasteten eindeutig den Hersteller von Fertiggaragen.« »Zu Stoker also«, entschied sie in Parkers Sinn, »ich werde dem Lümmel ordentlich auf den Zahn fühlen.« Es dauerte kaum länger als eine Viertelstunde, bis Parker das Firmengelände von Jimmy Stoker erreichte. Er stellte sein hochbeiniges Monstrum vor der Lagerhalle ab und stieg aus. Bei dieser Gelegenheit entdeckte er die beiden Mitarbeiter Stokers, die er mit der Ruß-
wolke behandelt hatte. Ihre Gesichter waren noch immer leicht geschwärzt Als sie ihrerseits Parker erblickten, zogen sie sich schnell ins Lagerhaus zurück. Myladys Blick wurde von zwei großen Möbelwagen magnetisch angezogen. Die beiden Vierzigjährigen, die sie während ihres ersten Besuchs hier bei der Teepause gestört hatte, waren gerade dabei, die Flügeltüren eines der Möbelwagen zu schließen. Mylady setzte ihre junonische Fülle umgehend in Bewegung und marschierte auf die beiden Männer zu, die ihrerseits inzwischen Agatha Simpson wahrgenommen hatten. »Keine Ausflüchte«, raunzte die ältere Dame die beiden Männer an, »öffnen Sie die Türen! Ich wette, Sie haben gerade wieder mal einen Luxuswagen verladen.« Die beiden handfesten Männer wußten nicht so recht, wie sie sich verhalten sollten, zumal sie auch Parker ausgemacht hatten. Der Butler lüftete höflich die schwarze Melone. »Sie sollten Myladys Begehren umgehend folgen«, schlug er gemessen vor. »Da müssen wir erst den Chef fragen«, sagte einer der beiden Männer unsicher. »Sie haben also etwas zu verbergen, wie?« Agatha Simpsons Augen funkelten bereits. »Sie sollten die Dinge nicht unnötig komplizieren«, meinte Josuah Parker. »Wer sind wir denn, verdammt?« fragte der zweite Handfeste wütend, »ohne den Chef läuft hier gar nichts. Hören Sie, noch mal legen Sie uns nicht aufs Kreuz.« »Ich hoffe, Mr. Parker, ich wurde gerade beleidigt«, sagte Lady Agatha und blickte ihren Butler erwartungsvoll an. Bevor Parker antworten konnte, tauchte Jimmy Stoker auf. Der große, schlanke Mann mit dem Bürstenhaar kam um den Möbelwagen herum, stutzte und rang sich dann ein neutrales Lächeln ab. 57
»Das ist aber eine Überraschung«, sägte er dann, »mit Ihnen habe ich nicht gerechnet.« »Hegten Sie möglicherweise die Hoffnung, Mylady und meine Wenigkeit seien gewissen Ereignissen zum Opfer gefallen?« erkundigte sich Josuah Parker höflich. »Gewisse Ereignisse?« Jimmy Stoker rückte seine Hornbrille zurecht und machte einen verständnislosen Eindruck. »Die Herren Sonteff Und Brady versuchten, Mylady und meine bescheidene Person in das sprichwörtliche Jenseits zu schicken.« »Keine Ahnung, wer die beiden Männer sein sollen.« »Es wäre müßig, mit Ihnen über die beiden Besucher aus den USA zu reden«, sagte der Butler, »Myladys Interesse richtet sich ohnehin auf die sogenannten Auto-Knacker, wie Sie sich wohl vorstellen können.« »Und warum sind Sie dann zu mir gekommen?« Jimmy Stoker warf einen kurzen Blick auf die beiden stämmigen Möbelpacker, die wohl nur darauf warteten, sich endlich mit der älteren Dame und mit Parker anlegen zu können. »Ich traue Ihnen nicht über den Weg«, schaltete die Detektivin sich ein, »ich komme einfach nicht los von dem Gedanken, daß Sie mit ihren Möbelwagen gestohlene Luxusautos wegschaffen.« »Sie möchten einen Blick in den Möbelwagen werfen?« Jimmy Stoker lächelte. »Ich werde«, korrigierte sie nachdrücklich. »Bedienen Sie sich«, schlug Stoker vor. »Ich selbst soll die beiden schweren Türen öffnen?« »Nein, nein, natürlich nicht.« Stoker gab den Männern ein Zeichen, worauf sie die Türen weit öffneten. Dann zeigte Stoker einladend ins Innere des Möbelwagens. »Fehlanzeige, wie?« meinte er dann. 58
Lady Agatha sah nichts als einige alte Möbelstücke, die sich auf der weiten Ladefläche förmlich verloren. »Sie gestatten, Mr. Stoker?« Parker wartete die Erlaubnis nicht ab, sondern drückte auf den Knopf einer elektrischen Anlage, worauf sich eine Ladebühne senkte, die er betrat. »Was soll denn das?« erregte sich Stoker. »Meine Wenigkeit möchte etwas Atmosphäre schnuppern«, antwortete der Butler. Mit dem Schirmstock drückte er erneut auf den bewußten Knopf und ließ sich von der Ladebühne hinauftragen. Er wechselte in den Möbelwagen über und verschwand in der dunklen Tiefe des Packraums. Es dauerte einige Zeit, bis er wieder vorn erschien. »Ich wette, Sie haben einige gestohlene Wagen entdeckt«, sagte Stoker ironisch. »Vielleicht in übertragenem Sinn«, gab Josuah Parker zurück, »oft genügen nur einige verräterische Spuren, um gewisse Dinge zu erhellen.« »Und die wären?« fragte Stoker aggressiv. »Zum Beispiel Ölspuren, Mr. Stoker, oder Farbpartikel. Es kann sich aber auch durchaus um typische Gerüche handeln.« »In diesem Möbelwagen ist niemals ein Auto transportiert worden.« »Mylady schätzen und anerkennen Ihre Mitarbeit.« Parker lüftete die schwarze Melone. »Ich gehe?« wollte die ältere Dame ein wenig enttäuscht wissen. Sie schien sich innerlich bereits auf einen Zwischenfall eingerichtet zu haben. »Mylady wissen, was Mylady in "Erfahrung zu bringen gedachten«, gab Josuah Parker zurück und deutete ein Kopfnicken an. »Und was ist mit Curtis?« fragte Jimmy Stoker. »Man kann sich durchaus vorstellen, daß er in seinen Fertiggaragen für den Export Luxuswagen außer Landes schaffen läßt«, meinte der Butler,
»es gibt natürlich auch noch andere Möglichkeiten, Mr. Stoker. Mylady denken in diesem Zusammenhang an eine Verladestelle in irgendeiner verschwiegenen Bucht.« »Das alles kratzt mich nicht«, erwiderte Jimmy Stoker, »ich habe mit den Auto-Knackern nichts zu tun.« »Das wird sich zeigen, junger Mann«, warf die Detektivin grimmig ein, »lassen Sie sich gesagt sein, daß man eine Lady Simpson nicht täuschen kann.«
»Sehr unbefriedigend, Mr. Parker«, stellte Agatha Simpson kurz darauf grollend fest, »ich hätte den gesamten Betrieb untersuchen sollen, aber Sie haben mich daran gehindert.« »Mylady hätten mit letzter Sicherheit keinen Wagen gefunden«, erwiderte der Butler, »Mr. Stoker weiß sehr wohl, daß man sich für ihn interessiert. Er wird daher kein Risiko eingehen.« »Davon bin ich allerdings ausgegangen«, meinte sie umgehend, »glauben Sie nur ja nicht, Mr. Parker, ich hätte mir unnötige Hoffnungen gemacht. Ich bin Realistin.« »Mylady dürften bald dahingehend informiert werden, daß man in wenigstens einer Curtis-Garage einen gestohlenen Wagen finden wird«, prophezeite der Butler. »Wie denn das?« wunderte sie sich. »Mr. Stoker wird diesen entsprechenden Hinweis dankbar aufgreifen und für ein Ablenkungsmanöver sorgen«, redete der Butler weiter, »ferner ist damit zu rechnen, daß man Mylady auf eine kleine und verschwiegene Bucht aufmerksamen machen wird.« »Dieses Subjekt will mich also täuschen, wie?« »Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, Mylady.« »Ich werde diesem Lümmel ein Schnippchen schlagen. Werde ich übrigens verfolgt?«
»Meine Wenigkeit muß bedauern, Mylady.« »Eine Rücksichtslosigkeit«, raunzte sie, »dieser Lkw-Verleiher hat mich übrigens noch nicht mal provoziert. Eigentlich ist das schon wieder eine Provokation ...« »So kann man es in der Tat sehen. Mylady sind eben gefürchtet.« »Was steht jetzt auf meiner Liste?« fragte sie weiter, »müßte ich nicht zu diesem Garagensubjekt?« »Zu Mr. Gary Curtis, Mylady? Vielleicht sollten Mylady ihm ein wenig Ruhe gönnen.« »Nun gut, dann zurück nach Hause«, entschied sie, »es wird ohnehin Zeit für einen kleinen Imbiß.« Als sie vor dem Fachwerkhaus der älteren Dame in Shepherd's Market erschienen, wartete Chief-Superintendent McWarden bereits auf Mylady. Er zeigte ein ungewöhnlich zufriedenes, fast heiteres Gesicht. »Geständnisse«, berichtete er wenig später, als man im Haus war, »Sonteff und Brady haben geredet und tun's wahrscheinlich noch immer.« »Sie haben also zugegeben, Autoaufkäufer zu sein, wie?« fragte Agatha Simpson und lächelte wissend. »Ich wußte es ja gleich, mein lieber Mc Warden, aber auf mich wollte man ja wieder nicht hören. »Sie haben zugegeben, auf Bernie Craine geschossen zu haben«, antwortete McWärden, »als der Schußspurenvergleich auf meinem Tisch lag, steckten sie auf.« »Und sie sind Auto-Knacker, oder?« »Nein«, gab der Chief-Superintendent zurück, »damit haben sie offensichtlich nichts zu tun. Sie wollten hier in London eine neue Gang aufziehen. Mr. Parker hat das gleich richtig gesehen.« »Nachdem ich ihn informiert hatte«, korrigierte die Lady umgehend. »In der Tat«, pflichtete Parker ihr sofort bei, »Myladys Beweisführung war frappierend, um es mal so auszudrücken.« 59
»Denken Sie stets klar und logisch, mein lieber McWarden«, forderte Lady Agatha den Chief-Superintendenten auf, »nehmen Sie sich ein Beispiel an mir. Dann wird Ihre persönliche Erfolgsquote auch steigen.« »Wie auch immer«, sagte McWarden, der sich auf dieses Thema nicht einlassen wollte, »Sonteff und Brady haben auch ihre drei Leibwächter in die Pfanne gehauen, was will man mehr.« »Und warum, wenn man fragen darf, wurde auf den Nachtclubbesitzer Craine geschossen?« fragte Josuah Parker. »Der Mann war dabei, Sonteff und Brady zu verraten«, berichtete der Chief-Superintendent weiter, »und das wollten die Gangster aus den Staaten unbedingt verhindern.« »Sie haben ihn wirklich nicht nach den Autoknackern befragt?« wunderte sich Josuah Parker. »Nun ja, vielleicht beiläufig«, meinte McWarden ausweichend. »Mylady gewinnt den Eindruck, Sir, daß Sie einige Tatsachen zu unterschlagen gedenken.« »Was ich sofort gemerkt habe«, warf Agatha» Simpson grollend ein. »Nun gut«, räumte McWarden ein, »vielleicht wurde der Name Stoker genannt, aber festlegen möchte ich mich da lieber nicht.« »Stoker?« wunderte sich die ältere Dame prompt, »das ist doch dieser . . , « » ... Lkw-Verleiher in Lambeth«, erklärte. Parker, »wie Mylady zu bemerken geruhten, wird besagter Mr. Stoker sich ohnehin bald melden.«
Lady Agathy beschäftigte sich gerade mit einem pikanten Geflügelsalat, mit gebuttertem Toast und etwas Räucherlachs, als das Telefon sich meldete. Butler Parker, der Mylady bediente, hob ab und nannte seinen Namen. »Ich hab' 'nen brandheißen Tip für Sie«, sagte eine heisere, undeutliche 60
Stimme, »Sie sind doch hinter den Auto-Knackern her, wie?« »Mit wem spricht man?« fragte der Butler. »Nee, noch sage ich das nich'«, redete die heisere Stimme weiter, »aber merken Sie sich ein Stichwort, Mann, klar? Das Stichwort heißt Schleuder-beton, is' das klar?« »Schleuderbeton«, wiederholte Parker. »Ich werd' Sie rechtzeitig daran erinnern«, redete die undeutliche Stimme weiter, die dann erst mal in ein Hüsteln umschlug, »fahren Sie raus zu den Surrey Docks, Parker, und sehen Sie sich mal ein paar Garagen von Curtis an. Sie staunen dann Bauklötze.« »Warum lassen Sie sich dazu herab, meiner Wenigkeit diesen Hinweis zu geben?« fragte Parker gemessen. »Weil ich aussteigen will, Mann. Und Sie könnten später bezeugen, daß ich den goldrichtigen Tip gegeben habe.« »Man wird sich das Stichwort Schleuderbeton merken«, versprach Josuah Parker, »könnten Sie eventuell mit weiteren Hinweisen dienen, die zur Enttarnung der gesuchten AutoKnacker dienen?« »Mehr, hab' ich nich' auf Lager«, sagte die heisere Stimme. Parker legte auf und setzte seine Herrin ins Bild, Sie schob sofort ihren Stuhl zürück und stand auf. »Ich werde ein echtes Opfer bringen«, sagte sie entschlossen, »ich überschlage diesen Imbiß und werde sofort zu den Docks fahren.« »Ein Entschluß, mit dem der Anrufer rechnet, Mylady.« »Natürlich, hätte er sonst angerufen? « Sie wirkte ein wenig irritiert. »Dieser anonyme Hinweis erfolgte selbstverständlich aus dem Haus Stoker, wie Mylady sofort erkannten.« »Tatsächlich? «Sie runzelte die Stirn Und nickte. »Natürlich, Mr. Parker, das dachte ich mir ja gleich.« Mylady haben sicher die Absicht,
Mr. Jimmy Stoker noch mal aufzusuchen.« »An etwas anderes habe ich überhaupt nicht gedacht.« »Mr. Stoker führt ein Ablenkungsmanöver durch, Mylady.« »Das liegt für mich klar auf der Hand, Mr. Parker. Kommen Sie, ich will keine Zeit verlieren.« Es dauerte nur wenige Minuten, bis sie bereit war, sich in den Kampf zu stürzen. Sie nahm im Fond von Parkers hochbeinigem Monstrum Platz und zeigte Ungeduld, als Parker sich mit dem Wagen den Weg durch den Verkehr bahnte. Es dauerte seine Zeit, bis man endlich den Stadtteil Lambeth jenseits der Themse erreichte. »Sind Sie sicher, Mr. Parker, daß man nicht doch einen Blick in die Fertiggaragen werfen sollte?« fragte Lady Agatha. »Mylady hassen unnötige Zeitverschwendung«, wußte der Butler. »Das stimmt allerdings, Mr. Parker. Und worauf warte ich jetzt bei diesem Lkw-Verleiher?« »Auf Mr. Pickett«, lautete die überraschende Antwort des Butlers. »Auf den guten Pickett?« wunderte sich die ältere Dame. »Und auf Miß Porter und Mr. Rander«, fügte der Butler hinzu. »Darf man daran erinnern, daß sie ein ungemein wachsames Auge auf die Docks Werfen?« »Die guten Kinder«, gab sie freundlich zurück, »der Lkw-Verleiher wird also beobachtet?« »Intensiv, Mylady«, bestätigte der Butler, »er machte sich bereits in dem Augenblick verdächtig, als er auf Mr. Curtis verwies. Seine Absicht war unverkennbar. Er wollte Curtis belasten, um seinerseits ungestört agieren zu können.« »Ich habe diesem Subjekt von Anfang an nicht über den Weg getraut«, meinte sie nachdrücklich, »aber auf mich wollte man ja wieder mal nicht hören. Nun werde ich den Beweis an-
treten, daß Stoker der Kopf der Autobande ist.« »Mylady werden wieder mal obsiegen«, prophezeite Josuah Parker höflich und geduldig. Er wollte noch einige positive Sätze hinzufügen, als plötzlich ein kleiner Mini-Cooper auftauchte, aus dem Kathy Porter und Mike Rander stiegen. »Klappt ja wie vereinbart«, sagte der Anwalt, nachdem er Lady Simpson begrüßt hatte, »Pickett ist am Ball. Jimmy Stoker ist oben bei den Docks und befindet sich zur Zeit in einem Lagerschuppen. Ich denke, wir sollten ihm einen kleinen Höflichkeitsbesuch abstatten.«
Eindeutiger konnte der Beweis nicht sein. Über zwei kräftige Laufschienen wurden Wagen der Luxusklasse aus einem Möbelwagen herausgeschoben. Parker identifizierte einen RollsRoyce, der gerade vorsichtig und fast liebevoll in einen Stahlcontainer gerollt wurde. Nachdem der Wagen in diesem Rechteck verschwunderi war, machten sich Helfer daran; den vorderen Teil des Containers mit Rinderhälften vollzuhängen. Vorn am Container war eine eigene Kühlmaschine auszumachen, die die Illusion vervollständigte, daß in diesem Groß-Container nur Rinderhälften hingen. Eine zweite Gruppe war damit beschäftigt, einen Jaguar in Schaumstoffmatten zu packen. Dieser Luxuswagen würde nicht weniger pfleglich behandelt als der Rolls-Royce. Auch in diesem Fall sorgten Rinderhälften für die notwendige Tarnung. Jimmy Stoker dirigierte die Arbeiten, die schnell und routiniert ausgeführt wurden. In der dämmerigen Tiefe der Lagerhalle standen bereits andere Container, deren Türen v e r schlossen und verplompt waren. Parker zählte mit Stoker insgesamt acht Männer, die die Umladearbeiten 61
vornahmen. Stoker unterhielt sich mit einem Mann, der einen grauen Kittel trug und wohl für die Rinderhälften und die richtigen Container gesorgt hatte. »Sechs Wagen sind bereits verpackt«, flüsterte Horace Pickett dem Butler zu, »und mindestens vier warten noch darauf.« »Man muß Ihnen ein Kompliment machen, Mr. Pickett«, gab der Butler zurück, »Sie haben ausgezeichnet gearbeitet.« »War gar nicht so schwer, nachdem Sie mich auf Stoker angesetzt hatten«, antwortete der ehemalige Eigentumsverteiler, »aber der Trick mit den Kühl-Containem ist bestens, wie?« »Die Kälte in den Containern dürfte die Prüfer davon abhalten, zu tief hineinzusehen«, erwiderte Josuah Parker. »Wie meine Wenigkeit bemerkt, benutzt man auch Kartons mit tiefgefrorenen Steaks zur Tarnung.« »Und alles geht in den Nahen Osten«, erklärte Pickett leise weiter, »die Exportfirma, die hier mitspielt, ist auf so etwas spezialisiert.« »Man sollte sich jetzt vielleicht zeigen«, schlug Josuah Parker vor. »Sie haben die Polizei bereits verständigt?« »Mr. McWarden«, bestätigte Pickett und nickte. Josuah Parker setzte sich in Bewegung und schritt würdevoll und gemessen über die restlichen Stufen der Kellertreppe nach oben. Pickett hatte diesen Weg ausgekundschaftet und dafür gesorgt, daß man ungesehen ins Innere der Lagerhalle kam. Lady Agatha folgte schnaufend, berstend vor Energie. Hinter ihr waren Kathy Porter und Mike Rander. »Einen, gewissen Erfindungsreich--m sollte man Ihnen nicht absprechen«, sagte Parker mit lauter Stimme, worauf Stoker herumwirbelte und den Butler völlig entgeistert anschaute. Sein Gesprächspartner wollte weglaufen, doch als er die Schußwaffe in 62
Mike Randers Hand sah, verzichtete er darauf. Die Handlanger an den Containern blieben wie versteinert stehen, als der Butler einen seiner gefürchteten Pfeile verschoß. Dieser Pfeil landete im Oberschenkel eines Mannes, der die Absicht angedeutet hatte, nach einer Schußwaffe zu greifen. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis die Lage völlig geklärt war. Die Überraschung war einfach zu groß gewesen. »Und Sie wollten eine Lady Simpson täuschen?« fragte die ältere Dame in Richtung Jimmy Stoker. Sie lachte anschließend abfällig auf. »Ich wußte doch von Beginn an, daß Sie der Kopf der Auto-Knacker sind.« »Die Herrschaften werden gebeten, sich in den Container zu begeben«,, ließ Parker sich vernehmen. »Hören Sie, kann man denn mal mit Ihnen reden?« fragte Stoker. »Sie können Mylady erklären, wie Mr. Craine es schaffte, die beiden gestohlenen Wagen wieder beizubringen«, meinte Parker gemessen. »Verdammt einfach«, erklärte Stoker, »er fragte bei mir an. Wir dachten, Sie würden Ruhe geben, wenn der Bentley und der verdammte Rolls wieder vor der Haustür stehen.« »Eine Lady Simpson gibt niemals Ruhe, bevor ein Kriminalfall nicht geklärt ist«, dröhnte die baritorial gefärbte Stimme der Detektivin dazwischen, »nun will ich endlich Bewegung sehen.« Die Männer der Autoknacker-Bande begaben sich gehorsam in den Container, in dem der Jaguar abgestellt worden war. Wenig später schlossen Pikkett und Mike Rander die Tür und sicherten sie, »Wo kann man die Temperaturen einstellen?« erkundigte sich die ältere Dame sofort, »diese Subjekte brauchen eine nachhaltige Abkühlung.« Nachdem Butler Parker ihr das Kühlaggregat vorn am Container gezeigt hatte, war es für Lady Agatha ein
Genuß, den Temperaturregler auf Tieffrost zu stellen. Sie nickte anerkennend, als der Motor ansprang und sich daran machte, Kälte zu produzieren.
»Wir bekamen die Türen nicht sofort auf«, sagte McWarden einige Stunden später und lächelte, »und an den Temperaturregler dachten wir zu spät. Als Stoker und seine Leute endlich aus dem Container kamen, waren sie restlos bedient und legten ihre Geständnisse ab.« »Er steckte mit der Exportfirma unter einer Decke, nicht wahr?« fragte die Detektivin. »Mit dem Inhaber«, korrigierte McWardén, »sie machten gemeinsame Sache. Der Kopf der Bande aber war Stoker, das hat er bereits zugegeben.« »Die Luxuswagen wurden also im Nahen Osten abgesetzt, Sir?« schaltete der Butler sich ein. »Und fanden dort reißenden Absatz, schon allein wegen der langen Lieferfristen für Neuwagen«, berichtete der Chief-Superintendent weiter, »dazu kam noch der Preisnachlaß, den Stoker einräumen konnte.« »Und was ist mit diesem Garagenhersteller?« fragte die ältere Dame.
»In zwei von seinen Garagen fanden wir ebenfalls Luxuswagen, doch die hatte Stoker da einpacken lassen. Es handelte sich um einen Mercedes und einen Cadillac. Curtis hat mit den Auto-Knackern überhaupt nichts zu tun, das steht einwandfrei fest.« »Was ich die ganze Zeit über natürlich wußte«, behauptete Agatha Simpson. »Wenn ich nämlich auf der richtigen Spur bin, lasse ich mich nicht ablenken. Ist es nicht so, Mr, Parker?« »Myladys Taktik zahlte sich wieder mal aus«, stellte der Butler klar und deutete ein Kopfnicken an. »Sie sagten eben etwas von einer Belohnung,, Mr. McWarden«, erinnerte Mike Rander und tauschte einen schnellen Blick mit Kathy Porter. »Belohnung?« Lady Agatha wurde sofort hellhörig. »Es geht da um eine Belohnung für die Herbeischaffung des Bentley und des Rolls, die man vor Ihrer Haustür gestohlen hat«, erklärte der Chief-Superintendent, »die Besitzer wollen je fünfhundert Pfund für denjenigen zahlen, der die Wagen zurückbringt.« »Sehr gut«, sagte Lady Agatha und dachte angestrengt nach, »das wären für beide Wagen tausend Pfund, ein hübsches Sümmchen.« »Beide Wagen könnten sofort wieder
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herbeigeschaff t werden«, erinnert e der Butler, »sie wurden , wie Mylady sich vielleicht erinnern, von Mr. Pickett s Freunde n in Sicherhei t gebracht.« »Tausend Pfund«, sinnierte die ältere Dame halblaut weiter, »wenn ich sie also herbeischaffe , die beiden Luxus wagen, steht mir doch die Belohnun g zu, oder, mein lieber Mc Warden?« »Ich weiß nicht recht«, erwidert e der Chief-Superintenden t und verbiß sich ein Schmunzeln . »Papperlapapp« , entschie d die passionierte Detektivin , »ich werde die
Belohnun g natürlich beanpruchen . Eine Frau wie ich mu ß sich schließlich nach der Decke strecken. Ist es nicht so, Mr. Parker?« »Zumal Mylady am Rand des Existenzminimum s leben«, sagte Parker höflich. »Eben«, sagte sie, »Mr. Parker, leiten Sie das in die Wege.« »Wie Mylady zu wünschen , belieben«, gab Josua h Parke r zurück, der es sich abgewöhn t hatte, sich über seine Herrin auch nur andeutungsweis e zu wundern .
END E
Er war der selbsternannte König eines Teils der Unterwelt und herrschte über dubiose Bars und Nachtlokale. Wer sich seinem Willen nicht unterordnete.-wurde zwangsweise auf seinen Landsitz eingeladen und dort wieder auf Vordermann gebracht, wie er es nannte. Er war gefürchtet und umgab sich mit einer kleinen Armee von Leibwächtern. Es war sein Pech, daß er sich auf Umwegen ausgerechnet mit Kathy Porter anlegte, der Sekretärin und Gesellschafterin der Lady Agatha Simpson. Die streitbare ältere Dame ging sofort zum Gegenangriff über und konnte von Butler Josuah Parker nicht mehr gebremst werden. Sie schwang ihren Pompadour und arbeitete sich auf ihre sehr persönliche Art durch die Leibwächter, diskret beschützt von Butler Parker, der sich wieder einige tricks einfallen lassen mußte, um endlich den »Grizzly« nachhältig ausstechen zu können. Günter Dönges legt einen neuen Parker-Krimi vor, in dem sich Witz und Hochspannung paaren. Liebhaber »verrückter« Krimis werden sich amüsieren!
ex libris
KAPTAIN STELZBEIN 2011 Printed in Germany. Februar 1986
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