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Ö^JSXfC
jm.iJLL>L
DENKER UNTER MITWIRKUNG VON VON ASTER
E.
O.BAENSCH M.BAUMGARTNER O. BRAUN F. BRENTANO H. FALKENHEIM A. FISCHER :/:
:/:
:/:
:/:
:/:
M.
FRISCHEISEN-KÖHLER
R.
HÖNIGSWALD
R.
LEHMANN
P.
MENZER
:/:
:/:
W. KINKEL
F.MEDIKUS P. NATORP
:/:/:/:/:/:
PFÄNDER R. RICHTER A. SCHMEKEL W. WINDELBAND :/:
A.
:/:
:/:
:/:
HERAUSGEGEBEN ,
VON
EfVoN ASTER
.
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ERSTER
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BAND
Qudlc&Mcyi^r^Lcipzig
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I
EINBAND UND BUCHAUSSTATTUNG VON PROFESSOR GEORG BELWE DRUCK DER SPAMERSCHEN BUCHDRUCKEREI LEIPZIG
35Z5Z5g5g5Z525Z5H5B5g5ZSZ5ESggB5aSB5gSgSHga5g525g5gSESZ5g5g
INHALFSVERZEICHNIS Privatdozent
A.
Fisdher
DIE GRUNDLEHREN DER VOR=
SOKRATISCHEN PHILOSOPHIE Professor Dr. R. Riditer
SOKRATES U. DIE SOPHISTEN Professor Dr. P.
Natorp
PLATON Professor Dr. F. Brentano
ARISTOTELES Professor Dr.
....153
A, Schmekel
DIE HELLENISTISCH»
RÖMISCHE PHILOSOPHIE Professor Dr.
M.
Baumgcirtner
AUGUSTINUS Prof Dr.
....209
.
.
.,
249
M. Baumgartner
THOMAS VON AQUIN
....283
Prof Dr. R. Hönigswald
GIORDANO BRUNO Privatdoz. Dr.
....315
M. Frisdieisen^'Köhler
DESCARTES
....347
4
Zur Was
Philo fophie?
ift
Auf
Einleitung. diefe
Frage eine eindeutige und
digende Antwort zu geben und zu erhalten, foph hat feine eigne Definition zur
nidit leidit.
ift
Hand,
die
Wort
und
befrie-
Jeder Philo-
zu der des Andern
nidit
palfen will.
Halten wir uns zunädift an das
Bedeutung, fo heißt
feine
»Philofophie« Liebe zur Weisheit, Streben nadi Weisheit, nadi Erkenntnis,
Aber
nadi Wilfen,
und
eigen,
ein Streben nadi Erkenntnis
ift
wir verftehen heute unter »Philofophie«
jeder Wilfenlchaft
dodi etwas enger
Umgrenztes, eine beftimmte Wilfenfdiaft/ eine mathematifdie Einfidit,eine diemifdie Unterfudiung ift audi Wiflenfdiaft, aber fie gehört nidit in das Gebiet der Philofophie, Wenden wir uns anderfeits an das, was nun unzweifelhaft für unfern Spradigebraudi der Philofophie zugehört, fudien wir, in
einem oberflädilidien Blid^ zunädift, die großen »Syfteme« zu umuns das Wort Philofophie in Gedanken nahelegt, fo ftoßen wir
falTen, die
fdieinbar auf eine fo heterogene Mannigfaltigkeit
von Gedankengängen,
daß die Frage, worin das gemeinfame Wefen der Philofophie befteht, wieder unbeantwortbar erfdieint. In den fpekulativen Verfudien der alten fdieint fidi die Philofophie
Vor-Sokratiker der körperlidien
und uns
Welt zu
um
drehen,- bei Plato
die eine
Frage des Urftoffes
wenden wir
diefer fiditbaren
Welt ganz und gar den Rüd^en und vertiefen nur dem Denken erfaßbare Wirklidikeit, in die Welt der Ideen/
taftbaren körperlidien in eine
die Philofophie des Ariftoteles gibt uns ein Weltbild, das Alles umfalfen will:
Gott und Welt, Begriffe und Individuen, Leblofes und Lebendiges. in die helleniftifdi-römifdie Epodie, fo verengt fidi plötz-
Gehen wir weiter, lidi
der Gefiditskreis,- als
faft ausfdiließlidi
beherrfdiendes Problem finden
dem wahren Glüdt des wiederum find es die theologifdien Probleme, das Verhältnis von Gott und Welt im diriftlidien Sinne, die diriftlidien
wir die Frage nadi
Menfdien.
Im
dem
»hödiften Gut«, nadi
Mittelalter
Heilswahrheiten, die weit überwiegend das abgeben.
Und
Vordergrund
der neueren Philofophie
in
die
Thema tritt
Frage nadi der Methode, dem
des Philofophierens
von Anfang an Ziel, endlidi
in
den
den Gren-
zen der Erkenntnis, die Logik im Sinn einer Erkenntnis- und Methodenlehre, die
dann
in
Kants Kritik der reinen Vernunft zum Mittelpunkt So fdieint die Philofophie bald zur Natur-
der ganzen Philofophie wird. I
Grofie
Denker
I.
1
Einleitung
zur Religion in nähere Beziehung zu treten, bald will
wilTenfchaft, bald fie
»Lebenskunft«
bald bewegt
fie
fein,
Was
Abftraktion,
eine Führerin für das praktifdie
Leben abgeben,
den Sphären hödifter
in
einigt alle diefe fdieinbar fo
und Probleme,- was
reihen
Theorie
als reine
fidi
bereditigt uns,
fie
logildier
heterogenen Gedanken-
unter den einen Begriff der
Philofophie zu befaflen?
Nun, ein
foldies einigendes
philofophilche
Denken
EinzelwilTenlcliaft
Band ift in
fidi nidit,
der Tat vorhanden,
wenn audi das
wie die Arbeit des Vertreters irgend einer
auf einen beftimmten Teil der Welt eingrenzen
läßt, fon-
dern fdieinbar die ganze Welt des Seins, des reellen und des ideellen, des gei= ftigen
und
liegt in
körperlidien, bald da, bald dort berührt.
dem
einen
Ichen« Probleme
danken:
dem
Zuge des menlchlidien und
Geiftes,
Diefes einigende
Band
dem alle diefe
»philofophie
Endes
Dafein ver-
ihre Löfungsverfudie letzten
ihr
Streben, in unferm Willen wie in unferm Handeln zu in
irgendeinem Sinn endgiltigen, abfoluten, ablchließenden Refultaten zu gelangen, zu Refultaten, die ein Letztes oder audi
wenn man
will ein
Erftes bedeuten, hinter das der forfdiende und fragende Menfdiengeiß nidit weiter zurüdt
braudit.
leidit verftändlidien
Namen
oder über das er
nidit weiter hinaus
gehen kann und
»Philofophie«, urfprünglidi WilTenfdiaft überhaupt,
ift
in
einem
Bedeutungswandel allmählidi zum zufammenfalTenden
für diefe Beftrebungen
geworden,
in
dürfnis feine letzte
und
Riditungen geführt
Ichaflt dies philofophifdie
denen unfer Erkenntnisbe^^
endgiltige Befriedigung fudit,
ziplinen« der Philofophie,
Das
Nadi
verfdiiedenen
Streben die einzelnen »Dis»
und Ver= und zur Naturphilofophie und Me^
Streben, über die Zerfplitterung
einzelung der Einzelwilfenfdiaften hinweg zu einem abfdiließenden allumfaflenden Weltbild zu gelangen, führt
^aphyfik/ das Streben, für unfer Handeln gegenüber der wedifelnden Vielheit finnlidier
unfer
Leben
Antriebe einen letzten Wert, ein Ziel, nadi
dem
hin wir
Guten und Böfen zu Methode der Erkenntnis,
orientieren können, ein Kriterium des
finden, zur Ethik,- das Streben,
Umgrenzung
zu einer
feften
Aufgabe der Wiflenlchaft, einem feften, fidi bleibenden BegrifFsgerüft gleidi zu kommen, in das nun die ins Unendlidie wadifende und dem fteten Wedifel unterliegende Zahl der empirifdien ErkenntnilTe einzugliedern wäre, führt zur Erkenntnistheorie, Logik und Ontologie. So muß die Philofophie auf der einen Seite mit den Einzelwilfenfdiaften in engem Kontakt ftehen, fie muß auf der andern Seite über fie hinausftreben,- fie muß für das praktifdie Leben arbeiten und andrerfeits den Boden des Empirifdi^Wirklidien, in dem unfer Handeln und Wollen mit feinen Zwedien wurzelt, weit unter fidi lallen,- fie kann endlidi an der einer feften
der
Religion nidit vorübergehen, denn audi die Religion will ja ein letztes abfdiließendes Weltbild geben,- aber als Wilfenfdiaft
ift
fie
audi wieder der
Einleitung
Gegenpol der Religion, denn ligion gläubige
Hinnahme
will einfehen
fie
und erkennen,
wo
die
Re«
fordert.
Freilidi drängt fidi zunädift der Eindrudi auf, als fei mit diefer Be= Itimmung dodi nur eine ZufammenfalTung der »philofophilcfien« Probleme unter einem formellen Gefiditspunkt, eine äußerlidie ZufammenfalTung
von Problemen gegeben,
wie eben die verlchiedenen philofophilHien
die
Daß dem in wenn wir uns in die philofoGefdiidite vertiefen. Denn diefe Ge«-
»Disziplinen« zu zeigen (cbeinen, fadilidi auseinanderfallen.
der Tat nidit fo
ift,
Probleme
philclien
das zeigt
felbft
und
fidi
ihre
uns
erft,
daß jene Probleme nidit unabhängig von einander ent* ßehen, fondern daß eins aus dem andern mit innerer Notwendigkeit Ichidite lehrt uns,
fie zeigt uns, daß die philofophilchen Disziplinen nidit zufammenhanglos neben einander ftehen, daß eine »metaphyfilche« Welt«
hervorwädift,
anfdiauung niemals ohne einen Tradition gefeitigten Bahnen der
um dem Gebäude
verläßt,
geben, audi unweigerlich,
ethilclien
Einlchlag
daß,
ift,
ftetig fortlchreitenden
wer
empirilchen Forichung
der Wilfenlchaft eine metaphyfifdie
wenn
fein
Gebäude
die durdi
Krönung zu
nidit in der Luft Iciiweben
Augenmerk auf das logilch-erkenntnis^theoretifdie Fundament muß/ fie zeigt uns, wie erkenntnistheoretifdie, metaphyfilcbe und ethilche Anfiditen fidi gegenfeitig bedingen und zu einem Ganzen vereini* foll,
fein
riditen
gen.
Alles das lernen wir durdi die GelHiidite der Philofophie,-
zeigt
uns eigentlidi
Probleme, Leben, in
darum
fie erfüllt
Darum
einem
erft
fo
fie
alfo
den inneren 'Zufammenhang der philofophilchen
den formalen Begriff der Philofophie mit konkretem
fteht in
der Philofophie fachlidie und hiftorilche Betrachtung
engen Zufammenhang, wie
in keiner
anderen WilTenfcfiaft,
einem integrierenden Die Gelchichte der Philofophie ift eben ein Weg zu philofophifdiem Verftändnis, Damit ift zugleich das Ziel bezeichnet, das der Herausgeber dem vor« liegenden Buch gefetzt dachte. Es foUte nicht einfach ein neues Lehrbuch ift
die Gefchichte der Philofophie felbft zu
Beftandteil der Philofophie geworden.
dem Zweck hiftorilcher Zweck würde ein von einem
der Gelchichte der Philofophie werden, ein nur
Orientierung dienender Überblick. Diefem VerfalTer abgefaßtes
graphieen
zerfällt,
Compendium, das
nicht in eine
Reihe von
Mono-
das die hiftorilchen Beziehungen naturgemäß Ichärfer
herausarbeitet, das auch die Geifter zweiten
Ranges
berückfichtigt, befler
cntfprochen haben. Sondern die Mehrheit neben einander geftellter
Ge«
dankenfyfteme, deren jedes für die Darftellung ein abgefchlolTenes Ganzes,
Aufgabe bildet, follte dem Lefer ein anlchauliches und von dem geben, was eigentlich Philofophie und Philo« fophieren heißt, ein Bild, das nicht fofort die Enge und notgedrungene Einfeitigkeit eines beftimmten Standpunktes verrät, fondern von einem eine gelchlolTene
lebendiges Bild
Einleitung
umfaflenden
hiftorifdien Blick getragen
ift.
So mödite das Budi dazu dienen,
mit Hülfe der Gefdiidite den Sinn für philofophifdies Verftändnis zu wed^en
und zu
vertiefen.
Es
daß
felbftverftändlidi,
ift
Bezug auf
man von einem Budi
verlangen darf.
hiftorifdie Vollftändigkeit
die dargeftellten Philofophen, nodi in
Syftems
lidien Teile des einzelnen
diefer
Art
nidit
Sie anzuftreben lag weder in
Bezug auf
die gedank-
Ferner
in unferer Abfidit.
daß bei dem gefetzten Ziel das Sadilidie für uns widitiger
ift
fein
das Perfönlidie, daß alfo der Biographie jeweils nur ein kleiner
deutlidi,
mußte
Raum
als
zu=
geftanden werden konnte,
Nodi
Die VerfalTer der folgenden Einzeldarftellungen gehören
eins:
nidit einer
beftimmten philofophilchen »Riditung« an. Sie nehmen zu den
Problemen einen
z,
T, redit verfdiiedenen Standpunkt ein und diefer Stand*
punkt wird für den Eingeweihten fehr wohl erkennbar lidien
fein,
Meinungsverichiedenheiten der Philofophen zeigen
Auffaflung der Gefdiidite, jeder Philofoph
in ihrer
Der
Gefdiidite der Philofophie,
denn
fidi
die fadi«
immer audi eigene
fdireibt feine
Hiftoriker der Philofophie beriditet ja nidit
Gedanken Denker fo darzuftellen, daß fie für uns lebendig, von uns nadi* gedadit und nadierlebt werden können, Weldie Probleme aber, weldie Saiten eines philofophifdien Syftems in mir nadiklingen und miterlebt werden, und daher fdiließlidi audi in meiner Wiedergabe des Syftems in den Mittelpunkt treten, das hängt wefentlidi von der eigenen Stellung und bloß über tote Gefdiehnifle, fondern er fudit Probleme und früherer
Betraditungs weife ab, deutete fdion an,
Idi
warum teil,
fondern einen
fidi
in jedes
nommen
und
Vorzug
dafür mödite
herzlidien
Es als
in
des Budies erblidie: Nidit jeder
Dank
Namen
foll,
das
dem
Herausgeber ihnen an
Fragen des Dafeins
etwas, das
man
fidi felbft
Und
nidit
meinen
diefe
es
ift,
wenn
Kampf
Das hängt fie
:
der Meinungen
offenbar mit der
Die Löfung der
letzten
wirklidi befriedigend fein
nur von außen aufnehmen und erlernen, fondern
erarbeiten
nähme aber bedarf Geiftes,
diefer Stelle
fagen.
irgend einer Tatfadienwilfenldiaft,
hödiften
Daß
Titelblatt vereinigt find, trotz
herrfdit in der Philofophie ein intenfiverer
man
Nadi* Denker kann
Standpunktes zur Mitarbeit haben bereit finden als
idi
auf
Eigenart der philofophildien Probleme zufammen
und
zuletzt Gefagten,
bedarf jedes Syftem audi eines ihm adäquaten Interpreten,
diefer Verfdiiedenheit des lalTen,
dem
fremde Syftem gleidimäßig hineinfinden, fondern ftreng ge*
aber die Herren, deren
fidi
es folgt ebenfo aus
diefem verfdiiedenen Standpunkt der VerfalTer keinen
idi in
muß.
allerdings
Zu
foldier eignen
einer Anleitung,
Arbeit und Stellung* einer
Sdiulung des
Sdiulung kann uns nirgends woher belFer kommen.
Einleitung
als
durdi die großen Denker der Vergangenheit.
nidit »Philofophie«,
aber »philofophieren lernen«,
zu variieren, Nidit jeder hat
freilidi die
immer und
Möge
es
ihnen follen wir
ein KantilHies
Wort
Zeit und die Fähigkeit, die Ori*
ginalwerke der Philofophen zu ftudieren. Hier helfend, erfetzend eingreifen.
Aus
um
foll
unferBudi vorbereitend,
zu den zwei Dingen
anleiten, die
überall die Vorausfetzung fruditbarer geiftiger Arbeit bilden:
zum
eigenen und felbftändigen ErfalTen und Durdidenken der Probleme und zur Ehrfurdit vor jeder wirklidi großen gedanklidien Leiltung in der
Vergangenheit.
\
3R5Z5ZSZSi5?5Z5Z5Z525Z5ZS2525B5E5ZSE525Z5Z52
DIE GßUNDLEHREN
DER
a
VDRSOK^SOiEN PHILOSOPHIE
a
n
a
a Q
a
Ausgangspunkt und Entwicklungsgang der vor^ fokratilchen Philofophie. bewegt Diefamen Doppelfinn von Wahrheit menlciilidie Erkenntnisarbeit
einem unformuliert wirk*
fich,
Untertan, nach zwei Zielen: nadi
wahren Einzelurteilen über Einzelgegenftände und nadi der Wahr*
Ganze
der Welt. In diefer Doppelorientierung der Erkennt*
heit
über das
nis
gründet die Spaltung von FadiwilTenßhaften und Philofophie, jene
zielen
auf einen einzelnen Gegenftand oder ein Reidi von Gegenftänden,
wie den Raum, die Lebensphänomene, diefe auf das Seiende
als foldies,
auf die letzten Elemente und Gefetze der Welt, der Erkenntnis und des Wertes.
Der Gegenfatz
zwilHien einer auf das Einzelne gehenden Nahbetradi*
tung und der AuffalTung des Weltganzen wie im Fernbild diefer felbftbewußten Reinheit erft
urfprünglidier, fdion das primitive
ift,
obgleidi
im Laufe der Gelchidite entwidielt,
Denken
zu ein
durdiziehender,- die Betradi*
tungsweife der fpäteren FadiwilTenldiaften bringt ein immer reidieres, in der Spradie, den Tediniken und Praktiken niedergelegtes,
un*
freilidi
geordnetes Erfahrungswiflen hervor,- in der über das All fabulierenden
Mythe wird In
Einftellung
und Problem der
vorweg genommen.
Philofophie
allgemeinen Entwicklungsgang die
Geftalt zeigt diefen
klaffi Icher
Frühzeit der griechilchen Philofophie. Die
Grundzügen verwandten Mythen über die Welt*
in ihren
homerifchen, hefiodifdien und orphifchen entftehung find ihre Vorläufer, ihr Anfang.
Sie find im 8, oder 7. vorchriftlichen Jahrhundert entftanden, ehe noch die
wilTenldiaftliche
und
Betrachtungsweife
religiöfe
Icharf
differenziert
waren, und wurden im Laufe der Zeit durch die philofophilche Meta* phyfik umgeftaltet, vertieft, rationalifiert. in
der naiven
Form
der Frage,
woher
Ihr
alles
Thema
ftamme
iß das Seinsproblem
—
nicht
das Einzelne,
deffen Genefis auf anderes Einzelnes zurückweilt, fondern das All,
überhaupt etwas
fei
und
warum
gelchehe,- fie enthalten, trotz individuellen
Ur*
fprungs und individueller Varianten, die Kollektiv*Überzeugung der Volks*
und Kulturgemeinichaft, Entwicklung
fie
in
der
Im Anfang war das Chaos gonie
—
fie
entftanden find,
und
für deren geiftige
lange den Sauerteig bildeten.
—
bei
Hefiod und
in
der orphifchen
Kosmo*
Deutung »rudis non bene iunctarum discordia semina rerum«, das Un* endlich*Unbeftimmte, in welchem die Maffe, aus der die Dinge werden, ethymologifch das »Gähnendleere«, nach fpäterer
indigestacjue moles
der unendliche leere
Raum,
in
dem
fie
entftehen
und
die Zeit, die dritt*
elementare Bedingnis ihres Dafeins, noch unklar in Eins gedacht
find.
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
Das Wort Anfang lidi zeitlidi
läge. ift
(äQxrj}
ift
niemals in erßer Linie oder gar ausfdiließ^
gemeint, fondern gleidibedeutend mit Prinzip, wefentlidier Grund*
Begrifflidi
gewendet
fagt alfo diefer erfte
ein Unendlidies, Gleidiartiges,
Satz
dem, ohne daß
:
der Kern der
Welt
es nidits wird, Indivi-
duation, Vielheit, Mannigfaltigkeit, Pofitivität der Qualitäten fehlt, das
aber dodi audi mehr
als die
bloße gedanklidie Möglidikeit der Dinge
ift.
Im Anfang war das Chaos,- dann — fo fährt Hefiod weiter — ent= ftand die breitbrüftige Gaia <Erde> mit dem finfteren Tartaros in ihrer Tiefe, und Eros, der fdiönfte der Götter. Gaia erzeugte aus fidi felbft den geftirnten Himmel, die Berge und das Meer, dann in Gemeinfdiaft
dem Meer Zyklopen, Zentauren, Hunderthänder,
mit
die
monftröfen
Vorläufer der fpäteren Tier- und MenlHienralTen,
Das
Verhältnis der
fidiriidi als
Prinzipien gemeinten drei
Chaos, Gaia,
:
Chaos der Uranfang, aber es fdiien nidit geeignet, gleidi die geftaltenreidie Welt aus feinem Sdioße zu entlaflen,- fo fdiieben fidi zwifdien das Urfein und die bunte Fülle des Einzelnen weniger all« gemeine Urfprünge, Erde und Eros ein. Aber über ihr Verhältnis zum Chaos fdiweigt die Mythe,- Eros deutet nodi hin auf die der Mythe fo geläufige Erklärung des Entftehens und Vergehens als einer Folge von Zeugungen nadi Analogie mit der Menfdienwelt. In der jüngften diefer Kosmogonien, bei Pherekydes von Syros, find die fpekulativen Zügz nodi ausgefprodiener, freilidi nidit ohne die Ein* Wirkung der inzwifdien einfetzenden Naturwiflenfdiaft und Naturphilofo* phie. Fünf Lirprinzipien, gleidifam in dunklen Sdilüften verborgen, kündet Eros
ift
unklar,- fidier
ift
der Titel feines Werkes,- drei davon find eigentlidi elementar, ewig,
filion
Chronos, die Zeit, Zeus, von ihm Zas genannt, die allgemeine Lebens* kraft der
Natur, und Chtonie <Erde>,-
in
der Zeit erzeugt
Zas
die fekun*
dären Elemente der Dinge: Feuer, Luft und WalTer aus feinem Samen,
dann in heiliger Ehe mit der gleidifalls ewigen Erde, Wald und Flur, die Organismen, den Menfdien und Ichenkt der Braut das große fdiöne Ge* wand, auf dem er Land und Meer kunftvoll gebildet hat. In prägnanter Entgegenfetzung nennt Ariftoteles als die erften, die
mit h.
dem Problem
der Weltentftehung
Männer, weldie wie
erklärung auf göttlidie diglidi
Aber
Urheber
Wefen
diefer
rekurrierten,
erßlieinen
mehr
fie
paffive
Komponente, wofür
fidi
nur zu
paffende moderne Begriff »Stoff« aufdrängt,
10
und
Mythus leidit
als
le*
fdiloflen.
ewiger, unerfdiafFener Prinzipien.
nadi der perfonifizierenden Weife des
d.
Welt*
Kosmogonien und »Phyfiologen«, weldie bei der
fdion in der mythologifdien Welterklärung ftedit philofophifdie
Annahme
fidi
haben, »Theologen«,
von den erfahrbaren Tatfadien auf das Unerfahrbare
flexion, befonders die
eine
die
bel(liäftigt
Re*
Freilidi
Urwefen,
der nidit ganz
eine aktive, die Kraft,
Die Grundlehren der vorfokratifchen Philofophic
Grunde
das Bewegungsprinzip/ aber im
ift
die
Mythe
dodi
ein,
nur aus
Mangel an Erfahrung und Denkfidierheit phantaftifdi ausgefallener Verfudi, das Ganze der Welt einheitlidi zu begreifen,- ihre Tendenz lebte fort in der Philofophie.
Es
^
Daten, der die Philofophie vor Sokrates
nidit der Zufall der
ift
zu einer Epodie
Wenn
eint,-^
fie ift
innerlidi einheitlidi, trotz der Vielheit der
wir es auf eine hiftorifA vollftändige und kulturpfycfiologifdi erklärende Dar-
ftellung der vorfokratifdien Philofophie abfehen dürften, fo
müßten wir mit
einer Überfidit
über die Vorausfetzungen, Materialien und Hilfsmittel der Spekulation bei den Griedien
müßten
des 7. Jahrhunderts beginnen,
cntßehung und
Seelenfdiidcfal, die
des Gemeinfdhaftslebens, den Stand fluß ausländifdier
die religiöfen Vorftellungen, die
Mythen von Welt»
Grundbegriffe der Volksmoral und die gegebenen Formen
von Gewerbe, Tedinik, Handel, den anregenden Ein*
Kulturen, nidit minder audi die Primitien der theoretifchen und ethifdien
Homer, Hefiod, der Orphik, in Äfop und der SpruA« und von einem unfidieren, über die Trag» weite der Einzelbeobaditung unklaren Denken Kunde geben. Zur Orientierung über diefe Grundlagen der griediilHien Philofophie fei auf die großen, farbenreidien Gemälde der hellenifdien Frühkultur in den Werken von Eduard Zeller <»Die Philofophie der Grie» dien« I. Bd. Leipzig 1893) , Theodor Gomperz (»Griediifdie Denker« I. Bd. Wien 1902)/ Eduard Meyer (»Gefdiidite des Altertums« Bd. 3—5 1902) und Jakob Burkhardt (»Griediifdie Kulturgefthidite«, herausgegeben von Oeri 1908) verwiefen. Wir heben bei unferer Darftellung aus den, wenn auch fragmentarilchen, dodi fehr reichhaltigen Nadirich ten die metaphyfifdien Grundlehren heraus,- was fonft über die ein» zelnen Philofophen erwähnt wird, kann nur den Zweck haben, ihre Gedanken durch ihre Perfönlichkeit, Bildung, Kulturfphäre pfychologilch zu beleuchten, und darf nicht den An» fprucfi erheben, Leben, Schidcfale, Schriftftellerei und Meinungen der einzelnen Repräfen» tanten vorfokratifcfier Philofophie mit philologiIch»hiItorifcfier Gründlidikeit und mono» Reflexion breit entwickeln, die in
Weisheit der legendären Sieben enthalten find,
graphilcher Vollftändigkeit zu Icfiildern.
Für das fachmäßige Studium des chilchen Philofophie bietet heute
Griediifcb
und Deutfdi«,
Auswahl,
für das allgemeine
Berlin, in 2.
Auflage 1910
die fichere
der Vorfokratiker,
Grundlage, Eine deutfche
Publikum berechnet, bietet W. Neftle: »Die Vorfokratiker«, Als zufammenfallende Werke über die vorfokratilche Philofophie feien hervor"
Jena 1908,
gehoben:
vorfokratilchen Abfchnittes der Gefchichte der grie»
Hermann Diels: »Die Fragmente
S.
A. Byk: »Die
vorfokratifdie Philofophie der Griechen in ihrer organifcfaen
Gliederung«, Leipzig 1876, in 2 Teilen. Obgleich in manchen Punkten überholt, deren gewagt hypothetilch, verdient diefes ältere
Werk
in
an»
wenn
noch Beachtung, gerade
auf ein Nachverltehen der philofophifchen Probleme abgezielt wird.
Die neuefte Dar» verdanken wir Karl Goebel: »Die vorfokratifche Philofophie«, Bonn 1910. Das
Itellung
Buch enthält eine Fülle guter Einzelbemerkungen, die teilweife auch Diels gegenüber zu Recht beliehen / der Verfuch, durch Auswahl und Verarbeitung der wenigft unfidieren Hauptftellen die Lehren der einzelnen Denker einheitlich ßellen, fehr
ift
nicht
immer
geglückt.
An dem
anregende »Gefchichte der Philofophie« von Walter Kinkel, Freiburg 1906, deren
crfter
Band
die Vorfokratiker
und Sophiften umfaßt. Durch große Klarheit
fammenfaflung der Grundlinien zcidinet
aus,
und zufammenhängend darzu-
Fehler allzu ßarker Modernifierung leidet die
in
Paul Deuffens:
fich
in der
Zu-
die allerneuefte Darftellung der Vorfokratiker
»Allgemeiner Gefchichte der Philofophie«, Bd.
II,
1
— 156.
Leipzig, Rrockhaus 1911.
11
Die Grundichren der vorfokratifdien Philofophie
Denker, und der Verlciiiedenheit ihrer Riditung.
haben die Philofophen nur Eines
kritos
Terminologie
ihrer
heißt,
die
Von
verfolgt, die
Thaies
Welt
bis
Demo^
oder, wie es in
Natur zu erkennen, Diefe
Einheididikeit
der Problernftellung beruht nur teilweife auf fdiulmäßiger Abhängigkeit, fie ilt
vielmehr durdi die organifdie Einheit des geiftigen Lebens innerhalb
einer
umgrenzten Kulturepodie bedingt.
Wie
das Problem
ift
allen Vorfokratikern audi die rein wiflenfdiaft-
Geifteshaltung gemeinfam,-
lidie
fie
wollen
erkennen,- die Lauterkeit
des intellektuellen GewilTens, die Überzeugung von der Autarkie der
Vernunft, die Unbekümmertheit
zum Syftem find So einheitlidi
in
um
den praktifdien Nutzen und der Trieb
jedem fpürbar, wenn audi
in ungleidier
Ausprägung.
das Problem, fo gleidiartig die Einftellung, die vorfo-
kratifdie Philofophie entbehrt nidit der inneren
Bewegung.
Von
den
erften
nodi dürftigen Konzeptionen bis zur Ardiitektur des demokritiföhen Syftems der fpekulative Gehalt, wädilt die Breite der Fundamente, ver-
fdiwillt
feinern
fidi
die
Anfprüdie an die Sauberkeit der BegrifFsbildung und
die Empfindlidikeit für das bloß Hypothetifdie,
fidi
fteigert
Vage, Analoge,
fie ift
weit entfernt von der Monotonie der fpäthelleniftilchen Spekulation.
Wir dem
Aufgabe, die Entwidtlung der Grundfrage nadi Wefenskern aller Wirklidikeit durdi die vorfokratilcben
fetzen uns die
einheitlidien
Philofopheme zu verfolgen,- wenn dabei audi die dironologiliiie Abfolge
im Allgemeinen dem fadilidien Fortfdiritt entfpridit, fo muß man dodi be=' denken, daß Denker und Theoreme, weldie wir in der Darfteilung notge* drungen nadieinander behandeln müflen, oft tatfädilidi nebeneinander exiftiert
die
haben. Idi fdiidie den Ausführungen einen kurzen Überblidi über
Hauptphafen voran. In
dem
geographilch fo begünftigten jonifdien Kleinafien finden wir die
Anfänge wie
aller
höheren hellenifdien Kultur
fo
audi der Philofophie.
Die, .drei Milefier Thaies, Anaximandros, Anaximenes werden als die Erften genannt, die in wiflenrdiaftlidier'^Geifteshaltung den Urgrund der
Dinge
fuditen.
Riditungen des
Auf Kleinafien 6.
Xenophanes, das
weifen aber audi die übrigen philofophifdien
Jahrhunderts zurüdi,- Pythagoras ftammt aus Samos,
zeitlidie
Haupt der Eleaten, aus Kolophon,
aus Ephefus. Unter den Kriegsftürmen, die Griedien bedroht haben, begann die Philofophie
Herakleitos
vom Perferreidi her die den Zug nadi dem Weften,
nadi Unteritalien und Sizilien, Die milefifdien Löfungen des Seinsproblems,
ganze Univerfum auf einen einzigen Stoff zurüdczuführen ftreben, Waffer oder Luft, oder auf die abftrakter gefaßte Materie, haben nodi einen leifen Nadigefdimadi mythologifdien Denkens, und verkehren die Grundfrage der Metaphyfik nadi dem Kern des Seins in die Grundfrage
die das ajjf
der
12
Chemie nadi der Konftitution der materiellen Körper,
In tieferer Fafl ung
Die Grundlehren der vorfokratifthen Philofophic
beftimmte der Pythagoreismus das Seiende als Harmonie aus Grenze und
Grenzenlofem, mit einem irreführenden Ausdrudi als
als
Beftimmungsmoment des Seienden zum Stoff
lidien,
Zahl, und entded^te
die
Form,
die
räum^
überhaupt mathematifdi beftimmbaren VerhältnilTe der Dinge. Allein
feine die
in Spielerei und Moment, weldies das
Analogie mißbraudiende Spekulation entartete
Myftik. Die Eleaten einheitlidie
Wefen
endlidi
haben
als dasjenige
des Seienden konftituiert, das Sein
felbft
herausgehoben.
Parmenides hat mit erftaunlidier Kraft der Abftraktion fid\ in den Begriff des Seins verfenkt, und ihn fo beftimmt, daß die Dinge der Wahrnehmung,
mehr befaßen. Seine Interpreten haben, ftatt in pofitiver Riditung weiterzuforfdien und ein Verhältnis zwifdien dem, dem das Sein zukommt, und der Erfahrungswelt zu fudien, diefe Welt kurzer^ band geleugnet, für Sdiein erklärt. Die Vorfokratik betraditete überhaupt der Körperwelt kein Sein
gern die ephemeren Inhalte unferer Erfahrung
und
Grund
mittelbar vorgefundenen Gegenftänden feins das einzig Gewifle
zu fehen,
Konzeptionen, entweder
hödiftens als
Religion als den letzten
Phantasmagorie der Erfcheinungswelt angaben, denn an die
diefer
unmittelbar vorgefundenen Einzeltatfadien.
phyfifdie
als flüditige Zufälligkeiten
was Metaphyfik oder
glaubte fefter an das,
alles
als
Wir
und
neigen dazu, in den un^
ErlebnilTen unferes
Bewußt^
andere, namentlidi aber meta*
fadi verhaltsbare
Fiktionen, oder
Hypothefen von einem verfdiwindenden WahrfdieinlidikeitsAuf weifen Seite die tiefere philofophifdie Gefinnung
grad zu behandeln. ift,
ift
nidit zweifelhaft.
Eigenartig
Audi
ift
die Philofophie des
Autodidakten Herakleitos
orientiert.
er fragt nadi der Subftanz der Dinge,- aber fein Blidi konzentriert
vor allem auf die Weltentwid^lung, auf den raftlofen Fluß des Werdens, fo fehr, daß ihm das Werden felbft "zum Sein zu werden droht,fidi
die
Welt
ift
Feuer, weil unaufhörlidies Gefdiehen,- eine Anfdiauung, die
halb an Thaies erinnert, halb den modernften
Formen
eines die Materie
leugnenden Energetismus ähnelt.
Als Erben des Parmenides und Herakleitos haben die jüngeren Natura 5, Jahrhunderts ihre Syfteme entworfen, Empedokles,
philofophen des
Anaxagoras und Demokritos. Alle fdiledithin
ift,
drei wollen aber die empirifdie nidit der gleidibleibende
wiffenfdiaft
drei find überzeugt, das das Seiende
daß der Kern, die Subftanz der Welt unwandelbar
war, hätte
Welt
Grund eben fie
nidit
ift,-
alle
nidit preisgeben,- ein Seiendes,
das
diefer Erfcheinungswelt der
intereffiert.
Natur*
In der Erfahrungswelt aber
Werden, Veränderung, Entftehung und Untergang, Da foldie Vorgänge im vollen Sinne nidit möglidi find, mülTen fie umgedeutet werden: als Zufammenfetzung, MilHiung und Entmifdiung der unver« änderlidien Grundftoffe. »Vom Entftehen und Vergehen reden die
gibt es
13
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
Hellenen nicht recht
,•
nichts entfteht
noch vergeht
es,-
das
Werden
fammenfetzung aus Vorhandenem, der Untergang Auflöfung mente«. Als folche GrundftofFe, traditionellen vier
ift
Zu=
in die
Ele-
Seiendes beftimmte Empedokles die
als
Elemente, Anaxagoras die Homöomerien, Demokritos
Den Prozeß
die atomiftifch konftituierte Materie,
der Mifchung
ließ
Empe^
und des HalTes, Anaxagoras durch ein teleologifches Vernunftprinzip und Demokritos durch die in Eigenfchaften der Atome gründende ewige Bewegung entftehen und unter=^ halten werden. In Demokrits weltgefchichtlich großer Geftalt, deren Wirk= famkeit bis in unfere Gegenwart hereindauert, kulminiert die vorfokratifche Metaphyfik, Sein Syftem blieb zu feinen Lebzeiten faft ohne Wirkung, dokles durch halbmythifchen Kräfte der Liebe
weil es wefendich Abfchluß war, Vollendung einer Geiftesbewegung in=
mitten einer neuen Zeit Kulturidealen, fich all
Vor
und neuen
Gefellfchafi mit
neuen Fragen und
der rührend ^heroilchen Geßalt des Sokrates, in der
das Problematifche diefer neuen Zeit verdichtete, trat der letzte Re*
präfentant der alten in den Hintergrund, das neue Problem des geiftigen
und feiner Werte triumphierte über das alte Problem war in Athen und niemand kannte mich« überliefert ein
Seins des Menfchen
der Natur, »Ich
Fragment Demokrits,bolifcher als für
für
uns klingt Sinn
den Schreiber
felblt,-
und Melodie
tiefer,
im Zeitalter der Sophiftik kannte
fym^
man
das Problem der Metaphyfik nicht mehr.
Die Der Mythos
milefifche
Naturphilofophie.
Welt ent* Welt entftan* den ift und fortwährend entfteht, wurde die Frage der Philofophen, Der unaufhörliche Wandel der Dinge enthält zwei Dunkelheiten: das Unbekannte, aus dem die Dinge werden, und den Vorgang, durch den fie werden. Die ganze vorfokratifche Philofophie läßt fich als Antwort auf diefe immer wieder und immer glücklicher geftellten Fragen zufammen^' ßanden
ift,
ftellte
der Philofophie das Problem,- wie die
wollte er in dichterifchem Bilde zeigen, wie die
Die Denker lalTen fich darnach gruppieren, ob fie einen, zwei, mehrere, Urgründe des Seins angenommen, cjualitative Beftimmtheit, Unbeftimmtheit oder Qualitätslofigkeit derfelben behauptet, ob fie den Urgrund der Welt enger, den Bedürfnilfen einer von Philofophie damals noch nicht fcharf unterlchiedenen, werdenden Naturwifienfchaft zuliebe als bloßen Weltftoff der materiellen Dinge oder weiter, philofophifcher, als Einheit und Quell alles Seins intendiert haben,- ob fie über dem Problem falTen,
unendlich viele
des Seins auch das des Gefchehens erfaßten, ob
wegung und
Sukzeffion, einen mechanifchen
Verdünnung, Ortsbewegung, Lagerung 14
fie
im Werden nur Be=
Vorgang der Verdichtung,
cjualitativ
unveränderlicher Ele=
Die Grundlehrcn der vorfokratifdicn Philofophie
Wandlung in Qualitätsdifferenz^ Ganzen ohne Ordnung einfetzen und oder nadi einem Gefetz, in einem erkennbaren Rythmus ver-
mente, oder einen chemilHien Vorgang der tes fahen,
ausfetzen
ob
fie
ob
laufen ließen,
Endzweck
das GelHiehen im
ohne Ziel fdiien oder auf einen immanenten die gegeben wurde, trieb eine neue Antwort, Jede
es ihnen
angelegt.
Immer werden mythologifdie Erdenreite abgeltoßen, immer energifdier wagt fidi das Denken über den engen Kreis der Erfahrungstat» fachen Ichließend und konftruierend in das Unerfahrbare hinaus, immer reiner gelangt die WilTenfcfiaft zu der nur ihr eigentümlichen Art des Welt» verftändnifles durch Begriffe, Gefetze und Theoreme, hervor, half die Frageftellung beriditigen, ftärkte den kritifdien Sinn. entfdiiedener
Als Ahnherrn Überlieferung feine
diefer
felbft
ganzen Geiftesltrömung betrachtet die
griechilche
den Zeitgenoden Solons, den Milefier Thaies und.
Nachfolger Anaximandros und Anaximenes.
Im
Lichte einer nur
aus fpäten Quellen bekannten Tradition erfcheinen diefe Begründer der abendländifchen Philofophie als hochgebildete, angefehene, teilweife auch politifch einflußreiche
gäbe und
Männer,
die
leidenfchaftlichen Tiefe
fich
mit derfelben unintereffierten Hin»
der Erforlchung der
Natur gewidmet
haben, wie ihre dichtenden und bildhauernden ZeitgenoITen der künftleri» (chen Geftaltung des Schönen. gifche
werden
allen dreien nachgerühmt,- in der Gefchichte vieler Wiffenfchaften
erfcheinen ihre
Notiz
Altronomilche Entdeckungen, meteorolo»
Beobachtungen und Prognofen, die Löfung geometrilcher Probleme
bei
Namen
an der Spitze.
Von
Thaies berichtet eine
Herodot, daß er die Idee eines Staatenbundes der
fchlichte
kleinafiatifchen
Griechen propagiert habe,- Anaximandros war ein Meifter der Plankunft
und Geographie,
vor Darwin, und
ein Biologe mit darwiniftifchen Ideen
felbft der fraglos nüchternfte der drei, der durchaus enpiriftilch gefmnte
Naturforfcher Anaximenes kann auf Leiftungen blicken, welche für ihre
Zeit erftaunlich exakt und praktifch fruchtbar waren, wie die Erklärung des Mondlichtes und der fpezififchen Witterungen der Jahreszeiten durch
den Stand der Sonne.
Söhne des als lieh
nach
dem
haben
heroifchen Zeitalters Griechenlands trachteten
Detail nach
fie
dem Ganzen,
der Frage:
engeren Sinn gegeben und
Was
ift
die
fie
aber mehr
nach einem Bild der Welt. Frei»
Welt?
in
der
Antwort
lediglich eine wilTenfchaftliche
oft
einen
Natur erklärung
Wefen, den Menfthen und namendich Werte nicht als ebenbürtiges Problem er» über dem, was fie aus Unvermögen, pfychologifch
wirklich eingeleitet, die organifchen
das Reich des Geiftes und der faflend/ aber
man
darf
begreiflichen Anfängerfehlern tatfächlich geleiftet haben, nicht das
zu gering
und muß die antiken Berichte mit feinem Ohre hören, das neben dem Sinn, in welchem ihre Lehren fortgewirkt
werten,
was
fie leiften
wollten,
15
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
haben und fpäter verftanden wurden, audi noch den anderen, fublimeren herausanalyfiert, der in der Intention der
Denker
felbft
das eigentlidi
Ge*
meinte war.
Der Urgrund und das Wefen das Wafler,als
alle
Dinge
alles
Seienden, das
verwandeltes WalTer,
find
Wandlung und Rüdtwandlung
des Waflers,
»An
fidi«
der Welt iß
Kaufalität
alle
Das
iß die
ift
nidits
Lehre des
Thaies. Sdion zur Zeit des Arißoteles waren etwaige Sdiriften des Thaies gerade wie Arißoteles felbß, auf die vorfiditigße
verfdiollen,- fo find wir,
Wortes und auf nadiverßehende Mut* Motive und Tragweite diefer älteßen Welterklärung begreifen und begreiflidi madien wollen. Der Befdiauer der Natur hat zu ofi erfahren, daß Dinge von anderer Befdiaffenheit, anderem Stoffe find, als fie den Sinnen fdieinen, und daß man durdi Rüd^= gang auf ihren Werdeprozeß und ihre Urfprünge hinter ihre wahre Be* IchafFenheit kommen kann. Audi die Natur im Ganzen wird beßändig. Und da mit einem logifdien horror vacui die Undenkbarkeit eines Urfprungs aus Nidits, eines Untergangs ins Nidits von vornherein beifeite Interpretation des formelhaften
maßung
verwiefen,
wenn wir
gefdioben wird, drängt
fidi
die
die
Frage hodi
:
Woraus
entfieht die Vielheit
der individuellen Dinge? und antizipiert die fdiaffende Identilches,
Ahnung
ein letztes
Unendlidies hinter den nur für^den Afpekt des oberflädilidien
Betraditers fo verfdiiedenen Einzelbildungen, eine natura naturans, ewig, gleidiartig, hinter
Alleinheit als
dem
wedifelnden Faltenfdilag der natura naturata, eine
Werdensgrundlage des Vielen und Gegenfätzlidien, Wir
verßehen die Frage, das problem, wir teilen den
in aller Philofophie
Wunfdi nadi
lebendig gebliebene Seins*
einer pofitiven
weldie Gedankengänge führten Thaies dazu, als »aller
Antwort — aber Gründe Grund«
das Wafler zu bezeidinen?
Verßehen wir
ihn
denn
uns tränkt und kühlt? das
dem verborgen? Wir Oder
iß mit
redit?
in
alltäglidien
Iß es das^Wafler, das wir kennen, das
den Flüflen, Seen, im Meer wogt und
Wort
fließt?
fymbolifdi ein Geheimnisvolles, Tiefes
müflen, felber philofophierend, die Löfung|| finden, indem
wir verfudisweife, einfühlungsmäßig die [Grundfrage der Philofophie im
Geiß des Thaies, mit den Denkweife
Hilfsmitteln feiner Zeit beantworten, in der
feines Jahrhunderts,
das eben aus
dem Dämmer
mythologilcher
Befangenheit aufwadite.
Das Wafler, von dem Thaies fpridit, iß der unter diefem Namen all* Meer fehen wir es fidi wandelnd, verwan*
bekannte diemifdie Körper,- im delnd
in
Millionen fdinellzerfpritzter Wogen,- aus ihm ßeigt es
als
Dampf
und Wolke, aus der Wolke fällt es als Eis und Sdinee in Gebilden, die für das Auge und den Verßand des Alltags fo verfdiieden find wie hart 16
Die Grundlehren der vorfokratifdien Phitofophie
und flüffig, und die dodi Waffer find, nidits als Waller. [Ein Stüdc naiver Chemie ift das erfte Fundament der Metaphyfik des Thaies. Eine neptuniftifdie Geologie tritt unterßützend hinzu. Audi die Erde ift aus dem WalTer geworden, audi Steine und Berge find Wafler, Die Sedimente des Meeres, die freilidi in entlegener Zeit verwandelt. verkalkte Meerfauna, die der Foriclier an den Küften feiner Heimat in Sand und Fels fand, find Beweis genug. Und einmal auf diefe Fährte geraten, entdeckt der grüblerifilie Geift in den entlegenften Dingen An= haltspunkt und Möglidikeit, fie mit dem Wafler in genetifdien Zufammen^ hang zu bringen. Ariftoteles hat, im Streben diefe Metaphyfik zu ver^ ftehen, eine primitive Biofogie.als drittes Motiv hinzugefügt, Audi die Welt der Organismen ift Wafler, das Leben ift Waflers Äußerung, Waflers Wirkung/ der Keim des Lebens IHiIäft im Samen, der BrennftofF, der feine Flammen erhält, ift die Nahrung,- Same aber und Nahrung find und weidi,
feudit, find
feft
Wafler.
Tiefer jedodi als diefe Beobaditungen über den nodi täglidi ftattfinden-
den Wandel des Waflers und der mutmaßende RüdtlHiluß auf frühere Wandlungen desfelben klärt uns die Nadibarfdiaft des Zeitalters der Mythe, die Denkweife der in künftlerifdien Symbolen zufammenfaflenden Kulturepodie über die Philofophie des Thaies auf. Das Wafler war dem Manne des 6. vordiriftlidien Jahrhunderts als Urgrung der Welt Ichon in der Mythe vorgedadit,- bei Homer ift der Ozean der Urfprung aller Gewäfler, Geftirne und Götter. Mit diefer Einftellung fdiiebt fidi durdi den budiftäblidien phyfikalilHien Sinn: »der Weltgrund ift Wafler«, ver^ fdileiernd der metaphorilHie »der Weltgrund ift wie Wafler«, unendlidi wandelbar fidi felber gleidi, wie Goethe nodi die Natur als »ein ewiges Meer« apoftrophiert. Man mißverftehe nidit, Thaies fpridit nidit ein fdiönes Gleidinis aus,- die Subftanz, aus der die Dinge beftehen, ift ihm :
das wirklidie Wafler,- aber dodi audi,
Wandlungen der wermigen
w
er
eil
in
defl en
angelHiauten
Färbung
Geftalt, des Aggregatzuftandes, der
tsigenictiatten des
Weltgrundes
findet
:
ewige Bewegung, Unermeßlidikeit,
Wie
Gedanke im Einzelnen ausgeführt war, wir Welt vermiflen wir, zweifelnd, ob der Denker über der Konzeption des Seins das Problem des Werdens als fekundär vergaß, oder ob die Überlieferung uns diefen Teil feiner Ge-
wiflen es
der metaphyfifdie nidit,-
eine Ableitung der
danken, mit denen anderer ihn zufammenwerfend, unterfthlagen hat. Eine
Notiz beriditet uns, daß Thaies au di das Leblofe für befeelt ge* und^ alles der Götter voll geglaubt habe. Ift darnadi der große Denker bei der Löfung des Werdeprobfems wieder in die Mythologie einzige
halten
zurüdcfallen, die zur
Sdiöpfung des Kosmos aus dem Chaos des zeugen*
17
Die Grundichrcn der vorfokratifdicn Philofophie
den Gottes bedurft hat? Oder Seele, diefen Gott, der in allen
des WalTers nennt? ein
Daß
interpretiert
Dingen
Aetius
»Alles« der Götter voll
fei,
wenn
riditig,
lebt, die göttlidie
er diefe
Bewegungsenergie
will
meinem Ohr wie
Gegenfatz zur Volksmythologie klingen, die nur im Außergewöhnlidien
Göttlidies fleht, wie die in mythologifdie Terminologie gekleidete
Behaupund Anltoß des Werdens und der Entwicklung mitgegeben ift, eine Kraft des Lebens, unerfdiöpft und unerfdiöpflidi, die die Fülle der Dinge aus dem WalTer wirkt. Indem die raftlos treibende Lebenskraft des WalTers göttlidi, die Welt des Gottes voll heißt, erfdieint das, was der Gläubige in religiöfer Hingabe tung, daß im WalTer zugleidi Prinzip
als
Gott anbetet,
in begrifflidier
Formung
als die einheitlidie
Kraft des
Naturlebens, Vieles
ift
Gedanken
dunkel,- wir wilTen nidit mehr,
eines
warum ihm
gerade das WalTer
als diefes
mülTen das Verhältnis diefes Weltgrundes Sidier
wie Thaies überhaupt zu dem
Elements der Dinge kam, wir können nur mutmaßen, elementare Urfein erfdiien, wir
zum
Göttlidien ungeklärt lalTen,
daß der Fortgang der Philofophie eine Konfequenz
ift,
Tv^rwnußte.
gangspunktes war, den er eben angab,
ihres
fdiärfer
Aus-
zulehend,
und die Fun ktion beftimmen, die den^Prin^ Das ilFdie Aufgabe des größten milefilchen Anaxi mandros, der zu feiner "Beftimmung des Seinsgrundes
zunädift den logifdien Gehalt zipi en
des Seins ziikami
Denkers V.
durdi Hypoftalierung der logifdien Merkmale der ägxr] kam,
"
Urgrund und Subftanz der Dinge, Ausgangspunkt das £ine, Göttlidie ift
diefe
daß der
Unendli die,
Lehre erhalten, und weil
fie fdiriftlidi fixiert
Name
Kern
für diefen letzten
gefdiafFener terminus tedinicus
felbft
Werdens
alles
i ft
"Aneigov. In verfdiiedener Überlieferung
war, wilTen wir audi,
aller Wirklidikeit ein
vom Autor
war, zu delTen Interpretation wir
Heutigen die Hilfe der Ethymologie, einige fpätantike Paraphrafen und
vor allem den delTen
^/
Löfung
logifdien in
ihm
Zufammenhang,
kryftallifiert,
in
den er gehört, das Problem,
heranziehen mülTen,
Mit Thaies, von ihm übernommen, teilt Anaximandros die ^ber* Zeu gung, daß alle Vielheit und Verfdiiedenhe it der Dinge_ yerankgrt fei « in
pinpm Ew''g<*")
wie er audi
in
wenn
T
Inwandf>lf>ar«>n, TdfnfiTrh<>n
ÄW
ein Ding, ein StoflF,
der Erfahrungswelt angetroffeinTwird, wie etwa das Wafler, er nodi verfdiiedene Aggregatzuftände
annehmen ,
metamorphofieren kann, kann diefe Funktion nidit
erfüllen,
in
Vieles
ift felbft
fidi
fdion
ein Beftimmtes, mit Eigenfdiaften begabt, weldie andere ausfdiließen, mit Grenzen feiner Wandlungsfähigkeit,
Determination,
Das
Urfein
muß
jeglidi er^
en^
Begrenzung entbehren, unendlich fein in doppelter Bedeutung, äIs~Has Unen31i3ie, lEs in keinem Sinne Grenzen hat, und als das Unbeftimmte, däskeine xlef empirilHien Qualitäten be^ pi rifdien
18
jeglidier
Die Grandlchrcn der vorfokratifdien Philofophic
I
das Alles werden kann, ohne
fitzt,
ganz enthalten zu
Das Apeiron
fein, in ihr fidi
ift
in einer einzigen feiner
Determinationen
zu erfdiöpfen.
das Eine, das weder neben nodi
Anderes
in fidi ein
duldet. Das^ ajlumfafl ende Sein kann nurJEines^_ein Einziges fein,- die letzte Urfadie, zu der unfere kaufalerklärende Welterkenntnis gedrängt
wi7d,
muß "nötwendig
als
—
notwendig freilidi aus eine gedacht werden Das Apeiron ift ungeworden und unzer*
BedürfnilTen unferer Vernunft,
ftörbar, d, h, unendlidi der Zeit nadi, unerfdiöpflidi, fo viel
und Welten
geftalten
unendlidi der
M
afle nadi, es
dem Räu me
cndlidi
fidi
audh Einzel*
mögen,
aus feiner dumpfenTTiefe losringen
nadi, es
überall, allerfü lJ end, grenzenl os, d, h.
ift
ift
d. h.
un*
und eben darum nidits Beftimmtes, Qualität und zugleidi der Keim ihrer aller, Alles
Verneinung jeder endlichen d. h. unendlidi der Qgalität naä. THiölT^em AltertunTLat die Interpre* tation des Apeiron Sdiwierigkeiten gemadit, und wir Heutigen müflen
die
uns davor hüten, unfere Unendlidikeitsbegriffe Philofophie hineinzumengen.
in
Eine Unendlidikeit,
die Anaximandrifdie
die nidits
wäre als das Wieder*
gedanklidi konftruierte gegenftändlidie Correlat der beliebigen holbarkeit einer geiftigen Operation verfehlt drifdien Apeiron,- diefes
ift
ganz
den Sinn des Anaximan*
Realität, nidit Möglidikeit, wefenhaftes
Sein, unendlidi nadi allen Dimenrionen.^herjriflFt die alte Überlieferung
den Sinn, wenn
f^'^j
nnfäfiig H di Qualitätslofigkeit als Qualität vorzuftellen,
das Unendlidieals_gleidimäßige Mifdiung
aller Einzelftoffe
betraditete,
Folge der im Apeiron befdiloflenen Fülle
alfo die Beftirnnurngslofigkeit als
der Beftimmungen auffaßte.
Aus dem
Onendlidien entftehen die konkreten Dinge der Erfahrungs*
Zerfall. Jm
weit durdi eine Art Selbftentzweiung, eine n_jiotwendigen
UnendlidienXinidie-Gegenfätze abforbiert enthalten,-
Warmes und Kaltes,
TroAenes und
FeujjitEsJiäßt fidi
fätzlidhes ftrebt
unaufhörlich nadi Befonderimg, Einzel*
So ift
folgt
nur,
dem Apeiron
aus
fidi
ewig
ins
endlichung bedingt. in
logilch
notwendig die Welt,- das Unendliche
es
Darum
ift
delTen
hat das
Es
von außen an das eigene Befchaffenheit, die die Ver*
Endliche zerfetzend.
Apeiron ftoßende Kraft,
Gegen* und Eigendafein.
jedoch nidit dauernd vereinigen.
ift
Werden
keine
der Einzeldinge auch nicht
der Zeit angefangen, noch befteht das Unendliche außerhalb oder neben
feinen
Konkretionen noch einmal, fo wenig der
etwas neben
Das
dem
lehrt deutlich
All
ift,-
pantheiftilch gedachte
das Unendliche lebt im Endlichen
das einzige authentifche Fragment, das
fich
fich
Gott felbft.
auf den
Untergang des Einzelnen bezieht; »woraus die Dinge entftehen, darei» müflen
fig^^t iich
-zerveUen^ nafh ihrps Schifft fals TsJorg/pndigkpit^
M"^ -^tr^fp filr Aw Müflen wir zum Verftändnis
ein^nt^pf Btißf
Ungorgfh<-'gtf«'«^
Zeit«,
diefer
2
Große Denker
I.
dunklen
'n
d^r
fie
zahlen
Ordnung der
Worte von
einer Schuld
19
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
Ift das Da= vom Weltganzen, der durdi die Ver* werden muß? Dann bleibt »einander« unverftänd^
der Dinge auf orientalifche Religionsbekenntnifle rekurrieren? fein felbft eine Sdiuld, ein
niditung
gefühnt
Abfall
Ordnung der Zeit«, Ein Unredht^^das die Dinge durdh ihre Exiften z einander zufügen, kann nur darin beftehen, daß fie al§ individuelle und beftimmte JiS ausJHiIießen, daß das Warme nidit audi kalt, das Feudite nidit audi trodten ift, obgleidi beide aus dem und ebenfo
lidi
»in der
Apeiron ftammen, Apeiron find. Die Konkretion verniditet Mög lidikeiten. Die Dinge geben darum einander Sühne, indem fie zergehend die Feflel der Determinationen fprengen, damit andere, vorher unterbunden gebliebene
Dinge werden können, »nadi der Ordnung der Zeit«, d, h, nidit beliebige und in beliebiger Reihenfolge, fondern in einer beftimmten Ordnung und durdi Rüdtwandlung in umgekehrter. Es ift nidit mehr zu beweifen, daß diefe Deutung riditig ift, aber fie beruft fidi auf den Wortlaut und bewegt fidi in Gedankenmotiven, die bald nadiher ohne alle Myftik Herakleitos ausgefprodien hat, wenn er einen Weg hinauf und hinab, der dodi derfelbe fei,
als
Genefisformel einführt.
Anwendung
feiner Prinzipien zur Detailerklärung der Natur Anaximandros hauptfädilidi um die Reihenfolge, in der die konkreten Dinge aus dem Unendlidien kommen und in es zurüdikehren, Zuerft fdiHdgg jiig_ilps Warmp und, das Kaltg^^ dies zur Mafle der Erde
In der
bemühte
fidi
fidi
yerdiditend, jenes als feurige Rinde des Fixfternhimmels
Unter
deflen
Glut verdampft
Luftfdiidit zwifdien
dem
ein Teil
Erde und Himmelsrund, Der Erde
Einfluß der brütenden
Wärme
die
umgebend.
fie
des^euditkarten^und^irdet die
Organismen,
entfprießen unter
als letzter
der Menfdi,
nidit gleidi in ihren heutigen fertigen Geftalten, fondern in einfadiften
läuferformen.
So war
der
Ahn
des Menfchen ein
Mufdielgehäufe lebendes Gebilde,
das fpäter
zum
fifdiartiges,
in
Landtier
fidi
Vor^ einem fort^^
Gehäufe und Kiemen als unnütz durdi Niditgebraudi verkümmern ließ und durdi übende Anpaflung an die veränderten Lebensbedingungen zu feinen jetzigen Organen kam. Soweit reidien die Notizen über den auffteigenden Weg,- Detailfdiilderungen über die Entropie des Alls bis zur Wiedervereinigung des Warmen und Kalten im Unendlidien fehlen,- fidier ift, daß er eine unendlidie Folge von ^•^**^\^''•^' Welten gelehrt hat. Anaximandros überfdireitet unerfdirodteti die Sdiranken der Sinne und die Grenzen der Erfahrung,- die Wahrnehmung hört auf, der Weg zur ,Vw irklidikeit zu fein,- aus den in ihr gegebenen Prämiflen wird das unwahrentwidtelte, dabei
kkT
nehmbare Unendlidie deduziert, in dem das Chaos .aysJ^iaterie^_^Ramn undjßontaner Entwiddungsbewegung geläutert auflebt. Eine tieffinnige Deutung des Werdens und v^geüens verSindet das Abfolute mit der
20
.
Die Grundichren der vorfokratifdien Philofophie
Aufnahme
Erfahrungswelt und erlaubt die
der Phyfik
und Biologie
in
das
Gefüge des Syltems,
Der
Cv^*^^
Anaxime nes
milefifdie Philofoph
letzte
hat das Apeiron des -^
Meifters qualitativ als die unendlidie Luft zu beftimmen gefii fht. »Wie u nfere Seele, die Luft ift. uns zufamme nhatfr fo umfpannf Hmirf. und T uft
audi jlasJJC^eltall.« Die "Welt
Qualitätj ft
fdie inbar^
Anaximenes Apeiron,_er
ift
liÄ/ aber er freilidi
läßt
Lu ft^
ift
GelHiehenJLuftbewegung,
alles
Hurdi den_AggTe§at£ult^^
dem Weltgrund
e iner^. räümlidi
und
_
alle
Luft bedingt,
formalen Beftimmtheiten des
all e
zeitlidi unendlidi, als
Mafle unerfdiöpfC|-*^'
fondern g anz und gar Qualität. Daß er der Luft h at^ dafür müflen wir durdi ähnlidie
nidit unbeftimmt.
ift
gerade die Qualitä t
Überlegungen wie EeiTTiales
ein Verftändnis
kend haben beide jdas^—gas_ fie
in
gewinnen.
den*
Plaftilcli
der ErlHieinungs welt als
Unendlidies
und_imaiidIiA_Wanddbai:es_jLnl(bauten, zur Subfta^izjderJDinge erhöht, der Eine das Meer, der fcL viel
fähig
über
ift,
Thaies
Andere denTIimmel,
hinausgewadifen,
unbegrenzt, überall
aber die Luft
li3i lelbft gleidi
ftrömt in
fie als
und
al s
Umftand mödite
ih re idi,
Anaximenes urn
ift
mehr Wall er. Formfos und
Lebens
Bildfamkeit
einem
voll find beide,
Wink
ift
und Nafe unbegrenzt. Gerade
Erldieinung des Abfoluten ableiten.
hat Thales_das Wafler für befeelt geh alten, l
idien die zur
verlieh en,-
De nn
Luft. f elber
nidit
ZweA
diefem
ZweA
Anaximandros dem Unend*
denkt Anaximenes daSjAbfolute
Luft, meint Ariftoteles,
wandel t. Das Holz wird
von
Zu
ewigen Bewegung treibende Innenfpannung de r Oegenfätze
zu dem gleidien
felbft
zur Waffe, die
and eren Stoffe braudien
Anftoß
ift
*
des Ariftoteles folgend,
Hauptmotiv der Metaphyfik des Anaximenes fehen. Der Glaube an eine n Seinsgrund, die Beftimmung feiner BelchafFenheit ift nur die Hälfte der Aufgabe des Philofophen,- er muß audi die Erfahrungswirklidikeit als als
1
Mund
ein
Erzeugnis oder
.
ruhige Luft unwahrnehmbar,
den ganzenTKosmos, aus
Zeidien des Lebens,-
diefem letzten
das
raftlofen
in ihrer eigenften Geftalt als
ift
körperlos,- die Luft umkreift
Dabei
a[s leine Ürqualität, die Luft,
das Unendlidie zu repräfendieren
-f^
^
al s
von
der einzige Stoff, der fidi
von felbft zum Tifdi, das.Eife n Bronze nidit von felbft zur Bildfäule alle von außen, Formung durdi fr|em de Kraft, nidit
,-
von ihnen verfdiiedenes Prinzip ihrer Wandlun gen. Nur_d.ie:Xufi wandelt fidi felbft, von felbft, unaufhö rlidi Gewiß ift hier mit ariftotelildien Worten und Begriffen gefprodien, aber derWunfdi, den Weg der Geburten als überall gleidien medianifdien Vorgang zu verftehen, kann wohl ein Motiv gewefen fein, gerade die Luft zur_ Würde des Abfoluten^ zu^r heben, denn Luft wird, fidi verdichten^ zum J^tenrSHiweren, zu i nd, Wolke, Waller, Erde, Stein,- fidi verdünnend zum Warmen, Leiditen, zu Äther und Feuer in ununterbrödiener Ver* ei n
W
21
i
(
'
Die Grundlehren der vorfokratifdicn Philofophie
Wa ndlungsfolge Der Prozeß der Schöpfung Ui Zufammenziehun^;jjnd Aus= ^ehnung^erdiAt ung un d Verdünnung der Luft,- die verlchiedenen Dinge find .
nur verlcliiedene Aggregatzuftände der Luft, Diefe Anfdiauung zeigt,
nidit verfdiiedene Subftanzen.
nadi Analogie der Erfahrung konzipiert, die uns
daß die Luft des Atems zwifdien zufammengepreßten Lippen
dem
aus
ift
Mund warm
offenen
Ihre Konfecjuenzen
entweicht.
,
kalt,
reichten
Eine ganze metaphyfifche Richtung war damit angefangen. Das Abfolute bleibt im mer he\ fith MUCt^ uns-all^ weiter, als ihr Schöpfer gedacht hat.
urngebend doch
nicht e nigford^n,
wirdTiTt nur die 'Wi rkung ift
**«"
muß
Demokritos
bei
(quantitative
eine Zweiteilung der
Welt und
em^
d er Tätigkdt_zurück^ eine
Formulierung bei Parmenides und
die ihre fdirofffte
jDiefe .Tätigkeit
die cpiali tative VerJHilejdenheit der
pfundenen Wirkungen au f eine nur
—
wa? wahrgen'^mmfn
!'<'<>< g*»",-
fe iner jfätig keit. nidit_e s felbft.
voiT einerlei Art,- darum
geführt werden
J^'r»
An fchauungs weife,
ihre dauerndfte Geftalt
erhält.
Indem Anaximenes das Reale als Luft beftimmte, verftrickte er fich zwar in die Gefahr, es zu verendlichen, rettete aber feine Qualifikation, gewann die Möglichkeit zu veranfchaulichen, daß das unendliche Reale nur in den Dingen ift, nicht neben ihnen, und war in der Lage, die Entftehung des Einzelnen als Bewegung, beziehungsweife Refultat derfelben auf ein Prinzip zurückzuführen.
Die ficht
milefifche
Naturphilofophie bemerkt noch nicht das doppelte
ihres Problems,
fie
und
fragt zugleich hiftorilch
prinzipiell
Ge-
nach den
Urfprüngen der Welt,- noch verhängnisvoller ift es, daß fie, als umfaflende Löfung des Weltproblems gemeint, tatfächlich immer wieder nur die Seinsweife der phyfifchen Dinge berückfichtigt
und
fo
nur die chemifche Theorie
der Materie grundlegt.
Man
kann von anfangender Spekulation
nicht verlangen,
Überblick über die hier verfchlungenen Probleme
daß
genug,
befitzt,
fie
vollen
wenn
ihr
im Laufe der Zeit die Problemverfchlingung felbft zu Bewußtfein kommt. Die Nachwirkung mythologifcher Denkweife ift unverkennbar,- die Philofophie des Thaies erinnert an die Okeanosfage, die des
an das Chaos und an die noch die des
eigentlich
Anaximenes an das Pneuma,
Geifterglaubens,
Anaximandros
märchenhafte Urmutter Nacht,
die Hauchfeele des volkstümlichen
Aber ebenfo unbezweifelbar
ift
die andere Grundrichtung,
der Ausdruck der felbftbewußt gewordenen Vernunft, der Glaube an eine einheidich alles umfallende Gefetzmäßigkeit, durch die
Aus diefer neuen Denker die Annahme von
Wundergott und
zum
All antizi-
Zufall ausgelchaltet werden.
Stellung
pieren die milefifchen
Urftoflfen, ihre
als Anfangslofigkeit, Unzerftörbarkeit
Verwandlungsfähigkeit
22
in fichtbaren
Konftanz
und Unvermehrbarkeit, und ihre
und
unfichtbaren
Bewegungen,
M
Die Grundlehren der vorfokratifdien PhÜofophic
Der Pythagoreismus. Die pythagoreifche Philofophie ift nidit das einheitliche Werk eines einMannes, fondern die oft umgedadite Lehre einer langlebigen Sdiule. Über Pythagoras felbft, feine Lehre und die Anfänge feines Bundes befitzen wir zeitgenöffilche Nadiriditen nur in einem HerakHtfragment und einigen inhaltsarmen Herodotftellen. Für die Pythagoreilche Lehre des
zigen
5,
vordiriftlidien Jahrhunderts
Dokumente
dienen, foweit
fie
können die Fragmente des Philolaos edit find,
und
eine vielfadi unfidiere
als
Aus*
führung bei Ariftoteles. Die Beridite Piatons find nur mit großer Vorfidit heranzuziehen, weil die Einfprengungen platonilchen Gedankenguts nir-
gends fdiarf abgefondert werden können. tifchen
Die Mangelhaftigkeit authen-
Materials wird durdi die Mißverftändnifle, Legenden und
Um*
bildungen einer fpäten Renaifiance, des fogenannten Neupythagoreismus
nodi gefteigert. Pythagoras, des Mnefardios Sohn, war
um 580
geboren auf der In fei
Samos, einer Kulturftätte von ähnlidiem Range wie Milet. Eine vielfeitige Begabung hat er auf großen Reifen ausgebildet,- er hätte fonß nidit die von Herakleitos gefdimähte Vielwiflerei erwerben können, denn nodi in der Sophiftenzeit waren Reifen der Erfatz für Bibliotheken und Hodi* fdiulen. Wenn Herodot unter den Ländern, die Pythagoras bereift hat, Ägypten, andere Babylonien nennen, fo dürfen wir beide Angaben wohl glauben, weil Einriditungen des Bundes und Details der Lehre gleidifalls auf die Kultur diefer Reidie verweifen. Indien dagegen dürfte fpäteren
Sage dazugekommen
fein,
weil es vor Alexander
erft in
und den Dia*
Sidier hat Pythagoras
dodien den Griedien nidit näher bekannt war.
üAion in feiner Vaterftadt felbft eine Lehrtätigkeit eröffnet, fonft
Ruhm und
der
wäre der
die Bekanntheit in Kleinafien unverftändlidi, deren er nadi
Herakleitos genoflen haben muß.
den
reifen
Mannesjahren wanderte
Kroton in Unteritalien wurde er der Stifter eines Ordens, einer ftrengeren Organifation der dorifdien
Pythagoras aus.
In
religiös^politifdien
Ariftokratenpartei.
Bald nadi feinem
In
Um
Tod
das Jahr 500 ftarb er
in
Metapont
bei Kroton.
Bund Kämpfen zufammen,- die überlebenden Pytha* hellenifdie Heimat zurü(k und erreiditen die Ver*
bradi der pythagoreifdie
unter den Angriffen
der Demokratie in blutigen
goreer wanderten in die
bindung mit der
attifdien Philofophie.
Über den pythagoreifdien Bund haben wir eine Fülle nidit immer zufammenftimmender Nadiriditen. Der fpäteren Zeit ftellte er fidi als ein klöfterlidies Zufammenleben der Brüder in Gütergemeinfdiaft und genauer Regelung von Studien, Nahrung, Kleidung dar,- wahrfdieinlidier ift, daß es fidi um einen politilchen Klub handelte, der in den äußeren Formen 23
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
den Myfterien
nadigebildet
war.
Dafür
die
fpridit
Unterfdieidung
von Exoterikern, die nur einige Lehren und Grundfätze kannten, und ohne ihre Stellung in der ÖfFentlidikeit aufzugeben, für die Ziele des Bundes wirkten, und Efoterikern, weldie ganz dem Bunde lebten und feine politilHie und wiflenfdiaftlidie Arbeit dirigierten, Diefe Eingeweihten mögen wohl in Klubhäufern zufammengewohnt haben, und um diefes Zufammenlebens willen audi einer ftrengeren Regel Untertan gewefen fein. Zweifellos begünftigt eine foldie Exklufivität audi die Entftehung von äußerlidien Unterfdieidungszeidien, wie es das Noviziat, die weiße KIei=
düng, die vegetarifdie Diät, die geheime Sdiulfpradie der fpäteren Überlieferung find,
dem Orient entlehnte Das Wefentlidifte des auf Grund eines beltimmten
und von Geheimlehren, zu denen
die
Vorftellung von der Seelenwanderung gehört hat.
Bundes war jedenfalls, daß er feine Mitglieder Glaubens zur Reinheit der Lebensführung, zur Beldiäftigung mit der WilTenfdiaft, zur Treue gegen die Freunde und zur Arbeit für feine po^Ziele verpfliditete,
litifdien
Bund war
Feindfdiaften, die
Orden im
Von Namen
Itammten bzw,
in
fidier
bezeugt.
Der
Großgriedienland, und die
der von einem Eingewanderten gegründete, exklufive
fidi
politifdien
beigeführt. lieferten
Diefe politilchen Ziele find
das Rüdtgrat der Ariftokratie
Kampf zugezogen
hat,
haben
feine
Auflöfung her-
Ausdehnung des Bundes gibt die Zahl der über^ bedeutenderer Mitglieder und der Städte, aus denen fie
in
der
denen
fie
wirkten, einen Begriff,
Studium und Theorie gehörten zur Tagesordnung in den pythagoreißben Niederlaflungen,- fie galten ganz beltimmten FadiwilTenfdiaften und philo* fophifdien Lehren,
Auf Pythagoras
felbft
geht wohl nur die Grundlegung
der wilTenfchaftlidien Arbeit zurüde, das Reinheitsideal, das Gebot der Forfdiung, Anregungen zur Mathematik, Mufik,
Politik,-
an der Sdiöpfung
der pythagoreifdien Phyfik, Aftronomie, Akuftik, Philofophie waren viele
Köpfe
beteiligt,
fidier
die weniger als der Stifter durdi organifatorifdie
Anfprudi genommen waren. Als die Bedeutendften muffen der Mathematiker Ardiytas aus Tarent, der Philofoph Philolaos aus Kro-
Wirkfamkeit
in
Arzt und Phyfiologe Alkmaion aus Kroton, der Phyfiker Hippafos fizilildie Lehrdiditer Epidiarmos gelten. Die Wendung, weldie die Philofo phie im Pythagoreismus nimmt, fteht im e ngften Zufammenhang mit den im Bunde befonders gepflegten Dis ziplijnen das waren nidit mehr die befdireibenden und erklärenden Natur= wiffe nfifiaften, fondern Arithmetik, Geometrie, Harmonielehre und Akuffik Indem wir kurz auf Richtung und Refultate diefer Detailwiffenfdiaften eingehen, lernen wir die Stützpunkte ihrer Metaphyfik und felbft die verführerifdien Motive ihrer Myftik kennen, die fadiwiffenfdiaftlidien Grund^^ ton, der
aus Metapont, und der
\
,-
,
lagen ihrer Philofophie,
24
Die Grundlchrcn der vorfokratifdien Philofophie
Die Mufik fpielte im Leben der Pythagoreer eine große Rolle, wie überhauptbei den Griedien, namentlidi dorilcben Stammes/ man fdirieb ihr bald die Fähigkeit zu, Raufdi, Begeilterung, Gottbefeflenheit zu er^
im dionyfilchen Kult, bald fpridit man von ihrer kathartifdien Wirkung die Affekte zu befdiwiditigen , die Seele zu beruhigen, und verwendet Chorgefang und Citharafpiel als Erziehungsmittel, wofür nodi Piaton eintritt. Pythagoras hat diefes große Hilfsmittel zeugen, und bediente
fidi
ihrer
Veredlung und des gefelligen ZufammenCdilulTes in feinen Dienft genommen,' die Harmonie, das mufikalifdie Analogon der Eintradit der Bundesbrüder, wurde zum Sinnbild aller Vollkommenheit, der Liebder
fittlidien
zum Entdedier der akuftifdien Medianik. nur mit dem Ohr beurteilt, etwas Hohes und Tiefes, Konfonierendes und DilTonierendes, aberzugleidi etwas Vages, Das fidiere Wiedererkennen eines Einzeltones ilt nur wenigen Menfdien mit dem abhaber der Mufik
Die Töne
find,
Gehör möglidi. Da madite Pyth ag oras die Entdeckung, d aß das wefendiche Merkmal des Tones, feine Höhe, abhängig ilt von der Länge der fdiwi ngenden Sait e. Seine Grundverfudie am Monodiord wurden von Hippafos an elliptifdien Bronzefdieiben mit abnehmenden Durdimeflern, von anderen an Gefäßen mit gleidier Form, aber verlHiieden hoher WalTerfullung überprüft, von Ardiytas durdi die MelTung der Stärke des An= fdilags und der Entfernung der Tonquelle vom Ohr erweitert. Gewiß maßen die Pythagore er nodi nidit Ljuftwel len nadi Amplitude und Ge* Ichwindigkeit, fondern die Länge von Saiten, die GewiAte von Metal lfijheiben, aber das Erge bnis ilt dem unferer phyfikalilcben Akufiik vergleidikkord ilt ba£. Die Tonhöhe ilt Saitenlänge, alfo eindeutige Zah l, der foluten
A
Zahlenverhält nis, die Tonftärke
ilt
Zahl
,
Zahlbeziehun gen, d as Reidi der Töne
find
ein nodi nidit
ein Zahlenreid
i.
So
genügend geübtes Denken aus dem verblüffenden
diordverfudi fdiließen, indem es gefetzmäßige Abhängigkeit für identität
•
'
V^)*^
'
Beziehungen
die harmonifdien ift
<^
.
durfte
Mono-
Wefens-
nahm.
Der Raum
war das zweite Gebi et,
auf dem
di e
Pythagoreer die
Hea>
chaft der Zahl entdeAte n. Die geometrilcfien Figuren, zum größten Teil von den Werken des Menldien, von Giebeln, Hausgrundriflen, Säulen, Adier-
I
grenzen abftrahiert, werden fdion frühzeitig ohne Materie geftalten gedadit, aber zunädift
als reine
Raum*
nur gelegendidi unterfudit. Daianden-die
Pythagoreer das Charakteriltikum des Quadrats, des R ffht*'^^'', ^^^ Würfels in dem Verhältnis der Maßzahlen der Seiten Mit derfelben Ungenauigkeit wie auf dem Gebiete der Mufik fagten fie auf dem der .
Geometrie: Quadrat und Würfel
Ton
und Akkord
^
indem
fie
find
Zahl und Zahlverhältnis, fogut
w ie
in beiden Fällen das anfdiaulidi Letzte,
^^^-Toggy ^^ltät und den kontinuiere nden
Raum
—
ignorierte n, und^Tidi
25
Ai"-^*
Die Crundlehren der vorfokratifdien Philofophie
an die exakt^faßb aren Beltimmiin crgn und Gefetzmäßigkeiten im Quanti* '
t ativen hielte n.
Audi
die Naturtatfadien behandelten
Tag und Nadit
tativen Gefiditspunkt.
dem
gleidien quanti*
Maßen
und Verwelken find an Zahl und Zeit gebunden. Aufgang, Untergang und Gefdi windigkeit der Geftirne find in Zahlgrößen ausdrüdibar. Die organildien Bildungen, wie der menfdilidie Leib, find von beftimmten Proportionen beherrldit. Auf weldiem Spezialgebiet der Forfdiung fie fidi audi bewegen moditen, die Zahl erwies fidi als das Wefentlidifte, »und in der Tat hat ja alles, was man erkennen kann, eine Zahl, und ohne fie läßt fidi nidits erkennen oder erfaflen«.
Es^ift^ darum nur verftändlidi, wennjie die Zahl und Zahlreihe felbft zum zentralen Gegenffand ihrer Forfdiungen gemadit hüben. Eine ausfüfirlidieTJarltellung^rer arithmerifchen Ent^ der Zeit,
\
Sommer und Winter,
unter
fie
wedifeln nadi beftimmten
dedüingen geKört
Blüte
Mathematik,
in eine Gefdiidite der
wir mülTen uns auf die dann
der Theorie der
in
nidit der Philofophie,-
Welt verwerteten Mo-
mente befdiränken, und insbefondere zu begreifen fudien, wie das Magifihmyftifdie der von ihnen fo genannten heiligen Zahlen zuftande kam. Grund^^
Welt wurde die Ein= und begrenze. Die Vielheit Addition der Ein s, die Eins ift das
legend für die Konftruktion der Zahlreihe wie der diV F.i nhpit di> ViVifipif erzeuge
fi'j^lx-d^ß -j
Anzahl, e ntfteht durdi fortgefetzte
die
Maßjede r
X'
Zahl 10
w
eil
Vielhe it.
Der
dekadilche
ein e, myftildie Stellung,
4 das
Quadrat Zehn ift.
erfte
der heiligen
ift ,
Aufbau
der Zahlreihe verlieh__der
ebenio berühmt wurde die Vierzahl,
weil die
~~
So fehen wir die Pythagoreer
,
Summe
der 4 erften Zahlen gleidi
überall im Bannkreis jener Frageftellungen,
weldie wir als mathematilche und mathematifdi-naturwiflenfdiaftlidie be= zeidinen würden,- eine wertvolle Entdedtung nadi der anderen gelingt,
audi auf Gebieten, deren anldiaulidier Gehalt nidits mit Zahl zu tun hat,-
die Zahlenreihe felbft erweift
heimnisvollen Beziehungen fadien, weldie audi
und
fidi
und durdiwaltet von ge= — all das waren Tat^
regiert
Gefetzlidikeiten
im abftrakten Denken entwidceltere Geifter beftedien
mußten, nadi der Bedeutung der Zahl für das Weltall zu fragen. Ariftoteles hat diefen
Zufammenhang
zwifdien Mathematik
aufgededit: »Die Pythagoreer
thematik
eingehend
Wiflenldiaft
^ i
/
/
befthäftigten.
keim te die Anfidit,
audi die des Seienden
V
biet
waren
Aus daß
der
26
riditig
mit der
Ma=
mit
diefer
der Mathematik
aFer au f math ematL^em
d^ Erfte
fi
Feuer, Erde un d^WälFer
Ge«
nd, und_di e Pythago reer.. in
den Zahlen Ähnlidikeiten zu fehen glaubten mit dem fteht,jneti£jals__mit
fidi
Vertrautheit
Prinzipien
die
wä ren. Da~n un
die Zahlen der Natur nadi
und Metaphyfik
die erften, weldie
.
.
.
wa s
ift
und
ent-
jfagten fie^ die Elemente
T
k
Die Grundlehren der vorfokratifchen Philofophie
der Zahlen und Zahl«.
feien
Elemente der Dinge^und
Diefe Lehre iß an
nodi
erltatter
fidi
entftellt
feien,
halte
Lehre,-
daß
Natur
felbft feien,
idi
und durdi
dunkel,
fei
Harmonie
Zutaten fpäterer
die
Beridit-^
Reproduktion der pythagoreilchen
platonifierende
für
der Welt
worden,- daß die Zahlen Mufterbilder der Dinge
apriorifdie
fie
alles in
fdieint
Bedingungen der Naturerkenntnis oder gar der mir unberechtigte Kantianifierung. Idi fehe nur
zwei Auffaffungen, beide den Pythagoreern eigentümlidi, die eine aus der »Alle Dinge
anderen entwidtelt.
fin
d Zahlen«
über die DetailwilTenichaften zunädift
blick
:
alle
heißt nadi
Dinge
unferem Über*
find (quantitativ be-^
ftimmbar, fü r uns unterfchiedene Gegenftände dadurdb, daß jedes fi
Ä
Maßen von nodi^ urcfi d en
ideht iicfi, in feinen
cpialitativ
Gleidien
allen
mit
vom
moderne mathematifdie Naturwiflen*
Aber andere Stellen beweifen deutlich, Pythagoreer die zahlenmäßige Beltimmbarkeit der Dinge reales Beliehen der felben aus Zahlen nicht prinzipiell unter-
noch: alle Dinge find Zahlen,
daß die
und
llt,
aucii
zählbaren Ort, die meßbare Zeit be*
fondert. In diefem Sinn fagt audi die Ichaft
anderen verlchieden,
ein
Ichieden haben,
daß ihnen
die
wie Arißotelesüberliefert,
Dinge
felbl t
Zahlen waren, oder wenigltens,
aus denTelben Elementen aufbauten wie
fich
die Zahlen.
Eine kurze Phänomenologie der Zahl zeigt, daß man wirklich von Elementen der Zahl reden kann, fowohl im Hinblick auf die Zahlreihe, wie im Hinblick auf die Einzelzahl, Elemente der Zahlreihe find fowohl die
Eins und der Additionsprozeß, aus welchen
—
das Unbegrenzte des letzteren
—
und das Begrenzende der Eins
Auch an
Einheit,
ein Ablcfiluß
—
fie ift
erzeugt wird, als auch prinzipiell unerreichbar
Ganzes ift doch eine Elemente unterfcheiden, nicht
die Reihe als
der Einzelzahl laßen
fich
nur diejenigen, die bei der Teilung und Faktorenzerlegung ermittelt werden,in jeder
Zahl
Maß. Alles
fteckt
Wefen der Quantität und ihr beßimmtes Unbegr enztes, die Quantität voraus,- die
das allgemeine
Z ählen
fetzt ein
Gre nze ineinem Unbegrenzten, einem ciem räumlidien, Kontinuum Analogen, der Pluralität,- audi die Quan» tität ]fi_ ein(^_Qualität. In rein arithme tifcbem Zufammenhan g wird der Unterfchied von Grenze und XlnHegrenzten mit dem von Ungerad und Gerad idenjifizjert,- die upgerade Zahl erfcheint als die beßim mtere, editere einz elne
Zahl
iß
zeitlicben, intenfiven
Zajil^_weil
fie
~"
der Zweiteilung widerßrebt.
Qrenzenjofes u nd Grenze
fi
nd aber
nidit
nur die Prinzipien der
fondern auch dje Elern?ntQ_dßs_LIniyjerfums, nach
dem Zeugnis
Z^W,
des Philo*
NaturjÄ:urdßJ>d_dßr_W£l£ca:dnun^ aus und Un» be^enztem-Jailammengefiigt, die Welt inL-GanzenuncT jedes einzelne Ding in ihr. Auch an den Werken der Menicjhen werden beide Momente laos: die
27
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
im mer zufammen gefund en. Alles ft Harmonie aus Grenze u nd Unbe-» grenztem. Die armo nie war neben der Zahl die widitigfte Abitraktion auf d em Gebjet der Mufik,- und wie fidi die Zahl als Beftandteil der i
H
Din ge überhaupt erwies zip verallgemeinert,
Gebilde
einlieitlidie
RpPTPtvTffjH
und
T
,
Sie
fo ift
wurde audi
m adit,
des Akkordes
Harmonie
als
formendes Prin«
den einzelnen
fie_audi
Tön en
hat
FalFung, nadi weldier die Zahl die
.
der Pythagoreismus von der erften
fidi
Welt
etwas entfernt und iß auf die
das
das Gefetz^ d as aus
Jnbf>gr<>n7fpm das gpnrdnpt p Weltall erzeugt
Auf diefer Entwid^lungsftufe ift,
die
die Kraft, die aus
regiert
alte,
und das
fdion
in
Prinzip der
der
Mythe
Dinge
geahnte
_Zweih eit der Urfgrünge aufmerkfam geworden. Jedes einzelne D ing hat zwei Beftandteile, einen durdi den es eben djefesDing ift, beftimmtes, be-^ grenztes JSeiendes, und einen anderen unbeftiramten, den esjnit allen Dingen gemernlanThat, einen dunklen Wefen skern, der den Zuramrnenhang aller Dinge mJF all en, wie ihn das SAaufp iel des Entftehens und Vergehens der Dinge einlchljeßt, ermöglidit. In der fogenannten KategorientafeTEaben die Pythagoreer für die Hauptgebiete der Wirklidikeit, für Mathematik, Aftronomie, Phyfik, Biologie, Pfydiologie und Ethik ihren Grundgegenfatz zwifdien Unbegrenztem und Grenze fpezialifiert, zu zeigen verfudit, inwiefern die Gegenftände oder Phänomene diefer Gebiete zwei Komponen« ten ihres Seins befitzen, eine unbeftimmte und eine beftimmende. Natur* lidi ift die Durdiführung nidit möglidi, ohne daß vage Analogien als voll« giltige Parallelen geredinet werden. Auf mat hematifdiem Gebiet z. B. ft jede Zahl konftituiert durdi das unbeftimmte Moment der Quantität, der Menge, und das beftimmeride^ deFIBi n s, der Maßz ahl,- indem wir ani
geben, wie oft di£_Maßfinh<'i<' halten
ift,
erhalten wir
<"
d<>r
an
(^rji
beftimmte Zahl,
^inbgftjfmntpri
Menge
ent-
Die Raumgebilde beftehen
der ftetigen Ausdehnung, und dem Begrenzenden, Krummlinig und krummflädiig begrenzte Raumgeftalten beftehen aus dem Unbeftimmten der Krümmung und dem beftimmenden Moment des Geraden,- die Erfdiöpfungsmethoden in Geometrie und Stereometrie fudien die Krümmung durdi die Annäherungs«
aus
dem Unbegrenzten,
den Linien, Formen.
werte ein* und umbefdiriebener geradliniger und ebenflädiiger Figuren zu
Phänomen e find Mifdi ungen aus d em Maßlofen, und Begierden un^^em_b£fiimmenden Moment der Vernunft,- Tugend ift Begrenzung Beherrfdiung, Zügelung, ganz im Sinne des Sop hrofyneideals d er griediildienJVolksmoral, Wenn das RediFe
Die
ethifdien
Unbegren zten der Leidenfdiaften
,
,
fiimmende des
W
eiblidi en, Lidit die
Grenze, Dunkel das^Grenzenlofe
heißt,
ygmeine, in der VolksanlHiauung begründete ^t_mohi- 5sppyiatfano dog nrnnA^(>^pn(at7.^
28
Ärifh die
I
Die Grundfehren der vorfokratifdien Philofophie
Harmonie aus Begrenzendem und Grenzenlofem/ aber da Ände rgs^nidit von aul^en Begrenzt werden kann, erßhien die Grenze der Welt als ein »fidi felbft begrenzen« — ein fdiwerzüngiger Ausdrude für die allwaltende Gefetzmäßigkeit des Naturgefdiehens. Mit Redit fymbolifieren darum die Pythagoreer das fidi felbft begrenzende Unendlidie in der Kugel oder in der Eins. Es ift nidit ganz eindeutig, wie der Gegenfatz von Grenze und Gren* zenlofem mit dem urfprünglidien Zahlprinzip verbunden wurde,- die Überganze Welt
ifi:
dig ÄIIKeit
niHifHuFcfiTein
lieferung läßt eine zweifadie AuffalTung erkennen. T^adi der einen
Begrenzende auf
allen
Gebieten
grenzte mit der Geradheit
identifdi
und
ift
das
mit^er Ungeradheit, das Unbe^ Dinge
Teilbarkeit ^[er_ZahIen, find alle
harmonilSe Einheit en aus geraden und ungeraden Zahlen. T^JadT der ift die Zahl
zweitenTVariati on
zufam men die Wirklidikeit der Dinge konftituiert. Piefer_ mehr Zahl, fondern nadi dem ausdrüdKfidien Zeugnis des Ariftoteles^ der ftetige leere Rau m. Zw'H'BeftänHtelle h at fedes Dfrig / es' ift nidit nur WalTer oder Luft,- e ine lediglidi ftofflidie FalTung der Subftanz / ^J^ ift ungenüg end/ es~ift vorallen]y^^jaiL/ der beftimmende Beftandteil aller Djngejjnd die Zahlen ihrer Maße, Lagen, Gewidite, der unbeftimmte ift unbeftimmten
andere
ift
nidxt
di? Räumhdikeit!
Das
pythagoreifdie Weltbild
dung des
ZahU und
ein Zentralfeuer.
mit
audi im Einzelnen durdi die
Harmonieprinzips bedingt.
Um
dem Mond und
ift
fie
bewegen
Die Eins
fidi^die^J^osmifdien
ift
Weltmitte,
Körper, und zwar
eine r der JieiligenZehnzahl zuliebe erfundenen, ftets
unfiditbaren_Gegenerdc,
liJO,
von Weften nach. Often, entgegen dem
Zeugnis der Sjnne^jiinter Preisgabe der Zentrallage der Erde. 24ftündigen_Rotation der Icoshuläien KörpeF'üm den weil
Anwen-
immer vorKanden,
druck der~Häffflgnte des Weltalls,
Ems
Sphärenmufik, der
nidit "gehörte
B ei
diefer
erklingt die,
äJoiftilHie
Aus-
Spätere Pythagoreer
Ekphantos) erkannten, von der Fiktion des Zentralfeuers aus, die Grund* Züge des heliozentrifdien Weltgebäudes und haben nodi einem Kopernikus
Wege gewiefen. Auf der Erde beftehen gleidifalls alle Dinge aus Begrenzendem und Unbegrenztem^ aus ^r_dem Wefen naÄ unbekannten Materie und den.
die
zahlmäßig Jxierbaren Formen. Die fünf Elementarftoffe unterldieiden durdi die Geftalt ihrer kleinften Teile,- die Elemente der
Erde
fidl \
find würfel« \
förmig, die des Feuers Tetraeder, die der Luft Oktaeder, die des WalTers Ikofaeder, die des Äthers Dodekaeder.
\
Die 5 regulären Polyeder bildeten ^
den Hauptpunkt der pythagoreifthen Raumlehre,- es lag nahe, die Grund* formen des Raumes mit den Elementarftoffen der Dinge in Verbindung
29
Die Grundlehren der
vorfokratifcfien Philofophie
ZU bringen. In diefen Gedanken wird die
Ahnung
der Unterfdiied der Sinnesqualitäten Sdiein
und werden
bereitet
der Jonier vertieft, daß wird der Atomismus vor-
die modernften Beftrebungen, nidit nur das Gewicht,
fondern audi die Geftalt der In der Lehre
fei,
Atome zu
von den Organismen
erredinen, antizipiert.
ift
nadi allgemein griediifdier
An*
fdiauung das Männlidie das Belfere, Beftimmende, das Weiblidie das
Empfangende. Im ganzen Leben der Organismen
fpielt die
ZaM
7
ein e
herv orragende Rolle die Perioden der Entwidtlung find Jahrfiebente. Über ,-
Wefen
das
der Seele nadi pythagoreifdier Auffalfung liegen zwei Über*
lieferungen vor,- die_einej£riAt jran_jder_Sj?ek^
Leibe s,
i
ndem
das
fie
Z ufammenfpiel
des Bewußtleinsjungefdiieden als
Harmonie des
a^^^^
Funktionen des Lebens und Einheit begreift. Audi die_j>gi Ariftog aller
teleslo_fruditbar ausgebaute Dreit eilung der Phänomene
und
fenfitive
zu
intellektuelle fdieint wenigftens
dem Philolaos
fein, zugleidi als Klaffifikationsprinzip für
Grund
in
v egetative,
geläufig
gewefen
das Reidi der Organismen.
Organ der Vernunft, Herz der Orga n desjjemütes und G efühles, Nabel der der Pflanze und Symbol desJWachst ums und der Bewurzelung, das Sdiamglied aber bezeidinet das Leben überhaupt und diarakterifiert das ganze Reidi der Organismen. Mit diefer wilfenfdiaftlidien Pfydiologie Hirn_ilLder
Grund Grund
fteht
in
des Menfdien und das
des Tieres und
—
für uns wenigftens
—
der religiöfe Seelenglauben der Pythagoreer
keiner Beziehung, ja in Widerfprudi.
Leibes^ fo^_fie_notwendig vergänglidi, Kraft
in
(diied ene
den Lebewefen, fo
ift
ift
in
»Seele« die Harmonie des »Seele«
aie~organifiergnde
ausg33ilolIm^Z3aII3lk_gLdd^^
W^efen eingehen kan n.
Wanderung
Ift ift
Seele in ver*
Beides aber, die Unfterblidikeit und die
der Metempfydiofe behauptet,
und der Glaubean
die
Seelenw anderung, übrigens weit a uLdgr Erde verb reitet, j^ehört zu den fidierjb&zgugt en Beftandteile n_der Bundeslehre. Der Widerfprudi wird ver* ftändlidi,
nur die
wenn wir bedenken, daß auf diepfydiologifdien Anlchauungen nidit
wilTenfdiaftlidie
Beobaditung des Seelenlebens, fondern audi der vul*
gäre Seelenbegriff entfdieidend einwirken.
Der
fdiiedene Wurzeln
der Haudifeele, die im
Lebens
im primitiven Denken,
in
Seelenbegriff hat aber ver*
fiditbar wird, in der Blutfeele, in der Sdiattenfeele.
Atem des Es ift kaum zu be*
Denkmotiv vom Seelendämon, der in uns häuft, uns audi zeitweife verlalTen kann, wie in der Ohnmadit, in der Verzüdiung, im Traum, die Vorausfetzung des Glaubens an die Wanderung der Seele zweifeln, daß das alte
abgegeben
hat,
daß
ethifdie Bedürfnilfe die
Ausgeftaltung desfelben geleitet
und fremde Vorbilder fie beeinflußt haben. Der Glaube an die göttlidie Natur der Seele hört audi heute nidit auf, den Sinn des Menldien zu vertiefen. Die hodientwidcelte praktifdie Ethik des pythagoreildien Bundes wurde mit der Metaphyfik naditräglidi in Verbindung gefetzt,- die Beridite be« 30
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
I
zeugen ausdrücklidi, daß die eine Zahl Gereditigkeit, eine andere Liebe und Freundfdiaft, eine dritte Ehe war,- wir verftehen folAe Zufammen*
mehr und werden an den Volksaberglauben erinnert, der audi heute nodi gewiflen Zahlen eine geheime Bedeutung unterlegt. Auf die große Frage nadi aller Dinge Kraft und Samen hatten die hänge
nidit
d^er
FortFA ritt beftand
WalTer oder Luft
diefer Urftoff fein
Milefier mit einem ftofflidien Prinzip geantwortet,-
daß
nidit bloß^ in der Rinficbt.
nidit
konnte, fondern darin, daß ein fiofflidies Prinzip überhaupt niAt genügt,
daß die
derPinge, die räumlidien_mathematilch=beftimmten Verwurden, auf einzelnen Gebiet en und fü r das Ganze der
Fo rm
hältnilTe entdeckt
Welt._ Freilicfajüberwan d audi der Pythagoreismus die naturwiflentchaft^
Verengerung der Grun dfrage der Philofophie^keineswegS/ die reine metaphyfifdie Bedeutung der S ubftanz mußte nodi entdeckt werden durcb
lidie
Parmenides, und diefe Entdeckung vorbereitet werden durch die Diskuffion
zwilchen^Cenophanes und Herakleltos.
Xenophanes und Herakleitos. Bei der Frage nach
dem gemeinfamen Urgrund
Dinge hatten
aller
nur d en Stoff, d ie Pythagoreer nur die verallgetneinert.
So
Form
als wefentlich
betont und
Itam en die~eineirz u der Lehre: alle D]nge
weil ihnen_die_Geftalten veränderlich, vergänglicb
die
Momenten
Milefier vo n den beiden, an jedem Einzelding unterlcbeidbaren
fin
d
^'^i
Stoff, '^
,/
denen diefer Stoff auftritt, als imd Fgrine^^^^^ und nebenfächlich erlchienen,- Baum ftamm, S tuhL—
H
olz, nicbts als Holz. find_trotz der ve rfchiedenen Form dasfelbe Die anderen endigten mit der Behauptung; die Welt ift Zahl, weil ihnen das, wodurch ein Ding als vom anderen u nterfchieden es konft ituiert wird,
Bank
nicht
bei de aus
nächft
wa r
Marmor
befte hen —' fonder!n_die_Fgrm,- di e
wohl
durcb die
als reine
Zah in
eine TijHiplatte uad._dne Götterft atue
Rau m^ftaltjerfaßt,_erhält
hre
Fo rpLaber,
zu»
E indeutigkeit_nuf
die wiffenfchaftliche Forfchung noch auf ein drittes
der Befchaffenheit und
dem
Schickfal der Einzeldinge hin,
auf
der un unterbrochenen Veränderung die a llem Wirklichen Es^lag nahe^ auch von diefe r Pofition aus eine Metaphyfik_zu
die Tatfache eignet.
i
können
l.
Die Erfahrung weift
Moment
—
der Stoff
me hr
,
entwerfen und als_GrundwßIen der
Welt
nicht einen
beharrenden Stoff
I
^
noch audi_bgharrßnxle_EQrmen, fondern ein Gefetz der unauf hörlichen
Veränder ung und En twickl ung Als
feine
Betonung des Seinsbegri ffes mit fprüäie/ ein
zu denken.
notwendige Kehrfeite
werdendes
B
ift
muß
fich
nicht
övc ^^-
^^\
jedoch di efer Verfu ch die erneute
führen.
mehr
A
Im Werden ^ftecken Wider* und noch nicht B, und muß 31
i
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
A
dodi zugleich n oA fowohl
A
Ausfage:
wird
nidit exiltieren.
nur ein gleidi
Sein,-
heute
ilt
B
.
als
B
fein^
fon ftjbeftände^ kein Redit zu der
Widerfprediendes darf nidit gedadit werden, kann
Ei n Werden, eine werdende Welt
i_ft
unmöglich^ es gibt
nur das iß, was unwandelbar und unveränderlidijidi
wie
Die Philofophie
und
geltern,
fudit ein
in alle
Sein,
Üwigkeit
die
lein wird,^
Xelbft
wie esjieute
Erfahrung bezeugt
ein
ilt.
Werden
der Dinge,- ein erfolgreidier Fortfdiritt der Metaphyfik hing von der Sinn«
klärung der Begriffe des Seins und
Werdens
von Xenophan es, erhob
ein geleitet
ab.
Di e
eleatifdie Philofop hie,
Befchaffenheit des Seins zum Pro-
die
blem, die d as gefudite Seiende unwiderlpredilidi jinjich tragen rnuß, und
übe rlpannte die ^jomente der Unwandelbarkeit^GradJQligkgit^ Ewigkeit,
im Seinsbegri ff entdedkte^bis er auf die Wirk^ mehr anwendbar war. Herakleitos entwid^elte Problematik des Werdens, bis nur das Werden felbft als Seiendes
g^enauer Zeitlofigkeit, die
fie
lidikeiPder Erfahrung nidit die
übrig blieb, in feiner Raltlofigkeit alles Beharrende als Sdiein flüditigte.
aber kein ein
fidi
ver*
Aus der Alternative zwifdien dem Subftanzialismus, der nur Sein, Werden kennt, und dem nihililtifdien Phänomenalismus, der nur
Werden, aber
kein Sein zuläßt, fanden zunädift dieSyfteme des 5, Jahr-
hunderts und in tieferer Faflung
erft
der Piatonismus den verföhnenden
Ausgleidi.
Neben
der Befinnung auf die Tatfadie d eL_uiiunterbr odienen
änder ung und die Meinung des Wortes Sein
ilt
ein zweites
den Fortichritt d er^SpelgilariQai)gdeutüngsvoILge worden,- das
maß en
bei
wickeln
fich
Xe nophanes
wie bei Herakleitos
von zwei Ausgangspunkten
der^wi flenfchaftlichen Forfchun g, als eines religiöfen Glaubens.
findet.
her,
Ve r«
Moment li5i
für
gleicher-
Weltanichauungen ent-
ak-Konfecpienz und Ablch luß
bew ußte Fo rmul ierung und B egründung
XenophaneFund
Herakleitos find beide weniger
durch die ZulammenfalTung fachwiirenfchaftlicher Erkenntnifle als durch religiös^philofophifche
Intuition
zu ihren Lehren
vom Wefen
der
Welt
Sie haben in den Göttern des Volksglaubens Entfi:ellungen der
gelangt.
Idee Gottes erkannt,- der_eig entlidbe Gott
ilt
für be ide einer,
ift
W
e^ig,
das wahre..Sei-n~dfef^We4t. Siejuchten d en Kern der irklich« und fanden ihn im Göttl iAen. Das ewige Eine, das Problem aller Philofophie, ift ihnen unter anderen Namen bewußt geworden als den Naturforfchern vor ihnen und um fie,- und es ift nur Konfecjuenz diefes veränderten Ausgangspunktes, wenn fie an der abfoluten Subftanz und letzten Urfache alles Seienden andere Beftimmungsmomente entdeckten als die Chemiker und Geologen, Aftronomen und Mathematiker, die ein Vorletztes, die allgemeinften Tatfachen ihrer Sondergebiete, Stoff und Zahl, für das Letzte gehalten haben und zu halten immer wieder in Verfuchung ift
Geilt
keit
geraten.
32
f
r
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
Xenophanes ftammte aus Kolophon in Kleinafien und lebte etwa von 570—480. Mit den Phokäern verließ er, wahrlclieinlidi als Cyrus die Küftengriedien mit dem perfifdien Jodi bedrohte, die Heimat und fudite Als wandernder Rhapfode, arm, aber unbe= fangenen und unbeugfamen Geiftes, trug er in Catana, Meffma und in der Neugründung der Phokäer Elea feine Weitanfdiauung vor, Ihre in
Süditalien
Färbung mus und
eine
neue.
durdi den
erhielt diefe
Kampf
gegen den griediifdien Nationalist
die philofophilHie Vertiefung des Gottesbewußtfeins,
Der Kampf gegen den Nationalismus,
vielleidit
veranlaßt durdi die
perfömidie Unduldiamkeit der Landsleute, genährt durdi die Kenntnis
anderer Sitten und Kulturen,
riditet fidi in erlter
Linie gegen den Polytheis^
mus und Anthropomorphismus des Volksglaubens, die Veruriltaltung der Idee des Göttlidien dürijr^e menläilidien, alTzümenl^ill^ien Taten und Sdiidfale deriijö^r,
)>
Alles haben
Homer
un^TIeliod den Göttern an-
ift, Diebftahl, Eheund alle Rudilofigkeiten.« »Der Äthiope denkt fidi feine Götter fdiwarz und plattnafig.« Er gilt nidit minder dem ausfdiließlid\en Kult von Leibeskraft und Leibesfdiönheit, der in fo vielen nationalen Inftitutionen der Hellenen zum Ausdrud^ kam, zu Gunften einer geiftigen Auffaflung der Kulturziele. »BelTer als Männer* und Roflekraft ift unfere
gehängt,
was
bei
den Menfdien Sdiimpf und Sdiande
brudi. Betrug
Weisheit.«
Zur Philofophie vertieft fidi diefe Weltanlcbauung durdi den Gedanken der Ei nheit al les SeFni. Für die Mileiier war diefe im Urftoff und feiner fpontanen Wandlungsfähigkeit gegeben, die in durdigehendem Zu* fammenhang des Wefens und Werdens alles mit allem verknüpft,- uns liegt fie
IHion in der
fophildien berührt
Bedeutung der Worte: Natur, All.
fidi
Jvlit^ der philo*
die religiöfe Einftellung aul^engfte in der
gemein*
famenTIntenti on auf eine j etz twefentlidie Einh eit alles ^eins^. Gott ift der der Menlcii jund _alk_Wirklidikeit um ihn ftammt. Das QuellT aus 3e
m
religiöfe
Gefühl kulminiert darin, fidi^von dem ewigen Grunde des Seins
umTaßt7^zaigl"lmd"getragen zu willen
.
Ebendi efes Gefühl hat hgj zu* zum religiöfen
nehmgndgf__\/ertiefijn g. ^er_j;eligpJen_ErfaKr^^ überall
Monismus, der nidit Monotheismus zu fein braudit, ge&hrt, Xenophanes gelangte zur Philofophie, indem er das religiöfe Gefühls* Verhältnis bildete,
zum
einheitlidien
Gott und
fein
Weltgrund zu
Verhältnis zur
Welt
begrifflidier Klarheit fo beftimmte,
durdige*
daß dadurdi dem
Bedürfnis nadi einheitlidier Begreiflidikeit alles Seienden genügt wurde, unter fdiarfer Polemik gegen den mit Unredit als Religion ausgegebenen utilitariftifdien
Werkdienft des gemeinen Mannes und die
als Zerrbilder
Gottes betraditeten Sdiutz* und Plagegeifter feines Glaubens, Urgrund^__We f*'" ""d Rpftimmiing alter Dinge iftjGolt. Gott
ift
einer
33
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
ewig, unveränderlich/ »nur
eii;i Gott ift, über allen Göttern der hödifte, weder an Geftalt nodi Stimme den Menfdien vergleidibar.« Diefe A\U
gottheit
ift
wie die Göttergeftalten Homers,
nidit eine individuelle Perfon,
aber nodi weniger ein bloßer diemifdier Stoff, wie die Urfubftanz der Milefier/ er
ift
ganz Auge, ganz Ohr, ganz Verftand, hödifte Madit und
Denkkraft, die fonder
daß Gott Geift
an,-
Mühe
fei,
das All umfdiwingt. Anaxagoras kündigt
zum
wird
Weife gerade von dem Denker, der
phyfik gefagt, merkwürdiger
fidi
erftenmal in der abendländifdien Meta^« die Ver^»
menfdilidiung Gottes fo lebhaft als Entftellung gefühlt und bekämpft hat, Freilidi,
daß
er
audi Geift
fei,-
denn
Gott
diefer
auf der anderen Seite
ift
räumlidi, kugelförmig, nidit, wie derjenige der Bibel,
von der Welt ver^
Icfiieden,
dem
anderen Wefens
als
fondern das All
ihr Sdiöpfer,
fie,
wörriidien Zeugnis des Ariftoteles, nadi weldiem
felbft,-
nadi
Xenophanes »im wahrnahm,
Hinblid^ auf das ganze Univerfum die Einheit, die er an ihm
den einen Gott bezeidinet hat.«
als
Das wahrhaft Seiende In
ihm
find Geift
in einer
ift
alfo nadi
und Materie,
Xenophanes der
vorfiditiger
:
eine ewige Gott.
Bewußtfein und Räumlidikeit
höheren Einheit verbunden gedadit. Das Seiende
ift
eines
und
dem Augen-
zugleidi alles, genauer gefagt, das All, das der Philofoph nadi
wölbenden Himmels als allfeitig begrenzte Kugel Eins und der Gott mit allen Dingen verwadifen,Gott ift das Univerfum, sive deus, sive natura. Die ganze Denkweife ftellt fidi fomit als^inej^eim form des Pantheismus'"dar^"5er Gott und All identifiziert. Freilidi legt Xenophanes feiner Ällgottheit Bewußtfein, Intelli-r genz bei, und gerät fogar in Gefahr, fie perfönlidi zu denken,- deshalb fpredie idi von einer Keimform des Pantheismus,- ein ftrenger Spradigebraudi be-^^
fdiein des
über uns
betraditete.
fidi
Das All
ift
Wort als Terminus auf bewußten G ott kennen.
fdiränkt das kei rien
Gegenüber der Tragweite
m odernere
monifti ldier Syfteme, die
diefer pantheiftifdien
Metaphyfik
was der Gelehrte und Forldier Xenophanes gefunden Geologe gehörte
er
zu den Neptuniften,
meteorologifdie Erfdieinung, kenntnistheoretifdie
z.
B. den
als
tritt alles,
hat, zurück.
Als
Naturforfdier hat er mandie
Regenbogen
riditig
gedeutet, er-
Bedeutung haben einige Fragmente, weldie den Unund Gewißheit betonen, namentlidi
terfdiied zwildien Wahrfdieinlidikeit in
Fragen der Weltanfdiauung. Das Sidiere über die Götter hat nodi gewußt und wird keiner wilfen. Unter den Eigenfdiaften der Gottheit war es neben der Einheit be-
keiner
wurde und fruchtbar fortgewirkt demfelben Zuftand/ nidits wird, und es
fonders die Unwandelbarkeit, die betont hat/
immer verharrt der Gott
vergeht oder bewegt der Gottheit,
34
ift
fidi
in
audi nidits / das All, wie wir wiffen
außerhalb der Veränderung.
identilcfi
mit
W Die Grundlehren der vorfokratifchen Philofophie
Nadi
ob
Xenophanes felbft bereits der abftrakte Gedanke der Einheit des Weltalls als des im vollen Sinne einen Seienden als Kern feines Gottesbegriffes herausgetreten foldien Stellen gewinnt des
Sidier ift^daß
fei.
Wendung
imJFortgang der Spekulation
einen Göttlichen, zur Allnatur,
erTtäuHITche Kraft der Abftraktion ift
als
bei
und
zum
Parmenides
G^iifedite erblidie
Würde
,•
reidien
Ge*
der Funke, an
fie ift
Die
Jahr 500.
eines Opferkönigs trat er
in feinem
an feinen Bru^
der ab, audi fonft verziditete er auf politifdie Wirkfamkeit in der
Es
kratifdi regierten Vaterftadt,
—
ei ne
einen Seienoen. Die^
Plaftik der Darftellung diefes
dem jener feine Fadtel entzündet hat. Herakleitos aus Ephefus blühte um das
fogar
die
fidi
Der
gewiß das Verdienft des Parmenides, aber die erße ahnende
Konzeption desfelben geht auf Xenophenes zurüde
alten
für
zur unperfönlichen Faffung der Alleinhelt vo llzieht.
Gott~wird^um dankens
den Anfdiein,
vielleidit
gezwungen
Anekdoten, die ihn
—
als
ift
nidit unwahricbeinlidi,
demo*
daß er zeitweife
aus feiner Heimat entwidi.
Ob
die zahl*
großen Satiriker der Tat erfdieinen
lalTen,
auf einem editen Charakterzug beruhen, wilTen wir nidit mehr. Seine wilTenlcbaftlidie Stellung verdankt Herakleitos, trotzdem er
fidi
felbft
einen Autodidakten nennt, nidit ausfdiließlidi der eigenen Spekula-
tion.
Sdion die Polemik gegen Homer, Hefiod, Pythagoras, Xenophanes,
Hekataios, Ardiilodios, die durdi die Fragmente bezeugt wird, beweift,
daß durdi die Arbeit
feiner
Vorgänger und Zeitgenoflen audi
feine
Pro-
Wortes
blemftellung mitbeftimmt war,- der belcheidenere Sinn jenes
ift
wohl, daß er zu keinem fdion berühmten Zeitgenoflen in einem perfön* lidien Sdiülerverhältnis
geftanden und feine Löfu ng des Seinsproble ms als
ei ne
empfunden h at. Dal^
originelle Leiftung
danken
in
einem
Werke
vom
Weltall,
drei Teilen
niedergelegt,
er leine philofophifdien
authentifdi,-
vom Menfdien und
Leben und von der Gottheit gehandelt daß er es gleidifam
ift
daß
diefes
Ge-
Budi
in
feinem ftaatlidi*politiIHien
hat, dürfte fpätere
Konjektur
fein,-
Weihegefdienk im Tempel der Diana hinterlegt
als
Legende einer fpäten Bewunderung. Das Budi war in geund bradite dem Autor den Beinamen des Dunklen ein. Erhalten find etwa 136 meift kurze Brudiftüdte, die feit Hegel immer wieder zum Verfudi der Rekonftruktion des Ganzen habe,
ift
fidier
wollt fdiwierigem Aphorismenftil abgefaßt
gereizt haben.
Die Philofophie
fudit ein
foldies?~»Älies^ fließt.«
unwandelbares
In großen
der Dinge auge nfällij^,- aber au3i in de r
Weimer
zu beharren
alles
Sein,-
aber gibt es denn ein
Zeiträumen wlrd""uns flat ternden
Idbeint, fetzt fiejijdit_
aus^n
die'
Sek unde, während fteter,
unmerklidier Verände rung begnfeaifi. alles, a udi der Menfdi. nidit
3
zweimal
Große Denker
I.
in
andlung
wenn audi
Wir können
denfelben Fluß fteigen,_weil er andere WajTer fuhrt •
und 35
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophic
find. Nur das Werden ift. Herakidtos hat nadi AusdruA in der T,phrp vom Fluß der Dinge die Natur elt, diefelbe Entw iddungsprozeß begriffen. »Es ift diefe
wJ£^andere_j[eword[en
Hegels als
treffendem
unendlidien
oder h ervorgebradit, fo ndern
fdi affen
ein
W
aUeJW^^en , wpdpr von einem Gott
für
ewig
lo d erndesl-'euerT
das
fidi
fie
von pin^m Mpnrrfipn
nrtrh
war immerda r^
i ft
nadi beftimmten Maflen
ge^r
un^ wjrd-fdn
felbft
entzündet
Welt Feue r, fo meint er das zu^ nädiit nidit im Sinne des Beftehens aus Feue r, fondern er greift zu dem Bilde der züngelnden, jeden Augenblidc die Geftalt wedileln den Flamme, um~Hre R aftlofigkeit des Gefdiehens z u fymbolifieren und
verlöfdit.«
Nennt
Herakleitos di e
.
ÄTfein Herakleitos
ihn gewilfe Riditungen
Falfung
bei diefer fymbolifdien
ift
und der moderne Gedanke
blieben,
nidit ftehen ge-^
eines fubftratlofen Gefdiehen?, wie
des Energetismus propagieren,
ift
dem
antiken
Denken kaum zugänglidi gewefen. Das Wefen der Wel t ift Werd en, Entwiddung/ aber^s gibt kein We rden ohne_Werdendes/Jiat er die Welt als unaufhörlidien Prozeß Feuer genannt, fo wird jetzt das Feuer Elemen* •Id t
tarftoff
^V
^7
der Dinge, berührt
Der Fluß gegen
alle
der Dinge wird
Dinge.
fidi
Herakleitos mit der Denkweife der Milefier,
Umfatz
aller
Dinge gegen das Feuer, des Feuers
P^^
undJVerdjdimng; zi/^Wadler^
Verdünnun^\c^delt yi
^
ebenfogut
fiA das,F-gfie_ wie3 er in FTüffiges, Luftförmiges
Wege aber finji^eins, d. ji, als jDur digangsftufeJm abfteigenden jwje
Feuri ges zurüde
,-
beide
au^[efeßt_werden. Jedes Einzeln e geht zeugtjidi_aus_ihm,-
Weg
derAbkühlung auf dem~äuntdgendea_Weg .der
Die Wandlung des Weltfeuers führt auf dem
i
mfpr
F euer Te5t~d er Luft Tod
i
und
edes Einzelding kann j
im auffteigendea Weg
p fpinjGpgenirjMjrnd^pr^
und
I^uft
des Feuers, Walfer
Erde lod und Erde deji des Wairersydjerm_der Krieg ift der Pin gp und des Weltalls König Wenn die Welt Feuer ift, wenn Weg und Gegenweg der Wandlung ^ gleidi find/ dann find im Grunde alle Dinge Eins, wie in der Lehre des lebt der
Vater
aller
.
Xenophanes. In zahlreidien Fragmenten wird mit
einer fiditlidien
diefe Alleinheit variiert,
Vorliebe für Paradoxie übertrieben.
ftreben wird Vereinigung,
Das Entgegen^
wie die abftändigften Töne der Scala die
voll-
kommenfte Harmonie ergeben. Es ift immer ein und dasfelbe, was in uns wohnt: Lebendes und Totes, das Wadie und das Sdilafende, Jugend und Alter, Und wie bei Xenophanes erldieint das einheitlidie All als Gott. Gott ift die Identität der Gegenfätze, coincidentia oppofitorum. Gott ift Tag und Nadit, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Überfluß und ''^
Mangel.
Es
bedarf nadi der ganzen
Denk weife
der Vorfokratiker nidit der
ausdrüdtlidien Verfidierung, daß der Feuerftoff des Herakleitos mit
36
dem
,
'
Die Grundlehren der vorfokratifchen Philofophie
Feuer nidit identifdi ift, durch diefes hödiftens fymbolifiert, vertreten Unbezwei feibar wird diefe andere Bedeutung, wenn man die Stellen »denkt, die das Weltfeuer als Leben, Seele und Vernunft bezeidinen,_ Bereitsln dem oben ausführlidi zitierten Fragment war das Feuer nidit lur Stoff der Dinge und allgemeines Symbol ihrer lebendigen Veränder- „> lidikeit, fondern audi die Kraft, die fidi felbft entzündet und verlöfdit und zwar nadi Maßen, d. h, gefetzmäßig, nadi einer ewigen und vernünftigen lil(fien
ird,
Ordnung, Als Prinzip der Gefetzmäßigkeit,
ordnende Weltkraft
als
ift
das Feuer audi Logos.
Zu
der gleidien Folgerung führt die heraklitifdie Pfydiologie. In den!
Weltprozeß,
in
Wandlungen und Rü(kwandlungen
die
audi der Menlch, feine Seele mit eingelchloflen,feuer,- die
Lebens wärme, die
erftarrten
Wärmefülle des
dem
mit ift
um
fie
dem Körper
durdi die Sinne, durdi die
fie
mehr
fo weifer, je
die trockene Seele
fie
rnm
kehr
Fpiip^ ÄiiffrftfbiTng
find unfere Seelen tot, in
der aufJT)a
und
T,f>h<>n
uns begraben,
leibliche
we nn
w
Urftoffs in fich
ir
So
fteht.
W<>ltf<>iip^rs dip
Sie
fidi trägt,-
als Ri'ifk^
lange wJr leb en,
fterben, leben
die Seel e, diefe ijQ_den Leib dngelchloITene, in ihm.
wohnende P artikpl d <>g
^
von unmündigen
Tod bedeu te t
d(>r SppIp-
ift
dem Weltfeuer,
Verbindung
in
Betrunkene läßt
Kindern führen, des Zieles unkundig. Der
des Feuers
Feuer vom Welt^ ftammt aus der un-
aus
fidi
Atmung
von dem Feuergeift des
die befte,- der
ift
ift
mitteilt,
erneuert
Sie
All,
fie
Quelle der Erkennt nis
ift,
fie
w ie^
zu Gaft
fo
dürfen
|^
wir djg, Überli eferung des Hippolytos glauben, nach der auch das Welt-I feuer ein vernünftiges Prinzip
eine,
Weltvejnunft war, Stoff der Welt j
und
zugleich geiftige Urfache ihrer
Heraklits Philofophie
Gru ndvorftellung
ift
die,
ftellt
fich
lofen
das
Gelchehens
um
Wort ift
nun
ein Bild
.
in
Gefetzmäßigkeit,
folgendem Aufbau dar: ihre
Werden, Fluß, daß es fie in diefem Sta dium Aber der kühne Gedanke eines fubftrat*
daß die Welt
Beharrung und Beharrendes n icht p!?.y^?Xt J"^ ift
Ordnung und
gibt.
xirrjoig fei.
Nennt
der ganzen Denkweife anfangender WilTenfchaft zu
und konfecjuent durchgeführt werden zu können. So wir d hinter dem Weltprozeß doch auch ein Weltftoff gedacht, auch Feuer genannt, nicht die irdifche Flamme, ein allgemeinerer Wärmefto fremd,
rein feftgehalten
ff,.
der abkühlend, erftar rend die übrigen Subftanzen entftehen läßt, nicht n ur die_im enger en Sinne materielle Welt, fondern auch die Organismen, das
Leben, die Seelen, die Vernunft, der deshalb felbft Geift, Vernunft fein muß, dadurch Erzeugun gsprinzip der Opfpfr-m ä ßiglcpit und Ordnung Der ^X^ltgrund
ift
j^eiftig .
Wir haben die metaphyfilchen Gedanken zufammenhängend voran« geftellt/ zu dem gleichen Ergebnis führt uns die Analyfe der erkenntnis* theoretifchen
3«
„^
er
und
ethifchen
Fragmente.
37
j^
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
Gewiß
daß Herak leitos im Erkennen
ift,
riAt läBFuns vermuten, daß
^
ein
Problem fah/ keine Nadi^
^ilelier ün3~älteren Pythagoreer auf ihr
wilTenlchaftlidies Verfahren reflektiert, über das Verhältnis von Sinnes^ '.Wahrnehmung, Denken und Sein nadigegrübelt haben,- fie überließen fidi naiYJ^er_in_ail?tn_ Denken enthaltenen JRiAtung auf Gegenftändlidikeit,
W
irklidikei t.
Diefen Standpunkt hat Herakleitos nidit verlaflen, aber audi
den felbftverftändlidien eingenommen. Das Selbftbewußt^
nidit einfach als fein
des Autodidakten
in
einer wiHenfdiaftlidi fdion regen Zeit, das
fidi
mit anderen Meinungen von Autoritäten und Majoritäten auseinander-
wurde der Quell der Erkenntniskritik. Denken und Erkennen ausgefag t? Er eugnet Was zunädilt: die Wahrheitsfahigkeit der Sinne,- Augen und Ohren lind fdiledite Z eugen für die Befdiäi^nheit der Realität, Freilidi muß, wer erkennen wiWf Aijggn und (31iren aufmädien, von der eigenen Er fahrung aus= fetzen mußte,
hat er nun über das
'(
^
gehen,
das
ift
l
mit harter Befehdung des bloßen Glaubens an Qberlie--
ferung und Volksmeinung gefagt
—
fo könnte mandie — abeF das Sinnesdatum felbft
nodi keine Erkenntn
u nd wenn die gaiiz e Welt zu Raudi Dinge dodi nodi mit de r Nafe unterfdieiden,
würde,
ift
'
d en, der aus Sinnesdaten feele hat.
Logos,
in
nidit riditig
zu
Erkenntnis hat alfo ihre Quelle nidit
theorie dreht
fidi
Die Vernunft
um
das
Wefen
den Sinnen, fondern im
in
Die Grundfrage der
der Vernunft.
die Si nne trügen
i s,
fdiließen weiß, der eineJBarbaren^
heraklitifdien Erkenntnis--
diefer Vernunft.
diarakterifiert ein
Fragment
als allen
MenlHien gemein-
fam, bei allen Menfdien identifdi, (naoi ivvov} offenbar in latenter Ent-
gegenfetzung zu einem anderen, intellektuellem Verhalten, das individuell ift,
zum Glauben,
einfiditslofen
Annehmen, zur bloßen Einbildung, die als Damit ift zugleidi gefagt, daß der
Fallfudit des Geiftes gefdimäht wird.
Logos, der allen Menfdien gemeinfam
ift,
denken bedeutet, fondern audi das Refultat
nidit bloß
des von verldiiedenen Menfdien Gedaditen.
man könnte
mißverftändlidi,ftehen, in
die Fähigkeit
Audi
diefe
nämlidi darunter diejenigen
FalTung
ift
nodi
Gedanken
ver-
denen die Menfdien von jeher ausnahmslos übereinftimmen, die
Wahrheiten der
ratio
communis. Allein von
Sätze können wohl Irrtümer
fein,
und wenn
allen
MenlHien geglaubte
»bei allen Menfdien identifdi« ein
Kriterium der Wahrheit, ein Kennzeidien der editen Erkenntnis fo
M.
zu
foldier Denkarbeit, die Identität
fein foll,
kann es nur die Allgemeingiltigkeit der wahren Urteile bezeidinen. a,
W, wenn
die
Menldien
wirklidi
denken
—
nidit
dem
Sdiein der
und Perfonifikationsneigung oder Phantafie zum Opfer fallen — dann fdieint es gerade,
Sinne, den Verführungen der Analogie
den Einfällen ihrer als
ob nur ein Geift
identilch.
38
Und
in
den vielen Menfdien
es fdieint nidit nur, fondern
dädite,- ihre Refultate find ift
fo,-
denn der
Geift, die
Die Grundlehren der vorfokratifAen Philofophic
wahrheitsfähige Denkkraft
ilt
in
Menfdhen
allen
tatfädilich
identifch,
Teil des einen göttlidien Feuergeiftes, der waltet fo weit er will beherrlcht.
Welt,
Wie
ein alles
wir bei der Darftellung der Naturphilofophie gezeigt
war das Feuer
haben,
und
zugleidi Stoff
und Leben,
Seele, Bewußtfein der
etwa bloß unbewußte Gefetzmäßigkeit.
nidit
Der fpäte Beriditerftatter Sextus hat zwar unter dem Einfluß ftoifdier Gedankengänge die heraklitifdien referiert, aber idi glaube nidit, daß er ihre wefentlidie Tendenz verfälfdite,- und fein Beridit lautet: »Diefe gött= lidie Vernunft ziehen wir durdi die Atmung in uns herein und erlangen dadurdi Bewußtfein, daher wir im Sdilaf uns felbft vergelfen und beim Erwadien wieder zu Bewußtfein gelangen,- denn im Sdilaf IHiließen fidi die Sinnesöffnungen und der Geilt in uns wird von der Verbindung mit der Außenwelt abgefdinitten, fo daß der Zufammenhang nur durdi den Atmungsprozeß wie eine Art Wurzel erhalten bleibt, und der Geilt in feiner Ifolierung die Gedäditniskraft, die er vorher befaß, einbüßt. Beim Erwadien wiederum büdit fidi der Geilt durdi die Öffnungen der Sinnes^ Organe wie durdi Fenfterdien hinaus, tritt in Verbindung mit der umge= benden Welt und erlangt dadurdi die Erkenntniskraft wieder, Ähnlidil wie die Kohlen, wenn fie dem Feuer nahe kommen, fidi wandeln und glühend werden, wenn fie fidi aber von ihm entfernen, erlölchen, fo gefdiieht es audi, daß der in unferen Körpern zu Galt wohnende und aus der umgebenden Welt ßammende Anteil
\
ifi:
ein Lidit an,
So hängt cngfi:e
,•
um
fidi felbft
^
zu beleuditen fagt Sdiopenhau er.
Heraklits Erkenntnistheorie mit feiner Naturphilofophie aufs
zufammen. Die Allgemeingiltigkeit der Erkenntnis wird zum Anlaß Konzeption oder umgekehrt, das metaphyfifdie Prin-^
einer metaphyfifdien zip der in allen
Menfdien
retifdie Einfidit
der Allgemeingiltigkeit als Kriterium der Wahrheit nadi
fidi.
gleidien
Weltvernunft zieht die erkenntnistheo=
Die gemeinfame Vernunft hat
fidi
als
ein zugleidi erkenntnistheo-
und metaphyfifdier Begriff ergeben,- verwunderlidi gewählte Wort infolge feiner foziologifdien Nebenbedeutung retifdier
danken
feines
Urhebers
felbft
ift,
daß das
in
den Ge-
nodi Verwirrung angeftiftet hat.
Wenn
der
ohnehin mifanthropifdi geftimmte Philofoph die Eigenbrödelei der Menfdien in Urteil
und Handlung rügt und
zu folgen, fo hat er dabei
dem Gemeinfamen von der Allgemeinheit gefetzten
es für Pflidit erklärt,
fidierlidi
die
39
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
Maximen im Auge, den Glauben und die Sittlidikeit der Menge, des fozialen Ganzen, in dem der Einzelne lebt. Wenn er den fozial Ifolierten mit dem Träumenden vergleidit, der feine eigene Welt hat, während die Wadienden fidi an diefelbe Welt der Wahrnehmung wenden, fo liegt und Anfdiauungen der So wird die gemeinfame
darin die gleidie Hodifdiätzung der Grundfätze
Gemeinfdiaft gegenüber
dem
Individualismus,
Vernunft, urfprünglidi die für
Individuen gleidie Denknotwendigkeit
alle
und Denkkraft, umgedeutet Geheiligte, gefallen
in das von der Gemeinfdiaft Anerkannte und ohne daß dem Philofophen diefe Sinnänderung als foldie auf=
ift.
Wenn Heraklits Anfdiauungen über das Wefen der Vernunft audi nidits weniger
als eindeutig find, fo
ift
Protagoras zufammenftellen und
Er
hält fidi dabei
es dodi unverftändlidi,
zum Ahnherrn
an den Satz, daß
wie Piaton ihn mit
der Skepfis madien kann.
alles fließe, die
kennen ftreben und wir, die Erkennenden, und
Welt, die wir zu er=
folgert
daraus die
Un-
möglidikeit einer Erkenntnis, denn Erkenntnis fetze Beharren eines Iden-^ tifdien
voraus.
Allein der Satz
vom Fluß
die Metaphyfiker der Subftanz.
»Alles^
der Dinge riditet fließt.«
gibtJkski- ftibfianzielles Sein-^-aber -diefer-^Satz felbft fteht
Herakht Satz heit,
nur
i ft
editer
»Alles
:
Dogm atiker. Der
fließt«
fidi
nur gegen
fagt Herakleitos, d feft,
ift
h. es
.
wahr,-
dem Wahr-
Sophift dagegen verbindet mit
den erkenntnistheoretifdien Sinn
;
es gibt keine
nur wedifelnde Meinungen, und darf audi diefen Fundamentalfatz als unverbindlidie
Die kleitos
Meinung
religiös^ethifdien
mit Xenophanes
Glaube an das perlonTTdien
einführen.
Lehren zeigen vollends die Bereditigung, Herazufammenzuftellen.
eine unwandelbare Seiiv
Geift^
fallen
vermag,
In
wenn
er
fo hat er fidi
Xenophanes glüht der Gott nodi
un-
nidit als
dodi über den Götzen^^
glauben und Götzendlenft der Volksreligion erhoben. Indem Herakleitos die.
^
Ewigkgi^^^uhdjJ"^^^^^
das]^WeItfeuer als
Einheit des
Pantheismus wie d er
Weife
will nidit
nannt werden,
und
zum
Ahnhe rr will
W
^^s
Werdens
oemerfaßt
efens unterlegt, gefangt-^r
zum
,
ihr
gleidien
der eleatil3ien Sdiule: Eines, das allein
dodi audi wieder mit
gleidien
als
Kampf
dem Namen Zeus
ge-
gegen die anthropomorphen Götter
und Heroen und den Werkdienft an ihnen wie jener: fie beten zu den Bildfäulen wie wenn einer mit Gebäuden Zwiefpradi halten wollte. Die ethifdien Fragmente find nidit widerfprudisfrei. Sidier war Herakleitos kein Eudämonift,- beftände Glüdt in der Luft, fo müßte man audi die Odifen glüddidi
preifen,
wenn
fie
Erbfen zu
die Quinteflenz der Sittlidikeit befteht, feits
gebietet die Pflidit,
ift
freflen finden.
Worin
aber
nirgends eindeutig gefagt, Einer^
dem »Gemeinfamen zu
folgen«, d.
h,
fowohl dem
Weltgefetz wie den fozialen Geboten, auf der anderen Seite kann er
40
fidi
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
von dem fagen
individualiftilchen Ideal der ariftokratifdien
und
veraditet die
Nodi weniger fteht,
daß
alle
ift
Menge,
die fdiledit
ift,
Herrennatur
voIIgefrelTen
nidit los*
wie das Vieh.
ihm der Widerfprudi bewußt geworden, der darin be*
Seelen aus
dem Logos ftammen, und dodi und
eine ungleidie
Geahnt hat Welt Vernunft ift, woher das Unfinnige, Vernunftwidrige, das Übel und die Sünde? Herakleitos antwortet mit dem Nadiweis, daß die Wertbegriffe erft der menfdilidien Wertung entfpringen, nidit im fubftantiellen Sein der Welt gründen. Bei Gott ift alles Ichön und gut und geredit,- die Menlchen halten Einiges für Fähigkeit zur Erkenntnis, Freiheit er das hier liegende
geredit.
Anderes
foviel hinter
Problem.
Wenn
für ungeredit,- die
Sittlichkeit befitzen.
die
Menfdien aber ftehen
der Einfidit
in
Gott zurüd^, wie der Knabe hinter dem Mann,
Die
eleatifche Schule.
Herakleitos hat die erfahrungsgemäße Veränderlichkeit der Dinge kon^ fecjuent durchdacht,
und mit dem Satz ^efcbloflen, d aß_das Weltwefen felbft fein muß. Relative Dauer und Ruhe er*
Veränderung, Entwicklung
wie er überhaupt den ftrengen
fcheinen iTim dadurch nicht ausgefchloflen,
Begriff der abfoluten ftetigen
Bewegung mehr geahnt
als analyfiert hat.
Die logifchen und ontologifchen Schwierigkeiten diefes Grundbegriffes werden zum vorwärtstreibenden Motiv. Das Seiende kann nicht ein Werdendes fein,- mögen die Sinne Veränderung und Genefis bezeugen, das
Denken
non
datur,-
A
erlaubt nur die Disjunktion:
man kann
nidit fagen:
A wird. wo
ift
oder
ift
nicht,
Das Wort »Sein«
tertium
fchließt
un*
von wahrem Sein geredet werden. Es find die mit dem Namen der phokä* ifchen Kolonie Elea in Süditalien verknüpften tiefften vorplatonilchen Spe« kulationen des Parmenides und feiner fpitzfindigen, freilich mißverftehen* den und bereits auf den Geift der Sophiftik hinweifenden Interpreten Zenon und MelilTos, in denen das von Herakleitos und Xenophanes ins veränderlichen
Beftand
ein,-
überall
er
fehlt,
kann auch
nicht
Rollen gebrachte Problem bearbeitet wird.
Parmenid gs aus Ele a war durch den Umgang mit Pythagoreern, von denen Ameinias namentlich bekannt ift, für die Befchäftigung mit gewonnen worden,- von auslchlaggebendem Einfluß aber wurden feine Theorie knüpft jedenfalls an den Grund* gedanken des Xenophanes an, während feine Lebensführung, bei den Grie* dien ebenfo fprichwördich wie die des Pythagoras, wohl durch die Rein* heit und Einfachheit feiner pythagoreifchen Lehrer ihr Gepräge erhalten hat. Vornehmer Abkunft hat er übrigens über der Philofophie keineswegs Philofophie die
Lehren des Xenophanes,-
die Hauptbelchäftigung des griechilchen Adeligen, die politilche
Wirkfamkeit
41
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
veraditet oder vernadiläffigt,- er wird der Gefetzgeber feiner Vaterftadt
Im ganzen Altertum war
genannt.
Denker,
er als
Stilift
und Charakter
hodi angefehen,- Piaton hebt die gewaltige Tiefe desEhrfurdit einflößenden
Mannes
hervor.
Als Quellen erfter Linie
die
um 504
Die Blüte des Philofophen wird
angefetzt.
kommen
für die Kenntnis der ^eleatifdien Philofophie
Fragmente
vollftändige oder angefangene Hexameter,- dann,
zu benützen, die Beridite und Polemiken
in
Parmenides im ganzen 163
für
in Betradit,
wenn audi mit
Vorfidit
der angeblidi ariftotelifdien
in
und
Kampffdirift de Xenophane, Zenone, Gorgia
in
einigen platonifdien
Dialogen.
Parmenides hat den Gedanken der Einheit, Unwandelbarkeit und un-
Kern des Gottesbegriffes Xenophanes ausgemadit, ohne mythologifdie Einfdiläge rein konzi= piert, ohne theologilHie Floskel ausgedrüdtt. Die Grundgedanken und der Aufbau feines Werkes können nodi rekonftruiert werden,- idi fdiidte desperfönlidien Geiftigkeit des Seienden, der den bei
halb der Darftellung der Lehre eine Skizze der Ardiitektur des Gedidites
voran,
freilidi
unter Verzidit auf den bis auf die Zeit des Stoikers Kle^
anthes einzigartigen Sdiwung des Ausdrudks.
Den Eingang
Sonnenmädchen geleiten den Wagen zum Tor, das Tag und Nadit fdieidet.
bildet eine Fiktion
auf feiner Erkenntnisfahrt
bis
:
EingelalTen in das Tagreidi der Erkenntnis fteht er vor der Göttin der
Wahrheit, die ihm beides enthüllt/^der wohlgerundeten Wahrheit unerlüiütterlidies Herz und der Sterblidien Wahngedanken, ihn auch die Methode der Erkenntnis lehrt, den Sinnen zu mißtrauen und alles mit dem Denken zu prüfen. /An diefes, in glühenden Bildern Ichwelgende Proömium, in welchem fidi das Selbftbewußtfein eines Denkers ausfpricht,
der der Philofophie einen neuen Pfad weift,
Der
erfte
Teil entwickelt
vom
Seinsbegriflf
fchließt fidi
dann
die Lehre.
aus das Seiende und feine
Merkzeichen, der zweite Teil refumiert und wertet das Wirklichkeitsbild der Erfahrung. Bei der Darlegung des Inhalts diefer beiden Teile möchte ich
mich an den inneren
Zufammenhang
m^entierend die einzelnen '
Die Philofophie
gibt,
unwiderfprechlich fich
ftrebt
einen metaphyfifchen
tragen
feftfteht,
mußy Das
Fragmente
der
Gedanken
halten, nicht
nach Erkenntnis des Seienden,- ob es ein folches
Kern der Welt, kann
erft
gefragt werden,
welche Befchaffenheit das Seiende
Seiende
als folches
muß
fein,
muß
Zeugung, daß nur das Seiende
ift,
kehrt deshalb refrainartig
Die Über« immer wie-
42
Was
ift
damit gefagt?
ift
nicht.
wenn wir Der einzelne
Diefe Sätze verlieren das Tautologifthe des erften Eindrucks, heißt fein?
an
alle diejenigen
der, meiftens ergänzt durch den Gegenfatz: das Nicht-feiende
was
wenn
als folches
Beßhaffenheiterr befitzen, die im Begriff des Seins gedacht find.
felbftdenkend fragen:
kom-
begleiten.
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
A
Gegenftand »ift«
»ift« rechts
groß und
und
dem Maßftab,
nidit« groß, je nadi
»ift
nidit« rot, je nadi der Phafe feiner Exiftenz,- er
/Weldies
endgiltig?
kann
es
ift/
ift
wie es
unmöglidi, daß es nicht
ift
änderte es
ift/
wäre
fo
fidi,
vorhandene Qualität
die vorher
die
fidi
denn der Gegenftand nun wirklidi, dauernd und der Sinn des Seins? Parmenides beftimmt ihn fo,
ift
daß es Veränderung und Wedhfel, Anfang und ift,
rot und »ift Farbe einbüßen,
»ift«
feine
Angefidits foldier Relativität erhebt
anders angeftridien werden,
Frage: wie befdiaffen
dem Standpunkt,
nidit« redits, je nadi
»ift
Wir von unferem Standpunkt
Ende
ausfthließt,
was fo ift, ift Änderung eben
fei/
die
nicht
zum
fo
und
/
Was
bleibt fo,
daß
ein Beweis,
Sein des Dinges gehört hat.
aus dürfen bezweifeln, daß
man
Dinge, J
deren Sein berechtigt
zeitlich
Das
aber für
ift,
Sein
ift
die in feinem
kommt
er
lofer
Da uer und
Identität
d ie
Indem Parmenides
die einzige Beftimmtheit des Seienden.
Momente
fubftanzialifiert,
Merkmalen des Seienden. Das Seiende ift nur eine Wirklich keit, und diefe ift auch in lücken-
nu merifch
Q ualität, hom ogen.-
Kontinuität von einerlei
Daß
zeitlofe
im Seins begriff.
allen weiteren
des Seins gibt, zu./
deshalb als wefenlofen Schein zu betrachten
extremen Seinsbegriff enthaltenen
zu
eines/ es gibt
ift,
Parm enides waren
Momente
wefentlichen '
begrenzt
kommt lehrt,
es
nur einen Begriff
Weife allem Seienden etwa vier Wurzeln der Dinge,
in gleicfier
mehreres Seiendes gibt,
es nicht
wie Empedokles
das Sein gradlos
wie
oder viele Qualitäten, wie die Sinne bezeugen,
rief
den meiften Widerfprucfi hervor und veranlaßte Zenon zu Beweifen gegen Spätere Interpreten haben
die Vielheit des Seienden.
Seienden enthymematifch abgeleitet
:
Gäbe
es
etwas neben oder außer dem
Seienden, fo könnte es nur ein Nichtfeiendes
man
aber nicht, zu »nichts« kann gibt alfo
nur das
und unzerftörbar, fagen, »es
im
Jetzt/
war« noch, »es wird
Wendung:
es
ift
fein,
ein Niditfeiendes
es
ewig
man kann von dem Seienden
nicht
fein«,
nicht entftanden
ift
niemals das Prädikat »fein« fetzen, es
eine Seiende. /Wie es eines
als folches
zeitlos
die Einheit des
fondern nur »es
ift,
ift
ift«/ in polemilciier
oder gefchaffen aus Nidits./ßsÜLszans-
un d qualitady^Jicnfiantr-^inef- wohjgeru^^ verglejAb arT weldie fich v om Mittelpunk te aus gleichm äßig^ kontijnuierlicii mit gleicher Kraft entfaltet und abichließt. Mänkann fich des Eindruckes nidit erwehren, daß diefe mehr formalen dellos, (quan titativ
^
Frage nach feiner Quali« im Unklaren laßen/ diefelben Merkmale haben auch die Milefier für
Seiten des Abfoluten uns über die entfcheidende tat
ihren doch wefentlich materiell gedachten
Weltgrund
Xenophones aus dem Zwiefpalt zwifthen
reklamiert.
perfönliciier
Und wenn
und unperfönlicher
FalTung feines Gottes auch zu keiner eindeutigen Sdilußpofition kam, daß er
—
wie Herakleitos
fein
Weltfeuer
—
feinen einen
Gott ganz Geift
43
'
/
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
und Denkkraft nennt,
wenigltens die Riditung an, in der er die
zeigt
Audi hierin ift ihm Parme^ Ablehnung aller mythologifdien Per-fonifikation des Weltgrundes, Das Denken lehrt uns, wie etwas befdiaffen fein muß, das in Wahrheit feiend genannt werden kann,- es muß alle Ver-^ gänglidikeit und Veränderlidikeit abwehren,- das Denken verbürgt uns Qualifikation des einen Seienden gefudit hat,
nides gefolgt, aber mit entfdiiedener
zugleidi, zeitlidi
daß es
ein foldies Seiendes gibt,
und unwandelbar
Itets
den Begriff des Seins, der über-
denfelben Sinn hat/ Die in der Anfdiauung
der Sinne erfaßte äußere Erfahrung gibt kein Seiendes,- Unwandelbarkeit findet fidi audi nidit in
allgemein
und
den pfydiifdien Erlebnilfen, fondern nur
zeitlos giltigen Erkenntnilfen der
Vernunft,
Von
den
in
da ge*
und nidit einwandfreien Wege zur Qualifikation des Seienden als geiftig und vernünftig. / Weil nur Unwandelbarkeit_wghrgs_S^in_iIt, von allen Dingen aber nur die Begriffe_d er Vern unft fi di als unwandelbar e rweifen — was wahr — fo muß das Seiende partizipieren an der ift, ift ein für allemal wahr Natur der Vernunftbegriffe, felbft Vernunft, Geift fein, »Denken und Sein find dasfelbe«, »das Denken und dasjenige, worauf als Ziel das Denken fidi bezieht, find eins/ Die Worte find nidit eindeutig. Gemeint langt er auf einem
ift
fdiwer verltändlidien
freilidi
zunädift die Tatfadie, daß das Seiende ja den gegenftändlidien Inhalt
des Denkens bildet.
Dem
Lo^
Giltigen oder Riditigen in der Sphäre des
gilHien korrefpondiert das Seiende, Beftehende in der
Sphäre der Gegen^
und Sadiverhalte/ Sdiließlidi fdiält fidi dann als letzte Faflung her^ daß dasjenige, was wir denken, das Allgemeine, bei aller Verfdiie^
ftände aus,
und Zeiten
denheit der urteilenden Perfonen, Orte
Seiende
ift/
Die metaphyfifdie
Wendung
das Seiende, weil es ein Gedadites dadites Identität fein
muß. Das Nämlidie, das
Es
find
fehr
ift,
und Unwandelbarkeit Idiwierige
Identifdie
vollzieht
nur
eben das
dann dadurdi, daß
in feiner Eigenfdiaft als
befitzt, ift
Identifdie,
fidi
Ge-
notwendig audi Denken
fowohl Denken wie Sein.
Überlegungen nötig, wie
fie
erft
-
durdi die
neuefte Entwidilung der Phänomenologie der Erkenntnis möglidi wurden,
um
Verkennungen und Unterfdiiebungen aufzuzeigen, die fidi hier Wir muffen die Wahrheit oder G'iU Urteilen, die Riditigkeit von Begriffen aufs fdiärffte trennen tigkeit von von dem Beftehen der gemeinten Sadiverhalte und der Befdiaffenheit der gemeinten Gegenftände, und diefe Beftände wieder abheben, unterfcheiden von dem Real-fein der Gegenftände und Merkmale. Die eigenartige Be^ Ziehung des Denkens auf das Sein fdiafft nidit das Sein und verändert es nidit, fdiließt audi nidit Wefensgleidiheit des Denkens und des Seins ein. Das Sein, das im Denken erfaßt wird, ift durdiaus nidit Realität im Sinne die
mit riditigen Einfiditen verfdilingen.
der Erfahrungswillenfdiaften.
44
Die Grundlehren der vorfokratifchen Philofophie
Parmenides
.
begrifF
ift
was unter
diefen Seinsbegriff
die
ilt,
wej die^das in
Welt
ift
alle,
weldie
der Erfahrung für Wirklidikeit halten, Unre3if audi ^le,
Werden
Es
was von
was Veränderungen
werden. Unre dit haben
für Wirklidikeit hallen,
wie Herakleitos. Die Welt^
der es VielReTt, UnterI3iiede, Veränderung und
Sdieinwelt.
Seins-
dasjenige,
das Sein derjenigen Dinge,
alfo darf audi all das,
zeigt, nicKt als objektiv wirklidi gefetzt
einfadi die
Nur
intendiert.
entbehrt damit der objektiven Exiftenz.
Itrengen Seinsbegriff ausgefchloITen
VeränderungerT zeigen,
Im
Seinsbegriff aus.
Ewigkeit
hat audi objektives Sein,- das
fällt,
diefem Seinsbegriff ausgefdiloilen
Von dem
vom
das Seinsproblem
löft
Identität, Wandellofigkeit,
ift
Werden
gibt,
ift
eine
vor allem diefer Widerfprudi gegen das Weltbild der
man
Erfahrungswilfenlchaften, den
aus deFPKitofophie des Parmenides
heraushörte, der den Fortgang der Spekulation beftimmt.
Jm
zweiten TeineinerNaturphiLofophie behandelt er diejvailgärjc^phyila
kalifdie
Auffaffung des
Seins,- dabei fdieint er einen
dem Gegenfatz
des
Warnieh undKalten nadigeBiTdeten Doppelurfprung der empirilHien Dinge aus Lidit und Finfternis angenommen zu^ haben, vielleidit den Luftraum und die Sdiwere der materiellen MalTe. Mit diefen beiden Prinzipien^ent* widtelt er eine fdiwer verft ändlidie Kosmogonie einander umfdiließeadßr Hohlkugeln, in der die Erde als Mittelpunkt zunädift v£)a der Luft, diefe. vomT'ixfternhimmel, diefer von e inem reinen Feuerkranz umfdiloffen gedad\t_a^r. Audi die organifdien Wefen find Mifthun^en aus Wärme und Kälte. Und endlich fdheint er, ähnlidi wie Empedokles, Piaton und Theo^ phraftos, audi die^Wahrnehmung durdi die Wjrkfamkdt döL Ulßoff^.gr* u m uns wahr, klärt zu haben Das Warnie_yi_jumj_nimmLJas.WJa^ und alles Seiende hat eme gewilfe Erkenntnis. Wir wiffen heute, daß er mit diefer Kosmogonie nur »der Sterblidien Wahngedanken« darftellen .
:
wollte, aber leider überliefert kein kalifdie
Weltanichauung widerlegt
Ein Rückfall aus der
Fragment, wie
er diefe vulgäre phyfi^
hat.
Metaph^fik
in die Naturwiffenfdiaft hat fidi bei
den AusläuSrn der eleätiSien Sdinle Zenon und_Mdil]^s_ vollzogen, Ihre Lehren enthalten nidits Neues,- fie wollen ftrenge Beweife für Parmenides entwidceln, und haben ftanden.
So
find ihre
bar, in der Gefdiidite der
Mann,
genauem Zufehen,
völlig
ein blind endigender
nadi der Sdiilderung Piatons ein
Abweg. ftolzer,
eine kampffrohe Natur, als pfydiologifdier
Vorläufer der Sophiften.
Er
mißver^
obgleidi nadi anderer Riditung frudit^
Metaphyfik
Zenon aus Elea war gewadiTener
ihn, bei
Gedanken,
hodi^
Typus
ein
wollte mit feiner Sdirift den Spöttern über
Parmenides mit gleidier Münze<^heimzahlen, und den Nadiweis erbringen,
daß der nai ve Glaube an eine Vielheit des Se ienden und an die Bedingungen derfelben, die Realität
von Raum, Zeit und Bewegung nodi
lädierlidier
45
^1
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
Man muß
als die Einheitslehre.
fei
aus diefer intellektuellen Radieftimmung
Es
heraus die fdiarf gefpitzten Argumente verftehen.
ift
nidit unbegreif*r
weshalb ihn eine fpätere Zeit zu den Erfindern der Dialektik redmete.
lidi,
Als Kämpfer
zu Grunde gegangen, wie
er fdiließlidi
ift
es fdieint in eine
politifdieVerlchwörung verwickelt. Seine Standhaftigkeit unter beifpiellofen
Qualen wurde hodigerühmt. Seine Hauptzeit liegt um 460. Parmenides hatte von dem_An_fidijer Welt gefprodien, ve ränderliche Einheit ge nannt. Zenon
ende eines
griff
das
Wort
auf,
es eine
un=
daß das Sei^
aber er verftand es von der empirifdien Welt, die
fei,-
den Sinnen zugänglidi
der Erfahrung
in
Der Beweis, daß Raum, Zeit und Be-
aufbaut.
fidi
es in diefer empirifchen
Welt weder
wegung
angefidits der Anfdiauungstatfadien nur mit
So«
dialektifcben Bedeutungsverfcfiiebungen erbringen laffen.
So
gebe, kann
phismen und berechtigt es
fidi
An
das
ift,
fidi
der
Vielheit nodi
Welt
als
raum= und
denken, wie Kant gezeigt hat, fo
falfth
dem
Wirklichkeit
Wirklidien
metaphyfifdi
die
wird
zeitlofe
Einheit zu
diefe Pofition,
wenn man
der Naturwiffenlchaften
fubftituiert,
Zenons berüchtigte Beweife find in kurzer Skizze folgende. 1, Es gibt keine Vielheit. Gäbe es vieles Seiendes, fo müßte es der Zahl nach end* lieh und unendlich fein,- endlich, weil es doch nur fovieles Seiendes gibt, als es gibt/ unendlich, weil zwifchen den einzelnen Teilen immer wieder Seiendes ift, m. a, W, weil das Seiende als Continuum unendlich teilbar
Aus
ift.
diefem Widerfpruch
nur eines
Das Argument
ift.
belchaffenheit
ift,
daß das Seiende
folgt,
überfieht,
daß die Zahl
nicht vieles,
fondern
ja gar keine Seins-
Maß^ Menge
fondern auf einer Relation zu einer willkürlichen
einheit beruht,- es
ift
alfo auch kein
Widerfpruch,
wenn
diefelbe
mit der einen Maßeinheit gemeffen, unendlich, mit einer anderen endlich wird.
muß
Wenn
vieles
weil jedes Einzelne, keit
Argument gegen die Vielheit, und unendlich groß fein,- größenlos klein, Einheit zu fein, unteilbar fein muß. Unteilbar^'
lautet ein zweites
nicht
befitzt
,•
unendlich
groß,
weil
es,
um
über*
Ausdehnung haben muß — das Ausdehnungslofe ift nichts, jede Ausdehnung aber aus unendlich vielen Teilen befteht, eine
fein,
—
unendliche gibt.
um
das Größenlofe
nur
haupt zu ift
ift,
es zugleich größenlos klein
Summe
Die Fehler
Gleichfetzung des
ausgedehnter Teile notwendig ein unendlich Großes er*
Argumentes liegen auf der Hand: die Wefens der Einheit mit der Unteilbarkeit und diefer
diefes zweiten
mit der Größenlofigkeit, dann die Behauptung, daß unendlich Vieles auch unendlich liehen
die Reihe
Summe 46
Großes ergeben muffe. Daß eine unendliche Reihe einen end=
Wert
nicht überlchreitet, gehört heute
i + i+i+
•
•
-
zu den Elementareinfichten
büßt ihre Unendlichkeit nicht
niemals größer fein kann als der endliche
Wert
,-
ein, obgleich ihre 1.
Die Grundlehren der vorfokratifchen Philofophie
2.
Es
gegen unter
gi bt
dile
keine
Bew egung. Nach
Realität der
Bewegung
Verkennung der Anfthauung,
Zenon 4 Be weife
Ariftoteles hat
beruhen
gerichtet,- fie
Raum,
die uns
daß
alle darauf,
Zeit,
Bewegung und
Qualität als Continua gibt, die gedanklidi möglidie unendlidie Teilbarkeit reale unendlidie Geteiltheit, in ein Beliehen aus unendlidi vielen
in eine
Teilen umgedeutet wird. Die
Eine Bewegung kann
Argumente
nidit
dem Ichnellfüßigen Denn um eine audi nodi
Sdiildkröte vor
werden.
der bewegte Körper
erft
Vorfprung, wie ihn die
ein
Adiilles voraus hat, niemals eingeholt fo kleine Stredte zurückzulegen,
muß
die Hälfte derfelben durchlaufen haben, vorher
die Hälfte der Hälfte ufw. ift
lauten einzeln folgendermaßen:
beginnen,-
Zur Bewältigung
A rgument
Das
aber eine unendlich lange Zeit erforderlich.
daß eine Raumftrecke^ die^wir_gedanklich
unendlidi vieler Strecken
Unendliche
ins
überfieht,
teilen
können,
doch eine abgelchlofle ne Größe befitz en,^ eine^eitltrecke, ebenfo unendlich teilbar,
S ekunde nkürze haben kann, daß wir
alfo die
zum Beginn
der Be-
wegung, zur Einholung des Vorfprungs nötige »unendliciie« Zeit zur Verfügung haben.
Der
fl
iegende Pfeil ruht,
feiner Fluj^ze it
denn
jedem Augenblick
er b gfindet fich in
an einem und nur einem
O
rt
feiner
Flugbahn, an einem
Ort
fein heißt. aber ruhen. Draftifcfier treten die Verkennung des Sinns Bewegung und das Spiel mit Worten in dem Fangfpiel hervor, das den gleidien Zweck verfolgt wie der fliegende Pfeil. Bewegt fidi ein Ding in dem Raum, in dem es ift? Sagt man ja, fo wird gefolgert: dann be-^ wegt fich das Ding nicht, denn in feinem Räume fein heißt ruhen. Sagt man nein, fo wird gefolgert: alfo bewegt fich das Ding in einem Raum, in dem es nocii nicht ift. Diefe Möglichkeit wird als einfichtig unfinnig abgelehnt, und refumiert: alfo bewegt fich das Ding überhaupt nicht. Indem
der
hier
Raum und
Zeit, diefe allerdings gedanklich bis ins Unendliche teiU
baren Continua
in
Diskontinua umgedeutet werden,
barer, aber diskreter
der anfchaulichie Sinn der
Übergang
Ein
ift,
entfteht die
und
Argunient
letztes -
läuft"
Bewegung verkannt
wird, die kontinuierlicher
bekämpft die Bew£:gung du rch die unfinni^e
dem ganzen
ruhen,- er läuft
dagegen
in
der Zeit
y
Ein Abftänden
glei ch fein müfle.
an einer~Reihe von anderen Körpern mit gleichen
einer gegebenen Gefamterftreckung in der Zeit
Körper
Reihen unabzähU
Aporie des Fangfpiels.
Konfecjuenz, daß der halbe Zeitablch nitt
Körper
in
Elemente mit Zwilchenräumen, und indem überdies
t
vorbei,
wenn
diefe
an ihnen vorbei, wenn
fie,
felbft, fich gegen ihn bewegen, Zenon Zahl der Körper, an denen in beiden Fällen
mit gleicher Geldiwindigkeit wie er läßt hier gefchickt die gleidie
vorbeigelaufen wird, als Gleichheit der durchlaufenen Strecke erfcheinen.
47
,
— Die Grundlehren der vorfokratifdicn Philofophie
3.
Es_g|bt keine Wahrnehmungsqualitäten, Ein Hirfekorn bringt
durdi feinen Fall kein Geräufdh hervor,- wie kann ein Sdieffel Geräufch
Wie können 10000
Vorgänge fidi zu einem Sdiall Wunder der 10000 Nullen, die addiert plötzlidi eine reelle Größe ergeben follen? Das hier liegende Problem, von Leibniz wieder aufgenommen, hat erft in der modernen Pfydiologie der erzeugen?
fummieren?
geräufchlofe
das nidit das
Ift
Audi
Sd\ wellenwerte eine Löfung^gefunden.
nur
Raum und
kann
Zeit,
in
eine beliebige Qualität, nidit
denkender Analyfe
unter die
zerftüdct,
Größe der Wahrnehmbarkeit aufgeteilt werden, ohne daß das anfdiaulidie Phänomen fidi jemals aus unanfdiaulidien Atomen zufammenfetzen läßt. Zenons Tendenz ging dahin, die naive WirklidikeitsauffalTung, Viel* heit, Bewegtheit und Veränderlidikeit des Seienden zu zerfafern und in Aporien fidi felbft ad absurdum führen zu laflen. Der Weg, den er ein* Kants Antinomien,
erinnert an
fdilug,
realer Vielheit
und
realer
gleidi wahrfdieinlidi zeigen
Bewegung
Vorausfetzung
entgegengefetzte Möglidikeiten als
zu können meint. Seine Abfidit war, dadurdi
Lehre des Parmenides von dem Seienden
die
er unter
infofern
als
einem unteilbaren Ganzen
zu nutzen/ Allein er mißverfteht das Seiende des Parmenides
felbft,-
er
würde fidi nidit die Mühe gegeben haben, fo zweifellofe Tatfadien wie es Raum, Zeit, Bewegung und Vielheit in der Erfahrungswelt find, nur als Sdiein, als Täuldiung nadizuweifen, w enn er n idit im Grunde die Erfahrimgs^Äarklid^^^ -für__das jron^arrneni des gemeinte Reale ge halten hätte/
An,de m
Probl em, das Parmenides eigentlidi^ offe n gelafTen hat, iß
er unfehend vorbeLjj^ggangen in
Raum,
Zgit^ -Vielheit,
ni enldilidien
.mS""
nämlidi wie ein räum- un3 zeitlofes
:
und Veränderung
—
erfdieinen
E rkenntnisorganjTation.
An
fidi
kann infolge der
Der letzte Vertreter eleatifdier Sdiul Weisheit war MeliffosausSamos, Athen im Jahr 441 über Perikles und Sophokles gefiegt hat. Der Inhalt feiner Sdirift ift eine unoriginelle, ftarrfinnig konfequente Syftematifierung der Grundge« nadi Plutardios derfelbe, der im Kriege der Samier gegen
danken des Parmenides.
Es gibt ein vom Bewußtfein
feine Exiftenz
Seiendes,-
ift
keine Illufion,
auf das Sein dient zu feiner Reditfertigung,-
wäre, wie kämen wir dazu von einem Seienden zu reden? ift
aus
ewig,- es
dem
kann
etwas geworden eben fdion
nidit
—
Nidits
fein«
exiftiert.
notwendig wieder exiftiert
aber nidit
Seins vor.
48
angefangen haben oder entftanden
»wenn
—
nidits
Es kann oder
fein,
weder
war, könnte unter keiner Bedingung
nodi aus einem Seienden, denn dann hätte es
ein foldies
^,
der Sdiluß
wenn nidits Das Seiende
audi nidit aufhören zu
entweder
in
Seiendes
ins
—
Nidits
fein,
fein
und dann
weil diefes
muß
—
liegt kein
Ende
das Nidits
Ende
des
:
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
Aus
der zeitlidien Unendlidikeit folgerte
er,
dem
unter
Einfluß der
Doppeldeutigkeit des Wortes unendlidi, die räumlidie Unermeßlidikeit
»wie das Seiende immerdar
ift,
fo
muß
es audi der
Größe nadi unend*
lidi fein.«
Weil das Seiende unendlidi ift, kann es nur eines fein,- zwei Unend* würden fidi gegenfeitig begrenzen, alfo aufheben. Die Einheit
lidikeiten
des Realen wird, wie fdion bei Parmenides, nidit nur numerilHi, fondern
audi quahtativ verftanden, als unveränderlidie Gleidiartigkeit,
muß
wie es gerade
fein,
ihm von Anfang
die Eigenfdiaft befitzen, die wir
es darf nidit umlchlagen oder anders ift.«
Wenn
werden, fondern
das All
fidi in
»Jedes
Ding
beigelegt haben,
muß immerdar
10000 Jahren
um
fo
Haares*
würde es im Lauf der ganzen Zeit zugrunde gehen. Das Seiende ift bewegungs* und veränderungslos, bildlidi gefprodien: leidlos und vollkommen,- es kann ihm nidits fehlen, worüber es Sdimerz empfinden, was es durdi eine Bewegung, Veränderung und Entwiddung breite veränderte, fo
erft erreidien
müßte.
Fragment fudit dem Seienden, das ausdrüddidi als ällund räumlidi unendlidi hingeftellt worden ift, die Körperhaftig* »wenn das Seiende Didte befäße, befäße es audi Teile keit abzufpredien und wäre fomit nidit mehr Eines.« Daß damit nur die Tiefe geleugnets Ein
feltfames
erfüllend
:
fein foll, die fidi
das
Wek alsFlädie behauptet,
Argument gegen
ift
unwahrfdieinlidi,- vielleidit riditet
die allzu wörtlidi verftandene Kugelgeftalt des
daß das
Einen,- es bleibt audi die Möglidikeit, nidit ftofFlidi gedadit war,-
wie
allerfüllende leidlofe Sein
aber, wilTen wir nidit.
Den pofitiven Teil ergänzt audi bei MelilTos die Widerlegung der Sinne. »Gäbe es viele Dinge, fo müßten fie die EigenlHiaften haben, die idi von dem Einen ausfage. Gäbe es alfo Erde, WalTer, Luft, Feuer, Eifen, Gold, Lebendes und Totes, Sdiwarzes und Weißes, fo muß jedes von diefen Dingen die Eigenfdiaften behalten, die wir
muß
jedes
immerdar
fo fein
ihm
gleidi
wie es gerade
ift.
anfangs beigelegt haben und
Aber das Warme wird
das Harte weidi, das Lebende tot und nidits fdieint
fidi
dauernd zu
kalt,
gleidien,
Berührung mit dem Finger Daraus ergibt fidi, daß es nidit wir fehen und hören, fondern daß unfer Blidt fidi
fogar das Eifen wird trotz feiner Härte in
abgerieben und ebenfo Silber und Gold. die Wirklidikeit
ift,
die
täufdit.«
Daß
MelilTos ähnlidi wie
als metaphyfifdi
Zenon
feine Wirklidikeit
mehr
phyfikalifdi
verftanden hat, das wird befonders daraus deutlidi, daß
er die früher fdion anklingende Identifizierung des Niditfeienden mit
dem
leeren Raum, des Seienden mit dem Vollen, der MalTe vollzogen hat und fo den Atomismus, diefe vorzugsweife von der Phyfik aus entworfene Welt*
anfdiauung vorbereiten
half,
49
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
Die naturphilofophilchen Syßeme des
5. Jahrhunderts,
Die milefifche Naturphilofophie hat den Gedanken eines hinter den Dingen liegenden Seins konzipiert und das Werden in der Natur als reale
Verwandlung des einen Seienden in verfdiiedene Aggregatzuftände, Qua= htäten, Dinge und Individuen begriffen. Diefer Prozeß der Verwandlung war von Herakleitos mit Hartnädiigkeit als das Grundgefetz des Welt^ gefdiehens ausdrüd
Wenn
begriffs
audi die Konftanz der Qualität.
muß es Menge
nadi weder vermehrt nodi vermindert werden kann.
es ein Seiendes gibt, fo
ebenfo feiner Belciiaffenheit nadi unwandelbar
wie es
fein,
feiner
So wenig
aus Niditfeiendem Seiendes werden kann, fo wenig aus Nidit-fo Seiendem
Es
So^Seiendes,
ein
galt nun, die qualitative
Konftanz im Begriff der
Subftanz feftzuhalten und dodi die empirilcben Dinge nidit zu leugnen, fondern zu erklären.
Das war
die Situation der griediifdien Philofophie
das Problem, das drei ziemlidi gleidizeitige Denker
:
im
5. Jahrhundert,
Empedokles, Anaxa-
goras, Demokritos in ihren Syftemen zu löfen unternahmen.
Um
die Veränderungen und ohne das urfprünglidi Seiende felbft in andere Qualitäten umfdilagen zu laffen, waren mandie Wege denkbar,- man konnte die Verfdiiedenheit der vielen Dinge,
Verwandlungen zu
erklären,
unitarifdi
wie Thaies, Anaximenes, Herakleitos dem Seienden eine Qualität
beilegen
und
dem
Eintritt des
der
Maja
halten,
für Sinnes-
zuftandekommend
erft
mit
wahrnehmenden Menfdien,- man konnte den Anaximan=
drifdien Subftanzbegriff, der vertiefen,
Welt
die Vielheit derfelben in der empirifchen
täufdiung, für den Sdileier der
dem Seienden
Atomismus kann
als
pofitive Qualitäten abfpridit,
eine derartige
Löfung
gelten,-
man
konnte eine befdiränkte Anzahl qualitativ konftanter Elemente annehmen
und
die übrigen Qualitäten als
Mifdiung
diefer Urqualitäten in
immer
anderer und anderer Proportion darfteilen, fo wie die unendlidie Mannigfaltigkeit
der Farben
erzeugen
läßt,-
fdiiedener
waren
in
fidi
aus der fehr kleinen Anzahl von Grundfarben
man konnte
eine unendlidie Mannigfaltigkeit qualitativ ver-
unveränderlidier Elemente zugrunde legen.
modem-intuitiviftifdien Löfungen, nadi weldien es
Qualität nennen, nur
um
Erkenntnisvermögen das unverkennbare
50
Kaum
gangbar
der Zeit vor Piaton die eigentlidi idealiftifdien, kantifdien
An
fidi
Riditungen handelt,
in feiner
der
Welt
in
fidi
bei
denen das menfdilidie
Eigenqualität gänzlidi unbekannte
beftimmt.
und
dem, was wir
und
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
Der Agrigentiner Emp^dokles <490—430> nigungspriefter keiten der
und Wanderlehrer
in
Sizilien.
wirkte als Arzt,
ReU
Asketilche Eigentümlidi-
Kleidung und Lebensweife haben die Autorität
feiner Perfön=
Wunderlegenden fdion bald die Glorie des Göttlidien um fie gewoben. In einem Fragment nennt er fidi felbft einen verftoßenen Gott. Ganz in Fabeln verborgen ift fein Ende. Er (chrieb zwei Lehrgedidite, »Über die Natur« und »Weihegefänge« betitelt, von denen größere Brudiltüd^e erhalten find. So war fein eigentlidies Gebiet die re= ligiöfe Tröftung, Entfühnung von Blutlcfiuld und Götterfludi, die Stärkung der dürftigen Menfdien durdi den Glauben an das Gute, an das prophe^ zeite Glüdi, an fidi felbft und nidit zuletzt an ihn. Aber er war zugleidi bekannt mit dem Problem der Philofophie und hat felber philofophiert. Aus der Tatfadie einer religiöfen Grundanlage erklären fidi die Eigentümlidikeiten feiner Philofophie, ihre Einkleidung, ihre aus Wertungen lidikeit gefteigert,
entfprungene Ausgeftaltung, Letzte Elemente aller Wirklidikeit gibt es vier, von ihm
felbft
Zeus,
Hera, Aidoneus und Neftis, von Laertius Diogenes Wafler, Feuer, Luft
und Erde genannt.
Sie find das wahrhaft Seiende, ungeworden, unzer*
ftörbar, unveränderlidi fidi felbft gleidi, allerfüllend.
Vielleidit
ift
die Vierzahl der
Elemente nur durdi Zufammenfaflung der
vorangegangenen Meinungen des Thaies, Anaximenes, Herakleitos, Xe* nophanes entftanden,-
vielleidit liegt
audi eine Verallgemeinerung gewilTer
Zuftände der Körper vor: des Feften, Gasförmigen, Naffen und Trod^enen, wie fpäter Ariftoteles die Lehre fortgebildet
dem
hat,-
aber wahrfdieinlidier
ift
Anfdiauung der audi vor Andadit betraditeten Unendlidikeit des Sternenhimmels, des Luftraumes, des Feftlandes und des Meeres zur Vierzahl der Elemente geleitet hat. Über der Gleidiheit der Namen: Feuer, Erde, Wafler und
bei
ihm mit
religiösgeftimmten Denker, daß ihn die
religiöfer
Empedokles mit den früheren Naturphilofophen zur Bezeidi^ nung der Elemente verwendet, darf man aber den grundlegenden Unterfdiied der Bedeutung nidit überfehen, Diefer befteht in der Entfeelung der Luft, weldie
Materie,- nidit
Worten
mehr Analoga
voll inneren
Lebens, fondern die mit den
budiftäblidi bezeidineten irdifdien Stoffe felbft find gemeint.
unbewegt, von fidi aus nidit fähig, Dinge und Individuen zu verwandeln.
diefe Stoffe find tot, paffiv,
zu ändern,
fidi in
Die Dinge der Erfahrungswelt
find die unendlidi vielen
fetzungen, Mifdiungen, Kombinationen diefer Urqualitäten. vidualität beruht auf der Proportion der gemifditen
wie bei den Pythagoreern, und
wem
Und
die Geftalt
ZufammenIhre Indi*
Elemente,
ift
Zahl,
nodi der Kontraft zwifdien der
Vierzahl der Elemente und der Vielzahl der konkreten Dinge die über-« zeugte
4
Zuftimmung
Große Denker
I.
erfdiwert,
dem wird
als
helfende
Analogie der
51
Die Grundlehrcn der vorfokratifdien Philofophic
Mifdiung unzähliger Farbennüancen und Zwilchen färben aus vier Grundfarben geboten.
Mit der Konzeption qualitativ unveränderlidier toter UrftofFe war die Bewegung, der Anftoß zum Kreislauf der Mißlungen und Entmifdiungen ein felbftändiges erlch wertes Problem geworden. Der Hylozoismus hatte WalTer, Luft, Feuer felbft lebendig gedadit, als fidi wandelnde Wefen-^ heiten/ das war für den von der Konftanz der Qualitäten überzeugten Sdiüler der Eleaten eine Unmöglidikeit geworden,- die Materie entbehrt felbftändiger Bewegungsfähigkeit
von
eine
Mehrheit
foldier Kräfte.
und braudit den Anftoß von außen durdi
mit ihr nodi nidit gegebene Kraft oder eine
ihr verlchiedene,
Da
wird die Kenntnis der menlcblidien Dinge,
der biologilchen Tatfadien und die religiös-diditerifdie Einfühlung in das
Naturgefdiehen wegeführend: Gleidiartiges fudit fidi/
Aus
Vericliiedenes
und Gegenfätzlidies
flieht fidi,
der Liebe entfpringt Verbindung,
Glüdi und das Gute
Und
Leid und Böfes.
in
der Welt,- der
fidi,
verträgt
entzweit
fidi,
fidi,
liebt
haßt
fidi.
Aufbau
höherer Einheiten, das
Haß
Zerftörung, Sonderung,
ift
immer weiter von den menIHilidi= fozialen, den biologifdien Tatfadien auf das Allgemeine der Natur fdiweift, erfdieinen Liebe und Haß, die verbindenden und trennenden Impulfe als die Triebkräfte des Naturgefdiehens überhaupt. Liebe und Haß find die Kräfte, die aus den Elementen die Welt fdiaffen, fie felbft nidit etwa indem der
Blid^
Eigenfdiaften der Elemente, Funktionen derfelben, fondern felbftändige
Wefenheiten, felbftändig neben
dem
und gegeneinander, zwei ver* Wirkungen einer einzigen Kraft. Anfängen ethifdi gefärbt und von Stoff
l
So
erfdieint,
religiöfer
(dion
Stimmung
in
leinen
getragen, der Dualismus in der Philofophie, nodi un^»
Keim. Eine durdigehend feftgehaltene Anfidit über Befdiaffenund Wirkungsweife dieferKräftevermiflen wir nodi. Bald erfdieinen fie den vier Stoffelementen fremd, fpäter in der Zeit entftanden, wenn audi dann unfterblidi, auf die paffive Materie von außen ftoßend,- bald ift die Natur der Elemente letzte Inftanz für Anziehung und Abftoßung, indem das Ähnlidie fidi fudit, daß Unähnlidie fidi flieht, Liebe Verwandfdiaft und Haß Fremdheit ift und dann notwendig ebenfo ewig wie die Qualität fein muß. Bald bewegt fidi die Beldireibung in Worten und Beifpielen, die uns an die Tatfadien der Attraktion und Repulfion in Phyfik und Chemie denken laffen, bald wieder erfdieinen Sympathie und Antipathie als edit
klar, erft
heit
pfydiifdie Innenzuftände der Dinge, die
Panpfydiismus,
wenn wir
nidit
ganze Denkweife
als eine
nur die Lehre, daß Alles Seele
Form
ift,
des
fondern
audi die andere, daß Alles Seele hat, Panpfydiismus nennen dürfen.
Mit den
vier
Elementen und den zwei bewegenden Kräften haben wir Empedokles das Univerfum erklärt.
die Prinzipien gefunden, mit denen
52
Die Grundlehrcn der vorfokratifdien Philofophic
die Urlchöpfung, durdi weldie mit
den anderen kosmifdien Körpern die
Erde wird, die Entftehung der Organismen des Menfdien,
fdiluß
die
auf der Erde, mit Ein^
Wahrnehmung und Weil
Menichen, das Sdiidcfal feiner Seele.
das
Leben des
geiftige
nur Prinzipien
er nidit
londern audi eine ins Detail gehende Erklärung der
aufftellt,
Welt aus
diefen
Prinzipien anftrebt, haben wir ein Redit, ihn als naturphilofophilchen Syfte-'
matiker zu bezeidinen. In großen Grundzügen hat diefes Syftem folgenden Inhalt. Das Erße und Ewigvorhandene, die vier Elemente, das Material des Weltbaues liegt
ungefondert, reglos, in ringsum herrfdiender Einfamkeit
da,- die tote
MalTe einer Kugel, der Sphairos, harrt des Anftoßes zur Entwicklung.
Man
beginnt das Spiel der Kräfte. heit/
denn wenn
die Kräfte gleidi
beadite die Unfidierheit
ewig
find
wie der
Stoff,
Dann
und Unklar* was hindert
von Ewigkeit her zu wirken? wie war der Sphairos möglidi? Und der Zeit entftanden, woher, woraus kamen fie? Diefes Spiel der anziehenden und trennenden Kräfte wedifelt gefetzmäßig^periodifd» lie
find fie in
im Weltall/ überwiegt die Liebe, verfdiwindet Individuation
und
fo gleidien
Urftadium des Sphairos. Beginnt der
Streit
das Feuer haßt die Erde, diefe die Luft,
—
fidi
das Verlchiedene
ftrebt
dem
ausein*
wjr erinnern uns an die Ausfdieidung der Gegenfätze aus
Unendlidien des Anaximandros, Der Luftraum entfteht Leiditefte
das Weltall
— Vater der Dinge und König
— dann regt der Gott die Glieder,
des Weltalls hieß er fdion bei Herakleitos
ander
die Unterfdiiede aus,
fidi
Einzelheit, nähert
an die Grenzen ftrömt, das All eiförmig
zuerft,
dem
indem das
abläiließend,- gleidifalls
Höhe ftrebt das Feuer, im Luftraum zur Geftirnwelt fidi verdiditend und durdi den Drude bei feiner Eruption aus der Mafle des Sphairos das Himmelsgewölbe in Drehung fdiwingend. Die IHiweren Stoffe Erde und WalTer bleiben nodi ungefondert als maffiger Mittelpunkt, fdiwebend zur
in
der raftlos kreifenden Luftfdiidit.
Die Sdieidung auf dem Erdball
in
Waffer und Land
ift
bereits fe*
kundäre Sdiöpfung; unter der Glut der Sonne von außen und eines Glut* kerns im Innern, deflen Exiftenz aus fdilolfen wird, fdiwitzt die
Meere
Erde,
felbft
warmen Quellen und Vulkanen er* zum Feftland erftarrend, die falzigen
aus.
Zu Land und Sdiöpfung
fort.
Wafler
fetzt
die Liebe, die Ähnlidies mit
zen entfprießen
der
Haß
Werk
fein
Aber allmählig beginnt, namendidi
dem
Ähnlidiem paart,
feuditen Feftland unter .
in
ihr
dem
der Sdieidung und
der organildien Welt,
Gegenwerk:
die Pflan*
Strahl der Sonne, be*
Wefen, gemifdit aus Feuer, das aus dem Erdinnern im aufreditea Stamme dem verwandten Feuerhimmel zuwädift, und Erde, die in den Wurzeln zur dunklen Tiefe fidi fenkt. Aus Erde, Feuer und Waffer feelte
53
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
formten
ficfi
in
den
erften geologifdien Perioden audi die einzelnen Glieder
der Tiere, und des Menfdien, Sdiultern, Köpfe ohne Hälfe, Augen, Hufe,- unter
dem Gebot
der Liebe fuditen
fie
Arme,
nadi Vereinigung und bil*
detenMifdigefdiöpfe, einer ovidifdienPhantafie würdige Zwitter, bis Idiließlidi in
einem letzten Anlauf die Synthefis der heutigen Gattungen und Menlchen-
raffen gelang
und
Vorentwürfe dem Ausfterben überantwortet wurden. fidi im Kampf ums Dafein, in denen fidi die Ur^
die
Diejenigen Gebilde erhielten
in zwedcmäßig anpalTungsfähiger Proportion gemifdit hatten. Jede Gattung fudite fidi Aufenthaltsort und Lebensweife, die zu ihrer Zu^ fammenfetzung paßt, WalTer, Land oder Luft. Wir müITen AriftoteleS zuftoffe
ftimmen,
wenn
er in diefer kraufen Phantafie einen
Vorläufer der Theorie
Arten durdi OrgananpalTung erblidct. Die heute bekannten, fiegreidi angepaßten Formen der Tiere und des Menldien erhalten fidi unter dem Einfluß der Gefdileditsliebe. Der Untereiner allmähligen Entwid^lung der
Ichied des Gelchledits felbft
Die Zufammen^ Süden das fdiwärzere,
durdi Mifdiung bedingt.
ift
fetzung der einzeln erzeugten Glieder bradite im feurigere, männlidie Gefdiledit,
im Norden das kühlere Gefdiledit der
Frauen hervor, und heute nodi hängt das Gefdiledit davon ab, ob der Embryo in einem kälteren oder wärmeren Sdioß getragen wird. Selbft pfydiifdie Differenzen der Temperamente und Begabungen führte er, wenige ftens nadi Theophraftos, auf Mifdiung der Elemente im Blut zurüd^, die Begabung des Redners auf glüdilidie Elementenmifdiung in der Zunge, die des Künftlers auf foldie in
den Händen.
»Aus
vier
Elementen
ilt
Alles zufammengefügt und angepaßt,- mit ihnen denken, freuen und ärgern fidi
die Menfdien.«
Mit
feinen Prinzipien glaubt
fpannen zu können.
Empedokles audi das
fpezififdie
Reidi des
Sdiid^fal feiner Seele
um=
Ein eigentümlidier Zwifdiengedanke verbindet
diefe
Menfdien, feine Kultur,
feine
Werte und das
Probleme mit der Naturphilofophie im engeren Sinn. Mifdiung und Ent-^ mildiung
terreftrifdier
Körper
vollzieht
fidi
durdi Ausflüfle, Ablöfung klein*
und Eintritt derfelben in die nadidem Poren und Ausfluß in Größe und Form zueinander paflen, vollzieht fidi diefe Mifdiung leidit, wie bei Wafler und Wein, oder fdiwer wie bei Walfer und Öl. Freilidi find die leeren Poren ein Nidits, das nadi feiner Grundanfdiauung nidit exiftieren kann,- aber fter
Teildien von der Oberflädie des einen
Poren des anderen,-
je
diefe Inkonfequenz er weift
fidi als
fehr fruditbar zur
gelungen, das Magnetismus, nidit zuletzt der
Theorie der nadi
Wahrnehmung
dem Ähnlidien
das im Menfdien
ift,
ftrebe,
ift
Erklärung der Spie*
Wahrnehmung. Für
feine
der metaphyfifdie Satz, daß das Ähnlidie
der Ausgangspunkt.
erkennt, durdis
Auge
Das
und Feuer, Kerzenflamme
Lidit
ftrahlend wie die
durdi die Glasfdieiben der Laterne, Lidit und Farbe der Umwelt,- das
54
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
Gehör
ilt
eine gleichbeltimmte fleilchige Glod<e, die durdi die eindringen-
den Sdiwingungen der objektiven Töne rudisempfindung
kommt
handenen gleidieA Stoffe haben
fidi
Ge*
Refonnieren kommt,- die
Dinge mit der Luft audi zum Wiedererkennen befähigte
eingefdinuppert und, wie die feine,
Witterung der Jagdhunde
und Getaft
zum
zuftande, indem AusflüITe der
zeigt,
durdi die
in
der Nafenliiileimhaut vor*
werden,- analog werden Gefdimadc
identifiziert
Die von den Dingen ausgehenden AusflüITe zu elektromagnetilclien Bebungen fubÜmiert, die Poren
interpretiert.
heute bis
zu mikroskopifdi nadiweisbaren Nervenendungen verkleinert, und
Lehre von der
fpezififdien
in
der
Energie der Sinne und der adäquaten Reize
nodi ein Rudiment der alten Metaphyfik der Erkenntnis des Gleidien
lebt
durdi das Gleidie
Von dabei
einer
freilidi
—
was uns
trauifdie Vorfidit
wird
die Quelle, die Sinne audi die Kontrolle der
Lehre anmutet,
kritilch in diefer
ift
ift
— durdi*
nodi wenig zu fpüren. Die Sinne find für Empedokles
aus konfequent das einzige,
fort.
Kritik der Wahrnehmung, überhaupt der Erkenntnis
Wahrheit
,-
eine gewilFe miß*
gegen das Zeugnis eines einzelnen Sinnes,- der Irrtum
riditig als fallche
Verallgemeinerung erkannt, auf die Einfeitigkeit der
Sinneswahrnehmung und den ehrgeizigen Willen des Menfdien, der mehr behauptet, als er weiß, zurüd^geführt.
Mit diefer Naturphilofophie hängen
die religiös^ethifdien
Lehren des Em*
pedokles nidit nur durdi die Perfon, die geiftige Grundftimmung des Urhebers
zufammen, fondern audi durdi gewilTe Konfequenzen. Liebe und wie es
tradit find ift
die
audi im Sdiid^fal der Seele die entfdieidenden Kräfte.
ganze Seelenlehre durdi einen inneren Riß entzweit,-
fleht er
im Menfdien
nidits als
dem Feuer
nidits als ein
als
Produkt der Elemente,
den
Tod
bringt,
das
fidi
durdi eine Art
Als Ethiker und
des Alls nährt.
in
Freilidi
Phyfiologe der Seele
Vorftellung orphifdi*pythagoreildier Myftik.
Zuftand, der zugleidi
Glaubens an
—
die Präexiftenz
Aus
darin verraten
—
-
in
zu dem
der geläuterten
einem urfprünglidi gö
fidi
als paradiefifdier
Hautatmung
Priefter kehrt er
Seelendämon des Volksglaubens zurüdt, wenn audi lidien
oder
Feuer, das den Körper belebend durdiftrömt, das abkühlend den
Sdilaf, erlöfdiend
aus
Haß
den Weihegefängen immer ausgedrüd^t wird, Liebe und Zwie*
in
die letzten
tt
Motive des
Urzuftand des Weltalls
unter der Königin Liebe gefdiildert wird, ftürzt die Seele nadi einem Sprudi
des Sdiidifals, durdi Sdiuld infolge des Streites auf diefe freudlofe voll
Sünde, Unglüdt und Kampf,
allen möglidien Geftalten fterblidier
Erde
um
in läuternder Wanderung unter Wefen immer wieder geboren nadi
zum Göttlidien heimzufinden, Empedokles, dem Wege zum Urfprung, einft als Knabe, Mäddien, Vogel,
dreimalhunderttaufend Hören felbft
auf
Straudi und flutentaudiender Fifdi, jetzt als Priefter
und Seher auf Erden,
55
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
weiß Rat und
Hilfe,
ernüditern, dann
Wafdiungen,
vor allem das
Wendungen wie
zelnen
Gebot,
fidi
von der Sünde zu
wie vegetarifdie Lebensweife, Askefe,
Gnadenmittel
fdiließlidi die
ethifdie
Nadifolge,
Die Allgottheit
felblt
mutet
nadi Erlöfung im Unterfdiiedslofen gefdiaut, an anderen
freilidi
theologifdie Vertiefung der Gottesidee des Volksglaubens:
den Händen
nidit fiditbar,
danken den Weltraum
Eine
nidit greifbar,
ganz
wie eine
den Augen
Geift, der mit fdinellen Ge^^
durdifliegt.
fo komplizierte,
fdiwer zu würdigen.
in ein-
der Sphairos an, im Lidite religiöfer Sehnfudit
unverfälfdit antike Geftalt
wie Empedokles
Seine Wirkfamkeit als religiöfer Tröfter Seine Philofophie der Natur
halb unferes Rahmens.
ift
ift
liegt außer-^
nicht originell,-
von
Parmenides, Alkmaion, den älteren Pythagoreern, von Anaximandros und
den Orphikern nimmt idi nidit
an, in
fehen, der in
Denn nadi
er
ihm den
Motive
auf, affimiliert
fie fidi
—
und dodi
ftehe
erften Repräfentanten eines Philofophentypus
zu
den Ausgangszeiten der antiken Kultur der einzige wird.
der griediifdie Philofoph
tritt,
wie wir nodi fehen werden, der Reihe
in verldiiedener Geftalt auf, als
Weifer, wie ihn die Legende
fdiildert
und etwa Sokrates vollendet darftellt, als Forfdier und Gelehrter mit uni« Tendenz und univerfaler Begabung, wie Demokritos und Ari=^ ftoteles, als Lebenskünftler und fittlidier Reformator, wie die großen und kleinen Häupter der Stoa, als Tröfter und Prophet, ja als Religionsftifter — es ift die Auflöfung der Philofophie ^ wie der Myftiker. Wie die
verfaliftifdier
vorfokratifdie Periode
Philofophie
antizipiert
überhaupt abgekürzt den
und
en
miniature
Gang
der griediifdien
Repräfentanten
jedes
Phi*
lofophentypus aufzuweifen hat, fo audi einen Vorläufer diefer letzten des Philofophen, eben Empedokles. Das Streben nadi Ein* Grundgedanken und konfequenter Ausgeftaltung derfelben in einem gefdiloflenen Syftem haben überhaupt der religiöfe und der metaphyfifdie Dogmatiker gemeinfam. Wer das Ganze feiner Lehre nidit mehr nadizuverftehen vermag, wird wenigftens die zahlreidien Ein*
Wandlung heit der
fälle
und Hypothefen auf den
verfdiiedenften Naturgebieten anerkennen
müflen, die bis in fpäte Zeiten eine anregende Fruditbarkeit entfaltet
waren feine Eleatik und mit riditigeren Vorftellung von Veränderung Überwindung des hylozoiftifdien Monis*
Für den Fortgang der griediifdien Spekulation Bemühung um eine Verbindung des Gedankens der haben.
dem
des Herakleitos zu einer
felbft
und Genefe und befonders die mus von Bedeutung. Durdi beide Taten rüdit er in die unmittelbarfte Nähe des Anaxagoras, der diefelbe Anldiauung vom Werden hat, gleidi* falls zu qualitativ beftimmten Elementen fidi bekennt und im Erften ein Zweites, dodi nidit minder Ewiges aufdedite, ohne die Einheit der Welt zu leugnen.
56
-
Die Grundlehren der vorfokratifchen Philofophie
Der vornehme und reiAe, ganz der menier An axag oras wanderte 463 aus
Heimat nadi Athen aus
und bürgerte
die Philofophie in derjenigen Stadt ein, in der
Wirkfamkeit
der widitigfte
Mann,
Freund
der
kommen,
eines Perikles, Euripides, als
war
er
Er
Che*
fah eine neue Zeit herauf*
von der MalTe des Volkes ßärker und fophiltifdier Zweifminder Philofophie und WilTenfdiaft un* den Mafien des Demos nodi wirkfame
eine Bildungsfdiidit
fidi
wurden, und der
Geift
zu weit*
Forfdier mit Phyfik,
ftiller
befdiäftigt.
Redit und Religion wie nidit
fidier
fidi
der
in
fie
Dreißig Jahre lang
follte.
unter den Angriffen kritikfüditiger Spötter
fdiied, ler
entfalten
der Mittelpunkt der geiftigen Intereflen diefer Stadt,
mie, Aftronomie, Mathematik
I
feiner
gefdiidithdier
fidi
Klazo*
WilTenfdiaft lebende
zum
letzten
erhob.
Der
alte,
Kampf
ftille,
in
gegen die
unpolitiliiie
freiheitlidie, individualiftifche
Mann,
neuen Denkergeneration war,
bild der
Riditung
der in allen Studien das
ein
Gegen*
Naturphilofoph mit befonnener
Beobaditungsgabe, der feine Weisheit nidit auf den Markt trug, aber zur
Rede
mit feinen kühnen Gedanken audi nidit zurückhielt, erfdiien
geftellt
plötzlidi ftaatsgefährlidi,
und der
erfte Philofoph,
der
demokratidien Lebens* und Lehrfreiheit hätte freuen
um
erfte
wem
Überzeugung willen Verfolgte. Wir wiflen Anklage ausging, ob fie ihn felbft oder feinen
feiner
die
Perikles treffen follte, gelautet,
ob
—
in
auf »Gottlofigkeit« oder auf »perfifdie Gefinnung«
vor der Verhandlung oder
er fidi
Athen der war audi der nidit mehr, von großen Freund
fidi
follen,
erft
aus
dem Gefängnis
kam, und Leben befdiloß. SymbolilHi erinnerten zwei Gedäditnisaltäre, dem Geift und der Wahrheit geweiht, an den Grundgedanken feiner Lehre und den Kern feines Wefens, und feine Stele verkündete, daß er dem Ziel der Wahrheit am nädiften ge* kommen fei. Durdi feine mehrfadi bezeugten Sdiriften wurde feine Lehre audi den Denkern der nädiften Generation Sokrates, Demo* kritos, Piaton, Ariftoteles — in authentifther FalFung bekannt, und diefe Größten haben fie mit Eifer ftudiert, mit Ernft diskutiert, mit Auswahl flüditete
fidier
Anaxagoras
in
nur, daß es nidit zu einer Verurteilung
ift
Lampfakos hodigefeiert
fein
—
— Wenn Seiendes
benützt.
weder
entftehen, nodi feine Beldiaffenheit ändern kann,
wie Anaxagoras mit Parmenides glaubt, und wenn die Erfahrung, letztlidi die
riditen,
werden,
Sinne zuverläffig über die Befdiaffenheit des Seienden unter*
dann müfien offenbar als es in
der
Elemente, Urftoffe angenommen
gibt,-
oder, da
fidi
der Begriff der Qualität nodi nidit
qualifizierten Stoffes losgelöft hat, als es in der
Stoffe
Chemie
fo viele
der Sinneswelt unterfdiiedene, aufeinander nidit rüde*
führbare Qualitäten
von dem des einfädle
d. h,
gibt.
Als
einfadi
mußten
alle diejenigen Stoffe betraditet
bei
Erfahrung
dem damaligen Stand
werden, die bei fortgefetzter
51
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
felbft und dem Ganzen qualitativ gleidie Komponente ergeben,- alfo z, B. Gold, deflen kleinfter Teil audi wieder Gold ift, aber audi Knodien und Fleilch, weil die damalige Chemie fie nodi nidit zerlegen konnte, nur Milchungen aber keine Ver^ bindungen kannte, Ausdrüddidi begründet Anaxagoras fein Vorgehen
Teilung, Zerlegung immer wieder fidi Studie, Teile,
durdi Berufung auf die eleatifdie Denkweife. Ausführlidi
zu
veranfdiaulidit
—
hebe nur heraus.
Wer
fehr verkürzt
aus der
aufgebaut werden
handenes
daß
fidi
—
zu
Paradigmata
bei
braudien.
Idi
fein
die verfthiedenen Subftanzen des
Körpers
fefthält,
ift.
Und
da das Brot
felbft ein
Produkt
dem wir Brot madien,
Getreidekorn, aus
zum Aufbau
wie Brot eben
ein
Gemenge aus
Muskeln wieder geldiieden erfdieinenden
verfdiiedenen, in den Knodien,
das
großen
Knodien, Muskeln, häutige Gewebe, Blut, und
ein fdieinbar fo einheitlidier Stoff
Subftanzen
die
das Demonftrationsbeifpiel bei Simplizius
Nahrung
fieht,
audi
nidit authentifdi
fie
daß weder Etwas entftehen, nodi einmal Vor* ändern kann, der muß zu dem Gedanken gedrängt werden,
daran
prinzipiell
wenn und anderen
haben,
Simplizius, Lucretius
er
Iclieint
ift,
müITen audi
die Stoffe ftedten,
der Pflanze dient, ufw.,- die fdieinbar einfadiften
wie Brot, WalTer, Luft
find in
in
dem
im WalTer, Stofi^e,
Wahrheit am meiften zufammengefetzt,- nur
wegen der Kleinheit und Fülle
ihrer Beftandteile erldieinen
fie
einfadi
und
gleidiartig.
Diefe Urftoffe hat Anaxagoras
audi die
Samen
felbft
wohl immer Elemente,
der Dinge genannt,- die päzife Bezeidinung
bildlidi
Homöome-
von Ariftoteles ftammen, der diefen in f e n e r Einteilung der Körper widitigen Terminus palTend audi zur Charak* teriftik der Anaxagoräifdien Philofophie verwendet. Die Homöomerien find nadi Zahl und Art unbegrenzt, unendlidi klein, wenn audi nidit unteilbar, weil rien
es bei
dem Kleinen ein Allerkleinftes nidit gibt,
möglidi
ift/
ihre Qualität
ift
diefelbe
fondern
wie die der
ftets
nodi ein Kleineres
finnlidi
wahrnehmbaren
Gebilde aus ihnen.
Man
hat mit Redit in der Homöomerienlehre eine
gefehen, aber im Gegenfatz zu tiven,
dem
Art Atomismus
des Leukippos gerade einen qualita-
der von jeder, damals nidit zerlegbaren Stoffart unendlidi viele
Mit dem Atomismus läßt fie audi dem Beginn der Weltbildung einen Zuftand des Chaos vorangehen. Die Homöomerien waren alle zufammen, ein Gemifdi, in dem man wegen der Kleinheit der einzelnen Homöomerien und ihrer Verbindung mit allen anderen keine beftimmte Stoffart unterfdieiden konnte,- audi Farbe war Aus diefem Urzu* bei der Mifdiung aller Subftanzen ausgelöldit. ftand entwid^elt fidi der Kosmos,- eine Wirbelbewegung im Innern der Homöomerienmaffe leitet das Werden ein, und den Anftoß zu ihr gibt — Corpuskuli
58
als
ewige Elemente annahm.
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
— der Geift: »Im An* fange waren alle Subftanz'en zufammen, dann bewegte und ordnete fie der Geift «. Die Nuslehre des Anaxagoras ift der umftrittenfte Punkt der vorwir treffen damit auf das zweite Weltprinzip
Es
fokratifdien Philofophie,
ift
nidit riditig,
daß er
blem der Verurfadiung die Formulierung gegeben er fidi mit allen Phyfiologen teilen, der
Er
allenthalben entgegen.
wegung auf
vom
ein
erfte,
muß
tritt
uns
der die Urfadie der Be*
Funktionen der vier materiellen Elemente
und auf
ihnen beftehende
Pro-
Stoff verfthiedenes Prinzip zurüd^führte. Darin ging
ihm mindeftens Empedokles voran, delfen Liebe und Idiaften,
dem
erfter
diesVerdienft
Gedanke der Bewegung
audi nidit der
ift
als
hat,- in
fie
Haß
find,
nidit
Eigen*
fondern neben
wirkende nodi halb dämonildi gedadite Kräfte.
Nidit einmal daß das Bewegungsprinzip etwas mit Vernunft, Geift zu tun
haben muß, des Nus. ift,
daß
ift
ganz
originell,
der Logos des Herakleitos
ift
ein
Worin alfo befteht der Fortfdiritt, über den Ariftoteles
er
Anaxagoras den
erften
Vorläufer
fo begeiftert
Nüditernen unter Trunkenen und
Irre*
Wo liegt der fpezifildie Sinn des Nusgedankens? Der Nus hat eine doppelte Funktion: er fetzt die träge Mafle der Homöomerien in Bewegung und er ordnet Alles. Alles, was fidi da mifdite und abfonderte, kannte der Geift, und Alles ordnete er, wie es in Zu* kunft werden foll, wie es vordem war und wie es gegenwärtig ift. Eine innerlidi planlofe Bewegung der Elementarmaffen befriedigte den Philo* redenden nennt?
fophen nidit/
fie
Idiien außerftande, die Gefetzlidikeit des
Naturgelchehens,
Zwed^mäßigkeit der Einzeldinge, die Sdiönheit des Ganzen zu er*
die
klären,-
und
audi das Spiel haftender und liebender Kräfte konnte nur zufällig
vereinzelt ein fo vernünftiges Refultat ergeben.
aus, als geftaltet
wäre
es nadi
worden,
es Wirklidikeit
als
Das Weltall
wäre
wurde.
es
Das
Zwedt ift
eines
bewußten Geiftes gewefen, ehe
der Sdiritt vorwärts, den die Spekulation
Anaxogaras madit, daß das Urfadienprinzip der Welt
bei
phyfikalifdie Kraft
und auf Zwedte
Von
fieht fo
vorgedaditem Plan von einer felbftändigen Intelligenz
oder blinder Drang
geriditetes
ift,
mehr fondern vorfdiauendes Denken nidit
Wollen.
diefem Punkt aus lalfen
fidi
zugleidi die erheblidien
Mängel
diefer
Philofophie ins Lidit rüd^en, Mängel, die teilweife im Fortichritt der grie* diifdien
Metaphyfik
felbft
nodi erkannt worden
der deiftifdie Gott, der den Anftoß
zum Werden
find.
gibt,
Der Nus
ift
wie
aber den Dingen
Lauf läßt, nadidem er fie an die Kette der Naturgefetze gelegt hat/ »Anaxagoras führt den Nus ein, weiß aber mit ihm nidits anzufangen«. Das mülfen wir berüdifiditigen, wenn wir jetzt nadi der Rolle des Nus,
ihren
fein
Wefen
wollen. Abweidiende Auffaffungen beweifen die Aufgabe/ während Sdi wegler »eine von allem Stoff
feftlegen
Sdiwierigkeit diefer
59
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
fdiledithin gefonderte, nadi in
ihm
nodi
fieht,
felblt find nidit
Intelligenz«
zur Überzeugung, daß audi der
gedadit war, als eine Art mind
Itofflidi
mente
Zwecken handelnde, weltbildende
kommt Windelband
»Der Geilt
widerfprudislos,
Nus
Die erhaltenen Frag=
stufF.
ift
die dünnfte aller
Subltanzen (xQW^''^^) und die reinfte«, befagt das eine, und reiht damit den Nus unter die XQW^''^^ ^in- Dann wieder wird er in Gegenfatz zu
den Homöomerien
geftellt:
aber
und
ilt
unendlidi
Diefe Stelle
»Das Übrige hat Anteil an jedem,- der Geift und ;nit keinem Dinge vermifdit.«
felbftherrlidi
doppeldeutig,-
ift
der die Befonderheit
befitzt,
kann nodi einen Geift fto ff bezeidinen,
fie
Homöomerien
mit den
nidit
Verbindungen
einzugehen, wird aber dodi wohl das von aller Materie prinzipiell verfdiiedene gefagt, befitzt.
Wefen
daß er
Wenn
famen Klärung volle
über
jeglidies
Ding und
die größte Kraft
wir das relative Gewidit diefer Stellen im Lidite der
kritifdien Beridite
die
des Geiftes meinen. Unzweideutig wird von ihm aus«
jeglidie Einfidit
bedenken, fo fo
fdiwieriger
Immaterialität
fdieint
—
Anaxagoras
Begriffe
durdiaus
wie es der lang-
entfpridit
—
weder
nodi die fdiroffe Trennung des Geiftes von
den materiellen Dingen klar erkannt und dauernd
fixiert zu haben,ihm das Verhältnis des Weltnus zur menfdilidien Vernunft unklar geblieben. Dagegen unterliegt es audi keinem^ Zweifel, daß ihm die Kategorie des Zwedtes, die Zwed^mäßigkeit der Welt und der Urfprung des Zwed^lidien aus dem Geift zu vollem Bewußtfein ge^
ebenfo
ift
kommen, und damit
zugleidi der Geift als ebenbürtiges
die Materie getreten
ift.
Die Homöomerien und der
Nus
find die Prinzipien, mit deren Hilfe
er feine Kosmologie, Biologie, Pfydiologie in
die Einheit eines gegliederten
Syftem
zeigt
und wie eng
am
deutlidiften,
feine
Die
und Theorie der Wahrnehmung
Syftemes zufammenfaflen kann.
mit BedürfnilTen der
zufammenhingen.
diaotifdie träge
Malfe der Homöomerien
ift
ewig gegeben,- eine
ift dem Altertum fremd. Der Nus Werden ein, indem er in diefer Maße einen Wirbel erregt, der Wudit und Sdinelligkeit von feinem Entftehungspunkte fidi
Sdiöpfung aus Nidits
und
Sein
wie fehr er im Grunde Naturforfdier war,
metaphyfifdien Konzeptionen
phyfikalildien Theorie
Problem neben
leitet
das
mit großer ausbreitet
Die Homöomerien werden dadurdi an beftimmten Stellen im Weltraum plaziert, aufgehäuft, das Didite, Feudite, Kalte, Dunkle an der Stelle, die jetzt von der Erde eingenommen wird, das Warme, Trodiene, Lidite im Äther. Ungefdiiedene Maße bleibt beftehen, der Keim die Stoffe fdieidet.
neuer Welten,- der Geift, der ewig nodi nidit in den
Werdegang
Weltrohftoffes vorhanden.
60
ift, ift
audi
in diefer
umgebenden,
d. h.
der Entwid<:Iung einbezogenen Mafle des
.
r ^B
^B
Die Grundlehren der vorfokratifchen Philofophie
In allen Teilen des Weltalls fetzt
fidi
die
Sdiöpfung
fort,
wiederum
in
—
hier blidcen Konfequenz des Homöomerienprinzips. Das Gleidiartige wird durdi die Bewegung zufammen* wir fdion auf den Atomismus hin
—
Goldhomöomerien z. B. mit Goldhomöomerien,- dadurdi entftehen :^^ j^H die empirifdien Stoffe. Aber man darf nidit vergelTen, daß Benennung I^H und Klaffifikation der Körper im Grund genommen nur <denominatio de geführt,
^^
potiore) »alles
ift,
ift
in
denn »die Stoffe
find nidit mit
allem« enthalten«, dodi
fo,
dem
Beile abgehauen«, fondern
daß
die Einzeldinge durdi das
Überwiegen einer Homöomerienart konftituiert, kenntlidigemadit werden/ das Gold alfo dadurdi, daß in den Goldklumpen und Goldkörnern die Goldhomöomerien ungleidi zahlreidier vorhanden find als andere. Und ift fefi:zuhalten, daß der Menfili und die übrigen Lebewefen, weil Homöomerien zufammengefetzt, audi auf Sonne, Mond und den
ebenfo
aus
übrigen Geftirnen exiftieren müflen, nidit nur auf der Erde,
Die Erde ruht
in
der Mitte des Weltalls, die unter ihr befindlidie Luft
wie ein Dedcel abfdiließend. Bei ihrer Bildung
rilTen fidi
Klumpen
los, die
mit ungeheurer Sdinelligkeit durdi den Äther faufend in Glut gerieten
und
jetzt nodi,
Sonne,
Mond und
Sterne genannt,
als
glühende Stein-
die Erde und unter ihr hin kreifen. Nur die Wärme der uns Sonne wird empfunden,- die Sonne ift die Quelle des Mondlidits, die Stellung des Mondes zwifdien Erde und Sonne die Urfadie der Sonnenfinfternis. Der bewohnte Mond hat Berge und Täler, Das organilciie Leben unferes Planeten entfpringt Keimen, die durdi Meteorite von anderen Welten auf ihn gelangt find — ein Gedanke, der in den neueften
maflen
um
nädiften
kosmozoifdien Theorien des Lebens wiederkehrt.
Beaditenswert fdieinen mir audi die Fragmente feiner Wahrnehmungstheorie/ die großen Eigenfdiaften, die er als exakter Naturbeobaditer be* faß,
haben ihn zu Entded^ungen befähigt, die mandier mit der Geldiidite
der WilTenfdiaften nidit Vertraute als die jüngften Errungenldiaften einerex^ perimentell arbeitenden Pfydiologie betraditen mag, Zunädift die Lehre, daß alle
ja
Empfindung im Grunde Unterfdiiedsempfindung
Kontraft der Qualitäten
derfelben,
ift
Anaxagoras drüdt
die
Vorausfetzung für
diefe
Lehre aus
jedes Seiende durdi feinen Gegenfatz wahr.
in
ift.
Der
ein
bewußtes Haben
Unterfdiied,
der Formel: wir
Was gleidi warm
ift,
nehmen
kann
feiner
Umgebung weder Wärme nodi Kälte abgeben fidi alfo nidit bemerklid) madien Seltfam mutet die weitere Lehre an, daß große Sinnesorgane zur Perzeption des Großen, Did^en, Entfernten, kleine zu der des Kleinen, Dünnen,
befonders befähigt
feien.
des Seienden durdi feinen Gegenfatz, wir verftehen audi nidit
weldie Beobaditungen
Nahen
Sie widerfpridit der Grundlehre der Wahrnehmung
mehr redit, auf
Anaxagoras
verfidiert uns zwar, daß Tiere mit großen glänzenden Augen einen Gegenftand fthon aus fie
fidi
ftützte.
61
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophic
weiter Ferne wahrnehmen,
unbeholfen
feien,
auffaflen, kleine in ihrer falfdi
in
der
Nähe und dem
Kleinen gegenüber aber
Tiere mit großen Ohrenmufdieln laute entfernte Geräufihe
Nähe
Aber da
überhören.
beobaditet als interpretiert zu
Es
fein.
gibt
grenze des Organs, ein Bereidi, innerhalb delTen
fcheint nidit
minder
gewiß eine Weiten*
fidi
die Reize befinden
wenn eine Perzeption zuftande kommen foll, aber diefe geht nidit mit der Größe des Organs Hand in Hand, Es gibt fidierlidi audi einen Antagonismus zwifdien Nah= und Fernwahrnehmung
beruht
nidit
auf einer Funktionseigentümlidikeit des Organs,
fondern auf der
Enge
des Bewußtfeins und der durdi die Lebensweife be-
aber er
dingten Vorherrfdiaft einer beftimmten Apperzeptionsriditung, find es
foldie
Gedankengänge gewefen, aus denen
vom
lierung nur lückenhaft überlieferte Lehre
und Reiz
Vielleidit
FormuOrgan
die in ihrer
Parallelismus zwilchen
entftand.
Anaxagoras
Ariftoteles hat die Philofophie des
wefentlidi weil
fie
auf die
alte
Frage nadi dem
erlten
fehr hodi gefdiätzt,
Bewegungsanftoß das
Vernunftprinzip in die Welterklärung eingeführt hat, Sidierlidi find Teleologie
und Nuslehre
Wir
maßgebend.
für die Beurteilung der Leiftung des
Anaxagoras
muffen prüfen, ob der Fortfäiritt das große Lob des
Ariftoteles verdient
und wir
find ja bei diefer
Prüfung
nidit Partei
wie
er,
der in Anaxagoras feinen Johannes fah, der ihm die Pfade bereitet hat.
Doppelt, fo überzeugten wir uns, Prinzip der einzuleiten,
haupten
—
ift
der
Nus
zu
verftehen,- zuerft als
Bewegung, Daß er nur den Geift für fähig hielt, das Werden und daß er die Tendenz hat mehr dürfen wir nidit beden Geift als wefensverldiieden aller Materie entgegenzu-
—
fetzen, audi allen Dualift: heißen
Kräften desfelben, das madit
ihn,
der
felbft
nodi nidit
kann, zu einem Ahnherrn des Dualismus, Überall,
wo
der
Urgrund des Seins in eine Zweiheit zerrilTen wird, in Gott und Welt, Materie und Bewußtfein, Leib und Geift, ift feine Denkriditung maß«r gebend. Wir ftehen unter dem Bann einer agnoftiziftifdien Erkenntnistheorie und metaphyfikfeindlidien Naturforfciiung diefer Gedankenbildung im Ganzen nidit freundlidi, aber audi nidit unbefangen gegenüber, in der Naturerklärung zum mindeften halten wir eine Ablehnung derfelben für durdiaus begründet,- die moderne Phyfik hat Subftanz und Bewegung als korrelative Begriffe entwid^elt,- die Bewegung ein Zufi:and der Materie, ifi:
die Kraft eine
Funktion derfelben,
zum
Seienden gehörig, wie das
ftoff*
lidie Subftrat,
Der Nus
als
teleologifthes
Prinzip,
medianifdies, involviert einen Fortfdiritt
Irrweges. gefehen,
62
Anaxagoras hat
als Erfter
das er ebenfo fehr
und
zugleidi
ilt
wie
ein
den Beginn eines
das Problem der Zwedimäßigkeit
im Zwedc eine Kategorie erkannt. Allein indem
er
erklärte:
Die Grundlehren der
'
vorfokratifdien Philofophie
Auf
im Kreife, denn zweckmäßig heißt vernünftig.
zu fehen,
an: die Zwedimäßigkeit
und
Diefe Erklärung aber kann nur durdi folgen.
zweierlei
kommt
Zuftandekommen zu
ihr
es
erklären.
kaufalen WilTenfdiaften er-
die
Die Zwed^mäßigkeit des Einzelnen unmittelbar oder mittelbar aus
zwedcfetzender Vernunft entfpringen lafTen heißt das Problem zu einem
von dem Leitfaden der Analogie mit der Zwed^mäßigkeit menfdilidien Handelns nidit emanzipieren können. Von der Natur im Ganzen auszufagen fie fei zwedtmäßig, ift immer Grenze unlöslidien madien, oder
als
Vernunft,
der
überfchreitung keit
Totalität
fidi
da wir etwaige Zwedte der Wirklidi-
Das
kennen.
nidit
Verdienft,
die Teleologie
in
den
Anaxagoras unbenommen bleiben,— Arißoteles ift audi hierin von ihm abhängig — aber die Erhebung des Zwedis zu einer Naturinftitution, zu einem Erklärungsprinzip können
Vordergrund gerüd^t zu haben,
foll
wir in wifTenfchaftlidier Einftellung nidit
Das Abdiluß
reiffte
teilen.
naturphilofophifdie Syftem der vorfokratildien Periode, den
ihrer Frageftellung erblid^en wir
im Atomismus. Entgegen den
Zweifeln Epikurs und Rohdes halten wir daran felben auf
Leukipp os ausAbdera
feit,
durdiaus vor die Sophiften gehört, fo gewiß er lung der anthropologifdien,
ethifdien
und
ift
die
Anfänge des^
fadilidi
ift.
zeitlidi
vor die Behand-
erkenntniskritilchen
der Blütezeit attilcher Philofophie zu Itellen
Faffung des Atomismus
daß
zurüdtgehen, daß er alfo audi
Probleme
Allein über diefe erfte
uns Sidieres nidit bekannt,- wir mülfen uns
deshalb bei unferer Darftellung an das Syftem des den Meifter übertreffenden Sdiülers
mit Protagoras
Demokritos
halten, der freilidi nadi feiner Lebenszeit
und dem jungen Sokrates zufammen genannt werden in der Perfönlidikeit und Gefmnung, wie im
müßte, Dodi wird niemand
Syftem und den Lehren Demokrits Anhaltspunkte finden, die ihn der zweiten Periode zuzuweifen bereditigen,- er fdiluß der erften
Bewegung, wenn audi
ift
Zufammenfaffung und
in einer Zeit,
in
Ab^
der eine zweite
zu entwidieln begann.
fidi
Demokritos,
Abdera in Erbe zu ausgedehnten Bildungs=^ reifen, befonders nadi Ägypten und dem Morgenlande, Der mündlidie Verkehr war damals nodi das Hauptmittel der Ausbreitung geiftiger Güter, zwifdien 470'--460 in der jonifdien Kolonie
Thrakien geboren, benützte
und
es wirft
helles Lidit,
auf das
fein
reidies
leidenfdiaftlidie wifTenlchaftlidie
wenn wir
Iiunderten eine Sdiulweisheit gepflegt
rüdtgekehrt,
widmete
Streben Demokrits ein
ihn die Stätten auffudien fehen, an denen
er
fidi
und
tradiert
feit Jahr=^
wurde. In die Heimat zu*
ganz den Studien, namentlidi naturwiflenlchaft*
und mathematifdien, audi geifteswilTenichaftlidien, Aus den Fragment können wir nodi vertraute Kenntnis der Pythagoreer, Eleaten, des Ana*
lidien
ten
63
:
Die Grundlehren der vorfokratifchen Philofophtc
xagoras und feines Landsmanns Protagoras
Mit der
feftltellen.
attifdien
Verbindung entweder nidit gefudit oder nidit erreidit. Auffallend ift, daß Piaton feiner nirgends ausdrüdtlidi gedenkt, während Ariftoteles K.Vorländer hat es gezählt ihn 78 mal zitiert. Um die Details feines Lebens und feiner Perfon wudiert die Le= gende, ohne daß wir wilTen, ob er durdi Eigentümlidilteiien feiner Führung oder feiner Sdiid^fale ihr Anhaltspunkte gegeben hat, ohne daß wir einen wahren Kern herauszufdiälen vermögen. Unverftändlidi ift, wie der groß^ zügige Denker zu dem Beinamen des ladienden Philofophen gekommen ift. Geradezu gefdimad^Ios find die Hiftördien von feinem Alter und Tod
Philofophie feiner Zeit hat er eine
—
—
er
habe
felbft
fidi
werden, Sidier
ift,
geblendet,
daß
um
Reize zerftreut zu
nidit durdi optifdie
er in feiner
Heimat hodigeehrt
einer wiftenfdiaft-
lidien GenoITenfdiaft vorftand, vielleidit derfelben, der er felbft als Sdiüler
des Leukippos einmal angehört hatte.
Demokritos Ichaft
audi
ift
der erfte Polyhiftor, der das ganze Gebiet der WilTen^
fdiriftftellerifdi
wie
breit in der
am
weiteften
behandelt hat, ebenfo
Zahl der Materien,
tief in feinen
»idi bin unter
Gedanken
meinen ZeitgenolTen
herumgekommen, idi habe meine Forfdiungen weiter als und mehr Reden gelehrter Männer gehört«, ift kein unbereditigtes Selbftlob, Sein Stil, nadi den erhaltenen Fragmenten mit Jonismen und abderitifdien Dialekteigentümlidikeiten durdifetzt, wird von Cicero hodigerühmt, von einem Manne, der audi in philofophifdien Abhandlungen gerade auf die Spradie großes Gewidit gelegt hat/ Klar* heit, Sdimud^ und rhythmifdie Sdiönheit rühmt er diefer Profa nadi und jeder andere ausgedehnt
läßt
uns den Verluft der Werke audi aus
bedauern.
Im Altertum
fdirieb
deren Titel uns durdi ein
man ihm
literar-äfthetifdien Rüd^fiditen
nidit
weniger
als
60 Werke
zu,
Tetralogien geordnetes Verzeidinis erhalten
in
Es ift jedodi nidit ausgefdilolTen daß darin Titelvarianten als eigene Werke gezählt find. Laertius Diogenes nennt den Denker und find.
Sdiriftfteller
,
Demokritos einen wahren Fünfkämpfer, der Phyfik und Ethik, habe,-
wenn man
Umfang
hatten als
Mathematik, Mufik und Tedinik gleidiermaßen beherrfdit bedenkt, daß diefe Titel im Altertum einen größeren heute, fo wird der Univerfalismus feines WilTens
und
feiner Interelfen da-
durdi Idiön veranfdiaulidit.
Wir müITen uns damit begnügen, das Syftem Demokrits in feinen Grundlagen und feinem Aufbau zu kennzeidinen,- jedes Eingehen auf die einzelwiffenfdiaftlidien
Leiftungen
in
Meteorologie,
graphie, in den befdireibenden NaturwilTenfdiaften, in
Harmonielehre und Poetik,
in
der Geometrie und Sphärik
Aftronomie,
Geo-
Grammatik, Metrik,
der Heiltedinik, Züditungskunde, Taktik, in
ift
ausgefdilolTen,-
wir können hödiftens an-
deuten, wie feine Grundhypothefen für diefe Disziplinen als heuriftifdie
64
Die Grundlehren der vorfokratifchen Philofophic
furchtbar wurden.
Prinzipien
nistheoretifdien lidi,
ohne
Kunde von dem
ohne
Allein
erkennt^'
Standpunkt würde die atomiltifdie Metaphyfik unverftänd^
foldie der
Ethik unvollftändig bleiben. So ergibt
fidi
für unfere
Aufbau, der von der Erkenntnistheorie zur Metaphyfik und mit der Ethik abfdiließt.
Darftellung ein fortfdireitet
I
Das Tun
der Philofophen
Befdiaffenheit der
Menfdi als
glaubte,-
die Sinne,
felbft
ift
ein Problem,-
haben über die
fie
Welt etwas Anderes gedadit und gelehrt, als der naive fie haben die Refultate ihres Denkens höher gewertet natürlidie
die
BegrifFsbildung der Alltagserfahrung
Pathos, mit Veraditung haben Herakleitos, Parmenides
,-
mit
von der blinden
Meinung der Mafle gefprodien, jEmpedokles von dem fpannenlangen Denken der Vielen. Sie haben inftinktiv der Logizität ihres Denkens fidier, alles Andere kurzweg für Irrtum, Trug erklärt, ohne Reditfertigung ihres Tuns. Sidierlidi hat audi Leukippos, der zeitlidi der vorfokratifdien Periode angehörige Materialift, nur Zahl, Geftalt und Ordnung der ein Einzelding konftituierenden fdiaften als Sinnenlchein
Atome
für wirklidi erklärt, die anderen
verworfen, ohne
fidi
den Kopf zu zerbredien. Die ausgeführte Erkenntnistheorie des kritos
erft
ift
durdi das Auftreten des Protagoras ermöglidit.
dürfen wir auf ftützt,
fie
fidi
Demo*
Trotzdem
auf keine anderen Tatfadien
audi den Vorfokratikern bekannt waren, und keinen anderen
als
Zweck
eingehen, weil
fie
Eigen^
über die Genefe desfelben
Metaphyfik zu rechtfertigen. Fragmente und Notizen zerfallen in zwei Gruppen, in Andeutungen einer Theorie der Erkenntnis und in praktifdie Regeln für den Betrieb der wilFenRiiaftlidien Arbeit. Die letzteren, ein GemilHi aus methodologifchen Ratlchlägen und moralifchen Ermahnungen zu Wahr* hat, als eine
Die
fpärlichen
heitsliebe, Vorurteilslofigkeit
Es
gibt
und
Fleiß, Icheiden hier völlig aus.
zwei Arten der Erkenntnis, unechte und
echte,-
zur unechten
gehört die Erkenntnis durch Geficht, Gehör, Geruch, Getaft, Gefdimack, allgemein:
Wahrnehmung der Sinne. Die echte ift von ihr wenn die unechte Erkenntnis nicht mehr ins Kleinere
durch die
völlig verfchieden,-
fehen, hören, riechen, Ichmecken, taften kann, fondern ins Feinere einge*
drungen werden
muß
—
fo
tritt
das
vom Wahrnehmen
an Erkenntnisdignität überlegene Denken
Der
erfte Teil
Realität,-
ift
in
verfchiedene,
unzweideutig, der Sinneseindruck enthält nicht die
das auf den Sinnenfchein gebaute naive Weltbild mit feiner
erkennung der
finnlichen Qualitäten
Skepfis richtig mit der
ift
von Protagoras
falfdi.
Meinung der
klarer als Locke.
Demokritos begründet
und
individuellen Erfahrung.
Es kommt
nicht
An* diefe
zuerft in die GeiftesgelHiichte ein*
geführten Subjektivität der Sinnesgegebenheit
bafierenden
ihm
Aktion.
Relativität der darauf
Er
ift
gründlicher
und
darauf an, bei Konftruktion der Wirklidi*
65
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
keit unter
den
Auswahl zu treffen, nichts i(t in Wahr»ein Ding ift um nidits mehr ein fo der Honig, der dem Gallenkranken bitter fdimeckt, Daten
finnlidien
wie es den Sinnen
heit fo,
als ein fo befdiaffenes,ift
um
nidits
mehr
dem Kranken
füß,- es
ift
falfdi zu fagen: er fei füß, fdieine aber ob über Sein und Wahrheit die Zahl entwäre, fobald die Mehrzahl der MenIHien
audi
bitter, gleidi als
und der Honig
fdiiede,
eine
ericlieint/
bitter
Gelbfudit bekäme«.
Wenn überhaupt
Sinneserfahrung das Sein nidit erfaßt, fo find wir entweder nidit
An
im Stande, das
der Welt zu erkennen, Demokritos dem man ihn für einen Skeptiker
fidi
hat mandien Ausfprudi getan, nadi
Obfervanz halten könnte. »In Wirklidikeit wilTen wir
fophiftifcher
denn die Wahrheit dodi
liegt in
als peffimiftifdie
dem
dürfen foldie
Stoßfeufzer betraditen, wie
fie
nidits,
Wendungen
gelegentlidi
je-
jedem ent-
Forfdiung und ihre ins Stimmung fallen. Demokrit vielmehr von der Ablehnung des Senfualismus und der Kritik der
fahren,
Unendlidie fdiritt
Wir
der Tiefe«.
die Sdiwierigkeit der wiflenfdiaftlidien
fidi
verlierende Perfpektive auf die
naiven Weltanfdiauung zur ebenbürtigen Erkenntnis WilTenichaft,
zum
fdieinungen erklärenden Wirklidikeit, zutreffend mit Piaton verglidien. rationaliftifdien
zur methodifdien
diefem Punkt von Windelband
in
Leider find wir über die Motive feiner
Erkenntnistheorie nur fehr lückenhaft unterrichtet.
Zunächft: die wahre Erkenntnis allgemeingiltig
fort,
Sdiluß und zur denkenden Konftruktion einer die Er-
fein,-
»allen
Menlchen
muß gegenüber gilt
Dasfelbe
der Sinneserfahrung
als
gut und wahr«
ift
nicht
im Sinne einer Identifizierung des Ethifchen und Logilchen gefagt,
noch
als
Konftatierung einer Tatfache, fondern wie auf ethifchem Gebiet •
und
die Scheingüter, nämlich die Luftgefühle dividuell variabel, alfe
Menfchen
und
erweift
ift,
fich
das
fittlich
Gute
fo intendiert auch die
aus diefem
Ichon
Grunde
Philofophie bekannten
Zu
inhalt verfchieden.
diefer
ihre Bezugsgegenftände in-
feiner Idee nach Eines,
Wahrheit
feit
allgemeingiltig
Herakleitos in
als prinzipiell
dasfelbe für
zu
fein
der griechifchen
von dem Wahrnehmungs-
Wahrheitserkenntnis gelangt man,
wenn
der Widerfpruch der Sinnesdaten denkend befeitigt und die Grenzen der
Sinneserfahrung überfchritten werden. Die Sinne bezeugen,
Ding im Ganzen, an
feiner Oberfläche rot
ins Feinere, fragen wir:
ift
oder blau
ift,-
z.
B,
daß
ein
gehen wir aber
jeder kleinfte Teil des Dinges auch rot oder
blau? jeder unfichtbar kleinfte Teil? dann kann uns die Sinneserfahrung nicht
mehr Führerin
fein,
nur das verftändige Denken kann uns Anhalts-
punkte für die Qualifikation des Seienden geben. kritos
den
Weg
der Wiflenfchaft
gehen über die Sinneserfahrung, lichen
66
als
Qualitäten möglich macht,
befchreiben
Man muß als
nach
Demo-
denkendes Hinaus-
Konftruktion eines Seins, das die finn-
fie
aber
felbft
nicht
mehr an
fich
trägt.
I
Die Grundlehrcn der vorfokratifdien Philofophie
Diefe Interpretation ftimmt jedenfalls mit Demokrits tatfädilidiem
Vor-
gehen und feiner Leiftung überein.
Man
darf
unter fteter Kontrolle durdi die
zum
vom
Realen,
(cfiließend
Syftem austräumen, fondern muß Wahrnehmung von der Sinneserfdieinung zum Allgemeinen in Begriff und Gefetz
nidit ein beliebiges
fidi
Einzelnen
fortfdireiten.
Bei
Galen
ift
Notiz enthalten. Nadidem Demokritos
Wahrnehmung
in
dem Satz
eine in diefer Hinfidit lehrreidie
Mißtrauen gegen die Sinnes^
fein
ausgefprodien
»Sdieinbar
:
ift
Farbe,
Icfieinbar
Atome und Leeres«, läßt er »Du armer Verftand! Von uns
Süßigkeit, fdieinbar Bitterkeit, wirklidi nur die
Sinne gegen den Verftand reden:
nimmft du deine Beweisftücke, und ift
dein Fall.«
uns damit befiegen! Dein Sieg
willft
Deutlidi find damit die logilchen Grundlagen der induktiven
Naturforfdiung bezeidinet.
Vom Wahrnehmbaren
geht die Forfdiung aus,
fie läßt die dabei ermittelten Kräfte und Eigenfdiaften audi jenfeits der Wahrnehmungsgrenze Geltung haben, folange kein Widerfprudi entfteht. Dann werden Folgerungen aus dem fo gefetzten Seienden in neuen, audi
experimentellen beftätigen
Wahrnehmungen
es
fei
aufgefudit,
um
die
Hypothefe
fei
es
zu
zu widerlegen. Im letzteren Falle oder bei Entdeckung
neuer Tatfadien werden audi neue, verbelferte Hypothefen aufgeftellt,
und mit
diefe ihrerfeits geprüft ufw,, bis ein in fidi widerfprudisfreies
beobaditeten Tatfadien refultiert.
Die
allen
übereinftimmendes Gefamtbild der Wirklidikeit
Wahrnehmung
riditig interpretierte
ift
der Weg, auf dem das
Denken zum Sein gelangt,- das gedanklidi erfaßte Sein rückwirkend der Ausgangspunkt, von dem aus das Denken die Wahrnehmung erklärt. Die Welt der Erfahrung ift vernichtet, weil nidit felbft das wahre Sein, und mit ihm gefetzmäßig verbunden. Selbft die der behaupteten
gerettet, weil
Wahrheit widerfprechenden Züge
und Recht-
finden Erklärung
ihr
in
notwendige Illufionen, und hören damit auf, ein Einwand zu fein, ähnlich wie der Augenfchein der Bewegung der Sonne fein Gewicht als Argument gegen die Lehre des Kopernikus einbüßte, fobald fertigung als
diefer
die
fcheinbare
Bewegung
falfung erklären konnte.
als
unvermeidliche Folge
Die Erkenntnistheorie Demokrits
feiner
ift
die
der Unklarheiten der philofophifchen Syfteme vor Sokrates,
noch eine vorfokratifche Tat,
infofern
fie
und Gedanken des Sokrates
Perfönlichkeit
nicht
mit Hilfe
mundus
und im
sensibilis
felbft bleibt
und 5
ift
in
Interelfe
worden
feiner
und mundus
find.
und
felbft
nur ohne Kenntnis der
erfolgte,
der Elemente enthält, die erft durch Sokrates griechifchen Philofophie erarbeitet
Auf-
Löfung
und
fondern auch keines feine
Nachfolger der
Mag Demokritos
auch nur
Metaphyfik zur Unterftheidung eines
intelligibilis
gekommen
fein, die
Scheidung
auch unabhängig von der materialiftifchen Metaphyfik finnvoH, ähnlicher
Große Denker
I.
Weife auch von Philofophen begründet worden,
die
67
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophic
in ihren
metaphyfifdien Anfchauungen ausgefprochene Gegner Demokrits
gewefen
fin d.
Das
metaphyfifdie Problem der Vorfokratik löße er durdi den
mismus. So fummarifdi, wie Laertius Diogenes
Ato-
beriditet, läßt fidi freilidi
das
Großartige diefer Theorie nidit verdeutlidien,- außer den wenigen Frag« idi wefentlidi die tieferblid^enden Wiedergaben des Simund des allerdings in polemifdier Abfidit referierenden Ariftoteles,idi werde ausdrüd^Iidi hervorheben, inwiefern alle bedeutenden vor* fokratilHien Gedanken für die Sdiöpfung des Atomismus notwendig waren,
menten benütze plizius
als
Bedingungen desfelben
ihre hiftorifdie Fruditbarkeit entfalteten.
Raum und und unfiditbar kleinften Körperdien exiftierende Materie, die Atome. Die Atome find nidit durdi Verdinge lidiung der Sinnesqualitäten zu letzten Weltelementen zuftande gekommen '— wie bei den Milefiern, bei Empedokles und Anaxagoras oder wie Das Seiende
ift
ein Doppeltes: der eine unendlidie leere
unendlidi vielen,
die in
unteilbar
—
neuerdings bei den Empfindungspfydiologen theoretifdier BedürfniflTe unter
dem
fondern zur Befriedigung
Einfluß der pythagoreifdien Anfänge
der mathematilchen Naturwiflenfdiaften klüglidi ausgedadit. fidi nidit
durdi ihre Qualität, fondern nur durdi die mathema=^
Momente
der Geftalt, Größe, Lage, fekundär audi der Sdiwere,
ftheiden tißiien
und
Ariftoteles hat nidit fo unredit,
goreifdier
Denkweife
ift
und
ftituierenden
die realen
Atome
wenn
den Atomismus pytha-
er
befdiuldigt, die das Seiende
fern die zahlmäßig faßbare Geftalt der selben
Sie unter*
Atome
zu Zahlen madit, info^
der Hauptunterfdiied der-
Dinge wefentlidi durdi
individualifiert
werden
die
-— ähnlidi
Zahl der
fie
kon*
wie die Körper
in
der modernen Chemie.
Den Un'terfdiied
derilGeftalt hat Demokritos übernommen,- ohne
eine unendlidie Mannigfaltigkeit
von Grundgeftalten
fdiien
dem mit den Ge-
fetzen der Kombinationsredinung nodi nidit vertrauten Phyfiker
dieMannig*
der Erfdieinungen unerklärlidi,- außerdem gab es keinen vernünf-
faltigkeit
Grund, den Atomen nur eine oder einige Geftalten zuzufpredien,und wenn diefer Mangel eines zureidienden Grundes für den Auslchluß irgend einer Geftalt audi kein Beweis für die Exiftenz unendlidi vieler tigen
Geftalten
ift,
fo dodi für die
nodi notwendig fdiien
nungen, fo dürfen wir feine^Annahme gründete uns gefallen
Cicero
lefen
wir,
Wenn
Möglidikeit.
als^ Erklärungsgrund für
laflen.
als eine
diefes
damals überlegte und be-
Detailausführungen find unbekannt.
daß die Feueratome
als
und
aus Atomen'mit jener der
68
vergleidit die
Worte aus
Bei
kugelig betraditet wurden,-
Ariftoteles verdeutlidit die Geftaltverfdiiedenheit der
jenige der ßudiftaben,
Möglidie audi
die Vielheit der Erfdiei*
Atome
|durdi die*
Zufammenfetzung der Dinge
Budiftaben.
Aus dem Unter fdiied
9-
Die Grundlehren der vorfokratifdien Philofophie
der Geftalt wird ein foldier der
Größe als
Größe
erfdieint bei unteilbar kleinen
man
Verfdiiedenheit der
gefolgert.
Atomen
paradox,- aber nur folange,
die Unteilbarkeit des Kleinften in feinen räumlidien
wurzeln
läßt,
nidit
mehr, wenn die Unteilbarkeit
in
Dimenfionen
der Solidität, der
Unter fdiied der Ohne ihn wäre homogenen Atomen will-
Audi
inneren Kraft der Selbftbehauptung gründet.
Sdiwere mußte ein foldier der Größe bei den ihrer Mafle nad\ kürlidie Annahme, die den Erfahrungen über die
ein
als urfprünglidier feftgehalten werden.
und Gewidit
Zu
Korrelation von
Größe
bei gleidiartigen Stoffen widerfpridit.
den primären Unterfdiieden nadi Geftalt, Größe, Sdiwere treten
fecundäre, die als Konfequenzen der Bewegung auftretenden Unter* fdiiede der Lage, verdeutlidit durdi den gleidien Budiftaben in auf=^ rediter, fdiräger, verkehrter Stellung AV^, und der Anordnung, verund NA. deutlidit durdi verldiiedene Gruppierung gleidier Budiftaben, find die eine, der leere die Die Atome Raum ift andere Komponente des Seienden. Die Wahrnehmungswelt drängt zur Annahme der Be* wegung als der Grundform aller MilHiung, Veränderung, alles Gefdiehens/ Bewegung ohne leeren Raum Icheint unmöglidi,- da das Seiende von der Wahrnehmung aus konftruiert werden muß, wird der leere Raum als feiend behauptet. Im Chaos war er Iclion mitgedadit gewefen,- Verdidi* tung und Verdünnung Ichloflen ihn ein,- von den Ausläufern der Eleatik war er mit dem Nidits identifiziert, verworfen worden, Demokritos hat,
AN
zweifellos auf Tatfadien geftützt, mit vollem Bewußtfein das Leerender
Malfe entgegengefetzt, und das »Nidits« für ebenfo
real gehalten,
wie
das »Etwas«. Die Motive, weldie Ariftoteles^^als Beweisgründe fur^den
Raum anführt, find nidit ftidihaltig, aber audi wohl kaum authentifdi. Die doppelgeftaltige Frage der vorfokratilchen Metaphyfik: woraus beftehen die Dinge? wie entftehen fie? iftjmfAtomismus einheitlidi beant^»
leeren
wortet/ die Subftanz der Dinge
ift
Grundform der Genefis
die
die
ift
die atomiftildi'konftituierte Materie,
Bewegung
der
und
Atome im Raum. Das
Problem, weldies diefer medianiftilciien Weltanfdiauung nodi blieb, war die Entfdieidung
über den Anfang des Werdens.
Empedokles und Anaxagoras hatten dualiftifdi den zu mildienden Stoffen gegenüber geftellt, als anderen Wefens wie fie. Demokritos läßt die Bewegung ebenfo ewig fein, wie die Atome, hat alfo eine eigene, die die Kraft
Bewegung
erft einleitende
Atomiften vor, daß
Bewegung
fie fidi
Kraft nidit [mehr nötig,
Ariftoteles wirft den
des Problems des Anfangs
entfdilagen ^hätten,-
allein
der
Vorwurf
und der Urfadie der ift^
ungereditfertigt.
daßDemokrit eine Ant« Frage nadi Urfadie und AnfangMer Bewegung gegeben hat,
Ariftoteles hat audi kein reines GewilTen,- er weiß,
wort auf die aber er 5«
ift
mit ihr nidit zufrieden, weil
fie
das Prinzip der
Bewegung
nidit
69
Die Grundlehren der vorfokratifchen Philofophie
von der Materie trennt, laßt ihn
und
nidit in einen
bewußten Zweck^Ordner, einen über-
Gott verlegt. Diefe Abweidiung von der naiven Teleologie veran-
weltlid\en
zu behaupten, Demokritos
fpätere, des Griediifdien
ließe die
Welt »von
felbft«
werden,
wie der philofophifdien Denkweife weniger kun^
dige Zeiten haben daraus den Satz gemadit: die
Welt wird
durdi Zufall.
Die Behauptung, Demokrit madie den Zufall zum Urheber der Welt, iß fallcfi/ er hat energifdier als je ein antiker Denker nidit nur auf Gott und Zwed^e, fondern audi auf den Zufall als Naturerklärung verziditet, »auf diefes Idol zur Beldiönigung der eigenen Radofigkeit.« Ichieht zufällig in der
Notwendigkeit.
So
Welt, fondern
hat er audi die
Folge
begriffen, als logifdie
feiner
Nidits ge-
nadi Vernunftgründen und der
alles
Bewegung, das Werden
als
notwendig
Konftruktion des Seienden.
Sidierlidi
Bewegung aus der ungleidien Sdiwere der Atome erft ein Gedanke Epikurs, So unklar Demokrit
die Ableitung der
fofern der Idiwädifte
Punkt
in fo helles Lidit gefetzte
zeption des nidit,
Atomismus
Metaphyfik,
diefer
als die
durdi Anaxagoras
Zwedcmäßigkeit der Weltbildung
nidit
bei der
genügende Berüd^fiditigung fand.
Idi
Konmeine
daß die Zwed^mäßigkeit der Welt eine medianifdie Erklärung aus^ aber es
IHiließt/
dianik der ftändlidi
ift
Atome
fraglidi,
imftande
ob gerade ift,
nidit
Me=
zu madien, fondern das Überwiegen der Zwedimäßigkeiten, die
teleologildie Grundftruktur der
Welt.
daß nur
als
kommen ziehen,
von Demokrit entworfene
die
nur Zwed^mäßiges überhaupt ver=
ein fabricator
kann,-
fogar
können wir uns
mundi
Wir
audi die
Meinung
Urfadie der Zwed^mäßigkeit
wenn wir Gott nidit der
teilen
als
Aufgabe
causa
in
nidit,
Frage
remotissima heran-
verfthließen, die
von ihm ge-
wollten und ewig feftgelegten Veranftaltungen zu erforfdien, die kaufal
wirkend die causa proxima der zwedkmäßigen Dinge
find.
Andernfalls
würde uns das Weltgefdiehen zum planlofen, unberedienbaren Spiel eines Gottes, und den urfadilofen Bizarrerien feiner Einfälle nadizufpüren wäre erfolglos und töridit zugleidi. Mit feinen Prinzipien verfudit Demokritos das ganze Weltgebäude einheitlidi
und
zu erklären, die Detailforfdiung
dem
feiner Zeit
Raum bewegen
zufammenfaflend
von Ewigkeit her die Atome, audi fie unendlidi an Zahl und Formen, Überall wo diefe Bewegung der Atome fidi zu Wirbeln verdiditet, ift ein Anfang zur Weltbildung gegeben, Soldier Welten gibt es gleidizeitig und nadieinander eine unzählbare Fülle. Der Prozeß der Bildung jeder einzelnen
70
fortführend.
In
unendlidien
fidi
Die Grundlehren der
verläuft in folgenden, an
vorfokratifcfien Philofophie
unferem Planetenfyftem exemplifizierten Stufen:
durdi den Wirbel werden die leiditeren dert, die lidi
von
eine
Atome
an die Peripherie geldileu-
fdiwereren in der Mitte zufammengeballt,- das einer
Atomen wird
die
Haut
Ganze
bildet fdiließ^
Aus
den Icliweren
umfdilolTene rotierende Kugel.
Erde, indem Glutwinde die (chlammige austrodcnen und
nodi Studie von ihr abreißen, die als Sonne und
Mond um
fie
kreifcn
und durdi Reibung glühend werden. Audi auf Erden find alle Dinge Atomkomplexe, gelchieht alle Wirkung durdi Drudt, Stoß, Gegenftoß und mit der Mafle wadifenden Widerftand. Alle Qualitäten der Dinge werden
in
AtomverhältnilTen objektiviert. Undurdidringlidikeit, Kohäfion,
und Sdiwere
befitzen die
Atome
felbft,-
Wärme,
Farbe, Gefdimad^ hat
er ihnen ausdrüdtlidi abgefprodien, die Möglidikeit diefer fekundären litäten
aber in der objektiven VerlHiiedenheit der
Atome
Qua-^
grundgelegt. Bei
Angaben über die Anatomie des Auges finden wir den Verfudi, Weiß, Sdiwarz, Rot, Grün als Grundfarben zu erweifen und erftaunlidi dürftigen
fie
durdi Glätte bzw. Rauhigkeit, größere oder geringere Beweglidikeit der
Gewalt ins Ohr dringende Herben ift medianifdie Reizung mit kantigen, die des Süßen Reizung mit rundlidien Atomen, Audi die Erklärung des PfydiilHien und der Bewußtfeinstatfadien bewegt fidi in den Bahnen der Atomhypothefe die feinen, runden, glatten, beweglidien Atome, wie fie audi das Feuer konftituieren, find das phyfiologildie Subftrat des Bewußt* feins. Es ift übrigens wahrfdieinlidi, daß Demokritos eine Allbefeelung annahm, die Lebensatome audi in Tier und Pflanze vorhanden fein ließ und die Atmung als einen Vorgang der Erneuerung der Seelenatome ge*
Atome zu
erklären.
Der Sdiall
ift
verdiditete, mit
Luft/ die Gefdimadtsempfindung des
:
deutet hat.
Als
tief
hat
krits enthüllt/
erfdiiene
fidi
nadi den Forichungen P. Natorps die
Ethik Demo-
ohne einen kurzen Hinweis auf ihren Gefinnungsftandpunkt
mir das Bild feiner Philofophie unvollftändig und die Gefahr
nahe, daß
dem
Eudämonismus
Sdiöpfer der medianilchen Weltanfdiauung jener imputiert würde, der häufig genug mit ihrer
feidite
Erneuerung
verknüpft war.
Das
und Seelenruhe, inneres Gleidige* und Freiheit im Sturm der Leidenlchaften. Der Weg zu diefem Ziel ift die Tugend der Weisheit, die den rediten Gedanken, das redite Wort, die redite Tat garantiert, während Un* kenntnis des Belferen die Urfadie der Sünde ift. In der Weisheit find alle Tugenden enthalten, fie ift objektiv gewendet, das Syftem der Güter und Werte. Durdi Anlagen begünftigt, durdi Belehrung und Übung erworben und unterhalten, ift fie die freie Tat des Menfthen, die Gefinnung, die nidit aus Klugkeit oder Furdit, fondern aus Pflidit fidi der Sünde enthält. Lebensziel
ift
Seelenftärke
widit im Wedifel der Sdiidtfale
71
Die Grundlehren der vorfokratifdien Phifofophie
Durdhi die
neuerungen riflen
hat,
ift
Nebel mangelhafter Überlieferung und Demokrits Syftem heute nur
erkennbar.
ift
Was
und
reditfertigt WiflenlHiaft
und
LIm=
Folge fruditbar gemadit
es fo groß [und für die
feine Gefdiloflenheit
entftellender Er-^
feinen allgemeinen
in
rein wiflenfdiaftlidie Haltung.
Demokritos
Philofophie, infofern er neben der eleatifdien
Forderung widerfprudislofer^Denkbarkeit als zweites Kriterium der Wahr«^ heit Übereinftimmung mit der Erfahrung fefthält und fo fidi derjenigen
Löfung des Erkenntnisproblemes nähert, auf der Wiirenfdiaft und Gegenwart ruhen. Seine Metaphyfik ift eine abgeldilolTene Löfung des Seinsproblems, indem fie Atome und leeren Raum als Elemente der Welt, die Bewegung als Grundform der Genefis einführt und mit diefen Hypothefen die Dinge, ihre Qualitäten und Sdiidtfale, das Leben und den ganzen Prozeß der Weltbildung ein^ heitlidi erklärt, Diefe ftrenge Durdiführung einer natürlidien Erklärungsweife und der Verzidit auf den fublimierten Anthropomorphismus, der fidi nodi bei Anaxagoras findet, wurden vorbildlidi für die Naturforfdiung der neueren Zeit. Demokritos hat fdiließlidi zuerft Wertprobleme zu^ fammenhängend behandelt, neben äßhetifdien vorzugsweife die Fragen der Ethik, und hat aus einer allgemeinen, im Ziel des Menfdien gegebenen
Philofophie der Erfahrung in der
Norm
eine reidi
während legten,
ausgeführte Tugenden- und Pfliditenlehre abgeleitet,
die Pythagoreer
den Sdiwerpunkt der Ethik
Herakleitos aus Widerfprüdien
übrigen Vorfokratiker Wertprobleme auf
fidi
Entwiddung des
Überblid<:en wir die
Thaies bis Demokritos,
keinen
fo finden
in die Praxis
Ausweg
beruhen
fand und
alle
Denkens von
Riditungen vertreten,
die audi heute nodi eine die Geifter beunruhigende Kraft befitzen rialismus,
die
ließen.
philofophifdien
wir beinahe
ver^
,-
Mate*
Empirismus, Idealismus, Rationalismus, der Streit um medianilcbe
oder teleologifdie Weltauffaflung, Theismus, Deismus, Pantheismus und andere audi für uns beltehende Probleme treten hier Urgeftalt auf/ wir durdilchauen nodi ihre Genefis,
Motive,- darauf beruht der
Wert gerade
diefes
in ihrer einfadiften
und
überblidcen alle
Abfdmittes der Gefdiidite
der Philofophie für das eigene Philofophieren.
Das Ende Die der
fidi
erfte
der Vorfokratik.
Periode der griediilchen Philofophie endete in einer Zeit,
ein gründlidier
Idiauungen vollzog. tionale Einheit
von
Wandel
der Struktur des Volkes und feiner
Die Griedien hatten wefentlidi gleidiartig
bis ins 5. Jahrhundert eine
72
Dumm
An* na*
denkenden und fühlenden Indi*
viduen gebildet, die trotz der Unterldiiede von
und Abhängig, Klug und
in
Arm
und
Reidi, Herrfdiend
an diefelben Götter und Ideale glaubten,
«
:
Die Grundlehren der vorfokrarifdien Philofophie
an die gleidien
Pfliditen fidi
gebunden fühlten und
allen
Barbaren unterfdiieden wußten.
und
felbftändige Perfönlidikeiten in
als
Griedien
von
fidi
Allmählig aber waren felbftbewußte
immer größerer Zahl und auf
allen
Gebieten der Kunft, der WilTenlHiaft, des Krieges, des Handels und der Politik hervorgetreten, der Individualismus fprengte
Gegen
den
einheitlidien Geift.
die Volksreligion erhob die Philofophie Einfprudi, befonders
feit
Xenophanes, gegen das mythologifdie und naive Weltbild hatten die PhyAngriff auf Angriff geriditet, die nationale Sitte geriet durdi den
fiker
Vergleidi mit anderen Kulturen ins in
fiel
Individuen und
trennt
fidi
Gruppen von
Wanken,
die Einheit des
foldien, in Parteien,
eine Sdiidit der Gebildeten
Volkes zer^
und immer
fdiärfer
von der Mafle des Volkes.
Die Philofophie war an diefer Entwidilung nidit unbeteiligt gewefen und wurde hinwiederum von ihr wefentlidi berührt. Das Interefle für die Probleme der Naturphilofophie erlahmte, teils infolge des Widerfprudis der Syfteme, der eine Fortfetzung als Sifyphusarbeit erfdieinen aber, weil inzwifdien
zur Geltung
immer
gekommen war,
ftärker eine reine, methodifdie
ein f a di wi ff e n f di a f 1 1 i di e r
ließ,
mehr
Naturforlcbung
B etr
i
e b der
Ma=^
thematik, Phyfik, Medizin, Afi:ronomie, der naturgemäß die Spekulation als ließ. Dafür rüd^en im Zufammen* hang mit dem allgemeinen Kulturwandel der Menfdi und die Gefellfdiaft
müßige Phantafievergeudung erfdieinen in
den Mittelpunkt des
Interefles.
Die Wahrheitsfähigkeit der menfdilidien
Vernunft, die Grundbegriffe nidit nur der nationalen, fondern
aller Sitt-
werden problematifdi, Logik, Ethik und Äfthetik bereiten fidi vor, Rhetorik, Grammatik und Politik blühen. Zugleidi mit den Prolemen änderte fidi die Stellung der Philofophie. Vorher in mehr oder minder gefdilolTenen Sdiulen, aus reiner Liebe zur Theorie gepflegt, tritt fie jetzt hinaus auf den Markt des Lebens, als Mittel im Kampf um politildie Madit und foziales Anfehen, mit der Verheißung »tüditig zu madien zum Reden und Handeln, zur Leitung des Hauswefens und des Gemeinwefens. Die Männer, weldie diefen Umldiwung tragen und verkörpern, find lidikeit
die
Sophiften und Sokrates, der größte
Gegner, Geifi:es
Man
hat Unredit, in ihnen nur die
zu fehen/ ihre Philofophie
ift
nidit
derfelben, zugleidi ihr größter
Dekadenz des metaphyfilchen
müde
Refignation in Skepfis
und Relativismus, fondern folgenfdiwere Formulierung neuer Fragen/ fie find nidit Ende, Abfdiluß einer Periode, fondern Anfang einer foldien, Sie lalFen das Thema Natur auf fidi beruhen und führen das Thema Menlch in die Philofophie ein.
73
UND DIESOPHISnK
C c G B
I I
In I I
« I I I I I
I
i I I
p
philofophifdie Charakter der Sophiftik
DerDenn nis,
der
Name
oofpioTrjg
ift
Ichwer zu beftimmen.
bedeutet nidit ein gemeinfames Bekennt^
fondern eine befondere Art zu lehren. Die Sophiften waren
—
Wanderlehrer für Geld
etwas im damaligen Griedienland Unerhörtes.
Die vornehm^ltrenge Art eines Heraklit und Parmenides, fidi fmnend in das All zu verfenken, und das, was fie dort erfdiaut, nadi Prophetenweife zu verkünden,- der lebensabgewandte große Denkerftil dieser Männer war den Sophiften fremd.
und lehren
Geld/
für
Sie fdiauen nidit,
fie
verkünden
Rhetorik und Politik find ihre vornehmften Künfte.
verwerten.
klügeln
nidit,- fie
fudien die Theorie unmittelbar für die Praxis zu
fie
Sie find
Volksaufklärer, Popularifatoren ohne ein gemeinfames Credo.
Unter den Sophiften gab es nun ganz verfHiiedene Typen Polyhiftoren und Wiflenlchaftsveräditer,- Erbauungs- und Klugheitsprediger/ Paradox« iften und Trivialifatoren Konfervative und Radikale,- geniale und feidite, Ernst* und Spaßphilofophen, weldie die Diale