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Über dieses Buch »Wir blicken in eine Welt von Gegensätzen, in welcher die Vergangenheit auf die Gegenwart wirkt und in dieser wieder die Keime der Zukun sichtbar werden, ein Vermächtnis, auf welchem der innere Zusammenhang der weltgeschichtlichen Begebenheiten überhaupt beruht.« Leopold von Rankes Satz vom Zusammenhang der Weltgeschichte gewinnt Gestalt in der Betrachtung der Papstgeschichte. Die Rolle der Päpste in der abendländischen Geschichte ist für das Werden Europas von größter Bedeutung, ohne die Institution des Papsttums ist die Struktur des Abendlandes undenkbar. Der Verfasser des vorliegenden Buches, der lange Jahre im Vatikan mit Arbeiten zum Papsttum beschäigt war, gibt einen Überblick über die Papstgeschichte, indem er in knapper und präziser Diktion die Porträts der Päpste von Petrus bis Johannes XXIII zeichnet. Heilige und Märtyrer, Verderbte und Verschwender führten den Titel eines »pontifex maximus«, göttliche Tugend und Laster prägten die Pontifikate der verschiedenen Päpste: trotz aller Gefährdung aber überdauerte die Institution des Papsttums die Jahrhunderte, sichtbares Zeichen historischer
Kontinuität
Glaubens an das Amt Petri.
und
unerschütterlichen
HANS KÜHNER
LEXIKON DER PÄPSTE
VON PETRUS BIS JOHANNES XXIII.
FISCHER BÜCHEREI
Französische Ausgabe: Dictionnaire des Papes, Paris 1958. Englische Ausgabe: Encyclopedia of the Papacy, New York und London 1958
Erstmalig in der Fischer Bücherei Januar 1960 Neubearbeitete Ausgabe
Umschlagentwurf: Wolf D. Zimmermann Fischer Bücherei KG, Frankfurt am Main und Hamburg Lizenzausgabe des Werner Classen Verlages, Zürich Copyright 1956 by Werner Classen Verlag, Zürich Gesamtherstellung: Hanseatische Druckanstalt GmbH, Hamburg-Wandsbek Printed in Germany
Fischer Bücherei ebook by meTro seitenkonkordant
Dieses eBook ist nicht zum Verkauf bestimmt!
Der Historiker darf sich nie durch apologetische Zwecke leiten lassen – sein einziges Ziel soll die Ergründung der Wahrheit sein. Ludwig von Pastor Die Geschichte ist das lebendige Gewebe der Tatsachen, ein Gewebe, in welchem sich die Pläne und Handlungen der Menschen mit denjenigen Gottes vermischen, sich kreuzen, sich verwirren, und zwar mit dem Erfolg, daß endlich der Plan sich verwirklicht, in dem überall die Souveränität Gottes als Herrscherin erscheint und zugleich die Liebe Gottes zu den Menschen. Plus XI
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INHALT Einleitung ............................................................. Lexikon der Päpste .............................................. Anhang ................................................................ Heilige und Selige Päpste ............................... Gegenpäpste..................................................... Allgemeine Konzilien ..................................... Kreuzzüge ........................................................ Kleiner Index theologischer und kirchengeschichtlicher Begriffe..................... Bibliographie ................................................... Register.............................................................
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EINLEITUNG KARDINALSKOLLEGIUM UND PAPSTWAHL Das in seinen Grundzügen bereits im . Jahrhundert vorgebildete Kardinalskollegium, aus dessen Mitte der Papst gewählt wird, bestand seit der Konstitution Postquam Sixtus’ V. von aus siebzig Mitgliedern. Der regierende Papst Johannes XXIII. hat mit seiner ersten Kreierung neuer Kardinale diese Konstitution praktisch aufgehoben: Die Zahl der Kardinale soll in Zukun den entscheidenden Belangen der Kirche und Kirchenregierung entsprechen. Das Kollegium besteht aus drei Kategorien, den sechs Kardinalbischöfen, den Kardinalpriestern und den Kardinaldiakonen. Ein Unterschied im Weihegrad besteht bei den ersten beiden Kategorien nicht; sie haben Bischofsweihe, während die Kardinaldiakone nur Priesterweihe haben. Noch bis ins . Jahrhundert kam es sogar vor, daß sie nur die niederen Weihen besaßen. Die Kardinalbischöfe sind Inhaber der sieben um Rom liegenden, suburbikarischen alten Bistümer Ostia, Porto und Santa Rufina, Velletri, Albano, Palestrina, Sabina und Poggio Mirteto, sowie Frascati; hierbei ist der Kardinaldekan stets Inhaber der Bistümer Ostia und Porto mit Santa Rufina. Die übrigen fünf Kardinalbischöfe amtieren, außer in vielen Kongregationen, als Vizedekan des Kollegiums und Generalvikar von Rom, das heißt als Vertreter des Papstes in seiner Eigenscha als Bischof von Rom; als Sekretär des Heiligen Offiziums; als Erzpriester der Lateranbasilika und Präfekt der Sakramentenkongregation; als Sekretär der Konsistorialkongregation, sowie als Erzpriester der Peterskirche und Datar. Dem Kardinaldekan obliegt es gegebenenfalls, einen gewählten Papst zu konsekrieren, wenn dieser noch nicht Bischof sein sollte. Die meisten Kardinalpriester sind residierende Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe in allen Ländern und Kontinenten, die übrigen residieren als Kurienkardinäle in Rom. Die Kardinale werden vom Papst im geheimen Konsistorium ernannt, worauf sie im halböffentlichen Konsistorium das Birett – in einer darauffolgenden Audienz das bekannte rote Käppchen, die Callotta, und endlich im feierlichen öffentlichen Konsistorium in der Peterskirche den roten Hut erhalten. Sie erscheinen bei dieser Gelegenheit zum ersten Male in der sogenannten Cappa Magna, der Robe mit der langen Schleppe. Der rote Hut, wie er auf den Kardinalswappen mit den dreißig Quasten zu sehen ist, wurde in früheren Jahrhunderten entweder getragen oder auf dem Rücken hängen gelassen. Heute erscheint er nur noch am Tage des öffentlichen Konsistoriums, wobei ihn der Papst dem Kreierten einen Augenblick aufsetzt, sowie auf dem Katafalk des Verstorbenen während der Exequien. Nach dem öffent--
lichen Konsistorium findet das zweite geheime Konsistorium mit dem alten Ritus der Schließung und Öffnung des Mundes, der Überreichung des Ringes und der Nennung der Titelkirche, bzw. der Diakonie in Rom statt, deren jeder Kardinal eine besitzt und von der er in einem feierlichen Akt Besitz ergrei. Sein Wappen muß von da an über dem Hauptportal neben dem Wappen des Papstes angebracht sein. Den Titel Eminenz erhielten die Kardinale im Jahre von Urban VIII. Dem Papst bleibt es vorbehalten, in einem Konsistorium Kardinale ohne Namensnennung zu ernennen. Dieses Vorgehen wird als »riservato in pectore« bezeichnet. Solchermaßen ernannte Kardinale haben in einem späteren Konsistorium den Vorrang der Publikation. Nach zehn Jahren kann ein Kardinaldiakon für die Aufnahme unter die Kardinalpriester optieren, wenn Sitze frei sind; hingegen kann nur der älteste Kardinalpriester für die Aufnahme unter die Kardinalbischöfe optieren. Den Erzbischöfen von Turin, Mailand, Venedig, Florenz, Neapel, Palermo, Paris, Westminster, Toledo, Lissabon, München, Köln, Estragom und New York steht der Kardinalshut zu. Das Kardinalskollegium ist erst durch Pius XII. ganz internationalisiert worden, als er im Jahre zu dem schon von Pius XI. kreierten Patriarchen von Antiochien einen Chinesen, einen Afrikaner, den armenisch-kaukasischen Patriarchen und einen Australier kreierte. Johannes XXIII. hat die Internationalisierung fortgesetzt. Besondere Ämter außerhalb der römischen Kongregationen, mit denen Kurienkardinäle betraut werden, sind das des Großpönitentiars, des Staatssekretärs, des Bibliothekars und Archivars der Römischen Kirche, des Kanzlers der Römischen Kirche und des Kardinal-Camerlengos der Römischen Kirche. Das Amt des letzteren erhält erst nach dem Tode eines Papstes während der Sedisvakanz Bedeutung und wird zum wichtigsten Amt der Kurie, während gleichzeitig die Ämter des Staatssekretärs und des Datars automatisch enden. Der Camerlengo wird interimistisches Oberhaupt des Kollegiums. Er nimmt den weißen Schleier vom Antlitz des toten Papstes und berührt dessen Stirn unter dreimaliger Nennung seines Taufnamens mit einem silbernen Hämmerchen, worauf er die Worte sagt: »Der Papst ist wirklich tot.« Darauin wird der Fischerring zerbrochen – theoretisch in so viele Teile, wie Kardinale da sind, zum Zeichen, daß die Regierungsgewalt bis zur Neuwahl auf das Kardinalskollegium übergegangen ist. Der neue Papst wird im Konklave der aus allen Erdteilen kommenden Kardinale gewählt. Pius XI. setzte die Wahlfrist auf drei Wochen nach dem Tode des Papstes fest. Die erste wirkliche »Einschließung« fand im Jahre vor der Wahl Coelestins IV. statt. Von jener brutalen Einkerkerung der Kardinale bis heute hat das Konklave mehrere Wandlungen durchgemacht. Das letzte Veto einer weltlichen Macht gegen eine Wahl wurde nach dem Tode Leos XIII. ausgesprochen, als Österreich die Exklusion gegen die Wahl Rampollas verkünden ließ. --
Pius XII. setzte die für eine Wahl gültige Mehrheit auf zwei Drittel plus eine Stimme fest. Das Konklave findet seit dem . Jahrhundert in der Sixtinischen Kapelle statt, in der die Kardinale von der Außenwelt völlig abgeschlossen werden. Rings um die Wände der Kapelle sind Sitze, Tischchen und Baldachine für jeden Kardinal errichtet. Als Konklavegouverneur amtet der Maestro di Camera, der auch die vatikanischen Briefmarken der Sedisvakanz herausgibt – als Konklavemarschall in Erbfolge der Fürst Chigi Albani della Rovere. Er hat für die äußere Ordnung zu sorgen. Das neueste Papstwahlgesetz ist die Konstitution Vacantis Apostolicae Sedis Pius’ XII. vom . Dezember . Am Morgen nach der Schließung zelebriert der Kardinaldekan die Messe vom Heiligen Geist. Die normalen Abstimmungen, die sogenannten Scrutinien, finden auf vorgeschriebenen Wahlzetteln statt. Ergebnislos verlaufene Wahlgänge werden der auf dem Petersplatz wartenden Menge durch eine graue Rauchfahne bekanntgegeben, denn die Wahlzettel müssen in diesem Falle mit Heu und Stroh zusammen in einem Ofen verbrannt werden, dessen Ofenrohr von der Sixtina nach dem Petersplatz zu führt. Ist die Wahl vollzogen, werden die Stimmzettel allein verbrannt, so daß die Rauchfahne weiß erscheint. Inzwischen lassen alle Kardinale bis auf den Gewählten ihre Baldachine herunter, während der Kardinaldekan diesen fragt, ob er die Wahl annehme und wie er sich nennen wolle. Während der neue Papst mit den Pontifikalgewändern bekleidet wird, tritt der älteste Kardinaldiakon auf die Segensloggia der Peterskirche und spricht den alten lateinischen Satz: »Annuntio vobis gaudium magnum, habemus papam …« Ich verkündige euch große Freude. Wir haben einen Papst … Unmittelbar darauf wird der neue Papst auf die Loggia geleitet, um Urbi et Orbi seinen ersten Segen zu spenden. Es folgen nun noch zwei Feierlichkeiten: die vom ältesten Kardinaldiakon vorgenommene Papstkrönung, vor deren Beginn dem Papst ein Büschel brennendes Werg mit den berühmten Worten: »Sancte Pater, sic transit gloria mundi« entgegengehalten wird, sowie die Besitzergreifung des Laterans als der Bischofskirche des Papstes, der keinen höheren Weihegrad besitzt als den eines Bischofs. Sein offizieller Titel lautet: »Bischof von Rom, Statthalter Jesu Christi, Nachfolger des Apostelfürsten, Pontifex Maximus der Weltkirche, Patriarch des Abendlandes, Primas von Italien, Erzbischof und Metropolit der Provinz Rom, Herrscher des Kirchenstaates.« Er wird mit Ew. Heiligkeit oder Heiliger Vater angeredet. DIE KONGREGATIONEN An der römischen Kurie bestehen zwölf Kongregationen, deren Organisation im wesentlichen auf die Apostolische Konstitution Immensa Sixtus’ V. vom . Januar zurückgeht. Vorarbeiten erfolgten unter Paul III., Pius IV. und Gregor XIII. Ergänzungen und Änderun--
gen nahmen vor Klemens VIII., Paul V., Gregor XV., Urban VIII., Klemens IX., Pius VII., Pius IX., Benedikt XV. und Pius XL Um Fragen der Jurisdiktion und der Administration in den Kompetenzen der Kongregationen genauer zu definieren, erließ Pius X. am . Juni die Konstitution Sapienti consilio. Die Kongregationen, deren drei erste der Papst selber leitet, während den anderen neun Kardinal-Präfekten präsidieren, heißen: . Suprema Sacra Congregazione del Sant’ Offizio (Konstitution Licet Pauls III. vom . Juli ). Sie wacht über die Reinerhaltung von Glaube, Lehre und Sitte und fällt die Urteile vor allem in Fragen von Apostasie, Häresie, Schisma und Schändung des Allerheiligsten. Auch der Bücherindex wird von ihr geführt. . Sacra Congregazione Concistoriale (Konstitution Immensa Sixtus’ V. vom . Januar ). Sie bereitet die Akten für die im Konsistorium zu behandelnden Fragen vor, errichtet neue Diözesen und Kirchenprovinzen und ist zuständig für alle Diözesen, soweit sie nicht von der Kongregation für die Orientalische Kirche oder der Propaganda Fide abhängig sind. Auch die Ernennung von Bischöfen, Weihbischöfen, Apostolischen Administratoren und Seelsorgern für Auswanderer gehört zu ihren Befugnissen. . Sacra Congregazione per la Chiesa Orientale (Konstitution Romani Pontifices Pius’ IX. vom . Januar ). Sie ist für alle mit Rom unierten Glaubensgemeinschaen orientalischer Riten zuständig. Als selbständig arbeitende Ergänzung konstituierte Pius XL mit Motu proprio: Inde ab initio vom . April die Commissione Pontificia per la Russia, die sich mit den russischen Gläubigen des lateinischen Ritus befaßt. . Sacra Congregazione della Disciplina dei Sacramenti (Konstitution Sapienti consilio Pius’ X. vom . Juni ). Sie behandelt alle legislativen Fragen der sieben Sakramente, mit Ausnahme der unter die Kompetenz des Heiligen Offiziums und der Ritenkongregation gehörenden Fragen der Riten und Zeremonien hinsichtlich Vollzug, Verwaltung und Empfang der Sakramente. Vor allem hat sie über Vollzug und Nichtvollzug der Ehe sowie Ehedispensen zu entscheiden. . Sacra Congregazione del Concilio (Konstitution Alias nos Pius’ IV. vom . August ). Sie wachte ursprünglich über die Durchführung der Dekrete des Konzils von Trient, für deren Interpretation sie zuständig war. Heute hat sie vor allem über die aus den Dekreten sich ergebenden Disziplinarverfahren bei Klerus und Volk zu entscheiden und den Katechismusunterricht zu regeln. . Sacra Congregazione dei Religiosi (Konstitution Immensa Sixtus’ V. vom . Januar ). - -
Sie befaßt sich mit allen die Orden, Kongregationen, religiösen Gemeinschaen aller Art, auch die Tertiarier, betreffenden Fragen. . Sacra Congregazione de Propaganda Fide (Konstitution Inscrutabili Gregors XV. vom . Juni ). Ihre Aufgabe ist die Verbreitung des Glaubens auf der ganzen Welt. Sie ist von allen Kongregationen die umfangreichste und im Aufbau komplizierteste. . Sacra Congregazione dei Riti (Konstitution Immensa Sixtus’ V. vom . Januar ). Ihrer Aufsicht unterstehen alle Fragen von Kultus, Liturgie, Heiligsprechung und Reliquienwesen (siehe auch .). . Sacra Congregazione Ceremoniale (Konstitution Immensa Sixtus’ V. vom . Januar ). Sie leitet alle liturgischen und nichtliturgischen Zeremonien der Kurie in Rom, vor allem die Pontifikalämter von Papst und Kardinälen, sowie die Empfänge von Fürstlichkeiten, Staatsoberhäuptern und Diplomaten. . Sacra Congregazione degli Affari Ecclesiastici Straordinari (Schreiben Kardinal Paccas im Aurag Pius’ VII. vom . Juli ). Sie steht unter der Leitung des Kardinal-Staatssekretärs, errichtet Diözesen und ernennt Bischöfe in allen Fällen, die besondere Verhandlungen mit den betreffenden Regierungen erfordern und staatliche Kompetenzen besonderer Art zu berücksichtigen haben (siehe auch .). Auch Konkordatsfragen und zivilrechtliche Probleme werden von ihr behandelt, so daß ein enger Zusammenhang mit dem Arbeitsbereich des Staatssekretariates notwendig ist. . Sacra Congregazione dei Seminari e delle Università degli Studi (Konstitution Immensa Sixtus’ V. vom . Januar ). Sie ist die vorgesetzte Behörde aller katholischen Universitäten und Seminarien. . Sacra Congregazione della Reverenda Fabbrica di San Pietro (Konstitution Quanta curarum Benedikts XIV. vom . November ). Sie geht auf Klemens VII. zurück, wurde von Klemens VIII. zur Kongregation erhoben und verwaltet die Güter der Peterskirche; ihr Sekretär ist administrativer Bauleiter der Basilika. DIE GERICHTSHÖFE . Sacra Paenitentieria Apostolica. Sie findet sich bereits in einer Institution des . Jahrhunderts. Die im allgemeinen noch heute gültige Ordnung erfolgte am . April durch Benedikt XIV. Die endgültige Konstitution De paenitentiaria apostolica erließ Pius XI. am . März . Die Paenitentieria behandelt das gesamte Buß- und Indulgenzwesen. Sie steht unter der Leitung des Kardinal-Großpönitentiars, vor dem die Gläubigen vom Ostermittwoch bis Ostersamstag - -
in der Peterskirche vorüberziehen, wobei er die Knienden mit einem langen Bußstab berührt. . Supremo Tribunale della Segnatur a Apostolica. Der im . Jahrhundert nachweisbare Gerichtshof stellt die oberste Justizbehörde ohne Appellationsmöglichkeit dar. Pius X. schuf die Grundlagen neu mit den Konstitutionen Sapienti consilio vom . Juni und Lex Propria S. R. Rotae et Signaturae vom . Juni . Eng mit dem Tribunal verbunden ist die aus der Cancelleria Apostolica hervorgegangene. . Sacra Romana Rota, deren Kompetenzen in der Konstitution Justi tiae et pacis Benedikts XIV. von fixiert und in der Konstitution Sapienti consilio Pius’ X. vom . Juni neu definiert wurden; sie ist Appellationsinstanz in kirchlichen Prozeßfragen, für die Rom zuständig ist. DIE ADMINISTRATIV- UND REGIERUNGSÄMTER . Cancelleria Apostolica. Sie geht auf das . Jahrhundert zurück und ist ursprünglich das einzige Kurialamt gewesen, aus dem sich sowohl die Kongregationen wie alle anderen Ämter entwickelt haben. Sie steht unter der Leitung des Kardinal-Kanzlers der Römischen Kirche und hat die Aufgabe, päpstliche Bullen, Kanonisationsdekrete und sonstige Dokumente des Papstes und verschiedener Kongregationen zu redigieren und zu versenden. . Dataria Apostolica. Der Name leitet sich ab von data-Datum, das früher unabhängig von der Unterschri der Päpste durch einen eigenen Beauragten eingezeichnet wurde. Das erstmalig unter Martin V. erwähnte, einst sehr wichtige und vielseitige Amt wird vom Kardinal-Datar geleitet und beschränkt seine Tätigkeit heute auf die Verleihung der wenigen, dem Päpste persönlich unterstehenden Benefizien. Der Datar unterzeichnet auch bestimmte Bullen. . Reverenda Camera Apostolica. Sie hat ihre ins . Jahrhundert zurückreichende, früher große Bedeutung längst verloren. Ihrer Verwaltung unterstehen die Besitztümer des Heiligen Stuhles. An ihrer Spitze steht der Kardinal-Camerlengo, der nur während der Sedisvakanz größere Funktionen zu erfüllen hat, wie sie in der Konstitution Vacantis Apostolicae Sedis Pius’ XII. vom . Dezember definitiv festgelegt sind. . Segreteria di Stato. Sie ist die sichtbarste aller päpstlichen Regierungsinstanzen. Nach verschiedenen Wandlungen seit der Zeit Martins V. als vorwiegend Nepoten die Geschäe führten, steht sie seit Innozenz X. offiziell unter der Leitung des mit dem Papst nicht verwandten Kardinal-Staatssekretärs, des päpstlichen Außenministers. In der Konstitution Sapienti consilio Pius’ X. vom . Juni wurde sie endgültig in die drei Sektionen der Affari Straordinari, der Affari - -
ordinari und der Brevi Apostolici, d. h. der Außerordentlichen Angelegenheiten, der Laufenden Angelegenheiten und der Apostolischen Breven eingeteilt. Angegliedert sind die Segreteria dei Brevi ai principi, das auf frühere Zeiten zurückgehende Sekretariat der Breven an die Fürsten, sowie die Segreteria delle lettere Latine; auch sie besteht schon lange Zeit und hat für Fassung und Form päpstlicher Äußerungen, wie Bullen, Konstitutionen, Reskripte, Motuproprien, Enzykliken und Chirographen zu sorgen. STÄNDIGE PÄPSTLICHE KOMMISSIONEN . Commissione pontificia per gli Studi biblici, für Bibelstudium. . C. p. per la interpretazione autentica del Codice di Diritto Canonico, für die amtliche Auslegung des Codex Juris Canonici. . C. p. per la redazione del Codice di Diritto Canonico Orientale, für die Redigierung des Codex Juris Canonici der Ostkirche. . Abbazia di San Girolamo per la revisione ed emendazione della ›Volgata‹, die Revision und Berichtigung des Vulgata-Textes, die von den Benediktinern von San Girolamo in Rom vorgenommen wird. . Pontificio Comitato di scienze storiche, das von Pius XII. ins Leben gerufene Komitee, das den Vatikan beim Comité international de sciences historiques vertritt. . Commissione pontificia di archeologia sacra, für christliche Archäologie. . C. p. centrale per l’arte sacra in Italia, für christliche Kunst in Italien. . C. p. per la cinematografia, la radio e la televisione, für Film, Rundfunk, Fernsehen. . Commissione cardinalizia per il Santuario di Pompei, für das Marienheiligtum in Pompeji. . Opera pontificia per la preservazione della fede e per la provvista di nuove chiese in Roma, für römische Kirchenbauten. . Commissione permanente per la tutela dei monumenti storici e artistici della Santa Sede, für den Schutz historischer und künstlerischer Denkmäler des Heiligen Stuhles. . Commissione Araldica per la Corte Pontificia, für Fragen der Heraldik am päpstlichen Hofe. DIE CAPPELLA PONTIFICIA Sie ist von der Famiglia Pontificia (s. u.) zu unterscheiden und umfaßt die Teilnehmer an den großen liturgischen Funktionen des Papstes: das Kardinalskollegium, den Pro-Staatssekretär, die geistlichen ron-Assistenten, d. h. Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe mit - -
dem Ehrentitel Assistente al Soglio; sodann die meisten auch zur Famiglia gehörenden Würdenträger, den diensttuenden weltlichen Fürst-ronassistenten aus dem Hause Colonna, den Vize-Camerlengo der Heiligen Römischen Kirche, als ersten der sogenannten Prälaten di Fiocchetto (Quaste), nämlich den General-Auditor der Camera Apostolica, den Generalschatzmeister der Camera Apostolica, den päpstlichen Maggiordomo; endlich die Assessoren und Sekretäre der Kongregationen, der Segnatura, den Dekan der Rota Romana, die Unterstaatssekretäre, die apostolischen Protonotare, das Kollegium der Konsistorialadvokaten und noch einige Persönlichkeiten. DIE FAMIGLIA PONTIFICIA An der Spitze stehen die beiden Palast-Kardinäle, nämlich der Datar und der Staatssekretär; sie haben jedoch nur Ehrenämter in der Famiglia inne. Die wichtigste Rolle spielt der Maestro di Camera, der als Obersthofmarschall das gesamte Audienzwesen leitet, soweit nicht ein höheres Protokoll Anwendung findet; er legt dem Papst die Audienzgesuche für die drei Gruppen Privataudienz, Spezialaudienz und allgemeine Audienz vor und hat ihm die Personen der ersten beiden Gruppen vorzustellen. Alle Einladungen zu großen Papst-Funktionen, besonderen Veranstaltungen im Vatikan und Audienzen tragen Namen und Siegel des Maestro di Camera, des Praefectus Cubiculi Secreti Pontificis. Weitere Mitglieder der Famiglia sind die geistlichen Camerieri segreti partecipanti – diensttuende Kämmerer – wie der Geheimalmosenier, der die private Wohltätigkeit des Papstes leitet, der Brevensekretär, die beiden Sekretäre della Cifra, der stellvertretende Datar, der Sekretär der Lateinischen Briefe, der Sacrista, der dem Augustinerorden angehört und zugleich als päpstlicher Vikar für den Vatikanstaat amtet. Den geistlichen entsprechen die weltlichen Camerieri segreti partecipanti, die nach ihrer spanischen Horacht di cappa e spada, d. h. mit Mantel und Degen heißen und deren Rangältester der Maestro del Sacro Ospizio ist, der nur in Erscheinung tritt, wenn regierende Fürsten und Staatsoberhäupter zum Papst zu geleiten sind. Reine Ehrenämter sind der Foriere Maggiore, der »Generalquartiermeister«, und der Cavallerizzo Maggiore, der Oberstallmeister, die ihre Titel aus Ämtern früherer Zeiten behalten haben; dann der Soprintendente Generale alle Poste, der Generalpostmeister, und die beiden Latori della Rosa d’Oro, die Überbringer der Goldenen Tugendrose, die in den letzten Jahrhunderten hin und wieder Fürstinnen übersandt wurde. Alle diese Würdenträger sind Fürsten oder Marchesi. Auch die Offizierscorps der Nobelgarde, der Schweizergarde, der Palastgarde und der Gendarmerie gehören zur Famiglia, dazu mehrere - -
Geistliche, deren wichtigste der Magister Sacri Palatii, der Apostolische Prediger und der Päpstliche Beichtvater sind. Der erstere fungiert als Hoheologe, ist stets ein Dominikaner, dessen Amt auf den heiligen Dominikus zurückgeht. Der Apostolische Prediger ist Kapuziner und hält vor Papst und Hof die Fasten- und Adventpredigten. Der Beichtvater ist Servit. In Papstprozessionen geht er vor dem Tragsessel des Heiligen Vaters. Neben der genannten Gruppe der weltlichen Camcrieri segreti gibt es solche non partecipanti di cappa e spada, die bis auf fünf, die daher de numero genannt werden, nur vorübergehend als Geheimkämmerer im Hofdienst stehen. Sie gehören zum größten Teil dem Adel an, einige werden in diese Gruppe aufgenommen auf Grund ihres hohen gesellschalichen Ranges. Das Bürgertum stellt die Camerieri d’onore di cappa e spada, deren fünf wiederum de numero sind. Alle leisten Dienst in den Vorzimmern des Papstes oder bei hohen Funktionen. Schließlich gehören verschiedene Gruppen von Geistlichen zur Famiglia, darunter die drei Gruppen der Protonotare und alle Geistlichen, denen der Papst auf Grund besonderer Verdienste den Titel Hausprälat verleiht. PÄPSTLICHE AKADEMIEN . Accademia Romana di San Tommaso d’Aquino e di Religione Cattolica, eine Gründung Leos XIII. vom . Oktober . . Pontificia Accademia dell’ Immaculata, gegründet . . Accademia Teologica, gegründet am . April . . Accademia Liturgica, von Benedikt XIV. gegründet. . Pontificia insegne Accademia dei Virtuosi al Pantheon, gegründet . . Pontificia Accademia Romana di Archeologia, gegründet von Benedikt XIV. . Collegium Cultorum Martyrum, gegründet . . Pontificia Accademia delle Scienze, gegründet am . August . Sie ist die repräsentativste der päpstlichen Akademien.
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LEXIKON DER PÄPSTE PETRUS bis ?* »Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Und dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben.« Dieser, von Matthäus im . Kap. . u. . Vers überlieferte Weltaurag Christi an Petrus aus Bethsaida in Galiläa bedeutet die Geburtsstunde des Papsttums und die Einsetzung des Apostelfürsten zum ersten Papst. Gegen die Echtheit dieses Aurages werden heute auch auf nichtkatholischer Seite nur noch in sehr geringem Maße ernsthae Zweifel erhoben, und dies um so weniger, als sich an verschiedenen Stellen des Neuen Testamentes, in denen Petrus als Wortführer der Apostel in Erscheinung tritt, entscheidende Belege für die Institution des sogenannten Primates finden, wie sie im römischen Papsttum manifestiert ist. Petrus lebte nach dem Tode Christi erst in Antiochia und kam dann nach Rom. Früher geäußerte Zweifel an seinem Aufenthalt in Rom entbehren jeder Grundlage. Als Vorsteher der römischen Christengemeinde vereinte er in seiner Person die Bischofswürde von Rom mit der Würde des Papstes. Er wirkte noch häufig außerhalb von Rom. Während der neronischen Verfolgungen erlitt er zwischen den Jahren und das Martyrium. Von den beiden Petrusbriefen ist nur die Echtheit des ersten erwiesen. Während der im Jahre begonnenen Ausgrabungen unter der Peterskirche wurden an der Stelle unter der Confessio, an der, wie nunmehr als absolut gesichert zu gelten hat, das Grab Petri liegt, Reste gefunden, die mit größer Wahrscheinlichkeit die Gebeine des Apostels sind.
LINUS ? bis ? Die Jahreszahlen seines Pontifikates sowie der Pontifikate seiner Nachfolger während fast zweier Jahrhunderte sind nicht zuverlässig überliefert. Auch über Einzelheiten seines Wirkens liegen keine authentischen Nachrichten vor.
* Die bei den Namen der Päpste angegebenen Jahreszahlen bezeichnen die Jahre des Pontifikates, die in der Frühzeit nicht immer mit dem Todesjahr übereinstimmen. Erst von der Mitte des 3. Jahrhunderts an sind teilweise, später durchgehend genaue Daten überliefert. Soweit sie bekannt sind, also etwa vom 6. Jahrhundert an, werden die Daten der Wahl zum Papst, sonst die der Weihe genannt. Die Namen der Gegenpäpste sind zur besseren Übersichtlichkeit in › ‹ gesetzt.
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ANACLETUS ? bis ? Er heißt auch Cletus oder Anencletus. Falsch ist eine Überlieferung, nach der Cletus und Anacletus zwei verschiedene Päpste sind. Die früheste, unbestrittene Papstliste, die der heilige Irenäus gegen Ende des . Jahrhunderts verfaßte, nennt einzig Cletus.
KLEMENS I. ? bis ? Von ihm stammt ein wichtiger Brief an die Korinther über das Wesen der Hierarchie und des Gehorsams, eines der frühesten Dokumente des römischen Primates. Diesem entspricht ein Brief des heiligen Ignatius von Antiochien, der die Kirche Roms und ihr Oberhaupt als führend im Frühchristentum bezeichnet. Ignatius hat den Begriff Katholische Kirche geprägt. Unter Klemens, der noch mit Paulus zusammengearbeitet haben soll, bekehrten sich führende Angehörige des römischen Adels und des Kaiserhauses zum Christentum. Ob der Apostel Johannes zu dieser Zeit, wie Tertullian schreibt, in Rom gemartert wurde, ist nicht zu beweisen.
EVARISTUS ? bis ? Ein aus Bethlehem gebürtiger Grieche, von dem man nur den Namen kennt.
ALEXANDER I. ? bis ? Auch über diesen Papst ist nichts Authentisches bekannt.
SIXTUS I. ? bis ? Er wird auch Xystus genannt. Mehr weiß man über ihn nicht.
TELESPHORUS ? bis ? Diesem einstigen griechischen Einsiedler wird die Einführung der weihnachtlichen Mitternachtsmesse zugeschrieben.
HYGINUS ? bis ? Er war der Sohn eines Philosophen aus Athen. Authentische Nachrichten über seinen Pontifikat sind nicht erhalten. - -
PIUS I. ? bis ? Er leitete die Kirche zur Zeit der Christenverfolgungen unter Hadrian und soll Santa Pudenziana erbaut haben, die nach der Überlieferung älteste Kirche Roms.
ANICETUS ? bis ? Unter dem Pontifikat dieses Syrers kam der heilige Polykarp, Bischof von Smyrna und Schüler des Apostels Johannes, nach Rom, wo die sogenannte Osterfeierfrage erörtert wurde. Anicetus nahm gegen die Irrlehre des Montanismus Stellung.
SOTER ? bis ? Er regierte zur Zeit der Christenverfolgungen unter Marc Aurel.
ELEUTHERUS ? bis Mit diesem Griechen endet die früheste Papstliste des heiligen Irenäus, des bedeutendsten Exegeten des Papsttums in Asien und Gallien. Auch Eleutherus hatte mit dem Montanismus zu kämpfen.
VIKTOR I. bis Der Name dieses Afrikaners ist mit dem unter Anicetus aufgeworfenen Osterfeierstreit verbunden, in dessen Verlauf Viktor die Gemeinden Kleinasiens exkommunizierte, da sie sich dem Brauche Roms nicht anschlossen. Es ist die erste autoritative Maßnahme des Papsttums. Der heilige Irenäus bestritt Viktor das Recht hierzu keineswegs, lehnte indessen die Exkommunikation ab, da der Anlaß nur liturgischer, nicht dogmatischer Natur war. Viktor gab nach, wodurch die Gefahr eines Schismas vermieden wurde. Unter seinem Pontifikat trat die Irrlehre des Monarchianismus oder Adoptianismus auf.
ZEPHYRINUS bis Er war Papst in der Zeit der Verfolgungen unter Alexander Severus.
KALIXTUS I. bis Er war Sklave gewesen und trat gegen die Irrlehre des Sabellius, den modalistischen Monarchianismus, auf. Nach seinem Tode ließ sich der - -
Presbyter ›Hippolyt‹, das Haupt des Ditheismus, zum ersten Gegenpapst aufstellen, dessen Schisma bis dauerte. Nach Kalixtus sind die römischen Kalixtuskatakomben benannt.
URBAN I. bis Sein Pontifikat verlief ohne besondere Ereignisse.
PONTIAN .. bis . Neu einsetzende Christenverfolgungen unter Maximinus Trax führten zur Verbannung Pontians sowie des Gegenpapstes nach Sardinien, wo beide starben, nachdem Pontian auf die päpstliche Würde verzichtet hatte. Unter Pontians Pontifikat erlitt am . November die heilige Cäcilie in Rom den Märtyrertod.
ANTERUS .. bis . . Sein Pontifikat währte nur wenige Wochen.
FABIAN .. bis .. Er stand in Glaubensfragen mit Origines, dem verstorbenen großen Kirchenlehrer des Ostens, in Verbindung. Nach der Überlieferung teilte er Rom in sieben Diakonatsbezirke mit sieben Diakonen und sechsundvierzig Presbytern ein: es ist die früheste Grundlage der späteren Kardinalstitelkirchen. Fabian erlitt unter Decius den Märtyrertod.
KORNELIUS . bis . Er konnte erst nach einer durch die Verfolgungen des Decius bedingten Sedisvakanz von achtzehn Monaten gewählt werden, nachdem sich vorher der Presbyter ›Novatian‹, das Haupt der Katharer, zum Gegenpapst aufgeschwungen hatte. Kornelius baute die Hierarchie der Kirche aus. Unter Gallus wurde er nach Civitavecchia verbannt, wo er starb. Sein Bildnis ist auf einem Wandgemälde der Kalixtuskatakomben zu sehen.
LUCIUS I. .. bis .. Auch er wurde verbannt, konnte aber zurückkehren und starb eines natürlichen Todes. - -
STEPHAN I. .. bis .. Während seines Pontifikates entstand der Ketzertaufstreit mit Bischof Cyprian von Karthago, dem Primas von Afrika. Stephan lehnte die Wiedertaufe von Gläubigen, die zur römischen Kirche übertreten oder zurückkehren wollten, ab.
SIXTUS II. .. bis .. Er stellte den Frieden im Ketzertaufstreit wieder her und duldete in Afrika die Wiedertaufe. Obwohl er ein Opfer der Verfolgungen unter Valerian wurde und von allen frühen Märtyrerpäpsten die höchste Verehrung genoß, ist doch der nach ihm gemarterte Archidiakon Laurentius mehr in das Bewußtsein des Christentums übergegangen. Sein und Papst Sixtus’ Leben und Wirken hat in dem Freskenzyklus des Fra Angelico in der Cappella Niccolo V. im Vatikan höchsten künstlerischen Ausdruck gefunden, während Raffael den Papst auf dem Gemälde der Sixtinischen Madonna unsterblich gemacht hat.
DIONYSIUS .. bis .. Sein Pontifikat, dem durch eine Verfügung des Gallienus, des Sohnes Valerians, Verfolgungen erspart geblieben sind, war von der Auseinandersetzung mit der Lehre des Subordinatianismus des Originesschülers Dionysius von Alexandrien erfüllt.
FELIX I. .. bis .. Über seinen Pontifikat liegen keine Berichte vor.
EUTYCHIANUS .. bis .. Auch über diesen Papst ist nichts Näheres bekannt. Seine Grabplatte ist in den Kalixtuskatakomben wiedergefunden worden. Zwischen und wurde in Persien Mani, der Begründer des Manichäismus, gekreuzigt.
KAJUS .. bis .. Er war ein Verwandter Diokletians. Sein Pontifikat liegt im dunkeln. - -
MARCELLINUS .. bis .. Unter ihm begann die große diokletianische Christenverfolgung. Vieles aus dem Leben des Marcellinus ist ungeklärt: er soll den Verfolgern die heiligen Bücher ausgeliefert und den Göttern geopfert haben. Manche Papstkataloge nennen den Namen des vielleicht als Märtyrer Gestorbenen nicht, doch sein Grab in den Priszillakatakomben wurde verehrt.
MARCELLUS I. .. oder .. bis .. Er konnte der diokletianischen Verfolgungen wegen erst nach einer Sedisvakanz von fast vier Jahren – der längsten der Papstgeschichte! – gewählt werden, ging streng gegen die während der Verfolgung Abgefallenen vor, was Wirren zur Folge hatte, und starb in der Verbannung.
EUSEBIUS ../ bis ../ Während des kurzen Pontifikates dieses Griechen dauerten die Wirren fort, die durch die Maßnahmen des Marcellus ausgelöst worden waren. Eusebius starb in der Verbannung in Sizilien.
MILTIADES .. bis .. Er wird auch Melchiades genannt, war Afrikaner und wurde nach einer Sedisvakanz von zwei Jahren gewählt. In seinen Pontifikat fällt die Schlacht am Ponte Milvio in Rom vorn . Oktober , die mit dem Sieg Konstantins über Maxentius endete und für das Papsttum eine entscheidende Epoche einleitete. Giulio Romano hat in der Sala di Costantino im Vatikan das Riesenfresko der Schlacht gemalt. wurde Augustus Licinius Kaiser von Ostrom, während Konstantin Alleinherrscher des Abendlandes blieb. Im gleichen Jahre erhob das Mailänder Edikt beider Kaiser die Kirche zur Weltkirche. In Afrika entstand die Donatistenbewegung, die hundert Jahre lang andauerte.
SILVESTER I. .. bis .. Obwohl Silvesters Pontifikat mehr oder weniger mit der Regierungszeit Konstantins d. Gr. zusammenfällt, tritt dieser Papst als Handelnder ganz in den Hintergrund vor der alles beherrschenden Tätigkeit des Kaisers. Die sogenannte Silvesterlegende hat aus dem Papste etwas gemacht, was er zu keinem Augenblick seines Lebens gewesen - -
ist. Mit dem Sturz des Licinius war Konstantin Alleinherrscher im Osten und im Westen. Neben Rechten, die er schon vorher der Kirche eingeräumt hatte, bestimmte er den Sonntag als staatlichen Feiertag. Nach erbaute er die beiden Hauptbasiliken Roms, die Laterankirche und die Peterskirche, in der Petrus sein Grab erhielt – sowie Santa Croce in Gerusalemme. Obwohl er der Befreier von Kirche und Papsttum war, legte er gleichzeitig den Grund zum später o verhängnisvoll sich auswirkenden Cäsaro-Papismus. Im Ostreich begann damals der Streit der Arianer mit den Athanasianern, den der Presbyter Arius mit seiner Leugnung der Gottheit des Sohnes ausgelöst hatte. berief Konstantin das erste der zwanzig Allgemeinen Konzilien nach Nicäa. Arius wurde abgesetzt und das Symbolum Nicaenum verkündet, das Credo mit der Definition der Wesensgleichheit von Vater und Sohn, dem homousios. Das Konzil hat zum ersten Male die Lehrautorität des Papstes vor der Welt manifestiert. Bald darauf wandte sich Konstantin indessen dem Arianismus zu, verbannte Athanasius und ließ sich vor seinem Tode arianisch taufen. Eine Primatstellung des Papstes und Bischofs von Rom scheint er damals nicht anerkannt zu haben. Am . Mai weihte er Byzanz-Konstantinopel, seine neue Hauptstadt, als Neu-Rom ein. Szenen aus der Legende Silvesters sind auf Fresken des . Jahrhunderts in der Kirche Quattro Coronati in Rom erhalten.
MARCUS .. bis .. Sein kurzer Pontifikat von zehn Monaten verlief ereignislos. Ihm wird die Verleihung des Palliums, das vom Papst und von den Erzbischöfen getragen wird, an den Bischof von Ostia zugeschrieben. Sein Bildnis ist eines der wenigen aus dem Brande der Paulsbasilika von geretteten Werke der Frühzeit.
JULIUS I. .. bis .. Er definierte erneut die Anschauung vom Primat Roms und des Papstes – auch im Osten. Sein Bemühen, durch die Synode von Sardica/Sofia von nach langen Streitigkeiten Frieden zwischen Arianern und Athanasianern zu stien, scheiterte. Die Arianer verließen Sardica, während die verbleibenden Anhänger des Nicaenums die oberste Jurisdiktion Roms anerkannten.
LIBERIUS .. bis .. Er wurde Papst zur Zeit des Höhepunktes der Auseinandersetzungen zwischen Athanasius und Arius. Konstantins d. Gr. Sohn Konstanz - -
von Westrom, der Helfer des Papsttums, wurde ermordet. Sein Bruder Konstantins, ein Anhänger des Arius, verfolgte die Kirche, berief die Synode von Arles und ließ Athanasius sowie das Nicaenum verurteilen. Ohne Wissen des Liberius unterschrieben die päpstlichen Legaten. Der Papst setzte die Synode von Mailand durch, zu der ihn der Kaiser gewaltsam aus Rom herbeibringen ließ, um die Verurteilung des Athanasius von ihm zu erzwingen. Als Liberius sich weigerte, wurde er nach Beröa in razien verbannt, während der Kaiser ›Felix II.‹ als Gegenpapst wählen ließ. Liberius konnte nach Rom zurückkehren – ›Felix II.‹ mußte fliehen. Die Haltung des Papstes in der Verbannung war nicht eindeutig geblieben. Innerlich zermürbt und aus Friedensliebe bekannte er sich hinsichtlich des Nicäischen Glaubensbekenntnisses zu einer Kompromißformel über das homousios, wandte sich damit von Athanasius ab und näherte sich Arius. Die beim Regierungsantritt des Julian Apostata einsetzenden Wirren bedeuteten den beginnenden Zerfall des Arianismus, dem sich Liberius wiederum tatkräig entgegenstellte, vor allem nach der Reichsteilung von , als Valentinian I. Westrom, sein Bruder Valens Ostrom-Byzanz erhielt. Liberius gründete die Erzbasilika Santa Maria Maggiore.
DAMASUS I. .. bis .. Gegen den Spanier Damasus wurde von den Arianern für kurze Zeit ›Ursinus‹ als Gegenpapst aufgestellt. Es gelang dem Papst, die endgültige Niederlage des Arianismus auf friedliche Weise durchzuführen, wobei ihn Kaiser eodosius, Basilius d. Gr. Gregor v. Nyssa und Gregor v. Nazianz unterstützten. Die Lehre von der Trinität wurde endgültig gefestigt, die von Macedonius verkündete arianische Lehre, der Heilige Geist sei ein Geschöpf Christi, auf dem zweiten Allgemeinen Konzil von in Konstantinopel verurteilt; das Credo erhielt als Symbolum Nicaeno-Constantinopolitanum seine heute gültige Form; es wurde indessen erst von Benedikt VIII. in die römische Meßordnung aufgenommen. In den Pontifikat des Damasus fällt die Erhebung des heiligen Ambrosius auf den Bischofssitz von Mailand sowie das Wirken des heiligen Johannes Chrysostomus. Sekretär des Papstes war der heilige Hieronymus, der, nach der Feststellung des Kanons der Heiligen Schri auf der römischen Synode von , mit der Herstellung des authentischen lateinischen Bibeltextes, der Vulgata, beauragt wurde. Damasus, einer der bedeutendsten Päpste des . Jahrhunderts, fundierte die kirchliche Rechtsprechung sowie die Primatstellung Roms. Die von Diokletian geschlossenen Katakomben ließ er wieder öffnen und herstellen und erwies damit der späteren Forschung unschätzbare Dienste. Für Märtyrergräber verfaßte er Inschrien. Nach ihm ist der Cortile di San Damaso des vatikanischen - -
Palastes benannt. – Der Sieg der Westgoten gegen Kaiser Valens von Ostrom bei Adrianopel am .. bedeutet den Beginn des Zerfalls der römischen Weltherrscha.
SIRICIUS .. oder .. bis .. Er setzte die Arbeit seines Vorgängers fort. Von ihm stammt die erste päpstliche Dekretale, das heißt Verordnung – nicht mehr Mahnbrief halb privaten Charakters – zur Kirchendisziplin. Er zeichnete sich durch maßvolle Strenge und Gerechtigkeit aus. Unter seinem Pontifikat trat der Irrlehrer Priscillus auf und der heilige Augustinus wurde Bischof von Hippo, wo er seine Bekenntnisse schrieb. Unter Siricius sind die von Innozenz I. vollendeten Mosaiken in Santa Pudenziana begonnen und ist die Erzbasilika San Paolo fuori le mura erbaut worden.
ANASTASIUS I. .. bis .. Der kurze Pontifikat dieses vom heiligen Hieronymus gerühmten Papstes galt der Widerlegung und Verurteilung des Origines.
INNOZENZ I. .. bis .. Er griff in die Verhältnisse der Ostkirche ein – besonders als der heilige Chrysostomus von seinem Metropolitensitz Konstantinopel verjagt wurde – und unterbaute die päpstliche Jurisdiktion, um dann zum ersten Male in der Geschichte die päpstliche Lehrentscheidung in Glaubensdingen klar zu umreißen. In der Bekämpfung der nordafrikanischen Irrlehren der Donatisten, Pelagianer und anderer mehr wurde er vom heiligen Augustinus unterstützt. Als kluger Politiker versuchte er , jedoch vergebens, Kaiser Honorius zu einer Verständigung mit dem in Italien eingefallenen Westgotenkönig Alarich zu bewegen, der am . August Rom plünderte. Die Anschuldigungen des Heidentums gegen die Christen im Anschluß an diese Katastrophe nahm Augustinus zum Anlaß, sein De civitate Dei zu schreiben. Innozenz gelang es, durch Verhandlungen mit Alarich die wichtigsten Kirchen zu retten und der Bevölkerung tatkräig zu helfen.
ZOSIMUS .. bis .. Er war Grieche, festigte den päpstlichen Primat und verurteilte den Pelagianismus. Aus mangelndem Einfühlungsvermögen, Starrsinn - -
und Unkenntnis beging er eine Reihe schwerer innerkirchlicher Mißgriffe, die noch seinen Nachfolgern zu schaffen machten.
BONIFAZ I. . oder .. bis .. Gleichzeitig mit seiner Erwählung ließ sich ein ›Eulalius‹ als Gegenpapst aufstellen, anfangs mit Hilfe des Kaisers Honorius, der ihn indessen nach einem Jahr fallenließ. Honorius’ aus diesem Anlaß herausgegebenes Edikt – das erste staatliche Papstwahlgesetz! –, nach welchem bei Unentschiedenheit beide Kandidaten zurücktreten sollten und eine Neuwahl erfolgen müsse, hat nie praktische Bedeutung erlangt.
COELESTIN I. .. bis .. Unter seinem Pontifikat gingen die innerkirchlichen Auseinandersetzungen in Nordafrika unter der Führung des heiligen Augustinus weiter, den die Päpste als den führenden Apologeten der Zeit erkannt hatten. In Konstantinopel trat der Patriarch Nestorius auf, löste einen Lehrstreit über den Begriff Marias als Gottesgebärerin aus und bestritt die gott-menschliche Natur in Christus. Er wurde im Jahre auf dem dritten Allgemeinen Konzil in Ephesus verurteilt. Coelestin hat vermutlich den Introitus in die Messe eingeführt.
SIXTUS III. .. bis .. Er setzte die Bemühungen um den Frieden in Lehre und Kirche erfolgreich fort und entfaltete in Rom eine rege Bautätigkeit; so entstand die Erzbasilika San Lorenzo fuori le mura. Sixtus vollendete die Tauapelle am Lateran und schmückte, im Gedanken an das Konzil von Ephesus, die von ihm umgebaute Erzbasilika Santa Maggiore mit Marienmosaiken.
LEO I. d. Gr. .. bis .. Seine vordringliche Aufgabe sah Leo, der sich schon als Diakon im Dienste der Kirche unter Coelestin I. bewährt hatte, in der Reinhaltung von Lehre und Primat und damit der Bekämpfung der Manichäer sowie der von Ostrom und Kaiser eodosius II. begünstigten Sekten und staatskirchlichen Tendenzen, wie sie auf der antirömischen sogenannten Räubersynode von Ephesus in Erscheinung traten, auf der Eutyches den Monophysitismus verfocht. Das zur - -
Regierung gelangte romfreundliche Kaiserpaar Marcian und Pulcheria berief gemeinsam mit Leo das vierte Allgemeine Konzil nach Chalcedon, zu welchem sich nun auch die Teilnehmer der Räubersynode bekannten. Es war ein aus bestem Gewissen begangener administrativer Fehler Leos, der mit der Ernennung eines ständigen Apokrisiars in Konstantinopel zum Begründer der Nuntiatur geworden ist, daß er gewisse Rangbestrebungen der oströmischen Metropole allzu schroff ablehnte und damit vielleicht die spätere Trennung von Rom erleichterte. So sehr er Eingriffen des Staates in die Regierung der Kirche entgegentrat, so bedingungslos stellte er sich in äußerster Not dem Staate zur Verfügung: überflutete Attila Oberitalien, worauf der schwächliche Kaiser Valentinian III. von Westrom Leo bat, mit Attila zu verhandeln. Leo trat dem Barbaren bei Mantua entgegen, bewog ihn zum Rückzug und wurde damit zum Retter des Abendlandes. Raffael hat das Ereignis in der Stanza d’Eliodoro im Vatikan gestaltet. mußte Leo auch dem arianischen Vandalenkönig Geiserich vor Rom persönlich entgegentreten. Hier konnte er zwar nicht die Plünderung Roms, wohl aber die Brandschatzung und Niedermetzelung der Bevölkerung verhindern. Leo ist in gleich hohem Grade Staatsmann und Papst gewesen, der sein Wirken in umfassender Weise als Dienen aufgefaßt hat. Seine Briefe, Schrien und Predigten zeichnen sich durch klassischen Stil, hohe Formvollendung, Schönheit und bewegenden Ausdruck aus. Benedikt XIV. erhob ihn zum Kirchenlehrer. Er liegt in der Peterskirche unter dem ihm geweihten Altar begraben. Von ihm stammt ein für das Papsttum bedeutsam gewordenes Wort: »Petri dignitas etiam in indigno herede non deficit« – »Die Würde des Petrus geht auch in einem unwürdigen Erben nicht verloren.« Ein Freskobildnis Leos aus dem . Jahrhundert ist in Santa Maria Antiqua erhalten.
HILARIUS .. bis .. Dieser Sardinier war Legat Leos d. Gr. auf der Räubersynode von Ephesus gewesen. Er wirkte in den Bahnen seines Vorgängers und trat gegen den neu sich erhebenden Arianismus auf. Wenige Päpste der Frühzeit haben die Kirchen Roms so weitgehend mit Schätzen und Kunstwerken ausgestattet wie Hilarius, der auch die beiden Kapellen Johannes’ des Täufers und des Apostels Johannes im lateranensischen Baptisterium erbaute.
SIMPLICIUS .. bis .. Er hatte gegen die Maßnahmen Ostroms zugunsten des Monophysitismus zu kämpfen. Am . August ging das weströmische Kai- -
sertum mit der Erhebung Odoakars zum Germanenkönig in Italien, mit dem Sitz in Ravenna, unter; der letzte Kaiser, Romulus Augustus, wurde am . September abgesetzt. erließ Kaiser Zeno I. von Byzanz das Henotikon, das indirekt die Dekrete von Chalcedon verdammte und damit den Bruch mit Rom zur Folge hatte. Dieses erste Schisma heißt nach dem Patriarchen von Konstantinopel auch Acacius-Schisma.
FELIX III. .. bis .. Er wird der Dritte genannt, obwohl ›Felix II.‹ Gegenpapst war. Seine Wahl erfolgte unter dem Einfluß Odoakars, der, obgleich Arianer, die Katholiken schützte. Vor seiner Priesterweihe war er verheiratet gewesen und soll der Urgroßvater Gregors d. Gr. sein. Es gelang ihm, den Katholikenverfolgungen in Afrika unter dem Vandalenkönig und Arianer Hunnerich, dem Sohne Geiserichs, ein Ende zu bereiten. machte der merovingische Frankenkönig Chlodwig in der Schlacht von Soissons den letzten Resten des einstigen weströmischen Imperiums ein Ende.
GELASIUS I. .. bis .. Bald nach der Wahl dieses hervorragenden, klugen afrikanischen Papstes gelangte in Italien der Ostgotenkönig eoderich d. Gr. als Nachfolger Odoakars zur Alleinherrscha. Er residierte in Ravenna. Gelasius vertrat den römischen Primat Kaiser Anastasius I. von Ostrom gegenüber. Das berühmte gelasianische Bücherdekret, das Verzeichnis der Bücher der Heiligen Schri, der patriotischen wie häretischen Schrien, stammt erst aus dem . Jahrhundert. Gelasius schae das letzte noch bestehende heidnische Fest, die Luperkalien, ab, an deren Stelle möglicherweise das heutige Fest von Maria Lichtmeß getreten ist.
ANASTASIUS II. .. bis .. Das wichtigste Ereignis seines Pontifikates – um – ist die Bekehrung des Frankenkönigs Chlodwig, des ersten Germanenherrschers. In seinen Versöhnungsbestrebungen mit Ostrom ging Anastasius teilweise zu weit, so daß es nach seinem Tode zur Aufstellung eines Gegenpapstes kam.
SYMMACHUS .. bis .. Die ultrabyzantinischen Anhänger von Papst Anastasius stellten ›Laurentius‹ als Gegenpapst auf, der sich bis hielt, obwohl eo- -
derich den von der Mehrheit gewählten Symmachus unterstützte. Die römische Synode von erließ das erste, sogar vom Gegenpapst unterzeichnete Papstwahldekret zur Vermeidung von Schismen innerhalb der Kirche. Die Beilegung der Kämpfe mit Ostrom und dem Monophysitismus gelang Symmachus nicht. Er ordnete an, in den Sonntagsmessen und an Märtyrerfesten das Gloria zu singen. Das Mosaikbild des Papstes befindet sich in Sant´ Agnese fuori le mura.
HORMISDAS .. bis .. Erst , als Justinus Herrscher von Byzanz wurde und die Versöhnung mit Rom wünschte, konnte dem Schisma von ein Ende gemacht werden. eoderich stimmte zwar zu, fürchtete jedoch angesichts dieser neuen Annäherung an Ostrom für sein Reich und wurde so zum Gegner des Papstes. Das größte Opfer der neuen gefährlichen Lage wurde der von eoderich hingerichtete Boëthius, dessen im Gefängnis entstandenes Werk De consolatione philosophiae der Weltliteratur angehört.
JOHANN I. .. bis .. Von eoderich gezwungen, mußte Johannes – als erster Papst – nach Konstantinopel fahren, um von Kaiser Justinus, den er krönte, die Maßnahmen gegen die Arianer aueben zu lassen. Obwohl Justinus eoderich weitgehend entgegenkam, war dieser nicht zufrieden und ließ den heimgekehrten Papst in den Kerker werfen, wo er schon nach wenigen Tagen starb. Er war ein Freund des Boëthius gewesen, der ihm einige Werke gewidmet hat.
FELIX IV. .. bis .. Er wird als vierter des Namens gezählt, obwohl ›Felix II.‹ Gegenpapst gewesen ist. Seine Wahl fand unter dem Einfluß eoderichs statt, dessen Tochter Amalaswintha sich um Beilegung der Zwistigkeiten bemühte, was ihr für kurze Zeit gelang. Das große Ereignis des Pontifikates ist die Gründung von Monte Cassino durch den heiligen Benedikt. Vierundzwanzig Päpste sind aus dem Benediktinerorden hervorgegangen. Felix ist der Erbauer von Santi Cosma e Damiano, wo sich sein Mosaikbildnis befindet.
BONIFAZ II. .. bis .. Obwohl Felix IV. im Sinne der Sukzession – eine ungewöhnliche Maßnahme – dem Archidiakon Bonifaz vor dem Tode sein Pallium - -
übergab und ihn damit zum Nachfolger bestimmte, wurde zunächst in dem Diakon ›Dioskur‹ von Alexandrien ein bald darauf verstorbener Gegenpapst aufgestellt; Bonifaz, ein in Rom geborener Gote und damit der erste »nördliche« Papst, fand erst später allgemeine Anerkennung. Sein kurzer Pontifikat verlief ereignislos. In Byzanz bestieg Justinian den ron, dessen Regierung der Reichseinheit in Glauben und Recht gewidmet war.
JOHANN II. .. bis .. Da er Mercurius hieß, änderte er als erster Papst seinen Namen. Unter seinem Pontifikat erfolgte eine weitgehende Annäherung Justinians an Rom.
AGAPET I. . bis .. Im Aurage eodahads, der nach dem frühen Tode Athalarichs, des Sohnes Amalaswinthas, König geworden war, mußte Agapet nach Byzanz fahren, um den Krieg Justinians gegen das Ostgotenreich zu verhindern. Er hatte damit keinen Erfolg, doch gelang es ihm, den monophysitischen, von der Kaiserin eodora gestützten Patriarchen von Konstantinopel absetzen zu lassen. Agapet ist in Konstantinopel gestorben. Mit dem großen Staatsmann, Historiker und Mönch Cassiodor förderte er die Bibelstudien. Beider Plan, die Gründung einer theologischen Hochschule in Rom, konnte der Gotenkriege wegen nicht verwirklicht werden.
SILVERIUS . oder .. bis .. Er war der Sohn von Papst Hormisdas und wurde auf Weisung König eodahads gewählt. Am . Dezember besetzte Belisar Rom – es war der Beginn der byzantinischen Herrscha in Italien. Silverius hatte das Nahen des byzantinischen Heeres begrüßt und Blutvergießen verhindert. Trotzdem stellte ihn die Besatzung als »Hochverräter« und »Anhänger« der Goten vor ein Kriegsgericht, das ihn unter dem Vorsitz Belisars entthronte und nach Syrien verbannte. Sein Nachfolger Vigilius verbannte ihn auf die Insel Palmaria bei La Spezia, wo er um des Friedens willen zugunsten des Vigilius resignierte und starb.
VIGILIUS .. bis .. Kaiserin eodora hatte geglaubt, in dem habgierigen, ehrgeizigen ehemaligen Apokrisiar Vigilius einen Papst gegen Silverius aufstellen - -
und ihn dem Monophysitismus gegenüber, dem sie angehörte, willfährig stimmen zu können. Doch der von Belisar eingesetzte Vigilius änderte seine bisherige zweideutige Haltung im Sinne der Rechtgläubigkeit. Erst nach Silverius’ Tode wurde er rechtmäßig anerkannt. Künstlich entfachte neo-origenistische und nestorianische dogmatische Wirren veranlaßten Justinian, in der Auffassung, dadurch die Manichäer zu gewinnen, zu Verdammungsdekreten von Lehren, die gar nicht mehr aktuell waren. Um seiner Maßnahme auch im Abendland Anerkennung zu verschaffen, ließ er Vigilius gewaltsam nach Konstantinopel bringen. Der Papst unterschrieb jene Dekrete unter Betonung der früheren Konzilsbeschlüsse. Doch er begegnete weitgehender Empörung, denn die Urheber der fraglichen Irrlehren waren längst im Frieden mit der Kirche gestorben. Vigilius gelangte in seiner Charakterschwäche zu keiner eindeutigen Haltung, floh nach Chalcedon und wurde unterwegs mißhandelt. Das von Justinian veranlaßte füne Allgemeine Konzil von Konstantinopel, dem Vigilius erst ablehnend, dann aus Angst vor der Ernennung eines Gegenpapstes schwankend gegenüberstand, vermochte eine relative Einigung zu erzielen und ermöglichte Vigilius die Heimkehr. Er starb bereits in Syrakus. Inzwischen waren die Ostgoten unter ihrem letzten König Teja durch Narses endgültig geschlagen worden. Gleichzeitig wurde mit der Bestätigung des Codex Justinianus für anderthalb Jahrtausende das römische Recht neu bestätigt. Justinian war Alleinherrscher in Italien geworden.
PELAGIUS I. .. bis .. Er war Vertreter des Vigilius sowie Apokrisiar in Konstantinopel gewesen und verdankte seine Wahl dem Willen Justinians, der die Bestätigung der Päpste durch die Kaiser von Byzanz von nun an beanspruchte. Während der Belagerung Roms durch den vorletzten Ostgotenkönig Totila hatte Pelagius Hervorragendes für Stadt und Bevölkerung geleistet, sich indessen bei einem neuerlichen Aufenthalt in Konstantinopel in den schwebenden Streitigkeiten als ebenso unentschieden erwiesen wie Vigilius. So begegnete er als Papst berechtigtem Mißtrauen, das er nur allmählich zu zerstreuen vermochte. Die Hauptsorge seines Pontifikates galt der Linderung der Not Italiens nach den Gotenkriegen und der Bekämpfung der bedenklich einreißenden Simonie.
JOHANN III. .. bis .. Das Hauptereignis seines Pontifikates bildete der Einfall der Langobarden in Italien . - -
BENEDIKT I. .. bis .. Er mußte von Justinus II., dem Nachfolger Justinians, bestätigt werden. Im Jahre drangen die Langobarden bis Rom vor. Der machtlose Benedikt versuchte nach Möglichkeit die Not des Landes zu lindern.
PELAGIUS II. .. bis .. Er war ein in Rom geborener Gote, und es gelang ihm durch Bestechung, die Langobarden zum Abzug von Rom zu veranlassen. Historisch bedeutsam ist es, daß Pelagius, der den Ruf großer Wohltätigkeit genoß, auf Rat von Byzanz, das in Italien nicht zu helfen vermochte, die Franken um Hilfe bat. Doch diese erschienen erst zweihundert Jahre später als die dritte germanische Macht in Italien. Pelagius starb an der Pest. Seine wichtigste Schöpfung ist der Neubau der Erzbasilika San Lorenzo fuori le mura. – traten die arianischen Westgoten Spaniens unter König Rekkared zum Katholizismus über.
GREGOR I. d. Gr. .. bis .. Er muß um in Rom geboren worden sein. Als Angehöriger eines vornehmen Hauses wurde er Staatsbeamter, der mit dreißig Jahren bereits zum Prätor, das heißt zum Regierungspräsidenten von Rom aufstieg – ein Amt, das er als hervorragender Jurist erfüllte, um es indessen bald niederzulegen, in seinem Palast ein Benediktinerkloster einzurichten, dort als einfacher Mönch zu leben und seinen bis Sizilien reichenden riesigen Landbesitz teils für sechs Klostergründungen, teils für wohltätige Zwecke herzugeben. Benedikt I. übertrug ihm Seelsorgeaufgaben. Pelagius II. machte ihn zum Apokrisiar-Nuntius in Konstantinopel, wo er als glänzender Diplomat weltpolitisch wirkte, ohne dabei sein Mönchsdasein aufzugeben. kehrte er – als Abt? – nach Rom zurück. Nur ungern nahm er die Papstwürde an und bat Kaiser Mauritius vergebens, ihn abzulehnen. Auch ein Fluchtversuch mißlang ihm. Als Papst widmete er sich zunächst ausschließlich und in Person der Nächstenliebe und formte als überragender Administrator das Patrimonium Petri, das heißt die der Kirche seit Jahrhunderten übereigneten ausgedehnten Landschenkungen – Vorläufer des Kirchenstaates –, zum ersten Sozialstaat der Welt auf der Grundlage exklusiv christlicher Voraussetzungen und mit Maßnahmen, die ihrer Zeit weit vorauseilten; auch die offiziell noch vorhandenen Sklaven waren als christliche Menschen mit einbezogen. Die Juden fanden in Gregor einen Hüter ihrer Rechte, die ihnen seitens der Päpste für Jahrhunderte garantiert blieben. Gegen den Willen Kaiser Mauritius’ - -
und seines Exarchen-Statthalters in Ravenna, die ihn dafür als Landesverräter behandelten, setzte Gregor einen Waffenstillstand mit den Langobarden durch, der durch seine Vermittlung und mit Hilfe eines neuen Exarchen für einige Jahre gefestigt wurde. Den ihm gebührenden Ruhm lehnte Gregor ab. Schwer begreiflich bleibt Gregors allzu realpolitisch gefärbte Nachsicht Phokas gegenüber, dem Mörder des Kaisers Mauritius und dessen Familie, dem furchtbarsten Scheusal unter den Herrschern von Byzanz, zu dessen Regierungsantritt , sowie der verbrecherischen Frankenkönigin Brunichilde gegenüber. Gregor leitete die Christianisierung der Langobarden und der Angelsachsen ein – der letzteren durch den heiligen Augustinus von Canterbury. Hier fand sein innerkirchliches Wirken seine Krönung. Er zeigte maßvolle Weisheit und kluge Weitherzigkeit in der Bewertung nationaler Eigenarten und heidnischer Vorstellungen. Weitblikkend sah er die kommende Bedeutung der germanischen Völker für die Kirche voraus. Sein vielseitiges Schritum berechtigte zu seiner Erhebung zum vierten der großen abendländischen Kirchenlehrer neben Ambrosius, Augustinus und Hieronymus. Die Genialität des Augustinus eignete ihm indessen nicht. Wesentlich waren seine seelsorgerische Tätigkeit sowie die Reformierung der römischen Schola cantorum und der Messe. Der Gregorianische Choral trägt nicht völlig zu Recht seinen Namen, da nicht nachzuweisen ist, ob Gregor gregorianische Melodien komponiert hat. Was die Regel des heiligen Benedikts für das Mönchtum, das bedeutet Gregors Liber regulae pastoralis für den Weltklerus. Gregor d. Gr. wurde »der letzte Römer« vor dem Beginn des Mittelalters genannt. Sein Grabstein bezeichnet den großen Heiligen als Konsul Gottes.
SABINIANUS .. bis .. Er verunglimpe das Andenken seines Vorgängers und ist vor allem dadurch bekannt geworden, daß er der unter schwerer Hungersnot leidenden Bevölkerung Getreide aus den Beständen der Kirche zu Wucherpreisen verkaue. Das empörte Volk wollte sich noch seiner Leiche bemächtigen.
BONIFAZ III. .. bis .. Er konnte erst nach einem Jahr geweiht werden, als die kaiserliche Bestätigung aus Byzanz eintraf. Ein Dekret von ihm untersagte Wahlumtriebe zu Lebzeiten eines Papstes und erlaubte eine Neuwahl erst drei Tage nach dessen Tode. - -
BONIFAZ IV. .. bis .. Unter dem Pontifikat des heiligmäßigen Benediktinerpapstes wurde am . Mai das Pantheon zur christlichen Kirche Santa Maria ad Martyres umgewandelt und im Anschluß daran das Allerheiligenfest eingeführt. Bonifaz hatte sich den Tempel von Kaiser Phokas erbeten, dem auf dem Forum die letzte kaiserliche Ehrensäule der Geschichte errichtet wurde, die einzige noch erhaltene Kaisersäule.
DEUSDEDIT .. bis .. Er wird auch Adeodatus I. genannt und genoß hohes Ansehen. Sein Pontifikat verlief ereignislos.
BONIFAZ V. .. bis .. Seine Hauptarbeit galt der Missionierung Englands. Der Exarch Eleutherius von Ravenna machte die ersten Versuche, sich von Byzanz zu lösen und sich zum König von Italien zu machen.
HONORIUS l. .. bis .. Er war ein Schüler Gregors d. Gr. widmete sich erfolgreich der Englandmission, griff in staatliche Belange Italiens ein, entfaltete eine rege Bautätigkeit und erhielt als kluger Verwalter den Beinamen dux plebis. Die sich erhebende Streitfrage des in Byzanz anerkannten Monotheletismus, bzw. des Monenergismus, hat die eologen als sogenannte Honoriusfrage bis ins . Jahrhundert hinein beschäigt. Kaiser Heraklius dekretierte diese Irrlehre in dem Edikt Ekthesis. Während Honorius’ Pontifikat starb Mohammed. Das Jahr bezeichnet den Beginn der islamitischen Welteroberungspläne. Das Mosaikbild des Papstes befindet sich in Sant’ Agnese fuori le mura.
SEVERINUS .. bis .. Er wurde erst nach einem Jahr und sieben Monaten geweiht. Während seines kurzen Pontifikates drang der Exarch Isacius von Ravenna in Rom ein und raubte den Kirchenschatz.
JOHANN IV. .. bis .. Der Pontifikat dieses Dalmatiners war von Auseinandersetzungen über die durch Honorius ausgelöste Streitfrage des Monotheletismus erfüllt. In der Cappella di San Venanzio im Baptisterium des Lateran - -
sind die Mosaikbilder Johanns und seines Nachfolgers eodor erhalten.
THEODOR I. .. bis .. Auch dieser Papst, ein Grieche aus Jerusalem, wurde von den Auseinandersetzungen um den Monotheletismus in Anspruch genommen. Kaiser Konstans II. verbot indessen den Streit durch das Dekret Typos.
MARTIN I. . bis .. Er war, wie viele seiner Vorgänger, Apokrisiar-Nuntius in Konstantinopel gewesen und ließ sich konsekrieren, ohne, wie alle Päpste seit Gregor d. Gr. die Genehmigung aus Byzanz abzuwarten, was Kaiser Konstans II. gegen ihn aurachte. Martin berief eine Synode in den Lateran, die den Monotheletismus sowie die Ekthesis aus der Zeit Honorius’ I. und den Typos Kaiser Konstans’ II. lehramtlich, nicht halb privat, wie die Päpste seit Honorius, verwarf. Die Synode wurde damit zur Demonstration gegen den byzantinischen Caesaro-Papismus, das heißt die selbstdekretierte theologische Zuständigkeit der Kaiser Ostroms. Der Exarch eodor Kalliopa verhaete den kranken Martin am Altar der Lateransbasilika mit der Begründung, die Papstwürde unrechtmäßig erlangt zu haben. Man schleppte ihn zuerst auf die Insel Naxos, dann unter schlimmsten Peinigungen nach Konstantinopel ins Gefängnis, wo er nach einem schändlichen Prozeß in Ketten gelegt wurde. Sein Todesurteil wurde in Deportation nach Cherson umgewandelt, wo er noch über ein Jahr unter unmenschlicher Behandlung und hungernd gelebt hat. Sein Leichnam gelangte später nach Rom. Der Prozeß des als Märtyrer und größtes Opfer des Caesaro-Papismus kanonisierten Martin hat seine Parallelen bis ins einzelne hinein erst wieder im . Jahrhundert gefunden. Er gilt auch in der griechischen Kirche als Heiliger.
EUGEN I. .. bis .. Von Konstans II. gezwungen, war Eugen schon am . August als Gegenpapst aufgestellt worden. Doch erst nach dem Tode Martins I. betrachtete er sich als rechtmäßig. Er leistete Byzanz energisch Widerstand und starb, als auch er deportiert werden sollte.
VITALIAN .. bis .. Der nachgiebige Papst, dem dogmatische Konflikte mit Byzanz erspart geblieben sind, empfing Kaiser Konstans II. feierlich in Rom. Der - -
Tyrann dankte ihm dadurch, daß er die Kunstwerke der Stadt, darunter sogar die antiken vergoldeten Bronzesiegel des Pantheons plünderte und ein Schisma zwischen Rom und dem Exarchat Ravenna errichtete. Trotzdem befürwortete Vitalian nach der Ermordung des Kaisers die ronfolge dessen Sohnes Konstantin IV. gegen den Usurpator Mesecius. Der neue Kaiser, dem durch das Vordringen der Araber weite Reichsteile des monophysitisch-monotheletischen Kultes verlorengegangen waren, hatte kein Interesse mehr an der Aufrechterhaltung des dogmatischen Streites und strebte danach, sich den Westen zu versöhnen.
ADEODATUS II. .. bis .. Er heißt der zweite, da Papst Deusdedit auch Adeodatus genannt wird. Sein Pontifikat verlief ereignislos. Die angebahnte Verständigung mit Byzanz war noch nicht formell vollzogen. Adeodatus verlieh Venedig das Recht, Dogen zu wählen.
DONUS . . bis .. Das Schreiben des Kaisers, das den Frieden nach dem langen Dogmenstreit bringen sollte, erreichte den Papst nicht mehr, dessen kurzer Pontifikat friedlich verlief.
AGATHO .. bis .. Er nahm zu den positiven Vorschlägen Kaiser Konstantins IV. Stellung und bestätigte die auf der Synode Martins I. von definierte, den Monotheletismus ablehnende Lehre des Dyostheletismus. Das in Konstantinopel abgehaltene sechste Allgemeine Konzil von / legte den langen theologischen Streit bei und erklärte Honorius I. für mitschuldig an den Auseinandersetzungen.
LEO II. .. bis .. Erst am . August konnte der hochgebildete, heiligmäßige Papst geweiht werden, weil Byzanz die Bestätigung absichtlich verzögerte. Leo war – ein eigenartiger Vorgang in der Papstgeschichte – der erste einer Reihe von Päpsten, die bei der ronbesteigung ihren Vorgänger Honorius I. verurteilten, weil dieser für mitschuldig am Monotheletismus erklärt wurde. Es gelang ihm, das von Kaiser Konstans II. künstlich herbeigeführte Schisma mit Ravenna aufzuheben. In Rom baute er für die Griechen San Giorgio in Velabro. - -
BENEDIKT II. .. bis .. Der Kaiser von Byzanz verzichtete zum ersten Male offiziell auf sein Recht der Bestätigung, das nunmehr dem Exarchen von Ravenna überlassen wurde, was neue Gefahren der Einmischung in sich barg.
JOHANN V. .. bis .. Mit ihm begann eine Reihe von neun Päpsten östlicher Abstammung – Griechen und Syrer – bis zu Papst Zacharias, doch außer Gregor II. Diese Tatsache ist entscheidend für die Bedeutung der westöstlichen Kirchenspannungen.
KONON .. bis .. Sein Pontifikat ist durch kein bedeutendes Ereignis gekennzeichnet. Er galt als vornehmer und gebildeter Mann.
SERGIUS I. .. bis .. Der Exarch von Ravenna war von Archidiakon ›Paschalis‹ bestochen worden, ihn als Gegenpapst aufzustellen. Als ›Paschalis‹ die versprochene Summe nicht zahlte, anerkannte der Exarch den rechtmäßigen Papst und erpreßte das Geld von diesem. Mit dem Archipresbyter ›eodor‹ wurde noch ein weiterer Gegenpapst aufgestellt, der sich jedoch nur kurze Zeit hielt. Kaiser Justinian II. suchte wieder Feindscha mit Rom und hielt die sogenannte trullanische Synode von ab, die zwar keine neuen Dogmenkämpfe heraufführte, wohl aber in Disziplinarfragen gegen Rom und das Abendland arbeitete. Sergius verwarf alle Artikel – unter anderem die Ablehnung des Zölibates. Der Kaiser wollte Sergius deportieren lassen, doch wurde der Papst mit Waffengewalt verteidigt. Sergius führte das Agnus dei in die Messe, das Lichtmeßfest, das Fest Maria Geburt und das Fest Maria Verkündigung in die abendländische Kirche ein, förderte die Beziehungen zu Frankreich und weihte den heiligen Willibrord, den Friesenapostel, zum Bischof.
JOHANN VI. .. bis .. Der Pontifikat dieses Griechen war von neuen Kriegswirren mit den Langobarden erfüllt, die er durch Zahlungen von weiteren Verwüstungen abhielt. Auch der Exarch bedrohte den Papst von neuem. - -
JOHANN VII. .. bis .. Er war ein gebildeter Grieche und vermochte wieder friedliche Beziehungen zu den Langobarden herzustellen, erwies sich aber Byzanz gegenüber als feige, da er zu den Disziplinarbeschlüssen der trullanischen Synode von keine ablehnende Stellung einnahm. Er entfaltete eine reiche Bautätigkeit in Rom, wo er vor allem die Mosaikkunst förderte. Reste aus seiner einstigen Marienkapelle in der alten Peterskirche befinden sich heute in Santa Maria in Cosmedin, das Mosaikporträt des Papstes ist in den vatikanischen Grotten zu sehen. Johann baute das zerstörte Kloster in Subiaco, die erste Einsiedelei des heiligen Benedikt, wieder auf.
SISINNIUS .. bis .. Der Pontifikat dieses Syrers war ohne Bedeutung.
KONSTANTIN .. bis .. Er war ein Syrer und wird auch Konstantin I. genannt, obwohl ›Konstantin II.‹ Gegenpapst war. Als dritter und letzter Papst der Geschichte reiste er nach Byzanz und erzielte eine Einigung über die trullianische Synode von . Drei Monate später wurde Justinian II., der letzte Heraklide, ein Scheusal wie einst Phokas, ermordet und sein Haupt nach Rom gebracht, wo der Papst den schaurigen Umzug der grölenden Menge mit dem Haupt erlebte: es war das blutige Symbol des unaualtsamen Bruches mit der Ostkirche. Der Usurpator Philippikos Bardanes versuchte indessen gewaltsam für kurze Zeit, den Monotheletismus wieder zur Geltung zu bringen. Konstantin vollzog daher durch die offizielle Nichtanerkennung des Usurpators auch politisch den Bruch mit Byzanz.
GREGOR II. .. bis .. Mit dem Beginn des Pontifikates setzte die Hinwendung des Papstes zum Frankenreich ein, während in Ostrom mit Leo III. die Dynastie der Isaurier auf den ron gelangte. erschien der englische Benediktiner Winfrid, der spätere heilige Bonifazius, in Rom und erhielt von Gregor den Aurag zur Bekehrung Deutschlands. Damit begann die weltgeschichtliche, nie mehr abreißende wechselseitige Befruchtung der romanischen und der germanischen Welt. Byzanz verschäre durch ungerechtfertigte Steuerforderungen in Italien, mehr - -
noch durch Edikte zur Bilderstürmung von und , die Gegensätze zum Westen und zum Papsttum. Kaiser Leo III. wollte Gregor sogar ermorden und später einen Gegenpapst erheben lassen, wobei sich die Langobarden als Schützer des Papstes erwiesen. Ganz Italien erhob sich – die erste Revolution des Landes – für den Papst und verjagte die byzantinischen Statthalter. Leo drohte Gregor mit dem Schicksal Martins I., mutige Briefe Gregors an den Kaiser kennzeichnen die wahren Kräeverhältnisse. Der Exarch von Ravenna besetzte Rom, und neue Langobardenzüge gestalteten die Lage des Papstes äußerst schwierig. trat er mit dem Majordomus Karl Martell, dem eigentlichen Beherrscher des Frankenreiches an Stelle der unfähigen Merowinger, in Verbindung.
GREGOR III. .. bis Ende . Je mehr die Langobarden in Italien an Macht gewannen, desto entscheidender erwies sich der politische Einfluß des Papstes. rief er Karl Martell gegen die Raubzüge Kaiser Leos III. um Hilfe an. Dieser lehnte zwar ab, förderte aber die Missionierung Deutschlands durch den inzwischen zum Erzbischof erhobenen heiligen Bonifazius. Gregor war der letzte Papst, der um des guten Einvernehmens willen bei seiner Wahl den Konsens von Byzanz einholte, obwohl dort die Bilderstürmerei, der sogenannte Ikonoklasmus, ungemindert andauerte. Im Orient wurde der Papst durch den heiligen Johannes von Damaskus, Chrysorrhoas, unterstützt, den durch Leo XIII. zum Kirchenlehrer erhobenen größten eologen des Jahrhunderts und Autor der Reden für die Bilder. In Gregors Pontifikat fällt die Schlacht von Tours und Poitiers von , in der Karl Martell das Abendland vor dem vordringenden Islam rettete.
ZACHARIAS .. bis .. Dieser durch Güte und Klugheit ausgezeichnete Grieche ist der letzte östliche Papst. Er förderte die Beziehungen zum Frankenreich, wo der letzte Merowinger, Childerich III., ins Kloster geschickt und Pippin III., der Kurze, der Sohn Karl Martells – nach dem ronverzicht seines Bruders Karlmann – vom heiligen Bonifazius zum König gesalbt wurde: die erste Salbung mit päpstlicher Vollmacht, sie wurde wiederholt. eroberten die Langobarden Ravenna und machten dem byzantinischen Exarchat ein Ende. In Byzanz wütete die Bilderstürmerei unter Konstantin V., dem Sohne Leos III., weiter. Ein Freskobild mit der Darstellung des Papstes von ist in Santa Maria Antiqua in Rom erhalten. - -
STEPHAN II. .. bis .. Nach Zacharias’ Tode wurde erst ein Stephan gewählt, der schon nach drei Tagen und vor der Inthronisation starb und nicht als Papst gezählt wird. Die Langobarden brachen erneut den Frieden mit Rom. Stephan zog nach Ponthion als erster Papst über die Alpen zu König Pippin III., dem Kurzen, und bat im Bußgewand und mit Asche bestreut um Hilfe gegen die Langobarden. Er unterstellte sich seinem Schutz als dem Verteidiger des Apostels Petrus, wodurch der abgeschlossene Vertrag über das Völkerrecht hinaus zum religiösen Weiheakt erhoben wurde – liturgisch dokumentiert durch Übernahme der römischen Liturgie an Stelle der gallikanischen in die fränkische Kirche. Die Frage des Schutzes des Heiligen Stuhles durch Frankreich ist bis in die Zeit Napoleons III. und die Auflösung des Kirchenstaates aktuell geblieben. Ostern wurde der Vertrag in Quierzy-Laon als das »Pippinische Schenkungsversprechen« bekräigt. Das Dokument ist verlorengegangen und hat damit viele entscheidende historische Fragen des Mittelalters im Dunkel gelassen. Die zu der Schutzverpflichtung gehörenden Gebiete sind einige Jahre später vom Biographen Hadrians I., glaubwürdig und von der Forschung anerkannt, richtig aufgezählt worden. Nicht ganz geklärt ist die Frage, welche Gebiete nach der Niederwerfung der Langobarden dem Patrimonium Petri – welche Frankreich zufallen sollten. Wohl am . Juli salbte der Papst Pippin III. mit seinen beiden Söhnen Karl und Karlmann in St. Denis und verlieh dem König – gleichsam ein weiteres Symbol der Loslösung von Byzanz – den Titel Patricius Romanorum, der bisher vom Exarchen von Ravenna geführt worden war. Einen formellen Bruch mit Ostrom wollte Stephan vermeiden. wurden die Langobarden durch Pippin III. bezwungen. Eine neue Schenkungsurkunde Pippins III. an Stephan über weite Gebiete wurde zur Begründung des Kirchenstaates, dem jetzt auch Ravenna angegliedert wurde. Es ist erwiesen, daß die römische Fälschung der sogenannten Konstantinischen Schenkung – ihr Zweck war, die Ansprüche des Patrimonium Petri vorzuverlegen – aus der Zeit Stephans II. stammt, nicht erst aus dem . Jahrhundert. Otto III. erklärte sie als erster für falsch. Ihre Wirkung wurde verhängnisvoll, um so mehr, als sie in die Pseudo-Isidorischen Dekretalen aufgenommen wurde. Sie fand auch später noch Befürworter, als Kardinal Nikolaus Cusanus und Lorenzo Valla ihre Unechtheit bereits bewiesen hatten.
PAUL I. .. bis .. Er war der Bruder seines Vorgängers, dessen Politik er erfolglos fortsetzte. Seinen Forderungen gegenüber, die unter Desiderius erneut sich erhebenden Langobarden zu bekämpfen, verhielt sich Pippin III. - -
kühl. In Byzanz erreichte der Ikonoklasmus als ein regelrechter Feldzug gegen das Mönchtum seinen Höhepunkt, und der Kaiser versuchte, wenn auch vergebens, Pippin III. dafür zu gewinnen. Pauls Freskoporträt befindet sich in Santa Maria Antiqua.
STEPHAN III. .. bis .. Beim Tode Pauls I. kam es durch den Herzog Toto von Nepi zum ersten Male zu einem gewaltsamen Versuch der Wahlbeeinflussung. Toto stellte seinen Bruder ›Konstantin II.‹, einen Laien, als Gegenpapst auf. Das gleiche tat der Langobardenkönig Desiderius mit einem ›Philippus‹. Der erste Gegenpapst wurde nach dreizehn Monaten gestürzt, der zweite zog sich bald zurück. So konnte eine rechtmäßige, allerdings von dem grausamen Diakon Christophorus beeinflußte Neuwahl stattfinden, während Gegenpapst ›Konstantin‹ geblendet und seine Partei blutig verfolgt wurde. Stephan erwies sich als unfähig, einzuschreiten. Die Ereignisse waren ein Signal für die furchtbaren Parteikämpfe der kommenden Jahrhunderte um Papstwürde und Papsttum. Stephan erlangte die Anerkennung Karls und Karlmanns, der Söhne und Nachfolger Pippins III., und berief eine Synode, die den geblendeten Gegenpapst nochmals verurteilte und mißhandelte, wofür Christophorus verantwortlich war. Sie bestimmte endgültig, daß in Zukun nur noch Kardinalpriester oder Kardinaldiakone zu Päpsten gewählt werden duren. Die Wahl von Laien wurde mit dem Bann belegt, die Laien selber von nun an und entgegen dem bisherigen Brauch vom Wahlrecht ausgeschlossen, das dem Klerus allein vorbehalten bleiben sollte. Diese Beschlüsse fanden indessen noch für längere Zeit keine oder nur sehr geringe Beachtung. Der Rest des Pontifikates des zwielichtigen, schwächlichen Stephan war von Auseinandersetzungen mit Karl, Karlmann und Desiderius erfüllt. Kurz vor Stephans Tode starb Karlmann, und Karl blieb Alleinherrscher des Frankenreiches.
HADRIAN I. .. bis .. Nach den letzten Angriffen der Langobarden unter Desiderius, der noch Gebiete des Patrimonium Petri besetzt hielt, bereitete Karl d. Gr. dem Langobardenreich nach über zweihundertjährigem Bestehen mit der Einnahme von Pavia ein Ende. Am Osterfest des gleichen Jahres fand Karls erste Begegnung mit dem Papst in Rom statt; die Urkunden, welche die durch Pippin III. im Vertrag von Quierzy an Stephan II. gemachten Schenkungen bestätigten, legte Karl auf Altar und Grab des Apostels Petrus in der Peterskirche nieder. Die lange geäußerten Zweifel über die Vorgänge werden von der Forschung - -
kaum mehr aufrechterhalten. Die neuen Machtverhältnisse unter Karl führten zu einer gewissen Oberherrscha über die Päpste und den Kirchenstaat. Bis , dem Jahre seiner zweiten Romreise, war seitens des Königs nichts getan worden, die Schenkungen durchzuführen. Hadrian salbte Karls Sohn Pippin zum König von Italien. Karl fand sich indessen erst zu bedeutenderen Zugeständnissen bereit, ohne daß Hadrian dadurch zum Souverän geworden wäre: Karl blieb Patricius Romanorum. begann die Datierung der Papsturkunden und -schreiben nach Pontifikatsjahren, nicht mehr nach den Regierungsjahren des Kaisers von Byzanz. fand in Nicäa das siebente Allgemeine Konzil statt, das von der Kaiserin Irene, der Regentin für ihren Sohn Konstantin VI., angeregt worden war und mit der Verurteilung des Ikonoklasmus endete. Der nicht zum Konzil geladene Karl d. Gr. gab nun seinerseits – allerdings mildere – Verordnungen gegen die Bilderverehrung heraus und berief eine Gegensynode nach Frankfurt, die sogar Hadrian beschickte und sie damit zum Allgemeinen Konzil machte, das indessen in der Reihe nicht gezählt wird. Hadrian hat sich Verdienste als Bauherr, darunter der römischen Wasserleitungen, erworben. Auch die Kirchen erfuhren durch ihn reiche Ausgestaltung. Politisch wird er noch heute gegensätzlich beurteilt, besonders hinsichtlich seiner aufdringlichen Territorialforderungen und sogar Banndrohungen an den Kaiser von Byzanz für nicht zurückerstattete Gebiete, sowie für seine Nachgiebigkeit am falschen Ort. Doch er hat in schweren Zeiten vieles gerettet und gemehrt. Der immer notleidenden Bevölkerung erschien er als ein Helfer. In der Vorhalle der Peterskirche ist noch die Marmortafel zu sehen, auf der Alkuin im Aurage Karls d. Gr. über alle Gegensätze hinweg dem Papst und Freunde huldigt.
LEO III. ... bis .. Sogleich nach seiner Wahl übersandte Leo, bisher Kardinalpresbyter von Santa Susanna, Karl d. Gr. als Patricius Romanorum die Schlüssel zum Grabe Petri und das Banner Roms als offizielle Anerkennung der königlichen Oberherrscha und ließ im sogenannten Triclinium Leos III. im Lateran das Mosaik mit Petrus zwischen dem Papst und Karl d. Gr. arbeiten. Anhänger seines Vorgängers versuchten ihn zu blenden und zu ermorden; nach schweren Mißhandlungen floh er zu Karl d. Gr. nach Paderborn, wo – teilweise nicht unbegründete – Anschuldigungen gegen seinen Lebenswandel erhoben wurden. Er kehrte nach Rom zurück, wohin Karl d. Gr. im November kam und eine Untersuchung einleitete. Im Anschluß an diese leistete Leo am . Dezember in der Peterskirche in Karls Gegenwart vor allem Volke den im römischen Recht vorgesehenen Reinigungseid, an den Giovanni Francesco Pennis Fresko in der Stanza dell´ Incendio im - -
Vatikan erinnert. Der . Dezember wurde zum denkwürdigen Tag der Kaiserkrönung Karls d. Gr. die Leo ohne dessen Wissen vornahm, ehe er selber vor dem Gekrönten niederkniete. Die Motive und Hintergründe dieses Ereignisses, das ausschließlich vom Papst ausging, werden nie restlos geklärt werden können. Die abendländische Kaiseridee fand erst spät ihre Entfaltung. Leo hat sie ausgelöst, ohne von ihr zu wissen. Das Krönungsfresko in der Stanza dell’ Incendio stammt vermutlich von Penni. reiste Leo noch einmal zum Kaiser nach Frankreich und Aachen. Seine Bautätigkeit erstreckte sich auf fast alle Kirchen Roms, die er mit Stiungen und Kunstwerken ausstattete oder wiederherstellte.
STEPHAN IV. .. bis .. Er reiste nach Reims, um dort Ludwig den Frommen, den Sohn Karls d. Gr. zu krönen und zu salben. Das Papsttum nahm damit das Recht zur Kaiserweihe in Anspruch.
PASCHALIS I. .. bis .. Er war Abt von Santo Stefano. Das ihm von Ludwig dem Frommen überreichte, viel umstrittene, nur in Abschrien des . Jahrhunderts erhaltene Pactum Ludovicianum bestätigte unter anderem die päpstliche Souveränität im Kirchenstaat. Gleichzeitig wurde die Forderung nach absoluter Reinheit der Papstwahl ohne jede Simonie erhoben. krönte Paschalis Ludwigs Sohn Lothar. Er war ein energischer, harter Papst, der viel Unzufriedenheit auslöste. Er erbaute drei der wichtigsten frühen Kirchen Roms, in deren jeder sein Mosaikbildnis zu sehen ist: Santa Prassede, Santa Maria in Domnica und vor allem Santa Cecilia in Trastevere.
EUGEN II. . bis . Er war Presbyter von Santa Sabina. Bedenkliche Unruhen zwangen Kaiser Lothar I., den Mitkaiser Ludwigs des Frommen, wieder nach Rom zu kommen und strenge Rechtsverfügungen zu erlassen, die sogenannte Constitutio Lothari, die einen Höhepunkt der Machtstellung des Kaisertums über das Papsttum darstellte und das Pactum Ludovicianum teilweise auob.
VALENTIN . bis . Er regierte nur vierzig ereignislose Tage. - -
GREGOR IV. . bis . Sein Pontifikat fällt in die Zeit des Verfalls des Karolingerreiches im Kampf der vier Söhne Ludwigs des Frommen untereinander und gegen ihren Vater, sowie der Stellungnahme des fränkischen Episkopates gegen den Papst, der auf dem Lügenfelde von Kolmar persönlich zu vermitteln suchte. Doch er war keine starke Persönlichkeit und unfähig, sinnvoll ordnend einzugreifen. fand im Vertrag von Verdun die endgültige Reichsteilung statt, bei der Lothar I. Kaiser blieb, mit der Herrscha über Italien, Karl II., der Kahle, König von Frankreich wurde und Ludwig II., der Deutsche, den Osten erhielt. Im Kirchenstaat sah sich Gregor durch das Vordringen der Sarazenen bedrängt, und er befestigte Ostia. fand der Ikonoklasmus von Byzanz nach hundertfünfzehnjähriger Dauer sein Ende. Die orthodoxe Kirche feierte den Tag als Fest der Rechtgläubigkeit. Gregor führte das Allerheiligenfest im Frankenreich ein.
SERGIUS II. . bis .. Gleichzeitig versuchte ein ›Johannes‹, sich gewaltsam zum Papst zu machen. Sergius ist der erste Papst, der bei seiner Erhebung den römischen Adel hinter sich wußte. Unter ihm begann die Simonie zum ersten Male beängstigende Formen anzunehmen, die bis zum Verkauf von Bistümern gingen. Sergius machte seinen würdelosen Bruder zum Bischof und ersten eigentlichen Nepoten. Im August landeten die Sarazenen in Ostia und plünderten Teile von Rom, darunter die Paulsbasilika und die Peterskirche.
LEO IV. .. bis .. Er war der Kardinal von Quattro Coronati und einer der hervorragendsten Päpste. Angesichts der Sarazenengefahr befestigte er die Stadt. Das von ihm befestigte Viertel um den Vatikan hieß lange Zeit die Leostadt. stellte er eine Flotte gegen die Sarazenen auf, deren Flotte bei Ostia während der Schlacht durch einen Sturm vernichtet wurde. krönte er Kaiser Lothars I. Sohn, Ludwig II., zum Kaiser. Während Leos Pontifikat sind, wohl in Reims, die Pseudo-Isidorischen Dekretalen entstanden, eine ebenso schamlose wie bedeutende Fälschung kirchlicher Rechtsquellen, die als Werk des verstorbenen heiligen Kirchenvaters Isidor von Sevilla hingestellt und erst im . Jahrhundert entlarvt wurden. Sie sind gefährlich, doch für das Papsttum nutzbringend geworden, weil Echtes und Gefälschtes ineinander verwoben erscheint. So ist alles gefälscht, was ins . Jahrhundert zurückreichen soll, Echtes erst eingeschoben in »Dekre- -
talen« des . und . Jahrhunderts. Die Päpste haben sich indessen bis zum Nachweis der Fälschung nicht übermäßig auf Pseudo-Isidor berufen. Das Porträt Leos ist in San Clemente in Rom erhalten. Zu den Fresken in der Stanza dell´ Incendio im Vatikan mit den Darstellungen des Seesieges von Ostia und der Legende des durch ein Wunder Leos gelöschten Brandes im Borgo schuf Raffael die Skizzen, während die Malereien von Giulio Romano und Giovanni Francesco Penni stammen.
BENEDIKT III. .. bis .. Eine bis ins . Jahrhundert hinein gelegentlich verfochtene Legende aus der Zeit um behauptet, nach Leo IV. sei die »Päpstin« Johanna für zwei Jahre zur Regierung gelangt. Die Wahl Benedikts, des Kardinals von San Callisto, erfolgte kanonisch, wenn auch unter Tumulten, weil Kaiser Ludwig II. auf Grund von Zwistigkeiten mit Rom unter Leo IV. in dem bedeutenden, aber gewalttätigen Gräzisten Kardinal Anastasius Bibliothecarius einen Gegenpapst unterstützte, der sich mit Waffengewalt des Laterans bemächtigte, wo man Benedikt mißhandelte und einkerkerte. ›Anastasius‹ fand allgemeine Ablehnung, wurde nach zwei Tagen vertrieben, von dem milden, gütigen Benedikt begnadigt und zum Abt gemacht. Das Wirken des Papstes galt vor allem der innerkirchlichen Erneuerung.
NIKOLAUS I. d. Gr. .. bis .. Eine der eigenartigsten und stärksten Persönlichkeiten unter den Päpsten! Die äußeren Ereignisse seines Pontifikates fallen nicht übermäßig ins Gewicht. Entscheidend ist der Bruch, den Byzanz durch den Patriarchen Photius und Kaiser Michael III. mit Rom durch »Absetzung« des Papstes vollzog, wobei die von der Ostkirche abgelehnte Formel des filioque im Credo der Messe eine entscheidende Rolle spielte. Für Nikolaus kennzeichnend ist seine Stellungnahme im Ehekonflikt König Lothars II. von Lothringen, des Bruders Kaiser Ludwigs II., und der Mätresse Walrada. Hier erhob er sich, sogar Erzbischöfe absetzend, zum berufenen Richter ewiger Gesetze, der die Sache über Menschenrücksicht stellte. Sehr bedeutend sind Nikolaus’ Briefe, die zum ersten Male konsequent die Trennung der Gewalten fordern, die Einmischung des Staates in die Kirche und dieser selbst in Angelegenheiten des Staates ablehnen; damit wird der Primat Petri gewissermaßen philosophisch unterbaut. Nikolaus verurteilte den Krieg, soweit er nicht der Verteidigung gilt. Gerade für die jüngste Vergangenheit bedeutsam ist seine Unterscheidung von verus - -
rex und tyrannus, die ihn zum ersten Apologeten und Schützer der Menschenrechte gegenüber der Staatsgewalt macht. Auch die Tortur gegen Diebe und Räuber lehnte er als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ab. Die Sicht des Ewigen ließ ihn o über zeitbedingte Verhältnisse hinwegsehen. Als geistige Persönlichkeit und als Papst stellt Nikolaus den Mittelpfeiler der Brücke des Papsttums zwischen Gregor d. Gr. und dem Hochmittelalter dar. Ranke sagt von ihm, er gehöre »zu den Männern, welche als ein lebendig gewordenes System betrachtet werden können«. Als eine integre, von seiner Sendung erfüllte, für die Not der Menschen immer aufgeschlossene, den Großen gegenüber unbeugsame Erscheinung war Nikolaus vor allem ein verantwortungsbewußter Priester. Sein hohes Gedankengut hat gerade in der Folgezeit wenig Nachfolge gefunden. Als Sekretär des Papstes amtete Anastasius Bibliothecarius, der Gegenpapst Benedikts III.
HADRIAN II. .. bis .. Hadrian war eine gütige, doch schwache Persönlichkeit. Vor seinem Eintritt in den geistlichen Stand war er verheiratet gewesen und erlebte nun, daß der Entführer seiner Tochter und ihrer Mutter später die beiden ermordete. Unter seinem Pontifikat kam auf dem achten Allgemeinen Konzil von Konstantinopel – dem letzten in Ostrom! – noch einmal eine kurze Versöhnung der Ostkirche mit Rom zustande, wobei das Schisma des Photius von verurteilt wurde. Initiator des Konzils war Kaiser Basileios I., der Begründer der Makedonierdynastie. Unter Hadrian kamen die Slawenapostel Cyrill und Methodius nach Rom; der Papst anerkannte die slawische Liturgie.
JOHANN VIII. .. bis .. Er krönte Karl II., den Kahlen, zum Kaiser. Die Besetzung Roms durch italienische Fürsten brachte ihn wochenlang ins Gefängnis, ehe er nach Frankreich entfliehen konnte, wo er Ludwig II., den Stammler, den Sohn Karls II., des Kahlen, zum König von Frankreich krönte. Nach Rom zurückgekehrt, krönte er Karl III., den Dicken, den Sohn Ludwigs II., des Deutschen, zum Kaiser. Die Kämpfe der Teilfürsten und erneute Sarazeneneinfälle brachten ihm jedoch keine Hilfe seitens der Karolinger, so daß er sich wieder Byzanz zuwandte, wo ihm durch Photius neue Enttäuschungen erwuchsen. Den Sarazenen mußte er demütigenden Tribut zahlen. Schließlich zettelten Verwandte eine Verschwörung gegen den Greis an und erschlugen ihn, als Gi nicht schnell genug wirkte, mit dem Hammer. Es war der erste Papstmord. Johanns Streben galt dem Frieden und der Ge- -
rechtigkeit. Seine Ermordung war das erste Zeichen eines Verfalles des Papsttums.
MARINUS I. .. bis .. Die beiden Päpste Marinus werden später in der Reihe der Martin gezählt. Zum ersten Male wurde ein Bischof zum Papst erhoben, was als sogenannte Translation seit dem Konzil von Nicäa verboten war. Der Pontifikat des klugen, frommen Marinus verlief ereignislos.
HADRIAN III. .. bis . Ein bedeutungsloser Pontifikat.
STEPHAN V. . bis .. Unter seinem Pontifikat erfolgte die Absetzung Kaiser Karls III., des Dicken, auf den Arnulf von Kärnten folgte, während sich Markgraf Berengar von Friaul, ein Enkel Kaiser Ludwigs I., des Frommen, zum König von Italien krönen ließ. Da Stephan vom zerfallenden Karolingerreich ebenso wie von Byzanz Hilfe gegen die immer bedrohlichere Sarazenengefahr nicht erwarten konnte, adoptierte er Herzog Wido von Spoleto, den mächtigsten Fürsten Italiens und Hauptgegner Berengars. Aber Widos wachsende Macht vor den Grenzen des Kirchenstaates beunruhigte ihn bald. Vergebens bat er Arnulf, die Herrscha in Italien zu ergreifen. So wandte er sich wieder seinem Adoptivsohn Wido zu und krönte ihn zum Kaiser, ohne daß dieser über sein Land hinaus Anerkennung gefunden hätte.
FORMOSUS .. bis .. Der Bischof von Porto war durch seine erfolgreiche Missionsarbeit in Bulgarien bekannt geworden. Später schloß er sich der Verschwörung des Adels gegen Johann VIII. an, wurde als Bischof suspendiert, doch als Legat zu Kaiser Ludwig II. geschickt. Marinus I. setzte ihn wieder als Bischof von Porto ein, so daß seine Papstwahl eigentlich dem Kanon widersprach. Als Papst folgte er gezwungenermaßen der Politik Stephans V., wiederholte in Ravenna die Kaiserkrönung Widos und krönte dazu dessen Sohn Lambert zum Kaiser. Beider wachsende Machtfülle veranlaßte ihn, König Arnulf zu rufen, der über Wido siegte. Nach Widos Tod herrschte in Rom seine Witwe Ageltrude. Formosus war völlig machtlos. erschien - -
Arnulf zum zweitenmal, nahm Rom ein und wurde zum Kaiser gekrönt. Er mußte Italien jedoch krank verlassen, ohne Ageltrude besiegt zu haben. Formosus war ein ehrgeiziger, doch untadeliger Papst. Er restaurierte die Peterskirche und schmückte andere Kirchen aus.
BONIFAZ VI. . Würdelos und mehrfach des Amtes enthoben, regierte Bonifaz vierzehn Tage. Trotz eines Konzilbeschlusses von Ravenna, seinen Namen zu streichen, wird er als Papst gezählt.
STEPHAN VI. . bis . Eine der makabresten Figuren, die je ein Herrscheramt innegehabt haben. Eine entsetzliche Schandtat ist von ihm überliefert: als Freund des wieder mächtig gewordenen Spoletinerhauses ließ er den schon neun Monate im Grabe ruhenden Formosus ausgraben und in päpstliche Gewänder gehüllt auf einen ron setzen, um über den Toten ein frevlerisches Gericht zu halten. Obwohl er selber vor der Wahl ein, obendrein von Formosus eingesetzter, Bischof von Anagni gewesen war, wurde dem Leichnam neben anderen erfundenen Dingen die Translation von Porto nach Rom vorgeworfen. Der grauenhae Pathologe, der alle Weihen des Formosus für ungültig erklärte, um dadurch selber nicht der unkanonischen Translation bezichtigt zu werden, ließ dem Toten die Segensfinger der rechten Hand abhauen, ihn sodann unter den Klagen der Bevölkerung auf den Begräbnisplatz der Fremden, später in den Tiber werfen. Als Leichensynode ist die Untat dieses fürchterlichen Verbrechens in die Geschichte eingegangen. Das rasend gewordene Volk und die Anhänger des Formosus aber schleppten Stephan einige Monate später ins Gefängnis, wo er erwürgt wurde.
ROMANUS . bis . Dieser Bruder des Papstes Marinus I. regierte nur vier Monate und erklärte alle Amtshandlungen seines Vorgängers für nichtig.
THEODOR II. . Der Pontifikat dieses friedlichen, ehrenhaen Papstes dauerte drei Wochen. Er ließ den aufgefundenen Leichnam des Formosus mit höchsten Ehren bestatten, alle Verfügungen der Leichensynode noch- -
mals annullieren und die von Stephan VI. Abgesetzten und für ungültig geweiht Erklärten wieder bestätigen. Anhänger Stephans erhoben für kurze Zeit ›Sergius‹, einen skrupellosen Grafen von Tusculum, zum Gegenpapst, der sich zunächst nicht halten konnte, später aber Sergius III. wurde.
JOHANN IX. . bis . Er war ein Schützling Kaiser Lamberts, der, in Ravenna residierend, nach einem Friedensschluß mit Berengar von Friaul über den größten Teil Italiens herrschte. Der schwache, doch würdige und kluge Papst begab sich unter Lamberts Schutz nach Ravenna, wo er eine, die Arbeit eodors II. beendende Synode der Wiedergutmachung abhielt. Es schien Ruhe wiederzukehren, doch Lambert verunglückte tödlich. Da er ohne Erben starb, riß Berengar von Friaul die Herrscha an sich. Er begegnete keinem Gegner, da Kaiser Arnulf todkrank war und als einziger Erbe nur sein Sohn Ludwig IV., das Kind, lebte.
BENEDIKT IV. ./. bis . Er setzte die Arbeit Johanns IX. fort, während die Parteiwirren erschreckend zunahmen. Eine Kaiserkrönung Ludwigs des Blinden von der Provence, des Enkels Kaiser Ludwigs II., blieb wirkungslos, und Berengar beherrschte weiterhin Italien. Benedikt kämpe erfolglos gegen die Korruption.
LEO V. . bis . Der heiligmäßige Papst wurde nach einem Monat von einem Presbyter Christophorus ins Gefängnis geworfen und gemartert. Eine alte bretonische Legende identifiziert ihn mit dem heiligen Tugdual, einem Benediktinermönch, der nach Rom kam, um dort als Leo Britigena Papst zu werden.
CHRISTOPHORUS . bis . Der Papst-Usurpator düre eigentlich nur als Gegenpapst bezeichnet werden. Nach wenigen Wochen wurde er selber in den Kerker geworfen und, mit seinem Vorgänger zusammen, vom einstigen Gegenpapst ›Sergius‹, Grafen von Tusculum, erwürgt, der aus der Verbannung zurückgekehrt war, um selber Papst zu werden. - -
SERGIUS III. .. bis .. Er war eine grausame Erscheinung, Mörder seiner beiden Vorgänger, Freund des Leichenschänders Stephan VI. und Gegner des Formosus. In niederträchtiger Weise ging er gegen alle von Formosus Geweihten und die von diesen Geweihten vor. Gleichzeitig erhob sich mit eophylakt, dessen Frau eodora und beider Töchter eodora d. J. und Marozia eine Adelsfamilie zu allbeherrschender Stellung in Rom, die gemeinsam mit einer Reihe minderwertiger oder schwacher Päpste, die ihre Werkzeuge waren, bis das Regiment der sogenannten Pornokratie führte, wie der große Kardinal-Historiker Cesare Baronio um diese für das Papsttum dunkle Periode, das Saeculum obscurum genannt hat. Marozia, in erster Ehe mit dem Markgrafen Alberich von Spoleto verheiratet, war auch die Mätresse Sergius´ III. Selbst wenn nicht alles zutri, was Luitprand von Cremona, der vieles übertreibende Autor der wichtigsten Chronik der Zeit, schreibt, so ändert das wenig an der furchtbaren, vor der christlichen Welt beschämenden Lage des Papsttums. eophylakt nannte sich von nun an Herzog, Konsul, Dux und Senator von Rom, die ältere eodora und Marozia nannten sich Senatrix. Sergius ließ die bei einem Erdbeben während der Leichensynode eingestürzte Lateransbasilika wieder auauen – die einzige verdienstliche Tat seines Pontiflkates.
ANASTASIUS III. . bis . Der Pontifikat dieses Papstes verlief ereignislos.
LANDO . bis . Nichts ist von ihm bekannt außer seiner Abhängigkeit von eodora d. Ä. deren Schützling er zum Erzbischof von Ravenna machte, bis dieser sein Nachfolger wurde.
JOHANN X. . bis . Der energische, moralisch zweifelhae, unter dem Einfluß eodoras d. Ä. eingesetzte Papst und frühere Erzbischof von Ravenna vermochte eine große Liga gegen die Sarazenen aufzustellen. Diese wurden unter der Führung des Papstes und eophylakts am Garigliano belagert und im August geschlagen. Der Papst soll persönlich und mutig in den Kampf eingegriffen haben. Ende krönte er Berengar von Friaul zum Kaiser. Nach dessen Ermordung , nach Ungarneinfällen und blutigen Wirren in Oberitalien wurde Rudolf II. von Hochbur- -
gund an Stelle Berengars gewählt, doch von Hugo von der Provence, dem Urenkel Kaiser Lothars I., verdrängt, der, von seinem Halbbruder Wido von Tuszien, dem zweiten Gatten Marozias, gerufen, mit Unterstützung des Papstes zum König von Italien erhoben wurde. Zwanzig Jahre regierte er als Tyrann in Pavia. Von einer universellen Bedeutung des Papsttums war unter solchen Umständen keine Rede mehr. Es kam so weit, daß Johann ein fünähriges Kind zum Erzbischof von Reims machte. Marozia war zur Alleinherrscherin Roms geworden. Als ihr Johann, der sich in der letzten Zeit ernstlich um die Kirche bemüht zu haben scheint, entgegenzutreten wagte, ließ sie ihn einkerkern und Ende ermorden.
LEO VI. . bis . Als ein willenloses Geschöpf Marozias war Leo ohne jede Bedeutung.
STEPHAN VII. . bis . Auch er war nur eine Kreatur Marozias und ist sehr wahrscheinlich, ebenso wie sein Vorgänger, ermordet worden.
JOHANN XI. . bis . Dieser Sohn Marozias und, wie kaum zu bezweifeln ist, Papst Sergius´ III., wurde von seiner Mutter eingesperrt. Marozia heiratete nach Widos Tod in dritter Ehe König Hugo von der Provence und von Italien, dem sie die Kaiserkrone zu verschaffen gedachte. Doch Alberich II. von Tuszien, der hochbegabte Sohn Marozias aus erster Ehe, gewann den Adel, vertrieb König Hugo aus Rom und ließ seine Mutter sowie den päpstlichen Halbbruder als Gefangene bewachen. Beider Ende ist unbekannt geblieben. Damit war die Epoche der Pornokratie beendet. Zweiundzwanzig Jahre lang herrschte nun Alberich II. als »Fürst und Senator aller Römer« unbestritten und bemühte sich nachdrücklich, zusammen mit Abt Odo von Cluny, Ordnung in die kirchlichen Verhältnisse zu bringen. Das Papsttum stand ganz unter seinem durchaus positiven Einfluß.
LEO VII. .. bis .. Er wie seine nächsten drei Nachfolger galten als einwandfreie, für das gewaltige säkulare Reformwerk Clunys tätige Päpste, denen Alberich jede Hilfe zuteil werden ließ. Leo trat sein Pontifikat im gleichen - -
Jahre an wie König Otto I. seine Herrscha in Deutschland. Während seines Pontifikates kam Abt Odo von Cluny nach Rom, um mit dem Papst im Sinne einer Renaissance des religiösen Lebens zusammenzuarbeiten.
STEPHAN VIII. .. bis . Er war wohl ein Verwandter Ottos I. Der Historiker Martin von Polen berichtet, man habe dem Papst bei einer Verschwörung die Nase verstümmelt. bemächtigte sich König Hugo Roms wieder, wurde aber von Alberich zurückgeschlagen.
MARINUS II. .. bis . Er wird auch als Martin III. gezählt, da die beiden Päpste Marinus später unter diesem Namen verzeichnet werden. Von dem Pontifikat des gütigen Papstes ist nichts bekannt. zog sich König Hugo, von Berengar II. von Ivrea, dem Enkel Kaiser Berengars von Friaul, vertrieben, aus Italien zurück.
AGAPET II. .. bis . ließ Berengar von Ivrea sich und seinen Sohn Adalbert zum König krönen. Er hielt Adelheid, die spätere große Kaiserin, Schwiegertochter Hugos von der Provence und Witwe von dessen Sohn Lothar, gefangen, bis sie Otto I., d. Gr. zu Hilfe rief, der sie befreite und sich mit ihr vermählte. Da ihr Vater, Rudolf II. von Hochburgund, für kurze Zeit König von Italien gewesen war, verfocht sie Erbansprüche. Otto I. residierte, nachdem er Berengar unterworfen hatte, als König der Franken und Lombarden bis in Pavia und kehrte dann nach Deutschland zurück. Agapet, beziehungsweise Alberich II., lehnten sein Begehren nach der Kaiserkrönung ab. Alberich II. starb , nachdem er in sehr anfechtbarer Weise Agapet und den römischen Adel hatte schwören lassen, seinen Sohn Oktavian, Grafen von Tusculum, nach Agapets Tode zum Papst zu machen und damit geistliche und weltliche Macht in einer Hand zu vereinen.
JOHANN XII. .. bis .. Durch seinen Vater schon früh zum Geistlichen bestimmt, wurde er mit knapp zwanzig Jahren Papst – eine der erbärmlichsten und niederträchtigsten Figuren, die je den Heiligen Stuhl entweiht haben. Unter seinem Regiment wurde der Lateran zum Bordell, wie die Historiker aller Richtungen zugeben. In jeder Hinsicht ungebildet, sprach - -
Johann, ein zynischer Tyrann, nur die Vulgärsprache. Als Berengar von Ivrea und sein Sohn Adalbert nach Süden vordrangen, rief er Otto I. nach Italien zurück und krönte ihn und Adelheid am . Februar . Johann begann schon kurz darauf mit dem entflohenen Adalbert von Ivrea eine europäische Koalition gegen Otto I., d. Gr., aufzustellen, worauf der Kaiser erneut in Rom erschien, am . November auf einer Synode in der Peterskirche den entflohenen Johann wegen seiner zahllosen weltlichen und kirchlichen Verbrechen unter Anklage stellte und für abgesetzt erklärte. In Leo VIII. wurde ein neuer Papst gewählt, ein würdevoller Laie, der die Weihen alle auf einmal erhielt, was kanonisch unmöglich war. Als der Kaiser Rom verlassen hatte, kehrte Johann zurück, während Leo entfliehen konnte. Johann, der fürchterliche Rache an seinen Gegnern nahm, starb am . Mai , ehe der Kaiser wiederum in Rom eintraf, nach einem Ehebruch, wobei ihn vermutlich der betrogene Ehemann so zugerichtet hatte, daß er nur noch acht Tage lebte.
LEO VIII. .. bis .. Obwohl von einigen zum Gegenpapst erklärt, gilt er doch als rechtmäßiger Nachfolger Johanns XII. Der Kaiser stand hinter ihm, als die Römer Benedikt V. aufstellten. Leos restlicher Pontifikat verlief ruhig. Urkunden, die seinen Namen tragen und den Verzicht auf die pippinischen und karolingischen Schenkungen aussprechen, haben sich als Fälschungen aus der Zeit Kaiser Heinrichs IV. erwiesen.
BENEDIKT V. .. bis .. Auch er wird, wie Leo VIII., in der Papstreihe gezählt. Er war ein integrer Priester und bedeutender Gelehrter mit dem Beinamen Grammaticus, der sich während seines kurzen Pontifikates nach Kräen bemühte, etwas von der Schmach der letzten Jahre zu tilgen. Doch er wurde von Otto I., d. Gr., und Papst Leo VIII. abgesetzt und nach Hamburg in die Verbannung gebracht, wo er am . Juli als Diakon starb.
JOHANN XIII. .. bis .. Er war Bischof von Narni und möglicherweise ein Sohn eodoras d. J. der Schwester Marozias. Als ein Anhänger Ottos I., d. Gr., regierte er sehr selbstherrlich, so daß es zu einem Aufstand kam. Johann wurde gefangengesetzt, konnte aber nach wenigen Monaten zum Kaiser entfliehen, der ihn ein Jahr später wieder zurückführte, um die Aufrührer zu richten und zu verbannen. Otto stellte den Kir- -
chenstaat wieder her und gab dem Patrimonium Petri wichtige Gebiete zurück. Weihnachten wurde Otto II., der Sohn Ottos d. Gr., von Johann zum Kaiser gekrönt. Nach längeren Auseinandersetzungen mit Byzanz gelangte man mit dem östlichen Kaisertum zu einer Einigung, die durch die am . April vom Papst gesegnete Eheschließung Ottos II. mit eophano, der Nichte Kaiser Johannes’ Tzimiskes, besiegelt wurde.
BENEDIKT VI. .. bis . Mit Crescentius, dem Sohne eodoras d. J. – also vermutlich einem Bruder Papst Johanns XIII. –, schwang sich das Geschlecht der Crescentier zum Haupt der kaiserfeindlichen Kräe auf. Otto I., d. Gr., starb am . Mai . Crescentius ließ den Papst einkerkern und erhob ›Bonifaz VII.‹ zum Gegenpapst, der Benedikt erwürgen ließ. Beim neuerlichen Anrücken der Kaiserlichen floh der Gegenpapst nach Byzanz. Der von einigen Papstlisten zwischen Benedikt VI. und Benedikt VII. eingeschobene »Donus II.« hat nie existiert.
BENEDIKT VII. . bis .. Der würdige Papst, ein Graf von Tusculum und Bischof von Sutri, arbeitete für die Reform von Cluny und gegen die Simonie.
JOHANN XI. .. bis ... Der Erzkanzler Ottos II. in Italien, Petrus von Pavia, wurde gleichfalls unter dem reformeifrigen Einfluß des Kaisers zum Papst erhoben. Nach Ottos II. Tode am . Dezember in Rom erschien Gegenpapst ›Bonifaz VII.‹ wieder, ließ Johann einkerkern und verhungern.
BONIFAZ VII. .. bis . Der grausame Papstusurpator genoß seine Würde nur ein knappes Jahr, bis er umgebracht und seine Leiche verstümmelt durch die Straßen geschlei wurde.
JOHANN XV. . bis . Johann verdankte seine Erhebung Crescentius Nomentanus, dem Sohne des ersten Crescentius, der sich Patricius Romanorum nannte. Er machte sich durch Nepotismus in schlimmster Form und durch seine Geldgier verhaßt. erschien die Kaiserin-Regentin eophano - -
in Rom, ohne die Machtstellung des Crescentius erschüttern zu können. Es kam zu Auseinandersetzungen, Johann floh nach Toscana, von wo aus er Otto III. zu Hilfe und zur Kaiserkrönung nach Italien rief. Während Johanns Pontifikat gelangte mit Hugo Capet, dem Neffen Ottos I., d. Gr., das Königshaus der Capetinger auf den ron von Frankreich. Die Heiligsprechung Ulrichs von Augsburg war die erste päpstliche Kanonisation.
GREGOR V. .. bis .. Mit Brun, dem hochgebildeten, strengen Urenkel Kaiser Ottos I., bestieg der erste deutsche Papst den ron. Am . Mai krönte der Vierundzwanzigjährige den sechzehnjährigen Otto III. zum Kaiser. Als dieser Italien verließ, erhob sich Crescentius Nomentanus erneut und vertrieb den Papst, welcher der Feindseligkeit der Römer mit Milde begegnet war. Crescentius machte den Griechen Johannes Philagathos, den einstigen Gesandten Ottos III., Bischof von Piacenza und ehemaligen Kanzler Italiens unter Otto II., als ›Johann XVI.‹ zum Gegenpapst. kehrte Otto III. nach Italien zurück. Der geflohene Gegenpapst wurde gefangen, ohne Wissen des Kaisers entsetzlich verstümmelt, auf Befehl Gregors auf einem Esel durch Rom geführt und in ein Kloster gebracht, wo er noch fünfzehn Jahre lebte. Crescentius wurde in der Engelsburg enthauptet. Gregor ging mit Strenge und Umsicht an die Reform, in der er seine Hauptaufgabe erblickte. Er starb mit dreißig Jahren an der Malaria, nicht, wie es hieß, an Gi.
SILVESTER II. .. bis .. Mit Gerbert von Aurillac, dem Erzbischof von Ravenna, erlangte nach dem ersten deutschen Papst der erste Franzose die Tiara. Er war der Freund und Lehrer Ottos III. Sein kurzer Pontifikat galt in erster Linie der Ostmission in Polen und Ungarn, dessen erstem christlich gewordenen König Stephan er die Krone übersandte. In der letzten Zeit widmete sich Silvester, ein Feind jeder Simonie, immer entscheidender der Kirchenreform. Er arbeitete aufs engste mit dem in Rom residierenden Otto III. zusammen. Ein Aufstand des Grafen von Tusculum vertrieb Kaiser und Papst aus Rom. Otto III. starb am . Januar in Paterno am Monte Soracte; sein Nachfolger wurde Heinrich II. Silvester konnte nach Rom zurückkehren, wo sich der Crescentier Johannes, der Sohn des hingerichteten Crescentius Nomentanus, zum Patricius aufgeworfen hatte. Der Papst war einer der größten Gelehrten aller Zeiten als Mathematiker, Astronom, Philosoph, Naturwissenschaler und Literat, der bei arabischen Meistern in Sevilla und Cordoba studiert hatte. Sein - -
unheimliches Wissen ist schon früh in die Legende übergegangen, man hielt ihn für einen gewaltigen Zauberer, später für das Urbild des Doktor Faust. Er hat eine Fülle von Schrien hinterlassen.
JOHANN XVII. . bis . Er wird als siebzehnter des Namens gezählt, obwohl der sechzehnte Gegenpapst gewesen ist. Über seinen Pontifikat ist nichts überliefert.
JOHANN XVIII. .. bis . Er ließ sich besonders die Kirche in Deutschland angelegen sein. Unter ihm wurde Heinrichs II. Lieblingsgedanke, die Errichtung des Bistums Bamberg, verwirklicht.
SERGIUS IV. .. bis .. Ein friedlicher, karitativer Papst, der zum ersten Male – vergebens – zu einem Kreuzzug aufrief.
BENEDIKT VIII. .. bis .. Nach dem Tode des Crescentiers Johann gelangten die Grafen von Tusculum wieder an die Macht, während die Crescentier für kurze Zeit einen Gegenpapst ›Gregor‹ aufstellten. Hierauf setzten die Tusculaner den Grafen eophylakt, Kardinal von Porto, als Papst durch, dessen Bruder Alberich sich zum Consul et Dux aufschwang. Der Gegenpapst reiste zu Heinrich II. nach Deutschland, der ihn ablehnte und Benedikt anerkannte, von welchem er am . Februar in Rom mit seiner Gemahlin Kunigunde zum Kaiser gekrönt wurde. Der Papst machte sich energisch von jeder Familienpolitik frei und sicherte die Herrscha im Kirchenstaat, doch mehr als weltlicher Regent und mit geringem Interesse für kirchliche Reformen. Als ein ausgezeichneter Feldherr schlug er, gemeinsam mit Pisa und Genua, die Sarazenen vernichtend. Er unterstützte die nationale Erhebung gegen Byzanz, das in Unteritalien gegen die zum erstenmal auauchenden Normannen bei Cannae gesiegt hatte. begab sich der Papst nach Bamberg zum Kaiser und bat um Waffenhilfe. zogen Papst und Kaiser zusammen gegen die Byzantiner in Unteritalien, ohne deren Macht erschüttern zu können. Der Kaiser mußte den Papst drängen, sich im Sinne Clunys für Reformen einzusetzen, was Benedikt auf einer Synode in Pavia tat, auf der die noch weitverbreitete Priesterehe zum ersten Male bei Strafe der Absetzung - -
verboten wurde. Das praktische Ergebnis war gering. Heinrich II. veranlaßte den Papst, das Credo des Konzils von endgültig in die römische Meßordnung aufzunehmen.
JOHANN XIX. ... bis .. Dieser Bruder des vorigen Papstes war als Romanus, Graf von Tusculum, gleichfalls Consul et Dux von Rom gewesen, hatte seine Wahl erzwungen und sich am ersten Tage alle Weihen erteilen lassen. Als Papst begann er einen schamlosen simonistischen Handel zu treiben. Der Chronist Radulfus Glaber behauptet, Johann sei nur mit Mühe gehindert worden, die bisher von den Päpsten gewahrten Primatialrechte an den Patriarchen von Byzanz zu verkaufen. Da Byzanz damals seine Papstlisten beendete, war das endgültige Schisma seitens der Ostkirche vollzogen. Am . März wurde der erste Salier, Konrad II., mit seiner Gemahlin Gisela in Rom zum Kaiser gekrönt.
BENEDIKT IX. Ende bis .. Er war wiederum ein Graf eophylakt von Tusculum, Neffe seiner beiden Vorgänger und durch Bestechung seines Vaters Alberich III. von Tusculum, sowie mit Unterstützung Kaiser Konrads II. im Alter von etwa fünfzehn Jahren Papst geworden – ein willenloses Werkzeug des Kaisers und eine Gestalt, die an Niederträchtigkeit Johann XII. glich. kam es unter der Führung der Crescentier zu einem Aufstand gegen Benedikt, der aus Rom floh. Die Tiara kaue sich darauin ein Bischof Johannes, der sich Silvester III. nannte. Doch er wurde bald darauf verjagt, Benedikt kehrte zurück und verkaue seine Papstwürde am . Mai für teures Geld. Ende wurde er auf der Synode von Rom durch Heinrich III., den Sohn und seit Nachfolger Konrads II., formell für abgesetzt erklärt, tauchte aber nochmals als Gegenpapst auf und starb um . Von Benedikt an führen die Päpste ein Wappen.
SILVESTER III. .. bis .. Trotz der ganz unklaren kanonischen Rechtslage bei manchen Päpsten dieser simonistischen Jahre wird Silvester, der sich kurze Zeit gegen Benedikt IX. behauptete, nicht als Gegenpapst gezählt.
GREGOR VI. Johannes Gratianus Pierleoni. .. bis .. Er war Archipresbyter, Pate Benedikts IX. und stammte aus dem reichen jüdischen Hause der Pierleoni. Es erscheint hier der eigen- -
artig zwiespältige Fall, daß ein persönlich unsträflicher, hochangesehener, frommer, den Reformbestrebungen nahestehender Priester durch einen simonistischen Handel schamloser Art auf den ron gelangte; wie einigermaßen glaubwürdig versichert wurde, um einem moralischen Tiefstand ein Ende zu bereiten, der an einer äußersten Grenze angelangt war. Er kaue Benedikt IX. die Papstwürde ab. Der heilige Petrus Damianus und die Cluniazenser begrüßten ihn voller Begeisterung, doch ohne eigentliche Kenntnis der simonistischen Vorgänge. König Heinrich III. wurde flehentlich gebeten, einzugreifen – einmal durch einen vermutlich von Odilo von Cluny stammenden Brief, sodann durch einen Ruf, den der hochgeachtete Eremit Gunter an ihn gerichtet haben soll und in welchem es heißt: »Ein Papst drängt sich neben den anderen … laß dich nieder zum Gericht, König Heinrich, an Stelle des allmächtigen Gottes … ein würdiger Papst soll auserkoren werden, und der wird mehr wert sein als tausend jener Art.« traf Heinrich III, von Reformeifer erfüllt, ein und empfing Gregor in Piacenza. Erst dort erfuhr er die näheren Umstände von dessen Erhebung zum Papst und berief im Dezember die Synode von Sutri, wo Benedikt IX., Silvester III. und Gregor VI. abgesetzt wurden. Manche Quellen erklären, Gregor habe resigniert. Er wurde in die Verbannung nach Köln geschickt, wo er starb.
KLEMENS II. Suitger, Graf von Morsleben und Hornburg .. bis .. Er war Bischof von Bamberg und ist als erster von vier aufeinanderfolgenden deutschen Päpsten auf Veranlassung Heinrichs III. erhoben worden. Heinrich III. empfand sich als rex sacerdos, dessen Aufgabe es war, den Gottesstaat vom erneuerten Papsttum her zu verwirklichen. Die dadurch geschaffene politische und kirchliche Konstellation barg Konfliktstoff für die Zukun, als das Kaisertum das von ihm aus der Erniedrigung emporgehobene Papsttum weit zu überragen begann. Klemens, der Heinrich III. und seine Gemahlin Agnes am Tage nach seiner Erhebung krönte, kämpe, gemeinsam mit Cluny, vor allem gegen die Simonie.
DAMASUS II. Poppo, Graf von Brixen. .. bis .. Noch ehe der von Heinrich III. zum Papst ausersehene Bischof von Brixen inthronisiert werden konnte, tauchte ›Benedikt IX.‹ noch einmal auf und hielt sich – diesmal als Gegenpapst! – bis zum Juli . Beim Nahen des Kaisers und Papst Damasus’ floh er und starb bald darauf, kurz nach Damasus, der sich in den drei Wochen seines Pontifikates höchste Achtung erworben hat. - -
LEO IX. Bruno, Graf von Egisheim-Dagsburg. .. bis .. Der einstige Bischof von Toul gehört zu den reinsten Gestalten der Papst- und der Weltgeschichte. Er war ein Vetter Kaiser Heinrichs III. und wurde auf dem Wormser Reichstag von gewählt. Barfuß zog er in Rom ein und nahm seine Wahl nicht eher an, als bis auch Rom ihn als Papst anerkannte – in einer völlig verwilderten Zeit das Bild eines von höchstem Rechtsethos durchdrungenen Papstes. Er sammelte bedeutende Berater um sich, vor allem Hildebrand, den ersten eigentlichen Staatssekretär und gewissenhaen Finanzminister, sowie den heiligen Petrus Damianus. Beide verkörperten das Ideal der Reform von Cluny, die zu höchster Entfaltung gelangen sollte. Das Kardinalskollegium wurde durch hervorragende Mitglieder internationalisiert. Bei aller Güte, Heiligmäßigkeit und Liebenswürdigkeit ging Leo auf vielen Synoden – kein Papst ist so viel durch Europa gereist – mit Schärfe und großer Tatkra gegen die Mißstände im Klerus vor, in erster Linie gegen Simonie und Priesterehe. Überall sorgte er persönlich für die Durchführung seiner Weisungen und Reformen und suchte dabei die Verbindung zum Volk, dem er predigte und das ihn grenzenlos liebte und verehrte. Politisch war Leo nicht vom Glück begünstigt. Benevent bat ihn um seinen Schutz, und der Kaiser machte ihn zum Statthalter dieser von den Normannen bedrängten Stadt. In der Schlacht von Cività-al-mare von geriet er in normannische Gefangenscha. Petrus Damianus tadelte den Papst um seiner Handlungsweise willen; statt als Lehensherr blieb dieser einen Winter lang als Gefangener in Benevent. Der Sieg der Normannen gilt als Beginn ihrer Staatsgründung, zu der sie den Papst als Lehensherrn anerkannten, was für die kommenden Jahrhunderte von großer politischer Tragweite werden sollte. In Leos letzte Zeit fällt die endgültige, auch formelle Trennung von Ostrom. Ihr Datum wird mit dem . Juli , kurz nach Leos Tode, angesetzt. Zur rechtlichen Definition des Patrimonium Petri berief sich Leo als erster auf die – noch nicht als Fälschung erkannten – pseudo-isidorischen Dekretalen. Leo, der schon bald nach seinem Tode als Heiliger verehrt wurde, verkörperte in seiner Zeit und über sie hinaus in reinster Form Idee und Gestalt, Größe und wirkende Kra des Papsttums und seiner Universalität.
VIKTOR II. Gebhard, Graf von Hirschberg. .. bis .. Die Sedisvakanz von fast einem Jahr war durch das Zögern des kaiserlichen Kanzlers und Bischofs von Eichstätt mitbedingt, der die Wahl nicht annehmen wollte. Wiederum bestand Kaiser Heinrich III. auf einen deutschen Papst und folgte dabei dem Rate Hildebrands. Viktors Pontifikat entwickelte sich ganz in der Richtung seines Vorgängers. Er hielt eine Reformsynode in Florenz ab und galt als gerechter, gütiger Papst, dem Hildebrand als bedeutendster Berater - -
zur Seite stand. Vom Sterbelager Heinrichs III., der ihn neben der Papstwürde noch zum Herzog von Spoleto machte, nach Italien zurückkehrend, starb der Papst in Arezzo.
STEPHAN IX. Friedrich von Lothringen. .. bis .. Der Herzogssohn, Kardinal und Abt von Monte Cassino, machte den heiligen Petrus Damianus zum Reformkardinal und erweiterte seinen Wirkungskreis. Der Heilige wandte sich scharf gegen die sogenannte Laieninvestitur, eines der verhängnisvollsten kirchlichen Übel der Zeit. Vor allem wurde das Volk für die Reform gewonnen, und in Oberitalien kam es sogar zu einer Volksbewegung gegen den simonistischen Klerus unter dem Namen Pataria, von pattari – Altwarenhändler, wie der Adel spöttisch sagte. Der Papst mußte gegen Gewalttätigkeiten einschreiten. Hildebrand, der auch Stephan zum unentbehrlichen Mitarbeiter geworden war, bereiste im Aurage der Reform Deutschland und Frankreich.
BENEDIKT X. Johann von Velletri. .. bis .. Wieder einmal gelang es dem unheilvollen Geschlecht der Tusculaner, einen Papst auf den ron zu bringen, der sich hielt, bis Hildebrand und der heilige Petrus Damianus an der Spitze des Reformklerus die drohende Gefahr mit der Absetzung des Papstes und einer Neuwahl zu bannen vermochten.
NIKOLAUS II. Gerhard von Burgund. .. bis .. Der Bischof von Florenz wurde von der Reformpartei gewählt. Die Ostersynode im Lateran von brachte das Papstwahldekret heraus, wonach Klerus und Volk nur noch der Wahl der Kardinäle zustimmen konnten. Ferner wurden Voraussetzungen für die Durchführung des Zölibates geschaffen und die Annahme von Kirchenämtern aus Laienhand verboten. Gleichzeitig wurde der Einfluß des deutschen Hofes begrenzt. Im Juli des gleichen Jahres fand die Synode von Melfi statt – ein Werk Hildebrands –, auf welcher der Normanne Robert Guiscard zum Herzog von Apulien, Calabrien und Sizilien erhoben wurde und sich dem Papsttum als Lehensfürst verbündete.
ALEXANDER II. Anselmo da Baggio. .. bis .. Die Crescentier und Tusculaner, die schon so viel Unheil über das Papsttum gebracht hatten, standen zum letzten Male gegen die Kirchenreform auf und ließen in Basel einen Gegenpapst ›Honorius II.‹ - -
ernennen: Peter Cadalus, den einstigen Kanzler Heinrichs III. Im Sinne des Papstdekrets von wählt das Konzil von Mantua unter Führung Hildebrands den Bischof von Lucca zum rechtmäßigen Papst. Der Gegenpapst hatte in Oberitalien, unterstützt von der Kaiserin Agnes, Regentin für ihren Sohn Heinrich IV., einigen Anhang bis . veranlaßte der Papst einen Kreuzzug gegen die Mauren Nordspaniens, wo das Kreuzheer bestialisch unter den Besiegten hauste. Alexander war ein kluger Diplomat und reformeifriger Priester, der bald auch die Anerkennung Deutschlands fand.
GREGOR VII. Hildebrand von Soana. .. bis .. Gregor erscheint erstmalig in der Geschichte als Begleiter des in die Verbannung nach Köln geschickten Gregors VI. Er wurde in Rom erzogen, ging als Mönch nach Cluny und gewann, als eine treibende Kra der cluniazensischen Reformbewegung, von Leo IX. an entscheidenden Einfluß auf die Arbeit der Päpste. Wiederholt hatte er sich der Papstwahl widersetzt und die Würde erst auf Grund einer noch nie erreichten Einstimmigkeit ohne eine Andeutung von Simonie angenommen. Während der Messe des Heiligen Abends von – »eine der grellsten Episoden aus der Geschichte Roms im Mittelalter«, wie Gregorovius sagt – rissen Feinde ihn an den Haaren vom Altar, mißhandelten ihn blutig, kerkerten ihn ein und beschimpen ihn, bis ihn das erregte Volk am Weihnachtstage befreite und im Triumph nach Santa Maria Maggiore zurückführte, wo er die unterbrochene Messe zu Ende las. Seinen Feinden verzieh er. Die schon auf der Fastensynode vom März verkündeten scharfen Simonie- und Zölibatsbestimmungen wurden auf der Fastensynode von wiederholt. Gregor belegte dabei eine Reihe deutscher und italienischer Bischöfe mit dem Bann und erließ das Investiturdekret. Heinrichs IV. Antwort war die »Absetzung« Gregors auf der Wormser Reichssynode von und die Aufforderung an Rom, einen neuen Papst zu wählen. Gregor antwortete mit dem Bann gegen den König, ein in dieser Form nie dagewesenes Ereignis. Es hatte zur Folge, daß auch der Großteil des königstreuen Episkopates sich von Heinrich IV. abwandte und Gregor zur Neuregelung auf einen Reichstag nach Augsburg einlud. Daß der Papst die Absetzung Heinrichs IV. nicht wünschte, kennzeichnet seine politisch-rechtliche Weitsicht. Er war auf dem Wege nach Augsburg, als Heinrich IV. – nicht weniger klug und weitsichtig als der Papst – im Winter in Italien erschien. Gregor befand sich auf Schloß Canossa im Hoheitsgebiet der Markgräfin Mathilde von Toskana. Hier erschien der König und bat um Lösung vom Banne. Politisch blieb er Sieger – doch ebenso war die innere Kra des Papsttums neu erwiesen, als Gregor den Priester dem Staatsmann überordnete. Als Heinrich IV. im Kampf mit dem - -
Gegenkönig Rudolf von Schwaben dessen Exkommunikation und Absetzung forderte, mit einem Gegenpapst drohte und an der Investitur festhielt, sprach Gregor den zweiten, wesentlich wirkungsloseren Bann aus und erneuerte das Investiturverbot. Heinrich IV., durch den Tod des Gegenkönigs wieder erstarkt, stellte in Erzbischof Wibert von Ravenna, seinem Kanzler in Italien, Gegenpapst ›Klemens III.‹ auf und erschien und vor Rom, das er einnahm. Am Osterfest krönte ihn der Gegenpapst. ›Klemens III.‹ fand viel Anhang, und Gregor saß wochenlang in der Engelsburg, ehe ihn Herzog Robert Guiscard befreite und dabei Rom furchtbar plünderte. Gregor zog mit den Normannen nach Süden und starb ein Jahr später einsam und verlassen in Salerno, bis zuletzt ungebeugt im Glauben an seine gerechte Sache. Seine angeblichen letzten Worte sind durch die Jahrhunderte unvergessen geblieben: »Ich liebte die Gerechtigkeit und haßte das Unrecht, darum sterbe ich in der Verbannung.« Er ist eine der größten Gestalten des Mittelalters, was Freunde wie Feinde anerkannt haben. Etwas vom Geiste des alten Rom lebte in ihm. Sein politisches Werk unterliegt noch immer einer gegensätzlichen Beurteilung. Der heilige Petrus Damianus nannte ihn den »heiligen Satan«. Er verkörperte das theokratische Element des Papsttums in seinem höchsten Ausdruck, aber auch in einer gewissen Härte, und wollte Augustinus’ Gottesstaat um jeden Preis verwirklichen. Kra und Verstand, Unbeugsamkeit und Willensmacht sind die hervorstechenden Charakterzüge Gregors, an dessen Verantwortungsbewußtsein und reinem Wollen und Denken kein Zweifel besteht. Sein vollständig erhaltenes reiches Schritum, vor allem sein Dictatus papae, bietet das entscheidende Material zur Erkenntnis seiner Persönlichkeit.
VIKTOR III. Desiderius, Fürst von Benevent. .. bis .. Gegenpapst ›Klemens III.‹ behauptete sich weiterhin in Rom, doch die meisten Kardinäle wählten Abt Desiderius von Monte Cassino, Kardinal von Santa Cecilia in Trastevere, der zunächst in sein Kloster zurückkehrte und sich erst im Mai – nach einer Sedisvakanz von einem Jahr – entschloß, sich weihen zu lassen. Er hielt am Verbot der Laieninvestitur fest, hob den Bann gegen Heinrich IV. nicht auf und veranlaßte einen Feldzug gegen die Sarazenen in Nordafrika, wo ein Sieg erzielt werden konnte. Er genoß den Ruf eines gütigen Papstes und wurde seliggesprochen.
URBAN II. Odo de Lagery. .. bis .. Der in Terracina gewählte einstige Prior von Cluny, Schüler des heiligen Bruno von Köln und Kardinalbischof von Ostia, begab sich zu- -
nächst unter den Schutz des Normannen Roger I., des Bruders Robert Guiscards und Herrschers von Sizilien, nach Süditalien. Mit normannischer Hilfe gelangte er im Herbst nach Rom, wo er, von Almosen lebend, auf der Tiberinsel residierte, während die Stadt von ›Klemens III.‹ beherrscht wurde. bis mußte er wiederum auf normannischem Gebiet Schutz suchen, weil Heinrich IV. erneut siegreich in Italien vorrückte, wo sein Sohn Konrad , als der Kaiser durch Niederlagen zum Rückzug in die Lombardei gezwungen wurde, zu Urban überlief und in Mailand zum König gekrönt wurde. kehrte der Papst nach Rom zurück, der Gegenpapst floh zum Kaiser. ließ Kaiser Alexios I., Komnenos von Byzanz, Urban auf einer Synode in Piacenza um Hilfe gegen die Türken bitten, und der Papst faßte den Plan zum ersten Kreuzzug, den er am . November auf der Synode von Clermont ausrief. – Am . Juli wurde Urban mit einer entscheidenden Bulle, die den normannischen Herrschern überraschende Vorrechte einräumte, zum kanonischen Begründer der Monarchia Sicula; der aus den Vorrechten sich ergebende Konfliktstoff beschäftigte die Päpste noch bis zu Pius IX. Urban förderte in Spanien die Zurückdrängung der Mauren und knüpe in der Zeit der Reconquista die Beziehungen des Landes zu Rom enger. Er erwirkte die Einsetzung des heiligen Anselm von Canterbury, des Vaters der Scholastik, zum Erzbischof der Metropole Englands. erlebte er die Gründung des Zisterzienserordens durch den heiligen Robert von Molesme. Er starb zwei Wochen nach der Einnahme Jerusalems durch die Kreuzfahrer Gottfrieds von Bouillon. wurde er seliggesprochen.
PASCHALIS II. Ranieri di Bieda. .. bis .. Er war Cluniazensermönch und Kardinal von San Clemente. Dem verstorbenen ›Klemens III.‹ folgte in ›eoderich‹ ein neuer Gegenpapst und nach dessen Gefangennahme ein ›Albert‹, doch nur für wenige Wochen. wurde von den Kaiserlichen noch ein Gegenpapst aufgestellt, der sich ›Silvester IV.‹ nannte. Nach Heinrichs IV. Absetzung wandte sich auch sein Sohn Heinrich V. gegen Rom und beharrte auf der Investitur. kam er nach Italien, nahm Paschalis gefangen und ließ ihn erst frei, als dieser ihm die Investitur ohne Simonie zusicherte. Paschalis, der Heinrich V. am . April krönte, zog seine Genehmigung bald wieder zurück, mußte vor dem Kaiser nach Benevent fliehen und starb kurz nach seiner Rückkehr nach Rom. Eine entscheidende Verfügung Paschalis’ verbot die grauenhaen Gottesurteile. In seinen Pontifikat fällt die Gründung von Clairvaux durch den heiligen Bernhard im Jahre . - -
GELASIUS II. Johannes Coniolo. .. bis .. Der kurze Pontifikat dieses greisen Mönches von Monte Cassino und Kardinals von Santa Maria in Cosmedin, den Gregorovius »eine der rührendsten Gestalten aus der Geschichte des Papsttums« nennt und der sich vergebens gegen seine Wahl sträubte, war ein einziger Leidensweg. Seine Wahl erfolgte in kanonischen Rechtsformen, doch heimlich, um eine Einmischung Heinrichs V. zu vermeiden. Aber der kaiserlich gesinnte Cencius Frangipani brach in den Wahlraum ein und schleppte Gelasius unter grausamen Mißhandlungen in seinen Turm. Erst am nächsten Tage gab er ihn dem Volke, das sich für den Papst erhoben hatte, wieder frei. Dieser verzieh seinem Peiniger, doch die Frangipani denunzierten ihn beim Kaiser, der sogleich nach Rom eilte. Gelasius entfloh mit knapper Not und unter abenteuerlichen Umständen nach Gaëta, worauf Heinrich V., dessen Forderungen der Papst ablehnte, in ›Gregor VIII.‹ einen Gegenpapst einsetzte, der großen Anhang fand und Rom beherrschte. Als verarmter Pilger wagte sich Gelasius schließlich wieder nach Rom, wo er nur geringe Hilfe fand. Als die Frangipani ihn während der Messe erneut überfallen wollten, mußte er wiederum fliehen. Frauen fanden den Gequälten verlassen auf dem Felde sitzen. Er vermochte seine Flucht über Pisa, wo man ihn ehrte und feierte und wo er den Dom weihte, nach Frankreich fortzusetzen. In der Mönchskutte auf dem Boden liegend ist er in Cluny gestorben. »Kein fühlender Mensch wird die Unglücksgestalt dieses letzten Opfers des Investiturstreites ohne Teilnahme betrachten«, schreibt Gregorovius.
KALIXTUS II. Guido, Graf von Burgund. .. bis .. Der mit den Saliern wie mit den Capetingern verwandte Kalixtus wurde in Cluny gewählt und in Rom bestätigt. Auf dem Reichstage von Trebur gelangten Papst und Kaiser zum sogenannten Reichsfrieden, der indessen bald wieder auörte. Kalixtus bannte den Kaiser auf einer Synode von Reims und kehrte nach Rom zurück. Gegenpapst ›Gregor VIII.‹ entfloh, geriet in normannische Gefangenscha und wurde vom Papst in ein Kloster gewiesen. Erst am . September wurde mit dem Wormser Konkordat der lange Investiturstreit beigelegt. Heinrich V. verzichtete auf die kirchliche Investitur und die Wahl von Bischöfen und Äbten, während der Papst die Wahl reichsunmittelbarer Bischöfe und Äbte in Anwesenheit des Kaisers und dessen Recht der Belehnung mit den Regalien zugab. Dadurch sollten Simonie und Gewaltmaßnahmen ausgeschlossen werden. fand im Lateran das neunte Allgemeine Konzil statt – das erste im Westen –, welches die Errungenschaen des Wormser Konkordates sanktionierte. Kalixtus errichtete den unter dem heutigen Papstaltar der Peterskirche - -
noch erhaltenen, durch vierhundertsiebzig Jahre hindurch dienenden Papstaltar.
HONORIUS II. Lamberto di Fiagnano. .. bis .. Ein von den Kardinälen rechtmäßig gewählter ›Coelestin II.‹ legte sogleich sein Amt wieder nieder und wurde bald darauf als Gegenpapst gewählt. Die mächtigen Frangipani setzten Honorius durch, dem vor allem das Zustandekommen des Wormser Konkordates von zu danken ist. Wenige Monate später erlosch mit dem Tode Heinrichs V. das salische Kaiserhaus, und Lothar III. von Supplinburg bestieg im Einvernehmen mit Honorius den ron. Der Papst bestätigte den Normannen Roger II. von Sizilien als Herzog von Apulien.
INNOZENZ II. Gregorio Papareschi. .. bis .. Schon wenige Stunden nach der kanonischen Wahl des Kardinals von Sant’ Angelo wählten die meisten Kardinäle ›Anaklet II.‹ Pierleoni, der indessen nur Gegenpapst sein konnte und sich, von Roger II. von Sizilien, den er zum König erhob, unterstützt, bis zu seinem Tode in Rom zu behaupten vermochte. Er vertrieb Innozenz, der nach Frankreich floh, wo er im heiligen Bernhard von Clairvaux einen Vorkämpfer fand. Mehrere Synoden in fünf Ländern bekannten sich zu Innozenz, der mit Lothar III. nach Rom zurückkehrte, wo er ihn am . Juni krönte; er mußte aber nach dessen Abzug erneut fliehen. Trotz seiner Rückkehr wurde in ›Victor IV.‹ wiederum ein Gegenpapst aufgestellt, der sich aber bald unterwarf. In Deutschland folgte Konrad III. als König und erster Staufer; die Kaiserkrone hat er nie erhalten. berief Innozenz das zehnte Allgemeine Konzil in den Lateran, auf welchem unter anderem ›Anaklets II.‹ Schisma verurteilt sowie die Simoniebestimmungen neu definiert wurden. Auch der Irrlehrer Arnaldo da Brescia, ein Schüler Abälards, der einen Aufstand des römischen Senates gegen den Papst ausgelöst hatte, wurde auf dem Konzil verdammt. Die damit beginnenden Wirren währten vierundvierzig Jahre.
COELESTIN II. Guido di Castello. .. bis .. Er bemühte sich vergebens, die unter seinem Vorgänger in Rom ausgebrochenen Unruhen beizulegen. In seinen Pontifikat fällt der Tod Abälards, des unglücklichen Geliebten der Heloise, der im Cluniazenserkloster Saint Marcel/Châlons starb. Coelestin ist vermutlich sein Schüler gewesen. - -
LUCIUS II. Gherardo Caccianemici. .. bis .. Auch er wurde des Aufruhrs in Rom, wo sich Giordano Pierleoni, der Bruder ›Anaklets II.‹, zum Patricius und Oberhaupt der Republik gemacht hatte, nicht Herr. Bei der Belagerung des Kapitols wurde er tödlich verwundet.
EUGEN III. Bernardo Paganelli. .. bis .. Er war Mönch und Schüler des heiligen Bernhard von Clairvaux, der ihm sein Werk De consideratione, den geistlichen Fürstenspiegel des Mittelalters widmete. Die durch Arnaldo da Brescia ausgelösten Wirren arteten in wilde Plündereien aus, und die Republik wurde ausgerufen. Eugen residierte zunächst in Viterbo und zog nach Frankreich, später für einige Zeit nach Trier. Der heilige Bernhard von Clairvaux rief in seinem Aurag im gleichen Jahre zum zweiten, gänzlich erfolglosen Kreuzzug auf. Erst konnte Eugen für kurze Zeit nach Rom zurückkehren. starb Konrad III., dem Friedrich I., Barbarossa, folgte. Eugen, der im Jahre Kaiser Heinrich II. heiligsprach, ist auch als Papst der demütige Mönch von Clairvaux geblieben. Er wurde seliggesprochen. Zwischen und entstand das nach dem Kamaldulensermönch Gratian benannte Decretum Gratiani als erste Sammlung päpstlicher Rechtsverfügungen des Jus novum und damit eigentliche Vorstufe des Codex Juris Canonici.
ANASTASIUS IV. Corrado della Subarra. .. bis .. Der Pontifikat dieses seiner Milde wegen viel gerühmten Greises verlief ohne besondere Ereignisse.
HADRIAN IV. Nikolaus Breakspeare. .. bis .. Eugen III. hatte ihn zum Kardinal von Albano gemacht und als Legaten nach Norwegen gesandt, wo er die Kirche einrichtete. Mit Energie versuchte Hadrian, bis heute der einzige englische Papst, in Rom, über das er sogar das Interdikt verhängte, die durch Arnaldo da Brescia aufgelöste Ordnung wiederherzustellen. Am . Juni krönte er Friedrich Barbarossa zum Kaiser. Es kam zu einem Aufstand, worauf Barbarossa die Stadt verließ und Papst und Kardinäle mit sich nahm. Bald darauf ordnete er vermutlich die Hinrichtung Arnaldos an. Nach dem Abzug des Kaisers wandte sich Hadrian erfolglos gegen Wilhelm I. von Sizilien, den Sohn Rogers II., der den Kirchenstaat bedrohte. Auch mit dem Kaiser verfeindete er sich bald wieder, als dieser seine Macht auf dem Reichstag auf den Ronkalischen Feldern bei Piacenza im Sinne des kaiserlichen Absolutismus - -
und zum Schaden des Papsttums zu erweitern strebte, wobei er in kirchliche Gerechtsame eingriff. Hadrian erinnert an Gregor VII., dessen Ideenwelt auch die seine war.
ALEXANDER III. Orlando Bandinelli. .. bis .. Der bewegte Pontifikat Alexanders, eines berühmten Gelehrten und Juristen, ist durch ein Schisma von vier Gegenpäpsten gekennzeichnet. Als erster fand ›Victor IV.‹ – er heißt so, obwohl schon im Jahre ein Gegenpapst ›Victor IV.‹ aufgetreten war – die Anerkennung Barbarossas, der den Kirchenstaat bedrohte; Alexander mußte nach Frankreich fliehen, wo er, von den meisten Ländern anerkannt, in Sens residierte. Nach dem Tode des Gegenpapstes wurde ›Paschalis III.‹ sein Nachfolger. Er krönte Barbarossa am . August zum zweiten Male. Die norditalienische Erhebung gegen Barbarossa hatte Alexander für kurze Zeit die Rückkehr nach Rom ermöglicht. ließ der Kaiser in ›Kalixtus III.‹ den dritten Gegenpapst ernennen. Alexander stellte sich nunmehr an die Spitze des lombardischen Städtebundes, der den Kaiser in der Schlacht von Legnano völlig schlug. Barbarossa ging auf Verhandlungen ein und schloß mit Alexander den Frieden von Venedig, den Vasari in der Sala regia des Vatikans dargestellt hat; schloß er den Frieden von Konstanz mit den Lombarden. Er anerkannte Alexander und ließ ›Kalixtus III.‹ fallen. berief Alexander in den Lateran das ele Allgemeine Konzil, das den Frieden bestätigte, Neuerungen für die Papstwahl im Sinne der Zweidrittelmehrheit traf, gegen die neomanichäischen Irrlehren der Waldenser, Katharer und Albigenser aurat und Heiligsprechungen endgültig dem Heiligen Stuhl vorbehielt. Für kurze Zeit erhob der Adel den vierten Gegenpapst als ›Innozenz III.‹. Unruhen vertrieben Alexander wiederum aus Rom. sprach er Eduard den Bekenner, den ermordeten omas Becket, Bernhard von Clairvaux heilig. Der durch ruhevolle Maßhaltung ausgezeichnete Papst gehört zu den wahrha bedeutenden Erscheinungen seiner Zeit. Der Freskenschmuck Pisanellos im Dogenpalast von Venedig mit der Geschichte Alexanders III. ist zerstört. Spinello Aretino malte im Palazzo Publico in Siena den Einzug des Papstes in Rom.
LUCIUS III. Ubaldo Allucingoli. .. bis .. Er war Kardinalbischof von Ostia und Velletri und vermochte sich nur wenige Monate in Rom zu halten. wurden auf einem vom Papst und von Barbarossa nach Verona einberufenen Kongreß die Häretiker gebannt, und die Inquisition wurde eingeführt. Ein Ereignis von größter Tragweite bis zur Mitte des . Jahrhunderts war - -
die Verlobung von Barbarossas Sohn Heinrich mit Konstanze von Sizilien, der Tochter Rogers II., durch die in der Folge die beiden Reiche vereinigt wurden.
URBAN III. Uberto Crivelli. .. bis .. Vor seiner Wahl in Verona war er Erzbischof von Mailand gewesen. Sein kurzes Pontifikat war von neuen Auseinandersetzungen mit Barbarossa erfüllt. Er hat Rom als Papst nie betreten. König Heinrich, Barbarossas Sohn, dessen Eheschließung mit Konstanze am . Januar in Mailand vollzogen wurde, brach in den Kirchenstaat ein. Am . Oktober eroberte Sultan Saladin Jerusalem, das durch Gottfried von Bouillon im ersten Kreuzzug eingenommen worden war. Urban starb in Ferrara.
GREGOR VIII. Alberto de Morra. .. bis .. Er war Kardinalkanzler gewesen und bemühte sich um friedliche Beilegung der Konflikte mit Barbarossa und förderte den Kreuzzugsgedanken. Auch er, der in Pisa starb, hat Rom nicht betreten.
KLEMENS III. Paolo Scolari. .. bis . Der Kardinalbischof von Palestrina wurde in Pisa gewählt und konnte endlich nach Rom zurückkehren, wo er den seit nunmehr vierundvierzig Jahren bestehenden Senat anerkannte. Auch der Kirchenstaat, dessen sich König Heinrich bemächtigt hatte, wurde wiederhergestellt. Klemens’ Pontifikat stand unter dem Zeichen des dritten Kreuzzuges, in dessen Verlauf Barbarossa im Saleph ertrank. Auf Klemens geht der Gebrauch des Meßglöckchens zurück.
COELESTIN III. Giacinto Boboni-Orsini. .. bis .. Die erste Amtshandlung des fünfundachtzigjährigen Coelestin war am . April die Krönung Heinrichs VI., der sich auf dem Wege nach Sizilien befand, wo er als Gemahl Konstanzes nach dem Tode Wilhelms II. das Erbe der Normannen anzutreten gedachte. Am Weihnachtstage dieses Jahres wurde er in Palermo zum König von Sizilien gekrönt, am . Weihnachtstage kam sein Sohn und Nachfolger Friedrich zur Welt. Heinrich wütete in Sizilien, träumte, wie Gregorovius sagt, »von der Knechtung Italiens, von der Zertrümmerung des gregorianischen Papsttums«, und bedrohte zum zweiten Male den Kirchenstaat, worauf es zum Bruch mit dem Papst kam. - -
INNOZENZ III. Lotario, Graf di Segni. .. bis .. Als Innozenz, der Neffe Klemens’ III. und Kardinal von San Sergio, mit siebenunddreißig Jahren Papst wurde, erhob Walther von der Vogelweide seine berühmte Klage über die allzu große Jugend des Gewählten. Ein vollendeter Jurist und eologe, ausgestattet mit allen Geistesgaben, ging Innozenz von der einen Voraussetzung aus, daß die weltliche Unabhängigkeit der Kirche erste Bedingung ihres Wirkens sei. Als nach dem Tode Kaiser Heinrichs VI. die deutsche Italienpolitik zerfiel, gelang es ihm überraschend schnell, Rom und weiten Teilen des Kirchenstaates eine Form im Sinne der Karolingischen Schenkungen zu geben und damit gleichzeitig dem italienischen Nationalgefühl entgegenzukommen. Heinrichs VI. Witwe Konstanze anerkannte Innozenz’ Lehenshoheit über Sizilien und ernannte ihn bei ihrem Tode zum Vormund Friedrichs II. In Deutschland wurden Philipp von Schwaben, der Bruder Heinrichs VI., als König – Otto, ein Sohn Heinrichs des Löwen, als Gegenkönig der Guelfen aufgestellt. Nach Philipps Ermordung fand Otto IV. allgemeine Anerkennung, auch seitens des Papstes, der ihn am . Oktober krönte. Als Otto IV. Sizilien zu erobern gedachte, das Erbland von Innozenz’ Mündel Friedrich, kam es zu Bruch und Bann. Die deutschen Fürsten wandten sich von Otto IV. ab und anerkannten , gleich dem Papst, Friedrich als künftigen Kaiser. Dieser wurde am . Dezember in Mainz zum König gekrönt, während Otto IV. in der Schlacht von Bouvines am . Juli endgültig unterlag. Mit der Goldenen Bulle von Eger vom . Juli anerkannten Friedrich II. und die deutschen Fürsten den Kirchenstaat Innozenz’ III. Am . Juli wurde die Königskrönung Friedrichs II. in Aachen wiederholt. Innozenz bemühte sich schon bald nach der Wahl um den vierten Kreuzzug, der zwar im Jahre zustande kam, sich aber unter der Führung des Dogen Enrico Dandolo in einer Verkehrung des ganzen Planes und unter dem Protest des Papstes gegen Konstantinopel wandte, wo das Heer nach zwei furchtbaren Plünderungen am . Juli und am . April in der von ihm dreimal in Brand gesteckten Stadt ein Lateinisches Kaisertum errichtete, das siebenundfünfzig Jahre bestand, ohne sich je zu konsolodieren. Die Schandtaten der Kreuzfahrer haben es mitverschuldet, daß das Ostschisma sich noch mehr verschäre. kam es mit England zum Konflikt, wo König Johann ohne Land die Kirche auf das schwerste bedrückte, worauf Innozenz den Bann aussprach und das Interdikt verhängte, bis der König nachgab und die Lehenshoheit des Papstes anerkannte, der seinerseits die gegen Johann gerichtete Magna Charta von verurteilte. Am . November eröffnete Innozenz das zwöle Allgemeine’ Konzil im Lateran, in dessen Mittelpunkt die Anerkennung Friedrichs II., die Maßnahmen gegen die Albigenser und die Verur- -
teilung einer Schri des Joachim von Fiore standen. Schon hatte der Papst zum Kreuzzug gegen die Albigenser aufgerufen. An den von ihm scharf verurteilten Greueln des Krieges tri ihn nur mittelbar eine Schuld. Im Jahre nach dem Konzil, das für einen neuen Kreuzzug festgesetzt hatte, starb Innozenz in Perugia. Er war ein großer Förderer der aulühenden Orden der Franziskaner und Dominikaner, worüber omas von Aquino Dante im elen Gesang des Paradiso in der Göttlichen Komödie berichtet. Giotto hat in Assisi die Vision Innozenz’ dargestellt, der im Traume Franz von Assisi, dem er zum ersten Male begegnete, die zusammenstürzende Lateransbasilika stützen sieht, und in einem zweiten Fresko, wie der Papst dem Heiligen die Bewilligung zum Predigen erteilt und die erste Regel bestätigt. Dieser Vorgang ist von Giotto noch einmal in Santa Croce in Florenz – von Ghirlandaio in Santa Trinità in Florenz gemalt worden. Ein wichtiges Fresko eines Unbekannten, das Innozenz mit Franziskus zeigt, befindet sich im Sacro Speco von Subiaco – ein zeitgenössisches Mosaik aus der alten Apsis der Peterskirche in der Villa Catena bei Poli. Innozenz bestätigte den dogmatischen Begriff der Transsubstantiation, die Verwandlung der eucharistischen Gestalten. Seine Schrien erschienen erstmalig in Köln im Druck. Die in die kirchlichen Rechtssammlungen aufgenommene berühmte Dekretale Venerabilem, mit der Innozenz seine Unterstützung der Kandidatur Ottos IV. rechtfertigte, wurde für die Rechtsauffassung der Päpste den Kaisern gegenüber durch Jahrhunderte von entscheidender Bedeutung; sie stellt fest, daß das Kaisertum durch den Papst von Ostrom auf Karl d. Gr. und damit auch das Wahlrecht auf die Fürsten übertragen worden sei, was das Bestätigungsrecht durch den Papst einschließe: Translatio imperii pertinct ad ecclesiam. Innozenz gehört in die Reihe der weltgeschichtlichen Gestalten. So schlicht er in seiner persönlichen Lebensführung war, so alles umfassend verstand er Würde und Autorität seines Amtes als Nachfolger Petri und Statthalter Christi. Doch die bisherige Anschauung, als habe er in eorie und Praxis, als Papst und als Politiker nach der Weltherrscha und der Oberlehenshoheit über alle Reiche gestrebt, muß endgültig aufgegeben werden. Seine Größe lag im Erkennen des geschichtlich Möglichen, Maßhalten bestimmte seine Handlungen. Vieles von der Lehre des omas von Aquino lebte er voraus.
HONORIUS III. Cencio Savelli. .. bis .. In Perugia wurde der gütige und charaktervolle greise Kardinal von San Giovanni e Paolo gewählt, der als Kämmerer der Kirche das für die Kenntnis der Besitzungen und Finanzen des Kirchenstaates im Mittelalter unschätzbare Liber censuum Romanae ecclesiae verfaßt - -
hat. Er forderte Friedrich II. zu dem auf dem Laterankonzil beschlossenen fünen Kreuzzug auf, der erfolglos verlief. Am . November krönte Honorius, der die Personalunion des Königreiches Sizilien und des Kaiserreiches billigte, Friedrich II. und dessen Gemahlin Konstanze und forderte erneut ein Kreuzzugsversprechen; Friedrich II. festigte sein sizilisches Reich. Ein neuerliches Versprechen wurde im Vertrag von San Germano festgesetzt und im Falle der Nichterfüllung der Bann angedroht. Honorius bestätigte den Dominikanerorden, endgültig den Franziskanerorden, worüber Dante im elen Gesang des Paradiso spricht, den Karmeliterorden. krönte er Peter de Courtenay zum Kaiser des seit bestehenden lateinischen Kaiserreiches Byzanz. Ein Fresko Giottos in Assisi stellt eine Predigt des heiligen Franziskus vor Honorius dar.
GREGOR IX. Ugolino, Graf di Segni. .. bis .. Der neue Papst, bisher Kardinalbischof von Ostia, war ganz vom Geiste seines Verwandten, Innozenz’ III., erfüllt. Als einstiger Kardinalprotektor des Franziskanerordens vollzog er am . Juli die Heiligsprechung seines Freundes Franziskus. Im Mai folgte die Kanonisation des Antonius von Padua, am . Juli die des Dominikus, im Mai die der Elisabeth von üringen. Friedrich II. löste sein Kreuzzugsversprechen ein, kehrte jedoch einige Tage nach der Einschiffung wirklich oder angeblich krank zurück und wurde gebannt, wie es im Vertrag von San Germano durch Honorius III. angedroht war. Der Bann war formal berechtigt, jedoch ein Fehler des Papstes, denn nun begann ein Angriff den anderen auszulösen. Der Kaiser zog trotz des Bannes nach Zypern und weiter nach Akkon, erzielte bedeutende Erfolge, gewann die heiligen Stätten für das Christentum und festigte das Königreich Jerusalem, wo er sich selber zum König krönte. Gleichzeitig beantwortete Gregor Angriffe auf den Kirchenstaat mit dem Einmarsch in Sizilien. Friedrich II. kehrte zurück, schlug die päpstlichen Truppen und versöhnte sich mit Gregor im Frieden von Ceprano. Gregor löste den Bann, Friedrich II. gab die besetzten Gebiete des Kirchenstaates zurück. Der Friede währte fast zehn Jahre, bis Friedrich II. in seinem Streben nach Absolutismus die Lombardei und ihren kaiserfeindlichen Städtebund aus der Zeit Barbarossas seiner zentralisierten Gewalt unterordnen wollte, den Kirchenstaat einkreiste und dadurch neue Empörung auslöste. wurde er wieder gebannt, und nun hörte der Kampf bis zum tragischen Untergang des Stauferhauses nicht mehr auf. Gregors Behauptung, der Kaiser habe Moses, Jesus und Mohammed als die großen Weltbetrüger bezeichnet, bleibt unbewiesen, hatte indessen teilweise bedeutenden Einfluß auf die öffentliche Meinung. Friedrich II. beantwortete den Bann mit der Gefan- -
gennahme von über hundert Prälaten, die sich auf dem Seewege zu einem für nach Rom berufenen Konzil befanden, das durch seine Maßnahme unmöglich gemacht wurde. Er plante, gegen Rom vorzurücken, als Gregor starb. Wenige Monate vor dessen Tode fand die Schlacht von Liegnitz statt, nach der sich die Mongolen aus Europa zurückzogen. organisierte Gregor die Inquisition, die er u. a. den Dominikanern übertrug – ließ er durch den heiligen Raymund von Penafort das Liber Extra, die sogenannten gregorianischen Dekretalen ausarbeiten, die das Decretum Gratiani aus der Zeit Eugens III. fortsetzen. Ein zeitgenössisches Fresko in Subiaco zeigt Gregor bei der Einweihung des Oratoriums in Sacro Speco – Giottos Fresko der Vision Gregors in Assisi stellt den heiligen Franziskus dar, der dem schlafenden Papst das Stigma der Seitenwunde zeigt. Gregor war ein harter, unbeugsamer Papst von imponierender Größe, doch auch ein Mann des Widerspruchs, der einerseits die Inquisition organisierte, andererseits zur Toleranz aufrief, wie in einer Weisung an die französischen Bischöfe: »Die Christen müssen den Juden die gleiche Milde erzeigen, die wir für die Christen in den Heidenländern erwarten.«
COELESTIN IV. Goffredo Castiglione. .. bis .. Seine Wahl wurde bedeutsam als das erste eigentliche Konklave, das heißt die erste Einschließung der Kardinäle, die der Rom beherrschende Senator Matteo Orsini nach dem Brauche der Zeit allerdings in brutalster Form und mit Waffengewalt hatte vornehmen lassen, so daß einer der zehn eingeschlossenen Kardinäle an den Mißhandlungen starb, die meisten anderen erkrankten. Nach zwei Monaten wurde der Greis Coelestin, ein Neffe Urbans III. und Kardinalbischof von Sabina, gewählt, der bereits nach siebzehn Tagen starb, nachdem er den Senator Matteo Orsini für die Mißhandlungen des Kardinalskollegiums gebannt hatte.
INNOZENZ IV. Sinisbaldo Fieschi, Graf di Lavagna. .. bis .. Die meisten der beim vorigen Konklave mißhandelten Kardinäle ergriffen die Flucht und wählten erst in Anagni den kaiserfreundlichen Kardinal von San Lorenzo in Lucina. Niemand hat zunächst an Innozenz’ Friedensliebe gezweifelt, und der noch immer nicht vom Bann gelöste Friedrich war zu jedem Zugeständnis bereit. Ein Gemetzel, das Kardinal Rainer von Viterbo, der gefährlichste, beinahe apokalyptische Hasser des Kaisers, unter kaiserlichen Truppen anrich- -
tete, verschäre die Lage von neuem, Vermittlungsversuche Ludwigs IX., des Heiligen, von Frankreich, hatten nur halben Erfolg. Wohl wurde der Friede von geschlossen, doch als Friedrich II. den Papst zu einer Zusammenkun in Narni bewogen hatte, um die Frage der Lösung vom Bann und das Problem der ihm feindlichen Lombardei zu klären, faßte Innozenz den verhängnisvollen Entschluß, nach Frankreich zu entfliehen, wo er das dreizehnte Allgemeine Konzil nach Lyon berief. Ludwig der Heilige suchte erneut zu vermitteln und für Friedrich die Lösung vom Bann zu erreichen. Doch dieser, der sich zu allem bereit erklärte, lieferte einen weiteren Vorwand zum Bruch, als er Viterbo als Vergeltungsmaßnahme plündern ließ, worauf Rainer von Viterbo, nunmehr Statthalter des Kirchenstaates, durch flammende, jedes Maß außer acht lassende Flugschrien das Konzil von Lyon beeinflußte. Innozenz, dem es nur auf Vernichtung ankam, erklärte den Kaiser für abgesetzt und förderte als ersten Gegenkönig Heinrich Raspe, als zweiten Gegenkönig Wilhelm von Holland. Von nun an versagte sich der Papst allen Friedensbemühungen und beschloß nicht nur den sechsten Kreuzzug, sondern auch einen solchen gegen Friedrich: beide sind mißlungen. Es ist erwiesen, daß der Papst den Plan seines Schwagers und Kardinal Rainers, den Kaiser und seinen Sohn König Enzio zu ermorden, tätig gefördert hat; die Verschwörung wurde im März vereitelt. Ludwig der Heilige geriet während des Kreuzzuges in Gefangenscha, forderte von dort aus Innozenz das letztemal zum Frieden mit dem Kaiser auf und drohte, ihn andernfalls aus Frankreich auszuweisen. Der König von England seinerseits lehnte es ab, den Papst aufzunehmen, der sich durch seine Steuerpolitik größten Haß zugezogen hatte. Vom Tode des Kaisers bis zu seiner Rückkehr nach Rom setzte der Papst von Perugia aus den Kampf gegen die Könige Konrad IV. und Manfred, die Söhne Friedrichs II., fort. Konrad IV. starb in Sizilien, Manfred übernahm die Regentscha für seinen Sohn Konradin. Nach vorübergehender Anerkennung des Papstes als Lehensherrn Siziliens siegte er am . Dezember gegen die Päpstlichen bei Foggia. Fünf Tage später starb Innozenz in Neapel auf seinem Zuge gegen Sizilien. Die Inschri seines Grabdenkmals im Dom von Neapel rühmt ihn als Vernichter der Schlange Friedrich. – Innozenz, dem Ludwig der Heilige die dauernde Überschreitung seiner Kompetenzen zum schweren Vorwurf machte, war als Jurist bedeutend, als Papst zwiespältig und ohne jede innere Größe: ein in der Wahl seiner Mittel rücksichtsloser Politiker, der sinnlos Könige absetzte und bannte – außer dem Kaiser noch Sancho II. von Portugal und Jacob I. von Aragon. Geldgier, Hinterlist und schrankenloser Nepotismus haben ihn verhaßt gemacht. Er ermächtigte die Herrscher zur Anwendung der Folter gegen Ketzer und beanspruchte die Lehensoberhoheit über alle Herrscher und Völker in Formulierungen wie später nur noch Bonifaz VIII. - -
ALEXANDER IV. Rinaldo, Graf di Segni. .. bis .. Der frühere Kardinalbischof von Ostia, ein Neffe Gregors IX., versuchte, die Politik seines Vorgängers mit möglichster Milde fortzusetzen. Er belehnte Edmund von Lancaster, einen achtjährigen Sohn Heinrichs III. von England, mit Sizilien, ohne daß es je zu einer Besitzergreifung gekommen wäre. Manfred, der Sohn Friedrichs II,, ließ sich vielmehr in Palermo krönen und eroberte große Teile des Kirchenstaates, so daß der Papst erst einige Zeit in Neapel residieren mußte. In Deutschland förderte Alexander den Gegenkönig Wilhelm von Holland und verhielt sich neutral, als nach dessen Tode Richard von Cornwallis und Alfons X., der Weise, von Kastilien zur Königswahl standen. Wohl aber trat er gegen die Wahl Konradins, des letzten Staufers, auf. erhob er den heiligen Albertus Magnus, den Doctor universalis, auf den Bischofssitz von Regensburg. – Alexander starb in Viterbo.
URBAN IV. Jacques Pamaleon. .. bis .. Das nur noch aus acht Kardinälen bestehende Kollegium einigte sich in Viterbo auf den gerade anwesenden Patriarchen von Jerusalem und geborenen Schusterssohn aus Troyes. Urban residierte in Viterbo und hat Rom nie betreten. In Deutschland herrschte keine Einigkeit über die ronfolge, und um sich Manfreds zu erwehren, faßte Urban einen der verhängnisvollsten Entschlüsse der Papstgeschichte: er rief Karl von Anjou, den entsetzlichen Bruder Ludwigs des Heiligen, nach Italien und lieferte ihm das päpstliche Lehen Sizilien aus. führte Urban das Fronleichnamsfest in die Kirche ein, dessen Offizium der seit an seinem Hofe in Viterbo oder Orvieto als Magister sacri palatii, das heißt als theologischer Berater, wirkende heilige omas von Aquino verfaßte.
KLEMENS IV. Guy le Gros Foulques. .. bis .. Er war Hourist Ludwigs IX., des Heiligen, gewesen, trat erst als Witwer in den geistlichen Stand und wurde Kardinal von Santa Sabina. Seine Wahl erfolgte in Perugia. Am . Januar krönten fünf Kardinäle in Rom Karl I. von Anjou zum König von Sizilien, am . Februar fiel König Manfred bei Benevent gegen Karl I. In der Schlacht von Tagliacozzo am . August fiel der vierzehnjährige Konradin, der letzte staufische ronfolger, dem Anjou in die Hände, der ihn hinrichten ließ. Klemens hat nichts getan, die Bluttat zu verhindern, und das hat sein Andenken verdunkelt. In Byzanz förderte Klemens die Restaurationsbestrebungen Karls I., der - -
das nach siebenundfünfzigjährigem Bestehen zugrunde gegangene lateinische Kaisertum des vierten Kreuzzuges von als Erbe des geflohenen Kaisers Baudouin II. wieder aufrichten wollte. Kaiser Michael VIII. Palaiologos vermochte dieser Gefahr zu begegnen. Klemens, der nie als Papst in Rom war, starb in Viterbo. – Wenige Wochen nach seiner Wahl wurde Dante geboren, dessen Weltgericht der Göttlichen Komödie mehreren Päpsten, auch Klemens, zum Gericht geworden ist. Am päpstlichen Hofe in Viterbo wirkte der heilige omas von Aquino zwei Jahre bis zum Tode des Papstes; zur Zeit der Tragödie Konradins schrieb er an seinem Traktat Über die Herrscha und den Lohn der Könige. sprach Klemens Hedwig von Schlesien heilig.
GREGOR X. Tebaldo Visconti. .. bis .. Nach Klemens’ IV. Tode konnten sich die achtzehn Kardinäle in Viterbo fast drei Jahre lang auf keinen Papst einigen. Es war das längste Interregnum seit , während zur gleichen Zeit, nach dem Untergang der Staufer, in Deutschland die »kaiserlose, die schreckliche Zeit« herrschte. Gregor war kein Kardinal, sondern Archidiakon von Lattich. Zur Zeit seiner Wahl befand er sich in Akkon im heiligen Lande. Erst am . März wurde er in Rom gekrönt. Unter seiner Mitwirkung wurde am . Oktober Rudolf von Habsburg zum König gewählt. Im Laufe der papstlosen Jahre war der erfolglose siebente Kreuzzug zu Ende gegangen, in dessen Verlauf Ludwig der Heilige an der Pest gestorben war, während sein Bruder, Karl I. von Anjou, der in Sizilien ein Schreckensregiment aufgerichtet hatte, das Errungene im Orient wieder verschacherte. wurde das vierzehnte Allgemeine Konzil nach Lyon einberufen, auf welchem der Hauptgedanke des Papstes, die neue Union mit der Ostkirche, zwar durch ihn und Kaiser Michael VIII., den Begründer der Paläologendynastie, verwirklicht wurde, jedoch in Byzanz keinen Widerhall fand. Zur Vermeidung einer nochmaligen endlosen Sedisvakanz setzte Gregor neue Konklavebestimmungen durch. Er bemühte sich vergebens, den Kreuzzugsgedanken neu zu beleben. Wenige Tage vor Beendigung des Konzils starb in Lyon der von Gregor zum Kardinalbischof von Albano erhobene heilige Bonaventura, der Doctor seraphicus und größte Heilige des Franziskanerordens nach dem heiligen Franziskus. Bonaventura hatte nicht nur entscheidend für die Wahl Gregors gestimmt, sondern auch Wesentliches zu der in Lyon erreichten Union beigetragen. Im März des gleichen Jahres war ihm der Doctor angelicus, der heilige omas von Aquino, der sich ebenfalls auf dem Wege nach Lyon befand, im Tode vorausgegangen. Zur geplanten Kaiserkrönung Rudolfs von Habsburg durch einen Papst ist es nie gekommen. – Gregor war zwar kein großer Geist, doch ein - -
edler, nur auf Friede und Versöhnung bedachter Priester. Außer von Karl I. wurde er, der auf der Heimreise von Lyon in Arezzo starb, allgemein betrauert. erfolgte seine Seligsprechung.
INNOZENZ V. Pierre de Tarentaise. .. bis .. Mit dem einstigen Erzbischof von Lyon und späteren Kardinalbischof von Ostia wurde zum ersten Male ein Dominikaner Papst. Der bedeutende, auch famosissimus doctor genannte Papst, ein Anhänger Karls I. von Anjou, vermochte während seines kurzen Pontifikates nur geringe Versöhnungserfolge auf politischem Gebiet zu erzielen. wurde er seliggesprochen.
HADRIAN V. Ottobono Fieschi, Graf di Lavagna. .. bis .. Der greise Neffe Innozenz´ IV. und Kardinaldiakon von Sant´ Adriano wurde in Rom unter Aufsicht Karls I. gewählt, der als Senator Roms das Konklave bewachte. Dante begegnet Hadrian im Purgatorio bei den Geizigen.
JOHANN XXI. Peter Rebuli-Giuliani. .. bis .. Der Kardinalbischof von Tusculum, zur Zeit des Konzils von Lyon Leibarzt Gregors X., ist der einzige portugiesische Papst. Er müßte eigentlich Johann XIX. heißen: ein Gegenpapst ›Johann XX.‹, der indessen nie existiert hat, wurde vor Gregor VI. angenommen und in den Listen geführt, und ›Johann XVI.‹ war Gegenpapst. Aus diesem Irrtum heraus fand mit den Päpsten, die von nun an Johann hießen, eine falsche Zählung statt. Johann bemühte sich um Frieden zwischen Philipp III. dem Kühnen von Frankreich und Alfons X. von Kastilien, um die Vertiefung der Union von und um einen neuen Kreuzzug. Er residierte in Viterbo und kam beim Einsturz einer Zimmerdecke ums Leben. Er galt als Wissenschaler von hohem Range. Seine philosophischen, psychologischen, naturwissenschalichen, logischen und medizinischen Werke waren in allen Ländern verbreitet.
NIKOLAUS III. Giovanni Caetano-Orsini. .. bis .. Der Kardinal von San Nicola in Carcere, Generalinquisitor und Sohn jenes Senators Matteo Orsini, der das grausame Konklave von veranlaßt hatte, war ein Feind Karls I. Anjou von Sizilien, dessen Einfluß in Italien er schmälerte. Von Rudolf von Habsburg erwirkte - -
er die Garantie der Freiheit und Unabhängigkeit des Kirchenstaates und den endgültigen Verzicht auf alle Rechte in der Romagna. Er festigte die Union mit Byzanz weiter und machte den Eroberungsplänen Karls I. von ein Ende. Nikolaus war fast ausschließlich weltlicher Herrscher. Das Urteil Dantes über ihn und seinen schrankenlosen, simonistischen Nepotismus ist ebenso von heiligem Zorn wie von heiliger Ehrfurcht vor der Schlüsselgewalt Petri erfüllt. Im feurigen Felsengrab der Simonisten des neunzehnten Gesanges des Inferno bekennt Nikolaus dem Dichter seine große Schuld und sein einziges wirkliches Interesse: die Erhebung des Hauses Orsini. ließ er die Sancta Sanctorum, die päpstliche Hauskapelle am Lateran, errichten und mit den Bauten des alten Vatikan-Palastes beginnen.
MARTIN IV. Simon de Brion. .. bis .. Nikolaus III. war in Soviano bei Viterbo gestorben, daher fand auch in Viterbo das Konklave statt, das den Kardinal von Santa Cecilia wählte. Da die beiden Päpste Marinus als Martin gezählt werden, nannte er sich Martin IV. Er war Siegelbewahrer Ludwigs des Heiligen und Legat Urbans IV. in Frankreich gewesen, wo er die Verhandlungen zur Übernahme des Königreichs Sizilien durch Karl I. von Anjou geführt hatte. Er stand ganz unter dem Einfluß Karls I., der wiedergewann, was er unter Nikolaus III. verloren hatte. Martins verhängnisvolle anjoufreundliche Politik tat das ihre, die unter Gregor X. erreichte Union mit Byzanz wieder zu zerstören, weil Karl I. ein Feind von Byzanz war. Gleichzeitig traf den Papst die von Kaiser Andronikus II. von Byzanz unterstützte Sizilianische Vesper vom . März , die der Blutherrscha der verhaßten Anjou auf Sizilien ein Ende bereitete und König Peter III., d. Gr., von Aragon, den Schwiegersohn Manfreds und Erben der Staufer als König von Sizilien auf den ron brachte. Daß Martin sich durch Bannung Peters weiter zu den Anjou bekannte, war ein großer Fehler. Weite Teile Italiens erhoben sich gegen die Franzosen. Der Papst, der in Orvieto residierte, starb in Perugia. Er war ein gesetzter, bescheidener, doch kraloser Papst. Dante hat ihn unter die Völler des vierundzwanzigsten Gesanges des läuternden Purgatorio verwiesen.
HONORIUS IV. Giacomo Savelli. .. bis .. Der alte, fast ganz gelähmte Kardinal von Santa Maria in Cosmedin war ein Großneffe Honorius’ III. Seine Wahl erfolgte in Perugia, worauf Honorius nach Rom zurückkehrte. Er ging in den schwebenden Konflikten maßvoller vor als sein Vorgänger, bannte aber immerhin Peter III., Sohn Jacobs I. von Aragon, der Sizilien geerbt hatte. - -
Karls I. von Anjou Sohn, Karl II., befand sich in aragonesischer Gefangenscha. Das ihm noch verbliebene Königreich Neapel fand in Honorius einen Schützer gegen tyrannische Übergriffe aller Art. Ein hohes Verdienst des Papstes war die Errichtung von Lehrstühlen für orientalische Sprachen, vor allem des Arabischen, an der Universität Paris im Zusammenhang mit seinen Missionsplänen auf islamitischem Gebiet und unter den östlichen Schismatikern. Sein prachtvolles Grabmal steht in Santa Maria in Aracoeli.
NIKOLAUS IV. Girolamo Masci. .. bis .. Mit dem Kardinalbischof von Palestrina, Legaten im Orient und in Konstantinopel, bestieg zum ersten Male ein Ordensgeneral der Franziskaner den päpstlichen Stuhl, ein friedfertiger, uneigennütziger Mann. Er residierte meist außerhalb von Rom. krönte er den aus der spanischen Gefangenscha befreiten Karl II. von Anjou zum König von Sizilien, das indessen endgültig im Besitze Aragons blieb; die Anjou waren auf das neapolitanische Reich beschränkt. Mit dem Fall von Akkon am . Mai erlosch die mittelalterliche Kreuzzugsidee. Der schlichte, gelehrte Papst, ein großer Förderer der Ost- und Orientmission, ist der Gründer der Universitäten Montpellier und Lissabon. Sein Bildnis befindet sich in der Apsis der Lateranskirche sowie auf Torritis Mosaiken der Apsis von Santa Maria Maggiore, wo er begraben ist.
COELESTIN V. Pietro Angelari da Murrone. .. bis .. Die in Perugia erfolgte Wahl des über achtzigjährigen Coelestin nach über zweijähriger Sedisvakanz ist eines der merkwürdigsten geschichtlichen Ereignisse – seine Tragödie eine der erschütterndsten der Papstgeschichte. Nach dem Tode Nikolaus´ IV. standen sich die Kardinäle, repräsentiert durch die scharf sich abzeichnende Gegnerscha der Häuser Orsini und Colonna, gegenüber, ohne zu einer Einigung zu gelangen. Die dritte und die vierte Macht im Widerstreit der Parteien waren Karl II. Anjou von Neapel, dem es auf den Wiedergewinn Siziliens ankam, und die in mächtiger Entfaltung befindliche Strömung der Franziskanerspiritualen. Karl II. gewann entscheidenden Einfluß auf die Papstwahl, die auf einen weltabgeschiedenen Einsiedler fiel, der seit fünf Jahrzehnten auf dem Gipfel des Monte Majella bei Aquila in den Abruzzen an der Grenze zwischen dem Kirchenstaat und Neapel der Betrachtung lebte und Haupt einer aulühenden Benediktinerkongregation war. Verband der König mit der Wahl rein politische Gedankengänge, so erblickten die Spiritualen und mit ihnen ein großer Teil der Christenheit in Coelestin den in alten Weissagun- -
gen verkündigten Engelpapst in apokalyptischer Zeit. Karl zwang Coelestin nach der Krönung in Aquila, in Neapel zu residieren. Maßnahmen des mit Welt- und Kirchengeschäen völlig unvertrauten Papstes bestanden in der Wiederherstellung der Konklaveordnung Gregors X., der Ernennung von zwölf, dem König genehmen Kardinälen, darunter sieben Franzosen sowie der Erhebung eines Sohnes Karls II., des späteren heiligen Ludwig, auf den Erzbischofssitz von Toulouse. Coelestin wurde seines Amtes so wenig Herr, daß er nach fünf Monaten selber seine Resignation anbot. Der rücksichtslose Kardinal Caetani hat ihn hierbei entscheidend beeinflußt. Die von ihm abgefaßte Abdankungsurkunde Coelestins bedeutete einen ungewöhnlichen Schritt und die Zerstörung aller Hoffnungen der Spiritualen, der schlimmsten Feinde Caetanis, der, zum Papst gewählt, seinen Vorgänger gefangen nach Rom bringen ließ, von wo Coelestin entfloh. Er wurde wieder aufgegriffen und auf der Festung Fumone eingekerkert. Hatte Jacopone da Todi einst Coelestin in einem Gedicht vor der Welt gewarnt und pries ihn Petrarca seiner Demut wegen, so verwies Dante ihn im dritten Gesang des Inferno unter die Feiglinge, weil er »den großen Aurag von sich wies« und damit nach der Auffassung des Dichters die erwartete Erneuerung von innen unmöglich gemacht hatte. Klemens V. sprach ihn heilig. Noch heute genießt der am . Mai im Kerker verstorbene, doch nicht umgebrachte Coelestin in den Abruzzen höchste Verehrung.
BONIFAZ VIII. Benedetto Caetani. .. bis .. Mit dem zwischen und in Anagni Geborenen, mütterlicherseits einem Neffen Alexanders IV., bestieg eine der machtvollsten, aber auch eine der finstersten und gewalttätigsten Gestalten den päpstlichen ron. Sogleich nach seiner Wahl, zu der er sich der Unterstützung Karls II. Anjou versichert hatte, kehrte er von Neapel, wo sein Vorgänger resigniert hatte, nach Rom zurück. Er hatte sich bei mehreren schwierigen Missionen ausgezeichnet und war, wie fast alle seine unmittelbaren Vorgänger, ein namhaer Jurist; von ihm stammt das Liber Sextus, eine später in den Codex Juris Canonici aufgenommene Gesetzessammlung. Martin IV. hatte ihn zum Kardinaldiakon von San Nicola in Carcere erhoben. Schon als solcher hat er die Macht des Hauses Caetani begründet, als Papst kannte sein Nepotismus keine Grenzen. Seine erste Regierungshandlung war die brutale Inhaierung seines entflohenen, unglücklichen Vorgängers, dessen Resignation von der Partei der Kardinäle Jacopo und Pietro Colonna sowie von den Spiritualen nicht anerkannt worden war. Mit Recht mußte somit Bonifaz ein Schisma fürchten. Der Kampf der Colonna-Kardinäle, zu denen sich auch der Dichter-Spiritual Jacopone da Todi mit seiner Unterschri unter ihr Oppositionsmanifest - -
von bekannte, nahm schärfste Formen an. Bald folgte ein zweites Manifest mit der Erklärung der unrechtmäßigen Papstwahl. Die beiden Kardinäle wurden abgesetzt und exkommuniziert, Palestrina, der Sitz des Geschlechtes, einschließlich der Kirchen in sinnloser Zerstörungswut dem Erdboden gleichgemacht und an dessen Stelle die Stadt Civitas Papalis erbaut. Den Besitz des Hauses Colonna konfiszierte der Papst, um sein Haus damit zu bereichern, teilweise auch die Orsini, die er sich geneigt zu machen wünschte. Als Parteigänger der Anjou aberkannte er den Aragonesen das seit bestehende Recht auf Besitz und Krone Siziliens, doch mißlangen seine Bestrebungen, und die Anjou mußten auf Sizilien verzichten. Auch die für seine Kreuzzugspläne wichtigen Vermittlungsversuche in dem ausbrechenden Krieg – dem Vorspiel des Hundertjährigen Krieges – zwischen Philipp IV., dem Schönen, von Frankreich und Eduard I. von England um die englischen Festlandbesitzungen scheiterten; sie wurden sogar Anlaß der folgenreichen Auseinandersetzungen des Papstes und Philipps IV. über die Besteuerung des Klerus und darüber hinaus des Papsttums und der erwachenden europäischen Nationalstaatlichkeit. – Bonifaz erließ seine berüchtigte Bulle Clericis laicos mit der beleidigenden Einleitung, »daß die Laien Feinde des Klerus sind«, und als Krönung der Auseinandersetzungen die Bulle Unam Sanctam, die durch Jahrhunderte diskutiert worden ist und in der die Vorstellungen von der päpstlichen Gewalt über alle Kronen und Völker, vom geistlichen Übergewicht über weltliche Angelegenheiten in überspitzter, schroffster Weise und im Sinne einer Entmündigung allen außerkirchlichen Daseins formuliert sind. Die katholische Kirche hat sich auf dem achtzehnten Allgemeinen Konzil von zum letzten Male auf diese Bulle berufen. Leo XIII. distanzierte sich in seiner Enzyklika Mortalium animos von offiziell von ihr, soweit es sich um die in ihr enthaltenen Herrschasansprüche handelt, denen auch Pius XII. in seiner Ansprache vom . Dezember vor Historikern aus allen Ländern formell und endgültig für die Kirche entsagt hat. Philipp IV., einer der skrupellosesten Gewaltherrscher der Zeit, nahm nunmehr den Kampf mit Bonifaz auf und ließ einen Beauftragten, der sich mit den Colonna und verschiedenen Kardinälen verschwor, in Anagni, wo sich Bonifaz auielt, einfallen. Die ihm vorgelegten Bedingungen, darunter die Abdankung, wies der Papst von sich mit den mutigen Worten: »Hier mein Nacken, hier mein Haupt!« Wenige Wochen nach der Demütigung von Anagni – eine geplante Entführung war mißlungen – starb Bonifaz in völliger Vereinsamung in Rom. Politisch hat er nirgends etwas Dauerhaes geschaffen, und wenn er mit König Albrecht, dem Sohn und Nachfolger Rudolfs von Habsburg, gezwungen zu einem Einvernehmen gelangte, so nur darum, weil ihn die Auseinandersetzung mit Frankreich ganz in Anspruch nahm. Auch - -
Ungarn und Schottland setzten sich über seine Forderungen hinweg. Seine Machtansprüche machten ihn für geschichtliche Wirklichkeiten und politische Gegebenheiten völlig blind. kanonisierte er Ludwig IX. von Frankreich; verkündigte er von der Loggia des Laterans herab das erste kirchliche Jubeljahr, an das ein kleines Freskenfragment Giottos in der Lateransbasilika erinnert. gründete er die römische Universität. Er förderte die Künste, soweit sie seiner persönlichen Verherrlichung dienstbar zu machen waren. Arnolfo di Cambio schuf für ihn eine beim Neubau der Peterskirche zerstörte Grabkapelle – eine Papstbüste des Meisters steht in den vatikanischen Grotten. Bonifaz ließ sich in umfangreichem Maße zu Lebzeiten Statuen in mehreren Städten errichten. Das Urteil der Zeitgenossen und der Nachwelt über Bonifaz, der nur Haß gesät, ist auf allen Seiten eindeutig. Man hat ihn mit Innozenz III. verglichen. Doch während dieser ein Herrscher war, erschien Bonifaz als unbeherrschter Tyrann – war jener ein eokrat, so dieser ein gewalttätiger gehässiger Autokrat, zeigte jener erhabenes Maß und Machtgefühl, so dieser ein Extrem an schrankenlosem Hochmut, Maßlosigkeit, Machtgelüst und dazu eine eatralik, die pathologischen Charakter annahm, als er sich vor Kardinälen und Bischöfen abwechselnd in päpstlichen Gewändern und in denen eines Kaisers erging und rief: »Ego sum Caesar, ego imperator.« Dante und Jacopone da Todi haben Gericht über ihn gehalten: des letzteren wurde der Papst habha und kerkerte ihn fünf Jahre lang ein, bis ihn der neue Papst befreite; Dante aber, der florentinischer Gesandter bei Bonifaz gewesen war, sieht in ihm den entarteten Simonisten schlechthin – jenen, »der sich auf Erden meine Würde angemaßt«, wie Petrus selber zum Dichter im siebenundzwanzigsten Gesang des Paradiso sagt. Das hochmittelalterliche Papsttum ging mit seinen beiden Extremen zu Ende: dem armen Einsiedlerpapst Coelestin V. und dem allem Geistlichen denkbar fernstehenden Bonifaz VIII., in gewissem Sinne dem ersten Renaissancemenschen, dessen Pontifikat rein politisch-diktatorisch-kanonistisch orientiert war und der durch seine Überspitzungen wesentlich dazu beitrug, daß das Papsttum der kommenden Zeit mehr und mehr an allgemeiner Achtung verlor. Bonifaz fügte den zweiten Kronreif in die Tiara ein.
BENEDIKT XI. Niccolò Boccasini. .. bis .. Der einstige gelehrte Ordensgeneral der Dominikaner und Kardinalbischof von Ostia war wohl ein Anhänger seines Vorgängers, doch in allem sein Gegenteil: würdig, fromm, untadelig und versöhnlich. Es kam ihm während seines nur kurzen Pontifikates vor allem auf Ausgleich an. Sogar Philipp IV. von Frankreich, Bonifaz’ Gegenspieler, löste er vom Bann und erklärte alle Maßnahmen gegen Frankreich - -
für ungültig. Nur die beiden Colonna-Kardinäle blieben abgesetzt, während das übrige Haus Colonna die milde Behandlung des Papstes erfuhr. Unruhen veranlaßten Benedikt, nach Perugia überzusiedeln, wo er starb. Klemens XII. sprach ihn selig. Mit Benedikt beginnt die Übergangszeit des Papsttums, die über das Exil von Avignon und das große abendländische Schisma bis , dem Beginn des Pontifikates Martins V. und damit des Zeitalters der Renaissance, reicht.
KLEMENS V. Raimond Bertrand de Goth. .. bis .. Der in Villandreau in der Gascogne geborene Erzbischof von Bordeaux gelangte durch Ränke des Kardinals Napoleon Orsini und der französischen Kardinäle auf den ron. Der erste überraschende Schritt des neuen Papstes war, die Kardinäle zur Krönung nach Lyon zu berufen. Er hat Frankreich nie mehr verlassen und damit die achtundsechzig Jahre währende, unheilvolle Zeit des sogenannten babylonischen Exils der Kirche eingeleitet, in der das Papsttum in völlige Abhängigkeit von den Königen von Frankreich geriet. verlegte Klemens seine Residenz nach Avignon. Zwei Jahre später lieh er in unverzeihlicher Hörigkeit Philipp IV. auf dem fünfzehnten Allgemeinen Konzil in Vienne seine moralische und tätige Unterstützung zu jener furchtbaren, staatlich organisierten Ausrottungsaktion des Templerordens, dessen Reichtümer sich der König anzueignen wünschte. Klemens scheute sich dabei nicht, die Folter zu befehlen und mitschuldig an den ungeheuerlichsten Justizmorden der Geschichte zu werden. Einen Monat nach dem Feuertode auch des Großmeisters des Ordens starb er in Roquemare. Nur einmal leistete er dem König Widerstand, als er nach der Ermordung König Albrechts von Habsburg statt der Wahl eines französischen Prinzen diejenige Heinrichs VII. unterstützte, den er am . Juni in Rom zum Kaiser krönen ließ und dessen Pläne er später wieder durchkreuzte. Klemens ist Gründer der Universitäten Orleans und Perugia; das Konzil von Vienne ordnete die Errichtung von Lehrstühlen für Hebräisch, Arabisch und Chaldäisch an den Universitäten Paris, Oxford, Bologna und Salamanca an. sprach Klemens Coelestin V. heilig, ernannte er den ersten Erzbischof von Peking. – Unter seinem Pontifikat begann jener die Empörung des christlichen Abendlandes bildende Luxus des Hofes von Avignon mit allen Begleiterscheinungen von Ämterschacher, Korruption und Nepotismus seinen Anfang zu nehmen. So traf auch Klemens der durch die Zeiten hallende, Fluch Dantes, der um seine Göttliche Komödie zu dichten begonnen hatte und dem es immer wieder um die unverfälschte sittliche Idee des Papsttums ging: im neunzehnten Gesang des Inferno verkündet Nikolaus III. dem Dichter nicht nur die bevorstehende Höllenfahrt Bonifaz’ VIII., sondern auch die Klemens’ V. – »denn nach ihm - -
kommt vom Westen bald ein Schlimmerer – ein zügelloser Seelenhirte«. Klemens’ Nepotismus war erschreckend – nicht weniger als fünf Verwandte hat er zu Kardinälen gemacht, viele andere zu Bischöfen. Andrea da Firenze malte ihn auf dem Triumph des heiligen omas in der Capella degli Spagnuoli von Florenz. – Auf Klemens gehen die – erst promulgierten – Clementinae zurück, die bis letzte kanonische Gesetzessammlung.
JOHANN XXII. Jacques Dueze. .. bis .. Dieser Sohn eines Schusters aus Cahors, Bischof von Avignon und Kardinal, wurde in Lyon unter dem Einfluß Kardinal Napoleon Orsinis sowie der Könige Robert I. von Neapel, des Nachfolgers Karls II. von Anjou, und Philipp V., des Sohnes Philipps IV., zum Papst gewählt. Dante hatte an die italienischen Kardinäle die vergebliche Mahnung gerichtet, einen Italiener zu wählen, um damit die Voraussetzung zur Rückkehr des Papstes nach Rom zu schaffen und der Unterordnung unter Frankreich ein Ende zu bereiten. Johann, ein bedeutender Geist und eifriger Förderer der Wissenschaen, war eine Herrschererscheinung, übersteigert in seinen Primatansprüchen, wohl unbeherrscht und rücksichtslos, doch nachsichtig gegen Feinde. Er hatte sich mit der immer weitere Kreise erfassenden Bewegung der Franziskanerspiritualen auseinanderzusetzen und griff in die Kämpfe der Kaiserwahl ein, aus denen Ludwig der Bayer gegen Friedrich den Schönen als Sieger hervorging. Johann verweigerte die Anerkennung Ludwigs vor allem territorialer Streitfragen in Reichsitalien wegen und exkommunizierte ihn. Zum letzten Male standen sich Papsttum und Kaisertum des Spätmittelalters unversöhnlich gegenüber. Am . Januar wurde Ludwig in der Peterskirche durch den Papstfeind Sciarra Colonna gekrönt, im Mai der Minorit Peter von Corbara als Gegenpapst ›Nikolaus V.‹ ausgerufen, der sich indessen Johann unterwarf. Auf seiten Ludwigs standen, beide von Johann gebannt, der Minorit Wilhelm von Ockham, ein Vorläufer der Reformation, der Begründer des Nominalismus, und der Staatsrechtslehrer Marsilius von Padua, der früheste Verfechter der Trennung von Kirche und Staat, Verfasser des Defensor pacis, der extremsten Streitschri des Mittelalters gegen den Primat, den Johann durch Augustinus Triumphus und den päpstlichen Großpönitentiar Alvaro Pelayo in ebenso extremen Streitschrien verteidigen ließ. Obwohl persönlich anspruchslos und hilfsbereit, steigerte Johann die Einnahmen des päpstlichen Stuhles durch eine ärgerniserregende Steuerpolitik und machte sich des Nepotismus schuldig. Pfründenschacher und Geldeintreibungen nahmen bedenkliche Ausmaße an. Auch hier liegt eine der späteren Ursachen der Reformation, als deren Vorläufer der gegen Johann auretende Minorit Wilhelm von Ock- -
ham zu betrachten ist. So nennt Dante Johann und seinen Vorgänger zusammen im siebenundzwanzigsten Gesang des Paradiso, wo Petrus von beiden sagt: »Cahorsen schon und Basken seh’ ich lechzen – nach unsrem Blut. So schmählich soll nun enden – und stürzen, was so hoch am Anfang stand?« Johann ist auch als Dichter und Schristeller hervorgetreten. Am . Juli sprach er omas von Aquino heilig. schrieb er das Trinitatisfest vor. Seine Bulle Docta sanctorum von ist die erste bedeutsame päpstliche Äußerung zur Kirchenmusik. Gegen Meister Eckhart, das größte religiöse Genie des Jahrhunderts, ließ er einen schmachvollen Inquisitionsprozeß führen. Johann ist Stier des Christus-Ordens, der in einer Klasse verliehen wird. Giotto malte ihn auf seiner Altartafel für den Dom von Lucca.
BENEDIKT XII. Jacques Fournier. .. bis .. Der zum Kardinal von Santa Prisca aufgestiegene sittenstrenge, rechtliche, jedem Nepotismus feindliche Bäckerssohn aus Saverdun, Zisterziensermönch und Bischof von Pamier und Mirepoix konzentrierte sein Wirken vor allem auf die Beseitigung der Mißstände unter seinem Vorgänger, den Frieden auf allen Gebieten und die Reform innerhalb der Kirche, zu deren Durchführung es ihm allerdings o an Energie fehlte. König Philipp V. verhinderte den Papst, mit Ludwig dem Bayern Frieden zu schließen, und Benedikt anerkannte den gebannten Kaiser nicht. Die deutschen Kurfürsten schlossen sich darauin im Kurverein von Rense zusammen und lehnten in ihrem Manifest vom , Juli für immer jeden päpstlichen Anspruch ab, auf die Königswahl Einfluß zu nehmen. Der Papst vermochte auch nicht, den ausbrechenden Hundertjährigen Krieg Frankreichs mit England zu verhindern und, wie er gewünscht hätte, nach Rom zurückzukehren, wo die Parteiwirren unvermindert tobten; beauragte er Petrarca, der mehrere Briefe an ihn schrieb, Roms Wünsche in Gedichtform niederzulegen. Auch die Rückführung der griechisch-orthodoxen Kirche, um die er sich bemühte, ist ihm nicht gelungen. Er ist der Erbauer des großartigen Papstschlosses von Avignon. Am . April fand auf dem Kapitol zu Rom die Dichterkrönung Petrarcas statt, die eine neue Epoche der europäischen Kultur einleitete. Die Büste des Papstes von Paolo da Siena steht in den vatikanischen Grotten. – Nachweislich trug Benedikt die Tiara mit drei Kronreifen, doch kann der dritte Reif schon von Benedikt XI. oder von Klemens V. stammen.
KLEMENS VI. Pierre Roger de Beaufort. .. bis .. Dieser auf Schloß Maumont/Limoges geborene Benediktiner, Erzbischof von Rouen und Kardinal von Santi Nereo ed Achilleo war sehr - -
gebildet und ein gewandter Diplomat, dem es gelang, noch einmal einen Waffenstillstand vor dem endgültigen Ausbruch des Hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England zustande zu bringen. Nach dem Tode des auch von ihm gebannten Ludwig des Bayern anerkannte er die Wahl Karls IV. zum deutschen König. Auch der Minoritenbewegung wurde er Herr. leitete er die Kalenderreform ein. Luxus, Nepotismus und Verschwendungssucht des Hofes, verbunden mit einer ganz Europa erregenden päpstlichen Steuerpolitik, erreichten unter ihm einen neuen Höhepunkt, und es sind verschiedentlich Vorwürfe gegen den Lebenswandel des im übrigen gütigen, hilfsbereiten Papstes erhoben worden. Vor allem ehrt es ihn, daß er in den blutigen Judenverfolgungen in Frankreich und Deutschland um den Juden nach Kräen beistand und ihnen in seinem Staate Zuflucht bot, wenn auch seine Bullen zu ihrem Schutze außerhalb desselben meist ohne Erfolg blieben. Seine Bulle Unigenitus von ist entscheidend für die Entwicklung des Ablaßwesens. Er förderte die Künste, vor allem Simone Martini, der schon von Benedikt XII. nach Avignon berufen worden war, wo er starb. Klemens verlieh Petrarca, dem schärfsten Gegner des Exils von Avignon, ein Kanonikat in Pisa, ließ ihn Cicerohandschrien für die päpstliche Bibliothek sammeln und entsandte ihn an den Hof von Neapel. Mit der Berufung des griechischen Mönches Barlaam, des Lehrers Petrarcas, nach Rom stiete der Papst den ersten abendländischen Lehrstuhl für Griechisch. In seinen Pontifikat fällt die römische Volkserhebung unter Cola di Rienzo, der an der Spitze einer Gesandtscha nach Avignon kam. erwarb Klemens von der Königin Johanna I. von Neapel, der Enkelin Roberts I., Avignon käuflich. Kurz vor seinem Tode schrieb die heilige Brigitta von Schweden dem Papst ihre Offenbarungen eines Strafgerichtes. Ein Bildnis Klemens’ ist in der Cappella degli Spagnuoli von Florenz auf der Allegorie der Kirche überliefert.
INNOZENZ VI. Etienne Aubert. .. bis .. Er stammte aus Mont/Limousin, war Bischof von Nyon und Clermont sowie Kardinalbischof von Ostia und wurde bei seiner ronbesteigung von einer sehr hoffnungsvollen Weissagung der heiligen Brigitta von Schweden begrüßt. Als ein tiefernster Herrscher räumte er als erstes an dem unter seinem Vorgänger verlotterten Hof auf und widerrief viele Verleihungen. Konsequent ging er gegen das Pfründenwesen der Kardinäle vor und dehnte dann seine Reformbestrebungen bis nach Deutschland aus. Zur Neufestigung der päpstlichen Herrscha in Italien entsandte er den überragenden Kardinal und spanischen Granden Ägidius Albornoz, von Gregorovius als »der genialste Staatsmann« bezeichnet, »der je im Kollegium der Kardinäle« gesessen, damit er dort die Rückkehr der Päpste vorbereiten - -
könne. Albornoz löste seine Aufgabe mit Klugheit, Energie und Vornehmheit. Er darf ebenso mit Recht als der »zweite Begründer des Kirchenstaates« gelten, wie seine Constitutiones Aegidianae als »vollkommenste Frucht bürgerlicher Gesetzgebung der Kirche« zu verstehen sind, die, wenn auch o nur theoretisch, bis in die Zeit Napoleons Gültigkeit besaßen. Mit Albornoz kehrte Cola di Rienzo nach Italien zurück, um noch für kurze Zeit in Rom die Senatorenwürde zu bekleiden. Es gelang Innozenz, im Frieden von Brétigny von eine zehnjährige Waffenruhe im Hundertjährigen Kriege herbeizuführen. Am . April ließ er Karl IV. in Rom zum Kaiser krönen. Die ein Jahr später erschienene Goldene Bulle Karls IV. gab den Beschlüssen des Kurvereins von Rense von Gesetzeskra. Den Päpsten blieb in Zukun nur noch die Kaiserkrönung. – erschien Boccaccio als Gesandter von Florenz am Hofe von Avignon.
URBAN V. Guillaume de Grimoard. .. bis .. Petrarca pries die Wahl des in Grisac/Languedoc geborenen heiligmäßigen, klugen Benediktinerabtes von St. Victor in Marseille. Erfüllt von hohem Ernst und Gerechtigkeitssinn, gewann er bald ein allgemeines Ansehen, so daß ihn eine Mainzer Chronik als »Lux mundi« bezeichnete. Unablässig und erfolgreich bekämpe er die Mißstände innerhalb der Kirche und begann damit in seiner nächsten Umgebung. Das entscheidende Ereignis seines Pontifikates war die Rückkehr nach Rom, zu der ihn die heilige Brigitta von Schweden, Petrarca und der persönlich in Avignon erschienene Kaiser Karl IV. bestimmten, während Boccaccio, der wieder als Florentiner Gesandter kam, ihm schon für den Fall der Rückkehr eine Ehrengarde angeboten hatte. Bei der Landung in Italien im Juni wurde der Papst vom greisen Kardinal Albornoz begrüßt, dessen großes Werk der Wiederherstellung der päpstlichen Autorität und des Kirchenstaates nach vierzehnjähriger gesetzgeberischer Arbeit vollendet war. Urban residierte zunächst in Viterbo, wo Albornoz starb und Boccaccio erneut als Gesandter eintraf. Am . Oktober hielt Urban seinen Einzug in Rom, wo ihn Petrarca hymnisch begrüßte. Der Romzug Karls IV. von zur Krönung der Kaiserin bot das Bild der Harmonie von Imperium und Papsttum. begab sich auch Kaiser Johannes V. Paläologus von Byzanz nach Rom, um zur katholischen Kirche überzutreten und die Beendigung des Schismas einzuleiten. Urban förderte wie sein Vorgänger die Künste und Wissenschaen und bestätigte die Gründung der Universität Wien. Das in den vergangenen Wirren stark zerstörte Rom begann er wieder aufzubauen. Doch konnten ihn weder die Drohungen der heiligen Brigitta noch die Vorstellungen Petrarcas hindern, noch einmal nach Avignon zurückzukehren, wo er, wie die Heilige prophezeit hatte, schon bald darauf starb. Er wurde seliggesprochen. - -
GREGOR XI. Pierre Roger de Beaufort. .. bis .. Der Neffe Klemens’ VI. – er trägt den gleichen Namen – war Kardinaldiakon von Santa Maria Nuova und der letzte französische Papst der Geschichte, eine kluge, edle, gebildete, wenn auch nicht überragende, und weitgehend nepotistische Persönlichkeit. Zu Beginn seines Pontifikates erhob sich Italien unter Führung von Florenz gegen die Fremdherrscha der französischen Legaten. Gleichzeitig aber griff mit der fünfundzwanzigjährigen Katharina von Siena eine gewaltige regenerierende Kra in die Geschichte des Papsttums ein, von dem sie eine Vision hatte wie vor ihr nur Dante. Ihr vor allem ist die endgültige Rückkehr des Papstes nach Rom am . Januar zu danken, zu der sie Gregor persönlich in Avignon bestimmte. Vasari hat das Ereignis auf einem Fresko in der vatikanischen Sala regia dargestellt. Mit voller Klarheit wog die Heilige die Schuld der Florentiner Aufständischen wie die des Papstes ab, dem sie in ihren Briefen bitterste Wahrheiten sagte. Gregors Härten gegen die Florentiner und das durch den entsetzlichen Kardinal Robert von Genf im Februar angerichtete Blutbad von Cesena haben dem Ansehen des Papsttums weitere Einbuße getan. Der Dichter Franco Sacchetti nannte darauin Gregor, der persönlich an dem Verbrechen unschuldig war, »papa guastamondo«, den Weltverderber. Der aufgebrachte Papst folgte dem Rate Katharinas nicht und erließ folgenschwere Blockadebestimmungen gegen Florenz. Er starb unter Gewissensbissen, die von der Heiligen dringend geforderten kirchlichen Reformen nicht durchgeführt zu haben. Er liegt in Santa Francesca Romana begraben. In Rom erbaute er den Campanile von Santa Maria Maggiore.
URBAN VI. Bartolomeo Prignano. .. bis .. Trotz der Forderungen der Römer nach einem römischen Papst, wählten die Kardinäle inmitten wilder Tumulte den Erzbischof von Bari, einen Neapolitaner, der kein Kardinal war, zum Papst. Urban, der bald nach seiner Wahl Wenzel IV., den ältesten Sohn Kaiser Karls IV., anerkannte und, wenn auch vergebens, zur Kaiserkrönung nach Rom einlud, war eine bedeutende, integre Persönlichkeit, ein scharfer Gegner jeder Simonie und Verweltlichung des Klerus, doch in verhängnisvoller Weise autokratisch, tyrannisch und rücksichtslos. So verbitterte er in unkluger Weise die Kardinäle durch seine – allerdings berechtigten – öffentlichen Maßregelungen. Katharina von Siena schrieb ihm das mutige Wort: »Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit würde mehr Ungerechtigkeit sein als Gerechtigkeit.« Auch folgte Urban nicht dem klugen Rat der von ihm sogar nach Rom berufenen Heiligen, einwandfreie Persönlichkeiten zu Kardinälen zu ernennen. - -
Schon am . September wählten dreizehn aus Rom geflohene, französisch orientierte Kardinäle in Fondi den »Henker von Cesena«, Kardinal Robert von Genf, zum Gegenpapst ›Klemens VII.‹ und beschworen damit das große abendländische Schisma herauf, das zweiundfünfzig Jahre währte und sieben Gegenpäpste aufstellte. Der Gegenpapst fand weitgehenden Anhang und residierte wieder in Avignon. Ein Starrsinn ohnegleichen ließ Urban in der Folge, besonders in seinem würdelosen Krieg gegen Johanna von Neapel, eine Anhängerin des Gegenpapstes, alle wichtigen Ziele aus dem Auge verlieren. Seine Behandlung des durch ihn wieder international gewordenen Kardinalskollegiums führte zu einer Verschwörung mehrerer Kardinäle mit dem Ziele, Urban abzusetzen. Der Sturz mißlang, und Urban beging die nie dagewesene Grausamkeit, fünf der schuldigen Kardinäle nach furchtbaren Martern hinrichten zu lassen, so daß zwei Kardinäle zum Gegenpapst überliefen. Urban starb, allgemein verhaßt, in Rom. Er war zuletzt geistesgestört. schrieb er das Fest Maria Heimsuchung für die Kirche vor.
BONIFAZ IX. Pietro Tomacelli. .. bis .. Dem liebenswürdigen, klugen, erst dreißigjährigen, in seiner Lebensführung untadeligen Neapolitaner und Kardinal von Santa Anastasia gelang es sogleich, mit Neapel Frieden zu schließen und dieses vom Gegenpapst loszulösen. Nepotismus, Simonie, Ablaßhandel und Steuermaßnahmen schmälerten indessen Beliebtheit und Ansehen des Papstes bedenklich. Er stärkte die Kurie in Rom, befestigte Kapitol und Vatikan und stellte die Engelsburg wieder her. Auch über die Rechtspflege wachte er, förderte die Wissenschaen und sorgte für die Armen. Er zeigte sich als umsichtiger weltlicher Herrscher, versagte aber als Papst, weil er nichts zur Behebung des Schismas tat. Auf ›Klemens VII.‹ folgte der Spanier Peter de Luna als ›Benedikt XIII.‹, was die Lage noch mehr verschlimmerte. Der Plan Rupprechts von der Pfalz, des Nachfolgers des abgesetzten Wenzels IV., im Jahre zur Kaiserkrönung nach Rom zu kommen, scheiterte. Bonifaz kanonisierte Brigitta von Schweden.
INNOZENZ VII. Cosimo de’ Migliorati. ... bis ... Der friedfertige, erfahrene und lautere, doch schwache Neapolitaner und Kardinal-Erzbischof von Ravenna hat sich zwar in der Geschichte keinen Namen gemacht, wohl aber in der Pflege der Wissenschaen und im Neuauau der von Bonifaz VIII. gegründeten römischen Universität, an die er die besten Professoren berief. Kulturgeschichtlich bedeutsam ist die weitgehende Berufung von Humanisten in päpstliche Dienste. So wirkten schon unter Innozenz Leonardo Bruni und - -
Poggio, der lästerliche Autor der Fazetien und wendigste Literat seiner Zeit, als Skriptoren an der Kurie, wo sie das eleganteste Latein schrieben. Poggio hatte sein Amt unter acht Päpsten inne. Auch Innozenz tat nichts zur Behebung des Schismas.
GREGOR XII. Angelo Correr. .. bis .. Der persönlich sittenstrenge Kardinal und bedeutende eologe, ein Venezianer, geriet schon bald in Abhängigkeit von seiner Familie und in die Verstrickungen des Nepotismus. Zur Beendigung des Schismas war vor der Papstwahl festgesetzt worden, daß der neue Papst resignieren sollte, wenn sich auch der Gegenpapst dazu entschlösse. ›Benedikt XIII.‹ erklärte sich hierzu bereit. Die Nepoten hinderten jedoch den Papst an der geplanten Begegnung mit dem Gegenpapst, und Gregor unterließ die Erfüllung seines Versprechens, worauf sich sieben Kardinäle von ihm lossagten, um auf dem Konzil von Pisa als dritte, durch siebzehn von ›Benedikt XIII.‹ abgefallene Kardinäle vermehrte Gruppe Papst und Gegenpapst für abgesetzt zu erklären und als weiteren Gegenpapst den Kardinal-Erzbischof Petros Philargi von Mailand, einen Griechen, zu wählen, der sich ›Alexander V.‹ nannte und schon ein Jahr später starb. Darauin gab man ihm in dem würdelosen, verschlagenen, denkbar weltlichen Baldassare Cossa einen Nachfolger, der als ›Johann XXIII.‹ zur Festigung seiner mehr denn zweifelhaen Stellung König Sigismund, den jüngeren Sohn Kaiser Karls IV. und Nachfolger Rupprechts von der Pfalz, zur Einberufung des Konzils von Konstanz veranlaßte, wo er sich durchzusetzen hoe. Er erfuhr indessen bald schärfste Gegnerscha, wurde nach einem vergeblichen Fluchtversuch aus Deutschland verhaet, vom Konzil abgesetzt, erst in Schloß Gottlieben bei Konstanz, dann in der Burg Hausen bei Mannheim interniert. Doch schon vor seiner Flucht hatte sich Gregor, der rechtmäßige Papst, zur Abdankung entschlossen, um dem Schisma von sich aus ein Ende zu machen. Er konstituierte vor seiner Abdankung das bisher unrechtmäßige Konzil zum sechzehnten Allgemeinen Konzil, das zur Papstwahl berechtigt sein sollte und das die Lehren von Hus und Wiclif verdammte. Gregor wurde wieder Kardinal und starb am . Oktober als über achtzigjähriger Greis in Recanati, wo er als Legat der Marken tätig war. Sein Porträt von Girolamo Muziano hängt in der vatikanischen Pinakothek.
MARTIN V. Oddone Colonna. .. bis .. Der in Genezzano bei Rom geborene, von Innozenz VII. zum Kardinaldiakon von San Giorgio in Velabro erhobene Martin wurde vom Konstanzer Konzil gewählt, das am . April schloß. - -
Gegenpapst ›Benedikt XIII.‹ trotzte jeder Absetzung und hielt sich noch auf einer spanischen Bergfeste. Martin residierte bis Anfang in Mantua, dann ein Jahr lang in Florenz, wo er den zerlumpt aus der Gefangenscha entlassenen, aber zum ersten Male in würdiger Haltung auretenden ›Johann XXIII.‹ empfing, der noch einmal seinen Verzicht aussprach, um dann zurückgezogen und arm noch bis zum Dezember als Kardinalbischof zu leben. Ehe Martin nach Rom ziehen konnte, gelang ihm ein Friedensschluß mit der Rom besetzt haltenden Johanna II. von Neapel, mit der das Haus Anjou erlosch. Er begann eine umfassende Aufbautätigkeit in Rom und berief große Maler der Frührenaissance, wie Gentile da Fabriano, Pisanello, Masaccio und Lorenzo Ghiberti. Als erster Papst verlieh er die Goldene Rose. Mit Erfolg wurde er des Räuberwesens im Kirchenstaat Herr und erwies sich als glänzender Verwaltungspolitiker. Die Autorität des Heiligen Stuhles nach dem Verfall eines Jahrhunderts erfuhr eine neue Festigung. Martins sehr betonter Nepotismus war wesentlich staatspolitisch orientiert. Er begründete die Macht des Hauses Colonna. Es kam wieder zur Ernennung würdiger und bedeutender Kardinäle, darunter Domenico Capranica, Niccolo d’Albergati und Giuliano Cesarini. ›Benedikt XIII.‹ starb auf seiner Bergfeste nach neunundzwanzigjährigem Gegenpontifikat. Kurz vorher hatte er noch vier Kardinäle ernannt, von denen drei noch einen ›Klemens VIII. ‹ – einer für sich einen ›Benedikt XIV.‹ wählten. Der erstere hielt sich in Spanien im politischen Wechselspiel bis , um sich mit seinen »Wählern« schließlich Martin zu unterwerfen, der letztere verschwand im Dunkel. So endete das große Schisma nach zweiundfünfzig Jahren. Martin V. wird zu Recht als Friedenspapst gewürdigt, auch wenn er nicht alle ihm gestellten Aufgaben, besonders die innerkirchliche Reform, gelöst hat. Doch entschloß er sich am . Januar zur Einberufung eines großen Reformkonzils nach Basel. Seine Sparsamkeit konnte zum Geiz werden, er lebte schlicht und ohne jeden Luxus in dem Palast bei SS. Apostoli und führte eine gerechte Regierung in dem gequälten, endlich zur Ruhe gekommenen Rom. Sein Grabmal von Simone Ghini, einem Schüler Donatellos, steht in der Lateranbasilika; die Inschri preist Martin als »temporum suorum felicitas« – das Glück seiner Zeit. An der südlichen Chorwand des Domes von Mailand, dessen Hochaltar er geweiht hat, steht seine Kolossalstatue.
EUGEN IV. Gabriele Condulmer. .. bis .. Der geborene Neffe Papst Gregors XII. entstammte dem venezianischen Adel. Aus einer tiefernsten Lebensauffassung heraus war er frühzeitig bei den Augustiner-Eremiten eingetreten und schließlich von seinem päpstlichen Oheim zum Bischof von Siena und Kardinal - -
erhoben worden. Sein Pontifikat begann mit einem allzu heigen Vorgehen gegen das Haus Colonna, die Verwandten seines Vorgängers. Die Folge war ein Aufstand, der unterdrückt werden konnte. Am . Juli wurde das von Martin V. gebilligte siebzehnte Allgemeine Konzil in Basel eröffnet. Von ungerechtfertigtem Mißtrauen erfüllt, beging Eugen schon im Dezember den Fehler, das Konzil für aufgelöst zu erklären und seine Neueröffnung in Bologna, doch erst anderthalb Jahre später, anzuordnen. Seine Verfügung erregte größten Unwillen, und die weltlichen Mächte stellten sich auf die Seite des Konzils. Vergebens bemühte sich Kardinal Giuliano Cesarini, eine der lautersten und bestrickendsten Persönlichkeiten der Zeit, den noch Martin V. zum Legaten des Konzils ernannt hatte, Eugen umzustimmen. Erschwert wurde die Situation durch den Sieg der Hussiten in Böhmen, der die Reform der Kirche dringlicher denn je erscheinen ließ. Unter dem Schutz König Sigismunds dekretierte das Konzil im Februar und in Fortsetzung des Konstanzer Konzils die Superiorität der Konzilien über den Papst, der im April aufgefordert wurde, sich mit den Kardinälen in Basel einzufinden. Der spätere Kardinal Nikolaus von Cusa, damals noch Stisdekan in Koblenz, rechtfertigte dieses beinahe revolutionäre Vorgehen gegen Papst und Primat in seiner vielbesprochenen Schri De concordantia catholica – Von der katholischen Eintracht. Noch weiter ging das Konzil, als es Eugen im Juni die Ernennung von Kardinälen untersagte, ihm die weltliche Herrscha bestritt und sogar im Falle seines Todes die Verlegung des Konklaves nach Basel forderte. Ganz unbestreitbar lag hier der Keim der Auflösung beschlossen. Es ist im wesentlichen den Bemühungen des am . Mai in Rom zum Kaiser gekrönten Sigismund zu danken, wenn der Konflikt durch eine Bulle Eugens vom Dezember beigelegt wurde: Der Papst annullierte das Auflösungsdekret und ermächtigte das Konzil zur Fortsetzung seiner Arbeit, das heißt der Bekämpfung der Häresien, der Herbeiführung des Friedens und der allgemeinen Reform der Kirche an Haupt und Gliedern. Die Spannungen mit Basel boten den Feinden Eugens in Italien – Mailand und den Colonna – Gelegenheit, diesen zu bedrängen, so daß er seine Residenz nach Florenz verlegen mußte. In Rom stellte der ehemalige Räuberhauptmann, Condottiere, Bischof, Patriarch von Alexandrien und Kardinal-Erzbischof von Florenz, der berüchtigte Giovanni Vitelleschi, die Ordnung mit den Mitteln seiner Zeit wieder her. Auf dem Konzil gewannen inzwischen Strömungen die Oberhand, die eine Verlegung der päpstlichen Residenz nach Avignon planten und sich offen gegen den Papst wandten. Neue Unionsverhandlungen mit Konstantinopel brachten eine Wendung. Nachdem sich bedeutende Vertreter des Konzils, darunter Nikolaus von Cusa, zum Papst bekannten, konnte am . Januar in Ferrara ein Unionskonzil – es wird indessen stets mit dem Konzil von Basel zusammen gezählt – eröffnet werden, an welchem Kaiser Johannes VIII. - -
Paläologus, mit führenden Würdenträgern der Ostkirche teilnahm. Eugen, den das Basler Konzil am . Januar für »abgesetzt« erklärte, war von Florenz nach Ferrara gezogen, von wo aus das Konzil nach Florenz verlegt wurde. Hier kam es am . Juli, wenigstens theoretisch, nur wenige Jahre vor dem Falle Konstantinopels, zu der seit Jahrhunderten ersehnten Glaubensunion. Auch die monophysitischen und monotheletistischen Armenier, Jakobiten, Nestorianer und Maroniten vereinten sich jetzt mit Rom. Kulturell von höchster Bedeutung wurde indessen der neue geistige Austausch mit dem Osten, der seinen äußeren Ausdruck Ende in der Erhebung Bessarions, des nach dem Konzil zum Katholizismus übergetretenen Erzbischofs von Nicäa, zum Kardinal fand. In. der Gestalt dieses tiefen Denkers, hochherzigen Mäzens und edlen Kirchenfürsten ist der griechisch-lateinische Humanismus der Frührenaissance vollendete Erscheinung geworden. Die Bibliothek dieses größten Platokenners seines Jahrhunderts und im eigentlichen Sinne letzten bedeutenden Griechen vor dem Untergang des Ostreiches bildet die Grundlage der Bibliothek von San Marco in Venedig. Am . November erhoben in Basel ein Kardinal und elf Bischöfe in der Person des Herzogs Amadeus VIII. von Savoyen den letzten Gegenpapst der Geschichte als ›Felix V.‹. – Nach günstigen Friedensabschlüssen in Italien konnte Eugen im September nach Rom zurückkehren, das sich im Zustand völligen Verfalls befand. Er begann sogleich mit dem Wiederauau. Neue Konflikte, die sich im Zusammenhang mit dem Basler Schisma in Deutschland ergaben, wurden auf dem Frankfurter Reichstag des Kurfürstenbundes durch Enea Silvio Piccolomini behoben, den späteren Pius II. und damaligen Sekretär König Friedrichs III., des Nachfolgers Albrechts II., des Schwiegersohnes Kaiser Sigismunds. In der Folge versuchte Eugen vergebens, dem vordringenden Islam zu begegnen. Nach der unglücklichen Schlacht von Varna am . November wurde der das Christenheer begleitende Kardinal-Legat Giuliano Cesarini auf der Flucht ermordet. Frankreich nahm die Weigerung Eugens, den Papstsitz wieder nach Avignon zu verlegen, zum Anlaß, am . Juli die Pragmatische Sanktion von Bourges als Staats- und Grundgesetz zu erlassen; sie enthält u. a. Artikel über die Superiorität der Konzilien im Sinne von Beschlüssen der Konzilien von Konstanz und Basel und wurde in der Zusammenfassung der Gallikanischen Freiheiten zum Fundament der französischen Nationalkirche. Eugen hat so wenig wie sein Vorgänger etwas zur Reform getan, aber er hat, nicht zuletzt dank seiner bedeutenden Mitarbeiter, dem Vorrang der Päpste über die Konzilien endgültige Anerkennung verscha. Er hat aus mangelnder Erfahrung und Maßhaltung sowie aus einem gewissen Starrsinn heraus politische Fehler begangen. Als Papst und Priester aber war er eine Gestalt voll hoher, ruhevoller Majestät, - -
schlicht in seinen Lebensformen, rechtlich gesinnt, unermüdlich für Arme und Leidende tätig, ein Förderer der Heiligen Bernardino von Siena, Johannes Capistrano und Francesca Romana, ein scharfer Gegner aller Simonie und frei von Nepotismus, obwohl ein Neffe von ihm Kardinal war. Was in seinen Kräen stand, tat er für die Reform des Ordens- und des Weltklerus. Selten befanden sich so zahlreiche hervorragende und menschlich anziehende Kardinäle im heiligen Kollegium wie unter seinem Pontifikat. Er berief Pisanello zur Fortführung der Arbeiten des Gentile da Fabriano im Lateran; Jean Fouquet wurde in Santa Maria sopra Minerva beschäigt und malte ein verlorengegangenes Porträt des Papstes; auch Donatello erhielt große Auräge, und Fra Angelico wurde nach Rom geholt; seine für Eugen begonnenen, unter Nikolaus V. vollendeten Fresken der ehemaligen vatikanischen Sakramentskapelle wurden unter Paul III. zerstört. Auch für die Baudenkmäler der Antike sorgte Eugens bewahrende Tätigkeit. Das bronzene Mittelportal der Peterskirche wurde von Antonio Filarete im Aurage Eugens geschaffen. In der Geschichte der Musik gebührt dem Papste der Ruhm, Förderer des von ihm zum Kanonikus von Cambrai erhobenen größten Meisters seiner Zeit gewesen zu sein: des schon unter Martin V. im Dienste der päpstlichen Kapelle wirkenden Niederländers Guillaume Dufay, der zur Krönung des Papstes und zu der von ihm am . März vorgenommenen Weihe des Domes von Florenz Motetten komponierte. Das Grabmal des Papstes von Isaia da Pisa steht im Kloster der Kirche San Salvatore in Lauro.
NIKOLAUS V. Tommaso Parentucelli. .. bis .. Bei seiner Wahl war er Bischof von Bologna und erst seit zweieinhalb Monaten Kardinal. Mit ihm bestieg ein jeder Partei fernstehender, ebenso frommer wie bedeutender Vertreter des Humanismus den ron – eines der wichtigsten Ereignisse des Papsttums. Nikolaus war, als Sohn eines Arztes, am . November vermutlich in Sarzana an der ligurischen Küste geboren. Als mittelloser Hauslehrer arbeitete er sich herauf, wurde Priester und Sekretär Kardinal Niccolo Albergatis, des führenden Kopfes des Konzils von Ferrara und Florenz. Die Verdienste, die er sich durch sein Wissen und seine Sprachkenntnisse auf den Konzilien erwarb, veranlaßten Eugen IV., ihn als Nachfolger Albergatis zum Bischof von Bologna, Gesandten in Deutschland und Kardinal zu machen. Nikolaus’ einziges politisches Ziel war der Frieden. Wie wenige Päpste hat er den Krieg gehaßt. Mit Neapel, wo Alfons V. von Aragon als Alfons I. die Nachfolge der Anjou angetreten und dem Kirchenstaat gegenüber schon unter Eugen IV. eine bedrohliche Haltung eingenommen hatte, konnte eine schnelle Einigung erzielt werden. Der in Deutschland durch das Basler Konzil - -
entstandene Zwiespalt, um dessen Beilegung sich Enea Silvio Piccolomini und, auf dem Frankfurter Reichstag von , Nikolaus selber als damaliger Legat verdient gemacht hatten, wurde nun durch das Wiener Konkordat vom . Februar endgültig behoben. Das noch in Basel tagende Rumponzil sah sich durch König Friedrich III. gezwungen, nach Lausanne zu ziehen, wo ›Felix V.‹ am . April resignierte und von Nikolaus zum Kardinal von Santa Sabina gemacht wurde. Am . April »wählte« das Rumponzil Nikolaus zum Papst und löste sich auf. ›Felix V.‹, der letzte Gegenpapst, starb am . Januar . Den wiedergekehrten Kirchenfrieden feierte Nikolaus durch das heilige Jahr , dessen Höhepunkt die Kanonisation des großen Volksheiligen Bernardino da Siena bildete. Eine ausbrechende Pest zwang den Papst, Rom vorübergehend zu verlassen. Ende entsandte er den großen Kardinal und Humanisten Nikolaus von Cusa als Legaten der Reform nach Deutschland, wo dieser nach seinen eigenen Worten »reinigen und erneuern, nicht zerstören und niedertreten« wollte. Gleichzeitig mit ihm wirkte der heilige Johannes Capistrano im deutschen Osten. Am . März krönte Nikolaus, was noch kein Papst getan hatte, den König in Rom mit der eisernen Krone der Lombardei und traute ihn mit Eleonora von Portugal – am . März krönte er ihn zum Kaiser: es war die letzte Kaiserkrönung in Rom. Ein Gemälde im Nürnberger Germanischen Museum, wohl aus der Schule des Dirk Bouts, hält das Ereignis fest. bemühte sich der Papst vergebens um Frieden im Hundertjährigen Krieg, der erst mit dem französischen Sieg von Castillon am . Juli als beendet betrachtet werden konnte. Die letzten Jahre des Papstes wurden durch zwei Unglücke verdüstert – ein persönliches, den Mordversuch des Stefano Porcaro von , und ein weltgeschichtliches, den Untergang von Byzanz mit dem Fall Konstantinopels am . Mai . Es bedeutete eine Tragik besonderer Art, daß gerade Nikolaus, der gütige, tolerante, liberale Humanist, das Opfer der Verschwörung eines von antiken Ideologien besessenen und von republikanischen Vorstellungen trunkenen Humanisten werden sollte, dem er selber Wohltaten erwiesen hatte und der nun Rom durch die Ermordung von Papst und Kardinälen »befreien« und sich selber zum Tribunen erheben wollte. Das Attentat mißlang, und Porcaro wurde mit seinen Mitverschworenen hingerichtet. »Niemals ist es in der Tat vorgekommen«, schreibt der berühmte Renaissance-Architekt Leon Battista Alberti, »daß der friedlichste der Päpste zum Ergreifen der Waffen genötigt worden ist.« Der übersensible, tief gekränkte, bereits schwerkranke Nikolaus versank in düstere Niedergeschlagenheit und mißtrauischen Argwohn. Nach dem Fall Konstantinopels rief er, der die Mächte noch einmal beschwor, unter sich Frieden zu schließen, zu einem Kreuzzug gegen die Türkei und die drohende osmanische Invasionsgefahr auf, ohne bei den Regierungen Europas den geringsten Widerhall zu finden. In Italien selber konnte erst am . Februar - -
durch die große Liga zwischen dem Papst und allen italienischen Staaten mit Ausnahme Genuas ein Schutzbündnis zustande gebracht werden, das den inneren Frieden sicherte, während die Vertragspartner, bis auf den Papst, versuchten, auf der Basis von Handelsinteressen mit der Türkei zu einer »friedlichen Koexistenz« zu gelangen. Die Reichstage von Regensburg, Frankfurt und Wiener-Neustadt vom April bis zum März , auf denen Enea Silvio Piccolomini die Gedanken des Papstes angesichts der Türkengefahr darlegte, verliefen ergebnislos. Erleichtert vernahm man in Wiener-Neustadt, daß Nikolaus gestorben sei. Seine fünf letzten Lebensjahre waren ihm, neben allen Sorgen, durch ein unheilbares Gichtleiden und andere Krankheiten zur kaum mehr erträglichen Qual geworden. In der Geschichte der europäischen Wissenscha und des Mäzenatentums aller Zeiten gebührt Nikolaus ein erster Platz. Sein Grabmal mit Grabstatue befindet sich in den Grotten der Peterskirche – die schöne metrische Inschri ist von Pius II. Die Größe seiner Persönlichkeit, seines Denkens und Handelns ist auch von Gegnern der Kirche ohne jede Einschränkung anerkannt worden. Er hat Papsttum und Kultur verschmolzen und damit weiteste Möglichkeiten zu geistiger Blüte geschaffen. Der leidenschaliche Bücherfreund, Sammler und Literaturkenner vermehrte im Laufe der Jahre seine erlesene Bibliothek aus der Zeit, als er noch armer Hauslehrer gewesen war, und legte so den Grundstock zur Biblioteca Vaticana. Seine Beauragten bereisten alle Länder von Skandinavien bis Griechenland sowie den Orient. Scharen von Schreibern und Übersetzern, Wissenschalern und Kennern arbeiteten unter seiner Aufsicht im Vatikan. Die nach Rom kommenden Humanisten, auch solche heidnischer Richtung – was bei einem auf so ausgesprochen hoher christlicher Warte stehenden Papst von Bedeutung ist –, bildeten einen wirklichen Musenhof um ihren Gönner. Gleich groß war Nikolaus als Bauherr, dem in Leon Battista Alberti der genialste Baumeister der Zeit zur Seite stand. Kein Gebiet des Profan- oder Kirchenbaues gab es in Rom, auf dem er nicht gewirkt hätte. Die Krönung bildete seine gewaltige Konzeption der Neubauten des Vatikans und der Peterskirche an Stelle der alten Konstantinischen Basilika – beide nach Entwürfen Albertis, der dem Papst sein grundlegendes theoretisches Werk über die Baukunst, De re aedificatoria, gewidmet hat. Der Neubau der Peterskirche mußte beim Tode des Papstes unterbrochen werden, von den vatikanischen Bauten wurden die Trakte des von ihm bewohnten heutigen Appartamento Borgia, die darüber liegenden Stanzen sowie der Torrione vollendet. An Malern berief der Papst unter anderen Benozzo Gozzoli, Benedetto Bonfigli, Bartolomeo da Foligno, Andrea del Castagno und Piero della Francesca, dessen Fresken sich in der heutigen Stanza d’Eliodoro befanden. Vor allem aber malte Fra Angelico die Cappella Niccolo V. mit den Fresken der Laurentius- und der Stephanuslegende aus und gab dem Papst Sixtus II. die charakteristischen - -
leidenden Züge seines Auraggebers. Auch das Kunstgewerbe nahm unter der für alles Schöpferische und Schöne begeisterten Initiative des Papstes einen hohen Aufschwung. Einer seiner Lieblingspläne, die Übersetzung der gesamten griechischen Literatur, vor allem Homers, ins Lateinische, ist durch seinen frühen Tod ins Stocken geraten: Die Entwicklung der Renaissance hätte sonst einen anderen Verlauf genommen. Nikolaus’ hohe, seine kleinen Schwächen weit überwiegende menschliche Eigenschaen sind viel gerühmt worden. Er war unfähig zu heucheln, und seine alle bezwingende Großmut und Großzügigkeit nahmen gegen ihn gerichtete bissige Bemerkungen nie übel. Ludwig von Pastor schreibt: »Er war wohl der freigebigste Mann seines Jahrhunderts«, und Gregorovius: »Die Seligkeit des Gebens für edle Zwecke hat selten ein Mann so genossen wie Nikolaus V.«
KALIXTUS III. Alonso de Borja. .. bis .. Der gelehrte, trockene, an kulturellen Fragen uninteressierte Jurist, seit Damasus I. der erste spanische Papst, wird italianisiert Alfonso Borgia genannt. Im Jahre geboren, war er von Gegenpapst ›Benedikt XIII.‹ zum Kanoniker gemacht worden; er war Professor an der Universität Lerida gewesen, von wo ihn erst Alfons V. von Aragon – als König von Neapel Alfons I. –, sodann Martin V. in ihre Dienste nahmen. Borja hatte Gegenpapst ›Klemens VIII.‹ veranlaßt, sich zu unterwerfen, wofür ihm Martin V. durch Verleihung des Bistums Valencia dankte. Nachdem ihm die Versöhnung Alfons’ von Neapel mit Eugen IV. gelungen war, erhob ihn der Papst zum Kardinal. Wenige Wochen nach seiner Wahl, am . Juni, kanonisierte er Vinzenz Ferrer, der ihm einst die höchste Würde geweissagt hatte. Zu Beginn seines Pontifikates wurde die Türkengefahr immer drohender; Kalixtus betrieb mit spanischem Glaubenseifer einen Kreuzzug. Wie sein Vorgänger bemühte er sich als wichtigste Voraussetzung um Frieden unter den Mächten, entsandte hierzu Legaten in alle Länder und veräußerte Schätze der Kirche nebst eigenem Besitz. Die von Nikolaus V. begonnene Bautätigkeit brachte er aus Sparsamkeitsgründen zum Stillstand. Er förderte statt dessen den Bau einer Flotte, die in See stach, ohne etwas gegen die den griechischen Archipel bedrängenden Türken ausrichten zu können. Sultan Mohammed II., der Eroberer von Konstantinopel, setzte sich auf Belgrad zu in Bewegung. Da erschien Kardinal Juan Carvajal, seit Eugen IV. eine der bedeutendsten und adeligsten Persönlichkeiten seiner Zeit, als Legat mit dem heiligen Johannes Capistrano auf dem Vorposten Ungarn. Beide standen dem ungarischen Nationalhelden Johannes Hunyady bei, der zur Zeit Eugens IV. bei Varna gegen die Türken unterlegen war. Ein kleines Kreuzheer, das Hunyady fast ganz auf eigene Kosten aufgestellt hatte, siegte nach einer achttägigen Schlacht am - -
. Juli bei Belgrad über die Türken. Kalixtus schrieb zur Erinnerung an diesen Sieg das Fest der Verklärung Christi aus. Die Großmächte waren an der Ausnützung des Sieges so uninteressiert wie vorher, und der Papst und Carvajal standen in ihren Bemühungen weiterhin allein, nachdem Hunyady der Pest, Johannes Capistrano den Entbehrungen erlegen waren. Antirömische Tendenzen in Deutschland und das plötzlich gespannte Verhältnis zu Alfons I. von Neapel erschwerten die Lage des Papstes noch mehr. Doch tat er, besonders durch die Unterstützung des albanischen Nationalhelden Skanderbeg, weiterhin und nach wie vor allein alles in seinen Kräen Stehende, um die Türken abzuwehren. Weist sein Pontifikat, so gesehen, wahre Größe auf, so hat er durch seine verhängnisvolle Wiederbelebung des Nepotismus ein großes Unglück beschworen. Er förderte nicht nur fast ausschließlich verwerfliche Familienmitglieder seines unheilvollen Geschlechtes, sondern bahnte mit seinem fünfundzwanzigjährigen Neffen Rodrigo de Borja, dem späteren Alexander VI., einer der nichtswürdigsten Gestalten den Weg. Es ist erwiesen, daß er Pedro Luis, dem Bruder Rodrigos, die Krone von Neapel gewinnen wollte, wo er das ronfolgerecht Ferrantes, des Sohnes Alfons’ I., bestritt, der starb. Der Terror der Borjas, denen der Kirchenstaat ausgeliefert war, begann schon damals die Öffentlichkeit zu beunruhigen. Das Mittagsläuten der Kirchenglocken geht auf Kalixtus’ Türkenbulle vom . Juni zurück. Ein Bild Sano di Pietros aus der Akademie von Siena, wo die Madonna dem Papste erscheint, zeigt die Züge Kalixtus’ III., dessen Sarkophag mit der Grabstatue in den vatikanischen Grotten steht.
PIUS II. Enea Silvio de’ Piccolomini. .. bis .. Er war am . Oktober in Corsignano bei Siena geboren. Seinen Geburtsort taue er später in Pienza um. Den Papstnamen Pius wählte er zweifellos nicht im Hinblick auf den neunten Papst nach Petrus, sondern als Humanist und Verehrer des plus Äneas Vergils. Er studierte an der Universität Siena und war Schüler Filelfos in Florenz gewesen. begegnete er in Siena dem nach Basel zum Konzil reisenden Kardinal Domenico Capranica, einer der geistigen und menschlichen Größen des heiligen Kollegiums, wie sie unter den letzten Pontifikaten o hervorgetreten sind. Capranica hätte vermutlich an Stelle von Pius den ron bestiegen, wäre er nicht zwei Tage vor dem Konklave gestorben. Piccolomini wurde der Sekretär Capranicas, später anderer Kirchenfürsten, darunter auch des Kardinals Albergati, des Gönners Nikolaus’ V. Nach der Rückkehr von einer geheimen Mission am schottischen Königshof blieb er in Basel, inmitten einer antipäpstlichen Atmosphäre. Doch mehr bedeutete ihm, der kein - -
Geistlicher war, das Leben und Treiben seines frivolen humanistischen Freundeskreises, der sich zwischen der Welt Boccaccios und dem Sturm und Drang bewegte. Zwei natürliche, jung verstorbene und verschollene Kinder Piccolominis entstammen dieser Zeit. Er trat dann in den Dienst ›Felix’ V.‹, in den König Friedrichs III., dessen Kanzler Kaspar Schlick sein Vorgesetzter und Freund wurde. In Frankfurt krönte Friedrich III. seinen Sekretär zum Dichter. Enea Silvio hielt an der Universität Wien bedeutende Vortrage über die Dichter der Antike und nahm damit entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung des deutschen Humanismus. Politik und Klugheit hatten ihn nunmehr zum Anhänger Eugens IV. gemacht. entstand seine lateinische Novelle Euryalus und Lucretia, echter Boccaccio, mit der Schilderung eines Liebeserlebnisses seines Freundes Schlick mit einer Sienesin. ging eine völlige Wandlung in Piccolomini vor, ein Jahr später empfing er die Weihen, wirkte als politischer Vermittler und vermochte als Gesandter Friedrichs III. auf dem Reichstag von Frankfurt den für König wie Papst gleich gefährlichen deutschen Kurfürstenbund gegen Eugen IV. zu sprengen. wurde er Bischof von Triest, Bischof von Siena und Kardinal. Sein Pontifikat stand wie das seines Vorgängers ganz im Zeichen eines Kreuzzuges. Es gelang ihm der Friedensschluß mit Neapel, wo er Ferrante I., den natürlichen Sohn Alfons’ I., als Nachfolger seines Vaters anerkannte und eine natürliche Tochter des Königs mit seinem Neffen Antonio Piccolomini verlobte. berief er einen erfolglosen Fürstenkongreß nach Mantua, um den Kreuzzug zu betreiben. Er setzte seine Bemühungen fort, während ihm die Auflehnung Deutschlands und Frankreichs gegen die päpstliche Autorität sowie Wirren im hussitischen Böhmen weitere Sorgen bereiteten. Angesichts der Vergeblichkeit seiner Versuche und des dauernden Vordringens der Türken beschloß er, der unkriegerischste Mann der Zeit, sich, so leidend er war, in ritterlichem Idealismus selber an die Spitze eines Kreuzfahrerheeres zu stellen. Das Unternehmen, eine ebenso heilige wie erschütternde Donquichotterie, war schon vor Beginn zum Scheitern verurteilt. Nur das politisch unmittelbar interessierte Venedig sagte den geringen päpstlichen Truppen einige Hilfe zu. Schwer krank und fast unbeweglich reiste Pius im Juni nach Ancona ab, von wo seine und Venedigs kleine Flotte abfahren sollte. Am . August wurde ihm das Nahen der Schiffe Venedigs mit dem Dogen an Bord gemeldet. Sterbend ließ Pius sich ans Fenster tragen. Mit den Worten: »Bis auf diesen Tag hat mir die Flotte zu meiner Ausfahrt gefehlt, und jetzt muß ich der Flotte fehlen«, nahm der Papst Abschied von seiner Kreuzzugsidee. Sein Grabmal befindet sich in Rom in Sant’ Andrea della Valle. Schon am . August war auch Pius’ enger Freund, der große Kardinal Nikolaus von Cusa, gestorben, dessen umfassender Entwurf einer Reformbulle nicht mehr zur Ausarbeitung gekommen war – sehr zum Leidwesen des Papstes, der die kurialen Miß- -
stände, als deren niedrigste Verkörperung ihm stets Rodrigo de Borja erschienen ist, von Grund auf kannte. Was in seinen Kräen stand, unternahm Pius gegen Sklavenhandel und Judenunterdrückung. Er wandte sich gegen jede Überordnung von Konzilen über den Papst und die monarchische Idee des Papsttums und widerrief freimütig seine falschen Ansichten aus der Zeit des Basler Konzils. Am . Juni sprach er seine große Landsmännin Katharina von Siena heilig und verfaßte das Offizium und einige Hymnen zu ihren Ehren. Im gleichen Jahre unternahm er einen merkwürdigen Versuch, Sultan Mohammed II. durch ein ausführliches apologetisches Schreiben zu bekehren, zu welchem er die Schri des Nikolaus von Cusa De cribratione al Choran benutzte. Man hat Pius Nepotismus vorgeworfen. Die von ihm versorgten nahen und entfernteren Verwandten sind indessen kaum hervorgetreten – bis auf zwei, die Kardinäle Forteguerri und Todeschini-Piccolomini, der spätere Pius III. Pius entfaltete eine ausgedehnte Bau- und Restaurationstätigkeit, so in seiner Geburtsstadt Pienza, wo Bernardo Rossellino den Dom, das Rathaus und den Palazzo Piccolomini baute. Er gehört nicht nur zu den größten Päpsten, sondern er ist vor allem eine der geistvollsten, interessantesten, pittoreskesten, fast abenteuerlichsten Gestalten des Abendlandes. Über wenige Päpste läßt sich ein so umfassend zutreffendes Bild aus Selbstzeugnissen gewinnen wie von Pius II. Seine Werke sind in vielen Auflagen bis ins . Jahrhundert hinein erschienen, und er gehört auch als begeisterter, lebensvoller Briefschreiber der humanistischen Weltliteratur an. Er ist der einzige Papst, der Memoiren hinterlassen hat; es sind die berühmten Commentaria in Tagebuchform, mit biographischen Meisterporträts, eindringlichen Beschreibungen, einer Fülle zauberhaester Naturschilderungen, zweifellos den schönsten vor Goethe. Pius erlebte die Natur bereits als reiner Romantiker, ja als Impressionist, als Dichter wie als Maler. Ausflüge und Reisen oder ein Konsistorium unter alten Bäumen bedeuteten ihm höchsten Genuß, und er nannte sich selber »Liebhaber der Wälder«. Als berühmter Dichter, Historiker und kritischer Geist, der die gesamte humanistische Bildung seiner Zeit in sich zusammenfaßte, stellte er höhere Anforderungen an die Humanisten als Nikolaus V., der selber nicht schöpferisch tätig gewesen ist. Er ist der Gründer der Universitäten Basel, Nantes und Ingolstadt. Von seiner groß konzipierten Kosmographie, die er als geographischethnographische Beschreibung der damals bekannten Welt plante, ist leider nur der Teil Asia vollendet, während vom Teil über Europa nur Bruchstücke vorliegen. Das universelle Wissen des Papstes fordert höchste Bewunderung. Sein Werk steht am Anfang einer ganzen Wissenscha und inspirierte unter anderen Kolumbus auf das entscheidendste. Seinem Wesen nach war Pius schlicht und anspruchslos, bestrickend in seiner Güte und rastlos als Arbeiter. Er sagte einmal: »Weißt du nicht, daß ich als Papst nicht mir zu leben habe, sondern - -
anderen?« Unauörlich schenkte er und hatte fast nie Geld zur Verfügung. Gregorovius charakterisiert ihn kurz: »Sein Leben als Papst war fleckenlos; er war mäßig, mild, menschenfreundlich und nachsichtig.«
PAUL II. Pietro Barbo. .. bis .. Der vermutlich am . Februar in Venedig Geborene war ein Neffe Eugens IV. Er wurde schon zum Kardinaldiakon von Santa Maria Nuova gemacht und gewann unter Nikolaus V. und Kalixtus III. weiter an Einfluß, weniger indessen unter Pius II. Die Verschwörung einer Gruppe neuheidnischer Literaten und Humanisten unter Führung von Pomponius Laetus und Bartolomeo Sacchi, genannt Platina, gegen Paul – sehr wahrscheinlich sogar gegen sein Leben – wurde von diesem, der viele nutzlose Literaten aus den päpstlichen Diensten entlassen hatte, streng unterdrückt. Platinas posthume Rache an Paul in seiner Papstgeschichte hat das Bild des Papstes bis in die neuere Zeit hinein entstellt. Das Vordringen der Türken beunruhigte Paul ebenso wie seine Vorgänger, doch außer mit Geldmitteln vermochte er nicht zu helfen. So unterstützte er den albanischen Helden Skanderbeg, den Verteidiger des christlichen Abendlandes gegen den Islam. Mit Venedig und Florenz und deren absolutistischen Bestrebungen sowie mit Ludwig XI. von Frankreich hatte er Auseinandersetzungen zu bestehen. Er verlieh dem Hause Este von Ferrara Herzogsrang, den Königen von Frankreich den Titel »Allerchristlichster König«. Frankreich hielt an der staatskirchlichen, pragmatischen Sanktion von fest. Auch ein Versuch, die russische mit der römisch-katholischen Kirche zu vereinen, fällt in Pauls Pontifikat. Sein fragmentarisch erhaltenes Grabmal von Mino da Fiesole und Giovanni Dalmata steht in den vatikanischen Grotten. Mino schuf auch die Porträtbüste im Palazzo Venezia und stellte Paul in seinem Jüngsten Gericht dar. Paul war ein friedlicher, dem einfachen Volk gegenüber verständnisvoller, immer hilfsbereiter, doch auch selbstbewußter, verschlossener und mißtrauischer Papst. Der Vorwurf des Geizes ist unverdient. Ohne übermäßig gebildet zu sein – so war er unter anderem des Lateinischen nicht mächtig –, kannte er doch künstlerische Interessen, sammelte Münzen, Gemmen und Antiken und wurde damit zum Begründer der römischen Antikensammlungen. Seine Bautätigkeit galt im wesentlichen praktischen, besonders sanitären Werken. Das bedeutendste in Rom an Paul erinnernde Monument ist sein von seinem Neffen, dem hervorragenden Kardinal Marco Barbo, vollendeter Kardinalspalast, der Palazzo Venezia. Stets umgaben kluge Männer den Papst. Paul verlieh den Kardinälen das Birett und setzte die Jubeljahre auf alle fünfundzwanzig Jahre fest. Unter seinem Pontifikat, jedoch ohne sein Zutun, nahm die Renaissance eine mehr und mehr heidnische Richtung an. Hohes Interesse zeigte Paul für die Buchdruckerkunst. Die beiden deutschen Kleriker - -
und Drucker Konrad Schweinheim und Arnold Pannartz brachten die Buchdruckerkunst, die »heilige Kunst«, nach Italien und eröffneten ihre erste Werkstatt im Kloster Santa Scolastica in Subiaco. siedelten sie nach Rom über und erfuhren hier von Papst und Kardinälen jede Förderung. Paul ist der eigentliche Begründer des vatikanischen Verlagshauses, der Libreria Editrice Vaticana.
SIXTUS IV. Francesco della Rovere. .. bis .. Der aus armem ligurischem Adel stammende, in Celle geborene della Rovere trat früh in den Franziskanerorden ein und wurde nach Absolvierung seiner Universitätsstudien Professor an den Universitäten Padua, Bologna, Pavia, Siena, Florenz und Perugia. stieg er zum General seines Ordens auf, zum Kardinal von San Pietro in Vincoli, als der er mit einer Reihe theologischer Schrien hervortrat. Die Tiara hatte er sich – einer der dunkelsten Punkte des Papsttums der Hochrenaissance – durch Zugeständnisse erkau. Bald begann die Vergabe von Pfründen, und Sixtus leitete eine Epoche ein, die unabsehbare Folgen haben sollte. Sein Nepotismus nahm Formen an, die an schlimmste Vorbilder erinnern: die Familien von zwei Brüdern und vier Schwestern wurden ausgiebigst versorgt, fünf Neffen zu Kardinälen gemacht, darunter der achtundzwanzigjährige Giuliano della Rovere, der spätere Julius II., und der fünfundzwanzigjährige Pietro Riario, ein einstiger Franziskanermönch, neben Rodrigo de Borja der skandalöseste Nepot der Kirchengeschichte, der vier Bistümer und das Patriarchat von Konstantinopel erhielt und sein Jahreseinkommen von .. Franken mit seiner offiziellen Mätresse verpraßte. Giuliano della Rovere erhielt sogar sechs Bistümer sowie zahlreiche Abteien und Pfründen. Als Riario schon mit achtundzwanzig Jahren seinen Lastern erlag – er erhielt durch Mino da Fiesole in SS. Apostoli eines der herrlichsten Grabdenkmäler –, trat sein Bruder Girolamo, ein Grünkramhändler, an seine Stelle, wurde Graf, heiratete Caterina Sforza, die berühmte Tochter des Galeazzo Maria Sforza von Mailand, und beherrschte Sixtus in noch verhängnisvollerer Weise als sein Bruder. Die Ländergier Girolamos führte bald zu politischen Erschütterungen, deren Ausdruck die Florentiner Pazziverschwörung von gegen die Mediceer war, an der sich Girolamo und der Papst maßgebend beteiligten. Rebellionen, Wirren und Feldzüge bildeten die Folge von Sixtus’ Familienpolitik: Riario hatte sich Forlì angeeignet, wollte Ferrante I. von Neapel stürzen und ging gegen Ferrara vor. Sixtus verschlimmerte das politische Unheil durch wahllose Bannflüche, die je nach Bedarf wieder zu Lobpreisungen werden konnten. So wurde die Forderung nach einem Konzil laut, fand aber keinen Widerhall. Gegen die Türken, die am . August Otranto eingenommen hatten, errang eine päpstliche Flotte einige Erfolge. - -
Am , April sprach Sixtus Bonaventura heilig. Im Jahre führte er das Fest der Unbefleckten Empfängnis vom . Dezember ein, das Klemens XI. später allgemein vorschrieb. Auf kirchenpolitischem Gebiet ließ er sich zu bedenklichen Zugeständnissen herbei. Dem unter seinem Pontiflkat beginnenden Grauen der spanischen Inquisition versuchte er anfangs noch Einhalt zu gebieten, gab aber bald dem Druck der Regierung nach und billigte die Ernennung des Dominikaners omas de Torquemada zum Inquisitor. Damit war die Inquisition kirchlich geworden. Schwache Ansätze des Papstes zu Reformen wurden durch das »sixtinische« Kardinalskollegium bald unterdrückt. Gerade das fast ausschließlich aus politischen und familiären Rücksichten von ihm zusammengesetzte Kollegium, dem keine jener schon legendär gewordenen Persönlichkeiten wie Bessarion, Carvajal oder Capranica mehr angehörten, von dem sich ein Kardinal Francesco Piccolomini möglichst fernhielt, und in welchem außer den vielen Nepoten nur noch Borja, Sforza oder Cibo, Sixtus’ Nachfolger, das Wort führten, hatte einen Tiefpunkt völliger Verweltlichung erreicht. Korruption und Simonie unter Sixtus, der nicht nur die Abgaben, sondern auch die käuflichen Ämter um mehr als das Doppelte, das heißt auf sechshundertfünfundzwanzig, erhöhte, wurden später nur noch durch den Borja-Papst übertroffen. Auf wirtschalichem Gebiet hat Sixtus wichtige Unternehmungen im Kirchenstaat unterstützt. Er baute den Ponte Sisto und gründete die vatikanische Bibliothek neu; die Ernennung Platinas, des Autors der ersten großen Papstgeschichte, zum Bibliothekar hat Melozzo da Forlì auf seinem Meisterfresko dargestellt, dem einzigen erhaltenen Rest seiner Fresken in den Bibliotheksräumen, in denen auch Ghirlandajo tätig war. Gelehrte aller Richtungen strömten in den Dienst des Papstes, der große Künstler vom Range eines Mino da Fiesole, Verrocchio, Ghirlandajo, Botticelli, Perugino, Pinturicchio, Rosselli, Signorelli und, als ersten eigentlichen Hofmaler, Melozzo da Forlì berief. Sixtus ließ Santa Maria del Popolo, Santa Maria della Pace und das Ospedale di Santo Spirito, die Gründung Innozenz’ III., neu bauen; umbrische Wandmalereien erzählen hier die Biographie des Papstes; sie gelten als die ersten historischen Wandmalereien der Renaissance. Die Antikensammlungen seines Vorgängers machte Sixtus der Öffentlichkeit zugänglich und wurde damit zum Begründer der römischen Museen. Leider zerstörte er gleichzeitig antike Tempel, Bögen und Grabmonumente. Er reorganisierte den Kirchengesang und berief Josquin de Près, der bis in Rom wirkte. Als Bauherr wie als Restaurator ist Sixtus zum Erneuerer Roms geworden. Auch andere Städte sind ihm verpflichtet. Unvergänglich aber bleibt sein Name mit der Sixtinischen Kapelle verbunden, die er am . August einweihte. Die von den größten toskano-umbrischen Meistern gemalten Fresken der Längswände sind voller Beziehungsreichtum zum Pontifikat des Auraggebers. Die achtundzwanzig Papstbilder - -
zwischen den Fenstern verleihen der Idee des Papsttums vom Gedanken, nicht vom Porträt her Ausdruck. Sixtus ist der erste Papst gewesen, der sein Bildnis auf Münzen prägen ließ. Sein Grabmal in den vatikanischen Grotten ist ein Meisterwerk Pollaiuolos. Sixtus war durchaus zwiespältig – gutmütig bis zur unverzeihlichen Schwäche, freigebig, selten über kritische Äußerungen gekränkt und würdig in seinem Lebenswandel, der von beleidigten Literaten und besonders von dem die Meinung über ihn lange Zeit beeinflussenden zeitgenössischen Historiker Stefano Infessura verdächtigt worden ist. Seine Unerfahrenheit rechtfertigt nicht die folgenschweren Verhängnisse, die sein Nepotismus heraueschworen hat: die völlige Verweltlichung der Kirche, das Zurücktreten der Idee des Papsttums als geistlicher Gewalt vor dem Gedanken der Monarchie, die charakterlose Abhängigkeit von der Tagespolitik, Simonie und Käuflichkeit. »Dieser Papst«, schreibt Machiavelli, »war der erste, der zu zeigen begann, wieviel ein Papst vermochte und wie viele Dinge, die hinterher als Irrtümer bezeichnet wurden, sich unter der päpstlichen Autorität verbergen konnten.« – So bedeutete Sixtus’ Pontifikat für die Kirche ein Unglück, zu dessen Steigerung es nur noch der beiden folgenden Päpste bedure – für die Kunst hingegen eine Epoche unsterblicher Größe.
INNOZENZ VIII. Giovanni Battista Cibo. ... bis .. Nach dem Tode Sixtus’ IV. unternahm der korrupte Rodrigo de Borja alles, um Papst zu werden, während Giuliano della Rovere ihm in seinen Bemühungen um die Tiara kaum nachstand.