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QOvi)OEL eqs. Das Nebeneinander von 'taÜ'ta und den folgenden Dativen war schon Herdein anstößig, der deshalb die Dative ändern wollte. Einfacher ist 'tUU't!} zu schreiben (Hiatmeidung ist auch in dieser Rede nicht durchgeführt), die alte Formulierung livitQWno;, fl civitQwno; zog die Dative nach sich. 3, 18, 20 (73 b) ßMLAElJ!; öe, ou J.l.EV ahij; EQyov ea'ti xat i}uJ.l.oÜ, XQTj'tat 'toi; l>ni..OLS xat xQa'te'i ;uJ.l.ßouH�, ov öt J.l.OVOV eÖETJOE YVWJ.l.TJS, tautn xußEQVQ.. ;uJ.�.ßou/..(a ist nicht Ein
sicht, sondern Rat als Ergebnis gemeinsamer Besprechung; 21, 5 (75 b) braucht es Julian neben ÖTJJ.I.TJYOQ(a. Deshalb hat Wyttenbach e'lißouA.t�, Herdein ;vv e\lßou/..l4 vermutet. Aber den Gegensatz zu yvOOJ.l.TJ im zweiten Teil duldet hier überhaupt kein Wort, das die Klugheit hereinbringt. XQ
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Kurt Latte
"quaecumque de his rebus diximus, ea omnia brevia et concisa diximus" (Reiske). 20, 1 (74 d) -coouütu rtEQL t&v ßuotA.eoo; EQyoov e v ß Q u Xe t 1\ L e I. rt I. {dh:qA.E v weist auf unsere Stelle zurück, Ju lian steht am Absmluß der rtQcl�EL; und will nur nom einen Punkt 3, 19, 13 kurz behandeln. Das ergibt &JtoMvte; (und änuvtu). (74 a) �i) AijQo; ii xat
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weil man glaubte, auf paläographische Wahrscheinlichkeit Rücksicht nehmen zu müssen. Es liegt der seltene Fall vor, daß ein Wortbild aus dem folgenden vom Schreiber vorweggenommen ist. Wir sind in der Gestaltung der Stammsilbe also frei, eveyxat.tEVOV entsprimt Julians Spramgebraucll (ep. 30 S. 36, 2 B.-C.). Eine ähnliclle Verderbnis hat Boulenger 1, 15, 10 (vgl. 13) aufgedeckt. 5, 1, 27 (269 b) 1\fit.tov 1\E �Aov xut :rtOALV EQno-ca; EQyrov xut Myoov 1\txntoov (t:xro) E�oo tij; naQ' 'Ö�iv ov (l(ti\Lov ei.rceiv, der Einschub liegt ebenso nahe, wie Cobets .i\nderung EUQdv. Der Druck ist erfreulicll korrekt. Ein paar falsclle Zeilenzahlen im kritischen Apparat verbessert man leicllt (3, 7, 34, wo 52 steht, 3, 23, 45, wo die Zahl ausgefallen ist). Sinnstörend ist nur 3, 21, 2 (tÖlv) O:yoovoov für (-c&v) e; tov. Außerdem sei 5, 4, 48 yQil als Oxytonon hervorgehoben, weil sich der Fehler aus Herdein fort geerbt hat; die Akzentregel für das Wort steht Arcadius 182, 9 B. Unter der Masse der ersclleinenden Ausgaben sind die selten, in denen ganze Arbeit geleistet wird. In der vorliegenden ist das nacll den versclliedensten Seiten hin gescllehen, und vor diesem Gesamt urteil verlieren Einzelausstellungen an Gewicllt. Man darf hoffen, daß der Sclllußband, der die smwierigen theologiscllen Reden Ju lians enthält, uns in ähnlicller Weise nicllt nur eine gesimerte Text-
Besprechung von: L'empereur Julien
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grundlage, sondern auch aus Bidez' Kenntnis der neuplatonischen Literatur reichen Gewinn für die Erklärung bringen wird. , Tome 2, 1 . partie: Discours. Texte et. et trad. par Gabriel Roche fort. Paris: Beiles Lettres 1963. XVI, 191 z. T. Doppels. (Coll. des Univ. de France.) Es ist J. Bidez nicht vergönnt gewesen, seine Arbeit an den Hand schriften und am Texte Julians durch Vollendung der begonnenen Ausgabe zu krönen. Nur die Briefe sind nach der großen, mit Cumont gemeinsam gearbeiteten Ausgabe in einer kleineren für die Edition Beiles Lettres fertig geworden (1924), dazu die Reden aus der Frühzeit auf Konstantios und Eusebia, die Trostschrift bei der Trennung von seinem Freunde Sallust und der Brief an Rat und Volk der Athener (1932. I, 1 . 2). So wird man begrüßen, daß Rochefort nach 30 Jahren versucht, den Faden wiederaufzunehmen und hier zunächst den Brief an Themistios, die beiden Reden gegen die Kyniker und die über die Göttermutter vorlegt. Die Anordnung ist die chronologische geblieben, was für die Zählung unbequem ist. �ußerlich unterscheidet sich der neue Text von Bidez durch den Fortfall der Zeilenzählung der Kapitel; der kritische Apparat ist auf die Seitenzahlen und Buchstabenunterteilungen von Spanheim gestellt. Es hilft wenig, daß dazu noch Zeilenzählung vom Typ 225 B 8 hinzutritt, die dem Benutzer zumutet, jeweils innerhalb der 6-10 Zeilen langen Perikopen, die sich unter Umständen auf 2 Seiten verteilen, abzuzählen, welche Zeile gemeint ist. Die Überlieferung dieser Reden ruht, wie Bidez nachgewiesen hat, nur auf dem Vossianus V und für einen Teil seiner Lücken auf dem früh aus ihm abgeschriebenen Parisinus U. Sie ist keineswegs be sonders gut, und das Vertrauen, das R. ihr schenkt, führt zu sprach lichen Unmöglichkeiten. Hier, wie überall, werden nur wenige Proben gegeben. 6, 260 d läßt U!J.EAÖ>v statt Reiskes aj.L&),iö den Nachsatz ohne ver bum finitum. 266 a in l!;&<m yaQ ao� qJLI.oao<pous ärco
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Kurt Laue
wenn im vorhergehenden ein Gegensatz dazu steckt, also Herdeins Einschub (nollou(;) q>LA.. nicht zu umgehen. 7, 221 c erhalten wir gar als Ergänzung q>(lCt�ew (t)e YQCt(q>ew), Verbindung zweierr Be griffe durch hinter das erste gestellte tt ohne folgendes x.aL Andere Mißverständnisse dedtt die Übersetzung auf. 6, 263 c tov 'A(luJtO tEA'YJ tov oaq>Ov txW.eL� f.LCt(rtuQa " tu faisais appel au sage temoignage d'Aristote •· Daß oo
Bespredlung von: L'empereur Julien
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$. 167. 168 wird auf Bergk statt auf Diels verwiesen. Für den viel angeführten Vers linoAL�, äOLxo�, natelöo� totEQTJf.lEVO� erhalten wir $. 16 die zwei Parallelstellen, S. 162 steht "Nauck, Adespota Fr. 6". Es ist Nr. 284, und ein Blick auf den dort folgenden Vers hätte R. den metrischen Fehler ersparen können, die hier anschlie ßenden Worte Julians Olm Ö�OAOV, ou ÖQ
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Kurt Latte: Bespredtung von: L'empereur Julien
Iamblichos (Asmus, Der Alkibiadeskommentar des Iamblichos als Hauptquelle für Kaiser Julian. SBHeid 1917, 3) nicht verfolgt ist. Es fehlt jeder Hinweis auf G. Mau, Die Religionsphilosophie Kaiser Julians in seinen Reden auf König Helios und die Göttermutter,
1907. Man wird bedauern, daß die zweifellos aufgewendete Mühe und förderliche Einzelbemerkungen zum Text im ganzen ein so unbe friedigendes Resultat geliefert haben. Aber ohne eine scharfe Sich tung und Modernisierung des traditionellen Erklärungsmaterials und eine exakte, auf die Kenntnis dieser späten Gräzität gestützte Interpretation des Textes wird sich eine der Leistung von Bidez gleichwertige Ausgabe nicht herstellen lassen.
Die Antike 14 (1938), S. 252-254.
AUF DEN SPUREN JULIANS IN TRIER Von ALFRED KöRTE Wie ein Roman liest sich die Untersuchung, durch die Rudolf Herzog kürzlich (Trierer Zeitschrift 12, 1937, S. 121 ff.) einen vor langen Jahren auf deutschem Boden, in Trier, gefundenen Stein zu neuem Leben erweckt hat. Die Ergebnisse seiner mit bewunderns werter Geduld, glänzendem Scharfsinn und reicher Gelehrsamkeit durchgeführten Arbeit sind so merkwürdig, daß ein Hinweis auf sie weiteren für die Antike interessierten Kreisen willkommen sein dürfte. Der in Abb. S. 203 wiedergegebene Stein wurde um 1865 in der Werkstatt eines Trierer Dekorationsmalers entdeckt, der auf der Rückseite der Marmorplatte seine Farben zu reiben pflegte. Schon sein Vater hatte ihn zu gleichem Zwecke benutzt und dem Sohn gesagt, er sei in Trier gefunden. Was den Stein auf den ersten Blick anziehend macht, ist die unge wöhnliche Schönheit und Sorgfalt der Schrift; schwerlich wird es eine diesseits der Alpen gefundene griechische Inschrift geben, die an Ebenmaß und Eleganz der Buchstaben mit ihr wetteifern kann. Aber wer mit griechischen Inschriften etwas vertraut ist, der sieht sofort ihren gewaltigen Abstand von denen der klassischen Zeit. Diese runden C, €, W sind nicht für den Meißel geschaffen, der am lieb sten mit geraden Linien und scharfen Ecken arbeitet - in einer attischen Inschrift des 4. Jh.s v. Chr. würden sie etwa so aussehen �. E, Q - sie sind auf die Feder berechnet, die auf Papyrus oder Pergament lieber gerundete Buchstaben malt. Herzog erkannte, daß die Buchstabenformen genau den Prunkhandschriften der im Jahre 331 n. Chr. von Constantin dem Großen in seiner neuen Kaiserstadt am Bosporus gegründeten Kalligraphenschule entspre chen, deren Leistungen wir aus verschiedenen Beispielen kennen. Die Blüte dieser Kalligraphenschule währte nicht lange, und so
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Alfred Körte
ergab sich für Herzog etwa das zweite Drittel des 4. Jh.s als Ab fassungszeit der Inschrift. Aber damit war für ihr Verständnis noch nicht viel gewonnen. Freilich hatte man längst gesehen, daß die sieben Zeilen Hexameterschlüsse enthielten, hatte auch erkannt, daß in Z. 3 von dem "vieläugigen Argos", in Z. 4 von einem "Be schwichtigungsmittel der Leiden", in Z. 5 von Zeus und Hermes die Rede sei, ja man hatte mit viel Phantasie versucht, die Reste zu einem Hymnus auf Hermes zu ergänzen. Aber das blieb ein Spiel, solange kein neues Material hinzukam. Tatsächlich lag solches schon seit 1917 vor, aber es war 20 Jahre lang ungenutzt geblieben. Der um die Erforschung Triers sehr verdiente Baurat Kutzbach hatte bei Ausgrabungen unter St. Maximin in der Umrahmung karolin gischer Gräber Mörtelabdrücke von wiederverwendeten und dafür zugeschnittenen Inschrifttafeln gefunden. Die Tafeln selbst waren bis auf geringe Reste verschwunden, aber der harte Mörtel hatte die Schriftzüge so treu i m Abdruck bewahrt, wie es die Papier abklatsche tun, in denen der Epigraphiker Inschriften festzuhalten pflegt. Die Zugehörigkeit der Mörtelabdrücke zu der über 50 Jahre früher gefundenen Marmortafel hatte der Direktor des Trierer Museums, Professor Krüger, erkannt, aber erst Herzog gelang es mit unendlicher Mühe, ihre gegenseitige Stellung und die zur Mar mortafel herauszufinden. Es ergaben sich 17 verstümmelte Hexa meter, der Anfang des Gedichtes fehlt. Wenn im römischen Trier m i zweiten Drittel des 4. Jh.s ein griechisches Gedicht mit so ungewöhnlicher Pracht und Sorgfalt in eine importierte Marmorplatte gemeißelt wurde, so mußte dies in Zusammenhang mit dem kaiserlichen Hof stehen, der ja seit Ende des 3. Jh.s vielfach in Trier residierte. Weiter führte der offenbar heidnische Charakter des Gedichts. Ein Weihegedicht an Hermes ist nach Constantin nur einem Mitglied des Kaiserhauses zuzutrauen, dem großen Apostaten Julian. Er verehrte den neuplatonischen Hermes nächst Helios von allen Göttern am höchsten und, wie uns Ammianus Marcellinus erzählt, eröffnete er während seiner Tätigkeit als Cäsar in Gallien seinen Tageslauf jeweils bald nach Mitternacht mit einem heimlichen Gebet an Hermes. Es ist nicht überliefert, daß Julian in den Jahren 355-361, in denen er das schwer darnieder liegende Gallien neu organisierte und harte, aber erfolgreiche Kriege
Auf. den Spuren Julians in Trier
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gegen die Alemannen und andere Germanenstämme führte, längere Zeit in Trier residiert hat. Zum Winterquartier konnte er es wegen der Nähe der immer wieder bedrohten Grenze nicht nehmen, aber es ist nicht zu bezweifeln, daß er in dieser wichtigsten Stadt des Landes, von der Ausonius wenig später sagt: "Sie, die die Kräfte des Reiches ernährt, bekleidet, bewaffnet", häufiger geweilt hat.
InschriftbrudlStück aus Trier
Zufällig wissen wir, daß der Kaiser in diesen arbeitsreichen und sorgenvollen Jahren noch Zeit zu dichterischen Spielereien fand. Neben einer Anzahl anderer Epigramme ist uns von ihm ein der Wortspiele wegen leider unübersetzbares Spottgedicht auf das schlechte Bier erhalten, das den Galliern als Ersatz für den fehlen den Wein dienen muß. Daß der Kaiser in der Tat der Verfasser des in Stein gehauenen Weihegedichts ist, ergibt eine genauere Be trachtung der von Herzog dem Sinne nach zweifellos in den Haupt zügen richtig ergänzten Verse. Ich will versuchen, das schwierige und künstliche Gedicht in metrischer Übersetzung wiederzugeben, muß aber einige Bemerkungen voranschicken. Das Weihegeschenk an Hermes war ein kunstvoll mit Gold,
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Alfred Körte
Glaspasten und einem großen geschnittenen Amethyst geschmückter Prunkgürtel, wie er damals zum Ornat des Kaisers gehörte und von ihm allein getragen werden durfte. Die genaue Schilderung, wie dieser Gürtel gearbeitet wurde, und vor allem die Verherrlichung des großen, kostbaren Amethysts füllen die erhaltenen 17 Verse fast ganz aus. Man trieb damals in den neuplatonischen Kreisen, zu denen Julian gehörte, einen förmlichen Kultus mit Edelsteinen, über den wir durch ein seltsames, später unter Orpheus' Namen gehendes Gedicht Adh-x.U gut unterrichtet sind. Man maß den einzelnen Edelsteinen magische Kräfte bei, die zum Teil schon in den Namen der Steine angedeutet sind, so ist der Amethystos der Stein, der gegen die Trunkenheit schützt; bereits Plinius weiß von seinen magischen Eigenschaften mancherlei zu erzählen. Gesteigert werden die geheimnisvollen Eigenschaften der Edelsteine noch, wenn man entsprechende Darstellungen in sie schneidet. Deshalb ist dem Kai ser das eingeschnittene Bild kaum weniger wichtig als die Schönheit des Steines selbst, die durch kunstvollen Schliff zunächst festgestellt wird. Er wählt als Bild eine Szene, die für den Gott Hermes, aber auch für den weihenden Kaiser von Bedeutung ist. Dargestellt wird Hermes, wie er auf Befehl des Zeus den hundertäugigen Argos, den Wächter der von Hera in eine Kuh verwandelten Io, mit seinem Stabe einschläfert. Io aber, nach deren Irrfahrt der Bosporus (Rinderfurt) heißt, gilt der damaligen Zeit als die Großmutter des Byzas, des Gründers von Byzanz, also gleichsam als die Ahnmutter von Konstantinopel, und mit dieser seiner Vaterstadt fühlte Julian sich stets aufs engste verbunden. Audt in einem Brief an den Neu platoniker Jamblich, dessen bestrittene Echtheit Herzog mit Glück verteidigt, spielt der Kaiser in neuplatonischer Art mit dem alle gorisch gedeuteten Mythos von Argos, Io und Hermes. Und nun die Verse selbst, deren Härten ich nicht ausschließlich auf das Schuldkonto des Ergänzcrs und des Obersetzers zu schreiben bitte, vor allem die überlange Sperrung in der Bildbeschreibung rührt zweifellos vom Verfasser her: Darauf prüfte ein Meister, ein kunstberühmter, das Kleinod, Das ich als Hauptstück gab, in den Gürtel der Lenden zu fügen, Während das übrige Gold mit geschmolzenem Glase belegt ward. Der verstand seinen Glanz mit feuchtem Wetzstein zu wecken
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Auf den Spuren Julians in Trier
Und er brachte heraus die göttliche Schönheit des Steines, Gab den Beweis seiner Kraft und zugleich des menschlichen Könnens. Der Amethyst vermag so sehr das Gesicht zu erquicken, Wenn man den ,nüchternen' Stein sanft irisierenden Glanzes Hält in der Hand und lenkt seine herrlichen Strahlen zum Auge, Wie des Heilgottes Hand im Verein mit dem Wehen des Zephyr. Und er schnitt in den Stein den Hermes, wie gegen Argos (Den mit schlaflosen Augen gleich Sternen prangenden Hirten, Der auf Geheiß der Hera die Hörner tragende Schwester Hütet als grausamer Wächter) er schwingt im Dienste des Vaters Zeus den Zauberstab, der alle Leiden beschwichtigt Nimm das Geschenk. Ich rufe dich an im Gefilde der Trierer, Herr des goldenen Stabs, du größter Stiller der Leiden. .
So unverhohlen durfte Julian seine Verehrung der alten Götter erst bekennen, nachdem er im Februar 360 in Paris von seinen Soldaten zum Augustus ausgerufen war und sich nach einigem Zögern entschlossen hatte, diese Würde gegen seinen Vetter Con stantius zu behaupten. Vor dem Abmarsch aus Gallien gegen Con stantius (Juli 361) muß das Gedicht verfaßt sein. Ganz gewiß ist das Gedicht kein Kunstwerk in höherem Sinne, das ständige Schwanken zwischen Technik und Mystik macht es unharmonisch, wie es die Person ihres Verfassers trotz wirklich großer Eigenschaf ten immer gewesen ist. Daß aber auf deutschem Boden ein Zeugnis aus den kritischen Zeiten des letzten kaiserlichen Verteidigers der alten Götterwelt zutage gekommen und durch scharfsinnige For schung wiederhergestellt worden ist, darf als ein hocherfreulicher Gewinn für die deutsche Wjssenschaft gebucht werden.
Clauica et Mediaevalia
VI (1944), S. 179-193.
KAISER JULIAN ALS PHILOSOPH UND RELIGIOSER REFORMATOR Von HANS RAEDER In seiner vielbesprodtenen Sdtrift über den Kaiser Julian 1 gibt
D. F. Strauß zuerst eine übersidtt über die Art und Weise, wie frühere Historiker den genannten "abtrünnigen" Kaiser beurteilt haben. Er zeigt u. a., daß das Urteil, das von vielen Seiten über diesen entsdtiedenen Gegner des Christentums gefällt wird, keines wegs von der Haltung bestimmt wird, die der betreffende Histo riker selbst zum Christentum einnimmt. Während z. B. der pieti stisdte Arnold2 die guten Eigenschaften des Kaisers rühmt und gegenüber der Heudtelei der redttgläubigen Christenheit, die "ihren meisten Gottesdienst sdton in äußerlidtem gepränge und ceremonien setzte", den Verstand und Mut sowie die Toleranz des heidnischen Kaisers hervorhebt, legt Gibbon, der scharfe Gegner des Christen tums, eine starke Antipathie gegen Julian an den Tag und bezeich net ihn als einen abergläubischen Schwärmer, dessen Schwärmerei "nidtt ganz ohne Beimischung frommen Betruges war" s. Umgekehrt fällt es auf, daß ein "eifriger Verfechter des wunder glaubigen Christenthums" wie Neander ein mildes Urteil über J ulian fällt und dessen Abfall in einer Weise erklärt, "welche ihm fast mehr zum Lob als zum Tadel aussdtlägt" 4• Die Vorliebe dieses Kirdtenhistorikers für Julian erklärt sidt nach Strauß durch seine romantische Einstellung. Unter Romantik versteht er eine reaktionäre Geistesrichtung, die durch eine "Verquickung des Alten und Neuen (in diesem Falle der religiösen Traditionen und der neu platonischen Philosophie) zum Behuf der Wiederherstellung oder besseren Conservirung des ersteren" gekennzeichnet wird. Dadurch erklärt er das Wohlwollen der romantischen Theologen für Julian, "in welchem sie Fleisch von ihrem Fleische wittern", und als Be weis hierfür zitiert er eine Stelle Neanders, wo dieser dem abtrün-
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nigen Kaiser einen ,.Glauben an die göttliche Abkunft und Bestim mung des Menschen" beilegt und dazu den von einem christlichen Standpunkt aus bedenklichen Zusatz macht: "Der Glaube kann göttlich seyn, wenngleich die Dogmen, in denen er sich materialisirt, menschlich sind" 6. Das Urteil, das Strauß selbst über den ,.Romantiker" Julian fäHt, iSt hart, obgleidl sie beide in ihrer Verdammung des Christen tums übereinstimmen. Wenn auch Strauß zugleich auf die ,.roman tischen" Theologen und Staatsmänner unter seinen Zeitgenossen zielt, läßt es sich doch nicht bestreiten, daß das Verdammungs urteil, das er über den Kaiser Julian ausspricht, aufrichtig gemeint ist. Wenn man die Geistesrichtung des Kaisers beurteilen will, muß man sowohl die negative als die positive Seite seiner Bestrebungen betrachten. Offenbar hat er aber seine Stärke im Negativen, wäh rend seine positive Philosophie wenig klar und wenig originell ist •. Wie originell er in seiner kritischen Hauptarbeit, der Schrift gegen die Christen, ist, läßt sich aber nidlt mit Sicherheit entscheiden, da die Schriften seiner Vorgänger, Kelsos und Porphyrios, nur teil weise erhahen sind; seine positiven Anschauungen verdankt er aber hauptsächlich dem Neuplatoniker Jamblidlos. Julians Schrift gegen die Christen umfaßte drei Büdler, von denen uns jedoch nur das erste, und selbst dieses nicht direkt, son dern lediglich durch die Entgegnungen des Kyrillos, überliefert ist; von den beiden anderen haben wir nur ganz kleine Fragmente 7• Obgleich Julian im ersten Buch seine Kritik hauptsächlidl gegen das Alte Testament richtet, greift er doch schon hier an manchen Stellen auch die Christen an, so daß es uns allein durch dieses Budl recht gut möglich ist, uns von seiner Haltung den Christen gegenüber eine klare Vorstellung zu bilden. Julian fragt, weshalb die Christen den Juden vor den Griechen den Vorzug gegeben haben und trotzdem die Lehre der Juden von der Gottheit aufgegeben haben. Er gibt zu, daß die Griechen törichte Mythen gedichtet haben, findet aber die jüdischen Erzäh lungen von der Weltschöpfung und dem Sündenfall ebenso sinnlos. Die Juden betradlteten den Gott, der die Welt geschaffen hatte, als ihren eigenen besonderen Gott und sidl selbst als sein auserwähltes
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Volk. Paulus sagte aber, Gott sei nicht allein Gott der Juden, son dern auch der Griechen; dann müßte man aber fragen, weshalb er Moses und die Propheten und viele andere Gnadengeschenke und schließlich Jesus an die Juden gesandt hatte, ohne Rücksicht auf die übrigen Völker. Julian dagegen sah in dem Weltschöpfer den Vater und König aller Völker; jedes einzelne Volk hätte aber seine besonderen Götter, von denen jeder seine besondere Funktion aus übte, ganz wie der Kaiser jedem seiner Statthalter eine Provinz anvertraut hatte. Die zehn Gebote der Juden verdienen alle Achtung, sagt Julian, stimmen aber mit den von allen Völkern anerkannten Moral begriffen überein; Ausnahme bilden bloß zwei Gebote: das Verbot gegen die Verehrung anderer Götter und der Befehl zur Heilig haltung des Sabbats. Namentlich äußert Julian sich mit Heftigkeit gegen den strengen Monotheismus der Juden, die ihren Gott als einen "eifrigen" Gott bezeichnen; mit um so derberem Spott greift er aber die Christen an, die tatsächlich den Monotheismus auf gegeben haben und Gottes illegitimen Sohn als Gott verehren. Den religiösen Standpunkt der Christen bezeichnet Julian als Gottlosig keit, die durch eine Vereinigung des Obermuts der Juden und der Immoralität der Heiden entstanden sei. Anstoß bietet ihm beson ders die Lehre des Evangelisten Johannes von dem Logos, der als Gott bezeichnet wird; und daß die Christen Jesu Mutter Maria unter dem Namen "Mutter Gottes" verehren, findet er ebenso anstößig. Daneben bemerkt er aber, daß die Evangelisten Matthäus und Lukas die johanneische Christologie nicht anerkennen können, da die von ihnen aufgestellten Stammbäume die Abstammung Jesu von David durch Joseph ableiten. Was Julian gegen die Christen einzuwenden hat, läßt sich in der Kürze so zusammen fassen : wie es ihm einen schweren Anstoß bietet, daß die Juden eine Sonderstellung als das auserwählte Volk Gottes beanspruchen, so findet er es im allerhöchsten Grade verwerflich, daß man einen einfachen Mann aus Galiläa als der gesamten Menschheit Heiland und als Sohn Gottes verehrt. Julian war aber keineswegs ein bloß negativer Kritiker: er war vielmehr eine eminent religiöse Natur, jedoch so, daß er die alt griechische Volksreligion mit der platonischen Philosophie zu ver-
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einigen und dadurch zu läutern strebte. Philosophie und Religion sind bei Julian nicht zu trennen. Sein philosophischer und religiöser Standpunkt ist uns namentlich durch zwei seiner Reden bekannt, die Rede auf den König Hclios und die Rede auf die Göttermutter, nach der gewöhnlieben Zählung Rede IV und V s. Diese Reden, die in großer Eile ausgearbeitet sind, die eine in drei Nächten, die andere sogar in einer Nacht, geben natürlich nicht eine selbständige Darstellung von Julians Philo sophie, sondern ein Referat der Anschauungen, die er in der neuplatonischen Schule, und hauptsächlich bei Jamblichos, vor gefunden hatte, und es darf nicht verhehlt werden, daß sein Vor trag durchaus weitschweifig und voll von Unklarheiten und Wiederholungen ist. In der Rede auf den König Heüos geht Julian von einer Haupt thesis der platonischen Philosophie aus, nämlich der Unterschei dung der Ideenwelt, die lediglich durch reine Denktätigkeit erkannt werden kann, und der sinnlichen Welt. Als Haupt der Ideenwelt setzte Platon die Idee des Guten, der er in der Ideenwelt dieselbe Stelle zuwies, die in der sinnlichen Welt die Sonne einnimmt, und darin folgt ihm Julian, jedoch so, daß e r - nicht ohne Anknüpfung an die platonische Philosophie - das Gute auch als "das Eine" oder als "König des Alls" bezeichnet. Darin weicht aber Julian von Platon ab, daß er zwischen jene zwei Welten eine dritte einschiebt, nämlich die denkende Welt, an deren Spitze der von dem König des Alls erzeugte denkende König Helios steht. Dieser ist verschieden von der sichtbaren Sonne, die als sein Abbild aufzufassen ist. Es besteht also zwischen den drei Welten und ihren Vorstehern ein genauer Parallelismus: das oberste Prinzip, das Gute oder der All könig, verhält sich zu den bloß durch das abstrakte Denken zu erfassenden Ideen, wie der denkende König Helios zu den übrigen denkenden Göttern, und wie die sichtbare Sonne zu den übrigen sichtbaren Göttern, d. h. den Gestirnen. Der König Helios, an den Julian seine Rede richtet, befindet sich in jeder Hinsicht in der Mitte. Erstens ist seine Welt, die denkende Welt, unter den drei Welten die mittlere, und selbst nimmt er in dieser Welt eine zentrale Stelle ein, ganz wie die sichtbare Sonne unter den Planeten in der Mitte sich befindet '· Mitte bedeutet aber
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nicht nur, was von den beiden Enden gleich weit entfernt ist, son dern das, was die Gegensätze zusammenhält. Sowohl die Ge dankenwelt als die sinnliche Welt machen eine Einheit aus, . und beide werden wiederum von dem denkenden Helios zu einer Ein heit zusammengefaßt. Wie dieser Helios von dem obersten Prinzip, das die Gedankenwelt zusammenhält, erzeugt ist, dient er selbst als Führer für das fünfte Element, den .i\ther, der die sichtbare Welt zusammenhält, und dessen Gipfel als Sonnenstrahl bezeichnet wird. Er ist auch mit der Vernunft identisch, die die Erkenntnis der Wahrheit bedingt, ebenso wie erst das Licht es ermöglicht, die körperlichen Dinge zu sehen. Obgleich das, was Julian über den König Helios vorträgt, eine Frucht philosophischer Spekulation ist, nimmt er doch daneben in großem Umfang Rücksicht auf die Volksreligion. Unter Helios und den übrigen Göttern besteht eine Gemeinschaft, die einer Identität fast gleichkommt. Zeus und Apollon wirken mit Helios zusammen, und sogar Hades, der auch mit Serapis identifiziert wird, wird dem Helios gleichgesetzt; man soll den Todesgott nicht fürchten, denn er befreit die Seele vom Körper und führt sie nach oben, in die Welt der reinen Gedanken. Die mit Helios verbundenen Götter leisten den Menschen allerlei Gutes, Apollon, Athena und Aphrodite; ge priesen wird besonders Asklepios, der Heiland der Welt, der erzeugt ist von Helios oder von dem mit ihm identifizierten Apollon to, der ihn schon vor Beginn der Welt bei sich hatte. Auch der Sonnengott Mithras, der in vielen Teilen des Römerreichs ver ehrt wurde, nennt Julian neben Helios. Es fällt auf, daß die von Julian dem Christenfeind vorgetrage nen Lehrsätze in mehreren Beziehungen an die christliche Theologie anklingen. Mit Recht haben Kenner die geistigen Bewegungen jener Zeit darauf hingewiesen, daß Julian sich in demselben Ideenkreis bewegt wie seine christlichen Gegner 11 • Man könnte versucht sein, das von Julian behauptete Dreiweltensystem mit der christlichen Dreieinigkeitslehre in Verbindung zu setzen; aber der Parallelismus zwischen den beiden ist doch ziemlich ungenau 12. Insofern stimmen jedoch beide miteinander überein, als sowohl bei Julian wie im ersten Kapitel des Johannesevangeliums aus dem obersten Gotte ein Vernunftprinzip - der denkende Helios und der Logos -
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abgeleitet wird, das alles geschaffen oder jedenfalls mit seinen Gaben gesegnet hat. Wie der Logos im Johannesevangelium von Anfang an bei Gott war und selbst Gott war, so war auch nach Julian Asklepios von Anfang an bei Helios. Und auch was Julian über das Licht ausspricht, das er mit der Vernunft parallelisiert, findet eine Parallele im Johannesevangelium. Nur darf man nicht annehmen, Julian habe seine Philosophie einfach aus der christlichen Religion, in der er ja erzogen war, geschöpft; sie hat vielmehr ihre Wurzeln im Neuplatonismus. Obgleich Julian nur an wenigen Stellen die Michrasreligion di rekt erwähnt, soll doch deren i\hnlichkeit mit dem Christentum kurz berührt werden. Wie Christus ist Michras Vermittler zwischen Gott und Menschen 13, aber daneben tritt auch Helios als Sohn des Mithras und als Vermittler zwischen diesem und den Menschen auf. Es waltet also in der Mithrasreligion eine gewisse Unklarheit, in sofern als es auch vorkommt, daß der höchste Gott als "der große Gott Helios Mithras" bezeichnet wird: "der Vater und der Sohn sind eins" 14. Die Verbindung der sekundären Götter mit dem König Helios drückt Julian auch durch Worte aus, die an die Formulierung er innern, wodurch man von christlicher Seite das Rätsel der Dreieinig keit zu lösen versucht hat. Es heißt, daß die Götter ohne Ver mischung mit Helios zu einer Einheit verbunden sind und ohne Teilung in Fülle um ihn versammelt sind, Worte, die an einen wohlbekannten Passus des Athanasianischen Symbols anklingen 15• Die zweite Rede, in der Julian seine Philosophie vorträgt, ist die Rede auf die Göttermutter. Sie unterscheidet sich insofern von der Rede auf den König Helios, als die Lehre von den drei Welten keine Rolle hier spielt (wenn sie nicht vorausgesetzt wird); aber auch hier legt Julian auf die segensreiche Tätigkeit der Sonne ein bedeutendes Gewicht. Er geht aus von dem Mythus vom schönen Jüngling Attis, der am Ufer des Gallosflusses ausgesetzt war, wo die Göttermutter, die von Liebe zu ihm ergriffen war, mit ihm zu sammmentraf. Er wurde ihr aber untreu, begab sich in eine Höhle, wo er sich mit einer Nymphe in Liebe vereinigte. Als seine Untreue angezeigt wurde, floh er in den Wald, entmannte sich unter einer Föhre und starb, wodurch er wieder zur Göttermutter zurückge-
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führt wurde. Dem Attis zu Ehren wurden große Feste gefeiert, die Julian besdueibt; u. a. wurde eine heilige Föhre gefällt, und nach dem man den Tod des Attis bejammert hatte, feierte man seine Rückkehr zur Göttermutter durch ein Freudenfest. Diesen Mythos und die daran geknüpften Feste erklärt nun Julian in allegorischer Weise. Unter Attis versteht er die Kraft des dritten Schöpfers, d. h. der Sonne, die von den Sternen bis zur Erde heruntersteigt und alles erzeugt; Attis bedeutet also die Sonnenstrahlen. Durch seine Vereinigung mit der Materie schafft er das Leben. Der Gallosfluß, den die Göttermutter ihn zu über sdueiten verbot, ist die Milchstraße. Die Nymphe, mit der er sich vereinigte, ist zwar nicht die Materie selbst, aber die körperlose Ursache, die der Materie übergeordnet ist. Was ist aber die Götter mutter? Sie ist die Quelle der denkenden und schaffenden Götter, Gattin des Zeus, eine Jungfrau ohne Mutter und wahrhaftig aller Götter Mutter (eher als die heilige Jungfrau, die die Christen als "Mutter Gottes" verehrten); die Göttermutter ist also in der Tat mit dem obersten Prinzip, das uns aus der Rede auf den König Helios bekannt ist, identisch. Durch seine Selbstentmannung macht Attis der "Maßlosigkeit" ein Ende und vollzieht die "Begrenzung", wodurch er zur Göttermutter zurückgeführt wird. Nun behauptet Julian aber schließlich, daß das Hinabsteigen des Attis in die Höhle nicht gegen den Willen der Götter und ihrer Mutter statt gefunden habe; Zweck des Hinabsteigens sei vielmehr, das Irdische nach oben emporzuheben. Auch für die Zeremonien des Festes gibt Julian seine Erklärungen. Es findet an der Tag- und Nachtgleiche statt, wo die größte Be grenzung eintritt - denn das Gleiche ist begrenzt -, und zwar im Frühling, wenn die Sonne sich uns nähert. Das Fällen der heiligen Föhre ist ein Symbol der Entmannung; nachher klingt die Trom pete, die nicht nur für Attis, sondern für uns alle, das Signal .zur Rückkehr in den Himmel gibt. Am Ende folgt das Freudenfest (die "Hilarien"), wodurch die Erlösung des Attis gefeiert wird. Nun betont aber Julian, daß das, was Attis erlebt, nicht ein einmaliges Ereignis ist; es wiederholt sich vielmehr, und sein Schick sal ist allgemeines Vorbild für die Menschen, die alle dem Ruf der Trompete folgen und zum Begrenzten, zum Einen, aufsteigen soll-
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ten. Man sieht, daß Julian auch in dieser Rede Gedanken Ausdruck gibt, die mit den von der christlichen Theologie vorgetragenen verwandt sind, ohne daß wir doch genötigt sind anzunehmen, er habe sie seinen christlichen Gegnern einfach entlehnt 16. Wenn Attis als eine Personifizierung der Sonnenstrahlen aufzu fassen ist, drückt Julian also auch in dieser Rede seine Ehrfurcht vor der Sonne aus. Immer war er ein Verehrer der Sonne. Schon in seiner Kindheit, lange vor seinem "Abfall", war er von einer hef tigen Sehnsucht nach den Strahlen der Sonne ergriffen und richtete seine Gedanken auf das ätherische Sonnenlicht 17; die Sonne war ihm der "Heiland", der - wie Homer sagt - alles sieht 18. Man könnte meinen, es hätte dem kaiserlichen Philosophen Schwierigkeit gemacht, seine anscheinend wissenschaftliche Philo sophie mit der volkstümlichen Religion zu vereinigen. Er macht sich die Sache in der Weise zurecht, daß er die zum Teil wider sinnigen Mythen als Symbole betrachtet, die den Laien genügen müssen, während die feineren Geister sich eben durch den Wider sinn der Mythen veranlaßt sehen, die darunter versteckte Wahr heit zu suchen und zu finden, was ihnen auch mit Hilfe der Götter möglich ist 19• Eine hiermit nahe verwandte Theorie finden wir bei den christlichen TI1eologen, namentlich Origenes, die den buchstäblichen Sinn der Bibelworte von dem wahren und tieferen unterscheiden 2o. Julians praktische Reformarbeit zerfällt in zwei Teile: erstens seine Maßnahmen gegen die Christen, und sodann seine positiven Bestrebungen für die Reformierung des Heidentums. Viel bespro chen ist die Verordnung, wodurch bestimmt wird, daß, wer als Lehrer in Rhetorik und Literaturkunde auftreten wollte, einer Genehmigung der städtischen Behörden bedürfe, wobei nicht allein auf seine Fähigkeiten, sondern auch auf seine moralischen Eigen schaften zu achten sei; und zwar behielt der Kaiser sich vor, in solchen Fällen selbst die endgültige Entscheidung zu treffen. An sich bedeutet diese Bestimmung nur, daß das höhere Unterrichtswesen unter öffentliche Kontrolle gestellt wurde, was wir nicht als unbillig betrachten dürfen; aber daß Julian hiermit auch den weiteren Zweck verfolgte, den Christen den Zugang zum Lehramt zu ver sperren, geht aus einem erläuternden Schreiben 21 des Kaisers deut-
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lieh hervor, in dem er es als moralisch verwerflich bezeichnet, wenn jemand etwas lehrt, was seinen eigenen Überzeugungen wider spricht; die Christen sollten sich also davon fernhalten, die Werke der alten Schriftsteller zu erklären, die an die Götter Griechenlands glaubten, und vielmehr die Evangelien des Matthäus und Lukas erläutern. Man hat diese kaiserliche Verordnung sehr verschieden beurteilt. Die christlichen Schriftsteller wie Gregorios von Nazianz und die Kirchenhistoriker Sokrates, Sozomenos und Theodoretos verdam men sie mit großer Heftigkeit und stellen die Sache so dar, als ob Julian den christlichen Jünglingen verboten hätte, die Schulen zu besuchen, in denen die altgriechische Literatur gelehrt wurde, ob gleich der Kaiser in dem genannten Schreiben ausdrücklich erklärt, es sei den jungen Leuten, die es wünschen, gestattet, jene Schulen zu besuchen 22• Aber auffallend ist es, daß auch ein heidnischer Histo riker, Ammianus Marcellinus, mit großer Schärfe die Verordnung als unbillig verurteilt. Dabei ist aber zu bemerken, daß er an den beiden Stellen, wo er die Sache erwähnt, sich über den Inhalt der Verordnung so unklar ausdrückt, daß es auch möglich ist, deren Worte in dem Sinne zu erklären, daß es den Lehrern verboten wird, den Christen Unterricht zu geben 23, In neuerer Zeit beurteilt man die Verfügung des Kaisers wesent lich günstiger. Es kommt zwar vor, daß man sie als "einen brutalen Versuch, die Wissenschaft im Dienste der Politik zu benutzen" kennzeichnet 24, und man muß auch zugeben, daß die Verordnung indirekt den Christen verbietet, die altgriechische Literatur zu studieren, weil sie es nicht über sich gewinnen könnten, die Schulen der Heiden zu frequentieren 2•. Aber vom Standpunkte Julians aus ist seine Verfügung leicht verständlich. Er betrachtete die griechischen Literaturwerke, z. B. die Homerischen Gedichte, als Religionsurkunden, deren Erklärung nur solchen Lehrern anver traut werden durfte, die selbst in einem positiven Verhältnis zur alten Religion standen - ganz wie man jetzt in christlichen Län dern gewöhnlich an die Religionslehrer die Forderung stellt, daß sie selbst des christlichen Glaubens teilhaftig sind 26• Julians eigener religiöser Standpunkt war äußerst konservativ. Er eiferte gegen jede Neuerung, namentlich im Verhältnis zu den
Kaiser Julian als Philosoph Göttern !7, er übernahm die Würde als
Pontifex maximus
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teiligte sidl persönlidl an den Opferungen. Ammianus Marcellinus bemerkt spöttisch, wenn er vom Perserkrieg zurückgekehrt wäre, sollte man meinen, die Odlsen würden nidlt ausreidlen, und be zeidlnet ihn ausdrücklich als abergläubisdl !8. Der Kaiser betradttete sidl selbst als Vertreter einer viel höheren Religion als der der Juden und Christen. Die Juden seien nur zum Teil gottesfürdttig; sie verehrten in der Tat einen überaus· mädl tigen und guten Gott, den auch die Griechen, wenn auch unter an derem Namen, verehrten; sie verdienten aber Tadel, weil sie die übrigen Götter vernachlässigten; die Galiläer seien aber noch viel tadelnswerter 29.
Trotz seiner Abneigung gegen die Christen trägt dodl Julian,
wie oben dargelegt ist, nicht selten Lehrsätze vor, die mit den christlidlen verwandt sind, und auch seine praktischen Verfügungen in religiösen Angelegenheiten erinnern vielfach an christliche Ver anstaltungen. Er hatte es auf eine Reformierung des gesamten Religionswesens abgesehen, und man hat mit Fug und Recht seine Bestrebungen mit der katholischen Gegenreformation des 16. Jahr hunderts verglidten 30. Namentlich zielte er auf eine Reformierung des Priesterstandes und richtete zu diesem Zweck an hervorragende heidnisdle Priester verschiedene noch erhaltene Briefe, die man als Hirtenbriefe bezeidlnet hat u. Hervorzuheben sind ein Brief an den galatisdlen Hohepriester Arsakios und ein längeres Fragment eines Briefes, dessen Adressat unbekannt ist 82• In diesen Briefen beschäftigt der Kaiser sich hauptsädtlidl mit den Pflidtten der Priester, aber spricht sich daneben audt über allgemeine religiöse Fragen aus. Die Götter, heißt es, versprechen uns allerlei Gutes nadl dem Tode; wenn sie vermöge ihrer übergroßen Kraft im stande sind, uns sdton in diesem Leben zu helfen, sollten sie dann nidlt späterhin, wenn die unsterblidle Seele abgetrennt ist, und der tote Körper zur Erde geworden ist, ihr Verspredlen an uns erfüllen können? 33 Die Forderung, die Julian vor allem an die Priester stellt, ist, daß sie Menschenliebe betätigen sollen, wodurch sie als Lohn erreichen werden, von den Göttern, die selbst mensdtenfreundlich sind, ge liebt zu werden 34• Er stellt auch die Forderung auf, die er selbst als
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paradox bezeichnet, man solle auch seinen Feinden Anteil an Kleidern und Nahrung geben und sich ebenfalls der Gefangenen annehmen und für notleidende Fremde Sorge tragen, was dadurch motiviert wird, daß alle Menschen miteinander verwandt sind 35• Die Heiligtümer der Götter und ihre Standbilder und Altäre sind der Verehrung würdig; die Standbilder sind freilich nicht mit den Göttern selbst identisch 36, aber auch nicht einfach Stein oder Holz; sie sind aber Symbole, die die Anwesenheit der Götter anzeigen, damit wir durch sie die Götter anbeten 37. Wenn auch Frömmigkeit gegen die Götter Pflicht aller Menschen ist, müssen doch an die Priester besonders hohe Forderungen gestellt werden. Die Priester sollen sich nicht nur aller schmutzigen Hand lungen enthalten, sondern auch allerlei unpassendes Gerede und plumpen Scherz meiden. Deshalb soll es ihnen untersagt sein, die Gedichte des Archilochos und Hipponax wie auch die alten Komö dien zu lesen as und sich mit der epikureischen und pyrrhonischen (skeptischen) Philosophie zu befassen 39• Sie dürfen bloß die Schrif ten solcher Philosophen lesen, die von den Göttern lehren, erstens, daß sie existieren, und sodann, daß sie für die irdischen Verhältnisse Sorge tragen und weder den Menschen noch einander Böses antun 40• Vom Theater sollen die Priester sich fernhalten; nur den heiligen Festspielen dürfen sie beiwohnen, wenn es ihnen beliebt, jedoch nicht den Jagdaufführungen, die im Theater stattfinden 41• Die Priester sollen die heiligen Psalmen auswendig lernen. Einige von diesen haben die Götter uns selbst geschenkt; andere sind von Menschen, die von Göttern inspiriert waren, gedichtet worden. Auch das Gebet dürfen die Priester nicht versäumen: dreimal am Tage, oder mindestens morgens und abends, sollen sie die Götter anbeten 42• Auf die Musik beim Gottesdienst legte Julian auch viel Wen•s. Es gibt n i diesen Verordnungen vieles, das den Anschein hat, aus dem Christentum entlehnt zu sein, und so behaupten es in der Tat manche Schriftsteller aus alter und neuer Zeit 44• Man hat auch Julians Kirchenpolitik als eine "Christianisierung des Heidentums" bezeichnet 45• Es bleibt jedoch zu beachten, daß Julians Betonung der Menschenliebe nicht spezifisch christlich ist. Seine hohe Schät zung des Priesteramtes hat er auch mit seinen christlichen Gegnern
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gemein, so daß er sogar als "eine Art Kirchenvater des Hellenis mus" aufgefaßt worden ist 48• Aber wenn er auch an seine Priester Forderungen stellt, die denen ähnlich sind, die auch an christliche Priester gestellt werden können, bestehen doch Unterschiede, die genauer darzulegen nicht nötig ist. Es ist jedoch bemerkenswert, daß Julian selbst in seinem Brief an Arsakios darauf hinweist, daß gerade die Menschenliebe gegen über den Fremden und die Fürsorge für die Gräber die "Gottlosig keit" (d. h. das Christentum) gefördert haben 47• Er weist darauf hin, daß es bei den Juden keine Bettler gibt und daß die Christen nicht nur ihre eigenen Armen, sondern auch die der Griechen unter stützen •s und findet hierin ein Motiv zur Nachahmung. Aber an einer anderen Stelle urteilt der Kaiser freilich weniger günstig über die Wohltätigkeit der Christen. Er vergleich sie mit Sklavenhänd lern, die durch Kuchen Kinder zu sich locken und sie, wenn sie sie von ihrer Heimat entfernt haben, in ein Schiff werfen und ent führen 49• Immerhin muß man sich den Parallelismus oder vielmehr die Rivalität zwischen dem heranwamsenden Christentum und der heidnischen Reaktion vor Augen halten. Von Julian wird sogar berichtet, er sei mit Plänen umgegangen, klosterähnlime An stalten, die philosophischen Studien dienen sollten, zu errimten �o. Gleichwie die damalige christlime Kirche darauf tendierte, die Entwicklung eines mächtigen Priesterstandes zu fördern, arbeitet auch Julian auf die Hebung des heidnismen Priesterstandes. Man kann sich ausmalen, wie die Verhältnisse sich entwickelt hätten, wenn das Christentum im Kampfe der Religionen unterlegen wäre. Die heidnischen Priester hätten dann vielleimt eine ähnliche Macht stellung gewonnen wie die katholische Kirche, und, wie man gesagt hat, wäre vielleicht statt einer katholischen Theokratie eine Mithrastheokratie entstanden 51• Man könnte sich auch denken, daß zwischen dem Staat und einer heidnischen Kirche ein Streit ent brannt wäre 62. Wie eben gezeigt ist, war die Macht der christlichen Kirme zu Kaiser Julians Zeit smon so groß, daß sie auf die Politik ihres Gegners einen nicht unbedeutenden Einfluß ausüben konnte, und der absolute Sieg der Kirche war nicht fern. Aber auf der anderen
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Seite darf man nicht vergessen, daß der Einfluß, den das antike Heidentum auf Christentum und Kirche ausgeübt hat, nicht weniger bedeutend ist. Von der Volksreligion hat die Kirche den Polytheismus geerbt, der in der Verehrung der Heiligen den Aus schlag gegeben hat, und die Einwirkung der altgriechischen Philo sophie, sowohl der neuplatonischen als der aristotelischen, auf die christliche Theologie ist auch genügend bekannt.
Anmerkungen 1 D. F. Strauß: Der Romantiker auf dem Throne der Cäsaren oder Julian der Abtrünnige, Mannheim 1847. t Gottfried Arnold: Unpartheyische Kirchen- und Ketzer-Historie, Frankfurt a. M. 1729, Th. I, Buch 4, Cap. 1, S 1 1 ff. (S. 138 ff.). Strauß s. 5 ff. 3 Edward Gibbon: The history of the decline and fall of the Roman Empire. New ed., London 1783, IV, S. 72 ("vulgar superstition ") und 77 ("pious fraud and hypocrisy"). Strauß S. 8-10. 4 August Neander: Ueber den Kayser Julianus und sein Zeitalter, Leipzig 1812. Strauß S. 13 ff. 6 Strauß S. 19 zitiert Neander S. 170. 1 0. Seedc Geschichte des Untergangs der antiken Welt, Berlin 1911, IV, S. 241: n]ulian war durchaus kein philosophischer Kopf: so klar er seine Gründe darzulegen weiß, wo er das Christentum negiert, so ver worren und nebelhaft wird er in den Schriften, die sein positives Be kenntnis geben wollen." - A. Rzder: Julian den frafalne, Oslo 1932, S. 52: ,.Han bar sin styrke i kritikken; der viser han sig skarp og opfin som, mens han er forholdsvis svak när han skal finne de positive sider ved en sak; her er det at original tenkningsevne svikter." 7 Herausgegeben von C. J. Neumann, Leipzig 1880. 8 Obersetzt und erläutert von Georg Mau: Die Religionsphilosophie Kaiser Julians, Leipzig u. Berlin 1908 (besprochen von mir Nordisk Tidsskrift for Filologi 3. R. XVIII, S. 6 1 ff.). 1 Julian sagt ausdrücklich, daß die Planeten sich um die Sonne bewegen (Or. IV 135 A-B und 146 C-D). Man könnte meinen, er sei ein An hänger des Tychonischen Weltsystems gewesen. 10 In der Schrift gegen die Christen 200 A nennt Julian Zeus als Vater des Asklepios.
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11 Gaetano Negri: L'Imperatore Giuliano l'Apostata, 2. ed., Milano 1902, S. 195: »L'acerrimo nemico del Cristianesimo si moveva nel mede simo circolo di idee in cui si trovavano coloro ch'egli combatteva." F. Cumont: Les religions orientales dans Je paganisme romain, 2. ed., Paris 1909, S. 312: Les deux croyances opposees se meuvent dans Ia m�me sphere intellectuelle et morale." - Vgl. J. Bidez: La vie de l'Empereur Julien, Paris 1930, S. 69: "" Cette philosophie antichnhienne fut plus pareille a Ia foi nouvelle qu'elle attaquait, qu'a la religiosite ancienne qu'elle dHendait. • 12 Vgl. J. Centerwall: Julianus Affällingen, Stockholm 1884, S. 139. Paul Allard : Julien !'Apostat, Paris 1900-03, II, S. 236 f. leugnet den Zusammenhang, meint jedoch - und zwar mit Unrecht -, daß Julian einige Charakterzüge seines Helios dem Logos des Johannesevangeliums entnommen hat. u F. Cumont: Les mysteres de Mithra, 3. ed., Bruxelles 1913, 202 f. 14 Albrecht Dieterich: Eine Mithrasliturgie, Leipzig 1903, S. 68. 15 Or. IV 149 D: ötx.a ovyx.uoeooc; etc; llvooow. 157 A: neet av-cO'Y Ü!!E(llotooc; nATJihl'Vo!AEvoov xat tvoea.öii>c; ali-cqi 0\/Vl)f.l!AEvOOv. Im Atha nasianischen Symbol wird der Glaube an die Dreieinigkeit durch die Formel gekennzeichnet: »neque confundentes personas neque substantiam separantes". - Vgl. Strauß S. 25 f. 18 Paul Wendland: Die hellenistisch-römische Kultur in ihren Bezie hungen zu Judentum und Christentum, 2.-3. Aufl., Tübingen 1912, S. 180: "Es wäre leicht, diese Gedankenreihen, die in mannigfachen Varia tionen wiederholt werden, ins Christliche zu transponieren oder christ liche Parallelen dafür zusammenzustellen." 17 Or. IV 130 C. 18 Epist. 44 Herdein (11 Bidez-Cumont) 425 B: -coü navTa EqJO(lÖ>v-coc; oro-ciieoc;. Das Wort oro-ci'jeoc; fehlt bei Herdein wie in den älteren Aus gaben. - Als »Heiland" gelten ihm auch Herakles (Or. VII 220 A) und Asklepios (contra Christ. 200 B). 19 Or. V 170 A-B. l\hnlich Or. VII 216 C-D. 20 Strauß S. 64. 21 Epist. 42 H. (61 c B.-C.). 22 424 A. 23 Ammianus Marcellinus XXII 10, 7: Illud autem erat inclemens, «
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obruendum perenni silentio, quod arcebat docere magistras rhetoricos et grammaticos ritus Christiani cultores. - XXV 4, 19: lllud inclemens, quod docere vetuit magistras rhetoricos et grammaticos Christianos, ni transissent ad numinum cultum. In beiden Fällen ist es möglich, die Worte ritus Christiani cultores und Christianos als Objekt zu fassen. -
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Auch Augustinus De civ. Dei XVIII 52 sagt von Julian : Christianos liberales litteras docere ac discere vetuit; Conf. VIII 5 spricht er aber nur von docere. Chr. Bang: Julian den Frafaldne, Christiania 1881, S. 116. Gibbon IV, S. 1 1289. J. Getfcken: Kaiser Julianus (Das Erbe der Alten 8, Leipzig 1914) S. 109. 26 So schon C. Ullmann: Gregor von Nazianz, Darmstadt 1825, S. 892• Strauß S. 40. Negri S. 342 f. 27 Epist. 63 H. (89 a B-C) 453 B: XC11VO'tOfÜCl. 28 Ammianus Marcellinus XXV 4, 17: superstitiosus magis quam sa24
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crorum legitimus observator.
Epist. 63 H. (89 a B.-C.) 453 D-454 B. Centerwall S. 179. 31 Gibbon IV, S. 88. Centerwall S. 187. 3! Der Brief an Arsakios ist Epist. 49 H. (84 a B.-C.); er ist überliefert vom Kirchenhistoriker Sozomenos V 16. Das Fragment bildet nach der Ansicht von Bidez und Cumont einen Teil des Briefes an den Hohepriester Theodoros (63 H., 89 B.-C.). Diese schon von Reiske aufgestellte Ver mutung ist ausführlich begründet von J. R. Asmus in der Zeitschrift für Kirchengeschichte 16, 1896, S. 45 tf. 33 298 D-299 A. 34 289 A-B. 35 290 D-291 D. Für Fremde soll man m allen Städten Herbergen errichten (430 B). 36 Vgl. Jamblichos: De mysteriis 3, 29. 37 Vgl. Porphyrios: über die Götterbilder (bei Eusebios : Praep. evang. III7,1). 38 300 C-D. 39 301 c. 40 301 A. Dies ist ganz im Sinne Platons (Gesetze X 885 B tf.). 41 304 C-D. 42 301 D-302 A. 43 Epist. 56 H. (109 B.-C.) an Ekdikios, 442 A-C. 44 Z. B. Sozomenos : Kirchengeschichte V 16. Getfcken S. 92 tf. leugnet in den meisten Fällen die Entlehnung, aber findet doch den Vorwurf der Nachahmung zum Teil berechtigt. 45 Negri S. 219 f. 245 ff. 46 Getfcken S. 96. 47 429 D. 48 430D. 49 305 c. 29
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50 Gregorios von Nazianz Or. IV 1 1 1 und Sozomenos V 16 sprechen beide von
Hinoria IV (1955), S. l39-352.
KAISER JULIAN üBER SEINEN OHEIM CONSTANTIN DEN GROSSEN Von JosEPH VOGT Unter den frühen historischen Zeugen für Constantin den Großen nimmt Kaiser Julian eine besondere Stellung ein. Er ge hörte zur Dynastie der zweiten Flavier, hatte in seinen jungen Jahren unter den Nachfolgern Constantins schwer zu leiden und wurde von Constantius erst dann zum Caesar erhoben, als kein Mitglied der engeren constantinischen Familie mehr zur Verfügung stand. Seine .i\ußerungen über das Kaiserhaus und dessen über ragende Gestalt Constantin stammen also von einem zurückgesetz ten Verwandten, etwa so wie wenn wir Auskünfte von Kaiser Claudius über Augustus besäßen. Der Abstand von der regierenden Familie erhielt dann durch die persönliche religiöse Entscheidung Julians das Ausmaß einer tiefen Kluft. In seiner Jugend in das Christentum und gleichmäßig in die heidnische Bildung eingeführt, ergriff er herangewachsen den Glauben des späten Neuplatonismus und betrachtete als Kaiser die Wiederherstellung des Götterglaubens als seine Mission. Wenn er den Begründer des neuen religiösen Kurses ins Auge faßte, so tat er es mit dem scharfen Blick eines Revertiten. Zu alledem war er Literat, dem das geschriebene Wort mehr galt als die Tat, und Jünger einer mystischen Philosophie, der an den Werten der Tugendlehre und des Mithrasglaubens seine Maßstäbe zur Beurteilung der Macht fand. Es ist klar, daß er in ganz anderer Weise zum Kritiker Constantins berufen war als der Bischof Eusebius von Caesarea, aber auch als der Offizier und Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus. Die .i\ußerungen Julians über seinen Oheim erstredten sich über sechs Jahre, sie begleiten den Übergang vom Caesar zum Gegner und Nachfolger des Constantius und die damit verbundene Wand lung zum Christenfeind. Diese Lebensbahn hat das Urteil Julians
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über Constantin stark beeinflußt. Dazu kommen die Gegensätze, die durch die Situationsbedingtheit der Äußerungen und ihre Zu gehörigkeit zu ganz verschiedenen literarischen Gattungen gegeben sind. Doch läßt sich bei allem, was wir von Julian hören, eine sehr persönliche Note erkennen. Von den panegyrischen Reden auf Constantius, den Sohn Con stantins, ist die erste gegen Ende 356, die zweite im Winter 358/9 geschrieben. Beide wurden von Julian, dem damaligen Regenten Galliens, an den kaiserlichen Hof gesandt, um sich die Gunst des mißtrauischen Kaisers zu erhalten 1• Wie Themistius und Libanius, die schon vordem Lobreden auf Constantius abgefaßt hatten, folgte Julian den rhetorischen Vorschriften des ßaot.Atxo; 'Aoyo; und be mühte sich, seinen Helden als vollkommenen Herrscher darzu stellen. Nach den Eingangsworten behandelt er die edle Herkunft, die Geburt und Erziehung des Constantius, erwähnt hier in beiden Reden rühmend den Gründer des Hauses Claudius (Gothicus) und die beiden Großväter Constantius (Chlorus) und Maximianus Her culius und kommt dann auf Constantin zu sprechen. In der ersten Rede (1, 6) entwirft er von diesem ein Bild, das bei aller Anpassung an die Konvention eine Reihe persönlicher Züge aufweist. Daß Con stantin durch die Entscheidung seines Vaters und die Wahl des ganzen Heeres die Herrschaft erlangt habe, daß er, seine kriegerische Kraft bewährend, tyrannische Gewalten, nicht etwa rechtmäßige Herrschaften, niedergeworfen und so den ganzen Erdkreis gewon nen habe, das entspricht der offiziellen, von Constantin selbst aus gegebenen Version. Julian bekräftigt diese Version, indem er das Wohlwollen hervorhebt, das Constantin bei seinen Untertanen ge wonnen habe, bei den Soldaten, "die in Erinnerung an seine groß zügigen Geschenke und Gunstbeweise ihn jetzt noch wie einen Gott verehren", und bei der Volksmenge in Stadt und Land. Aus den Jahren der Universalherrschaft wird festgehalten, daß Con stantin die durch die Habsucht seines Vorgängers entstandene schwere Krisis behoben habe, indem er die Schatzkammern des Palastes öffnete und die Welt mit Reichtum übergoß. Daran schließt sich unmittelbar - offenkundig als ein Akt dieser Bereicherung und ganz positiv bewertet - die Gründung der Stadt seines Namens, die in weniger als zehn Jahren vollendet wurde und nach Rom die
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zweite Stadt des Reidtes ist. Stark betont wird daneben die fort dauernde Ehrung Athens durdt Constantin, der in dieser Stadt das Strategenamt bekleidete, dafür von den Athenern mit einer Statue bedadtt wurde, um seinerseits mit mehrfadten Getreide spenden zu erwidern. Constantinopel, Rom, Athen - mit diesen drei Namen bekundet der Redner sein Bestreben, die Städte politik Constantins als eine Synthese von Altem und Neuern zu deuten. Daß er in diesem kurzen Lebensabriß von den Kämpfen Constantins gegen die Barbarenvölker nidtts erwähnt, ist be merkenswert und hat tiefere Gründe, wie sidt zeigen wird (unten s. 227 ff.). Nadt der Verherrlidtung der Vorfahren geht Julian zum Preis der Geburt und der Erziehung seines Helden über (1, 7-1 1). Es wird als das größte Verdienst des Vaters Constantin bezeidtnet, daß er seine hervorragende Regierung in seinem Sohn förmlidt fort setzte, so daß man glauben kann, er regiere immer noch weiter (öo�Ei yoiiv exei:vo; lit>xew dotn). Ja, Constantius übertrifft seinen Vater durdt Milde und viele andere Eigensdtaften, was allerdings auf die vortrefflidte Erziehung zurückgeht, die der Vater ihm hat zuteil werden lassen. Julian rühmt zunädtst die Mutter des Con stantius für ihre edle Herkunft, Schönheit und Tugend, und die Brüder des Kaisers für ihre Waffentaten, ohne die Namen der Fausta und der Brüder zu nennen (1, 7). Von der Katastrophe der Fausta und des Crispus, der im übrigen als einer ihrer Söhne figu rierte, fehlt jede Andeutung. Dann behandelt er die einzelnen Elemente der körperlidten und geistigen Erziehung, spridtt aus führlidt von der Gymnastik und den militärischen übungen, ganz kurz nur von der rhetorisdten und literarisdten Bildung, um die Aktivität des Vaters bei der Einführung des Sohnes in die Tatwelt voll zur Geltung zu bringen (1, 9-11). Constantin hat seinen Sohn in Gallien die Kriegskunst ohne jede Gefährdung - nämlich durdt Beobadttung der Kämpfe, die die Barbaren unter sich austrugen erlernen lassen; audt an politischer Unterweisung hat es nidtt ge fehlt, so wird merkwürdig schwach angedeutet (1, 9 S. 24, 2 f.); dann hat er ihm allein das Kommando im Osten des Reidtes über tragen. So hat Constantius durdt die Einführung in aJie Fronten, Länder und Völker die Vorbereitung zu universaler Herrsdtaft
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genossen und, indem er dem Vater gehorchen lernte, die Voll endung seiner Erziehung erfahren. In dem nun beginnenden Hauptteil, der dem Lob des Constantius selbst gilt, wird Constantin nur dann genannt, wenn seine Er wähnung dem höheren Ruhm des regierenden Kaisers dient. Con stantius hat dem Erzeuger und Erzieher den Dank abgestattet nach seinem Tod oder, wie es vieldeutig heißt, "nachdem die Gottheit ihm das vorbestimmte, sehr glückliche Ende gewährt hatte" (•0 1tO"tQl 1:-ljv el!-l(lQ!.lEVTJV 'tEAEUtlJV tOÜ Öat�tOVO� �ta/,a oA.ß[av 1tUQU0)(0VtO� 1, 12), durch den Schmuck des Grabes und vor allem da
durch, daß er als einziger von den Söhnen zu dem erkrankten Vater eilte und den Toten aufs höd1Ste ehrte. Unter den Großtaten des Constantius erscheint der Sieg bei Mursa glänzender als der Sieg des Vaters, der mit unbesiegten Truppen einen unglücklichen Greis (Licinius) überwand (1, 30). Unter den Tugenden des Constantius wird die Sohnesliebe gefeiert (1, 34), die Mäßigung auf das Zeugnis des Vaters gegründet, "der dir allein, obwohl du nicht der älteste von seinen Söhnen warst, die Frage der Herrschaft und das Ver hältnis zu den Brüdern zur Regelung übertrug" (1, 37), und über dies noch auf die Tatsache, daß Constantius immerfort den Vater persönlich verehrte und öffentlich als gütigen Heros (t]eroa &yaMv) verkündete. Das ist eine betont heidnische Formulierung für die Ehrung eines Toten, der in einem christlichen Heroon ruhte. Nur weniges von dieser Verherrlichung Constantins kehrt in der späteren Rede wieder. Die .fromme Erwerbung der Herrschaft, die Erweiterung durch den Sieg über die Tyrannen, die Berufung der drei Söhne zu Mitherrschern werden erwähnt (3, 2). Dann wird für die edle Gesinnung des Constantius wieder der Vater als Zeuge angeführt, "der zwar zu seinen Nachkommen nicht besonders milde war und weniger auf die Natur als auf den Charakter gab", aber diesen untadeligen Sohn mit Vorzug liebte, wie man daraus sieht, daß er ihm den Reichsteil zusprach, den er bis dahin sich selbst vorbehalten hatte, und daß er gegen Ende des Lebens ihn, nicht den ältesten und nicht den jüngsten der Söhne, zu sich rief und ihm "das Gesamte der Herrschaft" übertrug (3, 34). Der Gesichts punkt der Rechtmäßigkeit der Regierung bestimmt ganz offen kundig die Auswahl dieser wenigen Daten, und es ist dabei vor
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allem an die Regierung des Constantius selbst gedacht, dem durch eine in beiden Reden recht unklar gehaltene Formulierung (ta neQt t�v ap)(�V xat 't'Ct ltQO� tou; aÖEA!pOU� 1, 37; tv TOÜ a\rcoxpatoeo� npa;eo>v handeln will. Aber daß der Redner diese Wendung zum Allgemei nen nahm, ist ein Symptom seiner beginnenden Emanzipation von Constantius. Dafür spricht, wie man längst gesehen hat, auch die spürbar freiere Haltung gegenüber dem Kaiser und das Anschlagen von deutlich heidnischen Tönen3. Es ist in unserem Zusammenhang bedeutsam, daß Juüan in demselben Maße, in dem er die Konven tion überwindet und zu sich selbst gelangt, auch von Constantin Abstand gewinnt. Im übrigen zeigt auch die erste Rede, wenn man sie mit dem von Julian als vorbildlich herangezogenen Panegyricus des Libanius auf Constantius und Constans vom Jahr 348 oder 349 (or. 59 Foerster) vergleicht., die besondere Haltung des Caesars gerade gegenüber Constantin. Libanius will davon wissen, daß Constantius (Chlorus) von mehreren Söhnen den geeignetSten ausgesucht und zur Herrschaft gerufen habe (59, 16) - eine Angabe, die Julian schon im Hinblick auf seinen Vater sich wohlweislich nicht zu eigen macht. Libanius spricht sehr ausführlich über Constantin (59, 18 bis 47), er bringt Einzelheiten über den Feldzug gegen Maxentius (59, 1 9 f.), er feiert die umfassende Erziehung, die Constantin seinen Söhnen zuteil werden ließ (Tfl !Jlv nQO� ßacnlel.ct� ÖlOLXTIOLV . . . 't'fl öe neo� öew6Tt'lta Myo>v xat QTitOQLXij� toxw) und schreibt die Ein führung in das königliche Wissen (ßao"lltx� bttotiJJ.lt'l) dem Kaiser selbst zu, er stellt neben die Waffenübung die Unterweisung in den Tugenden und hebt die Erfüllung mit I!EYUAO!p(>OOUV'l'} hervor (59, 36-38), er berichtet über die Heranziehung der Söhne zur Herr schaft in ihren einzelnen Stufen und über die geistige Leitung, die der Vater sich über die nach Osten und Westen geschickten Regenten vorbehielt (59, 39-47). Wenn Julian die persönliche Tätigkeit Constantins in der Erziehung des Constantius auf die Vermittlung
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der Kriegskunst beschränkt, so ist dies klare Absicht; er wollte durch sein Schweigen sagen, daß die väterliche Erziehung Wesent liches versäumt habe. Später, als er frei reden konnte, hat er Con stantin den schwersten Vorwurf daraus gemacht, daß er seine Nach folger nicht in die Staatsverwaltung eingeführt habe (unten S. 230). Im übrigen ist auch die Unterdrückung von besonderen Angaben über den Feldzug gegen Maxentius und die Nichterwähnung des allgemeinen Verhältnisses zwischen Constantin und seinen Caesares für die geistige Haltung Julians sehr aufschlußreich. Libanius hat diese Dinge, wie man wahrscheinlich gemacht hat4, im Anschluß an Eusebs Kirchengeschichte und Vita Constantini dargestellt und in diesem ganzen Passus die offizielle heidnische Version wieder gegeben. Julian dagegen übergeht, was ihm unerwünscht ist, und vermeidet es, Schriften des Eusebius direkt oder indirekt zu Rate zu ziehen. Wie sehr die Distanzierung von Constantius, seiner Politik und seiner Religion zugleich auch eine Entfernung von Constantin war, zeigt eine Kundgebung aus der Zeit des Vormarsches gegen Constan tius. Damals hat Julian in offenen Schreiben an griechische Städte, von denen uns der Brief an die Athener ganz erhalten ist 5, den pro pagandistischen Kampf gegen Constantius als den Mörder seiner Verwandten eröffnet. Im römischen Senat hat er eine Invektive gegen ihn verlesen lassen, die wegen ihrer maßlosen Schärfe die Ent rüstung der ganzen Versammlung hervorrief. Nebenher ging ein Pamphlet gegen Constantin ut novatoris turbatorisque priscarum legum et moris antiquitus recepti mit der besonderen Anklage, Constantin habe den Anfang damit gemacht, die Barbaren in hohe Stellungen zu bringen 6. Mit dieser Kampfschrift gegen Constantin, die eine lang angesammelte Erbitterung offenbarte, wurde erst klar, daß es bei diesem Feldzug nicht nur um einen Thronstreit, sondern um einen Kurswechsel ging. Die Gesetzgebung und Reichsverwal tung Constantins wurde grundsätzlich angefochten. Hier äußerte sich jener Widerspruch gegen die hellenistisch-orientalischen Ten denzen in der constantinischen Gesetzgebung, der Julian in den bald folgenden eigenen Gesetzen wiederholt zu ausdrücklicher Verwer fung von Bestimmungen Constantins geführt hat 7• Mit novator und turbator aber war deutlich genug Constantin als christlicher
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Kaiser getroffen, denn auf Neuerung und Verwirrung lauteten die alten heidnischen Beschuldigungen der Christen, die Julian bis an sein Ende wiederholen sollte 8• Nach dem Tode des Constantius hat Julian die Alleinherrsdtaft angetreten. Der neue Kurs zeigte sich sogleich in Sparmaßnahmen, Steuererleichterungen und Gesetzen zur Gesundung der Finanzen der Städte und des Reiches. Die Religionspolitik führte stufenweise über die Restitution des Götterkultes und die Unterdrückung der Christen zur Erneuerung des heidnischen Glaubens. In seinem gan zen Denken und Handeln richtete sich der Kaiser gegen die Hinter lassenschaft des Constantius, erkannte dabei aber immer klarer Constantin als den Begründer der von ihm bekämpften Welt. Ein höchst aufsdtlußreiches Zeugnis dafür ist das auch in seiner lite rarischen Form bemerkenswerte autobiographische Stück, das Julian Anfang 362 in Constantinopel seiner polemischen Rede 1t(>O; 'HQttxAttOv Kvwxov eingefügt hat8• Die Rede ist, wie auch die bald darauf folgende 6. Rede, eine vom Neuplatonismus ausgehende Invektive gegen Glauben und Gebaren gewisser Kyniker, die dem Christentum nahestanden. Heraclius hatte durch seine Götter allegorien bei Julian schweren Anstoß erregt und erfuhr nun durch die schnell hingeworfene Antwort des Kaisers eine öffentliche Ab fuhr. Den lästerlichen kynischen Reden über die Götter stellte Julian (or. 7, 227 C ff.) einen vorbildlichen Mythos gegenüber, in dem er unter Verwertung von Dio Cbrysostomus und Plutarch und in engem Anschluß an Jamblich von der göttlichen Erwählung und Sendung eines die Welt reinigenden Jünglings berichtet. Man cherlei Motive des in aller Welt bekannten Mythos von der Einkehr und Rückkehr des begnadeten Menschen sind in dieser heiligen Erzählung zusammengefaßt: die mystische Seelenreise, die Schau der Gottheit, die Obernahme des göttlichen Auftrags. Der Erwählte ist kein anderer als Julian selbst, der in der Einsamkeit den Helios schaut, sich ihm weiht und von ihm den Auftrag empfängt, die schwer leidende Herde der Menschen zu weiden. Kühn wie der ganze Anspruch dieses autobiographischen Mythos ist auch die historisch genaue Kennzeichnung der Notlage des Gemeinwesens, aus der nur das Erbarmen des Zeus durch die Berufung des Jüng lings Rettung bringen kann. In dem Bild einer ganz verderbten
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königlichen Hauswirtschaft, in dem platonische Züge begegnen, ist mit aller Schärfe das constantinische Haus getroffen: ein reicher Mann, Besitzer vieler Herden, hatte viel von seinem Vater über nommen, noch mehr selbst erworben, "da er reich werden wollte auf gerechte wie auf ungerechte Weise, denn er kümmerte sich nicht viel um die Götter". Er teilte seine Habe unter seinen vielen Nach kommen, "ohne sie irgendwie in der Vermögensverwaltung unter wiesen oder gezeigt zu haben, wie man einen derartigen Besitz, falls er noch nicht vorhanden, erwerben oder, wenn er vorhanden, erhalten könne. Denn in seiner Unbildsamkeit meinte er, die Menge (der Erben) sei hierzu an und für sich schon ausreichend. Er ver stand sich nämlich auch selbst nicht recht auf die hierfür nötige Kunst, da er sich dieselbe nicht durch Studium, sondern mehr durch eine Art von Gewohnheit und Erfahrung angeeignet hatte . . . So hatte er denn im Glauben, die Menge seiner Söhne sei ausreichend, nicht dafür Sorge getragen, daß sie gute Männer würden" (227 C bis 228 A). Nun begannen die Ungerechtigkeiten der Söhne unter einander, Mordtaten, Kriege, Unordnung. "Die von den Vorfahren erbauten Heiligtümer wurden von den Söhnen niedergerissen, nach dem ihr Vater sie schon früher vernachlässigt und der Weihdenk mäler beraubt hatte, welche, von vielen anderen abgesehen, beson ders von seinen Ahnen gestiftet worden waren" (228 C). In der allgemeinen Verwirrung wurde Göttliches und Menschliches ent weiht. Da erbarmte sich Zeus und sprach zu Helios: ". . . Bist du noch gewillt, dem anmaßenden und frechen Mann seinen Hochmut zu vergelten, dem Mann, der dich verließ und über sich, sein Geschlecht und seine Söhne diese so großen Leiden gebracht hat? Oder glaubst du etwa, wenn du ihm nicht grollst und zürnst und nicht gegen sein Geschlecht deine Pfeile schärfst, dadurch weniger Unheil über ihn zu bringen, daß du sein Haus verwaisen läßt?" (228 D). Nun wurden die Moiren gerufen und befragt, ob dem Mann geholfen werden könne, aber die Moiren wiesen auf Hosiotes und Dike, die solcher Hilfe im Wege stehen; diese aber überließen die Entscheidung ihrem Vater Zeus mit der Bitte: "Sieh zu, daß unter den Menschen der schlimme Eifer der Gottlosigkeit nicht völlig überhand nimmt" (229 AB). Darauf begann Zeus sein Ret tungswerk durch die Berufung des Jünglings.
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In dieser Kennzeichnung der Verderbnis und Verwirrung ist ganz eindeutig Constantin als der Hauptschuldige gebrandmarkt. Er hat, unwissend wie er selbst war, die Einführung seiner Erben in · die Verwaltung, überhaupt ihre sittliche Erziehung versäumt. So heftig spricht also Julian nun aus, was er in seinem Panegyricus nur durch Schweigen angedeutet hatte. Die letzte Ursache des Unheils aber sieht er in der Art und Haltung Constantins: er wollte reich wer den, ob mit Recht oder Unrecht, und er vernachlässigte die Götter. Damit hat er gegen die beiden heiligen Gebote verstoßen, von denen Julian im ersten Teil dieser Rede ausführlich gesprochen: gegen die Scheu vor den Göttern und die Achtung fremden Eigen tums. Menschen, die solche Ansichten billigen, heißt es dort gegen die christenfreundlichen Kyniker, müßte man steinigen ; sie sind schlimmer als Räuber, sie stolzieren offen einher und verwirren die allgemein anerkannten Sitten dadurch, daß sie, statt eine bessere und reinere, eine schlechtere und verabscheuungswürdige Verfas sung einführen wollen (209 B-210 D). Der novator und turbator Constantin hat also die Gesetze, "die uns von den Göttern ins Herz geschrieben sind", übertreten, er ist der Schuldige, dem Hosiotes und Dike die Hilfe verwehren. Wenn auch erst die Söhne die Heilig tümer niedergerissen haben, so hat doch er mit der Vernachlässigung der Götter den Anfang gemacht, er hat den schlimmen Eifer der Frevelhaftigkeit begründet, er hat den Helios verlassen to. Was im mer man der Erfindungsfreiheit des Mythos zugute halten mag, so viel ist sicher, daß Julian inmitten seiner Aufgabe, "alle jene Gott losigkeiten zu sühnen" und "sein Stammhaus zu reinigen", seinen Vorfahren Constantin ganz wesentlich als religiösen Frevler ge sehen hat. Wie eine folgerichtige Durchführung dieser Linie bis zum Ende mutet es an, wenn Julian in seiner letzten Äußerung über Constan tin sich nicht mehr mit den negativen Zügen der Vernachlässigupg der Götter und der Verletzung heiliger Gebote begnügt, sondern mit brutaler Offenheit ausgesprochen hat, welchem Dämon Con stantin anhing. Man kennt die Szene in seiner Satire �UJ.ttcoowv '11 KQ6vta (336 A B Hertlein), die mutmaßlich im Winter 362/3 in Antiochia geschrieben ist: Constantin, der im Olymp unter den Göttern keine Gestalt findet, der er sich anschließen kann, wendet
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sich Jesus zu, der markrschreierisdl allen Verbrechern die Reinigung durch das Taufbad verspricht, und verläßt mit seinen Söhnen die Götterversammlung. Man hat dies Zerrbild mit Recht dahin ver standen, daß Julian den Übergang Constantins zum Christentum aus dem Verlangen des Kaisers nadl einer billigen Entsühnung von seinen Verbrechen habe herleiten wollen. Es ist kein Zweifel, daß man dem verbitterten Apostaten eine soldle Insinuation, die den Kaiser und seine neue Religion in gleicher Weise verächtlidl macht, zutrauen darf. Doch ist die Rolle, die dem Kaiser Constantin in diesem Göttergelage zukommt, viel bedeutsamer, als es die ge nannte, ganz am Schluß des Ganzen befindliche Szene zunächst nahelegen mag. Die Szene selbst und der tiefernste Ausgang des Stückes, der sich sofort ansdlließt, zeigen freilich mit Klarheit, daß wir es hier nidlt mit einer gewöhnlichen Satire in der Art des Menipp, nidlt nur mit einer Götterversammlung und einem himm lischen Prozeß m i Stil des Seneca oder Lukian zu tun haben 11. Schon im Proömium hat Julian es in rührender Selbsterkenntnis ausgesprochen, daß er nicht begabt sei zu spotten, zu parodieren und zu scherzen und daß er anstelle des lustigen Spiels einen Mythos nach Platons Art bringen wolle, eine Mischung von Wahrheit und Dichtung (306 f.). Da die Erzählung auf Hermes als Urheber zurückgeführt wird, haftet ihr von Haus aus etwas von einer Offenbarung an. In der Tat erhalten wir dann in dem Phantasie bild des Göttermahls und des Aufzugs und Rangstreits der Kaiser nichts Geringeres als ein philosophisches Bekenntnis Julians 12, eine erneute Behandlung seiner großen Anliegen : des Götterglaubens, des Herrscherideals und des Abfalls von diesen hohen Werten. Mit diesen Themen ist für Julian, wie wir nun die Entwicklung seines Denkens kennen, die Auseinandersetzung mit Constantin und dem Christentum unausweichlich. So wird Constancin zwar nicht zur Hauptfigur, aber doch zu einer Figur, ohne die das Ganze seinen eigentümlidlen Sinn verlöre. Es ist seltsam, daß dieser Constantin überhaupt in diese Ver sammlung der Götter und Heroen eingelassen wird. Manche der früher erscheinenden Kaiser werden ja doch wegen irgendwelcher Fehler von Dike hinausgewiesen oder sie werden gefesselt oder in den Tartarus geworfen. Von dem "sdllimmen, rauben und un-
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ruhigen Kollegium" der zweiten Tetrarchie, mit dem Constantin ankommt, werden zwei nicht genannte Kaiser von Dike abgewehrt, Licinius wird von Minos ausgewiesen, Constantin darf überraschen derweise eintreten und sich setzen (315 D). Daß dies aus ganz be sonderen Gründen geschieht, zeigt sich später, als einige der Heroen zum Wettkampf um den Vorrang aufgerufen werden. Zu den Kriegshelden und zu dem philosophischen Herrsdter Marcus soll nach dem Vorsdtlag des Dionysos "der Vollständigkeit halber" noch ein Genußmensch geladen werden. Zeus erwidert darauf, es wäre nicht recht, daß "einer, der es nicht mit uns hält", hereinkäme, aber Dionysos findet den Ausweg, daß die Prüfung auf dem Vorplatz der Götter abgehalten wird, und läßt den Constantin rufen als "einen zwar nicht unkriegerisdten, aber der Lust und dem Genuß anhängenden Mann" (317 D, 318 A). Es steht also von vornherein fest, daß dieser Bewerber es nidtt mit den Göttern hält; er ist ganz offenkundig nur zugelassen, um durch sein eigenes Zutun seine Ver werfung herbeizuführen. Das geschieht dann auf dreifache Weise und um so nachdrück licher, als Constantin jeweils als letzter an die Reihe kommt. Die Bewerber messen sich zuerst, wie es sich bei einem Agon unter Königen gebührt, mit einem Lebens- und Tatenbericbt. Nachdem Caesar, Alexander, Octavian, Trajan und Marcus eindrucksvoll berichtet haben, kommt sich Constantin ganz klein vor. "Denn er hatte, die Wahrheit zu sagen, zwei Tyrannen gestürzt, doch der eine war unkriegerisch und weichlich, der andere elend und alters schwach, beide den Göttern und Menschen verhaßt. Seine Taten gegen die Barbaren aber waren ihm lächerlich, denn er hatte bei nahe Tribute bezahlt . . . und richtete sein Augenmerk auf die Tryphe {Üppigkeit). Diese stand fern von den Göttern am Vor platz der Selene, er war in sie verliebt und ganz mit den Augen an ihr hängend kümmerte er sieb nicht um den Sieg." 13 So werden von vornherein seine Leistungen abgewertet; seine Taten gegen die Barbaren, über die Julian in seinen Reden so vielsagend ge schwiegen hatte, erscheinen geradezu lächerlich. Er selbst aber sucht sieb, weibisch wie er ist, mit der Göttin der Üppigkeit zu trösten. Wie er dann aber doch reden muß, nimmt er - nicht ungeschickt - den Vorrang in Anspruch, indem er behauptet, daß
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gerade die Punkte, die bei seinen Vorrednern schwach waren, bei ihm besser bestellt seien. Aber dieser rhetorische Kniff wird von Silen spöttisch zunichte gemacht mit der Bemerkung, daß der Spre cher Taten vorführe, die wie Adonisgärten nur kurze Zeit grünen und dann wieder verwelken - eine Kritik, die Constantin selbst zum Erröten bringt. So hat er im ersten Gang weitaus am kläglich sten abgeschnitten. Die zweite Prüfung gilt, da die Taten (tel. nen{Hlyj.liva), vielfach vom Glück begünstigt, zur Beurteilung nicht ausreichen, den Grund sätzen (nQOULQEOEL�) der Helden. Die anderen bekennen sich zu großartigen Maximen: siegen, herrschen, gut regieren, die Götter nachahmen. Dann wird Constantin nach seinem Ideal gefragt und antwortet: "Viel erwerben, viel verschenken, den eigenen und der Freunde Begierden dienen." Wieder hat es Silen leicht, ihn zu bla mieren: "Du wolltest also ein Geldwechsler sein und wurdest, ohne es zu merken, ein Zuckerbäcker und Frisiermädcben von Beruf. Darauf deutete schon immer deine Haartracht und dein Aussehen hin, jetzt aber klagt dich deine eigene Maxime an" (335 B). Con stantin erhebt also Habsucht, Verschwendung und Sinneslust zum Prinzip; er bekennt sich zu den bösen Dämonen des qaAOXQ�IUltO� und �:ptÄi)Öovo;, die in der kynisch-stoischen Diatribe seit langem gebrandmarkt werden; nur der dritte böse Dämon, der
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Jesus sich aufhalten und allen verkünden: 'Jeder Verführer, jeder Mordbefleckte, jeder Fluchbeladene, jedes Scheusal komme zuver sichtlich hierher. Ich werde ihn mit Wasser waschen und sogleich rein machen. Und wenn er abermals derselben Schuld verfällt, so möge er an die Brust schlagen und sich vor den Kopf stoßen und er sei rein!' Der Umgang mit diesem gab ihm großes Vergnügen, und er führte auch seine Söhne aus der Versammlung der Götter heraus. Aber ihn und jene quälten die Rachegeister der Gottlosig keit mit Strafen für das vergossene Verwandtenblut, bis Zeus dem Claudius und Constantius zuliebe ihnen eine Atempause gewährte" (336 AB). Mit dieser Schlußwendung gibt Julian dem grimmigen Haß gegen Constantin, der sich in ihm angestaut hat, freien Lauf. Bei Tryphe und Asotia, schlimmen Gestalten, aber immerhin noch Figuren der hellenischen Welt,l& ist der lasterhafte Constantin noch nicht richtig untergebracht, er gehört zu Jesus - der Name muß endlim ausgespromen werden -, einem Dämon, der sich da herum treibt, um die Ausgestoßenen und die Verbrecher zu sammeln. Die Einladung, die Jesus an die Mühseligen und Beladenen gerichtet hat, ist hier parodiert und gräßlich entstellt; die Gemeinde, die sich um ihn gebildet hat, pflegt die Laster der 'tQV
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beispiellos, daß ein Caesar die Tugenden seines hödmen Herrn in einer pomphaften Rede feierte" 18. Immerhin kann man zugunsten Julians anführen, daß sein Lob, wie sich uns gezeigt hat und wie es für die Ohren der Zeitgenossen vernehmbar gewesen sein dürfte, smon die Keime seines Widersprums enthielt. Die besonderen Züge, die er dann als Augustus dem Bild des Constantin gegeben hat, sind in seiner persönlichen Anlage begründet, in der sich die sophistische Intelligenz mit einer tiefen Frömmigkeit vereinigte. Er hatte als Literat kein Organ für die große Macht und war außerstande, Con stantins Aufstieg zur Universalherrschaft und seine Verdienste um den Schutz des Reiches gerecht zu würdigen. Es mutet schulmeister lich an, wie er die von Libanius voll anerkannte Erziehung, die Constantin seinen Söhnen angedeihen ließ, kritisiert; geradezu kleinlich ist es, daß er sogar die kriegerische Leistung des Oheims herabzusetzen für nötig hält; seinen Einwand gegen die Heran ziehung von Germanen zu hohen Funktionen hat sdlon Ammian (21, 10, 8 ; 21, 12, 25) mit dem Hinweis zurückgewiesen, daß er selbst dieselbe Praxis eingeschlagen hat. Der völlige Mangel an Charme, mit dem er sich im Misopogon geradezu aufspielt, ver wehrte es ihm, in der persönlichen Gefälligkeit, in der Sinnenfreude Constantins und im Glanz seines Auftretens etwas Gutes zu erken nen. Was er in seinem Ressentiment sah, war nur Habsucht, Üppigkeit und Verschwendung. Daß es daran nicht gefehlt hat, be zeugen uns verläßliche Autoren, jedoch ist es bei Ammian (16, 8, 12) die von Constantin geduldete Habsucht der Verwandten, und beim Anonymus Valesianus (30) die Verschwendung bei der Ausstat tung von Constantinopel, was Tadel findet"· Die Exekutionen von Verwandten verdüstern ohne Zweifel das Bild Constantins aufs schwerste. Für Julian ist es charakteristisch, daß er diese Schuld Constantins mit seinem Abfall von den Göttern, mit seinem über tritt zum Christentum in eine nicht zeitliche, aber innerliche Ver bindung bringt. Die Frömmigkeit des heidnischen Gottsuchers ist es überhaupt, die das Verdikt über Constantin herbeiführt: in der Götterlosigkeit finden alle lasterhaften Züge so sehr ihre letzte Begründung, daß die Befleckung mit Verwandtenblut gar nicht mehr fehlen darf. Wie schwer Julian mit diesem Urteil über die Bekehrung Gonstaotins auch irregeht, er hat doch als religiöser
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Mensch die Glaubensfrage als das entscheidende Problem dieses Zeitalters angesprochen und als erster unter den Heiden die Regie rung Constantins als die große Wende erkannt. Das ist ein histo risches Urteil, das - mit anderen Vorzeichen - der Auffassung des Euseb entspricht. Diese Einsicht war dem frommen Heiden beschie den, der von sich sagen konnte, er betrachte die Erkenntnis der Götter als ein Gut, das er weit höher anschlage als die Herrschaft über die gesamte Barbarenwelt zusammengenommen mit dem Römischen Reich (or. 7, 222 BC). Die nachfolgenden Heiden haben keineswegs alle die geschicht liche Rolle Constantins in seiner religiösen Entscheidung gesehen. Eutrop und Aurelius Victor, der Anonymus Valesianus und der Verfasser der Epitome behalten die seit langem gebräuchliche Praxis der Heiden bei, das Christentum als historisches Phänomen zu ignorieren 20. Wahrscheinlich könnten wir Ähnliches von Ammian
sagen, wenn uns seine Darstellung der Regierung Constantins er halten wäre 21• Daß die Historia Augusta mit der Vita Numerians schließt, also vor Diocletian haltmacht, könnte, wie man vermutet hat, mit dem Wunsch des Verfassers zusammenhängen, eine Stel lungnahme zum Glaubenskampf zu vermeiden 22• Nur bei wenigen Autoren, die dem religiösen Hellenismus tiefer verpflichtet waren, hat Julian Nachfolge gefunden. Dazu gehört vor allem sein ihn lange überlebender Lehrer und Freund Libanius. In seiner wohl 386 gehaltenen Rede im:ee trov teerov argumentiert er zwar gegen die Religionspolitik des Gratian und Theodosius mit der Behauptung, Constantin habe am rechtmäßigen Götterkult nichts geändert, spricht aber mit um so größerem Nachdruck von der Entscheidung Constantins, daß es für ihn vorteilhaft sei, einen anderen Gott anzuerkennen, und verlegt diesen Entschluß in das Jahr 312: "Er führte ein Heer von Galliern gegen Rom, die die Götter bekämpf ten, zu denen sie früher gebetet hatten" (or. 30, 6 Foerster). Es ist nicht so, wie W. Seston angenommen hat23, daß erst in dieser Zeit bei den Heiden überhaupt die Auffassung aufgekommen sei, an der Milvischen Brücke habe Constantin als Vorkämpfer des Chri stentums gesiegt. Vielmehr lassen sich die Keime dieser Vorstellung schon in den Panegyrici auf Constantin aus den Jahren 313 und 320 erkennen24• Was aber Libanius betrifft, so hat er schon lange
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vor seinem Eintreten für die Tempel in einer Rede, die bald nach der Hinrichtung des Andronicus, eines hochgestellten Anhängers des Usurpators Procopius, also bald nach 366 niedergeschrieben wurde, die Meinung vertreten, Constantius habe "den Funken des Übels von seinem Vater übernommen und die Sache dann zu einer großen Flamme weitergetrieben" (or. 62, 8 Foerster), nämlich die Entehrung · der teQa und der MyoL, des Götterkults und der Bil dung. Das entspricht der julianischen Überzeugung, daß die große Wende zum Schlimmen mit Constantin eingetreten sei. Die letzten uns bekannten Vertreter dieser Anschauung waren Eunapius und der diesen als Quelle benützende Zosimus, dessen Werk uns als ein heidnisches Zeugnis wertvoll ist. Mit Begriffen und Angaben, die letztlich aus Julian übernommen und weiter gesponnen sind, hat Zosimus das Bild des umstürzlerischen, üppigen, verschwenderischen, treulosen Herrschers, also eines vollendeten Tyrannen, gestaltet, der in seiner Schuldbeladenheit sich dem Christentum zuwendet und so den Anfang der Gottlosigkeit und damit des allgemeinen Verfalls macht. Der Constantin des Zosimus ist in seinen späteren Jahren der tQUqnl ergeben (2, 32), er stürzt die guten Einrichtungen um (ta xaA.&s ')((l�Eot&ta xtv&v 2, 33), er zerstört die Sicherheit der Grenzverteidigung (2, 34), er verschleu dert die Einkünfte durch Geschenke an unwürdige und unnütze Menschen, ti]v YUQ aowt(av Tjyti:to <JllAOtll-ttClV (2, 38). Seine Treu losigkeit tritt schon in den beiden Kriegen gegen Licinius zutage (2, 18, 20), aber nach dem Erwerb der Alleinherrschaft verbirgt er seine xaxoi)�na nicht mehr. Da glaubt er, die Gottlosigkeit am eigenen Herd eröffnen zu müssen (a
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Konstruktion, gegen die Sozomenus {1 , 5) mit gewichtigen Gründen polemisiert25. Zosimus führt die Deutung Julians ganz zu Ende, indem er das wesenhafte und zeitlidte Zusammenfallen von .Ver wandtenmord und Obergang zum Christentum als aexi] t'�; UOE ßdn; verkündet. Götterlosigkeit war - darüber hat er schon in seinem Bericht über die Säkularspiele keinen Zweifel gelassen (2, 7) die Ursache des mit der Epoche Constantins beginnenden Zerfalls und der Barbarisierung des Reiches. So hat Julian in dem späten Sophisten, der beim Beginn seiner Berichterstattung über die Regie rung Julians ausdrücklich auf dessen Reden und Briefe verweist (3, 2), einen ihm blind ergebenen Nadtfolger gefunden. -
Anmerkungen 1 Zur Datierung J. Bidez, L'empereur Julien. CEuvres completes I 1 : Discours, Paris 1932, S . 3 ff., 108 ff. Ich übernehme den Text und die Zählweise dieser Ausgabe. 2 Die Kircnengeschichtsscnreiber Socr. 1, 39, 4 f. und Sozom. 2, 34, 2 berichten davon, Constantin habe sein Testament, in dem er u. a. die Tei lung der Herrschaft festlegte, dem Constantius aushändigen lassen. 3 Bide:z:, a. 0. S. 112 ff. • P. Petit, Libanius et Ia Vita Constantini, Historia 1 (1950), S. 562 ff. Durcn K. Stroheker als Herausgeber dieser Zeitscnrift erhalte ich Einblick in den Beitrag von J. Moreau [Hist. IV S. 234 ff.], der begründete Ein wände gegen Petit vorbringt, ohne aber seine These im ganzen erscnüttern zu können. 5 Bidez, a. 0. S. 210 ff. 8 Ammian 21, 10, 7 f.; J. Bidez-F. Cumont, Imp. Caes. Flav. Claud. Jul. epist.leg. poem. fragm. var., Paris 1922, Nr. 21. 7 W. Enßlin, Kaiser Julians Gesetzgebungswerk und Reicnsverwaltung, Klio 18 (1922), S. 152 ff.; Bidez-Cumont, a. 0. Nr. 118, 131. 8 R. Asmus, Julians Galiläerschrift im Zusammenhang mit seinen übri gen Werken, Progr. Freiburg i. Br., 1904, S. 13, 26. 9 Or. 7 Hertlein. Vgl. J. Geffcken, Kaiser Julianus, Leipzig 1914, S. 95 f., 155 f.; R. Asmus, Der Alkibiades-Kommentar des Jamblichos als Hauptquelle für Kaiser Julian, S. B. Heidelb. Ak. 1917, 3, bes. S. 65 ff.; J. Bidez, Julian der Abtrünnige, München 1940, S. 262 ff. - Übersetzung der Rede bei R. Asmus, Kaiser Julians philosophische Werke (Philo sophische Bibliothek 116), S. 87 ff. -
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10 Zum Vorgehen Constantins gegen heidnische Kulte und Tempel vgl. zuletzt F. Vittinghoff, Euseb als Verfasser der •Vita Constantini< Rhein. Mus. 96 (1953) S. 358 ff. - Für das in der modernen Forschung umstrittene Verhältnis des Kaisers zu Helios ist die klare Angabe Julians, Constantin habe den Gott verlassen, aller Beachtung wert. Vgl. meinen Artikel ,.Con stantinus« in Reallexikon f. Ant. u. Christ. [III 315 f., 327, 354 ff.) 11 Zum Charakter des Satura Menippea 0. Weinreich, Senecas Apocolo cyntosis, Berlin 1923, S. 8 ff.; ders., Römische Satiren (Bibliothek der Alten Welt), 1949, S. XXXVII tf., XC ff.; J. Geffcken, Studien zur griechischen Satire, N. Jbb. f. d. klass. Altertum 27 (1911) S. 393 tf., 469 tf. 11 Vgl. auch R. Pack, Notes on the Caesars of Julian, Transact. and Proc. Am. Philol. Ass. 77 (1946), S. 151 tf. 18 328 D 329 A. Ich übernehme den Text von Herdein mit Ausnahme des letzten Wortes. Nach hnd.elxtl hat Cobet eine Lücke festgestellt. Hier muß gesagt gewesen sein, daß Constantin in Verlegenheit war. Es charakterisiert ihn, daß er gerade in diesem Augenblick sich mit Tryphe einläßt, die ihn später so zärtlich aufnimmt. o-öötv �!!eh.ev a\n(il n&pt tii� vlxT}�: die Lesart lllxT}<; scheint durch den Zusammenhang ausgeschlossen, da eine so gewichtige Angabe wie die Vernachlässigung der öixT} nicht so nebenbei und nicht so unbegründet gemacht werden kann. Eben weil Constantin nicht bei der Sache ist, wird mit Betonung fortgefahren tnd lit hl>iiv xal. aÖTÖV dJtEiv Tl. - Mögen eine neue Textausgabe des Sym posion und ein Kommentar nicht mehr lange auf sich warten lassen! u Vgl. Dio Chrys. 4, 91 ff. Hier wird vom
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11 Der Anonymus >De rebus bellicis< sieht in der Münzpoitik l Con stantins die Ursache für die schwere Wirtschaftsnot seiner Zeit, der Zeit Constantius' II. Darüber S. Mazzarino, Aspetti sociali del quarto s�colo, Rom 1951 und W. Seston, Rclazioni X Congr. internaz. di Scienze Storiche VI 789 tf. N Zu diesem Verfahren vgl. Artikel .Christenverfolgung" in Real lexikon f. Ant. u. Christ. II 1 160 f., 1204. 11 Vgl. W. Enßlin, Zur Geschichtsschreibung und Weltanschauung des Ammianus Marcellinus, Klio Beih. 16, Leipzig 1932, S. 48 f. 21 J. Straub, Studien zur Historia Augusta (Diss. Bern. 1, 4) 1952, S. 138. Ober den Anfang der Historia Augusta W. Hartke, Römische Kinderkaiser, Berlin 1951, S. 326 tf. u La conversion de Constantin et l'opinion pai·enne, Rev. d'hist. et de philos. relig. 16 (1936), S. 256 tf. 14 J. Vogt, Relazioni X Congr. inte maz . die Scienze Storiche VI 739 tf. und Artikel .Constantinus• in Reallexikon f. Ant. u. Christ. [111 319 f.]. 15 Seston, a. 0. S. 258 ff.
A. j. Fenucihe, julien 1 Macellum. The Journal of Roman Studiet Vol. XLVU (19S7), pp. S3-S8. Aus dem Französischen übersetzt von Benh Schalow.
JULIAN IN MACELLUM Von A. J. FESTUGIEllE Julian hatte bekanntlich 1 eine strenge und traurige Kindheit. Seine wenige Monate nach seiner Geburt verstorbene Mutter (Misop. 352 B) hat er nicht gekannt. Im Alter von sieben Jahren (337) wurde er Augenzeuge der Ermordung seines Vaters, eines älteren Halbbruders, eines Onkels und zweier Vettern, und blieb allein übrig, mit Gallus, einem Halbbruder, der sich zu einem Roh ling entwickelte. Die Anfänge seiner Erziehung verdankt er dem Eunuchen Mardonius, der ihm eine asketische Moralvorstellung ver mittelt. Später im >Misopogon< - und dies ist einer der ansprechen den Züge Julians - preist er seinen alten Lehrer dafür, daß dieser ihn von frühester Kindheit an die Tugend gelehrt habe (Misop. 351 A ff., hier nach der französischen Übersetzung des Au tors) : Was mich anbelangt, so verbietet es mir mein Charakter, überallhin schmachtende Blicke zu richten, nur um Euch schön zu erscheinen, schön von Angesicht, nicht in der Seele. Nach Eurer Ansicht besteht die wahre Schönheit der Seele offenbar in einem ausschweifenden Lebenswandel, mein Lehrer aber hat mich gelehrt, die Augen auf den Erdboden zu richten, wenn idt zur Sdtule ging. Ich habe keiner Theateraufführung bei gewohnt, bevor ich nicht mehr Haare am Kinn als auf dem Kopf hatte, und selbst in diesem Alter geschah es dann niemals aus persönlidtem Geschmack und aus eigenem Antrieb, sondern drei- oder viermal befahl es mir, 'um Patroklus zu gefallen', der Regent, mein naher Verwandter, wie Ihr wohl wißt. Damals war ich einfacher Bürger, und aus diesem Grunde muß man wenigstens mir vergeben, denn ich liefere Euch meinen bösartigen Lehrer aus, den Ihr mit größerer Berechtigung hassen müßt als mich. Er hat midt schon damals 2 zu meinem großen Kummer gelehrt, geradeaus meines Weges zu gehen, und er ist heute der Anlaß meines Streites mit Euch. Denn er hat in meiner Seele das wachsen lassen und sozusagen in sie hineingedrückt, was ich damals selbst ablehnte; er legte es aber mit seinem ganzen Eifer hinein, als ob er wirklich etwas Wert-
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volles betriebe. Er nannte, glaube ich, das bäuerliche, ungeschlachte Wesen Würde, die Grobheit Mäßigung, den Leidenschaften nicht untertan zu sein und nicht in ihnen das Glück zu suchen, nannte er Seelenstärke. Bei Zeus und den Musen, ihr sollt wissen, daß dieser Lehrer mir oft ;agte, als ich noch ganz klein war: 'Laß dich nicht von der Schar deiner Kame raden, die ins Theater rennen, dazu verleiten, jemals diese Art Schauspiel zu begehren. Und zu den Pferderennen willst du gehen? Homer be schreibt eines auf die kundigste Weise, nimm sein Buch zur Hand und lies den Bericht von Anfang bis Ende. Du hörst die Leute von Pantomimen Tänzern erzählen? Laß sie nur, du wirst einen männlicheren Tanz bei den jungen Phäaken finden. Bei ihnen wird Phernios für dich auf der Leier spielen, und Demodokos wird dazu singen. Und auch Bäume gibt es bei Homer, von denen zu hören viel angenehmer ist, als diese Bühnen dekoration anzuschauen 3 : "In Delos sah ich einst am Apollonaltar die selbe Schönheit, den Stamm einer zum Himmel anstrebenden Palme." 4 Ebenso die bewaldete Insel der Kalypso, die Höhle der Kirke, der Garten des Alkinoos. Denke daran, du wirst niemals reizendere Deko rationen Iinden.' Soll ich Euch auch den Namen meines Lehrers nennen, und von welcher Rasse er war, um so sprechen zu können? Nun, bei den Göttern und Göttinnen, er war ein Barbar, von Geburt Skythe 5 und trug denselben Namen wie der, welcher Xerxes zum Zug gegen Griechenland überredete8• Noch dazu war er Eunuch, ein Wort, das man vor 20 Mo naten nicht müde wurde, voller Respekt immer wieder zu gebrauchen, und das jetzt als Beleidigung und Beschimpfung gilt. Er war unter dem Schutz meines Großvaters aufgezogen worden für die Erziehung meiner Mutter (Basilina) mittels der Gedichte Horncrs und Hesiods7• Einige Monate, nachdem sie mich auf die Welt gebracht hatte, als ihr erstes und einziges Kind, verstarb sie noch als ganz junge Frau und blieb so von viel Unheil verschont. In meinem achten Lebensjahr wurde ich, mutterlos, seiner Sorgfalt anvertraut. Von dieser Zeit an überzeugte er mich von diesen Wahrheiten und lehrte mich, auf meinem Weg zur Schule gerade aus zu gehen. Und deshalb trägt er die Verantwortung dafür, daß ich Euch allen hassenswert erscheine, da er selbst keinerlei andere Lebens weise kennenlernen wollte noch auch mir erlaubte, einer anderen zu folgen . . . (353 A ff.) 'Aber ist es denn nicht trotzdem möglich', werdet Ihr fragen, 'heute dieses bäurische Wesen abzulegen und zu ändern, selbst wenn man es mir dereinst anerzogen hat?' Es ist nicht möglich, denn die Gewohnheit ist, wie man sagt, eine zweite Natur, und es ist nicht leicht, gegen sie anzukämpfen. Sich von einer dreißigjährigen Praxis zu be freien, ist äußerst schwierig, besonders wenn man diese mit soviel Mühe erworben hat. Und ich bin bereits mehr als dreißig Jahre alt. 'Gut, aber
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wie kommst du dazu, selbst die streitenden Parteien anhören zu wollen und ein Urteil über abgeschlossene Verträge abzugeben? Dies hat dich dein Lehrer gewiß nicht gelehrt, da er ja überhaupt nicht wußte, daß du eines Tages herrschen würdest.' Aber gewiß doch, auch hier hat mich wieder dieser schreckliche alte Mann dazu gebracht, so zu handeln. Ihr schließt ihn also zu Recht in alle die Beleidigungen ein, die Ihr an mich richtet, denn er ist in erster Linie für meine Lebensweise verantwortlich. Ihr sollt aber wissen, daß er selbst wiederum sich von anderen hat be trügen lassen. Manche Namen sind sogar bis an Eure Ohren gedrungen, denn sie werden oft von den Komödienschreibern verspottet: Platon, Sokrates, Aristoteles, Theophrast. Dies sind die Männer, denen sich der Greis in seiner Narrheit angeschlossen hat. Als er dann in mir schon in frühester Jugend den Hang zu philosophischen Diskussionen erkannt hatte, gab er mir den Rat, ich müßte mich bemühen, besser zu werden, wenn ich in allen Dingen in Wettstreit mit diesen großen Namen treten wollte, besser nicht vielleicht als einer dieser Männer - denn nicht mit ihnen hatte ich zu kämpfen -, besser aber jedenfalls, als ich selbst bisher war. Ich ließ mich damals überzeugen, denn ich hatte keinerlei Möglich keit, anders zu handeln, und ich vermag mich nicht mehr zu ändern, selbst wenn ich oft die Neigung dazu verspüre. Dies geht so weit, daß ich mich oft selbst dafür tadle, nicht allen volle Freiheit zur Verübung jeglicher Ungerechtigkeit zuzugestehen.
Man hat sich oft darüber gewundert, daß in diesen Lehren des Mardonius jede Anspielung auf die christliche Moral fehlte, und man hat daraus schließen wollen, daß dieser alte Lehrer wahr scheinlich kein Christ gewesen ist. Danach hätte Julian von frühe ster Kindheit an eine zweigleisige Erziehung genossen, ins Christen tum wäre er durch Priester und in die Wissenschaften und die Philosophie durm den Heiden Mardonius eingeführt worden. Man muß indessen mit Seeck s beamten, daß Julian zur Zeit der Abfas sung des >Misopogon< 9 das Christentum vollständig aufgegeben hatte. Was er in sim an Gutem findet, schreibt er der antiken Ober lieferung zu. Da der Grammatiker Mardonius ihm diese Oberliefe rung als erster ersmlossen hatte, läßt Julian ihn ganz selbstver ständlim eine von der reinsten klassismen Philosophie geprägte Sprame führen. Es steht außer Zweifel, daß Julian als mristlimes Kind erzogen worden ist. Dies war in der Familie Gonstaotins eine festgefügte
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Tradition, selbst wenn man in ihr, entsprechend der Gewohnheit der Zeit, die Taufe erst ganz am Ende des Lebens empfing. Nach dem Tod seines Vaters kam der kleine Julian mit sieben Jahren unter die Vormundschaft des Bischofs Eusebius von Nikomedien, zuerst daselbst, dann in· Konstantinopel nach der Berufung des Eusebius dorthin. Und schließlich ist uns bekannt, daß er nach sei ner Verbannung mit seinem Bruder Gallus auf dem Landgut Macel lum in Kappadokien nicht nur ein christliches, sondern ein geist liches Leben führte. Sie hatten die Funktion von Vorlesern in der Kirche, was notwendigerweise ihre Taufe einschließt. Die sechs Jahre (345-351) in Macellum sind für die Entwicklung von Julians Charakter entscheidend gewesen. Vom vierzehnten bis zum zwanzigsten Jahr sind es in seinem Leben die Jünglingsjahre, im Leben des Gallus die Jahre der frühen Jugend, vom neunzehnten bis zum fünfundzwanzigsten Jahr. Der Kaiser hat später (351) in seinem >Brief an die Athener< die Umstände dieses Aufenthaltes beschrieben (271 B/D): Dies also erzählte man uns immer wieder 10 auf einem dieser Landgüter Kappadokiens, wo wir festgehalten wurden. Meinen Bruder hatte man aus seiner Verbannung nach Tralles zurückgeholt, mir hatte man als ganz jungem Burschen den schulischen Unterricht genommen. Wie soll ich diese sechs Jahre beschreiben, die wir dort auf dem Gut eines Fremden ver brachten? Man bewachte uns wie Häftlinge in einer persischen Garnison, kein Fremder kam mit uns in Berührung, keiner unser alten Freunde durfte uns besuchen. Wir waren von jedem ernsthaften Studium, von jedem Kontakt mit freien Menschen abgeschnitten, von einer erstklassigen Dienerschaft umgeben und hatten als Übungspartner nur unsere eigenen Sklaven, denn kein einziger unserer Altersgefährten kam uns besuchen oder hatte das Recht dazu.
Man stelle sim ein dieser Lebensweise unterworfenes Kind vor! Es war in dem Alter, in dem man in sim alle möglichen neue.n Fähigkeiten entdeckt, zu lieben und sich hinzugeben, und wo das Bedürfnis, sich anderen mitzuteilen, sozusagen eine Naturnotwen digkeit ist. Er verspürte dieses um so mehr, als er die mütterlimen Liebkosungen und die Wärme eines Heims hatte entbehren müssen. Nichts deutet darauf hin, daß er bis dahin wirklim unglücklim ge wesen wäre. Eusebius war aber eine angesehene Persönlichkeit und
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konnte ihm nicht viel Zeit widmen, so väterlich man ihn sich auch vorstellen mag. Und der hervorragende Mardonius war eigentlich nur da, um ihn zu bessern. Seine Suche nach Zuneigung richtete sich folglich auf Jungen seines Alters. Zunächst war er also in der Zwangslage gewesen, Freundschaften suchen zu müssen, im weite ren Verlauf seines Lebens reift er dann zu einem wirklichen Freund. Diese Freundschaften stellten für ihn die Gefühlswelt dar, die jeder Heranwachsende benötigt, und gerade zu der Zeit, da er sie am dringendsten gebraucht hätte, war sie ihm mit brutaler Gewalt ver sagt. Schon früh hatte sich Julian in die Welt der Bücher zurück gezogen. Viele Kinder sind große Leser, denn die Gesellschaft der Bücher ist für ein einsames und träumerisches Kind die ideale Zu flucht. Auch von ihnen war er nun urplötzlich abgeschnitten, gewiß nicht so, daß man sie ihm auf Befehl des Regenten verweigert hätte u, aber es läßt sich unschwer vermuten, daß dieses in Kappau dokiens Weiten verlorene castellum keinerlei Bibliothek enthielt. Dafür bietet die folgende Begebenheit einen unerwarteten Anhalts punkt. Am 24. Dez. 361, als Julian in Konstantinopel residierte, wurde Georgius, der arianisdle Bischof von Alexandrien, von der Volksmenge gelyncht und seine Bibliothek zusammen mit dem Bischofssitz geplündert. Einige Monate danach richtete nun Julian zwei dringende Briefe an Porphyrius, den obersten Finanzver walter in Alexandrien, und an Ecdicius, den Präfekten i\gyptens, mit der Bitte, für ihn diese Bücher aufzuspüren 12• In letzterem Brief bezeugt er seine Liebe zu den Büchern: "Seit meiner frühen Kindheit", so schreibt er, "bin ich ein Büchernarr gewesen" (378 A 1/2). Den Bestand der Bibliothek beschreibt er mit großer Genauigkeit (378 B 1/3): "Er hatte viel über die Philosophie, über die Rhetorik, viel auch über die Lehre der ketzerischen Galiläer." Und er schließt mit folgenden Worten: "Ich selbst kenne die Büdler des Georgius gut, wenn audl nicht alle, so doch einen großen Teil von ihnen, denn er lieh sie mir, als ich in Kappadokien war, damit ich aus ihnen Abschnitte abschreiben konnte, und anschließend gab ich sie ihm zurück" (378 C 2 ff.). Julian war also als Heranwachsender von jeder Verbindung mit seinen Lehrern und seinen Freunden abgesdlnitteo, umgeben von
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ihn bespitzelnden Sklaven, die im Solde des Kaisers Constantius standen, und er war darauf angewiesen, von einem arianiscben Priester der benachbarten Stadt Bücher zu entleihen. Fand er · nun wenigstens bei seinem fünf Jahre älteren Halbbruder Gallus etwas Trost? Ihr gemeinsames Schicksal war dazu geeignet, die beiden Knaben einander nähenubringen, und in der Tat deutet nichtS darauf hin, daß sie sich schlecht verstanden hätten. In seinem >Brief an die Athener< versucht später Julian die Verbrechen des Gallus, die er gar nicht beschönigt, zum Teil durch die schlechte Behandlung zu erklären, die ihnen unter Constantius zuteil geworden war (271 D/272 A): Von diesem Ort (Macellum) wurde ich für meinen Teil glücldidter weise, wenn auch unter großen Sdtwierigkeiten, durch den Beistand der Götter erlöst; mein Bruder aber wurde für ein grausames Schicksal, wie es selten eines gab, am kaiserlieben Hof festgehalten. Und wenn sidt in
seinem Charakter sdton ein wilder und harter Grundzug gebildet hatte, so wurde dieser durdt unsere Erziehung in den Bergen tatsäenlieb nodt sehr verstärkt. Meiner Meinung nach ist es daher angebradtt, daß audt hierfür die Verantwortung derjenige :zu tragen hat, der uns diese Er ziehung aufgezwungen hat. Die Götter haben es gefügt, daß ich aus ihr rein und ohne Schaden hervorgegangen bin, dank der Philosophie, meinem Bruder hingegen ist dieser Vorteil nicht :zuteil geworden.
Jedoch selbst wenn man annimmt, die beiden Brüder hätten sich gut verstanden, so konnte es trotzdem keine sehr enge Bindung zwischen ihnen geben, dazu waren sie zu verschieden. Als Vertrau ten wählt sieb ein jüngerer Bruder nicht immer den älteren. Julian war also einsam, und dies auch in der schwersten Krise seiner Entwicklungsjahre, der religiösen Krise. Er war ein frommes, zur Meditation, man kann fast sagen, zur Mystik neigendes Kind gewesen. Einer der schönsten Texte der Antike ist der, mit dem die >Hymne an den König Heliosc beginnt (130 C/0) : Idt bin ein Gefolgsmann des Königs Helios. Dafür habe idt in meinem tiefsten Ionern Beweise, die idt niemandem nenne. Nur folgendes kann im sagen, ohne midt einem Tadc:l auszusetzen. Seit meiner Kindheit bin ich von leidensdtafdicber Liebe zu den Strahlen des Gottes durdtdrungen gewesen, seit meinem zartesten Alter hat das Lidtt des Äthers meinen Sinn in derartige Ekstase versetzt, daß ich nicht nur meine Blicke auf die
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Strahlen der Sonne zu lenken wünschte, sondern auch mich von jedem anderen Gedanken freimachte und mich dem Leuchten des Himmels hingab, wenn ich zufällig des Nachts bei heiterem, wolkenlosem und klarem Wetter das Haus verließ. Dabei drang nicht zu mir, was man zu mir sprach, noch war ich mir meines eigenen Tuns bewußt.
Julian kam nach Macellum im Alter von vierzehn Jahren, und er führte hier alles in allem das Leben eines Novizen in seinem Kloster, unter der ordentlichen Erziehung des Mardonius, fernge halten von jeder Versuchung, so lebte er innerhalb des jungen Kle rus, nahm an den religiösen Kulthandlungen teil und las den Gläu bigen von der Chortribüne aus die heiligen Texte vor. Nun gibt es in der Pubertät bekanntlich zwei Krisen, die Krise der Sinne und die des Glaubens. Beide sind normal, sie sind bedingt durch die physische und intellektuelle Entwicklung des Menschen. Immerhin ist zu beachten, daß sie sich, abhängig von dem jeweiligen Indivi duum, auf hunderterlei Weise verschieden ausprägen. Manche Heranwachsenden erfahren die erste Krise erst später, in den Zwanzigern, andere wieder bleiben von der zweiten völlig ver schont. Sie nehmen einfach hin, und sie fahren fort, das zu tun, was sie immer geglaubt haben. Ihr kritischer Geist hat sieb nicht ent wickelt oder hat sieb zumindest nicht gegen das religiöse Problem gewendet, kurz gesagt, für sie existiert dieses Problem nicht einmal. Bei anderen, begabteren Kindern verläuft diese Zeit anders, und zwar um so mehr, je ausgeprägter ihr religiöses Bedürfnis ist. Wel ten liegen zwischen dem naiven Glauben, der rein im Gemüt ver ankerten Frömmigkeit des Kindes einerseits und dem Glauben, der Frömmigkeit des Erwachsenen. Hundert Schwierigkeiten tauchen nun auf, gerade weil jetzt der junge Mensch seine Kritikfähigkeit entfaltet und weil das Gefühl für das Göttliche jetzt viel kühler, undeutlicher und wie abwesend erscheint, das doch in sehr frühem Alter ganz natürlich und nahe schien. Diese Krise ist für viele unvermeidbar, und man könnte fast behaupten, daß es für sie nor mal ist, für eine Zeitlang 'den Glauben zu verlieren'. Die intellek tuellen Schwierigkeiten sind zahlreich, jedem bekannt und müssen daher hier nicht aufgezählt werden. Wir wollen aber immerhin Folgendes festhalten. Es ist im allgemeinen nicht ein bestimmter Punkt der Lehre, der einen Heranwachsenden schwanken läßt.
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Deshalb erscheint es sehr unwahrscheinlich, im Gegensatz zu dem, was man vermutet hat •a, daß der Arianismus des Eusebius von Nikomedien oder des Georgius von Kappadokien auf Julian irgend welchen Einfluß ausgeübt hätte. Noch dazu bezeichneten zu dieser Zeit die Orthodoxen nicht nur diejenigen als Arianer, die offen den Lehren des Arius anhingen, sondern auch alle die weitaus zahl reicheren, denen die Einheit der Kirche oberstes Ziel war und die deshalb nach einer Einigungsformel für die beiden Parteien suchten. Und schließlich soHten sich die Historiker eine ganz schlichte Frage stellen: Was hätte ein weniger als vierzehn Jahre altes oder sogar ein älteres Kind von diesen Feinheiten der homoousia und der homoiousia des Gottessohnes begreifen können? Was ihnen dem gegenüber mißfällt, woran sie Anstoß nehmen und was sie bis weilen quält, das sind metaphysische Fragen nach dem Sinn der Welt und des Lebens, das Problem des Leidens, das in der Tat von der Grundannahme eines guten Gottes aus gesehen ein Skandal ist. Es ist heutzutage ziemlich selten, daß ein Heranwachsender sich an Auslegungsschwierigkeiten stößt, denn er liest wenig in der Bibel. Man hat aber mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen 14, daß Julian sich während dieser Zeit mit ihr vertraut gemacht hat. Es ist nicht recht ersichtlich, wann er später die Zeit zu ihrer Lektüre gefunden haben soHte, und als 'Vorleser' ergab sich diese Aufgabe für ihn bereits durch seine Funktion. Daß nun die Bibel Anlaß zu Mißdeutungen in FüJJe bietet, hat die Kirche nie bestritten, so sehr, daß die römische Kirche von ihrer Lektüre abrät, wenn der Text nicht durch einen Kommentar erklärt ist. Die Kirchenväter haben für derartige Texterklärungen seit dem dritten Jahrhundert Sorge getragen, und daraus ist die allegorische Exegese entstanden 15 mit ihrem wenn auch begrenzten Wert, die so lange Zeit erfolgreich war. Daß auch Julian alle diese Ungereimtheiten, welche die Heilige Schrift enthält, nicht verborgen geblieben sind, beweist nur, daß er sie las, und zwar aufmerksam. Aber der Kern des Problems liegt nicht hier, möchte ich sagen. Wie wir oben festStellten, spielen bei der Glaubenskrise der Heran wachsenden intellektuelle Schwierigkeiten mit, und es gibt daneben andere, tiefergehende, grundlegendere Schwierigkeiten, die in der Entwicklung des religiösen Gefühls begründet sind. Julians gesam-
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tes späteres Verhalten beweist, daß er einen Glauben brauchte, ge nauer gesagt, eine Mystik, daß er leidenschaftlich danach begehrte, die Gottheit gegenwärtig zu spüren, ihr Wohlwollen, ihren Schutz, ihre Aufmerksamkeit für seine Lebensführung, ihre Anteilnahme an seinem Schicksal. Er kann zwar den Glauben, nicht aber sein Temperament wechseln. Er ist alles andere als ein Skeptiker, Welten stehen zwischen ihm und Lukian. Man hat ihn, weil er den Christen gegenüber von einer trockenen und Voltaire ähnlichen Ironie ist, mit diesem verglichen 16, jedoch sehr zu Unrecht, denn der Ursprung dieser Ironie ist ein ganz anderer. Sie entspringt bei ihm meiner Ansicht nach einer ungeheuren Enttäuschung. Ein im eigentlichen Sinne geistliches Drama hat diesem Leben seine Richtung gegeben. Julian war, wie wir oben gezeigt haben, ein zur Mystik neigendes Kind gewesen. Das Kind bewegt sich ganz ungezwungen im Über natürlichen, denn es hat überhaupt noch keine Vorstellung von der Natur. Christus, die Heilige Jungfrau und die Engel existieren für das Kind ebenso selbstverständlich wie der Ochs und der Esel, und sein himmlischer Vater ist im Sonnenstrahl, in der Blume, im Vogel. Wenn es nur eine religiöse Seele hat, findet das Kind Gott überall. Wie wir weiter dargelegt haben, ist es unausweichlich und normal, daß diese Neigung sich nach und nach verliert. Im christlichen System ist es gerecht und angemessen, daß der christliche Glaube zur Tugend erhoben wird ___: ich spreche hier als Historiker, der lediglich Tatsachen darstellt, wie Sainte-Beuve in seinem >Port Royal< -, daß der Akt des Glaubens wirklich ein menschlicher Akt ist, also von Willen und Vernunft gelenkt. Dieser Akt und die Tugend oder, wenn man so will, die Gewohnheit des Glaubens, Ergebnis einer unendlich oft wiederholten Vielzahl von Einzel akten, reichen für sich genommen gewiß nicht aus, um zur Mystik zu gelangen, aber sie sind die unerläßliche Bedingung dazu. Man muß außerdem beachten, daß in einem christlich erzogenen Kind diese Mystik in der Pubertät latent vorhanden ist. Sie wird jetzt nicht mehr denselben Charakter haben, und sie wird von nun an diese Art Hingabe erfordern, die der Akt des Glaubens erfor dert, auch der von Willen und Vernunft gelenkte. Sie erfordert die Hingabe an das Mysterium Gottes. Im übrigen ist dieses neue mystische Leben, das von nun an das eigentlich christliche ist,
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schwierig, und es läßt sich nur nach einer langen und harten Lehr zeit erreichen. Mit einem Wort, der Weg führt über das Kreuz! Gefordert wird nicht nur die Hingabe an das Geheimnis Gottes, sondern auch an die spezifisch christlichen Mysterien der Mensch werdung Christi und der Erlösung. Es versteht sich von selbst, daß es sich dabei nicht um eine rein spekulative Erkenntnis handeln darf. Das wahre Christentum ist Mystik, oder es ist nicht vorhan den, d. h., es wird gelebt und dadurch verwirklicht. Glaube, Lebens führung, Empfang der Sakramente, Askese und Mystik sind eng verbunden. Ein Heranwachsender ist zu all diesem sehr wohl befähigt. Ein Christ kann in diesen entscheidenden Jahren vom vierzehnten bis zwanzigsten Lebensjahr von der naiven und zarten Frömmigkeit seiner Kindheit zu dieser Inbrunst des Erwachsenen gelangen, die sich unaufhörlich von den Mysterien des Glaubens nährt. Eine Bedingung aber ist unerläßlich, wenn nicht ein Wunder geschieht. Das Kind braucht einen Führer, der es in jedem Augenblick unter stützt, der ihm in einem Aufklärung über sich selbst und über seine Religion gibt, ich meine damit, ihm seine Zweifel auflöst, ihm den Anteil des Mysteriums aufzeigt und es auf dem Weg zum Licht ermuntert. Es ist gut, wenn dieser Führer gelehrt ist, es s i t noch besser, sogar unerläßlich, daß er ein Apostel ist, ein Mann Gottes. Johannes Chrysostomus traf mit achtzehn Jahren Diodor von Tarsos (Socr. HE VI, 3 = PG 67, 665 B 8); Theodoret erstieg als Jüngling die Abhänge des Silpius, um sich mit dem Einsiedler Mace donius zu unterhalten (HR 1 3 - PG, 82, 1400 C 7 ff., 1409B 14 ff.). Es wird daraus deutlich, daß sich der Seele Julians kein wirklich geistlicher Mann annahm gerade zu der Zeit, als er diese Zu wendung dringend nötig gehabt hätte. Georgius von Kappadokien, der ihm Bücher lieh, war ein bloßer Abenteurer 17• Für den alten Mardonius hat Julian in seinen Schriften hochherzige Worte des Dankes gefunden. Wenn in diesen traurigen Jahren von Macellum ihm irgendein Priester väterliches Verständnis gezeigt hätte, wäre es sehr sonderbar, daß Julian, auch als Abtrünniger, darauf später nie eine Anspielung gemacht hätte, selbst wenn er dabei christliche Belehrung 'philosophisch' umgedeutet hätte. Julian war nie un dankbar.
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Das Kind blieb also sich selbst überlassen mit seinen unaufgelösten Zweifeln und allen Qualen der Pubertät. Die erste naive Inbrunst des Glaubens war vorbei, nun erwachte der kritische Geist. Er hatte übrigens von sich selbst und seinem moralischen Wert eine sehr hohe Meinung, wenigstens nach seinen späteren i\ußerungen im >Miso· pogon< ZU urteilen. Er seneint tatsächlich nicht den üblichen Leiden schaften der Jugend erlegen zu sein, nicht einmal den Versudlungen der Sinne. Ammian rühmt seine inviolata castitas und weist darauf hin, daß nach dem Tode seiner Gattin 18 'es allgemein bekannt war, daß er nie je einen Gedanken an die Liebe verschwendete' (ut . . . nihil umquam venereum attigisse eum constaret XXV 4, 2). Nach Julians eigener Aussage werfen die Einwohner Antiochiens ihm vor, daß er Ständig allein schlafe (xaitEUÖEL� ro� bttJtav vUx't{l)Q JA6VOS 345 C/D). Vielleicht ist dies die Frucht der strengen christlichen Er ziehung, die in diesen Dingen die Söhne und Enkel Constantins erhielten 18• Nun ist bisweilen das Leben stärker als die moralischen Belehrungen, ganz zu schweigen in diesem Zusammenhang von Crispus, der, Ende 306 oder 307 geboren, noch nicht unter die diristliehe Periode Constantins fällt!O, und zumindest von einem seiner übrigen Söhne, Constans, der schöne Knaben liebte!1• Julian nun konnten, schreibt Ammian, nicht einmal seine privatesten Diener je der geringsten sinnlichen Regung bezichtigen (ut ne suspi cione quidem tenus Jibidinis ullius . . . incusaretur, XXV 4, 3). Nachdem er auf diese Weise, mit Tugenden sozusagen fest ge wappnet, die gefährliche Klippe der Pubertät hinter sich gebracht hatte - Tugenden, deren er sich voll bewußt ist 2! -, war Julian nicht den Gewissensnöten des jungen Christen ausgesetzt., welcher den Versuchungen unterliegt und sie im seihen Moment als Verfeh lungen bereut. Seinen naiven Kinderglauben hatte er abgelegt, ihn aber nicht ersetzt durch eine ernstere und höhere Form des geist lichen Lebens. Sein nun geweckter kritischer Geist stieß sich an den üblichen Schwierigkeiten der Bibel, vielleimt auch an anderen. Er war sich keiner Sünde bewußt und empfand daher nicht das Be dürfnis, sich rechtfertigen zu müssen. Was konnte ihm daher noch eine Religion bedeuten, von der er nur noch die 1\ußerlichkeiten sah, die seinem Streben zum Göttlichen keinen Raum mehr bot und die ihm jetzt in moralischer Hinsicht nicht nur unnütz, sondern so-
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gar der heidnischen Weisheit unterlegen erschien? Später schildert er dann in den >Caesares<, im Jahre 361, den ausschweifenden Lebenswandel seines Onkels Constantin, der aber trotzdem seines Seelenheils gewiß ist, da er zu einer Religion übergewechselt ist, welche die Reinigung jeder Schuld ermöglicht (336 A/B): Weil Constantin für sich kein Vorbild für seine Lebensführung unter den Göttern gefunden hatte, so begab er sich zur Schwelgerei (t'Quc:pf)), als er diese nicht weit von sich entfernt bemerkt hatte; diese empfing ihn, küßte ihn zärtlich und führte ihn zur Ausschweifung (uOOO"t(Cl), nachdem sie ihn mit einem Prachtgewand in verschiedenen Farben angetan und geschmückt hatte. Und dort stieß er auch auf Christus, der sich bei ihr niedergelassen hatte und jedem Neuankömmling verhieß: .Ob Ver führer, Mörder, Gotteslästerer und Verbrecher, jeder nähere sich furcht los! Ich werde ihn mit diesem Wasser waschen und alsbald reinigen; und hat er sich erneut derselben Vergehen schuldig gemacht, so werde ich es ihm möglich machen, sich erneut zu reinigen, wenn er sich nur an Brust und Haupt schlägt." Constantin begab sich also voller Freude zu diesem, nachdem er alle seine Söhne geheißen hatte, gemeinsam die Versamm lung der Götter zu verlassen.
Diese Sprache ist gewiß abstoßend, man muß sich aber daran erinnern, daß Julian beständig, während er die >Caesares< schreibt, dem Argwohn des Regenten ausgesetzt ist, welcher eine zur Schau getragene Demut mit den abscheulichsten Verbrechen verbindet. Diese Zeit der Verdächtigungen beginnt mit seinem vierzehnten Lebensjahr (345), in dem er gesetzlich volljährig wurde, und ver schlimmert sich ab seinem 24. Lebensjahr (355), d. h. seit der Er mordung des Gallus und seiner eigenen Wahl. Julian bindet kein gefühlsmäßiges Band mehr an das Christentum, es sind persönliche Gründe, die ihn so sprechen lassen. Seine ehemalige Religion sieht er nur noch entstellt im Zerrspiegel der Untaten des Constantius, macht sie für diese verantwortlich und empfindet vor den Galiläern nur noch Abscheu. Wir wollen hinzufügen, wie man oft bemerkt hat, daß einerseits die inneren Zwistigkeiten im Schoße der östlichen Kirche kein besonders anziehendes Bild boten, die zu Christus hät ten zurückführen können, und daß andererseits seine neuen Meister und Freunde, heidnische Rhetoren und Philosophen, für die Christen nur Haß empfanden.
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Wie dem auch sei, seine Entfremdung vom Christentum scheint 351 schon unwiderruflich 23, als Julian nach Ernennung des Gallus
zum Herrscher selbst die Erlaubnis erhielt, Macellum zu verlassen und zu reisen. Seine Aufenthalte in Kleinasien, Pergarnon und Ephesos, bei den Neuplatonikern Aedesius, Chrysanthius, Eusebius und vor allem Maximus ließen ihn eine Form irregeleiteter Mystik kennenlernen, welche den Bedürfnissen seiner Seele entsprach, die unter hochmütigem Äußeren nichts von ihrer kindlichen Naivität verloren hatte. In der Folgezeit vermittelten ihm seine militärischen Erfolge in Gallien von 356 bis 361 die Überzeugung, von den olym pischen Göttern beschützt zu sein, und er faßte so immer mehr Zutrauen in seine neue Religion. Er fand Kraft bei dem Gedanken, daß die Götter ihn wegen seiner Tugendhaftigkeit zu lieben schienen.
Anmerkungen 1 Nähere Einzelheiten s. die gebräuchlichen Biographien, so P. Allard, Julien l'Apostat 1 (1906); Seeck, Untergang der Antiken Welt IV (1911), S. 205-307; E. von Borries, RE X 1 (1918), S. 26-91; J. Bidez, La vie de l'empereur Julien, Paris 1930. Seeck hat den großen Vorzug, den Originaltext der meisten alten Quellen zu bieten (IV 455 ff.), und sein Urteil scheint mir oft sehr begründet. ! Seil. 'als ich noch ganz klein war'. 3 Ich lese (351 D), wie mir auf der Hand zu liegen scheint, rroA/..!j> (noA/..a cod.) Tt(lnv6Tt(la cixouoat. Was TÖ>v ÖQWftBvwv angeht, so hat Talbot (Paris, 1863) glaube ich den Sinn erkannt. Es kann sich nicht um wirkliche Bäume handeln. Von seiten des Mardonius wäre es absurd gewesen, dem kleinen Julian die Freude an der Natur zu nehmen, die in Nikomedien seine einzige Abwechslung darstellte, vgl. Lettre 4 Bidez Cumont, 427 C (zu dem kleinen Landgut, das ihm seine Großmutter mütterlicherseits in Bithynien vermacht hatte und wo er als Kind lebte):
TOUTO EftOL ftEl(IClXi(!l XOftt�ii VE(!l itEQb�LOV eMxtL q>iATClTOV.
4 Od. VI 162 ff. 5 Skythe, d. h. sehr wahrscheinlich Gote. Vgl. z. B. I (Lobrede auf Constantius) 30 B 7 Bidez CJTQClT6nella Ta JtQOCJxCl�ftEva Toi; l:x\r6at; ev ITawvlq. (Pannonien) und Seeck IV 511 (Fußnote zu 352, 9): .Scythen ist bekanntlich die griechische Bezeichnung der Gothen." e D. h. Mardonius. Einer der Manierismen der Zeit besteht darin, Eigen namen zu vermeiden und sie durch eine undeutliche Bezeichnung oder
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eine Periphrase zu ersetzen. So unten 352 B/C vno -.:ijc; a�llJ"tOQoc; naQßt vou (Athene), und in der einzigen Lobrede auf Constantius 5 B/C i) �liv ßc.tOlAEUOUOc.t 'tWV U1t(lv"t(I)V 1t0Al<; und 5 D 112 (Bidez) i) a& ent -cqi Boozt6QQ> n6A.1c; öA.ou -coü yevouc; -coü Kwvo-cavtlwv tnwvu�toc; (Kolman tinopel), 27 B 5 i) n6A.1c; (Nisibis), 29 D 4 TOv Mc:pov heivov ov -co toü �loc; ac:plÖQU"tc.tl ßQhac; (das Kapitol), 23 c 8 6 -.:ijc; ßaQßc.t{llxijc; txt:lV'IJc; öuv&�tt:wc; YtYE�tWv (Sapor), 18 A 5 6 xawae (Maximianus Galerius), A 6 toü Tijc; olxou!tEVYJc; an6:0'1Jc; ÜQXOvtoc; (Dioklctian), 26 C 1 tqi tu{laVVQ> und 30 B 9 -coii tuQ6.vvou (Magnentius), 26 C 5 'tWV -.:uQ6.vvwv (Magnen tius und Marcellinus), 26 C 4 -.:6v 'tEWc; Ol:Qc.t"t'IJYOV und 30 B 8 -cov neeo ßu-.:l)v (Vctranio), usw. 1 Seil. er war Grammatiker bei Basilina gewesen. Die Anfangsunter weisung der Kinder bestand in Lektüre und Erklärung der Dichter. 8 Seeck IV 457: Fußnote zu 206, 1 1 . • Und die anderen Werke, in denen Mardonius erwähnt wird, vgl. Seeck a. a. 0. 10 Nämlich daß Constantius nicht für die Ermordungen des Jahres 337 verantwortlich war, sondern ausschließlich die Soldaten. 11 Wie Sceck es IV 208, 22 ff. aufzufassen scheint: "Ja, wie es scheint, wurden ihm sogar die Bücher versagt, soweit sie nicht christlichen Inhalts waren.• n Lettres 106 und 107 Bidez-Cumont. Auf dieses Geschehnis bezieht sich auch Brief 60, an die Alexandriner gerichtet. •a P. Allard I 270 ff., 287. •• P. Allard 285 ff., Seeck 208 ff. 15 Ich mcinc damit die Anwendung der allegorischen Methode, die an sich viel älter ist, auf die heiligen Texte. 11 Bidez 33 ff. S. a. Allard I 286 ff. 11 Vgl. Amm. Mare. XXII 1 1 , 3 ff. und Bidez 25. t8 Helena, Tochter Constantins mit Fausta, Schwester des Constantius. Nach Seeck IV 469 (Fußnote zu 236, 2) war sie wenigstens fünf Jahre älter als Julian. Sie wurde ihm zur selben Zeit zur Frau gegeben, als Constantius ihn zum Cäsar erklärte (6. Nov. 355). Sie lebte mit Julian nur fünf Jahre und starb 360, cf. Amm. Mare. XXI I, 5. Julian erwähnt sie nie. u Vgl. Seeck IV 50, 3 ff.: "In streng religiöser Erziehung war ihm (Constans) vor allem die Keuschheitsforderung des Christentums einge prägt worden und scheint sich in ihm bis zu einer krankhaften Scheu vor dem Weibe gesteigert zu haben.• Vgl. zu Julian Amm. Mare. XXIV 4, 27: ,Ex virginibus autem, quae speciosae sunt eaptae (bei der Einnahme von Maozamalcha auf dem Feldzug von 363) ut in Perside, ubi feminarum pulchritudo excellit, nec contrectare aliquam voluit nec videre.'
Julian in Macellum
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Vgl. Seeck I 442 (Fußnote zu 63, 25). Vgl. Seeck IV 50, und die Fußnote zu SO, 14, S. 401. n Vgl. Seeck IV 343 ff.: "Es gibt in der Literatur aller Länder und Zeiten wohl kein zweites Beispiel, daß ein Schriftsteller seine eigenen Tugenden mit solcher Breite und Selbstgefälligkeit aufzählt, wie dies Julian in seiner Streitschrift gegen die Antiodlener tut." Ammianus weist auf die Liebe zum Selbstlob bei Julian hin XXV 4, 18; vgl. auch XXII 10, 4. u Als er von Antiochien aus an die Alexandriner im November 362 schreibt (Brief 1 1 1 Bidez-Cumont), sagt Julian selbst, daß er seit elf Jahren mit Hilfe der Götter dem Weg der Heiden folge, nachdem er bis zu seinem zwanzigsten Jahr den der Christen gegangen sei (434 D 5/435 A 1): o\m UflaQl:ijat<J�& Ti;S OQ�c; Oöoii ntdt6f.ltVOI T
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J. P. C. Kent, An introducrion to rhe coinage of julian rhe Apostate (A. D. }60-}63). Numismuic Cbronicle 19 (1959), p. 109-117. Aus dem Englischen überseru von Richard Klein.
EINE EINFüHRUNG IN DIE MÜNZPRAGUNG DES JULIAN APOSTATA (360-363)* Von J. P. C. KENT Es ist bemerkenswert, daß bis jetzt so wenige Untersuchungen der Münzprägung des Julian Apostata gewidmet wurden, der all gemein als die interessanteste Persönlichkeit aller römischen Kaiser zwischen Constantin dem Großen und Justinian angesehen wird.1 Der Grund hierfür dürfte teilweise in der enttäuschenden Beschaf fenheit seiner Münztypen zu suchen sein. Läßt man die "Stier" Münzen einmal unberücksichtigt (sie bleiben einer späteren Untersuchung vorbehalten), so ist festzustellen, daß sich die Rück seiten von den herkömmlichen Abbildungen in der ersten Hälfte seiner Herrschaft in rein kriegerische Darstellungen am Ende seiner Regierungszeit verwandeln und daß sie somit wenig Möglichkeiten für eine differenziertere Interpretation übriglassen. Es ist jedoch notwendig, für die Herrschaft Julians eine zuverlässige numis matische Chronologie zu liefern. Diese Abhandlung versucht nun, die augenscheinlich reichhaltige literarische Oberlieferung mit den Münzzeugnissen in Zusammenhang zu bringen. Was die Münz prägung angeht, so sind wir auf eine recht relative zeitliche Reihen folge angewiesen. Eine absolute Datierung ist an manchen Stellen noch nicht möglich, aber weitere Forschungen könnten Anhalts punkte liefern, die bisher noch im verborgenen liegen. Indes lassen sich vernünftige Schlüsse aus dem ziehen, was bereits bekannt ist.
* Mit den Tafeln I und II.
Die
Münzprägung des Julian Apostata
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Münzsorten Die Münzprägung in der Regierungszeit Julians setzt die der letzten Jahre des Kaisers Constantius' II. unmittelbar fort. Zu den Goldmünzen zählen Solidus, Semissis und Tremissis zu l1/2 Scri pula. Es ist nicht bekannt, daß Multiple und Medaillons geprägt wurden. Das Silber besteht meist aus schweren und leichten Milia rensia - um die herkömmliche Terminologie zu verwenden - von 1/so bzw. 1!12 Pfund und der sogenannten Siliqua von annähernd 2 Gramm. Wiederum sind größere Stücke nicht bekannt. In Bronze war ein kleiner AE 3 von etwas über 2 Gramm zu Beginn von Ju lians Regierungszeit im Umlauf. Er war aber gegen Ende durch einen AE 1 von 8,5 Gramm und einen großen AE 3 von 3 Gramm ersetzt worden.
Zeittafel Das genaue Datum von Julians Augustus-Proklamation in Paris ist unbekannt; denn der üblichen spätrömischen Praxis entsprechend wurden seine Regierungsjahre von der Annahme der Caesarwürde an gerechnet (6. November 355).2 Es muß erschlossen werden durch einen sorgfältigen Vergleich zwischen dem nicht datierten Ammian bericht und dem Zeugnis des Codex Theodosianus und ist wahrschein lich auf Februar oder März 360 festzulegen.S Aber während Constan tius es rundweg ablehnte; die widerrechtliche Machtergreifung zu bestätigen 4, erkannte Julian in einer recht bedenklichen Weise die Rechte des Constantius als des älteren Augustus an und verblieb wirk lich bis zu dessen Tode bei dieser Anerkennung. In der Tat kann seine Besetzung der Balkanländer 361 nur als Anspruch auf den gesamten Reichsteil angesehen werden, der früher von Constans beherrscht wurde - also eine Erneuerung der friedlichen Teilung von 340-350. Die Regierungszeit Julians als selbsternannter Kollege des Con stantius gliedert sich in zwei Abschnitte: 1. Februar 360 bis Ok tober 361 - Julian regiert nur in Gallien (Münzstätten in Trier, Lyon und Arles). 2. Oktober bis November 361 - Besetzung von Italien und Illyricum (Münzstätten in Rom, Siscia, Sirmium und Thessalonike - Aquileia war während eines großen Teils dieser
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Zeitspanne von constantiusfreundlichen Truppen besetzt) 5• Julian feierte seine Quinquennalien in Vienne im November 360 6, aber wir können seine Vota Siliquae nicht als Grundlage für die Chrono logie dieses Abschnittes seiner Regierung heranziehen. Unglück licherweise wurde nämlich die Formel VOTISIV/MULTIS/X von ihm als Caesar in Gallien verwendet und diese mißbräuchliche Ver wendung wurde nach dem November 360 beibehalten (als sie kor rekt wurde). So findet sie sich auf Siliquae von Sirmium und auf einem Tremissis von Thessalonike (Tl. I. 18), die nicht vor Oktober 361 datiert werden können.
Münzprägung - Erste Periode (bis Oktober 361) Gold Die Goldmünzen, leicht erkennbar am bartlosen Profilporträt des Herrschers, wurden nur im Namen Julians geprägt. Typus al ler drei Münzstätten ist Gloria Reipublicae Votis/V/Multis/X (Tl. X. 1), durch die Münzzeichen unterscheiden sich diese Emis sionen von denen, die Constantius II. einschließen. Da nur in Trier Solidi mit dem Profilporträt des Constantius zu finden sind, ist es klar, daß Julian nur in seinem eigenen Namen Goldmünzen prägen ließ. Lediglich auf dem Lyoner Semissis Victoria DD NN Augg Vot/X (Tl. X. 2) und auf einem vergleichbaren Tremissis aus Arles ist an die gemeinsame Regierung erinnert. Im Hinblick auf die Vota X suscepta des Semissis und des Tremissis ist es wahr scheinlich, daß diese Münzen alle auf die Periode der Quinquen nalien (November 360) zu datieren sind; denn die Vota suscepta seiner Caesarzeit (und deshalb seines ersten Quinquenniums) wur den mit V auf den Emissionen von Arles ausgedrückt (Tl. I. 3). -
Silber
Trier: Zwei Stücke der Siliqua VOTIS/V/MULTIS/X, nur im Namen Julians geprägt, sind die einzigen Silbermünzen dieser
Die Münzprägung des Julian Apostata
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Münzstätte. Es ist wahrscheinlich, daß sie in gleicher Weise wie die Goldmünzen auf die Feier seiner Quinquennalien zu datieren sind. Lyon: Es gibt zwei Emissionen: 1 . Münzzeichen LVG, ein leichtes Miliarense (VIRTUS EXERCITUS - Tl. I. 4) und zwei Siliquae Typen a. VOTIS/XXX/MULTIS/XXXX Constantius (Tf. X. 7) VOTIS/V/MULTIS/X Julian (Tf. X. 8) b. VICTORIA - DD NN AUG Constantius und Julian (Tf. X. 5-6) Es ist unmöglich, die Vota Siliquae des Constantius auf eine frü here Periode zu datieren, trotz des Fehlens gemeinsamer Prägun gen, die in Arles gefunden wurden. Der Haupteinwand ist da.s vollständige Fehlen entsprechender Silbermünzen aus Lyon, die nur im Namen des Caesar Julian hergestellt sind. Da sie in Arles, Thessalonike und Antiochia vorhanden sind, ergibt sich, daß die Siliqua den Argenteus als gebräuchliche Silberwerteinheit bis nach Julians Regierungsantritt nicht ersetzt hat. Wir können daher die Möglichkeit einer großen gallischen Emission von 356 bis 360 aus schließen, auf deren Vorderseite der dort regierende Caesar nicht erschienen wäre. 2. P, SLVG, die Siliqua VOTIS/V/MULTIS/X nur im Namen Julians (Tl. X. 9}. Diese Emission gehört wahrscheinlieb in die Zeit der Quinquennalien, die andere in die vorhergehenden Monate. Arles: Es gibt zwei Ausgaben von Siliquae, die erste begleitet von einem leichten Miliarense VIRTUS EXERCITUM (Tl. I. 10), beide im Namen von Constantius und Julian gefertigt. a. VOTIS/XXXJMULTIS/XXXX Constantius Julian-Vorders. DN VOTISN/MULTIS/X JULIANUS PF AUG b. VOTIS/XXX/MULTIS/XXXX Constantius VOTIS/V/MULTIS/X Julian-Vorders. DN CL JULIANUS AUG oder IULIA-NUS (Tl. I. 11) Die Beteiligung des Constantius an beiden Serien läßt sich be weisen durch gemeinsame Stücke, welche beide Formen von Julians Vorderseitenlegende mit den VOTIS/XXX/MULTIS/XXXX
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Rückseiten verbinden. Vorderseitenlegenden des Constantius sind ähnlich gepaart mit VOTIS/V/MULTIS/X-Rückseiten (Tl. I. 12). Der Beweis, daß diese gerneinsame Prägung ein echtes Zeugnis einer verbundenen Ern�ssion der zwei Augusti ist und nicht auf eine bloße Weiterbenutzung gerneinsamer Stempel oder Präge formen aus Julians Caesarzeit zurückzuführen ist, leitet sich von der Aufteilung der Officinae ab. Während der Regierungszeit Ju lians als Caesar waren P und S dem Constantius zugeteilt, wäh rend T dem Julian vorbehalten war. Die leicht zu trennende Bronze dieser Periode zeigt, mit welcher Strenge die Aufteilung vorgenom men wurde. Ebenso stammen alle VOTISIV/MULTIS/X Siliquae des Caesar Julian aus der Officina T. Ähnliche Siliquae des Augustus Julian stammen aus allen drei Officinae, so daß man an nehmen kann, daß alle VOTIS/XXX/MULTIS/XXXX Stem pel der Officina T dieser späteren Periode angehören, als es keine Aufteilung der geMfifiten Art mehr gab. Da die gemeinsame Prä gung des Constantius mit V/X-Rückseiten in allen Officinae be gegnet und die des Julian mit XXXIXXXX die Officina T-Stempel einschließt, so ist damit eine gemeinsame Münzprägung sicher bewiesen. Bronze 7 Trier: Von dieser Prägestätte gibt es keine Bronzemünzen.
Lyon: Hier gibt es zwei Ausgaben von kleinen AE 3 SPES REI PUBLICE. Bisher ist nur eine bekanntgeworden mit einer Con stantius-Vorderseite. Arles: Hier gibt es zwei Ausgaben mit SPES REI-PUBLICE, geprägt im Namen von Constantius (Tl. I. 13) und Julian (Tl. I. 14 ). Sie zeigen die Rückseitenlegende des letzteren, welche der ersten Gruppe der Silberprägungen entspricht.
Die Münzprägung des Julian Apostata
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Zweite Periode (Oktober bis November 361) Gold Zwei recht seltene Gruppen von Solidi, die nur im Namen Julians geprägt wurden, sind wahrscheinlich dieser Periode zuzuweisen, eine aus Gallien und eine aus dem Balkan. Lyon und Arles: Der Solidus VIRTUS EX-ERC GALL, der in beiden Münzstätten auftaucht (Tl. I. 15), zeigt ein bärtiges Por trät und einen rohen Stil, der nicht vergleichbar ist mit irgend welchen Siliquae oder Bronzestücken dieser Orte. In Arles erscheint der Adler, der für spätere Ausgaben charakteristisch ist, und außer dem der vollständige Bildtypus, welcher eine bewaffnete, unbeklei dete Gestalt zeigt, die einen knienden Gefangenen niederdrückt und eine Trophäe hält, welche auf einem kurzen Stab angebracht ist. Diese Münzen scheinen am Anfang der langen Serie von Virtus Typen zu stehen, die später noch zu behandeln sein werden. Der besondere Hinweis auf das gallische Heer läßt die starke Vermu tung aufkommen, daß die Ausgabe geprägt wurde zur Truppen entlohnung, unmittelbar, bevor Julian in die Balkanländer aufbrac:h.8 Sirmium und 1hessalonike: Eine Besonderheit dieser Prägestätten, obwohl nur in der letzteren verhältnismäßig häufig, ist der Solidus VIRTUS EXERCITUS ROMANI, mit einer bildliehen Darstel lung wie oben (Tl. I. 16 ). Es ist unwahrscheinlich, daß solche Stücke lediglich als lokale Varianten des Typus 2 VIRTUS EXERCITUS ROMANORUM der folgenden Periode zu betrachten sind, da Münzen mit der gewöhnlichen Legende in beiden Stätten begegnen. Da die genannten Ausgaben sonst nicht auftauchen, ist es arn sinn vollsten, sie der Zeitspanne von Julians Aufenthalt in Naissus zuzuweisen o und die Legende so zu interpretieren, daß Julian die Basis der für ihn notwendigen militärischen Hilfe erweitern wollte. Man sollte wahrscheinlich dieser Periode auch den Tremissis von Thessalonike mit der Angabe VOTIS V/MULTIS X (Tl. I. 17) zu weisen, obwohl hier nur auf einen Kaiser Bezug genommen ist. Ein Stück mit einer gleichlautenden Legende, geprägt im Namen von Constantius li., gehört offensichtlich auf Grund der Angabe Vota XXXIXXXX in die Zeit von 353 bis 357.10 Es ist wahr-
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scheinlich, daß die Legende VICTORIAE DN AUG lediglich einer Gewohnheit entspricht.
Die Alleinherrschaft Julians (361 bis 363) Zeittafel Constantius II., der am 3. November 361 in Mopsukrene starb,11 ernannte auf dem Totenbett Julian zu seinem Nachfolger. Sein Tod wurde in Alexandria am 30. November bekanntgegeben 12 Julian erfuhr davon in Naissus wahrscheinlich etwas früher. Er beeilte sich jedoch, Konstantinopel in seine Hand zu bekommen, das er am 1 1 . Dezember betrat.u Sein letztes in Konstantinopel erlas senes Gesetz stammt vom 12. Mai,14 sein erstes Gesetz aus Antioc:hia vom 28. Juli.t5 Sein Marsch dorthin führte ihn über Nikomedien, Nicaea, Ancyra, Tyana und Tarsus, und er erreichte Antiochia mit ten unter den Klagerufen während des Adonisfestes, also zu einem unheilverkündenden Zeitpunkt.!& Julian trat sein 4. Konsulat am 1. Januar 363 17 in Antiochia an, das er schließlich am 5. März 18 verließ, um zu seinem persischen Feldzug aufzubrechen. Am 26. Juni 363 tt wurde er in der Schlacht getötet, sein Nachfolger Jovian wurde bereits am folgenden Tag zum Kaiser ausgerufen. Beide Ereignisse wurden in Alexandria am 19. August bekannt gegeben.2o In Gallien wird es wohl bis Ende des Monats gedauert haben, ehe man von diesen Vorgängen erfuhr.21
Münzprägung Die Münzausgaben während der Alleinherrschaft Julians kann man in zwei größere Gruppen einteilen, welche durch das Fehlen bzw. das Vorhandensein des Anfangstitels DN auseinandergehalten werden können. Die Einführung dieses Bestandteils in Julians Titu latur kann recht genau unmittelbar auf den Beginn des Jahres 363 festgelegt werden, und zwar dunh die zweite Gruppe der Solidi, welche sein Konsulat verherrlichen (Typus 7 unten). Nur auf diesen
Die Münzprägung des Julian Apostata
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Solidi ersdleint Julian bisweilen mit dem Titel ON, woraus zu schließen ist, daß sämtliche Gold- und Silberemissionen, auf denen das ON fehlt, in die Zeit von November 361 bis Januar 363 fallen, während die Silber- und Bronzeprägungen, auf denen das DN be gegnet, in die erste Hälfte des Jahres 363 gehören müssen.
Gold Die Solidi zeigen ausschließlich den Virtus Exercitus Romano rum-Typus, aber man kann hier mehrere Varianten unterscheiden : 1. Virtus, ohne Umhang, auf einen knienden Gefangenen blickend. Die Trophäe wird auf einem kurzen Stab getragen, der ent weder senkrecht steht oder leicht nach vorne geneigt ist. Dies entspricht genau den Virtus-Typen der vorangegangenen
riode. Die Stücke stammen aus
Pe
den Münzstätten Rom, Siscia,
Sirmium, Thessalonike und Antiochia. Nur in Sirmium und Amiochia sind sie verhältnismäßig häufig.
2. Wie Typus 1 , der Stab reicht hier jedoch bis zum Knie und neigt sich leicht nach hinten. Geprägt ausschließlich in Antiochia. 3. Wie Typus 2, Virtus trägt jedoch einen nach hinten flatternden Umhang und blickt rückwärts über den Kopf des Gefangenen hinweg. Geprägt in Antiochia (Tl. II. 1). Entsprechende Varian ten in Konstantinopel (Tl. I. 18) und Nikomedien zeigen den flatternden Umhang, behalten aber den nach unten gerichteten Blick und den kurzen senkrechten Stab bei. 4.
Wie Typus 3, aber Virtus trägt die Trophäe schräg über der linken Schulter, und der Gefangene duckt sich, anstatt zu knien. Geprägt in Konstantinopel und Antiochia (Tl. II. 1 ).
5. Wie Typus 4, aber der Umhang hängt senkrecht von den Schul tern. Geprägt aussdlließlich in Antiochia. 6. Der Kaiser in Vorderansicht thronend, mit der Kleidung und den Insignien eines Konsuls. Geprägt ausschließlich in Antiochia (Fig. 1).
7. Der Kaiser stehend, nach links gewandt, mit der Kleidung und den Insignien eines Konsuls. Geprägt ausschließlich in Antiochia (Tl. II. 3-4).
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Typus 1 kann nicht vor Oktober 361 datiert werden; denn Julian hatte vorher keine der genannten Münzstätten in seinem Besitz und es ist bereits gezeigt worden, daß die ausschließlich .auf den Balkan beschränkte Variante Virtus Exercitus Romani in der Tat die erste Ausgabe nach diesem Datum war. Es ist wahrschein lich, daß der Wechsel in der Legende von "Tapferkeit des römischen Heeres" - vielleicht in dem angedeuteten Gegensatz zu den "orientalischen" Truppen des Constantius - zu dem mehr all gemeinen "Tapferkeit des Heeres der Römer" nicht eher eintrat, als die vorher einander feindlichen Truppen auf Grund der Nachricht von Constantius' Tod sich vereinigt hatten. Es erscheint daher unwahrscheinlich, daß die Münzen vom Typus 1 erheblidt vor Be ginn des Jahres 362 geprägt wurden, vor allem die reichhaltigen Ausgaben in dem fernen Antiochia.22 Das übergewidtt der Münz stätte Sirmium paßt gut zu Julians bereits erwähntem Interesse für die untere Donaufront zu dieser Zeit.t3 Typus 2 erweist sidt auf Grund der Vorderseiten, die normaler weise dafür gebraudlt werden, lediglidt als eine lokale Variante des Typus 1 aus der Stadt Antiochia. Für die Datierung des Typus 3 sind die Ausgaben von Konstan tinopel und Nikomedien bedeutsam. Von Julian wird beridttet, daß er sein kaiserliches Gefolge (comitatus) entlohnte, kurz bevor er Konstantinopel verließ,24 und daß er ansehnliche Zuweisungen für den Wiederaufbau der Stadt Nikomedien leistete, welche durch das Erdbeben vom Jahre 358 zerstört worden war.25 Da die Solidi Typen 1 nidtt in Konstantinopel geprägt wurden, gehen wir wahr scheinlidt nidtt fehl, den Beginn von Typus 3 in Verbindung zu bringen mit den finanziellen Aufwendungen bei Julians Weggang nach Antiochia in den Monaten Mai-Juli 362. Die Typen 6 und 7 lassen sidt fest datieren auf den Januar des Jahres 363 durch den Hinweis auf Julians Konsulat. Der Typus 7 bildet sicherlich den Abschluß der angeführten Serien; denn er allein ist verbunden mit einer Vorderseite, welche den Titel DN trägt, und somit bleibt uns die zweite Hälfte von 362 für die Aus gabe von Typus 4 und ihre seltenere antiochenische Variante, den Typus 5. Es läßt sich im übrigen eine auffällige stilistische Ent wicklung an Julians antiochenisdtem Bildnis beobachten. Der erste
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Stil, der sich auf den Typen 1 und 2 findet, bringt ein Bild mit einem kleinen Kopf, mit feinen Gesichtszügen und einem ziemlich kurzen Bart. Mit Typus 3 verbindet sich gewöhnlich ein kühnes und grob geformtes Kaiserporträt, ein langes Gesicht und ein voller Bart. Die letzten zwei Gruppen, 4 und 5, kehren zu dem kleineren Kopf zurück, zeigen jedoch einen Mann von kräftiger Statur und wallendem Bart. Antiomenische Tremisses mit der Aufschrift VOT/XX !6 und Siliquae zeigen das Bild der zweiten und dritten Art. Stücke mit einer langen Legende (Votis - Multis) haben die zweite Art, während die dritte Art eine kurze Legende besitzt (Vot - Mult; Tl. II. 13). Es gibt natürlich eine Anzahl von Obergangs bildnissen und mancherlei Hinweise, daß alte Rückseiten-Präge stempel bisweilen weiter benützt, aber mit späteren Porträts ver bunden wurden. Silber
Vota Siliquae und ihre Datierung: Eine der nicht erklärbaren Besonderheiten in Julians Chronologie ist der Wechsel in seinen Vota von V/X zu X/XX während seiner Alleinherrschaft. Das späteste Stück, welches die alte, korrekte Zählung trägt, ist ein Tremissis aus Thessalonike (Tl. I. 18). Die frühesten, sicher datier baren Emissionen mit der neuen Votaangabe sind die Siliquae aus Antiochia, welche dem Typus 4 der Solidi aus der zweiten Hälfte des Jahres 362 (Tl. II. 13) entsprechen. Eine tatsächliche Feier ist bezeugt durch Ausgaben aus Lyon, bei welchen V/X und X/XX Siliquae die gleichen Stempel aufweisen (Tl. II. 5-6). Die zahlrei chen X/XX aus Lyon und Antiochia, auf welchen der Titel DN fehlt, beweisen, daß die Votaangabe sich im Verlauf des Jahres 362 än derte. Es gibt jedoch keinen direkten Hinweis darauf, ob der Wech sel während Julians Aufenthalt in Konstantinopel oder in Antiochia eintrat. Der Grund der neuen Zählung ist unklar, da sie weder zu seinen Jahren als Caesar noch als Augustus paßt. Ich frage mich, ob er seine Zählung nicht an die des Constantius angepaßt hat, dessen vierzigstes Regierungsjubiläum - bei gebräuchlicher Zählweise in den Monaten Oktober/November hätte gefeiert werden müs sen.27 Ein solcher Anschluß an die Zählung des Constantius würde
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die Kontinuität jener Serien garantieren, womit Julian bei seinem fünfjährigen Jubiläum das außerordentlich wichtige Heer des Ostens entlohnte, und zugleich die Einheit der Herrschaft mit sei nem Vorgänger dokumentieren. Die Wahl der Vota X/XX wäre somit zwar willkürlich, aber erklärlich; denn wenn man die Not wendigkeit für ein neues Jubiläum als gegeben annimmt, dann gab es keine andere Wahl als die Numerierung zu erhöhen. Stimmt man dieser Hypothese zu, so kann man diesen vorgezogenen Decen nalien die Virtus Solidi-Typen 4 und 5 zuweisen, die antiochenischen Sub-Multiplen, sämtliche antiochenische Silbermünzen sowie die Siliquae aus Lyon, welche die Aufschrift VOTIV/MULT/X und VOT/X/MULT/XX tragen, jedoch ohne den Titel DN. Lyon: Hier gibt es Siliquae-Emissionen mit der Votaangabe V/X, welche zu trennen sind von denen, die zu Beginn der Regie rungszeit Julians herauskamen, und zwar auf Grund des massigen Kaiserporträts und wegen einer Prägestempel-Verbindung mit den X/XX-Ausgaben, die von der zweiten Hälfte des Jahres 362 an zu datieren sind, wie ich es aus ihrer zeitlichen Reihenfolge in Anciochia gezeigt habe. Diese Stücke mit ihrer charakteristischen Verkürzung VOT (für VOTIS) beweisen, daß es einen bestimmten Zeitpunkt gab im Wechsel von den niedrigeren zur höheren Zäh lung. Die meisten dieser Siliquae haben die frühere Vorderseite ohne DN (Tl. I. 5-7), aber die letzte Ausgabe, geprägt in zwei Officinae, umfaßt auch einige wenige Stücke mit der späteren Form (Tl. 11. 8). Diese Lyon-Prägung kann auf die Zeit Oktober 362/ Januar 363 datiert werden. Arles: Wenn die Siliquae aus Lyon gerade bis an das Jahr 363 heranreichen, könnte es so aussehen, daß in Arles die späteren Silbermünzen nicht vor diesem Jahr begannen und bis zum Ende der kaiserlichen Regierungszeit reichten. Siliquae ohne DN scheinen irregulär zu sein (Tl. II. 9), nur die späteren Vota X/XX sind auf ihnen vorhanden. Typische Münzen dieser Ausgabe mit dem Titel DN zeigen den Adler an der Spitze eines Kranzes (Tl. Il. 10}, in ihrem Gefolge gibt es leichte Miliarensia des VIRTUS EXERCI TUS-Typus (Tl. II. 11). Einige wenige Siliquae zeigen ein mehr rundes Kaiserporträt und lassen den Adler weg (Tl. II. 12). Sie sind sicherlich spät und leiten über zu den ersten Emissionen Jovians
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Die Münzprägung des Julian Apostata
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(Tl. li. 17). Vota Siliquae aus Konstantinopel tragen außerdem den Titel DN (Tl. II. 14) und fallen somit in die erste Hälfte des Jahres 363. Sie finden ebenfalls eine direkte Nachfolge durch eine Prägung für Jovian. Bronze Eine sehr seltene Emission von kleinen AE 3- oder AE 4-Stücken wurde in Rom mit der Bilddarstellung und der Legende von Ty pus 3 des Virtus-Solidus hergestellt (Tl. I. 19). Die genaue Lesart ist nicht klar, aber der Typus und die Vorderseite ohne DN sind ein Hinweis, daß sie in das letzte Viertel des Jahres 361 gehören. Sie sollten vielleicht in Beziehung gesetzt werden zu der Produktion des MONETA AUG Bronzemedaillons. Alle übrigen Bronzemünzen scheint man unmittelbar auf das Ende von Julians Regierungszeit festlegen zu können; denn in beiden Einheiten tragen sie stets den DN-Titel. In Arles weist fer ner die Vorderseite einige Varianten auf, welche denen der X/XX Siliquae entsprechen. Es gibt nur zwei Typen - den Stier (SECURITAS REIPUB) auf den AE 1 (Tl. II. 15) und die Angabe VOT/X/MULT/XX auf den AE 3-Stücken (Tl. II. 16). Die Ent deckung eines Apisstieres in .i\gypten gegen Ende 362 legt die Möglichkeit nahe, daß der AE 1-Typus auf diese Erscheinung an spielt. Ich habe jedoch bereits Gründe vorgebracht, welche daran zweifeln lassen,28 und es ist offensichtlich, daß das Hauptinteresse der Bronze- wie der Silberprägungen auf den vorweggenommenen Decennalien vom Ende des Jahres 362 liegt.
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Anmerkungen 1 P. H.
Webb: The coinage of the reign of Julian the Philosopher, NC 191 235. G. Eimer: Die Kupfergeldreform unter Julianus Philosophus, NZ 1937 25 geht sehr ins einzelne, ist aber nicht immer zuverlässig. A. Alföldi: A Festival of Isis in Rome under the Christian Emperors of the IV'h Century, Budapest 1937, handelt von den vota publica, von den Isis- und Serapisbronzen und zeigt, daß sie nichtoffizielle Produkte der Münzstätte von Rom sind und daß die Mehrzahl von ihnen nicht aus der Regierungszeit Julians stammt. Auf sie wird in dieser Untersuchung nicht eingegangen. 2 Amm. XV 8, 17. ILS 753 zeigt, daß seine Kaiserbegrüßungen von seiner Caesarzeit ab gezählt wurden. 3 Er war noch in den Winterquartieren (Amm. XX 8, 2). 4 Amm. XX 9, 4. Julian ad Ath. 285 D; ep. 9 (382 C). 5 Amm. XXI 11, 1-12, 20. Obwohl er sich ständig als Befreier von der Tyrannei präsentiert (ILS 750 bis 752; Jul. ad Ath. 286 D, 287 A; ep. 57 - ed. Loeb; Amm. XXI 10, 7), ist es offenkundig, daß die Hilfe, welche ihm außerhalb Galliens zuteil wurde, spärlich war und daß ein entschei dender letzter Erfolg für unwahrscheinlich gehalten wurde (vgl. Amm. XXI 9, 8; 10, 7 usw.). s Amm. XXI 1, 1-4. 7 Für Julians Bronzeprägung vgl. R. A. G. Carson und J. P. C. Kent: Bronze Roman Imperial Coinage of the later empire 346-498 und Spink's Num. Circ. Sept. 1957 und folgende, neu gedruckt als Late Roman Bronze Coinage. 8 Eutrop. X 15 gibt an, daß Julians Vormarsch von Gallien nach Illy ricum ein Jahr nach seiner Proklamation zum Augustus stattfand, aber Ammian macht deutlich, daß ein beträchtlicher Teil der Jahreszeit für einen Feldzug tatsächlich schon verstrichen war. 9 Amm. XXI 10, 5; 12, 1. 10 Im Osten waren die vota XXXIXXXX des Constantius, ehe er Illy ricum verlor, aufgegeben worden zugunsten der XXXX suscepta. Die Abfolge der Ausgaben von Sirmium zeigt, daß diese Formel später ist als XXXV/XXXX, welche 357 eingeführt wurde. 11 Amm. XXI 15, 3, korrigiert durch andere Quellen. 12 0. Seeck: Regesten der Kaiser und Päpste . . . 209. 13 Amm. XXII 2, 4. 14 Cod. Theod. XIII 3, 4. Ein ausführlicherer Text ist erhalten bei Julian ep. 31 (398 B). 15 Cod. Theod. I 16, 8. Vgl. Julian ep. 41 (436 A), gegeben zu An tiochia am t. August.
Die Münzprägung des Julian Apostata
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Amm. XXII 9, 15. Amm. XXIII 1, 1. 1s Amm. XXIII 2, 6. 19 Eutrop. X 16; Amm. XXV 5, 1. 20 Seed c Regesten . . . 213. 21 über die Zeitspanne zwischen Jovians Ausrufung und der offiziellen Bekanntgabe in Illyricum und Gallien vgl. Amm. XXV 8, 8. 22 Die vermuteten gemeinsamen Stücke mit einer Julian-Vorderseite und einer antiochenischen Rückseite Constantius' II. (cf. Cahn 66 1930 788) müssen als Fälschung angesehen werden angesichts der Stempelver bindung mit dem absurden LAETITIA COS III (Ars Classica XII 3041). u Amm. XXII 7, 7. 24 Amm. XXII 9, 2. u Amm. XXII 9, 5. 26 Ex Nummis Historia IV 1951 645. 27 Constantius' fünfunddreißigstes Regierungsjubiläum wurde 357 wäh rend seines Besuches in Rom gefeiert (Hydatius, Chron. sub anno). 28 Amm. XXII 14, 6. Vgl. meine Untersuchung "Notes on some fourth century coin types", NC 1954 216. u n
W. R. Ch•lmers : Eunapius, Ammianus Marcellinus, and Zosimus on Julian's Persian Expedition. The Classical Quarttrly 10 (1960), 152-160. Aus dem Englischen übersetzt von Udo Kindermann.
JULIANS PERSERZUG BEI EUNAPIUS, AMMIANUS MARCELLINUS UND ZOSIMUS Von W. R. CHALMERS Unlängst hat Dr. A. F. Norman • dem Eunapius ein Suda Fragment (Adler A 2094 s. v. &.vaoxoiioa) zugewiesen, das sich ein deutig auf die Belagerung von Maiozamalcha bezieht. Normans Beweisführung ist stringent und muß daher wohl akzeptiert wer den. Leichte Unterstützung erfährt die Zuweisung dadurch, daß das Fragment das Adverb Ötacp&Q6v-rw� enthält, das Eunapius nach dem Nachweis von Vollebregt 2 ganz besonders schätzte. Norman vergleicht dieses Fragment mit den einschlägigen Passagen bei Ammianus Marcellinus (XXIV, 4, 23) und Zosimus (III, 22, 4) und macht darauf aufmerksam, daß unter der Voraussetzung, daß die Zuweisung berechtigt ist, 'wir hier das erste Mal eine Oberliefe rung zum nämlichen Vorfall der Persischen Expedition in den Berichten des Ammian, des Eunapius und des Zosimus haben'. Er kommt zu der Folgerung, daß Zosimus den Eunapius benutzte, welcher seinerseits aus dem un:6JA.VIJ!lO des Oribasius schöpfte, und daß Zosimus den allgemeinen Bericht des Oribasius korrigierte, und zwar 'in Details, die bis zu einem gewissen Grade Überein stimmung mit Ammian zeigen'. Später argumentiert er, 'falls Zosi mus den Eunapius benuute und wie hier korrigierte, können wir die Annahme einer direkten oder indirekten Abhängigkeit des Eunapius von Ammianus gleichfalls verwerfen, und wir sind auf dem besten Wege, die vielen Diskrepanzen zu erklären, die sich hinsichtlich der Eigennamen und der militärischen Bewegungen in den Berichten von Ammian und Zosimus finden. Die meisten Irr tümer des Zosimus beruhen auf solchen des Eunapius oder Ori ba.sius, für die Zosimus keine detaillierten Angaben anderswo finden konnte'. Hinsichtlich der Quelle, nach der Zosimus den Eunapius korrigierte, ist sich Norman nicht sicher, und er beschließt seinen
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Aufsatz mit dem Bemerken 'Falls . . . Ammian glaubwürdig ist und Zosimus Zugang zu den von jenem gebotenen Nachrichten baue, ist sein Verhalten hier nahezu unerklärlich, da er eine Einzel heit nur halb korrigiert und soviel unkorrigiert stehenläßt'. Wenn man dem folgt, ist diese Zuweisung in jeder künftigen Erörterung des Abhängigkeitsverhältnisses von Zosimus und Am mian zu berüd<Sichtigen, doch ist es klar, daß dies keineswegs alle anstehenden Probleme löst. Falls die Diskrepanzen aus der Benut zung des Eunapius und damit des Oribasius durch Zosimus erwach sen, wie soll man dann die oft auffälligen Ähnlichkeiten erklären? Hat Zosimus wirklich Ammian benutzt, um so den Eunapius zu korrigieren? Es gibt gelehrte Versuche, die i\hnlichkeiten in den Berichten von Ammian und Zosimus durch das Postulat einer gemeinsamen Quelle zu erklären. Sudhaus' stellte die Behauptung auf, die l!ltOf.LvTJIJ.U'ta (sie) des Oribasius seien offizielle Kriegsberichte ge wesen, geschrieben auf Anordnung Julians, und daß sie nicht nur von Eunapius, sondern gleichfalls von Ammian eingesehen wurden. Der Zosimus-Herausgeber Mendelssohn4 konnte zeigen, daß die Oribasius-Benutzung (Fragment 8) 5 durch Eunapius darauf hin weise, daß dessen Werk allein für ihn geschrieben worden war und nicht auch Ammian zur Verfügung gestanden haben konnte. Diese Ansicht wird m. E. zu Recht allgemein geteilt, trotz des Wider spruches durch Laqueur 8• Heckers7 Hypothese, daß Schriften Julians selbst die gemeinsame Q!Jelle gewesen sein könnten, ist deshalb unhaltbar, weil nach dem Nachweis von Reinhardt die Ähnlich keiten in den Berichten über Julians Tod hinaus anhalten. Rein bardts8 eigene Hypothese war die, daß die Berichte über Julians persisches Unternehmen auf einem offiziellen Feldzugsjournal basierten. Dies wird eigentlich schon dadurch widerlegt, daß die auffälligsten Diskrepanzen solche der Nomenklatur und von Zahlen und topographischen Details sind, bei denen man doch einer offiziellen Angabe als besonders zuverlässiger Quelle gefolgt wäre.e Unter den Hypothesen von einer gemeinsamen Quelle hat die von Mendelssohn •o vorgebrachte die meiste Zustimmung gefunden. Seiner Meinung nach bat Zosimus bei dem Bericht über die per-
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sische Expedition auf Eunapius verzichtet und als Quelle Magnus von Carrhae benutzt, einen Historiker, den wir aus dem Auszug in Malalas (Chron. p. 328) u kennen, dessen Werk gleichfalls Quelle für Ammian war. Mendelssohn übernahm auch Müllers t2 Ver mutung, Magnus von Carrhae sei derjenige Magnus, der sieb einen unterirdischen Weg nach Maiozamalcha bahnte. Sowohl diese Gleichsetzung als auch die gesamte Hypothese von der Benutzung des Magnus durch Ammian und Zosimus wurden gültig widerlegt durch Professor E. A. Thompson 13, die Magni nominis umbra durch seinen Beweisgang vertrieben. Deonoch sind einige Argumente zugunsren der Mendelssohnschen Hypothese ertragreich weiter zu verfolgen. See� 14 äußerte den Gedanken, die Erwähnung des Namens Magnus im Zusammenhang des Berichts über Maiozamalcha deute darauf hin, daß dieser Magnus der Historiker gewesen sei, der auf diesem Wege seine eige nen Taten bekanntmachen wollte. Diese Hypothese und ihre Ausfaltung durch Klotz u haben durch Thompson eine hinreichende Widerlegung erfahren, doch sollte man sich nach Normans Artikel fragen, warum es Ammian, Eunapius und Zosimus allesamt für notwendig befunden haben, irgendwie die Namen der Beteiligten an zugeben. Ich glaube, Ammian (XXIV, 4, 24) gibt uns einen Hinweis auf die Antwort. Nach der Belagerung, so sagt er, enituerunt hi qui fecere fortissime, obsidionalibus coronis donati, et pro contione laudati, veterum more. Wir dürfen sicher sein, daß die drei Tunnelgräber zu denen gehörten, qui fecere fortissime und daß sie die corona obsidionalis erhielten. Diese Ehrung widerfuhr sonst
nur Generälen, die eine eingeschlossene Stadt entsetzten.16 Der außerordentliche Charakter der Auszeichnung mag durchaus dazu geführt haben, daß die Namen zumindest einiger der Ausgezeich neten und die Umstände, unter denen sie sieb ausgezeichnet hatten, überliefert wurden. Sie können ja von anderen Historikern berich tet worden sein, deren Werke verlorengegangen sind, und Zosimus hat zu dieser Begebenheit möglicherweise ein heute verlorenes Werk benutzt. Ferner ist zu untersuchen, ob Mendelssohns 11 Hypothese irgend eine Grundlage hat, Zosimus verlasse bei seinem Bericht über die persische Unternehmung seine sonstige Quelle Eunapius. Zwei An-
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haltspunkte gibt es dafür, einmal den, daß Zosimus selbst angibt, er wechsle jetzt seinen Gewährsmann (3, 2), und zweitens jenen, daß sich von keinem der erhaltenen Eunapius-Fragmente über die persische Expedition eine Spur im Werk des Zosimus findet. Die von Mendelssohn aus Zosimus zitierte Textstelle lautet: dgf]oe't<xt xat iJJ.ti:v
xat �taA.�o'ta Öoa 1:0"i� aAA.o�� JtllQUAEAei:qr(}a� Öoxei:.
Nach Mendelssohn bezog sich Zosimus mit dem Ausdruck
'tOL� äAA.o�� auf Eunapius. Nun ist jedoch zu sagen, daß dieser Satz fällt, bevor Zosimus über Julians Unternehmungen in Gallien berichtet, und wir haben keinen Hinweis darauf, daß die von Magnus behandelt wurden. Daher ist ein gewisses Mißtrauen gegen Mendelssohns Hypothese angebracht. Und das wird sich bei einem Blick auf das Eunapius-Fragment 9 noch verstärken, da dieses eindeutig im nämlichen historischen Zusammenhang steht wie der zitierte Text aus Zosimus. Eunapius sagt dort, er wolle nicht zu Julians eigenem Bericht über die Schlacht von Straßburg in Kon kurrenz treten. Er benutzt die Wendung 'tOL� J.lEV ßouA.o�thot� 'tO J.lEyd)o� -cÜ>v txdvou A.Oyoov -ce xat t(lyoov avaoxorret:v 'tÖ JtEQL tovtoov ß�ßl..tov Em'ta�OJ.lEV. Das erinnert unbestreitbar an die Worte des Zosimus unmittelbar vor der wiedergegebenen Passage: JtaQEO't� M t<ji ßouAOJ.lEVq>
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sem sehen drei Viertel so aus, als seien sie aus Oribasius ge schöpft, während der Rest mit Ammian übereinstimmt, ausgenom men die Diskrepanz eines Eigennamens.' Das vierte einschlägige Fragment ist Nummer 22, 3, in dem Eunapius von der Gefahr spricht, die der Gesundheit des Heeres durch den überfluß an Nahrungsmitteln in den Vorstädten von Ktesiphon drohte. Thomp son bemerkt, daß diese Erzählung eine Parallele bei Ammian (XXIV, 3, 14) findet, nur daß dort die Armee in der Nähe von Maiozamakha liegt, nicht vor Ktesiphon. Ich halte auch eine an dere Lösung für denkbar. Die Parallelität von Fragment und Ammianstelle kann zufällig sein, und vielleicht bezieht sich Euna pius auf die Geschehnisse bei Hucumbra (Iil�-tßea bei Zosimus). Wenn Ammian auf die Ankunft des Heeres bei Hucumbra zu spre chen kommt, erwähnt er nicht, daß die Gesundheit der Truppe durch übermäßige Nahrungsaufnahme in Gefahr gewesen sei. Doch er sagt unmißverständlich, daß es vor dem Eintreffen dort sehr wenig zu essen gegeben habe und man dort dann eine satietas frumenti (XXV 1, 4) vorgefunden habe. Im Eunapius-Fragment ist die Wendung &
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Es möchte scheinen, daß es keinen vernünftigen Grund gebe, der Feststellung des Photius (cod. 98) zu mißtrauen, Zosimus habe sich in seinem Werk sehr stark auf Eunapius gestützt. Nun konnte Norman zeigen, daß er gelegentlich den Eunapius-Bericht korri gierte, doch scheint selbst an der von Norman angeführten Stelle seine Abhängigkeit von Eunapius offensichdich zu sein. Es ist auch sehr wahrscheinlich, daß sich Eunapius stark auf Oribasius stützte. Beide waren enge Freunde, wie wir aus Eunapius (Fragment 8) erfahren und wie wir daraus schließen, daß Oribasius dem Euna pius nicht nur die historische Darstellung lieferte, sondern auch ein medizinisches Handbuch, das ganz auf seinen persönlichen Ge brauch zugeschnitten war.21 Außerdem war Oribasius noch am Leben, als Euoapius sein Werk über Julian verfaßte 22• Unter diesen Umständen dürfen wir m. E. unterstellen, daß Eunapius jede Nach richt, die er durch Oribasius vermittelt bekam, sorgfältig behandelt haben wird. Man hat schon daran gedacht, daß die Darstellung des Oribasius keinen großen historischen Wert gehabt haben könnte 23, zu Unrecht, wie mir scheint. Natürlich ist es schwer, etwas über den historischen Wert eines Werkes zu sagen, das nicht erhalten ist, doch wissen wir aus anderen Quellen über Oribasius und seine Art zu schreiben Bescheid. Der Medizinhistoriker Sir Clifford Allbutt 24 lobt nach einer Untersuchung der medizinischen Schriften des Ori basius diesen, der habe ,ehrlich und genau seine Quellen angegeben und von keinem der benutzten Autoren etwas als sein Eigentum ausgegeben'. Da das Gegenteil nicht bewiesen ist, haben wir kein Recht, zu unterstellen, Oribasius sei nicht ebenso sorgfältig bei seinen Ausflügen ins Gebiet der Historiographie verfahren wie in seinen medizinischen Abhandlungen. Hinzu kommt, daß es keinen wirk lichen Beweis für die These von Seeck 25 gibt, der Bericht sei erst eine Generation nach den behandelten Ereignissen abgefaßt wor den. Er kann sehr wohl früher geschrieben worden sein und mög licherweise auf Notizen beruhen, die während des Feldzuges nieder gelegt wurden. Wahrscheinlich brachte der Bericht viele Anekdoten über Julian (vgl. Eunapius, Fragment 24), ebenso wahrscheinlich war aber auch der Rahmen um diese Anekdoten ein solides und ehrliches Stück Arbeit. Man kann wohl Norman beipflichten, daß die Nachrichten, die Eunapius von Oribasius bezog, ,wohl den
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wesentlichen Teil seiner Erzählung ausmachten, und es gibt in der Tat keinen Beweis für irgendeine andere Quelle'. Wenn wir einerseits davon ausgehen, daß das Werk des Zosimus eine historische Tradition repräsentiert, die von dem Bericht des Oribasius ihren Ursprung nimmt, und wenn wir andererseits nicht in der Lage sind, eine andere Quelle zu benennen, die gemeinsam benutzt wurde sowohl von dieser Tradition als auch von Ammian, so gibt es drei mögliche Erklärungen für die �hnlichkeiten im Be richt des Zosimus und dem des Ammianus, nämlich 1 . Eunapius benutzte den Ammian, 2. Zosimus benutzte den Ammian und 3. Ammian benutzte den Eunapius. Da die zweite Möglichkeit von Norman 26 bejaht wurde, will ich zunächst sie besprechen. Zosimus muß beträchtliche Zeit nach Ammian 27 geschrieben haben, und als ehemaliger advocatus konnte er vermutlich Latein. Wie wir sahen, korrigierte er an einer Stelle Eunapius nach einer anderen Quelle Prima vista ließe sich daher die These halten, daß er aus Ammian schöpfte. Doch gibt es Anzeichen dafür, daß dem nicht so war. Bei seinem Beridlt über die Belagerung von Pirisa bora (III 18) beschreibt Zosimus eine Belagerungsmaschine, die Ammian bei gleicher Gelegenheit (XXIV 2, 18) mit Bestimmtheit eine helepolis nennt. Zosimus drückt sich folgendermaßen aus: -c6tt öl] o ßaotf..tu�, Etn E� obtt(a� Evvota�. -cfl -cii>v -c61toov UQf.A.OOa f.A.EVO� 'fr€ott, Etn xat -coii-co tx 1tof..wattda� /..aßwv, f.A.'I'JX.UVllf.A.U tt xatEOXEUaOE tot6vöt. Auf der anderen Seite betont Ammian so wohl hier als auch bei seiner allgemeinen Beschreibung der hele polis (XXIII 4, 10-13), daß diese Maschine häufig von Deme trius Poliorketes benutzt wurde. Auch wenn ein für Julian vor eingenommener Zivilist aus Unwissenheit den Kaiser mit dieser Erfindung bedacht haben könnte, so ist es doch kaum wahrschein lich, daß er dies auch noch nach der Lektüre von Ammians maß gebender Beschreibung getan hätte. Ammians Wiederholung der Detailangabe über Demetrius Poliorketes wäre in der Tat leidJter erklärlich, wenn er von anderen Autoren Kunde gehabt hätte, daß sie die Erfindung der helepolis Julian zuschrieben. Beide Verfasser geben eine interessante Beschreibung des An griffs auf die erste Inselfestung, die die Römer auf ihrem Marsch euphratabwärts antrafen (Amm. XXIV 1, 5-8 und Zos. III 14). .
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Die Details und ihre Abfolge bei jedem Autor ähneln sich so stark, daß wir die Möglichkeit ausschließen können, die 1\.hnlichkeit beruhe allein darauf, daß beide dieselben Ereignisse beschrieben. Es muß eine Verbindung zwischen beiden Berichten geben, und die eine bemerkenswerte Diskrepanz in ihnen weist auch darauf hin, welche Verbindung das gewesen sein könnte. Bei Ammian wird der Name der Festung mit Bestimmtheit als Anatha angegeben, wäh rend Zosimus ihren Namen offensichtlich nicht kennt und nur an geben kann, sie liege gegenüber
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weisen, den Verdacht nahe, daß diese noch nicht als geschlossene systematische Abhandlung vorlag, sondern vielleicht aus einer Vita Constantins und einer Vita Julians bestand, und diesen eine Uni versalgeschichte ab dem Jahre 363 folgte. Selbst wenn es sich um eine allgemeine Geschichte ab dem Jahre 270 gehandelt haben sollte, was hätte deren Publikation in einzelnen Lieferungen ausgeschlos sen? Später hat er dann noch eine weitere Lieferung erscheinen lassen, welche die Jahre 395 bis 404 zum Inhalt hatte. Nichts beweist, daß Eunapius keine Historiographie vor seinem 50. Lebens jahre veröffentlichte, und es ist sogar wahrscheinlich, daß zumin dest ein Teil eher anzusetzen ist 31 . Soweit wir das erkennen kön nen, kann das Werk des Eunapius über Julian durchaus für Am mian verfügbar gewesen sein. Die wichtigste Frage ist aber nicht die, ob Ammian aus Eunapius geschöpft haben kann, sondern ob er es auch getan haben dürfte. Ich meine, es ist klar, daß er selbst an dem Feldzug nach Persien teilgenommen hat 32 und daher aus persönlicher Erinnerung darüber schreiben konnte, höchstwahrscheinlich unter Hinzuziehung eige ner Aufzeichnungen. In vielerlei Hinsicht ist es dem Historiker eines Feldzuges von Wert, wenn er selbst daran teilgenommen hat, doch haben wenige Soldaten im Feld die Möglichkeit, zu dem Gesamtüberblick zu kommen, den ein Werk der Militärgeschichte erheischt. Ammian kann durchaus das Gefühl gehabt haben, er könne von dem Bericht eines Teilnehmers profitieren, der zwar eingestandenermaßen Zivilist war, aber dennoch engsten Kontakt mit dem Feldherrn und dem Generalstab hatte (die Teilnahme des Oribasius am Feldzug kann aus Eunapius, Fragment 8, erschlossen werden : x.a� -c&v ye 1CQa;eoov, Jtaoa� öe iptlo-ca-co JtaQrov &naoat�, f.tUAa UXQtßoo� UJt6f..lVTJJ..Ul (J1JVE"t'EAEL 1CQO� -ci}v waqrfjv).
Wenn man diesem Ansatz folgt, kann man zwei verwirrende Besonderheiten in der Erzählung Ammians erklären. Sein Ausdruck obtecti scutis vimine firmissimo tectis (XXIV 2, 10) scheint eine Verdichtung der Beschreibung zu sein, die Eunapius in Fragment 21 bietet. Ich vermute, daß Ammian die Weidenschilde der Perser ver gessen hatte, bis er durch die Lektüre des Eunapius an sie erinnert wurde, und daß er es nicht für nötig erachtete, die bei Eunapius beschriebenen Helme zu erwähnen. Jetzt wird die offensichtliche
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Genauigkeit in medizinischen Details bei Ammian XXV 3 erklär lich. Nach Büttner-Wobst 3S deutet diese Genauigkeit darauf hin, daß die Details aus der Feder des Oribasius stammten. Ich pflichte dem bei mit der Ergänzung: durch die Vermittlung des Eunapius. Auch der Hinweis auf Julians Gespräch auf dem Sterbelager mit Maximus und Priscus kann aus Eunapius stammen. Aus den Sophistenviten weiß man, wie interessiert er an diesen beiden Per sönlichkeiten war, und natürlich finden sie in dieser Reihenfolge in seinem Fragment 19 Erwähnung. Doch will ich diesen Punkt nicht überstrapazieren, da die entsprechende Nachricht aus anderer Quelle gekommen sein kann 34. Nimmt man an, daß Ammian das Werk des Eunapius benutzen konnte, sind gewisse Rückschlüsse hinsichtlich der Ähnlichkeiten und der Diskrepanzen in seinem und des Zosirnus Bericht möglich. Wenn die Ähnlichkeit eine starke ist, kann man annehmen, daß Ammian die Version des Eunapius als zuverlässig angesehen und seiner eige nen Erzählung eingepaßt hat, mit den Abänderungen, die ihm nötig erschienen. Auf die oben besprochenen Stellen (Amm. XXIV 1, 5 bis 8 und Zos. III 14) angewendet: Vielleicht schrieb Ammian, daß eine Festung namens Anatha genommen wurde, konnte sich aber nicht an die Einzelheiten erinnern. Eunapius konnte die Einzel heiten beitragen, wußte jedoch den Namen nicht mehr. Oribasius könnte nur berichtet haben, daß die Festung Phathousas gegenüber lag, einem Platz, der möglicherweise Julians Hauptquartier auf nahm. Die Diskrepanzen können nicht auf einen alleinigen Grund zu rückgeführt werden. Einer der Gründe ist in des Zosimus Technik der Materialverdichtung zu sehen, durch die er von Ammian über lieferte Einzelheiten unterdrückte. Auch kann er, wie zu sehen war, leichte Abänderungen unter Rückgriff auf eine andere Quelle vor genommen haben. Auch können sowohl ihm als vor ihm schon Eunapius Fehler bei der Wiedergabe fremder Namen unterlaufen sein. Natürlich kann Oribasius selbst persische Namen sehr wohl auf eine andere Art wiedergegeben haben als Ammian. Ammian zeigt beträchtliche Persien-Kenntnis, und seine jeweilige Version verdient wohl den Vorzug. Gelegentlich mag sich Ammian selbst geirrt, doch seinen Irrtum auch nach der Lektüre des Eunapius nicht
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verbessert haben. Beispielsweise kann man hier auf seine Erwäh nung des Naarmalcha verweisen (XXIV 6, 1), wo es an sich um einen vom Naarmaldla gespeisten Kanal geht36. Hinzu kommen Fälle, bei denen trotz untersdliedlidlem Beridlt m. E. beide bis zu einem gewissen Grade recht haben mögen. So gibt Ammian (XXIV 2, 7-8) eine andere Version vom Übergang über den bei ihm so genannten Naarmalcha als Zosimus (III 16). Zosimus beschreibt, wie die Armee durdl den morastigen Unter grund aufgehalten wurde, während Ammian beridltet, die Infan terie sei auf sorgfältig gebauten Brücken hinübergelangt und die Kavallerie habe die clementiores gurgites in voller Rüstung schwimmend überwunden. Wie wir aus XXIV 1 , 2 wissen, rückte die Kavallerie auf der linken Flanke vor und stand demnach wei ter vom Euphrat entfernt. Dort mögen die Bedingungen andere gewesen sein als die vom Hauptkontingent vorgefundenen. Wenn Ammian mit der Kavallerie übergesetzt war, hatte ihn vielleicht die Besdlreibung der Schwierigkeiten bei der Infanterie durch Eunapius wenig beeindruckt, obwohl sein Hinweis auf pontes caute digesti zeigt, daß er wußte, daß der Übergang kein einfacher gewesen war. In XXIV 3, 10-11 sagt Ammian vom Übergang über einen gefluteten Kanal, daß er non sine difficultate bewerk stelligt worden sei, während Zosimus den Ausdruck J.te"t
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erwähnt die doppelte Umwallung, die steile Straße vom inneren Wall hinauf zur Akropolis, die Akropolis mit ihrer Kreissegment Form, die �ht;oöo; (in diesem Zusammenhang vermutlich ein Fluß kanal) nach Westen und Süden, die Umleitung des Flusses, welcher die Stadt im Norden schützte, und Wall und Graben im Osten. Dazu beschreibt er die TC1JQ'YOl, sie seien aus gebrannten Ziegeln erbaut, die in der unteren Hälfte mit Erdpech verbunden seien, und sie bestünden in der oberen Hälfte aus gebrannten Ziegeln mit Gips. Die Details bei Ammian sind weniger präzise. Er be schreibt die Stadt als ambitu insulari circumvallatam und bietet keine genauen Angaben über die allseitigen Befestigungsanlagen. Er unterscheidet nicht zwischen unterem und oberem Ziegelgefüge der Mauern, sondern sagt nur, sie seien alle bitumine et coctilibus latercuüs fabricatae. Die Akropolis wird mit einem argolischen Schild verglichen. Und die einzige weitergehende topographische Information, die Ammian liefert, ist die, daß die Akropolis an der nördlichen geraden Seite durch steil zum Euphrat abfallende Kliffe geschützt war. Dieses Detail könnte freilich auch bei Euna pius gestanden haben. Wenn dessen Fragment 21 sieb auf die Belagerung von Pirisabora bezieht, ist es offenbar, daß zumindest ein Teil seines Berichtes hier von Zosimus unterdrückt wurde. Diese Schwierigkeit taucht immer auf, wenn Ammian mehr Nad'!Iichten bietet als Zosimus. Solche Nachrichten sind dann entweder seine eigene Zutat oder sie standen vielleicht schon bei Eunapius und wurden dann von Zosimus unterdrückt. Hier insbesondere wäre es durchaus möglich, sieb vorzustellen, daß Ammian seine leben dige Erzählung niederschrieb, dabei seinem Gedächtnis durch einen Blick in den Bericht des Eunapius nachhalf; hingegen kann man unmöglich annehmen, des Zosimus topographischer Bericht basiere auf Ammian. Die Genauigkeit der Topographie ist möglicherweise auf Oribasius zurückzuführen, der als Nichtkombattant Muße hatte, die Stadt nach ihrer Einnahme zu besichtigen und sieb ge naue Notizen darüber zu ma