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98
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Fragment
94-98
ich über die Stärke des Weisen sagen? Daß er keine Meinungen pflegt, räumst ja auch du ein, Lucullus.
"Auch die Logik trägt keine Früchte". Später werden wir auch hierüber befinden. Aber sogar wenn jemand dies zugeben sollte, reicht [zur Verteidigung der Logik doch] dieses aus, daß sie in der Lage ist, die anderen Disziplinen zu beurteilen und zu prüfen, sie - wie man sagen könnte - zu messen und zu wiegen. (11) Wer sagt dies? Nur Chrysipp, Zenon und Kleanthes? Sagt Antisthenes es etwa nicht?
So wie auf den ,Lügner' oder auf das Meister-Argument stürzten sich die Stoiker mit ihrer Dialektik auch auf das Gebiet des Glücks und lösten dort zwar keine einzige Mehrdeutigkeit auf, erzeugten aber tausende.
Sie verachten und verhöhnen die anderen Menschen, indem sie für sich allein beanspruchen, die Natur und die Lebensgewohnheiten so zurechtzustellen, wie es sein muß, die Vernunft in die Lage zu versetzen, andere Dinge abzuwenden, und jedermann durch sein Streben und Trachten sowie durch seine Antriebe zu dem hinzuführen, was ihm von Natur aus entspricht. Doch obwohl die Lebensgewohnheiten zu einem Trichter für die Dialektik geworden sind, haben sie daraus doch keinerlei brauchbaren oder gesunden Gewinn gezogen. (Anschluß unten Nr. 1228)
Käufer: ... Aber wie stellt sich nun dir das Ziel der Weisheit dar? Oder was wirst du tun, wenn du den Gipfel der Tugend erreichst? Chrysipp: Dann werde ich mich den bedeutendsten natürlichen Gütern widmen, will sagen: dem Reichtum, der Gesundheit und dergleichen. Doch zuvor muß ich mich vielen vorbereitenden Mühen unterziehen, mit fein geschriebenen Büchern den Blick schärfen, Scholien sammeln, mich mit Soloikismen und absurden Wörtern sättigen. Und was das wichtigste ist, es geht nach heiligem Brauch nicht an, ein Weiser zu werden, wenn man nicht dreimal hintereinander Helleboros trinkt.
99
§ 1.2.4
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Hellebores wird aus dem schwarzen Nieswurz hergestellt und gilt in der Homöopathie noch heute als gutes GehirnmitteL Chrysipp trank offenbar Helleboros, um klarer denken zu können. Schon dies ist wegen des Ansehens, das gerade Chrysipp in der Dialektik genoß, sehr symbolträchtig. Doch war das Medikament in der Antike auch insbesondere als Heilmittel gegen Geisteskrankhei-
98
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100
Fragment
98
Käufer: Diese Projekte von dir sind edel und ungemein männlich. Aber ein Geizhals und ein penetranter Zinseneintreiber zu sein - denn wie ich sehe, ist auch das ein Charakterzug von dir -, was sollen wir davon sagen? Daß es die Eigenschaft eines Mannes ist, der schon seinen Helleboros getrunken hat und reif für die Tugend ist? Chrysipp: Ja; allein für den Weisen jedenfalls geziemt es sich, Geld gegen Zinsen zu verleihen. Denn weil das syllogistische Schließen spezifisch seine Aufgabe ist- der zinsbringende Geldverleih und das Berechnen (logizesthai) der Zinsen ist dem syllogistischen Schließen ( syllogizesthai) ja allem Anschein nach benachbart -, deshalb also muß wohl wie dieses letztere, so auch jenes ebenfalls allein die Aufgabe des Tüchtigen sein, und er hat natürlich nicht nur wie die anderen Leute die einfachen Zinsen zu nehmen, sondern auch die Zinseszinsen. Oder ist dir unbekannt, daß die tokoi (Zinsen; und in der Grundbedeutung: das Gebären, das Geborene) teils gewisse erste Zinsen sind und anderenteils zweite Zinsen, also gleichsam eben deren Nachkommen? Sicherlich siehst du auch den Syllogismus, und was er sagt: ,Wenn er den ersten Zins einnehmen wird, wird er auch den zweiten einnehmen. Nun aber wird er den ersten einnehmen; also wird er auch den zweiten einnehmen.' ten /Blödsinn bekannt; und diesen zusätzlichen Aspekt macht Lukian sich bei seinem Spott ebenfalls zunutze. Im übrigen spielt die zweite Hälfte des obigen Textes bereits in die Thematik des späteren Paragraphen 1.3.4.2 herein; vgl. insbesondere den Text Nr. 231.
101
§ 1.3-1.3.1.1
1.3 Zur Herkunft, Entwicklung und Rezeption der stoischen Dialektik 1.3.1 Biographisches Im folgenden werden biographische Zeugnisse über die Stoiker bis zur Generation des Poseidonios (1. Hälfte des 1. Jh. v.Chr.) zusammengestellt. Die Sammlung ist freilich keineswegs vollständig. Selbst die Liste der Eigennamen hat Lücken. Und über die berühmteren Stoiker gibt es weitaus mehr Nachrichten, als hier präsentiert werden können. Bei der unvermeidlichen Auswahl der Fragmente waren die folgenden Gesichtspunkte maßgeblich: Zunächst sollten die nötigsten biographischen Daten angeführt werden: Namen, Lehrer/Schüler-Beziehungen, die Liste der Schulleiter, Zeitangaben. Zweitens sollte deutlich werden, in welcher philosophischen Tradition die Stoa entstand (Zenons Lehrer!) und welche äußeren Auseinandersetzungen (insbesondere mit der Akademie) ihre weitere Entwicklung beeinflußt haben; auch die inneren Auseinanderset-
1.3.1.1 Zenon von Kition
99
99 • XCI'l<mll!1aouJ.iEvou B: Xl!'l<m!l!taCo11tvou FP I " oliv F: yoliv BP
Diogenes Laertius Vll 1-5:
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102
Fragment
99
zungen sind unverkennbar, werden aber erst in Paragraph 1.3.4.1 ausdrücklich thematisiert. Schließlich wurden von den vielen überlieferten Episoden und Aussprüchen nur diejenigen zitiert, die eine lockere Beziehung zur Dialektik erkennen lassen. Wo jede solche Beziehung fehlt, ist der entsprechende Text im Rahmen dieser Fragmentsammlung entbehrlich. Wenn die Beziehung andererseits so eng ist, daß die Anekdote geradezu ein dialektisches Lehrstück darstellt, dann wurde die Geschichte aus dem biographischen Teil herausgenommen und systematisch eingeordnet (vgl. etwa Nr. 381). Im übrigen bilden die biographischen Notizen eine Folie für das, was wir über die Schriften der Stoiker zur Dialektik (siehe Abschnitt 1.3.2) sowie über die Entwicklung der stoischen Dialektik (vgl. Abschnitt 1.3.3) ausmachen können.
(Anschluß unten Nr. 104)
Zenon, Sohn des Mnaseas oder Demeas, stammte aus Kition auf [der Insel] Kypros, einer kleinen griechischen Stadt, die phönizische Ansiedler aufgenommen hatte .... Apollonios aus Tyros sagt, er sei ... von dunkler Hautfarbe gewesen ... (2) Wie schon früher vermerkt [VI 105, s.w.u. Nr. 104], war er Hörer des Krates; danach soll er auch Stilpon und Xenokrates zehn Jahre lang gehört haben, wie Timokrates in seinem ,Dion' mitteilt, dazu auch noch Polemon. Hekaton und Apollonios von Tyros im ersten Buch ,Über Zenon' berichten, er habe das Orakel befragt, was er tun solle, um zu bestmöglicher Lebensgestaltung zu gelangen, und der Gott habe darauf geantwortet, [dies Ziel sei zu erreichen,] wenn er sich in seiner Farbe den Toten angleiche. Er verstand die Bedeutung des Spruchs und studierte daraufhin die Schriften der Alten. Daß er dann an Krates herantrat, kam so: Er führte Purpur aus Phönizien ein und erlitt damit kurz vor Piräus Schiffbruch. Da ging er nach Athen hinauf und setzte sich, schon dreißig Jahre alt, bei einem Buchhändler nieder. Dieser las gerade das zweite Buch von Xenophons ,Memorabilien'. Das freute Zenon so, daß er fragte, wo solche Männer [wie der dort besprochene Sokrates] zu finden seien. (3) Ein glücklicher Zufall wollte es, daß gerade Krates vorbeikam. Der Buchhändler deutete auf ihn hin und sagte: "Schließe dich diesem Mann an." Von da 103
§ 1.3.1.1
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Diogenes Laertius Vß 31sq.:
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Fragment
99-100
an war Zenon Schüler des Krates. Dabei bewies er zwar in anderen Hinsichten ein großes Talent für die Philosophie; aber im Vergleich zu der kynischen Schamlosigkeit zeigte er zuviel Zurückhaltung. Deshalb wollte Krates ihn auch von dieser (,Schwäche'] heilen und gab ihm einen Topf Linsensuppe, den er über den Kerameikos (Töpfermarkt) tragen sollte. Als er dann sah, wie Zenon sich schämte und den Topf zu verbergen suchte, zertrümmerte er mit einem Stockschlag den Topf. Zenon lief weg, und die Linsensuppe floß ihm die Beine hinunter, woraufKrates ihm nachrief: "Warum läufst du weg, mein kleiner Phönizier? Dir ist doch nichts Schlimmes zugestoßen!" (4) Eine Zeit lang studierte er also bei K.rates .... Schließlich trennte er sich aber von ihm und hörte zwanzig Jahre lang die schon genannten Philosophen; da soll er dann auch gesagt haben: "Jetzt habe ich, als ich Schiffbruch erlitt, eine glückliche Fahrt gehabt." Nach anderen soll er diese Bemerkung gemacht haben, als er noch bei Krates war. (5) Andere erzählen, Zenon habe sich in Athen aufgehalten, dort von dem Schiffbruch [seines Schiffes] gehört und gesagt: "Das Schicksal will mir wohl, es treibt mich zur Philosophie." Und einige meinen, Zenon habe in Athen se.ine Waren verkauft und habe sich im Anschluß daran der Philosophie zugewandt. In der bemalten (Kolonnaden-)Halle (stoa), welche auch ,Peisianax-Halle' hieß und die von den Gemälden des Polygnotos her den Namen ,bemalte Halle' bekommen hatte, pflegte Zenon seine Vorträge zu halten; indem er dabei auf und ab wandelte, wollte er zugleich den Platz um sich herum von Müßiggängern freimachen .... Fortan versammelten sich also dort seine Hörer, und sie wurden deshalb als Stoiker bezeichnet; denselben Namen gab man auch seinen Anhängern, die vorher Zenoneer hießen; dies teilt insbesondere Epikur in seinen Briefen mit. Wie Eratosthenes im achten Buch ,Über die alte Komödie' sagt, wurden vorher übrigens auch die Dichter als Stoiker bezeichnet, die sich in der Halle aufhielten; und sie steigerten die Berühmtheit der Halle (der Stoa) noch mehr.
Demetrios v. Magnesia erzählt in seinen ,Homonymen' (,Männer gleichen Namens'), sein Vater Mnaseas sei als Kaufmann oft nach Athen gekommen und habe Zenon schon, als er noch ein Knabe war, viele sokratische Bücher mitgebracht; daher habe Zenon bereits in seiner Vaterstadt eine gehörige Schulung erhalten. (32) Und so sei es gekommen, daß er sich nach seiner Ankunft in Athen dem Krates angeschlossen habe.
105
§ 1.3.1.1
101
Themistius, Or. 23, Vol. IT p. 91,2-5 Scbenkl-Downey:
Ta ÖE a!Jq>i. Z~vwvos aQLÖTJA.cl 'tE eo,;t xai. {LM!JEva 'Öno 1tOAAci>V, Ö'tL a'Ö'tOV 'ft ~WXQtl'tO\JS anoA.oy(a ex ci>OLVLXTJS i'JyayEv Ets 'tTJV llOLXLATJV.
102
Diogenes Laertius VIT 28:
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103
102 1 ÖIUQ&Jlci:U.to) -eJla4to Suda (v. frgm. 103,13) I' '<11' Cobet: Kai codd. 103 3 aötog noilrtoc; Volkmann I"..: Kai rf AGM: rf xai..: 1: rf 1«1i ,; V: Qlt&' Clinton
Suda s.v. Zinön, Vol. IT p. 507 (n. 79) Adler:
Z~vwv, Mvaoeou i\ äT]IJEO\J, KmEiJS (n6ALS Ö' eo,;t K\Jngou ,;o KC,;tov), q>LÄ.6ooq>os, ös 1\Q~E 'tTJS ~'twtxfJs atgeotws. entxA.~ß-'1 ÖE xai. a'Ö'tOS ~'tWLXOS ÖLa 'tO ev 't'fi O'tOQ. 't'fi ev 'A~VaLS ÖLÖa~aL a'Ö'tOV, i')'tLS 1tQQ:ITJV !JEV llELOLQVtlX'tELOS, iJO'tEQOV ÖE ~wygaq>T]ß-Ei:oa llOLXLATJ exA.~ß-TJ. !Jaß-T]'tTJS ÖE 5 ~v KQtl'tTJ'tOS ,;oii Kwtxoii, tha lloAE!JWVOS 'toii 'Aß-'1vai:ou. hEAEU'tTJOE ÖE hci>v G' aq>EÄ.rov txaO'tO'tE 'tTJS 'tQOIJl~S, ~WS Q'tOVL~ ÖLEq>ß-tlQTJ. ex_g~oß-'1 ÖE a'Ö'tcp nuvß-aVO!JEVq> 1tEQL ßtou 0\JYX,QW'tL~Eoß-at 'tOLS VEXQOLS, Ö1tEQ ~V 'tOLS agx_a(OLS Öta 'tOOV ßtßALWV•... 1\X!Ja~EV ent 'Av'tty6VO\J 10 'tOii fova'tä, eni. 'tTJS x' xai. Q' 'OA\J!JnLtlÖOS.... qJLAOOOq>(av XaLVTJV yag O'Ü'tOS eq>LA006q>EL. 'tcp yaQ ÖV'tL 1ttlV'tQS 'ÖnEQEßaA.t,;o ,;cp 'tE Etöu xai. OEIJVO'tTJ'tL xat viJ ä(a !JQXQQLO'tTJ'tL. xai. ÖT) TJ' 1tQOS 'tOLS c;' ßtOUS hT] XQ'tEO'tQE'IjlEV ltvooos xai. ilytiJS öta'tEÄ.Eoas. 15
106
Fragment
101-103
Und was Zenon angeht, ist ganz deutlich und von vielen besungen worden, daß ihn die Apologie des Sokrates aus Phönizien in die bunte Halle geführt hat.
Denn in der Tat übertraf er alle in dieser seiner [scil. enthaltsamen] Art sowie in seinem würdevollen Anstand und, beim Zeus, auch in seinem Glück; denn er starb im Alter von 98 Jahren und hat [dieses lange Leben] frei von Krankheit und bei guter Gesundheit verbracht. Persaios sagt freilich in seinen ethischen Vorträgen, er sei im Alter von 72 Jahren gestorben und als 22jähriger nach Athen gekommen; indes teilt Apollonios mit, er sei 58 Jahre lang Leiter seiner Schule gewesen. Sein Tod erfolgte so: Beim Verlassen der Schule stolperte er und brach sich den Finger. Da schlug er mit der Hand auf die Erde, zitierte dazu aus der ,Niobe' [des Timotheos (Frgm. 787 Page)] den Vers: "Ich komme schon; was rufst du mich?", und alsbald erwürgte er sich und starb.
Zenon, Sohn des Mnaseas oder des Demeas, aus Kition (Kition ist eine Stadt auf Kypros), Philosoph; er gründete die stoische Schule. Mit Beinamen wurde er auch selbst ,der Stoiker' genannt, weil er in Athen in der Stoa (Halle) unterrichtete, die vormals ,Peisianax-Halle' hieß, später ausgemalt worden war und dann ,die bemalte Halle' hieß. Er war ein Schüler des Kynikers Krates, danach des Atheners Polemon. Er starb im Alter von 90 Jahren dadurch, daß er sich dauernd die Nahrung versagte, bis er vor Schwäche entschlief. Als er das Orakel über das Leben befragte, erhielt er die Antwort, er solle sich in seiner Farbe den Toten angleichen, d.h. den Alten durch die Bücher.... Er blühte zur Zeit des Antigonos Gonatas, zur Zeit der 120. Olympiade .... Er entwickelte nämlich eine neuartige Philosophie. Denn in der Tat übertraf er alle in seiner Art sowie in würdevollem Anstand und, beim Zeus, an Glück. Und er starb im Alter von 98 Jahren und hat [dieses lange Leben] frei von Krankheit und bei guter Gesundheit verbracht.
107
§ 1.3.1.1
104
Diogenes Laertius VI 105:
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105
Diogenes Laertius VI 15:
O'Ü'to~ t'tyiJoa'to xai. 'ti\~ äLOyevov~ ci:n:ai}ei:a~ xai. 'ti\~ KQ6.'tfl'tO~ tyxQa'tELa~ xai. 'ti\~ Zf]vrovo~ xaQ'tEQLa~.
106
Diogenes Laertius II 120:
Toil'to'U (sc. 'tO'Ü I:'ti:A.:n:rovo~) cpt]oi.v 'HQaxA.ei:Öt]~ xai. 'tov Zf]vrova cixoilom 'tOV 'ti\~ I:'tOä~ X'tLO'tfiV.
107
Diogenes Laertius VII 24sq.:
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5
(25) I:vvÖLE'tQL'IjiE ÖE xai. äLOÖWQc:p, xa-1}6. q>t]OLV 'I:n::n:6ßo't0~. :rtaQ' cP xai. 'tU ÖLaA.EX'tLXU tl;E:rtOV'Y]OEV. i'JÖt] ÖE :ltQOXO:Jt'tOOV etafiEL xai. :n:Qo~ IloA.e!J.rova u:n:' a't'Uq>La~. wo'tE cpaoi. A.eyeLv · txei:vov, "o'Ö A.avi}avEL~, 11> Zf]vrov, 'tai:~ Xt]:n:a(m~ :n:aQELOQEOOV MQm~ xai. 'tU ö6yJ!a'ta xA.E:n:'trov oLVLXLXÖ>~ 10 !J.E'tU!J.q>~EVVil~." xai. :rtQO~ 'tOV öei:l;av'ta ö' a'Ö'tcp ÖLaA.eX'tLxov tv 'tcp i}eQi:tov'tL A.Oyc:p e:n:'tu öLaA.EX'tLxu~ töea~ :n:vi}eoi}m, :n:6oa~ eto:n:Qa't'tE'taL IJ.LOi}oiJ · cixoiloav'ta öe exa't6v, ÖLaxooi:a~ a'Ö'tcp öoilvm. 'tOOO'Ü'tOV i'JoxEL q>LA.oj.L6.i}e LUV. 15
106 1
108
Fragment
104-107
(Anschluß unten Nr. 138)
Soviel also von den Kynikern. Wir müssen uns nun den Stoikern zuwenden, deren Schule von Zenon gegründet wurde, der ein Schüler des Krates gewesen ist. (Fortsetzung oben Nr. 99)
Er [scil. Antisthenes] gab den Anstoß zu der leidenschaftslosen Ruhe des Diogenes [von Sinope], zu der Enthaltsamkeit des Krates und zu der Zähigkeit Zenons.
Wie Herakleides berichtet, war auch Zenon, der Gründer der Stoa, sein [scil. Stilpons] Schüler.
Apollonios v. Tyros erzählt, Krates habe versucht, Zenon an seinem Mantel von Stilpon wegzuziehen; da habe er gesagt: "Krates! Die richtige Art, Philosophen in den Griff zu kriegen, ist, sie bei den Ohren zu packen; durch Überzeugung also ziehe mich an diesen weg. Wenn du mich aber gewaltsam zwingst, so wird wohl mein Körper bei dir sein, meine Seele aber bei Stilpon." (25) Nach dem Bericht des Hippobotos verkehrte er auch mit Diodor; bei ihm arbeitete er sich insbesondere in die Dialektik ein. Und als er bereits erhebliche Fortschritte machte, war er doch frei von Anmaßung und trat auch noch an Polemon heran, woraufbin dieser gesagt haben soll: "Ich bemerke sehr wohl, Zenon, wie du dich durch die Gartentür bei mir einschleichst, mir meine Lehren stiehlst und sie in phönizische Gewänder kleidest." Und nachdem ein Dialektiker ihm (Zenon) bei dem als der ,Erntende' bekannten Trugschluß sieben dialektische Formen demonstriert hatte, soll Zenon ihn gefragt haben, wieviel Honorar er dafür verlange; als er dann von 100 Drachmen hörte, soll er ihm 200 gegeben haben. So weit ging er in seiner Wißbegier. (Fortsetzung unten in Nr. 116)
109
§ 1.3.1.1
108
Diogenes Laertius Vß 15sq.:
Hv ÖE xat ~TJ'tTJ'tLxo; xat 3tEQL nav'trov clXQLßoÄ.oyouJ.tEvo; · öß-tv xat 6 TLJ.Lrov tv 'tot; l:CÄ.Ä.m; q>TJOLV oihro ·
7
Kat Cl>oi:vLooav töov Ä.L)tv6yQauv oxLEQcp tvt 'tuq>
5
(16) 'EmJ.LEÄ.ro; ö€ xat nQo; CI>(Ä.rova 'tov ÖLaÄ.EX'tLxov ÖLEXQLVE'tO XQL OUVEO)tOÄ.a~EV a'Ö'tcp. Öß-EV XQL ß-auJ.LaOt}fjVaL ilno Z~vrovo; 'toii vtro'tfQou oilx f)'t'tov ALOÖroQou 'toii ÖLÖaoxaÄ.ou a'Ö'toii. Zu den Versen des Timon v. Phlius vgl. auch unten Nr. 509.
109
Suda s.v. Zenön, Vol. ß p. 507 (n. 78) Adler:
Z~vrov,
MouoaCou, l:LÖrovLo;, q>LÄ.6ooq>o; l:'troLx6;, J.Laß-TJ'tTJS ALOÖWQOU 'toii xÄ.TJß-EV'tOS KQ6vou, ÖLÖaoxaÄ.o; ÖE xat a'Ö'to; Z~vrovo; 'toii Kmfro;. Vgl. zu dem Lehrer/Schüler-Verhältnis der beiden Zenon jedoch unten Nr. 130, 161 und 162.
110
108 3 iliov B" (P'"?): llimv 8'': Elliov FP'' I • lli~Jtfl• codd.: aötoll Suda: aötfj Diels I 5
Eusebius, Praep. evang. XIV S,llsq. (ex Numenio):
lloÄ.EJ.Lrovo; öe tyfvov'to yvffiQLJ.I.OL 'AQxtoCÄ.ao; xat Z~vrov· ..• Z~vrova J.LEV o-üv J.LEJ.I.VTJJ.LaL Etmbv EtvoxQtl.'tEL, tha öe lloÄEJ.LWVL q>OL'tfjom, a"Üß-L; ÖE naQa KQtl.'t"l]'tL xuvCom · vuvt ÖE a'Ö'tcp Ä.EÄ.oy(ot}ro Ö'tL xat l:'t(Ä.nrov6; 'tE J.I.E'tEO)tE xat 'tWV Ä.6yrov 'tWV 'HQaXÄ.EL'tELWV. (12) tnEL 'YclQ OUJ.I.IpOL'tWV'tES na- 5 Qcl llOÄ.EJ.LWVL tq>LÄ.O'tLJ.L~ß-"I]OQV Q).).~Ä.OLS, OUJ.13tQQEÄ.aßov Et; 'tTJV 3tQOS clÄ.Ä.~Ä.ou; J.16.XTJV 6 J.I.EV 'HQ6.XÄ.EL'tOV xat l:'t(Ä.nrova Ö.J.La xat KQtl.'tTJ'ta, dlv ilno J.LEV l:'tLÄ.nrovo; tytvt'to J.LaXTJ't~S. ilno öe 'HQaxÄ.tC'tou a'Öo'tTJQ6;, xuvLxo; öe ilno KQtl.'t"l]'tOS · 6 ö' 'AQxtoCÄ.ao; 9t6q>QaO'tov toxtL xat KQ6.v- 10 'tOQa 'tOV llÄ.a'tWVLxov xat AL6ÖroQOV, tha llilQQWVa.
111
Strabo, Geogr. Xlß 1,67; C614:
'Ex ÖE 'tfiS llL'tclVTJS tO'tLV 'AQXEOLÄ.ao;, 6 tx 'tfiS 'AxaÖT)J.LLa;, Z~vrovo; 'tOii Kmfro; ouoxoÄ.aO'tTJS 3tQQcl lloÄ.EJ.LWVL.
110
Fragment
108-111
Sein (Zenons) Drang ging nach der Forschung, und zu allen Themen stellte er scharfsinnige Überlegungen an. Daher sagt denn auch Timon in den ,Sillen' dies über ihn: "Auch eine Phönizierin sah ich, eine verhätschelte alte Frau in schattigem Dunst, die begierig nach allem verlangte; ihre Reuse war aber zu feinmaschig und schwamm ihr davon; sie hatte einen Verstand, der kleiner war als die Bedeutung eines Banjo(ton)s (d.B. von ,skindapsos'?)." (16) Er (Zenon) diskutierte auch sehr sorgfältig mit dem Dialektiker Philon und studierte mit ihm; dieser wurde daher von Zenon als dem jüngeren [von beiden] nicht weniger bewundert als sein Lehrer Diodor.
Zenon, Sohn des Musaios, aus Sidon, stoischer Philosoph, Schüler Diodors, den man ,Kronos' nannte, und auch seinerseits Lehrer Zenons von Kition.
Schüler Polemons waren Arkesilaos und Zenon .... Zenon erwähne ich also, indem ich sage, daß er bei Xenokrates und danach bei Polemon studierte, daß er dagegen bei Krates dem Kynismus nachging; schließlich soll ihm angerechnet werden, daß er auch bei Stilpon teilnahm und sich die Überlegungen Heraklits aneignete. (12) Da sie nämlich während ihres gemeinsamen Studiums bei Polemon sich in einem ehrgeizigen Wettstreit miteinander befanden, gerieten sie untereinander in Streit: Der eine nahm Partei für Heraklit, Stilpon und Krates, indem er durch Stilpon kämpferisch, durch Heraklit streng und durch Krates ein Kyniker wurde; Arkesilaos hingegen hielt es mit Theophrast, mit dem Platoniker Krantor, mit Diodor und schließlich mit Pyrrhon.
Aus Pitane stammt Arkesilaos, der Akademiker und Mitschüler Zenons von Kition bei Polemon. 111
§ 1.3.1.1
112
Cicero, Acad. post. I 9,34sq.:
Iam Polemonem audiverant assidue Zeno et Areesilas. sed Zeno, euro Arcesilam anteiret aetate valdeque subtiliter dissereret et peraeute moveretur, eorrigere eonatus est diseiplinam.
113
Cicero, De fin. bon. et mal. IV 2,3:
... ut non esset eausa Zenoni, euro Polemonem audisset, eur ab eo ipso et a superioribus dissideret.
114
Eusebius, Praep. evang. XIV 6,9-13 (ex Numenio):
aLaO"tclV"tE~ Ö' o-öv EL~ "tO cpaVEQOV ~ßai..A.ov cillt1A.ov~
114 • d1voibv BI : d1voii'l ON 1' 0 tltOi1J
oux o[ Mo, ä.AA.' ö 'AQxeai:A.ao~ "tov Zt1vwva. ö yaQ Zt1vwv Elxe öt1 "tL "tfl J.Laxn OEJ.Lvov xal. ßaQil xal. KTJcpLaoöci>QO"U "tO"Ü Ötl"tOQO~ oux Ö.J.LELVOV · (is enim Aristotelem impugnaturus Platoni maledixit) ... (10) ö J.LEV"tOL Zt1vwv xal. au"t6~. btELÖTJ "tO"Ü 'AQXEOLAclO"U J.LE'I>LE"tO, et J.LEV J.LTJÖE llAa"tWVL ~:rtOAEJ.LEL, ~cpLA.oa6cpEL Ötl:rtO"U ~J.LOL XQL"tfl :rtAELO"tO"U a!;LW~, ~VEXcl YE "tTJ~ ElQtlVTJ~ "tQU"tT)~. El Ö' OUX ä.yvowv J.LEV taw~ "ta 'AQxeaLA.aov, "ta J.LEV"tOL llA.a"twvo~ ciyvoö:Jv, ili~ ~!; OlV au"tc'i> Ö.V"tEyQa'ljiEV ~AEYJC.E"taL, {Ö"tL} ~:rtOLT)OEV ~VaV"tLa Xau"t6~, J.Ltl"tE ÖV "f\ÖEL :ltAtl"t"tWV ÖV "tE OUX ~XQTJV Ö."tLJ.LÖ"ta"ta xal. ataxLa"ta :rtEQL"UßQLXW~, xal. "ta"Ü"ta :noA.iJ XclXLOV i\ :ltQOOtlXEL X"UVL (11) :ltATJV ÖLEÖEL!;E yE J.LTJV J.LEyaA.oq>QOaUVn ä.:noax6J.Levo~ "to-ü 'AQxemA.aov. i\"toL yaQ ä.yvoi:Q. "tÖlV ~XELVO"U i\ ÖEEL "tÖlV I"tWLXÖlV :rtOAEJ.LOLO J.LEya O"tÖJ.La :rtE"UXEÖavoi:o (K 8) ci:rtnQE'Ijla"to ö.AA.n, et~ llAcl."toova. ä.A.A.a xal. :rtEQL J.LEV "tö:Jv Zt1vwvL et~ llAcl."twva xaxö:J~ "tE xal. atÖTJJ.L6vw~ ouÖaJ.LÖl~ VEOO"tE~LO'I>EV"tWV ElQtlOE"taL J.LOL a"Ö'I>L~ :rtO"tE, ~av q>LAOOOcpLa~ OJC.OATJV ayayw. J.Ltl :rtO"tE J.LEV"tOL ayayOLJ.LL <JXOATJV "tOOaU"tTJV, "tOU"tO"U OVV ~VEXEV, El J.LTJ 'Ö:rtO :rtaLÖLä~. (12) "tOV Ö' o-öv Zt1voova ö 'AQXEaLA.ao~ civ"tL"tEJC.VOV xal. ci!;LÖVLXOV 'Ö:rtclQJC.OV"ta 'I>EWQÖlV "tOiJ~ :rtaQ' ~XELVO"U Ö.:rtOq>EQOJ.LEVO"U~ Aöyo-u~ xa'l>fiQEL xal. O'ÖÖEV CiJXVEL. (13) xal. :rtEQL J.LEV "tÖlV Ö.AAOOV Ö ~J.LEJ.LclJC.TJ"tO ~XELVql oih' taw~ El:rtELV ~JC.W EL "tE xal.
112
5
10
15
20
25
Fragment
112-114
(Der Kontext der Stelle unten Nr. 253)
Bei Polemon nun waren Zenon und Arkesilaos aufmerksame Hörer. Aber obwohl Zenon älter als Arkesilaos war, äußerst subtil zu diskutieren verstand und ein scharfsinniger Denker war, entschloß er sich, das Lehrsystem zu korrigieren. (Der Kontext der Stelle unten Nr. 252)
... daß Zenon, nachdem er den Polemon gehört hatte, keinerlei Grund hatte, sich von diesem und seinen Vorgängem abzusetzen.
Obwohl sie also entzweit waren, bekämpften sie einander doch nicht beide in der Öffentlichkeit; viehnehr bekämpfte nur Arkesilaos den Zenon öffentlich. Denn Zenon hatte etwas an sich, was für den Streit recht ehrwürdig, zu vornehm und nicht besser war als der Redner Kephisodoros (der nämlich gegen Anstoteies kämpfen wollte, in dieser Absicht aber gegen Platon polemisierte) .
. . . (10) Zenon andererseits ließ von Arkesilaos ab; wenn er deshalb gegen Platon ebenfalls nicht polemisierte, dann philosophierte er wegen des. dadurch gegebenen Friedens auch seinerseits in einer m.E. höchst wertvollen Weise. Wenn er jedoch gegen Platon polemisierte und dabei vielleicht die Thesen des Arkesilaos recht genau im Auge hatte, die Platons freilich nicht kannte, wie man ihm aus den Schriften nachweist, die er gegen ihn verfaßt hat, dann entwickelte er auch selbst Widersprüche, indem er nicht auf den einschlug, den er kannte, und den, bei dem er das nicht gedurft hätte, äußerst ehrlos und schändlich mißhandelte, und zwar viel schlimmer, als es einem Hund (Kyniker?) ansteht. (11) Überdies ließ er durch sein Verhalten deutlich erkennen, daß er sich aus Großmut von Arkesilaos fernhielt. Denn entweder aus Unkenntnis von dessen Auffassungen oder aus Angst der Stoiker vor "dem großen Maul eines scharf geführten Krieges" (II. 10,8) wandte er sich anderswohin, zu Platon. Aber auch über die schlechten und in keiner Weise zurückhaltenden Neuerungen, die Zenon gegenüber Platon eingeführt hat, werde ich dann wieder zu reden haben, wenn ich Muße für Philosophie habe; freilich möchte ich niemals soviel Muße haben, dafür nicht, es sei denn zum Vergnügen. (12) Da nun Arkesilaos den Zenon als wissenschaftlichen Konkurrenten betrachtete und für besiegenswert hielt, destruierte er die von ihm vorgebrachten Argumente und hielt mit seiner Kritik in keiner Weise hinter dem Berg. (13) Über die anderen Punkte, in denen er ihn 113
§ 1.3.1.1
ELXOV o'ÖÖev ~ÖEL v'Üv airtc:i>v 1-I.V'fJO-IHjvm · t:o öe ö6"{J.ta "tO'Ü"tO a'Öt:O'Ü :JtQW"tOU E'ÖQO!J.EVOU xa'Öt:O xat "tO ÖVOJ.ta ßM:n:rov E'ÖÖoXL!J.O'ÜV tv t:at~ 'Aßitvm~, t:T)v xat:aA'f}:rtt:LXTJV !paVt:aoi:av, :n:cion J.t'fJxavfl txQijt:o t:n:' a'Öt:'fiv. 6 ö' tv t:cp äofrEvEot:EQEt:o ä:n:ot:QE'Ijla!J.EVO~ CL!p' taut:o'Ü t:ov 'AQXE<JLI..aov.
115
Cicero, De fin. boo. et mal. ill 4,15:
Si enim Zenoni Iicuit, cum rem aliquam invenisset inusitatam, inauditum quoque ei rei nomen imponere, cur non liceat Catoni?
116
114
31 'AQXE!rLAQOU
Wyt-
ten bach : ·Äiim codd. 116 Ö.Öliva~a] xailva tentavit v. Arnim I EÖ ÄE· "YO!'EVOU;) !ÄE-yXO!'EVOL~ V. Arnim dubit. I 12 oh'taem~ M. Casau bon: noujaem~ codd.
Diogenes Laertius VII 20. 23. 25:
Et:n:6vt:o~ öE t:Lvo~ Öt:L J.tLXQel a'Öt:cp öoxEt "tel AO"{ciQLa "tc:i>V !pLAOOO!pWV, "AE"{EL~," El:n:E, "t:CLA'f}frij. ÖEL j.tEV"tOL xat "tel~ oul..l..aßel~ a'Öt:c:i>v ßQaxda~ Elvm, Et öuvat:6v." ... ÖELV Ö' f!p'f} t:6V
7
(23) vEAE"{E öe J.t'fJÖEv dvm
t:ij~ oti)oEw~ äl..l..ot:QLW"tEQOV
:JtQO~ xat:6.A'f}'ljiLV t:c:i>v t:n:L<J"t'f}j.tWV, j.t'f}ÖEVO~ fr' TJj.tÖ.~ oÜt:ro~
ELVaL evÖEEt~ cb~ XQOVOU.
114
Fragment
114-116
bekämpfte, habe ich wohl nichts zu sagen, und wenn ich etwas dazu zu sagen hätte, wäre es doch nicht nötig, sie jetzt zu erwähnen. Aber die Lehre von Zenon, die dieser sowohl dem Inhalt als auch der Bezeichnung nach als erster entwickelte und von der Arkesilaos sah, wie,sie in Athen hohes Ansehen genoß, die erkennende Vorstellung, - gegen die bot Arkesilaos alle Mittel auf. Doch Zenon, der zu schwach war und die Ruhe bewahrte, da er nicht fähig war, Unrecht zu erleiden, ließ von Arkesilaos ab, obwohl er vieles zu sagen gehabt hätte; aber er wollte nicht, oder vielleicht besser anders: er focht einen Schattenkampf gegen Platon, der nicht mehr unter den Lebenden weilte, und brachte lärmend den ganzen Spott eines Festzuges gegen ihn vor, indem er verkündete, daß Platon sich wohl nicht wehren könne und niemand anderes sich um seine Verteidigung kümmere; falls aber Arkesilaos sich darum kümmern sollte, so glaube er, daß er sicherlich selbst im Vorteil sein werde, da er den Arkesilaos bereits von sich selber abgewehrt habe.
Denn wenn Zenon ungewohnte Dinge herausfand, gab er ihnen auch neue Bezeichnungen, die bislang unbekannt waren; und wenn ihm das erlaubt war, warum sollte es Cato verboten sein?
Als jemand sagte, die Sprüchlein der Philosophen schienen ihm doch von recht kleinem Format zu sein, antwortete Zenon: "Du hast völlig recht; in der Tat müssen nach Möglichkeit sogar schon ihre Silben kurz sein." ... Wenn man eine Unterredung mit Nachdruck führen will, dann müsse man, so sagte er, wie die Schauspieler eine kräftige Stimme und große Kraft besitzen, dürfe aber den Mund nicht weit aufreißen, wie dies diejenigen täten, die wohl vieles, doch unmögliches sagen. - Er sagte, anders als bei den Künstlern dürfe es bei guten Reden keinen Platz für (verweilende) Bewunderung geben; ganz im Gegenteil müsse der Hörer von den Ausführungen so gefesselt sein, daß er sich noch nicht einmal Zeit für Bemerkungen nimmt. (23) Ferner pflegte er zu sagen, daß dem Begreifen der Wissenschaften nichts so wesensfremd und hinderlich entgegenstehe wie der Eigendünkel und daß wir dazu andererseits nichts nötiger hätten als die Zeit. 115
§ 1.3.1.1-1.3.1.2
(25) acri. ÖE xai. ltQÖ>tov xaßijxov ci>vofLaxevm xai. A.Oyov 15 ltEQL a'ÖtO'Ü ltEltOLTJXEVQL.
117
Diogenes Laertius VII 25sq.:
Tm!\; ß' 'Hm6Öo'U crtLJCO'U\; fLEtayQcicpELV oiltw · XELVO\; fLEV ltaVciQLOto\; Ö\; E'Ö ELlt6VtL lttßTJtm, ~crßÄ.o\; ö' a'Ö xäxEtvo\; Ö\; a'Öto\; ltavta voijcrn. (26) XQELttOVa yaQ EtVaL tOV QXO'ÜOQL xaÄ.Ö>\; Ö'UVclfLEVOV to Ä.EYOfLEVov xai. XQijcrßm ailtcp toil ÖL' a'Ötoil to ltä.v O'UVVOijcravtO\;. tcp fLEV yaQ Elvm fLOVOV to O'UVELVaL, tcp Ö' E'Ö ltELOßEVtL ltQOOELVQL XQL tytV ltQÖ.f;LV.
s
Bei Hesiod, Op. et D. 293sq., lauten die Verse: "Der beste von allen ist wohl der, der alles selbst bedenkt; edel ist aber auch der, der gutem Rat folgt."
1.3.1.2 Über die stoische Schultradition
118
Eusebius, Praep. evang. XV 13,6-9:
... fLEtaßTJOOfLEßa xai. ~lti. tytV tÖ>V ~tO>LXÖ>V QLQEOLV. (7) ~O>XQcltO'U\; tOLV'UV QXO'UOtyt\; ~YEVEtO 'AvtLOßEVTJ\;.... (8) tou'to'U öe äxo'Ucrtfts, yeyovE ßLOyEVTJ\; ö Kuwv. . .. toutov KQcitTJ\; ÖLEöE!;ato · KQcitTJ'tO\; ÖE ~yevno Zijvwv ö KmEu\;, ö tij\; tci>v ~tO>Lxci>v cpLÄ.ocr6cpwv ai.QEOEO>\; xatacrta\; äQXTJYO\;. (9) Zijvwva ÖE KÄ.EavßTJ\; ÖLEÖE!;ato, Ki..EavßTJv öt XQuOLltltO\;, toiltov öt Zijvwv hEQO\; xai. oi. xaßE!;ij\;. i..Eyovtm ö' o'ÜtoL ltaVtE\; ÖLacpEQOVtO>\; xai. ßi:o'U OtEQQO'Ü XQL ÖLaÄ.EXtLXij\; ~ltLfLEÄ.TJßijVaL. Was hier den Anschluß der Stoa an die Kyniker angeht, so findet man ihn auch im nächsten Text und in Nr. 121. Er ist schon wegen der vielseitigen Ausbildung Zenons einseitig und mit der gleichzeitig hervorgehobenen Vorliebe der Stoiker flir die Dialektik kaum verträglich (vgl. unten Nr. 138). Doch folgt er (1) im allgemeinen dem Bedürfnis späterer Philosophiegeschichtsschreiber, sämtliche Philosophen geistesgeschichtlich nach dem hellenistischen System der Schulfolgen anzuordnen und entsprechende Diadochenlisten aufzustellen; die erste Liste dieser Art wurde schon um 200 v.Chr. angelegt, ist bei Diegenes Laertios überliefert und wird in Nr. 121 auszugsweise zitiert. Um die Stoiker entsprechend diesem Schema einzuordnen und sie trotz der damit verbundenen Einseitigkeiten in die Tradition der Kyniker zu stellen, gab es (2) spezielle Anhalts-
117 l ll&ivo~) o!ito~ codd. Hcsiodi et scholia ad locum I lt!lhttlll F"P": lt&ilhjtal BF,.P"'I' aöto~ BP: a6tm F: a6tq:, aut aÖti/1 codd. Hesiodi et scholia I voftEl codd. et Diogenis et Hcsiodi 118 lllltaaru; ONV: 1111! tllÖtTI~ 1•: um. 8
°
116
s
Fragment
116-118
(25) Auch sagt man, er habe als erster den Terminus kathekon für ,Pflicht' benutzt und darüber auch eine Abhandlung verfaßt. (Anschluß oben in Nr. 116)
Außerdem soll er Resiods Verse folgendermaßen umgeschrieben haben: "Der beste von allen ist wohl der, der gutem Rat folgt; edel ist aber auch der, der alles selbst bedenkt." (26) Denn derjenige, der das Gesagte recht zu hören und es anzuwenden wisse, verdiene den Vorzug vor demjenigen, der alles durch sich selbst erkenne; letzterer besitze nämlich nur das Wissen, während ersterer, indem er sich gutem Rat fügt, auch die Tat folgen lasse. Auch Themistius, Or. 8, VoL I p.164,4sq. Scheokl-Downey, zitiert Zenons Umstellung der Hesiodverse; vgl. ferner Or. 13, ibid. p. 246,14-16.
. . . wollen wir auch zur Schule der Stoiker übergehen. (7) Ein Hörer des Sokrates war also Antisthenes .... (8) Dessen Hörer war Diogenes der Hund . . . . Diesen löste Krates ab. [Ein Hörer] des Krates aber war Zenon von Kition, der die Schule der stoischen Philosophen begründet hat und führte. (9) Den Zenon löste Kleanthes ab und den Kleanthes Chrysipp, diesen wiederum ein weitererZenon und dessen Nachfolger. Vonall diesen Männem sagt man, daß sie sich besonders um eine unbeirrbar gradlinige Lebensweise und um die Dialektik bemüht haben. punkte. Zenon hatte nämlich nicht nur bei Krates studiert, sondern während dieser Zeit auch seine Politeia verfaßt - so nach Diogenes Lai!rtius VD 4 - und darin eine höchst kynische Staatstheorie ausgebreitet. Dieses Buch wurde den Stoikern, von denen überdies viele selber kynischen Neigungen folgten, immer wieder vorgehalten; und diejenigen Stoiker, die sich davon distanzieren wollten, hatten alle Mühe, dies einigermaßen glaubwürdig zu tun. Was sie zu diesem Zweck alles unternahmen, davon vermittelt beispielsweise Philodemus, De Stoicis c.l--4, p. 100sq. Dorandi einen lebhaften Eindruck; aber ihre Bemühungen führten nur selten dazu, daß die Stoa philosophiegeschichtlich anders eingeordnet wurde; vgl. hierfür jedoch Nr.121a.
117
§ 1.3.1.2
119
[Galenus], Hist. philos. 3, p. 600,4-11 Diels:
'Hyo'ÜJ.I.aL ÖE 'tÜIV l:roxQa'tLXÜIV 'Av'tLot}EVTJV :rtt'ivu :rtOAAÜIV YEVOJ.I.EVWV O'ÜÖEVO~ i')ooova dvaL {xa'taÖEEO'tEQO~ ÖE}, Ö~ 'tTJV KuvLxfJv Et~ 'tov ßi:ov :rtaQi)yayEv. oii ALoyEVTJ~ ytyovE ~TJAW'tTJ~ :rtQOOOJ.I.OLrot}Ei.~ XQ'tel 'tel t:rtL'tTJÖEUJ.ta'ta. 'tOU'tO'U ÖE Zi)vrov 6 KL'tLEU~ äxi)xoEv, ö~ 'tTJV l:'troLxT)v q>LAooocpl:av E'ÜQEV. oii J.I.E'tELATJq>EL 'trov Myrov K>..EO.vt}TJ~. xat 'tOU'tO'U XQilOL:rt:rto~ QXQOci>J.I.EVO~ 'tTJV 6JA.OLQV äyroyiJv J.I.E'tEATJA'Ut}E. 'tO'Ü ÖE ALoyEVTJ~ 6 Baßu>..rovLo~ äxQoa'tT)~ yEyovro~ 'Av'tL:rtt'i'tQO'U xa~yTJ'tTJ~ yf.yovE. 'tOU'tou ÖE IIooELÖrovLo~ f)xQOä'to.
t;- s
120
Strabo, Geogr. XIII 1,57; C610:
'H "Aooo~ .. . tv'tE'Üt}Ev f)v K>..Eav~~. 6 l:'troLxo~ q>LMoocpo~ 6 ÖLaöE;aJ.tEVO~ 'tTJV Zi)vrovo~ 'tO'Ü KL'tLEro~ o:x,o>..i)v, xa'taAL:rtrov ÖE XQuol::rt:rtcp 'tl'p l:o>..EL.
121
Diogenes Laertius I 13-15:
«<>L>..ooocpl:a~ ÖE Mo yEy6vaoLv äQ:x,ai:, i') 'tE ä:rto 'Ava;L-
J.tt'iVÖQou xal. 'ft ä:rto IIut}ay6Qou· 'to'Ü J.I.EV ea>..o'Ü ÖLaXTJIIut}ay6QO'U ÖE «<>EQEXUÖTJ~ xa~yi)oa'to. xal. txa>..Et'to 'ft J.I.EV 'IrovLxi), Ö'tL Sa>..i')~ "Irov (bv, ML>..i)OLo~ yt'iQ, xat}TJyiJoa'tO 'Ava;LJ.tt'iVÖQO'U' 'ft ÖE 'haALXTJ ä:rto IIut}ay6Qou, Ö'tL 'tel :rtAELO'ta xa'tel 'tTJV 'l'ta>..i:av tcpLAOo6cpTJOEV. (14) xa'ta>..i)yEL ÖE 'ft J.I.EV Et~ KAEL'tOJ.ta:x.ov xat XQilOL:rt:rtov xal. 9E6cpQao'tov {'ft 'IrovLxi)}' 'ft ÖE 'l'taALXTJ Et~ 'E:rtLXO'UQOV. 9aAO'Ü J.I.EV YelQ 'Ava;LJ.I.QVÖQO~, OU xo6'to~.
'Ava;LJ.I.EVTJ~,
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oii 10 ot 'tE äA.AOL l:roxQa'tLxol. xat IIM'trov 6 'tTJV äQ:x,ai:av 'AxaÖTJJ.I.ELav O'UO'tTJOt'iJ.I.EVO~' OU l::rtEUOL:rt:rtO~ XQL ~EVOXQt'i'tTJ~, OU IIoAEJ.I.WV, ... o'Ü KaQvEt'iÖTJ~, oii KAEL'tOJ.ta:x.o~. xal. 6löE J.I.EV Et~ KAEL't6J.ta:x.ov. 1s (15) Et~ ÖE XQilOL:rt:rtov oihro xa'ta>..i)yEL · l:roxQt'i'tou~ 'Av'tLot}f.vTJ~, o'Ü Atoyf.vTJ~ 6 xurov, o'Ü KQt'i'tTJ~ 6 9TJßato~, oii Zi)vrov 6 KL'tLEil~, o'Ü K>..Eav~~. o'Ü XQilOL:rt:rto~. Et~ ÖE 9E6q>Qao'tov oihro~ · IIM'trovo~ 'AQLO'tO'tEATJ~, o'Ü 9EOq>QaO'tO~. 20 l:roxQt'i'tTJ~ 6 'tTJV f)t}LxT)v Etoayroyrov ·
119 1 tOV O"WXI!«tlXOV ABN: corr. Diels 1 2 tjcrcrova Elva1 xataaEtcrtEI!O~ lit B: lcr'o' i')v xataa.tm&l!'o' at A: xataaEiimEI!O~ at del. Diels I ' tT)v vix"I]V AB: et litem N I 5 tT)v) nvn AB I • 6urytvou~ AB 121 • {i) 'lmv•xit} del. Hübner
'AQ:x,f.>..ao~,
S
118
oii
Fragment
119-121
Ich glaube aber, daß von den Sokratikern, die doch sehr viele waren, Antisthenes nicht weniger bedeutend als irgend ein anderer war; er hat die kynische Schule ins Leben gerufen. Dessen Anhänger war Diogenes, der ihm hinsichtlich der Lebensgewohnheiten ähnlich geworden ist. Diesen hörte Zenon von Kition, der die stoische Philosophie begründete. Dessen Gedanken übernahm Kleanthes. Bei ihm studierte Chrysipp und folgte der gleichen Spur. Dessen Hörer wiederum war Diogenes von Babylon, der der Lehrer Antipaters war. Und bei diesem studierte Poseidonios.
Assos ... Von dort kam Kleanthes, der stoische Philosoph, der die Schulleitung von Zenon aus Kition übernahm und für Chrysipp aus Soloi hinterließ.
Die Philosophie hat zwei Ausgangspunkte und beginnt einerseits mit Anaximander, andererseits mit Pythagoras; ersterer war ein Schüler des Thales, während Pythagoras seine Ausbildung bei Pherekydes erhalten hatte. Weil Thales, ein Milesier und daher ein Jonier, den Anaximander unterrichtete, hieß die eine Schule die jonische; die andere Schule hieß die italische von Pythagoras her, der während seines philosophischen Wirkens die meiste Zeit in Italien verbrachte. (14) Die erste Schule (die jonische) endigt mit Kleitomachos, Chrysipp und Theophrast, die italische Schule mit Epikur. Denn aufThales folgen nacheinander Anaximander, Anaximenes, Anaxagoras, Archelaos und Sokrates, der die Ethik einführte; auf ihn folgen die übrigen Sokratiker und Platon, der die alte Akademie gründete; auf ihn wiederum folgen Speusipp und Xenokrates, auf diesen Polemon, ... Karneades und schließlich Kleitomachos. So also stellt sich die auf Kleitomachos führende Reihe dar. (15) Die auf Chrysipp endende Sukzession sieht so aus: Auf Sokrates folgt Antisthenes, auf diesen Diogenes der Hund (Kyniker), auf diesen der Thebaner Krates und auf diesen nacheinander Zenon von Kition, Kleanthes und Chrysipp. Die Linie nach Theophrast verläuft so: Auf Platon folgt Aristoteles und auf diesen Theophrast. 119
§ 1.3.1.2
121 A
Suda s.v. Sokratis, Vol. IV p. 403sq. (n. 829) Adler:
ous öe eteyaaa'to (sc. ö l::wxea'tTJS) TIM'twva ... · xai. 'AQLO'tbt:n;ov KueTJvai:ov .. : v'ta reilAA.ou, ALOX,LVTJV, Auaav(av l::q>~'t'tLOV, KeßT)'tQ 8TJßaiov, rA.ailxwva ,A ihjvaiov, Beilawva 'HeaxAEW'tTJV. Ö!; 'tftV tQLO'tLxftv ÖLaAEX'tLxftv ela~yaye J.&E'ta E-öxA.ei:öou, TJ'Ü;T)aE öe KAELVOJ.taxos, xai. :n:oAA.v ÖL' a'Ö'tij!; tMMV'twv, ~A.TJ;Ev 10 ets· Z~vwva 'tOV KL'tLea · o{i'to!; yae ä:n;' a'Ö'toii l::'twLxi'Jv tx 'toii 't6:n:ou 'tTJV ax.oA.i'Jv rov6J.taae, yeyovros t:n;i. 'tij!; exe' 'OA.uJ.tmaöos · 'tLVES öe Beilawva o'Ö l::wxea'tous, äA.A.' E-öxA.ei:öou äxeoa'ti'Jv yQ6.q>oum · 'toil'tou öe xai. nveewv iJxeoaaa'to, äq>' o-o:n:ee ol nueewveLoL :n:eoaayoeeu6J.&EVOL · 15 'AA.xLßLaÖTJV, KQL't6ßouA.ov, ... Daß in diesem Abschnitt nicht alles seine Richtigkeit hat, erkennt man schon daran, daß das Geburtsdatum Zenans v. Kition offenbar mit dem des Chrysipp verwechselt wird. Gleichwohl ist der Text insbesondere deshalb von Interesse, weil er die Stoa nicht in die Tradition der Kyniker stellt, sondern in die der Megarischen und der Dialektischen Schule; wenn man die beiden Schulen im
122
[Lucianus], Macrob. § 19-21, Vol. I p. 78sq. MacLeod:
Z~vwv öe
ö 'tij!; l::'twLxijs q>LA.oaoq>i:as CtQXTJ'YOS öx'tro xai.
tvEV~XOV'ta' ÖV
121 A J Kl.s\VOIIUXOU A: Kl.swoalillou G I 7 fQ6l.l.ou A: fQ6Uov GI Auaaviou "cgregie Hemstcrhuis" (Adler)
q>aOLV E[OEQX,OJ.&EVOV d!; 'tftV tXXATJOLaV xai. :n:eoa:n;'tai:aav'ta ävaq>ßey;aaßm, "Tl: J.&E ßoQ:s;" xai. 'Ö:n;oO'tQE'Ijlav'ta otxaÖE xai. Ct:JtOOX,6J.tEVOV 'tQOq>ij!; 'tEAE'U'tijOaL 'tOV ßi:ov. KAeavßT)s öe ö Z~vwvos J.taßTJ'tTJS xai. ÖLaöoxos tvvea 5 xai. tvev~xov'ta o{i'to!; yeyovros hTJ q>iiJ.ta ~axev t:n:i. 'tOii X,ELA.ous xai. ... t;eA.L:n:E 'tov ßi:ov. (20) ... Xeilm:n::n:os ~v xai. Öj'ÖO~XOV'ta 'dLOj'EVTJ!; ÖE Ö l::EAE'UXEU!; ä:rto Ti:j'QLO; l::'tOlLXO!; q>LAOOOlpO!; ÖX'tro xai. Öj'ÖO~XOV'ta. lloaELÖWVLO!; 'A:rtaJ.tEU!; 'tijs l::uei:as, v6J.tcp öe 'P6öLos, q>LA6aoq>6S 'tE l'LJ.ta xai. la'to- 10 ei:as auyyeaq>eus 'teaaaea xat öyöo~xov'ta· ... (21) 'Aihjv6öweos l::avöwvos Taeaeus l::'twLx6s, ös xai. ÖLÖaaxaA.os tyevE'to Kai:aaeos l::eßaa'toii ßeoii ..• Mo xat öyöo~xoV'ta
120
Fragment
121 A-122
Zu Philosophen machte er [scil. Sokrates] Platon, ... ferner Aristipp aus Kyrene, ... Phaidon von Elis, ... Antisthenes, der die kynische Schule aufbrachte, Bukleides von Megara, der seinerseits ebenfalls eine eigene Schule gründete, welche von ihm die Megarische genannt wurde und die von dem Bukleides-Schüler Kleinomachos als die Dialektische Schule bezeichnet wurde, Xenophon, der Sohn des Gryllos, Aischines, Sohn des Lysanias aus Sphettos, Kebes von Theben, Glaukon von Athen, Bryson aus Herakleia - er führte mit Bukleides die eristische Dialektik ein, Kleinomachos vermehrte sie, und nachdem viele durch sie [scil. die Dialektische Schule] gegangen waren, endete sie bei Zenon von Kition; der nämlich bezeichnete die von ihm ausgehende Schule von dem Ort her als die Stoische; geboren war er zur Zeit der 125. Olympiade. Einige indes schreiben, Bryson sei nicht Schüler des Sokrates, sondern des Eukleides; den Bryson hörte auch Pyrrhon, von dem her die Pyrrhoneer ihren Namen erhalten haben -, Alkibiades, Kritobulos, ... Licht des modernen Erkenntnisstandes trennen will (vgl. oben S. ·LXVI), werden die Stoiker sogar vornehmlich in der Tradition der Dialektischen Schule gesehen. Welchen Anhaltspunkt es dafür in der Biographie Zenans gibt, zeigen die obigen Texte Nr. 107 und 108. Siehe auch die Bemerkungen zu Nr. 118.
Zenon, der Begründer der stoischen Philosophie, lebte 98 Jahre; man sagt, er sei in die Volksversammlung gekommen, sei dabei gestolpert und habe ausgerufen: "Warum rufst du mich?"; dann sei er nach Hause zurückgekehrt, habe sich der Nahrung enthalten und so sein Leben beendet. Kleanthes, Zenons Schüler und Nachfolger [in der Schulleitung], war 99 Jahre alt, als er ein Geschwür an der Lippe bekam und ... aus dem Leben schied. (20) ... Chrysipp wurde 81 Jahre alt; Diogenes von Seleukia am Tigris, ein stoischer Philosoph, 88 Jahre; Poseidonios aus Apameia in Syrien, durch Gesetz ein Rhodier, Philosoph und Geschichtsschreiber, 84 Jahre; ... (21) Athenodor aus Tarsos, Sohn des Sandon, ein Stoiker, der auch Lehrer des Kaisers Augustus war, .... starb im Alter von 82 Jahren .... Der Stoiker
121
§ 1.3.1.2
hTJ ~Lou~ hei..eu"tTJOEv.... Nto"troQ öe ~"troLxo~ äno TaQooü ÖLÖcioxai..o~ Ka(oaQO~ TL~EQLO'U ~"tTJ öuo xai. tvevijxov,;a.
123
1s
Plutarchus, De Stoic. repugn. 2, 1033C-E:
A'iJ"to~
yoüv XQUOL:rt:rto~ tv ,;ip "tE"tciQ"tql :rtEQi. Bi:rov o'ÖÖEV OLE"tUL "tOV oxoi..aO"tLXOV ~LOV "tOÜ t')ÖOVLXOÜ ÖLa
124
Cicero, Tuscul. disput. V 37,107:
Iam vero exilium, si rerum naturam, non ignominiam nominis quaerimus, quantum tandem a perpetua peregrinatione differt? in qua aetates suas philosophi nobilissimi consumpserunt, Xenocrates Crantor Arcesilas Lacydes Aristoteles Theophrastus Zeno Cleanthes Chrysippus Antipater Carnea- s des Clitomachus Philo Antiochus Panaetius Posidonius, innumerabiles alii, qui semel egressi numquam domum reverterunt. Vgl. hierzu auch weiter unten Nr. 178. 123
7
'01&iq> Salmasius:
118!mL X: 181m g: 118ioVL dYZIIApyE: 118Eim B I • oplM>Miyo6vttg qn.J..oaoopo6vtE~ vz 124 2 tondem a Davisius: damna X (damna a V 3 ) I '''
corneades philo antiochus possidonius 0 1R 1V 1 : post corneades add. panetius clilomachus R•: panetius (panealius V') c/itomachus corneades G'V': corneades panetius clitomachus philo (philoa H) antiochus possidonius KH: verum ordinem restit. Heine 126 2 auti!lV aöt41v codd.
V.
Amim:
125
Plutarchus, De Stoic. repugn. 4, 1034A:
Kai. J.I.TJV 'Av,;L:rta"tQO~ tv ,;ip :rtEQi. "tTJI; Ki..ecivf}ou~; xai. XQ'UOL:rt:rtou ÖLa<poQä!; lo"t6QTJXEV Ö"tL ZfJvrov xai. Ki..eciv~1:; o'Öx 'fJ{}ei..TJoav 'A~vatOL yeveof}m, J.I.TJ M;rooL ,;a~; UU"tW'V :rtU"tQLÖU!; QÖLXELV. Ö"tL !J.EV, d xai..ö:J~ ofJ"tOL, XQUOL:rt:rto~; o'Öx ÖQß-ö:J~; t:rtOLTJOEV tyyQa
126
Dio Chrysostomus, Or. 47,2:
'Q~; tyro :rtQ6"tEQOV !J.EV tf}aiJJ.ta~ov "tWV
122
s
Fragment
122-126
Nestor aus Tarsos, Lehrer des Kaisers Tiberius, lebte 92 Jahre.
Jedenfalls glaubt Chrysipp selbst im vierten Buch ,Über die Lebensweisen', daß sich das Leben in (den Wissenschaften gewidmeter) Muße durch nichts von einem Leben in Freude und Genuß unterscheidet .... Wer nun wurde in diesem Leben in (den Wissenschaften gewidmeter) Muße älter als Chrysipp, Kleanthes, Diogenes, Zenon und Antipater, die sogar ihre eigenen Vaterstädte verließen, ohne sich wegen irgendwelcher Mißstände dort zu beschweren, vielmehr um im Odeion und am [Kap] Zoster ihre Zeit in Ruhe mit Vorlesungen und Gesprächen hinzubringen? (Fortsetzung unten Nr. 155)
Wenn wir nun aber das Exil der Sache nach und nicht nach der Schande untersuchen, die seiner Bezeichnung anhaftet, wieweit unterscheidet es sich dann vom beständigen Aufenthalt im Ausland? In diesem haben die berühmtesten Philosophen ihr Leben verbracht; Xenokrates, Krantor, Arkesilaos, Lakydes, Aristoteles, Theophrast, Zenon, Kleanthes, Chrysipp, Antipater, Karneades, Kleitomachos, Philon, Antiochos, Panaitios, Poseidonios und unzählige andere sind, einmal von zu Hause aufgebrochen, nie dorthin zurückgekehrt.
Darüber hinaus teilte Antipater in seinem Buch über den Unterschied zwischen Kleanthes und Chrysipp mit, daß Zenon und Kleanthes sich in Athen nicht naturalisieren lassen wollten, um nicht den Eindruck zu erwecken, ihren eigenen Vaterstädten Umecht zu tun. Wenn sie recht daran taten, handelte Chrysipp nicht korrekt, als er sich in die Bürgerschaft einschrieb; doch wollen wir das beiseite lassen.
Früher wunderte ich mich nämlich über diejenigen Philosophen, die, ohne daß jemand sie gezwungen hätte, ihre Vaterstadt verließen und es vorzogen, 123
§ 1.3.1.2
l;ov--coc;, :JtaQ' lUAOLS ÖE l;fjv äAOJ.LEVO"U<;, xai. "taii"ta rutoq>aLVOJ.LEVO"U<; a"Ö"tOU<; Ö"tL ÖEL "tTJV :n:a"tQLÖa "tLJ.LÖ.V xai. :ltEQL :JtAELO"tO"U :JtOLEi:oi)aL xai. Ö"tL :JtQcl"t"tELV "tQ XOLVQ xai. 5 :JtOAL"tEileoi)m "tcp civi)Qro:n:c:p xa"ta q>VOLV ~O"tLV. A.eyro ÖE --cov ZTjvrova, --cov XQiiOL:n::n:ov, --cov KA.eavlh]v, ciw o"ÖÖEi.c; otxOL ~J.LELVE --caii--ca A.ey6v--crov.
127
Quintilianus, Instit. orat. xn 1,18:
Quod si defuit bis viris summa virtus, sie quaerentibus an oratores fuerint respondebo quo modo Stoici, si interrogentur an sapiens Zenon, an Cleanthes, an Chrysippus ipse, respondeant, magnos quidem illos ac venerabiles, non tarnen id quod natura hominis summum habet consecutos.
5
Daß man in der Stoa so über die Schulgrößen sprach und auch sie nicht als Beispiele eines Weisen anbot, berichtet auf ganz andere Weise auch Sextus Empiricus (siehe unten Nr. 360a). Und in bezug auf Zenon v. Kition ergibt es sich ebenfalls aus Philodemus, De
127 A
Clemens Alex., Stromat. V 9 § 58,2, p. 365 Fr.:
'AA.A.a xai. ot :I--croLxoi. A.eyouOL ZTjvrovL --ccp :JtQOO"tc:p yeyQaq>i)aL "tLVcl, li J.LTJ Qc;tÖi:roc; ~:JtL"tQE:JtO"UOL "tOLS t-taihJ--cai:c; civayLVOOOXELV, J.LTJ O"ÖXL :JtELQUV ÖEÖWX60L :JtQ6"tEQOV, d yv1Joi:roc; qnA.oooq>oi:ev.
128 126 llymv malit Emperius 128 2 -qlll! quae corrcctor (s. XV) codicis Laurent. 46,7 (s. X): -qlll! supplcmcntum partis antiquioris codicis Bamberg. M.4.14 (s. X), cod. Paris. lat. 7231 (s. XI): quae cod. Paris. lat. 7696 (s. XI): -que quod codd. Paris. lat. 7723 post corr. ct Vatic. lat. 1766 (s. XV) I J institueram supplcmentum partis antiqu. cod. Bamberg. M.4.14: -erant rell. 1
Quintilianus, Instit. orat. X 1,84; XII 2,25:
X 1,84: Minus indulsere eloquentiae Stoici veteres, sed cum honesta suaserunt, tum in colligendo probandoque (quae) instituerant plurimum valuerunt, rebus tarnen acuti magis quam, id quod sane non adfectarunt, oratione magnifici. XII 2,25: Stoici, sicut copiam nitoremque eloquentiae fere praeceptoribus suis defuisse concedant necesse est, ita nullos aut probare acrius aut concludere subtilius contendunt.
124
5
Fragment
126-128
bei anderen Menschen zu leben, und die zugleich erklärten, daß man sein Vaterland ehren und über alles schätzen müsse und daß es eine natürliche Verpflichtung des Menschen sei, im öffentlichen Leben aktiv zu werden und sich politisch zu betätigen. Ich beziehe mich auf Zenon, Chrysipp und Kleanthes; obwohl sie so redeten, blieb keiner von ihnen in der Heimat.
Aber selbst wenn diesen Männern [scil. Demosthenes und Cicero] die höchste Vollendung der Tugend abging, möchte ich denen, die fragen, ob sie dann Redner waren, so antworten, wie die Stoiker, wenn sie gefragt werden sollten, ob Zenon, Kleanthes oder gar Chrysipp weise waren, zur Antwort geben würden, daß diese Männer bedeutende und verehrungswürdige Leute waren, daß sie aber nicht das erreichten, was die höchste Vollendungder Natur des Menschen ist. Stoicls c. 4 (col. XIV, 19-22), p. 101 Dorandi. Im Zusammenhang geht es dort um Zenons ,Staat' (vgl. dazu die Hinweise oben im Anschluß an Nr. 118). Und so könnte sich auch der folgende Text insbesondere auf Zenons Politeia beziehen:
Aber auch die Stoiker sagen, daß Zenon I. manches geschrieben habe, was sie den Schülern nicht leicht zu lesen gestatten, auf keinen Fall bevor sie eine Prüfung darüber abgelegt haben, ob sie in genuiner Weise philosophieren.
X 1,84: Die alten Stoiker pflegten die Beredsamkeit verhältnismäßig wenig. Aber sie vertraten die Sache der Tugend, und was sie im Bereich des Argumentierens und Beweisens an Regeln aufstellten, ist von größtem Wert. Dennoch waren sie mehr in der Sache scharfsinnig als in der Rede bedeutsam, was sie freilich auch nicht anstrebten. XII 2,25: Die Stoiker räumen notgedrungen ein, daß ihren Lehrmeistern die Fülle und der Glanz der Beredsamkeit in der Regel abging; doch sie bestehen genauso darauf, daß niemand scharfsinnigere Beweise zu liefern und subtilere Schlüsse zu ziehen wisse. 125
§ 1.3.1.2-1.3.1.3
129
Während die ständigen Auseinandersetzungen der Stoiker mit den Akademikern in den Fragmenten sehr häufig. deutlich werden, sind die Auseinandersetzungen mit den Epikureern weniger augenfällig. Man stößt auf sie z.B. oben in Nr. 72 und unten in Nr. 157, 461, 1028 und 1032-1035. Darüber hinaus berichtet Diogenes La&tius
1.3.1.3 Zenons Schüler
130
Diogenes Laertius Vll 36-38:
Maihp;al. öE: Zf)vwvos :rtoJ.J.oi. !tEV, ~vöo;m ÖE llEQoatos ATJ!tTJ'tQi:ou KL'tLE'Ils, öv ol !tEV yvQL~tov au'to'Ü, ol ÖE otxE'tTJV gva 'tÖ>V ELS ßLßALO"(Qacpi:av :rtE~t:rtO~tEVWV au'tcp :rtaQ' 'Av'tL"(6vou, OV xal. 'tQOcpEilS ~V 'tO'Ü :rtaLÖOS 'AJ.xuoVEWS.... (37) 'AQi:o'twv MLA'ttaöou Xtos, ö 'tTJV c'lötacpoQi:av 5 EtOTJ'YTJOU!tEvos. VHQLAAOS XaAxTJö6VLOS, ö 'tTJV t:rtLO'tTJ!tTJV 'tEAos Et:rtrov. ALOv'llotos ö ~tnai}t~tevos Els 'tTJV 'I'Jöovf)v' ... oV'tOS ~v 'HQaxAEW'tTJS· l:cpatQOS Boo:rtOQLav6s · KJ.eavi}TJs cl>avi:ou VAomos, ö ötaöe;a~tevos 'tTJV oxoJ.f)v · öv xai. c'lcpw~toi:ou 'tats oxATJQOXTJQOLS MJ.'tms, at ~t6ALS ~tEV to "(QUqJOV'taL, ÖLa'tT)QO'ÜOL ÖE 'tU "(QacpEV'ta. ÖLTJXOUOE Ö' Ö l:cpatQOS xai. KJ.eavi}ous !tE'ta 'tTJV Zf)vwvos 'tEAEu'tf)v' xai. M;o~tEV :rtEQi. au'to'Ü tv 'tc'p IlEQL KJ.eavi}ou~. (38) ~oav öE: Zf)vwvos ~tai}TJ'tai. xai. otöe, xai}a cpTJOLV 'I:rt:rt6ßo't0s· ci>LJ.wvi:ÖTJS E>TJßatos, KaAAL:rt:rtos KoQi:vi}LOS, Ilooetörovtos t5 'AJ.e;avÖQEUS, 'Ai}T)v6ÖwQOS l:oJ.eus, Zf)vwv l:törovtos.
•t•
130 aöti!lltllll' 'Avny6vou]ltllQ' aÖtoll 'AVtl· y6vtp propos. della Corte ap. E.V. Alfieri/M. Untersteiner (eds.), Studi di filosofia greca, Bari I 950, p. 310 I' MIAtuJ.öou Hübner: MIAtioiöTI~ codd. I • X«AX1Jö6v•o~ von der Mühll, Gigante, Hülser: K«QX1Jö6· VIO~ codd., Long I " 'YQii<povtal] tyyQii
131
Index Stoic. Hercul. col. X-XXXVIT,3:
Col. X - Zenonis discipuli: -: [Zf)vwJI 1vL cpaveto[i}m ou öt]öo~'taL · KJ.eav[i}]TJS eocpav['t]ou, xa[i}]a:rtEQ I 'Av'ti:yovos ~'YQa'ljlev, 'HQajxAEW'tTJS, 6 Mnai}t~telvos· 'AQi:o'twv MLA'tL
126
Fragment
129-131
X 3sq. von allerlei persönlichen Feindschaften oder beleidigenden Erzählungen verschiedener Stoiker gegen Epikur. Und umgekehrt ist Philodemus, De Stoicis c. 2-9, p. 100-103 Dorandi ein eindrückliches Zeugnis epikureischer Polemik und Verteidigung gegen die Stoiker; die Auseinandersetzung bezieht sich hier auf Zenons Politeia.
Schüler hat Zenon viele gehabt; berühmt darunter sind: Persaios, Sohn des Demetrios, aus Kition, der nach einigen ein Vertrauter Zenons war und nach anderen einer der Hausgehilfen, die ihm von Antigonos für Sekretärsarbeiten geschickt wurden, wie er denn auch als Erzieher von Antigonos' Sohn Halkyoneus gewirkt hat.... (37) Ariston, Sohn des Miltiades, gebürtig aus Chios, der die Lehre vom sittlich Indifferenten einführte. Herillos aus Chalkedon, der als das Endziel die Wissenschaft bezeichnete. Dionysios, der zur Lust hin abtrünnig wurde (,Metathemenos'); ... er stammte aus Herakleia. Sphairos, der Bosporaner. Kleanthes, Sohn des Phanias, aus Assos, Zenons Nachfolger in der Schulleitung; ihn verglich Zenon auch mit den harten Wachstafeln, die sich zwar nur mit Mühe beschriften lassen, auf denen das Geschriebene aber gut erhalten bleibt. Nach Zenons Tod hörte Sphairos auch den Kleanthes; von ihm werden wir in dem Abschnitt über Kleanthes noch eigens erzählen. (38) Wie Hippobotos sagt, waren auch folgende Leute Schüler Zenons: Philonides aus Theben, Kallippos aus Korinth, Poseidonios aus Alexandria, Athenodor aus Soloi, Zenon aus Sidon. (Fortsetzung oben Nr. 1)
Col. X: Schüler Zenons: ... Kleanthes, Sohn des Phainias, aus Assos, der auch die Schulleitung übernahm; Dionysios, Sohn des Theophantos- wie Antigonos schrieb -, aus Herakleia, ,der Abtrünnige', Ariston, Sohn des Miltiades, aus Chios, der zwar die Gleichgültigkeit als das Endziel verkündete, aber in den anderen Punkten seinem Lehrer zu folgen glaubte ...
Col. XI: Schüler Zenons: [gelob-(?)]tes Buch; Zenon von Sidon, von einigen als ,der Jugendliche (Jüngling)' bezeichnet, wie _ihn auch Chrysipp in dem 127
§ 1.3.1.3
g(utxoc; auJI 5"tov ~v ("tc'p :!tEQi. "t]o(ü ÖLaAE]IA.TJM"t(oc; xaA.]E(i: - - -] l:lt"tELV (- - -] EAEY[ Col. XII - Zenanis discipuli -: 'AßT)v6öwgoc; (l:o]~E[ilc;, öv] I 'Exa"tai:oc; l:mvtl-[ciQO'U ä]j:TteöwxE. MciALa"ta J.t~V I o'Öv "t(jlv !J.Utl-TJ"tc'i>y 15 'Ö:Tto "toü ZiJ[v]wyoc; fJ~anc;i["t]o 6 llEga(ai:]oc;, äA.A.a I [ö]iJ x(ai.] 0'\JVEßi:o'IJ· xai. I [ye]yga~"taL ö' 'Ö~' ~'Ö"tofi I ["tEtl-Qciq>tl-]m xgoc; ~vi:wv 110 [ZiJvwvoc; öl]y oi:xoyEvfJc; I [- - -] ÄLoyevT)c; I [- - -]tE[ Col. XVII: (- - -]o'U"to(...Jia(- - - ö]'Uvci(J.t.Ev]lov (- - "t]c'i>v ["t'] ö.AA.wv I "t(rov "toü Zi)v]wvoc; J.t.Utl-TJI5 "t(c'i>v "tÖ>V "tE] KA.Ecivtl-o'U[c;] I xa[i. XQ'UOL:~t:lt]'?'U. xai. J.tcXAL~"t[a] ö' [~oLxE]v ~mögaJ.t.Ei:v I "t(oiJ]c; <'i(vwtl-Ev]. 'Öno l:"tQaj"toxA.eo'Uc; "t'?Ü 'Poöi:O'IJ 110 ÖLUX1J(Xo6)"toc; ÖE llajvat"tLO('U y)EYQUj.Lj.LEVO'Uc;.l civo'Uc; x~i.l "tTJV axoA.iJv ÖL~[xa"ta-JI OXE"Lv ~x· hTJ ["t](ILcix(ov]l5"ta xai. (öil]g. - [Ä]Lo[v]ua[Loc;] I "toi:v['Uv 6 ME"tatl-EJ.t.Evoc; - - Col. XXXIII,3-6: ... ~"tE~EU"tTJOEV. (llE]QL yE !J.TJV a"toov[oc; "tO]ü Xi:o'IJ lnagaj.L(-- -]oc;[ 131 c. XI ' versum restit. Comparetti ex DL VII 198 (infra frgm. 194 I. 171) I 6 xllA]•[t coni. Crocnert c. XII s-Jo Bucchclcr suppl. [dS]Qnlt"tnl 3' Ölt' aö-roD I [~ llyE"r]a• ltQO<; tvimv I [3oDA.o<; /Ov] x~A.. c. XVII 7 3' [imKE]y Crocncrt: 8[1nQKE]i<; Compa- · retti c. XXIX antc 1 [ysyovtva1 IO..E)Icivllt)v suppl. Comparetti c. XXXIII 6 ltUQUj.I(EÄ.OÖI'"V]o<; (E!~tEiv) coni. Comparetti dubit. c. XXXVII tcxtum restit. Crocnert
15
'Agi:-
Col. XXXVII,l-3: (- - - yvro]I 1 QLJ.I.OL ö' &[c;] q>TJ(mv 'AJixoA.~cpyLoc; - [~mOTJ]I~-t6"t~10L Yl?(y6vam.
132
Diogenes Laertius Vß 6:
'AxEÖEXE"tO ö' a'Ö"tov xai. 'Av"ti:yovoc;, xai. Et no"t' 'Atl-fJvatE i')xoL i')xo'IJEV a'Ö"toü xoAA.ci "tE naQEXclAEL Öq>LXEatl-m ehe; a'Ö"tOV. 6 ÖE "tOÜ"tO J.I.EV :ltUQTI"tTJOU"tO, llEQOULOV Ö' ~va "tÖ>V YVWQLj.LWV WtEO"tELAEV, öc; ~V ÄT)j.LTJ"tQLO'IJ j.LEV 'Ul6c;, KL"tLEiJc; öe "to yevoc;, xai. i'JxJ.tatE xa"ta "tTJV "tQLaxoa"tfJv xai. exa"to- s a"tT)v 'OA'UJ.I.:TtLciÖa, i'JÖTJ yegov"toc; Öv"toc; ZfJvwvoc;.
128
Fragment
131-132
Buch ,Über den Verborgenen' nennt, ... Col. XII: Schüler Zenons: Athenodor aus Soloi, den Hekataios, Sohn des Spintharos, wiedergegeben (?) hat. Persaios nun wurde unter den Schülern von Zenon am meisten geliebt und lebte sogar mit ihm zusammen; und bei einigen Autoren steht geschrieben, daß er von ihm aufgezogen worden sei, da er Zenons in dessen Haus geborener Sklave war .... Diogenes ... Col. XVII: [Ich weise den Leser darauf hin, daß ich nicht alles über] die anderen Schüler von Zenon, von Kleanthes und von Chrysipp [berichten] kann; es empfiehlt sich daher sehr, die ausführlichen Schriften des Rhodiers Stratokles, eines Hörers von Panaitios, durchzulesen. Er sagt nun, daß Kleanthes zunächst ein Faustkämpfer gewesen sei; ... Col. XXVIII,8-11: Kleanthes aus Assos: ... Nachdem er nicht wenig gelitten hatte, schied er aus dem Leben, als Jason Archon war [d.h. 233/2 oder höchstens 232/1 v.Chr.] ... Col. XXIX: Schüler Zenons: [Geboren wurde] Kleanthes, als Aristophanes Archon war [d.h. 331/330 v.Chr.], und die Leitung der Schule hatte er 32 Jahre inne.- Dionysios der Abtrünnige freilich ... Col. XXXIII,3-6: ... starb er.- Über Ariston von Chios nun ... Col. XXXVII,1-3: ... sind, wie Apollonios sagt, die berühmtesten Schüler gewesen. (Fortsetzung unten Nr. 160)
Auch Antigonos [Gonatas] war sehr von ihm [Zenon] angetan; und jedesmal, wenn er in Athen war, hörte er seine Vorlesungen und lud ihn oft ein, an seinen Hof zu kommen. Zenon schlug dieses Angebot zwar aus, schickte aber einen seiner Freunde, den Persaios, Sohn des Demetrios und gebürtig aus Kition; er blühte während der 130. Olympiade [d.h. 260-257 v. Chr.), als Zenon bereits ein alter Mann war. 129
§ 1.3.1.3
133
Suda, s.v. Persaios, Vol. IV p. 114 Adler:
llEQOato~;, KL"tLEU!;, qnMaocpo~; l:"t(I)LXO!;. enEx>.:fJß'r]
ÖE xat ~(I)QOÖEO!;. ~'V ÖE ent "tÖ>'V XQO'V(I)'V 'A'V"tLYÖ'VO'IJ "tO'Ü fova"tä vloü ~'I"JJ.L'rJ"tQLO'IJ, J.Laß'I"J"tTJS xat ßQEn"to~; Zijvrovo~; "tO'Ü lpLAOa6cpo'U.
134
Athenaeus IV 54, 162b; Vol. I p. 366 Kaibel:
•.. llEQOaL01) "tE "tO'Ü XaAO'Ü cpLAOOÖcpO'U O'UJ.LnO"tLXO'Ü!; ÖLaA6YO'U!; O'IJ'V"tEÖE'V"ta!; ex "tÖ>'V l:"tLA3t(I)'VO!; xat Zijvrovos lutOJ.L'V'r]J.LO'VE'UJ.La"t(I)'V, ...
13 5
Athenaeus XIII 86, 607 a-b; Vol. Ill p. 339 Kaibel:
... xaL"tOL llEQOaLO'IJ "tO'Ü KL"tLE(I)!; ev "tOLl; l:'UJ.LnO"tLXOL!; 'YnOJ.L'VijJ.LaOL'V ßoÖ>'V"tO!; xat AEYO'V"tO!; "nEQL acpQOÖLOL(I)'V QQJ.LOO"tO'V Elvm t'V "tcp otv'V ÖLaAEYOL'V"tO, QAAO"tQL(I)!; dv a'Ö"tOU!; uno>..aßOL "tL!; 11:0LEL'V "tO'Ü iaQ6'V"tOS xaLQoü, (lh€) xat 6 xa>..o~; xayaßo~; av'i)Q J.LEß'IJaßEL'rJ liv.... ""
136
Suda s.v. Hermagoras, Vol.ll p. 411 (n. 3023) Adler:
'EQJ.Lay6Qa~;, 'AJ.LcpLnoAL"t'rJ!;, cpt>..6aocpo~;, J.Laß'I"J"tTJS llEQaai:ov. ÖLaAOYOL a'Ö"tO'Ü .. . llEQt aocpLO"tELa!; 11:QO!; "tOU!; 'AxaÖ'r]J.Lai:xou~;.
137
Athenaeus VI 58, 251b-c; Voi.II p. 60sq. Kaibel:
TLJ.Lro'V 6 'V OLAA(I)'V 'AQLO"t(I)'Vcl cp'r]OL "tO'V Xtov, Zijvrovo~; öe "toü KL"tLtro~; yv6>QLJ.LO'V, x6>..axa yEvtaßm llEQaai:ov "toü cpLAoa6cpov, Ö"tL ~" hatQOS 'Av"tLy6vov "toü ßaat>..tro~;.
138 134
1
toü~ xal.oü~ { op1MI-
Ii. Kaibel dubit. in app. crit. 135 • (litE) add. Kaibel o6cpou}
GUJllt.
Diogenes Laertius VI 103-105:
Kat o'Ö"toL J.LE'V ol ßi:OL "tÖ>'V KvvLxli>v txcia"to'IJ. nQoavnoyQ..oyLxov xat "tO'V cpvatxov "t6nov nEQLaLQEL'V,
130
S
Fragment
133-138
Persaios: aus Kition, stoischer Philosoph; mit Beinamen nannte man ihn auch Dörotheos (,Geschenk Gottes'). Er lebte zur Zeit des Antigonos Gonatas, des Sohnes des Demetrios, war Schüler und Hausdiener des Philosophen Zenon .
. . . und die Party-Dialoge des schönen Philosophen Persaios, die aus den Erinnerungen Stilpons und Zenons zusammengestellt sind, ...
. . . wenngleich Persaios aus Kition in seinen ,Gastmahls-Aufzeichnungen' lauthals verkündet: "Es ist angemessen, beim Wein sexuelle Dinge anzusprechen.... Und wenn Dialektiker sich zum Gelage treffen und sich über Syllogismen unterhalten sollten, so könnte man protestieren, ihre Handlungsweise sei der gegebenen Situation völlig fremd, in der sich selbst der wackere und vornehme Mann betrinken würde .... "
Hermagoras: aus Amphipolis, Philosoph, Schüler des Persaios. Seine Dialoge sind: ... ,Über die Sophisterei, gegen die Akademiker'.
Timon von Phlius sagt im dritten Buch seiner ,Sillen', daß Ariston von Chios, ein Freund Zenons von Kition, dem Philosophen Persaios geschmeichelt habe, weil dieser mit König Antigonos gut befreundet war.
Dies sind nun die Lebensläufe der einzelnen Kyniker. Wir wollen aber auch noch die ihnen gemeinsamen Lehren hinzufügen, ... Sie halten also ähnlich wie Ariston von Chios dafür, die Logik und die Physik zu beseitigen und 131
§ 1.3.1.3 ~J.LcpEQÖ>~ 'AQLO"t(I)VL "tcp Xi:cp, J.L6Vq> ÖE :ltQOOEXELV "tcp ftihxcp .... (104) 'AQEOXEL ö' au"toi:~ xal. "tEAO~ elvm "to xa"t' 5 liQE"tTJV l;ijv, ili~ 'AV"tLcri}EVTJ~ cpTJOLV ~V "tcp 'HQax/..ei:, 6J.Loiro~ "toi:~ l:"troLxoi:~· ~:n:el. xal. xmvrovi:a "tL~ "tai:~ Mo "taU"taL~ a[QEOEoi:v ~O"tLV. öi}ev xat "tov KuvLOJ.LOV etQ'fjxaOL ouv"tOJ.LOV ~:n;' ciQE"tTJV 6ö6v. xal. oÜ"tro~ ~ßi:ro xat Z'fjvrov 6 Kmeu~.... (105) "ta öe J.LE"ta~u liQE"tij~ xat xaxi:a~ MLacpoQa A.EyouoLv 10 6J.LOL(I)~ •AQLO"t(I)VL "tcp Xi:cp.
139
Diogenes Laertius Vll 160-163:
'AQLO"trov 6 Xi:o~ 6 41>6./..avi}o~ ~:n:Lxa/..ouJ.LEVO~ l:ELQtlV· "tE!..o~ ~cpTJOEV etvaL "to MLacp6Qro~ ~xov"ta l;ijv :n:Qo~ "ta J.LE"ta~u QQE"tij~ xat XaXLa~ J.LTJÖ' TJV"tLVO"ÜV ~V a"Ö"tOL~ :ltaQa/../..ay'iJv li:n:o/..Ei::n:ov"ta, Ii/../..' ~:n:LOTJ~ ~:n:t :n:av"trov ~xov"ta · elvm yaQ ÖJ.LOLOV "tOV OOcpOv "tcp liyai}cp 'Ö:ItOXQL"tfi, Ö~ Ö.V "tE 8EQOL"tO'U 5 Ö.V "tE 'AyaJ.LEJ.LVOVO~ :ltQ60ro:n:ov Qva/..aßn, exa"tEQOV 'Ö:ItOXQLVE"taL :ltQOOTJX6V"t(l)~. "t6V "tE cp'UOLXOV "t6:1tOV xat "tOV /..oyLXOV livfiQEL, ... (161) liQE"ta~ "t' ofm :n:o/..A.a~ etoijyev, ili~ 6 Zt1vrov, o"Ü"tE J.LLav :n:o/..A.o~ ÖV6J.LaUL xal..o'UJ.LEVTJV, ili~ ot MeyaQLxoi:, li/..A.a xa"ta "tO :n:Q6~ "ti: :n:ro~ 1\xeLv. oü"tro 1o öe cpLA.ooocpwv xat ~v Kuvoocl.QyEL ÖLaA.ey6J.LEVO~ toxuoev aLQE"tLO"tTJ~ cixoüom. ML!.."tLclÖTJ~ o'Öv xal. .McpLA.o~ 'AQLo"trovELOL :ltQOOTJYOQEUOV"tO....
(162) TiaQaßa/..rov öe TioA.EJ.LrovL, cpTJot
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yvTJ~, J.LE"tEi}no, Z'fjvrovo~ ciQQ(I)O"tL~ J.LaXQ~ :ltEQL:ItEo6v- 15 "tO~.
139 2 ~a ed. princ. : ~~ codd., Suda 1 10 xa~a v. Amim: xat' codd. I iXEIV BI''": ia:tEIV FP,.Iu oilv] yoOv Long dubit. in app. crit. I I 1 a66~aarov Scaliger et versio Aldobrandini: &l~aarov codd. I 21 6u ed. princ.: 6~1 1'"': tva BFP"" I 24 oöatv t: 11116tv
J.LclALO"ta ÖE :ltQOOELXE l:"troLxcp ö6yJ.La"tL "tcp "tOV oocpov ciö6~ao"tov elvaL. :ltQO~ ö TIEQOai:o~ ~vav"tLOUJ.LEVO~ ÖLÖ'UJ.LroV ciöe/..cprov "tOV hEQOV ~:ltOLTJOEV au"tcp :ltaQaXa"tai}tlXT]V ÖO"ÜVaL, ~:ltEL"ta "tOV hEQOV ci:n:o/..aßei:v' xat OÜ"tro~ ci:ltOQOUJ.LEVOV ÖL'fj/..ey~EV. ci:n:O"tELVE"tO ÖE :ltQO~ 'AQxeoi:A.aov · Ö"te i}eaocl.J.LEVO~ "ta"ÜQOV "tEQa"troÖTJ J.L'fj"tQav ~XOV"ta, "OLJ.LaL," ~cpTJ, "ÖEÖO"taL 'AQXEOLAclq> ~:ltLXELQTJJ.La xa"ta "tij~ ~vaQyei:a~." (163) TIQo~ öe "tov cpcl.J.Levov 'AxaÖTJJ.Lai:xov ouöev xa"taAaJ.LßclVELV, "&.Q' OUÖE "tOV :ltATJOLOV
BFP
132
20
Fragment
138-139
sich allein auf die Ethik zu konzentrieren .... (104) Sie sind auch der Ansicht, das Endziel bestehe darin, tugendhaft zu leben, wie Antisthenes in seinem ,Herakles' erklärt- genau wie die Stoiker; denn in der Tat besteht zwischen diesen beiden Schulen eine gewisse Gemeinsamkeit. Daher hat man den Kynismus auch als den kurzen Weg zur Tugend bezeichnet. Und auf diese Art hat auch Zenon von Kition sein Leben geführt .... (105) Was zwischen Tugend und Übel in der Mitte liegt, erklären sie genau wie Ariston von Chios für indifferent. (Fortsetzung oben Nr. 104)
Ariston von Chios, der Kahlkopf, auch Sirene genannt, erklärte, das Endziel bestehe darin, in völliger Indifferenz gegen das zu leben, was zwischen Tugend und Übel in der Mitte liegt, und keinerlei Unterschied zwischen diesen Dingen walten zu lassen, sich vielmehr ihnen allen gegenüber gleich zu verhalten; denn der Weise ähnele dem guten Schauspieler, der jede Rolle in gebührender Weise spiele, ob er nun die des Thersites oder die des Agamemnon übernehme. Der Physik und der Logik stritt Ariston die Existenzberechtigung ab, ... (161) Auch führte er weder wie Zenon viele Tugenden ein noch wie die Megariker bloß eine einzige, die allerdings mit vielfältigen Namen bezeichnet wird; vielmehr behandelte er die Tugenden kategorial als Sich-relativ-in-bestimmter-Weise-Verhaltendes. Mit dieser Art zu philosophieren und durch seine Vorträge und Diskussionen im Kynosarges gewann er solches Ansehen, daß er als Gründer einer Schule betrachtet wurde. Jedenfalls wurden Miltiades und Diphilos als Aristoneer bezeichnet.... (162) Nach dem Bericht des Diokles von Magnesia änderte Ariston seine Auffassungen, nachdem er dem Polemon begegnet war, während Zenon von einer langwierigen Krankheit mitgenommen war. Am allermeisten konzentrierte er sich jedoch auf diejenige stoische Lehre, nach der der Weise nicht in der Lage ist, Meinungen zu haben. Hiergegen kämpfte Persaios an, indem er von zwei Zwillingsbrüdern den einen veranlaßte, dem Ariston etwas [Wertvolles] zur Verwahrung anzuvertrauen, und dann den anderen bat, es wieder abzuholen; auf diese Weise führte Persaios den Ariston in die Irre und widerlegte ihn damit. Mit Arkesilaos lag Ariston dauernd in Streit; als er einmal einen ungeheuerlichen Stier sah, der nämlich eine Gebärmutter hatte, rief er aus: "Oha! Da hat Arkesilaos ein Argument gegen die unmittelbare Klarheit und Deutlichkeit [der Erkenntnis]." (163) Als ein Akademiker behauptete, er ,erkenne' nichts, fragte Ariston zurück: 133
§ 1.3.1.3
00\J xat}orlJLEVOV ÖQ{i~;" d:n:Ev· äQVT]OQJLEVOU ÖE, 'tL~ ( ÖE) o' e'tiJ
25
a'Öya~;
Was die Einschätzung der Tugenden in § 161 betrifft, sei auch auf den Text Nr. 836b hingewiesen.
140
Diogenes Lailrtius IV 32sq.:
'EcpXEL ÖT) (sc. Ö 'AQXEOLÄ.ao~) t}auJLatELV xat 'tOV lli..a't(I)VQ xat 'tel ßtßi..La exEX'tTJ'tO a'Ö'toiJ. (33) äi..i..el xat 'tOV llUQQ(I)VQ XQ'ta 'tLVQ~ etTJÄ.OOXEL XQL 'tfj~ ÖLaÄ.EX'tLXfj~ dXE'tO xat 'tÖ>V 'EQE'tQLXÖ>V i'J:rt'tE'tO Ä.Oy(I)V, öt}Ev XQL ei..EyE'tO e:n;' a'Ö'tOU 'Ö:n;' ,AQLO't(I)VO~. :rtQ6ot}E lli..a't(I)V, ömt}Ev llilQQ(I)V, JLEooo~ At6Ö(I)QO~. Das Wort des Ariston über Arkesilaos wird ohne Erwähnung Aristons auch bei Eusebius, Praep. evang. XIV 5,13 (ex Numenio)
141
139 •• (56) a' Meibom: a' BP: om. F: cl txt6cpl.. v.Amim 140 • 6m8ev Casaubon: lhn(a)Sev 56 codd.;- cf. II. 6,181: "ltQ6a8e l.to>v, 6m3EV 56 ~QUXCilV, IJE
1tlli!ETXE1QICI:w Bekkcr
dubit.
Sextos Empiricus, Pyrrh. Hypot. I 234:
Et ÖE ÖEt xai. 'tot~ :rtEQt a'Ö'toiJ (sc. 'tOiJ 'AQxEoLÄ.aou) Ä.EYOJLEVOL~ :JtLO'tEUELV, <paotv Ö'tL XQ'tel JLEV 'tO :rtQ6XELQOV llUQQOOVELO~ e<paLVE'tO ElvaL, XQ'tel ÖE 'tftV äi..'IWELQV ÖoyJLQ'tLXO~ ~V. xat e:n:Ei. 'tÖ>V haLQ(I)V ä:n:6:rtELQQV eÄ.aJLßavE ÖLel 'tfj~ ä:rtOQTJ'tLXfj~, Et E'Ö~ ~XOUOL :JtQO~ 'tTJV ävaÄ.TJ'IjlLV S 'tÖ>V llÄ.a't(I)VLXÖ>V ÖOYJLCl't(I)V, Ö6!;at a'Ö'tOV ä:rtOQTJ'tLXOV ElvaL, 'tot~ JLEV'tOL yE E'Öv hatQ(I)V 'tel lli..a't(I)VO~ :n:aQEYXELQEiv. ~vt}Ev xai. 'tOV 'AQLO't(I)Va d:n:Etv :rtEQL a'Ö'toiJ · :rtQ6ot}E lli..a't(I)V, ö:n:tt}Ev llilQQ(I)V, JLEooo~ At6Ö(I)QO~, ÖLel 'tO :rtQOOXQfiot}m 'tfl ÖtaÄ.EX'tLXfl 'tfl xa'tel 'tOV At6Ö(I)QOV, 10 Eivat ÖE liV'tLXQU~ llÄ.a't(I)VLX6V.
142
Strabo, Geogr. I 2,2; C 15:
llQ6'tEQOV Ö' e:n:LOXE:rt'tEOV 'EQa'toot}EVTJ, ... oih' e:n:t 'tOOOU'tOV :JtLO'tO~, e~ dQTJXEV a'Ö't6~, äyat}ot~ ävÖQcl· OLV. "eyEVOV'tO yaQ," ~ o'ÖÖE:rtO'tE, XQ'tel 'tOU'tOV
134
Fragment
139-142
"Siebst du denn noch nicht einmal deinen unmittelbaren Tischnachbarn ?" Und als der andere dies bestritt, konterte er: "Wer hat dich geblendet? Wer hat dir den Glanz des Augenlichts genommen?" (Für die Auslassung in§ 160/1 siehe unten Nr. 211)
Er [sei!. Arkesilaos] bewunderte offenbar auch Platon und besaß dessen Schriften. (33) Nach einigen Quellen eiferte er aber auch dem Pyrrhon nach; ferner war er der Dialektik verpflichtet und eignete sich die Argumentationsmethoden der eretrischen Schule an. Daher sagte dann Ariston über ihn: "Platon von vorne, Pyrrhon von hinten, Diodor in der Mitte." überliefert. Wiederum mit Nennung Aristons findet es sich jedoch bei:
Wenn man aber auch dem glauben soll, was über ihn [sei!. Arkesilaos] erzählt wird, ·dann machte er, wie es heißt, auf den ersten Blick zwar den Eindruck, ein Pyrrhoneer zu sein, war aber in Wirklichkeit ein Dogmatiker. Weil er nämlich seine ·Gefährten mittels der Aporetik daraufhin zu prüfen pflegte, ob sie die Begabung zur Aufnahme der platonischen Lehren hätten, schien er ein Aporetiker zu sein; den begabten Gefährten freilich vermittelte er Platons Lehren. Daher habe dann Ariston über ihn gesagt: "Platon von vorne, Pyrrhon von hinten, Diodor in der Mitte"; denn er benutzte die diodoreiscbe Dialektik, war aber geradewegs Platoniker.
Zuvor aber müssen wir uns mit Eratosthenes kritisch auseinandersetzen, ... andererseits ist er nicht so zuverlässig, wie einige angenommen haben, - ungeachtet der Tatsache, daß er nach seiner eigenen Darstellung mit sehr vielen bedeutenden Männern Umgang hatte. "Denn zu dieser Zeit", so sagt 135
§ 1.3.1.3
'tOV XaLQOV uq>' ~va 3tEQLfioi..ov xai. J.LLav n:6i..Lv ot {xai.} 5 Xa't' 'AQLO'tWVa xai. 'AQXEOLÄ.aov avßi)aaV'tE~ q>LÄ.6aoq>OL." oilx txavov ö' otJ.LaL 'tOÜ'to, äi..i..a 'tO XQLVELV xai..ö>~. ol~ J.LÖ.Ä.Ä.ov 3tQOOL'tEOV. Ö ÖE 'AQXEOLÄ.aov xat 'AQLO'tWVa 'tÖ>V xaß' a'Ö'tOV avß'r]aaV'tWV XOQUq>aLOU~ 'tLß'r]OLV, 'An:EÄ.Ä.ij~ 'tE a'Ö'tcp n:oi..u~ ~O'tL xat Bi:wv, . . . ~v a'Ö'tai:~ yaQ 'tai:~ 10 MOq>clOEOL 'tQU'taL~ txavi')v aaßEVELaV ~J.Lq>aLVEL 'tij~ ~au'toü yvci>J.LTJ~· ~ 'tOÜ ZT)vwvo~ 'tOÜ KL'tLEW~ yvci>QLJ.LO~ yev6J.LEVO~ 'Aßi)vT)OL 'tÖ>V J.LEV ~xei:vov ÖLaÖE~aJ.Levwv O'ÖÖEVO~ IJ.EJ.LVT)'taL, 'tOU~ Ö' ~XELVc:p ÖLEVEJtßEV'ta~ xai. G'lv ÖLaöoxiJ o'ÖÖEJ.LLa acptnm, 'tOU'tou~ ävßijaai: q>TJOL 15 Xa'ta 'tOV XaLQOV ~XELVOV.
143
Athenaeus Vll 14, 281c.d; Vol. ll p.122sq. Kaibel:
'EQa'toaßevtJ~ yoüv
ö
KUQT)Vai:o~
J.LaßtJ't'il~ yev6J.LEVO~
'AQLO'trovo~ 'toü Xi:ou, ...
Kat 'An:oÄ.Ä.Oq>clVT)~ ÖE (yvci>QLIJ.O~ ÖE f)v xai. O'Ö'to~ 'tOÜ 'AQLO'tWVO~) ...
144
Diogenes Laertius Vll.165:
•HQtÄ.Ä.o~ ö'
142 ' xai 2 del. Xylander I ltQocn~tov]ntctdov supplementum lacunarum codicis Paris. gr. 1397: ltEt· artov vcl (I'OÄtara) ltQOCJ· Exriov Spengcl 143 • xai aq>Ö.VIJ~ 3& cod.: corr. Casaubon 144 1 Xal.x11oovt~ BFP, rcstit. von der Mühll, approb. Gigantc, Hülscr: KaQxTI36vt~ ed. princ., Long I • ltQOa3t~., avun6lt~CD'tOV Hübner ex DL VII 47 (supra frgm. 33): ngo~ 3t~uiv Ö!tÖßiD'tOV BFP: ltQOCJ3t~t avUitOXQi'ttp Suda I' l.6you cd. princ. (cf. supra frgm. 33 I. 65): l.6ymv BFP
1
136
ö Xai..xT)ö6VLO~ 'tei..o~ eln:e 'tijv ~n:ta'tf)J.LTJV, Ö3tEQ ~a'ti. tfJv Ö.Ei. n:av't' ävaq>EQOV'ta 3tQO~ 'tO J.LE't' ~m O'tf)J.LT)~ tiiv xai. J.LTJ Tfi äyvoi:q. ötafiefiÄ.TJJ.LEVOV. Elvm öe 'tijv ~mO'ti)J.LT)V ~~LV ~V q>aV'tQOLÖ>V 3tQOOÖE~EL Ö.VU3t63t'tW'tOV un:o i..6you. . .. Ötaq>EQELV öe 'tEÄ.o~ xat un:o'tEÄ.LÖa · 5 'tij~ J.LEV yaQ xai. 'tOiJ~ 1-LTJ aoq>oiJ~ a'toxateaßm, 'toü öe J.L6vov 'tOV aoq>6v .... ~a'tt ö' a'Ö'toü 'ta fitfii..i:a öi..ty6a'ttJta J.LEV, ÖUVclJ.LEW~ ÖE J.LEO'tcl xai. 3tEQLEJtOV'ta Ö.V'tLQQT)OEL~ 3tQO~ ZT)vwva.
145
Diogenes Laertius V 92:
.. . atOVUOLO~ ö ME'taßEJ.LEVO~ Ot) ....
146
(i\
l:n:i:vßaQO~, ili~ ~V L-
Diogenes Laertius Vll 177:
Tou'tou (sc. 'toü Ki..eavßou~). xaßan:EQ 3tQOELQT)XaJ.LEV,
Fragment
142-146
er, "lebten wie niemals sonst innerhalb einer Ringmauer und einer einzigen Stadt die Philosophen zusammen, welche wie Ariston und Arkesilaos blühten." Das jedoch ist meiner Meinung nach nicht hinreichend; vielmehr bedarf es einer klaren Entscheidung, zu welchen [philosophischen Lehrern] man eher hingehen soll. Eratosthenes aber stellt Arkesilaos und Ariston an die Spitze derer, die zu seiner Zeit blühten; viel gelten ihm auch Apelles und Bion, ... In eben diesen Erklärungen verrät er nämlich eine bedeutende Schwäche seines eigenen Urteils; obwohl er Zenon von K.ition in Athen selbst gehört hat, erwähnt er doch keinen von dessen Nachfolgern, sondern sagt von denen, die sich von Zenons Auffassungen abgewandt haben und keine Schule zu gründen vermochten, die sie überdauert hätte, sie hätten zu jener Zeit geblüht.
Eratosthenes von Kyrene jedenfalls, ein Schüler Aristons von Chios, der einer von den Stoikern war, ... Auch Apollophanes (er war ebenfalls mit Ariston bekannt) ...
Herillos aus Chalkedon erklärte, das Endziel bestehe im Wissen, d.h. darin, so zu leben, daß man stets alles auf das Leben im Geiste des Wissens zurückbezieht und sich nicht durch Unkenntnis irreführen läßt. Das Wissen aber sei ein Habitus in der Aufnahme von Vorstellungen, der durch Raisonnement nicht verdächtigt werden kann .... Ferner bestehe ein Unterschied zwischen dem Endziel und dem untergeordneten Ziel; denn nach letzterem streben auch die Nicht-Weisen, nach ersterem hingegen strebe der Weise . . . . Seine Schriften sind zwar kurz gefaßt, aber kraftvoll, und sie enthalten mancherlei gegen Zenon gerichtete Passagen .
. . . Dionysios der Abtrünnige ( Metathemenos)- oder, wie einige sagen, der Funkensprüher (Spintharos)- ...
Wie schon berichtet, hörte ihn [scil. den Kleanthes] im Anschluß an seine 137
§ 1.3.1.3
'f\xouoe f.I.E"tcl Z'ijvrova xal. .Iq>atQo; ö Boo:n:OQLav6;, ö; :n:Qoxo:n:iJv txaviJv :n:EQL:ItOLTJOtlf.I.E'VOS Myrov et; 'AA.e~av ÖQELav ö:n:flet :n:Qo; IItoAEf.l.atov tov cl>tA.o:n:atoQa.
Der Rückverweis bezieht sich auf VII 37 (oben in Nr. 130).
147
Plutarchus, Vitae Agis et Cleomenis 23,{2),3; 805d:
'0 öe .Iq>atQo; tv tot; :n:Qc.Otot; tyey6vEL trov Z'ijvrovo; toü Kmero; f.!.aihJtrov.
147 A
Cicero, Tuscul. disput. IV 24,53:
... superiores definitiones (sc. fortitudinis) erant Sphaeri, hominis in primis bene definientis, ut putant Stoici; ...
148
Athenaeus Vlli 50, 354e; Vol. II p. 276 Kaibel:
. . . .Iq>atQov tov ouoxoA.aoavta f.I.E'V. XQuobt:n:
149
Diogenes Lai!rtius IX 15:
IIA.Etoto( tE Etmv öoot t~'iiYTJ'VtaL a'Ötoü (sc. toü 'HQaxA.ei:tou) to oiiyyQaf.1.f.1.a · xal. yaQ ••• KA.eavih); tE { ö :n:ovttxo;} xal. .Iq>atQo; ö .Itrotx6;, .•.
150
146 • Mymv FP.. : tv 1..6ym BP" I 4 6.lt'()st F: 6.11f\QE BP
149
2 {
6 ltO~li
Hübner post Ambrosium 1SO • airribv]alitoll propos. Giganie
Diogenes Lai!rtius VII 168-176:
KA.eavih); cl>avCou wAooto~ .•.. Ctq>LX6f.I.E'VOS ö' et; 'A{}'ijva; teooaQa; fxrov ÖQaxf.I.O.s, xa{}a q>aoi: ttve;, xal. Z'ijvrovt :n:aQaßaA.cbv tq>LA.oo6q>TJOE yevvm6tata xal. t:n:l. trov a'Ötro'V ff.I.EL'VE ÖO'(f.l.tlt(l)'V...• (170) ~'V ÖE :rtO'VLXOS f.I.E'V, ltq>iiotxo; öt xal. ßQaöil; 'Ö:n:EQßall6vtro; · •. • Kai. axro:n:t6f.I.Evo; ö' il:n:o trov OUf.l.f.l.aihJtrov t')vdxeto xal. övo; äxoiirov :rtQOOEÖEXEto, A.Eyrov a'Öto; f.1.6vo; Mvaa{}m ßaotal;etv to Z'ijvrovo~ q>OQti:ov. ... (172) q>TJOL ö' ö 'Exatrov ev tat; XQELat;, E'Öf.I.ÖQqJO\l f.I.ELQaXLO\l Et:n:6vto;,
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138
s
Fragment
146-150
Studien bei Zenon auch der Bosporaner Sphairos. Als dieser in den Wissenschaften weit genug vorangekommen war, reiste er fort nach Alexandrien zu dem Ptolemäer Philopator. (Fortsetzung unten Nr. 381)
Sphairos gehört zu den bedeutendsten Schülern Zenons von K.ition.
(Der Kontext der Stelle unten Nr. 312)
... die obigen Definitionen [scil. der Tapferkeit] stammten von Sphairos, einem Mann, der nach Meinung der Stoiker ganz besonders gut definiert; ... (Der Kontext der Stelle unten Nr. 380)
... Sphairos, der zusammen mit Chrysipp bei Kleanthes studiert hatte, ...
Die Zahl derjenigen Leute, die sein [scil. Heraklits] Werk exegetisiert haben, ist sehr groß; dies taten nämlich ... Kleanthes, der Stoiker Sphairos, ...
Kleanthes, Sohn des Phanias, stammte aus Assos .... Er kam nach Athen, wobei er, wie einige sagen, nur vier Drachmen besaß, begegnete Zenon, philosophierte daraufhin in edelster Manier und blieb beständig bei denselben Lehren .... (170) Er scheute keine Mühe, war aber nicht glücklich veranlagt und außerordentlich langsam .... Die Spötteleien seiner Mitschüler ertrug er geduldig und nahm es sogar hin, ein Esel genannt zu werden, indem er sagte, daß er allein in der Lage sei, Zenons Last zu tragen.... (172) Hekaton erzählt in den Chrien, ein schöner Jüngling habe gesagt: "Wenn, wer auf den Bauch (gaster) schlägt, Bauchschlag treibt (gastrizein), dann treibt auch, wer auf die Schenkel (meroi) schlägt, Schenkelschlag (merizein)." Darauf sagte Kleanthes: "Behalte deine Schenkelstößeleien ( diame139
§ 1.3.1.3 ~XE, 1-'ELQaxtov · al ö' civW..oym ~pwval. 'ta civaA.oya o-ö 3tU'V'tO>!; 01]1-'QL'VO'\JOL 3tQUY~-ta'ta." 1-'ELQaxi:cp 3tO'tE Ötai..Ey6I-'E'VO!; ~xiJ-f}E'tO Et atcr-f}a'VE'tQL. 'tO'Ü Ö' ~3tL'VEUOQ'V'tO!;, "ÖLa 'tL o-öv," EixEv, .. ~yw o-öx atcr-f}avo~-tat Ö'tL atcr-f}avn;" ...
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15
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an·
151
Plutarcbus, De aud.iendo 17, 47D-E:
Tiäcrav o-öv ciltwcra~-tEVOL 'tTJ'V 'tOLaU'tTJ'V ßA.axEi:av xal. ciJ..a~O'VELav, 3tQO!; 'tO ~-ta-f}Et'V xal. 3tEQLA.aßEL'V 'tfl ÖLa'VOLQ 'tO XQTJOL!-'0>!; AEYOI-'E'VO'V Ö'V'tE!;, 'Ö3t0!-'E'V0>!-'E'V 'tOV!; 'tÖl'V E'Ötpuc'i:lv öoxoiJv'twv ytA.w'ta!;, Ö>03tEQ 6 KA.Eav-f}TJ!; xal. 6 EEvoxga'tTJ!; ßgaöiJ'tEQOL öoxoiiv'tE!; Elvm 'tc'i:lv crucrxo- 5 A.acr'tc'i:lv o-öx cixEöi:ögacrxov ~" 'toii j.l.av-f}avELv o-öö' cixtxa~-tvov, ciA.A.a tp-f}avov'tE!; Et!; tau'toil!; ~xat~ov, ciyyELOL!; 'tE ßgaxucr't6~-tOL!; xal. mvaxi:m :x;aA.xat!; MELxa~ov'tE!;,
v. Arnim:
ltQOO~OltOIEiO"Sal B: ltQO~OiltOQEiO"Sal F: ltQOO~O ltOQEiO"Sal 11EVOV qw:
Entsprechend dem Ziel seiner Ausführungen hat Plutarch hier zwei verschiedene Vergleiche - den mit den enghalsigen Krügen für Xenokrates und den mit den harten Schreibtafeln für Kleanthes - recht eng verknüpft und dabei die ihm vorliegende KleanthesTradition bearbeitet. Denn Kleanthes ertrug zwar gelassen die
PI" ä.xoax6ä.vaax. BFP I
numerum om. sp-c: haben! FP.,: del. v. Arnim 151 ' ~o] ~i[l cod. Laurent. 69,13 post corr. et cod. Barb. gr. 182 post l-41
corr., "fortasse recte ..
(Hillyard)
140
Fragment
150-151
rismoi) für dich, du Jüngling! Nicht immer bedeuten analoge Ausdrücke auch analoge Sachen." .Als er einmal mit einem jungen Mann diskutierte, fragte er ihn, ob er Sinneswahrnehmungen ha~e; und als dieser das bejahte, sagte er: "Warum habe dann ich keine Sinneswahrnehmung davon, daß du Sinneswahrnehmungen hast?" ... (174) So also gab er sich, und dadurch war er sehr wirksam, so daß er in der Lage war, die Nachfolge in der Schulleitung zu übernehmen, obgleich es noch viele andere bedeutende Schüler Zenons gab .... (176) Er starb folgendermaßen: Sein Zahnfleisch schwoll an. Auf Anweisung der Ärzte nahm er zwei Tage keine Nahrung zu sich. Dadurch besserte sich sein Befinden so stark, daß die Ärzte ihm erlaubten, wieder alle seine Eßgewohnheiten aufzunehmen. Darauf soll er sich aber nicht eingelassen haben; vielmehr erklärte er, schon einen beträchtlichen Teil des Weges hinter sich gebracht zu haben, und enthielt sich auch weiterhin der Nahrung, bis ihn der Tod ereilte- nach einigen Autoren in demselben Alter wie Zenon {achtzig Jahre}; neunzehn Jahre lang hatte erZenon gehört.
Wir sollten also alle derartigen prätentiösen Dummheiten von uns weisen [scil. die Demonstration eines vermeintlichen Verständnisses schwieriger Sachverhalte durch zuwenig oder durch zuviel Fragen]; indem wir uns vielmehr darauf konzentrieren, das zu lernen und mit dem Verstand zu erfassen, was zu unserem Nutzen vorgetragen wird, sollten wir das Gelächter derer ertragen, die als geistreich gelten, wie dies Kleanthes und Xenokrates taten: Obgleich sie anscheinend langsamer waren als ihre Kommilitonen, versuchten sie nicht, dem Studium auszuweichen, und gaben es auch nicht verzweifelt auf. Beim Scherzen über sich selbst waren sie vielmehr die ersten; sie verglichen sich mit enghalsigen Flaschen und Schreibtafeln aus Metall, weil sie die Gedanken zwar nur mit Mühe aufnehmen, sie aber sicher und unverfälscht festhalten würden. Spötteleien seiner Mitschüler (siehe Nr. 150); aber mit harten Schreibtafeln hat wohl nicht er selbst sich, sondern hat Zenon ihn verglichen (siehe Nr. 130). Der vorliegende Text kann daher nur in einem eingeschränkten Sinne als Kleanthes-Fragm.ent oder -Testimonium gelten.
141
§ 1.3.1.3-1.3.1.4
152
Soda s.v. Poseidönios, Vol. IV p. 179 (n. 2108) Adler:
Ilooetörovto!;, 'AA.esavÖQEU!;, qnMooq>o!; l:'tWLX6!;, ~taßrt 'tTJ!; Z{JVWVO!; 'tOU KL'tLEW!;.
1.3.1.4 Chrysipp
153
Strabo, Geogr. XIV 5,8; C671:
I6A.OL . . . yey6vaOL ö' ävÖQE!; evßtvÖE 'tC:ÖV ÖVOJ.LQO'tC:ÖV XQilout:rt6!; "tE ö I'troLXO!; q>tMooq>o!;, :rta'tQO!; cilv TaQOEW!; exei:ßev J.LE'tOLX{Joav'tO!;, •••
154
154 13 {i!} om. BP, habet I 14 Tj ed. princ.: om. BFP F
Diogenes Laertius Vll 179-185:
XQUOL:rt:rtO!; 'A:rtoi..A.rov(ou Ioi..Eil!;, 1\ TaQOEU!; LAO· OOq>(av· äVTtQ E"Öq>\Jft!; xat ÖSU'tQ'tO!; ev :rtaV'tL J.LEQEL O'Ü'tW!; ci>O'tE xat ev 'tOL!; :rtAELO'tOL!; ÖLfJVEXßrt :rtQO!; Z{Jvrova, äA.A.a xat :rtQO!; KA.eavßrtv, ci> xat :rtoA.MxL!; ~AE)'E J.LOVfJ!; 'tij!; 'tC:ÖV ÖO)'J.Lcl'tWV ÖtÖaoxaA.La!; XQftl;ELV, 'ta!; ÖE ä:rtoÖELSEL!; a"Ö'tO!; E"ÖQ{JOELV. J.LE'tEVOEL J.LEV'tOL Ö:rt6'tE :rtQO!; a"Ö'tOV ä:rtO'tELVOL'tO ... (180) Ü'Ü'tW Ö' e:rt(ÖOSO!; ev 'tOi:!; ÖLaAEX'tLXOL!; eyEVE'tO, ci>O'tE ÖOXELV 'tOll!; :rtAELO\J!; Ö'tL ft :rtaQa ßEOL!; ~V {'ft} ÖLaAEX'tLxfJ, o"Öx dv ä.A.A.rt ~v 1\ 1t XQ\JOL:rt:rtELO!;. :rtA.eovaoa!; ÖE 'tOL!; :ltQcl)'J.LQOL 'tTJV AESLV o"Ö XQ'tWQßWOE. :rtOVLXW'tQ'tO!; 'tE :rtaQ' ÖV'tLVOiiV )'E)'OVEV, WV xat ÖLOQßOUJ.LEVO!; :rtAEOVclXL!; :rtAELO'tTI 'tE 'tC:ÖV J.LaQ't\JQLC:ÖV :rtaQaßEOEL XQWJ.LEVO!;. ci>O'tE xat e:rtELÖ{J :rtO't' ~V 'tLVL 'tC:ÖV ovyyQaJ.LJ.Lcl'tWV :rtaQ' öA.i:yov 'tTJV E"ÖQL:rti:öov M{Jöetav öA.rtv :rtaQE'tLßE'tO xa( 'tL!; J.LE'ta X,Ei:Qa!; flX,E 'tO ßtßl..i:ov, :rtQO!; 'tOV :rtvß6J.LEVOV 'tL ä.Qa ~XOL, ~q>TJ "XQvoL:rt:rto\J M{JÖELav."
142
5
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Fragment
152-154
PoseidoDios: aus Alexandria, stoischer Philosoph, Schüler Zenons von Kition.
Soloi . . . Zu den berühmten Männern von dort gehören: Chrysipp, der stoische Philosoph, dessen Vater von Tarsos dorthin übergesiedelt war, ...
Chrysipp, Sohn des Apollonios, stammte aus Soloi, oder aus Tarsos, wie Alexander in seinen ,Philosophenfolgen' sagt, und war Schüler des Kleanthes. Zuvor betätigte er sich als Langstreckenläufer; dann hörte er Zenon oder, wie Diokles und die Mehrzahl der Autoren berichten, Kleanthes. Noch zu dessen Lebzeiten zog er sich von ihm zurück und gelangte in der Philosophie zu außerordentlichem Ansehen. Er war ein hochbegabter Mann und entwickelte auf allen Gebieten äußersten Scharfsinn, so viel, daß er in den meisten Punkten mit Zenon in Widerspruch geriet, aber auch mit Kleanthes, dem er sogar häufig sagte, daß er lediglich eine Unterrichtung über die Lehrsätze brauche; die Beweise hingegen werde er selber finden. Nichtsdestoweniger reute es ihn jedesmal, wenn er in der Diskussion gegen ihn aufgetreten war ... (180) In der Dialektik brachte er es zu solchem Ansehen, daß die meisten Leute meinten, falls es bei den Göttern eine Dialektik gäbe, so würde es sich wohl um keine andere handeln als um die des Chrysipp. Stoff hatte er übergenug, brachte es aber nicht zu einer stilistisch ordentlichen Darstellung. An Fleiß übertraf er jeden anderen, wie schon aus seinen Schriften hervorgeht; davon gibt es nämlich mehr als 705. Zu einer derart großen Menge schwollen sie ihm deshalb an, weil er oft über denselben Lehrsatz argumentierte, weil er alles aufschrieb, was ihm einfiel, weil er vielerlei Verbesserungen machte und weil er ungemein zahlreiche Belegstellen zitierte. So kam es auch, daß er einmal fast die gesamte ,Medea' des Euripides in eine seiner Schriften einarbeitete und daß jemand, der das Buch in der Hand hatte, auf die Frage, was er da habe, antwortete: "Chrysipps Medea." 143
§ 1.3.1.4
154 29 'ri] ed. princ.: om. BFP I ' 2 xaQSÖQsilouaa] ltQO<JSÖQ. Richards 1 34 ti..llsiv dgt: ij~61V BFP I 40 ltaQ8J..XOIV FP'": ltSQLÜ..XOIV BP.. I •• ,.. tU- vSOl~ BP: toi~ vto~ tailta ltQO· tills1 F, v. Amim I •• xai yliQ sl BFP: s! yliQ ed. princ., v. Amim I 47 oiql xsxvilalla1 Hom. I 34 auatlias\ P: tvmlias1 B: atlias\ F I " 15 7 xpoasvsyxciiJ.SVOV P••: -svsxlltvta BFP'' I •• ( xai bato<Jtilv) restit. Mcnagius ex Suda
(181) Kai. 'A:rtoA.A.6ÖroQO~ Ö' Ö 'AßT)vai:o~ ~v 'tfi Iuvayroyfi 'tÖ>V ÖOY!J.Ci'tO>V, ßoui..61J.EVO~ :rtQQLO'tclVELV Ö'tL 'tel 'E:rtLXOUQOU o[XEL~ ÖUVcl!J.EL yEyQa!J.J.I.EVQ xai. ä:rtaQaßE'ta Öv'ta !J.UQLV XQUOL:rt:rtou ßtßA.i:rov, cpT)ai.v O'Ü'tO>~ a'Ö'tfi 'tfi A.e!;EL. "Et ycl.Q 'tL~ äcpei..OL 'tÖ>V XQUOL:rt:rtOU ßtßA.i:rov öa' äH6'tQLa :rtaQa'teßEL'tat, XEVO~ a'Ö'tcp ö xaQ'tTJ~ xa"tai..EA.Et'ljiE'tat." xai. 'ta'Ü'ta J.I.EV 'A:rtoH6ÖO>QO~. ft ÖE :rtQQEÖQEUOUOQ :rtQEOß'Ü'tL~ a'Ö'tcp, eil~ cpT)OL ÄLOXAij~, ~AEYEV dl~ :rtEv'taxoai:ou~ YQcicpot a"ti:xou~ ftJ.I.EQTJOi:ou~. "Exa"trov öe cpTJOLV ~A.ßEi:v a'Ö'tov ~:rt'i. cptl..oaocpi:av, 'tij~ o'Öai:a~ a'Ö'tO'Ü 'tij~ :rta'tQcpa~ E[~ 'tO ßaatALXOV äva/..T)cpßELOT)~. (182) . . . oil'tO~ ÖVELÖLOßEi.~ 'Ö:rtO 'tLVO~ Ö'tL O'ÖXL :rtaQ' •AQLO'tO>VL J.I.E'tel :rtoHci>v oxoA.a!;OL, "EL 'tOL~ :rtoA.A.oi:~," d:rtE, ":rtQOOELXOV, o'Öx liv ~cpLA.oa6cpT)Oa." :rtQO~ ÖE 'tOV xa'tE!;avta'taJ.I.EVov KA.Eavßou~ ÖtaA.EX'tLxov xai. :rtQO'tELvov'ta a'Ö'tcp aocpi:a~J.a'ta, ":rte:rtauao," d:rtE, ":rtaQeA.xrov 'tov :rtQEOßU'tEQOV ä:rto 'tÖ>V :rtQay!J.a'tLXO>'tEQO>V, ft!J.LV ÖE 'tel 'tOLa'Ü'ta :rtQO'tELVE 'tOi:~ veOL~." . . . (183) o'Ü'tro ö' ~v cpQOVT)J.I.Q'tLa~ ci>a't' ~QOJ.I.EVOU 'tLV6~, "'tLVL OUO'tTJOO> 'tOV ul6v;", El.:rtEi:v, "~!J.OL' xai. YelQ EL 'Ö:rtEA.a~J.ßavov ElvaL 'tLV' ~J.I.O'Ü ßEA.'ti:ova, :rtaQ' a'Ö'tcp liv ~yro ~cptA.oa6cpouv." ößEv cpaai.v ~:rt' a'Ö'to'Ü A.Exßijvm, olo~ :rtE:rtVU'tQL, 'tOL ÖE OXLa'i. ataaouOL (x 495)' xai:, Et I'TJ YelQ ~v XQiJOL:rt:rto~, o-öx liv ~v l:"toa. TeA.o~ ö' •AQxEmMcp xai. Aaxuön, xaßa cpTJOL Iro"ti:rov ~V 'tcp öyö6cp, :rtaQayEVOJ.I.EVO~ ~V 'AxaÖT)J.I.EL~ OUVEcpLAOa6cpT)OE. (184) ÖL' ~V al'tLQV xai. XQ'tel 'tij~ OUVT)ßELQ~ xai. 'Ö:rtEQ a'Ö'tij~ ~:rtEXELQT)OE, xai. :rtEQL J.I.EYEßci>v xai. :rtA.T)ßö'>v 'tfi 'tÖ>V 'AxaÖT)J.I.ai:xci>v aua"taaEL XQTJOclJ.I.EVO~. ToiJ"tov ~v 'tcp 'QtÖEi:cp oxoM!;ov'ta cpTJOLv "EQ!J.L:rt:rto~ ~:rti. ßuai:av 'Ö:rto "tci>v J.~.aßTJ'tci>v xi..T)ßijvm · ~vßa :rtQoaEvEyxaJ.I.EVov yA.uxilv äxQa'tov xai. l.A.tyytaaav'ta :rtE!J.:rt'tai:ov Q:rtEAßEi:V ~!; avßQOO:rtO>V, 'tQLa xai. tßÖO!J.TJXOV'ta ßLWOQV't' hT), XQ'tel 'tTJV 'tQL'tTJV XQL 'tE't'tQQQXOO'tTJV (xai. txa'tOO'tTJV) '0/..UJ.I.:rtLclÖa, xaßa cpTJOLV 'A:rtoA.J..6ÖO>QO~ ~v XQovLxoi:~. .. . (185) "EvLoL öe cpam yeA.ro"tL auaxEßev"ta a'Ö'tOV 'tEAEU'tijOaL .... 144
25
30
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5o
55
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Fragment
154
(181) Und wo Apollodor von Athen in seiner ,Sammlung der Lehrsätze' zeigen will, daß das, was Epikur aus eigener kraftvoller Originalität und ohne Heranziehung von Zitaten geschrieben habe, tausendmal besser sei als die Bücher Chrysipps, da sagt er wörtlich folgendes: "Wenn man aus Chrysipps Büchern sämtliche fremden Zitate entfernen würde, dann behielte man nur das leere Papier zurück." Soweit Apollodor. Die alte Frau aber, die [als dienstbarer Geist] neben Chrysipp saß, sagte nach dem Bericht des Diokles wiederholt, daß er täglich 500 Zeilen schreibe. Und Hekaton berichtet, Chrysipp habe sich der Philosophie zugewandt, nachdem sein väterliches Vermögen ihm vom Fiskus in den Königsschatz weggenommen worden war. (182) ... Als ihm jemand vorwarf, daß er nicht wie eine Menge anderer Leute zu Ariston in die Vorlesungen gehe, entgegnete er: "Wenn ich der großen Menge folgen würde, wäre ich kein Philosoph geworden." Und zu einem Dialektiker, der gegen Kleanthes opponierte und ihn mit Sophismen aufbielt, sagte Chrysipp: "Hör' damit auf, den alten Mann von seinen wichtigeren Dingen abzuziehen, und tische solche Stückehen uns jüngeren auf!" ... (183) Von sich selbst hatte er eine so hohe Meinung, daß er jemandem, der ihn fragte: "Wem soll ich meinen Sohn anvertrauen?", antwortete: "Mir; denn wenn ich den Eindruck gewonnen hätte, daß es jemand besseres als mich gäbe, würde ich die Philosophie bei ihm studieren." Daher soll auf ihn der Vers angewendet worden sein: "Er allein ist bei Verstand; die anderen schwirren wie Schatten herum" (Od. 10, 495)und gesagt worden sein: "Wenn es den Chrysipp nicht gäbe, gäbe es [auch] keine Stoa". Zu guter Letzt schloß er sich aber, wie Sotion im achten Buch berichtet, Arkesilaos und Lakydes an und philosophierte gemeinsam mit ihnen in der Akademie; (184) dies erklärt, wieso er sowohl ,gegen die Alltagserfahrung' als auch für sie argumentierte und wieso er sich bei der Behandlung von Größen und Mengen der Methode der Akademie bediente. Als er einmal im Odeion unterrichtete, soll er nach dem Bericht Hermipps von seinen Schülern zu einem Opferfest eingeladen worden sein. Da habe er dannungemischten süßen Wein getrunken, sei schwindelig geworden und sei fünf Tage später aus dem Leben geschieden -im Alter von 73 Jahren während der 143. Olympiade [d.h. 208-205 v.Chr.], wie Apollodor in den ,Chroniken' sagt.... (185) Jedoch berichten einige Leute, er sei an einem Lachkrampf gestorben, ... 145
§ 1.3.1.4
dOXEL Ö' 'Ö:ItEQO:It'tTJS 'tLS yeyovEVaL. 'tOOa'Ü'ta yoüv O'U'Y'YQcl'ljlaS O'ÖÖEVL 'tÖ>V fiaOLAEWV :ltQOO:ItEipWVTJXEV. 'I'JQXEL't6 'tE 'YQai:Öi:cp J.1.6Vcp, xaß-el xal. dTJJ.I.TJ'tQLOS tv '0J.I.WVUJ.I.OLS 65 q>TJOL. Il'toÄEJ.I.ai:ou 'tE :n:Qos Ki..eavß-T)v t:n:Lo'tel:i..av'tos 'f\ a'Ö'tOV ei..ß-etv 'f\ :ltEJ.I.'IjlaL 'tLVcl, l:q>aLQOS J.I.EV ä:n:iji..ß-e, XQ\10L:n::n:os ÖE :ltEQLELÖE. J.I.E'ta:ltEJ.I.'IjlclJ.I.EVOS ÖE 'tOUS 'tTJS QÖEÄq>fJS 'ULELS, 'AQLO'tOXQEOV'ta xal. LÄOXQcl'tTJV, O'UVEXQ6'tTJOE. XaL :ltQÖ>'tOS eß-ciQQTJOE oxoi..iJv ~XELV ß:n:mß-QOV ev AuxECcp, 70 xaß-a:n:EQ xal. 6 :n:QOELQTJJ.I.EVOS dTJJ.I.TJ'tQLOS Lo'tOQEL.
155
Plutarchus, De Stoic. repugn. 2, 1033E:
'AQLO'tOXQEWv yoüv 6 XQuoi::n::n:ou tJ.aß-TJ'tTJS xal. otxetos dx6va xai..xijv ävaO'tT)Ämoas e:n:EyQa'ljiE 't6ÖE 'tO ei..eyetov 'tOV VEvvov XQUOL:n::n:ov 'AQLO'tOXQEWv ävEß-T)xe, 'tÖ>V 'AxaÖTJJ.I.ELxli>v O'tQayyai..i:öwv xo:n:l:öa.
156
Diogenes Lai!rtius IV 62:
KaQvEciÖTJS ••• o'Ö'tos 'tel 'tli>v l:'twLxli>v fiLfii..i:a ävayvous t:n:LJ.I.EÄÖ>S (xat J.l.clÄLO'ta) 'tel XQ'UOL:It:ltO'U, emELXÖ>S a'Ö'tOLS QV'tEÄEyE xal. E'ÖTJJ.I.EQEL 'tOOO'Ü'tOV, WO'tE exetvo emi..EyELV. d J.I.TJ 'YelQ ~V XQUOL:n::n:os, o'Öx c'iv ~V eym.
157 I 54 •• tltlatE{Ä.a\1"1:0~ P"': clnoat. BFP"' I •• IIEPlEiiiE F: ÖIIEI!EiiiE BP ISS 3 tov vtvvov A. Wil· hclm: tov vtov Xg 1 dva': töviiE vtov zAJ!yEB (IIE superscrips. g1 a 1 ) I • 'Axall'l· I'Eixlllv Wilamowitz: ·jlal· xlllv g: ·jllaxii'lv rell. I 56 2 (xal jlclA1ata) post Ellljl. suppl. Cobet: (tv o!~) tltljl. Riebuds I 57 3 aötov F et Hesychius Milcsius, qui b<Eivou post tii'lv add. : aötoO BP I • Eiai<E Cobet: d:I.IIE codd.
Diogenes Lai!rtius X 26sq.; I 16:
rEyove ÖE :n:oi..uyQaq>m'ta'tOS 6 'E:n:i:XO'UQOS, .. • etiJi..ou ÖE a'Ö'tOV XQUOL:n::n:os ev :n:oi..uyQaq>L(l, xaß-ci lpTJOL KaQVEclÖTJS :ltQQclOL'tOV a'Ö'tOV 'tÖ>V fiLfiÄLWV Q:n:oxai..rov. d 'YclQ 'tL 'YQcl'ljlaL 6 'E:n:LXO'UQOS, q>LÄOVELXEL 'tOOO'Ü'tOV 'YQcl'ljlaL 6 XQiloL:n::n:os. (27) xat ÖLel "toü'to xat :n:ollaxLs 'ta'Ö'tel 5 'YE'YQaq>E xat 'tO e:n:ei..ß-6v, xal. QÖL6Qß-W'ta daxE 'tl'p e:n:e(yeoß-m. XQL 'tel J.I.QQ'tUQLa 'tOOa'Ü'tcl to'tLV ci>s exELVWV J.1.6vwv YEJ.I.ELV 'tel fiLfii..La, xaß-a:n:EQ xat :n:aQel ZiJvwvL ~O'tLV E'ÖQELV xal. :n:aQel 'AQLO'tO'tEÄEL.
I 16: OL J.I.EV a'Ö'tli>v xa'tEÄL:n:ov iJ:n:OJ.I.vTJJ.I.a'ta, oL ö' öi..ws o'Ö
146
ouveyQa'ljlav,
mo:n:EQ ... xa'tci 'tLvas Tiuß-ay6Qas,
10
Fragment
154-157
Er scheint ein ziemlich arroganter Mann gewesen zu sein. Denn obwohl er so viel geschrieben hat, hat er doch keine seiner Schriften einem der Könige gewidmet. Auch war er zufrieden mit dem Urteil einer einzigen alten Frau, wie Demetrios in seinen ,Homonymen' (,Männer gleichen Namens') sagt. Und als Ptolemaios an Kleanthes schrieb, entweder selbst an seinen Hof zu kommen oder einen [seiner Anhänger] zu schicken, da machte sich Sphairos auf die Reise, während Chrysipp darüber achtlos hinwegging. Andererseits schickte er nach den Söhnen seiner Schwester, Aristokreon und Philokrates, und bildete sie aus. Schließlich hatte er - ebenfalls nach dem Bericht des bereits erwähnten Demetrios- als erster die Courage, Vorlesungen unter freiem Himmel im Lykeion zu halten. (Anschluß oben Nr. 123)
Aristokreon jedenfalls, der Schüler und Verwandte Chrysipps, stellte ein Bronzebild von ihm auf und gravierte folgende Inschrift ein: "[Dieses Bild von] Onkel Chrysipp stellte Aristokreon auf; er kappte die Fallstricke der Akademiker."
Kameades ... Er studierte sorgfältig die Bücher der Stoiker und insbesondere die des Chrysipp; er bekämpfte sie in angemessener Weise und hatte damit solchen Erfolg, daß er darauf den Spruch machte: "Gäbe es den Chrysipp nicht, dann gäbe es auch mich nicht."
Epikur war ein Vielschreiber ersten Ranges, ... In der Vielschreiberei eiferte ihm Chrysipp nach, wie Kameades erklärt, wenn er ihn einen Schmarotzer an dessen Büchern nennt; denn wenn Epikur irgendetwas geschrieben habe, ist Chrysipp eifersüchtig bestrebt, eine ebenso umfangreiche Parallelschrift zu verfassen. (27) Aus diesem Grund hat er sich auch so oft wiederholt, hat er aufgeschrieben, was ihm gerade einfiel, und in seiner Hast die Notizen unkorrigiert gelassen; auch bringt er so viele Zitate, daß die Bücher schon allein davon so gut wie voll sind, wie man das auch bei Zenon und Aristoteles finden kann. 116: Von den Philosophen hinterließen die einen Aufzeichnungen, während die anderen überhaupt nichts schrieben, nämlich ... , nach einigen auch
147
§ 1.3.1.4
'AQi:o'trov 6 X'Los, :rt>..iJv ~:rtLO'to>..ci>v ö>..i:yrov· ol be ö.va ~v cruyyQal'l'a .... :rto>..>..a be Zijvrov, :rt>..ei:ro 8evoq>UVI'JS, :rt>..ei:ro ~TJI'OXQL'tOS, :rt>..ei:ro 'AQLO'tO'tEATJS, :rt>..etro 'E:rti:xouQOS, :rt>..ei:ro XQil<JL:rt:rtos. 1s
158
Arrianus, Epict. Dissert. I 17,15sq., p. 58:
'A>..>..a viJ ~i:a ou :rtaQaxo>..oui}ci> 'tcp ßou>..ijl'a'tL 'tfiS q>uoeros. 'tLS o-öv ~;T)yEL'taL au't6; AEYO"UOLV Ö'tL XQUOL:rt:rtos. (16) ~QXO!'aL xai. ~:rtL~TJ'tÖ> 'tL AEYEL O"Ü'tOS 6 t;TJYTJ'tTJS 'tfiS q>uoeros. liQXOI'aL I'TJ voe'Lv 'tL >..eyeL, ~TJ'tÖ> 'tov t;T)youl'evov. "tbe t:rti:oxe'ljlaL, :rtci>S 'tOÜ'tO >..eynm, s xai}a:rtEQ et Qrol'ai:o'tL." Zu Chrysipps schwer verständlicher Sprache siehe auch unten Nr. S99b und 601e.
159
Arriaous, Epict. Dissert. III 21,7, p. 261:
"Kai. l'iJv tyro ii14'Lv t;TJyijool'aL 'ta XQuoi::rt:rteLa chs oUöei:s, 'tTJV >..e;Lv bLa>..uoro xai}aQro'ta'ta, :rtQooi}ijoro liv :rtou xai. 'Av'tL:rtcl'tQO"U xai. 'AQJC.EÖij!'O"IJ q>OQUV." Chrysipp, Antipater und Archedemos werden auch
m 2,13 zusammengestellt.
160
n 17,40 und
Index Stoic. Hercul. col. XXXVII,3- XLVll:
Col. XXXVII,3-7: [XQUOL:rt)l:rtos 'A~Q~~(!>y[i:ou 1\ - - -) l5 14ou [~o>..eus. Toü'tov yvroQL.I'OY y[eyovevm K>..eavi}ous,] I ~q>c;tHQou öe O"Uoxo>..ao'tijv q>am.l- - -
157 " C1UTf1!UIIIIU F: BP 158 • lix9oi'U' 11il voibv Coracs 160 c. XXXVII.,, [ioo i\ "A~tollcovliRiou ex Suda coni. Travcrsa in app. crit. c. XLVI 1 l)i 1 1Cilvo~ ci>v; ttskEU't[a voaillv lcgit atque suppl. Comparetti <Jll"fYI!UijiUII'tE~
Col. XXXVIII,l-7 - De Chrysippi moribus -: xai. 'tli>..A' 614oi:ros ~:rt[Q]c;&~'tEv, ö.>..>..a xai. ~:rti. 't[iJv] I oxo>..iJv atel. 'tfJv a[u]'tTJV I ..uno, v I [yv)roQLI'rov ouö[- - Col. XLVI,l-6 - Chrysippi discipuli -: xavos lbv. ·y~~os ~o>..eus I öv xai. ~q>ai:Qcp :rtQoeoxo!J..axevm q>TJol.v 'AQLO't~qerov tv 'ta'Ls XQuoi::rtj5 [:rtou] 'taq>ais· ~Laq>av[TJ]S I TTJI'V~'tTJS 6 'tro[ - - 148
Fragment
157-160
Pythagoras und Ariston von Chios, von wenigen Briefen abgesehen. Andere verfaßten lediglich eine einzige Schrift; ... Zenon schrieb viele Werke; noch mehr verfaßte Xenophanes, noch mehr Demokrit, noch mehr Aristoteles, noch mehr Epikur und noch mehr schließlich Chrysipp.
Aber beim Zeus, den Willen der Natur verstehe ich nicht. Wer legt ihn mir also aus? Man sagt: Chrysipp. (16) Ich gehe hin und forsche nach, was dieser Interpret der Natur sagt. Ich fange an, nicht zu verstehen, was er sagt, und halte Ausschau nach dem Mann, der ihn mir interpretiert. "Sieh her und erwäge, wie dies formuliert wird: gerade so, als wäre es in Latein gesagt."
"Ja, ich werde euch die Schriften Chrysipps auslegen, wie sonst niemand das kann; durch meine Analyse werde ich seine Ausdrucksweise vollkommen klar machen; womöglich werde ich gelegentlich etwasvon der Lebhaftigkeit Antipaters und Archedemos' hinzugeben."
(Anschluß oben Nr. 131)
Col. XXXVII,3-7: Chrysipp, Sohn des Apollonios oder des ... , aus Soloi. Daß er Schüler des Kleanthes und Kommilitone des Sphairos gewesen ist, sagen ... Col. XXXVIII,1-7: Über die Gepflogenheiten Chrysipps: Auch die anderen Dinge tat er ständig auf dieselbe Weise; aber auch zur Vorlesung ging er immer zu derselben Stunde, und genauso (pünktlich) verließ er sie, so daß sich keiner seiner Anhänger im Irrtum befinden konnte ... Col. XLVI,1-6: Schüler Chrysipps: ... Hyllos aus Soloi, der vorher auch Schüler des Sphairos gewesen ist, wie Aristokreon in ,Die Bestattung Chrysipps' sagt; Diaphanes Temnites, der ...
149
§ 1.3.1.4-1.3.1.5
Col. XLVII - Chrysippi discipuli -: ~[CoJ'~Qa'tos· ~[t]rov· '.AJ[JA.aQa]v'tEii[s" TL]JA.60'tQaJ't[os· N]9TJ1[os]" 'A1tEA.Mis' ~[aoM]JA.as· ['A]QLO"t6ßouJ 5 ~t?[s· M]EvE~[Q6.'t]TJs· 'HQgj~AELÖTJS. l:cp[atQ]os· 'AQXEj[cp]wv· '~QLO'to[x/..]fls' AL~[öro]Qt?S. ALO[xl..fjs]" MTJJ['tQ6ÖroQo]s· [NiiJA.]cpts· 'HI 10 [Qtas''Ava]~LY~[vTJs·J-- -]s'KM[rov·---
I
1.3.1.5 Namhafte Stoiker nach Chrysipp Das biographische Material zur nachchrysippschen Stoa fällt im Vergleich zu dem der vier vorangehenden Paragraphen recht mager aus. Dies liegt nicht zuletzt daran, daß über das Ende des VII. Buches des Diogenes Laertios nur noch ein Inhaltsverzeichnis informiert (Nr. 160a) und daß, nachdem der Text verloren ist, auch keine anderen konzentrierten Darstellungen zu den Nachfolgern Chrysipps überliefert sind. Man
160 A
Diogenes Laertius, Partes deperditae Iibri Vllsecundum indicem cod. Paris. gr. 1759 (fol. 1):
'Ev 'tql t tfJvrov : x!..EavßTJs : XQVOL1t1tOS : tfJvrov 'taQOEiiS : ÖLoyEVTJS : Q1to/..1..6öroQOS : ßoTJMS: J.I.'VTJOaQX,LÖTJS: J.I.'Vaoay6QaS: 'VEO'tWQ: ßaOLAELÖTJS: ÖllQÖavos: Q'V'tL1ta'tQOS: 'iJQaXAELÖTJS : oroOLyEVTJS : 1tavai:'tLOS : xa'tro'V : 1tOOELÖW'VLOS : äf}TJ'VOÖroQOS : xat äßTJv6ÖroQOS l'1/../..os : Q'V'tL1tQ'tQOS : ÜQELOS : XOQ'VO'Ü'tOS.
161
Suda s.v. Zenön, Vol. ll p. 507 (n. 80) Adler:
ZfJvrov, ALOOXOQLÖOU, TaQOEiiS, ros öt 'tL'VES l:LÖW'VLOS, cpLMoocpos, !J.aßTJ'tTJS XQUOL1t1tou 'to'Ü TaQotros, cpL!..oo6cpou l:'troLxo'Ü, xat ÖLaöoxos.
162
160 c. XLVII columnam recogn. atque suppl. Croenert, qui ante 1 At]l~l '"'l!a~o~ vel quid simile propos. 160 A • xD.~mv] txli.~mv verisimile est
Diogenes Laertius Vll 35:
rEy6vaOL ÖE ZfJvro'VES ÖX'tW .... ÖEii'tEQOS QtJ'tOS OV'tOS .... 1tEJ.1.1t'tOS XQUOL1t1tOU !J.aßTJ'tfJS, ßLßi..Ca !J.E'V ö/..Cya YEYQacpws, J.~.aßTJ'tas öe 1t/..ECo'tOus xa'tai..EA.m1tws · ...
163
Index Stoic. Hercul. col. XLVIIT-LIV,l:
Col. XLVIII - Zenonis Tarsensis opera et discipuli -: xat 1tE'V'tE 1tQOS 'IEQO>[vu]Jt:tov, [ö.] ~aC q>~g~ J.I.TJ [xaJ't]cpQf}ffiaf}m. 150
5
Fragment
160-163
Col. XLVII: Schüler Chrysipps: [De(?)-]xistratos; Theon; Amaranteus; Timostratos; Noetos; Apelles; Laodamas; Aristobulos; Menekrates; Herakleides; Sphairos; Arkephon; Aristokles; Diodoros; Diokles; Metrodoros; Nymphis; Hereas; Anaxigenes; ... ; Kleon; ... (Fortsetzung unten Nr. 163)
findet zwar eine Vielzahl verstreuter kleiner Informationen, die zusammen sogar ergiebig sein mögen; aber für die Dialektik tragen sie nicht viel aus, und im Zusammenhang dieser Fragmentsammlung wäre es in jedem Fall zu weitläufig, davon mehr als nur eine kleine Auswahl bieten zu wollen.
Im 7. Buch: Zenon; Kleanthes; Chrysipp; Zenon aus Tarsos; Diogenes; Apollodor; Boethos; Mnesarchides; Mnasagoras; Nestor; Basileides; Dardanos; Antipater; Herakleides; Sosigenes; Panaitios; [He]katon; Poseidonios; Athenodor; noch ein anderer Athenodor; Antipater; Areios; Kornutos.
Zenon: Sohn des Dioskorides, aus Tarsos, nach einigen aus Sidon, Philosoph, Schüler und Nachfolger des stoischen Philosophen Chrysipp aus Tarsos.
Es gab acht Männer mit dem Namen ,Zenon': ... zweitens der gerade besprochene [aus Kition]; ... fünftens ein Chrysipp-Schüler, der zwar nur wenige Bücher geschrieben, aber sehr viele Schüler hinterlassen hat; ... (Anschluß oben Nr. 160)
Col. XLVIII: Zenon von Tarsos: Werke und Schüler: und fünf an Hieronymos, 151
§ 1.3.1.5
fvrogL[IJ.OL] I ö' a[irco]ü yEy9vamv ~L~5 yey[TJ!;] 'Ag-cEIJ.LÖrogou I ~E[A.EuxE]il!; [<'m]o Ti:yQLO!; - I ö [11:agaA.a!ic!>v Zft]vrovo!; -ciJv I [oxoA.ftv· 'Agxe]ÖTJIJ.O~ ~~[--- TagoE]u!;· ~~~lO (---]~(---]XL!; ( Col. Ll,l-9 - Diogenis Babylonii discipuli -: [Mvaoay6QU!; Mvao-cag]l 1xou "tij!; Tg(!>aÖO!; 'AjA.E;avÖQELa~· IIavay-cLO!; N Lxay6gou 'P6ÖLO!; ·1 Mvftoagxo~ 'OvTJOLIJ.O\J 15 'Ath)vai:o!; · ~agöa[vo!;] I 'AvÖQOIJ.axou '~[th)vai:Jio!;· 'A1toA.A.6ö(!>[Qo!; ~EA.Eu]I~EV(!;] a11:o T[i:yQLO!;'BoTJJißo!; ~L~ID(VLO!;---
163 c. XLVIII •to Atl[--ad patrcm Archcdemi rercrt, ut vidctur, cuius nomcn ignoramus I 011 • A1o 1[YEVTI~ .,SV oöv propos. Comparctti, rortassc recte c. LI ante 1 suppt. Travcrsa post Crocncrt 1 11 compl. Traversa dubit. c. LII ante 1 llu)l ya~Qo~ suppt. Comparctti, Travcrsa non in textu, scd in vcrsionc Latina 1 10111 ~iP 16'111 ~DQlxljl, x[ Comparetti: ~~~~ [6ft] I~0111 ~~~~ ltQO~
Col. LII - Diogenis Babylonii discipuli -: [ßu]l 1ya-cgo!; ut6!;" eyEVE'tO I ÖE ~a'i. 'AQE01tayL'tTJ!; I o"Ö"tO!;" 'A1toÄ.Ä.rovtÖTJ~ I ~IJ.\JQVai:o!; · XguoEQIJ.[ O!;] 15 'AA.E;avÖQEil!; "tij!; 1tQO!; I Atyu11:[-cov]" ~LOVUOLO!; I KUQTJVai:o!;· o-ö-c[o]$ I xa'i. yEro[IJ.E]"tQTJ!; ~(v li]IQLO"tO!; - ö ~a'i. av-cLyQ(a]'ljla!; 110 ~TJIJ.TJ 'tQtc:p -cc'p h?TJJI-cogLxc'p [.]L1t[- - Col. LIII,l-8 - Antipatri Tarsensis discipuli -: ÖLUXTJX6EL x(ai.] ÖLaöolx,o!; ey(e]yno ("tfJ]!; 'Av't~~a'tQO\J OXOÄ.ij!;" ~a~öavo!; 'Avögo!J.axo[u 'AJI5 ß1J[v]ai:o~. xa'i. o-ö1[0!; -ciJv I Ila]vm[-ci:ou] qxoA.[iJv öLajöE;a]~~y[o!;]" 'A11:oA.A.[6örolgo!;] ·~~vai:o!;· ~[---
Col. LIV,l -
Antipatri Tarsensis discipuli -: [~ro]l 1 mye
VTJ[~---
~01)~ Y601IJ!~I!D~ Yl!li'I'D~l
Buccbclcr ct v. Amim dubit., quod Travcrsa "rectius" esse ccnset, "at Croencrt .ltEQt.oaa ccrta aflirmat (quod ipsc non vidi)": ~111 [Kao]l ~DI!lX/ll Croencrt cx Pausan. III 21 c. LIII J- 7 suppt. Travcrsa: l«
...]IJ&v(i]m cx. gr. Buecbclcr c. LIV nomincm Sosigenis compl. Comparetti, Travcrsa non in textu 165 • pop. (R.) Hertz in adn.: populi VPR: om. Hertz cum Macrobio
164
Cicero, Acad. pr. 30,98:
Cum aliquid huius modi inciderat, sie ludere Carneades solebat: ,si recte conclusi, teneo; sin vitiose, minam Diogenes reddet'; ab eo enim Stoico dialectica didicerat, haec autem merces erat dialecticorum.
165
Gellius, Noctes Atticae VI 14,8-10:
Animadversa eadem tripertita varietas est in tribus philosophis, quos Athenienses Romam ad senatum populi (R.) legaverant inpetratum, uti multam remitteret, quam fecerat is propter Oropi vastationem. Ea multa fuerat talentum fere 152
Fragment
163-165
von denen man auch sagt, sie seien nicht glücklich ausgefallen. Seine Schüler sind: Diogenes, Sohn des Artemidoros, aus Seleukia am Tigris, der von Zenon die Schulleitung übernahm; Archedemos ... aus Tarsos; ... Col. LI, 1-9: Schüler des Diegenes von Babyion: [Mnasagoras, Sohn des Mnasar-] chos, aus Alexandria Troas; Panaitios, Sohn des Nikagoras, aus Rhodos; Mnesarchos, Sohn des Onesimos, aus Athen; Dardanos, Sohn des Andromachos, aus Athen; Apollodor aus Seleukia am Tigris; Boethos aus Sidon ... Col. LII: Schüler des Diegenes von Babylon: [der T]ochter Sohn; dieser war aber auch Areopagite; Apollonides aus Smyma; Chrysermos aus Alexandrien in Ägypten; Dionysios aus Kyrene; er war zugleich ein ausgezeichneter Geometer und hat auch gegen den Redner (?) Demetrios geschrieben ...
Col. LIII,1-8: Schüler Antipaters von Tarsos: er [scil. Panaitios] war Hörer und Nachfolger Antipaters in der Schulleitung; Dardanos, Sohn des Andromachos, aus Athen; er war es auch, der die Schule von Panaitios übernahm; Apollodor aus Athen; ... Col. LIV,1: Schüler Antipaters von Tarsos: ... [So]sigenes ...
(Der Kontext der Stelle unten Nr.1212)
Wenn irgendeine Situation dieser Art eintrat, pflegte Kameades so zu scherzen: "Wenn ich richtig geschlossen habe, halte ich daran fest; wenn aber fehlerhaft, dann soll Diogenes eine Mine ~rückzahlen"; bei diesem Stoiker hatte er nämlich seine dialektischen Studien gemacht, und diese Mine war das Honorar für die Ausbildung in der Dialektik.
Die drei verschiedenen [Stil-]Arten waren auch bei den drei Philosophen zu beobachten, welche die Athener nach Rom zum Senat des römischen Volkes entsandt hatten, um den Erlaß einer Geldstrafe zu erwirken, die der Senat [den Athenem] wegen der Verwüstung der Stadt Oropos verhängt
153
§ 1.3.1.5
quingentum. (9) Erant isti philosophi Carneades ex Academia, 5 Diogenes Stoicus, Critolaus Peripateticus. Et in senatum quidem introducti interprete usi sunt C. Acilio senatore; sed ante ipsi seorsum quisque ostentandi gratia magno conventu hominum dissertaverunt. (10) Turn admirationi fuisse aiunt Rutilius et Polybius philosophorum trium sui cuiusque generis 10 facundiam. ,Violenta' inquiunt ,et rapida Carneades dicebat, scita et teretia Critolaus, modesta Diogenes et sobria.'
165 A Plutarchus, Vita Catonis maioris 22,1sq.; 349d: "HöTJ öe 'YEQOV'tO~ aU'toii yeyov6'to~. nQEoßeL~ 'AßiJvTJi}ev ~xov et~ 'PmJ.LTJV ol neQi. KaQveaÖTJV 'tOV 'AxaÖT)J.Lai:xov xai.
ALO'YEVTJ 'tov :I:'troLxov qni..OoocpOL, xa'taÖLXTJV 'tLVa naQaL'tTJo6J.LtVOL 'tOU ÖtlJ.LOll 'tÖ>V 'A~va(rov, ftv tQtlJ.LTJV dlcpi..ov 'QQron(rov J.LEV ÖLrosaV'tWV, l:LX\JWVLWV Öe Xa'ta'ljiT)q>LOUJ.LE- 5 vrov, 'tLJ.LTJJ.La 'tai..av'trov nev'taxooi:rov fxovoav. eut}U~ o'Öv ol q>LÄ.oi..oyro'ta'toL 'tÖ>V veavi:oxrov tni. 'tou~ ävÖQa~ tev'to xai. ovvfjoav, äxQOWJ.LtVOL xai. i}avJ.Latov'te~ ai!"tou~.
166
Cicero, Tuscul. disput. IV 3,5:
Quibus (sc. Laelio et Scipione) adulescentibus Stoicum Diogenem et Academicum Carneadem video ad senatum ab Atheniensibus missos esse legatos, qui cum rei publicae nullam umquam partem attigissent essetque eorum alter Cyrenaeus alter Babylonius, numquam profecto scholis essent excitati neque ad illud munus electi, nisi in quibusdam principibus temporibus illis fuissent studia doctrinae. Die Philosophengesandtschaft nach Rom (um 155 v.Chr.) wird von Cicero - unter Nennung aller drei Beteiligten - auch De oratore ll 38,157 (oben in Nr. 77) erwähnt; ferner: 165 7 C. Aci/io Lipsius: CDcilio P: cecilio VR: Caelio Macrobius
166A
165 A 3 qnÄOCJOfiiOV emend. Rciskc
Legi apud Clitomachum, cum Carneades et Stoicus Diogenes ad senatum in Capitolio starent, A. Albinum, qui turn P. Sei154
Cicero, Acad. pr. 45,137:
5
Fragment
165-166A
hatte. Diese Geldstrafe betrug etwa 500 Talente. (9) Die besagten Philosophen waren Karneades von der Akademie, der Stoiker Diogenes und der Peripatetiker Kritolaos. Sie wurden auch durchaus zum Senat vorgelassen und bedienten sich dort des Senators C. Acilius als Dolmetscher; doch vorher hielt jeder von ihnen für sich unter großem Zulauf der Menge Vorträge zu Demonstrationszwecken. (10) Da erregte jeder der drei Philosophen mit der ihm eigenen Art der Beredsamkeit bewunderndes Staunen, wie Rutilius und Polybios versichern. Sie sagen: "Karneades sprach ungestüm und schnell, Kritolaos gewandt und abgerundet, Diogenes zurückhaltend und nüchtern."
Als er [scil. Cato] schon ein alter Mann war, kamen die Philosophen um den Akademiker Karneades und den Stoiker Diogenes als Gesandte von Athen nach Rom, um für das Volk der Athener die Revision eines Urteils zu erbitten, das gegen es in Abwesenheit ergangen war und auf eine Geldstrafe von 500 Talenten lautete; die Leute von Oropos hatten den Prozeß angestrengt, und die Sikyonier hatten sich dabei gegen Athen ausgesprochen. Gleich nach der Ankunft der Männer liefen die bildungshungrigsten jungen Leute zu ihnen und verweilten bei ihnen lauschend und mit Bewunderung.
Zu der Zeit, als sie [scil. Laelius und Scipio] junge Männer waren, sehe ich den Stoiker Diogenes und den Akademiker Karneades, wie sie von den Athenern als Gesandte zum Senat geschickt werden; da die beiden nie irgendeine Funktion im öffentlichen Leben übernommen hatten und da der eine von ihnen aus Kyrene, der andere aus Babylonien stammte, hätte man sie sicherlich nie aus ihren Hörsälen gerufen und sie nie für diese Aufgabe ausgewählt, wenn zu jener Zeit nicht einige führende Leute mit den Studien zur Philosophie vertraut gewesen wären.
Bei Kleitomachos las ich, daß, als Karneades und der Stoiker Diogenes dem Senat auf dem Kapitol ihre Aufwartung machten, Aulus Albinus, der 155
§ 1.3.1.5
pione et M. Marcello cos. praetor esset, ... docturn sane horninern ... , iocantern dixisse Carneadi: ,ego tibi Carneade praetor esse non videor, quia sapiens non surn, nec haec urbs nec in ea civitas ?'; turn ille: ,huic Stoico non videris'.
167
5
Strabo, Geogr. XVI 1,16; C 743sq.:
IlaA.m ~-tE:v o-öv t; BaßuA.mv fiv l-t1J'tQ6:n:oÄLc; -cf)c; 'Aaaueiac;, V'ÜV ÖE ~EAEU:X:EL(l, t; t:n:i. 'tcp TLyQEL AEyOj.tEV1] .... wa:n:ee öE: BaßuA.wvi:av -ci)v :xweav :x:aA.oü~-tev, oihw :x:ai. 'tOuc; ävöeac; -couc; e:x:eibev Baß'UAWVLO'U<; :x:aAO'Üj.tEV, ov:x: a:n:o -cf)c; :n:6A.ewc;, aAA' a:n:o -cfJc; XWQac;. a:n:o ÖE -cf)c; ~EAE'U:X:Etac; ft-c'tOV, :x:liv e:x:eibev dlaL, :x:aiM:n:ee ALOyEV1] 'tOV ~'t(J)L:X:OV qnA6aoq>ov.
5
167 A Diogenes Laertius VI 81: rey6V(l(JL ÖE ALOYEVEL<; JtEV'tE ·... 'ti!'tae-coc; ~'t(J)L:X:6c;, ytvoc; ~eA.eu:x:euc;, ö :x:ai. BaßuA.wvLOc; :x:aA.ouJJ.evoc; ÖLa -ci)v yeL-covtav·...
168
Diogenes Laertius VII 30:
... Z 1JV6Öo-coc; ö ~'tmL:x:6c;, ALOyevouc; ~-taihJ-ci)c; ·...
168A
Suda s.v. Krates, Vol. ill p.182 (n. 2342) Adler:
KeLAOaoq>oc; ~'tWL:x:6c; · öc; e:n:e:x:A.ftbl] '0~-tl]QL:X:O<; :x:ai. Kem:x:6c;, ÖLa 'tTJV :x:ai. :n:eei. -couc; yea~-t~-ta-cL:x:ouc; :x:ai. :n:oLlJ'tL:x:ouc; A6youc; a'Ö-coü t:n:i:a-caaLV· auyxeovoc; 'AQLO'tUQXO'U 'tO'Ü YQ(lj.tJ.l.(l'tL:X:O'Ü, t:n:i. II-coA.eJJ.(lLO'U 'tO'Ü LAOj.ti)'tOQO<;. O'UVE'taf;e ÖLOQtJWOLV 'IAL(iöoc; :x:ai. 'Oöuaaei:ac; ßLßA.i:mc; -t}'" :x:ai. äAA.a. 166A • an ,huic' (Stoico) ,non videris' Plasberg in app. crit. 167 A 2 6 >tai Baß. F: BaßuA.gllroatv codd. I 6 ßtßA.iot<; A: ßtßA.ia G, Bernhardy
169
Cicero, De fin. bon. et mal. II 8,24:
... ille, qui Diagenern Stoicum adolescens, post autern Panaetiurn audierat, Laelius, ...
156
5
Fragment
166 A -169
damals unter den Konsuln Publius Scipio und Marcus Marcellus Prätor war, ... ein gelehrter Mann ... , scherzend zu Karneades sagte: "Bin ich deiner Ansicht nach, Karneades, kein Prätor, weil ich kein Weiser bin, und ist dies keine Stadt und darin keine Bürgerschaft?" Darauf antwortete er: "Nach Ansicht dieses Stoikers hier bist du es nicht."
Nun war Babyion in alter Zeit die Hauptstadt Assyriens; jetzt aber ist es Seleukia - ,am Tigris', wie man die Stadt nennt.... Wie wir aber mit ,Babylonien' das Land bezeichnen, so bezeichnen wir auch die von dort stammenden Männer als Babylonier, und zwar nicht nach der Stadt, sondern nach dem Land. Nach Seleukia hingegen bezeichnen wir sie so gut wie gar nicht, auch wenn sie von dort stammen sollten wie z.B. der stoische Philosoph Diogenes.
Es gibt fünf Männer namens Diogenes: ... viertens der Stoiker, gebürtig aus Seleukia, wegen der nachbarschaftliehen Nähe [von Seleukia und BabyIon] auch ,der Babylonier' genannt; ...
. . . der Stoiker Zenodotos, ein Schüler des Diogenes; ...
Krates: Sohn des Timokrates, aus Mallos, stoischer Philosoph; mit Beinamen wurde er ,der Homeriker' und ,der Kritiker' genannt, dies wegen seiner Beschäftigung sowohl mit den grammatischen als auch mit den dichterischen Reden; ein Zeitgenosse des Grammatikers Aristarch [und lebte] zur Zeit des Ptolemaios Philometor. Er verfaßte eine kritisch verbesserte Ausgabe der Ilias und der Odyssee in 9 Büchern und auch noch andere Schriften .
. . . jener Laelius, der in seiner Jugend den Stoiker Diogenes und danach Panaitios gehört hatte, ...
157
§ 1.3.1.5
170
Athenaeus V 2, 186a; Vol. I p. 404 Kaibel:
IIoA.A.rov yoüv ElOL qnA.oo6q>rov ~V äo'tEL ouvoÖOL 'tÖ>V f.I.EV L\LOYEVLO'tÖ>V, 'tÖ>V ÖE 'Av'tUtU'tQLO'tÖ>V Ä.EYOf.I.EVWV, 'tÖ>V ÖE IJaVaL'tLUO'tÖ>V.
171
Cicero, De fin. bon. et mal. I 2,6:
Quid enim est a Chrysippo praetennissum in Stoicis? legimus tarnen Diogenem, Antipatrum, Mnesarchum, Panaetium, multos alios in primisque familiarem nostrum Posidonium.
172
Strabo, Geogr. XIV 5,14; C674:
WAVÖQE~ ö' ~~ a'Ö'ti'J~ (sc. 'tTJ~ TciQoou) yEy6vaOL 'trov f.I.EV l.:'troLxrov 'Av'tL:JtU'tQ6~ 'tE xat 'AQXEÖ'I]f.I.O~ xat N€o'troQ' hL ö' 'Aß'1]v6ÖroQOL Mo, ci>v 6 f.I.EV, KoQÖuA.Lrov xaÄ.OUf.I.EVO~, ouvEßi:rooE MciQxcp Ka'trovL, xat t'tEÄ.Eu'ta naQ' txdvcp, 6 öe 'to'Ü l.:avörovo~, öv xat KavavL't'IJV q>aotv äno XcOf.I.'IJ~ s 'tLv6~, Kai:oaQo~ xaß'l]yt1oa'to xat 'tLf.l.i'J~ ~'t'UXE f.I.EyaÄ.'I]~· xa'tLci>v 'tE El~ 'tTJV :Jta'tQLÖa 'f\Ö'IJ Y'IJQULo~ xa'tEÄ.uoE 'tflv xaßEo'trooav noÄ.L'tELav, xaxro~ q>EQOf.I.EV'IJV 'Ön6 'tE äA.A.rov xat Bo'l]ßoü, xaxoü f.I.EV :JtOL'IJ'tO'Ü, xaxoü öe noÄ.i:'tou, Ö1Jf.I.Oxoni:m~ loxuoav'to~ 'tÖ nA.Eov. to
172A
Eusebius, Praep. evang. XIV 9,3 (ex Numenio):
~i:A.rovo~ öt yi:vE'taL äxouo'tfl~ 'Av'ti:oxo~, ~'tEQa~ liQ~a~ 'AxaÖ'I]f.I.LU~.
MV'I]OclQXIP yoüv 'tcp l.:'troLxcp
oxoMoa~
~VUV'tLa ~LÄ.WVL 'tcp xaß'!]y'l]'tfl ~q>Q6V'I]OE f.I.'UQLU 'tE ~Eva
1tQOOTJ'IjJE 'tfl 'AxaÖ'I]f.I.L~.
173
Cicero, Acad. post. I frgm.1 (ex Nonio Marcello, De comp. doctr. I, p. 91 Lindsay):
Quid autem stomachatur Mnesarchus, quid Antipater digladiatur cum Carneade tot voluminibus? t 72 • tt&l..etitn Coray, Meinekc: tEI..etitn codd. I 72A 1.J 41\Ä\(JIVO~/ci>IÄ.! {jlV\ codd.
174
Plutarchus, De gerrulitate 23, 514D:
'0 f.I.EV YclQ l.:'tOOLXO~ 'Av'tL:JtU'tQO~, ro~ ~OLXE, f.I.TJ Ö'UVclf.I.EVO~ 158
Fragment
170-174
Jedenfalls gibt es in der Stadt Treffen vieler Philosophen, von denen man die einen die Diogenisten, die anderen die Antipatristen, die dritten die Panaitiasten nennt.
Denn im Bereich der stoischen Lehren hat Chrysipp ja wohl nichts außer acht gelassen. Trotzdem lesen wir außerdem Diogenes, Antipater, Mnesarch, Panaitios und viele andere, vor allem aber unseren Freund Poseidonios.
Männer, die aus dieser Stadt [scil. Tarsos] stammten, waren: von den Stoikern Antipater, Archedemos und Nestor, außerdem zwei Athenodor, von denen der eine Kordylion hieß, bei Marcus Cato lebte und in dessen Haus starb, während der andere, der Sohn des Sandon, den man von einem Dorf her auch den Kananiten nannte, Lehrer des Kaisers [Augustus] war und [bei ihm] zu großem Ansehen kam; als er - bereits ein alter Mann - in seine Heimatstadt zurückkehrte, hob er die dort bestehende Administration auf, die von Boethos und anderen schlecht besorgt wurde, einem schlechten Dichter und einem schlechten Bürger, der um die Gunst des Volkes gebuhlt und dadurch den größten Teil der Macht an sich gezogen hatte.
Ein Hörer Phiions [von Larissa] war Antiochos, der eine weitere Akademie gegründet hat. Jedenfalls hat er, nachdem er bei dem Stoiker Mnesarchos studiert hatte, seinem Lehrer Phiion entgegengesetzte Gedanken entwickelt und der Akademie tausenderlei Fremdes angeheftet.
Aber warum ist Mnesarchos ·so zänkisch? Warum streitet sich Antipater mit Karneades in so vielen Bänden?
Denn wie es scheint, konnte und wollte der Stoiker Antipater sich nicht 159
§ 1.3.1.5
J.&TJÖE ßouA.O~-tevos 6~-t6ae xrogetv 'tcp Kagveaön J.&E'tel :noA.A.oii QEUJ.ta'tOS ets 'tTJV l:'tOelV cpEQOJ.&EVCfl, ygacprov ÖE xal. :rtAT]QÖ>V 'tel ßLßA.Ca 'tci:Jv :rtQO~ mhov äv'tLAoyLö:Jv ,xaA.a~-toß6~' ~:rtexA.fJthJ. 5
174A
Eusebius, Praep. evang. XIV 8,1~12 (ex Numenio):
llciaa yoiiv Kagveaöou ÖLV, :rtQ6~ ye 'tOil~ tau'toii t'taCgou~ ÖL' MOQQTJ'tOlV cb~-toA.OyeL 'tE xal. 'iJA.fJt}eue xal. ä:rtecpa(vno d xliv &A.A.o~ 'tÖ>V ~:rtL'tUX6v'trov. 15
175
Athenaeus V 2, 186c; Vol. I p. 405 Kaibel:
'Av'tL:rta'tQO~ Ö'' 6 cpLA.6aocpo~ OUJ.t:rt60L6V :rtO'tE auvayrov auve'ta;e 'tot~ ~QXOJ.&EVOL~ cb~ :rtEQl. aocpLaJ.&a'trov ~goiiaLv.
176
Diogenes Laertius VII 121 :
'HgaxA.ei:ÖTJ~ J.&EV'tOL 6 TagaeiJ~, 'Av'tt:rt
177 174A 2 lillmv Lccmans: lillmc; codd. 1 10 6.&uva~
177
1 aö-tov] aö-tillv a
I
Alexander Aphr., De mixtione ID, p. 216,9-14:
Tö:Jv YelQ J.&E't' au'tov o[ J.&EV Xgua(:rt:rtcp auJ.tcpEQOV'taL, o[ öt 'tLVE~ a'Ü'tci:Jv 'tij~ 'AQLO'tO'teA.ou~ M;TJ~ fla'tEQOV äxoiiam ÖUvT]t}EV'tE~ :rtOAAel 'tÖ>V dQTJ J.&EVOlV 'Ö:rt' ~XEL VOU :rtEQL XQQOEOl~
160
Fragment
174-177
in eine handfeste Auseinandersetzung mit Karneades einlassen, der die Stoa mit heftigen Attacken angriff; vielmehr schrieb und füllte er ganze Bücher mit Gegenreden gegen ihn und erhielt deshalb den Spitznamen "Federschreier".
Jedenfalls war jeder Gedankengang des Karneades siegreich und niemals obsiegte der von irgendjemand anderem, weil selbst diejenigen, gegen die er kämpfte, völlig unfähig waren zu reden. (11) Sein Zeitgenosse Antipater jedenfalls wollte sich sogar ins Zeug legen, etwas zu schreiben. Aber gegen die von Karneades täglich vorgebrachten Argumente veröffentlichte er dann nie etwas; nicht in den Vorlesungen, nicht bei den Spaziergängen - er legte nichts dar, ließ nichts ertönen, hat niemand je etwas von ihm gehört, sagt man, kein Sterbenswörtchen. Doch drohte er ständig Gegenschriften an, und nachdem er sich in einen Winkel zurückgezogen hatte, hinterließ er Bücher: er hat für die Nachwelt geschrieben; [aber] heute sind seine Schriften nicht bedeutend, und damals waren sie noch unbedeutender gegen einen Mann wie Kameades, der von seinen Zeitgenossen als ungemein groß erachtet und anerkannt wurde. (12) Obgleich unter dem Einfluß der stoischen Streitsucht auch Antipater selbst in der Öffentlichkeit Verwirrung stiftete, hat er dennoch seinen Geflihrten gegenüber im geheimen dem durchaus beigepflichtet, darüber die Wahrheit gesagt und das behauptet, was auch jeder beliebige andere erklärt hätte.
Der Philosoph Antipater lud einmal zu einem Symposium ein und forderte alle, die kamen, dazu auf, über Sophismen zu sprechen. (Anschluß unten Nr. 889)
Herakleides von Tarsos freilich, ein Schüler Antipaters von Tarsos, und Athenodor erklären die moralischen Verfehlungen für ungleich.
Denn von Chrysipps Nachfolgern pflichteten ihm zwar die einen bei. Aber manche andere von ihnen, die später in der Lage waren, die Auffassung des Aristoteles zu hören, vertreten auch selber viel von dem, was dieser 161
§ 1.3.1.5
xai. a'Ö'tOL AEYO\JOLV' rov EI~ eo'tL xai. ~(I)OLYEVTJ~. hatQOS 'Av'tL3t<'i'tQOU. ols o'Ö öuv<'i~tEVOL 1t6.V't'[] au~t
178
Plutarchus, De exilio 14, 605 B:
Et 'tTJV ~'troLxof)v ( sc. llo1tal;n ~t<'ii..Lo'ta xai. 'tEßail~taxa~). Zof)voov KL 'tLEilS, KI..EavßTJ~ ':AooLos, XQ'ÖOL3t3to~ ~oi..Eil~, 6.LOyEVTJ~ Baßul..ci>vLo~, 'Av'tL3ta'tQO~ TaQOE'Ö~, 6 ö' 'AßTJvato~ 'AQXEÖTJI'OS Et~ 'tTJV ITO.Qßrov !tE'tQO'ta~ ev Baßul..vL ~'tWLXTJV ÖLaÖOXTJV ll3tEAL3tE. Vergleiche hierzu auch den obigen Text Nr. 124.
179
Arrianus, Epict. Dissert. III 2,15, p. 216:
•A1tEAßE vüv xai. llvayi:yvoooxE 'AQXEÖTJ~tov' Et'ta lt'ÜS ä.v XQ'tQ3tEO'[] xai. 'ljlO(jlTJO'[], Q3tEßavE~. 'tOLO'Ü'tO~ y<'iQ OE !tEVEL ßava'to~. olos xai. 'tOV - 'tLVQ 3tO't' exEtvov; - 'tOV KQLVLV. xai. txELVO~ I'EYQ t
180
Suda s.v. Panaitios, Vol. IV p. 20 (n. 184) Adler:
ITavaL'tLO~,
NLxay6QOU, 'P6ÖLO~,
181
6
VEW'tEQO~,
6.Loyevou~
yvci>QLI'O~,
Strabo, Geogr. XIV 5,16; C676:
'Ev'tE'ÜßEv ö' (sc. tx 'tTJS Mal..l..oü) ~v KQ<'i'tTJ~ 6 YQa~t~ta'tLx6s, o'Ü
182 177 7 JlllXDIU'VOt R(?} a 178 • ~acnoc; ed. Aldina: M5toc; codd. 179 3 oloc; Menagius: otov S
Strabo, Geogr. XIV 2,13; C655:
•AvÖQE~ ö' tyevov'to I'VTJI'TJ~ ä.;LOL 1toi..A.oi. O'tQa'tTJI..Ci'taL 'tE xai. llßi..T)'taL, cDV Etoi. xai. ol llaVaL'tLO\l 'tO'Ü V ÖE 3t0AL'tLXÖ>V xat 'tÖ>V 3tEQL I..Oyou~ xai.
162
s
Fragment
177-182
über die Verschmelzung (Mischung) gesagt hat; einer von ihnen ist insbesondere Sosigenes, ein Gefährte (Student) Antipaters. Doch weil sie in den anderen Punkten abweichende Auffassungen vertreten, können sie seinen Ausführungen nicht rundum beipflichten, und so stellt man fest, daß ihre Darlegungen sich in vielen Punkten selbst widersprechen. (Fortsetzung unten Nr. 310)
Wenn [du] die Stoa [scil. besonders liebst und bewunderst], so stammte dort Zenon aus Kition, Kleanthes aus Assos, Chrysipp aus Soloi, Diogenes aus Babylonien, Antipater aus Tarsos, und der Athener Archedemos verlegte seinen Wohnsitz ins Land der Parther und hinterließ in Babyion eine stoische Schule.
Verschwinde nun, und lies Archedemos I Wenn dann eine Maus herunterfällt und quiekt, stirbst du [vor Schrecken]. Denn diese Art Tod erwartet dich wie etwa auch schon den - wer war es doch? -, den Krinis. Auch er war stolz darauf, daß er Archedemos verstand.
Panaitios: der jüngere, Sohn des Nikagoras, aus Rhodos, stoischer Philosoph, Schüler des Diogenes; nach Polybios aus Megalopolis war er auch der Lehrer von Scipio, der mit Beinamen ,der Afrikaner' hieß. Er starb in Athen.
Von dort [scil. aus Mallos] stammte der Grammatiker Krates, dessen Schüler Panaitios gewesen zu sein sagt.
[Von Rhodos] stammten viele Männer, die der Erwähnung wert sind, Generäle und Athleten, unter denen auch die Vorfahren des Philosophen Panaitios sind; ferner von den Staatsmännern, Rednern und Philosophen Panai163
§ 1.3.1.5
qn.Aoampi:av ö "tE Tiavai:"tLOS a"Ö"tOS xat l:"tQa"tox/..Tjs xat 'AvÖQÖVLXOS ö ~x "tc'i>v TIEQL:Jtci"twv xat Aewvi:ÖTtS ö l:"tOJL· s xos·... lloOELÖWVLOS Ö' ~:JtOAL"tEUOQ"tO f.I.EV ~V 'P6Öq> xat ~OOq>LO"tE\JOEV, ~V Ö' 'A:natJ.EUS ~x "tijS l:tJQi:as.
183
Suda s.v. Poseidonios, VoL IV p. 179 (n. 2107) Adler:
TioOELÖWVLOS, 'A:natJ.EUS ~X l:tJQLaS i\ 'P6ÖLOS, q>LAÖOOIJlOS l:"twLx6s · ~:nexA.i]ßt) 'ADA.'fl"ti]S · axoA.T!v ö' ~axev ~v 'P6öcp, ÖLaöoxos yeyovros xat tJ.aßtJ"tTtS Tiavm"ti:ou. ~A.De ÖE xat Ets 'P6ltJ.'fiV ~:nt MciQXOll MaQXEllou. ~yQa'ljiE :noA.M.
184
Index Stoic. Hercul. col. LXI-LXXIX:
Col. LXI,l-8 - Panaetius Rhodius -: [x]at xa["t' ö.]Ua[s ö]öo[ils'] I ~v yO.Q taxuQc'i>S q>LA.o:nA.aj"twv xat q>LA.oaQLO"tO"tEIA.'fls, ö.[lla] ~at :naQE[vEö]wj5 [x]e "trpv Z'flvwv[ei:w]v I ["tL ÖLa "tT!]v 'AxaÖi]tJ.ELav I [xat "tov TIEQL]:ry;a"tov, xat I OTt[- - -]ou[ Col. LXIX,3-5 - De Panaetii amicis -: '0 [ö]E Tia[vaL]"tLOS I xat "tov yQatJ.~;~-[a"tLxo]v 15 ['A]:ry;oll6öwQov ö.:n[--Col. LXXIII,3-6 - Panaetii discipuli -: 'AaXA.'fll:ltLÖÖO"tOS 'AaxA.'flmoö~5 "tou NLxaLeils ös xat aiJI19[s et]s 'P[6ltJ.'fiV ~]~[Dev - - Col. LXXIV - Panaetii discipuli -: MciQXLOS xat Nilmos I l:auvi:"taL · Nilmos ÖE xat I "to "tc'i>v a:nouömo:na!Qroöwv YEVOS :ltQ(i>"tOS 15 ~[:ne]VÖ'fiOEV. TiaQcltJ.OI[vos TaQa]eus· ]Jet[a]wv I[-- -]t?ll$[-- -]v[-- -]"tLI[ Col. LXXV - Panaetii discipuli -: os, l:ro"taS Ticiq>LOS, l:rojaos 'AaxaA.wvi:"t'fiS - ös I ~v Teavcp ÖLE"tQL'IjiEv xat tJ.E"tijllasev· A'fll5 tJ.i]"tQLOS xat [NL]xav[öQ]os I ~x B[LD]u[vL]as[- - -
I
182 • !plkoaoq~lav Coray, Meineke: !plkoaoq~l~ codd. 183 4 MliQXOU] MCJQiou conicctura vctus 184 c. LXI • Buechelcr dubitat an verbum fucrit KCIQ6(/;EK)Ej(G)8 c. LXXIV 7 [uKa~]Eiia[a~ d)v[itl! xai] ~l[J&11nx6~ propos. Comparctti
Col. LXXVI - Panaetii discipuli -: Ailxwv BLDllv6s, Tiau-1 aavi:as Tiov"tLxos, T~tJ.oxA.ijs KvroaLoS i\ Kvi:ÖLOS AatJ.oxA.ijs Meaj5 ai]vLC)S - J;'6Qyos Aaxeöa~tJ.[6]y~os. 'Eyro ÖE xat Si:I~Q[wva olöa - - -
I
164
Fragment
182-184
tios selbst, Stratokles, der Peripatetiker Andronikos und der Stoiker Leonides. . .. PoseidoDios war in Rhodos politisch engagiert und hielt dort seine Vorlesungen, wiewohl er aus Apameia in Syrien stammte.
Poseidonios: aus Apameia in Syrien oder aus Rhodos, stoischer Philosoph; mit Beinamen hieß er ,der A~et'; seine Ausbildung erhielt er in Rhodos, war Nachfolger und Schüler des Panaitios. Zur Zeit des Marcus Marcellus kam er auch nach Rom. Geschrieben hat er viel.
Col. LXI,1-8: Panaitios von Rhodos: auch über andere Wege. Er war nämlich ein großer Freund Platons und Aristoteles' und hat die zenonischen Lehren sogar mit der Akademie und dem Peripatos verschmolzen; und ...
Col. LXIX,3-5: Panaitios' Freunde: Aber Panaitios auch den Grammatiker Apollodor ... Col. LXXIII,3-6: Schüler des Panaitios: Asklepiodotos, Sohn des Asklepiodotos, aus Nikäa, der sich auch selbst nach Rom begab .... Col. LXXIV: Schüler des Panaitios: die Samniten Markios und Nysios; Nysios ersann auch als erster die Gattung der ernsthaften Parodien. Paramonos aus Tarsos; Peison ... Col. LXXV: Schüler des Panaitios: ... , Sotas aus Paphos, Sosos aus Askalon, der in Teanum lebte und starb; Demetrios und Nikandros aus Bithynia ...
Col. LXXVI: Schüler des Panaitios: der Bithynier Lykon, Pausanias aus Pontus, Timokles aus Knosos oder Knidos, Damokles aus Messene, Gorgos aus Sparta. Ich weiß aber auch von Tibron ...
165
§ 1.3.1.5
Col. LXXVII - Panaetii discipuli (an de schola Tarsensi?) -: [:rtagt]l 1!..[t]:rtEV öf: "tO "tlfl Ilava~"ttvLo~ Il,;~ÄEJ.LaLEiJ~
185
Diogenes Laertius V 83sq.:
fEy6vaOL ÖE .!1TJJ.Lft"tQLOL a!;t6f..oyOL dXOOL ·... "tQLOXaLÖEXa"tO~ Btt}uvo~ .!1t
186
Suda s.v. Polemön, Vol. IV p.158 (n. 1888) Adler:
IIoÄEJ.LWV, B'ÖTJYE"tO\J, 'II..LEii~, XOOJ.LTJ~ rt..uxELa~ ÖVOJ.La, 'At}ftVTJOL ÖE :rtOÄL"toyga
'Poa!cp navatt!cp Daub
187
Strabo, Geogr. XVI 2,24; C757:
Ta J.LEV o-bv :rtal..ma ~aot}ro · xat}' 'l'tJ.Lä~ öf: ~" ~Lö6vo~ J.LEV ~vöo!;OL vto~ Ö "tOV :rtCvaxa ~xt}Ei.~ ,;rov ä:rto Zftvrovo~
188
Cicero, De officiis II 24,86:
... Antipater Tyrius, Stoicus, qui Athenis nuper est mortuus, ... 166
Fragment
184-188
Col. LXXVII: Schüler des Panaitios (oder über die Schule in Tarsos?): Er ließ (in seinem Bericht) aber [weg], daß Paramonos für Panaitios die Neulinge in der Schule unterrichtete und daß Dikaios aus Tarsos dessen Schüler gewesen ist; doch Zenons ... Col. LXXVIII,2-5: Schiller des Panaitios: und Apollonios aus Ptolemais, unser Freund, der auch Dardanos und Mnesarchos gehört hat; ...
f.
Col. LXXl/ [Stratokl"" • ., Rhodoo wu cin Schülcr d"" Panaitio•; und Schüler] Stratokles selbst Dion (?) aus Alexandria und Antipater aus Tyros, der vorher auch Antidotos gehört hatte. Von Zenon ... nunmehr alle stoischen Nachfolger und die Schulen ...
Es gab zwanzig namhafte Männer mit dem Namen Demetrios: ... dreizehntens ein Bithynier, Sohn des Stoikers Diphilos und Schüler des Rhodiers Panaitios; ...
Polemon: Sohn des Euegetes, aus einem Dorf namens Glykeia in Ilion, aber in Athen eingeschriebener Bürger; ... Nach Asklepiades aus Myrleia war er ein Zeitgenosse des Grammatikers Anstopbanes und auch Schüler des Rhodiers Panaitios.
Indes wollen wir die alten Geschichten übergehen; zu unserer Zeit jedoch gingen einerseits aus Sidon berühmte Philosophen hervor, .. ,; aus Tyros stammt andererseits Antipater und - kurz vor unserer Zeit - Apollonios, der den Pinax der Philosophen von Zenons Schule und ihrer Bücher publiziert hat.
.. . Antipater von Tyros, ein Stoiker, der kürzlich in Athen gestorben ist, ...
167
§ 1.3.2
1.3.2 Bücherverzeichnisse zur Dialektik Von den vielen Schriften der Stoiker zur Dialektik werden im folgenden diejenigen zusammengestellt, deren Titel uns überliefert ist. Nicht aufgelistet werden also allgemeine Hinweise wie z.B. der auf "alle die Einführungen und Zusammenstellungen (Syntaxen) Chrysipps zusammen mit denen von Antipater und von Archedemos" (Arrianus, Epict. Dissert. D 17,40, p. 164). Trotz dieser Beschränkung folgt die Auswahl der Titel verhältnismäßig großzügigen Kriterien. Denn außer den Werken zu spezifisch dialektischen Fragen werden 1. auch die Bücher aufgenommen, die sich mit an die Dialektik angrenzenden Themen befassen; was als solches Grenzgebiet zählt, ergibt sich aus dem Inhaltsverzeichnis der Fragmentsammlung. Demnach findet man hier auch a) die Schriften zur Logik allgemein und zur Rhetorik sowie die zur Bedeutung der Dialektik für das Leben im Geist der stoischen Philosophie und b) die Schriften zur Erkenntnispsychologie, zum Zeitbegriff, zur Wissenschaftstheorie der Mathematik und der Mantik und zur Fatumlehre. Die Themen der zweiten Gruppe gehören in den Grenzbereich von Dialektik und Naturphilosophie und wurden von den Stoikern gewiß nicht nur in Spezialschriften bearbeitet; aber Buchtitel, die nur allgemein auf physikalische Problemstellungen verweisen, werden hier nicht angeführt. Ebenfalls weggelassen wurden die ohnehin unsicheren Werke Aristons gegen die Dialektiker und Redner (vgl. Diogenes Lai!rtius VD 163). Der Katalog stoischer Schriften zur Dialektik ist 2. insofern erweitert, als auch diejenigen Werke aufgenommen wurden, die nur möglicherweise dialektische Themen behandelt haben. Eine derartige Toleranz in der Auswahl emp-
189
Zenon von Kition
Diogenes Laertius Vll 4: IIEQL Ö'ljl~(l)~. IIEQL OTJIJ.EL(I)V. IIui)ayOQLX6.. Kai)oA.tx6.. IIEQi. A.e;erov .
s
• IIQO~ATJIJ.Q"t(I)V '011TJQLXÜIV ltEV"tE. IIEQi. ltOLTJ"tLXij~ QXQOclOE(I)~. 189 12 in textu Diogenis post Bi>o scquuntur verba dKOI'VIliWVEiil'ata KQii'tTjto~ il&ucö.. B interpunxit post • E:U.nm et dKOI'VlJI'oveli,.ata, solum post Blio v. Amim, post Blio ct KQä'tTjt~ Hi~ks, Long
TExvTJ xai. AilaEL~ xai. "EAE"fXOL öilo. • cf. Dio Chrysostoinus, Or. 53,4.
168
10
Fragment
189
fiehlt sich schon aus dem allgemeinen Grund, daß die Werke der Stoiker fast ganz verloren gegangen sind und man die Fragmente nur in vereinzelten Fällen bestimmten Schriften zuordnen kann (vgl. dazu die Listen im Index III). Es kommt hinzu, daß in dem systematisch angelegten Katalog der Bücher Chrysipps bei Diagenes Laertios einige offensichtlich dialektische Schriften als Werke zur Ethik ausgegeben werden. Man hat deshalb i,iberlegt, ob die Überlieferung des Katalogs durch Blattumstellungen verfälscht ist (vgl. U. EGLI, Zur stoischen Dialektik, Basel 1967, p. 3). Aber selbst nach solchen Korrekturen finden sich unter den ethischen Schriften immer noch einige, die vielleicht auch in eine dialektische Abteilung gepaßt hätten. Zu bemerken bleibt weiterhin, daß entsprechend den erwähnten Zuordnungsmöglichkeiten zuweilen mehrere Belege für einen Buchtitel existieren. Diese werden dann auch in jeweils passender Form möglichst vollständig genannt. Dabei geht es dann freilich nicht um alle erdenklichen Zuordnungen von Fragmenten zu Büchern, sondern eben nur um Belege für Buchtitel. Falls die Zweitbelege für sich allein keine volle Beweiskraft haben, ist dies durch den Zusatz "cf." kenntlich gemacht. Hingegen bedeutet das Zeichen "(?)", daß der genaue Titel einer Schrift nicht ganz sicher ist. Im übrigen werden viele der hier genannten Quellen an anderer Stelle ausführlicher zitiert. Nur in ganz wenigen Fällen wird das durch Querverweise angezeigt; vollständig informiert dariiber das Stellenregister.
Über das Sehen.
*
Über Zeichen. Pythagoreische Fragen. Universalien. Über die Ausdrucksweisen (Phonemreihen). Homerische Probleme. 5 Bücher. Über das verständige Anhören von Dichtung. ein ,Lehrbuch [der Rhetorik oder der Dialektik]' und ,Lösungen' sowie ,Widerlegungen. 2 Bücher'.
169
§ 1.3.2
Diogenes Laiirtius Vß 39. 40: TIEQi. Myou a'.
190
Herillos
Diogenes Laiirtius Vß 166: TIEQL il:n:ol.:fj'ljlero~.
191
Persaios
Dio Chrysostomus, Or. 53,5: 'O!J.f]QLXa. (?)
192
Kleanthes
Diogenes Laiirtius Vß 174 sq.: TieQi. X.QO'VOll. TIEQL at<J't}ftoero~. TIEQL 'tEX,'Vf]~. 5
(175) TIEQL 'tO'Ü :ltOLf]'tO'Ü. TIEQi. 'tO'Ü Ä.Oyou 'tQI.a. 10
TieQi. 'to'Ü 'tov ompov ooqJLo'tEUELv. TieQi. TIEQL TIEQL TIEQL
töi.rov. 'tÖ>'V Ö.:n:OQ(J)'V.
15
lhaA.ex'tLXfj~.
'tQO:It(J)'V.
* TieQi. xa'tfJYOQfJ!J.O.'trov. • cf. Oemens Alex., Stromat.
Vm 9 § 26,4, p. 96 Fr.
Athenaeus Xl32, 467 d/41, 471b; Vol m p. 27/35 Kaibel: TIEQL !J.E'taA1j'ljlero~.
Arrianus, Epict. Dissert. ß 19,9, p. 171: TIEQL öuva'trov. 170
Fragment
189-192
Über die Vernunft. 1 Buch.
Über die Vermutung (Annahme).
Homerisches.(?)
Über die Zeit. Über die Sinneswahrnehmung. Über die Wissenschaft (Kunst). (175) Über den Dichter [scil. Homer]. Über die Vernunft. 3 Bücher. Über das Wissen (die Wissenschaft). Über das sophistische Auftreten des Weisen.
*
Über individuelle Eigenschaften (Merkmale). Über die unlösbaren Probleme. Über die Dialektik. Über Tropen (Modusfonneln, syllogistische Modi). Über Prädikate.
Über die Veränderung [von Bezeichnungen]. Über das Mögliche. 171
§ 1.3.2
Cicero, De fin. bon. et mal. IV 3,7: TExv1J Q1J'toQLx'l'j.
193
Sphairos
Diogenes Lai!rtius Vß 178: IlEQL atoih)'t1]QLOJV.
IlEQi. 'tÖ>v 'EQE'tQLaxrov cpLA.oo6cpwv. IlEQL Ö!J.OLOJV. IlEQL ÖQOJV. IleQi. l!sew~. IlEQL 'tÖ>V UV'tLAEYOIJ.EVOJV 'tQLa. IlEQi. A.Oyou.
10
Texv1J~ lhaA.ex'tLXij~ Mo. IlEQL XQ't1]YOQ1]1J.cl'tOJV. IlEQi. UIJ.cpLfloA.Lrov.
194
Chrysipp I
Diogenes Lai!rtius VII 189-202: (Die Buchstaben am linken Rand des Bücherverzeichnisses mar· Ieieren diejenigen Titel, zu denen in Nr. 195 weitere Belege zusammengestellt werden.)
'E:nei. ö' evöos6'ta'ta 'ta flLßA.i:a ea'ti.v aimp, ~öose IJ.OL xai. 't'i)v :rtQO~ elöo~ llvayQacpiJv a'Ö'tÖ>V ev'taüßa xa'taXWQLOaL. xai. ~O'tL 'tclÖE .
194 1 t11ei F: tlte•öit BP I • titulum secundum ethicorum particulam primam (v. infra I. 191/192) compl. v. Amim: A. t. (>
AoyLxoü 't6:rtou 9EOEL~ AOYLXaL, Trov 'toü cpLA.oo6cpou oxEIJ.IJ.cl'twv, A ·oQwv öLaA.ex'tLxrov :rtQo~ M1J'tQ6ÖwQov ~-. B IleQi. 'trov xa'ta 'tTJV ÖLaA.ex'tLXTJV övo!J.a'twv :rtQO~ Z'l'jvwva a', (190) TExv1J ÖLaA.ex'tLXTJ :rtQO~ 'AQLO'tay6Qav a', l::UV1]1J.!J.EVOJV mßavrov :rtQO~ äLOOXO\JQLÖ1]V ö'.
172
10
Fragment
192-194
Lehrbuch der Rhetorik.
Über die Sinnesorgane. Über die Mantik. Über die eretrischen Philosophen. Über das Ähnliche. Über Definitionen. Über den Habitus. Über die gegensätzlichen Behauptungen. 3 Bücher. Über die Vernunft. Lehrbuch der Dialektik in 2 Büchern. Über Prädikate. Über Mehrdeutigkeiten.
Da seine [scil. Chrysipps] Bücher ein außerordentlich hohes Ansehen genießen, schien es mir angebracht, hier auch das systematisch geordnete Verzeichnis dieser Schriften einzufügen. Es sind die folgenden Bücher: I. Von der Logik Logische Thesen. Von den Betrachtungen des Philosophen. A Von dialektischen Definitionen, an Metrodor. 6 Bücher. B Über die Benennungen in der Dialektik, an Zenon. 1 Buch.
(190)
Die Wissenschaft der Dialektik, an Aristagoras. 1 Buch. Von glaubhaften Implikationen, an Dioskurides. 4 Bücher. 173
§ 1.3.2
AoyLxoü 't6:n:ou 'toü :n:EQI. 'ta :n:QciyJ.La'ta I:uv'ta;LS :7tQW'tT] llEQL ö.;LO>IJ.cl'tWV a', TIEQL 'tc:i>v O'ÖX v ö.;LroiJ.a'trov a', 15 TIEQL 'tO'Ü OUIJ.:n:E:n:AEYIJ.Evou :7tQOS 'AßT]vciÖT]V a' ß', llEQL v :7tQOS 'AQLO'tay6QaV y', llEQL 'tWV Xa'tayOQEU'tLXWV :7tQOS 'Aß-T]V6ÖWQOV a', llEQL 'tWV Xa'ta O'tEQT]OLV AEYOIJ.EVWV :7tQOS etaQOV
c
a', llEQL y', TIEQL llEQL llEQL
20
'tWV Ö.OQLO'tWV
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'tfiS ÖLaq>oQäS 'tc:i>v Ö.OQLO'tWV a' ß' y' ö', 'tc:i>v xa'ta XQ6vous AEYOIJ.Evrov a' ß', OUV'tEALXWV
25
I:uv'ta;LS ÖEU'tEQa llEQL Ö.AT]ß-O'ÜS ÖLEl;EUYIJ.EVOU :7tQOS foQyL:n::n:LÖT]V a', llEQL Ö.AT]ß-O'ÜS OUVT]IJ.IJ.EVOU :7tQOS foQyL:n::n:i:ÖT]V a' ß' y' ö',
(191)
194 21 doQimmv Cobet: Ö.Qii>llmv deest; inde Iacunam sive post 'tÖ sive post ö.xoM>i>llmv statuit Eber! (per litteras) 1 32 mi:l.tv d: om. BFP: titulum corruptum esse declaravit Ebert, deliherans an lltpi toll ötamupoßvto~ xpo~ rop-y. scribendum sit (per litteras) I •• tQmn')aEm~ Menagius: -atmv BFP I 41 ö.xoxQI
tAtQEOLSt :7tQOS foQyL:n::n:(ÖT]V a', TIQOS 'tO :n:EQI. v :n:QOS KI..Et'tov ö', TIQos 'to :n:EQI. OTJIJ.aOLc:i>v CI..rovos a', llEQL 'tO'Ü 'tLVa ~O'tL 'ta 'lj!EUÖ'ij a'. I:uv'ta;LS 'tQL'tTJ llEQL :7tQOO'taYIJ.Il'tWV ß', llEQL ~QW'tfJOEWS ß', llEQL :n:EUOEWS ö', 'Em'tOIJ.ft :7tEQL ~QW'tfJOEWS xal. :7tEUOEWS a', 'Em'tOIJ.ft :7tEQL Ö.:n:OXQLOEWS a', (TIEQL) l;T]'tfJOEWS ß', llEQL Ö.:n:OXQLOEWS Ö'. I:uv'ta;LS 'tE'tclQ'tT] llEQL 'tc:i>v xa'tTJYOQT]IJ.U'tWV :7tQOS MT]'tQ6ÖWQOV L', llEQL ÖQtl-c:i>v xal. 'Ö:n:'tLWV :7tQOS ul..aQXOV a', llEQL 'tc:i>V OUVaiJ.IJ.U'tWV :7tQOS 'A:n:ol..l..rovi:ÖT]V a', TIQOS llcioul..ov :n:EQL xa'tTJYOQTJIJ.U'tWV ö'.
174
30
35
40
45
Fragment
194
II. Von der mit den Sachen befaßten Logik Erste Abteilung Über Aussagen. 1 Buch. Über die nicht einfachen Aussagen. 1 Buch. Über die Konjunktion, an Athenades. Buch 1 und 2. Über Negationen, an Aristagoras. 3 Bücher. Über die definiten Aussagen, an Athenodor. 1 Buch. C Über die privativ gesagten [Sachen], an Thearos. 1 Buch. Über die indefiniten Aussagen, an Dion. Buch 1, 2 und 3. Über den Unterschied der indefiniten [Aussagen]. Buch 1, 2, 3 und4. Über die temporal gesagten [Sachen]. Buch 1 und 2. Überperfektische Aussagen. 2 Bücher. Zweite Abteilung Über die wahre Disjunktion, an Gorgippides. 1 Buch. Über die wahre Implikation, an Gorgippides. Buch 1, 2, 3 und 4. (191) tWahl [zwischen Alternativen?]t, an Gorgippides. 1 Buch. Gegen die Schrift ,Über Folgerungen'. 1 Buch. Über das Argument aus drei modusbildenden Aussagen, wieder an Gorgippides. 1 Buch. D Über das Mögliche, an Kleitos. 4 Bücher. Gegen Phiions Schrift ,Über Zeichen'. 1 Buch. Über die Frage ,Was sind falsche [Aussagen]?'. 1 Buch. Dritte Abteilung Über Imperative. 2 Bücher. Über die Entscheidungsfrage. 2 Bücher. Über die Erkundungsfrage. 4 Bücher. Abriß über Entscheidungs- und Erkundungsfrage. 1 Buch. Abriß über die Antwort. 1 Buch. Über die Forschung (die allgemeine Frage?). 2 Bücher. Über die Antwort. 4 Bücher. Vierte Abteilung Über die Prädikate, an Metrodor. 10 Bücher. Über persönlich aktive und persönlich passive [Prädikate], an Phylarchos. 1 Buch. Über die implikativ verknüpften [Prädikate], an Apollonides. 1 Buch. An Pasylos über Prädikate. 4 Bücher.
175
§ 1.3.2
(192)
l:uv'ta!;L~ :rtEI':rt'tTJ
Tiegi. 'tÖ>'V :rtE'V'tE :rt'tWOEW'V a', Tiegi. 'tÖ>'V xa'ta 'tO u:noxELI'E'VO'V WQLO!'Evrov ~x q>ogwv a', Tiegi. :rtaQE!'q>ciaero~ :rtQO~ l:'tT)aay6gav W, Tiegi. 'tÖ>'V :rtQOOTJYOQLXwv W-
SO
AoyLxoü 't6:rtou :negi. 'ta~ i..e!;eL~ xai. 'tov xa't' au'ta~ ss i..6yov l:uv'ta!;L~ :rtQW'tTJ
flEQL 'tÖ>'V t'VLXÖ>'V XQL :rtÄ.T)ßuv'tLXÖ>'V ~Xq>OQÖ>'V ~-, Tiegi. i..t!;erov :ngo~ l:roaLyEVTJ'V xai. 'Ai..e!;avögov e', ·Tiegi. 'tij~ xa'ta 'ta~ i..t!;eL~ ävrol'aÄ.La~ :ngo~ Ai:rova 60
ö', Tiegi. 'tÖ>'V :ngo~ 'ta~ q>rova~ aroQL'tÖ>'V i..6yrov y', flEQL OOÄ.OLXLO!'Ö>'V a', Tiegi. aoÄ.oLxLt6v't(J)'V i..6yrov :ngo~ ALovuaLOv a', A6yoL :rtaga 'ta~ auvT)i)ei:a~ a', At!;L~ :ngo~ ALovuaLOv a'. l:uv'ta!;L~ öeu"ttga Tiegi. 'tÖ>'V O'tOLXELW'V 'tO'Ü i..6you xai. 'tÖ>'V Ä.EYO!'E'VW'V
E Tiegi.
(193)
65
e',
'tTJ~ auv'ta!;ero~ 'twv i..eyol'tvrov ö',
70
Tiegi. 'tij~ OU'V'ta!;ero~ xai. O'tOLXELW'V 'tÖ>'V Ä.EYO!'E'VW'V :ltQO~ WLÄ.L:rt:rtO'V y'' Tiegi. 'tÖ>'V O'tOLXEi:rov 'tO'Ü i..6you :rtgo~ NLxi:av a', Tiegi. 'tO'Ü :rtQO~ hega Ä.EYO!'E'VOU a'. l:uv"ta!;L~ 'tQL'tTJ Tigo~ 'tOU~ I'TJ ÖLQLQOU!'E'VOU~
75
W,
Tiegi. ix!'q>L~OÄ.LÖ>'V :rtQO~ 'A:rtoUä.v ö', flEQL 'tÖ>'V 'tQO:rtLXÖ>'V ix!'q>L~OÄ.LÖ>'V a', Tiegi. OU'VTJI'I'E'VTJ~ 'tQO:rtLXTJ~ ix!'q>L~OÄ.La~ Tigo~ 'to :negi. ix!'q>L~oi..Lwv Tiavi)oi:öou ~-. Tiegi. 'tij~ et~ 'ta~ ix!'q>L~oi..i:a~ etaayroYfJ~ e', 'E:rtL'tO!'TJ 'tÖ>'V :rtQO~ 'E:rtLXQa'tT)'V ix!'q>L~OÄ.LÖ>'V a', l:U'VTJ I'I'E'Va :rtgo~ 'tTJ'V etaayroyiJv 'tÖ>'V et~ 'ta~
w,
••-•u
194 de ordine titulorum vide supra p. LXXXVII I '" tvucillv d co: t8vucälv BFP I 74 t(xa)UQI1 Long dubit. in app. crit. I 77 'AKoUäv BFP: 'AuUäv d; cf. supra frgm. 160 c. XLVII,3 I 13 ~illv codd.: 't1jv coni. Hiibner, v. Amim
ix!'q>L~oi..i:a~
176
W-
80
Fragment
(192)
194
Fünfte Abteilung Über die fünf Kasus. 1 Buch. Über die dem zugrundeliegenden Gegenstand nach definiten Äußerungen. 1 Buch. Über Konnotation (Nebenbedeutung), an Stesagoras. 2 Bücher. Über die Appellative. 2 Bücher. III. Von der mit den Phonemreihen und mit der ihnen entsprechenden Rede befaßten Logik Erste Abteilung Über die singularischen und pluralischen Äußerungen. 6 Bücher. Über Phonemreihen, an Sosigenes und Alexandros. 5 Bücher. Über die Anomalie in den Phonemreihen, an Dion. 4 Bücher. Über die gegen die sprachlichen Zeichen gerichteten Sorites-Argumente. 3 Bücher. Über Soloikismen (Ungrammatikalitäten). 1 Buch. Über soloikistische Rede(weise)n, an Dionysios. 1 Buch. Rede(weise)n abseits des üblichen Sprachgebrauchs. 1 Buch. Die Phonemreihe, an Dionysios. 1 Buch.
Zweite Abteilung Über die Elemente der Rede und des Gesagten. 5 Bücher. E Über die Zusammenstellung (Syntax) des Gesagten. 4 Bücher. (193) Über die Zusammenstellung (Syntax) und Elemente des Gesagten, · an Philippos. 3 Bücher. Über die Elemente der Rede, an Nikias. 1 Buch. Über das im Verhältnis zu anderem (relational) Gesagte. 1 Buch. Dritte Abteilung Gegen die, welche keine Unterscheidungen (Wortabtrennungen?) vornehmen wollen. 2 Bücher. Über Mehrdeutigkeiten, an Apollas. 4 Bücher. Über die tropischen Mehrdeutigkeiten. 1 Buch. Über implikative tropische Mehrdeutigkeit. 2 Bücher. Gegen Panthoides' Schrift ,Über Mehrdeutigkeiten'. 2 Bücher. Über die Einführung in die Mehrdeutigkeiten. 5 Bücher. Abriß der Mehrdeutigkeiten an Epikrates. 1 Buch. Implikationen zur Einführung ins Studium der Mehrdeutigkeiten. 2 Bücher.
177
§ 1.3.2
AoyLxoü 't63tou 3tQO!; 'tOU!; I..Oyou!; xat 'tOU!; 'tQ03tO'U!; 85 .I:uv'ta;L!; 3tQW'tTJ TtxvTJ i..Oyrov xat 'tQ63trov 3tQO!; Awoxougi:ÖTJV e', (194) llegt 't<Öv I..Oyrov y', llEQL 'tQ03tOlV CJ'UCJ'tclCJEOl!; 3tQO!; .I:'tTJOay6gav ß', .I:uyXQLCJL!; 't<ÖV 'tQ03tLXÖ>V 6V'tOlV /..6yrov xa'i. CJ'UVTJJ.I.J.I.EVOlV a', TIQO!; 'Aycii}rova ij 3tEQL 't<ÖV ~;fj!; 3tQoßÄ.TJJ.I.ci'trov
90
a', llegt 'tO'Ü 'ti:va CJ'UÄ.Ä.oyLCJ'tLXa 'tLVO!; J.LE't' ä.Ä.Ä.ou 'ti<: xat J.I.E't' ällrov a', 95 llEQL 't<ÖV emq>OQÖ>V 3tQO!; 'AQLCJ"tay6gav a', llEQL 'tO'Ü 'tcl't'tECJi}aL 'tOV a'Ö'tOV I..Oyov ev 3tÄ.ELOCJL 'tQ03tOL!; a', TIQO!; 'tel V i:Ä.rovo!; 3tQO!; TLJ.I.OO'tQa'tOV a', AoyLxel CJ'UVTJ J.I.J.I.EVa 3tQO!; TLJ.LOXQO:'tTJV xat ci>LÄ.oJ.Lai}fj · Et!; 'tel 3tEQL I..Oyrov xat 'tQ03tOlV a'•
105
(195) .I:uv'ta;L!; öeu'tEQa llegt 't<ÖV 3tEQaLV6V'tOlV I..Oyrov 3tQO!; ZT)vrova a', llEQL 't<ÖV 3tQW'tOlV xa'i. V 3tQO!; ZT)vrova a', llEQL 't'ij!; V a', llegt 't<Öv 3taQEÄ.x6v'trov Ä.6yrov 3tQO!; TiaouÄ.ov ß', llEQL 'tOOV Et!; 'tOU!; CJ'UÄ.Ä.OyLOJ.I.OU!; i}EOlQTJ J.1.6:'tOlV a', llegt CJ'UÄ.Ä.oyLOJ.I.OOV etoayroyLxii:Jv 3tQO!; Zt1vrova 115
a',
194 •• Tli'lv ed. princ. : om. BFP I •• Tlva v. Arnim: Tti BP: om. F I •• Tip T. aö. A. ed. princ. : Tlllv T. aö.
A. B : Tli'lv
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Trov 3tQO!; etoayroyiJv 'tQ03tOlV 3tQO!; Zt1vrova y', llEQL 'tOOV Xa'tel 'ljJE'UÖfj CJXtl J.La'ta CJ'UÄ.Ä.oyLOJ.I.OOV e', A6yoL CJ'UÄ.Ä.oyLCJ'tLXOL xa't' LÄ.OJ.Laßii a' ('tO'Ü'tO ÖOXEL '\jiE'UÖE3tLyQaq>OV).
M-
yrov P: om. F I " 3 1J BP: rf F I ". IJOAO\>t\lfJ10ilc;
codd.: corr. Hübner I ' 17 slaaymyliv co w: -'Yl>tliv BFP
178
120
Fragment
194
IV. Von der auf die Argumente und die Tropen (Modusformeln, Schlußmodi) gerichteten Logik
(194)
(195)
Erste Abteilung Lehrbuch der Argumente und Tropen, an Dioskurides. 5 Bücher. Über die Argumente. 3 Bücher. Über die Konstruktion von Tropen, an Stesagoras. 2 Bücher. Vergleich der in den Tropen vorkommenden Aussagen. 1 Buch. Über Kontrapositions- und Implikationsargumente. 1 Buch. An Agathon oder über die sich anschließenden (verbleibenden?) · Probleme. 1 Buch. Über die Frage, welche Prämissen in Verbindung mit einer oder mehreren anderen Prämissen etwas Bestimmtes syllogistisch erschließen. 1 Buch. Über die Konsequenzen, an Aristagoras. 1 Buch. Darüber, wie dasselbe Argument in mehreren Tropen entwickelt werden kann. 1 Buch. Gegen die Einwände darauf, daß dasselbe Argument in einem syllogistischen und in einem unsyllogistischen Tropos (Modus) entwickelt werden kann. 2 Bücher. Gegen die Einwände auf die Analysen der Syllogismen. 3 Bücher. Gegen Phiions Schrift ,Über Tropen', an Timostratos. 1 Buch. Logische lmplikationen, an Timokrates und Philomathes; zu den Büchern ,Über Argumente und Tropen'. 1 Buch. Zweite Abteilung Über die schlüssigen Argumente, an Zenon. 1 Buch. Über die ersten und unbeweisbaren Syllogismen, an Zenon. 1 Buch. Über die Analyse der Syllogismen. 1 Buch. Über die Argumente mit einer überschüssigen Prämisse, an Pasylos. 2 Bücher. Über die Theoreme für die Syllogismen. 1 Buch. Über elementare Syllogismen, an Zenon. 1 Buch. Von den elementaren Tropen, an Zenon. 3 Bücher. Über die Syllogismen nach falschen Schemata. 5 Bücher. Syllogistische Argumente aufgrund einer Analyse in unbeweisbare Argumente. 1 Buch. Untersuchungen zu den Tropen, an Zenon und Philomathes. 1 Buch. (diese Schrift scheint unecht zu sein). 179
§ 1.3.2
l::iJv"taf;LS "tQL"tTJ IIEQi. -crov J1E"ta:ltL:rt"t6v"twv A.Oywv :rtgos •A-thjvaÖTJV a' ("ljiEtJÖE:rti:ygacpov), (196) A6yOL J1E"ta:rti::rt"tOV"tES :rtQÖS Ti)v J1EOO"tTJ"ta y' ( "ljiEtJÖE:rti:ygacpa), IIgos "toils •AJ1ELvi:ov ÖLa~EtJX"tLxoils a'.
12s
l::iJv"taf;LS "tE"tQQ"tTJ IIEQi. iJ:JtoßtaEwv :rtQÖS MEÄ.taygov y', 130 A6yOL -ö:rtoßnLxol. Ets "toils v6J1ovs :rtQÖS MEA.taygov :rtaÄ.Lv a', A6yOL -ö:rtoßnLxoi. :rtQÖS E[aaywyi)v ß', A6yOL -ö:rtoßnLxoi. i}EWQTJI'V 'HöiJA.ov -ö:rtoßnLxrov ß', 135 AiJaLS "trov 'Ai..E!;avögov -önoi}nLxrov y' ("ljiEtJÖE:rti:ygacpa), IIEQi. ~xßtaEwv :rtQÖS Aaoöa11av"ta a'. IiJv"taf;LS :rtEJ1:rt"tTJ IIEQl. "tijS Ets "tov "ljiEvö6J1Evov Etaaywyijs :rtgos 140 'AQLO"tOXQEOV"ta a', A6yOL "ljiEvÖ6J1EVOL :rtQÖS Etaaywyi)v a', F IIEQ.i. "tOÜ "ljiEtJÖOJ1EVO\J :JtQOS 'AQLO"tOXQEOV"ta s'. IiJv"taf;LS ~X"tTJ IIgos "toils vol'i:~ov"tas xai. "ljiEvöij xai. cii..TJ-t}ij dvm 145
a',
(197)
Ilgos -coils ÖLel "tijS "tol'iiS ÖLai..iJov-cas "tov "ljiEvMI'Evov A.6yov :JtQOS 'AQLO"tOXQEOV"ta ~-, 'A:rtoÖELf;ELS :rtQOS "tO I'TJ ÖELV "tEJ1VELV "tel ci6QLO"ta ~
1~
Ilgos "tel civ-iELQTJI'Eva "tots xa"tel "tijS "tOJ1ijS "trov ÜOQLO"tWV :rtQÖS Ilaavi..ov y', AiJaLs xa"tel "toils cigx,ai:ovs :rtQÖS ALoaxovgi:ÖTJv
a', IIEQl. "tijS "toü "ljiEvÖOJ1Evov A.iJaEWS :rtQÖS 'AQLO"to- 155 XQEOV"ta y',
194 u>n!Ü.Lv d: om. BFP I ua Aaoll. B: .U.oMilavta P: c't6Ujlavta F
180
Fragment
(196)
194
Dritte Abteilung Über die Argumente, bei denen sich im Verlauf der Argumentation der Wahrheitswert einer Prämisse ändert, an Athenades. 1 Buch. (unecht). Argumente, bei denen sich im Verlauf der Argumentation der Wahrheitswert einer Prämisse aufgrundvon deren adverbieller Zeitbestimmung ändert. 3 Bücher. (unecht). Gegen die ,Disjunktiven Syllogismen' des Ameinias. 1 Buch. Vierte Abteilung Über Hypothesen, an Meleager. 3 Bücher. Hypothetische Argumente zu den Gesetzen, wieder an Meleager. 1 Buch. Hypothetische Argumente zur Einführung. 2 Bücher. Hypothetische Argumente aus Theoremen. 2 Bücher. Lösung der hypothetischen Argumente des Hedylos. 2 Bücher. Lösung der hypothetischen Argumente desAlexandros. 3 Bücher. (unecht). Über Ekthesen, an Laodamas. 1 Buch. Fünfte Abteilung Über die Einführung in den Lügner, an Aristokreon. 1 Buch. Lügner-Argumente zur Einführung. 1 Buch. F Über den Lügner, an Aristokreon. 6 Bücher.
(197)
.• •
Sechste Abteilung Gegen diejenigen, die der Meinung sind, [die Aussagen des Lügners] seien sowohl wahr als auch falsch. 1 Buch. Gegen diejenigen, die das Lügner-Argument durch die Zerlegung [in schlechthin falsche und in bestimmter Hinsicht wahre Komponenten] lösen, an Aristokreon. 2 Bücher . Beweise dafür, daß es njcht zulässig ist, die unbeschränkt gemach-
ten [Aussagen des Lügners in schlechthin falsche und in bestimmter Hinsicht wahre Komponenten] zu zerlegen, an Aristokreon. 1 Buch. Gegen die Einwände auf die Ausführungen gegen die Zerlegung der unbeschränkt gemachten [Aussagen des Lügners], an Pasylos. 3 Bücher. Lösung im Stil der Alten, an Dioskurides. 1 Buch. Über die Lösung des Lügners, an Aristokreon. 3 Bücher. 181
§ 1.3.2 AuoL~ 'trov 'HöUi..ou u:n:oß-nLxrov :n:Qo~ 'AQLO'to-
XQEOV'ta xat 'A:n:oi..i..äv a'. l:uv'ta;L~ tßö6f.I.TJ ITQo~ 'tOU~ cpaoxo'V'ta~ 'ta Ä.TJf.tf.ta'ta ~XELV 'ljlEuÖTj 160
'tO'V 'ljlEUÖOf.tEVO'V i..6yov a', llEQL a:n:ocpaoxov'to~ :ltQO~ 'tO'V •AQLO'tOXQEOV'ta
ß',
(198)
A6ym a:n:ocpaoxoV'tE~ :ltQO~ '{Uf.tVao(av a', ITEQL 'to'Ü :n:aQa f.tLXQov i..6you :n:Qo~ l:'tTJoay6Qav a' ß', llEQL 'trov El~ 'ta~ u:n:oi..fJ'IjlEL~ i..6yrov xat 1Joux,at6v'trov :n:QÖ~ 'OvfJ'tOQa ß', llEQL 'tO'Ü ~yxexaÄ.Uf.tf.tEVOU :n:QO~ 'AQLO't6ßoui..ov
ß', F1 llEQL 'tO'Ü ÖLaÄ.EÄ.T)ß-O'tO~ :ltQO~ 'Aß-T)vaÖT)V a'.
165
170
l:uv'ta;L~ öyö6TJ
llEQL 'tO'Ü o{l'tLÖo~ :ltQO~ MEVEXQcl'tTJV TJ', ITEQL 'trov ~s aoQi:o'tOu xat
175
l:uvm;L~ ~va'tTJ
llEQL 'trov oocpLOf.t
180
l:uv'ta;L~ öexa'tTJ
G Ka'ta 'tfJ~ ouvTJß-ELa~ :n:Qo~ MTJ'tQ6ÖroQov ~-. H 'Y:n:EQ 'tij~ ouvT)ß-e(a~ :n:Qo~ foQyL:n::n:i:ÖTJV t'.
194 115 lf BP: ri F 1 110 ).6ymv om. cd. princ. I 'u 'YltEQ Cobet: upi codd. I 117 <~cl:~) add. v. Amim I 110 post xa-raA.f:y. intcrpunxit v. Amim I'" liuii!&Qmatv B: lit61!llmmV P: om. F
185
AoyLxoü 't6:n:ou 'ta 'trov :n:QOELQTJf.tEVrov 'tE't'taQrov ÖLacpOQÖl'V ~X'tO~ ÖV'ta xat :ltEQLEXOV'ta ( 'ta~) o:n:o/ Q
182
Fragment
194
Lösungen der hypothetischen Argumente des Hedylos, an Aristokreon und Apollas. 1 Buch. Siebte Abteilung Gegen die, welche behaupten, das Lügner-Argument habe falsche Prämissen. 1 Buch. Über den ,negierenden' [Trugschluß], an Aristokreon. 2 Bücher. ,Negierende' Argumente zur Übung. 1 Buch. Über den Satz von den kleinen Ursachen großer Wirkungen (oder wahrscheinlich spezieller: Über das schrittehenweise vorgehende Argument [d.h. das Sorites-Argument]), an Stesagoras. Buch 1 und2. Über die Argumente gegen die normalerweise angenommenen Voraussetzungen und über die zum Schweigen bringenden Argumente [d.h. die Sorites-Schlüsse], an Onetor. 2 Bücher. (198) Über den ,Verhüllten', an Aristobulos. 2 Bücher. F 1 Über den ,Verborgenen', an Athenades. 1 Buch. Achte Abteilung Über das ,Niemand'-[Argument], an Menekrates. 8 Bücher. Über die aus einer indefiniten (generischen) und einer definiten Aussage gebildeten Argumente, an Pasylos. 2 Bücher. Über das ,Niemand'-Argument, an Epikrates. 1 Buch. Neunte Abteilung Über die Sophismen, an Herakteides und Pollis. 2 Bücher. Über die unlösbaren dialektischen Probleme, an Dioskurides. 5 Bücher. Gegen die Methodenschrift des Arkesilaos, an Sphairos. 1 Buch. Zehnte Abteilung G Gegen die Alltagserfahrung, an Metrodoros. 6 Bücher. H Für die Alltagserfahrung, an Gorgippides. 7 Bücher.
V. Von der Logik: Über die aufgelisteten Untersuchungen hinaus 39 weitere Bücher, die außerhalb der vier genannten Themenkreise liegen; sie enthalten die einzelnen, nicht zu einem einheitlichen I Thema gebündelten ,Logischen Untersuchungen'. Die Anzahl der logischen Bücher insgesamt beläuft sich auf 311. (199) I. Von der Ethik: Über die Gliederung der ethischen Begriffe.
183
178J m
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D0$110.39 51~D1AIJ.l:
ZTJ§
Fragment
194
Zweite Abteilung Über das Ähnliche, an Aristokles. 3 Bücher. J Über die Definitionen, an Metrodor. 7 Bücher. Dritte Abteilung Über die unzutreffenden Einwände gegen die Definitionen, an Laodamas. 7 Bücher. Probabilitätsargumente für die Definitionen, an Dioskurides. 2 Bücher. Über Arten und Gattungen, an Gorgippides. 2 Bücher. Über Einteilungen. 1 Buch. Über konträre Gegensätze, an Dionysios. 2 Bücher. Probabilitätsargumente bezüglich der Einteilungen, der Gattungen, der Arten und der [Ausführungen] über die Gegensätze. 1 Buch.
(200)
Vierte Abteilung Über die etymologischen [Fragen], an Diokles. 7 Bücher. K Etymologisches, an Diokles. 4 Bücher. L
Fünfte Abteilung Über Sprichwörter, an Zenodotos. 2 Bücher. Über Gedichte, an Philomathes. 1 Buch. Darüber, wie man die Gedichte anhören (verstehen) muß. 2 Bücher. Gegen die Kritiker, an Diodoros. 1 Buch.
(201) li. Von der mit der allgemein verbreiteten Vernunft und mit den darauf beruhenden Künsten (Wissenschaften) und Tugenden befaßten Ethik. Erste Abteilung Gegen die Wiederauffrischung von Gemälden, an Timonax. 1 Buch. M Darüber, wie wir ein jedes nennen und denken. 1 Buch. Über die Begriffe, an Laodamas. 2 Bücher. Über die Vermutung (Annahme), an Pythonax. 3 Bücher. Beweise dafür, daß der Weise keine Meinungen haben kann. 1 Buch. Über Erkenntnis, Wissen und Unwissenheit. 4 Bücher. N Über die Vernunft. 2 Bücher. 0 Über den Gebrauch der Vernunft, an Leptinas.
185
§ 1.3.2 Iuv•a~L!; ÖE'U'tEQa
IlEQL 'tO"Ü ~YXQLVELV 'tOU!; äQXULO'U!; 'tTJV ÖLaAEXtLXTJV uuv ta"L!; ä:n:oÖEL~EUL :rtQO!; ZiJvwva ß', (202) P IlEQL 'tTJ!; ÖLaAEX'tLXTJ!; :rtQO!; 'AQLUtOXQEOV'ta ö', IlEQL 'tÖ>V ävtLAEYOJ.I.EVWV tOL!; ÖLClAEXtLXOL!; y', 230 Q IlEQL 'tTJ!; QT)tOQLXTJ!; :7tQO!; ALOUXO'UQLÖTJV ö'. Iuv•a~L!; tQL'tTJ f~EW!; :rtQO!; KA.Ewva y', IlEQL 'tEXVTJ!; xal. ätEXVLQ!; :rtQO!; 'AQLUtOXQEOVta
R IlEQl.
~
19 5
Chrysipp II
Weitere Belege zu den in Nr. 194 aufgelisteten Buchtiteln: (Im folgenden wird jeweils angegeben: 1. der Titel aus Nr. 194, zu dem es weitere Belege gibt, zusammen mit dem Buchstaben, durch den er in Nr. 194 markiert wurde, 2. zusätzliche Belegstellen
A
·oQrov ötaM:xnxt'bv ttQoc; MTJtQ6ÖroQov c;' Diogenes Laiirtius Vll 65: f;v toi~ .1.laA.Exnxoi~ ÖQOl~ Diogenes Laiirtius Vll 60: tv tcp lleQi ÖQmv Dieser letzte Zweitbeleg ist unsicher (Formulierung des Titels!); vgl. unten zu Titel J.
B IlEQi tc'bv xata ti)v ötaM:xnxi)v ÖVOJ.Lcitrov ttQoc; ZiJvrova a' Galenus, De differentia pulsuwn ll 4, Vol. VDI p. 579 Kühn.
C IlEQi tcDV xata O"tEQT)tJ\V Ä.EyOJ.LEVCDV 7tQO<; ®E«QOV a' Simplicius, In Arist. Categ. p. 396,20: ilEQl tcDV CTtllQfltlXcDV
D IlEQi öuvatt'bv 7tQoc; KA.eitov ö' Arrianus, Epict. Dissert. ll 19,9, p.171; Plutarchus, De defectu oraculorum 28,425 E; De Stoic. repugn. 44, 1054 c.
E IlEQi tfjc;
cruvt~eroc; tt'bv Ä.EYOJ.I.EVCDV ö'
Dionysius Halicarnaseus, De compositione verborum 4, p. 21,18; *p. 22,11 sq.: llEQi tfi~ 01.lvtci~ECD~ tcilv toii Myou JlOQimv I *JlEQcDV
194 227 tyxQ. ed. princ.: ElxQ. P: EU "I!· B: om. F
186
lli
Fragment
194-195
Zweite Abteilung Darüber, daß die Alten zu Recht zugleich mit den Beweisen auch die Dialektik anerkannt haben, an Zenon. 2 Bücher. (202) P Über die Dialektik, an Aristokreon. 4 Bücher. Über die Einwände gegen die Dialektiker. 3 Bücher. Q Über die Rhetorik, an Dioskurides. 4 Bücher. Dritte Abteilung R Über den Habitus, an Kleon. 3 Bücher. Über Wissenschaft (Kunst) und Unwissenschaftlichkeit (UnKunst), an Aristokreon. 4 Bücher.
und eventuell 3. abweichende Formulierungen des Titels an den betreffenden Stellen.)
A Von dialektischen Definitionen, an Metrodor. 6 Bücher. in den ,Dialektischen Definitionen' in dem Buch ,Über Definitionen'
B Über die Benennungen in der Dialektik, an Zenon. 1 Buch. C Über die privativ gesagten [Sachen], an Thearos. 1 Buch. Über die Privationen
D Über das Mögliche, an Kleitos. 4 Bücher.
E Über die Zusammenstellung (Syntax) des Gesagten. 4 Bücher. Über die Zusammenstellung (Syntax) der Teilchen/*Teile der Rede (der Aussage, des Arguments)
187
§ 1.3.2
F
llEQi 'tOO lfiEUÖOJ.lEVou 7tQoc; 1\QtO"'tOXQEOV'ta c;' Arrianus, Epict. Dissert. ß 17,34, p. 163.
F 1 llEQi 'tOÜ ÖtaA.EA.TJ36•oc; 7tQÖc; J\3TJVciöTJV a' Index Stoic. Hercul. col. XI, 4-41.
G Ka•a •fic; cruvTJ3Eiac; 7tQoc; MTJ•QÖÖC.OQov c;' Diogenes Lai!rtius Vß 184; Plutarchus, De Stoic. repugn. 10, 1036 C.E. 1037 A.
H
'Y7tEQ •fic; O"UVTJ3Eiac; 7tQÖc; roQ'Y17t7tlÖTJV
~/
cf. Diogenes Lai!rtius vn 184; cf. Plutarchus, De Stoic. repugn. 10, 1036 C.
I
ZTJ'tTJO"Etc; A.oytxai (A.3') Valerius Maximus Vßl 7,10: undequadragesimum Aoy\xrov ... volumen Galenus, Quod animi mores corporis temperamenta sequantur 11, p. 78,5 sq. MüDer: ~V 'tOi~ Ä.oy\xcD~ ~l]'tOUJ.1EVO\~
Papyrus Hercul. 307: Aoy\Xcl ~l]'ti]J.la'ta
r
Die uns durch den Papyrus erhaltenen Textreste sind unten in Nr. 698 angeführt.
J
llEQi 'ti.öV ÖQC.OV 7tQOc; MTJ'tQ05C.OQOV
~/
Diogenes Lai!rtius Vß 60: ~v -rcp flEQi ögrov Dieser Zweitbeleg ist recht unsicher. Abgesehen von einer Differenz im Gebrauch des Artikels stimmen zwar die Titelangaben überein. Aber in D.L. VII 60 geht es um dialektische Definitionen, während der Titel J unter den Schriften zur Ethik steht. Vgl. dementsprechend oben zu Titel A. Außerdem ist anzunehmen, daß Stobaeus, Eclogae I 5,15, p. 79,3 - bzw. weniger präzise: Ai!tius, Placita I 28,3 = [Plutarchus], De plac. philos. 885 B.
K
'E'tUJ.lOA.oytxi.öv 7tQÖc; dtoxA.ta ö' Galenus, De plac. Hippocr. et Plat. ill 5,25, p. 206 De Lacy.
L
llEQi 7taQotJ.1tc'.öv 7tQoc; ZTJVÖÖO'tOV
ß'
Scholia vet. in Pindari Isthmionicas ß 17, Vol. m p. 215 Drachmann; Diogenes Laertius Vß 1: ~V ltQOrtQl flaQO\J.l\cDV
M llEQi 'tOÜ 7tc'.öc; äxacr'ta A.tyoJ.lEV xai ötavoo6J.1E3a a' Soda s.v. Aristokli!s, Vol.l p. 356 (n. 3917) Adler: 'ÄQ\CTtoxli'j~. AaJ.1IjiUX1]V6~, qnl6ampo~ 1:-rro\xo~. i!ygalj/EV 'E~i]
'Yl]<J\V -rrov Xguai1t1tou flEQi -roii OUJ.1ESa, fhfllia Ii' .
188
!teil~
i!xaCTta leyoJ.1Ev xai lhavo-
Fragment
F
195
Über den Lügner, an Aristokreon. 6 Bücher.
F 1 Über den ,Verborgenen', an Athenades. 1 Buch.
G Gegen die Alltagserfahrung, an Metrodoros. 6 Bücher.
H Für die Alltagserfahrung, an Gorgippides. 7 Bücher.
I
Logische Untersuchungen (39 Bücher) . . . . den 39. Band der ,Logischen [Untersuchungen]'
in den logischen Untersuchungen Logische Untersuchungen. Buch in.
J
Über die Definitionen, an Metrodor. 7 Bücher. in dem Buch ,Über Definitionen' Chrysipp auch eine ähnlich betitelte Schrift übet naturphilosophische Definitionen verfaßt hat. Deshalb sind auch die folgenden Zweitbelege für den Titel J unsicher: Sie basieren wiederum nur auf der Formulierung des Titels; inhaltlich geht es an den betreffenden Stellen aber um physikalische Definitionen.
K
Etymologisches, an Diokles. 4 Bücher.
L
Über Sprichwörter, an Zenodotos. 2 Bücher.
im ersten Buch seiner ,Sprichwörter'.
M Darüber, wie wir ein jedes nennen und denken. 1 Buch. Aristokles: von Lampsakos, stoischer Philosoph. Er schrieb einen "Kommentar zu Chrysipps Ausführungen ,Darüber, wie wir ein jedes nennen und denken'. 4 Bücher".
189
§ 1.3.2
N IlEQi A.Oyou
ß'
Diogenes Laertius VII 39. 54; Galenus, De plac. Hippocr. et Plat. V 3,1.2, p. 304. 306 De Lacy.
0
IlEQi
ti'j~ XQTJO"EID~
toü A.Oyou
7tQO~
AE7ttiVTJV
Plutarchus, De Stoic. repugn. 9, 1035 E (Il&Qi Myou IQ-ricreroc;); 10, 1037 B (Il&Qi tfic; toii A.Oyou IQ-ricreroc;).
P IlEQi
ti'j~ ÖtaAEKttKi'j~ 7tQO~ ~QlO"tOKQEOVta
Ö'
Plutarchus, De Stoic. repugn. 24, 1045 F.
Q IlEQi ti'j~
QTJtOQlKfj~ 7tQO~ ~lOO"KOUQiÖTJV
Ö'
Plutarchus, De Stoic. repugn. 5, 1034 B; cf. 28, 1047 A. B; Ps.-Plutarchus, De nobilitate 17, Vol. VII p. 258 Bernardakis.
R IlEQi &~EID~
7tQO~
KA.trova y'
Plutarchus, De Stoic. repugn. 43, 1053 F: Sv toic; Il&Qi !l~erov
196
Chrysipp lll
Schriften, die im Verzeichnis des Diogenes Laertius (oben Nr. 194) fehlen: (Es wird jeweils zuerst der Titel des Werkes angeführt und nach Möglichkeit die nach den Quellen anzunehmende Anzahl der Bü-
IlEQi cruA.A.oytcr1J.ö'lV Eicrayroyi) 7tQIDtTJ Sextus Empiricus, Adv. Math. VIII 223. Die Numerierung der Schrift läßt auf ein zweites oder auch drittes Werk Chrysipps mit demselben Titel schließen. Das Buch ist daher von der ähnlich heißenden Studie ,Il&Qi cruU..oytcr1.uilv &icrayro-
:EuA.A.oytcrnxi) 7tQIDtTJ/ÖEUtEQa/tQitTJ Galenus, Instit. log. XIX 6; Galenus, De libris propriis 15, p. 123 Müller.
IlEQi
aö~avo~J.Evou
Philo, De aeternitate mundi § 48, Vol. 6 p. 87 C-W.
IlEQi toü
KUQiiD~
KEXQficr3at ZfJvrova toi~ ÖVOIJ.acrtv
Diogenes Laertius VII 122. Die Nennung dieses Titels wird eingeleitet mit "Sv tcp/in der Abhandlung". Dies läßt vermuten, daß die Schrift 1 Buch umfaßte.
IlEQi tö'lv IJ.EQlöv E' (vel plures) Plutarchus, De comm. not. 41, 1081 F.
190
Fragment
195-196
N Über die Vernunft. 2 Bücher.
0
Über den Gebrauch der Vernunft, an Leptinas.
P Über die Dialektik, an Aristokreon. 4 Bücher.
Q Über die Rhetorik, an Dioskurides. 4 Bücher.
R Über den Habitus, an Kleon. 3 Bücher. in den Büchern ,Über die Habitus'.
eher genannt; die Quellen selbst erscheinen an zweiter und eventuelle zusätzliche Bemerkungen an dritter Stelle.)
Erste Einführung in die Syllogismen y1xrov 1tQÖ~ Zi]vmva a' /Über elementare Syllogismen, an Zenon. 1 Buch' (Diog. L. Vll 195, oben in Nr. 194) zu unterscheiden. Eher wäre es in Beziehung zu den folgenden Arbeiten zu bringen:
Erste/zweite/dritte Syllogistik
Über Wachsendes (das Argument vom Wachsenden) Darüber, daß Zenon die Wörter in ihrem eigentlichen Sinn verwendet hat
Über die Teile. 5 Bücher (oder mehr)
191
§ 1.3.2
TEx.vTJ QTJtOQ1KTJ Cicero, De fm. bon. et mal. IV 3,7.
llEQi ßirov ö' Diogenes Lai!rtius VII 121. 129; Plutarchus, De Stoic. repugn. 2, 1033 C; 9, 1035 A; 10, 1036 D; 20, 1043 A.B; 30, 1047 F.
llEQi 'tiU'X.fl<; ß' Diogenes Lai!rtius VII 50; Galenus, De foetuum formatione 6, Vol. IV p. 699 Kühn; Galenus, De plac. Hippocr. et Plat. II 2,9, p. 104; 7,19, p. 156; ID 1,9.16, p. 170; 5,27, p. 206; 7,21, p. 216; 8,37, p. 232; IV 1,6,
ßEQi J.laVt1Kfl<;
ß'
Diogenes Lai!rtius VII 149; Cicero, De divinatione I 3,6; Lactantius, Institutiones divinae I 6,9;
llEQi ävu1tvirov a' Cicero, De divinatione I 3,6; II 70,144.
llEQi EiJ.LaQJ.lEVTJ<; ß' Diogenes Lai!rtius VII 149; Plutarchus, De comm. not. 31, 1075 B; Eusebius, Praep. evang. IV 2,14 ( +3,1); VI 7,44; 8,1.25 (ex Diogeniano);
ßEQi 1tQOVOia<;
I)'
Gellius, Noctes Atticae VII 1,2; 2,3; Lactantius, Institutiones divinae VII 23,3; Diogenes Lai!rtius VII 138. 139. 142; Plutarchus, De Stoic. repugn. 39,.1052 C; 41, 1053 B; De comm. not. 31, 1075 B; Philodemus, De pietate 15,5, p. 548 Diels;
197
Diogenes von Seleukia (Babylon)
Diogenes Lai!rtius Vll 71 : AtaA.EKttKl'J tEX.VTJ. Diogenes Lai!rtius Vll 55. 57: llEQi cprovfl<; tE'X,VTJ. Möglicherweise handelt es sich bei diesem Lehrbuch nur um einen Teil des vorigen Werkes.
192
Fragment
196-197
Lehrbuch der Rhetorik Über die Lebensweisen. 4 Bücher
Über die Seele. 2 Bücher p. 234; 1,14.17, p. 238 De Lacy. Aufgrund der vielen Zitate bei Galen hat H. v. ARNIM einen Vorschlag zur Rekonstruktion des 1. Buches ,Über die Seele' unterbreitet: SVF /In. 879-911.
Über die Mantik. 2 Bücher Philodemus, De deis ill; Pap. Hercul. 152/157 col. Vll,34; Ed. Diels 1916 Nr. 4, p. 25.
Über Träwne. 1 Buch Über das Fatwn. 2 Bücher Stobaeus, Eclogae I 5,15, p. 79,4. Zur Rekonstruktion dieser Schrift vgl. A. GERCKB, Chrysippea, Jahrbücher f. class. Philol. Suppl. 14, 1885, 689-781, bes. 715-755.
Über die Vorsehung. 4 Bücher Achilles Tatius, Introductio iD Aratom 13, p. 40 Maass; Papyri Hercul. 1038 et 1421. Die beiden Papyri enthalten Teile des Chrysippschen Werkes; der Papyrus 1421 überliefert Fetzen aus dem ersten Buch und der Papyrus 1038 solche aus dem zweiten Buch. Näheres im Catalogo dei Papiri Ercolanesi, hrsg. v. M. GIGANTE, Neapel1979.
Lehrbuch der Dialektik. Lehrbuch über die Stimme (das sprachliche Zeichen).
193
§ 1.3.2
Pbilodemus, De musica lib. IV; Pap. Hercul. 1497; p. 62 sqq. Kemke: ll&Qi J.10ucnxfi~. (?)
Pbilodemus, De rhetorica; Hercul. vol. coll. alt. X 40 (fr. IV); Praef. Supplementi p. XXXIV Sudhaus: ll&Qi QT]'tOQtxiK
Galenus, De plac. Hippocr. et Plat. ll 5,7, p. 128 De Lacy: ß&Ql 'tOÜ 'tfj~ 'JIUX,fj~ l'J'Y&J.10V\XOÜ.
Cicero, De divinatione I 3,6: ß&Ql J.1UV't\Xfj~ a'.
198
Antipater von Tarsos
Diogenes Laertius Vll 57: ll&Qi M~&c.o~ xai 'tÖlV Ä&'YOJ.1EVC.OV.
Diogenes Laertius Vll 60:
tv 'tcp 7tQiimp ll&Qi ÖQC.OV. Arrianus, Epict. Dissert. ll 19,9, p. 171:
tv 'tOt~ ß&Qi ÖUVU'tÖlV. tv 'tOt~ ß&Qi XUQ\&UOV'tO~. Diogenes Laertius Vll 157; Scholia in Horn. D. 11,115 cod. Escor. Graec. 509 (!l I 12); Vol. m p. 148 not. crit. Erbse: ll&Qi 'JIUX.fi~ ß' (vel plures). Cicero, De divinatione I 3,6: ß&Ql J.1UV't\Xfj~
199
ß'.
Apollodor aus Seleukia
Diogenes Laertius Vll 39:
tv 'tcp 7tQomp 'tmv Ei~ 'ta ö6yJ.1a'ta &icrayc.oymv.
200
Archedemos
Diogenes Laertius Vll 55: ß&Qi lpC.OVfj~.
194
Fragment
197-200
Über die Musik. (?)
Über die Rhetorik. Über den leitenden Teil der Seele. Über die Mantik. 1 Buch.
Über die Phonemreihe und das, was damit gesagt wird. im ersten Buch ,Über Definitionen'. in den Büchern ,Über das Mögliche'. in den Büchern ,Über das Meisterargument (den Kyrieuon)'.
Über die Seele. 2 (oder mehr) Bücher. Über die Mantik. 2 Bücher.
im ersten Buch der ,Einführungen in die Lehrsätze'.
Über die Stimme (den Laut, das sprachliche Zeichen). 195
§ 1.3.2
Arrianus, Epict. Dissert. II 19,9, p.171: IlEQi öuvatc'ilv.
201
Boethos von Sidon
Diogenes Laertius VII 149: EV tcp 1tQrimp IlEQi EiJ.LUQJ.I.EV'Ilt;.
202
Krinis
Diogenes Laertius VII 71 : !\taÄ.EXt\XTJ tE:XV'Il.
203
Poseidonios
Diogenes Laertius VII 91. 129: IlQOtQE1tt\XOt (Ä.Öyot). Dieses Werk heißt nach Theon, Epistula ad Heraclidem, Papyrus Milanensis In. 11, lin. 17 (Pack 2093): IIEQi toii 7tQOtQE7tEcr&at
y'.
Diogenes Laertius VII 54: IleQi XQtt'llQiou. Plutarchus, Vita_Pompeü 42,10; 641e: IlEQi ti'jc; xa36Ä.ou ~'lltiJcreroc; (1tQO<; 'EQJ.LU'YOQUV tOV QiJtoQa). Diogenes Laertius VII 60: Eicrayroyi) 1tEQi Ä.e~eroc;. Apollomus Dyscolus, De coniunct. p. 214,4: IleQi cruvötcrJ.Lrov. Diese Schrift hat man verschiedentlich einem anderen Poseidonios zugeschrieben; dazu oben Seite LXIV/LXV.
Proclus, In Euclidis Eiementa p. 199,11-200,3: IIQ6c; ZiJvrova tov I:töcilvwv. (?) 203 ' (AiryOI) ad complendum titulum add. Edelstein-Kidd
Das Buch verteidigt die Wissenschaftlichkeit des Aufbaus der Geometrie aus ihren Prinzipien.
196
Fragment
200-203
Über das Mögliche.
im ersten Buch ,Über das Fatum'.
Lehrbuch der Dialektik.
Protreptische Reden.
Über das protreptische Reden (das Ermuntern). 3 Bücher.
Über das Kriterium [der Wahrheit]. Über die Behandlung der allgemeinen Frage (gegen den Redner Hermagoras).
Einführung über den Stil. Über Konjunktionen.
Gegen Zenon von Sidon. (?)
197
§ 1.3.2
acero, De divinatione I 3,6; Diogenes Laertius VII 149: llEQi J.Lavnxi'jc; e'. Diogenes Laertius VII 149: ilEQi EiJlUQJlEVT]c; ß'.
204
Athenodoros Calvus aus Kana bei Tarsos
Porphyrius, In Arist. Categ. p. 86,22 sq.; Simplicius, In Arist. Categ. p. 62,25 sq.: TIQoc; tac; i\Qtcrtot&A.ouc; KatTJ'YOQiac; a ·. Daß diese Schrift tatsächlich von Athenodores Calvus stammt, muß insofern als sicher gelten, als Athenodores Kordylion als
205
L. Annaeus Cornutus
Simplicius, In Arist. Categ. p. 62,27 sq. : TIQoc; i\3T]v6ömQov xai i\Qtcrtot&A.T]v. Die Schrift umfaßte mehrere Bücher (vgl. unten Nr. 831). Und aus dem, was wir über ihren Inhalt wissen, ergibt sich, daß sie in ganz anderem Sinne ,gegen' Athenodor als ,gegen' Aristoteles
Papyrus Oxyrh. 3649: ilEQl extcDV ß. Porphyrius, In Arist. Categ. p. 86,23 sq.: 'PT]tOQtxai t&xvat. Cassiodorus Senator, De orthographia p. 147, 4. 22: De enuntiatione vel orthographia. Gellius, Noctes Atticae IX 10,5: De figuris sententiarum.
198
Fragment
203-205
Über die Mantik. 5 Bücher. Über das Fatum. 2 Bücher.
Gegen die ,Kategorien' des Aristoteles. 1 Buch. Verfasser praktisch nicht in Frage kommt und im 1. Jh. v.Chr. einen weiteren Athenodoros anzunehmen kein Grund besteht.
Gegen Athenodoros und Aristoteles. gerichtet war; denn mit Athenodor war Cornutus sich im Grundsätzlichen einig (vgl. Nr. 828, 830, 831, 871). In den Umkreis der sog. Kategorienlehre gehört auch der folgende Titel:
Über Habituelles. Buch li. Rhetorische Lehrbücher. Über die Aussprache oder die Orthographie: Über figürliche Sprache.
199
§ 1.3.3-1.3.3.1
1.3.3 Weitere Zeugnisse zur Einschätzung der Dialektik in der Stoa Die folgenden Texte betreffen noch einmal die Gesamteinschätzung der Dialektik bei den Stoikern. Was dazu bisher zusammengestellt wurde, findet hier entweder energischen Widerspruch - so in den Ariston-Fragmenten Nr. 208-215 (oder auch Nr. 207) -, oder aber es wird in dieser oder jener Weise ergänzt, wie das in allen anderen Texten der Fall ist. Die Anordnung der Zeugnisse folgt freilich nicht dieser Unterscheidung, sondern im großen und ganzen der Chronologie. So ergeben sich drei wohlunterschiedene Paragraphen: der erste zur vorchrysippschen Stoa, der zweite zu Chrysipp und der dritte zur Stoa der Kaiserzeit Für die fehlende Phase der nachchrysippschen Stoa bis zum Ende des Hellenismus sind keine vergleichbaren Zeugnisse zu finden. Aber trotz dieser Lücke kann man fragen, ob die vorgelegten Stellungnahmen zur Dialektik in der chronologischen Reihenfolge zugleich ein entwicklungsge-
1.3.3.1 Stellungnahmen aus der vorchrysippschen Stoa
206
Stobaeus, Eclogae ll 2,12, p. 22:
ZiJvrov "telS ,;oov 6Lai..ex,;Lx«i>v ,;exvas etxal;e ,;ots 6Lxai:OLS J.LE"tQOLS O'Ö :lt\JQOV o'Ö6' liÄ.Ä.o "tL "tOOV <J:rtO\J6ai:oov J.LE"tQO'ÜOLV, äi..i..' äxuQa xat x6:rtQLa.
207
Diogenes Laertius Vll 18:
'AQLO"tCDVOS 6E "tO'Ü J.LaihJ,;oii :rtoÄ.Ä.cl 6LaÄ.eyOJ.LEVO\J o'Öx e'Öql\Joos, l!vLa 6e xat :rtQo:rte"t«i>S xat ßQaoeoos, "ä6iiva,;ov," etnetv, "et J.LTJ oe 6 :rta'tfJQ J.Leßiioov tyevvt)oev" · ößev a'Ö,;ov xat i..W..ov ä:rtextiAeL, ßQaxui..Oyos Ölv.
208 206 ' aucaiot~ AMS: Eixaiot~ B: xu3aiot~ · Wachsmuth dubit. in app. crit. ll IIB'ti!O\~ ( o~) Gaisford, improb. Halm 208 • llill I'TlötV Cobet I • oii1:s libri: corr. Meineke 1
ltQSiav (tyv(J)(JI!tva)
Stobaeus, Eclogae ll 1,24, p. 8:
'AQLO"tCDV l!q>t) "tOOV l;t)"tOllJ.LEVCDV :rtaQel "tOls q>LÄ.OOOipOLS "tel J.LEV elvm :rtQOS iJJ.Läs, "tel 6e J.LTJ6Ev :rtQOS iJJ.Läs, "tel 6' 'Ö:rtEQ iJJ.LäS. IIQOS iJJ.LäS J.LEV "tel 'iJßLxa, J.LTJ :rtQOS iJJ.LäS ÖE "tel ÖLa-. Ä.EX"tLXa. J.LTJ YelQ OllJ.LßaÄ.Ä.eoßaL :ltQOS t:rtav6QßCDOLV ßLO"U. 'Ö:rtEQ iJJ.Läs öe "tel q>-uoLxa • äöiiva,;a YelQ tyvoooßm xat s o'ÖÖE :rtaQE'l(ELV XQELav.
Hense
200
Fragment
206-208
schichtlieh sinnvolles Bild ergeben. Denn Chrysipps auffallend positive Beurteilung der Dialektik korrespondiert bestens seinen außerordentlichen Leistungen in diesem Fach; entsprechend klingen in der Kaiserzeit einerseits die Einschätzungen der Dialektik recht zwiespältig, und andererseits haben die Stoiker dieser Periode die Dialektik zwar tradiert, in ihr aber kaum noch etwas Bemerkenswertes geleistet. Spiegeln die hier präsentierten Texte also in gewissem Grad die Entwicklungsgeschichte der stoischen Dialektik wider? Um eine solche Frage substantiell zu beantworten, müßte vor allem auch geklärt werden, ob ein relevanter Zusammenhang zwischen der - noch keineswegs rundum bekannten (vgl. oben Seite LIIIff., LXVI-LXVIII)- Gestalt der vorchrysippschen Dialektik und den überlieferten Bemerkungen sowohl Zenans als auch Aristons aufweisbar ist.
Zenon verglich die Künste (Lehrbücher) der Dialektiker mit den gerechten Maßen, wenn man damit keinen Weizen oder irgendwelche anderen trefflichen Dinge mißt, sondern Spreu und Mist. (Anschluß unten Nr. 602)
Weil sein Schüler Ariston in der (dialektischen) Unterredung viel dummes Zeug sagte und davon manches sogar ganz voreilig und mutwillig, sagte Zenon zu ihm: "Dein Vater kann dich unmöglich anders als in betrunkenem Zustand gezeugt haben." Er nannte ihn deshalb auch einen Schwätzer, während er selbst sich in seinen Ausführungen kurz zu fassen pflegte.
Ariston sagte, von dem, wonach bei den Philosophen geforscht wird, liege das eine in unserem Interesse, das andere sei für uns ohne jeden Nutzen und das dritte übersteige unser Fassungsvermögen. In unserem Interesse liege die Ethik; ohne jeden Nutzen für uns sei hingegen die Dialektik; sie trage nämlich nichts zur Verbesserung des Lebens bei. Über unser Fassungsvermögen hinaus gehe schließlich die Physik; denn deren Gegenstände seien unmöglich zu erkennen und würden auch keine praktischen Anwendungsmöglichkeiten bieten. 201
§ 1.3.3.1
209
Sextos Empiricus, Adv. Math. VII 12:
Kat 'AQLO'trov öe 6 Xi:os o'Ö J.L6vov, O:Js q>am, :n:aQTI'tEL'to 'ti)v 'tE q>UOLXTJV xat Ä.oyLXTJV ß-EWQLaV ÖLa 'tO llvroq>EÄ.ES xal. :7tQOS xaxo'Ü 'tOLS q>LÄ.OOOq>O'ÜOLV 'Ö:7tllQXELV, QÄ.Ä.a xat 'tO'Ü t')ihxo'Ü 't0:7tOUS 'tLVUS OUJ.L:7tEQLEYQaq>EV, xaß-WtEQ 'tOV 'tE :7taQaLVE'tLXOV xal. 'tov 'Ö:n:oß-nLxov "t6:n:ov·'t0u'tous yaQ Ets 'tt'tß-as xal. 5 :7taLÖayroyoils :7tL:7t'tELV, llQXELV ÖE :7tQOS 'tO J.LaXaQLWS fhrovaL 'tOV o[XELO'ÜV'ta J.LEV :7tQOS fiQE'tTJV Ä.6yov, Q:n;aÄ.Ä.O'tQLO'ÜV'ta ÖE xax(as, xa'ta'tQEXOV'ta ÖE 'tÖlV J.LE'ta~il 'tOU'tWV, :7tEQL ä ot :7tOÄ.Ä.OL :7t'tO'I]ß-EV'tES xaxoÖaLJ.LOVO'ÜOLV.
210
Seneca, Epist. 89,13:
Ariston Chius non tantum supervacuas esse dixit naturalem et rationalem sed etiam contrarias; moralem quoque, quam solam reliquerat, circumcidit. Nam eum locum qui monitiones continet sustulit et paedagogi esse dixit, non philosophi, tamquam quidquam aliud sit sapiens quam generis humani paeda- s gogus.
211
Diogenes Laertius VII 160sq.:
T6v 'tE q>umxov "t6:n:ov xal. 'tov l..oyLxov llvfiQEL, l..eyrov 'tov J.LEv ElvaL i!:n:eQ 'ftJ.Läs, 'tov ö' oMev :n:Qos 'ftJ.Läs, J.L6vov öe 'tOV t')ß-LXOV ElvaL :7tQOS 'ftJ.Läs. (161) 'EoLXEVaL ÖE 'tOUS ÖLaÄ.EX'tLXOUS Ä.6yous 'tOLS fiQaXVLOLS, ä XaL'tOL ÖOXO'ÜV'ta 'tEXVLx6v 'tL tJ.Lq>aLVELV, äXQ'I]O'tcl tO'tLV. 5
212 209 6 cl.QlllliV cl.QI<Si
Bckkcr:
210 2 rationalem ; : formalem Bq>: mora/em 'II 212 2 XI!TJ
Stobaeus, Eclogae II 2,22, p. 24:
'AQLO'troV 'tOUS Ä.6yous 'tÖlV ÖLaÄ.EX'tLXÖlV Ei:xal;,EV 'tOLS 'tÖlV llQaxvtrov 'Öq>aoJ.LaOLV o'ÖÖev J.LEV XQ'I]OLJ.LOLS, Ä.(av öe 'tEXVLxoi:s.
213
Stobaeus, Eclogae II 2,14, p. 22sq.:
'Ex 'tÖlV 'AQLO'trovos 'OJ.LoLroJ.La'trov. Ot tv ÖLaÄ.EX'tLXfi ßaß-'6-
202
Fragment
209-213
Auch Ariston von Chios hat, wie man berichtet, nicht nur die physikalische und die logische Theorie verschmäht, da sie keinen Gewinn brächten und sich für die Philosophen, die sich damit befassen, schädlich auswirkten; vielmehr verurteilte er auch bestimmte Gebiete der Ethik wie etwa die Gebiete des Ermunterns und Anratens; denn dafür seien Ammen und Pädagogen zuständig, während im Hinblick auf die glückliche Lebensgestaltung diejenige Lehre ausreiche, welche die Menschen mit der Tugend vertraut macht und den Lastern entfremdet und welche gegen diejenigen mittleren Dinge anrennt, von denen sich die Mehrzahl der Leute hinreißen und unglücklich machen läßt.
Ariston von Chios sagte, Physik und Logik seien nicht nur überflüssig, sondern außerdem auch schädlich. Die Ethik, die er allein übrig behielt, beschnitt er ebenfalls. Denn das Gebiet, welches die Ermahnungen umfaßt, hob er auf und bemerkte dazu, dies sei ebenso Sache des Pädagogen und nicht des Philosophen, wie der Weise etwas anderes als ein Pädagoge des Menschengeschlechts sei. (Der Kontext der Stelle oben Nr. 139)
Der Physik und der Logik stritt Ariston die Existenzberechtigung ab, indem er erklärte, die eine übersteige unser Fassungsvermögen und die andere sei ohne jeden Nutzen für uns; nur die Ethik liege in unserem Interesse. (161) Die dialektischen Argumente glichen den Spinnengeweben, die ihrem Aussehen nach natürlich auf eine gewisse Kunstfertigkeit in der Herstellung schließen lassen, die aber dennoch ohne Nutzen sind.
Ariston verglich die Argumente der Dialektiker mit den Spinnengeweben, die zu nichts nütze, allerdings sehr kunstvoll sind.
Aus den Gleichnissen Aristons : Die Leute, welche sich in die Dialektik 203
§ 1.3.3.1-1.3.3.2 vov'te~ toi:xam XaQxi:vouc;; ll.aOO>II.EVOL~, ot ÖL' ö"J...i:yov 'tQ6-
IJlLII.OV 1tEQL 1to"J..."J...a ÖO'tÖ. cioxo"J...o'ÜV'tat.
214
Stobaeus, Eclogae II 2,18, p. 23:
'AQLO'tO>V ~"J...eyev tOLXEVaL 'tTtV ÖLaAEX'tLxTtV 'tcp tv 'tat<; ÖÖoi:<;;. 1t1J"A.cp · 1tQO<;; o'ÖÖev yaQ o'ÖÖ' txei:vov XQtlOLII.OV Öv'ta xa'taßa"AA.etv 1:0il<;; ßaM;ov'tac;;.
215
Stobaeus, Florilegiae ll 25,44, p. 628:
'Ex 'tÖ>V 'AQLO'tO>voc;; 'OII.OLO>II.cl'tO>V. Ot ilQ'tL tx IJlLAOOOIJlLa~ 1tciv1:a~ t"J...eyxov'te<;; xal. ci1to 1:ci>v yovewv ciQX611.evot 1taoxouotv Ö1tEQ VEOOV'IJ'tOL xiive~ ·o'Ö 11.6vov 1:oil~ il"J..."J...ouc;; iJ"J...ax'to'ÜOLV ci"J..."J...a xal. 1:oil~ ~vöov.
216
Stobaeus, Eclogae II 2,16, p. 23:
K"J...eavß'l]c;; tQw'troll.evo~ öta 1:1: 1taQa 1:oi:~ ciQx,ai:OL<;; o'Ö 1to"J..."J...rov lj)LAOOOij)'I]OclV'tO>V ÖII.O>~· 1tAELOU<;; ÖLEAall.'ljlav ij V'ÜV, ,;Ü'tL," el1te, "'t6'te 11.EV ~QYOV fJOXEL'tO, V'ÜV ÖE "J...6yo~."
Dieses Fragment fällt hier ein wenig aus dem Rahmen, weil es allenfalls mittelbar die Dialektik betrifft. Denn K.leanthes äußert sich ganz allgemein zur Philosophie seiner Zeit und er benutzt
1.3.3.2 Chrysipps Hochschätzung der Dialektik Für den geradezu sprichwörtlichen Ruhm Chrysipps in der Dialektik vgl. auch oben Nr. 154, 156.
217 216 2 I!Miou~ (IIUI&i~) Usener: d .. (llpstil) Meineke (quod "melius" esse censuit v. Arnim) 217 2 (ol) add. Wilamowitz (post ~ouwv Meziriac)
Plutarchus, De Stoic. repugn. 24, 1045 F-1046 A:
'Ev 'tcp 'tQL'tv Ö'tL TI"J...ci'twv to1toiJÖaoe 1tEQL 'tTtV ÖtaAEX'tLXTtV xal. 'AQLO'tO'tEA'I]<;; xal. (ot) ci1to 'toii'twv ilXQL Tio"J...ell.wvo~ xal. l:'tQci'twvo~ ll.ci"Ato'ta öe l:O>XQcl't'l]<;; xal. t1tL!pO>vijoac;; Ö'tL xal. ouvef;all.aQ'tclVELV ilv 'tL<;; ß-e"J...ijOELE 'tOV'tOL<;; 'tOOOV'tOL~ xal. 'tOLOV'tOL<;; O~OLV, S tmlj)EQEL xa'ta "J...ef;tv' "et II.EV yaQ tx 1taQEQYOU 1tEQL a'Ö'tÖ>V 204
Fragment
213-217
vertiefen, gleichen den Krebsessem, die wegen wenig Nahrung mit vielen Knochen beschäftigt sind. '
Ariston sagte, die Dialektik gleiche dem Straßendreck; denn auch der sei zu nichts nütze, lasse aber die Passanten stürzen.
Aus den Gleichnissen Aristons: Wenn diejenigen, die frisch von der Philosophie kommen, allen Leuten mit Widerlegungen aufwarten und bei ,Adam und Eva' anfangen, dann geht es ihnen wie neu gekauften Hunden; sie kläffen nicht nur die Fremden an, sondern auch die Hausbewohner.
Als Kleanthes gefragt wurde, wie es komme, daß sich bei den Alten zwar nicht viele Leute mit Philosophie befaßt hätten, daß es bei ihnen aber dennoch mehr bedeutende Männer gegeben habe als es sie nun gebe, da· antwortete er: "Weil man sich damals um Taten bemühte, während es heutzutage um Worte geht." dabei den geläufigen Gegensatz von Wort und Tat. Ob sich daraus etwas ergibt, was speziell für die Dialektik von Belang wäre, muß erst gezeigt werden.
Im dritten Buch ,Über die Dialektik' weist er [scil. Chrysipp] darauf hin, daß Platon und Aristoteles sich ernsthaft um die Dialektik bemüht haben, desgleichen ihre Nachfolger bis hin zu Polemon und Straton, ganz besonders aber Sokrates; und er fügt hinzu, daß man wegen der großen Zahl und der Qualitäten dieser Leute sogar bereit wäre, sich mit ihnen auf Irrwege einzulassen. Wörtlich fährt er dann fort: "Wenn sie nämlich nur beiläufig 205
~
1.3.3.2
ELQfJxEoav, 'tax' äv 'tLS ÖLEOUQE 'tov 't6nov 'tOii'tov· oii'tro Ö' ai'J'tÖ>V ~nLJ.LEÄ.Ö>S ElQTJXÖ'tOOV s ~V 'tat~ J.LEYLO'taLS ÖuvaJ.I.EOL xai. ävayxmo'ta'taLS a"Ö't'ij~ oÜOTJS, oi'l nLi}avov ~ni. 'tOOOU'tOV ÖLaJ.LaQ'tclVELV a"Ö'tOUS, ~V 'tOLS ÖÄ.OL~ ÖV'taS OLOUS 10 'Ö:tOVOOUJ.LEV."
218
Dionysius Halicarnaseus, De compositione verborum 4, p. 21,6-22,3:
Kai. 'tL ÖEi: 'tOu'tous i}auJ.Laf;ELV, önou yE xai. ol qni..oomptav ~nayyEÄ.Ä.6J.LEVOL xai. 'tftS ÖLaÄ.EX'tLXftS ~XIJ>EQOV'tE~ 'tE)(.Va~ Oß'tro~ doi.v äi}Ä.LOL :I:EQL 'tTJV oilvi}EOLV 'tÖ>V ÖVOJ.Lcl't(I)V cDO'tE atÖEi:oi}m xai. Ä.EyELV; <'l:tÖ)(.QTJ ÖE 'tEXJ.I.TJQL
V yoiiv öv6J.La'tOS xai. M;TJs ä;Lroi}tv'trov. xaL'tm onouöaf;Eoi}ai: yt 'tLVE~ :tQOOEnmfJthjoav a"Ö'tÖ>V xai. :tEQL 'tOU'tO 'tO J.LEQO~ 0>~ ävayxai:ov öv 't<{l Ä.6y
219
218 •ts tiin Mro>1 ;tQuabmou toß crtmllloß PMV I s IIQOJilli'lV libri: COIT. Usener I 11 f'YQilljlllv PM: W'YQilljlllV V: f'YQilljiEV F
Sextos Empiricus, Adv. Math. I 301:
Iloii yaQ 'tL~ MvamL 'trov cbq>QUOOJ.LEVrov yQaJ.LJ.La'tLxrov 'HQclXÄ.EL'tOV OUVELVaL xai. IJÄ.a'tOOVL :taQaXOÄ.OUi}'ijOaL ... fl noii 'tot~ XQuotnnou ÖLaÄ.EX'tLxot~ i}EroQfJJ.LaOLV fl 'AQXLJ.LfJÖous 'tE xai. Ei'!M;ou J.Lai}TJJ.La'tLxoi:~ ~mßallELv toxuoEL;
I 12 no'-6 n FP: no)..iJ n
11äll.ov MV: ltOAAOi ij 11iillov Reiske
206
Fragment
217-219
über diese Dinge gesprochen hätten, dann hätte man dieses Gebiet sicherlich schnell in Mißkredit bringen können. Nachdem sie aber sorgfältig darauf bedacht waren, von der Dialektik so zu sprechen, alsgehöre sie zu unseren größten und unverzichtbarsten Fähigkeiten, fehlt dem Gedanken, daß sie so völlig geirrt hätten, jede Plausibilität, wenn anders sie im großen und ganzen wirklich die qualifizierten Leute sind, als die wir sie ansehen."
Und wozu ist es nötig, diese Leute zu bewundern, wo doch auch die professionellen Vertreter der Philosophie und die Verkündiger der dialektischen Künste in stilistischer Hinsicht so unglücklich operieren, daß man sich scheut, dies auch zu sagen? Zum Beweis dieser Behauptung genügt es, den Stoiker Chrysipp heranzuziehen (denn einen weiterreichenden Beweis könnte er wohl gar nicht liefern). In den dialektischen Wissenschaften entwickelte nämlich niemand von denen, die wegen ihres Namens und Rufes zu hohem Ansehen gelangt sind, mehr Scharfsinn als Chrysipp, und keiner von ihnen äußerte Gedanken, deren Fügung zueinander eine bessere Harmonie zeigt als bei ihm. Freilich behaupteten einige von ihnen, sich auch um dieses Gebiet eifrig zu bemühen, da es für die Vernunft notwendig sei, und sie schrieben verschiedene Lehrbücher über die Zusammenstellung (Syntax) der Teile der Rede (der Aussage, des Arguments) (oder: der Redeteilef Wortarten); aber sie irrten alle ziemlich weit von der Wahrheit ab und hatten noch nicht einmal eine flüchtige Vision davon, was es wohl ist, was den Stil angenehm und schön macht. (Fortsetzung oben Nr. 41)
Denn wie vermag einer von den gestrengen Grammatikern Heraklit zu begreifen oder Platon zu folgen, ... ? Oder wie ist er in der Lage, sich mit den dialektischen Theoremen Chrysipps oder mit den mathematischen Untersuchungen von Arehirnedes und Eudoxos zu befassen?
207
§ 1.3.3.3
1.3.3.3 Einstellungen von kaiserzeitlichen Stoikern zur Dialektik
220
Die Stoiker der Kaiserzeit kommentierten zuweilen auch Chrysipps logische Schriften; siehe etwa oben Nr. 195M, auch Nr. 158. Außerdem wurde wenigstens vereinzelt noch Wert auf eine solide
221
Arrianus, Epict. Dissert. ll 25, p. 202sq.:
Trov :rtag6v'toov öe 'tLVOS El:rt6v'tos "TIEi:a6v !J.E, Ö'tL 'ta i..oyLxa XQTJOL!J.a ~a"tL," "eei..ELS," ~
Epiktet verteidigt die Logik auch noch an anderen Stellen: Arrianus, Epict. Dissert. I 7,1. 20. 22, p. 26. 28 (siehe unten Nr. 1120f.); 17,10sq., p. 57 (oben Nr. 95). Zugleich warnt er aber vor zu intensiver Beschäftigung mit der Logik und ihren Subtilitä-
222
Seneca, Epist. 45:
Librorum istic inopiam esse quereris. Non refert quam multos sed quam bonos habeas: ... (4) multum magnorum virorum iudicio credo, aliquid et meo vindico. Nam illi quoque non inventa sed quaerenda nobis reliquerunt, et invenissent forsitan necessaria nisi et supervacua quaesissent. (5) Multum illis 5 temporis verborum cavillatio eripuit, captiosae disputationes quae acumen inritum exercent. Nectimus nodos et ambiguam significationem verbis inligamus ac deinde dissolvimus: tantum nobis vacat? iam vivere, iam mori scimus? Tota illo mente pergendum est ubi provideri debet ne res nos, non verba deci- to piant. (6) Quid mihi vocum similitudines distinguis, quibus nemo umquam nisi dum disputat captus est? Res fallunt: illas 222 ' et supei'IIQcua) ;,.,,... pervacua p
208
Fragment
220-222
logische Ausbildung gelegt; eine entsprechende Episode erzählt Arrianus, Epict. Dissert. I 7,32, p. 29sq.
Als einer der Anwesenden zu ihm sagte: "Überzeuge mich davon, daß die Logik nützlich ist!", antwortete er: "Willst du, daß ich dir einen Beweis dafür gebe?". - "Ja."- "Muß ich also ein beweisendes Argwnent Schritt für Schritt entwickeln?" -Der andere pflichtete dem bei. Darauf er: "Woran willst du dann aber erkennen, ob ich dir mit Sophismen komme?" - Der Mann schwieg, und er fuhr fort: "Du siehst, wie du selber mit der Ansicht übereinstimmst, daß die Logik notwendig ist, wenn anders du ohne sie noch nicht einmal ausmachen kannst, ob sie notwendig oder nicht notwendig ist." ten, weil damit die Gefahr verbunden sei, das ethische Ziel der Philosophie aus den Augen zu verlieren: ll 23,41, p. 197 (unten Nr. 1120); m 2,6, p. 214; Epict. Enchir. 52, p. 459 (oben Nr. 26).
Du beklagst, daß in deiner Gegend Büchermangel herrscht. Es kommt nicht darauf an, wie viele Bücher, sondern darauf, wie gute Bücher man hat . . . . (4) In das Urteil großer Männer setze ich viel Vertrauen, beanspruche aber auch etwas für mein eigenes Urteil. Denn auch diese Leute haben uns Probleme hinterlassen, deren Lösung noch nicht gefunden, vielmehr noch zu suchen ist; und sie hätten das Wesentliche vielleicht gefunden, wenn sie nicht außerdem nach Überflüssigem geforscht hätten. (5) Sophistische Diskussionen über Wörter und Debatten über Trugschlüsse raubten ihnen viel Zeit, Dinge, die einen fruchtlosen Scharfsinn trainieren. Wir knüpfen Knoten und fesseln die Wörter mit Doppelbedeutungen, wn sie dann wieder aufzudröseln. Haben wird denn soviel Zeit übrig? Wissen wir schon zu leben, verstehen wir schon zu sterben? Mit ganzem Herzen müssen wir uns bemühen, dahin zu gelangen, wo wir verpflichtet sind, uns vorzusehen, daß uns statt der Wörter die Sachen nicht täuschen. (6) Wozu unterscheidest du mir die Ähnlichkeiten der WÖrter, durch die noch nie jemand in Verstrik209
§ 1.3.3.3
d.isceme. . .. (8) Ceterum qui interrogatur an comua habeat non est tarn stultus ut frontern suarn ternptet, nec rursus tarn ineptus aut hebes ut nesciat (nisi) tu illi subtilissirna collectione persuaseris. Sie ista sine noxa decipiunt quornodo praestigiatorurn acetabula et calculi, in quibus rne fallacia ipsa delectat. Effice ut quornodo fiat intellegarn: perdid.i lusurn. Idern de istis captionibus d.ico (quo enirn nomine potius sophisrnata appellern ?) : nec ignoranti nocent nec seientern iuvant. (9) Si utique vis verborum arnbiguitates d.iducere, hoc nos doce, beatum non eurn esse quern vulgus appellat, ad quern pecunia rnagna confluxit, sed illurn cui bonum ornne in animo est, ... (10) Quid rne detines in eo quern tu ipse pseudornenon appellas, de quo tanturn librorum cornpositum est? Ecce tota mihi vita rnentitur: hanc coargue, hanc ad verum, si acutus es, red.ige .... (12) Quid ergo? non eo potius curarn transferes, ut ostendas ornnibus rnagno ternporis inpendio quaeri supervacua et rnultos transisse vitam dum vitae instrurnenta conquirunt? ... (13) Sed ne epistulae rnodurn excedam, ... , in alium diern hanc Iitern cum dialecticis d.ifferam nimiurn subtilibus et hoc solum curantibus, non et hoc. Vale.
222 " nesciar (nisi) Linde: nesciar si P 2 ~: nescio Beltrami: ne scial Büchcler, Dickeil 11 /usum P. Themas: usum m I" ipse dcl. Rossbach I pseudomenon ~: eud. m I 21 omnlbus] nobis omnibus o., "fortasse recteu (Rcynolds) 223 1 cl\~ u Dalfcn: ÖIUil~ ed. princ. Xylandri: oU:. tm~ u cod. Vatic. gr. 1950: to ön~ u Gatakcr 1652: to öu Trannoy 1 2 toil~ Ei~] toü elv Rciske: toll YQiq>ou~ Schenk! in app. crit.: toO
223
Marcus Aurelius Antoninus, Ad se ipsum I 17,22sq., p. 9sq. DaHen:
ro~ "tE €:rtEt}Uf.t'I]OQ (j>LAO<JOv xal. "tU:X.'IJ~ ÖEt"taL
Gegen die Dialektik äußert Mare Aurel sich auch Vll 67,3, p. 69; VDI 1,4sq., p. 71 Dalfen. Unterstützt hat ihn darin sein Lehrer:
tOIIOU~ el V Theiler: toD croyxQI<JEl~
tO
yQoiq>ElV Orth
210
15
20
25
30
· Fragment
222-223
kungen geraten ist, es sei denn in der Diskussion? Die Dinge täuschen uns; sie unterscheide! ... (8) Im übrigen ist, wer gefragt wird, ob er Hörner habe, nicht so töricht, seine Stirn zu befühlen, und nicht so unbedarft oder schwachsinnig, daß er das nicht merkt, es sei denn, du würdest ihn mit einer unüberbietbar subtilen Argumentation beschwatzen. Diese Kunststücke täuschen genauso ohne Schaden wie die Becher und Steine der Taschenspieler, bei denen die Täuschung selbst dasjenige ist, was mich ergötzt. Sorge dafür, daß ich erkenne, wie der Trick funktioniert; dann habe ich mein Vergnügen daran verloren. Dasselbe behaupte ich von jenen ,Fang'Schlüssen ( captiones). (Denn welche bessere Bezeichnung könnte ich den Sophismen geben?) Sie schaden weder dem, der davon keine Ahnung hat, noch helfen sie dem, der sie kennt. (9) Wenn du gleichwohl die Mehrdeutigkeiten der Wörter auseinanderlegen willst, dann lehre uns, daß glücklich nicht derjenige ist, den das Volk so nennt, bei dem sich viel Geld anhäuft, sondern derjenige, dessen Besitz ganz in seiner Seele liegt, ... (10) Was hältst du mich mit dem auf, den (was) du selbst den ,Lügner' nennst, worüber so viele Bücher geschrieben worden sind? Sieh doch, das ganze Leben ist mir eine Lüge; dieses bezwinge, und wenn du genug Scharfsinn hast, dann bringe dieses zur Wahrheit zurück.... (12) Was also? Solltest du dich mit deiner Sorge nicht lieber darauf verlegen, allen Leuten klarzumachen, daß mit großem Zeitaufwand nach Überflüssigem geforscht wird und daß viele Leute ihr Leben damit hingebracht haben, nur die Mittel zum Leben zusammenzusuchen? ... (13) Aber um den Rahmen eines Briefes nicht zu überschreiten, ... , will ich diesen Streit mit den Dialektikern, die übermäßig subtil diskutieren und allein darauf- anstatt nur auch darauf- ihre Sorge verwenden, auf ein andermal verschieben. Lebe wohl!
... und wie ich mich mit Sehnsucht der Philosophie zuwandte, daß ich da nicht auf einen Sophisten hereingefallen bin und mich nicht geruhsam bei den Geschichtsschreibern niederließ oder Syllogismen analysierte oder mich mit meteorologischen Theorien beschäftigte. Dies alles [nicht zu erleben] erfordert nämlich hilfreiche Götter und Glück.
211
§ 1.3.3.3
224
M. Comelius Fronto, Epist. ad M. Antoninum Imp. de eloquentia 2,16. 18, p. 139sq. van den Hout:
Turn si studium philosophiae in rebus esset solis occupatum, minus mirarer, quod tanto opere verba contemneres. Discere te autem ceratinas et soritas et pseudomenus, verba contorta et fidicularia, neglegere vero cultum orationis et gravitatem et maiestatem et gratiam et nitorem, hoc indicat loqui te quam 5 eloqui malle, murmurare potius et friguttire quam clangere. Diodori tu et Alexini verba verbis Platonis et Xenophontis et Antisthenis anteponis, ut si quis histrioni studiosus Tasurci gestu potius quam Roscii uteretur; ut si in natando, si aeque liceret, ranam potius quam delphinos aemulari mallet, cotur- to nicum potius pinnis breviculis quam aquilarum maiestate volitare?
(18) Videsne ab eo paene omnia oratorum arma tractari? Igi-
tur si ipse Chrysippus bis utendum esse ostendit, quid ego amplius postulo, nisi ut ne verbis dialecticorum, sed potius Platonis ( eloquentia utaris)?
224 1 tum]tamen Heindorf I • histrioni(ae) Heindorf: histrioni(s) Klussmann I " ostendit Mai: -diset cod. I u verbis] verubus Niebuhr I diakcticorum scripsi, sie etiam Nabcr, Haines: diakctorum van den Hout (cx crrore typographico ut videtur) I ,. (eloquentia utaris) add. Haines, Hülscr: (gladio dimices) Mai: van den Hout in textu lacunam signavit
212
15
Fragment
224
Sodann: Wenn man beim Studium der Philosophie allein mit den Sachen befaßt wäre, würde ich mich weniger wundem, daß du die Wörter mit solcher Entschiedenheit verachtest. Daß du aber ,Hömer'-Sophismen, ,Sorites'-Schlüsse und ,Lügner'-Argumente, gekünstelte und verwickelte Wörter lernst, es hingegen versäumst, die Rede zu kultivieren, ihre Gewichtigkeit und Erhabenheit, ihren Charme und Glanz, das zeigt, daß du das bloße Reden dem wirklichen Reden vorziehst, eher murmelst und flüsterst als trompetest. Ziehst du die Worte von Diodor und Alexinos denen von Platon, Xenophon und Antisthenes vor - gleichsam wie wenn ein passionierter Schauspieler eher die Gestik des Tasurcus als die des Roscius nachahmt, wie wenn man beim Schwimmen, falls beides gleichermaßen möglich wäre, lieber einem Frosch als den Delphinen nacheifern möchte, wie wenn man lieber mit den ganz kurzen Flügeln der Wachteln fliegen möchte als mit der Majestät der Adler? (18) Siehst du nicht, wie fast alle Waffen der Redner von ihm gehandhabt werden? Wenn also selbst Chrysipp zeigt, daß man sie benutzen muß, was fordere ich dann Weitergehendes, außer daß du anstatt der Worte der Dialektiker mehr die Eloquenz Platons verwendest?
213
§ 1.3.4-1.3.4.1
1.3.4 Wofür die Stoiker ,berühmt' waren: 1.3.4.1 ... für die Meinungsvielfalt innerhalb ihrer Schule Vgl. oben Nr. 77, 125, 139, 144, 154, 170. Und für Differenzen in wesentlichen Fragen der Dialektik vgl. unten außer zahlreichen anderen Passagen beispielsweise die. Paragraphen 2.2.1, 4.4.4.2, 4:5.1.2, 4.5.2.1 vs.
225
Galenus, De libris propriis 11, p. 117 Müller:
Kat yaQ xat aircoil\; "tOiJ\; ÖLaAEX"tLXW"ta"tOU\; xat IJ'LAoo6q>OU\; O"Ö J.LOVOV clAATJAOL\; cil..f..a xat ~QU"tOL\; TJÜQLOXOV ÖLU!pEQOJ.LEVOU\; tltaLVO'ÜV"tQ\; ÖJ.LW\; Ö.ltQV"tQ\; c:hoaU"tW\; "tQ\; YEWJ.LE"tQLXQ\; clltOÖELSEL\;. ai..A.Tjf..oL\; J.LEV f..tyw ÖLaq>EQEaß-m "tOiJ\; q>LI..oo61J)OU\; tv "tfi l..oyLxft ß-EWQL~, "tOiJ\; TIEQLltU"tTJ"tL- 5 XOU\; "tE xat l:"tWLXOiJ\; xat TII..a,;oovLxoil\;, tau"tOL\; ÖE nai..LV [ÖL~ "tOU\; xat}' ~XclO"tTJV atQEOLV (J.LLXQQ J.LEV ÖTJ ltCO\; tO"tLV
'I) naQa "tOL\; TIEQLltU"tTJ"tLXOL\; ÖLaq>wvi:a, J.LEyai..TJ ÖE naQO. "tOL\; l:"twLxot\; xat TII..a,;wvLxoi:\;).
225 A
Eusebius, Praep. evang. XIV 5,4 (ex Numenio):
Ta ÖE ,;rov l:"twLxrov to,;aoi:ao,;m, ciQs6.J.LEVa cino ,;rov clQX,OV"tWV xat J.LTJÖEltOO "tEAEU"tÖ>V"ta xat V'ÜV. tf..tyx.oum ÖE ayamoV"tW\; 'ÖltO ÖUOJ.LEVO'Ü\; tf..Eyx,ou, o( J.LEV "tLVE\; a"Ö"tÖ>V 225
tamot~
Marquardt: ChK: ailtoil~ Q I' ÖflOl~ Müller: 611oim~ Q, edd. priores I 4 inter cl.!to&sll;s•~ et cl.UT)lo.m~ Q et edd. priores haben! verba xatci. tollto toiwv !n xai 111ilo.lo.ov Eyvmv &stv cl.llo<Jti1val jltv mv txdvo1 lo.tyoucr1v, cl.xolo.oullf!cra• 1St tl!> X«Q«Xtfll!l tlllv yQ«I'I'•xcbv cl.!to&Eil;E· mv, quae post filo.atmvlxot~ (1. 9) transp. Müller I 5 tOU~ fiEQIII. ChK: tOU~ &6 n. QAB I • tautoi~ Müller: tautoil~ QA: tautcbv Ch I 7 aiQEIJIV Müller: aötlbv Q, edd. priores 225 A I 0 <JXaQIP11lii'Oi~ codd.: corr. Dindorf 2
ailtot~
AB:
ailtot~
tJ.LJ.LEJ.LEVTJXO"tE\; hL, o[ Ö' 'fiÖTJ J.LE"taß-EJ.LEVOL. ELSUOLV o"Öv o[ ltQÖ>"tOL ÖALYUQX,LXW"tEQOL\;, ot ÖTJ ÖLaO"tclV"tE\; 'ÖltTJQSUV El\; 5 "tOiJ\; J.LE"tEltEL"ta nol..l..fj\; J.LEV "tOL\; ltQO"tEQOL\;, nol..l..fj\; ÖE "tfj\; clAATJAOL\; tm"tLJ.LTJOEW\; ahLOL, da( "tE hEQWV ~"tEQOL l:"tWLXcO"tEQOL. xat J.LÖ.AAOV ÖOOL ltAELOV ltEQL "tO "tEX,VLXOV d>(j)ß-T)oav J.LLXQOf..6ym. a'Ö"tOL yaQ OoO"tOL "tOU\; ~"tEQOU\; 'ÖltEQßaAf..6J.LEVOL "tfi "tE :rtOAUltQUYJ.LOOUVTI "tOL\; "tE OXUQ( L)IJ)T)ß-J.LOL\; tnE"tLJ.LWV 10 ß-ä."t"tOV.
214
Fragment
225-225A
4.5.2.2. Jedoch scheinen sich die Stoiker auf einer Metaebene ziemlich einig gewesen zu sein, daß philosophische Kontroversen kein Argument gegen die Philosophie als solche sind; dazu unten Nr. 361 f.
Ich fand nämlich, daß selbst die Dialektiker und Philosophen nicht nur ,untereinander', sondern auch ,in ihren eigenen Reihen' verschiedener Meinung sind, obwohl sie die geometrischen Beweise alle gleichermaßen loben. Damit, daß sie sich ,untereinander' unterscheiden, meine ich die Unterschiede zwischen den Philosophen(schulen) in der Logik, und zwar zwischen den Peripatetikern, den Stoikern und den Platonikern; hingegen meine ich mit den Unterschieden ,in ihren eigenen Reihen' speziell die Unterschiede innerhalb einer jeden Schulrichtung. (Bei den Peripatetikern ist die Uneinigkeit verhältnismäßig klein; bei den Stoikern und Platonikern aber ist sie groß.)
Dagegen sind die Lehrmeinungen der Stoiker durch Fraktionsbildungen und Parteienstreit gekennzeichnet - angefangen von den Gründern [der Stoa] und niemals [mit dem Streit] zu Ende kommend, auch heute nicht. Sie (die Stoiker) führen ihre Widerlegungen gern unter Verwendung einer feindlichen Widerlegung, wobei die einen von ihnen noch bei ihrer Auffassung geblieben sind, während die anderen ihre Ansicht schon geändert haben. Die ersten (Stoiker] glichen somit eher oligarchisch gesonnenen Menschen, die, weil sie sich eben zerstritten haben, bei den nachfolgenden [Stoikergenerationen] die Ursache bildeten für vielerlei Kritik an den Vorgängern und für die vielfältige Kritik untereinander; die einen [Stoiker] sind stoischer als die anderen. Und mehr noch: Wieviele [von ihnen] haben sich vorzugsweise im Bereich der Logik als Kleinigkeitskrämer bemerkbar gemacht! Denn eben diese Leute, die die anderen durch zänkische Geschäftigkeit und subtiles Geschwätz übertrafen, waren mit ihrer Kritik normalerweise ungehörig schnell zur Hand.
215
§ 1.3.4.1-1.3.4.2
226
Cicero, Acad. pr. 4fJj47, 142sq.:
Venio enim iam ad tertiam partem philosophiae. Aliud iudi. cium Protagorae est ... , aliud Cyrenaicorum ... , aliud Epicuri ... ; Plato autem ... (143) Num quid horum probat noster Antiochus? ille vero ne maiorum quidem suorum. ubi enim {et} Xenocraten sequitur, cuius libri sunt de ratione loquendi multi et multum probati, aut ipsum Aristotelem, quo profecto nihil est acutius nihil politius; a Chrysippo pedem nusquam. (47) Qui ergo Academici appellamur (an abutimur gloria nominis?) aut cur cogimur eos sequi qui inter se dissident? In hoc ipso quod in elementis dialectici docent, quo modo iudicare oporteat verum falsumne sit si quid ita conexum est ut hoc ,si dies est lucet', quanta contentio est: aliter Diodoro, aliter Philoni, Chrysippo aliter placet. Quid cum Cleanthe doctore suo quam multis. rebus Chrysippus dissidet; quid duo vel principes dialecticorum Antipater et Archidemus spinosissimi homines nonne multis in rebus dissentiunt?
1.3.4.2 ..• flir die Begründung der Aussagenlogik
227
226 'et AB: om. ed. Veneta 1471: aut N I 7 nu.squam dett., Davisius: numquam AB I" spinosissimi Hermann 1852: opinosissimi A 1 : -sisimi A 1 : -sissimihi B: opiniosi.ssimi N 227 1 j.lt ~LV\ Müller: 116 m ChK: ~&S~a QAB I' t114u~q, Müller: tv aö~q, Q, edd. priores
Galenus, De libris proprüs 11, p.119 Müller:
~E·n ÖE 3tßL!; (Öv itvi:xa 3tQOO'tOV Ö 3tß'ttlQ IJ.E 'tLVL 'tTJV loyLXTJV ßemgi:av Xguoi:3t3tou 'tE xai. 'trov ~vö6~mv I'tmLxrov ÖLÖci~av'tL 1tageömxev, ~3tOLT)OcliJ.T)V ~IJ.aU'tlP 'trov Xguoi:3t3t01l OUÄ.Ä.oyLO'tLXOOV ßLßli:mv 'Ü3tOIJ.VtliJ.ß'ta.
228
Galenus, De libris proprüs 15, p. 123 Müller:
Ta 1EQO!; 'tTJV 'trov I'tmLxrov qnloo6~pmv ÖLa!JlEQOV'ta. Ilegi. 'tfj!; xa'ta XguOL3t3tov loyLX'ij!; ßemgi:a!; 'tQLa · 't'ij!; Xguoi:3t3tou oulloyLO'tLX'ij!; 3tQcO'tT)!; 'Ü3tOIJ.VtliJ.a'ta 'tQLa, öeu'tEQ«!; ~v · 3tEQi. 't'ij!; loyLX'ij!; öuvci!J.Effi!; xai. ßemgi:a!; S3t'ta ·
216
5
10
15
Fragment
226-228
Ich komme nämlich bereits zum dritten Teil der Philosophie. Eine Ansicht ist hier die des Protagoras, ... , eine andere die der Kyrenäer ... , wieder eine andere die Epikurs ... ; Platon indes ... (143) Unser Freund Antiochos billigt doch nicht etwa irgendeine Auffassung dieser Männer? Im Gegenteil, er billigt noch nicht einmal irgendetwas von seinen Vorgängern. Denn wo· er dem Xenokrates folgt, von dem es viele und in hohem Maße geschätzte Bücher über die Logik des Sprechens gibt, oder wo er sogar dem Aristoteles folgt, der hinsichtlich seines Scharfsinns und seiner vollendeten Reife sicherlich durch nichts übertroffen wird, da weicht er doch niemals auch nur einen Fuß breit von Chrysipp ab. (47) Wieso werden wir dann als Akademiker bezeichnet (oder mißbrauchen wir den Glanz dieses Namens?), oder warum möchte man uns zwingen, den Leuten zu folgen, die untereinander uneins sind? Selbst in dem Punkt, der bei den Dialektikern zum Elementarunterricht gehört, nämlich wie die Wahrheit oder Falschheit dessen zu beurteilen ist, was in der Weise implikativ verknüpft ist wie etwa die Aussage "Wenn es Tag ist, ist es hell" - welch großen Streit gibt es da! Diodor, Philon, Chrysipp- jeder vertritt eine andere Auffassung! Was weicht Chrysipp in so vielen Punkten von seinem Lehrer Kleanthes ab? Was haben denn nicht sogar die zwei nachgeradezu fUhrenden Dialektiker Antipater und Archedemos, zwei äußerst spitzfindige Männer, in vielen Dingen an unterschiedlichen Auffassungen? ·
Ich war damals noch ein Kind, als mich der Vater erstmals jemandem anvertraute, der die logische Theorie Chrysipps und der berühmten Stoiker unterrichtete; zu den syllogistischen Büchern Chrysipps machte ich mir Aufzeichnungen.
Die Schriften [von mir], welche sich auf die Lehre der stoischen Philosophen beziehen: Über die logische Theorie nach Chrysipp. 3 Bücher.- Zur ersten Syllogistik Chrysipps Aufzeichnungen in 3 Büchern, zur zweiten Aufzeichnungen in
217
§ 1.3.4.2
1tEQL 'tTJ~ XQEi:a~ 'tc'i>v d~ 'tOU~ O'UAAO')'LOJLOU~ ßEWQ'I']JLa'twv 1tQW'tOV XQL ÖEV'tEQOV. ,Ö'tL 'fJ ')'EWJLE'tQLXTJ tlVQAlJ'tLXTJ tlJLELVWV 'tTJ~ 'tWV l::'twLxc'i>v' ~v · {1tEQL 'tTJ~ XQELa~ 'tWV d~ 'tou~ ouA.AO')'LOJLOU~ ßEWQ'I']JLQ't(I)V ß'}.
229
Cassiodorus Senator, Instit. II 3,13, p. 119 Mynors:
Modos autem hypotheticorum syllogismorum si quis plenius nosse desiderat, Iegat librurn Marii Victorini qui inscribitur de Syllogismis Hypotheticis. sciendum quoque quoniarn Tullius Marcellus Carthaginiensis de categoricis et hypotheticis syllogismis, quod a diversis philosophis latissirne dieturn est, septern libris caute suptiliterque tractavit, ita ut prirno libro de regula, ut ipse dicit, collegentiarurn artis dialecticae disputaret, et quod ab Aristotele de categoricis syllogismis multis libris editurn est, ab isto secundo et tertio libro breviter expleretur; quod autem de hypotheticis syllogismis ab Stoicis innurneris voluminibus tractatum est, ab isto quarto et quinto libro colligeretur; in sexto vero de mixtis syllogismis, in septirno autem de compositis disputavit. quern codicern vobis legendum reliqui.
230
228 5 tcliv ChK: tfl~ QAB 1 • "ll· "· atut.J ri xai ß' Prantl: ftv Q, edd. priores I ' 1" {!tEl!! -ll'} sec!. Prantl 229 • caute] breviter II>A
5
10
Hieronymus, Apol. adv.libr. Rufini § 30, PG 23 col. 441C-442B:
Septern modos conclusionurn dialectica me elementa docuerunt; quid significet ci~iO>JLil, quod nos pronuntiatum possurnus dicere: quornodo absque verbo et nomine nulla sententia fit, soritarum gradus, pseudomeni argutias, sophismaturn fraudes. Jurare possum rne postquam egressus de schola surn, haec nunquarn ornnino legisse. . .. Licet magis philosophos sequi videaris, spinas Cleanthis, et contorta Chrysippi, non ex arte quam nescis, sed de ingenii magnitudine. Et quoniam Stoici logicam sibi vindicant, et tu huius scientiae deliramenta contemnis, in hac parte Epicureus es.
218
5
5
10
Fragment
228-230
1 Buch. - Über die Bedeutung und Theorie der Logik. 7 Bücher. - Über die Erforderlichkeil (Anwendung) der die Syllogismen betreffenden Theoreme. 1. und 2. Buch. - ,Daß die analytische Kunst in der Geometrie besser ist als die der Stoiker'. 1 Buch. ( Anschlußunten Nr.1141)
Wenn jemand die Modi der hypothetischen Syllogismen umfassender kennenzulernen wünscht, lese er von Marius Victorinus das Buch ,Über die hypothetischen Syllogismen'. Außerdem sollte man wissen, daß der Karthager Tullius Marcellus das, was über die kategorischen und hypothetischen Syllogismen von den verschiedenen Philosophen mit größter Ausführlichkeit gesagt worden ist, sorgsam und gründlich in sieben Büchern erörtert hat, und zwar in der Weise, daß er im ersten Buch die - wie er selbst sagt - ,Regel für die Schlüsse der Dialektik' erörtert; im zweiten und dritten Buch wird dann von ihm das, was Aristoteles über die kategorischen Syllogismen in vielen Büchern veröffentlicht hat, in kurzer Form vollständig dargestellt; was hingegen über die hypothetischen Syllogismen von den Stoikern in zahllosen Bänden erörtert wurde, wird von ihm im vierten und fünften Buch zusammengefaßt; im sechsten Buch diskutiert er dann die gemischten Syllogismen und im siebten schließlich die zusammengesetzten Syllogismen. Dieses Werk habe ich euch zur Lektüre übriggelassen.
Die dialektischen Elementarbücher haben mir sieben Schlußmodi beigebracht, ferner was axiöma bedeutet, wofür wir pronuntiatum (,Aussage') sagen können, weiterhin wieso ohne Verb und Nomen kein Satz zustandekommt, endlich die Schritte der Sorites-Argumente, den spitzfindigen Scharfsinn des Lügners und die Betrügereien der Sophismen. Ich kann schwören, daß ich, nachdem ich aus der Schule gekommen bin, dies überhaupt niemals mehr gelesen habe .... Allem Anschein nach folgst du lieber den Philosophen, den Spitzfindigkeiten des Kleanthes und den Verschrobenheilen Chrysipps; das sei dir unbenommen- nicht wegen der Wissenschaft, die du überhaupt nicht kennst, sondern wegen des genial großen Scharfsinns [jener Philosophen]. Und da die Stoiker die Logik für sich in Anspruch nehmen und du andererseits das Geschwätz dieser Disziplin verachtest, bist du insoweit ein Epikureer. 219
§ 1.3.4.2-1.3.4.3
231
Lucianus, Icaromen. § 24, Vol. I p. 305 MacLeod:
TOLyagoilv 'ljlllXQO'tEQotJ; äv IJ.Oll 1:0\J; ßw~toil; töOL; ,;ci:Jv IIA.ci'tW'VO; 'VOIJ.W'V fJ 'tCÖ'V XQllOL:Tt:ltOll OlJAAOYLOIJ.CÖ'V. Wie· berühmt Chrysipp für seine aussagenlogischen Untersuchungen war, macht Lukian auch noch an anderer Stelle in komödienharter Verzerrung deutlich: siehe oben Nr. 98.
1.3.4.3 ... für Sprachreglementierung
232
Galenus, De differentia pulsuum 111 1, Vol. VIII p. 642 Kühn:
'Ageo:x:ov,;m yag ot,;ot :rccivn; ot IIvEll!J.a'tt:x:oi. :x:aA.oil!J.E'VOL ,;oi:; &.no ,;fj; l:,;oä.; ö6y!J.amv. c'bo,;' ~:rtEi. Xgilm:rc:rco; a'Ö'toiJ; Et-lhOE'V cl!J.IJlLOßTJ'tEL'V :rtEQL 'tCÖ'V :X:a'ta 'tTt'V qJLAOOOqlLQ'V övo~tci'twv, o'Öö' a-ö,;oi. :rtEQL ,;ci:Jv :x:a,;a 'tTt'V ta'tQL:X:Tt'V 'taiJ,;a :rtOLEi:v ö:x:voilot. :x:ai. Z~vwv öf: 6 Kt'tLEiJ; ht :rtQO'tEQO'V h6A!J.TJOE :X:aL'VO'tOIJ.EL'V 'tE :x:ai. "Ü:rtEQßaL'VEL'V 'tO 'tCÖ'V 'EA.A.~'VW'V l!ßo; ~'V ,;oi:; öv6~tamv.
233
5
Galenus, De differentia pulsuum II 10, Vol. Vlll p. 630--632 Kühn:
Ta 'tE yag liA.A.a :x:ai. 'fJ atgwt; a-ö,;cöv ßä.,;,;ov :rc6A.tv fJ My!J.a IJlTJOt xgfivm :rcgoötö6vm, &.A.A.' ~a.v otw:rc~an; vo~toßE'touv ,;wv :x:ai. ~tTJMA.w; &.v,;EL:rtn;, Eh' ~:rtL'tQE'Ijln; :rtEQL 'ttvo; ötaA.eyEoßm, :rcagaxgfi ~ta ( 631) ,;ai:; tatJ'tci:Jv vo~toßEoi:m; ~vav,;i:a «pßeyyov,;m. :rcoA.iJ ÖE 'tO'Ü't' i!o'tL :rcaga 'tcfl :rtQO:rtci:rt:rtcp 5 ,;fj; atgeoEw; a'Ö,;ci:Jv XgtJoi::rc:rccp. vo~toßE'tEi: !J.E'V yag öv6IJ.a'ta nA.Ei:ov fJ l:6A.wv 'AßTJvai:OL; !.o,;~ ,;oi:; äsom 'VOIJ.LO~J.a ,;a. OtJYXEL ö' a-ö,;o; :rcgcö,;o; a-ö,;ci.... vtJvi. öe ,;o ÖEtv6,;a,;ov OÜ'tE YE'V'VTJßEl.; 'Aß~'VTJOL'V oiJ'tE 'tQQqlEL;, &.A.A.a xße; :x:ai. :rcgr.O,;w; i'J:x:wv ~:x: KtA.t:x:i:a;, :rcgi.v &.:x:gtßcö; a-ö,;ov to ~:x:~taßEi:'V TJ'V'tL'VaO'Ü'V 'EA.A.ciöa «pW'V~'V, 'AßTJvai:OL; "Ü:rtEQ Ö'VOIJ.cl'tW'V ~:rtLXELQEL 'VOIJ.OßE'tEL'V (632) ... Öoa IJ.E'V OV'V Xgum:rc:rco; Et; 1:1tv 1:rov 'Aß11 vai:wv ~stJßgi:~EL ötaA.E:x:'tov, 233 7 lcnij. v. Arnim: [aTij.V Kühn
220
Fragment
231-23 3
Zeus zu Menippus: Infolgedessen kannst du sehen, wie meine Altäre kälter sind als die ,Gesetze' Platons oder als die Syllogismen Chrysipps.
Alle die sogenannten Pneumatiker (pneumatischen Ärzte) finden nämlich Gefallen an den Lehren der Stoiker. Weil Chrysipp sie daran gewöhnte, über die Bezeichnungen in der Philosophie zu streiten, zögern sie also auch nicht, dies ihrerseits bei den Bezeichnungen in der Medizin zu tun. Noch früher hat es auchschon Zenon von Kition gewagt, Neuerungen im Bereich der Bezeichnungen einzuführen und die entsprechenden Gepflogenheiten der Griechen zu übertreten.
Und im übrigen erklärt ihre Schule [scil. die Schule des Archigenes] sogar, daß man eher eine Stadt als einen Lehrsatz verraten müsse; aber wenn du, während sie Gesetze erlassen, schweigst und keinerlei Widerspruch einlegst, aber anschließend Gelegenheit gibst, über irgendetwas zu diskutieren, dann sagen sie sofort (631) lauthals Dinge, die zu ihren eigenen Reglementierungen im Gegensatz stehen. Bei Chrysipp, dem Urgroßvater ihrer Schule, kommt das sehr häufig vor. Er reglementiert die Bezeichnungen nämlich stärker als Solon den Athenern mit seinen Gesetzestafeln das Münzwesen verordnet. Aber er selbst wirft als erster die Bezeichnungen durcheinander. . . . Was indes jetzt am ungeheuerlichsten ist: Weder in Athen geboren noch dort groß geworden, sondern aus Kilikien erstmals gerade dort angekommen und bevor er irgendein griechisches Wort genaugelernt hat, macht er (Chrysipp) sich daran, den Athenern für ihre Wortgebräuche Vorschriften zu machen. (632) ... All das, was Chrysipp in seinem Übermut gegen .die 221
§ 1.3.4.3
'tax' äv no'tE xai. a'Öih; 'flJ.ttv ÖLEÄ.tl'Etv "fEVOL'to· 'tel ö' 'AQXLyEvou; 'tau'tl. . . . ts
234
Galenus, De plac. Hippocr. et Plat. IV 4,8, p. 252 De Lacy:
{•Avi}Qo>no;} J.I.TJ ouyx,roQ6':1V tnl. 'ta'Ö'toii Ä.E"fELV atox,iivEoi}m xai. atÖEtOi}QL J.I.TJÖ' i')ÖEOi}QL xai. )(.ULQELV, Ö.Ä.Ä.' Ö.XQLßOiiV li.nav'ta xai. J.I.EXQL 'trov övoJ.I.a'trov ö.;trov a'Ö'tov tv 'tot; ouyyQ
Vergleiche hierzu insbesondere den Plutarch-Text von Nr. 242.
23 5
Galenus, Instit. log. IV 6:
'A"JJ.: ot nEQl. XQiiotnnov xö.vmiii}a 'tfl Ä.E;EL J.l.cillov 1\ 'tot;
234 1 { liv3QIIllto~} secl. Oe Lacy: liv&Q
nQ
236
Galenus, De methodo medendi II 7, Vol. X p. 155 Kühn:
Titv "felQ J.I.LXQoÄ.oyi:av 'trov övoJ.I.a'trov, ijv txoJ.I.'IjlEiioav't6 'tLVE; 'trov
222
Fragment
233-236
sprachlichen Gewohnheiten der Athener unternimmt, kann dann also wohl schnell wieder an uns vorübergehen. Aber diese Produkte des Archigenes ...
Er [scil. Chrysipp] gestattet es nicht, die Ausdrücke "beschämt sein" und "Respekt haben" oder "vergnügt sein" und "sich freuen" in derselben Bedeutung zu verwenden; und von sich selbst verlangt er in seinen Schriften, sogar bis in den Wortgebrauch hinein alles ganz genau zu nehmen. Trotzdem sagt er von etwas, von dem er kurz zuvor erklärt hat, es ,ergebe sich' nicht ,aufgrund' vernünftiger und kritischer Beurteilung, im Fortgang seiner Ausführungen, daß es ,in' vernünftiger und kritischer Beurteilung ,Bestand erhalte'. Er hätte einerseits alle diese ebenso deplazierten wie gegen den griechischen Sprachgebrauch entwickelten Homonymien vermeiden und andererseits seinen Gedanken präzise entwickeln und artikulieren können, wenn er korrekte griechische und klare Wörter verwendet hätte. (Fortsetzung unten Nr. 939)
(Anschluß unten Nr. 951)
Aber Chrysipp und seine Leute richten ihr Augenmerk auch hier mehr auf den sprachlichen Ausdruck als auf die Sachen und bezeichnen alle die molekularen Aussagen als Konjunktionen, die mit den sogenannten konjunktiven Satzverknüpfungen gebildet sind, und sie tun dies selbst dann, wenn die verknüpften Teilaussagen miteinander unverträglich sind oder die eine die Konsequenz der anderen ist. Dabei verwenden sie die Bezeichnungen achtlos, in denen eine gewisse Genauigkeit der Mitteilung angelegt ist; doch da, wo die Wörter nichts Unterschiedliches bezeichnen, da fordern allein sie für sich selbst eigene Bedeutungen. Sie würden diese Terminologie aber nicht benutzen, wenn sie gut griechisch sprechen und für ihre Hörer verständlich sein wollten.
Denn die Kleinigkeitskrämerei bei den Bezeichnungen, von der manche Philosophen so feinsinnig sprachen, obwohl sie alle Sprachgewohnheiten im Alltag so auf den Kopf stellt, daß nicht einmal jene Philosophen in der Lage sind, in ihren eigenen Schriften davon Gebrauch zu machen, - diese 223
§ 1.3.403
xa"ta "ta mprov aiJ"trov auyyQcif.I.J.La"ta, naQm"toiiJ.Lm A.Eyetv "ta viiv, hEQC.O-Ih ÖLELÄ.EYf.loEVO~ fl1tEQ a"Ö"tÖ>V ~1tl. 1tÄ.EOVo
237
Hippolytus, Refutatio I 21,1, p. 25 Wendland:
~"tC.OLXOL xal. a"Ö"tOL f.loEV ~1tL "tO auÄ.Ä.oyLO"tLXW"tEQOV "t"i)v
cptÄ.oaocpi:av TJ'ÖST)Oav xal. O)(EöOV ÖQOL~ 1tEQLEÄ.aßov ooo
238
Lucianus, Vitarum auctio § 21, Vol. ll p. 40sq. MacLeod:
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239
Galenus, De düferentia pulsuum ll 4, Vol. Vill p. 578sq. Kühn:
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224
Fragment
236-239
Kleinigkeitskrämerei möchte ich jetzt nicht erörtern, da ich mich über diese Philosophen an anderer Stelle ausführlicher verbreitet habe. (Fortsetzung unten Nr. 717)
Die Stoiker: Sie haben zum einen die Philosophie um ein unverhältnismäßig großes Stück Syllogistik anwachsen lassen und sie mit Definitionen beinahe umzingelt, ...
Käufer: Komm, mein Guter, und erkläre mir, deinem Käufer, welche Qualitäten du hast, und als erstes, ob es dir nicht mißfällt, verkauft zu werden und als Sklave zu leben. Chrysipp: Überhaupt nicht; denn diese Dinge stehen nicht in unserer Macht. Und was nicht in unserer Macht steht, davon gilt, daß es indifferent ist. Käufer: Ich verstehe nicht, was du damit meinst. Chrysipp: Was sagst du? Du verstehst nicht, daß derlei Dinge teils bevorzugt und teils im Gegensatz dazu verworfen sind? Käufer: Auch jetzt verstehe ich dich nicht. Chrysipp: Klar. Denn du bist nicht an unsere Bezeichnungen gewöhnt und hast auch die kataleptische Vorstellung nicht, während der Tüchtige, der die logische Theorie studiert hat, nicht nur dies kennt, sondern auch weiß, was ein symbama und ein parasymbama ist und wie sehr sie sich unterscheiden. (Fortsetzung unten Nr. 797)
Ich sehe mich außerstande, genau zu ermitteln, was diechemenai ist. Denn weder habe ich dieses Wort sonst bei einem Griechen gefunden. Noch weiß ich daher, auf welche Sache Archigenes es bezogen hat; und das weiß ich deshalb nicht, weil er kein Buch über seinen eigenen Sprachgebrauch geschrieben hat, wie es Chrysipp über die Bezeichnungen verfaßt hat, die er im Bereich der Dialektik festgelegt hatte; nur so nämlich würden wir ihn verstehen. 225
§ 1.3.4.3
240
Philo, De vita Mosis ll § 39, Vol. 4 p. 209 C-W:
nov yae 'tQ6:rtov, olJl.aL, tv YEWJl.E'tQL~ xa1 ÖLaAEX'tLXfi 'tQ OTJJl.aLV6J1EVa :rtOLXLALav tQJl.TJVELa~ o"Öx <'tVEXE'taL, Jl.EVEL Ö' <'tJl.E'taßATJ'tO~ 'f) ts <'tQXii~ 'tEi:}etoa, 'tOV a"Ö'tOV cb~ ~OLXE 'tQ6:rtov ...
241
Origenes, Libri in Psalmos: praef. frgm. 2 ( = prol. IV, p. 14,22-15,1 Rietz; =PG 12 col. 1053A-B):
ALa 'tou~ t:rtLyeyeaJl.Jl.Evov~ 'ljlai..Jl.oil~ "et~ 'to 'ttl..o~" t:rtel..esaJl.et}a 'tOU~ ÖQO\J~ a"Ö'toii tx Jl.Ev 'tC:ÖV 'tOU 'AQLO'tO'tEAOlJ~ oihw~ ~XOV'ta~ .... 'Ex ÖE 'tC:ÖV 'HQO!JlLAOlJ :rtEQL l:'tWLXij~ ÖVOJl.a'twv xefJew~ oihw~ · "'ttl..o~ ö' elvm AtyovOL xa'tTJy6QTJJ1a, o{J Evexev 'ta l..m:rta :rtQa't'tOJl.EV, a"Ö'to ö[ o-ööevo~ s Evexa, 'tO ÖE ovtvyoiiv 'tOU'tq>, xat}a:rtEQ 'f) E"ÖÖaLJl.Ovi:a 't(i> E"ÖÖaLJl.OVELV, OXO:rt6v" Ö Öyt ~OXa't6V tO'tL 'tC:ÖV QLQE'tC:ÖV." Et ÖE xat o!. :rtEQL i:}eoii ÖQOL xat öoa OTJJl.aLVE'taL tx 'tij~ i:}e6~ :rtQOOTJYOQLa~, XQTJOLJ16v 'tL 'f111tv :rtaetsovoLv ... , xat a"Ö'tO~ t:rtLO'tTJOEL~. TJOLV ofiv 6 a"Ö'tO~ 'He6qnl..o~. . . . 10
242
240
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V 2 0K) rell. 242 1 ol xai ain:oi~ codd.: corr. Turnebus I 1 IJUVliQoi)as\~ Haupt: cruvli6QO"S\~ cod. Barber. 182 ante corr.: D"UV D"E\~ cod. Paris. 1675: auvsoQO"S\~ quarta manus cod. Barber. 182 et rell. I 10 lhaxalias\~ codd.: corr. Emperius
Plutarchus, De virtute morali 9, 449A-B:
OI~ xat a"Ö't01 'tQ6:rtov 'tLva ÖLa 'tytv tvaeyeLav -ö:rtei:xov'tE~ atöetoi:}m 'to atoxuveoi:}m xal..oiiOL xat 'tO i')öeoi:}m xaCQELV xat 'tOU~ qJ6ßov~ e"ÖI..aßei:a~, 'taU'tTJV Jl.Ev o"ÖÖevo~ dv aL'tLaoa~J.tvov 'tftv E"ÖIJlTJJl.Lav, et 'ta a"Ö'ta :rtat}TJ :rteoo'tLt}tJl.Eva Jl.EV 't{j> AOYLOJl.{j> 'tOU'tOL~ XaAOUOL 'tOL~ ÖV6J1aOL, 11ax6- 5 Jl.EVa ÖE xa1 ßtat6J1EVa 'tOV l..oyLOJl.OV txei:vm~· Ö'taV ÖE ÖaXQUOL~ tl..eyx6J1EVOL XQL 'tQ6Jl.OL~ XQL XQ6a~ Jl.E'taßol..at~ <'tv't1 Ail:rtTJ~ xa1 qJ6ßov ÖTJYJl.OU~ 'tLVa~ xa1 ovvt}eof]oEL~ l..tywOL xa1 :rteot}vJl.i:a~ 'tac; t:rtLt}VJl.La~ "Ö:rtoxoeCtwvmL, OO(jlLO'tLXa~ ÖOXOUOLV o"Ö qJLA006qJOlJ~ ÖLaXQOUOEL~ XQL 10 <'t:rtoöeaoeL~ tx 'tc:i>v :rteayJ16.'twv 11TJxaväoi:}m ÖLa 'tc:i>v ÖVOJl.U'tWV.
Vergleiche hierzu insbesondere den obigen Text Nr. 234 (Galen).
226
Fragment
240-242
Denn - so glaube ich- auf dieselbe Weise, wie in der Geometrie und in der Dialektik die Bedeutungen keinen Wechsel in der Erklärung zulassen, wie vielmehr die am Anfang festgelegte Erklärung unveränderlich bleibt, genauso ...
Weil die Psalmen [in der Septuaginta] mit "Zu dem telos (Ende, Ziel, Vollendung)" überschrieben sind, haben wir die Definitionen dieses Wortes überdacht. Von den Schriften des Anstoteies her stellen sie sich so dar: ... Hingegen nehmen sie sich nach den Ausführungen des Herophilos ,Über den stoischen Gebrauch der Bezeichnungen' folgendermaßen aus: "Vom telos (Ziel) sagen die Stoiker, es sei ein Prädikat, um dessentwillenwir das übrige tun, das aber selbst um nichts willen existiert; und was sich mit diesem Prädikat verbindet wie etwa das Glück mit dem Glücklich-sein, das ist der Skopus; er ist das äußerste dessen, was man erstrebt." Ob uns aber auch die Definitionen über Gott und all die Bedeutungen der Bezeichnung "Gott" irgendeinen Nutzen bieten, ... kannst du auch selber beurteilen. Hierzu berichtet also derselbe Herophilos: ...
Obwohl auch sie [die Stoiker] diese Argumente wegen ihrer Triftigkeit in gewisser Weise einräumen, nennen sie doch das Beschämtsein ,Respekt haben', das Vergnügtsein ,sich freuen' und die Furcht ,Vorsicht'. Wegen dieses Euphemismus würde sie niemand zur Rede stellen, wenn es lediglich so wäre, daß sie dieselben Mfekte dann, wenn sie mit vernünftiger Überlegung verbunden werden, mit eben diesen (sanften) Bezeichnungen versehen, sie hingegen mit jenen (strengeren) Bezeichnungen versehen, wenn sie vernünftiger Überlegung widerstreiten und ihr Gewalt antun. Denn wenn sie dann, durch Tränen, Zittern und Veränderungen der Gesichtsfarbe widerlegt, anstatt von Trauer und Furcht von gewissen körperlichen Schmerzen und Beunruhigungen sprechen wollen und die Begierden als Geneigtheiten verniedlichen möchten, dann scheinen sie sophistische, nicht philosophische Abwehrmaßnahmen zu ergreifen und der Wirklichkeit mittels der Bezeichnungen zu entfliehen. 227
§ 1.3.4.4
1.3.4.4 .•• flir ungebührlich direkte Ausdrucksweise Zum Thema dieses Paragraphen ist einerseits auf die kynischen Traditionen innerhalb der Stoa zu verweisen: siehe oben Paragraph 1.3.1.1f. (besonders Nr. 118ff.). Andererseits vergleiche man weiter unten die
243
Cicero, Epist. ad famil. IX 22:
A.mo vereeundiam, vel potius *** libertatem loquendi. Atqui hoe Zenoni plaeuit, homini mehereule aeuto, etsi Aeademiae nostrae eum eo magna rixa est; sed, ut dieo, plaeet Stoieis suo quamque rem nomine appellare. Sie enim disserunt, nihil esse obseenum, nihil turpe dietu; nam si quod sit in obseenitate flagitium, id aut in re esse aut in verbo; nihil esse tertiumo In re non esto ltaque non modo in eomoediis res ipsa narratur sed etiam in tragoediis (2) Vides igitur, eum eadem res sit, quia verba non sint, nihil videri turpeo Ergo in re non
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Multo minus in verbis; si enim quod verbo signifieatur id turpe non est, verbum quod signifieat turpe esse non potesto Non ergo in verbo est; doeui autem in re non esse; nusquam igitur esto 0
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(3) Viden igitur nihil esse nisi ineptias, turpitudinem nee in verbo esse nee in re, itaque nusquam esse? 0
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(4) lgitur in verbis honestis obseena ponimuso num haee ergo obseena sunt? Nos autem ridieule: Et quidem iam etiam non obseena verbapro obseenis sunt: Quin ipsa res modo honesta, modo turpis:
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Habes seholam Stoieam: ö crocpoc; EÖ3UQQTJilOVi!crElo Quam multa ex uno verbo tuo! Te adversus me omnia audere gratum est; ego servo et servabo (sie enim adsuevi) Platonis verecundiamo Itaque teetis verbis ea ad te seripsi quae apertissimis agunt Stoiei; sed illi etiam erepitus aiunt aeque Iiberos ae
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etiam non Lambinus: non
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243 1 oel) tu Rutilius: (Iu impudentiam) oe/ Wesenberg: potius (cQJJeo) vel sim. Watt dubit. in app. crit. I atqui M: atque X I 19
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243
Lehre von den Vorzügen und Fehlern der Rede, genauer die Norm der Kyriologie bzw. die Anweisung, die Wörter nicht in uneigentlicher Bedeutung zu verwenden: Paragraph 3.3.1.4 (Nr. 604f.).
Ich schätze die Zurückhaltung, oder vielmehr *** die Freiheit im Reden. Allerdings war das auch der Standpunkt von Zenon, einem weiß Gott scharfsinnigen Mann, wenn auch unsere Akademie großen Streit mit ihm hat. Aber wie gesagt, die Stoiker sind dafür, jedweden Gegenstand mit dem ihm eigenen Namen zu bezeichnen. Sie argumentieren nämlich so: Etwas auszusprechen ist nie obszön und in keinem Fall anstößig; denn wenn das Obszöne etwas Schandbares an sich hat, so liegt dieses entweder in der Sache oder aber in der Bezeichnung; eine dritte Möglichkeit gibt es nicht. In der Sache liegt es nicht. Deshalb wird die Sache selbst nicht nur in den Komödien geschildert ... , sondern auch in den Tragödien . . . (2) Du siehst also: Die Sache ist dieselbe, und weil die Worte es nicht sind, scheint daran nichts Anstößiges zu sein. Es liegt also nicht in der Sache. Und noch viel weniger in den Bezeichnungen. Wenn nämlich das nicht anstößig ist, was durch ein Wort bezeichnet wird, dann kann auch das Wort, welches es bezeichnet, nicht anstößig sein .... Also liegt die Anstößigkeit nicht in der Bezeichnung. Und daß sie nicht in der Sache liegt, habe ich schon dargelegt. Also steckt sie nirgendwo. (3) ... Siehst du also, daß das alles nichts als dummes Zeug ist, daß die Anstößigkeit weder in der Bezeichnung noch in der Sache und deshalb nirgendwo liegt? (4) Demnach steht es mit den Obszönitäten so, daß wir. sie in schickliche Wörter hineinlegen .... Sind diese Wörter deshalb etwa obszön? Nein! Aber wir verhalten uns lächerlich: ... Und tatsächlich gelten sogar auch nichtobszöne Wörter als obszön .... Warum soll dann nicht dieselbe Sache bald schicklich und bald unanständig sein?! ... Damit hast Du den stoischen Traktat: ,Der Weise wird geradeheraus reden'. Welch lange Epistel anläßlich eines einzigen Wortes von Dir! Wenn Du Dir mir gegenüber alle Freiheiten herausnimmst, so habe ich nichts dagegen; ich meinerseits halte mich an Platons Zurückhaltung und werde dabei bleiben (denn so bin ich es gewohnt). Deshalb habe ich Dir in dezenter Sprache das geschrieben, was die St~iker ganz unverhüllt erörtern. Aber sie erklären
229
§ 1.3.4.4
ructus esse oportereo Honorem igitur Kaiendis Martiiso An den hier ausgelassenen Stellen des Briefes gibt Cicero jeweils geeignete Beispiele.
244
Cicero, De officüs I 35,127sq.:
Quae enim natura occultavit, eadem omnes, qui sana mente sunt, removent ab oculis ipsique necessitati dant operam ut quam occultissime pareant; quarumque partium corporis usus sunt necessarii, eas neque partes neque earum usus suis nominibus appellant, quodque facere non turpe est, modo occulte, id dicere obscenum esto Itaque nec actio rerum illarum aperta petulantia vacat nec orationis obscenitaso (128) nec vero audiendi sunt Cynici, aut si qui fuerunt Stoici paene Cynici, qui reprehendunt et irrident, quod ea, quae re turpia non sint, verbis flagitiosa ducamus, illa autem, quae turpia sunt, nominibus appellemus suiso Latrocinari, fraudare, adulterare re turpe est, sed dicitur non obscene; liberis dare operam re honestum est, nomine obscenum; pluraque in eam sententiam ab eisdem contra verecundiam disputanturo Nos autem naturam sequamur 0
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244 • eos neque cod. Pa-
ris. 6347, Bamberg. Msc. Class. 26, Voss. Q.71: neque eos cod. Harleianus 2716, Bem. 104, Palat. 1531 : eosque cod. Paris. 6601 I 7 oratio obscenitate codd. dett., prob. Gilbert 245 8 xai Casaubon: "td codd. I • (.oö) add. Casaubon
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Diogenes Laertius VII187sq.:
Etoi. öe ot xa'ta'tQEJ(.O"UOL •oü XQ-uoi::n::n:o-u eh~ :n:oA.A.a atox,Qro~ xat ÜQQTJ'tW~ ävayEyQa
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Fragment
243-245
ja auch, Blähungen müßten genauso ungebunden sein wie Rülpser. Also Achtung vor den Kalenden des März!
Denn was die Natur verborgen hat, das eQtziehen alle Menschen, die gesunden Sinnes sind, den Augen, und sie bemühen sich, selbst dem Bedürfnis so verborgen wie möglich nachzukommen. Außerdem nennen sie die Körperteile, deren Gebrauch notwendig ist, nicht direkt beim Namen, und zwar weder die Körperteile noch deren Gebrauch; und was zu tun nicht unanständig ist, sofern es nur verborgen geschieht, das auszusprechen ist obszön. Deshalb enträt es nicht der Frechheit, jene Dinge offen zu tun oder obszön zu reden.... (128) Man darf hier aber nicht auf die Kyniker hören, oder aufmanche Stoiker, die fast Kyniker gewesen sind. Sie tadeln es und spotten darüber, daß wir das, was der Sache nach nicht unanständig ist, den Worten nach für schändlich halten, daß wir hingegen das, was [wirklich] unanständig ist, mit seinen eigenen Namen benennen. Rauben, Betrügen, Ehebrechen ist der Sache nach unanständig, aber es auszusprechen nicht obszön; sich um Kinder zu bemühen ist der Sache nach ehrenvoll, doch der Bezeichnung nach obszön. Von denselben Leuten werden auch noch mehr Argumente zugunsten dieser Auffassung bzw. gegen den Anstand ins Feld geführt. Wir indes wollen der Natur folgen ... (Anschluß unten Nr. 1205)
Es gibt Leute, die den Chrysipp schelten, weil er in seinen Schriften vieles in schändlicher und abscheulicher Weise ausgemalt habe. In dem Buch ,Über die alten Physiologen' gestaltet er nämlich die Geschichten von Hera und Zeus in schändlicher Weise aus und sagt ungefähr 600 Zeilen lang lauter Dinge, die niemand aussprechen kann, ohne sich den Mund zu besudeln. (188) Denn wie man sagt, erfindet er diese unüberbietbar schändliche Geschichte, die, mag er sie auch als natürlich loben, doch eher für Huren als für Götter paßt und die im übrigen auch nicht bei den Verfassern von Bücherkatalogen verzeichnet ist. Sie findet sich nämlich weder bei Polemon noch bei Hypsikrates und noch nicht einmal bei Antigonos; vielmehr ist sie von ihm erfunden worden. Ferner erklärt er in dem Buch ,Über den Staat' den geschlechtlichen Verkehr mit Müttern, Töchtern und Söhnen 231
§ 1.3.4.4-1.3.4.5 "tel Ö' Ull"t(l
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246
Gellius, Noctes Atticae IX 10,1-6:
Annianus poeta et plerique cum eo eiusdem Musae viri summis adsiduisque laudibus hos Vergilii versus ferebant, quibus Volcanum et Venerem iunctos mixtosque iure coniugii, rem lege naturae operiendam, verecunda quadam translatione verborum, cum ostenderet demonstraretque, protexit. (2) Sie enim scripsit: Ea verba locutus optatos dedit amplexus placidumque petivit coniugis infusus gremio per membra soporem (Verg. Aen. VIII 404-406). (3) Minus autem difficile esse arbitrabantur in istiusmodi re digerenda verbis uti uno atque altero brevi tenuique eam signo demonstrantibus, sicut Horneros dixerit ... , (4) tot vero et tarn evidentibus ac tarnen non praetextatis, sed puris honestisque verbis venerandum illud concubii pudici secretum neminem quemquam alium dixisse. (5) Sed Annaeus Cornutus, homo sane pleraque alia non indoctus neque inprudens, in secundo tarnen librorum, quos de figuris sententiarum composuit, egregiam totius istius verecundiae laudem insulsa nimis et odiosa scrutatione violavit. (6) Nam cum genus hoc figurae prohasset et satis circumspecte factos esse versus dixisset: ",membra" tarnen' inquit ,paulo incautius nominavit.'
1.3.4.5 ... für ihre Etymologien in o: om. rell. I " " 2 re digerenda] redigerenda Q: reticenda N: redigenda rell.
246
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Daß die Stoiker für ihre Etymologien ,berühmt' waren, wird zwar an dieser Stelle nur durch einen einzigen Text dokumentiert, geht aber auch aus mehreren Texten der Paragraphen 3.4.3-3.4.4.2 hervor. Diese befassen sich freilich vorwiegend mit den Inhalten der stoischen Lehre von der Etymologie und machen deutlich, daß die Stoiker auf diesem Gebiet
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Fragment
245-246
für erlaubt; dasselbe sagt er gleich zu Anfang in dem Buch ,Über die nicht um ihrer selbst willen zu erstrebenden Dinge'. Und im dritten Buch ,Über Gerechtigkeit' empfiehlt er in einem etwa 1000 Zeilen langen Text sogar, die Toten zu verzehren.
In höchsten Tönen und fortwährend priesen der Dichter Annian und die meisten seiner Zunftgenossen diejenigen Verse Vergils, mit denen er Vulcanus und Venus, ihre Umarmung und Vereinigung nach ehelichem Recht, einen Vorgang, der nach einem Gesetz der Natur den Blicken dritter zu entziehen ist, durch eine schamhafte Umschreibung der Worte zwar beschrieben und dargestellt, aber zugleich auch verdeckt hat. (2) Er schrieb nämlich folgendermaßen: "Wie er diese Worte gesprochen hatte, schenkte er die ersehnten Umarmungen und hinsinkend in den Schoß der Gattin verlangte er nach der süßen Betäubung in den Gliedern" (Vergil, Aen. 8, 404-406). (3) Man war weiterhin der Ansicht, daß es nicht sonderlich schwierig sei, bei der Darstellung eines derartigen Vorgangs Worte zu verwenden, die durch das eine oder andere kurze und zarte Zeichen auf ihn hinweisen, [so zu reden,] wie etwa Homer sich ausgedrückt habe ... , (4) daß aber niemand anderes [als Homer] mit so vielen und so klaren, doch keineswegs unzüchtigen, vielmehr schicklichen und ehrenhaften Wortenjenes ehrfurchtgebietende Geheimnis sittsamen Beischlafs erwähnt hat. (5) Annaeus Cornutus jedoch, in sehr vielen anderen Fragen durchaus kein ungebildeter und unkluger Mann, hat im zweiten Buch seiner Schrift ,Über figürliche Sprache' das außerordentliche Lob für jene ganze ehrfürchtige Schamhaftigkeit durch eine über die Maßen geschmacklose und widerwärtige Nachforschung verunglimpft. (6) Denn obwohl er diese Art Redefiguren gebilligt und erklärt hatte, die Verse seien mit genügend Umsicht gestaltet, behauptete er dennoch: "Mit dem Wort ,Glieder' hat er [Vergil] eine etwas zu unbedachte Bezeichnung gewählt."
nicht nur negative Berühmtheit genossen. Vielmehr folgten ihre Etymologien einem bestimmten theoretischen Anspruch, durch den sie interessant waren und sogar einige Freunde gefunden haben. Vergleiche zum ganzen auch die stoischen Bearbeitungen einzelner Hornerstellen (Paragraph 3.3.2.2).
233
§ 1.3.4.5
247
Galenus, De plac. Hippocr. et Plat. II 2,5-7, p.104 De Lacy:
Ta yae töu.o,;txci ,;e xat QTJ"tOQLXa l..t11J.IJ.am atöoiiv,;m (sc. ö 'Aeto"to"tEATJ~ xat ö 9e6cpeao,;o~) :rmeal..a!J.ßciveLV et~ Q:n:oöec;eL~ emO"tTJ IJ.OVLXci~, d>v :ltE:ItATJO"tQL "tel Xevoi::n::n:o\J ßtß/..i:a :n:o,;e !J.EV töuo"ta~ emxa/..oii!J.EVa !J.clQ"ttJQa~ d>v Ü:n:O"tLßE"tQL ATJIJ.IJ.cl"tC.OV, ~O"tL ÖE Ö"tE :n:OLTJ"tcl~ 1\ "tTJV ßEA"tLO"tTJV 5 e"ttl!J.OAO"(LQV fj "tL 6./../..o "tOLOU"tOV, ä :ltEQQLVEL !J.EV o'ÖÖEV, Qvai..LOXEL ÖE xat XQ"tQ"tQLßEL !J.cl"tTJV TJ!J.Ö>V "tOV i(.QOVOV a'Ö"tO "tOU"tO !J.6VOV evÖELXV\J!J.EVC.OV a'Ö"tOL~, W~ O'ÖX ~O"tLV e:n:LO"tTJ!J.OVLXcl ,;a ,;oii Otl!J.:n:eeao,...a,;o~ l..t11J.IJ.a"ta, IJ.E"ta ,;aii,;a öe xat ovyxa,;aßmv6v,;c.ov ,;e xat ov~J.:n:al..m6v,;c.ov a'Ömt~ ü:n:ee 10 ,;oii öet;m xat "tOll~ töt6na~ xat "tOll~ :n:OLTJ"tcl~ o'ÖÖev ~uov TJ!J.LV "f\ exe(vOL~ !J.QQ"t\JQOUV"ta~, Q/../..' ~O"tLV Ö"tE xat !J.ÜAAOV. (6} oihc.o ÖE xat "tTJV htl!J.OAO"{LQV, e:n:eLÖclV Ö."{C.OIJ.EV !J.QXQO"tEQQV Oi(.OAtlV, emÖELXV\J!J.EV a"Ö"tOL~ o"ÖÖEV !J.ÜAAOV exELVOL~ f'J:n:EQ TJ!J.LV !J.QQ"t\JQOiioav. (7) Q/../..' Ö"tL !J.EV Q/..af;rov eo"tL 15 !J.clQ"t\J~ T) htl!J.OAO"(LQ :n:ollcixL~ !J.EV Ö!J.OLC.O~ !J.QQ"t\JQOiioa ,;ot~ ,;dvav,;ta I..Eyovm ,;wv di..TJßö:lv, o'Öx öl..tyaxL~ öe ,;ot~ 'IPEVÖO!J.EVOL~ IJ.ä/../..ov fj:n:ee "tOL~ Q/..T]ßEUO\JOLV, ev hEQ~ :ltQQ"{IJ.Q"tEL~ ÖEÖELX"tQL !J.OL, Tfi TIEQL ÖVO!J.cl"tC.OV ÖQßO"tT]"tO~.
234
Fragment
247
Sie [sci:I. Aristoteles und Theophrast] scheuen sich nämlich, für wissenschaftliche Beweise unsachgemäße oder rhetorische Prämissen heranzuziehen. Die Bücher Chrysipps strotzen davon: Als Zeugen für die von ihm angenommenen Prämissen bietet er bald sachunkundige Leute auf; und bald beruft er sich auf Dichter oder auf die ach so sehr geschätzte Etymologie oder auf etwas anderes von dieser Qualität. Argumentativ verschlägt dies alles überhaupt nicht; vielmehr verbraucht und vergeudet es nutzlos unsere Zeit, da wir ihnen nur dieses nachweisen, daß die Prämissen des Schlusses nicht wissenschaftlich sind, und da wir anschließend auch noch mit ihnen in die Arena hinabsteigen und mit ihnen ringen, um zu beweisen, daß die sachunkundigen Leute und die Dichter uns um nichts weniger, zuweilen ·sogar mehr beipflichten als ihnen. (6) Und wenn wir ausgiebigere Muße pflegen, weisen wir ihnen so auch die Etymologie auf, welche nämlich nicht sowohl ihnen, als vielmehr uns beipflichtet. (7) Aber die Etymologie ist ein betrügerisch aufschneidender Zeuge; sie stellt denen, die das Gegenteil der Wahrheit reden, oft ein gleiches und den Lügnern nicht selten ein besseres Zeugnis aus als denen, die die Wahrheit sagen; dies habe ich in einer anderen Abhandlung gezeigt, in der ,Über die Richtigkeit von Bezeichnungen'. (Fortsetzung unten Nr. 560)
235
§ 1.3.5
1.3.5 Entwickelten die Stoiker nur eine neue Terminologie? Die von Arkesilaos eingeleitete skeptische Phase der Akademie wurde durch Antiechos von Askalon beendet, der positive Thesen vertrat und sich dabei aufperipatetische und stoische Lehren stützte. Um seine Auffassungen gegen den Vorwurf der Heterodoxie zu schützen, entwarf er - u.a. im Rückgriff auf bestimmte Thesen des Karneades (vgl. Nr. 250)eine philosophiegeschichtliche Konstruktion. Danach verfolgten Akademie, Peripatos und Stoa gemeinsam und wesentlich sokratische Ideen, so daß die Unterschiede zwischen den Schulen entweder als Abweichungen von dem zentralen Gedankengut erscheinen und dann durch den Antagonismus der Schulen die nötige Korrektur erfahren; oder sie sind auf bloße Unterschiede in der Terminologie zurückzuführen. Cicero verstand sich als Akademiker im Sinne des Antiechos von Askalon (vgl. schon oben Nr. 226). Er überlieferte also nicht nur einiges stoische Gedankengut, sondern meinte zugleich, die Stoiker hätten sich von den anderen Schulen vornehmlich durch eine neue Terminologie unterschieden. Diese These hat er häufig vorgetragen und gelegentlich mit besonde-
248
Cicero, Tuscul. disput. IV 3,6:
Itaque illius verae elegantisque philosophiae, quae ducta a Socrate in Peripateticis adhuc permansit et idem alio modo dicentibus Stoicis, cum Academici eorum controversias disceptarent, nulla fere sunt aut pauca admodum Latina monumenta.
248 A
Cicero, Tuscul. disput. V 12,34:
Et si Zeno Citieus, advena quidam et ignobilis verborum opifex, insinuasse se in antiquam philosophiam videtur, huius sententiae gravitas a Platonis auctoritate repetatur, apud quem saepe haec oratio usurpata est, ut nihil praeter virtutem diceretur bonum.
249
Cicero, Acad. pr. 6,16:
Sed fuerint illa vetera si voltis incognita: nihilne est igitur actum, quod investigata sunt, postea quam Arcesilas Zenoni ut putatur obtrectans nihil novi reperienti sed ernendanti superiores inmutatione verborum, dum huius definitiones labefac248
• aut ~= ac X
236
Fragment
248-249
rer Rilcksicht auf ethische Fragen verteidigt; einmal hat er sie positiv zu beweisen versucht und sie dabei auch auf die Logik und Dialektik bezogen. Im folgenden werden hierzu einige Texte zusammengestellt. Sie dokumentieren zunächst die Übernahme der antiochonischen Geschichtskonstruktion und die Tradition des Gedankens der bloß terminologischen Neuerungen; es folgt der ,Beweis' für die Richtigkeit dieses Gedankens, soweit er Logik und Dialektik betriffi; die beiden letzten Stellen bringen Ergänzungen zur Grundthese bzw. zu deren Bewertung. Insgesamt weisen die Texte auf eine bestimmte Stoarezeption hin; durch sie ist manch pointiertes Urteil Ciceros über die Stoiker bedingt, und daß in ihrem Rahmen etwa die Leistungen Chrysipps offensichtlich nicht gebührend gewürdigt werden können, wird ebenfalls deutlich. Für die Stoa selbst ergibt sich daraus nicht viel. Immerhin erkennt man, daß spätere Stoiker sich gegen die Ansichten des Antiechos abzugrenzen bemühten. Und einschlußweise unterstreichen die Texte, daß die Stoiker eine ausgeprägte eigene Fachterminologie entwickelt haben.
Von jener wahren und feinen Philosophie, die von Sokrates herkommt und sich bis heute bei den Peripatetikern erhalten hat sowie bei den Stoikern, die dasselbe auf andere Art sagen, während die Akademiker die Kontroversen zwischen jenen beiden Schulen erörtern, gibt es mithin fast keine oder doch nur sehr wenige lateinische Zeugnisse.
Und wenn man der Meinung ist, Zenon v. Kition, ein x-beliebiger Ausländer und gemeiner Wortfabrikant, habe sich in der alten Philosophie eingenistet, dann wird doch das Gewicht seiner Auffassung von der Autorität Platons gedeckt, bei dem diese Rede oft herangezogen wird, daß nichts außer der Tugend gut genannt werden könne.
Aber jene alten Lehren mögen, wenn ihr dies wollt, unbekannt gewesen sein. Ist dann nichts dadurch erreicht worden, daß man sie erforscht hat, seit Arkesilaos gegen Zenon, so nimmt man an, mit dem Argument arbeitete, er mache keine neuen Entdeckungen, sondern berichtige seine Vorgänger nur durch Veränderungen der Terminologie, und seit er in der Absicht,
237
§ 1.3.5
tare volt, conatus est clarissimis rebus tenebras obducere.
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Cicero, De fin. bon. et mal. III 12,41:
Turn ille (sc. Cato): His igitur ita positis, inquit, sequitur rnagna contentio, quarn tractatarn a Peripateticis rnollius - est enirn eorurn consuetudo dicendi non satis acuta propter ignorationern dialecticae- Cameades tuus (sc. Ciceronis) egregia quadarn exercitatione in dialecticis sumrnaque eloquentia rern in summurn discrirnen adduxit, propterea quod pugnare non destitit in ornni hac quaestione, quae de bonis et rnalis appelletur, non esse rerum Stoicis curn Peripateticis controversiarn, sed nominum. mihi autern nihil tarn perspicuum videtur, quarn has sententias eorum philosophorum re inter se rnagis quam verbis dissidere; rnaiorern rnulto inter Stoicos et Peripateticos rerurn esse aio discrepantiarn quarn verborurn, quippe curn Peripatetici ornnia, quae ipsi bona appellant, pertinere dicant ad beate vivendum, nostri non ex ornni, quod aestirnatione aliqua dignum sit, cornpleri vitam beatam putent.
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Im weiteren wird eine Antwort auf diese schon aus dem vorigen Text bekannte Frage versucht. Der nächste Text stammt aus dem
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Cicero, Tuscul. disput. V 11,32:
Adducis rne, ut tibi adsentiar. sed tua quoque vide ne desideretur constantia. Quonam rnodo? Quia legi tuurn nuper quartum de finibus; in eo mihi videbare contra Catonern disserens hoc velle ostendere - quod rnihi quidern probatur - inter Zenonern et Peripateticos nihil praeter verborurn novitatem interesse. quod si ita est, quid est causae quin, si Zenonis rationi consentaneum sit satis rnagnarn virn in virtutt::,esse ad beate vivendum, liceat idern Peripateticis dicere? rem emrn opinor spectari oportere, non verba. 250 1 • non ex omni quod Davisius: non quod ex omni ARV: noro quod ex omni BE: numquam ex omni N
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249-251
Zenons Definitionen zu untergraben, versucht hat, völlig klare Dinge in Dunkelheit zu hüllen?
Darauf meinte er [scil. Cato]: "Nachdem dies also so festgelegt ist, folgt eine große Streitfrage, die seitens der Peripatetiker zwar nicht sonderlich nachdrücklich verfolgt worden ist - deren Art zu reden ist nämlich wegen ihrer Unkenntnis der Dialektik nicht scharfsinnig genug -, die aber dein [scil. Ciceros] Karneades durch außergewöhnliche Gewandtheit in der Dialektik und durch vollendete Beredsamkeit auf den entscheidenden Punkt brachte, weil er unablässig seinen Standpunkt verfochten hat, daß es in dieser ganzen sogenannten ,Frage über Gutes und Böses' zwischen den Stoikern und den Peripatetikern keine Kontroverse in der Sache, sondern nur eine um Worte gebe. Mir hingegen scheint nichts deutlicher zu sein, als daß die Auffassungen dieser Philosophen über dieses Problem mehr in der Sache als in den Worten auseinandergehen; ich behaupte, daß die Diskrepanz zwischen den Stoikern und den Peripatetikern weitaus stärker in der Sache als in den Worten liegt, da die Peripatetiker von allen Dingen, die sie als Güter be~eichnen, erklären, sie trügen zu einem glücklichen Leben bei, während unsere Schule keineswegs der Meinung ist, daß das glückliche Leben durch alles bereichert wird, was unter irgendeinem Gesichtspunkt schätzenswert ist."
Du bist dabei, mich dahin zu führen, daß ich dir zustimme. Aber achte auch darauf, daß nicht deine eigene Konsistenz zu wünschen übrig läßt! Inwiefern? Ich habe nämlich neulich das 4. Buch von ,De Finibus' gelesen. Darin argumentierst du gegen Cato und willst anscheinend zeigen - was mir durchaus einleuchtet-, daß zwischen Zenon und den Peripatetikern außer der Neuheit der Terminologie kein Unterschied besteht. Aber wenn das so ist, was für einen Grund gibt es dann dafür, daß es, falls es mit Zenons Theorie übereinstimmt, daß in der Tugend eine Kraft liegt, die groß genug ist, um glücklich zu leben, den Peripatetikern nicht erlaubt ist, dasselbe zu sagen? Denn man muß, so meine ich, auf die Sache sehen und nicht auf die Worte. 4. Buch von ,De Finibus', beschränkt sich aber auf diejenigen Passagen, welche die Logik und Dialektik berühren. Daß die
239
§ 1.3.5 Stoiker in der Physik keine sachliche Originalität beanspruchen können, versucht Cicero, De fm. bon. et llllll. IV 5,11-13 zu zeigen. Anschließend geht es um die Ethik; da begegnet die These, die Stoiker hätten lediglich die Terminologie geändert, mehrfach in
252
Cicero, De fin. bon. et mal. IV l/3/4, 3-10:
Existimo igitur, inquam, Cato, veteres illos Platonis auditores, Speusippum, Aristotelem, Xenocratem, deinde eorum, Polemonem, Theophrastum, satis et copiose et eleganter habuisse constitutam disciplinam, ut non esset causa Zenoni, cum Polemonem audisset, cur et ab eo ipso et a superioribus dissideret. quorum fuit haec institutio, in qua animadvertas velim quid mutandum putes nec expectes, dum ad omnia dicam, quae a te dicta sunt; universa enim illorum ratione cum tota vestra confligendum puto. (4) qui cum viderent ... , totam philosophiam tris in partis diviserunt, quam partitionem a Zenone esse retentam videmus. (5) quarum cum una sit, qua mores conformari putantur, differo eam partem, quae quasi stirps est huius quaestionis. qui sit enim finis bonorum, mox, hoc loco tantum dico, a veteribus Peripateticis Academicisque, qui re consentientes vocabulis differebant, eum locum, quem civilem recte appellaturi videmur, Graeci 1tOA.tnx6v, graviter et copiose esse tractatum.
• a te ed. princ. Romana: ante codd. I 12 conformari emend. A. Manutius (ut videtur), Madvig: co'!fumari codd. 252
Quam multa illi de re publica scripserunt, quam multa de legibus! quam multa non solum praecepta in artibus, sed etiam exempla in orationibus bene dicendi reliquerunt! primum enim ipsa illa, quae subtiliter disserenda erant, polite apteque dixerunt turn definientes, turn partientes, ut vestri etiam; sed vos squalidius, illorum vides quam niteat oratio. (6) deinde ea, quae requirebant orationem omatarnet gravem, quam magnifice sunt dicta ab illis, quam splendide! ... hominum non spinas vellentium, ut Stoici, nec ossa nudantium, sed eorum, qui grandia ornate vellent, enucleate minora di-
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251-252
aller Schärfe: IV 9,21; 20,57; 22,60; 26,72; vgl. auch 28,78. Die These wird in V 8,22; 29,89 wiederholt und etwa auch De Iegibos I 13,38; 21,54 sq. diskutiert.
Ich sagte: "Ich, mein Cato, glaube also, daß die alten Schüler Platons, nämlich Speusipp, Aristoteles und Xenokrates, sowie deren Schüler Polemon und Theophrast ein Lehrgebäude entwickelt haben, das so reichhaltig und elegant ausgestaltet war, daß Zenon, nachdem er den Polemon gehört hatte, keinerlei Grund hatte, sich von diesem und seinen Vorgängern abzusetzen. Ihre Lehre war die folgende - wobei ich Wert darauf lege, daß du auf das hinweist, was deiner Meinung nach geändert werden muß, und daß du damit nicht abwartest, bis ich auf alles eingehe, was von dir dargelegt worden ist; ich bin nämlich der Meinung, d~ß man das Lehrsystem jener Leute insgesamt mit dem eurigen als ganzem konfrontieren muß. (4) Weil sie erkannten, daß ... , teilten sie die ganze Philosophie in drei Teile ein, welche Einteilung, wie wir sehen; von Zenon übernommen wurde. (5) Durch eines dieser Gebiete wird ihrer Meinung nach die Moral entwickelt; es bildet sozusagen den Grundstock dieser Erörterung, und ich stelle es vorerst zurück. Denn was das Ziel der Güter ist, werde ich später erörtern. An dieser Stelle sei nur soviel gesagt, daß die alten Peripatetiker und Akademiker, die sich in der Sache einig waren, sich aber terminologisch unterschieden, den Bereich, den wir wohl zutreffend als Staatslehre bezeichnen können - die Griechen nennen ihn politikon -, eindringlich und ausführlich behandelt haben. Wie viel haben sie über den Staat geschrieben, wie viel über die Gesetze! Wie viel haben sie für das gute Reden nicht nur an Regeln in ihren Lehrbüchern hinterlassen, sondern auch an Beispielen in ihren Reden! Erstens sagten sie nämlich sogar die Dinge, die eine gründliche Diskussion verlangten, in geschmackvoller und eingängiger Art, ob sie nun Definitionen gaben oder Einteilungen vornahmen, wie das auch eure Leute taten. Aber ihr [Stoiker] macht das zu trocken, während man bei der Rede jener Leute sieht, wie glänzend sie ist. (6) Was des weiteren eine schmuckvolle und gewichtige Rede erforderte, wie .großartig wurde das von ihnen gesagt, wie glänzend! . . . nicht nach Art von Leuten, die Dornen ausreißen, wie die Stoiker, auch nicht nach Art von Leuten, die Knochen von Fleisch befreien, sondern nach der Art derer, die bedeutsamere Dinge schmuckvoll und weni241
§ 1.3.5
eere .... erat enirn apud eos, ut est rerurn ipsarum natura, sie dieendi exereitatio duplex. narn, quiequid quaeritur, id habet aut generis ipsius sine personis ternporibusque aut his adiunetis faeti aut iuris aut nominis eontroversiarn. ergo in utroque exereebantur, eaque diseiplina effecit tantam illorurn utroque in genere dieendi eopiarn. (7) Totum genus hoe Zeno et qui ab eo sunt aut non potuerunt (tueri) aut noluerunt, certe reliquerunt. quarnquarn seripsit artern rhetoriearn Cleanthes, Chrysippus etiarn, sed sie, ut, si quis obrnuteseere eoneupierit, nihil aliud legere debeat. itaque vides, quo rnodo loquantur. nova verba fingunt, deserunt usitata ....
252 3 2 effecit edd.: ej]icil codd. I 34 (tueri) add. Cobet I " habebat Baiter: habeat ABERN 1 : habent N 2 : habet V I SJ (sine) add. codd. dett. I" (ne) add. Lam binus I 56 aut Schiehe: sunt ABER: om. NV 1 60 perfectä B: perfecta E
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(8) Sequitur disserendi ratio eognitioque naturae; ... in his igitur partibus duabus nihil erat, quod Zeno eornrnutare gesti- 40 ret. res enim se praeclare habebat, et quidern in utraque parte. quid enirn ab antiquis ex eo genere, quod ad disserendurn valet, praetermissurn est? qui et definierunt plurirna et definiendi artes reliquerunt, quodque est definitioni adiunetum, ut res in partes dividatur, id et fit ab illis et quern ad rnodurn 45 fieri oporteat traditur; itern de eontrarüs, a quibus ad genera formasque generum venerunt. Iarn argurnenti ratione eonclusi caput esse faeiunt ea, quae perspieua dieunt, deinde ordinern sequuntur, turn, quid verum sit in singulis, extrerna eonclusio est. (9) quanta autern ab illis varietas argumentorum ratione so concludentiurn eorumque eum eaptiosis interrogationibus dissimilitudo! Quid, quod plurimis locis quasi denuntiant, ut neque sensuurn fidern sine ratione nec rationis (sine) sensibus exquirarnus, atque ut eorum alterum ab altero (ne) separemus? Quid? ea, quae dialeetici nune tradunt et doeent, nonne ss ab illis instituta aut inventa sunt? de quibus etsi a Chrysippo maxime est elaboratum, tarnen a Zenone minus multo quarn ab antiquis; ab hoe autern quaedarn non rnelius quam veteres, quaedarn ornnino relieta. (10) Cumque duae sint artes, quibus perfeete ratio et oratio eornpleatur, una inveniendi, altera dis- 60
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Fragment
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ger Wichtiges bündig sagen. . .. Es gab bei ihnen nämlich eine zweifache Art der Redeübung- so, wie die Natur der Dinge selbst zwei Seiten .hat. Denn was auch immer zur Untersuchung ansteht, es ist stets entweder eine Streitfrage aus sich heraus ohne Bezug auf bestimmte Personen und Zeitumstände oder mit Bezug hierauf eine Fakten-, Rechts- oder Bezeichnungsfrage. Man übte sich also in beiden Bereichen; und diese Schulung hatte in beiden Bereichen eine Fülle von Ausdrucksmöglichkeiten zur Folge. (7) Dieses ganze Feld haben Zenon und seine Nachfolger nicht behandeln können oder nicht behandeln wollen und jedenfalls beiseite gelassen. Allerdings schrieb Kleanthes eine Rhetorik, desgleichen Chrysipp, aber so, daß jemand, der zu verstummen wünscht, nichts anderes zu lesen braucht. Und so erkennst du, wie sie reden. Sie bilden neue Wörter und geben die gebräuchlichen auf. ... (8) Es folgen die Dialektik und die Physik.... In diesen beiden Teilen gab es nun nichts, dessen Änderung Zenon hätte dringend verlangen können. Die Sache stellte sich nämlich völlig klar dar, und zwar in beiden Gebieten. Denn was haben die Alten von der Thematik ausgelassen, die zur Disputation gehört? Sie haben das meiste definiert und Lehrbücher zur Definitionslehre hinterlassen; ferner wird von ihnen bearbeitet, was mit der Definitionslehre zusammenhängt, nämlich wie eine Sache in Teile eingeteilt wird, und sie teilen mit, auf welche Weise das zu geschehen hat. Ebenso steht es bei der Lehre von den Gegensätzen, von denen aus sie zu den Gattungen und den Arten der Gattungen gelangten. Endlich stellen sie in der Lehre von der schlüssigen Argumentation das an die Spitze, was sie als einleuchtend bezeichnen; dann gehen sie in geregelter Weise weiter, und was im einzelnen wahr ist, bildet schließlich die Schlußfolgerung. (9) Und wie groß ist doch die Mannigfaltigkeit der von ihnen unterschiedenen vernünftig schließenden Argumente, wie kraß fällt bei ihnen deren Unterschied zu den Trugschlüssen aus! Zudem weisen sie uns an sehr vielen Stellen förmlich an, weder von den Sinnen ohne Verstand noch vom Verstand ohne die Sinne Zuverlässigkeit zu erwarten und nicht das eine vom anderen zu trennen. Und waren es nicht sie, die das geschaffen oder herausgefunden haben, was die Dialektiker heutzutage überliefern und lehren? Wenn auch Chrysipp an.diesen Dingen sehr intensiv gearbeitet hat, so hat sich doch Zenon darum viel weniger als die Alten bemüht; manches hat er nicht besser gemacht als die Alten und manches andere ganz beiseite gelassen. (10) Und nachdem es zwei Wissenschaften sind, durch welche die Argumentation und die Rede vollkommenerfaßt werden, nämlich die Wissenschaft der [Argument-]Findung [To243
§ 1.3.5
serendi, hanc posteriorem et Stoici et Peripatetici, priorem autem illi egregie tradiderunt, hi omnino ne attigerunt quidem. nam e quibus locis quasi thesauris argumenta depromerentur, vestri ne suspicati quidem sunt, superiores autem artificio et via tradiderunt.
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Cicero, Acad. post. I 5,19; 8/9,33-35; 11,40; 12,43:
VA. , ... Fuit ergo iam accepta a Platone philosophandi ratio triplex, una de vita et moribus, altera de natura et rebus occultis, tertia de disserendo et quid verum quid falsum quid rectum in oratione pravumve quid consentiens quid repugnet iudicando.'
Varro fährt fort mit inhaltlichen Ausführungen zu den 3 Teilen der Philosophie (ab 8,30 zur Dialektik) und schreibt die dargestell-
(33) ,Haec forma erat illis prima, a Platone tradita; cuius quas acceperim dissupationes si vultis exponam.' ,Nos vero volumus' inquam, ,ut pro Attico etiam respondeam.' ATT. ,Et recte quidem' inquit ,respondes; praeclare enim explicatur Peripateticorum et Academiae veteris auctoritas.' VA. ,Aristoteles igitur ... Theophrastus autem ... (34) Nam Strato ... Speusippus autem et Xenocrates ... et post eos Polemo et Crates unaque Crantor ... Iam Polemonem audiverant assidue Zeno et Arcesilas. (35) sed Zeno, cum Arcesilam anteiret aetate valdeque subtiliter dissereret et peracute moveretur, corrigere conatus est disciplinam. eam quoque si videtur correctionem explicabo, sicut solebat Antiochus.' ,Mihi vero' inquam ,videtur, quod vides idem significare Pomponium.'
Varro referiert also nun Zenons Eingriffe in die Ethik und in die Physik. Dann erklärt er: 253 7 di3supationes Baiter: disputatiorres codd.
(40) ,Plurima autem in illa tertia philosophiae parte mutavit (sc. Zeno).' 244
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252-253
pik] und die Wissenschaft der Erörterung [Dialektik], haben die Stoiker und die Peripatetiker die letztere, aber nur die Peripatetiker auch die erstere vortrefflich gelehrt, während jene dieses Feld gänzlich unberührt ließen. Denn von welchen Orten [topoz] her, sozusagen aus welchen Schatzkammern Argumente zu holen sind, davon haben eure Stoiker keine Ahnung, während ihre Vorgänger darüber mit Geschick und Methode berichtet haben."
Varro: " ... Es gab also [in der alten Akademie und im Peripatos] bereits die von Platon übernommene Dreiteilung des philosophischen Denkens; eine Sparte handelte von der Lebensführung und den Sitten, die zweite von der Natur und ihren Geheimnissen, die dritte von der Disputation, also von dem, was wahr und was falsch ist, was in der Rede richtig oder schief ist, was als konsistent und was als widersprüchlich zu beurteilen ist."
ten Auffassungen der platonischen Akademie zu. Abschließend erklärt er:
(33) "Dies war das ursprüngliche, ihnen von Platon überlieferte Lehrsystem. Wenn ihr wollt, stelle ich auch dessen Aufsplitterungen dar, wie sie sich mir aus der Tradition ergeben haben." Ich antwortete: "Natürlich wollen wir das, sofern ich die Antwort auch für Atticus geben kann." Atticus: "Diese Antwort gibst du völlig zu recht," sagte der; "denn dies ist eine brilliante Darstellung der Lehre der Peripatetiker und der alten Akademie." Varro: "Aristoteles also ... Theophrast indes ... (34) Denn Straton ... Spetisipp und Xenokrates aber ... Und nach diesen Polemon und Krates zusammen mit Krantor ... Bei Polemon nun waren Zenon und Arkesilaos aufmerksame Hörer. (35) Aber obwohl Zenon älter als Arkesilaos war, äußerst subtil zu diskutieren verstand und ein scharfsinniger Denker war, entschloß er sich, das Lehrsystem zu korrigieren. Wenn es beliebt, werde ich auch diese korrigierte Fassung so darlegen, wie Antiochos sie darzulegen pflegte." "Ich jedenfalls stimme zu," sagte ich, "und Pomponius bedeutet dir dasselbe, wie du siehst."
(40) "Die meisten Veränderungen aber nahm er [scil. Zenon] in dem dritten Teil der Philosophie vor." 245
§ 1.3.5 Es folgt das, was Zenon in der Dialektik, speziell in der Erkenntnistheorie an Neuem gesagt hat; der gesamte Text unten in Nr. 256. Es bedeutet eine substantielle Veränderung der zuvor dar-
(43) Quae cum dixisset {et}, ,Breviter sane minimeque obscure exposita est' inquam ,a te Varro et veteris Academiae ratio et Stoicorum. horum esse autem arbitror, ut Antiocho nostro familiari placebat, correctionem veteris Academiae potius quarn aliquam novam disciplinam putandam.'
25
Ciceros Rechtfertigung für diese Einschätzung ist uns nur teilweise erhalten geblieben. Er beginnt mit Überlegungen dazu, wieso Ar-
254
253 23 {et) sccl. Manutius I 25 horum Goerenz: verum codd. 254 • 11011 BENV: om. AR I sillt Madvig: su111 codd. I 18 a Graecia om. BE (sequitur nobis=Romanis, i.c. Romani cp11cedere debe11t)
Cicero, De fin. bon. et mal. III 1/2,3-5:
Stoicorum autem non ignoras quarn sit subtile vel spinosum potius disserendi genus, idque cum Graecis turn magis nobis, quibus etiam verba parienda sunt inponendaque nova rebus novis nomina. quod quidem nemo mediocriter doctus mirabitur cogitans in omni arte, cuius usus vulgaris communisque non sit, multam novitatem nominum esse, cum constituantur earum rerum vocabula, quae in quaque arte versentur. (4) itaque et dialectici et physici verbis utuntur iis, quae ipsi Graeciae nota non sint, geometrae vero et musici, grammatici etiarn more quodarn loquuntur suo. ipsae rhetorum artes, quae sunt totae forenses atque populares, verbis tarnen in docendo quasi privatis utuntur ac suis. atque ut omittarn has artis elegantes et ingenuas, ... quo magis hoc philosopho faciendum est. ars est enim philosophia vitae, de qua disserens arripere verba de foro non potest. (5) Quarnquam ex omnibus philosophis Stoici plurima novaverunt, Zenoque, eorum princeps, non tarn rerum inventor fuit quarn verborum novorum. quodsi in ea lingua, quam plerique uberiorem putant, concessum a Graecia est ut doctissimi homines de rebus non pervagatis inusitatis verbis uterentur, quanto id nobis magis est concedendum, qui ea nunc primum audemus attingere?
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253-254
gestellten Lehren. Mit dieser Einschätzung Varros ist Cicero aber nicht zufrieden:
(43) Als er dies gesagt hatte, sagte ich: "Sehr kurz und äußerst klar ist von dir, Varro, die Lehre der alten Akademie und die der Stoiker dargestellt worden. Deren Leistung muß man jedoch, denke ich, wie das unser Freund Antiochos annahm, eher als eine Korrektur der alten Akademie denn als eine neue Theorie auffassen." kesilaos mit seiner Akademie zur Skepsis kam und mit welchem Recht.
Wie fein gesponnen oder vielmehr spitzfindig die Art der Erörterung aber bei den Stoikern ist, das weißt du sehr wohl; und nachdem sie das schon für die Griechen ist, ist sie es noch viel mehr für uns, die wir zusätzlich neue Wörter schaffen und neue Sachen mit neuen Bezeichnungen versehen müssen. Darüber wird sich freilich niemand wundern, der auch nur durchschnittlich gebildet ist, wenn er nämlich erwägt, daß es in jeder Kunst, die nicht von jedermann angewendet wird und kein Gemeingut ist, viele neue Bezeichnungen gibt, weil es zur Fixierung einer Terminologie für diejenigen Gegenstände kommt, mit denen es die jeweilige Disziplin zu tun hat. (4) Daher verwenden die Dialektiker und Physiker Wörter, die selbst in Griechenland nicht bekannt sind. Auch die Geometer und die Musiker sowie die Grammatiker haben ihre eigene Ausdrucksweise. Und selbst die Handbücher der Redner, die doch ganz im Dienst der Gerichtsbarkeit und der Volksversammlungen stehen, verwenden für Unterrichtszwecke gleichwohl einen Wortschatz, der gleichsam ihr Privatbesitz ist. Und um von diesen feinen freien Künsten abzugehen, ... Um wieviel mehr muß der Philosoph so verfahren; die Philosophie ist ja die Wissenschaft vom Leben und kann, wenn sie Erörterungen darüber anstellt, ihre Worte nicht von der Straße nehmen. (5) Gleichwohl haben unter allen Philosophen die Stoiker [in dieser Hinsicht] die meisten Neuerungen eingeführt, und Zenon, der Gründer ihrer Schule, war nicht so sehr ein Entdecker neuer Sachen als vielmehr ein Erfinder neuer Wörter. Wenn es also bei den Griechen in einer Sprache, die nach Ansicht der meisten Leute reicher [als unsere] ist, erlaubt ist, daß so überaus gebildete Männer für nicht weit verbreitete Sachen ungewöhnliche Wörter benutzen, um wieviel mehr muß dies dann auch uns gestattet sein, die wir uns jetzt erstmals an diese Themen heranwagen? 247
§ 2-2.0
2. Erkenntnistheorie Dieses zweite Kapitel der Fragmentsammlung präsentiert das, was bei den Stoikern als die Lehre von den Vorstellungen (und Wahrnehmungen) oder als die von den Regeln und Kriterien oder ähnlich bezeichnet wurde (vgl. Nr. 33: § 41-43, 255: § 49). Dafür die moderne Gebietsbezeichnung "Erkenntnistheorie" zu wählen, kann zu verschiedenen Erwägungen AnJaß geben, ist aber vertretbar. Die Zugehörigkeit dieses Themenbereichs zur Dialektik wurde von den Stoikern unterschiedlich beurteilt. Einen Überblick über die Meinungsverschiedenheiten fmdet man oben S. LXXXIIIff.; die Fragmentsammlung folgt in dieser Frage dem Diokles-Fragment. Wenn auchdie Verwendung des Ausdrucks "Erkenntnistheorie" gerecht-
2.0
Übergreifende Texte
Siehe auch oben Nr. 33 (§ 42, 45-46, 47) und unten· Nr. 698 (col. III-IV), ferner Nr. 332a.
255
Diocles, ap. Diogenem Laertium Vll 48-54:
'Ev o'Öv 'tote; A.oyLxotc; 'ta'Ü'ta 'tE a'Ö'totc; öoxEt xEq>aA.mroöroc; xai. - tva xai. xa'ta J.LEQoc; EL:rtroJ.LEV - xai. 'tUÖE, Ö.:rtEQ a'Ö'tv dc; 'tTJV Etoayroy(LXTJV ÖLaAEX't}LXytV 'tELVEL 'tEXVTJV, xai. a'Ö'ta ~:rti. A.el;Eroc; 'ti:ihjm ~LOxA.fjc; ö MayvTJc; ~v 'tfi 'E:rtLÖQOJ.Lfi 'tv q>LAoo6q>rov, A.eyrov o'Ü'troc; ·
(49) "'AQEOXEL 'tote; l:'tOOLXotc; 'tOV :rtEQL q>av'taoi:ac; xai. 255 1 ~aü~a n BP••, Nietzsche, Diels, Egli : ~aD't' !"'", Hicks, Long: ~ail~a F I SollEi Cobet, Diels, Hicks, Egli: Sm<Eiv codd., Nietzsche, Long I post XEq>al.a1mS~ interpuoxeruni Nietzsche et Long 1• dltOliUlV Cobet, Bahnsch, Hicks, Long, Egli : SiiiO\IUlV codd., Nietzsche, Diels 1 3 ElaaYOI"'f(•xl'Jv S.a~Ex~)•xl'Jv coni. Egli; cf. supra p. XLVII I 17 "tij SEU~EI!fl. V. Arnim, Egli: "tij Su SEUdQcp Long
m
atal}fJoEro<; :rtQO'tU't'tELV A.6yov, xaß6'tL 'tO XQL'tTJQLOV, eil ft Q)..fJßELa 'tv :rtQayJ.La'trov yLvrooxE'taL, xa'ta yevoc; q>av'taoi:a ~O'tL, xai. xaß6'tL ö :rtEQi. auyxa'taßeoEroc; xai. ö :rtEQi. xa'taA.fJ'Ij.IEroc; xai. vofJoEroc; Myoc;, :rtQoayrov 'troy 10 äA.A.rov, o'Öx livEv q>av'taoi:ac; auvi:O'ta'tm. :rtQOTJYEi:'taL yaQ ft q>aV'taoi:a, flß' t'J ÖLUVOLa ~XAUATJ'tLXTJ 'Ö:rtUQXO'UOa, Ö :rtUOXEL 'Ö:rto 'tfjc; q>av'taoi:ac;, 'tO'Ü'to ~xq>EQEL Mycp. ~Laq>EQEL ÖE q>aV'taoi:a xai. q>UV'tUOJ.La. q>UV'tUOJ.La J.LEV yaQ ~O'tL Ö6XTJOL<; ÖLavoi:ac;, ota yi:vE'tm xa'ta 'toilc; 15 'Ü:rtVO'U<;, q>aV'taOLa ÖE ~O'tL 'tV:rtWOL<; ~V 'lj.I'UX'fi, 'tO'U'tEO'tLV QA.A.oi:romc;, ehe; ö XQilOL:rt:rtoc; ~v 'tfi ÖE'U'tEQC(l llEQi. 'lj.lvxfic; 'Öq>LO'tU'taL. o'Ö yaQ ÖEX'tEOV 'tTJV 'til:rtOOOLV oLOVEL 'tV:rtOV
(50)
248
Fragment
255
fertigt erscheint, so bleibt doch der Gebrauch des Wortes "Erkenntnis" in der deutschen Übersetzung problematisch. Das Wort steht nämlich (zwar nicht an allen Stellen, aber doch) im allgemeinen für "xa'taA:rpjll~"; entsprechend steht "erkennende Vorstellung" für "xa'taA1J1t'tlXTJ q>av'ta
(Anschluß oben Nr. 33)
In der Logik vertreten sie also den Hauptstücken nach diese Auffassungen. Darüber hinaus vertreten sie- um nun auch ins einzelne zu gehen- auch das, was in ihr einführendes dialektisches Lehrbuch gehört. Diokles v. Magnesia führt es in seiner ,Zusammenstellung der Philosophen' wörtlich an. Er schreibt: (49) "Die Stoiker halten es für angebracht, die Erörterung über Vorstellung und Wahrnehmung voranzustellen, insofern das Kriterium, mit dem die Wahrheit der Sachen erkannt wird, der Gattung nach eine Vorstellung ist und insofern ohne die Vorstellung nicht die Erörterung über die Zustimmung sowie die über Erkenntnis und Denken zustandekommt, die den übrigen Ausführungen vorausgeht. Denn zuerst kommt die Vorstellung, und dann äußert der Verstand, der eine Disposition zum Aussprechen hat, in einer Rede aktiv eben das, was er. durch die Vorstellung passiv erfahren hat. (50) Nun besteht ein Unterschied zwischen der Vorstellung und dem Wahnvorstellungs bild. 'Das Wahnvorstellungsbild ist nämlich eine Einbildung des Verstandes, wie sie etwa im Schlaf entsteht. Die Vorstellung hingegen ist ein Eindruck in der Seele, das heißt: eine Veränderung, wie Chrysipp im zweiten Buch ,Über die Seele' anmerkt. Man darf den Eindruck nämlich 249
§2.0 OqJQa'YLO'tijQO~, t:rtEi. CtVEVÖEX'tOV to'tL :rtOÄÄoiJ~ 'tU:rtOU~ Xa'ta 'tO a"Ö'to :rtEQi. 'tO a'Ö'to yivEoß-m. voEL'tat ÖE «pav'taoia 20 'f) Ct:rtO 'Ö:rtclQI(.OV'tO~ Xa'ta 'tO 'Ö:rtclQI(.OV tva:rtOJ.lEJ.la'YJ.lEVY] xai. tva:rtO'tE'tU:rtroJ.lEVTJ xat tva:rtEo«pgayLOJ.lEVTJ, ota o"Öx äv yevm'to Ct:rto llTJ i!:rtagxov'to~.
(51) T6iv ÖE «pav'taOL<öv xa't' a"Ö'toiJ~ at JlEV Elmv atoß-TJ'tLxai, al ö' oü · atoß-T]'tLxat JlEV al ÖL' atoß-T]'tT]QLOU 'f\ atoß-TJ'tTJ- 25 gi:rov ÄaJ.lßav6JlEVat, o'Öx atoß-T]'tLxat ö' al ÖLa 'tij~ ÖLavoia~ xaß-a:rtEQ 'trov aoroJ.la'trov xat 'trov ä>..>..rov { 'trov} Mycp ÄaJ.lßaVOJ.lEVroV. ( 'tLVE~) 'tWV Ö' atoß-T]'tLXÜlV Ct:rtO 'Ö:rtaQX,OV'troV JlE't' EL!;Ero~ xai. ouyxa'taß-EOE(J)~ .yLVOV'taL. doi. ÖE 'tWV «paV'taoL<öv xat tJ.l«paoEL~ at ci:JoavEt Ct:rto 'Ö:rtagx,6v'trov 30 yLV6JlEVaL.
•E'tL 'trov «pav'tamrov at JlEV Etm ÄoyLxai, al ÖE ll.Äoym · ÄoyLxat JlEV at 'trov ÄoyLxrov t.Prov, ll.Äoym ÖE al 'trov CLÄ6yrov. al JlEV o'Üv ÄoyLxai. voTjoEL~ doiv, at ö' ll.Äoym o'Ö 'tE'tUX,Tjxamv ÖVOJ.la'tO~. xai. a[ JlEV ElOL 'tEI(.VLXaL, a[ ÖE li'tEI(.VOL. 35 ll.Uro~ yoiiv ß-EroQEL'tm 'Ö:rto 'tEI(.VL'tou dxc:Ov xat liÄÄro~ 'Ö:rto Ct'tEI(.VOU.
255
2 " 22
xal tva~tott'W
""'I'EV11 B"'P: om. B"F interpolationem antiquam habuit Usener, a recentioribus Stoicis factam v. Arnim 1 27 tliiv3 om. Suda, sec!. Egli 1 28 (mt~) tliiv a· a!alhrnxliiv coni. Egli: t. 15' a!all. (aii!Ev) v. Arnim, Long: tliiv at cpavtacnliiv at a!aliTJnl!ai propos. Gigante I 41 xall' ijv - -ylvovtat del. Gigante I << tö codd.: toll Reiske, v. Arnim 1 47 ( tci at xatci 1'6tcilleatv) add. Stephanus I •• ( tci 158 xatci mtQTJmv) add. Egli
(52) Atoß-TJOL~ ÖE Äeynm xa'ta 'tou~ l:'troLxoiJ~ 't6 't' a«p' 'fl'YEJ.lOVLXOÜ :rtVEÜJ.la t:rti. 'ta~ atoi}TjOEL~ ÖLijXOV xai. 'f) ÖL' a'Ö'trov xa'taÄTJ'IIn~ xat f) :rtEQi. 'ta atoß-TJ'tfJQLa xamoxEuTj, 40 xaß-' i')v 'tLVE~ :rtTJQOi. yivov'taL. xai. f) tvegyELa ÖE atoß-TJOL~ xaÄEL'taL. f) ÖE Xa'tclÄT]'IjlL~ yiVE'taL xa't' a'Ö'tOU~ atai}TjoEL JlEV ÄEuxrov xai. JlEÄavrov xai. 'tQax,erov xai. ÄEirov, Mycp ÖE 'tWV ÖL' Ct:rtOÖEL!;Ero~ ouvayOJ.lEVrov, ÖJO:rtEQ 'tO ß-EOiJ~ flvat, xai. :rtQOVOELV 'tOU'tOU~. 'tWV yag VOOUJ.lEV(J)V 'ta JlEV 45 Xa'ta :rtEQL:rt'troOLV tvoijß-1], 'ta ÖE xaß-' ÖJ.lOLO'tT]'ta, 'ta ÖE Xa't' CtvaÄoyi:av, ( 'trt ÖE Xa'ta JlE'tclß-EOLV,) 'ta ÖE Xa'ta oiivß-EOLV, ( 'ta ÖE Xa'ta O'tEQTJOLV,) 'ta ÖE Xa't' tvaV'tL(J)OLV.
250
Fragment
255
nicht wie den Eindruck eines Siegelrings auffassen, da es [bei einer solchen Interpretation] unmöglich ist, daß an ein und demselben [Körper] in ein und derselben Hinsicht viele Eindrücke entstehen. Gedacht wird die Vorstellung als eine solche, die von etwas Bestehendem her nach Maßgabe des Bestehenden sich [in unserem Geist] abgedrückt hat und [ihm] eingeprägt und eingesiegelt ist, wie sie von etwas nicht Bestehendem her nicht entstehen könnte. (51) Von den Vorstellungen sind nach ihnen die einen sinnlich, die anderen nicht sinnlich. Sinnlich sind die, welche man durch ein oder mehrere Sinnesorgane bekommt, nicht sinnlich die, welche man durch den Verstand bekommt, wie etwa die Vorstellungen von den unkörperlichen Dingen und die von den anderen durch die Vernunft erfaßten Sachen. Einige der sinnlichen Vorstellungen bilden sich von bestehenden Dingen her in Verbindung damit, daß wir ihnen stattgeben und zustimmen. Es gibt unter den Vorstellungen aber auch Illusionen, die sich ausnehmen, als kämen sie von etwas Bestehendem her. Ferner sind von den Vorstellungen die einen vernünftig, die anderen unvernünftig. Vernünftig sind die Vorstellungen der vernunftbegabten Lebewesen, unvernünftig die Vorstellungen der vernunftlosen Lebewesen. Mithin sind die vernünftigen Vorstellungen Gedanken, während die unvernünftigen Vorstellungen keinen Namen haben. Außerdem sind die einen Vorstellungen kunstverständig (wissenschaftlich), die anderen unkünstlerisch (unwissenschaftlich); ein Standbild wird ja von einem Künstler anders betrachtet als von jemandem ohne Kunstverstand. (52) Als Sinneswahrnehmung wird nach den Stoikern erstens der [Pneuma-] Strom bezeichnet, der vom Zentralorgan zu den Sinnen durchdringt, zweitens die durch die Sinne vermittelte Erkenntnis und drittens die Einrichtung der Sinnesorgane, hinsichtlich der einige Menschen verstümmelt sind. Als Sinneswahrnehmung wird außerdem viertens der Akt [der Sinneswahrnehmung] bezeichnet. Die Erkenntnis aber kommt nach ihnen einerseits durch Sinneswahrnehmung zustande [als Erkenntnis] von weißen und schwarzen, rauben und glatten Dingen, und andererseits durch Vernunft [als Erkenntnis] von dem, was durch einen Beweis erschlossen wird, z.B. davon, daß es Götter gibt und daß diese die Vorsehung praktizieren. Denn das, was gedacht wird, wird teils aufgrund einer entsprechenden Gelegenheit zu einem Gedanken [d.h. anläßlich wirklicher Umstände], teils aufgrund einer Ähnlichkeit, teils aufgrundeiner Analogie, teils aufgrundeiner Umstellung, teils aufgrund einer Zusammensetzung, teils aufgrund einer Privation und teils aufgrund einer Entgegensetzung. 251
§ 2.0
(53) Ka'ta :rtEQL:rt'twmv IJ.EV o'Üv
~vot1ßTJ 'ta ai.aßTJ'ta, xaß'
61J.OLO'tTJ'ta ÖE 'tQ {m6 'tLVO~ JtUQUXELJ.LEVOtJ, eh~ l:WXQO'tTJ~ 50 ä:rto 'tfj~ elx6vo~· xa't' ävaA.oyLav öf: a'Öl;TJ'tLxcil~ J.LEV 6 TL'tlJO~ xal. KilxA.w'\jl · IJ.ELW'tLXCÖ~ ÖE, eh~ 6 IluyJ.Lai:o~ - xal. 'tO
XEV'tQOV öf: 'tfj~ yfj~ xa't' ävaA.oyLav ~vo'llßTJ ä:rto 'tcilv IJ.LXQO'tEQWV OIJlaLQCÖV. xa'ta IJ.E'tOßEOLV ÖE, olov lu:pßaAIJ.OL ~:rtl. 'tOii O'ttlßOtJ~, xa'ta aiJvßEOLV ÖE ~VOtlßTJ 'l:rt:rtOXEV'tatJ- 55
QO~, (xal. Xa'ta O'tEQTJOLV, olov Ö.XELQ,) xal. Xa't' ~VUV'tLWOLV ßava'to~.
Noei:'tat öf: xal. xa'ta J.LnaßaaLv 'tLva, eh~ 'ta A.ex'ta xal. 6 't6:rto~. q>tJOLXCÖ~ öf: voei:'tm ÖLxm6v 'tE xal. äyaß6v. {xal. xa'ta O'tEQTJOLV, o{ov ÜXELQ.} 60 TOLaÖe 'tLVa xal. :rtEQl. q>av'taaLa~ xal. alaßt1aew~ xal. vot1aew~ ÖOyJ.La'tLl;OtJOLV.
(54) KQL'ttlQLOV ÖE 'tfj~
ÖATJßELa~ q>aal. 'ttJYXOVELV 'tTJV xa'ta-
ATJ:rt'tLXTtV· q>av'taaLav, 'tOtJ'tEO'tL 'tTtv ä:rto il:rtagxov'to~, xaßa q>TJOL XgiJaL:rt:rto~ ~v 'tfi ÖEtJ'tEQQ 'tcilv flluaLxcilv xal. 'Av'tL- 65 :rta'tgo~ xal. 'A:rtoA.Möwgo~. 6 J.LEV yag B6TJßo~ XQL'ttlQLa
JtAELOVa Ö:rtOAELJtEL, voiiv xal. ataßTJOLV xal. ÖQE!;LV xal. ~:rtLO'ttlJ.LTJV. 6 öf: Xgilm:rt:rto~ ÖLaq>EQOJ.LEVO~ :rtQO~ a'Ö'tov ~v
'tcp :rtg6mp Ilegl. Myou XQL'ttlQLO q>TJOLV e!vaL ataßTJmv xal. l'tQOATJ'\jlLV. ~O'tL Ö' 'I'J JtQOATJ'\jlL~ ~VVOLa q>tJOLXTJ 'tCÖV xaß6- 70 A.ou. äAA.OL öe 'tLve~ 'tcilv ägxaLo'tegwv l:'twLxcöv 'tov ögßov Myov XQL'ttlQLOV ä:rtoA.eL:rtouaLv, eh~ 6 IIoaeLÖci>vLo~ ~v 'tcp IlEQL XQL'tTJQLOtJ q>TJOL.... "
255 "
j.LEV, (~) Hübner, v. Arnim, Lang I 56 verba >
Aus der Schrift des Poseidonios ,Über das Kriterium' stammt wohl nicht nur die Schlußbemerkung, sondern der ganze Passus über das Kriterium der Wahrheit (§ 54). Die Schrift scheint eine philosophiegeschichtliche Studie gewesen zu sein. Denn was Poseido-
~~Bv codd., Egli:
256
Cicero, Acad. post. I 11,40-42:
VA. , ... Plurima autem in illa tertia philosophiae parte mutavit
(sc. Zenon). in qua primum de sensibus ipsis quaedam dixit nova, quos iunctos esse censuit e quadam quasi impulsione oblata extrinsecus, quam ille cpavtaaiav, nos visum appelle-
252
Fragment
255-256
(53) Aufgrund einer entsprechenden Gelegenheit (angesichts wirklicher Umstände) entstehen nun die Gedanken von den sinnlich wahrnehmbaren Gegenständen. Aufgrund einer Ähnlichkeit entstehen die von etwas Anwesendem herstammenden Gedanken, z.B. Sokrates von dem Standbild her. Aufgrund einer Analogie wird einerseits vergrößernd Tityos und Kyklops gedacht, andererseits verkleinernd beispielsweise der Pygmäe; doch auch der Mittelpunkt der Erde wird nach einer Analogie von den kleineren Kugeln her gedacht. Aufgrund einer Umstellung denkt man sich beispielsweise Augen auf der Brust, aufgrund einer Zusammensetzung den Pferdezentauren, ferner aufgrund einer Privation z.B. einen Menschen ohne Hand (einen ,Handlosen') und aufgrundvon Entgegensetzung den Tod. Einiges wird auch aufgrund einer Transzendierung gedacht, so etwa die Lekta und der Ort. Auf natürliche Weise hinwiederum denkt man sich sowohl Gerechtes als auch Gutes. Derartige Lehren verbreiten sie über Vorstellung, Sinneswahrnehmung und Denken. (54) Kriterium der Wahrheit ist, so sagen sie, die erkennende Vorstellung, d.h. diejenige Vorstellung, welche von etwas Bestehendem stammt, wie Chrysipp im 2. Buch der ,Physikalischen Erörterungen', Antipater und Apollodor erklären. Boethos läßt nämlich mehrere Kriterien gelten, und zwar Vernunft, Sinneswahrnehmung, Trieb und Wissen; und im Unterschied zu ihm sagt Chrysipp im 1. Buch ,Über die Vernunft', Sinneswahrnehmung und Vorbegriff seien Kriterien; der Vorbegriff ist ein natürlicher Begriff der allgemeinen Eigenschaften eines Gegenstandes. Dagegen erkennen einige andere Vertreter der älteren Stoa die richtige Vernunft als Kriterium an, wie Poseidonios in seiner Schrift ,Über das Kriterium' sagt. ... " (Fortsetzung unten Nr. 476)
nios nach Sextos Empiricus, Adv. Math. VII 92 sq. 116-119 über das Prinzip, Gleiches werde durch Gleiches erkannt, bei einer Reihe älterer Philosophen geschrieben hat, dürfte ebenfalls aus ,Peri kriteriou' stammen. (Der Kontext der Stelle oben in Nr. 253)
Varro: " ... Die meisten Veränderungen aber nahm er [scil. Zenon] im dritten Teil der Philosophie vor. An erster Stelle sagte er hier einiges Neue über die Sinneswahrnehmungen selbst. Seiner Auffassung nach schließen sie sich sozusagen an einen bestimmten ,Eindruck' an, der von außen kommt; diesen nannte er phantasia (Vorstellung), während wir ihn [lateinisch] als visum
253
§2.0
mus licet, et teramus hoc quidem verbum, erit enim utendum in reliquo sermone saepius - sed ad haec quae visa sunt et quasi accepta sensibus assensionem adiungit animorum, quam esse vult in nobis positam et voluntariam. (41) visis non omnibus adiungebat fidem sed is solum quae propriam quandam haberent declarationem earum rerum quae viderentur; id autem visum cum ipsum per se cerneretur, comprehendibile feretis haec?' ATT. ,nos vero' inquit; ,quonam enim alio modo xataÄ:TIJ.17ttov diceres ?' - VA. ,sed cum acceptum iam et approbatum esset, comprehensionem appellabat, similem is rebus quae manu prenderentur; ex quo etiam nomen hoc duxerat {at}, cum eo verbo antea nemo tali in re usus esset, plurimisque idem novis verbis (nova enim dicebat) usus est. Quod autem erat sensu comprensum id ipsum sensum appellabat, et si ita erat comprensum ut corivelli ratione non posset scientiam, sin aliter inscientiam nominabat; ex qua existebat etiam opinio, quae esset imbecilla et cum falso incognitoque communis. (42) sed inter scientiam et inscientiam comprehensionem illam quam dixi collocabat, eamque neque in rectis neque in pravis numerabat, sed soli credendum esse dicebat. E quo sensibus etiam fidem tribuebat, quod ut supra dixi comprehensio facta sensibus et vera esse illi et fidelis videbatur, non quod omnia quae essent in re comprehenderet, sed quia nihil quod cadere in eam posset relinqueret, quodque natura quasi normam scientiae et principium sui dedisset unde postea notiones rerum in animis imprimerentur; e quibus nmi principia solum sed latiores quaedam ad rationem inveniendam viae reperiuntur. errorem autem et temeritatem et ignorantiam et opinationem et suspicionem et uno nomine omnia quae essent 256 " {at) sec!. Manutius I 20 existebat Plasbcrg: -erat cod. Paris. 6331: -eret cod. Amstelodam. 80, codd. dett: extiterat rell. I 21 imbeci/la (adsenaio) Plasberg in app. crit. I 28 (eam) natura Manutius: nat. (eam) P. Faber Arvernus I 32 reperiuntur) aperiuntur Manutius: aperirentur Davisius: reperirentur Gruterus
254
5
10
15
20
25
30
Fragment
256
bezeichnen können; und wir sollten uns diesen Terminus gut merken, da wir ihn im weiteren Verlauf der Erörterung des öfteren heranziehen müssen. Aber mit diesen Vorstellungen, die wir durch die Sinne gleichsam entgegengenommen haben, verband Zenon außerdem die Zustimmung des Geistes, die - so will er es- in unserer Macht liegt und freiwillig erfolgt. (41) Vertrauenswürdigkeit schrieb er nicht allen Vorstellungen zu, sondern nur denen, die eine bestimmte, ihnen eigene Deutlichkeit der vorgestellten Dinge aufweisen; da diese Art Vorstellung aus sich selbst heraus als solche identifiziert wird, ist sie comprehendibile (,erfassend', erkennend)- sofern ihr diese Wortprägungen gestattet." Atticus: "Das werden wir durchaus tun," sagte er [Atticus]; "denn wie anders könnte man katalepton übersetzen?"- Varro: "Nachdem die Vorstellung nun aber empfangen wordenist und die Zustimmung erhalten hat, pflegte er sie als comprehensio [ = griech. katalepsis] (,Erfassung', Erkenntnis) zu bezeichnen, ähnlich den Dingen, die mit der Hand ergriffen werden- wovon er auch diese Bezeichnung hergeleitet hatte, da niemand vorher dieses Wort für etwas Derartiges benutzt hatte und er sehr viele neue Wörter verwendete (denn seine Lehren waren ja neu). Was nun aber durch eine Sinneswahrnehmung erkannt ist, das nannte er auch selbst eine Sinneswahrnehmung; und wenn es so erkannt ist, daß es durch Raisonnement nicht ins Wanken gebracht werden kann, dann bezeichnete er es als Wissen, andernfalls als Nichtwissen, zu dem also auch die Meinung gehört, die nämlich ohne Halt (eine schwache Zustimmung) und mit dem verwandt ist, was falsch oder (und) nicht bekannt ist. (42) Doch zwischen dem Wissen und dem Nichtwissen siedelte er die Erkenntnis an, von der ich gesprochen habe, und rechnete sie weder zu den richtigen noch zu den verkehrten Vorstellungen, sondern erklärte, daß man ihr als einziger Glauben schenken müsse. Von daher schrieb er auch den Sinneswahrnehmungen Glaubwürdigkeit zu; denn die Erkenntnis kommt, wie ich oben gesagt habe, durch Sinneswahrnehmungen zustande, und dementsprechend hielt er sie sowohl für wahr als auch für glaubwürdig, - dies nicht deshalb, weil sie alles erkennen würde, was die Sache an sich hat, sondern deshalb, weil sie nichts von dem übergeht, was zu ihrem Gegenstand werden kann, und weil die Natur gewissermaßen eine Richtschnur des Wissens und einen Anfang ihrer selbst gewährt hat, von wo aus später die Begriffe der Dinge in den Geist eingeprägt werden; und aufgrund der Begriffe lassen sich nicht nur die Anfänge, sondern auch bestimmte breitere Wege zur Auftindung vernünftiger Einsicht ausfindig machen. Den Irrtum hingegen, die Unbedachtsamkeit, die Unkenntnis, die Vermutung, die Mutmaßung, mit einem 255
§ 2.0
aliena firmae et constantis assensionis a virtute sapientiaque removebat.
35
Atque in bis fere commutatio constitit omnis dissensioque Zenanis a superioribus.'
257
Sextos Empiricus, Adv. Math. Vill 396-400:
'AxoA.oiißw~
ÖE wi:~ ELQTJ!J.EVOL~, btEl. xal. ot .'2>twLxol.
IJ.Ü.ALO'ta ÖOXO'Ü
a:rtoÖELXtLXOU~
cg6:rtov~,
(397) E<JtL IJ.EV o'Üv ~ xat6.Ä.Tj'ljJL~, w~ E<J'l:L :rtag' a'ÖtWV CtXOUELV, XataÄ.Tj:rtLLXij~ 10 :rtaoxovtL EXELtO aÄ.Ä.' ~:rtl. t <pavta<JLO'ÜVtL to oiJtwol. ÖLatEßf]vm, oiov Ä.EvxavtLxG.J~ Ä.Evxoü iJ:rto:rtE<J6vto~ xgw!J.Uto~
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1:0 ÖE ovyxata߀oßm toiitq> t xLVi]!J.atL EXELto ~:rtl. t :rtagaÖE;(OIJ.EVq> ti]v <pavtao(av.
(398) watE
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:rtQOTJ)'Ol!IJ.EVTJV E;(EL ti]v xataÄ.T]:rtnxi]v <pavtao(av, ~~ ~<JtL <JlJ)'XataßE<JL~. ~ ÖE xataÄ.Tj:rttLXTJ <pavtao(a :rtQo
fixE 1:i]v <pavtao(av, ~~ eotLv döo~ ....
(399) ilvt>Ev, &.v
~mÖEL;<{}fi, {ÖLa} tf]~ a:rtoÖELSEW~ Ö'l:L ou Mvatm <pavtaoCa
)'EVEoßm xata toil~ .'2:tWLXOiJ~, Öf]A.ov E<JtaL, w~ o'ÖÖE 20 Xa'l:aAT]:rttLXTJ <pavcao(a tL~ V:rtOoti]oEtaL tf]~ Ct:rtOÖELSEW~,
taiitT]~ ÖE IJ.TJ oiloTJ~ o'ÖÖ' ~ ovyxat6.ßE<JL~ a'Ötf]~, Ö:rtEQ ~v ~ xat
(400) "OtL öe oux eotLv
anoÖELSEW~ <pavtaoi:a xata toil~
.'2:twLxoii~, ÖEi:xvvtm :rtgwtov !J.Ev ex toü xmv6cEeov :rtae' 25 a'Ötoi:~ ÖLaJtE
yag coü cii:rtwmv auti]v A.EyELv ~v ~YEIJ.OVLx ov!J.
xa<eil..l]ljlt<; Hirzel: I " cruyxataCJXEUacrllat N 1 19 {Stil} sec!. Bekker I ,. axoucra vtO<; N: axouovtE<; LE<; 6
a1t6öEt~t<; G
oavtE~ :rtEQl. autf]~ ÖLa
IJ.EV XlJQLW~ axoiloavto~ ti]v IJ.ELU Ei.ooxf]~ xal. ~soxf]~ VOOlJj.lEVTJV, XQlJ<JLJt:rtOlJ ÖE xatUXQT]<JtLXW'l:EQOV avtl. tf]~ 30 aÄ.Ä.OLW<JE
256
Fragment
256-257
Wort: alles, was der festen und beständigen Zustimmung fremd ist, das trennte er von der Tugend und von der Weisheit. Dies also sind so ziemlich die Punkte, in denen Zenons gesamte Veränderung besteht und auf denen die Abweichung seiner Lehre von der seiner Vorgänger beruht."
Im Anschluß an die vorangegangenen Ausführungen wollen wir, da insbesondere die Stoiker mit größter Gründlichkeit die beweiskräftigen Modusformeln ausgearbeitet zu haben scheinen, die Sache auch gegen sie kurz durchargumentieren, indem wir darlegen, daß nach Maßgabe ihrer Annahmen vermutlich alle Dinge unerkennbar sind - und des näheren der Beweis. (397) Wie nun bei ihnen zu hören ist, ist die Erkenntnis eine Zustimmung zur erkennenden Vorstellung und scheint damit eine zweiteilige Sache zu sein, nämlich einerseits etwas Unfreiwilliges zu enthalten und andererseits etwas, was freiwillig ist und im Bereich unserer Entscheidung liegt. Denn von Vorstellungen überkommen zu werden, ist ungewollt und steht nicht in der Macht dessen, dem es widerfährt; sondern von dem, was die Vorstellung erzeugt, hängt es ab, daß der Betroffene in bestimmter Weise affiziert worden ist, daß er z.B. einen Weiß-Affekt erlebt, wenn sich weiße Farbe zeigt, und einen Süß-Affekt, wenn sich etwas Süßes dem Geschmackssinn anbietet. Dieser Anregung zuzustimmen, das hingegen steht in der Macht dessen, der die Vorstellung empfangen hat. (398) Die Erkenntnis hat daher zur Vorgängerin die erkennende Vorstellung, zu der sie die Zustimmung ist, und die erkennende Vorstellung hat zur Vorgängerin die Vorstellung, deren Spezies sie ist .... (399) Wenn sich daher zeigen läßt, daß nach den Stoikern keine Vorstellung des Beweises entstehen kann, ist klar, daß auch keine erkennende Vorstellung des Beweises existieren wird und daß, wenn es diese nicht gibt, auch keine Zustimmung dazu existiert, was nämlich ·seine Erkenntnis wäre. (400) Daß es aber eine Vorstellung vom Beweis nach den Stoikern nicht gibt, wird als erstes bewiesen aus dem bei ihnen herrschenden allgemeinen Dissens darüber, was denn die Vorstellung sei. Denn obgleich sie soweit übereinstimmen, daß sie sagen, die Vorstellung sei ein Eindruck im Zentralorgan, gehen ihre Auffassungen über den Eindruck selbst auseinander. Denn Kleanthes nahm den Ausdruck wörtlich und verstand ihn so, daß er Vertiefung und Erhöhung einschließt, während Chrysipp ihn in einem weiteren Sinne verstand und als Synonym für "Veränderung" betrachtete. 257
§ 2.0
258
Die erkenntnistheoretische Terminologie der Stoiker (also die Termini katalambanein, katalepsis, kataleptike phantasia, katalepton sowie die zugehörigen, den jeweiligen kontradiktorischen Gegensatz ausdrückenden privativen Wortbildungen) wurde durch Zenon eingeführt und war neu: siehe oben Nr. 114, 166, 256 und unten Nr. 369.
258
Fragment
258
Obgleich sie weite Verbreitung fand, wurde sie auch noch in späteren Jahrhunderten als spezifisch stoisch empfunden und wegen der in ihr enthaltenen Sicht der Erkenntnis etwa von Favorim.is abgelehnt und ausgewechselt; vgl. hierzu Galenus, De optima doctrina 1, p. 3sq. Brinkmann, ferner unten Nr. 398.
259
§ 2.1-2.1.1
2.1 Einheit und Vielfalt der Vorstellungen 2.1.1 Die Vorstellung als ,Eindruck' in der Seele Siehe auch unten Nr. 267.
259
259
8 (ti)v) add. Zeller I &.i)ast tfl~ ~tnvoi~ Kochalsky: t. ~tnv. ~- G I u nötm N: nöto LE: niltm "o' VR: nötoü AB I 20 (toü) add. Bekker 1 20122 {xntli - XQ6vov} ut glossema secl. Mutschmann: l!v (xai) xntli t. n. X· Kochalsky: l!va xni t. n. X· Bekker, prob. Heintz. Interpunxi sicut Bckker post XQ6vov et non antea post <>mJln ut Mutschmann; inde scripsit l!v pro l!v omnium codicum
22
Sextos Empiricus, Adv. Math. VD 227-241:
'A:rtoA.Et:rtOJ.LEVTJS ö' ht -cijs I-crotxijs ö6f;TJs :rtaQaXELJ.Levros xal. :ltEQL "tQU"tTJS A.eyroJ.LEV. XQL"tijQLOV "tOLVUV q>aol.v ltA.TJß-ECas ElvaL O[ Ö.VÖQES o'Ü"tOL "tTJV XQ"tQATJ:It"tLXTJV q>av"tao(av. "tQU"tTJV Ö' EtOOJ.LEß-a :ltQO"tEQOV yv6V"tES, "tL :rtO"tE to"tL xa-c' a'Ö"tOUS 1) q>av-caoCa xal. "tLVES t:rt' Ei:öous -cau"tTJS ötaq>oQaC. (228) q>av- 5 -caoCa o-liv to-ct xa-c' a'Ö-coils -cu:rtroOLS tv 'ljluxn. :rtEQL ~s E'Öß-ils xal. ÖLI~O"tTJOay"KA.EaVß-TJS J.LEV yiiQ -f\xouoE "tTJV "tu:rtroOLV xa-ca Elooxijv "tE xat tf;oxijv, ci>o:rtEQ xat (-ciJv) öta -crov öax-cuA.Crov YLVOJ.LEVTJV -co'Ü XTJQO'Ü "tu:rtroOLv, (229) XQUOL:rt:rtos ÖE Ö."tO:ItOV i)yEL"tO "tO "tOLO'Ü"tOV. :ltQÖ>"tOV J.LEV y6.Q, q>TJOL, 10 ÖEijoEL -cijs ötavoCas "Öq>' ~v :rton "tQCyrov6v "tL xat "tE"tQ6.yrovov q>av-caoLOUJ.LEVTJS -co a'Ö-co OÖ>J.La xa-ca -cov a'Ö-cov XQ6vov ÖLaq>EQOV"ta ~XELV :ltEQL a"Ö"tcp oxijJ.La"ta ÖJ.La "tE "tQLyrovov xal. "tE"tQO.yrovov yCvEoß-aL i\ xal. :rtEQLq>EQES, Ö:rtEQ to-cl.v li.-co:rtov· El-ca, :rtoA.J..rov ÖJ.La q>aV"tQOLÖ>V "Öq>LO"tQJ.LEV(J)V tv 'fJJ.LLV, 15 :rtaJ.L:TtATJß-EtS xat -coils OXTJJ.La"tLOJ.LOUS ~f;ELV "tTJV 'ljluxijv, ö -coü :rtQO"tEQOU XELQOV to-ctv. (230) a'Ö-cos o'Üv -cijv -cu:rtroOLv EtQijoß-at -ö:rto -coü Zijvrovos il:rtEvoEL ltv-cl. -cijs t"tEQOtrooEros, ci>o-c' EtvaL "tOLO'Ü"tOV "tOV A.6yov "q>av-cao(a tottv hEQOL(J)OLS 'ljluxijs", J.LTJXE"tL lt-c6:rtou öv-cos (-coü) -co a'Ö-co OÖ>J.La iJq>' ~v 20 {xa-ca -cov a'Ö-cov XQ6vov}, :rtoA.A.rov :rtEQL iJJ.Lä.S auvto"taJ.Lilvrov q>av"taOLÖ>V, :rtaJ.L:TtATJß-ELS ltvaÖEXEOß-aL ä"tEQOLOOOELS. (231) ci>o:rtEQ yiiQ 6 ltijQ, ö-cav ÖJ.La :rtoA.A.ot q>roVÖ>OLV, ltJ.Luß-ii-cous "Ö:rto ~V xal. ÖLaq>EQouoas ltvaÖEXOJ.LEVOS :ltATJYclS E'Öß-i!S :rtoA.A.as taxEt xat -cas hEQotrooELS, oihro xal. -co i)yEJ.LOVLxov :rtot- 25 xCA.ros q>aV"tQOLOUJ.LEVOV ltv6.A.oy6v "tL "tOU"tql :rtELOEtaL. (232) 'AA.A.OL ÖE O'ÖÖE "tOV xa-ca Öt6Qß-rooLV txELVOU tf;EVExß-ev-ca ÖQOV ÖQß-Ö>S ~XELV q>aOLV. Et J.LEV yiiQ ~OtL "tLS q>av-cao(a, aihTJ tu:rtroOLS xal. hEQOLroOLS "tijS 'ljiUXfiS xaß-eO"tTJXEV. Et Öe "tLS to-cl. "tU:rtroOLS "tijS 'ljiUXfiS, txELVTJ o'Ö :rtav-cros to-ct 30 q>av-caoCa. xat yiiQ :rtQOO:rt"taCoJ.La"tOS YEVOJ.LEVOU :rtEQL -cov
260
Fragment
259
Weil nun noch die stoische Lehre übrigbleibt, wollen wir als nächstes auch darüber sprechen. Diese Männer behaupten also, das Kriterium der Wahrheit sei die erkennende Vorstellung. Worum es sich dabei handelt, werden wir verstehen, wenn wir zuvor begriffen haben, was nach ihrer Auffassung die Vorstellung ist und welches ihre spezifischen Differenzen sind. (228) Nun ist die Vorstellung nach ihnen ein Eindruck in der Seele. Hierüber beginnen sie jedoch sofort zu streiten. Denn Kleanthes verstand den Eindruck im Sinne von Vertiefung und Erhöhung, nämlich wie den durch einen Siegelring entstandenen Eindruck in Wachs, (229) während Chrysipp das für unsinnig hielt. Denn erstens, so sagt er: wenn der Verstand sich etwa ein Dreieck und ein Viereck gleichzeitig vorstellt, dann muß ein und derselbe Körper [scil. der Verstand] unvermeidlich selber unterschiedliche Figurenformen zu ein und derselben Zeit annehmen und zugleich ein Dreieck und ein Viereck oder auch noch ein Kreis werden; und das ist absurd. Wenn zweitens viele Vorstellungen zugleich in uns auftreten, wird die Seele auch alle deren unzählige Figuren besitzen; und das ist noch schlimmer als das vorige. (230) Er selbst vermutete also, daß Zenon den Terminus "Eindruck" anstelle von "Veränderung" benutzt habe, so daß die Erklärung eigentlich laute: ,Die Vorstellung ist eine Veränderung der Seele'; daraufhin sei es nämlich nicht mehr absurd, daß dann, wenn bei uns viele Vorstellungen zusammentreffen, derselbe Körper gleichzeitig alle die unzähligen Veränderungen annimmt; (231) denn wie die Luft, wenn viele Leute zugleich reden, unzählige verschiedene Erschütterungen in eins erfahrt und dabei sofort auch die Veränderungen in großer Zahl festhält, so wird auch das Zentralorgan etwas dem Analoges erfahren, wenn es sich bunt gescheckte Vorstellungen macht. (232) Andere behaupten nun, daß auch die Definition in der berichtigten Fassung Chrysipps nicht richtig sei. Denn wenn es eine Vorstellung gibt, dann handelt es sich um einen Eindruck in der Seele und um eine Veränderung von ihr; aber wenn etwas ein Eindruck in der Seele ist, dann ist es doch keineswegs immer eine Vorstellung. Denn wenn man mit dem Finger 261
§ 2.1.1
259 " ( äv) add. Kochalsky, Hülser (om. Mutschmann) l~tou)v Bekker: 1toiov G- item I. 45 I 30 (tijv) ljiUXTJV NE I 34 <>ii>l'«to<;, (ljiUXTJV 1<01\IÖI<; tijv Ö~'I]V lt]vlii'EVO\ ... öu!uaav N
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262
Fragment
259
irgendwo anstößt und sich dadurch verletzt oder wenn ein Juckreiz an der Hand auftritt, dann führt das zwar zu einem Eindruck und zu einer Veränderung der Seele, aber keineswegs auch zu einer Vorstellung, weil sich diese ja nicht in jedem beliebigen Teil der Seele bildet, sondern allein im Verstand und im Zentralorgan. (233) Diesen Leuten treten die Stoiker entgegen, indem sie erklären, der Ausdruck "Eindruck in der Seele" bedeute einschlußweise "insoweit er in der Seele erfolgt"; somit laute die Erklärung vollständig: ,Die Vorstellung ist ein Eindruck in der Seele, insoweit er in der Seele erfolgt'. Wie nämlich die Ephelotes-Krankheit als ,weißer Fleck im Auge' definiert ist und wir dabei einschlußweise meinen: "insoweit im Auge, d.h. in einem bestimmten Teil des Auges, der weiße Fleck auftritt", so daß sich nicht der Sinn ergibt, wir Menschen würden alle Ephelotes haben, da wir von Natur aus alle etwas Weißes im Auge haben, - genauso meinen wir, wenn wir sagen, die Vorstellung sei ein Eindruck in der Seele, einschlußweise auch, daß der Eindruck in einem bestimmten Teil der Seele erfolgt, nämlich im Zentralorgan; mithin lautet die Definition in entwickelter Form so: ,Die Vorstellung ist eine Veränderung im Zentralorgan'. (234) Andere gingen von demselben Gedankengang aus, entwickelten die Verteidigung aber eleganter. Denn das Wort "Seele" hat - so sagen sie - zwei Bedeutungen; es bezeichne sowohl das, was das ganze Gefüge zusammenhält, als auch insbesondere das Zentralorgan. Wenn wir nämlich sagen, der Mensch bestehe aus Seele und Körper oder der Tod sei die Trennung der Seele vom Körper, so sprechen wir speziell vom Zentralorgan.... (236) Wenn daher Zenon sagt, die Vorstellung sei ein Eindruck in der Seele, dann hat man auch hierbei unter der Seele nicht die Seele insgesamt zu verstehen, sondern jenen Teil von ihr, so daß das Gesagte sich dann folgendermaßen darstellt: ,Die Vorstellung ist eine Veränderung im Zentralorgan'. (237) Aber, sagen manche Leute, auch in dieser Form ist es wiederum fehlerhaft. Denn auch der innere Impuls, die Zustimmung und die Erkenntnis sind zwar Veränderungen des Zentralorgans, unterscheiden sich aber von der Vorstellung. Denn diese ist ein Widerfahrnis unsererseits und eine Disposition, während jene viel eher bestimmte Aktivitäten von uns sind. Folglich ist die Definition falsch, weil sie zu vielen verschiedenen Sachen paßt. (238) Und ebenso wie detjenige, der den Menschen definiert und sagt, der Mensch sei ein vernunftbegabtes Lebewesen, den Begriff des Menschen nicht korrekt dargestellt hat, weil auch Gott ein vernunftbegabtes Lebewesen ist, so geht auch derjenige fehl, der die Vorstellung als eine Veränderung des Zentralorgans erklärt; dies ist nämlich nicht so sehr eine Erklärung der Vorstellung 263
§ 2.1.1
XO"Ü ÖLE:rtEOEV" O"Ö J.LÖ.IJ..ov yaQ 'tQU'tT)c; i\ ~XclO'tT)c; 'tÖ>V xa't- 70 TJQLßJ.LT)J.LEVOOV XLV"JlOEWV ea'tLV Ö.:n:6Öoatc;. (239) 'tOLQU'tT)c; Ö' OllOT)c; XQL 't'ijOÖE 'tfjc; evO'tclOEroc; :rtclALV e:n:i. 'tac; O"UVEJ.LQai:rov, xai. et J.LTJ xa'ta 'tO QTJ'tOv 'tO"Ü'to exV 'tOLOV'tWV ÖLaßEOEWV, (241) i'J €XELVO ye, e:n:Ei. "iJ <paV'taai:a YLVE'taL i')'tm 'tÖ>V ex'toc; i\ 'tÖ>V ev "iJJ.LLV :n:aßrov (ö öiJ X"UQLW'tEQOV ÖLaxevoc; ~A.xuaJ.Loc; :n:aQ' a"Ö'toi:c; xaA.ei:'tm), :rtclV'tWc; ev 'tCfl A.6ycp 't'ijc; <paV'taai:ac; O"UVEJ.L<paLVEaßaL 'tO 'tTJV :rtELOLV yLVEOßaL i')'tOL Xa'ta 'tTJV ex'toc; :rtQOOßOATJV i'J XQ'tfl 90 'ta ev "iJJ.LLV :n:aßT), Ö:rtEQ O"ÖXE't' ~O'tLV e:n:i. 'tfjc; Xa'ta 'tac; a"Öf;"Jl- · OELc; i\ ßQE'IjlELc; hEQOLWOEWc; auvef;axOVELV.
1J J.LEV <pav'taai:a xa'ta 'toilc; ö.:n:o 'tfjc; l:'toäc; oü'tro ÖUOa:rtOÖO'tOc; €O'tL.
'AU'
260
Sextos Empiricus, Adv. Math. Vll 372-376:
1J <pav'taai:a, i')'tOL xa't' ef;oxT)v xai. etaoxiJv 'til:n:roaCc; ea'tLV, c:Oc; of. :rtEQL 'tOV KA.eavßT)v VOJ.LLl;oumv, i\ xa'ta 'ljltA.T)v hEQoi:romv yi:ve'tm, xaßcl:n:EQ of. :rtEQL 'tOV XQilOL:n::n:ov eö6f;aaav. (373) xai. El J.LEV xa't' ef;oxT)v xai. etaoxT)v 'Ö
259 91 Ö!tEQ Bckker: liltEQ G 260 • taötil Kayser dubit.
264
Fragment
259-260
als vielmehr jedes der aufgezählten Prozesse. (239) Dies also ist der weitere Einwand. Daraufhin greifen die Stoiker wiederum auf die einschlußweisen Bedeutungen zurück und sagen, man müsse in der Definition der Vorstellung die Worte "aufgrund eines Widerfahrnisses" mitverstehen; wie nämlich derjenige, der sagt, die Liebe sei ein Versuch, Freundschaft zu schließen [so nach Diog. L. VII 130 insbesondere die Stoiker selbst], einschlußweise ,[Freundschaft] mit jungen Leuten in der Blüte des Lebens' meint, auch wenn er dies nicht explizit äußert (denn niemand liebt Greise und Leute, die nicht in der Blütezeit des Lebens stehen), so meinen wir - behaupten sie -, wenn wir die Vorstellung als eine Veränderung des Zentralorgans bezeichnen, einschlußweise, daß die Veränderung aufgrund eines Widerfahrnisses erfolgt und nicht aufgrundeiner Aktivität. (240) Jedoch haben sie sich allem Anschein nach auch so dem Vorwurf nicht entzogen; denn wenn das Zentralorgan ernährtwird und, bei Gott, wächst, so verändert es sich zwar aufgrundeines Widerfahrnisses, und diese seine Veränderung ist, auch wenn sie aufgrund eines Widerfahrnisses und einer Disposition erfolgt, trotzdem keine Vorstellung, - es sei denn, sie würden wiederum erklären, die Vorstellung sei eine spezielle Form des Widerfahrnisses, die sich von solchen Dispositionen unterscheide; (241) oder sie würden eben erklären: weil die Vorstellung entweder von den Außendingen her oder aufgrund der Affekte in uns entsteht (im zweiten Fall sprechen sie präziser von einer völlig leeren Attraktion), deshalb sei in der Definition der Vorstellung immer einschlußweise mitgemeint, daß das Widerfahrnis entweder durch den Einfluß von außen oder aufgrund der Affekte in uns eintrete; dies mitzuverstehen ist nicht mehr möglich bei der Veränderungaufgrund von Vergrößerung oder Ernährung. Somit ist die Vorstellung im Sinne der Stoiker sehr schwer verständlich zu machen. (Fortsetzung unten Nr. 273)
Wenn die Vorstellung nämlich ein Eindruck in der Seele ist, dann ist sie entweder ein Eindruck im Sinne von Erhöhung und Vertiefung, wie man das im Kreise des Kleanthes annimmt, oder sie erfolgt im Sinne einer bloßen Veränderung, wie man das im Kreise Chrysipps lehrte. (373) Wenn sie nun im Sinne von Erhöhung und Vertiefung existiert, dann ergeben sich eben die absurden Konsequenzen, die im Kreise Chrysipps geltend gemacht werden. Denn wenn die Seele dadurch vorstellungsmäßig affiziert wird, daß sie in der Art von Wachs eingedrückt wird, dann wird immer die letzte
265
§ 2.1.1
,;ö fo:x,a,;ov XLVTJJ.La ~moxo,;fJoEL "t'fi :rtQO"tEQ~ <pav,;ao(~, ÖlO:rtEQ xal. Ö "tf)~ ÖE'U"tEQa~ OV, Ö.VaLQEL"taL ÖE :rtäoa "tE)(.VTJ. ouÖ"tTJIJ.a YelQ Tjv xal. liß-QOLOJ.La xa,;aA.fJ'IjJec.ov, :rtA.Ei:ova~ öt <pav,;ao(a~ xal. ÖLaV :rtEQL a'Ö"tÖ "tU:rtC.OV. o'Ö "tOLV'UV 1) X'UQLC.O~ VOO'U!J.EVTJ "tU:rtC.OOL~ ~O"tL <pav"tao(a. (374) lii..A.c.o~ "tE, et Ö'ljJL~ ~O"tL "tÖ>V Ö.ÖfJA.c.ov "tel <paLVO!J.EVa, ß-EC.OQO'Ü!J.EV ÖE "tel :rtOAU :rtQ)(.'U!J.EQEO"tEQa "tO'Ü :rtvEU!J.Q"tO~ ,;rov <paLVO!J.Evc.ov oroJ.La"ta !J.TJÖ' ÖV"tLvoüv :rtEQL aiJ,;ot~ ,;unov Ö'UVcl!J.EVa "tTJQELV, EÜI..oy6v ~O"tL !J.TJÖE "tO :rtVE'ÜJ.La ~va !J.OVOV "tLVel (:rtEQL) aiJ,;q> <pav,;ao(a~ "tU:rtOV IJl'UAQ"t"tELV. xal. J.LT)V "tÖ fJÖC.OQ :rta)(.'U!J.EQEO"tEQOV ~O"tL :rtVEUIJ.a"tO~. Ö.AA' o'ÖÖE:rtO"tE ÖaX"tUAO'U ~:rtEQELOß-EV"tO~ a'Ö"tq> :rtEJ.La xaß-eo,;ro~ ocp6ÖQa.Ö.Ö'UVQ"tC.O~ f:X,EL "tU:rtO'U~ "tLVel~ :rtEQL aiJ,;q> IJl'UAQ"t"tELV, cpaVEQOV ÖfJ:rtouß-ev, Ö"tL o'ÖÖE "tÖ :rtVE'ÜJ.La. cpUOLV f:X,EL :rtQO~ ,;oü,;o ~:rtL"tfJÖELov, A.e:rt"tO!J.EQEO"tEQOV xal. EÜQO'UV :rtaQel "tel "tOLQ'Ü"ta "tÖ>V OC.OIJ.cl"tC.OV "Ö:rtclQ)(.OV.
(376) Nai:, ö.A.A.' o'Ö X'UQLC.O~ "tU:rtc.oot~ ~O"tLV 1) cpav,;aoi:a, 'ljJLAi) ÖE hEQOLC.OOL~ "tf)~ ÖLavo(a~. Ö :rtaALV "tO'Ü :rtQO"tEQO'U XELQOV Tjv. 260
14
Wieweit das zweite Argument (§ 374/5) stoischen Ursprungs ist oder von den Stoikern allenfalls hingenommen wurde (vgl. § 376), stehe dahin. Was Sextus aber gegen die Chrysippsche Erklärung vorbringt (§ 376-379 und weiter bis 387), ist sicherlich nicht stoisch. Auch geht die Kritik nicht auf die Probleme ein, die fllr
liUwv Bekker:
IIUw~ G 1 16 ~ tE, EI Bekker: cUX lllaiiEQ EI E~: cl1..Ä: llla!!EQ f1 L: cUX lllai!EI! N I 20 (IIEQi) ail'l:@
Mutschmann: ailto G: dito Bekker 1 26 to ailto] ai>to tb Bekker dubit.: o!ito~ ail'l:o~ Heintz: totlto to OÖli'U ( del. OÖli'U I. 27) Mutsehrnano dubit. in app. crit. 1 21 ailt@ Bekker: ai>to G
261
Sextos Empiricus, Pyrrh. Hypot II 70:
AtyouoL YelQ cpav,;aotav ElvaL Tll:rtc.oOLv ~v i)yE!J.OVLxq>. ~:rtel. ouv 1) 'ljJu:x,i) xal. ,;ö i)yE!J.OVLxöv :rtVE'Ü!J.6. ~O"tLV fJ A.e:rt1:0!J.EQE-
266
10
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30
Fragment
260-261
Bewegung mit ihrem Resultat die vorherige Vorstellung überschatten, genauso wie der Eindruck des zweiten Siegels den des vorangehenden tilgt. Wenn es aber so ist, dann wird das Gedächtnis aufgehoben, welches ja ein Schatz von Vorstellungen ist, und es wird jede Wissenschaft aufgehoben; denn sie ist ja ein System und eine Vereinigung von Erkenntnissen, und es ist nicht möglich, daß im Zentralorgan mehrere verschiedene Vorstellungen subsistieren, wenn die Eindrücke in es als immer wieder andere gedacht werden. Somit ist nicht derjenige Eindruck die Vorstellung, an den man nach der Wortbedeutung in erster Linie denkt. (374) Ferner: Wenn die offensichtlichen Dinge einen Blick auf die verborgenen ermöglichen und wenn wir dann beobachten, daß die Körper der offensichtlichen Dinge aus viel massiveren Teilen bestehen als das Pneuma [d.i. die Substanz des Zentralorgans] und dennoch nicht in der Lage sind, irgendeinen Eindruck in ihnen festzuhalten, so ist es vernünftig anzunehmen, daß auch das Pneuma keinen einzigen von einer Vorstellung herstammenden Eindruck in sich aufbewahrt. Und in der Tat ist das Wasser massiver als das Pneuma; aber wenn ein Finger auf es gedrückt wird, dann hat man noch nie gesehen, daß es den durch diesen Druck erzeugten Eindruck festgehalten hätte. (375) Doch was spreche ich vom Wasser, wo selbst ganz weiches Wachs, welches im Vergleich schon als fest anzusehen ist, sich zwar wegen seiner Elastizität augenblicklich von etwas eindrücken läßt, aber den Eindruck nicht bewahrt! Wenn also selbst dieser Körper, der im Vergleich zu Wasser verhältnismäßig fest ist, vollkommen außerstande ist, irgendwelche Eindrücke festzuhalten, die an ihm gemacht werden, dann ist von daher wohl offensichtlich, daß auch das Pneuma nicht mit einer Natur ausgestattet ist, die dazu geeignet wäre, da es ja im Vergleich zu solchen Körpern feinere Teile hat und sehr flüssig ist. (376) "Ja; aber die Vorstellung ist nicht ein Eindruck im eigentlichen Sinne, sondern eine bloße Veränderung des Verstandes." Das wiederum wäre schlimmer als die vorige Erklärung. Chrysipp im Unterschied zu Kleanthes unter dem Gesichtspunkt der Sicherung der Objektivität der Vorstellung entstehen könnten. · Vielmehr akzeptiert sie die Rede von einem Eindruck auch noch, nachdem klar ist, daß dieser nicht im eigentlichen Sinne verstanden werden darf; vgl. § 380- und:
Sie sagen nämlich, die Vorstellung sei ein Eindruck im Zentralorgan. Da nun die Seele und das Zentralorgan ein Hauch (Pneuma) sind oder etwas 267
§ 2.1.1
O"tEQ6V 'tL ltVEUJ.LQ'tO~, eh~ q>aa(v, oiJ ÖUVTJOE'taL 'tL~ 'tUltC:OOLV tmvoeiv tv ail-c<j> oiJu xa-c' ElaoxT!v xat t;oxiJv, eh~ tnt -crov aq>Qayi:örov ÖQOOJ.LEV, oiJ-ce xa'tel 'ti)v 'tEQa'toA.oyouJ.LEVTJV hEQOL(I)'tLXTJV' oil YelQ äv J.LVTJJ.LTJV 'tOOOU't(I)V avaöt;m-co i}eroQTJJ.Lcl'trov öaa auvLO'tTJOL 'tEXVTJV, tv -cai~ tmyLVOJ.LEVaL~ hEQOLWOEOL 'tOOV ltQO"ÜltOXELJ.LEV(I)V anaAELq>OJ.LEV(I)V.
262
s
Alexander Aphr., De anima p. 72,5-13:
XQi) ÖE 'tO"Ü 'tUltOU XOLV6'tEQOV tni. 'tfj~ q>av-caa(a~ axoilELV. XUQLro~ J.LEV YelQ -cuno~ -co xa-c' etaoxiJv -ce xat t;oxiJv, il -co 'tO"Ü 'tUltO"ÜV'tO~ tv 't{j> 'tUltOUJ.LEVQay(Örov ~xov'ta. oilx OU't(l)~ ÖE 'tel am) -crov at~-crov tyxa-caA.ELJ.LJ.La'ta tv 'iJJ.LiV yi:ve-cm. oilöE YelQ s 'tTtV liQXTJV xa'tel OXfiJ.Lcl 'tL 'i) 'tOOV a[a~'tOOV QV'tLAT)'IjiL~. ltOLOV YelQ oxfiJ.La 'tO AEUXOV il öA.ro~ 'tO XQOOJ.La; il ltOLOV OXfiJ.La 'i) ÖOJ.LTJ; aA.J..el ÖL' Qli:OQLaV XUQLOU 'tLVO~ ÖV6J.La'tO~ 'to txvo~ xat tyxa'tclJ..ELJ.LJ.La 'tO 'ÖltOJ.LEVOV ano 'tOOV a[a~'tOOV tv 'iJJ.LLV 'tUltOV XQAO"ÜJ.LEV J.LE'taq>EQOV'tE~ miJVOJ.La. 10
263
261 3 Xa'tci dcl. v. Amim 262 > ij •6] codex "male distinguit cohaerentia. nam 'tO tv 'tijl 'tllltOUp.Svql azij1111 yiw'tm xa't' dao:x:iiv
xnl ~o:x:.;v. fortassc
ÖKo"
Alexander Aphr., De anima p. 68,10-21:
To -coLoiJ-cov tyxa-caA.ELJ.LJ.La xai. -cov -coLoü-cov cl>aneQ -cunov q>av-caa(av xaJ..oiJOLV. ÖLO Xav-caa(av 'tUlt(I)OLV tv '\jiUXfl xai. 'tUlt(I)OLV tv 'i)yEJ.LOVLX{j>. J.LTJltO'tE ÖE oilx Ö 'tUltO~ ail-co~ 'i) q>av-caa(a, aA.A.el 'i) li:EQL 'tOV 'tilnov 'tO"Ü'tOV 'tfj~ q>aV'taO'tLXfj~ ÖUVclJ.LE(I)~ tVEQYELa. El YelQ ~V S ail-co~ ö -cuno~ i) q>av-caa(a, ~J.LEV äv tv q>av-caOLQ. xat J.LTJ tVEQyO"ÜV'tE~ li:EQL aiJ-c6v, ~XOV'tE~ ÖE aiJ-c6v, xat Ö.J.La liv tv ltAELOOLV ~J.LEV q>aV'taOLaL~ xat 'tOOaU'taL~ Öarov 'tOV 'tUltOV ac:Ol;oJ.LEV. hL ij-cm -c1tv yLVOJ.LEVTJV -cunroaLv q>av-caa(av AEYOUOLV i'J 'tTJV yeyovuiav 'f\ÖTJ xat o'Öaav. all' El J.LEV 'tTJV 10 YLVOJ.LEVTJV, -cT)v atai}TJOLV liv A.eymev 'ti)v xa-c' tvllQYELav
(Bruns in app. crit.)
268
Fragment
261-263
noch Feinteiligeres als ein Hauch, wie sie erklären, so kann man sich darin keinen Eindruck denken, und zwar weder einen Eindruck im Sinne von Vertiefung und Erhöhung, wie wir ihn bei den Siegeln sehen, noch einen Eindruck im Sinne jener wundersamen Veränderung. Denn das Zentralorgan wäre nicht in der Lage, das Gedächtnis so vieler Lehrsätze aufzunehmen, wie zu einer Wissenschaft gehören, weil bei den nachfolgenden Veränderungen die bereits vorhandenen ausgelöscht würden.
Bei der Vorstellung indes muß man den Terminus ,Eindruck' allgemeiner verstehen. Denn nach der Grundbedeutung ist ein Eindruck im Sinne von Vertiefung und Erhöhung oder als die Figur zu verstehen, welche von dem Eindrückenden in dem Eingedrückten entsteht,- so, wie wir die Verhältnisse bei den Siegeln sehen. Aber die von den sinnlich wahrnehmbaren Dingen stammenden Überbleibsel in uns bilden sich nicht auf diese Weise. Denn die Auffassung der sinnlich wahrnehmbaren Gegenstände geschieht überhaupt nicht im Sinne irgendeiner Figur. Was für eine Figur nämlich wäre das Weiße oder überhaupt die Farbe? Oder was für eine Figur wäre der Geruch? Vielmehr bezeichnen wir in Ermangelung einer eigentlichen Bezeichnung die Spur und das Überbleibsel, was von den Gegenständen der Sinneswahrnehmung in uns bleibt, als Eindruck, wobei wir dieses Wort metaphorisch benutzen. (Fortsetzung unten Nr. 293)
Das so beschaffene Überbleibsel und den so beschaffenen Quasi-Eindruck nennt man Vorstellung. Deswegen definiert man sogar die Vorstellung als Eindruck in der Seele und als Eindruck im Zentralorgan. Aber niemals ist der Eindruck selbst die Vorstellung, sondern die Tätigkeit des Vorstellungsvermögens im Zusammenhang mit diesem Eindruck. Denn wenn der Eindruck selbst die Vorstellung wäre, dann wären wir in einer Vorstellung auch dann, wenn wir im Zusammenhang mit ihm nicht tätig sind, ihn aber haben, und wir wären gleichzeitig in mehreren Vorstellungen, und zwar in so vielen, von wievielen wir den Eindruck bewahren. Ferner bezeichnet man entweder den im Entstehen begriffenen Eindruck als Vorstellung oder den bereits entstandenen und existenten. Wenn aber den im Entstehen begriffenen, dann könnte man die Sinneswahrnehmung als die Vorstellung
269
§ 2.1.1
<pav-tao(av. aihTJ yuQ f) yevEOL(; 'to'Ü 'tUJtou, 6./-..'J...u y(vov'tm <panaotm xal xmQL(; 'tfi(; xa'tu tu(; atoß-iJoEL(; tvEQYEta(;. El ÖE 'tTJV yEyovvi:av XUL Offi~Of..lEVTJV, 'tTJV f..lVTJf..lTJV dv Ä.EyOLEV <pavtaoi:av. ä.A.A.u ELTJ dv W(; €Jti 'tfj(; ato{}iJoem(;. 15
Stoisches Gedankengut wird von Alexander hier nicht eigentlich präsentiert, sondern nur verwendet und - wie die Art der Unter-
264
Philo, De opificio mundi § 166, Vol. 1, p. 58 C-W:
... 'tOV VO'ÜV, <j} 'tU ·yuQ toLxffi(; öExemL tu(; ÖLu tmv atottiJoemv <pav'taoi:as, al(; tu OWf..lata xataÄ.aJ1ßavEL ÖL' a'Ö'to'Ü f..lTJ övva- 5 f..lEVO(;, xaß-aJtEQ elJtOV 'fiÖTJ.
Die entypösis-Lehre ninunt Philo auch noch anderweitig auf, etwa Legum allegoriae I§ 30, Vol. 1 p. 68 C-W (unten Nr. 299); ferner:
265
Philo, Legum allegoriae I§ 61, Vol. 1 p. 76 C-W:
To f)yEf..lOVLXOV t)f..liDV JtaVÖEXE(; eotL xal ~OLXE XTJQc:i> Jtavta(; tuJtOll(; xa'J...ou(; tE xal aLOXQOU(; öexof..lEV
266
3 >
Boethius, In Arist. De interpr. I 1, p. 34,13-22: .
Fit vero haec passio velut figurae alicuius inpressio, sed ita ut in animo fieri consuevit. aliter namque naturaliter inest in re qualibet propria figura, aliter vero eius ad animum forma transfertur, velut non eodem modo cerae vel marmori vel chartis litterae id est vocum signa mandantur. et imaginationem Stoici a rebus in animam translatam loquuntur, sed cum adiectione semper dicentes ut in anima. quacirca cum omnis animae passio rei quaedam videatur esse proprietas, ...
264
270
5
Fragment
263-266
in Tätigkeit bezeichnen. Diese ist nämlich die Entstehung des Eindrucks; Vorstellungen gibt es aber auch unabhängig von der Tätigkeit in den Sinneswahrnehmungen. Wenn man hingegen den entstandenen und bewahrten Eindruck als Vorstellung bezeichnet, dann könnte man das Gedächtnis als Vorstellung bezeichnen. Aber dann ist es [mit der Vorstellung] wohl wie mit der Sinneswahrnehmung. scheidungvon Eindruck und Vorstellung zeigt- durch eine peripatetische Interpretation umgedeutet .
. .. den Geist, dem sie [scil. die Sinneswahrnehmungen] die äußeren Erscheinungen von außen nach innen zuführen; sie melden und zeigen sie ihm, indem sie ihm die Züge (Eindrücke) der einzelnen Dinge einsiegeln und in ihm den entsprechenden Affekt erzeugen. Denn ähnlich wie Wachs nimmt er die durch die Sinneswahrnehmungen vermittelten Vorstellungen auf, durch die er die Körper erkennt; dazu ist er nämlich nicht durch sich selbst in der Lage, wie ich bereits gesagt habe.
Unser Zentralorgan ist für alles aufnahmefähig und gleicht einer Wachstafel, die alle Eindrücke in sich aufnimmt, gute wie schlechte.
Diese Affektion aber erfolgt gleichsam wie der Eindruck einer Gestalt, dies jedoch nur insofern, als sie in unserem Geist stattzuhaben pflegt. Denn auf die eine Art ist in jedem beliebigen Gegenstand die ihm eigentümliche Gestalt natürlicherweise enthalten; aber auf eine andere Art überträgt sich deren Form in den Geist, ebenso wie die Buchstaben, d.h. die Zeichen für die Laute, dem Wachs, dem Marmor oder dem Papier nicht auf dieselbe Art anvertraut werden. Und von der Vorstellung erklären die Stoiker, sie sei von den Dingen her in die Seele übertragen; doch. machen sie dabei immer einen Zusatz und sagen: ,insofern, als sie in der Seele statthat'. Weil demnach jede Affektion der Seele offenbar eine Eigentümlichkeit einer bestimmten Sache ist, ... 271
§ 2.1.2
2.1.2 Verschiedene Arten von Vorstellungen und Vorgestelltem Siehe auch oben Nr. 259 (§ 241)- und zu den ,Gedanken(bildemt unten Nr. 315 (sowie die darauffolgenden Texte).
267
Suda s.v. Phantasia kai phantasma diapherei, Vol. IV p. 698 Adler:
ll»av'taoi:a. xal. q>av'taOIJ.a ÖLaq>EQEL: q>av'taOIJ.a IJ.EV yaQ ~O'tL ö6xTJOLS ÖLavoi:as, oia yi:vnm xa'ta 'toils fm:vo'Us · q>av'taoi:a ÖE 't'Ö3tolOL!; ~V .'lji'UXfl, 'tO'U'tEO'tLV Ö.Ä.Ä.OL(J)OL!;. O'Ö yaQ öex'teov 't'iJv 'tiJ3troaLV, otovet 'til3tov aq>QayLa'tfJQos · ~3tEL Ö.VEVÖEX'tOV ~O'tL 3tOÄ.Ä.OtJ!; 'tlJ3tO'U!; Xa'ta 'tO a'Ö'to 5 3tEQi. 'tO a'Ö'to yi:veai}m. voei'taL öe q>av'taoCa 'fl ö.m) fl3tclQXOV'tO!; Xa'ta 'tO 'Ö3ttlQXOV ~VQ3tOIJ.EfA.UYfA.EVTJ xai. ~VQ3tO'tE't'U3t(J)fA.EVTJ xal. ~Va3tEOq>QUj'LOfA.EVTJ, ota O'ÖX dv yevoL'to 6.3to fA.TJ 'Ö3taQxov'to!;. 'tl'ilv öe q>av'tamrov at fA.EV etmv alo~'tLXai:, at öe oi'J' alo~'tLxal. fA.EV at ÖL' aloi}TJ- 10 'tTJQLQ'U i'J alo~'tTJQLrov Ä.aiJ.~aV6fA.EVaL, o'Öx alai}T)'tL:X:ai. ÖE at ÖLa 'ti'JS ÖL!lVOLU!;, :x:ai}MEQ 'tl'i>V Ö.OrofA.cl't(J)V xai. 'tl'i>V c'UÄ.rov Ä.Oy
Es handelt sich hier um eine Nebenüberlieferung bzw. Dublette zum Diakies-Fragment (Nr. 255: §50--51), die also bezüglich der Stoa keinen selbständigen Quellenwert hat (vgl. dazu oben S. LX
268
Aiitius, Placita IV 12 = [Plutarchus], De plac. philos.
900D-901A:
268 ' tv au~/(1 !lJl: tv aö~4> Ma: tau~ill AE I • n Reiske: ~o n I ' (11a~a)
TLvt Ötaq>EQEL q>av'taoi:a q>aV'tao'tov q>av'taO'tLXov q>av'taotJ.a. XQ'ÖOL3t3tO!; ÖLaq>EQELV ö.i..i..t1i..rov q>TJOL 'tE't'taQa 'ta'Ü'ta. q>av'taoi:a fA.EV o'Öv ~O'tL 3tai}os ~v 'tfl 'ljmxfl yLV6tJ.evov, ~vöet xvilfA.evov h a'Ö'tcp xai. 'tO 3tE3tOLTJX6!;' olov, ~3tELÖav ÖL' 5 ()'ljiEro!; i}eroQI'il!J.EV 'tL Ä.E'UXOV, ~O'tL 3tai}o!; 'tO ~j'j'Ej'EVTJIJ.EVOV ÖLa 'tTJS ÖQaaeros ~v 'tfl '\ji'UXfl · xal. (xa'ta) 'toü'to 'to 3taß-os d3teiv ~XOIJ.EV, Ö'tL 'Ö3tOXEL'tQL Ä.E'UXOV XLVO'ÜV 'fltJ.Ö.!;. Ö!J.OL(J)!;
add. Wyttenbach
272
Fragment
~
267-268
Nr. 255: §50-51.
Vorstellung und Wahnvorstellungsbild unterscheiden sich: Das Wahnvorstellungsbild ist nämlich eine Einbildung des Verstandes, wie sie im Schlaf entsteht. Die Vorstellung hingegen ist ein Eindruck in der Seele, d.h.: eine Veränderung. Man darf den Eindruck nämlich nicht wie den Eindruck eines Siegelrings auffassen, da es [bei einer solchen Interpretation] unmöglich ist, daß an ein und demselben [Körper] in ein und derselben Hinsicht viele Eindrücke entstehen. Gedacht wird die Vorstellung als eine solche, die von etwas Bestehendem her nach Maßgabe des Bestehenden sich [in unserem Geist] abgedrückt hat und [ihm] eingeprägt und eingesiegelt ist, wie sie von etwas nicht Bestehendem her nicht entstehen könnte. Von den Vorstellungen sind die einen sinnlich, die anderen nicht sinnlich. Sinnlich sind die, welche man durch ein oder mehrere Sinnesorgane bekommt, nicht sinnlich die, welche man durch den Verstand bekommt, wie etwa die Vorstellungen von den unkörperlichen Dingen und die von den anderen durch die Vernunft erfaßten Sachen. Anm. 8). Auch zu dem nächsten Fragment gibt es eine solche Dublette, die gleich anschließend zitiert wird.
Wodurch sich Vorstellung, Vorgestelltes, Wahnvorstellung und Wahnvorstellungsbild unterscheiden: Chrysipp sagt, daß diese vier sich unterscheiden. Und zwar ist die Vorstellung {phantasia) ein Affekt, der in der Seele entsteht und der in sich selbst auch auf das hinweist, was ihn bewirkt hat. Wenn wir beispielsweise durch den Gesichtssinn etwas Weißes betrachten, ist der Affekt dasjenige, was durch das Sehen in der Seele zustandegekommen ist; aufgrunddieses Affektes sind wir außerdem in der Lage zu sagen, daß ihm etwas Weißes in der Realität zugrundeliegt, was uns bewegt. Ähnlich ist es bei Wahmehmun273
§ 2.1.2 xai. ÖL<'t 'tfj~ 6.cpfj~ xai. 'tfj~ öacpQt1aero~. etQTJ'taL ö' ofJ cpav'taal:a äno 'toii cpro't6~ · xathl:rtEQ yaQ 'to cpro~ a'Ö'to öEi:xvum 10 xai. 'ta
äJ..i..a
'ta ~v a'Ö'tq> :rtEQLEXOtJ.Eva, xai. ofJ cpavmai:a
ÖELXV'UOLV ta'U'tTJV xai. 'tO :rtE:rtOLTJXO~ a'Ö'ttlV. cllav'taO'tOV ÖE 'tO :rtOLO'ÜV 'tf)v cpaV'taai:av· o[ov 'tO Ä.E'UXOV xai. 'tO 'lji'UXQOV xai. :rtäv Ö 'tL liv ÖUVT)'tQL XLVELV 'tTJV 'lji'UXtlV, 'tO'Ü't' ~O'tL cpaV'tQO'tOV.
15
cllav'taO'tLXOV Ö' ~O'tL ÖL
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20
cllav'taOtJ.a Ö' ~O'tLV, ~cp' Ö ti..x6tJ.EDa Xa'ta 'tOV cpaV'tQO'tLXOV Ötaxevov ti..x'UOtJ.OV · 'taii'ta ÖE yi:vE'tm ~:rti. 'tÖ>V !1EÄ.ayxoi..wv'trov xai. !1EtJ.TJV6'trov. ö. yoiiv 'tQaytxo~ 'OQEO'tTJ~ Ö'tav Ä.EY[I (Eur. Or.
255-257)'
d) tJ.fj'tEQ, lXE'tEUro OE, tJ.TJ ':rtLOELE tJ.OL 'ta~ altJ.a'tro:rtou~ xai. ÖQaxov'twÖEL~ x6Qa~· a'Ü'taL ycl.Q, a'Ü'tm :rtÄ.T)al:ov DQwaxoua( tJ.O'U,
25
Ä.EyEL !1EV a'Ö'ta cb~ !1EtJ.TJVOO~ ÖQ~ Ö' O'ÖÖEV, äi..i..a ÖOXEL tJ.6vov· Öto xa( cpTJOLV a'Ö'tq> 'Hi..Ex'tQa (Bur. Or. 258. 259)' !1EV', d) 'taÄ.a(:rtroQ', cl'tQEtJ.a aoi:~ ~V ÖEtJ.VLOL~·
30
ÖQ~~ yaQ o-öötv d>v öoxei:~ aacp' etöevm, cb~ xai. :rtaQ' 'OtJ.tlQ
269
350)
8EOXÄ.UtJ.EVO~.
[Galenus], Bist. philos. 93, p. 636,8-18 Diels:
XQilOL:rt:rt6~ cpTJOL ÖtacpEQELV äi..i..t1i..rov 'tE't'taQa 'taii'ta cpav'taai:av;cpav'taa'tov cpav'taO'tLxov cpav'taOtJ.a. cpav'taai:a tJ.EV
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I • q>aVtaatöv at B
274
Fragment
268-269
gen durch den Tast- und den Geruchssinn. Das Wort phantasia hat man von ,phos/Licht' her gebildet; denn wie das Licht sich selbst und alles das zeigt, was in ihm liegt, so zeigt auch die Vorstellung sich selbst und das, was sie bewirkt hat. Das Vorgestellte (phantaston) hingegen ist dasjenige, was die Vorstellung (phantasia) bewirkt. Beispielsweise das Weiße, das Kalte und alles, was die Seele bewegen kann, - das ist das Vorgestellte. Die Wahnvorstellung (phantastikon) hinwiederum ist eine völlig leere Attraktion, ein Affekt in der Seele, der von keinerlei Vorgestelltem (phantaston) her entstanden ist, vergleichbar jemandem, der mit einem Schatten kämpft und seine Hände gegen leere Gestalten erhebt. Es liegt nämlich der Vorstellung etwas Vorgestelltes in der Realität zugrunde; hingegen liegt der Wahnvorstellung nichts Vorgestelltes in der Realität zugrunde. Das Wahnvorstellungsbild (phantasma) schließlich ist dasjenige, wohin es uns infolge der wahnvorstellungsmäßigen völlig leeren Attraktion zieht. Das geschieht bei den Melancholikern und bei Leuten im Wahn. Wenn der tragische Orest dementsprechend sagt: "Mutter! Ich flehe dich an! Reize doch nicht die blutig blickenden, Drachen ähnlichen jungen Frauen gegen mich auf! Sie sind es doch, sie, in meiner Nähe springen sie auf' (Eurip., Or. 255-257), dann sagt er dies wie ein Wahnsinniger und sieht nichts; vielmehr hat er eine bloße Einbildung. Und deshalb sagt Elektra zu ihm: "Bleib' auf deinem Bett ruhig, du armer Dulder; denn du siehst nichts von dem, was du klar zu sehen wähnst" (ebd. 258f.). Entsprechend redet auch bei Homer Theoklymenos (Od. 20, 350ff.). ~
Nr. 268.
Chrysipp sagt, daß diese vier sich voneinander unterscheiden: Vorstellung, Vorgestelltes, Wahnvorstellung und Wahnvorstellungsbild. Und zwar ist die Vorstellung (phantasia) ein Affekt, der in der Seele entsteht und der sowohl auf sich als auch auf das hinweist, was ihn bewirkt hat. Wenn wir beispielsweise etwas Weißes sehen, was ein Affekt ist, dann geschieht etwas, was zu einer Veränderung in der Seele dessen taugt, der affiziert worden ist. Das Wortphantasia hat man aufgrunddes Umstandes gebildet, daß sowohl die Vorstellung als auch das aufscheint (phainesthai), was sie bewirkt hat; und das ist das Vorgestellte (phantaston). Beispielsweise das Weiße und wenn etwas anderes durch unsere Sinneswahrnehmungen die Seele zu bewegen vermag, so ist es etwas Vorgestelltes. Die Wahnvorstellung (phantasti275
§ 2.1.2 XE'VO~ SÄ.XUOIJ.O~ :rtcii}o~ ~V 'lj.luxfi ä:rt' ouöevo~ cpaV'tQO'tO"Ü 10
(eh~) OXLO!J.QX,O"ÜV'tO~. IJlclV'tQOIJ.a ÖE ~O'tL'V ~cp' Ö eÄ.xO!J.Ei}a xa'ta 'tov cpa'V'taa'ttxov ötaxevov ei..xua!J.6v · 'taiJ'ta öe yi:ve'tat ~:rtt 'tÖ>'V IJ.EÄ.ayx,oÄ.ci>v'trov d'>a:rtEQ ~:rtt 'Ogea'tou xat 'toiJ :rtag' ·ol'tlQ
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271
marg., MI A3 I 19 I'BI''IViltmv scripsi : Mattbaei babet I'&JlV1JV. in tcxtu et I'BI'"QV. in app. crit.
Nemesius, De natura bominis 6, p. 171-173:
[Galenus], Definitiones medicae 126, Vol. XIX p. 381 Kühn:
'E:rtL'VOLa ~O'tLV ~'Va:rtOXELIJ.EvTJ VOTJOL~, 'VOTJOL~ ÖE Ä.oytxi) cpav'taai:a.
276
5
to
15
20
Fragment
269-271
kon) hingegen ist eine völlig leere Attraktion, ein Affekt in der Seele, der von nichts Vorgestelltem herrührt, wie bei jemandem, der mit einem Schatten kämpft. Das Wahnvorstellungsbild (phantasma) schließlich ist dasjenige, wohin es uns infolge der wahnvorstellungsmäßigen völlig leeren Attraktion zieht; das geschieht bei den Melancholikern wie etwa bei Orest und bei dem homerischen Theoklymenos.
Das Vorstellungsvermögen (phantastikon) ist nun ein Vermögen der vernunftlosen Seele, welches durch die Sinnesorgane tätig ist. Das Vorgestellte hingegen ist das, was unter die Vorstellung lallt, so wie ein sinnlich wahrnehmbarer Gegenstand unter eine Sinneswahrnehmung. Die Vorstellung wiederum ist ein Affekt der vernunftlosen Seele, der von etwas Vorgestelltem erzeugt wird. (172) Die Erscheinung (phantasma) schließlich ist ein völlig leerer Affekt in den vernunftlosen Teilen der Seele; der von nichts Vorgestelltem herstammt. Die Stoiker aber nennen die folgenden vier Termini: phantasia (Vorstellung), phantaston (Vorgestelltes), phantastikon (Wahnvorstellung), phantasma (Wahnvorstellungsbild) - und erklären dazu: Die Vorstellung ist der Affekt der Seele, der sowohl auf sich selbst als auch auf das Vorgestellte hinweist, das ihn bewirkt hat. Wenn wir nämlich Weißes sehen, bildet sich aufgrund von dessen Aufnahme in der Seele ein bestimmter Affekt. Denn wie in den Sinnesorganen (173) ein Affekt entsteht, wenn wir eine Sinneswahrnehmung haben, so auch in der Seele, wenn wir eine Erwägung anstellen. Sie nimmt nämlich in sich ein Abbild des Gedachten auf. Das Vorgestellte wiederum ist der sinnlich wahrnehmbare Gegenstand, der die Vorstellung bewirkt hat, etwa das Weiße und alles, was die Seele bewegen kann. Die Wahnvorstellung (phantastikon) hingegen ist die völlig leere Attraktion ohne etwas Vorgestelltes. Schließlich ist das Wahnvorstellungsbild (phantasma) dasjenige, wohin es uns infolge der wahnvorstellungsmäßigen völlig leeren Attraktion zieht, wie bei den Leuten im Wahn und den Melancholikern. Der Meinungsunterschied mit den Stoikern betrifft allein den Austausch der Bezeichnungen.
Der Nachgedanke (Begriff, Gedankenbild) ist ein innerlich aufbewahrter Gedanke; und der Gedanke ist eine vernünftige Vorstellung. 277
§ 2.1.2
272
Sextos Empiricos, Adv. Math. Vill 409sq.:
Ot ÖE xai. ÖL' ü:n:oÖELYJl.O.'trov :JtELQ<ÖV'taL 'tO c'L;LOUJI.EVOV :n:aQaJl.uß-Etoß-m. &o:n:EQ yaQ, cpaoi:v, 6 :n:mÖo'tQLßTJ~ xai. 6:n:ÄoJ1axo~ ~oß-' Ö'tE Jl.EV Äaß6J1EVO~ 't :JtQO~ Jl.LJI.TJO'LV, oihro xai. 't<ÖV cpav'tao't 'tU:Jt(J)O'LV, 6:n:ot6v eo'tL 'tO ÄE'UXOV xai. Jl.EÄ.av xai. XOLV<Ö~ 'tO O'<ÖJI.a, ~VLa ÖE (o'Ö) 'tOLQU'tTJV ~XEL 'tTJV cpUO'LV, 'tO'Ü fJYEJl.OVLXO'Ü e:n:' 10 a'Ö'tOL~ cpaV'taO'LO'UJl.EVO'U xai. O'ÖX Ü:n:' a'Ö't<ÖV, 6:n:ota eo'tL 'tel c'Locl>Jl.a'ta ÄEX'ta. (410) oi. ÖE 'tO'Ü'tO Ätyov'tE~ mß-avO''tE Jl.TJ c'L:n:OÖEÖELXß-aL a'Ö'tOL~ 'tO c'LQX'ijß-EV ~TJ'tOUJl.EVOV.
273
272 [E deest] 2 11111 (6) edd. priores (cf. ad. I. 14) I 10 (oö) add. Bury: verba fv1a lit - cplia1v aut mutilata aut post cplimv lacunam statuendam esse indic. Kochalsky et propos. correctionem ita ut lcgamus fv1a llt (111i) xd.. aut cplim V ( li'latE o{OVEI !ilt013Ev tattllta ~taplix•w tautll Ei~ 11ii1TJalV) toll1JYE110VlXOil xtÄ.: tantum lac. post cpuaw signavit Mutschmann I 14 1111! 6 6ltÄ. L~ I tat! Kochalsky: Eial GI 15 tlllivato N: tlluvavto L~
Sextos Empiricos, Adv. Math. VII 241-248:
'AÄÄ' 1J Jl.EV cpav'taota xa'ta 'tOu~ c'L:n:o 'tfj~ :l:'toä.~ o'Ü'tro Ö'UO'a:Jt6Öo't6~ eo'tL. 't<ÖV ÖE cpav'taO'L<ÖV :n:ollai. Jl.EV xai. lJ.Ä.Ä.aL Etoi. ÖLacpOQaL, c'L:n:aQXEO'O'UO'L ÖE a[ ÄEXß-TJO'OJl.EVaL. (242) 'tOU'trov yaQ a[ Jl.EV EtOL mß-avat, a[ ÖE c'L:n:i:ß-avm, aL ÖE mß-avai. Ö.Jl.a xai. c'L:n:i:ß-avm, al ÖE o'Ü'tE mß-avai. 5 o'Ü'tE c'L:n:i:ß-avm. mß-avai. Jl.EV o'Öv EtOLv al ÄEtov XLVTJJI.a :JtEQL '\jJ'IlXTJV tQya~OJl.EVaL, &o:n:EQ V'ÜV 'tO ,fJJl.EQaV dvm' xai. 'tO ,eJl.E ÖLaÄ.EyEOß-m' xai. :n:ä.v ö 'tfj~ 6J1oi:a~ ~XE'taL :JtEQLcpavEi:a~, c'L:n:i:ß-avm ÖE aL Jl.TJ 'tOLa'Ü'taL c'LÄÄ' c'L:n:oO'tQEcpouom 1J11ä.~ 'tfj~ ouyxa'taß-toEro~, (243) otov "El fJJl.EQa 10 eo'tLV, o'Öx ~O''tLV i\ÄLO~ U:JtEQ yfj~". "El O'XO'tO~ eo'tLV, fJJl.EQa eo'tLV". :n:Lß-avai. ÖE xai. c'L:n:i:ß-avOL xaß-EO''tÖ.O'LV a[ xa'ta 'tTJV :n:Q6~ 'tL oxtOLv 6'tE Jl.EV 'totm yLv6J1Evm 6'tE
278
Fragment
272-273
Doch bemühen sie sich, ihre Auffassung auch durch Vergleiche zu erläutern. Wie nämlich, so sagen sie, der Turnlehrer und Fechtmeister einerseits den Schüler zuweilen dadurch in die Verfassung bringt und lehrt, bestimmte Bewegungen auszuführen, daß er ihn bei den Händen faßt, und andererseits sich ihm zuweilen zur Nachahmung präsentiert, indem er in einigem Abstand von ihm steht und sich in bestimmter ausgewogener Weise bewegt, so erzeugen auch einige der vorgestellten Dinge ihren Eindruck im Zentralorgan dadurch, daß sie es sozusagen berühren und in Kontakt zu ihm stehen -von dieser Art Vorstellungen sind das Weiße und Schwarze und überhaupt das Körperliche-, während andere vorgestellte Dinge keine solche Natur besitzen, da das Zentralorgan seine Vorstellungen in Anmessung an sie ausbildet und nicht unter ihrer Einwirkung - von dieser Art Vorstellungen sind die unkörperlichen Lekta -. (410) Die dies sagen, benutzen zwar ein überzeugendes Beispiel, begründen aber nicht, was zu begründen wäre. Denn der Turnlehrer und Fechtmeister ist ein Körper; und dementsprechend kann er eine Vorstellung im Schüler bewirken. Der Beweis jedoch ist unkörperlich; und dementsprechend war gefragt, ob er in der Lage ist, einen vorstellungsmäßigen Eindruck auf das Zentralorgan zu machen. Somit haben sie nicht das bewiesen, worauf sich die Frage ursprünglich bezieht. (Fortsetzung unten Nr. 1065) (Anschluß oben Nr. 259)
Somit ist die Vorstellung im Sinne der Stoiker sehr schwer verständlich zu machen. Indes werden die Vorstellungen auf viele verschiedene Weisen unterschieden; doch wird es genügen, die im folgenden genannten Differenzierungen aufzuführen. (242) Einige Vorstellungen sind glaubhaft, andere unglaubhaft, wieder andere zugleich glaubhaft und unglaubhaft und noch andere weder glaubhaft noch unglaubhaft. Glaubhaft sind nun diejenigen, die in der Seele eine sanfte Bewegung erzeugen, wie im Augenblick z.B. die Vorstellung, daß es Tag sei, daß ich mich unterhalte, und alles, was in ähnlichem Maße offensichtlich ist. Unglaubhaft sind andererseits solche Vorstellungen, die nicht von dieser Art sind, die uns vielmehr die Zustimmung verleiden, (243) wie beispielsweise "Wenn es Tag ist, steht die Sonne nicht über der Erde" oder "Wenn es dunkel ist, ist es Tag". Zugleich glaubhaft und unglaubhaft sind die Vorstellungen, welche sich je nach den mit ihnen verbundenen Umständen bald als das eine und bald als das andere 279
§ 2.1.2 öe 'totm, olov a[ 'tÖlV än6Qrov i..öyrov, oihe öe nd)avai. oihe änCi}avm xai}ci3teQ a[ 'tci:JV 'tOLO'IJ'trov nQaYJ.Ul'trov
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(245) (xai}o J.I.EV YelQ eh; äno
25
"Ö;tclQXOV't6; 'tLVO; ;tQOOEnL;t'tEV, ~V clA'fJi}fj;, "ÖnfiQXE YelQ 'HA.ex'tQa, xai}o ö' eh; äno 'EQLv'IJo;, 'ljleuöf!;, o'Öx ~v YelQ 'EQLv'IJ;), xai. nO:A.Lv et 'tL; {äno} .Mrovo; ~ci:Jv'to; xa'tel 'toiJ; ilnvou; eh; äno naQEO'tÖl'to; ÖVELQOnoA.ei:'taL 'ljleuöij xai. ÖLclXEVOV tAXllOJ.I.OV.
(246) O'Ü'tE ÖE clA'fJi}et; O'Ü'tE
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35
(24 7) Tö:Jv öe clA'fJi}ö:Jv at J.I.EV etm xa'taA'rJn'tLxai. at öe o'Ü, O'Ö XQ'tQA'fJ;t'tLXai. J.I.EV a[ ;tQOO;tL;t'tO\JOaL 'tLOL Xa'ta nai}o;" 273 17 {ij dxL8aVfilv} secl. v. Amim ltQOaEltLlttEV Bekker: ltQOUltllttBV 21 G 1 {dlto} secl. Heintz, Hülser: serv. Mutschmann I 301" oßta at d:I.1Jll!i~ oß-
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280
Fragment
273
darstellen, wie etwa die Vorstellungen der aporetischen Argumente. Weder glaubhaft noch unglaubhaft sind schließlich Vorstellungen wie die der folgenden Sachen: "Die Anzahl der Sterne ist gerade", "Die Anzahlder Sterne ist ungerade". Von den glaubhaften Vorstelluilgen sind die einen wahr, die anderen falsch, (244) wieder andere wahr und falsch und nochmals andere weder wahr noch falsch. Wahr sind die, die die Möglichkeit eröffnen, eine wahre Prädikation von ihnen zu bilden, wie beispielsweise zum gegenwärtigen Zeitpunkt "Es ist Tag" oder "Es ist hell". Falsch sind die Vorstellungen, die die Möglichkeit eröffnen, eine falsche Prädikation von ihnen zu bilden, z.B. daß das Ruder unter Wasser zerbrochen sei oder daß die Säulenhalle am Ende spitz zulaufe. Wahr und falsch sind einerseits Vorstellungen wie etwa die, die den Orest in seinem Wahn von Elektra her überkam, (245) (denn insofern ihn die Vorstellung von etwas Bestehendem her überkam, war sie wahr; Elektra existierte nämlich; insofern ihn die Vorstellung aber so überkam, als gehe sie von einer Furie aus, war sie falsch; Elektra war nämlich keine Furie); aber andererseits sind die Vorstellungen auch dann wahr und falsch, wenn jemand zu Lebzeiten Dions diesen im Traum [zwar inhaltlich völlig richtig, aber doch] so schaut, als gehe die Vorstellung von dem neben ihm stehenden Dion aus, woraufhin das Traumgesicht eine falsche und leere Attraktion ist. (246) Weder wahr noch falsch sind die generischen Vorstellungen [oder: ... ist die generische Vorstellung im Sinne von ,der Begriff der Vorstellung'?]. Denn bei den Dingen, deren Arten von dieser oder jener Beschaffenheit sind, sind die Gattungen weder von dieser noch von jener Beschaffenheit. Beispielsweise sind die Menschen teils Griechen, teils Barbaren; aber die Gattung ,Mensch' ist nicht Grieche, weil dann alle einzelnen Menschen Griechen wären, und aus demselben Grund auch nicht Barbar. (247) Von den wahren Vorstellungen sind die einen erkennend, die anderen nicht. Nichterkennend sind die, von denen manche Menschen im Leid (Affekt, Krankheit) überkommen werden; denn tausende, die an Fieber und Melancholie leiden, bekommen eine Vorstellung, die zwar wahr, die aber nicht erkennend ist, die ihnen vielmehr von außen und umständehalber so zufällt, daß sie sie in der Folge oft nicht bekräftigen und ihr auch nicht zustimmen. (248) Erkennend ist hingegen die Vorstellung, die von etwas Bestehendem her und nach Maßgabe des Bestehenden selbst sich [in unserem Geist] abgedrückt hat und [ihm] eingesiegelt ist, wie sie von etwas nicht Bestehendem her nicht entstehen könnte. Sie verbürgen sich nämlich dafür, daß diese Vorstellung die realen Gegenstände scharf erfassen kann und 281
§ 2.1.2
LÖLW!-Lata CtVU!-LE!-LUY!-LEVflV, ~xaotov toiitwv qmotv fXELV Oll!-LßE!)flXO~.
274
Cicero, Acad. pr. 15,47:
Prirnum conantur ostendere multa posse videri esse quae omnino nulla sint, cum animi inaniter moveantur, eodem modo rebus iis quae nullae sint ut is quae sint. ,nam cum dicatis' inquiunt ,visa quaedam mitti a deo, velut ea quae in somnis videantur quaeque oraculis auspiciis extis declarentur' (haec enim aiunt probari a Stoicis, quos contra disputant) - quaerunt quonam modo falsa visa quae sint ea deus efficere possit probabilia, quae autem plane proxume ad verum accedant efficere non possit, aut si ea quoque possit cur illa non possit quae perdifficiliter internoscantur tarnen, et si haec, cur non inter quae nihil sit omnino.
275
5
10
Sextos Empiricus, Adv. Math. Vill 67sq.:
Kat 1-LTJV o'ÜÖE: toi~ 1:twLxoi~ eüoöet
6
A.Oyo~ · tl-EA.ouoL
J.I.EV yag t&v tE atoih]t&v xat vortt&v elvm ÖLa<pogav, xaß'
i\Y
ta 1-LEv totLv aA.rtßfJ ta öE: 'ljleuöfj, oüx toxuoum
ÖE tO tOLO'ÜtOV 0\JVU"(ELV. ÖLUXEVOlJ~ yaQ dva( tLVU~ <pavtaofa~ W!-LOA.oyfJxamv, ö:n:otm :n:gootm:n:tov tcp 'Ogt- 5
OtTI Ct:n:o tWV 'EQLVUWV, xat äA.A.a~ :JtUQUtlJ:JtOltLXa~ ta~ 274 7 quaerunt (ergo) Reid I 8 aut plane aut proxume del. Durant I accedßnt Lambinus: -dunt AVB 275 ' 1tQOat7ruttov Bekker: 1tQOfi1tt1ttov G I 9 (ro<;) sec. Herveti versionem (1569) add. Bekker
a:n:o
U:JtOXEL!-LEV(J)V J.I.EV, oü xat' a'Üta ÖE ta U:JtOXEL!-LEVa,
Ö:n:o(a ~V
1'j xata J.I.UVLUV tcp 'HgaxA.Ei Ct:n:o tWV tötwv
:n:a(Öwv (ro~) Eüguoßtw~ u:n:o:n:woüoa.
282
a:n:o
U:JtOXEL!-LEVOlV
Fragment
273-275
deren Charakteristika allesamt mit artistischer Präzision wiedergibt, und erklären, daß sie jedes dieser Charakteristika als Merkmal besitzt. (Fortsetzung unten Nr. 333)
Als erstes versuchen sie [scil. die Akademiker gegenüber den Stoikern] nachzuweisen, daß es möglich ist, daß vieles, was in keiner Weise existiert, dennoch zu existieren vorgestellt wird, weil die Gemüter nichtigerweise bewegt werden, und zwar von den Dingen, die nicht existieren, in derselben Art wie von den Dingen, die existieren. "Denn," so sagen sie, "wenn ihr behauptet, bestimmte Vorstellungen würden von der Gottheit geschickt, etwa die, die man in Träumen sieht, und die, welche durch Orakel, Auspizien und Weissagungen aus Eingeweiden verkündet werden" (sie sagen nämlich, diese Erscheinungsformen der Mantik würden von den Stoikern, gegen die sie argumentieren, gebilligt), - so fragen sie darautbin, wieso die Gottheit die Macht hat, Vorstellungen, die tatsächlich falsch sind, zu wahrscheinlichen Vorstellungen zu machen, aber nicht die Macht hat, solche Vorstellungen zu wahrscheinlichen Vorstellungen zu machen, die wirklich ganz nahe an die Wahrheit herankommen, oder warum sie, wenn sie doch auch dazu die Macht hat, nicht die Macht hat, Vorstellungen zu erzeugen, die - wenn auch nur unter größten Schwierigkeiten - [hinsichtlich Wahr und Falsch] unterscheidbar sind, und warum sie, wenn sie dazu die Macht hat, nicht die Macht hat, Vorstellungen zu erzeugen, die sich [hinsichtlich Wahr und Falsch] in keinerlei Weise unterscheiden.
Tatsächlich nimmt die Theorie auch bei den Stoikern keinen problemlosen Gang. Sie wollen nämlich, daß es sowohl bei den sinnlich wahrnehmbaren als auch bei den intelligiblen Dingen einen Unterschied gibt, aufgrunddessen von diesen Dingen die einen wahr und die anderen falsch sind. Sie vermögen aber nicht, dies schlüssig zu begründen. Sie haben nämlich zugestanden, daß einige Vorstellungen völlig leer sind wie z.B. die Vorstellungen, die den Orest von den Erinyen her überkamen, und daß andere Vorstellungen verdreht (,danebeneinprägend') sind, die zwar von realen Gegenständen her stammen, aber nicht nach Maßgabe der realen Gegenstände selbst gestaltet sind, wie z.B. die Vorstellung, die den Herakles in seinem Wahn von seinen eigenen Kindern als von denen des Eurystheus überkam. Sie stammte näm283
§ 2.1.2
yag ~'(LVE"tO "tOOV l'taLÖO>V, o'Ö xa1:' a'Ö"ta ÖE "ta 'Öl'tOXELJ.LEVa. 10 ou yag ch~ töi:ov~ l!ßA.ExE ( -coi.l~) xai:öa~, äA.A.a ~ i!xov-co~ äöuiXQL"tOL '(LVOV"tGL (at) <pav"taOLaL, xai. o'Öx l!xovoL AE'(ELV ot am) "tij~ l:"toä~. "tLVE~ "tE "tai:~ Ö.AT]ßELaL~ xa"taAT)l't"tLXaL EtOL xai. Ö.m) 'Öl'tOXELJ.LEVO>V xai. Xa"t' a'Ö"ta "ta 'Öl'tOXELJ.LEVa '(L'(VOV"taL, xai. "tLVE~ 15 oiJx ELOL -coLa"Ü"taL, xaßal'tEQ ÖLa xA.EL6vwv l!J.Ll'tQooßEv ~ödf;aJ.LEV (AM VII 426 sqq.). .
275 " <~ou~) add. Rüstow I 12 (al) add. Bekker
284
Fragment
275
lieh von den Kindem her, die wirklich existierten, fiel aber nicht nach Maßgabe der realen Gegenstände selbst aus; denn er sah die Kinder nicht als seine eigenen; vielmehr sagt er: ... (68) Da es sich so verhält, sind die Vorstellungen ununterscheidbar, und sind die Vertreter der Stoa nicht in der Lage zu sagen, welche Vorstellungen in Wahrheit erkennend sind, von realen Gegenständen her stammen und nach Maßgabe der realen Gegenstände selbst gestaltet sind und welche Vorstellungen nicht von dieser Art sind, was wir zuvor [Adv. Math. VII 426ff.] ausführlicher gezeigt haben. (Fortsetzung unten Nr. 326 bzw. Nr. 876)
285
§ 2.1.3
2.1.3 Die Konstitution von Begriffen aus Vorstellungen Vgl. auch unten Nr. 315-321.
276
Suda_ s.v. Nous, Vol. m p. 482 Adler:
Tt'i>v ÖLavoo\JJLEvrov 'tel JLEV xa'tel :rtEQL:rt'troatv ~vofJih), 'tel Öt xaß-' ÖJLOLO'tTJ'ta, 'tel Öt xa'tel ävai..oyi:av, 'tel Öt xa'tel JLE'taß-EOW, 'tel ÖE Xa'tel oiivß-EOLV, 'tel ÖE Xa't' ~vav'tLWOW. xai. XQ'tel :rtEQL:rt'tffiOLV JLEV 'tel a[aih)'ta, xaß-' ÖJLOLO'tTJ'ta ÖE 'tel Cx:rt6 'tLVO~ :rtaQaXELJLEVO\J, dJ~ l:roXQcl'tTJ~ Cx:rto 't'ij~ S Etx6vo~· xa't' ävai..oyi:av Öt a'Ö;TJ'tLXt'i>~ JLEV ö TL't\Jo~ xai. ö Kiixi..ro'\)1, JLELW'tLxt'i>~ Öt dl~ ö :rt\JyJLato~· xai. 'tO xfv'tQOV öe 't'ij~ y'ij~ xa't' ävai..oyi:av ~vofJß-TJ ä:rto 'tt'i>v JLLXQO'tEQWV mpaLQt'i>v' xa'tel JLE'taß-Eatv öt o[ov ot {)(pß-ai..JLOL ~:rti. 'tO'Ü O'tfJß-ov~, XQ'tel aiivß-EOLV ÖE t:rt:rtOXEV'tQ\JQO~, 10 xai. xa't' ~vav'ti:romv ß-ava'to~. voEt'tm öe xai. xa'tel JLE'taßaai:v 'tLVa, dJ~ 'tel Ä.EX'tel xai. Ö 'tO:rtO~- qJ\JOLXt'i>~ ÖE voEL'tm xai. öv 'tL xai. äyaß-6v, xai. xa'tel O'tEQTJOLV, o[ov Ö:XELQO~.
Dieser Text gehört zur Nebenüberlieferung des Diekies-Fragments (Nr. 255) und hat, auch wenn er diesem in der textkritischen Gestaltung nicht angeglichen ist, als Dublette zu ihm keinen selbständigen Quellenwert in bezug auf die Stoa (vgl. dazu oben S. LX
277
Ai!tius, Placita IV 11 = [Piutarchus], De plac. philos. 900A-D:
llt'i>~
276 13 1«1! öv codd.: 5ixalov ex Diog. Laert. Kuster 277 2 (h)5uill. Wyttenbach I • silsQyilv Diels: tvsQyov M!DI: tvsQylllv n I 6 {6} secl. v. Amim I 7 aloll{ av}ÖJ16VOt Diels I n voc; !DI: nvsc; Mn
yi:vnm 'fJ ataih)m~ xai. 'fJ ~vvoLa xai. ö xa'tel (~v)ötaß-Emv i..6yo~. Ot l:'trotxoi: cpaatv · ömv yEVVTJß-ti ö ävß-Qro:rto~, ~XEL 'tO 'iJYEJLOVLXOV JLEQO~ 't'ij~ '\)1\JXfJ~ Öla:rtEQ xaQ'tLOV E'ÖEQYOV Et~ Cx:rtOyQacpfJv. E[~ 'tO'Ü'tO JLLQV txaO'tTJV 'tt'i>V ~VVOLt'i>V ~Va:rtoYQ'to~ Öt {ö} 't'ij~ ävayQacp'ij~ 'tQ6:rto~ ö ÖLel 'tt'i>V a[aß-fJaErov· a[aß-aVOJLEVOL yaQ 'tLVO~ o[ov Ä.E\JXO'Ü, Cx:rtEÄ.ß-OV'tO~ a'Ö'tO'Ü JLVfJJLTJV fXO\JOLV' Ö'taV Ö' ÖJLOELÖEL~ :rtoi..i..ai. JLVfJJLaL yfvrov'taL, 'tO'tE cpaJLEV ~XELV ~JL:rtELQLaV'
286
S
Fragment
~
276-277
Nr. 255: §52-53.
Das, was gedacht wird, wird teils aufgrund einer entsprechenden Gelegenheit zu einem Gedanken [d.h. anläßlich wirklicher Umstände], teils aufgrund einer Ähnlichkeit, teils aufgrundeiner Analogie, teils aufgrundeiner Umstellung, teils aufgrund einer Zusammensetzung, teils aufgrund einer Entgegensetzung. Und zwar entstehen aufgruöd einer entsprechenden Gelegenheit (anläßtich wirklicher Umstände) die Gedanken von den sinnlich wahrnehmbaren Gegenständen, aufgrund einer Ähnlichkeit die von etwas Anwesendem herstammenden Gedanken, z.B. Sokiätes von dem Standbild her. Aufgrund einer Analogie wird einerseits vergrößernd Tityos und Kyklops gedacht, andererseits verkleinernd beispielsweise der Pygmäe; doch auch der Mittelpunkt der Erde wird nach einer Anaiogie von den kleineren Kugeln her gedacht. Aufgrund einer Umstellung denkt man sich beispielsweise die Augen auf der Brust, aufgrund einer Zusainlnensetzung den Pferdezentauren und aufgrund einer Entgegensetzung den Tod. Einiges wird auch aufgrund einer Transzendierung gedacht, etwa die Lekta und der Ort. Auf natürliche Weise hinwiederum denkt man sich sowohl etwas Seiendes als auch Gutes, - und aufgrund einer Privation z.B. ,handlos'. Anm. 8). Aber er nimmt hier in isolierter Form ein Thema wieder auf, das in der Überlieferung noch öfter mit vergleichbaren Abgrenzungen behandelt wird, so auch in dem nächsten Fragment, zu dem es wiederum eine Dublette gibt: ·
Wie die Sinneswahrnehmung, der Begriff und dit! innere Rede entstehen: Die Stoiker sagen: Wenn der Mensch geboren wird, dann hat er den leitenden Teil seiner Seele (das Zentralorgan) wie el.ri Blatt Papier, das zweckdienlich ist, um darauf zu schreiben. Darin trägt er sich jeden einzelnen seiner Begriffe ein. Die erste Art der Eintragung ist die durch die Sinneswahrnehmungen. Denn wenn man beispielsweise etwas Weißes wahrnimmt, hat man, wenn es verschwunden ist, eine Erinnerung davon; und sobald viele gleichartige Erinnerungen zustandegekommen sind, sagen wir, wir hätten eine Erfah-
287
§ 2.1.3
277 ' 0 ( cpavtacni!Jv) add. Diels sec. Ps.-Galenum I 1 1 cpoa11v oöv B: Ax ~oil ~ov voilv A I • aialh't· <JE\~ Dicls: -a~ A: -at\ B I tva!tO'YQcicpa Diels: tv d~torQacpij B: tv d!tO'YQII· 'P"'v A I 711 ~tollai - ~~~~E Diels: 1tolli!Jv llviliiTI~ cpavtaa\ÜJV 'YEVTI~II\ ~6~t B :' ~toUft 11vi111TI r!rve~a• ö~av A I 1 (tJ.I!tE\Qlav) add. Diels I • (a!) add., cpoa. ct J.IAv transpos. Dicls I 1 1 a! at 8\' Dicls: oö36v liE A: oö 8•' B I 1'i11•~tl!~ A!tlJ.IE· u!~ Dicls: ·QIIV •J.ItAE\IIV AB I xai 8\Baax. Diels: xai al 8\BIIIn«v Diels: !tÄTIQrilawv AB I 1 1 tvVÖTIJ.III xaui~a\ Diels: SvvoTtJ.III~O~ Bsi~a• AB I s!:I.TicpMo~ A
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277 A
[Galenus], Hist. pbilos. 92, p. 635,17-636,6 Diels:
Ilroc; yi:vnm 1J at~mc; xai. 1J v61JOL<; xai. ö xa-ca ÖLaf)eoLV Ä.oyLO!'Ö<;. 0[ 1:-croLxoi: q>amv · ö-cav livi)Qro:rtoc; yEV1]'taL, ~XEL -co tiYEILOVLxov ILEQo<; -cijc; 'ljlux,ijc; a'Ö'to'Ü ci>o:rtEQ x,aQ't1JV EiJEQYOV etc; Ö.:rtOyQaq>tlV. etc; 'tO'Ü'tO o'Üv !'La exaO't1] 'tÖ>V 5 ÖLaVOLÖ>V atoi)tlOEL<; eva:rtOYQclq>EL 'tij<; a'Ö'tO'Ü q>aV'tQOLa<;. ö-cav öe Ö!'OELÖei:c; :rtoÄ.Ä.ai. I'Vfil'm q>av-camrov yEvrov-cm, 'tÖ'tE q>a!'EV ~l{.ELV (~IL:ItELQLav). el':rtELQLayaQ eo'tLV ÖJLOELÖÖ>V q>av'taOLÖ>V :rtÄ.iji)oc;. 'tÖ>V Ö' evvmrov ( a!.) ILEV q>UOLXÖ><; yi:yvov-cm xa-ca -couc; eLQ1JI'Evouc; 'tQÖ:rtouc; xai. o'Ö ux,vLxroc;, 10 at öe ÖL' tii'E'tEQa<; ~:ltLILEÄ.ei:ac; xai. ÖLÖaoxaÄ.i:ac;. a'Ü-cm ÖE Xai. ~VVOLQL xaÄ.O'ÜV'taL !'OVaL XQL :ltQOÄ.tl'ljiEL<;. Ö ÖE Ä.Öyoc;, xaf)' ÖV :ltQOOayOQE'UÖ!'Ef)a Ä.OYLXOL, ~X 'tÖ>V :ltQOÄ.tl'\jiEOOV oul':rtÄ.1]Qo'Üof)m ILEV Ä.Eye-cm xa-ca -ciJv :rtQOO't1JV e~ÖO!'aÖa. 'tO'Ü'tO YclQ ~O'tL VÖ1]1LQ q>av-caoi:ac;, ÖLclVOLa 15 Ä.oyLXO'Ü ~rpou. 'tO yilQ q>aV'tQOILQ e:rtELÖav Ä.oyLXfj :ltQOO:ItL:It'tTI 'ljlux,fl, ~VVÖ1]JLQ xaÄ.ei:'taL ei:Ä.1]q>Ö<; 'tOÜVOILa :rtaQil 'tO'Ü VO'Ü. ÖLÖ:ItEQ Öoa 'tOL<; Ö.Ä.ÖyOL<; ~ci>OL<; :ltQOO:ItL:It'tEL,
288
Fragment
277-277 A
rung; Erfahrung ist nämlich die Menge der gleichartigen Vorstellungen. Nun entstehen von den Begriffen die einen auf die dargestellten Arten natürlich und ohne absichtliche Gestaltung, die anderen dagegen bereits durch unseren Unterricht und unsere Sorgfalt. Diese werden demnach nur als Begriffe bezeichnet, erstere hingegen auch als Vorbegriffe. Von der Vernunft aber, deretwegen wir als vernunftbegabt bezeichnet werden, wird erklärt, daß sie sich während der ersten sieben Lebensjahreaufgrund der Vorbegriffe vervollständigt. Ein Gedanke(nbild) wiederum ist ein Vorstellungsbild des Verstandes eines vernunftbegabten Lebewesens; wenn das Vorstellungsbild nämlich bei einer vernunftbegabten Seele vorkommt, dann erhält es seine Bezeichnung von der Vernunft (nous) her und wird Gedanke(nbild) (ennoema) genannt. Daher sind alle Vorstellungsbilder, die bei den vernunftlosen Lebewesen vorkommen, nur Vorstellungsbilder; alle die jedoch, die bei den Göttern und natürlich bei uns vorkommen, sind Vorstellungsbilder der Gattung nach und außerdem der Art nach Gedanken(bilder)- so, wie die Denare und Statere zwar an und für sich Denare und Statere sind, aber dann, wenn damit die Schiffsmiete bezahlt wird, zusätzlich dazu, daß sie Denare sind, auch als Fahrgeld bezeichnet werden. ~
Nr. 277.
Wie die Sinneswahrnehmung, das Begreifen und die innere Erwägung entstehen: Die Stoiker sagen: Wenn der Mensch geboren wird, dann hat er den leitenden Teil seiner Seele (das Zentralorgan) wie ein Blatt Papier, das zweckdienlich ist, um darauf zu schreiben. Darin also trägt jeder einzelne Verstand Sinneswahrnehmungen seiner eigenen Vorstellung ein. Und sobald viele gleichartige Erinnerungen an Vorstellungen zustandegekommen sind, sagen wir, wir hätten eine Erfahrung. Erfahrung ist nämlich eine Menge gleichartiger Vorstellungen. Von den Begriffen indes entstehen die einen auf die dargestellten Arten natürlich und nicht künstlich, die anderen dagegen durch unsere Sorgfalt und unseren Unterricht. Diese werden auch allein als Begriffe bezeichnet und als Vorbegriffe. Von der Vernunft aber, deretwegen wir als vernunftbegabt bezeichnet werden, wird erklärt, daß sie sich während der ersten sieben Lebensjahreaufgrund der Vorbegriffe vervollständigt. Denn dies ist der Gedanke einer Vorstellung, der Verstand eines vernunftbegabten Lebewesens. Wenn das Vorstellungsbild nämlich bei einer vernunftbegabten Seele vorkommt, erhält es seine Bezeichnung von der Vernunft (nous) her und wird Gedanke(nbild) (ennoema) genannt. Daher sind alle 289
§ 2.1.3
cpaV'tclOJ.ta'ta J.I.OVOV eo'tLV, Öoa ÖE t')J.tLV xai. 'tOLl; ß-EOL!;, 'taii'ta xa'ta ytvo~; xai. xa't' döo~; voiJJ.ta'ta. 20 Das Generalthema der vorangegangenen Passagen wird in Nr. 279 wieder aufgegriffen. Zuvor ergänzt der nächste Text die obigen
278
277 A 20 ~aß~a Diels: ~ot~ A: xai ~oi~ B 278 2 dVUJ11JlvTJGXE1~ Müller I 3 ante cbv add. &ui Müller 1 19 al del. Müller I IIQO<>Ai)'fiE\~ H: "· ...i)'fiE\~ L: corr. Ald. I (JlÖQUI &t) add. v. Amim 1 23 xa8ö HL: corr. Ald. I 24 {&i)} del. Ald. I 20 xal xa~aa~ti <>E1~ del. Müller 127 XE· ltQUJ1Jl&va HL: corr. Basil.
Galenus, De plac. Hippocr. et Plat. V 3,1-8, p. 304/306 De Lacy:
""Eo'tL ÖE YE 'tTJ!; 'ljl'UXTJ!; J.I.EQTJ ÖL' cbv 6 ev a"Ö'tfl Myo~; V ev 'tOLl; llEQL 'tO"Ü Myov YEYQaf.LJ.tEV(J)V cbv O"U ÖLtjA.ß-e~;, eh~; ~O"'tLV evvmrov 'tE 'tLV(J)V xai. :rtQOATJ'Ij.IErov äß-QOLOJ.ta. (2) (i).).' Et:rtEQ txaO'tTJV 'tÖ>V ewOLÖ>V xai. :rtQOATJ'Ij.IEroV dvm f.LOQLOV VOf.Li:l;ELI; 'ti'j!; '\jltlXTJ!;, UJ.taQ'tclVELI; ÖL't'tcl. :rtQÖ>'tOV J.I.EV yag O"Ö '\jltlXTJ!; exgfiv (i).J..a Myov 'taii't' Elvm J.tOQLa cpaOXELV, OlO":rtEQ o-ov xai. ygacpELI; ev 'tfl llegi. Myov :rtgayJ.ta'tEL~ · o-ö yag öiJ:rtov 'ta"Ö't6v eo'tL 'ljlvxiJ xai. Myo~;. (3) äA.A.ro~; 'tE xai. ÖLa 'tTJ!; :rtQOYEYQatJ.J.tEVTJI; QTJO"Ero\; eveÖEi:sro 'tÖ>V ev 'tfl '\jltlXfl 0"\JVLO'taf.LEV(J)V eh~; ~V 'tL xai. 6 Myo~; eo'tLV. o"Ö 'ta"Ö'tOV ÖE '\jltlXTJ eO'tL xai. 'tO ev a"Ö'tfl 0"\JVLO"'tclJ.I.EVOV. (4) f:rtEL'ta Ö' Et xai. 'tO"Ü'tO 'tL\; eclOELEV <'tVEAEYX'tOV, äA.J..a 'tOL 'tel!; y' evvoi:a~; xai. :rtQOA'f)'lj.IELI; o-ö J.tOQLa 'ti'j!; 'ljlvxfi~; dvm A.ex'teov äA.A.' evegyEi:a~; 'tLva~;. (5) O"ÖÖEV Ö' ex 'tÖ>V otxei:rov evEQYELÖ>V oilyXEL'taL, O'Ü'tE o-ov 6 öcpß-aA.t-to~; o'Ü'tE 'to o-o~; o'Ü'tE XELQ o'Ü'tE oxtA.o~; o'Ü't' Ö.AAO 'tÖ>V :rtclV't(J)V o"ÖÖev·••. (7) f.LTJ 'tOLV\JV f.LTJÖE e:rti. 'tTJI; '\jltlXTJ!; O"UYXEL 'tel J.tOQLa 'tat~; evEQYELaL!;. al J.I.Ev yag ~VVOLaL xai. al :rtgo{o}A.iJ'Ij.IELI; evtgyeLm, (f.L6QLa öe) 'tTJ!; 'ljlvxi'J~;, eh~; a"Ö'tOI; OU ÖL' hEQroV exÖLÖaOXEL!;, 'tO 'tE äxo\JO'tLXOV :rtVEÜJ.ta xai. 'tO Ö:rt'tLXOV hL 'tE :rtQO\; 'tOU'tOL\; cproVTJ'tLXOV 'tE xai. yevvTJ'tLxov xai. :rtQo :rtav'trov a"Ö'tÖ>V 'tO i)yEJ.tOVLx6v, ev 4> xai. 'tOV Myov ~IPTJI; 0"\JVLO'taoß-m, xaß-' ö öi) xai. J.tclALO'ta J.I.OQLOV {öi)} 'ti'j!; '\jltlXTJI; aloxo~; xai. xaA.A.o~; eyyi:veoß-aL A.EyELI; a"Ö'tfl. (8) 'tOii't' o-öv 'to :rtvEiiJ.ta Mo f.LEV XEX'tTJ'taL J.tOQLa 'tE xai. O'tOLXEta xai. xa'tao'taOEL!;, ÖL' öA.rov äA.A.iJA.m~; xEXQaJ.t{J.t}Eva, 'tO 'ljlvxgov xai. ß-EQJ.I.OV, Et:rtEQ ö' hEQOLI; ÖVOJ.taOL xai. ä:rto 'tÖ>V O"ÖOLÖ>V eß-EAOL 'tLI; a"Ö'ta :rtQOOa-
290
5
10
15
· 20
25
Fragment
277A-278
Vorstellungsbilder, die bei den vernunftlosen Lebewesen vorkommen, nur dies; alle die jedoch, die bei uns und bei den Göttern vorkommen, sind dies der Gattung nach und der Art nach Gedanken. Notizen über die Vervollständigung der Vernunft aus den Vorbegriffen:
[Du, Chrysipp, sagst:] "Es handelt sich dabei um Teile der Seele, durch welche die in ihr [befindliche] Vernunft konstituiert ist". Vielleicht erinnerst du uns [mit diesem Satz] an das, was du in den Büchern ,Über die Vernunft' geschrieben hast, was eben du detailliert auseinandergesetzt hast, daß nämlich [die Vernunft] eine Vereinigung bestimmter Begriffe und Vorbegriffe ist. (2) Doch wenn du der Meinung bist, jeder einzelne der Begriffe und Vorbegriffe sei ein Teil der Seele, dann begehst du zwei Fehler. Denn erstens sollte man sie nicht Teile der Seele, sondern der Vernunft nennen, wie das denn ja auch du in deiner Abhandlung ,Über die Vernunft' schreibst; Seele und Vernunft sind nämlich sicherlich nicht dasselbe. (3) Außerdem hast du in der oben zitierten Erklärung darauf hingewiesen, daß auch die Vernunft ein bestimmtes einzelnes Gebilde unter den Dingen ist, die sich in der Seele konstituieren; die Seele und das, was sich in ihr konstituiert, sind aber nicht dasselbe. (4) Aber selbst wenn man dies unangefochten stehen lassen sollte, muß man doch sagen, daß die Begriffe und Vorbegriffe gewiß keine Teile, sondern gewisse Aktivitäten der Seele sind. (5) Nichts jedoch besteht aus seinen eigenen Aktivitäten, weder das Auge noch das Ohr noch Arm oder Bein noch überhaupt irgendein anderes Ding .... (7) Somit darfst du auch bei der Seele nicht die Teile mit den Aktivitäten konfundieren. Denn die Begriffe und Vorbegriffe sind Tätigkeiten der Seele; deren Teile hingegen sind, wie du selbst in anderen Zusammenhängen mit aller Gründlichkeit lehrst, das Gehörspneuma, das Pneuma des Gesichtssinnes und über diese hinaus ferner das des Sprach- und das des Zeugungsvermögens sowie vor ihnen allen das Zentralorgan(pneuma), in dem, wie du erklärst, sich auch die Vernunft konstituiert; und wie du sagst, finden sich auch Häßlichkeit und Schönheit der Seele in ihr vor allem mit Bezug auf diesen Teil. (8) Dieses Pneuma nun besteht aus zwei Teilen, Elementen oder Zuständen, die durch und durch miteinander vermischt sind, aus dem Kalten und Warmen oder, wenn man sie mit anderen Namen und von ihren Substanzen 291
§ 2.1.3
yogeiJELv, ciega "tE xai. niiQ · oiJ IJ.TJV cilla xai. txJA.aÖa "tLva 1tQOOELÄ.l]V OO>IJ.a"tO>V ev OL~ ÖLUL"tÖ."taL. 30 Den ersten Satz dieses Textes hat Galen schon vorher zusammen mit seinem ursprünglichen Kontext zitiert. Der Passus stammt aus dem ,therapeutischen' oder ,ethischen' 4. Buch von Chrysipps Werk Peri pathön. Es heißt dort, daß die Schönheit und Häßlichkeit der Seele nach der Symmetrie oder Asymmetrie gewisser Seelenteile beurteilt würden. Zur genaueren Bestimmung dieser Seelenteile liest man dann den Satz, den Galen hier am Anfang nochmals zitiert; und fast unmittelbar anschließend folgt auch
279
Sextus Empiricus, Adv. Math. VID 56-60:
Oi. öe 1tEQi. "tov A'J]~t6XQL"tov xai. ITÄ.a"trova cißnoüv"tE~ !tEV "ta~ aloß1lOEL~, ciVaLQOÜV"tE~ ÖE "tU atoß'J]"ta, JA.6VOL~ Ö'
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JA.EVOL "tot~ volJ"tot~, ouyxeoum "ta 1tQay1J.a"ta, xai. oiJ JA.6vov "tTJV "tÖ>V ÖV"tO>V aÄ.'iji)ELUV oaÄ.EtJO'UOLV, cilla xai. "tTJV e1tL. vmav a'Ö"tc'i>v. 1täoa yag v6lJOL~ Mo atothloero~ yi:vnm s f) o'Ö xoogi.~ atoß11oeoo~, xai. f) ci1to 1tEQL1t"tci>oero~ f) o'Öx Ö.VE'U 1tEQL1t"tci>OEO>~. (57) öDev o'ÖÖE "ta~ Ä.EYO!tEVa~ 'ljiE'UÖEL~ <pav"taoi:a~, olov "ta~ xaD' i'J1tvou~ f) "ta~ xa"ta ~tavi:av, E'ÖQ'ijOOIJ.EV ci1t'J]Q"tl]IJ.EVQ~ "tÖ>V ÖLa "ti\~ atothlOEO>~ XQ"tQ 1tEQL1t"tO>OLV 'I'JJA.LV eyvO>OIJ.EVO>V. xai. yag Ö Xa"ta JA.UVLQV 10 'EQLVila~ a'Ö"tcp civa1tÄ.aoorov "ta~ aL~ta"tro1toil~ xai. ögaxov"tci>ÖEL~ x6ga~
(Eurip. Or. 256)
·
ex "tÖ>V 1tEV a'Ö"tcp oiJvi)nov JA.OQ~ ÖE Ö 1t"t'J]VOV livßQ0>1tOV xai)' iJ1tVO'U~ ÖVELQ01tOÄ.OUJA.EVO~ O'Ö 15 ÖLXU "tOÜ 1t"t'J]V6V "tL äO>QUXEVaL XQL Ö.VDQ0>1tOV ÖVELQ01tOÄ.EL"tUL. (58) xai. xai)6A.ou o'ÖÖEV ~O"tLV E'ÖQELV Xa"t' e1tLVOLQV Ö JA.TJ ~XEL "tL~ a'Ö"tcp Xa"ta 1tEQL1t"tO>OLV eyvO>OJA.EVOV. "tOÜ"tO yaQ f) XQ"tQ ÖJA.OL6"t'J]"tQ "tÖ>V ev 1tEQL1t"tci>OEL 1tEXQa"t'J]V emvOÖ>IJ.EV, XQ"tQ 1tUQUUSlJOLV ÖE, Ö"taV ci1t0 279 • ij 2 del. Kochalsky coll. I. S I " ~~~ Bckker: ~• G
292
Fragment
278-279
her bezeichnen will, aus Luft und Feuer; auf jeden Fall aber nimmt es auch eine gewisse Feuchtigkeit von den Körpern auf, in denen es waltet. die von Galen später angezogene Bemerkung über die Schönheit und Häßlichkeit der Seele und das Zentralorgan. Die nochmalige Zitation ist darin begründet, daß die genauere Bestimmung der ins Auge gefaßten Seelenteile unbefriedigend ist. Deshalb versucht Galen in dem vorliegenden Text, den Satz dadurch zu verdeutlichen, daß er ihn auf anderweitig entwickelte Theoriestücke Chrysipps bezieht.
In den Kreisen um Demokrit und Platon verwirft man die Sinneswahrnehmungen, hebt man die sinnlich wahrnehmbaren Gegenstände auf und folgt allein den intelligiblen Dingen; dadurch erzeugen diese Leute Konfusion in den Sachen und bringen nicht allein die Wahrheit des Seienden ins Wanken, sondern auch das Nachdenken über das, was ist. Denn jeder Gedanke entsteht von einer Sinneswahrnehmung her oder jedenfalls nicht unabhängig von einer Sinneswahrnehmung, und entweder aufgrund einer entsprechenden Gelegenheit (wirklicher Umstände) oder jedenfalls nicht ohne eine entsprechende Gelegenheit (wirkliche Umstände). (57) Daher werden wir finden, daß nicht einmal die sogenannten falschen Vorstellungen wie beispielsweise die Vorstellungen in Träumen oder die im Wahn von dem getrennt sind, was uns durch die Sinneswahrnehmung anläßtich einer entsprechenden Gelegenheit (wirklicher Umstände) zur Kenntnis gelangt ist. Denn in der Tat hat der Held, der sich im Wahn Erinyen ersinnt, "die blutig blickenden, Drachen ähnlichen jungen Frauen" (Eurip., Or. 256), eine Gestalt im Sinn, die aus Dingen zusammengesetzt ist, welche sich ihm vorher (durch Sinneswahrnehmungen) gezeigt haben; und genauso träumt der, der im Traum einen geflügelten Menschen schaut, dies nicht, ohne vorher etwas Geflügeltes und einen Menschen gesehen zu haben. (58) Und überhaupt ist im Nachdenken nichts zu finden, was man nicht dadurch besäße, daß es einem anläßlich einer entsprechenden Gelegenheit (wirklicher Umstände) zur Kenntnis gelangt ist. Es wird nämlich entweder nach einer Ähnlichkeit der bei entsprechender Gelegenheit (unter wirklichen Umständen) erscheinenden Dinge erfaßt oder nach einer Vergrößerung oder nach einer Verkleinerung oder nach einer Zusammensetzung. (59) Und zwar nach einer Ähnlichkeit beispielsweise dann, wenn wir von dem Standbild des Sokrates her, das wir gesehen haben, Sokrates denken, den wir nicht gesehen haben; nach einer Vergröße293
§ 2.1.3
'tO'Ü XOLVO'Ü ävß-QW:JtO\J XLVOUJ.I.EVOL VOÖ>J.I.EV, otov Ö~ O'ÖX tcpXEL 25 ävÖQL '(E OL'tO<paycp, äJ..M! QLcp ilJ..fJEV'tL "Ö'IjlTJAÖ>V ÖQE(I)V ( L 191.192), (60) Xa'ta J.I.EL(I)OLV ÖE, t:n:ELÖav O\JVEJ..6V'tE~ :n:aALV 'tO J.I.E'(Eß-0~ 'tO'Ü XOLVO'Ü ävß-QW:JtO\J V6TJOLV AaJ.I.~UV(I)J.I.EV :n:tJyJ.I.ai:otJ, xa't' tmauvß-Emv öt, Ö'tav ä:n:o ävß-Qc:O:n:otJ xat 30 t:n::n:otJ 'tOV J.I.TJÖE:JtO'tE "Ö:JtO:JtE:Jt'troX6'ta i)J.I.LV 'J:n::n:OXEV'ta\JQOV VOÖ>J.I.EV. :n:liOTJ~ o-bv tmvoi:a~ :JtQOTJ'(Etaß-m ÖEt 'tftv ÖLa 'tfj~ atat}iJOE(I)~ :JtEQL:Jt't(I)OLV, xal. ÖLa 'tO'Ü't' ävaLQOtlJ.I.EVroV 'tÖ>V ataß-TJ'tÖ>V äva'(XTJ~ 0\JVQVaLQEL'taL :n:äaa V6TJOL~.
t;
280
Cicero, De fm. bon. et mal. ill 10,33:
Cumque rerum notiones in animis fiant, si aut usu aliquid cognitum sit aut coniunctione aut similitudine aut collatione rationis, hoc quarto, quod extremum posui, boni notitia facta est. cum enim ab üs rebus, quae sunt secundum naturam, ascendit animus collatione rationis, turn ad notionem boni s pervenit.
281
279 ., 6ui NLE: d1to ~ 280 3 bpni Lambinus: bonum codd. 281 3 'l'llXfl~ Bcmardakis: 'l'llXf.l EB I ' ltiiQIIXOUOvt&~ EB: corr. Wyttenbach I 6 (tv)llltOXEll!ivm~
Plutarcbus, De comm. not. 47, 1084F-1085B:
'Evvoi:a~ ö' o'Öa(av a'Ö'tfj~ xat ytvEaLv o'Ö :n:aQa 'ta~ tvvoi:a~ il:n:o"ti:ß-Ev'tm; <pav'taai:a yliQ 'tL~ i) ~vvoLa ta"tL, <pav"taa(a ÖE 'tV:rtroOL~ tv 'ljltJXfl" 'ljltJXfi~ ÖE ÖE~ ÖLa J.l.aV6'tTJ'ta ÖE;aJ.I.EVTJV ÖE 'tTJQfiam w:n:romv äMva'tov.... äi..J..a oü'tro~ :n:aQaxouotJOLV s tatJ'trov roa'tE 'ta~ tvvoi:a~ (tv)a:n:oxELJ.I.EVa~ 'tLva~ ÖQLt6J.I.EVOL vofJaEL~ J.I.VfJJ.I.a~ öe J.I.OVLJ.I.Otl~ xal. ax;E'tLxa~ 'ttJ:n:roaEL~ 'ta~ ö' tma'tfJJ.I.a~ xal. :n:av'ta:n:aaL :n:TJyvuv'tE~ eh~ 'to ä~-~.ua :n:"tro'tov xal. ~t~mov tx;ovaa~ Eha 'tOV'tOL~ il:n:o'ti:ß-Eaß-m ~aaLV xat ~ÖQav o'Öai:a~ öA.Loß-TJQä~ xal. axEÖaa'tfj~ xal. 10
Pohlenz:
d1tox. EB
294
Fragment
279-281
rung beispielsweise dann, wenn wir ausgehend vom durchschnittlichen Menschen einen Menschen denken, der [wie der Kyklope] nicht "einem Brot essenden Manne gleicht, sondern einer einsam herausragenden bewaldeten Kuppe im hohen Gebirge" (Od. 9, 190f.); (60) nach einer Verkleinerung, wenn wir umgekehrt die Größe des durchschnittlichen Menschen verkürzen und den Gedanken von einem Pygmäen fassen; nach einer Zusammensetzung, wenn wir von einem Menschen und einem Pferd her den Pferdezentauren denken, der uns niemals begegnet ist. Es müssen also jedem Nachdenken die durch die Sinneswahrnehmung vermittelten entsprechenden Gelegenheiten (wirklichen Umstände) vorausgehen; und deswegen wird, wenn die Gegenstände der Sinneswahrnehmung aufgehoben werden, notwendig jedes Denken mitaufgehoben.
Da nun die Begriffe der Dinge in unserem Geist dann entstehen, wenn etwas durch die Praxis (eine entsprechende Gelegenheit, äußere Umstände) ( usus = griech. periptösis) oder eine Zusammensetzung oder eine Ähnlichkeit oder einen Analogieschluß zum Gedankeninhalt geworden ist, so ist der Begriff des Guten auf diese vierte, von mir an letzter Stelle aufgeführte Weise entstanden. Denn wenn unser Geist von den Dingen, die der Natur gemäß sind, ausgeht und durch einen Analogieschluß aufsteigt, dann gelangt er schließlich zum Begriff des Guten.
Und ihre Auffassung vom Wesen und von der Entstehung des Begriffs - widerstreitet sie nicht den [üblichen] Begriffen? Denn der Begriff ist eine Vorstellung und die Vorstellung ein Eindruck in der Seele. Die Natur der Seele aber ist das Aufdampfen, in die es wegen ihrer Lockerheit schwierig ist, etwas einzuprägen, und für die es unmöglich ist, eine empfangene Einprägung festzuhalten .... Aber die Stoiker achten so wenig auf sich selbst, daß sie die Begriffe als eine Art konservierter gedanklicher Wahrnehmungen (Gedanken) und Erinnerungen als bleibende Einprägungen definieren und daß sie das Wissen aller Art sogar total zu dem gerinnen lassen, was in einem unveränderlichen und sicheren (festen) Zustand ist, daß sie dann aber als Basis und Grundlage dafür trotzdem eine Substanz ansetzen, die schlüpfrig ist, auseinanderfallen kann und immer in Bewegung und Fluß ist.
295
§ 2.2-2.2.1.1
2.2 Zur Sinneswahrnehmung und über die Begriffe 2.2.1 Sinneswahrnehmung 2.2.1.1 Die verschiedenen Aspekte der Sinneswahrnehmung und das Problem ihrer Zuverlässigkeit
282
Aetius, Placita IV 8,1 = [Piutarchus], De plac. philos. 899D:
Oll:"tomcoi. ÖQitov"tm oü"tw~ "tTJV atav"taoia 'ft xa"taATJ3t"tLXi} ÖL' atoth]"tTJQLOU yivE"tm xa"ta "to 'ftYEfA.OVLx6v. Ö.q:>' o-ö { ouvio"ta"tm} n;aA.Lv {Ö'} at
283
s
[Galenus], Hist. philos. 90, p. 635,5-9 Diels:
Ka"ta "toil~ l:"twLxoil~ atav"taota xa"taATJ3t"tLXTJ xai. atoßTJ"tLXTJ xai. a'Ö"tO "tO 'ftYEfA.OVLXOV, Ö.q:>' o'Ö 3tä<Ja atoßT)"ti} ßia yiyvE"taL. n;aA.Lv "ta n;vEilfA.a"ta voEQa ö.3to "toü 'fJYEfA.ovLxoü tn;i. "ta s "tOLa'Ü"ta Ö.Va"tE"tQfA.EVa.
284 282 2 (öL') add. Diels sec. Ps.-Galenum I s yivov~at 1«1i ~o öyöoov l')y. 0: corr. Mau sec. v. Amim I {cruvia-ta~at} secI. edd. I 6 {ö '} secl. v. Amim I 7 tt· ~ay)ltva M!Dl 283 ''' ala&t]~&v aö~o A l'~tilaaom. A 284 Oe translationibus vide supra p. LXXI sq.
Philo, Quaestiones et solutiones in Exodum D § 112, p. 541 Aucher:
9nph wnwf~6DLphw6g ~Lpwfw6~~Lpnf mwphp J.wuwL Jhp~g. JDL6W~DLph61;. hL JDL6ht DJ (~wd JDL6ht LDJ), hL JDL6ht. DJlll!tu hL '~ 'f'fiUJDLp~L6u6 t, ~J!JIDL pt DJlll!tu, mJ.unLp~L6, hL mhuw6J.l~• hL mhuw6ht. qwpllhwll uhl DLP~L6, hL l uht~6, hL l uht: llpq WJUII!tu ~ 'f~1RDLp~L6, hL 'f~1RDL6,J.L 'f~IRJ.l• DJlll!tu. , ,
296
Fragment
282-284
Die· Stoiker definieren die Sinneswahrnehmung so: "Sinneswahrnehmung ist die Erfassung oder Erkenntnis durch ein Sinnesorgan". Von der ,Sinneswahrnehmung' spricht man aber in vielfältigem Sinne, nämlich sowohl im Sinne von Habitus als auch in dem von Potenz als auch in dem von Akt. Und die erkennende Vorstellung erfolgt vermittels eines Sinnesorgans im Zentralorgan. Von diesem her werden umgekehrt die Sinnesorgane als die verständigen Pneumaströme bezeichnet, die sich vom Zentralorgan bis zu den Organen hin erstrecken. R:
Nr. 282.
Nach den Stoikern ist eine Sinneswahrnehmung die Erfassung von etwas sinnlich Wahrnehmbarem; von ,Erfassung' spricht man aber in vielfältigem Sinne. Nämlich sowohl im Sinne von Habitus als auch in dem von Potenz als auch in dem von Akt als auch in dem der erkennenden und sinnlichen Vorstellung als auch in dem des Zentralorgans, von dem her jede Kraft zur Sinneswahrnehmung entsteht. Hinwiederum erstrecken sich die verständigen Pneumaströme vom Zentralorgan bis zu den so beschaffenen [Organen] hin.
Von den vier Tugenden wird nun eine jede aus den folgenden drei Elementen heraus begriffen: aus der Gewohnheit (der Routine, dem Habitus), aus dem zu Habenden (dem, was es zu haben gilt,) und aus dem Haben, - gerade so, wie es auch bei den Sinneswahrnehmungen ist, also etwa: Gesichtssinn, zu Sehendes (sichtbarer Gegenstand) und Sehen. Und in derselben Weise: Gehör(sinn), zu Hörendes (hörbarer Gegenstand) und Hören. Ebenso steht es nun mit Wissen(sfähigkeit), Gewußtern (dem, was man weiß/wissen kann) und (dem Akt des) Wissen(s). Desgleichen ... 297
§ 2.2.1.1
AUCHERS LATEINISCHE ÜBERSETZUNG Quatuor virtutum unaquaeque elementum sortita est ex bis tribus, ex habitudine, habendo, et habere: sicut et in sensibus est. e.g.
285
Sextos Empiricus, Adv. Math. VII 424:
"lva yr:. J.LTJ" atoßTJ'tLXTJ yEVTJ'taL q>avmoi:a xa,;' a'Ö,;ous, olov ÖQQ'tLXi), ÖEL nEV'tE O'IJVÖQaJ.LELV, 'tO 'tE atoß-T)'ti)QLOV xai. 1:0 atoßTJ'tOV xai. ,;ov ,;6nov xai. 1:0 q>Ö>S xai. 'tTJV ÖLavOLav, chs Ur.v ,;rov ÜÄ.i..c.ov nag6v,;c.ov fv J.L6vov anfi, xaiM.nr:.g öu'xvOLa naga q>umv i!xo'Uoa, o'Ö oc.oi}i)oE'taL, q>aoi:v, iJ ö.v,;i:Ä.TJ'IjiLS. l!vi}r:.v xai. 'tTJV xa,;aÄT)n'tLXTJV q>av,;aoi:av l!i..r:.y6v 'tLVES J.LTJ XOLVÖ>S r:.[vaL XQL'ti)QLOV,. Ö.Ä.Ä.' Ö'taV J.LTJÖEV i!xn Xa'ta ,;ov 1:6nov i!vo'tT) J.La.
s
Dieser Text ist nach MUTSCHMANN zitiert, erfordert aber zwei Bemerkungen: 1. Von den flinf Bedingungen flir eine integre sinnliche Vorstellung ist die vierte nach der Überlieferung "tö 1troc; I die Art und Weise". Daf"lir schrieb MuTScHMANN- einem Vorschlag von HBINTZ folgend - "tö !piilc; I das Licht". HEINTZ selbst hat diesen Vorschlag später aber mit erheblichen Fragezeichen versehen. Gemeint ist in jedem Fall das Medium, in dem I durch das ein Gegenstand sich dem Sinnesorgan präsentieren kann (vgl. den Ausdruck "ins rechte Licht rücken"). Die Schwäche des HBINTZschen Vorschlags besteht darin, daß er die vierte Bedingung nicht mehr flir Sinneswahrnehmungen aller Art formuliert, sondern nur noch flir solche des Gesichtssinnes. Die ursprüngliche
286
285 3 1plb~ Heintz dubit., Mutscbmann: ~tlll~ G; er. comm. I ' auv&i)anat N I 1 ~Öltov Mutlebmann: tQOltOV G; er. comm.
Sextos Empiricus, Adv. Math. Vill 183-185:
•.. ÖEt nQOO'UJ.Lnr:.q>rovijoi}m 'tTJV 'tÖ>V atoß-T),;rov iJnaQ~Lv xai. ÖJ.L6Ä.oyov r:.lvm naga näoL ,;ots q>'UoLxots, ••• (184) o'Ö O'UJ.Lnr:.q>li>VTJ'taL öii, ö.i..i..' ... oilno,;r:. nr:.nauoov,;m nr:.gi. a'Ö'tijS ot q>'UoLxoi. ngos ö.i..i..i)i..o'Us noi..r:.J.Loiiv,;r:.s, tnr:.i:nEQ ö J.LEv ATJJ.L6XQL'tOS J.LTJÖEV 'ÖnoxEtoi}a( q>TJOL 'tÖ>V atoß-T),;rov, ... (185) Ö ÖE S 'EnLXO'UQOS nav,;a i!i..r:.yr:. 'ta atoß-T),;a 'tOLaii'ta 'Önoxr:.i:oi}m önota q>ai:vr:.'taL xai. xa,;' atoß-T)oLv ngooni:n'tEL, •.. ol öt ö.no ,;ijs l:,;oäs xai. 1:0ii IIr:.gLna'to'IJ J.LEOTJV ööOv 'tEJ.LOV'tES i!vLa J.LEV 'ÖnOXELoßaL 'tÖ>V atoßTJ'tÖ>V i!Ä.E~av IDS Ö.Ä.T)i}ij, i!vLa ÖE J.LTJ 'Ö3tt'xQXELV, 'ljiE'UÖOJ.LEVTJS 3tEQL a'Ö'tÖ>V 'tfiS atoi}i)oEC.OS. 10 Siehe auch Adv. Math. Vlll 213, wo Sextus dieselben Ansichten ohne Namensnennungen gegenüberstellt; ferner:
298
Fragment
284-286
visus, visibile, et videre; itidem auditus, audibile, et audire. Sie ergo est scientia, scibile, scire: sicut et ...
Damit eine sinnliche Vorstellung in ihrem Sinne [scil. im Sinne der Stoiker] zustandekommt, z.B. eine Vorstellung des Gesichtssinnes, muß fünferlei zusammentreffen: das Sinnesorgan, der wahrnehmbare Gegenstand, der Ort, das Licht und der Verstand, so daß die Erfassung, wie sie behaupten, nicht integer bleiben kann, wenn bei Anwesenheit der anderen Komponenten auch nur eine einzige fehlt, wenn also beispielsweise der Verstand in einem anormalen Zustand ist. Daher erklärten dann auch einige, die erkennende Vorstellung sei nicht durchweg Kriterium [der Wahrheit], sondern nur, wenn sie dem Ort nach keinerlei Hindernis bei sich hat. Lesart bezeichnete womöglich genau die erforderliche Verallgemeinerung. - 2. Am Schluß des Textes ist als Bedingung dafür, daß die erkennende VorstellungWahrheitskriterium sein kann, überliefert: "ö-rav ... xa-ra -rov TQ07tov ... / wenn sie ihrem Charakter nach ... ". MUTSCHMANN änderte hier in" ... xa-ra -rov -r61tov ... / ... dem Ort nach ... ". Vermutlich dachte er dabei an das dritte Element einer integren sinnlichen Vorstellung, zumal unmittelbar vorher speziell von einer Verletzung des fünften Elements die Rede war. Vielleicht ist aber doch aucli hier die überlieferte Lesart vorzuziehen, die anscheinend auf die Integrität aller fünf Elemente abstellt.
. . . muß zuvor die wirkliche Existenz des sinnlich Wahrgenommenen bei allen Naturphilosophen einhellig verkündet und zugestanden sein, ... (184) Sie wird aber nicht einhellig gelehrt; vielmehr ... hören die Naturphilosophen nicht damit auf, sich hierüber gegenseitig zu befehden, da nämlich Demokrit erklärt, nichts sinnlich Wahrgenommenes subsistiere, ... (185) Epikur hingegen behauptete, alles sinnlich Wahrgenommene subsistiere so, wie es erscheint und in der Sinneswahrnehmung begegnet, ... Die Stoiker und die Peripatetiker jedoch gingen einen Mittelweg und sagten, einiges sinnlich Wahrgenommene subsistiere, da es wahr sei, und anderes existiere nicht wirklich, da die Sinneswahrnehmung hierbei täusche.
299
§ 2.2.1.1
287
Sextos Empiricus, Adv. Math. Vill 355:
... Etye ~TIIJ.ÖXQL'to~ J.LEV :n:äaav ataßt]ti!v "Ü::taQ~Lv xex(V"I]XEV, 'E:n:i:xoueo~ öf: :n:äv ataß"l]tov ßeßmov H.e~ev dvm, 6 öf: l:troLxo~ Zi]vwv ÖLaLQEOEL txeiJaato, ...
288
Cicero, De nat. deor. I 25,70:
Urguebat Arcesilas Zenonem, cum ipse falsa omnia diceret quae sensibus viderentur, Zenon autem non nulla visa esse falsa non omnia; timuit Epicurus ne, si unum visum esset falsum, nullum esset verum: omnes sensus veri nuntios dixit 5
~~
289
Cicero, Acad. pr. 24,75:
Atqui habebam molestos vobis sed minutos, Stilbonern Diodorum Alexinum, quorum sunt contorta et aculeata quaedam sophismata (sie enim appellantur fallaces conclusiunculae). Sed quid eos colligam, cum habeam Chrysippum, qui fulcire putatur porticum Stoicorum: quam multa ille contra sensus, quam multa contra omnia quae in consuetudine probantur. ,At dissolvit idem.' Mihi quidem non videtur, sed dissolvent sane: certe tam multa non collegisset quae nos fallerent probabilitate magna, nisi videret is resisti non facile posse.
290
289 1 Stilbonem codd. dett., ed. Romana (1471): silibonem A VB 1 : sibib. B': Stilponem margo Lambinianae (1563) I 7 at Davisius: ad A 1 VB 1 : dei.A1 B1
Cicero, Acad. pr. 27,87:
Sed ut ad ea quae clariora sunt veniam, res iam universas profundam, de quibus volumina inpleta sunt non a nostris solum sed etiam a Chrysippo (de quo queri solent Stoici, dum studiose omnia conquisierit contra sensus et perspicuitatem contraque omnem consuetudinem contraque rationem, ipsum sibi respondentern inferiorem fuisse, itaque ab eo armatum esse Cameadem). 300
5
5
Fragment
287-290
... wenn nämlich Demokrit jedwede sinnlich wahrnehmbare Realität über den Haufen warf, andererseits Epikur behauptete, alles sinnlich Wahrgenommene sei sicher, und schließlich der Stoiker Zenon hier eine Unterscheidung heranzog, ... (Anschluß unten Nr. 927)
Arkesilaos machte dem Zenon schwer zu schaffen mit seiner Behauptung, alle Sinneswahrnehmungen seien falsch; denn Zenon behauptete nur von einigen und keineswegs von allen Vorstellungen, sie seien falsch. Epikur befürchtete nun, daß, wenn auch nur eine einzige Vorstellung falsch sei, womöglich überhaupt keine wahr sei; deshalb behauptete er von allen Sinneswahrnehmungen, sie zeigten das Wahre an.
Doch hatte ich Philosophen zur Hand, die eurer Schulrichtung lästig, wiewohl von kleinerem Format sind, nämlich Stilpon, Diodor und Alexinos, von denen einige gewundene und spitzfindige Sophismen stammen (so nämlich heißen die trügerischen Schlüßchen). Aber warum soll ich diese Leute aufbieten, wenn ich doch Chrysipp habe, der als die Stütze der stoischen Säulenhalle gilt: Wie viele Argumente hat er gegen die Sinneswahrnehmung geliefert, wie viele gegen alles, was in der Alltagserfahrung als gültig angesehen wird! "Aber er entkräftete die Argumente auch," [werdet ihr sagen]. Diesen Eindruck habe ich nicht; aber mag er sie ruhig entkräftet haben: Sicherlich hätte er nicht so viele Argumente gesammelt, die uns mit ihrer großen Wahrscheinlichkeit des Irrtums überführen könnten, wenn er nicht gesehen hätte, daß man ihnen nicht mit Leichtigkeit widerstehen kann.
Um aber zu Punkten zu kommen, die klarer sind, will ich nun kosmische Themen ausbreiten, über die nicht nur von unseren Leuten Bände gefüllt worden sind, sondern auch von Chrysipp (die Stoiker pflegen über ihn zu klagen, weil er einerseits mit großem Eifer alles zusammengetragen hat, was gegen die Sinneswahrnehmung und ihre Evidenz, gegen alle Alltagserfahrung und gegen die Vernunft spricht, weil er dann andererseits, als er sich darauf eine Antwort zu geben suchte, den kürzeren gezogen hat, und weil Karneades deshalb von ihm mit Waffen versehen worden ist). 301
§ 2.2.1.1-2.2.1.2
291
Galenus, In Hippocr. De med. off. comm. I 3, B p. 654sq. Kühn: Vol.
xvm
Kai. J.LTJV xai. "tOLail"tTJV t;iiYTJOLV ~yQa"ljlav "tLVE~. o'Ö 1:0 a'Ö"to OTJJ.LULVEot}al: q>aotv tx ,;oii q>avm "xai. töEtv xai. t}LyEtv xai. lxxoiioa( to"tL" "tcp "xai. "tfl Ö"ljJEL xai. "tfl lxxofl xai. "tfl äq>fl to"tLV atotMvEot}aL". töEtv J.LEV yaQ to"tL xai. t}tyEtv xai. QXOUELV J.LTJ XU"tUÄTJX"tLXÖl~, atot}avEot}m ÖE O'ÖXhL J.LTJ 5 XU"tUÄTJX"tLXÖl~. ~O"tL ÖE f) "tOLUU"tTJ "tfj~ atot}ijoEro~ t;TjyTJOL~ "toii :l:LJ.Ltou "toii :l:"trotxoii, ÖLO xai. ,;oii Kotv,;ou J.LU~"tTJ~ 'Iq>LXLUVO~ a'Ö"tTJV XQOoijXa"tO "tTJV :l:"tOOLXTJV Qoxal;OJ.LEVO~ q>LÄOOOq>(av, (x)..)..' Ö ÄEYO\JOLV to"tL "tOLO"Ü"tOV. "tO J.LEV hEQOV J.LEQO~ "tfj~ QijOEW~ XEQL "tO"Ü YEVO\J~ J.LOVO\J ÖLÖaOXEL "tÖlV 10 XQUYJ.LOEL~ f)J.Lö:IV yl:vov"tat. 1:0 öe ÖEU"tEQOV XEQL "tO"Ü Xa"t' a'Ö"tO ÖLTJXQLßWJ.LEVO\J "tE xai. RLO"tO"Ü, (655) dJ~ Et Xai. OiJ"tro~ tyEyQUX"tO. "XQOOfjXE XOLELOß'UL "tel~ ÖLayvOEL~ QXO "tÖlV ÖJ.LOLWV "tE xai. QVOJ.LOLWV "tOL~ XU"tel q>UOLV tv "tcp "tO"Ü XaJ.LVOV"tO~ OWJ.LU"tL q>ULVOJ.LEVOOV. "tU"Ü"ta ÖE 15 xai. "tel at~"tel xai. "tOU"tWV a'Ö"tÖlV O'ÖX Öoa XUQELÖEV i'J XaQijXO\JOEV i'J ÖÄro~ XUQflot}E"tO Xa"ta "tLVU "tÖlV atot}ijOEWV, (xi..)..' c\ XaÄÖl~ xai. XU"taÄTJX"tLXÖl~ "tÖlV atot}ijOEOOV "floß-E"tO txao,;n xai. "tfl yvJ.Ln". ouyxE:x,Qfjoß-m yaQ q>TJOL "tfl ,;oii atoß-toß-m q>rovfl 1:ov 'IxxoxQJ.LTJ~. 20
t;
2.2.1.2 Sinneswahrnehmungen und Trieb als Zustimmungshandlungen
292 acero, Acad. pr. 33,108: Alterum est quod negatis actionem ullius rei posse in eo esse qui nullam rem adsensu suo conprobet. Primum enim videri oportet, in quo sit etiam adsensus (dicunt enim Stoici sensus ipsos adsensus esse, quos quoniam adpetitio consequatur acs tionem sequi) - tolli autem omnia si visa tollantur.
291 4 Kühn
Xlli
scripsi:
Vlli
302
Fragment
291-292
In der Tat haben manche Leute eine solche Deutung verfaßt. Sie erklären, zu sagen "Es gibt Sehen, Berühren und Hören", bedeute nicht dasselbe wie zu sagen "Es gibt sinnliches Wahrnehmen mit dem Gesichts-, dem Gehör- und dem Tastsinn". Denn das Sehen, Berühren und Hören ist nicht erkennend, das sinnliche Wahrnehmen hingegen ist sehr wohl erkennend. Diese Deutung der Sinneswahrnehmung gibt der Stoiker Simias; daher fand sie auch der Quintus-Schüler lphikianos akzeptabel, als er sich der stoischen Philosophie anschloß. Was sie sagen, ist nun folgendes: Der eine Teil der Abhandlung unterrichtet allein über die Klasse der Sachen, aufgrund deren sich uns die Bezeichnungen ergeben; der zweite Teil handelt über das, was aus sich selbst ganz genau und zuverlässig ist, (655) wie wenn es auch so geschrieben worden wäre: "Die Diagnosen werden passenderweise von dem her entwickelt, was am Körper des Kranken im Vergleich zu den naturgemäßen Körpern an Ähnlichem und Unähnlichem zu erkennen ist. Das aber ist das, was sinnlich wahrnehmbar ist, und es ist nichts darunter, was schief gesehen, schief gehört oder überhaupt nach Maßgabe irgendeiner Sinneswahrnehmung schief wahrgenommen wäre; vielmehr wurde es durch jede einzelne Sinneswahrnehmung und durch die Kenntnis treffend und erkennend wahrgenommen." Er betont nämlich, daß Hippokrates das Wort "sinnlich wahrnehmen" zugleich für die Kenntnis benutzt habe.
Der andere Punkt ist eure Behauptung, es könne bei demjenigen, der nichts durch seine Zustimmung billigt, keinerlei Handlung geben, aufwelche Sache sich diese auch beziehen mag. Denn als erstes muß etwas vorgestellt werden, worin auch schon eine Zustimmung liegt (die Stoiker lehren nämlich, daß die Sinneswahrnehmungen selber Zustimmungshandlungen sind, an die sich das Streben anschließt und auf die daher eine Handlung folgt), - es werde aber alles aufgehoben, wenn die Vorstellungen aufgehoben werden.
303
§ 2.2.1.2
293
Alexander Aphi'., De anima p. 72,13-21:
uE:rtE"taL jlEV o'Üv -c'[j q>av-caoi:~ ouyxa-c(d}eOLc;, o'Ö jlTJV mion, ci:JOJtEQ o'Üv xal. -c'[i ouyxa-caßeoEL ÖQjlTJ, o'ÖÖe "taiJ-cn Öe Jtaon. 6,')...')...' O'ÖÖE "t'[j ÖQjlfl S!; Ö.vayxT)c; JtQä!;Lc;. xal. ~o-cLv S
294
Stobaeus, Eclogae I 49,25, p. 349 (ex Porphyrio):
NoUjlTJVLoc; ... -cci>v ö.:no -cfjc; l:-coäc; -ciJv atothjOLv o'Öx Sv -cfl <pav-caoi:~ Lo-cav-crov jl6vov, ö.";..";..u -ciJv o'Öoi:av ö.vag-crov-crov ö.:no -cfjc; ouyxa-caßeoeroc;. AtoßTJ"tLXTJ yug <pav-caoi:a ouyxa-caßeoi:c; so-cLV fJ atai}TJoLc; -cfjc; auyxa-caßeoeroc; xaß' ÖQ!lTJV o{JoTJc;.
295
Stobaeus, Eclogae I 50,14, p. 474=Aetius, Placita IV 8,12, p. 396 Diels:
OL l:-co>Lxol. :näoav atothjOLv elvm auyxa-caßeoLv xal. XU"tclATJ'\jJLV.
296
Aetius, Placita IV 9,4=[Plutarchus], De plac. philos. 899 F = Stobaeus, Eclogae I 50,20, p. 475:
ot l:-conxoi. -cuc; jlEV atoßi)oeLc; Ö.ATJi>-Ei:c;, -cci>v öf: <pa'V"taOLci>v -cuc; !lE'Y ö.";..TJßei:c; -cuc; öe '\jleuöei:c;.
297
294 3 alaS.,~txl'] ycil! cpavt.] -xil y. -aiq. v. Ar-
Oi.l:-conxol. -cuc; atoßi)oeLc; jlEV ö.";..TJßei:c;, -cci>v öe <pav-caoLci>v -cuc; jlEV Ö.ATJi>-Ei:c;, -cuc; öf: '\jleuöEi:c; · xal. ai. jlEV atoßi)oeLc; jlOVUl(.ci>c; '\jJEUÖOJtOLO"Ü'V"taL xai. "tU VOTJjlU"ta ÖL"t"tci>c;. xai. YUQ atathj-cci>v SO"tL <pav-caoi:a xal. VOTJ"tci>v. Wie der erste Satz dieses Textes aus Aetios stammt (vgl. Nr. 296), so auch der zweite und dritte. Allerdings folgen diese Sätze dort
nim 297
3
[Galeous], Rist. philos. 91, p. 635,14-16 Diels:
yciQ Dicls: 1ta(/ AB
304
Fragment
293-297
(Anschluß oben Nr. 262)
Es folgt nun der Vorstellung eine Zustimmung, freilich nicht jeder Vorstellung; desgleichen folgt dann weiter auf die Zustimmung ein Trieb, aber wiederum nicht auf jede Zustimmung. Doch folgt auch dem Trieb nicht notwendig eine Handlung. Vielmehr gibt es der Reihe nach diese Komponenten, die im Lebewesen die Ordnung besitzen: Sinneswahrnehmung, Vorstellung, Zustimmung, Trieb, Handlung. Aber allem Anschein nach folgt weder auf jede Sinneswahrnehmung eine Vorstellung, wenn man nämlich zugibt, daß nicht alle Lebewesen der Vorstellungen teilhaftig sind, noch auf jede Vorstellung eine Zustimmung ... , noch auf jede Vorstellung ein Trieb.
Numenios ... ; die Stoiker siedeln nämlich im Gegensatz dazu die Sinneswahrnehmung nicht nur in der Vorstellung an, vielmehr machen sie deren Wirklichkeit von der Zustimmung abhängig. Denn die sinnliche Vorstellung ist eine Zustimmung oder eine Sinneswahrnehmung derjenigen Zustimmung, die im Streben statthat.
Die Stoiker sagen, jede Sinneswahrnehmung sei Zustimmung und Erkenntnis.
Die Stoiker sagen, daß die Sinneswahrnehmungen wahr, die Vorstellungen hingegen teils wahr und teils falsch sind. R:
Nr. 296.
Die Stoiker sagen, daß die Sinneswahrnehmungen wahr, die Vorstellungen hingegen teils wahr und teils falsch sind; es irren ja die Sinneswahrnehmungen auf einerlei und die Gedanken auf zweierlei Art. Denn eine Vorstellung gibt es von sinnlich Wahrnehmbarem und von Intelligiblem. bzw. bei Ps.-Plutarch und Stobaeus in einer nur minimal abweichenden Formulierung erst einige Zeilen später und stehen in ei-
305
§ 2.2.1.2
nem Abschnitt über Epikur. Daß sie von Ps.-Galen trotzdem mit den Stoikern in Verbindung gebracht werden, beruht wohl weniger auf qualifizierter Information als vielmehr nur auf einer fehlerhaf-
298
Clemens Alex., Stromat. VI 8 § 69,1, p. 466 Fr.:
Ei!Qi:oxe'tm ö' 'ft OQJ.I.TJ J.I.E'ta 'ttva CJ'Uyxa'taß-eow xi:vTJot~ o'Öoa. Ö yCJ.Q ÖQJ.I.TJOa~ ft~ 'tLVa 1tQÖ.;tv 1tQO'tEQOV 'tTJV YVÖ>CJLV 'tfj~ 1tQa;ew~ l..aJ.I.ßavet, öeii'tEQOV öe 'tTJV ÖQJ.I.TJV.
299
Philo, Legum allegoriae I§ 30, Vol.l p. 68 C-W:
To yaQ l;cpov 'toü J.I.TJ l;cpou öuoi. 1tQo{Jx,et, q>av'taoi:~ xai. ÖQJ.I.ft · 'it J.I.EV o'Üv q>av'taoi:a ouvi:o'ta'tat xa'ta 'tTJV 'tO'Ü ~x'to~ 1tQOCJOÖOV 't'U1tOÜV'tO~ VO'ÜV Öt' atoi}TjCJEW~, 'ft ÖE ÖQJ.I.TJ, 'tO lxöel..q>ov 'tfj~ q>av'taoi:a~, xa'ta 'tTJV 'toü voü 'tovtxT)v öiivaJ.I.LV; tjv 'tELVa~ Öt' aloß-TjCJEW~ Ö.1t'tE'taL 'tO'Ü 'Ö1tOXELJ.I.EVO'U xai. S 1tQO~ a'Ö'to XWQEL yi..LX,OJ.I.EVO~ ~q>LXEoß-aL xai. oui..A.aßei:v a'Ö't6.
299 3 nQ6ollov UFL votiFL
I
306
Fragment
297-299
. ten Textauslassung, die umso leichter zu erklären ist, als das ausgelassene Stück genauso endet wie der obige erste Satz (Haplographie).
Der Trieb (das Streben) erweist sich aber als eine Bewegung infolge einer bestimmten Zustimmung. Wer nämlich auf eine bestimmte Handlung zustrebt, bekommt zuerst die Kenntnis dieser Handlung und an zweiter Stelle das Streben danach.
Denn das Lebewesen zeichnet sich gegenüber dem Leblosen durch zweierlei aus, durch Vorstellung und Trieb (Streben). Die Vorstellung bildet sich durch den Zutritt dessen, was außerhalb von uns ist und vermittels der Sinneswahrnehmung im Geist einen Eindruck erzeugt. Hingegen entsteht der Trieb (das Streben), der Bruder der Vorstellung, durch die Kraft des Geistes zur Ausdehnung; wenn er diese Kraft anspannt, setzt er sich durch die Sinneswahrnehmung mit dem Gegenstand in Berührung und strebt zu ihm hin mit der Sehnsucht, bei ihm anzulangen und ihn zu erfassen.
307
§ 2.2.2-2.2.2.0
2.2.2 Begriffe 2.2.2.0
Übergreifende Texte
Siehe auch oben Nr. 27fr.281 sowie unten Nr. 342-350.
300
Origenes, Contra Celsum Vll 37, p. 187 Koetscbau:
Et 11ev yaQ t ö L ro 't ro v civeni..aaae i..Oyovc; (sc. 6 Kei..aoc;), n6i}ev 'tOi:c_; 'tOLOU'tOLc_; Öuvaai}at ÖtaXQLVELV a L 0 i} 1] 0 LV ö.no 'tO'Ü v o fJ xai. alai}1J'ta vo1J'tÖ>V xai. öoy11a'ti:l;,etv naQa3tÄ1Ja(roc; 'toi:c; ö.vatQO'ÜOL vo1J'tac; o'Öai:ac; l:'trotxoi:c; 3tEQi. 'tO'Ü a [ 0 i} 'tl (J E (J L V X a 't a Ä a 11 ß tl V E 0 i} a L 't a 5 x a 't a Ä a 11 ß a v 6 11 E v a xai. näaav xa'taÄ1J'Ijltv i)Q'ti\ai}at 'tÖ>V a t a i} 'tl a E ro v;
301
300 • VOlJ~~ oöaia~ Höschel in marg., Spencer, Delaruc: vol]~iöv oila1iöv A I ' ala81j<JEa\V cod. Paris. suppl. gr. 293 post corr.: a!a81jaE\ Delaruc: aiaDl]mv A, Höschcl, Spcncer 301 3 cl>v Leonicus, ed. Basil. : olov EB I 10 xai 1 del. Pohlenz 1 5laQ3Qma~ Wyttenbach: 5l0p3cila~ EB I u {poul.o~~Bvou~} secl. Reiskc 302 2 i\5'1]'1\56 cooi. Petersen; sed cf. comm.
Plutarcbus, De comm. not. 1, 1059B-C:
Eha 'ttc; Elnev a'Ö'trov (sc. 'tÖ>V l:'trotxrov) ehe; o'Öx cino 'tUXl]c; ö.ÄÄ' ~X 3tQOVO(ac_; i}erov V011Ll;,OL 11E't' 'AQXEOLÄaov xai. nQo KaQveaöov yeyovevm XQuatnnov, ci>v 6 11ev 'Ö3ti\Q!;E 'ti\c; Etc; 'tTJV avv'tli}etav flßQEroc; xai. naQavo11i:ac; 6 ö' il~aE 11ai..ta'ta 'tÖ>V 'AxaÖ1JI1ai:xrov. XQUOL3t3toc; yo'Üv ~v 11Eacp 5 yev611evoc; 'tai:c; 3tQOc; 'AQXEai:Äaov Ö.V'ttyQacpai:c; xai. 'tTJV KaQveaöov öetv6't1J'ta ~vEcpQa!;e, nolla 11ev 'tfi alaD'tlaet Xa'taÄmrov lb03tEQ elc; 3tOÄLOQXLaV ßo1Ji}fJI1a'ta 'tOV ÖE 3tEQL 'tac; 3tQoi..'tl'ljletc; xai. 'tac; ~vvoi:ac; "taQaxov ö.cpei..rov naV'tanaat xai. ÖtaQi}Qc:Oaac_; exaO'tl]V xai. i}E11EVOc_; Elc_; 'tO olXELOV. 10 &a'tE xat 'toiJc; a'ÜDtc; ~XXQOUEtv 'ta 3tQtlYI1a'ta xat naQaßtal;,eai}m ßo1JÄ011EV01Jc_; 111JÖEV 3tEQaLVELV Ö.ÄÄ' ~Äeyxeai}at {ßovÄo11Evovc;} xax01lQYO'ÜV'tac; xai. aocptl;,011EV01Jc;.
302
Stobaeus, Eclogae I 50,30, p. 477 = Aetius, Placita IV 9, 13, p. 398 Diels:
XQuatnnoc; 'to 11ev yevtxov 'I'Jöil vo1J't6v, 'to öe Etötxov xat 3tQ003tL3t'tOV ilÖ1J alaD1J't6v. Das zunächst kaum verständliche ,ill:l1J f bereits' läßt sich aus dem Kontext der Stelle gut erklären: Angenehmes und Betrübliches wird von Epikur zu den aistheta und von den Peripatetikern zu
308
Fragment
300-302
Denn wenn er [scil. Kelsos] den Reden ungebildeter Leute Gestalt verliehen hat, woher sollen dann solche Leute in der Lage sein, die Sinneswahrnehmung vom Denken und sinnlich wahrnehmbare von intelligiblen Gegenständen zu unterscheiden und ähnlich wie die Stoiker, welche die intelligiblen Wesenheiten aufueben, Lehren darüber zu entwickeln, wie das, was erkannt wird, durch Sinneswahrnehmungen erkannt wird und jede Erkenntnis von den Sinneswahrnehmungen abhängt?
Dann sagte einer von ihnen [scil. ein Stoiker], er glaube, daß Chrysipp nicht zufällig, sondern dank göttlicher Vorsehung nach Arkesilaos und vor Karneades aufgetreten sei, von denen ersterer den Stolz gegen die Alltagserfahrung und deren Übertretung initiierte, während letzterer die größte Blüte unter den Akademikern war. Chrysipp kam jedenfalls in der Mitte und blockierte mit seinen Erwiderungen gegen Arkesilaos zugleich auch die Genialität des Karneades; denn er hinterließ der Sinneswahrnehmung viele Hilfen gegen die - man möchte sagen - Belagerung, und er beseitigte völlig die Verwirrung über die Vorbegriffe und die Begriffe, indem er jeden von ihnen deutlich darstellte und ihn an den ihm eigenen Platz stellte. Von daher können auch diejenigen, die hernach die Sachen vereiteln und die ihnen Gewalt antun wollen, nichts ausrichten; vielmehr werden sie als Übeltäter und Sophisten überführt.
Chrysipp erklärt, das generische Angenehme sei intelligibel; hingegen sei das artmäßige und [uns] begegnende Angenehme bereits sinnlich wahrnehmbar. den noeta gerechnet; letztere geben zur Begründung an, daß nicht allen Leuten dasselbe als angenehm und betrüblich erscheine. Nach diesen Mitteilungen folgt die Auffassung Chrysipps; sie ist
309
§ 2.2.2.0-2.2.2.1 im Gegensatz zum vorangehenden formuliert, und eben das wird durch das fiÖTJ angezeigt. - Ein solches fiöTJ kommt kurz vor unserer Stelle noch zweimal vor. Da es außerdem stark dem Sprachgebrauch des Aristoteles ähnelt, wird es von DmLS als eine Spur
2.2.2.1 Natürliche oder Vorbegriffe Die Definition des natürlichen oder des Vorbegriffs findet man oben in Nr. 255: §54 (oder auch weiter unten in der Dublette Nr. 343) und in Nr. 277; sie ist für die Thematik und die Textauswahl des vorliegenden
303
Plutarchus, De comm. not. 32, 1075 E:
Kai. I'TtV a'Ö'to( '(E :rtQOS 'tOV 'Eni:xouQOV o'Öötv d:rtoi..Ei:nouoL 'trov :rtQayl'a'trov "toii, toii, qJE'Ü, qJEü" ßorov'tES, cbs ouyxtov'ta 'tTtV 'tÖ>V 'Ö'EÖ>V :rtQ6ATJ'IjlLV QVaLQOU!'EVTJS 'tijS :ltQOVOLas· O'Ö '(CxQ (it)Q.va'tOV XQL l'aX6.QLOV !16VOV (i)..I..Q xai. qJLMV'Ö'QW:ItOV xai. XTJÖE!'OVLXOV xai. cO(jlEAL!'OV :7tQOAa!'ß6.vEot)QL xai. VO- S Etot)m 'tOV 'Ö'E6V.
Plutarchus, De Stoic. repugn. 38, 1051 E-F: 'AV'tL:rtQ'tQOS ö TaQOEUS ev 'tcp :rtEQL E>EÖ>V YQ..t;Lv· ":rtQO ÖE 'tO'Ü OU!':ItQV'tOS Myou 'tTtV ev6.Q'(ELQV ijv ~XOI'EV :rtEQL 'Ö'EO'Ü ÖLa ßQaXEWV t:rtLAO'(LOU!'E'Ö'a. 'Ö'EOV 'tOLVUV VOO'Ü!'EV ~cpOV !1aX6.QLOV XQL c'iqJ'Ö'aQ'tOV xai. E'Ö:ItOLTJ'tL- 10 xov lxv'Ö'Q
304 303 EB
1
1• Wyttenbach: ~• OÖÖEY - IIQUT..a-
I I /l
~IDY)
(tv) o6ösvi - 'YQilJI· f.uhwv Wyttenbach: (xu't') o6ötv - 'YQttii..U~wv Pohlenz I 1 111!0 XgpB: IIQD~ rell. I tY
Plutarchus, Moralia fragm. 215 b. f Sandbach:
b. DO'tL o-öx 11 'ljluxit 'tQE:rtEL tau"tiJv Ets 'tTJV "trov :rtQayl'a"trov xa'tal..TJ'Ij!Lv xai. ci:rta'tTJV xa'ta "toils d:rto 'tfiS l:"tocis. nros yaQ at"ti:a tau'tfi yvrooEros 11 'ljlUXTJ xai. lxyvoi:as, l'fJ:rtro a'Ö'tas ~xouoa 4QxfJv; f. "O'tL c'i:rtoQov Öv'tros Et ot6v 'tE ~TJ'tEtv xai. E'ÖQLOXELV, cbs s ev MtvrovL (8ld) :ltQOßtßi..TJ'taL.Oß'tE yaQ ä toi'EV, l'
310
Fragment
302-304
peripatetischen Philosophieunterrichts gewertet und deutet in Verbindung mit anderen solchen Spuren darauf hin, daß unsere Stelle wie überhaupt Aetios' Placita IV 8-18 aus peripatetischer Quelle stammt (DIELS, Doxographi Graeci p. 184 sq.).
Paragraphen grundlegend. Eine weitere Auskunft über die Vorbegriffe gibt das Fragment Nr. 278. Die folgende Dokumentation beginnt mit einem Beispiel:
Des weiteren bringen die Stoiker selbst (in ihrer Geschäftigkeit) gegenüber Epikur keinen einzigen Punkt hinter sich und rufen Wehe und Schande, weil Epikur mit seiner Aufuebung der Vorsehung den Vorbegriff der Götter verwirre; denn die Gottheit müsse nicht nur als unsterblich und glückselig vorbegriffen und gedacht werden, sondern auch als menschenfreundlich, fürsorglich und helfend.
Antipater v. Tarsos schreibt in seinem Buch ,Über die Götter' wörtlich folgendes: "Vor der ganzen Erörterung wollen wir vorab kurz die klare Auffassung bedenken, die wir von Gott haben. Gott also denken wir uns als ein glückseliges, unvergängliches und den Menschen wohltätiges Lebewesen." Anschließend erläutert er jede dieser Bestimmungen und erklärt u.a.: "Außerdem halten alle Menschen die Götter für unvergänglich."
b: Es ist nicht so, daß die Seele sich selbst zur Erfassung der Dinge und zum Irrtum hinwendet, wie die Vertreter der Stoa behaupten. Denn wie kann die Seele die Ursache ihrer eigenen Erkenntnis und Unkenntnis sein, da sie diese doch überhaupt noch nicht hat? f: Daß das Problem, ob es möglich ist zu forschen und Entdeckungen zu machen, wie es in [Platons] ,Menon' (81 d) vorgelegt wird, wirklich aporetisch ist: Denn [wir erforschen] weder, was wir wissen- dies wäre nämlich sinnlos -; noch [erforschen wir], was wir nicht wissen, da wir es selbst dann nicht erkennen, wenn wir darauf stoßen, es mag sein, was es wolle. 311
§ 2.2.2.1
ÖUVclj.LEL VOÜV t:rtEVOt]OUV. t)j.LELS Ö' f):rtOQOÜj.LEV (mo 'tOÜ ~VEQYEL~ etöevm xai. j.LTJ ElÖEVaL. ~a'tro yaQ e!vm 'tOV 10 ÖUVclj.LEL voüv, ~n· hL ä:rtOQLU it. a'Ö'tfJ. :rtci>; yag OV'tOS voEi; f) yag ä olöev f) ä o'Öx o!öev. ot ÖE ä:rto ,;ij; l:,;oä.; 'tÖ.S q>UOLXÖ.S ~VVOLUS at'tLWV'taL' et j.LEV ÖTJ ÖUVclJ.LEL, 'ta'Ö'tO ~goüJ.Lev· et öE ~veQyec~. öLa 1:1: ~tJ'toü~-~.ev taJ.Lev; et ÖE ä:rto ,;oiJ,;rov ö.A.A.a äyvooUJ.LEVa, :rtci>; ä.:rtEQ o'Öx LOJ.LEv; oL 15 ÖE 'E:rtLXOUQELOL ...
a
305
Arrianus, Epict. Dissert. II 17,5-9, p.159sq.:
To ö' ~!;a:rta'tci>v ,;oiJ; :rtoA.A.oiJ; ,;oü,;' i!a'tLV, Ö:rtEQ xai. 8e6:rtOJ.L:rtOV ,;ov QfJ'tOQa, Ö:rtou xai. IH.ci,;rovL ~yxaA.ei: ~:rti. ,;cp ßou>..eaß-m i!xaa,;a 6gi:~eaß-m. (6) ,;i: yag A.eyeL; "oilöei.; t't!-Lci>V :rtQO aoü i!A.eyev äyaß-ov f) öi:xmov; f) J.LTJ :rtaQaxoA.ouß-oüv,;e; 'tL ~O'tL ,;ou,;rov i!xaa,;ov äafJJ.Lros xai. xevro; ~q>ß-ey- 5 y6J.Leß-a ,;a; q>rova;;" (7) ,;i:; ycig am A.EyeL, 8e6:rtoJ.L:rtE, Ö'tL ~vvoi:a; o'Öx ELJC.OJ.LEV excia'tO\J 'tOU'tOlV qmmxa; xai. :rtQOA.fJ'IjiELS; äJ..A.' O'Öl(. o[6v ,;' tq>UQJ.LO~ELV 'tÖ.S :rtQOAfJ'IjiELS 'tai:; xa,;aA.A.fJA.m; o'Öai:m; J.LTJ ÖLaQß-Qcl>aav,;a a'Ö'tÖ.S xai. a'Ö,;o 'tOÜ'tO OXE'Ijlclj.LEVOV, :rtOLUV 'tLVÖ. excia,;n a'Ö'tWV OUOLUV 'Ö:rtO- 10 ,;ax,;eov. (8) ~:rtei. ,;maüm A.eye xai. :rtgo; ,;oiJ; la,;gou;. 'tLS yag t)j.Lci>V O'ÖX i!A.eyev 'ÖyLELVOV 'tL xai. VOOEQOV, :rtQLV 'I:rt:rtoxQci'ttJ yeveaß-m; f) xevros ,;a; q>rova; ,;au,;a; ä:rtT)x;oüJ.LEV; (9) i!)(Oj.LEV yciQ 'tLVU xai. 'ÖyLELVOÜ :rtQOAT)'IjiLV, (lJ..A.' ~q>UQJ.L6am o'Ö öuvciJ.Leß-a. ÖLa ~oü,;o 6 J.LEV A.eyeL "ävci'tEL- 15 vov", 6 ÖE A.eyeL "öo; 'tQOq>fJv" · xai. 6 J.LEV A.eyeL "q>A.eßo,;6J.LT)Oov", 6 ÖE A.eyeL "mxuaaov". ,;i: ,;o ahLOv; ö.A.A.o ye 1\ Ö'tL ,;TJv 'tOÜ 'ÖyLELVOÜ :rtQOAT)'IjiLV O'Ö öiJva'taL xaJ..ci>; tq>UQJ.LOOaL 'tOLS ~:rti. J.LEQOUS;
306
305 J q>3S"(yÖII"lla s: corr. Salmasius
Galenus, De differentia pulsuum IV 2, Vol. Vill p. 708sq. Kühn:
... J.LTJ :rtQOELQT)J.LEVO\J 'tOÜ xa,;a 'tTJV i!vvmav, ÖS ~V 'tOLS :rtEQL ,;ou,;rov A.oyLaj.Loi:; t't1-1.i:v ~:rtLÖEÖELX'taL XQL'tfJQLOV yev6J.Levo; ,;oü xa,;a 'tTlV o'Öai:av. äi..A.' o'ÖÖE ,;oü,;' a'Ö,;o yLvroaxov,;e;,
312
Fragment
304-306
Die Peripatetiker führten hier das potentielle Erkennen ein; unsere Aporie jedoch ging vom aktuellen Wissen und Nichtwissen aus. Denn es sei zugestanden, daß es das potentielle Erkennen gibt; die Aporie bleibt trotzdem noch dieselbe. Wie nämlich erkennt das potentielle Erkennen? Es erkennt ja entweder das, was es weiß, oder das, was es nicht weiß. Die Stoiker hingegen geben zur Erklärung die natürlichen Begriffe an. Wenn diese potentiell sind, werden wir dasselbe sagen. Wenn sie aber aktuell sind, warum forschen wir dann nach etwas, was wir wissen? Falls wir jedoch von ihnen ausgehend nach anderen unbekannten Dingen forschen, wieso forschen wir dann nach Dingen, die wir nicht wissen? Die Epikureer ...
Die Masse der Leute unterliegt eben dem Irrtum, in dem sich auch der Redner Theopomp befand: Er macht Platon Vorwürfe, weil er jedwede Sache definieren will. (6) Denn was sagt er? "Hat niemand von uns vor deiner Zeit von Gutem oder Schlechtem gesprochen? Oder haben wir nicht begriffen, was das jeweils ist, und also mit diesen Wörtern bedeutungslosen, leeren Schall erzeugt?" (7) Wer sagt dir denn, Theopomp, daß wir keine natürlichen Begriffe und Vorbegriffe von jedem dieser Dinge haben? Allerdings ist es nicht möglich, die Vorbegriffe mit den entsprechenden Realitäten zusammenzubringen, wenn man sie nicht zuvor verdeutlicht (systematisiert) ~d nicht untersucht hat, welche Art Realität (Gegenstand) jedem einzelnen von ihnen unterzuordnen ist. (8) Denn sage so etwas auch zu den Ärzten! ,Wer von uns hat nichts als gesund oder krank bezeichnet, bevor Hippakrates auftrat? Oder haben wir mit diesen Wörtern leeren Schall erzeugt?' (9) Auch vom Gesunden haben wir natürlich einen Vorbegriff, doch können wir ihn nicht applizieren. Deshalb sagt der eine "Faste!" und der andere "Gib Nahrung!"; und der eine sagt ;,Sorge für einen Aderlaß !", der andere "Benutze einen Schröpfkopf!" Was ist die Ursache davon? Ist es etwa eine andere als die, daß es nicht möglich ist, d~n Vorbegriff des Gesunden ordentlich auf die Einzelfälle anzuwenden?
... ohne daß vorher die Definition nach dem Begriff genannt wurde, die in den Überlegungen zu diesen Dingen, wie uns bewiesen wurde, das Kriterium für die Definition nach dem Wesen ist. Aber da sie [scil. einigeneuere 313
§ 2.2.2.1
dx6'tros d:n:ocpatvov'tm "to Msav dMyros ta'U"tots. dQsc&11Ei}a OoOV aoOi}LS Q:n;Ö 'tci>V €VVO'I'JI1Q'tLXci>V ÖQroV. oßs O'ÖÖEV S ~cpaJ1EV €QJ1TJVEUELV :n:Ä.EOV OOV ä:n:aV'tES c'ivi}Qro:n:OL 'YLVWOXO'UOLV. ~OLXE Ö' O'ÖÖELS flQfjoi}aL 'tOLO'Ü'tOS O'ÖÖ' 'Ö:n:o 'tci>V €~.t:n:ELQLxrov, ots ~:n:QE:n:E ~.tcii..Lo'ta :n:av'trov ÖQOLS XQfioi}m 'tOLOU'tOLS, oßs o[ ÖELVOL :7tEQL 'tclS :7tQOOTJYOQLaS o'ÖÖ' ÖQO'US. QSLO'ÜOLV, QÄ.Ä.' 'Ö:n:OyQacpas 'tE xat 'Ö:7tO't'U:7tWOELS ÖVOJ1clf;ELV. 10
307
Cicero, Topica 7, 31:
Notionern appello quod Graeci turn Evvmav turn 7tQOÄ.TJ'If1V. Ea est insita et anirno praecepta cuiusque cognitio enodationis indigens.
308
Philo, De providentia ll § 58, p. 85 Aueher:
lln wJUDLhlilnhL \wpbh.i qwuwght og6 qnp
·~ mpw.iw)uouDLph6~
wn6nL~P ·~ d~,l!. d~ ~ppnL qmpdm6~u ·~ 4mp\~ hL qwJL u6 qwuhl~u6 quij \mp'fhl n4 ·~ mhuDLwbu, hL DCfLD~ npf d~w6Cfwd DLudw.ipf h6 hn~w\hwi wpdw6~ wn6ht n4: FmJ!J '1~"6~ qb'f hlJ.hL
CfDL mhunLwbd p~ n~ J!6qliw6p~ ~.[6 hwunLd6 J!dpn6.im6. ~u\ S dlßlD!J J!6qhw6DLp q~"6~ lii.Ji qnp d~ uib J1DDDI,l!D1CfDJ6 CfDpbhw~ dmof uhp.iw6hwl fw,l!wpnLUDLf~L6, np cmpdht \mp~ fm.l! ·~ tiwh, Jim61}~"fDIJDLfhD1df '~ c\hn6 6cm6hu, hL jiUDUI,l!WCfDj6 J!dpn6hghl D!J q~Lpwfm6~~LP nf qp6DLphw6g6 qhhm 4mphmt. qmj6u np wnw6g CfD~dw6 pw6~ hmummmm'lnJ6 'fnpbn4f 10 ticdmpmDLphm6 hwummmhmt u !JDJ!JU mn6nLt:
307
2
AUCHERS LATEINISCHE ÜBERSETZUNG Post haec, ut mihi videtur, de rebus dialecticis sennonem inducebas, quasi vero non sint Deo digna iuxta sententiam (tuam) turn reliqua, tum dicta de speciebus; neque üs qui in studio claruere, conveniant. Quid tarnen, quaeso, sit umquam species, nisi universalis alicuius comprehensio? Et intellectui quid occurrat universale aliud, quod Deus prius non fecerit, menti inserens foecunditatem, quae optime est apta ad admovendum sibi singula, occurrentibus
animo Hammer:
anle plurimi codd., om. nonnulli I praecepla f: percepta codd. 308 Oe translationibus vidc supra p. LXXI sq.
314
Fragment
306-308
Ärzte] davon keine Kenntnis haben, behaupten sie natürlich Sachen, die ihnen selbst unvernünftig vorkommen. Wir wollen also wieder mit den gedankenbildmäßigen Definitionen beginnen, von denen wir sagten, daß sie nichts mehr zur Sprache bringen als das, was allen Menschen bekannt ist. Offenbar ist auch von den Empirikern keine solche Definition formuliert worden, denen es von allen Leuten am meisten angestanden hätte, derartige Definitionen zu verwenden, bei welchen es die Männer, die in Bezeichnungsfragen gewaltsam auftreten, noch nicht einmal für richtig halten, von Definitionen zu sprechen, die sie vielmehr als Umschreibungen und Entwürfe bezeichnen.
Mit notio bezeichne ich das, was die Griechen bald ennoia (Begriff), bald prolepsis 01 orbegrifl) nennen. Es ist eine dem Geist eingepflanzte und durch ihn vorweggenommene Kenntnis jeder beliebigen Sache, die der entwickelnden Ausfaltung bedarf.
Hiernach nun meine Meinung über die Sachen, die du aus der Dialektik in die Diskussion eingebracht hat, die du allerdings dargestellt hast als etwas, was -im Unterschied zu anderen Dingen, die über Gott zu sagen sind,nach (gängigem) Urteil nicht schicklich ist, wenn man unter den Phänomenen Anordnungen vornimmt, und was sich auch für all die Geister, die durch Lehren berühmt geworden sind, nicht geziemt, wenn die das tun. Allein: Wie konnte es denn dazu kommen, daß es überhaupt Phänomene gibt, wenn sie nicht als etwas existieren, was der allgemeinen Erkenntnis entspricht? Und ist denn das, was für den Verstand allgemein ist, etwas Anderes, was Gott nicht vorher geschaffen hätte, obwohl er durch das Denkvermögen Wachstumsreichtum gesät hat, der bestens dazu taugt, ein jegliches (in Gedanken) zu bewegen- wenn es (neu) begegnet, durch die Zeichen und (sonst) durch das, was wir zuvor, nachdem wir den Naturen nachgegangen sind, begriffen haben-, um diejenigen Dinge als gesicherte Beweise zu nehmen, die ohne das Geschrei der Rede aufs beste durch das Wirken der Wahrheit feststehen? signis vel antea conceptis, pro naturis inquirendis; ita ut ea, quae sine clamore sermonis fllliliore facto veritatis constant, pro certo argumento possint sumi?
315
§ 2.2.2.1-2.2.2.2
309
Clemens Alex., Stromat. VI 15 § 121,4, p. 492sq. Fr.:
VEa'tLV öe i} J4EV tiJ'ttJOL; ÖQJ4TJ bti. 'to xa'taA.aßei:v, ÖLa 'tLvrov Ot]J4ELOOV UVE\JQLa:lC:O\JOa 'tO 'Ö:rtOXELJ4EVOV, i} Ei'lQEOL; ÖE :rtega; xai. ava:rtauOL; ttJ'tTJOEro; ~V Xa'taATJ'\jiEL yEVOJ4EVt];, Ö:rtEQ ~a'ti.v i} yvci'lm;. xai. a'Ö'tfJ xugi:ro; ei'Jgeai:; ~O'tLV i} yvci'laL;, Xa'tclATJ'\jiL; tTJ'tTJOEro; 'Ö:rtclQJtOllOa. 5
2.2.2.2 Allgemeine Begriffe
310
309 ' yt yvma1<;2 dcl. Wilamowitz 310 ' 'tÖ ltiiY, 'tö\Y Apclt, Rodicr: •i> ltaY'tmv A1Ra: 'tö\Y ltUY'tOIY A2BCPS I s ltaQa8taE1 11i~El<; ldclcr: ltaQa8t<>El<; 11i~E1 codd. I 7 UQJ1TtY Bruns: ÖQJ1TJY ABCPS: 6QJ1f\<; Ra I" post Sta•• intcrpunx. Apelt et Todd, post ylvE'tal {pro yivsa8a1 codd.} Bruns I <>UYXU<>El ldcler: -<>EI<; ABCSRa: -xu<>EOI<; P
Alexander Aphr., De mixtione ill-V, p. 216,14-218,13:
VEa'tL öe i} XguaC:rt:rtou ö6!;a :rtegi. xgaaero; -ljöe · i}vci'lcrl)m J4EV 'Ö:rto'ttßE'taL 'tTJV OUJ4:rtaaav o'Öa(av, :rtVEUJ4a't6; 'tLvo; ÖLa :rtclOTJ; a'Ö'tij; ÖLTJXOV'to;, 'Öcp' o'Ü 0\JVEJtE'tOL 'tE xai. OllJ4J4EVEL xai. au14:rtaße; ~O'tLV a'Ö'tcp 'to :rtäv, 'tci'lv öe J4LYVllJ4Evoov ~v a'Ö'tfl OOOJ4cl'tOOV 'ta; J4EV :rtagaßEOEL J4L!;eL; y(veaßaL AEYEL, Mo 'tLvci'lv ij xai. :rtAEL6vrov o'Ömci'lv et; 'ta'Ö'tov auvußELJ4Evrov xai. 3tOQO'tLßEJ4EVOOV aAATJAaL;, eil; !pt]OLV, xaß' aQJ4TJV, arotouatJ; äxaa'ttJ; a'Ö'tci'lv ~v 'tfl 'tOLau'tn :rtagaßeaeL xa'ta 'tTJV :rtEQLygacpiJv 'tTJV olxei:av o'Öa(av 'tE xai. :rtOLO'ttJ'ta, eh; ~:rti. XllclJ400V !pEQE el:rtELV xai. :rtllQci'IV ~V 'tfl :rtaQ' aA.A.iJA.ou; ßeaeL · yi:vecrl)m 'ta; öe 'tLva; auyxuaeL ÖL' öA.rov 'tci'lv 'tE O'ÖOLci'IV a'Ö'tci'IV xai. 'tci'IV ~V a'Ö'tai:; :rtOLO'tTJ'tOOV OllJ4cpßELQOJ4E· V(I)V QAATJAaL;, eh; YLVEOßa( !pfJOLV ~:rtL 'tci'IV la'tQLXci'IV !pOQJ4cl· xrov xa'ta au14cpßagaLv 'tci'lv J4LyvuJ4evrov, liA.A.ou 'tLvo; ~!; a'Ö'tci'lv yevvro14evou ac:OJ4a'to; · 'ta; öe 'tLva; yCveaßm J4L!;eL; AEYEL ÖL' ÖAOOV 'tLVci'IV O'ÖOLci'IV 'tE xai. 'tci'IV 'tOU'tOOV :rtOLO'tTJ'tOOV aV'tL3tOQEX'tELVOJ4EVOOV UAATJAaL; J4E'tcl 'tO"Ü 'tel; ~!; UQJtTJ; O'Öa(a; 'tE xai. :rtOLO'ttJ'ta; arotELV ~V 'tfl J4L!;EL 'tfl 'tOL~ÖE, -ljv'tLva 'tci'lv J4C!;erov xgäaLv löi:ro; elvaL A.eyeL. 'tTJV yag Mo ij xai. :rtAELOVOOV 'tLVci'IV OOOJ4cl'tOOV ÖAOOV ÖL' ÖAOOV av'tL:rtaQEX'tOOLV aAATJAOL; Oi'J'tro;, eh; arotELV ~XOO'tOV a'Ö'tci'IV ~V 'tfl J4L!;eL 'tfl 'tOLau'tn 'tTJV 'tE olxei:av o'Öai:av xai. 'ta; ~v a'Ö'tfl :rtOLO'ttJ'ta;, AEYEL XQiiOLV elvaL J40VTJV 'tci'IV J4L!;EOOV. elvaL yag töLov 'tci'lv xexga14evrov 'to Mvaaßm xrogi:teaßm :rtaA.w
316
5
10
15
20
Fragment
309-310
Die Forschung aber ist das Streben danach, zu erkennen, ein Streben, das durch bestimmte Zeichen die Realität auffindet; das Auffinden indes ist das Ziel und der Ruhepunkt der Forschung, die zur Erkenntnis gelangt ist, was eben die Kenntnis ist. Und diese Kenntnis ist das Auffinden im eigentlichen Sinne, da sie die Erkenntnis eines Forschens ist.
(Anschluß oben Nr. 177)
Chrysipps Ansicht von der Verschmelzung (Mischung) ist die folgende: Einerseits nimmt er an, daß die gesamte Substanz eine Einheit bilde, da sie insgesamt von einem gewissen Pneuma durchzogen jst, durch welches das All zusammengehalten (kohärent) wird, zusammenbleibt und mit sich selbst in Wechselwirkung steht. Doch andererseits erklärt er von den Körpern, die sich in dieser Substanz mischen, daß die einen Mischungen durch Nebeneinanderlagerung entstehen, indem zwei oder auch mehr Substanzen zu ein und demselben Gebilde zusammengefügt werden und sich ,nach Art einer Anstückung', wie er sagt, einander anlagern, wobei in einer derartigen Nebeneinanderlagerung jede von ihnen die ihr eigene Substanz und Eigenschaft entsprechend dem Umstand bewahrt, daß sie in ihren Umrissen bestimmt und gegeneinander abgegrenzt sind, wie [das] beispielsweise bei Bohnen und Weizenkörnern mit ihrer gegenseitigen Lage [in einem Gemenge ist]; bestimmte andere Mischungen entstehen durch totale Fusion der Substanzen selbst und der darin liegenden Eigenschaften, die dabei zugleich miteinander verschwinden, wie das, so sagt er, bei den medizinischen Pharmaka (den Arzneimitteln) ist, wo die gemischten Ingredienzien gemeinsam verschwinden und aus ihnen ein bestimmter anderer Körper erzeugt wird. Von wiederum anderen Mischungen erklärt er, sie entstünden dadurch, daß bestimmte Substanzen und deren Eigenschaften total miteinander koextensiv werden unter gleichzeitiger Erhaltung der ursprünglichen Substanzen und Eigenschaften in einer derartigen Mischung, von der er sagt, unter den Mischungen sei sie eine Verschmelzung im eigentlichen Sinne. Denn von der totalen wechselseitigen Koextension irgendwelcher zwei oder mehr Körper in ihrer Ganzheit, so daß jeder von ihnen in einer derartigen Mischung seine eigene Substanz und die darin liegenden Eigenschaften bewahrt, erklärt er, sie sei als einzige von den Mischungen eine Verschmelzung. Das Spezifi317
§ 2.2.2.2
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318
Fragment
31 0
kum ,verschmolzener' Ingredienzien sei nämlich, daß sie wieder voneinander getrennt werden können, was nur deshalb möglich ist, weil die verschmolzenen Ingredienzien in der Mischung ihre eigenen Naturen bewahren. (217 ,2) Daß es diese unterschiedlichen Arten der Mischung gibt, versucht er mittels der allgemeinen Begriffe zu rechtfertigen und sagt, daß wir insbesondere sie als Kriterien der Wahrheit von der Natur her bekommen. Jedenfalls hätten wir eine jeweils andere Vorstellung von den Körpern, die nach Art einer Anstückung zusammengesetzt sind, von denen, die fusioniert und gemeinsam untergegangen sind, und von denen, die verschmolzen und miteinander in der Weise total koextensiv geworden sind, daß jeder von ihnen seine eigene Natur bewahrt. Diesen Unterschied in den Vorstellungen hätten wir nicht, wenn alle wie auch immer gemischten Körper nach Art einer Anstückung einander angelagert wären. Des weiteren nimmt er an, daß eine solche Koextension der verschmelzenden Körper dadurch entsteht, daß die verschmelzenden Körper sich gegenseitig so durchdringen, daß es in ihnen kein Teilchen (mehr) gibt, welches nicht an allem teilhätte, was sich in (dem Produkt) einer derartigen Verschmelzungsmischung befindet. Wenn dies nämlich nicht so wäre, wäre das Resultat keine Verschmelzung mehr, sondern eine Nebeneinanderlagerung. (217,13) IV. Für die Meinung, daß es sich gerade so verhält, führen die Verfechter dieser Lehre nun Plausibilitätsargumente an, und zwar erstens die Tatsache, daß viele Körper ihre eigenen Beschaffenheiten sowohl dann bewahren, wenn sie in deutlich kleineren, als auch dann, wenn sie in größeren Massen auftreten (wie man das etwa beim Weihrauch sehen kann, der beim Räuchern :zWar an Konzentration verliert, aber bis zu einer sehr großen Ausdehnung seine eigene Beschaffenheit behält), und zweitens die Tatsache, daß es viele Körper gibt, die zwar nicht aus sich selbst heraus in der Lage sind, zu einer bestimmten Größe zu gelangen, die diese aber mit der Hilfe anderer Körper erreichen. Gold jedenfalls kann durch Beimischung bestimmter Chemikalien bis zu einem außerordentlich hohen Grad verlaufen gelassen und verdünnt werden, den es aus sich selbst heraus, wenn es einfach gehämmert wird, nicht erreichen könnte. Und unsereins vollbringt zusammen mit anderen Menschen Dinge, die wir nicht aus uns selbst heraus zu vollbringen vermögen. Denn in festem Kontakt miteinander durchqueren wir Flüsse, die wir aus uns selbst heraus nicht zu durchqueren vermöchten; und zusammen mit anderen tragen wir schwere Sachen, von denen wir den auf uns fallenden Anteil nicht tragen können, wenn wir alleine gelassen werden. Und Weinreben sind aus sich selbst heraus nicht in der Lage, sich 319
§ 2.2.2.2
a-u'ta\; i:o'taoß-m eJ.1.3tAEXOJ.I.EVaL.
J.I.TJ
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ävi:o'taV'taL äA.A.t1A.aL\;
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~XELV W\; evagyEOL XQ«'i>V'taL J.taQ't"UQLOL\; 'tcp 'te 'tTJV 'ljl-uxiJv töi:av 'Ö3t6o'tamv ~xo-uoav, &o3tEQ xai. 'to öex6J.tevov a'Ö'tTJV oc'i>J.ta, ÖL' öA.o-u 'tO'Ü o6:JJ.ta'tO\; ÖLtlXELV ev 't"fi JA.Ll;EL 't"fi 3tQO\; a'Ö'tO o6:J~o-uoav 'tTJV oi.xei:av OUOLaV ( O'ÖÖEV YelQ 'lji"U:JCTJ\; c'iJA.OLQOV 'tO'Ü 'tTJV 'lji"U:JCTJV l!:JCOV'tO\; OWJ.ta'tO\;), ÖJA.OLW\; öe ~XELV xai. 'tTJV 'tc'i>v c:p-u'tc'i>v c:piimv, äA.A.a xai. 'tTJV i!l;LV ev 'tOL\; O"IJVE:JCOJ.I.EVOL\; 'Ö3tO 'tTJ\; i!l;EW\;. QAAel xai. 'to 3t'ÜQ öA.ov ÖL' öA.o-u xwgei:v 'tO'Ü möt1go-u A.Eyo-um, o6:J~oV'tO\; a'Ö'tc'i>V txa'tEQO"U 'tTJV oi.xe(av OUOLaV. xai. 'tc'i>V O'tOL:JCELWV ÖE <paOL 'tc'i>V 'tEOOclQWV 'tel öiJo, 'tO 'tE 3t'ÜQ xai. 'tOV UEQa, A.e3t'tOJ.I.EQTJ 'tE xai. xoüc:pa xai. eiJ'tova ÖV'ta, ÖLel 'tc'i>v öiio, YTJ\; 'tE xai. 'ÜÖa'tO\;, 3ta:JC"UJ.I.EQ«'i>V xai. JlaQEWV xai. a'tOVWV Öv'twv ÖLa3tecpoL'tTJXEVaL öA.a ÖL' öA.wv, o6:J~ov'ta 'tT)v otxei:av V 3tclO:JCO"UOLV, ÖAa lh' ÖAWV 3taQa'tLß-EJ.I.EVa. xai. 'tO \; öe 'tcp aEQL ö XgiioL3t3tO\; XLQVäoß-m A.EyeL. xai. aß'tTJ J.I.EV T) 3tEQL xgcioew\; ö6l;a Xg-uot3t3tO"U 'te xai. 'tc'i>V Xa't' a'Ö'tOV
(217,32) Toü ÖE 'toüß-' O'Ü'tW\;
310 15 tijc; Ra: om. rell. I "' auvtxovra aötD. Mansfeld (Mnemosync 35, 1982, p. 389): CJUVEXElaV aÖtD. codd., Bruns, Todd I 83 cpD.QIJ.
10
75
80
85
(218,10) V. 9aUJ.I.clOaL Ö' c'iv 'tL\; a'Ö'tc'i>V, 3tc'i>\; 'tai:\; XOLVaL\; evvOLaL\; Öei:v XQfJOß-aL A.EyoV'tE\; 3tQO\; 'tel\; 'tc'i>V 'tLß-EJA.EVWV a3toöei:l;EL\;, W\; O'ÖOaL\; ql"IJOLXOL\; 'tTJ\; äA.TJß-Eta\; XQL'tTJQLOL\;, 90 3taOaL\; J.täA.A.ov ft 'taU'taL\; XQ«'i>V'taL 3tQO\; 'tel\; ß-eoeL\; 'tc'i>v otxei:wv öoyJ.tci'twv.
320
Fragment
31 0
aufzurichten; aber wenn sie miteinander verflochten sind, richten sie sich auf. (217 ,26) Da es sich so verhält, ist, so sagen sie, nichts Erstaunliches daran, daß darüber hinaus bestimmte Körper, die sich gegenseitig unterstützen, in der Weise total miteinander vereinigt werden, daß sie samt der ihnen eigenen Beschaffenheiten bewahrt bleiben und dabei doch als ganze miteinander total koextensiv werden, selbst wenn einige von ihnen der Masse nach ziemlich klein sind und aus sich selbst heraus nicht in der Lage wären, sich in solch hohem Grade auszubreiten und zugleich ihre eigenen Beschaffenbeiren zu bewahren. In dieser Weise werde nänilich auch ein Schöpfmaß Wein mit viel Wasser gemischt (,verschmolzen') und ihm vom Wasser zu einer derart großen Ausdehnung verholfen. (217 ,32) Daß sich das so verhält, dafür bieten sie als evidente Zeugnisse auf, daß die Seele, welche ebenso eine eigene Subsistenz besitzt wie auch der Körper, der sie aufnimmt, daß sie also sich durch den ganzen Körper zieht und in der Mischung mit ihm doch die ihr eigene Substanz bewahrt (denn nichts von dem Körper, der die Seele hat, ist ohne Anteil an der Seele); genauso stehe es auch mit der Natur der Pflanzen, aber auch mit dem Habitus in all dem, was durch seinen Habitus Zusammenhalt bekommt. Zudem durchdringt auch das Feuer, so sagen sie, als ganzes das Eisen total, wobei beide ihre jeweils eigene Substanz bewahren. Weiterhin erklären sie von den vier Elementen, daß die beiden Elemente, die [einteilig, leicht und im Besitz pneumatischer Spannung (,aktiv') sind, nämlich das Feuer und die Luft, als ganze total die beiden anderen Elemente durchsetzen, die grobteilig, schwer und ohne pneumatische Spannung (,passiv') sind, nämlich die. Erde und das Wasser; dabei würden sie die ihnen eigentümliche Natur bewahren und sowohl sich selbst als auch Erde und Wasser zusammenhalten (kohärent machen). Ferner sind sie bei den schädlichen Pharmaka (den Giften) und bei allen Gerüchen solcher Art der Ansicht, daß sie, wenn sie sich mit den von ihnen affizierten Körpern mischen (,verschmelzen'), sich diesen als ganze total anlagern. Auch vom Licht erklärt Chrysipp, daß es sich mit der Luft mische (,verschmelze'). -Dies also ist die Verschmelzungslehre Chrysipps und derer, die in seinem Sinne philosophieren. (218,10) V. Nun könnte man erstaunt fragen, wieso sie, obwohl sie erklären, für die Beweise der Behauptungen (Voraussetzungen, Theorien) müsse man sich der allgemeinen Begriffe bedienen, da diese die natürlichen Kriterien der Wahrheit seien, trotzdem alle [anderen Begriffe] lieber als diese benutzen, um ihre eigenen Lehren zu etablieren. 321
§2.2.2.2
311
Sextos Empiricus, Adv. Math. XI 22-25:
Ot J.I.E'V o'Üv l:'tO>LXOi. 'tÖ>'V XOL'VW'V d>~ ElnEL'V evvmli>v ex6J.tE'VOL ÖQL~O'V'taL 'tQyath)v 'tQ6:rtcp 'tcpÖE "(iyaß6v eo'tL'V chq>EÄ.ELa 1\ OUX hEQO'V chq>EÄ.ELa~", chq>EÄ.ELQ'V J.I.E'V Ä.EyOV'tE~ 'tTJ'V QQE'tTJ'V xai. 'tTJ'V o:rtouöatav :rtQäSL'V, OUX hEQO'V ÖE chq>EÄ.Ei:a~ 'tO'V o:rtouöai:ov ä.vßQro:rtov xai. 'tov q>i:i..ov. (23) ofJ J.I.EV yaQ CiQE'ttl :rtro~ ~XO'V ofJYEJ.I.O'VLXO'V xaßEO'tTJX'Ui:a, xai. ofJ O:rtouöata :rtQäSL~, evEQYELtl 'tL~ o'Üoa Xa't' QQE'ttl'V, Ö.'V'tLXQU~ eO'tL'V chq>EÄ.ELa. Ö ÖE O:rtO'UÖai:o~ Ö.VßQro:rto~ xai. Ö q>ti..o~, :rttlÄ.L'V 'tÖ>'V ayaßli>v Ö'V'tE~ xai. aÜ'tOL, oij'tE chq>EÄ.ELa Ä.EXßELE'V c'iv 'Ö:rttlQXEL'V oijß' hEQOL chq>EÄ.Ei:a~ ÖL' at'ti:av 'tOLaU'tTJ'V. (24) 'tCx yaQ ~EQTJ, q>aoi. l:'t(I)LXÖ>'V :rtai:ÖE~, Q{l'tE 'ta QU'tCx 'tOL~ ÖÄ.OL~ eo'tL'V Q{l'tE hEQOi:a 'tÖ>'V ÖÄ.rov, otov ofJ XELQ oij'tE ofJ aÜ'ttl eo'tL'V 'tcp ÖÄ.cp avßQO>:rtq> (o'Ö yaQ ÖÄ.o~ ä.vßQro:rt6~ eo'tL'V 'fJ XELQ), o{l'tE hEQa 'toii öi..ou (ouv yaQ 'tfi {öi..n} XELQi. öi..o~ ö ä.vßQro:rto~ voEi:'tm Ö.'VßQro:rto~). e:rtEi. OV'V xai. 'tOii O:rtO'UÖQLO'U Q'YßQcl>:rtO'U Xai. 'toii q>ti..ou J.I.EQO~ eo'ti.v ofJ CiQE'ttl, 'ta ÖE J.I.EQTJ oihE 'taÜ'ta 'tOL~ ÖÄ.OL~ eo'ti.'V o{l'tE hEQa 'tÖ>'V öi..rov, ELQTJ'taL ö O:rtO'UÖai:o~ ä.vßQro:rto~ xai. ö q>i:i..o~ oüx hEQO~ chq>EÄ.Ei:a~. roo'tE :rtäv ayaßov 'tcp ÖQq> eJ.t:rtEQLELÄ.ijq>ßm, etl'V 'tE E'ÖßELQ~ chq>EÄ.ELQ 't'UYXtl'Vn, etl'V 'tE J.I.TJ Tl f'tEQO'V chq>EÄ.ELa~. (25) fvßE'V XQL Xa'ta axoi..oußi:av 'tQLXÖ>~ d:rtO'V'tE~ ayaßov :rtQOOayoQEUEaßm, ~xao'tov 'tli>v OTJJ.I.aL'VOJ.I.EVrov xa't' Löi:av :rttl.i..tv emßOÄ.TJ'V 'Ö:rtOyQtl!pO'UOL'V....
5
10
15
es
312
20
Cicero, Tuscul. disput. IV 24,53:
... -nam superiores definitiones (sc. fortitudinis) erant Sphae- . ri, hominis in primis bene definientis, ut putant Stoici; sunt enim omnino omnes fere similes, sed declarant communes notiones, alia magis alia- ...
311 14 {Ö;\.IJ} secl. v. Arnim I 13 livllQmlto~ del. Mansfeld (per litteras) 1 17 tmlv Fabricius: fma\ G 313 1 (Al) add. s
313
Arrianus, Epict. Dissert. I 22,1-3, p. 70:
(At) :rtQOÄ.tl'ljiEL~ XOL'VQL :rtäOLV avßQcl>:rtOL~ doi. xai. :rtQOÄ.TJ'IjiL~ :rtQOÄ.tl'ljiEL O'Ö J.l.tlXE'taL. 'tL~ yaQ ofJJ.tÖ>'V oÜ 'tLßT]OL'V, Ö'tL 'tO ayaßov O'UJ.I.!pEQO'V eo'ti. xai. alQE'tO'V xai. ex :rttlOT]~ a'Ö'to 322
Fragment
311-313
Die Stoiker nun, die sich an die - wie sie heißen sollen - ,allgemeinen' Begriffe halten, definieren das Gute auf folgende Weise: "Das Gute ist der Nutzen oder nichts anderes als der Nutzen", wobei sie mit ,Nutzen' die Tugend und die sittlich gebildete Handlung bezeichnen und mit ,nichts anderes als der Nutzen' den sittlich gebildeten Menschen und den Freund. (23) Denn die Tugend, die in einem bestimmten Zustand des Zentralorgans besteht, und die sittlich gebildete Handlung, die eine bestimmte Tätigkeit in Übereinstimmung mit der Tugend ist, sind geradewegs Nutzen. Und vom sittlich gebildeten Menschen sowie vom Freund, die wiederum auch selbst zu den guten Dingen gehören, muß man wohl sagen, daß sie weder Nutzen noch anderes als der Nutzen sind, aus folgendem Grund: (24) Die Teile, so sagen die Schüler der Stoiker, sind weder dasselbe wie das Ganze noch etwas Ander(sartig)es als das Ganze; beispielsweise ist die Hand weder dasselbe wie der ganze Mensch - denn die Hand ist nicht der ganze Mensch noch etwas Ander(sartig)es als der ganze Mensch- denn einschließlich der Hand wird der ganze Mensch als Mensch gedacht. Weil also die Tugend ein Teil des sittlich gebildeten Menschen und des Freundes ist, werden der sittlich gebildete Mensch und der Freund als ,nichts anderes als der Nutzen' bezeichnet. In der Definition ist somit jedes Gute erfaßt, sowohl wenn es direkt der Nutzen ist als auch wenn es nichts anderes als der Nutzen ist. (25) Von daher und im Sinne einer Folgerung sagen sie dann, das Appellativ "Gutes" werde in dreierlei Bedeutung verwendet, und jede seiner Bedeutungen malen sie mit einer wiederum eigenen Erläuterung aus .... (Fortsetzung unten Nr. 636a)
... -denn die obigen Definitionen [scil. der Tapferkeit] stammten von Sphairos, einem Mann, der nach Meinung der Stoiker ganz besonders gut definiert; sie [scil. die Definitionen] sind nämlich allesamt durchaus sehr ähnlich; doch verdeutlichen sie die allgemeinen Begriffe teils mehr in dieser, teils mehr in jener Hinsicht - ...
Die Vorbegriffe sind allen Menschen gemeinsam; und kein Vorbegriff steht mit einem anderen in Widerstreit. Denn wer von uns nimmt nicht an, daß das Gute nützlich und zu wählen ist und daß man es in jeder Situation 323
§ 2.2.2.2-2.2.2.3 :rtEQLO"tclOEC.O~ ÖEt J.LE"tLEVQL xai. ÖLOOXELV; "tL~ Ö' -flJ.LÖ>V O'Ö "ti:th)aLv, Ö"tL "to öLxmov xaMv ~O"tL xai. :rtQE:rtov; :rt6"t' 5 O"ÖV i) J.LclXTJ "(LVE"taL; (2) :rtEQL "tTJV ~cpaQJ.LO"(TJV "tÖ>V :rtQo).:fj'ljiEC.OV "tat~ ~:rti. J.LEQO'U~ O'ÖOLaL~, Ö"taV Ö J.LEV et:rtn "xaÄ.ro~ ~:rtOLTJOEV, liVÖQELÖ~ ~O"tLV", (3) (ö Ö') "o{J, äÄ.Ä.' ä:rtOVEVOTJJ.LEVO~". ~v{}ev i) J.LclXTJ yi:vnm "tot~ äv{}Qffi:rtoL~ :rtQO~ äÄ.Ä.{JÄ.o'U~.
In diesem Text werden die Vorbegriffe (prolepseis) nicht nur als natürliche Begriffe ( ennoiai physikai) angesehen, sondern auch als allgemeine (koinai) bezeichnet. Dadurch weicht Arrian bzw.
314
Plutarchus, De comm. not.3, 1060A:
Niiv ÖE J.LE"taßciÄ.Ä.oJ.LaL :rtQO~ "tTJV xa"tTJ'YOQLav xai. ßo\JÄ.oJ.LaL ä:rtoÄ.aiiaaL "tft~ lif.LUVTJ~ ~ÄE"fXOJ.LEVO'U~ d~ "ta"Ö"tOV "tOU~ livöQa~ ~:rtLörov, ,;o :rtaQa ,;a~ ~vvoi:a~ xai. ,;a~ :rtQoÄ{J'IjiEL~ ,;a~ XOLVQ~ «pLÄ.OOOcpEtV, äcp' cDV J.LclÄLO"ta "tTJV QLQEOLV dJ~ O:rtEQJ.Lcl"tC.OV äva(ßÄ.aa,;etv) öoxoiiaL xai. J.LÖVTJV ÖJ.LoÄ.oyEtv "tfi 5 cpiJOEL ÄE"(O'UOLV.
2.2.2.3 Der nicht-hypostasierte ontologische Status von Begriffsinhalten
315
Diocles, ap. Diogenem Laertium Vll 61:
'Evv61JJ.La öe ~a"tL cpciv"taOJ.La ÖLavoi:a~, o{J,;e "ti. öv o{J"te :rtOL6v, dlaavei. ÖE "tL öv xai. dlaavEi. :rtOL6v, oiov yi:vE"taL äva"tiJ:rtC.OJ.La t:rt:rto'U xai. J.LTJ :rtaQ6v"to~. 313 1 (6 8') add. Salmasius 314 • ~<'> Rciskc: ~111 EB I
316
~ cntEQ...a~OlY o!:va-
Stobaeus, Eclogae I 12,3, p. 136sq. =Arios Didymus, Fragm. phys. 40, p. 472 Diels:
( Jll.acn;etv) eberniss coll. infra frgm. 416: lbcmeQ tn! tillv dva.... (lac. 4 litt.) EB: lbanEQ tlt1Jia&Q&v dva(Jia!veiY) Pohlcnz: alii alia coni. 316 1 (xai tollv dn' aötoO) add. Dicls I 2 dxJavei noui Jacobs: ~ dv Ein01 FP I 6 Elneiv Mcinckc: E!no FP 1 7 tailt~ Meineke: tnOta FP
Z{Jvc.ovo~ (xai. ,;rov ä:rt' a"Ö"toii). Ta ~vvo{JJ.La"tci cpaaL J.LTJ"tE "tLva dvm f.LTJ"tE :rtoLci, dlaavEi. öe "tLva xai. dlaavei. :rtoLa cpav,;ciaJ.La"ta '\ji'UXft~ · ,;aii,;a öe "Ü:rto ,;rov äQxai:c.ov töea~ :rtQoaayoQEilea{}aL. Trov yaQ xa,;a "ta hvo{JJ.La"ta il:rto:rtL:rt,;6v,;c.ov dvm ,;a~ töea~, oiov äv{}Qffi:rtc.ov, t:rt:rtc.ov, xOLv6- 5 "tEQOV d:rtEtV :rtclV"tC.OV "tÖ>V l;4lc.ov xai. "tÖ)V liÄ.Ä.C.OV Ö:rtÖOC.OV Ä.eyo'UaLv töea~ dvm. Ta\J,;a~ öe ot I"tc.oLxoi. cpLÄ.Öaocpoi:
413
324
Fragment
313-316
suchen und aufspüren muß? Und wer von uns nimmt nicht an, daß das Gerechte schön und zuträglich ist? Wann also entsteht der Streit? (2) Er entsteht im Bereich der Anwendung der Vorbegriffe auf die Einzelfälle, wenn der eine sagt: "Das hat er schön gemacht; er ist ein tapferer Mann", (3) und der andere erklärt: "Nein, er ist von Sinnen (verzweifelt)". Daraus entsteht der Streit der Menschen untereinander. Epiktet von der sonstigen, d.h. Chrysippschen Systematik ab. Dasselbe gilt für den folgenden Text:
Jetzt aber gehe ich zur Anklage über und will die Rache genießen, wenn ich sehe, wie diese Männer [scil. die Stoiker] desselben Punktes überführt werden, nämlich daß sie wider die Begriffe und die Vorbegriffe, die allgemeinen, philosophieren, aus denen vor allem, so glauben sie, ihre Lehre wie aus Samen hervorsproBt und kraft deren sie behaupten, ihre Lehre stimme als einzige mit der Natur überein.
(Der Kontext der Stelle unten Nr. 621)
Ein Gedanke(nbild) ist ein Vorstellungsbild des Verstandes, welches weder ein Etwas ist noch eine Eigenschaft hat; vielmehr ist es ein Quasi-Etwas und hat Quasi-Eigenschaften; so entsteht beispielsweise der bildliehe Eindruck eines Pferdes auch dann, wenn kein Pferd anwesend ist.
Von Zenon und seiner Schule: Sie sagen, die Gedanken(bilder) seien weder Etwasse noch hätten sie Eigenschaften; vielmehr seien sie als Quasi-Etwasse und mit Quasi-Eigenschaften Vorstellungsbilder der Seele; diese würden von den Alten als Ideen bezeichnet. Denn die Ideen gehörten zu den den Gedanken(bildem) entsprechenden Ereignissen, beispielsweise zu Menschen, Pferden und allgemeiner gesprochen zu allen Lebewesen und zu allem anderen, wovon man sagt, daß es davon Ideen gebe. Doch die stoischen Philo325
§ 2.2.2.3
<paOLV clV'U:rtclQX'tO'US dvat XQL 'tWV J.LEV evvOTJJ.Lcl'tWV J.LE't~ tX,ELV 'flJ.LäS, 'tWV ÖE :rt'tWOEWV,
317
Aetius, Placita I 10,5=[Plutarchus], De plac. pbilos. 882E:
Ot ä:n:o Zftvrovos I'tWLXOL evvot'JJ.La'ta ilJ.Lt'tEQQ 'tilS tötas 1\<paoav. Dasselbe steht auch bei Eusebius, Praep. evang. XV 45,4 und bei [Galenus], Hist. philos. 25, p. 615,16 Diels.
318
Proclus, In Euclidis Eiementa p. 89,15-20:
UÜ'tL ÖE o'Ö Öd VOJ.LLtELV xa't' e:n:i:vmav 'ljiLÄ.T)v 'Öo:rtEQ ot ä:n:o 'tTJS I'toäs 'Ö:n:ei..aßov, äi..i..' Elva( 'tLVQS
318 A
318A
Kroll
' l'lflaLv C: corr.
Syrianus, In Arist. Metaphys. p. 105,19-30:
'AÜ' tva J.LTJ V'ÜV :rtEQL 'tTJV to'tOQLUV <paVEQilV OUOaV ÖLU'tQLßroJ.LEV, QTJ'ttov ~va i..6yov :rtEQi. IroxQci'tous xai. ffici'trovos xat 'tWV flaQJ.LEVLÖELWV 'tE xai. flu{)ayOQELWV :rtQOS a'Ö't6V, WS Ö.Qa 'ta EtÖTj :rtaQil 'tOLS {)Ei:OLS 'tOU'tOLS QVÖQclOLV O'Ö'tE :rtQOS 'tTJV XQTJOLV 'tTJS 'tWV ÖVOJ.Lcl't(J)V O'U:VTJ{)Ei:as :rtaQftyno, ros 5 XQ\Jot:n::n:os xai. 'AQx,tÖTJJ.LOS xat ot :n:i..Ei:ous 'trov I'trotxrov i'Jo'tEQov cpft~oav (:n:oi..i..ats yilQ öta<poQats öttO'tTJXE 'ta
326
Fragment
316-318A
sophen behaupten, daß diese Ideen nicht subsistieren und daß wohl wir an den Gedanken(bildern) teilhaben, daß aber die Gegenstände, die man mit Appellativen bezeichnet, Kasus erlangen. Bezeichnung und ist eine metasprachliche Kennzeichnung deijenigen Wörter, deren Bedeutungsproblematik die Kontroverse zwischen den Stoikern und den Platonikern erzeugt. Nach dieser Deutung definiert der Relativsatz intensional eine bestimmte Klasse real existierender und von den TtQOCTI]"YOQiat wohl zu unterscheidender Gegenstände, von denen dann im übergeordneten Satz in völliger Übereinstimmung sowohl mit allen anderen Zeugnissen als auch mit der naheliegenden Bedeutung der gewählten Worte gesagt werden kann: -ruyxciv&tv -rrov TtTiilcr&cov (vgl. oben Nr. 67 und unten Nr. 860).
Die von Zenon ausgehenden Stoiker lehrten, die Ideen seien unsere Gedanken(bilder).
Daß man aber nicht glauben darf, derartige Begrenzungen - ich meine die Begrenzungen für die Körper - hätten eine bloß gedankliche Existenz, wie dies die Stoiker annahmen, daß man vielmehr annehmen muß, im Bereich des Seienden gebe es bestimmte Naturen von einer derartigen Beschaffenheit und vor ihnen würden bereits Inbegriffe für sie existieren, die zu ihrer Erzeugung taugen, dessen können wir wohl gewahr werden, wenn ...
Aber um jetzt nicht lediglich die Geschichte durchzugehen, die ja bekannt ist, muß doch ein Gedanke über Sokrates, Platon, die Parmenideer und die Pythagoreer über ihn [scil. Aristoteles] hinaus ausgesprochen werden: Die Formen (Ideen) werden bei diesen hochachtbaren Männern weder im Vergleich mit dem umgangssprachlich üblichen Gebrauch der Nomina eingeführt, wie das später Chrysipp, Archedemos und die Mehrzahl der Stoiker glaubten (denn die absoluten Formen unterscheiden sich durch vielerlei von 327
§ 2.2.2.3
xaß-' a'Ö'ta ELÖ'J] 'tÖJV ev 'tfl CJ'UV'J]ß-EL~ Ä.EYO!J.EV(J)V), OÜ'tE 'toi:; Ä.ex'toi:; 'toi:; 3tOÄ.uß-guÄ.'fj'tOL; ä.vaÄ.oyov 'tcp vcp 3taQ1J(pto'ta'taL, eh; flgei:'to Aoyyi:vo; 3tQEoßeiJeLv· o-ööev yag ÖÄ.ro; 10 3taQ1J(pto'ta'taL 'tcp vcp, eL3tEQ 6.voilm6v to"tL 'tO 3taQll
319
318A 10 oöat Usencr 319 7 6QilliJI'V dcl. Kirehhoff I " oöv] oöx Kirehhoff I ,. ~6 ~i] ~oo~l Thcilcr
Plotinus, Enn. VI 6, 12, 1-30:
'AÄ.Ä.' et xai. 'tO llv xai. 'tTJV !J.OVaÖa !J.TJ 'Ö3tOO'taOLV Ä.EyOL ~XELV - O'ÖÖEV yag ~V, Ö !J.Tt 'tL ~V - 3t6.ß-1Jr.ta ÖE 'tL 'tfJ; '\jlllXi'J; 3tQO; ~XaO'tOV 'tÖJV ÖV't(J)V, 3tQÖJ'tOV !J.EV 'tL xroÄ.UEL, xai. Ö'taV Ä.Eyn öv, 3t6.ß-1Jr.ta Ä.EyELV elvm 'tfJ; 'ljluxi'J; xai. !J.1JÖEv elvm öv; Et ö' Ö'tL VU't'tEL 'tO'Ü'to xai. 3tÄ.'fj't'tEL xai. <pav'taoiav 5 3tEQi. Öv'to; 3tOLEi:, VlJ't'tO!J.EVfiV xai. <pav'taoiav Ä.ar.tß6.vouoav 'tTlV 'ljluxT!v xai. 3tEQi. 'tO llv ÖQÖ>!J.EV. vE3tEL'ta 3tO'tEQa xai. 'tO 3t6.ß-1Jr.ta xai. 'tO v61Jr.ta 'ti'J; 'ljluxi'J; llv i\ 3tÄ.i'Jß-o; ÖQ&r.tev; 'AÄ.Ä.' Ö'taV Ä.Eyro!J.EV "!J.Tt ~V", ex !J.EV 'tO'Ü 3tQ6.y!J.a'tO; a'Ö'tO'Ü o'Öx ~XO!J.EV 'tO ~V - <pa!J.EV yag o'Öx elvm ev a'Ö'tcp 'tO llv - 10 ~XO!J.EV c'iQa llv, xai. ~O'tLV ev '\jlllXfl c'iVElJ 'tO'Ü "'ti. ~V". 'AÄ.Ä.' ~XO!J.EV 'tO llv ex 'tÖJV ~sroß-ev Ä.aß6vn; 'tLVQ VO'J]OLV xai 'tLVa 'tlJ3tOV, olov evv61Jr.ta ex 'tO'Ü 3tQ6.y!J.a'to;. Ot !J.EV yaQ 'tÖJV Ä.EYO!J.EVrov 3taQ' a'Ö'toi:; tvv01]1J.6.'trov llv elöo; 'tO .'tÖJV Ö.QLß-IJ.Ö>V xai. 'tO'Ü ~vo; 'tLß-EV'tE; 'Ö3tOO'taOEL; ÖV 'tOLaiJ'ta; 15 'tLß-ELEV, EL3tEQ 'tL 'tÖJV 'tOLOlJ't(J)V ev 'Ö3tOO'taOEL, 3tQO; o-ß; 3tEQL a'Ö'tÖJV XaLQtro; Ö.V Ä.EyOL'tO. 'AÄ.Ä.' OVV eL 'tOLO'Ü'tOV o{ov 'ÜO'tEQOV 6.3to 'tÖJV 3tQay!J.6.'troV Ä.EyOLEV yeyovEVaL ev fU.&LV 3t6.ß-1Jr.ta i\ VO'J]IJ.a, oiov xai. 'tO 'tO'Ü'tO xai. 'tO 'ti. xai. ört xai. öxÄ.ov xai. ~OQ'trtv xai. O'tQa'tov xai. 3tÄ.i'Jß-o; - xai. yag 20 lba3tEQ 'to 3tÄ.i'Jß-o; 3taga "ta 3tQ6.yr.ta'ta 'ta 3toÄ.Ä.a Ä.ey6J.Leva o'ÖÖEv tO"tLV o'ÖÖ' t'J ~OQ'tTt 3taQa 'toi.l; ouvaxß-tV"ta; xai. e'Öß-u!J.Oll!J.EVOlJ; t3ti. tegoi:;, O'Ü'tro; o'ÖÖE 'tO llv !J.OVOV 'tL xai. 6.3t'J]Q'J]!J.(I)!J.EVOV 'tÖJV c'iÄ.Ä.rov VOO'ÜV'tE;, Ö'taV Ä.Eyro!J.EV ~v·
328
Fragment
318A-319
dem, was in der Umgangssprache gesagt wird); noch existieren sie als Analogat zu den vielgerühmten Lekta zugleich mit der Vernunft, wie Longinos sich entschied, sie zu behandeln; denn es existiert überhaupt nichts mit der Vernunft zusammen, wenn das, was mit ihr zusammen existieren soll, ohne Substanz ist; und wie könnte dasselbe sowohl etwas Gedachtes sein als auch zugleich existieren? Freilich sind die Ideen bei ihnen auch keine Gedankenbilder, wie Kleanthes später erklärte; auch existieren sie nicht zugleich mit der Vernunftaufgrund der gedanklichen Ideen, wie Antoninus in Vermischung der Meinungen des Longinos und des Kleanthes denkt.
Aber wenn man sagen möchte, das Eine und die Eins hätten keine Subsistenz (denn nichts sei Eines, was nicht ein Etwas-Eines ist), seien vielmehr eine Affektion der Seele in bezug auf jedes einzelne Seiende, dann hindert erstens nichts daran, auch dann, wenn von Seiendem gesprochen wird, zu sagen, dieses sei eine Affektion der Seele und es gebe nichts Seiendes; erklärt man aber, dieses stoße an und klopfe und erzeuge eine Vorstellung vom Seienden, dann wollen wir auch beim Einen sehen, wie die Seele angestoßen wird und eine Vorstellung davon empfängt. Weiterhin wollen wir sehen, ob die Affektion und der Gedanke der Seele ein Eines oder eine Vielheit ist. Sprechen wir hier von "Nicht-Eines", so haben wir das Eine nicht aus dem Gegenstand selbst - denn wir sagen dann ja, daß das Eine nicht in ihm sei -; folglich besitzen wir das Eine, und es ist ohne das Etwas-Eines in der Seele. Aber das Eine besitzen wir, weil wir von den Außendingen her einen bestimmten Gedanken und einen bestimmten Eindruck empfangen haben, sozusagen ein vom Gegenstand herkommendes Gedankenbild. Denn diejenigen, die unter den bei ihnen [d.h. bei den Stoikern] sogenannten Gedanken(bildern) als eine Art die der Zahlen und des Einen ansetzen, müssen wohl derartige Subsistenzen ansetzen, wenn anders von solchen Gebilden überhaupt etwas in einer Subsistenz ist; und darüber könnte man triftig gegen diese Leute argumentieren. Indes: wenn sie also sagen, etwas Derartiges sei erst nachträglich von den Gegenständen her in uns als Affektion oder Gedanke entstanden, wie beispielsweise das ,Dies' und das ,Etwas' und wie auch ,Haufe', ,Festversammlung', ,Heer' lind ,Menge' - denn so, wie die Menge nichts außer den als viele bezeichneten Gegenständen ist und wie die Festversammlung nichts außer den zusammenströmenden, sich bei heiligen Feiern ergötzenden Menschen ist, so könnten wir, wenn wir von Einem sprechen, auch das Eine nicht als etwas denken, was alleine 329
§ 2.2.2.3
:rtoA.A.u ÖE xai. äA.A.a 'tOLaü'ta Elvm, oiov xai. ÖEsLov xai. 'tO 25 ävc.o xai. 'tU av'tLXELIJ.Eva 'tOU'tOL~ · 'tL yuQ äv ELTJ :rtQO~ im6o'ta<JLv ~:rti. ÖESLO'Ü i\ Ö'tL Ö !J.EV chöi:, Ö Ö' chöi. fO'tTJXEV i\ xa~TJ'tat; xai. öi) xai. ~:rti. 'toü ävc.o choau'tc.o~, 'to !J.EV 'tOLau'tTJV ~EOLV (~X,ELV) xai. ~V 'tOU'tq> 'tO'Ü :rtaV'tO~ ~-tö.A.A.ov, Ö A.tyO!J.EV ävc.o, 'tO ÖE Et~ 'tO I..EYOIJ.EVOV Xcl'tC.O - :rtQO~ Öfl 30 'tu 'totaü'ta ...
320
Plotinus, Enn. V 9, 5, 11-19:
TL oi'iv ~VEQYEL xai. 'tL VOEL, iva ~XELVa a'Ü'tOV ci VOEL ~ro!J.E~a; ~H Öfjl..ov Ö'tL VO'Ü~ {hv ÖV'tC.O~ VOEL 'tU ÖV'ta xai. 'ÖcpLO'tTJOLV.
WEo'tLv äQa 'tu öv'ta. "H yuQ htQc.o~L öv'ta au'tu vofJoEL, ~V a'Ö'tcp eh~ a'Ü'tOV ÖV'ta. 'E'tEQC.O~L !J.EV o'Öv aöilva'tov' :rtoü yaQ; Au'tov äQa xai. ~v a'Ö'tcp. Oü yuQ öi) ~v 'tot~ 5 ato~TJ'tot~. roo:rtEQ otov'tm. To yuQ :rtQO>'tov fxaO"tov oü 'to at
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321
Simplicius, In Arist. Categ. p. 69,19-23:
Ot ÖE CtVaLQO'ÜOL IJ.EV 'tflV 'tC:ÖV XOLVWV cpUOLV, ~V ÖE 'tOL~ xa~' ~xao'ta a'Ü'tu IJ.OVOL~ 'ÖcpEo'tavm voJ.ti:tou<JLv, au'tu xa~· a'Ö'tu !J.TJÖaJ.toü ~EC.OQO'ÜV'tE~ · xai. :rteQi. !J.EV 'tfj~ xa'ta'tE'tay!J.EVTJ~ XOLVO'tTJ'tO~ ÖQ~O>~ A.EyouoLv, ~ÖEL ÖE xai. 'tflV ~snQTJIJ.EVTJV ~VVOELV, acp' ~~ ~O'tLV fJ Xa'ta'tE'taYIJ.EVTJ. 5
319 27 6 1 JU: om. wBRCQ I 20 (lXElY) add. Thcilcr I ' 0 El' dcl. Kireh-
holT 321
2 öq>&atavat Lv: öqnat. J: {>qltatcijlEVIl K
330
Fragment
319-321
und von allem anderen abgesondert ist. Und es gebe auch noch vieles andere von dieser Art, etwa ,rechts', ,oben' und die zugehörigen Gegenteile. Denn im Fall von ,rechts' - was könnte es da im Sinne einer Subsistenz geben, außer daß der eine hier und der andere dort steht oder sitzt? Und genauso natürlich auch bei ,oben'; das eine Ding habe mehr eine solche Stellung und befinde sich mehr in diesem Teil des Alls, den wir oben nennen, während das andere in Richtung auf das sogenannte Unten plaziert sei. - Gegen derartige Behauptungen also ...
Was also ist seine tätige Wirklichkeit, und was denkt er [scil. der Nous], dam,it wir ihn als das, was er denkt, ansetzen können? Klar ist, daß er, da er seinshart Geist ist, das Seiende denkt und zur Existenz bringt. Mithin ist er das Seiende. Denn er muß es entweder als anderswo Seiendes denken oder als in ihm als er selbst Seiendes. Als anderswo Seiendes, das ist unmöglich; denn wo wäre es dann? Folglich denkt er das Seiende als sich selbst und in ihm selbst. Denn sicherlich denkt er es nicht als in den sinnlich wahrnehmbaren Gegenständen befindlich, wie man glaubt. Das jeweils Erste ist nämlich nicht der sinnlich wahrnehmbare Gegenstand. Denn die Form, welche in den Sinnendingen mit der Materie verbunden ist, ist bloß die Nachahmung eines Seienden; undjede Form an einem Ding tritt von einem anderen her in es ein und ist nur dessen Abbild.
Die anderen heben die Natur der allgemeinen [Gegenstände] auf und glauben, daß diese allein in den Einzeldingen subsistieren, wobei sie sie niemals als selbständig betrachten. Über die spezielle Allgemeinheit reden sie zwar richtig; doch hätten sie auch die abgesonderte bedenken müssen, von der her es die spezielle gibt.
331
§ 2.3-2.3.1
2.3 Die Kriterien der Wahrheit 2.3.1 Die Unterscheidung von Wahrheit und Wahrem Vgl. auch die Unterscheidung wahrer und erkennender Vorstellungen oben in Nr. 273.
322
Sextus Empiricus, Pyrrh. Hypot. II 80-84:
Et J.LEV"tOL xat ÖOLTJJ.LEV xai)' il31:6i)eow Elva( "CL ,;ij; Ö.A.T)i)ei:a; XQL"tTJQLOV, ÜXQTJO""tOV E"ÖQLO"XE"CQL XQL J.Lcl"CQLOV, ~clV "Ö3tOJ.LVTJO"(I)J.LEV Ö"tL, öaov ~3tt ,;ot; AEYOJ.LEVOL; "Ö3to ,;ci>v öoyJ.La"tLxci>v, Ö.VU3tQQX"to; J.Lh ~O""tLV 'fl ö.A.fJi}eLa, Ö.VtJ3tOO""tQ"tOV ÖE 1:0 &.A.T)i)e;. (81) "Ö3tOJ.LLJ.LvfiO"XOJ.LEV öe oi'J,;ro;. AEYE"tQL ÖLQ(JlEQELV 5 ,;ij; Ö.AT)i)E(a; "Co Ö.AT)i)e; "tQLXci>;, o'ÖOLQ. O"tJO""tcXO"EL ÖtJVcXJ.LEL. o'ÖOLQ. J.LEV, ~3tEL 1:0 J.LEV Ö.AT)i)e; Ö.OroJ.La"t6v ~O""tLV ( Ö.~LroJ.La yciQ ~a"tL xat A.ex,;6v), 'fl öe &.A.iJi)eLa ac'i>J.La (~a"tL yaQ ~mO""tTJJ.LTJ 3tav,;rov &.A.TJi)ci>v &.3tocpav,;LxfJ, 'fl öe ~mO"tTJJ.LTJ mb; ~xov 'flyeJ.LOVLxov &a3tEQ xat 'fl 3tcb; ~xovaa xetQ 3ttJYJ.LTJ, ,;o öe 'flyeJ.Lo- 10 vLxov Oc'i>J.La · ~O"tL yaQ xa,;' aiJ,;oiJ; 3tVE"ÜJ.La) · (82) avo,;aoEL Öe, ~3tEL 1:0 J.LEV Ö.AT)i)e; futA.oilv "CL ~O""tLV, olov "~ycb ÖLaAEYOJ.LaL", 'fl öe &.A.iJi)eLa Ö.3to 3tollci>v ö.A.TJi)ci>v yvv Ö.AT)i)ci>v yv
322 • (~6) lt(l)~ E}'.OV Kayser I 13 yvma•~ G: yvdxJEmv T (a multis veris cognitionibus) 323 1 tmiv ~oB: tm• l«liA
323
[Galenus], Hist. philos. 13, p. 606,12-21 Diels:
'AA.T)i)e; ~O""tL 1:0 Ö.V"tLXELJ.LEVOV "tLVL. ÖLT)AAQYJ.LEVOV ÖE 1:0 Ö.AT)i)e; ,;ij; Ö.AT)i)Ei:a; "tQLXci>; O'ÖO"LQ. O"tJO""taO"EL ÖtJVclJ.LEL.
332
Fragment
322-323
Aber auch wenn wir im Sinne einer hypothetischen Annahme zugäben, daß es ein Kriterium der Wahrheit gibt, so erweist es sich doch als unbrauchbar und nichtig, wenn wir daran erinnern, daß - soweit man sich nach den Auskünften der Dogmatiker richtet- die Wahrheit keine Existenz und das Wahre keine Substanz hat. (81) Unsere Erinnerung sieht folgendermaßen aus: Es wird gesagt, daß das Wahre sich von der Wahrheit in dreifacher Hinsicht unterscheidet, nämlich im Wesen, in der Zusammensetzung und in der Macht (Möglichkeit des Vorkommens). Und zwar besteht ein Unterschied im Wesen, weil das Wahre (eine Aussage und ein Lekton und deshalb) unkörperlich ist, während die Wahrheit ein Körper ist (denn sie ist ein alles Wahre aussagendes Wissen; das Wissen aber ist das Zentralorgan in einem bestimmten Zustand, wie auch die Hand in einem bestimmten Zustand eine Faust ist; und das Zentralorgan ist ein Körper, da es nach ihnen ein Hauch ist). (82) In der Zusammensetzung besteht ein Unterschied, weil das Wahre etwas Einfaches ist wie z.B. die Aussage "Ich unterhalte mich", während sich die Wahrheit aus einer Kenntnis von vielem Wahren zusammensetzt. (83) Schließlich besteht ein Unterschied in der Macht (Möglichkeit des Vorkommens), weil die Wahrheit mit Wissen verbunden ist, während das Wahre damit nicht immer verbunden ist. Daher gibt es, wie sie sagen, die Wahrheit nur bei einem (sittlich) gebildeten Menschen, das Wahre aber auch bei einem Dummkopf; denn daß der Dummkopf etwas Wahres sagt, ist möglich. (84) Dies lehren die Dogmatiker. Wir aber orientieren uns wieder an der Absicht dieser Schrift und werden unsere Argumentationen jetzt nur gegen das Wahre richten, weil mit diesem einschlußweise auch die Wahrheit getroffen wird, von der ja erklärt wird, sie sei ein System der Kenntnis von mehrerlei Wahrem. cf Nr. 322.
Das Wahre ist der kontradiktorische Gegensatz zu etwas. Ferner ist das Wahre in dreierlei Hinsicht verschieden von der Wahrheit, nämlich im We333
§ 2.3.1 OUOL~ IJ.E'V, exELÖTJ 'tO UATJÖE~ ciOWIJ.U'tO'V eo'tL'V ( li!;LWIJ.U ycig eo'tL xal. AEX't6v), 1J ÖE lii.:J1ÖELa OÖ>IJ.cl eo'tL'V' emO'tTJIJ.TJ yag 3tcl'V'tW'V eo'tl.'V liAT)ÖÖ>'V, 'iJ ÖE exLO'tTJIJ.TJ 3tW~ TJYEIJ.O'VLXO'V 5 eo'tL, 'tO ÖE TJYEIJ.O'VLXO'V 3t'VE'ÜIJ.U flvat ÖOXEL, Ö3tEQ OWIJ.U'tOQJUE~ ~tciA.Lo'ta äv Elx6'tw~ öoxoi:TJ. ouo'taoEL öt ÖLiJA.A.ax'tat 'ta'Ü'ta 'tt:'p 'to IJ.E'V O.A.TJÖE~ axA.oüv Elvm, olov "eyli> ÖLaA.tyo!J.at", 'tTJ'V (ö') lif..'fJÖELa'V TJIJ.L'V E'ÖQfjOÖUL 3tEQLATJ3t'tLXTJ'V o'Öoav 3tcl'V'tW'V liAT)Öci>v. ÖU'Vcl!J.EL ÖE ef;iJA.A.ax'taL 'tt:'p 'tO IJ.E'V 10 liAT)ÖE~ xal. <paiil..c:p 'tL'VL emy(vEOÖUL (I..EyEL yciQ 3tO'tE W..TJÖci>~ xal. 6 IJ.TJ xcivu eoxouöaOIJ.E'Vo~), 'tTJ'V ÖE liA.iJÖELav IJ.O'VOL~ ~'V'tQOQJO'V flvat 'tOL~ 03tOUÖULOL~ {'tQ03tOL~}.
324
323 • GOIJ.latoqmt~ Charterlos: -tocpllij A: -tOltO\&i B I ' auatcia&l Diels: 1'1 c:niatam~ AB I • ä~tÄoüv Diels: SfjÄov AB I 9 (S') add. Diels 11'!J.ITV &ÖQfjaS.n Diels: 1'!J.l&T~ &ÖQ&taSa\ A: UJ.l&i~ &ÖQfjt& B
IIJ
J.16VO\~
Diels: J.IOVT]V AB I tQOltO\~ B (vel tQÖltov &lva\ ante GHouSa!O\~ A) dcl. Dicls 324 1 • ( 11) add. Bekker
Sextos Empiricus, Adv. Math. VII 38-45:
TiJv öt lil..fJÖELav otov'tai: 'tL'VE~, xal. ~tciA.Lo'ta ot lixo 'tfj~ l:wä.~, ÖLUQJEQEL'V 'tliATJÖO'Ü~ Xa'ta 'tQEL~ 'tQ03tOU~, o'Öo(~ 'tE xai. OUO'tclOEL xai. ÖU'Vcl!J.EL, O'ÖOL~ !J.E'V 3tUQOOO'V TJ !J.E'V liA.iJÖELa OÖ>IJ.cl eo'tL, 'tO ÖE UATJÖE~ ciOWIJ.U'tO'V 'Ö3tfiQXE'V. xai. Elx6'tW~, <pao(v. 'tOU'tL !J.E'V yag lif;LWIJ.cl eo'tL, 'tO ÖE lif;LWIJ.U 5 A.Ex't6v, 'to ö€ A.Ex'tov liow!J.a'tov. livcmai..Lv öt 1J liA.iJÖELa OÖ>IJ.cl eo'tL 3tUQOOO'V emO'tTJIJ.TJ 3t'V ci3tOQJU'V'tLXTJ ÖOXEL 'tUYXcl'VEL'V, (39) xä.oa ÖE emO'tTJIJ.TJ 3tW~ fxov eo'tL'V TJYEIJ.OVLx6v, C:ÖOXEQ xai. 1J xw~ fxouoa XELQ 3tUYIJ.TJ voEi:'tat · 'tO ÖE TJYEIJ.O'VLXO'V OÖ>IJ.a xa'ta 'tOU'tOU~ 'Ö3tfiQXE'V' 'tOL'VU'V 10 XUL TJ lil..'fJÖELU XU'ta YE'VO~ fO'taL OWIJ.U'tLXTJ. ( 40) OUO'tclOEL ÖE xaö6oov 'tO IJ.E'V liA.TJÖE~ eh~ IJ.O'VOELöt~ 'tL xal. axA.oüv 'tTJ'V QJUOL'V 'VE'VOTJ'taL, 0 [ov exl. 'tO'Ü 3tUQO'V'tO~ 'tO "'iJ IJ.EQa fo'tLv" xai. 'tO "eyli> ÖLUAEYOIJ.UL", 'iJ ÖE liA.iJÖELa eh~ Üv exLO'tTJIJ.TJ xaÖEO'tTJXUi:a 'tO'Ö'VU'V'tLO'V OUO'tTJ !J.U'tLXTJ 'tE xai. 3tAELO'VW'V 15 ÜÖQOLOIJ.U 't'llYXcl'VEL'V 'Ö3tELATJ3t'taL. (41) cP OoO'V A.6yc:p ~'tEQO'V 'tL eo'tL'V 6 Öij!J.O~ xal. hEQO'V 6 3tOAi.'tTJ~, xal. Öij!J.O~ !J.E'V 'tO ex xollci>v 3tOAL'tÖ>'V llÖQOLOIJ.a, 3tOAL'tTJ~ ÖE 6 EL~, 'tt:'p a'Ö'tt:'p A.Oyc:p ÖLE'VTJ'VOXE'V ( fJ) liA.iJÖELa 'tO'Ü liAT)ÖO'Ü~, xai. ehj.tOLW~aL 'iJ IJ.E'V liA.iJÖELa 'tt:'p ÖiJ!J.c:p, 'tO ÖE liA.TJÖE~ 'tt:'p 3tOAL'tTI, ÖLa 'tO 'tTJ'V !J.E'V 20 Elvat O'UO'tTJIJ.U'tLXTJ'V, 'tO ÖE axAO'Ü'V. ( 42) Ö'U'Vcl!J.EL ÖE 'tU'Ü'ta
334
Fragment
323-324
sen, in der Zusammensetzung und in der Macht (Möglichkeit des Vorkommens). Und zwar besteht eine Verschiedenheit im Wesen, weil das Wahre (eine Aussage und ein Lekton und deshalb) unkörperlich ist, während die Wahrheit ein Körper ist; denn sie ist Wissen von allem Wahren; das Wissen aber ist das Zentralorgan in einer bestimmten Verfassung, und das Zentralorgan scheint ein Hauch zu sein, dessen körperliche Natur wohl ganz besonders einleuchtend sein dürfte. In der Zusammensetzung sind sie verschieden, indem das Wahre einfach ist, wie etwa die Aussage "Ich unterhalte mich", während wir bei der Wahrheit finden, daß sie alles Wahre umfaßt. Schließlich weichen sie der Macht (Möglichkeit des Vorkommens) nach voneinander ab, indem das Wahre auch bei einem Dummkopf vorkommen kann (denn zuweilen redet auch der nicht sonderlich (sittlich) Gebildete wahr), während die Wahrheit nur in den (sittlich) Gebildeten gedeiht.
Einige Leute, und zwar insbesondere die Stoiker, sind der Meinung, daß die Wahrheit sich vom Wahren auf dreierlei Weise unterscheidet, nämlich im Wesen, in der Zusammensetzung und in der Macht (Möglichkeit des Vorkommens). Und zwar besteht ein Unterschied im Wesen insofern, als die Wahrheit ein Körper ist, das Wahre hingegen unkörperlich existiert. Und das leuchtet ein, wie sie sagen; denn letzteres ist eine Aussage, die Aussage aber ein Lekton und das Lekton unkörperlich. Andererseits ist die Wahrheit ein Körper, insofern sie ein alles Wahre aussagendes Wissen zu sein scheint, (39) jedes Wissen aber das Zentralorgan in einem bestimmten Zustand ist, wie auch die Hand in einem bestimmten Zustand als Faust gilt; das Zentralorgan wiederum existiert nach ihnen als Körper; somit ist auch die Wahrheit der Gattung nach körperlich. (40) In der Zusammensetzung besteht ein Unterschied, insofern das Wahre als etwas seiner Natur nach Einheitliches und Einfaches aufgefaßt wird, wie etwa zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Aussagen "Es ist Tag" und "Ich unterhalte mich", während die Wahrheit im Wissen besteht und man von ihr daher im Gegenteil annimmt, daß sie von zusammengesetzter Natur und eine Menge von mehreren Elementen ist. (41) In der Weise also, in der das Volk eine Sache ist und der Bürger eine andere, da die aus vielen Bürgern gebildete Menge das Volk, aber das eine Individuum der Bürger ist, in eben der Weise unterscheidet sich die Wahrheit von dem Wahren; dabei entspricht die Wahrheit dem Volk und das Wahre dem Bürger, weil erstere zusammengesetzt und letzteres einfach ist. (42) Schließlich sind sie der Macht (Möglichkeit des 335
§ 2.3.1
cUA.iJA.oov XEXWQLO"taL, ~:rtei. "to f.LEV äA.TJßE!; ou :rtciV"tW!; ~:rtL O"tTJf.LTJ!; etxno (xai. yaQ ö cpaüA.o!; xai. ö vfJ:rtLo!; xai. ö f.LEf.LT)VOO!; A.eyEL f.LEV :rtO"tE "tL äA.T)ßE!;, oux ~XEL ÖE ~:rtLO"tTJf.LT)V J.LTJ!; "toü"to :rtmei:v, (44) xai. öv "tQ6:rtov YQUf.Lf.LU"tLXO!; OOAOLXLOJ.LO'Ü "tLßEi.!; "Ö:rtOÖELYf.LU OOAOLXLOf.LOV (J.Lev) :rtQocpeQnm, ou ooA.mxi:l;eL öe (ou yaQ :rtaQa ä:rtELQi:av "tO'Ü ÖQßoü A.6you "tO'Ü"to :rtclOXEL), d>öe xai. ö oocp6!;, "tO'U"teo"tLV ö "tT~v "toü äA.T)ßoü!; ~:rtLO"tTJf.LTJV ~xwv, ~QEi f.LEV :rto"te 'ljleüöo!;, 'ljleuonm öe o-ööe:rto"te öLa "to J.Lil ~xeLv "tilv yvc:i>J.LTJV 'ljiEUÖEL ouyxa"tU"tLßEJ.LEVTJV. ( 45) Ö"tL yciQ, cpao(v, ä:rto "tij!; ÖLaßEOEW!; xai. OUX ä:rto 'ljiLAij!; "tij!; 1EQO!pOQÖ.!; XQL"tEOV ~O"tL "tOV 'ljiE'UÖOf.LEVOV, :rtclQEO"tL J.LUßELV ~X "tOOV "tEßT)oof.LEVWV "Ö:rtOÖELYf.Lcl"tOOV. "t'Uf.LßWQUXO!; yaQ A.eyE"taL xai. Ö ~:rti. "tcp OX'UAEUELV "tOU!; VEXQOU!; "tO'Ü"tO 3tQcl"t"tWV xai. Ö "tUJ.LßO'U!; "tOL!; vEXQOL!; ÖQiJ"t"toov • cUA.' ö f.LEV :rtQW"tO!; xoA.cil;nm d>!; ä:rto XUXij!; ÖLaßEOEW!; "tO'Ü"tO 1EQclOOWV, Ö ÖE ÖEU"tEQO!; xai. f.LLOßov AaJ.LßclVEL "tij!; "Ö:rtT)QEOLU!; ÖLa "tTlV äV"tLXELf.LEVTJV a["t(av. 1EQOcpaVE!; "tOLV'UV ~O"tLV, Ö"tL xai. "tO 'ljiE'ÜÖO!; A.eyELV "tO'Ü 'ljiEUÖEoßaL xa"ta :rtoA.il ÖLEVTJVOXEV, "tO f.LEV ä:rto äo"tELU!; YLVE"taL yvc:i>f.LT)!;, "to öe 'ljleooeoßaL ä:rto :rtovTJQä.!;.
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324
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325
Sextos Empiricus, Adv. Math. Vlli 10:
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336
2S
30
35
40
45
SO
Fragment
324-325
Vorkommens) nach voneinander getrennt, weil das Wahre nicht immer mit Wissen verbunden ist (denn auch der Dummkopf, das Kleinkind und der Verrückte sagen zuweilen etwas Wahres, haben aber kein Wissen des Wahren); hingegen wird die Wahrheit in Abhängigkeit vom Wissen gesehen. Daher ist dann auch derjenige, der sie besitzt, ein Weiser (er besitzt nämlich Wissen von mehrerlei Wahrem), und er redet niemals falsch, auch dann nicht, wenn er etwas Falsches sagen sollte, da er es nicht aus böser, sondern aus feiner Gesinnung äußert. (43) Denn wie der Arzt, der über die Behandlung seines Patienten etwas Falsches sagt, indem er ihm nämlich etwas Bestimmtes zu geben verspricht, es aber nicht gibt, zwar etwas Falsches sagt, aber nicht lügt (keine Falschheit zum Ausdruck bringt) -er versteht und tut so etwas nämlich mit Bezug auf die Genesung der Person, die sich von ihm kurieren läßt-, und wie die besten Feldherren, die sich zur Ermutigung der ihnen unterstehenden Soldaten oft Briefe aus verbündeten (Stadt-) Staaten ausdenken, damit zwar etwas Falsches sagen, aber doch nicht lügen (keine Falschheit zum Ausdruck bringen), weil sie das nicht aus übler Absicht tun, (44) und wie der Grammatiker, wenn er ein Beispiel für einen Soloikismus gibt, gleichwohl nicht soloikistisch (ungrammatisch) spricht (denn nicht aus Unkenntnis der richtigen Redeweise unterläuft ihm das), genauso kann auch der Weise, d.h. der, der das Wissen des Wahren besitzt, zwar zuweilen etwas Falsches sagen; doch wird er niemals falsch reden, weil er kein Erkenntnisvermögen hat, welches etwas Falschem zustimmen würde. (45) Denn, so sagen sie, daß man den Lügner nach seiner Gesinnung und nicht nach seiner bloßen Äußerung bestimmen muß, ist aus den nachfolgend angeführten Beispielen zu lernen. ,Gräber aufgrabend' nennt man nämlich sowohl denjenigen, der dies tut, um die Toten auszuplündern, als auch denjenigen, der für die Toten Gräber aushebt; doch während ersterer dafür bestraft wird, da er das aus schlechter Gesinnung tut, bekommt letzterer aus dem entgegengese,tzten Grund für seine Dienstleistung sogar ein Entgelt. Mithin ist ganz deutlich, daß auch das Etwas-Falsches-Sagen vom Lügen (Eine-Falschheit-zum-Ausdruck-Bringen) außerordentlich verschieden ist, indem das eine aus einem feinen Geist entspringt, das Lügen (EineFalschheit-zum-Ausdruck-Bringen) aber aus einer schlechten Gesinnung. (Der Kontext der Stelle unten Nr. 350)
Die Stoiker indes sagen zwar, daß sowohl einiges sinnlich Wahrnehmbare als auch einiges Intelligible wahr sei; jedoch sei das sinnlich Wahrnehmbare 337
§ 2.3.1
clVQqlOQaV 'tTJV cO!; bd. 'ta 31:QQQXEL1!EVQ 'tOU'tOL!; VOT}'tQ. clÄ.T}i}ES yaQ to'tL XQ't' a'Ö'tOUS 'tO 'Ö31:6.QXOV xai. clV'tLXELI'EV6v 'tLVL, xai. 'ljJE'ÜÖO!; 'tO I'TJ 'Ö31:6.QXOV xai. {!'TJ} clV'tLXEL1!EV6V 5 'tLVL. Ö31:EQ clOOO!'Q'tOV ä);LWI'Q xai}EO'tW\; VOT}'tOV dvaL.
326
Sextos Empiricus, Adv. Math. VIII 69sq.:
Oios ÖE eo'tLV 6 31:EQL 'tQU'tTJS 'tfiS (ÖLa)O'tQOEWS Myos, 'tOLO'Ü'tOS YEVOL't' dv 1)1-'tv xai. 6 31:EQL 'tfiS Ä.EL7tO!'EVTJS, xai}' ijv o[ I'EV tv 'tcp OT}!'QLVO!'EVcp, 'tOU'tEO'tLV clOW!'a'tcp Ä.EX'tcp, 'tO clÄ.T}i}ES xai. 'tO 'ljJE'ÜÖOS 'Ö3tO't(i}EV'taL, o[ Ö' ev 'tfl cpwvfl, o[ ö' tv 'tcp XLVfJI'a'tL 'tfiS ÖLavoi:as. (70) a'Ö"ti:xa y6.Q, tva 5 ä3to 'tfis 3tQOO'tTJS li.QI;T}'tai: 'tLS, 1)1;i:ouv o[ I'twLxoi. xoLvros tv Ä.EX'tcp 'tO clÄ.TJi}ES ElvaL xai. 'tO 'ljJE'ÜÖO!;.
327
Stobaeus, Eclogae I 5,15, p. 79,1-12:
XQUOL31:3l:OS Mvai'LV 3tVEUI'Q'tLXTJV 'tTJV o'Öoi:av 'tfiS ELI'aQI'EVTJS, 'tai;EL 'toü 3tQV'tOS ÖLOLXTJ'tLxfJv. Toü'to I'EV o'Öv tv 'tcp ÖEU'tEQcp TIEQL x6o!'OU, tv ÖE 'tcp ÖEU'tEQcp TIEQL ÖQWV xai. tv 'tOLS IIEQL 'tfiS Ell'aQI'EVTJS xai. tv li.Ä.Ä.OLS 03tOQclÖTJV 3tOÄ.U'tQ63tWS ä3tocpai:vE'taL Ä.Eywv · E[l'aQI'EVTJ to"ti.v 6 'tO'Ü x6o!'OU 5 Myos, 11 Myos 'tt'i>v tv 'tcp x6ol'cp 31:Qovoi:'
~lllllo~
coniect.:
cod. Vatic. ex
~nLI!ouM~
FP
327 A
Eusebius, Praep. evang. XV 14,2 (ex Aristocle):
"E:n:EL'ta öt xai. xa'ta 'tLvas ELI'aQI'Evous XQ6vous tx :n:uQoüai}aL 'tov aill':n:av"ta x6ol'ov, Eh' a'Öi}LS :n:aÄ.Lv ÖLaxooi'Etai}QL, 'tO I'EV'tOL 3tQW'tOV 3t'ÜQ ElVaL xai}MEQEL 'tL 03l:EQI'a, 'tt'i>v futav'twv ~xov "toils Myous xai. 'tas ahi:as 'tt'i>v yEyov6'twv xai. 'tt'i>v YLYVOI'Evwv xai. 'tt'i>v tooi'Evwv · 'tT)v öt 'tOU'tWV s
338
Fragment
325-327 A
nicht unmittelbar wahr, sondern aufgrundder Beziehung zu dem Intelligiblen, welches damit verbunden ist. Nach ihnen ist nämlich das das Wahre, was existiert und im kontradiktorischen Gegensatz zu etwas steht, und das das Falsche, was nicht existiert und im kontradiktorischen Gegensatz zu etwas steht; es hat ja seinen Bestand in einerunkörperlichen Aussage und ist daher etwas Intelligibles. (Anschluß oben Nr. 275)
Wie unsere Argumentation zu dieser Meinungsverschiedenheit aussieht, so werden wir wohl auch über die verbleibende Kontroverse zu reden haben, wonach die einen das Wahre und das Falsche in die Bedeutung, d.h. in ein unkörperliches Lekton, setzen, die anderen in den Laut und wieder andere in die Bewegung des Verstandes. (70) So erklärten - um mit der ersten Auffassung zu beginnen - die Stoiker durchweg, das Wahre und das Falsche existiere in einem Lekton. (Fortsetzung unten Nr. 699 bzw. Nr. 876) (Anschluß unten Nr. 1001)
Chrysipp versteht das Wesen des Fatums, das zur ordnenden Verwaltung des Alls gehört, als pneumatische Kraft. So also im zweiten Buch ,Über den Kosmos'. Doch im zweiten Buch ,Über Definitionen' und in den Büchern ,Über das Fatum', sowie an verstreuten anderen Stellen formuliert er seine Behauptung auf vielfältige Weisen so: "Das Schicksal ist die Vernunft des Kosmos" oder "die Vernunft derer, die im Kosmos durch Vorhersehung verwaltet werden," oder "die Vernunft, nach deren Maßgabe das Entstandene entstanden ist, das Entstehende entsteht und das künftig Entstehende entstehen wird". Anstelle von ,der Vernunft' spricht er auch von ,der Wahrheit', ,der Ursache', ,der Natur', ,der Notwendigkeit' und fügt auch noch weitere Bezeichnungen hinzu, da sie nach jeweils anderen Gesichtspunkten [doch] für dasselbe Wesen verwendet würden.
Ferner verbrenne nach bestimmten, vom Schicksal festgelegten Zeiten der gesamte Kosmos, werde danach jedoch wieder neu durchgeordnet. Das ursprüngliche (erste) Feuer freilich sei gleichsam ein Same, der die Gründe für überhaupt alles und die Prinzipien dessen enthält, was war, was ist
339
§ 2.3.1
bnnÄ.oxi)v xai. äxoÄ.ouiHav ElJ.LaQJ.lEV'J]V xai. ~:JtLO'tTJJ.lTIV xai. aÄ.i)i}ELQV Xai. V6J.lOV ElvaL 'tÖlV ÖV't(I)V aÖLclÖQaO't6V 'tLVQ XQL ik
328
Themistius, Or. 2, Vol. I p. 33 Schenkl-Downey:
Et ö' a-ö IJlTJOELE 'tLS xoÄ.axEi:av Elvm 'tcp llui}i:cp :rtaQaßallELV 'tov ßamÄ.Ea, XQilot:~tnos J.lEV 'ÖJ.Liv xai. KÄ.Ea~s o'Ö ouyxroQi)OEL xai. ÖÄ.ov ~i}vos IJlLÄ.OOO
327 II 0 E6VOilOl'tCh~ ~I vi BONV: EÖVOjltll~ci~m ~lv1 ~E 'tij 1° 328 J Tl cod. Ambrosia-. nus gr. J 22 sup.: om. rell. ct edel.: "aut Tl (sie v. Arnim quoquc) aut ij ... xoQO~ dclenda" (Gasda ap. Schenld-Downey)
340
Fragment
327 A- 328
und was sein wird. Deren Verknüpfung und Abfolge sei das Schicksal, das Wissen, die Wahrheit und ein Gesetz alles Seienden, das unvermeidlich und dem nicht zu entrinnen ist. Durch sie werde alles im Kosmos ganz vortrefflich eingerichtet, wie in einem mit allerbesten Gesetzen ausgestatteten Staat.
Wenn hinwiederum jemand sagen sollte, es sei Schmeichelei, den König mit dem Delphischen Gott zu vergleichen, so werden Chrysipp, Kleanthes und ein ganzes Volk der Philosophie oder die Schar von der bunten Halle euch nicht zustimmen; sie erklären nämlich, Mensch und Gott besäßen dieselbe Tugend und Wahrheit.
341
§ 2.3.2-2.3.2.1
2.3.2 Die verschiedenartigen Kriterien der Wahrheit 2.3.2.1 Die erkennende Vorstellung Siehe außer Nr. 255fT. auch Nr. 267, 275, 285. Vgl. ferner Nr. 268-270.
329
Sextos Empiricus, Adv. Math. VII 426.430:
IIros ö' o-öxt xai. Ets ,;ov ÖL' äUt1A.wv tJL:rti::rt,;oum ,;g6:rtov; l;T)"tOUV"tWV yag 1'J !J.WV "tts tcrtLV 1'J xa"taAT):rt"tLXTJ q>av,;ao(a, ÖQLl;O!J.EVOL q>aOLV """ ci:rto Ü:rtciQXOV"tOS xai. xa,;' aÜ"to "tO Ü:rtciQXOV tva:rtO!J.E!J.UY!J.EVTJ xa( tva:rtEOq>QUYLO!J.EVTJ, Ö:rto(a oüx dv ytvm,;o ä:rto ILTJ ü:rtagxov,;os". Eha :rtciA.Lv, t:rtEi :rtäv s "tO ÖQLXWS ÖLÖUOXO!J.EVOV tx YLVWOXO!J.EVWV ÖLÖQOXE"taL, :rtQOOUVUXQLVOV"tWV ofJJLWV "tL :rtO"t' to"tL xai. "tO U:rtclQXOV, ävao,;gt'ljlav,;ts q>amv Ö"tL "ü:rtagxov to,;tv ö xLvEi: xa,;aATJ:rt"tLXTJV q>av,;aoi:av". Ü>ou tva JLEV JLaßroJLEV "tTJV xa,;aATJ:rt"tLXTJV q>av,;aoi:av, :rtQOELATJq>tvaL Öq>ELAOIJ.EV ,;o ü:rtciQ- 10 XOV, tva ÖE "tO'Ü"tO, t:rtt "tTJV XU"taAT):rt"tLXTJV ßaötl;ELV q>av"tao(av· xai. oihw JLTJÖhEQOV ytvEoßm oaq>ts, :rtEQLIJ.EVov "tTJV tx "tO'Ü hEQOU :rtLO"tLV•••.
(430) 'AA.A.' tows "tLS tgEi: ,;iJv xa,;aA.T):rt"tLXTJV q>av,;aoi:av xai. "tO'Ü q>UV"tUO"tO'Ü, Ö"tL XU"tcl (x)..tlßELUV U:rtOXEL"tUL, XUL eau"ti"JS, 15 Ö"tL XU"tUAT):rt"tLXtl to"tL, XQL"ttlQLOV Ü:rtclQXELV. Ö:rtEQ OU ÖLEVtlVOXE ,;oü q>avm xa,;a ävao,;goq>iJv xai. ,;o · q>av,;ao,;ov eaU"tO'Ü "tE xai. "tfJS q>av,;aoi:as ELVaL ÖOXL!J.LOV. S yaQ ...
330
329 3 xai xat" aötö Kochalsky: xai aÖtö N: xat" ai>tö LE~ 1 '• nQoal.'l)opt~ vat Bekker: nQocrstl.. G 330 • (tE) add. Bekker
Sextos Empiricus, Adv. Math. VII 159-163:
'0 öt KagvEciÖTJS o-ö JL6vov ,;oi:s l:"troLxoi:s äA.A.a xat :rtäm "tOLS :rtQO a"Ö"tO'Ü QV"tLÖLE"tclOOE"tO :rtEQL "tO'Ü XQL"tTJ QLO\J.... ( 161) tv ciga "t(j> a:rto "ti'jg tvagydas :rtcißEL "tfJS 'ljiUXi"JS l;T)"tTJ"tEOV tO"tL 1:0 XQL"ttlQLOV. "tO'Ü"tO ÖE 1:0 :rtcißos UU"tO'Ü (,;E) tvÖELX"tLXOV Öq>ELAEL "tUYXclVELV xat "tO'Ü tJL:rtOLtlOUV"tOS aÜ"tO q>aLVO!J.EVOU, Ö:rtEQ :rtcißos to,;i.v OÜX hEQOV "tfJS q>av,;ao(as. (162) ößEv xat q>av,;ao(av ÖTJ"ttov dvm :rtaßos "tL :rtEQL ,;o l;(j>ov eaU"tO'Ü "tE xat "tO'Ü hEQO\J :rtUQUO"tU"tLXOV. o{ov :rtQOOßA.t'ljlaV"tES 'tLVL, q>TJOLV Ö 'AV"tLOXOS, ÖLa"tLßEJLEßci :rtWS "tTJV
342
S
Fragment
329-330
Und natürlich fallen sie in den Modus der zirkulären Argumentation (,Diallele'). Denn wenn wir herausbekommen wollen, was die erkennende Vorstellung ist, geben sie als Definition an: "diejenige Vorstellung, welche von etwas Bestehendem her und nach Maßgabe des Bestehenden selbst sich [in unserem Geist] abgedrückt hat und [ihm] eingesiegelt ist, wie sie von etwas nicht Bestehendem her nicht entstehen könnte." Nun wird aber alles, was definitorisch erklärt wird, aufgrund von Bestehendem erklärt. Wenn wir deshalb im Anschluß an die gegebene Definition fragen, was denn insbesondere ,das Bestehende' ist, dann kehren sie ihre Auskunft um und sagen: "Dasjenige ist das Bestehende, was eine erkennende Vorstellung hervorruft". Um daher die erkennende Vorstellung zu begreifen, müssen wir auf das Bestehende rekurrieren, um jedoch dieses zu begreifen, uns an die erkennende Vorstellung wenden; und so wird keins von beiden klar, da jedes auf die vom anderen begründete Zuverlässigkeit wartet. ... (430) Aber vielleicht wird jemand sagen, die erkennende Vorstellung bilde sowohl für das Vorgestellte, daß es wahrheitsgemäß subsistiert, als auch für sich selbst, daß sie erkennend ist, das Kriterium. Diese Auskunft unterscheidet sich freilich nicht von der umgekehrten Erklärung, daß eben das Vorgestellte sowohl für sich selbst als auch für die Vorstellung der Test sei. Wie nämlich ...
Karneades entwickelte seine Argumente bezüglich des Kriteriums nicht nur gegen die Stoiker, sondern auch gegen alle seine Vorgänger. ... (161) Mithin ist das Kriterium in dem auf sinnliche Evidenz gegründeten Affekt der Seele zu suchen. Und dieser Affekt muß sowohl sich selbst aufweisen als auch das Vorgestellte, welches ihn hervorgerufen hat, wobei der Affekt nichts anderes als die Vorstellung ist. (162) Man muß daher auch von der Vorstellung sagen, sie sei ein bestimmter Affekt am Lebewesen, der sowohl sich selbst als auch den anderen Gegenstand zu präsentieren vermag. Wenn wir beispielsweise auf einen Gegenstand schauen, dann, so sagt Antiochos, brin343
§ 2.3.2.1
Ö'ljJLv, xat o-öx oi'rcros a"Ö"tTJV ÖLaXELIJ.EVTJV taxo!J.EV eh!; :rtQLV 10 ,;oiJ ßA.€'1jlaL ÖLaxELIJ.EVTJV etxo!J.EV · xa"tel !J.EV"tOL "tTJV ,;mau"tTJV cUA.ol:roaLv öuEiv av"tLAa!J.ßav61J.Eß-a, tvos ~J.tv a"Ö"tij!; ällmroaeros, "tO"U"tEO"tL "tij!; cpav,;aal:as, öeu"tEQO"U öe "toü ,;'iJV allOL(J)OLV ä!J.:rtOLtlOQV"tO!;, "tO"U"tEO"tL "tO"Ü ÖQa"to"Ü. XaL ä:rtt ,;rov lillrov ataß-tlaerov ,;o :rtaQa:rtA.'IlaLov. (163) ci>a:rtEQ 15 o"Öv "to cpros tau1:6 "tE öel:xvuaL xat nav,;a "tel äv a"Ö"tcp, oihro xat 1J cpav"taai:a, äQXTJYOS o"Öaa "tij!; :rtEQL ,;o ~cpov dÖtlOEro!;, cpro"tO!; ÖLXT)V ta"U"ttlV "tE ä~J.cpavt~ELV Öq>ELAEL xat "tO"Ü :rtOLtlOQV"tO!; a"Ö"tTJV ävaQyO"Ü!; ävÖELX"tLXTJ xaß-Ea"tclVaL.
331
Galenus, De dign. pulsibus I 5, Vol. VIII p. 793 Kühn:
llQro"ta yaQ äa"tLv ata-6-T)"tel äv ,;ots 'fJIJ.E"tEQOLS aro~taOL "tel :rtaß-'ll!J.a"ta, ÖEU"tEQa ÖE "tel "tOU"troV :rtOLT)"tLXel äx"tO!; 'Ö:rtoXEL!J.EVa.
332
Alexander Aphr., De anima p. 71,10-13:
Tel!; Ö'iJ ä>..T)-6-ets ,;rov cpav,;aaLrov xat acpoÖQel!; etro-6-a!J.EV A.EY~Lv xat xa,;aA.T):rt"tLXel!; ,;cp xa"tciA.TJ'IjJLv dvaL "tTJV ,;ats ,;mau"taL!; cpav,;aal:aL!; auyxa,;a-6-eaw, äxa,;aA.T):rt"tov öe cpav,;aal:av XQAO"Ü!J.EV "ttlv "tE 'ljJE"UÖij xat "tOOV ä>..T)ß-OOV "tel!; Q!J."UÖQcl!;.
332A
Scholia in Luciani Vit. auct. § 21, p. 127sq. Rabe:
'H ÖE xa,;aA.T):rt"tLxTJ cpav,;aai:a "tOLaU"tTJ :rtaQ' a"Ö"tots (sc. "tOt!;
332A lt• tijl vijl an
ä:rto "tij!; l:,;oci.s) A.€ye"taL · xa,;aA.T):rt"tLXel!; lA.eyov cpav,;aai:as "tel!; MO ÖV"t(J)V eh!; liv ÖV"troV äva:rtO!J.OQYV"U!J.EVa!; "tcp vcp aacpros yvroaEL!; i\ äf; t:Dv liv "tL!; ux!J.aLQOL"tO, o"Ö xa,;aA.T):rt"tLXel!; öe "tel!; I'TJ oü,;ros äxouaas, ehs at äf; 'Ö:rtovol:as 'ljJLA.ijs s äyyLVO!J.EVaL. lA.eyov ÖE "tOOV Xa"taA.T):rt"tLXÖ>V "tel!; ÖLel "tÖ>V atoß-TJ"tTJQtrov ata-6-T)"tLXel!; xat "tel!; !J.EV ,;ats ata-6-T)"tLxats auyxa,;aß-€aeOL YLVO!J.Evas ataß-tlaEL!;, "tel!; öe "tats xa,;aA.T):rt"tLxats xa"taA.tl'ljJEL!;. A.€yeaß-aL öe ata-6-T)OLv xat xa,;' lillov
an
344
Fragment
330-332A
gen wir unseren Gesichtssinn in einen bestimmten Zustand und belassen ihn nicht in dem Zustand, in dem wir ihn hatten, bevor wir zu schauen begannen. Infolge dieser Veränderung erfassen wir freilich zweierlei, nämlich zum einen die Veränderung selbst, d.h. die Vorstellung, und zum anderen das, was die Veränderung hervorgerufen hat, also den sichtbaren Gegenstand. Ähnlich ist es auch bei den anderen Sinneswahrnehmungen. (163) Wie also das Licht sowohl sich selbst als auch alle Dinge in seinem Schein zeigt, so muß auch die Vorstellung, die im Erkenntnisprozeß des Lebewesens die Führungsfunktion innehat, wie das Licht sowohl sich selbst erweisen als auch dasjenige Wirkliche aufweisen, durch welches sie hervorgerufen wurde.
Denn das erste, was sinnlich wahrgenommen wird, sind die Affekte in unserem Körper, und das zweite sind die extern subsistierenden Gegenstände, welche diese Affekte hervorrufen.
Die wahren und prägnanten Vorstellungen nennen wir gewöhnlich auch die erkennenden, weil die Zustimmung zu solchen Vorstellungen eine Erkenntnis ist; als nicht erkennend bezeichnen wir demgegenüber sowohl die falsche Vorstellung als auch von den wahren Vorstellungen die undeutlichen.
Unter der erkennenden Vorstellung indes wird von ihnen [scil. den Stoikern] folgendes verstanden: Als erkennende Vorstellungen pflegten sie diejenigen Kenntnisse (Einsichten) ( gnöseis) zu bezeichnen, die sich von wirklich existierenden DingeJ;J. her in unserem Geist so, wie diese wirklich existieren, deutlich abdrücken, oder auch diejenigen, aus denen man das schließen könnte; als nicht erkennende Vorstellungen bezeichnen sie dagegen diejenigen [,Kenntnisse'], mit denen es nicht so steht, so beispielsweise diejenigen, welche aufgrundeiner bloßen Vermutung entstehen. Weiter bezeichnen sie von den erkennenden Vorstellungen die, welche durch die Sinnesorgane vermittelt sind, als sinnliche Vorstellungen, und einerseits die, welche durch sinnliche Zustimmungen entstehen, als Sinneswahrnehmungen, sowie andererseits die, welche durch erkennende Zustimmungen entstehen, als Erkenntnisse. Von einer Sinneswahrnehmung kann allerdings auch noch in einem 345
§ 2.3.2.1
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Das Scholion kommentiert den oben in Nr. 238 angeführten Lukian-Text bzw. den dortigen Hinweis auf die erkennende Vorstel-
333
332A
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Sextos Empiricus, Adv. Math. VII 248-258:
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346
Fragment
332A-333
anderen Sinn gesprochen werden; man kann mit dem Wort sowohl das Sinnesorgan als auch das Zentralorgan als auch die Erkenntnis des Zentralorgans ebenso wie die des sinnlich Wahrgenommenen bezeichnen. Undso sagen sie- gerade so, wie es eine Brauchbarkeit von Wachs oder Lehm für die Einprägungen der Siegel gibt, wenn es oder er gehörig bearbeitet ist, leicht einen Eindruck aufzunehmen vermag, der von uns ausgehende (Anpreß-)Druck gegeben ist und gewisse andere Bedingungen erfüllt sind, so gibt es aU<;h bei den sinnlichen Vorstellungen, wenn das Zentralorgan leicht einen Eindruck aufzunehmen vermag und noch viele andere Bedingungen erfüllt sind, eine Brauchbarkeit, sofern es tatsächlich zu dieser Art Eindruck kommen soll, der von dem her, was wirklich existiert, und nach dessen Maßgabe eingeprägt ist. Jung. Da diese von Lukian nach Art der Komödie karikiert wird, will der Scholiast erklären, was die Stoiker in Wirklichkeit lehrten. (Anschluß oben Nr. 273)
Erkennend ist hingegen die Vorstellung, die von etwas Bestehendem her und nach Maßgabe des Bestehenden selbst sich [in unserem Geist] abgedrückt hat und [ihm] eingesiegelt ist, wie sie von etwas nicht Bestehendem her nicht entstehen könnte. Sie verbürgen sich nämlich dafür, daß diese Vorstellung die realen Gegenstände scharf erfassen kann und deren Charakteristika allesamt mit artistischer Präzision wiedergibt, und erklären, daß sie jedes dieser Charakteristika als Merkmal besitzt. (249) Das erste davon ist, daß sie von etwas Bestehendem herstammt; viele Vorstellungen kommen uns nämlich von etwas nicht Bestehendem her an, wie das bei den Leuten im Wahn ist, und diese Vorstellungen können nicht erkennend sein. Das zweite Merkmal ist, daß sie sowohl von etwas Bestehendem her als auch nach Maßgabe des Bestehenden selbst existiert; denn wiederum stammen einige Vorstellungen zwar von etwas Bestehendem her, lassen aber nicht das Bestehende selbst aufscheinen, wie wir das wenig weiter oben für Orest in seinem Wahn gezeigt haben. Denn er bekam zwar eine Vorstellung von etwas Bestehendem her, nämlich von Elektra, aber nicht nach Maßgabe des Bestehenden selbst; er nahm nämlich an, daß sie eine der Furien sei, und als sie sich ihm näherte und eifrig bemüht war, sich um ihn zu kümmern, stieß er sie dementsprechend zurück und sagte: "Laß das! Du bist doch eine meiner Erinyen !" (Eurip., Or. 264). Auch Herakles wurde zu seiner Vorstellung von den Thebanern zwar von etwas Bestehendem her veranlaßt, aber nicht nach Maßgabe des Bestehenden selbst; denn die erkennende Vor347
§ 2.3.2.1
333 "
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348
Fragment
333
stellung muß sich ja auch nach Maßgabe des Bestehenden selbst bilden. (250) Überdies muß sie sich auch [in unserem Geist] abgedrückt haben und [ihm] eingeprägt sein, damit die Charakteristika der vorgestellten Dinge allesamt mit' artistischer Präzision dargestellt werden. (251) Denn wie die Holzschnitzer (oder auch: Bildhauer, Graveure) die Stücke, die sie vollenden, in allen ihren Teilen vergleichen, und wie die Siegelringe ihre Eigenarten immer alle exakt in das Wachs einprägen, so müssen auch diejenigen, die sich eine Erkenntnis der wirklichen Dinge bilden, auf deren sämtliche Charakteristika achten. (252) Schließlich machten sie den Zusatz "wie sie von etwas nicht Bestehendem her nicht entstehen könnte", weil die Akademiker es, anders als die Stoiker, nicht für unmöglich hielten, eine in jeder Hinsicht gleiche Vorstellung zu finden. Denn die Stoiker behaupten, daß wer die erkennende Vorstellung hat, mit artistischer Präzision die zugrundeliegende Unterscheidung in den Sachen trifft, weil eine derartige Vorstellung im Vergleich zu allen anderen Vorstellungen ebenso wie die Hörnerschlangen im Vergleich zu allen anderen Schlangen ein bestimmtes Charakteristikum von dieser Art besitzt. Im Gegensatz dazu behaupten die Akademiker, man könne eine falsche Vorstellung finden, die der erkennenden Vorstellung vollkommen ähnlich sei. (253) Aber während die älteren Stoiker erklären, eben diese erkennende Vorstellung sei das Kriterium der Wahrheit, machten die jüngeren Stoiker dazu auch den Zusatz: "wenn sie kein Hindernis hat". (254) Es gibt nämlich Fälle, in denen uns zwar eine erkennende Vorstellung ankommt, wo sie aber wegen der äußeren Umstände nicht glaubwürdig ist. Als sich beispielsweise dem Admetos Heraktes präsentierte, wie er Alkestis aus dem Grab zurückführt, da bekam Admetos zwar eine erkennende Vorstellung von Alkestis; aber er mißtraute ihr. (255) Und als Menelaos von Troja zurückkehrte und die wirkliche Helena im Hause des Proteus sah, da bekam er, nachdem er dasjenige Bild von ihr, um das der zehnjährige Krieg geführt worden war, auf dem Schiff zurückgelassen hatte, zwar eine Vorstellung, die von etwas Bestehendem her und nach Maßgabe des Bestehenden selbst sich [in seinem Geist] abgedrückt hatte und [ihm] eingesiegelt war; aber er akzeptierte sie nicht als glaubwürdig. (256) Mithin ist die erkennende Vorstellung das Kriterium [der Wahrheit], wenn sie kein Hindernis hat; diese Vorstellungen indes waren zwar erkennend, hatten aber Behinderungen. Denn Admetos argumentierte, daß Alkestis tot sei und daß, wer gestorben ist, nicht wieder aufersteht, daß aber gelegentlich gewisse Dämonen auftreten; und Menelaos hatte die Einsicht, daß er Helena unter Bewachung 349
§ 2.3.2.1
ö 'tE MEVEÄ.ao~ O'IJVEcOQa Ö'tL ä:n:oÄ.EÄ.outEV ev 'tfl Vf]L 60 (j)'IJÄ.Q't'tOJ.I.EVf]V 'tTJV 'EÄ.Evtjv, xai. O'ÖX ä:n;i:i}avov J.I.EV eo'tLV 'EÄ.EVf]V J.I.TJ dvat 'tTJV e:n;i. 'tfi~ WCi.QO'IJ E'ÖQEi}Ei:oav, <pav'taOJ.I.a Öf 'tL xai. ÖaLJ.1.6VLOV. (257) evi}fvÖE O'ÖJ(. Q:n;Ä.Öl~ XQL'tijQLOV yi:vnaL 't'ij~ CtÄ.fJi}Ei:a~ fl xa'taÄ.f]:rt'tLXTJ cpav-raoi:a, äÄ.Ä.' ö-rav J.l.fJÖev fvo'tfJJ.I.a fx.n. aihfl yaQ evaQyTJ~ o'Öoa 65 xai. :rtÄ.f]X'tLXTJ J.1.6VOV O'ÖJ(.L 'tÖlV 'tQLJ(.ÖlV, <paoi:, Ä.atJ.ßCi.vE'taL, xa'tao:n:woa fl fJ.ä~ et~ ouyxa'tai}eOLv, xai. liÄ.Ä.ou J.1.fJÖEvo~ ÖEOJ.I.EVfj Et~ 'tO 'tOLQU'tfj :7tQOO:rtL:7t'tELV '1\ d~ 'tO 'tTJV :7tQO~ 'tQ~ Ö.Ä.Ä.a~ ÖLa
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334
333 .,,., l'iv post 'EA.tVIJV ponendum putat Bekker I •• ltQOGltbttEtV N:
ltQOitilt'tElV LE; I 71 I'E'tU· au!n
Sextus Empiricus, Adv. Math. VII 401-405:
AeL:rte'tm ä.Qa 'ta~ J.I.Ev mo'ta~ 'ta~ öe ä:rti:o'tou~ ä;toüv, Ö:rtEQ oL ä:n:o 'tfi~ ~'toä~ xai. ol ä:n:o 't'ij~ 'AxaÖfJJ.I.La~ f).eyov, oL J.I.EV ä:rto 'tfi~ ~'toä~ 'ta~ xa'taÄ.fl:rt'tLXa~ cpav'taoi:a~ ä:n:oÖEJC.6J.1.EVOL, oL öe ä:n:o 't'ij~ 'AxaÖfJJ.I.La~ 'ta~ mi}ava~ elvaL Öoxouoa~. 'tO'Ü'tO ÖE xai. a'Ö'tO OXE'IjlaJ.I.EVOL~ fiJ.I.LV CtXQLßÖl~ 5 E'ÖJ(.fl tJ.äÄ.Ä.OV fOLXEV '1\ äÄ.tji}E(«;:t. ( 402) ~V yaQ Xa'taÄ.tj:rt'tLXTJ cpav'taoi:a, tva 'tL~ ä:n:o 'taU'tfl~ Ö.QJC.fJ'taL, fl ä:rto 'Öm'lQJC.OV'to~ xai. xa't' a'Ö'to 'tO 'Ö:rtclQJ(.OV eva:rtOJ.I.EJ.I.aYJ.I.EVf] xai. tva:n:EO'
350
Fragment
333-334
auf dem Schiff zurückgelassen hatte und daß es nicht unwahrscheinlich ist, daß diejenige, die er in Pharos fand, nicht Helena, sondern ein Phantom (,Wahnvorstellungsbild') und etwas Übernatürliches ist. (257) Von daher ist die erkennende Vorstellung nicht schlechthin das Kriterium der Wahrheit, sondern nur dann, wenn sie kein Hindernis hat. Denn in diesem (letzten) Fall, wo sie evident und schlagend ist, da packt sie uns - so sagen sie beinahe bei den Haaren, indem sie uns zur Zustimmung drängt, und sie benötigt keinerlei Hilfe von irgendetwas anderem, um sich uns als eine solche [d.h. erkennende] Vorstellung darzustellen beziehungsweise um ihren Unterschied gegenüber den anderen [d.h. den nicht erkennenden] Vorstellungen zur Geltung zu bringen. (258) Aus diesem Grund jagt ja auch jeder Mensch, der sich bemüht, etwas genau zu erkennen, von selbst offensichtlich nach einer derartigen Vorstellung, - so etwa im Fall der sichtbaren Dinge, wenn er (zunächst nur) eine verschwommene Vorstellung davon b.ekommt. Denn er strengt seine Augen an und geht ganz nahe an den betrachteten Gegenstand heran, wie um ihn nicht in seiner vollkommenen Gestalt zu verfehlen; er reibt sich die Augen und unternimmt überhaupt alles, bis er eine deutliche und schlagende Vorstellung des beurteilten Gegenstandes erzielt, so als sei er der Ansicht, daß eben darin die Vertrauenswürdigkeit der Erkenntnis liege. (Fortsetzung unten Nr. 354)
Es bleibt also übrig zu behaupten, daß die Vorstellungen teils vertrauenswürdig, anderenteils nicht vertrauenswürdig sind, wie das die Stoiker und die Akademiker erklärt haben, wobei die Stoiker die erkennenden Vorstellungen annahmen und die Akademiker diejenigen, die glaubhaft scheinen. Aber wenn wir auch dies genau untersuchen, dann scheint es mehr einem frommen Wunsch als der Wahrheit zu gleichen. (402) Denn die erkennende Vorstellung - um damit zu beginnen - wäre diejenige, welche von etwas Bestehendem her und nach Maßgabe des Bestehenden selbst sich [in unserem Geist] abgedrückt hat und [ihm] eingesiegelt ist, wie sie von etwas nicht Bestehendem her nicht entstehen könnte. Was den ersten Teil dieser Definition angeht, sagen die Leute um Karneades, sie würden den Stoikern zustimmen; unannehmbar sei für sie aber die Klausel "wie sie von etwas nicht Bestehendem her nicht entstehen könnte". Denn von nicht Bestehendem her entstehen ebenso Vorstellungen wie von Bestehendem her. (403) Ein Beleg fUr die Ununterscheidbarkeit sei der Umstand, daß diese Vorstellungen für
351
§ 2.3.2.1
tvaeyei<; xal. 3tATJX'tLXU<; E'ÖQLOXEOßaL, 'tO'Ü ÖE tlt' toT]<; 15 ltATJX'tLxuc; xal. tvaeyeic; elvm 'to 'tue; äxoA.oußouc; ltQa~etc; tm~euyvuoßm •... (405) d o-öv xa'taATJlt'tLxa( 'tLVE<; ei.OL q>av'tao(m Jtae6oov Eltayov'tm t')l.t.ä.c; etc; ouyxa'taßeatv xal. el.c; 'tO 'tTJV äx6A.oußov a'Ö'taic; ltQÖ.~LV ouvalt'tELV, tJtel. xal. 'ljleuöeic; 'tOLa'Ü'taL ltEq>fJvaOL, A.ex'teov ältaeaA.A.ax'touc; 20 elvm 'taic; xa'taATJlt'tLXaic; q>av'taoi:mc; 'tU<; äxa'taA.fJ3t'touc;.
335
Sextus Empiricus, Pyrrh. Hypot. ill 241sq.:
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336
334 " toD Bekkcr post Hervelum: t6 G 335 ' {~116} secl. Mutsch-
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336 1 ii (ts) Heintz, Hülscr: t) G, Mutschmann
Sextos Empiricus, Adv. Math. XI 183:
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352
Fragment
334-336
gleich evident und schlagend befunden werden; und ein Beleg dafür, daß sie gleich schlagend und evident sind, sei der Umstand, daß damit die Handlungen verknüpft sind, die sich aus ihnen ergeben .... (405) Wenn also bestimmte Vorstellungen erkennend sind, insofern sie uns dazu veranlassen, ihnen zuzustimmen und die Handlungen anzuschließen, die sich aus ihnen ergeben, dann ist zu sagen: weil auch falsche Vorstellungen aufgetaucht sind, die diese Eigenschaften besitzen, sind die nichterkennenden Vorstellungen von den erkennenden nicht zu unterscheiden. (Anschluß unten Nr. 378)
Die erkennende Vorstellung ist jedoch unauffindbar. Denn weder ist jede Vorstellung erkennend, noch läßt sich unter den Vorstellungen die erkennende Vorstellung als eine in bestimmter Weise beschaffene Vorstellung ermitteln. Denn wir können nicht für jede Vorstellung auf einfache Weise entscheiden, welche Vorstellung erkennend ist und welche nicht; und wenn wir, um im Einzelfall zu ermitteln, welche Vorstellung die erkennende Vorstellung ist, eine erkennende Vorstellung benötigen, geraten wir in einen unendlichen Regreß; um nämlich die als erkennend angenommene Vorstellung zu ermitteln, verlangen wir eine weitere erkennende Vorstellung. (242) In diesem Punkt verfahren freilich auch die Stoiker bei der Erklärung des Begriffs der erkennenden Vorstellung nicht korrekt. Denn indem sie einerseits sagen, eine erkennende Vorstellung sei diejenige, die von etwas Bestehendem her entsteht, und andererseits erklären, das Bestehende sei dasjenige, was in der Lage ist, eine erkennende Vorstellung anzuregen, geraten sie in die aporetische Argumentationsform der Diallele (des Argumentationszirkels).
Zudem: Die erkennende Vorstellung wird nach den Stoikern darauf hin, daß sie erkennend ist, dadurch beurteilt, daß sie von etwas Bestehendem her und nach Maßgabe des Bestehenden selbst [in unserem Geist] abgedrückt und [ihm] eingesiegelt existiert. Und das Bestehende wird darauf hin, daß es besteht, aufgrunddes Umstandes eingeschätzt, daß es die erkennende Vorstellung anregt. Wenn aber zwecks einer Beurteilung der erkennenden Vorstellung das Bestehende ermittelt sein muß und zu dessen Erkenntnis andererseits die erkennende Vorstellung sicher sein muß und wenn beide wegen des jeweils anderen kein Vertrauen verdienen, dann ist die
353
§ 2.3.2.1
oiJOTJS 'tfiS Xa'tUATJ3t'tLXfjc; tpUV'tUOLUS ciVaLQEL'taL xal. 'I') 10 'tEXVTJ, ouO'tTJI.I.U o-üoa €x xa'taA.fJ'Ijleoov.
337
Cicero, Acad. pr. 24,77:
... visa est Arcesilae curn vera sententia turn honesta et digna sapienti; quaesivit de Zenone fortasse quid futurum esset si nec percipere quicquam posset sapiens nec opinari sapientis esset. ille credo nihil opinaturum, quoniam esset quod percipi posset. quid ergo id esset. ,visum' credo. ,quale igitur visurn?' 5 turn illum ita definisse: ex eo quod esset sicut esset inpressum et signaturn et efficturn. post requisiturn etiamne si eius modi esset visurn verum quale vel falsum. hic Zenonem vidisse acute nullum esse visum quod percipi posset, si id tale esset ab eo quod est cuius modi ab eo quod non est posset esse. recte 10 consensit Arcesilas ad definitionem additum, neque enim falsum percipi posse neque verum si esset tale quale vel falsum; incubuit autem in eas disputationes ut doceret nullum tale esse visum a vero ut non eiusdem modi etiam a falso possit esse. 15
338
33 7 ' opillarurum ed. Ascensiana 1521 : -rur A VB I 7 e.fficrwn Manutius: -feerum A VB I eriamne si F 2 : eriam nisi A VB I 10 cuius Plasberg: eius AV 1 B: ur eius V2 : ur eiusdem Davisius
Augustinus, Contra Academicos II 5,11:
Sed verum non posse comprehendi ex illa Stoici Zenonis definitione arripuisse videbantur (sc. Academici), qui ait id verum percipi posse, quod ita esset animo inpressum ex eo, unde esset, ut esse non posset ex eo, unde non esset. Quod brevius planiusque sie dicitur, his signis verum posse comprehendi, quae signa non potest habere quod falsum est.
354
5
Fragment
336-338
erkennende Vorstellung unbegreiflich, .so daß auch die Wissenschaft aufgehoben wird, die ein System aus Erkenntnissen ist .
. . . Arkesilaos hielt die Ansicht für wahr, und sie schien ihm auch für den Weisen ehrenhaft und seiner würdig zu sein. Vielleicht stellte erZenon die Frage, was sich wohl ergeben würde, wenn der Weise nicht in der Lage wäre, etwas zu erkennen, und wenn es auch nicht Sache des Weisen wäre, Meinungen zu haben. Ich glaube, Zenon hätte darauf geantwortet, daß der Weise deshalb keine Meinungen entwickeln werde, weil es etwas gebe, was erkannt werden könne. Was also wäre das? "Eine Vorstellung", denke ich. "Welche Art Vorstellung denn?" Daraufhin hätte Zenon sicherlich so definiert: diejenige Vorstellung, die von dem her, was existiert, und so, wie es existiert, [unserem Geist] eingeprägt, [in ihm] abgebildet und ausgestaltet ist. Daraufhin ergäbe sich die Frage, ob dies etwa auch dann gelte, wenn es eine wahre Vorstellung von eben der Beschaffenheit geben sollte, die auch eine falsche Vorstellung aufweist. An dieser Stelle hätte Zenon gewiß genau gesehen, daß es sich auf keinen Fall um eine Vorstellung handelt, die erkannt werden könnte, wenn die Vorstellung von etwas Bestehendem her eine Beschaffenheit aufweisen sollte, die sie in derselben Art von etwas nicht Bestehendem her haben könnte. Arkesilaos pflichtete bei, daß diese Ergänzung zu der Definition korrekt sei; denn weder könne eine falsche Vorstellung erkannt werden noch eine wahre, wenn sie so beschaffen wäre, wie auch eine falsche beschaffen sein könnte; aber er trieb diese Diskussionen weiter, um zu zeigen, daß keine Vorstellung von etwas Wahrem so beschaffen ist, daß nicht auch eine Vorstellung von etwas Falschem von derselben Art sein könnte.
Die These aber, daß das Wahre nicht erkannt werden könne, haben sie [scil. die Akademiker] anscheinend aus der Definition des Stoikers Zenon herausgepreßt, der sagt, daß dasjenige als wahr erfaßt werden könne, was von dem, woher es stammt, dem Geist so eingeprägt ist, wie das nicht von dem her sein könnte, von dem es nicht stammt. Kürzer und klarer sagt man das so: das Wahre kann durch diejenigen Zeichen erkannt werden, die das, was falsch ist, nicht haben kann.
355
§ 2.3.2.1
339
Cicero, Acad. pr. 35,113:
Quaero enim quid sit quod conprendi possit. respondet mihi non Aristoteles aut Theophrastus, ne Xenocrates quidem aut Polemo, sed hi minores, tale verum quale falsulil. esse non possit. nihil eius modi invenio: itaque incognito nimirum adsentiar id est opinabor. hoc mihi et Peripatetici et vetus Academia concedit, vos negatis, Antiochus in primis. qui me valde movet, vel quod amavi hominem sicut ille me, vel quod ita iudico, politissimum et acutissimum omnium nostrae memoriae philosophorum. A quo primum quaero, quo tandem modo sit eius Academiae cuius esse se profiteatur. ut omittam alia, haec duo de quibus agitur quis umquam dixit aut veteris Academiae aut Peripateticorum, vel id solum percipi posse quod esset verum tale quale falsum esse non posset, vel sapientem nihil opinari: certo nemo. horum neutrum ante Zenonem magno opere defensum est; egotarnen utrumque verum puto, nec dico temporis causa, sed ita plane probo.
340
Cicero, De fin. bon. et mal. V 26,76:
.Nihil enim est aliud, quam ob rem mihi percipi nihil posse videatur, nisi quod percipiendi vis ita definitur a Stoicis, ut negent quicquam posse percipi nisi tale verum, quale falsum esse non possit.
341
Augustinus, Contra Academicos m 9,18:
Sed videamus quid ait Zeno: tale scilicet visum comprehendi et percipi posse, quale cum falso non haberet signa communia. 2 ne Aldina: nec ANB I' hi Plasbcrg: mihi A 1 NB: del. A 3 I minores A 1 : -rem NB: minor est A 1 I' incogniro A 2 : -lio A 1 NB I nimirum Lambinus 1566: nem. A 1 NB: nec m. A 3
339
356
5
10
15
Fragment
339-341
Meine Frage ist ja, was es gibt, das erkannt werden kann. Die Antwort darauf geben mir nicht Aristoteles oder Theophrast und gewiß nicht Xenokrates oder Polemon, sondern diese jüngeren (geringeren?) Männer: das Wahre ist von einer solchen Beschaffenheit, wie sie etwas Falsches nicht haben kann. Ich finde nichts Derartiges; infolgedessen werde ich zweifellos etwas nicht Erkanntem zustimmen, d.h. ich werde Meinungen haben. Die Peripatetiker und die alte Akademie geben mir das zu; ihr dagegen bestreitet es, allen voran Antiochos. Er hat großen Einfluß auf mich, entweder weil ich diesen Mann ebenso gern hatte wie er mich oder weil ich ihn für den gebildetsten und scharfsinnigsten aller Philosophen unserer Zeit ansehe. Als erstes stelle ich ihm die Frage, wieso er denn zur Akademie gehöre, zu der zu gehören er bekenne. Wer von der alten Akademie oder von den Peripatetikern hat - um andere Punkte beiseite zu lassen - je diese beiden Aussagen gemacht, um die es hier geht, daß nämlich allein das erkannt werden könne, was wahr und dabei von solcher Beschaffenheit ist, wie sie etwas Falsches nicht haben kann, oder daß der Weise keine Meinungen hat? Sicherlich niemand. Keine dieser Aussagen wurde vor Zenon mit Nachdruck vertreten; gleichwohl halte ich siebeidefür wahr und sage das nicht, weil es zur Situation paßt; vielmehrpflichteich dem ausdrücklich bei.
Denn dafür, daß ich es für unmöglich halte, daß man etwas erkennen kann, habe ich keinen anderen Grund als nur den, daß das Vermögen zu erkennen von den Stoikern so definiert wird, daß sie bestreiten, daß irgendetwas anderes erkannt werden könne als allein nur das, was wahr und dabei von solcher Beschaffenheit ist, wie sie etwas Falsches nicht haben kann.
Aber laßt uns sehen, was Zenon sagt, nämlich daß diejenige Vorstellung erfaßt und erkannt werden könne, die mit dem Falschen keine Zeichen gemeinsam hat.
357
§ 2.3.2.2
2.3.2.2 Sinneswahrnehmung und Vorbegriffe Siehe auch oben Nr. 291, 292-297, 303-309.
342
Sextos Empiricos, Adv. Math. VII 34-37:
IIoA.A.ax; öi) A.qo~J.tvou toü XQL't'I'JQ(ou, 3tQÖXELtaL miA.tv to oxtxtEot}m 3tQO'I'JYOUIJ.EVOJS !J.EV 3tEQL toü A.oytxoü xat 3tUQU tot; (jJLAOOÖv xatu tov ßi:ov. (35) xaQEO'tL !J.EVtOL xat to A.oytxov toüto iJxoÖLaLQEiot}m, Myovta; 'tO IJ.EV 'tL dvm XQL'tijQLOV Uv ßaQEOJV xat XOVv ÖA'Y)t}v XQOELQ'I'J !J.Evwv ÖQyavwv f} 3tQooßoA.i) tf); <pavtaoi:a;, xat}' i')v ö ä.vt}Qwxo; tmßaAA.EtaL XQLVELV.
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5
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10
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343 ' ltQO
Soda s.v. Peri prolepseös, Vol. IV p. 212 Adler:
'0 ÖE XQiloLxxo; tv tcp Lß' OLV xat 3tQOA'I'J'IjJLV. fon ÖE 3tQ6AT]'IjJLS hvoLa v xat}6A.ou. Hier handelt es sich wieder um eine der Dubletten zum DioklesFragment, die in bezug auf die Stoa keinen selbständigen Quellenwert haben (vgl. oben S. LX Anm. 8). Wenn man den Text wegen des immanenten Widerspruchs korrigieren und dies nicht so sehr
358
15
20
Fragment
342-343
Da nun der Terminus "Kriterium" in vielerlei Sinn verwendet wird, bietet es sich wiederum an, zuerst das logische Kriterium zu untersuchen, auf dem die Philosophen herumreiten, und anschließend auch jedes der Alltagskriterien zu erörtern. (35) Freilich kann man dieses logische Kriterium ebenfalls unterteilen und sagen, das Kriterium sei in einer seiner Formen der Benutzer, in einer anderen Form das Instrument und in einer dritten Form etwa die Anwendung und der Zustand. Der Benutzer ist beispielsweise ein Mensch, das Instrument etwa die Sinneswahrnehmung und das dritte z.B. die Anwendung der Vorstellung. (36) Denn so, wie bei der Prüfung schwerer und leichter Gegenstände drei Kriterien im Spiel sind, nämlich der Wiegemeister, die Waage und die Feststellung der Wiegeanzeige, wobei der Wiegemeister das Benutzer-Kriterium, die Waage das Instrumenten-Kriterium und die Feststellung der Wiegeanzeige das Zustands-Kriterium ist, und so, wie zur Trennung gerader und gekrümmter Gegenstände ein Werkmeister, ein Maßstab und die Anwendung dieses Maßstabs erforderlich ist, auf dieselbe Weise benötigen wir auch in der Philosophie zur Bestimmung des Wahren und des Falschen die drei Kriterien, die wir eben genannt haben. (37) Dabei entspricht dem Wiegemeister oder dem Baumeister der Mensch, von dem das Urteil gefällt wird. Der Waage und dem Maßstab entsprechen die Sinneswahrnehmung und der Verstand; sie bilden das Instrument, durch welches das Urteilsergebnis zustandekommt Und dem Zustand der genannten Werkzeuge entspricht die Anwendung der Vorstellung, derzufolge sich der Mensch daran macht, ein Urteil zu fällen. ~Nr.
255: §54.
Und Chrysipp sagt in der 12. Erörterung zur Physik, daß es zwei Kriterien gibt, Sinneswahrnehmung, Kenntnis und Vorbegriff. Ein Vorbegriff ist ein natürlicher Begriff der allgemeinen Eigenschaften eines Gegenstandes. im Hinblick auf die ursprüngliche Lesart der Suda selbst als vielmehr im Hinblick auf Chrysipp tun will, ist mit BBRNHARDY das zweite der aufgezählten drei Kriterien zu streichen.
359
§ 2.3.2.2
344
Cicero, De nat. deor. II 59,147sq.:
Quanta vero illa sunt, quae vos Academici infirmatis et tollitis, quod et sensibus et animo ea quae extra sunt percipimus atque conprendimus; (148) ex quibus conlatis inter se et conparatis artes quoque efficimus partim ad usum vitae partim ad oblectationem necessarias.
345
Plutarchus, De Stoic. repugn. 17, 1041E:
Tov :ltEQL ayai:}ci>v xai. xaxci>v Myov, öv airto; etaciyEL Xai. ÖOXLj.La~EL, OUj.Lq>OlV6'ta'tOV elvai: q>TJOL 'tcp ßi:cp XQL j.LUÄ.LO'ta 'tÖ>V tj.Lq>U'tOlV Ö.:rt'tEOi:}QL 1tQOÄ.i)'ljiEOlV. 'tUU'tL j'QQ tv 'tcp 'tQL'tq> 'tÖ>V ßQO'tQE:It'tLXÖ>V E[QT)XEV.
346
Cicero, Acad. pr. 7,21sq.:
Atqui qualia sunt haec quae sensibus percipi dicimus talia secuntur ea quae non sensibus ipsis percipi dicuntur sed quodam modo sensibus, ut haec: ,illud est album, hoc dulce, canorum illud, hoc bene olens, hoc asperum': animo iam haec tenemus conprehensa non sensibus. ,ille' deinceps ,equus est, ille canis'. cetera series deinde sequitur maiora nectens, ut haec quae quasi expletam rerum conprehensionem amplectuntur: ,si homo est, animalest mortale rationis particeps'. Quo e genere nobis notitiae rerum inprimuntur, sine quibus nec intellegi quicquam nec quaeri (nec) disputari potest. (22) quod si essent falsae notitiae (tvvoiac; enim notitias appellare tu videbare) - si igitur essent eae falsae aut eius modi visis inpressae qualia visa a falsis discerni non possent, quo tandem bis modo uteremur, quo modo autem quid cuique rei consentaneum esset quid repugnaret videremus? Memoriae quidem certe, quae non modo philosophiam sed omnis vitae usum omnesque artes una maxime continet, nihil omnino loci relinquitur. quae potest enim esse memoria fal346
10
(nec) add. Plas-
bcrg: disputari(ve) A 1 B1 : (aut) disp. V 1
360
5
10
15
Fragment
344-346
Wie wichtig ist doch gerade das, was ihr Akademiker aushöhlt und leugnet, nämlich daß wir die Dinge außerhalb unserer selbst sowohl mit den Sinnen als auch mit dem Geist begreifen und erkennen; (148) denn dadurch, daß wir sie untereinander abwägen und vergleichen, entwickeln wir auch die Wissenschaften, die teils für die Bedürfnisse des Lebens notwendig und teils zu unserem Vergnügen unentbehrlich sind.
Er [scil. Chrysipp] behauptet, daß die Lehre von den Gütern und den Übeln, die er selbst einführt und gutheißt, bestens mit dem Leben zusammenstimmt und insbesondere an die von der Natur eingepflanzten Vorbegriffe anknüpft. Das nämlich hat er im dritten Buch der ,Protreptischen Reden' gesagt.
Aber von welcher Beschaffenheit das ist, von dem wir sagen, es werde durch die Sinne erkannt, von solcher Beschaffenheit muß dann auch das sein, von dem man. sagt, es werde nicht durch die Sinne erkannt, sondern nur in gewisser Weise durch die Sinne, so z.B. die folgenden Sachen: "Jenes ist weiß, dieses süß, das melodisch, dies wohlriechend, das rauh". Diese Erkenntnisse fassen wir nämlich bereits mit dem Geist und nicht (bloß) mit den Sinnen. Dann: "Das ist ein Pferd, das ein Hund". Darauf folgt die restliche Serie, die umfassendere Erkenntnisse verkettet, etwa die folgenden, die sozusagen die vollständige Erkenntnis der Dinge enthalten: "Wenn etwas ein Mensch ist, dann ist es ein sterbliches, der Vernunft teilhaftiges Lebewesen". Aus dieser Klasse von Erkenntnissen prägen sich uns die Begriffe ein, ohne die es nicht möglich ist, irgendetwas einzusehen, zu erforschen oder zu diskutieren. (22) Denn wenn die Begriffe falsch wären (mit ,notitiae / Begriffe' übersetzt du ja anscheinend [das griechische] ,ennoiai'), - wenn sie also falsch wären oder wenn sie durch Vorstellungen von solcher Art eingeprägt wären, daß sie von falschen Vorstellungen nicht unterschieden werden könnten, wie könnten wir mit diesen Begriffen dann zurechtkommen, und wie könnten wir überdies sehen, was mit jeder beliebigen Sache im Einklang steht und was inkonsistent ist? Sicherlich würde überhaupt kein Platz für das Gedächtnis übrigbleiben, auf dem als einzigem nicht nur die Philosophie prinzipiell beruht, sondern auch die Praxis des gesamten Lebens und alle Wissenschaften. Denn ein Gedächtnis von Falschem, - was
361
§ 2.3.2.2-2.3.2.3
sorum, aut quid quisquam meminit quod non animo conprehendit et tenet? Ars vero quae potest esse nisi quae non ex una aut duabus sed ex multis animi perceptionibus constat? quam si subtraxeris, qui distingues artificem ab inscio: non enim fortuito hunc artificem dicemus esse illum negabimus, sed cum alterum percepta et conprehensa tenere videmus alterum non item. . . .
20
25
Am Anfang dieses Abschnitts argumentiert Cicero offenbar noch unter dem Eindruck einer platonischen Fragestellung; vgl. insbe-
2.3.2~3
Allgemeine Begriffe
Daß die allgemeinen Begriffe im Verständnis der Stoiker Wahrheitskriterien sind - und in welchem Sinne, das geht am klarsten aus den bereits oben in Nr. 310 zitierten Ausführungen des Alexander von Aphrodisias hervor. Dieser Passus ist daher auch für den jetzigen Paragraphen der wichtigste Text. Darüber hinaus vergleiche man auch Nr. 311-314 sowie
347
Augustinus, De civ. Dei VIll 7:
Quod autem adtinet ad doctrinam, ubi versatur pars altera, quae ab eis logica, id est rationalis, vocatur: absit ut his comparandi videantur, qui posuerunt iudicium veritatis in sensibus corporis eorumque infidis et fallacibus regulis omnia, quae discuntur, metienda esse censuerunt, ut Epicurei et quicumque alii tales, ut etiam ipsi Stoici, qui cum vehementer amaverint sollertiam disputandi, quam dialecticam nominant, a corporis sensibus eam ducendam putarunt, hinc asseverantes animum concipere notiones, quas appellant tvvoiac;, earum rerum scilicet quas definiendo explicant; hinc propagari adque conecti totam discendi docendique rationem.
348 346
21
aut A 2 B: et A'V
Cicero, De fin. bon. et mal. 111 22,74:
Sed iam sentio me esse longius provectum, quam proposita 362
5
to
Fragment
346-348
kann das sein, oder was kann irgendjemand im Gedächtnis behalten, was er nicht mit seinem Geist erkennt und festhält? Und eine Wissenschaft, was kann die sein, wenn nicht eine, die nicht aus einer oder zwei, die vielmehr aus vielen Erkenntnissen des Geistes besteht? Und wenn du die Wissenschaft abziehst, wie willst du dann den Fachkundigen (Wissenschaftler) vom Unwissenden unterscheiden? Denn wir werden doch nicht nach Zufallskriterien behaupten, dieser sei fachkundig, und das für jenen bestreiten, sondern deshalb, weil wir sehen, wie der eine die Einsichten (Theoreme) und Erkenntnisse festhält und wie das bei dem anderen nicht so ist! ... sondere Plato, Theaet. 183d-18Se- und im übrigen die Hinweise, die weiter unten dem Text Nr. 442 vorausgeschickt sind.
Nr. 346. Die nachfolgend zusammengestellten Texte sind weniger einschlägig, da sie nicht ausdrü~klich von allgemeinen Begriffen als Wahrheitskriterien sprechen. Ihre Einordnung beruht vielmehr auf inhaltlichen Erwägungen unterschiedlicher Art und Qualität.
Was nun die Lehre im zweiten Teil [der Philosophie] angeht, den man als Logik, d.h. als Vernunftlehre bezeichnet, so sei es mir ferne zu meinen, mit ihnen [scil. den Platonikern] seien diejenigen zu vergleichen, die das Kriterium der Wahrheit in die Sinne unseres Körpers verlegt haben und die Auffassung vertraten, alles, was man lernt, sei an deren unzuverlässigen und trügerischen Maßstäben zu messen, wie dies die Epikureer und manche andere Leute wie sie lehrten und wie das sogar auch die Stoiker taten, die zwar die von ihnen als Dialektik bezeichnete Kunstfertigkeit des Disputierens über die Maßen liebten und dennoch glaubten, sie sei von den Sinnen unseres Körpers herzuleiten; sie versicherten nämlich, von daher empfange der Geist die von ihnen als ennoiai bezeichneten Begriffe derjenigen Dinge, die sie- dies versteht sich- durch Definitionen erläutern; und von daher nehme das gesamte System des Lebrens und Lernens seinen Ausgang und werde es zusammengehalten.
Allerdings merke ich, daß ich schon weiter gegangen bin, als es die ursprüng363
§ 2.3.2.3
ratio postularet. verurn admirabilis cornpositio disciplinae incredibilisque rerum rne traxit ordo; quem, per deos inmortales! nonne miraris? quid enirn aut in natura, qua nihil est aptius, nihil descriptius, aut in operibus rnanu factis tarn cornpositurn tarnque cornpactum et coagmentatum inveniri potest? quid posterius priori non convenit? quid sequitur, quod non respondeat superiori? quid non sie aliud ex alio nectitur, ut, si ullarn litterarn rnoveris, labent ornnia? nec tarnen quicquarn est, quod rnoveri possit.
5
10
Cato stellt hier den Systemcharakter der stoischen Philosophie heraus. Cicero geht darauf später ein und meint, daß seine Kritiken das gesamte stoische Lehrgebäude zum Einsturz bringen, wenn
349
Pbilodemus, De rhetorica VII; Pap. Hercul. 1004 col. XLII,12-16; Vol. I p. 343 Sudhaus:
Post Diogenem Babyionium (?): ou(ö]e[v oiJ]"tro~ ~cr"tl.v 3tEL-I [cr]"tLX[ov ci>]~ al..ij(ß]ELa I xal. t1 [3tEQL "tci>]v 3tQUY!J.~ 15 "trov [ Ö.tJ.E]"ta[n"tro]"to~ ~~3tELQ[L]a.
350
348 • coagmentatum ed. princ. Colon.: cocicm. A: cocioriJtatü R: coaugmentatum BEN: coagum. V I • ut si "aliquis apud Bentley 1718" (Madvig ap. Schiehe): ut non si ADERN: aut non si V 350 1 1t. (~oD) dA. Mutschmann: "· .U.. N: .U.'lll
Sextos Empiricus, Adv. Math. VIII 4-11:
Tci>v yag OXE'IjJUIJ.EV(J)V 3tEQL ("toii) ai..T)ß-Oii~ oi. !J.EV oUöev Etvai: q>amv ai..T)ß-E~ oi. ÖE EtVaL, xal. "tci>V flvm q>UIJ.EVrov o[ IJ.EV IJ.OVa ~I..E!;av Ö.I..TJßii EtVaL "ta VOT)"tU, oi. ÖE tJ.ÖVa "tCl ai.crß-T)"ta, oi. ÖE XOLVci>~ "ta atcrß-T)"tU "tE xal. VOT)"tU. . •. (10) oi. ÖE cl3t0 "tij~ ~"tOÖ.~ J..EyoucrL !J.EV "tci>V "tE ai.crß-T)"tci>V 5 "tLVCl xal. "tci>V VOT)"tci>V ai..T)ß-ij, oux ~!; EUß-ELa~ ÖE "ta atcrß-T)"tU, ai..J..a Xa"t' avaq>OQClV "tTJV ci>~ ~3tl. "tCl 3tUQUXELIJ.EVa "tOU"tOL~ VOTJ"tU. ai..T)ß-E~ yag ~(J"tL xa"t' au"tOU~ "tO imagxov xal. clV"tLXELIJ.EVÖV "tLVL, xal. 'ljJEÜÖO~ "tO IJ.TJ fJ3tUQ')(;OV xal. {tJ.TJ} clV"tLXELIJ.EVÖV "tLVL. Ö3tEQ ami>tJ.U"tOV a!;LrotJ.a xaß-EO"tOO~ 10 ' T VOTJ"tOV ELVUL.
(11) 'All' fJ IJ.EV 3tQW"tT) 3tEQl. "tL~ 'Ö3ti')Q')(;EV.
364
"tai..Ttß-oii~ ÖLaq>rov(a "tOLUU"tT)
Fragment
348-3 50
liehe Absicht erforderte. Doch der faszinierende Aufbau der Lehre und die unglaubliche Ordnung des Stoffes hat mich hingerissen. Und bei Gott, staunst nicht auch du darüber? Denn nichts ist besser gefügt, nichts besser gegliedert als die Natur; aber wo in der Natur oder wo in all dem, was von Menschenhand geschaffen ist, fände sich eine solch harmonische Ordnung und Zusammenfügung von Teil und Ganzem? Gibt es eine Folgerung, die dem vorhergehenden nicht entspräche? Wo wäre eins ans andere nicht so angeknüpft, daß alles ins Wanken käme, wenn man auch nur einen einzigen Buchstaben verschieben würde? Doch gibt es nichts, was man verschieben könnte. dieses wirklich die vollkommene innere Konsistenz besitzt, die dafür beansprucht wird: De fm. bon. et mal. IV 19,53.
Nach Diogenes von Babyion (?):Nichts kann so gut überzeugen wie Wahrheit
und die unumstößliche Erfahrung mit den Sachen.
Denn von denen, die Forschungen über das Wahre angestellt haben, behaupten die einen, daß es nichts Wahres gebe, und die anderen, daß es solches gebe. Und von denen, die behaupten, daß es Wahres gebe, sagten die einen, daß allein das Intelligible wahr sei, die anderen, daß allein das sinnlich Wahrnehmbare wahr sei, und wieder andere, daß gleichermaßen sowohl das sinnlich Wahrnehmbare als auch das Intelligible wahr sei .... (10) Die Stoiker indes sagen ~ar, daß sowohl einiges sinnlich Wahrnehmbare als auch einiges Intelligible wahr sei; jedoch sei das sinnlich Wahrnehmbare nicht unmittelbar wahr, sondern aufgrundder Beziehung zu dem Intelligiblen, welches damit verbunden ist. Nach ihnen ist nämlich das das Wahre, was existiert und im kontradiktorischen Gegensatz zu etwas steht, und das das Falsche, was nicht existiert und im kontradiktorischen Gegensatz zu etwas steht; es hat ja seinen Bestand in einer unkörperlichen Aussage und ist daher etwas Intelligibles. (11) Das also war die erste Differenz der Lehrmeinungen über das Wahre. (Fortsetzung oben Nr. 67)
365
§ 2.3.3
2.3.3 Verteidigungen gegen die Skeptiker Gerade über ihre Erkenntnislehre standen die Stoiker in ständiger Auseinandersetzung mit den verschiedenen skeptischen Schulrichtungen ihrer Zeit. Aus den vielfältigen Diskussionen haben sie einerseits (wie ihre Gegner) selbst allerlei gelernt und ihre Positionen entsprechend fortentwickelt, wie das aus den anderen Paragraphen dieses Kapitels zu ersehen ist. Aber andererseits haben sie auf die skeptische Kritik auch mit Gegenkritik geantwortet; und es ist dieser Aspekt ihrer Verteidigungen gegen die Skeptiker, zu dem hier einige Texte zusammengestellt sind, in denen er eine verhältnismäßig ausgeprägte Rolle spielt oder sogar dominiert. Daß die stoische Gegenkritik darüber hinaus auch in manchen anderen Texten anzutreffen ist, versteht sich. Erinnert sei jedoch nur an den Text
351
351
2 tOUtcp Xg: OÜtOl rell. I ' xatat&tXi~&tv Cherniss: xataonx!~&tv Xgdvz: xataototx. rell.: xatnof!'n1..!~&1 v Pohlenz: 'Cii tv nutij atotX&toOv, xai xatacrtotxi~&tv Bourgeaud et Roussel (Rev. Etades Greques 82, 1969, p. 71 sqq.) I 12 litoTtot; Xg: ätoTtov rell. I " o!6~t vot; Xg: o!o~tvout; rell. I " xnxoßvtnt; Xg: -vtn rell. I 17 61..iyott; Meziriac: 1..6yott; codd.
Plutarchus, De Stoic. repugn. 10, 1035F-1037C:
To :ItQO~ 'tävav'ti:a Ötai..tyEoßm xaß6A.o'U JLEV o'Ü
366
Fragment
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Nr. 139, wo Ariston einem Akademiker antwortet. Die Geschichte läßt besonders deutlich erkennen, daß die Stoiker bei ihren Verteidigungen gegen die Skeptiker nicht immer zwischen einer Argumentation zugunsten des Erkenntnisvermögens überhaupt und einer Argumentation zugunsten ihrer eigenen Deutung dieses Vermögens unterscheiden; vielmehr unterstellen sie oft, daß die Skepsis sich notgedrungen gegen beides zugleich richte. Diese Art der Nichtunterscheidung findet sich also auch im folgenden. Doch ist sie in den positiven Darlegungen der Stoiker ebenfalls wirksam; man vergleiche etwa die Texte zur erkennenden Vorstellung (Nr. 329-341).
Er [scil. Chrysipp] sagt, daß er die Praxis, bei einer Frage zu den entgegengesetzten Positionen zu diskutieren, nicht rundweg verurteilt; er empfiehlt aber, sich ihrer ebenso wie vor Gericht mit Vorsicht zu bedienen und mit diesem Verfahren die Gegensätze nicht zu verteidigen, sondern ihre Plausibilität aufzulösen. "Denn diese Praxis kommt", so sagt er, "zwar denen zustatten, die in allen Dingen Urteilsenthaltung betreiben, und sie unterstützt ihre Absicht. Aber denen, die sich Wissen erarbeiten, nach dem wir.einverständlich leben möchten, hilft diese Praxis im Gegenteil dazu, die Schüler in die Anfangsgründe einzuweisen und sie vom Anfang bis zum Ende mit Schutzmauern auszurüsten, nämlich dadurch, daß sie da, wo sich die Gelegenheit bietet, auch die Argumente zu den entgegengesetzten Positionen zu erwähnen, die Plausibilität dieser Positionen gerade so auflösen, wie man das auch vor Gericht tut." Genau das hat er wörtlich gesagt. Nun wurde ihm bereits in anderen Schriften entgegnet, daß es abwegig ist, wenn er glaubt, die Philosophen hätten es nötig, das Argument zu den entgegengesetzten Positionen aufzustellen und dies nicht zur Verteidigung zu tun, es vielmehr wie die Rechtsanwälte zu malträtieren, so, als stritten sie nicht über die Wahrheit, sondern um den Sieg. Aber daß Chrysipp selbst an nicht wenigen, sondern an vielen Stellen die Argumente für die Gegenpositionen zu dem, was er für richtig hält, kraftvoll entwickelt hat und daß er dies mit solchem Eifer und so großer Begeisterung tat, daß es nicht jedermanns Sache ist, Chrysipps eigene Ansicht zu erkennen, das ist es wohl, was die Stoiker selbst meinen, wenn sie die Genialität dieses Mannes bewundern und glauben, daß Karneades nichts Eigenes sage, sondern von dem ausgehe, was Chrysipp begr:ündet hat, und dessen Argumente dadurch an367
§ 2.3.3 Xgilm:rt:rto~ Ei.~ 'to'Övav't(ov ÖQJ.Lc.OJ.LEVOV ~:ltL'tLßEoi}at 'toi~ A.Oym~ a'Ö'to'Ü xal. :rtoA.M.xL~ :rtagmpßeyyEoi}at
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greife, daß er sich auf den gegenteiligen Standpunkt stelle, und daß er oft den Vers "Unseliger, dein Ungestüm wird dich vernichten!" (Il. 6, 407) zitiert habe, so, als gebe er denen, die seine Lehren ins Wanken bringen wollen, gewaltige Mittel gegen sich selbst an die Hand. Und angesichts der Publikationen "Gegen die Alltagserfahrung" gehen sie in ihrer Eitelkeit und in ihrem Stolz so weit zu sagen, daß die Argumente aller Akademiker zusammen zu einer Einheit zusammengefaßt nichts wert sind im Vergleich mit dem, was Chrysipp zur Diskreditierung der Sinneswahrnehmungen geschrieben hat. Auch das ist einerseits ein Zeichen für die Unerfahrenheit oder Eigenliebe derer, die so reden; andererseits ist es in Wahrheit so, daß Chrysipp da, wo er im Gegenzug zugunsten der Alltagserfahrung und der Sinneswahrnehmungen sprechen wollte, anspruchsloser als von ihm selbst verlangt argumentierte und daß die zweite Abhandlung kraftloser als die erste ausfiel. Somit widerspricht er sich selbst: Einerseits schreibt er vor, die Gegensätze dürften nicht mit einer Verteidigung, müßten vielmehr mit einem Hinweis darauf präsentiert werden, daß sie falsch sind; und andererseits ist er bezüglich seiner eigenen Lehren ein ·unglaublich geschickterer Ankläger als Verteidiger; und während er anderen Leuten empfiehlt, sich vor den Argumenten für die entgegengesetzten Positionen in acht zu nehmen, da sie die Erkenntnis ablenken würden, stellt er selber mit größerem Eifer die Argumente zusammen, welche die Erkenntnis zerstören, als die, welche sie sichern. Daß er freilich eben dies selbst fürchtet, darauf weist er deutlich im vierten Buch ,Über die Lebensweisen' hin, wo er nämlich schreibt: "Weder die entgegengesetzten Argumente noch die Plausibilitäten für entgegengesetzte Positionen dürfen zufällig aufgewiesen werden; vielmehr müssen sie mit Bedacht demonstriert werden, weil sonst die Hörer von ihnen abgelenkt werden und daraufhin von ihren Erkenntnissen ablassen, da sie die Lösungen gewiß nicht angemessen verstehen können und ihrer Erkenntnis verlustig gehen (können). Denn auch die Leute, welche in Übereinstimmung mit der Alltagserfahrung sowohl die sinnlich wahrnehmbaren Dinge als auch die anderen Dinge erkennen, die von den Sinneswahrnehmungen abhängen, geben dieses leicht auf, wenn sie von den dialektischen Fragen der Megariker und von anderen dialektischen Fragen (Trugschlüssen) abgelenkt werden, die zahlreicher und zwingender sind." Daraufhin möchte ich von den Stoikern gern erfahren, ob sie der Meinung sind, die megarischen dialektischen Fragen seien zwingender als das, was Chrysipp ,gegen die Alltagserfahrung' in sechs Büchern geschrieben hat.
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§ 2.3.3
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Oder muß man diese Frage an Chrysipp selbst richten? Man betrachte nämlich, was er über das megarische Argument in seinem Buch ,Über den Gebrauch der Vernunft' geschrieben hat; es lautet so: "Etwas derartiges passierte bei Stilpons Argumentation und bei der des Menedemos. Denn obgleich sie wegen ihrer Weisheit sehr hoch geschätzt wurden, hat sich ihre Argumentation jetzt in einen Schandfleck verkehrt, weil sie teils plump und anderenteils offensichtlich sophistisch ist." Mein Bester, fürchtest du also von diesen Argumenten, die du verspottest und einen Schandfleck für die nennst, die sie vorbringen, weil sie offensichtlich schlecht sind, fürchtest du von ihnen trotzdem, daß sie einige Leute von der Erkenntnis ablenken könnten? Du selbst aber hast so viele Bücher ,Gegen die Alltagserfahrung' geschrieben, in die du in deinem Ehrgeiz, den Arkesilaos auszustechen, alles hineingestopft hast, was du gerade aufgabeln konntest, und dabei erwartest du trotzdem, daß keiner deiner Leser verwirrt würde? [Natürlich nicht.] Denn die Argumentationen gegen die Alltagserfahrung, deren er sich bedient, sind nicht nur nüchtern; vielmehr sagt er oft so, als wäre er vor Gericht von einem bestimmten Affekt hingerissen, die Alltagserfahrung rede törichtes Zeug und sei ein eitler Schwätzer. Um allerdings jeden Einwand dagegen zu unterbinden, daß er Widersprüchliches sage, hat er in den ,Physikalischen Thesen' folgendes geschrieben: "Es wird möglich sein, daß man selbst dann, wenn man von etwas eine Erkenntnis hat, für die entgegengesetzten Positionen argumentiert, indem man die Verteidigung entwickelt, die der Gegenstand erlaubt, und daß man andererseits dann, wenn man keine Erkenntnis von einer der Alternativen hat, für jede Seite die in ihr liegenden Möglichkeiten darlegt." In der Schrift ,Über den Gebrauch der Vernunft' sagt er jedoch, daß man die Kraft der Vernunft ebenso wenig wie Waffen nicht für ungeeignete Zwecke verwenden dürfe, und fügte dann die Bemerkung an: "Man muß sie zur Auftindung des Wahren und zu dessen gemeinsamer Einübung (Organisation) verwenden und nicht für die gegensätzlichen Positionen, obgleich viele dies tun" - wobei er mit "viele" vermutlich diejenigen meint, die die Urteilsenthaltung pflegen. Sie jedenfalls entwickeln, ohne von einer der Alternativen eine Erkenntnis zu haben, Argumente für jede der beiden Positionen und sind dabei der Ansicht, daß, wenn überhaupt etwas erkennbar ist, die Wahrheit nur oder vor allem auf diese Weise eine Erkenntnis ihrer selbst erlaubt. Du selbst aber, der du sie anklagst, schreibst über die Alltagserfahrung das Gegenteil zu dem, was du erkennst, und ermahnst andere, dies in Verbindung mit einer Verteidigung zu tun; du verwendest also die Kraft der Vernunft für nutzlose und 371
§ 2.3.3 ÖJ.LoA.oyet~ ,;fi "to'Ü Myou öuvaJ.&EL XQWJ.LEvo~ im;o qnA.o"tLJ.LLa~ 90 VEQVLEUEOßaL.
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Cicero, De divinatione li 61,126:
... praesertim cum Chrysippus Academicos refellens peimulto clariora et certiora esse dicat quae Vigilantibus videantur quam quae somniantibus.
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Cicero, Acad. pr. 6,18:
Philo autem dum nova quaedam commovet, quod ea sustinere vix poterat quae contra Academicorum pertinaciam dicebantur, et aperte mentitur ut est reprehensus a patre Catulo, et ut docuit Antiochus in id ipsum se induit quod timebat cum enim ita negaret quicquam esse quod conprehendi posset {id enim volumus esse äxa,;ci).:rum-rov), si illud esset, sicut Zeno definiret, tale visum (iam enim hoc pro cpav,;acri~ verbum satis hestemo sermone trivimus)- visum igitur inpressum effictumque ex eo unde esset quale esse non posset ex eo unde non esset (id nos a Zenone definitum rectissime dicimus; qui enim potest quicquam conprehendi, ut plane contidas perceptum id cognitumque esse, quod est tale quale vel f~Jlsum esse possit?) - hoc cum infirmat tollitque Philo, iudicium tollit incogniti et cogniti; ex quo efficitur nihil posse conprehendi. ita inprudens eo quo minime volt revolvitur. Quare omnis oratio contra Academiam suscipitur a nobis, ut retineamus eam definitionem quam Philo voluit evertere; quam nisi optinemus, percipi nihil posse concedimus.
351 A 1 cum ed. Ascensiana 1521: ut AVB 352 8 efftctumqUI! codd. dett., ed. Yeneta 1493/96: effect. A 1 V 1 B 1
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Cicero, Acad. pr. 8/9,23-27:
Maxime vero virtutum cognitio confirmat percipi et conprendi 372
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schädliche Dinge und gestehst dadurch, aus Ehrgeiz jugendlich übermütig zu handeln .
. . . zumal da Chrysipp zur Widerlegung der Akademiker erklärt, was von den Leuten in wachem Zustand vorgestellt werde, sei weitaus klarer und gewisser als das, was sich die Leute im Traum vorstellen.
Als indes Phiion [v. Larissa] einige neue Lehren aufbrachte, weil er den Argumenten, die gegen den Eigensinn der Akademiker üblicherweise vorgebracht wurden, kaum widerstehen konnte, da sagte er offensichtlich Falsches, wie ihm von dem älteren Catulus vorgehalten wurde; und wie Antiochos nachwies, verwickelte er sich in genau das, was er fürchtete. Denn wenn er mithin bestritt, daß es irgendetwas gebe, was erkannt werden könnte (mit diesem Ausdruck wollen wir ,akatalepton (nicht erkannt, unerkennbar)' wiedergeben), sofern es sich dabei so, wie Zenon es definierte, um eine Vorstellung (visum) handelt (an dieses [lateinische] Wort visum für [griechisch] phantasia haben wir uns ja schon in dem gestrigen Gespräch gewöhnt), - also um eine Vorstellung, die von dem Gegenstand, von dem sie herstammt, so eingeprägt und ausgestaltet ist, wie sie das nicht von einem Gegenstand her sein könnte, von dem sie nicht herstammt (dies ist, so erklären wir, von Zenon völlig richtig definiert worden; denn wie wäre es bei irgendeiner Sache möglich, sie zu erkennen, so daß man volles Vertrauen darin hat, daß sie wahrgenommen und erkannt ist, wenn sie eine solche Beschaffenheit aufweist, wie sie auch etwas Falsches aufweisen könnte?), - wenn Phiion dies bekämpft und bestreitet, dann hebt er die Unterscheidbarkeit von Nicht-Gewußtem und Gewußtern auf; daraus resultiert dann, daß nichts erkannt werden kann. In dieser Weise unvorsichtig fallt er auf die Position zurück, die er am meisten zu vermeiden wünscht. Aus diesem Grund gehen wir an die gesamte Argumentation gegen die Akademie so heran, daß wir gerade die Definition beibehalten, die Phiion über den Haufen werfen wollte; wenn wir nicht an ihr festhalten, gestehen wir zu, daß nichts erkannt werden kann.
Am allermeisten jedoch beweist die Erkenntnis der Tugenden, daß vieles 373
§ 2.3.3
multa posse. in quibus solis inesse etiam scientiam dicimus, quam nos non conprehensionem modo rerum sed eam stabilem quoque et immutabilem esse censemus, itemque sapientiam artem vivendi, quae ipsa ex sese habeat constantiam; ea autem constantia si nihil habeat percepti et cogniti, quaero unde nata sit aut quo modo. quaero etiam, ille vir bonus, qui statuit omnem cruciatum perferre, intolerabili dolore lacerari potius quam aut officium prodat aut fidem, cur has sibi tarn graves Ieges inposuerit, cum quam ob rem ita oporteret nihil haberet conprehensi percepti cogniti constituti. nullo igitur modo fieri potest ut quisquam tanti aestimet aequitatem et fidem ut eius conservandae causa nullum supplicium recuset, nisi is rebus adsensus sit quae falsae esse non possint. (24) Ipsa vero sapientia si se ignorabit sapientia sit necne, quo modo primum obtinebit nomen sapientiae? deinde quo modo suscipere aliquam rem aut agere fidenter audebit, cum certi nihil erit quod sequatur? cum vero dubita:bit quid sit extremum et ultimum bonorum, ignorans quo omnia referantur, qui poterit esse sapientia? Atque etiam illud perspicuum est, constitui necesse esse initium quod sapientia cum quid agere incipiat sequatur, idque initium esse naturae accommodatum. nam aliter adpetitio (eam enim volumus esse ÖQ~i]v qua ad agendum impellimur et id adpetimus quod est visum) moveri non potest. (25) illud autem quod movet prius oportet videri eique credi; quod fieri non potest, si id quod visum erit discerni non poterit a falso. quo modo autem moveri animus ad adpetendum potest, si id quod videtur non percipitur adcommodatumne naturae sit an alienum? itemque, si quid officii sui sit non occurrit animo, nihil umquam omnino aget, ad nullam rem umquam inpelletur, numquam movebitur. quod
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begriffen und erkannt werden kann. Allein hierin [sei!. im Begreifen und Erkennen) ist auch, wie wir behaupten, das Wissen begründet, das unserer Ansicht nach nicht nur eine Erkenntnis der Dinge, sondern auch eine dauerhafte und unveränderliche Erkenntnis ist, - und ebenso die Weisheit, die Kunst zu leben (Wissenschaft von der Lebensführung), die aus sich selbst heraus Beständigkeit besitzt. Wenn diese Beständigkeit allerdings nichts an sich haben soll, was begriffen und erkannt worden wäre, dann frage ich, aus was oder auf welche Weise sie erzeugt worden sein soll. Außerdem frage ich nach jenem guten Manne, der sich entschieden hat, lieber jede Quälerei durchzustehen und sich mit unerträglichem Schmerz peinigen zu lassen als eine Pflicht oder ein Versprechen zu verraten; warum hätte er sich diese so überaus schweren Verpflichtungen auferlegt, wenn er nichts an Erkenntnis, Begreifen, Wissen oder Feststellung von dem hätte, dessentwegen er dazu verpflichtet ist. Es ist daher absolut unmöglich, daß jemand die Billigkeit und Zuverlässigkeit so hoch veranschlagt, daß er um deren Bewahrung willen keine Marter scheut, wenn er seine Zustimmung nicht Dingen gegeben hat, die nicht falsch sein können. (24) Und was die Wahrheit selbst angeht, wenn sie nicht weiß, ob sie Weisheit ist oder nicht, wie wird sie dann erstlieh auf der Bezeichnung ,Weisheit' bestehen können? Wie kann sie es zweitens wagen, irgendetwas zuversichtlich zu planen oder auszuführen, wenn es nichts Gewisses gibt, dem sie folgen könnte? Und wenn sie im Zweifel sein sollte, welches das letzte und höchste Gut ist, weil sie nicht weiß, worauf alles zu beziehen ist, -wie könnte sie da Weisheit sein? Aber auch dieser Punkt ist vollkommen einsichtig: Es muß notwendig ein erstes Prinzip aufgestellt werden, dem die Weisheit folgen kann, wenn sie etwas ins Werk zu setzen beginnt; und dieses Prinzip muß der Natur entsprechen. Andernfalls kann nämlich die adpetitio I der Trieb (mit diesem Wort wollen wir horme übersetzen; durch sie I ihn werden wir zum Handeln angetrieben und streben wir das an, was wir uns vorstellen) - andernfalls kann also der Trieb nicht in Bewegung versetzt werden. (25) Nun muß aber das, was ihn bewegt, zuerst gesehen werden und Glauben gefunden haben; und das kann nicht geschehen, wenn es unmöglich sein sollte, das, was wir uns vorstellen, von etwas Falschem zu unterscheiden. Wie aber kann der Geist dazu bewegt werden, etwas zu erstreben, wenn er nicht erkennt, ob das, was er sich vorstellt, der Natur entspricht oder ihr fremd ist? Außerdem: Wenn das, was Aufgabe des Geistes ist, ihm nicht begegnet, dann kann er überhaupt niemals irgendetwas ins Werk setzen, nie zu irgendeiner Sache angetrieben werden, sich niemals in Bewegung setzen. Wenn er sich hingegen
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§ 2.3.3
si aliquid aliquando acturus est, necesse est id ei verum quod occurrit videri. (26) Quid quod, si ista vera sunt, ratio omnis tollitur quasi quaedam Iux lumenque vitae: tamenne in ista pravitate perstabitis? nam quaerendi initium ratio attulit, quae perfecit virtutem, cum esset ipsa ratio confirmata quaerendo; quaestio autem est adpetitio cognitionis quaestionisque finis inventio; at nemo invenit falsa, nec ea quae incerta permanent inventa esse possunt, sed cum ea quae quasi involuta ante fuerunt aperta sunt, turn inventa dicuntur: sie et initium quaerendi et exitus percipiundi et conprendendi tenet. itaque argumenti conclusio, quae est Graece Ö.7t6Öet~tc;, ita definitur: ,ratio quae ex rebus perceptis ad id quod non percipiebatur adducit'. (27) quod si omnia visa eius modi essent qualia isti dicunt, ut ea vel falsa esse possent neque ea posset ulla notio discernere, quo modo quemquam aut conclusisse aliquid aut invenisse dicemus, aut quae esset conclusi argumenti fides? ipsa autem philosophia, quae rationibus progredi debet, quem habebit exitum? sapientiae vero quid futurum est, quae neque de se ipsa dubitare debet neque de suis decretis (quae philosophi vocant ÖÖyJ.La-ra), quorum nullum sine scelere prodi poterit; cum enim decretum proditur, Iex veri rectique proditur, quo e vitio et amicitiarum proditiones et rerum publicarum nasci solent; non potest igitur dubitari quin decretum nullum falsum possit esse sapientis neque satis sit non esse falsum sed etiam stabile fixum ratum esse debeat, quod movere nulla ratio queat; talia autem neque esse neque videri possunt
353 37 esset] est Christ I ratio del. Reitzenstein I •• invo/uta ante Halm: involuptate ante B 1 : involuptate A 1 V 1 : involuta A 2 B2 : in voluntate V in marg. I '" neque A 3 : que VB 2 : quae A 1B 1
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überhaupt jemals ·anschickt, etwas ins Werk zu setzen, ist es notwendig, daß das, was ihm begegnet, sich ihm als wahr zeigt. (26) Und wie steht es damit, daß, falls jene [skeptischen] Ansichten wahr sind, jede vernünftige Argumentation aufgehoben wird, also gewissermaßen das Licht und die Beleuchtung für das Leben: Werdet ihr etwa trotzdem unverändert auf einer derart verkehrten Auffassung bestehen? Denn die vernünftige Argumentation hat den Anstoß zur Forschung gegeben, und sie hat die Tugend vervollkommnet, da die vernünftige Argumentation ihrerseits durch die Forschung bestätigt worden ist; die Forschung aber ist ein Streben nach Kenntnis, und das Ziel der Forschung ist Entdeckung. Es entdeckt aber niemand etwas Falsches; und auch das, was ungewiß bleibt, kann nicht entdeckt worden sein; vielmehr nennt man etwas dann ,entdeckt', wenn es, nachdem es zuvor gewissermaßen verhüllt war, offengelegt ist. In dieser Weise beherrscht die vernünftige Argumentation sowohl den Anfang der Forschung als auch den Zielpunkt des Erfassens und Erkennens. Daher wird die schlüssige Entwicklung eines Arguments, die griechisch apodeixis (Beweis) heißt, definiert als "diejenige vernünftige Argumentation, die aufgrunderkannter Sachen zu dem hinführt, was vorher unerkannt war". (27) Wenn nun alle Vorstellungen von der Art wären, wie jene Männer das behaupten, so daß sie also auch falsch sein könnten und kein Begriff sie zu unterscheiden vermöchte, - wie könnten wir dann sagen, jemand habe irgendetwas erschlossen oder entdeckt, oder worin bestünde dann die Zuverlässigkeit eines schlüssig entwickelten (beweisenden) Arguments? Und die Philosophie, die doch mittels vernünftiger Argumentation vorgehen muß, - welcher Ausweg böte sich für sie an? Was wird schließlich mit der Weisheit geschehen, die dazu verpflichtet ist, weder über sich selbst Zweifel zu hegen noch über ihre ,Lehrsätze (decreta)', (die bei den [griechischen] Philosophen als dogmatabezeichnet werden und) von denen kein einziger ohne fatale Folgen aufgegeben werden könnte? Denn wenn ein Lehrsatz preisgegeben wird, wird das Gesetz des Wahren und Richtigen verraten,- ein Fehler, aus dem in aller Regel der Verrat von Freundschaften und der des Gemeinwesens (Staates) hervorgeht. Es kann also unmöglich einen Zweifel darüber geben, daß kein Lehrsatz eines Weisen falsch sein kann und daß es nicht genug damit ist, daß er nicht falsch ist, daß er vielmehr auch beständig, fest und rechtskräftig anerkannt sein muß, so daß er durch keinerlei Argumentation ins Wanken gebracht werden kann. Von solcher Art können die Lehrsätze aber weder sein noch auch nur zu sein scheinen, wenn es nach der Auffassung derer geht, die da bestreiten, daß 377
§ 2.3.3
eorum ratione qui illa visa e quibus omnia decreta sunt nata negant quicquam a falsis interesse. 60
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Sextos Empiricus, Adv. Math. VII 259-261:
Kat yaQ äU.ws 'to'Övav'ti:ov äö-Uva't6v to'tL i..EyeLv, xat CtvayX"I] 'tOV CtQlLO'tclJ.tEVOV 'tOÜ CtSLOÜV Ö'tL QlQV'tao(a XQL'tfJQL6V to'tL, xa-6-' h~Qas QJav'taoi:as -ö:n:6o'tamv 'tOÜ'to QlclOXOV'ta ßeßaLOÜV 'tO qlQV'tao(av ElVaL XQL'tfJQLOV, 'tfiS QlUOEWS otovet Ql~yyos fJJ'LV :n:QOS t:n:i:yvwow 'tfiS CtÄ.l]- 5 -6-ei:as 'tTJV ato-6-"l]'tLXTJV öUvaJ.tLV ävaöoiJO']S xat 'tTJV ÖL' a'Ö'tfiS YLVOJ.t~V"I]V QJaV'taoi:av. (260) Ü'to:n:ov o-liv to'tL 'tOoaiJ't"I]V öiJvaJ.tLV Ctß-E'tELV xat 'tO Ö>O:ItEQ QlÖ>S a"Ö'tÖ>V CtQlaLQEL0-6-aL. öv yaQ 'tQ6:n:ov ö :X.QWJ.ta'ta J.tEV ä:n:oi..d:n:wv xat 'tQS tv 'tOU'tOLS ÖLaQlOQ6.S, 'tTJV ÖE ÖQaOLV CtVaLQÖ>V 10 WS CtVU:ItaQX'tOV f\ ä:n:LO'tOV, xat QlWVQS J.tEV Elvat i..fywv, äxoiJv öt I'TJ -ö:n:6:Q:X.ELV äsLii>v, OQl6ÖQa to'ttv ä"tO:n:os (öL' dw yaQ tvofJoaJ.tEV :X.QWJ.ta'ta xat QJWvas, txei:vwv ä:n:6v'tWV O'ÖÖE :X.Qfio-6-at Öuva'tOL :X,QWJ.taOLV f\ QlWVats), oihw xat ö 'ta :n:QO.y~-tam J.tEV ö~-toi..oyrov, 'tTJV öt QJav'taoi:av 15 'tfiS atoß-fJOEWS, ÖL' ~S 'tÖ>V :ltQQYJ.tcl'tWV CtV'tLÄ.aJ.tßciVE'taL, ÖLaßai..i..wv 'tEÄ.EWS to'ttv €~-tßQ6V'tl]'tOS, xat 'tOLS Ct'ljiU:X,OLS toov a"Ö'tOV :n:OLÖ>V.
~'twLxli>v to'tt ö6y~-ta· :n:aOl]S öt o:x,eöOv 'tfiS :n:eQt XQL't"I]Qi:ou ÖLaQJwvi:as il:n:' Ö'ljiLv 20 XELJ.t~V"I]S, XaLQOS liv Et"l] 'tfiS CtV'tLQQfJOEWS tqJa:n:'tE0-6-aL xat t:n:t 'tO XQL'tfJQLOV t:n:avayELV.
(261) ToLoü'to J.tEV xat 'to 'tli>v
354 1' 2 11ni O.v
Nach den vorangegangenen Ausführungen des Sextus stammt die hier vorgetragene Argumentation von ,den jüngeren Stoikern' (vgl. § 253 oben in Nr. 333). Das wird man auch insofern annehmen dürfen, als sie eine veränderte Diskussionssituation vorauszusetzen scheint, in der nicht nur um die erkennende Vorstellung, sondern
355
Cicero, Acad. pr. 9,28sq.:
Ex hoc illud est natum, quod postulabat Hortensius, ut id ipsum saltem perceptum a sapiente diceretis, nihil posse per378
Fragment
353-355
diejenigen Vorstellungen, aus denen alle Lehrsätze hervorgehen, irgendeinen Unterschied gegenüber falschen Vorstellungen aufweisen. (Fortsetzung unten Nr. 355) (Anschluß oben Nr. 333)
Und im übrigen ist es unmöglich, das Gegenteil zu erklären. Wer nämlich davon Abstand nimmt zu behaupten, daß eine Vorstellung das Kriterium sei, der stellt damit notwendigerweise eine Behauptung aufgrund der Existenz einer anderen Vorstellung auf und bekräftigt dadurch, daß eine. Vorstellung das Kriterium ist; zur Erkenntnis der Wahrheit hat uns die Natur nämlich sozusagen mit einem Licht ausgestattet, mit dem Vermögen der Sinneswahrnehmung und mit der dadurch entstehenden Vorstellung. (260) Es ist also absurd, eine derart bedeutende Fähigkeit beiseitezustellen und sich dadurch gewissermaßen des eigenen Lichtes zu berauben. Denn gerade so, wie jemand, der zwar Farben und deren Unterschiede zugesteht, aber den Gesichtssinn bestreitet, weil er nicht subsistent oder unglaubwürdig sei, und wie jemand, der einerseits erklärt, es gebe Laute, und andererseits die Nicht-Existenz des Gehörs behauptet, eine äußerst ungereimte Position einnimmt (denn falls die Medien, durch die wir Farben und Laute in unseren Geist aufnehmen, nicht vorhanden wären, wären wir auch nicht in der Lage, mit Farben und Lauten umzugehen), so ist auch derjenige vollkommen vom Blitz getroffen, der zwar die Sachen eimäumt, aber die Sinneswahrnehmung, durch die wir die Sachen erfassen, und die daraus resultierende Vorstellung verächtlich macht; er stellt sich selbst auf eine Stufe.mit den unbelebten Dingen. (261) Dies ist nun also auch die Lehre der Stoiker. Da nunmehr praktisch der gesamte Streit der Meinungen über das Kriterium vor unseren Augen liegt, ist wohl der rechte Zeitpunkt gekommen, um unsere Gegenargumentation anzuknüpfen und auf das Kriterium zu beziehen. allgemeiner um die Vorstellung als Kriterium der Wahrheit gestritten wird. Doch ansonsten entspricht das Argument auch der alten stoischen Lehre: Es basiert auf der Definition des Lekton (vgl. oben Nr. 33 und unten Nr. 696, 697, 699).
(Anschluß oben Nr. 353)
Hieraus ist die Forderung des Hortensius hervorgegangen, eure Schule sollte erklären, daß der Weise wenigstens dieses erkannt habe, daß nichts erkannt
379
§ 2.3.3
cipi. Sed Antipatro hoc idern postulanti, curn diceret ei qui adfmnaret nihil posse percipi {consentaneurn esse} unum tarnen illud dicere percipi posse consentaneum esse ut alia non possent, Carneades acutius resistebat. nam tantum abesse dicebat ut id consentaneum esset, ut maxime etiam repugnaret. qui enirn negaret quicquarn esse quod perciperetur, eum nihil excipere; ita necesse esse ne id ipsurn quidern quod exceptum non esset conprendi et percipi ullo rnodo posse. (29) Antiochus ad istum locurn pressius videbatur accedere. quoniam enim id haberent Academici decreturn (sentitis enirn iam hoc rne MyJ.La dicere), nihil posse percipi, non debere eos in suo decreto sicut in ceteris rebus fluctuari, praesertim cum in eo summa consisteret: hanc enirn esse regularn totius philosophiae, constitutionern veri falsi cogniti incogniti; quarn rationern quoniarn ~usciperent docereque vellent quae visa accipi oporteret quae repudiari, certe hoc ipsurn, ex quo ornne veri falsique iudiciurn esset, percipere eos debuisse; etenirn . . . hoc igitur rnodo potius erat ab bis postulandurn ut hoc unurn saltern, percipi nihil posse, perceptum esse dicerent.
356
355 • {consentaneum esse} secl. Manutius I 7 id] ei V 1 17 visa Halm: vis A VB 356 "'' (si- posse) add. N 1 10 (diceret) add. Plasberg
10
15
20
Cicero, Acad. pr. 34,109:
Et tarnen illud usitaturn et saepe repudiatum refers, non ut Antipater, sed ut ais pressius; nam Antipatrurn reprensum quod diceret consentaneum esse ei qui adfirmaret nihil posse conprendi id ipsurn saltern dicere posse conprendi. quod ipsi Antiocho pingue videbatur et sibi ipsurn contrariurn; non enim potest convenienter dici nihil conprendi posse, (si quicquam conprendi posse) dicatur illo modo potius putat urguendurn fuisse Carneadern, cum sapientis nullum decreturn esse possit nisi conprehensum perceptum cognitum, ut hoc ipsum decreturn qui sapientis esse (diceret), nihil posse percipi, fateretur esse percepturn.
380
5
5
10
Fragment
355-356
werden könne. Aber wenn Antipater genau diese Forderung erhob und erklärte, daß, wer behauptet, es könne nichts erkannt werden, trotzdem konsistenterweise sagen kann, dieses eine könne erkannt werden, so daß nichts anderes erkannt werden kann, dann pflegte Karneades ihm mit noch größerem Scharfsinn entgegenzutreten. Er erklärte nämlich, daß dies davon, konsistent zu sein, so weit entfernt ist, daß es sogar einen gewaltigen Widerspruch darstellt. Denn wer bestreite, daß es irgendetwas gebe, was erkannt werden könnte, der habe davon nichts ausgenommen; daher sei es notwendigerweise so, daß noch nicht einmal die Unmöglichkeit einer Erkenntnis aufirgendeine Weise erfaßt und erkannt werden könne, da sie ja keine Ausnahme darstelle. (29) Antiochos schien zwingender gegen diese Position vorzugehen. Denn weil die Akademiker es als einen Lehrsatz betrachteten (ihr bemerkt ja schon, daß ich mit ,decretum f Lehrsatz' dogma übersetze), daß man nichts erkennen könne, deshalb dürften sie in diesem ihrem Lehrsatz nicht wie in anderen Dingen unschlüssig sein, dies umso weniger, als er den Inbegriff ihrer Lehre bilde; er sei ja die Richtschnur der gesamten Philosophie und die Instanz, die über Wahres und Falsches, Wissen und Unwissen bestimme. Da sie diese Betrachtungsweise akzeptieren würden und lehren wollten, welche Vorstellungen man annehmen und welche man zurückweisen müsse, müßten sie mit Sicherheit das erkannt haben, auf was sich jedes Urteil über Wahres und Falsches gründe; denn ... Auf diese Weise also hätte man gegen diese Leute eher die Forderung erheben können, daß sie erklären, es sei wenigstens dieses eine erkannt worden, daß nichts erkannt werden könne.
Und trotzdem wiederholst du jenes alte und oft zurückgewiesene Argument, aber nicht wie Antipater, sondern- wie du sagst- zwingender. Antipater soll nämlich deshalb kritisiert worden sein, weil er erklärte, für denjenigen, der behaupte, daß nichts erkannt werden könne, sei es konsistent zu behaupten, daß wenigstens eben dies erkannt werden könne. Das hielt selbst Antiochos für ·schwachsinnig und selbstwidersprüchlich. Denn daß nichts erkannt werden kann, das kann man unmöglich konsistent behaupten, wenn man behauptet, daß etwas erkannt werden kann; seiner Meinung nach hätte man Karneades vielmehr in der Weise angreifen müssen, daß er deshalb, weil es keinen Lehrsatz eines Weisen geben könne, es sei denn einen erkannten, erfaßten und gewußten, eingestehe, daß eben dieser- seiner Behauptung nach von einem Weisen stammende- Lehrsatz, daß nichts erkannt werden könne, erkannt worden sei. 381
§2.3.3
357
Cicero, Acad. pr. 6,17:
,Sed, quod nos facere nunc ingredimur, ut contra Academicos disseramus, id quidam e philosophis et i quidem non mediocres faciundum omnino non putabant, nec vero esse ullam rationem disputare cuin is qui nihil probarent, Antipatrumque Stoicum qui multus in eo fuisset reprehendebant; 5 nec definiri aiebant necesse esse quid esset cognitio aut perceptio aut, si verbum e verbo volumus, conprehensio, quam xatciÄ'I}J.l'lflV illi vocant; eosque qui persuadere vellent esse aliquid quod conprehendi et percipi posset inscienter facere dicebant, propterea quod nihil esset clarius tva(rysi~ 10 - ut Graeci, perspicuitatem aut evidentiam nos si placet nominemus fabricemurque si opus erit verba, nec hic sibi' (me appellabat iocans) ,hoc licere soli putet - sed tarnen orationem nullam putabant inlustriorem ipsa evidentia reperiri posse, nec ea quae tarn clara essent definienda cen- 15 sebant.'
358
Sextos Empiricus, Adv. Math. VII ~2:
avßu:n:o
'A).J.' Elwt}aoLV :n;ro~
358 10 ooU'toii n Bekker: aötoil, tö G I 11 ~aU'toii Bekker: t~ alitoll G 1 12 tö tullil yliQ ooU'toü (tt) Kochalsky: tö yliQ ' töllil" ~au toll N: tö yliQ ooU'toii töllil LE' I u ~uyö' Crousaze: Myo,G
382
Fragment
357-358
"Aber einige Philosophen, und zwar keineswegs mittelmäßige Leute, glaubten, daß man das, was wir uns nun zu tun anschicken, nämlich gegen die Akademie zu argumentieren, überhaupt nicht tun müsse und daß es ganz im Gegenteil keinerlei Sinn habe, mit Leuten zu diskutieren, die nichts als gültig anerkennen; sie kritisierten auch den Stoiker Antipater, weil er sich auf diesem Feld stark engagiert hatte. Zudem erklärten sie, daß es 1. überhaupt nicht notwendig sei zu definieren; was eine Erkenntnis oder eine Erfassung ist oder - wenn wir eine wortwörtliche Übersetzung wollen eine conprehensio (eine Ergreifung), wofür jene Männer katalepsis sagen, und daß 2. diejenigen, die überzeugend begründen wollen, daß es etwas gibt, was begriffen und erkannt werden kann, unwissenschaftlich handeln, da es nämlich nichts Klareres als die enargeia gibt - so drücken sich die Griechen aus; wir wollen dafür Durchsichtigkeit (perspicuitas) oder Evidenz ( evidentia) sagen, wenn ihr einverstanden seid, und uns bei Bedarf WÖrter schaffen, damit unser Freund hier" (damit deutete er scherzend auf mich) "nicht dem Glauben verfällt, diese Freiheit stehe allein ihm zu, - gleichviel: sie waren also der Ansicht, daß man keine Argumentation finden könne, die eingängiger als die Evidenz selbst wäre, und kamen zu dem Urteil, was so klar sei, brauche überhaupt nicht definiert zu werden."
Die Dogmatiker pflegen aber mit der Frage zu kontern, wieso denn ausgerechnet der Skeptiker die These aufstelle, daß es kein Kriterium gebe. Dies behaupte er nämlich entweder ungeschützt oder mit Hilfe eines Kriteriums. Und falls er es ungeschützt tut, erweist er sich als unglaubwürdig; falls er es aber mit Hilfe eines Kriteriums tut, kann er umgedreht werden und wird mit seiner Behauptung, daß es kein Kriterium gebe, der Annahme eines Kriteriums zur Begründung dieser seiner Behauptung zustimmen. (441) Und wenn wir weiterhin das Argument präsentieren: ,Wenn es ein Kriterium gibt, dann ist es entweder durch ein Urteil gedeckt, oder es ist ungeschützt' - und wenn wir daraus eine der beiden Folgerungen ziehen, nämlich entweder auf einen unendlichen Regreß schließen oder darauf, daß man unsinnigerweise sagen müsse, etwas sei sein eigenes Kriterium, so machen sie dagegen Front mit der These, es sei nicht unsinnig zuzulassen, daß etwas sein eigenes Kriterium sei. (442) Das Gerade taugt nämlich sowohl zur Prüfung seiner selbst als auch zur Prüfung von anderem; auch der 383
§ 2.3.3
äU.rov ta6'tTJ'to; xal. 't'ij; töi:a; a'tat}I'TJ'tLXo; 'Ö:n:'i'JQXEV, xal. 'tO cpro; O'Ö 1-&0VOV 'tÖ>V äÄ.A.rov äÄ.A.a :x:ai. €a\J'tO'Ü ~x:x:aA.\1- 15 :lt'tLXOV cpaLVE'taL, ÖLO:itEQ :x:ai. 'tO XQL'tTJQLOV Öuva'tat :x:ai. äA.A.rov :x:ai. €a\J'tO'Ü XQL'tTJQLOV xai:}EO'tclVaL.
359
Clemens Alex., Stromat. Vill 5 § 15,2-16,3, p. 89sq. Fr.:
llgo; 'toiJ; ll\JQQWVELO\J;. Et cpTJOLV 1) ~:n:oxiJ ~e~mov ElvaL 1-'TJÖEv, öijA.ov Ö'tL äcp' €atJ't'ij; äg!;a~-&EVT) :JtQÖ>'tOV äX\JQcOOEL €atl'tTJV. (3) fJ 'tOLV\JV ÖLÖWOLV äA.T)t}e; 'tL ELVaL xai. O'Ö :JtEQL :JtclV'tWV ~cpEX'tEÖV, fJ ~vto'ta'taL 1-&TJÖEv ElvaL äA.T)t}e; A.eyovaa, xal. öijA.ov Ö'tL 5 o'ÖÖ' a'Ö'tTJ :ltQO'tEQOV äA.T)t}EUOEL. ( 4) ft'tOL yag a'Ö'tTJ äA.tji:}EUEL fJ o'Öx äA.t]t}EiiEL. äA.A.' EL 1-&EV äA.t]t}EiiEL, öi:öroatv c'i.xovaa 'tL Elvm äA.t]t}e;, Et öe 1-'TJ äA.t]t}EiiEL, äA.TJt}ij ä:n:oA.Et:n:EL c'i.:n:EQ ävEAELV ~~OUAE'tO. (5) ~V cf> yag 'ljiE\JÖfJ; ÖELXV\J'taL 1) äVaLQO'ÜOa ~:n:oxiJ, ~V 'tOU'tcp 'tel äVaLQOUI-&EVa 10 äA.tjt}ij ÖELXV\J'taL, ili; 6 ÖVELQO; 6 A.eyrov 'ljiE\JÖEi:; ELVaL :JtclV'ta; 'toiJ; OVELQO\J;. ( 6) €au't'ij; yaQ ävaLQE'tLXTJ o'Öoa 'tÖ>V c'i.U.rov yi:vE'taL X\JQW'tLXTJ. xal. öA.ro; Et ~O'tLV äA.T)i:}TJ;, äcp' €atJ't'ij; :ltOLTJOE'taL 'ti')V äQXTJV, O'ÖX ällo\J 'tLVO; O'ÜOa ~:JtOXTJ, äA.A.' €atJ't'ij; :ltQÖ>'tOV. 15
Xa'taAal-&~clVEL 'tL; Ö'tL c'i.vi:}gro:n:6~ ~O'tLV Ö'tL ~:n:EXEL, öijA.O; ~a'tL 1-'TJ ~:n:exrov. (8) :n:Ci>~ ö' dv xal. 'tTJV ägxiJv Et~ 'ti')v ä~-&cpta~fJ'tTJOLv äcpi:xE'to :n:EQI. :n:av'trov ~:n: exrov; :n:ro; ö' liv xal. ä:n:Exgi:vno :n:go~ 'to ~QW'tt]t}ev; (9) :n:Egi. yag a'Ö'to'Ü 'tOU'tov öijA.6~ ~a'tLV o'Öx ~:n:exrov. vai. 1-'TJV 20 xai. ä:n:ocpaLVE'taL Ö'tL ~:JtEXEL, (ÖL') Ö xai. d ÖEL :JtELt}6~-&E VOV a'Ö'tOL~ :ltEQL :n:av'tWV ~:JtEXELV, :JtEQL a'Ö't'ij; :ltQO'tEQOV 't'ij~ ~:n:ox'i'J~ ~cpe!;o~-&Ev, EL'tE :n:Ew'teov a'Ö'tfl EL'tE xai. 1-'TJ·
(15, 7) 'E:n:EL'ta El
fJ
359
2
Ei fPTI
Eill q>naiv cod.
I 4 tq>EI
ov Sylburg: dq>ElC~tov cod. 1 u tnll'ril~ Sylburg: aü~oü cod. I'" lttxmv v. Amim: tntxsw cod. I II') yciQ Stählin I" (II•') add. Heysc, Scbwartz
384
Fragment
358-359
Waagebalken ist in der Lage, sowohl die Gewichtsgleichheit anderer Dinge als auch die seiner selbst zu messen; ferner kann das Licht offenbar nicht nur die anderen Dinge enthüllen, sondern auch sich selbst. Es ist deshalb möglich, daß auch das Kriterium sowohl für anderes als auch für sich selbst den Status eines Kriteriums hat.
Gegen die Pyrrhoneer: Wenn die Urteilsenthaltung behauptet, es gebe nichts Sicheres, so ist klar, daß sie, wenn sie von sich selbst ausgeht, als erstes sich selbst aufhebt. (3) Entweder gesteht sie nämlich zu, daß es etwas Wahres gibt und man nicht in allen Dingen Urteilsenthaltung üben braucht; oder sie besteht auf ihrer These, daß nichts wahr sei, und dann ist klar, daß zuvörderst auch sie selbst nicht die Wahrheit sagen kann. (4) Denn entweder sagt sie die Wahrheit, oder sie sagt nicht die Wahrheit. Aber wenn sie die Wahrheit sagt, dann gesteht sie wider Willen zu, daß etwas wahr sei; wenn sie aber nicht die Wahrheit sagt, dann läßt sie gerade das als wahr stehen, was sie aufheben wollte. (5) Denn worin die [alles Wahre] aufhebende Urteilsenthaltung als falsch erwiesen wird, darin wird das, was aufgehoben wird, als wahr erwiesen - wie jener Traum, der besagt, daß alle Träume falsch seien. (6) Denn indem sie sich selbst aufzuheben vermag, kann sie zur Bestätigung der Gegenseite werden. Und überhaupt wird sie, wenn sie wahr ist, bei sich selbst den Anfang machen und nicht als Urteilsenthaltung gegenüber irgendetwas anderem, sondern zuerst als Urteilsenthaltung gegenüber sich selbst auftreten. (15,7) Außerdem: Wenn jemand erkennt, daß er ein Mensch ist, oder erkennt, daß er sich des Urteils enthält, dann übt er offensichtlich keine Urteilsenthaltung. (8) Und wie käme er überhaupt zu dem Grundsatz für die Bestreitung, wenn er sich bei allem des Urteils enthielte? Und wie könnte er auf die Frage überhaupt eine Antwort geben? (9) Denn eben darüber übt er dann offensichtlich keine Urteilsenthaltung, obgleich er natürlich sogar behauptet, sich des Urteils zu enthalten; deswegen werden wir auch dann, wenn diese Leute der Überzeugung sein müssen, sich in allem des Urteils zu enthalten, uns zuvörderst bezüglich der Urteilsenthaltung selbst des Urteils enthalten, ob man ihr zu folgen hat oder dies vielmehr nicht tun darf. (16,1) Ferner: Wenn eben dies das Wahre ist, daß man das Wahre nicht 385
§ 2.3.3
'tO äi..T]i}t~, o"ÖÖE 'tTJV äQXTJV äi..T]i}t~ 'tL 3taQ' txdvou ÖtÖO'taL. 25 d ÖE xat 'tO'Ü'tO t'i!J.cpLOßTJ't'l'jOLIJ.OV tQEL 'tO äyvoEtv 'tt\Ä.T]i}t~, tv a"Ö'tcp 'tOU'tcp öi:öromv dvm 'tO äi..TJi}E~ yvci>QLIJ.OV, tv
(16,2)
AtQEOL~ ta'tL 3tQ6axÄ.LOL~ öoy!J.a'trov
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3tQ6axi..LaL~ ÖÖy!J.aOL noi..i..ot~ äxoi..oui}(av 3tQO~ liÄ.Ä.TJÄ.a 30
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360
359
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Ei'l aiQEGl~ 11 tmv tcpExnxmv. xai"tm) oö 116vov v. Amim I " tlpExtoi cod.:
corr. Sylburg 360 • a!QtGEGl Bekker: alptGEl G I 1 ÖßOjlEVEi ed. Gencv. 1621: önojltvEl G I 12 UltEl:l.lJopinolv Bekker
Sextus Empiricus, Adv. Math. XI 162-165:
"0i}Ev xat Xa'tacpQOVELV ävayxatov 'tOOV d~ ävEVEQYTJOLQV a"Ö'tOV (sc. 'tOV OXE3t'tLXOV} 3tEQLXÄ.ELEOi}QL VOIJ.LtOV'tOOV 'f\ Ets ä3tE!J.cpaaLV, (163) xat d~ ävEVEQYTJOLQV !J.EV, Ö'tL 'tO'Ü ßi:o\J 3tQV'tO~ tv alQEOEOL xat cpuyat~ ÖV'tO~ 6 !J.'I'j'tE atQOU!J.EVÖS 'tL !J.'I'j'tE cpEilyrov Ö\JVcl!J.EL 'tOV ßi:ov äQVEL'taL XQL 'tLVO~ 5 cpu'toii 'tQ6nov tnEtxEv, (164} Et~ änt~J.cpaatv öt, Ö'tL uno 't\JQavvcp no'tE yEVOIJ.E'VO~ xat 'tli>v äQQ'I'j'trov 'tL notdv ävayxat61J.EVo~ 'f\ o-öx uno!J.EVEt 'tO 3tQOO'ta't'tÖ!J.Evov, äll' txoilmov ti..Et'taL i}ava'tov, 'f\ cpEilyrov 'ta~ ßaaavou~ 3tOL'I'jOEL 'tO XEÄ.E\JÖIJ.EVOV, oi'J'tro 'tE O"ÖXhL "äcpuy'i)~ XQL 10 ävai:QE'to~ fa'taL" xa'ta 'tov TI:!J.rova, äi..i..a 'to !J.Ev ti..Et'tm, 'tO'Ü Ö' änoa't'l'jOE'taL, Ö3tEQ ~V 'tOOV IJ.E'tCl 3tELOIJ.Q'tO~ XQ'tELÄ.TJcpÖ'tOOV 'tO lpE\JX'tOV 'tL dvat xat alQE'tÖV. (165) 'tQ'Ü'ta Ö'i) i..tyov'tE~ o"Ö 0\JVLamv, Ö'tL xa'ta !J.EV 'tOV cpti..6aocpov i..6yov o"Ö ßtot 6 axEn'tLX6~ ( ävEVEQYTJ'tO~ yaQ ta'tLV öaov tnt 15 'tOU'tcp}, xa'ta öe 'tTJV äcpti..6aocpov 't'l'jQTJOLV öilva'taL 'ta !J.EV atQEtai}aL, 'tCl ÖE cpEUyELV.
dubit.
386
Fragment
359-360
kenne, so wird dadurch noch nicht einmal zugestanden, daß dieser Grundsatz etwas Wahres sei. Wenn man aber sogar dies, daß man das Wahre nicht kenne, für zweifelhaft erklärt, dann gesteht man eben damit zu, daß das Wahre erkennbar ist, womit man die Urteilsenthaltung hierüber offensichtlich nicht befestigt. (16,2) Eine Schule besteht darin, daß Lehrsätze vertreten werden, oder wie manche Leute sagen - darin, einer Vielzahl von Lehrsätzen beizupflichten, die untereinander in Folgebeziehungen stehen und die die einleuchtenden Dinge umfassen und wobei die Zustimmung sich auf das gute Leben hin orientiert. Der Lehrsatz aber ist eine bestimmte vernünftige Erkenntnis; und die Erkenntnis ist ein Habitus und eine Zustimmung des Verstandes. (16,3) Nicht nur die Leute von der Urteilsenthaltung, sondern auch jeder Dogmatiker pflegt sich in bestimmten Fragen des Urteils zu enthalten, sei es wegen einer Schwäche der Erkenntnis, sei es wegen einer Undeutlichkeit der Sache, sei es wegen der Gleichwertigkeit der [Pro- und Contra-]Argumente.
Infolgedessen muß man auch diejenigen verachten, die meinen, der Skeptiker sei zur Untätigkeit oder zur Inkonsistenz verurteilt, (163) und zwar einerseits zur Untätigkeit, weil alles Leben in Vorzugswahlen und Vermeidungen besteht und weil daher jemand, der weder eine Vorzugswahl trifft noch etwas vermeidet, potentiell das Leben verwirft und die Existenzweise einer Pflanze annimmt, (164) andererseits zur Inkonsistenz, weil der Skeptiker, sollte er einmal einem Tyrannen unterstehen und gezwungen werden, etwas Abscheuliches zu tun, entweder den Befehl nicht befolgen, sondern einen freiwilligen Tod wählen wird oder zur Vermeidung von Folterungen das Befohlene tun muß; und so wird er nicht mehr "der sein, der nichts vermeiden und sich zu nichts entscheiden wird," um mit Timon zu reden [Frgm. 72 Diels]. Vielmehr wird er das eine wählen und das andere zurückweisen; und das ist die Handlungsweise derer, die mit Überzeugung zu der Erkenntnis stehen, daß es etwas gibt, was vermieden, und etwas, was gewählt werden muß. (165) Die so argumentieren, verstehen nicht, daß der Skeptiker sein Leben nicht nach der philosophischen Theorie gestaltet (denn inaktiv ist er, soweit es nach dieser geht), daß er aber aufgrund der unphilosophischen (empirischen) Beobachtung in der Lage ist, das eine zu wählen, das andere zu meiden. 387
§ 2.3.3
360A Sextos Empiricus, Adv. Math. VII 432-435: "Allws n, et :n:äaa cpai!A.o1l xa't' a'Ö'toils 'Ö:n:6A.T)'Ij.ILS ayvOLci ~O'tL xat J.LOVOS Ö OOIJlOS QAT)ft-ei!eL xat ~:n:LO'ttlJ.LT)V i!XeL 'tQAT)ft-oüs ßeßai:av, axoA.o1Jft-et J.LEXQL ÖeÜQO QVE1JQE't01J xaft-EO'tÖ>'tOS 'tOÜ aocpoü Xa't' avciyXT)V xat 'tai..T)ft-ES aveiiQE'tOV elvaL, ÖLa Öe 'tOÜ'tO xat :n:civ'ta axa'tclAT):n:'ta 't1lYXclVeLV, 5 ~:n:EL:rtEQ cpaÜAOL :ltclV'tES ÖV'teS OUX i!XOJ.LEV ßeßai:av 'tÖ>V ÖV'tOlV XQ'tclAT)'IjiLV. (433) 'tOU't01J Öe oii'tws i!XOV'tOS Q:n:oA.ei::ltE'taL 'ta il:n:o 'trov l:'twLxrov :n:Qos 'tous a:n:o 'tfis axE'Ijlews A.ey6J.LEVa :n:aQa J.LEQOS xat 'Ö:n:o 'tÖ>V axe:n:'tLXÖ>V :ltQOS ~XELV01JS A.Eyeaft-m. ~:n:Et yc'iQ 'tots cpai!A.OLS xa't' a'Ö'toils ~yxa't- to aQLft-J.LOÜV'taL Zt1vwv 'te xat KA.ecivft-T)s xat XQilm:n::n:os xat ot AOL:n:ot 'tÖ>V a:n:o 'tfiS atQEOEWS, :n:äs öe cpaüA.os ayvoi:q. XQant'taL, :n:civ'tWS fJyv6EL Zt1vwv, :n:6'tEQOV ~v x60J.LVOS :n:oA.1J:n:A.oxc:0'tEQOV. (434) xat J.LTJV fJ ~yi:vwaxe 'to ö6yJ.La 'tOÜ'to XQilaL:n::n:os l:'twLxov Öv (cpTJJ.LL Öe 'tO ":n:civ'ta ayvoet Ö cpaüA.os"), 1\ oMe ail'to 'tOÜ'tO fJ:n:i:a'ta'to. xat et J.LEV fJ:n:l:a'ta'to, 'ljleüöos 'tO :n:civ'ta ayvoetv 'tOV cpaüA.ov. a'Ö'tO yaQ 'tOÜ'tO cpaüA.os lDv 20 ~YLVOlOXEV ö XQUOL:n::n:os, 'tO :n:civ'ta ayvoetv 'tOV cpaüA.ov. et Ö' o'ÖÖ' a'Ö'to 'tOÜ'tO 'f\ÖEL 'tO Ö'tL :n:civ'ta ayvoet, :n:ros :ltEQL :n:ollrov öoyJ.La'tL~EL, 'tLft-Ets 'tO l!va ElvaL x6aJ.Lov xat :n:Qovol:q. 'tOÜ'tOV ÖLOLXELOft-aL xat ÖLOA01J 'tQe:n:'tiJv elvaL 'tTJV OUOLaV xat alla :n:aJ.L:ItAT)i}fi; (435) :n:ciQEO'tL ÖE, et 'tLVL cpi:A.ov ~O'tL, 25 xat 'tclS allas a:rtOQLaS 'tOV QV'teQW'tÖ>V'ta, chs i!ft-os i!X01lOLV a'Ö'tot 'tots axe:n::tLxots (oihws :n:aQa J.LEQOS 'tots l:'twLxots) :ltQOOayELV. Mit dem stoischen Lehrsatz, um den es hier geht, deutet dieser Text schon auf den nächsten Abschnitt voraus (vgl. besonders Paragraph 2.4.2.1). Angeknüpft wird aber auch an die Unterscheidung von Wahrem und Wahrheit (oben Nr. 322ff.). Und was das Urteil der Stoiker über die bedeutendsten Vertreter ihrer Schule angeht, so wird es von Quintilian in wesentlich freundlicheren Formulierungen überliefert (siehe oben Nr. 127). Was schließlich den Zusammenhang des gegenwärtigen Paragraphen betrim, so macht der Text nicht nur deutlich, daß die Stoiker die Skeptiker typischerweise mit Aporien konfrontierten, sondern er scheint
360A 27 aö~oi Kayscr, Kochalsky: aö~oi~ G I (oil1:CD~- l:~CDIIC:Oi~)
add.
Kochalsky, Hülscr: Mutschmann in textu lacunam signavit
388
Fragment
360 A
Ferner: Wenn nach ihnenjede Ansicht eines schlechten Menschen Unkenntnis ist und allein der Weise die Wahrheit sagt und ein sicheres Wissen des Wahren besitzt, dann ergibt sich daraus, da sich der Weise bis heute als unauffindbar erwiesen hat, daß notgedrungen auch das Wahre unauffindbar ist und daß deswegen überhaupt alles unerkennbar ist, da wir ja alle schlecht sind und keine sichere Erkenntnis dessen haben, was ist. (433) Da es sich so damit verhält, eröffnet sich die Möglichkeit, daß die von den Stoikern gegen die Skeptiker vorgebrachten Kritiken umgekehrt auch von den Skeptikern gegen die Stoiker vorgebracht werden. Weil nach ihnen nämlich Zenon, Kleanthes, Chrysipp und alle anderen Mitglieder der Schule den Schlechten zugerechnet werden und weil jeder Schlechte unter der Herrschaft der Unkenntnis steht, wußte Zenon überhaupt nicht, ob er vom Kosmos umfangen war oder ob er selbst den Kosmos umfangen hat und ob er ein Mann oder eine Frau war; und Kleanthes wußte nicht, ob er ein Mensch oder ein ränkevolleres Tier als Typhon war. (434) Und gar Chrysipp: entweder kannte er diese Lehre, die eine stoische Lehre ist -ich meine den Satz "Der Schlechte ist über alles in Unkenntnis"-, oder er hatte noch nicht einmal davon ein Wissen. Wenn er nun darum wußte, dann ist es falsch, daß der Schlechte über alles in Unkenntnis ist; denn eben davon, daß der Schlechte über alles in Unkenntnis ist, hatte Chrysipp dann ja Kenntnis, obwohl er ein Schlechter war. Wenn er dagegen noch nicht einmal eben dies wußte, daß er über alles in Unkenntnis war, wieso entwickelt er dann Lehren über vielerlei Dinge und behauptet, der Kosmos sei einer, er werde durch Vorsehung verwaltet, seine Substanz müsse total verändert werden, und vielerlei anderes Zeug? (435) Für den Opponenten ist es nun, wenn jemand Lust dazu hat, möglich, auch die anderen Ungereimtheiten umgekehrt so gegen die Stoiker ins Feld zu führen, wie sie selbst sie den Skeptikern vorzuhalten pflegen. auch zu besagen, daß überhaupt alle Aporien, die die Pyrrhoneer vorgehalten bekamen, direkt oder indirekt von den Stoikern entwickelt wurden, also z.B. auch sämtliche Aporien, die oben in Nr. 359 vorgefiihrt werden. Zu diesem Eindruck paßt das Aristokles-Fragment, welches uns Eusebius, Praep. evang. XIV 18,1-30 überliefert hat: Es handelt sich da um einen Traktat (über und) gegen die Pyrrhoneer; was der Peripatetiker Aristokles gegen sie einzuwenden hat, ist nichts Eigenständiges, sondern im wesentlichen schon aus Cicero (Nr. 355, 356) und Klemens v. Alexandrien (Nr. 359) bekannt.
389
§ 2.3.4
2.3.4 Zur Begrenzung der erkenntnistheoretischen Relevanz philosophischer Kontroversen Vgl. einerseits die Meinungsvielfalt innerhalb der Stoa (oben Nr. 225226) und andererseits die Argumente, die die Skeptiker aus dem Dissens der Philosophen bezogen; Sextus Empiricus bietet dafür viele Beispiele.
361
Diogenes Laertius Vll 129:
ßoxet ö' a'lJ"tot~ J.I.TJÖE (ÖL<1) 'tTJV Öta
362
Galenus, Adv. Iulianum 5,8sq., p. 49sq. Wenkebacb:
TL ow xwi..uet ytyvrooxetv iJJ.I.är; etxQtßror; 'to'Ü'to, J.I.EXQtr; dv iJJ.I.e'tr; 'tE i..Eyetv ~XWJ.I.EV Ct:n:66etstv MyJ.I.a"tor; ot 't' ÜQLO'tot 'tWV cpti..oo6cpwv o{)r; xai. ou 6-auJ.I.cl.~etr; a'Ö'tor; Öf.I.OÄ.oyrootv 'I:n::n:oxQ6.'tEL 'tE xai. C!UiJi..otr;, d J.I.TJ 'ttr; 'tTJV 6tacpwvi:av txavov i)yet"tat J.l.aQ'tUQtov elvat "tfjr; etyvoi:ar; "toü MyJ.I.a'tor; esa(
• 361 '~1tu codd.: 1111&t Hicks; (&ui) add. Bake: 111tu (&ui ••. 111t•E &ui) Edelstein dubit. in app. crit. 362 2 IXOIIEY cod.: corr. ed. Aldina I • tl' Charterius: 'tl cod., Aldina, BasiJeensis ll'aQtUQlOY Wenkebach: j.lliQtUQU edd. priores: j.lciQ'tli cod. 1 10 xa'A: ou cod., al, add. corrector: xaAat, aou Aldina
390
s
10
Fragment
361-362
Sie [scil. die Stoiker] sind der Ansicht, daß man die Philosophie auch nicht wegen der Meinungsverschiedenheit [unter den Philosophen] aufgeben dürfe, weil man aufgrunddieses Arguments dem ganzen Leben zu entsagen hätte, wie auch Poseidonios in seinen ,Protreptischen Reden' sagt.
Was also hindert uns, dies bis zu dem Punkt genau zu erkennen, wo wir in der Lage sind, es als Beweis eines Lehrsatzes zu formulieren, und wo die besten Philosophen, die auch du selbst bewunderst, mit Hippokrates und untereinander übereinstimmen, es sei denn, jemand wäre anstatt zu einem Stoiker zu einem Aporetiker geworden und huldige der Auffassung, die Meinungsverschiedenheit sei ein ausreichendes Zeugnis dafür, daß der Lehrsatz sich unserer Kenntnis entziehe?! (9) Denn wenn du dich wirklich auf dieses Argument verläßt, welches besagt, daß nichts von dem, was bei allen Philosophen umstritten ist, menschlicher Kenntnis zugänglich sein könne, warum mißtraust du dann nicht bei weitem als erster von allen deinen schönen ,allen Leuten gemeinsamen Ansichten', die ja wohl von der im Himmel wohnenden Methode hervorgebracht worden sind?
391
§ 2.4-2.4.1
2.4 Zustimmung, Erkenntnis und Wissenschaft 2.4.1 Über die Bedeutung und Eigenart der Zustimmung im Verhältnis zur Vorstellung
363
Cicero, Acad. pr.12,37-39:
His satis cognitis quae iam. explicata sunt nunc de adsensione atque adprobatione, quam Graeci auyxa-.0.3&ow vocant, pauca dicemus, non quo non Iatus locus sit, sed paulo ante iacta sunt fundam.enta. nam cum vim quae esset in sensibus explicabamus, simul illud aperiebatur, conprendi multa et percipi sensibus, quod fieri sine adsensione non potest. deinde cum inter inanimum et animal hoc maxime intersit, quod animal agit aliquid (nihil enim agens ne cogitari quidem potest quale sit), aut ei sensus adimendus est aut ea quae est in nostra potestate sita reddenda adsensio. (38) et vero animus quodam modo eripitur üs quos neque sentire neque adsentiri volunt. . .. Quamquam si illa de quibus disputatum est vera sunt, nihil attinet de adsensione omnino loqui; qui enim quid percipit adsentitur statim. Sed haec etiam secuntur, nec memoriam sine adsensione posse constare nec notitias rerum nec artes; idque quod maximum est, ut sit aliquid in nostra potestate, in eo qui rei nulli adsentietur non erit. (39) ubi igitur virtus, si nihil situm est in ipsis nobis?
363 A 363 7 inanimum ed. Veneta 1493/96: animum AVB I 10 et A 1 V 1 B 1 : at A 2 V 2 B2 I u omnino F2 : omni A VB 363A 2 l.öyo~ X3 g: om.
I 3 ltEQI Tlvo~ X'g: Tivo~ X 1 : TOV~ rell.: ~tovo~
rell.
Stephanus: o ,.AE;tmo~ {l.oyo~} ... ltOVO~ ltEQI Tivo~ Pohlenz dubit.
5
10
15
Plutarchus, De Stoic. repugn. 47, 1057 A-B:
Kat JA.TJV ~v ye "toi:~ :rq~o~ 'tou~ 'AxaÖTJ~taixou~ &.yroaLv 6 :n:A.ei:a'to~ A.Oyo~ aimp 'tE XQUOL:rt:rtcp xat 'Av'tL:rtci'tQcp :rtEQL 'tLVO~ yf.yove; :rtEQL 'tOÜ JA.TJ'tE :ltQcl't'tELV JA.fJ-1}' ÖQJA.äV &.auyxa'tai}f.'tro~ &.A.A.cl :n:A.cia~ta"ta A.f.y&LV xat xeva~ 'Ö:n:oi}f.OEL~ 'tOU~ Ö.~LOÜV'ta~ otxe(a~ cpav'taa(a~ YEVOJA.EVTJ~ E'Öi}\J~ 5
ÖQJA.äV JA.TJ Et~av'ta~ JA.TJÖE auyxa'tai}EJA.EVOU~. a"Üi}L~ ÖE qlTJOL
392
Fragment
363-363A
Nachdem wir mit den bereits explizierten Punkten genügend bekannt sind, werden wir nun ein wenig über die Zustimmung und Billigung sagen, die im Griechischen synkatathesis heißt - ein wenig, nicht weil es kein weites Gebiet wäre, sondern weil die Grundlagen dazu ein Stück weiter oben schon gelegt worden sind. Denn als wir die in den Sinneswahrnehmungen liegende Kraft explizierten [in 7,19ff.], wurde zugleich ans Licht gebracht, daß durch die Sinneswahrnehmungen vieles erkannt und erfaßt wird, was nicht ohne Zustimmung vor sich gehen kann. Ferner unterscheiden sich das Unbelebte und das Lebewesen vor allem darin, daß das Lebewesen etwas tut (denn es ist schlechterdings undenkbar, wie ein völlig inaktives Lebewesen beschaffen sein sollte); deshalb muß man dem Lebewesen entweder die Sinneswahrnehmung abstreiten oder diejenige Zustimmung zuerkennen, die in unserer Macht liegt. (38) Und andererseits sind diejenigen, die weder etwas wahrnehmen noch ihm zustimmen wollen, auf gewisse Weise ihres Geistes beraubt. . . . Gleichviel: wenn die diskutierten Auffassungen wahr sind, dann ist es belanglos, von der Zustimmung überhaupt zu reden; denn wer etwas erkennt, der stimmt zugleich zu. Es folgt aber auch, daß ohne Zustimmung weder das Gedächtnis Bestand haben kann noch die Begriffe der Dinge noch die Wissenschaften; und was am bedeutsamsten ist: Gesetzt, daß etwas in unserer Macht liegt, dann wird nichts in der Macht dessen liegen, der zu nichts seine Zustimmung gibt. (39) Wo ist also die Tugend, wenn nichts bei uns selbst liegt?
Und was ist eigentlich der Punkt; dem Chrysipp und Antipater in ihren Auseinandersetzungen mit den Akademikern die ausführlichste Argumentation gewidmet haben? [Das ist] die These, daß ohne Zustimmung weder ein Handeln noch ein Antrieb zustandekommen, daß vielmehr diejenigen fiktives Zeug reden und leere Annahmen machen, die behaupten, bei Vorliegen einer geeigneten Vorstellung resultiere daraus für die, die ihr nicht stattgeben und ihr nicht zustimmen, doch unmittelbar ein Antrieb. Andererseits 393
§ 2o4.1 XQiiout:n:O!; xat tov i}&ov 'ljltuö&t!; ~f.I.:JtOLEtv cpavtaoi:a!; xat tov oocp6v, o'Ö ouyxatatLi}EJ.I.EVOOV o'ÖÖ' Elx6vtrov ÖEoJ.I.EVOU!; i) J.I.WV aAÄ.Cl :JtQatt6Vt(I)'V J.I.O'VOV xat ÖQJ.I.cDV'tOO'V ~:n;t 'tO q>aLVOJ.I.EVOV, 'flf.l.ä!; ÖE cpa'ÖAOU!; Övta!; 'Ö:n;' äoi}&vda!; 10 ouyxatat(i}&oi}m tat!; tOLaiitm!; cpavtao(m!;.
364
Seneca, Epist. 113,18:
Omne rationale animal nihil agit nisi primum specie alicuius rei inritatum est, deinde impetum cepit, deinde adsensio confrrmavit hunc impetumo Quid sit adsensio dicamo Oportet me ambulare: tune demum ambulo cum hoc mihi dixi et adprobavi hanc opinionem meam; oportet me sedere: tunedemums sedeoo
365
Clemens Alex.~ Stromat. II 12 § 54,5-55,1, p. 142 Fr.:
Ta!; ÖE ouyxatai}tOEL!; o'Ö J.I.OVOV ot a:n;o IIMtroVO!;, aAAcl xat ot ä:n:o t'ij!; Itoä!; ~cp' i!J.I.LV dvm >..tyoumv. (55,1) :n;äoa ouv M;a xat XQLOL!; xat 'Ö:n:6ATJ'IjiL!; xat J.1.6.~0L!;, ol!; tWJ.I.EV xat O'ÖVEOJ.I.EV aEL tcp 'YE'VEL 'tWV avi}QcD:JtOOV, ouyxatai}&OL!; ~O'tLV. S
366
o. philosophus in disciplina Stoica celebratus . (14) ex sarcinula sua librum protulit Epicteti philosophi quintum ötai..t~&rov, quas ab Arriano digestas congruere scriptis z..;vrovo~ et Chrysippi non dubium est. (15) In eo libro Graeca scilicet oratione scripturn ad hanc sententiam legimus: ,Visa animi, s quas <pavtaoia~ philosophi appellant, quibus mens hominis prima statim specie accidentis ad animum rei pellitur, non voluntatis sint neque arbitraria, sed vi quadam sua inferunt sese hominibus noscitanda; (16) probationes autem, quas ouyxataato&t~ vocant, quibus eadem visa noscuntur ac diiudican- to tur voluntariae sunt fiuntque hominum arbitratuo (17) Propte0
364 1 cepit DBW: coepit rell. 366 ' ab ariano N: abri-
ano FOXD: adriano a I' arbitraria Carrio: -ri(a)e o•xa: arbitriae F01ON I • noscitandD Salmasius: -dae co
Gellius, Noctes Atticae XIX 1,4.14-21:
394
0
0
Fragment
363A-366
erklärt Chrysipp, daß sowohl Gott als auch der Weise falsche Vorstellungen bewirken und dabei von uns erwarten, ihnen nicht zuzustimmen oder stattzugeben, sondern nur gegen das Vorgestellte zu handeln und einen Antrieb gegen es zu entwickeln, daß dagegen wir, die wir schlecht sind, infolge unserer Schwäche derartigen Vorstellungen zustimmen.
Für jedes vernunftbegabte Lebewesen gilt: Es handelt einzig und allein dann, wenn es zunächst durch den Anblick einer Sache angereizt worden ist, dann einen Entschluß gefaßt hat und wenn schließlich die Zustimmung diesen Entschluß bekräftigt hat. Was die Zustimmung ist, will ich erklären. Es drängt mich spazierenzugehen; und schließlich gehe ich dann spazieren, sobald ich mir das gesagt und dieser meiner Meinung die Zustimmung gegeben habe. Es drängt mich zu sitzen; und schließlich sitze ich dann.
Nicht nur die Schüler Platons, sondern auch die Vertreter der Stoa erklären, daß die Zustimmungen in unserer Macht liegen. (55,1) Somit ist jede Meinung, jede Entscheidung, jede Annahme und jedes Wissen, womit wir wegen des Wesens der Menschen immer leben und zu tun haben, eine Zustimmung .
. . . ein berühmter stoischer Philosoph ... (14) holte aus seinem Handgepäck das fünfte Buch der ,Erörterungen' des Philosophen Epiktet hervor, die von Arrian gesammelt wurden und zweifellos mit den Schriften Zenons und Chrysipps völlig übereinstimmen. (15) In diesem Buch lasen wir natürlich in griechischer Sprache - Aufzeichnungen, die auf den folgenden Gedanken hinauskommen: "Die Vorstellungen der Seele, die bei den Philosophen phantasiai heißen und durch die der menschliche Geist gleich beim ersten Erscheinen der an die Seele herantretenden Sache betroffen wird, unterliegen nicht dem Willen und unterstehen nicht unserer Willkür, sondern drängen sich mit der ihnen jeweils eigenen Kraft den Menschen zur Kenntnisnahme auf. (16) Die Zustimmungen hingegen, die man als synkatatheseis bezeichnet und mit denen die Vorstellungen zur Kenntnis genommen und beurteilt werden, sind freiwillig und erfolgen nach dem Belieben der Menschen. (17) Wenn daher vom Himmel oder von einem Einsturz ein 395
§ 2.4.1
rea cum sonus aliquis formidabilis aut caelo aut ex ruina aut repentinus nescio cuius periculi nuntius vel quid aliud est eiusmodi factum, sapientis quoque animum paulisper moveri et contrahi et pallescere necessum est non opinione alicuius mali praecepta, sed quibusdam motibus rapidis et inconsultis officium mentis atque rationis praevertentibuso (18) Mox tarnen ille sapiens ibidem 't~ 'tota6't~ <pav'tacriac;, id est visa istaec animi sui terrifica, non adprobat, hoc est oö cruy'l(a'ta'ti3E'tat oööe 1tQOcrE1ttÖo~n~Et, sed abicit respuitque, nec ei metuendum esse in his quicquam videturo (19) Atque hocinter insipientis sapientisque animum differe dicunt, quod insipiens, qualia sibi esse primo animi sui pulsu visa sunt saeva et aspera, talia esse vero putat et eadem incepta, tamquam si iure metuenda sint, sua quoque adsensione adprobat 'l(ai 1tQOCJE1ttÖo~n~Et hoc enim verbo Stoici, cum super ista re disserunt, utuntur -, (20) sapiens autem, cum breviter et strictim colore atque vultu motus est, oö cruy'l(a'ta'ti3E'tat, sed statum vigoremque sententiae suae retinet, quam de huiusmodi visis semper habuit ut de minime metuendis, sed fronte falsa et formidine inani terretantibus.' (21) Haec Epictetum philosophum ex decretis Stoicorum sensisse atque dixisse in eo, quo dixi, libro legimuso
15
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Dieser Text zählt als Epiktet-Fragment; man fmdet ihn daher auch bei Arrianus, Epicto Disserto frgo 9, po 408-410 Schenk!. Eine zu-
367 366 13 nescio cuius ed. Gryph. 1539: nescius m I est Gronov: ex 8: om. Fy I 16 praecepta F 1-y: percepta
F 2 8 I 17 rationis "f: orationis Fa 1 •• oll&!; ltQOGSln8.
post Gll"f1Ca~ati&E1:at (1. 28) transpos. Kronenberg I 24 tamquam c;: quamquam m 367 • animorum Davisius: animos AVB
Cicero, De fato 17,39-19,44:
Ac mihi quidem videtur, cum duae sententiae fuissent veterum philosophorum, una eorum qui censerent omnia ita fato fieri ut id fatum vim necessitatis adferret altera eorum quibus viderentur sine ullo fato esse animorum motus voluntarii, Chrysippus tamquam arbiter honorarius medium ferire voluisse, sed adplicat se ad eos potius qui necessitate motus animorum liberatos volunt; dum autem verbis utitur suis, delabi0
396
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0,
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366-367
furchtbarer Knall ausgeht, wenn plötzlich die Nachricht von irgendeiner Gefahr eintrifft oder wenn irgendetwas anderes von dieser Art geschehen ist, dann wird unvermeidlich auch die Seele des Weisen für ein Weilchen in Erregung versetzt, beklommen gemacht und erbleichen, dies aber nicht, weil ihm eine Meinung über irgendein Übel vorgeschrieben wäre, sondern aufgrundbestimmter plötzlicher und unerwarteter Erregungen, die der Verpflichtung zu Sinn und Verstand zuvorkommen. (18) Doch alsbald verweigert dieser Weise derartigen Vorstellungen- d.h. diesen Vorstellungen, die seine Seele in Schrecken versetzen- die Zustimmung; d.h. er stimmt ihnen nicht zu und pflichtet ihnen nicht bei; vielmehr verwirft er sie und weist sie zurück, und er ist der Ansicht, daß in diesen Vorstellungen nichts ist, was er zu fürchten hätte. (19) Und das macht, wie sie sagen, den Unterschied zwischen der Seele des Toren und der des Weisen aus, daß nämlich der Tor glaubt, alles sei in der Tat so entsetzlich und furchtbar, wie es ihm bei der ersten Erschütterung seiner Seele erschien, und daß er die anfangliehen Vorstellungen so, als wären sie mit Recht zu fürchten, auch durch seine Zustimmung billigt und sich ihnen mit seiner Meinung anschließt (prosepidoxazein)- denn dieses Wort benutzen die Stoiker, wenn sie diesen Gegenstand erörtern -, (20) während der Weise zwar kurz und flüchtig eine veränderte Gesichtsfarbe und Miene hat, aber nicht seine Zustimmung gibt, sondern die Standfestigkeit und Kraft seiner Ansicht bewahrt, die er immer von solchen Vorstellungen hatte, daß sie nämlich überhaupt nicht zu fürchten seien, sondern mit falschem Erscheinungsbild und eitlem Grausen bloß Schrecken einjagen." (21) Das also hat der Philosoph Epiktet nach den Grundsätzen der Stoiker gedacht und geäußert; wir lasen es in dem von mir genannten Buch. sammenfassende Darstellung der Ausführungen des Gellius gibt Augustinus, De civ. Dei IX 4. (Anschluß unten Nr. 886)
Die Sache stellt sich mir folgendennaßen dar: Unter den alten Philosophen gab es zwei Auffassungen; die einen meinten, alles geschehe in der Weise durch das Fatum, daß dieses Fatum die Gewalt einer Notwendigkeit mit sich bringe ... ; die anderen meinten, die Bewegungen der Seele erfolgten ohne jeden Einfluß des Fatums durch den freien Willen. Daraufhin wollte Chrysipp sozusagen als Ehrenschiedsrichter einen Mittelweg finden, schlägt sich aber mehr auf die Seite derer, die die Bewegungen der Seele frei von Notwendigkeit wissen wollen; dabei bedient er sich jedoch seiner eigenen 397
§ 2.4.1
tur in eas difficultates ut necessitatem fati confirmat invitus. (40) atque hoc si placet quale sit videamus in adsensionibus, ... eas enim veteres illi, quibus omnia fato fieri videbantur, vi effici et necessitate dicebant. qui autem ab iis dissentiebant, fato adsensiones liberabant negabantque fato adsensionibus adhibito necessitatem ab bis posse removeri iique ita disserebant ,si omnia fato fiunt, omnia fiunt causa antecedente, et si adpetitus, illa etiam quae adpetitum sequuntur, ergo etiam adsensiones; at si causa adpetitus non est sita in nobis, ne ipse quidem adpetitus est in nostra potestate; quod si ita est, ne illa quidem quae adpetitu efficiuntur sunt sita in nobis; non sunt igitur neque adsensiones neque actiones in nostra potestate. ex quo efficitur ut nec Iaudationes iustae sint nec vituperationes nec honores nec supplicia.' quod cum vitiosum sit, probabiliter concludi putant non omnia fato fieri quaecumque fiant.
367 30 {antecedentibus) post Davisum dcl. cdd. saeculi XIX I 34 sunt cd. Orelli-Baitcr-Halm: sint AVB I 38 (ne- potestate) in marg. man. rec. add., deinde supra ne ille quidem eadcm manu suprascrips.
(41) Chrysippus autem cum et necessitatem inprobaret et nihil vellet sine praepositis causis evenire, causarum genera distinguit, ut et necessitatem effugiat et retineat fatum. ,causarum enim' inquit ,aliae sunt perfectae et principales aliae adiuvantes et proximae. quam ob rem cum dicimus omnia fato fieri causis antecedentibus, non hoc intellegi volumus: causis perfectis et principalibus, sed causis adiuvantibus {antecedentibus} et proximis.' itaque illi rationi, quam paulo ante conclusi, sie occurrit: si omnia fato fiant, sequi illud quidem ut omnia causis fiant antepositis, verum non principalibus causis et perfectis sed adiuvantibus et proximis. quae si ipsae non sunt in nostra potestate, non sequitur ut ne adpetitus quidem sit in nostra potestate. at hoc sequeretur, si omnia perfectis et principalibus causis fieri diceremus, ut, cum eae causae non essent in nostra potestate, (ne ille quidem esset in nostra potestate). (42) quam ob rem qui ita fatum introducunt ut necessi-
vel ne appetitus V
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Terminologie und gleitet dadurch in solche Schwierigkeiten, daß er, ohne es zu wollen, die fatalistische Notwendigkeit bestätigt. (40) Und wie das zugeht, wollen wir, wenn du einverstanden bist, anband der Zustimmungen betrachten .... Diejenigen alten Philosophen, die der Meinung waren, alles geschehe durch das Fatum, behaupteten nämlich, die Zustimmungen würden mit Gewalt und Notwendigkeit erzeugt. Ihre Gegner hingegen befreiten die Zustimmungen vom Fatum und bestritten, daß man, wenn man bei den Zustimmungen das Fatum zulasse, die Notwendigkeit von ihnen fernhalten könne; dazu lieferten sie folgende Argumentation: "Wenn alles durch das Fatum geschieht, dann geschieht alles aufgrundeiner vorangehenden Ursache; und wenn das beim Streben so ist, dann ist es auch bei dem so, was sich aus dem Streben ergibt, also auch bei den Zustimmungen. Wenn aber die Ursache für das Streben nicht in uns liegt, steht das Streben selbst sicherlich nicht. in unserer Macht; und wenn das stimmt, steht sicherlich auch das nicht in unserer Macht, was durch das Streben bewirkt wird. Es stehen also weder die Zustimmungen noch die Handlungen in unserer Macht. Daraus resultiert, daß weder Lob noch Tadel, weder Ehrungen noch Strafen gerecht sind." Das wiederum ist fehlerhaft, und deshalb könne man, so glauben sie, mit Wahrscheinlichkeit schließen, daß nicht alles, was geschieht, durch das Fatum geschieht. (41) Da nun Chrysipp sowohl die Notwendigkeit ablehnte als auch [sicherstellen] wollte, daß sich nichts ohne vorausliegende Ursachen ereignet, unterschied er verschiedene Arten von Ursachen, um einerseits die Notwendigkeit zu vermeiden und doch andererseits das Fatum beizubehalten. "Die Ursachen sind nämlich", so sagt er, "teils vollkommene Hauptursachen und anderenteils mithelfende Nebenursachen. Wenn wir deshalb sagen, alles geschehe durch das Fatum aufgrund vorausgehender Ursachen, dann wollen wir hierunter nicht vollkommene Hauptursachen, sondern mithelfende Nebenursachen verstanden wissen." Daraufhin begegnet er der kurz zuvor entwickelten Argumentation folgendermaßen: Wenn alles durch das Fatum geschieht, dann folgt zwar, daß alles aufgrund vorausliegender Ursachen geschieht, allerdings nicht aufgrund vollkommener Hauptursachen, sondern aufgrund mithelfender Nebenursachen. Wenn diese selbst nicht in unserer Macht stehen, dann folgt nicht, daß auch das Streben nicht in unserer Macht steht. Das würde allerdings dann folgen, wenn wir behaupten würden, alles geschehe aufgrund vollkommener Hauptursachen, so daß, da diese nicht in unserer Macht stehen, auch das Streben nicht in unserer Macht stünde. (42) Deshalb wird jene Argumentation gegen diejenigen gültig sein, die das
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§2.4.1
tatern adiungant, in eos valebit illa conclusio; qui autem 40 causas antecedentis non dicent perfectas neque principalis, in eos nihil valebit. quod enirn dicantur adsensiones fieri causis antepositis, id quale sit facile a se explicari putat. nam quarnquam adsensio non possit fieri nisi com.mota viso, tarnen curn id visum proxirnarn causarn habeat non principalern, hanc 45 habet rationern, ut Chrysippus vult, quam dudurn diximus, non ut illa quidern fieri possit nulla vi extrinsecus excitata, necesse est enirn adsensionern viso commoveri - sed revertitur ad cylindrum et ad turbinern suurn, quae rnoveri incipere nisi pulsa non possunt. id autern cum accidit, suapte natura quod so superest et cylindrum volvi et versari turbinern putat. (43) ,ut igitur' inquit ,qui protrusit cylindrurn dedit ei principium rnotionis, volubilitatern autern non dedit, sie visum obiectum inprirnet illud quidern et quasi signabit in animo suam speciem, sed adsensio nostra erit in potestate, eaque, quem ad 55 rnodum in cylindro dieturn est, extrinsecus pulsa, quod reliquum est, suapte vi et natura movebitur. quodsi aliqua res efficeretur sine causa antecedente, falsum esset omnia fato fieri; sin omnibus quaecumque fiunt veri simile est causam antecedere, quid adferri poterit cur non omnia fato fieri fa- 60 tendum sit; modo intellegatur quae sit causarum distinctio ac dissimilitudo.' (44) haec cum ita sint a Chrysippo explicata, si illi qui negant adsensiones fato fieri fateantur tarnen eas non sine viso antecedente fieri- alia ratio est, sed si concedunt anteire visa nec tarnen t'ato fieri adsensiones, quod proxima 65 illa et continens causa non moveat adsensionem, vide ne idem dicant. neque enim Chrysippus- concedens adsensionis proxi-
367 •• quid V ex corr. : quod V primitus, A primitus: dcl. A ex corr.: om. B I poterit V-: polest AB I 04 non del. Valla
400
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Fatum so einführen, daß sie mit ihm Notwendigkeit verknüpfen; aber sie wird nichts gegen diejenigen ausrichten, die die vorausgehenden Ursachen nicht als vollkommene Hauptursachen bezeichnen. Wenn nämlich behauptet wird, die Zustimmungen bildeten sich aufgrund vorausliegender Ursachen, so glaubt Chrysipp, leicht erklären zu können, wie es damit steht. Denn obwohl eine Zustimmung überhaupt nicht erfolgen kann, es sei denn, sie wäre durch eine Vorstellung veranlaßt worden, gilt für sie, da sie diese Vorstellung zur Neben- und nicht zur Hauptursache hat, nach dem Willen Chrysipps trotzdem die vorhin dargestellte Betrachtungsweise, wiewohl nicht mit der Konsequenz, daß die Zustimmung zustandekommen könnte, ohne von einer äußeren Kraft angestoßen zu sein; denn es ist ja notwendig, daß die Zustimmung durch eine Vorstellung veranlaßt wird. Vielmehr kommt Chrysipp hier zu seiner Walze und zu seinem Kreisel zurück, die nur durch einen [äußeren] Impuls in Bewegung kommen können. Wenn diese Bedingung aber erfüllt ist, dann, so meint er, rollt die Walze und dreht sich der Kreisel einstweilen aufgrundseiner eigenen Natur. (43) "Wie also", so sagt er, "derjenige, der die Walze angestoßen hat, ihr zwar den Beginn der Bewegung, aber nicht die Fähigkeit zur Drehung vermittelt hat, so wird der vorgestellte Gegenstand der Seele zwar die entsprechende Vorstellung einprägen und ihr seine Gestalt gleichsam einzeichnen, aber die Zustimmung dazu wird in unserer Macht liegen: nachdem sie, wie das an der Walze erläutert worden ist, den Impuls von außen empfangen hat, wird sie sich von da an mit eigener Kraft und aus ihrer eigenen Natur heraus bewegen. Denn wenn es irgendetwas gäbe, was ohne vorausgehende Ursache zustande käme, dann wäre es falsch, daß alles durch das Fatum geschieht. Wenn aber anzunehmen ist, daß allem, was geschieht, eine Ursache vorausgeht, welchen Grund könnte man dann dafür beibringen, daß man nicht sagen müßte, alles geschehe durch das Fatum? Man braucht nur zu begreifen, worin der Unterschied und die Unähnlichkeit der Ursachen bestehen." (44) Dies ist nun also von Chrysipp so dargelegt worden; wenn daraufhin diejenigen, die bestreiten, daß die Zustimmungenaufgrund des Fatums erfolgen, gleichwohl zugeben sollten, daß sie nicht ohne eine vorausgehende Vorstellung zustandekommen, so handelt es sich dabei um eine andere Argumentation. Wenn sie indes zugestehen, daß Vorstellungen vorausgehen und daß die Zustimmungen gleichwohl nicht durch das Fatum entstehen, weil jene Ursache, die der Zustimmung unmittelbar vorausgeht und mit ihr in wesentlichem Zusammenhang steht, die Zustimmung doch nicht herbeiführe, - dann sieh zu, ob sie nicht letztlich dasselbe sagen! Denn dadurch, 401
§ 2.4.1
mam et continentem causam esse in viso positam- {neque} eam causam esse ad adsentiendum necessariam concedet, ut si omnia fato fiant, omnia causis fiant antecedentibus et necessariis; itemque illi, qui ab hoc dissentiunt confitentes non fieri adsensiones sine praecursione visorum, dicent, si omnia fato fierent eius modi, ut nihil fieret nisi praegressione causae, confitendum esse fato fieri omnia; ex quo facile intellectu est, quoniam utrique patefacta atque explicata sententia sua ad eundem exitum veniant, verbis eos non re dissidere.
368
Philo, Quaestiones et solutiones in Exodum II § 120, p. 547 Aueher:
.•• fw61{~ J~6fh6~ ~U~ ~ cwpdnuf6 DCfLDJ, DJlllfWIDCmfi ~ muhl, hL lfm6mLw6't ~um WJ6ng~~ npf ·~ UIDDJWJ ~.fwumwu~pwV6 h6. AUCHERS LATEINISCHE ÜBERSETZUNG ... siquidem a se ipso est motus animae, ut convenit dicere, maxime secundum ex Stoa (vel Stoicos) philosophos.
367 •• {neque} om. ed. Yeneta 1496, Lambinus 1565, in adn. crit. Müller 1910; "frustra defendit Gercke" (Ax) I 74 intel/ectum A Vprimitus B 368 De translationibus vide supra p. LXXI sq.
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367-368
daß Chrysipp einräumt, daß die unmittelbare und in wesentlichem Zusammenhang stehende Ursache der Zustimmung in der Vorstellung liegt, gesteht er doch keineswegs zu, daß diese Ursache mit Notwendigkeit zur Zustimmung zwingt, so daß, wenn alles durch das Fatum geschieht, alles durch vorausgehende zwingende Ursachen geschähe. Und jene Leute, die anderer Meinung sind als er, werden, wenn sie zugeben, daß die Zustimmungen nicht ohne den Vorgang von Vorstellungen entstehen, genauso sagen, daß dann, wenn alles in dem Sinne durch das Fatum geschieht, daß nichts ohne den Vorhergang einer Ursache geschieht, zuzugeben sei, daß alles durch das Fatum geschieht. Daraus ist leicht zu ersehen, daß die beiden Parteien sich nur in den Worten und nicht in der Sache unterscheiden; denn nach Offenlegung und Erläuterung ihrer Ansichten kommen sie zu demselben Ergebnis .
. . . denn die Bewegung der Seele erfolgt durchaus aus sich selbst heraus, was zu sagen ganz richtig ist, und zwar vor allem nach den Philosophen der Stoa.
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Karlheinz Hülser
Die Fragmente zur Dialektik der Stoiker Neue Sammlung derTexte mit deutscher Übersetzung und Kommentaren
Band2
frommann-holzboog
1987
Diese Arbeit ist im Sonderforschungsbereich 99 ,.Grammatik und sprachliche Prozesse" der Universität Konstanz entstanden und wurde aufseine Veranlassung unter Verwendung der ihm von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellten Mittel gedruckt.
CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek Die Fragmente zur Dialektik der Stoiker: neue Sammlung d. Texte mit dt. Übers. u. Kommentaren ; [diese Arbeit ist im Sonderforschungsbereich 99 Grammatik u. sprach!. Prozesse d. Univ. Konstanz entstanden]/ Karlheinz Hülser.- Stuttgart-Bad Cannstatt; frommann-holzboog ISBN 3-7728-1034-9 NE: Hülser, Karlheinz [Hrsg.]; Sonderforschungsbereich Grammatik und sprachliche Prozesse (Konstanz) Bd. 2 (1987). ISBN 3-7728-1036-5
© Friedrich Frommann Verlag · Günther Holzboog GmbH & Co Stuttgart-Bad Cannstatt 1987 Satz und Druck: Universitätsdruckerei H. Stürtz AG Würzburg Einband: G. Lachenmaier Realwerk Reutlingen
Die Fragmente Nr. 369-772
§ 2.4.2-2.4.2.0
2.4.2 Die Grade der Zustimmung 2.4.2.0
Übergreifende Texte
Siehe auch schon oben Nr. 87-98, bes. 89, und Nr. 292-298.
369
Cicero, Acad. pr. 47,144sq.:
... quo enim spectat illud cum artificia tolli quereris a nobis nisi ut opifices concitentur; qui si undique omnes convenerint facile contra vos incitabuntur. Expromam primum illa invidiosa, quod eos omnes qui in contione stabunt exules servos insanos esse dicatis. deinde ad illa veniam, quae iam non ad multitudinem sed ad vosmet ipsos qui adestis pertinent. negat enim vos Zeno, negat Antiochus scire quicquam. ,Quo modo?' inquies; ,nos enim defendimus etiam insipientem multa conprendere'. (145) At scire negatis quemquam rem ullam nisi sapientem. et hoc quidem Zeno gestu conficiebat. nam cum extensis digitis adversam manum ostenderat, ,visum' inquiebat ,huius modi est'; dein cum paulum digitos contraxerat, ,adsensus huius modi'; turn cum plane conpresserat pugnumque fecerat, conprensionem illam esse dicebat, qua ex similitudine etiam nomen ei rei, quod ante non fuerat, xa-ral.:ru.L\JIW imposuit; cum autem laevam manum admoverat et illum pugnum arte vehementerque conpresserat, scientiam talemesse dicebat, cuius compotem nisi sapientem esse neminem. sed qui sapiens sit aut fuerit ne ipsi quidem solent dicere. ita tu nunc Catule lucere nescis, nec tu Hortensi in tua villa nos esse. . . .
369 • contione ed. Romana 1471: contentione A: contempt. B 1 12 contraxerat codd. dett., Victorius 1536: contexeral A; constrinxerat N: conxerat B 370 2 oi 5&- 'tOU'tO] &! 58 x. tb. i:Mxouv '<1 ä~ ( aö•6 ), toiito xtl.. aut 6 58 x. tb. tMxouv t~ toü-to, xd.. propos. Heintz, fortasse recte
370
Sextus Empiricus, Adv. Math. VII 150-153:
0[ Öe ltEQL tOV 'AQXEOt/..aov ltQO'rJYO"UJ.U3VcJ)(; f.'EV oiJöev OOQLOav XQLtTJQLOV, ol öe xai. ci>QLXEVaL öoxo'ÜvtE~ to'Üto xata ~ ngo~ toil~ l:tonxoiJ~
406
5
10
15
20
Fragment
369-370
... Denn deine Klage, daß die (praktischen) Künste (Wissenschaften) von uns aufgehoben würden, - auf was anderes zielt sie als allein nur darauf, daß die Handwerksleute aufgewiegelt werden?! Aber wenn sie aus sämtlichen Ecken alle zusammengekommen sind, kann man sie leicht gegen euch aufstacheln. Als erstes werde ich jene widerwärtige Doktrin auseinandersetzen, nach der ihr von all diesen Leuten, die da in der Runde stehen, erklärt, sie seien schmächtig, Sklaven, unvernünft