Serge Zacher
I Manfred Reuter
Regelungstechnik für Ingenieure
"Klassische Regelungstechnik in Verbindung mit intelligenter Regelung'" optimal für . V I I" meme or esungen. Prof. Dr.-Ing. E. Schneider, FH Rosenheim
"Stoffauswahl entspricht voll meinen Vorstellungen. Darstellung des Stoffes ist, wie
schon in den vorhergehenden Auflagen, besonders für Studierende geeignet. Dieses lehrbuch beinhaltet alles, was zum Verständnis der Regelungstechnik erforderlich ist."
Prof. Dr. -Ing. Helmut Bode, HTW Dresden
"Die Aufnahme der sog. Hinweise zur Zustandsregelung für zeitkontinuierliche Systeme in den Anhang verleiht diesem lehrbuch einen weiterem Aspekt zum Universallehrbuch der Regelungstechnik. Dieses lehrbuch ist m. E. das beste praxisorientierte Buch auf dem Gebiet der Regelungstechnik, geeignet für Fachschulen u. Berufsakademien.lch habe es in bei den Schularten seit 1992 eingesetzt." Dipl. -Ing. Wolfgang Hoyer
"Klare und verständliche Darstellung des Themas, gut geeignet für BachelorStudierende und auch zum Selbststudium." Professor Dr.-Ing. Stefan Raber
"Übersichtliche Gliederung, verständliche Erläuterungen mit guten praxisnahen Beispielen, Formelzeichenverzeichnis und ausführlicher Anhang mit übersichtlichen Tabellen ...ein wirklich exzellentes Lehrbuch für Ingenieure." Dr.-Ing. B. Klug, TU Cottbus
"Sehr gute Erklärung der Inhalte, sehr gut aufgemacht, kann man jedem Studierenden zusammen mit dem Übungsbuch als das Lehrbuch für Regelungstechnik empfehlen!"
www.viewegteubner.de
Professor Dr.-Ing. Günther Kastner, HS Weingarten
--.
Serge Zacher
I Manfred Reuter
Regelungstechnik für Ingenieure Analyse, Simulation und Entwurf von Regelkreisen 13., überarbeitete und erweiterte Auflage Mit 397 Abbildungen, 96 Beispielen und 32 Aufgaben STUDIUM
11 VIEWEG+
TEUBNER
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
abrufbar.
1. Auflage 1972 2., durchgesehene Auflage 1975 3 Nachdrucke 3., neubearbeitete Auflage 1981 4., durchgesehene Auflage 1983 5., überarbeitete und erweiterte Auflage 1986 6., durchgesehene Auflage 1988 7., überarbeitete und erweiterte Auflage 1989 8., verbesserte Auflage 1991 Nachdruck 1992 9., überarbeitete und erweiterte Auflage 1994 10., vollständig neubearbeitete Auflage 2002 11., korrigierte Auflage 2004 12., korrigierte und erweiterte Auflage 2008 13., überarbeitete und erweiterte Auflage 2011 Alle Rechte vorbehalten © Vieweg+Teubner Verlag Lektorat: Reinhard
I Springer Fachmedien Wiesbaden Dapper I Walburga Himmel
GmbH 2011
Vieweg+Teubner Verlag ist eine Marke von Springer Fachmedien. Springer Fachmedien ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media. www.viewegteubner.de Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften. Umschlaggestaltung: KünkelLopka Medienentwicklung, Heidelberg Druck und buchbinderische Verarbeitung: STRAUSS GMBH, Mörlenbach Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier Printed in Germany ISBN 978-3-8348-0900-1
v Vorwort zur 1. Auflage
Das vorliegende Buch stellt eine Einführung in die Grundlagen der Regelungstechnik unter besonderer Berücksichtigung der Laplace-Transformation dar und ist für Studenten an Fachhochschulen gedacht. Die zum Teil sehr ausführliche Darstellung soll, wenn nötig, auch ein selbständiges Einarbeiten in das Stoffgebiet ermöglichen. Zur Untersuchung der einzelnen Regelkreisglieder werden die klassischen Methoden wie: Differentialgleichung, Sprungantwort, Frequenzgang, Ortskurve und BodeDiagramm angewandt. Diese sind die Voraussetzung für die in der modernen Regelungstheorie benutzten Verfahren der z-Transformation und der Betrachtung im Zustandsraum. Nach der Einführung der Grundbegriffe der Steuerung und Regelung in Kapitell, wird in Kapitel 2 die mathematische Behandlung einzelner Regelkreisglieder erörtert. Ausgehend vom Zeitverhalten der Grundtypen von Regelkreisgliedern in Kapitel 3, werden in Kapitel 4 die Regelstrecken ausführlich behandelt. Für jede Streckenart werden sowohl elektrische als auch für den Maschinenbauer geeignete Beispiele durchgerechnet. Zur Ermittlung des charakteristischen Verlaufs der einzelnen Sprungantworten wird abwechselnd je ein Beispiel nach der klassischen und eines mittels Laplace-Transformation gelöst. Bei der Behandlung der Regeleinrichtungen (Kapitel 5) wird gleichzeitig deren typisches Verhalten an einfachen Regelstrecken untersucht. Über den Störfrequenzgang und die entsprechende Differentialgleichung werden deren Vor-und Nachteile, z. B. der Einfluß der einzelnen Reglerparameter auf die bleibende Regelabweichung und die Dämpfung aufgezeigt. Die für den Regelungstechniker wichtige Darstellung im Bode-Diagramm ist in Kapitel 6 zusammengefaßt. Zur Stabilitätsbetrachtung von Regelkreisen (Kapitel 7) werden die Kriterien von Hurwitz, Nyquist, die Behandlung im Bode-Diagramm und das Zweiortskurvenverfahren abgeleitet und an Beispielen ausführlich erläutert. Das Zweiortskurvenverfahren dient ferner der Behandlung von Nichtlinearitäten mittels der Methode der harmonischen Balance in Kapitel 9. Für verschiedene Nichtlinearitäten werden die Beschreibungsfunktionen abgeleitet. Anschließend werden in Kapitel 10 Zwei- und Dreipunktregler ohne und mit Rückführung erläutert. Das abschließende Kapitel 11 behandelt kurz die Wirkungsweise des Analogrechners. Ferner wird auf die Programmierung der wichtigsten Regler und Regelstrecken eingegangen. Den Anhang (Kapitel 12) bilden eine kurzgefaßte Ableitung der Laplace-Transformation sowie zusammenfassende Tabellen. Zum Schluß möchte ich mich bei meinen Kollegen, den Herren Dipl.-Ing. E. Böhmer, Dipl.-Ing, W. Mengel und Dr.-Ing. W. Zimmermann bedanken, die mir durch Ratschläge und Anregungen geholfen haben. Ferner danke ich dem Verlag Friedr. Vieweg & Sohn und seinen Mitarbeitern, insbesondere Herrn A. Schubert für die stets gute Zusammenarbeit. Siegen, im Januar 1972
Man/red Reuter
VI
Vorwort zur 13. Auflage
"Seit vier Jahrzehnten leistet Reuter seinen wesentlichen Beitrag zur Ausbildung von Diplom-Ingenieuren im Bereich Regelungstechnik. .. Zum Buch greifen Studenten, wenn ein Problem bei der Diplomarbeit entsteht, Ingenieure von renommierten Autoherstellern verwenden es zur Lösung von betrieblichen Aufgabenstellungen." schrieb ich im März 2008 im Vorwort zur 12. Auflage. Das war meine dritte Auflage, die ich seit 2002 aktualisiert habe, und ich hatte damals keine Absicht, noch eine weitere Auflage zu verfassen. Viel mehr konzentrierte ich mich an "Übungsbuch Regelungstechnik", das in diesem Jahr als 4. Auflage im Verlag Vieweg+Teubner erschien. Jedoch die durchaus positiven Meinungen von mehr als hundert Rezensenten und die Nachfrage seitens Studenten führte dazu, dass das Buch sehr schnell vom Verlagslager verschwand. Der Verlag stellte mich vor ein Dilemma: Das Buch für das kommende Semester unverändert weiter drucken oder wieder, wie damals im Jahre 2002, gründlich überarbeiten. Gerade zu dieser Zeit kam die Buchbewertung einer KolleginProfessorin, die keine Wahl zu Überlegungen ließ: "Sehr gute Herangehensweise durch ausführliche mathematische, nachvollziehbare Grundlagen, viele praxisnahe Beispiele zur Veranschaulichung der Materie, geeignete Matlab-Beispiele zur Verwendung in meiner Vorlesung, sehr breites Spektrum (lineare-nichtlineare Regelungstechnik), Reglerauslegung (praktisch-analytisch) und trotzdem sehr kompaktes Buch." Also haben wir uns mit dem Verlag auf eine Kompromisslösung geeinigt, die nun in der vorliegenden 13. Auflage stattgefunden hat, nämlich: • Die grundlegenden Kapitel der Regelungstechnik, die keine Änderungen in den letzten zehn Jahren erwiesen haben, sind unverändert gehalten. Die Ausnahme sind einige veraltete Beispiele und Methoden wie Amplituden- und Phasenlineal (Seiten 159-163) sowie die Seiten 272-274, 299-300, 304-305, 308-309 der vorherigen Auflage, die aktualisiert oder aus dem Buch herausgenommen wurden. All diese Seiten stehen als pdf-Dateien im OnlinePlus-Bereich des Verlags zum Download zur Verfügung. • Die modernen Teile des Buches sind vollständig überarbeitet. Das sind die digitale Regelung (Kapitel 11) sowie die modellbasierte und wissensbasierte Regelung (Kapitel 12). Es entstanden zwei neue Kapitel: Die Zustandsregelung (Kapitel 13) und die Grundlagen der Regelkreisanalyse mit MATLAB (Kapitel 14) . • Das Kapitel 12 "Intelligente Regelung" ist mit neuen Beispielen der prädiktiven und adaptiven Regelungen ergänzt. Der Leser findet im Buch wieder das kleine deutsch-englische Fachwörterbuch und das englisch-deutsche Formelzeichenverzeichnis sowie die aktualisierte Literaturliste. Besonderer Dank für die freundliche Atmosphäre, Unterstützung und jederzeit konstruktive Zusammenarbeit gilt den beteiligten Mitarbeitern des Vieweg+Teubner Verlags, insbesondere Herrn Ewald Schmitt und Herrn Reinhard Dapper. Wiesbaden, im August 2010
Serge Zacher
VII
Inhaltsverzeichnis Formelzeichen 1
Einleitung (von M. Reuter und S. Zacher) 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6
2
Mathematische Behandlung von Regelkreisen (von M. Reuter) 2.1 2.2 2.3
2.4
2.5 2.6
3
Das Prinzip der Regelung Darstellung im Wirkungsplan Gerätetechnische Ausführung eines Regelkreises Das Prinzip der Steuerung Beispiele für einfache Regelkreise Beispiele für vermaschte Regelkreise
XIII
1 3 5 7 8 9 12 15
Beharrungszustand und Zeitverhalten eines Regelkreisgliedes 15 Das Aufstellen der Diffenrentialgleichung 17 Lösung der Differentialgleichung 19 2.3.1 Spezielle Eingangsfunktionen 19 2.3.2 Lösung der Differentialgleichung bei sprunghafter Verstellung der 21 Eingangsgröße 2.3.3 Lösung der Differentialgleichung durch Trennen der Veränderlichen 22 23 2.3.4 Lösung der Differentialgleichung durch geeigneten Ansatz 2.3.5 Lösung mittels Laplace-Transformation. Die Übertragungfunktion .. 25 2.3.6 Lösung der Differentialgleichung bei sinusförmiger Eingangsgröße .30 Beschreibung von Regelkreisen im Frequenzbereich 34 2.4.1 Der Frequenzgang 34 2.4.2 Die Ortskurve 36 39 2.4.3 Beziehung zwischen Ortskurve und Sprungantwort 2.4.4 Das Bode-Diagramm 41 Beschreibung von Regelkreisen mit Übertragungsfunktionen .42 2.5.1 Verbindungsmöglichkeiten von Regelkreisgliedern .42 Behandlung des statischen Verhaltens .44 2.6.1 Statische Kennlinien 45 2.6.2 Statischer Regelfaktor 47 2.6.3 Linearisierung mit analytischen Verfahren .48 2.6.4 Linearisierung mit grafischen Verfahren 50
Regelstrecke (von M. Reuter)
51
3.1 3.2
53 53
P-Strecken ohne Verzögerung P-Strecken mit Verzögerung 1. Ordnung
VIII 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 3.8 3.9
4
P-Strecken mit Verzögerung 2. Ordnung 59 Strecken höherer Ordnung 70 Schwingungsfähige P-Strecken 2. Ordnung 75 I-Strecken ohne Verzögerung 83 86 I-Strecken mit Verzögerung 1. Ordnung Strecken mit Totzeit T t ••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• 92 Regelstrecken mit Totzeit und Verzögerung 1. Ordnung 96
Regeleinrichtungen (von M. Reuter) 4.1 4.2
4.3
5
Inhaltsverzeichnis
Elektronische Regler mittels Operationsverstärker Führungs- und Störverhalten des geschlossenen Regelkreises 4.2.1 Führungsübertragungsfunktion 4.2.2 Störübertragungsfunktion Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen 4.3.1 P-Regeleinrichtung 4.3.1.1 P-Regeleinrichtung zur Regelung einer P-TI-Strecke 4.3.2 I-Regeleinrichtung 4.3.2.1 I-Regeleinrichtung zur Regelung einer P-Tj-Strecke 4.3.2.2 I-Regeleinrichtung zur Regelung einer I-Strecke 4.3.3 PI-Regeleinrichtung 4.3.3.1 PI-Regeleinrichtung zur Regelung einer P-Tj-Strecke 4.3.3.2 PI-Regeleinrichtung zur Regelung einer I-Strecke 4.3.4 D-Verhalten 4.3.5 PD-Regeleinrichtung 4.3.5.1 PD-Regeleinrichtung zur Regelung einer P-T2-Strecke 4.3.6 PID-Regeleinrichtung 4.3.6.1 PID-Regeleinrichtung zur Regelung einer P-T2-Strecke
99 101 104 104 106 106 106 108 112 l14 117 118 120 124 125 127 131 135 140
Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren (von M. Reuter)
143
5.1
Bode-Diagramme einfacher Frequenzgänge
143
5.1.1 Bode-Diagramm eines Po-Gliedes 5.1.2 Bode-Diagramm eines I-Gliedes 5.1.3 Bode-Diagramm eines D-Gliedes 5.1.4 Bode-Diagramm eines P-Gliedes mit Verzögerung 1. Ordnung 5.1.5 Bode-Diagramm eines PI-Gliedes 5.1.6 Bode-Diagramm eines PD-Gliedes 5.1.7 Bode-Diagramm eines P-T2-Gliedes Darstellung in Reihe geschalteter Glieder im Bode-Diagramm 5.2.1 Konstruktion des Bode-Diagramms mittels Einzelfrequenzgängen 5.2.2 Konstruktion mittels Asymptoten (aktualisiert von S. Zacher) Numerische Berechnung des Bode-Diagramms
144 144 146 147 148 150 152 153 153 156 163
5.2
5.3
Inhaltsverzeichnis
IX
6
Stabilitätskriterien (von M. Reuter)
167
6.1 6.2
168 174
6.3
6.4
7
8
Stabilitätskriterium nach Hurwitz Stabilitätskriterium nach Nyquist 6.2.1 Graphische Ermittlung der Ortskurve bei gegebener PolNullstellenverteilung 6.2.2 Ableitung des Nyquist-Kriteriums 6.2.3 Anwendung des Nyquist-Kriteriums Stabilitätsuntersuchung nach Nyquist im Bode-Diagramm 6.3.1 Vereinfachtes Nyquist-Kriterium 6.3.2 Stabilitätsgüte und Phasenrand Stabilitätsuntersuchung mittels Zweiortskurvenverfahren 6.4.1 Konstruktion der negativ inversen Ortskurve der Strecke
175 178 180 185 190 191 195 197
Das Wurzelortskurvenverfahren (von M. Reuter)
201
7.1 7.2
Analytische Berechnung der Wurzelortskurve Geometrische Eigenschaften von Wurzelortskurven
203 213
Entwurf von linearen Regelkreisen (von S. Zacher)
221
8.1 8.2
221 224 224 228 233 236 236 238 243 243 245 248 251 251 252 254 256 258 258 261 262 265 265
8.3 8.4
8.5
8.6
8.7
Gütekriterien des Zeitverhaltens Praktische Einstellregeln 8.2.1 Grob approximierte Strecke 8.2.2 Fein approximierte Strecke Integralkriterien Einstellregeln im Frequenzbereich 8.4.1 Betragsoptimum 8.4.2 Symmetrisches Optimum Entwurf von Regelkreisen mit instabilen Strecken 8.5.1 Instabile P-T]-Glieder 8.5.2 Instabile P-T2-Glieder 8.5.3 Beispiele von instabilen Regelstrecken Vermaschte Regelung 8.6.1 Regelung mit Hilfsregelgrößen 8.6.2 Kaskadenregelung 8.6.3 Begrenzungsregelung 8.6.4 Störgrößenaufschaltung Mehrgrößenregelung 8.7.1 Regelstrecken mit mehreren Ein- und Ausgangsgrößen 8.7.2 Strukturen der Mehrgrößenregelung 8.7.3 Entwurf eines Diagonalreglers 8.7.4 Stabilität der Zweigrößenregelung 8.7.5 Entwurf eines Entkopplungsreglers
X
9
Inhaltsverzeichnis
Nichtlineare Glieder im Regelkreis (von M. Reuter)
271
9.1 9.2
275 276 277 279 282 285 287 288 292
9.3
Harmonische Balance Ermittlung spezieller Beschreibungsfunktionen 9.2.1 Beschreibungsfunktion eines Gliedes mit Sättigung 9.2.2 Beschreibungsfunktion eines Gliedes mit toter Zone 9.2.3 Beschreibungsfunktion eines Gliedes mit Hysterese 9.2.4 Beschreibungsfunktion eines Dreipunktreglers ohne Hysterese Stabilitätsuntersuchungen an nichtlinearen Regelkreisen 9.3.1 Dreipunktregler mit nachgeschaltetem Stellmotor 9.3.2 Untersuchung eines Regelkreises mit Ansprechempfindlichkeit
10 Unstetige Regelung (von M. Reuter) 10.1 Idealer Zweipunktregler an einer P-Strecke höherer Ordnung 10.2 Zweipunktregler mit Hysterese an einer P-Strecke 1. Ordnung 10.3 Zweipunktregler mit Rückführung 10.3.1 Zweipunktregler mit verzögerter Rückführung 10.3.2 Zweipunktregler mit verzögert-nachgebender Rückführung 10.4 Dreipunktregler 10.4.1 Dreipunktregler mit Rückführung
11 Digitale Regelung (von S. Zacher) 11.1 Digitale Regeleinrichtungen 11.2 Abtastregelung 11.2.1 Wirkungsweise von digitalen Regelkreisen 11.2.2 Rechenzeit 11.2.3 Beschreibungsmethoden 11.3 Quasikontinuierliche Regelung 11.3.1 Wahl der Abtastperiode 11.3.2 Praktische Einstellregeln 11.4 Beschreibung von Abtastsystemen im Zeitbereich 11.4.1 Differenzengleichungen 11.4.2 Aufstellen der Differenzengleichungen 11.4.3 Lösung der Differenzengleichungen mittels Rekursion 11.4.4 Exakte Lösung der Differenzengleichungen 11.4.5 Digitalisierung analoger Regelalgorithmen 11.4.6 Stabilitätsbedingung für Abtastsysteme 11.5 Beschreibung von digitalen Systemen im z-Bereich 11.5.1 Die z-Transformation 11.5.2 Die z-Übertragungsfunktionen 11.5.3 Digitale Übertragungsfunktionen von einzelnen Elementen 11.5.4 Digitale Führungsübertragungsfunktionen 11.5.5 Stabilitätskriterien für digitale Regelkreise
295 296 302 305 306 310 312 313 315 315 319 320 323 324 327 327 327 330 330 330 331 331 335 341 343 343 346 348 351 352
Inhaltsverzeichnis
XI
12 Intelligente Regelung (von S. Zacher)
357
12.1 Modellbasierte Regelung 12.1.1 Kompensationsregler 12.1.2 Smith-Prädiktor 12.1.3 PFC-Regler (Predictive Function Contra1) 12.1.4 Regler mit einem adaptiven Filter.. 12.1.5 Regler mit endlicher Einstellzeit 12.2 Fuzzy-Regler 12.2.1 Funktionsweise und Aufbau eines Fuzzy-Reglers 12.2.2 Fuzzy-Mengen und Zugehörigkeitsfunktionen 12.2.3 Regelbasis und Inferenz 12.2.4 Defuzzifizierung 12.3 Neuro-Regelung 12.3.1 Grundmodell eines künstlichen Neurons 12.3.2 Mehrschicht-KNN und Backpropagation 12.3.3 Regelkreisstrukturen mit KNN
13 Zustandsregelung (von S. Zacher) 13.1 Zustandsebene 13.1.1 Zustandsebene eines linearen Systems 13.1.2 Stabilitätsuntersuchung in der Zustandsebene 13.1.3 Zustandsrückführung eines nichtlinearen Systems 13.2 Zustandsraum 13.3 Steuerbarkeit und Beobachtbarkeit 13.4 Entwurf von Regelkreisen mittels Polzuweisung 13.4.1 Zustandrückführung 13.4.2 Vorfilter 13.4.3 Ausgangsrückführung 13.4.4 Störgrößenaufschaltung 13.4.5 Beobachterentwurf 13.5 Optimale Zustandsregelung nach LQ-Kriterien 13.5.1 Optimale Zustandsrückführung 13.5.2 Entwurf eines optimalen Beobachters
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB I Simulink (von S . Zacher) 14.1 14.2 14.3 14.4 14.5 14.6
Grundlagen der MATLAB-Pragramrnierung Grafik mit MATLAB Contral System Toolbox Bode-Diagramm mit MATLAB WOK mit MATLAB Einführung in MATLAB / Simulink
357 357 359 361 364 367 371 371 372 374 375 377 377 379 383 387 387 388 390 394 397 400 .402 402 404 405 408 410 .413 414 .416 417 .417 421 426 429 432 .438
XII
Inhaltsverzeichnis
Anhang
441
Lösungen der Übungsaufgaben (von M. Reuter und S. Zacher) Rechenregeln der Laplace-Transformation (von M. Reuter) Korrespondenztabelle (von M. Reuter) Sätze der Laplace- und z-Transformation (von M. Reuter) Tabelle der Laplace- und z-Transformation (von M. Reuter) Tabelle der wichtigsten Regelkreisglieder (von M. Reuter)
.441 .465 466 .467 .468 .470
Literaturverzeichnis (von S. Zacher)
.476
English-German Symbols Directory (von S. Zacher)
483
Fachwörter Deutsch-Englisch (von S. Zacher)
.491
Sachwortverzeichnis
505
XIII
Formelzeichen Fläche, Querschnitt, Schwingungsamplitude, Gewindesteigung Systemmatrix bzw. Dynamikmatrix Systemmatrix des Beobachters Koeffizienten der charakteristischen Gleichung P(w) Betragsreserve (Amplitudenreserve) ao, a 1... Koeffizienten der Differentialgleichung, der Fourier-Zerlegung, der z-Übertragungsfunktion, Beiwerte der Eingangsgröße und deren Ableitungen Steuermatrix bzw. Eingangsmatrix Dämpfungskonstante
C C
Co Co c D d d E e e( 00)
F
f
G G(j w)
Koeffizienten der Differentialgleichung, der Fourier-Zerlegung, der z-Übertragungsfunktion, Beiwerte der Ausgangsgröße und deren Ableitungen Kapazität, Kondensator, Integrationskonstante, Konzentration Beobachtungsmatrix bzw. Ausgangsmatrix Koppelfaktor, Koeffizient, Controlability Matrix Federkonstante, spezifische Wärme Dämpfungsgrad, Determinante Dicke, Sollwert eines Neuronausgangs Störgrößenvektor Fehler eines künstlichen neuronalen Netzes Regeldifferenz bleibende Regeldifferenz e(t) bei t ----7 00 Kraft Funktion, Frequenz Erfüllungsgrad einer Fuzzy-Regel, auch Matrix Frequenzgang
IG(jw)ldB Amplitudengang in dB G(s) Übertragungsfunktion G(z) z-Übertragungsfunktion Ggesch(S) Übertragungsfunktion des geschlossenen Kreises GH(S)
Übertragungsfunktion des Haltegliedes
GHS(Z)
z-Übertragungsfunktion Halteglied/Strecke
Go(s)
Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises
GM(S)
Übertragungsfunktion des gewünschten Regelverhaltens
GR(S)
Übertragungsfunktion der Regeleinrichtung
Gs(s)
Übertragungsfunktion der Regelstrecke
Gy(s)
Übertragungsfunktion des Vorfilters
XIV
Formelzeichen
Gvorw(s) Übertragungsfunktion des Vorwärtszweigs Gw(s)
Führungsübertragungsfunktion
Gz(s)
ia
Störübertragungsfunktion Gewichtsfunktion, Erdbeschleunigung Höhe, Füllstandshöhe, magnetische Feldstärke Systemmatrix eines Systems mit Zustandsrückführung Abstand, Höhe (Abweichung vom Arbeitspunkt), Übergangsfunktion Einheitsmatrix Strom Ankerstrom
ie J
Erregerstrom Massenträgheitsmoment, auch Funktional, Integralkriterium
j K K
imaginäre Einheit j = ~ Übertragungsbeiwerte, Koeffizienten, Konstante Zustandsrückführung
g
H H h
I
KD
Differenzierbeiwert
Kd
Störgrößenaufschaltung
KI
Integrierbeiwert
Kkr
kritischer Proportionalbeiwert
Ko
Kreisverstärkung
Kp
Proportionalbeiwert
KpM
Proportionalbeiwert des Modells
KpR
Proportionalbeiwert des Reglers
Kpr
Proportionalbeiwert des Smith-Prädiktors
Kps
Proportionalbeiwert der Strecke
Kpw
Proportionalbeiwert des geschlossenen Kreises (Führungsverhalten)
KpSy
Proportionalbeiwert der Strecke beim Stellverhalten
Kpsz
Proportionalbeiwert der Strecke beim Störverhalten
KS
Übertragungsbeiwert der Strecke
Ky k L
Ausgangsrückführung Wärmedurchgangszahl, Konstante Leistung, Induktivität, Länge Rückführung des Beobachters Laplace-Transformierte von [...] Länge Masse, Moment Ordnung des Zählerpolynoms der Übertragungsfunktion, Masse Windungszahl einer Wicklung Vorfilter, Scaling Factor
L L[...] I M
m N
N
Formelzeichen Nennerpolynom Beschreibungsfunktion Drehzahl, Anzahl von Halbwellen, Ordnung der Übertragungsfunktion n-I
Anzahl der Pole auf der imaginären Achse
nz
Anzahl der Pole in der linken s-Ebene
nr
Anzahl der Pole in der rechten s-Ebene Observability Matrix Leistung, Druck Vektor der Polstellen Polynom der charakteristischen Gleichung im w-Bereich Polynom der charakteristischen Gleichung im z-Bereich
Ob
P P
P(W) P(z)
Qabs
elektrische Heizleistung Druck, Polstelle Wärmemenge, Durchflüßmenge, Güteindex positiv semidefinierte symmetrische Matrix Betrag der linearen Regelfläche
QITAE
zeitgewichtete Betragsfläche
Qlin
lineare Regelfläche
Qqrs
quadratische Regelfläche Durchfluss elektrischer bzw. magnetischer Widerstand, Gaskonstante positiv definierte symmetrische Matrix
Pe p
Q
Q
q R
R RF
r
statischer Regelfaktor Radius Schnittpunkte der Ortskurve bzw. des Bode-Diagramms Beobachtbarkeitsmatrix Modellmatrix, Matrix des Beobachters Steuerbarkeitsmatrix komplexe Variable s=CY+jOJ Nullstellen Polstellen Zeitkonstante, Periodendauer Abtastzeit Anregelzeit Ausregelzeit Ersatzzeitkonstante Schwingungsperiode Ausgleichszeit Länge des Prädiktionshorizontes
xv
XVI
Formelzeichen Integrierzeit Zeitkonstante des Modells Nachstellzeit Verzögerungszeitkonstante des Reglers Totzeit Verzugszeit Vorhaltzeit Zeitkonstante eines geschlossenen Regelkreises Zeit Ausschaltzeit Einschaltzeit Koordinate des Wendepunktes
tlO, tso U U
U
UD V
V V(s) v
v W
x
x x(t)
x(O) x( 00)
Zeitpunkte für die Regelgröße von 10%,50% stationäres Wertes Spannung zeitlich veränderliche Spannung (Abweichung vom Arbeitspunkt), auch Eingangsgröße Eingangsvektor bzw. Stellgrößenvektor Differenzspannung des Operationsverstärkers Ventil, Volumen, Verstärkungsgrad Hilfsmatrix zur Ermittlung der Ausgangsrückführung Übertragungsfunktion einer Mehrgrößenstrecke in V-kanonischer Struktur Geschwindigkeit, Ausgang verdecktes Neurons Transferfunktion eines Neurons Gewicht eines Neurons Führungsgröße, Sollwert, Operator der bilinearen Transformation Höhe des Sollwertsprungs Regelgröße, Weg Regelbereich Regelgröße (Abweichung vom Arbeitspunkt), Weg Zustandsvektor Sprungantwort Anfangswert bei t = 0 Beharrungswert bei t ~ 00 Ausgangsgröße (allgemein) Amplitude der Ausgangsgröße Sättigungszone Endwert Eingangsgröße (allgemein)
xeO
Eingangssprung
Formelzeichen
XVII
Amplitude der Eingangsgröße Hysteresebreite Mittelwertabweichung Xm
Überschwingweite
2xo
Schwankungsbreite Rückführgröße
xref
Referenzgröße Sollwert
XSO
tote Zone Zeit-Prozentkennwert
Yh
Stellbereich
Yo Y
Stellgröße im Arbeitspunkt Stellgröße Ausgangsvektor
YR
Stellgröße am Ausgang der Regeleinrichtung Impedanz z-Transformierte von [...] Zählerpolynom
Xt
y
Z Z[ ... ] Z(5)
Zo Z
Zo
a
ß
r
A
J
17 ()
tJ
A /1(... )
P (j
r v if>
rp
Störgröße im Arbeitspunkt Störgröße, komplexe Variable bei z-Transformation, Nullstelle bei Matlab Höhe des Störsprungs Abklingkonstante, Aktivierung, Konstante der Korrespondenztabelle, Skalierungsfaktor, Winkel, Winkelposition Kennkreisfrequenz, Kreisfrequenz des ungedämpften Systems, Zeitskalierungsfaktor, auch Aktivierung eines Neurons spezifisches Gewicht Kennzeichnung von Größenänderung Impulsfunktion, Nadelimpuls Zähigkeit von Gasen, Lernschrittkonstante Schwellenwert Temperatur Wurzel der homogenen Differentialgleichung, Eigenwerte, auch Wärmeleitfähigkeit Zugehörigkeitsfunktion Dichte Einheitssprung Zeit, Maschinenzeit Anzahl der Schnittpunkte der Ortskurve bzw. des Phasengangs Wärmestrom, Fluss, Erregerfluss Winkel, Phasenverschiebungswinkel
XVIII
lfRd 0/( W)
w
Formelzeichen Phasenreserve Phasengang Kreisfrequenz, Winkelgeschwindigkeit Durchtritts(kreis)frequenz Eck(kreis)frequenz Eigenkreisfrequenz kritische Kreisfrequenz
Indizes A
Anker-
a
Abfluss- , Ausbreitung-
akt
aktueller Wert
C
Feder- , Kondensator-
D
Dämpfer- , Differenzier-
F
Filter-
f
Feder-
G
Gewicht-
HT
Häher-Tiefer
M
Motor- , Moment-, auch Modell-
m.R.
"mit Regler"-Verhalten
n
negativ
o
Anfangspunkt-, Arbeitspunkt-, aufgeschnittener (offener) Kreis, Leerlauf
o.R.
"ohne Regler"-Verhalten
P
positiv
TG
Tachogenerator-
W
Wasser-
1
1 Einleitung Die Regelungstechnik gehört zu den Grundlagenfächern der Ingenieurwissenschaften, die sich mit der selbsttätigen Regelung einzelner Arbeitsvorgänge sowie geschlossener Produktionsabläufe befasst. Die zunehmende Automation ist durch die rapide Verbreitung von Regelungssystemen und durch eine Expansion ihres Anwendungsbereiches gekennzeichnet. Mit Hilfe von Prozessrechnern werden auch komplexere Regelalgorithmen digital realisiert. Durch die Bustechnologie und die Vernetzung ist es heute möglich kompliziertere Systeme zu regeln, als dies mit den klassischen Regeleinrichtungen möglich war. Das Wesentliche einer Regelung besteht in einem Rückkopplungszweig, der dazu dient, die zu regelnde Größe (die Regelgröße) von Störeinflüssen unabhängig zu machen, so dass sie stets einen vorgegebenen Wert beibehält. In technischen Anlagen sind die zu regelnden Größen physikalischer Natur, so z. B. Druck, Temperatur, Drehzahl, Durchfluss, Flüssigkeitsstand, Strom, Spannung usw. Der Beginn der Regelungstechnik lässt sich nicht genau datieren. Bereits 1765 hat Polsunoweinen Regler zur Wasserstandsregelung in einem Kessel über Schwimmer und Absperrklappe erfunden. Eine größere Bedeutung erlangte der 1788 von farnes Watt erfundene Zentrifugalregulator, der zur Drehzahlregelung von Dampfmaschinen benutzt wurde. Wie Bild 1.1 zeigt, besteht der Zentrifugalregulator aus zwei Massen 1, die durch die Arme 2 pendelnd gelagert sind. Bei Rotation der Welle 3 werden die beiden Massen infolge der Zentrifugalkraft nach außen bewegt. Diese Kraft wirkt über das Gestänge 4 auf die Muffe 5. Als Gegenkraft ist die Feder 6 wirksam, die der durch die Zentrifugalkraft auf die Muffe ausgeübten Kraft das Gleichgewicht hält. Einer bestimmten Federspannung entspricht eine ganz bestimmte Drehzahl.
~DamPf Bild 1.1
Zentrifugalregulator
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_1, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
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1 Einleitung
Nimmt aus irgendeinem Grund die Dampfzufuhr zu und damit die Drehzahl, so wird infolge der größeren Zentrifugalkraft die Feder stärker gespannt, die Muffe angehoben und das Ventil etwas geschlossen. Dadurch wird die Dampfzufuhr gedrosselt, bis die ursprüngliche Drehzahl wieder erreicht ist. Sinkt nun infolge einer höheren Belastung die Drehzahl ab, so würde bedingt durch die Rückkopplung das Ventil so weit geöffnet, bis der durch die Feder eingestellte Sollwert wieder erreicht wird. Der Mensch ist immer bestrebt, empirisch Gefundenes theoretisch zu konsolidieren. Die erste vollständige Theorie des Regelkreises gelang (1868) Clerk Maxwell und (1877) Wyschnegradski. Ein weiteres Problem besteht darin, dass in einem Regelsystem, bedingt durch den Rückkopplungszweig, beim Auftreten einer äußeren Störung eine unerwünschte Erscheinung auftreten kann, die gegebenenfalls zur Zerstörung der Anlage führt und als Instabilität bezeichnet wird. Diese Erscheinung trat erstmals bei der Regelung von Wasserturbinen auf und wurde zuerst von Routh (1877) und Hurwitz (1895) theoretisch gelöst. Später wurde eine weitere Zahl von Stabilitätskriterien entwickelt, mit deren Hilfe es möglich ist, die Bedingungen festzustellen, die zur Instabilität führen und welche Maßnahmen zu treffen sind, um dies zu beseitigen. Diese Entwicklung wurde stark von der Elektrotechnik geprägt, da die Regeleinrichtungen aus analogen Bauelementen wie Operationsverstärker bestanden. Mit Konrad Zuse, der den ersten freiprogrammierbaren digitalen Computer der Welt fertig stellte, fängt der Umbruch der Regelungstechnik an. 30 Jahre später kommt der erste Mikroprozessor auf den Markt (1971) und revolutioniert die Technik von analog zu digital mit einer wachsenden Anzahl von Anwendungen. Heute sind Automatisierungssysteme ohne Mikroprozessoren, Computer und speicherprogramrnierbaren Steuerungen (SPS) undenkbar. Ein Produktionssystem lässt sich als Pyramide, wie im Bild 1.2 gezeigt, darstellen. In der Feld- und Prozessebene findet man alle Komponenten des Regelkreises: Regelstrecke, Messfühler (Sensoren), Regler, Steller.
Feldebene
Prozess '-
Bild 1.2
...>..c
Produktionssystem als Automatisierungspyramide
_
1.1 Das Prinzip der Regelung
3
Erst im 20. Jahrhundert entdeckte man, angeregt durch die Erfolge der Regelungstechnik, dass die Prinzipien der Regelung nicht allein auf technische Vorgänge beschränkt sind, sondern ebenso im biologischen und sozialen Bereich auftreten. Betrachten wir z. B. den menschlichen Körper, so werden Blutdruck, Blutzuckergehalt, Körpertemperatur usw. ständig durch messende und regulierende Organe in engen Grenzen konstant gehalten. Auch im Zusammenleben verschiedener Lebewesen finden wir regelnde Gesetzmäßigkeiten. So fressen z.B. die Haie die Schollen. Gibt es aus irgendeinem Grund zu viele Schollen, so sind die Lebensbedingungen der Haie besonders günstig. Sie vermehren sich also. Eine größere Anzahl von Haien bedeutet eine Verminderung der Anzahl der Schollen und damit eine Verschlechterung der Lebensbedingungen der Haie, die sich dann ebenfalls wieder reduzieren. Nach einigen Pendelungen stellt sich ein stabiles Gleichgewicht ein bis eine neue Störung auftritt. All diese, in den verschiedensten Wissensgebieten, wie Technik, Biologie, Psychologie, Soziologie, Ökonomie usw. auftretenden analogen Probleme und Gesetzmäßigkeiten legen eine übergeordnete Wissenschaft nahe, für die Norbert Wiener (1948) den Begriff Kybernetik prägte. Die Kybernetik, als verbindende Brücke zwischen den Wissenschaften gedacht, hat sich nicht als eine selbständige, übergeordnete Disziplin durchsetzen können. Nur in der Biologie versuchte die Bio-Kybernetik die im menschlichen Gehirn stattfindenden Vorgänge durch Modelle zu simulieren und zu erklären. 1962 veröffentlicht Frank Rosenblatt sein Konzept der Neurodynamik. 12 Jahre später wurde der erste computergesteuerte Roboter entwickelt. Wenn diese und die nachfolgende Rechenautomaten auch partiell leistungsfähiger sind, so ist die Analogie mit den Regelvorgängen in der Biologie doch nur unvollkommen. Die Verhältnisse in der Biologie sind weit komplizierter, weil an der Regelung einer einzigen Größe sehr viele Faktoren beteiligt sind und eine gegenseitige Abhängigkeit vieler Regelkreise besteht. Heute werden die Untersuchungen in diesem Bereich von Computational Intelligenz oder SoJt-Computing übernommen. Darunter versteht man Fuzzy-Logik, künstliche neuronale Netze, genetische Algorithmen, Data Mining, Image-Prozessing und andere Methoden, mit dem Bestreben, Regelalgorithmen zu finden, deren Funktionen dem menschlichen Verhalten immer ähnlicher werden.
1.1 Das Prinzip der Regelung Die Wirkungsweise und die Begriffe der Regelung sollen an einem einfachen, oft zitierten Beispiel behandelt werden. Raumtemperaturregelung
Es soll die Temperatur 19ist in einem Raum auf einem vorgegebenen Wert 19 so ll (dem Sollwert) gehalten werden. Die Wärmezufuhr erfolgt durch Dampf oder Heißwasser über einen Radiator. Ohne Regler müsste man zunächst ein Thermometer in den Raum bringen, um festzustellen, ob die gewünschte Temperatur 19 soll vorhanden ist. Liegt der Istwert 19 ist
4
1 Einleitung
unterhalb des Sollwertes tJ soll dann wird man das Heizkörperventil mehr aufdrehen. Im umgekehrten Fall entsprechend zudrehen, bis die gewünschte Temperatur vorhanden ist (tJ ist = tJ sol]). Die Differenz zwischen Soll- und Istwert nennt man Rege/differenz tJ e, d. h. (tJ e = tJ soll - tJ ist). Diese Art der Regelung, bei der der Mensch tätig ist, bezeichnet man als manuelle Regelung oder Handregelung.
Es ist nun zu untersuchen, weshalb an einem einmal richtig eingestellten Heizkörperventil überhaupt noch nachträglich Verstellungen zur Aufrechterhaltung der gewünschten Temperatur notwendig sind. Man erkennt leicht, dass sich z. B. die Außentemperatur ändern kann. Nehmen wir an, die Außentemperatur tJ a sinkt, so wird das Wärmegefälle (tJ ist
-
tJ a) größer und damit die Wärmeabgabe durch die Wände und
Fenster; die Temperatur tJ ist fällt. Ferner kann es vorkommen, dass der Energiegehalt des Wassers oder des Dampfes schwankt und somit einer bestimmten Ventilstellung keine konstante Energiemenge pro Zeiteinheit zugeordnet werden kann. Weitere störende Einflüsse können entstehen durch das Öffnen von Fenstern oder durch Veränderung der Anzahl der im Raum befindlichen Personen. All diese Einflüsse, die eine Abweichung von der geforderten Temperatur tJ soll verursachen, nennt man Störgrößen. Da diese Störgrößen nicht konstant sind, ist eine Regelung erforderlich, die sofort eingreift und die Wirkung der Störung beseitigt. Um die Raumtemperatur von Hand auf den Sollwert tJ soll zu regeln, hatten wir folgende Funktionen auszuführen: 1. Messen der zu regelnden Größe 2. Vergleichen der Regelgröße mit dem Sollwert 3. Erzeugen eines geeigneten Stellbefehls 4. Verstellen des Stellorgans. Um die Raumtemperatur selbsttätig zu regeln, müssen die erwähnten vier Funktionen einer Rege/einrichtung übertragen werden, wie in Bild 1.3 schematisch gezeigt ist. MF
Messfühler Regler STV Stellventil y Stellgröße Störgröße z Temperatur-Istwert zJist zJsoll Temperatur-Sollwert Außentemperatur zJ a R
-'Öa
y
=t:l
+--
Wärmeenergie
Bild 1.3
Raumtemperaturregelung
1.2 Darstellung im Wirkungsplan
5
Hierbei ist jedoch der Begriff des Messens allgemeiner zu fassen. Die Messgröße muss geeignet sein, als Eingangssignal der Regeleinrichtung zu dienen. Ist dies nicht der Fall, so muss die Messgröße erst in einem Messumformer entsprechend umgeformt werden. Beispielsweise verwendet man zur Durchflussmessung von Gasen oder Flüssigkeiten den Differenzdruck an einer Blende; oder zur Messung der Drehzahl die Spannung, die von einem Tachogenerator erzeugt wird. Der eigentliche Regler besteht meistens aus einem Verstärker und einer Einrichtung zur Erzeugung des gewünschten Zeitverhaltens. Je genauer geregelt werden soll, desto empfindlicher muss der Regler auf eine Regeldifferenz reagieren. Die Energie der Regeldifferenz am Eingang des Reglers muss so verstärkt werden, dass am Ausgang genügend Energie zum Betätigen des Stellventils zur Verfügung steht. Unter dem Zeitverhalten eines Reglers versteht man die Reaktion des Reglers beim plötzlichen Auftreten einer Regeldifferenz, d. h. ob die Stellgröße sofort erzeugt wird oder erst nach einer gewissen Verzögerungszeit usw. Verfolgt man nun die einzelnen Stufen des Regelvorganges, so stellt man fest, dass es sich um einen geschlossenen Kreis handelt, dem sogenannten Regelkreis, denn das Stellen wirkt immer wieder auf das Messen zurück. Der Rückkopplungszweig, der durch die Regeleinrichtung gebildet wird und den Messort mit dem Stellort verbindet, ist das wesentliche Merkmal einer Regelung.
1.2 Darstellung im Wirkungsplan Die einzelnen Glieder des Regelkreises werden nach der DIN 19226 durch rechteckige Kästchen, Block genannt, symbolisiert (Bild 1.4a). Die Ein- und Ausgangssignale werden durch Wirkungslinien dargestellt, deren Pfeilspitzen die Wirkungsrichtung angeben. Zur genaueren Kennzeichnung wird in einem Block symbolisch angegeben, wie die Ausgangsgröße bei plötzlicher Änderung der Eingangsgröße reagiert. Außerdem werden die Stellen, an denen mehrere Signale zusammentreffen, durch eine Additionsstelle (Bild l.4b) und Punkte, an denen eine Verzweigung eines Signals stattfindet, durch eine Verzweigungsstelle (Bild 1.4c) dargestellt. Der gesamte Regelkreis lässt sich als Aneinanderreihung von Blöcken wiedergeben. Diese Darstellung, welche die wirkungsmäßigen Zusammenhänge zwischen den b)
a)
'-----
Bild 1.4
Elemente des Wirkungsplanes: a) Blocksymbol = ± Xe 1 ± x e2
b)
Additionsstelle
c)
Verzweigungsstelle Xal = Xa2 = xe
Xa
c)
6
1 Einleitung
'Öist
Bild I.S
Wirkungsplan des Temperaturregelkreises
Signalen wiedergibt, wie in Bild 1.5 gezeigt, ohne gerätetechnische Einzelheiten zu berücksichtigen, wird nach der DIN 19226 als Wirkungsplan bezeichnet. Generell kann man nun den Regelkreis in zwei Bereiche unterteilen. Der 1. Bereich ist durch die Anlage gegeben, in dem eine physikalische Größe geregelt werden soll, die sogenannte Regelstrecke. Der 2. Bereich ist der Teil, der dazu dient, die Regelstrecke über das Stellglied so zu beeinflussen, dass die Regelgröße den gewünschten Wert innehält, die sogenannte Regeleinrichtung. Zur Regeleinrichtung zählen also der Messfühler, der Messumformer, bei Bedarf der Vergleicher, der Regler und das Stellglied. Das Stellglied lässt sich sowohl der Regelstrecke als auch der Regeleinrichtung je nach Zweckmäßigkeit zuordnen (Bild 1.6). Die Störgrößen können nun an verschiedenen Stellen des Regelkreises auftreten. In Bild 1.6 ist nur eine Störgröße gezeichnet, die zusammen mit der Stellgröße der Regeleinrichtung YR am Eingang der Strecke angreift. Dies ist aus folgendem Grund erlaubt: Sinkt die Störgröße z (Außentemperatur 1J a) und demzufolge die Regelgröße x (Innentemperatur 1J ist), so registriert der Messfühler eine Temperaturabnahme, kann aber nicht entscheiden, ob die Außentemperatur gesunken ist oder ob das Stellventil mehr zugedreht wurde. Ebenso registriert der Temperaturfühler eine Temperaturabnahme, wenn die zugeführte Wärmemenge pro Zeiteinheit abnimmt. Auch in diesem Fall kann der Messfühler nicht feststellen, ob der zugeführte Energieinhalt pro Zeiteinheit sich geändert hat oder das Stellventil verstellt wurde. Es ist also möglich, alle Störgrößen an den Stellort zu transformieren und als eine einzige Störgröße z zusammen mit der Stellgröße YR am Eingang der Strecke angreifen zu lassen.
w
x
------. +
Bild 1.6
Vereinfachter Wirkungsplan eines Regelkreises
1.3 Gerätetechnische Ausführung eines Regelkreises
7
Einheitsbezeichnungen Die in der Regelungstechnik zu regelnden Größen können sehr unterschiedlicher physikalischer Natur sein. Zur Vereinheitlichung werden die Regelgröße mit Xist, der Sollwert mit Xsol]' die Differenz zwischen Xsoll und Xist als Regeldifferenz e und die Stellgröße mit y bezeichnet, gleichgültig, ob es sich bei der zu regelnden Größe um die Temperatur in einem Glühofen, die Geschwindigkeit eines Walzgutes oder den pHWert einer Säure handelt. Ferner wird die Regelgröße Xist einfach als x bezeichnet und anstelle des Sollwertes Xsoll wird die Bezeichnung Führungsgröße wangewandt. Wie wir noch sehen werden, interessieren bei einer Regelung weniger die Absolutwerte, sondern die Änderungen der Größen. Diese Änderungen werden im Gegensatz zu den Absolutwerten durch kleine Buchstaben gekennzeichnet.
1.3 Gerätetechnische Ausführung eines Regelkreises Es gibt viele Möglichkeiten zur praktischen Verwirklichung der Regelung. Davon soll eine anhand der Positionsregelung einer Antenne behandelt werden (Bild 1.7). Der aktuelle Winkel
ax wird durch ein Potentiometer gemessen und in die Spannung Ux
umgewandelt. Durch einen Vergleich mit dem Sollwert Uw wird die Spannungsdifferenz Ue = Uw - Ux gebildet. Ist Uw = Ux bzw. Ue = 0, bleibt der Motor stehen. Vergrößert sich der Winkel ax, so vergrößert sich die Spannung Ux ' Da die Sollwertspannung Uw konstant ist, entsteht dabei eine negative Spannung Ue . Diese Spannung verstärkt durch zwei Verstärkungsstufen (Regler, Leistungsverstärker) ergibt die Ansteuerung des Motors UA. Der Motor bewegt die Antenne und den Gleitkontakt des Potentiometers bis Uw = Ux bzw. der Winkel
ax dem Sollwert aw gleich ist. Istwert
PotentiometerMessfühler .
LeistungsVerstärker Bild 1.7
Gerätetechnische Ausführung der Positionsregelung einer Antenne
1 Einleitung
8
1.4 Das Prinzip der Steuerung Unter bestimmten Voraussetzungen lässt sich eine Größe auch durch Steuern auf einem vorgegebenen Wert, der konstant oder zeitlich veränderlich sein kann, halten. Betrachten wir hierzu als Beispiel die Konstanthaltung der Winkellage einer Antenne durch Steuern unter der vereinfachenden Annahme, dass als einzig maßgebende Störgröße z die Schwankung der Windstärke auf die Antenne wirkt (Bild 1.8). Zunächst sei das Steuergerät so eingestellt, dass der Antennenwinkel LXx gleich dem
vorgegebenen Sollwert aw ist und die Ansteuerungsspannung des Motors gleich Null ist. Tritt nun eine Zunahme der Windgeschwindigkeit (Störgröße z) auf, so würde ohne Steuergerät die Winkelposition der Antenne geändert. Mit Steuergerät wird die Zunahme der Windgeschwindigkeit durch den Messfühler dem Steuergerät sofort gemeldet und von diesem der Motor angesteuert. Die vorhandene Änderung der Position wird dadurch ausgeglichen und der Antennenwinkel konstant gehalten. Im Gegensatz zur Regelung handelt es sich um eine offene Wirkungskette (Bild 1.9). Der Nachteil der Steuerung gegenüber der Regelung besteht darin, dass nicht alle Störgrößeneinflüsse eliminiert werden, sondern nur der, dessen Größe vom Steuergerät gemessen wird. Ferner ist Voraussetzung, dass das Verhalten der Strecke zahlenmäßig genau bekannt ist. Als Vorteil gegenüber der Regelung ist hervorzuheben, dass infolge des fehlenden Rückkopplungszweiges keine Instabilität auftreten kann. Im Idealfall wird der Sollwert genau eingehalten, während bei einer Regelung, beim Auftreten einer Störgrößenänderung, zumindest eine vorübergehende Abweichung der Regelgröße vom Sollwert auftritt.
~:grzöße
Messfühler ~~..----:--Steuergerät (SPS)
II\F~~~
1111111111111111 1111111111111111 1111111111111111 1111111111111111
Motor Bild 1.8
Steuerung der Winkellage einer Antenne
z
Bild 1.9
Wirkungsplan einer Steuerung
a x Istwert
1.5 Beispiele für einfache Regelkreise
9
1.5 Beispiele für einfache Regelkreise Temperaturregelung
Die Raumtemperatur x soll mittels pneumatischer Regeleinrichtung geregelt werden (Bild 1.10).
~
Pv
Yordrossel
x
zum Radiator w
Bild 1.10 Gerätetechnische Ausführung einer Raumtemperatur-Regelung
Die Temperatur wird durch ein Flüssigkeitsausdehnungsthermometer gemessen. Bei Temperaturzunahme vergrößert sich das Flüssigkeitsvolumen und expandiert in den Federbalg. Dieser dehnt sich aus und drückt den Hebelarm entgegen der Federkraft, an welcher der Sollwert eingestellt werden kann, nach unten (Vergleichsstelle). Das rechte Ende steuert die Düsenöffnung zu und der Druck PS t in der Steuerleitung steigt an. lnfolge des Druckanstiegs steigt auch die Kraft auf dem Membranteller PsrA, die die Ventilspindel um einen Weg s nach unten bewegt bis die Federkraft gleich der Membrankraft ist. Der Verstärker arbeitet nach dem Düse-Prallplatte-System. Bei geschlossener Düse wird der Steuerdruck PS t gleich dem Vordruck Py. Wird der Abstand Düse-Prallplatte vergrößert, so vermindert sich der Austrittswiderstand, während der Widerstand der Vordrossel konstant bleibt. Zwischen dem konstanten Vordruck Py und dem äußeren Atmosphärendruck besteht ein Druckgefälle, das entsprechend den Drosselwiderstand aufgeteilt wird. Druckregelung in einer Rohrleitung
In einer Rohrleitung soll der Luftdruck unabhängig von Belastungsschwankungen auf einem konstanten Wert gehalten werden. Die Freistrahldüse ist in Punkt 1 drehbar gelagert (Bild 1.11). Der Sollwert X s wird durch die Schraube und Feder eingestellt. Ist die Regelgröße x gleich dem Sollwert x s, dann befindet sich das Strahlrohr in einer symmetrischen Lage zu den beiden gegenüberliegenden Kanälen. Der Druck auf der Unterseite des Steuerkolbens ist gleich dem auf der Oberseite, der Kolben bleibt in
1 Einleitung
10
P=x
Bild 1.11 Luftdruckregelung in einem Windkanal
Ruhe und ebenso die Drosselklappe. Bei geringerem Verbrauch steigt der Druck P und die Membrankraft bewegt die Düse entgegen der Federkraft nach unten. Dadurch wird der untere Kanal mehr beaufschlagt als der obere und der Kolben bewegt sich nach oben. Die Verstellung der Klappe bewirkt eine Druckabnahme in der Rohrleitung und das Strahlrohr bewegt sich nach oben bis es den beiden Kanälen symmetrisch gegenüber steht und der Druck P gleich dem Sollwert X s ist. Ist umgekehrt der Verbrauch zu groß, dann sinkt der Druck, die Düse bewegt sich nach oben, der Kolben nach unten und die Drosselklappe wird mehr geöffnet.
Sendeleistungsregelung eines Mobiltelefons Ein Handy kann unter Vereinfachungen aus zwei Teilen dargestellt werden: einem Register und einem Sender (Bild 1.12). Die Sendeleistung Lh des Mobiltelefons wird
während der Freiraumausbreitung gedämpft. Dadurch wird die Empfangsleistung List der Zentrale geschwächt, d. h. List = Lh - La. Feststation
+ ~n ~n ~n ~n ~ ~ I
,, ,:
Mobilstation
+
List
:Empfangsleistung
Sender Sendeleistung
La Dämpfung bei Ausbreitung Höher-Tiefer -Taster
r-+-----------------+-.I Höher-Tiefer-Signal SHT
Bild 1.12 Sendeleistungsregelung eines Handy
Register
1.5 Beispiele für einfache Regelkreise
11
In der Feststation (Zentrale) soll die Empfangsleistung List mit Hilfe eines HöherTiefer Tasters (Regler) auf die gewünschte konstante Leistung Lsoll gebracht und in Form eines Höher-Tiefer-Signals SHT an das Handy gesendet werden. Drehzahlregelung eines Gleichstrommotors
Der Gleichstrommotor, dessen Drehzahl geregelt werden soll, hat eme konstante Fremderregung, während die Klemmenspannung UA von einem Thyristor-Stromrichter geliefert wird (Bild 1.13). Die zu regelnde Drehzahl n wird durch einen Tachogenerator TG gemessen, der eine der Drehzahl proportionale Spannung UTG erzeugt. Diese wird durch das nachgeschaltete Tiefpass-Filter geglättet und mit der am Potentiometer einstellbare Spannung Uw (Sollwert) verglichen. Die Differenzbildung erfolgt am Eingang des Drehzahlreglers (Operationsverstärker), dessen Beschaltung mit Widerständen und Kondensator das gewünschte Zeitverhalten erzeugt. Zur Ansteuerung des Thyristor-Stromrichters wird die Ausgangsgleichspannung des Reglers vom Steuersatz in Zündimpulse umgewandelt. Die Phasenlage der Zündimpulse bestimmt den Zündzeitpunkt der Thyristoren und damit den Mittelwert der Motorklemmenspannung. Bei Übereinstimmung von Istdrehzahl und SolIdrehzahl, d. h. Ue = Uw - UTG = 0, ist die Ausgangsspannung des Reglers konstant. Die vom nachfolgenden Steuersatz abgegebenen Zündimpulse bewirken, dass die Ausgangsklemmenspannung des Thyristor-Stromrichters auf einen Wert eingestellt wird, der zur Deckung des erforderlichen Drehmoments notwendig ist. Wird das Lastmoment vergrößert, so fällt zunächst die Drehzahl n und damit die Tachometerspannung UTG. Die Regeldifferenz Ue = Uw - UTG wird größer, was zu einer größeren Aussteuerung des Verstärkers führt. Infolgedessen werden die Zündimpulse Sollwert-
B
!:bLe-lrC=:JDrehzahl.....Regler w
U
Zündimpuls-
u,~;':~I' '--------'--------'------'------I~
Tiefpassfilter
I Bild 1.13 Drehzahlgeregelter Gleichstromantrieb
Tachogenerator
12
1 Einleitung
so verschoben, dass der Zündwinkel kleiner und damit der Mittelwert der Ankerspannung größer wird. Die Drehzahl steigt so lange an bis Ue = 0 ist. Wird der Motor entlastet, so steigt die Drehzahl n und entsprechend UTO' Die Regeldifferenz wird negativ, was zur Verringerung der Ausgangsspannung des Reglers führt bis schließlich bei Ue = 0 die SolIdrehzahl wieder erreicht ist. Die Tatsache, dass der Regler auch eine Spannung abgibt, wenn die Summe der Eingangsspannungen Null ist, hängt mit der Beschaltung zusammen, die integrierend wirkt und in Kapite14 behandelt wird. Tatsächlich ausgeführte Gleichstromantriebe enthalten einen zusätzlichen Stromregelkreis zur Beschränkung des zulässigen Ankerstromes. Der Ausgang des Drehzahlreglers wirkt dann nicht wie in Bild 1.13 auf den Steuersatz, sondern dient als Sollwert des Stromreglers, der seinerseits den Steuersatz ansteuert. Zur Erfassung des Stromistwertes im Ankerkreis dient ein Stromwandler oder ein Shunt.
1.6 Beispiele für vermaschte Regelkreise Die bisher behandelten Regelkreise waren einläufige Regelkreise, bei denen nur eine Regelgröße mit Hilfe einer Stellgröße eingeregelt werden soll. Derartige einfache Regelkreise sind am häufigsten. Bei schwieriger zu regelnden Strecken ist es oft notwendig, mehrere Regelgrößen auf entsprechenden Sollwerten zu halten. Dabei geht man vom einläufigen zum verrnaschten Regelkreis über. Festwert-Verhältnisregelung
Es soll die Temperatur in einem gasbeheizten Glühofen geregelt werden (Bild 1.14). Außerdem ist das Verhältnis von Gas und Luft konstant zu halten, damit eine optimale Verbrennung stattfindet.
Regler 1
..- Gas
Glühofen
Bild 1.14 Temperaturregelung in einem Glühofen
..- Luft
1.6 Beispiele für verrnaschte Regelkreise Die Temperatur
Xist
13
im Ofen wird von einem Thermoelement gemessen und in der
Regeleinrichtung Regler 1, mit dem Sollwert
Xsoll
verglichen. Ist die Temperatur Xist
kleiner als Xsolh so wird das Ventil 1 mehr geöffnet. Der dadurch erhöhte Gasdurchsatz verursacht an der Messblende Mess 1 einen größeren Differenzdruck, der als Führungsgröße W des Reglers 2 dient. An der Messblende Mess 2 wird der Luftdurchsatz gemessen, in Regler 2 mit w verglichen und das Stellventil so verstellt, bis das gewünschte Verhältnis des Gas-Luft-Gemisches erreicht ist. Hierbei dient zur Regelung der Ofentemperatur eine Festwertregelung und gleichzeitig wird die Gas-LuftZusammensetzung durch eine Verhältnisregelung vorgenommen Kaskadenregelung In einem chemischen Reaktor soll die Temperatur geregelt werden (Bild 1.15). Die Wärmezufuhr erfolgt durch Warmwasser, das in einem Wärmeaustauscher erzeugt wird. Der Wärmeaustauscher wird mit Dampf beheizt. Eine Verstellung am Dampfventil wirkt verzögernd auf die Wassertemperatur und diese nochmals verzögernd auf die Kesseltemperartur. Durch die Verzögerung mehrerer Strecken würde ein einziger Regler, der die Regelgröße Xist durch die Dampfzufuhr regelt, diese nur sehr ungenau einhalten. Man verwendet zusätzlich einen Hiljsregler, der die Schwankungen der Warmwassertemperatur Xhilf erfasst und über das Dampfventil wesentlich schneller ausregelt. Dadurch wird die dem Reaktionskessel zugeführte Wärmemenge konstant gehalten und nur bei Temperaturschwankungen im Reaktionskessel verändert. Reaktionskessel Wärmeaustauscher
Pumpe
--::...~-==----=.
__ Warmwasser
y
Bild 1.15 Temperaturregelung in einem Reaktionskessel
1 Einleitung
14
Folgeregelkreis Führungsregelkreis
Bild 1.16 Wirkungsplan der Kaskadenregelung
Der Hilfsregler bildet zusammen mit der Teilstrecke (Wärmeaustauscher) einen Regelkreis (Bild 1.16), der vom Hauptregler als eine Teilstrecke behandelt und zusammen mit der zweiten Teilstrecke (Reaktionskessel) in einem übergeordneten Regelkreis geregelt wird. Nach der DIN 19226 wird der Hauptregler als Führungsregler und der Hilfsregler als Folgeregler bezeichnet. Mehrgrößenregelung
Das Stoffgemisch von zwei Produkten wird durch einen Molekularfilter getrennt (Bild 1.17). Der Molekularfilter besteht aus Hohlfaser-Membranen, die zu Hunderten in einer Plastikpatrone zusammengefasst sind. Das Stoffgemisch fließt quer zur Filtermembran und verursacht eine Druckdifferenz Pist, welche den Durchfluss qist durch den Filter bestimmt. Die Änderung des Durchflusses beeinflußt die Konzentration der Lösung, die ihrerseits die Filtratsrate und folglich die Druckdifferenz Pist beeinträchtigt. Die Regelung des Durchflusses erfolgt mit dem Stellventil Vq . Die Druckdifferenz Pist wird mit Hilfe von zwei Geräten vor und nach dem Filter gemessen und mit
.-
-
Produkt A
1
Ventil Vq
1
Bild 1.17 Mehrgrößenregelung einer verfahrenstechnischen Anlage mit dem Molekularfilter
dem Stellventil Vp geregelt. Die Mehrgrößenregelung wird mit zwei gekoppelten Reglern Rp und R q realisiert. Die gegenseitige Wirkung von qist und Pist wird mit Hilfe von Entkopplungsblöcken Rqp und Rpq kompensiert. Durch die Entkopplung wird eine bessere Regelgüte als mit zwei getrennten einschleifigen Regelkreisen erreicht.
15
2 Mathematische Behandlung von Regelkreisen Von den Praktikern wird die genaue Beschreibung einer Strecke gern etwas geringschätzig bewertet mit dem Argument, dass die mathematischen Methoden kompliziert sind und an der Realität vorbeigehen. Jedoch lassen sich die Kennwerte einer Strecke, z. B. eines chemischen Prozesses, experimentell ermitteln und mit Hilfe der Theorie sinnvoll einordnen. Anliegen der Regelungstheorie ist es, die Zusammenhänge im Regelkreis zu erfassen und gegebenenfalls gezielt einzugreifen. Man kennt im voraus die Wirkung eines Regelparameters, ohne auf bloßes Probieren angewiesen zu sein.
2.1 Beharrungszustand und Zeitverhalten eines Regelkreisgliedes Wir haben in den vorangegangenen Betrachtungen gesehen, dass wir den Regelkreis im Wirkungsplan darstellen können und haben diesen in zwei Hauptblöcke unterteilt: •
Die Regelstrecke
•
Die Regeleinrichtung.
Jeder dieser Blöcke lässt sich nun wieder in einzelne rückwirkungsfreie Glieder zerlegen. Jedes dieser gerichteten Glieder hat einen Ein- und einen Ausgang. Rückwirkungsfrei bedeutet, dass das Signal das Glied nur vom Eingang zum Ausgang durchlaufen kann, nicht in umgekehrter Richtung (Bild 2.1).
~I_~
Bild 2.1
Blocksymbol eines Regelkreisgliedes
Man unterscheidet zwischen dem Beharrungszustand (statisches Verhalten) und dem Zeitverhalten (dynamisches Verhalten). Ist der Eingang Xe konstant, so ist bei proportionalen Systemen das Ausgangssignal Xa auch konstant. Nach einer Änderung der Eingangsgröße stellt sich normalerweise nach einer bestimmten Zeit auch eine konstante Ausgangsgröße ein, wie beispielsweise im Bild 2.2 gezeigt ist. Möglich ist es auch, dass ein Beharrungszustand überhaupt nicht erreicht werden kann. Dann ist das Regelkreisglied ohne Ausgleich bzw. instabil.
r ---IJ----a
i
X
xaO
o
L a
-- t
o
Bild 2.2
Zeitverhalten eines Regelkreisgliedes
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_2, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
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2 Mathematische Behandlung von Regelkreisen
Die Zusammenhänge zwischen den Signalen im Beharrungszustand werden mit Hilfe von statischen Kennlinien bzw. Funktionen Xa = !(Xe) beschrieben. Die stationären Ein- und Ausgangsgrößen im Arbeitspunkt eines Regelkreisgliedes werden als Xeo und Xao bezeichnet. Bei der Untersuchung des statischen Verhaltens werden wir uns auf kleine Abweichungen LlXe und LlXa von einem Arbeitspunkt beschränken, da ein betriebsfähiger Regler nur kleine Abweichung in einem Regelkreis zulässt. Dabei ist es zweckmäßig, die kleinen Abweichungen LlXe und LlXa einfach durch die kleinen Buchstaben Xe und X a zu bezeichnen. Die Augenblickswerte setzten sich damit aus den stationären Arbeitspunktwerten und den zeitabhängigen Abweichungen zusammen: Xe(t)=X eO +xe(t)
Im Weiteren werden wir lediglich die Kleinschreibung benutzen, da die Untersuchungen nur für die Abweichungen von einem Arbeitspunkt durchgeführt werden. In einem Regelkreis spielt neben dem statischen Verhalten das dynamische Verhalten eine wesentliche Rolle, somit auch das dynamische Verhalten der einzelnen Glieder. Maßgebend sind hierbei die Augenblickswerte xe(t) und xa(t) sowie deren zeitliche Ableitungen xe (t); xe (t) ... und a (t); x a (t) ...
x
Gleichungen, die den statischen und dynamischen Zusammenhang zwischen Ein- und Ausgangsgröße beschreiben, sind gewöhnliche, lineare Differentialgleichungen von der allgemeinen Form:
... + a3 xa (t) + az x a (t) + al xa (t) + ao x a (t) bO xe(t)+b1 xe(t)+b Z x e (t)+b 3 xe(t)+ ...
(2.1)
Die Ein- und Ausgangsgrößen sowie die konstanten Beiwerte ao, al, ... , an und
bo, bl, ... , b m sind im Allgemeinen dimensionsbehaftet. Die DGL der allgemeinen Form kann in die regelungstechnische Normalform gebracht werden, indem man: •
Die Ausgangsgrößen bzw. deren Ableitungen auf die linke DGL-Seite stellt
•
Die Ausgangsgröße bzw. deren O. Ableitung koeffizientfrei lässt.
Als Beispiel ist unten eine DGL 2.0rdnung gezeigt az x a (t) + al xa (t) + ao x a (t) = b1 xe (t) + bo xe (t) , die durch Division mit ao auf regelungstechnische Normalform gebracht wird: azx.. () al. () () b1 . () bo () a t +-xa t +x a t =-xe t +-xe t . ao ao ao ao
2.2 Das Aufstellen der Differentialgleichung
17
2.2 Das Aufstellen der Differentialgleichung Bei der Aufstellung der Differentialgleichung eines Systems muss man die physikalischen Gesetze anwenden, denen das System unterliegt, so z. B. die mechanischen, hydraulischen, pneumatischen, elektrischen Gesetze usw. •
Beispiel 2.1
m
b
Bild 2.3
Elektropneumatischer Wandler
Die Eingangsgröße Xe eines elektropneumatisches Wandlers (Bild 2.3) ist der Luftdruck über dem Membranteller mit der Fläche A. Dieser erzeugt eine Kraft
F =Axe . Infolge dieser Kraft wird die Kolbenstange um Xl nach unten bewegt. Dadurch wird die Feder um XI zusammengedrückt und erzeugt die Gegenkraft Fe = C X • Außerdem ist eine Dämpfungseinrichtung vorgesehen. Bewegt sich der Kolben nach unten, so muss er die unter dem Kolben befindliche Ölmenge über die Umweg-Leitung mit dem Drosselventil nach oben fördern. Die Kraft, die dazu notwendig ist, ist proportional der Geschwindigkeit, mit der sich der Kolben nach unten bewegt: Fk=bxI· Ferner sind die bewegten Teile mit einer Masse m behaftet, so dass eine weitere Gegenkraft entsteht: Fm = m Xl. Nun muss in jedem Augenblick die Summe aller Kräfte gleich Null sein. Daraus folgt:
m Xl + b Xl + C Xl = A xe .
(2.2)
Zwischen Xl und X a besteht die Proportionalität
U
-
I
xa
=-
Xl
, daraus folgt Xl = -
I
U
xa .
(2.3)
18
2 Mathematische Behandlung von Regelkreisen
Setzen wir GI. (2.3) in GI. (2.2) ein, so erhalten wir
m·l b·l c·l --x a +--x a +--xa =Axe · U
U
(2.4)
U
Durch Vergleich mit der allgemeinen Form der DGL (2.1) finden wir die Beiwerte:
bO =A in [cm2] ,
c·l
b·l
m·l
U
U
U
2
aO = - in [NNJ, al = - in [NsNJ, a2 = - - in [Ns N].
Dividiert man GI. (2.4) durch den Faktor c-l IV, so folgt eine andere Art der Darstellung m C
xa (t) + ~ xa (t) + x a (t) = C
A· U xe (t), c·l
bzw. mit den Abkürzungen:
A·U K=--'
c·l '
Ti Xa (t)
b Tl =-; c
+ Tl xa (t) + x a (t) = K
(2.5)
xe (t) .
Tl und T2 haben die Dimension einer Zeit und sind die so genannten Zeitkonstanten.
•
Beispiel 2.2 R
L
lxa
0 - - - - - - - - -[J e
Bild 2.4
Reihenschwingkreis
Eingangsgröße des in Bild 2.4 gezeigten Reihenschwingungskreises ist die Spannung Xe und Ausgangsgröße ist die Spannung über dem Kondensator X a. Nach dem 2. Kirchhoffschen Satz ist die Summe aller Spannungen in einer Masche gleich Null.
(2.6) Der Spannungsabfall am Widerstand ergibt sich zu UR = i R. Nach dem Induktionsgesetz ist L dildt. Ferner ist der Ladestrom i proportional der Spannungsänderung am Kondensator i = C dxaldt. Diese Beziehungen in die GI. (2.6) eingesetzt ergibt:
UL =
xe (t) = x a (t)
+ R C xa (t) + L C xa (t) .
Auch hier können wir die folgenden Zeitkonstanten einführen: Tl = R C und Tzz = L C. Somit folgt: Ti Xa (t)
+ Tl xa (t) + x a (t) = xe (t) .
(2.7)
Man erkennt leicht, dass der Aufbau der beiden DGL (2.5) und (2.7), abgesehen vom Faktor K, übereinstimmt. Beide Systeme verhalten sich analog.
2.3 Lösung der Differentialgleichung
19
2.3 Lösung der Differentialgleichung Mit der gefundenen Differentialgleichung kann man noch nicht allzuviel anfangen. Es interessiert der zeitliche Verlauf der Ausgangsgröße Xa(t) , wenn die Eingangsgröße xe(t) einen bestimmten zeitlichen Verlauf annimmt. Um die Differentialgleichung mit
der Störfunktion xe(t) lösen zu können, muss diese genau bekannt sein. Als Eingangsfunktionen benutzt man spezielle Signale, die leicht realisierbar und vergleichbar sind. Die Eingangsfunktionen werden auch in der Praxis zur experimentellen Ermittlung des zeitlichen Verlaufs des Ausgangssignals angewandt. Ist das Übergangsverhalten für eine spezielle Eingangsfunktion bekannt, so lässt sich daraus das Zeitverhalten bei jeder beliebigen Eingangsfunktion ermitteln. 2.3.1 Spezielle Eingangsfunktionen
a) Die Sprungfunktion Sowohl für theoretische Untersuchungen als auch als praktische Testfunktion hat die Sprungfunktion als Eingangserregung eine große Bedeutung. Sie ist definiert durch xe (t) =
o für t O.
Der Verlauf einer solchen Sprungfunktion ist in Bild 2.5 wiedergegeben. Vielfach wird die Höhe des Eingangssprungs auf den Wert Eins normiert und als Einheitssprung o(t) bezeichnet: O'(t) =
o {1
fürt O.
Wegen der einfacheren Schreibweise wird im Folgenden die Sprungfunktion durch xe (t) = xeO ·O'(t)
ausgedrückt. In Bild 2.5 (links) sind der ideale und der technisch realisierbare Verlauf (gestrichelt) gezeigt.
-----. t Bild 2.5
Sprungfunktion (links) und Anstiegsfunktion (rechts)
20
2 Mathematische Behandlung von Regelkreisen
°
Eine ideale Sprungfunktion, d. h. eine physikalische Größe, die sich zum Zeitpunkt t = in unendlich kurzer Zeit um einen endlichen Betrag ändert, ist technisch nicht realisierbar. Mit den elektronischen Bauelementen kommt man zu Anstiegszeiten, die kleiner als eine Nanosekunde sind. Bei anderen physikalischen Größen (Druck, Temperatur usw.) liegen die Zeitkonstanten z. T. wesentlich höher.
b) Die Anstiegs- oder Rampen/unktion Wie Bild 2.5 (rechts) zeigt, steigt xe(t) bei Null beginnend, linear mit der Zeit an xe(t)=KeO"t"CY(t)=
o
{K eO "t
für
t
fur
t
""
> 0,
e (t) d' k dX. d'Igkelt . d ' . ls '1St. wo bel" K eO = - le onstante A"" n derungsgesc h wm es Emgangsslgna
dt
Der zeitliche Verlauf der Ausgangsgröße bei einer Anstiegsfunktion am Eingang wird als Anstiegsantwort bezeichnet.
c) Die Impuls/unktion
(~Funktion)
Die ideale Impulsfunktion zeigt zum Zeitpunkt t = ist gleich Null für t =1= (Bild 2.6, links). xe (t) = J(t) =
° {° 00
fürt
=1=
°einen Sprung ins Unendliche und
°
für t = 0.
Diese Funktion kann man sich aus einem rechteckförmigen Impuls der Breite E und der Höhe 11 E für E ~ 0, mit der Zeitfläche 11, entstanden denken. Zwischen der J:Funktion und dem Einheitssprung o(t) besteht der Zusammenhang J(t) = dCY(t) . dt
Der zeitliche Verlauf des Ausgangssignals bei einer Impulsfunktion am Eingang ist die Impulsantwort oder die Gewichtsfunktion g(t).
Bild 2.6 Impulsfunktion (links) und Sinusfunktion (rechts) I
Für praktische Untersuchungen, z. B. mit einem Impulsgenerator, hat die Impulsfläche die Dimension der Amplitude multipliziert mit der Zeit (Vs, As usw.).
2.3 Lösung der Differentialgleichung
21
Technisch kann die Impulsfunktion nur mit endlicher Dauer und Höhe realisiert werden. Die Anwendung einer Sprungfunktion über einen längeren Zeitraum stellt einen massiven, manchmal unzulässigen Eingriff dar. Ein kurzzeitiger Impuls hat den Vorteil, dass die durch ihn verursachte Beeinträchtigung verhältnismäßig gering ist. d) Die sinusförmige Eingangsgröße Neben der Sprungfunktion zur Untersuchung von Regelkreisgliedern hat die Methode durch sinusförmige Eingangserregung eine große Bedeutung. Die Sinusschwingung (Bild 2.6, rechts) hat den zeitlichen Verlauf
xe (t) = Xe sin wt, wobei xe die Schwingungsamplitude und w = 2Jrj die Kreisfrequenz ist, mit j als Frequenz. Die Schwingungsperiode ist T = l/f. e) Die stochastische Eingangsgröße Der Vollständigkeit halber sei eine weitere Zeitfunktion erwähnt, die allerdings im Rahmen dieses Buches keine Berücksichtigung findet. Die unter a) bis d) genannten deterministischen Eingangssignale sind vielfach zur Identifikation ungeeignet. Man benutzt statt dessen die immer vorhandenen stochastischen, d. h. regellos verlaufenden, Störsignale (Bild 2.7), wie z. B. das Rauschen in elektronischen Geräten oder die Stromschwankungen in einer der Elektroden eines Lichtbogenofens während des Einschmelzvorganges.
Bild 2.7
Typischer Verlauf eines stochastischen Signals
Meistens sind die stochastischen Signale klein gegenüber den Betriebswerten. Die Beurteilung, Verknüpfung und Auswertung der Ein- und Ausgangssignale erfolgt mittels statistischer Methoden. Stochastische Signale mit einer Gaußschen Amplitudenverteilung spielen vergleichsweise eine ähnlich fundamentale Rolle, wie sinusförmige Signale bei deterministischer Betrachtungsweise. 2.3.2 Lösung der Differentialgleichung bei sprunghafter Verstellung der Eingangsgröße Die am häufigsten in der Regelungstechnik angewandte Eingangsfunktion ist die Sprungfunktion. Setzt man die Sprungfunktion als Störfunktion in die Differentialgleichung ein und löst die DGL nach xa(t) auf, so erhält man mit xaCt) die so genannte Sprungantwort.
22
2 Mathematische Behandlung von Regelkreisen
In den Beispielen 2.1 und 2.2 hatten wir folgende DGL gefunden: Ti Xa (t) + Tl xa (t) + xa (t) = K xe (t) .
Vereinfachend wollen wir annehmen, dass die Zeitkonstante Tz sehr klein sei, und damit das Glied T22 xa (t) vernachlässigbar. Dies wäre z. B. der Fall, wenn die Masse mim Beispiel 2.1 bzw. die Induktivität L in Beispiel 2.2 sehr klein bzw. Null wäre. Die so erhaltene Differentialgleichung I. Ordnung (2.8)
bzw. für t > 0 Tl xa (t) + x a (t) = K xeO
(2.9)
wollen wir nun auf verschiedene Arten lösen.
2.3.3 Lösung der Differentialgleichung durch Trennen der Veränderlichen Aus GI. (2.9) findet man durch Umstellen nach dxa/dt dX dt
1 (
a = - K xeO -x -a Tl
)
dX a und ----"----K xeO - x a
dt Tl
Durch Integration beider Seiten folgt: f
dXa = fdt K xeo - xa Tl
bzw.
-ln(K xeo
-xa)+C=~.
(2.10)
Tl
Unter der Annahme, dass die Ausgangsgröße xaCtJ des Systems für t = 0 Null ist, ergibt sich die Integrationskonstante C aus (2.10) mit der Anfangsbedingung xa(O) = O. Dies wiederum in Gleichung (2.10) eingesetzt, ergibt -ln(K xeO - x a ) + In(K xeo) =
;1
bzw.
In(1- KX;eo) = -
;1
und nach X a aufgelöst:
1-~=e Ti K xeO
(2.11)
Der Eingangssprung und die Sprungantwort haben dann den in Bild 2.8 dargestellten zeitlichen Verlauf.
2.3 Lösung der Differentialgleichung
i
23
i Bild 2.8 ----. t
Sprungfunktion und Sprungantwort
Die Kurve xaCt) hat für t = 0 die größte Steigung. Legt man an die Kurve xaCt) zum Zeitpunkt t = 0 die Tangente, so schneidet diese den Beharrungswert
xac 00) für t = Tl.
Der Verlauf der Sprungantwort ist durch die Zeitkonstante Tl und den Übertragungsbeiwert K eindeutig bestimmt. 2.3.4 Lösung der Differentialgleichung durch geeigneten Ansatz Die vorangegangene Lösungsmethode bestand darin, dass die Veränderlichen getrennt und anschließend integriert wurden. Dieser Weg ist nur bei DGL 1. und 2. Ordnung möglich. Bereits bei einer DGL 2. Ordnung ist der Aufwand ziemlich umfangreich, weil zunächst die Ordnung reduziert werden muss. a) Lösung der homogenen Differentialgleichung
Bei der Lösung der Differentialgleichung (2.8) Tl
xa (t) + x a (t) = K xe (t)
nach der jetzt zu besprechenden Methode, wird zunächst die homogene Differentialgleichung gelöst, d. h. das Störglied K xe(t) wird Null gesetzt: (2.12) Unabhängig von der Ordnung der DGL macht man nun generell den Ansatz: xa(t)=e
At
.
Es wird deshalb eine e-Funktion gewählt, weil die Ableitung einer e-Funktion ebenfalls wieder eine e-Funktion ergibt. Wir setzen nun xa (t) = e At und xa (t) = ,1 e At in die GI. (2.12) ein und bestimmen den A-Wert so, dass die Gleichung erfüllt ist: At
Ae 1] +e
At
=0 und dann (,11] +1)e At =0.
Dies ist der Fall für (,1 Tl + 1)
= 0,
1
bzw. ,1 =--. Daraus folgt, dass der gewählte Tl
Ansatz mit ,1 = -l/TI eine Lösung der homogenen DGL ist.
24
2 Mathematische Behandlung von Regelkreisen
Wie man sich leicht durch Einsetzen überzeugen kann, erfüllt auch der Ansatz xa(t)=C1e
A1
(2.13)
die homogene Differentialgleichung. Nun ist aber die zu lösende Differentialgleichung (2.8) nicht homogen, sondern mit einem Störglied Kxe(t) behaftet.
b) Lösung der inhomogenen Differentialgleichung durch die Methode der Variation der Konstanten nach Lagrange Die Methode der Variation der Konstanten besteht darin, dass die Konstante Cl, in der Lösung der homogenen Differentialgleichung (2.13) durch eine Funktion Cl(t) ersetzt wird. Setzt man den modifizierten Ansatz (2.14) in die inhomogene Differentialgleichung (2.8) ein, so folgt: Tl (\(t)e-
1it
[
.
Tl Cl (t) e
Cl (t)
Nach
t T.
1
-;1
t
C l (t)e-1j
1
+Cl (t)e-
1it =Kxe(t)
bzw.
= K Xe (t) .
aufgelöst ergibt:
Durch Integration zwischen den Grenzen T= 0 und T= t erhält man: t
t
~
fCl(T)dT=: fXe(T)eTldT.
o
10
Nach dem Hauptsatz der Infinitesimalrechnung ist bzw.
(2.15)
2.3 Lösung der Differentialgleichung
25
(2.15) in (2.14) eingesetzt, führt zu
Unter Berücksichtigung einer allgemeinen Anfangsbedingung xa(O) für t = 0 folgt xa(O)=CI(O) . Somit lautet die vollständige Lösung:
Die Ausgangsgröße setzt sich aus zwei Termen zusammen. Der erste Term berücksichtigt die Abhängigkeit von der Anfangsbedingung, der zweite Term ist die Reaktion der Ausgangsgröße auf die Eingangsgröße. Wählen wir wieder die Anfangsbedingung xa(O) = 0 und als Eingangsgröße die Sprungfunktion
x (t) = e
0 {
fürt
xeo =
const für t > 0,
so wird
K
_ x a ( t ) --xeO
Tl
t
e
-Tl
t
r
Je Tl dr
o
und damit Xa
(t) = K xeO (1- e Tl ).
(2.16)
Dieses Ergebnis ist identisch mit dem zuvor gefundenen (2.11). 2.3.5 Lösung mittels Laplace-Transformation. Die Übertragungsfunktion
Bei linearen Systemen ist es vorteilhaft, die Lösung von Differentialgleichungen nicht im Zeitbereich, sondern mittels Laplace-Transformation vorzunehmen. Gemäß der Laplace-Transformation erhält man für die einzelnen DGL-Glieder unter der Voraussetzung, dass die Anfangsbedingung Null ist, folgende LaplaceTransformierten:
26
2 Mathematische Behandlung von Regelkreisen L [x(t)] = x(s) L [x(t)] = s . x(s) L [X(t)]=S2 ·X(S)
L [fX(t)dt]=+.X(S).
Beispielsweise treten in der DGL (2.8) an die Stelle der Glieder im Zeitbereich nun die Ein-/Ausgangsgrößen im Bildbereich:
1i xa (t) + U
x a (t) = K xe(t) U U
1i ·s·xa(s)+xa(s)=K xe(s). Die Laplace-Transformierte stellt damit eine algebraische Gleichung dar und lautet: (2.17)
Allgemein ist das Verhältnis der Laplace-Transformierten Ausgangsgröße zur Laplace-Transformierten Eingangsgröße als Übertragungsfunktion G(s) definiert, deren enge Beziehung zum Frequenzgang noch besprochen wird. Für die GI. (2.17) gilt: G(s) = x a (s) = _K_ . xe(s) l+sT]
Für die Sprungfunktion xe(t) am Eingang (Bild 2.5) ist die Laplace-Transformierte 1 L [xe(t)]=xe(s)=-xeo. s
Setzt man diese in die Gleichung (2.17) ein, so folgt K
K
1
1+ sT]
1+ sT]
s
xa (s) =---xe(s) = - - - . -xeo, Aus der letzten Beziehung sind die Polstellen, d. h. die Nullstellen des Nenners s (1 + sT]) = 0 mit s] = 0 und s2 =
-~ T]
ersichtlich.
Die Rücktransformation in den Zeitbereich kann mittels Partialbruchzerlegung, Residuenzsatz oder Korrespondenztabelle erfolgen. Mit a= l/T] folgt aus der Beziehung 5 der Korrespondenztabelle (s. Anhang) sofort
xa (t) = K xeo (1- e 1i), die mit den zuvor gefundenen (2.11) und (2.16) identisch ist.
(2.18)
2.3 Lösung der Differentialgleichung
27
Im weiteren Verlauf des Buches wird zur Lösung von Differentialgleichungen ausschließlich die Methode der Laplace-Transformation benutzt. •
Beispiel 2.3 R
sL
---+
---+
_1_
S_)_I se
o....-_U_R_(_S)
U_L_(
1
Bild 2.9
ud·'; = ul')
Darstellung eines Reihenschwingkreises im Bildbereich
o
Die Spannungen Ue und U a eines Reihenschwingkreises (Bild 2.9) werden als Eingangs- und Ausgangsgrößen betrachtet. Es soll der Einschaltvorgang ermittelt werden, wenn die Eingangsspannung bei t = 0 von 0 auf UeO sprungförmig geändert wird. Zur Berechnung von Einschaltvorgängen in elektrischen Netzwerken ist es nicht nötig, die DGL wie in Beispiel 2.2 aufzustellen, vielmehr kann man die aus der Theorie der Wechselstromlehre bekannten Regeln in modifizierter Form als Übertragungsfunktionen anwenden. Nach dem Ohmschen Gesetz gilt für Bild 2.9 im Zeit- und Bildbereich UR (t) = R· i(t)
0-.
uR (s) = R· i(s) .
(2.19)
An der Induktivität (Bild 2.9) sind die Beziehung zwischen zeitlichen und LaplaceTransformierten Strom und Spannung wie folgt gegeben: Udt) = L· let)
0-.
uds) = s . L· i(s).
(2.20)
Die Verhältnisse an der Kapazität C im Zeit- und Bildbereich sind: i(t) = C . ucCt)
0-.
i(s) = s . Co Uc (s) bzw. i(s) = s . C· u a (s).
(2.21)
Für die Ausgangsspannung folgt die Laplace-Transformierte aus dem 2. Kirchhoffschen Satz: Ue(s)=UR(s)+UL(s)+Ua(s).
(2.22)
Setzen wir nun die GIn. (2.19) und (2.20) in die Gleichung (2.22) u e (s) = R i(s)
+ s L i(s) + u a (s)
und ersetzen wir den Strom i( s) aus der GI. (2.21) durch u a(s), so ergibt sich u e (s) = s R C u a (s)
+ s2 L C u a (s) + u a (s) (2.23)
Aus letzter Gleichung folgt nach der Differentiationsregel der Laplace-Transformation die DGL
L C ü a (t) + R C ua (t) + u a (t) = u e (t) . Zur Ermittlung des zeitlichen Verlaufs der Ausgangsgröße bei gegebenem Eingang ist die DGL nicht erforderlich, sondern wird direkt aus GIn. (2.23) in den Zeitbereich zurücktransformiert.
28
2 Mathematische Behandlung von Regelkreisen
Die Übertragungsfunktion stellt das Verhältnis der Laplace-Transformierten Ausgangsgröße zur Laplace-Transformierten Eingangsgröße dar:
G(s) = u a (s) = I ue(s) s2 LC+sRC+I
(2.24)
Mit den Abkürzungen Tl = L C und Tl = R C ergibt sich die Normalform der 2. Ordnung U a (s)
(2.25)
G(s)=--= 2 2 . ue(s) T2 s +TI s+l ~
Aufgabe 2.1
Eine Kettenschaltung von zwei gleichartigen Vierpolen mit Ein- und Ausgangssgrößen ue(s) und ua(s) ist im Bild 2.10 gezeigt.
Bild 2.10 Kettenschaltung von zwei Vierpolen 0>-----I I I
1. Vierpol
2. Vierpol
Gegeben ist die Übertragungsfunktion der Kettenschaltung
G(s) = u a (s) = I ue(s) s2 TI T2 +s(TI +T2 +T3 )+1 mit folgenden Zeitkonstanten:
Ermitteln Sie uaCt) bei dem für t
•
=0 gegebenen Eingangssprung von der Höhe UeO mit
Rl = 50 kQ
Cl = 20 JlF
R2 = 100 kQ
C2 = 10 JlF
(Lösung im Anhang)
Beispiel 2.4
Es soll die Übertragungsfunktion eines Feder-Masse-Dämpfer Systems (Bild 2.11) ermittelt werden.
'~,,'~
~~-~ c
Bild 2.11 Mechanisches System
2.3 Lösung der Differentialgleichung
29
Die Eingangsgröße ist die Kraft F(t), die Ausgangsgröße ist der Weg x(t) der Masse m. Die Wegstrecke x(t) ist von der Federkraft FcCt) und der Dämpfer-Widerstandskraft FD(t) abhängig:
(2.26)
Fe (t) = K e x(t) und F D (t) = K D i(t) ,
worin K c und K D die Federkonstante und die Dämpfungskonstante sind. Aus dem Kräftegleichgewicht
(2.27)
m i(t) = F(t) - Fe (t) - F D (t)
erhält man die Differentialgleichung des mechanischen Systems, indem man die Gleichungen (2.26) in die GI. (2.27) einsetzt: m i(t) = F(t) - K e x(t) - K D i(t) .
Nach Laplace-Transformation folgt daraus mit den Abkürzungen
K 1 Tl = -D- und K = Ke
Ke
die Übertragungsfunktion 2. Ordnung, die mit GI. (2.25) identisch ist: G(s) = x(s) = K . F(s) Tl s2 +TI s+l
~
Aufgabe 2.2
Gegeben sind das in Bild 2.12 gezeigte Netzwerk mit R-, C- und L-Elementen sowie die das System beschreibende Übertragungsfunktion: bzw. G( s ) =
~ .....- - - - 0
ui s)
s 2 TI T2 -1
-------''-----=---
(1 + sTI )(1 + sT2 )
Bild 2.12 RCL-Brückenschaltung (Allpaßglied)
1
sC
Die Zeitkonstanten sind durch die folgenden Abkürzungen bezeichnet:
Die Anfangsbedingungen sind Null. Es ist mit R] = 1 kQ C = 0,2 flF R2 = 100 kQ L = 1H zu ermitteln:
2 Mathematische Behandlung von Regelkreisen
30
a) Die Ausgangsspannung ua(t) nach einem Einheitssprung der Spannung ue(t) = ueo·o(t). b) Die Werte von ua(t) für t = 0 und t = 00. Hinweis: Zur Rücktransformation in den Zeitbereich geht man am zweckmäßigsten von dem partialbruchzerlegten Ausdruck aus.
2.3.6 Lösung der Differentialgleichung bei sinusförmiger Eingangsgröße Wie ist der Verlauf der Ausgangsgröße, wenn die Eingangsgröße eine sinusförmige Schwingung ist? Diese Frage soll für das in Bild 2.13 gezeigte lineare System beantwortet werden.
Bild 2.13 Zuschalten einer sinusförmigen Spannung auf ein Re-Glied
Die Übertragungsfunktion entspricht den GIn. (2.24) und (2.25) mit Tl = RC und ohne Induktivität L bzw. mit T2 = 0: 1
G(s) = ua(s) = 1 ue(s) l+s·RC
(2.28)
1+ sTI
Die Anfangsbedingung ist Null. Für die sinusförmige Eingangsfunktion bei t> 0
ue t =ue sm mt+a =ue A
•
(
)
A
e
j(OJt+a)
()
-e 2j
- j(OJt+a)
ist die Laplace-Transformierte, gemäß der Beziehung 4 der Korrespondenztabelle
ue [e ja
ja ja ja e: -(s- jm)ee (s+ jm)e u e (s) = 2j s _ jm - s + jm = 2j . (s _ jm)(s + jm)
u
(2.29)
Mit (2.29) in (2.28) folgt: U
u
ja 1 e (s+jm)eja-(s-jm)e(s)=-_· .-a 2jTI (s - jm)(s + jm) 1 s+Tl
In dieser Form sind die drei Pole mit
s2=-jm bekannt. Die Rücktransformation in den Zeitbereich erfolgt am zweckmäßigsten mittels des Residuensatzes:
2.3 Lösung der Differentialgleichung
31 (2.30)
Für die ersten zwei Pole ergeben sich die Residuen
T, e-ja
Res (s2)=
1
1- jOJ~
e- jOJt ,
die sich wie folgt zusammenfassen lassen: Res (sI) + Res (s2) = Tl
(1- jOJT,) ej(OJt+a) - (1 + jOJT,) e- j(OJt+a) 1
1+ (OJT1)
2
1
bzw. durch trigonometrische Funktionen ausgedrückt: 2 .T, Res (sl)+Res(s2)= j 1 2 [sin(OJt+a)-OJIj COS (OJt+ a)] .
(2.31)
l+(OJ~)
Das Residuum des dritten Pols
Res(s3)=
(
. ) e ja 1 JOJ --+
Ij
( -1 - JOJ . ) e-ja
Ij
~ - JOJ)(- ~ + JOJ)
(-
t T 1
e
wird vereinfacht R es ( S3 ) -
7'
(l-jOJIj)eja-(l+jOJIj)e-
-1]
l+(OJ~)
t
ja
e
2
T]
und auch durch trigonometrische Funktionen ausgedrückt: Res(s3)=
2 .T, j
1
1+ (OJIj)
2 [sina-OJT]cosa}]e
T]
(2.31) und (2.32) in (2.30) eingesetzt, ergibt: u a (t) =
Ue
l+(OJIj)
2 [Sin (OJt + a) -
OJ~ COS (OJt + a) - (sin a- OJ~ cos a)e- ;] l.J
(2.32)
32
2 Mathematische Behandlung von Regelkreisen
Da die Summe bzw. Differenz einer Sinus- bzw. einer Cosinusfunktion, bei gleicher Frequenz, stets wieder eine Sinusschwingung ergibt, kann man für die ersten beiden Terme in der eckigen Klammer schreiben: sin (mt + a) -
m~
cos (mt + a) = A sin (mt + a+ rp).
Hierin ist A die Schwingungsamplitude und rp der Phasenverschiebungswinkel der resultierenden Schwingung. Mit Hilfe der Additionstheoreme findet man: sin (m t + a + rp) = sin (m t + a) . cos rp + cos (m t + a) . sin rp und somit sin (mt + a) - m~ cos (mt + a) = A [sin (mt + a)· cos rp+ cos (mt + a)· sin rp]. Setzt man die Glieder mit sin (m t + a) bzw. cos (m t + a) beider Seiten gleich, so ergibt sich: A cos rp = I A sin rp = -m ~ .
Durch Division beider Gleichungen erhält man tan
(2.33)
rp=-m~
und durch Quadrieren und Addieren beider Gleichungen 2 2 2 A (cos rp+sin rp)=I+(m~)2
bzw.
Somit ergibt sich die endgültige Lösung ",(t)=
~ [8;n (",t+tl+\1»-8;n (tl+\1»oe-*
l
Nach einer Zeit t = 5 Tl ist das Glied mit dem Faktor e 1) nahezu Null und vernachlässigbar, d. h. der Einschwingvorgang (Bild 2.14) ist abgeschlossen und die Ausgangsgröße ist dann eine ungedämpfte Sinusschwingung mit dem zeitlichen Verlauf u a (t) = ua sin (mt + a+ rp) .
(2.34)
Wie aus GI. (2.34) ersichtlich, hat die Ausgangsgröße U a im stationären Zustand die gleiche Kreisfrequenz wie die Eingangsgröße mit der Schwingungsamplitude ua A
a
u =
ue
~l + (mTt )2
.
2.3 Lösung der Differentialgleichung Die Amplitude
33
ua ist eine Funktion von mund nimmt mit zunehmendem mab.
i--+--+---jf--+--+....L-+--+----JI--+-H-+--Bild 2.14 Einschwingvorgang beim
i
Einschalten eines sinusförmigen Eingangssignals
Der Phasenverschiebungswinkel rp, den man aus der GI. (2.33) erhält: rp = -arc tan (m1]) ist stets negativ und ebenfalls eine Funktion von m. Mit zunehmender Kreisfrequenz wird der negative Phasenverschiebungswinkel rp größer. Das ist auch aus dem Systemaufbau zu erkennen. Mit zunehmender Frequenz kann die Ausgangsspannung, infolge der durch die Zeitkonstante Re festliegenden Trägheit, der Eingangsspannung nicht mehr folgen. Das behandelte Beispiel, dass zu einer DGL l.Ordnung führte, hat gezeigt, dass bei einer sinusförmigen Eingangserregung am Ausgang ebenfalls eine sinusförmige Schwingung gleicher Frequenz entsteht. Allgemein gilt bei einem linearen System, das zu einer Differentialgleichung beliebiger Ordnung führt, dass eine harmonische Schwingung am Eingang am Ausgang ebenfalls eine harmonische Schwingung erzeugt. Sinusförmige Eingangssignale werden nicht nur zur Untersuchung elektrischer Regelkreisglieder, sondern auch für pneumatische und andere Systeme angewandt. Diese Methode hat besonders bei schnellen Systemen Vorteile gegenüber der Sprungfunktion. Vielfach erfolgt die Anwendung nur theoretisch, wie bei Stabilitäts- und Optimierungsproblemen. ~
Aufgabe 2.3
u
Wie müsste der Phasenwinkel der Eingangsfunktion ue(t) = e sin (mt + a) gewählt werden, damit der stationäre Schwingungszustand direkt (ohne Einschwingvorgang) erreicht wird?
34
2 Mathematische Behandlung einzelner Regelkreisglieder
2.4 Beschreibung von Regelkreisen im Frequenzbereich 2.4.1 Der Frequenzgang Die Rechnung bei sinusförmiger Eingangsgröße wird besonders einfach, wenn man die Sinusschwingung xe(t) = xe sin OJt
(2.35)
aus einem, um den Ursprung der Gaußschen Zahlenebene rotierenden Zeiger entstanden denkt, der auf die imaginäre Achse projiziert ist (Bild 2.15).
Bild 2.15 Zusammenhang zwischen Linien- und Zeigerdarstellung
Der Zeiger ist durch die beiden Komponenten xe cos OJ t und j. xe sin OJ t eindeutig festgelegt: xe(t) = xe (cos OJt + j. sin OJt).
Nach der Eulerschen Gleichung ist: cos OJ t + j . sin OJ t = e JrJJ1
•
Damit wird: xe (t) = Xe e
jOJ1
(2.36)
Das heißt, wir betrachten nicht nur die imaginäre Komponente des rotierenden Zeigers, sondern wir nehmen noch die reelle Komponente hinzu. Anstelle von (2.35) schreibt man nun (2.36). Wird ein lineares System am Eingang mit einer Sinusschwingung xe(t) erregt, dann wird, wie im vorherigen Abschnitt abgeleitet, auch die Ausgangsgröße xa(t) im eingeschwungenen Zustand einen sinusförrnigen Verlauf haben. Bei gleicher Frequenz haben Amplitude und Phasenlage von Ein- und Ausgangsgrößen im Allgemeinen verschiedene Werte. Die Ausgangsgröße xa(t) ist gegenüber der Eingangsgröße xe(t) um den Phasenwinkel (jJ verschoben, wie Bild 2.14 zeigt.
35
2.4 Beschreibung von Regelkreisen im Frequenzbereich Der zeitliche Verlauf der Ausgangsgröße ist somit: xa (t) =
xa (sin OJt + rp) .
Betrachten wir die Ausgangsgröße entsprechend der Eingangsgröße als rotierenden Zeiger, so können wir schreiben:
x
(2.37)
x a (t) = a ej(uJt+rp) .
Das Verhältnis der Zeiger von Ausgangs- zur Eingangsgröße bezeichnet man als Frequenzgang. Dieser ist, wie wir später sehen werden, nicht mehr eine Funktion der Zeit, sondern vonjOJ
x
x (t) ej(mt+rp) G( .OJ) = _a_ = a .
J
xe e Jmt
xe (t)
x e jrp
(2.38)
_a__
xe
Bei elektrischen Systemen gewinnt man den Frequenzgang mittels der Methoden der Theorie der Wechselströme. In diesem Abschnitt soll der Frequenzgang, wie bei nichtelektrischen Systemen üblich, aus der Differentialgleichung abgeleitet werden. Dafür stellen wir zuerst die zeitlichen Funktionen (2.36) und (2.37) der Ein- und Ausgangsgrößen xe(t) und xa(t) im Frequenzbereich als Funktionen vonjOJdar: (2.39) (2.40) Unter Beachtung der Ableitungsregeln der Exponentialfunktionen d jmt . jmt -e = JOJ·e
dt
erhalten wir die zeitlichen Ableitungen der Eingangsgröße der GI. (2.39) wie: Xe(jOJ) = jOJ' xe
e
jmt
.. (' ~ xe J OJ) -_ ('J OJ)2 . Xe
e
X~ (j OJ) = (j OJ)3 . Xe
e
bzw.
Xe (jOJ) = jOJ' xe (jOJ)
jmt
bzw.
xe(jOJ) = (jOJ)2 ·xe(jOJ)
jmt
bzw.
X"e (jOJ) = (jOJ)3 . Xe (jOJ)
usw.
Ähnlich ergeben sich die zeitlichen Ableitungen (2.40) der Ausgangsgröße zu:
xa (jOJ) = jOJ' xa (jOJ)
Nach GI. (2.1) lautet die allgemeine Form der Differentialgleichung:
2 Mathematische Behandlung einzelner Regelkreisglieder
36
... + a3 x·a (t) + az xa (t) + al xa (t) + ao x a (t)
bo xe(t)+b l xe(t)+b Z xe (t)+b 3 x·e(t)+···
Setzen wir xevm) und xavm) sowie deren Ableitungen in diese allgemeine Differentialgleichung ein, so wird:
... + a3 . (jm)3 x a (jm) + az . (jm)z xa (jm) + al . (jm) x a (jm) + ao . xa (jm) bo . xe (jm) + b l . (jm) xe (jm) + bz . (jm)Z xe (jm) + b3 . (jm)3 xe (jm) + ... Auf der linken Seite der Gleichung lässt sich der gemeinsame Faktor xaVm) und auf der rechten Seite xeVm) herausziehen. Bildet man nach der GI. (2.38) das Verhältnis xaVm) zu xeVm), so folgt der Frequenzgang GVm) . x (jm) bo + b l . (jm) + bz . (jm)z + b3 . (jm)3 + ... G(j m) = a = ---=---=--------=-------=-----xe(jm) ao +al ·(jm)+az . (jm)z +a3 . (jm)3 + ... •
Beispiel 2.5
Gegeben ist die Differentialgleichung Tl Xa (t) + Tl xa (t) + x a (t) = K xe (t) (siehe Beispiele 2.1 und 2.2).
Zu ermitteln ist der Frequenzgang GVm). Setzt man die Ein- und Ausgangsgrößen xe(t) und xa(t) als Funktionen vonjm in die DGL ein, so ergibt sich: Tzz . (jm)z x a (jm) + Tl . (jm)xa (jm) + x a (jm) = K xe (jm) . Daraus folgt: G(. ) = x a (jm)
jm
. xe(jm)
= z
zK
TZ ·(jm) +TI ·(jm)+1
.
2.4.2 Die Ortskurve In Abschnitt 2.3.6 wurde gezeigt, dass eine Sinusfunktion als Eingangsgröße eine Sinusschwingung gleicher Frequenz am Ausgang zur Folge hat. Die Amplitude und die Phasenlage der Ausgangsschwingung sind abhängig von der Frequenz. Um das Verhalten eines Regelkreisgliedes durch sinusförmige Erregung beurteilen zu können, genügt es nicht, die Schwingung der Ausgangsgröße bei nur einer Frequenz zu ermitteln, sondern es müssen die Amplitude und die Phasenlage bezogen auf die
2.4 Beschreibung von Regelkreisen im Frequenzbereich Eingangsgröße für alle Frequenzen von m = 0 bis m =
00
37 bekannt sein. Die Eingangs-
größe xe(t) hat immer die gleiche Amplitude xe . In Bild 2.16b und d sind die Sinusschwingungen für Ein- und Ausgangsgröße für zwei verschiedene Frequenzen OJI und Oll dargestellt, wobei OJI < Oll ist. Verwendet man anstelle der Linienbilder die Zeigerbilder, so gelangt man zu der in Bild 2.16a und c gezeigten Darstellung. I
t
Xe'fl A
xe
__
OJt
---jh--'-(fJl A
a)
--
Re
.------------
x a1
Im
i
(fJ2 --Re .--------------A
c)
x a1
Bild 2.16 Ein- und Ausgangsgröße bei verschiedenen Frequenzen im Zeiger- und Linienbild
Im Zeigerbild bleibt die Länge und die Lage des Zeigers xe für alle Frequenzen gleich. Lediglich die Länge und Lage des Zeigers
xa
ändert sich in Abhängigkeit von der
Frequenz. Normiert man die Eingangsgröße auf den Wert xeO gangsgröße ~a . Für verschiedene Frequenzen xe
dann wird die Aus-
m ergeben sich dann verschiedene
~a -Werte mit jeweils verschiedenen Phasenwinkeln xe
= 1,
(jJ zu xeO
= 1.
Zeichnet man die bei den verschiedenen Frequenzen erhaltenen Ausgangszeiger ~a xe in ein Schaubild, wie in Bild 2.17 gezeigt ist, und verbindet die Endpunkte der Zeiger durch einen geschlossenen Kurvenzug, so stellt dieser die Ortskurve des Frequenzganges dar. Zur Beschreibung eines Regelkreisgliedes genügt die Ortskurve mit dem Frequenzmaßstab. Ist sie bekannt, so kann daraus der Frequenzgang, die Differentialgleichung und die Sprungantwort ermittelt werden.
38
2 Mathematische Behandlung einzelner Regelkreisglieder Im
t
0)=0
0)=00
--Re
Bild 2.17 Ortskurve des Frequenzganges
Will man die Ortskurve aus dem Frequenzgang ermitteln, so wird der komplexe Ausdruck in Real- und Imaginärteil zerlegt und für verschiedene Frequenzen in die Gaußsche Zahlenebene eingetragen. Die Ermittlung der Ortskurve aus dem Frequenzgang soll nun an einem Beispiel gezeigt werden. •
Beispiel 2.6
Gegeben ist die Übertragungsfunktion eines Verzögerungsgliedes 1. Ordnung
x (s) K G ( s )a= - - = - - mitK= lOundT=O,ls. 1 + sT
xe(s)
Es ist der Verlauf der Ortskurve zu ermitteln. Der Frequenzgang ergibt sich aus der Übertragungsfunktion, indem wir die komplexe Variable s durchjO)ersetzen.
Der Frequenzgang G(jro) ist eine komplexe Größe, die sich in der Gaußschen Zahlenebene darstellen lässt. Zur Trennung von G(jro) in Real- und Imaginärteil wird G(jro) mit dem konjugiert komplexen Ausdruck des Nenners erweitert: G(jro) =
K .1- jroT = K(l- jroT) =Re(G)+ j.Im(G). 1+ jroT 1- jroT 1+ (roT)2
Daraus ergibt sich:
Re (G) =
K
1+ (roT)2
und Im (G) =
-K roT l+(roT)
2 .
Variiert man nun 0)= Obis 0)= 00, so ergibt sich für jeden diskreten 0)- Wert je eine reelle und eine imaginäre Komponente, die zusammen einen Punkt in der Gaußschen Zahlenebene ergeben.
39
2.4 Beschreibung von Regelkreisen im Frequenzbereich In der folgenden Tabelle ist das für verschiedene Ortskurve in Bild 2.18 wiedergegeben. OJ
Re(G) Im(G)
2 4 6 9,6 8,6 7,35 -1,92 -3,44 -4,41
0 10 0
8 6,1 -4,88
OJ
-Werte in sec 15 3,07 -4,6
10 5 -5
20 2 -4
-1
durchgeführt und als
30 1 -3
40 0,59 -2,36
00
0 0
Im
t
2
2
4
6
8
01=0
Bild 2.18 Ortskurve eines Gliedes I.Ordnung
Die Ortskurve ist ein Halbkreis im vierten Quadranten. Der Frequenzgang G(jOJ) lässt sich in Betrag I G(OJ) I und Phasenwinkel rp(OJ) zerlegen: IG(OJ)I
= ~Re2 (G) + 1m 2 (G) = ~
K 1+ (OJT)2
Im(G)
rp(OJ) = arctan - - - = -arctan (OJT). Re(G)
Bemerkenswert ist, dass für die so genannte Eckfrequenz OJ = OJE = l/T der Realteil von G(j OJ) gleich dem negativen Imaginärteil von G(jOJ) ist, d. h. Re(G) = - Im(G) =KI2. Oder anders ausgedrückt, der Betrag I G( OJ) I ist für OJE nur noch ~ gegenüber dem Betrag K für OJ = o.
J2
Die Phasenverschiebung beträgt bei dieser Frequenz gerade - 45°.
2.4.3 Beziehung zwischen Ortskurve und Sprungantwort Betrachtet man eine Differentialgleichung 1. Ordnung des Typs T xa (t)
+ x a (t) = K
xe (t)
mit dem Eingang XeO = 1 und vergleicht die Sprungantwort (Bild 2.7) mit der Ortskurve (Bild 2.17), so kann man bestimmte Wechselbeziehungen erkennen (Bild 2.19): •
•
Für t = 0 hat die Sprungantwort den Wert xa(O) = O. Diesen Wert finden wir aus
der Ortskurve für OJ = 00 mit IG( 00) I= O. Daraus folgt xa(j OJ)
=xa(joo) = O.
Für t = 00 nimmt die Sprungantwort den Wert xi 00) = K XeO an. Den gleichen Wert hat die Ortskurve für
OJ
= 0,
xa xe
=K .
40
2 Mathematische Behandlung einzelner Regelkreisglieder Im
t
i
.1 T
Bild 2.19 Sprungantwort und Ortskurve eines Verzögerungsgliedes 1. Ordnung
Die Sprungantwort und Ortskurve nehmen die gleichen Werte an für t = 0 und OJ= 00, sowie für t = 00 und OJ = O. Diese Wechselbeziehung gilt allgemein und erklärt sich aus den Grenzwertsätzen: lim xa (t) = lim s· xa (s)
(2.41)
lim Xa(t) = lim s·xa(s).
(2.42)
t ---.0
t ---'00
s---'oo
s ---. 0
Für einen Eingangssprung (siehe Abschnitt 2.3.1, Bild 2.5) ist xe (s) = xeO und somit s G(s) x a (s) = G(s)' xe (s) = - - . XeO S
bzw. s· Xa (s) = G(s)' XeO'
Setzt man nun die letzte GI. in die GIn. (2.41) und (2.42), so wird die Beziehung zwischen Zeit- und Frequenzbereich wie folgt formuliert: lim xa (t) = lim G(s)' xeo
t ---.0
s ---. 00
lim x a (t) = lim G(s)' xeo.
t ---'00
s---.o
Ein weiterer charakteristischer Wert ist die Zeitkonstante T : •
Bei t = T erreicht die Sprungantwort 63% des Beharrungszustandwertes xa(00)
•
1 Für Eckfrequenz OJE = - gilt lp( OJE) = -45 0
~
Aufgabe 2.4
T
•
Xa(s)
l+sTv
xe(s)
l+sTI
Auf ein System, das durch die Übertragungsfunktion G(s) = - - = K p
.
beschne-
ben wird, wirkt ein Eingangssprung. Es ist xa(t) für t = 0 und t = 00 im Bildbereich mittels Grenzwertsatz zu bestimmen und mit den entsprechenden Punkten der Ortskurve zu vergleichen.
2.4 Beschreibung von Regelkreisen im Frequenzbereich
41
2.4.4 Das Bode-Diagramm Bei der Ortskurvendarstellung in Abschnitt 2.4.2 wird der Frequenzgang G(jm) in Real- und Imaginärteil zerlegt und in einem einzigen Diagramm in der Gaußschen Zahlenebene dargestellt. Die Darstellung im Bode-Diagramm erfolgt in zwei getrennten Diagrammen, indem der Frequenzgang in Betrag IG( m) I und Phasenwinkel cp( m) zerlegt und als Funktion der Kreisfrequenz m dargestellt wird. Charakteristisch ist, dass IG(m) I und m im logarithmischen Maßstab (in Dezibel und in Dekaden), cp(m) im linearen Maßstab aufgetragen wird. In Kapitel 5 wird das Bode-Diagramm ausführlich behandelt und die Vorteile dieser Darstellungsart besprochen. •
Beispiel 2.7
. Beispiel . 2. 6 als Ortskurve dargestellte Frequenzgang G() Der m s = xa(jm) . =
xe(}m)
K. l+]mT
mit K = 10 und T = 0,1 s, soll nun im Bode-Diagramm dargestellt werden. Wie in Beispiel 2.6 ermittelt, sind:
IG(m)l= ~
K
1+ (mT)2
und cp(m) =-arctan(mT),
indem der Betrag in Dezibel umgerechnet wird: I C( m) 1 dB = 20 Ig 1 C( m) I. Variiert man m von 0 bis 00, so erhält man für jeden diskreten m- Wert je einen Wert des Betrags und des Phasenwinkels rp(m), die in Bild 2.20 als Bode-Diagramm dargestellt sind.
Icl
40dB
dB
i
20dB 20·1gK
~
OdB 0,1
10 I
I I I I
0° 0,1
I
10
100
rp (w)
i
-4SO ------------------------~-----
Bild 2.20 Bode-Diagramm eines Verzögerungsgliedes 1. Ordnung
42
2 Mathematische Behandlung einzelner Regelkreisglieder
2.5 Beschreibung von Regelkreisen mit Übertragungsfunktionen 2.5.1 Verbindungsmöglichkeiten von Regelkreisgliedern In Kapitel I wurde gezeigt, dass man den Regelkreis im Wirkungsplan darstellen und dabei in zwei Hauptblöcke unterteilen kann, in die Regelstrecke und die Regeleinrichtung. Um die mathematische Beschreibung des Regelkreises als Gesamtheit zu vereinfachen, zerlegt man jeden der beiden Hauptblöcke in einzelne, rückwirkungsfreie Glieder, die sich nun besser theoretisch erfassen lassen. Ist die Abhängigkeit zwischen Ausgangsgröße X a und Eingangsgröße Xe sämtlicher zur Regelstrecke bzw. zur Regeleinrichtung gehörenden Glieder bekannt, so lässt sich eine Aussage über die Abhängigkeit zwischen Eingang und Ausgang der Regelstrecke, der Regeleinrichtung und schließlich über das Verhalten des geschlossenen Regelkreises machen. Zur Beschreibung von Regelkreisgliedern gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie die in den vorangegangenen Abschnitten gezeigten Differentialgleichung, die Sprungantwort, die Übertragungsfunktion, sowie Frequenzgänge, Ortskurven und BodeDiagramme. Ist die Übertragungsfunktion G(s) bekannt, so gibt diese das Verhältnis der Laplace-Transformierten Ausgangsgröße xa(s) zur Laplace-Transformierten Eingangsgröße xe(s) durch die Beziehung: x a (s) = G(s)· xe (s)
wieder. Die Darstellung erfolgt dann wie in Bild 2.21 gezeigt. Bild 2.21 Blockdarstellung im Bildbereich
Bei der rückwirkungsfreien Kopplung mehrerer Übertragungsglieder ergeben sich besonders einfache Beziehungen. Als rückwirkungsfrei bezeichnet man ein System, dessen Signalfluss nur vom Eingang zum Ausgang erfolgt. Im Folgenden werden drei Grundformen der Kopplung von zwei Regelkreisgliedern mit den Übertragungsfunktionen Gj (s) und G2(S) beschrieben.
a) Reihenschaltung Der Ausgang des ersten Gliedes ist, wie Bild 2.22 zeigt, mit dem Eingang des zweiten Gliedes verbunden. Bild 2.22 Reihenschaltung von Regelkreisgliedern
Betrachtet man die einzelnen Glieder, so ergibt sich: Xaj(s)=Gj(s)·xej(s) und x a2(s)=G 2 (s)·x e2(s).
2.5 Beschreibung von Regelkreisen mit Übertragungsfunktionen
43
Ferner ist: xal (s) = x e 2 (s) . Daraus folgt: x a2 (s)
= G 2 (s)· x e2 (s) = G 2 (s)· GI (s)· xel (s)
bzw. die Gesamtübertragungsfunktion x a2 (s) G(s) = - - = xe1(s)
G 2 (s)· GI (s).
Bei Reihenschaltung von n Gliedern mit den Übertragungsfunktionen GI (s), G2(S), ... Gn(s) ist die Übertragungsfunktion des gesamten Systems gleich dem Produkt der einzelnen Übertragungsfunktionen G(s) =
GI (s)· G 2 (s)· .... G n (s) .
b) Parallelschaltung
Das Eingangssignal xa(s) verzweigt sich und wirkt gleichzeitig auf die beiden Eingänge der Glieder mit den Übertragungsfunktionen GI (s) und G2(S) (Bild 2.23). Die beiden Ausgangssignale Xal (s) und X a2(S) werden in einer Additionsstelle addiert.
Bild 2.23 Parallelschaltung von Regelkreisgliedem
+ Für das erste und für das zweite Glied gilt: xal (s)
= GI (s)· xe (s)
und x a2 (s) = G 2 (s)· xe (s) .
Ferner ist: x a (s) = xal (s) + x a2 (s) . Daraus folgt: X a (s)
= [GI (s)
+ G 2 (s)]· xe(s)
bzw. die Übertragungsfunktion des Gesamtsystems: x a (s) G(s) = - - = xe (s)
GI (s) + G 2 (s).
Schaltet man n Glieder mit den Übertragungsfunktionen GI (s), G2(S), ... Gn(s) parallel, so ist die Übertragungsfunktion des gesamten Systems gleich der Summe der einzelnen Übertragungsfunktionen G(s) =
GI (s) + G 2 (s) + ... + G n (s) .
44
2 Mathematische Behandlung einzelner Regelkreisglieder
c) Rückführungsschaltung Wie Bild 2.24 zeigt, wird die Ausgangsgröße xa(s) des ersten Gliedes GI (s) über ein zweites Glied mit G2(S) auf den Eingang von GI (s) zurückgeführt und zu der Eingangsgröße xe(s) addiert (Mitkopplung) oder von der Eingangsgröße subtrahiert (Gegenkopplung).
+
Bild 2.24 Rückkopplungsschaltung
Für den oberen Block gilt: x a (s) = GI (s)· [xe(s) ± x a 2 (s)]
und für den unteren Block (im Rückführzweig): x a2 (s) = G2 (s)· x a (s).
Setzt man Xa2(S) in die obere Gleichung ein, so erhält man: xa (s) = GI (s)· [xe(s) ± G2 (s)· xa (s)] bzw. Xa (s) . [1 =+=
GI (s) G2 (s)] = GI (s) . xe (s) .
Daraus folgt die Übertragungsfunktion der Rückführschaltung: G(s)=xa(s)= _ GI(s) , xe (s) 1 + GI (s) G 2 (s)
Mitkopplung Gegenkopplung
~ ~
negatives Vorzeichen positives Vorzeichen.
2.6 Behandlung des statischen Verhaltens Ein Regelkreis befindet sich unter der Wirkung von Eingangsgrößen, die man mittels Führungs- bzw. Störverhalten abwechselnd untersuchen kann. Der Regler soll den aktuellen Wert der Regelgröße X(t) ständig dem vorgegebenen Arbeitspunkt der RegeIstrecke Xo anpassen. Dies erfolgt durch die Ansteuerung der Stellgröße Y(t), die im Arbeitspunkt einen bestimmten Wert Yo annimmt. Von ausschlaggebender Bedeutung für die Aussage über die Güte der Regelung sind die Abweichungen vom Arbeitspunkt, die wir im Abschnitt 2.1 durch Kleinbuchstaben x(t) und y(t) bezeichnet haben. Zum Beispiel gilt für den in Bild 2.25 gezeigten Regelkreis: X(t)
= Xo + x(t)
Y(t)
= Yo + y(t)
Z(t) = Zo
+ z(t).
(2.43)
2.6 Behandlung des statischen Verhaltens
45
r---._X_(s_).
Bild 2.25 Wirkungsplan eines Regelkreises mit Führungs- und Störgröße
Im stationären Zustand soll keine Abweichung der Regelgröße vorkommen, d. h. bei t = 00 soll x(t) = 0 und X = Xo, um das Verhältnis Istwert = Sollwert beizubehalten.
2.6.1 Statische Kennlinien Wie in den Abschnitten 2.1 und 2.2 gezeigt wurde, kann das dynamische Verhalten einzelner Regelkreisglieder sowie des gesamten Regelkreises durch gewöhnliche, lineare Differentialgleichungen in allgemeiner Form beschrieben werden. Die Beschreibung des statischen Verhaltens kann man aus der Differentialgleichung des dynamischen Verhaltens erhalten, indem man alle zeitlichen Ableitungen gleich Null setzt. •
Beispiel 2.8
Aus einer DGL der Regelstrecke für das dynamische Verhalten
a3 X(t)+a2 X(t)+aj X(t)+ao X(t)=b O Y(t)+b i Y(t)+CO Z(t)
(2.44)
entsteht die folgende Beschreibung des statischen Verhaltens:
aO X = bO Y + Co Z .
(2.45)
In der GI. (2.45) bewirkt eine Veränderung der Stellgröße oder der Störgröße eine proportionale Veränderung der Regelgröße, somit handelt es sich um eine lineare Regelstrecke. Die GI. (2.45) soll auch für den Arbeitpunkt gelten, d. h.
ao X 0 = bO YO + Co
Zo .
(2.46)
Subtrahiert man die GI. (2.46) von GI. (2.44) und berücksichtigt dabei die Gleichungen (2.43), so entsteht die DGL der Regelstrecke für das dynamische Verhalten von kleinen Abweichungen vom Arbeitspunkt (Kleinbuchstaben):
a3 x"(t) + a2 x(t) + aj x(t) + aO x(t) = bO y(t) + b j jet) + Co z(t) .
Bei realen Regelstrecken liegen jedoch oft Nichtlinearitäten vor, wie z. B. bei Ventilen, die einen nichtlinearen Zusammenhang zwischen dem Ventilhub und dem Volumenstrom besitzen. Dabei entstehen nichtlineare Beschreibungen, wie folgende Beispiele mit multiplikativen oder nichtlinearen Funktionen und mit konstanten Koeffizienten Kj und K2 zeigen: X=Kj"Y·Z
X = K j • Y + K 2 " sin Z .
46
2 Mathematische Behandlung einzelner Regelkreisglieder
Das statische Verhalten kann grafisch abgebildet werden. Da in einem geschlossenen Regelkreis beim Störverhalten die Ausgangsgröße des Reglers gleichzeitig Eingangsgröße der Regelstrecke ist, wie in Bild 2.26 gezeigt, können die statischen Kennlinien der Regelstrecke und des Reglers in ein Diagramm eingetragen werden. Z
w=o -x - - "0------.
Bild 2.26 Wirkungsplan eines Regelkreises beim Stärverhalten
+
In Bild 2.27 ist das nichtlineare Kennlinienfeld X = !(Y, Z) einer Regelstrecke und die
Kennlinie eines linearen Reglers Y = KpR X mit der Steigung KpR = L1Y / L1X dargestellt, wobei KpR der Proportionalbeiwert des Reglers ist. Die Werte im Arbeitspunkt
A sind Xo, Yo und Zoo Das statische Verhalten des Regelkreises wird durch Einzeichen der Kennlinie des Reglers in das Kennlinienfeld der Regelstrecke, und zwar mit dem Vorzeichenumkehr, dargestellt, wie es beispielsweise in Bild 2.28 für das Störverhalten gezeigt ist.
x
i
z
y
i
I
r"KpR ---7
--Y
00
I I
-A
l--
I
dY
K pR = -
.---.-\
dX
-x
Bild 2.27 Kennlinienfeld einer Regelstrecke (links) und Kennlinie eines Reglers (rechts)
x
i
Bild 2.28 Zusammenwirkung von Regler und Regelstrecke beim Stärverhalten
47
2.6 Behandlung des statischen Verhaltens
Nehmen wir zuerst an, dass der Regler unwirksam ist. In diesem Fall wird eine Veränderung der Störgröße z. B. von Zo auf Z2 bei der konstanten Stellgröße Yo zum Wechsel des Arbeitspunktes führen, nämlich vom Punkt A zum Punkt B. Wirkt der Regler im Regelkreis, so entspricht die Stellgröße der Reglerkennlinie (Punkt C). Die Steigung der Reglerkennlinie des Reglers muss also entgegengesetzt zur Steigung der Kennlinien der Regelstrecke sein, um die Abweichung
Xm.R.
("mit Regler") ge-
genüber der Abweichung Xo.R. ("ohne Regler") zu minimieren. Je größer der Proportionalbeiwert KpR des Reglers bzw. die Steigung der Reglerkennlinie im Bild 2.27 wird, desto flacher liegt die Gerade im Bild 2.29 und desto kleiner wird die Abweichung der Regelgröße Xm.R. im geregelten Zustand. Außerdem folgt aus dem Bild 2.28, dass in diesem Kreis ein proportionaler Regler im geregelten Zustand eine Abweichung Xm.R. vom Arbeitspunkt Xo bzw. vom Sollwert W hinterlässt.
2.6.2 Statischer Regelfaktor Nachdem die Regelgröße einen Beharrungszustand x( 00) = lim x(t) t---'too
eingenommen hat, kann der Erfolg der Regelung, wie im Bild 2.29 gezeigt, durch einen Vergleich der bleibenden Regeldifferenzen "mit Regler" Regler"
eo.R.( 00)
em.R. (00)
und "ohne
ausgedrückt werden.
lim x(t) = lim s· x(s) = lim s· w(s)· G w (s).
t---'too
Für w(t)
s---'tO
(2.47)
s---'tO
= wo = const ist
wes)
= Wo s
und somit
lim x(t)=lim s· Wo ·Gw(s)=wo ·lim Gw(s). t---'too
s---'tO
S
s---'tO
x(t)
i
____ L
xo.R.(OO)
z=o
x(t)
w
_
=0
i
----~:_----------
.
xm.R.(OO)
----. t
Bild 2.29 Sprungantworten beim Führungsverhalten (links) und Störverhalten (rechts)
(2.48)
48
2 Mathematische Behandlung einzelner Regelkreisglieder
Es wird der so genannte reelle bzw. statische Regelfaktor RF eingeführt _ em.R.(oo) R Feo.R. (00)
und unter Beachtung von e( 00) = w - x( 00) in folgende Form gebracht: _ w-xm.R.(oo) R F. w - xo.R. (00)
Dadurch wird angegeben, wie stark die Änderung einer der Eingangsgrößen des Regelkreises (Störgröße oder Führungsgröße) durch die Regelung beseitigt wird. Je kleiner der Regelfaktor ist, desto weniger wirkt die Störgröße auf die Regelgröße und desto effektiver ist der Regler. Abhängig von Eingangsstörung wird der Regelfaktor nach zwei verschiedenen Formeln, wie im Bild 2.29 angedeutet, berechnet: Führungsverhalten
RF =
w - xm.R. (00) w-O
=
Störverhalten
w- xm.R. (00) w
R _ O-xm.R.(oo) _ -xm.R.c oo ) Fo- xo.R.c 00) - xo.R. (00)
Der statische Regelfaktor kann durch die Kreisverstärkung Vo ausgedrückt werden. Sind beispielsweise im Regelkreis (siehe Bild 2.25) der Regler und die Teilstrecke mit Proportionalbeiwerten KpR und KpSy enthalten, so gilt für den statischen Regelfaktor: I RF = - - = I+Vo
I I+K pR K pSy
(2.49)
Der Regler muss also mit dem Einstellparameter KpR so ausgelegt werden, dass bei stabiler Funktionsweise ein möglichst kleiner Regelfaktor entsteht. In nachfolgenden Kapiteln wird gezeigt, dass ein Regler mit integrierender Wirkung keine bleibende Regeldifferenz e( 00) hinterlässt und damit einen statischen Regelfaktor von RF = 0 besitzt.
2.6.3 Linearisierung mit analytischen Verfahren Das nichtlineare Kennlinienfeld einer Regelstrecke kann durch die Tangente im Arbeitspunkt (Xo, Y0, Zo) linearisiert werden. Dabei wird die Funktion X = f (Y, Z) durch das Differential
dX = (dX ) . dY + (dX ) . dZ dY dZ
°
°
(2.50)
beschrieben. Der Index 0 steht für die Arbeitpunktwerte Xo, Yo und Zoo Die partiellen Ableitungen im Arbeitspunkt bezeichnet man durch die Koeffizienten KpSy und Kpsz
2.6 Behandlung des statischen Verhaltens
KPSy -_(dX) dY 0
49
KpSz =(dX) . dZ 0
(2.51)
Bezeichnet man dX, dY und dZ in GI. (2.50) unter Beachtung der GI. (2.43) durch kleine Abweichungen x, y und z vom Arbeitspunkt, so ergibt sich aus GIn. (2.50) und (2.51) die linearisierte Beschreibung des statischen Verhaltens
x = K PSy
. Y + K pSz . z .
Das Prinzip der Linearisierung ist in Bild 2.30 verdeutlicht. Die Variablen X, Y, und Z (Großschreibung) beschreiben die ursprüngliche nichtlineare Regelstrecke. Die linearisierte Regelstrecke wird durch die Abweichungen x, y, und z (Kleinschreibung) vom Arbeitpunkt A definiert und besteht aus zwei getrennten Teilstrecken für Stellund Stärsignale, deren Ausgänge addiert werden.
X=f(Y, Z) x X
:~-------
I I
°1
I , I ,I' L
_ --
,
-
A
-y .
Yo
-Y
Bild 2.30 Eine nichtlineare Regelstrecke vor (links) und nach (rechts) der Linearisierung •
Beispiel 2.9
Eine Regelstrecke, die durch die Differentialgleichung
T22 'X(t)+Tj .X(t)+X(t)=3.y2(t)+5.~Z(t) beschrieben wird, soll im Arbeitspunkt Yo = 2 und Zo = 4
linearisiert bzw. in der Form x = K PSy . Y + K PSz . Z dargestellt werden. Für das statische Verhalten sind
X(t) = 0
und
X(t) = 0 . Aus der GI. (2.51) ergibt sich
Die gesuchten Proportionalbeiwerte sind partielle Ableitungen im Arbeitpunkt:
(2.51)
2 Mathematische Behandlung einzelner Regelkreisglieder
50 K pSy
=(~~)o =(2.3.Y)o =2·3·Yo =12
K PSz = (
~~ ) 0 = ( 5 , 2Jz
l
=5.
2~ = 1,25 .
2.6.4 Linearisierung mit grafischen Verfahren
Wenn das nichlineare Verhalten der Regelstrecke nur im Form eines Kennlinienfeldes gegeben ist, lassen sich die Proportionalbeiwerte KpSy und Kpsz grafisch als die Steigung der Tangente zu Kennlinien X = f(Y) und X = feZ) bestimmen (Bild 2.31). •
Beispiel 2.10
Das Kennlinienfeld einer Regelstrecke ist in Bild 2.32 gegeben. Die Regelstrecke soll im Arbeitspunkt Yo = 4 und Zo = 4 linearisiert werden. x
1 4 3 2
Bild 2.31 Kennlinienfeld einer Regelstrecke
o
4
2
6
8 -y
Die Steigung der Tangente zur Kennlinie X = f (Y) ergibt sich mit Hilfe von zwei beliebig gewählten Punkten Mund N: K
PSy
=(M) = X M -X N = 1,6-4 =035. i1Y 0 YM -YN 0-6,9 '
Um die Kennlinie X = f (Z) für die Ermittlung der Steigung der Tangente KpSz nicht gesondert zu skizzieren, wählen wir die Punkte Bund C, die vom Arbeitpunkt Zo = 4 gleichermaßen um ± L1Z = 0,5 entfernt sind. Damit wird die Steigung der Sekante berechnet, die sich von der Tangente für kleine Abweichungen L1Z nur gering unterscheidet: K pS =(M) =XB-X c = 4-1,8 =-22 z
L1Z 0
ZB - Zc
3,5 - 4,5
,.
Das gesuchte statische Verhalten der linearisierten Regelstrecke im Arbeitspunkt ist: x = 0,35 y - 2,2 z.
51
3 Die Regelstrecke Die Regelstrecke ist derjenige Teil einer Anlage, in dem die zu regelnde physikalische Größe (Regelgröße x) durch die Regeleinrichtung beeinflusst wird. In den meisten Fällen ist sie fest vorgegeben und in ihren Kennwerten nur wenig veränderbar. Während die Kennwerte der Regeleinrichtung vom Hersteller rechnerisch oder experimentell ermittelt und bekanntgegeben werden, sind die Kennwerte der Strecken vor der Projektierung der Regelung fast immer unbekannt. Bei der Projektierung einer zu regelnden Anlage sind zunächst die Kennwerte der Regelstrecke experimentell zu ermitteln, die dann eine Einordnung ermöglichen. Mit den so gefundenen charakteristischen Daten lässt sich dann der Regelkreis weiter mathematisch untersuchen, so z. B. auf seine Stabilität oder auf sein optimales Regelverhalten. Bei schwierigen Regeistrecken wird diese zusammen mit der Regeleinrichtung auf einem pe simuliert. Nur in den seltensten Fällen ist die Berechnung von Regelstrecken durch Aufstellen und Lösen von Differentialgleichungen möglich. Die in diesem Kapitel theoretisch behandelten einfachen Grundtypen von Regelstrecken sollen nur dazu dienen, das Zustandekommen der charakteristischen Kenngrößen zu erklären und sollen kein Anreiz zur Berechnung von Regelstrecken sein. Der Wirkungsplan des Regelkreises wurde in Bild 1.6 dargestellt. Ihm entnehmen wir den in Bild 3.1 gezeigten Wirkungsplan der Regelstrecke. Eingangsgröße der Regelstrecke ist y, die Summe aus der Stellgröße YR und der Störgröße z. Ausgangsgröße ist die Regelgröße x. Gs(s) ist die Übertragungsfunktion der Strecke.
1
z(s)
YR(')
+
-----+0 +
Bild 3.1
Y(')
[
•
Gs (s)
~
Wirkungsplan der Regelstrecke
Die Einteilung der Regelstrecken erfolgt nicht nach den zu regelnden physikalischen Größen, sondern nach ihrem zeitlichen Verhalten. Dabei ist es unwichtig, ob es sich um die Drehzahl einer Turbine, die Temperatur in einem Glühofen oder den Druck in einem Behälter handelt. Auch das Zeitverhalten der Regelstrecken kann in den meisten Fällen durch gewöhnliche lineare Differentialgleichungen von der allgemeinen Form beschrieben werden:
... + a3
x(t)
+ a2
+ al
x(t)
+ aO
... + T;
x·(t)
+ T22 x(t) + Tl
x(t)
+ x(t) =
x(t)
x(t) = y(t)
(3.1)
bzw. K PS . y(t) .
(3.2)
Die höchste Ordnung dieser DGL kennzeichnet die Ordnung der Strecke. Eine Strecke mit den Beiwerten ao und al bezeichnet man als eine Strecke 1. Ordnung, eine solche mit den Beiwerten ao, al und a2 als eine Strecke 2. Ordnung usw.
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_3, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
52
3 Die Regelstrecke
Ferner unterteilt man die Regelstrecken in: •
Strecken mit Ausgleich und
•
Strecken ohne Ausgleich.
Man spricht von einer Strecke mit Ausgleich, wenn nach einer sprunghaften Verstellung der Eingangsgröße y(t) die Ausgangsgröße x(t) (Regelgröße) für t ~ 00 wieder einen neuen Beharrungszustand x( 00) annimmt, wie Bild 3.2 zeigt. Für t ~ 00 wird der Beharrungszustand erreicht, x ist dann konstant, d. h. es findet keine zeitliche Änderung von x mehr statt, folglich sind alle Ableitungen i(t), x(t), x(t) usw. Null.
x
i x(co)
Im Beharrungszustand wird also aus Gleichung (3.1) ao x(oo) = Yo, x(oo)=K pS Yo·
1
__ t
1 x(oo)=-yo, ao
Bild 3.2
(3.3)
Sprungantwort einer Regelstrecke mit Ausgleich
Hierin ist y(t) = YO = konstant der Eingangssprung. Strecken mit Ausgleich bezeichnet man auch als proportionale oder kurz P-Strecken, weil im Beharrungszustand die Ausgangsgröße proportional der Eingangsgröße ist, gemäß GI. (3.3). Bei Strecken ohne Ausgleich wird bei einer Sprungfunktion am Eingang die Regelgröße x keinen Beharrungswert annehmen, sondern monoton anwachsen, wie in Bild 3.3 gezeigt.
I-Strecke x
1
In der Differentialgleichung (3.1) drückt
I-Strecke 1. Ordnung
sich das so aus, dass der Beiwert ao = 0 ist.
... + a3 :f(t) + a2 x(t) + al i(t) = y(t) bzw.
f
... + a3 x(t) + a2 i(t) + al x(t) = y(t) dt .
I-Strecke 2. Ordnung (gedämpft schwingend)
_t
Bild 3.3
Sprungantwort einer Regelstrecke ohne Ausgleich
(3.4)
Strecken ohne Ausgleich werden wegen der in GI. (3.4) gefundenen Beziehung auch integrale oder kurz I-Strecken genannt.
53
3.2 P-Strecken mit Verzögerung 1. Ordnung
3.1 P-Strecken ohne Verzögerung Eine Regelstrecke, die zur folgenden Gleichung führt bzw.
ao x(t) = y(t)
x(t) = K PS' y(t) , mit K PS = _1_, ao
in der also die Glieder mit der 1. bis n-ten Ableitung fehlen, bezeichnet man als eine Strecke O. Ordnung. Gibt man auf den Eingang einer solchen Strecke eine Sprungfunktion, so wird die Ausgangsgröße sich ebenfalls sprunghaft ändern, die Ausgangsgröße folgt ohne zeitliche Verzögerung proportional der Eingangsgröße (Bild 3.4).
f~ -l--b,
x
i
x (00) =
Bild 3.4 Eingangssprung (links) und Sprungantwort (rechts) einer Strecke O. Ordnung
Kps'Yo ----+ t
Solche Strecken sind höchst selten, man findet sie näherungsweise in rein ohmschen Netzen oder in hydraulischen Systemen, in denen keine nennenswerte Kompressibilität auftritt.
3.2 P-Strecken mit Verzögerung 1. Ordnung Diese Strecken bzw. die Hintereinanderschaltung solcher Strecken ist die am häufigsten in technischen Anlagen vorkommende. • mw
Warmwasserbehälter (Bild 3.5)
Beispiel 3.1
Masse des Wassers
= 1200 kg = 1,163
Wh/
kg K
= 200 kg = 0,134 Wh/kg K
A d
=3mm = 0,052 W/mK
t9a
= (273 + 15) K
spezifische Wärme des Wassers
t1a
Masse des Behälters spezifische Wärme des Behälters Oberfläche des Behälters Dicke der Isolationsschicht Wärmeleitfähigkeit der Isolationsschicht Außentemperatur Anfangstemperatur des Wassers
,------------
54
3 Die Regelstrecke
Der Behälter ist mit Wasser gefüllt, das erwärmt werden soll. Regelgröße x ist die Wassertemperatur 1J, Eingangsgröße ist die elektrische Heizleistung Pe. Die über die Heizspirale zugeführte elektrische Energie
fPe(t)dt erwärmt einmal das Wasser und den Behälter, ferner wird infolge der nichtidealen Isolation eine von dem Temperaturgefälle tJ - tJa abhängige Wärmemenge nach außen abgeführt. Der gesuchte Zusammenhang zwischen Ein- und Ausgangsgröße ergibt sich durch Gleichsetzen der pro Zeiteinheit dt zugeführten und aufgenommenen Wärmeenergie. Die pro Zeiteinheit zugeführte Wärmeenergie ist
dQzu = P (t). dt e
(3.5)
Die vom Wasser gespeicherte Wärmeenergie ist
Qw =m w
Cw
(l9-l9a )·
Daraus findet man:
dQw dl9 --=m w c w - ' dt dt
(3.6)
Entsprechend ergibt sich für die vom Behälter aufgenommene Wärmeenergie (bei der vereinfachenden Annahme, dass der Behälter die gleiche Temperatur annimmt wie das Wasser)
bzw.
(3.7) Analog zu den Verhältnissen zwischen Strom und Spannung an einem ohmschen Widerstand ist der nach außen abgeführte Wärmestrom
w
=~ ,iA
Somit ist der Wärmestrom tJ-tJ
1A
$= _ _ a =-/!'-(l9-ß R d a
).
(3.8)
w
Andererseits ist der Wärmestrom
dQy . dt
3.2 P-Strecken mit Verzögerung 1. Ordnung
55
Die dem System zugeführte Wärmemenge ist gleich den gespeicherten bzw. abgeführten Wärmemengen
oder
dQzu
dQw
dQb
dQy
dt
dt
dt
dt
--=--+--+--. Setzt man die Beziehungen (3.5), (3.6), (3.7) und (3.8) in die letzte Gleichung ein, so erhält man
mw
Cw
dtJ(t) dtJ(t) /L A --+mb cb --+-(tJ-tJa)=Pe(t) bzw. dt dt d
d' w t) + tJ(t) = -d . P (t) + z9 . d . m w c w + mb cb . _U_\ /L A dt /L A e a Mit den Abkürzungen: K pS
=~= /LA
0,~3m
0052-.7 Sm ,
mK
2
=0,0074~
'
W
und
folgt
(3.9) Die gefundene Differentialgleichung 1. Ordnung besagt, dass die vorliegende Strecke eine PStrecke mit Verzögerung 1. Ordnung oder kurz eine P-T i-Strecke ist. Der zeitliche Verlauf der Sprungantwort IJ(t) ergibt sich, wenn zum Zeitpunkt t = 0 der Schalter geschlossen wird und die elektrische Leistung Pe(t) = P eO konstant ist, d. h.
Pe (t) = PeO . (J(t) .
(3.10)
Bei der Laplace-Transformation von (3.9) ist zu beachten, dass bei der Anwendung des Differentiationssatzes die Anfangsbedingung im vorliegenden Fall nicht Null, sondern Damit folgt aus (3.9) durch Laplace-Transformation, unter Beachtung von (3.10)
Pe (s) = PeO s und
PeO tJ Ti (stJ(s)-tJa ) +tJ(s)=K pS - + -a ' s s nach ß(s) aufgelöst
~O)
= ßa ist.
3 Die Regelstrecke
56
Mit den Beziehungen 4 und 5 der Korrespondenztabelle folgt sofort t
19(t) = (K PSPeO
+ lJa )(1- e
1]) + lJa e 1]
bzw.
(3.11) Der zeitliche Verlauf der Sprungantwort ist im Bild 3.6 dargestellt. Für t = 0 ist zJXO) = ßa und für t = 00 ist zJXoo) = ßa + Kps Peo = (288 + 74) K = 362 K. Die Endtemperatur zJXoo) wird bei der gewählten Eingangsleistung erst nach t = (3 ... 5) . Tl erreicht. Durch Vergrößerung der Eingangsleistung kann der Erwärmungsvorgang wesentlich beschleunigt werden. So wird z. B. für PeO = 50 kW die Anfangssteigung
dl9(t) _ P K PS 0-dt - e Tl
--
il K
i
ß(t)
für P eO = 50 kW
fünfmal größer. Durch eine entsprechende Regeleinrichtung (die später besprochen wird) kann eine Erwärmung des Wassers über den Siedepunkt verhindert werden.
ß(oo)
Bild 3.6
ßa
Sprungantwort einer P-Tl-Strecke
273 + - - - - - - 1 f - - - - - - - - - - _t
Bei der Ermittlung des Frequenzganges GsUr4 aus GI. (3.9) ist zu beachten, dass das konstante Glied ßa entfällt, da bei sinusförmiger Eingangsgröße auch die Ausgangsgröße zJXt) sich sinusförmig ändert und nur die Änderungen (keine Absolutwerte) ins Verhältnis gesetzt werden. Man ermittelt zunächst aus GI. (3.9) die Übertragungsfunktion der Strecke ohne Vorgeschichte, d. h. für zJXO) = ßa = O.
G (s) = 19(s) = K PS . S Pe (s) 1+ sTI In dem man s durch jwersetzt, folgt daraus der Frequenzgang
G ( 'm) - 19(jm) _ K PS S } - Pe (jm) - 1 + jofIi Die zugehörige Ortskurve ergibt, wie in Beispiel 2.6, einen Halbkreis im 4. Quadranten mit
KpS als Durchmesser.
57
3.2 P-Strecken mit Verzögerung 1. Ordnung •
Beispiel 3.2
Eingangsgröße ist die Erregerspannung y und Ausgangsgröße ist die Verbraucherklemmenspannung x eines fremderregten Gleichstromgenerators (Bild 3.7).
L
Bild 3.7
Fremderregter Gleichstromgenerator
Die Antriebsdrehzahl des Generators n ist konstant. Die Induktivität des Läufers sei vernachlässigbar. Für den Erregerkreis gilt: . di(t) y(t) =/(t)·R + L - .
(3.12)
dt
Der Strom i erzeugt in der Erregerwicklung den Fluss cP. Bedingt durch die Magnetisierungskurve ist die Funktion cP=f(i) nichtlinear. Vereinfachend soll hier angenommen werden, dass die Magnetisierungskurve unterhalb der Sättigung durch eine Gerade ersetzt und der magnetische Widerstand R m als konstant aufgefasst werden kann. Der magnetische Fluss ergibt sich dann zu cP(t) = B(t) Rm mit
e
=~i(t),
(3.13)
Rm
elektrische Durchflutung
N Windungszahl der Erregerwicklung.
Die vom Generator erzeugte Leerlaufspannung ist
(3.14)
uo(t) =c n· cP(t). Der Ankerstrom ergibt sich aus
i (t) = 2
Uo (t)
Ra +Rb
und damit die Spannung am Verbraucher . x(t) = 12 (t) . Rb =
Rb
Ra +Rb
Uo (t) .
Gin. (3.13) und (3.14) in GI. (3.15) eingesetzt, ergibt
(3.15)
3 Die Regelstrecke
58
mit
Nach i(t) aufgelöst, folgt
i(t) = _1_ x(t)
K]
und nach einmaliger Differentiation
di(t)
--
1
dx(t)
K]
dt
--.--
dt
i(t) und di(t)/dt in (3.12) eingesetzt, führt zu
L dx(t) R ---+-x(t)=y(t) bzw. K] dt K]
~ dx(t) + x(t) =!!..l y(t) . R
R
dt
Mit der Zeitkonstanten des Erregerkreises T] = UR und dem Übertragungsbeiwert KpS = K]/R folgt die endgültige Form der Differentialgleichung
dx(t)
T] - - + x(t) = K pS y(t).
dt
(3.16)
GI. (3.16) ist der in Beispiel 3.1 gefundenen GI. (3.9) (bis auf den Anfangswert 6(0) = 19a) analog. Entsprechend erhält man die Lösung durch Laplace-Transformation von (3.16) (für t = 0 sei x(O) = 0) T] ·sx(s)+x(s)=K pS y(s) bzw. K pS x(s)=--y(s). 1+ sT] Wählen wir als Eingangsgröße wieder die Sprungfunktion
y(t) = yO . (J(t) , so folgt mit y(s) =
~ s
1 x(s)=K ps Y o - - s (1 + sT]) Unter Verwendung der Beziehung 4 der Korrespondenztabelle erhalten wir im Zeitbereich
59
3.3 P-Strecken mit Verzögerung 2. Ordnung
x(t) = ~
K PS Ya (1- e 1]).
Aufgabe 3.1
Ermitteln Sie den Verlauf der Ortskurve des im Beispiel 3.2 durch GI. (3.16) beschriebenen Systems für Tl = 0,1 sund Kps = 10.
3.3 P-Strecken mit Verzögerung 2. Ordnung Regelstrecken, die durch die Hintereinanderschaltung von zwei P-Strecken 1. Ordnung entstehen, werden durch eine Differentialgleichung 2. Ordnung beschrieben. Im Gegensatz zu in sich gekoppelten Zweispeichersystemen, die in Abschnitt 3.5 behandelt werden, können sie nur aperiodische Schwingungen ausführen. Als Beispiel soll das im Bild 3.8 gezeigte System 2. Ordnung behandelt werden, das aus zwei hintereinandergeschalteten Gleichstromgeneratoren besteht und als Verstärkermaschine bezeichnet wird. •
Beispiel 3.3
Das Erregerfeld des zweiten Generators wird von dem ersten Generator erzeugt. Die Rotorwellen beider Generatoren sind gekoppelt und werden mit der Drehzahl n angetrieben. Eingangsgröße ist die Spannung y am ersten Erregerkreis, Ausgangsgröße ist die Verbraucherspannungx.
b
I
I I
1. Vierpol
Bild 3.8 •
2. Vierpol
I
P-T2 -Strecke, gebildet aus zwei hintereinadergeschalteten Gleichstromgeneratoren
Ermittlung der Übertragungsfunktion
Um die Übertragungsfunktion der in Bild 3.8 dargestellten P-T2-Strecke
G (s) = x(s)
s
3. Vierpol:
y(s)
60
3 Die Regelstrecke
zu ermitteln, kann man ebenso vorgehen wie in Beispiel 3.2. Im Ankerkreis liegt dann anstelle von Rb (Bild 3.7) (R2 + sL2) (Bild 3.8). Der Ankerstrom i1 ist dann gleich dem Erregerstrom des 2. Generators und bestimmt den Fluss eJ)2 usw. Im Folgenden soll eine andere Methode Anwendung finden. Wie Bild 3.8 zeigt, kann die Verstärkermaschine als Kettenschaltung von drei Vierpolen aufgefasst werden. Der Vorteil dieser Darstellung besteht darin, dass die den I. Vierpol beschreibende Kettenmatrix in ihrem Aufbau völlig identisch mit der des 2. Vierpols ist und sich nur durch die Indizes unterscheidet. Betrachten wir zunächst den 1. Vierpol bei aufgetrennten Klemmen a und b, so wird dieser durch die folgenden Gleichungen beschrieben (s.a. Beispiel 3.2): y(s) = i(s) . (R 1 + sL])
NI
(3.17)
.
(3.18)
eJ)1 =--'/(S) R m1
(3.19) (3.20)
U] (s) = u o](s) - i] (s)· Ra] .
Die Beziehung des Eingangsvektors [y, i] und des Ausgangsvektors [u), i1] lautet:
(All
y(S)) = ( i(s) A 21
(S))
A12 ) (U1 A 22 11 (s)
.
(3.21)
Durch Umformung der GIn. (3.17) ... (3.20) sollen nun die beiden in (3.21) enthaltenden Gleichungen gebildet werden. Aus GI. (3.20) folgt u o1(s) = u1 (s)
+ i 1(s)· R a1 .
(3.22)
Setzen wir (3.22) in (3.19) ein und lösen nach i(s) auf, so entsteht die zweite GI. der Kettenform i(s) = _1_ [u1 (s) + i1(s)· Rad,
K1
(3.23)
c]nN]
mit der Abkürzung K 1 = - - - .
R m1
Die erste der gesuchten Gleichungen ermitteln wir mit (3.23) in (3.17) zu
R y(s) = - 1 (l + sIJ)[ul (s)
K1
.
+ 11 (s)· Rad,
mit der Bezeichnung Tl = L1/R1. Die GIn. (3.24) und (3.23) lassen sich nun nach (3.21) zusammenfassen
(3.24)
3.3 P-Strecken mit Verzögerung 2. Ordnung
61 (3.25)
Ganz analog ergibt sich für den 2. Vierpol
(l+sT;) ( ~I(S))=_I_[R2 lies) K2
Ra2 R2 (l+ST;)].(~2(S)) R a2 12(S) .
1
(3.26)
Für den 3. Vierpol (Querwiderstand) ist
0) (X(S) 1
)
(3.27)
Ix(S).
Setzen wir die GI. (3.27) in GI. (3.26) ein und das Ergebnis wiederum in GI. (3.25), so folgt
y(S)) 1 (All ( i(s) = K K I 2 A2 ]
A l2 ). (B ll A 22 B2]
(C
C]2) (X(S) )
ll B]2). B 22 C 2 ] C 22
i x (s) .
Hierin sind Aik, Bik und Cik die Elemente der 1., 2. und 3. Vierpolmatrix. Die Multiplikation der drei Matrizen, unter Beachtung der Reihenfolge, ergibt die Produktmatrix
Dl2 )
D 22
bzw.
Im vorliegenden Fall ist ix(s) = O. Zur Berechnung der gesuchten Übertragungsfunktion brauchen daher nicht alle vier Elemente der Produktmatrix D berechnet zu werden, es genügt vielmehr die Ermittlung von D ]]. Die Übertragungsfunktion ist dann G (s) S
mit
= x( s) = K I K 2 y(s)
D Il = (All B Il
,
D ll (s)
+ Al2 B 21 )· C Il + (AI] B I2 + A I2 B 22 )· C 21 .
Mit den entsprechenden Termen für Aik, Bik und Cik aus (3.25), (3.26) und (3.27) ergibt sich
D ll (s) = [R] R 2 (1 + sT] )(1 + sT2* ) + Ra] R] (1 + sT])] 1 + [R a2 R]R 2 (1 + sT] )(1 + sT2* ) + R a]R a2 R] (1 + sT])]·-. Rb
Nach einigen Umformungen gelangt man zu
62
3 Die Regelstrecke
Mit den Abkürzungen
und
folgt schließlich die Übertragungsfunktion der Strecke
_ x(s) _ GS ( s ) y(s)
K PS
(3.28)
(1 + sT] )(1 + sT2 )
Die Differentialgleichung des Systems finden wir aus (3.28) durch Anwendung des Differentiationssatzes der Laplace-Transformation
(3.29) Es handelt sich somit bei dem vorliegenden System, wie in Abschnitt 3 definiert, um eine Strecke mit Verzögerung 2. Ordnung bzw. eine P-T2-Strecke.
•
Ermittlung der Sprungantwort der P-T2-Strecke
Im Folgenden soll die Sprungantwort des im Bild 3.8 dargestellten Systems für y(t)
= Ya
. (J(t)
0-.
y(s)
=~
(3.30)
s
ermittelt werden. Lösen wir GI. (3.28) nach x(s) auf unter Berücksichtigung von (3.30), so folgt
1 x(s)=K ps Ya . - - - - - s(I + sT] )(1 + sT2 )
Die Rücktransformation in den Zeitbereich kann mittels Korrespondenztabelle, Partialbruchzerlegung oder Residuenzsatz erfolgen. Mittels letzterem erhalten wir sofort
bzw.
3.3 P-Strecken mit Verzögerung 2. Ordnung
63
(3.31)
Bild 3.9 zeigt die Sprungantwort für Tl = 2· TZ. Aus (3.31) folgt für t = 0, x(O) = 0 und für t = 00, x( 00) =
dx(t) dt
Kps Ya, der stationäre Endwert. Durch Differentiation von (3.31) erhält man
= K
PS Ya [e- ;1 _e- ;2] .
Tl
-TZ
Für t = 0 ist i(O) = 0 , d. h. die Kurve beginnt für t = 0 mit waagerechter Tangente. Der Kurvenverlauf zeigt einen charakteristischen s-förmigen Verlauf, dessen Wendepunkt sich aus
dZX(t)=KPsyar_e-~ +e-;21=o dt Z
Tl
-TZ
Tl
TZ
ergibt bzw.
Speziell für Tl = 2TZ wird tw
=2TZ ·ln2=1,386TZ·
x
_.-
.--.-.-
---+ t
Bild 3.9 Sprungantwort einer P-T2-Strecke mit Zeitkonstanten Tl = 2T2
64
3 Die Regelstrecke
Wird die Sprungantwort des Systems experimentell aufgenommen, so kann zur Identifikation von Strecken 2. und höherer Ordnung, wie in Bild 3.10 gezeigt, die Wendetangente durch den Wendepunkt für t = t w gelegt werden. x
Bild 3.10 Sprungantwort und Kenngrößen: Tu
Verzugszeit
Tg x( 00)
Ausgleichszeit Beharrungszustand
Diese schneidet die Zeitachse im Punkt t = Tu und den Beharrungszustand x(oo) für t = Tu + Tg. Bei einer Strecke 2. Ordnung können aus Tu und Tg die beiden Zeitkonstanten Tl und T2 bestimmt werden.
•
Die Ortskurve der P-T2-Strecke
Aus GI. (3.28) folgt der Frequenzgang
K PS . ) _ x(jw) _ GS ( }W - - - - - - - - - - - - - ' = - - - = - - - - - y(j w) (1 + j wTI)(I + j wT2 )
(3.32)
Zur Diskussion des Ortskurvenverlaufs zerlegen wir den Frequenzgang (3.32) in seinen Realund Imaginärteil
1- w2 TI T2 Re (Gs ) = K PS 2 2 2 2 (l-w TI T2 ) +w (Tl +T2 )
Im(Gs)=-Kps
W(Tl + T2 ) 2 2 2 (I-w TI T2 ) +w (Tl +T2 ) 2
Das Vorzeichen von Re(GS) und Im(GS) wird nur durch den Zähler bestimmt, da der Nenner für beide gleich und für alle m-Werte stets positiv ist. Variieren wir m von 0 bis 00, so ist der Im(GS) stets negativ. Für den Realteil ergibt sich: 2
a) für kleine m- Werte, d. h. I > m Tl T2 ist 2
b) für m TIT2 = 1 bzw. W=
1
~
-yTI T2 2
ist
c) Für große m-Werte, d. h. I< m TIT2 ist Re(G s ) <0.
3.3 P-Strecken mit Verzögerung 2. Ordnung
65
Das heißt, die Ortskurve verläuft in der Gaußschen Zahlenebene im 3. und 4. Quadranten, wie in Bild 3.11 gezeigt. Weitere markante Punkte der Ortskurve ergeben sich für Im
i
OJ
= 0 und OJ =
(siehe Tabelle).
0)
Re (GS)
Im (GS)
0
KpS
0
1
----+ Re
00
~TI T2 00
0 0
-K pS '
~TI T2 Tl +T2
0
Bild 3.11 Ortskurve einer P-T2-Strecke
Die Dämpfung des P- T2-Gliedes
•
Es soll hier gezeigt werden, dass das Übergangsverhalten eines Systems 2. Ordnung entscheidend von seiner Polverteilung abhängt. Die Übertragungsfunktion (3.28) kann wie folgt umgeschrieben werden:
Mit den Abkürzungen
Tl +T2 und 2a -- ----'----=TI T2 a
ß
ß 2 = -1- , TI T2
Abklingkonstante Kreisfrequenz des ungedämpften Systems
wird
Gs (s) = K Ps
ß
2
2
1
s +s·2a+ ß
2 .
Eine weitere wichtige Größe ist die Dämpfung D, die wie folgt definiert ist
D=a.
ß
Die beiden Pole der Gleichung (3.33) ergeben sich zu
(3.33)
66
3 Die Regelstrecke
51,2
=-a±ß~D2
(3.34)
-1
Daraus ist ersichtlich, dass abhängig von D folgende Fälle möglich sind: a) Für a > ß( D > 1) werden die beiden Pole negativ s-Ebene reell (aperiodischer Fall).
b) Für a =
ß
jw
(D = 1) ergibt sich eine doppelte Polstelle,
mit SI = s2 = - a (aperiodischer Grenzfall).
jw
--.----+--+ ( j
c) Für a < ß (0< D < I) werden die beiden Pole konjugiert komplex
512
=-a±jß~I-D2
(gedämpfte Schwingung). d) Für a = 0 (D = 0) wird der Realteil der beiden Pole
1It-----
, :---a---. ,,,
jw
(j
)
jw
Null, d. h. die Pole werden rein imaginär sl,2 = ±jß (ungedämpfte Dauerschwingung).
ß (j
ß e) Für a < 0 (D < 0) ist die Abklingkonstante negativ, die beiden Pole haben einen positiven Realteil
51,2
=+a±jß~1-D2
(aufklingende Schwingung).
jw
- - ---lil
,, ,, ,, , , a-:, ,,
(j
-----fc
Für das durch die Übertragungsfunktion (3.28) beschriebene System sind nur die Fälle a) und b) möglich (D ~ 1), denn
67
3.3 P-Strecken mit Verzögerung 2. Ordnung
Mit der Abkürzung a=
~ TTl
2
bzw.! = a
~ TTl2
wird
Daraus folgt a = + I bzw. Tl = T2. Die Dämpfung des Systems ist dann
D = 1 (ein Minimum), da für a
=+ I die 2. Ableitung 2
d D 1 --2-=3>0 ist.
da
a
Für Tl *- T2 ist die Dämpfung stets größer als Eins. Bild 3.12 zeigt die Sprungantworten eines Systems 2. Ordnung bei verschiedener Dämpfung.
i
----+ t
Bild 3.12 Sprungantworten eines Systems 2. Ordnung bei verschiedenen Dämpfungen I - aperiodischer Fall D>I 2 - aperiodischer Grenzfall D= I 3 - gedämpfte Schwingung 0
68 •
3 Die Regelstrecke Beispiel 3.4
Das in Bild 3.13 gezeigte System besteht aus der Reihenschaltung von Wandlern und zweier Speicher, und zwar: a) dem Behälter, in dem das Gas bzw. Druckenergie gespeichert wird, b) die Feder des Membranantriebs, die potentielle Energie speichert. Obis 100% Hub Wandlung von Spannung in Strom
IF=;iL---JA p,
V
• x
Wandlung von Strom in Druck
b +-
Zuluft 1,4 bar
Bild 3.13 Ansteuerung eines pneumatischen Membranventils Derartige Anordnungen kommen in der Verfahrenstechnik, z. B. wegen des Explosionsschutzes häufig vor. Mittels elektrischer Spannung von 0 bis 10 V wird die Stellung des Ventils zwischen 0 und 100% eingestellt. Die VentilsteIlung x des pneumatischen Stellventils soll mittels eines Stellsignals Pe rückwirkungsfrei angesteuert werden. Ein vor dem Druckspeicher sitzendes Ventil ist durch eine ideale Drossel ersetzt. Das Volumen über dem Membranteller ist gegenüber dem Behältervolumen V vernachlässigbar. Dadurch sind beide Systeme rückwirkungsfrei miteinander verbunden, d. h. durch eine Verstellung der Ausgangsgröße x wird rückwirkend der Druck P im Behälter nicht verändert. Der pro Zeiteinheit durch die Drossel strömende Massenstrom dm/dt ist proportional dem Drosselquerschnitt d 2J[ /4 und der mittleren Geschwindigkeit v : Z
dm(t) = d J[. p. v(t) . dt 4
(3.35)
p Dichte des Gases. Die Drosselbohrung ist so bemessen, dass eine laminare Strömung vorliegt. Es gilt dann das Poiseull'sche Gesetz
v=k(Pe -p), mit dem Proportionalfaktor
Z d k=--32·[ ''7
(3.36)
3.3 P-Strecken mit Verzögerung 2. Ordnung
69
Länge der Drossel 2 77 Zähigkeit des Gases in Ns/m •
1
GI. (3.36) in GI. (3.35) eingesetzt ergibt
dm(t) d 2 Jr - - = - - . pk·[(p (t)- p(t)].
4
dt
e
(3.37)
Nach den Gasgesetzen ist ferner
(3.38)
p·V=m·R·13 R Gaskonstante in Nmlkg·K
13 absolute Temperatur in K = konstant m die im Behälter mit dem Volumen V gespeicherte Gasmenge in kg. Durch Differentiation von GI. (3.38) folgt
V dp(t) = R13 dm(t) dt dt und damit die pro Zeiteinheit im Behälter gespeicherte Menge
dm(t)
--
V
dp(t)
R 13
dt
-----
dt
(3.39)
Durch Gleichsetzen von GI. (3.37) und GI. (3.39) erhält man
V dp(t) d 2 Jr R 13 ------;]t = -4-' P k . [(Pe (t) - pet)] bzw.
4V dp(t) d 2 JrpkR 13 dt
+ P (t ) -_ Pe (t ) .
Mit der Abkürzung
_ T1-
4V 2
d JrpkR13
wird
dp(t)
Tl - - + pet) = Pe(t)· dt
(3.40)
Durch Laplace-Transformation ergibt sich daraus die Übertragungsfunktion des ersten Systems
GSI(S)= pes) =_1_. Pe (s) 1 + sTI
(3.41)
Der Druck p wirkt als Eingangsgröße auf das zweite System und erzeugt mit der Membranfläche A die Kraft A· pet) . Diese ist mit den Gegenkräften c· x der Feder und b· i der Dämpfungseinrichtung im Gleichgewicht.
70
3 Die Regelstrecke
b i(t) + c x(t) = A· pet)
!!.- i(t) + x(t) = A c
c
p(t).
c Federkonstante in N/m b Dämpfungskonstante in Ns/m. Mit den Abkürzungen Kps = A / c und Tz = b / c folgt für das zweite System die DGL
T2 i(t)
+ x(t) = K PSp(t) .
(3.42)
Die zugehörige Übertragungsfunktion lautet
_ x( s) _ K PS GS2 () s ---pes)
(3.43)
1+ sT2
Bild 3.14 zeigt den Wirkungsplan des Gesamtsystems.
Bild 3.14 Wirkungsplan des Membranventils nach Bild 3.13 (P-Tz-Strecke)
Daraus folgt die Gesamtübertragungsfunktion
G (s) - G (s). G S
-
SI
S2
(s) - x(s) _ K PS - Pe(s) - (1+ sT )(l+ sT ) l
(3.44)
2
Durch Anwendung des Differentiationssatzes der Laplace-Transformation ergibt sich aus (3.44) die Differentialgleichung der P-Tz-Strecke zu
(3.45) Vergleicht man GI. (3.45) mit GI. (3.29), so sieht man deren Übereinstimmung. Die Sprungantwort, Ortskurve usw. des durch (3.45) beschriebenen Systems ergeben sich analog den in den Abschnitten 3.3.2 bis 3.3.4 gefundenen Beziehungen. ~
Aufgabe 3.2
Ermitteln Sie die Übertragungsfunktion und die Differentialgleichung des in Beispiel 3.2 (Bild 3.7) behandelten fremderregten Gleichstromgenerators, unter der Voraussetzung, das die Ankerinduktivität L nicht vernachlässigt werden darf. Wie berechnen sich Kps, Tl und Tz? Hinweis: Im Bildbereich ist der Ankerwiderstand Ra durch die Impedanz (Ra + sLa) ZU ersetzen.
3.4 Strecken höherer Ordnung Die im vorherigen Abschnitt behandelten Strecken 2. Ordnung wurden durch Hintereinanderschaltung von zwei P-T I-Strecken gebildet. Wie die Darstellung im Wir-
3.4 Strecken höherer Ordnung
71
kungsplan (Bild 3.14) zeigt, ergibt sich die Gesamtübertragungsfunktion aus dem Produkt der beiden Übertragungsfunktionen GSI und GS2. Entsprechend folgt bei der rückwirkungsfreien Hintereinanderschaltung von drei PT I-Strecken (Bild 3.15) für die Gesamtübertragungsfunktion G (s)-G S
-
SI
(s)·G
S2
K pS1 ' Ta
-y-~:;---+·It:= I GSI(s)
(s).G
S3
(s)- x(s) _ KpSIKpS2KpS3 - y(s) - (1 + sTa)(1 + sT )(1 + sT ) b c
K pS2 ' Tb
xj(t)
K pS3 ' Tc
·It:= I ·It:= I-:~~---+· xz{t)
G S2 (s)
G S3 (s)
Bild 3.15 Wirkungsplan einer P-T3-Strecke, gebildet aus drei hintereinandergeschalteten P-TI-Strecken
bzw. _ x(s) _ GS ( s ) y(s)
K PS
s3 Ti +s2 Ti +sTI +1
.
(3.46)
Daraus ermittelt sich die zugehörige Differentialgleichung zu Tix"(t)
+ Ti x(t) + Tl x(t) + x(t) = K PS . y(t) .
(3.47)
Schaltet man n Glieder 1. Ordnung rückwirkungsfrei hintereinander, so nimmt die Übertragungsfunktion folgende Form an x(s) K ps Gs(s)=-= 3 3 2 2 ' n y(s) sn Tn + ... +s T +s T2 +sT1 +1 3
(3.48)
Die Differentialgleichung zu (3.48) lautet x(n)(t)T::
+ ... + x'(t)Ti + x(t) Ti + x(t) Tl + x(t) = K PS " y(t) .
(3.49)
Für den Regelungstechniker ist die möglichst genaue Kenntnis des zu regelnden dynamischen Prozesses besonders wichtig, d. h. die das System beschreibenden Parameter Kps, Tl, T2· ...Tn müssten identifiziert werden.
72
3 Die Regelstrecke
Nimmt man die Sprungantwort einer unbekannten Strecke experimentell auf, so kann die genaue Ordnung dieser Strecke nicht ohne weiteres aus dem Kurvenverlauf ermittelt werden, insbesondere, wenn die einzelnen Glieder unterschiedliche Zeitkonstanten aufweisen. Bereits bei einem System 2. Ordnung, das aus zwei P-T I-Gliedern mit den Zeitkonstanten Ta und Tb besteht, ist die Bestimmung der Zeitkonstanten nicht ganz einfach. Durch Anlegen der Wendetangente lassen sich die Verzugs- und Ausgleichszeit Tu und Tg ermitteln. Mann kann zeigen, dass zwischen den Quotienten Tu/Tg und Ta/Tb eine eindeutige Funktion besteht. Die Tabelle 1 gestattet bei bekanntem Tu/Tg das Verhältnis von Ta/Tb bzw. Ta und Tb zu bestimmen. Tabelle 1 Kennwerte eines Verzögerungsgliedes 2. Ordnung
Tu Tg
Tb
Tg
tw
Ta
Ta
0,000 0,016 0,032 0,050 0,063 0,072 0,084 0,092 0,097 0,100 0,102 0,103 0,103 0,104
0,00 0,02 0,05 0,10 0,15 0,20 0,30 0,40 0,50 0,60 0,70 0,80 0,90 1,00
Ta 1,000 1,083 1,171 1,292 1,399 1,495 1,675 1,842 2,000 2,151 2,299 2,439 2,548 2,718
-wx(oo)
0,000 0,080 0,158 0,256 0,335 0,402 0,516 0,611 0,693 0,766 0,832 0,893 0,948 1,000
0,000 0,058 0,103 0,148 0,177 0,197 0,224 0,240 0,250 0,256 0,260 0,263 0,264 0,264
X
Bei Strecken höher als 2. Ordnung lassen sich die einzelnen Zeitkonstanten aus dem Verlauf der Sprungantworten nicht mehr ermitteln. Man gewinnt eine Näherung durch die Annahme von n hintereinandergeschalteten Verzögerungsgliedern 1. Ordnung mit gleicher Zeitkonstante T, deren Sprungantwort das gleiche Verhältnis Tu/Tg liefert, wie das der untersuchten Strecke.
Bild 3.16 zeigt den Verlauf der Sprungantworten einer P-Strecke 1. bis n-ter Ordnung mit Kps = 1 und der Übertragungsfunktion 1 Gs(s)=--(l + sT)n
3.4 Strecken höherer Ordnung
73
Bild 3.16 Sprungantworten zu P-Strecken
1.
bis 10. Ordnung mit gleicher Zeitkonstante T
Tabelle 2 Kennwerte der Sprungantworten für Verzögerungsglieder n-ter Ordnung mit gleichen Zeitkonstanten n
Tg / T
Tu / T
Tu / Tg
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
1,000 2,718 3,695 4,463 5,119 5,699 6,226 6,711 7,164 7,590
0,000 0,282 0,805 1,425 2,100 2,811 3,549 4,307 5,081 5,869
0,000 0,104 0,218 0,319 0,410 0,493 0,570 0,642 0,709 0,773
Zeigt die experimentell aufgenommene Sprungantwort eines Systems einen charakteristischen Verlauf nach Bild 3.16, so lassen sich durch Einzeichnen der Wendetangente Tu und Tg bestimmen. Bei bekanntem Tu/Tg kann die Zeitkonstante T und die Anzahl n der Glieder aus der nebenstehenden Tabelle entnommen werden. Hier ist darauf hinzuweisen, dass dieses Verfahren, bedingt durch die Konstruktion der Wendetangente, fehlerbehaftet ist. Bereits eine geringe Änderung der Neigung der Wendetangente hat eine relativ große Auswirkung auf das Verhältnis Tu/Tg •
Ortskurven der Strecken höherer Ordnung Für eine Strecke n-ter Ordnung ergibt sich aus Gi. (3.48) folgender Frequenzgang G (jm) = x(~m) = S
y(}m)
K PS bzw. (jm)n T;: + ... + (jm)3 Ti + (jm)2 Ti + (jm) Tl + 1
74
3 Die Regelstrecke
In Bild 3.11 ist die Ortskurve einer P-Strecke 2. Ordnung (n = 2) gezeigt, die auf der reellen Achse beginnend den 4. und 3. Quadranten der Gaußschen Zahlenebene durchläuft. Bei einer Strecke 3. Ordnung (n = 3) sind die Zeitkonstanten Tl, T2 und T3 vorhanden. Der Frequenzgang lautet somit . )- x(jm) _ Gs ( jm - - - -
K ps [1- (mTz)z] + j [m1] - (mT3 )3]
y(jm)
.
Den Re(Gs) und Im(Gs) gewinnt man durch Erweiterung von Gs(jm) mit dem konjugiert Komplexen des Nenners: Gs(jm)=K
ps
[1-(mTz)z]- j[m1] -(mT3)3] =Re(G )+ ·lm(G ).
[1-(mTz)zf +[m1] -(mT3 )3]Z
Daraus folgt
Variiert man mvon 0 bis a)
mTz <1
b)
mTz =1
00,
so wird Re(Gs) für: I bzw.m
positiv Null
T2 I
bzw. m>-
c)
negativ.
T2
Entsprechend wird der Im(Gs) für
~ ;~
negativ
~ TTi
Null
~~
positiv.
a)
(WT3 )3
bzw. w<
b)
(WT3 )3
=wT
bzw. W =
c)
j
(wT3 )3 > w7j
3
bzw. w>
s
j
s
75
3.5 Schwingungsfähige P-Strecken 2. Ordnung
Das heißt, die Ortskurve einer P-Strecke 3. Ordnung verläuft durch den 4., 3. und 2. Quadranten, wie in Bild 3.17 gezeigt. Im
i
K ps
Oll
OJ=O ---. Re
4. 3.
Bild 3.17 Ortskurvenverlauf von P-Strecken 1. bis 4. Ordnung
Es lässt sich zeigen, dass bei einer Strecke n-ter Ordnung n Quadranten durchlaufen werden. Für 0) = 0 ist der Re(G) stets gleich Kps und der Im(G) stets Null. Die Ortskurven laufen für 0) ~ 00 stets tangential zu den Achsen in den Ursprung; für eine Strecke I. Ordnung wird cp( 0)) = cp(00) = -90°; für eine Strecke 2. Ordnung wird cp(oo) = -180°. Allgemein gilt für eine Strecke n-ter Ordnung cp(oo) = - n·90°.
3.5 Schwingungsfähige P-Strecken 2. Ordnung Sind in einem System zwei unterschiedliche Speichermöglichkeiten vorhanden, so kann das System gedämpfte Schwingungen ausführen. So z. B. in einem Feder-MasseDämpfung-System die Speicherung von potentieller und kinetischer Energie oder in einem elektrischen Schwingkreis die Energiespeicherung im elektrischen und magnetischen Feld. •
Beispiel 3.5
R
sL
J,
ML
M~
Bild 3.18 Fremderregter Gleichstrommotor
x(s)
R=0,3
Q
L=60mH
cllb = 2,33 Vs J= 0,905 Nms
2
Die in Bild 3.18 dargestellte Drehzahlregelstrecke besteht aus einem Gleichstrommotor mit konstanter Fremderregung l/Jo, dessen Abtriebswelle ein Schwungrad mit dem Trägheitsmo-
76
3 Die Regelstrecke
ment J antreibt sowie mit einem konstanten Moment ML belastet ist. Eingangsgröße ist die Ankerspannung y, durch die die Drehzahl n (Ausgangsgröße x) beeinflusst werden kann. Rund L sind der Ankerwiderstand und die Ankerinduktivität. Wir berechnen zunächst die Übertragungsfunktion _W(s)
GSI () s -
y(s)
und daraus mit OJ = 21l . n Gs(s)=n(s). y(s)
Die im Anker induzierte Spannung ist uo(s) =
C
(3.50)
Somit gilt für den Ankerkreis y(s) = i(s)' [R
+ sL] + uO(s)
bzw. i(s) = [y(s) -
uo(s)].~
(3.51)
1 + sTI
mit
L
Tl =-=0,2s.
R
Der Ankerstrom i und der konstante Fluss
Me(s)=c
Dieses ist im Gleichgewicht mit dem Lastmoment ML und dem durch die Massenträgheit verursachten Moment M m
(t) = J. dw(t) dt
bzw.
(3.53)
M m (s) = J . s· W(s), so dass gilt Me (s) = M L (s)
+M
m
(s)
oder
(3.54) Das durch die Gleichung (3.50) ... (3.54) beschriebene System kann durch den in Bild 3.19 gezeigten Wirkungsplan dargestellt werden.
3.5 Schwingungsfähige P-Strecken 2. Ordnung
77
1 2
·ff
Bild 3.19 Wirkungsplan des fremderregten Gleichstrommotors nach Bild 3.18
Für ML = 0 berechnet sich die Übertragungsfunktion zu
_ Wes) _ 1 GSI () S y( s) _s_(l_+_s_TJ__)_J_R cc:t>o
n-.
+ c'Po
und daraus
Mit den Abkürzungen
K ps =
111 21lCePO
=0,0683-=4,098-Vs V min
und
erhalten wir schließlich
(3.55) Durch Anwendung des Differentiationssatzes der Laplace-Transformation bestimmt sich aus GI. (3.55) die Differentialgleichung 2. Ordnung des Systems zu
(3.56) Die Übertragungsfunktion nach GI. (3.55) hat, bei den gegebenen Daten, konjugiert komplexe Polstellen. Nach dem im Abschnitt 3.3 Gesagten, wird das System gedämpfte Schwingungen ausführen.
78 •
3 Die Regelstrecke Ermittlung der Sprungantwort einer schwingungsfähigen Regelstrecke 2. Ordnung
Für y(t) = Yo . (J(t) bzw.
y(s)=~ s
folgt aus GI. (3.55) x(s) = Gs (s)' y(s) =
K pS . Yo
T1T 2
1
1
s
s +s-+--
(3.57)
. -. - - - - -
1
1
Tl
T1T2
2
Unter Verwendung der Beziehung 13 der Korrespondenztabelle findet man mit
1 = 25a=s 2T1
1
'
und
x(s) = K pS' Yo . ß
2
s (s
2
1
2
+ s . 2a + ß )
(3.58)
.
Die Dämpfung des Systems ist definitionsgemäß
a 2,5 s-l D=-=--=0,25 und damit D
we =~ß2 _a 2 =9,68s- 1 . a, ß und f4 in die Rücktransformationsgleichung eingesetzt, ergibt x(t)=n(t)=K pS ' Yo [l-(CosWet+
~ SillWetje- at
l
(3.59)
Vielfach ist es zweckmäßig, die Sinus- und Cosinusfunktion in GI. (3.59) zu einer Schwingung gleicher Frequenz wie folgt zusammenzufassen: COS
wet + ~Sill wet = A Sill (wet + cp). We
Nach den Additionstheoremen ist
(3.60)
79
3.5 Schwingungsfähige P-Strecken 2. Ordnung A (sin OJet . cos cp + cos OJet . sin cp) = A sin (OJet + cp) .
(3.61)
Durch Vergleich der Beziehungen (3.60) und (3.61) folgt
a
Acos cp=-
(3.62)
A sin cp = 1.
(3.63)
OJe
Division von (3.63) durch (3.62) ergibt
W tan cp = - e
a
bzw.
W
cp = arctan _e = 75,52° .
a
Durch Quadrieren und Addieren von (3.62) und (3.63) errechnet sich
A' (cos'
qJ+s;n' qJ)=l+(~r
bzw.
Somit wird aus GI. (3.59)
x(t) = n(t) = K ps . Yo [1- Ae- at sin (OJet + cp)].
(3.64)
Setzt man die errechneten Werte in GI. (3.64) ein, so gelangt man zu
x(t)=n(t)=IS00min- 1 . 1-1,033e [
-2,5-st , sin
t
l9,6S;+1,31S)]
mit dem in Bild 3.20 gezeigten Verlauf der SprungantwOft: x(t)
r x( =) = K ps ' Yo
__ t
Bild 3.20 Sprungantwort einer P-T2-Strecke mit einer Dämpfung D = 0,25
(3.65)
3 Die Regelstrecke
80 Aus GI. (3.64) folgt für t =
00
der stationäre Endzustand
x( 00) = K PS . Ya.
Die Schnittpunkte der Kurve mit dem Beharrungszustand x(oo) ermitteln sich aus GI. (3.64) für
x(t) = x(00) bzw. sin (OJet
+ (P) = 0 ,
d. h. für
OJet + {p = i . Jr , mit i = I, 2, 3,... Daraus folgt tj
=
i'Jr-{p OJe
.
Der Abstand zwischen zwei Schnittpunkten ist
Jr OJe
Te 2
Das heißt, dass umgekehrt aus dem Kurvenverlauf die Kreisfrequenz
2Jr
(3.66)
OJ = e
Te
bestimmt werden kann. Die relativen Maxima und Minima ergeben sich aus (3.64) durch Differentiation und Nullsetzen.
bzw. (V
tan (OJet + ep) = _e = tan ep.
a
Dies ist der Fall für
OJet = i . Jr, mit i
=0, 1, 2, 3,...
oder
i ·n
. Te
(3.67)
tMAXIMIN = - = Z · - .
2
(Oe
Setzen wir GI. (3.67) in GI. (3.59) ein, so folgt
x MAXIMIN
= K PS
0
Yo
Il1-
i-K
e-a "" cos (i off)
lJ
(3.68)
3.5 Schwingungsfähige P-Strecken 2. Ordnung •
81
Ermittlung der Dämpfung aus dem Verlauf der Sprungantwort
Bezeichnet man den Betrag der Amplituden zweier aufeinander folgender Halbschwingungen und xi+l ' so folgt aus (3.68) mit
xi
i-J[
xi = K PS . YO e
-ae
Ul
I cos (i . Jr) I
(3.69)
und daraus der Quotient J[
x· ao;e. ~=e xi+l
J[
I cos (i 'Jr) I
I cos [(i + 1) 'Jr] I
ao; =e e
Durch Logarithmieren errechnet sich
a
=> 1 ( xi ) n Xi+l
lVe (Xi) a=-·ln -A-
Jr
•
xi+l
(3.70)
Andererseits ist
1
(3.71)
Mit GI. (3.70) in GI. (3.71) erhalten wir schließlich
D = ----r======
1+ (1
Xi
n Xi+l
(3.72)
)2
Mittels der Beziehung (3.72) lässt sich die Dämpfung eines schwingungsfähigen Systems aus einer experimentell aufgenommenen Sprungantwort bestimmen. ~
Aufgabe 3.3
Ermitteln Sie für den in Beispiel 3.5 behandelten fremderregten Gleichstrommotor anhand des Wirkungsplanes (Bild 3.19) das dynamische Verhalten bei Belastung, und zwar: a) Die Übertragungsfunktion Gs(s) = n(s) / ML(S) b) Die Sprungantwort n(t) für ML(t) = MLO·o(t), mit MLO(S) = 200 Nm. c) Den Verlauf der Ortskurve.
82
3 Die Regelstrecke
•
Beispiel 3.6
Bild 3.21 Mechanisches System mit P-Tz-Verhalten br = 4 Nms (Dämpfungsbeiwert bezogen auf den Drehwinkel im Bogenmaß)
C r = 40 Nm (Federkonstante bezogen auf den Drehwinkel im Bogenmaß) z J = 0,4 Nms (Trägheitsmoment)
Das mechanische System (Bild 3.21) besteht aus einem Dämpfungsglied (ähnlich einer Föttinger-Kupplung), einer Torsionsfeder und einer trägen Masse mit dem Trägheitsmoment J. Erregt wird das System durch die Winkelgeschwindigkeit m:. Das durch das Dämpfungsglied übertragene Moment ist proportional der Differenz der Winkelgeschwindigkeiten m: und lüj.
(3.73) Dieses Moment wirkt auf die Feder mit der Federkonstante Cr und tordiert diese um den Winkel ip] -
<Pa :
(3.74) Gleichzeitig wird durch das eingeleitete Moment Me die Masse mit dem Trägheitsmoment J beschleunigt
M
m
(t) = J . dOJ a (t)
dt
bzw.
(3.75) Infolge Me = Mf = M m folgt aus (3.74) und (3.75)
J
+ - . S 'lüa (S) Cr
und durch einmalige Differentiation mit m:t) = dqXt)/dt
J 2 lül(s)=lüa(S)+-'s ·lüa(S).
cr
Ferner ergibt sich durch Gleichsetzen von (3.73) und (3.75)
J
lüe (s) = lül (s) + - . S 'lüa (s)
br
und mit GI. (3.76)
(3.76)
3.6 I-Strecken ohne Verzögerung
83 (3.77)
Mit den Abkürzungen
J
Tl =-b =O,ls
2 J 2 T 2 =-=O,Ols
und
cr
r
erhalten wir die Übertragungsfunktion des Systems zu
(3.78) Für die Dämpfung des Systems folgt mit den angegebenen Daten
a
Tl
..[i-;;;
D = - = - - = - - = 0,5 und damit D < 1 => gedämpfte Schwingungen. ß 2T2 2br Die zugehörige Sprungantwort berechnet sich entsprechend Beispiel 3.5. ~
Aufgabe 3.4
Für das durch die Übertragungsfunktion (3.78) gegebene System ist der Verlauf der Ortskurve zu bestimmen. Beweisen Sie, dass für die Resonanzfrequenz
W=W r
=ß~1-2D2
gilt
3.6 I-Strecken ohne Verzögerung Eine Regelstrecke, deren Ausgang x(t) proportional dem zeitlichen Integral der Eingangsgröße y(t) ist, bezeichnet man als integrale Strecke oder kurz als I-Strecke: x(t) = K I
f
y(t) dt
0--.
1
x(s)=KI·_·y(s). s
Die letzte Gleichung entsteht durch Laplace-Transformation und führt zu der Übertragungsfunktion der I-Strecke: Gs(s) = x(s) y(s)
=~. s
Im einführenden Abschnitt dieses Kapitels wurde bereits gesagt, dass eine solche Strecke ohne Ausgleich ist. Es sollen hier noch einige Beispiele zur Erläuterung gebracht werden.
84 •
3 Die Regelstrecke Beispiel 3.7
Bild 3.22 zeigt eine Füllstands-Regelstrecke, deren Zufluss Qe proportional der VentilsteIlung Y (Eingangsgröße) angenommen wird
(3.79)
Qe (t) = k Y(t).
Y
e::::::t*1
Mittels der Pumpe wird aus dem Behälter die Menge Qa abgepumpt. Es ist leicht einzusehen, dass für Qe = Qa das Volumen im Behälter und damit der Flüssigkeitsstand H (Ausgangsgröße) unverändert bleiben wird. Bild 3.22 Füllstands-Regelstrecke Für Qe *- Qa ergibt sich die zeitliche Volumenänderung im Behälter zu
(3.80) und durch Integration
(3.81) Die Integrationskonstante C ergibt sich aus der Anfangsbedingung. Bei konstantem Abfluss Qa (t) = QaO = konst. wird das Eingangsventil mit Y = Yl so eingestellt, dass
und H = Ho ist. Damit folgt aus (3.81)
C=H O' Diese Anfangsbedingung in (3.81) eingesetzt, ergibt
H(t)=
~f[kY(t)-kYj]dt+Ho.
(3.82)
Führt man den Integrierbeiwert K,s = k / A ein und betrachtet, wie in der Regelungstechnik üblich, nur die Änderungen von Ein- und Ausgangsgröße (siehe Abschnitt 2.1), so kann man mit
h = H - HO und
y = Y - Yj
schreiben
h(t) = K I f y(t) dt .
(3.83)
3.6 I-Strecken ohne Verzögerung
85
Für einen Eingangssprung y(t) = Ya . a(t)
wird
(3.84)
h(t) = K I . Ya . t mit der in Bild 3.23 gezeigten Sprungantwort.
i
Bild 3.23 Sprungantwort einer I-Strecke ohne Verzögerung
-t Die Übertragungsfunktion ergibt sich aus (3.83) durch Laplace-Transformation zu GS(s)= h(s) y(s) ~
=~.
(3.85)
s
Aufgabe 3.5
Ermitteln Sie den Verlauf der Ortskurve des durch (3.85) gegebenen Systems. Für welche Kreisfrequenz aJwird IGs(JaJ) = I?
I
•
Beispiel 3.8
Bild 3.24 zeigt den Support einer Werkzeugmaschine, der durch die Spindel mit der Gewindesteigung a translatorisch bewegt wird.
Bild 3.24 Support einer Werkzeugmaschine
Dreht sich die Spindel mit der Drehzahl n, so ist die zeitliche Änderung der Längsbewegung des Supports
dX (t) = a . n(t) dt
(3.86)
bzw. der zurückgelegte Weg
X(t) = a In(t) dt
+ x(O).
(3.87)
86
3 Die Regelstrecke
Betrachten wir wiederum nur die Wegänderung gegenüber dem Anfangswert X(O) und bezeichnen X(t) - X(O) = x(t) und den Integrierbeiwert Kr = a, so erhalten wir mit x(t)
= Kr
(3.88)
fn(t) dt
eine analoge Beziehung zu GI. (3.83). Aufgabe 3.6
~
Zeigen Sie, dass für einen Kondensator mit der Kapazität C zwischen dem Strom i (Eingangsgröße) und der Spannung u (Ausgangsgröße) eine zu GI. (3.88) analoge Beziehung besteht.
3.7 I-Strecken mit Verzögerung 1. Ordnung Bei I-Strecken mit Verzögerung 1. Ordnung beginnt die Sprungantwort, im Gegensatz zu denen ohne Verzögerung, mit der Anfangssteigung Null. In der Differentialgleichung kommt das durch ein weiteres Glied mit der 1. Ableitung der Ausgangsgröße zum Ausdruck. Die Übertragungsfunktion einer solcher Strecke kann als Reihenschaltung einer I-Strecke mit einer P-TI-Strecke dargestellt werden: Gs(s)= x(s)
y(s)
•
=~.~= s
l+sTI
Kr
s(l+sTI )
Beispiel 3.9
-i
y
1 Bild 3.25 Werkzeugschlitten, angetrieben von einem fremderregten Gleichstrommotor R J
clPQ n a
=0,3 Q =0,905 Nms 2
(Ankerwiderstand) (Trägheitsmoment der rotierenden Massen) = 2,33 Vs (Erregerfluss) = Drehzahl der Motorwelle = 1 mmlUmdr. (Gewindesteigung)
Eingangsgröße ist die Klemmenspannung y, Ausgangsgröße der vom Werkzeugschlitten zurückgelegte Weg x. Die Ankerinduktivität sei vernachlässigbar klein. Für den Ankerkreis gilt
y(s) = i(s)' R + ccPO . W(s).
(3.89)
87
3.7 I-Strecken mit Verzögerung 1. Ordnung Der Ankerstrom i erzeugt mit dem konstanten Fluss
Me (s) = c
(t) = J . dOJ(t) dt
bzw.
(3.91) ist. Die zeitliche Wegänderung des Werkzeugschlittens ist proportional der Drehzahl n dx(t) dt
oder mit
OJ
= a. n(t)
0--.
s· x(s) = a· n(s)
= 2Jrn
2Jr
(3.92)
OJ(s) = - . s· x(s).
a
Aus GI. (3.91) folgt unter Berücksichtigung von GI. (3.90) i(s) = _J_. s· OJ(s). c
(3.93)
Mit (3.93) in (3.89) erhalten wir y(s) = c
JR
+ - - . s· OJ(s)
(3.94)
c
und mit Gl. (3.92) in (3.94)
21r [ c
(3.95)
bzw.
a '!Y(S)=X(S)[l+S JR 21iC
006831 mm , Vs und
Tl =
JR (c
=005 s '
2]'
(3.96)
3 Die Regelstrecke
88 ein, so folgt aus (3.96) schließlich die Übertragungsfunktion des Systems KI _ x(s) _ GS ( s ) y(s) s (l + sTI )
(3.97)
Die sich aus (3.95) oder (3.97) ergebende Differentialgleichung Tl x(t)
+ x(t) = K I
. y(s)
wird meistens als Integro-Differentialgleichung in der Form Tl x(t)
+ x(t) =
KIf y(t) dt
(3.98)
geschrieben. Sie zeigt, dass [Tl x(t)
+ x(t)]
proportional dem zeitlichen Integral der Eingangsgröße y ist;
daher die Bezeichnung integrales Verhalten mit Verzögerung 1. Ordnung oder kurz I-TI-Verhalten. Wie der in Bild 3.26 dargestellte Wirkungsplan zeigt, kann die durch GI. (3.97) beschriebene I-TI-Strecke als Reihenschaltung eines P-TI-Gliedes und eines I-Gliedes aufgefasst werden. Der Proportional- und Integrierbeiwert können auch zu K, zusammengefasst und einem der beiden Blöcke zugeordnet werden. Allerdings hat dann die Größe zwischen den beiden Blöcken keinen physikalischen Sinn. KI~ ,Tl
a
--;----'~ ~Ir=~~~ Bild 3.26 Wirkungsplan des durch GI. (3.97) gegebenen Systems
•
Sprungantwort der I-TI-Strecke
Zur Ermittlung der Sprungantwort lösen wir GI. (3.97) nach x(s) auf und erhalten mit y(t) = Ya . O"(t)
0--.
y(s) =
~ s
1
1
x(s) = K I . Ya - 2 - - s (l + sTI )
(3.99)
Für einen n-fachen Pol in a gilt der Residuensatz Res[Gs(s)e
st
Damit folgt aus (3.99)
1
] s=a = - - -
(n -I)!
d n- l lim --[(s-a)n ·Gs(s)e st ]. S---M
ds n --- I
(3.99a)
89
3.7 I-Strecken mit Verzögerung 1. Ordnung
bzw.
(3.100) Für t > 5T[ ist der Term mit e - tlF[ vernachlässigbar klein und x(t) läuft, wie Bild 3.27 zeigt, asymptotisch gegen die Gerade xA(t)=K r · Ya ·(t-TI )· Die Asymptote verläuft parallel zur Sprungantwort eines Systems ohne Verzögerung (Tl
=0).
x(t)
i
Bild 3.27 Sprungantwort einer 1-T[-Strecke
-t
•
Ortskurve der I-TI-Strecke
Aus GI. (3.97) folgt der Frequenzgang
. ) - x(jOJ) Gs ( JOJ y(j OJ)
K....c.. I __ j OJ (l + j OJ T[)
- OJ
2
1] + jOJ
•
Durch Erweiterung mit dem konjugiert Komplexen des Nenners erhalten wir:
Re (Gs ) =
K I 1] 1+(OJ1])2
Bild 3.28 zeigt den Verlauf der Ortskurve des I-TI-Gliedes
(3.101)
90
3 Die Regelstrecke
OJ
=
------
Re (G s )
0
-KITI
-00
1
1 --KIT[
1 --KITI
0
0
----+ Re
t,K 00
(()
-
r Tl 2
Tl
2
00
2
Bild 3.28 Ortskurve eines 1-T ]-Gliedes
OJ
r •
Im (G S )
Beispiel 3.10
Gegeben ist die Flüssigkeitsstandregelstrecke nach Bild 3.29 mit dem Ventilhub y als Eingangsgröße und dem Flüssigkeitsstand x als Ausgangsgröße. Es sollen folgende Voraussetzungen gelten: a) Die pro Zeiteinheit zufließende Menge Qe ist proportional dem Ventilhub y. Für y = y] = 1 cm ist Qe = Qo =10 11min.
t -h
Y
(3.102)
Qe =Qo ' - . Yl
b) Die aus dem 1. Behälter ausfließende Menge Qa ist proportional dem Flüssigkeitsstand h (laminare Strömung). Für h = h] = 40 cm ist
x
Qa = Qo =10 lImin.
h Qa =QO'h;'
(3.103)
Für die zeitliche Änderung des Flüssigkeitsstands im 1. Behälter gilt
Bild 3.29 Flüssigkeitsstandregelstreeke 2 A]=A2= 100em
und nach y aufgelöst Al h l . dh(t)
Qo
dt
+ h(t) =
y(t)
.!!l. Yl
(3.104)
3.7 I-Strecken mit Verzögerung 1. Ordnung
91
Mit den Abkürzungen
hj Aj h j . K j = - = 40 und Tj = - - = 0,4 mm = 24 s
Yj
Qo
folgt aus (3.104) die Differentialgleichung des 1. Teilsystems
dh(t) Tj--+h(t)=Kj'y(t) dt
~
Tj·s·h(s)+h(s)=Kj·y(s)
(3.105)
mit der korrespondierenden Übertragungsfunktion GSj(s)= h(s)
y(s)
=~.
(3.106)
l+sTj
Die zeitliche Änderung des Flüssigkeitsstandes im 2. Behälter ist
A
2
dx(t) = Q (t) = Qo h(t) . a hj dt
Setzen wir K 2 =
(3.107)
~ = 2,5 min -j = 0,0417 s -j = 24 s, so folgt aus GI. (3.107) A 2 hj
dx(t) = K 2 . h(t) dt
(3.108)
bzw. die Übertragungsfunktion des 2. Teilsystems
G
S2
(s)
= x(s) = K 2 h(s)
s
.
(3.109)
Wie die Gleichungen (3.106) und (3.109) zeigen, ist die Ausgangsgröße h des 1. Teilsystems gleich der Eingangsgröße des 2. Teilsystems. Beide Systeme sind somit, wie Bild 3.30 zeigt, hintereinander geschaltet und ergeben mit K, = K]Kz = 1,67 s-j die resultierende Übertragungsfunktion
x(s)
K,
y(s)
s(l+sTj )
GS(s) = - - = G Sj (s)· G S2 (s) =----=--
(3.110)
Bild 3.30 Wirkungsplan der Flüssigkeitsstandregelstrecke nach Bild 3.29 Vergleichen wir die Übertragungsfunktion (3.110) mit der in Beispiel 3.9 ermittelten GI. (3.97), so sehen wir deren Identität. Die Sprungantwort sowie der Ortskurvenverlauf ergeben sich entsprechend Beispiel 3.9.
3 Die Regelstrecke
92 ~
Aufgabe 3.7
Die Kraft-Geschwindigkeits-Kennlinie eines Linearmotors kann in erster Näherung durch eine Gerade Fb =f (va) (Bild 3.31) dargestellt werden. Hierin bedeuten: Fb beschleunigende Kraft Va Geschwindigkeit des Linearmotors Vs synchrone Geschwindigkeit des Wanderfelds x zurückgelegter Weg des Linearmotors K Proportionalitätsfaktor m Masse des Linearmotors Die vom Linearmotor erzeugte Kraft Fb dient zur Beschleunigung der Masse m des Linearmotors.
Vs
-va
Bild 3.31 Angenäherte Kennlinie eines Linearmotors
Gesucht sind: a) Fb = f (va, vs) b) Die Differentialgleichung des Systems mit der Eingangsgröße vs(t) und der Ausgangsgröße va(t). (Abkürzung Tl = m / K)
c) Die Übertragungsfunktion
va (s)
GSl(s)=-v s (s) d) Die Übertragungsfunktion x(s) G S (s) = - mit x(t) = v s (s)
f
va (t) dt
e) Die Sprungantwort x(t) für v s (t) = va . (J(t).
3.8 Strecken mit Totzeit T t Gibt man auf den Eingang einer Strecke mit Totzeit (Tt -Strecke) ein Eingangssignal y(t), so erscheint am Ausgang das Eingangssignal, allerdings um die Totzeit Tt ver-
schoben (Bild 3.32). Ist y(t) die Eingangsfunktion, so ist das Ausgangssignal x(t) =
0 für t
~
Tt .
(3.111)
Ursache für das Auftreten einer Totzeit ist die endliche Ausbreitungsgeschwindigkeit eines Signals zwischen Stell- und Messort bzw. zwischen Sende- und Empfangsort.
3.8 Strecken mit Totzeit Tt
93
Bild 3.32 Ein- und Ausgangssignal einer Strecke mit Totzeit Tt
Typische Regelstrecken mit Totzeit sind Förderbänder (Bild 3.33). Eingangsgröße ist die Schieberstellung y und Ausgangsgröße ist die pro Zeiteinheit vom Band geförderte Mengex.
Bild 3.33 Förderband x
Der Schieber sei zunächst geschlossen und werde zum Zeitpunkt t = 0 sprunghaft geöffnet: y(t) = Yo . (J'(t) .
Nach Verlauf der Totzeit Tt wird am Ausgang eine der Schieberstellung proportionale Menge x(t) = K PS . Yo . (J'(t - Tt )
vom Band laufen, mit der in Bild 3.34 gezeigten Sprungantwort. x
Y
i
i
t
Yo
0
-t
0
~
0 0
K ps ' Yo
-t
Bild 3.34 Eingangssprung und Sprungantwort einer P-Strecke mit Totzeit
Die Totzeit ergibt sich aus der Entfernung I zwischen Stell- und Messort und der konstanten Bandgeschwindigkeit v zu I
Tt =v
94
3 Die Regelstrecke
Übertragungs/unktion, Frequenzgang und Ortskurve des reinen Totzeitgliedes Im Gegensatz zu den bisher in diesem Kapitel besprochenen Systemen, kann ein System mit Totzeit nicht durch eine gewöhnliche Differentialgleichung, sondern nur durch eine partielle Differentialgleichung beschrieben werden. Einen wesentlich einfacheren Zusammenhang zwischen Ein- und Ausgangsgröße gewinnt man im Bildbereich in Form der Übertragungsfunktion. Unterziehen wir GI. (3.111) der Laplace-Transformation, so ist L[x(t)]= jy(t-Tt)·e-stdt.
o
°
Da y(t - T t ) = für t < Tt ' können wir die untere Integrationsgrenze bei t nen lassen und erhalten
= Tt begin(3.112)
L[x(t)]= jy(t-Tt)·e-stdt. Tt
Wir bilden nun folgende Substitution r=t-Tt t=r+Tt dt=dr.
(3.113)
Die untere Integrationsgrenze ist für t = Tt r= 0, die obere r=
00.
Damit wird
L[x(t)] = jy(r)oe- ST ·e- sTt dr
o L[x(t)]=e- sTt jy(r).e- sT dr=e- sTt oL[y(t)].
(3.114)
o Aus GI. (3.114) folgt unmittelbar die Übertragungsfunktion des Totzeitgliedes - x(s) _ -sT GS ( s ) - - - - e t . y(s)
(3.115)
GI. (3.115) zeigt, dass die Beziehung zwischen Ein- und Ausgangsgröße durch den Verschiebungssatz der Laplace-Transformation wiedergegeben wird. Wir erhalten aus GI. (3.114) den Frequenzgang, in dem wir s = jmsetzen . ) - x(jm) _ - jUJTt GS ( Jm - - - - e . y(jm)
(3.116)
3.8 Strecken mit Totzeit Tt
95
Zur Darstellung der Ortskurve kann Gs(jm) in seinen Real- und Imaginärteil zerlegt werden Gs (j m) = e- j01TI = cos m Tl - j . sin m Tl . Günstiger ist hier die Darstellung von Gs(jm) durch Betrag und Phase Gs(jm) = mit
IGs(jm)l· e-
IGs (jm)1 = 1 und
qJ=
jg>
= 1· e- j01TI
(3.117)
,
-m~. Das heißt, die Ortskurve ist der Einheitskreis, be-
ginnend bei m = 0 auf der reellen Achse und läuft im Uhrzeigersinn periodisch um, mit der Kreisfrequenz big vieldeutig. Im
t
m= 2Jr/Tt. Jeder Punkt der Ortskurve (Bild 3.35) ist also belie-
1,5
1r
01=Tl
01=0
-1,5
1,5-Re
Bild 3.35 Ortskurve eines reinen Totzeitgliedes
1r
01=2Tt
-1,5
In der Elektrotechnik treten Totzeiten verhältnismäßig selten auf, so z. B. bei der Anschnittsteuerung von Thyristoren, bei der Bildung der Auto- und Kreuzkorrelation stochastischer Signale sowie bei der Nachrichtenübertragung auf langen elektrischen Leitungen. Beabsichtigt ist dieser Effekt bei Verzögerungsleitungen (Delay Line) in der Oszillographen- und Impulstechnik. Ferner macht sich die Totzeit bei der drahtlosen Nachrichtenübermittlung über große Entfernungen bemerkbar. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der elektromagnetischen Wellen ist gleich der Lichtgeschwindigkeit. Bei den auf der Erde zu überbrückenden Distanzen spielt die Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit noch keine Rolle. Bereits bei der Entfernung Erde-Mond beträgt die Totzeit ca. 1 s, d. h. eine auf der Erde gesendete Nachricht wird erst 1 s später auf dem Mond empfangen. Eine Antwort kann erst nach 2 s auf der Erde eintreffen und macht sich bei der Kommunikation schon unangenehm bemerkbar. Noch größer wird die Diskrepanz, wenn die Nachricht über eine Entfernung Erde-Mars mit Tt ca. 22,2 min (bei maximaler Entfernung) gesendet wird. In der Verfahrenstechnik kommt die Totzeit häufiger vor. Beispiele dafür sind die Temperartur- und Druckregelstrecken. Eine Wärme- oder Druckleitung kann man als Reihenschaltung von mehreren P-T i-Strecken darstellen. Im nächsten Abschnitt wird gezeigt, dass auch eine P-Tn-Strecke sich durch die Totzeit ersetzen lässt.
96
3 Die Regelstrecke
3.9 Regelstrecken mit Totzeit und Verzögerung 1. Ordnung Vielfach kommen Totzeiten in Verbindung mit Verzögerungen vor, wie im nachfolgenden Beispiel einer Mischregelstrecke. •
BeispieI3.11
In den Mischbehälter (Bild 3.36) mit dem Volumen V fließen die Mengen Ql und Q2 mit den Konzentrationen Cl und C2. Die Streckenparameter sind: QI = 4l/s
V =0,5 m
3
h = Im 1= 10 m.
Q2 = Il/s
Durch das Rührwerk wird im Mischbehälter eine gleichmäßige Durchmischung erreicht mit der Konzentration Ca. Der Zufluss (QI + Q2) sei gleich dem Abfluss Qa und konstant. Dann ergibt sich für die Konzentrationsänderung im Mischkessel
dCa (t) Qj C j (t)+Q2 C 2 (t)-Qa Ca(t)=V--. dt
(3.118)
Im stationären Zustand ist dCa (t) = 0 und folglich
dt
Ql Cl (t) + Q2 C 2 (t) - Qa Ca (t) = 0 .
(3.119)
Messfühler
Bild 3.36 Mischbehälter mit nachfolgender langer Leitung
Ändert sich die Konzentration Cl um LI Cl = CI und folglich die Ca um LI Ca = Ca, so wird
Durch Subtraktion der GI. (3.118) von GI. (3.120) ergibt sich
dCa (t) Qj Cj(t)-Qa ca(t)=V-dt
97
3.9 Regelstrecken mit Totzeit und Verzögerung 1. Ordnung bzw. in Normalform
Mit den Abkürzungen
Q]
V
Qa'
Qa
K p =-=08 und T] =-=100s S
erhalten wir die Differentialgleichung dCa (t) T]--+ca(t)=K ps c](t)
(3.121)
dt
bzw. die Übertragungsfunktion
G ! (s) S
= ca (s) =~. c](s)
(3.122)
l+sT]
Die Änderung am Ausgang des Mischkessels wird erst nach Verlauf der Totzeit
am Messort wirksam. Der Mischkessel ist ein P-T [-Glied mit der Übertragungsfunktion (3.122), während die nachgeschaltete Rohrleitung eine reine Totzeit mit folgender Übertragungsfunktion darstellt:
G S2 (s) =e
-sT.
(3.123)
t.
Die Gesamtstrecke lässt sich somit durch die Reihenschaltung zweier Glieder (des Verzögerungs- und des Totzeitgliedes) im Wirkungsplan darstellen (Bild 3.37).
K PS -sT. G S (s)=G S ](s).G S2 (s)=--e t. 1+ sT]
(3.124) KpS,T j
1,Tt
~1~HLc~ Bild 3.37 Wirkungsplan einer Strecke mit Totzeit und Verzögerung 1. Ordnung
i o -+--....,..------'L.----~--t
Bild 3.38 Sprungantwort einer Strecke mit Totzeit und Verzögerung 1. Ordnung
98
3 Die Regelstrecke
Die Sprungantwort des Systems hat den in Bild 3.38 gezeigten Verlauf mit
0 für ca (t) =
•
{
t
clO K Ps [1 - e
Tl]
für t?:. Tl .
Frequenzgang und Ortskurve
Aus GI. (3.124) folgt der Frequenzgang des Systems
Gs(jOJ)=
K ps
1+ jOJ'Ft
e- jOJTt
(3.125)
Die Ortskurve des Verzögerungsgliedes 1. Ordnung ist ein Halbkreis im vierten Quadranten. Durch das Totzeitglied wird die Phase zusätzlich um den Winkel rpt = -OJTt gedreht. Es entsteht die in Bild 3.39 gezeigte Spirale. Im
0)=0 __ Re
Bild 3.39 Ortskurve einer Strecke mit Totzeit und Verzögerung 1. Ordnung
99
4 Regeleinrichtungen Die Regeleinrichtung ist der Teil des Regelkreises, der die zu regelnde Größe der Regeistrecke mit einem vorgegebenen, konstanten Sollwert Xsoll bzw. mit einer zeitlich veränderlichen Führungsgröße w vergleicht und über ein Stellglied die Regelstrecke so beeinflusst, dass die Regeldifferenz e Null oder möglichst klein wird. Die Regeleinrichtung enthält mindestens je eine Einrichtung: 1. zum Erfassen der Regelgröße x, 2. zum Vergleich mit dem Sollwert Xsoll bzw. der Führungsgröße w,
3. zum Bilden der Reglerausgangsgröße YR bzw. Stellgröße y. Die Einteilung der Regeleinrichtungen erfolgt nach verschiedenen Gesichtspunkten:
a) Regeleinrichtung ohne und mit Hilfsenergie Bei den Regeleinrichtungen ohne Hilfsenergie wird die zum Verstellen des Stellgliedes erforderliche Energie von der Regelgröße x über den Messfühler direkt geliefert.
Bild 4.1 zeigt eine Flüssigkeitsstandregelung mit einer Schwimmer-Regeleinrichtung ohne Hilfsenergie. Die Regelgröße (Flüssigkeitsstand) wirkt auf den Schwimmer und dieser verstellt über einen Hebel die Ventilöffnung des Eingangsventils. Ist die abfließende Menge Qa größer als die zufließende Menge Qe, so fällt der Flüssigkeitsstand, der Schwimmer öffnet das Eingangsventil und vergrößert damit Qe. Bei verringertem Verbrauch steigt der Flüssigkeitsstand und das Ventil wird entsprechend geschlossen. Bild 4.2 zeigt ebenfalls eine Flüssigkeitsstandregelung, allerdings mit einer Regeleinrichtung mit Hilfsenergie. Der Schwimmer formt die Höhendifferenz in eine analoge elektrische Spannung um, die dann verstärkt dem Motorventil zugeführt wird und dieses entsprechend verstellt. Für Qa > Qe sinkt der Flüssigkeitsstand und die abgegriffene Spannung hat die gezeichnete
Bild 4.1 Flüssigkeitsstandregelung mit einer Regeleinrichtung ohne Hilfsenergie
Bild 4.2 Flüssigkeitsstandregelung mit einer Regeleinrichtung mit Hilfsenergie
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_4, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
4 Regeleinrichtungen
100
Polarität, das Motorventil öffnet. Dadurch wird Qe größer, der Flüssigkeitsstand steigt bis u = O. Ist Qa < Qe, so steigt der Flüssigkeitsstand, die abgegriffene Spannung hat nun die entgegengesetzte Polarität, d. h. das Motorventil wird geschlossen, was zur Abnahme des Flüssigkeitsstandes führt und damit zu einer Abnahme der Spannungsdifferenz bis der Motor steht.
b) Stetige und unstetige Regeleinrichtungen Man unterscheidet ferner zwei unterschiedliche Regeltechniken, die sich im Laufe der Entwicklung herausgebildet haben: mittels stetiger Regeleinrichtung, mittels unstetiger Regeleinrichtung. Als stetig wird eine Regeleinrichtung bezeichnet, wenn die Stellgröße YR im Beharrungszustand jeden Wert innerhalb des Stellbereiches annehmen kann. Die in den Bildern 4.1 und 4.2 gezeigten Regeleinrichtungen sind stetig. Eine Regeleinrichtung wird als unstetig bezeichnet, wenn die Ausgangsgröße YR nur wenige diskrete Werte annehmen kann.
Bild 4.3 zeigt den Bimetallregler zur Konstanthaltung der Bügeleisentemperatur. Im kalten Zustand sind die Kontakte und damit der Stromkreis geschlossen. Mit zunehmender Erwärmung krümmt sich die Bimetallfeder nach oben und unterbricht den Kontakt nach Erreichen einer ganz bestimmten Temperatur. Dreht man die Sollwertschraube weiter nach oben, so erhält die Bimetallfeder eine größere Vorspannung und trennt die Kontakte erst bei einer höheren Temperatur. Bei geöffneten Kontakten kühlt sich das Bügeleisen sowie die Bimetallfeder ab, bis die Kontakte geschlossen werden und die Aufheizung erneut beginnt. Damit kann die Stellgröße nur die zwei Werte EIN und AUS annehmen.
230V
Bild 4.3
Bimetallregler (unstetiger Regler) zur Konstanthaltung der Bügeleisentemperatur
Man bezeichnet solche Regeleinrichtungen als Zweipunktregler. Der Nachteil eines solchen Zweipunktreglers ist, dass die Regelgröße den Sollwert nicht genau innehält, sondern um diesen pendelt. Für viele Zwecke ist die Toleranz, mit der der Sollwert eingehalten wird, vollkommen ausreichend. Gegenüber einem stetigen Regler ist der Zweipunktregler einfacher im Aufbau und daher billiger. Die unstetigen Regeleinrichtungen wurden ursprünglich für Regelaufgaben verwendet, bei denen keine hohen Anforderungen an die Regeleinrichtung gestellt wurden. Heute werden unstetige Regeleinrichtungen in etwas aufwendigerer Form (elektrisch und elektronisch) auch zur Regelung von schwieriger zu regelnden Regelstrecken eingesetzt.
4.1 Elektronische Regler mittels Operationsverstärker
101
4.1 Elektronische Regler mittels Operationsverstärker Im Folgenden werden die Grundformen klassischer elektronischer Regler und deren Aufbau mittels Operationsverstärker behandelt. Solche Operationsverstärker können aus diskreten Elementen aufgebaut oder als integrierte Linearverstärker in einem einzigen Siliziumkristall (auf einem Chip) untergebracht sein. Verstärker in diskreter Bauweise enthalten im Allgemeinen verhältnismäßig wenige Transistoren und ihr Verstärkungsfaktor (VO > 5000) ist deshalb um eine Größenordnung kleiner als der von integrierten Operationsverstärkern (Vo> 50 000), die etwa die dreifache Anzahl an Transistoren aufweisen. Es soll hier nicht auf den z.T. sehr komplizierten inneren Aufbau von Operationsverstärkern eingegangen werden, sondern wir wollen den Operationsverstärker als einen Gleichspannungsverstärker betrachten, dessen Verstärkung (meist in mehreren Stufen) im Leerlauf Vo beträgt. Der Operationsverstärker kann näherungsweise durch das in Bild 4.4 gezeigte Ersatzschaltbild beschrieben werden.
Bild 4.4 Ersatzschaltbild des Operationsverstärkers
Die heute zum Einsatz kommenden Operationsverstärker haben einen Ausgangswiderstand von Ra = 100 Q. Dieser ist gegenüber von Lastwiderstand ZL und Rückführungswiderstand Zr in der Größenordnung> 10 kQ vernachlässigbar und wird im weiteren mit Ra = Za = 0 angenommen. Damit folgt aus dem Ersatzschaltbild: i 1 = ie
i2
+ ir
= i3 - ie
Vo 'uD=u a
~
~
~
U1 -uD -U3
Z1 u2 -u3
Z2 ua uD=-'
Vo
uD
uD +U3 -u a
Ze
Zr
=-+
U3
uD
Z3
Ze
---
(4.1)
(4.2)
(4.3)
102
4 Regeleinrichtungen
Die Ausgangsspannung U a wird durch die Betriebsspannungen begrenzt und liegt in der Größenordnung von ca. ± 10 V. Gemäß GI. (4.3) wird für Vo > 5000 die Differenzspannung UD < 2 mV und somit in den GIn. (4.1) und (4.2) vernachlässigbar. Aus GI. (4.1) folgt
~-U3[-1 +_1 ]=_~ Zl
Zl
Zr
(4.4)
Zr
und aus GI. (4.2)
~_U3[_1_+_1]=0 Z2
Z2
Z3
bzw. (4.5) Mit (4.5) in (4.4) erhalten wir schließlich Zr Z3 Zl +Zr u a =-ul-+u2-·-----'------'--Zl Zl Z2 +Z3
(4.6)
Aus der GI. (4.6) lassen sich nun einige Grundschaltungen ableiten.
a) Invertierende Schaltung Für Z3 = 0 und U2 = 0 wird Zr
(4.7)
Ua = - U l - '
Zl
d. h., die Ausgangsspannung dem Faktor
Zr / Zl
Ua
ist die invertierte Eingangsspannung, gewichtet mit
(Bild 4.5). Zur Kompensation des Einflusses des Eingangsruhestroms wird Z3 nicht gleich Null, sondern Z3 =R3 =Zrll Zl/w=O gewählt. Infolge der vernachlässigbaren Diffe-
Bild 4.5 Invertierende Schaltung
renzspannung UD "" 0, liegt der invertierende Eingang des Operationsverstärkers (Punkt A in Bild 4.5) nahezu auf Massepotential und wird vielfach als "virtuelle Masse" bezeichnet.
4.1 Elektronische Regler mittels Operationsverstärker
103
b) Nichtinvertierende Schaltung Für U1 = 0 und Z3 = u a = Uz
00
in Bild 4.4 wird
[~: + 1]
(4.8)
mit der in Bild 4.6 gezeigten Schaltung. Für Zr = 0 und Zl =
00
folgt aus GI. (4.8) (4.8a)
Die sich so ergebende Schaltung hat einen hohen Eingangs- und einen niedrigen Ausgangswiderstand.
22 o-----L_J---+-----l +
j
Sie wird als Impedanzwandler zur Entkopplung von Netzwerken benutzt. Der Widerstand Zz ist nicht unbedingt erforderlich. Wählt man Zz =R z =Zlll ZrIOJ=ü'
a
U20----1- - - + - - - - - - - - - 0 u
so kann auch hier der Einfluss des Eingangsruhestroms kompensiert werden.
Bild 4.6 Nichtinvertierende Schaltung
c) Differenzschaltung Aus (4.6) folgt für Zz = Zl und Z3 = Zr die in Bild 4.7 gezeigte
Schaltung zur Differenzbildung der beiden Eingangsspannungen Ua
= (u2
Zr - ul)-. (4.9) Zl
Bild 4.7 Differenzschaltung
d) Additionsschaltung
iJ..
Z\
Schaltet man in der in Bild 4.5 gezeigten Inverterschaltung einen weiteren Eingangswiderstand Zz hinzu (Bild 4.8), so gilt für den Knotenpunkt A (virtuelle Masse)
~
Z2
u\
",j
Zr
A
+
Bild 4.8 Additionsschaltung
bzw.
104
4 Regeleinrichtungen (4.10)
und mit Zz = Zl u a = -(ul
Zr
+ uz)-· Zl
Das heißt, die Ausgangsspannung ist gleich der negativen Summe der beiden Eingangsspannungen multipliziert mit Zr / Zl.
4.2 Führungs- und Störverhalten des geschlossenen Regelkreises Bevor wir spezielle Regelkreise betrachten, soll zuvor in allgemeiner Form das Führungs- und Störverhalten eines Regelkreises ermittelt werden. Im Bild 4.9 ist der Wirkungsplan eines Regelkreises dargestellt, worin Gs(s) die Übertragungsfunktion der Regelstrecke und GR(s) die Übertragungsfunktion der Regeleinrichtung bedeuten.
z
~x
------~
Bild 4.9 Wirkungsplan des Regelkreises
Bei der Beurteilung eines Regelkreises interessieren u.a.: a) das dynamische Verhalten der Regelgröße x auf eine Sollwertänderung, das so genannte Führungsverhalten und b) die dynamische Reaktion der Regelgröße x auf eine Störung, das so genannte Störverhalten. Im Idealfall sollte die Regelgröße stets gleich der Führungsgröße sein und eine Störung sofort kompensiert werden, so dass keine Auswirkung auf die Regelgröße erfolgt. Beide Forderungen sind nicht realisierbar. 4.2.1 Führungsübertragungsfunktion Aus dem Wirkungsplan (Bild 4.9) folgt YR (s) = [w(s) - x(s)]G R (s)
(4.11)
+ z(s)]GS (s).
(4.12)
und x(s) = [YR (s)
Mit (4.11) in (4.12) folgt
4.2 Führungs- und Störverhalten des geschlossenen Regelkreises X(s) = {[ w(s) - x(s)]G R (s)
105
+ z(s)]G s (s)
bzw. x(s)[l
+ G R (s)Gs (s)] = w(s)G R (s)Gs (s) + z(s)Gs (s)
Wir betrachten zunächst den Fall, dass für w =
WI
xI (s)[l + G R (s)GS (s)] = wl (s)G R (s)GS (s)
Nehmen wir nun an, dass bei gelgröße dass gilt:
X
.
(4.13)
x = Xl ist, d. h.
+ z(s)GS (s).
(4.14)
z = konst. w den Wert Wz annimmt, dann wird sich Re-
ebenfalls ändern und wir wollen den neuen Wert mit xz bezeichnen, so
Xz (s)[l + G R (s)Gs (s)] = Wz (s)G R (s)Gs (s) + z(s)G s (s).
(4.15)
Subtraktion der GI. (4.14) von GI. (4.15) liefert [xz (s) - xl (s)]· [1 + G R (s)G s (s)] = [wz (s) - wl (s)]· G R (s)Gs (s).
(4.16)
Betrachten wir nur die Änderungen und bezeichnen diese mit
bzw.
so wird x(s)[l
+ G R (s)Gs (s)] = w(s)G R (s)Gs (s).
(4.17)
Das Verhältnis der Laplace-transformierten Regelgröße zur Führungsgröße wird als Führungsübertragungsfunktion (4.18) bezeichnet. Vielfach ist die Aufgabe gestellt, in einem Regelkreis mit mehreren Ein- und Ausgangsgrößen die Abhängigkeit zwischen einer bestimmten Ausgangsgröße X a und einer bestimmten Eingangsgröße Xe ZU ermitteln. Bezeichnet man den Zweig zwischen Ein- und Ausgang als den Vorwärtszweig und den zwischen Aus- und Eingangsgröße als Rückführungszweig, so erhalten wir ganz allgemein 1 G
1
(4.19)
( ) - GRückf. (s)
Vorw. s
Hierbei ist die im Kreis nach Bild 4.9 vorhandene Vorzeichenumkehr zu beachten.
4 Regeleinrichtungen
106
4.2.2 Störübertragungsfunktion Betrachten wir nun die Änderung der Regelgröße x (Ausgangsgröße) auf eine Änderung der Störgröße z (Eingangsgröße), so können wir nach dem im vorherigen Abschnitt Gesagten sofort die zugehörige Übertragungsfunktion angeben. Im Vorwärtszweig liegt Gs(s) und im Rückführzweig - GR(S), bedingt durch die Vorzeichenumkehr. Nach Gleichung (4.19) ist dann Gz(s)= x(s) = z(s)
I _1_+ (s) GR Gs(s)
bzw. G (s) = x(s) = GS (s) z z(s) I+GR(s)GS(s)
(4.20)
die gesuchte Störübertragungsfunktion.
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen Entsprechend den in Kapitel 3 behandelten Regelstrecken werden auch die Regeleinrichtungen nach ihrem Zeitverhalten unterschieden. Nicht alle Regeleinrichtungen sind zur Regelung von bestimmten Regelstrecken geeignet. So führt z. B. wie in diesem Kapitel gezeigt wird, die Regelung einer I-Strecke mit einer I-Regeleinrichtung zu Dauerschwingungen. Andere Kombinationen können zur Instabilität führen.
4.3.1 P-Regeleinrichtung Bild 4.10 zeigt den Wirkungsplan eines Reglers mit der Regeldifferenz e als Eingangsgröße und der Stellgröße YR des Reglers als Ausgangsgröße.
--+~
Die Bezeichnung P-Regler besagt, dass die Ausgangs-
Bild 4.10 Wirkungsplan des P-Reglers
größe YR proportional der Eingangsgröße eist: YR (t) = K PR . e(t) .
e~
(4.21)
KpR ist der Proportionalbeiwert, der in weiten Grenzen eingestellt werden kann. Aus
(4.21) folgt die Übertragungsfunktion des P-Reglers YR (s)
GR(s)=--=K pR . e(s)
(4.22)
Die Sprungantwort einer solchen Regeleinrichtung ist, bei Vernachlässigung der immer vorhandenen Verzögerungen, ebenfalls eine Sprungfunktion mit
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
107
YR (t) = K PR . eo . (J(t) .
Bild 4.11 zeigt die technische Realisierung eines elektronisches P-Reglers mittels der in Abschnitt 4.1 behandelten Invertierschaltung. Mit
Zr = Rr und Zl = Rl folgt aus GI. (4.7) die Übertragungsfunktion
G R (s)
= YR (s) = u a (s) = -KPR' e(s)
(4.23)
Ul (s)
Bild 4.11 P-Regeleinrichtung mittels Operationsverstärker
R r = 100 kQ und Rl = 10 kQ würde z. B. ein KpR = 10 ergeben. Das negative Vorzeichen kann vielfach anderweitig ausgeglichen werden, indem z. B. die Regeldifferenz nicht positiv, sondern negativ zugeführt wird oder ein nachfolgendes Stellglied eine weitere Vorzeichenumkehr bewirkt. •
Beispiel 4.1
In Bild 4.12a ist eine pneumatische Regeleinrichtung nach dem Düse-Prallplatte-System gezeigt. Die Regeldifferenz e = w - x bestimmt über den Waagebalken den Abstand h zwischen Düse und Prallplatte. Durch den mit h veränderlichen Druckabfall an der Auslassdüse wird der Steuerdruck variiert. Die statische Kennlinie YR = fee) bzw. YR = feh) ist nicht linear (Bild 4.12b). Der Verlauf der Kennlinie ist abhängig vom Verhältnis des Düsen- zum Vordrosseldurchmesser d / d v . Durch eine Gegenkopplung kann die Kennlinie linearisiert werden.
I I I I
a)
b)
I
+---- -~-~-"'"I-- I
o
d/4 - h
Bild 4.12 Pneumatische P-Regeleinrichtung nach dem Düse-Prallplatte-System (a) und die statische Kennlinie (b) Der Durchmesser der Austrittsdüse ist ca. 0,5 ... 1,5 mm. Bei entfernter Prallplatte ist der Austrittsquerschnitt ein Maximum. Hat die Prallplatte zur Düse den Abstand h, so ist der Ringquerschnitt
für den Luftaustritt maßgebend. Für h = d / 4 wird
AR = A max
.
Somit verliert die Prallplatte ihre Steuerwirksamkeit für einen Abstand h > d / 4 zur Düse.
4 Regeleinrichtungen
108
4.3.1.1 P-Regeleinrichtung zur Regelung einer P-Tl-Strecke Dynamisch erscheint eine P-Regeleinrichtung ideal zur Regelung geeignet, allerdings erzeugt sie am Ausgang nur dann eine Stellgröße, wenn eine Regeldifferenz am Eingang vorhanden ist. Der bezüglich seines Führungs- und Störverhaltens zu untersuchende Regelkreis ist in Bild 4.13 dargestellt, mit der Übertragungsfunktion der Strecke Gs(s)=x(s)= K ps y(s) l+sTl
(4.24) Bild 4.13 Wirkungsplan des Regelkreises, bestehend aus einer P-T ]-Strecke und einer P-Regeleinrichtung
und der Regeleinrichtung G R (s)
YR (s)
=- - = K PR'
(4.25)
e(s)
a) Führungsverhalten Zur Ermittlung des zeitlichen Verlaufs der Regelgröße x(t) auf eine Sollwertänderung benutzen wir die in Anschnitt 4.2.1 abgeleitete Führungsübertragungsfunktion (4.18). Mit den Übertragungsfunktionen (4.21) und (4.25) des Regelkreises ist dann Gw(s)=x(s)= GR(s)GS(s) = KpRK ps wes) I+G R (s)G S (s) 1+ KpRK ps +sTl
(4.26)
Für einen Sollwertsprung w(t)
= Wo . (J(t)
wes)
0-.
= Wo s
folgt aus (4.26) nach x aufgelöst x(s)=
KpRK ps 1+ KpRK ps
1
(
s 1+ s
T
1
1+ KpRK ps
wo·
(4.27)
J
Nach Rücktransformation in den Zeitbereich erhalten wir x(t) =
mit
K
PR
K
t
PS
I+K pR K ps
--
(1- e T )wo '
(4.28)
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
109
Wie Bild 4.14 zeigt, wird der vorgegebene Sollwert Wo von der Regelgröße x auch im stationären Endzustand nicht erreicht. Aus GI. (4.28) folgt für t ~ 00 x(oo) =
KpRK ps 1+ KpRK pS
wo.
und die bleibende Regeldifferenz e( 00 ) =
Wo - x( 00 )
=
1
1+ KpRK ps
x(t)
Wo .
(4.29)
e( (0)
i Wo
KpRK pS
1+ KpRK ps
Bild 4.14 Führungssprungantwort des Regelkreises nach Bild 4.13
'wo
! o -f---+------'------'--+--- t
Wie GI. (4.29) zeigt, kann die bleibende Regeldifferenz durch Vergrößern von KpR verringert werden. Dies führt jedoch bei Strecken 2. Ordnung zur Verringerung der Dämpfung und bei Strecken noch höherer Ordnung zur Instabilität des geschlossenen Regelkreises. Hierin besteht der Hauptnachteil des P-Reglers.
b) Störverhalten Die Abhängigkeit der Regelgröße x beim Auftreten einer Störgröße ermitteln wir mit Hilfe der Störübertragungsfunktion (4.20) und den gegebenen Übertragungsfunktionen GR und Gs. K pS
Für eine sprungförmige Störgröße mit z(t)
= Zo
. (J(t)
wird
mit T= _ _T---,l~_
1+ KpRK ps
0--.
z(s)
=~ s
110
4 Regeleinrichtungen
Interessiert man sich nur für den stationären Endzustand, so ist es bei komplizierteren Regelkreisen einfacher x( 00) im Bildbereich mittels des Grenzwertsatzes der Lap1aceTransformation zu ermitteln. Danach ist lim x(t) = lim s . x(s) t---7 oo
(4.31)
S---70
und es folgt aus (4.30) sofort
K PS . 0 1 + K PR K PS s
x(oo) = lim x(t) = lim t
S ---7
---700
x(oo)= lim x(t) = t ---700
s
(l + sT)
. Zo
ps
(4.32)
K z00 1 + K PR K PS
Wie Bild 4.15 zeigt, ist auch das Störverhalten nicht voll befriedigend. Die infolge der Störgröße auftretende bleibende Regeldifferenz kann zwar durch Vergrößern von KpR verringert, aber nicht vollkommen beseitigt werden.
x(t)
t
Bild 4.15 Stärverhalten des Regelkreises nach Bild 4.13 für z(t)= zo·(j(t)
0+-....L---'------------1-
°
-- t
Im folgenden Beispiel soll gezeigt werden, dass sich ein Regelkreis, bestehend aus einer P-T2-Strecke und einem P-Reg1er im stationären Endzustand genauso verhält, aber die Dämpfung mit zunehmendem KpR verringert wird. •
Beispiel 4.2
Gegeben ist der in Bild 4.16 gezeigte Regelkreis mit
K PS - x( s) _ GS ( s ) y(s) sZT:j+sTI +l
YR (s)
G R (s) = - - = K ps, e(s)
Bild 4.16 Regelkreis bestehend aus einer P-T2-Strecke und einer P-Regeleinrichtung KpS = 0,5; KpR = 16;
Tl = 3 s;
TZ = 1 s
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
111
Gesucht sind: a) Die Dämpfung DI der ungeregelten Strecke. b) Die bleibende Regeldifferenz bei einem Sollwertsprung w(t)= wo·a(t). c) Die Dämpfung D2 des geschlossenen Kreises. Zu a): 2
KpSßI
Mit ßI
=-
1
T2
und al
T
= _1_ 2T{
2
1
2
s + s 2al + ßI
erhalten wir die Dämpfung der ungeregelten Strecke
a Tl D=-=-=15>1. ß 2T2 ' Zu b): Durch Einsetzen von GR und GS in GI. (4.18) erhalten wir die Führungsübertragungsfunktion
G ()= x(s) = w s
w(s)
KpRK pS 2 2 s T2 +sTI +1 + KpRK pS
(4.33)
Für w(s)= wO /s ergibt sich
x(s) =
K PR K PS .W 2 2 0 s(s T2 +sTI +1+K pR K pS )
(4.34)
und daraus nach dem Grenzwertsatz
x(oo) = lim x(t) = lim s· x(s) = wO' lim G w (s) t---?oo
x( 00 ) =
K
PR
s---?O
K
. Wo
PS
1+ KpRK ps
s---?O
.
(4.35)
Die bleibende Regeldifferenz
e( 00 ) = Wo - x( 00 ) = ist identisch mit GI. (4.29). Zu c): Aus GI. (4.33) folgt
1
I+K pR K ps
. Wo
(4.36)
112
4 Regeleinrichtungen
Hierin ist 2 _ 1 + K PR K PS
ß2
-
T2 2
Tl
und a2 = 2Tf .
Für den geschlossenen Regelkreis errechnet sich die Dämpfung zu
a2 D2 = = ß2
Tl
------;=~===
2T2~1+KpRKps
~1+ KpRK ps
(4.37)
D 2 =0,5 <1. Die GIn. (4.36) und (4.37) zeigen, dass die beiden Forderungen bezüglich kleiner bleibender Regeldifferenz und ausreichender Dämpfung sich widersprechen, so dass vielfach nur ein Kompromiss möglich ist.
~
Aufgabe 4.1
Gegeben ist der im Bild 4.17 dargestellte Regelkreis.
x
Ermitteln Sie: a) Die bleibende Regeldifferenz für w(t)= wO'(J(t); (z = 0).
b) Die bleibende Regeldifferenz infolge z(t)= Zo ·(J(t).
c) Worin unterscheidet sich das Führungs- und Störverhalten?
Bild 4.17 Wirkungsplan des Regelkreises, bestehend aus einer I-Strecke und einer P-Regeleinrichtung
4.3.2 I-Regeleinrichtung Die Bezeichnung I-Regeleinrichtung (integral wirkend) besagt, dass die Stellgröße YR proportional dem Zeitintegral der Regeldifferenz e = w - x ist: YR (t) = KIR fe(t)dt
(4.38)
oder (4.39) Aus GI. (4.39) folgt die Übertragungsfunktion der I-Regeleinrichtung mit
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
113 (4.40)
Insbesondere, wenn Ein- und Ausgangsgröße des Reglers die gleiche Dimension haben, wird die Zeitkonstante eingeführt: 1
TI = - - . KIR
Die Sprungantwort der I-Regeleinrichtung erhalten wir aus Gin. (4.40) mit z(t) =
Zo . CY(t)
z(s) =
0--.
~ s
bzw. (4.41) Wie Bild 4.18 zeigt, steigt die Sprungantwort linear mit der Zeit an und erreicht für t = I/KIR bzw. t = TI den Wert YR (TI) =
eo·
Bild 4.18 Eingangssprung und Sprungantwort einer I-Regeleinrichtung
Bild 4.19 zeigt einen elektronischen I-Regler mittels beschaltetem Operationsverstärker (Invertierschaltung). Betrachten wir die Laplacetransformierten Spannungen, so ist Ua(s)
-Uj
(s)
Zr(s)
---
Zj (s)
c
1
---
sCR j
U1l
Mit TI = CR j wird G (s) = YR (s) = u a (s) = __1_. R
e(s)
Uj
(s)
sTI
(4.42)
0-----+-------0 Bild 4.19 I-Regeleinrichtung mittels Operationsverstärker
4 Regeleinrichtungen
114 •
Beispiel 4.3
YR
t
Stellzylinder Steuerkolben
Stellkolben
Druckkanal +--
EJJ:::::=**==
Saugkanal ---+
Bild 4.20 Hydraulische I-Regeleinrichtung
Zur Regelung von Systemen, bei denen hohe Stellkräfte erforderlich sind, wie z. B. bei Walzgerüsten, kommen insbesondere hydraulische Regeleinrichtungen zum Einsatz. Die in Bild 4.20 gezeigte hydraulische I-Regeleinrichtung soll nur qualitativ in ihrer Funktionsweise erklärt werden. Der Stellkolben befindet sich in Ruhestellung, wenn der Steuerkolben die Zuund Abflüsse der Ölkanäle sperrt (gezeichnete Stellung), d. h. wenn die Kraft x und die Führungsgröße w gleich sind. Tritt eine Regeldifferenz auf, z. B. x > w, so wird sich der Steuerkolben nach oben bewegen, bis infolge der größeren Federkraft wieder ein Gleichgewicht eintritt. Dies bewirkt, dass der mittlere Steuerkolben den Druckkanal freigibt, der auf die Unterseite des Stellkolbens wirkt.
Gleichzeitig wird durch den oberen Steuerkolben der Saugkanal freigegeben, so dass das im oberen Teil des Stellzylinders befindliche Öl abströmen kann. Die Änderungsgeschwindigkeit, mit der sich der Stellkolben nach oben bewegt, ist proportional der freigegebenen Kanalöffnung bzw. proportional der Regeldifferenz, konstanter Öldruck vorausgesetzt. dYR (t) _ e(t) dt
bzw. YR (t) = KIR fe(t)dt.
4.3.2.1 1-Regeleinrichtung zur Regelung einer P-Tl-Strecke Regelstrecke und Regeleinrichtung sind zu einem Regelkreis gemäß Bild 4.21 zusammengeschaltet.
Bild 4.21 Regelkreis gebildet aus einer P-T 1Strecke und einer I-Regeleinrichtung
Im Folgenden soll wieder das Führungs- und Stärverhalten untersucht werden.
a) Führungsverhalten Ausgehend von der Führungsübertragungsfunktion GI. (4.18) erhalten wir für das System nach Bild 4.21
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen G (s)= x(s) =
GR(s)GS(s)
K1RK ps
=
I + G R (s)G s (s)
w(s)
W
115
s2 T ] + s + KIR K PS
(4.43)
Wie GI. (4.43) zeigt, ist die Ordnung des geschlossenen Kreises um Eins höher als die der ungeregelten Strecke. Indem wir in GI. (4.43) den Koeffizienten der höchsten Potenz von s des Nennerpolynoms zu Eins machen, erhalten wir mit den Abkürzungen ß2 = K1RK pS T]
G () = x(s) W
s
I
a=-
und
=
w(s)
s
2
2T]
ß2
+ s· 2a+ ß
(4.44)
2 .
Ein Maß für die Dynamik des Systems ist die Dämpfung
D=a= ß
1
(4.45)
2~KIRKpsTl
Wir sehen aus (4.45), dass durch Vergrößern von KIR die Dämpfung verringert wird und für D < 1 zu gedämpften Schwingungen führt. Der stationäre Endzustand der Regelgröße x bei Annahme einer sprungförmigen Führungsgröße W(t) = Wo . (J'(t)
0--.
w(s) = Wo
s
bestimmt sich aus GI. (4.43) zu x(s)=Gw(s).w(s)=Gw(s). Wo
s
und mittels Grenzwertsatz erhalten wir x(oo) = lim x(t) = lim s· x(s) = wo' lim G w (s) t~=
s~o
s~o
x(oo) = wo.
Das heißt, die bleibende Regeldifferenz e( 00 ) = Wo - x( 00 ) = 0 .
(4.46)
b) Störverhalten
Ganz entsprechend erhalten wir mit der Störübertragungsfunktion GI. (4.20) und den gegebenen Übertragungsfunktionen GR und Gs Gz(s)
= x(s) = z(s)
Gs(s) 1+ ~ (s)Gs(s)
s·Kps
s
2
11 + s+ KIRK pS
(4.47)
116
4 Regeleinrichtungen
Die Nenner Gz und G w (GI. (4.47) und GI. (4.43», die das dynamische Verhalten eines Systems bestimmen, sind gleich und ebenso die Dämpfung. Mit den Abkürzungen
ß 2= KIRKps/TI
und a= 1/2 Tl erhalten wir
G (s)= x(s) = K ps . s Z z(s) Tl s2+ s . 2a +ß2
(4.48)
und (4.49) Für einen Störsprung z(t) = Zo . C5(t)
0-.
z(s) =~ s
wird x(oo)= lim x(t) = lim s·x(s)=O. t~oo
(4.50)
s~o
Das heißt, der Einfluss der Störgröße wird vollkommen beseitigt. Das untersuchte System zeigt bei Führung und Störung das gleiche dynamische Verhalten. Wie in diesem Kapitel noch gezeigt werden wird, ist das nicht generell so. Es kann vorkommen, dass im Zähler- und Nennerpolynom von Gw oder Gz gemeinsame Linearfaktoren enthalten sind, die sich herauskürzen und somit die Ordnung des Systems reduzieren. Der Vorteil der I-Regeleinrichtung besteht darin, dass nur eine vorübergehende, keine bleibende Regeldifferenz auftritt. Trotz bestehender Störgröße wird nach abgeschlossenem Regelvorgang der Sollwert wieder erreicht. Nachteilig ist, dass mit zunehmendem I-Einfluss (größerem KIR) die Dämpfung kleiner wird. •
Beispiel 4.4
Für den Regelkreis nach Bild 4.21, mit KIR
=0,1
s-l
Kps = 2
= 20 s soll das Führungsverhalten von x(t) für w(t) = wo·(J(t) ermittelt werden. Nach GI. (4.45) ergibt Tl
sich die Dämpfung zu
a
1
D=-=
ß 2~KlRKpsTI
und
a = _1_ = 0 025 s -1. 2T I
'
,
=025<1 '
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
117
Dass heißt, dass die Regelgröße gedämpfte Schwingungen ausführen wird. Zur Bestimmung der Sprungantwort lösen wir die Übertragungsfunktion (4.44) nach x(s) auf x(s)=Gw(s)'w(s)=
2
s
ß2
+ s· 2a+ ß
2
Wo s
und erhalten unter Verwendung der Beziehung 13 der Korrespondenztabelle
x(t) =
[1_e- at (cos av+ ~ sin av )} Wo
(4.51) mit dem in Bild 4.22 gezeigten Verlauf der Sprungantwort. In GI. (4.51) ist
x(t)
1
{Oe
=~ß2 _a 2
{Oe
= 0,0968 s-1
die Eigenkreisfrequenz des gedämpften Systems. ----+ t
Bild 4.22 Führungssprungantwort des Regelkreises mit I-Regler
4.3.2.2 I-Regeleinrichtung zur Regelung einer I-Strecke Dass eine I-Regeleinrichtung zur Regelung einer I-Strecke (Bild 4.23) ungeeignet ist, lässt sich leicht zeigen. Die Übertragungsfunktion der Regelstrecke lautet: Bild 4.23 Regelkreis gebildet aus einer I-Strecke und einer I-Regeleinrichtung
G (s) = x( s) = K IS S y(s) s
(4.52)
und entsprechend für den Regler G (s) = YR (s) = KIR. R e(s) s
(4.53)
Setzen wir (4.52) und (4.53) in die Führungsübertragungsfunktion (4.18) ein, so folgt G (s) w
= x(s) = w( s)
KIRK IS
s2
+ KIR K IS
s2
ß2 . + ß2
bzw. mit ß2 = K1RKps G (s) w
= x(s) = wes)
(4.54)
118
4 Regeleinrichtungen
Wie der Nenner (4.54) zeigt, fehlt der die Dämpfung mitbestimmende Faktor a, d. h. D=
a =0.
ß
Zur Ermittlung der Sprungantwort lösen wir (4.54) nach x(s) auf und erhalten mit w(t)
= Wo
x(s) =
ß
2
. (j(t)
2
0-.
1
s (s + ß
2
)
wes)
= Wo s
wo·
(4.55)
Unter Verwendung der Beziehung 13 der Korrespondenztabelle folgt mit a= 0 x(t)=(I-cosßt)·wo.
(4.56)
Die Sprungantwort zeigt, was aufgrund D = 0 zu erwarten war, eine Dauerschwingung um den Mittelwert Wo mit der Kreisfrequenz des ungedämpften Systems
ß=~KIRKIS und bestätigt die eingangs gemachte Feststellung über die Unverträglichkeit einer 1Regeleinrichtung zur Regelung einer I-Strecke. ~ Aufgabe 4.2 Ermitteln Sie für den in Bild 4.23 gezeigten Regelkreis die Sprungantwort x(t) auf eine Störung z(t) = zo ·(J'(t). Wie groß ist die mittlere bleibende Regeldifferenz?
4.3.3 PI-Regeleinrichtung Es liegt nahe, die in Abschnitt 4.3.1 und 4.3.2 behandelten P- und I-Regler zu einer Regeleinrichtung zu kombinieren, ihre spezifischen Vorteile zu nutzen und ihre Nachteile zu unterdrücken. Die Bezeichnung PI (proportional-integral wirkend) besagt, dass die Ausgangsgröße einer PI-Regeleinrichtung gleich der Addition der Ausgangsgrößen einer P- und einer I-Regeleinrichtung ist und durch folgende Gleichung beschrieben wird. YR(t)=K pR ·e(t)+K I · fe(t)dt.
(4.57)
Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, anstelle des Parameters KI die Zeitkonstante T n = KpR/KI einzuführen und GI. (4.57) in der folgenden Form anzugeben YR(t)=KPR[e(t)+)n fe(t)dt].
(4.58)
Hierin sind KpR der Proportionalbeiwert und T n die Nachstellzeit, die beiden einstellbaren Parameter des Reglers.
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
•
119
Sprungantwort
e
Die Sprungantwort der PI-Regeleinrichtung für
i
e(t) = eo . (J(t)
o
folgt unmittelbar aus GI. (4.58)
-t
YR (l) = K PR eO
Bild 4.24 Eingangssprung und Sprungantwort einer PI-Regeleinrichtung
[I :n ] +
(4.59)
mit dem in Bild 4.24 gezeigten Verlauf.
Die Steigung der Sprungantwort ist dYR (t) K pR - - - = - - e = konstant. dt Tn 0
Aus GI. (4.58) folgt durch Laplace-Transformation die Übertragungsfunktion der PIRegeleinrichtung
1+-J. 1
YR (s) GR(s)=--=K pR ( e(s)
•
(4.60)
sTn
Frequenzgang und Ortskurve
GI. (4.60) liefert mit s = jlüden Frequenzgang der PI-Regeleinrichtung
G R
(j'lü) = YR(jlü) ') e(jlü
=K
PR
(1+_I_J . T jlü n
(4.61)
'
dessen Real- und Imaginärteil wie folgt lauten
Im
Re(G R )= K pR Re I
0)=-
Tn
0)
i
Bild 4.25 Ortskurve eines PI-Reglers
Variiert man lü von 0 ... 00, so erhält man den in Bild 4.25 gezeigten Ortskurvenverlauf, eine Parallele zur negativ imaginären Achse.
Bild 4.26 zeigt die technische Realisierung eines elektronischen PI-Reglers mittels Inverterschaltung.
120
4 Regeleinrichtungen
Mit der Rückführimpedanz Zr(s) = R2 + lIsC und der Eingangsimpedanz ZI(S) = RI
folgt aus GI. (4.7) die Übertragungsfunktion GR(s)= ua(s) =_ Zr(s) =_ R 2 (1+_1_). ue(s) Zl(s) RI sCR 2
(4.62)
Ein Vergleich von (4.62) mit (4.60) zeigt, dass
R RI
2 K pR = -
und Tn =CR 2
ist. Da R2 sowohl KpR als auch Tn beeinflusst, wird man KpR durch RI und Tn durch C verändern.
Bild 4.26 PI-Regeleinrichtung mittels Operationsverstärker
~
Aufgabe 4.3
Entwerfen Sie eine PI-Regeleinrichtung, in der der P-Anteil und der I-Anteil durch die in den Bildern 4.11 und 4.19 gezeigten Schaltungen getrennt erzeugt werden und deren Ausgänge mittels eines Summierers (Bild 4.8) gemäß GI. (4.60) addiert werden. Welche Elemente bestimmen KpR und Tn ?
4.3.3.1
PI-Regeleinrichtung zur Regelung einer P-Tl-Strecke
Anhand des Wirkungsplanes (Bild 4.27) soll das Führungs- und Störverhalten untersucht werden. KpR,Tn
+Iz
Kps,T I
~~6-4lcf----.--'x ~ -
GR(s)
Gs(s)
Bild 4.27 Regelkreis bestehend aus einer P-Tl-Strecke und einer PIRegeleinrichtung
a) Führungsverhalten Die Übertragungsfunktion der Strecke ist mit G (s)
s
= x( s) = y(s)
K PS
l+sTI
(4.63)
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
121
gegeben. Für die Regeleinrichtung lautet die Übertragungsfunktion nach GI. (4.60) YR (s) 1 + sTn . GR(s)=--=K pR e(s) sTn
(4.64)
Mit (4.63) und (4.64) in (4.18) eingesetzt, erhalten wir die Führungsübertragungsfunktion G (s) = x(s) = wes)
w
1 (l+sTI)sTn
+1
(4.65)
K PR K PS (1 + sTn )
bzw. Gw(s)= x(s) = KpRKPSO+sTn) wes) (l+sTI)sTn +KpRKPSO+sTn)
(4.66)
Wählen wir in (4.66) den Regelparameter Tn = Tl, so wird x(s) KpRKpsO+sTI) G w (s) = - - = --"-=------"-=----------"--wes) (l+sTI)(KpRKps +sTI )
(4.67)
Dieser Ausdruck zeigt, dass Zähler und Nenner den gleichen Linearfaktor besitzen, der sich herauskürzt und die Ordnung des Systems um Eins auf ein System 1. Ordnung reduziert. Gw(s)= x(s) = KpRK ps wes) KpRK ps +sTI
(4.68)
Für Tn 7: TI wird die Dämpfung des Regelkreises D =
a
ß
= 1+ K PR K PS
2
(4.69)
KpRKpsli
Zur Beurteilung des stationären Verhaltens ermitteln wir für w(t) = wo·o-(t) den Endwert von x(t) mittels Grenzwertsatz. lim x(t) = lim s· wes) ·Gw(s) = wo' lim Gw(S) = wo.
1---7=
S---70
S---70
Die bleibende Regeldifferenz wird unabhängig vom gewählten Tn stets gleich Null e( 00 ) = Wo - x( 00 ) = 0 .
b) Störverhalten Setzen wir (4.63) und (4.64) in die Störübertragungsfunktion (4.20) ein, so erhalten WIr
122
4 Regeleinrichtungen
bzw. (4.71)
Im Gegensatz zum Führungsverhalten kommt in Gz(s) kein gemeinsamer Linearfaktor im Zähler und Nenner von GI. (4.71) vor, so dass das System stets von 2. Ordnung ist. Lediglich für Tn ~ 00 bzw. D ~ 00 wird der Regelkreis zu einem System 1. Ordnung. Die Regeleinrichtung hat dann aber kein PI-, sondern nur noch P-Verhalten. Der das dynamische Verhalten des Systems bestimmende Nenner von Gz ist für Tn ;r= Tl identisch mit dem von Gw. Mit
a=
1 + K PR K PS 2T1
und ß=
K PR K PS Tn T1
erhalten wir wie in GI. (4.69) D _ a _ _l_+_K---'p'-"R"--K----"-p:::..s ß 2
(4.72)
Die Nullstelle s = 0 von Gz(s) sorgt dafür, dass die bleibende Regeldifferenz infolge einer Störung verschwindet. Für z(t) = Zo . (j(t)
0-.
z(s) =
~ s
folgt aus GI. (4.71)
und lim x(t) = lim s·x(s)=O. t~=
s~o
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine PI-Regeleinrichtung, im Gegensatz zum P-Regler, keine bleibende Regeldifferenz verursacht. Gegenüber dem reinen I-Regler wird die Dämpfung durch den zusätzlichen P-Anteil größer. Bei Strecken höherer Ordnung führt allerdings die Vergrößerung von KpR ebenfalls zur Verringerung der Dämpfung oder sogar zur Instabilität.
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen •
123
Beispiel 4.5
Unter Verwendung der gleichen Kenngrößen wie in Beispiel 4.4 sollen im Folgenden die Vorzüge der PI- gegenüber der I-Regeleinrichtung aufgezeigt werden. Für den in Bild 4.27 gezeigten Regelkreis mit Kps = 2;
TI = 20 s;
Kr = 0,1 s
·1
und der zusätzlichen Annahme von KpR = 2,5 wird
K pR T =--=25s. n Kr Die Dämpfung ergibt für das Führungs- und Störverhalten den gleichen Wert
a
D=
ß =1,5>1.
W(t)
= wo' (J(t)
Für 0--.
wes)
= Wo s
folgt aus GI. (4.66) x(s) =
p2(I+sTn ) Wo s(s2 + s. 2a+ p2)
(4.73)
(4.74) Da D > 1 ist, ergeben sich zwei reelle Pole sl,2
=-a±~a2 _p2
SI =
-0,0382 s-I
s2 =
-0,2618 s·l.
=-a±w
Die Beziehungen 13 und 11 der Korrespondenztabelle liefern zu GI. (4.74) im Zeitbereich
X(t)=[I+~eSlt _les2t + ß2 Tn (e slt -e S2t )]wo 2w
2w
2w
124
4 Regeleinrichtungen
x(t)
und mit den Zahlenwerten
- - - -:.;:-:---.,r-----
i
x(oo)= Wo
x(t) = 1- 0,0528e [
o+------.L----
o
--t
0382~
s - 0,9472e
-0
2618~-
s wo.
In Bild 4.28 ist der Verlauf der Sprungantwort gezeigt. Im Gegensatz zur Regelung mit einem I-Regler (Bild 4.22) tritt durch die Hinzunahme des P-Anteils kein Überschwingen auf.
Bild 4.28 Führungssprungantwort des Regelkreises mit PI-Regler ~
-0
Aufgabe 4.4
Das Stärverhalten des in Bild 4.27 dargestellten Regelkreises wird durch die Übertragungsfunktiün (4.71) beschrieben. Für welches KpR wird bei Tn = TI die Dämpfung D ein Minimum und wie groß ist dieses?
4.3.3.2
PI-Regeleinrichtung zur Regelung einer I-Strecke
An die Stelle der P-TI-Strecke in Bild 4.27 tritt nun eine I-Regelstrecke mit der Übertragungsfunktion - x(s) _ K IS GS (S ) y(s)
s
(4.75)
•
Die Übertragungsfunktion der PI-Regeleinrichtung ist durch GI. (4.60) gegeben - YR (s) _ K 1+ sTn GR ( S ) -PR' e(s)
(4.76)
sJrn
In Abschnitt 4.3.2.2 wurde gezeigt, dass die Regelung einer I-Strecke durch eine 1Regeleinrichtung, infolge verschwindender Dämpfung D = 0, nicht möglich ist. Mit (4.75) und (4.76) in (4.18) erhalten wir die Führungsübertragungsfunktion
Gw(s)= x(s) = wes)
(4.77)
KpRKrs(l+sJrn)
T[s2+ SK n
PR
K +KPRK Is ] T
IS
n
und für das Störverhalten gemäß GI. (4.20)
G(s)=x(s)= s·KIS z z(s) s2 +sK K + KpRKrs PR
IS
T
n
Sowohl für das Führungs- wie auch für das Störverhalten ergibt sich mit
(4.78)
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
125
die Dämpfung des Systems zu D=
a =!~KpRKlsTn
ß
2
(4.79)
.
Auch hier zeigt sich der Vorteil der PI- gegenüber der I-Regeleinrichtung. Während erstere im Zusammenwirken mit einer I-Strecke nur aperiodische Sprungantworten oder gedämpfte Schwingungen ausführen kann, führt die zweite mit einer I-Strecke zu unvertretbaren Dauerschwingungen. Ferner sieht man mittels des Grenzwertsatzes, dass für eine sprunghafte Erregung der Führungsgröße w(t) = wo·(j(t) lim x(t) = lim s· w(s)· G w (s) = lim Gw (s)· Wo = wo'
1---700
5---70
5---70
d. h. die bleibende Regeldifferenz e( co) wird Null. Ebenso erhalten wir für einen Störsprung z(t) = zo .(j(t) lim x(t) = lim s· z(s)·Gz(s) = zo' lim Gz(s) =0. 1---700
5---70
5---70
Die bleibende Regeldifferenz wird hier ebenfalls Null trotz bestehender Störung.
4.3.4 D-Verhalten Das im Folgenden beschriebene D-Glied (differenzierend wirkend) ist allein zur Regelung ungeeignet. Kombiniert man den D-Einfluss mit anderen Zeitverhalten, so gelangt man zu Regeleinrichtungen mit PD- bzw. PID-Verhalten. Bei einem realen D-Glied ist die Ausgangsgröße X a proportional dem zeitlichen Differential der Eingangsgröße Xe (t) _
X
a
dX e (t)
dt
bzw. (4.80) Der Proportionalitätsfaktor in (4.80) wird als Differenzierbeiwert KD bezeichnet. Aus GI. (4.80) folgt durch Laplace-Transformation die Übertragungsfunktion des D-Gliedes (4.81)
126
4 Regeleinrichtungen
Systeme, die durch eine Übertragungsfunktion beschrieben werden, deren Zähler von höherer Ordnung ist als der Nenner, sind physikalisch nicht realisierbar. Theoretisch ermitteln wir für einen Sprung der Eingangsgröße Xe (t) = x eo ·O'(t)
0--.
aus GI. (4.81) die Sprungantwort xa(s)=KD·x eo
für t:;t 0
(4.82)
für t = O.
Bild 4.29 zeigt die Sprungantwort eines idealen D-Gliedes, die man sich auch durch formales Bilden der Ableitung des Eingangssprungs entstanden denken kann. Die Steigung des idealen Sprungs ist für t = 0 gleich Unendlich und für t> 0 gleich Null. Bild 4.30 zeigt einen bescha1teten Operationsverstärker zur angenäherten Differentiation.
0-+------'------
o
-t
o
-t
Bild 4.29 Eingangssprung und Sprungantwort eines idealen D-Gliedes
1
RI
I sC I
~
xe (s)
l
Bild 4.30 D-TI-Glied bzw. D-T2-Glied xis)
zur angenäherten Differentiation
o-------i-------o
Die Übertragungsfunktion der in Bild 4.30 dargestellten Invertierscha1tung lautet: a) ohne C2 (4.83)
b) mit C2 (4.84)
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
127
GI. (4.83) stellt eine Differentiation mit Verzögerung 1. Ordnung dar, weil GD(S) als Reihenschaltung eines idealen D-Gliedes und eines P-T I-Gliedes aufgefasst werden kann. Entsprechend ergibt sich GI. (4.84) durch Reihenschaltung eines D-Gliedes und eines P-Tz-Gliedes. Man könnte versucht sein, die Differenzierschaltung nach Bild 4.30 ohne den Widerstand RI zu betreiben und würde aus GI. (4.83) für RI = 0 x a (s)
--=-sCIR z ,
xe (s)
ein ideales D-Glied erhalten. Eine solche Schaltung führt jedoch zu einem verrauschten Ausgangssignal, da die immer vorhandenen hochfrequenten Störsignale (Rauschen) am Ausgang verstärkt erscheinen. Das heißt, der Widerstand RI ist unbedingt zur Glättung erforderlich und vielfach noch nicht ausreichend, so das man gezwungen ist, zur weiteren Glättung einen zweiten Kondensator Cz parallel zu Rz zu schalten, wobei die beiden Zeitkonstanten RICI und werden.
RzCz
gleich groß gewählt
Bild 4.31 zeigt die Ortskurven der D-, D-TI- und D-Tz-Glieder.
Bild 4.31 Ortskurven des D-, D-TI- und D-TZ-Gliedes
4.3.5 PD-Regeleinrichtung Durch die Hinzunahme des D-Anteils wird bereits während des Entstehens einer Regeldifferenz, bevor diese sich voll ausgewirkt hat, eine Stellgröße erzeugt und somit die Regelung schneller. Bei einer PD-Regeleinrichtung entspricht die Stellgröße YR einer Addition der Ausgangsgrößen eines P- und eines D-Gliedes. Die Differentialgleichung lautet demzufolge de(t) YR (t) = KpRe(t) + K D - dt
bzw. KD de(t)] YR(t)=K pR e(t)+---[ K pR dt
mit
KpR
Proportionalbeiwert
KD
Differenzierbeiwert.
(4.85)
128
4 Regeleinrichtungen
Den Quotienten K D =T K y pR
bezeichnet man als die Vorhaltzeit und erhält damit YR (t) = K PR [ e(t) + Ty
de(t)] ----:it .
(4.86)
Hierin sind KpR und T y die beiden an realen Regeleinrichtungen einstellbaren Parameter. Die Übertragungsfunktion der idealen PD-Regeleinrichtung folgt aus GI. (4.86) durch Laplace-Transformation YR (s) G R (s) = - - = K pR (l + sTy ). e(s)
(4.87)
Auch hier gilt, dass ein solches System gemäß GI. (4.87), bei dem die Ordnung des Zählers höher ist als die des Nenners, physikalisch nicht realisierbar und immer mit einer Verzögerung behaftet ist. Vielfach kann jedoch diese Verzögerung gegenüber den anderen im Regelkreis vorhandenen Zeitkonstanten vernachlässigt und mit der idealen Übertragungsfunktion (4.87) gerechnet werden. Die theoretisch e sich ergebende Sprungantwort für
t
e(t) = eO . (J'(t) 0--. e(s) =
----. t Bild 4.32 Eingangssprung und Sprungantwort der idealen PD-Regeleinrichtung
~ s
folgt aus GI. (4.87) YR (s) =
KPR(~+ T
y )-
eo
(4.88) mit dem in Bild 4.32 gezeigten Verlauf. Zur technischen Realisierung einer PD-Regeleinrichtung können der P- und D-T 1Anteil parallel mit den Schaltungen nach Bild 4.11 und 4.30 erzeugt und die Ausgänge mittels eines Summierers nach Bild 4.8 addiert werden.
Bild 4.33 zeigt eine Schaltung, die mit nur einem Operationsverstärker auskommt. Zur Ermittlung der Übertragungsfunktion des beschalteten Operationsverstärkers nach Bild 4.33 ist es zweckmäßig, infolge des in der Rückführung liegenden T-Gliedes, von den Strömen auszugehen. Für den Knotenpunkt V.M. gilt i 1 (s) = i 2 (s) = i 3 (s)
+ i 4 (s).
(4.89)
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
l
0----+----------0
129
Bild 4.33 PD-T ]-Regeleinrichtung mittels Operationsverstärker YR(s)
Da der invertierende Eingang des Operationsverstärkers wieder als "virtuelle Masse" angesehen werden kann, folgt: (4.90)
i2 (s)=-YR(s) Rr
Rr ] 1 _ 2 +1. r + R + _I_ _R_r (R + _1_) [ _R_ 2 p sC 2 p sC
(4.91)
-+-----'-----'--
2
Rr 1 -+R +2 p sC
Nach einigen Umformungen folgt aus 01. (4.91) die Übertragungsfunktion der PD-T]Regeleinrichtung G (s) = YR (s) = R
e(s)
_!!.L
l+sC _r R +R ] [
R]
4 p 1+ sCR p
(4.92)
Mi den Abkürzungen K pR =
~:;
T y =c( R; +Rp );
T] =CR p
(4.93)
erhalten wir YR (s) 1 + sTy GR(s)=--=-KpR .
e(s)
1 + sT]
(4.94)
Die reale PD-T]-Regeleinrichtung nach 01. (4.94) geht für Rp = 0 bzw. T] = 0 in den idealen PD-Regler nach 01.(4.87) über. Dieser Fall ist aber wegen des sonst auftretenden verrauschten Ausgangssignals nicht möglich. Die so genannte parasitische Zeitkonstante T], die die Verzögerung bewirkt, wird von R p bestimmt und sollte möglichst klein gegenüber Ty sein.
130 •
4 Regeleinrichtungen Sprungantwort
Zur Ermittlung der Sprungantwort des PD-TI-Reglers lösen wir die GI. (4.94) nach YR( s) auf und erhalten bei Vernachlässigung des negativen Vorzeichens mit e(t) = eo . (j'(t)
0--.
e(s) =
~ s
(4.95)
Die Rücktransformation in den Zeitbereich mittels Residuensatz ergibt YR (t) =
K pR ~.
Tl - T{ 1-
r
T; Je Ty
-7:t I
j
(4.96)
eo
bzw. (4.97)
Bild 4.34 zeigt die entsprechende Sprungantwort. Ty KRPTeO
YR
e
t
t
I
t
0
•
t eo 0
----+
t~ K pR eo
TI 0
0
----+ t
Bild 4.34 Eingangssprung und Sprungantwort eines PD-Tl-Reglers
Frequenzgang und Ortskurve
Vernachlässigen wir in GI. (4.94) das durch die invertierende Wirkung der Schaltung (Bild 4.33) bedingte negative Vorzeichen, so erhalten wir daraus den Frequenzgang ' )_YR(jOJ)_K l+jOJTy GR ( JOJ - PR e(jOJ) 1+ jOJ'Tt
.
(4.98)
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen Die Zerlegung in Real- und Imaginärteil ergibt: 2
Re(G )=K l+w ~Ty R PR1+(w~)2
(4.99)
Im(G ) = K w(Ty -Ti) R PR 1+(w~)2
(4.100)
131 Im
0)=00
In Bild 4.35 sind die Ortskurvenverläufe des PD-, PD-TI- und PD-T2-Gliedes dargestellt.
Bild 4.35 Ortskurvenverlauf des PD-, PD-TI- und PD-T2-Gliedes
PD-TI-Glied:
PD-T2-Glied: Re (GR)
0)
0 -
1
Tl
00
~
Im (GR)
K
pR 2
0
0
K pR y
[1+ T ] Tl
Ty K pR Tl
K
pR 2
Re (GR)
0)
y [T Tl
-1]
K pR
0
0
Ty K pR Tl
0
T2
Ty K pR Tl
T -K pR - 2 Tl
00
0
0
Ty -Tl
~
Im (GR)
TiT y -
1
Aufgabe 4.5
Die Differentialgleichung eines PD-T2-Gliedes lautet
Ti YR (t) + Tl YR (t) + YR (t) = K PR [e(t) + Tye(t)] . Gesucht ist der Verlauf der Ortskurve, insbesondere für Schnittpunkte mit den Achsen.
4.3.5.1
0)=
0 und
0)=
00
sowie die eventuellen
PD-Regeleinrichtung zur Regelung einer P-TrStrecke
Im Gegensatz zu den Abschnitten 4.3.2.1 und 4.3.3.1 soll im Folgenden der in Bild 4.36 gezeigte Regelkreis, in dem eine P-T2-Strecke von einer PD-Regeleinrichtung geregelt wird, auf sein Führungs- und Stärverhalten untersucht werden.
132
4 Regeleinrichtungen
a) Führungsverhalten Bild 4.36 Regelkreis bestehend aus einer P-T2-Strecke und einer PD-Regeleinrichtung
Die Übertragungsfunktionen der Strecke und der Regeleinrichtung lauten (Bild 4.36): G ( ) - x(s) _ K PS s s - 2 2 y(s) s T 2 +sTI +1 YR (s) GR (s) = - - = K pR (1+ sTy c(s)
(4.101)
(4.102)
).
Mit (4.101) und (4.102) in (4.18) erhalten wir die Führungsübertragungsfunktion G (s) = x(s) = wes)
w
1
s2 T22
(4.103)
+ sTI + 1
--=------'------
K PR K PS (1 + sTy
+1
)
bzw. (4.104)
Handelt es sich bei der Strecke um zwei in Reihe geschaltete P-T I-Strecken oder liegen zwei reelle Pole vor, so wird man T y gleich der größten dieser Zeitkonstanten wählen und damit, wie GI. (4.103) zeigt, die Ordnung des geschlossenen Systems um 2 Eins reduzieren. Zum Beispiel kann für Tl = 3 sund T2 = 2 s2 das Nennerpolynom von Gs wie folgt in zwei Linearfaktoren zerlegt werden s2T
i +sTI +l=(l+sTa )(1+sTb ) mit Ta =ls und Tb =2s.
Wählen wir T y = Tb, so vereinfacht sich die GI. (4.103) zu einem P-TI-Verhalten Gw(s)=
KpRK ps 1+ KpRK ps +sTa
(4.105)
Ist die Polverteilung der Strecke konjugiert komplex, d. h. keine Zerlegung in reelle Linearfaktoren möglich, dann folgt aus GI. (4.104)
~l+KpRKpS ß = --,---------,:....::..:..-....::...c:.... T2
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
133
und daraus die Dämpfung des geschlossenen Kreises
a _ Tl + TyKpRKpS - ß - 2 T2 ~l + K PR K PS
D_
(4.106)
Durch den D-Anteil wird die Dämpfung mit zunehmendem Ty vergrößert. Den stationären Endwert der Regelgröße x auf einen Eingangssprung w(t) =
Wo . CY(t)
wes) =
0--.
Wo s
ermitteln wir wieder mittels Grenzwertsatz im Bildbereich. Danach ist (4.107)
x(oo) = lim x(t) = lim s· x(s). t~oo
s~o
GI. (4.104) nach x(s) aufgelöst ergibt (4.108)
x(s) = G w (s) . wes) .
Mit (4.108) in (4.107) folgt
.
Wo
KpRK ps
x(oo) = 11m s·Gw(s)·-= s~0 s 1+ K PR K PS
Wo
bzw. bleibende Regeldifferenz (4.109) GI. (4.109) ist identisch mit der in Abschnitt 4.3.1.1 für einen Regelkreis mit reinem P-Regler abgeleiteten Beziehung (4.29).
D=~ x
fi
x
i
i
1
--I -e(oo)
r
Ty = Ta Ty = Tb
x(oo)
x2
xl
j ---+
1
t
0
j 0
---+
Bild 4.37 Führungs- und Störverhalten des Regelkreises nach Bild 4.36 für verschiedene Vorhaltezeiten T y (Ta
= 1 s; Tb = 2 s)
t
134
4 Regeleinrichtungen
Das heißt, dass der PD- gegenüber dem P-Regler bezüglich des stationären Verhaltens keinen Vorteil besitzt. Ferner sieht man aus GI. (4.109), dass die bleibende Regeldifferenz unabhängig von der Ordnung der P-Strecke ist. In Bild 4.37 ist die Führungsund Störsprungantwort für verschiedene Vorhaltzeiten aufgezeichnet und zeigt, dass die Dynamik weitgehend durch die Wahl von Ty beeinflusst werden kann. Hingegen hängt die bleibende Regeldifferenz nur von KpR ab, da der D-Anteil nur am Anfang wirksam ist und im Beharrungszustand seine Wirkung verliert.
b) Störverhalten Um den Einfluss der Störgröße z auf die Regelgröße x zu ermitteln, setzten wir die GIn. (4.10 1) und (4.102) in die Störübertragungsfunktion (4.20) ein und erhalten G (s) = x(s) = z
z(s)
2[ 2
T2 s + s
K PS Tl + TyKpRKpS 2 T2
.
+
(4.110)
1+ KPRK PS ] 2
T2
Mit den Abkürzungen
1i + KpRKpSTy und a = --'-----"--'-'-::--''--''----'-2T:j
wird (4.111) Die Dämpfung wird wie beim Führungsverhalten bestimmt durch D_
a _ Tl + KpRKpSTy
(4.112)
- ß - -2----"T2-~rl==+=K==p==R=K==p=s .
Ändern wir die Störgröße sprunghaft mit z(t) = Zo . (J(t)
0--.
z(s) =
~, s
so folgt aus (4.110) x(s) =
G z (s)· z(s) = G z (s)· ~ s
und mittels Grenzwertsatz x(oo) = lim x(t) = lim s'x(s)= t --'> 00
S
--'> 0
ps K zo0 1+ K PR K PS
(4.113)
Da wir nur die Änderung von x infolge z betrachten und nicht die Absolutwerte, stellt (4.113) die durch z verursachte bleibende Regeldifferenz dar. Durch Vergleich von (4.113) mit der in Abschnitt 4.3.1.1 für einen Regelkreis mit P-Regler abgeleiteten
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
135
Beziehung (4.32) wird evident, dass eine PD-Regeleinrichtung ebenso wie eine PRegeleinrichtung nicht in der Lage ist, den Einfluss einer Störung vollkommen zu kompensieren, sondern nur auf K ps
----=-=-- Zo 1+ KpRK ps
zu mindern. Die Gegenüberstellung in Bild 4.37 zeigt, dass die beiden Forderungen nach möglichst gutem Führungs- und Störverhalten kontrovers sind und nicht gleichzeitig erfüllt werden können. So wird z. B. das Führungsverhalten am günstigsten, wenn Ty gleich der größten Streckenzeitkonstante gewählt wird. Das Störverhalten ist dann aber keineswegs optimal. Ein Kompromiss, der ein befriedigendes Führungs- und
Störverhalten liefert, wird für D = 11 J2 erreicht. Der Nachteil der PDRegeleinrichtung ist die bei der Regelung von P-Strecken auftretende bleibende Regeldifferenz. Wie durch die GI. (4.79) zum Ausdruck kommt, bringt die Regelung von I-Strecken mittels PI-Regler Schwierigkeiten bezüglich der Dämpfung, während der Einsatz eines PD-Reglers zumindest für das Führungsverhalten keine bleibende Regeldifferenz ergibt. ~
Aufgabe 4.6
Gegeben ist ein Regelkreis bestehend aus einer I-Strecke mit
und einer PD-Regeleinrichtung. Ermitteln Sie die Sprungantwort für
W(t) = Wo . (J(t) .
4.3.6 PID-Regeleinrichtung Durch Kombination der drei grundsätzlichen Zeitverhalten (P, I und D) gelangt man zur PID-Regeleinrichtung, deren Stellgröße YR gleich der Addition der P-, 1- und DRegeleinrichtungen ist und durch die folgende Gleichung beschrieben wird:
J
de(t) YR (t) = K PR e(t) + K I e(t)dt + K D - dt bzw.
J
KI K D de(t)] . YR(t)=K pR e(t)+-e(t)dt+---[ K pR K pR dt Mit den bereits bekannten Zeitkonstanten K K T =~ und T =_D_ n K y K I
pR
(4.114)
(4.115)
4 Regeleinrichtungen
136 wird YR (t) = K PR e(t) + - 1 [ T
n
Je(t)dt + Ty -de(tdt-J] .
(4.116)
Die Übertragungsfunktion der idealen PID-Regeleinrichtung folgt aus (4.116) durch Laplace-Transfonnation zu
[1
]
YR (s) GR(s)=--=K pR l+-+sTy . e(s) sTn
(4.117)
Bringen wir diesen Ausdruck auf einen gemeinsamen Nenner, so wird YR (s) s2TnTy + sTn + 1 G R (s) = - - = K PR ---"-----'------~e(s) sTn
(4.118)
Die Nullstellen dieses Ausdrucks liegen bei sI2=1- [ -1±
.
2Ty
Pf4T
Y 1--• . Tn
(4.119)
Für Tn ~ 4 Ty liegen zwei reelle Nullstellen vor und der Zähler in (4.118) lässt sich in zwei reelle Linearfaktoren zerlegen YR(s) , (1+sT~)(1+sT;) GR(s)=--=K pR , e(s) sTn .,
T~
T'
l1llt K pR =K pR - ; Tn
n
=-~.'
(4.120) T' = __ 1
sI
y
s2
Die Form (4.120) ist besonders geeignet, wenn Polstellen der Strecke durch Nullstellen der Regeleinrichtung kompensiert werden sollen. Ferner ist diese Zerlegung vorteilhaft zur Darstellung im Bode-Diagramm. Zwischen den Parametern der GIn. (4.118) und (4.120) bestehen die folgenden Beziehungen:
, ( T;)
(4.121)
K PR = K PR 1 + T~
Sowohl in (4.118) als auch in (4.120) ist der Zähler von höherer Ordnung als der Nenner, d. h. eine solche PID-Regeleinrichtung ist physikalisch nicht realisierbar. Zur Ermittlung der Sprungantwort erhalten wir mit e(t) = eo . O'(t)
aus GI. (4.117)
0--.
e(s) = ~ s
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen YR (s) = KPRe o
[.!. s
++ s Tn
+Ty
137 (4.122)
-.
Durch Rücktransformation in den Zeitbereich folgt aus (4.122) die Sprungantwort der idealen PID-Regeleinrichtung YR(t)=KPReo[l+
;n
YR
+Ty 5(t)}4.123)
i
mit dem in Bild 4.38 dargestellten Verlauf.
Zur Realisierung einer PID-Regelo einrichtung gibt es viele Möglichkeiten, - - - - - - - - - - ~-----i----''------ t z. B. durch parallele Erzeugung des P-, 1Tn----.rl--- Tn und D-T I-Anteils mittels der Schaltung nach Bild 4.11,4.19 sowie 4.30 und Addition der Ausgangsgrößen durch einen Summierer (Bild 4.8).
Bild 4.38 Sprungantwort eines idealen PIO-Reglers
Bild 4.39 zeigt eine vielfach angewandte Schaltung, ähnlich der PD-T 1Regeleinrichtung nach Bild 4.33. Das in der Rückführung liegende T-Glied ist allerdings durch den als Impedanzwandler geschalteten Operationsverstärker OP2 entkoppelt (s. a. Abschnitt 4.1, Bild 4.6, GI. (4.8a». Man spricht hier von aktiver Rückkopplung, während in Bild 4.33 eine passive Rückkopplung vorliegt. Am nichtinvertierenden Eingang des OP2 liegt die durch den Spannungsteiler gebildete Spannung
(4.124)
Bild 4.39
l
PIO-T 1-Regeleinrichtung mit aktiver Rückführung
YR(s)
0----------'-+-------''-----4-------0-
Für den invertierenden Eingang V.M. gilt
i1(s) = i z (s)
(4.125)
4 Regeleinrichtungen
138 . . () e(s) mIt I[ s = - -
(4.126)
R[
X2(S)
sC 2
=-X2(s)
1
(4.127)
1+ sC 2 R 2
R2+-sC 2
Setzen wir (4.126) und (4.127) in (4.125) unter Berücksichtigung von (4.124) ein, so folgt: YR(s) R 2 (1+SC2R2)[1+sC3(R3+Rp)] GR(s)=--=-e(s) R[ sC 2R 2 (1+sC 3R p )
(4.128)
und mit den Abkürzungen , R K pR = -2 ;
R[
,
Tn =C 2 R 2 ;
,
T y =C3 (R 3 +R p );
T[=C 3R p ;
YR(s) , (l+sT~)(l+sT~) GR (s) = - - = K pR - - - - = - - - - - - - - ' - - - e(s) sT~ (1 + sT[)
(4.129)
Hierin ist T[ die die Verzögerung bewirkende parasitische Zeitkonstante. Die Übertragungsfunktion des realen PID-T [-Reglers kann man sich durch Reihenschaltung des idealen PID-Reglers nach (4.120) und eines P-T [-Gliedes mit 1 G(s)=-1+ sT[
entstanden denken. Für Rp = 0 bzw. T[ = 0 geht GI. (4.129) in GI. (4.120) über.
•
Sprungantwort
Zur Ermittlung der Sprungantwort der PIDT [-Regeleinrichtung lösen wir (4.129) nach
YR
i
YR(S) auf und erhalten mit e(t) = eo . O'(t)
0--.
e(s) =
~ s
und Vernachlässigung des negativen Vorzeichens K pR (1 + sT~ )(1 + sT~ ) YR(s)=eoT'T ( ) n [ 2 1 s s+T[
(4.130)
Bild 4.40 Sprungantwort einer PID-T [-Regeleinrichtung
Durch Rücktransformation in den Zeitbereich mittels Residuensatz erhält man
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
(s
+tc st (1 +
139
+~) (T~ + T~ + 2sT~T~) - (1 + sT~ )(1 + sT~)
('+ ;J
~
sT~)(1 ST~). + 1 s+Tl
'
n
T~ T~)
+TI2(1 - - )(1 - - C- ;]) bzw. Tl Tl
T'
T~ Je
-T]t •
cO·
(4.131)
Mit den Beziehungen (4.121) kann die Übertragungsfunktion (4.129) in 2
G (s) - K R
-
PR
s TnTy +sTn +1 sTn (1 + sTI )
(4.132)
umgeformt werden. Für die Sprungantwort erhalten wir dann die Beziehung Tl t Tl Ty -T: YR (t)=K pR l - - + - - ( l - - - - ) C t1 CO, Tn Tn Tn Tl
1
r
(4.133)
Aus den GIn. (4.131) und (4.133) folgt für t = 0 , T~ Ty YR (0) = K PR - Co = K PR - Co . Tl Tl
Für große t-Werte erhalten wir die Gleichung der Asymptote:
T~
, [ 1+--,-+-, -11 t] co=KpR [1T-l- +t] YRA(t) = K pR - co· Tn Tn Tn Tn
Diese nimmt für t = Tl den folgenden Wert an:
,(
T~) Co = K PR Co . YRA (Tl) = K PR 1 + T~ Bild 4.40 zeigt den Verlauf der Sprungantwort. • Frequenzgang und Ortskurve Der Frequenzgang des PID-TI-Reglers folgt aus (4.132), indem wir s durchjw ersetzen
140
4 Regeleinrichtungen (4.134)
Zur Diskussion des Ortskurvenverlaufs zerlegen wir (4.134) in Real- und Imaginärteil 2
Tn -1] + OJ TnTy1] Tn [I+(OJ1])2]
Re (G ) = K R
PR
Im
(i)
i
Re
Bild 4.41 zeigt den Ortskurvenverlauf des PID-, PID-T)- und PID-T2-Reglers. I~--+-I;---t- K -Ty ----+I ,...pR 1]
PID-T)-Regler: aJ
Re (GR)
Im (GR)
0
K PR (I- ;:)
-00
K pR
0
Ty K pR T)
0
1
~Tn(Ty-T) 00
4.3.6.1
Bild 4.41 Ortskurvenverlauf des PID-, PID-T)-und PID-T2-Reglers
PID-Regeleinrichtung zur Regelung einer P-Tz-Strecke
Im Folgenden soll der Regelkreis nach Bild 4.42 untersucht werden.
Jz
KpR,Tn,Ty
K pS ,T),T22
t- -ll~::::J~6-.L..lrc J
w -0 e
+
I
GR(s)
+
Bild 4.42 Regelkreis gebildet aus einer P-T2-Strecke und einer PID-Regeleinrichtung
x
Gs(s)
Die Regelstrecke habe eine Dämpfung D > 1, mit der Übertragungsfunktion x(s)
K ps
K ps
Y(s)
s2 T22 + sT) + 1
(1 + sTa )(1 + sTb )
GS(S)=--=
.
,mIt Tb >Ta.
(4.135)
Für die Übertragungsfunktion der Regeleinrichtung wählen wir GI. (4.120), in der der Zähler in Linearfaktoren zerlegt ist. YR(s) , (l+sT~)(I+sT~) GR (s) = - - = K pR , sTn e(s)
(4.136)
4.3 Zeitverhalten stetiger Regeleinrichtungen
141
a) Führungsverhalten
Die Führungsübertragungsfunktion lautet mit (4.135) und (4.136) in (4.18) G (s) = x(s) = w
1
wes)
,
(4.137)
sT~ (1 + sTa )(1 + sTb )
"
K PR K PS (1 + sTn )(1 + sTy
)
+1
Es ist naheliegend, in GI. (4.137) T~ gleich der größten Zeitkonstante der Strecke (z. B. T~ = Tb) zu wählen und T; = Ta' Somit kürzen sich die beiden Linearfaktoren heraus und reduzieren die Ordnung des Systems auf G (s) = x(s) = w
wes)
1, 1+s-,----'-'--Tn
(4.138)
KpRK pS
Zur Ermittlung des stationären Endwertes von x(t) für W(t) = wo' (j(t)
0--.
wes) = Wo
s
erhalten wir aus GI. (4.137) x(s) = G w (s)· wes) = G w (s). Wo
s
und mittels Grenzwertsatz (4.139)
x(oo) = lim x(t) = lim s· x(s) = wo' lim G w (s) = wo. t---'too
s---'tO
s---'tO
Unabhängig von der Wahl von T~ und T; und unabhängig von der Ordnung der P-Strecke wird durch den I-Anteil die bleibende Regeldifferenz gleich Null. e(oo)=wo -x(oo)=O.
(4.140)
b) Störverhalten
Mit (4.135) und (4.136) in (4.20) erhalten wir die Störübertragungsfunktion Gz (S )
sT~Kps
= x(s) =
z(s)
sTn (1 + sTa )(1 + sTb ) + K pR K ps (l I
I
I
Bedingt durch den I-Anteil wird der Einfluss der Störgröße für t beseitigt. Aus (4.141) folgt x(s) = G z (s)· z(s) , und mit z(t) = zo . (j(t)
0--.
z(s) =
I
•
(4.141)
~
00
vollkommen
+ sTn )(1 + sTy )
~ s
erhalten wir x(s) = G z (s) . ~. Der Grenzwertsatz liefert s
(1.141a)
142
4 Regeleinrichtungen x(oo)= 1im x(t) = 1im s·x(s)=zo· 1im Gz(s)=O. t~=
s~o
(4.142)
s~o
Im Gegensatz zum Führungsverhalten kann die Ordnung von (4.141) nicht reduziert werden. Wählen wir auch hier T~ =Tb und T; =Ta , so folgt aus (4.141) G (s) = x(s) = z
z(s)
sTbK PS (1 + sTa )(1 + sTb )(K pR K PS
+ sTb )
bzw. (4.143)
Für die gewählten Reglerparameter sind, wie GI. (4.143) zeigt, sämtliche Pole des Kreises negativ reell und somit das System stabil. Dies ist nicht generell so. Wie in Kapitel 6 gezeigt werden wird, kann bei ungünstiger Wahl von Tn bzw. T~ das System instabil werden. In diesem Fall, der explizit vorliegenden Pole erhalten wir für (1.l41a) und aus (4.143) mittels Residuensatz die Sprungantwort
(4.144)
mit dem in Bild 4.43 gezeigten Verlauf. Der dritte Term in der eckigen Klammer von GI. (4.144) wird für großes K pR K PS vernachlässigbar klein. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass von den in diesem Kapitel behandelten Regeleinrichtungen der PID-Regler, infolge der
x
i -----------1---------
drei Parameter KpR, Tn und T y , am anpassungsfähigsten ist. Durch den I-Anteil tritt sowohl beim Führungs- als auch beim Störverhalten eine vorübergehende aber keine bleibende Regeldifferenz auf.
00
Ferner kann die Ordnung des Systems durch geeignete Wahl der Parameter reduziert werden.
Bild 4.43 Störsprungantwort des Regelkreises nach Bild 4.42 für T~ =Tb und T; =Ta
__ t
143
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren Das Bode-Diagramm dient neben der Ortskurve zur graphischen Darstellung des Frequenzganges. Während man bei der Ortskurvendarstellung den Frequenzgang G(jOJ) = x a (jm) xe (jOJ)
nach Betrag und Phase in einem einzigen Diagramm in der Gaußschen Zahlenebene darstellt, werden im Bode-Diagramm der Betrag von G und der Phasenwinkel rp in zwei getrennten Diaframmen als Funktionen der Kreisfrequenz OJ aufgetragen. Für die Darstellung von G I = J( OJ) ist sowohl OJ auf der Abszisse als auch das Amplitudenverhältnis IG I auf der Ordinate im logarithmischen Maßstab geteilt. In einem zweiten Diagramm ist dann der Phasenwinkel rp im linearen über der Kreisfrequenz OJ im logarithmischen Maßstab aufgetragen. Durch die logarithmische Darstellung erhält man leicht zu konstruierende Asymptoten des wirklichen Kurvenverlaufs I G I = J( OJ). Bei der Hintereinanderschaltung von mehreren Frequenzgängen ergibt sich der Gesamtfrequenzgang aus dem Produkt der einzelnen Frequenzgänge. Der besondere Vorteil der Darstellung eines solches Frequenzganges im Bode-Diagramm besteht darin, dass durch die Logarithmierung die Produktbildung auf eine einfache Addition zurückgeführt wird.
5.1 Bode-Diagramme einfacher Frequenzgänge Im Folgenden sollen die Bode-Diagramme von Regelkreisgliedern mit elementarem Zeitverhalten behandelt werden, deren Frequenzgänge bereits in den vorherigen Kapiteln abgeleitet wurden. Häufig wird der Amplitudengang wie in der Nachrichtentechnik üblich, in Dezibel (dB) aufgetragen. Definitionsgemäß gilt 1
G(jOJ) I dB = 20 .lgl G(jOJ)
I·
(5.1)
Bei der Darstellung des Amplitudenganges IG(jOJ) I ist Folgendes zu beachten: a)
Für die Ordinate und Abszisse ist der gleiche logarithmische Maßstab zu verwenden (z. B. 50 mmlDekade oder wie bei logarithmisch geteiltem Papier 62,5 mmlDekade).
b)
Die lV-Achse wird stets so gelegt, dass sie die Ordinate bei
I G(jOJ) I
= 1 bzw.
I G(j OJ) IdB = 0 schneidet. c)
Durch die logarithmische Teilung der OJ - Achse lässt sich die Frequenz OJ = 0 nicht darstellen. Im Schnittpunkt der OJ - Achse mit der Ordinate wählt man OJ gleich einer lOer Potenz, die dem darzustellenden Problem angepasst ist, d. h. 2 (l0-1 ... 10- ) ·1/Tx . Hierin ist Tx die größte Zeitkonstante des Systems.
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_5, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
144
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren
5.1.1 Bode-Diagramm des Po-Gliedes Der Frequenzgang eines Po-Gliedes ist: . x a (jm) G(jm) = . = K p = konstant xe(jm) G(jm) = I G(j01) I e j9J (W) .
Daraus folgt:
IG(j01) 1= K p
Bild 5.1 zeigt für
und
Kp =
=O.
10 das Bode-Diagramm des reinen P-Gliedes. Das Amplitu-
. unabh'"anglg von 01, un d d'le Phasenversc h'le bung tms x a (jm) . 1st denverha"l' Xe
(;01)
. hen ZWISC
xa( j 01) und x e( j 01) ist für alle 01 gleich Null. 102
40
Icl dB
i
Icl
i 10
30 20
t
Kp
10 0
10- 1
10
-10
102 __ W /s-1
10- 1
-20
Bild 5.1
45°
9J
i
9J(w)
0°
10- 1
Bode-Diagramm eines PO-Gliedes (Kp = 10)
10
-45°
102 __ W /s-1
-90°
5.1.2 Bode-Diagramm eines I-Gliedes Der Frequenzgang eines I-Gliedes lautet: G(j01) = xa (jm) = K I . xe(j01) j01
Sind die Dimensionen von Aus- und Eingangsgröße gleich, so hat KI die Dimension s -I, und man kann den Kehrwert von KI als die Integrierzeit TI auffassen.
5.1 Bode-Diagramme einfacher Frequenzgänge
145
Diese vereinfachende Annahme wird gewählt, um den charakteristischen Verlauf
I G I = J( w) ableiten zu können. Haben X a und Xe unterschiedliche Dimensionen, so hat außer s -I die Dimensionen der Ausgangsgröße dividiert durch die der Eingangsgröße. Um den Schnittpunkt mit der w - Achse zu bestimmen, bleiben die Dimensionen von X a und Xe unberücksichtigt. Dadurch wird in unserer Betrachtung vermieden, dass der Logarithmus einer dimensionsbehafteten Größe genommen wird. Mit TI = 11 KI wird:
KI
G(jw) = x a(jw) = _1_. xe(jw) jwTr
Daraus folgt: IG(jw)1 = _1_, wT,
IgIG(jw)1 = -lg(wT,).
Trägt man IG(jw) I im logarithmischen Maßstab über wim gleichen logarithmischen Maßstab auf, so erhält man eine Gerade mit der negativen Steigung 1: 1, die die wAchse für w= 11 TI schneidet. Voraussetzung dafür ist, dass die w-Achse die Ordinate bei I G(jw) I = I schneidet (Bild 5.2). 40
IGI dB
i
30
20
10
o -10 -20
Bild 5.2
4SO rp
i
0°
Bode-Diagramm eines I-Gliedes (TI = 0,2 s)
10- 1
-45 0 rp(OJ}
-90 0
Infolge des fehlenden Realteils, der Imaginärteil von G(j w) ist I
Im(G)=--, wT,
ergibt sich für den Phasenwinkel Im(G) tan qJ(w) = - - = - 0 0 bzw. qJ = -90 0 = konstant. Re(G)
146
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren
5.1.3 Bode-Diagramm eines D-Gliedes Ein D-G1ied hat folgenden Frequenzgang: . x a (jm) . G(JOJ) = . =JOJ·K D · xe (jOJ)
Die Dimensionen von
IGI
laufs
Xa
und
Xe
werden zur Ermittlung des charakteristischen Ver-
= I(OJ) als gleich angenommen. KD hat dann die Dimension einer Zeit und
kann als Differenzierzeit TD aufgefasst werden. Sind die Dimensionen von X a und ungleich, so gilt das in Abschnitt 5.1.2 für KI Gesagte.
Xe
Mit KD = TD wird: ' ) xa(jOJ) . 7' G( JOJ = . =JOJ10' Xe (j OJ)
Ferner ist G(jOJ) = I G(jOJ) I e j9J «(O) .
Folglich erhält man: IG(jOJ)1 = OJ· TD'
IgIG(jOJ)1 = Ig(OJTo ) .
Das ist die Gleichung eine Geraden mit der positiven Steigung 1:1, wenn IG(jOJ) I und OJ im gleichen logarithmischen Maßstab aufgetragen werden. Die OJ - Achse wird wieder so gelegt, dass sie die Ordinate für I G(j OJ) I = 1 schneidet. Wie Bild 5.3 zeigt, schneidet dann der Amplitudengang IGI = I(OJ) die OJ- Achse für OJ = 11 TD. 102
40
IGI dB
i
IGI
i 10
30 20
10
0
10- 1
-10
Bild 5.3
10- 1
-20
D-Gliedes (TD = 0,2 s)
90° 9J
i
9J((O)
45° 0° -45°
Bode-Diagramm eines
10- 1
5.1 Bode-Diagramme einfacher Frequenzgänge
147
Für den Phasenwinkel erhält man: Im(G) tan I/'(w) = - - = +00, Re(G)
I/' = +90 0 = konstant,
weil Re (G) = 0 und Im (G) = +wTD
.
5.1.4 Bode-Diagramm eines P-Gliedes mit Verzögerung 1. Ordnung Für ein P-Glied 1. Ordnung lautet der Frequenzgang: G(jw) =
Kp = Kp e-jarctan(WTt). 1 1+ jwT; + jWT;1 1
Daraus folgt:
IG(w)1 =
K
p
~1+(WT;)2
,
(5.2)
(5.3)
tan I/' =
-w 11 und I/' = - arctan( w T;) .
Variiert man in GI. (5.2) w von 0 ... 00, so erhält man den exakten Amplitudengang. Dieses Verfahren ist sehr zeitraubend und aufwendig. Einfacher ist die Konstruktion der Asymptoten des wahren Verlaufs, die für viele Zwecke ausreichend sind. Diese ergeben sich im vorliegenden Fall, indem man zwei w- Bereiche unterscheidet: a) Für kleine w- Werte ist: wT; «1.
Damit erhält man aus GI. (5.3) die Näherung 19l G(jw) l:o::lgK p .
(5.4)
Das ergibt für kleine w - Werte eine Gerade parallel zur Abszisse mit der Ordinate
IG I = Kp im logarithmischen Maßstab.
b) Für große
w- Werte ist:
wT; »1
und damit folgt aus GI. (5.3) die Näherung 19l G(jw) 1:0:: 19 K p -lg(wT;).
(5.5)
Das ist ebenfalls die Gleichung einer Geraden mit der negativen Steigung 1:1. Die unter a) und b) gefundenen Geraden bilden die Asymptoten. Sie schneiden sich für wE = 11 Tl, wie man durch Gleichsetzen der GIn. (5.4) und (5.5) leicht erkennt.
148
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren
Für die Eckfrequenz OJ denverhältnisses zu:
E = 1/ Tl
. I Kp I G(jOJ) = .fi = 0,707· K p
errechnet sich der genaue Wert des Amplitu-
bzw.
I G(jOJ) I dB = 20 ·lg (0,707· K p ) = 20 ·lgK p - 3dB.
An dieser Stelle ist die Abweichung des wahren Verlaufs von dem der Asymptoten am größten. Der Phasengang hat den in Bild 5.4 gezeigten Verlauf, beginnend mit rp= 0° für OJ= 0 und endend bei rp= - 90° für OJ= 00. Für ~ = 1/ Tl ist rp= - 45°. 102
40
IGI dB
i
IGI
i 10
30 20
10 0 -10 10- 1
-20
45°
rp
i
0°
Bild 5.4 10- 1
Bode-Diagramm eines P-TI-Gliedes (Kp = 10; Tl = 0,1 s)
-45° -90°
5.1.5 Bode-Diagramm eines PI-Gliedes Der Frequenzgang eines PI-Gliedes ist gemäß GI. (4.61) G(jOJ) = xa Xe
(~OJ) = K (j OJ)
p
[l- i --J. 1
OJTn
(5.6)
Aus GI. (5.6) folgt: IG(OJ)I = K p
1+ (_1_)2 , OJTn
(5.7)
(5.8)
5.1 Bode-Diagramme einfacher Frequenzgänge
149
und Im(G) 1 tan lp(w) = - - = - - - , Re(G) wTn lp = - arctan(_l wTn
J.
(5.9)
Der exakte Amplitudengang folgt aus (5.7) durch Variation von wim Bereich 0 ... 00. Zur Ermittlung der Asymptoten unterscheidet man wie in Abschnitt 5.1.4 zwei w- Bereiche:
w- Werte ist:
a) Für kleine 1
--»1 wTn
und man erhält aus GI. (5.8) 19l G(jw)
I"" 19 K
p
(5.10)
-lg(wTn )·
Entsprechend (5.5) ist das die Gleichung einer Geraden mit der negativen Steigung 1:1. b) Für große
w- Werte ist:
_1_« 1 und es wird wTn
(5.11)
19l G(jw) 1=lgK p .
Also eine Gerade parallel zur Abszisse mit dem Ordinatenwert I G I = Kp im logarithmischen Maßstab. Durch Gleichsetzen der GIn. (5.10) und (5.11) folgt der Schnittpunkt der beiden Asymptoten für wE = 1/ Tn . Setzen wir in (5.7) wE = 1/ Tn , so ergibt sich der genaue Wert des Amplitudenganges an dieser Stelle zu IG(jw)I=K p .J2 bzw.
I G(jw) I dB =20·lg(K p .J2)=20·lgK p +3dB.
Wie Bild 5.5 zeigt, beginnt der Phasengang mit lp = - 90° für lp= 0° für w=
00.
Für die Eckfrequenz UE
= 1/ Tn wird lp= -
45°.
W =
0 und endet mit
150
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren 40
IGI dB
i
30 20
102
IGI
i 10 ;./'3 dB
10
K
0
10-2
-10
10 - . mls- I
10- 1
-20
Bild S.S
45°
rp
i
Bode-Diagramm eines PI-Gliedes (Kp = 2; Tn = 5 s)
0° 10 - . m Is- 1
-45° - 90°
5.1.6 Bode-Diagramm eines PD-Gliedes Der Frequenzgang eines PD-Gliedes lautet entsprechend GI. (4.87) G(jOJ) = x a (~OJ) = K p (l + jOJTy ) . xeCJOJ)
(5.12)
Damit folgt aus GI. (5.12):
IG(OJ)I=Kp~1+(OJTy)2 , 19l G(jOJ)
1= 19 Kp +!lg[ 1+ (OJTy )2]. 2
(5.13) (5.14)
Ferner ist Im(G) tan tp(OJ) =- - = OJTy , Re(G) (5.15) Während man den exakten Verlauf des Amplitudenganges aus GI. (5.13) erhält, ergeben sich die Asymptoten aus GI. (5.14) durch Betrachten der Grenzfälle OJ ~ 0 und OJ~ 00. a) Im Bereich kleiner OJ- Werte ist: OJTy « 1
5.1 Bode-Diagramme einfacher Frequenzgänge
151
und damit folgt aus GI. (5.14) 19l G(j(O) 1""lgKp ,
(5.16)
da 19(1) = O. Das heißt für kleine (0 - Werte ist die Asymptote eine Parallele zur Abszisse mit dem Ordinatenwert IG I = Kp im logarithmischen Maßstab. b) Im Bereich großer (OTy
(0 -
Werte ist:
»1.
Aus GI. (5.14) folgt dann die Näherung 19l G(j(O)
I"" 19 K
p
+ Ig((OTy ).
(5.17)
GI. (5.17) ist eine Gerade mit der positiven Steigung 1: 1. Die unter a) und b) gefundenen Asymptoten schneiden sich für (OE = 11 T y , was durch Gleichsetzen der GIn. (5.16) und (5.17) folgt. Der genaue Amplitudenwert des Amplitudenganges für die Eckfrequenz (OE = 11 T y ergibt sich aus GI. (5.13) zu IG(j(O)I=K p
.-!2
bzw. I G(j(O) I dB = 20 ·lg K p + 3dB .
Setzen wir in (5.15) (0= 0; 1ITy ; in Bild 5.6 zeigt. 40
IGI dB
i
30
00,
so folgt
qJ=
0°; + 45°; + 90°, wie der Phasengang
102
IGI
i 10
20 10
0
10- 1
-10
1
:
90°
I
I I
------------~-------I I
I
45° 0°
OJ
I
qJ
i
_
I
10- 1
- 20
102
: 10
10- 1
/s-1
Bild 5.6
Bode-Diagramm eines PD-Gliedes (Kp = 2; T y = 0,2 s)
152
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren
5.1.7 Bode-Diagramm eines P-Tz-Gliedes Entsprechend GI. (3.78) ist der Frequenzgang eines P-T2-Gliedes G(jOJ)=Xa(jOJ) = Kp xe(jOJ) -(OJT2 )2 + jOJT1 +1
.
(5.18)
Daraus folgt:
IG(jOJ) 1=
~ [1 -
K (OJ T2 )
p
2
] 2+ (OJ 1] )
2
,
(5.19)
(5.20) Ferner ist:
qJ =
-arctan
OJT,
1
1- (OJT2 )
Ist die Dämpfung D =
2'
T,
_I
2T2
eines solches Gliedes< 1, so ergeben sich wiederum zwei Asymptoten. a) Im Bereich kleiner OJ- Werte ist: OJ1] «1 und (OJT2 )2 «1.
Damit folgt aus GI. (5.20) (5.21)
19l G(jOJ) l::elgKp,
also eine Parallele zur Abszisse. b) Im Bereich großer OJ - Werte ist (OJT2 )2 »1 und (OJT2 )2 »OJ1].
Somit folgt aus GI. (5.20) 19l G(jOJ) l::e 19 K p
-
2 ·lg(OJT2 )·
•
(5.22)
(5.22) ist die Gleichung einer Geraden mit der negativen Steigung 2: 1. Den Schnittpunkt der unter a) und b) gefundenen Asymptoten findet man durch Gleichsetzen der GIn. (5.21) und (5.22) mit OJ= OJE = 11 T2.
5.2 Darstellung in Reihe geschalteter Glieder im Bode-Diagramm 102
40
IGldB
i
153
IGI
i 10
30 20
t
Kp 2D
10
0
~
10-2
-10 10- 1
-20
Bild 5.7
45° rp
i
0°
10-2
10- 1
Bode-Diagramm eines P-T2-Gliedes (Kp = 7; T2 = 2 s)
-4SO -90°
Bild 5.7 zeigt den Verlauf der Asymptoten und mit D als Parameter verschiedene Amplituden- und Phasengänge. Aus GI. (5.19) erhält man für mE = 1/ T2
IG(jm)I=~= mE TI
K p ·T2 = K p . TI
2D
Ist die Dämpfung D > 1, so lässt sich das P-T2-Glied in zwei P-T I-Glieder zerlegen. Die Darstellung von in Reihe geschalteten Gliedern in Bode-Diagramm soll im folgenden Abschnitt behandelt werden.
5.2 Darstellung in Reihe geschalteter Glieder im Bode-Diagramm 5.2.1 Konstruktion des Bode-Diagramms mittels Einzelfrequenzgängen Sehr häufig treten in einem Regelkreis Reihenschaltungen der im vorigen Abschnitt behandelten einfachen Übertragungsglieder auf. So kann z. B. ein PIO-Glied als Reihenschaltung eines PI- und eines PD-Gliedes aufgefasst oder in ein 1- und zwei PDGlieder zerlegt werden. Sind n Glieder mit den Frequenzgängen GI (J m), G2(J m), ... Gn(}m) in Reihe geschaltet, so ist der Gesamtfrequenzgang gleich dem Produkt der einzelnen Frequenzgänge G(jm) = GI (jm) . G 2 (jm)· ... · G n (jm) .
(5.23)
Zur Darstellung des Gesamtfrequenzganges im Bode-Diagramm wird G(jm) in Betrag und Phase zerlegt. G(jm) = I G(jm) Iejrp(OJ) .
Auf GI. (5.23) angewandt ergibt:
(5.24)
154
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren
G(j())) = I GI (j()))
Ie jqJj (m) ·1 G 2 (j())) Ie j f/J2(m) .. ··1 G n (j())) Ie jqJn (m)
I
G(j())) = GI (j())) 1·1 G 2 (j()))
I· .. ··1 G n (j())) I· e j (lpj+qJ2+ .. ·+qJn) .
(5.25)
Durch Vergleich der GIn. (5.25) und (5.24) folgt
I G(j())) I= I GI (j())) 1·1 G 2 (j())) 1· .. ··1 G n (j())) I
(5.26)
und rp(())) =
rpl (())) + rp2 (())) + ... + rpn (())) .
(5.27)
Infolge der logarithmischen Darstellung des Amplitudenganges aus GI. (5.26) durch Logarithmieren
IG( j ())) I erhält man (5.28)
oder
I G(j())) IdB
=20lgl GI (j())) 1+ 20lg I G 2 (j())) I + ... + 20lg I G n (j()))
I
(5.29)
n I G(j())) IdB = I I Gi (j())) IdB . i=l
I G( j())) I dB ergibt sich Ordinaten der Amplitudengänge I GI (j())) I dB,
Das heißt, der Amplitudengang des Gesamtfrequenzganges durch einfache Addition der einzelnen
IG2(}())) IdB, ... , IGn(}())) IdB. Das Gleiche gilt auch für die Asymptoten. Den Phasengang r;X.())) erhält man, entsprechend GI. (5.27), ebenfalls durch Addition der ein-
zelnen Phasengänge ffJJ (())), CfJ2( ())), ... , ffJn( ())). •
Beispiel 5.1
Zwei P-T j-Glieder und ein PD-Glied sind in Reihe geschaltet, mit den Übertragungsfunktionen
K P_l_ GI (s) = __ l+sTI
Kpl = 2
Tl = 5 s
G 2 (s)= K p2 1+ sT2
KP2=4
T2 = 1 s
G3 (s) = K p3 (1 + sTy )
Kp3 = 8
Ty = 0,25 s.
Der Amplituden- und Phasengang der Einzelfrequenzgänge sowie das Bode-Diagramm der Gesamtanordnung ist zu konstruieren. Zunächst werden die Asymptoten der einzelnen Amplitudengänge gezeichnet, gemäß den Abschnitten 5.1.4 und 5.1.6, mit den Eckfrequenzen:
5.2 Darstcllung in Reihc gcschaltclcr Glieder im Bodc-Diagramm I 02-1 lVEl =-= , S
T,
155
I I-I lVE2 =-= S
T2
Am zweckmäßigsten verwendet man einen logarithmischen Maßstab mit 50 mOl/Dekade oder logarithmisch geteiltes Papier mit 62,5 mrnfDekade. Der resultierende Asymptolenverlauf von IG(jo) IdB ergibt sich durch Addition der Asympto-
tcn von IGl(jo) IdB. IG2(jo) IdB und IG3(jo) IdB· 102
40
I I
IGldB
30
20
IGI
5
IG)I_
2 10 5
10
o 5 -10
2
,
,, , ,,
-20
90'
2
,, ,, ,, ,, ,, :
~
I
:
~
:, , : :
I I I I
:
I I
I
...1-
-----------~------l----30'
,,:
_
II I I I
o'-k~:±='~~~~ 2 1 10- 2
10-
2
_ 30"
5
10
2
5
_wl.,-r
_ 60' - 90"
---------------
--::::-::-:--=-=--=-.=:::::==--=_
• Bild 5.8
Bode-Diagramm dreier in Reihe geschalteter Glieder GI(.I). G2(S) und G3(S)
156
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren
Von OJ = 0 bis OJ = OJEl ist der Verlauf der resultierenden Asymptote eine Parallele zur Abszisse. Im Bereich OJEl < OJ< OJE2 laufen die Asymptoten von IG2(jOJ)
I und IG3(jOJ) I paral-
lel zur Abszisse, während die Asymptote von I GI (j OJ)
(1: 1) hat. Die resultie-
I die Steigung -
rende Asymptote hat in diesem Bereich ebenfalls eine Steigung - (I: I). Von OJ = OJE2 bis OJ = OJE3 haben die Asymptoten von IGl (jOJ)
I und IG2(jOJ) I je eine Steigung von -
(I: 1), was zu
einer resultierenden Asymptote von - (2: 1) führt. Für OJ > OJE3 kommt die Asymptote von
I G3(jOJ) I
mit der Steigung + (I: 1) hinzu und kompensiert die Steigung einer der beiden
Asymptoten IGI (jOJ) Steigung - (1: 1) hat.
I oder IG2(jOJ) I, so dass die resultierende Asymptote für OJ > OJE3 die
Betrachtet man die Amplitudengänge IGj(jOJ) I, IG 2 (jOJ) I und IG 3(jOJ) I in Bild 5.8, so sieht man, dass sie untereinander kongruent sind. Das heißt, man kann mittels einer Schablone den wahren Verlauf von IGI (j 0)) I, IG 2(j OJ) I und IG 3(j 0)) I zeichnen, indem man diese je nach der Eckfrequenz in der Zeichenebene entsprechend verschiebt, bzw. zum Zeichnen von G 3(jOJ) gegenüber IGI(jOJ) I bzw. IG 2(jOJ) I, parallel zur OJ-Achse umklappt. Das Gleiche gilt für den Phasengang. Zum Zeichnen von /PJ(co) wird die Schablone an der OJ-Achse gespiegelt.
I
I,
Eine andere Möglichkeit zur Gewinnung des exakten Amplituden- und Phasenganges besteht darin, anstelle der Schablone ein Lineal zu benutzen. Das Amplituden- sowie das Phasenlineal sind für einen logarithmischen Maßstab von 50 mmlDekade entwickelt. Der Vorteil besteht darin, dass außer dem gesuchten Amplitudengang lediglich die Asymptoten der einzelnen Frequenzgänge und die des Gesamtfrequenzganges gezeichnet werden müssen. Das Diagramm gewinnt dadurch an Übersichtlichkeit. Der Gedanke, der dem Amplitudenlineal zugrunde liegt, ist im Anhang erläutert und steht im OnlinePlus-Bereich des Verlags zum Download zur Verfügung.
5.2.2 Konstruktion mittels Asymptoten Man kann das Bode-Diagramm einer Reihenschaltung der n Glieder mit den Frequenzgängen GI (jOJ), G2(jOJ), ... Gn(jOJ) direkt nach dem Gesamtfrequenzgang (5.23)
Go (jOJ) = GI (jOJ)' G2 (jOJ)' .... Gn (jOJ) skizzieren, ohne vorher die einzelnen Frequenzgange zu bestimmen und danach zu addieren, wie es im vorherigen Abschnitt beschrieben wurde. Trägt man die Ordinaten
IGo(jOJ) IdB in Dezibel und die Abszissen in Dekaden auf, so entspricht die in vorherigen Abschnitten definierte Steigung -(1:1) einer Steigung von -20 dB/Dek, die Steigung -(2: 1) ist dann in diesen Dimensionen -40 dB/Dek usw. Bei der Bestimmung des gesamten Amplitudenganges geht man aus folgenden Eigenschaften von einzelnen Frequenzgängen aus: 1) Ist ein I-Glied im Gesamtfrequenzgang Go(jOJ) vorhanden, z. B. wie unten: G ('OJ)= K pI K P2 K I (1+ joJI'n) o} jOJTn (1 + j OJ1i)(1 + jOJT2 ) ,
5.2 Darstellung in Reihe geschalteter Glieder im Bode-Diagramm
157
dann hat die Asymptote des gesamten Amplitudenganges im Bereich der kleinen OJ- Werte, d. h. bei OJ~ «1, die negative Steigung (1:1) bzw. -20 dB/Dek. Dies folgt aus der Annahme, dass sich der Gesamtfrequenzgang bei OJTt« 1 zu einem einzelnen I-Glied reduziert:
So ein I-Glied hat bekanntlich die Steigung der Asymptote von -20 dB/Dek und schneidet die OJ - Achse bei
- K 10- KpIKpzKI .
li{)-
Tn
2) Ist kein I-Glied im Gesamtfrequenzgang Go(jOJ) vorhanden, z. B. G ('OJ)= Kp1 Kpz (l+ jOJTy ) o } (1 + j OJTt)(1 + j OJTz ) , verläuft die Asymptote des Amplitudenganges im Bereich der kleinen OJ- Werte horizontal bzw. mit der Steigung 0 dB/Dek und schneidet die Ordinatenachse bei I Go(jOJ) I dB = 20·1gKp = 20 ·lg(KpIKpz )·
Bei weiterem Verlauf des Amplitudenganges bei der ersten Eckfrequenz OJEl gilt die Näherung 201g1 Go(jOJ)
Tt »1,
I'" 201g K p - 20 ·lg(OJT1)·
Dies bedeutet, dass sich die Steigung der Asymptote des Amplitudenganges bei der Eckfrequenz OJEl Tt »1 um -20 dB/Dek ändert und beträgt folglich
o dB/Dek -
20 dB/Dek = - 20 dB/Dek
Trifft jedoch zuerst die Eckfrequenz OJEy Ty »1 auf, wobei die Zeitkonstante Ty die differenzierende Wirkung hat bzw. sich im Zähler des Gesamtfrequenzganges befindet, dann gilt die folgende Asymptotengleichung: 201g1 GO(jOJ)
I'" 20lg K p + 20 ·lg(OJT1)
Für die Steigungsänderung bedeutet dies die Erhebung um +20 dB/Dek, so dass die die Steigung der Asymptote des Amplitudenganges nach der Eckfrequenz OJEy
o dB/Dek + 20 dB/Dek = + 20 dB/Dek beträgt. 3) Die oben im Punkt 2 beschriebene Ermittlung der Steigungsänderung bei der ersten Eckfrequenz kann für alle nachfolgende Eckfrequenzen verallgemeinert werden, nämlich: die Steigungsänderung nach jeder Eckfrequenz OJEk betrifft ±20 dB/Dek, wobei
158
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren
+20 dB/Dek einer differenzierenden Zeitkonstante Tk im Zähler des Gesamtfrequenzganges und -20 dB/Dek einer Zeitkonstante Tk im Nenner des Gesamtfrequenzganges (Verzögerung) entspricht. Die Konstruktion des Amplitudenganges des Bode-Diagramms mittels Asymptoten wird am vorherigen Beispiel 5.1 erläutert. Der gegebene Gesamtfrequenzgang Go(s) = GI (s)G (s)G (s) = KplKP2 K p3(1 + sTv ) 2 3 (l + sli)(l + sT2 )
hat keinen I-Anteil, d. h. die erste Asymptote im Bereich der kleinen 0) - Werte verläuft horizontal bzw. mit der Steigung 0 dBlDek und fängt bei der folgenden Ordinate an:
I G(jOJ) I dB
= 20·lgKp = 20·lg(KI K 2 K 3 ) = 20·lg(2·4·8) = 36,1236
Da sich die Zeitkonstante Tl, die der kleinsten Eckfrequenz entspricht, im Nenner des Gesamtfrequenzganges befindet, hat die nächste Asymptote bei
U-EI =
1
02- 1
TI = ,
s
die Steigung (0 dBlDek - 20 dBlDek) = -20 dBlDek. Bei der nächsten Eckfrequenz
U-Ez = -1 = 1s 1 Tz
wirkt Zeitkonstante Tz wiederum verzögert, d. h. die Steigung der Asymptote wird noch um -20 dBlDek geändert: (- 20 dBlDek - 20 dB/Dek) = -40 dB/Dek. Die Zeitkonstante Tv befindet sich im Zähler des Gesamtfrequenzganges und hat differenzierende Wirkung, so dass die Steigung der Asymptote bei der Eckfrequenz
1 4%3=-= S
1
Ty
um +20 dB/Dek geändert wird: (- 40 dB/Dek + 20 dBlDek)
=-20 dBlDek.
Somit ergibt sich der im Bild 5.9 gezeigte Verlauf der Asymptoten des Amplitudenganges. Um den wahren Verlauf des Amplitudenganges zu erreichen, sollen die Ordinaten bei jeder Eckfrequenz um ± ~G = 3 dB korrigiert werden.
Das Phasengang ergibt sich in ähnlicher Weise wie der Amplitudengang, wobei der folgende Zusammenhang zwischen Steigung des Amplitudenganges und dem Phasenwinkel im Bereich der kleinen ü.) - Werte bzw. bei OJ~ «I besteht: Gesamtfrequenzgang Go(jw)
Steigung der Asymptote im Bereich der kleinen 0)- Werte
Phasenwinkel im Bereich der kleinen 0)- Werte
Ohne I-Anteil
o dBlDek
0°
Mit I-Anteil
-20 dB/Dek
-90°
Mit Doppel-I-Anteil
-40 dB/Dek
-180°
5.2 Darstellung in Reihe geschalteter Glieder im Bode-Diagramm
IGol dB
1
40dB
%1=
0,2
159
S·l
I I
:
o--~-~-~_--o'~---------~dB ......-..:::.. ----f
--_
-""
dB -zo--
Dek
"" t_~_":.~,_ 3dB -------~,+,
20dB
f
I I
'
>,
-40 dB Dek
I/''<
Amplitudenga,ng
"
I I I I
°dB 0,1
1----+--+---+----1H-++-t+----+--+~...,...+_+_+_+_++-
Bild 5.9
-
Amplitudengang für Reihenschaltung GO (s) =
K PIKpZKP3(1 + sTy (1 + sTI )(1 + sTZ )
OJ
)
/s-l
mit
Kpl = 2; KpZ = 4 und Kp3 = 8, sowie TI = 5 s; T2 = 1 sund Ty = 0,25 s
Jede Änderung der Steigung der Asymptoten des Amplitudenganges um AG = dB/Dek entspricht der Änderung des Phasenwinkels um Alp = ±90°.
± 20
Bild 5.10 zeigt den Phasengang für eine Reihenschaltung von drei Gliedern mit der gesamten Übertragungsfunktion (5.32) nach dem Beispiel 5.1. rp
t
%,=0,2
-- ,
%2= I
S·l
I I
0,1
,
"
,, I I I I
- 180
0
I I I
,,
, "-
-------
I I I
Bild 5.10 Phasengang für GO(s) =
%3= 4
S·l
:I
I I
I I I
I I I
I I I
I I I I
-----
I I I
KpIKpzKp3(I+sT) (1 + sTI )(1 + sTz)
y
-
/Asymptoten
-----
__ -- --<... Phasengang
--
I I I
S·l
160 •
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren Beispiel 5.2
Gegeben sind zwei in Reihe geschaltete Glieder mit den Übertragungsfunktionen
mit K p2 =4
T3 =0,5 s
Gesucht sind: a) der Amplituden- und der Phasengang der Reihenschaltung Go(jOJ) = G1(jOJ) G 2(jOJ). b) Für welche Kreisfrequenz ist rAoJ) = - 180°? Zu a)
Zunächst muss GI( joJ) (P-TTGlied) untersucht werden, ob eine weitere Zerlegung in zwei P-T j-Strecken möglich ist. Die Dämpfung ist gleich:
D
= a =..!L = 7 s = 1,105 > 1. ß 2T2 2..Jl(;;i
Folglich ist folgende Zerlegung möglich
K pl
---.---
l+sTa l+sTb
Durch Koeffizientenvergleich findet man
(5.30)
TI =Ta +Tb
(5.31) Löst man die GI. (5.30) und (5.31) nach Ta und Tb auf, so erhält man
Ta = 2 s und Tb = 5 s . Es handelt sich hier um drei in Reihe geschaltete P-T j-Glieder mit den Eckfrequenzen
1 02wEl =-= , s Tb
1
1 1 = 05WE2 = , s
Ta
WE3
1 1 2=-= s
T3
Wir zeichnen zunächst die Asymptoten, wie in Bild 5.11 gezeigt. Um den wahren Verlauf des Amplitudenganges zu erreichen, wird der Asymptotenverlauf bei jeder Eckfrequenz mit einem Korrekturwert von ± LlG = 3 dB ergänzt. Beim Phasengang verläuft die Kurve tangentieIl zu den Asymptoten und zwar durch die Mittelpunkte bei jeder Eckfrequenz. Dies folgt daraus, dass der Phasenwinkel bei jeder Eckfrequenz OlEk = lITk beträgt ({Jk
= arctan(OJEkTk ) = arctan(l) = 45°.
5.2 Darstellung in Reihe geschalteter Glieder im Bode-Diagramm
Dek
20dB
odB
-60 dB Dek I----+---+--I--+_+-I-+++--+--~.....-+--+-+-+-+-+++-
0,1
rp
t
0,1
-"
I I I I
I I I I
"-
"-
I I I
1
I
""-
"-
_
(f)
/s-I
I
I
I I I
"-
I I I
""-
"-
""
" "'
- 180°
"' "' "-
'"
"-
rp = -180°
Bild 5.11 Bode-Diagramm für GI (s) =
.......................
K PI
" " "-
J
1+ sTI + s2 T
" "-
.
"-
-- - --- -
K P2
1+ sT3
Zu b): Aus dem Bode-Diagramm folgt, dass der Phasenwinkel rp (liJ) quenz von ca. (f) = 1,1 S·l erreicht wird.
•
161
=-
180° bei der Kreisfre-
Beispiel 5.3
Gegeben ist eine PID-Regeleinrichtung mit der Übertragungsfunktion
GR (s) =
KPR (1 +_1_ + STv )
K PR = 20;
sTn
Tn = 10 s;
Tv = 2 s.
(5.32)
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren
162
Es soll das Bode-Diagramm der Regeleinrichtung GR(joJ) ennittelt werden. Hierzu bringen wir GI. (5.32) zunächst auf einen gemeinsamen Nenner und zerlegen anschließend den Zähler in zwei Linearfaktoren (s.a. Abschnitt 4.3.6). 2
- K 1+ sTn + s TnTy GR ( s ) - PR T ' s n
(5.33)
- K (1 + sT~ )(1 + sT~) GR ( s ) - PR .
(5.34)
sTn
Durch Koeffizientenvergleich der beiden Zähler von (5.33) und (5.34) erhalten wir:
(5.35)
Tn =T~ +T;,
(5.36) Lösen wir (5.35) und (5.36) nach T~ und T~, so finden wir
T~ =(5+.J5)s=7,24s
T; =(5-.J5)s=2,76s. In der in GI. (5.34) gefundenen Form lässt sich das Bode-Diagramm des Gesamtfrequenzganges in einfacher Weise konstruieren. Die Eckfrequenzen sind:
1
1
C%n =T:"= 7 24 =0,138 Si n
1
1
Tv
2,76
C%V =-, =--=0,362 s 1.
'
Wir zeichnen zunächst die Asymptoten des Amplitudenganges. Da der Gesamtfrequenzgang einen I-Anteil besitzt, hat die Asymptote des Amplitudenganges im Bereich der kleinen (() Werte, d. h. bei OJ« C%n, die negative Steigung -20 dB/Dek und schneidet die (() - Achse bei
20 _\ K pR %=KIO =--=-=2s Tn 10 Bei der ersten Eckfrequenz atn ändert sich die Steigung der nächsten Asymptote gegenüber der vorherigen um +20 dB/Dek, da sich die Zeitkonstante T'n im Zähler der Übertragungsfunktion (5.34) befindet. Somit beträgt die resultierende Steigung der Asymptote des Amplitudenganges zwischen Kreisfrequenzen atn und atv den folgenden Wert: (- 20 dB/Dek + 20 dB/Dek)
=0 dB/Dek.
Bei der Eckfrequenz atv ändert sich die Steigung der Asymptote gegenüber der vorherigen wieder um +20 dB/Dek, da sich die Zeitkonstante T'v auch im Zähler der Übertragungsfunktion (5.34) befindet. Die resultierende Steigung der Asymptote nach der Kreisfrequenz atv ist: (0 dB/Dek + 20 dB/Dek) = 20 dB/Dek. Der Phasengang fängt bei
5.3 Numerische Berechnung des Bode-Diagramms
163
von 90 entspricht. Das resultierende Bode-Diagramm ist im Bild S.12 dargestellt. Wie Bild 5.12 zeigt, wird cp (~) = 0 bei 0
0
Wo =
1
~TnTy
IGl dB
i
-20 l~dB/Dek
......... ..;;,,;;;,;
r.;;;;. .....;
20dB OdB + 90
0
1 1 lüEy =-=0362sT~ ,
1 1 lüEn =-=0138sT~ ,
60dB 40dB
=0223s- 1 und IGR(jWo)I=K pR . ,
-
-- ...
.... -
,.::.,
+20 dB/Dek"
;,. -
----r--i-,--..
~
-
________.K](V 2 S-1 1
o,01
1,0
0,1
-------...
(0,
s-
/
/
/' /
/
----
Bild S.12
--- --
--
/"
/
/
/
~
imrl
Bode-Diagramm eines PID-Gliedes mit KpR = 20; Tn = 10 s; T y = 2 s.
5.3 Numerische Berechnung des Bode-Diagramms Die in den Abschnitten 5.2.1 bis 5.2.2 behandelten graphischen Verfahren zur Ermittlung des Amplituden- und Phasenganges verliert mit dem Fortschreiten der Computerentwicklung an Bedeutung. So können die in diesem Kapitel gebrachten Beispiele 5.1, 5.2, 5.3 ohne Schwierigkeiten mit einem programmierbaren Taschenrechner gelöst werden. Die Übertragungsfunktion bzw. der Frequenzgang muss hierzu nicht in Linearfaktoren zerlegt vorliegen, sondern es genügt die Polynomform von Zähler und Nenner. Dies ist besonders wichtig bei Regelkreisen, die innere Schleife aufweisen. Zur numerischen Berechnung des Amplituden- und Phasenganges ist die Übertragungsfunktion in die folgende standardisierte Form zu bringen - Z(s) -sT ( ) ---·e t GOS
N(s)
(5.37)
mit den Polynomen Z(s) = bms m +bm_1Sm-l ... +blS +bo ,
(5.38)
164
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren (5.39)
Substituieren wir in GI. (5.37) s durchJm, so folgt der Frequenzgang G ( 'm) = Z(jm) . e- jwTt
o }
N(jm)
(5.40)
.
Das Zähler- und das Nennerpolynom werden in Real- und Imaginärteil zerlegt Z(jm) = Re (Z)
+ J. Im (Z)
,
N(jm) = Re (N)
+ J. Im (N).
Infolge I e- j«fI't I = 1 errechnen sich der Betrag und die Phase von GO(jm) zu IGo(jm)1 =
2
2
Re (Z) + Im (Z) Re 2 (N) + 1m 2 (N)
. Im (Z) Im (N) (jJo (j m) = arctan - - - - arctan Re(Z) Re(N)
(5.41)
m Tt
(5.42)
Der wirksame Einsatz des in Kapitel 12 beschriebenen Simulationsprogramm MATLAB soll im folgenden Beispiel eines drehzahlgeregelten Gleichstrommotors mit unterlagerter Stromregelung demonstriert werden. •
Beispiel 5.4
Zur Ermittlung der Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Drehzahlregelkreises wird der Wirkungsplan 5.13 so umgezeichnet, dass sich getrennte Schleifen ergeben. Gegenüber Bild 5.13 ist in Bild 5.14 die Verzweigung der Stromrückführung nach rechts an den Ausgang verlegt. Die zusätzliche Integration wird durch das Differenzierglied GD(S) wieder rückgängig gemacht. Aus Bild 5.14 folgt für den aufgeschnittenen Drehzahlregelkreis
(5.43)
.
K
A Ill1t GM (S) = ---------'-"-------sTM (l + sTA ) + K1K A Durch Einsetzen der entsprechenden Übertragungsfunktionen in GI. (5.43) erhalten wir:
(5.44)
5.3 Numerische Berechnung des Bode-Diagramms
165 Kpl
= 50
Kp2 = 1
K t = 18 KA= 0,3 Kl = 10
Tnl = 0,7 s
Tn 2 = 0,01 s Tt = 0,005 s TA = 0,012 s TM = 0,44 s
Bild 5.13 Wirkungsplan eines drehzahlgeregelten Gleichstrommotors mit unterlagerter Stromregelung
,---------------- --------K~
~A' ~EJ~o-IL~I~ko-~ .-", T",
1-
Cl
1-
.-"', T", C
z
-J
.-" T, C
r
c
TA
I
-G~
--
. I TM lA
~
:
-----------iDI_™-------+ CD Bild 5.14 Wirkungsplan mit der an den Ausgang gelegten Verzweigungsstelle der Stromrückführung
Mit den Abkürzungen:
bO = KpIKpZKtKA =270
166
5 Das Bode Diagramm. Frequenzkennlinienverfahren
wird GI. (5.45) in die zur numerischen Berechnung erforderliche Form gebracht und wir crhal-
"" (5.46) Die Modellbildung mittels MATLAB erfolgt mit der Übcrtragungsfuilktioll ..Ir" (Transfer FlIllctioll):
G = tf ( [Zählerkoelfizienten]. [Nennerkoeffizientenll;
wobei sowohl die Ziihler- als auch die Ncnnerkocffizicnlcn, beginnend mit dem der höchsten Potenz. durch ein Lcerlcichcn gelrennt. aufgelistet werden. Somit folgt ruf das vorliegende Beispiel: G .. tf ([1.89 191.7 270]. [1.848E-7 5.236E-5 1.9817E-2 1.6842 0 0)) plot(222); grid on;
bode (G,{D.1, 10DO)} Der letzte Befehl enthält in der geschweiften Klammer deli Frequenzbereich bode{G, { Wrnin, Wrnax } )
8ild 5.15 zeigt den Amplituden- und Phasenverlauf.
Soca Diagramm zum BeiSpiel 5.4
fii
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~
_~
lif
10'
,if
1~
Frequenz (115)
Bild 5.15 Bode-Diagramm des offenen Drehzahlregelkreises nach Bild 5.13
167
6 Stabilitätskriterien In Kapitel 4 wurden verschiedene Regeleinrichtungen mit einfachen Regelstrecken zu Regelkreisen zusammengeschaltet und deren Führungs- und Stärverhalten untersucht. Die dort behandelten Systeme waren so ausgesucht, dass der geschlossene Kreis höchstens von 2. Ordnung war. Mit Hilfe der Führungs- bzw. Störübertragungsfunktion und der Dämpfung D wurde gezeigt, dass für D > 0 stets Stabilität vorliegt, d. h., dass die Regelgröße nur Schwingungen mit abklingender Amplitude ausführen kann und nach beendetem Einschwingvorgang einen Beharrungszustand erreicht. Bei Strecken höherer Ordnung liegen die Dinge nicht mehr so einfach. So kann es bei falsch eingestellten Kenngrößen der Regeleinrichtung zur Instabilität kommen. Wird ein solch instabiler Regelkreis durch eine auftretende Störung angestoßen, so führt die Regelgröße Schwingungen aus, die sich zu immer größeren Amplituden aufschaukeln. Diese Erscheinung ist höchst unerwünscht und kann u. U. zur Zerstörung der Anlage führen. Neben dieser als oszillatorische Instabilität bezeichneten kennt man noch die monotone Instabilität. Unter Letzterer versteht man das gleichförmige Anwachsen bzw. Abnehmen der Regelgröße nach Auftreten einer Störung, bis es z. B. durch Anschläge zur Ruhe kommt. Die Stabilität eines Regelkreises wird bestimmt: • •
durch die Eigenschaften der Regelstrecke, durch die Kenngräßen der Regeleinrichtung.
Bei einem strukturstabilen Regelkreis ist es immer möglich, durch geeignete Einstellung der Kenngrößen der Regeleinrichtung einen stabilen Regelverlauf zu erreichen, im Gegensatz zu strukturinstabilen Systemen. In Abschnitt 4.3.2.2 wurde bereits gezeigt, dass eine integrale Regelstrecke, die mit einer integralen Regeleinrichtung einen Regelkreis bildet, grundsätzlich instabil (strukturinstabil) ist. Im Folgenden werden ausschließlich strukturstabile Regelkreise behandelt. Zweck der Stabilitätsbetrachtung ist es, bei gegebener Regelstrecke die am besten geeignete Regeleinrichtung festzulegen und bei auftretender Instabilität zu erkennen, welche Kenngrößen geändert werden müssen, um stabile Verhältnisse zu schaffen. So kann die Erhöhung der Verstärkung der Regeleinrichtung bei einer P-Strecke 1. Ordnung zur Erzielung einer möglichst geringen Regeldifferenz durchaus sinnvoll sein. Bei einer P-Strecke 3. Ordnung wird, wie die Stabilitätskriterien zeigen, mit zunehmender Verstärkung die Neigung zur Instabilität größer. Es sind eine Reihe von Stabilitätskriterien bekannt, von denen einige wichtige behandelt werden sollen. Mathematisch gesehen, sind diese Kriterien alle äquivalent, denn alle betrachten die homogene Differentialgleichung bzw., den Kreisfrequenzgang des Regelkreises rechnerisch oder graphisch und lassen sich ineinander überführen. In der Praxis jedoch haben die einzelnen Stabilitätskriterien ihre speziellen Vor- und Nachteile, so dass die Wahl des anzuwendenden Kriteriums von der Problemstellung abhängt.
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_6, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
168
6 Stabilitätskriterien
6.1 Stabilitätskriterium nach Hurwitz In Abschnitt 4.2 wurde anhand des Wirkungsplanes 4.9 für den geschlossenen Regelkreis mit GI. (4.13) die folgende Beziehung abgeleitet x(s)[l + GR (s)G s (s)] = GR (s)G s (s)· wes) + Gs (s)· z(s)
oder X(S)[_l_ Gs(s)
+ G R (S)] = G R (s)· wes) + z(s).
(6.1)
GR(S) und Gs(s) sind die Übertragungsfunktionen von Regeleinrichtung und Regel-
strecke. Für eine Strecke m-ter Ordnung lautet die Übertragungsfunktion G (s) = x(s) =
s
y(s)
(6.2)
K PS smT::; +,..+sZT Z +sTI +1 z
Nehmen wir zur Regelung eine PID-Regeleinrichtung, so ist
(1
YR(S) GR(s)=--=K pR l+-+sTy e(s) sTn
J=K pR -----"------'------"-----. sZTnTy+sTn+l sTn
(6.3)
(6.4) Multiplizieren wir (6.4) mit s T n K PS und ordnen nach Potenzen von s, so erhalten wir [sm+ITnT::; +,..+s3 TnTzZ +sZTn (Tl +TyKpRKPS)+s!n (l+KpRK ps ) '--------v----"-v-' . . am+l
a3
a2
aj
Mittels Differentiationssatz und den obigen Abkürzungen finden wir im Zeitbereich die Differentialgleichung des geschlossenen Kreises (mit n = m + 1): anx(n) (t) +,.. + a3
x'a (t) + az xa (t) + al xa (t) + ao xa (t)
= b z w(t) + b l w(t) + bo w(t) + cl z(t).
(6.6)
In den Abschnitten 3.3 und 3.5 wurde gezeigt, dass bei einer Strecke 2. Ordnung das dynamische Verhalten (gedämpfte oder aperiodische Schwingungen) durch den Auf-
6.1 Stabilitätskriterium nach Hurwitz
169
bau der homogenen Differentialgleichung bzw. durch die Polverteilung der Übertragungsfunktion bestimmt ist. Ebenso wird die Frage der Stabilität bzw. der Instabilität eines Regelkreises von der Struktur der homogenen Differentialgleichung beschrieben und ist unabhängig von der Art der Eingangsgrößen w(t) und z(t). Es genügt die Untersuchung der homogenen Differentialgleichung oder der charakteristischen Gleichung. Erstere folgt aus GI. (6.6) zu anx(n) (t) + ... + a2 xa (t) + al xa (t) + ao x a (t) = O.
(6.7)
Die charakteristische Gleichung ist identisch mit dem gleich Null gesetzten Nennerpolynom von Gw(s) bzw. Gz(s) und folgt mit w(s) = 0 und z(s) = 0 aus GI. (6.5) oder aus GI. (6.7) durch Laplace-Transformation (6.8) Nach dem Fundamentalsatz der Algebra hat die GI. (6.8) n Lösungen, wobei die Wurzeln (reell, imaginär oder komplex) in der s-Ebene dargestellt werden können. Ferner wissen wir, dass komplexe Wurzeln immer konjugiert auftreten. Ist der Realteil einer Wurzel positiv, so liegt diese in der rechten s-Halbebene und das System ist instabil. Ein Regelkreis mit einer charakteristischen Gleichung 2. Grades, für die an, ... , a3 = 0 gilt, ist immer stabil. Dies gilt nur unter der Voraussetzung, dass die Koeffizienten a2, aj, ao alle vorhanden sind und gleiches Vorzeichen besitzen. So führt z. B. die Zusammensetzung zweier I-Glieder zu einem Regelkreis (Abschnitt 4.3.2.2) zu einer Differentialgleichung 2. Ordnung, in der der Koeffizient aj fehlt. Es soll nun für einen Regelkreis, bestehend aus einer Strecke 2. Ordnung und einer PID-Regeleinrichtung, die charakteristische Gleichung näher untersucht werden. Aus GI. (6.5) folgt für Tm, ..., T3 = 0 (6.9)
Zur Lösung verwenden wir den Ansatz (6.10)
s=a±jOJ.
Ein solches Polpaar ergibt eine Schwingung, die gedämpft, aufklingend oder von konstanter Amplitude sein kann. •
Für a< 0 wird für t----foo
x( 00) = 0
(abklingende Schwingung),
•
Für a> 0 wird für t----f oo
x( 00) = 00
(aufklingende Schwingung),
•
Für a
= 0 ergibt sich eine Dauerschwingung x=konstant.
Setzen wir GI. (6.10) in (6.9) ein, so folgt: a3(a 3 ± joo3a 2 - 3aoo 2
=+=
joo 3 ) + a2(a 2 ± joo2a -
(0
2
)
+ al (a ± joo) + ao =0. (6.11)
Zur Erfüllung dieser Gleichung muss sowohl der Real- als auch der Imaginärteil Null sem.
170
6 Stabilitätskriterien Re:
3
2
2
2
a3(a -3aO) ) +a2(a - 0) ) +a1a+ao = 0 3
2
2
a3a +a2a +aja+ao =0) (3a3a+a2)'
Im:
a30)3
=+=
ai
(6.12)
± OJ(3a3a2 + 2a2a+al) = 0
= 3a3a 2 + 2a2a + a,
(6.13)
a3
Mit (6.13) in (6.12) folgt:
a~a3 + a2a3a2 + aja3a + aOa3 = (3a3a2 + 2a2a + aj)(3a3a + a2) bzw.
(6.14)
Unter der Voraussetzung, dass alle Koeffizienten positiv sind, kann man aus GI. (6.14) folgende Bedingungen ableiten: • Ist aja2 - aOa3 > 0, so ist anegativ (abklingende Schwingung, der Kreis ist stabil). • Für aj a2 - aOa3
=
0 ist a= 0 (Fall der Dauerschwingung, Stabilitätsgrenze).
• Ist aja2 - aOa3 < 0, so ist a> 0 (aufklingende Schwingung, der Kreis ist instabil). Dieser Zusammenhang lässt sich durch eine Determinante D ausdrücken. aj
a3
D= ao
{> 0
a2
=0
stabil Stabilitätsgrenze
<0
instabil.
(6.15)
Hurwitz hat nun die Abhängigkeit der Stabilität von den Koeffizienten an, ... , aj, ao abgeleitet und in Form der so genannten Hurwitz-Determinante, dargestellt, die den folgenden Aufbau hat: _~L; a3 _~Q
as: a7 :
__: a4
(l~
: a6
o aj a3: as --------------- -D= __ ~ (l9 ~? llA_, o o
0
aj
a3
0
ao
a2
Die Determinante hat stets n Zeilen und n Spalten, wobei n der Grad der charakteristischen Gleichung ist. Die erste Zeile wird durch die Koeffizienten mit ungeraden Indizes al, a3, as, ... gebildet. Die zweite Zeile enthält die Koeffizienten mit geraden Indizes ao, az, a4, ... . Die dritte bzw. vierte Zeile entspricht der ersten bzw. zweiten Zeile nur um eine Spalte nach rechts verschoben.
(6.16)
6.1 Stabilitätskriterium nach Hurwitz
171
Nach dem Hurwitz-Kriterium müssen für die Stabilität eines Regelkreises folgende Bedingungen erfüllt sein: a) Für ein System n-ter Ordnung müssen alle Koeffizienten an, ... ao vorhanden sein und alle positives Vorzeichen besitzen. b) Die aus den Koeffizienten an, ... ao gebildete Determinante sowie die in GI. (6.16) gestrichelt umrandeten Unterdeterminanten müssen größer als Null sein. Für eine charakteristische Gleichung 3. Grades (n = 3), erhält man al : a3 : -----
0
I
o
a3
al
Daraus folgt für ein stabiles System mit al > 0 und a3 > 0 aja2 - aOa3 > 0 (stabil).
(6.17)
Dieses Ergebnis ist identisch mit der zuvor abgeleiteten Beziehung (6.15). Für eine Differentialgleichung 4. Ordnung (n = 4) folgt:
D=
al
a3
0
0
ao
a2 : a4
0
__________ J
0
al
a3
0
o
ao
a2
a4
-------------
0
al
a3
=a4 ao
a2
a4 ,
0
al
a3
D=a4(ala2 a 3 -aoaj -af a 4)
(6.18)
und bei Stabilität (für a4 > 0) (6.19)
ala2a3 -aoaj -afa4 >0.
Für eine
charak~erist~sche, Gleichung
,
,
,
,
,
al : a3 : as
_____ ,
'0
5. Grades (n = 5) folgt aus GI. (6.16)
0
I
o o o o
ao
a2
a4
0
0
al
a3
as
Der Faktor as in der 5. Zeile und 5. Spalte kann unberücksichtigt bleiben wie in GI. (6.18). Es verbleiben nur noch die ersten vier Zeilen und Spalten. Entwickeln wir diese nach der 4. Spalte, so folgt:
6 Stabilitätskriterien
172
Nach einer Zwischenrechnung erhält man bei Stabilität (aOa3 -ajaz)(azas -a3 a 4)-(aOas -aja4)
•
z >0.
(6.20)
Beispiel 6.1
Gegeben ist ein Regelkreis, bestehend aus einer P-T2-Strecke und einer PI-Regeleinrichtung mit den folgenden Übertragungsfunktionen
Kps = 0,5 = 30 s
Tj 2
ps
GS(s)= 2 zK und GR(S)=KPRll+_l_). s Tz + sTj + 1 sTn
T2 = 200 s2 KpR = 10
Tn =4s Gesucht: a) Ist der Regelkreis stabil? b) Auf welchen Wert müsste Tn vergrößert werden, um die Stabilitätsgrenze zu erreichen? e) Bei gleicher Nachstellzeit wie unter a) soll durch Hinzunahme eines D-Anteils die Stabilitätsgrenze erreicht werden. Wie groß muss T y gemacht werden?
Zu a) Aus GI. (6.1) wurde die Differentialgleichung des geschlossenen Regelkreises entwickelt. Die für die Stabilitätsuntersuchung maßgebende charakteristische Gleichung entspricht der linken Seite von GI. (6.1): x(s) [_1_ + GR
GS(s)
(S)] = 0
bzw.
1 --+GR(s)=O. Gs(s)
(6.21 )
Durch Einsetzen der gegebenen Übertragungsfunktionen GR(S) und Gs(s) in GI. (6.21) folgt: 3
Z
Z
s TnTz +s TnTj +sTn(l+KPRKpS)+KpRKpS =0. '-r--' '-v-" , ''--------v----Q3
Q2
QI
Qo
Für die Koeffizienten ergeben sich folgende positive Werte: 2 a3 = Tn T2 = a2 =Tn~
800 s3; 2
=120s ;
al
=Tn(l+KPRKps)=24s;
aO = K PR K PS = 5.
6.1 Stabilitätskriterium nach Hurwitz
173
Die Hurwitz-Determinante für eine charakteristische Gleichung 3. Grades, die wir bereits abgeleitet haben, führt zu
D = a3 (a[aZ - aOa3) bzw. a[aZ -aOa3 = 2880 s3 - 4000 s3 = -1120 s3 .
D < 0, d. h. der Regelkreis ist instabil. Zu b)
An der Stabilitätsgrenze ist D
=0 bzw.
ala2 = aOa3
z
1000 s = 5,55 s . 30s·6 Für Tn > 5,55 s ist der Regelkreis stabil. Dies ist noch keine Aussage über die Regelgüte. So würde z. B. für Tn = 6 s die Dämpfung des Systems immer noch zu gering sein. Zu c) Durch den zusätzlichen D-Anteil erhält die charakteristische Gleichung folgende Form: 3
2
2
s T n T 2 +s Tn(T[ +TyKpRKPS)+sTn(l+KPRKpS)+KpRKpS =0. Durch Nullsetzen der entsprechenden Kenngrößen folgt dies auch aus. GI. (6.5). Gegenüber a) hat sich lediglich der Koeffizient az geändert. a2 =Tn(TJ
+ TyKpRKpS)'
An der Stabilitätsgrenze ist wieder D = 0 bzw. ala2 = aOa3
Für T y > 2,33 s ist der Regelkreis stabil. Die Kreisfrequenz, mit der die Regelgröße an der Stabilitätsgrenze schwingt, erhält man aus GI. (6.12) bzw. (6.13), denn im Fall der Dauerschwingung ist a= O. Aus GI. (6.12) folgt für a= 0
174
6 Stabilitätskriterien
und aus GI. (6.13)
Abschließend kann gesagt werden, dass bei einer P-T2-Strecke die Stabilität durch Vergrößern von Tn und Tv vergrößert wird, d. h. Verkleinerung des 1- und Vergrößerung des D-Anteils. ~
Aufgabe 6.1
Eine P-T3-Strecke mit K ps G s (s) = -----'....:::'---(l+sT1 )3
wird von einer P-Regeleinrichtung geregelt. GR (s) = K pR
Gesucht: a) Für welches KpR = KpRkr wird der Kreis instabil? b) Wie groß ist dann die mittlere bleibende Regeldifferenz e( 00) für w(t) = wo ·o(t)? c) Mit welcher Frequenz W= Wkr schwingt die Regelgröße an der Stabilitätsgrenze?
6.2 Stabilitätskriterium nach Nyquist Der vorangegangene Abschnitt hat gezeigt, dass das Hurwitz-Kriterium relativ einfach zu handhaben ist. Es versagt jedoch, wenn der Regelkreis ein Totzeitglied enthält, das nicht durch eine gewöhnliche Differentialgleichung beschrieben werden kann. In diesem Fall wird die charakteristische Gleichung transzendent und die Anwendung des Hurwitz-Kriteriums ist nur näherungsweise möglich, wenn der Term e -sT( in eine Potenzreihe entwickelt wird. Demgegenüber ist das Nyquist-Kriterium universeller und schließt die Untersuchung von Totzeitsystemen mit ein. Zur Herleitung des Nyquist-Kriteriums betrachten wir den in Bild 6.1 gezeigten Regelkreis, dessen Führungs- und Störübertragungsfunktion bereits in Abschnitt 4.2 mit Gw(s)=
GR(s)GS(s) = Go(s) und I+GR(s)GS(s) I+Go(s)
G (s) =
Gs (s) 1+ G R (s)Gs (s)
z
Gs(s)
I+Go(s)
(6.22)
(6.23)
abgeleitet wurden. Hierin ist die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises: Go (s) = G R (s)Gs (s) .
(6.24)
6.2 Stabilitätskriterium nach Nyquist
175
Bild 6.1
Wirkungsplan des Regelkreises Die charakteristische Gleichung des geschlossenen Systems folgt durch Nullsetzen des Nenners von (6.22) bzw. (6.23) zu I+Go(s)=O.
(6.25)
Maßgebend für die Stabilität eines Systems ist, dass alle Nullstellen von [l + Go(s)], die identisch sind mit den Polen von Gw(s) bzw. Gz(s), in der linken s-Halbebene liegen. Das Nyquist-Kriterium betrachtet den Verlauf der Ortskurve von [l + Go(jm)], die durch Parallelverschiebung von GO(jm) um + 1 in positiv reeller Richtung entsteht. Wie Bild 6.2 zeigt, kann man für die Ortskurve [1 + Go(j m)] den Punkt (- 1, jO) als neuen Ursprung betrachten. Nach Nyquist ist die Winkeländerung des Zeigers [1 + GO(jm)] im Bereich m= 0 ...
00
bei Stabilität abhängig von der Polverteilung von Go(jm), wie in Abschnitt 6.2.2 gezeigt werden wird.
tIm
-1
(f)=OO
--.
Re
Bild 6.2
Zusammenhang zwischen GoUOJ) und [1 +GoUOJ)]
6.2.1 Graphische Ermittlung der Ortskurve bei gegebener PolNullstellenverteilung Gegeben sei die Übertragungsfunktion GO(s) in Linearfaktoren Go(s)=K. (s-sn1)(s-sn2)(s-sn3)'" (s - sp1 )(s - sp2 )(s - sp3) ...
(6.26)
Die in GI. (6.26) expliziten Pole und Nullstellen lassen sich, wie in Bild 6.3 gezeigt, in der s-Ebene darstellen. Betrachten wir den Frequenzgang von GI. (6.26), so wird G ('m)=K (jm-s n 1)(jOJ-s n2)(jOJ-s n 3)'" o ) (jm-sp1)(jm-sp2)(jm-sp3)'"
(6.27)
Für einen bestimmten m - Wert stellt jeder der Linearfaktoren in GI. (6.27) einen
176
6 Stabilitätskriterien
Bild 6.3 Pol-Nullstellenverteilung in der s-Ebene
Zeiger dar, der von dem betreffenden Pol bzw. der Nullstelle zum Punkt iOJ auf der ima-ginären Achse zeigt. Die Länge des Zeigers entspricht dem Betrag des Linearfaktors, und die Phasenverschiebung ist der Winkel, den der Zeiger mit der positiv reellen Achse einschließt. GI. (6.27) erhält dann die Form Go (jOJ) = K li OJ li OJ -
snllli OJ - sn211i OJ - sn31··· ej(tpnl+..·-tpPI-"') . spllli OJ - sp21li OJ - sp31···
(6.28)
Der Betrag des resultierenden Zeigers an die Ortskurve Go(jOJ) ergibt sich durch Multiplikation bzw. Division der einzelnen Zeigerlängen liOJ - snd bzw. liOJ - Spi I und dem Faktor K. Entsprechend erhalten wir den resultierenden Phasenwinkel durch Addition bzw. Subtraktion der
Ll
i
i
(j
iOJ
Ll
Lltp,
(j
iOJ
iOJ
i
i
snl
(j
(j
Sn
sn
Sn2
J[ Lltp=+2
J[ Lltp=-2
Lltp = Lltpl
+ Lltp2
= +J[
Lltp = Lltpl
Bild 6.4 Winkeländerung Llcp in Abhängigkeit von der Lage der Nullstellen
+ Lltp2 =-J[
6.2 Stabilitätskriterium nach Nyquist
177
Wie Bild 6.4a) und b) zeigt, bewirkt eine Nullstelle links der imaginären Achse eine Winkeländerung von .191 = +1d2 und eine Nullstelle rechts der imaginären Achse ein .191= -1d2 (im mathematischen Drehsinn), wenn W= 0 ... 00 geändert wird. Betrachten wir nun das konjugiert komplexe Nullstellenpaar in Bild 6.4c) und d), so wird bei negativem Realteil insgesamt eine Winkeländerung .191 = .1911
.1972 = +11' bewirkt und bei positivem Realteil .191 = .11J'I + .1972 = - Jr. Da komplexe Nullstellen nur konjugiert auftreten, können wir generell pro Nullstelle mit einer Winkeländerung +
.191= +1d2, bei negativem Realteil und .191= -1d2, bei positivem Realteil rechnen. Für Polstellen gelten in Bild 6.4 die umgekehrten Vorzeichen, Es ist nun noch der Fall einer Nullstelle bzw. eines Poles auf der imaginären Achse nachzutragen. Betrachten wir hierzu die beiden Übertragungsfunktionen: (6.29) und K G 2 (s) = - - - - (sT])n (1 + sT])
(6.30)
Der Phasenwinkel des Frequenzganges zu GI. (6.29) lautet (6.31)
CfJI (w) = -arctan(w~) .
Daraus folgt:
91l(w=O)=O 11'
911 (w = 00) = - - und 2 11'
.1911 = 911 (w= 00) - 911 (w= 0) = -2' Für den Frequenzgang zu GI. (6.30) erhalten wir den Phasenwinkel
912 (w) = ( -
~)- n - arctan(w~) .
Aus GI. (6.32) folgt
912(W=0)=(-
912 (w = 00) = ( -
~)-n.
~ )- n - ~
und
(6.32)
178
6 Stabilitätskriterien
Das Ergebnis zeigt, dass die gesamte Winkeländerung Alp unabhängig ist von der Anzahl der Pole auf der imaginären Achse. Pole auf der imaginären Achse verändern zwar den Verlauf der Ortskurve, in dem die Anfangslage des Zeigers pro Pol um -1d2 gedreht wird, sie haben jedoch keinen Einfluss auf die gesamte Winkeländerung Alp. Bezeichnen wir die Nullstellen mit Sni, so erhalten wir zusammenfassend das folgende Ergebnis: Jr
+2 0 Alpni = Jr
2
für Re(sni) < 0 für Re(sni) = 0
(6.33)
für Re(sni) > O.
Für Pole gelten in GI. (6.33) die umgekehrten Vorzeichen. 6.2.2 Ableitung des Nyquist- Kriteriums Nach GI. (6.25) lautet die charakteristische Gleichung Z(s)
(6.34)
1+ Go(s) =1 + - - =0. N(s)
Die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises Go(s) in GI. (6.34) ist, unter Vernachlässigung eines eventuell vorhandenen Totzeitgliedes, eine rational gebrochene Funktion, mit dem Zählerpolynom Z(s) und dem Nennerpolynom N(s). Bei realen Systemen ist der Grad n des Nennerpolynoms immer größer, höchstens gleich dem Grad des Zählers. Bringen wir GI. (6.34) auf den gemeinsamen Nenner N(s), so wird l+Go(s)= N(s)+Z(s) =0
(6.35)
N(s)
bzw. der Frequenzgang l+G (Ow)= N(jw)+Z(jw)
o}
N(jw)
°
(6.36)
Das Zählerpolynom GI. (6.35) N(s) + Z(s) hat dann ebenfalls den Grad n. Die gesamte Winkeländerung Alp des Frequenzganges 1+ Ga(j w) ergibt sich aus 1. den n Nullstellen von N(jw) + Z(jw) und 2. den n Polstellen von N(jw). Der geschlossene Kreis mit der charakteristischen Gleichung (6.35) soll stabil sein, d. h., dass sämtliche n Nullstellen von N(jw) + Z(jw) negativen Realteil haben müssen. Nach der Beziehung (6.33) beträgt die Winkeländerung infolge der Nullstellen von (6.36)
6.2 Stabilitätskriterium nach Nyquist
179 (6.37)
Der Nenner N(s) von 1 + Ga(s) ist identisch mit dem Nenner von Ga(s). Das offene System Ga(s) muss nicht stabil sein, d. h. die n Pole können beliebig in der s-Ebene verteilt liegen. Unter Verwendung der folgenden Bezeichnungen n
Ordnung von Ga(s)
nz
Anzahl der Pole in der linken s-Ebene
nr
Anzahl der Pole in der rechten s-Ebene
nj
Anzahl der Pole auf der imaginären Achse
erhalten wir (6.38) Die durch den Nenner von (6.36) bedingte Winkeländerung ist dann
A9?2 = -[ n{ +
~) + n
r( -
~
) ]
=-
~ (nz - n
r ).
(6.39)
Für die gesamte Winkeländerung von 1 + GaU 0)) folgt somit (6.40) Obwohl die auf der imaginären Achse liegenden Pole keinen Beitrag liefern, folgt aus GI. (6.38) (6.41) Mit GI. (6.41) in GI. (6.40) erhalten wir schließlich (6.42) Die allgemeine Fassung des Nyquist-Kriteriums lautet: Besitzt die Übertragungsfunktion des offenen Kreises Ga(s) Pole mit positivem Realteil und nj Pole auf der imaginären Achse, dann ist der geschlossene Kreis genau dann stabil, wenn
nr
der vom kritischen Punkt (-1, jO) an die Ortskurve GaU0)) gezogene Fahrstrahl beim Durchlaufen der Ortskurve im Bereich o ~ 0) ~ 00 eine Winkeländerung von
A9? =
(2n r
beschreibt.
1r
+ nj) . -
2
(6.43)
6 Stabilitätskriterien
180
6.2.3 Anwendung des Nyquist-Kriteriums Zur Interpretation des Nyquist-Kriteriums betrachten wir im Folgenden, rein qualitativ, einige Systeme mit typischen Polkonfigurationen 1. Go(s) hat nur Pole mit negativem Realteil.
Ein Regelkreis bestehe aus einer P-T3-Strecke mit Gs(s)=
K
ps
(1 + sTa )(1 + sTb )(1 + sTc )
und einer Regeleinrichtung mit G R (s) = K pR .
Wie die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises K
G (s) - G (s)G (s) -
o
-
R
S
- (1
PR
K
PS
+ sTa )(1 + sTb )(1 + sTc )
zeigt, liegen sämtliche Pole in der linken s-Halbebene, d. h. es ist nr =
0 (6.44)
n/ = n.
Die Bedingung für Stabilität des geschlossenen Kreises nach (6.43) mit (6.44) ergibt (6.45)
Alp = O.
In Bild 6.5 ist der Verlauf der Ortskurve von Go(JOJ) qualitativ dargestellt. Vergrößern wir KpR, so wird der Zeiger Go(jOJ) proportional gestreckt. In Bild 6.5a) beschreibt der Fahrstrahl [1 + Go(jOJ)] eine Winkeländerung von Alp = 0, wie bei Stabilität durch GI. (6.45) gefordert. Durch Vergrößern von KpR geht in Bild 6.5b) die Ortskurve Go(jOJ) gerade durch den kritischen Punkt (-l,jO). Im
t
a)
Im
Lltp= 0
t
b)
Bild 6.S Ortskurvenverlauf Go(jm): n/ = n; n r
=nj = 0, a) stabil, b) Stabilitätsgrenze, c) instabil
6.2 Stabilitätskriterium nach Nyquist
181
Das ist der Fall der Stabilitätsgrenze. Eine weitere Vergrößerung von KpR führt zu dem in Bild 6.5c) gezeigten Ortskurvenverlauf, mit einer Winkeländerung des Fahrstrahls [1 + GO(jw)] von AqJ = -2;r, d. h., der geschlossene Kreis ist instabil. 2. Go(s) hat, neben Polen mit negativem Realteil, einen Pol im Ursprung. In Bild 6.6 sind die beiden Fälle Stabilität und Instabilität für Gs (s) =
K PS
+ sTa )(1 + sTb )
(1
KIR
GR (s) =
--
Go (s)
GR (s)G s (s)
=
s
und
bzw. KIRK pS
= _ _---=.c---=--=---_ S (1 + sTa )(1 + sTb )
dargestellt. Es ist n r = 0 und ni = 1. Damit folgt aus Bedingung (6.43) 1r
Am=+y 2 ' bei Stabilität (Bild 6.6a). Durch Vergrößern von KIR nimmt die Ortskurve [1 +Go(j w)] den in Bild 6.6b) gezeigten Verlauf mit einer Winkeländerung von 3 AqJ=-2 1r , d. h., der geschlossene Kreis ist instabil. Für den Fall der Stabilitätsgrenze würde GoUw) gerade durch den kritischen Punkt (-1, jO) verlaufen. Im
Im
t
-1
AqJ
a)
t
OJ=DO
Alp =
-+
Re
+~ (stabil) 2
Bild 6.6 Ortskurvenverlauf GO(jOJ) mit n r = 0; ni = 1
OJ=DO
b)
37r
Alp = - -
2
(instabil)
-+
Re
6 Stabilitätskriterien
182
3. Go(jOJ) enthält ein Totzeitglied. Betrachten wir hierzu einen Regelkreis bestehend aus Gs (s)
=
K PS e -sTt und 1 + sTl
GR (s) = K pR
(6.46)
.
Der Frequenzgang des aufgeschnittenen Kreises lautet dann Go(j01) = GR(j01)GS(j01) = KpR.K ps e- jOJTt 1+ j01T]
,
dessen Betrag IGo(j01)1 =
KpRK ps ~1 + (01T])2
ist unabhängig von der Totzeit. Dagegen erhält der Phasenwinkel rpo (01) = -01 Tt
-
arctan( 01 1])
durch das Totzeitglied eine zusätzliche Phasendrehung -01 Tr, proportional 01. Reale Glieder haben immer Tiefpasscharakter, so dass für 01 ~ 00 alle Ortskurven in den Ursprung laufen. Wie bereits in Abschnitt 3.9 gezeigt, verlaufen die Ortskurven von Totzeitsystemen spiralförmig in den Ursprung. Ohne Beweis sei hier angemerkt, dass auch bei Totzeitkreisen die Bedingung (6.43) gilt. Für das durch GI. (6.46) beschriebene System ist nr = ni = O. Die Winkeländerung muss gemäß der Bedingung (6.43) Arp = 0
sein, wenn der geschlossene Kreis stabil arbeiten soll. Bild 6.7a) zeigt den Verlauf von Go( j 01) bei Stabilität. Bei Instabilität (Bild 6. 7b) ist die Winkeländerung des Fahrstrahls [1 + Go(j01)] Arp = -21r.
Wird der kritische Punkt n-mal umschlungen, so ist Arp =n· (-2n).
Imt
Im
a) Ll~= 0
t b)
Ll~=-21C
Re --. -]
Bild 6.7 Ortskurvenverlauf GO(j01) beim Vorhanden-
sein einer Totzeit Tt , a) stabil, b) instabil
6.2 Stabilitätskriterium nach Nyquist •
183
Beispiel 6.2
Gegeben ist der in Bild 6.8 abgebildete Regelkreis mit
Gs(s) =
K ps sTr(l + sT1 )
und
= 0,5 = 10 S
KpS TI TI KpR Tn
=5s
Ty
= 0,2 s
= 20 =4s
Bild 6.8 Regelkreis bestehend aus einer IT I-Strecke und einer PIDRegeleinrichtung
Es sind zu ermitteln: a) Ist der Regelkreis stabil? b) Wie beeinflussen die drei Regelparameter die Stabilität? Zu a)
Die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises
s 2 TnTv +sTn +1 GO (s) = GR (s)G S (s) = K PR K PS -2"":':"--'---:':"'-s TnTr(l + sT1 )
(6.47)
zeigt, dass ein Doppelpol im Ursprung vorliegt (doppeltes I-Verhalten). Die Winkeländerung wird mit ni = 2, n r = 0 nach Bedingung (6.43) bei Stabilität
L1tp = + 1r.
(6.48)
Wir diskutieren zunächst den Ortskurvenverlauf von
(6.49) Zerlegen wir GI. (6.49) in Real- und Imaginärteil, so wird:
Re(G )= o
~Tv)]
KP2RKps .[1+ OJ2 Tn (1] OJTnTI 1+(OJ1])
(6.50)
(6.51) Aus den Gin. (6.50) und (6.51) folgen die in der Tabelle angegebenen Punkte mit dem in Bild 6.9 gezeigten Ortskurvenverlauf. Der Kreis ist demnach instabil.
184
6 Stabilitätskriterien
Zu b) Der Einfluss von KpR auf die Stabilität ist leicht zu finden. Vergrößern wir KpR, so wächst der Zeiger GO(jw) proportional. Dadurch kann erreicht werden, dass die Ortskurve den in Bild 6.9 gestrichelt gezeichneten Verlauf nimmt. Für
20
K pR >-=25, 0,8 wird der geschlossene Kreis stabil. Der Fahrstrahl von (-1, jO) an die gestrichelte Ortskurve beschreibt jetzt eine Winkeländerung von Lltp = + l[, wie durch GI. (6.48) gefordert. Der Einfluss der beiden anderen Regelparameter ergibt sich aus der Betrachtung des Schnittpunktes der Ortskurve mit der negativ reellen Achse. Es ist dann
Im (GO) = O. Damit folgt aus GI. (6.51) 2 ~ -Tn OJ = - - TnTy~
(6.52)
Mit (6.52) in (6.50) erhalten wir im Schnittpunkt
Re(Go) = -KpRK ps
y TnT TI(~ -Tn )
(6.53)
Im
t
- . Re
-1
---
"...
0)=
00
w
Re (Go)
Im (GO)
0
-00
+00
-0,8
0
0
0
~Tj -Tn TnTyTj 00
Bild 6.9 Ortskurvenverlauf GO(jw) des durch GI. (6.47) gegebenen Systems Wie Bild 6.9 zeigt, muss bei Stabilität die Winkeländerung
Lltp =
+ ffsein. Dies wird erreicht,
wenn die Ortskurve GO(jw) den kritischen Punkt links liegen lässt, d. h. für
(6.54)
Re(G o ) <-1. Setzen wir GI. (6.54) in GI. (6.53) ein, so folgt KpRK pS
TnTy TI (Tl -Tn )
>1.
Daraus ermitteln wir für die drei Parameter:
(6.55)
6.3 Stabilitätsuntersuchung nach Nyquist im Bode-Diagramm T, (T, - T )
T > I y
Tn >
1 n = KPRKPSTn
0 25 s oder
T,T,
I 1
TI
185
+ KpRKpSTy
'
= 4,17 s .
Die Stabilität des Regelkreises nach Bild 6.8 wird durch Vergrößern von KpR, T v und T n erhöht, also größerem P- und D-Anteil aber kleinerem I-Anteil. ~
Aufgabe 6.2
Überprüfen Sie die Ergebnisse von Beispiel 6.1 mittels Nyquist- Kriterium.
6.3 Stabilitätsuntersuchung nach Nyquist im Bode-Diagramm Das im vorherigen Abschnitt 6.2 beschriebene Nyquist-Kriterium in Ortskurvendarstellung ist sehr anschaulich, jedoch in seiner Anwendung recht unhandlich, besonders wenn es darum geht, den Einfluss von Parameteränderungen oder zusätzlicher Glieder, die z. B. im kritischen Bereich eine Phasenanhebung bzw. Amplitudenabsenkung bewirken, zu erkennen. Demgegenüber bietet das Bode-Diagramm einige Vorzüge bei der Darstellung des Frequenzganges Go(Jm) des aufgeschnittenen Kreises, auf die wir bereits in Abschnitt 5.2 bei der Behandlung in Reihe geschalteter Glieder hingewiesen haben. Im Folgenden soll nun das Nyquist-Kriterium in das Bode-Diagramm übertragen werden. Danach ist gemäß Bedingung (6.43) ein System stabil, wenn der Fahrstrahl [l + Go(jm)] beim Durchlaufen der Ortskurve von m= 0 ... 00 eine Winkeländerung Ir
AqJ=(2n r +ni)'2
ausführt. In dieser Form ist das Nyquist-Kriterium nicht ohne Weiteres im BodeDiagramm anwendbar, da bei bekanntem Verlauf von Go(Jm) nach Betrag und Phase im Bode-Diagramm der Verlauf von [1 + Go( jm)] im Gegensatz zur Ortskurvendarstellung, nur mittels Hilfen (Hall- oder Nichols-Diagramm) ermittelt werden kann. Es soll nun gezeigt werden, dass aus der Anzahl und Art der Schnittpunkte zwischen der Ortskurve [1 + Go(Jm)] und der links des kritischen Punktes (-1, jO) gelegenen negativ reellen Achse, auf die gesamte Winkeländerung des Fahrstrahls [1 + Go(Jm)] geschlossen werden kann. Schneidet die Ortskurve [1 + Go(Jm)] die negativ reelle Achse links von (-I,jO), so bezeichnen wir den Schnittpunkt als positiv (S = + 1), wenn die Ortskurve bei zunehmender Frequenz aus dem 2. in den 3. Quadranten wechselt und als negativen Schnittpunkt (S = - 1) beim Wechsel vom 3. in den 2. Quadranten. Die Gesamtzahl der Schnittpunkte v besteht aus Vp positiven und Un negativen, so dass gilt (6.56)
186
6 Stabilitätskriterien
Nehmen wir zunächst an, dass Go(}w) keine Pole im Ursprung hat, dann beginnt die Ortskurve Go(}w) für
W=
0 auf der positiven reellen Achse. Ferner wissen wir, dass
für alle realen Systeme Go(}w) für w ---7 00 im Ursprung endet. Im Folgenden werden die Schnittpunkte fortlaufend mit zunehmender Frequenz nummeriert. Bild 6.10 zeigt für den Fall, dass nur positive Schnittpunkte vorliegen, den Ortskurvenverlauf [1 + Go(Jw)] und die Winkeländerung Alp bezüglich des Fahrstrahls [1 + Go(Jw)]. Im
Im
t
t
LlqJ=-41t
0)=0 -Re
LlqJ =+ 41t
Bild 6.10 Winkeländerung LlqJ bei aus-
Bild 6.11 Winkeländerung LlqJ bei aus-
schließlich positiven Schnittpunkten Up = 2
schließlich negativen Schnittpunkten Vn = 2
Die gesamte Winkeländerung ergibt sich zu Alp= vp . (+2n").
Entsprechend ergibt sich, wie Bild 6.11 zeigt, beim Vorliegen von ausschließlich negativen Schnittpunkten eine Winkeländerung von Alp = v n . (-2n") .
Ist, wie in Bild 6.12 gezeigt, von den v Schnittpunkten einer negativ, so ist unabhängig von der Aufeinanderfolge die gesamte Winkeländerung Alp = (v p -1)· 2JZ".
Entsprechend erhält man für Up positive und Vn negative Schnittpunkte (6.57)
Alp = (v p - v n )· 2JZ". Im
t
LlqJ =+ 41t
0)=0 -Re
Bild 6.12 Winkeländerung LlqJ = + 2.7l" für Up
= 2;
Vn = I
6.3 Stabilitätsuntersuchung nach Nyquist im Bode-Diagramm
187
Hat die Übertragungsfunktion Go(}aJ) Pole im Ursprung, so beginnt die Ortskurve im Unendlichen, wie wir bereits in Abschnitt 6.2 gesehen haben. Die Anfangslage des Fahrstrahls [1 + Go(jaJ)] ist dann um nj'(- 1lf2) gedreht. Betrachten wir als erstes den Fall eines Pols im Ursprung nj = 1. Der Fahrstrahl beginnt für aJ= 0 bei -joo und legt, wie die Bilder 6.13 und 6.14 zeigen, bis zum Erreichen des 1. positiven oder negativen Schnittpunktes gegenüber GI. (6.57) einen zusätzlichen Winkel von + 1lf2 zurück, so dass gilt Lltp = (v p -
Jr (für 2
vn ) . 2Jr + -
nj =
1).
(6.58)
Im
Im
t
t
-
-1
Re
-
Re
J[
Atp= - -
2
Bild 6.13 Winkeländerung Atpbis zum 1. positiven Schnittpunkt (nj = 1) Für
nj =
Bild 6.14 Winkeländerung Atpbis zum 1. negativen Schnittpunkt (nj = 1)
2 (Doppelpol im Ursprung) beginnt die Ortskurve Go(}aJ) bei -
00.
Hier ist
der Zusammenhang nicht so eindeutig wie bei nj = 1 und bedarf einer weiteren Fallunterscheidung. Bild 6.15 zeigt die verschiedenen Winkeländerungen, die der Fahrstrahl von aJ = 0 bis zum Erreichen des 1. positiven Schnittpunktes zurücklegen kann. Vergleicht man Bild 6.15a) mit Bild 6.10, so ist der Winkel bis zum Erreichen des positiven Schnittpunktes in Bild 6.15a) um Jr gegenüber Bild 6.10 reduziert. In Bild 6,15b) ist der Winkel LllAJ,l um + Jrgegenüber Bild 6.10 vergrößert.
[1+ Go(jlü)]
Sj = +1 a) Atp =0
1
Im
--
1 So=+"2
Re
b) Atp =+ 21t
1
--
1m
Re
[1+ Go(jlü)]
Bild 6.15 Winkeländerung des Fahrstrahls [1 + Go(jlü)] von lü= 0 bis zum Erreichen des 1.
positiven Schnittpunktes So = + 1, a) Anfang verläuft im 2. Quadranten b) Anfang verläuft im 3. Quadranten
188
6 Stabilitätskriterien
Der Unterschied im Verlauf des Anfangsstücks der beiden Ortskurven in Bild 6.l5a) und 6.l5b) besteht darin, dass in a) die Ortskurve für kleine 0)- Werte im 2. Quadranten und in b) im 3. Quadranten verläuft. Die negative reelle Achse ist die Grenzlinie zwischen dem 2. und 3. Quadranten. Der Übertritt von der negativ reellen Achse in den 2. Quadranten (Bild 6.l5a) lässt sich als halber negativer Schnittpunkt (So = 112) interpretieren und entsprechend in Bild 6.l5b) als halber positiver Schnittpunkt (So = + 1/2), so dass bei Berücksichtigung dieser Festlegung wieder GI. (6.57) gilt.
Bild 6.16 zeigt den Zusammenhang für Schnittpunktes.
ni
= 2 bis zum Erreichen des 1. negativen
jIrn
jIrn
--
-Re
Re
b) L1tp=-21t
a) L1tp =0
Bild 6.16 Winkeländerung des Fahrstrahls [I + GO(jOJ)] von OJ= 0 bis zum Erreichen des 1. negativen Schnittpunktes SI = - 1
Man kann sich leicht überzeugen, dass die Beziehung (6.57) auch gilt, wenn kein Voll-Schnittpunkt links des kritischen Punktes liegt. Zusammenfassend erhalten wir für ni = 0
oder 2 (6.59)
für ni = 1.
Das Nyquist-Kriterium kann nun abhängig von den Schnittpunkten formuliert werden. Bei Stabilität muss GI. (6.59) der Bedingung (6.43) genügen, d. h. (2n r
+ ni) Jr = (vp 2
- v n )·
0 2Jr + Jr { 2
für ni = 0
oder 2
für ni = 1.
(6.60)
Kürzen wir in GI. (6.60) durch Jrund setzen ni ein, so folgt für ni = 0
oder 1
(6.61)
für ni =2. Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass für ni = 2 der halbe positive bzw. halbe negative Schnittpunkt in GI. (6.61) berücksichtigt werden muss. Anhand von Bild 6.17 soll die prinzipielle Anwendung erläutert werden. Das betrachtete System habe eine doppelte Polstelle im Ursprung aber keine Pole in der rechten
6.3 Stabilitätsuntersuchung nach Nyquist im Bode-Diagramm
189
s-Halbebene (n r = 0; ni = 2). Wir bezeichnen die Frequenz für die IGO(jmd)1 = 1 bzw. IGO(jmd)1 dB = 0 dB wird als die so genannte Durchtrittsfrequenz m= md.
Es zählen nur die Schnittpunkte links des kritischen Punktes, d. h. im Bode-Diagramm der Bereich, in dem IGO(jmd)1 = > 1 ist. In Bild 6.17 ist dieser identisch mit m < md. Schneidet Go(jm) die negativ reelle Achse, so ist ({Jo (m)
= i ·180° , mit i = ±l, ±3, ±S,...
0° +-------1------17"--
Bild 6.17 Stabilitätsbetrachtung nach Nyquist anhand der Schnittpunkte im Bode-Diagramm (nr = 0; ni = 2)
Im interessierenden Bereich ist SI = + 1 ein positiver Schnittpunkt, da mit wachsender Frequenz die Phase zunimmt. Entsprechend ist S2 = - 1 ein negativer Schnittpunkt (Phase nimmt ab). Der asymptotische Verlauf von /A)(m)
~
- 180° für m ~ 0 wird
vereinbarungsgemäß als ein halber negativer Schnittpunkt So = - 1/2 (Phase nimmt ab) gewertet. Somit erhalten wir für das betrachtete System 1 1 v p -v n =So +SI +S2 =-"2+ 1 - 1 =-"2'
(6.62)
Die Bedingung (6.61) fordert aber für ni = 2 V
p
-vn
n +1
1
= -r - = + 2 2'
(6.63)
und wird durch GI. (6.62) nicht erfüllt, d. h. der geschlossene Kreis ist instabil. Wir erkennen leicht aus Bild 6.17, dass durch Verkleinern der Kreisverstärkung (z. B. KpR) der gesamte Amplitudengang IGo(jm)1 parallel nach unten verschoben wird (gestrichelte Kurve). Der Phasengang bleibt unverändert. Die Durchtrittsfrequenz md rückt damit nach links. Fällt md zwischen die Schnittpunkte SI und S2, so wird
190
6 Stabilitätskriterien 1
1
v P -vn =So +SI =--+1=+2 2' wie durch GI. (6.63) gefordert. Der geschlossene Kreis ist stabil. Eine weitere Verringerung der Kreisverstärkung rückt OJ d noch weiter nach links, bis schließlich, wenn der Durchtritt OJ d zwischen So und SI erfolgt, nur noch So im Bereich IGo(j OJ)I > 1 liegt. Es ist dann 1
vp-vn=So=--· 2 Das heißt, das geschlossene System ist ebenfalls instabil.
6.3.1 Vereinfachtes Nyquist-Kriterium Das durch Bild 6.17 erläuterte Nyquist-Kriterium in der Schnittpunktform gilt allgemein. In praxi sind Systeme, deren Übertragungsfunktionen Go(s) Pole in der rechten s-Halbebene besitzen, äußerst selten. Beschränken wir uns auf den weitaus häufigsten Fall, dass der aufgeschnittene Kreis keine Pole mit positivem Realteil und höchstens einen Doppelpol im Ursprung hat (n r = 0; nj = 0, I, 2), so ist eine weitere Vereinfachung bei der Stabilitätsuntersuchung nach Nyquist im Bode-Diagramm möglich. Unter der Voraussetzung n r = 0 sollen die Fälle nj = 0 oder 1 und nj = 2 im Folgenden nacheinander diskutiert werden. 1. Für nj = 0 bzw. nj = I beginnt der Phasengang q;o(OJ) bei 0° bzw. - 90°. Die Bedingung (6.61) fordert bei Stabilität
Bild 6.18 Stabilitätsbetrachtung nach Nyquist anhand der Schnittpunkte im Bode-Diagramm
0°+-------------+.,,..::....""7
(nr = 0; nj = 1)
6.3 Stabilitätsuntersuchung nach Nyquist im Bode-Diagramm
191
d. h., es müssen gleich viele positive und negative Schnittpunkte vorhanden sein. Ist Vp = vn = 0, so ist für alle m-Werte stets lJ{j(m) > - 180°. Bild 6.18 zeigt lJ{j(m) für Vp = Vn = 1. Stabilität ist nur möglich, wenn md links des negativen Schnittpunktes SI oder rechts des positiven Schnittpunktes S2 liegt, d. h. für 1J{j( md) >- 180°. Es ist leicht einzusehen, dass dies für beliebige Vp = Vn gilt.
2. Für nj = 2 (n r = 0) beginnt der Phasengang 1J{j( m) bei -180°. Bei Stabilität muss nach Bedingung (6.61) V
p
- V
n
nr + 1 =-= 2
1 2
.
+- sem.
Zur Diskussion können wir Bild 6.17 heranziehen. Das System ist infolge
nj
= 2
mit So = - 112 bzw. So = + 112 vorbelastet, je nach dem, ob lJ{j(m) für kleine mWerte unter oder über der (- 180 0 )-Linie verläuft. In Bild 6.17 beginnt lJ{j(m) mit So = - 112. Stabilität kann durch einen weiteren positiven Schnittpunkt SI erreicht
werden. Die Durchtrittsfrequenz 0-l:J liegt dann rechts von SI und es ist 1J{j( m d) > -180°. Jeder zusätzliche negative Schnittpunkt S2 erfordert zur Kompensation einen zusätzlichen positiven Schnittpunkt S3. Das heißt, Stabilität liegt immer dann vor, wenn für IGoU 0-l:J)1 = 1 1J{j( m d) > -180° ist. Verläuft 1J{j( m) für kleine mWerte über der (- 180 0 )-Linie, so ist So = + 112. Das System ist stabil, wenn keine weiteren negativen und Positiven Schnittpunkt hinzukommen oder paarweise in der Reihenfolge (SI = - 1, S2 = +1), (S3 = - 1, S4 = +1), und usw. Stets führt dies zu 1J{j( md) > -180°. Das vereinfachte Nyquist-Kriterium lässt sich dann wie folgt formulieren: Besitzt die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises Go(s) keine Pole mit positivem Realteil (n r = 0) und höchstens einen Doppelpol im Ursprung (nj = 0, 1, 2), so ist das geschlossene System stabil, wenn bei der Durchtrittsfrequenz 0-l:J, d. h. für IGoUO-l:J)1 = 1, die Phasenverschiebung
(6.64)
1J{j( m d) > -180° ist.
6.3.2 Stabilitätsgüte und Phasenrand Das vereinfachte Nyquist-Kriterium (6.64) fordert bei Stabilität, dass für IGo(jO-l:J)I = 1 der zugehörige Phasenwinkel lJ{j(jmd) > - 180° ist. Die Dämpfung des geschlossenen Kreises wird um so geringer, je mehr sich 1J{j(}md) dem Wert - 180° nähert. Als qua-
192
6 Stabilitätskriterien
1itatives Maß für die Stabilitätsgüte dient der Abstand von q:t)(j md) zur (- 180 0 )-Linie und wird als Phasenrand oder Phasenreserve IfRd bezeichnet. Wie Bild 6.18 zeigt, ist (6.65) Als Erfahrungswerte gelten: •
bei Führungsverhalten
IfRd > 40° ... 70° und
•
bei Störverhalten
IfRd > 30°.
Bild 6.19 zeigt den Phasenrand anhand des Ortskurvenverlaufs Go(jm). Im
t
+1
--+ Re -1
•
Bild 6.19 Phasenrand If'Rd, Schnittpunkt der Ortskurve GO(jOJ) mit dem Einheitskreis
Beispiel 6.3
Gegeben ist eine Regelstrecke mit Verzögerung I Ordnung und Totzeit gemäß Beispiel 3.10 (Mischbehälter mit nachfolgender langer Leitung), deren Übertragungsfunktion lautet -sTI - K PS GS ( s ) - - - - e . l+sT]
Diese wird von einer PI-Regeleinrichtung mit
G(s) R
= K PR
[1+_1_] sTn
geregelt. Die Kenngrößen haben folgende Werte: Kps = 0,8 KpR = 10 T] = 100 s Tn = 20 S Tl = 10 s (hier größer als in Beispiel 3.10) Gesucht sind im Bode-Diagramm: a) Ist der geschlossene Regelkreis stabil (CJ1Rd)? b) Welchen Wert muss KpR annehmen, wenn CJ1Rd = 40° sein soll? Zunächst werden die Asymptoten von IGR(jOJ)1 und IGs(jOJ)1 bzw. IGo(jOJ)1 gezeichnet. Dabei ist zu beachten, dass der Betrag des reinen Totzeitgliedes Eins ist. Die Eckfrequenzen liegen bei:
6.3 Stabilitätsuntersuchung nach Nyquist im Bode-Diagramm
193
1 = 10-2 sund -I -I. wEl = wE2 = 1 - =5. 10-2 S TI
Tn
Mittels Amp1ituden- und Phasenlineal ermittelt man dann die in nachfolgender Tabelle angegebenen Werte und zeichnet den Amplituden- und Phasengang (Bild 6.20).
rpTt
Die Winkelwerte
für das Totzeitglied ergeben sich in einfacher Weise aus
fPr.t (w) = w· Tt , d. h., rpr.t proportional
01
Für w = 0,1 ist fPr. (w) = w· Tt = 0,1 T t t
~
fPr. (w) = 5,73°
~
fPr.t (w) = 573° usw.
t
1 ~ Für w = - ist rpr. = 1 Tt t
~ = 10 Für w = -10.1st rpr. Tt t OJ /
s-I
LlG pTI
dB LlGrt
dB Ll~
dB LlGo
dB
q:pn / 0 tpr't / 0
0
0
10- 3
0,002
0,005
10-2
0,02
0,05
10- 1
0,2
0,5
10-0
-0,04
-0,17
-0,97
-3,01
-0,97
-0,17
-0,04
-0,01
° °
°
°
°
°
°
°
° °
+0,01
+0,04
+0,17
+0,65
+3,01
+0,97
+0,26
+0,04
+0,01
-0,04
-0,16
-0,93
-2,84
-0,32
-2,84
+0,93
+0,25
+0,04
+0,01
-5,7
-11,3
-26,6
-45
-63,4
-78,7
-84,3
-87,1
-88,9
-89,4
° ° °
-0,6 -1,1 -2,9 -5,7 -11,5 -28,7 -57,3 -114,6 -286,5 -573 -90 -90 -90 -90 -90 -90 -90 -90 -90 -90 +2,3 +11,3 +21,8 +63,4 +84,3 +87,1 +5,7 +45 +76 +1 -95,3 -100,1 -113,8 -129,4 -143,1 -152,4 -168,2 -215,8 -381,1 -665,3
Wie das Bode-Diagramm in Bild 6.20 zeigt, ist für
OJ= OJdl
bzw. IGO(jOJdl)1 dB=
°
dB
rpRdl =180 +rpO(wdl)=16° 0
und somit der Regelkreis stabil. Zu b)
Um den Phasenrand auf rp Rdl = 40 zu vergrößern, muss die Durchtrittsfrequenz bei 0
OJ d2 =
0,023 s-I liegen. Dies wird durch Absenken des Amplitudenganges um 17,7 dB erreicht und entspricht einem Faktor von 7,7. Der neue Proportionalbeiwert ergibt sich zu
194
6 Stabilitätskriterien
20dB
OdB
rp
t
0°
10-3
10-2
10- 1
_ _ OJ
/s-1
10-3
10-2
10- 1
_ _ OJ
/s-1
I I I
-----------------4----------------I I
- 90°
1'----------------_-_---------:- ---------------I
I
I 1
lJRdl = 40°
- 180° - - - f ---------
-----------
-0-q;d;-=-16°- - - - - - - - - - - - - -
- 270°
-360°-------------------------------------------------Bild 6.20 Bode-Diagramm des offenen Kreises mit 1+ sTn -sT. Go (s) = K PR K PS e t (BeispieI6.3) sTn (1 + sT,)
Die Wirkung einer Totzeitänderung auf die Stabilität kann ebenfalls leicht ermittelt werden. Eine Vergrößerung der Totzeit ändert den Amplitudengang IGo(jOJ)1 nicht; lediglich der Phasengang qtj( OJ) wird nach links verschoben. Das Ergebnis dieser Betrachtungen zeigt, dass für
6.4 Stabilitätsuntersuchung mittels Zweiortskurvenverfahren
195
diesen Regelkreis eine Vergrößerung des Proportionalbeiwertes KpR, sowie eine Vergrößerung der Totzeit Tt , die Stabilität verschlechtern. Ändert man die Nachstellzeit Tu., so ist der Einfluss nicht ohne weiteres erkennbar, da die Eckfrequenz des PI-Gliedes sich ändert und damit der Abstand zur Eckfrequenz des P-Gliedes 1. Ordnung. Außerdem tritt eine Änderung des Phasenganges auf.
6.4 Stabilitätsuntersuchung mittels Zweiortskurvenverfahren Das Zweiortskurvenverfahren, das auf Oppelt zurückgeht, ist eine sehr anschauliche Methode zur Stabilitätsuntersuchung. Neben der exakten Auswertung, die auch exakte Ergebnisse liefert, kann man mit Hilfe dieses Verfahrens ohne Rechnung rein gedanklich Tendenzen erkennen, die zur Stabilität bzw. Instabilität führen. Der charakteristische Verlauf der hauptsächlich in Frage kommenden Ortskurven kann bei einiger Übung leicht ohne Tabellen angegeben werden. Insbesondere wird das Zweiortskurvenverfahren zur Stabilitätsuntersuchung von Regelkreisen angewandt, die Nichtlinearitäten enthalten. Zur Erläuterung des Zweiortskurvenverfahrens betrachten wir Bild 6.21. Wie der Name sagt, werden zwei Ortskurven in einem gemeinsamen Diagramm aufgetragen, und zwar: 1. Die Ortskurve der Regeleinrichtung GR(J OJ) und 2. die negative inverse Ortskurve der Regelstrecke -1/ GS(jOJ). Für die folgenden Betrachtungen wollen wir das vereinfachte Nyquist-Kriterium gemäß der Beziehung (6.64) zu Grunde legen. Das heißt, wir betrachten nur Systeme, deren Übertragungsfunktion Go(s) keine Pole mit positivem Realteil (n r = 0) und höchstens einen Doppelpol im Ursprung (ni = 0, 1,2) besitzt. Nach (6.64) ist ein System stabil, wenn im Bode-Diagramm bei der Durchtrittsfrequenz OJ d, d. h. (6.66) der zugehörige Phasenwinkel lA.l( OJ d) > - 180 ist. 0
Aus GI. (6.66) folgt IGO(JOJd)1 = IGR(jOJd)IIGs(JOJd)1 = 1 IGR (jOJd)1 = IG
Da
ist, gilt auch
s
(~OJd )1 .
(6.67)
196
6 Stabilitätskriterien (6.68)
GI. (6.67) oder (6.68) kann zur Berechnung von OJ d benutzt werden. Wie Bild 6.21 zeigt, wird durch die beiden Zeiger ~
-1
(jOJd) und - - GS(jOJd)
der Winkel IJR eingeschlossen, der identisch ist mit der Phasenreserve bzw. dem Phasenrand. Zum Beweis betrachten wir den Winkel, den der Zeiger
-1 GS(jOJd)
mit der positiv reellen Achse einschließt. Im
OJ
1
t
-+
-+
Re
%1
(
1 1
Re
G
R
a) Il'Rd> 0 (stabil)
Bild 6.21 Stabilitätsprüfung mittels Zweiortskurvenverfahren
Es ist
-1 Gs (jOJd) -1 GS(jOJd)
=1-ll.e-ilS0o.1 =1
1 l.e-if/Js(O)) Gs (jOJd)
1 l·e-i(lSOo+f/Js). GS(jOJd)
Mit qJ ( ;sl ) =
-(180° + qJs)
folgt der in Bild 6.21 angegebene Phasenrand zu qJRd (OJd) = qJR (OJd) - qJ ( G
s
(~~d) )
b) Il'Rd < 0 (instabil)
6.4 Stabilitätsuntersuchung mittels Zweiortskurvenverfahren
197
bzw. lfJRd (lüd) = lfJR (lüd)
+ lfJs (lüd) + 180
(6.69)
0 •
Da lA.l = /lR + Cf>s ist, ist GI. (6.69) identisch mit GI. (6.65). Nach dem Zweiortskurvenverfahren ist demnach ein System stabil, wenn für lü = lü d, das heißt
IGR (jlüd)1 = IGS~j~dJ der Phasenrand /lR(lüd) > 0 ist, bzw. der Zeiger GR(jlüd) gegenüber dem Zeiger
-1 voreilt. Für /lR( lü d) = 0 arbeitet der Regelkreis an der Stabilitätsgrenze.
6.4.1 Konstruktion der negativ inversen Ortskurve der Strecke Für eine P-Strecke mit der Übertragungsfunktion Gs (s) =
K ps
1+ sTI
2
2
(6.70)
3 3
+ s T2 + s T3 + ...
erhalten wir den negativ inversen Frequenzgang
T33 3 -1 1 . Tl T2 2 - - - = - - - - J - - l ü + - -2l ü +--lü GS(jlü) K ps K ps K ps K ps
+ ...
(6.71)
Diese Gleichung lässt sich als Zeigerpolygon in der Gaußschen Zahlenebene darstellen (Bild 6.22). Das Zeigerpolygon beginnt mit dem Zeiger -lIKps auf der negativ reellen Achse. Der zweite Term -jTllü/Kps in GI. (6.71) repräsentiert einen Zeiger in negativ imaginärer Richtung. Daran schließt der reelle Zeiger T22 lü 2 / K PS an usw. Für jede Frequenz ergibt sich ein Zeigerpolygon, dessen Endpunkt einen Punkt der Ortskurve darstellt. Für lü = 0 beginnt die Ortskurve auf der negativ reellen Achse im Abstand -lIKps vom Ursprung. Die Ortskurve lässt sich in einfacher Weise konstruieren, wenn man zunächst für eine bestimmte Frequenz (z. B. lüI = 1 S-I) das Zeigerpolygon zeichnet. Multipliziert man
lül mit 2; 3; ..., so wird der erste Zeiger auf der negativ reellen Ach-
se unverändert bleiben, die Länge des zweiten Zeigers -jTllü /Kps wird mit 2; 3; ... multipliziert (wächst linear), die des dritten T22 lü 2 / K PS wächst quadratisch usw.
198
6 Stabilitätskriterien
fIrn "-
"-
"-
"-
'\
/
ß)
\v
\
\
\ \
-allü]
/ /
/
/
/
/
/
/
/
/
Bild 6.22 Konstruktion der negativ inversen Ortskurve einer P-Strecke mit: a) 1. Ordnung b) 2. Ordnung c) 3. Ordnung d) 4. Ordnung
/,\)
--
Re
/
-a(2lül
Ti
a] = - - , az = - -
K ps
a z 3z
-a]-4lül
a)
T].
2
az 2 ZlüjZ
-aj"3lü]
{()f
--I
K ps
3
b) 4
a 4 ZlüjZ z
Bei I-Strecken beginnt die negativ inverse Ortskurve im Ursprung. Da in GI. (6.71) der erste Term -11Kps verschwindet, fällt der erste Zeiger in die negativ imaginäre Achse. Das folgende Beispiel soll das Zweiortskurvenverfahren näher erläutern. •
Beispiel 6.4
Eine P-T2-Strecke mit der Übertragungsfunktion K pS
GS (s)=-2-2---=...c'------s T2
+ sT] + 1
KpS
= 0,5
Tl 2 T2
=3s =2s
2
wird von einem nicht idealen P-Regler mit Verzögerung 1. Ordnung geregelt
Ta
= 1 s.
Der Regelkreis ist mittels Zweiortskurvenverfahren auf seine Stabilität zu untersuchen. Wir zeichnen zunächst die negativ inverse Ortskurve der Strecke. Diese folgt aus 2
-1
1 . T] T2 2 - - - - J--m+--m K pS
K pS
-]
Für lü1 = 0,5 s ist
-1 - - - = - 2 - j3+1. GS(jmj)
K pS
6.4 Stabilitätsuntersuchung mittels Zweiortskurvenverfahren
199
Für 2lü[ = 1 S-1 wird
-1
-2- j6+4 usw.
Die Ortskurve des P-T[-Reglers ist ein Halbkreis im 4. Quadranten mit dem Durchmesser KpR. Wie Bild 6.23 zeigt, schneiden sich die beiden Ortskurven. Gemäß der Bedingung (6.70) suchen wir die Kreisfrequenz OJ= OJd, für die
bzw.
Daraus folgt
Im
i
-2
-4
4
2 2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
--+
Re
Bild 6.23 Stabilitätsuntersuchung mittels Zweiortskurvenverfahren (P-T2-Strecke und P-T[2
T2 °htung ), nnt al = -T1 ; a2 = Rege1emnc 0
0
K pS
K pS
0
200
6 Stabilitätskriterien
Diese kubische Gleichung in 01
2
= 2,196 s
01
2
hat nur eine reelle Lösung
-1
bzw. ein reales (positives) -1
01= O1d = 1,482 s .
Damit folgt:
tan /PR = und
-((}d Ta =
-1,482
J
((}dTl tan --1 = =-131 (G l-(((}dTZ)Z ' s
Der Phasenrand
ist negativ, bzw. für 01= O1d eilt GR(j01d) dem Zeiger -l/GS(j01d) nach, d. h. der geschlossene Regelkreis ist instabil. Wie Bild 6.23 zeigt, schneiden sich die beiden Ortskurven für KpR < 18 nicht mehr, der Kreis ist dann stabil. Für einen idealen P-Regler (Ta = 0) reduziert sich die Ortskurve GR(j01) zu einem Punkt auf der positiv reellen Achse im Abstand KpR zum Ursprung. Es ist offensichtlich, dass ein solcher Regler erst im Zusammenspiel mit einer P-T3-Strecke instabil werden kann. Die negativ inverse Ortskurve einer P-T3-Strecke durchläuft den 3., 4. und 1. Quadranten (Bild 6.22). Von Bedeutung ist der Schnittpunkt der Ortskurve -l/GS(j01) mit der positiv reellen Achse, der stets rechts von KpR liegen muss, um die Stabilität des Regelkreises zu gewährleisten.
201
7 Das Wurzelortskurvenverfahren Das dynamische Verhalten eines Regelkreises ist abhängig von der Polverteilung des geschlossenen Kreises und wird durch die Wahl der Regelparameter beeinflusst. Mit den in Kapitel 6 behandelten Stabilitätskriterien war eine Aussage über die relative Lage der Pole des geschlossenen Kreises zur Stabilitätsgrenze möglich, ohne die absolute Pollage explizit zu berechnen. Demgegenüber gestattet das von dem amerikanischen Regelungstechniker W. R. Evans 1948 erstmals vorgestellte Wurzelortskurvenverfahren die Änderung der Lage der Pole des geschlossenen Kreises anhand der Pol-Nullstellen-Konfiguration des aufgeschnittenen Kreises in Abhängigkeit von der Variation jeweils eines Regelparameters zu bestimmen. Ein Nachteil des Wurzelortskurvenverfahrens besteht darin, dass es sich nicht auf Systeme mit Totzeit anwenden lässt. Die Pole des geschlossenen Kreises ergeben sich aus der charakteristischen Gleichung l+Go(s)=O bzw.
(7.1)
Go(s)=-l.
(7.2)
Darin ist Z(s)
(7.3)
Go(s) = GR (s)· Gs(s) = - - =-1 N(s)
durch eine gebrochen rationale Funktion mit dem Zählerpolynom Z(s) und dem Nennerpolynom N(s) darstellbar. Wir können uns ferner Go(s), wie in GI. (6.26), in Linearfaktoren zerlegt vorstellen. Go(s)=K·
(s - sNl )(s - sN2 )(s - sN3) ... (s - sNm) =-l. (s-spl)(s-sp2)(s-sp3) ... (s-spn)
(7.4)
Hierin sind SNi die Nullstellen (i = 1, 2... m) und SPj die Polstellen (j = 1, 2...n) des aufgeschnittenen Kreises und werden als bekannt vorausgesetzt. Gesucht sind nun die s-Werte, für die GI. (7.4) erfüllt wird. Der geometrische Ort aller s-Werte, die der GI. (7.4) genügen, ist die Wurzelortskurve (WOK). Ähnlich wie bei der Herleitung des Nyquist-Kriteriums (s. Abschnitt 6.2.1) können wir die Linearfaktoren in GI. (7.4) als Zeiger in der s-Ebene darstellen.
(s -
SNl)
--
o
()
Bild 7.1 Linearfaktoren in Gi. (7.4) als Zeiger in der s-Ebene
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_7, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
202
7 Das Wurzelortskurvenverfahren
Im Gegensatz zu Abschnitt 6.2.1 suchen wir den resultierenden Zeiger nicht in Abhängigkeit von jm, sondern von S = () + jm. Bild 7.1 zeigt für ein System Go(s) mit einer Nullstelle und zwei Polen einen Punkt S in der s-Ebene, für den die GI. (7.4) erfüllt ist. Ersetzen wir in GI. (7.4) jeden der Linearfaktoren (Zeiger) durch seinen Betrag und seine Phase, so wird Go(s)=K
1s-sNlle JIf1N1 .
·1 s-sNzle
Jlf1N2
.
·····1 s-sNml eJlf1Nm .
Is-sPlleJIpp1·1 s-spzle JIpp2 . ....
1
=-1.
(7.5)
s-sPnleJlpNn
Hierin sind lpNi bzw. lpPj die Winkel, die die jeweiligen Zeiger mit der positiv reellen Achse einschließen, bzw. lpNi =
arctan
Im (s - SNi)) . ( Re (s - sNi)
(7.6)
Für N = P ergeben sich die Winkel der Zeiger im Nenner von GI. (7.5). Es liegt nahe, GI. (7.5) nach Betrag und Phase aufzuspalten, und wir erhalten die Gleichungen:
IGo(s)I=K 1S-SNlI·1 s-sNzl·1 S-SN31·····1 s-sNml 1s-sPll·1 s-spzl·1 s-sPJi·····1 s-sPnl
=1
(7.7)
= ± (2i + 1) lT
(7.8)
und lpo
=lpNl + lpNZ + lpN3 + ... -lpPl -lppz
-lpP3 - ...
i = 0, 1,2,3... Anstelle von GI. (7.8) können wir tan lpo = 0 oder, da auch tan lpo =
(7.9)
Im(G )
0 =0,
Re (Go)
Im (Go) =0.
(7.10)
betrachten. Ein wesentlicher Vorteil des WOK-Verfahrens besteht darin, dass der veränderliche Parameter K in der Winkelbedingung GIn. (7.8), (7.9) oder (7.10) nicht mehr vorkommt. Wir werden im Folgenden sehen, dass der WOK-Verlauf (der geometrische Ort aller Pole) allein aus diesen Bedingungen gewonnen werden kann. Für einfache Systeme ist es möglich, mittels der GI. (7.9) oder GI. (7.10) den Verlauf der WOK in der s-Ebene analytisch zu berechnen. Die Lage der Pole als Funktion des Parameters K bestimmt sich dann mit GI. (7.7) zu K=
1s-sPll·1 s-sPzl·1 s-sPJi·····1 s-sPnl 1s - SNll·1 S - sNZI·1 S - SN31· ····1 S - sNm 1.
(7.11)
7.1 Analytische Berechnung der Wurzelortskurve
203
Wie GI. (7.11) zeigt, wird für s = SPj (j = 1, 2...n) K = 0, und für S = SNi (i = 1, 2...m) ergibt sich K = 00. Dies gibt Aufschluß über den Verlauf der WOK in den Extremwerten von K. Bestimmen wir die Lage der Pole in Abhängigkeit von 0 ~ K ~ 00, so beginnt die WOK für K = 0 in den Polen des aufgeschnittenen Kreises und endet für K = 00 in dessen Nullstellen bzw. im Unendlichen. Wie wir noch sehen werden, ist jeder Pol SPj von Go(s) der Ursprung eines Astes der WOK. Bei realen Systemen ist der Grad des Zählerpolynoms m stets kleiner höchstens gleich dem des Nennerpolynoms n. Von den n Ästen der Wurzelortskurve enden m in den Nullstellen und (n - m) im Unendlichen. Aus der uns bekannten Tatsache, dass komplexe Pole immer nur konjugiert komplex auftreten können, ergibt sich, dass die WOK stets symmetrisch zur (J-Achse verläuft. Es genügt also, die WOK in der oberen Halbebene zu ermitteln. Die analytische Auswertung der GIn. (7.10) und (7.11) ist nur bei einfachen Systemen möglich. Zur Bestimmung der WOK komplizierter Systeme bedient man sich entweder eines graphischen Probierverfahrens unter Zuhilfenahme der so genannten Spirule oder der numerischen Berechnung mittels Digitalrechner. Für das graphische Verfahren ist es hilfreich, dass die einzelnen Äste der WOK in den Polen von Go(s) für K = 0 beginnen. Ein benachbarter Punkt, der die GIn. (7.7) und (7.8) erfüllt, kann relativ leicht gefunden werden. Die im Folgenden abgebildeten WOK wurden mit dem MATLAB berechnet und ausgedruckt. Für gängige Regelkreiskonfigurationen gibt es WOK-Kataloge, in denen die charakteristischen Verläufe der WOK in Abhängigkeit der Pol-Nullstellenverteilung von Go(s) zusammengestellt sind. Ein weiterer Vorzug des WOK-Verfahrens besteht darin, dass es sich ganz entsprechend der Darstellung kontinuierlicher Systeme in der s-Ebene, ebenso auf diskrete Systeme in der z-Ebene anwenden lässt (s. Abschnitt 11.5.3).
7.1 Analytische Berechnung der Wurzelortskurve In den folgenden Beispielen wird das Verfahren näher erläutert. Beispiel 7.1 Für den einfachen Regelkreis in Bild 7.2 soll die Wurzelortskurve mit KpR als veränderlichem Parameter bestimmt werden. Die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises lautet: Go(s) =G R (s)· GS(s);
Bild 7.2 Regelkreis bestehend aus einer PTj-Strecke und einem PI-Regler, Kps
= 0,5; Tj = 2 s; Tn = 1 s
204
7 Das Wurzelortskurvenverfahren
Die Pole von Go(s) liegen bei SPI
=0;
1
sp2 = - - ,
TI
1 die Nullstelle bei sN! = - - .
Tn
Setzen wir in GI. (7.12) s = (j+ jw, so folgt
GO(O",jm)=
K
PR
K
(
PS.
1 . 0"+-+ jm
T
J
n
( O"+jm ' ) ( 0"+ TI1 +jm .
TI
(7.13)
.
J
Gemäß GI. (7.7) ergibt sich der Verlauf der Wurzelortskurve aus
tan qJO =
Im(G O) Re(G O)
=0
bzw. es genügt
Im (Go) = Re (N)· Im(Z) - Re (Z)· Im (N) =0 zu betrachten. Damit erhalten wir aus GI. (7.13)
Diese Gleichung wird erfüllt für: a)
m=O
(7.14)
~J=O.
1
b) m 2 =_0"2 _0"2 _ __=_(0"+_I_J2 +_I_(_I__ Tn TnTJ Tn Tn Tn TI
(7.15)
Der erste Teil der Wurzelortskurve verläuft nach GI. (7.14) auf der (j-Achse. Für den zweiten Teil der Wurzelortskurve kann GI. (7.15) (im vorliegenden Fall für Tn < Tl) auf die Form
(7.16) gebracht werden. Dies ist die Gleichung eines Kreises in der s-Ebene mit dem Radius r=
_1_ (_1_ Tn
Tn
~J TI
und dem Mittelpunkt
(m = 0; 0" = - _1_J . T n
Bild 7.3 zeigt den WOK-Verlauf, der mit dem Befehl rlocus(num,den, 'k') von MATLAB berechnet wurde. Nach GI. (7.14) wäre zu erwarten, dass die gesamte (j-Achse Teil der WOK ist.
7.1 Analytische Berechnung der Wurzclortskurve 0.83
0.91
•
0.6 0.96
0.58
0,72
0.'
•
6,4235
8.8153
0.99
"'"
0.2
s-EBENE
A
Imaginäre
Achse
1,3724·
• 11,3251
0.2
0.<
.: " 2,683 ._~
• 10,3391
0'<
205
v
0,5994 • 0,448 •
o •
0.99
1.75.
• •
1.5 ..
, "
•
0.91
•
Kp :O,343
,. ~"
1,3724 •
10,3391
.(l.6 0.96
•
'
0,5994 •
11.3251
•
Reelle Achse
o,~---+o.~ ~
'"
•••
•.,
1.25
2,,",
8,8153 6.4235
•
0,72
0.83 -1.5
"
/
>
0.'"
0.2
0.'
•.5
Iiild 7.3 WOK des Regelkreises nach Bild 7.2 mit GO(5) =
~
0
0.5
K pR (I+sT ) n
,T"
Wie Bild 7.3 zeigt, sind aber die Bereiche SNI < a< SP2 und a> 0 ausgenommen. und zwar weil hier GI. (7,6) verletzt ist. Betrachten wir z. B. rur (0= 0 einen Punkt SNI < a< SP2. so ist
/PO=qJNI-/PPI-qJP2 =O-;r-;r=-2;r*(2i+I);r. Für einen Punkt mit
(0
= 0 und
/Po = /PNI -qJPI -
a > 0 ist
qJP2 =0-0-0
* (2i + 1)11".
In diesen Bereichen ist zwar tan tru = 0 aber tru kein ungeradzahliges Vielfaches von H.
Ermittlullg der Lage der Pole allfder WllrzeJortsklln'e als PlI"ktioll VOll Kp Die Abhängigkeit der Lage der Pole des geschlossenen Kreises vom veränderlichen Parameter KpR ergibt mit GI. (7.5) auf GI. (7.13) angewandt
206
7 Das Wurzelortskurvenverfahren
(7.17)
bzw.
(hW
Tl
K pR = - - . K ps
2J [(H*J'
(H;J
+w
+w
2
(7.18)
2
Betrachten wir zunächst den Teil der Wurzelortskurve, der auf der o:-Achse verläuft, so erhalten wir mit Gi. (7.14) in GI. (7.17)
KpRK pS
Tl
lai'la + *1 la+
:J
(7.19)
Im Bereich SP2 < a < SPI ist:
a
Damit können die Betragszeichen in GI. (7.19) unter Berücksichtigung der Vorzeichen der einzelnen Terme weggelassen werden und es folgt:
KpRK pS
Tl
(7.20)
oder nach aaufgelöst
(7.21)
7.1 Analytische Berechnung der Wurzelortskurve Entsprechend ist für (7 < SNI
207
=-IITn :
(7<0
(CT+)n)
;J
d. h. es gilt ebenfalls GI. (7.20) bzw. (7.21). In den beiden Verzweigungspunkten ist der Radikand in GI. (7.21) Null. Somit folgt für das Auftreten von Doppelpolen:
K = K~s [+ -2;:)± (1-2;:)' pR I.2
-l
(7.22)
K PRI = 2(3 - 2.fi) = 0,343;
K PR2 = 2(3 + 2.fi) = 11,66;
0
KpR (71
0
(72
-0,5
0,1
0,2
0,3
0,343
11,66
- 0,053 - 0,115 - 0,2 - 0,293 - 1,707 - 0,472 - 0,435 - 0,375 - 0,293 - 1,707
12
16
20
- 1,5
- 1,22
- 1,15
- 2,0
- 3,28
-4,35
Für den Bereich KpRI < KpR < KpR2 erhalten wir die auf dem Kreis liegenden konjugiert komplexen Pole. Die Zuordnung zu KpR ermittelt sich mit GI. (7.15) in GI. (7.18)
KpRK pS
(7.23)
Tl
Nach Umformung von GI. (7.23) folgt KpRK pS
Tl
I. ( 2CT+~)2 2·ICT+2T
Im betrachteten Bereich ist
Tl
=
CT < - - I
2Tl
I
l
und somit
(7.24)
7 Das WurLclortskurvcnvcrfahren
208 KI'RK pS
T, bzw.
er = _ ,-I+.:...::KfP!,-R.::K.rp,,-S
(7.25)
2T, Erstaulllicherweisc ist O"unabhängig von IfTn .
0.343 1 - 0,292 - 0.375
KPR
"
2
4
6
-0,5
-0,75
-I
[ [,66
11
10 -1.5
8 -1,25
-1,625 -1,707
Betrachten wir die WOK in Bild 7.3 nochmals im Zusammenhang, so beginnt diese fiir KpR = 0 mit den bcidcn Ästen in den Polen SPI und
sn
Für 0 ~ KpRS KpRl bewegen sich die Pole des
geschlossenen Kreises auf der a-Achse gegeneinander und ergeben Hir KpR = KpR I einen Doppelpol. Die symmetrische Ver.lweigung in den Kreis und damit das Auftreten konjugiert komplexer Pole erfolgt ruf KpR > KpR I.
•
,
,
.... :
~:
..
=t:
.,
~!
.'" •
..
~
.,,
~i
.
,
•
,,
Jl:
,; ::::
!
.;,:
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,
•
,
1 • Il.~< :
. , ,•. ..
"
\
.~\:
.,,
••
'k,'
-,
"I!
/',
.
.,
.,
Bild 7.4 Wurzelortskurve des Regelkreises nach Bild 7.2 G (')= KpRK ps . (s+sNI)
o
Tl
s(s+sP2)
rur T. =ls: OSS· 0 3s und 02Ss n
""
•
7.1 Analytische Berechnung der Wurzelortskurve
209
Im Bereich KpRi ~ KpR ~ KpRZ hat das geschlossene System konjugiert komplexe Pole auf dem Kreis der WOK. Für KpR = KpRZ treffen sich die beiden Kreishälften im Doppelpol (0"
=-l-l.[i,
aJ
= 0) , um sich für KpR > KpRZ erneut zu verzweigen.
Während der eine Ast
für KpRZ > KpR ~ 00 auf der o:-Achse nach rechts in die Nullstelle SNi von Go läuft, strebt der andere mit zunehmendem KpR nach a= -00. Die bisherige Betrachtung konzentrierte sich auf die Ermittlung der WOK in Abhängigkeit vom Regelparameter KpR. Um den Einfluss des zweiten Regelparameters Tn auf die WOK zu zeigen, gibt es zwei Möglichkeiten: a)
Durch schrittweise Veränderungen von Tn werden die zugehörigen WOKn anhand der zuvor gefundenen Gleichungen bestimmt. Bild 7.4 zeigt die WOKn für Tn = 1s; 0,5 s; 0,3 s und 0,25 s.
b)
Die charakteristische Gleichung 1 + Go(s) = 0 wird in die Form
gebracht und die WOK in Abhängigkeit von lITn ermittelt.
Als weiteres Beispiel soll im Folgenden ein Regelkreis betrachtet werden, dessen Übertragungsfunktion Go(s) drei negativ reelle Pole aufweist. Beispiel 7.2 Die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises lautet KpRK pS
(7.26)
mit
ai = Ti + Tz+ T3 = 3,5 s Z
az = Ti Tz + TiT3 + TZT3 = 3,5 s 3
a3 = TiTZT3 = 1 s . wes)
----. ~ +
-
K pR
-----+
x(s)
K ps
(1 + sTl )(1 + sT2 )(1 + sT3 )
Bild 7.5 Regelkreis mit drei negativ reellen Polen des aufgeschnittenen Kreises Ti = 1 s; Tz = 2 s; T3 = 0,5 s
Setzen wir in GI. (7.26) s = O"±jOJ, so folgt .
Go(O",JaJ)
=
[1 + 0" a,
+ (0"
2
2
- aJ )a2
+ (0"
3
KpRK ps 2
- 30"aJ )a3] ± jaJ[aj
+ 20" a2 + (30"
2
2
- aJ )a3]
(7.27)
7 Das Wurzelortskurvenverfahren
210 Die WOK ergibt sich gemäß GI. (7.9) aus
tan ({Jo =
Im(Go)
Re(G o )
=0
bzw. ImG
o
= ±K
K
PR
lüEal PS
+ 20" a2 + (30"
2
NENNER
2
-lü )a3]
= O.
(7.28)
GI. (7.28) ist erfüllt für
(7.29)
lü=O
und (7.30) Ausgangspunkte der WOK sind für K = KpR Kps = 0 die Pole des aufgeschnittenen Kreises SPI
1 1-1 =--=s 1]
Betrachten wir als erstes den Teil der WOK, der auf der negativen 0" -Achse (lü = 0) verläuft. Die Winkelbedingung iAJ = (2i + l)n wird erfüllt für die Bereiche sPI SO" S sp2
und
Durch GI. (7.30) wird der Verlauf der beiden WOKn-Äste beschrieben, für die lü* 0 ist. Im Verzweigungspunkt ist lü= 0 und es folgt aus GI. (7.30) al
+ 20" a2 + 30"2 a3 = 0
bzw. (7.31) Mit den Zahlenwerten erhalten wir 0"1 =
-0,726 s-1 l
0"2 =-1,608s- .
Wie aus Bild 7.6 ersichtlich ist, ist nur 0"1 ein echter Verzweigungspunkt, während 02 in den Bereich fällt, der gegen die Winkelbedingung verstößt. Im Schnittpunkt der WOK mit der jo> Achse (Stabilitätsgrenze) ist 0"= 0 und es folgt aus GI. (7.30)
_+~1 --+1871 _, s -I .
lükr--
a3
211
7.1 Analytische Berechnung der Wurzclortskurve
" ,
""
",
"'
o K:21
K~jl,25
1.5
0.95
,~
.
•
A,
'I
..
"
Imaginäre
""~
Kz2,3o
K:21
s·EBENE Reelle Achse
>
K:ll,25
K:2,3 0
-1.5
K:5
0.95
K~11,25 •
0.89
""
"'
"~
• K:21
,
ßild 7.6 Wurzelonskurve des Regelkreises nach Bild 7.5 mit
" .I'pl
= -I; sp2 = -0,5: .I'p) = -2 rur
K
Go (s) = .,----.,------".,---,--,(~.
sPl)(s
SP2 Hs
Sp})
berechnet mit folgenden MATLAB-Befehlen: num = [0 0 0 11: den = [3 3.5 3,5 1[; rlocus(num,den, 'k'); hold on; grid: [k,pl == rlocfind(num,den): Weitere Punkte im interessierenden Bereich der WOK (j)==f(d) ergeben sich durch Einsetzen diskreter a-Wenc in die GI. (7.30).
a
,-I w s~1
- 0.726
-0.6
- 0.5
- 0.4
-0.3
-0.2
0
+0.5
0
±0.616
± 0.866
± 1.086
± 1.292
± 1.49
± 1.871
± 2.784
°
Die Markierung der WOK in Abhängigkeit vom Parameter K = KpRKrs folgt aus GI. (7.27). Durch die Winkelbedingung bzw. [m (Go) == lIereinfacll1 sich GI. (7.27) und es wird
ICoCa.w)l= 11
+ (1 al + «(12
KpRK ps - (J)2 )al
+ (a 3 -3(1(J)2 )a31
Ermitteln wir zunächst die KpRKps·Werte auf der a-Achse rur
UJ ==
=1.
0, so ist
(7.32)
212
7 Das Wurzelortskurvenverfahren
und mit den Zahlenwerten Gj, Gj, G3 eingesetzt, folgt KpRKps =11+0.3 + 3,50"(l + 0")
I·
(7.33)
Mit GI. (7.33) berechnen sich die nachfolgenden KpRKps-Werte (s. Bild 7.6). ()
s-j
- 0,5
- 0,726
- 1
-2
- 2,5
-3
-4
-5
KpRKps
0
0,079
0
0
1,5
5
21
54
Zur Bestimmung der KpRKps-Werte auf den beiden Wurzelortskurvenästen für aJ ren wir aJ2. Mit GI. (7.30) in GI. (7.27) folgt
3
2
KpRKps = I+O"a, +0" a2 +0" a3 -(a2 +30"a3) I
"* 0 eliminie-
aj + 20" a2 + 30"2 a31 a3 .
Setzen wir für Gj, Gj, G3 die Zahlenwerte ein, so wird
K PR K PS = 1-11,25 - 31,50" - 280"2 - 80"
3
(7.34)
1
mit den nachfolgend errechneten KPRKps-Werten. ()
-j
- 0,726
-0,5
-0,25
0
+ 0,25
+ 0,5
KpRKps
0,079
1,5
5
11,25
21
35
-
s
Der Schnittpunkt der WOKn-Äste mit der jaJ -Achse für () = 0 ergibt sich auch einfach mit Hilfe des Hurwitz-Stabilitätskriteriums. Aus der charakteristischen Gleichung 3
Z
ao ,-A-.,
l+G O(s)=s a3+s aZ+sal+l+K pR K pS =O folgt an der Stabilitätsgrenze
alaZ -aOa3 =0 bzw.
7.2 Geometrische Eigenschaften von Wurzelortskurven Die in Bild 7.6 gezeigte Wurzelortskurve wurde mit MATLAB berechnet. Für K = die drei WOKn-Äste in den Polstellen Spl, SP2, Sp3.
213
°
beginnen
Während der von Sp3 ausgehende Ast mit zunehmendem K auf der negativ reellen Achse nach ( ) ~ -00 läuft, laufen die beiden von SPI und SP2 ausgehenden Äste zunächst auf der negativ reellen Achse aufeinander zu und treffen im Verzweigungspunkt
(}l =
-0,726 S -1 K = 0,079
zusammen. Für K > 0,079 treten die beiden WOKn-Äste aus dem Verzweigungspunkt aus, laufen symmetrisch zur reellen Achse (konjugiert komplexes Polpaar) und schneiden für K = 11,25 «()= 0) die imaginäre Achse. Das System wird für K> 11,25 mit () >
°
instabil.
7.2 Geometrische Eigenschaften von Wurzelortskurven Die im Folgenden als Regeln angegebenen geometrischen Eigenschaften dienten ursprünglich als Hilfsmittel zur Konstruktion von Wurzelortskurven. Da graphische Verfahren heute gegenüber numerischen Verfahren mittels Digitalrechner immer mehr in den Hintergrund treten, dienen diese Regeln zum einen zur Überprüfung numerisch gewonnener Daten und zum anderen können damit die Tendenzen von Parameteränderungen abgeschätzt und die Auswirkungen, die das Hinzufügen zusätzlicher Pol- und Nullstellen (z. B. Lead-Lag-Glied) zur Folge hat, qualitativ beurteilt werden.
Regel 1
Beginn und Ende der WOKn-Äste
Sämtliche Äste der WOK beginnen für K = 0 in den Polen Kreises Go(s) und enden für K
~
00
in den Nullstellen
SNi
SPj
des aufgeschnittenen
von GO(s) bzw. im Unend-
lichen. Den Beweis liefert GI. (7.11). Für S = SPj (j = Ln) wird K = 0 und für (i = l...m) wird K = 00. Ferner wird für n > m K = 00, wenn S ~ 00.
S = SNi
Da bei realen Systemen der Grad m des Zählerpolynoms von Go(s) stets kleiner höchstens gleich dem Grad des Nennerpolynoms ist (m :S;n), enden von den n Ästen m in den Nullstellen und (n - m) Äste laufen ins Unendliche.
Regel 2
Symmetrie der WOK bezüglich der reellen Achse
Da komplexe Pole und Nullstellen immer nur konjugiert komplex auftreten, ist die WOK symmetrisch zur reellen Achse.
Regel 3
Verschiebung der Pol-Nullstellenkonfiguration parallel zur reellen Achse
Eine Verschiebung der gesamten Pol-Nullstellenkonfiguration von Go( s) parallel zur reellen Achse ändert die Lage der WOK zur imaginären Achse, hat aber keine Änderung der Form der WOK zur Folge.
214
7 Das Wurzelortskurvenverfahren
Regel 4
Verlauf der WOK auf der reellen Achse
Von der reellen Achse der s-Ebene sind die Bereiche Teil der WOK, von deren Punkte aus betrachtet die rechts davon gelegene Summe der auf der reellen Achse gelegenen Pole und Nullstellen ungerade ist. Konjugiert komplexe Pole und Nullstellen liefern keinen Beitrag für Punkte auf der reellen Achse und können unberücksichtigt bleiben.
Regel 5
Schwerpunkt der Asymptoten
Ist n > m, so laufen (n - m) WOKn-Äste ins Unendliche. Die Asymptoten an die ins Unendliche strebenden Äste schneiden sich in einem Punkt auf der reellen Achse, dem n
m
LSPj -LSNi
Wurzelschwerpunkt 5 s =
Regel 6
j=1
(7.35)
i=1
n-m
Anstiegswinkel der Asymptoten
Die Anstiegswinkel der Asymptoten ergeben sich zu (1 + 2i)
(jJi = - - - J r
m-n
Regel 7
(i = 0, 1,2, ... ,n - m - 1).
Austrittswinkel aus einem konjugiert komplexen Polpaar
Die beiden Austrittswinkel sich zu (jJPA1,2 =
lfPAi
m
n
1=
J= j;tA] ,A2
aus einem konjugiert komplexen Polpaar ergeben Jr
L. 1 (jJNi - . L (jJPj ±-. 1 2
Entsprechend ergeben sich für die beiden Eintrittswinkel plexes Nullstellenpaar (jJNE 1,2 = -
Regel 8
(7.36)
m
n
1= i;tEJ,E2
J=
(7.37)
lfNEi
in ein konjugiert kom-
Jr
L (jJNi + L. 1(jJPj ±-2 . . ·1
(7.38)
Austrittswinkel aus einem r-fachen Pol auf der reellen Achse
Aus einem r-fachen Pol auf der reellen Achse treten r WOKn-Äste aus. Die Austrittswinkel berechnen sich aus
7.2 Geometrische Eigenschaften von Wurzelortskurven ~Pi
=
(v -
,u - 1-
2i)
r
·ff
215
(i = 1,2,3,... r).
(7.39)
Konjugiert komplexe Pol- bzw. Nullstellenpaare liefern keinen Winkelbeitrag und können in (7.39) unberücksichtigt bleiben. Ebenso haben die auf der reellen Achse links von der r-fachen Polstelle gelegenen Pole und Nullstellen den Winkelbeitrag Null. Nur die rechts der r-fachen Polstelle liegenden ,u Pole ergeben -,u' ff und die v Nullstellen + v' JZ: In eine r-fache Nullstelle auf der reellen Achse enden r WOKn-Äste unter den Eintrittswinkeln ~Ni
Regel 9
=-
(v -
,u -1- 2i) r
'ff
(i
= 1,2,3'00' r).
(7.40)
Verzweigungspunkte der WOK
Ein Verzweigungspunkt K = KA liegt vor, wenn zwei oder im Allgemeinen r WOKnÄste mit zunehmendem K auf einen Punkt zulaufen und ebenso viele WOKn-Äste für K > KA aus dem Verzweigungspunkt austreten. Der Verzweigungspunkt ergibt sich
durch Lösen der Gleichung m
1
n
1
L: s-sNi -L:-=O. S-SPj i=1
(7.41)
j=1
Das zu lösende Polynom ist infolge n ;? m vom Grade n und für großes n nur numerisch lösbar. Speziell für die Verzweigungspunkte auf der reellen Achse, folgt für 0)= 0 bzw. S = (j m
1
n
L: (j-sNi -L: (j-SPj =0. i=1
(7.42)
j=1
Regel 10 Winkel zwischen den ein- bzw. austretenden WOKn-Ästen eines Verzweigungspunkts Der Winkel zwischen zwei benachbarten, aus dem Verzweigungspunkt austretenden WOKn-Ästen ist 2ff r
(7.43)
A~P2 = - .
Ebenso ergibt sich für den Winkel zwischen zwei benachbarten, gungspunkt eintretenden WOKn-Ästen
In
den Verzwei-
216
7 Das Wurzelortskurvenverfahren 21r
(7.44)
AqJN2 = - .
r
Der Winkel zwischen je emem m den Verzweigungspunkt em- und austretenden WOKn-Ast ist (7.45)
r=2
r=4
Bild 7.7 Verzweigungspunkte für r = 2,3 und 4
Bild 7.7 zeigt Verzweigungspunkte für r = 2, 3, 4. Die Richtungen der Zeiger sind abhängig von der konkreten Pol-Nullstellenverteilung. So zeigen die beiden Verzweigungspunkte in Bild 7.3 für K = 0,343 und K = 11,66 unterschiedliche Richtungen bezüglich der eintretenden WOKn-Äste. Entsprechend unterschiedlich sind die Richtungen der austretenden WOKn-Äste. Regel 11 Schnittpunkte der WOK mit der imaginären Achse Die Schnittpunkte der WOK mit der imaginären Achse (Stabilitätsgrenze) ergeben sich aus GI. (7.4) für CY= bzw. s = JOJ zu
°
n m
KO .
n n
(jOJ- sNi) +
(jOJ- SPj) = 0.
(7.46)
j=1
i=1
Da in GI. (7.46) sowohl die Realteile als auch die Imaginärteile gleichzeitig verschwinden müssen, ergeben sich zwei Gleichungen zur Bestimmung von OJ und K. Vielfach gelangt man durch Auswertung der charakteristischen Gleichung mittels eines Stabilitätskriteriums (z. B. Hurwitz) an der Stabilitätsgrenze schneller zum Ziel. Regel 12 Ermittlung eines unbekannten WOKn-Punktes für ein bestimmtes K Ist m :": : n - 2, so gilt n
L>Pj j=1
n
= LSP2(K) = konst.
(7.47)
2=1
Da komplexe Pole immer nur konjugiert komplex auftreten, fallen bei der Summenbildung die imaginären Anteile heraus und es genügt die Bildung der Summe über die Realteile
7.2 Geometrische Eigenschaften von Wurzelortskurven n
217
n
(7.48)
LRe(spj)= LRe(sP,,1(K» =konst. j=l
,,1=1
Diese Regel kann hilfreich sein, wenn es darum geht, ein noch unbekanntes sn (reell oder konjugiert komplex) für ein bestimmtes K zu ermitteln. Es sei nochmals betont, dass die Beziehung (7.48) auf Systeme m ::; n - 2 beschränkt ist. Die Anwendung und Zweckmäßigkeit der im Vorangegangenen behandelten Regeln 1, ... 12 soll anhand der nachfolgenden Beispiele erläutert werden. •
Beispiel 7.3
Eine PT2-Strecke mit der Übertragungsfunktion
GS(S)=
K pS
K pS =0,4;
2 2 1 + sTl + S T2
Tl =0,8s;
T22 = 0,2s 2
wird von einem PDTl-Regler geregelt:
GR(s)=K pR
l+sTy 1+ sT3
' mit
T3 =0,2s.
Ty =2 s;
Der Verlauf der WOK soll mit K - KpR als veränderlichem Parameter anhand der Regeln diskutiert werden. Die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises lautet
-G () G ( )- KpRKpSTy Go () s - R s· S s ' 2
T2 T3
(s-sNl) , (s - sPl )(s - sp2 )(s - sp3)
mit 1 1 05sNl =--=, s ;
Ty
1 5sp3 =--=s 1. T3
Tl
sP12 =---±
,
2T}
(
-
2
Tl
2T}
]
1
. -1
--=(-2±J)s
T}
K = KpRKpSTy
T}T3
Regel 1 Als erstes werden die Pole und Nullstellen des offenen Kreises in die s-Ebene gezeichnet (s. Bild 7.8). Jeder der drei Pole ist Ausgangspunkt eines WOKn-Astes. Da nur eine Nullstelle SNI
vorliegt, enden von den drei WOKn-Ästen zwei im Unendlichen.
Regel 4 Der Bereich sP3
~
(J' ~
SNI
der reellen Achse ist Teil der WOK.
218
7 Das Wurzelortskurvenverfahren
Regel 5 Nach GI. (7.35) erhalten wir den Wurzelschwerpunkt n
m
ISpj -ISNi s: _ j=l
us -
= - 2 - 2 - 5 + 0,5 s-] = -425 s-] 2 '
i=l
n-m
Regel 6 Die Anstiegswinkel der beiden Asymptoten folgen aus GI. (7.36) ({Ji
(1 + 2i)
i =0,1, 2, ..., (n - m -1)
= - - - . Jr m-n
3 2
({Jl = --Jr.
Regel 7 Die Austrittswinkel aus den konjugiert komplexen Polen sPlund SP2 ergeben sich nach GI. (7.37) zu ({J Al
= ({JNl -
({JP3
+ 90 0 = (180 0
-
~
arctan _1_) - arctan + 900 = 218 0 1,5 3
Regel 9 Mit GI. (7.42) errechnet sich die Lage des Verzweigungspunktes
1
m
n
1
ICY- ICY -i=l
sNi
j=l
SPj
1
CY+ 0,5
1 CY+2-j
1
CY+2+j
_1_=0. CY+5
Daraus folgt (a 2
+ 4a + 5)·4,5 - (2a + 4)(a 2 + 5,5a + 2,5) = 0
bzw. 2a 3 + 1O,5a 2 + 9a -12,5 = O. Die Lösungen dieses Polynoms 3. Grades sind:
Es liegen demnach zwei Verzweigungspunkte al und a2 vor. Der dritte Verzweigungspunkt liegt außerhalb des gültigen Bereichs.
Oj
Regel 10 Im vorliegenden Fall sind die beiden Verzweigungspunkte jeweils doppelte Polstellen (r = 2). Der Winkel zwischen den symmetrisch ein- und austretenden WOKn-Ästen ist nach GI. (7.45)
7.2 Geometrische Eigenschaften von Wurzelortskurven
219
Regel 11 Die Ermittlung der Schnittpunkte mit der imaginären Achse erübrigt sich, da es, wie der WOKn-Verlauf zeigt, keine Schnittpunkte gibt. Das heißt, das System ist unbegrenzt stabil.
Regel 12 Infolge (n-m) = 2 können der dritte Pol und die K-Werte in den Verzweigungspunkten nach GI. (7.48) berechnet werden. n
m
j=1
i=1
LRe(spj)= LRe(sp,i)=(-2-2-5) s-1 =-9s-1. Für den Verzweigungspunkt
0"1 =
-2,615 S-1 liegt der dritte Pol auf der reellen Achse bei
0"13 =(-9+2.2,6l5)s-1 =-3,77s- l .
Entsprechend berechnet sich für den zweiten Verzweigungspunkt 0"2
= -3,349 s -I
der dritte
Pol zu 1
0"23 = (-9+2·3,349)s-1 =-2,302s- .
Exemplarisch sollen noch die K-Werte in den Verzweigungspunkten bestimmt werden. Allgemein gilt nach GI. (7.4) n
Il(S-Spj) j=1
K=---'-------m
I l (s-sNi) i=1
Im ersten Verzweigungspunkt ist
K = _ (-2,615 + 2 - j)( -2,615 + 2 + j)( -2,615 + 5) s-2 1
(-2,615 + 0,5)
Im zweiten Verzweigungspunkt ist
K2 = K
(-3,349 + 2 - j)( -3,349 + 2 + j)( -3,349 + 5) -2 (- 3,349 + 0,5)
2 - (1,349 + 1) ·1,651 s -2 = 1,634 s -2. 22,849
S
220
7 Das Wurzelonskurvenverfahren
In Bild 7.8 ist der mit dem folgenden MATLAB-Skript berechnete Wurzelortskurververlauf dargeslellt:
»KpR .. 1; KpS = 0.4; »T1 '" 0.8; » T2_2 '" 0.2; »
Tv '" 2;T3 '" 0.2;
»b1 '" KpR·KpS·Tv;
» bO .. KpWKpS; »a3 = T2_2·T3; »a2 = T1·T3+T2_2; »a1 '" (T3+T1); »aO .. 1; »num",[O
0 b1 bOl
»den= [a3 a2 a1 aOl » rloeus (num, den, 'k') » hold on; grid
•
"
,
..
$·EBENE
i
, •• ,
,.
"
• Imagirtare
Auslri_inkel
.-
Achse
" -1
~_
••
I " .,
"
,.
.,
Bild 7.8 Wurzelortskurve zu Beispiel 7.3 mit
I +sTy GO(s) = K PR K PS - - - - . . . , , - , ; ' - - -
(l+sTI +s2 rh(l+sT)
,. ., ..
"
,
221
8 Entwurf von linearen Regelkreisen In Kapitel 4 wurden verschiedene Regeleinrichtungen mit einfachen Regelstrecken zu Regelkreisen zusammengesetzt und bei Führungs- und Störverhalten untersucht. Als Güteparameter wurden die bleibende Regeldifferenz und die Dämpfung betrachtet. Ein optimal eingestellter Regelkreis soll mit möglichst geringer Regeldifferenz einerseits und möglichst großer Dämpfung andererseits arbeiten. Diese Forderungen widersprechen sich. Beispielsweise führt die Vergrößerung des P- bzw. des I-Anteils eines Reglers bei Regelkreisen mit P-Strecken zur Verringerung der bleibenden Regeldifferenz, gleichzeitig jedoch auch zur Verringerung der Dämpfung und somit zur Instabilität. Die optimale Reglereinstellung erfolgt durch eine Kompromisslösung, die wiederum von der speziellen Regelaufgabe abhängt. Ein wünschenswertes Regelkreisverhalten soll mehrere Gütekriterien optimal oder in gegebenen Grenzen halten. Außer Amplituden- und Phasenreserve, Pol- und Nullstellen, bleibender Regeldifferenz und Dämpfung gehören zur Regelgüte die An- und Ausregelzeit und die Überschwingweite. Diese Merkmale lassen sich aus Sprungantworten direkt ablesen oder aus Differentialgleichungen bzw. Übertragungsfunktionen mit Hilfe von Stabilitätskriterien und Wurzelortskurven (Kapitel 6 und 7) berechnen. Somit ist der Erfolg beim Reglerentwurf im Wesentlichen von Kenntnissen der Regelstrecke abhängig. Nachfolgend wird gezeigt, wie der Regelkreisentwurf direkt im Zeitbereich oder indirekt durch die Optimierung von Frequenzkennlinien erfolgt.
8.1 Gütekriterien des Zeitverhaltens Bild 8.1 zeigt den zeitlichen Verlauf der Regelgröße bei einem Führungssprung. Daraus lassen sich die wichtigsten Gütekriterien des Zeitverhaltens, d. h. die bleibende Regeldifferenz, die Dämpfung, die An- und Ausregelzeit, die Überschwingweite, wie nachfolgend gezeigt wird, nach "Faustforrneln" ermitteln. x
i
maximale Überschwingweite
bleibende Regeldifferenz e(=)
_t
Bild 8.1 Sprungantwort des Führungsverhaltens. Die Güteparameter sind nach DIN 19226, TeilS, eingetragen
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_8, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
222 •
8 Entwurf von linearen Regelkreisen Bleibende Regeldifferenz
Die Regelkreise, die nur aus P-Gliedern mit oder ohne Verzögerung bestehen, weisen immer eine bleibende Regeldifferenz auf. Dies gilt auch für die Glieder mit D-Anteil. Sind in einem Regelkreis mit P-Regler ein oder mehrere Glieder mit I-Anteil vorhanden, so ist der zeitliche Verlauf der Regeldifferenz e(t) vom Ort, an dem die Störgröße angreift und deren zeitlichen Verlauf abhängig. Greift die Störgröße am Ausgang des I-Gliedes an, so wird die Regeldifferenz vollständig ausgeregelt. Tritt die Störgröße am Eingang des I-Gliedes ein, so kann die bleibende Regeldifferenz e( 00) entweder aus der mathematischen Beschreibung des Regelkreises, wie in Kapitel 4 gezeigt wurde, oder direkt aus dem Wirkungsplan des Regelkreises anhand der Eigenschaften eines I-Gliedes ermittelt werden. Diese Eigenschaft besteht darin, dass die Ausgangsgröße eines I-Gliedes überhaupt nur dann einen Beharrungszustand erreichen kann, wenn die Eingangsgröße des I-Gliedes gleich Null wird. •
BeispieI8.!
Am Eingang des I-Gliedes in Bild 8.2 wird im Beharrungszustand stets ys(oo) =0.
Dies führt beim Führungsverhalten mit dem Sprung w(t) y(oo) = 0,
=wo zu
YR(oo) =0 und weiterhin zu e( 00) = 0, d. h. zu keinen bleibenden Regeldifferenz.
Bild 8.2 Wirkungsplan eines Regelkreises mit drei Eingangsgrößen w, ZI und Z2
Wirkt nun sprungförmig die Störgröße Zl (t) = ZlQ, so soll diese im Beharrungszustand durch y(oo) = - ZlO
kompensiert werden, da es aus dem Wirkungsplan des Bildes 8.2 Ys(oo) = y(oo) + ZIO = 0 folgt. Für y( 00) = -
Z 10
wird weiterhin
1 YR (00) = ---zlQ'
K ps
was zu einer bleibenden Regeldifferenz führt: I I e(oo) = - - - ,--zlQ K pS K pS
Greift die Störgröße Z2(t) am Ausgang des I-Gliedes an, so ist dieser Fall gleichbedeutend mit dem Führungsverhalten, d. h. e( 00) = O.
8.1 Gütekriterien des Zeitverhaltens
•
223
Überschwingweite
Die Überschwingweite X m ist die größte Abweichung der Regelgröße vom Sollwert während des Übergangsprozesses von einem Beharrungszustand in einen neuen Beharrungszustand beim Führungs- oder Störverhalten. Die Überschwingweite kann verhältnismäßig durch den Beharrungswert x( 00) ausgedruckt werden, z. B. in Bild 8.1 beträgt die Überschwingweite ca. 30% des Beharrungswertes, d. h. X m = 0,3 x( 00).
•
Anregel- und Ausregelzeit
Die Anregelzeit Tan ist ein Maß für die Schnelligkeit einer Sprungantwort. Sie wird als die Zeitspanne zwischen der Eintrittzeit eines Stör- oder Führungssprungs und dem Zeitpunkt, wenn die Regelgröße erstmalig in einen vorgegebenen Toleranzbereich eintritt, definiert. Der Toleranzbereich wird meist als ± (2 bis 4) % des Endbeharrungszustandes x( 00) vereinbart. Die Ausregelzeit Taus zeigt, wie lange dauert der Übergangsprozess von einem Beharrungszustand x(O) in einen neuen Beharrungszustand x( 00). Der Übergangsprozess gilt als abgeschlossen, wenn die Regelgröße in den Toleranzbereich ± (2 bis 4) % des Endbeharrungszustandes x( 00) zum dauernden Verbleib eintritt.
•
Dämpfung
Die Sprungantwort in Bild 8.1 entspricht einem P-T2-Verhalten (s. Abschnitt 3.5): Gw(s)=K pw ' ß
2
s
2
1
+s·2a+ß
2 .
Den exakten Wert der Dämpfung D = a/ßkann man nach GI. (3.72) des Abschnitts 3.5 berechnen. Die Anzahl n der Halbwellen der Sprungantwort lässt sich aus den Zusammenhängen der gedämpften Schwingung ableiten:
n=~ ~2 -1. Angenähert kann die Dämpfung direkt aus der Sprungantwort abgelesen werden: 1
Dz-. n Beispielsweise weist die Sprungantwort in Bild 8.1 n = 3 Halbwellen auf. Die Dämpfung D liegt damit bei 0,33. Aus dem Abschnitt 3.5 folgen die Formeln für die Berechnung der Ausregelzeit Taus und der Periodendauer Te bzw. der Frequenz % der gedämpften Schwingung:
T aus
= In 25
a
z
3,22
a
T = 2;r = e
OJe
2;r ß~1-D2'
224
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
8.2 Praktische Einstellregeln Eine anspruchsvolle Einstellung des Reglers kann dann erfolgen, wenn ein genügend genaues Modell der Regelstrecke vorliegt. In den Fällen, wenn die mathematische Beschreibung der Regelstrecke nicht bzw. nur angenähert bekannt ist, haben sich die empirischen Einstellregeln mit Erfolg bewährt, deren Vorteil darin besteht, dass kein mathematischer Aufwand notwendig ist. Die praktischen Einstellregeln werden nachfolgend nach dem Genauigkeitsgrad des Streckenmodells eingeteilt. Somit werden wir zwischen den grob und fein approximierten Regelstrecken unterscheiden. Die experimentelle Ermittlung der mathematischen Beschreibung der Regelstrecke wird in der Fachliteratur als Identifikation bezeichnet. Darunter versteht man die Untersuchung des experimentell ermittelten Übergangsverhaltens der Regelstrecke, wenn am Eingang die speziellen Testfunktionen angewendet werden. Die Identifikation als Werkzeug zur Modellbildung wird im Buch nicht betrachtet. Die Eingangsfunktionen, wie die Sprungfunktionen, die Anstieg- und Rampenfunktionen, die Impulsfunktionen und die stochastischen Eingangssignale, wurden bereits im Abschnitt 2.3.1 eingeführt. Hier wird nur die Parameterschätzung anhand von Sprungantworten der Regelstrecke x(t) auf eine sprungförmige Änderung der Stellgröße y(t) behandelt. 8.2.1 Grob approximierte Strecke Ziegler-Nichols- Verfahren
Liegt keine mathematische Beschreibung einer Regelstrecke vor, ist jedoch gegeben, dass diese sich wie eine Reihenschaltung eines Verzögerungsgliedes I.Ordnung (PT I-Glied) und eines Totzeitgliedes Tt oder wie ein P-Tn-Glied verhält, so kommt sofort die Einstellregel nach Ziegier und Nichols zur Anwendung. Zunächst wird am Regelkreis experimentiert. Der Regler wird als P-Regler eingestellt und die Verstärkung KpR solange vergrößert, bis der Regelkreis an die Stabilitätsgrenze gelangt, d. h. Dauerschwingungen ausführt. Dabei wird der kritische Wert von KpR = KPRkr abgelesen und die kritische Periodendauer Tkr der Dauerschwingung gemessen. Die empfohlenen Kenngrößen für verschiedene Reglertypen sind: Parameter KpR
P-Regler
PI-Regler
PID-Regler
0,5· KPRkr
0,45· KpRkr
0,6· KPRkr
0,83·Tkr
0,5· Tkr
Tn
-
Tv
-
-
0,125· Tkr
Die oben angegebene Tabelle gibt die günstige Einstellung des Störverhaltens. Der Regelverlauf ist dabei mit ca. D = 0,2 bis D = 0,3 schwach gedämpft.
8.2 Praktische Einstellregeln
225
Wendetangenten- Verfahren Viele industrielle Regelstrecken lassen sich angenähert als P-T n- oder I-Tn-Strecken darstellen. Aus den Sprungantworten können Verzugszeit Tu bzw. Tl und Ausgleichszeit Tg sowie Proportional- und Integrierbeiwerte Kps oder K,s durch eine grobe Approximation mittels der Wendetangente, wie in Bild 8.3 gezeigt, bestimmt werden. x(t)
x(t)
t
t
x( 00)
!
o Tu
Bild 8.3
=T
-t t
Approximierung der Sprungantwort nach einem Sprung der Stellgröße y(t) = yo·o(t).
Die nach dem Ziegler-Nichols-Verfahren empfohlene Einstellung kann mit den grob geschätzten Parametern der Regelstrecke auch rechnerisch ermittelt werden. Für eine Regelstrecke, die z. B. aus einem Totzeitglied und einem Verzögerungsglied 1. Ordnung mit den Zeitkonstanten Tu und Tg besteht und mit einem P-Regler mit Verstärkung KpR geregelt wird Go(s) = K pR .
K PS
l+sTg
·e
-sT.
(8.1)
u,
soll die Nyquist-Stabilitätsbedingung (6.64) bei der Dauerschwingung erfüllt werden:
IGo (j lUd)1 = 1, wenn
(8.2)
Der Amplituden- und Phasengang des aufgeschnittenen Regelkreises nach GI. (8.1) wurden bereits in Abschnitten 6.2.3 und 6.3.2 behandelt. Aus GI. (8.2) folgen die Bedingungen für die kritischen Werte KPRkr und KpRkrKpS -1 r-, 2IG O('lU} k)1-
lUkr :
(8.3)
V 1 + (lUkrTg )
(8.4)
Ermitteln wir
lUkr
aus der GI. (8.3)
226
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
und setzen diese in GI. (8.4) ein, so ergibt sich die Bedingung
Jr-arctan~
Tu
(KPRkrKPS)2 -1
(8.5)
~(KpRkrKpS)2_1
Tg
Das Verhalten TglTu wird die Regelbarkeit genannt. Aus GI. (8.5) folgt, dass KpRkr vom Proportionalbeiwert Kps und von der Regelbarkeit der Strecke abhängig ist. Die Regelbarkeit (8.5) kann durch die Faustformel Tu Jr 1 -""Tg 2 KpRkrKpS-l
(8.6)
approximiert werden. Daraus folgt g K pRkr ",,_I_[Jr. T +1). K ps 2 Tu
(8.7)
Die entsprechende Ziegler-Nichols-Empfehlung ist unten in der Tabelle dargestellt. Parameter
P-Regler
PI-Regler
PID-Regler
I
0,9
1,2
-
3,3
2,0
-
-
0,5
KpRKpsTu Tg
Tn Tu Ty Tu
Eine andere Empfehlung zur günstigen Einstellung des P-Reglers stammt von Samal: K PR "" _1_. 2K ps
[Jr . Tg ) 2 Tu
.
(8.8)
Für PI-Regler gilt nach dieser Regel wie oben noch Tn = 3,3· Tu sowie für PID-Regler Tn = 2,0·Tu und T y = 0,5·Tu. Chien, Hrones und Reswiek haben detaillierte und für verschiedene Anforderungen an das Regelverhalten ausgelegte Einstellregeln empfohlen, die zu einem Regelvedauf für Führungs- und für Störverhalten ohne Überschwingen oder mit der 20%Überschwingen führen. Die nachfolgende Tabelle zeigt diese Einstellregeln für PIund PID-Regler (additive Form) mit Strecken höherer Ordnung, die nach GI. (8.1)
durch den Proportionalbeiwert Kps und die Regelbarkeit gekennzeichnet sind.
8.2 Praktische Einstellregeln Reglereinstellung nach
Aperiodischer Regelverlauf
Chien, Hrones, Reswiek
Regler
227
Parameter
Führung
Störung
0,3
0,3
0,7
0,7
0,35
0,6
0,6
0,7
1,2·Tg
4·Tu
1,0·Tg
2,3·Tu
0,6
0,95
0,95
1,2
1,0·Tg
2,4· Tu
1,35·Tg
2,0·Tu
0,5
0,42
0,47
0,42
Tu
P
KpRK pS -
PI
KpRK pS -
Tg
Tu Tg
Tn Tu
KpRK pS -
PID
Regelverlauf mit 20% Überschwingung Führung Störung
Tg
Tn Tv Tu
Regelbarkeit der Strecke Wie oben erwähnt, ist die günstige Reglereinstellung von der Regelbarkeit der StreT
cke, d. h. vom Verhalten ~, abhängig. Je größer die Regelbarkeit ist, desto größer Tu
darf die Verstärkung des Reglers gewählt werden, wie GIn. (8.7) und (8.8) zeigen. Die Erfahrungswerte zur Beurteilung der Regelbarkeit sind unten zusammengefasst. gute
{:::
1~ o
--+
Tu = 0 Tg Tu
{:::
{:::
X\~ t
Tu=O
0 0
-- -
Tg
-=00 Tu
Regelbarkeit
=>
=>
x(t)
x(t)
x(t)
~t ~t Tu
gute Regelbarkeit von 10 bis 3
schlechte
=>
Tu
T ~<1 Tu
I~
o
--+
t
Tu
Tg
-=0 Tu
Ist die Verzugszeit Tu der Strecke sehr klein, so erkennt der Regler verzögerungsfrei einen Störgrößensprung und baut dementsprechend die Störung schnell ab. Man spricht von guter Regelbarkeit. Und umgekehrt, je größer die Verzugszeit ist, desto länger dauert die Übertragung des Störsignals zum Reglereingang. Der Regler wird in diesem Fall mit der größeren Verspätung reagieren und dabei eine viel größere Regeldifferenz abbauen müssen, was für eine schlechte Regelbarkeit spricht.
228
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
T-Summen-Regel
Die Identifikation einer P-Tn-Regelstrecke nach diesem Verfahren unterscheidet sich grundsätzlich von der Identifikation nach dem Wendetangenten-Verfahren. Die Summe der Zeitkonstanten TL wird aus der Sprungantwort mit Hilfe einer senkrechten Linie bestimmt, die die zwei gleichen Flächen F l und F 2 bildet, wie in Bild 8.4 gezeigt ist. Daraus folgt ein neues Einstellverfahren, das von U. Kuhn 1995 eingeführt wurde.
I
x( 00)
x(t)
i o
Bild 8.4 Auswertung einer Sprungantwort der Regelstrecke nach der T-Summen-Regel
-- t
Mit der Zeitkonstante TE und dem Proportionalbeiwert Kps der Strecke lassen sich die Reglerparameter nach der folgenden Tabelle berechnen. Parameter
P-Regler
PD-Regler
PI-Regler
PID-Regler
KpR Kps
1
1
0,5
1
Tn
-
-
0,5 TL
0,66h
Ty
-
0,33 h
-
0,167 h
Die daraus folgende etwas langsamere Einstellung kann durch andere Einstellvarianten , z. B. für PID-Regler mit KpRKpS = 2; Tn = 0,8 TE und Ty = 0,194 TE wieder schneller gemacht werden.
8.2.2 Fein approximierte Strecke Durch eine verfeinerte Approximation kann eine P-Tn-Strecke mit unbekannten Zeitkonstanten TI, T2 stanten Tl und T2 G(s)=
•••
T n entweder als ein P-T2-Glied mit zwei verschiedenen Zeitkon-
K ps (1 + sT1)(1 + sT2 )
(8.9)
oder als ein P-Tn-Glied mit n gleichen Zeitkonstanten T angenähert werden G(s)=
K ps (1 + sT)n
(8.10)
8.2 Praktische Einstellregeln
229
P-T2- Verhalten Die Sprungantwort einer P-Strecke höherer Ordnung (Bild 8.5) kann als ein P-T2Glied (8.9) mit zwei verschiedenen Zeitkonstanten Tl> T2 für den Wendepunkt t
x(t)
t
w
=
T IT2 Tl InTl -T2 T2
wie folgt angenähert werden: Tu =T2 { Tg =TI +t w '
Ist beispielsweise _t
Tl = 2T2 ,
so folgt Bild 8.5 Verfeinerte Approximierung nach dem Wendetangenten-Verfahren
t w = 2T2 ·ln 2 = 1,386T2 .
Einstellregeln nach Strejc Die aus dem Bildes 8.5 resultierende Einstellregel des Proportionalbeiwertes für Pund PI-Regler wurde von Strejc nach dem Verhältnis von Zeitkonstanten k
=!i T2
empfohlen:
K pR
1
k
2
+1
=--'--'
K ps
2k
Für die Nachstellzeit eines PI-Reglers gilt dazu: T = (k n
2
+ 1)(k + 1) . T
k2
+k+l
2'
Zeit-Prozentkennwert- Verfahren Nach diesem Verfahren werden die aus der Sprungantwort der Regelstrecke gemessenen Zeitpunkte
tlO, tso
und
tgO
bestimmt, bei denen die Regelgröße 10%, 50% und
90% ihres stationäres Wertes x(oo) erreicht (Bild 8.6). Die Regelstrecke wird als P-Tn Glied mit n gleichen Zeitkonstanten nach GI. (8.10) approximiert. Die Ordnungszahl n der Regelstrecke wird aufgrund der Kennzahl (8.11)
230
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
berechnet. Mit Hilfe der drei weiteren Kennzahlen alO, lXso und Q90 (s. die nachstehende Tabelle) wird die Zeitkonstante T der Regelstrecke (8.10) ermittelt T = alO t lO + asotso + agotgO .
(8.12)
3 x(t)
t
x( 00) = 100%
t - - - - X90
---::=:::==-=-;F'"-
------,;;/J'~
Bild 8.6 Verfeinerte Approximierung der Sprungantwort der Regelstrecke nach Zeit-Prozentkennwert-Verfahren
XSO -------0
o
-
t
Das von Schwarze entwickelte Zeit-Prozentkennlinien-Verfahren lässt die Regelstrecke identifizieren und den Regler nach der Methode der Betragsanpassung einstellen. Die Ergebnisse der Identifikation und die Regeln zum Entwurf des Regelkreises mit 10% Überschwingen sind in Tabelle unten für n = 3, 5 und 10 zusammengefasst. Parameter
Identifikation der Regelstrecke: Streckenkenngrößen
J1 n
0,207 3
0,304 5
0,438 10
alO
0,907
0,411
0,161
a50
0,374
0,214
0,103
Q!)O
0,188
0,125
OmO
Einstellregel nach Latzel Kennwerte KpR
Kps
Tn T
Tv T
PI-
PID-
PI-
PID-
PI-
PID-
0,877
2,543
0,543
1,109
0,328
0,559
1,96
2,47
2,59
3,31
3,73
4,80
-
0,66
-
0,99
-
1,57
• Beispiel 8.2 Gegeben ist die Sprungantwort der Strecke mit Kps = 0,5, tlO = 5 s, t50 = 12 s, t90 = 25 s. Gesucht: a) Die Zeitkonstante der nach GI. (8.10) approximierten Regelstrecke, b) Die Kennwerte des PI-Reglers, bei denen die Regelung mit 10% Überschwingen erfolgt.
8.2 Praktische Einstellregeln
231
Zu a): Aus GI. (8.1l) ist J1 = 0,2. Wir bestimmen aus der oberen Tabelle, dass n = 3 ist, und berechnen aus GI. (8.12) die Zeitkonstante T= (0,907·5 s + 0,374·12 s+ 0,188·25 s) / 3 = 4,574 s. Die Regelstrecke wird damit wie ein P-T3-Glied identifiziert: Gs(s)=
Kps
(l + sT)3
, mit Kps = 0,5 und T=4,574 s.
Zu b): Für J1 = 0,2 bzw. n = 3 folgt aus der unteren Tabelle die Einstellung des PI-Reglers KpRKps = 0,877. Bei Kps = 0,5 und T = 4,574 ergeben sich KpR = 0,877 / Kps = 1,754 und Tn = 1,96·T = 8,965 s. Alternativ dazu gilt die Regel nach Strejc für proportionale Strecken n-ter Ordnung mit gleicher Zeitkonstante: K pR =_1_.
n+2 =1,25 K ps 4·(n-l)
n+2 T =--·T=762s. n 3 '
Reglereinstellung mittels Pe-Simulation Ist die Regelstrecke fein approximiert, und sind die Parameter der Übertragungsfunktion exakt identifiziert, kann die Reglereinstellung auf einfacher Weise anhand einer Simulation des Regelkreises, z. B. mit MATLAB / Simulink erfolgen. •
Beispiel 8.3
Die P-TZ-Regelstrecke mit der Totzeit (KpS = 0,8, Tl = 5 s, TZ = 6 s , Tt = 2 s) soll mit dem PIRegler geregelt werden:
GS (S ) --
K PS -sT! ·e (1 + sTI )(1 + sTz )
GR (s) = K PR + K PR
-
1
sTn
.
Der Regler soll nach dem Ziegler-Nichols-Verfahren eingestellt werden. Dafür sollen zunächst die Kennwerte der Dauerschwingung KPRkr und Tkr ermittelt werden. Dies erfolgt mit Hilfe des in Bild 8.7 gezeigten MATLAB/Simulink-Programms. Der PI-Regler wird zuerst als P-Regler konfiguriert (KpR/Tn
=0).
Nach einigen Versuchen mit dem Regelkreis kann die in Bild 8.8 gezeigte Dauerschwingung (im vorliegenden Fall bei KpRkr = 7,9) erreicht werden. Daraus wird Tkr '" 15 s abgelesen. Nach der Ziegler-Nichols-Tabelle sind die Kennwerte des PI-Reglers wir folgt einzustellen: KpR = 0,45·KpRkr = 3,55 und Tn =0,83·Tkr = 12,45 s.
(J----8 Clück I-Anteil
Bild 8.7
sec
KpR / Tn
Wirkungsplan des Regelkreises mit dem PI-Regler, der als P-Regler betrieben wird
232
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
x
Bild 8.8
Ennittlung von Kennwerten der Dauerschwingung KpRkr und Tkr per
Simulation
-2
-4
_6L-_ _---'o 10
---'-20
--
--'--30
"---_ _----' 40 50
---l
60
I/sec
Die Sprungantwort des so eingestellten Regelkreises mit dem PI-Regler nach einem Führungssprung
wo
= I ist in Bild 8.9 gezeigt. Die Überschwingweite beträgt X m = 50% des Behar-
rungswertes bzw. des Sollwertes x( 00) =
wo =
I; die Ausregelzeit bei der Toleranzgrenze von
4% ist Taus'" 60 s. Die Dämpfung lässt sich aus der Anzahl n = 4 der Halbwellen berechnen und beträgt D '" Iin = 0,25. Der Regelkreisverhalten kann per Simulation nachgebessert werden, so dass bei den Kennwerten des Reglers KpR = I und Tn = 8 s eine günstigere Sprungantwort mit X m = 10%; Taus = 35 s und D '" Iin = 0,5 erreicht wird.
1.5r----,-,,-----~-~--~-~-~--~-----,
xC!)
4%
-"",-,J.-t
I I I
~f-----l
_ _ TiiJUS2---J
I
3J
04__------
Regelkreisverhalten nach dem Ziegler-NicholsVerfahren (Kurve I mit KpR = 3,55; Tn = 10,4 s) und nach den experimentell eingestellten optimalen Kennwerten (Kurve 2
I I
20
Bild 8.9
40
SJ
ffJ
T. u,' - - - _ " I
70
ElJ
__ tJSec
mit KpR = I; Tn = 8s)
8.3 Integralkriterien
233
8.3 Integralkriterien Unter Integralkriterien versteht man ein Maß, dass geeignet ist, die Güte des Regelverhaltens nach der durch die Sprungantwort abgegrenzten Fläche abzuschätzen, wie beispielsweise im Bild 8.10 anhand der Regeldifferenz e(t) gezeigt ist. Da die resultierende Fläche des Bildes 8.10 für Kreise mit bleibender Regeldifferenz e( 00) einen unendlich großen Wert erhalten würde, wird die Differenz [e(t) - e( 00)] statt e(t) eingeführt. Der somit entstehende Güteindex wird als Zeitintegral Qlin (Bild 8.lla) 00
Qlin
=
(8.13)
f[e(t)-e(oo)]dt
o bzw. als lineare Regelfläche bezeichnet. Um bessere Regelgüte zu erreichen, soll das Integral Qlin durch die Reglereinstellung zu einem Minimum gebracht werden.
x( co)
o
-
1
Bild 8.10 Sprungantwort beim Führungsverhalten und die von der Regeldifferenz e(t) = w-x(t) abgegrenzte Fläche
t
Bei Regelvorgängen mit Überschwingen setzt sich Qlin, wie aus Bild 8.10 ersichtlich ist, aus den positiv und negativ bezeichneten Flächen zusammen und kann sehr klein werden, ohne den Regelvorgang zu optimieren. So wird das Integral 00
Qsqr
= f[e(t) -
e( 00)]2 dt ,
(8.14)
o
die so genannte quadratische Regelfläche (Bild 8.llb), oder das Integral 00
Qabs
= fle(t) -
e( 00)1 dt,
(8.15)
o die so genannte Betragsregelfläche (Bild 8.lle), eingeführt. Der Nachteil dieser Kriterien besteht darin, dass die mit fortlaufender Zeit kleiner werdenden Amplituden den Integralwert kaum beeinflussen, d. h. das Integralkriterium im Wesentlichen nur vom Anfangsteil der Regelfläche bestimmt wird. Durch die Multiplikation mit der Zeitvariable t werden die kleinen Amplituden stärker berücksichtigt (Bild 8.lld). Solch ein Gütekriterium ist als ITAE-Kriterium (Integral 0/ time multiplied absolute value 0/ errar) bekannt QITAE = fle(t) - e( 00
o
)1· t· dt .
(8.16)
234
8 Entwurf von linearen Regelkreisen e(t) - e( 00)
e(t) - e( 00)
Qlin
a)
b)
reet) - e( 00)] --. 0
0
reet) - e( 00)] --. 0
0
--t
,''''Qlin
e(t) - e( 00)
c)
,
--t
e(t) - e( 00)
QITAE
d)
Qabs
reet) - e( 00)] --. 0
0
\
\
, ,
0
__ t
,,
\ \
\_;,"Q1in
\ ...... /' Qlin
--t
Bild 8.11 Integralkriterien: a) Lineare Regelfläche Qlin; b) Quadratische Regelfläche (8.14); c) Betragsregelfläche (8.15); d) Zeitgewichtete Betragsfläche ITAE (8.16)
Integralkriterien wurden von Mandelstamm 1909 vorgeschlagen. Die Berechnungen von Regelflächen wurden in der Regelungstechnik erstmals von Kulebakin 1939 angewendet. Nach diesen Methoden erfolgt die Berechnung von Integralkriterien im Bildbereich. Dadurch kann die umfangreiche Ermittlung der Regeldifferenz im Zeitbereich eU) = wo - x(t) vermieden werden. Heutzutage kann die Lösung von Differentialgleichungen und die Optimierung von Regelflächen im Zeitbereich mittels Simulation sehr einfach ermittelt werden. Nachfolgend wird die klassische Berechnungsmethode nur für die lineare Regelfläche Qlin gezeigt. Aus der Laplace-Transformation und dem Grenzwertsatz folgt Qlin (00) = lim Qlin (t) = lim f[e(t) - e(oo)] dt = lim s· Qlin (s) t~oo
t~oo
s~o
o
Qlin (s) = L[Qlin (t)] = f[e(t) - e(00)] e -st dt .
o Daraus ergibt sich die lineare Regelfläche zu Qiin(oo)= lim Qlin(t)= lim [(e(s)-!.e(oo)]]. t~oo
s~o
s
(8.17)
8.3 Integralkriterien •
235
Beispiel 8.4
Eine P-T2-Strecke mit gegebenen Parametern KpS und Tl
"*
T2 soll mit einem P-Regler bei
einem Störsprung z(t) = zo·a(t) ohne Überschwingen (D ~ I) geregelt werden:
K pS
GS (s) = -----=--=-----(1 + sT] )(1 + sT2 ) Es soll die lineare Regelfläche minimiert werden. Für die Störübertragungsfunktion gilt
(8.18) Daraus ergeben sich die Regeldifferenz und die bleibende Regeldifferenz im Bildbereich zu
(8.19)
e(oo) = lim s· e(s) = s ---. 0
Kpsz O
(8.20)
K PR K PS + 1
Die lineare Regelfläche Qlin wird nach Gin. (8.17), (8.19) und (8.20) ermittelt:
Qr = lim [_ m
S---.O
KpSz O s[s2T]T2 +s(T] +T2)+KpRKps +1]
+!. s
KpSz O ] KpRKps +1
(8.21) Das Minimum der linearen Regelfläche liegt vor, wenn die Ableitung gleich Null wird:
K PS (Tl + T2 ) dQlin --=-2K pS 3 Zo =0. dK PR (l + K PR K PS)
(8.22)
Die Lösung von GI. (8.22) liegt für KpR ~ 00 vor. Für die optimale RegIereinsteIlung soll die Forderung D ~ 1 berücksichtigt werden. Die Dämpfung ergibt sich aus GI. (8.18) zu
D=
Tl +T2
2~T]T2 (1 + K PR K PS)
. Für D = 1 folgt daraus
(8.23) GI. (8.23) in (8.21) eingesetzt, ergibt den optimalen Wert der linearen Regelfläche für D = 1 Qlin = K PS
(4T]T2 )2 3 ZO'
(T]
+ T2 )
236
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
8.4 Einstellregeln im Frequenzbereich 8.4.1 Betragsoptimum Die möglichen Verläufe des Amplitudenganges eines geschlossenen Regelkreises sind in Bild 8.12 gezeigt. Die Kenngrößen sind: WR - Resonanzfrequenz, W d - Durchtrittsfrequenz, wB - Bandbreite, M max - Betrag des Frequenzgangs an der Resonanzstelle. Eine Optimierung im Frequenzbereich liegt dann vor, wenn der Betrag von Gw(jw) möglichst nahe bei Eins liegt, d. h. IGw(w)1 = 1. Da bei technischen Systemen dies nicht realisierbar ist, soll diese Bedingung nur näherungsweise für eine möglichst große Bandbreite des Frequenzgangs erfüllt sein. Nach dem sogenannten Betragsoptimum-Verfahren wird gefordert, dass die Tangente des Amplitudenganges im Anfangspunkt W = 0 horizontal abläuft: dIGw(Jw)1 =0. dw
(8.24)
Die Lösung der GI. (8.24) führt bei bestimmten Regelkreisstrukturen, z. B. bei der Regelung einer reinen Verzögerungsstrecke, zu einer optimalen Dämpfung von (8.25) und zu daraus folgender Überschwingweite X m = 4,3%. geringe Dämpfung: 0 < D < 0,5 1,0 1
.fi
o
r-;;;;;;o",==----:t
idealer Betrag:
IGw (jm)1 = 1
-~--------------
optimierte Dämpfung: 0,5 ::; D ::; 0,707 große Dämpfung: D2': 1
---m
Bild 8.12 Amplitudengänge des geschlossenen Regelkreises beim Führungs-verhalten
Die Reglereinstellung nach GIn. (8.24) bzw. (8.25) für die oft auftretenden Regelkreisstrukturen, die als Grundtypen A und B bezeichnet sind, ist nachfolgend ohne Herleitung aufgeführt. Die Gleichungen der Zeile b) folgen aus Führungsübertragungsfunktionen für alle Werte von Dämpfung, während die der Zeile c) nur für die optimale Dämpfung gelten. Es wird angenommen, dass T2> Tl ist. Für den Fall T2» Tl ist eine Annäherungsformel in Zeile e) aufgeführt.
8.4 Einstellregeln im Frequenzbereich
237
Grundtyp A (mit I-Anteil):
Grundtyp B (ohne I-Anteil):
a) Übertragungsfunktion und Wirkungsplan des offenen Kreises
Go(s)= KpRKpsKrs s (l + sTj ) b)
GO(s) =
KpRK pS (1 + sTj )(1 + sT2 )
Zusammenhang zwischen Reglerverstärkung und Dämpfung
KpRKpSKIS =
1
KpRK pS =
4D 2 T]
(T] +T2 ) 2 4D 2 T]T2
1 J2
c) Optimale RegIereinsteIlung nach dem Betragsoptimum für D =
K
_
PRopt - 2K
1 PS
K
K T
IS]
(T] + T2 ) 2 PRopt - 2KPST] T -
2
-1
1 K pS
---
d) Güteparameter und Sprungantwort beim Führungsverhalten
x(t)
x(t) Xm
Wo
0
=4,3%!
Grundtyp A Wo
~~:-T:_/-1 _/
t Taus~ 11
0
Grundtyp B
1
e(oo) =
xm=4,~o.!
-;;~:r}7-
Wo
1+ KpRKpS
1~X(00) = K PR K PS . Wo
Tl
"
_1_1
t
I+KpR KpS
_ _ _ I Taus~ ]] Tl
Tl
e) Optimale RegiereinsteIlung im Sonderfall bei Go(s) =
K
KpRK ps
bei T2 »T]:
sTn (l+sTj ) K
Tn PRopt - 2 K T . PS' ]
~ Aufgabe 8.1 Gegeben: eine P-T3-Strecke mit
Kps = 0,08,
Tl = 8,5 s,
Tz = 6,5 s,
_
T2
PRopt - 2 K T . PS' ]
T3 = 1,2 s,
die mit einem PI-Regler geregelt werden soll. Gesucht: Die RegiereinsteIlung nach dem Betragsoptimum.
238
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
8.4.2 Symmetrisches Optimum Wird eine Regelstrecke mit 1- oder I-T-Anteil mit den 1-, PI- oder PID Reglern geregelt, so kann die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises durch Annäherung und geeignete Wahl der Reglerparameter wie folgt dargestellt werden: Go(s)= KpRKpsKIS . (l+sTn ). s2 Tn (l+sTI )
(8.26)
Die Kennwerte Tn und KpR des Reglers lassen sich so einstellen, dass der Phasenwinkel IAJ( OJd) bei der Durchtrittsfrequenz OJd ein Maximum erreicht. Charakteristisch für (8.26) ist das Vorhandensein von zwei in Reihe geschalteten I-Gliedern und die symmetrische Form des Zähler- und des Nennerpolynoms mit Zeitkonstanten Tn und TI. Dies tritt z. B. für folgende Regelkreise auf, die in untenstehender Tabelle zusammengefasst sind. a) I-TI-Strecke und PI-Regler. Hier würde sich GI (8.26) direkt ergeben. b) 1- Tz-Strecke und PI-Regler. Im Fall TI
~
5· T2 können die Zeitkonstanten TI und
T2 durch ein P-TI-Glied mit der Ersatzzeitkonstante TE = TI + Tz ersetzt werden. c) I-Tz-Strecke und PID-Regler. Für Tl > Tz wird die zweitgrößte Zeitkonstante durch die Wahl von Ty = Tz kompensiert. d) I-T3-Strecke und PID-Regler. Liegt das Verhältnis T] > Tz > T3 vor, kann die zweitgrößte Zeitkonstante der Strecke wie im Punkt c) durch T y = Tz kompensiert werden. Bei Tl » T3 werden die restlichen P-T]-Glieder in der Nähe der Durch-
trittsfrequenz wie folgt angenähert: (l + sTI)(l + ST3) "" sT3(l + sTI)' Übertragungsfunktionen: Strecke Gs(s), Regler GR(S)
a)
Bedingung
Resultierende Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Regelkreises
=>
Go(s) = KPRKpsKrs (l+sTn ) sZTn (l + sTI )
Gs(s) = KpsK rs s(l + sTI )
GR(s)= KpR(I+sTn) sTn Gs = b)
G (s) = K pR (1 + sTn) R sTn Gs =
c)
KpsK rs s (l + sTI)(l + sTz )
KpsK rs s (1 + sT] )(1 + sTz )
G = K PR (l + sTn )(1 + sTy ) R sTn
Tl
~5.yz
=> TE =1] +Tz 1] > Tz> T3
=> Ty =Tz
Go(s) = KpRKpsKIS (l+sTn ) (l + sTE ) sZTn
Go(s)= KpRKpsKrs (l+sTn ) (l + sT]) sZTn
8.4 Einstellregeln im Frequenzbereich
239
Im Folgenden wird das Verfahren am Beispiel (8.26) hergeleitet. Aus den Frequenzgang des aufgeschnittenen Regelkreises (8.26) . )_KpRKpsKIS l+ j OlTn _(K IO )2 l+jOlTn o jOl . - -. G( (j Ol)2 Tn 1+ jOlT1 jOl 1+ jOl Tt
(8.27)
'
wobei K [0 = K PR K PsK IS / Tn ist, wird der Amplituden- und der Phasengang 1+ (OlTn )2 1+ (OlT1 )2
(8.28) (8.29)
ermittelt. Für
IGo(j Old)1 = 1 und /ftl( lüct ) > -180° bei der Durchtrittsfrequenz lüct wird
der geschlossene Regelkreis nach dem Nyquist-Kriterium stabil. Die Optimierung besteht nun darin, dass das Maximum der Phase des offenen Regelkreises /ftl( Ol) bei der Durchtrittsfrequenz lüct gesucht wird. Um die Kreisfrequenz Ufu zu bestimmen, für die /ftl( Ufu) ein Maximum ist, differenzieren wir (8.29) und setzen die Ableitung gleich Null ein: dqJo(Ol) _ Tn _ Tt =0 dOl - 1+(OlTn )2 1+(OlT1 )2 .
Daraus folgt: (8.30) d. h. der Phasenrand /ftl( lüct ) wird ein Maximum bei der Durchtrittsfrequenz lüct = Ufu. Setzen wir (8.30) in GI. (8.28) ein, so folgt unter Beachtung der Stabilitätsbedingung (8.31) bzw. KpRKpSKIS = Olm .
(8.32)
Beim Symmetrischen Optimum wird der Regler so eingestellt, dass die Durchtrittsfrequenz lüct = Olm das geometrische Mittel der beiden Eckfrequenzen OlE2
OlE] = 1/ Tu
und
= 1/ li annimmt. Dafür wird der Faktor
T
n k=bzw. Tn =kTI Tl
(8.33)
240
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
eingeführt. Daraus folgt UEI = 11 ~ = %J. /.Jk und UE2 = 11 11 =
%J..Jk . Aus Stabili-
tätsgründen muss ~ > 11 gewählt werden, d. h. es gilt die Bedingung k > 1. Nach Kessler wird als Standardeinstellung für symmetrisches Optimum k = 4 empfohlen. Setzen wir GI. (8.32) in (8.26), so wird die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises (8.26) in folgende Form gebracht Go (s) =
I
lU m - 2 - ·
1+ sTn
s Tn 1+ sTI
(8.34)
.
Das Bode-Diagramm des aufgeschnittenen Kreises lässt sich symmetrisch bezüglich der Durchtrittsfrequenz l"4:I = lU m darstellen, wie Bild 8.13 zeigt. Aus dem symmetrischen Verlauf des Amplituden- und Phasenganges resultiert die Bezeichnung des Verfahrens Symmetrisches Optimum. Durch den Faktor k wird die Bandbreite definiert. Aus GIn. (8.30) und (8.33) folgt lU m =
I
.Jk. Tl
(8.35)
. 1+-_ _ k - - - . I
IT
IT
I
odBI--
-"-<>_-4>-_~-----<>-T--'l-----
, :, , ,,, ,,, ,
-----+
(J)
-----+
(J)
,
---------------~-------------
i
Bild 8.13 Bode-Diagramm nach dem Symmetrischen Optimum mit D = 0,707 und xm=30%
8.4 Einstellregeln im Frequenzbereich
241
Setzen wir diesen Wert in GI. (8.29), so ergibt sich unter Beachtung lfJRd (lü m ) =
-Jr -
lfJo (lü m )
der Zusammenhang zwischen k und der Phasenreserve lfJRd k =cot 2(900 - lfJRd) .
(8.36)
2
Beispielsweise errechnet sich die maximale Phasenreserve für k = 4 zu lfJRd = 37°. Die optimale Reglereinstellung ergibt sich aus GIn. (8.32) und (8.35): KpRopt =
1
~ "1/ k . K PS . K IS . Tl
Für k = 4 folgt daraus speziell für Standardeinstellung KpRopt
lü m
=
1
2 . K PS . K IS . Tl
= lüd =-
1
2TI
und
.
(8.37)
Aus GIn. (8.34) und (8.35) bestimmen wir die Übertragungsfunktion des geschlossenen Kreises für das Führungsverhalten (8.38) Für k = 4 wird
:Tn = 411, und aus (8.38) folgt
1+ sTn G w (s) = 3 3 3 2 3 2 2 s ·2 Tl +s ·2 Tl +s·2 Tl +1
bzw. (8.39) Die Polstellen haben die Werte 1 sI = - - bzw. nach (8.37) sI = -lü m und 2TI
s23 '
=
-1 ±
j.J3 .
4TI
Die Übertragungsfunktion (8.39) mit der Polstelle SI wird wie folgt dargestellt: G (s)=I+sTn .ß2. 1 , w s - sI s2 + s2a + ß2
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
242
mit a = _1_ und 4TI
ß 2 = _1_ . Die beiden anderen Pole s 2 3 = - ß (D ± ~ D 2 -1) 2 2 T?
'
sind für 0 < D < 1 konjugiert komplex, d. h.
S
23 =
-a ± j ß ~1- D 2 , und liegen, wie
Bild 8.14 zeigt, auf einem Kreis mit dem Radius l4n . Für k = 1 ist Tn = Tl, a = 0 bzw. D = 0 und der Kreis ist instabil. Liegt k im Bereich 1 < k < 9 bzw. 0 < D < 1, treten zwei konjugiert komplexe Pole mit negativem Realteil auf. Für k = 9 bzw. D = 1 sind die Pole gleich und reell mit
was einem aperiodischen Grenzfall entspricht. Bild 8.14 Polverteilung in der s-Ebene
Die Sprungantwort hat bei k = 4 die Dämpfung D = 0,5 und die maximale Überschwingweite von X m = 43,4% (Bild 8.15). Bei der Dämpfung von x(t)
D=
i
1 J2 =0,707,
die dem Betragsoptimum (siehe Abschnitt 8.3.1) entspricht, beträgt die Überschwingweite X m = 30% bei der Phasenreserve von l/'Rd = 45°.
01-"'---1-------1--------------. t
Bild 8.15 Führungssprungantwort für k = 4 und D = 0,5 des Symmetrischen Optimums
8.5 Entwurf von Regelkreisen mit instabilen Strecken
243
8.5 Entwurf von Regelkreisen mit instabilen Strecken 8.5.1 Instabile P-TI-Glieder Ein instabiles P-Glied mit Verzögerung 1. Ordnung wird analog einem stabilen P-T 1Glied mittels DGL 1. Ordnung beschrieben, al
xa (t) + aoxa (t) = bOxe (t),
jedoch mit einem negativen Koeffizienten al oder ao, z. B. TI
xa (t) -
x a (t)
=K
xe (t)
oder - TI xa (t) + x a (t)
=K
xe (t) .
Nach dem Hurwitz-Kriterium erkennt man sofort, dass es sich dabei um ein nichtstabiles Verhalten handelt. Dies folgt auch aus der Übertragungsfunktion xa(s) K xa(s) K G(s)=--= oder G ( s ) = - - = - - , xe(s) -1+sTI xe(s) l-sTI
die eine Polstelle
SI
= +~ TI
in der rechten s-Ebene hat. Hier ist also n r
= 1 bei n = 1.
Die Lösung der DGL bei sprunghafter Verstellung der Eingangsgröße xe(t) ist in Bild 8.16 gezeigt. Sie entspricht der GI. (2.11), jedoch die Ausgangsgröße xa(t) steigt: t
t o
----. t
Bild 8.16 SprungantwOft eines instabilen P-TI-Gliedes
Aus dem Frequenzgang G(jOJ) =
K
-1+ jOJ~
folgen der Amplitudengang
und der Phasengang als Differenz zwischen Phasen des Zählers und des Nenners qJ( OJ)
= arctan 0 -
OJT,
OJT,
arctan __I =- arctan __I = -Jr + arctan OJ ~ . -1 -1
244
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
Ein stabiles und ein instabiles P-TI-Glied sind in Tabelle unten gegenübergestellt. Man sieht sofort, dass die Arnplitudengänge gleich und nur die Phasengänge unterschiedlich sind. Eine Polstelle in der rechten s-Halbebene dreht den Phasenwinkel von - ff auf - ff /2, d. h. in positiver Richtung, während die Phase der gleichen Polstelle in der linken Halbebene sich in negative Richtung ändert. Stabiles P-TI-Glied
Instabiles P-TI-Glied Differentialgleichung
x
TI a (t) + x a (t) = K
x
I
xe (t)
TI a (t) -
Xa (t) = K Xe (t)
Sprungantwort t
--
x a (t) = K
xeo(l-e
-
Tl)
t
Xa (t) = K XeO (e Tl -1)
Übertragungsfunktion K G(s)=-1+ sTI
K
G(s) =
-1 + sTI
Amplitudengang IG(jO})1 =
~
K
1+(0}1])2
Phasengang rp( O}) = - arctan 0} Tl
rp( O}) = -
I
ff
+ arctan 0} 1]
Ortskurve Im
m=oo - - K
Im
-lw=o
~(;
w=Or--- K -
~~
Re
(J)=OO
Re
Bode-Diagramm
leldB
leldB
t
201!K
OdB
"--w -w 0° -----~------
rp: w)
t
~
~dB/Dek 111\ I
-90°
- 180° ----------------------
t
2011K
OdB
rp: w)
t
~dBlDek 1fT] I
0°
- 90° - 180°
"--w -w
I I I
~~~=~
8.5 Entwurf von Regelkreisen mit instabilen Strecken
245
8.5.2 Instabile P-Tz-Glieder Hat der Nenner eines schwingungsfähigen P-T2-Gliedes negative Koeffizienten, z. B.
ß2 s + s . 2a -
G(s)=K 2
ß
2 oder G(s)=K 2 ß2 s - s . 2a -
ß
2
(8.40)
oder bei der Dämpfung D = a = 0 bzw. a= 0
ß
ß2 G(s) = K
s
2
-ß
(8.41)
2 '
so handelt es sich um ein instabiles Verhalten. Falls die Nenner von (8.40) keine komplex konjugierte Polstellen besitzen, lassen sich die Übertragungsfunktionen auf zwei P-Tl-Glieder zerlegen, wie unten in Tabelle gezeigt ist. Das Bode-Diagramm solcher Glieder kann leicht durch einfache Addition der Ordinaten der einzelnen Kennlinien ermittelt werden. a) zwei P-T1-Glieder mit unterschiedlichen Zeitkonstanten
b) zwei P-T1-Glieder mit gleichen Zeitkonstanten K G(s)= 2 2 s Tl -1
K
---.---
o dB f---.L---+------'----"'_---
o dB f---.L---+------'~--
_OJ
_OJ
cA OJ)
t 0°
1J11 (OJ)
1J11 (OJ)
:
- 90° --------------::-=-"""-----::=~ I
- 90°
-----------j---~-~--
1J1z( OJ)
- 180° I---;;;.....,~-----270° -----------------------------
-270° -------------------------
Man erkennt daraus, dass sich die Asymptote des Amplitudengangs bei der Eckfrequenz, die der rechten Polstelle entspricht, um -40 dB/Dek ändert, während sich die Asymptote bei der Eckfrequenz der linken Polstellen nur um -20 dB/Dek ändert. Auch bei den Phasengängen merkt man die Unterschiede, z. B. im Fall b) der obigen
246
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
Tabelle ändert sich die Phase des instabilen Gliedes bei der Eckfrequenz nicht. Eine Phase von -Jrsoll jedoch gleich am Anfang zugewiesen werden. Für Bode-Diagramm instabiler P-T2-Glieder gelten also die folgenden Regeln: Der Anfangsteil des Phasengangs liegt bei -180°, da eine Polstelle mit positivem Realteil in der rechten s-Ebene eine Phasenverschiebung von -Jrmitbringt. Bei der Eckfrequenzen der rechten Polstellen beträgt die Phasenänderung +90°, wie beim D-Verhalten. Bei den Eckfrequenzen der rechten Polstellen ändern sich die Asymptoten des Amplitudenganges um -40 dB/Dek, wie bei einer doppelten linken Polstelle. •
Beispiel 8.5
Gegeben ist ein Regelkreis mit einer instabilen Regelstrecke und dem PD-TI-Regler:
GS(s) = mit und
=0,025 s T y = 0,05 s
Kps = 3,16
TI
KpR = 1
K pS
2 2
(l + sTI )(s T2 -1)
'
T2 = 0,015 s
TR = 0,005 s.
Gesucht: a) das Bode-Diagramm des aufgeschnittenen Regelkreises; b) der kritische Proportionalbeiwert K pRkr des Reglers, bei dem der Regelkreis grenzstabil ist. Zu a):
Aus der Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises
3,16 (1 + sTv ) erhalten wir: n = 4 (Ordnung von Go) n/ = 3 (Anzahl der Pole in der linken s-Ebene) nr = 1 (Anzahl der Pole in der rechten s-Ebene) nj
°
=
(Anzahl der Pole auf der imaginären Achse)
Die Stabilität wird nach dem Nyquist-Kriterium im Bode-Diagramm geprüft. Im Bild 8.17 ist das Bode-Diagramm des aufgeschnittenen Kreises Go(jOJ) mit den Eckfrequenzen 0)
=_1_=20s-1 , v ~
0)1
=~=40s-1, 0)2 =_1_=66,7s-1 ~
~
°
gezeigt. Da kein I-Glied vorhanden ist, verläuft die Anfangsasymptote mit der Steigung dB/Dek durch die Ordinate 20 19 (KpR Kps) = 20 19 3,16 = 10 dB.
Der Phasengang fängt wegen einer Polstelle mit positivem Realteil nicht bei 0° an, wie es bei stabilen Systemen der Fall wäre, sondern bei -180° und wird bei allen Eckfrequenzen um ± 90° geändert, außer der Eckfrequenz OJ2, die der Polstelle mit positivem Realteil entspricht. Nach dem Fall b) der obigen Tabelle gibt es an dieser Stelle keine Phasendrehung. Das BodeDiagramm des Bildes 8.17 mit Schnittpunkten So und SI entspricht einem instabilen Kreis, da
8.5 Entwurf von Regelkreisen mit instabilen Strecken 1 Tv
20dB
1
1
1
~l
Tz
_+~ i
__~,~""""'d,.....
1-0....d-B-/D~e=k;;;;;;q;;O::::::·----1·--~-+-·OdB
247
_ neue OdB-Linie
~ -·L-~-r~4-~·--:-~-~-----
+-------+--~--+-~_r__+~~r__-~iid_-~c-'--'~~-~~-
10
2
3
4-
5
6 ::78
IOz
______________ ~----------------~-----------J---------~
,,, ,
,,,
I
--------------~
I
I
----------t
,
~
LldR
_
--+
o)/S-I
'' '' I
------i--------+
~
10 3 56! 7 8 9 i 102 2 3 4 5 6 7 8 0° t----+-----+-----+'- - i - '----+7-7-,---~------
,
--+
0)/
s-I
,
-180° -270°
_.1._--------------------------------------
,
0) ~,
, '
-----.----------....: -----+--~---= 1 :' , ,: S0 = + - : : i 2 ' " , _ __________L L L _____ _________ __L
_
_
Bild 8.17 Bode-Diagramm des Regelkreises mit instabiler Regelstrecke die geforderte Stabilitätsbedingung (6.61) für
nj
= 0
n 1 (v -v ) = -r = p n 2 2 durch die Summe der Schnittpunkte nicht erfüllt ist:
1
1
(v -v )=SO +Sl =+--1=--. P n 2 2 Zu b):
Verschiebt man die O-dB-Linie um LldB '" 10 dB nach oben, d. h. LI K = 3,16, so wird die Bedingung (6.61) erfüllt, da der Schnittpunkt SI nicht mehr in Betracht kommt:
Der kritische Proportionalbeiwert des Reglers beträgt damit
1 K pRkr =K pR ·-=0,316. LlK Die weitere Verkleinerung von KpR ist jedoch nicht möglich, weil bei KpR < KPRkr auch der Schnittpunkt So nicht mehr berücksichtigt wird, was auf die Instabilität des Kreises hinweist. Die Stabilitätsbedingung (6.61) wird nur bei einem Wert von KpRkr erfüllt, was praktisch nicht realisierbar ist. Es soll eine neue Nullstelle, z. B. der Kompensation
Ty
TNI =
Tz eingeführt werden. Zusammen mit
= TI wird die Bedingung KpR > KPRkr sicher zur Stabilität führen.
248 ~
8 Entwurf von linearen Regelkreisen Aufgabe 8.2
Eine instabile P-T I-Strecke soll mit dem PD-T 1-Regler geregelt werden.
K pS
GS(s)=--l-sT] Gegeben sind: Kps = 0,25 und Tv = Tl = 0, I s. Die Zeitkonstante TR ist vemachlässigbar klein. Gesucht: der Proportionalbeiwert des Reglers KpR, bei dem der Regelkreis stabil wird.
8.5.3 Beispiele von instabilen Regelstrecken Die Instabilität einer Regelstrecke entsteht in der Regel aus zwei Gründen: •
wegen zwei oder mehr in Reihe geschalteten I-Gliedern
•
wegen Mitkopplung im Wirkungsplan der Strecke.
Die klassischen Beispiele von instabilen Strecken sind Invertiertes Pendel, Magnetschwebekörper und Ladebrücke (Bild 8.18). •
Invertiertes Pendel: Ein senkrecht stehender Stab, der durch die horizontalen
Wagenbewegungen Xw stabilisiert wird. Stellgröße ist die Kraft F x auf den Wagen. Regelgröße ist der Winkel (jJ. •
Magnetschwebekörper: Eine Kugel mit der Masse m, die von einer Magnetspule angezogen und in einer gewünschten Position X gehalten wird. Im stationären Zustand befindet sich die Magnetkraft der Magnetspulen im Gleichgewicht mit der
Erdanziehungskraft. Stellgröße ist die Magnetkraft Fm der Magnetspule. Regelgröße ist die Lage X(t) der Kugel. - F +__ ----+ + F
- Y +--- -------. + Y m\
,, ,, ~-f:)
,, ,, ,, ,, ,, ,
Xl:
x(1)
------+:
Bild 8.18 Kran als instabile Regelstrecke: Stellgröße ist die Kraft F auf die Laufkatze des Kranes bzw. die Beschleunigung Y. Regelgröße ist die Lage X(t) der Last. Als Hilfsregelgröße kann die Auslenkung dienen.
Die Stabilisierung der oben genannten instabilen Regelstrecken gewinnt an praktischer Bedeutung z. B. beim Transport einer aufrecht stehenden Last, beim Anfahren einer Magnetschwebebahn, beim Laden eines Schiffes oder eines Gütezuges ohne Überschwingungen. Die Ermittlung von genauen Zeitkonstanten der instabilen Regelstrecken ist anhand zwei Beispielen in nachfolgender Tabelle gezeigt. In beiden Fällen ist die Instabilität durch die Erdanziehung verursacht. Im Wirkungsplan führt dies zur Reihenschaltung von zwei I-Gliedern und zur Mitkopplung.
8.5 Entwurf von Regelkreisen mit instabilen Strecken
249
Die Bezeichnungen sind: Kraft (j), Länge (l), Masse (m), Strom (i), Weg (x) in horizontaler oder vertikaler Richtung (s. Seite 49 für Groß- und Kleinschreibung). Indizes sind: Gravitation bzw. Gewicht (G), Magnet (m), Reaktion des Scharniers (R), Stab (s), Wagen (w). Die Länge des Stabes beträgt 2Z, das Trägheitsmoment ist J = m s Z2 .
:';"i"'''['''" Magnetschwebekörper
Fm
Fm
FmO
~ Xo
Invertiertes Pendel ,
rp
Fs ,,
i
,
Xo
( )-------t
FRy
a ![F FRx C ,
.X
, ,,
Fa
X
--.Xs
)
\. )
Fw
-----~
X
w
'///////////////////////
Stationärer Zustand
(Fm)o =Fa =m'g
(FRy)O = Fa = msg
Ys = Zcos rp
(Fw)O = (FRx)O
Xs = Xw
+ Zcos rp
Dynamisches Verhalten
FRx =ms ' X s ; Fw -FRx =mw ,X w FRy -Fa =-ms'y';
Fm -Fa =-m'X
JijJ= -FRxl sin cp+ FRyl coscp Linearisierte Gleichungen für kleine Abweichungen vom Arbeitspunkt Magnetkraft
fm = K j ·i m -K x ·x Wagen
Kugel (Beschleunigung)
fm =-m' x(t)
Kugel (Geschwindigkeit)
x(t) =
Kugel (Weg)
x(t) =
fx(t)dt fx(t)dt
fw - fRx =m w 'x w
Stab (horizontal)
fRx =m s ,xs =
Stab (vertikal)
fRy =m s ' g
Stab (Schwerpunkt)
JijJ= Z· fRy' rp-Z· fRx
= m s . Xw + msZ . ijJ
Die Magnetkraft Fm hängt nichtlinear vom Strom Im und von der Position X der Kugel ab. Der Zusammenhang Fm =f(X, Im) kann experimentell ermittelt und graphisch in einem Diagramm als Kennlinienfeld dargestellt werden. Mit Hilfe von
250 K Pi
8 Entwurf von linearen Regelkreisen =
(dFm ) und K Px dIrn 0
=
(dFm dX
J 0
wird die Magnetkraft Fm im Arbeitspunkt
Fmo = m'g in Abhängigkeit von dem Strom Im des Elektromagneten und der Lage X der Kugellinearisiert. Die linearisierten Wirkungspläne und die Übertragungsfunktionen der beiden Strecken sind unten in der Tabelle zusammengefasst. Es handelt sich dabei um das instabile P-T2-Verhalten mit nz = 1 Pol in der linken und nr = 1 Pol in der rechten s-Ebene. Magnetschwebekörper
Invertiertes Pendel Wirkungsplan
im
im ~ K"+~
J.&EJ~~ + '+t@' m
w
msl
Übertragungsfunktion G ( ) _ rp(s) _ -K pS ' ß2 s s s2 - ß2 !w(s)
x(s) -K ps ·ß2 GS(s)=--= .Im () S -s 2 + ß 2
Parameter K pi K ps = - K px
1 K ps =-. g
1 m w +m s
ß2 =!L. m w +m s
ß2 = K px
l
m
2m w +m s
Praktisches Beispiel mit Zahlenwerten m=15,7kg = 9,81 rnIs 2
g
Kpi = 0,244 N/A Kpx = 12,6 N/m
= 3,5 kg ms = 0,5 kg
F mO = mg = 154 mN ImO
mw
= 119 A
Kps = 0,019 rnIA
GS(s) = T= 0,0353 s
1= 0,8 m g
= 9,81
rnIs
2
Kps = -0,0255 l/N
K pS s2 T 2 -1
I
T= 0,391 s
Die Zeitkonstanten der Stellglieder (Magnetspule, Motor, Leistungsverstärker) sind viel größer als die eigenen Zeitkonstanten der Regelstrecke. Die oben behandelten Entwurfsmethoden werden dadurch uneffektiv. Um die gesamten Zeitkonstanten des Regelkreises zu reduzieren, werden in der Regel die Hilfsregelgrößen herangezogen, z. B. der Strom Im im Fall des Magnetschwebekörpers. Dies führt zur so genannten vermaschten Regelung, die im nachstehenden Abschnitt behandelt wird.
251
8.6 Vermaschte Regelung
8.6 Verrnaschte Regelung 8.6.1 Regelung mit Hilfsregelgrößen In den bisher behandelten Regelkreisen erfolgt die Bildung der Regeldifferenz durch die Messung der Regelgröße und den Vergleich mit dem Sollwert. Nach einem geeigneten Regelalgorithmus wird daraus die Stellgröße gebildel, um die Regeldifferenz auszuregeln. In einem einschleifigen Kreis greift der Regler bei Beseitigung von Störgrößen erst dann ein, wenn eine Regeldifferenz bereits vorliegt. Bei großen Zeitkonstanten der Regelstrecke fUhrt dies zur Schwingungen oder zur Instabilität. Zur Vermeidung dieser Nachteile kann die Struktur eines Regelkreises so verändert werden, dass die SlÖrungen stark reduziert und ohne große ZeitverLögerung auf den Reglereingang übertragen werden. Solche Strukturveränderung fUhrt zu einer ver· I/1l/Schlell Regelung, die sich dann realisieren lässt, wenn die Störungen oder Hilfsregelgrößen messbar und über ein Stellglied beeinflussbar sind. Die Reg1ereinstellung nach den bisher behandelten Optimierungsverfahren soll durch Strukturoptimierung nicht beeinflusst werden. Die Verfahren der Strukturoptimierung werden, wie in Bild 8.19 gezeigt, nach den Abgriffsorlen des Signals auf Stör-, Stell- und Hilfsregclgrößenaufschaltung unterteilt. Nachfolgend werden nur einige davon behandelt.
i-S,ö;g;ö.,;;~i,ö-,;;,;;;g----[~::(;;}-- ---- --- -------- ---- ------1 :~~;;~~~; : : :
: :_
: go t
'.!....-------' :
...... ~_eJl~_n_z_~'!s~~cJ~.~I_u_'yL . . Teil(Ovcrridcrcgclung): k :strccc
i--------: ' ,' ,--------. : :
: --+,,_',.+: GoR(S) 1'-,
'+ : : Soll-
:
Hilfsstcllgrößenaufschaltung
I
:---------,
:
,--+:
:
:--------: I: 'I ' GII.3(S):, '----.---' ---+----,
Gs,(S)
GIU('~) ~--;
: Haup\reglcr : + .i. :uuuu~ '_!.f-':'~1~~~ c>;-"-e,...t....':,'~ GR(s) I ~.~'+':-',.·:r~~-,-(~;-i l J G Sl (s) l.....,,~~ i t~ ~ G S2 (s) t-;"'" + IL_-.Jr:; -+ , .---""'1 " 1+ .f.: +
w,n
-:
,, , :c
Tcilmecke I
Kaskadenregclullg (unlerlagcrtcr .- Folgcregelkrcis)
'. : :
,,, ,,,
Teilstrecke 2
: : :: ,
,, Hilfsrcgelgrößcnaufschaltung :
~-------------------------------------
..... ----------------,
Hauplregclkrcis (Führungsregclkrcis)
ßild 8.19 Aufstellung von verschiedenen Verfahren der Strukturoptimierung an einem Kreis
252
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
8.6.2 Kaskadenregelung Bei Regelstrecken mit großen Zeitkonstanten ist es oft schwierig, mit einer einschleifigen Regelung ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Wenn es möglich ist, die Strecke zu unterteilen und eine Hilfsregelgröße zu messen, wie z. B. Xl in Bild 8.20, greift man zu einer Kaskadenregelung. Der Hilfsregelgröße Xl wird ein eigener Regler OR! zugeordnet, der als Folgeregier oder Hilfsregler bezeichnet wird. Der übergeordnete Regler GR2 (Führungsregler oder Hauptregler) gibt dann dem Folgeregier GR! die Führungsgröße Wl vor.
Bild 8.20 Wirkungsplan der Kaskadenregelung
Ohne Kaskadenregelung gilt für das Führungsverhalten G w (s) =
G R2 (s)· G Sl (s) . G S2 (s) 1 + G R2 (s) . G Sl (s) . G S2 (s)
---"-=---'-----"'-'------'--------"'-'='---'---
(8.42)
und für Störverhalten: (8.43) Mit Kaskadenregelung sind die Übertragungsfunktionen: G
= G w () s
GRlGSI G R2 1 + G G S2 RI SI
I+G
G
G
(8.44)
RI SI G R2 S2 I+GRIGSI
(8.45)
Aus dem Vergleich (8.42) mit (8.44) und (8.43) mit (8.45) ist es zu sehen, dass der Regelkreis durch eine geeignete Wahl des Reglers GRl so eingestellt werden kann, das ein gewünschtes Verhalten, z. B. mit kleineren Zeitkonstanten, erreicht wird.
8.6 Vermaschte Regelung
253
Ein Beispiel der zweischleifigen Kaskadenregelung wird im Folgenden betrachtet. Man passt zunächst den Folgeregier GR1(S) an die Teilstrecke GS1(s) an und gibt so dem inneren Regelkreis ein gewünschtes Zeitverhalten. Dieser ist dann Bestandteil der Regelstrecke G2 (s), für die der äußere Regler GR2 (S) dimensioniert werden muss. •
Beispiel 8.6
Im Bild 8.21 ist der Wirkungsplan einer Kaskadenregelung mit einer P-T2-Strecke gegeben. Die Streckendaten sind: KpSI = 2
TI
3
KpS2 =
T2
= I s
= 0,2 s.
Die Kennwerte des Folgereglers KpR! und Tn ! sollen so eingestellt werden, dass die Verzögerungszeitkonstante des Folgeregelkreises 50 mal kleiner als die Streckenzeitkonstante Tl wird.
Bild 8.21 Kaskadenregelung einer P-T2-Strecke mit PI-Führungsregler und PI-Folgeregier Um die gewünschte Zeitkonstante zu ermitteln, werden die Übertragungsfunktionen des Folgekreises GOl (s) und Gw ! (s) berechnet:
GOl(s)=GRI(s)·GSI(s)=
KpRI(I+sTnl) sTnl
K pSI
.-1 + sTI
Nach der Kompensation mit Tn ! = TI = I s folgt
1
G wl (s) =
1
1+-GOI (s)
1 1 + s.
T nl K pSI ·K pRI
l+sTwl
Der Folgeregelkreis hat ein P-T I-Verhalten mit der Zeitkonstante Tw!, die nach der Aufgabenstellung 1/50 von Tl betragen soll:
Twl
Tnl
Tl
K pSI . K pRI
50
=-----"-'~-
Daraus ergibt sich
K pRI =
50·Tnl =25.
K pSI . Tl
254
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
8.6.3 Begrenzungsregelung Die Begrenzungsregelung, auch Overrideregelung genannt, besteht aus zwei oder drei Regelkreisen, wie in Bild 8.22 gezeigt ist. Zum einen ist es der Hauptregelkreis (Main-Regler GR), zum anderen ein oder zwei Begrenzungsregelkreise (Overrideregler GoRl und GoR2 ), die mit unterschiedlichen Sollwerten und Prozessvariablen parallel arbeiten und über eine Auswahlbox das Stellsignal für die Regelstrecke liefem. Die Auswahlbox ist ein Vergleichsglied, welches die Stellgrößen des Haupt- und der beiden Begrenzungsregler auf den größeren bzw. den kleineren Wert vergleicht. Über einen Select-Befehl hat man die Möglichkeit, diese Auswahl entweder automatisch nach dem Maximum oder Minimum durchführen lassen, oder den jeweiligen Ausgang nach bestimmten Kriterien freizuschalten. Die Umschaltung soll allerdings stoßfrei erfolgen. Die Begrenzungsregelung ist besonders gut für Strecken geeignet, bei denen sowohl die Regelgröße x auf den vorgegebenen Sollwert w gebracht, als auch eine weitere Größe (Begrenzungsgröße) vorgegebene Grenzwerte gmax und/oder gmin nicht überschreiten soll. Beispielsweise soll in einem Ofen die Temperatur konstant gehalten werden und gleichzeitig der Druck den maximal zugelassenen Wert nicht überschreiten. Ein weiteres Beispiel ist ein Vakuum-Ofen, in dem die Kammertemperatur immer um 5°e bis lOoe wärmer als die Temperatur des Werkstückes ist. Wird das Thermoelement nahe dem Werkstück platziert, kann die Regelung zu unerwünschten Effekten wie überhöhter Temperatur der Heizelemente bzw. zur Überschreitung des gewünschten Sollwerts führen. Um diese Probleme zu umgehen, platzieren oft die Ofenhersteller ein Thermoelement in der Brennkammer nahe den Heizelementen, was zu thermischen Gradienten führt. Die ideale Lösung ist die Overrideregelung mit zwei separaten Regelkreisen und zwei Thermoelementen, wobei ein Thermoelement dicht an den Heizelementen, das zweite am Werkstück sitzt. Für die Regelung der Brennkammertemperatur wird dann der Regelkreis mit dem niedrigsten Ausgangssignal benutzt. -tBegrenZUngSregler gmin
-----.
+
Sollwert
IG
I
oR/s) f---...,
Hauptregler
+~
~I
GRCc) Mi, Begrenzungsregler
r
IGoR2 (S)I
! Z
Ausgangs-Auswahlbox
M"
~T'i1"~'kC
Bild 8.22 Wirkungsplan einer Begrenzungsregelung (Overrideregelung)
Teilstrecke
8.6 Verrnaschte Regelung
255
oe
r
300
C\'W'"
200
100 ".
g(t)
".
O-+--+-..--........---.-......---r----.-+---r--
o
5
10
Bild 8.23 Theoretische Verläufe der Temperaturkurven bei der Begrenzungsregelung mit den Eingangs-Rampenfunktionen (der Begrenzungsregler hat einen höheren Sollwert als der Hauptregler)
15 -----+ t / min
Bild 8.23 zeigt die theoretischen Verläufe der Hauptregelgröße x(t) und der Hilfsregelgröße Xl (t) bei einer Rampenfunktion w(t) = KI' t als Sollwert des Hauptreglers und den entsprechenden Rampenfunktionen eines Begrenzungsreglers. Bei der praktischen Realisierung, z. B. im Vakuum-Ofen (Bild 8.24) stellt man sofort fest, dass eine exakte Ausregelung der Temperatur am Ofengut möglich ist. In der Aufheizphase regelt der Overrideregler die Temperatur an den Heizelementen. Nach mehrmaligem Wechsel zwischen Main- und Override-Regler (Temperaturausgleich im Ofen) übernimmt schließlich der Main-Regler die Regelungsaufgabe bei konstantem Sollwert. Die Temperatur der Heizzone Mitte sinkt unter den Sollwert des Overridereglers. Der Overrideregler vergrößert seine Ausgangsleistung, und somit ist sicher gestellt, dass der Main-Regler die Regelung der Strecke behält. 710 700
-- ..:-:..7-------=-.;;
Istwert Overrideregler
690 680 670 660 650 640 630 620
Sollwert Mainregler
Sollwert Overrideregler
Istwert Mainregler ,------------------,
Overrideregelung des Vakuum-Ofens mit Ausgang auf Min-Auswahl: Mainregler - Ofengut Overrideregler - Heizzone Mitte Autheizung: Rampe von 595°C auf 700°C
610 600 590 580 +-L~~~~~~~--~~~_~~~LL 10:53:4210:56:2710:59:1311:01:5911:04:4511:07:30 11:10:1611:13:0211:15:4811:18:3311:21:1911:24:0511:26:51
Bild 8.24 Beispiel einer Overrideregelung (Quelle: Schuy, Marco: Diplomarbeit, FH Wiesbaden, FB JET, 2001, mit freundlicher Genehmigung von Eurotherm Deutschland GmbH)
256
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
8.6.4 Störgrößenaufschaltung Eine Beseitigung der Auswirkung von Störgrößen durch eine Regelung hat den Nachteil, dass der Regler immer erst korrigierend eingreifen kann, wenn eine Regeldifferenz vorliegt. Wegen der Verzögerungen in der Strecke erscheint die Störung erst verspätet am Eingang des Reglers. Um eine Auswirkung der Störgröße auf die Regelgröße völlig zu verhindern und dabei die vorhandene optimale Reglereinstellung auszunutzen, schaltet man die messbare Störgröße über ein korrigierendes Glied GRz auf den Streckeneingang oder, wie Bild 8.25 zeigt, vor dem Regler auf. Bild 8.25 Stärgräßenaufschaltung auf den Reglereingang
Die Aufschaltung erfolgt oft über ein differenzierendes Glied, damit im Beharrungszustand keine Verfälschung der Regeldifferenz entsteht. Die Stabilität des Kreises wird durch diese Maßnahme auch nicht beeinflusst. Die Regelparameter können so eingestellt werden, als sei GRz nicht vorhanden. Nach der Art der Aufschaltung wird der Einfluss der Störgröße in unterschiedlichem Maße kompensiert. Bei der vollständigen Kompensation gilt nach dem Störsprung zo: x(t) = 0 bzw. x(s) = 0
G yZ (s)
x(s)=Gz(s)·zo = - - ' z o =0.
l+G o
Daraus folgt die Kompensationsbedingung für die Vorwärts-Übertragungsfunktion (8.46) Für die in Bild 8.20 gezeigte Störgrößenaufschaltung mit G yZ (s) = -G Rz (s)G R (s)G s (s)
+ G s (s) = 0
wird die Bedingung (8.46) mit dem korrigierenden Glied G
Rz
1 (s)--- G (s) R
erfüllt. Das korrigierende Glied GRz(S) kann mit Hilfe von einfachen Re-Netzwerken technisch realisiert werden. In der Praxis erfolgt eine vollständige Kompensation der Störgröße nur selten, weil die genaue Nachbildung von GRzCS) zu aufwendig und nur ausnahmsweise möglich ist.
257
8.6 Vermaschte Regelung •
Beispiel 8.7
Für den in Bild 8.26 gezeigten Regelkreis sollen die Übertragungsfunktion und die Parameter des Korrekturgliedes GRz(S) so ermittelt werden, dass eine vollständige Kompensation der Störgröße erreicht wird. Der P-Regler ist mit KpR = 1,2 eingestellt. Die Streckenparameter sind: Kpsz = 2 T] = 0,32
-]
5 = 0,5 s
Krs = 0,16 s
Kpsy =
T2
S
+
K pR
+
GR
K rs
K pSy' T 2
~6
~x
GSy
Bild 8.26 Wirkungsplan der Störgrößenaufschaltung zu Beispiel 8.7 Die Vorwärts-Übertragungsfunktion Gvz wird nach dem Überlagerungsprinzip wie folgt bestimmt und gleich Null gesetzt: Gvz (s) = -GSz (s)G SI (s)
+ G Sy (s)GSI (s) -
G Rz (s)G R (s)G Sy (s)G SI (s) =
Daraus ergibt sich die Übertragungsfunktion des Korrekturgliedes: G Rz (s) =
(GSy - G Sz )GSI
---=------G R GSyG SI
bzw. K pSy
K pSz
1 + sT2
1 + sTl
- - - - - - -
G Rz (s) =
--=---------'--
K pSy -K pSz +s'(KpSyTl -K pSz T 2 )
KpRKpSy
K PR K PSy (1 + sTl )
1+ sT2 Damit ist GRz ein D-T ]-Glied
l+sT 1 + sTl
z GR (s)=K p . - z
.
mit K pz
=
z
K pSy - K pSz KpRKpSy
= 0,5
und Tz
K PSyTl - K PSzT2 - - - - ' - - - - - - = 0,2 s . K pSy - K pSz
°
258
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
8.7 Mehrgrößenregelung Die Industrieanlagen werden oft als Regelstrecken mit mehreren Regelgrößen, die intern miteinander verkoppelt und von mehreren Stellgrößen beeinflusst sind, betrachtet. Zur Regelung solcher Strecken ist ein Mehrgrößenregler geeignet. Der Entwurf von Mehrgrößenreglern erfolgt normalerweise mit Hilfe der Matrizen- bzw. Vektorrechnung. Im Folgenden werden wir auf diese Beschreibung verzichten und die Mehrgrößenregelung vereinfacht für den Fall der Zweigrößenregelung behandeln. 8.7.1 Regelstrecken mit mehreren Ein-/ und Ausgangsgrößen Von den meist bekannten Mehrgrößenstrecken mit zwei Eingangsgrößen Yl, Y2 sind die Mischwasserbereitung mit dem Ausgang H (der Füllstand) und dem Ausgang T (die Temperatur der Mischung), oder das Behältersystem mit Ausgangsgrößen Hl, H2 (die Füllstände) zu nennen (Bild 8.27).
t
-t -
_
H
-
H]
--
L'---_ _-= a) Mischbehälter
b) Zweitanksystem
Bild 8.27 Beispiele industrieller Mehrgrößenstrecken Ein anderes Beispiel ist in Bild 8.28 gezeigt. Zwei RCL-Vierpole sind miteinander
I I
über einen Widerstand R2 verbunden. Damit entsteht eine Zweigrößenstrecke mit Spannungen Uel (s), Ue2(S) als Eingangs- und Ual (s), Ua2(S) als Ausgangsgrößen. i]
----+
R]
-----+
"oll "0,1
URI
i2
----+
e
1
L
1"~
R2
-----+ uR2
i3
----+
R3
"01
-----+ uR3
Bild 8.28 RCL-Netzwerk als Mehrgrößenstrecke
s -- ",1 - -(s) G11 () Uel (s) () U a2 S G21 ( s ) = -Uel (s)
s -- ",1 - -(s) G 12 () U e2(s) () u 2 s G22 (s) = a u e2(s)
.. fur Ue 2(S) = Ü
.. furuel(S)=Ü
8.7 Mehrgrößenregelung
259
Unter Annahme, dass alle Widerstände gleich sind, d. h. Rl = R2 = R3, kann man die Übertragungsfunktionen nach den Kirchhoffschen Sätzen mittels Laplace-Transformation analog dem Beispiel 2.3 des Abschnitts 2.3.5 wie folgt darstellen:
1 1 GI2 ( s ) = - · - - - - - - 2 s2 T32 +s(TI +T2 )+1
mit Zeitkonstanten
1 L Tl = - . 2 R
3 2
T2 =-RC
T32
= LC.
Nach dem Überlagerungsprinzip gilt für lineare Strecken:
+ G 12 (s) U e 2 (s) u a2 (s) = G 21 (s) u e l (s) + G 22 (s) u e 2 (s).
U al
(s) = G11 (s)
Ue1
(s)
(8.47)
Die Struktur der Strecke nach GI. (8.47) zeigt Bild 8.29. Solche Struktur wird als PStruktur bezeichnet. Wenn zwischen den Stellgrößen Yl, Y2 und den Regelgrößen Xl, X2 eine feste Zuordnung besteht, die durch G11 (s) und G22(S) bestimmt wird, kann die Zweigrößenregelung als nichtgekoppelte Regelung mit zwei Einzelreglern mit Übertragungsfunktionen GR1(S) und GR2(S) realisiert werden. Die Über-
+
tragungsfunktionen G11(S), G22(S) werden dadurch als Hauptstrecken und Gn(s), G21 (s) als Koppelstrecken bezeichnet.
Bild 8.29 P-Struktur einer Regelstrecke
Betrachten wir nun das Beispiel 2.4 des Abschnitts 2.3.5. Erweitern wir dieses Beispiel mit einer Masse m2 und Federn, wie in Bild 8.30 dargestellt, so entsteht ein mechanisches System mit den Wegen X el (s), X e2(S) als Eingangsgrößen und X a l (s), X a2(S) als Ausgangsgrößen. Aus dem Kräftegleichgewicht (2.27) für die Feder-Kräfte FCl' FC2, FC3 und die Dämpfer-Widerstandskraft FD nach GI. (2.26) ergibt sich die Be-
schreibung des Systems zu
260
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
Bild 8.30 Mechanisches Feder-Masse-Dämpfer System als Mehrgrößenstrecke mit V-Struktur
Nach der Laplace-Transformation erhalten wir die einzelnen Übertragungsfunktionen XI (s)
K CI
xI(s)
K C2
YI (s)
s 2T22 + sTI + I
x2 (s)
K C2 +K CI
x2 (s)
K C3 2 2 s T4 + sT3 + I
x2 (s)
K C2
xI(s)
K C2 +K C3
Y2 (s)
1+ sTI2 2 2 s T2 + sTI + I 1+ sT21 2 2 s T4 + sT3 + I
mit Zeitkonstanten
Die Übertragungsfunktionen, die einen Ausgang abhängig von dem anderen beschreiben, werden durch V(s) bezeichnet, d. h. xI (s)
_XI(S)
Gll (s)Vl2(s) = - -
G11 () s ---
x2 (s)
YI (s)
Das betrachtete mechanische System wird analog GI. (8.47) durch das folgende Gleichungssystem, jedoch eines anderen Typs, beschrieben: XI (s) = G l1 (s)[YI (s)
+ V12 (s) x2 (s)] + V21 (s) xI (s)].
x2 (s) = G 22 (s)[Y2 (s)
(8.48)
Die Strecke mit rückgekoppelten V(s)-Gliedern, die in Bild 8.31 abgebildet ist, wird als V-Struktur bezeichnet. Diese Struktur unterscheidet sich von der P-Struktur durch
8.7 Mehrgrößenregelung
261 vertauschte Additions- und Verzweigungsstellen. Die Umrechnung von GIn. (8.47) und (8.48) und umgekehrt, sowie die Umwandlung des Wirkungsplanes einer P-Struktur in eine V-Struktur ist möglich, jedoch können dabei die Übertragungsfunktionen bzw. die Wirkungspläne verkompliziert werden. Dies bedeutet, dass jede technisch realisierbare Regeistrecke nach einer bestimmten Struktur aufgebaut ist und so es zweckmäßig ist, diese Struktur auch bei der mathematischen Beschreibung beizubehalten.
Y2
-0 +
Bild 8.31 V-Struktur einer Regelstrecke
8.7.2 Strukturen der Mehrgrößenregelung Die einfachste Struktur der Zweigrößenregelung ist im Bild 8.32 gezeigt. Zwei Regler GRI(S) und GR2(S) regeln jeweils eine Regeldifferenz el = Wl - Xl und e2 = W2 - X2 aus. Diese Regelungsstruktur wird Diagonalregler genannt, weil der Gesamtregler als Diagonalmatrix mit den beiden Einzelreglern dargestellt werden kann:
G
S =(GR1(S)
R( )
0
G
0 R2
I.
(S))
,ooooooo{:ooo __ oooooo __ ooo __ oooooo __ ooo __ ooooooooooo __ oooo°
:
_
W~I GR1 (S)
Diagonalregler :
I
Yl
Strecke
Bild 8.32 Wirkungsplan eines Regelkreises mit dem Diagonalregler
Nachteilig bei dieser Struktur ist die starke gegenseitige Wirkung der beiden Kopplungsstrecken. Die Voraussetzungen zum Einsatz eines Diagonalreglers sind: •
Die Zahl der Regelgrößen r und der Stellgrößen m sind gleich, d. h. r = m
•
Die Hauptstrecken haben P-Verhalten mit oder ohne Verzögerung
•
Die Koppelstrecken haben kein I-Verhalten.
262
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
Viel effektiver ist dagegen die Entkopplungsregelung, bei der die Übertragungsmatrix auch die Entkopplungsregler GRds) und GR21(S) beinhaltet: GR(s)=
G R11 (S) (G R21 (s)
GR12(S)j . G R22 (s)
Der Wirkungsplan eines entkoppelten Reglers ist in Bild 8.33 gezeigt. Beim Entwurf des Regelkreises werden zuerst die Entkopplungsglieder GRds) und GR21(S) so eingestellt, dass die Wirkung der Kopplungsglieder der Regelstrecke aufgehoben wird. Danach erfolgt die Einstellung der beiden Hauptregler für die jeweilige entkoppelte Regelgröße nach den bekannten Einstellverfahren für einschleifige Regelkreise. Die Nachteile dieses Verfahrens: •
Die Entkopplungsglieder sind oft kompliziert oder technisch schwer realisierbar
•
Die Einführung von Entkopplungsglieder ist technologisch nicht immer erwünscht.
Bild 8.33 Wirkungsplan eines Regelkreises mit dem entkoppelten Regler
8.7.3 Entwurf eines Diagonalreglers Der Entwurf eines Diagonalreglers (Bild 8.34) umfasst folgende Maßnahmen: •
Entscheidung über die Zuordnung von Stellgrößen zu Regelgrößen
•
Auswahl des Typs der Hauptregler GRI (s) und GR2(S)
•
Einstellung von Hauptreglern GRI (s) und GR2(S), wie im Eingrößenfall.
Die gegenseitige Wirkung von Hauptregelkreisen wird mit Hilfe des Koppelfaktors C(s) = G 21 (s)· G12 (s) G11 (s)· G 22 (s)
(8.49)
bemessen. Sind die Kopplungsstrecken G12(S) bzw. G21(S) Glieder mit D-Verhalten, so wirkt nur die dynamische Verkopplung, die im Beharrungszustand verschwindet.
8.7 Mehrgrößenregelung
263
Der Koppelfaktor im stationären Betrieb, d. h. bei t ~ 00 oder s ~ 0, wird als statischer Koppelfaktor bezeichnet. Bei Co = sind die Hauptkreise nicht verkoppelt.
°
Co = G 21 (0) . G I2 (0) G II (0) . G 22 (0)
Durch das Vorzeichen des statischen Koppelfaktors wird entschieden, ob eine Mit- oder Gegenkopplung im Hauptregelkreis vorliegt. Die posItIve Kopplung (Co > 0) ist durch die schlechte Regelbarkeit gekennzeichnet. Günstiger für die Stabilität ist die negative Kopplung. Bild 8.34 Diagonalregler mit einer Strecke in P-kanonischer Struktur
Zur Herleitung des Einstellverfahrens eines Diagonalreglers wird das Führungsverhalten bei den ab- und eingeschalteten Einzelreglern diskutiert: •
Wird der zweite Einzelregler abgeschaltet, d. h. GR2(S) = 0, so wird die Hauptregelstrecke GII (s) abgekoppelt und vom ersten Hauptregler GRI (s) in einem einschleifigen Kreis geregelt. Dabei gilt GOI (s) = G RI (s)G Il (s) und G wl (s) =
•
G RI (s)G Il (s)
1+ G RI (s)G Il (s)
.
Wird der erste Einzelregler abgeschaltet, d. h. GRI (s) = 0, so wird die Teilstrecke G22(S) abgekoppelt und vom zweiten Hauptregler GR2(S) geregelt:
G 02 (s) = G R2 (s)G 22 (s) und G w2 (s) =
•
G R2 (s)G 22 (s)
1 + G R2 (s)G 22 (s)
.
(8.50)
Nun betrachten wir das Führungsverhalten des ersten Kreises mit GR I (s) beim Eingangssprung WI, wenn der zweite Hauptregler GR2(S) nicht abgeschaltet ist,
°
jedoch keinen Eingangssprung, d. h. W2 = hat. Der Hauptregler GR I (s) ist in diesem Fall von der Gesamtstrecke nicht abgekoppelt und regelt, wie in Bild 8.35 gezeigt, eine virtuelle Regelstrecke G*1l (s) aus:
* ()_ G II s - GII () s·
[1 - G 21 (s)·G
12 (s) . ---=-==------==---G R2 (S).G 22 (S)] GII (s)· G 22 (s) 1 + G R2 (s)· G 22 (s)
(8.51)
264
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
Bild 8.35 Regelkreis mit resul-
* (s) bei tierender Strecke G II
Xl
I---~t-----_
W2=0
Die resultierende Regelstrecke (8.51) lässt sich unter Beachtung von GIn. (8.49) und (8.50) wie folgt darstellen
(8.52) Analog gilt für die resultierende Regelstrecke für das Führungsverhalten des zweiten Kreises mit GR2(S) bei nicht abgeschalteten ersten Hauptregler GRI (s):
* (s) = G 22 (s)· [1- C(s)· G wl (s)]. G 22 •
(8.53)
Beispiel 8.8
Eine Regelstrecke mit P-Struktur soll mit einem Diagonalregler nach dem Bild 8.34
geregelt werden. Die Streckenparameter sind: G
mit
ll
(s) =
K Pll 1 + sTll
KplI = 1 TII = Is
G
22
(s) =
K P22 1 + sT22
G 12 (s) = K PI2
G 21 (s) = K P21
Kp21 = 0,5
KpI2 = 1.
Kp22 = 2 T22 = 2s
Die Führungsübertragungsfunktion des 1. Regelkreises beim abgeschalteten 2. Einzelregler ist GOI(s) = KIRIKpl1
s (1 + sTll )
Gwl(s)=
KIRIKpl1 s (1 + sTil) + KIR I K Pli
Damit gilt für das statische Verhalten (wenn t ---700 bzw. S ---7 0): Gw](O) = l. Die Führungsübertragungsfunktion des 2. Regelkreises beim abgeschalteten 1. Einzelregler ist:
und damit für das statische Verhalten: Gw 2(0) = l. Der statische Koppelfaktor der Regelstrecke errechnet sich zu: Co = G 21 (0) . G I2 (0) = K P21 . K PI2 = 0,25 G II (0) . G 22 (0) K Pli . K P22 Daraus ergeben sich die resultierenden Regelstrecken nach GIn. (8.52) und (8.53):
* (s) = G ll (s)· [1- Co . G w2 (0)] = G ll (s)· [1- CO] G ll * (s) = G 22 (s)· [1- Co . G wl (0)] = G 22 (s) . [1- Co] . G 22
265
8.7 Mehrgrößenregelung Die Übertragungsfunktion des offenen 1. Hauptregelkreises entspricht dem Grundtyp A
G*Ol(S)= G
Rl
(S)G*ll (s) = K IRl . K pll (l-C )= 0,75K IRl K pll O s 1+ sTll s (1 + sTll )
und kann nach dem Betragsoptimum optimal eingestellt werden:
K IRl =
1
2· 0,75K PllTll
= 0,67 s -I .
Analog ergibt sich die optimale Reglereinstellung für den 2. Hauptregelkreis
* * 0,75KIR2Kp22 G 02 (s) = G R2 (s)G 22 (s) = -------'=-"-------"--'=:::... S (1 + sT22 )
=>
K IR2 = 0,17 s -I .
8.7.4 Stabilität der Zweigrößenregelung Aus der Führungsübertragungsfunktion G*wl (s) des geschlossenen Regelkreises * ( )= G wl s
* (s) G R1 (s)G11 *
1 + G R1 (s)G]] (s)
ergibt sich die charakteristische Gleichung N] (s) = [1 + G ] (s)G]] (s)].
R
[1-
G Rl (s)G ll (s)C(s)G w2 1 + G Rl (s)G ll (s)
(S)] = 0.
(8.54)
Daraus folgen zwei Gleichungen: 1 + GRl (s)G]] (s) =
°
1- C(s)G wl (s)G w2 (s) = 0.
(8.55) (8.56)
Für den zweiten Hauptkreis bei abgeschaltetem ersten Regler gilt analog GI. (8.55) 1 + G R2 (s)G 22 (s) = 0.
(8.57)
Die Stabilitätsbedingung: Ein Zweigrößenregelkreis ist genau dann stabil, wenn sich alle Wurzeln der charakteristischen GIn. (8.55), (8,56), (8.57) in der linken s-Halbebene befinden.
8.7.5 Entwurf eines Entkopplungsreglers Eine Strecke mit m Stellgrößen und r Regelgrößen kann mit Hilfe einer (r, m)-Matrix Gs(s) beschrieben werden. Ist m = r, so kann auch der Regler mit der (m, r)-Matrix GR(S) dargestellt werden. Beispielsweise wird ein Regelkreis mit m = r = 2 mit fol-
genden Matrizen beschrieben und im Wirkungsplan des Bildes 8.36 dargestellt.
266
8 Entwurf von linearen Regelkreisen Bild 8.36 Mehrgrößenregelkreis mit Wirkungslinien als vektorielle Signale: x = (Xl, x2,
x r );
y = (yl, Y2,
Ym)·
Damit wird das Regelkreisverhalten wie bei einem einschleifigen Regelkreis, jedoch vektoriell, ausgedrückt. Dies gilt auch für die Übertragungsmatrix des offenen Kreises (8.58) und die Führungsübertragungsmatrix des geschlossenen Kreises Gw(s) = [Ir +GO(s)]-I·GO(s),
wobei Ir die r-reihige Einheitsmatrix ist. Die Matrix
Ir +Go(s) = Ir +Gs(s) ·GR (s) wird als Rückführdifferenzmatrix bezeichnet.
Steuerbarkeit und Beobachtbarkeit Ein System heißt steuerbar, wenn Steuerungen y(x) existieren, die das System aus einem beliebigen Anfangszustand x A in einen beliebigen Endzustand xE überführen können. Ein System heißt beobachtbar, wenn für jeden Anfangszustand
XA(tO)
einen
Endzustand XE(tA) berechnet werden kann. Die Erläuterung ist in Bild 8.36 gezeigt. y y a)
b)
Bild 8.37 Mehrgrößenstrecke, die aus zwei Teilstrecken SI und S2 besteht: a) S I und S2 sind steuerbar und beobachtbar; b) die beiden Teilstrecken sind beobachtbar, jedoch nur die Teilstrecke S I ist steuerbar; c) Die Teilstrecke S2 ist nicht beobachtbar.
Autonome Regelung Im Gegensatz zur einschleifigen Regelung unterscheidet man bei einer Mehrgrößenregelung verschiedene Regelungsziele, die durch die Stufen der Entkopplung definiert werden. Die Regelung in einem entkoppelten Regelkreis, dessen Kopplungsstrecken G12(s), G21(S) usw. kompensiert sind, wird als autonome Regelung genannt. Man unterscheidet folgende Arten der Autonomie:
267
8.7 Mehrgrößenregelung •
Eigenautonomie: die Änderungen einer Regelgröße haben keinen Einfluss auf die anderen Regelgrößen.
•
Führungsautonomie: die Änderungen einer Führungsgröße haben keinen Einfluss auf die anderen Regelgrößen; jede Führungsgröße beeinflusst nur die zugeordnete Regelgröße.
•
Störautonomie: Jede an einer Hauptstrecke angreifende Störgröße wirkt nur auf die entsprechende Regelgröße. Aus Eigen- und Führungsautonomie folgt nicht unbedingt die Störautonomie.
Die Zusammenhänge der autonomen Regelung werden im Folgenden ohne Herleitung vorgestellt. Notwendige und hinreichende Bedingung für Eigen- und Führungsautonomie besteht darin, dass die Matrix Go(s) (8.58) eine Diagonalmatrix Go(s) = Gs(s), GR (s)
mit den Elementen GOk(S) mit k = 1, ... r ist. Bei Erfüllung dieser Bedingung wird die Mehrgrößenregelung entkoppelt. Es entstehen r entkoppelte Eingrößenregelungen mit den Übertragungsfunktionen GOk(S) der offenen Kreise.
Zerlegung der Übertragungsmatrix Die Übertragungsmatrix GR(S) des Reglers kann in eine Diagonalmatrix GH(S) und eine Entkopplungsmatrix GE(S), wie in Bild 8.38, zerlegt werden. G R (s) = GE(s)· GH(s)
Die Entkopplungsmatrix GE(S) mit passiven Regelungsgliedern soll die Kopplungsglieder der Strecke kompensieren. Die Elemente der Diagonalmatrix GH(S) sind die Regler der entkoppelten Hauptregelkreise. Die Entkopplungsbedingung führt in diesem Fall zu bzw. (8.59) wobei GES(S) eine Diagonalmatrix ist, deren Elemente so gewählt werden, dass die Kopplungsglieder der Strecke kompensiert werden.
+ Hauptregler
Entkopplung
x
Strecke
Bild 8.38 Zerlegung der Übertragungsfunktion des Reglers auf GH(S) und GE(S)
268
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
Regler in P-Struktur, Regelstrecke in P-Struktur Für eine Strecke in P-Struktur GS (s) = (Gll (s)
G21 (s)
G12 (S») G22 (s)
ergibt sich aus GI. (8.59)
unter Beachtung der GI. (8.49) die Entkopplung 1
(
1 GE(s)= . 1- C(s) - GR21 (s)
. - GR12 (S») mit 1
G
Rl2
(s)=G I2 (S) G (s)
G R21 (s) =
ll
G 21 (s) G 22 (s)
(8.60) .
die im Wirkungsplan des Bildes 8.39 mit dem statischen Koppelfaktor Co gezeigt ist.
Bild 8.39 Entkopplungsregler in P-Struktur für eine Strecke in P-Struktur
Regler in P-Struktur, Regelstrecke in V-Struktur Für eine Strecke in V-Struktur V12 (s) Gll (s) )
V21 (s) G22 (s)
Die Kopplungsregler kann man einfacher realisieren, wenn die Abgriffsorte von Eingangssignalen die Rückführgrößen Xl und X2 sind, wie in Bild 8.39 gezeigt ist. Die Kopplungsstrecken werden damit innerhalb der Mehrgrößenregelstrecke kompensiert:
269
8.7 Mehrgrößenregelung V 21 (s)· Xl = G R21 (s)· Xl V 12 (s),x2 =G R12 (s)'x2
. ll1lt
Kopplungsregler
G R21 (s) = V 21 (s) G R12 (s)=V12 (s).
IG~,(,)I +1 e2IGR2iS)II---+------~
Bild 8.40 Entkopplungsregler in P-Struktur für eine Strecke in V-Struktur • Beispiel 8.9 Der im Abschnitt 1.6 betrachtete Molekularfilter (Bild 1.16) hat zwei Regelgrößen, Druck XI und Durchfluss X2, mit entsprechenden Stellgrößen, Ventil YV44 und Ventil YV42. Die Regelstrecke wird als P-Struktur mit folgenden Übertragungsfunktionen identifiziert:
G 21 () s --
K P21 1 + sT21
G
. e -sTt21
22
(s) =
K P22 . e -sTt22 2 2 T2 s +Tl s+l
Die Parameter sind: Kpll
=0,1025
Kp12
=-0,1135
Kp21 = -0,0425
Kp22
=-0,168
Tll = 1,8 s
T12= 1,1 s
T21 = 0,4 s
T2 = 0,016 s Tl = 0,001948 s
Ttll = 0,805 s
Tt 12 = 0,4 s
Tt 21 = 0,1 s
Tt22 = 0,524 s
Als Hauptregler für Druck wird der PI-Regler GRII und für Durchfluss der PlD-Regler GR22 eingesetzt. Es wird zuerst der statische Kopplungsfaktor berechnet:
Co = G 21 (0) G 12 (0) G ll (0) G 22 (0)
K
K
P21 P12 = -0,2801. KpllKp22
Danach errechen sich die optimalen Parameter der beiden Regler zu: KpRl = 8,521 T n l = 1,8 s KpR2 = 0,0318 T n 2 = 0,0499 s
T v 2 = 0,0124 s
270
8 Entwurf von linearen Regelkreisen
Die Kopplungsregler GRI2(S) und GR21(S) werden nach (8.60) ermittelt
1 + 1,8s -(-O,7)J 1107 ~--e G Rl2 () .\" =, l+l,b
jedoch durch P-Regler mit KpRl2 == I, [07 und KpR21 == 0.253 angenähert, Das MATLAB/Simulink-Modell des Zwcigrößcnregelkreises mit Entkopplung ist im Uild 8.41 gezeigt. Ocr PIO-Regler soll invertierend wirken, um das negative Vorzeichen der Regclslrecke auszugleichen. Die simulierten Sprungantwortcll stellt Bild 8.42 dar. Zum Zeitpunkt t = 10 s wird der Sprung der Führungsgröße Durchfluss 11'1 = 2 V und bei t = 190 s der Sprung der Führungsgrößc Dmck "'2 = I V eingegeben. Zum Vergleich sind auch die Ergebnisse einer Simulation ohne Entkopplung gezeigt. Die positive Auswirkung der Enlkopplung ist sichtbar.
•
·1.107
0,2$
•
-..2=1 bei t= 19ls
-0.100 Q,C0J252€E 2 +O.001948ö ..l
""
_-
"Ud 8.41 Simulation des Mehrgrößcnregelkreises zum Beispiel 8.9 mit MATLAB/Simulink
--""..... 'I
I
''!".'
•
•
"'!"'
".,,"..........
.. _.•
.....
-+
•
•
..
---• . -. .... . . -+.
fl-~-~··············I
•
•
••
•
•
"Ud 8.42 Sprungantworten des Mehrgrößcnkreises ohne Entkopplung (links) und mit Entkopplung (rechts): die Regelgröße Druck reagiert nicht auf den Sprung der Führungsgröße Durchfluss und umgekehrt (Quelle: Berg, Oliver: Diplomarbcit. FH Wiesbaden. FB lET, 2001)
271
9 Nichtlineare Glieder im Regelkreis Die in den bisher behandelten Kapiteln ermittelten Gesetzmäßigkeiten gelten nur im linearen Bereich. Die statischen Kennlinien der meisten Regelkreisglieder zeigen jedoch einen nichtlinearen Verlauf, so dass streng genommen alle Systeme als nichtlinear behandelt werden müssten. Ist ein Regelkreis auf einen Sollwert XSI eingestellt, so sind die Abweichungen vom Sollwert i. A. gering, und der Regelkreis kann in diesem Bereich als linear angesehen werden. Wird der Regelkreis auf einen anderen Sollwert XS2 eingestellt, so wird, wenn nichtlineare Glieder im Kreis sind, das Verhalten bezüglich Dämpfung, Optimaleinstellung usw. anders sein als beim Sollwert XSl.
Bild 9.1 zeigt die idealisierten Kennlinien einiger nichtlinearer Regelkreisglieder gegenüber der linearen Kennlinie. Die Ein- und Ausgangsgrößen sind Xe und X a.
a)
b)
c)
-+
d)
Bild 9.1 Idealisierte Kennlinien typischer nichtlinearer Regelkreisglieder a) linear d) Hysterese b) Begrenzung (Sättigung) e) Zweipunktcharakter c) Ansprechempfindlichkeit f) Dreipunktcharakter
Die Sättigung ist eine Erscheinung, die bei allen Regelkreisgliedern auftritt. So kann z. B. bei einem Verstärker mit dem Verstärkungsgrad Kp die Ausgangsgröße nur einen bestimmten Wert X a max annehmen; dem entspricht eine maximale Eingangsgröße X amax x emax = --.
Kp
(9.1)
Überschreitet die Eingangsgröße diesen Maximalwert, so kann die Ausgangsgröße nicht weiter folgen, der Verstärker ist übersteuert. Die Ansprechempfindlichkeit oder tote Zone tritt z. B. bei Messfühlern auf. Das heißt, die Messgröße muss erst einen bestimmten Wert erreichen, bevor der Messfühler anspricht und ein Signal abgibt. Vielfach ist diese Ansprechempfindlichkeit (oder der Schwellenwert) so gering, dass die Kennlinie als linear angesehen werden kann. Die Hysterese, wie sie z. B. bei der Stopfbuchsenreibung an Ventilen auftritt, kommt dadurch zustande, dass sich die Fasern an der Oberfläche der Stopfbuchsenpackung bei Richtungswechsel erst umkehren müssen. Ferner tritt Hysterese bei Relais auf, die bei einem bestimmten Erregerstrom anziehen. Wird dann der Strom langsam reduziert, so fällt das Relais bei einem Strom ab, der geringer ist als der Einschaltstrom.
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_9, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
9 Nichtlineare Glieder im Regelkreis
272
Das Zweipunktverhalten ist charakteristisch für die unstetigen Regler (Bimetallregler, Relais usw.). Obwohl die Bimetallfeder eine kontinuierliche Bewegung ausführt, kann die Ausgangsgröße nur die beiden Zustände Ein und Aus annehmen. Eine Dreipunktcharakteristik wird meist durch Messwerkregler (Dreh- oder Kreuzspulmesswerk) mit oberem und unterem Grenzwert erzeugt. Auch hier ist die Bewegung des Messwerks kontinuierlich, während die Ausgangsgröße nur drei konkrete Werte annehmen kann: RECHTS - EIN, AUS, LINKS - EIN. Die Bilder 9.Ie) und f) zeigen idealisierte Kennlinien. Reale Zwei- und DreipunktB regler sind stets mit Hysterese behaftet. Vielfach ist es vorteilhaft, die gekrümmte Kennlinie eines nichtlinearen Gliedes durch einen idealisierten Polygonzug anzunähern oder umgekehrt. Bild 9.2 zeigt die Magnetisierungskennlinie einer Erregerwicklung und gestrichelt ihre Annäherung. Man unterscheidet zwischen stetigen und unstetigen Nichtlinearitäten.
--+H
Bild 9.2 Wahre und angenäherte Kennlinie eines nichtlinearen Gliedes
Die Wirkung von Nichtlinearitäten wird nachfolgend an einem Beispiel gezeigt. •
Beispiel 9.1
Gegeben sind die Übertragungsfunktionen von Strecke Gs(s) und Regler GR(s): K
Gs (s) = -2=----::2:----'S"------ mit Ks = 0,5; s T2 +sT] +1
TI = 5 s;
(9.2)
G R (s) = K pR + KIR s
T n= 2 s bzw. K IR = K pR / Tn = 3,2s· 1
(9.3)
mit K pR= 6,4;
Der Regelkreis enthält folgende Nichtlinearitäten: •
die Begrenzung (Sättigung) des Reglers nach dem Bild 9.1b mit dem maximalen Wert XB
•
die Ansprechempfindlichkeit (tote Zone) nach dem Bild 9.1c mit
=± 0,5.
Xt
Es soll die Regelgüte des Regelkreises mittels einer Simulation mit MATLAB/Simulink untersucht werden. Zuerst stellt man durch die Lösung der charakteristischen Gleichung S2 T:f+s1]
+1=0
(9.4)
fest, dass die gegebene Strecke zwei Polstellen P-Tl-Gliedem simuliert werden kann:
SI
= -1 und Sz = -0,25 hat und somit mit zwei
KS = Ks .-4(s + l)(s + 0,25) 1+ s 1+ 4s
(9.5)
Der Wirkungsplan des simulierten Regelkreises und die Sprungantworten nach dem Sollwertsprung w = 1 bei verschiedenen Positionen von Schaltern Manual Switch 1 und Manual Switch 2 sind in Bild 9.3 dargestellt. Die Regelgüte des linearen Kreises wird durch Nichtlinearitäten verschlechtert: Im Regelkreis mit toter Zone entsteht eine bleibende Regeldifferenz e(oo) (Bild
273
9.1 Harmonische Balance
9.2. links); mit der Begrenzung steigt der Dämpfungsgmd. auch eine bleibende Regeldifferenz ist möglich (Bild 9.2. rechts).
... W.. 1
•
.-+-
"'PID PIO Controller KpR=6.4
Manual Switch 1
•• •
KIE3.2
• ,., • 0.5
••
Saturation xB
KpS.O.5 Tl.1s
•• ••
Dead
Manual Switch 2
,
T2.4s 45+1
••
Zone xt
'5 mit toter Zone
,
ohne 8el;llenwng
•
ohne tale Zone
I
0.5
°O:'----C5;----;'O--~''<5--'20:O---o;'"
"
ßild 9.3 Untersuchung eines nichtlinearen Regelkreises mit MATLAB/Simulink
Mit Simulationen kann leicht geprüft werden, ob ein optimal eingestellter Regler auch mit Nichtlinearitäten befriedigend arbeitet, wie unten an einem Beispiel gezeigt wird. •
Beispiel 9.2
Es soll die Stabilität des Regelkreises, bestehend aus dem PI-Regler nach 01.(9.2) und der Regelstrecke nuch 01. (9.3) geprüft werden. Die Stellgröße des Reglers ist mit XB '" 10 begrenzt. Ocr Messflihlcr ist P-TI-Olied mit KM'" I und T J", 2s; der McssfUhlcr weist eine Nichtlinearität vom Typ Ansprechempfindlichkeit (tote Zone) mit X, '" 0,5 auf (Bild 9.4). Zuerst wird die Stabilimt des Regelkreises ohne Nichtlinearimten nach dem HurwitzStabilitütskriterium geprüft. Die Übcrtragungsfunktion des aufgeschnittenen Regelkreises ist: Co(s) '" G (s)GS(s)C (s),. R M
K PR KsK M (I + sTil) sTn (I + s)(l + 4s)(1 + 2s)
(9.6)
Aus der Übertragungsfunktion des geschlossenen Regelkreises mit KpR '" 6,4 und Tn", 2 s 3.2(1 + 2s) 2s(l + s)(l +4s) + 3.2 ergibt sich die churakteristische Gleichung
(9.7)
274
9 Nkhtlineare Glieder im Regelkreis 8s 3 + 5s 2 + 2s + 3.2 = O.
(9.8)
die laul dem Hurwitz·Stabilitiitsbcdillgung auf einen instabilen Kreis hinweist. Dies besliitigt auch die Simulation des linearen Regelkreises. Es ist anders beim nicht linearen Regelkreis. Die Stabilität des nichtlinearen Regelkreises hängt von der Größe des Sollwcrtsprunges ab. wie die in Bild 9.4 gegebenen Sprungantworten nachweisen. KpS_O.5
Saturation
xB_1O
... PID
•
~.
W
~
/-
~
T1.1s 0.5 ,.1
T2.45 ~
1
~
45+1
Scapel
PID Controller
KpA_6.4
Dead Zone:d _0.5
KIa3.2
•
KD.o
T3.25 1 2s+1
•
6
, 3 2
'0
Die simulierten Sprungantworten des obigen nichtlinearen Regelkreises bei verschiedenen Größen des Sollv.'crtsprunges 11':
3
5
\
, \,
,"
\
\
,'\
2
I
,:
;
\! -'
\
"
, " \\
, ./! ,,, i
"
1\
!
i !
\ "
\ :/
1. bei 11' = 1.5: ungedämpfte Schwingungen. der Kreis ist grenzstabil.
\
':
\\
2. bei IV = 2: gedämpfte Schwingungen. der Kreis ist stabil.
" \/
3. bei w = 2: keine Schwingungen. der Kreis ist stabil.
" Bild 9.4 Stabilitätsuntersuchung des nichtlinearen Kreises des Beispiels 9.2 20
30
50
Für eine begründete Wahl von Reglerparameter ist die Simulation nieht geeignet. Entsprechend im Linearen sucht man auch bei nichtlinearen Systemen allgemeine Stabilitätskriterien. die jedoch wegen Nichtlinearitäten von Differentialgleichungen im Wesentlichen erschwert sind. Die im folgenden Abschnitt behandelte Methode der Harmonischen Balance (oder Harrnonische Linearisierung) ist ein Niiherungsverfahren, das gestattet, mit verhältnismäßig geringem Arbeitsaufwand nichtlineare Regelkreise auf ihre Stabilität zu untersuchen. Schwieriger zu handhaben sind exakte Methoden. wie •
die Anwendung der Zustandsebene,
•
die Theorie von Ljapunow,
•
das Popow-Kriterium.
Die letzten zwei Methoden werden im vorliegenden Buch nicht behandelt. Die Stabilitätsuntersuchung von linearen und nichtlinearen Systemen mit der Zustandsebene ist im Kapitel 13 anhand eines Beispiels erläutert.
275
9.1 Harmonische Balance
9.1 Harmonische Balance Angeregt von der Frequenzganguntersuchung linearer Glieder, wurde für nichtlineare Systeme die Beschreibungsfunktion entwickelt. Zur Erläuterung wird eine Nichtlinearität, ein Glied mit toter Zone (Bild 9.5), betrachtet. Gibt man auf den Eingang des in Bild 9.5 dargestellten Gliedes eine Sinusschwingung xe (t) = Xe' sin OJ t , so hat die Ausgangsgröße den in Bild 9.6 gezeigten Kurvenverlauf.
Die Ausgangsgröße hat zwar gegenüber der Eingangsgröße die gleiche Frequenz und Phasenlage aber keine Sinusform. Nach Fourier kann jede periodische Funktion in eine Summe harmonischer Schwingungen zerlegt werden. Die Beschreibungsfunktion berücksichtigt nun lediglich die Grundschwingung; die höher Harmonischen werden vernachlässigt. Das Verhältnis der Grundschwingung am Ausgang zur Eingangsschwingung wird als die Beschreibungsfunktion definiert. (9.9)
N(x ) = xal (m) . e xe(OJ)
Bild 9.5 Regelkreisglied mit toter Zone (Ansprechempfindlichkeit)
Bild 9.6 Ein- und Ausgangsgröße eines Regelkreisgliedes mit toter Zone
Die Beschreibungsfunktion N ist im Gegensatz zum Frequenzgang G(jOJ) keine Funktion von OJ, sondern nur von der Amplitude der Eingangsgröße abhängig, wie noch gezeigt werden wird. Es soll nun noch untersucht werden, unter welchen Voraussetzungen die Vernachlässigung der höher Harmonischen bei der Beschreibungsfunktion zulässig ist.
xe
Bild 9.7 zeigt den Wirkungsplan eines Regelkreises, der ein nichtlineares Glied enthält. Die übrigen linearen Glieder sind in dem mit G bezeichneten Block zusammen-
276
9 Nichtlineare Glieder im Regelkreis
gefasst. Erregt man nun den Eingang des nichtlinearen Gliedes mit einer Sinusschwingung, so erscheint am Ausgang ein Signal, welches man nach Fourier als Grundschwingung und die höher Harmonischen auffassen kann. Bild 9.7 Regelkreis bestehend aus linearen Gliedern G und einem nichtlinearen Glied
Dieses Signal wird dem Eingang der linearen Glieder zugeführt. Da lineare Glieder stets mit Verzögerungen behaftet sind, werden die höher Harmonischen stärker bedämpft als die Grundwelle. Infolgedessen wird am Ausgang der linearen Glieder eine Funktion erscheinen, die nur wenig von der Grundwelle abweicht. Das Verfahren ist um so exakter, je höher die Ordnung und damit die Filterwirkung der linearen Glieder ist. Grundlage für die Gültigkeit der gemachten Voraussetzungen ist das Auftreten einer Schwingung. Die Anwendung der Beschreibungsfunktion ist ein Näherungsverfahren, welches sich auf die Ermittlung der Stabilitätsbedingungen nichtlinearer Regelkreise beschränkt. Es lassen sich so mögliche Schwingungen, deren Frequenz und Amplitude bestimmen. Hierzu wird das in Abschnitt 6.4 behandelte Zweiortskurvenverfahren angewandt. Indem einmal die negativ inverse Ortskurve der linearen Glieder und zum anderen die Ortskurve, bzw. die Schar von Ortskurven der Beschreibungsfunktion aufgetragen wird.
9.2 Ermittlung spezieller Beschreibungsfunktionen Laut Definition der Beschreibungsfunktion wird die Ausgangsgröße durch die Grundschwingung der Fourier-Zerlegung dargestellt. Diese lautet: xal(t)=alocoslüt+b1osinlüt
(9.10)
mit den Koeffizienten al
q
=: =:
T
fXa(t)·COSlüt.dt
o
T
(9.11 )
fXa(t)osinlüt.dt.
o
Benutzt man als unabhängig Veränderliche nicht die Zeit t, sondern den Phasenwinkel a= lüt, so wird 1 2J[ al = Jr fX a (a) ° cosa· da
o
1 2J[ b1 = Jr fXa(a)osina.da.
o
(9.12)
9.2 Ermittlung spezieller Beschreibungsfunktionen
277
Interpretieren wir die Eingangsschwingung xe(t) = xe sin OJt als rotierender Zeiger in der Gaußschen Zahlenebene, so können wir schreiben 0
xe OJ t - Xe . e _
(
A
jOlt
)
(9.13)
.
Entsprechend erhalten wir aus (9.10) für die Grundschwingung der Ausgangsgröße 1C) } Olt+o (
Xal(OJt)=aloe
2
+bloejOlt
(9.14) Für die in GI. (9.9) definierte Beschreibungsfunktion folgt dann N(x ) = xal(OJt) = bl ~ jal . e xe Xe(OJt)
(9.15)
Wie bereits erwähnt, ist N (xe) keine Funktion von OJ, sondern nur von xe abhängig.
9.2.1 Beschreibungsfunktion eines Gliedes mit Sättigung Die statische Kennlinie hat den in Bild 9.8 gezeichneten Verlauf. Für xa < XE ist die Ausgangsgröße gleich der Eingangsgröße. Übersteigt Xe den Wert XE, so bleibt Xa = XE = konstant. Aus Bild 9.8 ist zu entnehmen: . XE aj = arcsm
-A-
(9.16)
•
Xe
Für eine ungerade Funktion, d. h. wenn xa(a) = -Xa (- a), vereinfacht sich die Beziehung (9.12). Zur Ermittlung der Grundschwingung der Ausgangsgröße Xa ist dann
aj =0,
bj =
2 2J[ fXa(a)osina.da o
(9.17)
Jr
Im Bereich von 0:5: a:5:
Jr
°
Xe . sin a f~r :5: a:5: aj } xa = XE fur aj :5: a:5: a2 { xe sin a für aj :5: a:5: Jr
(9.18)
0
Setzt man GI. (9.18) in GI. (9.17) ein, so folgt:
bl=~O
al [
a2 J[ ] 2 2 fx e ·sin a.da+ fXE·sinaoda+ fx e ·sin a.da
o
al
a2
278
9 Nichtlineare Glieder im Regelkreis
Bild 9.8 Kennlinie eines Regelkreisgliedes mit Sättigung und Konstruktion der Ausgangsgräße
b] =
~.
[
2·
~fx o
e · sin
2
a· da+
•
~fXB' sina· da al
Mit cos al = - cos a2 folgt
Ferner ist mit GI. (9.16) ~B = sin al . Damit folgt xe bl
=~xe .[al +sinal ·cosatl· Jr
Die Beschreibungsfunktion folgt aus GI. (9.15) N(x ) = xal (a) = b] . sin a e
xe (a)
xe . sm a A
•
,
9.2 Ermittlung spezieller Beschreibungsfunktionen N(xe )
279
=3.-. [al +sinal 'cosad, 1l
mit al = arcsin ~B xe
Für
.
xe < xB
verhält sich das Glied linear. Für
xe ~ xB
bzw.
xe /xB ~ 1 ergeben sich die nachfolgende Tabellenwerte und die in Bild 9.9 gezeichnete Ortskurve der Beschreibungsfunktion. Diese besitzt im vorliegenden Fall nur einen positiven Realteil, der sich von 0 ... 1 erstreckt. Bild 9.10 zeigt die Abhängigkeit der Beschreibungsfunktion von xB /
xe .
-
Xe
sinal
xB
I
I
2 3 5 10
0,5 0,333 0,2 0,1
t
Im
0,4 0,2
-0,2 -0,4
t
1,57 0,523 0,34 0,2 0,1
°
I
2/1l 1,57 0,956 0,654 0,396 0,199
N
°
I
0,608 0,416 0,252 0,127
°
~ xB ~.--
5
0,2
3
2
0,4 0,6
0,8
,.....
...-
1,0
0,8 0,6 0,4 0,2
°
N
--
A
00
N
al
0,866 0,942 0,980 0,995
°
00
cos a l
./
1/
°°
"
0,2
1,0 1,2 -
Re
/'
Bild 9.9 Ortskurve der Beschreibungsfunktion N eines Gliedes mit Sättigung
Bild 9.10 Zusammenhang N =
0,4 0,6
0,8 1,0
-
xB
f( ~: )
~e
9.2.2 Beschreibungsfunktion eines Gliedes mit toter Zone Bild 9.11 zeigt die statische Kennlinie eines Gliedes mit toter Zone Xt. Nach Überschreiten der toten Zone wird am Ausgang das Eingangssignal getreu wiedergegeben. Die Ausgangsgröße des Gliedes mit toter Zone ist ebenfalls eine ungerade Funktion, da xa(a) = - xa(-a). Damit vereinfacht sich die Beziehung (9.12) zur Berechnung der Grundschwingung der Ausgangsgröße entsprechend GI. (9.17): al
=0,
bl =
2 Jr
2;r
fXa(a).sina.da.
°
(9.19)
280
9 Nichtlineare Glieder im Regelkreis
i-Xe
Bild 9.11 Kennlinie eines Regelkreisgliedes mit toter Zone und Konstruktion der Ausgangsgröße
Für 0:<;; a:<;; Jrist
x, +~,;na-Xl
(9.20)
GI. (9.20) in GI. (9.19) eingesetzt ergibt:
b] =
~.
a2
fexe' sina- x t )· sina· da,
a]
7[/2
4 [~ b] =-. ~. f(l-cos2a).da+x t ·cosa Jr 2 al
4 ~ 1 Jr 1. b] = - . xe - - - a] - - . sm 2a Jr 2 2 2
[ [
7[/2]
,
aj
Xt 7[/2]_ - --;;- cos a] , aj
xe
9.2 Ermittlung spezieller Beschreibungsfunktionen
281
Aus Bild 9.11 ist zu entnehmen: xe(t) = xe' sin Olt,
(9.21) Ferner ist sin 2al = 2 sin al . cos al . Damit wird 4 b1 = Jr . xe [Jr
4 - 2a+l"2l..sm al . cos al -
A
.
]
sm al . cos al '
Die Beschreibungsfunktion folgt aus GI. (9.15) A) xal (a) b]· sin a N(x e = - - = xe (a) xe . sm a A
•
N(xe)=I-~.[al +sinal ·cosaIJ· Jr Für verschiedene Werte von xe / x t und der Beziehung (9.21) erhält man nachfolgende Tabelle. Die N-Werte der Tabelle ergeben sich in noch einfacherer Weise, indem die in Abschnitt 9.2.1 gefundenen N-Werte (Sättigung) von 1 subtrahiert werden. Die Ortskurve der Beschreibungsfunktion ist in Bild 9.12 dargestellt und erstreckt sich auf den positiven Realteil zwischen 0 ... 1. Bild 9.13 zeigt die Funktion N = f( xe / x t ). A
Im
t
1
0,4 0,2
-0,2 -0,4
0,2
xe -----+ Xl
2
3
510
0,4 0,6
0,8
1,0 1,2 --. Re
Bild 9.12 Ortskurve der Beschreibungsfunktion eines Gliedes mit toter Zone Xl
-----+ N
xe xt
sinal
cosal
erl
[ ... ]
N
1 2 3 5 10
1 0,5 0,333 0,2 0,1
0 0,866 0,942 0,980 0,995 1
1,57 0,523 0,34 0,2 0,1
1,57 0,956 0,654 0,396 0,199
1 0,392 0,584 0,748 0,873 1
-
00
°
°
°
282 N
t
9 Nichtlineare Glieder im Regelkreis 1,0 0,8 0,6 0,4 0,2
o
'""
........
""'-100...
o
0,2
0,4 0,6
.......
Bild 9.13 Zusammenhang N =
..........
f( ~: )
0,8 1,0
9.2.3 Beschreibungsfunktion eines Gliedes mit Hysterese Bei einem System mit Reibung oder Hysterese muss die Eingangsgröße erst die Ansprechempfindlichkeit Xt überschreiten bis am Ausgang ein Signal erscheint. Die Ausgangsgröße bleibt dann bis zum Umkehrpunkt stets um Xt kleiner als Xe' Im Umkehrpunkt ändert sich die Polarität von xe und die Ausgangsgröße bleibt solange konstant bis Xe in der entgegengesetzten Richtung die Ansprechempfindlichkeit überschreitet. Bild 9.14 zeigt die Konstruktion der Ausgangsgröße an der Hysteresekennlinie im eingeschwungenen Zustand. Die Berechnung der Grundschwingung der Ausgangsgröße erfolgt nach der Beziehung (9.12). Allerdings ist die Hysteresekennlinie mehrdeutig, so dass al und b] ermittelt werden müssen. Die Berechnung wird einfacher, wenn man als Integrationsbereich nicht 0 ~ a~ 21t, sondern -al ~ a~ (21t- aj) wählt. In diesem Bereich ist:
Xa =
Jr 2
Xe' sina- x t
für
xe -Xt
für
-~a~Jr-a]
Xe' sina+ Xt
für
Jr-a1
für
-~a~2Jr-al
-xe +x t
-al
~a~-
Jr 2
(9.22)
3Jr 2
~a~-
3Jr 2
Ferner sind die Funktionen x a (a) . cos asowie x a (a) . sin a in den Bereichen - a1 ~ a ~ (Jr - a1) und (Jr - a1) ~ a ~ (2Jr - a1) gleich, so dass die Integration auf einen der beiden Bereiche beschränkt werden kann. Daraus folgt a1 =
~.
~-~
fXa(a).cosa.da und b1 =
~.
-~
~-~
(9.23)
fXa(a).sina.da -~
Zunächst wird al berechnet. Mit der Beziehung (9.22) folgt: a1 =
~.
[
~/2
~-al
-al
~/2
fexe ·sina-xt)·cosa·da+
]
fexe -xt)·cosa·da ,
283
9.2 Ermittlung spezieller Beschreibungsfunktionen
0
,
,I
x,
2
!
,
Bild 9.14 Hystcresekennlinie und Konstruklion der Ausgangsgröße im cingesehwungencn Zustand
3 -, 2
a
2,
(9.24) Aus Bild 9.14 entnimmt man fLirden Winkel al folgende Beziehung: xe ~2Xl =xe ·sina),
2 x,
.
(9.25)
sma) =1- -.-.
x,
01. (9.25) in GI. (9.24) eingesetzl, ergibt:
2 . [I
2
.
.
.
]
{/I
=-.xe _·cos al +(smal-I)'smal +smal-l ,
{/I
=~-'cos
2
;r
x, ;r
2
aj.
Entsprechend folgl rur bl:
(9.26)
284
9 Nichtlineare Glieder im Regelkreis
2 bl = -
~
sm2a + -~ a + x t cos a
A
0
Jr
[(
bl = -2 xe
-
2
[ 0
A
0
-
[ 0
tr/2
- (xe - x t ) cos a A
tr-aj
]
0
-al
,
tr/2
t ) 1 sm 2al + -Jr + -al - ~ x t . cos al + (X 1- ~ cos al ] ' 0
-
Jr
bl = -2 xe
)
0
4
A
0
A
0
-
-
-
Jr
4
0
4
2
0
~
~
1 sm . al cos al + -Jr + -al - 2 x t cos al + cos al ] . 2 4 2 xe 0
-A-
•
Unter Verwendung der Beziehung (9.25) folgt:
b1 = -2 . xe A
Jr
[ 0
-
-
1 sm . al cos al + -Jr + -al + (' sm al - 1) cos al + cos al ] ' 0
2
4
2
(9.27) Mit GI. (9.26) und GI. (9.27) in GI. (9.15) erhält man die Beschreibungsfunktion N(x e )=
~[(~ +al +sinal.cosal)-joCos2allmit
al = arcsin(1- 2
~: ) , siehe GI. (9.25).
In nachstehender Tabelle sind die Real- und Imaginärteile von N für verschiedene x t / -Werte ermittelt.
xe
Xt /
xe
°
0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 1,0
sinal
cosal
tXI
Re(N)
Im(N)
1 0,8 0,6 0,4 0,2
°
1,57 0,93 0,64 0,41 0,2
1 0,95 0,857 0,748 0,625 0,5 0,37 0,25 0,143
-0,115 -0,204 -0,267 -0,305 -0,318 -0,305 -0,267 -0,204
°
-0,2 -0,4 -0,6 -1
0,6 0,8 0,916 0,98 1 0,98 0,916 0,8
°
°
-0,2 -0,41 -0,64 -1,57
°
°
°
9.2 Ermittlung spezieller Beschreibungsfunktionen
285
Wie die Ortskurve der Beschreibungsfunktion zeigt, wächst die Phasenverschiebung mit zunehmendem Verhältnis x t / für x t = wird schließlich die Ausgangsgröße Null, unabhängig von der Eingangsgröße (Bild 9.15).
xe ;
0,2 -0,2
-0,2 -0,4
xe
Im
t
0,2
0,4
0,6
0,8
Re_ 1,0 _
Bild 9.15 Ortskurve der Beschreibungsfunktion eines Gliedes mit Hysterese
° O,I~ X
08 0,2 / ' 0,7 06 04 0,3 Jt' , 0,5 '
e
9.2.4 Beschreibungsfunktion eines Dreipunktreglers ohne Hysterese Für die Behandlung von Regelkreisen mit unstetigen Reglern ist die Beschreibungsfunktion des Dreipunktreglers sehr wichtig, da hieraus durch Nullsetzen von Xt die Beschreibungsfunktion des Zweipunktreglers folgt. Bild 9.16 zeigt die Charakteristik und den Verlauf der Ausgangsgröße bei sinusförmigem Eingang. Die Grundschwingung der Ausgangsgröße erhält man auf einfache Weise aus GI. (9.12). Die Funktion der Ausgangsgröße ist ungerade, da xa(a) = ergibt sich für GI. (9.12) folgende Vereinfachung:
2 b] =
-xaC- a).
Damit
7[
(9.28)
fX a ·sina·da
1r'
o mit für
O:'S:a:'S:a] } a] :'S: a:'S: (1r - a])
für für
(1r - a]):'S:
(9.29)
a:'S: 1r
GI. (9.29) in GI. (9.28) eingesetzt, ergibt: 4 4 7[/2 b] =-. f xB ·sina·da=-·XB(-cosa) 2 1r
1r
-~
-~
(9.30) Aus Bild 9.16 folgt für
a]
die Beziehung:
a]
= arcsm
. xt
In GI. (9.30) eingesetzt, führt zu:
-A-
xe
•
286
9 Nichtlineare Glieder im Regelkreis
Bild 9.16 Kennlinie und Konstruktion der Ausgangsgröße eines Dreipunktreglers ohne Hysterese
2n
b) in die Beziehung (9.15) eingesetzt, liefert die Beschreibungsfunktion.
(9.31) Zur Auswertung der GI. (9.31) wird das Verhältnis k = XB / führt. Somit wird:
Xt
bzw. XB = k·Xt einge-
(9.32) Nachstehende Tabelle enthält die N-Werte für k = 1. Für andere k-Werte sind die NWerte mit dem jeweiligen k zu multiplizieren. Mit k = XB / Xt als Parameter ist in Bild 9.17 die Funktion N(x e ) = f ( :: ) wiedergegeben.
9.3 Stabilitätsuntersuchungen an nichtlinearen Regelkreisen
Xe
r.
N
-fi
1 0,707
°
°
2 3 4 6 8 10 20
0,500 0,333 0,250 0,167 0,125 0,100 0,050
Xe
-
Xt
1
X - t
°
00
0,707
0,637
0,866 0,943 0,968 0,986 0,992 0,995 0,999 1
0,552 0,400 0,308 0,208 0,158 0,127 0,064
°
287
,
3
N
J.
" '"
I,, 'f'i.,, ...........
t2
- --
I~ -.....~
,
;<'
°°
1
N~4
,, J2
Bild 9.17 N(x e ) = f
r----. ~ ............ ~ 1 ::::::
-
2
(~) mit k = xB xt
Xt
als Parameter für einen Dreipunktregler
Wie man durch eine Maximalwertberechnung leicht nachprüfen kann, wird N für x t = -fi ein Maximum mit
xe /
2
2
xB
Je
Je
xt
N max = - k = - · -
Bild 9.18 zeigt die Ortskurve von N, sie ist eine Doppellinie, die für xe / x t = I bei Null beginnt und erstreckt sich mit zunehmendem xe / x t auf die positiv reelle Achse
xe /x t = -fi. Für Werte xe / x t > -fi wandert die Ortskurve wieder zum Nullpunkt zurück, den sie für xe / x t = erreicht.
bis zum Maximalwert bei
00
Im
1
t
Bild 9.18 Ortskurve der Beschreibungs-1
00
20 8 6 4 A
3
~+Xl
2
->
Re
funktion eines Dreipunktreglers mit xB
k=-=4 xt
-1
9.3 Stabilitätsuntersuchungen an nichtlinearen Regelkreisen Die Beschreibungsfunktion in Verbindung mit dem Zweiortskurvenverfahren ist zur Stabilitätsuntersuchung von Regelkreisen, die Nichtlinearitäten enthalten, besonders geeignet.
288
9 Nichtlineare Glieder im Regelkreis
Wie in Bild 9.19 gezeigt, werden die linearen Glieder in der Übertragungsfunktion G(s) bzw. dem Frequenzgang G(jOJ) zusammengefasst. Zur Beschreibung des nichtlinearen Gliedes dient die Beschreibungsfunktion N(x e ). Das Verfahren der Harmonischen Balance betrachtet den geschlossenen Regelkreis an der Stabilitätsgrenze, d. h. es existiert eine stabile Dauerschwingung. Für die Ausgangsgröße des linearen Teils in Bild 9.19 gilt (9.33)
xe (jOJ) = G(jOJ)' e(jOJ) .
Diese wirkt auf den Eingang der Nichtlinearität mit der Beschreibungsfunktion N(x e ) und erzeugt am Ausgang die Grundschwingung (9.34) Bild 9.19 Nichtlinearer Regelkreis im Zustand der Harmonischen Balance
Setzen wir GI. (9.34) in GI. (9.33) ein, so folgt unter Berücksichtigung, dass e(jOJ) = -xal (jOJ)
(9.35) Dies ist die charakteristische Gleichung des nichtlinearen Regelkreises und wird auch als Gleichung der Harmonischen Balance bezeichnet. Zur Anwendung des in Abschnitt 6.4 behandelten Zweiortskurvenverfahrens bringen wir GI. (9.35) in die Form 1 N(x e )=- G(jOJ)'
(9.36)
A
(9.36) ist eine komplexe Gleichung, deren Real- und Imaginärteile gleich sein müssen. Daraus ergeben sich zwei Gleichungen zur Ermittlung der Amplitude und der Kreisfrequenz OJ der Dauerschwingung. Zur graphischen Auswertung wird, in Analogie zu linearen Regelkreisen, einmal die Ortskurve der Nichtlinearität und zum anderen die negativ inverse Ortskurve der linearen Glieder in einem gemeinsamen Diagramm dargestellt.
xe
9.3.1 Dreipunktregler mit nachgeschaltetem Stellmotor zur Druckregelung Das Schema einer Druckregelung mittels Dreipunktregler ist in Bild 9.20 dargestellt. Der vom Messfühler gemessene Druck p wird in einem Messurnformer in eine proportionale Spannung U x umgeformt: U x (s) 1V GMu(s)=--=K 1 =--. p(s) 1bar
289
9.3 Stabilitätsuntersuchungen an nichtlinearen Regelkreisen Die Regeldifferenz
wird dem Dreipunktregler mit nachgeschalteten Leistungsrelais zugeführt. Bezeichnet man e als Eingangsgröße und die geschaltete Motorspannung als Ausgangsgröße, so hat der Dreipunktregler die in Bild 9.21 gezeigte Kennlinie. Regelstrecke
Bild 9.20 Druckregelstrecke mit Dreipunktregler
Die Ansprechempfindlichkeit beträgt Xt = 0, I V; die am Ausgang geschaltete Span-
i
nung XE = 220 V. Der nachgeschaltete Zweiphasen-Kondensatormotor hat folgende Übertragungsfunktion
SOUls mit K 2 = - - und T2 =0,5s. 220V
i
x B = 220 V
,1
Bild 9.21 Kennlinie des Dreipunktreglers
Die Motorwelle treibt über ein Getriebe die Ventilspindel mit einem Vorschub von 0,04 mrn pro Umdrehung der Motorwelle. mrn U
G o (s)=K 3 =0,04-.
Die Übertragungsfunktion der Strecke lautet bar I . G() s s -P(s)-K - S ,rmt K s =0,1- und Ts = 2s. y(s) 1+ sTs mrn
290
9 Nichtlineare Glieder im Regelkreis
In Bild 9.22 ist der Regelkreis nochmals im Wirkungsplan dargestellt. Die Zusammenfassung der linearen Glieder ergibt die resultierende Übertragungsfunktion (9.37)
G(s) = GM (s)· GO (s)· G S (s)· G MU (s)
bzw. den Frequenzgang G( 'OJ) =
K j K 2 K 3K S jOJ(l + jOJT2 )(1 + jOJTs )
}
(9.38)
und den negativ inversen Frequenzgang 1 G(jOJ)
(9.39)
----
1
Gs
~
+
-11 -
x=p
lJfl N
Go ~
~ Bild 9.22 Wl,ku"g,p'" des in Bild 9.20 gezeichL neten Regelkreises
~~l e UX GMU I~--o,=-
l~
Die Beschreibungsfunktion des Dreipunktreglers ist nach GI. (9.32) (9.40) mit k = xB = 220 V = 2200.
xt
0,1 V
Zur Konstruktion der Ortskurve von N(x e ) werden die in Abschnitt 9.2.4 für k = 1 aufgestellten Tabellenwerte mit k = 2200 multipliziert. N(x e )max =
3.-Ir k = 1400.
Da sich die Ortskurve von N(xe ) nur auf die positiv reelle Achse erstreckt, genügt es, den Schnittpunkt der Ortskurve von - l/G(jOJ) mit der positiv reellen Achse zu ermitteln. Im Schnittpunkt der beiden Ortskurven müssen die folgenden Bedingungen erfüllt sein: Im[_ _l_] = ImrN(x e )] und G(jOJ)
(9.41)
9.3 Stabilitätsuntersuchungen an nichtlinearen Regelkreisen
l_]
Re[ _ _ = Re[N(xe )]. G(jm)
291 (9.42)
Mit GI. (9.39) folgt aus GI. (9.41)
md = - -1 - = 1-] s
~T2Ts
Für m= md wird Re[ _ _l_]= 1 . T2 +Ts =2750. G(jm) K]K 2 K 3 K S T2TS Das heißt, die beiden Ortskurven von N(x e ) und - l/G(jm) schneiden sich nicht, da der Schnittpunkt von - l/G(jm) mit der positiv reellen Achse außerhalb von N max liegt. Somit ist der Regelkreis unbegrenzt stabil. Es soll nun noch der Fall untersucht werden, wenn die Ansprechempfindlichkeit von 0,1 V auf Xt = 0,04 V reduziert wird. Dadurch folgt für k = 5500 und
Nun wird die Ortskurve der Beschreibungsfunktion von - l/G(jm) geschnitten, und zwar treten zwei Schnittpunkte auf bei Xe
= 1,11 (Schnittpunkt 1)
Xe
= 12,29 (Schnittpunkt 2)
xt
und xt
Hiervon ist der Schnittpunkt 1 labil. Durch eine geringe Störung wird der Regelvorgang in den stabilen Schnittpunkt 2 umspringen und eine Dauerschwingung mit m = 1 s-] ausführen. Die Labilität des Schnittpunktes 1 kann man sich an Bild 9.17 klar machen. Für xe / x t < J2 hat N = f (xe / x t ) eine positive Steigung, d. h. bei Vergrößerung der Eingangsamplitude xe wird N(x e ) also gewissermaßen der Verstärkungsgrad des Reglers größer. Befindet sich der Regelkreis im Schnittpunkt 1 und tritt eine Störung auf, die zu einer geringfügigen Vergrößerung von xe führt, so wird infolge der zunehmenden Verstärkung des Reglers aus der Dauerschwingung eine aufklingende
292
9 Nichtlineare Glieder im Regelkreis
xe /
Schwingung. Diese wächst an bis für x t > 12 der stabile Schnittpunkt 2 erreicht wird. Bild 9.23 zeigt die graphische Darstellung nach dem Zweiortskurvenverfahren. IM
t
1
---
G(jOJ)
1000
5000
-1000 0,5
Bild 9.23 Graphische Stabilitätsuntersuchung
-1000
Die Amplitude der Regelgröße x = p ergibt sich aus: ux(s)
xe(s)
pes)
pes)
GMu(s)=--=--=K l bzw.
Im Schnittpunkt 2 ist A
p
xe = 2,29 . x t . Damit folgt
=- I . 2,29 . x t = 0,092 bar. K1
9.3.2 Untersuchung eines Regelkreises mit Ansprechempfindlichkeit In Bild 9.24 ist ein Regelkreis gezeichnet, dessen Messfühler eine Ansprechempfindlichkeit aufweist. Die Übertragungsfunktionen von Regler und Strecke lauten: I GR(s)=sTI
KS
Gs(s)=-z-z-----"---
Bild 9.24 Wirkungsplan eines Regelkreises mit Ansprechempfindlichkeit des Messfühlers
s Tz
+ sTI + I
TI = 0,2 s;
KS = 0,5;
Tl = 5 s;
z T:j=4s .
Die Beschreibungsfunktion der Nichtlinearität ist gemäß Abschnitt 9.2.2
9.3 Stabilitätsuntersuchungen an nichtlinearen Regelkreisen
293 (9.43)
mit
Die Zusammenfassung der linearen Glieder ergibt
Ks
G(s) = G R (s)G s (s) = --2-2-"------sTI (s T2 + sTI + 1)
bzw. den negativ inversen Frequenzgang 1 1 2 - - - .- = - - [ - w TITI G(jw) Ks
.
2 2
+ JwTI(l-w T2
(9.44)
)].
Da die Beschreibungsfunktion (GI. (9.43)) reell ist, verläuft die Ortskurve von N(xe ) auf der positiv reellen Achse. Es genügt demnach die Berechnung des Schnittpunktes der Ortskurve von - l/G(jw) mit der positiv reellen Achse. Im Schnittpunkt ist. Im[- _1_] = G(jw)
1 = 05wd = s ' T2
°und es folgt aus GI. (9.44) 1
Der zugehörige Realteil errechnet sich aus GI. (9.44) für Re[-
Wd
zu
1 ]= TI TI =0,5. G(jwd) KsTi
Wie Bild 9.25 zeigt, schneidet die Ortskurve 1 von -l/G(jw) die Beschreibungsfunktion N(xe ). Die sich in diesem Schnittpunkt einstellende Dauerschwingung ist labil, da gemäß Bild 9.13 N(x e ) mit zunehmendem xe anwächst, mit abnehmendem xe abnimmt. N(x e ) kann als Verstärkungsgrad der Nichtlinearität interpretiert werden. Eine geringe Erniedrigung der Schwingamplitude führt zu abklingenden, eine Erhöhung zu aufklingenden Schwingungen. Man spricht deshalb von einer "Stabilität im Kleinen". Bei zunächst stabilem Regelverhalten kann der Kreis durch auftretende Störungen instabil werden, ein höchst unerwünschtes Verhalten. Aus Bild 9.25 ist ersichtlich, wie groß der Regelparameter TI gemacht werden muss, damit unbegrenzte Stabilität herrscht. Die Ortskurve 1 von - 1 /G(jw) schneidet die
294
9 Nichtlineare Glieder im Regelkreis
IM
r
/'
\s
I
0,5
---
-
G(jOJ)
xe 2
/
G(jOJ)
2 "" >-\c;\ /'
.,,/
.-
Xt
- -I -
<S>
/'
/'
/'
.,,/
-
(i)
/ RE
-0,5
Bild 9.25 Stabilitätsuntersuchung eines Regelkreises mit Ansprechempfindlichkeit Kurve I für TI = 0,2 s , Kurve 2 für TI = 0,6 s.
positiv reelle Achse für m = md = 1 / T2.
Diese Frequenz ist unabhängig von
Tr. Für
Re[-l/G(jmd)] >1 gibt es keinen Schnittpunkt der Ortskurven von - l/G(jm) und N(xe ). Daraus folgt: 1
] = TI Tl > l.
G(jmd)
KsTi
Re[-
Ti TI> K s -=O,4s. Tl
In Bild 9.25 ist für TI = 0,6 s > 0,4 s die Ortskurve 2 von -l/G(jm) gestrichelt eingezeichnet. Dieser Regelkreis ist unbegrenzt stabil, es treten keine Dauerschwingungen auf. ~
Aufgabe 9.1
Wie ist das Stabilitätsverhalten des zuvor behandelten Regelkreises, wenn Xt = a) TI< 0,4 s,
b) Tr> 0,4 s?
°
und
295
10 Unstetige Regelung Bei einem stetigen Regler hat die statische Kennlinie YR = fee) den in Bild 10.1 gezeigten Verlauf. Verändert man die Eingangsgröße e kontinuierYR lich von emin bis e max , so ändert sich die Stellt größe ebenso kontinuierlich über den gesamten Stellbereich Yh. Betrachtet man demgegenüber die Kennlinie des einfachsten unstetigen Reglers (Zweipunktregler, Bild 10.2), so kann die Stellgröße nur zwei diskrete Zustände annehmen YR = 0 und YR = YRmax . Bild 10.1
Statische Kennlinie YR = fee) eines stetigen Reglers
YR
t
I-"""T"YRmax
~ Bild 10.2
Die gerätetechnische Verwirklichung von unstetigen Reglern in Form von Relais, Bimetallschaltern, Kontaktthermometern usw. ist denkbar einfach und preiswert. Wie beim stetigen Regler wird dem Zweipunktregler die Regeldifferenz zugeführt.
Statische Kennlinie eines Zweipunktreglers ohne Hysterese
Ist die Regeldifferenz e = w - x positiv, so schaltet der Zweipunktregler ein, ist sie Null oder negativ, so schaltet der Zweipunktregler ab. Der Hauptnachteil der einfachen unstetigen Regler besteht in der pendelnden Arbeitsbewegung der Stellgröße und somit der Regelgröße um den Sollwert. Ursprünglich wurden diese einfachen unstetigen Regler (vorwiegend Zweipunktregler) zur Regelung einfacher Regelkreise (Raumtemperatur, Bügeleisentemperatur, Kühlschranktemperatur usw.) benutzt. Durch geeignete Maßnahmen können die Schwankungen der Regelgröße um den Sollwert auf ein innerhalb der Genauigkeitsgrenze von Messgeräten liegendes Maß gesenkt werden, so dass sie heute auch zur Regelung komplizierter Regelstrecken verwendet werden. Allerdings sind die elektrischen und elektronischen Regler recht aufwendig, so dass der Preisunterschied im Vergleich zu den stetigen Reglern nicht allzu groß ist. Für Regelstrecken, bei denen eine hohe Stellleistung erforderlich ist, wird eine unstetige Regeleinrichtung mittels Thyristoren, Triacs oder Ähnlichem stets billiger sein als eine entsprechende stetige Regeleinrichtung.
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_10, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
296
10 Unstetige Regelung
10.1 Idealer Zweipunktregler an einer P-Strecke höherer Ordnung Bild 10.3 zeigt einen Wasserdurchlauferhilzer, dessen Temperatur von einem Kontaktthcrmomclcr geregelt wird. Bei Inbetriebnahme der Anlage wird die Heizwicklung eingeschaltet und erwärmt das Wasser. Infolge des Temperaturansliegs steigt die Quecksilbersäule des Kontaktthermomelers. Im unteren Ende des Glaskolbens ist ein Platinkontakt eingeschmolzen, während ein zweiter Platindraht von oben in den Glas-
kolben ragt, der in der Höhe verstellbar ist. Wird das uniere Ende des oberen Platindrahtes auf die Solllcmpcratur eingestellt, so wird. wenn die Quecksilbersäule diese erreicht, die Relaiswicklung kurzgeschlossen und die Heizung ausgeschaltet. Bei Temperaturabnahme wird die Quecksilbersäule den Kontakt unterbrechen und die Heizung erneut einschalten usw.
=======t:;::=J=;===== ~p --~
KOnlaktthermometer Bild 10.3 Wa~serdurchlauferhjt zer mit KOnlaktthermorneter zur TemperaiUrregelung
Es soll nun das zeitliche Verhalten eines Zweipunktreglers an vorliegender Strecke behandelt werden. Diese ist mindestens von 2. Ordnung. Schaltet man die Heizspirale ein, so wird die Temperatur im Behälter nach einer e-Funktion ansteigen. Eine weitere Verzögerung I. Ordnung bildet der Glasmantel des Thermometers. Taucht man dieses plötzlich in eine Flüssigkeit mit einer anderen Temperatur, so steigt die Quecksilbersäule ebenfalls nach einer e-Funktion. Vereinfachend soll diese Strecke 2. Ordnung mit Verzugs- und Ausgleichszeit durch eine reine Totzeit Tl und ein Verzögerungsglied I. Ordnung mit der Zeitkonstanlen Tl angenähert werden. Ferner soll der Schaltpunkt des Zweipunktreglers in beiden Richtungen exakt gleich sein. Diese Forderung wird von dem Kontakuhermometer ziemlich genau erHiIlt. Den entsprechenden Wirkungsplan des Regelkreises zeigt Bild 10.4.
+
Bild 10.4 Wirkungsplan eines Regelkreises mit Zweipunktregler zur Regelung eincr P-TI-Tl-Strcckc
Betrachtet man die Strecke zunächst ohne Regler, so wird nach Einschalten der Heizwicklung die Wassertempcratur nach Verlauf der Totzeit Tt nach einer e-Funktion mit
297
10.1 Idealer ZweipunkfregJer an einer P-Strecke höherer Ordnung
der Zeitkonstanten TI ansteigen, bis zum Endwert XE, Schaltet man danach die Heizwicklung ab, so fallt die Wassertemperatur nach Verlauf der Totzeit ebenfalls nach einer e-Funktion ab. Vereinfachend wird angenommen, dass die Zeitkonstanten der Erwärmungs- und Abkühlungskurven gleich sind, was in praxi nicht immer der Fall ist. Die Regelstrecke wird nun mit dem Zweipunktregler in Betrieb genommen, wobei der Sollwert so eingestellt ist, dass er zwischen der Anfangstemperatur temperalUr XE liegt. Zunächst ist die Temperatur x =
XA
XA
und der End-
und die Regeldifferenz
e = 11' - XA positiv, so dass der Zweipunktregler einschaltet und die Wassertemperatur in der zuvor beschriebenen Weise ansteigt. Beim Erreichen des Sollwertes schaltet der Regler ab, die TemperalUr steigt infolge der Totzeit bis zum Wert XI weiter an, um dann entsprechend der Temperaturabkühlungskurve abzufallen. Wird der Sollwert unterschritten, so schaltet wie in Bild 10.5 gezeigt die Heizung erneut ein. Nach Verlauf der Totzeit. in der die Temperatur bis auf den Wert X2 abfällt, beginnt die Temperatur wieder anzusteigen. Dieser Vorgang wiederholt sich periodisch mit einer Temperaturschwankung zwischen Xl und X2 mit der Amplitude xo um den Wert X3.
-T,
x
X
A
= 0
+-+
--- ---
.L
=.I:..:-,,-=-~-~-~-=-~-~-
T,
To Uild J0,5 Verlauf der Regel- und Stellgröße eines Regelkreises, bestehend aus einer P-T1Strecke mit Totzeit und einem Zweipunktregler
Ermittlullg der Schwallkltllgsbreite Zxo ulld der MittelwertabweiclulI/g xMA Für den oberen Grenzwert der Dauerschwingung erhält man XI =w+(xE -w)·(l-e
mit XE = KSYRmax'
-"
TI),
(10.1 )
298
10 Unstetige Regelung
Entsprechend folgt für den unteren Grenzwert x2: _ T(
x2 = w· e TI
(10.2)
Subtrahiert man GI. (10.2) von GI. (10.1), so erhält man die Schwankungsbreite
_71 2· Xo
= xl
- x2
= xE
(10.3)
. (1- e 1]).
Die Schwankungsbreite 2xo wird um so größer, je größer die Totzeit Tt und je kleiner die Zeitkonstante Tl ist. Für Tt / Tl
xo =
XE
---7
00
wird 2·xo =
bzw. die Schwingamplitude
12. Bemerkenswert ist, dass xo unabhängig vom Sollwert ist. Wie Bild 10.6
zeigt, weicht der Mittelwert der Regelschwingung XMA
XE
X3
vom Sollwert ab. Die Differenz
j
wird als Mittelwertabweichung bezeichnet. Es gilt:
x3 =
xI+x2
2
=
'21
l
xE . (1- e
T( -y:
I) + 2w·
e
T( -T:
I
(10.4)
-------------------------~~=-~----_.
W3
I
="6 xE +--i-+--+""""f---'''-...;;;;~'''''''I---~_d:_--~d_*----'''''''_:f__ T(
Bild 10.6
-
Zeitlicher Verlauf der Arbeitsbewegung in Abhängigkeit vom Sollwert bei Zwei-
punktregelung einer P-TI-Strecke mit Totzeit
Die Kurvenform der Regelschwingung ist vom Sollwert abhängig (Bild 10.6). Für kleine w- Werte hat die Erwärmungskurve einen steilen Verlauf und die Abkühlungskurve verläuft flach. Im oberen Bereich für große w-Werte ist es umgekehrt.
10.1 Idealer ZwcipunkfregJer an einer P-Strecke höherer Ordnung
299
Symmetrischer Betrieb Legt man den Sollwert in die Mitte des Regelbereiches IV = XE 12. so wird XMA
=
O. d.
h. .'1'3 fjlh mit dem Sollwert zusammen. Im solchen, so genannten symmetrischen Betrieb, kann man einige Nähemngen vornehmen, was eine vereinfachte Berechnung von Schwingungsparameter ermöglicht. Zunächst wird angenommen, dass le=t.=7~
gilt, woraus laut Bild 10.6 die Schwingdauer wie folgt bestimmt wird: TO =21e +2I(1=4T,
Die Simulation mit MATLAB/Simulink fLir ein Beispiel beim symmetrischen Betrieb 11'
= XE /2 = 0,5 bestätigt diese Annahme (Bild 10.7).
•• Wo
• •
~O.5
•
0.5s+1 Kps .. 1; Tl ..0.5s
.,
•
Tt .0,2s
• To Workspace
•
Clock To Workspac<
XE" 1
Relay-Einstellung: 0.8
Switch on point Switch off point OUlput whcn Oll Output whcn
0.6 w",O.5
eps eps I 0
OA 02 > T, 0 0
0.5
1.5
2
2.5
ßild 10.7 MATLAB/Simulink-Modell und Sprunguntworten eines Regclkreises mit dem Zweipunktrcg1er (Rela)') ohnc Hystcrese und eincr P-Tl-Streckc (K ps = I: Tl = 0.5 s: T, = 0.2 s)
Weiterhin kann man den Verlauf der Regelgröße bei einer kleinen Schwankungsbreite 2xo linear betrachten. Aus der Ähnlichkeit der Dreiecks ABC und Aab folgt dann laut dem Bild 10.7 die BeziehungAB/BC = ab/Ab.
10 Unstetige Regelung
300
Setzt man die Werte ein: AB = x EI2, BC = Tl. ab = X(J, Ab = Tl, so erhält man eine Faustformel, die nur für einen symmetrischen Betrieb und nur für eine kleine Schwankungsbreite gilt: XE 'Fr xo=-'-
2
Tl
Nach dieser Formel soll die Amplitude X(J der Arbeitschwingung im obigen Beispiel
Xo =1.-. 0,2 =02 2 0,5
'
betragen. In Wirklichkeit bzw. bei der Simulation nach dem Bild 10.7 ist die Amplitude X(J der Arbeitschwingung
Xo = 0,6486 - 0,5 = 0,1486 "" 0,15 . Der Fehler von 0,05 deutet darauf hin, dass die Faustformel nur bei groben Berechnungen anzuwenden ist. Im Weiteren wird im Buch auf diese Faustformel verzichtet. Schaltfrequenz und Schwingdauer
Gemäß Bild 10.5 ist die Schwingdauer (10.5)
To = 2Tt +tl +t2'
Ferner ist: (10.6) Durch Einsetzen von GI. (10.1) in GI. (10.6) ergibt sich: (10.7)
Für t2 folgt
_2 W - X2 = (XE - x2 )(1- e
1])
_t2
e
Tl
1
W- X2
XE - W
XE -x2
XE -x2
=1-----=--
Mit GI. (10.2) in GI. (10.8) erhält man
10.1 Idealer Zweipunktregler an einer P-Strecke höherer Ordnung
301
_'Ft xE -we
Tl
t 2 = T] . In ----'='-------
(10.9)
Setzt man die GIn. (10.7) und (10.9) in GI. (10.5) ein, so erhält man für die Schwingdauer folgenden Ausdruck
(10.10)
GI. (10.10) ist in Bild 10.8 durch die Funktion Ta/T] = f (w / XE) für Tt /T] = 0,25 dargestellt. Sie zeigt für w = 0,5 XE ein Minimum der Schwingdauer bzw. ein Maximum der Schwingfrequenz. Für ein anderes Verhältnis Tt/Tl ergeben sich zwar andere Werte, jedoch liegt das Minimum stets bei w = 0,5 XE. Bild 10.9 zeigt ebenfalls für Tt / Tl = 0,25 das Verhältnis von Ein- zu Ausschaltzeit te / ta, das für w = 0,5 XE gleich eins wird. 3
3
\
\
/
J
/
. .,v:
r-rI
oo Bild 10.8
,I 0,2 0,4 0,6 0,8
J 1/
W
1,0- xE
Abhängigkeit der Schwingdau-
er Ta vom Sollwert w für Tt/Tl = 0,25
1/
oo
Bild 10.9
I I
W
0,2 0,4 0,6 0,8
- -xE 1,0
Verhältnis von Ein- und
Ausschaltzeit als Funktion W/xE für Tt/T] = 0,25
Der Regelbereich liegt ungefähr zwischen w = 0,2 XE und w = 0,8 XE. Für größere bzw. kleinere Werte von w nimmt die Schwingdauer stark zu. Ferner verharrt der Regler dann für längere Zeit in der ein- bzw. ausgeschalteten Lage. Im Hinblick auf die
°
Schwankungsbreite wird eine möglichst kleine Totzeit angestrebt, da für Tt = die Schwankungsbreite 2xa gleich Null wird. Allerdings wird für Tt = die Schwingdauer Null und die Schaltfrequenz unendlich. Mit zunehmender Schaltfrequenz steigt jedoch die Kontaktbeanspruchung, so dass bei mechanischen Relais ein Kompromiss zwischen minimaler Schwankungsbreite und maximal zulässiger Schaltfrequenz getroffen werden muss.
°
302
10 Unstetige Regelung
10.2 Zweipunktregler mit Hysterese an einer P-Strecke 1. Ordnung Reale Zweipunktregler sind stets mit Hysterese behaftet. Das heißt, dass infolge von Reibung, magnetischen Einflüssen usw. das_Einschalten bei einem höheren Wert der Eingangsgröße liegt als das Ausschalten. Bild 10.10 zeigt den Wirkungsplan einer P-Strecke 1. Ordnung, die von einem Zweipunktregler mit Hysterese geregelt wird.
Bild 10.10 Regelkreis gebildet aus einer P-Strecke I. Ordnung und einem Zweipunktregler mit Hysterese
Ohne Regler würde die Regelgröße nach dem Einschalten verzögert nach einer eFunktion mit der Zeitkonstanten T auf den Endwert XE ansteigen. Vereinfachend wird angenommen, dass die Zeitkonstanten des Ein- und Ausschaltvorganges gleich sind (Bild 10.11). Befindet sich der Regler an der Strecke, wobei der Sollwert auf o::; W ::; XE eingestellt sei, so ist nach Inbetriebnahme zunächst X = 0 und XE = W - X = w. Folglich schaltet der Zweipunktregler ein und die Regelgröße steigt gemäß der Einschaltkurve an. Infolge der Hysterese schaltet der Zweipunktregler beim Erreichen des Sollwertes noch nicht ab, sondern erst bei x = W + XL. Bei abgeschaltetem Regler fällt die Regelgröße entsprechend der Abschaltkurve bis auf den Wert x = W - XL ab, um dann erneut einzuschalten. Dieser Vorgang wiederholt sich periodisch mit der konstanten Schwankungsbreite 2·XL.
---
o -+----+---------------=-=-=-"-'-=....-~-~-~ -- t
Bild 10.11 Verlauf der Regelgröße einer Strecke 1. Ordnung, die von einem Zweipunktregler mit Hysterese geregelt wird
10.2 Zweipunktregler mit Hysterese an einer P-Strecke 1. Ordnung
303
Es soll nun die Abhängigkeit der Einschalt- und Ausschaltdauer te und ta sowie die Schwingdauer Ta bzw. die Schaltfrequenz 1 la=Ta
ermittelt werden. Aus Bild 10.11 erhält man für die Einschaltzeit folgende Beziehung: -~
2· xL = (XE - W + xL> . (1- e T),
e
-~
T =
1- __2_·_X-=L'------_ xE -W+XL
(10.11) Entsprechend folgt die Ausschaltzeit W -
xL =
-~ (w + xL) . e T
(10.12) Sowohl te als auch ta sind direkt proportional der Zeitkonstanten T der Strecke. Mit zunehmender Hysteresebreite für
W
XL
wird die Ein- und Ausschaltzeit größer. Ferner wird
= 0,5 XE die Ein- gleich der Ausschaltzeit te = tao Durch Addition der GIn.
(10.11) und (10.12) erhält man die Schwingdauer Ta. Ta =T·
[1n xE xE -
W
+ XL +
W - xL
1n
W
+ xL ]
W - xL
(10.13)
.
In Bild 10.12 ist die GI. (10.13) durch die Funktion Ta / T = f (w / XE) mit XL / XE als Parameter graphisch dargestellt. Für mum, um dann für
W
< 0,2
XE
und
W
W
= 0,5 XE hat die Funktion jeweils ein Mini-
> 0,8
XE
stark anzusteigen. Zur Erzielung einer
möglichst kleinen Schwankungsbreite ist man bestrebt, die Hysterese
XL
so klein wie
möglich zu machen. Dem steht entgegen, dass mit abnehmendem XL Ta abnimmt und die Schaltfrequenz unzulässig ansteigt. Die maximale Schaltfrequenz liegt vor für W
= 0,5 XE. Für diesen Wert erhält man aus GI. (10.13):
304
10 Unstetige Regelung 0,5· xE
+xL
T Omin = T . 2 ·ln ----=----=-
0,5'XE -xL
1+2 xL xE
TOmin = 2T ·ln---=1-2 xL xE
Einen guten Näherungswert erhält man für 2 XL / XL
xL
xE
xE
xE
« 1 durch Reihenentwicklung
TOmin z2·T·2·2-=8·T·-. Daraus folgt die maximale Schaltfrequenz: xE
fOmax
Ta T
1
1,6
.
\
1,4 1,2
\
1,0
\
0,8
\
0,6 0,4
\
0,2
o
8 T
z
xL xE
\
o
~
"
'0,2
(10.14)
'xL
I I I I I I I
0,1 \i
11
/ V I 0,0~1I
V 0,01
..:> v
0,4 0,6 0,8
Bild 10.12
/
Abhängigkeit der Schwingdauer TO vom
---+ -
w
Sollwert w, mit XL / XE als Parameter
xE
Die exakten Parameter der Arbeitsschwingung kann man mittels einer Simulation bestimmen. Die Voraussetzung dafür sind, natürlich, die genauen Kenntnisse über Streckenparameter. Sind beispielsweise die Parameter einer P-Tt-Regelstrecke wie im Bild 10.7 gegeben (Kps = 1; Tl = 0,5 s; Tt = 0,2 s) und hat der Zweipunktregler mit gleichen Stellgrößen YRmin = 0, YRmax = 1 eine Hysterese von XL = ± 0,1, so wird der im Bild 10.7 gezeigte Relay-Block wie folgt konfiguriert: Switch on point 0.1 Switch off point -0.1 Output when on I Output when 0
Die simulierte Sprungantwort bei w = x EI2 = 0,5 ist im Bild 10.13 gezeigt.
305
10.3 Zwcipunktregler mit RückfLihrung 0.8
A
0.7
'0
To = 0.5 I 52.....{).5052=0. I Xo
= 0.7224.....{).5 = 0.224
y
TO 0.5
> .:0.5152
1.5
2
2.5
nild 10.13 Simulierte Sprungantwort und Schwingungsparameter eines Regelkreises mit einem Zweipunktregler mit Hysterese XL '" ± 0.1 und einer P-TI-Strecke
10.3 Zweipunktregler mit Rückführung Die Abschnitte 10.1 und 10.2 haben gezeigt, dass bei einer Regelung mittels Zweipunktregler der Regelverlauf maßgebend von den Eigenschaften der Strecke beeinnusst wird. So ist z. B. bei einer Strecke mit Totzeit und Verzögerung sowohl die Schwingdauer als auch die Schwingamplitude vom Verhältnis Tl! TI abhängig. Durch Anwendung einer RückfLihrung können diese ständigen Pendelungen der Regelgröße um den Sollwert nahezu beseitigt werden. Ferner ist es möglich, durch geeignete Rückführglieder dem Zweipunktregler ein Zeitverhalten aufzuzwingen, ähnlich dem der stetigen Regler. Man spricht dann von einer sletigiihlllicheil Regelul/g. Den Wirkungsplan eines solchen Regelkreises zeigt Bild 10.14.
xr-I I, N G,
e
+
+
x,
lI!Jt I
J'R
x
+
nild 10.14 Wirkungsplan eines Regelkreises. dessen Strecke von einem Zweipunklregler mit RückfUhrung C r geregelt wird
10 Unstetige Regelung
306
10.3.1 Zweipunktregler mit verzögerter Rückführung Der in Bild 10.14 dargestellte Zweipunktregler mit Rückführglied stellt bereits einen Regelkreis in sich dar. Bevor jedoch näher auf dessen Wirkungsweise eingegangen wird, soll eine Beziehung bei rückgekoppelten stetigen Reglern in Erinnerung gerufen werden. Schaltet man in den Rückführzweig eines idealen stetigen Verstärkers mit dem Verstärkungsgrad V = 00 ein Glied mit der Übertragungsfunktion Gr(s) (Bild 10.15), so ist die Übertragungsfunktion des rückgekoppelten Verstärkers _ YR (s) _ V G R () s e(s) l+V·G r (s)
1 Gr(s)
(10.15)
Bild 10.15
Wirkungsplan eines Zweipunktreglers mit verzögerter Rückführung
Besteht das Rückführglied aus einer Verzögerung 1. Ordnung, mit Kr GR(s)=--, l+sTr
(10.16)
so folgt für den rückgekoppelten Verstärker die Übertragungsfunktion YR (s) 1 GR (s)=--=-(l+sTr ), e(s) Kr
d. h. ein PD-Verhalten. Ein ähnliches Ergebnis erhält man, wenn der Zweipunktregler mit Hysterese ein P-T 1Glied als Rückführung erhält (Bild 10.15). Das zeitliche Verhalten des rückgekoppelten Zweipunktreglers ist in Bild 10.16 dargestellt. Ändert man die Eingangsgröße des rückgekoppelten Zweipunktreglers sprunghaft e(t) = eo·o(t), so ist zum Zeitpunkt t = 0
Xe
= eo, da
Xr
zunächst Null ist. Am Ausgang
des Reglers und somit am Eingang des Rückführgliedes Gr liegt die Sprungfunktion YR(t) = YRO·o(t}. Die Ausgangsgröße xr(t) des Rückführgliedes antwortet mit einem verzögerten Anstieg (10.17) wie in Bild 10.14 gezeigt. Infolge des Anstiegs der Rückführgröße verringert sich xe (t) = eo - x r (t) .
10.3 Zweipunktregler mit Rückführung
307 Für Xe <- XLO schaltet der Zweipunktreg-
e
t
a)
ler ab, die Rückführgröße X r nimmt dann entsprechend der Entladekurve ab, bzw. Xe
steigt nach der gleichen Funktion an,
bis bei Xe > XL der Zweipunktregler erneut einschaltet. Betrachtet man anstelle
t -- t
e-xr k - - - - - .
t
c)
t
--
der Impulsfunktion YR(t) den Mittelwert )IR (t), so ist ersichtlich, das )IR (t) gegenüber dem eingeschwungenen Zustand zunächst einen größeren Mittelwert )lRmax (t) annimmt (PD-Verhalten). Bei genügend hoher Schaltfrequenz kann man dieses Verhalten einem stetigen gleichsetzen. Das zeitliche Verhalten des Zweipunktreglers mit verzögerter Rückführung ist ganz analog dem des in Abschnitt 10.2 behandelten Regelkreises. Nach GI. (10.14) ergibt sich für e = 1/2 YRoKr die maximale Schaltfrequenz fOmax =
YRO' Kr 8 T . r ·XL
(10.18)
-- t
und kann durch Verändern von Tr, variiert werden. Ändert man Kr, so ändert sich auch das Verhältnis von Ein- zu Ausschaltdauer. Bild 10.16 Zweipunktregler mit verzögerter Rückführung: a) Sprung der Regeldifferenz; b) Rückführgröße; c) Xe = e - X r; d) Stellgröße des Reglers; e) Mittelwert der Stellgröße
Setzt man in GI. (10.11) anstelle von Xe den Wert YROKr und für w die Regeldifferenz Xd,
so erhält man K e t e = Tr .1n [YROKr-e+XL]= Tr .1n [1+XL/(YRO r - )] . YRoK r -e-xL I-XL /(YRoK r -e)
(10.19)
Aus GI. (10.19) ist zu ersehen, dass te mit zunehmendem Kr abnimmt. Im Gegensatz hierzu ist die Ausschaltzeit gemäß GI. (10.12) unabhängig von Kr
10 Unstetige Regelung
308
(10.20) Bildet man aus den GIn. (10.19) und (10.20) das Verhältnis te / ta, so ist dieses unabhängig von Tr und wird mit zunehmendem Kr kleiner. te
ta
In[YROKr -e+XLJ YRoK r -e-xL
(10.21)
In[e+XLJ e-xL
Aus Bild 10. 16d) und e) folgt im Beharrungszustand _ te 1 YR =yP =YRO'--=YRO'--· te +ta l+~ te
(10.22)
Wie bereits anhand der GI. (10.21) diskutiert, wird ta / te mit zunehmendem Kr größer und nach GI. (10.22) YP' bzw. der Proportionalbeiwert K p = YR / e, kleiner. Durch Tr kann also die Schaltfrequenz und durch Kr sowohl die Schaltfrequenz als auch der PAnteil verändert werden. Es soll der Zweipunktregler mit verzögerter Rückführung an einer Strecke 1. Ordnung nach Bild 10.17 betrachtet werden. Die Übertragungsfunktion der Strecke lautet
G
s Gs(s)=--, 1+ sT wobei T = 2Tr und Kr = Ks gewählt wurde.
lC!Jt N
z
KS,T
11~~I'-----.t ~EJr w
e
xe
Bild 10.17 Wirkungsplan eines Zweipunktreglers mit verzögerter Rückführung an einer Strecke I. Ordnung
Nimmt man den Regelkreis in Betrieb, so sind zunächst x und
Xr
gleich Null und
Xe = e = w, d. h. der Zweipunktregler schaltet ein. Damit liegt am Ausgang des Reg-
lers und an den Eingängen von Strecke und Rückführung der Sprung YR(t) = YRO·o(t). Die Ausgangsgrößen der Strecke und des Rückführgliedes steigen verzögert an mit den Zeitkonstanten T bzw. Tr. Infolge Tr < T steigt X r schneller an als x. Wie der zeitliche Verlauf in Bild 10.18 zeigt, schaltet der Zweipunktregler für
10.3 Zweipunktregler mit Rückführung X+X r >w+xL
bzw.
309
xe =W-X-Xr <-XL
ab, und X r sowie x fallen gemäß ihrer jeweiligen Abfallkurve, bis der Zweipunktregler bei der nachfolgenden Xe erneut einschaltet: Xe =W-X-Xr >+xL
Der Vorgang wiederholt sich in der in Bild 10.18 dargestellten Weise. Wählt man die Zeitkonstante Tr des Rückführgliedes klein gegenüber T der Strecke, so wird die Schaltfrequenz fast ausschließlich durch Tr bestimmt.
\
\
W
t .........
.........
................................
"- .........
.....
""' ..........
--. -t
t
YRo
+
-t
Bild 10.18 Verlauf der Regelgröße x und der Stellgröße YR des in Bild 10.17 gezeichneten Regelkreises bei einem Sollwertsprung
Wie aus Bild 10.18 ersichtlich, ist die Schwingamplitude von x nun nicht mehr gleich XL, sondern kleiner. Ferner tritt, wie bei einem linearen PD-Regler eine bleibende Regeldifferenz e( 00) auf. Diese wird um so kleiner, je kleiner man Kr wählt. Für die Konstruktion des in Bild 10.18 gezeigten Regelverlaufs wurden Tr und Kr so gewählt, dass die charakteristischen Schwingungen noch sichtbar sind. Bei günstiger Wahl von Tr und Kr können die Schwingamplitude und die bleibende Regeldifferenz noch wesentlich verkleinert werden. Der zeitliche Verlauf der Regelgröße x sowie der Rückführgröße X r entsprechen dem bei einem Sollwertsprung wo. Das Beispiel eines Zweipunktreglers mit verzögerter Rückführung zur Temperaturregelung eines Durchlauferhitzers ist im OnlinePlus-Bereich des Verlags zum Download ausgestellt.
10 Unstetige Regelung
310
10.3.2 Zweipunktregler mit verzögert-nachgebender Rückführung Schaltet man in den Rückführzweig eines Zweipunktreglers mit Hysterese eine verzögert-nachgebende Rückführung (Bild 10.19), so zeigt der Regler ein PID-ähnliches Verhalten. Für einen linearen Verstärker wurde der Fall der verzögert-nachgebenden Rückführung in Abschnitt 4.3.6 bereits behandelt. Die Sprungantwort des Rückführgliedes in Bild 10.19 setzt sich aus zwei e-Funktionen zusammen, so dass eine verzögert-nachgebende Rückführung auch durch zwei Verzögerungen 1. Ordnung mit unterschiedlichen Zeitkonstanten, wie in Bild 10.20 dargestellt, gebildet werden kann.
Bild 10.19 Wirkungsplan eines
Bild 10.20 Zweipunktregler mit verzögert-
Zweipunktreglers mit verzögertnachgebender Rückführung
nachgebender Rückführung, erzeugt durch Parallelschaltung von zwei P-T[-Gliedern
Für die Ermittlung der Sprungantwort des Zweipunktreglers mit verzögertnachgebender Rückführung legen wir die Anordnung nach Bild 10.20 zugrunde. Gibt man auf den Eingang des rückgekoppelten Zweipunktreglers nach Bild 10.20 eine Sprungfunktion e(t) = eO·(J'(t), so ist zunächst X r gleich Null und der Zweipunktregler schaltet ein. Am Ausgang des Reglers sowie an den Eingängen von GI und G2 liegt der Sprung YRO' o(t). Die Ausgangsgrößen
Xl (t)
und X2(t) steigen nach
e-Funktionen mit den Zeitkonstanten Tl und T2 an. Für x2 -xl >e-xL
bzw.
xe =e- x 2 +XI <-XL
fällt der Zweipunktregler ab. Bei abgeschaltetem Regler entladen sich bei x2-xI<e-xL
Xl
und X2, bis
bzw. xe=e-x2+xI>+xL
der Zweipunktregler wieder einschaltet. Es ergibt sich der in Bild 10.21 gezeigte zeitliche Verlauf von YR(t). Nach der 1. Einschaltung (D-Anteil) ist die Pulsbreite zunächst klein und nimmt dann zu, bis zum
10.3 Zweipunktregler mit Rückführung
311
ständigen Einschalten. Bildet man den Mittelwert )IR (t), so sieht man den PIDähnlichen Verlauf. Die technische Realisierung erfolgt, indem in die Rückführung des Zweipunktreglers ein verzögert-nachgebendes Netzwerk, wie in Bild 10.22 gezeigt, geschaltet wird. Der Vorteil einer solchen Anordnung ist, dass wie bei einem linearen PID-Regler die bleibende Regeldifferenz e( 00) Null wird. x
i a)
-- --
--t
/'
/'
.- .-'-
Bild 10.21 Zweipunktregler mit verzögert-nachgebender Rückführung a) Rückführgrößen Xl, X2 b) Stellgröße des Reglers c) Mittelwert der Stellgröße des Reglers
+ Verzögert-nachgebende Rückführung
:-----------------, I
I
I I I
l
~-----
Bild 10.22 Zweipunktregler mit verzögert-nachgebendem Rückführglied
312
10 Unstetige Regelung
10.4 Dreipunktregler Für Stellglieder mit Motorantrieb sind Zweipunktregler ungeeignet, weil sie es nicht gestatten, die Drehrichtung zu ändern. Diesen Mangel beseitigt der Dreipunktregler. Ein weiterer Vorteil des Dreipunktreglers mit nachgeschaltetem Stellmotor besteht darin, dass ein Beharrungszustand, ohne die beim Zweipunktregler stets vorhandenen Dauerschwingungen, erreicht werden kann. Bild 10.23 zeigt die Kennlinie eines Dreipunktreglers mit Hysterese.
Im Gegensatz zum Zweipunktregler besitzt der Dreipunktregler einen oberen und unteren Grenzwert. Wird die Regelgröße z. B. über ein Motorventil beeinflusst, wie bei der Temperaturregelung des Durchlauferhitzers in Bild 10.24, so liegt der Sollwert in der Mitte zwischen dem oberen und unteren Grenzwert.
Xa
i
-
2xL
~ ~
t
+-xt
.t
t xao -xe
Bild 10.23 Kennlinie eines Dreipunktreglers
-
+
I I
~ I
Bild 10.24 Temperaturregelung eines Durchlauferhitzers mittels Dreipunktregler mit Hysterese
Die Temperatur im Durchlauferhitzer wird mit einem Widerstandsthermometer RT gemessen. Ist die Regelgröße gleich dem Sollwert, so ist die Brücke abgeglichen, das gepolte Relais stromlos und der Motor steht. Steigt die Temperatur über den Sollwert, so nimmt der Wert von RT zu und die Brücke hat die eingezeichnete Polarität. Das im Brückenzweig liegende Relais wird so erregt, dass der Motor das Ventil schließt. Sinkt die Temperatur unter den Sollwert, so wird RT kleiner und die Brückenspannung hat die entgegengesetzte Polarität. Infolgedessen wird das Relais entgegengesetzt magnetisiert, und der Motor öffnet das Ventil. Vielfach wird anstelle eines Zweipunktreglers, zur Verminderung der Schwankungsbreite, ein Dreipunktregler verwendet. So zeigt Bild 10.25 einen elektrisch beheizten Glühofen, dessen Heizleistung über zwei Heizwicklungen zugeführt wird. Beim Anfahren sind beide Heizwicklungen Wl und W2 eingeschaltet, wobei Wl z. B. 90 % und W2 20 % der erforderlichen Heizleistung liefern. Wird der untere Grenzwert, der mit
10.4 Dreipunktregler
313 x
w
00 R
W2 NI/'v'\l\Nv------t''t----+--------'
Bild 10.25 Temperaturregelung in einem Glühofen mittels Dreipunktregler
dem Sollwert identisch ist, überschritten, so schaltet W2 ab, während W\ eingeschaltet bleibt. Beim Erreichen des oberen Grenzwertes wird auch noch W\ abgeschaltet. Normalerweise arbeitet dann der Dreipunktregler wie 11O%t-------n ein Zweipunktregler und schaltet nur W2 zu und ab. 90% ------------- cL-Dadurch wird die Schwankungsbreite innerhalb von YR maximal 20 % des Sollwertes liegen. Bild 10.26 zeigt t die zugehörige Kennlinie.
o
W
00 _ x
Bild 10.26 Kennlinie des Dreipunktreglers bei Temperaturregelung gemäß Bild 10.25, oG = obere Grenzwert
10.4.1 Dreipunktregler mit Rückführung Durch eine Rückführung kann auch dem Dreipunktregler ein bestimmtes Zeitverhalten gegeben werden. Bild 10.27 zeigt den Wirkungsplan eines Dreipunktreglers mit verzögerter Rückführung und nachgeschaltetem I-Glied. Durch diese Anordnung erhält die Regeleinrichtung ein PIVerhalten. Bild 10.27 Wirkungsplan eines Dreipunktreglers mit verzögerter Rückführung und nachgeschaltem I-Glied
Gibt man auf den Eingang der Regeleinrichtung einen Sprung e(t) = eo·(T(t), so wird der Dreipunktregler eingeschaltet, weil die Rückführgröße X r zunächst Null ist. Dies
314
10 Unstetige Regelung
hat zur Folge, dass am Eingang des I-Gliedes und am Eingang des Rückführgliedes der Sprung
XaO
liegt. Infolgedessen steigt YR linear mit der Zeit an und
Xr
nach einer
e-Funktion mit der Zeitkonstanten Tr .Für xe = e - x r < x t - 2xL ' bzw. x r > e - x t
+ 2xL
schaltet der Dreipunktregler ab. Betrachtet man als Ausgangsgröße YR den Winkel, um den eine Motorwelle sich gedreht hat, so behält YR nach Nullwerden von X a (Motorspannung), den Wert bei. Die Rückführgröße X r entlädt sich, bis bei Xe =e-x r >Xt, bzw. Xr <e-Xt
der Dreipunktregler erneut einschaltet, und der Motor weiter läuft. Bild 10.28 zeigt den Verlauf von X n X a und Yr. e
i
a)
\
--t
I
L~
Xl
•
\ "
"-
.
.
.
j
1-2xL
--- --b)
--t
c)
- 2xL
-- t
xa
i
d)
__ t
YR
i
e)
--t
Bild 10.28 Dreipunktregler mit verzögerter Rückführung und nachgeschaltetem I-Glied; a) Sprung der Regeldifferenz b) zeitlicher Verlauf der Rückführgröße X r c) Zeitlicher Verlauf von Xe = eo-xr d) Stellgröße des Reglers e) Stellgröße der Regeleinrichtung
315
11 Digitale Regelung Unter einer digitalen Regelung versteht man die Behandlung eines Regelkreises, in dem eine analoge Regelstrecke von einem programmierbaren Prozessrechner, bestehend aus CPU, Speicher, Ein- und Ausgangsmodulen, Analog-Digital- und DigitalAnalog-Wandlern, geregelt wird. Solche Regelungen werden auch als DDC (DirectDigital-Contral) bezeichnet. Die Rechenprozesse und die Signalumwandlungen verlangsamen die Regelvorgänge, was ein erheblicher Nachteil der digitalen Regelung ist. Dass sich die Regelungstechnik in diese Richtung entwickelt hat, ist den folgenden Vorteilen des digitalen Instrumentariums zu verschreiben: •
Die als Regler programmierten Prozessrechner sind leistungsfähiger und preisgünstiger als analoge Regler.
•
Ein digitaler Regler kann verschiedene Regelgrößen nacheinander abfragen und eine größere Anzahl Regelungen gleichzeitig ausführen.
•
Es wird ermöglicht, sowohl die klassischen analogen PID-Algorithmen zu digitalisieren, als auch neue "intelligente" Regelverfahren, wie Strukturumschaltung, adaptive Regelung, Fuzzy- und Neuroregelung, einzusetzen.
•
Das fein approximierte Modell der Regelstrecke kann in einem digitalen Regler einfach nachgebildet werden, was zu neuen modellbasierten Regelverfahren führt.
•
Die Regelungs- und die Steuerungsalgorithmen einer Strecke lassen sich einheitlich programmieren und realisieren.
Doch der größte Vorteil besteht darin, dass die Methoden und Werkzeuge der Informationstechnologie im vollen Umfang für die Regelungszwecke anwendbar sind. Die Kopplung und der Datenaustausch an übergeordnete Prozessleitsysteme wird vereinfacht. Der PC-Einsatz für Regelzwecke ist sowohl über Feldbusse für den Zugriff auf Sensoren und Aktoren, als auch über Systembusse der Prozessleitebene wie allgemein verbreitete Netze Ethernet und Internet möglich. Und schließlich kann das Engineering eines Regelkreises, angefangen von Simulation, über den Regelkreisentwurf und Inbetriebnahme bis hin zur Erstellung der Dokumentation, einheitlich von einer Software verwaltet werden.
11.1 Digitale Regeleinrichtungen Die gesamte digitale Regelungstechnik ist heute einem schnellen Wandel unterworfen. Die auf dem Markt vorhandene Vielzahl von Messwerterfassungskarten, Umsetzern, Konfigurierungstools mit der zugehörigen Hardware veralten schnell. Sowohl die Hard- als auch die Software sind stark geräteabhängig. Der innere Aufbau und der Befehlsvorrat von Mikroprozessoren verschiedener Hersteller unterscheiden sich zum Teil erheblich.
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_11, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
316
11 Digitale Regelung
Als digitale Regler kommen Mikrorechner, Mikrocontroller, PC, IPC, SPS, Soft-SPS, PLS (Prozessleitsysteme) zum Einsatz; die Reglertypen sind unten in der Tabelle zusammengefasst. Komponenten Kopplung mit dem Prozess Integrierte Schaltkreise mit CPU, RAM/ROM Einplatinenrechner Nur eine Platine mit integrierten Prozessorbausteinen, mit externen AlD, DIA und Taktgenerator Mikrocontroller Ein Chip mit eingebauten E/A, A/D, DIA, mit externem Taktgenerator Digitale Regler Mikrorechner
EI}8@J~====1
Prozess
~-----I ~
DDC-Regler (Direct-DigitalControl)
Spezieller Mikrorechner ,mit E/A, AID, DIA, fest oder frei programmierbar:
a)[g]
ePD E/A
ePD
ePD E/A
a) Kopplung über PC b) Peer-to-PeerKopplung
b)r-fCPUl Bus 2~t--
SPS-Regler (Speicherprogrammierbare Steuerungen)
Spezieller Mikrorechner mit E/A, AID, DIA, frei programmierbar mit externem PC
PC (Personal Computer)
Universeller Mikrorechner mit Systemsoftware und Schnittstellen Spezieller Mikrorechner mit Bus- und AID-, DIA-Karten, DAQ, OPC-Server
IPC (lndustrie-PC)
Soft-SPS (Slot-SPS)
IPC mit SPS-Software
I
Prozess
I Prozess I Prozess
1 Prozess I
I~Bus2~ ~~======I Prozess I
I
[g]
E/A
SPS AlD Bus:l==== Prozess 'I I- ePD DIA
1
~
ePD
E/A
r---""1-I AlD
I
~====:j Prozess I
~
ePD
101
SPS- E/A ;1 AID Bu~===~ Prozess Karte DIA
:E/A
J~U AlD Bus~=====:jProzess I ePD :: DIA
PLS Mikrorechnersystem (Prozessleitsystem) mit E/A, AID, DIA, PNK, BNK und BusKomponenten
I
o ~~~t------ll
1 BNK 1J
l - PNK
-
Prozess I
11.1 Digitale Regeleinrichtungen
317
Bei Prazessleitsystemen (PLS) handelt es sich um dezentrale Rechnersysteme, die die Produktionsprozesse von mehreren Ebenen überwachen (Bild 11.1). Die PLSAufgaben sind Messwerterfassung (Sensorik), SCADA (Supervisory Contral and Data Acquisition), Antrieb von Stellgeräten (Aktorik), Regelung, Steuerung, Planung usw. Die PLS-Komponenten sind: BBK (Bedien- oder Beobachterkomponente), auch ABK (Anzeige-/ Bedienkomponente) genannt, die als eine Standard-Hardware (z. B. eine Workstation) aufgebaut ist. Hier werden Daten zur Darstellung auf dem Bildschirm von einer groben Übersicht bis zum einzelnen Regelkreis geeignet aufbereitet. PNK (Prazessnahekomponente), die aus einer Zentraleinheit und Einschüben für die Buskopplung, den E-/A-Baugruppen, sowie für die Ankopplung von untergeordneten Systemen (SPS, DDC) besteht. Von BNK erhalten PNK die Sollwerte für die Regelungen. Bussysteme für die Kommunikation, wie PROFIBUS-DP, PROFIBUS-PA, Ethernet TCP/IPusw.
o o SCADA-Station OPC-Server
HI-BUS
View-lBackup Station
MODBUS
DDC
SCADA-Station 2000 Variablen
3964R
EES
Alarm-Station
Pr()fibus DP
Werksnetz TCP//P
SCADA-Station
Profibus DP '-'1 PNK.
Controller ,-------'-----,
I I
Prozessebene I
Bild 11.1 Beispiel eines dezentralen Prozessleitsystems (PLS) mit PNK, BNK und Bussystemen «mit freundlicher Genehmigung von SCHOTT GLAS, Mainz, 2002)
PLS mit herstellerunabhängigen Komponenten und mit einer offener BusKommunikation, die auf der Basis des Client-Server-Prinzip aufgebaut sind, nennt man Offene PLS. Die Schnittstellen der offenen Kommunikation stellt OLE (Object Linking and Embedding) zur Verfügung. Die PLS-Komponenten von verschiedenen
318
1I Digitale Regelung
Herstellern werden miteinander über den so genannten OPC-Server (OLE für Process Control) verbunden.
In Bild 11.2 ist gezeigt, dass man die Kennwerte des Reglers in einem Fenster der Bedienobcrnüche des Prozcssleitsyslcms (PLS) einstellen und das Regelkreisverhalten im Trendfenster beobachten kann. um optimale Regelgütc zu erreichen. Besonders
in der Inbctriebnahmephase oder im Notfall ist dies vom Vorteil.
l-
Direkt
V Integrierend Totzeit ArbeItspunkt
Totzone
jvor....-v.st..kung Filterzeit
Verttlrkung 11 Td
Bild J 1.2
s
0.0 50.'
•••1.'
1.00 3.15
s
3.0
I
0.00
•
J
, L
,. '0••
.
•• .0 ,
Sw
I .,.
•
AU_li 87.9
Konfigurierungs- und Trendfenster des PLS SattLine (ASB Automation ProdUCIS)
Ein wesentlicher Nachteil von PLS-Rcglcm ist die große Reaktionszeit. Ein D-Anteil beschleunigt den Regelvorgang, kann jedoch zu drastischen Änderungen des SteIlsignals und zur Instabilität fLihren, falls das Messsignal mit Störungen übertragen wird. Die vorhandenen Algorithmen. z. B. Fuzzy-Regelung oder Alltotuning, sind bei schnellen oder komplizierten Regelstrecken oft uneffektiv. So wird die Regelung mit PLS fLir Industriezwecke, d. h. fLir Strecken mit großen Zeitkonstanten, empfohlen. Für Industrieanwendungen kommt die Programmierung von digitalen Reglern selten vor. Die Regelalgorithmen werden von Herstellern meist vorgefertigt, so ist nur eine Konfigurierung erforderlich. DafLir werden zuerst die Hardware-Adressen festgelegt, dann die Messweneingänge mit den dazugehörigen Messfühler-Kennlinien. Danach Hingt die Parametrierung des Reglers an, die in der Einstellung von Reglerkennwerten und Proponionalbereichen, der Festlegung von Sollwerten, Zeiten usw. besteht. Es werden die Betriebsarten des Reglers und die mögliche Strukturumschaltung definiert. Eine einheitliche und herstellerunabhängige Konfigurierung von digitalen Reglern ist durch die Norm IEC 61131-3 erleichtert. Diese Norm wurde von der IllIel'llariollal Electrotechnical COlllmissio/l festgelegt und hat seit 1994 den Status einer europäi~ schen und deutschen Norm. Durch die Vereinheitlichung von Programmiersprachen ist es damit möglich, die DDC- und SPS-Regler sowie die PLS verschiedener Hersteller fLir Regelungszwecke zu programmieren. Da die digitalen Regler in einem System fLir Regelungs-, Steuerungs- und Prozessüberwachungsaufgaben integriert sind, wird die Simulation und die Visualisierung von Regelvorgängen ermöglicht.
319
11.2 Abtastregelung
Normalerweise sind die Konfigurierullgswerkzeuge mit selbsteinstellendeIl Regelalgorithmcn ausgcstaltct (Autotuning), die allerdings meist nur rur langsamc Regclstreckcn zu empfehlen sind. •
Beispiel!I.I: Konfigurierung eines ODe-Reglers
Die Hardware-Komponenten werden vom Benutzer auf dem Bildschirm als Text direkt gewählt und beschalteL Vom Programm werden die Messbereiche, Kommunikations- und Visualisierungselemente angefragt. wonach der Regler mit Hilfe des Konfig-Wizards konfiguriert werden kann. Dies erfolgt in klar verständlicher Weise. wie beispielsweise in Bild 11.3 Hir ein Thermoelement-Eingang gezeigt ist. Die Konfiguration wird in den ODe-Regler heruntergeladen und während des Betriebs online angesteuert.
.
Sla
lIIIlI:
Is_I~"I_ll_1
K11
Conligure your Input
Solodlho,..,ul_ Solod Iho 1........-. o..pa..,. Urh Solodlho_pLoe.oiom>ll Solodlhot9>R....,.
PIC(O)
3
lt lO! 3 .. JNNNN 101 3 ~
'e
I
OPZ
~~
'~'Io!.~,-,s....-y~~"~~~~~~~~i'11 PY Input Ilnput,Type
Input Type Seleetsttle !:Jpe of sensor V+ - ' connetted to _. ttle Instruments main PV 'l\lIlJt. Thermocouples reQu the senso(s charaetenstic.
~
V;:tlue Options 0: Type J Thermocouple
SolodlhoC4ldJ-.~.jAlHOIOI3 Solodlho_t-O.lJ'<'O
s.. lhel..... r... T.... eonsl....
"jONIII
3
ro--- Sec
I
Fe.(;uN, RANGE ·2100C to
1.2000C Type) is u.eable up to nooc . 1 t";p8 .. not .ery ,us""ptlble to ao,no up to about 5400C. Jt os .ery cost effettl.e arid is ttle ttlermocouple of eno,,,,, ;~ ""~ ~,-,,'~
SdMller>
I
Bild 11.3 Beispiel einer Regler-Konfigurierung (mit freundlicher Genehmigung von EurOlherm Deutschland GmbH. 2(03)
11.2 Abtastregelung In einem digitalen Regelkreis wird eine kontinuierliche Regelstrecke von einer digitalen Regeleinriehtung geregelt. Dafür muss die dem Rechner zugeführte kontinuierlich gemessene Regelgröße in digitaler Form vorliegen. Die Digitalisierung erfolgt mit einem Analog/Digital-Wandler, der die Regelgröße nur in konstanten Zcitabsländen, Ablas/zeit oder Abws/periode TA genannt, abfragt. Einen digitalen Regelkreis kann man sich gedanklich aus zwei Teilen bestehend vorstellen, wie in Bild 11.4 gezeigt.
320
11 Digitale Regelung
nämlich aus linearen zeltmvarianten Gliedern, kurz LZI, und einem diskret arbeitenden Takt- bzw. Impulsgeber. Die Regelung von Regelkreisen, in denen x(t) wenigstens ein Signal nicht kontinuierlich, sondern zeitdiskret ist, nennt man Abtastregelung. Solche Regelkreise lassen sich Bild 11.4 Konzeptueller Aufbau nicht, wie die kontinuierlichen, mittels Difdigitaler Regelung ferentialgleichungen im Zeitbereich bzw. mittels Laplace-Transformation im Bildbereich beschreiben. Neben kontinuierlichen Funktionen, z. B. x(t) treten auch Folgen von abgetasteten Signalen wie x(kTA) auf und sollen mit anderen, als denen der kontinuierlichen Methoden behandelt werden. Die Signale zwischen den Abtastpunkten werden nicht berücksichtigt, was Fehler verursachen kann. Bild 11.5 zeigt, dass gleiche abgetastete Impulsfolgen aus zwei verschiedenen Sprungantworten gebildet werden können.
x(t)
/~l~rr xß)
t
____ --9"'-=----4---+-
2T
x(kTA ) kT
__
t
A A Die Untersuchungen von Abtastsystemen wurden seit 1924 durchgeführt. Rerich und Bild 11.5 Beispiel einer fehlerGrdina befassten sich mit der Abtastregehaft gewählten Abtastperiode lung von hochtourigen Dampfmaschinen und behandelten dabei die Dynamik mit Differentialgleichungen. Die ersten einheitlichen Beschreibungen von linearen Abtastsystemen findet man bei Oldenbourg, Sartorius, Zypkin (1948 - 1958).
11.2.1 Wirkungsweise von digitalen Regelkreisen Wie an analoge werden auch an digitale Regler drei Grundaufgaben gestellt: •
die Regelgröße messen und die Regeldifferenz bilden;
•
einen geeigneten Regelalgorithmus erzeugen;
•
eine beträchtliche Leistung an Stellglieder übertragen.
Im Gegensatz zu analogen sind bei digitalen Regeleinrichtungen die Regelalgorithmen und die Verstärkungsfunktionen gerätetechnisch voneinander getrennt. Die mittels Mikroprozessoren (CPU) berechneten Stellgrößen werden binär ausgegeben oder durch Digital-Analog-Umsetzer (DIA) in Ströme (0 bis 20 mA) oder Spannungen (0 bis 10 V) umgesetzt.
Die Verstärkungsfunktion und die Anpassung an die Strecke übernehmen die nachgeschalteten Leistungsverstärker, Relais, Motoren usw.
11.2 Abtastregelung
321
In Bild 11.6 ist eine kontinuierliche Regelstrecke gezeigt, die mit digitalen Elementen, wie Mikrorechner, Analog-Digital-Wandler (A/D) und Digital-Analog-Wandler (DIA) geregelt wird. Die Istwerte x(t), bei denen es sich um ganz verschiedenartige physikalische Größen handeln kann, etwa Durchflüsse, Drücke, Temperaturen, Spannungen usw., werden durch die Messumformer auf ein Einheitssignal transformiert. Die Wandlung oder die Abtastung der stetigen Regelgröße x(t) erfolgt meist in äquidistanten Zeitabständen (Abtastzeit TA) durch den vorgeschalteten A/D-Wandler. Aus dem kontinuierlichen Signal x(t) entsteht die diskrete Folge x(kTA), die für die Abtastzeit TA konstant gehalten wird. Im Rechner wird aus dieser Istwertfolge x(kTA) und der eingegebenen Führungsfolge w(kTA) die Regeldifferenzfolge e(kTA) gebildet. Anhand eines im Rechner gespeicherten Programms, z. B. dem digitalisierten PIDRegelalgorithmus, wird dann die Stellgrößenfolge YR(kTA) berechnet und über den DIA-Wandler als geglättetes Stellsignal Y*R(kTA) ausgegeben.
Mess-
1 - - - - - - umformer
I
~-----'
Bild 11.6
I
Wirkungsplan eines Regelkreises mit digitalem Regler
Mit großer Geschwindigkeit und hoher Genauigkeit sollen die analogen Signale x(t) von AlD-Wandler abgetastet und in eine zeitdiskrete Folge umgeformt werden. Die Zahlenfolge wird in eine stufenförmige Funktion x(kTA), die so genannte Treppenkurve, umgewandelt. Funktionsmäßig besteht ein A/D-Wandler aus einer Abtastung (Sampie) und einer Speicherung (Hold). Ein Abtast-/Halteglied (S&H) mit der Abtastzeit TA ist in Bild 11.7 dargestellt.
12= -. t
Bild 11.7
x(kTA )
,, ,,
/
Abtaster
"'---
----'
/
/
,
/
,
--
x*(kTA )
--
Halteglied
- . kTA ~
..il.-
Umwandlung von analogen Signalen mit Abtast-/Halteglied-Schaltung
-.kTA
322
11 Digitale Regelung
Ein analoges Eingangssignal steht digitalisiert erst nach einer Wandelzeit bzw. Totzeit Tt am Ausgang des Wandlers dem Regler zur Verfügung. Diese Totzeit beträgt Tt
TA
=2'
(11.1)
wie in Bild 11.4 durch einen Vergleich zwischen analogem Eingangssignal x(t) und den aus der Treppenkurve x*(kTA) interpoliertem Ausgangssignal schematisch gezeigt ist. Die mathematische Herleitung findet man im nachfolgenden Beispiel. •
Beispiel 11.2
Die Treppenkurve am Ausgang eines Haltegliedes entsteht aus einer Folge von Rechteckimpulsen, wobei jeder einzelne Impuls als Überlagerung von zwei Einheits-Sprungfunktionen
dargestellt werden kann (Bild 11.8). Die LaplaceTransformierten von Sprungfunktionen sind:
1 L[CJ(t)]=-, S
i
_
x*(kT A) _
L
TA~
I
S
I____ ~ L (j( t-Ta )
Am Eingang des Haltegliedes wirkt eine t5 - Funktion, die im Bildbereich als
J(t) = dCJ(t) dt
1 L[J(t)]=s·-=l
=>
S
dargestellt wird. Daraus ergibt sich die Übertragungsfunktion des Haltegliedes zu
GH(S)= L[CJ(t)-CJ(t-TA )] L[J(t)]
=~_~e-sTA S
S
mit dem entsprechenden Frequenzgang
1_e- jmTA GH(jW)=--.- JW Durch Ansätze
kann GH(jc0 in folgende Form gebracht werden: . roTA
. )_ e
GH ( JW -
- J--
2
. roTA
(e
J--
2
. roTA
-e
j.2. wTA 2
- J--
2)
_
I I I I
o
L[CJ(t-TA)]=~·e-STA .
(jU)
_
Bild 11.8 Zur Ermittlung der Übertragungsfunktion eines Haltegliedes
= 1_es
sTA
(11.2)
323
11.2 Abtastregelung
Bei tiefen Frequenzen wTA «
I bnn das Halteglied wie folgt angenlihen werden:
.wTA
GH(jm) "'TA ·e
~,--
2
was einem Totzeilglied mit der Totzeit (11 I) enlspricht.
11.2.2 Rechenzeit Die Rechenzeit TM.. auch Rec!lelllotz.eit genannt, ist die Zeit. die der Regler benötigt, um die Stellgröße )'k aus einer Impulsfolge von Regeldifferenzen ek, ek.l. ek.2 zu berechnen. In Bild 11.9 ist schematisch dargestellt, wie der Regelalgorithmus von der Beziehung zwischen Rechenzeit TM. und Abtastzeit TA abhängig ist, nämlich: •
Im Fall TR <1' bzw. 7R~ 0 (Rechenzeit TM. ist klein) ist die aktuelle Stellgröße vom aktuellen Impuls der Regeldifferenz abhängig, bzw. es gilt Yk = f(ek)'
•
Im Fall TR =1' (Reehenzeit = Abtastzeit), ist die aktuelle Stellgröße vom vorherigen Impuls der Regeldifferenz abhängig, bzw. es gilt Yk = f(ek_l)
I
I
AblasIzeit T
I I Messung "on Regeldifferenz
I
,
>
Reehcntcil TM
Tl/, =T
u'_'
Rcchcnzeil '" Ablaslzcil-';L'C'-C' tt_1
I
Messung "on Regcldiffcrcnz
Abla<;ltcil T
I t t - --±-----------
q andere '. '---~A~"C;r;;g"C;",;;;;-" Tl/,
" ßild 11.9
'_"_'cic:_-+
It
Zusammenhang zwischen Stellgröße)'k und Regcldifferenz ek
324
11 Digitale Regelung
11.2.3 Beschreibungsmethoden Unten ist eine Übersicht der verschiedenen Beschreibungsmethoden von digitalen Systemen gegeben, sie werden in nachfolgenden Abschnitten ausführlich behandelt. a) Quasikontinuierliche Beschreibung Ist die Abtastzeit TA viel kleiner als die Zeitkonstanten der Regelstrecke, kann die Abtastung vernachlässigt und der Regelkreis als kontinuierlich behandelt werden. Die von digitalen Elementen verursachte Verlangsamung des Regelvorgangs wird als ein zusätzliches Glied mit der Totzeit nach (11.1) berücksichtigt. Die Annäherung gilt jedoch nur, wenn die Abtastzeit TA kleiner als die Verzögerungszeitkonstante der Regelstrecke T g oder Tu ist, wie im Bild 11.10 für TA'" 0,5· Tu gezeigt ist. In der Praxis gilt dafür normalerweise TA:$; 0,1· Tu. x(t)
t
Bild 11.10 Zeitverhalten einer analogen P-Tn Regelstrecke mit eingetragenen Abtastsignalen. Die Zeitkonstanten sind: Tu Verzugszeit, Tg Ausgleichszeit,
TA Abtastzeit.
-- t
Wie im vorherigen Abschnitten gezeigt wurde, allein der Einsatz eines A/D-Wandlers bringt die Totzeit Tt in ein analoger Regelkreis. Dazu soll auch die Rechenzeit T R beachtet werden. Dabei unterscheidet man folgende Fälle: •
Ist die Rechenzeit klein gegenüber Abtastzeit, d. h. T R < TA, kann die Rechenzeit vernachlässigt werden. In diesem Fall nur der A/D-Wandler verlangsamt die Regelung. Ein analoger Regelkreis mit der Übertragungsfunktion Go(s) = GR (s)Gs(s)
wird beim Übergang zu digitaler Regelung im Fall T R < TA mit einer zusätzlichen Totzeit Tt nach GI. (11.1) ergänzt: Go(s)
•
mit Tt
= 0,5 TA
Ist die Rechenzeit vergleichbar mit der Abtastzeit, d. h. T R = TA, wird die Rechenzeit im voller Größe bei der Bestimmung der Totzeit berücksichtigt, d. h. Go(s)
•
= ~ (s)Gs(s)e -sTt
= GR (s)Gs(s)e -sTt
mit Tt
= TA + 0,5 TA=
1,5 TA
Ist die Rechenzeit T R größer Abtastzeit, d. h. T R > TA, wird sie beim Reglernwurf als ein ganzzahliges Vielfaches der Abtastzeit TA angenommen, d. h.
11.2 Abtastregelung
325
mit l=0,1,2...
TR =l1
wobei der Wert l = 0 entspricht dem Fall TR < TA, bei l = 1 gilt der Fall T R
= TA.
b) Diskretisierte Beschreibung im Zeitbereich
Ausschlaggebend für Abtastsysteme ist die Behandlung von abgetasteten Zahlenfolgen x(O), x(TA), x(2TA), ... , x(kTA) anstelle der kontinuierlichen Regelgröße x(t). Mit einer ganzzahligen Variable k anstelle der analogen Zeitvariable t kann der Regelkreis mit Abtastgliedern mit diskreten Signalen xo, XI, ... Xk-I, Xk, Xk+ I beschrieben werden. Die analogen Regelalgorithmen werden diskretisiert, indem die Integration durch Summation und die Differentiation durch Bildung der Differenzquotienten für eine N
Diskretisierungszeit
TA
ersetzt
wird,
z.
B.
f x(t) dt '" TA . L Xk k=O
und
dx(t) '" xk+1 - xk . Die Lösung der Differenzengleichungen erfolgt mittels Rekursiodt TA nen oder mit homogenem und partikulärem Ansatz. c) Beschreibung mittels z-Transformation im Bild- bzw. Frequenzbereich
Zunächst wird die Variable e(t) nach der Abtastung als Folge von Impulsfunktionen J(t)
={
0
fürt:;t:O
00
für t = 0
fJ(t)dt
=1
L[J(t)] =1
dargestellt und mit den diskreten Werten e(kTA) für k = 0, 1,2... 00 gewichtet (s. Bild 11.6). Danach wird das mit dem Summenzeichen zusammengefasste Signal / (t) = Le(kTA ) J(t - kTA )· k=O
nach Laplace transformiert: e * (s) = L[e * (t)].
Da die Abbildung eines einzelnen Impulses
~t-kTA)
nach der Fourier-Transformation
gleich e- jOJkTA ist, gilt für das ganze Spektrum e*(jOJ) im Frequenzbereich =
/(jOJ) = Le(kTA)e-j(tJkTA k=O
bzw. im Bildbereich unter Beachtung s = jOJ /(s)= Le(kTA)e-skTA .
k=O
(11.3)
326
11 Digitale Regelung
Die Transformation nach GI. (11.3) kann als diskrete Laplace-Transformation bezeichnet werden. Ersetzt man nun e- sTA
e
sTA
durch eine neue Variable z, d. h.
=z-I
so folgt aus (11.3) die so genannte z- Transformation der digitalen Größe e(kTA) (11.4)
e(z) = Le(kTA)z-k =Z[kTA ] k=O
Durch z-Transformation von Impulsfolgen am Eingang xe(kTA) und am Ausgang xa(kTA) eines digitalen Elements des Kreises Xa (z) = Z[x a (kTA)]
entstehen die z-Übertragungsfunktionen x a (z) G(z) = - = Z[g(kTA)] . xe (z)
(11.5)
wobei g(kTA) die Gewichtsfunktion ist. Sie wird aus der Übertragungsfunktion G(s) durch Rücktransformation ermittelt L -1[G(s)] = g(t) und als Impulsfolge g(kTA) mit der Abtastzeit TA dargestellt. Im Abschnitt 11.5 wird gezeigt, wie die kontinuierlichen Untersuchungsmethoden für die digitalen Systeme mit Hilfe der z- Transformation umformuliert werden. Die Beschreibungsformen digitaler Regelkreise sind in Bild 11.11 zusammengefasst.
Analoger Regelkreis
Bild 11.11 Darstellung von digitalen Regelkreisen: a) quasikontinuierliche b) diskretisierte c) z - transformierte
Digitaler Regelkreis
* hk=!(ek , ek_l , hk-I) **
xk=!(x k_l , hk' hk-I)
~ ~GH(Z) c)
-
Regler mit Abtaster
Halteglied
327
11.3 Quasikontinuierliche Regelung
11.3 Quasikontinuierliche Regelung 11.3.1 Wahl der Abtastperiode Wenn die Abtastzeit TA kleiner als die eigene Verzögerung der Regelstrecke ist, kann sie nach der GI. (11.1) wie eine Totzeit Tt = 0,5 TA berücksichtigt werden. Die Abtastzeit darf nicht zu groß gewählt werden, da der Regelkreis wegen großen Totzeiten instabil werden kann. Andererseits kann sie nicht zu klein gewählt werden, da der Regler überlastet wird und die Realisierung nur mit speziellen Typen von Mikroprozessoren möglich ist. Die Abtastrate ist außerdem durch die Nutzbandbreite begrenzt. In der Praxis orientiert man sich bei der Wahl der Abtastrate auf die Kenngrößen der Regelstrecke. In der nachstehenden Tabelle sind die Abtastzeiten TA in Abhängigkeit von der Verzugszeit Tu, Ausgleichszeit Tg sowie den Zeitprozentwert T95 empfohlen. T95 ist die aus der Sprungantwort abgelesene Zeit, bei der die Regelgröße 95% des Beharrungszustandes x( 00) erreicht. Experimentell ermittelter Kennwert der Regelstrecke
Anzahl der Abtastungen innerhalb der Zeitperiode
Abtastzeit Ta
Tu und Tg < 10 Tu
von 2 bis 5
von 0,2 -Tu bis 0,5 -Tu
T95
von 10 bis 20
von 0,05 ·T95 bis 0, I -T95
Tg
10 und mehr
kleiner als O,I-Tg
Die Abtastzeit TA kann auch aus den berechneten bzw. simulierten Kenngrößen des geschlossenen analogen Regelkreises abgeleitet werden. Normalerweise soll die Anzahl der Abtastungen innerhalb der Anregelzeit 10 bis 20 betragen. In der Praxis liegen die Abtastzeiten in Größenordnung von 1 bis 10 ms für Antriebstechnik und von 1 bis 20 s für Prozessautomatisierung.
11.3.2 Praktische Einstellregeln Durch die von TA verursachte Vergrößerung der Gesamttotzeit wird die Phasenreserve des digitalen Regelkreises im Vergleich zu den analogen verringert, was zu Verringerung der Dämpfung und gar zu Instabilität führen kann. •
Beispiel 11.3
Ein Regelkreis mit dem analogen PID-Regler hat die Phasenreserve IJ'Rd = 45° bei der Durchtrittsfrequenz 1QI = 10 S-1. Es soll berechnet werden, wie sich die Phasenreserve ändert, wenn der analoge Regler durch einen digitalen PID-Regler mit der gleichen Einstellung und mit der Abtastzeit TA = 0,05 s ersetzt wird. Die Rechenzeit des Reglers ist kleiner als 0,05 s.
328
11 Digitale Regelung
Die Rechenzeit wird vernachlässigt; die Abtastung führt zu einer Totzeit Tt = 0,5· TA = 0,025 s und einer Phasensenkung von ({Jt( OJ) = - OJ-Tl.
die für OJd = lOs· 1 ({Jt(OJd)
= - OJd ·Tt = 0,25 Rad bzw. ({Jt(OJd) = - 14,3°
beträgt. Die Phasenreserve des digitalen Regelkreises ist damit ({JRd digital
= ({JRd + ({Jt(OJ) = 45° - 14,3° = 30,7°.
Zum Entwurf eines quasikontinuierlichen Regelkreises werden die Gütekriterien und Methoden der analogen Regelungstechnik herangezogen. In den im Abschnitt 8.2 vorgestellten praktischen Empfehlungen soll die Totzeit Tt = 0,5 -TA berücksichtigt werden, d. h. anstelle von Tu wird Tu + 0,5 -TA eingesetzt. Auf diese Weise sind z. B. die Einstellregeln für digitale Regelkreise nach Takahashi aus dem Ziegler-NicholsVerfahren für analoge Regelkreise ausgeführt, die allerdings nur für TR < TA gelten: Kennwerte
P-Regler Tg
K pR
KpS(Tu +TA )
PI-Regler
0,9·
T
PID-Regler (additive Form) T.
g
KpS(Tu +0,5TA )
Tn
-
3,33· (Tu + 0,5TA )
Tv
-
-
12· g , Kps(Tu +TA )
2. (Tu + 0,5TA ) Tu +TA
2
0,5· (Tu +TA )
In der nachstehenden Tabelle ist das Verhalten eines Regelkreises mit einer P-T nStrecke und dem digitalen PI-Regler, der nach verschiedenen Regeln eingestellt ist, für verschiedene Abtastzeiten TA gezeigt. Praktische Einstellregel
Abtastzeit TA TA=O,1 Tu
Nach Chien, Hrones und Reswiek
Die zufriedenstellende Dämpfung von 0,3 bis 0,4
TA = 0,3 Tu
Nach Chien, Hrones und Reswiek
Die Dämpfung verringert sich nur gering
Nach Chien, Hrones und Reswiek TA= Tu
Nach Takahashi Nach Ziegler-Nichols
•
Gütekriterien beim Führungsverhalten
Eine Dauerschwingung entsteht (Stabilitätsgrenze) Keine Verbesserung, eine Dauerschwingung entsteht (Stabilitätsgrenze) Verbesserung der Dämpfung auf 0,3
Beispiel 11.4
Der asymptotische Verlauf des Bode-Diagramms eines aufgeschnittenen Regelkreises mit einem analogen P-Regler ist im Bild 11.12 gegeben. Der Proportionalbeiwert des Reglers beträgt KpR = 1,5. Die Phasenreserve ist ({JRd =45° bei Durchtrittsfrequenz von OJd = 0,25 s-I.
329
11.3 Quasikontinuierliche Regelung ..........
......r-, - 20 dB/Dek
~ ~d
1111
1,0
1- ~ OJ/
Si
f',. ItmTIek
-20dB
- - OJ/ S-I !AOJ)
r - °t---1'=t::t::jllitt_-i-rr-liltttt-iitliitti _ 90
Bild 11.12 BodeDiagramm des Regelkreises mit analogem P-Regler und I-T]Strecke
If'Rd ! -180° l--t-l-t--++-I--U-~+±t---t-t--t-H=t1====F~-+-+-I~
-270°
'----'---'--'--L--'-'-"-'-_-'-----'---'--'---'-'--'-'-"_ _"----'---'--'--L--'-'--U
Der analoge P-Regler soll durch den digitalen PD-Regler mit der Abtastzeit TA = 2,0 s ersetzt werden. Gesucht ist die Reglereinstellung, bei der der Regelkreis mit digitalem Regler die gleiche Phasenreserve IJ!Rd =45 0 behält. Die Rechenzeit des Reglers wird vernachlässigt. Die Zeitkonstante Tl der Strecke wird sofort durch die Vorhaltzeit des PD-Reglers kompensiert, d. h. Tv = Tl = 1/0,25 s-l = 4 s. Als Hilfsmittel wird zunächst das Bode-Diagramm des
aufgeschnittenen Regelkreises mit analogem PD-Regler mit KpR = 1,5 ermittelt, das dann, wie im Bild 11.13 gezeigt, mit dem Totzeitglied Tt = 0,5· TA = 1 s ergänzt wird, was dem digitalen Regelkreis entspricht. !!= 314 S-I Tt
..........
I'-- .....1--
~ I-...OJd
1,0
1'---......
1I1
I
1 1 11111
1
I
1- ....
1III
OJ/
'--........l
I
1I1
---+ OJ/ 1
mit analogem PD-Regler
IJ1d!
-
mit digitalem
S-I
}LlK = 9,5 dB
neue 0 dB-Achse
-20dB
'
S-I
Bild 11.13 BodeDiagramm des Kreises mit analogem und digitalem PD-Regler
57Y
~
PD-Re~le;>-
~rl
Um die gewünschte Phasenreserve IJ!Rd einzustellen, soll man die O-dB-Achse nach unten um LlK'" 9,5 dB bzw.!J.K '" 3 verschieben. Damit erhält man für den Proportionalbeiwert des Reglers
KpR = 1,5'LlK = 4,5.
11 Digitale Regelung
330
11.4 Beschreibung von Abtastsystemen im Zeitbereich 11.4.1 Differenzengleichungen Gleichungen, die den Zusammenhang zwischen abgetasteten Folgen xe(kTA) der Eingangsgröße Xe und abgetasteten Folgen xaCkTA) der Ausgangsgröße X a eines zeitdiskreten Systems beschreiben, nennt man inhomogene Dijferenzengleichungen. Im Folgenden werden die diskreten Eingangswerte xe(kTA +nTA) kurz mit sowie die diskreten Werte xe(kTA+nTA) mit Differenzengleichung n-ter Ordnung
Vk+n
Xe,k+n
bzw.
Uk+n
bezeichnet. Eine lineare inhomogene (11.6)
anVk+n +an-lvk+n-l + ... +alvk+l +aOvk =bOuk
hat Ähnlichkeit mit einer Differentialgleichung gleicher Ordnung: an v(n) (t)
+ an_lV(n-l) (t) +... + alv(t) + aov(t) = bou(t).
11.4.2 Aufstellen der Differenzengleichungen Eine Differenzengleichung kann aus einer Differentialgleichung erstellt, indem man die Integration durch eine Summe
L k
v(t) = K I fu(t)dt
c:::::::::::>
Vk = K I
Vk
i=l
und die Differentiation durch einen Differenzenquotienen ersetzt: _ K
v (t ) •
du(t)
D--
dt
Beispiel 11.5
Gegeben ist die Differentialgleichung 11v(t) + V(t) = K pu(t) mit T1=1 s, Kp= 2 und Gesucht ist die Differenzengleichung mit Abtastzeit T A= 0,25 s und die Lösung. Nach der Approximierung
ergibt sich die Differenzengleichung zu vk = (
11
1i+ TA
JVk-l
+Kp(
TA
11+ TA
JUk
bzw. vk = 0,8vk-l
_ kTA
DieLösungbeit=kTA ist vk =Kp(l-e
Tl )uo=2(I-e- O,25k).
+ O,4uk'
Uo
= 1.
11.4 Beschreibung von Abtastsystemen im Zeitbereich
331
11.4.3 Lösung der Differenzengleichungen mittels Rekursion Die Lösung der Differenzengleichung ist die Folge
Die Werte der Ausgangsgröße
für k
xa,k+n
=
1, 2, ... können aus gegebenen Koeffi-
zienten an, an-I, ... , aO, bo und Anfangswerten xa,n bei k = 0 durch die Erhöhung von k jeweils um Eins schrittweise berechnet werden. Die GI. (11.6) wird dafür umgestellt: 1
xak+n =-[-an-lxak+n-l - ... -alxak+l -aOxak +bOxekl. 'an' ' "
Werden die Anfangswerte der Differenzengleichung wie im analogen Fall zu Null angenommen, d. h. xa,n = 0 für n = 0, 1,2, ... und gilt für den Eingangssprung Xe, -1 =
0
Xe,O = Xe,l = Xe ,2 = ... = Xe,k = XeO
so wird der erste Wert der Ausgangsgröße für k = 1 wie folgt berechnet: 1
x a l+n =-[-an-lx an -a n -2 x an-l - ... -alx a 1 -aOx a 1 + bOxe
'
'an
,
'"
tl·
Die Lösung mittels Rekursion ist nur numerisch möglich und lässt sich nicht für die Regelkreisanalyse bzw. Stabilitätsbedingungen verallgemeinern. ~
Aufgabe 11.1
Die Regelstrecke stellt ein P-Glied mit Kps = 8 dar und wird mit einem analogen I-Regler geregelt. Der Integrierbeiwert des Reglers ist KIR = 2 s-l. Der analoge Regler wird durch einen digitalen Regler mit gleichem Integrierbeiwert ersetzt. Die Abtastzeit des digitalen Reglers beträgt TA = 0,05s. Der Regelalgorithmus wird nach der Trapezregel digitalisiert. Vergleichen Sie die Sprungantworten des geschlossenen Regelkreises mit analogem und digitalem Regler nach einem Sprung der Führungsgröße von wo =2.
11.4.4 Exakte Lösung der Differenzengleichungen Ähnlich einer Differentialgleichung entsteht auch hier die Lösung der GI. (11.6) aus der Lösung a, k der homogenen Differenzengleichung
i
an xa,k+n
+ an-l xa,k+n-l + ... + al xa,k+l + aOxa,k
=
0
(11.7)
und einer partikulären Lösung x a,pakrt , d. h. X
h a,k = x a,k
part + x a,k'
Für die homogene Lösung wird GI. (11.7) mit dem Ansatz h x ak =
C· z k
(11.8)
332
11 Digitale Regelung
zu der so genannten charakteristischen Gleichung der Differenzengleichung gebracht: an C . Z k+n + an-l C . Zk+n-l + ... + al C . Z k+l + ao C . Zk = 0 .
Daraus folgt n +an-lZ n-l + ... +alZ 1 +aoZ 0] = 0 , C ·z k [ anz n n-l 1 0 0 anz +an-lZ + ... +alZ +aoZ = .
(11.9)
Die charakteristische Gleichung (11.9) hat n Nullstellen Zl, Z2, ... , Zn, die reell oder konjugiert komplex sind. Die homogenen Lösung ergibt sich somit zu (11.10) wobei die Koeffizienten Ci aus den Anfangsbedingungen folgen. Bei der partikulären Lösung wird, entsprechend zu Differentialgleichungen, eine Eingangsfunktion, z. B. die Sprungfunktion xe, k = 1, in GI. (11.6) eingesetzt. •
Beispiel 11.6
Gegeben ist die Differentialgleichung eines geschlossenen Regelkreises T1x(s) + x(t) = K pw(t)
mit T1=1 sund Kp = 2. Gesucht ist die exakte Lösung der Differenzengleichung. Die Gesamtlösung ergibt sich als Superposition der homogenen und partikulären Lösungen der charakteristischen Gleichung _TA
_TA
Xk =e Tl Xk-l +Kp (l-e Tl )wk-l bzw. Xk =0,7788xk_l +0,4424wk_l •
Beispiel 11.7 Der analoge Regler des in Bild 11.14 gezeigten Regelkreises wird durch einen digitalen
PI-Regler mit der Abtastzeit TA = 0,1 s ersetzt. Es soll die Differenzengleichung erstellt und die Lösung bei einem Eingangssprung wo = 2 ermittelt werden. Die Übertragungsfunktion des geschlossenen Regelkreises mit dem analogen PI-Regler: x(s) Gw(s)=w(s)= 2
ß2
s +2a·s+ ß
2,(11.11)
Bild 11.14 Wirkungsplan des Regelkreises mit dem analogen PIRegler. Die Kennwerte des Kreises sind: Kps = 0,8; Tl =0,5; T2 = 1 s; KpR = 1,5; Tn = 1 s.
11.4 Beschreibung von Abtastsystemen im Zeitbereich
333 (11.12)
Die Differentialgleichung erhalten wir aus Gi. (11.11) nach der Laplace-Rücktransformation:
+ 2a· s· x(s) + ß2 . x(s) = ß2 . wes)
s2 . x(s)
D
D
d 2 x(t) dt 2
D
+ 2a dx(t)
+ ß2 x(t)
dt
D = ß2 w (t) .
(11.13)
Die Digitalisierung erfolgt mit rechter Intervallgrenze, d. h. dx(t) "" xk+l - xk = L1x k dt TA
Setzen wir die obigen Differenzen in Gi. (11.13), so entsteht die Differenzengleichung xk+2
+ 2(dI'A -1)· xk+l + (1- 2dI'A + ß
2
Tl)· xk = ß 2Tl· wk
bzw.
(11.14) mit
al =2(dI'A -1)=-1,8 ao = 1- 2dI'A
+ ß2T
l
= 0,824 und bO = ß2 T
l
= 0,024.
Aus der Differenzengleichung (11.14) bilden wir nach (11.9) die charakteristische Gleichung a2z2
+ al zl + aoz O = 0,
bzw. z 2 -1,8z Zl = Z2
(11.15)
+ 0,824 = 0 mit zwei Polstellen:
0,9 + 0,1183j
=0,9-01183j.
Die homogene Lösung der Differenzengleichung für k = 0, 1, 2, ... ist nach (11.10) h
k
k
(11.16)
xEart
stellt für die Eingangssprungfunktion eine Konstante Co dar und
x k = Cl . zl + C 2 . z2 . Die partikuläre Lösung
wird durch Einsetzen in die Differenzengleichung (11.14) bestimmt: a2 C O + alC O + aOC O =bOwk
334
1I Digitale Regelung
bzw.
Co =
2.
1- 1,8 + 0,824
Damit ist die Oesamtlösung f1ir k = 0, I. 2, ... unter Beachulng von (11 16) . -x _ h. .\k k
+x kpan
-c 0+ C J"ZI'
' + C2"Z2"
Die Anfangswcrtc sind bei k = 0 gegeben: .1:0=0 XI
=0.
Setzen wir die Gesamtlösung Xk in der Differenzengleichung (11.15) ergeben sich zwei Gleichungen
Xo =2+C 1z? +C2Z~ =0 { XI=2+CIZI+C2Z~ =0
ruf k = 0 und k =
I ein. so
=-2 =-2,
die zu folgenden Werten fUhren:
Cl =
- 2z 2 + 2 =-I+O,8453}
C., = ---=2-=+-=2,,',,-1
Z2 - Zl
-
Z2 - ZI
-1-O,8453j.
Die Gesamtlösung
" = 2 + (-I + O,8453jHO,9 + 0,1 183j)' + (-I - O,8453j)' (0,9 - O,1183j)' ist im Bild 11.15 dargestellt. MATLAB-Skript:
2.5
x(kT) 2
z1 '" 0.9 + Q.1183i;
w.2
z2:0.9-0.1183i;
Cl ",(-2"z2+2}/(z221); c2 :(-2 + 2' Z1) { (z221);
lork", 1:40 xk=2+Cl"(Zl Ak)+ c2'(z2"k)
0.5
0-
o
bar (k, xk, 'w')
"
20
Bild 11.15 Sprungantwort des digitalen Kreises
30
hold on end;
335
11.4 Beschreibung von Abtastsystemen im Zeitbereich 11.4.5 Digitalisierung analoger Regelalgorithmen
Heutzutage wird der Anwender von der Aufstellen der Differenzengleichungen der Regelalgorithmen verschont, da mehrere Programme und Funktionsbausteine preiswert angeboten und leicht zu testen sind. So werden nachfolgend nur die Grundlagen der Umsetzung von zeitkontinuierlichen PID-Regelalgorithmen ins Zeitdiskrete kurz dargestellt. Unter den vielen möglichen Regelalgorithmen werden gegenwärtig vorwiegend die analogen PI- und PID-Regler digitalisiert. Der kontinuierliche PID-Regelalgorithmus YR (t) = K pe(t) '--v-'
f
de(t)
+ K 1 e(t)dt + K D - '-r----'
yp(t)
YI(t)
dt
~
entspricht einer Summe von drei Anteilen (P-, 1- und D-Anteil): YR (t) = YP (t) + Yl (t)
+ YD (t).
Nach dem Abtastprinzip wird die Regelgröße x(t) in Zeitabständen TA entnommen und durch eine Reihe von Zahlenwerten
xo,
Xl, ... , xk-l, Xk
dargestellt (Bild 11.16).
Die Stellgröße YR(kTA) zum Zeitpunkt t = kTA, kurz YRk, wird als Funktion von Eingängen eo, el, ..., ek-l, ek berechnet und ausgegeben. Sie setzt sich, wie bei analogen Reglern, aus drei digitalisierten Anteilen zusammen: YRk = YPk
(11.17)
+ Ylk + YDk .
Für die Zeitspanne dt wird die Abtastzeit TA gesetzt. Für den Grenzübergang TA ~ dt geht die Summe in das Integral über und die Ableitung wird zum Differenzenquotient: YRk =Kp ·ek +K 1 .TA
1 2>i +KD ·-(ek -ek-l)· TA k
(11.18)
i=l
Hierin sind: ek = Wk - Xk die Regeldifferenz im k-ten Abtastschritt und YRk die im k-ten Abtastschritt errechnete Stellgröße. Der Regelalgorithmus nach GI. (11.18) heißt Stellungsalgorithmus, da die Stellgröße YRk für jeden Wert der Abtastzeit TA berechnet wird. Solche Algorithmen sind für die X(t)
i
Xk X _ k 1
xk
c::::::>
'?--
i
I
X2 XI
X _ k 1
xk
Bild 11.16 Durch Abtastung entstehende Folge Xk aus dem kontinuierlichen Signal x(t)
336
11 Digitale Regelung
Regelstrecken mit großen Zeitkonstanten und entsprechend großen Abtastzeiten geeignet, z. B. für Temperaturregelstrecken, bei denen TA 20 s und mehr betragen kann. Bei der Regelung von Prozessen mit Abtastzeiten, die in der Größenordnung von einigen ms liegen, z. B. bei Drehzahlregelungen, wird vielfach anstelle des Stellungsalgorithmus der Geschwindigkeitsalgorithmus angewandt, der die aktuelle Stellgröße aus dem Zuwachs L1YRk = YRk - YRk-l berechnet. Die Werte YRk und YRk-l werden nach GI. (11.17) für den k- und (k-1)-ten Abtastschritt errechnet. Zur Berechnung der aktuellen Stellgröße nach dem Geschwindigkeitsalgorithmus soll nun L1YRk berechnet und zu dem im vorhergehenden Abtastschritt ermittelten YRk-l addiert werden, d. h. YRk = YRk-l + L1YRk'
Die Approximation der Integration und der Differentiation in der GI. (11.18) kann durch verschiedene Verfahren vorgenommen werden. Zur Ermittlung des I-Anteils Ylk der Stellgröße kann die Fläche unter der Treppenkurve, die das Integral von e(t) nach darstellt, nach der Rechteck- und der Trapezregel, wie in Bild 11.17 gezeigt, angenähert werden. Analog e(t)
t
ElementarFläche
0
Rechteckregel ek
Trapezregel
t
t
ElementarFläche= O,5(e i_1+ e)TA
~
,
'
dt
Analoger Algorithmus
Nach Rechteckregel
Nach Trapezregel
YPk =KpR ·ek
YPk = K pR ·ek
P-Anteil: YP (t) = K PR e(t) I-Anteil: Die i-te Elementarfläche:
ej ·TA
Das Integral
k K pR L ejTA = Ylk=T n i=l
pR Yl(t)=K fe(t)dt Tn wird durch eine Summe nachgebildet:
TA k =KpR-Lej Tn i=l
Bild 11.17 Bildung der Summe aus der Folge e(t)
ej-l + ej ·TA 2 k - K PR L ej-l + ej T _ Ylk - - ATn i=l 2
1 TA k =-KpR-L(ej-l +ej) 2 T n i=l
11.4 Beschreibung von Abtastsystemen im Zeitbereich
337
In nachfolgender Tabelle ist die Ermittlung der Differenz LlYRk für den PI-Regelalgorithmus nach Rechteck- und Trapeznäherung gezeigt. Rechteckregel (Euler-Verfahren) YRk
= K PR ek
YRk-l
Trapezregel (Tustin-Verfahren)
TA k
YRk
+ K PR -
I ei T n i=l
= KpRek-l
TA k-l
+ KpR - I e i T n i=l LlYRk
LlYRk
= K PR (ek
- ek-l) +
' +K pR TT~ [~ei -
'~ej-1]
= K PR ek
YRk-l
= YRk
k
K pR +- -TA - I (ei-l + ei) 2 Tn i=l
= KpRek-l
k-l
pR TA I +K- - (ei-l +ei) 2 Tn i=l
- YRk-l
LlYRk
= KpR(ek
-ek-l)+ k
K pR +- -TA - I (ei-l + ej) 2 Tn i=l k-l
[, '-1] ~ei - ~ei
pR -K- -TA - I (ei-l +ei) 2 Tn i=l Unter Beachtung k-l
k
I (ei-l +ei)- I (ei-l +ei)=ek-l +ek i=l i=l
=ek
ergeben sich die Formel zur Berechnung der aktuellen Stellgröße nach dem Geschwindigkeitsalgorithmus YRk = YRk-l + LlYRk: LlYRk =
LlYRk =
KpRTA = KpR(ek -ek-l)+ ek Tn
= KpR(ek
-ek-l)+
KpRTA (ek-l +ek) 2Tn
Die Rechtecknäherung kann auf andere Art formuliert werden, nämlich mit dem Wert der so genannten linken Intervallgrenze. Wie Bild 11.18 zeigt, richten sich damit die abgetasteten Werte nicht nach der rechten ei, sondern nach der linken Seite ej-l des Rechtecks aus. Die Elementarfläche wird statt ejTA nun ei-l TA betragen. Wie auch bei der rechten Intervallgrenze werden insgesamt k Elementarflächen addiert, allerdings muss k-l statt k bzw. k-2 statt k-l als obere Grenze bei den Summenzeichen in obiger Tabelle eingesetzt werden. Damit erhält man den folgenden PI-Algorithmus mit linker Intervallgrenze, der auch als Typ I genannt wird: YRk
= YRk-l
+ LlYRk
= YRk-l
+ K PR (ek - ek-l) +
KpRTA
Tn
ek-l·
11 Digitale Regelung
338 Analoge Regeldifferenz
e(t)
i
i
rechte Grenze /
linke Grenze
°
-+ t
Rechtecknäherung mit linker Intervallgrenze
Rechtecknäherung mit rechter Intervallgrenze
i-te ElementarFläche= ei_1TA
i-te ElementarFläche= e7A
°
Bild 11.18 Rechtecknäherung mit linker und rechter Intervallgrenze
Der D-Anteil kann durch den Differenzenquotient mit der Zeitdifferenz TA
auch auf zwei Arten angenähert werden: •
Mit der linken Intervallgrenze (so genannte Differenzbildung rückwärts, Typ I) ek - ek-I
YDk = K PR Tv ----"----"'---"-TA
•
Mit der rechten Intervallgrenze (Differenzbildung vorwärts bzw. Typ 11)
Die Differenzbildung vorwärts wird selten benutzt, weil ein Wert
ek+1
zum Zeitpunkt
t = kTA noch nicht bekannt ist und der D-Anteil YDk-1 nur verzögert um eine Abtast-
periode zum Zeitpunkt t = (k-1)TA berechnet werden kann. Die Programmierung von Regelalgorithmen ist im Anhang erläutert und steht im On1ineP1us-Bereich des Verlags zum Download zur Verfügung. ~
Aufgabe 11.2
Gegeben ist der analoge I-Algorithmus y(t) = K[ fe(t)dt mit K[ = 2s -I und e(t) = 2t 2 .
°
Der Eingangssignal e(t) ist bei t> 0,5 auf maximalen Wert e(t) = 0,5 begrenzt. Gesucht ist der Ausgangssignal des mit der Abtastzeit TA = 0, I s digitalisierten Algorithmus für ~ t< I. ~
Aufgabe 11.3
Gegeben ist die Differentialgleichung einer analogen PI-Regeleinrichtung mit Verzögerung TR:
TRYR (t)
+ YR (t) =
K PR e(t) + K PR feet) dt.
Tn
Als Regler wird eine SPS mit der Abtastzeit TA verwendet. Gesucht ist der nach dem Typ I digitalisierte Geschwindigkeitsalgorithmus.
11.4 Beschreibung von Abtastsystemen im Zeitbereich
339
Aufgabe 11.4
~
Der PI-Regelalgorithmus mit den Kennwerten KpR = 1,5 und Tn = 2,0 s soll nach der Rechteckregel mit die Abtastzeit TA = 0,5 s digitalisiert werden. Wie groß wird die Stellgröße YR zum Zeitpunkt t = 2,0 s nach einem Eingangssprung von eo = 2 bei: a) analogem Regler, b) digitalem Regler?
In den zwei nachfolgenden Tabellen sind die Standard-Regelalgortithmen zusammengefasst. Die Tabelle 11.1 enthält die Übertragungsfunktionen und Differentialgleichungen der analogen Regelalgorithmen. Anhand dieser Tabelle wurden die Differenzengleichungen erstellt und mittels Rekursionen gelöst. Daraus entstanden die digitalisierten Regelalgorithmen, die in Tabelle 11.2 gegeben sind. Regler
GR(s)
Differentialgleichung y(t) = Kpe(t)
Parameter
P
GR(s)=Kp
I
Kr GR(s)=s
y(t) = Kr fe(t)dt
D
GR (s) = sK o
y(t) = K oe(t)
PI
GR(s)= Kp(l+sTn ) sTn
y(t) = K pe(t) + Kr fe(t)dt
GR (s) = K p +sKo
Tt,YU) + y(t) = K pe(t) + Koe(t)
K o = KpT y
Tt,y+ y(t) = Kpe(t) + Koe+KpTje
Kp Kr =Tn
t
Kp Kr =Tn
0
K o = KpT y t
idealer PD realer PD bzw. PD-
sK GR(s)=Kp + -ol+sTj
0
Ko=KpT y
Tl
idealer PID
GR(s)=Kp + Kr +-+sKo s
Kp Kr =Tn
y(t) = Kpe+Kj fedt+Koe
Kp Kr =Tn
K o = KpT y Tä+ y = (Kp + KrTj)e
realer PID bzw. PIDTl
+Kr fedt+ GR(s)=Kp + Kr sK + - + -os l+sTj
+(Ko +Kp1]k
bzw. Tä+y=Kre+
Kp Kr =Tn
K o = KpT y
+ (K p + KrTj)e +
+(K o + K p1])e Tabelle 11.1 Zusammenfassung der analogen Standard-Regelalgorithmen
11 Digitale Regelung
340 Regler P
GR(s) GR(s)=Kp
Differenzengleichung
Parameter
Yk = Kpek
I
K GR(s)=-' s
Yk = Yk-] + K,Tek_]
p K,= K Tn
D
G R (s) = sK o
Ko Yk =-(ek -ek-I) T
K o = KpTy
PI
K, GR(s)=Kp + s
Yk = Yk-I +
c] =Kp
idealer PD
realer PD bzw. PD-Tl
GR (s) = Kp + +sKo
~(s)=Kp+
sK + -ol+s1]
+ clek - c2 ek-1
Yk = Clek - c2 ek-1
Yk =dIYk-1 + +clek -c2 ek-1
c2 = K p -K,T K C] =Kp + oT K c2 = ---..!2. T K 0_. C =K + __ ] p T+Tj'
C* = ~ c]
/=~ cI
/=~ cI
K c2 = K P _ _ I _ + __ 0_ ; T+TI T+T] T,
d]=~ T+~
Ko c]=Kp + ; T
GR(s)=Kp +
idealer PID
K, +-+sKo s
Yk = Yk-I + clek - c2 e k-l + c3 ek-2
*
cI
2K o c2=Kp +---K,T; T Ko Ty . c3 =T=K
*
PT ,
GR(s)=Kp + K, sK + - + -os I+s~
c2 = KpT T+T] Yk = dlYk-1 - d 2Yk-2 + + clek + c2 ek-1 + c3 ek-2
c3
c3=c]
c] = K pT (I + TI + T + T+T] 2Tn
realer PID bzw. PIDTl
c2
c2=-
~ + Ty J T
(~_ 2(T] +Tn ) 2Tn
c3 = KpT (1] +Ty T+T] T
T
IJ
_ lJ 2Tn
Tj d]=I+-T+~
d2 - -~T+T]
Tabelle 11.2 Zusammenfassung der digitalisierten Standard-Regelalgorithmen Beim Erstellen von Tabellen 11.1 und 11.2 hat Dominik Herold, Student der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik, mitgewirkt (2008/09).
341
11.4 Beschreibung von Abtastsystemen im Zeitbereich
11.4.6 Stabilitätsbedingung für Abtastsysteme Ein Abtastsystem ist dann stabil, wenn die Ausgangsgröße x a, k nach einem Eingangsprung zu einem Beharrungszustand übergeht. Mathematisch bedeutet es, dass die Lösung (11.10) der homogenen GI. (11.7) mit der Zeit t ---7 00 bzw. k ---7 00 verschwindet, d. h. x
h
I
a,k bei k---7 oo
=0.
Dies ist für wachsende k und wachsende Zik nur dann möglich, wenn alle Beträge der komplexen Wurzeln der charakteristischen Gleichung (11.9) kleiner Eins sind. Daraus folgt die Stabilitätsbedingung eines Abtastsystems: Ein Abtastsystem ist dann stabil, wenn alle Wurzeln der charakteristischen Gleichung (11.9) zu der Differenzgleichung (11.6) des geschlossenen Regelkreises vom Betrag kleiner Eins sind, d. h.
(11.19)
Izil < 1 Für Differenzengleichungen 1. Ordnung ao alz+aO =0 bzw. z+-=O al
gilt die Stabilitätsbedingung (11.19) bei Koeffizienten
laol lad< 1
bzw. - al < ao < al .
Für Differenzengleichungen 2. Ordnung 2
0
a2Z +ajz+aoZ =0
mit dem Wert von a2 = 1, was bei geschlossenen Regelkreisen häufig der Fall ist, führt die Stabilitätsbedingung (11.19) zu ao <1 (11.20) { -1-aO
Bild 11.19 zeigt das entsprechende Stabilitätsgebiet in der Ebene (ao, al) der Koeffizienten der Differenzengleichung. Die Stabilitätskriterien werden Abschnitt 11.5.5 behandelt.
In
1------1 1 1 1 I
-1,0 1 1 1 1 1 1 1
_
-1,0
Bild 11.19 Stabilitätsgebiet für digitale Regelkreise 2. Ordnung mit a2 = 1
342
1I Digitale Regelung Beispiel 11.8
•
Die Stabilität des in Beispiel [ [,7 gegebenen Kreises mit charakteristischer GI. (11.15) ,
I
Z-+{/IZ +(/OZ
0
=0
sol] HiT gegebene KCllllwerte Kps = 0.8: Tl = 0.5 sund Tn = I s untersucht werden. Die Koeffizienten sind nach Gin. (11.12) und (11.14) gegeben: {/t
T =...1l..-2
7j
T K K r2 ao=I-...1l..+ PR p S . i 7j Tn TI
.
,TA
Bezeichnen wIr - =
TI
b und KpRK ps
Tn
K o. Mit der vorgegebenen Ablastzcil TA = 0 ,I S
ergibt sich der kritische Wert von KpR (s. Bild 11.20) aus der Stabilitiitshedingung (I 1.20) zu
(Jo<1
KpR<~
l-b+KO·b·TA
::::>
::::> K pRkr =12.5
KpsTA
Ist dagegen KpR vorgegeben. z. B. KpR = 5 bzw. Ku= 4, wird die kritische Ahtastzeit ermittelt: ::::> TAkr =O,25s
Aus der letzten Bedingung folgt 7Akr = 1,0 s, Die Bedingung (/1 < -]-
ao
liefert die Lösung
TA> O. Normalerweise wird fLir die Abtastzeit der kleinste Wert !!ewählt: d. h. TA < 0.25 s.
"
!t(lef}
,..
,
,
• ,
PR: 1,5
'"
!t{lef}
• 1.2
: 13
"
0.' 0'
0.'
0.' 0.' 0 0
'" '" '"
.
" "•• "
·0.5 0
'" '" '"
..
"• • "
8ild 11.20 Sprungantwortell des digitalen Regelkreises bestehend aus dem PI·Regler und einer
P-T2-Strecke bei einem Einhcits-Eingangssprung der Führungsgrößc
11.5 Beschreibung von digitalen Systemen im z-Bereich
343
11.5 Beschreibung von digitalen Systemen im z-Bereich 11.5.1 Die z- Transformation
In zeitkontinuierlichen Regelkreisen wirkt ein analoger Signal auf den Eingang eines kontinuierlichen Elements. Die kontinuierliche Funktionen f(t) werden nach Laplace transformiert. (11.21)
fes) = If(t). e-st dt 0
In digitalen Regelkreisen wirkt eine Impulsfolge auf den Eingang eines kontinuierlichen Elements: (fk) = fo· J(t) + !I. J(t - T) + h . J(t -2T) +... = LA· J(t -kT) k=O
Es entsteht eine zeitdiskrete und wertediskrete Signalfolge. Die Zeit ist durch die Abtastung t = kTA bzw. t = kTdiskretisiert. Die Impulse ~t-kT) sind zeitlich voneinander um die Abtastzeit verschoben. Die Funktionf(t) wird durch die Folge fk bzw. die folgende Summe dargestellt: f(t)
=
f(kT)
=
Lfk J(t-kT) k=O
Da die Laplace-Transformation eines einzelnen Impulses ist ~t-kT) 0--. L[J(t-kT)] = e- skT , wird die Funktionf(t) bzw. die Summe von Impulsen wie folgt Laplace-transformiert: Lfk J(t-kT)
0--.
k=O
L A e-kTos . k=O
Für die zeitdiskrete Signalfolge kann die Laplace-Transformation mit dem Ansatz z=e sT bzw. z-1 =e- sT (11.22) angewendet werden. Sie wird diskrete Laplace-Transformation oder z-Transformation genannt und wird durch Z [z] oder symbolisch wie bei kontinuierlichen Systemen bezeichnet: 0--.
f(t)
0--.
kT f(t)=Lfk·e-skT k=O
344
11 Digitale Regelung
Dasselbe gilt für die Rücktransformationen bzw. TI [z]: f(kT)
.--0
f(z)=LfkZ-k k=O
Wie die Laplace-Transformation wird die z-Transformation durch Sätze und Rechenregeln definiert. Unten in der Tabelle sind nur einige wichtige Funktionen dargestellt. Zeitfunktion
Laplaee-Transformierte L[u(t)] = Urs)
u(t)
Dirae-Impuls J(t) bei t = 0
J~k U
Dirae-Impuls bei t
=kT
J(t -kT)
lJL
Reehteekimpuls aoJ(t) der Höhe ao bei t = 0 T
T
1
Reehteekimpuls alJ(t -kT)
k
der Höhe ~ bei t T
=kT
Einheitssprung (j(t) = I bei t = 0
0
1
I
2
1
:
t
--
ii
jill '
T
L[aIJ(t - kT)] = ~e -skT T
1
ao T
al
-z T
-k
z z -I
L[O"(t)] =-
--
S
I -sT
L[O"(t - kT)] =-e s
Z
--·z
-I
z-I
=
I z-I
--
2
----+
u(t)=I-e TI
ao(1- e-sT)
~k
o ] 214
Exponente
-k
2
Jlli1 I
=
~k
:
0
Anstiegfunktion u(t) = t
~
I
'
z
2
1II 1II 0
Einheitssprung (j(t) = 1 bei t = T
~k
: T :
T
L[J(t - kT)] = e-kT
L[(j(t) - (j(t - T)] =
: :
1
0
1
k
1lU : T: '
T
L[J(t)] = 1
L
1
o
z- Transformierte Z[u(k)] = U,(z)
, , , ----+
o 1234
1
Tz
---
L[t]=2
(z _1)2
s
T
L[u(t)] =
1 s(1 + sT])
--
(1- e TI )z T -(z-l)(z-e TI)
Im Anhang sind die Sätze der z-Transformation komplett aufgeführt sowie die Zeitfunktionen f(t), die Laplace-Transformierten f(s) und die z-Transformierten f(z) gegenübergestellt. Die z-Rücktransformation für die Funktionen, die in dieser Tabelle nicht vorhanden sind, erfolgt, wie bei Laplace-Rücktransformation, mit Hilfe der Partialbruchzerlegung.
11.5 Beschreibung von digitalen Systemen im z-Bereich
345
Einige häufig auftretende Regeln für Funktionf(t) bzw. Z[f(t)] = Fz(z)
sind unten aufgelistet: •
Verschiebung im Zeitbereich: xk-I
.lxz(Z)
0--•
Z
•
Xk
0--.
X z (z)
xk+1
0--.
zXz(z)
bzw. z+IXz(z)
Differenzbildung im Zeitbereichf(t) - f(t-TA): (ik)-(fk-I)
•
bzw. z-IXz(z)
0--.
(1-~)Fz(Z)
Summation im Zeitbereich (fo),(fo + fl),(fo + fl + 12),··· 0--.
•
Beispiel 11.9
Gegeben ist die z-Transfonnierte eines Ausgangssignals y(t): a)
3z Yz(z) =-1 ;
z-
5z
b) Yz(z)=--
z-0,2
Gesucht ist die zugehörige Wertefolge (Yk). Zu a): Laut Korrespondenztabelle gilt für Eingangsprung a(t) =1
Z[.l]=_z s z-l' d. h. der gegebene Signal y(t) stellt einen Eingangsprung von der Höhe a(t) =3. Daraus folgt für die zeitdiskrete Wertefolge Yk = 3. Zu b): Laut Korrespondenztabelle gilt Z [e
-at]
=
Z
z-e
-aT.
Nach Anpassung an die gegebene Funktion e -aT = p
ergeben sich die
~
In e -aT = In p
z- Transformation
Z[e-at] = Z[e-akT] = Z[pk]
und die gesuchte Folge: k
Yk = 5· (0,2) .
~
- aT
= In p
~
Inp
a=--
T
346
1I Digitale Regelung
11.5.2 Die z·Übertragungsfunktionen Das Konzept der Digitalisierung und die Transformationen für ein LZI~Glied sind in Bild 11.21 schematisch dargestellt. Auf den Eingang des kontinuierlichen Gliedes wirkt die Eingullgssfolge xe(kTA)=I,
die aus einem mit der Abtastzeit TA digitalisierten Eingangssprung entsteht. Analog der Laplace-Transformalion .r(s) = Llx(t)] kann die z-Transformicrtc des Ausgangssignals xiz) = Z[xikTA)] als Reaktion des Elements auf das Eingangssignal
xc(z) = L[.reCkTA)] mittels z-Übertragungsfunktion beschrieben werden: (I 1.23)
x a (z) = G(z)· Xc (z)
Um die z-Übertragungsfunktion GS(z) aus der "analogen" Übertragungsfunktion Gs(s) zu ermitteln, wird der Eingang als Folge von idealen Eingangsimpulsfunklion t'tt) betrachtet. Die Reaktion des Gliedes auf ein Impuls 0(1) ist die Gewichtsfunktion g(t). Durch die Folge der Gewichtsfunktionen g(kTA) wird das Ausgallgssignal xjk7A) beschrieben und z-transformiert. Aus (11.23) folgt dann die z·Übertragungsfunktion .
.. _-----_
_-----~
L·:i~!..~..~.!:~~[!!_U
• Laplace·Tmnsronnalion
.....,
UilTerential. gleichung Digilalisierung
Bild 11.21 Schematische Darstellung von Transformationen eines kontinuierlichen LZI-Glicdes in analogen und digitalen Regelkreisen
Differenzengleichung
~
·Tmns(onnalion
Der Zusammenhang zwischen einer Differenzgleichung (/11:5 11; k = 0,1.2.... ) (11.24)
11.5 Beschreibung von digitalen Systemen im z-Bereich
347
und entsprechenden z-Übertragungsfunktionen kann hergeleitet, indem man die beiden Seiten der GI. (11.24) unter Beachtung des Verschiebungssatzes z-transformiert: Vz(z)
uk
0--.
Uz(z)
vk-I 0--.
z-IVz(z)
uk-I
0--.
z-lUz(z)
vk-2 0 - .
Z-2 Vz (z)
uk-2 0 - .
z-2 Uz (z)
Vk
0-.
Es ergibt sich anz-nVz(z) + ... + alZ-IVz(Z) + aoVz(Z) = bmz-mU z (z) + ... +q Z-lU z(z) +boUz (z)
was zur folgenden Übertragungsfunktion resultiert: m
1
G (z) = Vz(z) = bmz- + +blz- +bo z Uz(z) anz- n + +alz- 1 +ao
Z(z) N(z)
Nach der Multiplikation des Zählers und des Nenner mit zn wird daraus b n-m n 1-.. n-l G (z) = Vz () z = bOZ +VjZ +... + m Z z U z ( z) z n +alZ n-l + ... +alz+aO
Z(z) N( z )
Ermittelt man die Polstellen Zph Zp2, ... Zpn aus der charakteristischen Gleichung Z(z) =0 und die Nullstellen ZOl, Z02, ... Zal aus der Gleichung Z(z) = 0, kann die Übertragungsfunktionen durch Linearfaktoren dargestellt werden:
Gz(z)= Vz(z) =b (z-ZOj)(Z-Z02)'''(Z-zo/) o Uz(z) (z - Zpj)(z - Zp2)'''(Z - zpn) •
= Z(z)
mit l=n-m
N(z)
Beispiel 11.10
Gegeben: Die Wertefolgen der Regelgröße (Xk) und der Führungsgröße (Wk)' Gesucht: Die gungsfunktion
o Lösung:
2
3---+k
o
2
3---+k
z-Übertra-
Gz(z) = X z(z) . Wz(z)
W z (z) = 2z 0 + 2z -1 + 2z -2 + 2z- 3 Xz(z) =4z 0 +3z- 1 +2z-2 +2z-3 I 2 3 G (z)= Xz(z) = 4+3z- +2z- +2zz Wz(z) 2+2z- I +2z- 2 +2z- 3
3
2
bzw. G (z) = 4z +3z +2z+2 z 2z 3 + 2z 2 + 2z + 2
348
11 Digitale Regelung
11.5.3 Digitale Übertragungsfunktionen von einzelnen Elementen In einem digitalen Regelkreis sind die kontinuierlichen Elemente mit den digitalen Elementen verknüpft. Wie bei analogen Systemen ist die Darstellung von allen Elementen des Regelkreises mit z-Übertragungsfunktionen möglich, jedoch nachfolgend werden die Übertragungsfunktionen von Reglern und Regelstrecken nach verschiedenen Ansätzen erstellt. Zunächst wird angenommen, dass ein digitaler Regelkreis aus folgenden Elementen besteht, wie in Bild 11.22 gezeigt ist: Regler, Strecke, AID-Wandler (Abtaster) und DIA-Wandler (Halter). Der digitale Regler wird gemeinsam mit dem Abtaster als rein digitaler Element betrachtet. Die kontinuierliche Regelstrecke wird gemeinsam mit dem Halteglied auch als digitaler Element betrachtet. Die z-Übertragungsfunktion einer Reihenschaltung der analogen Regelstrecke mit dem digitalen Halteglied wird GHS(Z) bezeichnet und als z-Transformierte von GHS(S) ermittelt wird:
G HS (z) = Z[G HS (s)] = Z[G H (s) Gs (s)] .
(11.25)
x(t)
Laplace-Transformation
Bild 11.22 Wirkungsplan eines digitalen Regelkreises im Zeitbereich und die schematische Darstellung von Transformationen einer Verknüpfung: G HS (s) = G H (s) GS (s)
G HS (z) = G H (z) GS (z)
z-Transformation
r--------------------------------,
YR(Z)
i
~
i
x(z)
immm~_~mm_m! •
a) Digitale Übertragungsjunktionen von digitalen Elementen (Reglern)
{~~'-k I ~
Bild 11.23 Darstellung eines digitalen Reglers mit Wertefolgen und z-Übertragungsfunktion
Ein digitaler Regler hat am Eingang und am Ausgang (Bild 11.23) die zeitdiskreten Folgen der Regeldifferenz (Ck) und der Stellgröße (Yk), die nach der z- Transformation zur Ez(z) und YzCz) umgewandelt werden, woraus die Übertragungsfunktion des Reglers folgt: Yz(z) = ~ (z)Ez(z)
11.5 Beschreibung von digitalen Systemen im z-Bereich
349
Die z-Übertragungsfunktionen von Standard-Regelalgorithmen sind unten aufgeführt. Regler
GR(s)
Parameter
GR(z)
P
GR(s)=Kp
GR(z) = K p
I
K, GR(s)=s
G (z) = K[T R z-l
p K, = K Tn
D
GR (s) = sK o
K D z-1 GR(z)=_·T z
K o = KpTy
PI
K, GR(s)=Kp + s
GR(Z)=CI(Z-C) z-1
c2 = Kp - K,T
GR(z)= C!(z-c*) Z
K Cl =Kp + oT K C2 = -----'2T
idealer PD
realer PD bzw. PD-Tl
~(s)=Kp+
+sKo
~(s)=Kp+
sK !+sTI
+ -o-
*
* GR(z)=Ct(Z-C) z-d!
Cl =Kp
K Cl =Kp + -o- ; T+TI
C* = ~ Cl
/=~ Cl
/=~ Cl
K O_; c2 =Kp ___+ __ T+TI T+TI T,I
dl=~ T+TI
~(s)=Kp+
idealer PID
K, +-+sKo s
2 * * GR(z)= cI(Z -c2Z+c3) z(z -1)
K C = K + -----'2- . I PT'
* c2 c2=Cl
2Ko c2 = Kp +---K,T; T K - K ....:!..... T * c3 C - -----'2c3=3- T - P T' Cl Cl = K pT (1 + 1] + T + Tl + Ty T +1] 2Tn T
realer PID bzw. PIDTl
GR(s)=Kp + K, s
sK 1+s1]
+ - + -o-
* * GR(Z)=CI(~ +c2 Z+ c3) 2
Z -zd l -d 2
c2 = KpT T +1]
(~_ 2(TI +Tn ) 2Tn
c3 = KpT (Tl +Ty T+TI T 1] d l =1+-T+1]
d2=~ T+TI
T
_lJ 2Tn
)
1)
11 Digitale Regelung
350
b) Digitale Übertragungsjunktionen von kontinuierlichen Elementen (Strecken) Eine kontinuierliche Strecke Gs(s) wird gemeinsam mit einem Halteglied GH(s) betrachtet. Setzt man die Übertragungsfunktion des Haltegliedes G H (s) =
1_e- sTA
(11.26)
s
in die GI. (11.25), so ergibt sich nach der z- Transformation GHS(z)=Z
[
l_es
STA
l
STA
] [e.GS(S)J=Z [Gs(S)] - s - -Z -s-·Gs(s) .
Aus dem Verschiebungssatz der z-Transformation (s. Anhang) folgt, dass eine Verschiebung um TA im Zeitbereich einer Multiplikation im z-Bereich entspricht, d. h. Z
[G~(')] _Z [e -:TA
GS
C')] = (1- Z-1) Z [G~(')
1
l
Daraus ergibt sich die z-Übertragungsfunktion GHS(z) der Strecke mit dem Halteglied: G HS (z) = •
Z
~ 1. Z [ Gss(S)
(11.27)
Beispiel 11.11
Für eine P-T I-Strecke mit Halteglied
ps GS(s)= K 1 + sTI soll die z-Übertragungsfunktion ermittelt werden. Mit Halteglied GH(s) wird die Strecke Gs(s) im z-Bereich nach (1l.27) wie folgt abgebildet
Gemäß der Beziehung 10 der Korrespondenztabelle für
z- Transformation wird:
z -1 (1- e-kj ) . z 1- e-kj T GHS(z)=--·K pS · =K pS · mit k l =----d. z (z-l)(z-e- kj ) z-e- kj Tl und bO =1- al resultiert die gesuchte Übertragungsfunktion der P-Tj-Strecke mit dem Halteglied zu Mit Bezeichnungen sowie al
bO GHS(z) = K pS - . Z -al
= e -kj
11.5 Beschreibung von digitalen Systemen im z-Bereich
351
11.5.4 Digitale Führungsübertragungsfunktionen Für Grundschaltungen von Regelkreiselementen (Reihen-, Parallel-, Kreisschaltung) gelten für z-Übertragungsfunktionen die gleichen Regeln wie im analogen Fall. Allerdings dürfen die Abtast- und Halteglieder im Kreis nicht beliebig verschoben werden, wie es für Glieder eines analogen Kreises der Fall ist. Die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Regelkreises (Bild 11.22) mit dem digitalen Regler GR(Z) und der Reihenschaltung Halteglied/Regelstrecke GHS(Z) lautet Go (z) = GR (z)G HS (z) . Daraus folgt die Führungsübertragungsfunktion im z-Bereich G (z) = x(z) = w
•
w(z)
GO (z)
1 + GO (z)
.
Beispiel 11.12
Es soll die Führungsübertragungsfunktion eines Regelkreises, bestehend aus einer P-T]-Strecke ps
GS(s)= K 1+ sTl und einem digitalen P-Regler mit der Abtastzeit TA ermittelt werden. Die Übertragungsfunktion der P-TI-Regelstrecke mit Halteglied wurde bereits im Beispiel 11.11 im z- Bereich transformiert: _TA
GHS(z)= K pS .
l-e 1]
_TA
z-e
Tl
Die z-Übertragungsfunktion des digitalen P-Reglers ist
G R (z) = K pR · Damit ist z-Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises _TA
l-e Tl GO (z) = GR (z)G HS (z) = K PR K PS .- - _TA
z-e
T]
Daraus folgt die z-Übertragungsfunktion des geschlossenen Kreises
352
1I Digitale Regelung
G (z) = Go(Z) w
1+ GO(Z)
die mit Bezeichnungen
vereinfacht dargestellt werden kann:
Die mit MATLAB simulierte Sprunganlwort mit Kcnnwcrlcn Kps = 0.8; TI = 05 s; KpR = 1.5 und 7A = 0,1 s bei einem Einheitssprung der Führungsgröße ist in "ild 11.24 gezeigt.
.., ••• ..,
MATLAB-Skript
x(kT)
•••
..,
.., ..,
•• , • • , '" , " "
Tl '" 0.5; TA=O.l; KPS '" 0.8; KPA", 1.5; a1 =exp{-TAlT1); KQ = KPA • KPS;
bO=1-al;
aO=bO'KO-a1; num .. [bO'KOI: den = [1
-aOI:
dstep (num, den, 'k');
Bild 11.24 Sprungantwort des digitalen Kreises bestehend
aus P-Regler mit P-TI-Strecke
11.5.5 Stabililätskriterien für digitale Regelkreise a) Stabilitätsbedingullg im z-Bereich Ein kontinuierlicher Regelkreis wird dann stabil, wenn alle Pole der Übertragungsfunktion in der linken Hälfte der s-Ebene liegen, d. h. wenn alle Pole einen negativen Realteil haben. Diese Stabilitätsbedingung ist allgemein und gilt auch fUr digitale Systeme. Da diese durch die z-Übenragungsfunktionen beschrieben werden, soll die Lage der Pole im zBereich untersucht werden. Die komplexe s-Ebene (Bild 11.25) soll dafür in die kom-
11.5 Beschreibung von digitalen Systemen im z-Bereich
353
plexe z-Ebene abgebildet werden. Diese Abbildung kann aus Ansätzen für die Laplace-Transformation und z-Transformation für - 00 < OJ< + 00 hergeleitet werden: s = (5 + jOJ
=>
Z
=e
sTA
(J
z
Imaginäre Achse
(5 =0
Z = e}OJTA
Linke s-Halbebene
(5<0
Z = e cffA e}OJTA
Kreise mit dem Radius r = e cffA < 1 innerhalb des Einheitskreises
(5 >0
z = e cffA e}OJTA
Kreise mit dem Radius r = e cffA > 1 außerhalb des Einheitskreises
Polstellen in s-Ebene
Rechte s-Halbebene
/
/
CY< 0 stabil
/
JOJ
//
OJ =+00
// / '/ ,
/
/
/
/
r< I stabil
CY> 0 instabil
/
Stabilitätsgrenze bei
CY =
-r-----7-- -----------------------OJA
2Jl
=-
TA
Einheitskreis
r=1
Im
t
/
Abbildung in z-Ebene
t
1,0
r> I instabil
0
"--;,L.-1I-------,--
0
-----.
:t______ __ _
i
CY
_
/
// ///
(O
s-Ebene
=-00
Bild 11.25 Zusammenhang zwischen s-Ebene und z-Ebene
Die Stabilitätsbedingung im z-Bereich lautet: Ein digitaler Regelkreis wird dann stabil, wenn alle Pole der z-Übertragungsfunktion innerhalb des Einheitskreises der z-Ebene liegen, d. h. wenn alle Pole einen Betrag kleiner Eins haben.
)
Allerdings ist die Abbildung der imaginären Achse der s-Ebene in einen Einheitskreis der z-Ebene wegen des periodischen Charakters der Fourier-Transformation nur für . begrenzten Frequenzb ' h von - - Jr < OJ< - J rem · deutlg. · erelC emen TA TA •
Beispiel11.13
Es soll die Stabilität eines digitalen Regelkreises mit der folgenden Führungsübertragungsfunktion untersucht werden (s. Beispiel 11.12): _ TA
K PR K PS (1- e Tl) G w (z) = -------"--""------"--"'--------_ TA
Z-
e
Tl
_ TA
+ K PR K PS (1- e
Tl)
Z(z)
N(z)
354
11 Digitale Regelung
Die charakteristische Gleichung N( z) = 0 hat einen reellen Pol _ TA
ZI =e
Bei
1
ZII
TI
(l+KpRKpS)-KpRKpS bzw. ZI =a(l+KpRKpS)-KpRKpS'
< 1 wird der Kreis stabil. Die Stabilitätsgrenze liegt bei
1
ZII = 1 bzw. bei
a (l + K PR K PS) - K PR K PS = 1
(11.28)
a (1 + K PR K PS) - K PR K PS = -1 .
(11.29)
Da die Bedingung (11.31) entfällt, ergibt sich aus der GI. (11.29) die Stabilitätsgrenze zu
1
_TA
1+ a
K pRkr = - - ' - - , mit a = e K pS 1-a
1].
b) w- Transformation
Um die imaginäre Achse der s-Ebene für digitale Signale eindeutig abzubilden, wird neben dem Ansatz (11.22)
Z
= e jOJTA (z-Transformation) ein weiterer Ansatz
l+w 1-w
(11.30)
Z = --
eingeführt. Diese bi1ineare Transformation ist als w- Transformation bekannt. Das Innere des Einheitskreises der z-Ebene wird damit in die linke Halbebene der wEbenen transformiert (Bild 11.26). Im(z)
t
1,0
Im(w)
r> 1 instabil
i
Stabilitätsgrenze bei r= I -1,0
1,0 ----. Re(z)
z-Ebene
Iz I > I
OJ
instabil
Stabilitätsgrenze bei = I
Iz I
o
----. Re(w)
~
Bild 11.26 Zusammenhang zwischen z-Ebene und w-Ebene
Durch das Einsetzen von (11.30) in die Differenzengleichung (11.7) und Multiplikation mit (1- w)n kann die charakteristische Gleichung (11.9) P( Z) =anz n +an-lZ n-l + ... +alZ 1 +aoZ 0 = 0
11.5 Beschreibung von digitalen Systemen im z-Bereich
355
in eine neue Polynomgleichung transformiert werden: P(w)=Anw
n
+ An_Iw n- 1 + ... +Alw l + Aow o =0.
(11.31)
Unten sind die Koeffizienten Ai der GI. (11.31) für Systeme mit n = 1,2,3 aufgelistet. n I
2
AI
A2
A3
ao + al
- ao + al
-
-
aO+al+a2
- 2ao + 2a2
aO-al+a2
-
Ao
3
ao + al + a2 + a3 - 3ao - al + a2 + 3 a3
3ao - al - a2 + 3a3
-aO+al-a2+ +a3
c) Hurwitz-Stabilitätskriterium Durch die w- Transformation gelingt es, das Stabilitätskriterium nach Hurwitz, wie bei analogen Systemen, anzuwenden: Für Stabilität eines digitalen Regelkreises müssen alle Koeffizienten Ai der charakteristischen Gleichung P(w) = 0 (11.31) vorhanden und größer Null sein, d. h. Ai
}
* 0 und Ai> 0 für i = 1,2, ..., n.
Beispielsweise kann man für das System 2. Ordnung P(z)=a2z2 +alz+aO =0 bzw. 2
P(w)=A 2 w +Alw+Ao =0
nach Hurwitz-Kriterium die Stabilitätsbedingungen (11.20) aus der obigen Tabelle für a2 = 1 herleiten:
{
A2 =
ao -al +1
AI =
- 2ao
AO =
al< 1+ aO
>0
+2 >0 ao + al + 1 > 0
=>
{
ao <1 al
>-I- a O·
d) Nyquist-Stabilitätskriterium Wie im analogen Fall kann das Stabilitätskriterium nach Nyquist auch für digitale Systeme durch die Winkeländerung des Zeigers [1 +GO(j w)] im Bereich w = 0 ... 00 abhängig von der Polverteilung von Go(z) gezeigt werden. Im digitalen Fall wird jedoch der Frequenzbereich 0
~
w::;
00
durch einen Streifen 0
~
w::; WA ersetzt, wobei
wA = 2;r / TA ist. Die vereinfachte Fassung des Nyquist-Kriterium für den Fall, dass
die Übertragungsfunktion Go(z) keine Pole außerhalb des Einheitskreises der z-Ebene besitzt, lautet:
356
1I Digitale Regelung Der geschlossene digitale Regelkreis ist genau dann stabil, wenn der vom
}
kritischen Punkt (-I, jO) an die Ortskurve Go(jOJ) gezogene Fahrstrahl beim Durchlaufen der Orlskurve im Bereich 0:5 rung von L1tp = 0 beschreibt.
co 5{ C(JA eine
Winke lände-
e) Wllne/ortskllrve Das in Kapitel 7 für kontinuierliche Regelkreise beschriebene WOK-Verfahren in der s-Ebcnc kann ebenso auf diskrete Regelkreise in der z-Ebene angewandt werden. Darur soll die z-Übenragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises Go(z) in Uncarfaktoren zerlegt vorliegen:
G (Z)=K(Z-ZN1)(Z-ZNZ) ...(Z-ZNm) .
o
(z - zp]) (z - ZP2)"'(Z - zPn)
Darin sind ZNi (i = 1,2, ... , m) Nullstellen und ZPj (j = 1,2, ... ,1/) PolstelleIl der Übertragungsfunktion GO(z) in der z-Ebene. Dic Stabilität wird wic im kontinuierlichcn Fall untcrsucht. Ein mit MATLAB erzeugtes Beispiel ist im Bild 11,27 dargestellt.
MATLAB-Skript Bl =2; BO=-1; A2", 1; Al = -0.67-0.82; AO = 0.67 • 0.82; num ",[Bl ~BO); den=[A2, A1, AO) zgrid ('new'); rlocus(num, den)
Bild 11,27 WOK eines Regelkreises Go(z)= K
Strecke mit Ku == 1,2; bl == 1.67; (11I11I1.
deli) wird Kkr
bo == 0,82; (/1
b] z-bo
(Z- a l)(z- a 2)
mit P-Regler und P-T2-
== 0,67; U2 == 0,82. Mit dem Befehl k == locfilld
= 0.57 als Schnittpunkt der WOK mit dem Einheitskrcis abgelesen.
357
12 Intelligente Regelung Unter intelligenten Regelsystemen versteht man Systeme mit Elementen (z. B. Regler, Messfühler), die zwecks optimaler Prozessführung mit eigenen mathematischen oder logischen Algorithmen, d. h. mit eigenen CPU' s und Speichern, ausgestattet sind. Solche Elemente reagieren flexibel auf mögliche Fehler und Parameteränderungen. Nachfolgend werden die intelligenten Regelalgorithmen in zwei Gruppen eingeteilt:
•
modellbasierte Regelalgorithmen, die das mathematische Streckenmodell als Bestandteil des Reglers enthalten;
•
wissensbasierte Regelalgorithmen, die experimentell aus der Analogie mit biologischen Systemen oder menschlichem Verhalten gewonnen werden.
12.1 Modellbasierte Regelung Mit einem Mikroprozessor, einem PC oder einer SPS als Regler ist man nicht mehr an die klassischen PID-Algorithmen gebunden und kann die komplizierteren Regelalgorithmen entwickeln. In erster Linie versucht man das Modell der Regelstrecke in einem Regelalgorithmus zu berücksichtigen, um die Eigenschaften der Strecke noch vor dem Eintreten eines Störsignals bzw. vor der Bildung der Stellgröße zu berücksichtigen. Voraussetzungen sind, dass ein exaktes Modell der Strecke vorliegt und dass die Antwortzeit des Reglers durch die Bearbeitung des Algorithmus nicht drastisch verzögert wird. Solche Verfahren, bei denen das Streckenmodell ein Bestandteil des Reglers ist, nennt man modellbasierte Verfahren.
12.1.1 Kompensationsregler Das Konzept der Kompensationsregelung ist sehr einfach, nämlich die Übertragungsfunktion der Strecke Gs(s) soll durch die des Reglers GR(S) so kompensiert werden, dass daraus eine gewünschte Übertragungsfunktion GM(S) des geschlossenen Regelkreises entsteht. Der Kompensationsregler GR(S) besteht also aus zwei Teilen. Der erste Teil beinhaltet die reziproke Übertragungsfunktion lIGs(s), mit dem die Übertragungsfunktion der Strecke Gs(s) kompensiert wird. Der zweite Teil wird anhand der gewünschten Übertragungsfunktion GM(S) bestimmt: G
s - GR(s)GS(s) -G s w( )-I+G (s)G (s) - M() R S
(12.1)
Aus GI. (12.1) folgt die Übertragungsfunktion des Reglers (Bild 12.1): G (s) = R
GM(s) ._1_. I-G M (s) GS(s)
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_12, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
(12.2)
358
12 Intelligente Regelung
Die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises hängt nicht mehr von der Strecke ab: G o( s ) -- G R ()G s S ( s ) --
GM (s) . -1- . G S ( s ) -_ GM (s) I-G M (s) GS(s) I-G M (s)
(12.3)
Der Kompensationsregler nach (12.2) ist nur für Führungsverhalten und nur für Strecken ohne Ausgleich und ohne Totzeit anwendbar. :-------------------------Ji~~l~;-:
,,
, + : -
1
GM
,L
GS
, ,, : '
Strecke x
,: l
Bild 12.1 Wirkungsplan des Regelkreises mit Kompensationsregler
Für einen stabilen Regelkreis soll das Nennerpolynom der GI. (12.3) keine Polstellen in der rechten s-Halbebene besitzen. Dies soll bei der Wahl der gewünschten Übertragungsfunktion GM(S) berücksichtigt werden. Aus GI. (12.2) folgt, dass auch die Strecke keine Pol- und Nullstellen in der rechten Halbebene haben darf, sonst wird der Regler und damit der Gesamtkreis instabil. •
Beispiel 12.1
Gegeben: a) Die Parameter der P-TZ-Regelstrecke KpS = 5, Tl = 1,25 s, TZ = 0,2 s; b) Die gewünschte Übertragungsfunktion des Regelkreises mit Tw = 0,02 s GM(s) =
1 (l+sTw )
2'
Gesucht: die Übertragungsfunktion des Kompensationsreglers. Die Lösung erfolgt nach GI. (12.2)
(l+s1i)(1+sT2 ) _ K ps
(l+s1i)(1+sT2 ) 2K ps ·sTw (1+0,5·sTw )
bzw.
G (s) = R
1i 2KpsTw
(1 + s1i )(1 + sT2 ) s1i (1 + s . O,5Tw )
Dies entspricht der Übertragungsfunktion eines PID-T 1-Reglers
- K (1 + sTn )(1 + sTv ) GR ( s ) - PR sTn (1 +sTR ) mit Kennwerten Tn = Tl = 1,25 s, TR = 0,5·Tw = 0,01 s
12.1 Modellbasierte Regelung
359
12.1.2 Smith-Prädiktor Ein nach GI. (12.2) konfigurierter Kompensationsregler GR(S) wird im Fall einer Regeistrecke mit Totzeit Gs(s) = e
-sTt
unendlich viel Nullstellen besitzen, was durch die reziproke Übertragungsfunktion der Regelstrecke bedingt ist: _1_=e sTt Gs(s)
Um das Prinzip des Kompensationsreglers auch auf Strecken mit Totzeit zu erweitern, wird die Regelstrecke als ein Totzeitglied und eine Teilstrecke ohne Totzeit Gs(s) dargestellt (Bild 12.2a). Die Übertragungsfunktion des Regelkreises ist: GR (s) G s (s) e-sTt G (s ) = ---'-'--_....:::....-_---=W -~T. 1 + G R (s) Gs (s) e . t
(12.4)
Durch die Verschiebung der Verzweigungsstelle der Rückführung, wie in Bild 12.2b gezeigt ist, wird die Wirkung des Totzeitgliedes aufgehoben und folglich der Entwurf eines Kompensationsreglers nach GI. (12.2) möglich. Die Übertragungsfunktion des Regelkreises ist in diesem Fall: G:(s)=
Kpr(s) Gs(s) e- sTt I+K pr (s)G S (s)
(12.5)
Man nennt den in Bild 12.2b als Kpr bezeichneten Regler Smith-Prädiktor nach den Namen des Entwicklers (Berkley-University, 1957) und weil der Regler mit Hilfe des Streckenmodells das Verhalten des Regelkreises "voraussehen" kann. Der Regierteil Kpr wird wie ein Standard-Regler, z. B. PID, oder wie ein Kompensationsregler mit Hilfe des gewünschten Verhaltens GM(S) konfiguriert. In beiden Fällen soll die Übertragungsfunktion GR(S) des Reglers und die des Reglerteils Kpr(s) so gewählt werden, dass die Übertragungsfunktion (12.5) gleich der ursprünglichen Übertragungsfunktion (12.4) bleibt, d. h. G: (s) = G w (s). Regler
Strecke
~ ~ a)
Bild 12.2
b)
Regelkreis mit Totzeitglied (a) und die Umformung des Wirkungsplans (b)
360
12 Intelligente Regelung
Daraus folgt die Übertragungs[unktioll des Reglers:
_ GR () S -
Kpr(s)
( 12.6)
I+Kpr(s)GS(s)(l-e sTI)
Aus GI. (12.6) iSI ersichIlieh, dass die Ordnung des Nennerpolynoms größer als die des Zählers ist, was die Realisierung des Smitll-Prädiktors fLir Strecken mit Totzeit ermöglicht. DafLir ist allerdings eine exakte rnalhematische Beschreibung der Regelstrecke erforderlich. Der Wirkungsplan des Smith·Prädiktors nach GI. (12.6) ist in Bild 12.3 dargestellt. Strecke
'"
+
Bild 12.3
•
Wirkungsplan eines Regelkreises mit Smilh-Prädiklor flif Strecken mit Totzeit
Beispiel 12.2
Bild 12.4 zeigt einen simulicrlen Regelkreis bestehend aus einer P-T2-Regelslrecke mit der Totzeit und des Smilh-Priidiklors. Der RegIeneil
Kpr<~)
stellt einen PI-Regler dar, der als Paral-
lelschaltung von ClÜIl und IlIIegmlOr konfigurien ist. Das Totzeitglied e -sT( entspriCht dem MATLAB/Simulink-Block Tml1.\pOrl Delay mit Tt = 5 s.
w
Surnt
~Anteil_
Integra(or
L-------1 .1---jUWI<-r--I Tran$pM ',m3
Muxl
Bild 12.4
Delay2 Tl=5sec
To Workspacel
Smilll-Prädiktor mit MATLAB/Simulink
0------>= To Workspace2
Clock
361
12.1 Modcllbasierlc Rcgelung Der
"
Einheits-Führungssprung
wO = I wird zum Zeitpunkt
(
'0 06
5 s vorgegeben. In Bild 12.5 verlauft die Sprungantwort mit der Überschwingweite von
, =
5% und der Ausrcgelzeit Taus = 15 s. Diese Gütekriterien dürfen rur die Regeistrecke mit TI
"
== 2 s. T2 == I s, Tt == 5 s als optimal gelten.
02
/
0,
"
Bild 12.5
"
20
Sprungantwort der Regelgröße
" zu
'" Bild 12.4
Mit dem Smilh-Prädiktor kann der Verlauf der Regelgröße eines digitalen Regelkreises. angefangen von einem beliebigen Zeitpunkt IE fLir einen Zeitabschnitt L1I vorausgesagt werden. Dafür soll erst das Modell GM(S) des Prozesses ftir ein längeres Zeitintervall von
'A
bis IE bestimmt werden. Danach wird die Stellgröße rur einen kurzen
Zeitabschnitt .11 berechnet und ausgegeben. Der Anfangspunkt IA fLir die Berechnung wird ständig nach vorn in der Zeit verschoben, so dass auch die Stellgrößen fLir die nachfolgenden Zeitabschnitte IE+L1t, tE+2L1/, ... ständig korrigiert werden . ... Aufgabe 12,1 Die in Bild 12.4 gegebene RegelsIrecke bestehend aus einem P-T2-Glied Kpg = 0.8. Tt = 2 s. Tl == I s. und einem Totzeitglied Tl == 5 s wird mit einem klassischen PI-Regler (kein Smi/h-
Priidiktor) geregelt. Es soll die Sprungantwort des Regelkreises ermittelt und mit der Sprungantwort des Bildes 12.5 verglichen werden.
12.1.3 PFC-RegJer (Predietjve Funetion Control) Die Idee der priidiktiven PFC-Regelung wurde in den 70er Jahren von Jacqlles Richalet ftir P-$trecken I. Ordnung mit Verzögerung vorgeschlagen und in [104] weiter entwickelt. Die aktuelle Sprungal1twoJ1 der Regelstrecke x(t) wird an die Sprungantwort eines vorher gegebenen dynamischen Modells XM(/)
TM
dx,,(t)
dt
,
+xM(I)=KpMY
( 12.7)
angepasst. Daftir wird zuerst die GI. (12.7) bei dem vorgegebenen Anfangspunkt XM(Ü) gelöst:
12 Intelligente Regelung
362
Diese Lösung gilt für die gesamte Ausregelzeit Tau, als gewünschte Sprungantwort; die in /I Zeitabschnitten (Prädiktiollshorizollle) der Länge Th aufgeteilt wird. Daraus wird die rekursive Formel zur Berechnung des Modellausgangs hergeleitet X~lk+" =a·xMJ; +(I-a)·
K pM
· >'k'
(12.8)
_I!L wobei a = e ™ ist. Der PFC-Regler berechnet die Stellgröße )'t zum Beginn jedes Prädiktionshorizonts k so, dass die aktuelle Sprungantwort Xt an die gewünschte Sprunganlwofl -'"rtf (Referenztrajektorie) angepasst wird: xref =XJ.:+iI
=(I-A)ek +x k
'
_.!L
wobei A = e Tau, ist. In anderen Worten, zum Abschluss jedes vorherigen Prädiktionshorizonts soll die aus der GI. (12.8) ausgerechnete RegelgräBe XMt mit dem aktuellen Istwert Xk verglichen werden. Daraus wird die neue Stellgröße)"k fLir den nächsten Prädiktionshorizont berechnet. Der Vorteil dieses Verfahrens besteht also darin, dass die möglichen Abweichungen der Modellparameter TM und KpM von den reellen Parametern am Ende jedes Prädikti~ onshorizonts erkannt und durch eine geänderte Stellgröße ausgeglichen werden. Jedoch ist der Zusammenhang zwischen Zeitkonstanten 1A"" Th, TM und 71. undurchsichtig, so dass die Wahl des Parameters Tl dem Entwickler überlassen wird. Davon hängt die Wahl des Parameters A
J), A=e
Th
ab und folglich die Stellgröße)"b die unten ohne Herleitung gegeben ist:
Yk =_I_[xMk + I-A(W_Xk )] K PM l-a
(12.9)
Für die optimalen Verhältnisse wird es in der Literatur empfohlen:
T).,
1
1
=STh oder T}, =3Th
Nimmt man abweichend vorn in [104] beschriebenen PFC-Verfahren den Grenzfall
T;,=Th • so wird A~a
und die GI. (12.9) vereinfacht sich zum folgenden Algorithmus, der nachfolgend SPFC-Algorithmus (simplifled PFC) genannt wird:
12.1 Modellbasicrle Regelung
I
Yk =--[X1\.U K pM
363
I +(w-xJ,)]=--[w-(xk K pM
(12.10)
-XMk )]
Zwar verliert der SPFC-Regler nach der GI. (12.10) gegenüber dem PFC-Regler nach der GI. (12.9) an Regelgüte, ist die Realisierung des SPFC-Regelalgorithmus einfacher, wie unten an einem Beispiel aus dem Übungsbuch r1371 gezeigt wird. •
Beispiel 12.3
Eine P-Tl-Regclstrccke Gs(s) = ~ mit K ps = 1.5 und Ts =90 s soll mit einem Modell l+sTs GMü)
= K PM mit K PM = I und TM = 10 s ohne bleibende Regeldifferenz geregelt werden. I+$TM
Der Regelkreis. gebildet nach GI. (12.10). ist im Bild 12.6 gezeigt. Die Voneile dieser Lösung im Vergleich zu einem optimal eingestellten PI-Regler sind aus dem Bild 12.6 ersichtlich.
., 9Os.1
W.,
... 1/1.5 Gain
>-...
. ..
-.
""',[ ,..
x(l)
SPFe-Regler
,..
"[,.,
lOS.1
KpM_l:TpM .10s
" Uild 12.6
m~
'"
Regelkreis und Sprungantwon nach dem vereinfachten PFC-Verfahren
'"
'"
Wie im obigen Beispiel gezeigt ist, führt die Realisierung des SPFC-Algorithmus nach GI. (12.10) im Regelkreis zum Wirkungsplan des Bildes 12.7.
w
+
'.
K"
Kf'S' T]
t= l::::.: Yk
x, +
KI'M' TM
~ Uild 12.7
x~ll
Wirkungsplan der vereinfachten PFC-Regclung bei h = 7i,
364
12 Intelligente Regelung
Die Übertragungsfunktion des im Bild 12.7 gezeigten Regelkreises ist Gw(z)=x(s)=Gv(s). Go(s) , wes) 1+ Go(s)
(12.11)
wobei sind: Go(s) = GR (s)Gs(s)
Gv (s)=I+GM (s)
Das SPFC-Verfahren stellt also die Regelung im geschlossenen Regelkreis mit einem Vorfilter Gis) dar (Bild 12.8). Wird ein bestimmtes Verhalten Gw(s) gewünscht, kann die Übertragungsfunktion Gis) des Vorfilters aus GI. (12.11) bestimmt werden: G (s)=G (z)·I+Go (s) v w Go(s)
~[§--'-~It=H~T 1i
Vorfilter GJs)
i
'- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - ~
Bild 12.8
Vereinfachtes PFC-Verfahren als Regelung mit einem Vorfilter Gis)
12.1.4 Regler mit einem adaptiven Filter Bislang wurden modellbasierte Verfahren betrachtet, bei denen die Regelung anhand eines vorher bestimmten Modells mit konstanten Parametern erfolgt. In der Praxis ändern sich die Parameter des Modell während des Betriebs. Für solche Fälle gibt es grundsätzlich zwei Regelungsarten, nämlich, adaptive und robuste Regelung. Bei der robusten Regelung wird der Regler so eingestellt, dass seine einmal festgelegte Einstellung für ein möglichst breiten Intervall der Änderung von Parametern der Regelstrecke optimal bleibt. Diese Methoden werden im Buch nicht behandelt. Bei der adaptiven Regelung wird der Regler ständig an die geänderten Streckenparameter im Sinne eines optimalen Gütekriteriums angepasst. Dabei sind zwei Arten der Reglereinstellung möglich: •
Sind die möglichen Parameteränderungen vorher bekannt, so dass man daraus eine, wenn auch umfangreiche, Tabelle von möglichen Zuständen bilden kann, nennt man solche Verfahren der Reglereinstellung Gain-Scheduling.
•
Sind die möglichen Parameteränderungen vorher nicht gegeben oder sind nur einige Merkmale der Regelstrecke bekannt, z. B. dass die Strecke ein P-Verhalten mit der Verzögerung 1. Ordung hat, redet man um die adaptive Filter. Die wichtigste Aufgabe der adaptiven Regelung ist die Identifizierung der Strecke.
365
12.1 Modellbasicne Regelung
In diesem Abschnitt wird beschrieben, wie eine unbekannte Regelstrecke zuerst mit einem Filter identifiziert und dann mit einem PIO-Regler geregelt wird. Es wird angenommen, dass die Strecke ein P-Glied mit Verzögerung oder mit der Totzeit ist. Die Identifizierung erfolgt nach dem aus der Literatur bekannten LMS-Algorithmus (Leasi Me{11! Sql/ares). Wegen des begrenzten Buchumfangs wird dieser Algorithmus
ohne Herleitung dargestellt. Wie im Bild 12.9 gezeigt ist, wird die Differenz zwischen der Sprungantwon der unbekannten Strecke x(l) und dem Ausgang des Filters Xl:(t) nach einem Eingangssprung von der Höhe 5' gebildet und mit Hilfe der FilterFaktoren KO, K I und K2 minimiert. Die reelle Regelstrecke wird durch ein Filter mit diesen Faktoren abgebildet, wie im Bild 12.10 gezeigt ist.
.~
--
~L-1~::;-j,
'-
ßild 12.9 Identifizierung einer unbekannten Strecke (Ul1k110WIl plallt) mit dem LMSAlgorithmus. Hier sind die Faktoren: KO = 1.31: K I = I 125: K3 = 0.5627.
a~,
,,~'"
Tf..... ~
a_
"'" " "'"" "
•
~
...
3 - .•.
• •
··i
,
;
; ..
2···
·......· ....··..f
..
+
.......+.
e,}--"}---}--,,}--,}--,,,---i..
Ilild 12,10 Filter mit Faktoren KO = 1.5: KI = 1.2: K2 = 1.8. und die Sprunganlwonxl:(t) nach dem Eingangssprung y = J. Die Abtastzeit (Tramport Delay) des Filters T= 2 s.
12 Intelligente Regelung
366
Der adaptive Regler besieht aus einem PIO-Algorithmus und einem Filter des Bildes 12.10 als Strecke, die einen Regelkreis bilden (Bild 12.11). Der PIO-Regler wird anhand einer Simulation optimal eingestellt, wonach seine Kennwerle dem reellen PIDRegler, der an eine reelle Regelstrecke angekoppelt ist, übergeben werden.
Bild 12.11 MATLAB/Simulink.AIgorithmus eines adaptiven Reglers. bestehend aus dem PID· Block (Sillllllillk Librm)"ISil/llIlink Ex/ras I AddiliOllallill(!or) und einem adaptiven Filter
Der Funktionsbaustein PID hal die folgende Übcrtragungsfunklion: GR(s)
1 = K pR + K] .-+ KO ' s
(12.12)
s
Der Filter wird folgendermaßen durch ein P-Tt-Glied
GS(s}= Kps e- sTt l+sTI
(12.13)
angenähert, wobei seine Parameter Kps , TI und TI aus Filter-Parameter KO, K I und K2 bestimmt werden, was im Bild 12.12 erläutert ist
T Tl =2
(12.14)
(12.15)
(12.16) -1
0
1
,
,
,
,
8ild 12.12 Approximicrung dcr Strcckcnparamctcr durch Filtcr-Faktorcn
367
12.1 Modellbasierte Regelung •
Beispiel 12.4
Gesucht ist die optimale Einstellung des adaptiven PI-Reglers mit einer PoTt-Strecke, die mit dem LMS-Algorithmus nach dem Bild 12.9 mit folgenden Filter-Faktoren identifizien ist: KO=I.31
KI=L125
K3 = 0.5627
Die Übenragungsfunklion der Regelstrecke nach GI. (12.13) wird unter Annüherung T. I K pS I Die Übenragungsfunktion e-'" I , = - - - wie folgt vereinfacht: GS(~)=---'--l+sTr I+slj l+sTt des aufgeschnitten Kreises nach der Kompensation mit 7~ = TI fUhrt zu GO(s) = woraus der Regler nach dem Betragsoptimum eingestellt wird: K PR =
K K PR
PS
sTn (I + sT\)
•
Tn
2·K ps ·Tt Die Sprungantwort der reellen Strecke mit dem PI-Regler ist im Bild 12.13 gegeben. Die Einstellung des P[-Regler ist nach Filter-Faktoren, wie unten erklärt. berechnel. Unter Beachtung GIn. (12.[4) bis (12.16) wird K pR durch die Fi[ter-Faktoren ausgedrUckt:
:~f\L'+' 0.8
0.6 .OA 02 00
~.F.Utcr:.'(.. 2.
_~.JHm:_k.l!~
: Kps =3 : : T =1 1 :
: KO=l,31: : Kl=1125
..
Aus GI. (12.12) ergeben sich
······..;.·~·O:5627······_~······!·_·;········-
:
""
: T,=4.0 :
.:. ..~~gl!.~L
~
;
: ProporUon81:
. (Kl+1<2i1(K1·(K~l+1<2»
: :
~
_-:
: 1/(K0-H<1+1<2):
:
~.1ntt.g~_
1~
2'0
3'0
K O =0
.
-
~
Uild 12.13 Sprungantwort des Regelkreises mit dem adaptiven PI-Regler.
12.1.5 Regler mit endlicher Einstellzeil Das Konzept der Kompensationsregelung ist auch rur die digitale Regelung vorstellbar. Ersetzt man die Übcrtragungsfunktionen dcr GI. (12.2) durch die digitalisicrten Abbildungen. so folgt
G R () z
_YR(Z)_
-
e(z)
-
GM(Z)
_'_= XM(Z)
I - GM (z) Gs(Z)
Gs(Z)
Mit XM(Z) ist hierin die gewünschte SprullgantwoJ1 des Kreises bezeichnet. Ist diese vorgeschrieben und die Übertragungsfunktion Gs(z) der Strecke vorhanden, kann die Übemagungsfunktion GR(Z) des Reglers ermittelt werden. Man kann das gewünschte Zeitverhalten XM(I) anders als vorher formulieren. dass die Regelgröße in möglichst kurzer Zeit ihren durch die Führungsgröße 11'(1) vorgegebenen Wert annimmt. Dafür
12 Intelligente Regelung
368
soll der Regler in der Lage sein, die Stellgröße auf einen möglichst großen Wert zu verstellen, d. h. von YRmax auf YRmin und umgekehrt, um die entsprechend schnelle Änderung der Regelgröße zu erreichen. Wegen der Anschläge des Stellgliedes beim Umschalten benutzte man dafür die Bezeichnung bang-bang-Regelung. Da dabei der Übergang der Regelgröße von einem zu dem anderen Sollwert ohne Überschwingen erfolgt, ist dieses Verfahren als Dead-Beat-Regelung (engl. aperiodisch) bekannt. Die regelungstechnische Aufgabenstellung unterscheidet sich von bisher behandelten und wird Regelung auf endliche Einstellzeit genannt. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die genaue Lösung zu bestimmen. Eine davon besteht darin, dass die Stellgröße YR(t) und die Regeldifferenz e(t) = w(t) - XM(t) als z-Transformierte der Impulsfolgen dargestellt werden, die von der sprungförmigen (auch z-transformierten) Führungsgröße w(z) = _z_ Wo im Kreis verursacht sind. Für eine I-TI-Strecke mit z -1 Gs(s) =
K
ps
sTI (1 + sTI )
führt dies beispielsweise zu e(z)=wo +dlz- l I
YR(Z)=cO +CIZ- ,
woraus der Regelalgorithmus mit Koeffizienten co, G (z) = YR (z) = ~. R e(z) Wo
Cl
und do ermittelt wird:
z+~ Co d
l z+-
Wo
Für die gegebenen Kennwerte Kps = 0,5, Tl = 1 s, TI = 4 s, TA = 1 s ergibt sich GR(Z) G (z) = 12656 z - 0,368 R ' z+0,418' woraus die Stellgröße als Folge von zwei Impulsen berechnet wird: YR (0) = 12,656· Wo YR (TA) = -4,656· Wo YR (kTA) = 0 für k ~ 2.
Ein anderer Lösungsweg geht über die Theorie der zeitoptimalen Steuerung. Feldbaum (1972) hat nach dem Pontrjaginschen Maximumprinzip ein Satz formuliert, der den Verlauf der Stellgröße bei der Regelung auf endliche Einstellzeit als eine stückweise konstante Funktion definiert, die aus höchstens n Konstanzintervallen besteht, d. h. die Umschaltung der Stellgröße wird in höchstens n - 1 Punkten festgelegt, wobei n die Ordnung des Systems ist. Für n = 2 genügt also eine Umschaltung.
369
12.1 Modellbasierte Regelung
•
Beispiel 12.5
Der Ausgang eines Doppel-I-Gliedes (Bild 12.14) KlS1KlS2 = 4 s-'• soll aus einem Anfangswstand x(O) = 0 in ein Endzustand .r(TAus) = \\'0 = 2 innerhalb der vorgeschriebenen Zeit TAus = 0.8 s umgestellt werden.
WO_1
Bild 12.14 Bildung des Stell signals eines Systems 2. Ordnung Nehmcn wir an. dass dic Stcllrcscrvc )'Rmin = - )'Rmax beträgt.. d. h. nach dcm Umschalten wird dic RegelgfÖße symmctrisch verlaufen. Für n = 2 ist eine Umschaltung möglich. Den Umschaltpunkt legen wir in der Mitte des vorgeschriebenen Zeitimervalls fest (Bild 12.15).
',f-'==------, Bild 12.15
of-----+-----,----1 .... _
.,
~T
·3 ._:~._. __ . __ . __ ._._L_
Verlauf der Stellgröße mit Stellreserve: )'Rmax = + 3.125 )'Rmin = - 3.125
_'
Nun kann die Stellgröße ermiuelt werden. DafLir brauchen wir die Sprungantwort:
Für den Umschaltpunk / = 0.5 TAus = 0,4 S folgt daraus Ymux = 3,125.
370
12 Intelligente Regelung
Die nach dem Bild 12.14 simulierte Sprungantwort ist in Bild 12.16 zu sehen. Die Konfigurierung des Stellsignals in MATLAB/Simu1ink erfolgt, wie im Bild 12.14 gezeigt, als Überlagerung von drei step-Funktionen mit folgenden Parametern: Parameter Step time Initial value Final value SampIe time
WOI 0 0 3.125 0
W02
W03
0.4 0 6.25 0
0.8 0 3.125 0
I
I I I I
1.8 1.6 1.4 1.2
I)
0.8
I 0,5wo I
0.6 0.4 0.2 0
Wo
0,5
0.1
0
0.2
----J
Tau~"""'---
o 5Taus
0.3
0.6
0.4
0.5
Bild 12.16 Verlauf der Regelgröße bei der Regelung auf endliche Einstellzeit eines Doppe1I-Gliedes mit TAus = 0,8 sund wo = 2
I
0.7
0.8
0.9
Die Anwendung der rechnerisch ermittelten Algorithmen ist wegen der Stellgrößenbegrenzung und den Ungenauigkeiten des Streckenmodells in der Praxis erschwert. So wendet man sich an die quasioptimalen Verfahren, die auf angenäherten Streckenmodellen und vereinfachten Rechenalgorithmen basieren. Wie das Beispiel in Bild 12.17 zeigt, wird die Stellgröße auf den maximal möglichen Wert gesetzt und nach dem Erreichen des Sollwerts nach unten korrigiert. 1.2,--~-~-~-~,--~-~-~------,
j'L---7··········,OJ:::~:::0
0.8 0.6
Bild 12.17 Quasioptimale Einstellung auf endliche Antwortzeit für eine P-TI-Strecke. Die Faustformel YRA = YRO
0.4
02 YRü
=0
1/ YRm~,=1 1
f YRA
=0.87
1
-02 L-_-'--_-'-_----'-_----''-----_-'--_-'-_----'-_----'
o
+
YRmax - YRO
1
+x m
gilt auch für die schwingungsfähigen Strecken. Hierin ist X m die zugelassene Regeldifferenz bzw. Überschwingweite.
12.2 Fuzzy-Regler
371
12.2 Fuzzy-Regler Die Fuzzy-Logik formuliert die eindeutigen Messgrößen, wie Temperatur und Druck, im Gegensatz zu numerischen Variablen nicht in zahlen, sondern in umgangssprachlichen Begriffen, so genannten linguistischen Variablen, wie ,.groß;; oder "klein;" und verhilft komplexen Systemen zu einer übersichtlichen Darstellung ohne mathematischer Beschreibung. Die unscharfe Logik (engl.fllZZY bedeutet unbestimmt oder verwischt) wurde 1965 von 2adeh vorgeschlagen, von Kasko weiter entwickelt, von MallldalJi und SlIgello an Fuzzy-Controller angepasst. Die regelungstechnischen Anwendungen findet man bei Frank. Kahlerr, Kindl, TiIIi. Die Fuzzy-Regler sind robust, d. h. sie behalten das stabile Verhalten, auch wenn die Parameter der Regelstrecke nicht konstant sind. Der Zeitaufwand und die Kosten rur die Entwicklung von Fuzzy-Reglern sind niedriger als die von den "klassischen;; Reglern. So werden Fuzzy-Regler meist bei Strecken, von denen man ein robustes Verhalten erwartet, z. B. bei Kraftfahrzeugen, Haushalts- und Medizingeräten eingesetzt.
12.2.1 Funklionsweise und Aufbau eines Fuzzy.Reglers Die linguistischen Variablen werden mit Zugehörigkeitsfunktionen in Untermengen eingeteilt, die fLir eine Variable, z. B. Temperatllr, "hoch", "mittel" oder "niedrig" heißen könnten. Solche Einteilung wird als Fllzzifizierullg bezcichnct. Danach werden die linguistischen Terme mit logischen Operatoren verknüpft und mit Regeln beschricbcn. Daraus cntstcht die so genannte Regelbwis, die dic Variablen und dic Regel verknüpft (fllferenz). Abschließend werden aus unscharfen Variablen die exakten Stellgrößcn gebildct. Diese Operation nennt man DefllzzifiZ;erllllg. Die Bausteine eines Fuzzy-Reglers nach Mamdalli sind in Bild 12.18 gezeigt. Der aktuelle Wert eakl der Regeldifferenz wird am Eingang des Fuzzy-Reglers zunächst "verunschärft;;. Der Regler wertet alle Regeln der Regelbasis rur jeden linguistischen Wert der Regcldifferenz aus, d. h. bestimmt den ErfUllungsgradjeder Regel. Mit Hilfe der logischen Operationen ermil1elt danach der Regler die Fuzzy-Mellge der Stellgrößen für jede Regel und bestimmt daraus einen resultierenden unscharfen Wert der Stellgröße. Abschließend ist aus der unscharfen Stcllgröße ein scharfer Wert der Stellgröße Yak! ZU bilden, mit dem eine Stclleinrichtung angesteuert werden kann. 1f...
w(t)
1=
,
----;0-+ -
Flizzifizierung
~ I
,
lhf'JI
t t t
Regelbasis
lnferenz
I
k
.I(/)
)'(t) )'
Defllzzifizierung
ßild 12.18 Wirkungsplan eines Regelkreises mit Fuzzy-Rcgler
b
Regelstreeke
~
372
12 Intelligente Regelung
12.2.2 Fuzzy-Mengen und Zugehörigkeitsfunktionen Eine "scharfe" Menge A von Elementen Xi kann man durch eine Zugehörigkeitsfunk-
°
tion flA(Xi), die nur zwei Werte und 1 annimmt, charakterisieren. Diese Funktion wird auch als Wahrheitsgehalt einer Aussage bezeichnet, z. B. •
Ist flA(Xi) =1, so ist die Aussage "Größe Xi gehört zu Menge A" wahr.
•
Ist flA(Xi) = 0, so ist die Aussage "Größe Xi gehört zu Menge A" falsch, d. h. die Größe Xi gehört nicht zu Menge A.
Bei der Fuzzy-Logik sind im Gegensatz zur binären Logik fließende Übergänge zwischen Mengen möglich. Beispielsweise gibt der Zugehörigkeitsgrad flA(Xi) = 0,7 an, in welchen Maß die Größe Xi zu Menge A gehört. Ändert sich die Zugehörigkeitsfunktion zwischen
°
und 1, d. h.
°<
flA(Xi)
< 1, so entsteht eine unscharfe Menge.
Fuzzijizierung Unter Fuzzijizierung versteht man die Übersetzung der in Zahlenwerte angegebener Information in Wertigkeiten sprachlicher Aussagen. Dies erfolgt mit Zugehörigkeitsfunktionen, die für jede sprachliche Aussage definiert werden. Da die linguistischen Werte nicht so exakt wie Zahlenwerte sind, werden sie mit Fuzzy-Sets spezifiziert. Als Standardformen für die Fuzzy-Sets verwendet man Trapez, Dreieck, Gaußsehe Funktion, Singletons usw. Ein Beispiel von Fuzzy-Sets der linguistischen Variable e J1 Positiv Negativ Null (Regeldifferenz) ist in Bild 1,0
i
12.19 gezeigt. Für sind:
0,8 0,6 0,4
eakt = -
4
fl Negativ (- 4) = 0,8
0,2
°2
O,O+-~~--L-.;-~-'I----~~-'---<-~~
-8 -6 -4
t
-2
4
6
8 - . e IV
eakt
flNull(-4)
=0,2
fl positive- 4) = 0.
Bild 12.19 Fuzzy-Sets der Eingangsgröße e
J1
i
1,0
dose
open
0,8 0,6 0,4
0,2 O,O-,"----~~~-~~~~-~~----'--
2
4
6
8
- . ylmm
Bild 12.20 Fuzzy-Sets der Ausgangsgröße y
Man unterscheidet zwischen Fuzzy-Sets für Eingangs- und Ausgangsgrößen. Beispielsweise ist in Bild 12.20 die Fuzzifizierung der Ausgangsgröße y (Ventilhub) mit Singletons bei der Füllstandsregelung mit einem Ventil mit zwei Zuständen dargestellt.
12.2 Fuzzy-Regler
373
Verknüpfung von Fuzzy-Mengen Die Fuzzy-Mengen werden anhand von Zugehörigkeitsfunktionen dargestellt. Es ist jedoch üblich, die Fuzzy-Mengen durch die Zugehörigkeitsfunktionen zu ersetzen, um die Herleitung von Fuzzy-Logik zu vereinfachen. So werden im Folgenden diese beiden Begriffe gleichgesetzt. Die Fuzzy-Mengen lassen sich wie die klassischen "scharfen" Mengen miteinander mit logischen Operationen verknüpfen: •
Eine Schnittmenge J1 s zweier Fuzzy-Mengen J11 und J12 wird mit der logischen Verknüpfung UND gebildet und als t-Norm oder (,ul UND J12) bezeichnet. Da man eine Schnittmenge durch den Minimum-Operator bildet, wird der kleinste von den beiden Werten J11 und J12 gewählt, und als J1 s = MIN (,u], J12) bezeichnet, wie in Bild 12.21 gezeigt ist. fi
i
fi
f11
fil
1,0
i
0,8 0,6 0,4 0,2 0,0
0
5
t
10 eakt
15
20 _elV
1,0
------- .....
,-----------
0,8 0,6 0,4 0,2 0,0
v
fis
0
5
t
10 eakt
= MIN
15
(fil '
20 _
f11 ) elV
Bild 12.21 Die Zugehärigkeitsfunktionen J11 und J12 (links) und die t-Norm (rechts)
Eine Vereinigungsmenge J1V wird mit der logischen Verknüpfung ODER gebildet
•
und als t-CoNorm bzw. als (,ul ODER J12) genannt. Da die Vereinigungsmenge durch den Maximum-Operator gebildet wird, gilt es J1 s = MAX (,ul, J12), d. h. es wird die größte von den beiden Funktionswerten J11 und J12 gewählt (Bild 12.22). fi
i
1,0 0,8 0,6 0,4 0,2 0,0 +-~--4-----l-~~c------'>--~~15 20-e1V o 5 10 eakt
t
Bild 12.22 Die Zugehärigkeitsfunktionen J11 und J12 (links) und die t-CoNorm (rechts)
•
Das Komplement J1K der Fuzzy-Menge J1 wird mit dem logischen Operator NOT gebildet, d. h. J1K = NOT (J1) = 1 - J1.
374
12 Intelligente Regelung
12.2.3 Regelbasis und Inferenz
Regelbasis Die Fuzzy-Sets der Ein- und Ausgangsgrößen eines Fuzzy-Reglers sollen miteinander durch gewisse Regeln verbunden werden. Jede Regel besteht aus einem WENN-Teil (Prämisse bzw. Bedingung) und einem DANN-Teil (Konklusion bzw. Schlussfolgerung). Im Allgemeinen besteht die Prämisse aus zwei linguistischen Eingangswerten, dessen gemeinsamer Erfüllungsgrad mathematisch bestimmt wird. Die gebräuchlichsten Operatoren sind die UND-Verknüpfung und die ODER-Verknüpfung. Die Regelbasis ist die Gesamtheit aller Regeln. •
Beispiel 12.6
Die Regelbasis einer Füllstandsregelung mit einer Eingangsgröße e = w - x (Regeldifferenz) und zwei Ausgangsgrößen (VentilJüllen und Ventil_leeren) sieht wie folgt aus: REGEL:
Regeldifferenz
1
2 3
WENN
positiv negativ Null
Ventil_leeren
DANN
open close close
VentilJüllen
UND
close open close
Inferenz: Erfüllungsgradjeder Regel Ziel der Inferenz ist die Auswertung der Regelbasis. Durch eine Zusammenfassung der Teilentscheidungen der einzelnen Regeln mit Operatoren wird eine Schlussfolgerung gezogen, die einer bestimmten Ausgangsvariablen zugewiesen wird. Regeln, deren DANN-Teil nicht Null ist, heißen aktive Regeln. Falls mehrere Regeln aktiv sind, muss man die Erfüllungsgrad G jeder Regel überprüfen. Der Erfüllungsgrad ist der kleinste der Zugehörigkeitsgrade der linguistischen Terme (MinimumOperator bzw. UND-Verknüpfung). Der Erfüllungsgrad der Konklusion kann maximal nur so groß werden, wie der einer Prämisse. Den Erfüllungsgrad einer Prämisse kann man z. B. mit den UND Operatoren berechnen. In der Regelbasis werden alle Regeln aufgestellt, die einen sinnvollen Zusammenhang von Eingangs- und Ausgangsvariablen darstellen. Die Gliederung der Regelbasis kann tabellarisch oder bei zwei linguistischen Eingangsvariablen auch in Matrixform erfolgen. Am Ausgang der Regelbasis erhält man eine Anzahl von Regeln, die bei einem gegebenen Eingangswert unterschiedlich erfüllt sein können. Die Zusammenfassung der verschiedenen Regeln und ihrer Ausgangsmenge zu einer unscharfen Vereinigungsmenge (ODER- Verknüpfung) nennt man Akkumulation. •
Beispiel 12.7
Ein Fuzzy-Regler hat zwei Eingangsgrößen el, e2 und eine Ausgangsgröße y. Die Fuzzy-Sets für Ein- und Ausgangsgrößen sind gegeben (Bild 12.23). Der Erfüllungsgrad jeder der nachfolgenden Regeln soll für elakt = -4 und e2akt = -2 bestimmt werden.
12.2 Fuzzy-Regler •
Regel 1: Regel 2:
375
WENN el Negativ WENN el Null
UND UND
DANN Y ist Klein. DANN y ist Mittel.
WENN-Teil
DANN-Teil
i Regel!: Jil Negativ 1,0
Ji 2
Null
!.:O
_f! J ~ ~,~
Jil= 0,6
GI = MIN (JiI,Jil) --- =06
Jiy 1,0
f\
i - -----'--------- -
\
I
0,0
-8
-4
0
4
8-
el
0,0
-8
2
.
Mittel
Klein
\ I
4
I
\
6
I
\
-i Groß
f\
\
\ \
\
\
8-yN
telakt
I t6t-,~~0
Regel 2:
0,0
Ji I 2
Null
p,1,0
-8
-4
0
4
---::
8_
el
telakt
0,0
Ji y
Null
-8
-4
,
i
0
+
Mittel
1,0
4
8_
e2
0,00
2
4
6
Groß
8-yN
e2akt
Bild 12.23 Ermittlung von Erfüllungsgraden der Fuzzy-Regeln des Beispiels 12.6 Für die gegebenen aktuellen Werte der Eingangsgröße sind die Zugehörigkeitsfunktionen aus der ersten Regel:
f.11 = 0,8
f.12 = 0,6.
Daraus ergibt sich der Erfüllungsgrad der Regel 1:
GI = MIN (jil. f.12) = MIN (0,8 0,6) = 0,6. Analog wird der Erfüllungsgrad der Regel 2 bestimmt:
G2 = MIN (jil. f.12) = MIN (0,2 0,6) = 0,2.
12.2.4 Defuzzifizierung Das Ergebnis der Fuzzy-Inferenz ist eine unscharfe Menge, wie der DANN-Teil in Bild 12.23 zeigt. Daraus soll nun wieder eine exakte (scharfe) Stellgröße gebildet werden. Für die Umwandlung können verschiedene Methoden angewendet werden, z. B. Maximum- oder Schwerpunktmethode. Nach der Schwerpunktmethode CoG (Center 0/ Gravity) werden die Ausgangsterme gemeinsam als eine Fläche interpretiert und die Abszissen der Flächenschwerpunkte YI, Y2, ... bestimmt. Da alle Regeln zugleich mit dem Erfüllungsgrad GI, G2, ... gelten sollen, wird die resultierende Fuzzy-Menge f.1res als ODER-Verknüpfung (MaximumOperator) der Ausgangstermen für jede Regel ermittelt. Der Flächenschwerpunkt Yakt bildet einen festen Wert für die Stellgröße y:
376
12 Intclligentc Rcgclung
( 12.17)
GI. (12.17) gibt allcrdings dcn angcnähcrtcn Wcrt dcs Schwcrpunktcs an. was rur dic pmktischen Anwendungen genügt. •
8eispiel 12.8
"
1.0
Klein
Mille!
,', ,', , "
A"
Groß
, " ",' ,/ i, \ , ,/ i \ ,' ,' , ' " :,'" i \/
0.8
G j =0.6_0.6
OA
..
:' i,' " 0.2 - -------":'0----:,' ,,:;
G" = 0.2 -
0,0
\
\'"
f----t--'t----"--,--"-c: o
2:
, , , ,, ,
JI ""
b1
""
1,0
4
6
8 -
)'/V
!JI rcs = MAX (JI Klein' JI MiIlCI)
0.8
~:/
\ i
0,2/1 4~::l.-~ O.O~
o
2
4
6
8 _
)'/V
Die Fuzzy-Inferenz nach dem DANN-Teil des Beispiels 12.7 ist in Bild 12.24a gezeigt. Die resultierende Menge Pres wird nach dem Maximum-Operator gebildet und stellt sich somil die Einhüllende der Funktionen
J.1 Klein und p MillCl dar (Bild 12.24b). Die Erfüllungsgrade GI und G2 werden vom Beispiel 12.7 übernommen: Die Schwerpunklabszissen von Termen Klein, Miltel, Groß werden aus dem Bild 12.23 bestimml: )'1 =:
Y Klein
=:
2.5 V
)'2 =)' MillCI
= 5.0
Y3
'" 7.5 V.
=YGroß
V
)';Ü;'
Bild J2.24 Defuzzilizierung der Stellgröße)'
Der Fliichenschwerpunkt wird nach GI. (12.17) berechnet: Yakt
GI . Ypl =:
+ G 2 . Yp2
GI +G 2
0.6· 2,5V + 0,2· SV
0,6+0,2
3,12SV.
( 12.18)
Wiederholt man die Berechnung der Stellgröße Yakl nach GI. (12.18) rur verschiedene Werte von Eingangsgröße Jakl> so kann die statische Ausgang-! Eingang-Kennlinie bestimmt werden. Im Anhang (siehe OnlinePlus·Bereich des Verlags) ist gezeigt. wie man einen Fuzzy-Regler mil der F11zz)' Logic Too/ho),' von MATLAB enlwerfen kann.
12.3 Neuro-Regelung
377
12.3 Neuro-Regelung Der Begriff des künstlichen Neurons wurde erstmals von den Neurophysiologen W.S. McCulioch und dem 18-jährigen Mathematiker W. Pitts (1943) eingeführt. Das erste künstliche Neuron war nicht lernfähig und wurde als ein logisches Schwellenwertelement mit mehreren Eingängen und einem Ausgang, das nur zwei Zustände annehmen kann, aufgebaut. Grundlage des Lernverfahrens kam erst 1949 nach einer Hypothese des Psychologen Donald Hebb, die besagt, dass das Lernen im Gehirn durch Änderung der Synapsenstärken erfolgt. Das Aufkommen der Rechnertechnik hat die Möglichkeit eröffnet, die einzelnen Neuronen in ein künstlichen neuronalen Netz (KNN) zu verbinden und mit veränderlichen Parametern zu simulieren. Die Lernfähigkeit eines Netzes besteht darin, die eigenen Gewichtungen so einzustellen, dass der Fehler zwischen Ist- und Sollwert des Netzausgangs für eine bestimmte Klasse der Eingänge möglichst minimal wird. Der Einsatz von künstlichen neuronalen Netzen für die Automatisierungstechnik hat bereits seit Mitte der sechziger Jahre begonnen. In den achtziger Jahren nahm die Zahl der Anwendungen stark zu. Hieraus entstanden neue Identifikationsmethoden und neue Regelungskonzepte mit Emulator- und Actor-Netzen. Da fast alle der mehr als 20 bekannten Netzmodelle für spezielle Anwendungen wie Klassifikation, Bildverarbeitung, Muster- und Spracherkennung entwickelt worden sind, haben sich nur einige für die Automatisierungstechnik herauskristallisiert, wie Perceptronen und CMAC-Netze, Hopfield-Netze, Kosko's BAM und Cooper's RCE. Heute versteht man unter KNN adaptive Algorithmen, die in erster Linie für Identifikation, Klassifikation, Bild- und Sprachverarbeitung geeignet sind und als SoftwareProdukte, wie NeuroCheck, NeuroModel, NeuroSolutions, um nur einige zu nennen, angeboten werden. 12.3.1 Grundmodell eines künstlichen Neurons Das einfachste künstliche Neuron hat zwei Eingänge und einen Ausgang, der nur zwei Zustände, z. B. (-1, +1) oder (0, 1) annehmen kann (Bild 12.25). Der aktuelle Ausgang y des Neurons wird in zwei Schritten bestimmt. Im ersten Schritt wird der Aktivierungswert amit den gegebenen Eingängen Xl, x2 und Schwellenwert () berechnet: (12.19) Im zweiten Schritt wird der Ausgangswert y mit Hilfe einer Aktivierungs- bzw. Transferfunktion y = f(a) berechnet. Alsf(a) kommen eine Reihe mathematischer Funktionen in Frage. Im vorliegenden Beispiel wird eine binäre Aktivierungsfunktion mit y = +1 für a ~ 0 und y = -1 für a< 0 betrachtet. Jeder Kombination von Eingangswerten entspricht ein bestimmtes Kriterium. Ein Kriterium kann z. B. sein, ob sich der Eingangspunkt oberhalb (Klasse A) oder unterhalb (Klasse B) einer Grenzgerade befindet, wobei der Sollwert des Neuronenausgangs für Eingangswerte aus der Klasse A d = +1 und für Klasse B d = -1 ist.
378
12 Intelligente Regelung
X2
Schwellenwert (Bias)
Gewichte
Wl
B
~t=1
a
+ +
2
Transferfunktion
Aktivierung
~ +1
-1
a
4
6 - XI
Sollwert
d
Y Netz- + ausgang
E Feh\er
Bild 12.25 Struktur eines KNN mit binärem Ausgang
Nehmen wir an, dass die zu erkennenden Klassen durch eine Gerade getrennt sind: Xz = a·x\ + b,
z. B. mit a = 0,5 und b = 1.
Für das Neuron wird die Grenze zwischen Musterklassen durch die Gleichung a = 0 abgebildet, d. h. a = W\X\+ Wzxz - ()= 0 bzw. W\
()
Xz = - - x \ +-. Wz Wz
Aus dem Koeffizientenvergleich mit der Gerade Xz =
~=b Wz Bei
()=
(12.20) a ·x\
+ b folgt:
- W\ =a Wz
2 wird die Grenze korrekt mit den folgenden Gewichten abgebildet:
()
2
Wz =-=-=2 b 1 W\ = -a . WZ = -0,5 . 2 = -1
Die Musterklasse A ist damit durch die Aktivierung a> 0 und den Ausgang Y = + 1 gekennzeichnet. Für die Klasse B ergibt sich a< 0 und damit y = -1. Da dem KNN keine Gewichte vorgegeben werden, ist es die Aufgabe des Lernvorgangs, sie so lange zu verändern, bis die Grenzgerade korrekt abgebildet wird. Als Fehlermaß gilt dabei die Differenz E zwischen dem Ist-Ausgang y und dem SollAusgang d. Der Lernalgorithmus besteht in Änderung von Gewichten, z. B.: W\ (neu) = W\ + TJ·(d - Y)'X\
(12.21)
Wz (neu) = Wz + TJ·(d - y)·xz.
(12.22)
Die Iterationsschrittweite (Lernschrittweite) TJ bestimmt die Konvergenzgeschwindigkeit. Normalerweise gilt: 0 < TJ < 1. Meist wird das Fehlermaß jedoch nicht nach je-
379
12.3 Neuro-Regelung
dem Eingangspaar berechnet, sondern über alle Ein/-Ausgangs-Paare aufsummiert, um den Gesamtfehler E zu minimieren. •
Beispiel 12.9
6
Spl ~--------
Sp3
X----
Gegeben ist ein trainiertes KNN mit der in Bild 12.25 gezeigten Struktur. Die Kennwerte sind:
Sp5
WI = I W2= 0,5 e = I. Das KNN wurde trainiert, die Stabilität eines Kreises in der s-Ebene zu erkennen (Bild 12.26). Dafür sind die folgenden Eingänge dem KNN gesetzt:
'-----~
4
I
I I
-6
2
-4 :-2 I
I I
sN
I I
I
)1(-----
I
6
- - - . (J
I
I I I I
4
=x 1
XI =
-2
x2 = jco.
-4
I
)t------------
-----~
sp2
_6
I
a
Die stabilen Zustände sind durch einen Parameter d = - I und die instabilen durch d = + 1 gekennzeichnet. Es soll das KNN getestet werden.
Bild 12.26 Die Pol-lNullstelen-Verteilung
Zunächst überprüfen wir nacheinander die Eingänge nach dem Bild 12.26. Für die Polstelle SPI ist die Aktivierung nach GI. (12.19)
a=xI+O,5 ·x2-8 = (-6) + 0,5·5 -1 =-4,5.
°
Für a< folgt aus der Transferfunktion y = -1. Da auch d = -1 gilt, ist die Erkennung korrekt. Auch für Polstelle SP3 gibt das KNN die korrekte Antwort:
a=xI+O,5 ·x2-8 = (-3) + 0,5·3 -1 = -2,5 <
°
=>
y=-1
<=
d=-l.
=>
y=-1
<=
d=+l.
Bei der Erkennung der Polstelle sp6 tritt jedoch der Fehler auf:
a=xI +0,5 ·x2-8 = 3 + 0,5· (-4,5) -1 = -0,25 <
°
Statt alle Eingangswerte nacheinander zu prüfen, kann man die KNN-Gewichte in die Grenzgerade nach GI. (12.20) umwandeln und in das Diagramm des Bildes 12.26 eintragen:
W
8
1
1
I x2 =axi +b=--xi +-=--xi + - bzw. x2 =-2xI +2. W2 W2 0,5 0,5
Daraus erkennt man sofort, dass das KNN die Grenze falsch gelegt hat und soll weiter trainiert werden. In nächsten Anschnitten wird gezeigt, wie eine komplexe Grenze abgebildet wird.
12.3.2 Mehrschicht-KNN und Backpropagation Die Einteilung der Eingangsvektoren kann von einzelnen Neuronen dann durchgeführt werden, wenn die Grenze zwischen den beiden Klassen eine Gerade ist, wie es bei den logischen Verknüpfungen UND und ODER der Fall ist. Sind für die Klas-
12 Intelligente Regelung
380
senbeschreibung mehrere Geraden bzw. mehrere logische Funktionen nötig wie z. B. bei der logischen XOR-Verknüpfung, wird für jede Grenzgerade ein Neuron eingesetzt. Damit entstehen die Mehrschicht-Netze, die aus Ein-, Ausgangs- und verdeckten Neuronen bestehen (Bild 12.27).
__ Ym
xn
Ausgangsschicht 2. verdeckte Schicht 1. verdeckte Schicht Eingangsschicht
Der Lernvorgang läuft nach GIn. (12.21), (12.22) ab, d. h. zuerst werden die Ausgänge einzelner Schichten nacheinander, von Ein- bis zur Ausgangsschicht, berechnet. Dann werden die Ausgangswerte
Yl,Y2, ... ,Ym und die Sollwerte
dl,d2,···,dm miteinander verglichen.
Bild 12.27 Mehrschicht-KNN mit 2 verdeckten Schichten
Er
Entsteht dabei ein Fehler Ej = dj - Yj bzw. der Gesamtfehler E = + Ei + ... , werden die Gewichte schrittweise korrigiert. Das Verfahren heißt Backpropagation, da der Fehler rückwärts übertragen wird. ~
Aufgabe 12.2
Ein Mehrschicht-KNN mit binären Eingängen Xl und X2 ist im Bild 12.28 gezeigt. Das Ausgangsneuron y hat binäre Transferfunktion. Der Ausgang des verdeckten Neurons V wird mit 1 einer Sigmoid-Transferfunktion v = ermittelt und gibt die Werte < v <1 aus. Wel-
l+e- a
°
che logische Funktion simuliert das KNN?
Bild 12.28 Trainiertes KNN mit einem verdeckten Neuron •
Beispiel 12.10
Gegeben ist das in Bild 12.29 gezeigte Zweischicht-Netz mit Gewichten WI = -5; W2 = 1,5; Schwellenwerten 81 = - 0,25; fh. = 1,12 und mit exponentiellen Sigmoid-Transferfunktionen 1 1 v = f(a) = und Y = f(ß) = .
l+e- a
Jede Schicht besteht aus nur einem Neuron
l+e- ß
12.3 Neuro-Regelung
381
Die Ein-/Ausgänge des ersten Neurons sind x und v, die Ein- / Ausgänge des zweiten Neurons sind v und y. Das KNN wird mit einer einfachen Datei, die nur zwei Sätze enthält, trainiert: 1) für x = ist d = 0,5 2) für x = 1 ist d = 0,3.
°
Bild 12.29 KNN mit zwei Schichten zu Beispiel 12.10 Zuerst wird die Aktivierung und der Ausgang des verdeckten Neurons für x =
°
berechnet:
a= Wj·x+ BI = -5·0 -(- 0,25) = 0,25
v = 1 + e- IX
1 1+ e
-025 = 0,5622 ,
'
dann die Aktivierung des zweiten Neurons und der Netzausgang:
ß= W2·v + B2 = 1,5·0,5622 -1,12 = - 0,2767
1
1
y=---
02767 =0,4313.
l+e- ß
l+e '
Da für den 1. Satz d = 0,5 gilt, entsteht ein Fehler am Netzausgang: Ej
= d - y = 0,5 -
0,4313
= 0,0687.
Für den 2. Satz x = 1 wird die Berechnung wiederholt. In diesem Fall ergebt sich: v = 0,0086
y
= 0,2484
E 2 =d - y
= 0,3 -
0,2484
= 0,0516.
Mit der Berechnung der quadratische Gesamtfehler
E=E?+Ei. =0,0074 beginnt die Fehlerkorrektur bzw. Backpropagation. Der Fehler E wird für das verdeckte Neuron umgerechnet, z. B. E v = E / W 2= 0,0074 /1,5 = 0,0049 und zwischen den beiden Schichten verteilt. Die Gewichte werden z. B. wie folgt korrigiert: LJW2 = 17-E-(E j·vj+ E2"V2) = 17.0,0074.(0,0687.0,5622 + 0,0516·0,0086) LJWj = 17-Ev ·(Ej·xj+ E 2·X2) = 17.0,0049.(0,0687.0 + 0,0516·1)
Beträgt z. B. die Lernschrittweite 17 = 500, so ergeben sich die folgenden Gewichte nach dem ersten Lernschritt:
= W2+ LJW2 = 1,5 + 0.1444 = 1,6444 Wj(neu) = Wj + LJWI = -5 + 0,1271 = -4,8729
W2(neu)
Die Lernschritte werden solange wiederholt, bis der Fehler E seinen minimalen Wert erreicht: 2. Schritt: E =0,0050 E = 0,0041 3. Schritt: E =0,0036 4. Schritt 5. Schritt: E = 0,0033 usw., Im vorliegenden Beispiel konvergieren die Gewichte zu W\ = - 2 und Wz = 2.
382 •
12 Intelligente Regelung Beispiel 12.11
Ein Einzelschicht-KNN mit zwei Eingängen und einem binären Ausgang (0. I) soll ftif die Erkennung der logischen Funktion ODER mit Neural Netll'ork Too/bo.t trainien werden. Die Struktur das aus MATLAB/Simulillk-E1ementen aufgebauten KNN ist in Bild 12.30 dargestellt.
Hard Limit (0,1) (Perceplron) Neuron
Step Input x2
Bild 12.30 Struktur des KNN mit MATLAB/Sirnulink (Nellml Nelll'ork Too/box)
Graph
Layer
Tc Workspace
Die Anfangswerte von Eingängen sind: XI = [ und.l"2 = O. Nach 5 s wird.l": sprungfOnnig von 0 auf 1 geändert. Die Eingabe erfolgt mit Anweisungen im MATLAB-Command-Fenster: »W[2.-2]: »
% Eingabe von Gewichten
bK-Q.25
% Eingabe des Schwellenwertes
»PK[O,O, 1.1: 0,1,0.1];
% Eingabe von Eingangsmustern
»T .. {O, 1, 1, I];
% Sollwerte nach ODER-Funktion % Simulatiol'l/Start
»
plot (y)
»
plotpv (P, Tl;
" plotpc (W, b).
Die mit den letzten zwei Befehlen geöffneten Grafik-Fenster zeigen die Netzzustände: •
beixl=lulldx2=Owirdy=l;
•
beixl= I undx2= I wird y=O.
Aus dem Vergleich mit dem Bild 12.31a erkenn! mall. dass das KNN die Grenze falsch gelegt hat und der Lernvorgang gestartet werden soll. Dies erfolgt mit Anweisung »
[W. b, epochs, errOfS). trainp (W, b. P, T. -l):
% lernen mitlerndatei (P, T).
Nach 5 Epochen findel das Netz die korrekte L1ge der Grenze (Bild 12.3Ib). Der Verlauf des Fehlers wird mit der folgenden Anweisung ausgegeben: »plotter (errors)
" r----'"-"""·"·"~"'"~::...---l
•
•
"rT---===='---, v...,...,t>o~
b)
• ,
o
.",--"-,--""--,----1,,
""
•
.".\,__"_"-",,__-;__--1,,, ""
Bild 12.31 Lernvorgang: a) Beginn mit W =[ 2. -2), b = -0.25; b) Ende nach 5 Schrillen
12.3 Neuro-Regelung
383
12.3.3 Regelkreisstrukturen mit KNN Mit KNN als Regler sind neue Regelkreisstrukturen vorstellbar: •
mit einem Netz als Regler
•
mit zwei Netzen: als Regler und als Beobachter
•
mit einem Regler und einem Netz als Beobachter
Die KNN-Eingänge sind die Zustandsgrößen des Regelkreises, die Ausgänge sind je nach KNN-Funktion entweder Stellgrößen oder Kennwerte des Reglers. Für den Lernalgorithmus wird im Regelkreis eine zusätzliche "Lern-Rückführung" eingebaut, die jedoch zeitlich von der "normalen" Kreis-Rückführung getrennt wirkt. Ein-Netz- Verfahren
Bei der neuronalen Zustandsregelung (Bild 12.32) erhält das KNN an seinem Eingang die Regeldifferenz e(t) und ihre Ableitungen, sowie die Vektoren der Stell- und Regelgrößen y(t) und x(t).
w
1: ~az L
+r- e
w ij
gewüng;hter AUSJang x - + d
---
Regelstrocke
Bild 12.32 Zustandsregelung (Ein-Netz-Verfahren)
Regelkreis überwa::htes Lernen
Da der Ausgang des KNN unmittelbar die Stellgröße y(t) ist, wird das Netz in diesem Fall als Aktionsnetz, kurz A-Netz, bezeichnet. Analog dem Kompensationsregler, wird das A-Netz trainiert, eine inverse Übertragungsfunktion der Regelstrecke I/Gs(s) nachzubilden, d. h. die eigenen Gewichte ltji so einzustellen, dass die Differenz zwischen dem Ausgang d (Sollwert) der reziproken Übertragungsfunktion und dem aktuellen Netzausgang y minimal wird. • BeispieI12.12 Die Regelgröße x(t) ist der Drehwinkel der Rotorachse eines Servomotors (Bild 12.33). Die Regelung erfolgt ohne Überschwingung. überwachtes Lernen
bJJ
"...
bJJ
w+
e
"2
;:l
'" 1;: 'N
'" 1;: 'N
'N
'N
N
N
&:
FAM-Netz
c2
'"
Cl
y
1, T)
K)
x
Bild 12.33 Positionsregelung mit Ein-NetzStruktur (NeuroZustandsregelung)
384
12 Intelligente Regelung
Zwei-Netze- Verfahren Das in Bild 12.34 gezeigte Verfahren ist mit zwei Netzen realisiert. Zunächst wird das Emulatornetz, kurz E-Netz, mit den Ein- und Ausgängen der Regelstrecke trainiert. Danach wird das A-Netz trainiert, wie in obigem Fall der neuronalen Zustandsregelung, jedoch wird hier über das E-Netz gelernt.
Regelkreis
unüberwachtes Lernen
Bild 12.34 Neuronale prädiktive Regelung (ZweiNetze-Struktur) •
Im Vergleich zur klassischen Regelung übernimmt das E-Netz die Rolle eines Beobachters und das A-Netz die eines Reglers.
Beispiel 12.13
y
Die Strecke ist ein Wagen mit dem Pendel, der im stabilisierten Zustand in der Mitte der Laufbahn gehalten werden soll (Bild 12.35). Die Zustandsgrößen sind: - der Winkel des Pendels rp (t) - die Lage des Wagens x(t) - die Ableitung drp(t)/ dt - die Ableitungen dx(t)/dt.
Bild 12.35 Regelstrecke: das inverse Pendel
)-------1.,
"c." Q)
A-Netz
Zustandsgröße
Bild 12.36 Stabilisierung des Pendels mit Zwei-Netze-Struktur
Die Stellgröße y(t) ist die Kraft, die schlagartig auf den Wagen wirkt (z. B. y = ±1O N). Bei der neuronalen prädiktiven Regelung (Bild 12.36) wird keine Untersuchung der Systemdynamik durchgeführt, sondern experimentell die Lerndaten gewonnen. Die Gewichtsänderung findet in einem Bereich von 162 binären Eingangssignalen (6 Bereiche für die Zustandsgröße rp (t) und 3 Bereiche für anderen Zustandsvariablen) statt. Erhöht man die Anzahl von Eingängen, so wird die Trainingszeit verlängert. Ansonsten geht die Qualität der Regelung verloren.
Die gewünschten Ausgänge für das E-Netz sind in Bild 12.36 mit S bezeichnet. Sie werden aus Versuchen mit dem Regelkreis gewonnen. Der Ausgang des E-Netzes d wird zum Lernen des A-Netzes als gewünschter Ausgang (Sollwert) verwendet. Für eine Stellgröße, die zum stabilen Zustand führt, wird d = 0, ansonsten wird d = -1 gesetzt.
12.3 Neuro-Regelung
385
Regler-Netz-Verfahren
w+
e
y
Regler
x
Regelstrecke
Kennwerte des Reglers KpR,
K pR , T v ~
Regelkreis
Eine Regler-Netz-Struktur ist im Bild 12.37 gezeigt. Die Gewichte Wji sind die
~etz I
I
~()
i L
Ll
unüberwachtes Lernen
Tn oder Tv , die für verschiedene Arbeitspunkte des Regelkreises durch das KNN optimal eingestellt werden. Eine weitere Modifikation dieses Verfahrens besteht darin, dass der Regler durch ein A-Netz ersetzt wird.
Bild 12.37 Regler-Netz-Struktur
Duale bzw. hybride Regelkreise So nennt man Regelkreise, die aus konventionellen regelungstechnischen Gliedern mit konstanten Parametern, so genannten LZI-Gliedern (lineare zeitinvariante Glieder, siehe z. B. Abschnitt 11.1) und aus wissensbasierten KNN-Elementen, die sich mit keinen mathematischen Verfahren beschreiben lassen, gebildet werden. Es gibt folgende Verfahren zur Behandlung von dualen Regelkreisen: a) Kooperative Behandlung, wenn KNN offline betrieben wird, d. h. zuerst Lernen, dann Regeln, wie es in obigen Strukturen mit KNN der Fall ist. b) Hybride Behandlung, wenn KNN online als Regler gilt. Dies kann, wie das nachfolgende Beispiel zeigt, nur unter bestimmten Vereinfachungen erfolgen. •
Beispiel 12.14
Eine I-T2-Strecke soll mit einem P-Regler möglichst schnell und ohne Überschwingung geregelt werden. Die Parameter sind gegeben: Kps = 1,6, Tl = 0,1 s, T2 = 0,5 s, Krs = 0,2 S-l. Den Entwurf des Regelkreises beginnen wir mit konventionellen Methoden und ermitteln zuerst den Proportionalbeiwert KpR des P-Reglers nach dem Betragsoptimum. Aus der Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises: Go(s)
KpRKpSKIS
=_------'-''-0...--''--''------''''_
s (1 + sTI )(l + sT2 )
mit der Ersatzzeitkonstante TE = Tl
+ T2
= O,6s ergibt sich die optimale RegIereinsteIlung:
1
I
2 ·1,6 . O,2s - ·O,6s
= 2,6
Dann ergänzen wir den Regelkreis mit Neuro-Fuzzy-Elementen, wie in Bild 12.38 gezeigt ist. Die Fuzzifizierung erfolgt mit Hilfe von drei Parallelzweigen. Die Inferenz ist durch die KNN-
386
12 Intelligente Regelung
Algorithmen mit der anschließenden Addition ersetzt worden. In jedem Zweig sind P-GliedcT
vorhanden. die aus den oben berechneten optimalen Wert KpR = K = 2.6 crmiuclt werden. z. B. rur den mittleren Zweig 05K = 1.3.
Saturat,on (0,1)
W sn=1 b:szO
'.6 0.18+1
Imegrato,
Rege).
Pure linear
W NU=OEIS D_NU=O 05
S, Graph,
8ild 12.38 Wirkungsplan des Regelkreises mit Ncuro-Fuzzy-Reglcr in MATLAB/Simulink
Mit Fuzzy- und Neuro-Elementen kann die Kennlinie des Reglers an
06 P.R&gler
05
" 05
'~'7/
01
"
"
,
,
6
,
,~
"
die Strecke besser angepasst ....'crden. Zu diesem Zweck ist im mittleren Zweig das lineare Neuron Pure fil/ear mit kleinerer Steigung der Kennlinie als die bei den beiden Tal! sigmoid Neuronen eingestellt. Die Saturation-Neuronen mit Gewichten IVjl1 = -w..../JIl bilden die benötigten S3ttigungsabschnitte des Fuzzy-Sets. Die Gewichte IV und Bill.\' (Schwellenwert) bund - b richten sich n
Bild 12.39 Sprungamwortcn zum Bild 12.38 Bild 12.39 zeigt die Sprungantworten von Kreisen mit und ohne KNN auf einen Führungssprung von Wo = 0.5. Der KNN-Regler re
387
13 Zustandsregelung
13.1 Zustandsebene Für die Zustandregelung ist bei Master-Studiengängen mit dem Schwerpunkt Automatisierungstechnik üblicherweise eine semesterlange Lehrveranstaltung vorgesehen. Dieses Thema in einem Abschnitt zu beschreiben ist unrealistisch, so dass nachfolgend nur deren Grundlagen kurz erläutert werden, um die praktische Anwendungen oder den Einstieg in die weiterführende Literatur, z. B. [29], [35], [84], [114] und [141], zu erleichtern. Die Methoden der Zustandsregelung sind besonders effektiv für nichtlineare Strecken und Mehrgrößenstrecken. Wir beginnen jedoch die Einführung in die Zustandsregelung von einem linearen Beispiel, um zu zeigen, dass die Zustandsregelung auch ohne spezielle Kenntnisse für einfache Regelstrecken erfolgen kann. •
Beispiel13.1
Gegeben ist eine Strecke (Bild 13.1), die aus zwei I-Gliedern mit K,sl = K'S2 = 1 S-I besteht. Die Strecke hat messbare Zustandsvariablen x und Xl.
-~-{~J
x
+
Bild 13.1 Regelung eines Doppel-I-Gliedes mit Zustandsrückführungen Nach einem Einheitssprung der Stellgröße u(t) soll die Regelgröße von x(O) = 0 zu einem gegebenen Endwert, z. B. x(oo) = I gebracht werden, und zwar so, dass sich der Dämpfungsgrad zwischen zJ = 0,3 und zJ = 0,4 befindet. Die dafür benötigten Polstellen PI und P2 des geschlossenen Kreises sind unten gegeben: PI,2
=-1±2j
Die Aufgabe besteht in einer geeigneten Wahl der Proportionalbeiwerten k l und k 2• Solche Verfahren, bei denen die Pole an gewünschte Stellen platziert werden, nennt man Polzuweisung oder Pole Placing. Bestimmen wir zuerst die Übertragungsfunktion des ersten, inneren Kreises
Gw1(s)=
: l+-·k[ s
1
1 k[ l+s( k[
J= 1+11sTk[
w '
b . wo el
7' 1
w
1.
= k; 1St.
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_13, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
388
13 Zustandsregelung
Dann wird die Übertragungsfunktion des zweiten, äußeren Kreises bestimmt:
Laut AufgabensteIlung ist die gewünschte Übertragungsfunktion GM(s) mit den gegebenen Polstellen wie folgt gegeben: S2
Aus der Bedingung G w (s)
= GM (s)
+ 2s +5
folgt die Lösung:
Um den Beharrungswert x( 00) nach dem Einheitssprung Uo = I
x(oo) = lim k·Cw(s)·uO = lim
2
S---70 S
S---70
k
+ 2s + 5
an den gegebenen Wert x( 00) = I anzupassen, wird k
'uO
=~ 5
= 5 eingestellt.
13.1.1 Zustandsebene eines linearen Systems Die vorherige Aufgabe wurde nicht wie gewöhnlich formuliert und gelöst. Die Stellgröße wurde nicht wie üblich mit y, sondern mit u bezeichnet. Anstelle eines Reglers wurden zwei Rückführungen k1 und k 2 eingesetzt. Es fehlt die Führungsgröße, sie ist in der AufgabensteIlung als die Bedingung x( 00) = 1 enthalten. Zwar wurde die Aufgabe mit gewöhnlichen Methoden gelöst, ist die Lösung nur für einfache Strecken mit zwei-drei Zustandsvariablen möglich. Um das Verfahren zu verallgemeinern, soll der Wirkungsplan der Strecke anders als bisher dargestellt werden. Man sagt, die Strecke soll im Zustandsraum beschrieben werden. Betrachten wir als Beispiel eine lineare Differentialgleichung 2. Ordnung: 2 d x(t)
dx(t)
--2-+ a l - - + aOx(t) = k· u(t)
dt
dt
bzw.
x+alx+ aOx = k· u
Für die freie, ungezwungene Bewegung des Systems bei u = 0 gilt:
x+ al x+ aox = 0 Fügen wir neue Variablen ein, nämlich: Xl
=x
x2 =x
(13.1)
13.1 Zustandsebene
389
Unter Beachtung x = Xl und x = x2 sowie x = x2' wird die letzte Differentialgleichung der freien Bewegung des Systems umgeschrieben:
{ x~
+alx2 +aOxl
=0
{~2
bzw.
~=~
=-alx2 -aOxl
~=~
Der Vorteil dieser Darstellung besteht einerseits darin, dass die DGL 2. Ordnung durch die DGL 1. Ordnung ersetzt wurde; andererseits folgen daraus die Gleichungen Xz =f (XI) von Trajektorien in der Zustandsebene. Um die Trajektorien zu bilden, dividieren wir die obere Differentialgleichung durch die untere d : t2 = -alx2 - aOxl
=>
d:t2 = - alx2 _ aOxl
dXI = X dt 2
1
dXI dt
.
xz = x t=
X2
X2
und eliminieren wir daraus die Zeit:
0
dX2 Xl --=-al-aOdXI x2
Bild 13.2 Zustandsebene
(13.2)
Aus der letzten DGL kann man unter bestimmten Bedingungen die Trajektorien (Isoklinen) bestimmen, wobei jedem Zeitpunkt t ein Punkt der Zustandebene (XI, xz) entspricht (Bild 13.2). Die Zusammensetzung von allen Punkten, von t = 0 bis zum Endwert bei t = 00, stellt grafisch die freie Bewegung des Systems dar.
Erreicht die Zustandskurve bei t =
00
den Wert
Xz
= 0 (Bild 13.3), wird das geschlos-
sene System stabil. In der GI. (13.2) handelt es sich dabei um eine Singularität ~.
X
.
z= x
Ruhezustand im Koordunatenanfang
o
X
z= x Ruhelage auf der x - Achse
Bild 13.3 BeharrungsZlistände von stabilen Systemen: links (Xj=O); rechts (-ao=O)
13 Zustandsregelung
390
Es gilt dabei xl = 0 bzw. XI = const, wie es aus der Gleichung xl = x2 folgt. Gleichzeitig ergibt sich aus der Gleichung x2 = -alx2 - aOxl die folgende Bedingung für Ruhelage: x2 =-O-aOxl =0 -aOxl =0
13.1.2 Stabilitätsuntersuchung in der Zustandsebene Betrachten wir die Gleichung der Zustandskurve dX2 dXI
--=-al
xl
-aox2
und nehmen wir an, dass X2 und XI miteinander linear verbunden sind: x2 = K ,xI
Dies entspricht einer Geraden mit der Steigung dX2 =K. dXI
Die Zustandsgleichung wird damit zu einer quadratischen Gleichung umgewandelt und gelöst: @2
~
--=K=-al-aOdXI x2
=?
2
K =-aIK-ao
af -
Abhängig vom Vorzeichen des Terms 4ao entstehen unterschiedliche Zustandskurven. Die typischen Zustandskurven und die Sprungantworten sind in der Tabelle 13.1 gezeigt. In der Tabelle 13.2 sind gesondert die Trajektorien einer DGL 2. Ordnung bei al = 0 oder ao = 0 zusammengefasst: x+alx=k·u
Insgesamt sind folgende drei Fälle möglich:
af < 4aO
•
Fall 1:
imaginäre Polstellen
•
Fall 2:
komplexe Polstellen (die weiteren Optionen sind in der Tabelle 13.3 zusammengefasst)
•
Fa13
reelle Polstellen
13.1 Zustandsebene
Tabelle 13.1
391
Verlauf der Zustandskurven bei Bedingungen
I
II
ao> 0
al>O
IV
III ao> 0
al
af > 4ao
ao= 0
aj>O
Xl
)'~
Xl
0
Knotenpunkt stabil
Knotenpunkt instabil
,
.~ t----::
• • • X,
0
ao< 0
al>O
-:: :::;:::..,
':::::::!::--U ."'...~~-
X,
Wirbelpunkt
Xl
Sauelpunkt
~~ ~~ -
----------
t
______________
Tabelle 13.2
t
---------
------------ -
t
----
-----
----
______________
-
Zustandskurven bei ao = 0 oder al = 0 ao= 0
al=O
dX2 -=-a[ dx[
x2dx2 = -aOx[dx[ 2
2
~+~=l
x2 =-ajx+C
aoC
C
I
II
III
IV
al>O
al
ao> 0
ao< 0
X2
~ "'-
XI
~~ stabil
t
~ Xl
instabil
-. 11 XI
Wirbelpunkt
o
Xl
Asymptotisch instabil
392
13 Zustandsregelung
Tabelle 13.3
Knotenpunkte bei der Bedingung
I
II
al > 4ao IV
III
al>O
ao> 0
al <0
ao> 0
al>O
ao
KI
K2 <0
KI>O
K2 >0
KI>O
K2 <0
~
X2
Xl
o~
stabil
•
~ Xl
K l = -K2
al <0
ao< 0
KI
K2 >0
X2
X2
~V.
~ ------.
instabil
ao< 0
al=O
X2
-0
V
,/Ü I~XI
~.
instabil
-.........
instabil
/
/
Xl
0----":::
instabil
Beispiel 13.2
Betrachten wir das in Bild 13.4 dargestellte System zunächst unter der Annahme, dass sämtliche Glieder linear sind, so erhält man folgende Differentialgleichung
mXa (t) + bXa (t) + cX a (t) = AXe (t) .
(13.3)
Hat die Feder keine lineare, sondern z. B. eine quadratische Charakteristik 2
F f =c·xa ,
m
so nimmt die Differentialgleichung folgende Form an
mX a (t)
+ bXa (t) +
Cx; (t) = Axe (t)
(13.4)
Es handelt sich hierbei um eine DGL 2. Ordnung, aber vom 2. Grade. Im Gegensatz zu den linearen DGL, in denen
b
Bild 13.4 System 2. Ordnung: A Membranfläche, b Dämpfungskonstante, c Federkonstante, m Masse der bewegten Teile.
nur in der ersten Potenz vorkommen, tritt in Gi. (13.4) in der zweiten Potenz auf. Generell kann man eine DGL n. Ordnung in ein System von n DGL 1. Ordnung umformen.
Xa
Auf Gi. (8.64) angewandt, erhalten wir durch Einführen der Zustandsvariablen x a (t) = Xl (t) und
xa (t) = Xl (t) = x2 (t)
13.1 Zustandsebene
393
die so genannten Zustandsdifferentialgleichungen
(13.5) (13.6) Die Lösungen der beiden DGL Xl (t) und X2(t) stellen für jeden Zeitpunkt den Zustand des Systems dar. Tragen wir für t = 0 ... 00 die Punkte Xl (t) und X2(t) in einem kartesischen Koordinatensystem auf, so erhalten wir die Zustandskurve oder Trajektorie des Systems. Bild 13.5 zeigt die Trajektorienschar, die für xe(t) = xeO(t) = konst. durch Veränderung der Anfangsbedingungen Xl (0), X2(0) entstehen. Für xe(t) = xeO(t) = konst. kann durch Division der GI. (13.6) durch GI. (13.5) die unabhängige Variable t eliminiert werden, und man erhält statt der beiden DGL (13.5) und (13.6) eine einzige Differentialgleichung 1. Ordnung 2
dX2 C xl b A xeO --=--.---+-.-. dXI
m
x2
m
m
(13.7)
x2
Bild 13.5 Verlauf der Trajektorien des durch die Zustandsdifferentialgleichungen (13.5) und (13.6) gegebenen Systems
394
13 Zustandsregelung
Die Isoklinen dX2/dxI= K = konst. lassen sich aus GI. (13.7) in einfacher Weise ermitteln und ergeben die Parabeln 1 2 x2 =---[A-xeü -C'XI]'
Km+b
(13.8)
Speziell für dX2/dxI = K = konst.= 00 folgt X2 = 0, d. h. die Trajektorien schneiden die Xl-Achse senkrecht. Ferner liegen die relativen Maxima und Minima der Trajektorien (für K = 0) auf der Parabel 1 2 x2 =-[A·xeü -c,xI]'
(13.9)
b
Nimmt das System für t ~ und
x2
00
eine Ruhelage ein, so müssen die zeitlichen Änderungen xl = 0
= 0 sein. Damit erhalten wir aus den GIn. (13.5) und (13.6)
XI(oo)=±~;.xeü.
(13.10)
Es handelt sich um zwei Knotenpunkte, von denen der mit dem positiven Vorzeichen ein stabiler und der mit dem negativen ein instabiler Knotenpunkt ist. Für xeo . A = 2;
c
~ = 2 s; c
m = I s2
c
zeigt Bild 13.5 den Verlauf der Zustandskurven. Das schraffierte Gebiet ist der Einzugsbereich der asymptotischen Stabilität für den Knotenpunkt Xl
=+~~'Xeo
.
13.1.3 Zustandsrückführung eines nichtlinearen Systems Entsprechend im Linearen sucht man auch bei nichtlinearen Systemen allgemeine Stabilitätskriterien ohne die Zustandsdifferentialgleichungen (13.5) und (13.6) lösen zu müssen. Zeigen wir nun an einem Beispiel, wie man mit Hilfe der Zustandsebene einen Kreis mit einem Zweipunktregler entwerfen kann. •
Beispiel 13.3
Gegeben ist ein Doppel-I-Glied, das mit einem Zweipunktregler geregelt wird (Bild 13.6). Das Stellsignal u wird zwischen zwei Werten umgeschaltet: u = + 1 and u = -1. Die Differentialgleichung der Strecke mit dem Integrierbeiwert K, ist gegeben: Es werden neue Variablen (13.1) eingefügt und ein Gleichungssystem gebildet:
Weiterhin wird die obere Gleichung durch die untere dividiert:
13.1 Zustandsebene
395
w
+ +
Bild 13.6 Stabilisierende Rückführung des Kreises mit dem Doppel-I-Glied Es ergibt sich eine DGL 1. Ordnung mit folgender Lösung: dxz
= Kr
dXj
°
U
Xz
Die Lösung stellt sich in der Zustandsebene eine quadratische Parabel dar:
z =2K
Xz
r °U'Xj
+C
Nehmen wir an, dass K] = 1 ist. Die entstehenden Parabelscharen bei zwei Stellwerten sind unten in der Tabelle gezeigt. U
= +1
U
U
=
±1
=-1
Der Zweipunktregler schaltet ein und ab, wenn die Regeldifferenz
e=w-x den Wert e = 0 erreicht. Nehmen wir zur Vereinfachung an, dass w = 0 ist. In diesem Fall wird
e= -x=O bzw. die Zustandsvariable -Xl
=0.
Somit liegt die Schaltlinie direkt auf der Ordinatenachse XI = 0, wie in Bild 13.7 links gezeigt ist. Daraus ist ersichtlich, dass ein Grenzzyklus bzw. eine Dauerschwingung mit konstanter Amplitude entsteht. Die Trajektorien nähern sich nicht dem Ursprung, sondern durchlaufen eine geschlossene Kurve.
13 Zustandsregelung
396
Aus der Betrachtung der beiden Parabelscharen stellt man fest, dass eine nach links geneigte Schaltlinie, wie im Bild 13.7 rechts gezeigt ist, den Grenzzyklus in eine Spirale umwandelt. Nach jeder Umschaltung wird die Amplitude kleiner, so dass die Trajektorie nach endlich vielen Umschaltungen den Koordinatenanfang bzw. die Ruhelage erreichen wird.
Schaltlinie XI =0
Bild 13.7 Zustandskurven des Regelkreises und Schaltlinien des Zweipunktreglers Die Schaltlinie X2 = - klxl
mit der Steigung k] kann in Regelkreis eingebaut werden, indem man die negative Rückführung des Kreises mit einer zusätzlichen Rückführung, wie im Bild 13.6 gezeigt, erweitert. Die Schaltlinie x2=-k j x]
wird mit dem Koeffizient k] > 0 erzeugt: x2
+kx] =0
k2X2 +xl
=0
In Wirklichkeit erreicht jedoch die Spirale nicht den Ursprung, sondern endet auf der Schaltgeraden. Danach rutscht der Arbeitspunkt geradlinig zum Ursprung entlang der Schaltlinie. Es wird empfohlen, die Steigung der Schaltgeraden k j = tan a möglichst groß oder möglichst klein zu wählen. Bei großen k j hat der Rückführkoeffizient k2 einen kleinen Wert, und folglich wird die Zeitkonstante klein. Aber mit dem Winkel a '" 90° steht die Schaltgerade fast senkrecht, und die Schwingungen werden erst nach mehreren Umschaltungen abklingen. Bei kleinen k l dagegen hat die Schaltgerade sehr starke Neigung, große Schwingungsperiode, aber wenige Schnitte mit der Schaltgeraden. Im Bild 13.8 ist der oben behandelte Regelkreis mit k2 = 0,045 bzw. k l = 22,2 und a", 88° simuliert (große Steigung der Schaltgeraden). Nach 9 Umschaltungen landet die Spirale auf den Schaltgeraden und rutscht in Ursprung.
13.2 Zustandsraum
.'I""
397
"
O~
..
O~
..
'At
00
"' "' " "
7+---
V
, + 1~
-.
Bild 13.8 Simulation eines nichtlinearen Regelkreises mit Zust
13.2 Zustandsraum Die grafische Darstellung der Zustandsebene lässt viele Aufgaben effektiv lösen. ist jedoch für Systeme mit mehr als zwei Variablen ungeeignet. Für solche Fälle sollen Matrizen und Vektoren als Beschreibungsfunktionen einbezogen werden. Der Wirkungsplan einer solchen Mehrgrößenstrecke ist im Bild 13.9 gezeigt. Die Zustandsgleichungen der Mehrgrößenstrecke lauten: .i: = A x + B u
Zustandsgleichung (.~tate eqllalion)
y = Cx
Beobachtungsgleichung (observatiol/ eqllation)
Die in diesen Gleichungen vorkommenden Signale und Matrizen sind:
x Zustandsvektor bzw. Regelgröße [I xI/I u Stellgrößenvektor bzw. Eingang [I x p]
y Regelgrößenvektor bzw. Ausgang [l x qJ A Systemmatrix bzw. Dynamikmatrix In x III B Steuermatrix bzw. Eingangsmmrix Ip x
IIJ
C Beobachtungsmatrix bzw. Ausgangsmatrix [11 x ql
, +
A
Bild 13.9 Wirkungsplan einer Strecke mit Zustandsv
1~
13 Zustandsregelung
398 •
Beispiel 13.4
Ein System hat n Zustände, pEingänge, q Ausgänge. Die Struktur bzw. die Dimension der Systemgleichungen ist unten veranschaulicht.
~
n=3 p=2
A=[n
x n]
x
0 x=[l
+ x n]
::::~.DD B=[p
x
x n]
0
B u=[l
x p]
x=[l
xn ]
q=2
Ba C=[n
x q]
x=[l
x n]
D=[q
x
x p]
B u=[l
B x p]
y=[l
xq ]
Selbstverständlich entsteht sofort die Frage: Wie kann man die gewöhnlichen Übertragungsfunktionen in die Zustandsgleichungen umwandeln und umgekehrt? Die analytische Umwandlung für Systeme 2. Ordnung ist einfach. Für Systeme mit mehreren Variablen stellt der Contral System Toolbox vom MATLAB die Konvertierungsbefehle zur Verfügung, wie unten in Tabelle gegeben. Umwandlung
Bezeichnung des Befehls
MATLABBefehl
Übertragungsfunktion in Zustandsgleichung
transfer function to state space
tf2ss
[A, B, C, D]
Zustandsgleichung in Übertragungsfunktion
state space to transfer function
ss2tf
[num, den]
Anwendung
= tf2ss (num, den)
= ss2tf (A, B, C, D)
Beachten wir, dass auch die Matrix D in der Tabelle vorkommt, die in diesem Abschnitt nicht betrachtet wird. Die Durchgangsmatrix D führt das Stellsignal u vorwärts auf das Ausgangsignal und wird mit y addiert. Man soll auch die Bezeichnungen beachten: die Stellgröße bei Zustandsgleichungen wird als u, wie es in der Literatur über Zustandsregelung üblich ist, bezeichnet. Bei Übertragungsfunktionen wird aber für die Stellgröße die Bezeichnung y, wie überall in diesem Buch, behalten. •
Beispiel 13.5
Gegeben ist ein System 2. Ordnung mit der Übertragungsfunktion k
G(s) = - - - = - 2 - - -
a2s +ajs+aO
bzw. mit der Differentialgleichungen
x
a2 + a jx+aox=k·u
399
13.2 Zustandsraum
. j
Es werden neue Variablen eingefügt al ao k X2 =--X2 --xI +-u a2 a2 a2 xI =X2
und mit folgenden Bezeichnungen
in Vektor-Matrizen-Form umgeschrieben:
•
Beispiel13.6
Es sollen die Zustandsgleichungen bzw. die Matrizen A, B, C und D für gegebene Übertra. 10. gungs f unktion G(s) = 2 bestimmt werden. s +5s+6 Das MATLAB-Skript sieht wie folgt aus: num = [10];
% Eingabe des Zählerpolynoms
den=[1
% Eingabe des Nennerpolynoms
56];
[A, B, C, D] = tf2ss (num, den)
% Konvertierung
Ausgabe:
A=
-5
c=(o 10)
( I
D=O
Das entsprechende System der Differentialgleichungen ist:
l
XI
=-5Xl -
6X2 +u
= XI + o· X2 + 0 . u Y = o· XI + IOX2 + 0 . u X2
•
Beispiel 13.7
Gegeben ist das System der Zustandsgleichungen, dass in die Übertragungsfunktion bzw. Differentialgleichung konvertiert werden soll:
~I = IOxl + 5x2 +4u x2 = 15xI + 3x2 + 5u
1= Y
Xl
+ x2 + O· u
Das MATLAB-Skript:
bzw.
A=
(1015
C = (I I)
D=O
400
13 Zustandsregelung A = [10, 5; 15,3];
% Eingabe der SystemmatrixA
B = [4; 5];
% Eingabe der Steuermatrix B
C = [1, 1];
% Eingabe der Ausgangsmatrix C
D = 0;
% Eingabe der Durchgangsmatrix D
[num, den] = ss2tf (A, B, C, D)
% Konvertierung
Ausgabe:
num = [ 0 den = [1
9
23 ];
-13
-45];
% Zählerpolynom % Nennerpolynoms
Die gesuchte Übertragungsfunktion und DGL des Systems mit der Eingangsgröße y(t) und der Ausgangsgröße x(t) sind somit: G(s) =
9s+23 s2 -13s-45
x(t) -13i(t) - 45x(t) = 9y(t) + 23y(t)
Man stellt sofort fest, dass die gegebene Strecke instabil ist, da die Koeffizienten des Polynoms 2. Ordnung negativ sind. Die Stabilitätsprüfung kann auch für Zustandsgleichungen einfach vorgenommen werden, indem man die Polstellen mit dem Befehl P = eig(A) bestimmt.
13.3 Steuerbarkeit und Beobachtbarkeit Die Besonderheit von Mehrgrößensystemen besteht darin, dass sich die Strecke nicht unbedingt beobachten und steuern lässt, wie es bereits im Abschnitt 8.7.5 kurz angesprochen wurde. Dies betrifft Systeme, die sowohl mittels Übertragungsfunktionen, als auch mittels Zustandsgleichungen beschrieben sind. Ein Regelkreis ist steuerbar, wenn die Regelgröße von einem beliebigen Anfangszustand in einen gewünschten Endzustand mittels geeigneten Stellgrößen überführt werden kann. In der Literatur wird zwischen Steuerbarkeit und vollständiger Steuerbarkeit unterschieden, sowie der Begriff der Erreichbarkeit eingeführt. Die Beobachtbarkeit betrifft die Messbarkeit der Regelstrecke. Wenn nicht alle Zustandsvariablen messtechnisch zu erfassen sind, soll die für die Regelung erforderliche Information aus dem Ausgangsvektor y gewonnen werden. Dafür wird die Regelung über eine bestimmte Zeit beobachtet, um daraus abschließend die Zustandsvariablen zu rekonstruieren. Laut Kaiman wird ein System mit der Dynamikmatrix A dann vollständig steuerbar, wenn eine speziell dafür gebildete Matrix Ss, genannt Steuerbarkeitsmatrix Ss=(B
AB
A 2 B ... A n - 1 B),
den Rang n hat, wobei n die Dimension der Systemmatrix A [n x n] ist. Mathematisch heißt es: Ein System ist vollständig steuerbar, wenn es gilt rang Ss =n. Ähnlich wird die Beobachtbarkeit formuliert, nämlich: Ein System mit der Systemmatrix A ist dann beobachtbar, wenn eine speziell dafür gebildete Beobachtbarkeitsmatrix SB
13.3 Steuerbarkeit und Beobachtbarkeit
401
den gleichen Rang hat, wie die Dimension der Dynamikmatrix A bzw. wenn es gilt: rang SB = n Die Herleitung von Matrizen Ss und SB wird hier nicht diskutiert. Merken wir nur, dass die Matrix SB oben transponiert dargestellt wurde, was durch das Zeichen T angedeutet ist. •
Beispiel13.8
Gegeben ist das System 2. Ordnung:
1
~]
= 2x] + 0 . X2 + 0 . u
X2 =
3x] -
y =x]
4X2
+ 3,5u
bzw.
+0'X2
Zuerst wird der Rang des Systems bestimmt: A = [-2, 0; 3, -4];
% Eingabe der Systemmatrix
B = [0; 3.5];
% Eingabe der Steuermatrix
C = [ 1,0];
% Eingabe der Ausgangsmatrix
length(A)
% die Dimension der Matrix A bestimmen
Es wird ausgegeben: length(A) = 2 Dann werden die Steuerbarkeit (Controlability) geprüft: Co = ctrb (A, B)
% Controllability matrix Co
Es ergibt sich: Co = ( 0 3,5
l
J
0 und rank(Co) = 1 -14
Dann wird die Beobachtbarkeit (Observability) geprüft: Ob = obsv (A, C)
% Observability matrix Ob
Es ergibt sich: Ob
= (0
l
IJ und rank(Ob) 3 -4
Fazit: das System ist nicht beobachtbar rank(Ob)"* length(A), und nicht steuerbar rank(Co)"* length(A).
=1
C = (1 0)
402
13 Zustandsregelung
Das kann man folgendermaßen erklären: Da die Variable Xl sich weder vom Stellsignal u, noch von der Variable X2 beeinflussen lässt, ist das System nicht steuerbar. Auch ist das System nicht beobachtbar, weil die Information über die Variable X2 im Ausgangsvektor y
=Xj
+0,x2
fehlt. Nehmen wir an, dass der Ausgangsvektor anders gegeben wird, nämlich: y =O·x\ +x2
In diesem Fall wird C
rank(Ob)
=[ 0, 1 ], und das System wird beobachtbar:
= 2.
Die fehlende Information über Xl kann aus der erfassbaren Variable X2 rekonstruiert werden.
13.4 Entwurf von Regelkreisen mittels Polzuweisung 13.4.1 Zustandrückführung Betrachten wir nun die Aufgabe der Polzuweisung für ein System, das mit Zustandsgleichungen gegeben ist: X =A x+B u { y=Cx
(13.11)
Gesucht ist die Zustandsrückführung K bzw. die Matrix der Dimension [n x 1], bei der die gewünschte Polstellen erreicht werden.
Im Bild 13.10 ist der Wirkungsplan eines Systems mit u=-K x
(13.12)
dargestellt. Der gewünschte Polstellenvektor ist:
Bild 13.10
Wirkungsplan eines Systems mit Zustandsrückführung K
Unter Beachtung der Rückführung transformiert sich die Zustandsgleichung zu (13.13)
X = (A-BK)x
und die Lösung ergibt sich aus der charakteristischen Gleichung: det(s I - (A - BK)) =
Is 1- (A - BK)I = 0
13.4 Entwurf von Regelkreisen mittels Polzuweisung •
403
Beispiel 13.9
Für das gegebene System XI = Xl + Xz + 2u
l
Xz = 5Xl - 6xz + 5,5u y
C=
bzw.
(0 1)
= O'XI +Xz
mit gewünschten Polstellen
<
PI =-2+ { pz =-2- }
bzw.
p =
soll die Matrix der Rückführkoeffizienten K
(;~)
= (k l kz)
bestimmt werden.
Mit MATLAB erfolgt die Lösung einfach durch die Eingabe des Befehls place: A=[I,I;5,-6]; % Eingabe der Systemmatrix B = [2; 5.5]; % Eingabe der Steuermatrix C = [0,1]; % Eingabe der Ausgangsmatrix pI = -2 + j; p2 = conj(pl); % Eingabe von gewünschten Polstellen P = [pI; p2] % Eingabe des PoIlsteIlenvektors % Dimension der Systemmatrix A: length(A) = 2 length(A); Co = ctrb (A, B) % controlability matrix Co (Steuerbarkeitsmatrix), Ausgabe: Co = [2, 7.5; 5.5, -23]; rank(Co) % Steuerbarkeitsprüfung Ausgabe: rank (Co) = 2 bzw. das System ist steuerbar rank(Co) = length(A) Ob = obsv (A, C) % observability matrix Ob (Beobachtbarkeitsmatrix) Ausgabe: Ob = [0, 1; 5, -6 ]; rank(Ob) % Beobachtbarkeitsprüfung Ausgabe: rank (Ob) = 2 bzw. das System ist beobachtbar, rank(Ob) = length(A) K = place(A, B, P) % Berechnung von kj, k2 nach Pole Placing-Methode Ausgabe: K = [1.0602 -0.5673]; % Lösungskontrolle. Ausgabe: pI = -2 + j; p2 = -2 - j P =eig(A - B*K) Das MATLAB /Simulink-Modell mit der oben bestimmten Zustandsrückführung ist im Bild 13.11 gezeigt. Im Bild 13.12 sind die Sprungantworten vor und nach der Polzuweisung gegeben.
Matrix Gain2
~ T Workspaoe
CIoc:k
Matrix Gain
0
'---------------< K'u r-----------' Matrix Gain3
Bild 13.11 MATLAB/Simulink-Modell der Zustandsregelung einer instabilen Strecke
404
13 Zustundsrcgclung
'6"0'
:~(\
"
" "• • ,• , .,,
,.
'---------1
,. ,
8ild 13.12
,
•
•
•
.,.:.,----;"-~.----;.:--~.c----i,,'
"
Die SprunganlWOrlCn der Strecke: links - ohne ZustandsrückfUhrung, rechts - mit Zustandsrückftihrung K = (1.0602
.....(),5673)
13.4.2 Vorfilter Haben die RcgclstTccke und die Zustandrückführung keinen I-Anteil, wie es im vorherigen Beispiel der Fall war, kann die bleibende Regeldifferenz nicht abgebaut werden,
es soll dafür entweder einen Vorfilter (.W:lIlillg [aew/') eingeHihrt oder einen Regelkreis mit dem PI-Regler gebildet werden. Der VorritteT (auch Nbar genannt) wird vor dem Eingangssignalu, wie im Bild 13.13 gezeigt, eillgefLigt.
•
"
"
,
• • ,\
K
Bild 13.13 Ein System mit der Zuslandsrückflihrung K und mit dem Vorfilter N Aus der GI. (13.12) und (13.13) werden nun Il=-K x+N w
(13.14)
x=(A-BK)x+BN w.
(13.15)
Nach der Laplace-Transformation der GI. (13.15) ergibt sich s· x(s) - (A - BK)x(s) = BNw(s)
bzw. unter Beachtung y = C x aus GI. (13.11): y =C 'lsl-(A -BK)rIBNw
13.4 Entwurf von Regelkreisen mittels Polzuweisung
405
Für Beharrungszustand gilt bekanntlich y(oo) = lims·y(s) bzw. y(oo)=C[-(A-BK)rlBN
(13.16)
S---7Ü
Der Vorfilter soll die bleibende Regeldifferenz eliminieren: (13.17)
e(oo)=w-y(oo)=O
Setzten wir die GI. (13.16) in (13.17), so ergibt sich nach Vereinfachungen: N =-(C(A-BK)-I B)-I •
(13.18)
Beispiel13.10
Gesucht ist die Zustandrückführung K und der Vorfilter N für das gegebene System A, B, C, D mit gewünschten Polstellen Plo2= -20 ± 20i, P3= -100. Die Lösung erfolgt mit dem unten gezeigten MATLAB-Skript : A = [0 1 0; 980 0 -2.8 ; 0 0 -100]; B = [0; 0; 100]; C = [1 0 0]; D= [0]; xO = [0.005 0 0]; pI = -20+20i; p2 = -20-20i; p3 = -100; K = place(A, B, [pI p2 p3]); N = ((-C*(A-B*K)1\( -1))*B)1\( -I); t = 0:0.01:2; w = 0.001 *ones(size(t)); u=N*w; sys_cl = ss(A-B*K, B, C, 0); [y, t, x] = lsim (sys_cl, u, t); plot (t, y)
% Eingabe der Systemmatrix % Steuer- und Beobachtungsmatrizen % Anfangsbedingungen
% Eingabe gewünschten Polstellen
% Zustandsrückführung Vorfilter Zeitfenster Eingangssprung Eingangsgröße nach dem Vorfilter % Das geschlossene System mit K % Simulation % Grafische Ausgabe der Sprungantwort
% % % %
13.4.3 Ausgangsrückführung Ist keinen Zugriff auf den Zustandsvektor x möglich, kann zwecks Stabilisierung des Systems die Ausgangsgröße über Vektor K y zurückgeführt werden, wie im Bild 13.14 gezeigt ist. Die GIn. (13.12) und (13.13) werden dabei wie folgt umgewandelt: u=-KyC·x
(13.19)
x = (A - BK yC)· x
(13.20)
Aus dem Vergleicht GIn. (13.19) und (13.20) mit GIn. (13.12) und (13.13) stellt man den folgenden Zusammenhang zwischen Ausgangs- und Zustandsrückführung fest: K y C=K
(13.21)
Daraus kommt man zur Idee, die Ausgangsrückführung K y so zu bestimmen, dass die gleiche Wirkung erzielt wird, wie bei der Zustandsrückführung K.
406
13 Zustandsregelung
A
Bild 13.14 Ausgangsrückführung K y
Da sich der gesuchte Vektor (oder Matrix) K y direkt aus der GI. (13.21) nicht bestimmen lässt, wird ein Näherungs-Verfahren [84] angewendet. Es wird angenommen, dass die Zustandsrückführung K zwar nicht angewendet, aber ermittelt werden kann, und zwar ausgegangen aus den gewünschten Eigenwerten des geschlossenen Systems eig(A - BK). Aus diesen Eigenwerten bildet man eine Matrix Y, mit der beide Seiten der GI. (8.81) wie folgt multipliziert werden: K yC·Y = K·Y
(13.22)
Aus GI. (13.22) wird ein Norm-Funktional J erstellt
und noch mal mit einer beliebig gewählten Gewichtsmatrix G multipliziert: J =11(KyC -K).YGII
(13.23)
Wird nun das Funktional J minimiert, so werden die Eigenwerte des Systems mit der Ausgangsrückführung K y nahe zu Eigenwerten des Systems mit der Zustandsrückführung K gebracht. Die optimale Lösung resultiert zur folgenden Bedingung: K y = KYG(CYG)'((CYG)(CYGn- 1
(13.24)
Die Gewichtsmatrix G wird wie Diagonalmatrix mit Elementen gij gebildet. Mittels Gewichte gij kann die Näherung an einzelne Eigenwerte Pij gezielt präzisieren. Nimmt man G =y- 1 ,
wird die GI. (13.24) wie folgt vereinfacht: K y = KC'(CCyl
(13.25)
Wenn nur wenige Ausgänge messbar sind, reduziert sich der Vektor K y bzw. reduziert sich die Anzahl der Freiheitsgrade für die Polzuweisung. so dass die gewünschte Polverteilung kaum erreichbar ist. Das nachfolgende Beispiel zeigt, dass man drei Polstellen mit Hilfe nur einem Freiheitsgrad nie an gewünschte Stellen verteilen kann.
407
13.4 Entwurf von Regelkreisen mittels Polzuweisung Beispiel 13.11
Gesucht ist die Ausgangsrückführung Ky und der Vorfilter N für das gegebene SystemA, B, C, D mit gewünschten PolsteIlenpI. = P2.= P3.= - 2. Die Lösung erfolgt mit dem unten gezeigten MATLAB-Skript : A=[O -1 0; 1 -2 -2;0 0 -1];
% Eingabe der Systemmatrix
B = [0; 0; 10]; C = [1 0 0]; D= [0];
% Steuer- und Beobachtungsmatrizen
P=[-2 -2 -2];
% Eingabe der gewünschten Polstellen
K = acker(A, B, P)
% Zustandsrückführung nach Ackermann
rankeobsv(A,C))
% Beobachtbarkeitsprüfung
[V, q] = eig(A-B*K);
% Bildung der quadratischen Matrix V % aus Eigenwerten des Systems mit K
g = 1;
% Eingabe des Diagonalelernents von G
G = diag([g g g]);
% Bildung der Gewichtsmatrix
KVG = K*V*G; CVG =C*V*G;
% Berechnung von KVG und CVG
Ky = KVG*CVG'*inv(CVG*CVG')
% Berechnung Ky aus K
A_cl = A-B*Ky*C;
% Systemmatrix des Systems mit Ky
eig(A_cl)
% Eigenwerte des geschlossenen Systems
N = ((-C*A_clJ\(-l))*B)A( -1)
% Vorfilter des Systems mit Ky
t = 0:0.01:10;
% Zeitfenster der Sprungantwort
xO = [0.005 0 0];
% Anfangsbedingungen
w = N*ones(size(t));
% Eingangsprung
sys_cl = ss(A_cl, B, C, 0);
% Das geschlossene System mit Ky und N
[y, t, x] = lsim(sys_cl, w, t);
% Simulation
plot(t, y)
% Grafische Ausgabe der Sprungantwort
Die Ergebnisse: Die berechnete Zustandrückführung K = [0.2000 -0.1500
0.3000].
Die Ausgangsrückführung Ky = 0.05. Der Proportionalbeiwert des Vorfilters N = 0.1. Die Eigenwerte des ursprünglichen Systems A sind: PI. = P2.= P3.= - 1. Die Eigenwerte des geschlossenen Systems mit der Ausgangsrückführung: pI = -0.5000 + 0.8660i p2 = -0.5000 - 0.8660i p3 = -2.0000 Man merkt, dass nur ein Pol P3 an die gewünschte Stelle verschoben wurde. Weitere Versuche, z. B. mit Gewichten g = 10 oder g = 100, können die Lage der Polstellen nicht ändern. Das liegt daran, dass es mit nur einem Wert von K, unmöglich ist, drei Polstellen richtig zuordnen, wie im Bild 13.15 erläutert ist. Somit verliert der Entwurf nach Polzuweisung im Fall einer Ausgangsrückführung ihren Sinn. Im Bild 13.16 sind Sprungantworten bei den berechneten und nachgestellten Ausgangsrückführungen gezeigt: nach Polzuweisung mit Ky = 0.05 und nach einem Gütekriterium (keine Überschwingung) mit Ky = 0.01.
408
13 Zustandsregelung
0
•
,..1 t>lMloO
° ,. "
§ D. ,. ,
D•
•
§.
o Bild 13.15
•
•
§
§.•
§§§ <
,.,
C'"
,>--.
o
~ ,.~
J
o KV' u
=
....
o
Regelkreis mit der Ausgangsrückflihrung und die Dimensionen von Parametern Bei Ky '" 0.05 sind:
14
N =0.1
Ky~O.05
1.2
pl= -0.5000 + O.8660i p2 '" -0.5000 - O.8660i Ky..O.Ol
p3",
-2.ססOO
Bei Ky=O.Ol sind: N =0.06
pl= -0.7076 + O.5065i p2", -0.7076 - O.5065i 4
Bild 13.16
6
8
10
p3", -1.5848
Sprungantworlcn des Systems mit Ausgangsrückftihrung
13.4.4 Störgrößenaufschaltung Bislang wurden die RegelsIrecken ohne Störgrößen betrachtet. Wirkt jedoch eine messbare Störgröße d, kann sie durch die Aufschaltung auf Eingang EI mittels Vektors Kd kompensiert werden (Bild 13.17). Unter Beachtung des geänderten Eingangsveklors ll=-K ·x-K(/·d
sieht die Syslemgleichung
x=A·x+B·u+E·d
409
13.4 Entwurf von Regelkreisen mittels Polzuweisung d
K
Bild 13.17
Regelkreis mit Störgrößenaufschaltung Kct , Zustandsrückführung K, Vorfilter N
wie folgt aus: (13.26)
x=A·x+B·(-Kx-Kdd)+E ·d
Aus GI. (13.26) ergibt sich
i
= (A-BK)x +(E -BKd)d
Um die Störgröße zu kompensieren, soll die Bedingung E-BK d =0
bzw.
(13.27)
BK d =E
erfüllt werden. Die Lösung der GI. (13.27) gibt den gesuchten Vektor Kd aus: K d = (B' B)-l B' E •
BeispieI13.12
Gesucht sind die Zustandsführung K und die Störgrößenaufschaltung Kct für das gegebene SystemA, B, C, D mit gewünschten Polstellen. Die Lösung mit dem MATLAB-Skript: A = [0 1
0; 980 0 -2.8 ; 0 0 -100];
B = [0; 0; 100]; C = [1
% Eingabe der Systemgleichungen
0 0]; D= [0];
E=[O; 0; 10]; pI = -20+20i;
% Die gegebene Störmatrix
p2 = -20-20i; p3 = -100;
% Die gewünschten Polstellen
K = place(A, B, [pI p2 p3])
% Zustandsrückführung K
Kd=«B'*B)"(-I))*B'*E
% Störgrößenaufschaltung: Kd
A_cl = A-B*K;
% Systemmatrix des Regelkreises
Die Ergebnisse: K= [-775.7143 -20.6429
0.4000] und Kd = 0.1
410
13 Zustandsregelung
13.4.5 Beobachterentwurf Wenn die Regelgröße x nicht messbar ist, kann die Regelung mit Hilfe der zurückgeführten Ausgangsgröße y erfolgen. Eine andere Lösung, die als Beobachter bzw. Observer bekannt ist, wurde 1964 vom Lueneberger vorgeschlagen. Nach dem Beobachter-Prinzip wird nicht die messbare Ausgangsgröße zurückgeführt, sondern die Differenz (y - YM) zwischen der System-Ausgangsgröße Y und der Modell-Ausgangsgröße YM, wie im Bild 13.18 erläutert ist. Y
x u
Bild 13.18
Vereinfachtes Beobachter-Prinzip
Das Model SM wird genau so gebaut, wie das System S. Die Berechnung der Rückführmatrix L erfolgt genau so, wie die Berechnung der Zustandsrückführung-Matrix K, jedoch anstelle Vektors x des Systems wird der Vektor XM des Modells betrachtet. Auch die Rückführung L wird nicht zum Eingang des Blockes B geleitet, sondern zum dessen Ausgang, wie im Bild 13.19 gezeigt ist. Y
Y u
+
L
o~
XM
Modell SM _._._._._._._._._._._._._. ._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._._.Y-YM L
Bild 13.19
Wirkungsplan des Systems S mit dem Beobachter SM
13.4 Entwurf von Regelkreisen mittels Polzuweisung
411
Das System S und das Modell SM sind mit folgenden Zustandsgleichungen gegeben: X =A x + B { y=C x
U
(System S)
{XM
= A xM + B u + L (y -
Y =C XM
YM)
(Modell SM)
Daraus folgt die Differentialgleichung des Beobachters: x-xM =A(x-xM)-L(Cx-CxM)
bzw. Bezeichnet man die Differenz zwischen Zustandsvariablen des Systems x und des Modells XM als Fehler e des Beobachters e=x-xM,
so folgen daraus . . . e=x-xM
e = (A-LC)e.
Die letzte Gleichung, betrachtet gemeinsam mit der Zustandsgleichung des Systems x=Ax+Bu
und der Rückführmatrix r =Le,
führt letztendlich zur Gleichung x =(A-LC)x.
Diese Gleichung hat für Beobachter gleiche Bedeutung, wie die Gleichung x =(A-BK)x
im vorherigen Fall für die messbare Regelgröße x. Die gewünschten Polstellen lassen sich in beiden Fällen mit dem MATLAB-Befehl für Eigenwerte überprüfen: P = eig(A - BK)
(im vorherigen Fall)
P = eig(A - LC)
(im Fall des Beobachters)
Die Rückführmatrix L wird mit MATLAB einfach durch die Eingabe des placeBefehls oder Ackermann's-Befehls L = acker(A', C', P)
berechnet. Die somit erhaltene Matrix L soll für die weiteren Berechnungen, z. B. für die Bestimmung der Dynamikmatrix AM des Modells nach der Formel AM =A-LC
transponiert werden. Der entsprechende MATLAB-Befehl lautet: AM=A-L'*C
13 Zustandsregelung
412 •
Beispiel 13.13
Gegeben sind die Zustandsgleichungen eines Systems mit messbaren Ausgangsgrößen:
e:::+
A=G -~J
BU
mit
B=(5~5J C=(O
1)
Die Regelung soll mit gewünschten Polstellen erfolgen:
<
PI =-2+ { P2 = -2- J
bzw.
p
=(;~J
Es sollen die Rückfuhrkoeffizienten L) und L z des Beobachters bestimmt werden. Prüfen wir zuerst, ob die Strecke ohne Zustandsrückführung stabil ist. Mit dem Befehl eig(A) erhalten wir die Polstellen des Systems A aus der charakteristischen Gleichung det(A) = 0: SI = {
s2
+ 2,6533
= -5,6533
Die Strecke ist instabil und soll mit Zustandrückführungen stabilisiert werden. Zeigen wir zuerst die analytische Lösung.
AM =A-LC
=G _~J-(~}o 1)=G -~=~J
_(s 0J - (2 l-L J_(S-2 -
sI -AM -
°s
1
5
-5
-5-~
det(s I - AM ) = (s - 2)(s + 5 + ~) - (-5)(L1 -1) = s 2 + (3 -
~)s
+ (5L1 -
2~
-15)
Die charakteristische Gleichung des Modells det(s I - AM ) = 0 s2 + (3 - ~)s + (5 LI - 2~ -15) = 0 und des gewünschten Systems (s - PI)(s - P2) = (s + 2- j)(s+ 2+ j)
= s2 +4s +5 = 0
werden gleich gesetzt, woraus die Lösung ergibt:
{
3-~=4
=>
5LI-2~-15=5
{ LI~ ==14,4
Wiederholen wir die Lösung mit MATLAB-Skript und mit MATLAB / Simulink (Bild 13.20): A = [2, 1; 5, -5]; B = [2; 5,5]; C = [ 1, 0]; pI = -2 +i; p2 = conj(pl); P = [pI; p2] Lob = acker(A', C, P); L = Lob' AM = A -L * C subplot(3ll); plot(t, x);
% % % % % % % %
Eingabe der Systemmatrix Eingabe der Steuer- und Ausgangsmatrix Eingabe der gewünschten Polstellen Der gewünschte Eigenvektor Rückführmatrix nach Ackermann's Formel Rückführmatrix des Beobachters: L = [4,4 1] Matrix des Modells AM: AM = [2 -3,4; 5, -6] Grafische Ausgabe: Regelgrößex(t)
13.5 Optimale Zustandsregelung nach LQ-Kriterien
413
% Sprungantwort des Modells XM(t)
subplot(312); plot(t, xM); subplot(313); plot(t, xe);
% Grafische Ausgabe: Fehler Xe = X -
XM
B' u Matrix Gain1
A'u
~
~-_---1
10 Workspace
Matrix Gain6
Matrix Gain5
xM
A' u ~---_---~
Modell
Bild 13,20 MATLAB/ Simulink-Modell des Beobachters
13.5 Optimale Zustandsregelung nach LQ-Kriterien Die Intergralkriterien, die bereits im Abschnitt 8.3 vorgestellt wurden, finden ihren Einsatz auch bei den in diesem Abschnitt beschriebenen Regelkreisen. Es wird dabei das lineare quadratische Integralkriterium (LQ) benutz, in dem die Zustandsgröße y, aber auch der Eingangssignal u, berücksichtigt werden: 2
1=10 + fi(t)dt+ fU (t)dt
o
0
Bei Systemen mit Zustandsgleichungen kommt anstelle y der Zustandsvektor x mit einer Gewichtsmatrix Q und der Eingangsvektor u mit einer Gewichtsmatrix R vor: 1=10 + fX'QX.dt+ fU'RU.dt
o
(13.28)
0
Ohne Herleitung wird sofort vorgemerkt, dass die Matrizen Q und R die bestimmen Bedingungen erfüllen sollen, nämlich: • Q ist positiv semidefinierte symmetrische Matrix, deren Eigenwerte Ak ~ o. • R ist positiv definierte symmetrische Matrix, deren Eigenwerte Ak> O.
414 •
13 Zustandsregelung
Beispiel13.14
Die Matrix [10 11 12; 1 2 3; 4 5 6] hat Eigenwerte Al ist somit positiv semidefiniert. Die Matrix [2 0 0; 0 0 2; 0 0 1] hat Eigenwerte Al definiert.
= 16,9373; A2 = 1,0627; A3 = 0 und
= 1; A2 = 2; A3 = 2 und ist somit positiv
13.5.1 Optimale Zustandsrückführung Die Aufgabe der optimalen Regelung besteht darin, eine Steuerung u*(t) so zu finden, dass das Kriterium 1 minimal wird. Zur Lösung dieser Aufgabe wird es zuerst angenommen, dass die Strecke bzw. das System A stabil ist; der Anfangswert des Intergralkriteriums 10 = 0 ist und dass u(t) = 0 ist. In diesem Fall gilt:
1=
fo '
xO' e A't
. Q .e At xO' d t =
'-".-'
'-,--'
x'
X
f'
xO'
0
f
e A'tQe At . xO' d t = Xo' e A'tQe Atdt· Xo '--------v-----
'--------v-----
PoP
bzw. (13.29) unter Beachtung
P = feA'tQeAt dt.
(13.30)
o Die nachfolgende schrittweise Bearbeitung der GI. (13.30)
P= feA'tQeAtdt=eA'tQA-leAtl~- fA'eA'tQA-leAtd
o P = -QA -I
0
-
A' feA'tQeAt dt. A- 1
o
'-".-'
P
P =-QA-1-A' PA- 1 führt zur Gleichung
A'P+PA=-Q,
(13.31)
die als Ljapunow's-Gleichung genannt wird.
Ist ein geschlossenes System H = A - BK mit Zustandsrückführung K, mit dem Eingang u = -K x und mit folgenden Systemgleichungen gegeben
13.5 Optimale Zustandsregelung nach LQ-Kriterien
415
x=Ax+Bu y=c x,
so wird die Ljapunow's Gleichung wie folgt aussehen:
H'P+PH=-Q, wobei Q = KRK ist. Daraus wurde folgende Gleichung hergeleitet
A'P+PA-PBR-1B'P+Q=O, die als Riccati-Gleichung bekannt ist.
Die optimale Regelung wird erreicht, wenn die Lösung der Riccati-Gleichung, nämlich die Matrix P, in die Gleichung K =R-1B'P eingesetzt wird. Das ist die gesuchte Zustrandrückführung, die zum minimalen Wert des LQ-Kriterums führt. •
Beispiel13.15
Gegeben ist das System
A=(~~) B=(~)
C=(l 0)
D=O.
Gesucht ist die Zustandsführung K, bei der das LQ-Kriterium mit gegebenen Gewichtsmatrizen
Q =( ~
~) und R =1
minimal wird. Die Lösung mit MATLAB-Skript: A=[Ol;OO];
% Eingabe der Systemgleichungen
B = [0; 1]; C = [1 0]; D = 0; xO
= [1; 0];
% Anfangsbedingung
System = ss(A,B,C,D);
% Systemgleichungen ohne Zustandsrückführung
rankectrb(System))
% Prüfung der Beobachtbarkeit
Q = [2 1; 1 2];
% Eingabe der Gewichtsmatrix Q (positv semidefiniert)
R
= 1;
[K, P, E] = lqr(A, B, Q, R);
% Eingabe der Gewichtsmatrix R (positiv definiert) % Minimierung des LQ-Kriteriums
H=A-B*K; cl = ss(H, B, C, D);
% Das geschlossene System mit der Zustandrückführung
J = xO'*P*xO
% LQ-Kriterium
initialecl, xO)
% Grafische Ausgabe der Sprungantwort
13 Zustandsregelung
416 Die Ergebnisse: K = [1.4142
2.1974]
J = 7.1333
P = [2.1075 1.4142; 1.4142 2.1974] Die Eigenwerte des geschlossenen Systems: E = -1.0987 ± 0.4551 i
13.5.2 Entwurf eines optimalen Beobachters Die Berechnung der Rückführmatrix Leines LQ-optimalen Beobachters erfolgt genau so, wie die Berechnung der optimalen Zustandsrückführung K: [K, P, E] = Iqr(A, B, Q, R); Jedoch anstelle Matrix A kommt die Matrix A' und anstelle Matrix B die Matrix C' zum Einsatz, d. h. [K, P, E] = Iqr(A', C', Q, R); L=K' •
Beispiel13.16
Gegeben ist das System D=O.
Gesucht ist die Zustandsführung K, bei der das LQ-Kriterium mit gegebenen Gewichtsmatrizen
0)
R=(O.1
°
0.1
minimal wird. Die Lösung mit MATLAB-Skript:
o -1];
A = [0 -1 2; -2 -5 0; -6 B=[31;02;43];C=[1
% Eingabe der Systemgleichungen
-1; 2 -12]; D=O;
System = ss(A,B,C,D);
% Systemgleichungen
rank(ctrb(System))
% Prüfung der Beobachtbarkeit
Q = [2 0 0; 0 2 0; 0 0 1];
% Eingabe der Gewichtsmatrix Q (positiv semidefn.)
R= [0.1 0; 0 0.1];
% Eingabe der Gewichtsmatrix R (positiv definiert)
[K, P, E] = Iqr(A', C', Q, R);
% Minimierung des LQ-Kriteriums
L=K'
% Umrechnung Laus K (Transponieren)
3.2442 Das Ergebnis: L= [
0.1207
2.1145 ] -0.5387
-3.7540
2.7161
417
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB I Simulink Generell ist zwischen einer offline- und online-Simulation zu unterscheiden, obwohl sich die Grenze immer mehr verwischt. Dabei ist Folgendes zu beachten: •
Die offline-Simulation wird mit reellen Zeitkonstanten des Regelkreises parametriert, der Verlauf der Simulation wird im PC beschleunigt oder verlangsamt.
•
Die online-Simulation, auch Echtzeit- oder HIL-Simulation (Hardware-in-theLoop) genannt, ist eine 1: I-Abbildung des untersuchten Regelverhaltens. Wie die Bezeichnung HIL besagt, muss dafür eine physikalische Anlage oder deren Hardware-Modell mit der gerätetechnischen Anbindung an PC vorhanden sein.
Als Simulationswerkzeug für das Buch wurde MATLAB (Vertreiber MathWorks GmbH Deutschland) gewählt. Dies von der Industrie und Forschung anerkannte Programm wurde 1970 an den Universitäten von New Mexico und Stanford entwickelt. Die Software besteht aus einem Basismodul und etlichen Toolboxen für regelungstechnische Anwendungen, wie Control System, Optimization, Signal Processing, Fuzzy Logic, Neural Network. MATLAB verfügt über eine interaktive Benutzeroberfläche und einen Interpreter, so dass die textuellen Befehle direkt ausgeführt und die Quellcode-Dateien abgearbeitet werden können. Aus MATLAB können andere C-Programme aufgerufen werden. Das Regelkreisverhalten kann offline und online mit Programm-Tools wie Matlab, Simulink und Stateflow analysiert, eingestellt und visualisiert werden. In diesem Abschnitt wird auf die Grundbefehle des Basismoduls und die Menüs des MATLAB/Simulink-Programms sowie auf die Befehle der Control System Toolbox eingegangen. In den nachfolgenden Abschnitten werden auch Fuzzy Logic Toolbox und Neural Network Toolbox behandelt.
14.1 Grundlagen der MATLAB-Programmierung Wie die Abkürzung MATLAB (Matrix Laboratory) besagt, ist das Basismodul für die Operationen mit (m, n) - Matrizen wie Multiplikation oder Eigenwertberechnung geeignet. Da die skalaren Matrizen der Dimension (1, 1) sind, umfasst das Basismodul alle elementaren mathematischen und logischen Funktionen. Nach dem Aufruf des Programms öffnet sich das Fenster des Basismoduls (Workspace) und wartet auf eine Eingabe mit einem Prompt ». In diesem MATLAB-Command Fenster wird der Programmtext eingetragen oder die Funktionen aufgerufen. Alle vorher ausgeführten Anweisungen werden in einer Liste gespeichert und können von der CommandHistory in das MATLAB-Command Fenster kopiert werden. Die Blockset-Erweiterung von MATLAB ist die Toolbox MATLAB/Simulink, die über eine graphische Oberfläche zur Eingabe von Wirkungsplänen und zur Ausgabe von Simulationsergebnissen verfügt. Die Ergebnisse können durch einen Oszilloskop-
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1_14, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
418
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB / Simulink
Block in das Basismodul übertragen und dort weiter bearbeitet werden. Die Toolboxen oder die Hilfe dazu kann man durch die Eingabe im Workspace aufrufen, z. B. »simulink oder »help fuzzy
Variablen und Datentyp Die Variablen sind Zeilenvektoren (1, n), Spaltenvektoren (m, 1) und Matrizen (m, n). Matrizen werden durch eckige Klammern umrahmt dargestellt, die Spalten werden dabei durch ein Komma, ein Leerraum oder einen Zeilenvorschub voneinander getrennt, z. B. für eine Matrix mit m = 2 und n = 3 G=
lall al2 al31 a21
a22
a23
gilt: » G = [a11, a12, a13; a21, a22, a23j;
oder »G= [
a11
a12
a13
a21
a22
a23];
Wie bei den Feldern üblich, kann auf die Elemente einer Matrix durch Indizes zugegriffen werden. Durch Eingabe G(1, 2) wird z. B. das Element a12 aufgerufen. Die Variablen dürfen aus 31 Zeichen bestehen, das erste muss eine Buchstabe sein. Es wird zwischen Groß- und Kleinbuchstaben unterschieden, was mit » casesen off
oder »casesen on
unterdrückt oder aktiviert werden kann. Nach jedem Befehl werden die Ergebnisse ausgegeben, es sei denn, sie sind mit einem Semikolon abgeschlossen, z. B. » y = 5 * sin (4 * pi * t);
Die Konstante pi ist vordefiniert. Auch imaginäre Zahlen sind durch Variablen i oder j vordefiniert, was die Operationen mit komplexen Zahlen durchführen lässt, z. B. die
Summe von zwei komplexen Zahlen SI = al + jbl und S2 = a2 + jb2: » s1
=
a1 + i * b1; s2
=
a2 + i * b2; s3
=
s1 + s2;
Von den vordefinierten Variablen soll noch eps erwähnt werden. Sie besitzt einen Wert von 2.2204e - 016, ist damit sehr klein und wird benutzt, um die nicht zugelassenen Operationen wie Dividing by zero zu vermeiden. Standardmäßig sind alle Variablen vom Datentyp Double Real mit 64 Bit (fließkommazahlen mit doppelter Genauigkeit). Ohne Formatierung werden die Zahlen normalerweise mit 4 NachkommastelIen ausgegeben, es sei denn, dass der auszugebende Wert zu klein ist. In diesem Fall wird automatisch auf die Ausgabe mit Exponent umgeschaltet. Die Ausgabe von Zahlen kann man auch mit dem Befehljormat ansteuern: » format lang e; omega
wird die Variable omega in Exponentenform und mit dem Befehl » format lang; phase
die Variable phase mit 14 NachkommastelIen ausgegeben.
14.1 Grundlagen der MATLAB-Programmierung
419
Befehle und Funktionen Die mathematischen Ausdrücke werden in Ausgabevariablen gespeichert, z. B.: »a »
= 2.4;
b = a + 1.2
oder mit der vordefinierten Variable ans, wie answer, ausgegeben, z. B. » a ans
= 2.4
In einer Zeile können mehrere Befehle eingegeben werden. Der Übertrag eines Ausdrucks in die nächste Zeile erfolgt durch Eingabe von drei oder mehreren Punkten: » Re = -D * cos (alfa); Im = omega * (1-...
D) * 0.4;
Für nachfolgende Beispiele mit Matrizen-Operationen sollen zuerst m = 2 und n = 3, sowie die Matrizen G =[1,2,3; 4, 5, 6] und Q = [1, 2; 3, 4] eingegeben werden. MATLAB-Befehl
Matrixfunktion Dimension
»size (G)
Rang
» rank (G)
Diagonale
Ausgabe »ans
= 2 3
»ans
=
»ans
=
2 1
»diag (G)
5
Determinante
»deI (0)
Inverse Matrix
»inv (0)
»ans
-2 -2.0000
=
»G'
Einheitsmatrix der Dimen» eye (size (0)) sion (m, m) bzw. size(Q)
1.0000
1.5000 -0.5000 »ans
Transponierte Matrix
=
»ans
1 2
4
3
6
1
5
= 0
0 1
Spezielle (m, n)-Matrix, » ones (m, n) die nur Einsen enthält
1 1
1 1
1 1
Spezielle (m, n)-Matrix, » zeros (m, n) die nur Nullen enthält
0 0
0 0
0 0
Zufallsmatrix (m, n)
» rand (m, n)
0.8310 0.0346
0.0535 0.5297
0.6711 0.0077
420
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB / Simulink
In einer Zeile können mehrere Befehle eingegeben werden. Der Übertrag eines Ausdrucks in die nächste Zeile erfolgt durch Eingabe von drei oder mehreren Punkten: " Re = -D * cos (alfa); Im = omega * (1-... D) * 0.4;
Eine Übersicht der im Programm vorhandenen Variablen wird mit dem folgenden Befehl in Form einer Liste erstellt: " who
Wie es bei höheren Programmiersprachen üblich ist, bietet MATLAB die Steuerkonstrukte wie bedingte Anweisungen (if... else if. .. else), Auswahlanweisungen (switch. .. case), bedingte Schleifen (while... end) und Zählschleifen (for... end) an, z. B.: »
for i
=
1 : 60
xk = 2 + c1 * (z1
A
k) + c2 * (z2
A
k)
bar (k, xk, 'w') hold on end
Neben arithmetischen Operationen gibt es Vergleichsoperationen wie< (d. h. kleiner als) und logische Operationen &, -, I (UND, ODER, NOT). Mit diesen Befehlen werden z. B. die Elemente von Matrizen Gl und G2 wie folgt gebildet: " A = [ 2, 5; 0, 4 ];
% Eingabe: Matrix A
" B
% Eingabe: Matrix B
= [
0, 3; 0, 1 ];
" G1 = A & B
% Ausgabe: G1 = [ 0, 1; 0, 1 ]
" G2 = AlB
% Ausgabe: G2 = [1 1; 0 1 ]
Die Zeilen mit % sind Kommentarzeilen.
Erstellen von Programmen und Funktionen Mit MATLAB kann man einzelne Befehle im interaktiven Modus benutzen oder eine Befehlsfolge wie ein Programm (Matlab-Skript) zusammenfassen. Das Programm kann mit dem MATLAB- oder einem beliebig anderen Texteditor geschrieben und in einer rn-Datei, mat-Datei oder ASCll-Datei abgespeichert werden. Die Datei mit der Erweiterung *.m kann mit dem Menü-Befehl File/New erstellt und abgespeichert werden, z. B. aufgabe.m. Diese Datei wird dann mit dem DOS-Befehl " aufgabe
% Aufruf von rn-Datei
wieder geladen oder mit Menü-Anweisung File/Open geöffnet. Einige nützliche Befehle für die Dateienverwaltung sind unten zusammengefasst. MATLAB-Befehl
Wirkung des Befehls
" fprint (id, 'info', X)
Ausgabe der Variable X aus der ASCII-Datei mit dem Identifikator id in eine Textdatei
" id = fopen (aufgabe.dat,'w')
Datei aufgabe.dat öffnen
"fclose (id)
ASCII-Datei mit dem Identifikator id schließen
14.2 Grafik mit MATLAB
421
14.2 Grafik mit MATLAB Ein leeres Grafik-Fenster wird in MATLAB figure genannt. Ein Grafik-Fenster kann in mehrere Unterfenster, subplot, unterteilt werden. Die Parameter von figure sind Nummer, die Parameter von subplot sind die Koordinaten zeile, spalte, zähler. Grundbefehle der Grafik-Operationen Befehl »
figure [(h)];
»
plot (y);
»
subplot (212);
»gcf
» legend (5, p)
Wirkung des Befehls Ein neues Fenster unter der laufenden Nummer h (handle) öffnen bzw. ein vorhandenes Fenster Nr. h aufrufen Die Grafik der Variable y erstellen Das Ausgabefenster wird in zwei Teilfenster unterteilt. Position des aufgerufenen Fensters ist: 2. Zeile, 1. Spalte, Zähler = 2 Aktuelle Nummer eines Grafik-Fensters (get handle to currentfigure) anzeigen Eine Box für Text-Kommentar mittels s (String) auf der p Position erzeugen. Es gilt für die Position: 1 oder 2 - rechte oder linke obere Ecke; 3 oder 4 - untere Ecke usw.
» box on
Die Rahmen eines Diagramms erstellen
» box off
Die Rahmen eines Diagramms löschen Einstellen von Bereichen der Koordinaten-
» axis [(-5 2 -4 4)];
achsen (Xmin, x max, Ymin, Ymax)· Hier ist: -5< x< 2 und -4 < Y < 4
» titel ('Bode-Diagramm');
Überschrift der Grafik
» text (-2, 1, '51 ');
Beschriftung in einer Grafik: den Text sI unter x =-2 und Y = 1 positionieren
» xlabel ('Re'); » ylabel ('Im');
Beschriftung der Achsen. Hier ist Re für die x-Achse und 1m für die y-Achse
» grid
Gitternetz anzeigen
» hold on
Eine neue Grafik zu einer vorhandenen Grafik hinzufügen (Überlappung)
» hold off
hold on-Betrieb abschalten
» elf
Aktuelle Fenster löschen (cleare current jigure), früher » elg
» delete (figure(2));
Fenster Nr. 2 löschen
» clase (3); oder »clase all;
Fenster Nr. 3 oder alle Fenster schließen
422
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB / Simulink
Die Skalierung kann mit semilogx und semilogy im logarithmischen Maßstab der xund y-Achse sowie die Ausgabe in Polarkoordinaten mit polar(Winkel, Radien, Optionsparameter) erfolgen. Mit loglog werden die beiden x- und y-Achsen logarithmisch skaliert. Für die graphische Darstellung zweidimensionaler Daten gibt es folgende Möglichkeiten: Balkendiagramm bar (x, y), Liniendiagramm stem (x, y, format), Treppenkurve stairs (x, y), Histogramm hist (x, y), Fehlerintervall errorbar (x, y, I, u ).
Speichern und Drucken eines Grafik-Fensters Zum Drucken und zur Speicherung vonfigures ist der print-Befehl mit Syntax »
print [ -ddevice] [ -options] dilename>
geeignet. Nur einige Optionen dieses Befehls sind in nachfolgender Tabelle erwähnt. Befehl » orint -f1; » print -f1 -dmeta 'grafik_1 '; » print -f1 -dmeta -append 'bild'; » print -f1 -depsc 'grafik_1 ';
Wirkung des Befehls Figure I auf dem Standarddrucker ausgeben Figure I in Metafile-Format als Datei grafik_I. emf speichern Figure 1 in die Datei bild.em! senden, nicht überschreiben Figure I in Color PostScript als Datei grafik_I. eps speichern
Grundformen des plot-Befehls Es gibt mehrere Optionen des plot-Befehls, einige davon sind unten aufgeführt. •
Mit dem Befehl plot(Y), wobei Yeine (m, n)-Matrix ist, werden die n Spalten als Vektoren betrachtet und die m Vektoren hintereinander dargestellt.
•
Sind x und y zwei Vektoren gleicher Art, z. B. zwei Spaltenvektoren (n, 1) mit Elementen Xl, x2, ... Xn und YI, Y2, ... Yn, so werden mit dem Befehl plot(x, y) die Punkte mit Koordinaten (Xk, Yk) durch Linien verbunden.
•
In der Grundform plot(t, y) wird die Variable y(t), z. B. y = sin(2m), grafisch dargestellt.
•
Mit dem Befehl plot(t, yl, t, y2) kann man zwei Signale yl(t) und y2(t) in einem Bild darstellen, allerdings sollen die Farbe, Art der Linien oder die Markierung der Punkte zusätzlich gewählt werden.
•
Der Befehl plot([y1', y2'], t) erstellt eine Grafik, die die Ausgabe des Befehls plot(t, [y1 " y2' J) um 90° gedreht darstellt (gilt nur ab Version 5).
•
Ist Z eine Matrix mit komplexen Elementen, so wird mit dem Befehl plot(Z) der Imaginärteil abhängig vom Realteil in der komplexen Ebene abgebildet, z. B. » a1 = 1; »Z=[a1
b1 = 2; i*b1];
»plot (Z)
Nachfolgend werden die Grundformen von plot anhand von Beispielen erläutert.
14.2 Grafik mit MATLAB
423
Darstellung eines Vektors Im Fall y = [all] wird mit plot(y, ' *') ein Punkt * unter x = 1 und y = all positioniert. Im Fall n = 2 (zwei Spalten) wird der Vektor y = [all, alz] wie in Bild 14.1 gezeigt abgebildet.
3.5
2.5
1.5
»
% Befehle
»
y = [0 4] ;
»
plot (y)
0.5 O~-~--~-~--~_-----.J
1.2
I
1.4
1.6
1.8
Bild 14.1 Vektor y = [all, al2] mit zwei Spalten
Farbzeichen und Linientypen Für Variablen x, y können mit dem plot - Befehl die Farbe, der Linientyp und die Markierung der Punkte eingestellt werden.
'b' 'c' 'g' 'k'
= = = =
blue cyan green black
Farbzeichen 'm' = 'r' = 'w' = 'y' =
magenta red white yellow
, , , , --
' .' , , -
Linientypen = = = =
Punkten-Markierung
solid dashed dotted dash-dot
'+'
' , , , --
'*'
Bild 14.2 zeigt die Ausgabe eines Programms, das die Punkte mit den Koordinaten (xl, yl), (x2, y2) und (x3, y3) durch Geraden mit Farbe black verbindet. 1.8 1.6 1.4
»% Befehle
1.2
» X = 0.8 0.6 0.4
[0 1 4];
»
y = [0 1 2];
»
plot (x, y, , k ')
0.2 0
0
0.5
Bild 14.2
1.5
2.5
3.5
Verbindung von 3 Spalten bzw. Punkten (0, 0), (1,1) und (4,2)
424
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB / Simulink
Darstellung eines Signals im Zeitbereich Die Eingabe einer Zeitspanne erfolgt durch die Anweisung »
1 = O:della:max,
wobei delta für die Schrittweite und max für die rechte Grenze des Zeitrasters steht. In Bild 14.3 ist die Ausgabe eines Programms gezeigt, das erst im Zeitraster 0< t< 1 ein harmonisches Signal y( t) erzeugt und dann zu einer horizontalen Linie übergeht.
" % Mallab-Programm »
1 = 0:0.01 :1;
" y1 = 5*sin(4*pi*I); »
plol (I, y1);
" hold on;
»x = [0 0] ; " plOI (x, 'k'); 1.5
Bild 14.3
Verknüpfung von zwei Signalen
Pol-Nullstellen-Darstellung Für die Ausgabe einer Matrix G mit komplexen Elementen ist die explizite Form des plot-Befehls geeignet, z. B. mit Farbe- (black) und Punkten- (0) Markierung: " plOI (real(G), imag(G), 'ko');
Bild 14.4 zeigt die grafische Darstellung von Pol- und Nullstellen eines Regelkreises mit der Übertragungsfunktion
0.8 0.6
o
0.4 0.2
G(s) = Z(s) .
o
Q
N(s)
·0.2 -0.4
o
-0.6 ·0.8 -1
'-----~--~--~--_---'
·0.6
-0.5
Bild 14.4
·0.4
-0.3
·0.2
Unten ist das entsprechende MATLAB-Programm gegeben. Die Bereiche der x, y-Achsen werden vom Programm automatisch eingestellt.
Pol-Nullstellenverleilung
»
N = [ -0.5 +0.5*i, -0.5 -0.5*i, -0.2+i, -0.2-i, -0.4];
»
Z = [-0.6, -0.3];
»
plOI (real (Z), imag (Z),' wo', real (N) , imag (N), , k * , )
14.2 Grafik mit MATLAB
425
Manuelle Bereichseinstellung
Mit Hilfe der Funktion A = axis, die mit vier Parametern [Xmin, xmax , Ymin, Ymax] definiert wird, können die Bereiche manuell eingestellt werden. Um z. B. nur die Grenzen Xmin und Ymax gegenüber der automatischen Bereichseinstellung zu ändern, könnte der Aufruf der Funktion wie folgt aussehen: »
axis ( [ -6, A(2), A(3), 5] );
3D-Darstellung
Erweitert man den plot-Befehl zu »
plot3 ( x, y, z, 'k * , );
so wird die Grafik dreidimensional mit schwarzen Punkten * ausgegeben. Ein Beispiel der nichtlinearen statischen Kennlinie, die für 50 Punkte berechnet wird, »
x=(0:50) / 10;
»
plot3 ( ( 1-x ), ( 3*x ), ( 1-0.5*x ).*( 1-0.5*x ),' k- ' )
ist in Bild 14.5 gezeigt. Mit dem Befehl »
[X, Y] = meshgrid (x, y);
wird aus Variablen x und Y eine Matrix berechnet, deren Zeilen und Spalten die Vektoren x, Y sind. Eine Funktion, z. B. W = (Y - 1).* (X - 1) + Y.* X;
kann mit folgenden Grafikfunktionen als Maschenund Kachelplots dargestellt werden:
2.5 2
1.5
0.5
o
15
10
o
5
o Bild 14.5
2
-2 -4
3D-Grafik mit demplot3-Befehl
»
contour (X, Y, W, N);
2D-Darstellung mit N Konturlinien
»
contour3 (X, Y, W);
3D-Höhenlinienplot (perspektivisch)
»
mesh ( X, Y, W );
3D-Gitterdarstellung
»
surf ( X, Y, W );
3D-Flächen (Kachelplot)
Editieren von Grafiken
Die Grafiken in Plotfenster (Figure) lassen sich mit dem MATLAB-Editor getrennt als fig-Datei abspeichern, perspektivisch manipulieren (View/Camera Toolbar) und für das Erstellen der Dokumentation nachbearbeiten (Tools/EditPlot oder Insert usw.). Beim Drucken ist File!Preferences/Figure Copy Template!Copy Options zu beachten.
426
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB / Simulink
14.3 Control System Toolbox Diese Toolbox ist ein Zusatz zu MATLAB für regelungstechnische Aufgaben. Die Ermittlung von Kennlinien erfolgt mit dem Control System Toolbox einfach durch Aufruf von Funktionen, die wahlweise unten gezeigt sind. Contral System Toolbox Funktion
Wirkung
»
step
Sprungantwort
»
dstep
Sprungantwort eines digitalen Kreises
»
impuls
Gewichtsfunktion
»
nyquist
Ortskurve
»
bode
Bode-Diagramm
»
roots
Wurzeln der charakteristischen Gleichung
»
pzmap
Pol-lNullstellenverteilung in der s-Ebene
»
rlocus
Wurzelortskurve
Dem Benutzer wird es lediglich überlassen, die Übertragungsfunktion des zu untersuchenden Regelkreises G(s)= Z(s) N(s)
in eine entsprechende Form zu bringen. Grundsätzlich gibt es dafür drei Möglichkeiten, die nachfolgend anhand von Beispielen erläutert werden: sm
+ b rn-I s m-I + ... + b 2 s 2 + b 1s + b 0
•
Polynomform
G(s) =
•
Pol/Nullstellen-Darstellung
(s - sN! )(s - sN2 )...(s - sNrn) G( s) = K 0 -------'=.:...-'-------'-""-'---'-----"-'-"''-'-(s-spI)(s-sP2) (s-spn)
•
Linearfaktoren-Form
G(s)=K
1
2
sn +an_IS n- + ... +a2s +aIs+aO
(1 + sTNI )(1 + sTN2 ) (1 + sTNm) (1 + sTpi )(1 + sTP2 )... (1 + sTpn )
.
Polynomform Hierfür werden Zähler und Nenner der Übertragungsfunktion als Polynome dargestellt, z. B. 2
G(s) = Z(s) = 2s +s+1 N(s) s3+7s2+9s+1'
die dann im MATLAB als Vektoren eingegeben werden: » »
num = [2 1 1]; den = [1 7 9 1];
14.3 Contral System Toolbox
427
Für ein P-T2-Glied G(s) =
1
a
.
mIt D=s2+ 2a . s +ß2 ß
ist eine spezielle MATLAB-Funktion ord2(ß, D) vorhanden. Sind z. B. und D = 0,5, so wird die Übertragungsfunktion wie folgt eingegeben: »
Inum, den]
ß = 2,0
S-l
ord2 (2.0, 0.5);
=
Ein Totzeitglied Tt wird mit einer Pade-Funktion n-ter Ordnung appraximiert: G(s)=e
-sr.t =1-sT +-(sT 1 2 1 3 t t ) --(sTt ) + .... 2!
3!
Die MATLAB-Funktionpade (Tt, n) ist z. B. für die Totzeit Tt = 0,5 sund n = 1: »
Inum, n]
=
pade (0.5, 1);
Die Beispiele von MATLAB-Funktionen für die Polynomform sind unten gegeben. Contral System Toolbox Funktion
Wirkung
»
bode (num, den)
Erstellen des Bode-Diagramms
»
dCQain (num,den)
Berechnung der Kreisverstärkung Ko bzw. G(Q)
»
printsys (num, den)
Bildschirmausgabe der Übertragungsfunktion
»
step (num, den)
Ermittlung der Sprungantwort
Pol-Nullstellen-Darstellung Eine durch Pol- und Nullstellen vorgegebene Übertragungsfunktion (s - sNl )(s - sN2 )... (s - sNm)
G(s) = K 0 --'--'-"----------''-=---------'-'-'-''---(s-spl)(s-sp2) ... (s-spn)
wird mit der Funktion zp2tfin eine Polynomform transferiert: = I sN1 p = [sP1 »k = Ko; » Z »
»
I num, den]
sN2 ... sNm]; sP2... sPn]; =
zp2tf ( z, p, k);
Normalform mittels Linearfaktoren Liegt die Übertragungsfunktion zerlegt in Linearfaktoren vor: G(s)=K
(1 + sTNl)(1 + sTN2 ) ...(1 + sTNm)
(1 + sTpI )(1 + sTP2 ) ... (1 + sTpn )
,
so sollte sie entweder in Polynomform oder Pol-/Nullstellen-Darstellung umgewandelt werden. Im letzten Fall werden die Pol- und Nullstellen ermittelt:
428
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB / Simulink 1
Zl = - - TNI
1
PI=--
Tpl
Z2
1
=---
T N2 1
P2=-TP2
die dann mittels der Funktion zp2tjin die Polynomform transferiert werden: " z = [z1 z2 ]; » p = [p1 p2 ]; » k = K * (TN1 * TN2 *... ) / (TP1 * TP2 *... ); » [ num, den] = zp2tf (z, p, k); •
Beispiel 14.1
Es soll die Sprungantwort eines P-Tl-Gliedes K pS K pS G S (s) = - - bzw. G S (s) = -------"--"-----1+ sTI Tl (s + sPl)
k
s
+ sPI
mit Kennwerten KpS = 2 und Tl = 0,5 s simuliert werden. Das MATLAB-Programm lautet: » z = [ ];
% keine Nullstellen
»p
= [-2]; % Polstelle bei -1/T1 »k = 4; % Proportionalbeiwert k = KPSIT1 » [ num, den] = zp2tf (z, p, k); » step (num, den); Alternativ dazu kann man die Übertragungsfunktion in Polynomform darstellen
GS(s)=
°.s + K
PS
1 + sTI
=
°.
s +2 . 0,5 . s + 1
Dann sieht das MATLAB-Programm wie folgt aus: »num= [0 2]; »den = [0,5 1]; » step (num, den) ~ Aufgabe 14.1 Gegeben ist die Übertragungsfunktion des geschlossenen Kreises
G(s)=
KO , (s - sPI )(s - sp2)
mit Ko =0,041, Sp! = -0,29, Sp2 = -0,11. Die Sprungantwort des Kreises soll simuliert werden. ~ Aufgabe 14.2 Die Übertragungsfunktion des geschlossenen Regelkreises
KO G(s) = -2-2-=----s T 2 + sTI + 1 mit K o = 0,4, Ti = 0,1 s 2 und Tl = 0,6 s ist gegeben. Gesucht ist die Sprungantwort.
14.4 Bode-Diagramm mit MATLAB
429
14.4 Bode-Diagramm mit MATLAB Das Bode-Diagramm kann mit dem MATLAB-Basismodul programmiert oder mit dem Contral System Toolbox aufgerufen werden.
Programmieren mit Basismodul Das nachstehende Programm enthält MATLAB-Befehle zur grafischen Darstellung des Bode-Diagramms eines P-TI-Gliedes im Frequenzbereich 10-2 s-1 bis 104 s-1: G(jOJ) =
K , 1+ jOJT
mit K = 10 und T = I s. Der Amplituden- und Phasengang werden nach rp( m) = - arctan mT
berechnet und im logarithmischen Maßstab in zwei Fenster ausgegeben. Programmtext »
title ('Bode-Diagramm eines P-T1-Gliedes');
»
K = 10;
»
T
=
» W =
1; logspace(-2,4);
% Überschrift der Grafik % Eingabe von Parametern % Eingabe des Frequenzbereiches
OJ
von 10-2 s-l bis 104 s-l.
% Argument mT
»
om
»
absG1
»
= 20*log1 O(K); absG2 = -1 0*log1 0(1 +om.*om); absG = absG1 + absG2;
% Berechnung des Amplitudengangs % und Umrechnung mittels % lOer Logarithmen in Dezibel
»
subplot(211);
% Das erste von zwei Fenstern öffnen
»
semilogx(om, absG);
% Ausgabe des Amplitudengangs % im halblogarithmischen Maßstab
»
grid;
% Gitternetz anzeigen
»
subplot(212);
% Das zweite Fenster öffnen
»
phi
»
semilogx(om, phi*180/3.14);
% Ausgabe des Phasengangs % im halblogarithmischen Maßstab % in Grad
»
grid;
% Gitternetz anzeigen
»
=
w*T;
Kommentar
= -atan(om);
% Berechnung des Phasengangs
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB / Simulink
430
•
Beispiel 14.2
Das Bode-Diagramms eines Totzeitgliedes G(s) = e -sTt
mit T t = 0,5 s soll im Frequenzbereich 0,01
S-l
<
OJ
< 1 S-l mit MATLAB ermittelt werden.
Die Berechnung erfolgt nach folgenden Formeln:
Kommentar
Programmtext »
title ('Bode-Diagramm eines Tt-Gliedes');
»K = 1;
% Eingabe von Parametern
»Tt = 0.5; » W
= logspace (-2, 0);
»om
= W *
% Titel
Tt;
% Eingabe des Frequenzbereiches OJ % von 10
-2 -1
s
0 -1
bis 10 s
% Argument OJTt
absG
»
subplot (211);
% Das erste von zwei Fenstern öffnen
»
semilogx (om, absG);
% Ausgabe des Amplitudenganges % im halblogarithmischen Maßstab
»
grid;
% Gitternetz anzeigen
»
subplot (212);
% Das zweite von zwei Fenstern öffnen
=
20 * log10 (K);
% Berechnung des Amplitudenganges % und Umrechnung mittels % lOer Logarithmen in Dezibel
»
% Berechnung des Phasenganges
»phi = -om;
%
rp= -OJTt
»
semilogx (om, phi * 180/3.14);
% Ausgabe des Phasenganges im % im halblogarithmischen Maßstab % in Grad
»
grid;
% Gitternetz anzeigen
~ Aufgabe 14.3 Für eine PID-Regeleinrichtung
GR(s)= KPR(I+_I_+STY) mit K pR =20; sTn
Tn=10s; Ty =2s.
soll das Bode-Diagramm mit MATLAB erstellt und mit dem Beispiel 5.3 verglichen werden.
14.4 Bode-Diagramm mit MATLAB
431
Bode-Diagramm mit Control System Toolbox Unter Contral System Toolbox wird das Bode-Diagramm durch Aufruf der Funktion bode (num, den)
»
berechnet und graphisch ausgegeben. Hierfür gelten alle im Abschnitt 14.3 angesprochenen Eingabeformen. •
Beispiel 14.3
Für zwei in Reihe geschalteten Glieder mit den Übertragungsfunktionen
K p1 GI (s) =-2-2----"---'------s T2 + sTI + 1
2
T2 =lOs
K p1 =8
G2(S)=~
T3 =0,5 s
1+ sT3
soll mit MATLAB das Bode-Diagramm ermittelt werden. Die Übertragungsfunktion der Regelstrecke wird in Polynomform dargestellt
K p1
K p2
K pI K p2
GS (s) = -2-2----"---'-------·-s T 2 + sT1 + 1 1+ sT3
mit MATLAB-Anweisungen programmiert und ausgegeben (Bild 14.6). Bode Diagramm eines P-T3-Gliedes 40
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1
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11111 11111 1 1 1 T-
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1
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- - - - T - -..,- -,- T-I-I-rl-'- - - - - r - - r - r -1- T..,.., T r - - - -.., - -
1
1
1
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1 1 1 1 111 -1- -1- -, -1- r r l 1 1
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1 1
1 1
1
1
111 111
-1-'" -1- r r
111 1
-27 0 ~~~±"'='-~--"-'-'--"-=-.±..=-""'-'""-=--'=-"'-=~~=_"'~-~-"_"'_=-.±..=-"'-'__'__'__"_"_'~~~'_=_=__='~'"_=__"__=_'_=__''_''_'=' 10. 2 10'
Bild 14.6
Bode-Diagramm mit Control System Tollbox zum Beispiel 14.3
2
432
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB / Simulink
T1 = 7; KP1
T22 = 10; T3 = 0.5;
8; KP2
=
=
% MATLAB-Skript zum Beispiel 14.3
4;
% Eingabe von Parametern
= KP1 * KP2; a3 = T22 * T3;
bO
% Koeffizienten des Zählerpolynoms % Koeffizienten des Nennerpolynoms
T22 + T1 * T3;
a2
=
a1
= T1
aO
=
+ T3;
1;
num = [bOl;
% Zählerpolynom
den
% Nennerpolynom
[a3, a2, a1, aO];
=
bode (num, den, 'k');
% Ausgabe, Farbe schwarz
grid;
% Gitternetz einschalten
Die Asymptoten, die Eckfrequenzen m EI, m E2, m E3 sowie die Durchtrittsfrequenz md für IGsCim d)1 = 1 und die kritische Frequenz m kr für
mit den entsprechenden Ergebnissen des Beispiels 5.2 übereinstimmen.
14.5 WOK mit MATLAB Die Ermittlung einer WOK mit Control System Tollbox erfolgt mit der Anweisung »
rlocus (num, den);
Die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises Z(s) Go (s) = G R (s) . Gs (s) = - -
N(s)
soll als Funktion des Parameters Ko in einer der in Abschnitt 12.2.3 beschriebenen Eingabeformen dargestellt werden, z. B. in Pol-/Nullstellen-Form s m + brn-I s m-1 + ... + b2 s 2 + b1s + b0 G(s)=KO n n-I 2 s +an-1s + ... +a2s +als+aO Mit der folgenden Anweisung kann man die Ko-Werte und die entsprechenden Polstellen mit 4 NachkommastelIen in den gewünschten Punkten der WOK per Mausklick anzeigen lassen (allerdings sollte die WOK vorher mit der Anweisung hold on gesichert sein): »
[k, p]
=
rlocfind (num,den)
Weiterhin gibt es eine Anweisung zum Einschalten eines Gitternetzes in der s-Ebene für kontinuierliche und in der z-Ebene für digitale Regelkreise: »
sgrid ('new'); und
»
zgrid('new');
Mit der Option new wird die alte WOK automatisch gelöscht.
14.5 WOK mit MATLAB •
433
Beispiel14.4
Die WOK für das in Beispiel 7.2 gegebene System 3. Ordnung
KO Go(s)=------"------(1 + sTl )(1 + sT2 )(1 + sT3 )
T3 =0,5 s;
soll mit Contral System Toolbox ermittelt werden. Das MATLAB-Skript ist unten gegeben, die entsprechende WOK ist im Bild 14.7 gezeigt. T1
=
1; T2
=
2; T3
=
0.5;
% Parametereingabe
a3 = T1 * T2 * T3; a2
=
% Berechnung von Polynom-Koeffizienten
T1 * T2 + T2 * T3 + T1 * T3;
a1 = T1 + T2 + T3; aO
=
KO
= 1;
num den
1; = [
=
% Parametereingabe
0
0
0
KO];
[a3 a2 a1
% Eingabe des Zählerpolynoms % Eingabe des Nennerpolynoms
aOl;
rlocus ( num, den, 'k' );
% Aufruf der WOK, Farbe schwarz
hold on;
% Ausgabe halten
sgrid;
% Gitternetz einschalten
xlabel ( , Reelle Achse' );
% Beschriftung der x-Achse
ylabel ( , Imaginäre Achse' );
% Beschriftung der y-Achse
title ( , Beispiel: Wurzelortskurve' );
% Beschriftung des Bildes Beispiel: Wurzelot1skurve
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-
I
Kkr= 11.2
.-,
-4
-:3
-2.5
-2
-'1.5
-1
-0.5
Reelle Achse
Bild 14.7
WOK eines Kreises bestehend aus drei P-T)-Gliedem
0.5
434
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB / Simulink
Kombiniert man die Anweisung rlocfind (num, den) mit den anderen im Abschnitt 12.2.3 eingeführten Toolbox-Anweisungen wie step (num, den); bode (num, den); roots; usw. so kann der Entwurf eines Regelkreises mit dem WOK-Verfahren komplett am Pe-Bildschirm durchgeführt werden. •
Beispiel 14.5
Gegeben ist eine Strecke mit Verzögerung 4. Ordnung, die mit dem PID-Regler geregelt wird: GO(s) =
K PR (1 + sTn )(1 + sTv )
.
sTn
K PS
2 2 (1 + sT])(1 + sT2 )(T3 s
+ T4 s + 1)
'
2 2 Kps = 2; T] = 0,5 s; T2 = 0,1 s; T3 = 0,1 s ; T4 = 0,6 s.
Der Regler soll so eingestellt werden, dass die maximale Überschwingweite X m :::; 10% beim Führungsverhalten wird. Ohne Herleitung ist in Bild 14.8 das gewünschte Gebiet der s-Ebene gezeigt, in dem die WOK positioniert werden soll. Das Gebiet ist durch das so genannte dominierende Polpaar abgegrenzt, die im vorliegenden Fall wie folgt gegeben ist:
P],2
=-a±jß~I-D2
tancpD =
tjm
s-Ebene v zulässiger ~ Polbereich (
r r.
a
ß~]-D2
L
=-2,156±j2,202
D
~.
"";1- D 2
Bild 14.8 Zunächst versuchen wir den Regler vollzukompensieren, d. h. Tn = Tl = 0,5 s
Dominierendes Polpaar
Tv = T2 = 0,1 s.
Damit liegt die Übertragungsfunktion in Polynomform vor: GO(s)=K 3 2
s T3
1
2
+ s T4 + s
.
KpRK pS
,mIt K=---''''-'-----''-'''Tn
Um die WOK mit MATLAB zu ermitteln, wird K = 1 angenommen. Nachfolgend ist das Skript mit diesem Wert und dem dominierenden Polpaar gezeigt. num = [0 den
=
0
0 K];
[T32 T4 1
% Eingabe: Zählerpolynom
0 ];
% Eingabe: Nennerpolynom
rlocus (num, den, 'k');
% WOK-Ausgabe; Linienfarbe schwarz
hold on; sgrid; pol
= [ -2.156+2.202i
% Grafik halten, Gitternetz einschalten
-2.156-2.202i ];
% Eingabe: Dominantes Polpaar
plot (real (pol), imag (pol), 'k+');
% Dom. Polpaar in Grafik eintragen
plot ([ -2.156 -4.085], [ 2.202 4], 'k');
% Das gewünschte Gebiet anzeigen
plot ([ -2.156 -4.085], [-2.202 -4], 'k');
Die Bildschirmausgabe ist in Bild 14.9 gezeigt. Man stellt fest, dass der vollkompensierte Regler nicht in der Lage ist, das gewünschte Verhalten auch bei beliebigem KpR zu erreichen, da die WOK außerhalb des gewünschten Gebietes bzw. des dominieren den Polpaares P1,2 liegt. Um die WOK in das gewünschte Gebiet zu positionieren, kann man anders kompensieren, z. B.
14.5 WOK mit MATLAB
435
\lllurzeiortskurve vor Korrektur
o.L.
0.58 - 1
··H..9) __
P1 , _
{)ß8_
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-4
-Ei
0.56
044' - -03_ -,
-4
-~
oN
-1
Reelle Achse
Bild 14.9
WOK des Regelkreises mit dem vollkompensierten Regler
mit Tn = T4 = 0,6 sund Tv = T2 = 0,5 s, oder man kann das Kreisverhalten mit dem vollkompensierten Regler korrigieren, z. B. durch die Einführung einer Nullstelle SN] = -0,67 und einer Polstelle SP4 = -6. Damit wird die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises zu
Go(s)=K
(s3 T
l
1+ sTN
+ s2 T4 + s)(1 + sTR )
=Ko
s -sNl
s (s - sp2)(s - sP3)(s - sp4)
'
1 1 TN mit T N = - - - = 1,5 s , TR = - = 0,17 sund K 0 = K . . sNl sp4 TR Der weitere Entwurfsvorgang wird von Ko = 1 angefangen und interaktiv durchgeführt: »
»
roots (den)
% Eingabe: Polstellen s1, s2, s3 ermitteln
ans =
% Bildschirmausgabe
o
% Polstelle s1
-3.0000 + 1.0000 i
% Polstelle s2
-3.0000 - 1.0000 i
% Polstelle s3
k = 1;
z = [ - 0.67]; p = [-3.0000 + 1.0000 i -3.0000 + 1.0000 i - 6
% Eingabe: Koeffizient Ko=1 % Eingabe: Nullstellen z und Polstellen p
0];
[num1, den1] = zp2tf (z, p, k);
% Zero-Pol to Polynomform umwandeln
rlocus (num1, den1, 'k');
% WOK-Ausgabe; Linienfarbe schwarz
hold on;
% Grafik halten,
sgrid;
% Gitternetz einschalten
436
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB / Simulink
usw. bis zur Beschriftung-Anweisungen: xlabel(' Reelle Achse'); ylabel(' Imaginäre Achse'); title ('Wurzelortskurve nach Korrektur');
Das zufriedenstellende Ergebnis ist in Bild 14.10 gezeigt. Der Koeffizient Ko wird für einen Punkt der WOK innerhalb des gewünschten Gebietes mit der folgenden Anweisung abgelesen: [k, p] = rlocfind (num1, den1)
% WOK Punkte per Mausklick abfragen
k=
% Bildschirmausgabe 25.9443
VVUrzelortskurve nach Korrektur
4
'0
.J
-
0.84-
0.(:.:..··
0.1,4
0.5'8 .
l. -
_
" 'Ü.9) '.
-
,
.,'
I I
,
_ .:... - -l
"
, I,
.- - ;-
{I~:-
""
,
,
.c. ü
6:
-{
~
,"c
I]
"
\
'.
-- -. "- I- _
s4
s2
I,
'.
-- : :/S~j :.
- - 1 J..
4'
-
..'
"
-
-1 {1:9t:-
c
-
-"
s3
"
j"-
---....
-'
-E:
.....',
'-
c
.
T -
--_.1._
-4
-
0.5S'
0.7 -5
s1
/111
-:'" -
08't
I I
.- .-'.-
: P2
-4
"
'.'1 I
~ .- .-
,_.-_.--
-2
-J
1-" .- .-
I I I L..l.-l
:: ::::~
'Eil ~
I I I I -l I I
-1
-:3
Reelle Achse
Bild 14.10 WOK nach Einführung einer Nullstelle SN] = -0,67 und einer Polstelle Sp4 =-6 Zum Testen der Entwurfsergebnisse im Zeitbereich kann die Sprungantwort simuliert werden:
= 25.9443; z = [- 0.67]; »
k
P = [-3.0000 + 1.0000 i -3.0000 + 1.0000 i - 6 [num1 ,den1] = zp2tf (z, p, k); den2
=
num1 +den1;
step(num1, den2, 'k')
% Eingabe: Koeffizient Ko % Eingabe: Nullstellen z und Polstellen p 0]; % Zero-Pol to Polynomform umwandeln %Nenner der Übertragunsgfunktion Gw(s) % Sprungantwort: Linienfarbe schwarz
Bild 14.11 zeigt die simulierte Sprungantwort für das FührungsverhaHen.
14.5 WOK mit MATLAB
437
Sprungantwort nach Korrektur
Bild 14.11 Sprungantwort des geschlossenen Regelkreises, eingestellt nach Bild 14.10
15
Zeitt Is
Wird der analoge Regler durch einen gleichwertigen digitalen ersetzt, wird das vorherige Programm wie folgt fortgesetzt, die Sprungantwort ist im Bild 14.12 gezeigt: »TA
= 0.5;
% Eingabe: Abtastschritt
[dnum, dden] = c2dm (num1, den2, TA, 'zoh');
% Digitalisieren mit linker Intervallgrenze
dstep (dnum, dden, 'k');
% Sprungantwort: Linienfarbe schwarz
Sprungantwort des digitalen Kreises mit Abtastzeit TA = 0.5 s
1
---------------------------------------------
Bild 14.12 Sprungantwort des digitalen Regelkreises, digitalisiert mit der linken Intervallgrenze
10
15
20
.25
J[I
35
40
45
50
Abtastschritte k
Im Bild 14.12 wurde die Abtastzeit TA unangemessen groß gewählt, um das Diagramm anschaulicher zu machen. Für die Digitalisierung mit rechter Intervallgrenze wird in der Anweisung anstelle des Parameters 'zoh' (zero-order hold) der Parameter 'foh' (first-order hold) eingesetzt.
438
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB I Simulink
14.6 Einführung in MA TLAB I Simulink MATLAB/Simulink ist eine Ergänzung zum Basismodul. das vollständig in MATLAB integriert ist, jedoch eine eigene Entwicklungsumgebung hat. Man kann damit sowohl eigene C-Programme einbinden, als auch die erstellten CQuellprogramme generieren und weiter mit dem Real-Time Workshop in Echtzeitanwendungen importieren. Mit MATLAB/Simulink kann man: •
die Regelkreise nach den Wirkungsplänen sofort in ein Programm umwandeln
•
einzelne Blöcke durch einen Doppclklick auf das Blocksymbol konfigurieren
•
mit der Menü-Anweisung Simulation/Parameters die Schrittweite und die Dauer der Simulation einstellen
•
mit der Menü-Anweisung 5il/1/1lalion/S/(Irfen die Simulation ausfLihren und in einem Scope· oder Figure-Fenster ausgeben.
Eill eil/faches Model/lIlld die BibliothekeIl Das Fenster der Bibliotheken wird durch die Eingabe silllUlink im MATLABKommandofenster aufgerufen oder über das Fenster LllImch Pad eröffnet. Über das Menü File/New ruft man das neue Fenster rur den Modellaufbau auf. Die Eingabe der Modellstruktur und die Parametrierung von Blöcken erfolgt in diesem Fenster. Das verfasste Modell kann durch ein MATLAB/Simulink-Menü gestartet werden. Vorher sollten die Parameter der Simulation in einem Dialogfenster Simulatioll Parameters: 1I1ltitled eingestellt werden. Dies wird durch die Menü-Anweisung Simulatioll/Parameters geöffnet. Danach wird die Start- und Stopzeit, der Typ des Integrationsschrittes (Variable .\·tep oder Fixet! .\"fep) und des Integrationsverfahrens (solver option) eingegeben. Ein Beispiel des Modells ist in Bild 14.13 gezeigt.
~:'~9
Sum
GR(')
[]'~'J-T~CJ 2,+1 "'(0)
x~)
SP""'ll" .n_~
Bild 14.13 Simulierter Regelkreis mit ScopeAusgabe
Eine Simulation kann man auch aus dem MATLAB-Command-Fenster bzw. aus einern MATLAB-Programm mit dem plot-Befehl aufrufen. Dafür sollten die Simulationsergebnisse in Form eines Zeit vektors t, einer Zustandsmatrix x und einer Ausgangsmatrix y gebildet werden, wie beispielsweise in Bild 14.14 gezeigt ist. Man kann einen MATLAB/Simulink~Block über die Menü~Anweisung EditlEdit~Mask oder Optiolls/Mask in einen neuen selbstgellannten Block umwandeln. Ein Simulink-Modell, das aus mehreren Blöcken besteht, lässt sich in einen neuen benutzerdefinierten Block (Untersystem) einbinden. Dies erfolgt über die Anweisung EditlCreare-Subsysrem oder OptiollslGroup. Nach Anklicken der Menü-Zeile LookUnder-Mask wird der Inhalt des komprimierten Modells in einem Fenster angezeigt.
439
14.6 EinHihrung in MATLAB J Simulink
~
Ck>
Sum
To WOrk,pace!
Regle,
Bild 14,14 MATLABJSimulink-Modell mit Pararneterübergabe zum MATLAB-Basismodul
Liegt das exakte Modell der Regelstrecke vor, kann der Wirkungsplan mit dem MATLABJSimulink abgebildet, konfiguriert und sofort getestet werden. was rur komplizierte Regelkreise besonders wichtig ist. Nachfolgend wird gezeigt. wie man verschiedene Reglcrarten mit MATLABJSimulink abbilden und behandeln kann.
Digitale Regelullg mit MATLAB/Simulillk Ein Regelkreis mit einem digitalen Regler und kontinuierlich arbeitender Strecke kann einfach mit Hilfe von z- und s-Transferfunktionen aus den Bibliotheken Conri1111011.\' und Discrete. die man in Lihrary Browser findet, simuliert werden. Im Wirkungsplall des Bildes 14.15 ist ein digitaler P-Regler mit Verzögerung TI als z-Übertragungsfunktion
G (z)= R
K pR (I-al) Z-
aj
simuliert. Der Baustein Di~"CTete Transfer Fon berücksichtigt die dem Regler zugehörigen Abtaster und Haheglied. Ein externes Halteglied ist um Eingang des Stellglieds bzw. der Regelstrecke vorgesehen. Die Stellgröße y(k7) wird aus dem MATLABCommand-Fenster als Treppenkurve mit dem Befehl sta;rs(t, y, 'k') ausgegeben.
, SloligrOlk
,~" I zo,.. o".,
roWo""",,ol
H.I.1
0...,..", r ...lSlo, fen
0.&.-1 T2 -0.0.
Bild 14.15 Simulationsmodell eines digitalen Regelkreises
•
440
14 Regelkreisanalyse mit MATLAB / Simulink
Die analoge Strecke 2. Ordnung mit Verzögerung ist mit gewöhnlichen Blöcken der Bibliothek Continuous im Kreis abgebildet. Die entsprechenden Sprungantworten sind in Bild 14.16 gezeigt. Die simulierte Regelgröße stellt, wie auch zu erwarten ist, ein analoges Signal dar. Sie wird auch aus dem MATLAB-Command-Fenster mittels Anweisungplot(t, x, 'k') aufgerufen.
025 0.35
03 025
r
I \ .........
02
l
015 0.'
L 1 ----
0.15
1-
0.05 0.35
°0
8
10
12
14
16
18
I
-)
~
a) Stellgröße y(kD
10
12
14
16
18
~
b) Regelgröße x(t)
Bild 14.16 Sprungantworten des digitalen Regelkreises
Für die Aufnahme von simulierten Signalen bietet SIMULINK mehrere Möglichkeiten, wie Scope, numerische Displays, Ports usw. an. Entscheidet man sich für die Parameterübergabe, wie in Bild 14.15 mittels To Wo rkspace, sollten die Formate der zu übergebenden Vektoren bzw. Dimensionen gleich sein, ggf. sollt man die Datenformate von Structure auf Array umstellen. Es reicht dafür, das Symbol des Blocks To Workspace und dann Save Format zu aktivieren. Die Signalquelle, z. B. step sollte genauso auf ID-Format unter Interpret vector parameters as ID umgestellt werden.
441
Anhang
Lösungen der Übungsaufgaben Aufgabe 2.1 Aus der Übertragungsfunktion ergibt sich unter Beachtung von ue (s) = ueO :
s
mit
Gemäß Korrespondenztabelle setzen wir
a=~+T2+T3 =1,25s-l. 2~T2
Die Pole errechnen sich zu SI = - 0,5 S -I und S2 = - 2 S-I. Damit wird
Die Rücktransformation in den Zeitbereich liefert die gesuchte Sprungantwort
U
a
ueO
t I
0,8
,v
/
0,6 0,4 0,2
o
-
-
- - - - - - - - -- -
1,0
/
o
V-
,....
--
/ 2
4
6810 ---+ t /s
Bild A.l
Sprungantwort zu Aufgabe 2.1 (P-T2-Glied)
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
442
Anhang
Aufgabe 2.2 a) Aus der Übertragungsfunktion G(s) = ua(s) =---..!!L _ _1_ ue(s) l+sT[ l+sT2
folgt mit u e (s) = ueo S
Die Zeitkonstanten sind:
T,[=~=1O-3s R[
'
Durch Rücktransformation in den Zeitbereich folgt
b) Die Werte von uaCt) für t = 0 und t =
- - - - -- -
r
o
00
sind:
-\; f-20- -40-f-60- 1-80--100 -
-1,0
_J~ ____ L_
I
UeO •
- - - --
-- --
.........
----+ tlrns
- - --
-
Aufgabe 2.3 Mit a= -rp folgt aus GI. (2.34) . ( ) ua - I ue ·sm OJt . -V 1+(OJT1)2 A
ua(O) = + UeO und ua(oo) = -
_
Aufgabe 2.4 Nach einem Eingangssprung
folgt die Laplace-Transformierte Ausgangsgröße
Bild A.2 Sprungantwort zu Aufgabe 2.2 (Allpaß 1. Ordnung)
443
Lösungen der Übungsaufgaben
x0 l+sT y x . a s P S (l + sI] ) eO
x (s)=G(s)·_e_=K
Nach dem Grenzwertsatz ist
lim xa (t) = lim s· xa (s) = lim G(s)· xeo = K p T y xeo
t --->0
s--->=
s--->=
T[
und
lim xa (t) = lim s· xa (s) = lim G(s)' xeo = K pXeo .
t --->=
s--->O
s--->O
°
Vergleicht man die Sprungantwort mit dem Verlauf der Ortskurve, so sieht man: Das System verhält sich im Zeitbereich für t = wie im Frequenzbereich für 0)= 00, bzw. für t = 00 wie im Frequenzbereich für 0)= 0.
G(j W) IOJ=o = K p G(j·W)
IOJ== =Kp
Ty
T.[
•
Aufgabe 3.1 Aus Gi. (3.16) folgt die Übertragungsfunktion
- x( s) _ K PS GS ( S ) y(s) 1+ sT[
y(jw)
Daraus ergeben sich:
2
o .o.:,._~2__4_ _6_ _8_-Q-:.:Re o
bzw. der Frequenzgang
. ) - x(jW) _ Gs ( jW -
Im
K ps 1+ jwT[
-2
-4
10
-6
8
Bild A.3 Ortskurvenverlauf des P-T[-G1iedes zu Aufgabe 3.1 mit Kps = 10, T[ = 0,1 sund O)E =
Aufgabe 3.2 .. K ps Aus Gi. (3.16) folgt die Ubertragungsfunktion Gs (s) = - - mit
l+sI]
-[
lIT[ = 10 s
444
Anhang
Durch die Substitution (Ra + sLa) anstelle von Ra wird die Ankerinduktivität berücksichtigt, und wir erhalten:
Mit T2 =
La ergibt sich die Übertragungsfunktion der Strecke bei Berücksichtigung von Ra +Rb
La ZU einem P-T2-Glied: Gs*(s)=
K ps (1 + s~)(1 + sT2 )
Aufgabe 3.3 a) Aus Bild 3.19 folgt
Gs () s --~ML(s)
R
I+s~
2:rr· (co)
2
Mit den Abkürzungen
K PS =
T2 =
R 2:rr(co)
JR (cO)2
1 2 = 0,00877 --2
Ws
=005s '
ergibt sich die Übertragungsfunktion zu GS ( s )
K PS (1 + s~)
=
s
2
~T2
+sT2 +1
.
Das negative Vorzeichen ist durch die Abnahme der Drehzahl bei zunehmender Belastung bedingt.
.
1
b) Mit ML(s)=-·M LO und s
ß 2=_I_=10 ~T2 folgt
2 s- 2 ., a=_1_=25s-l. ' , 2T1
OJ=
Iß2_ a 2
"\j
=9,68s- 1
445
Lösungen der Übungsaufgaben
n(s)=GS(s)·ML(s)=-Kpsß
2
2
l+sI]
2
s(s +s·2a+ß )
MLQ.
Mittels der Beziehungen 13 und 11 der Korrespondenztabelle ergibt die Rücktransformation in den Zeitbereich
n(t) = -K ps
[1_e- at (cos OJt_I-OJa;2T2 sin OJt)] M
LO '
c) Das negative Vorzeichen soll bei der Ortskurvendarstellung unberücksichtigt bleiben. Es bedeutet, dass jeder Punkt der Ortskurve zusätzlich um 180 0 gedreht wird. 1
7
Im
mit der Zerlegung
\
9
0)=00
-1 9,5
-2
-3
(fJ /s
<\/
Bild A.4 Ortskurvenverlauf zu Aufgabe 3.3 (PD-T2-Glied mit
Kps = 1) Aufgabe 3.4 Der Frequenzgang folgt aus GI. (3.78) zu
Gs(JOJ) =
1 1- (OJT2 )2
Im
+ jOJI]
0)=0
0)=00
1,0
mit der Zerlegung:
Re
2
4
9
8
OJ/s
-1
Bild A.5 Ortskurvenverlauf zu Aufgabe 3.4 (P-T2-Glied mit
Kps = 1) Mit den Abkürzungen
446
Anhang T,
a=-I_. 2T22 ' folgt
.
ß2
IGs(j(O)I=r=~~== ~ (ß2 _ (02)2 + (2a(O)2
dIGs(j(O)1 =ß2 -4(O(ß2_(02)+8a2~ =0. 2 [(ß2 _ (02)2 + (2a(O)2 l %
d(O Daraus folgt
(02 _ß2= -2a 2 bzw.
(0= (Or =
ß~1-2D2
und
Im
Aufgabe 3.5
Re
Der Frequenzgang zu GI. (3.85) lautet
Gs(j(O) =
-1
~r
-1
J(O
lü=
=1
lü=
Kr
2
(O/S-1
Der Betrag
wird gleich Eins für
lü=
Kr.
Bild A.6
Kr 2
-2
lü=-
-3
lü= -
Kr 3
I
Ortskurvenverlauf zu -I
Aufgabe 3.5 (I-Glied Kr = I s ) Aufgabe 3.6 Für den Zusammenhang von Strom und Spannung an einem Kondensator gilt im Zeit- und im . ., du(t) BIldbereich z(t)=C-- 0--. i(s)=C[s'u(s)-u(O)] dt i( s) ----.
ur-l_l LJSC bzw. nach Integration
Bild A.7 Strom und Spannung an einer Kapazität im Zeitbereich (links) und im Bildbereich (rechts)
447
Lösungen der Übungsaufgaben
t
fi(r)dr=c[U(t)-U(Ü)]
=>
u(t)=
o
~
t
fi(r)dr+U(Ü).
o
Für Anfangswert u(O) = 0 erhalten wir t
u(t)=
~fi(r)dr
0--.
o
u(s) = _1_ i(s) .
sC
Aufgabe 3.7 a) Anhand von Bild 3.31 folgt sofort Fb (t) = K [vs (t) - va (t)] . b) Die vom Linearmotor erzeugte Kraft dient der Beschleunigung der Masse m
dv (t)
m-a-+K va(t) = K vs(t) dt
c) Die Übertragungsfunktion folgt durch Laplace-Transformation
_ va(s) _ _ 1_ GSI () S . vs(s) l+sTI
d) Der Zusammenhang zwischen Weg x und Geschwindigkeit
v (t) = dx(t) a
dt
Damit erhält man
0--.
Va
ist
448
Anhang
e) Mit v s (s) = v sO
s
x/rn
folgt x( s)
= Gs (s) . -v sO = s
2
1
s (l + sT1)
v sO .
Die Rücktransformation in den Zeitbereich entspricht der GI. (3.100) O-+-""'T'-~-.-----.--.-----.----.--.---
o
2
3
t
- ) : fI
4
Bild A.8 Sprungantwort zu Aufgabe 3.7 (I-TI-Glied für VsO = 1 m/s) Aufgabe 4.1 a) Aus Bild 4.17 ergibt sich die Führungsübertragungsfunktion
G (s) = x(s) = K PR K IS w w( s) s + K PR K IS Für Wes) = Wo s
folgt
Nach dem Grenzwertsatz gilt
lim x(t) = lim s . x(s) = wO' t---7 oo
S---70
d. h. die bleibende Regeldifferenz verschwindet. e( 00 ) = Wo - x( 00 ) = 0 .
b) Entsprechend folgt aus Bild 4.17 die Störübertragungsfunktion
G (s) = x(s) = z
z(s)
Mit
z(s)=~ s
wird
K IS s+KpRK IS
449
Lösungen der Übungsaufgaben
und nach dem Grenzwertsatz
lim x(t)= lim s·x(s)=~, s~o K pR
t~oo
In diesem Fall ist e( 00) = x( 00) =
~, K pR
da in der Stärübertragungsfunktion x nicht den Absolutwert, sondern nur die Änderung infolge
z darstellt.
c) Bei einem Führungssprung wird der vorgegebene Wert von der Regelgröße asymptotisch erreicht, d. h. die bleibende Regeldifferenz wird Null. Dagegen wird der Einfluss eines Störsprungs mit zunehmendem KpR verringert aber nicht beseitigt. Aufgabe 4.2 Die Störübertragungsfunktion lautet Gz(S)=x(s)= z(s)
2 S
sKIS +KIRK IS
Für z(t) = Zo . (J(t)
0--.
z(S) =
~ s
ist
und nach Rücktransformation folgt als Sprungantwort
eine Dauerschwingung mit der Amplitude Zo
IS
~ -KIR
um den Nullpunkt. D. h. die mittlere Regeldifferenz wird zu e(oo)=O.
450
Anhang
Aufgabe 4.3 R R
Bild A.9 PI-Regler mittels Operationsverstärker zu Aufgabe 4.3
R
Aus dem Schaltbild folgt die Übertragungsfunktion
GR(s)= YR(s) e(s)
=R z (1+_1_), R]
. Rz wonn K pR = und
sCR
Tn =CR.
RI
Aufgabe 4.4
Für Tn = Tl erhält man aus GI. (4.71)
Daraus folgt mit
ß
z=
KpRK pS .
T]
z
'
1 K pR = - - .
K ps
Die minimale Dämpfung beträgt
D=1.
451
Lösungen der Übungsaufgaben Aufgabe 4.5 Der Frequenzgang des PD-T2-Reglers lautet
. ) - YR (jOJ) _ K 1+ jOJTy GR ( JOJ - PR e(jOJ) 1-(OJT2 )2 + jOJTI
.
Zur Kurvendiskussion wird GRVOJ) in Real- und Imaginärteil zerlegt 2
Re (G ) = K R
PR
2
1- ( OJ T2 ) + OJ Tt Ty [(1- (OJT2 )2]2 + (OJTI )2
0,6
10 Re -10
50 -10
1,0
j
Bild A.I0 Ortskurvenverlauf ZU Aufgabe 4.5 (PD-T2-Glied)
1,4
- 30
Aufgabe 4.6 Die Führungsübertragungsfunktion des Regelkreises ergibt sich zu
x(s) KpRKIS(l+sTy) G w (s) = - = _ _----"....0-"------=--_-----'--_ _ w(s) K PR K IS + s(l + K PR KISTy ) bzw. mit der Abkürzung KpRK IS a = -----':....::..:..----""'---
1+ KpRKISTy
Gw(s)= x(s) =a1+sTy w(s) s +a Für w(t) = Wo . CY(t)
0--.
wird
x(s)=a
1 +sTy s(s
+ a)
wo.
w(s) = Wo
s
452
Anhang
Nach Rücktransformation in den Zeitbereich folgt
x
i Bild A.ll Führungssprungantwort zu Aufgabe 4.6
-------1----------------- ---wodFv o--+----~----------<.--
o
-t
Aufgabe 6.1 a) Die charakteristische Gleichung ergibt sich aus 1 + G R (s)GS (s) = 0 zu
1+ KpRKpS
1 (l+sTl )
3 =0
2 bzw. s 3 . _Tl3 +s 2 ·3T 3Tl +l+K pR K-pS' =0. '------v----' '-v l +s· ---."........ a3
a2
a\
ao
Nach Hurwitz ist ein System 3. Ordnung instabil für 3
3
ala2 -a3 aO=9Tl -(l+KpRKps)Tl <0
8
bzw. K pR >--. K ps b) Für K PR
x(s)=
= K PRkr = _8_ K ps
8
und wes) = Wo ist s
8
1
T? s (s+-3J[ s 2 +3] -
·wo=_·
s[(l+sTl )3 +8]
Tl
Mittels Grenzwertsatz folgt daraus
lim x(t) = lim s· x(s) =
t-'t 00
s-'t 0
~ Wo 9
bzw. die bleibende Regeldifferenz e( 00 ) =
Wo Wo - x( 00 ) = - . 9
T?
·wo·
Lösungen der Übungsaufgaben
453
c) Aus GI. (6.12) bzw. GI. (6.13) folgt für a= 0
(O=(Okr
~ 13
~
=~ -;;; =~ ~
=r;.
Aufgabe 6.2 a) Die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises lautet
1+ sTn
GO (s) = G R (s) . G S (s) = K PR K PS - - - 2-2-"------sTn (s T2 + sTI + 1)
mit der Polverteilung sI = 0 ;
Es ist also
nj =
s2 = 0,1 s -I ;
s3 = 0,05 s -I .
1 und n r = O.
Nach dem Nyquist-Kriterium (Bedingung 6.43) muss bei Stabilität die Winkeländerung ,1m=(2n .,..
1r
r
1r
+ n·) .-=+1 2 2
betragen. Wir diskutieren zunächst den Ortskurvenverlauf von
mit der Zerlegung
Im
10 Re
1
1-30
10
-20
1
1
j)\symptote
1 1 1 1 1 1
-10
-20
1
1 1
-30
Bild A.12 Stabilitätsbetrachtung nach Nyquist: P-Tz-Strecke und PI-Regler (instabil)
454
Anhang
Wie der Ortskurvenverlauf zeigt, beträgt die Winkeländerung des Fahrstrahis [1 + Go(jOJ)]
3 AqJ=-2JZ" , d. h. der Regelkreis ist instabil. b) An der Stabilitätsgrenze muss die Ortskurve Go(jOJ) durch den kritischen Punkt Pkr gehen, d. h. für
= -I
Im [Go(jw kr)] = 0 muss
Re [Go(jw kr)] =-1 sein. Daraus folgt
-KpRK ps -Ti - - 1 ] =-1 [ TnT)
c) Durch die Hinzunahme des D-Anteils wird die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises
Die Polverteilung ändert sich gegenüber a) nicht, und die Forderung
,.
JZ"
AqJ=+ 2 bleibt bestehen.
Die Zerlegung des Frequenzganges Go(jaJ) in Real- und Imaginärteilliefert: 2
2
Re(G )= KpRKps . Tn [(l-(wT2 ) ]-1J(I-w TnTv ) o Tn (WTt )2 +[(I-(WT2 )2f
(A.l)
(A.2) An der Stabilitätsgrenze muss für
Im [Go(w kr)] = 0
(A.3)
Re[Go(w kr )] =-1
(AA)
sein. Die erste Bedingung (A.3) liefert mit GI. (A.2)
Lösungen der Übungsaufgaben (1- m 2 T T ) = _ ~kr n v
455
2
lOkrTn ~ . 1- ( T )2
lüJcr
(A.5)
2
Gi. (A5) in Gi. (Al) unter Berücksichtigung der Bedingung (A4), eingesetzt, ergibt
Re [G (OJ
o
kr
)] =
KPRK pS =-1 1-(OJ T )2 kr 2
bzw.
1 + K PR K PS
r.,Z
LVkr
Z
Tz
= 0,03 s
-Z
Mit OJ~ in Gi. (A5) eingesetzt, folgt
Für Tv > 2,3 s wird die Ortskurve in der in Bild A.13 gezeigten Weise verformt. Die resultierende Winkeländerung ist dann, wie bei Stabilität gefordert, Alp = 1m
Jr
+-. 2
10
Re I
1-30
-ZO
10
I I
vAsymptote
I I I I I I I I I
Bild A.13 Stabilitätsbetrachtung nach Nyquist: P-T2-Strecke und PID-Regler (stabil)
--20
-30
Aufgabe 8.1 Die Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises lautet:
K PR K PS (l + sTn ) GO (s) = -----"-''-'----''--'''-'--------'''-'----sTn (1 + sT1)(l + sTz )(1 + sT3 ) Zunächst wird die größte Zeitkonstante der Regelstrecke mit der Zeitkonstante des Reglers kompensiert, d. h.
Tn = Tgrößte= Tl = 8,5 s.
456
Anhang
Da T2 :2: 5· T3 gilt, werden die beiden restlichen Zeitkonstanten durch eine Zeitkonstante TE ersetzt:
Damit entspricht die Übertragungsfunktion des offenen Kreises dem Grundtyp A. Nach dem Betragsoptimum für Grundtyp A folgt:
Aufgabe 8.2 Für die gegebenen Werte Tv schnittenen Kreises zu
= Tl und TR = 0 ergibt sich die Übertragungsfunktion des aufge-
1 + sT GO(s) = K O - - -I ,
l-sTI
worin Ko = KPR Kps ist. Es gilt n r = I und nj = O. Um das Bode-Diagramm zu ermitteln, wird KpR = I bzw. 20 IgKo = -12 dB angenommen. Die Null- und Polstelle haben gleiche Realteile, jedoch mit unterschiedlichen Vorzeichen. Dadurch kompensieren sich die positive und negative Steigungen des Amplitudengangs gegenseitig im Bode-Diagramm (Bild A.14).
IGl dB
i
10-2
t
OdB
201gKo
+
LldB, , " +20 dBlDek
:",
,~:O dB/Oek
- 20 dB+-----+------::.---
rß 0))
i
90°
10-2
0° I-"-"'-----=--+'-"------:::;--~--
Bild A.14 Bode-Diagramm des offenen Kreises
l+sT
I GO(s)=K O- l-sTI
Die Stabilitätsbedingung nach dem vollständigen Nyquist-Kriterium (6.61) (im vorliegendem Fall Vp - Ur. =0,5) wird erst dann erfüllt, wenn die O-dB-Linie um 41B = 12 dB bzw. LI K = 4 nach unten verschoben wird, weil dann der einzige halbe positive Schnittpunkt (So Betracht kommt. Der geschlossene Kreis wird bei KpR > LI K bzw. KpR> 4 stabil.
Aufgabe 9.1 Für Xl = 0 ist der Regelkreis linear. Die charakteristische Gleichung folgt aus
1
- - - - - + 1 = 0 bzw. G R (s)GS(s)
= + 1/2) in
Lösungen der Übungsaufgaben
-
457
S3 TIT22 +s2 TITi +sTI +Ks =0. ~
G3
~
'---,-'
GI
G2
Go
Nach Hurwitz muss bei Stabilität
2 ala2 -aOa3 =T?TI -K s TIT2 >0 bzw.
sein. Demzufolge ist im Fall a) (TI< 0,4 s) das System instabil und im Fall b) (TI> 0,4 s) stabil. Aufgabe 11.1 Der Wirkungsplan des analogen Regelkreises ist im Bild A.15 gezeigt. Der geschlossene Kreis hat den P-T I-Verhalten
G
s _ GO(s) w( )-I+G (s)
o
KIRK ps s 1 + _K-=IR=-=-----K-=--p=-S s
KIRKpS s
+ KIRK pS
1+
1 1
KIRKpS
s
mit der Zeitkonstante
1
----,1- = 0,0625 s
2s- ·8
und dem Proportionalbeiwert Kpw = 1. Beim Eingangsprung wo =2 erreicht die Regelgröße den Beharrungszustand x( 00) = Kpw ·wo = 2, wie die Kurve in Bild A.16 zeigt. Wird der analoge Regler durch einen digitalen I-Regler ersetzt, kommen die Differenzengleichungen in Betracht: •
Regler: Yk = Yk-I
+ KIR . TA
ek + ek-I . --"'-----"'---=--
2
•
Additionsstelle: ek = wk - xk
•
Regelstrecke:
xk = K PS . Yk
Bild A.15 Wirkungsplan des analogen Regelkreises
Ersetzt man Yk-I und Yk durch Xk-I und Xk
Yk-I =
Xk-I
K
pS
'
so ergibt sich die Gleichung des geschlossenen Regelkreises zu
-Xk- -_ -xk-I - + K IR' TA' K pS K pS
ek
+ ek-I _ xk-I - - + K IR' TA' _W--"k'------_X-"k~+_W__"k'-----'--1_-_x--"k"----_=__I 2
K pS
2
458
Anhang
Unter Beachtung Wk_1 = \\\ ftif den Eingangssprung findet man schließlich die rekursive Formel rur die abgetastete Regelgröße:
Daraus folgt flir die Kennwerte des Regelkreises:
I
1
2-2s- ·8·0,05s ·8·0,05$ x" = I-O,5·2s. xk_l + I . IVk_1 1+0,5-2$ 1· · ,05s 1+0,5·2.\" ·8·0,05s 8 O
bzw. Xk
= 0,43· xk_l + 0,57, IVk_1
Die Sprungantwon wird berechnet. angefan-
=
=
gen von xo 0 und \1'0 2. Daraus ergibt sich das poTt-Verhalten (Bild A.16):
xl =0,43·0JKl+057·2=1.I4
X(I)
t
2.0
f-
x2 =0,43·1,14+0,57·2=[,63 x3 = 0.43·1,63+0.57·2 = 1,84
1.0
=0,43·1,84+0.57·2=1.93 Xs =0,43·1.93+057·2= 1.97
o
""4
x6 =0,43·1.99+057·2=1.99
1/
Bild A.16 Sprungantworten zu Aufgabe 11.1
Aufgabe 11.2 Der gegebene analoge I-Algorithmus wird zuerst differenziert
und nach der Rechleckregel mit r = kTA unter folgendem Ansatz digitalisien (Bild A.17): 07
e(r) "" ek_l
0.6
Yk = Yk-l
0.5
+ K JTAek_1
'
0'
wonach die U'k)-Folge aus der gegebenen
03
(ek)-Folge ek = 2(kTA )2 berechnct wird,
0.2
Um das Ergebnis zu prüfcn. kann man dic gegebene Eingangsfunktion als Step-Block e = 4 mit dem nachgeschahctcn Doppel-IGlied mit MATLAB/Simulink simulieren, wie in Bild A.18 gezeigt isl. Die Begrenzung e(t) = 0,5 ist mit dem Block Salltmt;011 und die AbtaslUng mit Zero·Order-Hold Blöcken berücksichtigt.
0' 00
0.2
0'
0.6
0.8
Bild A.17 Ein- und Ausgangsfunktionen des analogen und digitalisierten I-Algorithmus
459
Lösungen der Übungsaufgaben
--,
e(l)
Integraler 1 ~
Step e.4
, •
~
, •
Sal..-a1ion .on 0 bis 0.5 ~
Inlegralo< 2
"'
.~
~
, Ki.2
~
sampIe time 0.5
,
•
~
T0 Wor1<space Sample1ime 0.1
Ze
"
~
Integralo<
ZOOI-Order 2 sample time 0.5
TO WOI1<space sampleHme 0,
Bild A.18 Simulation eines digitalisierteIl I-Reglers mit dem Eingangssignal e(/) = 2 /2. Die TrepPCllfunktioll (Yk) = j(ek). erstellt mit dem MATLAB-Bcfehl srairs (k. )"k). ist im Bild A.17 gezeigl. Für die kontinuierliche Funktion )"(1) = fl e(t)} gilt der MATLAB-Befehl plo/(k. )"k).
Aufgabe 11.3 Die Differellzengleichullg wird aus der Differentialgleichung nach dem Typ I Hir zwei Abtastschrille ; = kund i = k - 1 abgeleitet:
TR
YRk - YRk-l
TA
TA
~
+ YRk =KpRek +K pR -~ei Tl! ;=1
Daraus bilden wir den Zuwachs der Stellgröße beim Schritt k .1YRk = YRk - YRk-l
bzw.
Unter Beachtung k
k-I
I e i - I e i =ek ;=1 i=1
und mit Bezeichnungen .1YRk_1 = YRk-1 - YRk-2 und Liek = ek - ek_l
ergibt sich die Lösung aus der letzten Gleichung zu
460
Anhang
Aufgabe 11.4
a) Nach analogem PI-Regelalgorithmus
YR (t) = K PR [e(t) +
:n f
e(t)dt]
erreicht die Stellgröße den Wert
YR=6 zum Zeitpunkt t = 2,0 sec, wie aus der Sprungantwort für den Eingangssprung lich (Bild A.19).
eo =
2 ersicht-
,, , : KpR·e O
~ ----------------r--f :
Bild A.19 Sprungantwort des analogen PI-Reglers
: KpR·e O
.......-- Tn---------tJo-:
o
0,5 1,0 1,5
- - tls
b) Der digitalisierte PI-Regelalgorithmus lautet: YRk = YRk-1
+ K PR (ek
- ek-I)
+
KpRTA
Tn
ek-I
bzw.
Vor dem Eingangssprung ist k = 0 und ek-l = 0, Yk-l = O. Nach dem Sprung sind die abgetasteten Werte eo = el =... = e4 = 2. Damit ergibt sich für die Stellgröße (Bild A.20):
~
r--
-
YRo
o
= 0,00
-
YRI
= 3,00 + 1,5·(2 - 0,75·2) = 3,75
YR4
YR2
= 3,75 + 0,75 = 4,50
YR3
= 4,50
+ 0,75 = 5,25
YR4
= 5,25
+ 0,75
YR3 YR2
YRI
+ 1,5·(2 - 0,75·0) = 3,0
YRO
= 6,00
Bild A.20 Sprungantwort des digitalen PIReglers mit TA= 0,5 s
461
Lösungen der Übungsaufgabcn Aufgabe 12.1
Das MATLAB/Simulink-Progrtllllm des Regelkreises mit dem PI-Regler ist in Bild A.21 gezeigt. Dcr Regler hat gleiche Einstellung wie der Smith-Prädiktor in Bild 12.4.
•
w
>_.,,~-.JSum2_ ~AnteiL Integrator
Muxl
To Workspacel
G-----+= To Workspace2
Ctock
EJ
plol~.y)
Bild A.21 MATLAB/Simulink-Programm des Regelkreises mit dem "klassischen" PI-Regler
, ", " " ."., ." .'.
Mit dem Befehl
"'01 (I.
y)
wird die Sprungantwort ausgegeben. die in Bild A.22 dargestellt ist. Der Sprung der Führungsgröße 11"0 = I erfolgt zum Zeitpunkt r = 5 s.
0
Aus dcm Bild A.22 folgt. dass PIRegler instabil ist.
der Regelkreis mit dem
..
,
"
'"
~
'"
Bild A.22 Sprungalltwort des Kreises mit PI-Regler zu Aufgabe 12.6
Aufgabe 12.2 Es werden alle vier Eingangswerte (0. 0). (0. I). (I. 0) und (I. I) nacheinander dem KNN vorgegeben. Die Netzantwort y = I wird zur Klasse A und y = 0 zur Klasse B zugeordnct. Die Lösung ist im Bild A.23 gczeigt. Daraus erkennt man sofort. dass das KNN dic logische Funktion XOR gelernt hat. Charakteristisch fUr die Mehrschicht-KNN ist die Klassifizierung mit Hilfe von mchreren Geraden. Das entsprechende MATLAB-Programm ist unten gezeigt. x1: 1; x2: 1;
% Eingabe für Punkt (1, 1)
Av
% Aktivierung des verdeckten Neurons
= -
6.4 • x1 - 6.4 • x2 + 2.2;
v = 1 1(1 + exp (- Av) );
% Ausgang des verdeckten Neurons
462
Anhang Ay
=
--4.2 • xl -4.2' x2 - 9.4 • v + 6.3;
if Ay > 0
% Aktivierung des Ausgangsneufons % Transfertunklion
y .. 1;
% Klasse A
plot (xl, x2, 'x');
% Graphische Darstellung mit .x"-Zeichen
elseif Ay < 0 y = 0;
% Klasse B
plot (xl, x2,'o');
% Graphische Darstellung mit ·c"-Zeichen
eod
% Ende der if-Blocks
hold on
% Die Grafik im Fenster halten
X2
KlSH9
A
x
o
Klaue S
0
o Klasse B
o
-X<
Bild A.23 Klasseneinteilung des trainierten KNN
Aufgabe 14.1 Slwung_ ....... P-T,-I3OoOo.
::F.=T.,.~==J
.. ...
1 • • ••.••• , ••.••• -
;;
- ~ ••••••••• -:..... • ••• !
i oe
o . -. -_.. , ........• ~
_
~
.
.-:....
Die Sprungalllwort (Bild A.24) des Regel kreises mit Übenragungsfunktion G(s) =
KO
(s-spl)(s-sp2)
mit
Ko= 0.041 Spl = - 0.29 Sp2=-O.11 iSl nach dem folgenden Programm simuliert: [ ];
.,. ~p
.. [-0.29 -0.111:
Bild A.24 Sprungalltwort eines P-Tz-Glicdes
"k=0.041:
mit Sp! = - 0,29 und Sp2 = - 0, 11
" [ num, den ~
J.. zp2tf ( Z,
step ( num, den, 'k' )
p, k) :
Lösungen der Übungsaufgaben
463
Aufgabe 14.2 Nach MATLAB-Anweisungen »pol=[0.1 »
0.6 1];
roots(pol)
werden die Polstellen des Nennpolynoms ermittelt ans
= -3.0000 +1.0000i -3.0000 -1.0000i
und in das folgende Programm eingesetzt. »z = [ ]; »
p = [-3.0000+ 1.0000i
»
k = 0.4;
» [ »
-3.0000 -1.0000i ];
num, den 1= zp2tf ( z, p, k) ;
step( num, den)
Aufgabe 14.3 Zunächst wird die Übertragungsfunktion des PIO-Reglers GR(S), wie in Beispiel 5.3. gezeigt, in zwei PD-Glieder GI (s), Gz(s) und ein I-Glied G3(S) zerlegt: (1 + sT~ )(1 + sT~ )
G R (s) = GI (s)· G Z (s) . G 3 (s) = K PR ---"-------'---sTn
Die Zeitkonstanten sind: T~ =7,24s;
T~ =2,76s,
T n =T~ +T~ =lOs.
Die Berechnung des Amplituden- und Phasenganges erfolgt nach folgenden Formeln:
absGl = 201g1 GI (jOl) 1= 201g K PR + 101g [1 + (OlT~)Z]
absG2 = 201g1 G z (jOl) I=lOlg[1 + (OlT~)Z]
absG3 = 201g1 G 3 (jOl) I=-201g(OJTn ) Der Verlauf des ermittelten Bode-Diagramms ist im Bild A.25 gezeigt. Die mit MATLABEditor manuell eingetragenen Asymptoten lassen die Ergebnisse auswerten. Der m-Bereich von -z -I -I -I 10 s bis 10 s ist durch Eckfrequenzen mEl und mEZ (Variablen omn, omv) unterteilt: OlEl = 11 T
n
= 0,138 S-I
Der Amplitudengang des I-Gliedes soll die m-Achse für KlO = KpR/Tn = 2 s-I schneiden. Der KpR-Wert kann aus 20·lg (KpR)
= 26 dB ermittelt werden. Für
464
Anhang
Das MATLAB-Programm ist unten gezeigt. % Eingabe
K=20;
von
Parametern
Tn = 7.24;
Tv", 2.76; w = logspace(-2,1);
% lI}-Bereich 10
omn .. w'Tn;
%wTn
Dm"
%
lJ)
Tv
%
OJ
(rn + Tv)
w"Tv;
=
omnv .. w'(Tn+Tv};
_2_11_1
s
bis 10 s
absGl = 20'logl0(K)+ 10'10910(1+omo.'omn) ; % Berechnung des Ampliludengangs absG2 .. 10"109 10(1+om,,:om'l);
absG3 '" -10·logl0{omnv."omnv); absG = absGl + absG2+absG3; subplol{211 );
% Das erste Fenster öffnen
semilogx(w, absG); grid;
% Ausgabe des Amplitudengangs
sUbplot(212);
% Das zweite Fenster öffnen
phi1= atan{cmn);
% Berechnung des Phasengangs
phi2=atan{omv);
phi3=-pil2; phi = phi1 +phi2+phi3;
semilogx(w, phi'18D/pi); grid;
% Der Phasengang (in Grad)
'" r--,---,--',r,,",,-;-,T,T,r---;--,---;-,-"-;-,T,',',T---,--;-r,r,,",,-;-T,T,1
. ''''''
·" ... ' ',' " , , ,' '.', "" "" "' '" " · _..... '''' "." " ..... '" __ .....'_'..... __ ... ·, ... ,,,.,, '''''' " " " ' " """'" · " . " ," " " ''" '' ., •• " "
.. ....
"'"
""'"
'"
"," "'' " .,, ,'," , " "" " " , . ," ' " ,, ----,"---,--,..-,-r" H -- - - , - - -,- -r -,- t111 t - -- - -,-- -.- - r -,- r
3J
,"_"_"_"_';:_"_"_"li-_"_f~-il"j:1TI:l: ;"I":";"='="~"~"j'~"I"I~:"!: "I:j1jl"!'"r"_"_"_';:-_"_"li-_""!"""i"";!_1l'l:'l:J -'-
_---~-_
20 l 1O-l
_
10. 1
, ., " , . , _. __ , ._,_. " "" , "" " "." . , . " " ,."""
_---~
..
10 1
10°
"" 1--'--'--:::"::::: ::T:--rt':-:: :::::::::::r:::=;::=;:::+~:::;:::q:: ':1 · ..", ." . " , , , . , ..., , "0
100
'"o
·" " .. ,,,.,, ." · ..",,,.,, ,-_!,--:--:-,-""__
- - - -,- - -,- -.--,-r n
H
-- -- -,
L __
- -,- -,- -,-
."
r- -- - -,-- -,- - r -,- r ,-"
..
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.
I::~:::::::::::::::::::::::: - - - -, - - -:- -H-' , T~ -~ H H r- -- --:-- -:- -~ .:- ~,,, ~==i:=::t: :::[:J:1:l:;:l:,_~:~j:_l: j:1:;:j:j:J:7--;:-1:~:j:J:_:~: ;:J -100~ ·OJ
lO- l
-- - - , - - -:-
10. 1
-:-
10 1
10°
8ild A.25 Bode-Diagramm eines PID-Gliedes mit K PR == 20;
T~
== 7.24 s; T~ == 2.76 s
Tabellen
465
Rechenregeln der Laplace-Transformation Satz
Rechenregel
Definition der LaplaceTransformation
L[x(t)]=x(s) = fx(t).e-st ·dt
Linearitätssatz
L [a' xl (t) + b· x2 (t)] = a· L [Xl (t)] + b· L [x2 (t)]
Dämpfungssatz
L[e- at 'x(t)]=x(s+a) mit x(s)=L[x(t)]
Differentiationssatz
00
0
L[d" X(t)] =,". L[x(t)]n dt
- sn-I. x(O) - sn-2 . i(O) - ... - s· x(n-2) (0) - x(n-l) (0)
Integrationssatz
Verschiebungssatz
Anfangswertsatz
Endwertsatz
L
[[xc<) d+ ~ L[x(t)1
L[x(t-r)]=e- sr ·L[x(t)] für 'Z'~O
lim x(t) = lim s· x(s) t~O
s~oo
lim x(t) = lim s· x(s) t~oo
s~O
t
Faltungssatz
t
L[XI(t)]·L[x2(t)] = f XI (r),x 2 (t-r).dr= fXI(t-r),x2r.dr 0
Residuensatz für eine n-fache Polstelle in s = a
0
n l
d - ~(s-a)n·G (s)e st ] Res ~G(s)e st ] s=a = -1- - lim (n-l)! s~a ds n - l
466
Anhang
Korrespondenztabelle Nr.
j(s)
1
1
-
sn
---
1
a
s s2
+oi
s2
OJ + OJ2
cos mt sin mt e-ßI _e- al
1 (s+a)(s+ ß) 1 (s+at
-at
~(I-e-al )
s (s + a)
7
11
e
s+a
6
fürt=O fürt;toO
(n -I)!
1
5
a-ß n-l
-t - - · e -at
für n>Ü
(n-1)!
1 s (s+a)n
l
a,
H,~o ra:n,-a<
-1 . ( e SI I -e Sz I ) 2w
1 s2+ s . 2a +ß2
1 -al . -·e ·sm OJt OJ
12
13
-1. ( sIe SI I - s2e S2 I) 2w
s s2+ s . 2a +ß2
1 s(s2 +s2a+ß2)
=0)
t n- I --
1
--
(für t< 0 ist!(t)
1
s
4
10
o
-
3
9
{oe
o(t) -
1
2
8
j(t)
.lü) e -m . ( cos lü t - a OJ' sm t
_1_'(l+~.eSII ß2
2w
_l.eszl) 2w
D= a >1 ß (D
D= a >1 ß (D
D= a >1 ß
_l_.[I-(COslüt+ a .sinOJt).e- m ] (D
In den Beziehungen 10, 11 und 12 ist: w = ~ a 2
- ß2 ; OJ =
~
ß2 -
a 2 ; s 1,2 = - a ± w = - a ± j
OJ
467
Tabellen
Sätze der Laplace- und z- Transformation Sätze
Kontinuierliche Systeme
Abtastung
00
00
y(t) = fX(T)g(t-T)dT
Faltung
0
Laplace-Transformation Transformation
00
00
fes) = If(t) e-stdt = L[f(t)] 0
Inverse Transformation
f(t) =
Linearität
2~ ff(S) e stds
f(z)= Lf(kT)"Z-k =Z[x(kT)] k=O f(kT) =
= Tl [fez)]
L [cdl (t) + c2!z(t)]
Z [cdl (kT) + c2f2 (kT)]
=cl" fl(s)+c2" !z(s)
=cl" fl(Z)+c2" !z(z)
Z [f(kT -nT)] = f(z) "z-n
L[x(t+a)]
Z [x(kT + nT)]
a =[f(s)- If(t)e-stdt]e as
n-l =[f(z)- Lf(qT)z-q]zn q=O
0
Dämpfungssatz
L[fU)"e- st ] = f(s+a)
Anfangswertsatz
f(+O)= lim s"f(s) s ---7 00
t
t
Z [f(kT) "e-
akT ] = f(z" e aT )
f(O) = lim fez) Z---7 00
Wenn lim f(t) existiert, dann ist Endwertsatz
-->=
Wenn lim f(kT) existiert, dann ist k---7=
lim f(t) = lim s" fes) S---70 ---700
00
flg(t)1 dt <
00
Stabilität
2~ ff(z) zk-ldz
l = D [fes)]
L [fU - a)] = f(s)" e-as Verschiebungssätze
y(nT) = Ix(kT)"g[(n-k)T] k=O z- Transformation
0
Alle Pole von G(s) in der linken s-Halbebene
lim f(kT) = lim z -1 fez) k---7 OO Z---71 Z 00
II g(kT) I<
00
k=O
Alle Pole von G(z) im Inneren des Einheitskreises der z-Ebene
468
Anhang
Tabelle der Laplace- und z- Transformation Für t < 0 ist fit)
=0
Funktion im Zeitbereich
Laplace-Transformierte im Bildbereich
Diskrete Laplace-Transformierte nach z- Transformation
f(t)
f(s)
f(z)
1
1
-
--
2
t
-
1 s2
Tz (z _1)2
3
t2
-
2
2 T z(z+1)
s3
(z _1)3
4
t3
-
6 s4
T 3 z(z2 +4z+1)
Nr.
t
5
n
1 s
n! --
z z-1
(z-I)4
r1m -an- ( z ) bzw. s\---.o asf z_es\T
sn+l
- zT -at
6
e
7
t· e
1
--
s+a -at
8
t 2 . e -at
9
t n . eS]t
10
1 -e -at
1 (s + a) 2 2 (s+a)3
n! ( s - SI )n+ 1
.~{Z[(kT)n-l]} aZ
Z -aT z-e e- aT . Tz (Z_e- aT )2 e- aT ·(z+e- aT )T 2 z (z_e- aT )3
an ( z ) asf z_es\T
a
(1- e -aT) Z
s(s+a)
(Z -1)(z -e- aT)
469
Tabellen
Fortsetzung Tabelle der Laplace- und z- Transformation Nr.
Funktion im Zeitbereich f(t)
11
at -1 + e- at
12
e -at -e -bt
LaplaceTransformierte im Bildbereichf(s)
s2
a2 (s+a)
Diskrete Laplace-Transformierte nach z- Transformation fez)
(aT -I +e- aT ) z2 +(l-aTe- aT _e- aT ) z (z_I)2(z_e- aT )
b-a
(e - aT - e - bT ) z
(s + a)(s + b)
(z - e - aT )(z - e - bT) Z (z -1)(z - e-aT)(z - e- bT )
(a-b)+
13
ab(a -b)
+ be -at _ ae- bt
ses + a)(s + b)
- {(a - b - ae -bT + b e -aT) z + +[(a_b)e-(a+b)T _ae- aT +
+ be-bT ])
14
ab(a-b)-t+ + (b 2 - a 2 )-
ab(a-b)Tz a 2b 2 (a-b)
_b 2e- at +
s2(s+a)(s+b)
2 -bt +a e
15
sin mt
16
cos mt
17
e- at sin mt
18
e- at cos mt Spezialfall: mT =
(z-1)2 -
+ m2
m (s+a)2 +m 2 s+a (s+a)2 +m 2 1r
e -akT _cos( m k T) = ( -e -aT)k
z-l
-
z -sin mT z
2
- 2z -cos mT + 1
z(z - cos mT)
s s2 + m 2
(b 2 -a 2 )z
2 2 b z a z + -aT -bT z-e z-e
m s2
+
z
2
- 2z -cos mT + 1
z - e - aT - sin mT 2 z - 2z - e - aT - cos mT + e - 2aT z 2 - Z - e - aT - cos mT Z2 -2z_e- aT -cosmT+e- 2aT Z -aT z+e
470
Anhang
Tabelle der wichtigsten Regelkreisglieder Regelkreisglied
Übertragungsfunktion Differentialgleichung
= x a (s)
G(s)
Sprungantwort
xe (s)
P
GS(s)=K p
xa(t)=Kpxe(t)
l~I KpxeO
t
xa
P-TI
Tlx a (t)
Kp
+ X a (t) = K p xe(t)
Tl T2 xa (t) + (Tl
Kp
aperiodischer Verlauf bei D . a mIt D=ß
P-T 2
~
1
Kp
I
I-Tl
x a (t) = K I fX e (t) dt
Tlx a (t)
+ x a (t) = K I fXe(t)dt
Xa
s T2 + sTI + 1
= K p xe(t) =
KI
-
S
KI
s (l + sTI )
!
h
t
Kpfeo t
~(
e- i
Kpß2 s2+ s . 2a + ß 2
KpxeO
-- Tu "-
2 2
ß
gedämpft schwingend bei 0 < D < 1
__
K
p -sI: '" 1+ sT e u g
~Xa (t) + 2D xa (t) + x a (t) ß
Xa
(1 + sTI )(1 + sT2 )
+ X a (t) = K p Xe (t)
t
~=~)
1 + sTI
+ T 2 )xa (t)
'r>-Tl~
-
KPt,o
-
x'lhi'
t
KIxeo
xa
.XeO
'1
lIKI
1
t
~
IL;
"
- - T]I-
1
t
Tabellen
471
Bode-Diagramm
Ortskurve
=~Kp-j
,
Re
~(O)r
201gKp: (0
0°
• •
t
r
'G'dBlt.201gKp " : '
VRe
~ (0)
cq, = I/TI
(0
"
,
111,'1 -20 dB/Dek
-9g: f ~mm'
F'ci} R
a
1S t !+1-'
TI=RC
u m
11,) ~=o G O
;
T
,D> 1
L20 19 K p :
Im
(M)Re
OJ
"".
:
~Kp-lw=o
00
a
jm ~Kp-lw=o
: TI
~a GCI c,I1x.
~OJ)
D-O
jm
OJ
'~ ~O
_90° -------
~--
~D-;l------
-180°
/': sI ,, ,, \ : , '
a
',i"-52 __
-1
'G'dBl
0)=00
w=KI
Re
i
w=O
Im lw= 00
fluT I Re rJKrTI ro-,-+
w=ü
RI
R2
R
L
- 40dBIDek
0°
Im
ß} R[
S - Ebene
Im 01=00
Beispiel
jm
IGI'ß1
Im
Pol-NullStellenVerteilung
~KI " "- 20
~~~l _90
(0
dB/~ek ,
0
IGldB
OdB ~(O)
'\"kk :
'"Kr
I
~xa = n 1[0 ] I '\ -f =r.:.:.-..:::: .-..= ~F:- f- ~-=-~ =--. ~ ---------xe
.:".:"
~
~
a
= 11 Kr
jm (0
,, \ , -40 dBlDek
1/TI -90° ----~--------
-180°
-+a
G ~f}
1SI :-1-. ! Tl
s2
a
~ ~"
-=-_ _
Xa
472
Anhang
Fortsetzung Tabelle der wichtigsten Regelkreisglieder Regelkreisglied
Differentialgleichung
Übertragungsfunktion
xa(t)=KDxe(t)
s·K D
D
XL Sprungantwort
iI
r~~
xa D-TI
Tlx a (t) + x a (t)
= K D xe (t)
I\:K
s·K D
T~ xeO
l+sTI --+
PI
K p(I+_1) sTn
Xa (t) = =K p [Xe(t) + ;n fXe(t)dt]
PI-Tl
Tl xa (t) + x a (t) = =K p [Xe(t) +
PD
x a (t)
=Kp
;n
bzw.
l+sTn Kp sTn
K p (l+sTn ) fXe(t)dt]
[xe (t) + Tyx e (t)]
xa
Tl I+-
t
_______-i_l & ' t
~~~eo
: !KpxeO -Tn-----.l t
xa
Tl
++
sTn (1 + sTI )
K p (1 + sTy )
I
)
, fj(_______q_ _~_Xeo : !KpxeO -Tn-I t
X'I t
• KpxeO t xa PD-Tl mit
Ty>TI
Tlx a (t) + x a (t) = = K p [xe (t) + Tyx e (t)]
Kp
1+ sTy l+sTI
~~~:X'"
+_
Tl
t
.KpxeO t
Tabellen
473
Bode-Diagramm
Ortskurve
Pol-NullStellenVerteilung
IGldBlt---~=fr-D/ __ m
L
IiJ-fOO
i
fIX. m) Re
1iJ=0
90
jOJ
1-------
O~
m,
im
im
Im
Re
K p OJ ~--+
, '.- ~ :1f["
j
OJ=O
:
TI
im
r- 1IT,-+
i
Im
SNl
liJ-foo
Kp +----+
liJ
j
1iJ=0
Re
Im
Ii
01
liJ
1/T1 00
j U o
~ 20 dBlDek
0 0
Beispiel
r
im
IfFl .....
i
SNl
]i =
Xa
E3Jx, c
474
Anhang
Fortsetzung Tabelle der wichtigsten Regelkreisglieder Glied
Differentialgleichung
r--
Übertragungsfunktion
Sprungantwort
x a TI PP-TI mit Ty < TI
Tlx a (t) + x a (t) = = K p [xe (t) + Tyx e (t)]
Kp
1+ sTy
Kp y T eo KpyX + I
~
1 + sTI
1,o
1 t
Additiye Form:
x a (t)
PID
= K p xe(t) + + K p _1_ fxe(t)dt Tn + K p Tyxe(t)
Kp(I+_I_+ STY ) sTn
xa
~"O -------l-- -----
i J.KpxeO
Multiplikative Form:
+-Tn----.l
, (l + sT~)(I + sT~) Kp , sTn
t
Additiye Form:
Tlx a (t) + x a (t) = = K p xe (t)
Kp
s 2 TnTy +sTn +1 sTn (1 + sTI )
+Kp-I-fXe(t)dt Tn + K p Tyxe(t)
PID-TI
xa
I
mit
T~)
, ( 1+ T~ K p =K p
Tt
y
=
T'T' n y T'n + T'y
x a (t)
= xe (t -
~
~_-:o --I---~l~J?~~O TI
Multiplikative Form:
: .KpxeO I..-T--I t n
, (1 + sT~)(I + sT~) Kp , sTn (1 + sTI )
Tn =T~ +T~ T
Ty
Tt )
G(s) =e- sTt
lJ~ xeO
Tl
t
Tabellen
475
Bode-Diagramm
Ortskurve IGldB
i :
~ OJ)t
~
: : l/T) l/Tv
FJlX"
_1_ jOJ ~T -+
-20dB/Dek
20lgKp :
J
Beispiel
Pol-Nullstellen
i
v
SI
OJ
0° ~ _90° - - - - - - -
sN!
(j
:+-1 : TI
T
o
jm
,,
i+-
....
T'v
CF
,, I
:r:
Re
i....
TI
I-Anteil
jOJ
, 1
....
:
!:
-
Tl 1 :'+- T~ -+
i _l_ i T~ ~
Im
IGldBt
---..;;;OJ;.-.
JdTt 0° t-r-o:;;;;;::--:-'--~""---90° -180° ~OJ)
(j
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[106] Samal, E.; Becker, W.: Grundriß der praktischen Regelungstechnik, Verlag R Oldenbourg, München / Wien, 21. Auflage, 2004 [107] Scherf, H. E.: Modellbildung und Simulation dynamischer Systeme, Verlag R Oldenbourg, München / Wien, 3. Auflage, 2007 [108] SchEtt, H.: Regelungstechnik, Vogel Buchverlag, Würzburg, 2. Auflage, 1993 [109] Schlüter, G.: Regelung technischer Systeme interaktiv, Fachbuchverlag Leipzig im Carl Hanser Verlag, München / Wien, 2001 [110] Schlüter, G.: Digitale Regelungstechnik interaktiv, Fachbuchverlag Leipzig im Carl Hanser Verlag, München / Wien, 2000 [111] Schneider, W.: Praktische Regelungstechnik. Ein Lehr- und Übungsbuch für NichtElektrotechniker, Verlag Vieweg, Wiesbaden, 3. Auflage, 2008 [112] Schneider, W.: Regelungstechnik für Maschinenbauer, Verlag Vieweg, Wiesbaden, 2. Auflage, 2002 [113] Schulz, D.: Praktische Regelungstechnik, Verlag Hüthig, Heidelberg, 1994 [114] Schulz, G.: Regelungstechnik, R. Oldenbourg Verlag, München / Wien, Band 1, 3.Auflage, 2007; Band 2, 2.Auflage, 2008 [115] Schöneburg, E. (Hrsg): Industrielle Anwendung Neuronaler Netze, Addison-Wesley Publishing Company, Bonn / Paris, 1993 [116] Siegert, H.-J.: Simulation zeitdiskreter Systeme, Band 1-4, R. Oldenbourg Verlag, München / Wien, 1991 [117] Silva, G.; Datta, A; Bhattacharyya S.P.: PID Controllers for Time Delay Systems, Birkhäuser, Boston,(engl), 2004 [118] Skogestad, S.; Postlethwaite, 1.: Multivariable Feedback Control: Analysis and Design, Wiiey-Interscience, i h Edition (engi), 2005 [119] Solodownikov, W.; Plotnikow, W.; Jakowlew, A.: Theorie der automatischen Regelung von technischen Systemen, Verlag MGTU, Moskau, (russ), 1993 [120] Solodownikow, W.: Stetige Lineare Systeme, Verlag Technik Berlin, 1972 [121] Strohrmann, G.: Automatisierungstechnik, Verlag ROldenbourg, München / Wien, Band 1-2, 4 .Auflage, 1998 [122] Thoma, M.: Theorie linearer Regelsysteme, Verlag Vieweg, Braunschweig, 1973 [123] Tilli, T.: Automatisierung mit Fuzzy-Logik, Franzis-Verlag, München, 1992 [124] Töpfer, H.; Besch, P.: Grundlagen der Automatisierungstechnik, Verlag Hanser, München / Wien, 2. Auflage, 1990 [125] Töpfer, H.; Kriesei, W.: Funktionseinheiten der Automatisierungstechnik, Verlag Technik Berlin, 1977 [126] Töpfer, H.; Rudert, S.: Einführung in die Automatisierungstechnik, Verlag Technik Berlin, 1976 [127] Tröster, F.: Steuerungs- und Regelungstechnik für Ingenieure, Verlag R Oldenbourg, München / Wien, 2.Auflage, 2005
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[146] Zurmühl, R: Praktische Mathematik, Springer-Verlag, Berlin, 1965 [147] Zurmühl, R: Matrizen, Springer-Verlag, Berlin, 1964
483
English-German Symbols Directory A
area, cross-section, crosssectional area, magnitude
Fläche, Querschnitt, Amplitude
AR
gain margin
Betragsreserve (Amplitudenreserve)
ao, at···
coefficients of differential equations and transfer functions (for output)
Koeffizienten von Differentialgleichungen und Übertragungsfunktionen (bezogen auf Ausgangsgröße)
b
damping factor
Dämpfungskonstante
bo, b[. ..
coefficients of differential equations and transfer functions (for input)
Koeffizienten von Differentialgleichungen und Übertragungsfunktionen (bezogen auf Eingangsgröße)
C
capacitor, concentration
Kapazität, Kondensator, Konzentration
Co
binding factor, coefficient, integration constant
Koppelfaktor, Koeffizient, Integrationskonstante
c
spring constant, specific heat
Federkonstante, spezifische Wärme
D
damping, determinant
Dämpfungsgrad, Determinante
d
thickness, reference output ofneuron
Dicke, Sollwert eines Neuronausgangs
E
output error of an artificial neural network
Fehler eines künstlichen neuronalen Netzes
e
error, control deviation
Regeldifferenz
e( 00)
retained error
bleibende Regeldifferenz e(t) bei t
F
force
Kraft
f
function, frequency
Funktion, Frequenz
G
compliance degree of a fuzzy-rule, also matrix
Erfüllungsgrad einer Fuzzy-Regel, auch Matrix
G(jOJ) IG(jOJ) I
frequency response and its absolute value
Frequenzgang und dessen Betrag
IG(jOJ)ldB
amplitude response of bode-plot in decibel
Amplitudengang im Bode-Diagramm in Dezibel: IG(jOJ)l dB = 20·logIG(j0J)1
G(s)
transfer function
Übertragungsfunktion
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
~
00
484
English-German Symbols Directory
G(z)
z-transfer function
z-Übertragungsfunktion
Ggesch(S)
closed-Ioop transfer function
Übertragungsfunktion des geschlossenen Kreises
GH(S)
transfer function of hold
Übertragungsfunktion des Haltegliedes
GHS(Z)
z-transfer function of a plant with the hold
z-Übertragungsfunktion einer Strecke mit dem Halteglied
Go(s)
open loop transfer function
Übertragungsfunktion des aufgeschnittenen Kreises
GM(S)
desired closed-Ioop transfer function
Übertragungsfunktion des gewünschten Regelverhaltens
GR(s)
controller' s transfer function
Übertragungsfunktion der Regeleinrichtung
Gs(s)
plant' s transfer function
Übertragungsfunktion der Regelstrecke
Gvorw(s)
feed-forward transfer function
Übertragungsfunktion des Vorwärtszweigs
Gw(s)
closed-Ioop transfer function by reference step
Führungsübertragungsfunktion
Gis)
closed-Ioop transfer function by disturbance step
Störübertragungsfunktion
g
impuls response, gravitational constant
Gewichtsfunktion, Erdbeschleunigung
H
height, level, magnetizing force
Höhe, Füllstandshöhe, magnetische Feldstärke
h
distance, height (deviation from operating point), transient response
Abstand, Höhe (Abweichung vom Arbeitspunkt), Übergangsfunktion
I
unit matrix
Einheitsmatrix
electric current
Strom
ia
armature current
Ankerstrom
ie
field current
Erregerstrom
J
inertial torque
Massenträgheitsmoment
j
imaginary unit
imaginäre Einheit j =
H
English-German Symbols Directory
485
K
gain, coefficient, factor, constant
Übertragungsbeiwerte, Koeffizienten, Konstante
Ko
differentiation transfer factor
Differenzierbeiwert
Kr
integration transfer factor
Integrierbeiwert
Kkr
critical gain
kritischer Proportionalbeiwert
Ko
gain of the open loop
Kreisverstärkung
Kp
gain
Proportionalbeiwert
KpR
controller gain
Proportionalbeiwert des Reglers
Kpr
gain of srnith-predictor
Proportionalbeiwert des SmithPrädiktors
Kps
plant' s gain, transfer factor
Proportionalbeiwert der Strecke
Kpw
gain of the closed loop by reference response
Proportionalbeiwert des geschlossenen Kreises (Führungsverhalten)
KpSy
transfer factor of the plant (gain) by input step
Proportionalbeiwert der Strecke beim Stellverhalten
Kpsz
transfer factor of the plant (gain) by disturbance step
Proportionalbeiwert der Strecke beim Stärverhalten
Ks
transfer factor (gain) of the plant
Übertragungsbeiwert der Strecke
k
heat transmission coefficient, also constant power, performance, inductivity, also lenght
Wärmedurchgangszahl, Konstante
L
Leistung, Induktivität, Länge
L[...]
Laplace-transform of [...]
Laplace-Transforrnierte von [...]
l
length
Länge
M
mass, weight, also torque
Masse, Moment
m
order of numerator' s polynomial, also mass
Ordnung des Zählerpolynoms der Übertragungsfunktion, Masse
N
number of turns of a winding
Windungszahl einer Wicklung
N(s)
denominator' s polynornial
Nennerpolynom
N(xe )
discribing function
Beschreibungsfunktion
486
English-German Symbols Directory Drehzahl, Anzahl von Halbwellen, Ordnung der Übertragungsfunktion
n
revolutions per minute (RPM), also number of halfwaves, degree of transfer function
ni
number of zero-poles
Anzahl der Pole auf der imaginären Achse
n/
number of negativ poles
Anzahl der Pole in der linken s-Ebene
nr
number of positiv poles
Anzahl der Pole in der rechten s-Ebene
P
power, pressure
Leistung, Druck
P(w)
w-characteristic polynomial (in w-domain)
Polynom der charakteristischen Gleichung im w-Bereich
P(z)
z-characteristic polynomial (in z-domain)
Polynom der charakteristischen Gleichung im z-Bereich
Pe
electrical heating power
elektrische Heizleistung
p
pressure, also pole
Druck, Polstelle
Q
heat quantity, flow intencity, performance index
Wärmemenge, Durchflußmenge, Güteindex
Qabs
integral of absolute error
Betrag der linearen Regelfläche
QITAE
intergral of time multiplied by absolute error
zeitgewichtete Betragsfläche
Qlin
integral of error
lineare Regelfläche
Qsqr
intergral of quadratic error
quadratische Regelfläche
q
flow
Durchfluss
R
resistor, also gas constant
elektrischer bzw. magnetischer Widerstand, Gaskonstante
Rp
static error ratio
statischer Regelfaktor
r
radius
Radius
So, SI···
intersection points of Nyquist- or Bode plot
Schnittpunkte der Ortskurve bzw. des Bode-Diagramms
s
complex variable
komplexe Variable s =
SN
zero
Nullstelle
Sp
pole
Polstelle
T
time constant, period (lenght, duration)
Zeitkonstante, Periodendauer
CY+j OJ
English-German Symbols Directory
487
sampie data period, scan period
Abtastzeit
rise time, settling time
Anregelzeit, Ausregelzeit
equivalent time constant
Ersatzzeitkonstante
period duration of oscillations
Schwingungsperiode
time delay of the plant
Ausgleichszeit
integration time constant
Integrierzeit
reset time
Nachstellzeit
time delay of controller
Verzögerungszeitkonstante des Reglers
dead (delay) time
Totzeit
dead time of the plant
Verzugszeit
derivative time, rate time
Vorhaltzeit
time
Zeit
time when off
Ausschaltzeit
time when on
Einschaltzeit
tuming point' s coordinate
Koordinate des Wendepunktes
tlO, tso···
time percentage points of steady output' s state value (10%,50% ... )
Zeitpunkte für die Regelgröße von 10%,50% ... stationäres Wertes
u
voltage
Spannung
u
voltage deviation from operating point
zeitlich veränderliche Spannung (Abweichung vom Arbeitspunkt) Differenzspannung des Operationsverstärkers
T an , Taus
v
amplifier differential input mode valve, volume, also gain
Ventil, Volumen, Verstärkungsgrad
V(s)
MIMO transfer function in V-canonical form
Übertragungsfunktion einer Mehrgrößenstrecke in V-kanonischer Struktur
v
velocity, also output of hidden neuron
Geschwindigkeit, Ausgang verdecktes Neurons
w
weight of neuron
Gewicht eines Neurons
488
English-German Symbols Directory reference signal, set-point, bilinear transform operator
Führungsgröße, Sollwert, Operator der bilinearen Transformation
reference step value
Höhe des Sollwertsprungs
X
controlled variable, plant output, also distance
Regelgröße, Weg
Xh
controller ranges
Regelbereich
x
controlled variable (deviation from operating point), distance
Regelgröße (Abweichung vom Arbeitspunkt), Weg
x(t)
step response
Sprungantwort
x( 00)
steady state value
Beharrungswert bei t
Xa
output
Ausgangsgröße (allgemein)
xa
output magnitude
Amplitude der Ausgangsgröße
XB
saturation margin (zone)
Sättigungszone
XE
final value
Endwert
Xe
input
Eingangsgröße (allgemein)
XeO
input step
Eingangssprung
xe
input magnitude
Amplitude der Eingangsgröße
2XL
hysteresis (width)
Hysteresebreite
XMA
average deviation
Mittelwertabweichung
Xm
overshoot (peak)
Überschwingweite
2xo
oscillation margin (width)
Schwankungsbreite
Xr
feedback (signal)
Rückführgröße
Xs
set-point
Sollwert
Xt
dead zone
tote Zone
X50
time-percentage characteristic actuating ranges
Zeit-Prozentkennwert
actuating signal in operating point
Stellgröße im Arbeitspunkt
W
Wo
Yh Yo
~
00
Stellbereich
English-German Symbols Directory
489
Y
actuating signal
Stellgröße
YR
controller output, also average (value)
Stellgröße am Ausgang der Regeleinrichtung, Mittelwert
YR (t)
average of pulse
Mittelwert der Impulsfunktion YR(t)
Z
disturbance, impedance
Störgröße, auch Impedanz
Zo
disturbance in operating point
Störgröße im Arbeitspunkt
Z[ ... ]
z-transform of [...]
Laplace-Transformierte von [...]
Z(s)
numerator polynomial
Zählerpolynom
z
disturbance, complex operator of z-transform, zero using MATLAB
Störgröße, komplexe Variable bei z-Transformation, Nullstelle bei MATLAB-Anwendungen
zo
disturbance step value
Höhe des Störsprungs
Greek characters
a
ring out factor, activity, scaling factor, angle
Abklingkonstante, Aktivierung, Skalierungsfaktor, Winkel
ß
characteristic angular frequency, frequency of undamped system, also time scaling, neuron activity
Kennkreisfrequenz, Kreisfrequenz des ungedämpften Systems, Zeitskalierungsfaktor, auch Aktivierung eines Neurons
r
specific weight
spezifisches Gewicht
LI
deviation
Kennzeichnung von Größenänderung
pulse, impulse response
Impulsfunktion
toughness of gas, also learning factor
Zähigkeit von Gasen, auch Lernschrittkonstante
temperature
Temperatur
roots of homogenious differential equation
Wurzel der homogenen Differentialgleichung, Wärmeleitfähigkeit
/1(... )
membership function
Zugehörigkeitsfunktion
P
density
Dichte
unit step
Einheitssprung
time
Zeit
490
v
OJ
English-German Symbols Directory number of intersections of Nyquist- or Bode-plot
Anzahl der Schnittpunkte der Ortskurve bzw. des Phasengangs
heat flow, flow, also field current
Wärmestrom, Fluss, auch Erregerfluss
angle, phase shift
Winkel, Phasenverschiebungswinkel
phase margin
Phasenreserve
phase response
Phasengang
angular frequency
Kreisfrequenz, Winkelgeschwindigkeit
crossover (angular) frequency
Durchtritts(kreis)frequenz
break angular frequency
Eck(kreis)frequenz
mode angular frequency
Eigenkreisfrequenz
critical angular frequency
kritische Kreisfrequenz
Subindexes armature-
Anker-
outflow-, propagation-
Abfluss- , Ausbreitung-
current value
aktueller Wert
spring- , capacitor-
Feder- , Kondensator-
damper-, differentiating-
Dämpfer- , Differenzier-
weight-
Gewicht-
higher-Iower
Höher-Tiefer
motor-, torque-
Motor- , Moment-
loop-performance "with controller" / "without controller"
"mit Regler"/ "ohne Regler"-Verhalten
negative, positive
negativ, positiv
o
initial point, operating point, open loop, no load
Anfangspunkt- , Arbeitspunkt- , aufgeschnittener (offener) Kreis, Leerelauf
TG
tachogenerator-
Tachogenerator-
w
water-
Wasser-
A
a akt
c D G
HT M
m.R. /o.R.
491
Fachwörter Deutsch-Englisch
A Abfluss
outflow
Abgas
waste gas
Abgeleitete Funktionsbausteine
derived functionsbloks
Abklingkonstante
ring out (fade out) factor
Abkühlung
cooling, refrigeration
Abkühlungskurve
cooling curve
Ableitung (Zeitableitung)
derivative (time derivative)
abschalten
cut off, disable, deactivate, switch off
Abschaltkurve
power down curve
Abstand
distance
Abtast- und Halteglied
sampie & hold
Abtastfrequenz
sampling rate, sampling frequency
Abtastzeit
sampled-data period (time), scan period
Abweichung
deviation
AID-Wandler
A-to-D converter, analog/digital converter
aktueller Wert
current value
Allpass
all-pass
Amplitude
magnitude, amplitude
Amplitudengang
magnitude plot, amplitude response
Amplitudenreserve
gain margin
Anfangsbedingung
initial condition
Ankerstram
armature current
A-Netz
action-network
Anregelzeit
rise time
Antenne
antenna
Anti-Windup-Maßnahme
anti-windup arrangement
Antrieb
drive
Anzahl
number
aperiodisch
aperiodic
Arbeitspunkt
operating point
aufgeschnittener Regelkreis
open (contral) loop
Auflösung (digital)
resolution (digital)
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
Fachwärter Deutsch-Englisch
492 Ausgleich
equalization, compensation
Ausgleichszeit
equalizing (compensating) time
Ausregelzeit
settling time
ausschalten
turn off, disconnect, switch off
B Begrenzung
limitation, restriction
Beharrungswert
steady-state value
Beharrungszustand (Ruhelage)
equilibrium state
Beiwert
coefficient
Beschreibungsfunktion
describing function
Betrag
absolute value
Betragsoptimum
optimum magnitude
Beobachter
observer
Bildbereich
complex variable domain
bleibende Regeldifferenz
retained error, steady state error
Bode-Diagramm
bode-plot
Brückenschaltung
bridge circuit
c CAE
Computer-Aided-Engineering
charakteristische Gleichung
characteristic equation
charakteristisches Polynom
characteristic polynomial
D Dämpfung
damping
Dämpfungsgrad
damping factor
D-Anteil
derivative term
D/A-Wandler
D-to-A converter, digital/analog converter
Datenaustausch
data interchange
Dauerschwingung
undamped oscillation
Defuzzifizierung
defuzzification
Dekade
decade
Determinante
deterrninant
Dezibel
decibel
Dicke
thickness
Fachwärter Deutsch-Englisch
493
Differentialgleichung
differential equation
Differenzierungsbeiwert
differentiation coefficient
Drehmoment
torque
Drehzahl
revolutions per minute, RPM
Drehzahlregelung
revolution (speed) control
Dreieck-Zugehörigkeitsfunktion
triangle membership function
Dreipunktregler
three-step controller
Drossel (induktiv.)
inductor
Drosselklappe
choke flap
Druck
pressure
Dynamik
dynamic
Durchfluss
flow
Durchflußmenge
flow intencity
Durchmesser
diameter
Durchtrittsfrequenz
crossover frequency
Düse
nozzle
E Eckfrequenz
corner frequency
Eigenfrequenz
oscillation frequency
Eigenvorgang
mode
Eingangsfunktion
input function, immitanz
Eingangsgröße
input (quantity immitanz) variable
Einheitsimpuls
unit discrete pulse
Einheitskreis
unit circle
Einheitsmatrix
unit matrix
Einheitssprung
unit step
Einschwingvorgang
building-up transient
Einstellung
tuning
elektronischer Verstärker
electronics amplifier
Empfindlichkeit
sensivity
Endwert
final value
E-Netz
emulator network
Entkopplungsmatrix
decoupling matrix
Entwurf
design
Erdbeschleunigung
gravitational constant, acceleration of gravity,
494
Fachwärter Deutsch-Englisch
Erfüllungsgrad
compliance (degree)
Erfüllungsgrad von Fuzzy-Regeln
compliance degree of fuzzy-rules
Erregerkreis
field (energizing) circuit
Erregerstrom
field current
Ersatzzeitkonstante
equivalent time constant
Erwärmungskurve
heating curve
F Faltungssatz
convolution theorem
Farbstoff
colorant
Feder
spring
Federkonstante
spring constant
Federkraft
spring-damping system
Feder-Dämpfer-System
spring force
Fehler
error
Fehlerdiagnose
fault diagnosis
Fehlerkorrektur
error correction
Festwertregelung
set-value control, fixed command control
Fläche
area
Flüssigkeit
liquid
Folge
sequence, progression
Folgeregler
follow-up (tracking, servo) controller
Fourier-Transformation
Fourier transforrn
Frequenz
frequency
Frequenzbereich
frequency domain
Frequenzgang
frequency response
Frequenzkennlinie
frequency characteristic
Funktionsbausteinsprache (FBS)
functions block diagram (FBD)
Funktionsbausteine
elementary functions blocks
Führungsgröße
reference signal (value), set-point
Führungsregler
master controller
Führungsübertragungsfunktion
reference transfer function
Führungsverhalten
reference performance, common response
Füllstandshöhe
filling level
Funktion
function
Fuzzy-Regel
fuzzy rule
Fachwärter Deutsch-Englisch
495
G Gegenkopplung
negative feedback
Generator
generator
Storm-
electric generator
Wechselstrom-
as generator
Gleichstrom-
dc generator
Geschwindigkeitsalgorithmus
rate (velocity) algorithm
Gewicht
weight
Gewichtsfunktion
impulse response
Gewichtskoeffizient
weight factor
Gleichgewicht
equilibrium
Gleichstrom
dc (direct current)
Grenze
limit, bound
Grenzfall
borderline case, worst case
Grundlast
base load
Grundstrukturen
framework, basic structure
Güte
Q-factor, quality
Güteindex
performance index
Gütekriterium
control criterion
H Halbwelle
halfwave
Halteglied
hold
Handregelung
manual control
Hauptregelkreis
main controlloop
Heizleistung
heatpower
Hilfsregelgröße
objective (secondary) controlled variable
HIL-Simulation
hardware-in-the loop simulation
Hintereinander
in-line
Hintereinanderschaltung
series connection
Höhe
height
Höher-Tiefer Taster
high-low pushbutton
Hurwitz-Stabilitätskriterium
Hurwitz stability criterion
hydraulischer Regler
hydraulic controller
496
Fachwärter Deutsch-Englisch
I I-Glied
I-type system
imaginäre Einheit
imaginary unit
Impuls
pulse
Inferenz
inference
Integralkriterien
integrated criterion
Integrationskonstante
integration constant
Integrator
integrator
I-Regler
integral controller
ITAE
integral of time multiplied absolute value of error
K kanonische Form
canonical form
Kapazität
capacitor
Kaskadenregelung
cascade (sequence) control
Kenngröße
characteristic
Kennkreisfrequenz
characteristic (identifications) angular frequency
Kennlinie
characteristic, diagram, graph
statische
static response
der Regelstrecke
characteristic curve of the plant
des Reglers
characteristic curve of the controller
Kennwert
characteristic (quantity), parameter
Knickfrequenz
break point frequency
Kompensation
compensation, pole-zero cancellation
vollständige
complete compensation
phasenanhebende
lead compensation
phasenabsenkende
lag compensation
komplexer Regelfaktor
complex error ratio
Kondensator
capacitor
Konfigurierung
configuration
Konzentration
concentration
Koppelstrecke
coupling block
Koppelfaktor
coupling factor
497
Fachwärter Deutsch-Englisch Korrekturglied
compensator
Korrespondenztabelle
correspondence table
Kraft
force
Kreisfrequenz
angular frequency
Kreisverstärkung
(closed) loop gain
kritisch
critical
Künstliche Neuronale Netze (KNN)
artificial neural networks (ANN)
L Lageregelung
position contral
Laplace-Operator
laplacian
Last
load
Lastmoment
load torque
Leistung
power, performance
Leistungsverstärker
power amplifier
Lernschrittweite
learning constant
Linearisierung
linearization
graphische-
graphical
analytische-
analytical
Linearität
linearity
linguistische Variable
linguistic variable
LSB
least significant bit
LZI-Glied
linear-timeinvariant block (LTI)
M Magnetschwebekörper
body floating in magnet field
Masse
mass, weight
Massendurchfluss
mass flow
Massenträgheitsmoment
inertial torque, moment of inertia
maximale Überschwingweite
maximum overshoot
Mehrgrößenregelung
multivariate contral
Menge
sets
scharfe
sharp
unscharfe
fuzzy
Messfühler
sensor, measuring set, measuring device
minimalphasiges System
minimumphase system
498
Fachwärter Deutsch-Englisch
Mischbehälter
mixture container
Mitkopplung
positive feedback
Mittelwert
average (value)
Motor
engine
N Nachstellzeit
reset time
Näherung
approximation
Nebenprodukt
byproduct
Nennlast
nominal load
Netz
network
Netzanschluss
power connection
Nichtlinearität
nonlinearity
Nivea
level
Normalform
(controllable, normalized) standard form
Normiert
normalized
Notausschalter
emergency switch
Nullstelle
zero
Nyquist-Stabilitätskriterium
Nyquist stability criterion
o obere Grenze
upper limit
obere Kante
top edge
oberer Speicherbereich
high memory
Oberfläche
surface
Ofen
stove
ohmischer Widerstand
ohmic resistor
Ohmsches Gesetz
Ohm'slow
Ölkühlung
oil cooling
Ordnung
order
Ope-Server
open process control server
Operationsverstärker
op amp (operational amplifier)
Optimierung
optimization
Ortskurve
locus, Nyquist-plot, Nyquist-contour
499
Fachwärter Deutsch-Englisch
p Parallelschaltung
parallel connection
Partialbruchzerlegung
partial fraction expansion
Pendel
pendulum
Periodendauer
period duration, period length
P-Glied
type 0 system
phasenabsenkendes Korrekturglied
lag compensator
phasenanhebendes Korrekturglied
lead compensator
Phasengang
phase response, (Bode) phase plot
Phasenreserve
phase margin
Phasenverschiebung
phase shift, phase deviation
Phasenwinkel
phase angle
PD-Regler
PD controller (proportional-plus-derivativ)
PID-Regler
PID controller (proportional-plus-integralplus-derivative controller)
PI-Verhalten
proportional-plus-integral performance
P-kanonische Struktur
P-canonical form
pneumatisch gesteuert
pressure operated
pneumatischer Regler
pneumatic controller
Polpaar konjugiert
conjugate pole paar
Polstelle
pole
Polstellenverteilung
pole points distribution, partitioning
Polynom
polynomial
Positionsregelung
position control
P-Regler
proportional controller
Produktionssystem
manufacturing system
Proportionalbeiwert
gain
Q quer
cross
Querschnitt
cross-section
Quecksilber
mercury
Quecksilbersäule
mercury column
Quadrat
square
Quadratfunktion
quadratic function
Fachwärter Deutsch-Englisch
500 Qualität Quelldatei
quality
Isource file R
Rampenfunktion
ramp function, speed-of-response
Raumtemperatur
environmental temperature
Rauschen
nOlse
Reaktionskessel
reactive boiler
Reaktor
reactor
Rechteckregel
rectangle rule
Rechteck-Zugehörigkeitsfunktion
rectangle membership function
Regelabweichung
control deviation
Regelalgorithmus, digitaler
control algorithm, digital
Regelbarkeit
settability
Regelbasis
rule base
Regeldifferenz
error
Regeldifferenz, bleibende
(permanent) retained error
Regeleinrichtung
controller
RegiereinsteIlung
tuning (of controller)
Regelfaktor
error ratio
komplexer
complex error ratio
reeller I statischer
real Istatic error ratio
Regelfläche
performance index, (control area)
Regelgröße
controlled variable, also plant output
Regelkreis, digitaler
closed loop, digital
Regelstrecke
plant
Regelstrecke, instabile
plant, unstable
Regelung
feedback control, process control
Regelung, neuronale
neural control
Regelung, quasikontinuierliche
quasi continuous control
Regelverhalten
loop performance
Regler
controller
Reihenschaltung
series connection
Relais
relay
Resonanz
resonance
Rückführung
feedback
Fachwärter Deutsch-Englisch
501
s Sättigung
saturation
Satz
theorem
Schaltdifferenz
hysteresis
Schalter
switch
Scheibe
disk
Schnittfrequenz
erossover frequency
Schwebekörper
floating field
Schwellenwert
threshold value
Schwingungsversuch
oscillating experiment, try
Sicherheit
safety, security
Skalierung
scaling
Spannung
voltage
spezifisches Gewicht
specific weight
spezifische Wärme
specific heat
Sprungantwort, - funktion
step response, step function
Stabilität
stability
Stabilitätsgebiet
stability domain
Stabilitätsgrenze
stability bound
Stabilitätskriterium
stability criterion
Standardfunktion
standard function
stationäres Verhalten
steady-state response
statische Kennlinie
static diagam, input-output description
Stellglied
actuator, final control element
Stellgröße
actuating signal (variable), also plant input
Stellungsalgorithmus
stand (position) algorithm
Stellverhalten
actuator-input behaviour
Steuerbarkeit
controllability
Steuerung
open loop control, feedforward control
Störgröße
disturbance
Störgrößenaufschaltung
disturbance attenuation
Störgrößenvorregelung
disturbance feed-forward rejection
Störübertragungsfunktion
disturbance transfer function
Störverhalten
disturbance response (performance)
Strom
electric current
Symmetrisches Optimum
symmetrie optimum
502
Fachwärter Deutsch-Englisch
T Taktgeber
timing generator
Taster
pushbutton
Temperaturregelung
temperature contral
Thermoelement
thermocouple
Tiefpassfilter
lowpass filter
Toleranzbereich
tolerance range
Totzeit
dead time, time delay, latency
Trägheitsmoment
inertial torque
Trapezregel
trapezium rule
Treppenkurve
staircase curve, step curve
U Übergangsfunktion
transient response
Überlagerungsprinzip
superposition principle
Überlauf
overflow
Überschwingung
overshoot
Überschwingweite
overshoot width, peak
Übersetzungswerte
translation, turns ratio
Übertragungsfunktion
transfer function
gewünschte-
desired transfer function
des Korrekturgliedes
correcting term transfer function
Umrichter
converter
unstetige Regelung
discontinuity contral
V Variable linguistische
variable linguistic variable
Ventil
valve
Vermaschte Regelung
mesh contral
Vereinfachung
simplification, aggregation
Vergleichsstelle
comparison block
Verhalten
performance, response, behaviour
Verstärker
amplifier
Verstärkungsfaktor des offenen Kreises
open loop gain
Fachwärter Deutsch-Englisch
503
verdeckte Neuronen
hidden neurons
Verzögerung
delay
Verzugszeit
delay time
V-kanonische Struktur
V-canonical form
Vorhaltzeit
rate time, derivative time
Vorwärtszweig
feed-forward path
Vorzeichenumkehr
sign inversion
w Waage
balance
Wandler
converter, transducer
Wahrscheinlichkeit
probability
Wärmeaustauscher
heat exchanger
Wärmedurchgangszahl
heat transmission coefficient
Wärmemenge
heat quantity
Wärme, spezifische
specific heat
Welle (mech)
shaft
Welle (Schwingung)
wave
Wendepunkt
inflection point, turning point
Wendetangente
inflection point tangent
Werkstück
workpiece
Werkzeugmaschine
machine tool
Wert
value
Wicklung
winding
Widerstand (elektr.)
ohmic resistor
Windungszahl
number of turns
Winkel
angle
Winkeländerung
angle alteration, modification
Winkelgeschwindigkeitsregelung
angular velocity control
Winkelregelung
angle control
Wirkungsplan
block-diagram
Umformung Vereinfachung
transformation of block diagram simplification, aggregation
Wirkungsweg
action path
offener
open
geschlossener
closed
Wurzelortskurve
root locus
504
Fachwärter Deutsch-Englisch
z Zähigkeit
toughness
Zähler / Nenner
numerator / denumerator
Zählerpolynom
numerator polynomial
z-Bereich
z-domain
z-Ebene
z-plane
Zeiger
pointer
Zeitbereich
time domain
Zeitkonstante
time constant
Zeit-Prozentkennwert
time-percentage characteristic
Zeitverhalten
time-response
Zentrifugalregulator
centrifugal controller
z-Übertragungsfunktion
z-transfer function
Zugehörigkeitsfunktion
membership function, fuzzy sets
Zustand
state
Zustandsraum
state space
Zustandsregelung
state space control
Zustandsrückführung
state feedback
Zustandsvariable
state space variable
Zweipunktregler
two-point controller
Zweitanksystem
two tank system
Zykluszeit
cycle time
505
Sachwortverzeichnis A Abklingkonstante 65, 66 Abkühlungskurve 297, 298 Abschaltkurve 302 Abtaster 321,326,348,439 Abtast-/Halteglied 321 Abtastperiode 319,320,327,338 Abtastregelung 319 f. Abtastsystem 320,325,330 f, 341 Abtastung 321,324 f., 335, 343 Abtastzeit 319 f., 437 Abweichung 4,8, 16,44 f., 148,223,249, 271, 297 f., 362
Ackermann 407,411,412 Adaptive Filter 364 Adaptive Regelung 315,364 Additionsschaltung 103 Additionsstelle 5, 43, 457 Additionstheorem 32, 78 AJD 316,321,324,348 Aktivierung 378,379,381,461,462 Aktivierungsfunktion 377 Aktivierungswert 377 Algorithmus 336, 338, 362, 365, 366, 458 Allpaßglied 29 Amplitude 30 f., 81,167,193,233,275, 276,288,292,297,300,395,396,449 Amplitudenabsenkung 185 Amplitudenänderung 162 Amplitudengang 143 ff. Amplitudenlineal 156, 193 Amplitudenreserve 221 Amplitudenverhältnis 143, 144, 148 Amplitudenverteilung 21 Amplitudenwert 151 Analog-Digital Wandler 321 A-Netz 383, 384, 385 Anfangsbedingung 22,25,29, 30, 55, 84, 332,393,405,407,415 Anfangspunkt 236,361 Anfangstemperatur 53,297 Anfangswertsatz 465, 467 Ankerinduktivität 70, 76, 86, 444 Ankerspannung 12,76 Ankerstrom 12,57,60,76,87
Ankerwiderstand 70, 76, 86 Anregelzeit 223, 327 Ansprechempfindlichkeit 271 f., 282 f. Anstiegsfunktion 19, 20 Anstiegswinkel 214, 218 Antriebsdrehzahl 57 Anzeige-/Bedienkomponente (ABK) 317 Aperiodischer Fall 66, 67 Arbeitsbewegung 295, 298 Arbeitspunkt 16,44 f., 249 f., 385, 396 Ast 203,208 ff. Asymptote 41,89,139 f., 214, 218, 245 f., 432, 453, 455, 463, Ausbreitungsgeschwindigkeit 92, 95 Ausgangsgröße 5, 15 ff. Ausgangsrückführung 405,406,407,408 Ausgangssignal 5, 15, 19,20 f., 43, 92 f., 127,129,254,322,338,345,346,458 Ausgangsspannung 11 f., 27 f., 102, 104 Ausgangswiderstand 10 I, 103 Ausgleich 15,52,83,358, Ausgleichszeit 64,72,225,296,324,327, Ausregelzeit 221, 223, 232, 361, 362 Ausschaltzeit 301,303,307 Austrittwiderstand 9 Austrittswinkel 214,218 Automatisierungspyramide 2 Autonome Regelung 266 Autotuning 318, 319
B Backpropagation 379,380,381 Bedien-/Beobachterkomponente 317 Begrenzung 271,272,273,458 Begrenzungsgröße 254 Begrenzungsregelkreise 254 Begrenzungsregelung 251, 254, 255 Begrenzungsregler 254, 255 Beharrungszustand 15, 16,47,52,64,80, 100,134,167,222,223,308,312,327, 341,389,405,457 Beharrungszustandwert 40 Beiwerte 16, 18,51,52, Beobachtbarkeit 266,400,401,415,416 Beobachtbarkeitsmatrix 400, 403
S. Zacher M Reuter, Regelungstechnik für Ingenieure, DOI 10.1007/978-3-8348-9837-1, © Vieweg+Teubner Verlag I Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
506 Beobachter 383,384,410 ff. Beobachterentwurf 410 Beobachterkomponente 317 Beschreibungsfunktion 275 ff. Betragsanpassung 230 Betragsoptimum 236 f., 242, 265, 367, 385,456 Betragsregelfläche 233, 234 Betriebsleitebene 2 Bildbereich 26,27,40,42,70,94, 110, 133,234,235,320,322,325,446 Bilineare Transformation 354 Bimetallregler 100,272 Bio-Kybernetik 3 Bleibende Regeldifferenz 47,48, 109 f., 174,221 f., 272, 273, 309 f., 311, 363, 405,448,449,450 Blocksymbol 5, 15,438, BNK 316,317 Bode-Diagramm 41 f., 136, 143 ff., 185 f., 240,243 f., 328 f., 421 f., 456, 463 f. Brückenschaltung 29 Bus 316 Buskommunikation 317 Buskopplung 317 Bussysteme 317 Bustechnologie 1
c Charakteristische Gleichung 169 f., 178, 209,265,273,288,332,333,354,412, 452,456, Client-Server-Prinzip 317 Computational Intelligenz 3 Cosinusfunktion 32, 78 CPD 315,316,357
D Dämpfung 10,65,67,75 f., 109 ff., 167, 173,191,221,223,232 f., 271, 327, 328,450 Dämpfungseinrichtung 17, 69 Dämpfungsbeiwert 82 Dämpfungsglied 82 Dämpfungsgrad 273, 387 Dämpfungskonstante 29,70,392 Dämpfungssatz 465, 467
DIA 316,320,321,348
Sachwortverzeichnis D-Anteil 127,133,134,172 f., 185,222, 300,318,335,338,454 D-Verhalten 125, 246, 262 DAQ 316 Data Mining 3 Datenaustausch 315 Dauerschwingung 66,67, 106, 118, 125, 169,170,173,224,225,231,232,288, 291 f., 312, 328, 395, 449 DDC 315,316,317,318,319 Dead-Beat-Regelung 368 Defuzzifizierung 371,375,376,383 D-Einfluss 125 Dekade 41,143,155,156 Delay Une 95 Dezibel 41, 143, 156,429,430 <>-Funktion 20 D-Glied 125, 126, 127, 146 Diagonalregler 261,262,263,264 Differentialgleichung 16 f., 42 f., 167 f., 221,234,244,274,320,330 f., 346, 388 f., 459 Differentiation 58,63,69,80,82, 126, 127,325,330,336 Differentiationsregel 27 Differentiationssatz 55,62,70,77, 168, 465 Differenzbildung 11, 103,338,345 Differenzengleichung 325 f., 457, 459 Differenzenquotient 335, 338 Differenzierbeiwert 125, 127, Differenzierglied 164 Differenzierzeit 146 Differenzschaltung 103 Digital-Analog-Wandler 315,321 Digitale Regelung 315 f." 439 Digitale Regler 316, 320, 348 Digitaler Regelkreis 326, 348, 353 Digitalisierung 319,333,335,346,437 Diskretisierungszeit 325 Doppel-I-Glied 369,370,387,394,395 Doppelpol 183,187,190,191,195,207 f. Drehzahl 1,2,5,11,12,51,59,76,85, 86,87,444 Drehzahlregelkreis 164, 166 Drehzahlregelstrecke 75 Drehzahlregelung 1, 11,336 Drehzahlregler 11,12,165 Dreipunktregler 272,285 f., 312 f. Drossel 68, 69
507
Sachwortverzeichnis Drosselbohrung 68 Drosselklappe 10 Drosselquerschnitt 68 Drosselventil 17 Drosselwiderstand 9 Druckregelstrecke 95, 289 Druckregelung 9,288 Durchlauferhitzer 309, 312 Durchtrittsfrequenz 189 f., 236 f., 327, 328,432 Düse-Prallp1atte-System 9, 107 D-Verhalten 125,246,262 Dynamikmatrix 397,400,401,411 Dynamisches Verhalten 15,249
E Eckfrequenz 39,40,148,149,151,154, 156,157,158,160,162,192,195,239, 245,246,432,463 e-Funktion 23, 296, 297, 302, 310, 314 Eigenkreisfrequenz 78, 117 Eingangsamplitude 291 Eingangsfunktion 19,21,30,33,92,224, 332 Eingangsimpulsfunktion 346 Eingangsgröße 5, 15, 17 ff. Eingangssignal 5,20,21,33,43,92,224, 268,279,322,338,346,384,404,413, 458,459 Eingangssprung 19,22,28,40,52,53,85, 93,113,119,126,128,130,133,263, 331,332,339,342,346,365,386,405, 442,458,460 Eingangssprungfunktion 333 Eingangswiderstand 103 Einheitskreis 95, 192, 353, 354, 355, 356 Einheitssprung 19,20,30,344,352,387, 388 Einplatinenrechner 316 Einschaltvorgang 27 Einschaltzeit 303 Einschwingvorgang 32,3, 167 Einstellregeln 224 ff., 327, 328 Eintrittswinkel 214,215 Einzelfrequenzgang 153 Elektronische Regler 101 Elektropneumatischer Wandler 17 E1ementarfläche 336, 337 Endliche Einstellzeit 367, 368, 370
Endwertsatz 465, 467 E-Netz 384, 385 Entkopp1ungsb1öcke 14 Entkopp1ungsmatrix 267 Entkopp1ungsreg1er 262, 265, 268, 269 Erfüllungsgrad 371,374,375,376 Erregerfluss 86 Erregerkreis 57,58,59 Erregerspannung 57 Erregerstrom 60, 271 Erregerwicklung 57, 272 Erwärmungskurve 298 Erwärmungsvorgang 56 Ethernet 315,317 Euler- Verfahren 337
F Faltungssatz 465 Feder-Masse-Dämpfer System 28,260 Feldbus 315 Feldebene 2 Festwertregelung 13 Festwert-Verhä1tnisrege1ung 12 Filter 14, 317, 364, 365, 366 Filter-Faktoren 366, 367 Filterrnembran 14 Filterwirkung 276 Flüssigkeitsstandrege1strecke 90, 91 Flüssigkeitsstandregelung 99 Folge 320 f. 335, 336, 343 f. Folgeregelkreis 14 Folgeregier 14,252,253 Föttinger-Kupp1ung 82 Fourier-Transformation 325,353 Fourier-Zerlegung 276 Freistrahldüse 9 Fremderregung 11,75 Frequenz 21,32 ff. Frequenzgang 26, 34 ff. Frequenzbereich 34 ff. Frequenzkennlinienverfahren 143 ff. Führungsgröße 7,13,48,99,104,105, 114,115,125,252,267,270,331,342, 347,352,367,368,388,461 Führungsregler 14,252,253 Führungsübertragungsfunktion 104, 105, 108,111,114,117,121,124,132,141, 236,264,265,351,353,448,451
Sachwortverzeichnis
508 Führungsverhalten 47,48, 104 ff., 221 ff., 328,358,434,436 Füllstands-Rege1strecke 84 Funktionsbaustein 335, 366 Fuzzifizierung 371,372,383,385 Fuzzy-Logik 3,371 f. Fuzzy-11enge 371,372,373,375 Fuzzy-Regelung 315, 318 Fuzzy-Reg1er 371,373,374,375,386
G Gain-Schedu1ing 364 Gaußsehe Zahlenebene 38 Gegenkopplung 44,107,263 Generator 57,59,60 Genetische Algorithmen 3 Gesamtfrequenzgang 143 ff Geschwindigkeitsalgorithmus 336 f. Gewichtsfunktion 20, 326, 346, 426 Gewichtsmatrix 406,407,413,415,416 Gleichspannungsverstärker 101 Gleichstromantrieb 11, 12 Gleichstromgenerator 57,59,70 Gleichstrommotor 11,75,77,81,86,164, 165 Grenzfall 66,67, 150,242,362 Grenzgerade 377,378,379,380 Grenzwert 254 f, 272, 297, 298, 312, 313 Grenzwertsatz 40, 110 f, 121, 125, 133, 134,141,234,443,448,449,452 Grenzzyklus 395, 396 Grundschwingung 275 ff Güteindex 233 Gütekriterium 233, 364, 407 Güteparameter 221,237
H Halteglied 321 f., 348 f, 439 Handregelung 4 Handy 10 Hardware 315,317,318,319,417 Hauptregler 13,14,251 f., 263 Heizleistung 53,54,312 Hilfsenergie 99 Hilfsregelgröße 248, 250, 251, 252, 255 Hi1fsrege1größenaufschaltung 251 Hilfsregler 13, 14,252 HIL-Simu1ation 417
Hintereinanderschaltung 53, 59, 70, 71, 143 Höher-Tiefer-Taster 10 Hurwitz-Determinante 170, 173 Hurwitz-Stabilitätskriterium 212,273,355 Hydraulische Regeleinrichtung 114 Hysterese 271,272,282,285,286,295, 299,302 f Hysteresebreite 303 Hysteresekennlinie 282, 283
I I-Algorithmus 338 I-Rege1a1gorithmus 458 I-Anteil 120,141,142,158,162,185, 221,222,231,237,336,404 I-Einfluss 116 I-Glied 88, 144, 145, 148, 156, 157, 169, 222,238,246,248,313,314,369,370, 387,394,395,446,463 I-Rege1einrichtung 106, 112, 113, 114, 116, 118, 123, 125 I-Regler 113,117,118,122,124,331, 457,458,459 I-Strecke 52,83 f, 106, 112, 117, 118, 124,125,135,198 Identifikation 21,64,224,228,230,377 Identifikationsmethoden 377 Identifizierung 364, 365 IEC 61131 318 Image-Prozessing 3 Impedanzwandler 103, 137 Impulsantwort 20 Impulsfolge 320, 323, 326, 343, 368 Impulsfunktion 20,21,224,307,325 Impulsgeber 320 Impulsgenerator 20 Industrie-PC 316 Induktivität 22,27, 30, 57 Inferenz 371,374,375,375,385 Infinitesimalrechnung 24 Instabilität 2, 8, 106, 109, 122, 167 f., 181,182,195,221,247 f, 318, 327 Integralkriterien 233 ff Integration 22,24,84, 164,282,325,330, 336,446 Integrationsbereich 282 Integrationsgrenze 94 Integrationskonstante 22, 84
509
Sachwortverzeichnis Integrationssatz 465 Integrationsschritt 438 Intergrationsverfahren 438 Integrierbeiwert 84, 86, 88, 225, 331, 394 Integrierzeit 144 Inverse Ortskurve 195, 198,200,276,288 Inverse Transformation 467 Invertierende Schaltung 102, 103 Impedanzwandler 103, 137 IPe 316 Isokline 389, 394 Istdrehzahl 11 Istwert 3,4,7,8,45,255,321,362 Istwertfolge 321 ITAE-Kriterium 233
K Kalman 400 Kaskadenregelung 13, 14,251,252,253 Kenngrößen 51,64,123,167,173,192, 224,236,327 Kennlinie 16,45,46,47,50,92, 107,245, 271 ff., 318, 376, 386, 425, 426 Kennlinienfeld 46, 48, 50, 249 Kennwerte 15,51,72,73,230,231,232, 238,253,318,328,332,339,342,352, 359,366,368,379,383,385,428,458 Kettenschaltung 28, 60 KNN 377 ff. Knottenpunkt 391, 392 Kompensation 102, 191,247 f., 367 Kompensationsbedingung 256 Kompensationsregler 357,358,359,383 Kondensator 11,18,86,127,446 Kondensatormotor 289 Konfigurierung 318,319,370 Konfigurierungsfenster 318 Konfigurierungstool 315 Konfigurierungswerkzeug 319 Kontaktthermometer 295,296 Koppelstrecke 259,261 Koppelfaktor 262, 263, 264, 268 Korrespondenztabelle 26, 30, 56, 58, 62, 78,117,118,123,345,350,441,445 LQ-Kriterium 413,415,416 Kreisfrequenz 21,32,33 ff., 118, Kritischer Punkt 179 f. Künstliche neuronale Netze 3, 377 Kybernetik 3
L Ladebrücke 248 Laplace-Transformation 25,27,29,55, 58,62,69,70,83,85,94,110,119, 125,128,136,169,234,259,260,320, 326,343,344,346,348,353,404,447, 465,467 - diskrete 326, 343, 468 Lastmoment 11,76 Lastwiderstand 101 Least Mean Squares 365 Leistungsverstärker 7,250,320 Lernalgorithmus 378, 383 Lernschrittweite 378,381 Linearfaktor 116, 121, 122, 132, 136, 140, 141,162,163,175,176,201,202,347, 356,426,427 Linearisierung 48 f., 274 Linearität 467 Linearitätssatz 465 Linearmotor 92,447 Linearverstärker 101 Linguistische Variable 371 Linienbild 37 Liniendarstellung 34 Ljapunow's Gleichung 415 LMS-Algorithmus 365, 367 f. Lueneberger 410 Luftdruckregelung 10 LZI-Glied 320, 346, 385
M Magnetisierungskurve 57 Magnetschwebekörper 248,249,250 Massenträgheitsmoment 87 MATLAB 164, 166,203,204,211,213, 220,231,270,272,273,299,334,352, 356,360,366,370,376,382,386,398, 399,403,405,407,409,411,412,413, 415,416,417 ff. Mehrgrößenregelung 14, 258 ff. Membranteller 9,17,68 Membranventil 68, 70 Messblende 13 Messfühler 2,4,6,7,8,96,99,271,273, 288,290,292,318,357 Messumformer 5,6,288,321 Mikrocontroller 316
510 Mikroprozessor 2,315,320,327,357 Mikrorechner 316, 321 Mischbehälter 96, 192, 258 Mitkopplung 44, 248 Mittelwertabweichung 297,298 Mobiltelefon 10 Molekularfilter 14, 269 Monotone Instabilität 167 Motorspannung 289
N Nachstellzeit 118,172,195,229 Negativ-inverse Ortskurve 195, 198,200 Neurodynamik 3 Neuroregelung 315 Nichtinvertierende Schaltung 103 Nichtlineare Glieder 271 ff Nichtlinearität 45, 195,272 f, 287 f Norm IEC 318 Normalform 16,28,97,427 Nullstellen 26,136,175 f, 201 f., 213 f, 332,347,356 f, 424 f. Nullstellenkonfiguration 213 Nullstellenpaar 177,214,215 Nullstellenverteilung 175 f" 203, 216, 426 Nyquist-Kriterium 174 ff, 239, 246, 355, 453,456
o ODER 373, 374, 375 OLE 317,318 OPC-Server 316,317,318 Operationsverstärker 2, 11, 101 ff. - Ersatzschaltbild 101 Optimierung 221,234,236,239 Optimierungsproblem 33 Optimierungsverfahren 251 Ortskurve 36 ff, 244 f Ortskurvendarstellung 41, 143, 185,445 Ortskurvenverlauf 64,75,91,119,131, 140,180 f., 443 f. Oszillatorische Instabilität 167 Overrideregelung 251, 254, 255
p Pade-Funktion 427 P-Anteil 120 f, 231, 335, 336
Sachwortverzeichnis Parallelschaltung 43, 310, 360 Parasitische Zeitkonstante 129, 138 Partialbruchzerlegung 26, 62, 344 PC 51,315,316,357,417 PC-Bildschirm 434 PC-Simulation 231 PD-Glied 150, 151, 153, 154,463 PD-Regeleinrichtung 127,128,131 f PD-Regler 129, 135,228,309,329 PD-Verhalten 306, 307 Pendel 248,384 - invertiertes 248, 249, 250 PFC-Regler 361,362 P-Glied 144,147,195,222,243,331, 365,386 Phasengang 148 ff, 225, 239 f, 429 f, 463,464 Phasenlineal 156, 193 Phasenrand 191 f., 239 Phasenreserve 192, 196, 221, 241, 242, 327,328,329 Phasenverschiebung 39, 144, 176, 191, 246,285 Phasenverschiebungswinkel 32, 33 Phasenwinkel 33,34,37,39,41, 143, 145,147,158,159,160,161,176,177, 182,191,195,238,244,276 PI-Algorithmus 337 PI-Glied 148, 150, 195 PI-Regelalgorithmus 337,339,460 PI-Regeleinrichtung 118,119,120,122, 124,172,192,338 PI-Regler 119,124,135,203,224 f., 269, 273, 328, 332, 342, 360 f, 404, 450, 453,460,461 PID-Algorithmus 366 PID-Glied 153, 163,464 PID-Regelalgorithmus 321,335 PID-Regeleinrichtung 135 f, 161, 168, 169,430 PID-Regler 137 ff, 269 f, 311, 327 f, 365,366,434,455,463, PID-Stellungsalgorithmus 338 PID-Verhalten 125 PI-Regler 119,124,135,203,224 ff, 269, 273, 328, 332, 342, 360 f, 404, 450,453,460,461 PI-Regeleinrichtung 118 ff, 172, 192,338 Pneumatische Regeleinrichtung 9, 107 PNK 316,317
511
Sachwortverzeichnis Poiseull'sches Gesetz 68 Pol 30,31,65,66,123,132,142,175 ff., 242,352,353,355,387,441 Pole Placing 387,403 Pol-Nullstellen-Darstellung 424,427 Pol-Nullstellenverteilung 175 ff. Polpaar 169,213,214,434 Polstelle 26, 66, 77, 136, 177, 178, 188, 201,213 f., 241 f., 272, 333, 347, 353, 356 f., 379, 387, 388, 390, 400 ff. Polstellenvektor 402 Polverteilung 65,132,169,175,201,242, 355,406,453,454 Polzuweisung 387,402 f. Polynomform 163,426 ff. Positionsregelung 7, 383 positiv definierte Matrix 413 positiv semidefinierte Matrix 413 Prädiktionshorizont 362 Prädiktive Regelung 361 P-Regeleinrichtung 106 ff., 174 P-Regler 106 ff., 198 f., 224 f, 257, 270, 328,329,351,352,356,385,386,439 Produktionssystem 2 PROFIBUS 317 Programm 231,319,321,335,417,420, 423 ff., 461 f. Programmiersprache 318,420 Programmierung 318, 417 Proportionalbeiwert 46 f., 106, 118, 127, 193,195,226,228,229,246,247,248, 308,328,329,385,387,407,428,457 Prozessleitebene 2, 315 Prozessleitsystem 315, 316, 317, 318 Prozessrechner I, 315 P-Strecke 52 ff., 134, 135, 141, 167, 197, 198,221,229,296 f., 302 f., 361 P-Tl-Strecke 55, 56, 70, 71, 86, 95, 108, 114,120,124,132,160,248,297,298, 350 f., 370 P-T2-Strecke 59,62 f., 110, 131, 132, 140,172,174,198,199,235,253,342, 453,455 P-Struktur 259, 260, 261, 264, 268, 269
Q Quasioptimale Verfahren 370 Querwiderstand 61
R RAM 316 Rampenfunktion 20, 224, 255 Rang 400,401,419 Raumtemperaturregelung 3, 4, 9 RCL-Brückenschaltung 29 RCL-Vierpol 258 Reaktionskessel 13, 14 Rechentotzeit 323 Rechteckregel 336, 337, 339,458 Referenztrajektorie 362 Regelalgorithmus 251,320,323,331, 335,348,357,368 f. Regelbarkeit 226, 227, 263 Regelbasis 371,374 Regeldifferenz 4,5,7, 11, 12,47,48,99, 106 ff, 167, 174,221,222,233 f., 251, 256,261,272,273,289,295 f., 363 f., 371 f., 395,405,448 f. Regeldifferenzfolge 321 Regeleinrichtung I f., 15,42,51 f. 99 ff., 221 - I 106, 112ff., 118, 123 f. - P 106 ff., 174 - PD 127 ff. -PI 118ff.,I72 - PID 135 ff., 183 Regelfaktor 47,48 Regelfläche 233,234 - lineare 234, 235 - quadratische 233 - zeitgewichtete 234 Regelgröße I f., 44 f., 51 f., 99 f., 167 f., 221 f., 292, 295 f., 315 f., 361 f., 387 f, 440,449,457,458 Regelkreis 2 f., 15 ff. - digitaler 326, 348, 353 Regelkreisglieder 21 f., 33 f., 143, 271 Regelkreisstruktur 236, 383 Regelstrecke 2 f., 42 f. , 51 f., 99 f., 167 f., 221 f., 273, 289 f., 315 f., 357 f., 387 f., 431, 439, 455, 457 - 1. Ordnung 53,59,86,96,108,147 - 2. Ordnung 59,75, 110, 152 - höherer Ordnung 70, 296 - instabile 243 ff. - mit Ausgleich 52 - mit Totzeit 92, 174, 296
512 - ohne Ausgleich 15,52,83, 124 Regelung 1 ff., - quasikontinuierliche 327 f. Regelgüte 14,173,221,233,272,318, 363 Register 10 Regler 1 ff. Reglerkennlinie 47 Reihenschaltung 42,43,68,86 f., 127, 138, 153 f., 224, 248, 346, 351 Reihenschwingkreis 18,27 Rekursion 325,331,339 Relais 271,272,295,301,312,320 Residuensatz 26, 30, 62, 88, 130, 138, 142,465 Resonanzfrequenz 83 Riccati-Gleichung 415 ROM 316 Robuste Regelung 364 Robustes Verfahren 371 Rückführglied 305 f. Rückführimpedanz 120 Rückführung 128, 137,305 f., 359, 383, 388,395,396,402,410, Rückführungsschaltung 44 Rüskführungswiderstand 101 Rückführungszweig 105 Rückkopplung 2, 137 Rückkopplungsschaltung 44 Rückkopplungszweig 1 f. Rücktransformation 26, 30, 62, 108, 130, 137,138,326,333,344,441 ff. Rücktransformationsgleichung 78
s Sattelpunkt 391 Sättigung 57, 271, 272, 277 f. SCADA 317 scaling factor 404 Schaltfrequenz 304 ff. Schaltlinie 395, 396 Schnittpunkt 80, 131, 143, 145, 149, 152, 184 f., 210 f., 356,456 Schwankungsbreite 297 f. Schwellenwert 271,377,378,380,382, 386 Schwerpunkt 214,249,376,387 Schwerpunktmethode 375 Schwingamplitude 293, 298, 305, 309
Sachwortverzeichnis Schwingdauer 299 f. Schwingungsamplitude 21, 32 Schwingungsperiode 21, 396 Schwingung 30,33,276 - aperiodische 59,66 - aufklingende 66 f., 169,291,293 - gedämpfte 66,75,77,83,117 s-Ebene 66,169,175,176,179,201 ff., 242 f., 352 f., 379, 426, 432, 434 Sendeleistungsregelung 10 Sender 10 Signal 5 f., 92 f., 251 f., 320 f., 335, 343, 345,354,397,417,422,424,440 Simulation 231 f., 270 f., 299 f., 366, 382, 397,405,407,417,438,459 Simulink 231,270,272,273,299,360, 366,370,382,386,403,412 f., 417 ff. Sinusfunktion 20, 36 Sinusschwingung 21,32 f., 275, 276 Smith-Prädiktor 359, 360, 361 Soft-Computing 3 Soft-SPS 316 Software 315,316,377,417 SolIdrehzahl 11, 12 Sollwert 2 f., 45, 47, 99 f., 221 f., 271 f., 295,317,318,368 f. Sollwertgeber 7, 11 Sollwertsprung 274, 309 Spannung 1 ff., 18,57,99, 101, 113, 137 Speicher 68,315 Speicherprogrammierbare Steuerung 316 SPFC-Algorithmus 362, 363 Sprung 20,126,222,225,270,307,308, 310,313,314,331,460,461 Sprungantwort 21 ff. Sprungfunktion 19 ff., 322, 332 SPS 2,8,11,316,317,318,338,357 SPS-Regler 316 Stabilität 51, 167 f., 273, 342 Stabilitätsbedingung 225,239,247,265, 274,276,331,341 f., 352 f. ,456 Stabilitätsgebiet 341 Stabilitätsgrenze 170 f., 201 f., 224, 288, 328,353,354,454 Stabilitätsgüte 191, 192 Stabilitätskriterien 2, 167 f., 201, 221, 274,341,352,394 - mittels Bode-Diagramm 185 ff. - mittels Zweiortskurvenverfahren 195
513
Sachwortverzeichnis - nach Hurwitz 168 f. , 355 - nach Nyquist 174 f., 355 Stationärer Endwert 63, 133, 141 Stationärer Endzustand 109 Statische Kennlinie 16,45, 107,277,279, 295 Statisches Verhalten 15,16,44 Steigung der Asymptote 157 f. Steigungsänderung 157 Stellbereich 100, 295 Steiler 2 Stellglied 6,99,107,250,251,312,320, 368,439 Stellgröße 1 ff. Stellgrößenbegrenzung 370 Stellreserve 369 Stellsignal 68,254,318,321,369,370, 394,398,402 Stellungsalgorithmus 335, 336 Stellventil 4,5,6, 13, 14,68 Stetigähnliche Regelung 305 Stetige Regeleinrichtung 100, 295 Steuerbarkeit 266, 400 f. Steuermatrix 397, 400, 401, 403 Steuerung 2,8,11,266,316,317,318, 368,414 Störfunktion 19,21 Störgröße 4 ff. Störgrößenaufschaltung 251, 256 f., 408 f. Störgrößensprung 227 Störgrößenvorregelung 251 Störsprung 116,125,235,256,449 Störsprungantwort 134, 142 Störverhalten 44 f., 104 f., 167, 192, 221 f., 252 Störübertragungsfunktion 106, 109, 115, 121,134,141,167,174,235,448,449 Streckenkenngrößen 230 Stromistwert 12 Stromrückführung 164, 165 Stromwandler 12 Strukturinstabil 167 Strukturoptimierung 251 Summierer 120, 128, 137 Symmetrisches Optimum 238, 240 Systembus 315 Systemmatrix 397,400,401,403,406, 407,409,412
T Tachogenerator 5, 11 Taktgeber 320 Taktgenerator 316 Temperaturabkühlungskurve 297 Temperaturausgleich 255 Temperaturregelkreis 6 Temperaturregelung 9 f., 296, 309, 312 f. Thermoelement 13,254,319 T-Glied 128, 137 Thyristor 11, 95, 295, 317 Tiefpass-Filter 11 Toleranz 100 Toleranzbereich 221,223 Toleranzgrenze 232 Tote Zone 271,272,273,275,279,281 Totzeit 92 f., 182, 192, 194, 195,201, 231, 296 f., 322 f., 359 f., 427 Totzeitänderung 194 Totzeitglied 94 f., 174 f., 192, 193,224, 225,323,326,329,359,361,427 Totzeitkreis 182 Totzeitsystem 174, 182 Trägheitsmoment 82, 86, 249 Trajektorie 389,390,393,393,395,396 Trajektorienschar 393 Transferfunktion 377 f., 439, 462 Transport Delay 360, 365 Trapezregel 331, 336, 337 Trendfenster 318 Treppenkurve 321,322,336,422,439 Triac 295 T-Summen-Regel 228 Tustin-Verfahren 337
u Übergangsverhalten 19, 65 224 Überschwingweite 221,223,232,236, 242,361,370,434 Übertragungsbeiwert 23,58 Übertragungsfunktion 25 f., 42 f., 51 ff. - des aufgeschnittenen Kreises 174 178 180 f., 201 f., 432 f., 453 f. " Übertragungsmatrix 262, 266, 267 UND 373, 374, 375 Unknown plant 365 Unstetige Regelung 295 ff. Unstetige Regeleinrichtung 100, 295
514
v Ventilhub 45,90,372 Ventilstellung 4,68,84 Verg1eichsstelle 9 Verhältnisregelung 12, 13 Vermaschte Regelkreise 12, 13 Verschiebungssatz 94,347,350,465,467 Verstärker 5,9, 11, 101,271,306,310 Verstärkermaschine 59,60 Verzögerte Rückführung 306 ff. Verzögert-nachgebende Rückführung 310 Verzögerung 13,53 f., 96 ff., 127 ff., 192, 198,243,256,261,276,296,305,306, 310,327,338,361 f., 434, 439, 440 Verzögerungsglied 38,40,41,72,73,97, 98,224,225,296 Verzögerungsleitung 95 Verzögerungsstrecke 236 Verzögerungszeit 5, Verzögerungszeitkonstante 253, 324 Verzugszeit 64,225,227,324,327 Verzweigungspunkt 207,210,213 ff. Verzweigungsstelle 5, 165,261,359 Vierpol 28, 60, 258 Virtuelle Masse 102, 103, 129 Visualisierung 318, 319 Vordrossel 9, 107 Vordrosseldurchmesser 107 Vorfilter 364,404,405,407,409 Vorhaltzeit 128, 134,329 V-Struktur 260,261,268,269
w Wandelzeit 322 Wandler 17,68,315 f., 348 Wärmeaustauscher 13, 14 Wärmewiderstand 54 Warmwasserbehälter 53 Wasserdurchlauferhitzer 296 w-Ebene 354 Wendepunkt 63,64,229 Wendetangente 64,72,73,225,228,229 Werkzeugmaschine 85 Werkzeugschlitten 86, 87 Widerstand 9 f., 54 f., 103, 127,258,259 Widerstandskraft 29, 259 Widerstandsthermometer 312 Winkeländerung 175 f., 355, 356, 453 f.
Sachwortverzeichnis Winkelbedingung 202,210,211 Wirbelpunkt 391 Wirkungsplan 5 ff. Wirkungsrichtung 5 Wirkungslinie 5, 266 WOK 201,356,432 w-Transformation 354, 355 Wurzelortskurve 201 ff., 356, 433, 436 Wurze10rtskurvenast 212 Wurze10rtskurvenverfahren 201 Wurzelschwerpunkt 214,218
x XOR 380,461
z Zähigkeit 69 Zählerpolynom 178,201 f., 399 f., 432 f. z-Bereich 343 ff. z-Ebene 203,353,354,355,356 Zeigerbild 37 Zeigerdarstellung 34 Zeitbereich 25,26,27,30,58,62, 108, 123,130,137,138,168,221,234,320, 325, 330 f., 345, 350, 424, 436, 441 f. Zeitkonstante 18 f., 58, 63 f., 113, 118, 127 f., 225 f., 296 f., 385 f., 417, 442 f. Zeit-Prozentkennwert 229,230 Zeitverhalten 5, 11, 15,51, 106 ff., 143, 221,253,305,313,324,367 Zeitverzögerung 251 Zentrifugalregu1ator 1 Ziegler-Nichols-Verfahren 224 f, 225, 328 z-Transformation 325 ff. z-Übertragungsfunktion 326, 346 ff. Zugehörigkeitsfunktion 371 ff. Zustandsdifferentialgleichung 393, 394 Zustandsebene 274, 387 f. Zustandskurve 389, 390 f. Zustandsregelung 383,384,387 ff. Zustandsrückführung 387 f. Zustandsvariable 384 ff., 400, 411 Zustandsvektor 397,405,413 Zweiortskurvenverfahren 195 f., 276 ff. Zweipunktregler 100, 285, 295 ff. Zweipunktverhalten 272 Zweispeichersystem 59 Zweitanksystem 258