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V XOLO'ÜfUlL zu ziehen ist; in diesem Fall wird das Partizip ÖEÖfJE'Vo; selbständig. Von dieser Entscheidung hängt auch die Interpunktion des Satzes ab l3 . Die Versicherung der Fürbitte für den Briefempfanger ist in einem antiken Briefkeineswegs selten 14 • Statt 9 .. in 'ÖT)aav. Der paulinische Stil wirkt kunstvoll und rhetorisch. Das vorangestellte cpaaxovtEI!; ist ähnlich wie yv6vtEI!; 'tov &E6v in V 21 besonders eindringlich: •• mit Nachdruck behaupten« (Apg 24,9; 25,19). Man beachte den Kontrast zwischen Behauptung und Wirklichkeit (vgl. Jer 10,14; Jes 29,14). Der Gegensatz zwischen OO Paulus im Talmud« vgl. E. KITTEL, Rabbinica, 1920, I ff.; zu »Paulus und das Judentum" die Studie von H. WINDISCH (1935). Es ist nicht unwichtig, daß Marcion unser Kapitel ausgelassen zu haben scheint; vgl. Tert. adv. Marc. 5,14; TH. ZAHN, Geschichte des neutestamentlichen Kanons 11 I, 1890,518; A. v. HARNACK, Marcion, das Evangelium vom fremden Gott, 1924, lOS·. 5 ScHLATTER, Gerechtigkeit 291 sieht in Röm 9-11 die fOlgerichtige Weiterführung der Gedanken von Röm 8. Er weist dabei hin auf den Zusammenhang zwischen der christlichen Botschaft und dem jüdischen Bekenntnis, aufdie Feindschaft desJ udentums gegen die christliche Gemeinde und aufden Prozeß der Scheidung der Gemeinde von der Synagoge. A. Schlauer hebt also die geschichtlichen Prozesse hervor, die mit dem paulinischen Won von Röm 9-11 verbunden sind. 6 Ähnliche Beteuerungen finden sich auch sonst bei Paulus, vor allem in 2Kor 1,23; 2,17; 11,31; 12,19, wobei bestimmte Formeln und formelhaft~ Wendungen auffallen. au~OQTUQO~ Til~ ouvEIhfJoE(&)~erinnen an Röm 2,15 und weist damit aufeinenJestmStil hin. Daß Röm 9,1 in ITim 2,7 eine genaue Parallele hat, könnte mit dem festen Stil zusammenhängen; es ist allerdings nicht ganz ausgeschlossen, daß der Sprachgebrauch unseres Briefes im I. Timotheusbrief eingewirkt hat. 7 LAGRR 225 spricht von einem Doppelzeugnis (au~ClQ'tUQ06
der ganzen Welt« ist nach Str-B 111 25 ..ein hyperbolischer Ausdruck«. '2'2,'27; ISam I'2,5;Jer 4'2,9; Ps 89,38. Auch im Griechentum ist es üblich, die Götter zu Zeugen anzurufen (Homer Od. 1,'273; 14,394; Palyb. 11,6). 11 Ob man in V 91'00 oder I'Ot. liest, macht sachlich keinen Unterschied. 12 SDt 11,13 § 41: .. ihm zu dienen, das ist das Gebet« (Str-B 111 26). Der König Darius wünscht Daniel: .. Dein Golt, dem du ohne Unterlaß dienst, der möge dich errettencc (Dan 6,17.21). 13 Kann 6bUlA.t:iJtttoe; sich mit :n:lxvtotE verbinden, ohne die Konstruktion zu überladen? Oder muß um des ä6ulM:i:n:ttoe; willen :n:lxvtotE zu O~ gezogen werden? (Vgl. die ähnlichen Konstruktionen in I Thess 1,'2; Phill,3.) Sowohl stilistisch als auch sachlich sind beide Verständnisse des T ates möglich, und auch der Satzrhythmus gibt keine endgültige Entscheidung. ScHLIER R 37 verbindet :n:lxvtotE mi t OE6f.lE'VOt;. 14 Die Versicherung des gegenseitigen ..Gedenkenscc findet sich immer wieder in der jüdischen Briefliteratur (z.B. I Mall 1'2,11: ApkBar 86,1 Ir.), aber auch im hellenistischen Briefstil (A. DEISSMANN, Licht vom Osten, 4. Auß. 19'23, 150). Paulus benutzt auch hier eine bestimmte Form und geprägtes Material. 10 Jas
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des bestimmten [va folgt hier das vorsichtige d,,~ (vulg.: si quomodo), das sowohl der Hoffnung als auch der Unsicherheit Raum läßt; i'JÖTJ "alt wirkt dagegen eindringlich (»endlich einmal«). Daß Paulus seit Jahren den Wunsch hat, nach Rom zu kommen, aber bisher gehindert wurde, behauptet sowohl der Eingang (Röm 1,13) als auch der Abschluß des Briefes (Röm 15,22). Ob es die politischen Wirren in Rom oder die drängenden Angelegenheiten der Mission sind, die das Kommen des Apostels bisher verhinderten, wissen wir nicht. Auf jeden Fall hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, nach Rom zu kommen. Allerdings steht dieser Plan ganz in Gottes Hand (tv 't<{> itEATif.Ul'tL 'tO'Ü itEO'Ü) 15. Paulus ist also nicht Herr über sich selbst und seine Pläne, sondern muß sich in die Hand Gottes geben. Der jüdische und allgemein menschliche Vorbehalt erhält neue und verstärkte Bedeutung im Christentum, ist also keine bloße Form, sondern ernsthaft gemeint. Selbstverständlich ist tv 't<{> itdTif.U1'tL 'tO'Ü tro'Ü zu tÄitELV zu ziehen. A. Schlatter übersetzt: »)Ob mir wohl endlich einmal der Weg, durch Gottes Willen zu euch zu kommen, gebahnt werde«16. Tatsächlich kann in dem Verbum E'Öo&Wa6aL der Begriff ~ mitschwingen (eigtl.: »einen guten Weg geführt werden«17). An unserer Stelle zeigt der nachfolgende Infinitiv, daß das Verbum lediglich »gelingen« heißt (H. Lietzmann). VII: Paulus verstärkt das Gebet durch seinen persönlichen Wunsch: er sehnt sich danach, die römische Gemeinde kennenzulernen (btlJtotkö lbELV klingt ebenfalls wie eine gebräuchliche Wendung: I Thess 3,6; 2Tim 1,4). Der Apostel stellt sichjetzt als Geistträger vor, der die Begegnung mit Geistträgem sucht. Er selbst bietet ihnen »geistliche Gnadengabe« (XOQL0f.Ul "VEUf.Ul'tLX6v) an 18, ist aber bereit, auch selbst Zuspruch von seiten der Gemeinde anzunehmen. Die Unbestimmtheit des Ausdruckes »etwas an Gabe des Geistes« erschwert eine konkrete Deutung. Erst in der Begegnung mit der Gemeinde wird sich herausstellen, welches Wort, welche Erkenntnis, welche Glaubensstärkung der Gemeinde nottut. Die Liebe wird finden, was der andere braucht. Xeiol.OJ.IQ (eigd.: »das Geschenkte«, die »Gabe«) ist ein hellenistischer Begriff, der in der neutestamendichen Literatur vorwiegend von Paulus gebraucht wird. Auch im Alten Testament findet er sich nur selten in der späteren Literatur, und dann nur in bestimmten Handschriften (Ps 30,22; Sir 7,33; 38,30). Paulus verwendet XQ()UJJ.urtQ in der Bedeutung von 1t'Y2UJ.lQ'tI.x6, steht also in der Auseinandersetzung mit dem hellenistischen Pneumatikertum. Kann der Begriff die xa'ÖXTJOU; aufheben? Er will den Gnadencharakter der Ga15 Alle Reise- und Zukunftspläne stehen unter diesem theologischen Vorbehalt und dieser Formel des Gehonams (Röm 15,32; IKor4,19; 16,7;Jak4,15; Apg 18,21).lmJudentum ist diese Formel bekannt und gebräuchlich, ihre Anwendung entscheidet über den Segen Gottes und die Zukunft des Menschen (Str-B 111 758). Es finden sich aber auch heidnische Parallelen (BGU I 27; 11 423). 16 A. ScHLAlTER, Erläuterungen zum Neuen Testament 11 10; ScHLAlTER, Gerechtigkeit 28. Gott allein vermag dem Menschen den Weg freizumachen. Vgl. dazu auch das jüdische Reisegebet: ,.Es sei Wille vor Dir,Jahwe, mein Gou, daß Du mich leitest in Frieden und mich dahinschreiten lässest in Frieden und mich stützest in Frieden ... « (Str-B I 410= bBer 29b). Wir haben auch hier mit dem Einfluß der Gebetssprache zu rechnen. 17 Wichtig ist, daß Tob 5,17.22 LXX der Gebetawunsch ~d'l'tE und der Seg~n EiIo&arikiOEtQL beschrieben werden. EUoboüo6al als»guten Erfolg haben, gelingen« findet sich in 2ehron 32.30; Sir 41,1. 11 ~ab&b6wl findet sich in ähnlichem Sinn auch in IThess 2,8 (•• Anteil geben«).
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ben und Fähigkeiten hervorheben. Man muß also zwischen apostolischer Vollmacht (~OLa) und pneumatischer Gnadengabe (x6QwJIQ) unterscheiden. Paulus will offenbar in Röm 1,11 mit dem römischen Pneumatikertum ins Gespräch kommen, will aber seine Autorität diesem gegenüber behaupten. Er ordnet sich ihm nicht gleich, sondern sieht in dem Apostolat das rechte Vorbild des Pneumatikers 19•
Paulus ist berei t, sich vor den Pneumatikern Roms als Geistträger zu legitimieren, ohne selbst diese Pneumatiker in ihrem Anspruch zu bestätigen. Vielleicht darf man auf Röm 15,29 verweisen: wenn Paulus kommt, wird er ))in der Fülle des Segens Christi« bei ihnen sein. Das Ziel der Gabe ist die ))Stärkung« der Gemeinde20• Man könnte annehmen, daß 'Paulus auch die »Offenbarungen« der römischen Pneumatiker kennen lernen will; aber er biegt vorsichtig ab: wenn er selbst der Gebende ist, dann ist sein Dienst dazu da, daß er in der Begegnung mit der römischen Gemeinde den gleichen Zuspruch Gottes empfängt, sich unter die gleiche Gnade beugt, und daß Apostel und Gemeinde im beiderseitigen Glaubensstand getröstet werden. 'too'to 6t tatLv will nicht nur O'tT)QLx-6ftvaL erläutern oder verbessern, sondern den in V 11 geäußerten Gedanken umbilden und weiterführen 21 • Die n(atLc; der Römer und die nW'tLc; des Apostels begegnen einander, und aus dieser Begegnung erhom sich der Apostel gemeinsamen Trost und Zuspruch. Da er selbst der Angefochtene ist, muß die Begegnung mit einer lebendigen Gemeinde Hilfe und Kraft für ihn selbst werden. Die Gemeinde soll gestärkt, der Apostel getröstet werden. Die Fassung des Begriffes n(atLC; erinnert an Röm 1,5.8 und meint objektivierend den Glaubensstand bzw. die Glaubenserkenntnis. V 15: Paulus versichert noch einmal (und nimmt damit V 10 auO, daß er oft die Absicht und den Plan gehabt habe, zur römischen Gmeinde zu kommen. Sowohl die Anrede i16eMpo(, die hier zum ersten Mal auftaucht, als auch die durch eine doppelte Negation 22 verstärkte Aussageform: oU ttA.oo uJ.Uic; ir(voEtv weisen darauf hin, daß Paulus hier eine Beteuerung ausspricht. Ohne Vgl. G. FRIEDRICH, Geist und Amt, Jahrb. der Theol. Schule Bethe1, 1952, 61 W. Gott stärkt (Röm 16,25; 2Thess 2,17; 3,3); das Wort des Amtsträgers und Bruders stärkt (Lk 22,32; Apg 18,23; IThess 3,2 u.ö.) ...Stä rkt'n« (ot1'JQ't!w) heißt einerseits: .>die Verheißung Gottes dem Menschen zusprechen« (IThess 3,2), anderseits, von Gott aus gesehen: ..das Herz des Menschen durch das Wort Gottes befestigencc (Hebr 13,9: tkpaLOiJv). Wir haben es mit einem Bildwort zu tun, das die Paränese des Urchristentums bestimmt. 21 "Wirto fit Wnv findet sich im Neuen Testament nur hier, häufiger ist sonst uriii I.cmv. Das Selbstbewußtsein des Amtsträgers bekennt sich ausdrücklich zur Verbundenheit der Liebe. Auch das Komposi tum O\J~aQ
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Zweifel schwingt ein apologetischer Unterton mit: ihr sollt mich nicht falsch beurteilen. Zwischen der Absicht des Paulus und dem hindernden Eingreifen Gottes muß die römische Gemeinde unterscheiden. xaL führt hier nicht fort, sondern setzt entgegen, entspricht also einem QUa. Die Sehnsucht und das Gebet des Paulus waren schon zu einem festumrissenen Plan geworden (1tQOtUtEafkll.: »sich vorsetzen, sich vornehmen«23). Zwar heißt es in einem ähnlichen Zusammenhang IThess 2,18, daß der Satan Paulus am Kommen gehindert habe; an unserer Stelle jedoch bleibt der Apostel vorsichtiger (einfaches Passiv) und denkt wahrscheinlich an eine Verhinderung durch Gott selbst (semitische Umschreibung). Es handelt sich um Hindernisse verschiedener Art, nicht um verschiedene Stellungnahmen zu gleichen Hindernissen 24 • Der nachfolgende Absichtssatz: [va 'tl.va ~v OXOO schließt sich an das entscheidende Hauptverb 1tQOdtt(U&Eiv) an: Paulus hat sich vorgenommen, nach Rom zu kommen, um auch dort Frucht zu ernten. Das Bild von der »Frucht« darf hier missionarisch verstanden werden (Phill,22). Paulus empfängt Frucht und erntet dort, wo er das Wort verkündigen darf. 'tLVa klingt bescheiden: der VerkündigerdarfFrucht erwarten, aber nicht bestimmen. Es sieht so aus, als fehle Rom im Kranz der Völker, denen Paulus das Evangelium gebracht hat. Im missionarischen Sinn sind die Römer ein Glied der Völkerwelt, zu der Paulus gesandt worden ist. Denkt man aber daran, daß der Judenchrist zwischen Israel und den »Heidencc unterscheidet, dann ist die Hauptstadt des Reiches nichts anderes als der Mittelpunkt des Heidentums und der Dämonie (Apokalyptik!). Man kann nicht zu den Völkern gehen, ihr Zentrum aber außer acht lassen (tv 'Öf.liv = »bei euch in Rom«). V 14: Es folgen nun mehrere Bekenntnisse, die einerseits Paulus und sein Verständnis des Evangeliums vorstellen, anderseits seine Absicht, nach Rom zu kommen, unterstreichen. Zwischen seiner besonderen Auffassung des Evangeliums und seinen Reiseplänen müssen also bestimmte Beziehungen bestehen. Sprache und Stil dieser Bekenntnissätze (V 14-16a) sind feierlich und proklamatorisch, unterscheiden sich also darin von den vorangehenden Versen (V ~) 3). Allen Völkern und Bildungsschichten gegenüber ist Paulus verpflichtet. ÖCPEIÄt'tTJS ElVaL ist ein Bild aus dem Schuldrecht und drückt die Tatsache aus, daß Paulusselbst »in Pflicht genommen ist« (K. Barth). Die Wendung ist besonders stark und besagt, daß Paulus sich in seiner ganzen Existenz den Völkern verpflichtet weiß (vgl. Röm 8, ) 2; 15,27; Gal5,3). Der Apostel schließt sich in den beiden Begriffspaaren: " Ell'lVE; - ~ttQ~OL, Ooq>OL - civ6T}'tOL an das griechische Denken an; in diesen Unterscheidungen liegt nach Ansicht des gebildeten Griechen eine Einteilung und Einschätzung der Menschen 25 • Für den Griechen ist eigentlich
,,"V
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1I{)OtltEo6aL ist gut griechisch und ist stärker als po6ÄEo6aL oder "tÄELV.
Man hat an mancherlei konkrete irdische Gründe gedacht, die Paulus zurückgehalten haben könnten: politische Wirren in Rom oder missionarische Verpflichtungen auf anderen Missionsgebieten, ArbeitsfUUe oder Erkrankung. 25 Vgl. zur Literatur: A. EICHHORN, B~ quid significaverit (Diss.), 1904; H. WEIlNER, Barbarus, NJbklA 21, 1918,389 fT.;j.JOTHNER, Hellenen und Barbaren, 1923; M. HENGEL,Juden, Griechen und Barbaren, 1976. Paulus stellt sich hier aufden Standpunkt der griechischen Einteilung, ohne nach dem Judentum zu fragen. Der Jude unterscheidet Juden und Griechen (3,9), Juden und 24
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nur der hellenistisch Gebildete Mensch im vollen Sinn. Er spricht von ItGriechen und Barbaren« sowohl addierend zur Bezeichnung der Gesamtmenschheit als auch differenzierend zur Kennzeichnung der U nterschiede26. Die Römer konnte man sprachlich und kulturell zu den »Hellenencc rechnen; doch gab es in Rom ebenso wie in den griechischen Hafenstädten Fremde aller An (Orientalen, Afrikaner) , die man als »Barbarencc ansprechen konnte, weil sie kaum griechisch verstanden 27 . Während für den Griechen griechisch und weise, barbarisch und unvernünftig gleichbedeutend ist, fehlt bei Paulus der abwertende Klang. Er weiß sich in besonderer Weise zu denen gerufen, die in den Augen der Weisen »schwachcc und »törichtee sind (I Kor 1,26 ff.). Die Begriffe ~ und ltv6r)toc; werden nicht aufgehoben, wohl aber durch die Liebe Christi ebenso erfaßt wie die Begriffe • EllYJ'Y und ~. Die ganze Menschheit in ihren U nterschieden, die anerkannt werden, steht unter der Liebe, aber auch unter dem Gericht des Evangeliums. Paulus unterscheidet sich daher von den griechischen Philosophen, die sich bewußt an die Gebildeten wenden und die Unverständigen verachten 28 . Er kennt Weise auch unter den Nichtgriechen, und Griechen erscheinen ihm oft als unvernünftig U. A. Bengel). V 15: Dies Verpßichtetsein gegenüber den »Völkerncc, das aus der Besonderheit seines apostolischen Amtes stammt, schafft die Bereitwilligkeit, auch nach Rom zu gehen, um dort das ihm anvertraute Evangelium zu verkündigen. Wortlaut und Stil von V 15 sind unfeierlich und knapp. o~ fähn fort (»so wie die Sache liegt«). tb xat" ~ XQ6&uJ10Y ist ebenfalls verkürzte Redeweise (»soweit es auf mich ankommt, bin ich bereit«)29. Die Auslassung von tO~ tv· Prolln dürfte mit einer liturgischen überarbeitung des Briefes zusammenhängen (vgl. 1,7). Der knappe Infinitiv E'ÖcryyeA.(aaoftaL meint zunächst, daß Paulus der römischen Gemeinde seine Botschaft vortragen will, dann erst im weiteren Sinn, daß er missionarisch Frucht zu ernten gedenkt (1,13). Beide Absichten werden in diesem einen Infinitiv zusammengefaßt. V 16 und 17 sind stilistisch durch ein mehrfaches 16.0 miteinander verHeiden (3,29), Beschneidung und Un~chniltenheit (Gal2,8 f.), stellt also dem Griechentum das jüdische Mlbstbewußtsein gegenüber. 26 Addierend z.B. Plalo leg. 1635 B; Philo ,,·it. Mos. 11 48.137; differenzierend Hdt. IX 79; Plato resp. VIII 544 D; Eurip. Phoen. 1509 f.; Hec. 1199 f.; Aesch. Sept. Theb. 72 f.; Pen. 180 f. (186 f.). 21 Wenn eic. fin. 11 49 noch Grama und Italia der barbaria gegenüberstellt, so hat Mn. de ira 111 2 in seiner Unterscheidung von Graji und Barbari sicher die Römer mit :tu den ersteren gerechnet. Dasselbe Problem taucht fast überall auf, wo die Lateiner von Griechen und Barbaren reden (z.B. Liv. 31,29; Horazep.1 2,7). Vgl. auch ThW 1546. Auch in das Rabbinat dringt das Frerndwon .. Barbarim« ein und bezeichnet hier entweder ungebildete Einulpenonen oder rohe Naturvölker (Str-B 111 28). Der verächtliche Ton, der aufdem Fremdwort liegt, bleibt auch im Judentum bewahrt. 28 ~~ bezeichnet den Menschen, der unfähig oder nwillig ist, das ihm Gesagte zu erfassen; es untencheidet sich daher von dem ~ in I Kor 1,25. 'c.7; 3,18; 4,10, das die verkehrte Richtung des menschlichen Dcnkens angibt. ~~ kommt im Neuen Testament noch in Lk 24,25; GaJ 3,1; ITim 6,9 und Tit 3,3 vor. Uno Stoic. vet. fragm. I 52,26teih die Menschen in die beiden Klauen mroubaiot. und CfClÜAoL ein. 29 Die Umschreibung des Genitivs durch XQt' 4tt (mit Akkus.) ist inder hellenistischen Zeitgeläufag (Apg 18,15; 26,3; Eph 1,15). tO KQ6&uI'OV enspricht dem Substantiv qo&ufda (sc. tytyno). Vgl. z.B. 3Makk 5,26; tO ~ov 1:00 pao~.
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bunden. V 16a dient als überleitung von der persönlichen Aussage V 15 zu den feierlichen Bestimmungen des Evangeliums in V 16b und 17. Paulus scheut sich weder vor der Welthauptstadt30 noch vor der Besonderheit der römischen Gemeinde; er ist bereit, als »Verpflichteter« (ÖCPELA.tnt~) oder als »Bote unter dem Zwang« (avaYXT) 1Kor 9,16) nach Rom zu kommen. Er scheut sich weder vor Ju~nchristen, die ihn lästern, noch vor Pneumatikern, die ihn verachten. Feierlich und prägnant klingt V I6a: »ich schäme mich des Evangeliums nicht«. oUx btaa.axUVOJAaL erinnert an die Bekenntnissprache des Urchristentums (Mk 8,38; 2Tim 1,8) und entspricht negativ einem feierlichen 6J.lOAoyw. »Sich nicht schämen« ist eine negative Formulierung für das positive Ereignis des »)Bekenneos« in einer bestimmten geschichtlichen Situation der Anfechtung (6J.lOAoyELV). Paulus betont, daß er dem Ärgernis des Evangeliums in Rom nicht ausweichen will. Es geht hier nicht um das Fehlen einer psychologischen Scheu (vulg.: erubesoo), sondern um eine konkrete Bereitschaft, um einen in Worte gefaßten Entschluß und um ein feststellbares Ereignis. tb EiJayyD.t.av vertritt an dieser Stelle den Infinitiv E'Üayyd'(~EO'6aL und meint die besondere Form der paulinischen Botschaft (= tb E'ÜcrrtfAWv J1OV 31 ). Es sieht so aus, als wolle V 16a einen fremden Verdacht abwehren oder eine Selbstrechtfertigung darstellen. In zwei aufeinander folgenden Hauptsätzen, die die Bedeutung des Evangeliums für die gesamte Menschheit herausstellen wollen, wird zum Ausdruck gebracht, daß Gottes Autorität hinter der Botschaft des Evangeliums und damit hinter dem Akt der Verkündigung steht32• Das Evangelium ist Offenbarung der )Kraft Gottes« (ö(ryaJ1L~ &o'Ü V 16b) und der »)Gerechtigkeit Gottes« (Önwl.OO'irvT) aeoü V 17). Die beiden Begriffe treten an den Anfangjedes Satzes und erhalten dadurch einen besonderen Nachdruck. ÖUvaJ1a.~ ist das Zeichen Gottes, seiner Erscheinung und seiner Machttaten; durch seine ÖVvßJ1a.~ setzt sich Gott gegen allen Widerstand und gegen alles Unvermögen der Menschen und Mächte durch. Trotz aller Niedrigkeit des Wortes und des Ärgernisses des Kreuzes ist die Botschaft Träger der ») Kraft Gottes« (IKor 1,18; 2,4 f.; 4,20; IThess 1,5). Der Begriff ist in der Auseinandersetzung mitjudentum und Hellenismus auch antithetisch entfaltet worden33 . Für Paulus »caput et theatrum orbis terrarumcc U. A. BENGEL z.Sl.). Es ist nicht zufällig, daß in der Textgeschichte immer wieder das Bedürfnis empfunden wird, das Objekt 'tb EÜayytMOV durch einen geeigneten Genitiv zu ergänzen (wü atoü, 'toü ~LO'tOÜ, au'toü bzw. 1'00). Auch ein hinzugesetztes 'to\rto entspricht dem gleichen stilistischen Bedürfnis. 32 Paulus trennt also nicht zwischen dem Akt der Verkündigung und der Botschaft selbst. Der Akt der Verkündigung sowie der Verkündiger selbst stehen unter dem Schutz der Autorität der Botschaft. 33 J. WEISS, Ztschr. f. e... gl. Rd. Unt. 20,24 und A. DIETERICH, Eine Mithrasliturgie, 3. Aufl. 1923, 46 f. versuchen, 66val'L~ E~ CJOm)Q{av nach Analogie der Zauberpapyri im hellenistischen Sinn als »Rezept, Anweisung zur Genesung •• oder als »Heilkraft" zu deuten. Es liegt aber kein Grund vor, 00VQj.lL~ an unserer Stelle anders als in 1Kor 1,18.24 zu verstehen. W. GRUNDMANN weist aufdie rabbiniache Anschauung hin, daß die Tora selbst die rechte Heilskraft und Stärke ist (Mek Ex 15,2·.13.26 und 18,1). Die Aussage des Paulus ist antithetisch zu verstehen: .. Nicht die Thora, sondern das Evangelium ist Kraft GOlles.c (ThW II 310). Ausdrücklich bekämpft E. LOHSE in seinem Aufsatz: Die Gerechtigkeit Gottes in der pauliniJchen Theologie die übersetzung ))Macht.. in Köm 1,16 (a.a.O. 2'14 ff.): Paulus meint die Kraft des töricht erscheinenden Wortes vom Kreuz, das allein dem 30
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waren •• Kraftcc und ••Geistcc Gottes eng miteinander verbunden. Das Won hat Anteil an der Kraft Gottes, weil es durch den Geist Gottes bestimmt und sein Werkzeug ist. Es vermag sich gegen allen Widerstand und aUes Unvermögen durchzusetzen .•• Kraftcc ist hier Erweis der Gottheit Gottes, seine ••virtuscc (vulg.), sein •• Vermögenc( (M. Lu ther) 34. Diese •• Kraft« Gottes istschafTende, errettende, bewahrende Wirksamkeit am Menschen (A. Schlatter). Sie zielt ab auf eschatologische Errettung im jüngsten Gericht. CKO't'I')Q(a ist grundsätzlich Gegensatz zu MOOA.eLa, ist daher die Verheißung des Glaubens (Röm 10,9: 00JÖ'i)a0). Vielleicht gehört der Begriff in die Missionsprtdigt rmd TGUjsprtICM. In unserem Zusammenhang taucht er stichwortanig auf, wenn auch sicherlich nicht zufaIlig. Ihn positiv mit •• Heilc( zu übersetzen, ist zwar möglich, aber wegen des Zusammenhangs mit den Begriffen 6Lxaa.ooiM) und tun) nicht ratsam. Es geht hier wirklich um die •• Errettungcc des Menschen vor dem göttlichen Zorn und Gericht (Röm 5,9 f.: CXI1&r)06J.LE6a). Der Mensch erfährt durch die Botschaft, in welcher Gefahr er steht und wodurch er Errettung und Leben empfangen kann. oomtQ(a weist auftorit hin und bereitet die Einführung von tW'fl vor (IThess 5,9-10). Dam 20,20formulien: •• bisdaß aufgehtHtil und Gtrtchtigktil für die Gottesfürchtigen. ce OW'nIQ(a (im Alten Testament = ~ u.ä.) ist ein in LXX (Psalmen 34-, jesaja 18mal) häufig vorkommendes Substantiv, das sich auch in den hellenistischen Teilen des Neuen Testaments gern wiederfindet (unregelmäßig in den Evangelien und in den PauIus-Briefen, öfter im Hebräer- und 1. Petruabrief). Im Römerbrief begegnet das Won in Röm 1,16; 10,1.10; 11,11; 13,11, ohne daß es ausdrück.licherldärt wird. Auffallend ist, daß CJ
.Kraft.
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Errettung. die durch die Annahme des Evangeliums vorweggenommen wird1S• ~ fehlt übrigens in G.
W;
Gottes Machttat im Wort verlangt als Antwort des Menschen den Glauben. Er ist nicht eine Bedingung, an die Gottes Kraft gebunden ist, sondern Antwort. Folge und Wirkung (A. Schlatter). xavd t
V 17: Während V 16b das Evangelium als Machthandeln Gottes bestimmt. wird in V 17 sein Inhalt im Verhältnis Gottes zum Menschen aufgezeigt. V 17 ist also eine Steigerung und Weiterführung von V 16b,ja, V 17 ist der eigentliche Höhepunkt und das abschließende Ziel des ganzen Abschnittes. Der Fomi nach handelt es sich in V 17 um einen programmatischen Lehrsatz, der durch ein nachfolgendes Schriftzeugnis bestätigt wird (vgl. Röm 1,2). Das •• Ichee des persönlichen Bekenntnisses (V 14-16a) ist durch objektive Begriffe und Aussagen abgelöst. ÖLxaLooiM) &roü ist bei Paulus beides, sowohl Gottes richterliches Urteil als auch seine eschatologische Heilsgabe. Beides wird im KreuzJesu als innere Einheit erkennbar und dem Menschen im Glaubensakt zugesprochen. Es ist ein Grundgedanke des Alten Testaments, daß Gott Recht setzt und als gerechter Gott dem Recht verbunden ist. Erist also der Richter, der das Böse straft und demjenigen, lS IQM 1,5: .Die Zeildes Heiles rurw Volk Gottes« (- eschatologische Heilszeit); 14,5: .. Bezeugungen des Heiles dem Volk leiner Erlösung.. ; 18,7: -die Tore der Heilserweilungen.. ; IQS 1,19: MGoll ~r Heilserweilungmoc. 16 Röm 1,16; 2,9.10; 3,9; 10,12; I Kor 1,24; 12,13.
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der Recht sucht, auch sein Recht zukommen läßt. Im Alten Testament liegt also zunächst das Bild des Prozeßverfahrens vor: Gott greift durch sein Urteil zugunsten des Gerechten und zuungunsten des Rechtsbrechers ein. Hierher gehört auch das Verständnis von Hab 2,4: Im Kampf und in der Auseinandersetzung hält sich der Fromme an die Gebote Gottes und entgeht damit dem von den Gegnern beantragten Todesurteil (ThW 11 180). Wichtig ist ferner, daß man den Messias als einen König verstanden hat, der mit Weisheit, Recht und Gerechtigkeit im Lande hemchen wird Uer 23,5 f.; 33,15 f.; aethHen~). Bei Deuterojesaja tritt die enge Verbundenheit von Gerechtigkeit und Heil heraus (z.B.Jes ~,13; 51,5.6.8; 59,17): Gott läßt sein Heil ausrufen und seinen Sieg den Völkern verkündigen. Der paulinische Begriff spricht von einem eschatologischen Urteil Gottes, das im Kreuz Jesu Christi offenbar wird und vom Glauben anerkannt wird. Diese Gerechtigkeit Gottes ist paradox als Einheit von Gerechtigkeit und Gnade zu verstehen, ist aber als geschichtliches Ereignis an das Faktum des Kreuzes gebunden. »Es ist die Gerechtigkeit des neuen Zeitalterscc (NygrenR 62). In der &xa"OOÖVI'I itEoiJ haben wir es mit dem eschatologischen Heilshandeln Gottes, nicht nur mit einer Eigenschaft Gottes zu tun (Gen. auct.). Vor allem muß erkannt werden, daß der paulinische Begriffin einer Auseinandersetzung mit dem Rabbinat und seiner Gerechtigkeitslehre steht (PhiI3,9; Röm 10,3). Die radikale und eschatologische Auffassung der »Gerechtigkeitcc bei Paulus hat eine gewisse Ähnlichkeit mit den Psalmen (Hodajot) der Qumrangemeinschaft des 2. und 1. vorchristl. Jhs. Der alttestamentliche Gegensatz zwischen dem Gerechten und Gottlosen ist hier radikal verstanden: »Ich weiß, daß der Mensch keine Gerechtigkeit hat( (IQH 4,30)37. Vor allem ist wichtig, wie die Damaskusschrift von )Gerechtigkeit« und dem »Lehrer der Gerechtigkeit( spricht. Auffallend ist das Präsens cmoxa).:umE"ta&. (vgl. Röm 1,18), das zum Aus-
druck bringt, daß sich in der Predigt auch jetzt noch die Gerechtigkeit Gottes enthüllt. Gerade in diesem Geschehen liegt die »Kraft« des Wortes, von der Röm 1,16 spricht. Im Evangelium wird apokalyptisch offenbar, was ohne das Evangelium verborgen ist. tx X(atE~ d~ XLatLV gehört wohl adverbial zu cmoxa).;ux'tE"taL: der Glaube empfängt durch das Wort des Evangeliums seinen Grund und sein Ziel (bt - d~). Vielleicht ist diese adverbiale Verstärkung aus volleren Wendungen verkürzt: t; uxaxoil~ x(atECJ.)~ (Gal 3,2) und d~ uxaxoTlv x(at~ (Röm 1,5)38. Die exegetische Wendung b x(atem; E~ x(Ot"v ist umstritten. Man hat exegetisch an 'Oe1schüdme Subjekte des »Glaubens« gedacht: die Gerechtigkeit wird offenbar auf Grund des Glaubens des Predigen zum Glauben des Hörers hin, oder: aus der Treue Gottes zum Glauben des Menschen. Oder man vermutete einen Hebraismus: der Glaube wächst aus kleinen Anf.ingen zu größerer Kraft und erreicht neue Ziele. Gelegentlich verstand man diese adverbiale Wendung als Vmliirlamg: der Glaube kommt nicht über sich selbst hinaus, weder durch irgendeine Gnosis noch durch irgendein menschliches Werk (M. Luthers »lOla fidecc). Clern. Al. strom. V 12,4 faßt b X(atE(J)~ d~ x(Ot"v als Steigerung auf (aij~~ und u)..dO)(Jt,~). Sedulius unterscheidet zwischen dem Glauben des Predigen und dem des Hörers (ex fide praedicantium in fidem credentium). M. Luther spricht vom werdenden und 37 Vgl. IQH 14,15 f.: »Und alles Unrecht der Gottlosigkeit wintdu für ewigvemichten, und deine Gerechtigkeit wird geoffenban vor den Augen aller deiner Werke.« Ja Ähnliche Wendungen finden sich auch sonst bei Paulua: 2Kor 2,16; 3,18; 4,17. Wichtig ist die Erinnerung an ~ 83,8: XOQE'CJoov'au b 6~ d~ MVQ,",v. Mehriiach wird der Zusatz: Itaus Glauben zu Glauben« zum Subjekt gezogen (H. LIETZMANN, A. NVGUN).
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Bricfeingang und Thema
wachsenden Glauben, in den man immer tiefer und klarer hineingeführt wird. Und doch bleibt die Gerechtigkeit verborgen und wird nicht sichtbar (E. Ellwein 25). A. Fridrichsen, Conj. NeotesL XII, 1948 will ein rhetorisclw Sclrema erkennen, das auch im außerbiblischen Griechisch verwandt wird. PallisR 40 erklärt, daß tx x(atEO>S dS XLO'tLV keinen Sinn habe und krmjki"t: tx XWtem<; Els 'I1100üv XQl.at6v, um einen ähnlichen Zusammenhang wie in Röm 3,22.26; Phil 3,9 zu gewinnen.
Aufjeden Fall klingt tx n:((nE~ E[; n:LC1tLV wie ein Kampfruf, denn diese adverbiale Wendung legt jetzt auf die Herausstellung des Glaubensbegriffes besonderes Gewicht. Sicherlich darf man den nachfolgenden Schriftbeweis nicht außer acht lassen, enthält doch dies Zitat Hab 2,4 LXX die Worte tx n:(C1tEWS. Der spätere Abschnitt Röm 3,21-31 nimmt dann Röm 1,17 wieder aufund fuhrt aus, was an unserer Stelle gemeint ist. Auch der Zusammenhang von Röm 10,8-13 mit entsprechenden Schriftzitaten (z.B. Jes 28,16; Joel 3,5) gibt eine Parallele zu dem, was Paulus unter »Glauben« verstand. Der Lehrsatz 1,17 wird durch die Autorität des Schriftzeugnisses Hab 2,4 bestätigt. Der Grundtext lautet: »Der Gerechte, durch seine Glaubenstreue wird er leben«; die Septuaginta übersetzt: 6 öl ö(xawc; tx n:(C1tEW; f.LOV ~"OE'taL (B 1)39. Allerdings ist die Stellung des JA.ou unsicher, und es ist nicht gewiß, ob Paulus es vorgefunden hat. Das Frühjudentum hat sich enger an den Text der Mas. angeschlossen und den Hinweis auf das Verhalten des Menschen verstärkt40. Gelegentlich unterstreicht man die besondere Bedeutsamkeit dieses prophetischen Wones 41 . Für Paulus ist der Glaube kein dem Gesetz zugeordnetes Werk des Menschen, das ihm das Leben sichert, sondern nach Gen 15,6 das menschliche Empfangen der eschatologischen Gerechtigkeit, die Anerkennung der HeilstatGottes inJesusChristus (Röm 4,3; Gal 3,6). Diealtttstammtlicke rmdjüdiscke Dmlcform wird durch das Evangeliumgesprmgt. Es ist wahrscheinlich, daß tx n:(C1tEWS gemäß der alttestamentlichen Tradition zu ~fJaEtaL zu ziehen ist. xa~ y~aL ist eine bei Paulus häufige Zitationsformel (frühjüdisch ,~, »denn es ist gesagt wordencc)42. 39 Vgl. Str-B 111 542 ff.; lQpHab. 2,4 weBt auf die zukünftige ErfliUung des Gotteswones hin; wenn lie auflich wanen läßt, 10 trügt sie doch nicht,lOndem kommt licher und bleibt nicht aus. Der Frevler ist in leinem Inneren nicht »gerade« gesinnt, der Gerechte aber wird intolge seiner Glaubenstreue sein Leben bewahren. Du entscheidende Stichwort ist für Paulul der Begriff »Glaube«, den er mit dem der GnIChligA:ftt verbindet (ebenso Gen 15,6 in Röm 4,3). Der Glaube ist für ihn der Inbegriff, nicht nur Voraussetzung der neuen Gerechtigkeit. 40 Der Targum liest: ..die Gerechten werden wegen ihrer Gradheit (= Wahrheit) am Leben bleiben«.lm Midruch wird durch ein Wortspiel »Glaube« durch .. Handwerk« erklärt. AufGou bez0.gen bedeutet dies: Selbst der Gerechte, der ewig Lebende, lebt durch lein Handwerk (= Gebotserfiillungen). Vgl. Midr Koh 3,9 = Str-B 111 544. DtIS tIIIIÜI}wJmhIIn Icfllf1l also as thm ZiItJl ,erade die V01I PaIIIS btkimpfll M..., herasluert. Grundlegend bleibt Ab 1,2: »Auf drei Dingen beruht die Welt: auf dem GCletz, aufdem Gottesdienst und aufLiebeserweisungen.« VgL P. STUHLMACHER, Gerechtigkeit Gottes bei Paulul, 1965, 18()...182. 41 Unter den .. Zusammenfauern« des Gesetzes befindet sich nach bMak 24a auch R. Nachman b. lsaak (um 350), der Hab 2,4 als Summe der Tora ansieht (Glaube als Gottvertrauen oder als Bekenntnis zum Monotheismus). Hier erhält das Schriftwort innerhalb desjudentums seine entscheidende Bedeutung. 42 VgL Röm 2,24; 3,10; 4,17; 8,36 u.ö. Ähnlich ist bei Paulul ~ ytyQwttw. zu verstehen. Paulus behält an unserer Stelle du 6t des griechischen Textes bei. Zum paulinischen Schriftzitat vgl. O. MICHEL, Paulus und seine Bibel, (Nachdruck 1972); Str-B 11 I; 111 12 ff. u.ö.
Röm 1,8-17
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Der hebräische Grundtext, Septuaginta und Targum haben die präpositionale Bestimmung b xlm~ zum Verbum gezogen: »der Gerechte, durch seine Glaubenatreue wird er I~bell« (Mas.) bzw. »die Gerechten werden wegen ihrer Gradheit am Leben bleiben« (Targ.). In der Gegenwart zieht man allerdinp häufig Ix xlm~ zum Subjekt: »der aus dem Glauben Gerechte, er wird leben« (so Lietzmann R 30; Käaemann R 29; Gaugier R 31; Nygren R 67 fT.). Vor allem sieht A. Nygren im Aufbau von Röm 1-4 und !)....8 einen entscheidenden Beweis dafür, daß Paulus zunächst von der Gerechtigkeit aus Glauben, dann vom eschatologischen Leben gesprochen hat. Auch in dieser Exegese von A. Nygren ist das Schriftzitat polemisch. Die Synagoge behauptet: »Wer das Gebot hält, behält das Leben«; Paulus aber stellt den Satz auf: »Der durch den Glauben Gerechte wird leben.ce Gegen die jetzt beliebte Zusammenziehung von 6~ und Ix xlouo»c; läßt sich einwenden, daß Paulus GlsJUIÜ du Scbriftzitat aufjeden Fall anders versteben mußte. Wollte er die alttestamentliche Tradition durchbrechen, dann bätte er die Worte umstellen müssen: 6 öl b xlm~ 6(xoWC; tflonm. Schlauer, Gerechtigkeit 43 urteilt mit Recht:»Es liegt kein Anzeichen vor, daß Paulus das Gefüge des semitischen Satzes nicht mehr richtig empfunden habe.«
Das Schriftzeugnis wird von Paulus dann angewandt, wenn er besonderen Wen aufseine übereinstimmung mit dem Alten Testament, dessen Wonen und Ereignissen, legt. Allerdings kann es nach Paulus nicht aus sich selbst ventanden werden, sondern es empfangt sein Licht und seinen Sinn vom Evangelium her. Bekehrungspredigt und Polemik formen die äußere Gestalt des paulinischen Zitates, wobei auch der Wortlaut selbst für Paulus von Wichtigkeit sein kann. Wir haben es nicht mit einern rationalen Schriftbeweis zu tun, sondern mit einem theologischen Sachzusammenhang, den allein der Glaube an Jesus Christus erkennt. Diesem Gesetz untenteht auch das Zitat an unserer Stelle43• Sowohl der Begriff des ••Glaubenscc als auch der des •• Lebenscc ist in Hab 2,4 wesentlich anden verstanden als bei Paulus. Hab 2,4 denkt an ein Beharren in der Treue Jahwe gegenüber und an eine Bewahrung des irdischen Lebens in der kommenden Anfechtung; Paulus dagegen versteht unter dem .)Glauben« die Anerkennung des göttlichen Heilshandelns und unter dem .)Lebencc die eschatologische Existenz, das Wandeln im neuen Äon (z.B. Röm 6,4). Die Begriffe des Schriftwortes werden also von Paulus neu verstanden und durch den nachfolgenden Brief erläutert. Röm 1,5 läuft Röm 1,16.17 vor: der Glaube ist Gehorsam gegen die Botschaft ({",:axof)}, fühn zur Rettung ((J(J)'tT)Qta) und schenkt das Leben des zukünftigen Äons (~wf). Gehorsam, GUmbe, Rtttrmg und Ltbmfallmfir Paulw nicht awtituuuJer, sondtm liegmfür ihn ineintmder. Gehorsam gegen das Evan· gelium gibt es bei Paulus lediglich als Akt des Glaubens, und das eschatologische Leben ist für ihn konkret gegenwärtiges Heil, Rettung. Wir stehen innerhalb der UmJceJarJmdigt, in der Glaube und Taufe miteinander verbunden sind (Röm 10,9 ff.; Mk 16,16). Was ))Glaube(( ist, wird von Paulus hier nicht beschrieben, wohl aber vorausgesetzt. Daß er Frucht und Wirkung des Evangeliums ist und von ihm aus bestimmt werden muß, läßt der Zusammenhang vermuten (Röm 1,5.8.12.16 f.). Mandarfihn also nicht als Voraussetzung und Bedingung für ein 4J Marcion streicht das alttestamentliche Zitat in Röm 1,17. Für M. LUTHEItS reformatorische Erkenntnis (1512-13) ist es ein entscheidendes Wort; die Psalmenvorlesung 1515 weist häufig aufdiesen Vers zurück.
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Briefeingang und Thema
erwartetes Heil ansehen, so daß er als notwendiger Denkakt oder als Leistung des Menschen mißverstanden wird; er ist vielmehr Kennzeichen und Siegel des recht verstandenen Evangeliums. Allgemein wird jetzt erkannt44, daß Röm 1,17 »Thtmll und Text« der folgenden Predigt ist; doch gilt diese These nicht ganz ohne Einschränkung. Der Römerbriefist eben nicht nur eine Darstellung der paulinischen Rechtfertigungslehre, sondern umfaßt darüber hinaus manche anderen Themata und Probleme. Und doch könnte man sagen, daß die Rechtfertigungslehre als kritische und nonnierende Funktion allen anderen Teilen des Römerbriefes vor- und übergeordnet ist. Es geht aber im ganzen Brief um die Darstellung der eschatologischen »Gertchtigkeit« Gottes, die alle Themata und Probleme umschließt. Um diese ))Gerechtigkeit« haben alle Richtungen des Judentums (Apokalyptik, Rabbinat, Sekten, Hellenismus) gekämpft45 •
Exkurs Zum Glaubensventändnis im Friihjudentum und bei Paulus I. In allen Zweigen des Judentums wird auf Grund des Alten Testaments vom »Glauben« gesprochen. Soviel wir erkennen, spielt er besonden im Htllmismus eine Rolle (z.B. 2Makk 7,40; 8,18; 15,7; Sap 3,9; 16,24; 18,6; Sir 25,11; Philo. Abr. 268 ff.). Der Glaube ist hier das Vertrauen auf Gott, die überwindung der Anfechtung und Venuchung, aber auch die Geduld im Leiden. Das 4. Makkabäerbuch faßt in diesem Sinn die Standhaftigkeit der Zeugen auf (15,24; 16,17 ff.; 17,2). Im RtlbbiNJt hemcht die Gleichsetzung: an Gott glauben = Gott gehorchen, nicht an Gou glauben = Gou nicht gehorchen (Str-B III 191). Man glaubt daher, indem man dem Gesetz gehorcht (vgl. die bezeichnende Wendung: .)({em Gesetz glauben«) (Sir 35,24; 36,3; OrSib 3,283 ff.), und der Glaube wird als Gehonamsakt des Menschen von Gott anerkannt (Gen 15,6 in IMakk 2,52). Der Glaube ist also ein Handeln, zu dem der Mensch aus eigenen Kräften fähig ist. Er verfugt über ihn. Das Rabbinat ordnet den Glaubensakt seiner Gesetzeslehre ein. Im apokalyptiseAm Judentum tritt die grundsätzliche Scheidung zwischen »Gläubigen« und » U ngläubigen« stärker heraus (OrSib 5,158 fr.; äthHen 46,8; ApkBar 54,21), dazu wird auch das zukünftige Heil oder Unheil von der Entscheidung des Glaubens oder Unglaubens abhängig gemacht (ApkBar 42,2; 57,2). Der Glaube an das zukünftige Gericht wurde damals (in den Tagen Abrahams) geboren, und die Verheißung des Lebens, das nachher kommt, wurde damals gepflanzt (57,2). Wir werden also annehmen dürfen, daß sowohl der Begriff der GertelU;,keit als auch der des Gl4ubms in apoludyptischm wie in sektiererischen Kreisen (Damaskusschrift) eine besondere Zuspitzung erfahren hat. In der Apokalyptik scheint auch eine gewisse Untencheidung zwischen den Werken und dem Glauben selbst eingesetzt zu haben (4Esr 9,7-8), ohne daß allerdings ein Spannungsverhältnis zwischen .. Z.B. LAoaR. 16; LTZMR 30; NVGRENR 53. 45 Aufkeinen Fall darfin den beiden Sätzen Röm 1,16~ 17 eine Zusammenfassung der Predigt g~ sehen werden, die in Röm 8 oder 11 endet (gegen ZNR 532 u.a.). Die Gerechtigkeit Goues, von der Röm 1,17 spricht, wird auch in dem von Röm 12,1 ab beschriebenen Zuspruch entfaltet. KASEMANNR 21 fI'. stellt die These auf: Die Rechtfertigungslehre ist die spezifisch paulinische Deutung der Christologie wie umgekehn diese die Grundlage der ersten. Gott hoh die gefallene Weh in den 8~ reich seines Rechts zurück. Damit werden die Begriffe ..Macht« und »Recht« in den Bereich der Rechtfertigung hineingezogen (vgl. dagegen den Widerspruch E. LOHSES).
Röm 1,8-17
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ihnen besteht. Der paulinische Glaubensbegriff ist antirabbinisch und antiheUenistisch, hat aber Beziehungen zum apokalyptisthep Judentum. 2. Der Glaube, von dem Paulus spricht, ist die Antwon auf die Botschaft und eine besondere Form des Bekenntnisses und der Anrufung dei Namens des Herrn (Röm 10,9.14 ff.). Gelegentlich scheint er ein bestimmtes christliches Verhalten zu sein, das neben anderen steht und ergänzt werden muß (z.B. Gal 5,6; I Kor 13, 13). Meist aber ist er Ausdruck der gesamten christlichen Existenz, Norm und Kritik des menschlichen Handelns (Röm 14,23). Aufjeden Fall ist erausgcrichtet aufdievorangehende und ihm zuvorkommende Heilatat Gottes. Wenn Paulus den Glauben auf die Rechtfertigung bezieht, dann ist dieser Akt des Glaubens ein Annehmen der Verheißung, eine Bejahung der Gnade, ein Vertrauen auf den, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende zum Sein ruft (Röm 4,17). Das Schriftzitat Gen 15,6 = Röm 4,3; Gal3,6 kann kein NtIdwituwIn in dem Sinn bezeichnen, daß der Glaube die Voraussetzung oder Bedingung für die Gerechtigkei t Gottes ist, sondern es meint das sachliche JrviMNIn und MittiMluln von Glaube und Gerechtigkeit. Der Glaube ist selbst ein Zeichen und Zeugnis der Gerechtigkeit, die Gott schenkt. Die logischen Denkformen stoßen sowohl in der paulinischen als auch in der reformatorischen Theologie an bestimmte Grenzen. Entscheidend ist, daß Paulus den Glaubensbegriffvom Lohn- und Verdienstgedanken befreit hat, daß er ihn vom Werk Gottes her gesehen und in das Werk Gottes einbezogen hat. Der eigentliche »Wen« des Glaubens bleibt dem Menschen entzogen und wird ganz in die »Gerechtigkeit Gottes« hineingestellt. Auch auf den seelischen Akt als solchen legt Paulus kein Gewicht (vgl. dagegen Philo!). Die lItatL; darf weder als Erlebnis noch als seelische Verfassung, nicht als 6a.a&aL; der Seele noch als ~ ventanden werden; sie ist auf das Heil bezogen und steht deshalb selbst im Heilsgeschehen, ist aber nicht selbst das Heil46• Beachtenswert ist die enge Verbindung des Glaubens mit dem Bekennen (Röm 10,9 f.), entsprechend auch die enge Verbindung von Glauben und Taufe (Röm 10,9.13; Mk 16, 16). Der Glaube muß also von dem Christusgeschehen Wld seiner Botschaft, nicht aber vom Menschen her interpretien werden. Der Glaube ist als Gehorsam gegen die Botschaft gleichzeitig ein Erkennen und Ventehen dessen, was Gott für ihn getan hat, das Bekennmis zur Heilstat Gottes, der das Ereignis der Vergangenheit durch die Botschaft zu einem konkreten Geschehen in der Gegenwart werden läßt. Ein eigenaniges Problem liegt darin, daß die Wortgruppe lItatL; -lILatE'Öav in Röm >-8 zuriicktri tt. Die Adam-Christusparallele, die Taußebre und die Entgegensctzung Fleisch-Geist arbeiten zunächst mit anderem Begriffsmatcrial und anderen Denkformen als die Rechtfenigung und das ihr zugeordnete Glaubensvenländnis. Und doch wäre es falsch, das 1tDmUernuJe und /critiscJu Element der Rechtfertigungs- und Glaubenslehre aus dem Zusammenhang von Röm 5-8 herauszunehmen. Die Kapitel Röm >-8 sind als Vorgänge nur innrrhalb des paulinischen Glaubensventändnisses auszulegen, wie letztlich auch sachlich die Annahme der Rechtfenigung notwendig die Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde, des Gesetzes und des T~ des in sich schließt. Würde man meinen, Paulus führe in Röm 5-8 über das Glaubensverständnis hinaus, statt in anderen Begriffsformen wieder in den Glauben hinein, so würden die Kapitel Röm >-8 mißventanden und Röm 1-4 entwertet.
46 Zur Literatur vgJ. W. MICHAELIS, Rechtfertigung aus Glauben bei Paulus, Festgabc: für A. Deißmann, 1927, 116-138; W. MmIDu, Der Glaubensbqriffdes Paulus, 1932; H. W. HEIDlAND, Die Anrechnung des Glaubens zur Gnechtigkeit, 1936; R. BULTMANN, Theologie des Neuen Testaments,6. Aufl. 1968; KAsEMANNR 21 ff.; P. STUHLMACHER, Gerechtigkeit Gottes bei Paulus, 2. Aufl. 1966.
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Briefeingang und Thema
Exkurs Zum Problem Paulus und Luther A. SchIatter beginnt in Köm 1,17 mit der Heraulltellung des Untenchiedes zwischen der ptlldürisdn und rtJormtllorisdn DmJcjorm. M. Luther übenetzt Köm 1,17: ••sintemal darin offenbart wird die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben.« Diese Obenetzung ist nach A. Schlatter ungenau, weil ihr Blickpunkt vom Menschen ausgehe und seine Frage nach der Gerechtigkeit beantworte. Es bestehe die Gefahr, daß nicht das ganze Handeln Gottes inJesus Christus,lOndem ein ganz bestimmtes Verlangen des Menschen die Auslegung bestimme"'. Eine zweite Abweichung vom Text entstehe dadurch, daß das Evangelium aus einem Handeln Gottes, das den Glauben wirkt, zu einem Unterricht über die Rechtfertigung werde. So müsse aus Röm I~ eine theologische Abhandlung werden, die das Zid habe, den Lehnatz Köm 1,17 zu beweisen. Damit sei aber das Verständnis für den Aufbau des Römerbriefes gefährdet. A. Schlatten Einwände wurden von E. Ellwein, SchIatten Kritik an Luthen Römerbrief-Vorlesung (ZZ 5,1927,530 ff.) und P.Althaul, Paulus und Luther über den Menschen, 1938 in ihrer Richtigkeit bestritten. E. Ellwein hält entgegen, daß Luthen Auffassung von der Rechtfertigung heides in lich schließe, das justum reputare und das justum efficere. Daß Gottes Vergeb\Dlgswort sein Schöpfungswort ist \Dld gleichzeitig die Neuheit des Lebens schafft, weiß auch M. Luther. Man darf also M. Luther nicht nach der späteren Lehrverkündigung Ph. Mdanchthons bzw. der Kirche interpretieren. Immerhin glaubt auch P. Althaus, daß Luthen Obenetzung: »Gerechtigkeit, die vor Gott gilt« nicht vollständig sei, denn es handle sich um Gottes eigene Gerechtigkeit, die er dem Menschen mitteilt .•• Es ist Gottes Wesen, sich selhet mitzuteilen. Was er hat, daran gibt er teil« (Paulus und Luther 14). Zwar hat M. Luthen Theologie und Exegese einen anderen geschichtlichen Ort, eine andere Denkform und Denkrichtung als Paulus, doch hat kein Ausleger Paulus in seinen tiefsten Intentionen so gut verstanden wie M. Luther. EntlCheidend ist die Erkenntnis, daß durch die Parallelität der Aussage: 6Lxa&.OaCM1 ytIQ teo;; lv Cl'Ö'aP cbwxaAumnaL (Köm 1,17) und: cbwxaAWnnaL ytIQ 6crftI teo;; M' 06Q<1VOÜ (Köm 1.18) du Verhältnis von &a,tläma und GIS'~ geklärt wird. In dieser Parallelität ilt zum Ausdruck gebracht, daß die Proklamation des Evangeliums die Verkündigung des .Zornes Gottes« (~ haü) nicht au., sondern einschlie8L Weil du Evangelium Botschaft von der »Gerechtigkeit Gottes« ist, zeigt es das Verfallensein des Menschen an das göttliche Gericht aufU. Das rechte Verständnis des Neuen Testaments. das hinter Röm 1,2 f. und Röm 1.16 f. steht, wirdjetzt in Röm 1,18 ff. zur rechten Interpretation des Gesetzes. Das Gesetz selbst wird zum Ankläger für Heiden undjuden. wenn es vom Evangelium her ausgelegt wird. In diesem Si nn ist der Zusammenhang von Röm 1,17 mit Köm 1,18 verständlich, ja notwendig. Auch der Römerbriefdes Paulus muß in der Dialektik von ~,l;'" und GIS'~ ventanden werden. Damit stehen wir in einer Fragestellung. die für die Theologie M.Luthen wichtig isL Die Botschaft vom Kreuz ist nur ventändlich, wenn das Gericht Gottes, das auf dem Menschen liegt, als solches ernst genommen wird In diesem Sinn ist Köm 1,1~32; 2,1-16.17-29 durchaus notwendig. um Röm 1,17 und Röm 3,21-31 zu würdigen. Ausgangspunkt bleibt die Predigt vom Evange-
47
ScHLATTER,
Gerechtigkeit 38.
4. Ganz ähnlich beginnt Dam 1,1 Ir.: ..Und nun hört alle, die ihr Gerechtigkeit kennt, und merkt
aufdas Tun Gottes, denn Streit hat er mit allem Fleisch und über alle seine Verächter hält er Gericht .• Vgl. auch äthHen 91,7.
Röm 1,18-32
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lium (Röm 1,16 f.; 3,21-31), aber in die Predigt vom Evangelium wird der Aufweis des eschatologischen »Zornes Gottesec eingeordnet. Dit Prtdigt ths Evtm,tliums wiTd PlDtwnuIig 01' AnkUlgt dir MmsclWit. Man darf diese Gesetzespredigt nicht selbständig werden lassen noch aus der UmklammerWlg durch das Evangelium herauslösen, darf aber auch nicht die Gesetzespredigt als bloße »Voraussetzungec des Evangeliums ansehen. Die Gesetzespredigt ist vielmehr ein konkreter Aufweis des »Zornes Gottescc und daher in die Predigt von der »Gerechtigkeit Gottesec einbezogen. Bezeichnt'nd ist, daß die Gesetzespredigt in Röm 1,18-3,20 keineswegs einen Imperativ enthält, die Sünde abzutun, sondern in der Härte der unausweichlichen Anklage stehen bleibt. Der Imperativ gehört in die TauOehre (Röm 6,4 ff.), in die Geistlehre (Röm 8,12 ff.) und in die paränetische Unterweisung (Röm 12,1 ff.). In den entscheidenden Grundzügen hat M. Luther Paulus richtig ventanden. M. Luthen Auslegung des Römerbriefs sieht von einer geschichtlichen Einordnung des Wortes ab und macht den Brief für seine Gegenwart transparent, indem er ihn befragt. Gegensatz ist für ihn nicht so sehr die Auseinandenetzung zwischen Urchristentum und Judentum, sondern ~wiscJrm Go" uIIIl Mmsch. Gottes Gerechtigkeit steht daher im Unterschied zur Menschengerechtigkei t, wie sie AristoteIes beschreibt (Eth. N ic. 3,7). Die Auseinandenetzung mit Aristoteles ist fur M. Luther letztlich eine Auseinandenetzung mit der scholastischen Tradition, und der Bruch mit AristoteIes in Röm 1,17 ist ein Bruch mit ihr4'. Der Offenbarungsbegriffwird im Anschluß an I Kor 1,25 ebenfalls in den Gegensatz Gott-Mensch hineingestellt: die göttliche Torheit und Schwachheit vor den Menschen ist Weisheit und Kraft vor Gott (und umgekehrt); Weisheit und Kraft vor der Welt ist Torheit und Schwachbeit,ja Tod vorGolt. So wird Gottes Zorn nach M. Luth~zunächst ein Angriff auf die Weisen und Mächtigen dieser Welt: »Haben sie sich gebeugt, dann demütigen sich auch die Untergebenen und einfältigen Leute leichtec (E. Ellwein. Obenetzung 26). Der Kampfdes Paulus um die rechte Verkündigung vor Heidentum undjudentum wird bei M. Luther zu einem Kampfum Gottes Wahrheit in der Kirche und vor den Menschen überhaupt. So wird M. Luthen Römerbriefzu einer neUeR Interpretation des paulinischen Briefes angesich ts der refonnatorischen Lage. Es entstehen daher folgende wichtige theologische Probleme: I. Unterscheidet sich die Situation des Christen in der Welt von der des Nichtchristen? 2. Kann M. Luther mitderVerablOlutierungdesGegensatzes Gott-Mensch die eschatologische Spannung des Urchristentums wahren? In diesen heiden Fragen bricht das Problem der theologischen Exegese auf.
Röm 1,18-32: Der Heide unter dem Zorn Gottes
"DeaD a mthüUt .ich der Zom Gottes vom Himmel her über jede Elufurchulo••keit UDd UDpnddipeit der Measchea, die die Wahrheit in Uapnchdpeit
............tea. I'Deaa ... voaGoa . . . .n .... ua,i8t ...... u.-alf....,weil Gott ...... a iImeD offeabut hat: 301eiDe 1III8ichtbarea EipaKhaftea .enIea VOD der Schöp"der Welt mleÜleD Werken mit der Vemaaft enchaat, UDd . . ebea ist Mine ewip Knft UDd Gottheit, 80 da8 sie lreiDe l'.nUchuIdipJII .... ben. 21 Dem obwobllie Gott bDDtm, . . . . . sie iIuD Dicht ... Gott Ehre HebeD 49 Vgl. M. LUTHER, Ausgewähhe Werke, übersetzung des Römerbriefes von E. ELLWEIN, 11 ~~7: .. Luther kehrt dieses in der Scholastik im Anschluß an Ariltoteles geübte Verständnis von dem Verhältnis zwischen Gerechtwerdung und Gerechterklärung radikal um ... .c.
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Der Heide unter dem Zorn Gottes
oder ihm pdenkt, _dem wurden in ihreD Gedanken endeert, und ihr unvernünftiges Herz wurde verfinstert. 2lWabrend sie behaupteten, weile zu sein, wurdea sie zu Narren 23und vertauschten die Herrlichkeit des unverJänglichen Gottes mit dem Abbild der Gaalt da verpng1ichen MeDKhen und der Vögel UDd der Vierfii.8ler und der Würmer. 24 Darum hat sie Gott dahingegeben, in die Begierden ihres Henens ventricld, an die Uareinheit, da8 ihre Leiber an ihnen seht pKhäncIet wurden, 15 weil sie die ptdiche Wahrheit mit der Liip vertaUlCht und Verehrung und Dienst der Schöpfung erwiaea luIbm an Stelle des Schöpfen, der in Ewigkeit gepriesen ist. AlBea. l6 DabaIb hat sie Gott clahingeaebm an schändliche LeideDIChaften. Dema ihre Weiber vertaUKhten dea natürlichen Geschlechtsverkehr mit dem widematürHchea. l7Und ebenlO haben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Fnu -'PI'" und lind in der Beperde gegeneinander entbrannt. Männer treiben mit Männem Unzucht und empfaapn den gebührenden Lohn für ihre Verirrung an sieh seIbIt. 18UDd wie sie es Dicht für wert achteten, Gott in der ErIrrnntnis zu bewahren, 10 hat Gott sie dahinge&eben an einen werdoeen VentaDd, 10 daß sie du Uagebü.hrliche tun, 19erfü1lt von jeder Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Ibbsueht, Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, Trug, Arglist. Sie lind OhreDblüer, 3OVerleumder, Gottverha8te, Gewalttäter, Hoflirtige, Pnhler, erfinde. riIch in Boaheiten, den Eltern unphonam, 31 unventändig, unbatiinclig, lieblos, erbumunploL 3lSie erkennen zwar die Rechtlforderung Gottes an, da8 nämlich, die lOlches tun, des Todeslchulclig sind; gleichwohl tun sie derartige Dinge Dicht Dur, _dem ltimmeD auch denen zu, die lOlches treiben.
Anagse: Wir haben in Röm 1, 1~32 ein Beispiel der Missionspredigt des Paulus vor uns, wie er sie häufig genug vor Heiden gehalten hat. Im Anfang (V 18) fällt uns ein programmatischer uhrsat~ auf, der den ganzen Abschnitt bestimmt. Der Form nach schließt er negativ an Röm 1,17 an, ohne allerdings über sein Verhältnis zu V 17 etwas auszusagen. Ganz entsprechend dürfte der Schlußsatz (V 32) ein Gesamturteil über die Heiden sein, das geradezu die Form eines Richterspruches hat (6;WL itavatou). AufRöm 1,18 folgt die Begründung: Gottes Zorn ist das Gericht über Schuld und Verfehlung der Heiden, die Gottes unsichtbares Wesen verkennen. Daß die beurteilten Menschen als Heiden angesprochen werden müssen, erkennt man an dem Fehlen des Begriffes v6J.LO~, vielleicht auch an der typischen Art ihrer Verfallenheit. Von V 24 an wird das Gericht über den Heiden in einem dreifachen Gedankengang näher bestimmt (vgl. das Kennzeichen mlQtÖOOXEV airtoU~ 6 itE6~ V 24.26.28), der dann in einem Lasterlcatalog von V 29 ab endet. Gottes ))Zorn« erscheint also in diesem Zusammenhang als die Antwort Gottes auf die Verderbnis des heidnischen Glaubens, Denkens und Handelns. Er schickt nicht wunderbare Plagen und apokalyptische Zeichen, sondern läßt die Schuld und die Verfehlung der Heiden an ihnen selbst zur Auswirkung kommen. In ihrer eigmm Existmz liegt das an ihnm volh:.ogme Gericht. Fonngeschichtlich gesehen haben wir hier einen Predigtstoff vor uns, der bis hin zu den einzelnen gedanklichen Parallelen in allen Zweigen desjudentums vorgebildet ist (Sibyllinische Orakel, Testamente der 12 Patriarchen, Aristeasbrief, Weisheit Salomos, Damaskusschrift) . Vorausgesetzt ist jedes Mal, daß Gott einen »)Strei t« hat mit ))allem Fleisch« und daß er über seine Verächter Gericht hält (Dam 1,2 f.). Trotz
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aller hellenistischen Parallelen (stoische Diatribe) kann kein Zweifel sein, daß der paulinische Stoff aus einer friihjüdischen Urform abzuleiten ist 1. Es erhebt sich die Frage, wie 1,18 an 1,17 anzuschließen ist (man achte dabei aufdas wiederholteyclQ in V 16. 17. 18. 19b.20). Wird das Thema von 1,17 verlassen? Ist der »Zorn Gottescc, von dem 1,18-3,20 redet, ein von der »Gerechtigkeit Gottescc losgelöstes neben ihr oder vor ihr laufendes Geschehen? Dagegen spricht entscheidend das betonte Wtoxa).:u3ttEtat. von 1,18, das dem WtoxaAumetat. von 1,17 entspricht. Die »Gerechtigkeitcc, die im Evangelium enthüllt wird, ist also mit der Aufweisung des »Zornescc verbunden: Gottes Gtrichtsstunth ist angebrochen und wird im Evangelium proklamiert. Der mit 1,18 beginnende negativ gerichtete Unterteil läuft auf die beiden richtenden Anklagen in 3,9 und 3,20 aus. Paulus will in diesem Abschnitt zeigen, daß Juden und Heiden unter der gleichen Herrschaft der Sünde stehen. Diese These wird zuerst im Blick aufdie Heiden durchgeführt (1,18-32), später im Blick auf die Juden (2,1-29). Dabei bildet er als Oberleitung einen Abschnitt, der für Heiden und Juden die gleiche Verantwortung gegenüber dem Gebot Gottes bezeugt (2,1-16). Paulus schiebt in den Aufbau des Lehrbriefes Zwischenfragen und -themen ein, die dem eigentlichen Gedankengang untergeordnet sind. So dient auch die ganze negative Gedankenführung von 1,18-3,20 als Unterbau für die positive Darlegung des eigentlichen Themas, der Gerechtigkeit Gottes (1,17-3,21-31). Ohne den Aufweis des Zornes Gottes ist die Darstellung des Evangeliums nicht möglich. Exegese: V 18: WtoxaA.U3ttEtat. (Passiv) beschreibt das eschatologische Handeln Gottes in der Gegenwart (beachte das Präsens!). Die beiden Sätze 1,17 und 1,18 sind auffaUend gleich gebaut. Die Gerechtigkeit Gottes vollzieht sich »im Evangeliumcc, während Gottes Zorn »vom Himmel hercc (Wt' oUQavoiJ) enthüllt wird. Was heißt: »vom Himmel hercc ('P 13,2: tx tOÜ oUQavoü)? Was vom Himmel her kommt, trägt Gottes Art an sich. Die alttestamentlich-jüdische Wendung: »vom Himmel hercc sichert und interpretiert den Begriff »Zorncc. Gottes Zorn ist Ausdruck der Majestät und Heiligkeit Gottes; er ist »Gottes Widerwille und Widerstand gegen die Bosheitcc (A. Schlatter)2. Vom Zorn Gottes spricht 1 Vgl. H. DAXER, Röm I, 1~2, 10 im Verhältnis zur spätiüdischen Lehrauffassung (Diss.), 1914; LTZMR 33 (Exkurs: Die Polemik des Paulus); G. BORNKAMM, Die Offenbarung des Zornes Goues, ZNW 34, 1935,239 ff.; H. ScHLIER, Ober die Erkenntnis Goues bei den Heiden, EvTh 2, 1935,9 ff.; K. OLTMANNS, Das Verhältnis von Röm 1,1~3,20 zu 3,21 ff., ThBI 1929, 110 ff. Wichtig auch E. ScHLINK. Die Offenbarung Goues in seinen Werken und die Ablehnung der natürlichen Theologie, ThBI 1941, I ff. Außerdem: M. POHLENZ, Vom Zorne Goues, 1908; Paulus und die Stoa, ZNW 42, 1949,65 ff.; H. M. SCHENKE, Aporien im Römerbrief, ThLZ 92, 1967,881--888. 2 Der Genitiv -&roü fehlt bei Marcion und Min 1908. M. Luther übersetzt: »Denn Goues Zorn vom Himmel wird offenbart.« Dagegen wendet sich ScHUlTER, Gerechtigkeit 48: »Der Zorn Gottes war rur Paulus kein Geheimnis, von dem bloß die heilige Lehre Nachricht gäbe, auch nicht nur etwas Zukünftiges, das uns nur angedroht würde. Der Mensch nimmt ihn an dem wahr, was er ist.« Der Zorn der Göuer spielt in allen Religionen eine Rolle. In Israel antwortet Gottes Zorn auf die Verletzung seiner Heiligkeit und Unnahbarkeit (ISam 5,6; 6,9). Gottes Zorn ist durchweg Reaktion auf das gegen ihn gerichtete Handeln der Menschen. Damit scheidet sich die heilige Schrift von der Vorstellung vom .. Neid der Götter«. 1m Frühjudentum nimmt die Vorstellung vom .. Zorn Goues« vor allem eschatologische Färbung an (äthHen 91,7; 99,16;Jub 24,30; Sap 5,20). Der Gerichtstag ist der Tag des Zornes Gottes auch nach Röm 2,5; ApkJoh 6,17. Das Urchristentum spricht ebenfalls
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schon das Alte Testament (Ps 90,7 ff.), weiß auch das FTÜhjudentum zur Genüge (äthHen 91,7 als nächste Parallele zu Röm 1,18!). Jetzt aber, in der Zeit des Evangeli ums, erhält sowohl die Sünde des Menschen als auch das Gericht Got tes ein neues Gewicht3 . Der Kampfgegen Gottlosigkeit und Unrecht ist in ein verschärftes Stadium getreten. Paulus spricht in 1,18 ff. nicht apologetisch oder polemisch, sondern als Ankläger. Ohne diese Anklage ist weder Missions- noch Umkehrpredigt möglich. Hinter den paulinischen Worten steht nicht die apologetische Weisheitslehre des Hellenismus, sondern derapolcalyptischt Offtnbarungsstil. Der Geist träger deckt die » Wege der Sünder« auf (Dam 2,3; äthHen 91; Or Sib 3,240: 4 ). Der Ton des Paulus wechselt zwischen belehrenden Sätzen und scharfen Uneilen, plastischen Schilderungen und rhetorisch wirkenden Aufzählungen. tio~ELa und tiöntta könnten eng miteinander verbunden sein und auf von dem ..zukünftigen Zorn .. Mt 3,7; Lk 3,7; IThess 1,10. Dieser eschatologische Zorn wird nach Paulus schon jetzt offenbar. Zum Spra,lrJi,hm: Wenn Paulus vom .. Zorne Gottes •• spricht, dann tritt dieser Begriff als eine selbständige Größe auf: das Handeln Gottes wird durch ihn umschrieben (nicht: GOIt offenban seinen Zorn). Die paliRis,he Theologie arbtittl mit vt1stlbstiiNligtm BtgriJfm. Zum Wechsel von Präsens und Aorist im Predigtstil vgl. R. BUt.TMANN, Der Stil der paulinischen Predigt und die kynisch-stoische Diatribe, 1910. 1 Wichtig ist, daß M' OÜQ<1VOÜ in Röm 1,18 der Beschreibung tv au'tcp in Röm 1,17 gegenübersteht. Unmittelbar und unentrinnbar (vom Himmel her) vollzieht sich apokalyptisch die Enthüllung des Menschseins und der Menschheitsgeschichte. Paulus bestimmt also nicht das Evangelium als den Ort, an dem der Zorn Gottes über den Menschen offenbart wird, sonäern bleibt vorsichtiger und unbestimmter. Und doch ist die Offenbarung des Zornes Gottes über den Heiden auch nicht ohne das rechte Verständnis des Evangdiums und des Gebotes möglich. PALLISR 40 sieht in Röm 1,18 eine Verkürzung aus: anoxaÄV1t'tE'tal ya(] tv au'tcp (tv tq> ruayyEALtp), Ö'tl ÖQyTl6EOÜ lmal. Man kann A. PALLIS deshalb nicht zustimmen, weil cbt' oüpavoü sein Gewicht behält. Gegen A. ScHLATTER wird einzuwenden sein, daß die Wirklichkeit des Zornes Gottes zwar vom natürlichen Menschen empfunden wird, daß aber die Wahrheit des Zornes ihm nicht ohne Weiteres verständlich ist. ÖQyTl 6t:oü ist eben doch ein Begriff der göttlichen Offenbarung. Der Zorn Gottes ist ja auch nicht nur ..Gottes fremdes Werk.. , sondern gerade nach Röm 1,18 ..Gottes eigenes Werk.. (A. NVGREN). KASEMANN R 30 0: arbeitet richtig heraus, daß Kosmologie und Anthropologie betroffen sind, daß also der Gotteazorn zur Verlorenheit, Knechtschaft und Verwerfung dea Menschen fUhrt. Rechtfertigende
und richtende Gerechtigkeit laufen nicht parallel. Diese notwt"ndige Erkenntnis deckt die Vergangenheit auf, die vorher verdeckt war. Nach TH. ZAHN vollzieht sich die Enthüllung des Zornes Gottes ebenso wie die der Gerechtigkeit je und dann während des Wd tlaufes. Wie das Evangelium von Land zu Land, von Volk zu Volk sich über die Erde ausbreitet, so findet gleichzeitig und stetig eine Äußerung göttlichen Zornes vom Himmel her statt. TH. ZAHN denkt also mehr geschichtstheologisch als eschatologisch. H. LI ETZMANN spricht von der Periode des Zornes, die 1101 dem Ereignis des Kreuzes liegt: Gottes Gerechtigkeit kann zu ihr nur negativ Stdlung nehmen. Aber auch H. LIETZMANN wird dem Schwergewicht der paulinischen Begriffe nicht gerecht. Sehr viel ernsthafter klingt die Feststellung von A. NVGREN, daß Gottes Gerechtigkeit und Zorn einander gegenüberstehen. und daß vor Gottes Urteil beides gerichtet ist, sowohl die menschliche Ungerechtigkeit als auch die Gesetzesgerechtigkeit. 4 Das hellenistische Material zu Röm 1,18 ff. findet sich in der genannten Untersuchung von G. BoRNKAMM, aber das weittragende apokalyptische Gebiet bleibt auch hier wenig berücksichtigt. Wir haben es bei Paulus mit hellenisienen alttestamentlichen und apokalyptischen Vorstellungen zu tun, ein Umstand, der entscheidende Bedeutung hat. In der Qumrangemeinde spielt der Begriffder ..Offenbarung« (:17.) besonders in bezug auf die Geheimnisse der Endzeit eine große Rolle. Vgl. IQH 14,15-16; IQpHab 11,1; Dam 20,20; IQ 103, Col. I 5. Gut KAsEMANNR 34. Wir haben in ApltBar 54,170:; TestNapht 3,2-5 den Beweis, daß jüdische Apokalyptik alttestamentliche und heUenistische Motive aufnimmt und verarbeitet (richtig KAsEMANN R 36).
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die beiden Gesetzestafeln hinweisen, von denen die erste die dot~ELa, die zweite die dÖLxLa verwirft (A. Schlatter). Auch sonst finden sich im Judentum diese beiden Begriffe dicht nebeneinander ('" 72,6; Prov 11,5; äthHen 13,2). In V 18b faßt Paulus beide Begriffe in dÖLx(a zusammen, legt also auf den Verstoß gegen das Recht besonderes Gewicht. dÖLXta ist hier jedenfalls das Gegenteil von der »Gerechtigkeit« Gottes, der sich dem Menschen als seinem Geschöpf gegenüber an das Recht bindet. Frömmigkeit und gerechtes Verhalten gegen den Mitmenschen sind dem Menschen als dem Geschöpf Gottes aufgegeben, und es ist nicht verwunderlich, daß Gottes Zomjeden Verstoß gegen dies »Recht« Gottes ahndet. Das Recht ist verletzt, wenn Menschen die Wahrheit (~ i1Af]'ftEUl steht hier absolut, ist also allgemein: »das rechte Verhalten«) unterdrücken (xa'ttxELv heißt hier: »bedrücken, niederhalten«}!!. ~ dAf]'ftELa ist ein Verhalten, durch das der Mensch das, was ihm gezeigt wird, anerkennt und vor Entstellung schützt, durch das er aber auch sich selbst zeigt, wie er ist (A. Schlatter)6. Gott verlangt also von jedem Menschen dies rechte Verhalten gemäß dem Recht des Schöpfers. V 19: Er verlangt aber nicht etwas, was er nicht selbst kundgetan hat. Paulus spricht umschreibend und begrenzend von der Wahrheit und Wirklichkeit Gottes (neutrisch), soweit sie dem Geschöpf erkennbar sind. 'to yvfJXJtOv 'tO'Ü 'ftEO'Ü besagt also: »Gottes Wesen, soweit es dem Menschen erkennbar ist«. Bis zu einem gewissen Grade ist Gott jedem Menschen erkennbar und erfahrbar. h au'tOLl!; heißt wahrscheinlich: »in ihrer Mitte«'. Der Nachsatz V 19b betont, daß diese Erkennbarkeit Gottes nicht zufällig oder selbstverständlich ist, sondern von ihm selbst bewirkt wird. Der ständige Wechsel zwischen Präsens und Aorist gehört zur Feinheit und Abwechslung des Predigtstiles. Mit V 20 beginnt eine längere Satzperiode, die für das paulinische Denken bezeichnend ist. Sie setzt ein mit einer Beschreibung des göttlichen Handelns, biegt aber dann in logischem Gegensatz ab und beschreibt die menschliche Schuld, die der Offenbarung Gottes die Anerkennung versagt. 'tQ d6Qa'ta (Plural!) weist hin auf Gottes unsichtbare Eigenschaften, die nach Paulus durch einen Erkenntnisvorgang (V()()'()J.lEva) »erschaut« oder »)betrachtet« werden können (paradox wirkt der Gegensatz: 'tQ d6Qa'ta xa'ftOQä'taL). Es ist nicht eine theoretische oder ästhetische überlegung gemeint, sondern eine Möglichkeit, die Gott selbst schafft (xa'ftoQä'taL ist Passiv: ))er läßt sich erschauence). Was dem natürlichen Auge verborgen ist, kann in einem Erkenntnisvorgang besonderer Art wahrgenommen werden. Die :rtOLf]J.la'ta sind hier nicht Gottes Geschöpfe (wie :rtMlOJ.la'taJes 29,16 = Röm 9,20), 5 In xattxELv liegt ein gewaltsamer Akt; es bedeutet entweder »gefangenhaltencc (POxyr I 65,3.5; Epict. IV 1,147) oder »bedrücken, niederhalten« (wie in Zaubertexten). Vgl. A. DEISSMANN, Licht vom Osten, 4. AuO. 1923, 260. PAU.lsR 41 r. nimmt willkürliche und überflüssige Veränderungen am paulinischen Text vor. 4A.1Ijana entsprich t hier also dem hebräischen Begriff~. Das Gegensatzpaar 4A.1IjtEL
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sondern seine Werke und Taten in Schöpfung und Geschichte (PsSaI8,7 ff.: ta xQLf.lata too itEOÜ). imo XtLoEwS x60f.l0U (= im' ltQxY1S bzw. imo xatafkJ).:;lS xOOf.l0u) ist wohl zeitlich verstanden: die besondere Offenbarung vollzieht sich ununterbrochen seit Beginn der Schöpfung (M. Luther: »allezeit konnte und kann er erkannt werden«). T) lttÖI.OS ÖUvaJlI.S xal itEl.6n]snimmt offenbar den Begriffder lt6Qata wieder aufund beschreibt diese »Unsichtbarkeit« als »Kraff« (ÖWaf,lI.S) und »Gottheit« (itEL6t'r]S)8. Diese Begriffe finden sich ähnlich auch in der hellenistischen Literatur des Judentums. Wenn Paulus sie hier verwendet, dann will er einerseits die Hoheit, anderseits aber auch die Begrenzung der göttlichen Offenbarung hervorheben. Die Gottheit Gottes läßt nicht mit sich spielen, auch wenn sie sich dem Heiden nur in einer bestimmten Beschränktheit mitteilt. Paulus stimmt in dieser Aussage mit dem hellenistischen,ja auch mit dem apokalyptischenjudentum überein (Sap 13,1 ff.; ApkBar 54, 17 ff.; OrSib 3,6 ff.).ln allen apokalyptischen Anklagen findet sich die Aussage, daß der Schöpfer an seinen Werken vom Geschöpf erkannt werden kann, daß aber das Geschöpf Gott die schuldige Ehrfurcht verweigert, sich dem Götzendienst verschreibt und letztlich das göttliche Gericht »vergiBt«. Wir haben also eine geformte apokalyptische Lehrtradition vor uns, die allerdings hellenistisch beeinflußt ist. Das Alte Testament und das judentum vertreten zunächst den Grundsatz, daß die Schöpfung durch das Wort Gottes entstanden ist (Ps 33,6-9), später auch die Schöpfung aus dem ),Nichts« (2Makk 7,28). Der Fromme des Alten Bundes sieht die Wunder der Schöpfung mit seinen Sinnen und seiner überlegung (Ps 8,4; 19,2) und schließt vom Geschöpf auf den Schöpfer. ja, Gott zieht aufGrund seiner Werke in der Schöpfung auch seinerseits den Menschen zur Rechenschaft (Hi 38,4 ff.; 39,1 ff.). Er appelliert an die "Einsichtee (aU'VEm;) des Menschen (Hi 38,4). Weil Gott aus der Schöpfung und aus der Heilsgeschichte erkannt werden kann, darum braucht dasj udentum keinen eigentlichen "Gottesbeweisee. Nach rabbinischer Anschauung haben die Menschen dadurch, daß Adam und Noah die Grundgebote empfingen, die Möglichkeit gehabt, Gott zu erkennen. Vor allem ist Abraham selbst ein Beispiel dafür, daß der Heide von sich aus Gott erkennen kann. Im hellenistischen judentum (Sap 13, I 0:) und in der Apokalyptik (TestNapht 3,4 ff.; äthHen 91,40".; 99,20:; OrSib 3,60".; ApkBar 54, 170".) haben wir eine I'ülle von Beispielen apokalyptischer Missions- und BrifJpredigt vor uns. überall wird hier beides betont und festgehalten: eine ))ßatürlicheee Gotteserkenntnis des Menschen und die Verschuldung, die sich über sie hinwegsetzt, oder anders ausgedrückt: dieallgemnne Verantwortlichkeit und die allgemeine Verschuldung. Hier in der Apokalyptik ist der religionsgeschichtliche Ort, an den der paulinische Gedankengang anknüpft 9 . I atöw<; ist von ae( abzuleiten (»ewig«) und ist ein Lieblingswort Philos (BAUER Wb s.v.); es findet sich auch als göttliches Attribut in Sap 2,23; 7,26. itt:L6'tT1S begegnet als hellenistischer Begriffauch in Sap 18,9 und meint bei Paulus etwas anderes als ite6n]s. Es findet sich im Neuen Testament nur an dieser Stelle. Gottes itt:L6n]S denkt an seine Eigenschaften, Gottes ite6n]s an das Personsein Gottes (KoI2,9). Wenn Paulus von ÖWal'LS und itt:L6n]S Gottes redet, dann ist an Ciceros Zusammenstellung: »vis et natura deorumcc zu erinnern (de natura deorum 1,18.44). Die übernahme dieser hellenistischen Begriffe ist auch mit der übernahme bestimmter Denkmotive verbunden, doch steht bei Paulus das alttestamentliche Denken dahinter. 9 V gl. IQ 154 fr. 34: .. Nicht merkte der Same der Menschen auf all das, was du sie erben ließest, und sie erkannten dich nicht an in allen deinen Worten, sondern sie frevelten gegenüber allen; auch merkten sie nicht auf deine große Macht. Aber du wirst sie verwerfen, denn du liebst die Ungerechtigkeit nicht, und der Gottlose wird vor dir nicht bestehen."
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Die apokalyptische Darstellung des Paulus ist allerdings IullmisieTt. Man findet eine Berührung mit stoischer Terminologie und apologetischen Gedanken des Judentums in vier Punkten: 1. Der kunstvolle Bau der Welt gibt dem beschauenden Menschen Anlaß, nach dem Schöpfer zu fragen und aus der Herrlichkeit des Werkes auf die göttliche Größe zu schließen. 2. Diese Erkenntnis des Schöpfers bedeutet nicht nur ein theoretisches Konstatieren der Vorhandenheit einer prima causa, sondern zugleich ein Erfassen des Nomos. 3. Zur rechten Erkenntnis des Schöpfers gehört darum die Verehrung Gottes und ein gehorsames Leben. 4. Das Sichverschließen der wahren Gotteserkenntnis gegenüber führt zu den Greueln des Götzendienstes und eines verrohten Lebens. Diese Hellenisierung ist aber schon vorpaulinisch. Daß Gott unsichtbar ist, wirihn aber aus seinen Werken erkennen können, ist ein Grundton der stoischen Predigt (E. Norden, Agnostos Theos, 1913, 24 0:; H. Daxer, a.a.O. 5 ff.). Der kosmologische Gottesbeweis setzt ein bei Heraklit und Anaxagoras, findet sich aber auch bei Xenophon und Plutarch. Plato schließt von der Existenz der Welt auf ihren Urheber, von ihrer Schönheit auf den Künstler (Tim 28 ff.), Aristoteles von der Bewegung der Welt aufdas Bewegende (Eth. Nie. 7,15; Metaph. 12,6 ff.). Die ältere Stoa denkt allerdings mehr pantheistisch und stellt das Interesse an dem kosmologischen Gottesbeweis zurück. Anders denkt die mittlere Stoa seit Poseidonius, die aus der Harmonie und Zweckmäßigkeit der Dinge auf die alles ordnende und erhaltende göttliche Vernunft schließt. Auch das hellenistischejudentum hat sich diese Gedanken angeeignet (Sap 13,1 ff.;Jos c.Ap. 2,167). Besonders eifrig vertritt sie Philo. Gott ist unsichtbar und doch wirksam wie die Seele (opif. mund. 70".; spec.leg. 1,18 ff.). Aufdiesem rationalen Wege kommt man allerdings nur bis zum Sein Gottes; deshalb ergänzt er ihn durch die mystische Gottesschau (leg. all. 3,100 f.).
Gott schenkt dem Menschen die Möglichkeit, ihn zu erkennen, damit er im jüngsten Gericht seine Schuld nicht abstreiten kann (Röm 2,5 ff.). Er blickt also vorausschauend auf diesen eschatologischen Zeitpunkt. um den Schuldigen zum Schweigen zu bringen. Die finale Abzweckung d~ 1:0 ElvaL ist noch zu spüren 10, civwtoÄ.6yr]1:o~ ist, wie Röm 2, I erweist, für Paulus wichtig: In der eschatologischen Situation ist für den Heiden keine cDto).oy(a im rechtsgültigen Sinn möglich. Ähnlich wird die U nentschuldbarkeit des Heiden in Sap 13,8; AssMos 1,13 geschildert; ja, auch in AssMos 1,13 wird Gottes Absicht hervorgehoben, die Heiden zu beschämen und zu überführen. V 21: Trotz ihrer Möglichkeit, Gott recht zu erkennen, trotz der erfahrenen Tatsache, daß Gott sich ihnen kundtat, versagten die Heiden Gott Anerkennung und Ehre, Anbetung und Dank. yv6v1:E~ 1:Ov itE6v (GaI4,9) ist besonders stark und bezieht sich auf eine konkrete und lebendige Gotteserfahrung. Was Gotteserkenntnis (yvö>OL~ 1:O'Ü itEO'Ü) im strengen Sinn heißt, hat das Alte Testament gelehrt. Gott wird an dem Ernst seiner Gebote und an dem Segen seiner Verheißungen, an seinen Züchtigungen und seinen Gerichten ))erkannt«. Gotteserkenntnis setzt also die Tiefe eines Verstehens voraus, in der sich der Mensch schicksalsmäßig mitbetroffen weiß. Der hellenistische Mensch mißversteht den Ernst dieser yv
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lung von Röm 2,14 ff. denken, die hier vielleicht mi tschwingt. Die Menschen aber haben aus dieser Begegnung mit Gott nicht die Folgerung gezogen, daß sie Gott als Schöpfer anerkannten und ihm dankten 11. Man darf den Hinweis auf das konkrete Gebet und die ständige Danksagung der jüdischen Sitte in öo;atEt.V und roxaeurtElv nicht überhören. Wer Gott nicht als Gott verehrt, wird von ihm der »Nichtigkeit« (~a'tat.6ntl!;) und der Verfinsterung des Herzens überantwortet. Die Passiva weisen auf die Straf- und Verstockungsgewalt Gottes hin. Der BegrifTder ~a'tat.6ntl!; ist schillernd. Einerseits erinnert er an den jüdischen Sprachgebrauch, in dem die Götzen 't<1 ~a'tat.a genannt werden (2Kön 17, 15;Jer 2,5); anderseits kann ~a'tat.OüaDat. die Entleerung und Nichtigkeit eines Gedankens oder Prozesses zum Ausdruck bringen (1p 93,11; Sap 13,1). In unserem Zusammenhang ist die Nähe der beiden Verbformen t~a'taa.ro6t)aav und taxa'tLaih}, aber auch des bestätigenden t~WQaVÖT)oov (V 22) zu beachten. Daß Paulus ein Wortspiel: 't<1 ~a'tat.a-t~(l'taui>'ÖT)oov weitergibt, ist nicht von der Hand zu weisen l2 • In der Beschreibung des Heidentums wendet Eph 4,17 bezeichnenderweise das gleiche Begriffsmaterial an. Das Bild der »Verfinsterungc( ist in ähnlichen apokalyptischen Schilderungen nicht selten 13 • Die •• Gedankencc sind ein Einfluß des Herzens, sind also nicht von ihnen getrennt zu denken. Das Herz, das nicht •• einsichtig« ist (1p 75,6), gerät in die Macht der Finsternis. Der paulinische Stil wird feierlich, proklamatorisch, wie der Parallelismus der Satzglieder bezeugt. Ähnlich wie V 21 ist die neue Satzperiode V 22 f. aufgebaut. Auch hier steht ein betontes Partizip:
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kennbar ist, ein gegen das Abbild einer Gestalt. Vielleicht liegt in ÖJ,lo(w1"l noch eine Nachwirkung des biblischen Begriffes ('" 105,20; Dt 4,15 ff.), während dxiliv in diesem Zusammenhang an die Gestalt des Menschen bzw. Tieres denkt l4 ••• Die künstlerische Reproduktion einer Gestalt, dxrov, ergibt ein 6Jlo(001"1, ein Abbild. dx6Jv ist nicht auch ein Abbild, sondern die dem Menschen und den Tieren anhaftende Figur« (Schlatter, Gerechtigkeit 63) 15. 6UftooELV hr könnte als semitische Konstruktion angesehen werden (BI-Debr 179,2) 16; hr 6J.tOLOlJ.Ul"tL ist daher wie dC; 6t!o(mj.La zu verstehen. Daß Israel Gottes ö<>;a •• vertauscht«, beklagt auchJer 2,11. Paulus denkt ganz im Sinn des Alten Bundes: israel war verpflichtet, sich mit dem nSchall der Worte« zu begnügen und aufeine •.Gestaltcc zu verzichten (Dt 4,12). Die Herrlichkeit Gottes verbarg sich also im Wort und in den Erscheinungen am Berg (..Finsternis, Wolken, Dunkelcc Dt 4, 11; Hebr 12,18). Israel durfte nicht ein Gottesbild aufstellen, weil dieses der Offenbarung widersprach. Der Heide sullt also friT Palllw unln dtm gleichen Gebot wie Israeli'. Die Dreiteilung der TierWelt dürfte einer Vorlage entsprechen (Gen 2,20; 7,8; Apg 10,12; 11,6). Man könnte etwa an Falke und Ibis, an Krokodil und Schlange denken, die in Ägypten verehrt werden 18. V 24 ff.: In einem dreifachen Beweisgang, der sicherlich drei verschiedene Beschreibungen des gleichen Ta tbestandes darstellen will (ÖLO xaQtöooxEV aUtOUC; V 24.26.28), wird das Gericht Gottes an den Heiden aufgezeigt. Auch über den Menschen, der die Wahrheit Gottes verkehrt oder ihr gar zu entrinnen sucht, bleibt Gott Richter. Der Text spricht zunächst von Unreinheit und Schändung des Leibes, schildert dann ausführlich schimpfliche Laster und widernatürlichen 14 Dt 4,1 ~ 19 verbietet ausdrücklich ein Gottesbild (y),umav 6~o«&)~a), das die Nachbildung eines männlichen oder weiblichen Wesens, eines vierfUßigen Tieres, eines beschwingten Vogels, eines Kriechtieres oder eines Fisches ist, denn an dem Tage, an dem der Herr aus dem Feuer heraus zu israel miete, sah Israel keinerlei Gt'Stalt (Ot&otwtMl). U Nach R. eH. TRENCH, Synonyma des Neuen Testaments (deutsche übersetzung), 1907,330: sind Ot&o{w~a und dJUino gleichbedeutend. Ot&oiwt&a d~ ist Pleonasmus (" 105,20). 16 Vgl. ZnR 97 Anm. 78; SANDAy-HEADLAtd R 45. In der Apokalyptik findet sich sogar eine kosmische Ikdeutung dieser Venauschung (Tt'StNapht 3,20:). 17 Anders und doch ähnlich schildert Sap 14,12 den entstehenden Bilderdienst: •• Denn der Anfang des Abfalls von Gott ist das Ersinnen von Götzenbildern; ihre Erfindung aber hat den Verderb des Lebens herbeigeflihrtcc. Auch Sap 14,12 ff. weiß von einer Entwicklung des Bilderdienstt'S bis hin zur Anbetung. Selbst die Heiden (Plutarch, Tacitua) sprechen von einer anfänglichen Bildlosigkeit einzelner Religionen. 11 Die paulinische Missions- und Umkehrpredigt verwendet ein ähnlicht'S Schrma wie die Sapirntia Salomonis: I. TOfCn waren aUe Mt'nschen, die an Unkenntnis Gottes litten und nicht imstande waren, aus dem sichtbaren Guten den Seienden zu erkennen (Sap 13,1 0:). 2. Gott straft die Verehrung der vemunftlosen Tiere durch eint' entsprechende Qual, denn es gilt der Grundsatz: wodurch man sich verfehlt, wird man auch gestraft (Sap 11,16; 12,23). Das paulinische Schema iststärker vom Wortlaut des Altt'n Testaments bestimmt und klingt weniger rational als das Schema drr Sapientia. Die Tatsache der Tierverehrung unter den Heiden und ihre 8t'Strafung durch Gott ist ein fester PrcdigtstofTin der Sapirntia, beiJOIephu5, Philo und den sibyllinischen Orakdn (Str-B 111 60 ff.). Der von Paulus in Röm 1,22-24 angedeutete und in 1,2~27 ausgefUhrte Gedanke, daß religiösr Perversität (Tierkult) srxudle Pervenität nach sich zieht, findet sich in TestNapht 3,2-4. Zur Entsprechung von Vergehen und Strafe vgl. E. KLOSTERMANN, Die adäquate Vergeltung in Röm 1,22-31 (ZNW 32, 1933,1-6) undJ.JEREtdIAS, Röm 1,22-32, ZNW 45, 19~55, 11~121.
1M
Der Heide unter dem Zorn Gottes
Geschlechtsverkehr und zeigt zuletzt den Verfall der Erkenntnis, des U neils und des Handeins auf. Das starke und wiederholte 1tootÖ
bneu"""
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stament vorbereitet Uer 13,25; vgl. AssMos 5,4; Philo)23. oEßatE06aL (häufiger otßE0'6aL) bezeichnet den Akt der frommen Scheu, ).a'tQEuELV die Ausübung des Kultes. Die Auflösung der Wahrheit Gottes bringt auch den Verfall der Frömmigkeit und des Kultes mit sich: auch sie stehen unter dem Gesetz der »Vertauschung«. Frömmigkeit und Kult gehen rechtmäßig dem Schöpfer, sind also eine besondere Form, in der die Wahrheit Gottes verehn wird; unter dem Gesetz der )Venauschung« wird das Geschöpfselbst zum Objekt der Verehrung. xQQi1 'tOv x't(oaV'ta heißt hier: ))statt des Schöpfers«. Die Reihenfolge: Bilderdienst-Kreaturvergötterung ist wahrscheinlich durch Dt 4,16 ff. bestimmt. Diese Lästerung der Wahrheit Gottes ist für das Empfinden des Paulus so verabscheuenswert, daß er sich selbst abgrenzt und bekenntnisartig einen Lobpreis (Beracha) nach jüdischer Sitte anftigt 24 . Paulus geht also in die Gehetsspraclu über (ilJ.ltlv). V 26: Obwohl Paulus in 1,24.26.28 drei verschiedene Schilderungen desselben Tatbestandes geben will, ist eine Sttignung in der Art der Preisgabe unverkennbar. Gott liefert die Menschen den schändenden Leidenschaften aus (xclih] ilnJ.l(at; = Gen. qual.). Was damit gemeint ist, ergeben die folgenden Sätze. Weib und Mann - Paulus stellt hier um - suchen nicht mehr das andere Geschlecht, sondern entbrennen in der Begierde Weib an Weib und Mann an Mann. Daß Paulus in der Schilderung der nVenauschung« die Frau zuerst nennt, könnte eine Nachwirkung der Sündenfall-Geschichte sein15 . Der natürliche Geschlechtsverkehr (yt q>UOLXi) X~OLt;} ist der von Gott gewollte, der widernatürliche (yt xQQCl q>'IJOLV X~OLt;) dagegen eine Aufhebung der göttlichen Ordnung26. Die Ausdrucksweise des Paulus ist hellenistisch umschreibend, entspricht der stoischen Popularphilosophie, das Empfinden ist jedoch durch die geschlechtliche Erziehung des Alten Testaments geformt 27 . V 27: Der Unzucht zwischen Weib und Weib stellt sich die gleiche zwischen Mann und Mann zur Seite. Die Knabenliebe ist in der hellenistischen Welt vielfach als selbstverständlich hingenommen, ja gelegentlich sogar als eine höhere Form der Liebe gepriesen worden 28 • Um so Zum Gegensatz Wahrhdt-Lüge ~i Philo vgl. vit. Mos. 2,167: 600v "'~ itvit' ÖOY)~ (\).1')was auf die Geschichte vom goldenen Kalb bezogen wird. Die Abkehr von den Götzen und die Hinwendung zu dem wahren Gou ist der umgekehrte Vorgang, der sich durch die Annahme des Evangeliums vollzieht (1 Thess 1,9). 14 Ähnliche Lobprdsungen fmden sich im Judentum auch sonst, z.B. 3Esr 4,40: »gepriesen sei der Gott der Wahrheit« oder Ab 6 (überschrift): »gepriesen sei, der sie und ihre Lehre erwählt hat«. Ein solcher Lobpreis hat Bezug auf die vorherige Aussage. Das würde fUr Röm 1,25 bedeuten: Paulus preist den, den die Heiden lästern. Derartige •• Lobpreisungen« habtn liturgischen Klang und sind im synagogalen Gottesdienst üblich. 15-11 ih')A.ELQ (Adj. fern. von ititA\l~) ist das Wdb, 6 ciQ
itt(~ u~avto,
106
Der Heide unter drm Zorn Gottes
mehr stößt das jüdische Empfinden auch in diesem Sinn auf den heidnischen Gegensatz.Jüdische und christliche Polemik hebt immer wieder diese Form heidnischer Lasterhaftigkeit hervor, doch findet sich auch im Heidentum gelegentliche Kritik einer solchen Art des Eros 29 • Das Judentum rühmt sich ganz besonders, sich in dieser Hinsicht vom Heidentum zu unterscheiden. Die Leidenschaftlichkeit des sinnlichen Begehrens (ta 3ta'ÖTJ) findet in der paulinischen Darstellung einen lebhaften Nachklang (txxa{E0'6aL, ÖQ~L~). Für den Apostel ist dies Sichausliefern an die Macht der Sinnlichkeit, die den Menschen zum schändlichen Tun treibt, ein Zeichen des göttlichen Zornes. tTJv ciOX'lJ.looUVTlV XatEQYa~Eo -DaL bedeutet, daß man das bekannte schändliche Tun vollzieht 30• Dies unnatürliche Treiben ist die Vergeltung Gottes für den Irrtum, dessen Folgen sie an sich selbst auszukosten haben 31 . Es ist also nicht nur als konkretes Geschehen schändlich, sondern auch als Zeichen des Gerichtes Got tes, das sich an ihnen rechtmäßig vollzieht, eindrucksvoll. V 28: Die dritte Schilderung bringt den Höhepunkt des Abfalls durch die Beschreibung des Menschen, der Gott überhaupt aus seinem Bewußtsein ausschaltet. xaitOO~ drückt hier nicht nur einen Vergleich (vulg.: sicut), sondern auch eine Begründung aus (Aug.). Die Menschen stellen fest, daß es nicht mehr notwendig ist, Gott in der Erkenntnis festzuhalten, seinen Anspruch zu hören und seine Offenbarung anzuerkennen (txELv tv btLyvWOEL). oü ÖOXLJ.la~ELV bedeutet vielleicht sogar, daß man diese Möglichkeit der Erkenntnis verwirft. Paulus denkt dabei nicht nur an einen philosophischen Atheismus, sondern auch an die konkrete Ausschaltung Gottes aus dem täglichen Leben. Die »Gottlosigkeit« der Heiden ist also in Wirklichkeit eine Auflehnung gegen die Wahrheit rechter Gotteserkenntnis. Darum gibt Gott die Menschen hin in einen Sinn, der ohne Maß und Norm ist (cib6xL~O~ vo'Ü~). Verliert der menschliche Denkakt das Maß und die Norm, dann vermag er nicht mehr zu prüfen und muß notwendig das tun, was »sich nicht geziemt« (ta ~T) xaih1xovta)32. Mit diesem hellenistischen Begriff leitet Paulus zum »Lasterlcatalog(( V 2~51 über, der keine feste Gliederung aufweist, auch wenn einzelne Gruppen sich von einander absetzen. Am Gleichlaut der Endsilbe erkennbar ist die Zusammenstellung von cibLXta, 3tOVT)Qta, 3tAEOVE;ta und xaxta (= 4 Glieder); die letzte Gruppe ist am a privativum zu erkennen: cimJVEto~, cimJv6Eto~, äOtOQy~ und ciVEA.ET)J1WV (= 4- Glieder). Wichtig ist die Beobachtung, daß 3tEltÄ.'lQO>J.Ltvo,,~ und ~EOtOtJ~ verschiedene Gruppen einleiten, daß aber in der dritten und vierten Gruppe eine entsprechende Kennzeichnung fehlt. Wie sind die Mittelglieder angeordnet? Ansprechend ist der Versuch, das Ganze in 4 ungleiche Gruppen aufzuteilen (4 + 5 + 8 + 4 Glieder), wobei dann die dritte Gruppe aus 29
30
Vgl. z.B. Max. Tyr. or. 1S-2J. Philo I~. aJl. 2,66;Jos. ant. 16,223; Epict. 2,5.23. Beachtr bd Paulus dir Anwrndung des Ani-
kris! )1 MO)"a~VOVtEC; drückt ähnlich wie dir LA: ltvn)"a~VOVtEC; drn Akt drs Empfangens aus. der drm Recht rntspricht. 3Z Ta I'i) xa"'lxOV'ta ist ein Begriff, der sieh an die griechische Ethik. vor allrm an die stoische Tradition anschließt (tO xa&T)xov ist verwandt mit tO nQtJtov). Srit Zrno bedrutrt tO xa&T)xov ..das Pflichtmäßige .. (Diog. Laert. 10.25.108). ta I'i) xa"'lxOV'ta begegnet dann in der jüdisch-hrllenistisehen Literatur (2Makk 6,4; 3Makk 4.16). Vgl. KASEMANN R 44 f.
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vier Wort paaren besteht (Th. Zahn). Im übrigen ist die Anordnung des Paulus weniger durch den Inhalt, als vielmehr durch eine gewisse RJreWriJr. bestimmt (vgl. den Gleichklang:
Entscheidend ist die eschatologische Ausrichtung des Lasterkatalogs: Es geht um Tod und Leben im göttlichen Endgericht: wer diese Vergehen aufsieh lädt, ist dem Tode verfallen, ja, er trägt schon jetzt die Zeichen des Todes an sich. V 32 bildet den Abschluß des ganzen Abschnittes und klingt wie ein Richterspruch. Der relativische Anschluß (ohLve; wie 1,25) läßt den Gedanken eines Subjektswechsels nicht zu. Es handelt sich immer noch um die gleichen Menschen, denen Gott sich kundtut, und die sich doch gegen dies Kundtun auflehnen J3 Zur Literatur über die Lasterkataloge: M.]. LAGRANGE. Le cata10gue de vices dans l'epitre aux Romains (1,1~32), RevBibl NS 8,1911,534-549; K.. WEIDINGEa, Die Haustafeln. Ein Stück urchristlicher Paränese, 1928; K. FItANCKE, Das Woher der neutestamentlichen Laatertafeln. Eine religionsgeschichtliche Spezialstudie, 1930; M. DIBELlUS, Zur Formgeschichte des Neuen Testaments, ThR NF 3,1931,207-242; B. S. E.\s'rON, Die ethischen Listen des Neuen Testaments,JBL51, 1932, 1 ff.; A. VOGTLE, Die Tugend- und Lasterkataloge im Neuen Testament. 1936; S. WIBBING, Die Tugend- und Lasterkataloge im Neuen Testament. 1959. Aus der älteren Zeit vgl. A. SEEBERG, Der Katechismus der Urchristenheit. 1903; H. DAXER. Röm 1,18-2.10 im Verhältnis zur spätjüdischen Lehrauffassung. 1914.
l~
Der Heide unter dem Zorn Gottes
und daher dem Gericht preisgegeben werden. Ausdrücklich wird noch einmal betont, daß die Menschen Gottes Rechtsforderung (OLxa(wJ.la)34 genau kennen bzw. anerkennen (btLyv6vtE~). Der Inhalt dieser Rechtssatzung Gottes wird in dem ÖlL-Satz exegetisch entfaltet. Da die bürgerliche Ordnung auf die genannten Vergehungen des Lasterkatalogs keineswegs die Todesstrafe setzt, ist die Rechtsforderung Gottes in Wirklichkei t theologisch und radikal verstanden. Im Endgericht sind alle diese Menschen dem Todesurteil Gottes verfallen (Röm 2,5). Die hier unerwartet einsetzendenPräsentia zeigen, daß Paulus in seiner Darstellung nicht einen historisch abgeschlossenen Prozeß, sondern die eschatologische und gegenwärtige Auflösung des Heidentums schildern will. Alte apokalyptische Weissagungen haben sich in der Gegenwart erfüllt 35 • Paulus will also nicht jeden Heiden als solchen charakterisieren, er will vielmehr das Ziel aufzeigen, auf das die innere Auflösung des Heidentums zutreibt. In diesem Sinn ist allerdings die paulinische Schilderung durchaus historisch wahr. V 32 findet dadurch einen rhetorisch wirksamen Abschluß, daß der innere Verfall des schuldigen Menschen nicht nur an seiner eigenen Tat aufgewiesen wird, sondern auch an dem Beifall (O'UVE'UOoXEiv), den er der Schuld des Mitmenschen spendet. Schuld verstrickt sich in Schuld. Der Beifallspender zeigt nicht nur, daß er selbst bereit ist, das Unrecht zu tun, sondern er spornt auch den Täter an 36 • Man denkt in der Exegese an Philosophen, die das Laster rechtfertigen, oder an die Obrigkeit, die das Verbrechen unbestraft läßt oder durch eigenes Beispiel fördert 37 • Zum feierlichen Stil einer göttlichen Rechtssatzung vgl. als Parallele Gal 5,21. Mit Röm 1,18 ff. stehen wir innerhalb der apokalyptischen Gerichtsprtdigt des Paulus, die zur Verkündigung des Evangeliums notwendig hinzugehört. Apokalyptik und Hellenismus des Judentums kennen feste Schemata und ähnliche Schilderungen, nach denen die Heiden Gott aus seinen Werken erkennen konnten, diese Erkenntnis verwarfen und aus Hochmut oder Ehrfurchtslosigkeit sich dem Götzendienst verschrieben. Es geht also bei Paulus nicht um die Behauptung einer vergangenen Stufe der Offenbarung, sondern um den Nachweis, daß Gott sich allen Menschen zu allen Zeiten kundtut, so daß sie ihm gegenüber verantwortlich sind. Goues Offenbarung unter den Heiden wird nicht als Anbietung der Tora oder als Rückschluß des Menschen vom Geschöpf auf den Schöpfer verstanden, sondern als ein Sichkundtun Gottes in seiner Machtftille und Gottheit (z.B. Allmacht, Heiligkei t, Ewigkeit Gottes). Es handelt sich also um ein konkretes Geschehen, bei dem Gott selbst der Handelnde, der Mensch der Empfangende ist, nicht um einen rationalen Denkvorgang oder um ein logisches Rückschlußverfahren. Von einer hellenistischen Offenbarungsqualität des Kosmos, die auch imJudentum nicht unbekannt ist (PhitO &xaUoI"l ist Rechtsforderung, RechtssalZung (2,26; 8,4) oder RechlStat (5,18). Dam 1,3 ff.; äthHen 99,6 ff.; OrSib 3,20 ff.; AssMos 5,1-6. 36 OUVroboxELV (seit Polyb. nachweisbar) bedeutet: »Beifall spenden, zustimmen .. (IClem 35,6; 44,3). Selbst ein Mann wie Seneca ließ sich zu Schmeichelreden aufClaudius und Nero verleiten. Als ParaUelen kommen in Betracht: Seneca epist. mor. 39,6: turpia non solum delectant, sed etiam placent. Test Ass 6,2: 6tL xat ~OL tO xaxOv xai OUVroboxOÜOl tO~ ltQOOOO\JOlV ... Der Täter ist betrunken von Leidenschaft. Er wird von der Tat überwältigt. Wer aber Beifall spendet, der steht ja außerhalb der Leidenschaft, er gebraucht (bewußt) die Bosheit, er ist ein Mitläufer des Bösl"n.. (Apollinarius bei CIlAMER, Catena). 31 Als Nachklang unserer Stelle ist IClem 35,5 f. zu betrachten, wo dl"r paulinische Text aufgenommen und verwertet wird. 14
35
Röm 1,18-32
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10, Sapientia), redet Paulus hier nicht. Die Offenbarung Gottes in seinen Werken ist eine geftihrliclu Wahrheit, die dem Menschen unerträglich ist (vgl. die paulinischen Begriffe wie: Q6Qata, öUvaJU.S, 'fUL6't1}S, b6;a, cU"aELQ - es fehlt gerade die von Sap 13,3 f[ gepriesene ))Schönheit((). Daher vertauscht er sie mit ihm erträglichen religiösen Anschauungen. Aber gerade diese Vertauschung wird ihm zum Verderben und Gericht. Die apokalyptische Aufdeckung des heidnischen Verfalles wird anschaulich und konkret geschilden, ist also trotz ihrer escha tologischen Zuspi tzung die Darstellung eines historisclu" Tatbestandes, den wir auch aus heidnischen Selbstzeugnissen gut kennen. Der Lasterkatalog hat seine hellenistischen, aber auch seine frühjüdischen und urchristlichen Parallelen. Ohne Frage wirken philosophische Begriffe auf den paulinischen Sprachgebrauch ein (z.B. 'tel I.lTJ xa&itxOV'ta), doch bleibt die rhetorische Anordnung und die spezielle Aufzählung unerklärt. Das Rabbinat beginnt gelegentlich mit nAufzählungen(( von Tatsünden, aber eigentliche ))Lasterkataloge(( sind ihm fremd. Die später fixierten Sündenbekenntnisse des Großen Versöhnungstages haben einen anderen Charakter als die paulinischen Kataloge 38 • Wie die allgemeine Off'!nbarung Goues eine Voraussetzung ist für das Wirken Goues durch Jesus Christus, also nicht verselbständigt werden kann, so ist auch die konkrete Aufweisung der heidnischen Laster eine wirksame Gegenüberstellung zu Jesu Opfer am Kreuz.
Exkurs
Das Verhältnis von t)Zorn(( und )~erechtigkeit(( Gottes: Die Frage nach dem inneren Zusammenhang von Röm 1,17 zu 1,18 I. Äußerlich ist das Problem an dem überleitenden ytiQ in V 18 erkennbar: wie kann ein eschatologisches Geschehen, das im jetzigen Zeitpunkt wirksam sich entfaltet, die Situation zwischen Gou und Mensch beschreiben? Als Negation gehört der Zorn Goues, der wirksames Geschehen ist, in den alten Äon, als Position die Gerechtigkeit Gottes in den neuen Äon, der das volle Heil mit sich bringt. Wenn Evangelium Heil ist, kann Zorn grundsätzlich nur in den Bereich des Unheils, Gerechtigkeit Gottes nur in den des Heiles gezogen werden. Heil und Unheil sind aber schon nach dem Alten Testament sich gegenseitig ausschließende Begriffe. Nach paulinischer Theologie ist Gerechtigkeit Goues aber auch nicht distributiv zu verstehen; den einen schenkt Gott auf Grund ihrer Bewährung das Heil, den anderen als Vergeltung das Unheil. Es ist gerade der Gewinn der neueren Exegese, daß sie betont, daß das Heil des Menschen Rettung aus Unheil, Angebot der Gnade an den Sünder, wirksames Geschehen an der ganzen Menschhei t sein will. Gerechtigkeit Gottes als Gnadenangebot und als Vollzug des Gerichtes zugleich ist aber auch nicht ein Oberbegriff, unter dem Negation und Position als Unterbegriffe sich entfalten können. Von jeher fragt man nach den Strukturen des paulinischen Zusammenhangs, nach Wortzusammenhängen, nach dem spezifischen Inhalt der einzelnen Begriffe. Geht man von der apokalyptischen Struktur des Zornes Gottes aus, dann ist auf Mt 3,7 Par.; I Thess 1,10; Röm 5,9 und vor allem auf die AplrJoh zu verweisen; sie bieten ein weitschichtiges Material. Besonders wichtig ist ApkJoh 4,18-20: Es wird ein Ende gesetzt für das Bestehen des Frevels, und dann wird die Wahrheit der Welt für immer hervorkom31 Last~rkatalog~ find~n
Schrift~n
IQS 4,9
sich häufig in
s~kti~r~risch~nJud~ntums ff.). Vgl. dazu S. WIBBING, Di~
da
d~r jüdisch~n Apokalyptik, gel~mtlich auch in and~ren (gritth. ApkBar 8,5; 13,5; TestLev 17,11; OrSib 3,35 0:; Tugmd- und Last~rkatalog~ im N~u~n Testam~nt, 1959.
110
Der
H~id~
unter dem Zorn Gones
men. Mit dem KreuzJesu als eschatologischem Ereignis und der wirksamen Verkündigungdes Evangeliums sind Ende des Frevels und Heraustreten der Wahrheit aufs engste verbunden. 2. In der Fonchung wurde die Stellungnahme A. Ritschls mit seiner Untencheidung zwischen dem Gnadenwillen und dem ZorneswiUen Gottes bekannt 39• Er hielt eine wirkliche Beziehung zwischen beiden Offenbarungsweisen Gottes für ausgeschlossen und beschränkte den Zorneswillen aufdenjüngsten Tag. H. Weinel sah in dem Zorn Gottes ein Erbstück aus der alttestamentlichen Religion des Gesetzes und der Propheten; die apostolische Botschaft heiße: •• lasset euch versöhnen mit Gottcc (2Kor 5,20)40. Einen anderen Weg schlägt die englische Fonchung ein, die um die Realität des angesprochenen Phänomens mit Recht kämpft: C. H. Dodd denkt an das Schickaal des Sünden, das er sich selbst bereitet, und an das Raumgeben für den zukünftigen Zorn. das Eigenrecht Gottes (Röm 12,19)41. Zahlreich sind dann die Versuche. den Begriff der Gerechtigkeit Gottes vor- oder überzuordnen und Gnade und Zorn als entgegengesetzte Verhaltensweisen Gottes aufzufassen. Man bleibt aber dann innerhalb von Begriffsuntersuchungen stehen 42 . 3. Einen eigenen Weg bahnt man sich, wenn man nach der Ztithtstimmung in den paulinischen Aussagen fragt: der Zorn Gottes gehört dann in den Bereich des alten Äons, die Gerechtigkeit Gottes in den des neuen (H. Lietzrnann. A. Nygren). Hier ist aber die Beobachtung entgegenzuhalten, daß Paulus mit Bestimmtheit erklärt, daß das Leben des Christen sich noch während der Fortdauer der alten Weltzeit abspielt (Röm 12,2; 1Kor 1,20; 2,6; 3,18). Die neue Weltzeit ragt aber schon als eschatologisches Ereignis in die alte hinein (Gall,4; Röm 12.2). Man könnte dabei an die jüdische Unterscheidung zwischen altem Äon, messianischer Zeit, neuem Äon denken: die Freudenbotschaft reicht als messianische Erfiillung in die alte Weltzeit hinein, bestimmt die gegenwärtige Kampf- und Entscheidungszeit, reicht aber als Verheißung in den rttutrl Äon hinein. Eine theologische Wende bedeutet K. Barths Venuch, den Zorn Gottes in die Gerechtigkeit selbst hineinzuziehen. Gottes Treue verwirklicht sich als sein Nein, als das Gericht, unter dem wir alle stehen, sofern wir den Richter nicht lieben. Es ist das Nein, das uns entgegengesteUt ist, sofern wir es nicht htjaJrm43• G. Bornkamm enüaltet eine andere Konzeption, die dem Text näher kommt: Das Evangelium stellt eine verlorene Welt in das Licht und in den Feuenchein des jüngsten Tages. Die Zeit vor dem Evangelium ist nie"t durch tlm Zorn, sorulmt dU GtdultJ GoUts I,Ülur.(,mluut". E. Käsemann R ist dieser Lösung nicht allzufern: Es handelt sich nicht um zwei venchiedene OfI'enbarungsweisen. sondern um den gleichen OfI'enbarungsakt. Wie der Mensch lJOr dem Evangelium nicht weiß, was eigent-
'9
A. RITSCHL, D~ ira Dd, 1859; Di~ christlich~ Lehr~ von d~r R~chtfertigung und V~rsöhnung '1. 4. Auß. 1900. 40 H. WEINEL, Biblisch~ Th~logie d~s N~u~n Testaments. Die ReligionJesu und d~s Urchrist~ntums, 3. Auß. 1921, 323. 41 C. H. Donn, The Episde of Paul to the Romans, 13. Auß. 1954. 42 Vgl. die Untnsuchungen von G. BORNKAMM, G. HEROLD und P. STUHLMACHER. U Zu den Erg~bnis~n K. BARTHS (Kirchliche Dogmatik, Rechtf~rtigung und Recht) vgl. P. STUHI.MACIID, Gerechtigkeit Gottes 57 ff. Di~ Ergd)lü,,~ kmren in der gegenwärtigen Diakuuion wiedtt: I. Gott~s ~rechtigkeit ist ~in streng gerichts~ogener. eschatologi~r Begriff. '1. Gottes Gerechtigkeit hat zu ihrem Gegenstand nicht in erster Linie den Einzelnen, sondern die Welt des Bundes. 3. Goues Gntthtigkeit kennt nur ein Maß: Gottes Gouheit. 4. Gottes Gem:htigk~it ist als Goues Recht ein~ ford~rnde Macht. 5. Goues Gerechtigkeit ist ~in~ Manifestationsweise der Lirbr Goues und von dies~r nicht ablösbar (58 f.). P. STUHLMACHER will an K. BARTH, R. BULTMANN und A. ScHLATIER anschließen, um d~ Zentrum paulinischer Th~logi~ grr~cht zu wrrden . .. G. BoRNKAMM, Di~ Offenbarung des Zornes Goues, Röm 1-3. Das Ende des Gesetzes, Ges. Aufsätz~ 1,2. Auß. 1958,31.
Röm 2,1-16
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lieh Sünde ist, obwohl er in ihr lebt, so weiß er auch nicht um den Zorn, dem er verfallen ist. Der Zorn ist nicht Inhalt des Evangeliums, auch nicht Teil oder Funktion der Gerechtigkeit, sondern die Kehrseite des Evangeliums. Das Evangelium bedeutet als Rechtfertigung stets Rettung aus dem Zorn. Ausdrücklich erkennt E. Käsemann das Gewicht der apokalyptischen Parallelen an; er selbst verweist aufäthHen 91,7: »Wenn aber Sünde, Ungerechtigkeit, Gotteslästerung und Gewalttat in allem Tun zunimmt und Abfall, FIn'e1 und U nreinhei t wachsen, dann kommt über alle ein großes Strafgericht vom Himmel, und der Herr tritt mit Zorn und Züchtigung hervor, um Gericht zu halten auf Erden.«45 Es wird in der Gegenwart üblich, den Zusammenhang von Röm 1,18 mit 2,5 bzw. 2Thess 1,5--7 hervorzuheben. Ansätze finden sich smon bei A. Schlatter, voll entfaltet wird er bei E. Käsemann, P. Stuhlmacher, G. Herold. Es geht dabei um die venchiedene Färbung des Begriffes: )>gerechtes Gericht Gottescc (ÖLXOloxQLa(a.bzw. ÖLxaLa XQ(cn;). Häufig bezieht er sich auf die Schuldigen, denen Gott als Richter gegenübertritt (TestLev 3,2; 15,2; 1QS 5,12). Man sollte also ruhig zugeben, daß der Ton der Anklage, Warnung, Drohung vorherrscht. Aber anderseits hat der Trost in 2Thess 1,5--7 doch überzeugungskraft. Das Motiv des »gerecht urteilenden Richtersc( schließt beilschaffend Hilfe und Rettung ein. A. Schlatter sprach von der Güte Gottes, die Recht schafft, E. Käsemann von der Aufrichtung des Gotttsrechts. »Die Dialektik (zwischen Gerechtigkeit und Zorn Gottes) löst sich darin, daß seit der Offenbarung der Gerechtigkeit im Evangelium das schon immer waltende und verspürte Zornesverhängnis in seiner eschatologischen Ausrichtung, nämlich als verborgene Epiphanie des letzten Richters und als vorausgreifender Vollzug seines Urteils über einer abtrünnigen Welt erkannt werden kann« (R 52). Rechtfertigung und Gerichtsgedanke sind bei Paulus untrennbar aufeinander bezogen. Man kann nur darauf aufmerksam machen, daß dies Gottesrecht auch in einem individuellen Klagepsalm wie Ps 62,13 zu Worte kommt. 4. Wie verhalten sich Zorn und Gerechtigkeit, Verheißungstreue und endzeitliches Gericht zueinander? In dieser Grundfrage gehen P. Stuhlmacher, G. Herold auf Traditionen wie Dan 9, Esr 9 und Bar 1,5 zurück: der Zorn Gottes macht die Treue Gottes, sein Festhalten an seinem Wort offenbar (Bar 2,20). G. Herold sucht eine gemeinsame Grundstruktur zwischenJes 59 und Röm 1-3: dem theologischen Gehalt wie der formalen Gestalt nach lehne Paulus seine Aussagen in Röm 1-3 an das prophetische Heilsorakel an (a.a.O. 300). Im XrtUt}esu und in der Botsclw.ft vom XrtUt lugt das Gtri.cht Gottls über du Welt, du EntlUillung der Sünde des Menschen, die Strafgtwalt Gottu, die dem ~ukünJtigen Gtri.cht voranliiujt. Gerechtigkeit und Strafgwalt schließen sich nicht aus, sondern ein. Röm 1,17 und 1,18 entsprechen einander.
Röm 2,1-16: Der Richter und der Maßstab des Gerichtes t Darum bist du unentschuldbar, 0 Mensch, wer du auch seist, der du richtest! Denn worin du den anderen richtest, richtelt du dich selbst. Denn du tust c:lauelbe, du, der du richtest. 1 Wir wislen aber, da8 Gottes Gericht nach dem Ma8at.ab der Wahrheit über die ergeht, die derartiges tun. 3 Rechnest du etwa damit, 0 Mensch, der du über die richtest, die derartiges tun, und tust es doch leibet, da8 du dem Gericht Gottes entfliehen wirst? 40der venchtest du den Reichtum seiner Güte, Langmut und Geduld, und merkst dabei nicht, daß dich die Güte Gottes zur Umkehr treiben will? 5 Du häufst dir ja in deiner Hartnäckigkeit und Unbu8fertigkeit
4S KÄSEMASN
R 32.
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Der Richter und der Maßstab des Gerichtes
da HeneDI Zom Ul auf c:Iea Tat dea Zoma uad der 0fI'eabu0ua& da prechten Gerichtes Gottes, 'der (DKh der Schrift) jedem DKh leiDen Werken Yel"pltea wird. 'Deaea, die behmrlieb am ptm Werk re.tbaltea uacl ct.bei Henlichkeit, Ehre uad UaverJinliichkeit ...cbea, wird er ewipl Lebea leben. 8Auf die aber, die du Zeiebea da lUden Ul lieh tnpa, der Wllhrheit Gones WicientaDd lei11m, aber der Uaprechtipeit phorchea, wartet Zorn uacl Grimm. 'Triibul UDd Beclrinpil kommt über die Seele jeda Measchea, der du Böse wirkt, über den Juden zuerst UDd über c:Iea Griechen. 10 Herrlichkeit aber UDd Ehre uad Friedea kommt über jeden, der du Gute tut, über dea Juden zuent uad über den Griec:heD. 11 Dema a UI keiD AllHbea der Penoa vor Gott. Alle die, die oboe du Geletz psiiucli&t heben, werden auch olme das Gaea im Gericht verphea. 12 UucI die, dieanterdem Gaea psüadi&theben, wenlea aufGnmd des Geletza pricbtet werdea. 13Dema Dicht die Hörer da GeletzaliDd precht vor Gott, ~a die rate!' da Geletza werdea pt"ecbt &aProchea werdea. 14 Weaa aäm1ich Heiden, die du Gaea Dicht hahea, VOD lieb .... (in ihrer Gachöpflichkeit) erfiillen, w. daI Gaea veriaD&t, 10 liDc:lsie, olme da Gesetz zu haben, lieh sen.t Geletz. 15 So tun lie a.ch au8ea das vom Geaetz pforderte Werk bad, du in ihre Henea eiaplchriebeD ist, wobei ihr Gewiuea, claaD aber auch die Gedaaken, die lich UDtereiDllDder verldapa oder verteidigen, I'mit ab Zeugen auftreten. Du lelChieht nimlich Ul dem Tag, Ul dem Gott du Verborgeaecler MeDlChea richten wird uch meiDem Evaaplium, durch ChriItuI JaUL
Analyse: Der neue Abschnitt Röm 2,1-16 steht selbständig neben 1,1S-32, ist also nicht unmittelbar an den vorherigen Gedankengang angeschlossen. Schon der Stil (vgl. die Anrede V 1.3) zeigt seine Besonderheit gegenüber den vorangehenden Abschnitten. Wir haben hier zunächst den dialogischen Charakter der Diatribe (R. Buhmann) vor uns, doch darf nicht übersehen werden, daß der Ton der Anlclage und der Gerichtspredigt auch hier immer wieder durchbricht. Vor allem ist entscheidend, daß Paulus die festen Normen aufweist, an die Gottes Gericht gebunden ist. Wenn er auf sie zu sprechen kommt (2,6-11.12-16), dann geht der ungezwungene, lebhafte Stil der Diatribe in die feierliche Form einer amtlichen Feststellung über. Damit ergibt sich die Untngliednung des Abschnittes: Gedanklich stehen V 1-5 und V 6-11 als geschlossene Gruppen nebeneinander, denen sich V 12-16als dritte Gruppe anschließt. Stil und Aufbau verkennt die Exegese, die in 2, I eine Anrede an Christen bzw. Judenchristen sehen will; auch das weltliche Richteramt als solches bzw. das kirchliche Lehramt als solches ist nicht angesprochen l . In der Gegenwart hat man erkannt, daß der Abschnitt 2,1-16 eine verhüllte Polemik gegen das Judentum enthält, daß also der 6v6Qomo~ 1tä~ 6 xQ(voov (2,1.3) niemand anders ist als der Rabbi undjude, der mit Verachtung auf das verworfene Heidentum blicktl. Wichtiger als die Polemik ist aber, daß Paulus in unserem Abschnitt die Gleichheit der menschlichen Situation vor dem Gericht Gottes verkündigt; dabei denkt er - wie er ausdrücklich und mehrfach betont (2,9.10) - an Juden und Heiden. Der Unterschied zwischen den beiden I Nach Chrys. und Thdn denkt Paulus in 2,1 an weltliche Richter und Obrigkeiten, nach Orig. an Bischöfe, Presbyler und Diakone.
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M. J.
LAGRANGE, H. LIETlMANN, SANDAy-HEADl.AM,
A.
~YGRE~.
Röm 2,1-16
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Abschnitten 2,1-16 und 2,17-29 besteht also darin, daß in 2,17-29 die Verhüllung fällt und die Umkehrpredigt -die Sünden Israels aufdeckt. Exegese,' Paulus rechnet dami t, daß' der Jude sich der Anklage des radikalen Gesetzes dadurch entzieht, daß er den Heiden, der offensichtlich dem Gericht Gottes verfallen ist (I, 1~32), selbstbewußt preisgibt und sich selbst rechtfertigt. Paulus lehnt diesen Versuch einer imoA.oy(a (2,1) ab und erklärt, daß der sich selbst rechtfertigende und den anderen (tOv hEQOV) anklagende Mensch gleichfalls unter dem Gericht Gottes steht. Er nimmt seine eigene Existenz nicht ernst genug, übersieht die eigene Schuld und vergißt, daß die Erkenntnis Gottes (2,4erinnert an 1,21) ihn zur Erkenntnis seiner Langmut und Güte hätte führen müssen. Der selbstgerechte Mensch steht also jür Paulus unter dem gleichen Urteil wie der im HtitJmtum verfallme. V 1: öt.6 schließt an den vorangehenden Abschnitt an, doch hat es seine ursprüngliche Bedeutung (>>darum«) verloren und ist zur einfachen übergangs-Partikel geworden4 • Die Konjektur ÖLe; statt ÖL6 (»doppelt unentschuldbar«) ist interessant, aber nicht überzeugend 5 • »Du Mensch« ist in der Diatribe eine häufige Anrede, ist aber in unserem Zusammenhang mehr als eine rhetorische Form, da der »Mensch« schlechthin unter der Anklage steht (avaltoA.6yTJtOe; 2, I wie 1,20). Auch die Situation des »richtenden« Menschen ist vor der Anklage Gottes unhaltbar. Wenn Paulus sich an jeden, der »richtet«, wendet (XQLVELV heißt »richten« im aburteilenden Sinn), dann denkt er vor allem an das jüdische Selbstbewußtsein, das sich jede Gleichstellung mit dem Heiden in der Schuldfrage verbittet. Nach jüdischer Auffassung ist Gottes »Zorn« eine Reaktion gegen heidnische Sünden, während Israel selbst nur »gezüchtigt« wird (Sap 11,9 f.; 12,22). Israel steht also unter einer anderen Norm als das Heidentum. ltäe; verallgemeinert (= ÖOtLe; ~av ~e;), wirkt aber hier geradezu ausschließend (»wer du auch seiest«). Die Anklage sucht den Menschen in allen seinen Schlupfwinkeln auf. Dadurch, daß man den andern verurteilt, zieht man sich selbst die gleiche Verurteilung zu 6 • Das Wort, das den andern trifft, fällt auf den beurteilenden Menschen mit gesteigerter Kraft zurück (XQ(VELV- XataxQLvELV). Offenbar ist der Satz des Paulus ähnlich gemeint wie das Jesuswort Lk 6,37; Mt 7,1. Entscheidend ist nicht das Wort, sondern die Tat selbst (ltQQOOELV). Die Handlungen des Beurteilers stehen unter dem gleichen Gerichtswort Gottes wie die Handlungen des Beurteilten. Es gibt eint göttliche Norm, die die gleichartige Verfallmlllit alles menschlichen 1 uns a~fdtckt. V 2: Allgemein anerkannt (O[ÖQf.lEV öt) ist 4 Vgl. E. MOLLA ND, Serta Rudbergiana, 1931,43-52. R. BULTMANN, Glossen im Römerbrief (ThLZ 72, 1947, 198 IT.) schlägt vor, Röm 2,1 als Glosse anzusehen.1Eäc;;6 ~(v(J)'Verscheint ihm verdächtig. ÖL6 bereitet sachlich Schwierigkeiten. Nach R. BULTMANN schließt sich 2,2 gut an 1,32 an. o~ öt hätte dann seinen guten Grund, während es hinter 2,1 verschiedentlich in o[öal'f\' yciQ abgeändert wurde, ein Zeichen dafür, daß man den Zusammenhang zwischen 2,1 und 2,2 nicht feststellen konnte. Eigentlich gehöre 2,1 hinter 2,3 als Antwort auf die Frage. Auch KAsEMANN R 49 spricht von einer späteren Randglosse. 5 A. FRIDRICHSEN, Symbolae arct. osloenses I, 1922,40; Revue d'histoire et de phil. rel. 111, 1923, 440. AuchJ. CALVIN hat die Wendung: bis accusabilis, meint aber damit die zweifache Schuld des Selbsttuns und des Richtens über den anderen. 6 ht ~ kann verschieden aufgelöst werden: I. ht toilt,!" ötL »damit, daß« oder 2. ht tOVttp, ht
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die Tatsache, daß das Gericht Gottes nach dem Maßstab der Wahrheit gefallt wird', wenn es sich gegen die in Röm 1,18 ff. beschriebenen Heiden wendet (o[ ta tow'Üta 3tQClOOOvtE~ in V 2.3 klingt geformt). Diese These ist zwischen Paulus als Ankläger und seinem Gesprächspartner nicht strittig, wohl aber geht es um die Möglichkeit, daß der Beurteiler, also der Jude, meint, sich selbst dem Gericht Gottes entziehen zu können. Paulus wiederholt in V 3 mit den gleichen Worten wie in V 1 die Behauptung, daß das selbstgerechte Israel die gleiche Schuld aufsieh lädt wie das Heidentum. Der Jude verbirgt hinter seiner Selbstgerechtigkeit ein eigenes Tun, das ebenfalls der Wahrheit Gottes ins Gesicht schlägt. V 5 und 4 sind zwei Fragen, die eng zusammengehören und nicht getrennt werden dürfen. Will das selbstbewußte Israel die These aufstellen (MryLtEa6aL), daß es selbst dem Gericht Gottes entgehe (tXCPE'UyELV wie Mt 3,7)? Oder - der Ton wird noch eindringlicher - verachtet es Gottes Güte, Geduld und Langmut (rhetorischer DreiklangS)? XQTlOtlm]~ ist gegenüber den beiden nachfolgenden Begriffen betont (vgl. tO XQTlOtOv to'Ü t}EO'Ü). Eine derartige Verachtung würde bedeuten, daß man die Absicht Gottes, den Menschen durch seine Güte zur Umkehr zu führen, verkennt 9 • Offenbar sind V 2 und V 4b feste überlieferungen, auf die sich Paulus beziehen kann. Diese Verachtung und Verkennung Gottes stellt den beurteilenden Juden letztlich auf die gleiche Stufe wie den Heiden, der Gottes U nanschaulichkeit nicht aushält (Röm 1,21). Damit hat aber der richtende Jude das prophetische Scheltwort verdient, das Paulus in V 5 in neuer Form wiederholt. Die »Herzenshärtigkeit« (o')(,Ä.T)Q6tTJ~ Dt 9,27; ähnlich axÄ.T)QoxaQÖLa) und das »unbußfertige Herz« sind die typischen Vorwürfe der Gerichtspredigt gegenüber Israel: an ihnen erkennt man deutlich, daß Paulus in unserem Abschnitt verhüllt Israel anspricht 10 • Fast ironisch klingt die Behauptung, daß Israel sich selbst Zorn wie ein Konto auf den jüngsten Tag hin ansammle l l . Dabei verkehrt er in seiner Polemik den Satz, daß gerade auf die Hei7 )C(na iA~LQV heißt hier: •• in Aufdeckung der Wahrheit, der Wahrheit gemäßee (nicht: »in Wirklichkeit«). Die IrnumslOligkeit des letzten, entscheidenden Gerichtes ist ein Grundsatz, der im griechischen Totengericht wie im jüdischen Weltgericht festgehalten wird. Das Uneil ist unanfechtbar. Gericht und Wahrheit stehen nebeneinander in ApkBar85,9; 4Esr 7,34; Ab 3,16. Weiteres Material bei Str-B III 76; P. VOLZ, Die Eschatologie der jüdischen Gemeinde, 2. Auß. 1934,308; L. RUHL, De mortuorum judicio, 1905. s Die Konkordanz lehrt, daß feststehende Genitiv-Verbindungen sich an den BegriO'nA.oüt~ anschließen (nA.oüt~ TfJ~ ~~, nAoütex; TiJ~ Xcl{>LtO~). Diese Genitiv-Verbindungen sind typisch hellenistisch, während die frühjüdischen Gottesprädikate adjektivisch oder adverbial gebraucht werden (»groß an Huld •• , »der reichlich Wohltaten erweist«). Derartige Häufungen der Eigenschaften Gottes, wie sie Paulus in Röm 2,4 verwendet, klingen rhetorisch, weisen aber auf die Gtbtlsspradu zurück, wie 4Esr 7,132 0'. beweist: >>der Barmherzige, der Gütige, der Langmutsvolle, der Edelmütige, der Gnadenreiche, der Edle, der Verzeihendecc. Vgl. auch Sap 15,1 und PsSal 10,8. avoxfl ist das Zurückhalten des Zornes (ApkBar 59,6). 9 Der Inhalt des ön-Satzes: .. Gottes Güte treibt dich zur Buße., ist feststehendes Wissen (Sap 11,23). 10 Die »Herzenshänigkeitcc begegnet als ständiger Vorwurf auch in den Qumranschriften: Dam 2,17-18; 3,5.11 ff.; 8,8.19; 20,9; IQS 1,6; 2,14; 3,~; 5,4 u.ö. 11 Der Sprachgebrauch von ~uQ(tELV ist ähnlich wie in Mt6,19 0'.; ApkBar 14,12; PsSal9,5; Inschr. von Priene 112,15; doch ist das Bild mit Ausnahme von Prov 1,18 im allgemeinen positiv verstanden.
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den der Zorn Gottes wartet, während Israel am jüngsten Tag verschont wird (Sap 11,9 f.; 12,22). Paulus liebt in der Zusammenstellung der Begriffe den rhetorischen Zwei- und Dreiklang. Gottes Zorn wird von ihm als Enthüllung des gerechten Gerichtes (ÖLxaLOXQLo(a) 12 bestimmt. Der anschließende Relativsatz V 6 ist feierliches Zitat (Ps 62,13) und klingt hier wie eine exegetische Bestätigung des paulinischen Gerichtswortes. Für Paulus ist jedes Glied dieses Zitates wichtig. Gottes Gericht wartet auf jeden Menschen ohne Ausnahme und beurteilt ihn nach seinen Werken 1J• Damit hat dies Schriftwort thematische Bedeutung gewonnen und kann daher den neuen Abschnitt, der bis V 11 reicht, einleiten. V 7: Der BegrifTder »Werke« wird im folgenden Gedankengang nach der positiven und negativen Seite hin interpretiert: wer beharrlich am guten Werk festhält und dabei Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit sucht, wird ewiges Leben empfangen. Der Dreiklang Ö6;a, t41TJ und lup'fklQo(a beschreibt das eschatologische Ziel in einer schon geprägten Form (vgl. IPetr 1,7; ApkJoh 4,9)14. Auch die jüdische Apokalyptik spricht von der Herrlichkeit und U nvergänglichkeit derer, die hier auf Erden dem Höchsten unter Mühsal und Gefahr dienten und sein Gesetz befolgten (4Esr 7,95 f.). V 8 schildert als Gegenstück zu V 7 die Menschen, die Streitsucht und Hader zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben lS , die sich der Wahrheit Gottes widersetzen, der Ungerechtigkeit aber gehorchen: auf sie wartet Zorn und Grimm (sc. ~ataL). Auch dieser Zweiklang hat seine Geschichte und seine Parallelen (ApkJoh 16,19) 16. Die beiden Verse 7 und 8 schlie12 bu
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Ben sich eng an das Schriftzitat V 6 an und entfalten seinen Sinn im feierlichen Stil des GtSt~tS, das nach beiden Seiten hin zu sprechen hat und Lohn und Strafe austeilen muß. Aber das genügt Paulus nicht; es kommt ihm darauf an, daß der Maßstab Gottes nicht nur erkannt, sondern auch auf das Verhältnis der Juden und Heiden angewandt wird; der besondere Anspruch des Judentums mt1ß durch das Gesetz Gottes im Gericht Goues getroffen werden, sonst ist dies Gesetz eben nich t Gottes Gesetz. Darum beginnen die zusammenhängenden Verse ~ 11 noch einmal im feierlichen Gesetzesstil. Allerdings kehrt Paulus chiastisch die Reihenfolge von Belohnung und Strafe um. Die Zusammenstellung von itA.i~L~ und otEVoxwQ(a, die betont am Anfang des Verses steht, ist ebenfalls übernommen und begegnet auch in Röm 8,35; 2Kor 6,4. Auch sie will in drastischer Form die Auswirkung des göttlichen Gerichtes auf den Menschen beschreiben. Eine bestimmte Scheu, den Gottesnamen unmittelbar mit den eschatologischtn Strafen in Verbindung zu bringen, mag bei derartigen Zusammenstellungen mitgewirkt haben. Paulus unterstreicht die Allgemeingültigkeit des göttlichen Urteils und löst daher die semitische Formel1täoa ""'xT1 itvitQO>1tOU (= »jeder einzelne Mensch«) auf in die Gegenüberstellung von »Jude und Grieche«. Der Jude ist durch sein Gesetz in erster Linie (1tQÖ>'tov wie 1,16) unter den Maßstab Gottes gestellt: aufihn schaut Gott zuerst. Aber auch im positiven Sinn stehenjude und Grieche unter der gleichen Möglichkeit und Verheißung, daß Gott ihnen Herrlichkeit, Ehre und Frieden, drei eschatologische Begriffe wie in 2,7, schenken kann. Die anschließende Versicherung in V 11, daß Gott kein Ansehen der Person kennt, entspricht einem allgemeinen israelitischen Grundsatz 1? Diese feierliche »Konsequenz(( erinnert an das Schriftzitat in 2,6, das ebenfalls einen Gedankengang zum Abschluß brachte. Die Werke des Menschen sind bei Paulus Ausdruck für dessen Wesen und Existenz, nicht davon ablösbare Handlungen. In dem, was der Mensch tut, offenbart er, wer und was er ist. Bei Paulus kommt es daher auch nicht auf die »Menge« oder »Mehrzahl« der Werke an wie im Rabbinat, sondern auf deren An. Es erhebt sich die exegetische Frage, ob Paulus in Röm 2,9 t: einen Maßstab aufstellt, der lediglich dazu da ist, dem '>natürlichen Menschen« sein Unrecht vor Gott aufzuzeigen (der Jude würde zuerst in seiner Selbsterkenntnis getroffen werden, dann aber auch der Heide), oder ob Paulus mit einer eschatologischen Möglichkeit rechnet, die vom Menschen her weder zu verwirklichen noch als wirklich vorzustellen ist. In der Geschichte der Auslegung nahm man z.B. an, daß Paulus sich auf den Standpunkt des Judentums stelle und die Lage der Menschheit abgesehen vom Kreuz Christi beschreibe: nEs würde so kommen, wenn das Evangelium nicht wäre, und die Erfüllung des Gesetzes möglich wäre« (Ltzm R 40). Nach P. Altbaus erfaßt Paulus die innere Einheit von Gesetz und Evangelium: Wohl zerbricht der Mensch an der Norm des Gerichts nach den Werken, aber die Glaubensgerechtigkeit hebt die Gültigkeit der Nonn nicht auf. Die Glaubensgerechtigkeit führt zum guten Werk. Alles kommt aus dem Glauben, aber alles liegt am Werk (NTD 6,20). Käsemann R 55 f[ spricht von nSätzen heiligen Rechtes« bei Paulus und ihrer besonderen Funktion innerhalb seiner Botschaft: die Vorordnung der Glaubensgerechtigkeit bleibt gewahrt. 17 2Chron 19,7; Sir 35,15;Jub 5,16; PsSal2, 18; Ab 4,22. Der 8egriff1tQoo(.t)3toAtt~",(a ist offenbar ein Semitismus.
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Daß Paulus in Röm 2,9 f. sich nicht auf einen jüdischen Maßstab dialektisch einstellt, sondern das eschatologische Gericht als solches beschreibt, darf nicht abgestritten werden (2Kor 5,10). Auch der Glaubende geht durch das Feuer des eschatologischen Gerichtes hindurch (IKor 3,15). Der Mensch, der auf sich selbst und sein Werk schaut, sieht die Unmöglichkeit zu bestehen. Röm 2,9 f. hat also die bleibende Aufgabe,jeden Selbstruhm des Menschen zu zentören: der göttliche Maßstab wird niemals eine eigene Gerechtigkeit anerkennen. Die Glaubensgerechtigkeit aber ist die von Gott dem Menschen geschenkte Gnade, die ihn durch das eschatologische Gericht hindurch trägt und freispricht. Obwohl der Glaube die Möglichkeit zum guten Werk gibt, ja selbst das entscheidende und ausschließliche Werk des Menschen ist, erfolgt der göttliche Gerichtsspruch nicht auf Grund des guten Werkes, sondern allein auf Grund des WerkesJesu. Röm 2,9 f. behauptet also nicht, daß die Christenheit infolge ihres Glaubens und des daraus entstehenden guten Werkes gerecht gesprochen wird. Wie sich das eschatologische Gerichtswort zur Erfüllung des Gesetzes durch den Menschen verhält, steht allein in Gottes Vollmacht. Er hat und kennt Möglichkeiten, die wir Menschen so nicht haben und kennen. Jede menschliche Denkform zerbricht vor der Wirklichkeit des göttlichen Gerichtes.
Mit V IZ setzt ein neuer Gedanke ein: Heide und Jude (chiastische Umstellung!) stehen im eschatologischen Gericht deshalb unter dem gleichen Maßstab, weil beide unter dem gleichen Anspruch Gottes, darum auch in der gleichen Verantwortlichkeit stehen. Die entscheidenden Wendungen: Qv6J.l~, tv v6J.lq>, ÖLeI v6J.lO\J sind offenbar bewußt aufeinander abgestimmt. Es stellt sich heraus, daß der Besitz des mosaischen Gesetzes nicht ein letztes, sondern nur ein vorletztes Argument in der Diskussion ist. Gott hat besondere Mittel und Wege, seine Forderungen dem Heidentum unmittelbar kundzutun. Der Stil unserer Verse ist dem Gesetz angepaßt und beschreibt das Kategorische, Endgültige der göttlichen Entscheidung. Der Gerichtston wiegt vor (luto).oÜvtaL, xQLihloOvtaL). Das Passiv umschreibt wieder das göttliche Handeln, ohne Gott selbst zu nennen. Daß Israel »durch das Gesetz« gerichtet wird, klingt für Israel hart. Auch dasjudentum spricht vom Richteramt des Gesetzes; aber wenn es an denjüngsten Tag und an die letzte Entscheidung dachte, dann lag ihm die Beschämung des Heidentums nahe (Str-B 111 84). Der Gegensatz zwischen den »Hörern« und den »Tätern«, den V I! zur Sprache bringt, ist dem Judentum gut bekannt, zumal er an die Lektion der Tora am Sabbat erinnert. Auch das Rabbinat sieht nicht das Studium, sondern die Erfüllung des Gesetzes als entscheidend an (Ab 1,17 f.; 3,17) 18. Paulus verwendet hier einen rabbinischen Lehrsatz, aber in einem neuen Sinn, bedroht dieser Lehrsatz doch das Vorrecht Israels. Auch hier meint die Rechtfertigung den eschatologischen Freispruch, die Anerkennung einer »Gerechtigkeit« durch Gott. V 14: Es besteht aber die unerhörte Möglichkeit, daß einzelne Heiden (fflvt]) in ihrer Geschöpflichkeit (cpUOEL) die Forderung des Gesetzes erfüllen (wie es z.B. bei Abraham geschah). Es ist ganz unnötig, in diesem Fall an Heiden, die zumJ udentum oder Christentum übergetreten sind, zu denken. Paulus setzt vielmehr den »bedingungslosen« Fall, daß der Heide als solcher (cp'ÖOEL) sich der Forderung Gottes aufschließt. Auch dieser te Die Ausdrucksweise: Ö(xaIOL mlQcl &~ isl ganz offenbar semitisch (»gerechl vor Gou«. mlQ6. wird hier wie tv6mLO'V oder tvavdov gebrauchl). Der Satz war ursprünglich hebräisch oder aramäisch formulierl.
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Gedanke ist imJ udentum nicht ganz unbekannt, hat aber dort selbstverständlich nicht die gleiche revolutionäre Kraft wie bei Paulus l9 • Betont wird die Tatsache, daß die Heiden das Gesetz nicht haben; ausdrücklich wird diese Tatsache zugegeben,ja sogar wiederholt. Aber Paulus stellt dieser Tatsache die These gegenüber, daß Heiden sich selbst Gesetz werden können. Diese Ausdrucksweise ist zunächst befremdlich, ja unverständlich, das ))ungeschriebene Gesetzcc (v6J!~ lryQacpo~) und das ))ins Herz geschriebene Gesetzcc (yQWttOv tv tai; xaQÖ(aLS) sind zwei ähnliche Anschauungen, die dem paulinischen Text verwandt sind. Gemeint ist, daß im Menschen selbst oder im Nächsten ein Maßstab, eine Norm gefunden wird, an die man sich hält. Und dieser Maßstab, diese Norm ist nicht nur relativ oder psychologisch, sondern im Gegenteil absolut und objektiv: Gott selbst richtet seine Autorität in aller U nanschaulichkeit unter Heiden auf, so daß Heiden ihm gehorchen können. Allerdings entsteht gerade dann, wenn diese unerhörte Möglichkeit sich verwirklicht, keint Gerechtigkeit auf Grund menschlicher Werke. Echter Gehorsam kann nie Anspruch werden (Lk 17,10). Täter des Gesetzes sind niemals in der Lage, sich selbst zu rechtfertigen. Und doch ist das Ereignis eines echten Gehorsams mitten in der HeidenweIt ein Angriff auf die Selbstgerechtigkeit Israels. Daß Menschen nsich selbst Gesetz sindce, ist an sich eine Vorstellung, die allein aus griechischem Denken verständlich wird 20. Sie stammt aus platonischen und aristotelischen W!lrzeln. Bei Plato begegnet sie bei der Schilderung der Bürger des idealen Staates, die im Unterschied zu denen des schlechten Staates keiner besonderen Gesetzgebung bedürfen. Jeder vermag die Gesetze selbst zu finden, oder aber sie ergeben sich aus der bereits vorangegangenen Lebensweise (Polit IV 427 A). In jedem Fall erscheint der Gegensatz zwischen dem Gesetz, das erst besonders erlassen werden muß, und dem unmittelbar gegebenen, ungeschriebenen Gesetz. In der stoischen Popularphilosophie, die Natur und Geselz gleichsetzt, wird dies Motiv des ))ungeschriebenen Geset19
Nach vrreiozrltrn nabbiniachrn Tradilionrn machrn auch dir Heiden im Endgrrichl gdlend.
daß sie das eine oder andere Gebot erfüllt haben; ja, Gou wird sich zu Israel bekennen, obwohl die Heiden das Gebotene tun, ohne daß es ihnen geboten ist, und obwohl sie es mehr erfullen als Israel selbet (Str-B 11189). Paulu. hebt auch tuer die adbetvmländliche Gc:sichenheit israeli auf, ohne deucn heilagcschichtlichc:s Vorrecht anzuwtm. 20 Zum Folgenden vgl. E. NORDEN, Agnostos Theos, 1913; M. POHLENZ, Paulus und die Stoa, ZNW 42, 1949,69 ff.; W. KRANZ, Das Gesetz des Herzens, Rhdn. Mus. f. Philol. NF 94,1, 1951, 222-241; H. LIETZMANN, Exkun zu 2,14 Ir.; G. BoRNKAMM, Gesetz und Natur (Röm 2,14-16), Studien zu Antike und Urchristentum, Ges. Aufsätze 11, 1959,93-118. Daß Heiden sich selbst Gesetz sind, ist ein im Griechentum und Hellenismus öfter wiederkehrender Gedanke: Für Plato wichtig ist PolitlV 427A; rur AristoteIes Eth. Nie. IV 112& 31; Politlll 13 l284a 13; schon bei Aristoteles begegnet sowohl der Hinweis auf den ausgezeichneten und rreien Bürger wie auf die Machthaber, die lich selbet Gesetz lind. Wichtiges Material findet sich in den Untmuchungen \1>n W. KU.'lIz, M. POHLE.'\IZ und G. BoIl..'\IKA....... Für Paulus ist die nähere Bestimmung cpUoEl ein Hinweis aur die U nmiuelbarkeit und innere Notwendigkeit gerade dieses Gehonams: manche Heiden ~rfullen »von Natur« die Werke des Gesetzes. Zum Wesen desJ uden dagegen gehört, daß er über den Gehonam gegen das Gesetz von and~ren belehn wird. Aur cpUotL liegt ein starkes Gewicht, weil in ihm ein Hinweis auf ein unmittelbares Handeln Goues selbst liegt. Der Heide, der Goues Forderung g~nügt, erhält damit s~ine Würde wieder. Paulus ordnet den philosophischen Einfluß dem biblischen Denken ein.
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zes« besonders gern aufgenommen und verarbeitet. Hier herrscht die überzeugung, daß alles sittliche Handeln die Befolgung der uns von Natur eingepflanzten Gesetze sei und in der Gottheit selbst wurzele (H. Lietzmann: »der Fundamentalsatz der stoischen Ethik«). Gute und gewalttätige Herrscher können vor allem (in gutem wie in bösem Sinn) »sich selbst Gesetzcc werden, darum auch über den geschriebenen Gesetzen Herr sein 21 • Vor allem stellt sich heraus, daß der Weise, der dem Gesetz der Natur folgt, allen menschlichen Meinungen und Ansprüchen gegenüber unabhängig, selbständig (tv nämv airtaQXT)~} werden kann. Parallelen zur paulinischen Wendung fehlen also keineswegs 22. Entscheidend ist nun, daß in den verschiedenen Zweigen des Frühjudentums Spuren davon vorhanden sind, daß Abraham als Urbild des von Gott gegebenen, noch ungeschriebenen Gesetzes galt (Philo de Abr. 275 f.; ApkBar 57,2). Das Motiv des »ungeschriebenen Gesetzes« wird im philosophischen Sinn bei Philo mit dem der Natur verbunden: Abraham ist ))ßicht vom Geschriebenen .belehrt, sondern kraft der ungeschriebenen Natur danach eifernd, den gesunden und von aller Krankheit unberührten Antrieben zu folgen«. Er ist selbst Gesetz und ungeschriebene Gottessatzung. Im Bereich des heUenistischenJudentums darf man aber auf keinen Fall außer Acht lassen, daß das mosaische Gesetz mit diesem in der Natur begründeten Sittengesetz identisch ist (4Makk; Philo). Es kann sich also darum handeln, daß Paulus missionarisch und apologetisch an das stoisch-philosophische Gedankengut anknüpft und ausdrücklich bestätigt: mit eurem eigenen höchsten Selbst bewußtsein seid ihr unmittelbar dem Anspruch Gottes verhaftet. Auch der Jude kann darauf Bezug nehmen, daß der Heide eine besondere Bindung fl:n die Gebote Gottes hat Merkwürdigerweise sind es einzelne Stellenjüdischer Apokalyptik, die vom Gehorsam einzelner Heiden und von der eschatologischen Verantwortung aller Bewohner der Erde ausdrücklich reden (ApkBar 48,38 ff.; 4Esra 3,33 ff.) 23. Jeder der Erdbewohner hätte es wissen müssen, wenn er sündhaft handelte. Vielleicht ist aber die jüdische Form dieser Aussage zu beachten: das mosaische Gesetz reicht so weit in die Menschheit, daß es auch im Heidentum zur Norm und zum Wahrheitskriterium werden kann. Es gibt auch hier eine göttliche Weisung, die unerschütterlich und unbezweifelbar ist. In diesem Fall darf man also nicht so sehr von dem stoisch-philosophischen Erbe ausgehen - das an sich natürlich da ist -, sondern von dem Bekenntnis desjudentums zur göttli21 W~nn d~r H~id~ sdn~ Würd~
darin hat, daß ~r d~r unmiuelbar~n Ford~rung Goues gehorcht, u im G~~nsatz zu d~r Umg~bung, di~ andeun Göu~rn g~horcht. Wenn er sich selbst Gesetz isl, ist ~r also unabhängig vom Einspruch seinu U mg~bung. Das Motiv der DantelJung eines wahren Ge~zes hat ein~ gri~chische Geschicht~, darf aber im paulinischm Tat nicht vom biblischen Gehorsam gelöst w~rden. 22 Vgl. H. LIETZMA!liN, Exkun zu Röm 2,14 und G. 8oRNKAMM, a.a.O. Anm. 24.25. Vgl. z.B. Manilius in dem Astronomicon (V 495): Ips~ sibi la est. u Vgl. 4. Eara 3,35 W.: ..Qd~r wann häu~n vor dir die Erdlxwohner nicht gesündigt? Oder welche Nation erfülh~ also dein~ Vonchriften? Du kannst wohl einzelne besond~ n~nnen, die dein~ Vorschriften g~hahen; doch ganu Völk~r findest du nicht ... M. LAGRANOE, O. Kuss übersetzen: .. Immer wenn ( ... j~esmal wenn) manch~ Heid~n (Hv11 im Unterschi~ von taHv11 und Hvuco(),ohnedas mosaische Gesetz zu kennen, von Natur (aurGrund ihus Mmschenwesens) dennoch tun, was das mosaische Gesetz gebiet~t, erweist es sich, daß dies~ Heiden sich selbst Gesetz sind ...
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ehen Weisung: es spiegelt sich auch außerhalb Israels im heidnischen Selbsthewußtsein wider. Das Wahrheitsbewußtsein des Heiden, das sich im rechten Tun äußen, wird von dem Gerichtsvorgang begleitet, der sich im Inneren des Menschen abspielt 24 • Vielleicht setzt Paulus stillschweigend voraus, daß das mosaische Gesetz aufeinen Kern reduziert werden kann, der mit dem Dekalog oder mit dem Liebesgebot (Röm 13,9) identifiziert zu werden vennag15. Sicherlich ist ein innerer Zusammenhang zwischen den hellenistischen Voraussetzungen von Röm 1,20 f. und 2,14 f. gegeben. I n heiden Fällen handelt es sich um mögliche und erfahrbare Gotteserkenntnis auf Grund der Schöpfung in der ganzen Menschheit. Ihre Existenz ist für den Apostel grundsätzlich, aber auch missionarisch bedeutungsvoll. Selbstverständlich denkt Paulus nicht daran, einen nichtchristlichen Heilsweg d1'en zu halten, als habe der Mensch von sich aus die Möglichkeit, auf Grund einer ethischen Entscheidung des Gewissens sein Leben zu bestimmen und Gottes eschatologische Anerkennung zu erlangen. Es geht Paulusja um die Widerlegung des Judentums mit Hilfe einer von ihm anerkannten eschatologischen Möglichkeit des Heidentums 26. Der relativische Anschluß ot'tL'Y€C; (vgl. 1,25.32) ist bei Paulus jedes Mal betont und wirkt.demonstrativ. V 15 führt den vorherigen Gedanken weiter. Die Heiden erweisen schon jetzt (tvbdxvuvtaL = Präsens), erst recht natürlich in der zukünftigen Enthüllung27, daß das ))Werk des Gesetzes« (= das vom Gesetz geforderte Werk) ihnen ins Herz geschrieben ist. Spricht der Grieche vom ))ungeschriebenen« Gesetz, so der Jude von dem ))ins Herz geschriebenen«21. Gott wird nachJer 31,33 einst sein Gesetz Israel ins Herz schreiben - aber hier geht es nicht um ein eschatologisches Handeln Gottes an Israel, sondern um seine gegenwärtige Bezeugung unter Heiden (Hvr)). ))Ins Herz geschrieben« ist der stärkste Ausdruck für die Unausweichlichkeit göttlicher Forderung; )~as Werk des Gesetzes« entspricht dem rabbinischen Begriff:11'~ (Str-B 111 161) und ist, allerJot V,I. den Exkun von O. Kuss: .Du in die Herzen der Heiden leschriebene Werk des Gaetzes« (.Naturgesetz und Naturrecht«). a.a.O. 72-76. KAsEMANN R 59 behaupt~t: .. Esg~ht zud~m Paulus nicht llm di~ Einordnung des Mmach~n in ein Ordnunpgd. .ige. wie naturrechdich~ Konsequenz eiDa gricc:bisc:ben Ventändnisaea annimmt. IODdern, wi~ .ich aua V. 15 ergibt, um die Kriae der Exi.t~nz .• 25 Vgl. O. Kuss, a.a.O. 75: .. Das mosaische Gesetz wird da~i vom Apostel stillschweig~nd auf ein~n Kern reduzi~rt. d~r etwa mit d~m Dekalog identisch .ein könnt~.- Ob der Begriff d~r Reduktion glücklich ist, sei dahingestellt. Es g~ht zunächst um ~in~ ZUlamm~nfassung. di~ a~r dann cin~ Radikalisi~rung mit sich bringt. 26 Für die innere Struktur der paulinischm Theologi~ wird di~ F~ wichtig, ob Paulus mit cin~r eschatologischm Gerechhprechung ~inzelner auf Grund ihrer Werk~ rechn~t oder nicht. Seit H. LIETZMANN spricht man von einem hypothetischen Gedankmgang. da Paulus grundsätzlich die Gerechtigkcit auf Grund der Werke ablehnen will. Vgl. dazu O. Kuss. a.a.O. 64. Doch löst diese Erklärung nicht das tief~rliegmd~ Problem der menschlichen Verantwonung für di~ Geschichl~. 27 tv&Cxvuo6m (Med. »erW~ism, d~n Beweis bringm-) muß p~ntisch aufg~faßl werden. w~i1 ~ sich um einen v~rborgmen. a~r gegmwänigm Vorgang handelt. Es ist nichl ratsam. unt~r d~m Eindruck von V 16 zu steh~n und dann MdxvuvtQL futurisch aufzufassen. Di~ in Frag~ kommend~ fv6ell;~ isl auch fo~nsisch g~m~int. a. Vgl. T~tluda 2O,l-5 das MOliv d~r ins Herz ~ing~lchrie~nm W~rk~; auß~rd~m IQS 10,10:
Das
eingegrabm~ Ges~tz.
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dings mit Vorbehalt, ein jüdisches Element 29 • Die Form des Satzes ist durch den Rechtscharakter seiner Umgebung geprägt. Dem Heiden wird das zugeschrieben, was der Rabbine ihm niemals zugestehen würde: man kann hier nicht von dem in die Herzen der Heiden geschriebenen Gesetz sprechen (Str-B III 89). Hat Paulus hier griechisches, besser gesagt: hellenistisches Material verwandt, dann hat er die Unausweichlichkeit der göttlichen Forderung besonders stark zum Ausdruck bringen wollen. Diese Forderung wird beim Heiden eine andere Gestalt annehmen, sie ist aber in der Bedeutung und im Inhalt mit dem mosaischen Gesetz identisch. Das mosaische Gesetz entspricht also beim Heiden der Stimme der Natur und des Gewissens, d. h. auch hier läßt sich die Stimme Gottes vernehmen. OfTenbarsetzt Paulus voraus, daß ))Naturc( und ))Gesetzcc bei Heiden in dner bestimmten Entsprechung stehen. G. Bornkamm, Gesetz und Natur (Studien zu Antike und Urchristentum, Ges. Aufsätze 2, 1959,92 O".) legt Wen darauf, daß Paulus den griechischen Gedanken der lex naturae in diesem Zusammenhang übernommen habe. Er beruft sich dabei auf die philologischen Untersuchungen von E. Norden, Agnostos Theos, 1913; M. Pohlenz, Paulus und die Stoa, ZNW 42, 1949,69 f[ und W. Kranz, Das Gesetz des Herzens, Rhein. Mus. f. Phi101. NF 94, I, 1951, 222-241. Beweiskräftig ist nach ihm I. das zusammengehörige BegrißSpaar: Natur-Gesetz; 2. die ebenfalls festgelegte Wendung: »sie sind sich selbst Gesetz«; 3. das Motiv des »)ungeschriebenen Gesetzes« und der aus griechischen Voraussetzungen verständliche Hinweis auf das Gewissen der Heiden. Alle diese Motive gehören nach G. Bornkamm traditionsgeschichtlich in den geschlossenen Zusammenhang einer griechischen, philosophischen Tradition. Im Unterschied von der Sophistik, die cpUOL; und v6tW; entgegensetzte, hat die Stoa v6f.w; als Vernunftgesetz angesehen, das die Menschheit verbindet und verpflichtet. Diese Identifikation von qroOL; und v6twc; hat in der älteren Stoa metaphysischen Sinn; man versteht hier qrom; als eine umfassende AllNatur. Erst in der mittleren Stoa (Panaitios und seine Schule) denkt man dabei an das Individuum, an die Natur des einzelnen Menschen und an seine besonderen Anlagen und Lebensumstände. Auf Grund der stoischen Identifikation von Natur und Gesetz ist der entscheidende ethische Grundsatz verständlich, daß alles sittliche Handeln die Befolgung der uns von Natur eingepflanzten Gesetze sei und in der Gottheit wurzele (H. Lietzmann). G. Bomkammfolgen: In Röm 2,14 f. geht es um die schlichte FeststeUung, daß das Gesetz Gottes Heiden und Juden kundgetan ist und beide nach ihm gerichtet werden. Zum Erweis dieser These bediene sich Paulus eindeutig der aus stoischer Tradition stammenden Gedanken der 10 naturae. Daß er sie nicht einfach im stoischen Sinn versteht, leidet allerdings keinen Zweifel. Freilich ist diese Konstruktion keineswegs beweiskräftig. Es könnte zwar sein, daß der Apostel meint: das Selbstverständnis des griechischen Philosophen ist rechtlicher Beweis dafiir, daß er vor Gott verantwortlich ist. Gott nimmt den Menschen ernst in dem, was er von sich selbst behauptet. Aber gerade das scheint doch nicht der Meinung des Paulus zu entsprechen. Er will vielmehr von einer vorg'g,bmm Nmn Gottes reden, die Tun und Schicksal des Heidentums bestimmt. Der Ankläger weist die Verantwonlichkeit des Angeklagten auf und spricht in rechtlicher Denkform, nicht in spekulativer überlegung. In Röm 2,14 f. spricht nicht ein griechischer Philosoph, sondern einjude, der Heidenmissionar wurde. Diese Sätze müssen also in den Zusammenhang des Z9'(0 fQyov 'tOÜ v6J,lou ist der konkrete Vollzug des Gebotes, das aus der GebolSerfüllung stammende Werk. Das Rabbinat hat diesen Begriffnichl ausgebildet, und die Paulus entsprechende Formulimmg begegnet nur in der ApkBar. Dieser Tatbestand ist auffallend (vgl. Str-B 111 161).
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jüdisclrm Hellmismus eingeordnet werden, zumal jüdische, sogar rabbinische Elememe auch hier immer wieder sichtbar werden (das ins Herz geschriebene Gesetz, das Werk des Gesetzes, die Dreizahl der Zeugen). Es ist auch beachtlich, daß Paulus nicht die Natur zum Ausgangspunkt macht, sondern allein Gott selbst, der nach altbiblischem Vorbild auf Tafeln und in Herzen schreibt (qr60EL ist lediglich beigeordnet). Tatsache ist aber, daß nachjüdisclrn Ob"litftrU1ll das mosaische Gesetz in der Patriarchenzeit zwar ungeschrieben, doch allgemein bekannt war. Die Werke der Gesetze (opera praeceptorum) wurden damals schon getan. Der Glaube an das zukünftige Gericht wurde damals schon geboren. Die Hoffnung auf Erneuerung der Welt wurde damals auferbaut; don wurde auch die Verheißung des Lebens gepflanzt (siehe ApkBar 57,2). Wie die übertretung Adams Tod und Trübsal nach sich zieht, so liegen im Ursprung Abrahams die zukünftigen Heilsprozesse (= helles Wasser). Die Patriarchenzeit war der Ursprung der eschatologischen Erwartung. Ähnlich denkt auch das ganze Neue Testament. Hellenistischer klingt es, wenn nach Philo Abraham das göttliche Gesetz und die Gebote gehalten hat, und zwar nicht vom Geschriebenen belehn, sondern kraft der unge$chriebenen Natur danach eifernd, den gesunden und von aller Krankheit unberühnen Antrieben zu folgen (de Abr. 275 f.). Abraham ist das VfJ1bild des Gehorsams, der dem ungeschriebmen Gebot folgt. Man wird nicht umhin können, gewisse rabbinische Zusammenhänge zu nennen. Daß es von Anfang an Grundgebote Gottes für die ganze Menschheit gab (adamitische und noachitische Gebote), die den Bestand der Menschheit sichern, wird in zahlreichen Traditionen gelehrt (Str-B 11136 f.). Damit wird die Verantwonlichkeit des Heidentums festgehalten, von der auch das Alte Testament zeugt. Daß sich die Menschen nach diesen Grundgeboten Gottes nicht richteten, ist ihre Schuld. Vor allem ist auch an die Proselyten zu denken, die Gottes Gebote unter den Völkern halten. Paulus greift aber jetzt eine stoisch-philosophisclrt Trtulilion des Griechent ums auf (H. Lietzmann), die geeignet ist, escha talogisches Gewicht in sich aufzunehmen. Er bestätigt nicht das heidnische Selbstbewußtsein, sondern er stellt die Verantwortlichkeit des Heidentums heraus. Daß es sich in diesem Zusammenhang um wirkliche Heiden handelt (die aber vielleicht unter dem Einfluß des Diasporajudentums stehen), ist weithin in der Exegese anerkannt. Daneben aber findet sich eine auf Augustin zurückgehende zweite Auslegung, die an Htidmchristm denkt. In seinen antipelagianischen Schriften (de spiritu et littera 2fr28; contra J ulianum 4,23-25) vertri tt er die These, die litvT) seien Heidenchristen, die im begnadeten Zustand ihrer .)Natur« zur Erkenntnis und Erfüllung des Gesetzes kommen. In der Gegenwart findet sich die gleiche Deutung zunächst bei W. Mundle, Zur Auslegung von Röm 2,130:, ThBI 13, 1934, 249-256; K. Barth, Die kirchliche Dogmatik 12, 3. Aufl. 1945.332; F. Flückiger, Die Werke des Gesetzes bei den Heiden (nach Röm 2,14 ff.), ThZ 8, 1952, 17-42. Wo diese These vertreten wird, erscheinen die Heidenchristen im Licht der Gerechten, die als Täter des Gesetzes das Gesetz erfüllen. Im allgemeinen wird diese These von der gegenwärtigen Exegese als gekünstelt zurückgewiesen 30• Häufig werden die Sätze des Paulus hypothetisch verstanden: Die Täter des Gesetzes werden gerecht gesprochen werden (2,13). Dieser Grundsatz gilt sowohl für dieJ uden, die sich des Gesetzes rühmen, wie auch für die Heiden, die in ihrem Herzen auf Grund der Natur die Forderung Gottes vernehmen (2,14 f.). Die Heiden haben also die gleichen Möglichkei ten, das ewige Leben zu erwerben wie die Juden (2,fr 11), aber diese Möglichkeiten sind lediglichfzktiv und irreal, da alle Menschen in Wirklichkeit unter der Sünde stehen, und deshalb keine Berufung aufirgendwelchen Gehorsam gültig ist (3,20). Diese hypothetische Deutung kann sich auf2,26 berufen (.)wenn ... ee), darf aber nicht auf2, 14 ff. 30
Vgl. O. Kuss R 70 f.; P.
ALTHAUS
R 2'1.
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übenragen werden: 2,14 0: will keine Fiktion sein. Paulus rechnet damit, daß Heiden Gehorsam gegen die Forderung Gottes wirklich vollziehen. Dann entsteht das Problem nach dem Verhältnis von 2,14 tT. zu 3,20: grundsätzlich gilt, daß im eschatologischen Gericht jeder nach seinem Werk gerichtet wird (2,6). Der Gehonam gegen die Forderung Gottes bleibt nicht unbelohnt; der Ungehorsam gegen das götdiche Gebot bleibt nicht ohne Strafe. Und doch geht es im eschatologischen Gericht nicht bloß um den konkreten Gehonam im einzelnen, sondern auch um die unermeßliche Forderung des Gesetzes, an der jeder Mensch schuldig ist: an diesem Punkt ist jeder Mensch allein auf die Gnade Gottes angewiesen. Die paradoxe Spannung zwischen der Verantwonlichkeit des Menschen und der götdichen Gnade wird bei Paulus durchgehalten. Hat nun Paulus ein natürliches Sittengcsetz oder ein Naturrecht bei Heiden vorausgesetzt? Man muß diese Fragestellung mit großer Vorsicht behandeln, denn dem Apostel kommt es auf gar keinen Fall darauf an, von griechischen oder hellenistischen Voraussetzungen aus einen Ansatzpunkt rur das theologische Denken festzulegen. Grundsätzlich geht er von der Gültigkeit des mosaischen Gesetzes aus, und das den Heiden verpflichtende Gebot Goltes ist ein AMIogo1l zum mosaischen Gesetz. Es kommt Paulus hier nicht aufirgendeine Würde des natürlichen Menschen an, auch nicht auf»Funktionen, Fähigkeiten, Begabungen des Menschen als Menschen« (so o. Kuß), sondern auf den Anspruch Gottes und das Tun des Menschen3l • 11 F. FLOCKIGER, Die Werke des Gesetzes bei den HOden (ThZ 8, 1952, 17-42), nimmt an, daß Paulus sich mit einem jüdischen Anspruch auseinandersetzt, wie er in Sap 15,2-3 vorliegt: .Wenn wir auch sündigen, so bleiben wir doch dein, denn wir kennen deine Herrschaft. Weil wir aber wissen, daß wir zu den Deinigen gerechnet werden, wollen wir nicht sündigen. Denn dich kennen ist eine vollkommene Gerechtigkeit, und deine Herrschaft wissen ist die Wurzel der Unsterblichkeit.oe Es geht Paulus nicht nur um eine Abwehr eines jüdischen Anspruchs, sondern auch um eine Widerlegung einer bestimmten Auslegung der alttestamentlichen Botschaft. Solange die jüdische Auffassung von Gericht und Verheißung zu Recht besteht, ist dem Evangelium der Weg versperrt. Die Forderung des Alten Testaments heißt: Gehonam, aber Paulus radikalisiert sie durch das Motiv: .kein Ansehen der Person ... Aufdiese Weise wird der jüdische Vorzugsgedanke ausgeschlossen. Auch der andere Satz des Alten Testaments: .Nur der Täter des Gesetzes wird gerechtgesprochenoe wird von Paulus bejaht und bedarf seiner Auslegung, wenn daneben der Satz der Glaubmsgem:htigkeit Gülligkeil haben soU: .Nur der Glaubende wird gerechtgesprochen ... F. FLOCKIGER nimml nun an, daß die Glaubensgerechtigkeit die Erfüllung des Gesetzes, der Dienst des Geistes in Christus der wahre Gehonam sei; der prozeß der Scheidung der Menschen im Gericht kann sowohl aluestamentlich wie neuleslamenllich verstanden werden. tt! toü v6J.tou darf nach F. FLOCKIGER nicht kasuistisch vers landen werden: .. Einiges von dem, was das Gesetz befiehlt.ce Es handelt sich also nicht um das Zugeständnis, daß z.B. auch Heiden das Gebot, die Eltern zu lieben, erfüllen können. Ein kasuistischer Gehonam ist sowohl im Heidentum wie auch imJudenlum möglich, kann aber nicht als voller Gehonam und als Beständigkeit im Trachten nach gölllicher Anerk~nnung verstanden werden. Es geht um das vom Gesetz verlangte Vollwerk. cpUoEL kann entweder bedeuten: .von sich aus- (= von selber) oder .aIt solche- (= ohne Gesetz). LetzIlich ist gemeint, daß die Liebe des Gesetzes ErftiUung ist. Man wird in der Auseinandersetzung mit dieser auf Augustin und M. LUTHER sich berufenden Exegese daran festhalten müssen: Es gehl um eine eschatologische Möglichkeit, die an der Grenze allen menschlichen Seins immer wieder auftauchen kann. Zur Literatur vgl. F. FLOCKIGER, Die Werke des Gesetzes bei den Heiden, ThZ 8, 1952, 17-42; O. Kuss. Di(' Heid~n und die Werke des Gesetzes (nach Röm 2,14-16), MThZ 5, 1954, 77-98; J. B. SoutEK, Röm 2,140: in ..Antwon- (Barlh-Feslschrift), 1956, ~113; B. REICKE, NatürlicheTheologie nach Paulus, Svensk Exegetisk Anbok 22-23, 1957-58, 154-167; den., Syn~idesis in Röm 2,15, ThZ 1:1, 1956, 157-161; A. WALKER, Die Heiden und das Gerichl, EvTh 20, 1960, 302-314; G. 8oRNKAMM, Gesetz und Natur, Ges. Aufsälu 2, 1959, 9~118.
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tO lQ'YO'Y tOO v6f.WU (Sing.!) ist bei Paulus eine auffallende Wendung (weniger befremdlich wäre der Plural). Er denkt sicherlich nicht ausdrücklich an Jer 31,33, obwohl sich äußerlich in der Ausdrucksweise eine Ähnlichkei t feststellen läßt. Aber dort geht es um Gottes eschatologische Verheißung an Israel, hier um griechisch-hellenistische Würdigung des Heiden, der eine Analogie zum mosaischen Gesetz in seinem Herzen wiederfindet. Die ins Herz geschriebene Forderung des Gesetzes, das Gewissen und die Gedanken, die einander anklagen oder auch verteidigen, bilden eine Dreiheit von Zeugen, die dem Zeugenrecht des Alten Testaments entspricht (Dt 17,6; 19,15). Aufdem ersten Zeugen liegt allerdings wohl der Hauptton. Oder sollte in der Aufzählung nur von zwei Zeugen die Rede sein und das xa( in V 15c erläuternden Sinn haben: Das Gewissen würde dann eng mit den verklagenden und veneidigenden Gedanken zusammengehören; nachdem die Tat geschehen ist, wird sie der Kritik des Gewissens unterworfen. Die Gedanken könnten einander verteidigen und anklagen, könnten aber auch U neile sein, die im Verkehr der Menschen unter~inander gefällt zu werden pflegen. Es ist nicht leicht, diese Dreiheit der Zeugen zu analysieren oder ihr Verhältnis zueinander zu bestimmen, da sie in Wirklichkeit ein einheitliches Zeugnis ablegen (cru~J1(lQt\lQEiv32). Das »Gewissen« (cruvdÖYJOL~) ist auf das Gesetz Gottes (sonst auch auf die Norm des Evangeliums) ausgerichtet und ist ein Ausdruck dafür, daß der Mensch in jeder Situation sich vor dem Urteil Gottes verantwortlich weiß. Das Alte Testament kennt zwar das Phänomen des Gewissens seit uralter überlieferung (z.B. Gen 3,8; 4,13 f.), hat aber Mühe, es begrifllich und funktionsmäßig in seinem Eigengewicht verständlich zu machen. Seine bildhafte und konkrete Ausdrucksweise, seine Möglichkeiten, diesen entscheidenden Tatbestand zu beschreiben, sind grundsätzlich anzuerkennen (vgl. auch Scham, Schuldbewußtsein, Selbstrechtfertigung, Selbstbehauptung) . Das »Herz« ist als Sitz des »Gewissens« verstanden ( I Sam 24,6; 2Sam 24, I 0), und damit ist für die Folgezeit eine bestimmte Redeweise festgelegt. Im Rabbinat tritt die Lehre von den heiden Trieben an den Ort, der den ethischen Konflikt beschreibt; der »gute Trieb« treibt den Menschen zu allem Guten an, wie der »böse Trieb« ihn zu Fall zu bringen versucht. TesrJud 20 spricht von zwei Geistern, die um den Menschen kämpfen, dem Geist der Wahrheit und dem Geist des Irrtums; zwischen beiden steht die Einsicht des Ventandes. Er kann sich dahin neigen, wohin er will. In das Herz des Menschen werden eingeschrieben der Wahrheit und des Truges Werke, so daß der Mensch sich nicht verbergen kann. Vor dem eigenen Herzen wird der Sünder rot und kann zum Richter nicht sein Antlitz erheben. Noch stärker hellenistisch ist die Beschreibung des »Gewissens« bei Philo (0\.IVe~, lleyx~). Wenn wir durch unser Gewissen der eigenen Sünden überfUhrt sind, sollen wir zu Gott flehen, er möge uns strafen; er wird uns dann helfen, indem er den zurechtweisenden Tadel, sein eigenes Wort, in unsere Seele entsendet, durch das er sie um ihrer Sünden willen schmäht und schilt und retten wird (quod. det. pot. ins. 32 O\I~QEiv heißt eigentlich: »mitbe-~eugen«, dann »bestätigen •• , »Zeugnis ablegen«. Entweder CI ist gemeint, daß das Zeugnis des Gt'wissens mit dem der Personen im Einklang steht, oder es handelt sich um t'ine feststehende Wendung mit einer Aufzählung von Zeugen wie in Röm 9,1, wo dieselbe Form wiederkehn. Man achte auf das vorangestellte auuiw. BARltETTR 53 legt ebenfalls Gewicht auf das ente Glied; das Gewissen stimmt mit dem Gesetz überein und äußert sich in bestimmten Gedanken.
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sol. 46). Der Geist des Menschen ist Zeuge dessen, was er im Verborgenen plant, er ist der unbestechliche und aUeruntrüglichste überführer (poster. C. 59). Auch bei Philo ist das Gewissen der On, an dem sich ein forensischer Kampf abspielt; es ist daher Zeuge, Ankläger und Richter. Das jüdische Element bezieht sich dann auf das richtende Won Gottes, das hellenistische Element auf die kritische Funktion des menschlichen Geistes (voiJ~). Für Philo sind aber diese heiden Beziehungspunkte des Gewissens keineswegs gegensätzlich verstanden. Die begrißliche Fassung des Gewissens entfaltet sich im Hellenismus unter philosophischem Einfluß (Sextius; vgl. Seneca, de ira 3,36), wobei vielleicht die Gewissenserforschung zuletzt von den Pythagoreern übernommen wurde. Es bleibt unsicher, ob Paulus sich über das hellenistische Judentum den Begriff des nGewissenscc angeeignet hat (was an sich wahrscheinlich ist) oder ob unmittelbar Einflüsse griechischer Philosophie an ihn gelangt sind33• Jeder Mensch steht nach Paulus vor einer göttlichen Forderung, die sich unabhängig von seinem Wollen und Handeln, aber auch gegen sein Wollen und Handeln in seinem Herzen behauptet. Auch jeder Heide weiß um diese Unterscheidung von Gut und Böse, von Recht und Unrecht, sowie um die Notwendigkeit, sich vor Gott zu verantwonen. Das mosaische Gebot hat also seine Analogie im Gewissen des Menschen, das Gottes Forderung durchaus kennt. Man kann schwerlich entscheiden, ob Paulus von der Offenbarung Gottes in Jesus Christus her den Inhalt des Gewissens auf den Dekalog reduziert oder an eine Bestätigung der noachitischen Gebote denkt. Daß er den Inhalt des Gewissens nicht scharf abgrenzt, ist bezeichnend. Ihm kommt es mehr auf das Phänomen der Verantwonlichkeit grundsätzlich an als auf eine deutliche inhaltliche Bestimmung. Vielleicht d~ man darauf hinweisen, daß das ~~Gewissencc als Norm auch im Christenstand durchaus lebendig sein muß, ja, daß es den Wandel in der Gemeinde immer wieder bestimmen muß. Allerdings ist sein Uneil inhaltlich keineswegs allgemein festliegend, sondern es kann verschieden reagieren.
Die Gedanken (AoYI.OJ.'O() hängen offenbar mit dem Gewissen zusammen und stellen im Bewußtsein des Menschen ein Abbild des göttlichen Gerichtes dar, indem sie sich untereinander anklagen oder verteidigen 34 • Der angeschlossene Re33 Das >lGewissencc (t'! ouvE(b1lOU;) steht im Neuen Testament nicht auf sich selbst, sondern ist Ausdruck einer Verantwonung vor Gou. Der Begrifffehlt im Alten Testament ganz, allerdings nicht die Sache. In der LXX begegnet OUVEtbt)oU; in Eccl 10,20; Sap 17,10. Bei den Griechen findet sich häufiger tO OUVE~, ebenso bei Philo. Bei Paulus fehlt eine adjektivische Bestimmung in den älteren Briefen (gutes, reines, böses Gewissen). Zur Geschichte des Begriffes vgl. M. KAHLER, Das Gewissen, 1878; R. STEINMETZ, Das Gewissen bei Paulus, 1911; H. BoHLtG, Das Gewissen bei Seneca und Paulus, ThStKr87, 1914, 1-24; F. TILLMANN, Zur Geschichte des Begriffs ••Gewissencc bis zu den paulinischen Briefen, Festschrift S. Merkle, 1922, 33~347; F. ZUCKER, Syneidesis-Conscientia, 1928; TH. ScHNEIDER, Der paulinische Begriffdes Gewissens (Syneidesis), Banner Zeitschr. f. Theol. u. Seelsorge 6, 1929, 193-211; den., Die Quellen des paulinisehen GewissensbegrifTes, ebd. 7, 1930,97-112; H. OSBORNE, l:uvd6TJOt;,JThSt 32,1931, 167-179; C. SrtcQ, La consciencedans le NT, Revbibl47, 1938, 50-80 1J. DUPONT, Syneidesis aux origines de la notion chretienne de conscience morale, Studia Hellenistica 5, 1948, Il~153;C. A. PIERCE, Consciencein the NT, 1955; B. REICKE, Syneidesis in Röm 2,15, ThZ 12, 1956, 157-162; außerdem den Exkurs von O. Kuss, Das Gewissen (R 76-82). ouvU6rt~ gehön als Begriffin die griech. PopularphilosophiG und beschreibt den an den Menschen gerichteten Anspruch, dem er sich stdlen muß. Nur dann, wenn dieser Anspruch von außen gebön und ernstgenommen wird, kann das Menschsein bewahn werden. Gebet und Gebot tragen du ursprüngliche Wissen des Menschen. 34 Nach R. BULTMANN, Glossen im Römerbrief(ThLZ 72,1947,201) soU man 1. an den Gesetzesgehonam, 2. an das Gewissen, 3. an die von Paulus gefiihne Diakuaion denken. ~ können sowohl nGedanken« als auch »Argumente« sein. KAsEMANN R 61 [ spricht von dem transzendenten
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Ocr Richter und der Maßstab des Gerichtes
'tO lQ'yov'toü v6f.Wu (Sing.!) ist bei Paulus eine auffallende Wendung (weniger befremdlich wäre der Plural). Er denkt sicherlich nicht ausdrücklich an Jer 31,33, obwohl sich äußerlich in der Ausdrucksweise eine Ähnlichkeit feststellen läßt. Aber dort geht es um Gottes eschatologische Verheißung an Israel, hier um griechisch-hellenistische Würdigung des Heiden, der eine Analogie zum mosaischen Gesetz in seinem Herzen wiederfindet. Die ins Herz geschriebene Forderung des Gesetzes, das Gewissen und die Gedanken, die einander anklagen oder auch verteidigen, bilden eine Dreiheit von Zeugen, die dem Zeugenrecht des Alten Testaments entspricht (Dt 17,6; 19,15). Aufdem ersten Zeugen liegt allerdings wohl der Hauptton. Oder sollte in der Aufzählung nur von zwei Zeugen die Rede sein und das xa( in V 15c erläuternden Sinn haben: Das Gewissen würde dann eng mit den verklagenden und verteidigenden Gedanken zusammengehören; nachdem die Tat geschehen ist, wird sie der Kritik des Gewissens unterworfen. Die Gedanken könnten einander verteidigen und anklagen, könnten aber auch U rteHe sein, die im Verkehr der Menschen unter~inander gefällt zu werden pflegen. Es ist nicht leicht, diese Dreiheit der Zeugen zu analysieren oder ihr Verhältnis zueinander zu bestimmen, da sie in Wirklichkeit ein einheitliches Zeugnis ablegen (O'UJlJlaQ'tUQELV 32 ). Das »Gewissen ce (O'UvdÖT)mc;) ist auf das Gesetz Gottes (sonst auch auf die Norm des Evangeliums) ausgerichtet und ist ein Ausdruck dafür, daß der Mensch in jeder Situation sich vor dem Urteil Gottes verantwortlich weiß. Das Alte Testament kennt zwar das Phänomen des Gewissens seit uralter überlieferung (z.B. Gen 3,8; 4,13 f.), hat aber Mühe, es begrifllich und funktionsmäßig in seinem Eigengewicht verständlich zu machen. Seine bildhafte und konkrete Ausdrucksweise, seine Möglichkeiten, diesen entscheidenden Tatbestand zu beschreiben, sind grundsätzlich anzuerkennen (vgl. auch Scham, Schuldbewußtsein, Selbstrechtfertigung, Selbstbehauptung). Das »Herzcc ist als Sitz des )~enscc verstanden (1 Sam 24,6; 2Sam 24,10), und damit ist für die Folgezeit eine bestimmte Redeweise festgelegt. Im Rabbinat tritt die Lehre von den heiden Trieben an den Ort, der den ethischen Konflikt beschreibt; der »gute Triebcc treibt den Menschen zu allem Guten an, wie der »böse Triebcc ihn zu Fall zu bringen venucht. Tes\Jud 20 spricht von zwei Geistern, die um den Menschen kämpfen, dem Geist der Wahrheit und dem Geist des Irrtums; zwischen heiden steht die Einsicht des Verstandes. Er kann sich dahin neigen, wohin er will. In das Herz des Menschen werden eingeschrieben der Wahrheit und des Truges Werke, so daß der Mensch sich nicht verbergen kann. Vor dem eigenen Herzen wird der Sünder rot und kann zum Richter nicht sein Anditz erheben. Noch stärker hellenistisch ist die Beschreibung des ))Gewissenscc bei Philo (auvE~, lMyx~). Wenn wir durch unser Gewissen der eigenen Sünden überführt sind, sollen wir zu Gott flehen, er möge uns strafen; er wird uns dann helfen, indem er den zurechtweisenden Tadel, sein eigenes Wort, in unsere Seele entsendet, durch das er sie um ihrer Sünden willen schmäht und schilt und retten wird (quod. det. pot. ins. u O\IJlJIQQ't\.IQEiv heißt eigentlich: .. mitbneugen«, dann .. bestätigen«, .. Zeugnis ablegen ... Entweder es ist gemeint, daß das Zeugnis des Gewissens mit dem der Penonen im Einklang steht, oder es handelt sich um eine feststehende Wendung mit einer Aufzählung von Zeugen wie in Röm 9,1, wo dieselbe Form wiederkehrt. Man achte auf das vorangestellte aimöv. BARRETrR 53 legt ebenfalls Gewicht auf das erste Glied; das Gewissen stimmt mit dem Gesetz überein und äußert sich in bestimmten Gedanken.
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sol. 46) . Der Geist des Menschen ist Zeuge dessen, was er im Verborgenen plant, er ist der unbestechliche und alleruntrüglichste überführer (poster. C. 59). Auch bei Philo ist das Gewissen der Ort, an dem sich ein forensischer Kampf abspielt; es ist daher Zeuge, Ankläger und Richter. Das jüdische Element bezieht sich dann auf das richtende Wort Gottes, das hellenistische Element auf die kritische Funktion des menschlichen Geistes (voü~). Für Philo sind aber diese beiden Beziehungspunkte des Gewissens keineswegs gegensätzlich verstanden. Die begriftliche Fassung des Gewissens entfaltet sich im Hellenismus unter philosophischem Einfluß (Sextius; vgl. Seneca, de ira 3,36), wobei vielleicht die Gewissenserforschung zuletzt von den Pythagoreern übernommen wurde. Es bleibt unsicher, ob Paulus sich über das hellenistische Judentum den Begriff des »Gewissens« angeeignet hat (was an sich wahrscheinlich ist) oder ob unmittelbar Einflüsse griechischer Philasophie an ihn gelangt sind33• Jeder Mensch steht nach Paulus vor einer göttlichen Forderung, die sich unabhängig von seinem Wollen und Handeln, aber auch gegen sein Wollen und Handeln in seinem Herzen behauptet. Auchjeder Heide weiß um diese Unterscheidung von Gut und Böse, von Recht und Unrecht, sowie um die Notwendigkeit, sich vor Gou zu verantworten. Das mosaische Gebot hat also seine Analogie im Gewissen des Menschen, das Gottes Forderung durchaus kennt. Man kann schwerlich entscheiden, ob Paulus von der Offenbarung Gottes inJesus Christus her den Inhalt des Gewissens auf den Dekalog reduziert oder an eine Bestätigung der noachitischen Gebote denkt. Daß er den Inhalt des Gewissens nicht scharf abgrenzt, ist bezeichnend. Ihm kommt es mehr auf das Phänomen der Verantwortlichkeit grundsätzlich an als auf eine deutliche inhaltliche Bestimmung. Vielleicht darf man darauf hinweisen, daß das )>Gewissencc als Norm auch im Christenstand durchaus lebendig sein muß, ja, daß es den Wandel in der Gemeinde immer wieder bestimmen muß. Allerdings ist sein Urteil inhaltlich keineswegs allgemein festliegend, sondern es kann verschieden reagieren.
Die Gedanken (AoyL0J10() hängen offenbar mit dem Gewissen zusammen und stellen im Bewußtsein des Menschen ein Abbild des göttlichen Gerichtes dar, indem sie sich untereinander anklagen oder verteidigen 34 • Der angeschlossene ReII Das "Gewissen« ('i\ ouveUn)oa.;) steht im Neuen Testament nicht auf sich selbst, sondern ist Ausdruck einer Verantwortung vor GOll. Der Begrifffehlt im Alten Testament ganz, allerdings nicht die Sache. In der LXX begegnet ouvelbl}oLC; in EcclIO,20; Sap 17,10. Bei den Griechen findet sich häufiger lO OUVE~, ebenso bei Philo. Bei Paulus fehlt eine adjektivische Bestimmung in den älteren Briefen (gutes, reines, böses Gewissen). Zur Geschichte des Begriffes vgl. M. KAHLER, Das Gewissen, 1878; R. STEINMETZ, Das Gewissen bei Paulus, 1911; H. BoHLlG, Das Gewissen bei Seneca und Paulus, ThStKr 87. 1914, 1-24; F. TILLMANN. Zur Geschichte des Begriffs atGewissen« bis zu den paulinischen Briefen, Festschrift S. Merkle. 1922.336-347; F. ZUCKER, Syneidesis-Conscientia, 1928; TH. ScHNEIDER, Der paulinische Begriff des Gewissens (Syneidesis), Bonner Zeitschr. r. Theol. u. Seelsorge 6, 1929, 19l-211; den., Die QueUen des paulinischen Gewissensbegriffes, ebd. 7, 1930,97-112; H. OSBOR.II/E,l:uvt:L61')OL~,JThSt32, 1931, 167-179; C. S'ICQ, La consciencedans le NT, Revbibl47, 1998. ~I J. DUPONT, Syneidesis aux origines de la notion chretienne de conscience moraJe, Studia Hellenistica 5,1948, I 19-153;C. A. PIERCE, Consciencein the NT, 1955; B. REICKE. Syneidesis in Röm 2,15, ThZ 12, 1956, 157-162; außerdem den Exkun von O. Kuss, Das Gewiuen (R 76-82). CJUYe(bwp.~ gehön als BcgrifI'in die griech. PopularphilosophiG und beschreibt den an den Menschen gerichteten Anspruch, dem er sich stellen muß. Nur dann, wenn dieser Anspruch von außen gehört und ernstgenommen wird, kann das Menschsein bewahn werden. Gebet und Gebot tragen du ursprüngliche Wissen des Menschen. l4 Nach R. BULTMANN,Glouen im Römerbrief(ThLZ 72,1947,201) soU man 1. an den Gesetzesgehorsam, 2. an du Gewissen, 3. an die von Paulus gefiihne Diskuaion denken. ÄDyUJJ.IO( können sowohl »Gedanken« als auch »Argument~ sein. KAsEMANN R 61 { spricht von dem transzendenten
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Der Jude im Gericht
lativsatz V 16 bezi~ht sich eind~utig auf das jüngste G~richt und macht hier ein~n luUun7ulm Eindruck. Man muß vi~lI~icht rin~n Zwischengedanken einschieben: ))dies~r verborgen~ Tatbestand wird am Tage des Gerichts aufgedeckt, nämlich dann, wenn Gott die V~rborgenheit der Menschen richten wird, wie ich es in mein~m Evang~lium durch Jesus Christus verkündige«. N~hmen wir die Ursprünglichkeit eines derartigen Zusamm~nhangs an, dann ist sich Paulus bewußt, in den vorangegangenen Versen 12-15 eine kühne und anstößige Aussage g~macht zu haben, die den Widerspruch des Judentums hervorrufen muß. Er kann in dies~r Auseinand~rsetzung sich nur auf di~ eschatologisch~ Herausstellung d~r Wahrh~it beruf~n, und er tut es in ~in~r fei~rlichen, autoritativen Aussage35 • ÖUI XQLOtO'Ü 'ITJOO'Ü gehört sein~r St~lIung nach in di~ sachliche Nähe von 'to EUayytA.a.ov: ))durch m~in Evangelium, das mir durchJesus Christus aufg~trag~n istcc. And~rs wä~ d~r V~rsuch, ÖLC'i XQLOto'Ü '1'100'Ü aufXQ(VEL zurückzubezi~h~n: ))wobei Christus am jüngsten Tage Richter sein wirdcc. xa'tß 'to roayyG.L6v ....oo findet sich in feierlichen Zusammenhängen (Röm 16,25; 2Tim
2,8). Röm 2,17-29: Der Jude im Gericht 17WeDJI du dich aber ltOIz eiDm Juden DeDDII, dich auf du Gaea verWk uad dich Gottee rü hm_, li_iDen Willen kemut uad zu prifm ventelut, wonuf a .n....mt, weil du ... dem Gaetz unterrichtet bOt, "wmn du dir zutraut, ein Führer der BliDclm zu leiD, ein Ucht derer, die in der Finlterni8 lind, 20ein Er· zieher der Unweisen, ein Lehrer der Unmündipn, weil du die GataltuDl der Er· kematni. und der Wahrheit im Gesetz halt - 21 DUß, der du dm uaderea lehnt, belehnt du dich Hlb.t Dicht? Der du verlriindipt: Nicht .tehlmJ du stiehlst? 12 Der du den Satz au&tellst: Nicht ehebrechenJ du briclut die Ehe? Der du die Götzen venbecheut, du berauba ihre Tempel? 21 Du, der du dich da GeIetIeI rühmst, schindat du durch die VbertietuDl da GaeaeI Gott? 24 Wird doch der Name Gottee um euretwillen unter den Heiden verUi8ten, wie pKluiebeD ItebL
Anlpruch, den der Men.m ltaU aUi der Tora in der eigenen Exiatmz eriähn, von der reactio der Selbeduitik und der Dialektik über lieh selbst. Diesen Kriterien muß er sich lleUen, er kann sie nicht zum Schweigen bringen, und er Iteht in der gleichen AUleinandersetzung wie lpäter der Mensch nach Röm 7,7 ff. Die antike Tragödie und die hellenistische Erönerung des Gewiaaeßlprobleml können als Vorauaetzungen dieser pauliniscben Beschreibung angesehen werden. l5 Es wäre natürlich eine Erleichterung, wenn man Mdxwvtm (V 15) und XO(VEl (V 16) einheitlich futurisch verstehen könnte. A~r in diesem Fall ü~rsieht man den engen Zusammenhang zwischen V 14 und V 15. Man hat auch V 14-15 als eine Parenthese angesehen und V 13 mit V 16 zusammengezogen (SAHDAy-HEADLAM, C. H. DooD) oder V 14-15 geslrichen U. WEISS). Wicderandere Ausleger denken bei V 16 an du gegenwärtige Gericht, das sich in der Predigt wUzieht (CHL V. HOFMANN, H. E. Wuu). R. BULTMANN sieht in Röm 2,16 eine Interpolation, die vieUeicht aufden Redaktor der Schlußliturgie (Röm 16,25-27) zurückgeht. Die ltilistischen Schwierigkeiten in Ußlerem Zusammenhang lind Ichwerlich lösbar. Wichtig ilt die Zusammenfassung KAuMANNR 63 (BAUElTR 53 f.): V 15 projiziert Apokalyptik in die Anthropologie. V 161chützt diesen Tatbestand, führt sogar zu einem Höhepunkt. Der Mensch ist daraufhin ansprechbar. Paulus setzl sogar leine Autorität gerade hier ein. Die Verkündigung des Gerichtl gehört notwendig zum Evangelium, und jede urchristliche Millionspredigt verbindet sich gleichzeitig mit der Gerichtsansage.
Röm 2,17-29
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Beschneidung hat gewiß ihren Nutzen, wenn du du Gesetz hälut; wenn du aber Obertreter des Gesetzes bist, dann ist deine Beschneidung zur Unbeschnittenheit geworden. 26Wenn aber ein Uabeschnittener die Satzungen des Gesetzes hält, wird ihm dann nicht seine Unbeschnittenheit ab Bachneidung anprechnet werden? 27Und es wird der leiblich Unbeschnittene, der aber du Gesetz erfüllt, Richter sein über dich, der du trob geschriebenem Gesetz und Beschneidung ein Obertrete!' des Gesetzes bist. 28 Denn nicht deJjen\ge ist ein Jude, der sieh öffentlich dafür ausgibt, auch ist du nicht die rechte Beschneidung, die am Fleisch geschieht und sich als Beschneidung ausgibt, 29 sondern der ist ein wahrer Jude, der es im Verborgenen ist, und das ist eine wahre Beschneidung, die am Henen geschieht durch den Geist und nicht durch den geschriebeDen Buchsaben. Du ist ein Jude, dessen Lob nicht von MeDIChen, sondern von Gott kommt. Anaryse: Mit Röm 2,17 wendet sich Paulus ausdrücklich an den Juden, und zwar an den Verkündiger des Gesetzes unter den Heiden. Der an 2,1-16 sich eng anschließende Abschnitt 2,17-29 nimmt jüdische Anschauungen auf und überwindet sie durch die Radikalisierung des Gerichtsurteils, das Paulus als Verkündiger des Evangeliums über das Judentum ausspricht. Damit wird dieser Abschnitt zum Gegenstück von Röm 1,18-32, in dem das Gericht über den Heiden ausgesprochen wird. Man kann zwei Unterteile feststellen, die sich schon im Ton voneinander unterscheiden: 2,17-24 klingt rhetorisch-dialektisch (vgl. die häufige Frageform), 2,2>-29 ist mehr lehrhaft-thetisch 1• Im ersten Unterteil steht der Vorzug des Gesetzes im Vordergrund, im zweiten dagegen die Beschneidung. Der Unterteil 2,17-24 ist letztlich ein einheitliches Satzgefüge. Paulus beginnt zunächst mit aneinandergefügten Bedingungssätzen (5 Glieder mit nachgestellter Partizipial bestimmung) , dann bricht er ab (Anakoluth) und setzt mit einer neuen Aufzählung ein, die aus unverbundenen Substantiven besteht (4 Glieder), aber auch in einer nachgestellten Partizipialkonstruktion endigt. Die anschließenden Fragesätze (oder Ausrufe) ersetzen eigentlich den Nachsatz. Sie bestehen vielleicht aus 5 (bzw. bei einer Ablösung von V 23 aus 4) Gliedern. M. J. Lagrange und H. Lietzmann sehen in V 23.24 den logischen Abschluß, wobei V 23 keine Frage, sondern eine Aussage wäre. Der zweite Unterteil 2,2>-29 beginnt zunächst mit einer prägnanten These (2,25a), die durch die folgenden tav-Sätze auf das Verhältnis von Heidentum und Judentum ihre Anwendung findet. Mit den entscheidenden Thesen 2,28-29, die als solche schon am Stil erkennbar sind, erreicht dieser Unterteil seinen Höhepunkt und Abschluß, der auch äußerlich durch den Hinweis auf Gott selbst gekennzeichnet ist. Exegese: In dem besonders lebhaften und kunstvoll aufgebauten Abschnitt sieht sich Paulus dem jüdischen Gesetzeslehrer gegenüber. Er schildert ihn mit den Ausdrücken der Würde und des Selbstbewußtseins, die der Schriftgelehrte 15 Die
1 V gl. R. BUL TM A.'liN , Der Stil der paulinischen Predigt und die kynisch-stoische Diatribe, 1910; H. ScHLIER, Von denJudrn in Röm 2,1-29, E"Th 5, 1938,2630".; A. FRIDRICHSEN, Der wahrejude und sein Lob, Symb. Arct. 1922,390".; G. BoRNKAMM, Paulinische Anakoluthe, Ges. Aufsätze I, 2. Aufl. 1958, 76-92; Paulus spricht nicht ironisch, sondern im Hinblick auf äußerste Perversion (KASE.MAl'\NR 64). Doch vgl. A.j. HESCHEL, The Prophets, 1962,30".; 247 0".; 268 0".; 2790".; 299 ff. Der Prophet sagt oft das Gegenteil \"on dem, was er wünscht; er zieh aber ab auf die Versöhnung des Menschrn mit GOIt.
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Der Jude im Gericht
sich selbst zuzulegen pflegt. PauJus bestreitet den Anspruch des Gesetzes-Verkündigers nicht, wohl aber deckt er den Zwiespalt zwischen Anspruch und Existenz, Wort und Handeln in ihm auf. Es gibt nach Paulus lediglich den Maßstab des Gehorsams gegen das Gesetz, der sowohl für einen Beschnittenen als auch für einen Unbeschnittenen Gültigkeit hat. Der rechte Gehorsam gegen die Gebote Gottes ist auch das Kennzeichen des wahren Israel. V 17: Paulus sagt jetzt offen, daß Gottes Angriffnicht nur dem Heiden, sondern auch demjuden gilt. Das Gericht Gottes durchschlägt alle Sicherungen Israels. Schon der BegriffnJude«, den man in der Diaspora nicht selten dem Eigennamen hinzufügte (btovo,..,ateoiklL), bedeutete für seinen Träger eine Verpflichtung 2 • Jude sein hieß: Bekenner des einen Gottes zu sein (Str-B III 96). Mochte man diese Bezeichnung auch als Schimpfwort benutzen, für ihren Träger war und blieb sie ein Ehrenname3 . Aber man nennt sich nicht nur Jude, sondern vertraut als solcher auf das Gesetz (btavwtaueoiku v6f.up)4 und rühmt sich Gottes in Gebet und Bekenntnis (xauXäoiku tv'6EJer 9,23; PsSa117, 1). Die Reihenfolge:Jude, Gesetz, Gott ist bezeichnend und bedeutet eine Steigerung. Daß diese Begriffe eng mi teinander verbunden sind, beweisen die jüdischen Gebete (z.B. ApkBar 48,22 ff.). Die Schilderung des Paulus ist also dem geschichtlichen Selbstbewußtsein des Judentums entnommen. V 18: Auffallend ist der Anspruch desjuden, den nWillen« zu erkennen. Hinter dieser Wendung steht die jüdische Gewohnheit, den Begriff)) Willen« (= Gottes Willen) absolut zu gebrauchen. So gibt es die jüdische und aramäische Formel: ))Möge es (Gottes) Wille sein« (ZnR 138). Dieser Wille bekundet sich in der Tora, denn Gottes Wille und Gesetz gehören eng zusammen. Es gehört zu Israels Ruhm, daß es allein Gottes Willen kennt; Israel hat die Aufgabe, durch Gesetz und Belehrung die Menschheit zu unterrichten. ÖOXI.,..,atEI.V'tQ öl.acptQavto ist eine Fähigkeit Israels, die in der Auslegung Verlegenheit bereitet. ÖOXI.J.latel.v heißt: )prüfen, als erprobt annehmen«; 'tcl ÖLacptQOVto weist hin auf Unterscheidungen (z.B. Gutes und Böses, Judentum und Heidentum) bzw. auf das, worauf es ankommt (das ))Wesentliche«, das )Bessere«). Wichtig ist, daß Paulus im Gebet wünscht, die Gemeinde möchte die Fähigkei t empfangen, die Unterschiede zu prüfen (Phil I, I 0). Es handelt sich also um eine feststehende hellenistische Wendung5 , die eine besondere Bedeutung sowohl für das Juden turn als auch für die christliche Gemeinde gewonnen hat. Es :z Zum Begriff»Jude« vgl. Apg 18,2.24; 22,3 (fester Stil!); A~oh 2,9; 3,9 (beide Male als Ausdruck jüdischen Stolzes). Vgl. auchJos. c. Ap. 1,165. Auf Grabinschriften findet sich 'Iouooioc; z.B. CtG 9916; 9926; CIJ I 530.643. Man nennt sich »Jude« um der Nichtjuden willen. 3 Der Begriff6 'I~ ist alao andersartig a11'E~~ und 'IOQCJ11A.(tT)I;. Es geht Paulus hier nicht um Sprache und Heilsgeschichte, sondern um das Verhälmis des Juden zum Heiden. Wie das Sclbstbcwußtscin des Judentums selbst das Gebet bestimmt, zeigt deutlich 4Esr 6,5!>-59. 4 b:avamx6eotOL v6f.up hei.8t: »sich ausruhen, sich stützen aufdu Gesetz« Mi 3,11; 2Kön 5,18; 7,2.17; Ez 29,7; I Mall 8,11. S Weitgehend haben die Kommentare von M. J. LAGRANGE, SANDAy-HEADLAM und H. LIETZ. MANN das hellenistische Material zusammengestellt, ohne allerdings die Frage aufzuwerfen, inwieweit diele Wendungjudaisicrt wurde. Paulus schließt sich ofl"cnbar an den Sprachgebrauch der hellenistischen Synagoge an. Es fällt übrigens auf: wie schillernd die Wendung im damaligen Hellenismus gebraucht wird.
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liegt nahe, daran zu denken, daß man die eigene Berufung gegenüber der heidnischen Umgebung durchsetzen muß und daß eine feste katechetische Unterweisung dazu dient, die Grenze gegenüber dem Heidentum aufzurichten. Die Wendung will besagen, daß man im konkreten Leben die rechte Unterscheidung zwischenjudentum und Heidentum finden muß und sich dabei vom Gesetz belehren läßt 6 • xaTrJXEia6aL paßt gut in diesen Zusammenhang und geht in die Richtung einer katechetischen Unterweisung (Gal6,6; IKor 14,19). Es handelt sich also um eine katechetische Tradition. V 19: Es folgt eine Gruppe von zwei mal zwei Gliedern, die durch "tE angeschlossen sind. Der asyndetische Stil entspricht den Aufzählungen (Röm 1,29 ff.). Wir sehen den Gesetzeslehrer vor uns, der sich zum Wegweiser für die heidnische Welt berufen weiß. Dabei haben wir zunächst an die konkrete Berührung der hellenistischen Missionspredigt mit der heidnischen U mgebu~ zu denken, in der diese Begriffe des Paulus eine RoUe spielten, doch sind diese Begriffe in eine darüber hinausreichende ältere Tradition gesteUt.ntJtoLfa; hat nach M. Luther einen abwertenden Klang (»du vermissest dichcc); gemeint ist ein naives, vor der Wahrheit des Evangeliums zerbrechendes Selbstvertrauen (securitas). 6bTribc; wcpA.WV setzt ebenso wie in Mt 15,14; 23,16.24 eine bestimmte Tradition voraus, die wir bisher nur lückenhaft verfolgen können. Eine genaue Parallele aus dem Rabbinat fehlt bisher'. Sicher ist, daß der Jude sich als Wegweiser und Führer des Heiden berufen wußte (äthHen 105,1; OrSib 3,194 f.;Jos c. Ap. 11 41). Daß die Heiden »Blinde« sind, daß man selbst das »Lichtc( bringt, für die Heiden ))Lichtbringer« ist, setzt einen ganz bestimmten Bildkreis der jüdisch-hellenistischen Missionssprache voraus (Sap 18,4). Ist der ))Blinde« sehend, die ))Finsterniscc beseitigt worden, dann bleibt der Bekehrte trotzdem noch unbeholfen und unmündig. Darum sieht der Schriftgelehrte gütig und überlegen als ))Erzieherc( auf die ))Torencc, als ))Lehrer« auf die ))Unmündigencc herab. Die Verbindung von naLÖEU'tiJ; und Ö~ ist ebenso überzeugend wie die Zusammenstellung von dcpQove; und vTptLOL. In gewisser Weise bleibt also die überlegenheit des Schriftgelehrten auch dem Proselyten gegenüber erhalten. Den Abschluß bildet wieder eine Partizipialkonstruktion, die sicherlich als eine Art Höhepunkt angesehen werden muß (fxovta ... ). YVÖKJL; und cUytitELa sind feierliche Begriffe, in denen sich die Sehnsucht • Man acht~ auf di~ eigmartig~ Präposition b, di~ zu d~m Partizip xcmtX~ hinzutritt. b kann jüdisch v~rstand~n ~rd~n und dm L~hm' bez~ichn~n, von d~ man lernt. Der Gritth~ würd~ vi~lIeicht an das Ges~tz als ~hrbuch dmk~n, aus d~m man I~mt. Vgl. W. BACHER, D~ ält~st~ Terminologi~ d~r jüdischen Schriftauslegung, 1899,95. 7 Wichtig ist vor all~ di~ Berührung mit Deuterojesaja (42,6.7: ~ ~oU~~, 49,6: ac;~ ttYciJy = Apg 13,47). Es lieht 10 aUl, als habe man aufden Lehrer der Tora die Gonesknecht-Sprüche angewandt. All Parallele wird BQ 52a notiert: .Wenn ein Hin über .eine Herde zürnt, macht er den Leithammel blind.. (Ser-B 1721; SANDAy-HEADLAMR 65). Wichtig ist das Selbst~ßlIein des Beters in IQH 2,8-9: .Ich bin eine Schlinge für die Sünder und ein Arzt für alle, die umkehren von der Sünd~, Klugheit für die Törichten ... Vgl. auch IQ 126, fr. 28b, Col. IV 1.7 r. (priesterliche Ben~iktion): .Er mache dich ... zu einer großm ~uchte, zum Licht für die W~h in Erk~nntnis, umdas Angesicht der Viel~n zu erleucht~n (mit der W~isheitdes ~bms) ... Vgl. IQH 4,1.7: .. Durch mich hast Du das Antlitz von vielen erleuchtet .• TestLevi 18,3.9 über d~n priest~rlich~n Messias: .. Das Licht der Weish~it.trahlet auf«; -die Heiden ... werden durch die Gnadr des Herrn erleucht~t .•
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Der Jude im Gericht
des antiken Menschen, aber auch der Anspruch der Philosophie und der Religionen widerspiegelte. Die Offenbarung Gottes im Gesetz verspricht die •• Gestaltungee (f.l~ sonst nur noch in 2Tim 3,5), die vollkommene Ausprägung der Erkenntnis und der Wahrheit. Vielleicht hat es sogar eine jüdische Propagandaschrift unter diesem Titel gegeben (H. Lietzmann)9. Im Gesetz nimmt die Erkenntnis und Wahrheit konkrete Gestalt an. V 21 ff.: Es folgen fünf (bzw. vier) gleichgebaute Sätze (der fünfte faßt die vorherigen zusammen), die man als vorwurfsvolle Fragen oder als anklagende Aussagen (vulg.) auffassen kann. Der entscheidende Vorwurf gegen den Juden besteht darin, daß er selbst das Gesetz nicht erfüllt. Er lebt nach Gottes Urteil in dem Widerspruch zwischen Wort und Tat. Auch das Rabbinat weiß, daß Lehren und Tun, die Belehrung des anderen und die der eigenen Person keineswegs zusammenfallen (Ab R. Nath 29) 10. Die Formulierung des Paulus entspricht wörtlich der Ausdrucksweise des Rabbinats. Was aber für das Rabbinat eine Möglichkeit ist, die es selbst vermeiden will, ist nach Paulus eine grundsätzliche und allgemeine Tatsache, unter der man leiden müßte. Aus einer rabbinischen Diskussion wird eine Anklage gegen das Rabbinat überhaupt. Vor dem radikalen Gesetzesanspruch wird der Selbstwiderspruch des Menschen, der unter dem Gesetz steht, offenbar". Paulus greift einzelne Gebote des Dekalogs heraus, ohne sich jedoch an dessen Reihenfolge zu binden. Die Partizipien bLMoxoov, xT)Q'U(JOO)'V, Al.yorv sind miteinander verwandt, obwohl die Färbung dieser Verben verschieden ist. Alle drei sprechen von einem ötJ"entlichen Lehramt, alle drei weisen zurück auf das armäische ";f ~ (= »du sagstcc), das häufig Bibelworten voransteht l2 . Die Abwechslung entspricht hellenistischem Stilempfinden. bL6llaxwv drückt den Lehrsatz, xT)oVoowv das Predigtwort, ).t:y0l'Y das exegetische Zitat aus. Die Infinitive als Form des Verbotes finden sich im Neuen Testament wie auch sonst häufig (BI-Debr 409,2). Obwohl der Diebstahl grundsätzlich verboten ist, entsteht im • Vgl. Sap 18,4; OrSib3,195;Jos. c. Ap. 2,193,2; Philo; vgl. LwnR 43 (Hinwds auf Gebete des hellenistischen Judentul11l);
KAs~MANNR
66 mit weiterem Material.
• ~&; ist nach PALLISR 54 vielleicht ein stoischer Begriff; er selbst setzt ~&; mit "aL6Euo&; gleich, weil im Griechilchen ein wohlenogener Mensch "0QCP06~ heiße. H. UETZMANN
und H. ScHuER denken an den Titel einer jüdischen Propagandaschrift. KAsEMANNR 66 deutet den Begriff ~&; mit Recht von der Koine aus. 10 Abba Schaul b. NannOi (ein Tannait) sagte: .. Du hast manchen Menschen, der sich selbst lehrt und nicht andere lehn; der andere lehn und sich selbst nicht lehn; der sich selbst und andere lehrt, und der weder sich selbst noch andere lehn .. .H Ähnlich Dtr 2 (l98b): R. SimJai hat gesagt: .. Da sitzt dn Gelehner und trägt öffentlich vor der Gemeinde vor: du sollst nicht auf Zins leihen! und er selbst leibt auf Zins! Er sact: Du soUat nicht rauben! Und er selbet raubt. Er ugt: Du IOUst nicht stehlen! Und er selbst stiehlt.« Paulus am nächsten kommt ein Ausspruch R. Jochanans (Str-B 111 107). 11 R. Jochanan b. Zakkai entwirft ein Sittenbild von den inneren Zuständen des jüdischen Volkes aus den letztenjahrzehnten vor der Tempelzenlörung, das von StreB 111 105 r. als Bestätigung und Ergänzung der Wone des PauJus bezeichnet wird. Ebenso radikal ist die apokalyptische Gerichtspredigt (TestLtv 14,4 ff.), nach der die .. Leuchten Israels.. selbst in Finsternis sind durch ihre Sünden, da sie Gebote geben, die den Satzungen Gottes zuwider sind, die Opfer berauben, ungesetzliche Verbindungen eingehen usw. Dam 4,12 ff. spricht von den ..drei Netzen Belials«, mit denen Israel gefangen wird: Unzucht, ungerechter Reichtum und Beneckung des Heiligtums. Dir Gerichtsprrdigt des PauJus über Israel hat also ihre Vorgeschichte und ihre Vorbilder. IJ W. BACHD, Die exegetische Terminologie 11, 1899, 11.
Röm 2,17-29
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Rabbinat eine Diskussion, ob dem Nichtjuden gegenüber die Härte des Gebotes erweicht werden kann 13 • Der Rabbi weiß auch um seine geschlechtliche Versuchbarkeit (bQid 8Ia.b). Nur Gott selbs~ nur seine Engel retten den Angefochtenen aus der Gewalt Satans. Auch Raub am heidnischen Tempel ist nicht ganz ausgeschlossen, obwohl das Gesetz die Scheu vor dem heidnischen Götzendienst lehrt. Da der Götze für den Juden ein ))Nichtscc ist, ist sein Besitz nicht mehr unantastbar. Tempelberaubung war in der damaligen Zeit keineswegs selten (vgl. Apg 19,37)14. DemJuden war der Venuch, Gold oder Silber an den Götzenbildern zu entfernen und sich anzueignen, verboten (Dt 7,25;JOI. ant. 4,207). Trotz dieses Verbotes war es nicht unmöglich, daß auch einjude ein Götzenbild bestahl (AZ 50. - Str-B 111 114). Denkt man an eine Beraubung des jüdischen T empe1s, so wäre Ähnliches gemeint wie in der sonstigen innerjüdischen Gerichtsprcdigt (z.B. PlSaI 1,6 ff.; 8,12; TestLcv 14,4 ff.; Dam 6,15 ff.). Von einem jüdischen Gelehrten, der sich zur Zeit des Tiberius in Rom aufhielt, erzähltjOI. ant. 18,81 0".: er tut sich mit gleichgesinnten Gefährten zusammen und überredet die Proselytin Fulvia zu einer großen Spende an das Heiligtum inJerusa1em, unterschlägt sie aber zu eigenen Zwecken. Die Folge war diejudenvertreibung aus Rom. DelitzschR 77 sammelt die in Betracht kommenden SteUen aus AZ und folgert: »Der Jude konnte, indem er einen heidnischen Götzen wegnahm, sogar ein gutes Werk zu tun meinen, weil er den Heiden den Gegenstand ihres falschen Kultus entzog.« PaUisR 56 nimmt an, daß der Text verdorben sei, da Juden und Christen die heidnischen Tempel nicht betraten (vgl. T ert. apol. 15). Schon Bentley konjiziert: l.eQo&vui;. Die Entsprechung zu d&oMl ist der heidnische, nicht der jüdische Tempel.
Zusammenfassend fragt V IS, ob nicht das Sichrühmen im Hinblick auf das Gesetz dadurch seine Wahrheit verloren hat, daß man durch die konkret vollzogene übertretung des Gebotes Gott die Ehre nimmt. Der übergang vom Partizip in einen Relativsatz könnte einen Zusammenschluß von V 23 mit V 24 rechtfertigen; man könnte sogar statt der zusammenfassenden Frage eine abschließende Aussage annehmen: ))du nimmst Gott die Ehre« 15. Die übertretung der Gebote bringt nach jüdischer Anschauung die Entheiligung des göttlichen Namens ("tI"'~) mit sich. Die Vorwürfe des Paulus erhalten ein neues theologisches Schwergewicht durch das im Verständnis veränderte Schriftzitat von V 24. Jes 52,5 klagt ursprünglich über die Schändung des Namens Gottes durch die Zwingherren Israels, aber Paulus hat das Septuaginta-Zitat als Vorwurf Israel gegenüber verstanden l6 . Um der übertretungen Israels willen schmähen die U ..Sein
'4
Verlorenes ist erlaubt .. ; .. Das, um was er sich im, ist erlaubt«. Str-B 111 lOB f.
pt)u.uooro6ru (im Neuen Testament nur noch Ap~oh 21,8) heißt: »verabscheuen« und wird
vor allem rur die im Gesetz gebotene Scheu vor dem Götzendienst gebraucht. le(K>ouwv kann ~i erlei bedeuten: I. einen Tempel bcTaubm (2Mill9,2); 2. unehrerbietige Handlung gegen ein Heiligtum velÜbm (Ditt. Sy1l3. Auß. 578,47 fI'.); 3. Tempelgelder veruntreuen. Vgl.Jos. c. Ap. 1,310 f.: der Antisemit Lysimachus von Alexandria leitet Hierosolyma von einem unpriinglichen Namen 'IrQOOuAa ab. 's Die Entheiligung des Namens Gottes ist das Gegenteil von seiner Heiligung, die Israel auferlegt ist. Entscheidend ist das Verständnis von Lev 22,32: »Entweiht meinen heiligtn Namen nicht, damit ich geheiligt werde inmitten der Kinder Israel« (Str-B I ~18). 16 Paulus schließt sich der LXX an, läßt 6th mJVt~ fon und setzt staU jW\.I zur Verdeutlichung urü hoü tin. Dieser exegetische prozeß milDen an die Verwendung von Ez 36,~23 imJudentum (bJoma 86a - StreB 1415). SOU.ATrER, Gerechtigkeit 106 vermutet, daß der LXX-TextaufGrund des Römtrbriefcs verändert sei.
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Der Jude im Gericht
Heiden den Namen Gottes. Die Sendung Israels, durch seinen Gehonam Gott zu preisen, wird also ins Gegenteil verkehrt. Das nachgestellte xa~ ytyomnm ventärkt die Autorität des Schriftwones. Nach der polemischen Auseinandenetzung mit dem Schriftgelehrten (V 17-24) verfällt Paulusjetzt wieder in einenle",luIflm Ton. V 25hatdie Form einer TMSt, die sich gegen eine bestimmte rabbinische Anschauung wendet. Die Diskussion über das Gesetz spitzt sich zu einer Diskussion über den Wert der Beschneidung zu (V 25-29). Die Beschneidung ist das Zeichen der Zugehörigkeit Israels zum Bund mit Gott, ist aber auch die Bürgschaft für den im Bund von Gott verheißenen Segen. Gesetz und Bund, Bund und Beschneidung gehören daher eng zusammen; eine Auseinandenetzung über das Gesetz wird notwendig zur Frage nach dem Bund. XEQL'tOflTt kann dreierlei Bedeutung annehmen: den Akt der Beschneidung, den Zustand des Beschnittenseins und die Gemeinschaft der Beschnittenen (= dasjudentum) 17. Zum Lehntil der These gehört auch der Sprachgebrauch von dJq>deiv (hebr. =»1: hi.). Mit diesem Verbum ist nicht irgendein profaner Nutzen, sondern die theologische Erfüllung eines Anspruches gemeint (vgl.Joh 6,63; GaI5,2; Hebr 4,2; 13,9). Die Beschneidung hat schon im Alten Testament bewahrenden Charakter (Ex 4,240:), den sie auch in der späteren jüdischen überlieferung beibehalten hat (Str-B III 119). Paulus verneint nicht die Kraft der Beschneidung, verlangt aber, daß der beschnittene Israelit das Gesetz durch sein Handeln erfüllt. VÖJ.lOV ~OElV ist eine aus demJudentum übernommene Wendung1'. Nach Paulus erfüllt man das Gesetz, wenn man den radikalen Willen Gottes erfüllt. Gehorcht man ihm wirklich, dann wird die Beschneidung zum echten Bundeszeichen. In diesem Fall wird die Beschneidung nicht zur Ursache menschlicher Sicherheit, sondern zur Bestätigung der göttlichen Verheißung. In diesem Sinn ))nützt« sie. Diese Möglichkeit besteht aber nur von Gott, nicht vorn Menschen her 1'. Entsprechend gilt die Negation: die übenretung des Gesetzes verwandelt die Beschneidung in Unbeschnittenheit. Die Sprache des Paulus ist rabbinisch bestimmt. Das ytyOVE'V entspricht dem A.oyt.o6fJOEtQL (V 26)20. Das Uneil Gottes entscheidet über das, was sich am Menschen hier auf Erden voUzieht. Vor dem Gesetz kann die Beschneidung nie zur Unbeschnittenheit werden, da die Beschneidung im allgemeinen ihre Kraft behält. Paulus denkt auch hier antithttisc": wer auf die Kraft der Beschneidung 17 Zum Verhälmis von Gesetz und Beschneidung vgl.Jos. ant. 20,34-48 (ü~rtriu und Beschnt"idung des lzates). '"Ql~opfl ab Umschreibung des Judentums bqegnet in Röm 3,30; 4,9.12; 15,8. 11 Y6pov XQ600UV (0. cpvMWorLV) entspricht dn- jüdischt"n Wmdung ~ (SOt 32,30). 1. Y6pov ~V ist t"in außm>rdt"ntlich starkt"r Aumruck, dt"r gt"Wiß nicht ethisch odt"r gest"tzlieh bestimmt wm:lm kann. Nach M. LUTHER vt"ntmen die Gqnt"r dt"S Paulus seine Wone nicht, nehmen auch nicht an, daß leine Ikuneilung ihm Penon sie wirklich treffe. Sie bt"Zit"henja die Tatm und Gebote nicht aufdm inneren Mmschm. »Entgegnen sie, sie hieltm das Gest"tz,lOantwonet er: ja, aoo nur nach außen hin. Es ist rine Beschneidung des Fleisches, a~r nicht dt"S Gt"istt"S, weil sie ohne Gnade geschieht, die dm Geilt beschneidet .. (E. ELLWEIN 78). M. LUTHER hat ein starkes Empfinden dafür, daß die Wendung v6faov xQOoauv nicht von der gt"Setzlichen E~nt" aus vt"rstanden werden kann. 20 Dit"S ytyavn erinnen an das rabbinische ~ :t1'I~ (Ser-B 111 119).
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Röm 2,17-29
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pocht, hat dies Bundeszeichen mißverstanden. Er steht nicht mehr in der Beschneidung, sondern in der U nbeschnittenheit, nicht mehr unter der Gnade, sondern unter dem Zorn 21 . V 26: In scharfer Dialektik verfolgt Paulus die nun entstehenden Möglichkeiten im göttlichen Gericht. Es könnte ja sein, daß ein Heide die Satzungen des Gesetzes erfüllt. ä~U
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mil dnn Rabbilllll. 24 VÖl'OV cpuMOOELV ist einr frststrhrndr Wendung (Apg 7,53; 21,24; Gal6,13). 25 Auch Aoy(tEo&aL ist in dirsem Fall dne frststehmdr rabbinischr Wmdung (z.B. Ab 2,2 ~einrm rtwu anrrchnen als oboe). Vgl. H. W. HEIDLAND, Dir Anrrchnung drs Glaubms zur Gerechtigkeit, 1936, 84 fT. brdrutet eigmtlich: ~buchmec.
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Der Jude im Gericht
gemessen wird, ist auch sonst im Judentum vertreten 16• Die Verschärfung jedoch: der Heide »richtet« über denjuden, führt in die Nähe des WortesJesu (Mt 12,41 f.; Lk 11,31)27. Man hat schon immer die Hervorhebung: .~er Heide in seiner natürlichen Unbcschnittenheitcc (" tx cpOOe~ c't~'UO't(a) als anstößig empfunden 28• Wie arm ist er gegenüber demjuden, der das Schriftwon und die Beschneidung für sich gehend machen kann! Und doch ist der Wortlaut und das Verständnis der einzelnen Satzglieder nicht abzuändem 29 • Das Schriftwon ist allerdings .. Buchstabecc (yQtiJ.lf.Ul) und letztlich mit dem ).Gesetzc( identisch, das den Sinn des Schriftwortes bestimmt. Es ist also noch nicht durch den ..Geist« (KVeÜJUl) als dem eschatologischen Gegenbegriffaufgeschlossen. Mit den beiden Schlußvcrscn 28.29 erreicht unser Abschnitt seinen Höhepunkt. Sie nehmen die Form von polmaischm T1wm an, wobei offenbar das Schwergewicht auf dem zweiten Vers mit seiner positiven Bestimmung liegt. Die doppelte Negation von V 28 gilt dem cpaveQ6v des menschlichen Denkens, während die feierliche Posi lion von V 29 dem Geheimnis des xQUm:6v gilt. Auch die verbindende Gegenüberstellung von oü yclQ (oü6t) und c'tlla zeigt, wo das Schwergewicht zu finden ist. Der Gegensatz zwischen dem, was offenbar, und dem, was verborgen ist, hat im Neuen Testament seine Parallelen (z.B.Joh 7,4; IPetr 3,4). Gott bekennt sich zu dem, was vor den Augen des Menschen verborgen ist. In der Verborgenheit des menschlichen Herzens fallen die eigentlichen Entscheidungen, hier wirkt Gott und hier erfüllt sich seine Verheißung. Die Ausdrucksweise des Paulus ist in beiden Verscn so knapp wie möglich und ganz in den Dienst der Polemik gestellt. Die Negation besagt, daß nicht der äußere Jude als solcher der wahre und Gott wohlgefälligejude ist, sondern daß mit der eschatologischen Situation auch eine Radikalisierung des Maßstabes erfolgt sei. Der Grundsatz, daß der Mensch sicht, was vor Augen ist, daß aberGoll das Herz sieht (ISam 16,7), hat eine neue Bedeutung gewonnen. Er wendet sich auch gegen den Juden, der Wert darauf legt, daß man ihn als Juden erkennt, der die äußere Beschneidung .)am Fleischcc trägt (eine rabbinische Rcdeweise)30. Die Position heißt: .)Nur der verborgene Jude ist derwahre(c. Für Paulus ist der BegrifT ••Judecc eine theologische, nicht nur eine heilsgeschichtliche Größe. Was im Herzen des Menschen, was in seinem Inneren vor sich geht, entscheidet über das, was er ist. Die Frage, wer ein echter Jude ist, wird im Rabbinat und im Urchristentum lebhaft diskutiert 3l . ).Beschneidung des Herzenscc ist ein durch das Alte Testament seit der Zeit des Deuteronomiums feststehendes Bild und eine ständige Forderung der Propheten 31 • Str-B I 650. LAGaR 56 sieht in 2,27 eiM Nachwirkung des Wones Jesu. u ZnR 146 bestimmt die »geborenen Heiden« als Christen, die das ~tz erfüllen; ähnlich auch R. BULTMANN, Theo~ des Neuen Testaments, 1968, 262 f. 29 ,.VI!L ist (vorxQ(Yt& G) vorzuziehen. '" b cp6ouoc; ~ fehlt in G und wird von A. PA!, LlS als Erweiterung angesehen. 6\6 ist vieldeutig, bezeichnet hier doch wohl den begleitenden UmItand (H. LIETZMANN, M. J. LAGllANGE). JO Vgl. ScHLAlTER, Gerechtigkeit 111. II Str-B IIII25;Joh 1,47; Ap~oh 2,9; 3,9. n Lev 26,41; Dt 10,16; 3O,6;Jer4,4; 9,25 f.; Ez44,7.9;Justin dial. 114. Das Bild des .. beschnittenen Herzens« findet sich auch bei Philo migr. Abr. 92; spec.leg. 1,6.305. Doch denkt er an ein ..Abtun der J6
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Röm 2,17-29
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Nach dem Alten Testament hat auch Israel ein »unbeschnittenes Herz«. Wir stehen damit innerhalb der BuB- und Gerichtspredigt. Nach dem Rabbinat ist ein unbeschnittenes Herz vom bösen Trieb beherrscht (Röm 7,7 fT.)j die Beschneidung geschieht durch die Umkehr (SLev 26,41). Nach V 29 wird das Herz durch den »Geist«, also durch die Kraft Gottes, beschnitten 33 • Paulus denkt schon hier an den Gegensatz: Fleisch - Geist, der letztlich zum Schlüssel für den ganzen Abschnitt wird. Es geht also nicht allein um eine ethische Forderung oder um einen moralischen Vorwurf, sondern um den Hinweis aufein Tun Got tes, das sich auf einer anderen Ebene abspielt. Damit geht der Gedanke auf das gegenwärtige Werk Gottes über, in dem sich die Verheißung verwirklicht (Phil 3,3). »Beschneidung des Herzens« ist nicht etwas, was ein Mensch an sich selbst oder am anderen vollziehen kann, sondern Gottes eigenes Werk (Dt 30,6). überraschend wirkt der abschließende Relativsatz, der geradezu feierlich klingt und aus der Ebene der Polemik herausfühn. Gottes »Lobec des wahren Israeliten klingt zwar schon in der Schrift an, ist aber hier als eschatologischer Begriffverstanden. Dies »Lob Gottes(c ist mehr als ein Lob von Menschen, ist auch vom Lob der Menschen unabhängig. Man kann an das im Judentum bekannte Wortspiel: Juda = Lob denken 34 , vielleicht sogar an die Person des Paulus selbst. Sicher ist, daß auch dies »Lob Gottes(( Ausdruck seines Gerichts und damit Heilswon ist (Röm 2,10). Wir haben in Röm 2,17-29 eine Kritik am juden, vor allem am Schriftgelehrten vor uns, die an konkrete Beobachtungen, Diskussionen und Vorfälle anschließt. jüdische Lehrsätze über Gesetz und Beschneidung, die Israels Sondentellung zum Ausdruck bringen, werden vorausgesetzt, aber bekämpft. Der Abschnitt geht von einer radikalen Gesetzesverkündigung des Christentums aus, die der Gesetzeslehre des Rabbinates widerspricht. Beachtlich ist ferner, daß diese Kritik des juden durch eine durchgehende Vergleichung mit dem Heidentum ventärkt wird. Gerade im Verkehr mit dem Heiden kommt das Selbst bewußtsein des juden, aber auch sein Selbstwiderspruch zum Ausdruck. Es wäre falsch, wenn man in Röm 2,17-29 eine Obenpannung einer an sich berechtigten Kritik sehen würde. Paulus schließt auch keineswegs von dem Ungehorsam eines Einzelnen aufden Ungehorsam aller. Wohl aber kommt im Ungehorsam des Einzelnen die Unmöglichkeit der ganzen Haltung und Lehre zum Vonchein. Es entsteht die Aufgabe, diese Bußpredigt des Paulus mit entsprechenden polemischen Auseinandersetzungen innerhalb des j udentums zu vergleichen (z.B. Damaskusschrift). Es gibt auch innerhalb der Polemik bestimmte Gesetze und fIXierte Stoffe, die immer wiederkehren. Für unseren Abschnitt ist die Berührung mit hellenistisch-stoischen Gedanken nicht unwichtig (A. Fridrichsen), doch tritt sie gegenüber den apokalyptischen Grundmotiven zurück. Lüste., an das .. Abtun der Vorunrile.. und des Eigmdünkds. Vgl. den Sprachgebrauch in Qumran: Der gotdose Hohepriester hat die Vorhaut seines Herzens niebt beschnitten (IQpHab I I, I 3); das unbeschnittene Ohr (IQH 18,20); der unbeschnittene Trieb (IQS 5,5). II Beachte das Fehlen des Genitivs, das offenbar durch die Antithese veranlaßt wird. An sich müßte der Begriff des ..Geistes .. interp~tiert werden, aber Paulul verwendet den Gegensatz: GastFleisch ohne näherT Ikstimmung (Röm 7,6, 2Kor 3,6). Widalit ist, dIIjJ PallI.S dnI G"nu~ Iri" 1'1'" tIJu Rd6iN1t als XtII'IIplt1rtsl DtTWnWitt. Zur Verbindung der Beschneidung des Herzens mit dem heiligen Gmt vgl.Jub .,23; OdSal 1.,1-3. M J uda = Lob "gI. Gen 29,35; 49,8. Englische Kommenta~ nennen GIFFORD als Entdecker dieses Wonapieles (S....'IIDAv-HEADLAMR 68; PALLISR 57 f.).
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Der Vorzug des Wones Gottes und der Beschneidung
Deutlich wird auch an unserem Abschnitt, daß der Römerbriefaus einzelnen Predigtstükken zusammengesetzt ist, die ihre eigene Form behalten haben.
Röm 3,1-8: Der Vorzug des Wortes Gottes und der Beschneidung
lW.. iIa cIaaD der Vonua der Juden, oder welcl.ee ist der Nuaea der 8eKhaeicIuDc? 2VieI in jeder Hhuicht. EnIeu: ihDea aiDd Goaee heilip Worte ....ertraut wordea. 3Dea.a wie _ht ee cbmitl Weaa eiDip die Treue Gott . .aäher gebrochen wird etwa ihre Uatreue die Treue Gouee aufheben? 4 Du 1ft femel EI wird lieh aber herauatellea: Gott ist wahr, jeder MeDICh aber em LÜI...., wie ptdaiebea _ht: .o.mit da recht bebaltat ia cWnen Wortea aad Iiept, WeDa maa mit dir richtet.. 5 WeDa aber UD8fft Uaprechtipeit Goue8 Gerechtipeit iDa rechte Licht 1IeIIt, wa toIIea wirclazu 1apD? bt Gott etwa uaprecbt, weDD er eeiDea Zorn ~ Ich rede aach IDeD8Chlicher Wei8e. 6Du Iei femel Deaa wie lliaate Gott 80.... die Welt richten? 'Uad weDa die Wahrheit Cottel durch meiDe Lüp groB pworden ist zu leiDer Verherrlich...., WH werde ich deaD DOCh ab Süader prichtet? • Und n pht wahrbaftia Dicht aa:h dem Wort, da pwiue Leute uaaliaterlicherweiee umenchiebea: lall UDI das Böee luD, damit das Gute komme I Diele Leute empfaapa mit Recht ihre VenarteiI.....
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AMryse,' Gegenü her dem predigt artigen Ton von Röm I, 18 fT.; 2, I ff. fäll t die starke Veränderung des Stiles auf: die Sprache wird ungezwungener, dialogischer und bewegter. Der Hörer glaubt, in ein Gespräch verwickelt zu sein. Dif' abschließenden Thesen Röm 2,28 f. rufen den Einwand desjuden hervor (3, 1), den Paulus kurz beantwortet (3,2), ohne sich aber von seinem eigentlichen Thema, der Anklage, abdrängen zu lassen. Röm 3,3 gehört ebenfalls ursprünglich in eine Diskussion mit dem Judentum und setzt die anerkannte Anschauung voraus, daß Verräter an Gottes Bund den Bund selbst nicht aufheben können. Paulus begnügt sich aber nicht mit dieser Feststellung, sondern zeigt in V 4, daß es im augenblicklichen Rechtsstreit nicht um die Bundestreue Gottes geht, sondern um die Aufweisung der verborgenen Wahrheit, daß Gott sich als gerecht herausstellt. In diesem Vers lugt dJJs titjslt Motiv dn Rechtfertigungs/ehre. Während Röm 3,1-4 unter dem Einfluß der Doppelfrage Röm 3,1.3 steht, ist der zweite Abschnitt Röm 3,5-8 durch die Fragen 3,'>-7 bestimmt. In ihnen wehrt sich der angeklagte Jude gegen ein Verfahren, in dem der Kläger seine Absichten durchführt und ihn, den Angeklagten, dabei für dies Verfahren verantwonlich macht. Während Röm 3, I den Ansatz einer Antwort in 3,2 erhält, werden die späteren Einwände lediglich zurückgewiesen. Die Tatsache des Weltgerichtes genügt, um dem theoretischen Einwand 3,5 die Kraft zu nehmen. Auch die nächste Frage 3,7 geht von einer falschen Voraussetzung aus, die darin besteht, daß sie die Verantwonlichkeit des Menschen in Frage stellt. Wer so redet, begibt sich auf eine schiefe Bahn, denn er wird schließlich in die Nähe derer geführt, die dem Paulus eine falsche These unterschieben und dadurch ihre ganze Verwerflichkeit offenbaren. Die Satzkonstruktion von V 8 ist schwierig und bedarf einer Auflösung.
Röm 3,1-8
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Man darf die Frage stellen, ob Paulus durch dies dialogische Spiel von Frage und Antwort den Gedankengang lediglich weitertreiben will, oder ob er zum Ausdruck bringen will, daß der Gegner durch seine theoretischen Einwände die Ebene noch nicht betreten hat, auf der eine ernsthafte Diskussion allein möglich ist. Auch die knappe Antwort in 3,2 ist ja nur eine Vorwegnahme der späteren Ausführung in Röm 9,4 ff., aber keine befriedigende Antwort. Selbstverständlich ist als Gegenüber wieder der »Jude« zu denken, dessen Vorrechte im vorangehenden Kapitel angegriffen wurden. Seine theoretischen Einwände werden durch Gegenfragen bloßgelegt. Man mag die Frage stellen, ob ein Einschnitt zwischen Röm 2,29 und 3, I zu erkennen ist; sicherlich sind die beiden Abschnitte 3,1-8 und 3,9-20 eine Verstärkung der Anklage von Röm 2, während erst in Röm 3,21 ff. ein neuer Gedankengang einsetzt (A. Nygren). Das Schwergewicht der Abschnitte 3,1-8 und 3,9-20 liegt offenbar in denSchri}kitalm, die zum Ausdruck bringen sollen, daß das Alte Testament selbst zum Zeugen für die Anklage des Menschen bzw. desJ uden wird. Der Verkündiger des Evangeliums steht mit seiner Anklage des Menschen nicht allein, sondern kann sich auf das Alte Testament selbst berufen. In diesem Sinn werden die abschließenden Verse 3,19.20 zum eigentlichen Höhepunkt des Abschnittes. Der Prozeß Gottes gegen den Menschen wird durchgeführt! Exegese: Wenn Gottes Urteil nicht mehr nach dem fragt, was dem Menschen vor Augen ist, sondern nach dem, was sich im Herzen des Menschen abspielt, dann scheint der Vorzug Israels dadurch hinfcillig geworden zu sein. Es erhebt sich also der Einwand, worin der Vorzug des Juden besteht oder was eigentlich der Nutzen der Beschneidung ist. Die Doppelfrage von V 1 entspricht an sich dem paulinischen Stil (zum korrelativen ft vgl. Röm 10,6 f.; 11,34 f.). BeideGlieder hängen sachlich eng miteinander zusammen, denn der Vorzug des Juden wird im Akt der Beschneidung erkennbar l . Aber selbst für den, der die Kampfthesen 2,27-28 aufgestellt hat, ist der Vorzug des Juden und der Beschneidung unbestritten. Mit einer gewissen Leidenschaftlichkeit versichert V 2: »auf alle Fälle« oder 'taufjegliche Art, in jeder Hinsicht«2. Daß der Vorzug des Juden bestehen bleibt, hängt mit dem ihm anvenrauten Pfand der »Gottessprüchecc ('ta A.6yLQ 'tO'Ü 'ÖEO'Ü)3 zusammen. Was anvertraut ist, kann nicht Israels Eigentum und Ruhm sein. 'tel k6yLa 'tO'Ü itEo'Ü ist ein besonders feierlicher hellenistischer Ausdruck; man schwankt, ob mi t diesen »Gottessprüchen« die spezielle Offenbarung Gottes am Sinai oder die dem Volk gegebenen Verheißungen (Röm 9,4 ff:) gemeint sind. Das vorangestellte xQ
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Der Vorzug da Wortes Goues und der Beschneidung
gentlieh ein späteres mEL'ta öt, das aber wie in Röm 1,8 fehlt. Man könnte abschwächend vermuten, daß Paulus auf den ))hauptsächlichen« Vorzug hinweisen möchte (R. Cornely). In dem genannten Vorzug wird nach E. Kühl alles andere einbeschlossen. Man sollte jedoch die Unebenheit des Stiles nicht abstreiten. Das Verbum xLmEUEmhlL (1 Kor9,17; IThess 2,4) will prägnant verstanden sein und leitet die Substantiva und Verba der folgenden x(mu;-Gruppe ein. V 5: d yltQ (quid enim) ist rhetorische Frage und bereitet einen Einwurf vor. Die folgende Gegenüberstellung iutLat(a-x(mL~ setzt die Verwandtschaft von Bundestreue (bzw. Abfall vom Bund) und Glauben voraus. iutLOtELV könnte heißen: ))sicl'l als untreu erweisen« (2Tim 2,13), aber auch: ))den Glauben verweigern«. Entsprechend ist iutLat(a die ))Untreue« bzw. die ))Verweigerung des Glaubens«, ~ x(mu; 'toü itEoü die ))Bundestreue Gottescc (PsSaI8,35). Der Partner fragt, ob Gott zu seinem Bunde steht, auch wenn einige Israeliten ihm die Bundestreue verweigern. Die Einschränkung ))einigec( (dVE~) will nicht Menschen entschuldigen oder ihr Vergehen verkleinern, sondern dessen Begrenztheit und Gottes überlegenheit zum Ausdruck bringen. Wenn Israeliten Gott die Bundestreue aufsagen, ihm den Glauben verweigern, kann dann diese Schuld Gottes Bundestreue zunichte machen?5 Paulus weist den Einwand mit einer starken Abwehrformel (J.lTJ ytvOL'to) zuTÜck 6 . Das Ziel des göttlichen HandeIns und des Heilsprozesses besteht nicht darin, daß Israels Vorrecht bestätigt wird (obwohl es auch für Paulus erhalten bleibt), sondern darin, daß Gott sein Recht durchsetzt. Es muß sich herausstellen, daß Gott gemäß der Anklage des Evangeliums ))wahrc( ist, und daß die Aussagen des Menschen Lüge sind. So wichtig ist für Paulus das Ziel dieses Prozesses, daß er ganz von selbst in den Ton der heiligen Schrift verfäUt und ein Psalmwort (116,11) paraphrasierend auf den Gegensatz von Gott und Mensch bezieht. Neben das Gebetswort von Ps 116,11 tritt das Bußgebet von Ps 51,6 (allerdings nur in Form eines Nachsatzes), in dem ausdrücklich gesagt wird, daß die Erkenntnis und das Bekenntnis der Schuld dazu da sind, daß Gott recht behält in seinen UrteilsspTÜchen und rein dasteht, wenn er richtet. Die notvollm und lJtT.(,wtifeltm Belcmnmisse des Psalters sindfiir Paulus eigentliche und tiefste Wahrhtit, die auch derjude wieder entdecken muß. Der Stil des Gebetes im Zusammenhang dieser dialektischen Diskussion ist auffallend. Das ))Gerechterklären Gottesc( ist ein Akt, der in den Sündenbekenntnissen geschieht: man überdenkt die Gerichte Gottes und gibt zu, daß er in diesen Gerichten recht behält. ÖLXaLO'ÜV 'tOv itE6v ist in diesem Zusammenhang ein fester Begriff der Bußsprache und gehört in den Stil formulierter Gebete und Bekenntnisse? Der hängig ist Euseb. dem. evang.IX 9,4; Athanas. in Ps 118,162. yciQ könnte eingeschoben sein (IlA'KL, Korr. von D). ZnR 148 rechnet mit einer Beeinflussung durch den Text des Orig. An sich ist die Verbindung Jltv yciQ nicht ungewöhnlich. Das folgende ÖU ist wohl erklärend, nicht begründend gemeint. s XQtQ{rYEiventspricht dem aram. "" und findet sich in Esr4,21.23; 5,5; 6,8. Das Wort kommt bei Paulus häufig vor (25mal), sonst nurin Lk 13,7; Hebr2,14. Das Futurum ~OEL könnte logisch oder eschatologisch gemeint sein. Hier hat aber die logische Möglichkeit den Vorzug. 6 Jlil ytvoL'tO findet sich im Römerbriefhäufig (lOmat); es ist in der Diatribe beliebt und entspricht dem hebr. 7 &xawüv 'tOv in6v (- Gott recht geben) findet sich häufig in den Psalmen Salomos (2,16; 3,5;
:1'1'''''.
Röm 3,1-8
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Prozeß muß also so auslaufen, daß die Worte Gottes sich als richtig herausstellen, und daß in diesem Rechtsverfahren Gott als Sieger heraustritt. Die Parallelität des doppelten tv spricht eigentlich mehr rur die mediale als rur die passive Bedeutung von XQ(VEaDaL (doch vgl. das Passiv von V 7). V 5: Für das jüdische Empfinden liegt der Einwand nahe, daß eine derartige Zielsetzung Gottes den schuldigen Menschen entlasten muß. Zwei parallel gebaute Fragesätze zeigen deutlich, daß man sich dagegen wehrt, rur etwas verantwortlich gemacht zu werden, was Gott in der Durchführung des Prozeßverfahrens rur sich in Anspruch nimmt. Der GegensatZ: MLx(a-6L)mLO<JiTvr) wird durch den ähnlichen von itA.'Ifh1S-",EUO'tTJS in Röm 3,4 vorbereitet. OUVLatavaL heißt hier: ••darstellen, ins Licht stellen« (durch logische Argumente oder sachliche Handlungen) und paßt gut in diese rechtliche Situations. Wichtig ist, daß der Satz, daß Gott gerecht ist, eine Voraussetzung sowohl des rabbinischen als auch des paulinischen Denkens ist; seine Aufhebung würde den Gottesgedanken selbst treffen. Schon die Frage als solche reizt zur übertretung der dem Menschen gesetzten Norm; daher entschuldigt sich der Sprecher durch die Wendung: xa'tcl 6v&Q<.Oxov 'ktym (GaI3,15; 1Kor 9,8; Röm 6,19). Er meint, daß er nur die Konsequenzen nach menschlicher Logik ziehe. Die Formel kann im Rabbinat verschiedenen Sinn haben und ist vieldeutig9. btuptQELV'ri)VÖQYf)v klingt hier auch forensisch: Gott verhängt den Zorn über den Menschen 10. V 6: Die Antwort des Paulus besteht in dem Hinweis auf das kommende Weltgericht; sie klingt wie eine These (I Kor 6,2; Joh 3,17; 12,47), und es ist wahrscheinlich, daß ein palästinischer, ursprünglich aramäischer Lehrsatz zugrunde liegt l l . Es bedeutet nur eine kleine Abwandlung, wenn das Rabbinat davon spricht, daß Gott die Völker der Welt richtet. Der Begriff •• Welt« meint an unserer Stelle •• alle Menschen«. Das Futurum XQLVEi ist dem Präsens XQ(VEL vorzuziehen. Paulus meint, daß die Tatsache des Weltgerichtes jeden Gedanken an Ungerechtigkeit bzw. Aufhebung der Gerechtigkeit ausschließen muß. V 7: Ein nochmaliger Einwurf soll die Position des Gegners verdeutlichen. Wenn die Wahrheit Gottes meine Lüge voraussetzt, um selbst Herrlichkeit zu empfangen, dann habe ich ein Recht, mich dagegen zu wehren, daß ich als Sünder behandelt werde. Die Wahrheit Gottes ist identisch mit dem Recht Gottes, die menschliche Lüge mit dem Unrecht vor Gott. Die Herrlichkeit Gottes besteht darin, daß Gott durch das Bekenntnis des Sünders, daß er allein recht hat, Anerkennung empfängt. Der übergang zum •• Ich«-Stil gehört in die Diskussion und wirkt rhetorisch. Hinter der empörten 4,9; 8,7). Wichtig ist PsSal2,16: "Ich erkenne dich, 0 Gou, als gerecht an, mit aufrichtigem Herzen, denn in deinen Gerichten ist deine Ge~chtigkeit, 0 Gou.« :"q! (= .. ~in sein«) nimmt im späte~ aram. Sprachgebrauch (Iq!) die Ikdeutung an: .. Recht behalten, siegencc. XQ(VEo&ru kann sowohl medial (= mit jemandem rechten) als auch passivisch (= gerichtet werden) verstanden werden. Vgl. auch IQS 10,11.13. I Röm 5,8; Gal 2,18; 2Kor 6,4; 7,11. 9 Nach Str-B 111 136 ohne genaue rabbinische Entsprechung, doch vgl. D. DAUBE, The New T~ stament and rabbinicjudaism, 1956,394 ff.; KAsEMANN R 77. Hier meint sie: .. nach der Art, wie man es von Menschen nicht anders erwarten kann«. 10 Vgl. Jos. ant. 2,296. 11 Str-B BI 139. Das einleitende btd heißt: )tda sonst'c ... (wie Röm 11,6).
140
Die Anklage Gottes gegen die Menschheit
Frage des Gegners verbirgt sich schon hier die paulinische These, daß Gott tatsächlich das Böse in seinen Dienst nimmt, ohne die Verantwortlichkeit des Menschen aufzuheben (Röm 5,20). V 8 kann als Frage oder Antwort aufgefaßt werden; als Frage würde der Satz rhetorisch, als Antwort wie eine Beteuerung klingen. Die Leugnung der menschlichen Verantwortung, die im dialektischen Spiel des Gegners auftaucht, ist verwandt mit der Lästerung, mit der man die Autorität des Apostels untergräbt. Man parodiert seine Gnadenlehre in dem Sinn, als wolle er das Böse freigeben, damit das Gute daraus entstehe. Der Vers enthält also eine polemische Karikatur des Paulus, die der Apostel zurückweist. Eine solche Argumentation ist in jedem Fall verwerflich und zieht das göttliche Gericht nach sich - man darf eben nicht dialektisch spielen, wenn es um die Gerechtigkeit Gottes geht. Der Abschluß klingt wie eine Beteuerung: wer so redet, verdient das Urteil Gottes, das er über solche Verleumder spricht 12 •
Röm
3,~20:
Die Anklage Gottes gegen die Menschheit
'Wie8teht es Dun? Haben wir Juden einen VOrzu&? Nicht in jeder Hinsicht! Denn wir luIbea vorhin Juden und Griechea unter dielelbe Anld. gelltellt, daß lie alle unter der Hernchaft der SiiDde stehen, l°wie geKhriebeD steht: • ist kein Gerechte!', auch nicht einer, da ist keiner, der einlichtig wäre, da ist keiner, der IIKh Gott fragt. 12 Alle aiDd sie abgewichen, alle miteinander unbrauchbar geworden. Da ist keiner, der du Gute tut, auch nicht ein eiDzipr. 13 EiD pöflDef.eI Gnb ist ihr Schbllld, mit ihren ZUDpD betrügen lie, SchlwDgengilt ist unter ihren Lippen. 141hr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit. 15ScImellIiDd ihre Füße, Blut zu vergieSen, 16Verwüatung und Jmuner liegen auf ihren Wegm, 17UDd den Weg des FriedeDi habeD lie Dicht erkannt. lIEs ist keine Gottafun:ht vor ihren AupD.. l'Nun wiuen wir aber, cIa8 alles, was du Gesetz sagt, es denen sagt, die UDter dem Gaetz 1iDcl, damit jeder Mund gestopft uud die puze Welt vor Gott Khuldig werde. 2°Denn aUI Werken des Gesetzes wird kein F1eilcb vor ibm gerecht gesprocheD werden, weil durch du Gaecz Erkenntnil der Sünde kommt.
Analyse: Daß Paulus in Röm 3,1-8 mit demjuden diskutiert, wird auch durch den ganz andersartigen Abschnitt Röm 3,~20 bestätigt. Die Frage nach dem Vorzug des Juden (3,1) wird wieder aufgenommen; sie wird allerdings in Röm 3,9 etwas vorsichtiger beantwortet als in 3,2. Es folgt in 3,9b eine ausdrückliche und zusammenfassende Form der Anklage, die den Inhalt von Röm I, I S-3,8 zusammenfaßt. Man kann diese These Röm 3,9b als das eigentliche Thema des neuen Abschnittes bezeichnen. Es folgt dann eine feierliche Klage-Liturgie, die aus 12 ~J.LEia6m ist ein besonders starker Ausdruck, der die Schwerr des gegnerischen Vorwurfs vor Augen fühn. Das Won des Gegnen trifft Paulus am empfindlichsten Punkt, nämlich im Ernst seines Zeugnisses. Wer zum Tun des Bösen aufruft, ist selbst ein xaxoxo~ ZnR 161). Die Verurteilung des Paulus bezieht sich auf die 'tLV~, nicht auf solche, di~ eine derartige These für möglich halt~n. Der Schluß von V 8 ist eine Art Fluch, wie V 4a k~in religiöses Postulat, sondern beschwörendes Gebet war (0. Kuss, E. KAsEMANN).
Röm 3,9-20
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einzelnen Schriftworten (vor allem aus dem Psalter als dem Gebet- und Bekenntnisbuch) in drei Strophen zusammengesetzt ist. Der mögliche Einwand, die Schrift rede von der Schuld der Heiden, wird durch die exegetische These in V 19 abgewehrt, daß die Tora zu Menschen unter der Tora redet. Der Vers zeigt, wie stark auch unser Abschnitt von der Tendenz beherrscht wird, denJ uden verantwortlich zu machen. Nur wenn der Protest des Juden verstummt, kann sich die Anklage gegen alle Menschen durchsetzen. Diese Klage-Liturgie dient also dazu, den Juden zur Selbstbesinnung zu bringen. Auch der folgende Vers 3,20 wendet sich mit einem Schriftwort und einer prägnanten These zum Gesetz ausdrücklich an die Adresse desjudentums. Das von Paulus aufgenommene Psalmwort entstammt wieder einem Bußgebet (Ps 143,2) und besagt, daß vor Gott kein Lebender gerecht gesprochen wird. Auch hier dient der Psalter zur Erkenntnis der eigentlichen Situation des Menschen unter dem Gesetz (vgl. Röm 3,4; 4,7 f.). Die abschließende These, daß durch das Gesetz Erkenntnis der Sünde ermöglicht wird, weist schon auf Röm 7,7 ff. hin. Exegese: V 9: Auch der neue Abschnitt setzt mit der Dialogform ein. In diesem und 'tL yclQ (Röm 3,3) zur Aufnahme eines Gespräches. xQOSinn dienen tL EX6ttEita bezieht sich auf dasJ udentum und nimmt die Frage von Röm 3,3 noch einmal auf: Kann dasjudentum sein Vorrecht geltend machen (XQOtxEofkll.)?1 xaV't
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Wir weisen aufdie Aussage von Röm 5,12 ff.: Sünde als hernchende Macht »kommt in die Weltce. Damit wird in anderer Form der gleiche Tatbestand beschrieben, der schon in Röm 1,18 ff.; 3,1~18 dargestellt wird. Folgende Momente der Gtrichtspredigt des Paulus sind charakteristisch: I. die Menschen verkehren das Gebot Gottes in ein gegen Gott geI Ip der LA des westlichen Textes: 't( obv 1tQ<»«l'ttxOJlEV 1tEQwoOv (O-G-) ist das Ganze als eine Frage im Sinn von 3, I zu verstehen. In diesem Fall fällt das folgende crü 1tavt~ weg. In der gewöhnlichen Fassung unseres Textes ist es fraglich, ob man 't( obv 1tQOE'X6J.ldta als eine einzige Frage auffassen soll, oder ob man 'tl abv von 1tQOE'X6f.aria abtrennen soll. Die Antwon: 06 navt~ spricht fUr die Abtrennung. 1tQOEXOtArio. hat in der Profangräzität gewöhnlich den Sinn: »etwas vorschützen, Ausflüchte machen •• ; es wird a~r hier aktivisch verstanden werden müssen: »etwas vorausha~n«. Zum Auseinandertreten der verschiedenen Zeugengruppen vgl. LTZMR 47. A. PALLIS bevorzugt wie auch sonst den westlichen Text. l Die Verschiedenheit zwischen der Antwon: •• viel auf jeden Fall« (3,2) und der Einschränkung: »nicht in jeder Hinsicht .. (3,9) darfnicht ü~rsehen werden. KOHLR 103 sieht in ihr eine Korrektur. DoooR 47 warnt vor der Annahme, daß zwischen Röm 3,2 und 3,9 eine Diskrepanz liegt. PALLISR 64 schlägt vor, crü durch Komma von navt~ zu trennen.
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Die Anklage Gottes gegen die Melllchheit
richtet es und Gott widerstrebendes Handeln und Sein. Mit dem verkehrten Handeln ist ein verkehrtes Sein gegeben. 2. Dies verkehrte Handeln und Sein richtet sich nicht nur gegen Gott, sondern auch gegen den Mitmenschen und gegen sich selbst: dem Verkehrungsprozeß entspricht ein Zerstörungsprozeß. 3. Dies verkehrte Handeln und Sein verdeckt jede Möglichkeit der Gotteserkenntnis und verwickelt folgerichtig Geschlecht auf Geschlecht in dies schuldhafte Verhängnis, so daß der Mensch keine Möglichkeit ha t, sich ihm zu entziehen. Die Sünde wird zur konkreten Macht in der Geschichte und im Leben der Menschheit. Es entsteht der Zwang, die Notwendigkeit und die Aussichtslosigkeit der Verschuldung, damit die Gleichgültigkeit, die Zustimmung, aber auch die Verzweiflung gegenüber dieser VerOochtenheit (Röm 1,32; 7,7 ff.). Paulus kann die Sünde als Verkehrung, als Zerstörung und als Verhängnis konkret in der Gerichtspredigt aufweisen, wie er es in Röm 1,1~3,20 tut. Er kann aber auch theologisch und mythisch denselben Sachverhalt darsteUen, wie es in Röm 5,12 ff. geschieht. Die mythische Beschreibung ist also eine theologische Bestätigung der Gerichtspredigt und ergänzt die früheren DarsteUungen des göttlichen Gerichtes. Der mythische Begriff der 6J&OQ~(a beschreibt also auch einen konkreten anthropologischen Sachverhalt. Der Begriff der lq.&agt(a ist eine Personifikation und stellt uns vor eine religionsgeschichtliche Frage. Der Mensch untersteht der Sünde wie ein Sklave oder Schuldner (Röm 6,16.18; 8,3). Er verliert also die Möglichkeit, über sich selbst und sein Handeln zu verfügen. Diese Personifikationen (Begierde, Fleisch, Sünde, Tod) sind eine besondere Eigenart der paulinischen Theologie und stellen vor die Frage, inwieweit hier ein ganz bestimmter jüdischer Lehrstil oder eine hellenistisch-orientalische Denkform vorliegt. Man könnte auf den Sprachgebrauch und die Anschauungen der qumtanischen Sektenschrift ( 1QS) und auf die Anthropologie des Psalmenbuches ( 1QH) hinweisen. Offenbar ist hier im Anschluß an gewisse Stellen des Alten Testaments (z.B. Ps 143,2) eine Radikalisierung des anthropologischen Denkens erfolgt (vgl. IQH 1,21 Ir.; 3,23 f.; 4,30 f.; IQS 11,9). Es ist auch anzunehmen, daß im Rabbinat, im 4. Esra und bei Paulus eine exegetische Tradition vorliegt, die sich auf Gen 3 beruft. Aus gnostischen Voraussetzungen ist der paulinische Begriffder Sünde nicht zu verstehen, denn es geht ihm nicht um eine Verstrickung in die Materie, sondern um die Auflehnung gegen Gott selbst und gegen sein heiliges Gebot (Röm 7,7 ff.)3. Es folgt eine Kombination von Schriftzitaten, vorwiegend aus dem Psalter, die offenbar unter einem bestimmten Gesichtspunkt zusammengestellt ist. Entscheidend ist die Einsicht in die Komposition: Wir haben drei Strophen vor uns, die einen besonderen Aufbau haben. V 10-12 als 1. Strophe besteht aus 2 mal 3 Zeilen, V 13-14 und V 1'>-18 aus je 2 mal 2 Zeilen. Nachdrücklich klingt das 6maiigeO'Üx fotLv, das in V 18 zum letzten Mal auftaucht. In diesem oux fO'tLV, das in anderer Form durch navtEC; in V 12 wieder aufgenommen wird, liegt das eigentliche Thema dieses Klageliedes (vgl. die Konsequenz in V 19: :1täv 0't6f.Ul, V 20: näoo oßQ;): niemand steht außerhalb der allgemeinen Schuld. Das Ganze klingt wie ein Klagtlied, das einerseits durch seine Gleichförmigkeit, anderseits durch die Abwechslung in der Aufzählung (der Gerechte, der Verständige, derjenige, der Gott sucht, derjenige, der Gutes tut) eine gewisse Kunstform aufweist. Alttestamentliche und jüdische Denkformen bestimmen nicht nur die Zitate, sondern auch die neue Komposition (Gottesklage!). Auch im Blick auf den In1 Zur Hernchaft der Sünde vgl. auch den alten johanneischen Spruch Joh 8,34: »jeder, der die Sünde tut, ist Sklave der Sünde« (anm. Wortspiel ~-: machen; ~: Knecht).
Röm 3,9-20
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halt ist ein gedanklicher Aufbau zu erkennen: die Sünde besteht darin, daß der Mensch Gott mißachtet (V 10-12) und mit dem Wort (V 1!-14) und auf allen Wegen (V 15-18) das Leben des Mitmenschen zerstört. Wir haben einen urchristlichen Psalm vor uns, der aus der Vielheit von Einzelzitaten zu einer kunstvollen Einheit zusammengewachsen ist. Teilweise schließen sich die Einzelzitate wörtlich an die Septuaginta an, teilweise wird eier griechische Text verändert und gekürzt. Eine derartige Kombination von Schriftzitaten gleichen oder ähnlichen Inhaltes, in der man die Einzelworte wie Perlen aneinanderreiht, war schon im Rabbinat geläufig. Es ist nicht unmöglich, daß 'eine derartige Zitatenkollektion Paulus vorgelegen hat bzw. daß sie als selbständiges Gebilde in der paulinischen Verkündigung einen festen Platz hat. Wichtig ist die Beobachtung, daß nicht nur das Einzelzitat, sondern auch der neue Psalm als solcher für Paulus und seine Leser zur Autorität (= Gottesklage!) geworden ist. Es ist möglich, daß diese Kollektion eng zusammenhängt mit den ähnlichen Bußgebeten, die Paulus in Röm 3,4.20; 4,7 f. zitiert. Cod B LXX zu Ps 14,1-3 hat offenbar den paulinischen Text übernommen. AuchJustin dial. 27,3 geht wahrscheinlich aufdie paulinische Zitation zurück. Anfang und Schluß der Zitatenreihe: oox fotLV Ö(XQ~ ooöt d; (V 12) und oUx mLv ~ inoü lmf:vavtL tÖN ~ aÜtÖN (V 18) gehören wie ObtrSclrrift und Resultat zusammen. Vorangestellt ist das Stichwort ÖLXQL<>;, das in Ps 14,1~3 fehlt, für Paulus aber typisch ist. Die einzelnen Wendungen entsprechen dem semitisch und alttestamentlich gefärbten übenetzungsgriechisch. In V 13-17 scheinen sich die menschlichen Glieder venelbständigt zu haben; gemeint ist jedoch die Tätigkeit, die der Mensch durch seine Glieder ausübt. Der Satz: »den Weg des Friedens haben sie nicht erkannt« (V 17) bedeutet doch wohl, daß sie außerstande sind, Frieden bzw. Heil zu schaffen (vgl. dagegen Röm 5,1: E~ fxOf.LEV). Es besteht die Möglichkeit, daß schon dasjudentum Zitatenkompositionen zu katechetischen und apologetischen Zwecken geschaffen hat und daß die alte Kirche solche übernommen und ähnliche neu geschaffen hat. Die besondere Kunstform unseres Psalmes weist mehr auf eine liturgische als auf katechetische Abzweckung. Zur Testimonienfrage vgl. die Untersuchungen von E. Hatch (Essays in Biblical Greek, 1889), H. Vollmer (Die alttestamentlichen Zitate bei Paulus, 1895), R. Hams (Testimonies, 2 Bde, 1916-1920); C. H. Dodd (According to the Scriptures, 1953), J. A. Fitzmyer (NTS 7, 1960/61, 297-333), O. Michel (Paulus und seine Bibel, 1929, Neudruck 1972).
V 19: otöaf.LEv weist auf die bei den] uden vorhandene Kenntnis des folgenden Lehrsatzes hin 4 ; er heißt: naHes, was das Gesetz sagt, spricht es zu denen, die unter dem Gesetz stehen«. Es ist anzunehmen, daß dieser Lehrsatz von den]uden ausgesprochen und anerkannt wurde, denn nur in diesem Fall ist das exegetische Schlußverfahren des Paulus gültig. 6 v6J.l~ ist hier letztlich identisch mit der ganzen heiligen Schrift (= iI YQ
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Die Offmbarung der Gerechtigkeit Gottes
dem Judentum anvertraut iSl (Röm 3,2), will seinen ganzen Dienst tun und den Menschen in die Tiefe der Sündenerkenntnis fUhren l l .
Röm 3,21-31: Die Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes im Kreuz Jesu Christi
21 Nun Mer ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit offenbart worden, die von Gesetz und Propheten bezeugt wird, 12 nämlich die Gerechtigkeit Gottes, wie lie durch Glauben an JesUi Chriltul erlangt und allen zuteil wird, die da glauben. Denn es i.t kein Unterschied: l3lie laben doch alle gesündigt und enDlIIlgelD daher der Herrlichkeit Gottes; 24 1 ie werden aber UIDIOnst gerechtfertigt durch seine Gnade auf Grund der in Christul Jaus geschehenen Erlöeung. 15 Den hat Gott öffentlich hingestellt'" Sühnopfer durch den Glauben in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, weil er die Sünden, die früher während der Zeit der Lanpnut Gottes bepngen worden waren, bisher unbestraft vorübergehen lie8, 26zum Erweis seinel' Gerechtipeit in der jetzigen Zeit, auf cIa8 er seIbIt gerecht sei und rechtfertige den, der im Glauben an Jau. steht. 27 Wo bleibt nun du Rühmen? EI wurde aUIgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch du der Werke? Nein, IOndern durch das Gesetz des Glaubens. 28 Urteilen wir doch, cIa8 durch Glauben der Mensch gerechtfertigt werde ohne Werke des Gesetzes. 290der gehört Gott nur den Juden? Nicht auch den Heiden? Ja, auch den Heiden, 30 wenn anders e. nur einen Gott gibt, der rechtfertigen wird die Beschneidung aus Glauben und die Unbeschnittenheit durch den Glauben. 31 Heben wir nUß etwa du Gesetz durch den Glauben auf? Du sei ferne, IODdem wir richten du Gesetz auf.
Ana{vse: Mit Röm 3,21 setzt ein neuer Abschnitt ein, der sich offenbar an den programmatischen Lehrsatz Röm I, 17 anschließt. Die eschatologische Gerechtigkeit ist im KreuzJesu Christi als dem entscheidenden Ereignis der Geschichte offenbar geworden. Es bleibt auffallend, daß gegenüber der Ntgation Röm I, 1~3,20 (Offenbarung des Zornes Gottes) die Position in Röm 3,21-31 knapp dargeste-llt wird. Wir unterscheiden drei Gedankengruppen: V 21-24 (Stichwort: öLxaLoaUVT) 'ÖEOü); V 2>-26 (Stichwort: lAa<Jti)QLOV); V 27-31 (Stichwort: n:(atL~). Auch stilistisch sind diese drei Gruppen deutlich voneinander zu unterscheiden. Die beiden ersten Gedankenkreise (V 21-24.2>-26) setzen sich durch einen proklamalorischen Stil von ihrer Umgebung ab: man erkennt ihn an einer gewissen Feierlichkeit, an der Betonung ausgewählter Begriffe und am Zurücktreten der Verben und Adjektivei. Vor allem in V 25.26 löst sich das SatzgefUge in präpositionale Wendungen auf, die unverbunden nebeneinander stehen. (ÖL« ... tv ... El~ . .. ÖuI ... tv ... n:Q6~ ... ). Auffallend ist ferner, daß in diesen Satzkonstruktionen ein Teil der Begriffe durch andere ausgelegt oder wiederholt wird (z.B. Ö
Röm 3,21-31
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fragt sich, ob nicht die Wendung Öl.« nLouooc;, auf die es Paulus offenbar ankommt (3,22.25, ähnlich 27.28), für die theologische Erfassung des Zusammenhangs von besonderer Bedeutung ist. Was die nLm:I.C; ist, wird sowohl durch das Heilsereignis selbst als auch durch die Antithese gegen die »Werke des Gesetzes« bzw. gegen das Vorrecht des Judentums deutlich. Man kommt nicht um die Erkenntnis herum, daß Paulus auch in Röm 3,21-31 das KreuzJesu in die Auseinandersetzung mit demjudentum einbezieht. Vielleicht haben wir zwischen einer ursprünglichen Tradition, deren Bestandteile in Röm 3,24 ( noch erkennbar sind, und einer paulinischen Inttrpretation, die vor allem Röm 3,26 umfaßt, zu unterscheiden J . Im Unterschied zu den langen, feierlich getragenen Satzperioden V 21-24.2~26 hat der Abschnitt V 27-31 einen aufgelockerten, dialogisch-rhetorischen Charakter. Frage und Antwort wechseln weiterführend einander ab. Auch in diesem Schlußabschnitt steht Paulus in der Diskussion mit dem Judenturn und wehrt dessen Einwände und Mißverständnisse ab (vgl. besonders 3,31). V 27-31 stehen also nicht auf der gleichen Stufe wie V 21-26, die offenbar die Grundlage bilden, von der aus Paulus dann die Konsequenzen zieht. Ein eigentliches Zitat findet sich in unserem Abschnitt nicht, doch gibt das nachfolgende Kapitel Röm 4 eine exegetische Begründung für die Bedeutung des Glaubens. Exegese: Wie der •• Zorn Gottes« die Schilderung von Röm I, 1~3,20 bestimmt, so tritt die ••Gerechtigkeit Gottes« von Röm 3,21-4,25 in den Mittelpunkt des paulinischen Denkens. Der .)Zorn Gottes« ist das charakteristische Merkmal des alten Äons wie die »Gerechtigkeit Gottes« für den neuen Äon. Für dasJ udentum waren derartige Begriffe bestimmte Eigenschaften und Kundgebungen Gottes, die auf sein Gericht und seine Vergeltung hinwiesen, für Paulus aber sind sie zu Gegensätzen innerhalb der eschatologischen Anschauung von »Einst« und »Jetzt« geworden. Allerdings ist dies eschatologische Gegenüber von altem und neuem Äon nicht die einzige Denkform; durch die heilsgeschichtliehe Beziehung (Röm 3,21; 4,1 ff.) ist die eschatologische Wendung als Erfüllung mit der Vergangenheit verbunden. V 21: Der neue Abschnitt beginnt mit einem sowohl zeitlich als auch logisch zu verstehenden vuvi. öt (I Kor 15,20; Eph 2,13; Hehr 9,26). Gemeint ist, daß der neue Äon schon in der Gegenwart angebrochen ist (vgl. Röm 3,26: tv t vüv xal.QQi.C; v6J.loU bedeutet, daß Gottes Ge&v :n:QOfflno 6 6EOs D..aon;QLOV tv t«i> autoü atJ,latl
bUI :n:(atEWC; dC; tvbE";lV "Ci\c; oLxaLOO'iM)c; autoü
bui tTrv :n:OQEOLV tÖJV :n:QO'{E'(OVOtwv QJ,laQtTIJ,l{mov tv tfI ilvoxfi tOÜ itEoü ltQOc; tTrv tvbEL;LV ti)c; bLxaLOOiM)c; autoü tv t<j) vüv xaLQ<j> dC; tO dval autOv o(XQLOV xat bLXOLOÜVM tOv bc lt((nEl.O<; 'l'IOOü. 1 Vgl. R. BULTMANN, Th~ologi~ des N~u~n T~stam~nts, 1968, 49; auß~rd~m E. KASEMANN auf d~m Marburg~r Th~log~ntag 1950, ZNW 43, 1950-51, 150-154. Vgl. dazu kritisch O. Kuss. a.a.O. 161. • Di~ Komm~ntare schwank~n, ob VUVL bt z~idich od~r logisch zu v~rst~h~n st:i. Di~ z~it1ich~ Deutung liegt wegen d~r Näh~ zu :n:apavtQwtaL nahe. ScHUlTER, Gerechtigkeit 136 weist daraufhin, daß auf die Betrachtung d~r Heiden und Juden nicht eine Darstellung der Christenheit folgt: Paulus spricht vom .)W~rk~ Gones" in Schöpfung und Gesetz, in Jesus Christus und von der durch ihn gesch~nkten Gerechtigkeit.
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Die OfFenbarung der Gerechtigkeit Gottes
rechtigkeit nicht als Frucht menschlichen Bemühens, aber auch nicht als Ereignis unter dem Gesetz verstanden werden solls. Vielleicht darf man sogar schon an Christus als ttÄo~ v6tlou (Röm 1O,4) erinnern. Gottes Gerechtigkeit ist offenbar geworden ))unabhängig vom Gesetze< (Tb. Zahn). XEq>
5
XWQ~
votlov steht in Gegensatz zu bUI v6J.tov in Röm 3,20: Erkenntnis der Sünde geschieht
durch das Gesetz, die Gerechtigkeit Goues wurde offenbar ohne das Gesetz.
x~ts
v6J.&ov begegnet
als feststehende Fonnel in Röm 7,8 f. 6 I'O{mJQEÜJ6aL an dieser Stelle hat einen ihm eigenen Klang: der Kanon des Alten Testaments triu auf die Seite der Gerechtigkeit, stimmt ihr als Zeuge zu und widerspricht damit der jüdischen Selbstgerechtigkeit. Die Zweiteilung des Kanons ist (neben der sonst bezeugten Dreiteilung) nicht ungewöhnlich (Str-B 111 164). Gelegentlich werden die Psalmen zu den prophetischen Büchern gezählt. Zur Zweiteilung des Kanons vgl. Mt 5,17; 7,12; 22,40 u.ö. 7 Der Hinweis auf ..Gesetz und Propheten« in Röm 3,21 entspricht dem heilsgeschichtlichen Zeugnis der »heiligen Schriften« in Röm 1,2. Paulus legt Wert auf seine übereinstimmung mit dem Alten Testament. S Vorausgesetzt wird, daß Paulus in Röm 3,22.26 an einen Gen. obj. denkt (Glaube anJesus Christus), d.h. daß der Glaube sich zu Jesus von Nazareth als Sohn und Herrn bekennt. Es geht also in diesem Gen. obj. um einen Bekenntnisakt. Doch wird diese Genitiv-Verbindung auch anders verstanden (Gen. subj. oder Gen. myst.). Der gleiche Genitiv wie in Röm 3,22.26 findet sich in Gal 2,16.20; 3,22; Phil 3,9; Eph 3,12. 9 Nach]( 00, also nach byzant. und westlichen Textzeugen, ist aus der LA El; 1tclvta; (It ABC) und aus der zweiten: super omnes (vulg.) die Kombination: El; 1tclvta<; xal btl 1t6vt~ entstanden. NVGRENR 114 entscheidet sich dafür, diese liturgisch vollklingende LA für ursprünglich zu halten. 10 Der neue Gedanke muß mit V 22b einsetzen, nicht mit V 23, oder man müßte V 22b als Anfang \'on V 23 zählen (vg!. SANDAV-HEADLAMR 84).
Röm 3,21-31
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Menschen gesündigt haben, wird hier ausdrücklich wiederholt. Eigentlich beginnt der Vers mit den Wonen: ab yciQ tO'tLV 6LaowAy), die ohne Zweifel zur nachfolgenden Anklage gehören. Die Aufhebung der Unterschiede und des Vorrechts Israels war deshalb notwendig, weil die Menschheit unterschiedslos gesündigt und daher die Anerkennung durch Gott verloren hat. Die Allgemeinheit des menschlichen Verderbens ist eigentlich eine apo/cillyptisclu Erkenntnis (4. Esra); wir werden an diese Tatsache erinnert, wenn Paulus die Allgemeinheit der Schuld als einen Mangel der •• Herrlichkeitcc Gottes (1'1 ~ lOÜ itEoü) beschreibt. 1'1 M;a lOÜ itEoü könnte an sich im Sinn vonJoh 12,43 verstanden werden (Ehre, Anerkennung vor Gott); der Sünder kann keine Anerkennung von Gott her erwanen. Aber in unserem Zusammenhang ist ~a lOÜ itt:oü doch wohl mehr, vielleicht sogar mehr als 6uwl.()(J\m} itro'Ü (vgl. Röm 8,30; 4Esr 7,42). Nach der Auffassung des Frühjudentums hat Adam Gottes •• Herrlichkeitcc verloren t t, daher liegt auf dem Sünder ein Verlust dessen, was Gott dem Menschen zugedacht hat (IKor 11,7: Verbindung von dX<.Ov und M;a itEo'Ü). Vielleicht ist dies Motiv sogar ganz alt und semitisch (hebr. ';IJ). In unserem Zusammenhang ist die Rechtfertigung ein Geschehen, das diese •• Herrlichkeitcc wiederherstellt. V %4: An die negative Aussage von V 23 schließt sich jetzt eine positive ohne Verknüpfung an. Statt des Partizips 6LXOLOUflEVOL erwartet man eigentlich eine indikative Verbform (wie 6LxoLOmaL 6t). Paulus will den Begriff 6u(al.()(J\m} itEoü (V 21.22) durch die Panizipialaussage unseres Verses näher bestimmen, so daß der Gedankengang an V 21.22 anknüpft und V 23 wie eine Parenthese wirkt. Paulus kommt es auf die »geschenkweisecc (6roQEav = semitisch DI.,) übermittlung der Gerechtigkeit an. Dies &oQEav kommt bei Paulus sonst nur in einem anderen Sinn vor, es wirkt hier bewußt feierlich und liturgisch und stammt wohl aus einer älteren Vorlage (ähnlich AplrJoh 21,6; 22,17). Der Mensch hat keine Möglichkeit zu einer eigenen Vorleistung, sondern bleibt ein Empfangender. 'tfl amoü XlJQt.lL ist selbständig und beschreibt die Rechtfertigung als einen Akt der Gnade Gottes. Die Verbindung von XOQ~ und 6wQEa findet sich auch in Röm 5,17. Der Rithtnspruch Gottu lud sich im K'~JtSU Christi 1101l(.01'''; er hat aber die Welt nicht zerstön, sondern begnadigt. Es handelt sich also um den Sinn und die Herausstellung eines bestimmten historisclura Ereignisses. In dieser Verbindung von Richterspruch und Begnadigung ist die ganze Spannung der paulinisehen BegritTsbildung und seiner Denkformen angedeutet. Der begnadigte Mensch ist dem Gericht entnommen und steht jetzt im Zeichen einer Gnade, die den Ernst des göttlichen Gerichtes ständig vor Augen hat. Es entsteht daher eine neue Einstellung des Menschen Gott gegenüber, die aus diesem Begnadigtsein heraus glaubt und handelt. Dies »Leben« aus dem Begnadigtsein ist das eschatologische Leben von Röm 1,1 7. Der eingeschobene Genitiv amoü (\'fI amoü XOQLlL) unterstreicht die Souveränität Gottes. Zur Kennzeichnung dessen, was sich am KreuzJesu Christi ereignete, verwendet unser Text die beiden 11 Adam hat Gottes Herrlichkeit (''1) durch aeine Sünde verloren (Gen r 12,5 zu 2,4; griech. Apk Bar 4,16; VitAd). Vgl. ThW 11 391; 111 1020 0". undJ.JERvELL, Imago on. 1960.44 0". 92. 100 0". 1130".
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Die Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes
Begriffe cbtoAlrtQ
Röm 3,21-31
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und einer paulinischen Interpretation. Die Durchführung des Opfergedankens stellt also ebenfalls das Motiv der »Gerechtigkeit« Goues heraus: stirbtJesus als Sühnopfer, so liegt in diesem öffentlichen Geschehen die Veruneilung der menschlichen Schuld durch Gott, aber auch die Bestätigung seiner Wahrheit 14 . lAaoTfpOY ist subst. Adjektiv (vgl. ourtTJQ- ourtTJQ\ov, qnJMIx,",Q- qnJ~) und bezeichnet in der LXX (auch in Hebr9,5) den Deckel der Bundeslade (Kappored, vgl. Ex 25,17-22; 31,7 u.ö., auch Philo. Die Kapporet ist Ort der Gegenwart Gottes, der götdiehen Offenbarung und Sühnstätte (Str-B 111 165-185).Jos. ant. 16,182 spricht von einem »Denkmal, das sühnen sollce (D..aotfJQlOY Jlvi)..,.a) und verwendet dabei unser Adjektiv, während er in ant. 3,137 den Deckel der Bundeslade bdfq.&a nennt. Ähnlich ist der Sachverhalt bei Philo, der mit bd&..,.a und xOOtm den LXX-Begriff zu erklären sucht (vit. Mos. 11 95.97). Offenbar wollen die hellenistischen Schriftsteller die Kapporet anführen, haben abcreine gewisse Schwierigkeit, den LXX-BcgriffD..aO't'flQ"ov aufsie anzuwenden. I m Hellenismus ist u.acm;QLOY die Sühngabe , durch welche die zürnende Got thcit gnädig gestimmt wird. In diesem Fall gab es eine hellenistische Kultsprache, an die Paulus sich anschloß. Da z.Zt. des zweiten Tempels die Kapporet nicht mehr existierte, sprengte man das Blut auf einen Stein, der an ihrer Stätte lag Uoma 5,3 f.). Es ist durchaus möglich, daß Paulus - und vorher das hellenistische Judenchristentum - an die Kapporet des Neuen Bundes dachten.
Die gegenwärtige Diskussion, die Sprache und Sinnzusammenhang unseres Textes untersucht, steht vor bestimmten Alternativen: I. Ist lla
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Die O&nbanmg der Gerechtigkeit Gottes
Frühjudentums vgl. J. Jeremias, E. Lohse, P. Stuhlmacher, H. Gese. Es gibt ein neuts Sühnewirken, das für alle Völker gilt. Bund und Sühne gehören zusammen. Alte Traditionen werden aufgenommen und von Paulus neu gedeutet. Es kommt aber Paulus nicht auf eine Stätte, sondern auf ein Geschehnis an. Selbstverständlich ist das jüdische Grundmotiv, daß ein Gerechter zur Sühne, zum Opfer wird, hier als Voraussetzung einzuschalten. Am KreuzJesu stirbt der Gerechte, der die Sünde der Menschen nicht kannte (2Kor 5,21 ). Am nächsten verwandt sind die Aussagen lJoh 2,2; 4, I0 (~ ltEQi 'tÜJY ~~). Auch in ihnen wird der Anspruch des OpfenJesu hervorgehoben. Es ist anzunehmen, daß die Begriffe D.acnftQwY~ ab feste Deutungen des Todes Jesu der Gemeinde bekannt waren. Gegen die Gleichsetzung: JesUl = Kapporet hat ZnR 188 n: wichtige Einwände erhoben. Die adjektivische Fassung der älteren lateiner (propitiatorem) wird deshalb meist abgelehnt, weil die maakulinische Form von ~ov bisher noch nicht nachgewiesen wurde (ZuR 186; LagrR 76). Der heidnische Gedanke, daß Menschen durch eine Sühnegabe Gott gnädig stimmen, liegt unserem Text fern. Gott selbst ist der Handelnde, weil er das Sühnopfer Christi annimmt und die Versöhnung ausrufen läßt (2Kor 5,20 f.). Die Formel: tv -ap airtoü at,.uX'tL findet sich in Röm 3,25; 5,9; Eph 2,13; Hebr 10,19; 13,20; lJoh 5,6; Ap~oh 1,5; 5,9; 7,14. Vorausgesetzt ist, daß wir auch hier ein Motiv der OpfnsJlrtltN (und der Abendmahlsfeier) vor uns haben (vgl. Lk 22,20; IKor 11,25). Die Sühnkraft liegt im Blut (vgl. auch 4Makk 6,29; 17,22). Im Blut liegt die Seele, das Leben; somit ist die Hingabe des Blutes identisch mit dem Opfer des Lebens (Str-B 111 185). Das einmalige SterbenJesu Christi bleibt wirksam in der Proklamation seines Todes (xatayytllEL'Y, I Kor 11,26). Sühne für die Schuld des Volkes unabhängig vom Tempelkuh spielt schon in der Qumran-Gemeinde eine entscheidende Rolle. Indem die Gemeinde-Gebote eingehalten werden, weiß sich diese als eine wn Gottes RatschJuß bestimmte heilige Gemeinde der Endzeit, die für du Land (für die Welt) Sühne erwirken soll. Vgl. IQS 8,6.10; IQ 109, Col. I 3. Es scheint so, daß die Wendung: ))zu sühnen für Israelcc fest geprägt und feierlich ist (Neh 10,34). Ganz entsprechend sagt Jos ant. 18,19: »Die Essener bringen keine Opfer dar, weil sie heiligere Sühnemittel zu besitzen glauben. ce Beim Eintritt in die Sekte geschieht Sühne durch den heiligen Geist (IQS 3,68".; IQH 16,12; fragm. 2,13). Vgl. zum Ganzen L. Moraldi, Sensus vocis Ilaat1JQLOV in Röm 3,25, Verbum Domini 26, 1948.257-276; L. Morris. Thc mcaning Of~QLOV in Rom 3,25. NTS 2. 1955. 3~55. Außerdem: A. Büchler, Studies in Sin and Atonement in the Rabbinic Literature ofthe fint century, 1928; F. Nötscher, Zur thcol. Terminologie der Qumrantcxte, Bonner bibI. Beiträge 10, 1959, 188-192; P. Stuhlmacher, Zur neue ren Exegese von Röm 3,24-26, Festschrift für W. G. Kümmel, 1975,315-333.
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Ist ö..a x(me~ ursprünglich, dann ist es an den ganzen Zusammenhang anzuschließen: •• das man sich zu eigen macht durch den Glaubencc (H. Lietzmann). Tatsächlich ist ölit x(OtEW; die einzige Bestimmung, die von der Heilsaneignung durch den Menschen spricht. ölit x(mew; ist bei Paulus häufig als Kampffirtnll gebraucht und bezeichnet den neuen Heilsweg im Gegensatz zum Gesetz und den Werken des Gesetzes. Wenn Paulus in Röm 3,24 f. eine ältere Tradition verarbeitet, wie R. Bultmann 15 annimmt, dann könnte die Vermutung auftauchen, daß ölit x((neO>; von ihm selbst eingefügt worden sei. Es wäre vielleicht möglich, die präpositionalen Wendungen in ~ti IJTtiergruppm aufzulösen, die einander genau entsprechen: ÖLCi, tv, d; werden durch bLCi,
15
R.
BULTMANN,
TMoJogie des Neuen Testaments, 1968,49.
Röm 3,21-31
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~v, lt~ wieder aufgenommen,
wobei das letzte Glied der ersten Reihe dem letzten Glied der zweiten Reihe entspricht. Auf dem letzten Glied liegt also jeweils ein besonderer Nachdruck. Wir werden 4!laher mit der zweiten Dreiergruppe neu einsetzen müssen. Es geht um die Bestimmung der fvÖE";I.~ tii~ ö.."al.OO'irv'l~ airto'Ü (V 25.26). Damit ist ein Stichwort gegeben, das für Paulus wichtig ist. Das Opfer Jesu Christi ist ein Offenbarungsgeschehen, in dem Gott sich selbst kundtut. Die Herausstellung der Gerechtigkeit (fvÖE";I.~ = ))Erweis«, )Aufzeigen«) bedarf einer Erläuterung; darum spricht Röm 3,25 von einem ))Vorübergehen lassen« oder von einem »)Aufschubc( der Sünden, die während der Periode der Geduld Gottes aufgespeichert wurden. ltaoEO~ ist in diesem Zusammenhang nicht eindeutig. Es bedeutet hier, daß Gott Aufschub gewährt, bis daß der Tag der Abrechnung kommt. So nimmt das Judentum an, daß Sünden im Lauf eines Jahres aufgespeichert werden, bis daß der große Versöhnungstag kommt und sühnt Uoma 8,8). Der Karfreitag tritt dann als eschatologisches Ereignis an das Ende der alten Weltzeit und beendet die Periode der Geduld (civoxfJ). Der Zeitraum des ))Zornes Gottes« ist zugleich von Gottes Geduld und von seinem Zuwarten bestimmt (Röm 9,22) .ltaoEOI.~ darfnicht wie l1q>EOI.~ verstanden werden (vulg. übersetzt: propter remissionem); das Wort findet sich nur hier im Neuen Testament 16 • Verwandt ist die Anschauung Apg 17,30: Gott übersieht die Zeit der Unwissenheit und ruft jetzt die Umkehr aus. War die vergangene Zeit eine Periode des ))Aufschubs« und des ))Ansichhaltens« Gottes, dann waren auch die Sühnopfer und Riten der Menschen nicht imstande, das zu geben, was sie sollten (Hebr 10,1-4). Der pa ulinische Gedanke wäre mißverstanden, wenn man in der fvÖEI.;I.~ tii~ ÖL')(.aLooUVTJ~ ai,.tO'Ü ein rationales Beweisverfahren sehen würde: wegen der Gerechtigkeit Gottes war die Verurteilung notwendig, weil er sich als Gerechter behaupten wollte (fvÖEI.;~ = Beweisführung). Es geht Paulus noch einmal um die Herausstellung der Gerechtigkeit, von der er schon in Röm 3,4 sprach; sie ist das Ergebnis des Gerichtsverfahrens. Am KreuzJesu wird offenbar, daß Gottes Gericht gerecht ist.J und daß Gott den rechtfertigt, der auf .1> ZnR 196 spricht vom •• Aufhalten und Hinausschieben der endgültigen Entscheidung Gottes über die Sünde und den Sünder, den Gerichtsaufschub«. Ähnlich SANDAY-HEADLAMR 90 (zeitlicher Aufschub der Strafe, nicht: Vergebung). Anders LTZMR 51: .. Der von den Kommentaren behauptete Unterschied zwischen :n:
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Die Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes
Grund des Glaubens denkt und handelt l7 . 6 tx X(atEW~ (bzw. ol b, X(atEWC; Röm 4,16; GaI3,7.9) beschreibt den Menschen, der seinen Ursprung im Glauben an Jesus hat. Ganz entsprechend finden sich bei Paulus die Formeln OL tx XEQL'tOJ1f)~ (Röm 4,12) und oU" v6J.lOV (Röm 4,14; vgl. 4,16). Der Sing. fällt auf und beschreibtdtn E~tlnm, der in der Rechtfertigung Gott gegenübersteht 18. Ist der Mensch »aus Glauben«, so formt sein Glaube sein ganzes Denken und Wollen. Das Gerichtsurteil Gottes ist ein objektives Geschehen, das sich an dem vollzieht, der anJ esus glau bt. Auffallend ist der einfacheJ esusname (im Unterschied zu Röm 3,22.24) 19, der auf die Geschichtlichkeit und Einmaligkeit dieses »Menschen« hinweist. Gemeint ist auch hier der Glaube anJesus (vgl. ApkJoh 14,12). Der Glaube an Jesus ist die durch Kreuz und Auferstehung gegebene Form des Glaubens an GoU. Man nimmt vielfach an, daß Paulus Begriffe wie nErlösung« (Qno)';U't{KOOL;) und ••Sühnopfercc (UaOl'fJQLOV) aus einer älteren Tradition übernommen hat, die auf den Tod Jesu und auf das Abendmahl bezogen war. Die Erlösung wurde rur Paulus das Ende der Knechtschaft des Menschen unter der Sünde (Röm 3,9), das Sühnopfer zum Akt der Vergebung, der die Schuld des alten Äons beseitigt. In diesem Sinn gehören beide Begriffe bei Paulus eng zusammen. Wir werden nach den jüdischen Denkfonnen fragen müssen, die dem paulinischen Text zugrunde liegen. Ursprünglich dachte man an eine eschatologische Befreiungstat Gottes, an ein sühnendes Geschehen, das der ••Gerechte« bzw. der •• Knecht Gottes« auf sich nimmt. Dazu kamen Motive der Bußlehre: Gott rechnet am Versöhnungstag ab, nachdem sich Sünden aufgespeichert haben ( ••Aufschubcc = Joma 8,8). Aus diesen Elementen setzt sich die paulinische Deutung des TodesJesu zusammen, die von Paulus keineswegs als dogmatische oder rationale Theorie verstanden wurde (Anse1m). Das •• Blut Christi« wird nicht als Sache oder Mittel angesehen, sondern bleibt ein Ausdruck der Opfersprache, der die Hingabe des Lebens und die von Gott geschenkte Wirkung beschreiben will. Man darf aber nicht vergessen, daß die paulinische Auffassung von der allgemeinen Verschuldung und der Realität des Zornes Gottes ganz eng mit dieser Deutung des Todes Jesu zusammenhängt (2Makk 7,38). Daß der Tod sühnt, daß man durch stellvertretendes Leiden sühnen kann, sind allgemeine jüdische Gedanken (vgl. das Material bei Str-B 111 undJ.Jeremias). Die Versöhnung bleibt aber Goues freie Tat und eigener Wille. Das sühnende Opfer Christi und das versöhnende Handeln Gottes sind verschiedene Deutungen des gleichen Ereignisses. Den Sühnegedanken zugunsten der Versöhnungs lehre aufzugeben, ist unmöglich, doch zerbricht er an dem Versuch, ihn in einer rationalen Theorie zu sichern. Vgl. P. Altbaus, Das Kreuz Christi, Mysterium Christi, 1931, 239 ff.; Schlatter, Gerechtigkeit 145 f.
:1'1i"
In rhetorischem Wechsel von Frage und Antwort zieht Paulus in V 27-51 seine Folgerungen aus dem Heilshandeln Gottes. Steht der Mensch wirklich unter der Sünde (3,9), ist das Kreuz das Zeichen der Gerechtigkeit Gottes (3,25 f.), so entfällt jede Möglichkeit des Rühmens. Die xaUxrtOL~ ist hier ein Akt des Selbstvertrauens Israels, das den Anspruch Gottes im Gesetz und in der Beschneidung mißversteht 20• Man darf dabei nicht übersehen, daß eine bestimmte xa( fehlt in G Ambstr. darf jedoch nicht gestrichen werden. Der Sing. hat also generdlen Sinn. 19 Der Genitiv ')T)OOÜ fehlt in G. Die LA 'JTJooiI XQLOtO'Ü ist Angleichung an V 22.24. 20 Der Begriff der XOUXTJou; findet sich häufig in dcr paulinischen Literatur und wird vom Apostcl in der Auseioandcrsetzung mit dem Judentum und der Gnosis vielfach vcrwandt. Paulus bekämpft 17
11
Röm 3,21-31
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Fonn des Gebetes und des Hymnus zum Selbstruhm werden kann (Röm 2,17.23). Vielleicht ist sogar zu lesen: ))WO bleibt dein Rühmencc? (Ti XQUXtlot; 000 G gd vulg. Ambstr)21. Das Rühmen wurde durch das Kreuz »ausgesperrtee (Passiv als Umschreibung des göttlichen Handelns)22. Die Diskussion setzt voraus, daß ein »Gesetzee diesen Ausschluß des Selbstruhms bestätigen muß. Wie kann ein derartiges Gesetz aussehen? Auf keinen Fall so, daß es sich auf Werke bezieht oder mi t Werken befaßt. Paulus meint mit dem Begriffv6J,L~ 'UÖV fQ'YU)V ein Verständnis des Gesetzet, das den Gehorsam in Einzelakte zerlegt und den Willen Gottes mißversteht. Dem ~ 'tWv fvfU)'V entsprechen auf Seiten des Menschen die fvfa v6J1oo (Röm 3,20). Das jüdische Verständnis des Gesetzes ruft notwendig den Selbstruhm des Menschen hervor. Das Gesetz, das den Selbstruhm des Menschen vernichtet, ist das »Gesetz des Glaubense( (~x(· O'tE(J.)~). Diese kühne Wendung ist nur als Kampfformel verständlich: Gott schließt durch Jesus Christus einen Bund mit dem Menschen, er setzt eine neue Ordnung, die auf Glauben gegründet ist 23 . Das neue Heilsgeschehen hat eine ähnliche Autorität wie der alte Bund. Dabei darfman aufden Anspruch bzw. auf die Forderung hinweisen, die auch diesem Bund eigen ist. Auch der neue Bund verlangt Gehorsam (Röm 1,5; 10,3.16). Außerdem bringt er das Gebot Gottes zur rechten Geltung (Röm 3,31). Verwandt ist die ähnliche Wendung: v6tt~'toü 1CVEVJ1at~ (Röm 8,2). Vielleicht kämpft Paulus an beiden Stellen um die eschatologische Ordnung, die der Ordnung des alttestamentlichen Gesetzes gegenübertritt. Glaube und Geist sind die ))Gesetzecc des neuen Äons, wie das mosaische Gesetz an den alten Äon gebunden ist. Man muß erkennen, daß hinter xC· O'tL~ und 1CVE'ÜJ1a objektive Gegebenheiten stehen (GaI3,25). Paulus versucht in V 28 den Inhalt der neuen, eschatologischen Ordnung durch einen uhr~ zu verdeutlichen, der durch das vorangestellte AoYLt6J1e&a als solcher erkennbar ist (vgl. Röm 8,18). Der Plural könnte schriftstellerische Form sein, könnte aber auch die Norm und die Gültigkeit dieses Lehrsatzes unterstreichen. Der Inhalt unseres Verses ist die theologische Entsprechung und Ergänzung zu Röm 3,20: die Unterscheidung zwischen x(O'n~ und fQYa VÖJlO'U ist die notwendige Folge aus dem Gerichtsurteil Gottes. Der Glaube nimmt dies Urteil hin und verzichtet aufden Versuch, sich selbst vor Gott zu rechtfertigen (vgl. die Kombination von Röm 3,20.28 in Gal 2, (6). XOJQi~ fQYU)'V VÖf.lOU bedeutet, daß GOlt das Recht der das falsche Selbstvertrauen, das sowohl den Juden als auch den Pneumatiker hinden, Gou ernSl zu nehmen. Die xoUXriou; Ixstehl nicht nur in rinem ungebrochenen Selbstvertrauen des frommen Menschen, sondern iSl sdbst Jubelruf, Hymnus, Psalm (Röm 5,2). Paulus selzl gegen die falsche xaUXrioL; eine dem Evangelium gemäJk. Zur Lileratur vgl. R. BULTMAlIIN, ThW 111 648 0'.; R. AnlsG, Kauchesis, 1925. xa\ixllOu; findel sich bei Paulus in Köm 3,17; 15,17; I Kor 15,31; 2Kor 1,12; 7,-l.14; 8,14; 11,10.17 u.ö. 21 Zahlreiche Spuren des ooü veranlassen ZnR WO, dies ooü als unprünglich anzusehen. u ntudflV bedeutel ..ausschließen .. (GaI4,17). uG. fRlEDRICH, Das Gesetz des Glaubens Röm 3,17, ThZ 10, 1954,401-417 bringt rine wichtige Beslimmung dieser bei Paulus einmaligen Wendung. Nach ihm handelt es lich um das mosaische Geselz, das ausdrücklich die Gerechligkeil durch Glauben bekennt. Diese Bestimmung wird in der Gegenwan immer wieder neu aufgenommen. Vg!. dazu die anderen Möglichkrit~n, v6f,loc; zu bestimmen, bei KAsEMANNR 95 ff.
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Die Oft"enbanmg der Gerechtigkeit Gottes
»Werke« ausgeschlossen hat. Das unbetonte, artikellose ~ov (= »manee) ist das Kennzeichen eines Lehrsatzes (vgl. I Kor 4,1; 7,1). Paulus will nicht sagen: Tatsächlich gibt es - in Weiterführung von Röm 3,~20 - eine Rechtfertigung durch Gott, aber sie vollzieht sich durch Glauben (ZnR 203), sondern er will im Anschluß an Röm 3,27 das Schwergewicht auf den Gegmsal<; legen: die Rechtfertigung geschieht durch Glauben und nicht durch Werke des Gesetzes14. Paulus steht hier in einer Auseinandersetzung mit der rabbinischen Theologie, die behauptet, daß Gott die vorhandene Gerechtigkeit des Israeliten anerkennt (Str-B 111 163 (). Nach Paulus ist die Rechtfertigung ein Heilshandeln Gottes; das auf das KreuzJesu bezogen ist und den Sinn des KreuzesJesu herausstellt. Er kannJesus deshalb geradezu »Gottes Gerechtigkeit« nennen, weil sich durch ihn Gottes richtendes und rettendes Handeln enthüllt (IKor 1,30). DurchJesus' Christus empfängt der Mensch Gottes Gerechtigkeit, weil Gottes Urteil, daßJesus gerecht sei, zum U neil über den Glaubenden wird. Was Glaube und Gehorsam ist, hat Jesus Christus sichtbar gemacht: durch ihn ist der »Glaubeee in die Welt gekommen (Gal3,25). Glauben heißt aber: Gott recht geben (Röm 3,4), auf den eigenen Anspruch verzichten (Röm 3,20.28), Gott gehorsam sein (Röm 1,5; 10,3), sein Venrauen auf Gott setzen (Röm 10, 11). Wer unter dem falschen Verständnis des Gesetzes steht, vermag den »Glaubene( und den »Gehorsamee, den Paulus meiiu, nicht zu erreichen. Mit V 29 wendet sich Paulus gegen einen jüdischen Einwurf, der dem vorangehenden Lehrsatz widerspricht. Der mit diesem Vers einsetzende Zusammenhang verteidigt also den Lehrsatz V 28. Der Jude wehn sich nicht nur gegen die Gleichstellung mit dem Heiden im göttlichen Gericht (Röm 3,19.20), sondern auch gegen die Gleichstellung mit ihm in der Gnade (Röm 3,28). Aber Paulus zeigt auf, daß jeder Widerspruch gegen Gottes Urteil ihn selbst nicht ernst nimmt. Gott ist nicht nur Israels Gott, sondern auch Gott der Völker. Damit schließt sich Paulus an eine Fragestellung an, die auch die Synagoge kennt, die aber von ihr anders beantwonet wird (Str-B 111 185). V 50: Letztlich weiß doch Israel selbst, daß Gott nur ein einziger ist. Täglich bekennt es ja im Schema sich zu diesem »einen« Gott (Dt 6,4 = Mk 12,29). Gerade durch dies Bekenntnis zu dem tinna Gou wird die Voraussetzung für die Einheit und Gleichheit des Heilsgeschehens geschaffen. Der Stil von V 30 klingt feierlich und dem Bekenntnis gemäß (~6LX«uOOEL ... , rhetorische Gegenüberstellung: b 1t(CJ'tE(&)~ - 61i1 Ti)~ 1t(mE(&)~). Vielleicht ist das Futurum 6LxauOOEL logisch gemeint, vielleicht sind die präpositionalen Bestimmungen tx 1t(mE~ und 61i1 Ti)~ 1t(cn~ nur stilistisch voneinander zu unterscheiden (M. J. Lagrange, H. Lietzmann)15. Die Wiederholung: »aus Glaubene(, »durch den Glauben« bedeutet selbstverständlich eine Verstärkung. 1tEQL'tOJ.U; und QXQO~1JO't(a als Zusammenfassung von Beschnittenen und Unbeschnittenen fand 24
Die Formel: .um deines Erbarmens willen und nicht nach unseren Werken .. findelsich schon in
IQM •• ,4. 25 In der Auslegung der Väter werden allerdings die !>eiden Wendungen oft genug sachlich voneinander unterschieden. Orig., Theod. Mops., Ambstr versuchen den Wechsel der Präpositionen zu erklären, doch ohne sachliche Beweiskraft. Richtig erklän Aug. de spiritu et lit. 11 29: non ad aliquam differentiam, sed ad \'ari~atem oralionis.
Röm 3,21-31
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sich schon in Röm 2,26 ff. V 51: Und noch einmal wehrt Paulussich gegen einen gegnerischen Einwand: die paulinische Gnadenpredigt löse das Gesetz auf. Der Gegensatz xa't
"':ja
Exkurs Got tes ,.Gerech tigkei t ce J. Forsclrungsgeschichtliclre Situation
I. In der alttestamentlichen Forschung hat man an die Erkenntnis Kl. Kochs und G. von Rads anknüpfen können, daß der Stamm p-JI nicht eine abstrakte Norm, sondern einen Anspruch, der in einem Gemeinschaftsverhältnis begründet ist, zum AUJdruck bringt. Jedes irdische Verhältnis wie Familie, Stamm, Volk hat seine ihm eigene Nonn. Am wichtigsten ist natürlich das Verhältnis, das der Ewige Israel angeboten hat und das im Kult gepflegt wird. Man rühmt die Gerechtigkeitstaten des Herrn und seine Heilstaten in der Geschichte (Ri 5,11; ISam 12,7; Mi6,5; Ps 103,6; Dan9,11). Gerechtigkeit und Heil werden vor allem im Hymnus zu synonymen Begriffen (Jes 45,8; 46,13; 51,6.8). Aufdie Verwundung der Gerechtigkeitsaussagen in Theophanieschilderungen wird man vor allem im Psalter aufmerksam (Ps 50,6; 97,6; 85,14). Nicht unwichtig ist das altorientalische Ordnungsdenken, in dem der Kosmos aufeinen höchsten Gou ausgerichtet ist. In Israel war aber dies Ordnungsdenken geschichtlich gefaßt und auf den Bund und die Erwählung ausgerichtet. Man ist versucht, im Bereich des Alten Testaments ein Ordnungsdenken im Rahmen einer Schöpfermacht Gottes bzw. eine Gleichsetzung von Gerechtigkeit und Heil als Vorstufen paulinischer Struktur anzusehen. Der Schluß liegt nahe, daß das Alte Testament zwar gewisse grundsätzliche Voraussetzungen zum Verständnis des paulinischen Begriffes geschaffen hat, daß aber sein eigentlicher Ursprung nicht im Alten Testament selbst liegt. (Vgl. dazu P. Stuhlmacher, D. Zeller.) Wichtig ist, daß Gen 15,6; Ps 143,2; Häb 2,4 den Grundstamm der paulinischen Aussagen bilden; von ihm aus hat man methodisch auszugehen. Dieser Stamm weist daraufhin, daß das Evangelium auf das Alte Testament zurückstrahlt, daß ihm aber umgekehrt eine
26 ScHU.lTER, G~rechtigk~it 156: »VÖflov xatOQYElV, das G~~tz ungültig machen, und v6t&ov lO'tOvElv, das Gesetz zum Stehen bringen, sind heides dem Rabbinat geläufige Formeln (4Makk 5,25) ... Der Text des Pau1us steht dem Aramäischen näher als der des Matthäus. Die Tatsache, daß GOlt nur nach Israel genannt ist (Exr 29), darf weder allgemein zum Angriffgegen das Judentum noch gegen die christliche Frömmigkeit ~macht werden (mißverständlich KAsEMANNR96 f.). Wenn KAsEMANN Gottes Recht und Gottes Gnade herausstellen will, dann muß dies anden geschehen.
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Die Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes
über diesen Stamm hinausgehende alttestamentliche Grundstruktur entgegengekommen ist (vgl. Röm 3,5.25 Gottes Gerechtigkeit als Bundestreue). 2. Das Offenbarwerden der Gerechtigkeit des Schöpfers, eine Vorstellung, die prophetische Wurzeln hat Ues 56,1; Ps 98,2), gehön vor allem in die apokalyptische Tradition. Gericht Gottes, Verschwinden der Werke der Gottlosen, Offenbarwerden der Gerechtigkeit Gottes vor seinen Erwählten sind kosmische, univenale Prozesse (äthHen 91,14; Apk Abr 31,5). Anders erscheint die apokalyptische Vorstellung vom •• Aufgehen der Gerechtigkeit« (= Lichtterminologie) für die Gerechten (Tes\) ud 24, I; TestSeb 9,8; äthHen 58,3 8:; Qumran). Ewige Güte und Gerechtigkeit sind Kennzeichen der neuen Welt Gottes. Eine eigene Stellung nehmen die Qumrantexte ein. Grundsätzlich vertreten sie einen Gesetzesradikalismus, zu dem alle Söhne des Lichtes verpflichtet sind; doch bezeugen Gemeinderegel (IQS) und Hodajot (IQH), daß man sich aufs tiefste seiner Sünden und Verlorenheit bewußt ist .••Sein Uneil will ich gerecht heißen entsprechend meiner Verkehrtheit, und meine Sünde sei mir vor Augen wie ein eingegrabenes Gesetz. Aber zu Gott will ich sprechen: Meine Gerechtigkeit, und zum Höchsten: Gründer meines Gutes, Quelle meines Wissens und Quelle der Heiligkeit, Höhe der Majestät und Allmacht zu ewiger Verherrlichung« (IQS 10,11 f.). nlch aber, wenn ich wanke, so sind Gottes Gnadenerweise meine Hilfe auf ewig. Und wenn ich strauchle durch die Bosheit des Fleisches, so besteht das Uneil über mich durch die Gerechtigkeit Gottes in Ewigkeit« (IQS 11,11 f.). Man darf dazu TestGad 6,10 vergleichen: .. Von jeder Ungerechtigkeit laßt ab und haltet fest an Gottes Gerechtigkeit! Dann bleibt fiir immer euer Stamm gerettet.cc Wenn Paulus Fleisch und Sünde, Gerechtigkeit und Heil in Spannung zueinander treten läßt, dann liegt das Motiv der »Macht« nahe. Die Gerechtigkeit Gottes, die als Gabe dem Sünder zuteil wird (Gen. auct.), und die vorpaulinische Bezogenheit der Bundestreue Gottes, die am Kreuz Jesu enthüllt wird (Gen. subj.), sind das Besondere, das in der paulinischen Theologie aufgenommen und mit besonderer Schärfe herausgestellt ist. 3. Sowohl die Aufrichtung des Rechtes Gottes innerhalb der Schöpfung wie auch die eschatologische Gabe seiner Gerechtigkeit an den glaubenden Menschen verraten eine apokalyptisdu Dimension, die nicht veTkannt werden darf. Daß die paulinische Rechtfertigungslehre antirabbinische Kampflehre bleibt, ist an dem Herausbrechen der Geset~esleh,t besonders tln.tliclr .
Wir haben bei Paulus zwei Aspekte der Wongruppe: 6LXOL<><J\rv1'), 6(XOLoc;, 6LxaL6w voneinander zu trennen. Der erste ist stark antithetisch und wird entweder durch nLatL;, nLOtEUw bzw. den Gegensatz t; fvf
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Röm 3,21-31
2. Zu, theologischen Deutung der Ö..xaLO<JiJvr)
itEOÜ
bei Paulw
lnxQLooUVfI itro'Ü ist in der Auseinandersetzung mit dem Gerechtigkeitsverständnis des Rabbinats entstanden und darf nicht als eine Eigenschaft Gottes im hellenistischen Sinn verstanden werden (ThW 11 206). Antithetisch steht ihm die Ö..xaLOa'UvT) bt v61W" bzw." lÖ(a Ö"XQLooUVfI (PhiI3,9; Röm 1O,3) als ein falsches Verständnis Gottes und seines Heilswillens gegenüber. Im Begriff der ••Gerechtigkeit Gottes«« liegt ein Geschehen, ein Sichoffenbaren Gottes, ein Sichdurchsetzen und Sichpreisgeben Gottes, ein Gerichtsund Gnadenakt zugleich, ein geschichtlich, aber doch eschatologisch verstandener vonzug des Willens Gottes, ein Akt seiner Bundestreue (K. Barth) und der Erfüllung seiner Verheißungen, ein Prozeß, der an einen einzigen Punkt der Geschichte, an das Kreuz Christi gebunden ist und der sich durch die Predigt als Wort von der» Versöhnung«« kundtut. Der Begriff der •.Gerechtigkeit«« ist vielschichtig, alttestamentlich und apokalyptisch (nich t eigentlich griechisch oder hellenistisch) gefärbt. Offenbar prägt die .) W ahrhei t«« der Botschaft den Begriff und seine Umgebung, keinesfalls aber darf die Denkform eines überlieferten Gerechtigkeitsbegriffes als Norm und Grenze für die Botschaft verstanden werden. Im Gegenteil, in der Ausltpng dieses Begriffes muß ~wischm dtm, W4S PfJll.ltu sagt, fINI dem, was Paulw mnm, deutlich unterschieden werden. Das Problem des Verhältnisses zwischen Gerechtigkeit und Gnade ist nicht nur im Rabbinat, sondern auch sonst im Frühjudentum ernsthaft gesehen, aber nicht gelöst worden (z.B. Psalmen Salomos,Jubiläenbuch). Während Gottes richterliche Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gewöhnlich so gedeutet werden, als ständen sie in einer Spannung zueinander oder gefährdeten sich gegenseitig, rükken gelegentlich beide auch im Judentum enger zusammen (4Esra 8,36: .)denn dadurch wird deine Gerechtigkeit und Güte offenbar, daß du dich derer erbarmst, die keinen Schatz von guten Werken haben««). Entscheidend aber ist, daß Goues Gerechtigkeit keineswegs eine menschliche Gerechtigkeit anerkennt oder als falsch verstandene Bundestreue sich zum Vorrecht Israels bekennt, sondern daß sie sich im Gegensatz zu allem, was der Mensch ist und tut, als Gericht über den Menschen, also auch über den Juden, herausstellt (Röm 3,21 f.). In diesem Gericht liegt gleichzeitig die Schaffung einer eschatologischen Gerechtigkeit, in der Gott dem seine Gnade anbietet, der sein Gericht anerkennt (Röm 3,24 Ir.). Gou setzt also - wie schon in der alttestamentlichen Prophetie - seine Gerechtigkeit als Gericht und Heil zugleich durch, so daß der Glaube Gott rechtfertigen, d.h. in seiner Gerechtigkeit anerkennen muß (Röm 3,4 = Ps 51,6; Röm 3,26). So wie Gott den Sünder rechtfertigt (Röm 4,5), gibt auch der Glaubende, der Gottes Gericht über sich annimmt, Gou recht. Die ö..xalOOiMl ist ein echtes Handeln, Schaffen Gottes im geschichtlichen Vollzug, obwohl der Begriffzunächst deldaratorisch und geltungshaft wirkt. Allerdings steht dies Handeln, Schaffen Gottes im Gegensatz zu allem ).Sein«( des Menschen und kann daher vom Menschen nicht als moralische Qualifikation nachgewiesen werden. Aber Gottes Urteil und die menschliche Existenz stehen sich nicht auf zwei getrennten Ebenen gegenüber, sondern Gottes Urteil bricht als eschatologisches Geschehen in die menschliche Existenz ein. Die öLxal.O<J6vrt itEoü von Röm 3,21-31 ist die gleiche Ö..xaLOaUVfI, welcher der Glaubende sich selbst zur Verfügung stellt. Die Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes geschieht an einem Ort der Geschichte, am KreuzJesu Christi. Paulus übernimmt eine Tradition, nach der GottJesus Christus als ).Erlösungcc und .)Sühnopferc« aufgestellt hat. Röm 1,17 wird also nach Röm 3,21-31 christologisch verstanden werden müssen. Das, was Gott in der Rechtfertigung tut, entspricht dem wahren Opfer Jesu Christi am Kreuz, steht also letztlich in der Fortsetzung der Abendmahlsüberlieferung. In dieser rechtlichen und kultischen Auslegung des Kreuzes ist bei Paulus Jesus Christus von Gott her zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung gemacht worden (IKor
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Die Bestätigung der Gerechtigkeit durch die Schrift
1,30). Er ist der »Gerechte•• , durch dessen Gehorsam sich die Rechtfertigung der •• vielen« vollzieht (Röm 5,12-21). Das eigentliche Werk Christi ist sein Gehonam, sein Sterben am Kreuz, aber dieser Gehorsam, dies Sterben ist von Gott gesegnet. Das, was Gott tut, was Jesus Christus am Kreuz voUbracht hat, wird durch die Botschaft und das Evangelium sowohl Juden als auch Heiden angeboten und verlangt den Akt des Gehorsams. Das Geschehnis der Vergangenheit, der Bote, der die Botschaft bringt, und der Vollzug der Verkündigung sind eine notwendige innere Einheit. Ohne die konkrete, zusprechende Verkündigung des Boten ist also die Rechtfenigung nicht möglich; die Du,due~ung dir Gerechtigkeit und J'mölmung volIvtht mh gntuk dUTeh dU J'nlciiluJipng.
Röm 4,1-25: Die Bestätigung der Gerechtigkeit durch die Schrift a) Röm 4,1-8: Abrahams Gerechtigkeit aus Glauben I WulOllea wir Dua ....., cIa8 Abnbma, UIIIeI' Vorfahre dem Fleiecbe 1IKb, pfuDdea hilbe? 2Deaa WeDII Abraham aua Werken precbtfertiat worcIea wäre, dum hätte er zwar Gnmd, aich zu rühmm; aber Dicht vor Gott. 3Deaa wu aqt die SChrift?E. ....... aber Abraham Gott, uad n wurde ihm zur Gerecbtipeit ..... recImet.. • Dem. der mit Wakea umpht, wird der Lob Dicht pmäB der Gaade, eoadem pmii8 der Schuldipeit anpredmet. 5 Dem aber, der Dicht mit Werkea umpht, aber aa dea, der dea Ua&ommea rechtfertist, dem wird Ieia Glabe zur Gerec:btipeit aaprecImet, 'wie auch David die SelisJweiauaI da Meuchea .....,richt, dem Gott Gerecbtipeit olme Werke aaredmet: 7 &Iis aiDcl die, defta UaprechtipeiteD ,erpbeD UDd defta SÜ..... bedeckt aiad; • ae•• der Mama, deuea SüDcle der Herr Dicht UU"eClmet••
,18.
GesamtanaJyse: Das neue Kapitel wirkt wie ein selbständiges Ganzes, wie ein exegetischer Midrasch, der sich an Röm 3,21-31 anschließt. Dabei fällt auf, daß der wichtige Abschnitt Röm 3,21-31 relativ kurz ist, während der angefügte Schriftbeweis ziemlich ausführlich geführt wird. Vielleicht war dieser Midrasch ursprünglich selbständig. Unser Kapitel wird vorbereitet durch die beiden Hinweise aufSchrift und Gesetz in Röm 3,21.31. Der dialogisch-rhetorische Stil der vorangehenden Vene 27-31 wirkt in 4,1 Ir. nach, so daß man gelegentlich 3,31 mit 4,1 eng verbunden hat (K. Barth). Der feierliche Abschnitt in 4,23-25 zeigt, daß ein Gedankengang zum Abschluß gekommen ist, und läßt vermuten, daß mit Röm 5, I Ir. ein neuer Zusammenhang beginnt. Man kann das Kapitel in einzelne Unterteile zerlegen. So ist zunächst Röm 4,1-8 durch die heiden Schriftzitate 4,3 (= Gen 15,6) und 4,7 f. (= Ps 32,1 f.) bestimmt. Nach rabbinischer Methode wird das Torawon durch das Psalmwon bekräftigt. Nun folgt in Röm 4,~ 12 die exegetische Frage, ob die Seligpreisung von Ps 32,1 nur dem Beschnittenen oder auch dem Unbeschnittenen gilt. Die Antwort wird aus dem zuerst angeführten Zitat Gen 15,6 herausgeholt. Paulus exegesiert also das zweite Zitat mit Hilfe des ersten. Das Problem der Beschneidung bzw. der Unbeschnittenheit wird im folgenden Unterteil Röm 4,13-17 abgelöst durch die Frage nach dem Verhältnis der Verheißung zum Gesetz bzw. zum Glauben. Die exegetische Entscheidung heißt: Abraham empfing die Ver-
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Röm 4,1-25
heißung auf Grund des Glaubens, daher auf Grund der Gnade. Dieser mittlere Abschnitt ist deshalb besonders wichtig, weil er das Problem des Gesetzes theologisch weiterführt (nach Röm 3,20 jetzt Röm 4,15). In einem feierlichen Schlußteil Röm 4,18-25 beschreibt der Apostel das Wesen dieses Glaubens, der aufdie Erfüllung der Verheißung ausgerichtet ist. Dem Glauben des Abraham entspricht der Glaube der christlichen Gemeinde, die sich auf das Bekenntnis zuJesus Christus als ihrem Herrn beruft. Sieht man auf Sprache und Stil dieses Midrasch, so fällt die Besonderheit gegenüber seiner Umgebung auf. Er wirkt predigtartig, lehrhaft. Aus dem Schriftzitat werden bestimmte Schlüsse gezogen, die für die Verkündigung des Paulus wichtig sind; daher ist unser Kapitel weithin durch das alttestamentliche Zitat bestimmt. Die gestellten Fragen Röm 4,1.9.10 wirken nicht rhetorisch, sondern thematisch; es kommt in unserem Kapitel nicht auf ein Wechselgespräch zwischen Paulus und einem Partner an, sondern aufdie methodische Herausstellung theologischer Thesen. Selbstverständlich formt auch dieses Kapitel seine Sätze im Blick auf das Judentum. Der Schlußteil Röm 4,18-25 nimmt eine gewisse Sonderstellung ein: er erklärt, deutet, paraphrasiert den Glaubensbegriff und stellt die typologische Beziehung zwischen Altem Testament und urchristlichem Bekenntnis her. Exegese: Die paulinische Rechtfertigungslehre beruft sich, wenn sie nach ihrer alttestamentlichen Legitimation gefragt wird, aufdie Abraham-Geschichte (vgl. auch Gal 3,6 ff.); dabei spielen ganz bestimmte Schriftzitate, auf die Paulus besonderen Wert legt, eine Rolle (z.B. Gen 15,6; 17,5 u.a.). Die Gestalt Abrahams als des Stammvaters des Judentums stand auch sonst im Mittelpunkt der rabbinischen Diskussion (Str-B III 186 ff.). Es kam also darauf an, welches Schwergewicht man den einzelnen Schriftstellen des Alten Testaments zumaß. Schon der Wortlaut von V 1 ist für Paulus bezeichnend; vielleicht denkt er schon hier an die Wendung: »Gnade findencc (X<1QlV EUQ(OXElV Gen 18,3), wenn er fragt, was Abraham, der Vater des Judentums, »gefunden(( habe l . Paulus spricht von Abraham als »unserem Ahnherm nach dem Fleischcc und bekennt sich damit ausdrücklich zum Judentum 1 . Allerdings gibt er schon durch den Begriff des »Findens(c der exegetischen Erörterung eine gewisse Richtung: für ihn ist Abra1 Textkritisch ist hier zu fragen, ob EUQY}xtval ursprünglich ist und wie es verstanden werden soll. Es fehlt in B. bei Orig., Chrys., wurde gelegentlich hinter tOv nQ<mOtOQ
"I'ÖJY
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ham eben nicht durch den Gehorsam gegen das Gesetz gerecht geworden, sondern durch einen Gnadenakt Gottes. Wenn Abraham fragt, ob er »Gnade gefunden hat« (Gen 18,3), dann ist nach Paulus die Entscheidung schon gefallen: Gnade ist Gegensatz zum Werk des Menschen; Abraham sieht dann in der Gnade die eigentliche Gabe Gottes. V 2: Dadurch ergibt sich notwendig eine Diskussion mit dem Judentum über die These: Abraham ist auf Grund seines Gehorsams, d.h. also aus »Werken« gerecht gesprochen Uub 23,10; Joma 28b; Qid 4,14; Mek Ex 14,15). Paulus reißt durch den Gegensatz Glaube-Werke Begriffe auseinander, die imJudentum eng zusammengehören. Gesetz und Werke, Glaube und Gehorsam, Gehorsam und Verdienst, Lohn und Segen sind in der rabbinischen Theologie eine Einheit. Daher hat Abraham nach rabbinischer Anschauung nicht nur bei Menschen großen Ruhm, sondern auch bei Gott (Sir 44,19 ff. hebr.;Jub 24, 11). Wenn diese Thesedesjudentums berechtigt ist, dann hat Abraham allerdings Grund, sich zu rühmen. Aber Paulus zeigt durch das nachfolgende Schriftzitat auf, daß diese These falsch ist. Abraham hat keinen Grund, sich vor Gott zu rühmen J • V 5: Entscheidend war der Glaubensakt Abrahams (Gen 15,6), denn er war die Grundlage für die Gerechtigkeit, die Gott ihm zusprach. Paulus denkt bei diesem Zitat des Alten Testaments daran, daß nur der Glaube des Menschen die göttliche Gerechtigkeit empfangen kann. Allerdings entstehen sofort Schwierigkeiten, weil das logische Schema dieses Schriftwortes den Glauben wie eine Voraussetzung des Menschen behandelt, die die Gerechtigkeit Gottes nach sich zieht. Dies logische Schema entspricht aber nicht der paulinischen Rechtfertigungslehre, in der das göttliche Heilshandeln dem menschlichen Verhalten vorgeordnet ist. Immerhin sind Glaube und Gerechtigkeit bei Paulus so ineinander geschoben, daß die Verwendung unseres Schriftzitates möglich ist. Es kommt PauLus also nicht so sehr aufein logisches Schema an, als vielmehr taif die Herausarbeitung des Glaubmsbegriffes 4 • V 4 und 5 sind nichts anderes als eine Exegese des Schriftzitates unter der Problemstellung Gnade und Verdienst. Man kann die beiden Verse paraphrasieren: dem» Wirkendencc ist der Lohn nicht Gnadengabe, sondern Pllichtgabe (V 4); dem »Nichtwirkenden«, der glaubt, ist der Lohn Gnadengabe (V 5). Der BegriffMry(~Ea6aL stellt die Verbindung zwischen dem vorangehenden Zitat und seiner Auslegung her; er bedeutet einerseits die Anrechnung im Verdienst, anderseits die freie EntscheiJ 1t~ entspricht hier dem hebr. '~,~. Zu ergänzen ist natürlich fIEL xcriJxrll-«l. Vielleicht ist V 2a ein irreales Zugeständnis an das Judentum, V 2b eine paulinische Korrektur. Die Exegese der Kirchenväter trifft nicht den Sinn des Textes, wenn sie zwischen dem Ruhm vor Engeln, Heiligen und Menschen einerseits und dem Ruhm vor Gott anderseits unterscheidet. 4 Logisch sieht der Abschluß des Zitates: xa1 tAoyw&Yt wie eine Bestätigung und Anerkennung des Glaubens aus, doch wird sachlich dies Schema bei Paulus gesprengt. Allerdings hat auch die Iogischt Vorordnung des Glaubens vor der Gerechtigkeit ihren thMlogiscJrm Sinn: die Botschaft von Jesus ruft den Gehorsam, den Glaubensakt des Menschen hervor, so daß der Menscb zum Glauben erzogen wird. Erziehung zum Heil ist im Neuen Testament immer Erziehung zum Glauben. Die Gerechtigkeit Gottes steht einerseits vor dem Glaubensakt, anderseits jenseits des Menschen im Bereich Gottes. Die transzendente und eschatologische FaSSUhg der göttlichen Gerechtigkeit wird also durch Gen 15,6 angedeutet. 5 Zum Verständnis des Äoy(tEofkll gibt es drei Möglichkeiten (H. W. HEIDLAND, ThW
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Röm 4,1-25
dung im Willensakt Gottes5. Es liegen also verschiedene Momente in Äoy(~Ea6aL (:lW.,), die durch den jeweiligen Zusammenhang bestimmt werden müssen 6 • Der Gegensatz ~yat,6f.LEVOC; - "" tgyat,6f.'EYo; könnte einen allgemeinen bildhaften Gedanken in sich tragen: der Arbeiter, der seinen Lohn verdient, steht in einem Rechtsverhältnis; wenn aber jemand Lohn empfängt, ohne eine Dienstleistung zu vollziehen, dann geschieht ein Gnadenakt. Aber wahrscheinlich haben wir es hier mit der Weiterführung der entscheidenden Bestimmung t~ fQYwv (V 2) zu tun: ein Mensch, der sein Verhältnis zu Gott aufdie lQyastellt, ist ein ~t,61J.E ~, während ein Mensch, der eine solche Einstellung ablehnt (f."TJ tgyat,61J.Evo;) , als Glaubender und Begnadigter beschrieben werden kann. Der auf Werke bedachte Mensch empfängt seinen Lohn »nach der Schuldigkeit« (xa'tcl 6cpdA.'1f.1Q). Paulus setzt aber die Tatsache voraus, daß die Anrechnung des Glaubens ))nach der Gnade« (xa'tcl xaoLV) geschieht. Gnade ist für ihn Ausschluß des Verdienstes und der Schuldigkeit. Der Glaubensakt besteht nach Röm 4,3 in der Annahme der Verheißung, nach Röm 4,5 in dem Vertrauen auf den, der den nUnfrommencc rechtfertigt'. Wir haben es in unserem Vers mit einer antithetischen Kampfformel des Paulus zu tun (itEb; 6LX
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anerkannt, und in dieser Anerkennung liegt der eigentliche Glaubensakt. Nur dann ist Gnade wirklich Gnade, wenn die Rechtfertigung sowohl verurteilendes, als auch schenkendes Handeln Gottes ist9 • ltLO'tEUELV bt( (Röm 4,5) statt ltLO'tEUELV'tQ> & (Gen 15,6) ist wohl bewußt fonnuliert (ZnR 223). Das Verhältnis von Gloubt uM Werk ist nach dem Rabbinat rechtlich gedacht und durch den Bundesbegriffbestimmt. Gott verkürzt keinem Geschöpfden Lohn (Pesikt 118a). Der wichtige Begriff n~~T beeinOußt das Urteil Gottes über die Gebotserfiillung. In diesen Rahmen gehört auch der Glaube, der als Werk des Menschen durchaus gerühmt wird (z.B. Philo und Mek Ex 14,31; 15,1). Der Glaubensakt schließt das Verdienst des Glaubens ein und bestimmt damit die Gerechtigkeit des Glaubens. Im Verhältnis von Glaube und Werk bleibt m~T der verbindende Begriff, so daß zwar eine Unterscheidung, nicht aber eine Scheidung möglich ist (4Esr 13,23). Weil der Glaube dem Werk übergeordnet werden kann (bMak 23b in Bezug aufHab 2,4), ist er selbst nicht ein einzelnes Gesetzeswerk neben anderen (fQyov, ~). Philo nennt zwar den Glauben das »Werk einer gr0ßen und olympischen Vemunftcc (quis rer. div. her. 93), meint aber fQyov psychologisch als eine seelische Funktion des Menschen, nicht als verdienstliches Handeln. Der Glaube ist das Umfassende, und aus ihm wird, in ihm geschieht das einzelne Werk. Aber der Verdienstgedanke wird nirgends gesprengt. Abrahams Glaube bleibt ein Akt seiner Gesetzestreue, so daß man wohl sagen kann, er sei durch Werke gerecht geworden. I Makk 2,52 legt Abrahams Glauben nach Gen 15,6 als ••Treue in den Versuchungencc aus und folgert, daß ihm diese Treue als Gerechtigkeit angerechnet wurde.] ub 14,6 zitiert das Schriftwort im Zusammenhang mit der Verheißung Gottes (glauben = annehmen der Verheißung). Die Rabbinen betonen die Anrechnung des Glaubens zum Verdienst. Ihr Rühmen gilt gerade dem Verdienst des Glaubens (•• und so findest du, daß Abraham, unser Vater, nur durch das Verdienst diese und die zukünftige Welt ererbtec( (Mek Ex 14,31). Paulus dagegen entdeckt die Tatsache, daß Gen 15,6 außerhalb des Verdienstgedankens verstanden werden muß. Bei ihm ist das göttliche Anrechnen (MryctEa6m) wieder ein schöpferischer Denkakt, eine freie Entscheidung Gottes über den Menschen; damit kommt der paulinische Sprachgebrauch der hebräischen Grundbedeutung von ~'IJ wieder näher 1o•
V ~8: Ein neuer Schriftbeweis, der den ersten (V 3) verstärken, aber auch erläutern soll, schließt sich an V 5 bzw. an den bisherigen Gedankengang an. Er ist nach rabbinischer Methodik (Aneinanderreihung von Gesetzeswort und Psalmwort) an Gen 15,6 zur Bestätigung angefügt. Da das Abraham-Beispiel das ganze Kapitel durchzieht, ist das Psalmwort auch hier dem Torawort untergeordnet. V 6 ist eine ausführliche Einleitung zum Zitat, die bis ins Einzelne exege9 Auffallend ist, daß Paulus in Röm 4,5 sowohl im Partizipialsatz als auch im Hauptsatz den Gottesnamen vermeidet und umschreibt. Vielleicht ist auf Ex 23,7 zu verweisen (Mas: »Ich will nicht gerechtsprechen den Gottlosen«, anden LXX). Grundsätzlich gilt, daß nach alttestamentlichem Maß. stab GOlt alles Böse ausschließt: vgl. Ex 23,7; Prov 17,15; 24,24; Jes 5,23. GOlles geschichtliches Handeln encheintjetzt paradox. Abraham ist entweder rur Paulus Beschreibung ~ines geschichtlichen Einzelfalles oder aber der grundsätzlichen Glaubcnsexistenz. Zur Litmlwrvgl. G. v. RAD, Die Anrechnung des Glaubens zur Gerechtigkeit, ThLZ 76, 1951, 129-132; K. BERGER, Abraham in den paulinischen Hauptbricfen, MThZ 17, 1966, 47-89; E. KAsEMAN!'\, Der Glaube Abrahams in Röm 4, Paulinische Penpektiven, 2. Aun. 1972, 140-177. 10 tAoyi
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tisch bestimmt ist. Der Inhalt des Zitates wird durch den Ausleger vo~ge nommen, wobei er aufDavid als Verfasser des Spruches hinweist. Nach dem Anfang des Psalms faßt Paulus den Inhalt des Zitates als J.lClXO()LOJ.l~ zusammen (GaI4, 15). Entscheidend ist der Relativsatz, in dem Paulus den vorangehenden Gedankengang wieder aufnimmt und zu dem folgenden Psalmwort in Beziehung setzt. Die Sündenvergebung, von der Ps 32,1 f. spricht, ist ein Zuspruch der Gerech tigkei t Gottes. Die Wend ung: 6 6E~ A.OY(~E'tQL 6U«lLOO"IJVT!V denkt schon an die Aussage von V 8: 0(, oü J'Tt A.oy(Of)'taL X"QLO~ QtwQ't(av. Daß Gott dem Menschen den Glauben als Gerechtigkeit anrechnet, wirdjetzt zu einem Akt, in dem Gott dem Menschen die Gerechtigkeit ohne Werke zuspricht (übergang in die mediale Form von A.oy(~rott(lL). In Röm 4,fHJ tritt das schenkende Handeln Gottes in diesem Zuspruch noch stärker heraus als in Röm 4,3-5. XWQ~ fQ'YCI)V (Röm 3,28) will bezeugen, daß die Sündenvergebung von Ps 32, I f. keineswegs durch ein »Werk« des Menschen veranlaßt wird. Auch das Bekenntnis des Psalmisten (Ps 32,5) hat also keinen Anspruch vorGolt-das »Werk« desjudentums erhebt Anspruch. Da Ps 32,1 weder von der Gerechtigkeit Gottes noch von der Anrechnung zur Gerechtigkeit spricht, setzt Paulus den Akt der Sündenvergebung, der Sünden bedeckung (= Sühnung) und die Nichtanrechnung der Sünde mit dem Zuspruch der Gerechtigkeit gleich. Oder kurz gesagt: Zuspruch der Gerechtigkeit heißt zugleich Vergebung der Sünden 11. Schon die Deutung des Kreuzes als 1.A.a0000000LOV in Röm 3,25 legt diese Erkenntnis nahe, Röm 4,fHJ führt sie aus (vgl. M. Luther). Wenn Gott im KreuzJesu Christi das Zeichen seiner Gerechtigkeit aufrichtet, dann bedeutet dies, daß er durch Gericht und Vergebung den Menschen in dies Geschehen hineinnimmt. Die Rechtfertigung ist also der umfassendere Begriff, die Sündenvergebung vollzieht sich innerhalb der Rechtfertigung des »Unfrommen« (Röm 4,5). Auch in der Gliederung von Röm 4, I~ kommt dies Verhältnis zum Ausdruck: der Oberbegriff bleibt die Gerechtigkeit. b) Röm
4,~12:
Abrahams Gerechtigkeit ohne Beschneidung
9Gilt nUD die. SelilPreiauD, der BaclmeiduDg oder auch der Unbetcbnineaheil? Wir . .en ja: ,a wurde dem AbnhmI der Glmabe zur Gerec:htilileit an. . redmet.. IOUnfer welchen Umatänclea fand die. Anrechn.... ltatt? Ab er beIChniaea war oder als er noch unbnchnitten war? Nicht ab er belclmittm, IODdem als er noch "nbevhniuen war. 11 Uaci er empfins" Zeichen der Belchnei.... als Si.eI der Glaubeaaprechtipeit, die ihm tchoa als UnbeKhmtteaem zupeipet worden war, auf cIa8 er Vater aller derer werde, die als Unbevhniueae 11 Es ist \;dlricht nicht zufällig, daß Ps 32,1 im antikenjudentum gern auf die Vergebung des gr0ßen Versöhnungstages !>nagen wird; z.B. Joma 86b; Pesikt 45 (l85b und 186a). Die Eigenart des paulinischen Schriftbcwcises grgenübcr dem Fruhjudentum trin bcsonde-n hervor. Es kommt Paulus nicht wie- dem Psalmisten auf die Hervorhebung des SündenbckenntnislCS oder wie dem antiken Judentum aufdas kultische Gcschehe-n an, in dem die- Vergebung Gonessich vollzieht, sondern allein aufdas Ereignis der Vergebung selbst. Vgl. zum paulinischm Analogieschluß:J.JEIlEMIAS, ZurG~ danke-nflihrung in den paulinischen Briefe-n, Studia Paulina, 1953, 149 f.; BAlUtETTR 89 It
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gI..ben, cWnitauch iImea die Gerechtigkeit angerechnet werde, 12 und cIa8 er V. terder Beschneidung werde türclie, die nicht nur aus der Bac:hneidunlltmunen, lOadern auch in den Fua.tapfeu des Glaubena waudeln, den unser V.teI' Abraham IchOll als Unhachniuener baaß. Exegese: V 9: Nach rabbinischer Auslegung gilt Ps 32, I f. ausschließlich Israel, keiner anderen Nation (Pesikt 45, 185b = Str-B 111 203). Paulus lehnt eine derartige Auslegung grundsätzlich ab. Die Seligpreisung, von der unser Psalm redet, ist nicht auf Israel beschränkt. Darum stellt Paulus die Frage, ob die zitierte Seligpreisung sich auf die Juden allein oder auf Juden und Heiden zugleich bezieht 1• Der Prozeß ist also umgekehrt wie in Röm 3, 1~18: dort war die Gefahr, daß der Jude die Gerichtsworte auf die Heiden abschiebt, hier dagegen, daß die Seligpreisung auf Israel beschränkt wird. Paulus hätte auf den Wortlaut von Ps 32, I ( zurückweisen können, der von keiner ausdrücklichen Beschränkung auf Israel weiß; er greift aber in Wirklichkeit auf das Abraham-Beispiel zurück und wiederholt zu diesem Zweck das Zitat von Gen 15,6. AtyOJ.lEV yciQ erinnert an entsprechende rabbinische Wendungen 2 • Der rhetorisch-dialogische Charakter dieses Abschnittes tritt wieder stärker heraus. V 10: Paulus fragt nach dem Zustand des Erzvaters: Empfing er als Beschnittener oder als Unbeschnittener die göttliche Zurechnung? Die beiden Fragen unseres Textes bilden letztlich eine Einheit. Nach der synagogalen Chronologie lag. zwischen der Bundschließung von Gen 15,10 und der Beschneidung von Gen 17, 10 ein Zeitraum von 29 Jahren (Str-B 111 203). Abraham empfing die Glaubensgerechtigkeit also als Unbeschnittener. V 11: Die Beschneidung ist der Zurechnung nachgeordnet. Man liest am besten ot)J.lELOV 3tEQL'tOJ.lfJ~ (= Gen. appos.): »und ein Zeichen empfing er, das in der Beschneidung bestandcc 3 . Die Beschneidung ist nach Gen 17,11 »Zeichen des Bundescc (ot)J.lELOV öLaih1xll~), nach den Targumen sogar »Siegel Abrahamscc (aq>Qay(~). Wir haben also eine durch das Alte Testament selbst gegebene Bestimmung der Beschneidung vor uns 4 • Es liegt nahe, die urchristliche Bildsprache, daß die Taufe »Siegelcc (aq>Qay(~) sei, in Zusammenhang mit dem frühjüdischen Sprachgebrauch zu bringen (Barn 9,6). Im Bild des »Siegelscc drückt sich die Zugehörigkeit, die Beglaubigung, sowie die anschauliche bzw.legitime Anerkennung aus. Die Glaubensgerechtigkeit wird durch das »Siegel c( rechtlich anerkannt und bestätigt; doch bleibt sie selbst ein Geschehen, das dem Unbeschnittenen zuteil wurde. Entscheidend ist die anstößige Tatsache, daß ein Unbescknitttnn die Glaubensgerechtigkeit empfängt. Die Aneinanderreihung I
Zur Verstärkung tritt in D vulg. c1 I'6vov hinzu. Zur Textfrage von Röm 4,9 vgl. H. LJETZMANN
zSt. 1 »Das Subjekt ist der Schrifterklärerce; vgl. W. BACHER, Die älteste Terminologie der jüdischen Schriftauslegung, 1899,9 (in der ersten Person: Mek zu 12,15; 13,10 u.ö.). 1 So mit Recht ZnR 225; SANDAy-HEADLAM R 107. Der kurze Akkusativ 1tE{)LtOl'tlV (AC·) istlediglich eine Verdeutlichung der Genitiv-Verbindung. 4 Zum Begriff des ..Siegels« vgl. Cant r 3,8; Schab 137b; Ex r 19. »Es würde gut zu unserer Stel1e passen, wenn acwaY(~ eine geläufige Bezeichnuag der Beschneidung gewesen wäre: auch Bam 9,6 scheint das nahe zu legen, und es ist vielfach behauptet worden« (H. LJETZMASN). Die Bedenken, die gegen diese Möglichkeit vorgebracht werden, scheinen mir nicht schwer genug zu wiegen (vgl. SAN. DAV-HEADLAM R 107; Str-B IV 1,30 ff.; LTZM R 53 f.).
Röm 4,1-25
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zweier Absichtssätze (d~ 'to dVQL ••. , Et; 'to A.oyLOÖ'f)VQL ••• ) zeigt, wie wichtig für Paulus die Vorordnung der Glaubensgerechtigkeit ist, die an den Unbeschnittenen offenbar wird s. An ihnen ist Gottes Ratschluß zuerst erfüllt worden. Dann erst fand Gott- beinahe ))nachträglich« - den Weg zu den Beschnittenen, soweit sie nämlich nicht nur beschnitten sind, sondern auch in den Spuren des vorgegebenen Glaubensweges wandeln 6 . Abraham kommt in seiner Vattrschaft (Gen 15,5; 17,5) zuerst im Heidenchristentum zum Ziel: denn dort im Heidenchristentum vollzieht sich zu allererst dit; Zurechnung des Glaubens. Dann erst wird er Vater des Judenchristentums, das nicht nur die Beschneidung auf sich genommen hat, sondern auch in den Spuren des Glaubens Abrahams wandelt'. Der Begriffder ))Vaterschaft« Abrahams bezieht sich also nicht auf das Judenturn als solches (trotz Röm 4, 1), sondern wird ganz in den Glaubensakt bzw. in den Glaubensweg der christlichen Gemeinde hineingezogen. Während das Rabbinat Abraham zunächst Vater Israels sein läßt, das Verdienst Abrahams ausdrücklich auf Israel beschränkt, die Proselyten dagegen nur unter bestimmten Voraussetzungen einbezieht (Bik 1,4), stellt Paulus die Gegenthese auf: Abraham ist zunächst Vater der Heidenchristen, dann erst Vater der Judenchristen. Diese Umstellung wird exegetisch und heilsgeschichtlich begründet.
c) Röm
4.1~17:
Abrahams Gerechtigkeit ohne das Gesetz
13 Denn nicht durch du GeJea iat die Verhei8un1 dem Abraham oder Ieinem Samen zuteil gewonlen, cIa8 er nämlich Erbe der Welt lein lOHe, lODdem durch die GI. .benagerechtipeit. 14 Wenn Dämlich die Geletzedeute Erben sind, dann iat der Glaube seines Inhalts endeert und die VerheiBUDI zunichte pmacht. 15 Denn da Gesetz bewirkt Zom; wo es aber kein Gesetz pllt, pbt a auch keine Obertretung. 16Deshalb iat du verhei8ene Erbe an den Glauben gebunden, damit es ein Gudenpechenk lei, damit die Verhei8ung fabteht für den pDRD s.men, nicht allein für den aus dem Gesetz, IOndem auch für den, der aus dem Glaubea Ahn-
5 bl' äXQOPuodac; (V 11) bezeichnet den begleitenden Umstand (Röm 2.27). Abraham heißt auch in der rabbinischen Literatur das »Haupt der Glaubenden« (~"). Vgl. das Material bei OELITZSCHR 80; SANDAy-HEADLAMR 107 f. 6 Eine stilistische Schwierigkeit taucht auf bei der Angliederung: 6llQ xai. 1:oie; otOLXOÜOLV. Will Paulus zwei Eigenschaften der gleichen Menschen (der judenchristen) beschreiben oder - worauf das rätselhafte1:oie; führen könnte - zwei verschiedene MeDSchengruppen Uuden und judenchristen)? Er will in Wirklichkeit Heiden- und judenchristen gleichstellen, außerdem betonen, daß die Beschneidung aJlnn nicht genügt (bei den Heidenchristen fehlt sie ja). Man könnte annehmen, daß xal 'toie; ein alter Schreibfehler für x, QVtOLC; (= xal aU1:oic;) ist. Dann ergibt sich der Gedanke: .. Welche nicht nur auf Grund der Beschneidung Anspruch auf Abraham machen, sondern auch ihrerseits (ebenso wie die Heidenchristen) den Fußspuren des Glaubens Abrahams folgen.« BEZA schlug vor, entweder xai. 1:oie; umzustellen oder 1:oic; auszulassen. Andere Kommentatoren rechnen mit einer stilistischen Ungenauigkeit oder Nachlässigkeit. 7 Paulus nimmt der Beschneidung ihre volksmäßige Bedeutung: für den Christen erhält sie einen neuen Sinn, obwohl die IkgrifTe .. Zeichen', und ,)Siegel« bestehenbleiben. Zum Vergleich mit Paulus istjub 15 gttignet: die Beschneidung ist das Zeichen eines ewigen Bundes zwischen Gott und Israel. Zu otOlXElV 1:oic; IXVEOlv vgl. 2Kor 12,18; IPetr 2,21; Nidda 4,2. Der Ausdruck: otOLXEiv ist auffallend: .. in Reih und Glied marschierencc (als militärisches Bild).
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Die Bestätigung der Gerechtigkeit durch die Schrift
h. . . .ebt, der ....... aller V.ter i8t, "wie ~ steht: .zum V.ter vieler VöDrer t.be ich dich ICWtd.c Vor dieMIII Gott bat er .....u..., der die Totea Jebeadi.,-dlt ....... Nicldnieade wie Seien'" naft. Extgeu: Mit dem neuen Abschnitt V 1~17 treten wir in das wichtige Mi uel-
stück des Kapitels ein. Paulus kommt es darauf an, zu sagen, daß nur der Glaubensgerechtigkeit, nicht aber dem Gesetz die göttliche Verheißung zugesprochen worden ist. Der Begriffder •• Verheißung« hat in der Abraham-Geschichte verschiedene Traditionen. In Gen 15,6 bezog sich die Verheißung auf den Erben und die unzählbare Nachkommenschaft. Wichtig ist auch die andere Zusage, nach der Abraham das Land Kanaan besitzen soll (Gen 12,7; 13,14 f.; 15,18; 17,8; 26,3). Paulus spricht in Röm 4,13 von der Verheißung, daß Abraham Erbe der Welt wird (Sir 44,21). Das Frühjudentum hat offenbar den BegrifTder ))Verheißung« nach verschiedenen Seiten erweitert und die alttestamentlich'en Sprüche zusammengefügtl. Dem Gerechtfertigten gehört die Verheißung, darum auch die Zukunft Gottes, nicht aber dem, der durch das Gesetz sich Zukunft verspricht. Gerade deshalb, weil Abraham nur Glaubender, Hörender, Empfangender war, wurde ihm das zuteil, was sonst die Menschen durch Unglauben, Ungehorsam, Verwerfung der Gebote Gottes zu erreichen suchen. Nach der Weltherrschaft streben Völker und Herrscher, ohne aber nach dem Willen Gottes zu fragen. Hat Abraham das Land Kanaan als Besitz empfangen sollen, so wird durch den messianischen ).Samen« Abrahams (Gal 3, 16) die Wehherrschaft gesichen. Man darf also das messianische Zwischenmotiv in diesem Zusammenhang nicht übersehen 2 • Paulus wendet sich in V 14 noch einmal gegen den jüdischen Anspruch, daß aus dem Gesetzesgehorsam ein Anspruch oder eine Hoflilung auf das verheißene ).Erbe« entsteht. Gesetzesgehorsam und Erlangung des Erbes schließen sich aus. Wenn die ).Männer des Gesetzes«3 Erben würden, dann wäre der Glaube seines Inhalts, seiner Wahrheit, seiner Bedeutung beraubt und die Verheißung aufgegeben bzw. zunichte gemacht. Einer derartigen ))Entleerung« dieser biblischen Begriffe muß der Verkündiger des Evangeliums Einhalt gebieten (I Kor 15,14; Gal 3, 17). Glaube und Verheißung gehören also grundsätzlich und heilsgeschichdich zusammen. Die Passiva XEXtvo.nQL, xa't'flQYYl'tQL sind bewußt gesetzt: die Begriffe ).Glaube« und ).Verheißung« würI 6ui v6f,aou (ohne Anikel!) ist instrumental zu ventehen; i'J tcp cmtQl.aau (nicht XCI() bringt zum Ausdruck, daß auch rur die Nachkommen keine andere Situation gegeben ist als rur Abraham selbst. Eigentlich findet sich die erwähnte Weissagung nicht dem Wonlaut nach im Alten Testament, sondern nur verschiedene einzel~ Motive, die eine andere Färbung haben (SANDAY-HEADLAMR 111). Das Rabbinat uneilt übrigens gerade umgekehn wie Paulus: ..alle Verheißungen sind dem Abraham nur auf Grund seiner Gextzesgerechtigkeit zuteil geworden, und wenn es Gen 13,6 heißt, daß der Glaube Abraham als Gerechtigkeit angerechnet sei, so kommt auch dieser Glaube nur als verdienstliche Leistung in Iktracht, die mit den Geset.zeswerken auf einer Linie steht- (Str-B 111 2(4). 2 Nach KOHLR 143 liegt in dem BegriJT-Erbe der Welt- lediglich die VonteIlung, daß Abraham am messianischen Zukunftsreich teilnimmt (vgl. I Kor 6,2). Diese Deutung ebnet Abrahams besondere Stellung ein. Der Messias ist der Erneuerer der Weh; wird er sie in Besitz nehmen, 10 geschieht dies als Erfüllung der Verheißung, die dem Abraham gegeben wurde. Der 8egrifT .. Erbe der Welt. muß also von Christus her interpretiert werden, was manche Kommentare übersehen. Jot tx v6f,aou (:t:'u.tI·~) schließt an eine auch im Rabbinat bezeugte Wendung an (DELITZSCHR 80). Vgl. zur An der Verbindung Röm 2,8 (to~M ~ folitt(a~) und 3,26 (tbY txll(ou:~ 'ITlooü).
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den gewaltsam zerstört sein. Israel darf diesen Begriffen keine Gewalt antun. V 15: Paulus offenbart, warum das Gesetz keine Kraft zum Segen, zur Verheißung oder zum Erbe haben kann: das Gesetz bewirkt den Zorn des Gesetzgebers, weil es im Hinblick aufdie übertretung gegeben ist und mit übertretungen zu tun hat". Der Satz wirkt wie eine eingesprengte Sentenz und wird von manchen Auslegern geradezu als allgemeine Rechtsbelehrung aufgefaßt. »)Zorn« ist hier eine Umschreibung für das Gericht Gottes- Paulus vermeidet auch hier den Gottesnamen. Der Satz klingt in seiner sachlichen Kürze wie eine Umkehrung des rabbinischen, daß das Gesetz Gnade, Leben bewirke5. Wir haben es offenbar mit einer paulinischen Xampfthese zu tun. Die anschließende Folgerung (00 y~ (bi) ... 6) will besagen, daß der Begriff und die Tatsache der übertretung notwendig das Gesetz voraussetzen (Röm 5,13; 7, 7). Gemeint ist doch wohl, daß der Besitz des Gesetzes erst recht das Wesen der übertretung bloßstellt. Der Anschluß in V I5b fallt nicht leicht; man erwartet eigentlich: wo kein Gesetz ist, da wird Sünde nicht »angerechnete< (Röm 5,13); aber die Formulierung des Paulus ist hier doch wohl grundsät;;lich und rechtlich, nicht heilsgeschichtlich verstanden. Die Formulierung dieses Lehrsatzes ist deshalb besonders anstößig, weil für dasjudentum das Gesetz Ausdruck der Heiligkeit Israels ist und außerhalb israels die Unreinheit des Heidentums herrscht. Die grundsätzliche und rechtliche Form der paulinischen Kampfthese entspricht dem rabbinischen BeweisstiJ7. Sicherlich will Paulus die Epoche der Verheißung nicht als eine Zeit ohne übertretung darstellen, sondern die Eigentümlichkeit der Rechtssituation andeuten, die mit der Bundschließung gegeben ist. Für Paulus Juli das Rechtsdmlcm auch im Zusam4 Eigentlich fehlt ein vermittelndes Zwischenglied: .. das Gesetz bewirkt übenretung, die übenretung aber den Zorn Gottesce. 5 Wir haben in diesen Versen 1~16 eine auffallende Verkürzung der Satzkonstruktion sowie eine Zusammendrängung der Gedanken vor uns, die eine Auslegung erschweren. Die meisten Sätze sind unvollständig, gedanklich notwendige Zwischenglieder fehlen. Allerdings ist dieser verkürzte rabbiniseht &weisstiJ auch sonst bei Paulus zu beobachten (vgl. Röm 5,16.18; 14.23; Gal2,9). Vergleicht man die entscheidenden paulinischen Thesen mit dem Rabbinat, so erscheinen sie vielfach wie Umkehrungen und Antithesen zum antik-jüdischen Gedanken. Offenbar verlangt die Polemilc eine Zuspitzung, die um der Sache willen zum Anstoß für den Gegner werden soll. Viele grundsätzliche Thesen innerhalb des Römerbriefes sind aus der Auseinandersetzung mit entsprechenden rabbinischen Thesen zu verstehen. 6 oU y(lQ wird wegen seiner guten Bezeugung am meisten empfohlen (ZnR 230); LagrR 93}. oU ~ weist zurück auf V 14,00 6t bereitet V 16 vor. PALLISR 72 nimmt eine Textverderbnis an und schlägt vor: ltO'Ü yO.Q oUx wnv v6j.&~, oMt lt~Tlcn;. Wenn nur die Juden gerechtfertigt werden, dann gibt es für die Nichtjuden keinen Trost. 00 6t in 2Kor 3,17 muß nach A. PALLIS ähnlich verstanden werden (= Öltotl). 'Wenn Paulus sagt: .. Wo kein Gesetz ist, ist auch keine übertretungce (Röm 4, 15), so vertritt ereinen Lehrsatz, den er ähnlich aach sonst aufstellt (Röm 5,13; 7,7). ~n gleichen rabbinischen Btwtisstil zeigen die verwandten Sentenzen: •• überall, wo eigentliches Recht ist, da ist kein Friede, und überall, wo Friede ist, da ist kein eigentliches Recht ... ce. Oder: .. überall, wo Recht ist, ist nicht Wohltat, und überall, wo Wohltat ist, ist nicht Recht« (TosSanh 1,3; Str-B 111 21O). Paulus ordnet ebenfalls in diesem Beweissril die Begriffe zusammen und bemüht sich um den gleichen Rechtsbegriff. Nach diesem Rechtsdmkm weiß man: Vor Gericht gilt nur das strenge Recht; das Recht als solches weiß nichts von Erbarmen und Mitleid. Vielleicht haben wir hier einen neuen Zugang zur paulinischen Rechtfenigungslehre: gerade die Durchführung des Rechts zerstön notwendig den Menschen; die Versöhnung aber nimmt die richterliche Funktion Gottes wieder auf.
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Die Bestätigung der Gerechtigkeit durch die Schrift
menJumg derRechtfertigungslehre eine hesondere BedeutungS. V 16: Paulus bestätigt die Gültigkeit der Verheißung und des Glaubens, indem er auf die Absicht Gottes hinweist. Verheißung und Glaube gehen aufdie Gnade Gottes zurück und sind selbst Ausdruck der Gnade Gottes. Gott bekennt sich zu diesem Heilsweg um der Menschen willen. Man ist versucht, den paulinisehen Beweisstil in einen vollständigen Satz umzuwandeln: öm 'too'to" XAT)QOVOJ.lUl (btayyu(a) tx 1t(enE('o~ tytvE'tO, tva ~ xa'tcl XclQLV. Die Absicht Gottes wird sowohl durch die Bestimmung tva xa'tcl XclQLV, als auch durch den mit d~ 'to ... beginnenden Finalsatz aufgewiesen. Die Verheißung ist nur dann fest gegründet, ihrer Erfüllung gewiß, wenn sie nicht von der Unsicherheit der menschlichen Leistung abhängt, sondern allein von der Gnade Gottes. Vielleicht wird aber der Gedanke noch klarer, wenn wir sagen: )~eshalb wird das Erbe auf Grund des Glaubens zugesprochen, damit es nach der Gnade ausgeteilt werden kann, damit die Verheißung rechtsgültig wird 9 «. Vorausgesetzt ist in diesem Zusammenhang, daß der negativen Dreiheit Gesetz, übertretung, Zorn (V 15) eine entsprechende positive gegenübertritt: Verheißung, Glaube, Gnade (V 16). Paulus legt offenbar Gewicht auf die beiden letzten Glieder der Reihe: Zorn und Gnade, und stellt sie daher beide an den Schluß der Dreiheit. Der Jude verkennt Gottes Absicht,ja er handelt ihr entgegen, wenn er Verheißung, Glaube und Gnade ihres Inhaltes beraubt. Außerdem vergiBt er, was ))Same Abrahams« in Wirklichkeit für Gott bedeutet. Verheißung, Glaube und Gnade legen das gesetzliche Vorrecht Israels nieder. )~ame Abrahams« ist also nicht nur der ))Mensch des Gesetzes« (4,14.16), sondern auch derjenige, der dem Glauben Abrahams entstammt (4,16). In der Polemik und Auseinandersetzung zwischeaJudentum und Urchristentum wird die Frage nach Verheißung und Herkunft entscheidend. Der Glaube Abrahams erweckt ))Samen«: wer so glo.uht und gerecht wird wie einst der Erzvater, ist sein Same. Allerdings feHlt die logische Verbindung: oU J.l6vov ... &.JJ.iJ. xa( auf (V 12): wir erwarten eigentlich einen Ausschluß der ))Gesetzesleute« und des gesetzlichen Denkens, während Paulus hier die zweifache Abrahamskindschaft zuläßt (Röm 9,6 O:). Ohne Zweifel stehen wir mitten in der Diskussion über das Thema der Abrahamskindschaft. Es geht um die Frage, wer Abraham )) Vater« nennen darf. Nach Paulus haben nicht nur die Juden, sondern auch die Heidenchristen das Recht, ihn so zu bezeichnen. Der Beginn des Relativsatzes (6; tenLv) entspricht einem Stil, mit dem im Hellenismus und Urchristentum eine feierliche Aussage eingeführt wird 10• Es folgt ein Schrift beweis in V 17, der diese Vaterschaft Abrahams über viele Völker ())Völker« = Heiden) bestätigen soll (Gen 17,5; Sir • Für Paulus hängt das Rechtsdenken notwendig mit dem Motiv der Bundschließung zusammen. Deshalb, weil das Abendmahl der Schlüssel zum Kreuzesgeschehen ist, das Kreuzesgeschehen aber eine erneute BlllldsckliejJlIIfl ist (I Kor 11,25) - der »Neue Bund« ist ja für den paulinischen Abendmahlsbericht ein Hauptbegriff-, entsteht notwendig ein neues Rechtsdenken, das sich einendts der eschatologischen Bundschließung zuwendet, anderseits dem Problem des mosaischen Gesetzes und seiner Verpflichtungen. 9 Ptlkxwc; ist vielfach ein r"IIt1ichn Begriff: eine Vereinbarung, ein Vertrag ist »gesichert .. , daher »fest« und »zuverlässig« (Hebr 9,17). Man kann entweder Wen darauf legen, daß die VerheiUung ,WluljI iat, oder, daß sie sich mit Sicherheit erfiillt. Zum Problem vgl. H. ScHLID, ThW I 600-603. 10 Vgl. E. NORDEN, AgnostOl theos, 1913, 1~239 (Ober den Relativsatz der Prädikation).
Röm 4,1-25
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44,19)11. Es handelt sich um die Deutung des Namens Abraham (Vater einer
Menge von Völkern), die auch in der Synagoge ein Hinweis darauf war, daß Abraham Vater der Proselyten und aller Menschen genannt werden konnte (Str-B III 211). Dabei tritt nun die außerordentlich wichtige Bestimmung »vor Gottcc in den Vordergrund, die in V 17b zugrunde liegt. xattvavn 00 btWtWOE\' itEOO ist wohl eine Attraktion, die sich auf V 16b (~ tanv xenTtQ xlrvtwv ttJ.LÜ)V) zurückbezieht (BI-Debr 294,2) 12. Abraham ist unser aller Vater vor Gott, an den er glaubte. Der Sprachgebrauch erinnert an den desjudentums. Aufdiese entscheidende Bestimmung Nl1Of' Gott« fällt im Römerbrief entscheidendes Gewicht. Die anschließenden Partizipien klingen bekenntnisartig und liturgisch 13• Schon im Judentum findet sich das Bekenntnis zu Gott im Gebet: »Gepriesen seist du, Herr, der lebendig macht die Toten« (2. Benediktion des 18-Bittengebets) und die Anrufung: •• Durch ein Wort rufst du ins Leben, was nicht da istfC (ApkBar 48,8). Ähnliche Formulierungen im B,k.tMInisstil finden sich im Frühjudentum auch sonst häufig. V gl. 2Mill7 ,28: ))Bedenke, daß Gott diese Dinge aus solchen, die nicht waren, erschaffen hat« oder Philo spec.leg. IV,187: »Denn das Nichtseiende riefer zum Sein« (ta yQQ JA" 6vta buiAEOEV E~ tO ElvaL). In den gleichen Stil gehört bSanh 9la: »Das, was nicht war, ist ins Leben getreten, und das, was war, sollte nicht um so viel mehr wieder ins Leben treten können?« Das lllbi.fmtf als Umschreibung des Schöpfunphande1ns Gottes entspricht einer alten biblischen Tradition Ues 48,13; ApkBar 21,4). ~ 6vta könnte an sich vwglnc!tnuJ gemeint sein (Gott ruft das Nichtseiende so, wie wenn es Seiendes wäre) oder koruelcutiv (so daß es zum Seienden wird). Wir haben einen festen liturgischen Stil vor uns, der sowohl im Frühjudentum als auch in der späteren chrisdichen Kirche nachweisbar ist (Const. apost. VIII 12,7; Chrysostomus-Liturgiep4.
Wenn Paulus diese zwei formelhaften Prädikationen verwendet, dann will er dem Judentum gegenüber zum Ausdruck bringen, daß seine Rechtfertigungslehre dem biblischen und jüdischen Bekenntnis entspricht. Gott rechtfertigt den Unfrommen, bestimmt den Erstorbenen zum Vater der Völker und offenbart damit die Wahrheit des Bekenntnisses, daß er die Toten lebendigmacht und das Nichtseiende wie Seiendes anspricht.
Paulus denkt in diesem Zitat an die Heidenchristen, die den Glauben Abrahams teilen. Man löst diese Attraktion am besten aufim Sinn von xaUvavtL loo teoü, eil mlcntuorv. XQ1:tvavlL 'tOÜ hoo begegnet bei Paulus in 2Kor 2,17; 12,19. Vulgo übersetzt: ante deum, M. LUlHEa: vor Gott. Der Sprachgebrauch erinnen an den des Frühjudentums (vor - in den Augen: targumisch Dlf). Vgl. Str-B 111 212. I l Zum Panizipialltil der Prädikation vgl. E. NORDEN, AgnOitOi lheos, 1913, 166 0: I. LtzmR 54 und DoooR 73 übersetzen: ..der das Nichtseimde ins Duein ruft.« Daß Goues Schöpfung aus dem Nichts entstanden ist, wird besonders im hellenistischen Judentum bekannt (Philo opif. mund. 81; vit. Mos. 2,100; quis ~r. div. her. 36; migr. Abr. 183). Du hellenistische Urchrist~ntum setzt diesen Schöpfungsglauben fon (Herrn vis I 1,6; mand I I; 2Clem 1,8; Const. apoll. VI11 12,7; Chrys. Lit. 322,7; 384,27 f. BRIGHTMAN). Wichtig ist die liturgische Verwendung dieser alten Formel auf die Berufung der Christen (2Clem 1,8; Orig F~. 25 RAMS80THAM). Ganz ausführlich zur Problematik KAsEMANNR 114-117. 11 12
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Die Bestätigung der Gerechtigkeit durch die Schrift
d) Röm
4,1~25:
Der Vollzug des Glaubens in der Geschichte Abrahams
11 Er bat wider menlChJichee Erwanea . f HoffD..... bin . . . . . cIa8 er der Vater vieler Völker werde aacb dem Wort: .so po8 lOlI dei.a Same 8eÜI.c l'Uad er wurde Dicht ecbwacb im Glauben, WeaD er bedachte, cIa8 leiD Leib entorben eei, war er doch bUDdertJabrealt, UDd cla8der Muuerleib derSaraentorbea lei. 201m HiDblick auf die Verbeiß..... Gotta geriet er nicbt durch Unpauben in Zweifel, lOodem entarkte im Glauben, pb Gott die Ehre 21 und war fest davOD überzeugt, cIa8 Gott die Macbt habe, WH er verbei8eD bat, auch auaufiihrea. 12 Darum wurde ihm der Glaube auch ..... Gerechti.peit aaprecImet. 2.1 Du SchriftwOl1: -Der Glaube wurde ibm zur Gerechtipeit aaprecImetc Ut aber meld DDr um eeiaetwilIea pKIuieben wonIen, J48011dern auch um uuertwilIen, cleaea er lieicbfalla .aprecImet wenlea lOIl, ....., die wir .....beD an den, der Je..... lIDIeI'eD Herrn, VOll cleD Toeea auferwecld bat, 25 der -um UUeftr frJbertretuDpD willen dabinppben 1IIKI um uuerer Rechtfeni.pn& wDlen aaferweckt
wunIec. Exegese: Der letzte Abschnitt beginnt mit einer Paraphrase von Gen 15,6. Wenn Abraham glaubte, dann war dieser Glaube gegen alle menschlichen Möglichkeiten und Erwartungen (1taQ' Vwdba) allein auf die Hoffnung gegründet (bI' V,,1t(lu.). Dieser Glaubensakt ist bestimmt durch die Absage an die menschliche Berechnung und durch das Venrauen auf Gott. Die Hoffnung ist die Frucht der Verheißung und ist daher nichts anderes als der Glaube, der sich der Erfüllung der Verheißung zuwendet. Im Glaubensakt liegt auch das auf Gott sich richtende Hoffen. Der anschließende Infinitivsatz (d; 'to ... ) könnte als Entfaltung und Beschreibung der Verheißung aufgefaßt werden, wenn man es nicht vorzieht, bei einer finalen oder konsekutiven Bestimmung stehen zu bleiben 1. Gottes Verheißung (oder Absicht) geht dahin, daß Abraham Vater vieler Heidenchristen werden sollte (Gen 15,5) 2. Das Schriftwort verheißt den Reichtum des göttlichen Segens: "so (zahlreich) soll dein Same werden (wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Meer«)3. V 19: Um zu beschreiben, was die Eigenart dieser Hoffnung Abrahams ist, weist Paulus auf den leiblichen Zustand Abrahanu und Saras hin (Gen 17,17): menschlich gesprochen ist jede Hoffnung auf Nach-
kommenschaft unmöglich, weil Abraham nicht mehr zeugungskräftig und der Mutterleib der Sara abgestorben war. "Schwach sein im Glaubence· ist hier ein Bild, das durch den Gegensatz zur "Kraftee des Glaubens veranlaßt wird (vgl. I bI' tM(6l findet sich nicht sehen (im Alten Tt'Stament Ri 18,7.108; außerdem Tt'StBenj 10,11; POxy 15,97; im Neuen Tt'Stament Apg 2,26; Röm 5,2; 8,20; I Kor 9,10; Tit 1,2; später: leiern ~7,71. Baurr Wb deutet UßS('f'(' Wendung: .. auf Grund \'on Hoffnunga. Es zrigt sich, daß bt' tM(bl im hrllenisti.chen Griechischforwvlhdfl grbraucht wurde. Zum paulinisehen Drnken ,·gl. A. JllLlCHERS Ober~tzung: ..er hat, wo nichts zu hoffen war, hoffnungnoll zu glauben gewagtcc (Schriftrn dt'S Neuen Tntaments, zSt) und R. BULTMANN im ThW 11 528 ff. 2 '10 t4n1JÜ'YOV (..wie gesagt wurdrcc) entspricht der rabbinischrn Ausdrucksweise (vgl. W. BACHER, Die exegetischr Terminologir der jüdischrn Traditionsliteratur I, 1899,6). Im Nruen Testament: Lk 2,24; vgl. auch Apg 2,16; 13,40. J Das Dop~lgleichnis, das bei Paulus nur durch oo'ttlX; angedeulrt wird, wird in rinigrn wndiehen Hdschr. (G) hinzugefügl (vgl. Hebr 11,12). Das Doppt'lgleichnis enlspricht semitischrr Rrdeform und Gewohnheil. • 'tfl ";Wul (Dativ du Beziehung; BI-Drbr 197) ist besSft' bezeugt als tv 'tfl ,,;{atn (D·G Orig.l;
xata
Röm 4,1-25
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bEÖUV
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Die Batitigung der Gerechtigkeit durch die Schrift
Namen Gottes'. Im Glaubensakt liegt also deshalb eine Ehrung Gottes, weil in ihm Gottes Macht und Hoheit anerkannt wird (4,17). Außerdem gehört zum Glauben die Gewißheit, das Oberzeugtsein (&'1QOq)OQY)itE(~), daß Gott imstande ist, seine Verheißung auch zu erfüllen 10. Der I nhal t dieser Gewißhei t wird in einem feierlichen, fast formelhaften Nebensatz angeschlossen. 6\1Vat~ tanv weist aufdie 6Uval.lL~ &EO'Ü hin. Abschließend wiederholt Paulus in V 22 das entscheidende Schriftzitat, das den ganzen Zusammenhang bestimmt hat (Röm 4,3.9.22). So sieht der Glaube aus, dem Gott seine Gerechtigkeit zuspricht. An die exegetischen Ausführungen von V 1-22 schließt sich in V 2S-25 eine auf die Gegenwart der Gemeinde bezogene Konsequenz an, die für das hermeneutische Denken des Paulus aufschlußreich ist. Das Schriftzitat Gen 15,6 ist nicht nur um Abrahams willen aufgeschrieben, um seine Geschichte den kommendenGeschlechtem zu erhalten (Sir 44-, 10; Hebr 11,4), sondern auch »um unsertwillen« (1 Kor 10,6.11). Das alttestamentliche Schriftwort erschließt sich der endzeitlichen Generation, der die Verheißung der ))Anrechnungcc aufs Neue geschenkt wurde (o~ "tllt:L Aoy(tEa&aL) 11. Auch die Gemeinde Jesu Christi ist zum Glauben gerufen: sie bekennt sich zum gleichen Gott, der die Toten lebendigmacht und das Nichtseiende zum Sein ruft (Röm 4,17). In der Auferweckung Jesu Christi von den Toten hat sich diese Schöpferkraft Gottes bestätigt: das Osterereignis ist also nichts anderes als eine Manifestation der Schöpfermacht Gottes. Der Glaube an die Auferweckung »unseres HerrnJesuscc von den Toten wird hier also dem Glauben an die Verheißung Gottes eingeordnet, zumal er ja unmittelbar mit der Verheißung des »)Samens Abrahamscc (Gal 3,16) zusammenhängt. Die Sprache des Paulus wird feierlich, weil er eine Belcnmtnisfo171ll1 zitieren will, die das ganze Kapitel abschließen SOllI2. V 24 erwähnt die entscheidende Heilstat Gottes, während V 25 in zwei einander zugeordneten Gliedern (~1CaQE666Y) ... XCli~) auf die theologische Bedeutung von Kreuz und Auferweckung zu sprechen kommt. Der Relativsatz V 25 (~1CaQE666Y) ... ) hat prädikativen Stil; die Nebenordnung von mlQE66itYJ und IrYtoihl ist offenbar durch eine vorgegebene Tradition bestimmt. Heide Male wird das Verbum durch eine präpositionale Bestimmung (6Ll1 ta ~a "tfIÖW und 6Ll1 gebung von lv~ legt nahe, daß wir an einen geistigen prozeß zu denken haben. Gelegentlich denkt man auch an du leibliche Wunder (ZnR 239, PALLISR 75), besonders wenn man tfptLouL instrumental versteht: ..er erstarkte durch Glauben.« 'lkMvaL 66;av -ap itap ist im Alten Testament und Neuen Testament eine geläufige Formel. Gemeint ist, daß man sich vor der AutorititGottes beugt (z.B. indem man die Wahrheit sagt und die wie der, der Gott glaubt, Gott verherrlicht, so nimmt umgekehrt der, der Schuld eingesteht) . Gon nicht glaubt, Gou die Ehre« (M. LUlHER). 10 Vor ~~ fehlt xa( in G. M'IQOCPOQ€LV (Röm 14,5; KoI4,12) findet sich im außerbib1ischen Griechisch nicht häuf•. Beachte das heUenistische Material bei LTZMR 56. U Von einem .. zeitJOIen« Prüens dürfen wir bei I'tlltL ).oy(tm8aL nicht reden (gegen ZnR 241; KUHLR 155). Paulus denkt vielmehr an den eschatologischen Gerichtstag (A. ScHLATTER). 12 Man beachte das Prücns: w~ nuntiJouOlv, das verstärkte Bedeutung hat ( = wir bekennen uns im Glauben zu Gott, der Jesus auferweckt hat), und die feierliche Würdebezeichnung: b X6QL~ flJ.UÖY. Entscheidend ist die Parallele Röm 10,9. Man vergleiche unseren Text mit der alttestamentlichen Heilstat: ..Gott, der Israel aus dem Land Ägypten gtfuhrt hat .. (Ex 20,2; Dt 5,6; Ps 81,11; Hos 13,4; Am 2,10; Mi 6,4).
.so
Röm 4,1-25
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'tTJV ÖLxa(OKJLV TtJ.I.ÖrV} auf die gegenwärtige Gemeinde bezogen. Man könnte an
einen »hebräischen Parallelismus« denken (Dodd R 70). n:aQEöOftT) (Passiv!) ist eine feststehende Passionsformel und wird durch 1Kor 11,23; Röm 8,32; Gal 2,20; Eph 5,2 erläutert: Gott gibt den Christus als Sühne für unsere Sünden in den Tod. Wahrscheinlich knüpft der erste Halbsatz anJes 53,4.5.12 an. Wenn Jesus um unserer Rechtfertigung willen auferweckt wurde, dann soll die Absicht Gottes zum Ausdruck gebracht werden: um uns oie Rechtfertigung zu verschaffen, istJesus auferweckt worden 13. Das erste ÖL« ist also mehr kausal, das zweite final zu verstehen. Auffallend ist das Auftauchen des Substantivs ÖLxa(woL; (nur noch Röm 5,18): gedacht ist daran, daß die Rechtfertigung sich auf Grund der AuferweckungJesu vollzieht. Nun sind Tod und AuferweckungJesu Christi innerhalb der paulinischen Theologie keineswegs voneinander zu trennen, ebensowenig wie Sühnung der Schuld und Rechtfertigung. Man könnte in Anbetracht der Tatsache, daß V 25 aus einem Bekenntnis oder Hymnus stammt, das Verhältnis bei der Halbsätze zueinander rhetorisch auffassen und daraufverzichten, eine logisch exakte Gedankenführung aus ihnen zu erheben. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß wir in V 25 eine ältere von Paulus zitierte Tradition vor uns haben, die Tod und AuferweckungJesu in ihrer Heilsbedeutung voneinander zu scheiden versucht 14 • Paulus will offenbar in dem letzten Abschnitt Röm 4, 1~25 die Gleicluzrtiglceil des Glaubens Abrahams und der christlichen Gemeinde herausstellen. Dies geschieht dadurch, daß der Gottesglaube (0 tyELQa;) und die Heilstatsachen (mlQEÖ6'&Y), t'rvtQih]) als Inbegriff und als Vollzug des alttestamentlichen und biblischen Glaubens geschildert werden. Eine Analyse des Glaubens bahnt sich an, die den alttestamentlichen Glauben mit dem des Christenstandes gleichsetzt (4,9.20). Vor allem wird das gleiche Gottesurteil über Abraham und über die Christenheit gesprochen (4,22 f.). Und doch schlägt die esc/uUologisehe SiltuJtitm als Besonderheit der neutestamentlichen Botschaft überall durch: jetzt erst versteht man, warum Abraham als Unbeschnittenergerechtgesprochen wurde und daß er zum Vater vieler Völker in der Gegenwart geworden ist. Jetzt ist die Erfüllung der Verheißung, die Herausstellung der Rechtfertigung möglich geworden (4,23-25). Die beiden Denkformen der Gleichartigkeit des Geschehens und der eschatologischen Erfiillung der Verheißung stehen bei Paulus dicht nebeneinander und greifen ineinander über. Mit der Zitierung der urchristlichen BekenntnisformeI4,24-25 schließt der erste Hauptteil unseres Briefes ab.
13 Schwerlich richtig ist die Deutung, daßJesus auferweckt wurde, wnJ wir durch den TodJesu gerechtfertigt wurden. I. KOHLR 157: »Durch unseren Vers wird die selbständige Bedeutung der Auferstehungstatsache neben der Tatsache des Todes Christi im Zusammenhang der paulinischen Lehre von der Rechtfertigung klargelegt."
11. Teil
Kap. 5-8: Das neue Leben aus Gott Röm 5,1-11: Die Gaben der Gnade
Da wir nUD auf Gnmd des GlaubeDa prechtfertigt aad, haben wir Frieden mit Gott durch UD8eI'eD HermJesua ChrUtua, ldurch den wir auch den Zugang empfmgea haben durch cIea Glauben zu diesem Gaadeaatand, in dem wir stehen, und wir riihmea UD aufGnmd der' Hoffaungauf die Herrlichkeit Gottes. 3 Und Dicht nur daa, wir riihmea UDS auch der Anfechtungen, clean wir wiuea, «Ia8 die ADfechtuag Geduld wirkt, 4 die Geduld aber Bewähnmg, die Bewährung aber Hoffnung. 5 Die Hoffnung aber läßt Dicht zuachandeu werden, denn die Liebe Gottes ist auapgouen in uasere Herzen durch den heiligen Geist, der UIU ge&ebea ist. 6 Deaa Christus ist, als wir noch sch'WIICh waren, zur rechten Zeit für GottIoae ge.torben. 7Deun kaum wird jemand für einen Gerechten .terbea; für den Guten (für du Gute?) nämlich bringt einer vielleicht fertig, zu .terben. 8 Aber den Beweis aeiner Liebe zu UDI liefert Gott dadurch, daß Christus für UDS geltorben ist, als wir noch Sünder waren. 9Um wieviel mehr werden wir, die wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt .ind, durch ihn von dem Zorn gerettet werdenI 10 Denn wenn wir als Feinde mit Gott venölmt worden .ind durch den Tod seines Sohnes, um wieviel mehr werden wir als Venöhnte prettet werden durch .ein Leben. 11 Und nicht nur du: wir rühmen UDS auch Gottes durch uueren HermJesua Christus, durch den wir jetzt bereitl die VenöhnUDg empfangen haben. 1
Anaryse: Nicht nur der feierliche und bekenntnisartige Abschluß von Röm 4,2~25,
sondern auch der Inhalt von Röm 5 rechtfertigt den Versuch, mit dem neuen Kapitel auch einen neuen Abschnitt des Briefes zu beginnen. Paulus will zunächst zeigen, daß in der Gabe der Rechtfertigung alle anderen Gaben enthalten sind (5, 1-11), dann stellt er alte und neue Menschheit, Todesweg und ewiges Leben einander gegenüber (5,12-21). Damit werden Einzelmotive und Gedanken angeschlagen, die von den nächsten Kapiteln nicht losgelöst werden können (vgl. Röm 5, I-li mit Röm 8; Röm 5,12-21 mit Röm 6). Der übergang von Röm 5,12-21 zu Röm 6, I ff. ist außerdem so eng, daß der in den Kommentaren übliche Versuch, zwischen Röm 5 und 6 einen neuen Hauptteil beginnen zu lassen, fehlschlagen muß. Sieht man in Röm 4 eine Einlage, dann wird man Röm 3,21-31 mit Röm 5, I ff. verbinden, was an sich möglich wäre (vgl. Dodd R 72); doch hebt die vorgeschlagene Einteilung exegetische Schwierigkeiten auf, die in der seither üblichen Unterteilung nicht gelöst werden konnten. Versucht man, den Abschnitt Röm 5,1-11 aufzugliedern, dann stellt sich zunächst V 1-2 als eine in sich abgeschlossene Einheit heraus. Es folgt in V ~5 als zweites Glied ein Kettenschluß, der den Gesichtspunkt der Anfechtungen, aber auch der Hoffnung hervorhebt. Ein neues, drittes Glied V ~ unterstreicht die Einzigartigkeit des Heilsgeschehens durch den Hinweis auf das Kreuz Jesu: er ließ rur uns als Unfromme und Sünder sein Leben. Paulus beruft sich damit auf
Röm 5,1-11
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eine ihm vorgegebene Deutung des Sterbens jesu. Es ist nicht zufällig, daß das dritte Glied wie das zweite (V 5) mit der Herausstellung der Liebe Gottes zu uns schließt. Der Abschluß V ~II arbeitet mit Hilfe des Schlusses »vom Leichten zum Schweren« (~ollq> I"ällov V 9.10) die eschatologische Spannung zwischen gegenwänigem und zukünftigem Heil heraus (<JO>'Ö'1l06J.lEita V 9.10), endet aber ausdrücklich mit einem Lobpreis (xQUXcio6aL V 11 wie 2.3). Achtet manaufden Stil des Abschnittes, dann zeigt sich, daß das Ganze als Lobpreis (xaUXTJOLS) gedacht ist. Daher herrscht der Wir-Stil vor, mit Ausnahme von V 7, in dem eine allgemeingültige Beobachtung weitergegeben wird. Mit diesem feierlichen Lob. preis hängt auch die besondere Gehobenheit der Sprache zusammen, die dem Leser unmittelbar auffällt. Es gehört zu dieser Gehobenheit, daß Paulus be. stimmte Motive (wie tAJds, lt'fWtt] 'tO'Ü itEO'Ü) hervorhebt und sie durch Wiederholung entfaltetl. Exegese: V 1: Der Lobpreis (xaUXTJms) setzt die Rechtfertigung voraus (ÖLXQLO>ittV'tES V 1.9): weil wir den Zuspruch der Gerechtigkeit auf Grund des Glaubens empfangen haben, ist uns dadurch auch der Friede mit Gott (doflvrrv fxo!.1EV) durch unseren Herrn jesus Christus geschenkt. ))Frieden haben« (als Gegensatz zum Zorn Gottes und zur Feindschaft mit Gott) ist venvandt mit dem Bekenntnis: Wir sind versöhnt mit Gott (xa'tT)UaYTl!.1EV 'tcp -DEcp V 10). Versöhnung und Friede gehören auch sonst bei Paulus eng zusammen (Kol 1,20; Eph 2, 14).jesus Christus ist unser Friede, wie auch der Freudenbote desjesaja Frieden (= Heil, Gutes) verkündigt Ues 52,7). Im Bekenntnis fxOl"EV liegt ein ))Habencc, das man aus der Gnade Got tes empfängt 2 • Der Abschluß des Verses klingt feierlich und formelhaft, er weist auf die Mittlerschaft jesu Christi hin 3 • V 2: Paulus wiederholt den Hinweis auf die Mittlerschaftjesu (ÖL" (0) und dankt für den Zugang (oder Zutritt) zum Gnadenstand (~QOO
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Die Gaben der Gnadr
denstand (taim)v), in den die Gemeinde eingetreten ist. Das Präsens ~OJ1EV wird also durch das Perfekt tO'ti)xaJ.LEV verstärkt 5 • Gnade ist hier ein bleibendes, sich fortsetzendes Handeln Gottes am Menschen. Wenn man vom )Gnadenstand« spricht, dann darfman nicht vergessen, daß Gott Herr der Gnade bleibt; es kommt in ihm zum Ausdruck, daß der Mensch einen )festen Stand erhält« (A. Schlauer). Der Begriff des JubtlruJts (xaUxOOJ.LE'fta) bestimmt den Anfang und Abschluß des Abschnittes Röm 5,1-11: sicherlich denkt Paulus dabei an das in der Gemeinde geübte Danlr.gtbtl und an die vom Geist Gottes bewegtenjubelrufe (äyall(aOL~ Apg 2,46; ltyalll.äo-&al. Lk 1,47; 10,21). Die Gemeinde stimmt das Dankgebet und denJubelrufan, der sich aufdie Hoffnung und das Offenbarwerden der Herrlichkeit Gottes bezieht. Die xhntt; wird zur tAJt(~, die l)l.xatO<JlJVT) zur b6~ (8,30). War der Mensch in die Sünde verstrickt, daher ohne Gottes Herrlichkeit (3,23), so wartet der Gerechtfertigte auf die Herrlichkeit Gottes, die aller Verborgenheit und Verhüllung des göttlichen Handelns ein Ende setzt. Mit V 5 setzt der Lobpreis neu ein 6 . Er zählt nicht nur die Gaben auf, die uns durch das Kreuz Jesu geschenkt wurden, sondern er wendet sich ausdrücklich der Situation des Bedrängtseins zu, die an sich den Lobpreis gefährden könnte. Aber dies Hemmnis wird überwunden, ja die Trübsal wird geradezu zu einem neuen Motiv für den Lobpreis. Wir können übersetzen: »Wir rühmen uns auch der Trübsale« (M. Luther) und aufJak 1,2 ff.; I Fetr 1,6 verweisen; vielleicht ist aber das Verständnis unseres Verses noch einfacher, wenn man an V 2 unmittelbar anknüpft: »Selbst in den Bedrängnissen hält die Gemeinde am Jubelruf fest« (Th. Zahn, C. H. Dodd). xat,xäo-&al. tv kann an sich den Gegenstand, dessen man sich rühmt, aber auch die Lage, in der man sich rühmt, meinen. Auch das Judentum konnte sich der Züchtigungen rühmen, schätzte also das von Gott verhängte Leiden hoch 7 • Bei Paulus bestätigt der JubeIrufirn Leiden die elapfangene Gnade Gottes. »Wir wissen« (db6tE~ bzw. O[l)aJ.LEV) ist eine bei Paulus häufige Formel, die eine bestimmte Erkenntnis unterstreichen soll, ohne daß ihre Herkunft näher erläutert wird 8 . Dies » Wissen« des Apostels trägt die Eigenart
Sl'fI ,dmet (•• Al( vulg.) 6
ist texdich nicht gesichen, viellricht sogar Glosse (LAoaR 101).
ob J.Ibvov bt, Qll.« xa( ist eine bei Paulus beliebte Verkürzung, die sowohl im Griechischen als
auch im Semitischen ihre Parallelen hat. Diese Verbindung findet sich auch in Köm 5,11; 8,23; 9, 10; 2Kor 8, 19; sie hat weiterführenden, aber auch steigernden Sinn. Nach LtzmR ist diese Verkür· zung »gut griechischec, nach DELrrzscHR. 81 im talmudisch-midraschischen Sprachgebrauch nach· gewiesen. 7 xauxäD&a&. tv und xauxäo&m m( können sprachlich den Gegenstand des Sichrühmens zum Ausdruck bringen, doch bleibt eine Unsicherheit bestehen, ob Paulus in V 3 ähnlich wie in V 2 (b' tAnUh) und V 11 (tv-ap itnp) sich der Trübsale rühmen will oder denJubeirufderGemeinde auch in der Situation der Trübsal anstimmen will. Zum Problem der .. Züchtigungen« im Judentum vgl. Prov 3,11 f.; PsSal 3,4; 8,34; 10,1-3 u.ö. In Weiterführungdes alttestamentlichen Lobpreises des Lei· dens und der Züchtigungen fmden wir auch beim Beter in den Hodajot die Freude über die erfahre· nen Gerichte Gottes: .. Ich habe Gefallen an den Gerichten, und an den Züchtigungen habe ich WohJ· gefallen« (IQH 9,10 vgl. 9,21-25). Die Sprache des Lobpreises ist eine Ausdrucksfonn des Dankes, der Erfahrung des Heiles und der Hingabe an Gott (vgl. den Psalter!). Vgl. ScHLiERR 143 f. • dMu~ findet sich auch in Köm 6,9; 13,11; 1Kor 15,58; 2Kor 4,14; 5,6.11; Eph 6,8.9. Tatsächlich liegt in diesem Wusm der Anspruch auf eine Wahrheit, die nur dem Glauben zugänglich ist, die ihm aber möglich ist und die eine gültige und letzte Wahrheit ist.
Röm 5,1-11
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des Glaubens in sich, steht auch grundsätzlich zur menschlichen Erfahrung im Gegensatz. Paulus wechselt nun den Stil- ein Zeichen dafür, daß sein »Wissen« auch formal hervorgehoben werden soll. Vielleicht knüpft er aber auch an eine paränetische Tradition an (vgl.Jak 1,3). Zur Eigenart dieses Weisheitsstiles gehört das Hervorheben des Abstraktums, der Eigenschaft oder Tugend, deren Personifikation, außerdem das Fehlen des persönlichen Momentes (wir, unser). Dazu tritt hier die Form des Ktltmschlwsts, der in Exegese und Paränese keineswegs sehen ist; Rabbinat, Weisheitslehre und Hellenismus haben ihn geschätzt 9 • itAi"'L~ bezeichnet im Neuen Testament die Anfechtung und Bedrängnis, die auch den Christenstand bedrücken, ja gerade ihn um seiner Eigenart willen anfallen 1o• Paulus spricht deshalb von den Anfechtungen, weil sie den Gerechtfertigten in seinem Glauben gefährden 11. Die Wahrheit des Evangeliums ist paradox und widerspricht dem menschlichen Augenschein l l . Der Christ rühmt sich deshalb in den Trübsalen (bzw. der Trübsale), weil er weiß, daß Gottes Werk sich an ihm vollzieht. Wenn Paulus bekennt: )Anfechtung bewirkt (xa'tEQYatE'taL) Geduld« (vgl. 2 Kor 4, 17), dann meint er ein dem Evangelium entsprechendes, aus der Gnade Gottes kommendes Geschehen, also ein Wirken Gottes. Trübsal an sich kann Empörung oder Verdruß schaffen U. Calvin}, Anfechtung wirkt Geduld (UMf.WVT1) , d.h. der Glaube nimmt in der Anfechtung die Form des Ausharrens, der Standhaftigkeit an. V 4: Die Geduld führt zur Bewährung (ÖoXLJ,lTJ) , d.h. der Glaube ist erprobt und hat sich an die Belastung gewöhnt. ÖOXLJ,ltl findet sich im Neuen Testament nur bei Paulus 13 • Daß wir paränetische Tradition vor uns haben, die im Einzelnen verschieden ist, zeigt ein Vergleich zwi9 Zum Kettenschluß vgl. Hos 2,23 8".; Am 3,3 8".; 2Petr 1,5 f[; außerdem im HeUenismus Max. Tyr. philos. 16,3 p.201 f[ HOBElN; 31 ,4 p.365; Porphyr. ad Marc. 24p.206 NAUCK. Bei Paulusrmdet sich der Kettenschluß aufkrdem in Röm 10,14 ff. 17. IO&M'I1L; denkt ursprünglich an Druck, Bedrängnis, Anfechtung durch die Welt. Bei den Lateinern nimmt tribulatio die Bedrutung der Christenverfolgung an (Ten., Cyprian, Ambstr.). Clem. Al. quis div. aal. 25,6 und Orig. Ruf. 995 Cf[ unterscheiden zwischen einer Anfechtung, die von außen kommt und voo anderen zugeftigt wird, und einer Anfechtung im Inneren, die aus der Seele selbst entsteht. 11 Man darf nicht vergessen, daß Paulus von der Gnade ausgeht, in der wir stehen (Röm 5,2), also ist der Glaube und das Werk Gottes am Glaubenden nicht nurein Akt,sondem auch ein Werden und Geschehen »mitten im Gewühl, mitten in der den Menschen bis aufs Innerste berührenden Verwirru~ der IIIfn'listm Welt« (BARlHR 132). 12 M. LUlHER legt in seiner Römerbrief-Vorlesung großes Gewicht aufden pau1inischen Satz: »wir rühmen uns auch der Trübsale«. Der natürliche Mensch verkennt die Kraft und Wirksamkeit der Trübsal, beurteilt und würdigt sie nur nach dem äufkren Schein, obwohl sie doch wie das Kreuz Christi selbst angebetet werden müßte. M. LUlHER setzt die Trübsale mit dem »Kreuz Christi.. gleich, 10 daß ein Feind des Kreuzes Christi ist, wer sich gegen die Trübsale sträubt. Letzdich will der Mensch seine Ohnmacht, Torheit und Strafwürdigkeit verleugnen. u boxt.ldt begegnet bei Paulus häufig und heißt »Bewährung, Erprobtheit«. Zum Begritrvgl. ThW 11261. A.JOucHERhattevon »Festigkeit« gesprochen; der Begriffwirddann von E. KOHLpsychologisien (»Gcftihl der Stetigkeit und Festigkeit.. ). Diese Psychologisierung ist falsch, denn in der Bewährung und Erprobtheit ist Gottes Uneil entscheidend, wie M. LUlHER noch genau gewußt hat: »Denn Gott nimmt keinen als gerecht an, den er nicht vorher geprüft hat; er prüft aber nur durch das Feuer der Trübsal« (E. ELLWEIN 212). Ober Bewährung (boxt.JdI) bei Paulussprichtjetzt ScHuERR 148.
IBO
Die Gaben der Gnade
schen Röm 5,4 undjak 1,3 14 . Die Bewährung stärkt die Hoffnung, gibt ihr Gewißheit, empfängt nach Jak 1,12 den »Kranz des Lebens«. An unserer Stelle bezeichnet &(s allerdings nur den Akt der Hoffnung. Paulus wäre mißverstanden, wenn man in diesem Kettenschluß mehrere voneinander unterschiedene Stufen des Glaubens sehen woUte 15 . Ihm kommt es vielmehr darauf an, daß die Gnade Gottes den Glauben unter dem Druck der Anfechtungen über sich selbst hinauswachsen läßt und daß er Segen gerade in die Anfechtung hineinlegt. Man darf den Weisheitsstil der paränetischen Tradition nicht ohne den Zusammenhang mit der paulinischen Theologie verstehen. V 5: Als Schlußglied der Kette fügt sich im gleichen Stil die an das Alte Testament erinnernde Wendung an: »Hoffnung beschämt nicht.« Das paulinische Won erinnert an das Bekenntnis des Psalters: »auf dich haben die Väter venraut und wurden nicht epttäuscht« (Ps 22,6; 25,3.20)16. Es kommt daher dem Alten Testament daraufan, daß Gott das Venrauen nicht enttäuscht; auf ihn haben die Väter ihr Vertrauen gesetzt. Paulus gleicht den alttestamentlichen Gedanken an den Weisheitsstil der vorherigen Verse an und meint: »die Hoffnung wird nicht unerftillt bleiben, sie wird den Menschen nicht enttäuschen« Uak 1,12)17. An das Ende des Kettenschlusses fügt sich eine auffallende Begründung an, die schon durch den Wechsel des Stiles ihre Eigenart ankündigt 18. Liebe Gottes und heiliger Geist verbürgen, daß die Hoffnung nicht enttäuscht. Wenn der Reichtum der Gaben Gottes schon Gegenwart geworden ist, dann bleibt auch die Hoffnung nicht leer. Von dem Begriff der»LiebeGottes« spricht Paulus hier zum ersten Mal (vgl. Röm 8,35.39; 15,30). Das Bild des »Ausgießens« verbindet sich oft mit dem Begriffdes Geistes Gottes UoeI3,1; Apg 2,17; 10,45). An unserer Stelle ist die Liebe »ausgegossen« und der heilige Geist uns »gegeben«; dabei wird man an ähnliche alttestamentliche Aussagen erinnen 19 . 14 Nach Jak 1,3 bewirkt die Erprobung Standhaftigkeit, nach Röm 5,4 die Standhaftigkeit Erprobtheit. In diesem Zusammenhang ist das Bild von der Erprobung des Goldes durch Feuer geläufig (Hi 23,10; Prov 17,3; Sir 2,5; IKor 3,13; IPetr 1,7). uM. LUTHEIl unterscheidet drei Stufen: »die unterste besteht darin, daß man die Trübeale mit Sträuben aufsieh nimmt; in der mittleren ergibt man sich fröhlich und willig da rein , ohne die Trübeal zu suchen; die höchste Stufe aber ist die, die Trübeale zu ersehnen, sie zu suchen und fordernd die Hände danach auszustrecken wie nach einem Schatz« (E. ELLWEIN 212). 16 Vulg. übersetzt: .pes non confundit. xmua.oxWELV heißt eigentlich »beschämen, schänden«; in der LXX tritt xatCJLCJXWELV häufig rur ~iJ ein (Ps 44,8.11; 119,46; vgl. IKor 1,27). 11 Es bleibt die Möglichkeit offen, das Futurum xcmllDX"\'El zu lesen (CHR. V. HOFMANN, A. PA!.LlS). Die biblische Aussage steht im Gegensatz zur allgemeinen menschlichen Erfiahrung. An sieb ist die Warnung berechtigt, daß die weit umhenchweifende HoflDung viden Männern ein Nutzen, vielen aber ein Betrug leichtsinniger Begierden ist (Soph. Ant. 619 f.), daß »Hoffen und Harren manchen zum Narren macht« (Sprichwon). Die biblische Aussage will aber nicht allgemein verstanden werden (Weisheiustil!), sondern will betonen, daß Gott du Venrauen des Menllchen nicht enttäuscht. Es geht nicht um Festigung des Charakters, auch nicht um einen Enthusiasmus, der aufwärts strebt, IOndern um die Erreichung des Zides, du Gott uns vorhält (vgl. KAsEMANNR 125). I' Man könnte an eine Verbind~ zwischen V 3a und V 5b denken (unter Auaklammerung des KettenschlUSleS), denn die Züchtigungen sind nach biblischer und urchristlicher überzeugung ZeiHebr 12,5 f.). Vgl. dazu ZnR 248; PALLlsR 76. chen und Unterpf.md der Liebe Gottes (Prov 3,11 19 Gottes Zorn wird »ausgegossen« (Ps 69,25; 79,6; Jer 10,25; Ez 7,8); Gottes Bannhenigkeit wird »aUJgqossen« (Sir 18,11). M. DIIELIUS bemerkt zu Röm 5,5: .. txxtxvmL ist gesagt von der Liebe,
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Schon Origenes stellt die Frage nach dem Verständnis des Genitivs 'toO troü: ))Es ist zu erwägen, ob er hier jene Liebe meint, mit der wir Gott lieben, oder ob jene, mit der wir von Gott geliebt werden, die durch den heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen wurde« (Ruf. 997 B C). Origenes entscheidet sich in dieser Frage für die Liebe, mit der wir von Gott geliebt werden; ähnlich Chrys., Ambstr. Von einer Liebe zu Gott reden Thdrt, Photius und Aug. de spiritu et litera 32,56. Da im Zusammenhang unseres Textes ausschließlich Gaben Gottes genannt werden, liegt die Deutung: »Gottes Liebe zu uns« nahe. Es entsteht ferner die Frage, in welchem Vtrlriilmis die Liebe Gottes zur Gabe des Geistes steht. Die Kirchenväter nannten den Geist Gottes das Pfand, den Bringer bzw. die Gabe der Liebe Gottes. Aber vielleicht muß man vorsichtig sein und die Bestimmung des Verhältnisses von Liebe und Geist umschreiben: der heilige Geist vermittelt, daß Goues Liebe in unsere Herzen ausgegossen wird; der heilige Geist macht uns gewiß (in den Anfechtungen) , daß Gottes Liebe in unsere Herzen ausgegossen ist; das Wissen um die Liebe Goues zu uns ist durch den uns gegebenen heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen.
Was Liebe Gottes zu uns ist, wird in V &-8 erläutert. An die Bekenntnisformel 1Kor 15,3 erinnert die Aussage, daß Christus für Gottlose starb. Die Heilstat Christi gilt als Liebestat Gottes bzw. Christi uns gegenüber. Vielleicht knüpft Paulus hier an eine hellenistische Diskussion an, in der die Frage behandelt wird, unter welchen Umständen es eine gute Tat ist, für einen anderen Menschen zu sterben. Man kennt besondere Fälle, in denen der Tod für andere anerkannt wird 20. Der TodJesu aber steht nicht innerhalb dieser menschlichen Möglichkeiten und Erwägungen. Wahrscheinlich ist die an sich umständliche LA: hLYCJ.Q XQLOtO~ övtorv 'lttuiJv ito6evWv hL xa'tQ xaLQOv uxtQ itoEßmV i1xtfkIVEV (. AC Orig.) vorzuziehen 21 . Die Bestimmung: öV'torv 'lttuiJv itoitEVWv (V 6) wird erläutert und verstärkt durch die spätere Wiederholung: hL ltJ.LaqtwMöv ÖV'twv 'lttuiJv (V 8). Es geht nicht darum, die Schwachen, die Unfrommen und die Sünder voneinander zu unterscheiden; gemeint ist, daß wir vor Christus schwach, unfromm und Sünder sind. Paulus will den Unterschied zwischen dem Christus und den Menschen zum Ausdruck bringen 22. xa'tQ xaLQ6v ist zu i1lttfkIvEV zu ziehen (= ))zur rechten Zeit«, vgl. GaI4,4)23. Die Paradoxie des Sterbens Christi gedacht vom heiligen Geist. Die Liebe ist nach Paulus gar nicht dadurch bestimmt, daß sie )ausgegossen c wird, sondern indem der heilige Geist den Gläubigen gachenJu, d.h. ausgqouen wurde, tat ihnen Gott seine Liebe kund« (Vier Wone des Römerbriefes, Symb. Bibi. Upsal. 3, 1944,6). lO·Zur Diakuaion dieaea Problems im Judentum vgl. TestAas 2,3: »Ist da ein Mensch, der einen übeltäter liebt, weil dieser für ihn sterben will, 10 hat auch dies zwei Seiten. Das Ganze aber ist ein übel Ding.• über die Pflicht des Eintretens und Sterbena die Verwandten und Freunde: PhiloItr. ApolI. 7,12; Arrian Epiet. 2,7; Epicur (USENER) p. XXX. Als Parallele wichtig in Nr. 1044 der Herku1anensischen Rollen (A. DEISSMANN, Licht vom Osten, 4. Auß. 1923,95): ..Für den am meisten Geliebten unter den Verwandten oder den Freunden würde er wohl bereitwillig den Hals darbieten .• 11 Textkritisch haben wir zwischen verschiedenen Möglichkeiten zu wählen (In y{IQ, h~, d~ n y{IQ, tl y6Q, d ye). Die Lesanen d YE, d 6t, EI y6Q scheinen Erleichterungen zu sein. Von den wichtigsten Hdschr ist vorgeschlagen: hLYlJoXQ~ (I ACD) , ferner: ~'riy6Q (G vulg. Iren.), dy{IQ (lsid. Pelus., Aug.), ye (B). 22 Schwach ist der Mensch, weil er den Anfechtungen nicht gewachsen ist (MIt 14,38), weil er das Gebot nicht erfüllt (Röm 7,14). Gottlosigkeit bedeutet, daß man von Gott weiß, aber ihn nicht ernst nimmt (Röm 1,20.25.28). Die Kirchenväter haben versucht, Schwache, Gottlose und Sünder genau zu scheiden. 23 G. DEUING, ThW 111 462.
rür
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wird durch zwei parallele y6Q-Sätze veranschaulicht. Der erste stellt eine allgemeine Regel auf: »Für einen Gerechten wird kaum jemand sterbenu, während der zweite eine Einschränkung, ein Zugeständnis bringt: ))Für den Guten bringt vielleicht jemand fertig, zu sterben«. Umstritten ist, ob ÖLxa(ou bzw. Qya60ü maskulinisch oder neutrisch zu verstehen ist. Im ersten Fall bezweifelt Paulus, daß sich jemand für einen Gerechten opfern würde; er gibt aber die Möglichkeit zu, daß jemand für seinen Wohltäter (für einen ))Gütigen«) zu sterben bereit ist 2•• Im letzteren Fall müßte man zwischen einer gerechten Sache und dem AIIgemeinwohl zu unterscheiden versuchen. V 8: Während die Menschen eine Hingabe in den Tod für andere nur in besonderen Fällen kennen und vollziehen, aufjeden Fall aber niemals für ))Gottloseee eintreten, stellt Gott seine eigene Liebe uns gegenüber heraus, indem Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren. Wie stark der Zusammenhang durch feste 8ekenntnisformeln geprägt ist, zeigt ein Blick auf I Petr 3,182.5. Ein Vergleich mit V 5 (txxtxu'tQL) läßt das Präsens (avv~aLv) in einem besonderen Licht erscheinen: war die Liebe Gottes nach Röm 5,5 ein Ereignis, das auf die Vergangenheit hinweist, so wird sie hier als bleibend und dauernd bezeugt. 6 itE~ als letztes Glied soll vidleicht hervorgehoben werden, wenn auch die Reihenfolge textkritisch unsicher ist 26 • Ö'tL drückt hier nicht eine Begründung, sondern eine Erläuterung (epexegetisch) aus: )~adurch, daßee (Gal 1,11.13)21. Es fällt auf, daß für Paulus der Tod Christi ein Erweis der Liebe Gottes ist. Da diese Liebe sich dem Menschen zuwendet, obwohl er Sünder ist, geht sie dem Verlorenen nach und trägt den Charakter der Barmherzigkeit an sich. Offenbar übernimmt V 8 eine bestimmte theologische überlieferung, nach der Gottes Liebe sich im Kreuz Jesu Christi erweist. V 9: Nachdem Paulus in V 6-8 sein Verständnis der Liebe Gottes entfaltet hat, wendet er sich nun wieder der Spannung zwischen gegenwärtigem und zukünftigem Heil zu. Zwei fast parallele Sätze (xoÄÄ.q, Jlällov V 9.10) drücken in der gleichen Weise den Grund und den Inhalt der christlichen Hoffnung aus. Auch hier bleibt der Grundgedanke erhalten, daß in der Rechtfertigung alle Gaben Gottes einbeschlossen sind. Der Schluß xoUq, Jlällov ist schon im Rabbinat geläufig und verknüpft dort ))Leichtes und Schweresee miteinander28. öLxawrlttvtEC; nimmt das entscheidende Stichwort von V 1 wieder auf.Jt~t (vüv) ist uns die Rechtfertigung zugesprochen, aber die Vollendung des Heiles (ow't'Y)Q(a vgl. Röm 1,16) ist noch nicht erschienen. Wir sind gerechtfertigt, und in dieser RechtJ4 Zur maakulinilCben FUiung vgI. Epict. dia.11I :20,11 8'. In dergnostiscben Theologie spielt der Gegensatz 6~~ eine groBe Rolle (Mare.). Man dachlt mehrfach in der Exegae von V 7baneincn Hinweiaaufdiecbriadichen Mätyrer, die fiirden -Guten- sterben (Mit 10,18). Hieron. ep. 121,7 erwähnt, daß edichr eine VerpOicht~ zur Lebenahinpbe für Christus aus dietem Ven folgern. 25 ~ (Röm 3,5; Gal 2,18; 2Kor 6,4) bedeutet: -heraUIIItIIen, erweisen- (vulg. übenetzt: commendat caritatem) . CJUVU7tlMlL ist in der alten Auslegung venchieden venLandcn worden (commendat,confirmat). Gut iatdie übersetzung: -Gou beweist seine Liebe zu uns-. Bekannt iat M. LV11IERS Wiedergabe: -Darum preist Gou seine Liebe gegen Uni ••• -. 26 e~ "'~ 6 ~ leien. ACKP. 6 &~ ~ "'~ DFGL; 6 ~ fehlt bei B. 27 ZnR 257 rechnet mit der Möglichkeit, 6n d fn (G d- Cypr.) zu leaen. 28 Das Gewicht einer Au...~ soll die andere AUD&~ tragen (Str-B 111 223 0:).
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f~rtigung
liegt die Bürgschaft für die Errettung vor dem Zorn Gottes. Di~ Rechtfertigung vollzieht sich durch das Opfer Christi. Die geprägte Formel tv tcp atJ.l(ltL airrO'Ü w~ist auf Röm 3,25; 1Kor 11,25 hin und stammt wohl aus der Abendmahlsliturgie. bL' airtO'Ü vertritt vielleicht tv tfI twn airtoü (V 10): bringt der TodJesu die Rechtfertigung. dann bringt sein Leben als Auferstandener die Rettung im jüngsten Gericht (Röm 8,34; Hebr 7,25). ÖQytl taucht in unserem Zusammenhang als rschatologischer Begriffauf: im Endgericht offenbart sich Gottes Zorn 29• Die Errettung aus diesem Zorn Gottes besteht nicht darin, daß die Glaubenden nicht zur Verantwortung gezogen werden (2Kor 5,10), sondern darin, daß sie mitten in der Erfahrung des Zornes Gottes, der auch sie trifft, in die Gnade Gottes, in seine Herrlichkeit hineingenommen werden. Nur wer vom Zorn weiß, nimmt auch die Gnade ernst 30• V 10: Die neue, mit V 9 parallele Aussage geht von der Vorstellung der Feindschaft des Menschen mit Gott aus. Unt~r den Adjektiven unseres Abschnittes, die den Zustand des natürlichen Menschen beschreiben, bildet tx-DQo( einen Höhepunkt. Die Vorstellung der Feindschaft mit GOlt wird durch Röm 8,7 0:; Koll ,21 f. bestätigt: der natürliche Mensch erhebt sich gegen Gott 31 und verdirbt die gegenseitige Beziehung; die Feindschaft des Menschen geg~n Golt wird zur Feindschaft Gottes gegen den Menschen (Röm 11,28). Durch das KreuzJesu Christi richtet Gou das Zeichen der ~trsöluumg auf. Durch unseren Vers wird eine neue Vorstellungsreihe eingeführt, um auszudrücken, daß mit der Rechtfertigung auch ein neues Verhältnis zwischen Gott und Mensch gegeben ist 32. Wir haben also wieder einen festen Zusammenhang vor uns, der ursprünglich neben der Rechtfertigungslehre stand. Entscheidend ist, daß nicht Menschen Gott versöhnen, sondern daß Gott sich mit den Menschen versöhnt. Er sendet seinen Sohn, er richtet den Dienst der Versöhnung auf, er st~ll t die Menschen vor die Entst:heidung, ob sie sich mit ihm versöhnen lassen (2Kor 5,20). Mit dem Begriff der Versöhnung nimmt Paulus den des Friedens (V 1) auf33 • V 11: Aber selbst mit dem Motiv der Versöhnung bzw. der Errettung kommt der paulinische Gedankengang noch nicht zum AbAuch hier klingt der Begriff övrfIlO vendbltändigt. daß der Genitiv emo fehlen kann. tei durch die Offenbarung der Gnade vergangen, hatte in Paulul keinen Platz. Was in Gott ist, vergeht nicht. Im Gegenteil, da die Ankunft des Chriltus bezeugt, daß die Herrschaft Gottes konune und leine Herrlichkeit offenbar werde, ist damit auch bezeugt, daß sein Zorn mit gottheitlicher Majestät in einer alle erf.uaenden Wirk.mkeit sein reinigendes Werk vollbriacen werdcc (ScHLATTEa, Gerechbpeit 182). II In der Auslegung trin eine aktive Deutung (die Menschen betrachten Gott ab ihren Feind) der puaiven (die Mcnschcn werden von Gott ab Feinde angesehen) gegmübcr. Man darfbeides nicht von einander scheiden: .Es ist gewiß, daß einer, derdic Werke tut. die Gott nicht liebt, Gottes Feind ist.. (Orig.). KAsEMANNR 129 betont den aktiven Sinn: Rebellion und Rcbdl in der Verfeindung. 12 Der Begrifl'XataU600ElV begegnet bei Paulul noch in 2Kor 5,18 ff., xa~ in Röm 5,11; 11,15; 2Kod,I8 ff. ~v fmdetlich in Koll,20.22; Eph 2,16in ähnlichen Gedankengingen. »Der gleiche Zusammenhang zwischen Vef1Öhnung und Friedeschatren findet lich auch in Kai 1,20. Der Begriffdes FricdCDI wird also durch den der Venöhnung erläutert: wnöhnt lich Gott mit dem Mcnschcn, dann empfängt der MenlCh den Frieden. Rechd'eniguna und Vel'lÖhnung Iaufm beide auf den umfuaenden Frieden zu. :19
JO ItDer Gedanke, der Zorn
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Der neue Mensch und die neue Menschheit
schluß34• Die versöhnte und errettete Gemeinde stimmt den Jubelruf auf Gott an, dem dies ganze Werk zu verdanken ist. Zunächst fällt der Gleichklang mit V 3 auf, dann aber auch die Beziehung zu Röm 2,17 (xaUXäoaL tv itE<jJ). Sicherlich handelt es sich dabei um den hymnischen Jubelruf (äyaW~) im urchristlichen Gottesdienst. Der abschließende Relativsatz «(>L" 00 ... ) ist ähnlich aufgebaut wie V 2 und läßt auf einen bestimmten doxologischen Stil schließen 35 • Das doppelte 00v von V 9.11 darf nicht übersehen werden: jetzt schon hat die Gemeinde die Versöhnung empfangen. Das Verhältnis von Rtthifntipllg ~ Vtrsö!uumg wird in Röm 5,1 f.; 9f.; 11,15als logische Folge, als Wechsel des Aspekts und als Anschluß an eine verwandte Deutung des Christusgeschehens geschildert. Auf jeden Fall schließt sich die Versöhnungslehre hier der Rechtfertigung an, nicht umgekehrt. Versöhnung der mit Gott verfeindeten Menschen bzw. des KOimos müssen voneinander getrennt werden; die Liebe Gottes, die Sendung des Sohnes als des Mi tden, die Befreiung von Mächten treten stark heraus; die Kernstelle 2Kor 5,18-20 bedarfder Erwähnung (Koll,2O ff.; Eph 2,14-18). Versöhnung, Friedenschaffen, Zugang zu Gott gehören eng zusammen. Sühne und Versöhnung sind allerdings verwandte Wortstämme, der Hinweis aufdas •• BlutJesu Christicc erinnert an die Rechtfertigung Röm 3,24 f. Daß die Weissagung vom GottesImecht hinter Rechtfertigung und Versöhnung steht, darf nicht vergessen werden (Röm 4,25; 2Kor 5,21; vgl. J. Murray, Appendix C. 375-383). »Feindschaft« gegen Gott sollte nicht gegen »Zorn Gottes« über den Menschen ausgespielt werden (andenJ. MurrayR 112); das Schwergewicht liegt jedoch auf dem aktiven Sinn (der Mensch als Aufrührer gegen Gott!). Venähntsein legt Gewicht auf den Zustand, das Ergebnis, die Frucht - daher fällt in manchen DanteIlungen die Betonung auf die VerlÖhnung (z.B. P. Grelot, Peche originel et redemption, 1913). E. Käsemann, Erwägungen zum Stichwort: VeRÖhnungslehre im NT (Zeit und Geschichte, 1964, 41-60) wendet sich gegen das Schwergewicht, das von der Venöhnung ausgeht. Daß in 2Kor 5,19- 21 ein frühpaulinisches Grundelernent zu fmden ist, halte ich für wahrscheinlich (anders E. Käsemann a.a.O. 50).
Röm 5,12-21: Der neue Mensch und die neue Menschheit l1n.um, wie durch eiDea Meallclaea die SäDde in die Welt biDeiDbm UDd durch die SÜllde der Tod, aad _ der Tod ..., alle MealChen äcb ....a.eitete, weDja alle peönclil'luIbea - 13dea.a bia l1li' Zeit, da . . GeIea wurde, war$üacle in der Welt; Süade lIber wird Dicht aapredmet, WeDD keiD GeIea da ist; 14troadem hat der Tod von Adam bia MOMa aeiae Herncbaft aach über die aaapübl, die Dicht Öl der peichea Webe wie Adam darch Vbertretaaa eme. LetdmmteD Geb0ts ~ me.er Adam iR Bild da zaIdiaftipa Meuchea. 15 Doch plt Dicht der Sall: wie die tJt,a betuac, _ auch die GIIIIIIeapbe. DeIm WeIIII dan:b die tJbertretaac da Eiaea die Vielen .aarbea, WB wievieI mehr Ut daaD die Gaade Gotte. UDd du ea.denpKbmk da eiDeD Meaachea Jesaa Chriatua dea Vielea reicbHch zuteil gewonleD. 16Uad es plt Dicht der Salz: wie die SüDcIe da EiDea,
P'"
~ 00 t.abvoY 6t (1lOÜ1O De GF) wird von manchen Aualegun gedanklich durch ~ bzw. omt~ erpnzL JS Zwn Problem des ~ a1a eines goctadiensilichen AktCI vgI. W. BoVSSET, K yrioa ehri1101,2. Auß. 192I,I09;LYDEl.BaUN,Symb. Ara. I, 1922, 190: Du Panizip~iatindib tiviach oder Ir.obonativ vencanden.
Röm 5,12-21
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10 du Geschenk. DemI du Gericht erging wepD des EiDen zur Veru.rteiung, die GDMIengabe aber kommt auf Grund vieler VbertretunpD und führt zur Gerechtsprechung. 17De1m weDD durch die Vbertretunpn des EiDen der Tod zur HerrIChaft kam durch den EiDen, um wieviel mehr werden die, die den V'berflu8 der Gnade und des Geschenb der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herncheD durch den EiDen, Jesua CIuUtua. 18 Wie es Dun durch die Vbertretung des EiDen zur Verurtei1ung für alle MeDICheD bm, 10 kommt es auch durch die Rechttat des EiDen für alle Menschen zur Rechtfertigung, die ewips Leben IChenkt. 19Dem1 wie durch den Unphonam da eiDen Menschen die Vielen als Sünder hingestellt wurden, 10 werden auch durch den Gehonam des EiDen die Vielen als Gerechte h.iDpsteIIt waden. 10 Du Gesetz ist aber daneben hineingekommen, damit du Mal der Sünde ueb mehre. 11 Wo aber die Sünde sich mehrt, da fIie8t das Mal der Gaade iber, damit, wie die Sünde hfS'l'lChte durch den Tod, 110 auch die Gnade hernche durch Gerechtipe1t zum ewigen Leben durch Jesus Christus, uueren Herrn.
Ana!Jst: An denJubelrufRöm 5,1-11 schließt sich ein ganz andersartiger Abschnitt an, der die apokalyptische Gegenüberstellung: Adam-Christus zum Inhalt hat. War Röm 5,1-11 geradezu im Stil eines Lobpreises gehalten (Wir-Ton), so erscheint Röm 5,12-21 als eine Meditation, die den Sinn des Kreuzes und der Auferweckung eschatologisch und kosmisch ausweitet. Derartige Rückblicke auf die Geschichte unter einem gegebenen Gesichtspunkt sind allgemein-jüdisch: man faßt zusammen, was eine vergangene Zeit zu dem behandelten Thema zu sagen hatte (z.B. JuLiläen, äthHen). Es ist also von vorne herein anzunehmen, daß Röm 5,12-21 die Rechtfertigungslehre Röm 3,21-31 eschatologisch und apokalyptisch im Sinn der Gegenüberstellung alter und neuer Mensch entfaltet. Trotz der Verklammerung von Röm 5,12-21 durch XQ'taUayMe; 0<0'ÖT)06t'ria (5, 10) und iq,LOQ1:(a-XQQ"; (6,1) sieht unser Abschnitt zunächst wie eine selbständige Einlagt aus: die einzelnen Gedanken und Motive sind vom Kontext unabhängig. Es fragt sich daher, welche Bedeutung unser Abschnitt für den ganzen Zusammenhang des Römerbriefes hat. Offenbar will Paulus das WerkJesu Christi in einen großen heilsgeschichtliehen Rahmen hineinstellen und damit seine eschatologische und jeden Menschen einschließende Bedeutung sichern. Logisch steht unser Abschnitt unter dem Gesetz dertmlithttischtn Typologie: Adam-Christus; ihr entspricht die Gegenüberstellung von altem und neuem Äon sowie die gegensätzliche Dreiheit: Gesetz-Sünde-Tod bzw. Gnade-Gerechtigkeit-Leben. Erkennt man diese wichtige Eigenart unseres Abschnittes, dann wirkt Röm 5,12-21 wie eine mythische und bildhafte Darstellung der großen eschatologischen Wende, die in Kap. 6-8 näher beschrieben wird. Der Abschnitt ist deshalb mehr als eine Einlage, weil er das TIumtJ rur die folgenden Kapitel angibt. In diesem mythischen Denken liegt das Wissen um das Schicksalsschwere in der Einmaligkeit eines geschichtlichen Ereignisses. Die mythischen Denkformen und Begriffe wollen zum Ausdruck bringen, daß das ganze Problem des Menschseins durch ein Urdatum der Vorzeit und der Endzeit entschieden worden ist. Die Verkündigung kann nur noch entfalten, was in diesen Urdaten als Urteil und Ratschluß Gottes verborgen liegt. Dabei darf man nicht vergessen, daß der Begriff des »Mmschmsolmu« in seiner apokalyptischen Bedeutung ein U ntoff der neutestamentlichen Verkündigung ist und daß er eine Voraussetzung der pauIinischen Christologie ist. Die Kreuzeslehre geht bei Paulus in die Menschensohnlehre ein, und die Menschensohnlehre gibt dem Kreuzesgeschehen ein besonderes Schwergewicht.
Wir haben einen lehrhaften, logisch deduzierenden Stil vor uns, der sich von
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seiner Umgebung deutlich abhebt. Es ist sehr schwer, den Gedankengang unseres Abschni ttes sachlich aufzugliedern (etwa V 12-14; 15-17; 18-21), da die Motive sich nicht ablösen, sondern in anderer Gestalt immer wieder durchbrechen. Einerseits stellt Paulus antithetisch dem Urgeschehen des Falls Adams das Endgeschehen des Gehorsams Jesu gegenüber, anderseits hebt er die überbietung der Sünde durch die Gnade und die überwindung des alten Äons durch den neuen hervor. Diese bei den Motive der Antithese und der Obtrbittung wechseln also einander ab. Wichtig ist aber, daß der Abschluß V 20.21 in Fortsetzung von Röm 3,20; 4,15 die Gesetzeslehre weiterführt: das Gesetz ist kein endgültiges und abschließendes Geschehen im Heilsplan Gottes, sondern lediglich Ausdruck einer vorübergehenden Weltzeit. Daß Paulus in der Gegenüberstellung: Adam-Christus mit altem jüdisch-palästinischem Stoff arbeitet, sollte nicht bestritten werden. Sowohl die weit verbreitete haggadische Auslegung der Sündenfall-Geschichte wie auch die Anwendung des rabbinischen Grundsatzes: "Das Maß der Güte ist größer als das Maß der Strafen« (SLev 5,17 = Str-B I I I 230) weisen in das Frühjuden tu m. Dazu tri tt die Gegenü berstellung von dem "Einen« und den)) Vielen« sowie die Anschauung von dem Verfallensdn des ganzen Kosmos an gottfremde Mächte. Daß im Ahnherrn auch die Nachkommen schicksalhaft mit einbezogen sind, ist auch sonst bezeugt (Hebr 7,10), aber Paulus stellt neben die Sünde des Ahnherrn gleichzei tig die der Nachkommen (Röm 5, 12). Wich tig ist, daß der Begriffdes» Fleisches« in diesem ganzen Abschnitt fehlt und daß der Begriffder Erbsünde arn griech. Text keinen Anhaltspunkt hat. Paulus fragt nicht nur nach der Entstehung der Sünde, sondern auch nach ihrer umfassenden. Herrschaft, und stellt dann die Herrschaft der Sünde der Herrschaft der Gnade gegenüber. Dabei setzt er die biblisch-haggadische Antwon auf die Frage nach der Entstehung der Sünde voraus.
Exegese: V 12: Eigenartig ist die Anknüpfung durch ÖUI "[0"Ü"[0, die eine logische Verbindung mit dem vorherigen Abschnitt herstellen sol)1. So Großes ist von Jesus Christus ausgesagt worden, daß es berechtigt ist, in ihm den Anfänger der neuen Menschheit zu sehen. Er kann also nicht mit einem Menschen innerhalb der israelitischen Heilsgeschichte (wie Abraham oder Moses) verglichen werden, sondern kann nur dem Anfänger der alten Menschheit gegenübergestellt werden. Die mit W<mEQ eingeleitete Satzperiode verlangt als Entsprechung ein 0\,.t(J)~, das aberin unserem Zusammenhang fehlt (vgl. V 21). Paulus legt auf die Schicksalsschwere der Sünde des einen Menschen Gewicht: durch einen Menschen (ÖL' tvo; civaQw1tou) kam die Sünde in die Welt (= in das menschliche Leben) hinein. Dieser Schicksalsschwere entspricht es, daß der Tod als Folge der Sünde des ,)Einen« durch die Reihen der ganzen Menschheit geht (ÖLyt).,-&EV). Daß die »Sünde« in die Weh kommt, klingt mythisch und bezeichnet in diesem Fall die Strukturveränderung des ganzen kosmischen Daseins 2 • K. Heim legt besonderes Gewicht auf dies ÖL' tvo; lrvitQW1tou: durch den ersten Menschen dringt die Macht der Sünde wie durch ein Eingangstor in die Menschenweh ein J . I b&4lOVtO ist Obergangspanikd. Worauf weist Paulus zurück? Auf V 11 allein, auf Köm 5,1-11 oderaufRöm 1,17-5,11? Es liegt am nächsten, 6&ll w'frto als Schlußfolgerung aus Röm 5,1-11 anzusehen. H. SatLJER schlägt vor: .. nicht begründend, sondern fonführend«. 2 Zum Stil vgl. Sap 2,24; ähnlich auch Smeca epist. 90,6.38. 3 K. HEIM, Wdtschöpfung und Weltende, 1952, 142. E. BIANDENIUaGER, Adam und Christus,
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doilA:&E'V wird durch ÖLT)A:&EV gesteigert: der Tod geht durch die Reihen der Menschheit. tq:> «P steht für bti "[olm!> Ö"[L und begründet das allgemeine Todesschicksal (»weil sie alle gesündigt haben« bzw. »unter dem Umstand, daß alle gesündigt haben«)4. Die lateinische übersetzung: in quo omnes peccaverunt verschiebt den Geanken (in quo = in Adam) 5 • Seit Adam, dem Haupt der alten Menschheit, ist diese bewußte und unbewußte Macht der Sünde, der Auflehnung gegen Gott eine ständige Tatsache in der Geschichte der Menschheit.Jeder wird in diese Schuld gegen Gott und .in dies Todesgericht hinein verflochten (1taV"ta~-1tav"tE~; vgl. auch Röm 3,23). Der Zusatz »alle haben gesündigt« deutet die enge Verbundenheit von Schicksalhaftigkeit und eigener Schuld an. Auch imJudentum war diese enge Beziehung zwischen dem Tod als Verhängnis und als Folge eigener Schuld schon gesehen worden. Im Judentum sind beide überzeugungen vorhanden: I. Der Tod ist ein Verltiingrris das J
wegen der Sünde Adams über die Menschen gekommen ist (4Esr 3,1.21 f.; 1,118; Apk.Bar 17,3; 23,4; 48,42; 54,15.19). Ausdrücklich heißt es, daß die ))Krankheit« dauernd wurde, daß Gott den Tod über Adam und seine Nachkommen verordnet und Adam die Jahre derer verkürzt, die von ihm abstammen. Freilich tritt dann in der Apokalyptik auch das Motiv der persönlichen Verantwort ung hinzu: •• wir alle aber wurden jeder für sich selbst zum Adam« (ApkBar 54,19).2. Der Tod ist die Strafe für die Sündejedes einzelnen Menschen (vgl. Schab 55a). Allerdings gibt es Menschen, die den Tod nicht durch eigene Sünden verschuldet haben, die aber infolge des Rates der Schlange sterben. Die Frage, ob es einen Tod ohne eigene Schuld des Menschen gibt, ist für die alte Synagoge offengeblieben (Str-B 111 229). Grundsätzlich schließt sich die paulinische Theologie insofern an das Frühjudentum an, als sie ebenfalls in der Auslegung der Sündenfall-Geschichte das Motiv des Verhängnisses mit dem der persönlichen Bestrafung verbindet.
V 15 f.: Unsere Meditation geht im Hinblick auf das Gesetzesverständnis auf die Kindheitsgeschichte der Menschheit zwischen Adam und Moses ein. In diesem Zeitraum ist die Sünde als selbständige Macht in der Menschheitsgeschichte, aber sie wird noch nicht angerechnet, aufgeschrieben, auf die Rechnung gesetzt 6 • Es gab auch in dieser Kindheitsgeschichte allgemeine und spezielle Strafgerichte Gottes, aber erst seit der Gesetzgebung am Sinai besteht der verschärfte Gerichtszustand über den Menschen. In gewisser Weise führt unser Vers die These von Röm 4,15 weiter aus. Auch dann, wenn die Menschen nicht in derselben Art wie Adam gesündigt haben, unterstehen sie der Herrschaft des Todes. ol
1962; E. JONGEL, Das Gesetz zwischen Adam und Christus, ZTbK 60, 1963,44-74. 4 Zur Geschichte der Auslegung J. FIlEUNOOIlFEIl, Erbsünde und Erbtod beim Apostel Paulus, 1927; vgl. KAsEMANNR 138: a) auf Grund dessen, durch den, b) zu welchem Ziel hin, c) weil (= kausal2Kor 5,4; PhiI3,12; 4,10). Gemeint ist die Ambivalenz zwischen Verhängnis und Einzelschuld. S Zum Problem vgL ZnR 266 Anm. 33;J. FIlEUNDOIlFEIl, Erbsünde und Erbtod beim Apostel Paulus, 1927; KAsEMANNR 138(; ScHLlEIlR 159-162. 6 Das Passiv ist Umschreibung eines göttlichen Hande1ns. tuoyEiD6a.L rmdet sich häufig auf Papp. und Inschr. Man darf also nicht an eine menschliche Anrechnung denken. Paulus knüpft an die Vontellung an, daß im Himmel Bücher geführt werden, die alle Taten der Menschen enthalten. Ähnlich wie Röm 5,13 ist auch 7,7-9 von der VonteUung beherrscht, daß es eine Periode im Leben des Juden gibt, in dem das Gesetz nOl·h nicht über ihn herncht. Vgl. A. DEISSNANN, Licht vom Osten, 4. Auß. 1923,66; G. FRIEDRICH. ci~qt(a 0'Üx tuoyä'tw Ilöm 5,13, ThLZ 1952,524 f[
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",,7.
~ ~oavtE~ ist wohl ursprünglicher als die Weglassung der Negation Gemeint sind die Menschen, die nicht wie Adam gegen ein ihnen gegebenes Gebot gesündigt haben 8 . Es war eine andere Situation, als Adam unter der Androhungdes Todes stand, als später in der Zeit, in der die Tatsache des Todes für die Menschen feststand. Auffallend ist der Abschluß von V 14: Adam ist Typos des ).Zukünftigen« (0 ~). Schon der Stil zeigt, daß wir eine bestimmte Tradition vor uns haben. Altenümlich ist die geheimnisvolle Bezeichnung "tA.Awv, die ähnlich ist wie 0 tQX61'E"~ (Mt 11,3; Hebr 10,37). Der Begriffn".;o~ ist an sich vieldeutig. Er weist auf einen analogen heilsgeschichtlichen Zusammenhang hin und taucht gern in der Exegese alttestamentlicher Texte auf( lKor 10,6.11). Menscht ,. und Ereignisse werden im eschatologischen Rahmen zum Zeichen für andere. Der Begriffwill exegetisch verknüpfen, in Beziehung setzen, Ähnlichkeiten oder Gleichhei ten aufweisen (WmtE~OO~ V 12.15.18.19.21). V 15: Aber diese Grundtendenz des n".;~ wird unterbrochen durch das Motiv der Steigerung, das die Ähnlichkeit oder Gleichheit überbietet (xoUq> "ä)J.ov V 15.17). Die beiden Denkformen der Analogie und der überbietung sind ineinander verschlungen. Zunächst stellt Paulus übertretung und Gnadenakt einander gegenüber. Brachte der Einbruch der Sündenmacht eine unendliche Katastrophe über die Menschheit, so liegt es im Wesen der göttlichen Gnade, daß sie diese unendliche Katastrophe überbietet. Gott würde nicht Gott sein, wenn er nicht die Fülle des Unheils durch eine Fülle der Gnade überwinden könnte. Der Begriff der übertretung (xOQlm'tOOJ.IQ) hebt die Besonderheit der Schuld Adams hervor: er übertritt ein bestimmtes Gebot Gottes. Diese übertretung zog eine Fülle von Schuld und Not, auch die Verflochtenheit in die Todesgemeinschaft nach sich. Aber die Gnadengabe (XOoLOJUl), die uns durch Jesus Christus geschenkt ist, gleicht ebenfalls einem Strom, der sich von einem Urquell aus in die Weite der gesamten Menschheit ergießt. Die Gegenüberstellung: der Eine - die Vielen (6 d~ - ol3tOllo() klingt altertümlich und semitisch; sie denkt daran, daß in einem einzigen Geschehen das Schicksal einer ganzen Menschheit beschlossen ist, daß daher aus einer einzigen Wurzel ein weit verzweigter Baum entsteht (olxollo( = D'I':1) . .
o
-.
Es ist zu beachten, daß nach unserem Text die Sünde nicht auf eine metaphysische oder materielle Wurzel zurückgeführt wird, sondern daß sie als ein Geschehnis und als Macht in die exegetische Betrachtung eingeführt wird. Außerdem fällt auf, daß weder Adam noch der »)Zukünftigecc als mythologische Gestalten geschildert werden, sondern daß heide als in die Geschichte gehörende Menschen beschrieben werden, die allerdings je eine bestimmte Weltzeit einleiten. Das Schicksalsschwere liegt in dem konkreten Handeln bzw. in dem Geschehen, das mit der Person Adams und Jesu Christi verbunden ist. Die
7 Orig. kennt beide Lesarten: mit und ohne Negation. Offenbar hat er beide vorgefunden. Die meisten Iat. Textzeugen haben nach seiner Behauptung JdI nicht ge1eten, während die griech. Zeugen du JdI gehabt haben. Ambatr hält die IaL Zeugen ohne I'fI für älter und sieht in 1"'1 eine häretische FäJachung. Seine Berufung auITert., Viaorin und Cypr.1wm heute nicht mehr nachgeprüft werden. In den Kommentaren bekennt man ,ieh allgemein zur Ursprünglichkeit der Negation. 'bl oap ~ erinnert an HOl 6,7: ..sie aber haben wie Adam den Bund gebrochen, sind dabei treulOi VOll mir absefal1enu. ~ - Gleichheit, Ahnlichkeit, Gleicbgeatalt (BAUER Wb 1123 f.; ThW V 191 tr.).
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Vorstellung eines derartig schicksalsschweren Ereignisses, das eine endlose Kette von Not nach sich zieht, ist vor allem in der jüdischen Apokalyptik gepflegt worden (4Esr 3.21 f.; 7,118). Gott kann auf bestimmte Geschehnisse ein einzigartiges Gewicht legen. das man an seinen Folgen erkennt. Ein gewisser Aufbau der christologischen Formeln und Aussagen ist unverkennbar: in V 14 wird Jesus Christus verhüllt als »der Zukünftige« eingeführt, V 15.17.19 sprechen von dem »einen Menschen« Jesus Christus als dem Anfänger der neuen Menschheit, V 21 bringt als Abschluß die volle bekenntnisartige Würdebezeichnung: »Jesus Christus, unser Herr«. Auffallend ist die Betontheit des »einen Menschencc. Man denkt unwillkürlich an die Vorstellung des »letzten« bzw. »himmlischen Menschencc (IKor 15,44 ff.), die aber ebenfalls als Antithese zum )enten Menschen« gemeint ist. Es kommt Paulus auf die Tatsächlichkeit des MenschseinsJesu an: gerade in ihr sieht er das Unterpfand des Heiles und die überwindung der Gerichts- und Todesmächte (Röm 8.3).
Man achte auf die beiden Denkformen der Entsprechung und der Oberbietung: 1. Der alten Weltzeit entspricht die neue. dem Menschen der Urzeit entspricht der »Kommendecc bzw. der »eine Mensch« Jesus Christus. 2. Das Verhängnis der Urzeit wird übertroffen durch die Gnadengabe der Endzeit (oUx w~- oo"t~). Schicksalsschwer war die übertretung ("to 1uIQmt'twfW) der Urzeit. aber noch gewichtiger ist die Gnadengabe ('to xßQLOJ1a). Vielleicht kommt in diesem Zusammenhang ein alter jüdischer Grundsatz zu Wort, nach dem das Maß des Bösen bzw. der Strafen überboten wird durch den Reichtum des Segens bzw. das Maß der Güte9 • V 15 wird als ein Bekenntnis zur Größe Gottes, der das Böse bzw. die Schuld des Menschen durch Jesus Christus überwunden hat, aufzufassen sein. XelQLOfW wird wieder aufgenommen durch fI XtlQL~ 'too &00 und fI Ö
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eignis die neue Menschheit angebrochen ist und repräsentiert wird. Man achte aufdas Nebeneinander von Gott und Christus, das doch wohl dem urchristlichen Bekenntnis entspricht, das beide nebeneinander stellt (ITim 2,5). Die GnadengabeJesu besteht in seinem Sühnopfer (Röm 3,25) und in der Rechtfertigung des Sünders (Röm 5,17); was Gott schenkt, ist gleichzeitig GabeJesu. Wie stark das Bild der Gnade mit dem des Reichtums Gottes verbunden ist, zeigt der Sprachgebrauch von "EQI.OOEUELV (Röm 3,7; 5,20). Gott überbietet das Unheil des Menschen durch Jesus Christus und bezwingt es dadurch. Seine Gabt und Gruult iibnbitten alle mm5chlichm Yngleicht und Maßsliibt. Stark verkürzt, aber äußerlich an den Aufbau von V 15 erinnernd, schließt sich V 16 an: war die Verurteilung die Folge einer einzigen Sünde, so wird die Gnadengabe zu einer Antwort Gottes auf die vielen vorhergehenden Obertretungen. Sowohl im Vordersatz als auch im Nachsatz fehlt ein eigentliches Verbum oder Hilfsverbum (wie todvoder tytvEto). Paulus will an einem bestimmten Beispiel das Motiv der überbietung ("EQLOOEUELV) verdeutlichen: der Weg in den Abgrund ging von einem einzigen Geschehen aus, und auf ihm gingen alle Menschen zugrunde, während die Gnade eine Fülle von übertretungen vorfand und einen einzigen Neuanfang setzen mußte. Der Weg der Gnade war also an schwerere Voraussetzungen gebunden als der Weg der übertretungen. Man könnte an die Leichtigkeit einer Infektion denken, der die Schwere des Gesundungsprozesses gegenübersteht. Aber der Weg der Gnade führt nicht zurück, sondern über den Anfang hinaus! Das über Adam gesprochene Urteil (XQLf.Ul) , das auf Grund der übertretung eines Einzelnen gefäUt worden ist, wird zur Verurteilung (x«tQXQLf.Ul) der ganzen Menschheit; die Gnadengabe aber kommt auf Grund vieler übertretungen und führt zur Gerechtsprechung (ÖLx«LroJ.la). XatQXQLJ.la und Ö.."aLroJ.la scheinen einander zu entsprechen; XatQXOL"a steht am Ende des alten Äons, ÖLX«Lro"a dagegen am Ziel des neuen Äons J2 • V 17: Noch einmal setzt ein Vergleich zwischen übertretung und Gnadenakt ein: Wenn durch die übertretung des Einen der Tod zur Herrschaft kam (tßaOCA.roOEV = Aor. ingress.), so wird das Leben zur Herrschaft kommen durch den Einen, Jesus Christus - aber der Gedankengang biegt vorher um: nicht das Leben wird zur Herrschaft kommen, sondern die Empfänger der Gnade werden herrschen. Statt den Vergleich logisch durchzuführen, nimmt Paulus eine alte apokalyptische überlieferung aufS J • In diesem Zusammenhang spielt die Betonung des )~Einencc eine besonders eindrückliche RoUe; das Öt.a too ~ des Vordersatzes entspricht ebenso dem ÖLa too tv~ des Nachsatzes wie das t~D..E"OEV des Vordersatzes dem tKIOIAEUoouOLv des Nachsatzes. 6Mvat~ttKIo(UuoEVerinnert an V 14. Der Tod »)herrschtcc über die Menschheit, das Leben aber kann nicht über Menschen nherrschen«, sondern ist das Zeichen der eschatologischen Herrschaft. Bezeichnend ist die \\' endung zur endzeitlichen Tradition: Paulus denkt gleichzeitig zurück in die Urzeit und vorwärts in die Endzeit; offenbar entsprechen sich diese beiden Denkbewegungen. u 6ucalaJtaa wird in D·d· vulgo ergänzt durch u PISaI 3,8; lKor 6,2; AplUoh 20,4.
tonl~.
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Von V 18 ab faßt Paulus die Ergebnisse der Gegenüberstellung zusammen (vgl. das vorangestellte äQa oUv). Noch einmal vergleicht er in großen Satzperioden übertretung und nRechttat« (jetzt: Gehorsam), das Einzelgeschehen und die Wirkung auf die Vielen mi teinander (V 18: ~-oü't~; V 19: iixmEQ-OÜ't~). Die Satzkonstruktion ist verkürzt, denn es fehlt das Verbum (Lehrstil). Öl' tv~ x<XQWt'tooJ.la't~ und ÖL' tv~ ÖlXalooJ.lmOC; entsprechen einander (vgl. den Aufbau von V 16). ÖlxaLooJ!a bedeutet hier »Rechttat« (= uxaxoTJ) und ist daher von ÖLXaLO)(nc; zu unterscheiden 14. Entstand aus der eintn übertretung die Verurteilung, so aus der tintn Rechttat der göttliche Rechtsspruch, der das eschatologische Leben gibt (ÖlxaLOO(JlC; ~orilc;). Wichtig ist, daß sowohl V 16 als auch V 18 Gott selbst als den Richter und Gerechtsprecher erscheinen lassen, obwohl in beiden Versen der Gottesname vermieden wird. Das Rechtsdenken des Paulus hängt mit der Betonung der besonderen theologischen Bedeutung der geschichtlichen Ereignisse zusammen, die ihm als Fakta der Vergangenheit feststehen. Auch der Lehrsatz über das Gesetz in V 20 verbindet sich mit dem Motiv der adamitischen übertretung und mit dem paulinischen Rechtsdenken. Die Wiederholung von dC; xftV'tac; av6QOOxouc; (V 12.18) darf nicht übersehen werden: alle Menschen des alten und des neuen Äons werden einander gegenübergestellt 15 • V 19 bestätigt offenbar die vorherige Aussage. Auch hier entsprechen einzelne Glieder einander im Vergleich: xaQ
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auf einen Einwurf oder an einen theologischen Anhang 17. Aber man darf nicht übersehen, daß unser ganzer Abschniu mit rechtlichen Begriffen arbeitet, und daß der Gegensatz 0 bertretung-Recht tat auf das Gebot Goues bzw. das Gesetz bezogen ist. Außerdem liegt es nahe, die Frage nach der Bedeutung des Gesetzes deshalb aufzuwerfen, weil sowohl von Adam als auch von Jesus Christus als entscheidenden heilsgeschichtlichen Zeichen geredet wird. Israel sah aber die Heilsgeschichte unter dem Gesichtspunkt des Gesetzes, mußte also fragen, weiche Rolle das Gesetz spielen soll, wenn das Gegenüber von alter und neuer Weltzeit auch ein Gegenüber von menschlicher Sünde und göttlicher Gnade sein soll. Daß die Frage nach dem Gesetz den Apostel nicht losläßt, zeigt schon Röm 5,13 an. Es ist auch nach den grundlegenden Aussagen Röm 3,20; 4,15; 5, 13 folgerichtig, wenn Paulus Gesetz, Sünde und Tod als zusammengehörig betrachtet (vgl. als Höhepunkt Röm 7,7-25). Schon die äußere Form, dann aber auch der Inhalt dieses Lehrsatzes muß für jüdische Ohren geradezu blasphemisch gewirkt haben, denn für das Judentum gehören Lehre, Leben und Licht eng zusammen. Für Paulus dagegen ist die Verheißung Goues eigentlicher Wille, das Gesetz jedoch eingeschoben. Im Zusammenhang unseres Briefes bildet Röm 5,20 eine Steigerung gegenüber den früheren Thesen über das Gesetz und eine Vorbereitung aufden entscheidenden Abschniu Röm 7,7 0: Das Gesetz ist ))daneben hineingekommen« (XUQELOiJl.tEv), ist also keine legitime Antwort auf die Frage nach dem »Leben«I'. Von Jesus Christus her gesehen sind die bisher gegebenen Bekenntnisse des Judentums überholt und verneint, weil in Jesus Christus ein qualitativ ande~s, neues Leben erschienen ist. Es ist nicht zufällig, daß die rntscheidenden polemischen Thesen über das Gesetz sich gegen dasjudentum und seinen konk~ten Anspruch, im Gesetz das Leben zu haben, richten. Paulus löst keineswegs das Gesetz von Gott, denn auch nach ihm liegt im Gesetz eine verborgene Absicht Goues (lva). Er will, daß die alte Weltzeit ihr Ziel, die Fülle der Sünde und die menschliche Aussichtslosigkeit im Tode, erreicht. Er will auch, daß der Mensch die Bitterkeit dieses Zieles, die Not der Sünde und des Todes. restlos durchkostet. Gou will dem Menschen das Ende des Weges, der mit Adams übertretung eingeschlagen wurde, nicht ersparen. Sein Gericht verbirgt sich in seiner Langmut, die Langmut Goues aber hebt sein Gericht und die Gültigkeit des Gesetzes nicht auf. xA.Eova~EL'v ist hier eindeutig intransitiv (= ))sich mehrencc) 19; es zieht in unserem Zusammenhang l'tEQLOOEUELV nach sich (auch in 2Kor4, 15)20. Anschließend biegt Paulus logisch den Lehrsatz über das Gesetz zu einem Vergleich von Sünde und Gnade um. Erreicht die Sünde ihr volles Maß
Anbaac
'7 Voo eiocm sprechen LTUdl65; LAoa.R 112; SANDAv-HEADLAMR. 143. '8 ~eoea.. bewahrt die BedeutuDI HitW darin enthalteoen Pripoätiooen (- nebenher eindriosm); in diaan ZuaamlllCllbans knüpft ~tn an dofa).tn yoo V 12 an. Die GegenübentellWII: dDfI).~n zeigt. daS V 20 keinawqp ein Fremdkörper in diClem puzen ZUlUlUDenhanc zu Kin braucht. ~ bedeutet an lieh eine Feblentwicklung (Gal 2,4).
19 Vgl. die verschiedenen Obenetzungm M. J.. UTHEIS: .. überhand nehmen, übenc:hwänglicher werden, mächti8er werden. (1522-1539). JO VgL Sir 23,3: ~ ~ ,u.~v a1 (ryvouIt J&OV xa1 a1 ~taL J&OV ~v. Die Steiammg der SiiDde besteht in ihrer Wiederholung.
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(Aorist, nicht Perfekt: abundavit), so wird auch die Gnade überreich (vgl. Röm 5,17: 1tEQl.ooda T'i]'!; xaQl.'t~). Die neue Weltzeit ist die Weltzeit der Gnade: kommt die alte Weltzeit zu dem von Gott bestimmten Ende, dann offenbart Gott die Macht seiner Gnade, die die ganze Not überwindet. Statt 1tAEovatELv zu steigern (PsSaI5,16; ITim 1,14)21, nimmt Paulus U1tEQ1tEQLOOEUELV zu Hilfe (2Kor 7,4): der Reichtum der Gnade strömt über. Begriftlich drängt sich das quantitative Moment in den Vordergrund (vgl. Röm 5,15). V 21: In einem letzten Vergleich (ÖXJ1tEQ-olhoo<;) drückt Paulus aus, daß ein Wechsel dtr HtTTschaft erfolgt (~ßaoo.E\JOEV-ßaOL).ruan). Die Gewalt der Sünde kommt durch die Tatsache des Todes zum Ausdruck (tv "t
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gendeine Beschreibung der menschlichen Natur, sondern um die Schicksalhaftigkeit und Verantwortlichkeit, die in der Menschheit und im einzelnen Menschen liegen. Es handelt sich um einmalige Geschehnisse einer besonderen Kategorie, wenn Adam sündigte und Jesus Christus gehorsam wurde, aber diese Geschehnisse lösen sich nicht von den ständig sich vollziehenden Handlungen, die in der Geschichte von Menschen immer wieder getan werden und nun den Gesamtprozeß zur Ausreifung bringen. Ausgangspunkt für dieses Geschichtsdenken des Paulus ist das Chrirtus~uignis; es hat seinen Sinn und seine Auswirkung auf die ganze Menschheit. Darum kann niemand anders als allein Adam, durch den Sünde und Tod in die Welt kamen, mit Jesus Christus verglichen werden. Adam und Christus stehen also in einem Entsprechungsverhältnis zueinander, aber nicht so, daß Christus von Adam her, sondern nur so, daß Adam von Christus her zu verstehen ist. Allerdi~s darf man nicht die Denkformen der apokalyptisch bestimmten Weisheitslehre, die deduktiv und scheinbar rational ableitet, übersehen: es gibt nach ihr E,tigniss~, die schicksalhafte Gewalt in sich tragen. Der Ungehorsam bzw. der Gehorsam eines Einzelnen bestimmt den Weg der Menschheit sowohl nach der negativen wie nach der positiven Seite. Nach R. Buhmann, Adam und Christus nach Röm 5 (ZNW 50, 1959, 14.>-165) ist ein gnostisches, kosmologisches Schema der eigentliche Ausgangspunkt des Abschnittes: Zwei Menschheitsperioden sind in ihrem Ablauf durch ihren Anfänger bestimmt. Aber Paulus hat dies gnostische Schema durch heilsgeschichtliche Motive verändert, die nunmehr den Gedankengang stören: 1. alle Menschen sind durch ihre eigene Schuld verantwortlich; 2. zwischen der Schuld Adams und der Schuld der vormosaischen Menschheit muß deshalb unterschieden werden, weil erst die übertretung des Gesetzes die Sünde zur wirklichen Schuld macht. Der kosmologische Aufriß des Mythos ist zu einem heilsgeschichtlichen geworden: Die beiden Perioden der Menschheitsgeschichte folgen nicht aufeinander wie im Mythos, sondern stehen in einem inneren Zusammenhang zueinander: die erste Periode, die der Sünde, bereitet die zweite, die der Gnade, vor (vgl. 5,20 f.). M. Luther hat den heilsgeschichtlichen Aufbau in die Geschichte der Menschheit projiziert. Das von R. Bultmann herangezogene .,gnostische« U rmotiv bedarf allerdings der Korrektur (B. Murmelstein, H. W. Robinson). Auch geht es keineswegs um die Würde des Menschen, sondern um den inneren Kern der Handlungen und ihre weltweiten Auswirkungen. Vielleicht kann man sagen, daß das zugrunddiegendc Geschichtsdcnken ursprünglich apokalyptisch, die Tendenz dramatisch, apokalyptisch war. Fragt man nach der nEigentlichkeit« der menschlichen Existenz und nach der gegenwärtigen Gewißheit des zukünftigen Lebens (vgl. R. Bultmanns Gespräch mit K. Barth), dann droht die eschatologische Kraft, die auf das zukünftige Ziel ausgerichtet ist (5,17.21), verlorenzugehen. Zur Auseinandersetzung mit dem Analogiedenken bei K. Barth und seinen Folgen vgl. den Einspruch MurrayR I 384-390 = Appendix D. In dem Exkurs Sünde und Tod, Erbtod und Erbsünde setzt O. Kuß nach allem religionsgeschichtlich wichtigen Material bei der theologischen Erkenntnis ein: .. Als er (= Paulus) den Glauben anJesus Christus gewinnt, erkennt er zugleich das wahre Antlitz der gottverlassenen Welt; aus dem Glanz dieser Erke~~'tnis schaut er zurück und entdeckt noch Dunkel dort, wo es ihm bisher so hell zu sein schif''l. Von hier aus wird es recht klar: Gruuh ist der eigentliche Zentral begriff der paulinischen Sünden theologie, und alle Sündenproblematik der paulinischen Hauptbriefe stellt lediglich den Hintergrund für die Heilslehre dar« (R 273 f.). Spekulativen Charakter haben die Aussagen dieses Abschnittes nicht. KäsemannR 144 kämpft um das Emstnehmen der apokalyptischen Situation: a) es geht nicht um das Verhältnis Gott-Mensch, sondern um das Gegenüber zweier Schicksalsträger; b) die Endzeit ist der Urzeit unendlich überlegen (Röm 11,12.15 f.; 4Esr 4,31
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ff.); c) die typologischen Motive müssen abgeklärt werden (Steigerung, überbietung, antithetische Entsprechung); der Christus will sein Reich auf dieser Erde bauen. Grundsätzlich geht es Paulus um eine theologische Aufgabe: er muß heilsgeschichtlich nicht nur die Welt des Alten Bundes, sondern darüber hinaus die ganze Menschheit auf Jesus hin zu begreifen suchen. Dabei bleibt der Ernst der Geschichte gewahrt, ja, das Menschsein wird als Herrschaftsbereich von Sünde, übertretung und Tod gesehen. Die Lehre von den beiden Äonen wird in Röm 5,12-21 vorausgesetzt (A. Nygren), aber sie bleibt im Hintergrund; man kann von •• Zeiten«, aber auch .. Bereichen« sprechen. Mehrfach findet sich die Beobachtung, daß die Frage nach dem letzten Ursprung der Sünde von Paulus nicht beantwortet wird (KußR 274; R. Bultmann 153). An diesem Punkt geht der Text über den Wortlaut von Gen 3 nicht hinaus.
Zum exegetischen MatnUd I. Süruk und ObertTehlng, sündigen und Siindnsrin: Das durch die Sünde charakterisierte Handeln und der in ihr sich äußernde Tatbestand des Sünderseins spiegelt sich bei Paulus in verschiedenen Warrgruppen wider ({q.Latyda, xaQClpa(JL~, xaQClmO)!'O, avoJ,Ua, aÖLxUx, lO xax6v). Auch die Lasterkataloge unterstützen die Fülle der Ausdrucksmöglichkeiten und warnen auf Grund alter Traditionen vor konkreten Vergehen aller möglichen Art. Die paulinische Literatur hat dies ganze Verhältnis zwischen Gott und Mensch am sorgfältigsten durchdacht und eine neue Beurteilung durchgesetzt, die der Rechtfertigung aus Glauben entspricht. Im Sündersein des Menschen liegt die eigentliche Tragik, aber auch die Basis, von der aus das Evangelium sein Werk ausrichten kann. Die Sünde besteht im biblischen Denken zunächst in der Untreue gegen den Bund Gottes mit seinem Volk. Die Sünde, um deretwillen Gottes Zorn auf der Menschheit liegt, ist nach Paulus eine Auflehnung des Geschöpfs gegen den Schöpfer und sein Offenbarwerden in der Schöpfung (Röm 1,18 ff.). Der Zorn Gottes ist nichts anderes als die Gegenwehr Gottes gegen diese Auflehnung des Menschen gegen den Schöpfer. Der Mensch übernimmt also nicht leidend das peccatum originis und begeht dann in eigener Verantwortung die peccata actualia, sondern das peccatum originis ist seine eigene Tat; was er konkret tut, ist nichts anderes als eine Manifestation seines Verfallenseins (G. Bomkamm). Der Abschluß Röm 5,20 f. zeigt deutlich, daß das Gesetz die Herrschaft der Sünde auf das volle Maß gesteigert hat; es ist also in den Prozeß der Sünde, ohne es zu wollen, eingegangen. Es fragt sich aber, ob der begriff des Gesetzes genügt, um die Tiefe und Weite des Sündenbegriffes bei Paulus zu tragen. Vgl. dazu die Definition von O. Kuß 241 und das Auftauchen des XCJQMlCO!'O- Begriffes in Röm 5,12-21. Schon das Alte Testament weiß in bestimmten Schichten, daß eine im Herzen verwurzelte Sündhaftigkeit die Menschheit zur Katastrophe reif werden läßt (Gen 6.5-8; 8,21). Sicherlich ist die Härte dieses Urteils weithin nicht durchgehalten worden, aber man wird an sie erinnert, wenn Paulus behauptet, daß Juden und Heiden unter der Herrschaft der Sünde stehen (Röm 3,9). Der Mensch wird immer aufs neue Sünder, wächst also indie Erfahrung der Sündhaftigkeit hinein; er ist aber gleichzeitig von der Macht der Sünde erfaßt und in seiner ganzen Existenz mitbetrotfen (gegen O. Kuß 244)22. Paulus kommt es also auf das Zusammenspiel von Sünde als Tat und Sünde als Macht, Verhängnis an: dies Zusammenspiel ist das Tragische am menschlichen Schicksal und an der Auswirkung des 12 Vgl. dazu O. KussR 244: ..Der Mensch wird nicht erst Sünder, wenn man von Adam absieht, für den, wie es scheint, besondere Bedingungen gegeben waren, sondern er findet sich in dieser Weh als Sünder vor, er ist von Anfang an Sünder (Röm 5,19).« KAsEMANNR 146: Wie der in Adam vorgegebene Fluch, so ist auch der inJesus Christus gegebene Segen unser Schick.sal und das Schicksal der Weh.
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Mellllch und die
neu~
Menschheit
Gesetzes. Es führt notwendig in den Tod, also in das schwerste Unheil, das überhaupt möglich ist. Sicherlich spielt die Auslegung von Gen 3 hier hinein: der leibliche Tod ist die Folge der übertretung eines göttlichen Gebotes und bedeutet Strafe, Gericht Gottes über den Menschen; er ist aber darüber hinaus Zeichen einer Vernichtung der Schöpfung und einer ernsten Bedrohung des Verhältnisses zwischen Schöpfer und Geschöpf. Selbstverständlich gibt es auch andere biblische Aussagen über Schuld und Tod, aber das ist gerade das Bezeichnende für Paulus: Er schließt sich an die härtesten Urteile an und stellt den glaubenden und den heidnischen Menschen unter diese schwere Bedrohung durch Gott selbst. Die überwindung des Todes, der sich leiblich, geistig und im Verhältnis von Gott und Mensch ständig auswirkt, ist zwar durchJesus Christus gegeben, muß aber im andauernden Kampf und in der Auseinandersetzung mit Gesetz, Sünde und Satan bewährt werden. In der Theologie des Paulus wirkt sich ein nachhaltiger Schrecken über die Macht des Todes immer wieder aus (Röm 6,21; IKor 15,56). 2. Der U,spntng dn SWlJlulJuhfriiJrjiidisclrn T ,tJditio,.: Im hellenistischenJ udentum fällt auf die Sünde des ersten Menschen deshalb besonderes Gewicht, weil in ihr die Ursache von Sünde und Tod des Menschengeschlechtes gefunden wird. Es entspricht offenbar einer Lehrtradition, wenn Sir 25,23 exegetisch feststellt: »»Von einem Weibe ist der Anfang der Sünde gekommen, und um ihretwillen müssen wir alle sterben«; man erinnert sich an ITim 2,13 ff., wo ähnlich rational im Stil der Weisheitslehre in bezug auf die Frau gefolgert wird. Aber das Schlußverfahren Sirachs ist bezeichnend: Von der Schuld einer Frau her ist der Tod der Menschheit abzuleiten. Für die weitere Entfaltung der Lehrtradition der hellenistischen Synagoge ist es bezeichnend, daß die Sap zwischen den Gerechten, die zur Unsterblichkeit bestimmt sind, und den Gottlosen, die einen Bund mit dem Tode geschlossen haben, unterscheidet (1,12-16; 6,19 f.). Das leibliche Sterben ist also nur eine vorletzte Wahrheit: Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit geschaffen und ihn zum Abbild seines eigenen Wesens gemacht; aber durch den Neid des Teufels ist der Tod in die Welt gekommen. den die zu schmecken bekommen, welche jenem (= dem Teufel) angehören (2,23 f.). Durch den Gehorsam gegen das Gebot wächst der Gerechte in eine Nähe Gottes hinein, die den leiblichen Tod überwindet. Die Gottlosen erfahren eine Verwerfung durch Gott, die ein vertieftes Todesschicksal in sich schließt. Das Schicksal des Menschen nimmt ausdrücklich transzendenten Charakter an. Die frühjüdische ApokaJyptilc nimmt an dieser Lehrtradilion, die nach dem Anfang der Sünde und des Todes fragt, ebenfalls teil und verstärkt den mythischen und legendären Zug; es ist aber bezeichnend, daß die Motive nicht einheitlich sind. So schließt sich äth Hen ~9;69 an die Erzählung vom EngelfaU Gen 6, 1-4 an und leitet von ihm letztlich alles Wissen und auch das Todesschicksal der Menschen ab. Tiefer in die Genesis-Problematik führt das apokryphe nLeben Adams und Evas«, das in zwei Rezensionen erhalten ist. Hier wird der Schuld Evas besonderes Gewicht beigemessen, alle Sünde ist durch sie in die Schöpfung gekommen (Apokalypsis § 32). Die Frage nach der Herkunft von Sünde und Tod, einmaliger Schuld Adams und allgemeiner menschlicher Verantwortlichkeit kommt zum Höhepunkt in 4Esra und syr. Baruchapok. Offenbar ist die apokalyptische Weisheit hier zu einem Abschluß gekommen; die Schuld Adams hat den Tod, das Verderben der ganzen Menschheit nach sich gezogen, ja die ganze Schöpfung in Elend und Leid gestürzt. Das »»böse Herze( war im Anfang in Adams Herz gesät und hat eine Frucht bis auf die Gegenwart und Zukunft getragen. »»Adam, was hast du getan! Als du sündigtest, kam dein Fall nicht nur auf dich, sondern auch auf uns, deine Nachkommen« (4Esra 7,118). Man wird auch das Nebeneinander beider Linien feststellen können: Von Adams Sünde stammt der Tod, der über die ganze Menschheit verhängt wurde, stammen auch die übel, die das Leben seitdem bedrücken. Und doch trägt Adam nur für sich selbst Verantwor-
Röm 5,12-21
197
tung, wir aUe sind jeder für sich selbst zum Adam geworden (ApkBar 54,15.19). Der ente Gedanke drückt das allgemeine menschliche Schicksal aus, der zweite das individuelle Schuldgefiihl. Seide Linien lassen sich logisch nicht ausgleichen, scheinen jedoch einander zu erfordern. Die rabbinisclu Lehrentwicklung nimmt immer wieder in der Folgezeit ähnliche Aussagen auf und beweist damit, daß wir es hier nicht mit apokalyptischen Sondenneinungen zu tun haben, sondern mit festem synagogalem Gut, das zum frühjüdischen Menschenbild gehört. Sicherlich wird der christliche Weg ausdrücklich abgelehnt und der Unterschied zwischen Israel und den Heiden stärker betont, aber die exegetischen Fragen bleiben ähnlich wie bei Paulus. Allerdings wird im Rabbinat die Unterscheidung von gutem und bösem Trieb nun typisch. Der böse»Triebcc, der im Herzen des Menschen seinen Sitz hat, wirkt alles Böse im Menschen wie z.B. die Verachtung der Gebote, Unterlassung des Gebetes und Götzendienst. Man kann also den »bösen Trieb« nur aus dem jüdischen Menschenbild verstehen (vgl. Str-B IV 466-483). Die IrIUmistUc!u Theologie Philos kann bestimmte Aussagen machen, die äußerlich mit Paulus Berührungen haben. Auch bei ihm sind gewisse a1ttestamendiche Voraussetzungen gegeben, sein Gottesgedanke gehört letztlich doch in den Umkreis des jüdischen Glaubens. Freilich ist sein Verhältnis zur philosophischen Wahrheit so eng, daß man ihn niemals als Exegeten verstehen kann, der die biblische Offenbarung enchließt, sondern er ist der Tradent hellenistischer Weisheit und vertritt den unjüdischen Gegensatz von Geist und Materie. Damit wird das Verhältnis zum menschlichen Leid kritisch. »Der Mensch hat nach seiner Geburt gleich von der Wiege an zu seinen Genossen Torheit, Zügellosigkeit, Ungerechtigkeit, Furcht, Feigheit und die anderen verwandten Laster« (saer. Abelis et Caini 15). Durch die Darbringung des Sündopfen wird angedeutet, daß jedem Geborenen, auch wenn er tugendhaft ist, dadurch, daß er zur Geburt gekommen, das Sündigen angeboren ist (vitMos 2,147). Vgl. Bou5set-Greßmann, Die Religion des judentums, 3. Auft. 1926, 441 f. z,.r Literatur: B. Munnelstein, Adam. Ein Beitrag zur Messiaslehre, WZKM 35, 1928, 242-275; 36,1929,51-86; H. W. Robinson, The HebrewConception ofCorporate Personality, 1936: A. Vögtle, Die Adam-Christus-Typologie und der Menschensohn, Trier. ThZ 60, 1951,309-328; G. Lafont, Sur I'interpretation de Rom. 5, 12-21, RecbScRel35, 1957,481-513; A. Feuillet, Le regnede Ja mon et le regne de Ja vie (Rom 5, 12-21), RevBibl77, 1970,481-521; A.j. M. Wedderbum, TheTheologica1 Structure oCRom. 5,12, NTS 19, I 972n3, 339-354;G. Friedrich, ·~o6xW..oyehOlRöm5,13, ThLZ 77, 1952, 521-528; E. jüngel, Das Gesetz zwilchen Adam und Chriatua, ZThK 60, 1963, .2-73; H. Müller, Der rabbinische QaI-Wachomer-Schluß in paulinischer Typologie, ZNW 58, 1967, 73-92; U. Luz, Das Geschichtsventändnis des Paulus, 1968; U. Luz, Zum Aufbau von Röm 1-8, ThZ 25, 1969, 161-181; E. Brandenburger, Adam und Christus, 1962; K. Barth, Chriatus und Adam nach Röm 5, ThSt 35 (1952), 2. Auß. 1964.
Exkurs »Letzter Mensch« (lKor 1~,45) und neue Menschheit Paulus knüpft in seinen Auseinandersetzungen an die Verkündigung und LehreJesu an: die Zeit des Evangeliums ist messianisch geprägt (Röm 10,17; 2Kor6,2). Dies Wissen um die messianische Zeit wird durch das alttestamentliche Zitat unterstrichen und bekräftigt. Hier handelt es sich um ein Kernstück seiner Botschaft. Dies prophetische
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Der neue Mensch und die neue Menschheit
Grundelement ist aber eingebettet in die apokalyptische Lehre von den beiden Äonen bzw. von dem Geschick der alten und neuen Menschhei t (Röm 5,12-21). Die messianisch gefiillte Zeit steht mitten in der vergehenden alten Weltperiode. Der Abschnitt Röm 5,12-21 ist aufzwei Voraussetzungen aufgebaut: a) dem apokalyptischen Gegensatz zwischen altem und neuem Äon, b) der typologischen bzw. analogen Gegenüberstellung Adam-Christus. Dabei erscheint Adam als Bild des zukünftigen Menschen (5,14), Jesus ist Antityp in eschatologischer Entsprechung (»letzter Mensch« 1Kor 15,45). Man spricht besser von Analogie als von Typologie, um dem Ganzen der Gedankenführung gerecht zu werden (C. K. Barren). Adam undJesus standen in entsprechender Situation und Versuchung: Ereignis und Schicksal sind eng miteinander verbunden, heide treffen als übertretung bzw. Sünde und als Gehorsam bzw. Verheißung die ganze Menschheit. Der Zusammenhang wird zu einer Kontrastbildung. Man hat religionsgeschichtlich an die rabbinische ,"l-Vorstellung (Adam als Seelenbehälter), an die alttestamentliche corpora te personality (Israel als personhafte Einheit eines Ganzen) oder auch an gnostische Anthropos-Spekulationen anknüpfen wollen, um diese Typologie verständlich zu machen; allerdings fehlt diesen Ableitungen (bzw. Mischfonnen) die übeneugungskraft. Wir werden davon ausgeben müssen, daß die Lehre vom »Ietzten MelllChen« (IKor 15,45) im Zusammenhang steht mit der vorgegebenen Menschensohnüberlieferung, die den kommenden Herrschaftsbereich mit der Lehre vom Menschen verbunden hat (IKor 15,26 = Ps 8,7; ausdrücklich Hebr 2,6-7). Die Frage, ob unmittelbar die synoptische MelllChensohntradition zugrundeliegt (Barren R 118) oder eine mit ihr zusammenhängende Lehrform (Käsemann R 136), muß offen bleiben. Die Betonung der menschlichen Verantwortlichkeit, die Verbindung der Sünde Adams mit der Schuld des Einzelnen (4Esra!), das Gewicht, das auf einen einzelnen Geschichtsvorgang gelegt wird, weisen in biblische bzw. apokalyptische Zusammenhänge. Substantielle Motive, die wir in der gnostischen Anthropologie vorfinden, fehlen überhaupt. Die Vermutung, daß die Adam-Christusparallele auf eine korinthische These zurückzuführen ist, beruft sich auf I Kor 15,45 (E. Brandenburger, U. Luz). Wahrscheinlicher ist, daß sie eigensten paulinischen Anliegen entspricht (universalistische Tendenz, neue Menschheit in der Taufe, überbietung der mosaischen Tradi tion). Die sprachlichen Schwierigkeiten, mit denen Pau1us in Röm 5,12 0". zu kämpfen hat, weisen vielleicht doch daraufhin, daß es sich hier um schwer erkämpftes Gedankengut handelt (anders U. Luz 197). Grundsätzlich wird man zugeben müssen: Paulus denkt in Röm 5,12-21 geschichtlich, Adam und Jesus sind als geschichtliche Personen gesehen. Paulus bringt hier einen Geschichtsentwurf, der von der Gegenüberstellung: übertretung, Gesetz, Tod und Gehorsam, Leben und HerrschaftJesu Christi sprechen will. U. Luz betont, daß dieser Gesamtentwurf der Geschichte nicht ein Entwurf der Heilsgeschichte, sondern der Unheilsgeschichte ist. Es gebe nur eine kontinuierliche, be trach t bare Geschichte des Unheils, nicht aber eine solche des Heils (U. Luz 2(4). Hier wird aber die Tatsache, daß der Christ durch die Taufe in eine neue Form des Seins gestellt wird, verkürzt. Es geht nicht nur um überwundene Unheilsgeschichte, sondern um konkretes Leben in der Spannung zwischen Unheilsgeschichte und Heilsgeschichte. E. Käsemann legt Gewicht auf das religionsgeschichtliche Motiv des U nnelllChen sowie auf den Sophia-Mythos, gibt aber zu bedenken, daß die Adam-Christustypologle als solche noch nicht geklärt sei (R 137 f.). Paulus spricht in Röm 5,12-21 nicht vom Schöpfungsmittler, sondern von dem in den Bekenntnissen Röm 1,3-4; 4,25 bezeugten HermJesus; es geht um Kreuz und Auferweckung. Im Kreuz und in der Auferweckung liegt die Schicksalwende, die durch den einna Menschen Jesus Christus heraufgeführt wurde (5,15). Die Sünde Adams schafft das Sündersein, und das Sünder-
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Röm 6,1-23
~in bringt Sünd~ h~rvor. Der G~horsamJesu schafft das n~u~ L~~11 aus d~r Gnad~. und Gnad~ ruft in ~in~n n~u~n G~horsam. Dit Geschichte schaffl stlbsl witJer Geschichte.
Jtsfl
Röm 6,1-23: Das a) Röm 6,1-14: Das
n~u~ u~n
n~u~ L~~n
aus J~sus Christus
als Tod und
Auf~rst~hung
I W.. lODen wir nUD -.en? Sollen wir in der Sünde bebarrea, damit die Gnade sich mehre? lD.. sei fernel Wie IOIlteD wir, die wir det.Süade pstorbeD aiDd, DOCh in ihr leben? 30der wißt ihr niebt, da8 wir alle, die wir in ChrUIua Jaua plauft aiad, in RiDeD Tod geuuf't 8iDd? 4 Wir aiod abo mit ibm durch die Taufe in dm Tod bepMeD, damit, wie CbrUbu VOll den Totea auferweckt wurdedurcb die Herrlichkeit da Vallen, ebenlO auch wir in einem neuen Leben waDdeiD 101len. 5 Denn weDD wir mit dem Ebeabild seme. Tode. ~Iuea siDd, 10 werden wir auch mit dem der Aufentehung zuaammenwachlell. 6 DeaD wir wiueD, da8 UD.Ier alter Menach mitpkreuzigt wurde, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, 10 cIa8 wir nicht mehr der Sünde dienen. 'DeDD wer pstorben ist, ist dadurch VOD der SÜDde frei pworden. 'WenD wir aber mit Chriatua . . starben aiDd, 10 stauben wir, daß wir auch mit ibm lebea werdea, 9UDd wir wb8eD, daß Cuiahu, DKhdem er VOD den Toten auferweckt wurde, Dicht mehr.urbc. Der Tod berncht nicht mehr über ihn. I°DeDD weDD er pstorbeD ist, iat er der SÜDde ein für alle Mal patarben; wenn er aber lebt, lebe er für Gott. llSo haltet auch ihr euch selbet dafür, daß ihr der Süade tot aeid, für Gott aber lebt in ChrUhu
Jau..
nUD die Sünde nicht in eurem sterblichen Leibe hernchen, 10 daß ihr seinen Begierden gehorcht; 13 auch stellt eure Glieder nicht ab Waffen der Unp rechtigkeit der Sünde zur Verfügung, sondern stellt euch seI_t Gott zur Verfiigung ab solche, die aus den Toten zum Leben entanden sind, UDd ate1lt eure Glieder ab Waffen der Gerechtickeit zur Verfügung! 14DeDD die SÜDde wird nicht mehr über euch herncheD, elenD ihr steht nicht unter dem Gesetz, lOIICIem unter der Gnade. 12 So IOD
Anagst von Röm 6: Zunächst zeigt die parallele Anordnung von Röm 6, I und 6,15, daß das neue Kapitel in zwei Teile zu gliedern ist. Steht im ersten der Gegensatz: Tod-Leben im Vordergrund. so im zweiten: Knechtschaft-Freiheit. Allerdings erscheinen V 12-14 als eine Art überleitung, weil hier der Gegensatz: Tod-Leben bereits aufgegeben ist. Im Unterschied zu Röm 5.12-21 bringt Kap. 6 (abgesehen von eingestreuten Lehrsätzen) den Wir-Stil des Bekenntnisses. Es scheint so. daß Paulus sich mit bestimmten Einwürfm auseinandersetzen muß, die seine Gnadenlehre angreifen. Hat er vorher behauptet. daß die neue Gerechtigkeit Gnadt sei. so muß er jetzt umgekehrt den Gedanken sichern, daß die Gnade wirklich in einer neuen GtTecht;gkeit besteht. Ob wir an jüdische bzw. judenchristliche Einwände zu denken haben. ist nicht sicher auszumachen 1. Es ist I Nach ZnR 295; KOHLR 101.201 wendet lieh Paulul erneut gegenjüdilche Verdrehungen (unter Hinweis auf den ähnlichen Einwand Rößl 3.8). W. LOTGERT läßt Röm 6-8 gegen libertiniatiJche Strömungen gerichtet sein. H. SatLlEa, EvTh 5, 1938 faßt die Frage Röm 6,1 rhetorilch, nicht pole-
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Du neue Leben au. Jesua Christus
nicht unmöglich, daß di~ Front wechs~1t und daß Paulus ~in h~lI~nistisch~s ins Aug~ faßt, das auf ein~m sakram~ntal~n Selbstv~rständnis auf1 g~baut ist . Das Eig~nartig~ uns~res Kapitels ~st~ht in d~m N~~n~inand~r von Jrulikalwm und ImptrtJliDm, von d~m, was Gott am G~tauft~n g~tan hat, und d~m, was d~r G~tauft~ tun soll; Indikativ und Imperativ bild~n 00 Paulus ~ine unauflösliche Einh~it. Inhaltlich schließt sich Röm 6 insof~rn an Röm 5,12-21 an, als d~r don vorausg~~tzt~ Zusammenhang zwisch~n Christus und d~n Seinen in Röm 6 aufg~nommen und weitergeführt wird. Auch die Geg~nsätze: Sünd~ Gnad~; Tod - Le~n, di~ uns in Röm 5, 12-21 ~~gnet sind, werden in ihrer konk~t~n B~d~utung für die Situation des Getauft~n deutlich; d~r Geg~nsatz: G~ s~tz - Gnad~ wird in den Zusamm~nhang ~ingefügt, aber nicht herausg~ar~ tet (V 14-15). Man wird also die Zusammeng~hörigk~it von Röm 5,12-21 und Röm 6,1-13 nicht zerrei~n dürfen, wi~ es g~scheh~n würd~, w~nn man in Röm 6, I d~n B~ginn ~ines n~u~n Hauptteiles sieht 3 . Es ist vielleicht nicht zufällig, daß ~id~ Abschnitte Röm 6,1 ff. und 6,15 tT. mit wiederholten Fragm ~ginnen, die dann durch ~kenntnisartige Aussag~n (6,4 0:) od~r th~tische Festst~lIungen (6,17) abgelöst werd~n. Der Wir-Stil muß zunächst rhetorisch und dialogisch verstand~n werd~n (6,1-2.15), wird a~r dann ~kenntnisartig (6,4-6.8) und bricht daraufhin ab; im zweiten Abschnitt ü~rwiegt die Anrede »IM«. Offensichtlich ar~itet Paulus mit Aussag~n, die der ~meinde nicht fremdartig od~r un~kannt sein könn~n, da er auf zugestandenes Wissen immer wied~r zurückkommt (ft i1yvoein 6,3; oUx ot&xn 6,16). Das ~i g~ntlich~ Schw~rg~icht liegt auf den Im~rativen, di~ auf di~ Indikative aufbauen. Da~i ist der Gedankengang grundsätzlich dadurch ~stimmt, daß di~ in d~r Taufe vollzog~n~ G~meinschaft mit Christus notwendig den Willen zur O~rwindung d~r Sünd~ und zur Aufrichtung d~r Gerechtigkeit in sich schließt. Dtr GtllJujü wird aufgtfordtrt, in du Konstqllt1l<. stintS GtllJrift.stins ~u lebm uruJ ~u IulntUln. Das Problem des logis""n Aufoaw des Kapitels hat imm~r wied~r di~ thrologisch~ Arbeit ~schäftigt. Es ist unverk~nnbar, daß ~stimmte kerygmatische Sätz~ den Zusammenhang bestimm~n und von Paulus zitien und ~ntfah~t werd~n. Di~ Frage nach der Tauf~ wird für ihn grundsätzlich ein~ Frag~ nach d~r Wirkung d~s Todes und des Le~nsJ~su Christi. Tod und Le~n sind id~ntisch mit den älteren Begriffen Kreuz und Auferweckung, di~ e~nfalls ang~d~ut~t sind; daß der Würdename XQLC1t~d~n ganzen Zusammenhang ~h~rrscht (xuQ~ fehlt vollständig, 'I'1oo'Ü~ begegn~t in der Zusammenstellung mit XQLC1t~ Christ~ntum
miIch aufund weist damit aufden Stil der Diatribe hin. Daß ein Zuununenbanc zwilchen 3,8; 6,1.15 besteht. IOllte nicht seJeuanet werden, anderseits zeitrt die Verbuadenheit von 5,20 f. mit 6,1, daß eine tbeolopchc FortfUhn... beabaicbtigt iaL Paulua wendet lichjetzt clan LebenIwq des Christen zu: Gerechtigkeit des Glaubens iat Taufierechtigkeit; sie geht durch eineo Bruch hindurch. Die Neuheit des Lebena scheidet von Judentum und Heidmtum. 2 In dieaem Fall würde man Röm 6,1 f[ mit 11,17 fI'.; 12,3 fI'. verbinden. J Es bleibt bemerkenswert, daß schon ältere Ausleger den ensen Zusammenhang zwilchen Röm 5,12 f[ und 6,1 f[ betonen (z.B. TH. ZAHN); die neuCl'f!n Auslegungen stellen meist die ,leidle Verbindu.. her; VII. BAD!1TR 118 f[; KAlEMANNR 150 f[
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Röm 6,1-23
dann, wenn die besondere Feierlichkeit es verlangt: 6,3.11), ist sicherlich nicht gleichgültig". Es kommt Paulus offenbar auf die Einheit von Christusgeschehen und Taufe an. Also dürfte V 2-4 logisch einen geschlossenen Zusammenhang darstellen: Wer dem Christus übereignet ist (d~), ist in seinen Tod getauft, ist also selbst gestorben; damit wird die Wirkung der Taufe ))realistisch« geschildert, wenngleich es weder um magische noch um gleichnisartige Wirklichkeit geht. Das Schicksal des Glaubenden hängt an dem Schicksal Jesu Christi, ))in den« (d~) der Mensch hinein getauft wird. Diese Einheit ist für Paulus offenbar entscheidend und wird im Folgenden durch zwei analoge Zusammenhänge sichergestellt, die ganz parallel sind:
V ~7:
V 8-10:
Vordersatz:
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am.
Nachsatz:
Erläuterung und Folgt: YLVOOoxovtE~ ön 6 7taAaLO~ 6v6Q<.07to~ CJU'VEatauQ<.irlhl ...
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Begründung und Ergebnis (senleru:.artig fonnulitrl) : 6 Yo{} cbto6avOOv 6Ef)LxaUotaL cbtb tft~~(~·
• G. BoRNKAMM, Taufe und neues Leben bei Paulu. (Ga. Aufsätze 140), macht daraufaufinerksam, daß in unserem Abschnitt vonJesus als dem Chri.tus ( .. dem eschatologischen Heilbringer) die Rede ist. Diese Beobachtung i.t richtig und zeigt, daß der Apostel typisch messianische Elemente zwar noch kennt, aber seiner Aufliuaung des Evangeliums ein- und unteflC'Ordnet baL Nach G. BOaNKAMM findet sich ~ vor allem in kel)'llD&tiac:hen, x~ in belr.enntniaanigen Wendungen. S Zur Fr. des logischen Aufbaus vgl. G. BoRNKAMM, &.a.O. 39.
202
Das neue Leben aus Jesus Christus
Exkurs Die religionsgeschichtliche Fragestellung in Röm 6
1. A. Schweitzer hat in seinen verschiedenen Arbeiten (Geschichte der paulinischen Forschung, 1911; 2. Aufl. 1933; Die Mystik des Apostels Paulus, 193'0; 2. Aufl. 1954) eine konsequent eschatologische Auffassung vertreten; damit würde das Denken des Apostels aus frühjüdisch-urchristlichen Prämissen zu erklären sein, obwohl hellenistische Motive im einzelnen natürlich nicht ausgeschlossen sein sollten. Pau1us unterscheidet dann zwischen de;r durch die Sinne wahrnehmbaren irdischen Wirklichkeit und einer anderen, die geschichtstheologisch und apokalyptisch bestimmt wird. Die eschatologische Welt beginnt, in aufeinanderfolgenden Stößen aus dem Ozean der Vergänglichkei t aufzusteigen. Dazu gehört zunächst die AuferstehungJesu, dann die Leiblichkeit der mit Christus zusammengehörigen Erwählten, die Verwandlung der -ganzen Schöpfung und zuletzt die allgemeine Auferstehung. Auf diese Weise gelingt es A. Schweitzer, eine einheitliche eschatologische Struktur der paulinischen Geschichtsprozesse und Begriffe verständlich zu machen und die an Ereignisse gebundenen, über das Bewußtsein des Einzelnen hinausgehenden H.eilsaussagen in Zusammenhänge einzuordnen. Der Taufvorgang ist daher durchaus realistisch zu verstehen; der Glaubende erlebt das Sterben und Auferstehen mit Christus mit, ohne daß man von einer bloßen Nachbildung reden müßte. Das Eingepflanztwerden in die Leiblichkeit Christi ist der Beginn der neuen christlichen Existenz. Immer wieder weist er auf diese aus Röm 6,5 stammende Vorstellung zurück, um die Wirklichkeit und Geschichtlichkeit der christlichen Existenz zu betonen. Die Objektivität des Geschehnisses liegt ganz in der apokalyptisch bestimmten Wirklichkeit. E. Lohmeyer hat in einer großen Studie: ~vv XQLO'tep (Festgabe fur A. Deißmann, 1927, 21 ~25 7) diese fur die Taufaussagen wichtige Formel der Christusgemeinschaft aus einer urchristlichen Tradition hergeleitet, deren Elemente unter iranischem Einfluß in der Apokalyptik des Frühjudentums vorgebildet sind. Die Formel ist also nicht aus individualistisch-hellenistischer Mystik zu erklären. Es ist notwendig, das ebenfalls paulinische »in Christus« von dem »mit Christus« abzusetzen; beide Formeln tauchen in verschiedenen Bereichen auf, können aber nicht sicher abgegrenzt werden. Die Formel »mit Christus« beschreibt eine Verbundenheit im Leiden, den besonderen Zusammenhang des Taufgeschehens, zuletzt das eschatologisch-apokalyptische Heilsziel, scheint also sich nacp. verschiedenen Seiten zu entfalten. W. D. Davies, Paul and RabbinicJudaism (1948, 2. Aufl. 1955) hat entscheidende Aussagen und Vorstellungen aus demjüdischen Brauchtum und Denken ableiten wollen. Es entspricht dem feiernden Handeln des Judentums, sich mit dem aus Ägypten ausziehenden Volk (z.B. im Passaritus) zu identifizieren. »In jedem einzelnen Zeitalter ist man verpflichtet, sich selbst so anzusehen, wie wenn man selbst aus Ägypten ausgezogen wäre. Denn es heißt: >Und du sollst deinem Sohn anjenem Tage also erzählen: Es geschieht um dessentwillen, was J ahwe mir bei meinem Auszug aus Ägypten getan hat< (Pes 1O,5b) «. Paulus war ganz entsprechend Verkünder einer neuen Heilszeit, eines eschatologischen Gotteshandelns, eines neuen Auszuges. Auch das israelitische Denken über die Gemeinschaft oder einen Verband muß herangezogen werden, um das Verhältnis zwischen Taufgemeinschaft und Christus zu begreifen. Die Familie ist aufgeteilt unter alle ihre Glieder, aber nicht so, daß jeder nur ein Stück des Ganzen hätte. Sie ist vielmehr in jedem Einzelnen verkörpert mit allem Segen und Unsegen, mit ihren Aufgaben wie mit ihrer Verantwortlichkeit (vgl. J. Pedersen, Israel, its Life and Culture, 1926; 2. A ufl. 1946, 277). So stellt jeder einzelne Christ letztlich in einem bestimmten Sinn Christus dar und kann so mit ihm sterben und auferstehen (vgl. Davies, a.a.O. 108 f.). BarrettR 122 geht davon aus, daß getaufte Christen ein messianisches Volk bilden, und
Röm 6,1-23
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daß die Taufe einen eschatologischen, nicht mystischen Ursprung hat. Sie eröffnet den Zugang zum messianischen Leben, nicht zu einer himmlischen Existenz. Messianische Bedrängnisse werden bei Paulus durch Partizipation an dem Schicksa1Jesu Christi überboten. Hellenistische Beeinflussung liegt nach BarrettR 122 nicht vor. 2. Die griechisch-hellenistische Erklärung des Taufgeschehens wird von dem Ziel, am Leben der Götter teilzunehmen, ausgehen und stellt den Ritus dar, der die Taten und Leiden des Gottes, der in menschlicher Gestalt erschienen war, vergegenwärtigt. So wurde der Mensch ein ••Geweihtercc und aus der Masse derer, die von den Mysterien ausgeschlossen waren, ausgesondert und bildete mit anderen ••Geweihtencc zusammen eine heilige Gemeinschaft. Der Kultus vollzog sich in einer dramatischen Symbolik; so wird die Heilstatsache unter dem Ritus zur Gegenwart. Allerdings wird auch der Unterschied zwischen den älteren undjüngeren Mysterien einerseits und dem Neuen Testament andererseits nicht verschwiegen werden dürfen: Die Mysterien leben von Mythen, die weithin Naturgottheiten galten; ihre Riten sind magisch bestimmt und richten sich nach dem Ziel, das letztlich erstrebt wird. Die Mysterien von Eleusis verraten vorgriechischen Ursprung und leben noch von uralten Vegetationsriten. Abtr im Lauf der Zeit tritt die Hoffnung auf ein Jensei ts inden Vordergrund. 0 ber die Einweihung in die Mysterien der Isis (und des Osiris) berichtet Apul. Met. XI (2.Jh. n.Chr.). Lucius, der durch Zauberkunst in einen Esel verwandelt war, wird durch die Hilfe der Isis wieder Mensch und weiht sich nun ganz dem Dienst der Göttin. Entscheidend ist dann die eigentliche Weihe, die in Kap. 23 als Fahrt in die Welt des Todes und Aufstieg zu den Göttern des Lichtes beschrieben wird. So erlebt der Eingeweihte eine Wiedergeburt zu neuem Leben. überblickt man das Verhältnis zwischen paulinischerTheologie und heidnischer Mysterienfrömmigkeit, dann wird man geneigt sein, die urchristliche Taufsitte aus sich selbst zu verstehen, aber die jüdischen Denkvoraussetzungen nicht gering zu achten. Hellenistische Gemeinden mögen sich in Sprache und Denkformen über den Standpunkt der Urgemeinde hinaus entwickelt haben, und Paulus scheint gerade mit ihn-en im Gespräch zu sein, aber man wird nur von Analogien und äußeren Berührungspunkten, schwerlich von Abhängigkeit von heidnischer Frömmigkeit und Sehnsucht sprechen können. Solange der judenchristliche Einschlag die Gemeinde mittrug, wird auch die Abscheu vor dem Verbotenen nicht ganz gering gewesen sein. Die von O. Casel bestimmte Theologie, die das Kultmysterium des Hellenismus als heilsgeschichtliche Form und Voraussetzung für die urchristliche Taufe ansieht, wird in der Behandlung der paulinischen Texte auf Widerstände stoßen. Der zum Hellenismus wenig passende unfeierliche und unpriesterliehe Charakter der paulinischen Taufunterweisung weist auf eine andere religionsgesdtichtliche Entwicklung hin. Die Objektivität der Taufwirkung liegt doch wohl nicht in einer sakralen Kulthandlung begründet, sondern in der historischen und theologischen Einmaligkeit des Christusgeschehens. Vgl. dazu O. Casel, Die Liturgie als Mysterienfeier, 1922; ders., Das christliche Kultmysterium, 3. Aufl. 1948; dazuJahrb. für Liturgiewissenschaft 1921-1938 und Archiv für Liturgiewissenschaft, seit 1950. Litnatur: R. Reitzenstein, Die hellenistischen Mysterienreligionen, 1910; 3. Aufl. 1927; F. Cumont, Die orientalischen Religionen im römischen Heidentum, 1910; 3. Aufl. 1931; H. Greßmann, Die orientalischen Religionen im hellenistisch-römischen Zeitalter, 1930; M. P. Nilsson, Geschichte der griechischen Religion, 2 Bde, 1941 und 1950; M. Dibelius, Die Isisweihe bei Apulejus und verwandte Initiationsriten, 1917 (Botschaft und Geschichte 11, 1956, ~79); K. Prümm, Religionsgeschichtliches Handbuch für den Raum der altchristlichen Umwelt, 1943, Neudruck 1954; ausführlich der umfassende und gut orientierende Exkurs von O. Kuß, Mit Christus, 31 ~381. Außerdem: O. Kuß, Zur Frage
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Das neue Leben aus Jesus Christus
einer vorpaulinischen Todestaufe, MThZ 4, 1953, 1-17; V. Wamach, Taufe und Christusgeschehen nach Röm 6, Archiv für Liturgiewissenschaft 3,2, 1954, 284-366; R. Schnackenburg, Das Heilsgeschehen bei der Taufe nach dem Apostel Paulus, ]950; G. Wagner, Das religionsgeschichtliche Problem von Röm 6,1-11,1962; G. R. Beasley-Murray, Baptism in the New Testament, 1962; H. Schlier, Die Zeit der Kirche, 2. AuO. 1958, 47-56, 107-129. Interessant sind vor allem die Ergebnisse von O. Kuß (s. Exkurs): I. Es ist das un bestrei t bare Verdiens t der re]igionsgeschich tlichen Schule innerha] b der protestantischen Exegese, daß sie nach dner langen Zeit verschiedenartiger Umdeutungen, welche im Dienst bestimmter dogmatischer Thesen standen, wieder zu einem unvoreingenommenen Verständnis der neutestamentlichen Sakraments texte und damit auch der die Taufe betreffenden Mit-Christus-Aussagen gelangte (S. 331). 2. Einem anfänglichen Optimismus in bezug auf die Verwandtschaft von Christentum und Mysterienkulten ist eine Periode erheblicher Skepsis und Zurückhaltung gefolgt, wenigstens was das Neue Testament angeht; doch kann kaum die Rede davon sein, daß die schwierigen und verwickelten Fragen in einem bestimmten Sinn bereits beantwortet sind (S. 332). 3. Es stellt sich die Frage: Gab es in der damaligen heidnischen Welt Anknüpfungspunkte für die erstaunliche Botschaft von dem Verhältnis von Heilbringer und Heilsempfängern in der Art, wie es sich bei PauJus etwa in dem »mit Christus« in Taufzusammenhängen ausdrückt? Wenn man sich in der Umwelt des Paulus nach Analogien umsieht, kann man die Mysterienreligionen nur schwer übersehen (S. 374.375). 4. Auch wenn man mit einem gewissen Einfluß der Mysterienkulte auf die Sakramentstheologie im Neuen Testament rechnet, darf die Rolle des jüdischen Oberlieferungsstromes keineswegs unterschätzt werden (S. 376). G. Bornkamm sieht offenbar die religionsgeschichtliche Situation eindeutiger. Nach ihm bietet Röm 6 keine spezifisch paulinische Tauflehre, sondern schließt sich an das in den hellenistischen Gemeinden schon verbreitete Verständnis der Taufe an (i] QyvoEitE). Die Interpretation dieser deutlich ihre Abkunft aus Mysterienvorstellungen verratenden TauOehre ist freilich paulinisch. Vgl. den Aufsatz: Taufe und neues Leben bei Paulus (Ges. Aufsätze 1,37, Anm. 5). KäsemannR 152 ff. geht von hellenistischen Mysterien und einem enuprechenden Enthusiasmus urchristlicher Gemeinden aus.
Exegest: V 1: d oUv 4x>'üJ.lfV erinnert an Röm 3,5; 4,1 und weist daraufhin, daß Paulus auf einen gegnerischen Einwand antwortet. War das Voll maß der Sünde die Voraussetzung für die Herrschaft der Gnade, ist das Verständnis der Gnade eng verbunden mit dem Wissen um die menschliche Sünde, so kann der Einwand kommen, der sich gegen die paulinische Predigt richtet: Liegt nicht in ihr ein letztes Zugeständnis an die Sünde (vgl. Röm 3,8)? Die Vermutung liegt nahe, daß man Paulus von seiten des Judentums im gnostischen Sinn mißverstanden hat. Er wehrt aber diese falsche Konsequenz seiner Gnadenpredigt ab 6 . • Paulua wehrt alao einen Gedanken ab, der sich in Abstraktion und Deduktion verliert. Er verlangt vielmehr, daß du ernst genommen wird, wu Gott durch du Kreuz und die AuferweckungJesu.der Gemeinde übergeben hat. Er erinnert alao an den Sinn der Taufe, statt sich auf eine Dialektik zwischen Sünde und Gnade einzululen. Der heilsgeschichtliche Prozeß der Zuordnung von Sünde und Gnade darf nicht dazu dienen, die Aufrichtung der Gerechtigkeit im Leben des Getauften zu verhindern. Die paulinische Gnadenlehre ist gefährlich und durch Einwände gefährdet (SANDAY-HEADLAKR153; ScHLruR 190).
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Würden wir bei der Sünde verharren, dann würden wir in ihr leben; so aber sind wir für die Sünde g(Storben (V 2) 7. Der Getaufte ist nich t mehr in der Lage, sich für die Sünde zu entscheiden. Paulus setzt voraus, daß der GtTtChiftTtigu (Röm 1-4) dnGtlQuftt (RÖTn6) ist, so daß zwischen der Rechtfertigung und dem Vollzug der Taufe keine Trennung liegt. Der Gedanke, daß man bei der Sünde ))verharren« könnte, um damit der Gnade Spielraum zu gewähren, ruft bei Paulus Abscheu und stärkste Abwehr hervor (1''' ytvOl:tO wie 6,15). V Z: Durch die Taufe hat sich eine entscheidende Wandlung vom Leben zum Tod und vom Tod zum Leben vollzogen: der Getaufte ist für die Sünde g(Storben, kann also nicht mehr in ihrem Machtbereich leben. V 5: Paulus setzt als bekannt voraus (i\ QyvoEL'tE wie 7,1), daß die Taufe aufJesus Christus eine Taufe auf seinen Tod ist8. Die Verbundenheit d(S Täuflings mit Christus ist eine Verbundenheit mit dessen Tod 9 • Der Dreiklang: wir sind gestorben, wir sind begraben, wir sind auferweckt erinnert an das alte Bekenntnis I Kor 15,3 f., daß Christus gestorben, begraben und auferweckt ist. In der Taufe vollzieht sich das gleiche Geschehen, dasJesus Christus einmalig für uns auf sich genommen hat. V 4: Die Taufe ist nicht nur Urbild, sondern auch ein reales Geschehen an uns: wir sind wirklich mit Christus dem Tod überantwonet, damit wir in der Gemeinschaft mit Christus aus dem Tod zum Leben geführt werden. Das einmalige geschichtliche Ereignis der Vergan~nheit wirkt in der Taufe nach, bleibt aber auch als das Urbild der Taufe des Einzelnen vorgeordnet (öxmE~~). Die Aussage, daß Christus ))durch die Herrlichkeit d(S Vaters« erweckt wurde, klingt bekenntnisartig 1o• Der Gedanke biegt von der Konsequenz, daß der Mensch wie Christus auferweckt werden wird, ab und weist hin aufdie Absicht Gottes, daß wir unser Leben als eschatologisches G(Schehen, als Neuanfang von Gott her ansehen sollen. 1r:EQIJtQ'tELV deutet den Gehorsam an, unter dem der neue Wandel geführt werden soll. Die Neuheit des Lebens (xaLvlm'1~ ~urii~) besteht in der Erneuerung des Menschen, die durch das Taufg(Schehen bewirkt wird. V 5: Wenn wir zusammengewachsen sind (mJl'cpvtOL yFy6vaf.'EV = OUVEcp\n]I'EV) mit dem Ebenbild d(S Tod(SJesu Christi, dann werden wir auch eingepflanzt werden (mJl'cpvtOL t06f,lE'6a) in das Abbild bzw. in die Gemeinschaft seiner Auferstehung 1l . 'tb 6~mJ.lCl 'toü tav6'7 bnf'h'a.v mit Dativ findet sieh nicht sdlen (Röm 11,22; Kol 1,23; Phil 1,24; ITam 4,16). Man verham in der Sünde, indem man lieh du Recht zu sündigen vorbehilt. PALUSR 83 erinnert an gn0stische Theorien, die ein EntaprechullllVerhiltnis von Sünde und Gnade postulieren. s de; - übereignung des TauOingt (ThW 1537). 9 Paulus stdlt überhaupt den TOtJ},. in den Mittelpunkt der urchristlichen Bundeacicben (1 Kor 11,26). IO~ '100 xcnq6c; begegnet inaner in feierlichem ZUI&IIUDeDhans, z.B. Mk 8,38; Mt 16,27; U 9,26. Die .Hcrrlichkeit« (~) ist hier verwandt mit der .Kraft« Gones (~Oroü). 66ta uad 66vu~ sind Umschreibuqen der Encbcinq, der Macht Gottes. Daß hier vom .Vater« (6 xcn1IQ) schlechlhin die Rede ist, bänst mit einem bestimmten.~ Stil zusammen, der in UDseran Zusammenhang Iingulir ist (KAsEMANNR 157). 11 CJVt.upV"COc; beißt .angeboren« (3Mall 3,22; Jot. c. Ap. 1,42; Eurip. Andrem. 955); .voU bepflanzt, ohne Lücken im Baumbestand« (10 in Pachtkontralr.ten), .verwachsen, verwandt mit ... « (ArislOt. hist. an. 5,32; topica 7,6; Theopbr. de causa plant. V 5,2); .verwachsen mit etwU« (PlaID Pbaedr. 25) ...Zusammengewachsen« ist im AlJsemeinen OUII4MK (PiaIO Sopb. 34; Tam. 16; 42; Plut. Lyc. 25). Dn Aulndfrwlll sielt i", N_ T,*"",,,.., ItUrIllfli isl.g.u.. Gemeint ist nicht, daß
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Das neue Leben aUi JesUi Christus
'tou wird von den Kirchenvätern oft als •• Ebenbild des Todes Christi« auf die
Taufe bezogen 12; in diesem Fall sind wir mit der Taufe als dem Abbild des Todes Christi aufs engste zusammengewachsen: wir erleiden in ihr den gleichen Tod wieJesus selbst. Anders ist die Auslegung, wenn man oUlJ
6tw'wtlO begegnet bei Paulus in Röm 1,23; 5,14; 6,5; 8,3; Phil2,7; es kann an unserer Stelle .BildfC und .AbbildfC im konkreten Sinn oder ein abbildendes Geschehnis oder Handeln, Vergegenwärtigung eines Geschehnisses bedeuten. Man könnte sich fragen, ob das äußere Taufgcschehcn als Untertauchung im Blickfeld dieser auffallenden Wendung liegt (H. Lietzmann) oder ob es sich darum handelt, daß die Gestalt einer anderen Person nicht nur ähnlich, sondern gleich ist. Entscheidend ist auf jeden Fall, daß ÖlWlrol'a das Wesen des Abgebildeten tatsächlich zur Darstellung bringt. Paulus will wohl zum Ausdruck bringen: Im Taufgeschehen ist der Tod Jesu Christi gegenwärtig da, wenn auch in einer von Golgatha verschiedenen Gestalt (0. Kuß). Die Möglichkeit, öl'0((J)l'a aus der Mysteriensprache zu vcntehen, ist versucht worden, kann aber nicht als gesichert gelten (vgl. Ovid Metam 10,727)14; doch achte man auf den feierlichen Ton dieser Aussagen: man rühmt sich dessen, was in der Taufe geschieht (2Tim 2,11-13). Nach G. Bomkamm, Taufe und neucs Leben bei Paulus (Ges. Aufs. 1,34-50) ist der Dativ up ~L nicht instrumental, sondern soziativ zu verstehen, d.h. der Bqriff bezieht sich dann nicht auf die Taufe, als Abbild seines Sterbens und Auferstehens, sondern unmittelbar auf die PersonJesu Christi. Der BqrifföpMtIO hat dann überhaupt nichts mit dem Sakrament zu tun. Dagegen wendet man mit Recht ein, daß vom Tode Jesu Christi, nicht von Jesus Christus, dem Getöteten, in unserem Text die Rede ist und daß man gut tut, sich so eng wie möglich dem Wortlaut anzuschließen, auch wenn es unbequem ist. Vielleicht ist es auch besser, in V 5bdie formal geforderte Ergänzung nur mit großer Vorsicht vorzunehmen, weil der Apostel nicht mehr an das Taufereignis, sondern an die Vollendung des Heils denkt; das Futurum ist sicherlich wieder zeitlich, nicht logisch zu verstehen. Die Gedanken des Apostels gehen von der Taufe zurück zum Heilsgeschehen selbst, weil in ihr das Ereignis der Vergangenhei t gesetzt ist, aber die Vergangenheit greift über die Gegenwart wieder hinaus in die Zukunft. Es handelt sich in diesem grundsätzlichen Denken weder um eine Mystik noch um eine Metaphysik, sondern um die Hervorhebung ganz bestimmter Geschichtsereignissc, deren Folgen sich in der alten und neuen Menschheit abspielen. In der Geschichte liegen schicksalhafte, einmalige Ereignisse, in denen Ursprung und Folge eng miteinander verbunden sind. wir mitJesus Christus ltCIie"eiche Natur haben« (was an .ieh möglich wäre),lODdem daS wir in du gleiche HeilJpIchehen binem,enommen .ind. U Der Wortbildq nach bezeichnet ~ im Untenchied VOll ~ eipdich einen konkreten Gqenatand, der einem anderen"eich ist (Abbild, Modell). In Köm 6,5 kann~ k0nkret wntaaden werden, kann der Bqriffaber auch allBemein die GIIidtItIiI hervorheben. OriS. Ruf. IOKAB tagt aUldrüddich, daß der Bqriff ~ 10\) tav6tou VOll doketilchen Hiretikem 10 miBwntandm wurde, daß Christus nur die Ahnlichkeit da Todes erlitten habe. KAsEMANNR 1~159 bringt die gqenwärti&e Diakuaion: Du Abstraktum -Gleichheit« wird dem Text am ehelIen gft'echt. lJ Pesch.: ItZUl&mmengepOanzt wurden wir mit ihm«; Ten. de pud. 17; de raur. carnis 47: c:onuti .umUl; vulg.: conplantati .umUl. 14 VgL O. CAsEL,Jahrb. r. LiturgiewiaenJcbaft 14, 1938,213.245; O. Kuss, a.a.O. 302.
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So erkennen wir (YLvWoxovtEC;), daß unser »alter Mensch« mit Christus gekreuzigt wurde (GaI2, 19). Der »alte Mensch« (KoI3,9; Eph 4,22) ist für Paulus der von Gott veruneilte Mensch der alten Weltzeit, der in der Taufe getötet bzw. mit Christus gekreuzigt wurde. Der Gegensatz »alter« und »neuer« Mensch gehört in die urchristliche 1 aufmalznung. Das Bild vom » Mi tgekreuzigtwerden« stammt offenbar aus einem eigenen Traditionszusammenhang und legt hier die Vorstellung einer gewaltsamen Zerstörung (xa'tClQ'(EiaiklL) nahe. Der »Leib der Sünde« ist der Lei b, der unter der Herrschaft der Sünde steht bzw. der dem Tode unterworfen ist (Röm 7,24). In dieser Leiblichkeit liegt ein Hinweis auf die menschliche Existenz der alten Weltzeit; sie ist an einen Leib gebunden, an dem man die Herrschaft der Sünde und des Todes erkennen mußl5. Die in der Taufe sich vollziehende Vernich tung des Sündenleibes bedeutet ein Freiwerden aus der Knechtschaft der Sünde; denn nachjüdischem Recht bedeutet der Todesfall eine Aufhebung der Rechtsverhältnisse und der Schuldansprüche. Das Rabbinat zitiert einen Ausspruch R. Jochanans: "Bei den 101mfrei« (nach Ps 88,6) und legt ihn in dem Sinn aus, daß, wenn ein Mensch gestorben ist, dieser frei geworden ist von den Gebotserfüllungen l6 . Wir haben also in V 7 einen jüdischen Rechtssatz vor uns, den der Apostel aufnimmt. Stirbt der Mensch, so verliert die Sünde ihre Herrschaft über ihn. OLXQLO"aDaL darf in diesem Zusammenhang allgemein rechtlich verstanden werden: »von Sünden frei werden«17. Im Stil und Aufbau an V 5 erinnernd, vielleicht sogar aus der gleichen Taufliturgie stammend, ist V 8 feste Glaubensaussage der Gemeinde (2Tim 2, 11) 18. Dem imEitQV0tJ.EV ent15 Wir haben hier ein Stinsunst4tuJlfis vor uns, das nicht ohne weiteres auf das rabbinische oder laellenislische Judentum zurückgeführt werden kann. Wir können es aber auch nicht schlechthin gnostisch nennen. Der Mensch untersteht bestimmten Mächten, entweder nach der negativen oder nach der positiven Seite. Sap 1,4 warnt vor einer IOböswilligen Seele« und einem IOLeib, welcher der Sünde verfallen ist«; Sap 1,4 denkt also an eine Möglichkeit, welcher der Mensch aUlWeichen kann. Für Paulus dagegen ist der Leib, der der Sünde und dem Tod verfallen ist, das schlechthinnige Zeichen der alten Weltzeit. Bis hinein in die körperliche Substanzdea Menschen reicht die Not der Sünde und des Todes. Man wird fragen mÜSlen, aus welchen Prämiaen das paulinische Denken abzuleiten ist. Vgl. dazu K. G. KUHN, ZThK. 1952,200 f[ Wichtig ist, daß im Judentum nicht das IOFleischee, sondern das "Herz« der Sitz des bösen Triebes ist; auch für Paulus ist der lOalte Menschcc mit seiner Begierde Ursache für die Not des Leibes und des Fleisches. Es geht um Vollzug und Verantwortung, um Schicksal und Eschatologie, neues eschatologisches Sein und Existenz (gut SalLIERR 193-195, ähnlich IUsEMANNR 160). 16 Schab 30&; 151 b; Nidda 61 b. Schon FR. DELITZSCH hat erkannt, daß Paulus hier einen allgemeinen Rechtssatzaufuimmt. Vgl. auch K. G. KUHN, ZNW 30,1931,3058'. KUHNweisthinaufSNum§ 112 zu 15,31: "Alle, die sterben, erlangen durch ihren Tod Sühne«. Wir finden in der Antike oft die Anschauung, daß mit dem Tode bzw. der erlittenen Todesstrafe die Schuld abgebüßt und der Verbrecher von der Sünde befreit ist. Nachklang dieser Rechtsanachauung ist auch I Petr 4,1. 17 Vgl. zu diesem Sprachgebrauch Apg 13,38 f.; Sir 26,29; Herrn vis 3,9,1. Ähnlich die Grabinschrift: EÖvil6LX
Das neue Leben ausJeaus Christus
spricht folgerichtig O'U~f)OOJA.EV; doch schiebt sich bezeichnenderweise ltLotEllOJA.EV ein: es will offenbar Hinweis aufdas urchristliche Bekenntnis sein (ltLotEllELV = 6J.lQAoyEiv) 19. Es ist ganz unwahrscheinlich) daß Paulus hier eine sakramental bestimmte Sicherheit zerstören will 20. V 9: Mit der Gewißheit des Glaubens verbindet sich das Wissen (döOtEsL daß Christus als der Auferweckte nicht mehr stirbt, ja) daß der Tod keine Gewalt mehr über ihn hat (XUQI.EVELV ist hier hebr. = "'1?P1. Es fragt sich, worauf dies döOtES bezogen ist: hat man in der Liturgie oder in den HymnenJesus als den Sieger gefeiert, der der Macht des Todes entronnen ist? Ist der Christus als unser Haupt dem Tod entnommen, dann liegt darin die Gewißheit unserer Erlösung. V 10: Zunächst ist die Konstruktion zu sichern. Wir haben an einen Objektsakkusativ zu denken: tOv itavatov, &v <'uttitaVEV, ÖUl 'riIv itJA.OQtLav cbtEitavEV 'riIv ftJ.lEtEQav (Euthym.). Äußerlich ist die Wendung: cbtoitvOOXELVtfI itJA.OQt({~ die gleiche wie in Röm 6,2, doch hat sie hier eine andere Bedeutung. Der Christus stirbt, weil er unter die Macht der Sünde getan ist. Lebt er als der Erhöhte, so steht er im Dienst Gottes (~iJv t
n.
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Sünde soU nicht herrschen in dem ))sterblichen Leibe(, d.h. in der irdischen Existenz, die durch den vergänglichen Leib gekennzeichnet ist; der Getaufte darf nicht den Begierden folgen. Das Fleisch »begehn( (bn&ul'li Röm 7,7; Gal 5,16 f.); der »alte Menschcc ist der Mensch des Begehrens. Auch dem Pneumatiker muß die Gefahr des Begehrens vor Augen gestellt werden. Sind bestimmte Begierden gemeint, die insonderheit mit der Leiblichkeit des Menschen zusammenhängen?24 Daß die Sünde einst herrschte, darf nicht bloß eine Erinnerung sein; das Evangelium stellt neben die Botschaft vom Wechsel (Einst-Jetzt) die Mahnung: ))({ie Sünde soll nicht herrschencc (6,12) und die Verheißung: ))die Sünde wird nicht herrschencc (6,14). Leben und Freiheit des Getauften bleiben also ständig bedroht; die Taufverkündigung wird durch Mahnung und Verheißung in ihrer Gültigkeit bestätigt. Ähnlich wie V 12 beginnt auch V 15 mit einer Negation, geht aber dann in zwei positive Forderungen über (nClQaanlOO'tE ta"toU~ ... xal ta J,lt).'1 ut1(irv); der Abschluß unseres Verses: tq.&agda Yclo u~ oö XUQmJOEL erinnert an den Anfang von V 12. Paulus verwendet ein kriegerisches Bild: man kann die Glieder als Waffen der U ngerech tigkei t25 der Sünde oder als Waffen der Gerechtigkeit Gott zur Verfügung stellen. Die menschlichen Glieder sind die Mittel des menschlichen Handelns, Organe seiner Leiblichkeit und Ausdruck seiner natürlich-irdischen Existenz (Röm 3, 10-18). Vielleicht darf man annehmen, daß sowohl die paulinisehe Begriffiichkeit als auch seine Bildsprache einer älteren jüdischen bzw. hellenistischen Tradition entstammen. Wie die Glieder des Menschen, die der Sünde dienen, notwendig zu Waffen der Ungerechtigkeit werden, so sollen sie, wenn sie in den Kriegsdienst für Gott eintreten, zu Waffen der Gerechtigkeit werden. Die menschliche Kampfsituo.tion vträndtTt sich durch die Taufe, bleibt aber als solche erhalten. Erwächst aus der menschlichen Leiblichkei t die Gefahr des Begehrens, so kann anderseits aus ihr auch der Dienst für Gott seine Möglichkeiten nehmen. Paulus denkt nicht spiritualistisch oder übergeistig (A. Nygren). Aufiällend ist der Zusatz: iliod tx VEXQWv tÖ1Vta~, der offenbar auf das Taufgeschehen zurückweist: ))da ihr aus dem Totenreich zum Leben erstanden seid.( Das wunderbare Geschehen der Auferweckung läßt den Auferstandenen zum Geheiligten und zum bewaffneten Kämpfer der Gerechtigkeit Gottes werden. Steht der natürliche Mensch in einem durch Gott gerichteten Leben und geht damit auf den Tod zu, so läßt umgekehrt der Getaufte den Tod hinter sich und ergreift das eschatologische Leben. iliod ist also nicht nur Bild 24 Ober den Zuaanunenhang VOll Fleilc:h und Sünde vgI. R. BULTMANN, 'Theologie des Neuen Teltamenta, 6. Auß. 1968, 23~246 und K. G. KUHN,~~imNeuen Testament, ZThK 1952, 216; vor allem E. BI.ANDENauaou, FleiKb und Gciat, 1968, lOWie die po8eo Kommentare der Gqenwan (E. KAsEMANN, H. Sao.IU). u6da66~ - Gen.qual. (BI-Debr 165).XCIQUJ'Clm:a - zurVeri'upDlltellen. Du Verbum bringt ein freiet, verantwonlicbea Handeln des Memcben zum AUidruck. Du Bild vom Kriepdienat paSt in dietem Zusammenhang gut zu dem Begriff der Sünde und des Fleilcbes. Man denke an den Spnchsebnueh der Gemeinde von Qwnnn, dann aber auch an die Stoa WKI an die bell. Mystik. LAGaR 153 macht auf den Untenc:bied zwilchen dem Prüena ~t und dem Aorist KU~ mit R.echt aufmerksam. Auagezeichnet KAlEMANNR170: Gott Bibt in der Rechtfertigung lieh leibet (mit der FOI1IetZung: indem er una in lein Recht'" unter Schöpfer hineinzieht). Anden: indem er Uni die Sünden verJibt und una neu schafft (2Kor 5,17).
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Das neue Leben aus Jesus Christus
und Vergleich, sondern auch Begründung und nähere Bestimmung. Wahrscheinlich ist auch diese auf die Taufe bezogene Wendung älteres Gut. V 14: Entsprechend der Mahnung: »die Sünde soll nicht König sein« (V 12) schließt sich nunmehr die Verheißung an: ••die Sünde wird nicht zur Herrin werden über euch«. Sie gilt dem Getauften, der einem anderen Herrn dienstbar geworden ist. Gott ist mächtiger als die Sünde, die ihren Anspruch auf uns nicht fahren lassen will. Eine überraschende Sentenz schließt sich an: Getaufte stehen unter der Gnade, nicht unter dem Gesetz. Paulus sieht die Herrschaft der Sünde ganz eng mit der Herrschaft des Gesetzes zusammen: das Gesetz hat der Sünde die Bahn frei gemacht und ihr Vollrnaß heraufgeftihrt (Röm 5,20). Die Herrschaft der Gnade bricht sowohl die Macht der Sünde als auch des Gesetzes. Wie in Röm 5,20 f., so schließt Paulus auch in 6, 14 mit einem Blick auf das Gesetz und mit einer Hervorhebung der Gnade.
b) Röm
6,1~23:
Das neue Leben als Freiheit und Gehorsam
15 Was nun? SoDen wir (weiter) sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz ltehen, 80Ddem unter der Gnade? Das sei feme! 16 Wisset ihr nicht, daß wem ihr euch hingebt als Sklaven zum Gehorsam, dessen Sklaven seid ihr,lO daß ihr ihm gehorchen mü8~ entweder als Sklaven der Sünde zum Tod oder als Sklaven des Gehorsaml zur Gerechtigkeit? 17 Gott aber sei Dank: ihr waret Sklaven der Sünde, habt aber von Herzen den Gehors... gegen die Lehrform angenommen, der ihr übergeben wurdet; 18 ihr seid frei geworden von der Sünde und seid Sklaven der Gerechtigkeit geworden. 191ch rede nach Menschenweise um der Schwachheit eures Fleisches willen. Denn wie ihr eure Glieder als Sklaven der Unreinheit uDd der Gesetzlosigkeit hingegeben habt - und du hat zur Gesetzlosigkeit geführt -,lOgebet nUD eure Glieder als Sklaven der Gerechtigkeit hin - und dal führt zur Heiligung. lODenn als ihr Sklaven der Sünde ware~ da waret ihr der Gerechtigkeit ge-
genüber frei.
21
Welche Frucht hattet ihr damaI.? Solche. deren ihr euch jetzt
schämt, denn deren Ende ist der Tod. 22Jetzt aber, da ihr befreit seid von der Sünde, aber zu Sklaven Gottes gemacht seid, habt ihr eure Frucht zur Heiligung, als du Ende aber ewips Leben. 23 Denn der Sold der Sünde ist der Tod, die Gnadenpbe Gottes aber ist du ewige Leben in Chriltus Jesus, unserem Herrn. V 15: Tl ouv erinnert an V I (d ouv tQOÜJ,lEV) und zeigt eine neue Fragestellung an. Haben wir es in beiden Fällen mit der gleichen rhetorischen Form zu tun? Kann man einen sachlichen Unterschied zwischen V I und V 15 feststellen? Die neue Fragestellung schließt sich eng an die vorangehende These V 14b an. Man könnte sie als »rhetorisch« ansehen; wahrscheinlicher ist jedoch, daß Paulus sich gegen ein erneutes Mißverständnis schützen will. Für Juden liegt der Verdacht nahe, daß mit dem Aufhören des Gesetzes die Sünde sich breit macht. Paulus wehrt den gegnerischen Einwurfgegen seine These (V 14b) ab: J,lT) ytvm1:0 und verwendet nun ein Bild, das von V 16 an in verschiedenen Abwandlungen wiederkehrt. In der menschlichen Situation gibt es nur ein ausschließendes Entweder-Oder; entweder steht der Mensch in der Sklaverei der Sünde, oder er ist
Röm 6,1-23
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der Sklave der Gerechtigkeit auf der Seite Gottes t • Die einleitende Frage: oUx oibatE (vgl. V 3: ft QyvOEltE) wendet sich an das Wissen der Gemeinde, nicht an die antike Rechtskenntnis. Paulus ruft zur Besinnung darüber auf, wem der Getaufte Dienst schuldig ist. Zunächst beginnt unser Vers mit einer allgemein klingenden Regel: Wem der Sklave zugehörig ist, dem hat er zu gehorchen 2• 6o'Ü~ und i",:axm1 sind grundsätzlich miteinander verbunden: zum Sklavendienst gehört der Gehorsam. Paulus unterstreicht diese Verbindung: nihr seid Sklaven dessen, dem ihr gehorcht«3. Allerdings gewinnt im:axm1 in der inhaltlichen Bestimmung: fltOL ~'tL~ d; Mvatov ft ultaxoil; d; ÖutalpoiMtv eine andere, neue Bedeutung; gemeint ist der freie Gehorsam des Getauften, der unmittelbar mit dem Taufgeschehen verbunden ist. Wie dieser Gehorsam gestaltet ist, zeigt z.B. Röm 12,1-2. Ohne diesen freien Gehorsam des Getauften ist die Taufe nicht vollständig, ist sie vielleicht sogar in der Gefahr, mißverstanden zu werden. Schon hier in V 16 blickt Paulus auf das Ziel und das Ende des Dienstes hin (wie in V 23): die Sünde führt zum Tod (als Gerichtsurteil Gottes)4, der Gehorsam des Getauften zur Gerechtigkeit (als eschatologischer Spruch Gottes). Man darf also nicht verkennen, daß ebmso wie die Rechtfertigungslehre duch die Tdriflehre die Gerechtigkeit Gottts in sich sclditjJt (vgl. Röm 3,26 mit 6,13.16). Die Rechtfertigungslehre hat eine andere Tendenz, auch andere Denkformen als die Tauflehre; doch darf die Rechtfertigungslehre nicht ohne die Tauflehre weitergegeben werden, I PauJus verwendet hier in Röm 6,15 0: nicht du Bild der Frri1ulUng eines Sklaven ( I Kor 7,22), sondern des Wechsels der Herncha.f\; wodurch er sich vollzieht. wird nicbtau.,mihrt. In Wirklichkeit konnte ein deraniger übergang aUi einer Hand in die andere durch Ert.cbaft, Schenkung und ähnliche Verfügungen erfolgen. Der Sklave hat an lich kein Recht und keinen Einfluß aufden Wechsel des Herrn. Die Gesetzgebung der Kaiscrzeit räumt aber den Sklaven unter r-.cn Umständen du Recht ein, einen lOlchen Wechsel zu beantragen. Es kam auch vor, daß Freie sich freiwillig in Sklaverei begaben,.ci es aus Not, um sich den Lebensunterhalt zu sichern, sei es, um aufdicae Weile einen Sklaven frei zu machen (Ielem 55,2). Für PaulUi ist es entscheidend, daß dem Getauften die Möglichkeit gegeben ist, in freiem Gehonam sich seinen Henn leibst zu wählen (was in Wirklichkeit vielleicht eine Ausnahmesituation war). Es ist jüdisches Sklavenrec:bt. daß man entweder &ci wird oder erneute Sklaverei aufsich nimmt (Gittin 4,4). Vgl. K. H. RENosroar, ThLZ 76,1951,659 Ir. 2 Die Kommentare erinnern mit begrenztem Recht an du synoptischeJesUIWon Mt 6,24; U 16,13 oder an die johanneische Regel Joh 8,34, ohne daß man von einer nachzuweisenden Abhängigkeit bzw. BeeinfluDung reden könnte. ) Du zweite cl» in V 16 läßt verschiedene Außiulungen zu: entweder ist es nur Wiederaufnahme dei enten: .. dessen allO, dem ihr gehorcht4C oder ellteht verkürzt für den Gedanken: ..und dem müßt ihr nun gehorchen4C. Eine dritte Möglichkeit bcatülMle in der Außöeung: &b toCJwu 6n = »eben dadurch, daß ihr gehorcht4C. In allen diesen Autiusungen geht es um die Betonung des Gehorsams. • Der Begriff ..Tod. (Röm 1,32; 5,12 Ir.) bedeutet hier, wie auch sonst bei PaulUl, du Gerichtsurteil Gottes über den Menschen, allerdings nicht im Sinn einer notwendigen Folge auf Grund des mcnscblichcn Sündenfalls wie in Röm 5,12 0:, modem als eine eschatologiacbe Möglichkeit, die in Folsedes Ungehonams auch über dem Getauften steht. Der Tod ist also nicht ein für alle Mal durch ein Bundcazeichen wie die Taufe überwunden, mndern steht ab bleibende Gefahr auch über dan Getauften. Der Begriff .Tod4C drückt ein Nein Gottes in einem letzten forenliacben Sinn aus; er steht aber hier im Gegensatz zur eschatologiachen Gerechtigkeit und zum ewigen Leben (vgl. V 21 f.). Die M.sclridtJilbil des paulinischen Todesbegrift"es muß aberzugcatanden werden: a) biologisch natürlicher Tod ab Folge des Uneils Goues (Röm 5,12 O:);b) Verf&llenheit des vorchristlichen Menschen (Kot 2,13; Eph 2,1); c) eschatologisch-forensisches Gerichtsunei1 Gottes ab Folge der verkehnen Entscheidung des Menschen, auch des Getauften (Röm 6,16).
Du neue Leben aua Jesua Chriatus
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weil heide einander ergänzen und bestätigen. Die Gerechtigkeit, die der Christ im Glauben empfängt, ist gleichzeitig die Gerechtigkeit, in deren Dienst er gestellt ist, aber auch das Ziel, zu dem er gerufen ist. Man darf die venchiedenen Schattierungen des paulinischen Gerechtigkeitsbegriffes nicht übenehen, man darf aber auch nicht seine Einheitlichkeit verkennen: wir haben in allen Fällen ein Urteil GotUs vor uns, das über das konkrete irdische Sein des Menschen hinausgeht und das seine Begründung nicht vom Menschen, sondern von Jesus Christus her hats. V 17: Im Stil eines Dankgebetes 6 bringt Paulus die Tatsache zum Ausdruck, daß die Getauften in Rom sich nicht mehr in der Sklaverei der Sünde befinden, sondern daß sie, von der Sünde befreit, der Gerechtigkeit dienstbar geworden sind. In Form dieses Dankgebeto .• erden die Leser daran »erinnert«, was sie einst waren und was jetzt aus ihnen geworden ist. Der angeschlossene ML-Satz mit seiner Doppelaussage ist ein Beispiel für parataktische Ausdrucksweise; der Dank bezieht sich nur auf die zweite Satzhälfte'. Nach R. Buhmann, ThLZ 12, 1941, 193-198 lag in Röm 6,11 ursprünglich ein gut aufgebauter Zweizeiler vor: xllQ~ 6t ~ tfcp 6n Irre baüM>L l'il~ ~~, ~e~
6l Mb ~ lq,LOQ'tUl; l6ouA.cirihrtE 1ft 6uCQLOO6vn.
Er ist nach R. Bultmann durch den Zwiacbenaatz: impcoOOate 6t bc ~ ~ bv 1&OQE66&rJu TWrOV &6axiK gestört. U npaulinisch sind nach ihm die heiden Wendungen: bc XOQ~ und ~ 6t.6axiK. Allerdings hat der Zwischensatz mancherlei stilistische und sachliche Auflälligkeiten. Die Wendung: max06eL'Y bc ~ (= ein von Herzen Gehonamwerden) soll offenbar eine Umschreibung des freien Gehorsams von V 16 sein. Auffallend ist auch die Beziehung des freien Gehorsams auf die Lehrform, der die Leser (von Gott?) überliefert wurden. T6x~ 6L6axfJ~ ist hier: ••Ausprägung, Art der Lehrece. Entweder beschreibt Paulus das Evangelium als halachische Lehre im Unterschied zu Rabbinat und hellenistischer Popularphilosophie, oder er denkt an eine bestimmte Lehrform im Unterschied zu anderen urchristlichen»Typence. x
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anderen bezeichnen (vgl. auch F. W. Beare, On the Interpretation ofRom 6,17, NTS 5, 195~ 1959, 2~210). Dann ist der Christ aus der Herrschaft des einen Herrn in den Bereich des anderen überliefert worden. Im TCm~ 6L6axit; sieht]. Kürzinger eine An Aufriß der Glaubensbotschaft, auf Grund deren (= E~) die Christen ihrem neuen Herrn mit voller Zustimmung (tx xaobta;) gehorsam geworden sind. Er vermutet weiter, daß Paulus dabei auf ein TauCsymbol anspiele. ZnR 322 zog d~ ebenfalls in den Hauptlatz und faßte &v als Objekt zu mlQCl6L66vaL auf: d~ ~bv wnovtfJ~ 6L6axi!!;, ÖV mlQ€Mih)n = »aufden lehrhaften Typos hin, welcher euch übergeben wurdecc (vgl. auch ThW 11 173; BI-Debr 2940,S). Nahegelegt wird diese Auflösung durch die Analogien des im Neuen Testament häufigen nLouUOflal ~L = »mir wird etwas anvertrautc( und des ähnlichen bn~QbtOf.lQl ~L »mir wird etwas anvertraut, aufgetragen« (Philo,Jos 8,8). Am einfachsten dürfte jedoch die oben vorausgesetzte Auflösung des Relativsatzes sein: innpcoUoau -ap Wmp tfJ~ 61baxft!;, ~ &v ~E. 'Ym1xoUELV wird im N euen Testament mehrfach mit einem sachlichen Objekt verbunden (Röm 6,12; 10,16; 2Tbess 1,8). Vgl.jetzt KüemannR 171 (.credo beim Taufvorganr).
Eigentlich erwartet man umgekehrt, daß eine bestimmte Lehre den Menschen übermittelt wird, nicht daß Personen der Lehre übergeben werden'. In diesem eingeschobenen Zwischensatz liegt ein eigenartig »objektivierender« Zug (U'"1xoOOa'tE, naQeö6ih]'te); außerdem finden sich in ihm manche stilistische Fremdheiten, die es schwer möglich machen, ihn dem Kontext einzufügen. V 18: In paradoxer Weise kann Paulus sagen: •• Als Befreite seid ihr wieder dienstbar geworden«. Das Bild der Befreiung beschreibt bei Paulus das H~ilsge st.:hehen am Kreuz (IKor 7,22 f[); die Getauften bleiben Befreite, aber dies Befreitsein vollzieht sich in gleichzei tiger Anerkennung des Herrschaftswechsels. In diesem Zusammenhang stehen die Passiva (UEu&Q(ll&tvtE~, tbouÄ.016'TJte) im Vordergrund, nicht die Imperative. Paulus denkt an die Taufe: in ihr vollzieht sich beides, das Befrei twerden von der Sünde und die Verpflichtung für den Dienst der Gerechtigkeit9 • V 19: Paulus empfindet das Unzulängliche des Bildes (i1~LvOV Uyw = Ka'tcl 6v&{KImOV Uyw Röm 3,5; Gal 3,15)1°.. Um der Schwachheit des Fleisches willen, d.h. um des mangelnden Verständnisses der Leser willen hat er den harten Ausdruck MovÄ.016'TJte verwandt: sie sollen die • Orig. Ruf. 106IB erklärt die .Fonn der Lehre« typologisch: .ie ist Abbild und Schatten der Wahrheit, die wir eintt VOll Angesicht zu Angesicht sehen werden. In der Gegenwan Ipricht man selegeodich von dem .Muster« und .Modell« (TCm~ 6&.6aXil~), nach dem du ganze Leben des Chrilten gefonnt werden soll (A. NVGUN). , Es wird nicht ganz leicht sein, einenfM'tl.ifllllÜll ~. . in Röm 6 festzustellen. Grunddtzlich kommt es PaulUI darauf an, nachzuweisen, daß für den Getauften der Dienlt für die Sünde und ihr Ilecht aufihn auagetchlouen ist. Dazu kommt der ltäßIÜF und wiederbolte HinweU auf die Notwendipeil, daS der Getaufte in den Dienet der Gem:htipeit triu und lieh diaem Einutz Dicht entzic:hL Seide Grundrnotive der pauliniachen Taußebre erginzen einander in dem Sinn, daS die Freiheit VOll der Sünde den Kampf FF' die Sünde DOtwendig zur Folie bat (A. NVOUN). Darum ac:heint in manchen Venen du Pauivum, in anderen der Imperativ du Schwe'lewicht zu lJ'aIeD. lO.J>ie paulinivhe Formd Wtvaa ~ ~ kann venc:biedenen Sinn haben. Str-B 111136 vermutet, daS sie kein feslilehender, aus der Schullprache hergenommener Terminus gewesen ist. An eine jüdische Herleinmg denken Fa. Durrzsat und TH. ZAHN. Vgl. im Hellenismus PPett 1",9; 37,5; 40,4; 43,9; 47,15. Du POIl. Pron. ()1&CirY gebön aemiliaierend zur ganzen Wendu. .: .Schwachheit des Fleiacbel«. KAaEMANNIl172 deutet 6Dttvaa ab Anfechnmg des Christen durch die Rqungen des Fleiac:bes.
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Verpflichtung, für den Dienst der Gerechtigkeit zu leben, so ernst wie möglich nehmen. Vielleicht hat Paulus nicht so sehr den konkreten Zustand der römischen Gemeinde tadeln wollen (aofttvEUI Ti]; <XIQX6;), als daß er sich auf die Grenze der menschlichen Ausdrucksform einzustellen sucht 11. Das Getriebenwerden des alten Menschen zur Sünde hin müßte einem Getriebenwerden des neuen Menschen zur Gerechtigkeit hin entsprechen. Das Bild des Sklavenverhältnisses hat seinen Sinn, obwohl es dem Bekenntnis zur Freiheit in Christus widerspricht. Immerhin vermag Paulus das paradoxe und einseitige töouMirfhrtE durch die Wiederholung des Imperativs 1tOQ
d
Geist Gottes (8,9) überantwortet. lJ Allerdings fehlt tl~ civo",,", in B petch Ephr. Tm.; vgl. zum Textproblem H. LIETZMANN zSt, außerdem A. PALLII, der mit einer Interpolation rechnet. und H. SAHLIN, Einige Textemenda-
nrv
tionen zum Römerbrief, ThZ 9, 1953, 99.
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botes in sich auf. QyLao~ ist Heiligung und Heiligkeit zugleich, weder ein menschlicher Zustand noch eine sittliche Tugend l4 • Nicht das Gesetz, sondern Christus bestimmt den Inhalt dieses Geschehens, das nicht von der Taufe gelöst werden kann. Das Zit! da 1 auft ul tbm dit Hnligung. V 20 f.: Wieder weist Paulus auf die Vergangenheit der Gemeinde zurück: als sie im Dienst der Sünde stand, war sie von der Gerechtigkeit losgelöst 15; aber welche Frucht hatte man damals aufzuweisen? Paulus denkt immer an die Folge und an das Ende eines Dienstes, darum legt sich ihm das Bild der Frucht und des Ertrages nahe. Die Einzahl ))Fruchhc wird abwertend durch die Mehrzahl ))Früchteee (lcp' ol~) abgelöst, weil Paulus an die Vielfalt und Verschiedenheit der menschlichen Handlungen denkt, die den Tod nach sich ziehen (vgl. Gal 5,19.22). Man könnte fragen, ob der folgende Relativsatz hp' o~ ... den Vordersatz weiterführt oder ob er eine selbständige Antwort geben will. Da wir es wahrscheinlich mit einer Antwort zu tun haben, so ergänzt man am besten btEiva bzw. ~Olairta. Paulus will die ))Früchtecc nicht nennen, da sich die Getauften ihrer schämen müssen. Sich schämen ist der Anfang christlicher Lebensweisheit U. Calvin} . Sentenzartig schließt sich das Urteil über diese Handlungen an, im Stil einer katechetischen Unterweisung nicht unähnlich l6 • ~t~ beschreibt hier den Abschluß und das göttliche Gerichtsurteil, das über diese menschlichen Handlungen gefällt wird. Der Tod ist Bild und Ausdruck der göttlichen Verurteilung im Endgericht, wie als Gegenstück das ewige Leben die endzeitliche Heilsgabe darstellt. V 22:Jetzt ist der Umschwung eingetreten (vuvi öt): Die Gemeinde ist befreit vom Dienst der Sünde, ist aber dafür in den Dienst Gottes gestellt worden (zwei Passiva!); jetzt hat sie eine Frucht, derer sie sich rühmen darf, weil sie auf die Heiligung gerichtet ist (dC; aYLaOJlOv). Abschluß und Ende dieses Prozesses ist jetzt das ewige Leben. Die btiden Konstruktionen V 20-2/ und JI 22lauftn wnthin parallel zueinander. Heiligung und ewiges Leben stehen eng nebeneinander, werden aber durch Satzbau und Gedankengang voneinander getrennt: ewiges Leben ist für Paulus noch mehr als Heiligung. Der neue Gehorsam (V 16) ist letztlich die in unserem Text nicht genannte Frucht, die aus der Heiligung stammt und zur Heiligung führt; aber auch er untersteht einem letzten Urteil Gottes, das ihm die volle Gnade der Ewigkeit öffnet. V 2S: Ein neues Bild fügt sich als Abschluß des ganzen Abschnittes an; es will den Gegensatz Tod-Leben, aber auch den Zusammenhang zwischen menschlichem Handeln und göttlichem Richterspruch ins Licht rücken. Das Bild der ))Fruchtee wird aufgegeben, dafür wird an das kriegerische Bild von V 13 neu angeknüpft: die Glieder des Menschen sind entweder Waffen der Sünde oder der Gerechtigkeit. Der Soldat empfängt von seinem Kriegsherrn Sold <Ö'VrovLOV} 17, unter Umständen beim Regierungsantriu eines Vgl. dazu LAGalt 157; Sctu.1EaR 211 r. »Sie wan:n f~i in Bezug auf die Gerechtigkeit.; wir crwancn eigentlich ab TiK Ö~~. Pau1U1 verwendet wieder den Gcgenaatz: ÖOÜ~- ~, aUerdingslO, daß ~ eine eigmanige Färbung bekommt. Vgl. PALLISR 91; BI-Debr 180.197. 16 Ähnlich klingt Hebr 6,8: f1!t ~b ~~ d~ xaiKnv; Philo vin. 182: cbv W ~~ ~(nataL ~tWu· Der Abschluß Röm 6,21.22 klingt katechetisch lehrhaft, ist gewiß formelhaft. 17 ~ (im Sing. und Plur. gebraucht) heißt eigcndich: ..Gekochtes, Proviant, ZukCllt, Löh14
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neuen Herrschers auch einen außerordentlichen Gnadensold (XOQLOJ.lQ = donativum) 18. Als Kriegsherren erscheinen hier gegensätzlich und sich ausschließend Sünde und Gott. Die Sünde gibt als Kriegslohn den Tod, Gott aber gibt als »Gnadensold« das ewige Leben. Der Ausdruck XelQLOJUl ist gewählt, um jeden Anspruch des Menschen auszuschließen. Der feierliche Abschluß unseres Verses beschreibt das ewige Leben als eine Gabe, die an das WerkJesu Christi gebunden ist. Trotz der sentenzartigen Form der ganzen Gegenüberstellung von ihlva't~ und ~wTi gewinnt der Abschluß geradezu die Bedeutung einer Danksagung. Man erinnert sich an den Abschluß Röm 5,21; 6,11.
Exkurs Die Eigenart der paulinischen Taufanschauung I. Es kann als wahncheinlich angesehen werden, daß Paulus anftsle 1,tuJititmnt hellenistisrlter Gemeinc:ien anknüpft, wenn er vom Sterben und Auferstehen der Getauften mit Christus spricht. In den wichtigsten Mysterienkulten der römischen Kaiserzeit (Isis-, Attis-, Dionysos- und Mithrasreligion) hat die Vorstellung von Tod und Wiedergeburt des in den Kult Eingeweihten eine große Rolle gespielt 19. Dabei mag der Gedanke der Obertragung des Schicksals der Gottheit auf den Eingeweihten nahe gelegen haben. Die Weihe schenkt U nsterblichkei t und Vereinigung mi t Gott, wenn auch der Geweihte vorläufig ins Leben zurückkehrt. Ist er gestorben, wird ihm die Unsterblichkeit gehören und er wird mit der Gottheit als "Kind« vereint sein 20• Vorausgesetzt sind also sakramentale, in sich wirksame Handlungen, die auch über den Tod hinaus Bedeutung gewinnen. Es ist damit zu rechnen, daß Paulus feste Formeln und Wendungen, Begriffe und Denkformen aus der urchristlichen Tradition übernommen hat und daß er diese in Röm 6 in seinem Sinn interpretiert. Es darf also nicht ohne weiteres ein Glied aus dem Ganzen herausgelöst und als typisch "paulinisch« angesehen werden, es sei denn, daß es durch den religionsgeschichtlichen und theologischen Vergleich als solches ausgewiesen wird. A. Schweitzer macht darauf aufmerksam, daß Paulus an dem naheliegenden Begriff "Wiedergebuncc
vorübergeht, obwohl dieser durch die sonstige außerchrisdiche und chrisdiche Literatur genügend bekannt war21 • Nach ihm sind Taufe und Herrenmahl aus der jüdischen Apokalyptik stammende eschatologische Zeichen, die zur Teilnahme an der messianischen Herrlichkeit Jesu berechtigen (a.a.O. 254). 2. Bei Paulus ist das Nebeneinander von JruJik4tW und Jmf/eTaliv entscheidend, das keineswegs in eine sakramentale und ethische Gedankenreihe auseinandergerissen werden darf. Es handelt sich vielmehr um eine echte Antinomie, d.h. um sich widersprechende und doch zusammengehörige Aussagen, die aus einem einheitlichen Sachverhalt erwachnung«. Du Wort findet lich häufig bei PoIyb., aber auch in LXX und im Neuen Testament. Es wird als Fremdwort auch in du Hebrii8che und Aramäische übernommen. In den rabbinilchen Stellen teilt der König die LöbnUIIK aUi (Str-B 111 233). 11 Zum Sprachgebrauch von X~ als donativum vgl. ZnR. 328; PAULY-WISSOWA V 1593 und die Wörterbücher. Vgl. Tac. ann. 1,8; 12,41; 14,11; bist. 1,5; Suet. Aug. 10; Claud. 10; Nero 7; Dio Cauius 56,32,2; 59,2,1 f.;JOI. anL 19,247. Apul. Met. XI; M. DIBELlUI, Isiaweihe bei ApulejUl, SAH, 1917. 2o·A. DIETUlaI- O. WEiNUlaI, Eine MithruliturBie, 3. Auf!. 1923. 21 A. SarwEITZER, Die Myatik des Apoetds PaulUl, 1930, 13.
I'
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senll. Das eigentliche Heilsgeschehen ist nach Röm 6,3 das einmalige Ereignis des Todes Jesu Christi, und das Getauftwerden aufJesus Christus ist fUr Paulus nichts anderes als ein Getauftwerden aufseinen Tod. In der Taufe vollzieht sich eine übertragung des Todes Christi als eines geschichtlichen und doch eschatologischen Ereignisses auf den Täufling, eine überwindung der zeitlichen und räumlichen Begrenzung dieses historischen Ereignisses durch einen Akt, der an uns vorgenommen wird (vgl. die Passiva!). Unser eigenes Schicksal wird an das Schicksal J esu Christi so gebunden, daß Tod, Begrabenwerden und AuferweckungJesu Christi zu einem Geschehnis an uns selbst wird. Dabei denkt Paulus zunächst durchaus sakramental, aber er verbindet das Zeugnis von dem, was am Getauften geschieht, mit Imperativen und mit.dem Hinweis auf die eschatologische Erwartung. Wie stark Paulus in der Auseinandersetzung mit einer falschen Sicherheit einer hellenistischen christlichen Gemeinde jeden Mißbrauch des sakramentalen Denkens abwehrt, zeigt I Kor 10,1-13. Es hat nur dann sein besonderes Recht, wenn es imGehonam gegen die Taufparänese und in dem Ernstnehmen des göttlichen Gerichtes bewahrt und bewährt wird. Offensichtlich hat Paulus eine hellenistisch-christliche Anschauung auf den T odJesu ausgerichtet und durch die Einarbeitung der Imperative in das Taufgeschehen vor einer falschen Sicherheit geschützt. 3. Man wird dem paulinischen Text nicht gerecht, wenn man den objektiven, sakramentalen Charakter auflöst. Das Schwergewicht der Indikative trägt die Imperative, die nun nachfolgen, mit, ohne daß für Paulus das Empfinden entsteht, ein Zugeständnis zu machen, das die grundlegende Wahrbeit entwertet oder einschränkL Der Leser darf nicht denken, daß die Aussagen des Evangeliums jeden Imperativ überflii.uig machen, oder daß eine idealiatiache Konstruktion sich nur langsam, mit Hilfe des andersartigen Imperativs, durchzusetzen vermag. Immer wieder erhebt sich der Verdacht, daß die sittlichen Imperative in der Erfahrung des Seelsorgers Paulus ihren Ursprung haben. »Er siehtund man wird mit einiger Sicherheit sagen dürfen: im enten Augenblick verwunden, bestürzt und enttäusch t -, daß der .Besitz( des fundamentalen Heiles nicht mit Sündenloaigkeit für das weitere Leben bis zur Parusie identisch ist, und doch hätte man eine lOlche aus dem Heilsbesitz resultierende Sündenlosigkeit der Glaubenden und Getauften als das eigentlich )Natürlichec erwarten können« (0. Kuß, a.a.O. 411). In Wirklichkeit liegt aber die Antinomie zwischen Indikativ und Imperativ in der eschatologischen Situation selbst begründet und kann als notwendig nur von hier aus verstanden werden. Der objektive sakramentale Charakter muß in der Spannung der Äonenlehre durchgehalten werden (Röm 5,12-21). In der Taufhandlung wird-entweder durch diepalästinisch bestimmte Vergegenwärtigung oder durch eine »hellenistisch« beeinflußte Ineinssetzung von Taufe und Todesschickaal - das Evangelium selbst an der ganzen Menschheit wirksam. Der neue Menach ist jetzt wirklich in Verheißung und Glauben; aufkeinen Fall wird der bisherige Mensch unter ein neues Ideal geste1IL Die neue Wirklichkeit in Verheißung und Glauben ist verborgen in Gott (Kol 3.3), muß also notwtrulä, auf die gegenwärtige Situation des Christen in der Spannung der heiden Äonen bezogen werden. Dies geschieht durch die nun einsetzenden Imperative, die den Menschen besonders dringlich vor die Aufgabe stellen. das neue Leben des Glaubens zu ergreifen. »Die Taufe ist die Zueignung des neuen Lebens, und das neue Leben ist die Aneignung der Taufe« (G. Bomkamm, Taufe und neues Leben bei Paulus, Ges. Aufsätze 1,50). 4. Es entsteht die notwendige Frage, in welchem Verhältnis die Reclalftrtigvngslthrt, die 22 R. BULTMANN, Du Problem der Ethik bei Paulua, ZNW 23,1924,123-140; H. WINDlsaI, Du Problem des pauliniachen Imperativs, ebd. 265-281; E. KAaEMANN, Zur pauliniachen Anthropologie. P.u1inilche Perspektiven, 2. Auß. 1972,9-60.
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in den ersten Kapiteln entfaltet wird, zur Ttniflehre steht. Grundsätzlich wird man zugestehen müssen, daß Röm 3,21-31; 5,12-21 und 6,1-14 aus verschiedenen Voraussetzungen und Anschauungen entstanden sind; und doch hat Paulus durch Anordnung und Aufteilung dieser Abschnitte der Rechtfertigungslehre einen bestimmten Vorrang gesichert. Das einmalige Faktum des KreuzesJesu liegt allen drei Abschnitten zugrunde und wird verschieden beleuchtet: es ist Sühnzeichen, schicksalhaftes Geschehen, das eine neue Menschhei t konstituiert, und in der Taufe wirksames geschichtliches Ereignis. Wir habm es mit vmchieJnren Formm fÜr Kr~estJuologie.tU tun, die einander bestätigen und vor Entleerung schützen. Um der Auseinandersetzung mit demJ udentum willen, um der Herausarbeitung des Gnadenverständnisses willen hat die Rechtfertigungslehre einen Vorrang. Aber sachlich ist der Begnadigte gleichzei tig der Befreite und mit dem Diens t der Gerechtigkeit Betraute, der in der Spannung zwischen Altem und Neuem steht. Rtchtfertigung und Taule btdingm UIId sichml sich gtgmseitig. Die doppelte Frage Röm 6,1.15 zeigt, daß die Gefahr abgewehrt werden soll, als könne der Empfang der Gnade bzw. der Taufe etwas anderes sein als der Tod des alten und das Leben des neuen Menschen. In diesem Sinn verlangt die Rechtfertigungslehre nach dem Vollzug der Taufe als der rechten Auslegung und Bestätigung des Heilsgeschehens. Die paulinische Theologie wehn durch die Betonung des Im~tivs (Röm 6,4; 1Kor 10,12) eine falsche Sicherheit ab, die die Bedeutung der Rechtfertigung gefährdet. Literatur: K. Mittring, Heilswirklichkeit bei Paulus, 1929; G. Matern, Exegese von Röm 6 (Königsberger Dissertationen); W. Tr. Hahn, Das Mitsterben und Mitauferstehen mit Christus bei Paulus, 1937; G. Bornkamm, Die neutestamentliche Lehre von der Taufe, ThBI17, 1938,42-52; ders., Taufe und neues Leben bei Paulus, ThBI 18, 1939, 23~242 (Ges. Aufsätze 1, 1958,34-50); O. Cullmann, Die Tauflehre des Neuen Testaments, 1948; H. Schwarzmann, Zur Tauftheologie des heiligen Paulus in Röm 6, 1950; R. Schnackenburg, Das Heilsgeschehen bei der Taufe nach dem Apostel Paulus, MThSt I, 1950; O. Kuß, Zu Röm 6,5a, Theol. u. Glaube 41, 1951,430 ff.; ders., Zur Frage einer vorpaulinisehen Todestaufe, Münchener ThZ 4, 1953, 1-17; H. Schlier, Die Taufe nach dem 6. Kapitel des Römerbriefes, EvTh 5, 1938, 33~347 (Zeit der Kirche, 1956,47-56); ders., Zur kirchlichen Lehre von der Taufe, ThLZ 72, 1947, 321-336 (Zeit der Kirche, 1956, 107-129); E. Lohse, Taufe und Rechtfertigung bei Paulus (Die Einheit des Neuen Testaments, 1973, 228-244).
Röm 7,1-25: Der Todesweg des Menschen unter dem Gesetz a) Röm 7,1-6: Das Ende einer Bindung 1 Oder wiuet ihr nicht, liebe Brüder, ich rede ja zu Leuten, die das Gesetz kennen, daß das Gesetz über dfD Menschen 10 lange Herr ist, als er lebt? lDenn die verheiratete Frau ist durch dasGeieez an den Mann gelnmden, 10 lange er lebt. Wenn aber der Mann stirbt, ist sie frei geworden von dem Gesetz, das sie an den Mann bindet. 3 Also wird sie bei Lebzeiten des Mannes als Ehebrecherin bezeichnet, wenn sie sich einem anderen Mann zu eigen gibt; weDD 8ber der Mann stirbt, 10 ist sie frei von dem Gesetz, 10 daß sie keine FJaebrecherin ist, weDD sie sich einem anderen Mann zu eigen gibt. 4 Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz gegenüber in den Tod pgeben durch cIeu Leib Christi, 10 da8 ihr einem anderen zu eigen geworden seid, nämlich dem von den Toten Auferweckten, auf daß wir Gott Frucht bringen. 5 Denn als wir noch im Fleische waren, wirkten die sündigen Leiden-
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scharten, die durch du Gaetz geweckt waren, in uuerea Gliedern, 10 aa wir dem Tode Frucht bncllten. 6Jeat aber sind wir frei geworden VOD dem Gesetz, indem wir dem 1IIUben, was UDS in Banden hielt, 10 da8 wir Dun in dem Dellen Geist dieneD und nicht im alten Buchstaben.
Anaryse: Mit Röm 7,14i setzt die Frage nach dem Sinn und der Aufgabe des Gesetzes wieder ein, die bisher zwar in verschiedenen Sätzen schon berührt wurde (Röm 3,20; 4,14 f.; 5,20; 6,14), die aber erst jetzt eine ausführliche Bearbeitung erfährt. Unser Abschnitt bildet einen geschlossenen Zusammenhang, in dem Paulus zum Ausdruck bringen will, daß wir vom Gesetz frei geworden sind und nunmehr dem Christus angehören (V 4) bzw. in der Neuheit des Geistes dienen (V 6). Paulus will den Wechsel zwischen Gesetzes- und Christusherrschaft durch ein Beispiel veranschaulichen (V 1-3), das ebenfalls aus dem Rechtsleben stammt wie so viele andere Bilder und Anschauungen unseres Briefes. Die Frage nach dem Gesetz legt die Frage nach dem Recht nahe. Anschließend wendet sich V 4 der übertragung dieses Beispiels zu: der Christ ist dem Gesetz gestorben (entsprechend V 6: er ist vom Gesetz losgelöst). Man achte auf die Passiva ffiava'torlhrtE und xa'tTJQYf)Ö'r)J1EV, die nicht zufällig sind! Der neue Zusammenhang von c. 7 und 8,1-11 geht vom Gegensatz: .)Neuheitdes Geistes« und ,.aher Ablauf des Gesetzes« (7,6) bzw. dem Kampf zwischen Geist und Fleisch aus (7,5; 8,2 ff.). Das entscheidende Ereignis in diesem Zusammenhang ist die »Sendung J esu Christi in das Fleisch« (8,3-4). Diese Sendung zur überwindung von Gesetz, Sünde und Tod trägt den ganzen Zusammenhang von c. 7 und 8. Für Paulus ist die Frage des Gesetzes eng verbunden mit dem Anspruch Israels, nicht unter der Verurteilung Gottes, nicht unter der Herrschaft der Sünde und des Todes zu stehen (vgl. den Hinweis auf die rabbinische Auslegung: YQ6t!.,w 7,6 und den Hinweis auf die Kunde des Gesetzes 7,1). C. 7 hängt mit c. 8 unter dem Nachweis zusammen, daß die adamitische Existenz die ganze Menschheit ~wammen- und Israel einschließt. Dies Urteil kann gewagt werden unter der Voraussetzung der ).Neuheit des Geistes« (7,6), unter Voraussetzung der eschatologischen Existenz der Getauften (6,4.14.18). Die Antithese: Neuheit des Geistes, nicht alter Ablauf des Gesetzes (7,6) trägt also den ganzen Zusammenhang. Der Bruch in der Taufe (c. 6) überträgt seine Struktur auf den Gegensatz Gesetz-Geist, die apokalyptische Geschichtslehre c. 5,12-21 schafft den Gegensatz zwischen adamitischer und christusfiirmiger Exis~. Die zeitliche Differenz, die in diesem Gegenüber liegt, die Spannung zwischen Individuum und Kosmos, ist nicht zu übersehen. Der Einzelne schafft Unheilsgeschichte, übernimmt aber auch Unheilsgeschichte. Für die Auslegung ist der Wechsel im Stil (Anrede Ihr in Wir übergehend: 7,1-6, übergang in das Ich 7,7-25, in das Du 8,2) zu beachten.
Exegese: Der übergang von Röm 6,23 zu 7,1 0: klingt unvermittelt. Die Anrede äÖEMpo( (V 1) bzw. sogar äÖEMpoL J.lou (V 4) wirkt in diesem Zusammenhang
besonders eindringlich. Unser Vers beginnt mit einem Hinweis aufvorausgesetztes Wissen (i} äYVOEi'tE Röm 6,3). YLVWoXELV v6J.lOv kann verschieden verstanden werden; entweder meint Paulus: die Gemeinde kennt das mosaische Gesetz, oder: sie versteht das menschliche Gesetz und Recht (homines jurisprudentes) 1. 1 An das Ge~tz des Alten Bundes denken Theodoret, CALVIN, BENGEL, H. LI ETZMANN , A. SatLATfEa, C. K. BAJUlETT, an das allgemeine bzw. römische Recht B. WEISS, E. KOHL, A.JOu. CHEa. KAsEMANNR 179 spricht von »geregelter Ordnung« und einem ..schillernden Sprachgebrauch«. Grundsätzlich ist das mosaische Gesetz gemeint. Vgl. ScHI.IEaR 215.
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Der Todeswcg des Menschen unter dem Gesetz
VieHeicht ist YLVOOaxELV v6J.lov mehr als nur ein »Kennen« des Gesetzes 2• Die nachfolgende Behauptung: »das Gesetz ist Herr über den Menschen, solange er lebt«, paßt besser auf das mosaische Gesetz als auf das allgemein menschliche Recht (vgl. Röm 6,7). Aber für Paulus ist das allgemein menschliche Recht in gewisser Weise analog dem mosaischen Gesetz zu verstehen (Röm 2,12 f.). Paulus knüpft nicht nur an die Kenntnis des mosaischen Gesetzes an, sondern auch an das antike Rechtsdenken. Spricht er vom mosaischen Gesetz, dann denkt er auch an die Rechtskenntnis und die Rechtsverpflichtung des Menschen. XlJQLroELv (= ,,~) heißt hier »Herr sein« (Röm 6,9.14; 14,9). Der Inhalt des Ö"tLSatzes klingt wie eine Rechtsregel. Es folgt in V 2-3 ein Beispiel aus dem Rechtsleben. Auch im Leben der verheirateten Frau (i! 'ß",av6~ 'Y\Ml)3 spielt das Gesetz eine Rolle (lex mari talis). Seine Macht und seine Begrenzung durch den Tod liegen im Eherecht klar vor Augen. Die Macht des Gesetzes besteht darin, daß die verheiratete Frau daran gebunden ist, solange ihr Mann lebt (vgl. 1Kor 7,39). Der Tod des Mannes ist das Ereignis, das der Macht des Gesetzes ein Ende setzt. In xa"tßQYEtoftaL ist ein gewaltsamer Prozeß angedeutet. Solange der Mann lebt, wird die Frau eine Ehebrecherin heißen 4 , wenn sie das Gesetz bricht, unter dem sie steht. Y(VEO'itaL Qv6Q( erinnert an den alttestamentlichen Sprachgebrauch (Dt 24,2; Hos 3,3). V 4: Die übertragung des Beispiels wird durch Ö>atE und durch die erneute Anrede Mdcpo( J.l0lJ eingeleitet. Konnte der Christ in Bezug auf die Taufe bekennen, daß er mit Christus gestorben sei, daß er aber auch mit ihm leben werde (Röm 6,8; 2Tim 2,11), so ist dies Sterben gleichzeitig eine gewaltsame Loslösung vom Gesetz: »ihr seid dem Gesetz getötetee bzw. »jetzt aber sind wir vom Gesetz getrennte( (V 6). Die Verbindung von Taufe und Tod zieht also auch die Befreiung vom Gesetz nach sich. Auffallend ist die Beschreibung des Vollzugs dieses Sterbens: es geschieht durch den »Leib« des Christus. Gemeint ist offenbar die Hingabe des Leibes Jesu in seinem Sterben, nicht die neue Gemeinschaft der Glaubenden 5 . War der Tod Christi Befreiung von der Bindung an das Gesetz, so ist seine Auferstehung die Grundlage für eine neue Bindung: die Glaubenden gehören nun dem Christus an, der von den Toten erweckt wurde. 61.(\"tO'Ü exOf.UI"tO!; entspricht geradezu der Hingabe des Leibes Christi und klingt hier bekenntnisartig. Durch das Bild vom Fruchtbringen wird 2 Die Wendung könnte bedeuten: »den Sinn des Gaetzea ventehen«. »Paulus hat dem Rabbinat nicht zuptanden, daß es du Gesetz kenne« (A. ScHLAlTU). J '" {m~ ~ (im Neuen Testament nur hier) mnnen an ähnliche Wendungen in Num 5,20.29; Prov 6,24.29; Sir 9,9; 41,23; TestLev 14; Polyb. 10,36,3; Arternid. 1,80; Athen. 9,399C. Zur Formulierung: »Du Gesetz des Mannes« vgl. A. JULICHU, Schriften des Neuen Testaments 11, 1908, 263: »... das treffend als Gesetz des Mannes bezeichnet wird, weil es im Altenum nur Rechte des Mannes über die Frau gab« . .. XQIIJ&(ß~v heißt eptlicb: »ein Geschäft ausüben, öffentliche Angelqenheiten besorgen, einen Namen bekommen oder annehmen« (Apgll,26;JOI. ant. 8,157; 13,318; bell. 2,488). Zum gnomischen Fut. vgl. Bl-Debr 349. S Zunächlt erw&net man die Wendung: »ihr seid dem Ge.etz gestorben durch den Tod.. und in dietem Sinn paraphruiert l.ap'R 162: ltCiurcb die Tatsache des Todes Chrilti, der alle Christen in der Taufe zu einem Leib vereinigt«. Orig. Ruf. 1073C deutet CXÖfMl aufden Tod Christi, da er an seinem LeibeuuereSünden trug (ebenlO Ten.Chrya. Ambr. Ambstr.). Vgl. E.SatWEIZEIl, ThWVII 1064; KAsEMANNR 179 f.
Röm 7,1-25
221
ein neuer Gedanke eingeflihrt (Röm 6,21 f.): aus der Gemeinschaft mit Christus erwächst Frucht rur Gott. V 5 f.: In diesen beiden letzten Versen unseres Abschnittes stellt Paulus noch einmal ausdrücklich Einst undJe~t einander gegenüber: ehe die Wende eintrat, war der Mensch durch das »Fleisch« bestimmt, wirkten sich die sündhaften Leidenschaften gerade infolge des Gesetzes in den Gliedern aus und bewirkten eine Frucht zum Tode. Jetzt aber, nach der entscheidenden eschatologischen Wende, ist dieser Todesweg: Fleisch, Sünde, Gesetz, Tod unterbrochen. Durch den Tod des Christus tritt an die Stelle der Gesetzesherrschaft die endzeitliche Erneuerung durch den Geist Gottes, die dem alten Äon des Buchstabens entgegengesetzt ist. In V 5 finden wir alle Begriffe vor, die für den folgenden Abschnitt Röm 7,7-25 notwendig sind; man kann geradezu in V ~ eine thtmatischt Voraumalunt der beiden folgenden Abschnitte Röm 7,7-25 und 8,1-11 sehen. Wenn Paulus in unserem Vers sagen kann: »Wir waren im Fleisch«, dann will er damit die Zeit vor der Taufe als den alten Äon beschreiben, welcher der Äon des Gesetzes ist. Bricht die Herrschaft des Gesetzes zusammen, so ist damit der alte Äon vergangen. Weil Christus als Bringer des neuen Äons das Gesetz ablöst, steht auch der Christ jenseits des Gesetzes, ist er dem Gesetz gestorben; sein Leben»im Fleisch« ist daher - von Gott aus gesehen - überwunden. Die Existenz »im Fleisch« war ein Leben nach natürlich-menschlichen Gesichtspunkten (= nach irdischem, vergänglichem Maßstab6 ). Der Ausdruck 't
• tiJv tv ooQX' bqegnet auch in Gal 2,20, allerdings in anderem Sinn. In Ga! 2,20 wird das irdiach-natürliche Leben mit seinen Bindungen, Notwendigkeiten und Verpflichtungen a1s.Leben im Fleisch« beschrieben. Auch der Christ steht in diesem ird.iach-natürlicheo Leben. Röm 7,5 weicht als Formulierung von G&12,20 ab. Hier in Röm 7,5 ist du »Leben im Fleilc:h« durch die Taufe a~ ben, weil es ein Beherrachtaein von fremden Mächten ist. 1 Die Deutung des Genitivs ist in der Exegese umstritten. PaulUl kennt Leiden als Widerfahmiue von außen (Rörn 8,18), aber auch Leidenschaften, die als Anfechtung von innen her kommen (~ jAQ1a - bnhiMm nach G&15,24). PaulUl fiihn in Röm 7,5 den Begriffunvermitte1t ein, ohne ihn im folgenden Abschnitt wieder aufzunehmen (vgl. dagqm den Sing. bnhtUa in Röm 1,7 f.). yei'to bezeichnet hier den ZUltand und ist medial gebraucht (.uch wirbam erweisen«). • Eigentlich erwartet man ein zu ergänzendes Subjekt zu ~ W ~ (etwa "'~). , Eine besondere VITWtINitscJt.f' stellt sich ()I1isc/rIII Ptabu _ 4Esr. '--s: »Doch nahmst du nicht das böse Herz von ihnen, daß dein Gesetz in ihnen Früchte trüge. Ein böIea Herz trug schon der erste Adam, kam 10 in Schuld und ward besiegt, desgleichen alle, die ihm entstammen. So ward die Krankheit dauernd; es war zwar in des Volkes Herzen du Gesetz, jedoch zusammen mit dem
mw-
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Der Todesweg des Menschen unter dem Gesetz
wandelt er in der neuen Weltzeit, in der Gott das Leben schenkt (xaL v6tTJ~ ~wiJ~ Röm 6,4 = xaLV6tTJ~ JtVEUJ.lm:~ Röm 7,6). XQLVOtt]~ und JtaÄ.aL6n]~ bilden hier ein Gegensatzpaar, das mehr zum Ausdruck bringt als )neu« und »veraltet« (2Kor 3,6.14). Ebenso ist der Gegensatz: JtVWJ.LQ-y()(lf.lJ.lQ (Röm 2,29; 2Kor 3,6), der die Trennung zwischen dem urchristlichen und jüdischen Verständnis der heiligen Schrift durchführt, grundsätzlich und absolut. XQLv6t'1~ und JtaAmOt11~ beschreiben den Unterschied zwischen dem neuen und alten Äon. Das Kommen des neuen Äons schließt die »Neuheit« des Schriftverständnisses in sich und macht damit das rabbinische Wort zu einem »veraltetencc (Hebr 8,13). Die JtaA.at6t11~ ist also eine Konsequenz der XQLV6ntS. JtVEÜJ1Q ist das charakt~ ristische Zeichen fur das rechte Verständnis des Alten Bundes, während yQ«JA.JA4 als polemische Abgrenzung auf das Gesetz als äußere Vorschrift, als Geschriebenes und Vorgeschriebenes hinweist. Das Auftauchen der beiden Gegensatzpaare XQLVOtt]~ und JtaAQLOtt]S, JtVEÜJ.lQ und yQCtf.lJ.lQ zeigt, daß Paulus sich in diesem Augenblick in der Auseinandersetzung mit dem jüdisch-rabbinischen Gesetzesvers tändnis befindet 10.
b) Röm 7,7-25:
Un~r~ G~bund~nheit
Der Ruf nach Q)
an
Ges~tz,
Fleisch,
Sünd~
und Tod
d~m Befr~i~r
V 7-12:
'Wu 100m wir Dun sagen? Ist du Gesetz Sünde? Du sei femel Allerdings hätte ich die Sünde nicht kennenplemt außer durch du Gesetz; denn die 8eKienle hätte ich nicht erfahren, wenn du Gesetz nicht geagt hätfe: du IOIIst Dicht begehrenl 8Die Sünde aber erhielt Anato8 durch du Gebot und wirkte in mir jegliche Beperde; denn ohne du Geaetz ist die Sünde tot. 9Ich üer lebte einst ohne du Gesetz; ... üer das Gesetz kam, lebte die Sünde auf. 190 Ich aber starb, und 10 erwies lich mir das Gebot, du zum Leben ppben war,'" todbriDgend. 11 Denn die Sünde erhielt AnaoS durch du Gebot und betrog mich und tötefe mich durch du.elbe. 12 AIao: das Geaetz ia heilig, und du Gebot in heilig, gerecht und gut.
schlimmen Keim. So schwand, was gut, das Böse blieboc (3,20-22). Der Mensch geht zugrunde, aber die Herrlichkeit des Gesetzes bleibt: .. Wir, die wir du Gesetz empfingen, gehen zugrunde wegen unsenr Sünden samt unserem Herzen, das es aufgenommen. Doch geht das Gesetz nicht zugrunde, es bleibt in seiner Herrlichkeit« (9,36). Auch 4Eara bezweifelt die erlösende Kraft des Gesetzes, erkennt aber seine bleibende Herrlichkeit an. 10·ln den TextaUlpben von BUA (1565), ELZEVIR (1624, 1633) findet sieh die erleichternde LA ~~t die auch in Min 242 vertreten wird. ~~ bedarf vielleicht des Zusatzes w\rtq> (= up v6tMp); bei den weadichen Zeugen findet sich vielfach die Textänderung: 'tOÜ ~ J&OU 'tOÜ tavchou (00 Ambatr). Man kann tv 4» xa"tE..~ auf~ zuruckbeziehen oder neutrisch als Attraktion verstehen (= ~e; W'Cmp tv 4> xatnx6t1e&a). xattxro6a.. erinnert an du Bild von der Kerkerhaft (Gal 3,23 (), das in diesem Zusammenhang den besonderen Notstand des natürlichen Menschen zum Ausdruck bringt: von innen her bedrohen ihn die Leidenschaften, von außen her nimmt ihn das Geletz in Gewahrsam. Wichtig ist, daß für Paulus gerade der Jude, der im Besitz des Gesetzes ist, ein Gefangener ist (R. BULTMANN, Theologie des Neuen Testaments, 1968, IBO).
cmb
Röm 7,1-25 ~)
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\" 13-17:
So ist also das Gute für mich zum Tode geworden? Das sei feme! Vielmehr hat die Sünde, damit sie als Sünde offenbar werde, durch das Gute mir den Tod sebracht, damit die Sünde über alle Maßen sündig würde, und dies geschieht durch das Gebot. 14 Denn wir wissen, cla8 das Gesetz aus Gottes Geist stammt; ich aber bin von fleischlicher Art, unter die Macht der SÜDde verkauft. IS Denn was ich voUbrinp, erRnDe ich nicht; denD nicht du, was ich will, tue ich, ~n was ich hasse, tue ich. 16WenD ich nun du tue, was ich nicht will, 80 ttimme ich dem GeRb darin zu, da8 es pt iIt. 17 Dann aber bin nicht mehr ich ~ der du Bö.e vollbringt, sondern die in mir wolmende SÜnde. 1l
y)
V
1~25:
18 Denn ich weiB, cla8 in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Denn das Wollen ist bei mir vorhanden, nicht aber das Vollbringen des Guten. 19Denn ich tue nicht das Gute, das ich eicendich will, sondem du Böee, das ich nicht wiU, das tue ich. WenD ich also das tue, was ich nicht will, so vollbringe nicht ich duselbe, sondern die in mir wohnende Sünde. 11 Ich finde also das Gesetz, da8 bei mir, der ich doch das Gute tun will, nur das Böee zustande kommt. 11 Denn ich stimme dem Ge8etz Gones nach meinem inneren Menachen mit Freuden zu, 23 sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das im Krieg I;~ mit dem Gesetz meiner Vernunft und mich fesselt unter das Gesetz der SÜDde, das in meinen Gliedern ist. 24 Ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich erlösen aus diesem Todesleib? 2.5 Dank sei Gon durch Jesus Christus, unsem Herrn! AllOdiene ich nun mit dem VerstaDd dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde. BmrITlcung ~um 1 nc/: Es gibt and~re Möglichk~it~n, d~n Abschluß d~s T~xtes kritisch zu bearbdt~n: 1. durch l1mst~lIung d~r Verse: V 23.25b.24.25a, 2. durch Annahm~ ('in~r Gloss~: Man erwägt, ob Röm 8,2.1.3 od~r Röm 8,2.1 (Gloss~: Röm 8.1) an die Danksagung Röm 7.25a anzuschli~ß~n sind.
Ana(yst': Mit Röm 7,7 beginnt ein neuer Stil in der Beweisführung; man darf den rhetorisch-dialogischen Charakter des folgenden Abschnittes nicht verkennen 1. Vor allem fällt die Einführung des Ich-Stiles auf, der in dem neuen Abschnitt neben den feststellenden Lehrsätzen eine besondere Bedeutung gewinnt;ja, man kann sagen, daß dieser Ich-Stil im Römerbriefeinzigartig ist. Der Gedankengang läßt festgefügte Abschnitte erkennen: V 7-12 wird durch die Frage bestimmt, ob das Gesetz Sünde sei. V I ~ 17 steht unter der neuen Frage, ob .)das Gute« für den Menschen zum Tode führt. Der letzte Abschnitt V 18-25 schließt sich an ein Bekenntnis an (olöa yfJ.Q ön V 18). Das Problem bleibt ungelöst, wieweit dieser letzte Abschnitt Ilxtkritisch in Ordnung ist und wie er ursprünglich abgeschlossen hat. Man könnte den Versuch machen, die Verse 2~25 umzustellen (V I Zum Problem der Stilfonn vgl. W. G. KüMMEL, Röm 7 und die Bekehrung des Paulus, 1929, 119 ff. Zur Fragest~lIung: E. VON DOBSCHO"rZ, Wir und Ich ~ Paulus, ZSTh 10, 1933,251-272. G. 8oRlliKAMMM, Sünde, Gesetz und Tod. Das Ende des Gesetzes I 51~9; E. BRANDENBURGER. Fleisch und Geist, 1968. 46--48.
224
Der Todesweg des Menschen unter dem Gesetz
23.25b.24.25a), um dadurch einen logischen Gedankengang zu erreichen 2 • Man könnte aber auch mit noch schwierigeren Textverhältnissen rechnen (Bearbeitung, Glossen) und die Frage aufwerfen, inwieweit die Zusammenhänge von Röm 8,1 ff. heranzuziehen sind, um Röm 7, 1~25 zu ergänzen 3 • Trotz des rhetorisch-dialogischen Stiles darf man nicht verkennen, daß das Ganze eine gewisse RlzylhmiJc in sich trägt; vielleicht könnte man sogar von Strophen statt von Abschnitten sprechen. Diese Rhythmik zeigt sich am deutlichsten durch einen Vergleich mit dem Kontext: man achte auf die beiden Klammern Röm 7,6 und 8,2 mit ihrem ganz anderen Stil! Paulus spricht nicht von einem beliebigen •• Ich~~, sondern von einer an seine Person gebundenen Erfahrung, die der Mensch unter dnn Gese~ mit dem Gesetz machen muß. Es ist also der Jude, der die Strenge des Gesetzes an sich selbst erfährt und der nun in einem feierlichen Bekenntnis entscheidende Selbstaussagen macht. Wir haben es nach Röm 3,21-31 und 5,12-21 erneut mit einem zentralen Abschnitt unseres Briefes zu tun. Und doch sind diese Aussagen über die Erfahrungen des Menschen mit dem Gesetz keineswegs individueller Art, sondern wollen grundsätzlich normativ und allgemein gültig sein. Das paulinische ~dch« kann verschiedene Färbung annehmen, wie ein Vergleich von Röm 7,7 ff. mit 1Kor 13, I ff.; Gal2, 18 ff. zeigt. Manchmal kann es geschichtlich-allgemein verstanden werden, so daß weder auf die Person des Paulus noch auf die geschichtliche Besonderheit des Vorgangs ein besonderes Gewich t zu legen ist. Manchmal dagegen scheint es ganz anders zu sein: die paulinische Schilderung stellt eine btispielJw.fte,paradigmtllische Erfahrung heraus und will die Allgemeingültigkeit eines theologischen Satzes durch die Besonderheit der Erfahrung unterstreichen. In diesem Fall liegt auf der Geschichtlichkeit des Vorgangs ein besonderes Gewicht. Bei der Deutung des pauJiniscJrm »/eh« in Röm 7,7 ff. versuchte man zunächst, Erinnerungen an die Kindheit des Paulus bzw. an die Zeit vor seiner Bekehrung festzustellen (autobiographische Deutung)·. Dabei ist die überlegung wichtig, daß auch im Rabbinat verschiedene Lebensstufen unterschieden werden (Ab 5,24): mit 13Jahren wird der jüdische Knabe bar-mizwa, also für sein Tun verantwortlich. Schon vorher (seit seiner Geburt?) lag der "böse Trieb« in ihm, aber erst mit 13 Jahren beginnt der Kampf zwischen den beiden "Trieben« und damit die Verantwortlichkeit des Menschen. Dabei ist vor allem an den Geschlechtstrieb gedacht. Daß die paulinische Konstruktion allerdings wesentlich von der rabbinischen abweicht (Stellung zum Gesetz!), darfnicht übersehen werden. Man hat den Gebrauch des ,) Iche( in Röm 7,7 ff. auch als eine rhetorische Stilfonn ansehen wollen. Tatsächlich gibt es in der rabbinischen Diskussion einen LthTstil in der »/eh,,-Foma (Ber 1,3; Ab 6,9b), wie auch das Griechentum gelegentlich ähnlich dialogisch reden kann s. Allerdings werden die angeführten Beispiele (besonders aus demJ udentum) 2
Fa. MVLLEI., ZNW 40, 1941, 249 f[
R.. BULTMANN, ThLZ 72, 1947, 198 f[ A. DEISSWANN, PaulUl, 1911,64 f.; W. D. DAVIES, Paul and RabbinicJudailm, 1948,24 f[;J.Jt:. REMIAS, NuntiUllOdalicii Ncoteswnentici Upealiemi.s 2, 1949,8; zum Problem auch E. STAUFFEa, ThW 11 355 f[ Nach W. D. DAvlESunteracheidet PaululdrliStGd;".: I. Unberührtheit von derSünde, .Unschuld«; 2. Auftreten des Gebotes und Wachwerden der Sünde; 3. Du Kommen des Geistes und die Befreiung (5. 24). s Zum .Icbstil« des Rabbinates vgl. Der 1,3 du Beiapie1 R.. TarphonJ. Anekdoten, Erlebniaae, 10gar Encheinunaen dienen zur Begründung einer halachiachen Regel oder Anschauung. EI ist aber 1
4
Röm 7,1-25
225
keineswegs so zu verstehen sein, als läge dieser Stilfonn kein faktisches Geschehnis zugrunde. Tatsächlich denkt man bei der rhetorisch-generellen Deutung von Röm 7,7 ff. an den Menschen unter dem Gesetz, dessen objektive Lage vom Standpunkt des Glaubens aus beurteilt wird 6 • Er ist zerspalten. Es geht also nach R. Bultmann um »transsubjektive Vorgänge«, in denen der Mensch zur •• Eigentlichkeit« des •• Ichseinscc gerufen wird, aber den Anspruch Gottes nicht versteht'. Eine vom rhetorisch-generellen Verständnis sich unterscheidende heilsgeschichtliche Deutung legt Wert darauf, daß in Röm 7,7-25 die latente Krise des Gesetzes und des Gesetzesmenschen aufgedeckt wird (Röm 10,4: Christus als Ende des Gesetzes)8. Neuerdings wird auch die refonnatorische These erneuert, daß Paulus von der Bedeutung des Gesetzes für den Christen spricht: auch er lebt noch in der alten Weltzeit, auch er ist noch den Bedingungen der Sünde unterworfen. Gerade der Christ weiß etwas von dem Zwiespalt zwischen Wollen und Vollbringen (A. Nygren). Es scheint mir, daß weder eine rhetorisch-fiktive noch eine psychologisch-subjektive Deutung dem exegetischen Tatbestand gerecht wird. Gegen die refonnatorische Auffassung, die an die Stellung des Christen zum Gesetz denkt, müßte die Frage erhoben werden, ob nicht Gal 5,1~18 den Kampfzwischen Fleisch und Geist anders beschreibt als Röm 7,7-25 den Kampf zwischen Fleisch und Gesetz. Der aussichtslose Kampf des Menschen unter dem Gesetz wird von dem Menschen unter der Verheißung wieder aufgenommen. In Röm 7,7-25 geht es um den Menschen unter dem Gesetz und um die Krise des Gesetzes überhaupt, aber in dieser Situation wird die Not des Menschen und die Ausweglosigkeit seiner Lage vor Gott aufgedeckt. Der Mensch unter dem Gesetz erkennt also durch das Wirken des Gesetzes die tiefste Not des Menschseins überhaupt. Wichtig ist als Parallele zum Ich-Stil von Röm 7,7 ff. der Sprachgebrauch in den Hodajot. Auch dort wird die persönliche Erfahrung des Beters mit der allgemein gültigen Aussage über die Verfallenheit des Menschen aufs engste verbunden. Auch in den Hodajot spricht der Geistträger, in den meisten Fällen der Lehrer der Gerechtigkeit selbst. IQH 4,29 f.: •• Was ist das Gebilde von Lehm, daß es Wunder rühmte? Ja, es ist in Sünde vom Mutterleib bis zum Greisenalter, in der Schuld des Treubruchs, und ich weiß, daß der Mensch keine Gerechtigkeit hat.« IQH 3,23 ff.: .)Aber ich, das Lehmgebilde, was bin ich? Geknetet mit Wasser! Wem werde ich zugerechnet, und was ist mein Können? Denn ich habe ,estanden im Gebiet der Bosheit zusammen mit Elenden in einem Los.cc Vgl. IQH 1,21 ff.
Exegese: V 7: Die Frage: tL oUv tQO'ÜJ.lEV zeigt den Beginn einer ne.uen Auseinandersetzung aufl. Gefragt wird, ob das Gesetz etwas Sündhaftes oder Sünde Bewirkendes sei, ob es im Widerspruch zu Gottes heiligem Willen stehe 10 • Eine nicht möglich, diesen .. Ichstil« dem hdlenistiach-rhetorischen Material ein- bzw. unterzuordnen. Rhetorisch generdl im eigen dieben Sinn ist Philo somn. I 176. Hier wird weder auf du penänliche noch auf das geschichtliche Moment Gewicht gdegt. 6 Daß der ganze Abschnitt Röm 7,7 fT. aus hellenistisch-christlichen Vorauucuungen verständlich wird, habenG. F. MoolE,Judaism 1,484; W.G. KOMMEL,a.a.O. 118betont.DasBcsondereunacres Abschnittes besteht in der Schilderung der Zerspaltenheit des MCDJehen. KAsEMANNR 179 spricht mit Recht von einer Breite der Variationsmöglichkeiten: verständlich wird solche Skala, sofern sich mit dem irdischen Stand außerhalb des Rcgnum Christi faktisch die Vcrfallcnheit an die Wdt und ihre Mächte verbindet. ~ R. BULTMANN, Röm 7 und die Anthropologie des Paulus, Imago dei, 1932,62. • Richtig ist die Beobach~ E. STAUFFElS in TbW 11 356: ..Aberdicsc Ocutung wird dadurch erschütten, daß bei genaucrem Zusehen der Ichstil von Röm 7 nicht der hypothetisch fiktive Paräncscnstil von 1Kor 13, IOndern mehr der historisch parad igrnatische von Gal2 ist.ce DU z"sfMlUnluit du [elt ist ,;,. K~nellnt ths MlIISduft .1IIn _ Gu,~. 'Vgl. Röm 4,1; 6,1; 7,7; 8,31. 10. Die Frage: 6 ~ iq,IaQt{a klingt venürzt; es fehlt die Kopula tat(v.
226
Der Todesweg des Menschen unter dem Gesetz
derartige Fragestellung klingt wie eine falsche Konsequenz aus Röm 7,1-6, braucht aber nicht rein rhetorisch zu seinlI. Die Abwehr J.lfl ytvot.'to (3,6.31; 6,2) entspricht dem paulinischen Stil und hat hier besonderes Gewicht. Allerdings würde der Mensch die Sünde nicht kennengelernt haben, wenn nicht das Gesetz in sein Leben getreten wäre. Das gilt sowohl für Adam als auch für den Juden schlechthin. iüJ.a ist in diesem Zusammenhang einschränkend: »zwar ist das Gesetz nicht Sünde, wohl aber offenbart es uns das Wesen der Sünde«12. fyvwv bezeichnet hier nicht ein theoretisches Kennenlernen, sondern eine konkrete Erfahrung (vgl. 2Kor 5,21: 'tOv J.lTt yv6vta). Es folgt eine Weiterführung des Gedankens (yl!Q), wobei auf den Nährboden der Sünde, nämlich auf die Begierde verwiesen wird. bn6uJ.l(a ist hier, ähnlich wie bei Philo itbovit, geradezu die Wurzel alles übels 13• Paulus setzt eine jüdische Tradition voraus, nach der Beginde, Siindt und 10d wie in der Sündenfallgeschichte (Gen 3) eng miteinander zusammenhängen. Diese Tradition findet sich auch inJak 1,15. Man erinnert sich an die Klage über das »böse Herz« bei 4Esra, an die Auslegung des Dekalogs bei Philo und an die hellenistische Paränese, die vor der Macht der »Begierde« (btL6uJ.l(a) und der »Lustc( (itbovit> wamt l4 • Das Gesetz spricht: »Du sollst nicht begehren« (oUx bn6uJ.lTJOE~) und verbietet damit nach Paulus den Akt des Begehrensschlechthin. Gemeint ist zunächst Ex 20,17; Dt 5,21 (= 10. Gebot), wobei allerdings durch das Entfernen der Objekte (z.B. Haus, Weib. Knecht, Magd) der Sinn radikalisiert wird 15. Solange das »Begehren« lediglich in einem Wunsch des Herzens besteht. ist nach rabbinischer überzeugung das Gebot Gottes noch nicht übertreten; versucht man aber, diesen Wunsch zu verwirklichen, so tritt man damit unter das Verdikt des Gebotes l6 . Paulus versteht das Gesetz als den Weg, die Begierde bzw. den »bösen Trieb« aufzudecken". Hat nach rabbinischer Auffassung das Gesetz die Aufgabe, den bösen Trieb niederzuzwingen, so ist es nach Paulus außerstande. die Begierde auch nur einzudämmen; es bringt 11 .Die hier in. AUSC ,cfaßac Folscrung ist apiter von Irrlchrnn wie Marcion mit kunachlü_ip Kühnheit gezogen wordm- (GAUOualt I 197). 'J 6U6 fühn aIao nicht in die Verteidigung da Gaetzea ein,lOIIdem gibt etwas Richtip zu (A. PALLI5, W. G. Ke .... EL). Was Sünde i.t, zeigt das Geletz. U Von der Macht der .Begierde« !pricht Philo vor allem in dec:al. 142 f[; 150; 173. '4 Die geschlechtliche Bqierde ist in den .böeen Trieb« einbezCJlm, wenn lie auch nicht Ichlechthin mit ihm gleichzusetzen ist. Auch bei Philo fanden wir die enle Verbundenheit zwiachen geachlechdichem Verlangen und u.rechten Handlungen. Er unterscheidet jedoch zwilchen dem Verlangen nach inniaer Gemeinachaft und der Lust des Körpen, die der Anfang ungerechter und UDgCletzlicher Handlungen ilt (opif. mund. 152). U V,L ähnlich Pbilo decal. 142 f[ Str-B 111 235 Ir. FA acheintlO, ala wenn Paulua die SündenfAll-Geschichte immer wieder vor Aulen hätte. Das Gebot Gotta war nicht imstande, den .böeen Trieb« zurückzuhalten oder zu entmächtip, ja, a war lOpI' die Vorauaetzung für die Erweckuna der Begierde. Und doch nimmt Paulua dem Dekalog nichl die Ehre: er ist für ihn mehr ala ein VOlkagCletz larads, und er vermag, bis ins Herz des Menschen mit seiner Machl vorzudringen. " Der Gegensatz zwilchen dem Geilt der Wahrheit und dem Geist der Verderblheit, entsprechend auch zwilchen dem gefatigten und dem lündhaften Trieb fandet lich mit beIOnderer Betontheit auch in den Schriften von Qumran (IQS 4,23-26; 5,5; Dam 2,16; IQH 5,6; 6,32; 7,13; IQ 3,9.10). V,I. Teat.Auer 1,5-9; 3,2.
'6
Röm 7,1-25
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vielmehr die Begierde zur Herrschaft.über den Menschen 18. Das Geset~ löst also im Menschen einen todhringenden Pro~eß aus. V 8: Die Wendung: Qq>OQJ.1Trv A.aJ.1ßavELv kann heißen: ))einen Anstoß bekommen, seinen Ausgangspunkt nehmen, einen Angriffspunkt finden«; wie in V 11 ist der Genitiv ÖUl Tf); h'tOA.'i\; zu diesem Partizip zu ziehen 19. Die Sünde als geistige Macht bedient sich des Gebotes und vergiftet den Menschen durch die Erweckungjeder Art der Begierde ("äon mL'Ö'uJ.1La). Der Vorgang bleibt kein einzelnes Ereignis, sondern wird zu einem dauernden Prozeß. Das Wachwerden der Begierde erstreckt sich auf jedes Gebiet (Steigerung). Auffallend bleibt die Parallelität zwischen V 8 und V 11, die sicherlich nicht zufällig ist 10 • Man denkt am besten an eine lullenistisch geforhte Interpretation der Sündenfall-Geschichte (Gen 3, 1-7). Paulus spricht weder von der Schlange noch vom Satan (2Kor 11,3), betont aber die Aktivität der Sünde (wie in Röm 5,12). Sie hat als geistige Macht satanischen Charakter, weil sie das Gebot mißbraucht. Was sich einst geschichtlich und typisch abspielte, wird bestimmend für jeden Menschen, und damit auch für denjuden Paulus. Der Jude ist eben nicht nur Mensch, sondern auch Repräsentant der Menschheit. Paulus beschreibt nicht nur ein Geschehen der Vergangenheit, sondern auch eine Regel und innere Gesetzmäßigkeit, so daß seine Auslegung der Sündenfall-Geschichte in seinem besonderen Lehrstil zum Ausdruck kommen muß. Bezeichnend ist auch der Zusatz: ))ohne das Gesetz ist die Sünde tot« (= unwirksam, kraftlos)ll. Nur dort, wo Gesetz ist, ist übertretung (Röm 4,15), und nur wo übertretung ist, gibt es im eigentlichen Sinn Schuld. Das Geset~ macht die Sünde ~ur verantwortlichen, vor dem Gericht Gottes strafbaren Handlung. Auch hier denkt Paulus rechtlich. Paulus meint also nicht, daß das Gesetz die Sünde »bewußt-« oder ))offenbarmache« oder daß die Sünde erst am Gesetz entstehe; es geht ihm vielmehr um die Herausarbeitung des Wesens der Sünde coram deo. »Erst in der 'Begegnung des Menschen mit dem Gesetz wird die Sünde als Sünde geboren« (Gaugier R 202). V 9: Wieder tritt im Ichstil eine Schilderung eines geschichtlichen Prozesses auf: einst lebte »ich« ohne das Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf (Qvt~"OEV), das »Ich« aber starb11 . Es gab im Paradies eine Zeit unmittelbaren 11 Eigenartig ist der paulinische Widerspruch gegen dic rabbinische Auffassung: der gute Trieb nimmt aus der Tora Anlaß und Kraft zu allem Guten her, der böse Trieb dagegen lehnt sich gegen die Tora auf; deshalb ist die Tora das beste von Gott gegebene Mittel, den bösen Trieb niederzuzwingen (Str-B 111 237). Für Paulus hat nur der Geist Gottes die Kraft, die den bösen Trieb niederzwingt. 19 ~ilV M1~av (neben 6&MvaL und ruQlmwv) findet sich häufig im heUenistischen Sprachgebrauch (z.B. Polyb. 111 7,5; 32,7) und ist eine beliebte Redensan. Sie heißt: »die Gelegenheit ergreifen« (~ilV Ä.a~uv), nicht "Anstoß empfangen« (BAUER WB 253; ScHLiEaR 222 ausführlich) . 20 In heiden Fällen wird die Sünde beschuldigt, die sich des Gesetzes bedient. In manchen Kommentaren sieht es so aus, als wolle Paulus das Gesetz beschuldigen, das die Begierde hervorruft. I,. Wirklichu;t kl.' Ptlllbu /IOr 1111.. dit SiUtd,,.,. (GAUGUaR I 2(0). 21 Die fehlende Kopula wird von westlichen Zeugen (GF d vulg.) durch itv ergänzt; besser wäre tm'v (Aug.). Aus Jak 2,17.26 erkennt man, daß »tot« soviel bedeutet wie »unwirksam, ohne Kraft« oder »ohne Aktivität«. Gegensatz dazu ist die Aussage 1Kor 15,56: »Die Kraft der Sünde ist das Gesetz«. 22 chta~ijv heißt hier: »aufleben« (nicht wie sonst vielfach: »wieder lebendig werden«). I n der ähe-
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Der Todeswcg des Menschen unter dem Gesetz
Lebens und Fruchtbringens (Gen 1,28 ff.); dann aber kam das Gebot, das den Gehorsam verlangte und die Strafe des Todes androhte (Gen 2,17). Damit war die Zeit der paradiesischen Freiheit beendet. Auch für den Juden gibt es eine Kindheit ohne das Gesetz und ein Alter, in dem man für die Erfüllung des vom Gesetz Gebotenen selbst verantwortlich wird (bar-mizwa). Es ist anzunehmen, daß Paulus eine ähnliche Entwicklung hier voraussetzt, wobei er den Gegensatz Leben und Tod aufsein Verhältnis zum Gesetz anwendet. Wenn er hierv6~ und MOAT) im Wechsel gebraucht, dann denkt er durchweg an das mosaische Gesetz bzw. an das in V 7 zitierte Einzelgebot (= Ex 20,17). v6~ und tvtOAT) sind letztlich theologisch gleichbedeutend13• V 10: Das Bekenntnis: •• Ich aber star~( ist die Konsequenz der Gerichtsdrohung Gottes: .)Du wirst des Todes sterben« (Gen 2,17). Gottes Gericht tötet den Menschen, auch wenn er leiblich weiter lebt. Der leibliche Tod ist nur die Vollstreckung des von Gott verhängten Urteils. Es vollzieht sich eine völlige Umkehrung: die Sünde ist tot, und der Mensch lebt - die Sünde lebt auf, und der Mensch stirbt. Das Gesetz, das die Verheißung des Lebens in sich schließt, führt den Menschen zum Tode. Für die jüdische Lehre, die lediglich im Zeichen der Freude am Gesetz steht, ist ein derartiger Satz geradezu Gotteslästerung. Für Paulus dagegen ist der Weg des Gesetzes notwendig ein Weg, der in den Tod führt, weil der Mensch an sich selbst scheitert. An seinem Ende stehen die Zerspaltenheit des Menschen und das Gericht Gottes. Das Gesetz deckt die Tiefe der menschlichen Verlorenheit (bnihJJl(a, oßQ~, 'ftava'toc;) auf, und wenn der Mensch diese Tiefe der Verlorenheit nicht an sich wahrnimmt, dann hat das Gesetz seinen eigentlichen Dienst noch nicht erfüllt. Die Tiefe der Verlormheit liegt im Menschen selbst, nicht aujJerhalb von ihm. Paulus leugnet in Röm 7 keineswegs das Geheimnis des Dämonischen und Satanischen, wohl aber legt er es mitten hinein in die geschichtliche Situation des Menschen. Er denkt an Vorgänge, die einerseits ganz subjektiv, anderseits aber allgemein gültig verstanden werden wollen. xai. EUQt6TJ gibt das Ergebnis des Prozesses an (xa( = und so, EUQt6T) = hebr. K't,)~)24. Der Dativ J,lOL kennzeichnet das Geschehen als einen persönlichen, am Menschen sich vollziehenden Vorgang. " dC; twTtV klingt verkürzt; zu ergänzen wäre o'Öoa oder ÖEÖoJ.Lt'vt125. V 11: Mit den gleichen Worten wie in V 8 wird die Sünde beschuldigt, den verderblichen Prozeß zu verursachen; offenbar soll die Wiederholung verstärken. Daß die Schlange Eva täuschte (Gen 3,13; 2Kor 11,3; ITim 2,14) oder daß die Sünde betrügt (Hebr 3,13), hängt wieder mit der Auslegung der Sündenfall-Geschichte zusammen: das einmalige Ereignis ist auch hier allgemein gültig. Wieder wird Röm ren Exegese wird cnatfrv gelegentlich im Sinn einer Rückkehr in einen früheren Zustand verstanden. Gemeint ist aber lediglich, daß die Sünde ihre Bedeutung, ihre Kraft, ihr Leben empfängt, geradezu »aufblüht«. 23 Zur Unterscheidung von ~ mit und ohne Artikd vgI. W. G. KOMMEL, a.a.O. 55. J4 Gottes Gebot verheißt das Leben; es heißt daher das »Gesetz des Lebens und der Einsicht« (Sir 45,5; PsSal14, I f.). afm) (GIUESBACH: aim) verstärkt das Subjekt: eben dies Gesetz führt mich zum Tode. 2S »Die schauerliche Erkenntnis bricht auf, daß alle menschliche Ethik, ja seIbIt das götdiche Gesetz in der gefallenen Welt die Sünde nur groB macht, ja sie erst gebiert und den Menschen tötet« (GAUGLEaIlI 204).
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7,7-25 ~UT großen AnJclagtdtrSiindt, nicht des Gtstt~tS Gottes. Sie zieht das Todesurteil Gottes nach sich, benutzt also das Gebot (ÖL' avtil~) zum Mord an den Menschen. In V 12 gibt Paulus die endgültige Antwort auf die in V 7 gestellte Frage; ÖX7tE bezeichnet hier die Folgerung, 6 J1Ev v6J1O~ schränkt ein: das Gesetz als solches, abgesehen von der Sünde oder von der Wirkung auf den Menschen. Paulus bekennt sich ausdrücklich zur Hoheit und Würde des Gesetzes, bleibt also trotz der Tragik des Menschen ebenso wie 4Esr 9,36 f. im Rahmen der alttestamentlichen Offenbarung. Das Gesetz ist heilig (äyLOI!;) , stammt von Gott und trägt die Wahrheit Gottes unmißverständlich in sich. Ja, Paulus wiederholt, sein Bekenntnis verstärkend, seine Aussage: das Gebot ist heilig, gerecht und gut (Dreiklang). Auch das einzelne Gebot, nicht nur das Gesetz als Ganzes, hat Anteil an der göttlichen Herkunft (ily(a); es ist gerecht (ÖU«1La), weil es von der Gerechtigkeit Gottes zeugt und das Zeichen dieser Gerechtigkeit unter den Menschen aufrichtet; es ist gut (ayaihl), weil es verstehen lehrt, was Gottes eigentlicher Heilswille ist: dem Menschen das Lehen zu schenken (V I0: d~ ~rofJv). Derartige Bekenntnisse zum Gesetz sind auch sonst nicht ungewöhnlich (x~ 6 v6J1o~ = Röm 7,16; ITim 1,8). VIS: Wieder setzt Paulus mit einer Frage ein: Ist nun das »Gute«, nämlich das Gesetz l6 , für den Menschen zur Ursache des Todes (zum Mittel der Verurteilung) geworden? Auch diese Fragestellung bedroht wie die frühere in V 7 die Autorität des Gesetzes. In beiden Fällen verteidigt Paulus das Gesetz, greift aber die Sünde an, die sich des Gesetzes bedient, um den Menschen zu knechten. Auf die an den Anfang gestellte Frage folgt die gleiche Abwehr J1Tt ytvOLto wie in V 7. Es war nicht Gottes Absicht, daß das Gesetz dem Menschen den Tod bringen sollte. Den Tod hat ihm vielmehr die Sünde gebracht (Anakoluth). Es sollte aber der Dienst des Gesetzes sein, daß die Sünde ihr wahres Wesen herausstellen muß (tva epavfl). Diese Absicht Gottes ist für Paulus so wichtig, daß er einen zweiten Absichtssatz anfügt: •• damit die Sünde durch den Dienst des Gebotes über die Maßen sündig würde«. xa'Ö' "1tE{)~AfJV tritt adverbial zu itJ.l
229. 37 xa&' 6It~fJv begegnet bei Paulus in IKor 12,31; 2Kor 1,8; 4,17; Gal 1,13. »o(bcq&Ev ydQ ist an sich gut bezeugt. Doch entsteht die Frage, ob unprünglieh nicht der Sing.
oI6a J&tv gemeint ist (vgl. dalSelbe Problem in I Kor 8, I ). oIba J&tv als Sing. (- sao quia) wird aufgenommen bei Hier. c.Jovin. I 37 und in den Kommentaren von eHR. v. HOFMANN, TH. ZAHN und K. BARTH. 29 M. LUTHER beruft sieh vor allem auf Aug. retract. 1,22 f.; 2,27 und c. duaa epist. Pelag. 1,~ 11; 13 ff. Auguatin hatte Röm 7,14 ff. zunächst auf den Menschen unter dem Gesetz bezogen; später dagegen hat er die unprüngliehe Deutung auadrücldich zurückgenommen und gemeint, Paulus rede
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Der Todesweg des Menschen unter dem Gesetz
setz stamme aus dem Geist Gottes, trage also die Art Gottes an sich (XVEUtw'tl.x~), weist schon auf den Konflikt mit dem Menschen hin: das Gesetz stellt sich als geistlich heraus, der Mensch dagegen ist fleischlich (XVE'Uf.Ul'tI.X~-oOQXI. v~). Dieser Gegensatz deckt den Widerstreit zwischen dem Willen Gottes und dem na türlichen Menschen auf (Röm 8,7). I n der Gegenüberstellung von Gesetz und Ich erfahrt das Ich sein Verfallensein an das Fleisch und sein Verkauftsein unter die Macht der Sündel°. Der Begriff des »Fleisches« ist offenbar einer snnilisch-hellmistischm Vorlagt entnommen und bezeichnet in diesem Zusammenhang nicht nur eine bestimmte Leiblichkeit, sondern ist auch Merkmal eines Lebens, das sich von Gott loslöst und sich gegen ihn auflehnt J1 • Wichtig ist die Beobachhier von seinem gqenwirtip Zustaad. Nach Aupatina Aualqung nennt Paulus sich ßeilchlich, weil er noch an den irdilcben Leib und seine ooncupiacmtia gebunden isL Aber der Christ möchte auch frei werden von der c:oncupilcentia, die in seinem Leibe berndll. Abnlich deutet M. LUTHD. (E. EuwEIN 269 f.): »Dieser lanze Abschnitt zeigt auldrücldich ein Seu&en und einen Haß wider du Fleisch an und Liebe zum Guten und zum Gesetz. Du triffi aber bei einem fleischlichen Menac:hen in keiner Weise zu. Dieser haßt vidmehr du Gesetz, spollet darüber und folgt dem Fleische, seinen Neigungen nachgebend. Der geistliche Mensch nämlich kimpft mit dem Fleiac:h und seufZt, daß er nicht so kann, wie er will. Der Fleiscbliche aber kimpft pr nicht, sondern gibt nach und willigt ein.« Zum Problem vgl. A. F. N. LEKKEIlKEIlKER, Röm 7 und Röm 9 bei Augustin, 1942; W. G. KOMMEL, Röm 7 und die Bekehruns des Paulus, 1929, 90 ff.; E. DINKLU, Die Anthropologie AugusUns, 1934. Du groIk Recht der augustiniscb-rd'ormatorischen Auslegung besteht in der Erkenntnis, daß letz dich nur der Christ zu einer derartig radikalen Aussage über den Menschen kommen kann; jeder nichtchrisdiche Standpunkt muß DOtwendig ablchwäc:hen. Außerdem steht auch die christliche Existenz unter dem Bekenntnis von Röm 7,18: »denn ich weiß, daß in mir, du heißt in meinem Fleisch, nicht du Gute wohnt«. Die exegetische Frage, ob nur der geisdiche Mensch als solcher den Widentnit voo Röm 7,14 ff. erkennen kum, ist damit allerdinp noch nicht entschieden. 30 Das Bild des 11 y"k4Iiftstins" findet sich schon im Alten Testament (verkauft - hingegeben: Dt 32,30; I Kön 2I,20.25;Jes 50,1; I Milll,15). ScHulTER, Gerechtipeit240 legt besonderes Gewicht aufdie präpositionale Wendung: »tI1IIn die Sünde verkauft«. »Denn die Versetzuns des Menac:hen in die Unfreiheit geschieht nichtent inncrhalbder Lebensgeschichte dereinzdnen durch ihren eigenen Sündenfall,sondern geschah schon durch jenes götdiche Uneil, du aus der Menschheit die Gemeinschaft von Sündern gemacht hat. Darum entsteht sie durch den Leib, den alle baben«. Auch ZnR. 351 betont: »Nicht willenlOl, aber machdOl ist der Mensch, wie er von GdJun ist, der Sünde untCl'WOl'fen«. qm von 7,14 meint den Menschen »im Schatten Adams« (E. KAsEMANN, H. ScHLIER). Du U rteil über Sünde und Flrisch ist nur vom Geist Gones aus möglich. Man achte auf die jetzt einsetzenden PrisnuIllUStIl"', die du Präteritum ablöeen. JI Zum BegrifI'des "FllisUw" vgI. LtzmR. 75: .. Man hat nun die Wahl, entweder Paulus zum selbständigen Schöpfer dieser Lehre auf al lIestamendicher Grundlage zu machen, oder den Umstand zu berücksichtigen, daß ein Zeitgenosse des Apoetds, der gleichfalls wie er hellenistischerjude war, die gleiche schon lange existierende Lehre vertritt. Hält man du Letztere rur methodisch richtiger, so wird man sagen, Paulus habe sie ebenso wie Pbilo aus der ihn umgebenden hellenistitcben Atmosphäre übernommen«. Neuerdings muß man vor allem auf den Sprachgebrauch der s,~ verweisen (11,7-10: -Gemeinschaft des Fleisches der Boeheit«). »Der Gläubige gehön alao zu beidem: indern er Mensch ist, d.h. inIofern er sündigt, ist er Fleisch der Sünde; insofern er Erwählter Gottes ist (baft des gemäß Prädestination in ihm wohnenden und lein rechtes Tun bestimmenden Geistes der Wahrheit), gehört er zur ewigen Gemeinschaft, zum Heerlager der Heiligen und stmt damit im Kampfgegen die Gemeinschaft des Trugs, die Gemeinde der Nichtsnutzigkeit« (K. G. KUHN, ZThK 1952, 211). In der Gegenwart poINliert E. BRANDENBuaGu, Fleisch und Geist. Paulus und die dualistische Weisheit, 1968, die Traditionen der dualistischen Weisheit und ihrer wdtansdtaulichen Hintergründe (Apokalyptik, Mystik). Dabei setzt er sich mit den verschiedenen Ansätzen (z.B. E. ScHWEl. ZEll, E. KAsEMANN) auseinander. Tatsache ist der weisheitliche Stil und Hintergrund der Antike, doch bleibt leine Konstruktion fraRlich.
Röm 7,1-25
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tung, daß Paulus von V /4 ab im Präsens, nicht mehr in Präterita redet (ZnR 351). Vertritt man das Recht der reformatorischen Auslegung, dann könnte man zur Vermutung kommen, Paulus unterscheide zwischen Wollen und Ausführen: der Wille zum Guten ist bei dem Glaubenden vorhanden, aber die Möglichkeit zur Ausführung fehh 32 • Worin dies •• Verkauftsein unter die Sünde« besteht, wird in V 15 f.beschrieben. Offenbar fallen das xatEQYcltEoihlL(V 15.17 . 18.20)und das yt.VWoxELV auseinander. Für xauQ'Yclt;E06aL kann auch 3tOLEiv bzw. 3tQclOOELV eintreten. YLvWoxELV kann heißen: a) ••erkennen, verstehen«, b) •• anerkennen, billigen«, c) .)als eigen annehmen, innere Gemeinschaft mit etwas haben«33. Es entsteht ein Zwiespalt zwischen dem Ich, das das Gute willbzw. dem Gesetz zustimmt, und dem Ich, das von der Sünde überwältigt ist und das vollzieht, was dem eigentlichen Willen entgegengesetzt ist. Was der Mensch unter dem Gesetz tut, versteht er nicht,ja, will er auch nicht; im Gegenteil, was der Mensch unter dem Gesetz tut, verabscheut er selbst (!!LOro). Aber selbst in diesem objektiven Zwiespalt zwischen Wollen und Vollbringen liegt das Eingeständnis, daß das Gesetz gut ist. In der hellenistischen Diatribe sind ähnliche Anarysen nicht ungewöhnlich, doch spricht Paulus hier nicht von einer psychologisch verstandenen Notlage (z.B. Ovid metam. 7,19 ff.), sondern von einem die ganze Existenz des Menschen durchziehenden Widerstreit zwischen dem, was der Mensch in übereinstimmung mit dem Gesetz will, und dem, was er, beherrscht durch die Sünde, konkret vollzieht 34 • Vielleicht dürfen wir im Anschluß an die Funde aus Qumran (I QS) noch stärker herausarbeiten, daß es Paulus letztlich um den Kampf gegen die Sünde geht (Röm 6,12 ff.). Der Mensch unter dem Gesetz ist nicht mehr in der Lage, diesen Kampfin rechter Weise durchzuführen 3s • Durch den Sündenfall ist 32 ZnR 351 weist daraufhin, daß von V 14 an das Präsnu an die Stelle der vorangehenden Prätma tritt ... Es erscheint daher die Annahme, daß er sich V 14 in eine längst abgelaufene Vergangenheit zwück versetze, ebenso unstatthaft als die andere, daß er sich in die Rolle eines anderen Individuums
oder einer Klasse von Menschen, zu der er sdbst nicht gehön, versetze und aus dieser beraus rede«. Vgl. 1QS 11,90: J3 Beliebt ist die Obenetzung: ..das billige ich nicht« (Aug., Erasmus, Beu). Str-B 111 238 deutet: .. innere Gemeinschaft mit etwas haben«. R. BULTMANN venteht: ItDer Mensch weiß nicht, daß sein Dienst unter dem Gesetz in den Tod ruhn«. Zum Widerstreit ()Ilischm WoUm l1li4 Tun vgl. Epict. diss. 11 26,1.4. Daß ein WidenlJ'eit zwischen dem Wollen und Begehren, zwischen der Einsicht und dem Handeln, zwischen der Vernunft und den Leidenschaften entstehen kann, weiß man auch sonst in der späten Antike. Es fehlt auch nicht an Beschreibungen der Niederlage (Ovid metam. 7,19 ff.; Plut. de virt. mort. 6). 34 Vgl. die Ausführung über ,uQUtattiv und ÖQt.iäv in Epict. diss. IV 1,72. 35 Es geht nicht so sehr um die Beschreibung einer anthropologischen Not, wie sie sich auch in den hellenistischen Dantellungen fmdet, als vidmehr um die Erfahrung, die der Mensch notwendig am Gesetz machen muß. Gott muß den Menschen in den Abgrund der Selbsterkenntnis führen, um ihm die Bedeutung des Evangeliums klarzumachen. Auch d4s Judmtvm Nu scho" tJiuen Ab".,wJ gesehen, ist ihm ab" immer wild" tIIUI,wic""'. Röm 7,7-25 ist keineswegs ein Anhang zu Röm 2,17-29, sondern die längst erwartete und vorbereitete Antwort auf die Frage: Welchen Dienst tut das Gesetz? Auch der Christ wird durch die Botschaft in die Auseinandenetzung zwischen Geist und Fleisch hincingestdlt (Gal5, 16-18) ,ja, er muß durch die Tiefe der Geaetzeaerkenntnis und der Selbsterkenntnis hindurchgehen, um das Evangdium in seiner Größe zu verstehen. Die Auseinandenetzung zwischen Geist und Fleisch steht jedoch unter einer anderen Voraussetzung und unter einem anderen Zid als der Zwiespalt zwischen Gesetz und Fleisch in Röm 7,7-25. Die Frage, ob Paulus über das Bekenntnis
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Der Todeswcg des Menschen unter dem Gesetz
er an das Fleisch, an die Sünde und den Tod so gebunden, daß er in sich selbst zerspalten ist 36 • Das ))Ichcc steht einerseits auf Seiten des Gesetzes, ist aber anderseits unter die Sünde verkauft. Ein zerspaltener Mensch kann nur fragen und klagen, aber nicht mehr den Kampfum die Gerechtigkeit Gottes kämpfen. Das WoUen des Menschen ist aufden Verstand (voü;) und auf das Gesetz (V0f.lo;) ausgerichtet, das Tun dagegen durch die Herrschaft der Sünde bestimmt. Die Sünde wird durch das Begehren, das eng mit dem ))Fleischcc zusammenhängt, hervorgerufen. oUf.lCPTIf.lL 'tcp vOf.lCP bzw. ouviJboJ.laL 'tcp vÖfUp wird gewöhnlich als die Zustimmung zur konkreten Forderung des Gesetzes verstanden 3'. In der Tatsache, daß mein Handeln im Widerstreit zu meinem Wollen, mein der Sünde unterworfenes Ich im Kampf gegen mein dem Gesetz zustimmendes Ich steht, liegt ein Zeugnis für den von Gott verordneten Dienst des Gesetzes. V 17: Der Mensch, der unter die Sünde verkauft ist, wird jetzt als von der Sünde besessen beschrieben. Die Umkehrung des Gedankens fällt auf: Nicht der Mensch tut die Sünde, sondern die Sünde handelt anstelle des Menschen und tut das, was er nicht will. tvOLxEiv geht auf einen alten Sprachgebrauch zurück (vgl. Röm 8,11; 2Kor 6,16); dies )) Wohnencc wird zu einem Bild für die Herrschaft über den Menschen 38• Paulus will nicht den Sünder entlasten, wenn er von der Herrschaft der Sünde über den Menschen spricht: es geht auch jetzt um die Sünde gerade dieses Menschen. Ihm liegt nichts an einer ))Gesinnungsethik«, sondern alles hängt für ihn an der Tat (GauglerR 1219). DtTjüdis,he Hintngnmd dUstT confessio wird deutlich sichtbar. V 18: In einer neuen Gedankengruppe stellt Paulus heraus, daß der Mensch nicht nur unter der Herrschaft der Sünde steht, sondern auch von der Verlorenheit dieser Situation weiß. Damit kommt die confessio des Paulus zu einem bestimmten Höhepunkt. Wäre der Mensch unwissend, lediglich ))bösecc, so wäre die Situation nicht 80 verzweifelt wie jetzt, da er weiß, daß er seinem Feind ausgeliefert ist. 'toVt' fO'tLV kann hier nur Erklärung, nicht Abschwächung sein. aciQl; Röm 7,7-25 hinaUlfiihrm will, ist unabbängigvon der anderen, ob nichtjederChriat durch du Bekenntnis Röm 7,7-25 hindurdJcehen muß, um zu ventehen, WAl die Erlösung durchJesua Chriatua bedeuteL IN 8rcAJuru CItrisIat IIIU ,udIIIabt Grt.ü , ...... 8rcA _ B""lltis Ritrt 7,7-251Ut41nA. ,,;, dIr a i.bt PlriIi. KAaENANNR 188 unterscheidet zwischen der unprünglichen BekunduDg des Gotteswillena (- Intention) und den Wirkungen der faktiachen Tora (- Folgen). Ihm ist wichtis, daß die Wirklichkeit der Sünde als Rebellion gegen Gott sich dem Urteil des natürlichen MenKhen entzieht. J6 Zur Not desJudentuma unter dem Ge.etz vgl. 4Ear 7,21 fF. 48 0: 42 0: 118 fF.; IQS 11,9 ff'. Der Glaubende achIie8t.ieh in du SdUcbal der puzen Menachheit ein. 17 Nach R. BVLTWANN, Röm 7 und die Anthropolqpe dea Paulus, 1932,60 ist Objekt dea Oflav die und Raultat des KO&dv baw. q600uv ist der t6va~.•AlIeS Tun ist von vorne herein sqm aeine eigme und eigentliche Intention gaicbtet« (R. BVLTMANN, a ... O. 61). In diesem Fall iat ~ 1IP v6tuP ab die Bejahq der Grundintention des Gesetzes, zum Leben zu führen, ventanden. Die Kommentare von E. KAsEMANN und H. ScJn.IER nehmen diesen Gnmdan.tz R. BULT.
tmtt.
MANNSaw. JI Eineganu Reihe von Wendungen finden.ich bei Pauluanurin Röm 7,7-25,z.B. ~Aa lkiv (Röm 7,8.11); dvatfrv (Röm 7,9); 06lMP'1f1l (Röm 7,16); MQCixeL'tQ( f.IO' (Röm 7,18.21); awft6ea8m (Röm 7,22); ~r6fG8GL (Röm 7,23); ~ (Röm 7,24). Stil und Sprache unaerea Ablc:hnittes bleiben abo eigmartis.
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bezeichnet das begehrende, sich dem Gebot Gottes entziehende Menschsein. »Gutes« ist in diesem Zusammenhang Gegensatz zur »Sünde«, die im Menschen wohnt; der Wille zum Guten ist da, aber die Kraft zur Durchführung fehlt. Das Gesetz ~gnügt sich nicht mit dem Willen zum Guten, sondern es verlangt seine Ausführung. Statt des einfachen 0'Ü als Abschluß des Satzes finden sich die beiden LA: oUx eUQ(<JX(O (DG'Jt) und oU YLv6xn«o (Min.). V 19 klingt ähnlich wie V 15, während V 20 an den Gedanken von V 17 anschließt. Für unseren Abschnitt ist die hier gezogene Schlußfolgerung entscheidend: die Sünde besitzt die beherrschende Macht. V 21: Darum muß der Mensch erkennen, daß dem Gesetz Gottes eine andere Gesetzmäßigkeit, ein »Zwang« gegenübersteht, auf Grund dessen das Böse zustande kommt. eUQ(oxoo bezeichnet hier die logische Feststellung; v6,,0~ ist im uneigentlichen, bildhaften Sinn gebraucht. Der Dativ 't<{> atMwtL 4«>( weist schon auf den Dativ des folgenden Ö'tL-Satzes hin, um ihn besonders herauszustellen. Die Gesetzmäßigkeit besteht darin, daß (Ö'n) das Schlechte zustande kommt, obwohl der MenSch das Gute tun will 39• V 22: Wieder verschiebt sich der Gedanke: statt des gespaltenen »Ich« treten nun zwei Gegensatzpaare auf. Dem Gesetz Gottes steht das Zwangsgesetz der Sünde gegenüber; ganz entsprechend tritt dem )inneren Menschen« (6looo ltv6Qom;o~) bzw. der Vernunft (VOÜs) das Gesetz in den Gliedern gegenüber. Wir haben es weder mit psychologischen noch mit metaphysischen Kategorien zu tun, sondern mit einer Beschreibung eines theologischen Sachverhaltes, der am Gesetz Gottes entsteht. Der Zwiespalt im Menschen vollzieht sich in der Begegnung mit dem Gestl~:40 Einerseits ist es ein stets aufs neue ergehender Ruf Gottes, der als solcher auch dann sein Recht anmeldet, wenn er aufden Neuen Bund übergeht: der Anspruch Gottes auf den Menschen bleibt erhalten (Röm 3,27; 8,2). Als Gottes Anspruch im mosaischen Bund tritt das Gesetz fordernd und richtend dem Menschen gegenüber (Röm 2,12-14) analog dem ins Herz geschriebenen Wort an die Heiden (2,15). Anderseits trägt es das verurteilende Gottesurteil in sich, das Unheil über den Menschen verhängt (Gen 3,19; 6,3). Es verschärft dann die Sündenherrschaft und gehört in den Bereich des Todes (7,9.10). Das »Begehren« des Men39 Nach R. BULTMANN, a.a.O. 61 ist die ~ das Gute von V 19.21, während umgekehn der Tod du Böse von V 19.21 ist. EbeDJoE. FUCHS, Freiheit dea Glaubens, 1949,74. R. BULTMANNgeht von der Vorauuetzung aus, daß Paulus nicht die Gesetzesübertretungen, IOndern den Geaetzeaeifer des Juden als den eigendichen Grundfehler aufdecken will. Du Gaetz verbeißt dem Menschen das Leben. Will aber der Mensch durch den Gehonam sqm du Gesetz sein Leben gewinnen und sichem, dann verfehlt er seine eigene Existenz. Der Widel'ltreit zwilchen dem wollenden und handelnden Ich ist nach R. BULnuNN nicht der zwiachen dem geiatigm und dem naturhaften menachlichen Sein, sondern die Schilderung der objektiven Tatsache, daß der Mensch um aeine Eigentlichkeit weiß. sie aber in seinem Handeln ständig verfehlt. ·W. G. KVNNEL, a.a.O. 136: .voiJ~ und ~ sind also denelbe MenlCh in venchicdener Hinsicht, als wollendes und handelndes Wesen gesehen. Es ist also nicht so, daß JCler Mensch aus zwei Teilen bestellte (LtzmR 71 ),sondern er ist als Mensch ~ und voiJ~, und dieaer~ bat bier die Fähigkeit, dem Gesetze Gottes zuzustimmen. Ein und derselbe Mensch ist es also, der du Gesetz ausführen will und nicht kann. ~ und ~ sind einander gegenübeflelteUt. ,aber nicht alt zwei Teile. die zusammen ein Ganzes bilden, sondern 10, daß du ly(O lOWohl durch du Eine wie zugleich durch du Andere charaltteriaien iate (R. BULTMAN'N, ThLZ 1927,36).«
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Der Todeaweg des Menachen unter dem Gesetz
schen ist verderblich: der Mensch ist Fleisch. Daß Paulus von zwei Gesetzen in 7,23 redet, hängt mit der Spannung in seinem Gesetzesbegriff zusammen. Schwierig sind die entsprechenden anthropologischen Begriffe, z.B. »Fltis,h«. Einerseits beschreibt »Fleisch« die irdische Existenzweise des Menschen ohne Abwertung, allerdings unter eschatologischem Vorbehalt (z.B. Röm 1,3; 4,1), anderseits steht )) Fleisch« als Zusammenfassung alles Menschseins unter dem Gerichtsuneil Goues (Röm 3,20; GaI2,16). Entscheidend am Fleischverständnis wird dann, wie das Alte Testament weiß, der Widerstand des Menschen gegen die Strafgewalt Gottes (Gen 6,3;Jes 31,3). Für Paulus ist die Wendung »alles Fleisch« in Röm 3,20; Gal 2,16 von Wichtigkeit: sie beschreibt den Zustand der Menschheit unter dem Gerichtsuneil Gottes (vgl. seine Zitierong von Ps 143,2!). Verwandt ist in Qumran IQH 9,14 8".: »Keiner ist geredu nach deinem Unei1 und unschuldig in deinem Gericht. (vgl. auch 12,31 f.). Das Gerichtsuneil Gottes voUzieht sich nach Paulus am Kreuz Jesu Christi, wo die Verkehnheit der ganzen Menschheit seit Adam aufgedeckt wird (Röm 7,7-25). »Fleisch« ist vor allem der Widerstand des Menschen gegen die Strafgewalt Goues (Gen 6,3.12). Die Obenretung der Gebote geht auf die Verkehnheit des Willens zurück. Das eigentliche Wesen des Menschen ist nicht der Logos, die Vernunft, der Geist im Unterschied von der Materie. Menschsein ist immer verstanden als ein bestimmtes Trachten-nach, aIa ein WoUen (G. v. Rad, R. Buhmann). Der verkehrte jüdische Wille äußert .ich auch im Widerstand gegen das Evangelium und die missionarische Verkündigung (IThess 2,14-16). Das »jüdische Fleisch«, mit dem Paulus sich auseinandersetzt, darf weder aus dem Gegensatz Geist-Materie noch aus dem hellenistischen Gegensatz Fl~Weisheit verstanden werden.
Schwierig wird die Aufnahme des Begriffes »innern Mensch« (Röm 7,22), später bestätigt von dem )~esetz der Vernunft« (V 23). Die Ausdrucksweise erinnert an das hellenistisch-philosophische Denken41 • Der Gedankengang verschiebt sich: Das Gesetz Gottes erfährt Zustimmung (7,16), ja Freude nach dem ))inneren Menschen«. Es steht aber dem Gesetz, das als Gerichtsurteil Gottes sich auswirkt, gegenüber. Der Ausdruck ).innerer Menschcc begegnet ausdrücklich in 2Kor 4,6; Eph 3,16 und meint dort den gegenwärtig verborgenen Christenstand. In Röm 7,22 denkt Paulus an den frommenJ uden, der in dem Schuldbekenntnis
das Recht Goues ausdrücklich bestätigt, aber gleichzeitig die Macht der Sünde offenbar macht. Der Psalmist weiß etwas von der Spannung zwischen dem Recht Gottes und der Macht der Sünde, die nach dem Won des Paulus eine Spannung zwischen zwei Gesetzen ist (7,23). Wir fragen nach dem frommen Menschen, der sich über das Gesetz Gottes freut, aber unter einem anderen Gesetz steht, das ihm Not macht. Man könnte an Ps 32 und 51 denken, die beide auf die Sünde und Buße Davids bezogen wurden; beide Psalmen werden zudem von Paulus selbst zitien (Ps 51,6 Röm 3,4; Ps32,1 Röm4,7 f.). Seide Psalmen wissen von der Auswirkung der Sünde auf den ganzen Lebensstand: Ps 51,7 klagt: »Ich
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.1 Der BegriJr.innerer MClllch. hat einejüdiache, griechische und bdlenistische Vorgeachichte (Plato, PhiJo). Bei PaulUi wird sie in 2Kor4, 16 und Röm 7,22 verwandt, ohne da.8lie mythologiscbe oder religiöse Züge häue; ebenlo vonichtig ist auch der pauliniache Sprachgebrauch von ~ (anden z.B. Pbilo de congr. 97). Zum Ganzen vgL E. BIANDENIUaGU, Fleisch und Geist. Paulul und die dualiatiac:hr Weisbeit, 1968, 155 W.; KAsEMANNR 198. Die ZUitimmung zum Willen Gouea wird dem .inneren Menschen- nicht abgezwungen, Ion dem erblgt freiwillig. Paulul denkt an den frommen Menschen, der dal Ziel nicht erreicht. • /JfItIft1 MtllSCII. ruttI GauisSIJI"*", sidI fIidu (KAsEMANNR 199). Vgl. H. P. RUGE&, HieronymUl, die Rabbinen und PaulUl, ZNW 1977, 132-137.
Röm 7,1-25
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bin ja in Schuld geboren, und meine Mutter hat mich sündhaft empfangen.c( Ps 32,4 bekennt: •• Denn am Tag und bei Nacht lag schwer auf mir deine Hand: mein Mark war vertrocknet wie in Sommergluten.cc Das Gerichtsurteil Gottes liegt schwer auf dem hebräischen Frommen. Das Verfallensein des Menschen an die Sünde als kollektive Macht (Gen 8,21; Hi 14,4; 15,14) ist dem Frommen einsichtig - es drückt ihn tiefin den Staub. Der Fromme steht unter dem fordernden und richtenden Gebot Gottes, aber gleichzeitig unter dem Gerichtsurteil, das ihn auf einen Todesweg schickt.
Der ninnere Menschc< von Röm 7,22 ist der wahre Fromme Israels, der Einsicht in das Gebot Gottes hat und es von ganzem Herzen bejaht, aber gleichzeitig die Erfahrung der allgemeinen Sündhaftigkeit des Menschen, der Verfallenheit der Menschheit unmittelbar und immer wieder empfängt. Er weiß um die innere Spannung, daß Israel den Bund Gottes halten soll, aber gleichzeitig Sühne und Opfer nötig hat, um seine Unreinheit zu tilgen (Ex 19,5 f.; Lev 16). Diese Spannung wird zum Kampf,ja zur Niederlage, auch wenn man an das Verhältnis zum Heidentum denkt: Israel ist Bundesvolk, wird aber immer wieder an das Heidentum preisgegeben. Israel ist beides: erwiihlt und preisgegeben. VOÜ~
ist in 7,23 die Einsicht und das Urteilsvermögen, das sich durchaus aufdie Seite Gottes schlagen kann. Das .)Gesetz in den Gliedern« erinnert an das Verhaftetsein an ein leibliches und persönliches Geschehen, das stärker ist als die Einsicht. Diese Not des Frommen bezieht sich auf Geschichte, auf Einzelschicksal und Gesamtschicksal. Auch der Apostel ist in diese Geschichte einbezogen. Der Gegensatz bricht in der eschatologischen Entscheidung in der Geschichte der Menschheit auf. Paulus unterscheidet durchaus zwischen dem ))Gesetz meiner Vernunft(c und dem ))Gesetz des Geistes des Lebenscc (Röm 8,2). Im Unterschied von 2Kor4,6; Eph 3,16 ist in Röm 7,22 nicht vom Christusgeschehendie Rede; wohl aber verrät die Zustimmung bzw. die Freude am Gesetz (7,16.22) eine bestimmte Situation, die nicht allgemein ist. Käsemann R 201 betont, daß nicht bloß das Geschöpf nach seinem fall immer wieder aufseine Grenzen stößt, sondern daß gerade der Fromme schei tert und daß der Weg unter der Tora ihn wie Adam verblendet und der Sünde preisgibt. Die Rede vom ))inneren Menschen« soll in diesem Zusammenhang nur andeuten, daß das himmlische Wesen in dieser Weh und Leiblichkeit nur verborgen angefangen hat und der Vollendung bedarf. Barren R ISO betont die Wichtigkeit der Eschatologie: fOO) 6~2t~ ist mit dem f;yro und VOÜ~ identisch (V 23.25). Die Vernunft vermag eine reine Frömmigkeit zu erfassen, in der das ganze Leben der Schöpfung gemäß geordnet ist. In dem Bund mit Gott erkennt der Mensch auch sein Verpflichtetsein Gott gegenüber an. Aber damit ist nicht die tatsächliche Frömmigkeit des Judentums getroffen. Die Sünde hat vielmehr Besitz vom Gesetz ergriffen und macht aus dem Gesetz etwas anderes als das, was ursprünglich gemeint war. Dies Zerrbild des Gesetzes ist Ausdruck der Sündenherrschaft. Paul S. Minear gibt in seiner Studie ))Tbe obedience offaith« 1971 einen eigenen Beitrag zum Lehrstoff von Röm 7. Nach ihm geht es Paulus um eine bestimmte Sünde, nämlich um die Verurteilung der Brüder in der Gemeinde (8,1; 14,4). Mit dieser Ver.urteilung will man sich seinen eigenen Gehorsam gegen das Gesetz bestätigen. Die Freude der Judenchristen am Gesetz ist aber in Wirklichkeit ein sklavisches Gebundensein an das Gesetz der Sünde. Paulus will nicht, daß das Gesetz Gottes dazu dient, Werkzeug für die Verurteilung der Brüder zu werden. Nicht das Gesetz Gottes, sondern das Gesetz der Sünde und des Todes nötigt dazu, den Bruder zu verurteilen. Es hat aber die Macht, in jedem Augenblick den Beurteiler selbst zu treffen. Gesetz Gottes und Legalität, d.h. Gesetzlichkeit sind voneinander zu trennen.
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Der Todesweg des Menschen unter dem Gesetz
Im Gespräch mit der gegenwärtigen Exegese ergeben sich bestimmte Fragestellungen. I. Will Paulus in 7.21-24 über den Bereich der Tora hinausgehen und sagen, daß es allgemein eine Geschöpflichkeit gibt, die zwar nach dem Willen Gottes fragt, aber letztlich in Ohnmacht und Gefangenschaft unter die Mächte der Welt endet? (Käscmann R 201). 2. Darfman unterscheiden zwischen »heiligem Geist« und der ))Zwiespältigkeit der Religion« (BarrcttR 152 ()? Gehört das Gesetz in den Bereich der Religion, die es hier auf Erden mit der menschlichen Existenz zu tun hat? WoUen christliche Einsichten des Paulus die Erfahrung des Menschen im Bereich der Religion zum Ausdruck bringen? 3. Inwieweit spricht Paulus in Röm 7Judenchristen bzw. ehemalige Proselyten, die unter dem Gesetz bleiben woUen, an? Paulus will doch wohl nicht eine neue hellenistische Theorie bringen, sondern durch Begriffe wie ))Fleisch« und Widerstreit zweier Gesetze die christliche Existenz ausschließlich auf die Gabe und die Macht des Geistes Gottes gründen. Drei Awsagm sind notwendig: I. Es geht Paulus um Recht und Grenze des mosaischen Gesetzes, das selbst in den Bereich der Offenbarung Gottes gehört. Das mosaische Gesetz steht im Kampf mi t anderen Gesetzen, die es in Frage stellen. 2. Für dasjudesein gilt grundsätzlich, daß es auch in das adamitische Schicksal hinein verflochten ist. Das Judesein ist ebenfalls in Gesetz (= Gottesurteil), Sünde (= übertretung des Gebotes) und Strafe (= Todesverhängnis) hineingegeben. 3. Paulus hält aber auch hier das Besondere desJ udeseins fest und läßt es nicht einfach in einem allgemeinen Menschsein aufgehen. Menschen, die dem Gesetz zustimmen (7,16), sich mit dem Gesetz Gottes freuen (7,22), finden sich gerade im Bereich der jüdischen Geschichte. Paulus selbst ist kein )Abtrünniger((, sondern steht im Bereich der jüdischen Geschichte, sonst wäre sein Gespräch über das Judesein in dieser Form nicht möglich (Röm 9,1-5; 1O,1-2). Dasjudentum ist noch nicht durch eine welthafte Argumentation in Frage gestellt, sondern das Christsein vollzieht sich als eschatologischer Prozeß im Anspruch an das Judenturn und Heidentum. Gewiß ist dieser eschatologische Prozeß eine Scheidung, aber er ist noch nicht abgeschlossen. Das ))Menschsein« ist auch nicht ideologisch fixiert (etwa im Sinn von Eigentlichkeit und Gegenständlichkeit des Existierens), sondern vollzieht sich als Umbruch in einem neuen geschichtlichen Werden. Vielleicht ist es möglich, unter Voraussetzung der gesch~chtlichen Situation, in der Paulus steht, die überlieferte ReilzmJolge: V 24.25; 8,1.2.3 aufrechtzuerhalten. Nur dann, wenn dieser Versuch mißlingt, dann ergeben sich andere Möglichkeiten, den Zusammenhang wieder herzustellen: entweder rechnet man in 7,25b mit einer Glosse (R. Bultmann, E. Käsemann) oder versucht, die Verse umzustellen (Fr. Müller, ZNW 40, 1941, 249-254: V 23.25b.24.25a). Der folgende Aufbau ist so zu verstehen, daß die urmythisclu Geschichte (Gm 3) die Existenz des Mmschseins erhellt, daß in Paulus das Christsein, das Judesein und das Mmschsein zusammenlaufen, aber auch sich differenzieren, daß ferner Geschichte (Kollektivdenken) und persönliches Geschehen (Individualdenken) sich nicht widersprechen. 7,24 als Klagerufist eine Zusammenfassung des Unheils, unter dem die ganze Menschheit steht; 7,25a ist die Antwort, die dem Christen als Danksagung gegeben ist; 7,25b ist zusammenfassende Form der alten Weltzeit, die als Antwort ei-
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nes jüdischen Frommen gedacht ist. 8, I schließt dann als entscheidender Grundsatz an, der als Appell an den Juden bzw. an den Judenchristen in 8,2 gerichtet ist. DtT Zusammenhang von 7,24 ff. ist also dialogisch und klar durchgefrihrt. Die Frage, wie Paulus dasjudesein versteht, wird beantwortet durch die Frage, wie tT selbst sein Judesein VtTstdrt. V 24: Wie ein Gebetsschrei klingt die anschließende Frage: »)ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich erretten aus diesem Todesleibe?« Man wird in der o berse tz ung darauf achten müssen, ob man aufden »Leib dieses T odescc (= dieses geschilderten Todes) oder auf die einheitliche Verbindung: »aus diesem Todesleibecc Wert legen SOU 42 • Sowohl im Judentum (Str-B III 239 f.; Jos. u. As. 6,2) als auch im Hellenismus (Hennetik: Kore Kosmou 34-37) finden sich Parallelen zu diesem Klageruf; vor allem der empfundene Widerspruch zwischen dem bösen Trieb und dem Schöpfer dürfte hier im Zusammenhang von V 23-25 von Gewicht sein. Der »böse Trie~c dürfte mit dem Gesetz der Sünde, das sich in den Gliedern auswirkt, identisch sein. Mit dem Klagerufverbindet sich der Gebetswunsch (Ps 14,7; 53,7). Das Bild des Gefangenen legt sich nahe: der Mensch ist an diesen Todesleib gebunden; darin liegt seine Verlorenheit und Verzweiflung. Findet sich ein Retter (QUEa6aL wie Röm 11,26)? Das Element des »Rettenscc dürfte hier messianische Färbung haben. Christ undjude sind imstande, die Frage nach dem Messianischen zu stellen. 43 Mit der Frage nach dem Gesetz ist für das Christsein das Bekenntnis zur eschatologischen Freiheit, für das Judentum das Beharren in der Unerlöstheit dieser Weltzeit gegeben. Paulus hat als Christ das Verständnis aufgebracht, warum der Jude aufder U nerlösthei t in dieser Wel tzei t besteht,ja sogar dies Beharren aufUnerlöstheit in die Diskussion aufgenommen (V 25). Der Todesleib ist der dem Begehren und der Sünde ausgesetzte Leib; das Kreuz ist der ständige Ruf, über diesen Todesleib hinaus zu glauben, zu hoffen und zu handeln. Jedes Gebundensein an das Gesetz denkt im Rahmen der alten Weltzeit. Das Sprechen von der leiblichen Seite der menschlichen Existenz beschreibt nicht einen ei71(.elnm Gesichtspunkt innerhalb der paulinischen Anthropologie, sondern dasg~e Dasein in dieser irdischen Welt.teit. Damit drängt die Fragestellung über die Danksagung (V 25a) hinaus auf die zukünftige Erlösung des Leibes (Röm 8,18 fT.): sie ist in der Danksagung eingeschlossen. 42 ~ = zerschlagen, unglückJich, elend. Zum Klagerufvgl. 4ur 7,116 &:; die Diakussion in Esr 13b und Ear 16a; IQH 2,6 f.;JosAs 6,2 &:: hermetischer Traktat x6Qr) xOcJtwu § 34-37. Vgl. dazu KAsEMANNR 198. ~rotaa. kann auf Gott sdbat oder auf den Mesaiu bezogen werden ( I Theu 1,10; Röm 11,26). EI ist möglich, in V 24 den Klageru~ in V 25a den alllchließenden Dank (EuIogie) zu sehen, V 25b dann an V 24 anzuschließen. In der Gcgenwan rechnet man weithin mit einer Glosse in V 25b (R. BULTNANN). Doch ist da1nit die exegetische Gesamtsituation nicht geklärt. Man kann in der Exegese drei verschiedene Möglichkeiten unterscheiden: a) au8erchristliche (vor allemjüdische) Existenz unter der Tora und chriatliche Existenz. Damit ist die Spannung zwischen altem und neuem Äon gegeben; b) Spannung innerhalb der christlichen Existenz (zwischen dem Hängen am eigenen Ich und der Auslieferung an Christus); c) judenchriatliche Schwäche unter dem Gesetz und Leben aus dem Geist Gottes nach dem Bruch mit dem Gesetz. 43 Es iat die Aufgabe desJudentuma und des Christentums, die Frage nach der kommenden Erlösung durchzuhalten. Aber auch sonlt weiß man vom venchärften Kampfzwischen Fleisch und Geist (Ga! 5,16-18). Du Nebeneinander von KJageruf und Danksagung schützt vor allem Enthuaiumus.
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Der Todeaweg des Menachen unter dem Gesetz
In der Exegese liegt die Tendenz, die paulinisehe Theologie als eschatologische Korrekturder Weisheitslehre bzw. des urchristlichen Enthusiasmus zu verstehen. Alle Strömungen des urchristlichen Denkens gehen von der Tatsache des erhöhten Christus aus; die Frage entsteht, wie sich dies Denken auf das irdische Leben bzw. das Selbstverständnis des Christen auswirkt. Wie weit reichen die Möglichkeiten, Geschöpflichkeit und Menschsein, Geschichte und Altes Testament zu verstehen? Anderseits steht Paulus innerhalb des Gespräches über Judentum, Gesetz und Aussage der heiligen Schrift. Ktmkrtl "4t d4s: Wil weit reicht SiDuU b{W. Fleisch tJls Uruil Gottes Mbtr den MmschnIJ Röm 7,7 ff. durchschlägt alle Schutzschichten des Menschseins (M. Kähler). Der in Röm 7,7-25 angesprochene Christ bzw. der vom Christen beuneilteJude unterscheidet sich vom anderen dadurch, daß der Christ die Danksagung V 25a nachspricht, der Jude dagegen an dem Widerstreit zwischen den heiden Gesetzen und der Zerspaltung von Vernunft und Fleisch festhält (V 25b als Abschluß und Höhepunkt von 7,7-25). K_ dir Christ Pabu I' 25b {Wistlun tkta Gnoula.sSII,m I' 25tJ IIIUI 8,/ -f,nunnmm MbmJ Wtltlun Sill" mIIjJ tr I' 25b Itl- WtnJ Der Stilbruch erinnen an den Zusammenhang I Kor 15,56 zwischen 15,55 und 15,57 (Siegeswon, Lehraussage, Danksagung). In beiden FäUen soU die Wirklichkeit der alten Weltzeit, also ein letzter Vorbehalt, eingeschaltet werden. •AQCI 00v wiU aus dem Zusammenhang V 21-24 folgern, au'tOc; tyfi> stellt noch einmal das »Ich« des ganzen Abschnittes heraus: es geht um Paulus selbst, um seinJudesein und sein Menschsein in der Spannung der beiden Weltzeiten. Er hat diesen Menschen gekannt und überwunden: er dient mit seinem Uneilsvermögen dem Gesetz Gottes, mit seiner fleischlichen Welthaftigkeit dem Gesetz der Sünde; auffallend ist das betonte .)diene« (6ouAriKo); es beschreibt ein Zulassen, Tun und einen Zustand. Der Fromme, der von seiner VerfaUenheit an das Fleisch redet, der Rabbine, der noch fragt, was das Gebot besagt und was es freiläßt, der Glaubende, der sich von der heidnischen Obrigkeit getrennt weiß, spüren sie nicht alle etwas von einer fremden Macht, der man nicht gewachsen ist? Aus welchen Voraussetzungen ist eine überwindung des »Gesetzes der Sünde« überhaupt möglich? Die Antwon kann nur in dem Aufweis zweier verschiedener Strukturen des paulinischen Gesetzesventändnisses liegen: das Gesetz Gottes, das Paulus ausdrücklich bestätigt (7,22.25), ist das Gesetz, das im .)Geistcc und in der .)Freiheitcc erfüllt wird (Röm 8,1-4); das Gesetz, das in seinen Gliedern sich auswirkt, ist identisch mit der rabbinischen Schriftauslegung des »Begehrens« und des »Tuns« (7,22.25). Die beiden Strukturen sind einander entgegengesetzt. Man darf also nicht metaphysisch-dualistisch (E. Brandenburger, E. Käsemann) argumentieren, auch nicht die Vielfältigkeit des Gesetzesverständnisses herauszustellen versuchen (Gleichsetzung mit »religion«, C. K. Barrelt), sondern man muß auf den geschichtlichen Gegensatz zwischen Synagoge und messianischer Gemeinschaft (bucl110(a) eingehen: das Verhältnis beider ist geschichtlich und eschatologisch aufgefaßt. Am nächsten steht 2Kor 3,4-11: die verhüllte Schriftauslegung des Rabbinates. Ohne diesen Schlüssel ist jedes Verständnis von Röm 7 gefährdet: Entweder wehn der Apostel hier judaistische I rrlehrer ab, die in Mission und Lehre ihn bedrohen (Röm 16,17-20), oder er denkt schon jetzt an den Gegensatz ))Itark« - »schwach« in Röm 14,1-15,13 (P. S. Minear 65 ff.). Wahrscheinlich handelt es sich hier nicht um ein Entweder-Oder, sondern um verschiedene Gefahren, die aus der gleichen Wurzel stammen. Damit erklän sich am leichtesten auch die Stellung nach Röm 6: die Taufe setzt nach der Theologie des Paulus den Bruch mit der Synagoge voraus. Ebenso ist der Anschluß an Röm 5,12-21 gesichen: die Frage nach der Bedeutung und Gültigkeit des Gesetzes geht nicht nur dasjudentum, sondern die ganze Menschheit an. Es geht um die Loslösung von der Synagoge, weil es sich um die Frage der Tora schlechthin handelt.
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Das ))Ichcc von Röm 7 ist tatsächlich biographisch-heilsgeschichtlich, daher paradigmatisch: Paulus weiß am besten, was die Besonderheit des jüdischen ))Fleischescc ist, und hat daher an diesem Punkt den Bruch vollzogen (PhiI3,4-11). Er selbst war Verfolger der Gemeinde, hatte im Namen der Tora den gekreuzigten Messias verfolgt (Gall ,22 f.; Apg 9,1-3) und mußte am Gesetz ))sterbencc. Es kann durchaus richtig sein, daß die Gegner das Gesetz weisheitlich weitergaben, so daß auch Paulus in Röm 7 das Gesetz ))weisheitlich« verteidigen bzw. angreifen muß (Vernunft - Glieder), aber hier liegt nicht die Spitze seiner Argumentation. Tatsächlich mag man daran denken, daß auch in der Auseinandersetzung zwischen ))starkcc und ))schwachc( die Gültigkeit des Gesetzes zur Diskussion stand: die Mischgemeinde hatte zwar die paulinische Konzeption angenommen (Röm 6,17: tU~~ rile; 61.baxT!e;) , war aber schwer imstande, sie gegen Widerspruch zu verteidigen (vgl. die Schlußkapi tel). An der Gesetzesfrage hängt das Verständnis des ganzen U rchristentums; das Verständnis von Röm 7 entscheidet auch über Aufbau und Sinn des ganzen Briefes. Da Paulus Apokalyptiker ist und die Zeit nicht nur äonenhaft auseinanderreißt, sondern zeitlich auf den ihm gegebenen Augenblick achtet (Röm 13,11). weiß er, daß im Abbruch der Zeit die Scheidung zwischen gesetzesfremdem ))Enthusiasmus« und torabewußtemJ udentum notwendig ist. Seine Haltung ist in eine bestimmte Situation gestellt. Es geht in Röm 7,14ff. nicht um einen Kampf um die )Nervollkommnungec (KäsemannR 213), sondern um die für den Christen notwendige Einsicht, daß das Gesetz seinen bleibenden Dienst an ihm tut, indem es ständig die Schwachheit des Fleisches aufdeckt. Jede Form des Nomismus wird durch das die Sünde aufdeckende Gesetz unmöglich gemacht; jeder Enthusiasmus, der das Gesetz als überwunden ansieht, ohne das Recht des Sinai anzuerkennen, wird in der Wurzel getroffen. Es gtht awschlilßlich um dit Gtgmiibtrsttllung des auf sich stlbst vtrtraunulm Menschen mit dem anJtsw Christw und tim Geist gtbundenen Menschm. V 25b kann daher verstanden werden als Hinweis auf den Menschen, der auf sich selbst gestellt ist (= 6Qa 00v ambe; !yoo) im Gegensatz zu 8,2 (6 yOo v6~ 'tOÜ ~vE'6~a't~ rile; toriie; = die Heilsordnung des Geistes, die allein Leben Schafft). l)oVAEUEI.V muß dann verschieden abgetönt sein: In Röm 6,18 meint es die Dienstbarkeit in der Freiheit des Geistes, in 7,25 das vorläufige Sichgebundenwissen an die VorläufIgkeit der alten Weltzeit und der alten Weltmächte, die zum bleibenden Stachel jedes Christseins wird. Wir haben in Röm 7,7- 25 ein in einem bestimmten Stil abgefaßtes Btkenntnis vor uns, das die Not des Menschen an sich selbst enthüllt. In der Begegnung mit dem Gesetz Gottes entdeckt er seine Zerspaltenheit in ein eigentliches Ich und in ein der Sünde verkauftes bzw. der Sünde unterworfenes Ich. Inhaltlich hat dieser Stoff manche Berührungen mit apokalyptischen, sektiererischen Anschauungen desJ udentums, formal dagegen erinnert er an hellenistische und orientalische Begriffe und Unterscheidungen. Mag das Wissen um die Zerrissenheit des Menschen auch Parallelen haben, so geht es in Röm 7,7- 25 doch nicht um eine psychologische cx:ler metaphysische Tatsache, sondern um eine durch die Verkündigung des Evangeliums aufgewiesene menschliche Not, die in dieser Tiefe und Uneingeschränktheit nur vom Christen am radikal verstandenen Gesetz erfahren werden kann,ja erfahren werden muß. Voraussetzung rur dies ganze Bekenntnis ist die überwindung der Herrschaft des Gesetzes durch die Wahrheit und Herrschaft des Geistes (Röm 7,1-6), doch wird auch der Christ in seiner fleischlichen Existenz und in seiner Auseinandersetzung mit der bleibenden Forderung Gottes von dieser menschlichen Not immer wieder bedroht und erschüttert. Da die christliche Existenz nicht in der Aufhebung der Situation von Röm 7,7-25 besteht, sondern in ihrer Erkenntnis und in ihrer überwindung, hat unser Abschnitt seinen Dienst auch an dem getauften Menschen auszurichten. Das Wissen um die Zerrissenheit des Menschen, um seine Bestimmtheit durch das Fleisch, um
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den Gegensatz zwischen Gottes Willen und dem menschlichen Willen ist die durchgängige Voraussetzung auch der paulinischen Paränese (Gal5,1~18). Es ist anzunehmen, daß ein derartiges Ich-Bekenntnis im Gottesdienst und in der Frömmigkeit eine besondere Bedeutung hat.
Exkurs Geschichtliche und theologische Probleme zu Röm 7 J. Zu, GesclricJate dn Auslegr.mg44 a) Schon in der Auslegung dn alten Kirclu finden wir venchiedene Möglichkeiten, das »Ichee von Röm 7,7 ff. zu verstehen, ohne daß immer eine klare Abgrenzung zwischen ihnen gefunden werden könnte. Man denkt z.B. an die Person Adams und an die Sündenfall-Geschichte von Gen 3 (Method. resurrect. 15,2; 57,1; 58,2; 11 1,1-5). Es liegt dann nahe, in der »Sünde«, die den Menschen verführt (Röm 7,11), einen Hinweis aufsatanisches Wirken zu sehen. Orig. hat Röm 7,7 f[ und 7,13 aufalle Menschen bezogen, insofern als alle unter der Sünde stehen. Er hat damit auch die Getauften in die paulinische Aussage einbezogen. Einen Satz wie Röm 7,14: »Ich aber bin fleischlich, verkauft unter die Sünde« habe Paulus deshalb gesprochen, weil er als Lehrer der Kirche auch die Schwachen in seine Aussage mit einbezog (comm. inJoh 10,28). Allerdings hat man in der alten Kirche das •• Ichee von Röm 7,7 ff. oft anden ventanden als das von Röm 7,13 ff.; auch fehlt oft eine klare Untencheidung in der Frage, ob Menschen unter dem Gesetz (Heiden und Juden) oder Menschen unter der Gnade (Christen) in unserem Abschnitt gemeint seien. Method. resurrect. 11 I ff. denkt in der Auslegung von Röm 7,13 ff. an den gläubigen Christen und an Paulus selbst. Hilarius deutet in seinem Psalmenkommentar das »Ichee von Röm 7,13 0". ebenfalls aufPaulus selbst (z.B. in Ps 118; 125,7; 129,6). Auch Ambrosius hat Röm 7,13 f[ aufPaulus und "uns« bezogen (z.B. Enarr. in Ps 37,25; de Abr. 2,27; de poen. 2,74). Allerdings gibt es auch viele Aussagen der Kirchenväter, die Röm 7,13 ff. ausdrücklich auf den unerlösten Menschen (Heiden undjuden) deuten, so Tert. pud. 17; Aug. propos. 44; de div. quaest. ad Simpl. I 1. Allerdings behauptet Auguatin in de div. quant. ad Simpl. I 1,7, daß jenes Wort Röm 7, 14b: •• lch bin fleischlichce auch vom Getauften gelte. Nur sei er nicht mehr an die Sünde verkauft wie der Mensch des Gesetzes. Im Kampfmit dem Pelagianismus gibt Augustin seine alte Auslegung auf und versteht die Klage des Paulus als die Stimme des wiedergeborenen, jedoch unter der Verderbnis der Natur seufzenden Menschen (de nupt. et concup. 1,27-32; c. duas epist. Pelag. 18,13-24; retract. 122,2; 23,5; 25,67; 11 27,2). Manche mittelalterlichen Ausleger folgen dieser neuen augustinischen Deutung, während andere schwanken. b) Die Reformation (M. Luther, Ph. Melanchthon,J. Calvin, Th. Baa) nimmt die augustinische Exegese wieder auf, wenn auch einzelne Theologen sich von ihr freizumachen suchen (M. Bucer, Musculus). M. Luther führt zwölf Gründe dafür an, daß Paulus mit dem »Ich« letztlich den geistlichen Menschen meine (165 ff.; 11 168 ff.j. Ficker) .•• Er redet in eigener Person und im Namen aller Heiligen.ce ••Der geistliche Mensch nämlich kämpft mit dem Fleisch und seufzt, daß er nicht so kann, wie er will. Der fleischliche Mensch aber kämpft gar nicht, sondern gibt nach und willigt ein.ce •• Denn das ist das 44 Vgl. SANDAy-HEADLAMR 184 8:; W. G. KONNEL, a.a.O. 748:; K. H. ScHELKLE, Die Auslegung von Paulua' Römerbriefbei den Vätern, 1. Teil, 1948, 166 8:; den., Paulus, Lehrer der Väter, 1959, 224-258; N. BoNWETSCH, Röm 7,14 ff. in der alten Kirche und in Luthen Vorlesungen über den Römerbrief; NkZ 30, 1919, 135-156.
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Merkmal eines geistlichen und weisen Menschen: er weiß, daß er fleischlich ist und er mißti.llt sich, er haßt sich selber und preist das Gesetz Gottes, daß es geistlich ist.cc »Der geistliche Mensch will nämlich ganz rein, ganz frei, ganz fröhlich, ohne durch das widerstrebende Fleisch beschwert zu sein, das Gute tun. Aber das bringt er nicht fertig.« M. Luther undJ. Calvin können sich daraufberufen, daß die Schilderung Röm 7,7 ff. keineswegs übereinstimmt mitder Beschreibung des heidnischen bzw. desjüdischen Menschen in Röm 1,186".; 2,1 ff. 176". Die »Vernunft« (vOOIi) des nicht wiedergeborenen Menschen war ja nach Röm 1,21.28 verfinstert und entleert. Tatsächlich stehen wir damit vor einer wichtigen exegetischen Beobachtung: Paulus hat zwei Formen der Auseinandersetzung mit dem Judentum. Er deckt die Nichterfüllung des Gesetzes (Röm 2,17-29) ebenso auf wie den Versuch Israels, eine eigene Gerechtigkeit vor Gott aufzurichten (Röm 9,32; 10,3). ImPitlismus wird es fraglich, obdie Schilderung von Röm 7,18 f. aufPaulus und den wiedergeborenen Menschen passe (Ph.J. Spener), und man kehrt zur voraugustinischen Exegese zurück (A. H. Francke). In der MInen Auslegung finden wir die augustinisch-reformatorische Tradition in der Erlanger Schule (Chr. v. Hofmann, Th. Zahn) und in bewußt reformierten Kreisen (Fr. Kohlbrügge, K. Barth). Aufden Nichtchristen beziehen F. Chr. Baur und die Tübinger Schule Röm 7,7 fr., dann aber auch die meisten historisch-kritischen Untersuchungen in der Gegenwart (E. Kühl, H. Lietzmann, W. G. Kümmel). Vertritt man die existentiale Deutung des paulinischen Textes, dann würde man die menschliche Existenz in dem Aufsichselbst-Gestelltsein und in ihrem VorGott-Gestelltsein unterscheiden. Der Gnadenstand ist dann die jeweilige aktuelle Aufhebung des Gesetzesstandes. Es ist aber die Frage, ob nicht das Schwergewicht des paulinischen Textes auf dem Ereignis der Veränderung der geschichtlichen Situation liegt, die durch das KreuzJesu gegeben ist. »Wir haben hier nicht )unSC zu interpretieren, sondern das Zeugnis des Pauluscc (GauglerR I 244). Mag auch die persönliche Erfahrung immer wieder uns dazu verleiten, in Röm 7,18 f. einen Ausdruck dessen wiederzufinden, was gerade der Christ - und vielleicht in dieser Radikalität rwr der Christ - aussagen kann, so ist anderseits doch festzuhalten, daß die mit dem Kreuz und der Auferweckung uns gegebene Verheißung uns auch über unsere Erfahrung hinausträgt.
2. Zum tluologisclren Verständnis von Paulw und M. LuJhe,. Seit der Theologie Ritschls und Schlatters ist das Verhältnis von Paulus und Luther zu einem ernsthaften theologischen Problem geworden. P. Althaus hat in: Paulus und Luther über den Menschen, 1938 versucht, aus dem Zusammenhang der beiden Kapitel Röm 7 und Röm 8 die begrifflichen und denkmäßigen Unterschiede zwischen dem NT und der refonnatorischen Theologie herauszuarbeiten. Tatsächlich wird man nicht abstreiten können, daß in der Art, wie der Mensch ohne Christus und die Not bzw. der Widerstreit des Menschen in Röm 7 und bei M. Luther dargestellt werden, erhebliche Verschiedenheiten aufzuweisen sind. Es ist typisch, daß für M. Luther die geschichtlichen Unterschiede in der menschlichen Situation vor der radikalen Frage nach der Art des Glaubens und des Geistes Gottes zurücktreten, daß also nicht der Heide oder der Jude, sondern der Mensch, der dem Fleisch gehorcht, dem geistlichen Menschen gegenübergestellt wird. Die menschliche Natur als solche hat keine Lust am Gesetz und widerstreitet ihm, während der geistliche Mensch den Kampf mi t Fleisch und Sünde aufnimmt. Das paulinische Bild des vorchristlichen Menschen ist differenzierter als das M. Luthers, aber trotz aller exegetischen Einzelunterschiede hat dieser die Tiefe des Gegensatzes von Gesetz und Evangelium theologisch richtig gesehen. Es genügt nicht, die Theologie des Paulus als »Missions- und Bekebrungstheologiecc zu beschreiben, M. Luther dagegen innerkirchlich aus der Auseinandersetzung mit der Frömmigkeit seiner Zeit zu begreifen (P. Althaus,
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Der Todeaweg des Menschen unter dem GeaelZ
a.a.O. 73 W.). Auch Paulus kämpft mit gleichem Ernst wie M. Luther gegen die falsche Sicherhei t der Getauften und gegen die Sünde innerhalb der Gemeinde. Der eigentliche U nterschied zwischen Paulus und M. Luther besteht darin, daß M. Luther die Erkenntnis von Röm 7,14 0: auf den geistlichen Menschen beschränkt, während Paulus den Menschen schildert, der am Gesetz scheitert. Daß dies Versagen des Menschen dem Gesetz gegenüber eine Erkenntnis ist, die auf den Christen beschränkt ist, kann nicht zugestanden werden; wohl aber ist diese Schilderung, die der Christ Paulus entwirft, in ihrer Radikalität und Ausweglosigkeit für das paulinische Verständnis des Gesetzes bezeichnend. Wer sich des Gesetzes rühmt, verschweigt die Wahrheit, die auch an ihm sich vollzieht bzw. vollziehen muß. Daß diese Wahrheit sich notwendig am Menschen vollziehen muß, ist die Erkenntnis, die wir dem Evangelium verdanken. Grundsätzlich ist für Paulus durch das Verhältnis von Indikativ und Imperativ die Möglichkeit gegeben, die Sünde konkret zu überwinden. Für Luther bleibt aber der Glaubende auch jetzt peccator in re, d.h. das Bekenntnis zur faktischen Sünde wird für ihn ausgeweitet zu einer dogmatischen Aussage über ihre Unausweichlichkeit. Indem die Reflexion das Bekenntnis zur konkreten Schuld und Sündhaftigkeit ausweitet und weiß, daß die Sünde auch morgen da ist, ja injedem guten Werk vorhanden ist, ist die Situation faktischen Bekenntnisses überschritten. Hier liegt ein Unterschied zwischen Paulus und M. Luther, der fUr die theologische Fragestellung nicht unwichtig ist45 • 3. z"r rtligionsgeschichllidlm Einordnung von Röm 7,7Jf. a) Die Form des ))Ich«-Stiles, die Art der anthropologischen Aufspaltung, auch die Gegenüberstellung von »WoUencc und ))Tun« weisen einerseits in eine ganz bestimmte jüdische Tradition (IQS 11,7-10; IQH 2,6 f.), andererseits in bekannte hellenistische Vorstellungen (Epict. 11 26; 128,6 ff.; Xenoph. memo 111 9,4; Plato Rep. IX 577E; Ovid metarn. VII 19 f.; Stob. 161,1). Dieser Ich-Stil knüpft zunächst an den alttestamentlichen Psalm an, nimmt aber dann dualistische Motive, die von anderswoher kommen, auf. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Röm 7,7-25 aus einer Vorlage entstanden ist, doch ist aufjeden Fall zu betonen, daß biblische und jüdische Grundmotive in diesem Text unverkennbar sind. Die Beziehungen zur Sündenfall-Geschichte, zum Dekalog und zur Gesetzeslehre des Judentums sind ganz entscheidend; dabei kommt es nicht so sehr auf die menschliche Situation als solche an, sondern auf die notwendige Erfahrung, die aus der
Begegnung mit dem Gesetz entspringt. Wir haben jüdische Grundmotive vor uns, die aber stark gegen die rabbinische Gesetzeslehre ausgerichtet sind. Daß das Gesetz Leben ist, Leben schafft und verbürgt, ist in Röm 7,7 ff. einerseits zugegeben, anderseits aber von einer anderen Ebene aus bekämpft. b) Vorausgesetzt ist auch in Röm 7,7-25, daß das Gesetz als Forderung Gottes seinen Anspruch auf den Menschen mi t Recht erhebt. Da aber der Mensch nicht gehorcht, sondern begehrt, scheitert er und stirbt an dem Gesetz. Damit entsteht die Frage, in welchem Verhältnis Röm 7,7-25 zu Röm 2,17-29 steht. Die Denkformen der beiden Abschnitte weichen voneinander ab. In Röm 2,17-29 bekämpft Paulus den jüdischen Anspruch auf Gerechtigkeit und deckt den Ungehorsam konkret mit Hilfe der Norm des Gesetzes auf. Er erkennt also die bleibende Forderung Gottes ausdrücklich an und erscheint somit wie ein Prediger des Gesetzes. In den scharfen Aussagen: 4,15; 5,20; 7,1~ und 7,7-25 bekämpft der Apostel aber die Möglichkeit, auf Grund des jüdisch verstandenen Gesetzes Leben und Gerechtigkeit überhaupt zu empfangen. Er hält sich also streng an den Satz, "'VgL P. ALTHAUS, Paulua und Luther über den Menschen, 1938 (3. Auß. 1958); W.jOEST, Paulua und das lutherische Simul justus el pea:ator, Kerygma und Dogma I, 1955, 269-320.
Rößl 7,1-25
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daß allein aus Glauben Leben empfangen werde. Damit ist das jüdische Ventändnis des Gesetzes durchbrochen. Man wird auch bier aufG/JOIuU.JPlisclu PrimUs". hinweisen dürfen. Paulus denkt grundsätzlich von der Lehre der beiden Äonen aus. Das Gesetz gehört für ihn in den alten Äon des Unheils hinein; es macht das Maß der Sünde voll (Röm 5,2O). So kann dasjudentum cschatologischlli"" denken, doch ist an den Gcschichtsaufriß desjubiläenbuches zu erinnern Uub 1,1-18): Moses steigt auf den Berg Goues und sieht die vergangene und zukünftige Geschichte. Er erhält Befehl, alle Worte in ein Buch zu schreiben, damit die Nachkommen sehen, daß Gou tratz alles von ihnen verübten Bösen sie nicht verlassen habe. Wenn alles über sie kommt, dann erkennen sie, daß Gou gerechter ist als sie selbst mit aU ihrem Recht und ihren Werken. Die Gebote werden zu ausdrücklichen Zeugnissen, die ihre Wahrheit über den Abfall des Volkes hinaus bewähren werden. Gou wird das abgefallene Volk in die Hände der Heiden zur Gefangenschaft, Beute und Vemichtung geben. Aber dann wird eine Periode der Umkehr, des Heiles, der Sammlung aus allen Heiden einsetzen; man wird Gou suchen, und er wird sich von ihnen finden lassen. Heil und Gerechtigkeit werden geschenkt. Das Gesetz wird zu einer Wahrheit, die sich vom SchickIalsweg des Volkes entfernt. Das Heil bindet sich an eine neue Ptriodt dir UmIuJa, und der Gegenwart Gottes. Wichtig ist ferner, daß an die Venchärfung des Sabbatgebotes, aber auch an andere Gebote (vgl. etwa Ex 2I,12-17), immer wieder die Drohung des Todes geknüpft wird (Wer das und das tut, der soll sterben). Die Ausrottung des Sünden ist ganz offenbar der Sinn dieser Todeadrohung"6. Doch ist es entscheidend, daß auch die Untenchiede zwischen dieser Art frühjüdischer Gesetzespredigt und paulinischer Unterweisung hervortreten. Paulus versteht das Gesetz ausschließlich vom Evangelium aus. Er deckt letztlich das Versagen des Menschen,ja den notwendigen Zerfall des Menschen an der götdichen Forderung ebenso auf, wie es einst Aufgabe der Propheten war, Gottes Gebote neu zu ventehen und den Ungehonam dei Volkes aufzudecken. Daß für Paulus die Tora zum v~ wird, liegt ja scb1ießlich nicht nur an dem Hellenisierungsprozeß der Septuaginta, sondern auch an dem durch ihn geschaffenen GesetzesbegrifT, der von der Antithese zum Evangelium ausgeht. Wir haben ein Denken vor uns, das ausschließlich von der Hei1stat Gottes inJesus Christus ausgeht und nunmehr das Versagen, ja die Zerfallenheit des Menschen an diesem Maßstab aufweisen wi1l 47 • c} Auch dal qumranitische Judentum sieht den Menschen grundsätzlich im Widerspruch gegen Gou und seinen Willen, wie er in der Toraauslegung der Gemeinde offenbart ist: Er wandelt im Eigensinn eines schuldigen Herzens und begeht mit unzüchtigen Augen jede Art von Bösem (IQS 1,6 f.; IQH 7,3). Wie hoch auch immer die Werke der Schöpfung gepriesen werden (I QH I ,6-15) und auch die biblische Aussage von der Herrschaft des Menschen über die Erde festgehalten wird (IQS 3,17 f.), erscheint der Mensch doch durch völlige Nichtigkeit bestimmt, als Gebilde aus Lehm und Wuser ( I QH 1,21), aus Staub bestehend (IQH 10,3 f.; IQS 1I,21). Aufdiese Weise wird nicht nur die Vergänglichkeit und Ohnmacht des Menschen beschrieben, sondern damit ist zugleich seine UrifiJaigUi, ~ tJlUm Gulm gegeben: Er ist ein Grund der Schande und ein Quell des Schmutzes, ein Schmelztiegel des Unrechts (I QH 1,21); er hat keine Einsicht (I QH 1,23) und kann keinen geraden Weg gehen (lQH 12,24-35). Von der Sünde befallen sind s0wohl der Geist des Menschen (lQH 1,22 f. 32; 3,21) wie auch sein Fleisch (IQS 3,8 f.; 4,20 f.). Menschsein heißt Sündenein im umfassenden Sinn; das Fleisch hat keinen Ruhm •• VII. BoUSIET-GIlESINANN, Die ReliKion des Judentums, 3. AuO. 1926, 125 f. • , VII. G. v. RAD, TbeoJosie da Alten Testaments 11, 1960,402-424 (Du Gaetz).
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Der Todeswcg des Memmen unter dem Gesetz
und der Geist keine Kraft (IQH 9,1~17). An sich ist ).Fleisch« ein neutraler Begriff ( IQH 8,31; IQM 7,5; 17,7 f.), genau wie OOQ~ im Neuen Testament im neutralen Sinn verwendet werden kann. Doch scheint das »Fleisch« auch von der Qumrangemeinde in besonderer Weise als Sitz der Sünde betrachtet worden zu sein (IQS 4,20 f.; 11,12; IQH 13,13; 17,25). Mit seinem Eintritt in die Bundesgemeinde entsagt der Mensch allem sündhaften Eigenwillen und gibt sich ganz der Forderung des Gottesgebotes hin (IQS 1,1-10; 5,4 f. 7-11; 9,23-26; IQH 6,6 f.; Dam 2,14-16; 3,3). Entscheidend für diese Veränderung ist letzten Endes nicht das Tun des Menschen, sondern Gottes Wirken, und zwar einerseits inder Vorausbestimmung (IQH 3,22; 15,15 f.) und andererseits im gegenwänigen Heilshandeln (IQS 1,19; 3,~II; 11,3.14 f.; IQH 7,30; 11,1~13; 16,8-19). Die Gemeinde ist ein Haus der Heiligkeit für Israel, sie sühnt für die Erde und tritt als Zeugin für die Wahrheit im Endgericht auf( IQS8,~1O). Ausdrücklich wird gesagt, daß jeder, der in die Gemeinschaft eintritt, ohne den Eigensinn des Herzens aufzugeben, und der Widerwillen gegen die Weisungen der Erkenntnis empfindet, nicht unter die Rechtschaffenen gezählt wird und daß es für ihn weder Sühne noch sakramentale Reinigung gibt (I QS 2,2~3,6). Um so mehr überraschen die Siindmbekmnmisst der Vollmitglieder, wie sie in I QH und I QS überliefen sind. In I QH 1,22-27 bekennt der Beter, dem Gott Einsicht in seine Geheimnisse geschenkt hat, daß er einen verderbten Geist ohne Einsicht hat und daß dem Menschen der Dienst am Unrecht und die Werke des Betrugs zukommen. Der Fromme ist Siindn rmd Gertchter zugleich: in I QS II,~ gehört der Beter zu denen, die Gott erwählt hat und denen er Anteil am Lose der Heiligen gewährt; unmittelbar d~uf, in 11,9 f., zählt er sich zur gottlosen Menschheit und zum Kreis der Verkehrtheit. Der Mensch bleibt also auch als Erwählter und als Glied der Bundesgemeinde der Macht der Sünde ausgesetzt, denn der Geist der Verkehrtheit wohnt in seinen fleischlichen Gliedern (I QS 4,20). Er muß sich dazu auffordern, das zu erwählen, was Gott ihn lehn (IQS 10,13). Die Qumrangemeinde sieht die Ursache dieser Zerspaltenheit des Menschel'l im Kampfder Mächte des Bösen und des Guten, die Gott selbst geschaffen hat und die bis zum Endgericht miteinander ringen (I QS 4, I~ 19). Die Menschen zerfallen in ~ti Gruppen, die jeweils unter der Herrschaft einer dieser Mächte stehen. Entscheidend ist dabei, daß der Engel der Finsternis auf die Söhne des Lichtes Einfluß hat: »All ihre Sünde, alle ihre Frevel, all ihre Schuld, alle Auflehnungen ihrer Werke•• sind die Wirkung seiner Herrschaft (IQS 3,22). Freilich kommen der Gott Israels und sein Engel der Wahrheit den Söhnen des Lichtes zu Hilfe (IQS 3,24); aber der Kampfdauen an (IQS 4,23-25), so daß der Mensch stets Anteil an der Wahrheit und an der Verkehrtheit hat, bis zum Tage des entscheidenden Gerichts (IQS 4,~23). Im Blick auf Röm 7 fragt man, ob die Qumrangemeinde auch mit einem Kampf der heiden Mächte im Menschen vor seinem Eintritt in den Bund rechnet. Das wird offenbar nirgends gesagt. Der Mensch schwankt nicht, sondern sein Herz ist han, und er tut, was er will (Dam 8,7 f. 19). Von dieser Frage abgesehen, stimmen Paulw rmd du QpmTtmgtmeiNJt in der Beuneilung des Menschen und seiner Möglichkeiten weitgehend überein: 1. Der Mensch ist Sünder und zum Guten unfähig; 2. auch nach der Bekehrung ist der Wille nicht eindeutig auf das Gute gerichtet, sondern wird noch vom Bösen beeinflußt. Die Einsicht in die Macht der Sünde führt in der qumranitischen Theologie dazu, daß Gott dadurch belastet erscheint, daß er das Böse geschaffen hat und wirken läßt. Paulus sagt über eine Beziehung Gottes zum Bösen nichts; dafür gerät aber das Gesetz bei ihm in den Verdacht, der Sünde Vorschub zu leisten. Sowohl Paulus wie Qumran weisen diesenjeweiligen Verdacht energisch zurück, indem sie den Menschen trotz aller widrigen Bedingungen, die ihm vorgegeben sind, für seine Sünde voll verantwortlich machen. Sie unterschei-
Rötn 7,1-25
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den sich jedoch voneinander darin, wie sie den Menschen das eschatologische Heil erlangen und wovon sie sein Leben zwischen Bekehrung und Tod bzw. Endgericht bestimmt sein lassen. Nach qumranitischer Lehre erleuchtet Gott den Menschen, so daß er Einsicht in die Heilsgeschichte und in das Gesetz erlangt (IQH 7,26 f.; 11,10.17-20). Er gibt ihm Festigkeit. so daß er trotz Verfolgung und eigener Schwäche den Hei1sweg gehen kann (IQH 1.32; 9,1~13). Er vergibt dem Menschen die Sünde (IQH 4,37; 7,30; 9,13) und entsühnt ihn (IQH 6,4-13; 11,10 f.). Bestimmt wird das Leben des Bundesgliedes durch die Tora, deren Erfullung durch Gottes Hilfe ermöglicht wird. Nach Paulus erlangt der Mensch das Heil durch die Tat des Christus; das Leben des Erlösten wird bestimmt durch den Geist des erhöhten Herrn, dazu freilich auch durch die konkrete Paränese. Vgl. dazu K. G. Kuhn. XE~~~ im Neuen Testament. ZThK 49. 1952, ~222; S. E.Johnson, Paul and the ManualofDiscipline. Harvard Theol. Review 48, 1955, 157-166; W. D. Davies, Paul and the Dead Sea Scrolls: Flesh and Spirit, The Scrolls and the New Testament. hng. v. K. Stendahl. 1957, 157-182; D. Flusser, Fleisch und Geist in den RoUen aus der Wüste Juda und im Neuen Testament, Tarbiz 27. 1957-58, 158-169; R. E. Murphy, Basarin the Qumran Literature and ~ in the Epistle to the Romans. Sacra pagina 11, 1959, 66-77. Der ~tz von Wollen und Tun nach Röm 7,15f1: Wenn man Röm 7,7 ff. auf den uorclrristJidrnt Measclaen bezieht, ihn als den in Paulus sich danteIlendenjuden bestimmt, dann ist das dort genannte Gesetz ganz selbstverständlich das mosaische. Der jüdische Mensch würde dann in seiner Person unter dem Gesetz eine grundsätzliche Erfahrung machen, die stellvertretend rur die ganze Menschheit gilt: er würde dadurch Inbegriff auch des ItAdam« der Schöpfungsgeschichte. Anden wäre der Ausgangspunkt der Exegese, wenn man von vorneherein bei der Adamgeschichte einsetzt und jeden Menschen vor und außerhalb des Christus - ob er Jude oder Heide ist, spielt dann keine wesentliche RoUe - hier geschildert findet. Dann wäre das mosaische Gesetz letztlich kein anderes als das schöpfungsmäßig auch dem Heiden mitgegebene natürliche Gesetz. Der Jude wie der Heide machten die gleiche Erfahrung des Zwiespalts und des inneren Zerfalls am göttlichen Gebot. Man würde. ähnlich wie in Röm 2,14-16 und 1.20, an eine allgemeine Kenntnis göttlichen Willens anknüpfen können; »der innere Menschte (V 22) bzw. »das Gesetz der Vemunftte (V 23) beschreiben in diesem Fall eine Würde bzw. eine Norm, die rur jeden Menschen angewandt werden kann. Auffallend ist aUerdings, daß Paulus auch hier dem natürlichen Menschen eine solch ernsthafte Einsicht zugesteht: .)Niemals hat der Apostel dem natürlichen Ich des Menschen soviel Konzessionen gemacht wie hier« (W. Bousset, Kyrios Christos, 4. Auß. 1935, 123). Sowohl die Apokalyptik wie auch die Weisheitslehre haben den Weg rur eine Aussage freigemacht, die das Judentum in eine Menschheitsgeschichte und in eine allgemeine Lebenserfahrung einordnet Die griechische und hellenistische Philosophie hat Anschauungen. Begriffe und Einzelmotive entwickelt. die ihrerseits ein Menschenbild gestalten können. Der Gegensatz zwischen »Woll",,, ""'" »1""" in Röm 7,15 W. kann venchieden verstanden werden. Zunächst liegt es nahe, an einen Zwiespalt im Menschen zu denken, der eineneits durch die Vernunft sich auf die Seite Gottes gestellt sieht, anderseits durch sein Gebundensein an das Fleisch die Forderung Gottes nicht erfuUen kann. Es kann durchaus möglich sein, daß dem natürlichen Menschen dieser innere Zwiespalt zum Bewußtsein kommt; es wäre auch möglich. daß der natürliche Mensch Freude am Gesetz Gottes empfindet (V 22), aber letztlich ist das eigene Urteil des Menschen über sich selbst nicht maß-
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Der Todesweg des Menschen unter dem Gesetz
gebend: es gehört ja zur Zerrissenheit des Menschen, daß er beides 10 in sich tragen kann, die Freude am Gebot Gottes und die Freude am Bösen-. Wenn aber es einerseits als sicher gelten kann, daß der Jude unter dem Gesetz keineswegs als gespalten oder zerrissen erscheint (PhiI3,6: Paulus bezeichnet sich als vor dem Gesetz untadelig), andeneits gerade der Selbstruhm desjuden als eigentliche Schuld angesehen wird, dann legt sich für R. Bultmann eine neue Deutung des »WoUmsff und »1rmsff nahe. Der Mensch will »das Leben«, aber er tut das, was dieser Intention widenpricht: sein Handeln ist konkret auf den Tod ausgerichtet. Der Zwiespalt des Menschen besteht jetzt nicht im Bewußtsein des Menschen, der sich selbst verklagen, sich von sich selbst distanzieren kann, sondern darin, daß der Mensch das Gegenteil von dem tut, was er im Grunde will. xatfQ'Y6tro6aL in 7,8.13 bezeichnet dann das Ergebnis des Tuns, also das, was bei dem Tun herauskommt4'. Man darf den Zweck des Bekenntnisses Röm 7,7-25 nicht übenehen: Es IOU eineneits jedes Selbstvertrauen desjüdischen Menschen, Gerechtigkeit auf Grund des Gesetzes zu erlangen, in der Wurzel zerstören. Die im Menschen liegende Zerrissenheit läßt eine Erfüllung des Gesetzes nicht zu. Andeneits ist der Besitz des Geistes die einzige Möglichkeit, die im Menschen liegende Spaltung zwischen Wollen und Tun zu überwinden. Der Zwiespalt im Menschen zwischen Wollen und Tun ist also nicht psychologisch, sondern radikal in dem Menschsein selbst zu suchen. Nur der in Röm 8,1 f[ geschilderte Besitz des Geistes Gottes gibt eine Möglichkeit, den im Menschen liegenden grundsätzlichen Zwiespalt zwischen Wollen und Tun unter die Verheißung Gottes zu stellen und dadurch zu überwinden. Aus sich selbst heraus ist also dieser Zwiespalt nicht aufzuheben, und der Christ vermag in jedem Augenblick in ihn zurückzufallen. Die Radikalität dieses Zwiespaltes besteht in der Macht des Fleisches über die grundsätzliche Zustimmung des Menschen zur Forderung Goues. Es ist immer noch naheliegend, das »Gute« (ltyat6v, xaA6v) auf die Enüllung der Forderung Gottes, das »Böse« (xax6v) auf die Handlung des Menschen, die der Begierde entspricht, zu beziehen. Das Schicksal der Menschheit, das ~kenntnis zur Verfallenheit an Schuld, Ohnmacht und Tod und die Erwartung apokalyptischer Strafen und Qualen hängen wohl unprünglich eng miteinander zusammen (4Esr 7,60 W. 1160':). Hier findet sich auch die ausdrückliche Betonung der »Vernunftcc, die den Schicksalsweg des Menschen bewußt macht und die apokalyptische Weisheit aufnrh~n kann. Dir Vernunft steht also ausdrücklich auf der Seite des göttlichen Gebotes (Röm 7,23; 4Esr 7,72; vgl. 63 f.) . .. Vgl. zum Ganzen: P. AL11IAUI, PaulUi und Luther über den MeDlchen, 3. AuO. 1958; W. G. KUMMEL, Du Bild des MeDlcben im Neuen Testament, 1948; Il BULTMANN, Röm 7 und die An-
thropologie des Paulu., Imago Dei 1932,53-62; den., ChriatUI des Gesetzes Ende (Glauben und Venteben 11, 1952,3211':); G. BoIlNKANM, Sünde, Gesetz und Tod, Exegetische Studie zu Rößl 7, Ges. Auiätze I, 2. AuO. 1958, 51~; E. EuWElN, Du Rätsel von Röm 7, Kerygma und Dogma I, 1955, 247-268; O. Kuss in .einem Exkun: Zur Geschichte der AUilegung von Röm 7,7-25, R 462-485; H. HOMMEL, Du 7. Kapitel des Römerbriefs im Licht antiker Oberlieferunc, ThViat 8, 1961-62, ~ 116; KAsEMANNR 17~204. E. KAsEMANN geht es auch in Röm 7 nicht nur um den Menschen im Widerspruch bzw. in der Gespalteobeit, IOndern auch um sein Ventridnaein in die kaImisehe Ver&Uenhcit. H. P. RUGE&. ZNW 1977, 132-137; E. GIEIE. Römer 7 neu gesehen, Dia. Mvburg 1959;J. M. E. CauvW-lEa, L'exqeae de Romaina 7 rt le mouvrment de Keswic:k, 1961; H. GEIE, Das Gesetz. Zur Bibliscben Theologie, 1977,55-84. .. Du .Wollen. ilt dann keine in der Sphäre der Subjektivität gelegene Willenabeweguns, sondern ist die traDuubjektive Tendenz der menachlichen Existenz überhaupt. Du .Wirken. bezieht .ich nicht aufdie empirische Tat der übertretung, sondern aufdu Ersebnia des Tuna, du für die seaetzliehe Existenz bei jeder Tat herauskommt. O. Kuss weh" lieh danen, den lubjektiven Faktor im .WolIen. und .Tun. auszuschalten; es kann nach ihm nicht die Rede davon .ein, daS PaulUi tranaaubjektM Sachverhahe auf eine 10 .ubjektive Weile habe .childern wollen (R 470).
Röm 8,1-11
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Die Ablösung des Gae~es durch den Messiu I. In der modemen Paulua-Fonchung weilt man gelegentlich daraufhin, daß sich nach der Lehre des Judentums der gesamte Lauf der Geschichte in drei aufeinander folgenden Epochen abspielt: zweitausend Jahre das Chaos. zweitausend Jahre das Gesetz, zwei tausendjahre messianisches Reich. danach das Ende, die Welt, die nur Sabbat ist. die Ruhe im ewigen Leben (bSanh. 97a; Pesikt 4a; Tamid 7,4)50. Damit ist eine Fragestellung angedeutet, die für Paulus ebenfalls wichtig ist. Auch für ihn ist das Leben unter der Herrschaft des Messias mit dem Abbruch der bisherigen Auffassung der Tora verknüpft (Röm 10.4). Auffallend ist auch, wie stark er sich von dem weiter bestehenden alten Äon a~ grenzt (Röm 12.2). 2. Die Untencheidung zwischen den »Tagen des Messias« und der zukünftigen Weltzeit (ApkBar,4Esr) ist bei Paulus ständig vorausgesetzt. wenn auch in modifizierter Form ( I Kor 10,11; 15.23 0:). Die ••Tage des Messias« sind gekommen. der zukünftige Äon hat mit der Aufentehung Jesu seinen Schatten vorausgeworfen. Die Geschichtsanschauung des Apostels trägt apokalyptische Züge". Daß die Zeit des Messias begrenzt sei. wußten auch tannaitische Lehrer (R. Elieser. R. Akiba). Der Apostel folgen aber nicht »logisch«: das Gesetz hört auf, wo das messianische Reich beginnt, sondern folgt einer vorgegebeRen Tradition: I. der »Sohnee stand selbst unter dem Gesetz (Gal4,4; Röm 8.4); 2. er kannte dieJesusüberlieferung von der ..Tora des Messias« (Gal6,2) und die Abendmahlsüberlieferung vom .)Neuen Bund« ( I Kor 11.25; 2Kor 3.6). Er hat auch Jes 51,11 vor Augen gehabt: ndurch leine Erkenntnis« (Targum: Weisheit) »wird als Gerechter mein Knecht gar vielen zur Gerechtigkeit verhelfenee 52 . 3. Wichtig encheint der Text: •• Der Ewige sitzt und foncht in einer,.,.",. Tara, die er in der Zukunft durch den Messias geben wirdee (Targum zuJes 12,3; JalqSchim 11 § 296). Vom Jlollnu!I ihr SiiIuU ab apokalyptischer GeschichtlanlChauung spricht aUJdrüc:klich Dan 9,24, ehe Sühne erfolgt und ewige Gerechtigkeit kommt.
Röm 8,1-11: Geist und neu es Leben
'So pt eI Abo jeczt kein Verdammwapurteil für die, die iD CIuUtu. J.... .... 2DemaduGe.a dnGeJ.ae. UDd_ Lebea., du iD a.ri8IIUJau ......... ....... Ut, hat cIicb vca Celeta _Sü..... DIIII . . T __ &eipallM:.... 3Deaa . . . dem ee.e. UJIIDÖIÜdI war, worin eI dch KhWKh erwi_, um da FleiK... wOIe.., .... hat Gott YOUbnchl, iDdem er 8eiaea eipDea SoIm andte, iD der Gleichheit" SündeafleiKh_ UDd al8 SüImopler; und dadurch venuteilte er die SüDde im Fleide, 4damit die Rechtafonlenllll- ee.eae. iD UD8 erfüllt würde, die wir Dicht Mda dem FleiKhe wadelD, 80Ddem DIICh dem GeUt. 5 Dean die uda dem FleiKh leben, tnchtea DIICh der Art da Flei8c.... die aber aach dem Gebt IebeB, tnchtea Dach der Art _ GeUteL 6Dema da Tnchtea da FleiKhe8 führt ..... Tod, du Tnc:htea da GeUtn .... zu Leben uad Frieden. 7Dem1 du Tradaso Vgl dazu L BAECK, Der Glaube des Paulua, Neudruck 1961; A. ScHWEITZEI., Die Myatik des Paulua, 1930; H. J. ScHoEPS, Paulus als rabbinilcher Exeges, Aus frühchristlicher Zeit, 19~, 221-238. SI Zur Diskuaion vgl U. Luz, Du GeschichliventändniJ des Paulus, 1968, 139 tr., der aUerdinga A. ScHWElTZU und H. J. ScHOEPS und dem rabbinischen QueUenmateria1 nicht gerecht wird. Zum Ase 10 Come. 1952.
Material vgl. W. D. DAVIES, Tarab in thc Mcuianjc Ase ud/ar tbe J2 Wichtig MUUAvR 11 375 ff.
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Geist und neucs Leben
leD da FleiKha Ut FeiDcbcbaft . . . . Gott; a
UDtawirft lich dem GeIetz Gone. Diebt, .er.... a auch Dicht. • Die 1Iber, die im FIeUch öd, IröIUlell Gou Dicht prau... 'Ihr .... leid Dicht im fteiKb, lOIIdem im Geiat, WenD aaden der Geilt Got. . iD euch wolmt. WenD aber jemaad dea Geist CIuUti Dicht hat, 80 gehört er ihm Dicht.... IOWemaliber Christus iD euch wolmt, 80 Ut der Leib zwar tot um der SüDlle willea, derGei.8laber Lebea um der Gerechtipeit will... 11 WenD aber der Geiat deuea, der dea J.....00 cIea Toeea auferweckt hat, iD euch walmt, 80 wird der, welcher ChrUtaa J.... auferweckt bat, auch eure Iterblichea Leiber lebeDctipudaea durch eeiDea Gei.8I, der iD euch wolmt.
Analyse: Der Aufbau von Röm 8 vollzieht sich in einzelnen Abschnitten, die zwar logisch untereinander zusammenhängen, sachlich aber in sich abgeschlossen sind. Das neue Kapitel schildert den Einbruch der neuen Weh Gottes in die Welt des Fleisches, der Sünde und des Todes, wobei V 1-11 an die Stelle des seitherigen Gegensatzes Gesetz und Fleisch den neuen Gegensatz Geist und Fleisch setzen. Eine Reihe von Sätzen unseres Abschnittes klingt objektiv und lehrhaft (V 5 f. 7 f.), andere Aussagen dagegen wenden sich in persönlicher Anrede an die Leser (vgl. OE 8,2, ÜJ1EL~ V 9-11). Es liegt wohl am Zusammenhang von Röm 7 mi t Röm 8, daß die persönliche Anrede IIA.ruittQmotv OE V 2 sich auf den Klageruf 7,24 zurückbezieht; aber diese persönliche Anrede wird durch die bekennende Aussage des tva-Satzes 8,4 weitergefühn. Man wird feststellen dürfen, daß stilmäßig Röm 8,3 ff. gegen Röm 7,7-25 und den »Ichcc-Stil abgegrenzt ist. Es liegt nahe, das neue Kapitel mit Röm 7,25a beginnen zu lassen und Röm 8, I f. als Begründung anzuschließen. Dann verschiebt sich der Gedanke: 8, I spricht von Veruneilung, nicht von Errettung aus dem Todesleib. 8,3 schließt sich an (Veruneilung der Sünde). Vielleicht ist aber Röm 8, I f. eine Wiederaufnahme von 7,5-6 (Barrett R 154). Theologisch muß die Bedeutsamkeit von V ~ hervorgehoben werden: die Sendung des Sohnes ist die Voraussetzung rur den Wandel im Geist. Es folgen die harten Gegenüberstellungen von Fleisch und Geist in V 5-6.7-8.9-11. Die Schlußgruppe V 9-11 spricht der Gemeinde paränetisch die Gabe des Geistes zu, verbindet die Aussage über den Geist mit dem in der Gemeinde verkündigten Christus und schließt mit der durch den Geist verbürgten eschatologischen Hoffnung. Es kommt in diesem Abschnitt alles auf das rechte Verständnis des Geistes Gottes an: seine Existenz ist an die einmalige Sendung des SohnesJesus Christus in die Gestalt des Sündenfleisches gebunden, hat also hier ihren Ursprung (V 3); sie bewährt sich in der ständigen Auseinandersetzung von Fleisch und Geist (V 5), und sie verheißt eine überwindung der Spannung zur Leiblichkeit (V 11)1. I Auch in bestimmten Zweigen apokalyptilcher und IOnabger esteniacher Literatur spidt die Lehre vom Geilte Goaes eine enllcheidende Rolle. Er ist Werkzeug Gottes zur Erleuchtung und Errettq des MenJChen, schenkt dem Beter Erkennblia und Eimicht in die wunderbaren Geheimniuc Gottcl, reinigt den Memchcn und bringt ihn Gott nahe, stärkt ihn, daß er in der Versuchung nicht fillt. IQH 12,11 f[: .Ich habe dich erkannt, mein Gott, durch den Ckiat, wdcben du mir ICFben hast, und Zuverläaip habe ich sebön über demen wunderbaren Raucbluß. Durch deinen hcilisen Geilt butdu meinem Inneren Erkenntnis crößDet im Geheimniadeiner WciaheiL- V,t. IQH 3,6 f[; 4,2Off.; IQS4,31; 7,6ff.;9,16; 16,11.
Röm 8,1-11
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Exegese: Die Danksagung von Röm 7,25a bedarf einer Fonsetzung (vgl. 6,17); der Dank des Paulus, den er Gott darbringt, geschieht durch die Vermittlung Jesu Christi, der nicht nur Erlöser aus der Macht des Todes, sondern auch Mittler des Gebetes ist. Grund des Dankes wäre dann der Inhalt von Röm 8,2, wobei die Anrede OE statt J,lE oder tU1Ci~ beizubehalten ist2 • Die umständliche und sicherlich feierliche Wendung am Anfang des Verses ist in zwei Genitive aufzulösen: ))das Gesetz des Geistes und des Lebens«, entsprechend dem ))Gesetz der Sünde und des Todes« am Schluß des Verses. Man erinnen sich dabei an das Gegenüber der bei den ))Gesetze« in Röm 7,23. War der Mensch unter die Sünde verkauft (7,14), unter das Gesetz der Sünde gefesselt (7,23), so ist in Jesus Christus eine neue Ordnung gegeben (wie Röm 3,27: v6J,l0<; lt(atE~), die den Menschen vom Gesetz der Sünde und des Todes erlöst. Auch hier legt Paulus Wen darauf, den BegrifTv6J,l0<; auf das neue Werk Gottes anzuwenden; es sieht so aus, als würde durch das ))Gesetz des Geistes des Lebens« Gottes eigentlicher Wille und sein Wirken im Wort umschrieben. Gemeint ist, daß die neue Ordnung Gottes selbst wieder zur Forderung wird (vgl. den übergang von Röm 3,27 zu 3,31), daß sie als Bund Gottes mit den Menschen zur Verpflichtung wird, und daß das mosaische Gesetz durch den Christus in ein Gesetz ganz anderer und neuer Art verwandelt wird Uer 31,31-34). Das neue Gesetz schenkt die Gabe des Geistes und des Lebens. nvEUl1
V 1: Die Folgerung, daß nunmehr (vüv ist zunächst zeitlich, dann logisch gemeint) keine Verdammnis über die ausgesprochen werden kann, die in Christus Jesus eingeglieden sind, klingt wie Abwehr eines Vorwurfs: an das Gesetz gebundene Menschen könnten Heidenchristen Gottes Gericht angedroht haben 2 OE findet sieh bei. BG Orig. peach. Ephr. Chryl. Tut.; I&l bei ACD Clern. Al.; ~ bei Mare. (?), Method.
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Geist und ncues Leben
(P. S. Minear). Dialogische und kategorische Aussagen gehen ineinander über. Allerdings tritt Barrett R 153 Anm. I für den einfachen gnomischen Aorist TJAE'UittQ(OOE (ohne den Zusatz J,&E, OE) ein 3. Die übersetzung M. Luthen: »SO ist nun nichts Verdammliches an denen ... « ist deshalb undeutlich, weil der griechische Text auf die Aufhebung des Urteils Gottes über den Menschen Wert legt. Da das Kreuz Jesu Christi die Verurteilung der Sünde in sich schließt (Röm 8,3), steht der gerechtfertigte und getaufte Christ unter dem Urteilspruch über die Sünde, gleichzeitig aber auch unter dem Freispruch der Gnade. Man darf den ,Iduldm Ku., des Verses nicht überhören. Der Zusatz: »für die, die in ChristusJesus eingegliedert sind« erinnert an Röm 5,18 ff.; durch die Taufe vollzieht sich die Eingliederung inden LeibChri.ti (Röm6,11.23). Um unseren VenstärkerindenZuaammenhang der folgenden Ausführung zu stellen, haben A vulg. pesch. Chrys. ergänzt: ldJ xatti otaoxa ~'V bzw. haben Xpl nach Röm 8,4 aufgefüllt.
V 5: Die Verkündigung der Befreiung (V 2) und die Aufhebung der Verurteilung (V I) werden ausdrücklich auf den Heilsratschluß Gottes und auf das einmalige Ereignis der Sendung Jesu Christi in die Welt des Fleisches zurückgefühn. Vermutlich wollte Paulus sagen: »Das, was dem mosaischen Gesetz unmöglich war, hat Gott getan, indem er seinen Sohn sandte«. Das Gesetz vermochte kein Leben zu schaffen (Gal 3,21), weil das Fleisch die eigentliche Absicht des Gesetzes vereitelte. Das Unvermögen des Menschen, das Gute zu tun, macht notwendig auch eine Schwäche des Gesetzes offenbar. Das Wort t'töwa'tO'V bezeichnet bei Paulus sowohl das »Nichtvermögen« wie auch das») U nmögliehe«. Das geschichtliche Ereignis der Sendung des Sohnes wird stark betont, sicherlich in der Form einer altm Tradition: »Gott sandte seinen Sohn« (GaI4,4). Da die Not des Menschen in einer besonderen Art des »Fleisches«,ja auch seiner »Leiblichkeit« besteht, legt Paulus Gewicht darauf, daß Gott seinen Sohn gerade in dies »Sündenfleisch« hineinschickt. tv 6JAOUOJ.LQ'tL oaQX~ t'tJAaQ't(a; drückt die Gleichheit der leiblichen SituationJesu mit der unsrigen aus. Diese umständliche Ausdrucksweise ist sicherlich nicht zufällig (Phil 2,7; Hebr 2,17; 4,15), will aber aufkeinen Fall doketisch verstanden werden". Man hat daran gedacht, daß der gnostische Erlöser als ein Fremder in die irdische Materie gebannt wird, oder daß der Begriff6J1OI:wJ.LQ zwar die Gleichheit, nicht aber die Identität der SituationJesu mit der unsrigen zum Ausdruck bringt; aber Paulus will mit Nachdruck hervorheben, daß die Macht der Sünde eine kosmische Einheit ist, daß sie aber an einem ganz bestimmten Punkt durchbrochen wird. In der Leiblichkeit als solcher kann also kein Unterschied zwischen Jesus und uns bestehen, wohl aber in der Art, wie diese Leiblichkeit Jesu bzw. wie unsere eigene Leiblichkeit sich zu der ihr von Gott gestellten Aufgabe verhält. Paulus steht vor dem Geheimnis der ZnR 375 faßt vüv enklitiKh auf und venteht dQa vüv als Ventärkung des einfachen 4Qa. R. Kennzeichen einerGloue werden kann (vgl. Röm 7,25b; 8,1; 10,17). • ~ bedeutet bei konkreten Dingen »Gestalt«, »Encheinungaform«. Du Won muß lCbon sehr früh in chriatologischem Zusammenhang verwandt worden lein.j. ScHNElDEIl (Tb W V 195 ff.) deutet Röm 8,3 10, daß Jesus Christus einen Fleilchesleib trug, der dem mit Sünde behafteten Flei.chealeib der Menschheit nachgebildet war. Aufjeden Fall muß auf Phil 2,7 verwiesen werden: tv ~w,...au ~ yevÖJ&€V~. Damit ist ein christologisches Grundproblem gegeben. 3
BULTMANN weist daraufhin. daß ein 4Qaoft zum
Röm 8,1-11
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l,w,rMlion und drückt mit der dem Judentum eigenen Scheu und Vorsicht die theologische Schwierigkeit aus, daß einerseits die SituationJesu keine andere ist als die unsrige, daß aber andererseitsJesus nicht der Sünde verkauft ist, sondern in radikalem Gehorsam Gottes Werkzeug wird. Er ist in einzigartigem Sinn zum Zeichen der Gerechtigkeit Gottes geworden. Sein Sterben am Kreuz wird zum U rteH Gottes über die Sünde überhaupt, seine Leiblichkeit wird zum Ort, an dem die Sünde ihr U neil empfängt. Der Satrz: Gott sandte seinen Sohn »als Sühnopfer« (xEQl i".&aQ'd~), entspricht hier dem kultischen Sprachgebrauch der LXX (Lev 4,3.14; 5,6), nimmt also ausdrücklich die Kreuzealehre von Röm 3,25 wieder auf. Die alttestamentliche Ordnung wird durch ein neues kultiJches Geschehen abgelöst5 • Auch in diesem Zusammenhang liegen mythische Motive, die das Geheimnis der SendungJesu zum Ausdruck bringen sollen. Bezeichnend ist der übergang zum Absichtssatz im .. Wirc(-Stil (V 4): Die Sendung des Sohnes und die Durchführung des Rechtsverfahrens am Kreuz haben die Absicht, daß die Rechtsforderung Gottes unter uns erfüllt wird. Damit wird ein Grundton des Römerbriefes angeschlagen: Das Heilsgeschehen dient dazu, die Autorität des göttlichen Willens aufzurichten und durchzusetzen (Röm 3,31; 6,13). Dieser neue Gehorsam vollzieht sich im Glaubenden so, daß er den Maßstab des Fleisches verwirft und dem Maßstab des Geistes gehorcht. Es ist nicht zu übersehen, daß in der Negation t'iI oOQxa xEQUta'toVoLV eine deutliche Abwehr liegt. Paulus will sagen, daß der Anspruch, den Geist Gottes zu haben, nur dann berechtigt ist, wenn gleichzeitig der Kampf gegen das .. Fleisch« geführt wird. Auch der Rabbi, auch der Pneumatiker glaubt, im Besitz des Geistes Gottes zu sein. Paulus ruft aber beide zum Kampf gegen das »Fleisch« auf. Beide müssen notwendig den Kampf um den Geist Gottes deshal b verlieren, weil sie die Gefahr des »frommen« Fleisches in der Existenz des Glaubenden unterschätzen (Phil 3,3; Gal5, 16-18). Es gehört zur Besonderheit der paulinischen Theologie, daß sie mit dem Begriff des »Fleisches« eine Abgrenzung vornimmt, die durch alle theologischen und menschlichen Lager geht und damit das Menschsein in seiner letzten Tiefe, in seiner Schwierigkeit und Not aufreißt. Was »Fleisch« ist, wird duTch dnt »Geist« als solches erkannt uruf entlarvt. Paulus sieht also den Glaubenden in den gleichen Kampf gestellt, in dem auch das qumranitische Judentum steht. Der Glaubende ist als Sünder »Fleisch der Sünde«, als »Erwählter« dagegen Glied der »ewigen Gemeinschaft«6. Man muß also damit rechnen, daß in der übernahme des Gegensatzes von Geist und Fleisch eine alte Tradition benutzt wird, die nun eine neue Gestalt annimmt. »Fleisch« ist die Machtsphäre des Menschen, in der er sich dem Willen Gottes entzieht und sich gegen ihn auflehnt; ).Geist« dagegen ist die Umschreibung der Herrschaft Gottes, die dem Wort und WerkJesu gemäß ist. Die Gebundenheit an Jesus Christus ist das neue und entscheidende
xam
JE.
5 Früher ab man in der WcndWII xal ~~ einen Zuaatz, dcslCll Bedeutung fiaslicb war. Neuerdinglvcrweiat man mit Vorliebcaufden kultiachcn Sprachscbrauchdcr LXX undaufdie Ipczicllc Bcdcut~ von .CPlta in 2Kor 5,21 ab »Sühnopfe.... S. DANlEI., Rcchcrchcs lur Ic vocabulairc du culte dana Ja Scpcantc, 1966,301 0:; P. SruHLMACHER, Zur ncueren Excgcac von Röm
3,24-26; 323. • VII. K. G. KUHN, neLQCICJ~~ta~ im Neucn Testament, ZThK 49, 1952,211.
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Geist und neues Leben
Kennzeichen für die christliche Geistaussage. Selbstverständlich klingt der Abschluß von V 4 nicht nach einer Bedingung, sondern nach einer erfüllten Tatsache:jetl;t vollzieht sich unter uns die Rechtsforderung des Gesetzes,}ell:l wandeln wir nach dem Maßstab des Geistes Gottes 7 • V 5 f.: Paulus will nun beschreiben, wie verschieden und wie gegensätzlich diese beiden Machtsphären »Fleisch« und »Geist« sind, daß also alle Vorsicht geboten ist, um sie voneinander zu unterscheiden. Wer sich von fleischlichen Gesichtspunkten beherrschen läßt und so sein Leben führt, trachtet nach dem, was Absicht und Ziel des Fleisches ist, wie anderseits auch derjenige, der sich vom Geist Gottes beherrschen läßt, auf das aus ist, davon bestimmt ist, was Absicht und Ziel des Geistes Gottes ist. Jedes »Sei,,« (ot ÖVtEQ hat ei" »Gesinntsei,,« , ei" » T,achte,,« (cpQOVELV) bei sich. Ohne Zweifel hat V 5 die Form einer Regel: sie erinnert den Glaubenden daran, daß er sich selbst dieser Regel einzuordnen hat, daß er außerdem vermeiden muß, ihr zuwider zu handeln und sich durch die Machtsphäre des Fleisches mißbrauchen zu lassen. Das andersartige »Sein« (ot ÖVtE;) schließt das entsprechende »Trachten« (cpQOVELv) in sich 8 . Eng angeschlossen an V 5 ist V 6, in dem das jeweilige Ziel des Trachtens aufgewiesen wird. Die Form des Satzes ist stark antithetisch, wobei die Kopula fehlt. »Tod« ist das Ergebnis des fleischlich-menschlichen Trachtens, »Leben und Friede« (Verdoppelung!) ist das Ergebnis des Trachtens des Geistes. Alle diese Begriffe haben eine eschatologische Beziehung, die aber sicherlich nicht nur forensich gemeint ist: Ergebnis und Ziel bestimmen schon jetzt die Art und den Inhalt unseres Wollens. Wie V 5 f. beginnt Paulus in V 7 f. und V 9-11 mit einer neuen Gegenüberstellung der beiden Seinsweisen »Fleisch« und )>Geist«. Zunächst klingen auch die Sätze V 7 f. objektiv und lehrhaft, indem sie das ))Sein im Fleisch« beschreiben; mit V 9 dagegen setzt die persöriliche Anrede UJlEL; ein, die dann zum Höhepunkt des ganzen Abschnittes führt. V 7 f.: Das Trachten des Fleisches ist nichts anderes als Feindschaft gegen Gott (vgl. Röm 5,10: ~ot ÖVtE;). Der Aufbau des Satzes ist ähnlich wie V 6: weil das Trachten des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist. ist sein Ergebnis der Tod. Es kommt Paulus aber darauf an. den Begriff des Fleisches und die Art seines Trachtens bis in die letzte Tiefe zu durchdringen. Die Feindschaft des Fleisches besteht darin, daß es sich dem Gesetz Gottes nicht unterordnet; Paulus steigert sogar und behauptet, daß das Fleisch auch dann, wenn es will, nicht die 7 Sel.. tventindlich könnte man »unter Uni« odeuin Uni« Ü benetzen (tv "-,""v). Die Ilec:htafordenmg Gottes (Sing.!) wird »unter uns« (objektiv) erfüllt. Gottes Geist ist sachlich identisch mit der uns z~rochenen Gerechtipeit. I V 5 wird mißventanden. wenn man in ihm nur die Untencheidung von zwei Mentchenarten sicht. EI geht bei Paulus nicht nur um venchiedene Seimweisen. sondern auch um zwei bleibende Möglichkeiten und um ein ltindiga Entweder-Oder. in denen der Christ steht. Dernichtchriadiche Mensch ist geknechtet und dem Tod verfallen. während der Christ dank der Gabe des Geistes zur Entacheidung in der sewonnenen Freiheit aufgerufen wird. LAoaJt 196 betont, daß qvovetV geradezu »Panei nehmen für eine Sache« ist. und warnt exegetisch davor. V 5 tautologisch auszulegen. Nimmt man diae Warnung ernat, dann muß man wohl sagen, daß Sein und Leben im Geist Dichta anderes ist als ein Sein und Leben in der Gnade. Dies Sein und Leben in der Gnade vollzieht sich in der Paneinahme für du, wu der Geist will. Für Paulus ist sowohl der Jude als auch der Heide vom .. Fleisch« beherncht, er stellt aIIo beide gleich.
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Fähigkeit hat, sich unterzuordnen'. Auch in V 8 bleibt Paulus lehrhaft und kategorisch, ja er wiederholt das harte Urteil: oU ÖUYavtaL. Wer sein Leben nach fleischlicher Norm ruh", vermag nicht, Gott zu gefallen. Die Erfüllung des Gesetzes hat den Sinn, Gott zu gefallen; auch der Gehorsam der Gemeinde gegen die apostolische Tradition steht unter dem Gesichtspunkt, wie man »Gott gefällt« (IThess 4,1). Mit V 9 ff. setzt ein ganz neuer Ton ein, der schon äußerlich durch die persönliche Anrede kenntlich ist; diese Anrede ist sogar betont an den Anfang gestellt. Auch das stereotype y6Q (V 2.3.5.6.7) wird jetzt durch das wiederholt gebrauchte d öt (V 9b. 10. 11) abgelöst. Paulus beruft sich dabei aufdie Tatsachen, die in der Gemeinde anerkannt sind, und schließt aufdas, was aus ihnen folgt. Es handelt sich also immer um dasselbe Schlußverfahren. Tatsache ist, daß das »Seinee der Gemeinde ein Sein ist, das vom »Fleisch« geschieden ist. Das Leben im Geist (ElvaL tv m'EVf.U1'tL = ~i1v tv 7CvE1Jf.U1'tL) ist durch die Rechtfertigung und die Taufe zu einem grundsätzlichen Tatbestand geworden. Die Existenzgrundlage für dies Leben im Geist steht also hier nicht zur Diskussion. Die Gemeinde soll nicht erst das »Fleischee ablegen und den »Geistee anziehen, sie steht vielmehr im Geist (E. Gaugier ). Aber in jedem Handeln muß der Glaubende aufgerufen werden, sich dieser grundsätzlichen Tatsache bewußt zu sein,ja, ihre Wirklichkeit zu seiner eigenen Wirklichkeit werden zu lassen. Paulus weist daraufhin, daß diese neue Existenz im Geist sich daraufberufen kann, daß Christus selbst bzw. Gott selbst im Glaubenden wohnt. EÜtEQ (3,30; 8,17) drückt weder Bedingung noch Bedenken aus, sondern bezieht sich aufdie Voraussetzung und Gültigkeit des christlichen »Seinsee lO • Der Satz: »Gottes Geist wohnt in euchee (I Kor 3,16; ähnlich IKor 14,25) entstammt einem alten katechetischen Wissen, das Paulus gelegentlich in Erinnerung bringt l l . Es folgt im V 9b eine kategorische These, die vielleicht aus einem anderen Zusammenhang stamlJ'lt. Wahrscheinlich ist V 9b ursprünglich eineSeWtformel, die in der Gemeinde eine ähnliche Bedeu tung hat wie 1Kor 16,22; Did 10,6 (vgl. auch den Zusammenhang mit der Abendmahlsliturgie!) . Wenn Paulus diese Scheideformel hier einfügt, so will er sagen, daß auch sie mit der Zugehörigkeit zu Christus die Gabe des Geistes Christi verbürgt. Wer den Geist Christi nicht hat, wer nicht glaubt, denkt, aus diesem Bestimmtsein durchJesus Christus heraus handelt, beweist dadurch, daß sein Anspruch, Knecht Jesu Christi zu sein, falsch ist. Man achte auch auf das hervorhebende ofrtOS! Paulus setzt in unserem Zusammenhang voraus, daß Gottes Geist, Christi Geist und Jesus Christus selbst miteinander verbunden sind. • IpEpb 8,2 kann in einem ähnlichen Stil die Scheidung vollziehen: ol oaqxLxolTb JMU~ qciooav 06 ~ o66t ol ~xolTb oaqxLxlL IO.yuIg. übersetzt üEQmilli lamen, M. LUllIEa: »10 anden«. M.J. LADaANOEdeutet daQnacb: si quidem. Schwerlich richtig E. FUCHS, Die Freiheit des Glauben .. 1949, 96: .Der konditionale Nebensatz enthält eine Warnung«. 11 Str.B 111241 weistaufdaahebr.~. (aram . .,') alsXquivalent fürobwv hin. Jüdisch ist der Gedanke, daß der Geist sich auf einen Menachen niederli.ßt Uoh 1,33). Aber auch dies .Wohnen« dÜJfte eine längere Vorgeschichte haben, zumal die Parallelen Röm 7,17.20 zu beachten sind. Eine dem Menschen überlesene Macht .wohnt« nach alter und verbreiteter Vontd.luq.in ibm«.
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Geiat und neues Lebens
Xounoü dvaL drückt rechtlich die Hörigkeit, theologisch die Abhängigkeit aus (vgl. I Kor 1,12; 3,23 u.ö.). Der Satzbau von V 10 weist einen strengen Parallelismus auf. Wo der Geist Christi ist, ist er selbst gegenwärtig; wohnt er im Glaubenden, dann steht zwar dessen Leib unter dem Gesetz des Todes um der Sünde willen (&a ~(av), ist aber die Gabe des Geistes Gottes Unterpfand des eschatologischen Lebens um der Gerechtigkeit willen (614 6LxaLOOi'MJv) 12. Der Gegensatz: oWJ.UI-xve'ÜJ.UI wird von den meisten Kommentaren anthropologisch verstanden; dann ist xve'ÜJ.UI )~as vom Körper zu unterscheidende Innenleben des Christencc (ZnR 391). Dagegen spricht die Tatsache, daß in unserem ganzen Abschnitt nur vom xve'ÜJ.UI iteoü, 1tVEÜJ.UI XQLatOÜ und XQLat6~ die Rede ist, also ein unvermittelter übergang in die anthropologische Denkfonn auffallend wäre". JtY2'ÜJ.UI ist auch hier eine Umschreibung der Wahrheit und Macht Gottes, die in dem Won und WerkJesu dem Menschen begegnen. Dil IAh,t l10m Geist Gotlts waJart die Botsclulfl DOll dn Ruhifmigrmg »txtra IIOS ft , GlclullJisint sit aber im komtlerI i,tlisclrm IAbm 14. Noch ein letztes Mal stellt Paulus in V 11 folgernd die in der Verkündigung formulierte Behauptung fest: ))Wenn das wahr ist ... cc (d 6t). Die auf Gott bezogene Prädikation 6 tye(Qa~ 'tOv "I1')ooüv tx v€XQÖlV weist ausdrücklich aufRöm 4,24 zurück. In Gebeten und Bekenntnissen findet sich dieser beschreibende und preisende Stil des Judentums und Christentums lS • Offenbar gehört auch die Wiederholung der Prädikation (6 tyd(K1~ tx v€XQÖlV) als Verstärkung zur feierlich hymnischen Redeweise. Liegt eine unmittelbare Anspielung aufdas Bekenntnis Röm 4,24 f. vor, so wendet Röm 8, 11 dies Bekenntnis auf die zukünftige Heilstat Gottes an: er wird unsere sterblichen (= dem Tode verfallenen) Leiber zum Leben erwecken 16. twoxoLetv ist in diesem Zusammenhang frühjüdisch und hymnisch festgelegt (Achtzehnbittengebet; Röm 4, 17). Daß Gott den hl. Geist gibt, damit die Menschen wieder lebendig werden, ist ein Glau benssatz des apokalyptischen Bildes Ez 37,14. In der Geschichte der Ausle12 ZnR. 389 wendet lich mitlUten Gründen gqeD die Deutung de. Vordersatzes auf du Sterben des ahm Mensc:ben in der Taufe, denn dies Sterben gachieht nicht »um der Sünde«, tondem »um der Gem:htipeit willeD4l. Auch sei Subjekt jenes Sterbau nicht der Leib, tandem du Ich des Men1Cben. 5au.A1TD, Gerecbapeit 262 lieht in Röm 8,10 einen AUldrucir. dafür, daß auch aufdem Glaubenden noch ein Zwieapalt liegt. Dieacr Zwiespalt zwiacben Geist und Leib, dies Urteil: »zu. gleich Sünder und Gerechter« wird erst dann aufsehoben, wenn der Leib erneuen wird. ~ ist vielleicht im Sinn von ~ au&ufuleD, ist allerdings noch ltärker (Röm 4,19; Hebr 11,12): der Leib des Menschen ist in Goues AUlen tot. U CJliJpa und KYripa lind keine Faktoren, aus denen der Christ »besteht«, tandem Faktoren, die ibm vorgegeben lind und die ihn daber bestimmen. Zum KVlÜpa-Bqrift'hat man vor allem die Parallelen der WJ.istisda M,ptiJ: herangezogen (R. RErrzENSTEIN, Hdlen. Myst., 3. Aufl. 1927, 321 8:). DerChristul extra noa (Röm 8,3) wird zum Chriltus in nobis (Röm 8,10). B-uTHR. 268 fF. letzt den .christus in UDS« mit dem göttlichen Wort an UDS gleich. I. E.FvcHl, a.a.O. 97 f[ webn lich ebenfalla mit RechtgegeD die Annahme, daß in Röm 8,10 eine anthropologische Auuage vorliegt und daß wir es hier mit dem Gegensatz äu8erlicb-innerlich zu tun haben. U Zum Stil der jüdischen Berakot YJI. J. EUOOEN, Der jüdische Gottesdienst in leiner geacbicbtlieben Entwiclr.lUDI, 3. Auf). Igs I; E. NORDEN, Agnc»101 Tbec., 2. Aufl. 1929. Zu den zahlreichen Varianten in der BezeichnWII des Jesua-Namena YJI. ZnR 392 Anm. 81. I. Die AuferweckWIIJeau Christi itt auch IOOIt bei Paulus Bürpcbaf\ und Vorbild UDlCfer" Den Auferweckuna (IKor 6,14; 2Kor 4,14; Pbil 3,21; ITbeu 4,14).
Röm 8,1-11
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gung spielt das Nebeneinander der heiden Lesarten: »durch den in euch wohnenden Geist« (ÖLeI 'tO'Ü tvot.xo'Üvt~" A) bzw .••wegen seines in euch wohnenden Geistes« (ÖLit 'tO tvot.xoüv amO'Ü 1CVWJ.I(l BDGx lat sy) eine große Rolle. Der Genitiv drückt stärker die Verbundenheit von Geist und Auferweckung aus: im Geist liegt die Wahrheit und Macht des Wortes, darum ist im Geist auch die Verheißung und Möglichkeit der Auferweckung ~egeben. Der Akkusativ ist vorsichtiger, wahrt stärker einen bestimmten Abstand zwischen Geist und Auferweckung: weil Gott sich durch die Wahrheit und Macht seines Wortes an uns bezeugt hat, läßt er uns nicht los, sondern vollzieht die gleiche Machttat, die er an Jesus Christus getan hat, auch an uns. Der Geist ist Unterpfand, Bürgschaft für das zukünftige Geschehen. Einmal wird der Zwiespalt zwischen göttlichem Wort und menschlicher Existenz aufgehoben werden 17. Sieht man auf den ganzen Zusammenhang unseres Abschnittes zurück, dann wird man in dem Verständnis des ••Geistes Gottes« die entscheidende Antwort auf die Fragestellung von Röm 7,7-25 finden: der Geist Gottes ist die Voraussetzung für die Erlösung des Menschen. Er wird von Paulus als die Vergegenwärtigung der Sendung des Sohnes beschrieben (Röm 8,3) und an die Auseinandersetzung mit dem .. Fleisch« so gebunden, daß das ganze Problem des Menschseins ebenso angerührt wird wie im KlagerufRöm 7,24. Die Rechtfertigung ist die Bürgschaft für die leibliche Auferweckung. Ohne die kosmische überwindung des Todes wäre die Heilstat Gottes unvollständig.
Exkurs Zur Auseinandersetzung: Gesetz, Geist und zum Gegensatz: Geist und Fleisch 1. Die gegenwärtige Fragestellung, ob Paulus zu verschiedenen Gruppen in Rom spricht (P. S. Minear) oder in einer Art Rechenschaftsbericht seine eigene Position gegenüber einem gesetzesgebundenen Judenchristentum und einem das Gesetz abstoßenden Heidenchristentum abklärt, setzt verschiedene Aspekte frei. Dazu gehört die Frage nach der "Rechtsforderung des Gesetzes« (8,4). Es liegt Käsemann R daran, im zweiten Hauptteil (Kap. 5-8) stark den Freiheitsgedanken herauszustellen (Tod, Sünde, Gesetz) und gegenüber den Mächten des alten Äons die Macht des Geistes zu betonen. Das Leben im Geist ist nicht als Gesetzeserfüllung (etwa durch die Liebe), sondern als Erfüllung des Gotteswillens zu begreifen, der sich im ursprünglichen Gesetz kundtut (S. 210). Etwas anders liegt die Situation, wenn nach G. Friedrich, Das Gesetz des Glaubens (Röm 3,27), ThZ 10, 1954, 40 1-417 v6~ an den entscheidenden Stellen unseres Briefes die Tora bedeutet und im Sinn von 3,21.27 nicht nur Verdammnis, sondern auch den Glauben selbst bezeugt. Zum "Gesetz des Glaubens« kann die Tora erst nachträglich, von Christus her, 1'7 Daß Gott -die Toten belebt« (Achtzcbnbittengebet) ist rur daaJudentum ebenJO gewiß wie der Satz des Ezechiel: »Ich will meinen Geist in euch geben, daß ihr lebendig werdet« (37,14). Au. Ez 37,14 wird gefolgen: »In dieser Welt hat mein Geist in euch Weiaheitgegeben, aber in der Zukunft wird mein Geist euch wieder lebendig machen« (Ex r 48; Str-B 111 241). Der in Chriltul uni geIchenltte Geist ilt auch der Lebensgeiat, von dem Ezechiel redet.
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Geist und neuea Leben
werden. P. von der Osten-Sacken (Röm 8 als Beispiel paulinischer Soteriologie, 1975,226 ff.) betont, daß das Gesetz die Struktur des Seins des U nerlösten wie des Erlösten ist. Tritt eine Änderung des Menschen im Verhältnis zum Gesetz ein, so verändert sich auch das Wesen des Gesetzes. Damit steht die Dialektik des Gesetzesbegriffes zur Diskussion: Liegt das Schwergewicht aufder Befreiung von der Gesetzesmacht oder auf der Forderung, die das Gesetz auch jetzt erheben kann? 2. Käsemann R 211 f. faßt in der Frage: Geist-Fleisch folgende Ergebnisse zusammen: I. Es handelt sich religionsgeschichtlich um die Ausdrucksform eines nichtjüdischen metaphysischen Dualismus (R. Meyer, ThW VII 113). Zugrunde liegt eine eschatologische Betrachtungsweise, die mit der Lehre von den heiden.Äonen eng verbunden ist. Es handelt sich um weltbeherrschende Mächte, die um jeden einzelnen Menschen kämpfen und von ihm volle Hingabe verlangen. 2. Die viel umstrittene Formel ))in Christuscc ist aufs engste mit der Antithese Geist-Fleisch verbunden; sie hat lokale, modale, instrumentale Bedeutung. Auch hier geht es um den eschatologischen Anbruch des neuen Äons und um einen Rahmen, der kosmisch universal, nicht anthropologisch verengt ist. Die Bindung der Geistlehre an die Christologie ist entscheidendes Merkmal paulinischen Denkens. In diesem letzten Punkt finden sich die verschiedenen theologischen Ansätze zusammen. Wird die Rolle des Gesetzes anders bestimmt, dann kann man in der religionsgeschichtlichen Vergleichung aufphilonische Texte zurückweisen, die zum Verhältnis Geist-Seele zu vergleichen sind (z.B. E. Brandenburger, Fleisch und Geist. Paulus und die dualistische Weisheit, 1968). In diesem Fall fragt man nicht so sehr nach der Fremdheit der kosmischen Macht als nach der Struktur der menschlichen Existenz (P. von der Osten-Sakken, a.a.O. 221 tr.). Der Mensch lebt im Anspruch des Gesetzes Gottes, aber Fleisch-Geist bestimmen den entgegengesetzten Antrieb, unter dem der Mensch steht. 3. In der gegenwärtigen Diskussion wird der eigentliche Ansatz im Gesetzesverständnis dann verfehlt, wenn man nicht vom mosaischen Gesetz und seiner halachischen Auslegung ausgeht, die Lebensordnung des Judentums war. Mit ihm war der eigentliche Rechtswille Gottes gegeben (ÖLXQ(o)JlQ too v6J.WU), der nach Paulus auf ein » Tun« ausgerichtet war (Röm 10,5 = Lev 18,4). Gottes eigentlicher Rechtswille wird aber im Annehmen, Gtltuiftwerdm, Mitltidm mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn bestätigt. Am Glaubenden vollzieht sich etwas, was über das )Tuncc hinausgeht. Der Rahmen, in dem das geschieht, ist der Neue Bund, die neue Lebensordnung, die mit der übernahme der Taufe gegeben ist. Die Verbundenheit von Geist Gottes und den ))Zeichencc von Taufe und Abendmahl ist für Paulus konstitutiv. Es ist also keineswegs selbstverständlich, den »Rechtswillencc des Gesetzes mit der Zusammenfassung der Gebote (Röm 13,8-10) gleichzusetzen. »)Rechtswillecc des Gesetzes ist eher das erste Gebot, dessen Ausdrucksform in der Sendung des Sohnes liegt. Der new GtJrorsQm ist ~t Erfüllung des mtm GtlHltts. 4. Der Gegensatz: Fleisch-Geist, der für die paulinische Theologie konstitutiv ist, steht im Zentrum des zweiten Hauptteiles des Römerbriefes (c. 5-8). Er hat die Aufgabe, die Auslegung des Rabbinates (PhiI3,3.8 f.) ebenso in Frage zu stellen wie die Sicherheit des hellenistischen Christentums (Röm 8,4). Religionsgeschichtlich steht das qumranitische Vergleichsmaterial den paulinischen Texten näher als das phiionische (gig. 29 ff.; leg. alleg. 131-42). Die Tatsache, daß Paulus den Gegensatz Fleisch-Geist auf alle Gebiete seines Denkens kritisch anwendet, ebenfalls gegenüber allen Gruppen in der Gemeinde,läßt darauf schließen, daß wir es hier mit einem von Anfang an mitgegebenen Zug seines apostolischen Zeugnisses zu tun haben (vgl. dazu G. Strecker, Befreiung und Rechtfertigung, Festschrift für E. Käsemann, 1976,478-508). 5. Der von H. Lietzmann eingeführte Einwurf eines zweifelnden Christen: »Ich merke
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nichts davon, daß ich Gottes Kind bin« ist unnötig und die von ihm gegebene Antwort: "Wenn du nach den Geboten des Geistes handelst, bist du auch Sohn« ist theologisch unrichtig, weil ein falsches Geistventändnis dahinter steht. Es handelt sich in Röm 8 nicht um den an sich selbst verzweifelnden Christen, sondern um die Auseinandenetzung des Paulus mit venchiedenen Gruppen, vielleicht sogar in der römischen Gemeinde selbst. Die Gabe des Geistes Gottes bzw. die Kraft, die dem Evangelium eigen ist, wird von Paulus auf Ereignis und Wirkung: "Gott sandte seinen Sohn« (8,3) zurückgeflihrt. Im Annehmen des Wortes, im Getauftwerden, in der Weitergabe des Wortes, in der Nachfolge im LeidenJesu Christi liegen die Möglichkeit.en und Voraussetzungen Gottes, Menschen Heilsgewißheit zu geben. Die Jtitrliclu Aussage Röm 8,3 belriilt behmschende Stellung in Röm 8 /-J/. J
Röm 8,12-17: Geist und Kindschaft
Abo siad wir, meiDe Brüder, dem Fleische pgenüber Dicht verpflichtet, nach dem Fle_he zu leben! 13 DemI wenn ihr DaCh dem Fleiac:he lebt, werdet ihr aterben. Wenn ihr aber durch den Geilt die Taten da Leibes tötet, werdet ihr leben. 14 Denn alle, die vom Geiste Gottes ptrieben werden, die siDd Söhne Gottes. 15 Denn ihr .....t ja Dicht den Geist der Sklaverei empfanFn, so cIa8 ihr euch wieder fürchten müBtet, sondern dea Geilt der Sohn schaft, in welchem wir beteod .snalen: Abba! Vater! 16 Der Geist leIbat bezeugt ct.durch unserem Geist, da8 wir Gottel KiDder sind. 17 Sind wir aber KiDder, dann siDd wir auch Erben, uDd zwar Erben Gottes und Miterben Christi, wenn anders wir mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm verherrlicht werden. U
AnalYse: Der Gegensatz »Geist und Fleisch«, der den Abschnitt Rörn 8,1-11 beherrschte, wirkt in der hervorgehobenen Feststellung von V 12 nach; V 13 hat die Aufgabe, diese Forderung zu unterstützen. Beide Verse betonen die Notwendigkeit, sich dem Gesetz des Geistes und des Lebens (8,2) unterzuordnen; in diesem Sinn bilden beide Verse eine geschlossene Einheit. Die Pflicht zum Gehorsam, die aus dem Gesetz des Geistes und des Lebens entsteht, kann nur dann richtig verstanden werden, wenn man das neue Gesetz als Ausdruck der Sohnschaft und nicht der Knechtschaft auffaßt. In diesem Sinn haben V 14-17 die Aufgabe, den neuen Gehorsam als den Gehorsam des Kindes und des Erben Gottes zu beschreiben. Stilistisch fällt der übergang vom ))Wir« zum ))Ihr« in V 12.13 auf; ihm entspricht umgekehrt der Wechsel vom »Ihr« zum ))Wir« in V 15. V 14 fällt durch die Form einer Regel auf und ist sicherlich eine eigene, eingefügte Tradition (wie V 9b). Exegese: Paulus nimmt in unserem Abschnitt mit Nachdruck das Verständnis der Verpflichtung, des Dienstes, der Forderung des Gesetzes wieder auf (Röm 6,12-14.18-19; 8,2.4). Kann der Glaubende gewiß sein, daß der Geist Gottes in ihm wohnt, so gehört zu dieser Gabe notwendig der neue Gehorsam. V 12: Der neue Einsatz (llQa oUv wie in Röm 7,25) wird durch die Anrede äÖEMpo( betont. 6
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Geist und Kindschaft
dem Geist und nicht dem Fleisch zu gehorchen. Paulus will sagen: der Christ darf dem Fleisch nicht zu Willen sein. Er stellt das Bild des Schuldnerseins in den Vordergrund im Hinblick auf unsere Verpflichtung dem Geist gegenüber l . Der Gedanke, der Glaubende könne sich dem Fleisch gegenüber verpflichtet fühlen, liegt Paulus fern. Es ist aber doch zu beachten, daß PallisR 101 unseren Vers antignostisch als Antithese gegen die Losung: ta ti\; ooQXo; tfI o
LAGaR 200; PAUlsR 101 umschreibt den Sinn des Verses: öqll!lAol'2\' tiJv 06 TfI OCIQX(,
cUA4 ~ KVriJ~L. Unendliche Schuld verlangt unendlichen Gehonam! 2 Gut ist die klare Bestimmung des Geistes bei BuTHR 274: .. Der Geist, oder wu duselbe sagen will: die UDI übennächtig gewordene, die von Uni emstgenommene Wahrheit ... « Und doch muß selbst dieae Wahrheit gegen eine intellektualistische und lediglich kritisch ventandene Aussage geachützt werden. 1 E. FUCHS, a.a.O. 98: .. Daher kommt es, daß Paulus keine Ontologie treiben kann, obwohl er durchaus 10 etwu wie Seioaweisen in den Blick bekommen hat.« • al ~~ lOiI 0
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Schranken zu haltencc (ZnR 393). Es geht aber theologisch um mehr. Der Ausdruck meint die stete Absage, real und konkret, an die Eigenmächtigkeit des Leibes mit seinen Forderungen und Wünschen; 1tVE'Uf.Ul'tL nennt das Mittel des Geistes Gottes, durch das wir ))tötencc. ) ) A m Geist selbst, am Geist allein soU das Fleisch sterbencc (K. Barth)5. Durch den Geistbesitz wird der Kampf mit dem Fleisch nicht aufgegeben, sondern unter einem anderen Vorzeichen erneuert, in seiner Härte sogar bestätigt. Dabei ist der Kampf gegen das Fleisch immer auch ein Kampf gegen die Eigenmächtigkeit des Fleisches. ~E cbtoitvtIOXELV drückt die notwendige Konsequenz, das zukünftige Gericht Gottes aus; ganz entsprechend ist ~"aw6E eine betonte Beschreibung der göttlichen Verheißung. Die alttestamentliche Alternative von Tod und Leben (Dt 30,15;Jer 21,8) wird von Paulus mit dem Kampf zwischen Fleisch und Geist verknüpft. Der übergang von V 13 zu V 14 ist logisch nicht ganz einfach: ist die Absage an das Fleisch ein wichtiges Zeichen des ))Getriebenwerdens durch den Geistce? Oder kommt es Paulus darauf an, zu sagen, daß der neue Gehorsam als Akt des Geistes Gottes zur Gabe der Sohnschaft gehört? Der Abschnitt V 14-17 muß als eine innere Einheit angesehen werden, dessen Stichwort: ))Sohnschaftcc in V 14 zum ersten Mal auftaucht. Das Gesetz des Geistes, das uns in den Kampf mit dem »Fleisch« treibt, ist ein Kennzeichen der Sohnscho.ft und nicht der SkltuJerei. V 14: Die Formel: 1tVE'Uf.L(l'tL ltYEcrltm (Gal 5,18) klingt ekstatisch und ist sicherlich alt. Der Begriff der ))Sohnschaftcc war zwischen Judentum und Urchristentum strittig (Dt 14, I). Unser Vers klingt wie eine im Kampfgegen das Judentum gewonnene Bestimmung dieser Sohnschaft. Die Verbindung von Geist und Sohnschaft ist auch sonst bei Paulus bezeugt (Ga14,6 f.). Dem Stil nach ist V 14 eine Art Regel oder Bestimmungssatz: der Vers sagt aus, wer Sohn Gottes ist und wer nicht (OOOL ... oVtOL)6. Eigenartig ist der übergang von dem Aktiv itava'toün (V 13) zu dem Passiv ltyovtaL (V 14)7. Es liegt nahe, dies Aktiv mit dem Passiv zu verbinden: Wenn man die ))Handlungen des Leibesec tötet, dann gehört auch dies Geschehen zum Getriebenwerden durch den Geist Gottes. Man darf aus diesem ltyro6aL keinen gesetzlichen Zwang herauslesen, wohl aber einen Hinweis auf die Macht 5 In anderer Ausdrucksweise begegnet die gleiche Aufforderung in Kol 3,5: vtXQ(OOau ~Q ~". Man tötet die irdischen Glieder, indem man ihre Handlungen verwirft. Im Rabbinat gibt es die Vorstellung, daß man den bösen Trieb niedertret~n, niederzwingen soll (Ab 4,1; Tamid 66a; Str-B 111 241). Fleischlich leben heißt für Paulus: triebhaft leben; geistlich leben ist für ihn: im Gehorsam gegen das Wort Gottes leben. KAsEMANNR 218 spricht von der Distanz zwischen Pneumatiker und irdischem Menschen. • Eigendich heißt der Vers ausschließend: »so viele« oder »nur die« (6oot.). Die LA: \/[0( dcnv &EOÜ (BG Orig.) hebt die Würde des Christen heraus. 7 Du Pasliv: »die gettieben werdencc muß erhalten bleiben (gegen ZnR 394: ••die sich treiben Iassencc). Man erinnert sich an Ri 13,25: .>der Geist des Herrn fing an, ihn zu treibencc (= drängen). Es war für du Judentum schwer, dies »ekstatische« Element festzuhalten (Str-B 111 242). SANDAYHfADLAMR 202 legt besonders darauf Gewicht, daß sowohl Röm 8,14 als auch 8,16 ein mystisches Verständnis von Röm 8,9.11 zulassen. Das »Dring"." tmd »B,~,.,,,.,, da Grotes ~tigt, wit PtnlÜIs d4s .. WONlm" da Grolls rJff'stmtd". Wm wiU. M. LUllfElllegt besonderes Gewicht auf den engen Zusammenhang zwischen Röm 8,13 und 8,14: _vom Geist getrieben werden heißt: in freier Bereitschaft freudig das Fleisch (= den alten Menschen) in den Tod geben, d.h. alles verachten und verneinen, was nicht Gott istcc (E. ELLWEIN 310).
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des Antriebes. V 15 stellt Knechtschaft und Sohnschaft als Gegensätze einander gegenüber (Gal4,6 f.); Gottes Geist ist ein Geist der Adoption, d.h. er entspricht der Stellung des Sohnes (Gen. qual.). Die vorangestellte Negation o'Ö yiJ.Q tla~E"tE wird durch die Position QUa tAilßE"tE wieder aufgenommen. utoftro(a (Röm 8,23; Gal4,5; Eph 1,5) ist eigentlich ein Rechtsakt und drückt ein objektives Geschehen aus. Paulus mnnen hier an den Taufvorgang, wie ~E"tE deutlich macht'. Wir haben einen festen Predigtsloff vor uns, der uns auch in Gal4,6-7 entgegentritt. Versuchen wir, einen geschlossenen Gedankengang wiederzugeben: Ein Leben nach dem »Fleisch« führt zum Sterben, muß in eine neue Knechtschaft zurückfallen, steht aber unter der Bedrohung durch Gott und bleibt ein Leben in der »Furcht«. Ein Leben im »Geist« wird zum Gegensatz gegen den »U mtrieb des Leibes« (= Fleisches) und steht in dieser Auseinandenetzung unter der Verheißung des Lebens. Ein derartiger Gegensatz gegen das »Fleisch« in seiner Eigenmächtigkeit ist nur in der Freiheit der Sohnschaft durchführbar, wird nur im Bewegtwerden durch den Geist zur Wirklichkeit. Im Begriff »Knechtschaft« liegt für Paulus die Unfähigkeit, in Freiheit über sich selbst zu verfügen, die Unmöglichkeit, den »Herrn« so zu ventehen, wie er verstanden werden muß, und die Hemmung, mit ihm penonhaft zu reden. »Sohnschaft« dagegen ist Ausdruck für die Freiheit des Getauften, der keine andere Bindung anzuerkennen braucht als den Willen Gottes, für das Ventändnis Gottes, der sich dem Menschen aufschließt, und für das Venrauen, das aus dieser Vaterschaft erwächst9 • Als Ausdruck des Geistes der Sohnschaft gilt der Gebetsruf und die Gebetsanrede, in der die Vaterschaft Gottes anerkannt wird. Der heilige Geist drängt und treibt dazu, Abba - Vater auszurufen 10. xQCitELV meint den lauten, ebtatischen Ruf (Röm 9,27;Joh 1,15; 7,28.37; 12,44). ZnR 396 denkt bei XQCitOI'fV an das gemeinsame Sprechen im Gottesdienst. XQCltELV hat ähnlich wie X'lQ'UOOELV, mit dem es verwandt sein kann, oft proklamatorischen Charakter: in dieser Gebetsanrede enthüllt sich ein objektiver Sachverhalt. 'A~a 61t
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ter) verwandt werden. Schlatter, Gerechtigkeit 265 erläutert: .. Im Rufen äußert sich die Gewißheit und Freude, mit der sich die vom Geist Bewegten an Gott wenden. Die Rede der Knechte ist dagegen das murmelnde Gebet, wie es die jüdische Gebetssitte vonchrieb. Ebenso kommt durch den Vokativ die Unmittelbarkeit des Verkehn zum Ausdruck. Daß der Anruf mit Abba ohne Pronomen einfach durch die Determination hergestellt wird, war fester palästinischer Gebrauch; 6 mn1)Q, das wie Abba Vokativ ist, ist daher Semitismus. Nicht der Abwesende wird herbeigerufen, sondern der Anwesende angerufen. Die ,Hinzufiihrung zur götdichen Gnadec (Röm 5,2) ist gesc:hehencc. Gal4,6 f. bringt denselben exegetischen Befund wie Röm 8,15, allerdings tritt d~ Objektivität des Sachverhaltes noch stärker heraus. U nprünglich wird ein derartiger Gebetsruf auch bekennblisartigen Charakter gehabt haben: der Getaufte nimmt die BotachaftJesu an. Vielleicht haben wir es hier mit einem Teil des TßJIlScIWrms zu tun (V 15: ~ne xveüpa).
V 16: Durch die Taufe werden wir in die Sohnschaft versetzt und empfangen den Geist, welcher der Sohnschaft entspricht. Gleichzeitig mit dem Gebetsruf spricht Gottes Geist zu unserem menschlichen Geist, daß wir Gottes Kinder sind 11 • OVJlf.1OQtUQELV kann hier ))bestätigencc oder »Mitzeuge seine< bedeuten; es entsteht exegetisch ein Entweder-Oder: 1. Mit unserem Gebetsruf zugleich erfolgt die Bestätigung des Geistes Gottes, daß wir Gottes Kinder sind. Der Bewegung nach ))obencc entspricht also eine Bewegung von oben nach »unten«. 2. Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Hier sind also Gebetsruf und Gottesgeist die heiden Zeugen, die den gleichen Dienst tun (Dt 19,15; Röm 8,26) 12. Nimmt man die zweite Deutung ernst. so erhebt sich die Frage, in welcher Form der Geist GOUes sich dem Gebetsruf des Getauften zugesellt. Handelt es sich um einen selbständigen Vorgang in der Gemeinde (zitiertes Schriftwort, prophetisches Zeugnis) oder um ein gleichzeitig mit dem Gebetsruf geschenktes Gewißwerden im Glauben. das lediglich die innere Seite des Vorgangs darstellt? Sicherlich ist das Erstere der Fall. »Ober die Weise, wie der Geist selbst zum Redenden wird, gibt Paulus keine Bestimmungen; die Sorge, mit der die reformatorische Lehrbildung alle inspirativen Vorgänge abwies, war Paulus fremd; ebenso fremd war ihm aber auch jede Anleitung, wie man die Inspiration und Vision hervorbringe«« (Schlauer, Gerechtigkeit 266). Aufjeden Fall ist »dn Gtist selbst« ein dem MmscJun Vlgts/ITochnvs Wort 13• Zwischen den beiden Zeugnissen des Geistes Gottes und des Gebetsrufes muß eine enge Verbindung bestehen: der Geist Gottes (amo 'to XVEÜJ.Ul) ist die Voraussetzung für jede christliche Gewißheit; er ist das objektive Wort, das dem subjektiven Bekenntnis vorgeordnet 11 -In der rabbinitc:hen Literat1D' ist Uni keine Srdle be&qnet. in der der heilise Geist mit dem Beten eines Israeliten in Verbindung &ebncht wird« (Str-B 111 243). ~v bqepet bei PulI.. noch in Röm 2,15; 9,1. U EI iat nicht zufällig, daß V 16 ohne Verbindung zu V 15 anfängt. Man hat dabalb ein lMm CD) oder hinter crbr6 ein y6Q eiJlldügt. Viele Exqeten entlCheiden .ieh dafür, an zwei venc:hiedme Zeupi.ue zu denken (ZnR 396; 5au.AnEa, Gerechtipeit 266; LaI'R 202). Du iat aber nur dann mötlich, wenn V 16 den Zuaammenhang zwiachen V 15 und 17 nicht zerreißt U EI ist auffallend, daß V 16 relativ Ielbetändil ist, und daß V 15 und V 17 gedanklich eDIJ anachließen. Man hat Ichon volJachlagat, V 16 al. du objektive ZeupiI des Geistes den Venen 15.17 vorzuordnen. Ein Verpich mit Gal4,6 f. zeist, daß der Prediltatolf V 15.17 ohne V 16 eine sacbloaene Einheit Iei.n kann. Wir werden annehmen dürfen, daS V 16 eine Steiaaual VOll V 15 Iein IOllte: Ja, der Geilt Gottes Ielbet pbt zUlaßUllen mit unterem Geiat ZeupiI ab.
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bleibt 14• Man darf nicht vergessen, daß auch im Judentum der •• heilige Geist« eine Umschreibung dessen ist, was Gott selbst oder das autoritative Won der heiligen Schrift sagt (Str-B 11 135). Wenn Paulus in unserem Zusammenhang sowohl von den »Söhnencc ("lo() als auch von den •• K.indemc< ('ttxva) Gottes redet (8,14.16), so folgt er damit der semitischen Sprechweise, die keinen theologischen Unterschied macht. Wichtiger ist allerdings das vorangestellte und betonte tofAh': .>wir sind es tatsächlich« (ljoh 3,1). V 17 knüpft im Anschluß an den alttestamentlichen und semitischen Sprachgebrauch an die Gewißheit von V 15 an: das Sohnesverhältnis und Sohnesrecht verleiht die Erbschaft und das Erbrecht (GaI4,7; Mk 12,7; Hebr 1,2). Der Sohn allein {nicht der Sklave) erwirbt das Eigentum aufewig (Röm 4, 13): alle Verheißungen Gottes kommen zur Erfüllung. Die Form der Sätze V 17a und b ist in ihrer Verkürzung autTallend (keine Kopula!); sie erinnert an die Kurzform der Gesetzesauslegung in der Mischna. Wir dürfen annehmen, daß es sich um eine bestimmte Stilform handelt. Die Verbindung von •• Sohnschaftcc und •• Erbschaft« lenkt den Blick auf Gott selbst, der die Stellung und das Recht des Kindes bestimmt ("l06Eo(a). Er schafft auch die Gemeinschaft und die Gleichstellung mit dem Sohn und Erben Jesus Christus (ovyxA.T)QOVÖJ1OL). Dit RtchlsvtThiiltnisse sind gtlcliirt und liegen ausschließlich in der Hand Gottes. Der nachgestell te EUtEQ-Satz darf nich t als Bedingung (vulg.: si tamen) , die noch erfüllt werden muß, oder als indirekte Mahnung, die Leiden zu enragen, verstanden werden; er weist vielmehr auf das gegenwänige Geschehen hin, das Bürgschaft ist für die Zukunft (EUtEQ = si quidem) 15. Das gegenwärtige Leiden mit Christus (d.h. um Christi willen) ist das Unterpfand der zukünftigen Herrlichkeit; wie Jesus Christus jetzt schon verherrlicht ist, werden wir mit ihm verherrlicht werden. Schicksalsgemeinschaft ist Erbgemeinschaft. OUJUtaOXELV und ovvöo;atE06aL erinnern an
JoIAItL eine KOlTUption aUI XQGVyJ.aan. 15 Ähnlich ~ in 2Thea 1,6; Röm 3,30; 8,9.
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md: »mil Clnistu.sff berührt eine reiche und vielgestaltige Tradition, die in anderen Formen die gesamte jüdische Apokalyptik durchzieht (E. Lohmeyer.l:i1v XQumP. Festgabe für A. Deißmann. 1927,246). Sie prägt einerseits die paulinische TauOehre (Röm 6.8). anderseits seine Leidenslehre (Röm 8.17; PhiI3.10). Es ist aber unmöglich, die Leidenslehre aus der TauOehre zu verstehen, da sie andere Begriffe und VonteUungen in sich aufgenommen hat. Daß OUJ.Ut6oxEI.'V in Röm 8.17 nicht nur beiläufig erwähnt ist. erkennt man an dem weiteren Gedankengang des Kapitels (V 18.36). Du Judentum kennt sowohl die Verbindung: Soh~Züch tigung (Prov 3.11 f.) als auch: Züchtigung-Herrlichkei t (SDt 6.5 § 32 = Str-B 111 243). Für Paulus ist es entscheidend, daß die übernommenen Leiden Christusleiden sind, daher Anteil an Christus geben (Phil 3,10). Das eigentliche Leiden hat Christus am Kreuz getragen: Paulus selbst leidet »mit Christuscc nach, was er am Kreuz getragen hat, und er füllt auf, was in eschatologischer Hinsicht noch fehlt (Kol 1.24). Das messilllrisd'llIiIJm, an dem der Glaubende Anteil hat, wird nicht nur mit persönlichen Anfechtungen zusammenhängen, die aus dem Fleischsein des Glaubenden entstehen (8,13). Die »gegenwänige Zeitcc (8,18; 13,14) steht noch im Rahmen des alten Äons und bringt der Gemeinde besondere •• Bedrängnissecc (I Kor 7,29.31) 16. Heilsgeschichte Gottes ist verborgen in der Unheilsgeschichte. Das Ausgesetztsein des Glaubenden in seinem »Fleischaeincc ist allerdings gerade in dieser Situation spürbar (8,12-17 als Zusammenhang). Barren R 163 nimmt an, daß für Paulus du ganze vorchristliche Leben im Zeichen der »Furchtcc und der »Gcbundenheitcc (8,15) besteht, daß also keine Abwehr des falschen Gouesbildes (Gott als Despot) vorliegt. Die »Kindschaftcc, die mit der Taufe (Gebet, Akklamation) geschenkt wird, ist du Bedeutsame, du über Judentum und Heidentum hinausfühn (vgl. dazu den Zusammenhang mit Gal 4.6). Der Gegensatz: Knechtschaft-Sohnschaft ist vorgegeben (vgl. dazuJoh 8.35 f.); in seiner Nähe steht daher ein entsprechender Freiheitsbegriff (Gal4,8 ff.; Joh 8.36). Die Botenlehre (8,3; Joh 3.16; 8.14) verrät ebenso wie Geist- und Tauflehre (Sohnschaft, Abbaruf,f'reiheitsverkündigung) rmfHIIdUrisc"" 1,tulititm. Selbstventändlich gehört auch die »Neuschöpfungcc (2Kor 5.17;Joh 3.3) in den Bereich des Taufgeschehens (C. K. Barren). Das spezifisch Paulinisehe ist eine besondere Ausprägung eines vorpaulinischen Christentums. Der Gebetsruf »Abba Vatercc gehört zur Taufe. kann allerdings von Käsemann R 220 als Akklamation. daher als Rechtsakt vena.anden werden. Wahncheinlich ist der unprüngliche Gebetsruf zur Akklamation in der Gemeindevenammlung geworden. Daß 8.16 Akklamation und Versetzung in die Sohnschaft miteinander verbindet. ist offensichdich. Barren R 163 versteht Venetzung in Sohnschaft eschatologisch (9,4; Gal4,5), weil jüdische Verhältnisse den Rechtsakt »Adoption« nicht aufnehmen. Dann wäre auch hier der eschatologische Sprachgebrauch PoralUst~ bestimmter sakramentaler VonteIlungen (ausdrücklich Barren R 163). Die Frage der geschichtlichen Situation bzw. der Auseinandenetzung steht ständig hinter der exegetischen Erörterung: Will Paulus die venchiedenen Gruppen in Rom zum Gespräch miteinander verbinden (P. S. Minear) oder dialektisch und kritisch seiner eigenen theologischen Position gegenüber den enthusiastischen Christen Ausdruck geben (Käsemann R 217- 221)? Entscheidend sind zwei Ergebnisse: 1. der Geist Gottes sagt Nein zum Fleisch, sagt aberJa zum messianischen Leiden (8.12 f.; 8.17); 2. die Geistlehre steht im Dienst christologischen Zeugnisses (8,3.16 f.). Christologisch ist die Gemein11 Anden die V crltünq bei P. VON DEa OsTEN-SACItEN, a.a.O. 140 Anm. 26 (»die Gepwan als eschatologisch q ualifizime Zeit«). Die V oUeoduns in der Endzeit ilt niebt idmtiacb mit der zukünftiBm Herrlicbkcit des Glaubens, wohl aber Fhört diese meaianilche HelTichkcit in die Gqenwan und in die endzeitlic:he Vollendung hinein. Exiatenzcienkm bedeutet"",,, A6IinIIw dir A""#ik.
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schaft mit Jesus Christus in der Taufe als Gestahwerdung, als Teilhabe an Leiden und Sterben, an Herrlichkeit und Verwandlung beschrieben (8,17 .29). Immer sind Taufsprache und TaufvonteUung im Hintergrund (Neuschöpfung und Gen 1,27). Der neue Mensch wird Bild Gottes durchJesus als den Sohn (BarrettR 170). Auf Existenz verengte Exegese will hier den SubstanzbegrifT ausscheiden (dagegen Phil 3,21) 17. UibluJjtts Denken braucht nicht »substanzhaftcc mißdeutet zu werden. Zur notwendigen Frage nach dem t/utologischnt DmJcm bei Paulus: I. Paulus nimmt das Zum-Glauben-kommen als Voraussetzung ganz ernst; 2. er schildert und beschreibt den Menschen vom apostolischen Dienst aus; 3. es ist ein apokalyptisches, von Kreuz und Aufentehung Jesu Christi bestimmtes Denken, das tud biblisch-existenzhaft vorgeht; das Ziel der Geschichte bleibt aber die endzeitliche Vollendung der Herrschaft Gottes (IKor 15,28).
Röm 8,18-27: Geist und Erlösung llDema ich 1CbIie8e, daß die Leidea der . . . .wirdpa Zeit Dicht iDa Gewicht faI· lea ..._chb der ""rünftipD Herrlichkeit, die lich an UDI ofl'eabueD wird. 19Dena _ tehlllüchtip AUIbarrea der SchiipfuDI wartet auf cW Offenbuwerclea der Söhne GotteI. 2°Deaa der Leerheit wurde die ~ UDterworfen, Dicbt aUte4eDe111 Willen, lODdem durcb cIea, der lie UDIerWorfea bat, auf HoffaUDI bia, 21deaa auch die ScbiipfuaK ...... wird befreit werclea VOD der KDecbachaft der V erJiftllicbkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der KiDder Gote tee. 22 Deaa wir wiuea. daß die pIlZe SciIöpfuDK bil jeaa nocb pme1D..m leUfzt und iD Weben Iiep. 23 UDCI nicbt nur die.e, .adern auch wir .n.t, die wir die EntliDppbe da Geiltet echon beaiaen, auch wir aeIb8t leUfzen im Blick auf UDI ...., weil wir die SohDlCbaft erwartea, die Er...... UIIIeI'eI Leibet. l4 Deaa nur auf HoftnUDI bin lind wir prettet. EiDe HoffD.... aber, die ...... _ea Iaum, iM keiDe Hoffn..... DeaD _. eiDer liebt, Wal bnucht er _ noch zu erwart.ea1 25 WenD wir aber_ erboffea, WM wir nicht Mhea, dann wartea wir wirIdicb mit Geduld. 26 Eben. kommt aber auch der Gei8t UIIMftI' Schwachheit zur Hilfe. Dean wir wiueD nicht, wal wir beten 8OIIen, wie alicb Jebübrt, IODdern der GeUt ..... triu IlellveabeteDd ein mit Sea&ern. die Dicht in Worte zu faaen 8iDd. 27 Der ar, der die Henea erfoncbt, weil, Wal du Tncbtea da GeUta iIt, daß er nämIicb ucb GoaeI Sima für Heilip eintritt.
AMlyse: Der neue Abschnitt Röm 8, 18- 27 bedarf einer sorgfältigen Aufgliederung. V 18 enthält offenbar eine entscheidende These, die wie eine überschrift über den ganzen Abschnitt aussiehtl. V 19-22 bringen einen apokalyptischen 17 Zum Problem VJI.J.JUVEU., IrnqoDci.Gen 1,26f. imSpitjudentum, inderGnolia und inden paulinilchen Briefen, 1960,271 0: (richtiger Hinweis aufPhil3,21; 1Kor 1~,44 f[); anders E. GOTT. GEWANNS, Der leidende Apc»tel und Iein HefT, 1966,278 Anm. 4~ (»nichtlOapekulativ«). Danken. wen ist bei E. GOTrGEMANNS der Scblußabschniu: C. Die Methoden theofosiacber Interpretation der pauliniac:hen ChrillOlogie. Er ruft in der Gqenwan zur Besinnung aufdie Methodcn&age. Dabei ftndetlich eine ernsthafte WürdiguDl A. SCHLATTEU (S. 382). Weiter fUhn heute KAaEMANNR 246: .. lat Goues Won mehr als eine Idee, welche ihreneita ohne Kerygma eine religiöee Chif&e bliebe, hat es die Funktion neuer Kreatur, ohne welche du Chriatacin eine religiölc Chiflioe bliebe, hat es die Funktion, lieb irdisch zu verleiblichen«. I Du Schlußver&bren: .. Kinder - Erben«; »mit Chriltua leiden - mit ihm verherrlicht werden« drinlt den Gedankengang in eine neue Ricbtußl. Die eschatologische Erwartung ist die eiscndiche
Röm 8,18-27
Zusammenhang, der aus objektiven Lehrsätzen besteht. Er stellt den großen Kreis der Schöpfung in Beziehung zur eschatologischen Erlösung der Söhne Gottes. V 23 wendet sich speziell der Situation des Geistbegabten zu, die auf die eschatologische Erlösung ausgerichtet bleibt. Im Folgenden bilden V 24.25 eine eigene kleine Einheit, in der Paulus das Wesen der Hoffnung herausarbeitet. V 26-27 schildern, wie der heilige Geist durch sein Eintreten für uns die Hoffnung stärkt und stützt. So stellen sich V 23.24-25 und 26-27 bestätigend und verbürgend ruhm V 18.19-22. Die Analyse stellt eine relative Selbständigkeit des Abschnittes Röm 8,18-23 heraus. Offenbar übernimmt Paulus hier apokalyptisches Material, besondere Traditionen mit eigenen eschatologisch verstandenen Begriffen (~a, utohna, ~Q, iuwx6A,",,~ 't00v utmv -co;; hoü, cmoAirto
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Geist und Erlösung
Das Maß des Leidens, das Gott zuteilt, und das Maß der verheißenen Herrlichkeit haben ein ganz verschiedenes Gewicht. Soll die zukünftige Herrlichkeit »enthüllt« werden, dann wird damit angedeutet, daß sie bei Gott vorhanden ist, von Propheten geschaut werden kann und für die Ewigkeit bereit gehalten wird (ApkBar 4,1-7). Der Begriffder cbtOX6ÄU'i'L; bzw. des cbtoxaAimuaitaL spielt in unserem Zusammenhang eine besondere Rolle. Klingt V 18 wie ein Bekenntnis, das die paulinische Theologie sich zu eigen gemacht hat, so geht V 19 ganz in die Form des apokalyptischen Lehrsatzes über. Schon die Ausdrucksweise und die WahJ der Begriffe zeigen an, daß eine eigenartige 1 radiJion sich zu Worte meldet. Die gespannte Erwartung (rutO'Xa(KlÖOX(a) der ganzen Schöpfung (xdcn;) ist auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes gerichtet. Dieser Satz ist nur dann verständlich, wenn X"t(OL; die Fülle des Geschaffenen (ohne Begrenzung) bedeutet und den »Söhnen Gottes«, die offenbar bevorrechtet sind, gegenübersteht. In der Geschichte der Exegese schwankt man, ob XdOL; auf die unbeseelte Welt (= "t<1 lt"""xa) und auf die XdOL; 6Aoyo; beschränkt werden soll, oder ob Engel, Geister und Menschen einzubeziehen sind U. A. Bengel). Schon sehr früh wurde darauf aufmerksam gemacht, daß cbtoxaQaöox(a und cbtEXötxE
Polyb.). Das Subst. bedeutet: "das unbestimmte Abwarten, das sehnsüchtige Harren(( und unterscheidet sich von UJt(; als der begründeten Hoffnung (Th W I 392). M. Luther übersetzt seit 1541: ,>das ängstliche Harren der Kreatur«. XdOL'i kann sowohl den Akt der Schöpfung als auch die Schöpfung selbst, dann aber auch das einzelne Geschöpfbedeuten; xtWt.'i als Einzelgeschöpf behält einen weiten Spielraum, kann Menschen, Geister und Engel umfassen (Str-B 111 245 f.; ThW 111 999 ff.). Offenbar denkt Paulus daran, daß die ganze beseelte und belebte Schöpfung auf die endzeitliche Vollendung ausgerichtet ist, weil sie damit von der Last der Vergänglichkeit befreit wird. Schlauer, Gerechtigkeit 269 spricht von einer ~ust:l1n11lnlf4SstndnJ Btnnf1IUIlg derer, die durch Gottes Schaffen entstanden sind. "Somit könnte X~(OL'i auch den Himmel und die Erde, Engel und Menschen, Tiere und Pflanzen umfassen als die einheitliche Bezeichnung alles dessen, was durch das Sechstagewerk (Gen I) entstanden ist. Auch dann wäre es aber unmöglich, die Menschheit von der Schöpfung auszuschließen.«
Das Offenbarwerden der »Söhne Gottes« ist wohl als eine Art Präsentation vor 5 M. Luther hat an dieser Stelle jeden Versuch, die Kreatur ontologisch zu verstehm, abgelehnt: Itlhr werdet allo dann die besten PhilolOphen und die bestm Naturforscher .ein, wenn ihr vom Apostellemt, die Kreatur als eine harrende, seu&ende, in Wehen liegende zu betrachten, d .h. a1. eine, die du, wu ist, verablcheut, und nach dem verlangt, was zukünftig und darum noch nicht ist. Dann wird man die WislClUc::baft von dem Sein der Dinge, von ihren zufälligen Eigenac:haften und ihren Unterschieden gar bald gering achten« (E. ELLWEIN 319). Ähnlich: »Wer lieber nach dem Wesen und nach dem Wirltm der Dinge foncht als aufihr Seufzen und Harren achtgibt, der ist ohne Zweifel töricht und blind, da er nicht weiß, daß auch die Kreatur Kreatur ist. Du geht deutlich genug aus diner Schriftstelle hervor« (E. ELLWEIN 320). DtIIfIil s,~t n. X.""j"", dit tltlOlogisc"'" DmJ.:jOf7lflft tUt, dIr bis Ur dit C1nrwt11t ,lieN.
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Röm 8,18-27
dem Kosmos gedacht; nach jüdischer Vorstellung wird der »Sohn«, der »Messias« die Schöpfung erlösen (4Esra, Gen r 12). Die paulinische Tradition schließt den Erlöser und die Erlösten, den Messias und seine Gefährten zusammen. Ja, diese endzeitliche Herausstellung der »Sohnschaft« wird in Röm 8,23 geradezu 'als eine Einsetzung in die Sohnschaft beschrieben. Das Offenbarwerden ist als ein Verherrlichtwerden verstanden (V 18). Mit diesem Offenbarwerden ist apokalyptisch die Erneuerung der Schöpfung verbunden. Es ~eigt si,h, daß alteftidisclu und apokalyptisclu Dmliformm von Paulw übernommen sind. In feierlichem Stil fährt V 20 fort: Die Schöpfung wurde dem Leerlauf( der ~'tal.Ö't1'J~) unterworfen. ~ 'taL6'tTJ~ ist hier betont und an den Anfang des Satzes gestellt. Der Begriff bezeichnet die Vergeblichkeit, die Inhaltsleere und die Nichtigkeit, vielleicht auch die Verkehrtheit und die Unordnung der Welt6 • unE'tQyrJ beschreibt den einmaligen Akt des Gerichtes durch Gott: Gott liefert die Schöpfung an einen verderbenden Prozeß aus (unter Anspielung auf Gen 3,16). Der Zusatz O'Öx ~oüaa (dagegen O'Ö '6ti..ouoo nach G) kann bedeuten: »wider den eigenen Willen« bzw. »ohne eigenen Willen«. Hier ist gemeint, daß der Gerichtsakt sich nicht schuldhaft, sondern schicksalhaft vollzog, ohne daß die Geschöpfe durch eigene Tat an diesem Fall beteiligt wären 7. Die Schuld trifft ganz den Menschen, die Schöpfung dagegm ist an das Schicksal des Mmschm gebunden. Wie sie durch die Schuld des Menschen gerichtet wird, so ist ihre Erlösung an die Präsentation der »Söhne Gottes« gebunden. Der Unterwerfende (6 unO'ta;a~) ist sicherlich weder Adam noch der Mensch schlechthin, auch nicht der Satan. Der Unterwerfende kann nur Gott selbst sein, dessen Name hier aus jüdischer Gottesscheu vermieden wird8 . 61.6: mit Akkus. bezeichnet hier den Grund oder den Anlaß: »wegen der richterlichen Entscheidung, die Gott um der Sünde Adams willen traf« (Gaugier R 303). tcp' t).n(6L bzw. bt' t).nt6L (ACK) ist mit unE'tQY'I zu verbinden: Gott, der die Schöpfung unterwarf, setzt gleichzeitig die Hoffnung, die sich auf die Aufhebung des Gerichtes richtet. War WtoxaQa6ox(a das Sichausstrecken der Schöpfung nach dem Offenbarwerden der Söhne Gottes, so ist t).n(~ das göttliche Heilsziel, das Ende der Wege Gottes, das nicht nur für die Menschen, sondern auch für die 6 Im Neuen Testameqt findet sich J&CRCJWn}~ noch in Eph 4,17; 2Petr 2,18. Im biblischen Denken begegnet der BegrifTvor allem in &cl 2,17.21.23; 4,7.8; 6,2; 8,10.14. Die altkirchliche Exegese hat I.&a~LlmJ~ oft im Sinn von cptoQQ ventanden, wie die Catene lehn. O. BAUUNrEIND sagt treffend: »Röm 8,20 ist gültiger Konunenlar zum Prediger Salomonia« (ThW IV 529). Thomaa v. Aquin dachte im pbiJoaophischen Sinn an mutabilitaa (stete Veränderlichkeit), während andere Au.Jeger j.&a'tQLlmJ~ im Sinn von cptoQQ oder des Konkretwns ol ...malm verstanden. Man muß aber wohl einen bestimmten Abstand von cp&0Q6 aufrecht erhalten. Nach Znll402 ist IMItQLlmJ~ ein Zuatand der Entkräftung oder der Schwäche, während LAGaR 207 an Verkehrtheit und Unordnung denkt. 7 IOnon spontetC (Ambr. Hil. Aug.), "non volunlariatC (Ambstr), IOnon volenl4C alle übrigen lat. Obenetzungen. Auch nach der rabbinischen Tradition gehen bestimmte Eigenschaften des Menschen und der übrigen Schöpfung durch den Sündenfall verloren (Gen r 12 Str-B I 19; 111 247). Die Schöpfung wurde von Gott gerichtet (4Ear7,11 f.). Obwohl die Dinge in ihrer Fülle geschafl'en worden waren,so wurden sie, nachdem der ente Mensch gesündigt halte, verdorben, und sie werden nicht eher zu ihrer Ordnung zurückkehren, bis daß Ben perez (= der Messias) kommen wird (Gen r 12,5, p. 9a). s -Adam hat die Schöpfung der Eitelkeit preisgegeben, aber er hat sie nicht unterworfen« U. A. BENGEL).
=
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Geist und Erlösung
Welt der Geschöpßichkeit bestimmt ist. tAxL; hat hier objektiven Klang (wie in Kol 1,5). V 21 beschreibt den Inhalt der tML;, die auch für die Schöpfung gilt, wobei bLML diesen Vers einleitet9 • Auch die Schöpfung selbst wird von der Verknechtung an die Vergänglichkeit befreit werden (UEu&QO>'fh10EtaL) und soU Anteil nehmen an der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Die Erneuerung der Schöpfung wird als Befreiung von der Knechtschaft unter die Vergänglichkeit beschrieben (cp60QCi ist also noch etwas anderes als lla'tau)'tT);po. bauA€(a steht im Gegensatz zu UEu&Q(a,
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mige Klage (Theod. Mops.). Man darfbei ouv- nicht an ein gemeinsames Leiden von Schöpfung und Christus (bzw. Kindern Gottes) denken. Die gegenwärtigen Geburtswehen der zukünftigen Weltzeit sind eine Bürgschaft für den Glauben. Offenbar liegt das apokalyptische Bild der ))Messiaswehencc unserem Text zugrundelS. ))Alle haben ein gemeinsames Leid, das ihnen die gemeinsame Klage und dasselbe sehnsüchtige Verlangen nach Erlösung gibt; es sind nicht einzelne, die für sich seufzen und für sich leiden; seufzen und leiden ist das gemeinsame Menschenloscc (Schlauer, Gerechtigkeit 275). auatEVa~EI.V (V 22) wird durch atEVa~ELV (V 23) und atEVayJ.Loi; (V 26) aufgenommen, so daß eine bestimmte Reihe oder Stufenfolge entsteht: Schöpfung, Söhne Gottes, der Geist selbst. Damit ergibt sich eine Steigerung »von unten nach oben«". Es fällt auf, daß das OUVwb(VEI.V nicht erläutert oder weitergefiihn wird; es muß also eine Ergänzung zu auatEVci~EI.V bilden. Es scheint zunächst so, als weise das ))Seufzen« stärker in die hellenistische Erlösungsfrömmigkeit, das Bild der Wehen aber in die apokalyptische Vorstellungswelt 17. Wir haben es hier mit »E"thiillwagtf im biblischen Sinn ,cu tu", nicht mit einem weltanschaulichen oder metaphysischen Bild der Antike. l1xQL tOÜ vüv (Phil 1,5) unterstreicht den eschatologischen Klang des ganzen Satzes: der alte Äon ist noch nicht zu Ende gegangen, der neue noch nicht angebrochen. Die ganze Notsituation ist in der Gegenwan bis zum äußersten Maß gesteigert. Mit V 25 will Paulus bewußt steigern (00 p6vov bt, 6lla xa( ... ). Nicht nur die ganze Schöpfung, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes schon haben, auch wir selbst seufzen bei uns selbst in der Erwartung der Sohnschaft, der Erlösung unseres Leibes 1'. Es fällt auf, daß xat amo( 15 auYCI)()(vuv erinnen an die VonteUung der .Messiaswehen«: dem Meuiu geht eine bemndere Zeit der .Wirren« (- der .Wehen«) yoraua (Str-B 1950). 16 Die .Verherrlichung« ist ein Proze8, der .von oben nach unten« gedacht ist (V 22). "Gewöhnlich vergleicht manAmlutiuAt Von teilungen mit dem enMtuvderpauliniachen Theologie. In der K6Qta x6opou, von der Stobiua Stücke erhalten bat (C. WACHlMU11I, Stobaeua I, 1884, 389 f.; Scarr, Corp. Herrn. I, 1924,464 I[), finden wir die Anachauung, daß Maucben gebildet werden, um die Seelen für die Obenretung eines Gebotes zu bestrafen. Die Seelen werden in die Menscbenleiber gebannt, erkennen ihre Verdanvnung und stöhnen vor Kummer, weil sie in dende ~1Q einge8Cblouen sind (395,5 ft). Sie Oeben um EräulII und empfängen die MÖSlichkeit, du Fleisch zu verlauen und in den Himmel einzugehen, oder sie werden in eine andere, niedere Leiblichkeit gebannt. Man folgert daher: .Du ist ganz die StimmulII des Nuuenerhymnua (5,7), aber auch du Seu&en der Kreatur bei Paulus, der, wie wir sehen, auch den Ausdruck cncijv~ aua der religiöIen Begrif&wdt seiner Zeit entlehnt bat« (P. WENDLAND, Die bdl. römiac:be Kultur, 2. u. 3. Aufl. 1912, 182). In einem verwandten Zuaammenbang (2Kor 5,1 Wo) finden wir du gleiche ~LV (V 2.4), aucb ~ (V 1.4) und ~ (V 4),10 daß auch hierG"'" tÜllulUIastiscA. AfIlIUJ~ nach~isbar lind wie in Röm 8,18 I[ Vielleicht ist ..... der AuarufRöm 7,24 eine bestimmte Form ctaea cn!~. Verwandt lind die KIap der ~ Maucbenlcelen, aber auch du Seufzen der gerichteten himmlischen Wächter in der ätbHen-Apokalyptik (9,3 1[; 12,4). In 4Ear finden wir eine doppelte Klage: du Weib Zion klagt über den Verluat des Sohnes, die Erde über du Verderben ihrer Kinder; vgl.dazu F.G. LANG, 2Kor5,1-IOinderneueren Foncbung, 1973, 157 . .. Vielleicht bleibt man UD besten bei der LA von B stehen: cUa xal cr610l Tftv ialCIQXirI WO nve
...-JPlisc-
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Geist und Erlölung
wiederholt wird, so daß das ente xai. amol zu fxovtES, das zweite zu otEVatotJ.EV zu ziehen ist. Vielleicht ist am Anfang des Satzes oder nach dem Partizip fxovtes ein betontes "IJ.ELs sinngemäß zu ergänzen: gerade wir, die wir den Geist empfangen haben (fXovtES), seufzen. Der Besitz des Geistes Gottes bindet ent recht an die Zukunft und gibt dem Rufnach Erlösung eine eigene GestaltI'. Sogar die Chris,en, die schon die Entlingsgabe des neuen Lebens haben, die den Geist Gottes als Anhub und Bürgschaft der Zukunft empfangen haben, stehen nicht jenseits der ganzen kosmischen Not. " imaQXil 'tOO m'wJ.W'tOS (Gen. appos.) ist ein Bild aus der alttestamentlichen Opfenprache und klingt an unserer Stelle betont feierlich 2o• Dem Anhub entspricht die vollkommene Ernte, der gegenwärtigen Bürgschaft die zukünftige Verherrlichung. Weil wir als Christen die eschatol0gi5che Gabe des Geistes Gottes empfangen haben 21 , seufzen auch wir »in uns selbst« oder »im Blick auf uns selbst« bzw. »wenn wir uns zum Gebet versammeln« 22. Der Zusatz ~ tau'toLs wird in der Auslegung venchieden stark ausgewertet. Haben wir durch die Gabe des Geistes auch den Geist der Sohnschaft empfangen (V 15), so ist doch die Lebensform, in der wir stehen, noch im Zwielicht von alter und neuer Weltzeit (V 19.23). Durch die Enthüllung der Sohnschaft wird die eigentliche Form und Gestalt dieser Sohnschaft offenbar. Sie ist nichts anderes als die Erlösung unseres Leibes von der Vergänglichkeit.
Die Genitiv-Verbindung ft lm<»'irtQ(OOL; 'toü 0<0tun~ ist auffallend. Als Apposition aufgefaßt, wirkt sie befremdlich. Es ist nicht von ungefähr, daß das anikellose ulo6m(av von DG Ambstr gestrichen wird, so daß ein gekürzter Text entsteht: lmDC6EXÖJ.&€Va&. 'rirv cbt<»'irtQCOOLV tOÜ oWl'Qt~ fttuiJv. Pallis R 104 nimmt an, daß dieser Kurztext ursprünglich ist, daß aber vielleicht tv intOJ1OV'Ö oder 6L' intqwviJc; vor dem Partizip cbtex6Ex6tArVa&. gestanden habe. Der Sinn des Langtextes kann nur sein: die Einsetzung in die Sohnschaft bringt die Erlösung unseres Leibes vom Fluch der Vergänglichkeit mit sich. Falsch ist die übersetzung von H. Lietzmann: »die Erlösung von unserem Leibe«, wie V 21 beweist. cbtolirtQ
Widenpruch, zu dem sich Paulus in V 24. ausdrücklich bekennt. Der Dativ TfI ., -Auch wir Idbat, wir in una Idbat, die Glaubenden, pörm zu den Seu&enden und Leidenden« (Sau.ATTEa. Gerechtigkeit 275). EI ilt erstaunlich, daß die Kommentare nicht die Nähe zu Röm
7,24-25 erkennen. Vgl.J. SalNlEWlND, Du Seu&en des Geistes. Nachsd&llelle Reden und Aufsätze, 1952, 81-IOS. ··Man darfallo nichtdaran denken, daß eine Endinallabe des heilip Geistes (Gen. part.) jetzl Ichon aUllelCbünet sei und daß apiter eine vollkommene AlJIIie8ulIfJ ~. eine endgültige Verwandl.... folcen werden. cbIC1Cll'f1 bqepet bei PaulUi noch in Röm 11,16; 16,5; IKor 15,20.23; 16,15. 21 Anders die Obenetzuug von LTZMR. 84: -die wir die Gabe des Geistes als die enten besitzen«. JJSchon CHa. v. HOFNANNR337 wandtraichgepdie Vonle1lung, PaulUi spreche von deulnnerlichkeil des Seufzeni der Chrilten«, da es keinesfalli ein Kennzeichen des Christen.landes sei, lein Seu&en in lich zu verschließen, IIlUt seine Klage vor Gott auazuachütten. In die gleiche Richtung weisl Saa.ATJ'Ea. Gerec:htipeit 276: -wir aeu&en um unserer Ielbat willen.« P.u.LlsR 103 bezieht dann a6ml tv ~ auf die Gebetavenammlung der Gemeinde und legt in diesem Sinn aUl: -untrruDl aelbIt, wenn die AuBenatehenden aUJKaChlouen lind«. A. PALLlsdenkt an kulliacbe AUINie, die du Gebet unlentüuen (z.B.: x~. ~; VII. älhHen 9,10). Ausführlich dazu KAIE. MANNR 232 (goue8dienadiche Vorgänge).
Röm 8,18-27
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yi:J.Q t).n(ÖL wird verschieden gedeutet; er steht am Anfang des Satzes und ist daher betont. Es liegt nahe, 't'f1 yi:J.Q t).n(ÖL im Sinn von bt' t).n(öL (V 20) zu verste-
hen (H. Lietzmann, M. J. Lagrange). t).n(~ könnte aber auch objektiv das Hoffnungsgut bezeichnen: ))Durch das, was wir hoffen, ist das Heil uns geschenkt worden« (Th. Zahn). Noch anders wäre der Gedanke, wenn wir an eine Art Einschränkung denken müßten (M. Luther: »Wir sind wohl selig, doch in der Hoffnungcc). Es wäre aber unrichtig, wollte man sagen: bisjetzt sind wir nur der Hoffnung nach gerettet. Paulus will in der Aussage toWitT)J,lEV von einem Geschehnis reden, das sich mit der Predigt des Wortes schonjetzt an uns vollzieht (Röm 1,16: d~ oWlTIQ(av). Aber dies Geschehnis löst uns nicht von der Erwartung der Zukunft, sondern stellt uns erst recht in diese Erwartung hinein. Es ist daher wahrscheinlich, daß der Dativ 't'f1 t).n(ÖL im Sinn von bt' t).n(ÖL auszulegen ist. Die Hoffuung ist nicht von der Verkündigung ablösbar, und das »Seufzencc der Christen (V 23) ist wohl begründet. Es folgt in V 24b eine Reflexion über das Wesen der Hoffnung und über ihr Verhältnis zur sichtbaren Welt: ))Hoffnungsgut, das gesehen werden kann, ist nicht mehr Hoffnungsgutc(, Die Artikellosigkeit deutet den Dtjinitionsstil an. Der Gedanke ist gleichzeitig normativ: die Hoffnung dtlrf nicht auf Sichtbares gehen, weil alles Sichtbare zeitlich, nur das Unsichtbare ewig ist (2Kor 4, 18). Der Gegensatz: Sichtbares-Unsichtbares ist in diesem Zusammenhang philosophisch geprägt. Das Sichtbare ist das, was zu dieser Welt, zum Kosmos gehört13• Die nachfolgende Frage: ))Denn was einer sieht, was braucht er das noch zu erwarten?cc ist schon textkritisch schwierig24 • Hält sich der Mensch an das Sichtbare, dann ist ihm die Hoffnung auf das Unsichtbare unmöglich. Ausdrücklich betont 2Kor 4, 18: )) Wir schauen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbarecc. Aller Glaube trägt den Verzicht auf die Welt des Sichtbaren in sich. Eng verknüpft mit den Begriffen und Aussagen von V 24 ist V 25: Wenn wir auf das hoffen, was wir nicht sehen, dann ist dies Hoffen eine zuversichtliche Erwartung (lmE'XÖEX6~ita wie V 23), die in Geduld und Ausharren den Druck des Gegensatzes erträgt (ÖL' "XOJA.oviJ~). In diesem Ertragen dessen, was der Hoffnung entgegensteht, wird sie selbst gewiß und getrost. V 24.25 wollen offenbar die Aussage von V 23 stützen und das Wesen der Hoffnung beschreiben (Hebr 11, l). Vielleicht wendet sich dieser Zusammenhang gegen ein falsches Pneumatikertum, das die t).n(~ in diesem Sinn nicht ernst genug nimmt. Dabei ist daran zu denken, daß ~s Paulus letztlich auf die Erlösung des Leibes und die Vollendung der Schöpfung ankommt, daß er also den Vorgang der Hoffnung nicht auf sich selbst stellen will, sondern auf das zukünftige Handeln Gottes15 • Röm 8,24.25; 2Kor 4, 17.18 und Hebr 11,1 bringen eine verwandte Vgl. R. BULTMANN ThW 11 528. DG leien: 6 ~ ~n 1:~, 'tl t,Mttn; Cl( eiern. Al. lesen: 6 yc\Q ~n 1:~, 'tl xal t,Mltu; B·p46 Orig. lesen: 6 yc\Q ~n 1:~, t,Mlta.; •• liest: 6 yOQ lUbtu u~ xa1 ~n; LrzMR 86 schlägt vor: 6 ~ lUbtu 1:~, 1:l xa1 ü~n (ebeMo KAsEMANNR 228). 1S V gl. 1QH 3,20 f.: .. Ich erkannte, daß es eine HoflDung gibt für den, den du aua dem Staub gebildet hast.« Es handelt lich hier um feste Formelsprache (6,6; 9,14). 23
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Geist und Erlösung
Botschaft über den Zusammenhang der »Hoffnung« mit der Weh des »Unsichtbaren«; gemeinsam ist auch ein bestimmter hellenistisch-philosophischer Einschlag. V 26 und 27 müßten eigentlich an V 23 angeschlossen werden, haben aber auch enge Beziehungen zu V 16. Paulus spricht nicht nur von dem Seufzen der Schöpfung (V 22) und dem Seufzen der Glaubenden (V 23), sondern auch von der Hilfe und dem Mitdertum des Geistes Gottes, das ebenfalls durch »unaussprechliches Seufzen« geschieht. Das notvolle Geschehen in Schöpfung und Gemeinde wird also überboten durch einen wunderbaren Vorgang, auf den Paulus erst jetzt zu sprechen kommt 26 • Vielleicht hängt es mit dem neuen Ansatz zusammen, daß das feierliche und umständliche choo\rtQ)~ öt xaL die Verbindung mit V 23 herstellt 27 • Auf jeden Fall treten die beiden zentralen Aussagen: tO X'VruJ,la ouvavtLAatAßcivEtaL (der Geist ~~kommt zur Hilfe, steht bei«) und tO ltvruJ,la unEQEvtUyxt'rvEL (der Geist )~legt Fürsprache ein«) in dem neuen Satzgefüge beherrschend hervor. Die beiden im Neuen Testament seltenen hellenistischen Komposita zeigen an, daß Paulus eine Tradition von dem Geist Gottes als ))8eistand« verwendet, der das Gebet der Gemeinde vertritt. Ist sie eine Gemeinde der Rechtfertigung, dann bekennt sie sich in der Situation des Betens zu ihrer ))Schwachheit« (äa6tvELa), d.h. zu dem menschlichen Unvermögen, so zu beten, wie es Gott wohlgefällig ist. Man dachte in der Exegese oft daran, daß der natürliche Mensch nicht weiß, um was er beten soll und wie er beten soll28. Es liegt aber nahe, xaitO ÖEL ähnlich aufzufassen wie das spätere xata 'Ö'E6v (V 27). Auch der Christ steht vor der Frage, ob er in seinem Gebet dem Willen Gottes gerecht wird. Er erkennt gerade als Christ den bleibenden Abstand zwischen Gott und ihm selbst 29 • So ist es nicht abwegig, M. Luthers Auslegung zu dieser Stelle ganz ernst zu nehmen: »Es ist kein schlechtes, sondern das allerbeste Zeichen, wenn auf unsere Bitten hin scheinbar gerade das Gegenteil eintrifft. So wie es kein gutes Zeichen ist, wenn unseren Bitten alles ganz nach Wunsch widerfährt« (E. ElIwtin 324). War Gott gibt, gibt er uns so, doß es all unseren Vorstellungen zuwiderliiuft. Gottes Rat und Wille ragt hoch hinaus über unseren Rat und Willen. Mit dem rätselhaften Begriff: ))unaussprechliches Seufzen« (otEVaYJ,lOL äMAT)'tOL) ist 26 A. PAU.rs denkt in Rößl 8,23 an GebetIrUfe wie x{)QI.E, ab)oov und bezieht in V 26a 'tb :rnrEÜpa aufct.. Evangelium selbst, du unlCr Gebet unterstützt. V 26b (<\Ua a'Ö'tb 'tb :rnrt'Üf.UI) und V 27 sind nach A. PAU.Jsein späterer Zusatz, der du :rnrEÜpa von V 26a auf eine Mittlergestalt (etwa den ~ ~ ~~) bezieht. 27 cboa~ 6l XCI' begegnet auch in Mk 14,31; Luk 20,31; ITim 5,25. • Orig. de Oral. 11 I: Kt:Ql 'taU dva 'tQÖKOY ~L 6li, xa1 dva bl t1l~ E'ÖXit~ Atynv ~ tr.6v. Nur GAUGLEKR I 317 f. nimmt das Eingeständnis des »Nichtwissens« ganz ernst. 2t ZnR 412 und KoHLR 298 ziehen xa&b6Ei zu ~ (»wir wissen nicht in dem Maße, als es nötig ist«), was aber künstlich bleibt und abgelehnt werden sollte. GAUGLERR 316 urteilt mit Recht »du ist aber sicherlich eine VerhannlOlung des hier Gemeinten«. M. BUBEa, Die chusidischen Bücher, 1928,568 berichtet ein Gespräch über du Gebet: .Ein Chaaid klagte dem Kozker seine Armut und Bedrängnis.•Sorge nichte, beschied ihn der Rabbi. .Bete mit deinem ganzen Herzen zu Gott und der Herr des Erbarmens wird lieh deiner erbarmene .• Ich weiB aber nichte, redete jener weiter, .wie ich beten solle. Mit aufwallendem Mitleiden sah ihn der Kozker an .•Da hast du freiliche, sprach er, >eine groBe Sorgec.«
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sicherlich ein ähnlicher Vorgang gemeint wie in 2Kor 12,4 (6QQTI'ta ~I.ul'ta). Es handelt sich um Seufzer. die nicht in Wone zu fassen sind (vulg.: inenarrabilis) 30. Es liegt nicht nahe, an Glossolalie oder Gemeindegebet zu denken, weil irdische Vorgänge nicht ohne weiteres Abbild eines himmlischen Vorgangs sein müssen. Es geht hier vielmehr um einen himmlischen, apokalyptischm Vorgang. Daß dem Seufzen der Schöpfung und der Kinder Gottes ein entsprechendes Seufzen des Geistes Gottes an die Seite tritt, ist auffallend und bedarf einer Erklärung31. Das Redm des heiLigm Gtislls ist kein Stuf(.ta; vtrlritt er aber die GnMiruU vor Gott, dtmn nimmt er die Schwachheit der Mmschen aufsich. Der Geist nimmt die An, die Not, die Schwachheit der Schöpfung an, um sie vor Gott zu tragen (A. Schlatter). Der heilige Geist ~lbst seufzt in uns, mit uns. rur uns, auch über unsj Gott selbst trägt durch seinen Geist die Not der Schöpfung mit (E. Brunner)3z. Feierlich und das Motiv des Geistes auf Gott selbst zurückführend, schließt sich V t7 an. AlsJude umschreibt Paulus den Namen Gottes durch einen Hinweis auf dessen Wirken und Vermögen. Als der Richter erforscht Gott die Herzen der Menschen 33 • Erforscht er schon die Herzen der Menschen, wieviel mehr kennt er dann die Gesinnung und das Begehren des Geistes! Einerseits ist der Geist auf die Erforschung aller Wahrheit und Wirklichkeit, auch der »Tiefen der Gottheit«, gerichtet (I Kor 2,10), anderseits steht Gott selbst wissend und erkennend der Gesinnung und dem Begehren des Geistes gegenüber. Paulus kennt also eine An Bewegung zwischen Gott selbst und seinem Geist. Nimmt der Geist an der An der Schöpfung und des Glaubens Anteil, dann erkennt Gott in dieser Stellvertretung die Durchführung seines eigenen WiUens und Planens. Zwischen dem feierlich klingenden Hauptsatz und dem nachfolgenden (rn-Satz, der eine ältere Tradition wiedergibt, liegt ein gewisser Abstand. Sollen wir diesen enL-Satz kausal Ja VII. den Zusatz von f: quac verbis cxprimi non posaunt. Es lind aIIo nicht-unau.geaptocbene, wonlole Seufzer« lCIßCint. ZnR413 denkt an dielOne.dienadicbe Venamm1u. . und an die dortp übte baondere An der Gk.olalie; du .Reden im Geilt« wird zum -Reden des GeilIa« leibet. GAuoLUR 322 umschreibt den pauliniachen Gedanken richtig: -Der Geilt in UDI, der nicht eins ist
mit UDlerem Geilt, aber unaerea Geistes unmögliches Beten vernimmt, nimmt unser Flehen aufund vertritt es vor dem Thron des Ewigm. Er übel'letzt es in die Spncbe des Geiltes, die im Himmel veratanden wird, er läutert es, verwandelt es, formt es nach dem Willen des Vaten und macht es 10 zum richliBen Gebet, wie aiebs lebührt« . .n StreB 11 562 urteilt, daß die Vorstellung vom heilip Geist ala Fürsprecher Iaraela der alten Synaaoge nicht unbekannt Icwesen ist, wenn lich auch die Bezeichnung D~ für ihn nicht nachweisen läßt. Paulus knüpft offenbar an eine bestimmte ~-Tnditioa des Urcbriatentuma an, wenn er auch den BegriffxaQ6x).~ nicht aUldrücldich nennt. V,I. N. JOHANISON. Pankletoi, 1940, 271 Ir. n Abzulehnen ist die AualecunI von L TZWIl86: .in dem wort1oeen Stammeln des Verzückten feodet der Geilt eine Spnche. die Gott veraceht«. Entaeheidend ist .eine ~chtliche FoIsefWII: -Daß ein Wort wie V 26 nun aber ebcnIo pt aus dem Geaichtakreia des ApoIteia wie aus dem eines IJIOItiachen Systems erldän werden kann, rührt daher, daß die KVlVIIG-Lehre des PauJua tatsächlich mit Voratelluqen operiert, welche der hellenistUcben Mystik entstammen, und daß Paulus aich vielfach auch in der Au.drucbweiae eJII an diese Vorbilder anachlie8t.« II Daß Gou die Herzen der Menachen erfoncht, ist alnestamentliche Vorstellung (ISam 16,7; 1Kön 8,39; Pa 7,10; Prov 15,11;Jer 17,9-10). Du Partizip66t ~ in V 27 klingtleprigt und hymnisch, ltammt vielleicht aus der Gebetaapnche. Du verbindende 6t könnte adversativ ~eint sein (.Golt aber ... «).
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Der Ratschluß Goues
wiedergeben (»denn er trit teine<) oder explikativ (••daß er nämlich eintri ttee)? Die letztere Möglichkeit liegt deshalb nahe, weil der Inhalt des ö'tL-Satzes in diesem Zusammenhang eine gewisse logische Selbständigkeit bewahrt. Paulus kannte offenbar den theologischen Satz: •.der Geist tritt nach dem Willen Gottes (xa'tcl itrov- xa'tcl 'to av'toü &D..11J.Ul) für Heilige einee. Altertümlich wirkt die Bezeichnung •• Heiligeee ((xyLOL) als Name der christlichen Gemeinde (Röm 1,7). Heilig sein ist Ausdruck einer besonderen Berufung und einer Zugehörigkeit zu einer messianisch-apokalyptischen Gemeinde34 • Röm 8,28-30: Der Ratschluß Gottes
"'eII,
28 Wir wiuea 1Iber, daS die Gott Iiebea, .oe. zum Gu1eD aaitwirkt, deaea, die lUdI dem Voralz Berufeae .iDcl. 19 Dena welche er zuvor erbmate, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bilde leiDe. SoIme.lleicbcetdaltet zu wenlea, auf cIa8 er aei ein Entpboreaer unter vielen Brüdern. 30Die aber, welche er vorher beltimmte, die hat er auch berufen. Und die er berufen hat, die hat er auch prechtgeIprochm. Die er aber prechtpsprochell hat, die hat er auch verhenlicht.
AnalYse: Es erhebt sich die Frage, in welchem Verhältnis die Verse 28- 30 zum vorherigen Zusammenhang stehen. In Röm 8,18-27 wurden die Leiden der gegenwärtigen Weltzeit dem Gewicht der z!lkünftigen Herrlichkeit gegenübergestellt. Das Motiv des Leidens, der Vergänglichkeit und der Schwachheit wird aber immer wieder überboten durch das Bild der zukünftigen Herrlichkeit. Schöpfung, Söhne Gottes und Geist Gottt"s sind in diesen apokalyptischen Prozeß der überwindung der alten Weltzeit t"inbezogen. Paulus wendet sich in einem letzten Schlußverfahren dem Heilsplan Gottes selbst (der 1tQ66EOLC; = :1") zu. Wenn er dies zusammenfassende Handeln Gottes in den Versen 28-30 besonders hervorhebt, dann haben diese Verse deshalb eine gewisse Selbständigkeit, weil er nunmehr eine nt'ue Argumentation gtgf'nüber dt"n vorangeht'nden eschatologischen Bildern einführt; anderseits hängen V 28-30 insofern mit den vorherigen Bildern und Traditionen zusammen, als die Entfaltung des Heilsplanes Gottes eine letzte Bürgschaft für die eschatologische Gewißhei t von Röm 8,18- 27 darstellt. Gott fUh,t sein Werk durch I,ot(. menschlichen Leidens, menschlicher Vergänglichlceit und mmschliclzt,Schwochhtit. Schon die äußere Form von V 28-30 ist betont und feierlich; auch ist ein deutlicher Abstand gegenüber dem Kontext erkennbar. V 28 klingt wie ein vorangestellter Lehrsatz, dessen Tradition im Judentum feststellbar ist. Die beiden nachfolgenden Verse bringen eine Fortführung und Begründung des Lehrsatzes, die in einem Kettenschluß endet, der ebenfalls ein Zeichen gehobener Sprache ist (Röm 5,3). Durch unsere Verse wird zugleich der übergang zu Röm 9- 11 gesichen. wie Röm 9,11 beweist. Daß der .. wissende Gottee alles Sein und Geschehen nach seinem Ratschluß, nach Zweck :w Zur Selbatbezeichnung der Gemeinde Jesu Chrilti vgl. den Exkun bei LTZMR 121 ff. <ÖxlQ &y(caJV ist in Köm 8,27 heuer bezeugt als die LA imtQ itfAÖJV. Eine Ethilierung des Begriffes »Heüige«
ist auf jeden Fall zu vermeiden.
275
Röm 8,28-30
und Bestimmung geschaffen hat, ist die feste überzeugung der Qumrangemeinde (IQS 4,15ff.). Der Erwählungsgedanke ist ebenso wie die Vorstellung vom Heilsplan Gottes in einer festen Tradition des Judentums zu Hause. Exegese: V 28: Paulus setzt mit einem überlieferten Lehrsatz ein, wie der Eingang (otÖClf.lEv öt), die Sprache und die frühjüdischen Parallelen zeigen. Zwei Textformen stehen einander gegenüber. In der kürzeren, durch K CDG bezeugten LA ist Jtavta Subjekt: » Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alles zum Guten mitwirkt«. In der längeren, durch BA vertretenen LA wird 6 6e6~ handelndes Subjekt: »Gott wirkt in allen Stücken zum Guten mit«. Daß die kürzere LA bevorzugt werden muß, ist sichert. Die Sfn"ac/u des Lehrsatzes fällt auf. lryMCiv 'tOv &E6v ist eine alttestamentliche, jüdische Wendung, die durch die urchristliche Katechese weitergegeben wird. Sie findet sich im Römerbrief nur an unserer Stelle, sonst aber in 1Kor 2,9; 8,3 bei Paulus. Die partizipiale Wendung QyaJtOOvtE; 'tOv &E6v klingt formelhaft (PsSal4,25; 6,6; 10,3; 14,1) und ist offenbar gebräuchlich wie die Selbst bezeichnung der ),Heiligencc und »Berufenen«. Vielleicht zog sie ergänzend die andere Wendung bw 'to\J lrya.m1oavt~ in Röm 8,37 nach sich. OUVEQYELV findet sich im Römerbrief sonst nicht und hat gewöhnlich bei Paulus eine andere Färbung (1 Kor 16,16; 2Kor 6,1). OUVEQYELV heißt hier vielleicht nicht: )gemeinsam mit einem anderen etwas tun«, sondern: ))förderlich sein« (vgl. Plut. Erot. 23 p. 769 D); dieser Sprachgebrauch erinnert vor allem an den der Test XII (TestIss 3,8; TestGad 4,7; TestBenj 4,5). Es zeigt sich, daß unser Lehrsatz in die frühjüdische überlieferung eingebettet ist.
"iKt;
Vor allem muß an Ber 60 b erinnert werden; dort wird eine ähnliche Tradition bis aufR. Aqiba zurückgeführt: »Immer gewöhne sich ein Mensch zu sagen: Alles, was der Allmächtige tut, tut er zum Guten.« Auch R. Nachum aus Gimzo sagt: »Auch das ist zum Guten« (Taan 21a). Wir haben es mit verschiedenen Zweigen einer älteren im Alten Testament wurzelnden Aussage zu tun. Am Anfang steht die Partizipialwendung: »denen, die Gott Iieben«, die auf den Kreis der »Heiligen« (V 27) zurückweist und in dem Abschluß unseres Verses durch den Zusatz: »die nach dem Vorsatz berufen sind« wieder aufgenommen wird. Vermutlich ist dieser Abschluß eine Ergänzung und Erklärung im paulinischen Sinn 2• Wenn die Partizipialwendung: »denen, die Gott lieben« entgegen der allgemeinen Gewohnheit nicht am Ende, sondern am Anfang des Lehrsatzes steht 3 , t ZnR 414 entscheidet sich mit Recht für die kürzere Textform und sieht in dem Subjekt 6 0t6I; eine spätere Einfügung (BA JM6 Orig. orat. 29,19). xllvta wird in der längeren Textfonn zum Akkus. (»in allen Stücken«). ZnR415 Anm. 38 urteilt mit Recht: "Paulus würde tvxämv fiirxavmgeschrieben, überhaupt deutlicher sich ausgedrückt haben«. Zum Sprachlichen vgl. Xen. memo 3,5,16; Heliod. 9,11. Ausführlich ScJu.IEIlR 270, der sich für den Langtext entscheidet. 2 Die Hervorhebung der Berufung und des götdichen Heilsplanes entspricht ganz der pau1inischen Tendenz, das Heilsgeschehen in die Gnade Gottes einzubetten. Gott zu lieben ist die Eigenan derer, die von Gott berufen sind. Der von Paulus übernommene Lehrsatz war sicherlich ebenso knapp wie die jüdischen Parallelen. 1 Im allgemeinen steht die Partizipialwendung oll&yamiM:~ Wv &Wv am Ende der theologischen Aussage (z.8. lKor 2,9; Jak 1,12; 2,5 u.ö.). Es geht um die Erfiillung des enten Gebotes durch den Geist Gottes (anden KAsEMANNR 235). Die Liebe zu Gott entspricht der Gegenbewegung der Liebe Gottes zu uns. Die Liebe ist Ausdruck der Erwählung und begegnet vor allem im Gebet, in der Meditation und imJube1ruf(Mt 11,2>30). »Dasein für« ist eine zu dürre Formulierung (gegen KASEMANNR 235).
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Der Ratschluß Gones
dann ist ihr dn besonderes Gewicht beigemessen. Die Liebenden sind die Heiligen und Berufenen, auf denen das göttliche Geheimnis ruht, die im Kampf gegen die Frevler und Gottlosen an dieser Liebe zu GOlt festhalten.ltclvta OUVEQ'YEl ~ zieht sich in erster Linie auf die Leiden und Anstöße, die Rätsel des Glaubens: auch sie dienen dem ))Gutencc. Das ))Gutecc ist hier jüdische Umschreibung für das Heilsame, aber auch für das Heil selbst (Röm 10,15). Man könnte den Abschluß unseres Verses kausal auflösen: »weil sie nach dem Vorsatz berufen sind«. In der Berufung verbirgt sich das Geheimnis des Heilsamen und des Heiles, das sich trotz aller Anstöße und Leiden auf Erden durchsetzr4. Der Heilsplan GOltes (seine ltQOitf:o~) steht unwiderruflich fest; er wurzelt in der Liebe Gottes, die eher da ist als die Liebe des Menschen zu Gott. Berufen ist nach Paulus derjenige, der den Ruf Gottes empfangen und angenommen hat. Der Ruf ist also wirksam geworden (xA.'ft~ Röm 1,1.6.7). 1CQ6&EOI.~ (:1") ist ein hier plötzlich auftauchender Begriff, der die freie, souveräne Art des göttlichen Heilshandelns zum Ausdruck bringt. Die )Heiligencc, ))Gou Liebendencc und ))Berufenen(c sind das, was sie sind, nicht aus sich selbst, sondern aus Gottes ewigem Ratschluß5. Das Geschichtliche ruht im Ewigen und Vorzddichen. In lockerem Zusammenhang (Ö'n) schließt sich eine Entfaltung dieses göttlichen Ratschlusses in Form eines Xttlmsclzlwsts an (V 29-50). Wir haben vier gldchgebaute Sätze vor uns (~ 1C()otyvw, OÜ~ 6t lt(KXi>QI.OEV, OÜ~ bauOEV, OÜ~ 6t t6I.xa(
Röm 8,28-30
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Die beiden ersten Glieder (1tQOtyvw, XQOWQLOEV) nehmen den Inhalt der xQ6-DEaL; wieder auf, während tXaAEOEV an die Wendung toi; xA.T)toi~ OOOLV erinnert. Das erste Glied xQOtyvw weist zurück auf die YVÖ)(JL~ Gottes (Röm 11,2). Paulus unterscheidet zwischen dem vorherigen Erkennen (xQOtyvw), in dem Gott den Menschen sich zu eigen macht, und dem vorherigen Bestimmen (XQ<XOQLOEV), in dem Gott dem von ihm erkannten Menschen ein bestimmtes Ziel setzt. Es geht also um ein Erkennen im semitischen Sinn (vgl. das hebr. J1:), nicht um ein spekulatives oder neutrales Wissen. Dies Erkennen drückt eine Bewegung des Willens aus, ein Anerkennen, ein Erfassen des anderen, eine bestimmte An des Erwählens (Am 3,2; Hos 13,5;Jer 1,5). Man könnte an IKor8,3 denken: die Liebe zu Gott ist das Zeichen dafür, daß der Mensch von Gott erkannt ist. In xQOEyvw liegt der Grund für das XQ<Xi){)LoEV (I Kor 2,7; Eph 1,5.11). Gott setzt ein Ziel fest für diejenigen, die er erwählt hat: sie sollen dem Bild seines Sohnes gleichgestaltet werden. Zugrunde liegt vielleicht der apokalyptische Gedanke, daß sich mit dem Messias seine Gefährten offenbaren werden (4 Esr 7,28)6. Aber dieser apokalyptische Gedanke nimmt eine neue orientalische Denkform an:Jesus Christus ist nicht nur Sohn, sondern auch Bild Gottes (2 Kor 4,4; Kol 1,15). Als Bild Goues ist er seine Vergegenwärtigung, seine Wahrheit, seine Repräsentation vor dem Menschen. Als Urbild ist er das Ziel und die Gestalt, auf die die Menschen ausgerichtet werden sollen (oUt1f.l~). Man kann aus dem Zusammenhang Eph 1,5; Kol 1,14-18 eine gemeinsame Tradition ableiten, die ursprünglich in eine Taufliturgie hineingehört. Ausgangspunkt ist der Christus als Bild Gottes und himmliche Gestalt. J.LOQCPi) und dxrov sind dann Begriffe, die seine Gestalt (Ö~a), seine Stellung (= als Erstgeborener), seine Ausstrahlung (= Wirkung auf die Menschen) und seine Beauftragung von Gott her beinhalten. Neuerdings spricht man gern von seinem »Wesenee und sieht in 8,29b einen »Traditionssplitteree aus älterer Zeit. oU~ begegnet bei Paulus in Phil3,21 (» Verwandlungsprozeßee): Christus wird bei der Parusie unseren Leib der Niedrigkeit in den Leib seiner Herrlichkeit verwandeln. 7 Wenn Paulus vom »Bild Gottesee redet, dann denkt er an eine Christologie, die den Menschen unter das Zeichen der Verwandlung stellt. Christus hat durch seine Auferweckung und Erhöhung eine »Herrlichkeit« empfangen, die auch das Zeichen unserer Verwandlung sein wird (Phil3,2l). Die Wendung oUf.Lf.L~ tTt~ dx6v~ aü'to'Ü darf also nicht als Tautologie aufgefaßt werden: wir sollen die gleiche Gestalt tragen wie das himmlische Urbild (dxrov) Christus selbst. Als Sohn ist er das »Urbild«, in das wir gestaltet werden; mit dieser Verwandlung kommt die Sohnschaft zur Vollendung. »Herrlichkeit« heißt in diesem Fall Verwandlung. Apokalyptik geht hier in eine bestimmte Form der Gnosis über. tv xolloi~ ilÖEAcpoi; zeigt an, daß diese Verwandlung Gleichstellung mit Christus E. LoHMEYu.,l:irv XQump in der Feslpbe für A. Dei8mann, 1927,218 f[ Nach heUeniatiachcr Auffaalq geht es dabei um die Verwandlunc des Wesens, der SubitaDZ: ob dabei an Gen 1,27 (Chriltus all neuer Menach) zu denken ist, wird in der Fonchung diskutiert. Zum Ganzen vgl F. W. ELTESTEa, Eikon im Neuen Testament, 1958; J. JERVELL, Imago Dei. Gen 1,26 f. im Spätjudentum, in der GllOIis und in den pauJiniachen Briefen, 1960; P. VON DER OsTENSACKEN, Röm 8 alt Beispiel pauliniacher Soteriologie, 1975. 6
7
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Der Sieg über die Anfechtung
bedeutet (V 17). Das gemeinsame Erbe besteht in der gemeinsamen Herrlichkeit, in der gemeinsamen Verwandlung und in der gemeinsamen Bildhaftigkeit (Gen 1,27). Der Aufbau von V 30 ist regelmäßig, dreifach gegliedert und zielstrebig in seinem logischen Gefälle (oi)C; . . . tOlrtOUC;). Die vorzeitliche Bestimmung erfüllt sich in der Berufung, die Berufung führt zur Rechtfertigung, die Rechtfertigung zur Verherrlichung. Auffallend ist der Aorist t~aoEV stan eines Futurums 6o~6.oEL, das man eigentlich erwartet. An sich ist der Glaube selbst schon Verwandlung, Begabung mit ))Herrlichkeit« (2 Kor 3,18), aber Pis denkt hier doch letztlich von der Vollendung her: vor Gottes Augen ist die Endvollendung jetzt schon geschehen: ))alles steht längst fest und ist erledigt, auch wenn wir's noch nicht empfinden« (Ltzm R 87). Galt vom natürlichen Menschen, daß er die himmlische ~a verloren hat (Röm 3,23), so liegt im Werke Christi die Wiederherstellung dieser ~a. In dieser »triumphierenden Antezipation cc (E. Kühl) ist die Dunkelheit des Leidens, der Vergänglichkeit und der Schwäche überwunden'. Röm 8,31-39: Der Sieg über die Anfechtung 11 Wu ..neu wir D1III dazu .....? Weaa Gott für uaa - . wer iM dum wider uu? URat er doch Ieiaea eipDea Salm Dicht verw:boat, IoOIideiD Um für UDI a11e clMiDp,ebeD: wie lOIIte er ..... mit iIIIIa Dicht auch .oa 1Cbeakea? 11 Wer wird ADlrlap erbebea ..... die AuerwäblteD Goaa? Gott Ut ea, der prechtIprichL 34Wer wird die Venu1eiIuac auaprecbea? Cbriatua J..... Ut a, der .wb, ja, mehr Doch: der auferweckt wurde, der IUI' RechteD GotIa -. der auch für UDI eiatriu. 15 Wer will uaa trenDen von der Liebe da Cbriatua? Triib-.I oder Bec:biapia oder Verfol...ng oder Hun... oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 16Wie pacbriebea ateht: .Um deiaetwiUea wir den pDRD Tq ptöcet. Wir aiDd pachtet wie Sch1acbtKbafe.< 17 Aber in .u diaea Lapa überwinden wir weit durch den, der UDI pliebt bat. 1a Deaa ich bin äberzeuit, daß weder Tod DOCh Leben, weder Eapl DOCh aoutip Herncber, weder Gepawirdpa DOCh Zukiiaftipa,
wer'"
DOCh 80IUdp GewaItea, l'weder Höbe Doch Tiefe, Doch eiDe andere Scböpfua, UDI von der Liebe Goaea zu ICbeiden verIIIaI, die in Cbriatua Jeaua iat, uuerem Herm.
Analyse: Der Schlußabschnitt Röm 8,31-39 beginnt mit einer Reihe anscheinend rhetorischer Fragen 1. Es ist jedoch nicht ausgemacht, ob diese Fragen wirk• Auch in dem jüdischen Sektmtum weiß man um die endzeitliche Offenbarung der Herrlichkeit Gones. Vgl. Dun 20.25 f.: -wenn aufstrablen wird die Majestät Goues für Israel.. ; IQH 11.26 f.: -Und deine Wahrheit läßt du auCstrahlen zu ewiger Herrlichkeit und ewigem Heil. .. I V gl. R. B ULTMANN, Der Stil der pauliniscben Pmfigt und die kynisch-stoische Dia tri be, 1910, 71. Die paulinische Frage U tQO\Ij.&n begegnet auch in 3,5; 4,1; 6,1; 7,7; 9,14.30. GAUGLuR 342 denkt auch hier mit Recht an die Abwehr eines Einwandes, während andere Exegeten in V 31. nur einen rhetolÜchen übergang leben (KvHLR 3~; LAoaR. 218). KAsEMANNR 238 spricht von chriIdicher Diatribe mit einer Annäherung an antike Kunltprou.
ow
Röm 8,31-39
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lieh nur »rhetorisch« gemeint sind. Am Anfang unseres Abschnittes steht in V 31a die bekannte Formel d ow tQoüJ1EV, die gewöhnlich eine Antwon auf Einreden des Gegners einleitet (E.Gaugler). Vielleicht ist es möglich, V 31 b.33.35 als Einschnitte in dem Textgefüge anzusehen 2 . Diese wiederholenden, nicht eigentlich weiterführenden Fragen werden durch Hinweise auf bestimmte festgeprägte Sätze der Verkündigung und des Bekenntnisses unterbrochen. Die letzte Frage in V 35 wird durch eine Kette von sieben Gliedern erweiten, die zunächst in einem offenen Gegensatz zur »Liebe des Christus« steht. Sie wird verstärkt durch die Autorität des Schriftwortes Ps 44,23 (= V 36), das ausdrücklich auf das Preisgegebensein des Glaubenden in der Welt hinweist. Dies Schriftzitat hat deshalb eine besondere Bedeutung, weil unser ganzes Kapitel sonst kein ausdrückliches Zitat anführt. Mit diesem Schriftzitat ist der eigentliche Höhepunkt in unserer Fragestellung erreicht. Es folgt in V 37 die endgültige Antwon auf V 35. V 3~39 bildet dann den hymnischen Abschluß mit einer Aufzählung von 10 Gliedern, die in Zweier- oder Dreiergruppen geordnet sind. Wir stellen also fest, daß wir ein in sich kunstvoll gegliedertes hymnisches Ganzes vor uns haben, bei dem Frage und Antwon aufeinander eingestellt sind. Es entstehen wahrscheinlich vier Strophen: V 311>-32; 33-34; 35-37; 3~39. Exegese: V 51: Die einleitende Frage: d ow tQO'ÜJ1EV ltoO~ 'ta'Ü'tQ; zeigt deutlich den Einschnitt gegenüber den vorangehenden Versen. Paulus denkt auch jetzt an Einwände, die er widerlegen muß und deren Gewicht in den folgenden Fragen angedeutet ist. Der Heilsplan Gottes setzt sich trotz Widerständen und kosmischen Gegenmächten durch. Man darf also nicht den Ernst der wiederholten Fragen in Zweifel ziehen, der auch durch ihren scheinbar rhetorischen Charakter nicht aufgelöst ist. Paulus will doch nicht sagen, daß angesichts des Heilsplanes Gottes (der 1t~EO~ ~roü) kein Widerstand von Menschen und Mächten zu fürchten ist; er meint vielmehr, daß der Sieg über die gegenwärtigen und kommenden Anfechtungen gesichen ist. Derjenige, der gegen uns spricht, der die Erwählung Gottes verklagt, ist ja nicht nur ein angenommener, sondern ein wirklicher Gegner, wieja auch der für uns eintretende Gott, der fiirsprechende Christus nicht nur Möglichkeit, sondern Wahrheit und Wirklichkeit ist. Die erste inhaltliche Frage in V 31 b knüpft an die bisherige Verkündigung unseres Briefes an: weil die Veruneilung aufgehoben ist (8,1), weil alles zum Guten dient (8,28), steht Gott auf unserer Seite (i)lt~ TtJUÖV). Vorausgesetzt wird auch jetzt noch eine Gtrichtssituahon: Gott selbst erhebt keine Anklage, verzichtet auf die Verurteilung des Menschen und hat diejenigen, die in ChristusJesus sind, freigesprochen. Gott tritt in dieser Gerichtssituation grundsätzlich für den Glaubenden ein: iJ1t~ TtJUÖV ist eine kurze, prägnante Formel, die das ganze Heilsgeschehen umschreibt. Alles, was Gott in Christus Jesus tut, ist ein Geschehen »für uns«. Die forensische Situation schlägt deutlich durch: iJlt~ TtJUÖV steht statt der anderen Möglichkeit des xa~' TtJUÖV (ähnlich 2Kor 13,8). Wenn Gott aufsein Recht zur Anklage verzichtet, wer hat dann Möglichkeit und Recht, die Rolle des Anklägers zu übernehmen? Das Interesse des Paulus geht aber nicht darauf, daß 2
So schon]. WEISS, Beiträge zur pauliniachen Rhetorik, 1897,33; LAGaR 217 f.
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Der Sieg über die Anfechtung
nun der Name eines anderen genannt wird; er beschränkt sich vielmehr auf Gott selbst und auf das, was er ftir den Glaubenden getan hat3 . Das Schicksal des Glaubenden liegt allein in der Hand Gottes. Paulus beruft sich in V 52 auf einen festen Stoff der Verkündigung, den er offenbar selbst übernommen hat. In den entscheidenden Relativsätzen (V 32.34: ~ ... ) haben wir geprägten Stoff vor uns, der die Objektivität der paulinischen Antworten sicherstellen soll. Gott hat wie Abraham seinen eigenen Sohn nicht geschont: der Wortlaut unseres Verses erinnert an den Wortlaut von Gen 22,16: die Opferung Isaaks wird also dazu benutzt, um die PreisgabeJesu Christi durch Gott zu erläutern4 • Das »Preisgeben« des Sohnes (mlQOÖLÖ6vaL) ist durch das Bekenntnis Röm 4,25 (~mlQEö6fh) begründet; auch das wiederholte »wir« (,,~), das unseren ganzen Zusammenhang von Röm 8,31 an durchzieht, geht auf das gleiche »wir« des Bekenntnisses Röm 4,25 zurück. Dies »Wir« ist nicht nur das »Wir« der Auserwählten und Berufenen, sondern das »Wir« der neuen Menschheit, die sich in der Gemeinde Gottes sammelt. Dies »Preisgeben Gottes« (:rtOQClÖLÖ6vw) ist eine richterliche Preisgabe, die gleichzeitig Opfer im Sinn von Gen 22,16 ist. Der Ernst des :rt
Röm 8,31-39
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der XßQ~ 'tO'Ü itEO'Ü mit6 . Vielleicht darfman auf die Tiefe des paulinischen Gottesverständnisses, aber auch aufseine Weite und Oberschwenglichkeit aufinerksam machen. Zu seiner Tiefe gehört das Bild vom Vater, der seinen eigenen Sohn nicht verschont (8,32 = Gen 22,16), zu seiner Weite und Oberschwenglichkeit die Gewißheit, daß Gott das ganze Heil dem Glaubenden als Geschenk geben wird. Auch das Erbe bleibt ein Akt der freien Gnade Gottes. V 55: Paulus nimmt die Frage auf, wer es angesichts dieser forensischen Entscheidung Gottes wagt, seine ))Erwähltencc zu verklagen. Der Begriff der ))Erwähltencc ist ein alter Ehrenname Israels (IChron 16,13; Ps 105,6.43), der auch von der Gemeinde Jesu übernommen wurde (Röm 16,13; KoI3,12)7. In unserem Zusammenhang ist der Begriff deshalb wichtig, weil er auf den Heilsplan Gottes (Röm 8,28) und die ersten erwählenden Schritte im Kettenschluß (8,29) zurückweist. Paulus verwendet hier wie die Apokalyptik die verschiedenen Ehrennamen der Gemeinde nebeneinander, um die Feierlichkeit des Stiles hervorzuheben. Es fragt sich, wie V 33 und 34 stilistisch aufzulösen sind. Ist V 33a als Frage, 33b als Antwort und entsprechend V 34a als Frage und 34b als Antwort aufzufassen? Oder sind V 33b und 34b ebenfalls als Fragen zu deuten, aufdiejedes Mal mit einem »Nein« zu antworten wäre? Oder soU man einheitlich durchkonstruieren, so daß zuent eine Beteuerung dasteht, auf die dann eine als unmöglich erwiesene Frage folgt? Im Sinn dieser zuletzt genannten Möglichkeit würde man etwa V 31 übersetzen: »Ist Gott für uns, wer ist dann wider uns?e( Nach diesem Schema von V 31 würde V 33b zur Beteuerung: »Gott ist es, der da gerechtspricht!ec Aus dieser Beteuerung heraus entspränge die Frage von V 34a: »Wer will da noch verdammen?« In diesem Fall würde in V 34b wieder eine Beteuerung folgen: »Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintrittcc. Daraufwürde in V 35a sich die Frage anschließen: ))Wer wird uns da noch trennen von der Liebe des Christus?« - Im Gegensatz zu dieser Anordnung bei GauglerR I 348 scheint es mir richtiger zu sein, Frage und Antwort nicht auaeinanderzureißen, 10 daß V 33a bzw. 34a als Fragen ernst genommen werden, auf die V 33b bzw. 34b antworten. In der Geschichte der Auslegung hat man öfter auch V 33b und 34b als Fragen aufgefaßt, was aber nicht ohne Schwierigkeiten ist (vgl. dazu ZnR 425 Anm. 61). Auch H. Lietzmann löst den ganzen Zusammenhang in Fragen auf. Nicht unwichtig ist ein Yerglei&" milJu 50,7-9; der pauliniache Text klingt wie eine Paraphrase dieses Liedes vom »Gottesknech tce.
Auch in den Versen 33.34 sind alle Verben der eschatologischen und forensischen Situation angepaßt: tyxaÄ.ELv, ÖLxaLO'Ü'V, xa'taXQ(vELv, tvruyxavELV. Auf die Frage, wer die Anklage erheben wird (~aAELV), folgt keine direkte Antwort. Gott selbst gilt in der Schrift nirgends unmittelbar als Ankläger, wohl aber der Satan oder das Gewissen. Unser Text hebt hervor: ))Gott ist da, der uns rechtferVgl. lKor 2,12; 2Kor 2,7.10; 12,13; Ga! 3,18. Auch in der äth-Hen-Apokalyptik sind die Bezeichnungen: Heilige, Gerechte, Auserwählte für die Gemeinde gdäufig (z.8. 38,2 f[). »Auserwählte« (D":I~) ist eine feste Bezeichnung für die Mitgl~er der Sekte. Vgl. IQpHab 10,13: »Die, welche die AUKrwählten Gottes gehöhnt und sesclunäht haben, werden ins Feuergericht kommen.« 1QS 8,6: »durch Gottes Woblgefallen Erwählte, um zu sühnen für die Well.« Dam 4,3 Ir.: •• Und die Söhne Zadob: das sind die AUierwählten larads, die mit Namen Genannten, die da bestehen werden am Ende der Tage.« V g1. dazu F. NOT5CHER, Zur theologischen Terminologie der Qumrantexte, Donner biblilChe Beiträge 10, 1956, l6~181; A. PENNA, L'elezione neUa letten ai Romani e nei testi di Qumran, Divinitaa 2, 1958-59,597-614. 6 7
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Der Sieg über die Anfechtung
tigt« Ues 50,8: 6 ÖLxaLo~ f.L2)8. Es ist wahrscheinlich, daß Paulus an eine zukünftige Gerichtssituation denkt (tyxaA.tOEL, xa'taXQLvmv), wie auch V 32b (XClQUJnaL) ohne Zweifel ein echtes Futurum sein wi11 9 . Auf die ausführliche Frage V 33a antwonet V 33b in kurzer, prägnanter Form; chiastisch schließt sich die knappe Frage V 34a an, aufdie in V 34b eine ausführliche Nttwon erfolgt. Feierlich weist das Bekenntnis auf Christus Uesus) hin, auf den sich vier Aussagen (2 + 2) beziehen 10; Die beiden Panizipien cbto6av6rv und ~ bilden eine Steigerung, wie schon das f1ällov ausdrücklich zu erkennen gibt 11. Es folgen zwei indikative Aussagen in relativischem Bekenntnisstil (~tanv ... ~ xa( ... ), die ebenfalls enger zueinander gehören. Paulus hat hier offenbar eine bekenntnisanige, liturgische Tradition vor Augen, welche die Erhöhung nach Ps 110,1 beschreibt und diese durch die priesterliche Funktion des ))Eintreteos« für uns ergänzt (Hebr 7,25). Wir haben damit ein ausdrückliches Paraklet-Motiv vor uns, das sich an das Erhöhtsein zur Rechten Gottes angeschlossen hat 12 • Eigentlich wäre da. Eintreten Christi für uns ein Geschehen, das mit der Rechtfertigung, die Gott ausspricht, eng zusammengehört. Aber Paulus will offenbar in V 33b und 34b zwei bekenntnismäßige Aussagen machen, die Gott und Christus formal auseinandenreten lassen. Der Aufbau der beiden Verse 33.34 ist also durch diesen Bekenntnisstil bedingt. V 55: Gegenüber den vorherigen Fragen nach dem Verkläger und Richter verschiebt sich nun der Gedanke.jesu Sterben und Auferstehen, seine Erhöhung und sein Auftrag an uns sind bei Paulus Ausdruck für seine »Liebe« zu uns (8,37; 2Kor 5,14). Die »Lieoo< des Messias (beachte den Artikel!) ist bei Paulus ein zusammenfassender Ausdruck fiir das Heilshandelnjesu 13 • Durch dies Hei1shandeln hat er sich mit uns verbunden; hat jemand die Macht, uns von dieser Tatjesu zu trennen und von ihr auszuschließen? Da die Rechtfertigung ein rechtlicher Akt ist, müßte sich diese Scheidung geschichtlich und rechtlich auswirken. Liebe und Erwählung hängen aufs engste miteinander zusammen; ebenso ist für Paulus auch die Liebe Christi eng verbunden mit der Liebe Gottes, die sich in Christus] esus uns anbietet (8.39). Nicht als erneute Frage, sondern als Fortsetzung von V 35a tritt uns eine siebenfache Aufzählung entgegen. Allerdings sucht 't~ nach einer Person oder Macht, während in dieser Aufzählung nur Ereignisse, Lebenslagen und Gefährdungen ange• Die Artikelloaigkeit hebt die besondere Würde hervor: »Wer wird Menschen verklagen, die Auserwählte Gottes lind?« (V 33a). &2~ 6 6LXQ&(i)v ist Apposition: »Gott ist da, der Rechtfertigende« (V 33b). 9 Die Auslegung fragt, ob Paulul in V 33 futurisch an eine zukünftige Gerichtssituation denkt oder ob die Futura lediglich einen logischen Sinn haben (Bl-Debr 366). 10 'I~ fehlt bei BDEl(. XQLOt6c; findet sich ohne Eigennamen nicht selten im Römerbrief (5,6.8; 6,4; 8,9; 14,9.15). »Die Auslassung erklärt sich jedenfalls leichter als die Zusetzung« (KOHLR 309). 11 J-Uillov tritt als Ausdruck der Selbstkorrektur im paulinischen Stil gelegentlich hervor (Gal4,9). Du zweite Glied bedeutet in diesem Fall gewöhnlich eine Steigerung. 12Vgl. N.JOHANSSON, Paraldetoi, 1940,234.273. Zum ganzen Abschnittvgl. G. ScHILLE, Die Kirche Gones in Christus. Betrachtungen zu Röm 8.31-39, ZNW 59, 1968, 2~244. 13 Vgl. E. STAUFFER, Art. i&y6m), ThW 149 11". <'mb"t'ijC;i&y(unJC;"too XQ«noo wird von ACDG gele8en, "tOÜ itroil dagegen von B K. Die LA "tOÜ &200 "t'ijc; tv XQt.atei> 'IY)CJOÜ sucht an V 39 anzugleichen. Vgl. zur Frageltellung Chrya. cat. 287.19.
Röm 8,31-39
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führt werden. Nimmt man das personhafte 't(S, das in V 31.33.34.35 begegnet, ganz ernst, dann müßte man feststellen, daß erst die neue Aufzählung in V 38.39, die stark personhaft geformt ist, diesem 't(s gerecht wird. In der Reihe V 35b hängen sachlich itAL'I'LS und atEVOXOOOw (Röm 2,9), MJ.L6s und Y'JJ.LvlmJs zusammen 14. Man ist versucht, Öu.oyJ.L6s, x(VÖWoc; und J.LaxaLQ
statt).~
2M
Der Sieg über die Anfechtung
VLxäv drückt schon als Wortbildung etwas Außerordentliches aus (im Neuen Testament nur hier!) 17; Gedanke und Wortprägung haben etwasJohanneisches, aber auch Hellenistisches an sich. Dieser triumphierende Ton, den Paulus schon in V 37 anschlägt, setzt sich in V S8 f. fort. Der rhetorisch-hymnische Stil des ganzen Abschnittes tritt jetzt besonders deutlich heraus. Es folgt eine neue Aufzählung der kosmisch-weltlichen Mächte, die sich zwischen Gott und den Glaubenden stellen könnten. Das Moment des ))Personhaftencc, das durch die verschiedenen 't(;-Fragen vorbereitet ist, macht sich jetzt stärker geltend. nmELOJ.&ClL hat im paulinischen Sprachgebrauch eine besondere Gewalt und steht dazu hier noch betont am Anfang; es drückt ein überzeugtsein, ein Gewißsein aus, das Zweifel und Anfechtung bewußt überwindet l8 . Die angeführten Mächte sind mehrfach paarweise geordnet (2 + 2 + 2 + 1 + 2 + 1): Tod und Leben, Engel und sonstige (kosmische) Herrscher, Gegenwärtiges und Zukünftiges, sonstige Gewalten, Höhe und Tiefe, irgendeine andere Schöpfung (= GeschöpO. Wir haben also eine Lhner-Gruppe vor UIIS. Die Zahl der Glieder ist in derartigen Gruppen nicht zufällig l9 • Es bleibt die Frage offen, ob Aufbau und Reihenfolge auch sachlich begründet sind. Wenn Paulus mit der Erwähnung des Todes beginnt, dann hängt dies wohl mit dem Schriftzitat von V 36 ('ftava'tovf.'ria) zusammen. Der Tod, den der Glaubende aufsich zu nehmen hat, ist gleichzeitig ein Zeugnis für die dämonische, trennende Macht des Todes. Aber auch das Leben, das neben dem Tod genannt wird, vermag Gott und Mensch zu scheiden, weil es ein Getrenntsein vom Herrn und ein Fremdsein gegenüber der himmlischen Heimat in sich schließt (2Kor 5,8 f.; Phill,23). Die )Liebe Gottescc als Unterpfilnd der Erwählung und als Bürgschaft in der Anfechtung überwindet die besondere Not des apostolischen Berufes und des Preisgegebenseins des Glaubenden an die Macht des Todes; sie tritt auch der verstrickenden und trennenden Macht des ))Lebenscc bewahrend und überwindend gegenüber und bezeugt den gekreuzigten und erhöhten Christus als den ))Herrncc über Tod und Leben (Röm 14,7-9). Ganz anders klingt das zweite Begriffspaar: Engel und Herrscher; gemeint sind nicht gehorsame Gottesboten (Hebr 1,14), sondern kosmisch-weltliche Gewalten, die einen eigenen Machtbereich innehaben (äthHen 6 ff.). Man könnte sogar auf den Gedanken kommen, daß in diesem Begriffspaar niedere und höhere Mächte voneinander unterschieden werden sollen2o; Ähnliche Aufzählungen kosmisch-weltlicher Gewalten begegnen auch sonst bei Paulus und verraten immer ein ganz bestimmtes Schema im Aufbau 21 • Trotz aller Eigenheiten hat auch Röm 8,38 f. ge-
1'7 imrqvLxäv bedeutet: "einen glänzenden Sieg erringen. (Th W IV 941 0".). UmQVucav erinnen an WonbiJdungen wie imEQUJX<Jnv, ö~\J~6vuv und im~EW. "Der Apostd redet schier im Obenchwang. Er braucht ein Won, du etwa heißt: Wir siegen hoch darüber hinaus.. (GAUGLEaR 353). 11 Ähnlich begegnet es auch sonst bei Paulus in Röm 14,14; 15,14; 2Tim 1,5. 19 Derartige Aufzählungen sind im Hellenismus keineswegs sehen; man erinnen sich auch an 1Kor 3,22. PALLlsR 109 glaubt, ein altes Schema aus 3 Paaren zusammensetzen zu können: oöu c\yyt:A.oc; oöu 6c1xfI, o6u ~a WtE 6Uva~, o6u tvEmlinn o6u ~a. 20 LADaR 222. 21 z.B. I Kor 15,24: 6c1xfI. ~(a, 6Vva~ (.. 3 Glieder); Kol 1,16: 6Q6voL, x\JQWnJ~, 6qxa(, ~oootaL (- .. Glieder); Eph 1,21: 6c1xfI. ~(a,~, x\JQLlm1~, 6vOJ&O (= 5 Glieder).
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wisse Berührungen mit 1Kor 3,22. Paulus hat offenbar nach der AbVDtckung verschiedene Schemata miteinander verbinden können. Auf jeden Fall ist sicher, daß durch die Zusammenstellung von ciYYEAoL und itQxa( die letzteren als Engelmächte besonderer Art bestimmt werden sollen; in diesem Sinn begegnen sie immer wieder in den uns bekannten Schemata22 • Seltsam ist, daß buvaflEU; an dieser Stelle fehlt und erst später auftaucht; so konnte die Vermutung ausgesprochen werden, daß die ö'UVaflEU; zunächst in der Nähe der ÖQXa( standen, dann ausgelassen und später an falscher Stelle eingesetzt wurden 23 • In der paulinisehen Vorstellung sind die ö'UVaflELS ebenfalls kosmisch-weltliche Kräfte, Engel und Geistermächte, die mit den dOXa( verwandt sind. Apokalyptische und gnostische Motive haben sich in derartigen Zusammenstellungen eng miteinander verbunden. Das relativ selbständige Paar: •• Gegenwärtiges« und •• Zukünftiges« denkt an irdische Ereignisse, Katastrophen und Kräfte, die das Bild der Geschichte bestimmen, und die doch auch im Bereich des kosmisch-apokalyptischen Kräftespiels liegen ( 1Kor 3,22). Mitten in der Aufzählung unserer Reihe beginnt V S9. Gelegentlich hat man •• Höhe« und ••Tiefe« als Umschreibung der vorher genannten »Kräfte4( (ö'UV(q.LEU;) angesehen, so daß die Verbindung zu dem vorher genannten Glied sehr eng gedacht werden soll. Es ist aber unwahrscheinlich, daß man die ö'UV(q.LEu; in ~<.O~ und paito; zerlegen darP". Die patristische Exegese dachte bei ~w~ an himmlische, bei Pllaos an unterirdische Mächte (z.B. Orig. cat. 292,16 ff.). Eigenartig ist ein moderner Versuch, im Anschluß an astrologische Begriffe des Hellenismus ~<.O~ und pa60s aufsiderische Mächte zu beziehen, die in Höhe und Tiefe herrschen 25 • Haben wir bei ~<.O~ und Pllaos an Geisterwesen in himmlischen und unterirdischen Räumen zu denken, dann fügen sich derartige Vorstellungen gut in den Zusammenhang ein26• Auffallend ist die räumliche Färbung dieser kosmisch-gnostischen Begriffe. Das letzte Glied: 'tU; XdOLS htQu ist auf sich selbst gestellt und schließt ab: auch keine sonstige Art von Geschöpf ist imstande, Gott und Mensch zu •• lrennen« und die Liebe Gottes aufzuheben. Mag es auch Macht haben (ÖVY'i)OE'taL), die Macht der Liebe Gottes, die in ChristusJesus uns angeboten wird, ist größer. Die Liebe des Messias (V 35) ist letztlich auch die Liebe Gottes, der uns in Christus Jesus gegenübertritt. Der Abschluß in Röm 8,39 ist betont und feierlich; er erinnert vor allem an Röm 6,23. Die Rechtfertigungslehre, die in Röm 1-4 entfaltet wird, bezeugt die Einheit von Gnade und Gerechtigkeit Gottes. In der Auseinandenetzung mitjuden und Heiden, mitJudenVgl. ThW 1481 ff.; M. DIBELlUS, Die Geisterwelt im Glauben des Paulua, 1909,99 W. 110 ff. Vgl. schon M. DlBELIUS, a.a.O. 110; später SANDAY-HEADLAMR 223; PALLIsR 109. 24 •• Bei 6uv{q&.E..; dachte Paulus an die zu Heeren verbundenen Geister, die er als .. Höhe« und ..Tiefe« kennzeichnet. Das fnIKof.lO. sind die Heere, die sich in Gottes Nähe befinden; das ~ lind dagegen die, die ein göttliches Uneil von der Welt gcaonden hat.. (Sau.AITER, Gerechtigkeit 289). 2S ~ und "tcmdvq&a sind astrologische Ausdrücke f1.ir die größte Annäherung und Entfernung eines Sterns vom Zenith (Plut. sept. sap. oonv. 3 p. 149a). ~ ist astrologisch der unter dem Horizont befindliche Himmelsraum, aua dem die Sterne aufiteigen (A. DIETERlCH, Mithrasliturgie, 3.Aufl. 1923, p. 8,5; 12,16). LTZMR 89 nimmt an, daß in V 38 siderische Mächte gemeint sind, die in Höhe und Tiefe herrschen. 26 Vgl. auch H. ScHLIER, ThW I 515. 2Z
13
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christen und Heidenchristen stellt sich diese neu gewonnene Verbundenheit von Gertchtigkeit und Gnade als wesentliches Merkmal der Kreuzespredigt heraus. Der Begriff der »LUllt« Gotüs steht dagegen innerhalb der paulinischen Theologie in eigenen Zusammenhängen und muß aus sich heraus verstanden werden. »Liebe« ist schon für Altes Testament und Judentum, aber auch für das Neue Testament verbunden mit Erwählung, so daß für Paulus geliebt sein soviel heißt wie berufen und erwählt sein (Röm 1,7; 8,28). Ausdrücklich setzt der Begriff der »Liebe« Gottes erst in Röm 5,5.8 ein. Gottes Liebe zu uns wird durch die Gabe des Geistes Gottes uns zur Gewißheit, so daß wir uns auch der Zukunft rühmen können. Sie besteht allerdings in einem objtlctiDm Geschehen, das durch das Evangelium vermittelt wird: Christus ist für uns, die Sünder, gestorben (Röm 5,6.8). Da objtlcliw HtiJsgucluhm »fo IIIU« wird tdso dm B.griffUr »Lieb.« IllUg,ltgt. In diesem -für uns •• liegt die Erwählung und Berufung Gottes. Röm 5,6.8 wird in dem Hymnus Röm 8,31-39 wieder aufgenommen. Weder in der Rechtfertigungslehre noch in der Tauflehre noch in der Geisdehre spielt unser Begriff der »Liebe« Gottes eine entscheidende Rolle. Ent in der Behandlung des Vorsatzes Gottes (Röm 8,28) und der damit zusammenhängenden Frage der Erwählung ist das Thema der »Liebe Gottes
"d,
Blicken wir zurück auf den Zusammenhang Röm 5-8, dann zeichnen sich bestimmte Ergebnisse ab: 1. So gewiß wie das Evangelium als Kraft Gottes beschrieben wird (1,17), so fehlt gerade in Bezug auf den Geist bei Paulus eine entsprechende Beschreibung als »Kraftcc oder als »Machtc(. Der Apostel bindet den
Geist an die Taufe, die Gottes schöpferisches und umgestaltendes Handeln herausstellt. Paulus vermeidet ein )>dynamistisches« Mißverständnis des Geistes und erkennt dem Taufvorgang umwandelnde und schöpferische Macht zu. 2. Mit der Gabe des Geistes bricht die Freiheit als Loslösung von Gesetz, Sünde und Tod durch. An dieser Freiheitsparole erkennt man die charakteristische Stellungnahme des Apostels für das hellenistisch geformte Christentum. Sie tritt aber erstNIC/a Darlegung der Rechtfertigung auf(Gal5,1; Röm 6-8} und wird in das Dienstverhältnis umgebrochen. Daß die Rechtfertigung Erlösung und Freiheit einschließt, hängt mit dem Werdegang des Paulus selbst zusammen. 3. Gerechtigkeit, Friede, Freude, Gabe des Geistes sind ursprünglich messianische Strukturm Ues 11,1 f[; 42,1 f[) und setzen voraus, daß eine entsprechende Botschaft von der Herrschaft Gottes vorangeht (14, 17). 4. Hilfe und Kennzeichen echten Christenstandes ist der Gegensatz Fleisch-Geist, der bei Paulus sowohl in der Geistlehre wie auch sonst im Bewußtsein seines Apostolates eine wichtige Rolle spielt. 5. Als Vorwegnahme, Angeld und Bürgschaft für die Zukunft trägt die Botschaft von Anfang an eine Steigerung über sich selbst hinaus. Damit ist das
Röm 8,31-39
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Problem des »Enthusiaamuscc gegeben (E. Käsemann) . Der Bezug des Glaubenden aunVelt, Mächte, Leiblichkeit entspricht apokalyptischem Bewußtsein und darf nicht auf die Existenz des Menschen reduziert werden (E. Käsemann).
IH. Teil
Kap. 9-11: Du Geheimnis des IÖttlichen Heillplanes
Man darfnicht übersehen, daß Röm 9-11 ein abgeschlossenes Ganzes ist, daß aber vom Schluß 8,30 ff. 37 ff. aus Verbindungslinien zu 9,1-5 führen. Der Leidensweg des Paulus fühn nicht an der Tatsache vorbei, daß Israel, das Gottesvolk des Alten Bundes, sich dem Evangelium leidenschaftlich widersetzt ( 1Thess 2,15 f.). Paulus steht in Abläufen und Auswirkungen, denen er ausgesetzt ist. Geht man der Geschichte der Auslegung nach, dann erkennt man, wie oft die Abstraktion (Gegensatz: Universalität-Panikularität, Heilsgeschichte allgemein, Pädagogik Gottes) die Konkretion (die Frage der bleibenden Erwähltheit Israels) ersetzt. Das Evangelium ist eine Botschaft für denjuden »zuerst« und auch den Griechen (Röm 1,16; 2.9 f.; 3,9; 10,12); diese Zusammenstellung und Zuordnung bleibt aber ein Problem, das eine theologische Erklärung verlangt. In Röm 3,1 setzte eine Beschreibung des »Vor~ugs« ISTtUls ein, aber sie brach allzu rasch ab. Paulus gab zu, daß die Treue Gottes Israel auch dann nicht preisgibt, wenn es selbst diese Treue Gott gegenüber verlassen hat (Röm 3,3). Damit ist aber die bleibende Besonderheit Israels ausdrücklich anerkannt (Dt 7,6; 14,2). Paulus übernimmt in Röm 9-11 die Aufgabe, den Vorzug der Erwählung Israels als bleibend und unaufgebbar zu beschreiben. Durch die Anerkennung der Erwählung trotz der Verhänung desjudentums wird der Apostel zum Fürsprecher für Israel vor den Heiden (Röm 11,13 W.).
Paulus beschreibt den Weg IsrtUls von verschiedenen Seiten her; darum sind die drei nun folgenden Kapitel jedes in sich abgeschlossen. Und doch sind sie nicht voneinander unabhängig, sondernjedes Kapitel ist die Grundlage des nächsten; derJubelrufRöm 11,33-36 schließt den ganzen Gedankengang als einen eigenen Teil unseres Briefes ab. Röm 9 spricht von der Freiheit der göttlichen Erwählung und stellt neben den Akt der Erbarmung den der Verstockung. Der Begriff der Liebe Gottes (Röm 8,39) wird von dem der Gnade und des Erbarmens abgelöst, weil Gottes Freiheit und Schöpferrecht zum Ausdruck kommen sollen. Röm 10 beschreibt die Verantwonlichkeit und Freiheit des Menschen innerhalb der Erwählung. Israel hat seine eigene Gerechtigkeit behaupten wollen und ist an der Botschaft des Evangeliums gescheiten. Röm 11 schließlich zeigt die Durchführung des Heilsplanes Gottes auf. Im Judenchristentum liegt der Erweis, daß Gottes Verheißung nicht hinfällig geworden ist. Das Heidenchristenturn aber darf nicht vergessen, daß nur durch die Schuld Israels die Einpfropfung in den 01baum möglich wurde; die prophetische Weissagung, daß die Verstockung Israels zeitlich begrenzt sei und daß die Rettung von ganz Israel bevorstehe, harrt noch
Röm 9-11
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ihrer Erfüllung. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Röm 8 und 9 ist nicht ohne weiteres sichtbar. Jedoch ist die Verbindung von Röm 8,29 f. zum neuen Hauptteil nicht zu übersehen. Am Beispiel ))Israelcc tritt die Wahrheit des »Vorsat~es« und der Erwählung Gottes heraus (vgl. Röm 9,11; 11 ,2). Wie der Vorsatz Gottes sich trotz menschlicher Bedrängnisse und irdischer Gegenmächte durchzusetzen vermag (Röm 8,31 tT.), so wird er auch Israels Unglauben überwinden und sich als Wahrheit herausstellen l . Gewiß steht das geschichtliche Schicksal Israels im Vordergrund, doch geht es dem Apostel letzten Endes um mehr: er will aufweisen, daß Gottes Wort und Absicht auch in diesem Fall ihre Kraft nicht verloren haben. Wir haben übrigens in Röm ~II den Teil des Römerbriefes vor uns, der am stärksten vom SchriJk.eugnis durchzogen ist. Dabei ist die Schrift keineswegs nur als Zeuginfiir Israel verstanden, sondern auch als Klägerin gegen Israel. Im Schriftzeugnis offenbart sich die Treue und Stetigkeit des göttlichen Ratschlusses auf dem Weg der Geschichte Israels. Grundsätzlich wird man sagen müssen, daß der ) Vorsatz« Gottes nich t eine abstrakte Idee oder ein spekulativer Begriffist, der sich vom Evangelium und von der Schrift loslöst; er ist vielmehr der unbedingte Heilswille Gottes, der sich im Evangelium und in der heiligen Schrift kundtut. Man wird auch annehmen dürfen, daß die Erwählungslehre nicht gegen die Rechüertigungslehre in dem Sinn ausgespielt werden kann, als handle es sich hier um ein neues ))Thema« des Briefes, das den verborgenen Gott predigt; in der Erwählungslehre ist vielmehr die Weiterfiihrung und Konsequenz der Rechtfenigungslehre gegeben, die letztlich vor den gleichen Gott der Güte und der Härte stellt (Röm 11,22). Was in der Rechtfertigung des Menschen sich vollzieht, hat in seiner Erwählung durch Gott seinen Grund.Jedes tntscheidnult Handeln Gottes in der Geschichte des Menschen Iult seinen Ursprung und seine Grundlage in der Ewigkeit. Durch den Willen Gottes ist der Weg Israels mit dem der Heiden verschlungen und verknüpft worden. Die Erwählung Israels ist also nicht mehr ein ausschließendes, Israel isolierendes Ereignis, sondern wird zu einem Heilsweg, der Juden und Heiden unter die Gerichte Gottes führt (Röm 11,33). Wenn Paulus diese neue Erkenntnis aufdeckt, dann zeigt er damit,.wie wenig der Vorwurf paßt, er sei ein Apostat, der mit größtem Eifer mit Füßen tritt, was ihm einst heilig war. Es ist nicht unmöglich, daß man Paulus den Römern als solchen geschildert hat (Ltzm R 89). Paulus bekennt sich aber in Röm ~ 11 ausdrücklich zumJ udentum und tritt als Fürsprecher für sein Volk ein2 • Der Heidenapostel gibt sein Juden1 Die Kirchenväter haben eine Verbindung zwischen Röm 8,35.38 f. und Röm 9,3 lehen woUen: Zunächst beteuen Paulus, daß nichts ihn von der Liebe Christi scheiden kann, ist aber dann bereit, eine Scheidung »weg von Christus« für sein Volk aufsieh zu nehmen. An eine derartige Verbindung denken Orig., Ephraem, Diodor, Theod. Mops., Chrys., Thdrt., Photius lOWie der Interpolator des Pdagius. Weil dies Anerbieten 10 unglaublich encheine, bekräftige Paulul es durch venchiedene Beteuerungen. Diese seine Beteuerungen seien deshalb notwendig gewesen, weil Paulus du Mißtrauen der Juden, die ihn für ihren unverJÖhnlichen Feind hidten, zerstreuen mußte. 2 Zur Literatur über Röm 9-11: K. L. SatMIDT, Diejudenfrage im Lichte der Kapitd 9-11 dei Römerbriefes, ThSI 13, 1943; W. VISCHE1l, Du Geheimnis Iaradl,Judaica 6,2,1950; G. SCHIlENK, Der göttliche Sinn in Israds Geschick, 1943; den., Die Weissagungen über Iarad im Neuen Testament, 1951; O. MICHEL, Opferbereitschaft für Iarad, In memoriam E. Lohmeyer, 1951, ~100;
290
Di~ KIag~
um Israd
turn nicht auf, sondern gibt nun seinem Judentum einen neuen Sinn. Vielleicht ist die Aufdeckung des göttlichen Heilsplanes noch in einem anderen Sinn eine Antwon auf Auseinandersetzungen der damaligen Zeit. Paulus wendet sich gegen das unzufriedene, eifersüchtige Murren des Judentums und gegen die hochfahrende Verachtung Israels durch das Heidentum 3 • Röm 9,1-5: Die Klage um Israel
Wahrheit . . . ich in ChrUtu., ich lüp nicht, wobei mir mein Gewiaen im heilipD Geht Zeapia .... , 2da8 ich pole Traer t.be und UDUDtelbrOChenen Schmerz in meinem Renen. 3 Ich WÜD8chte . . . . verbunt zu Rin, von CIuUbu pKhieden, für meiDe Brüder, die DaCh dem F1ebch ~ VoIbpaouen aiDd; aiDd I..nten, und ilmen pbören die Sohn.....ft uad die Rentichkeit und die BUlidalChlie8unpn und &lieGeR. . . . . . und der Gouadieut und die Verbei8unpn, 5 iImen phören die Väter zu, und von iImen ttammt der ChrUtu. dem F1eUche nach ab. Er, der über allen Dinpn Gott iat, an hochpIobt in Ewilbäte Amen. 1
4.
A1I4ryse: Dal neue Kapitel beginnt mit einer feierlichen Beteuerung, die sowohl positiv als auch negativ formulien ist, der auch durch die Berufung auf das Gewissen und das Zeugnis des heiligen Geistes eine besondere Bedeutung zufällt (V 1-2). Paulus deutet an, daß er darunter leidet, daß sein VolkJesus Christus abgelehnt hat und in diesem Sinn von ihm getrennt und damit ))verbannt« ist. Es ist aber bezeichnend, daß dieser wichtige Gedanke lediglich angedeutet, nicht aber ausgeführt wird. Mit V 3 setzt vielmehr das Angebot ein (T}ÖX6f.111V), selbst vom Heil ausgeschlossen zu werden, wenn damit die Schuld Israels gesühnt und die Erfüllung der Verheißungen an Israel gewährleistet werden könnte. Von V 4 an zählt der Apostel die Vorzüge auf, die darstellen sollen, daß die Israeliten es wen sind, daß man solche Opfer für sie bringt (Fr. Godet). Auch die Au&ählung in V 4.5 ist feierlich und untersteht sicherlich einem bestimmten formalen Gesetz; sie schließt mit einem bekenntnisanigen Lobpreis, der vielleicht sogar das Gottesprädikat aufJesus Christus selbst anwendet. Der Apostel ist also nicht nur Ankläger, sondern auch Fürsprecher für sein Volk. Das apostolische Amt ist wie das des Propheten beides. Seine Haltung ist also die gleiche wie die des Moses, der einst Gott bat: ))Nun aber, vergib ihnen doch die Sünde! Wenn aber nicht, so streiche mich selbst aus deinem Buche aus, das du geschrieben hast!« (Ex 32,32). Man weist mit Recht darauf hin, daß die Männer der Vorzeit wie Moses, David und die Propheten stellvenretend für das Volk gelitten haben und so zum Sühnopfer für Israel geworden waren (Str-B 111 261). CHR. MOLLER, Gottes G~rechtigkeit und Gottes Volk. Eine Unt~rsuchung zu Röm ~II. 1957; D. FLUSSER, The Dead Sea Sect and Prae-Pauline Christianity, Scripta Hierosolymitana IV, 1958, 215-266; J. GNILKA, Die Verstockung Israels, 1961; E. GOTfGEMANNS. Heilsgeschicht~ bei Paulus oder Dynamik des Evangeliums, Studia linguistica Neotestamentica. 1971.34-58. Zum ganzen Probl~m vgl. den wichtigen Aufsatz von K. STENDAHL. Th~ Apostl~ Paul and the Introspective Con· SciOlce ofthe West, Harvard Theo!. Rev. 56, 1963, 199-215. l P. ALTHAL'S, NTD, 10. Aufl 1966,98; KASEMANNR 247-250.
Röm 9,1-5
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Exegese: Die Leidenschaft der Beteuerung und des Bekenntnisses, die Anrufung des Gewissens als verstärkenden Zeugen, die Vergegenwärtigung des Christus und des heiligen Geistes und schließlich der feierliche, liturgische Abschluß in V Slassen darauf schließen, daß Paulus als Angegrifftnn, als Angefochtenerdie Synagoge sieht ihn als •• Abtrünnigen« und als .)Verführer« an - über die Synagoge spricht4. Er redet alsjuth über Gottes Handeln an Israel, ohne sein Volk ausdrücklich anzureden, während er in Röm 11,13 das Wort an die Heidenchristen richtet. Es geht Paulus also nicht um eine Selbstverteidigung vor der Synagoge, sondern um eine Besinnung auf die bleibende Bedeutung Israels vor der Gemeinde Gottes 5 • V 1: Unter bestimmten Umständen muß Paulus eine Behauptung durch eine Beteuerung bekräftigen (Gaugier R 11 6 spricht sogar von einem »feierlichen Schwur«); deranige Beteuerungen haben einen bestimmten Stil und eine besondere Form, auf die man achten muß. Sie sind bei Paulus nicht ganz selten6 , doch fällt die doppelte Versicherung (positiv und negativ) als ein Zeichen außerordentlicher Verstärkung auf. Ausgeschlossen ist die Vermutung einiger Kirchenväter (z.B. Chrys.), daß Paulus hier drei Zeugen nennt (Christus, das Gewissen, den heiligen Geist); dagegen spricht schon die Anordnung'. Wahrscheinlicher ist, daß die paulinisehe Aussage (das »Ich«) durch den Hinweis auf das mitzeugende Gewissen verstärkt wird, während die richterliche Vollmacht des Christus und des heiligen Geistes' (beachte die Parallele: tv XQL<Jt
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Die Klage um Israel
heiligen Geist gebunden und ihm untergeordnet ist (tv 1t'VE'UJ.IQ'tL 6Y«P). Die formale Besonderheit der paulinisehen Beteuerung besteht in einer Häufung von Doppelgliedern: Paulus und Christus, Gewissen und heiliger Geist, Wahrheit und Lüge, Trauer und Schmerz. Auch im Einzelnen steht V 2 unter diesem formalen Gesetz der Doppelheit. Paulus spricht von der ))Größe« (= Tiefe) seiner Trauer und von ~er ))U naufllörlichkeit« (= Unablässigkeit) seines Schmerzes, die er um Israels willen erleidet. Was ihn selbst trifft (twL), trifft gleichzeitig sein Herz (lfi XOQÖt{l j.LOu); so entsteht formal ein weiteres Doppelglied l l . Wenn Paulus nicht sofort aufden Grund seiner Trauer und seines Schmerzes eingeht, dann ist nicht an vorsichtige Rücksichtnahme oder rhetorische Absicht zu denken, sondern lediglich an eine persönliche Ergriffenheit, die das sachliche Motiv überspringt. Entscheidend ist das an den Anfang von V 5 gestellte Imperfekt '1üx6J.a,1'}'Y, das verschieden gedeutet werden kann. Man kann übersetzen: »ich wünschte« oder ))ich gelobte« und das Imperfekt als einen unvollendeten Versuch (Impf. de conatu, Tb. Zahn) oder als eine verkürzte Wunschform (= '1ÜXÖIJ.1'}'Y lrv Bl-Debr 359,2) auffassen. Im letzteren Fall würde der Sinn sein: ))ich möchte« bzw .••ich würde wünschen« (vgl. Apg 25,22; GaI4,20). M.]. Lagrange würde statt optabam (vulg.) lieber optarem lesen. Dies Imperfekt bringt offenbar beides zum Ausdruck: daß der Wunsch des Paulus wirklich und ernsthaft ist, daß Paulus aber auch weiß, daß diesem Wunsch eine Grenze gesetzt ist, und daß Gott das angebotene Sdbstopfer bisher nicht angenommen hat. Es erhebt sich die Frage nach der TtJlsiicldil:lWit und Erfollbarkeit des paulinischen Wunsches. Nach ZnR 431 weiB Paulus, daß nichts ihn scheiden kann von der Liebe Gottes, die in ChristusJesus ist (Röm 8,35 f.). Paulus war allerdings bereit, zeitweilig hier auf Erden eine Trennung von Christus auf sich zu nehmen. An Tagen und Stunden solcher Verlassenheit von Christus hat es im Leben des Apostels nicht gefehlt (2Kor 1,8 f.; 2,13; 7,5; 12,7). Eine derartige zeitweilige Trennung von Christus rur sein ungläubiges Volk aufsich zu nehmen, war Paulus bereit. Allerdings sagt Paulus nach Tb. Zahn nicht, daß er wirklich diesen Wunsch habe oder daß er ein derartiges Gelübde ablege, sondern nur, daß ein derartiger Wunsch in ihm au&teigen konnte. Kühl R 312 wehrt sich ausdrücklich gegen die Entwertung der paulinischen Aussage bei Tb. Zahn, kommt aber selbst nicht zu einer ernsthaften Gegenthese. Er spricht von der •• wännsten Anteilnahmecc an dem Geschick seines Volkes, ohne das "iJxÖf.1TJV klar zu bestimmen. Lagr R 225 bleibt ebenfalls vonichtig und meint, es handle sich jedenfalls nicht um ein Gebet, sondern um einen Wunsch, von dem Paulus sehr wohl weiß, daß er nicht erfiillbar ist. Sanday-Headlam R 228 versucht, dem Text gerecht zu werden. Er läßt die Frage offen, ob es sich um einen Wrmscla oder ein Gebet handelt; er glaubt vor allem, daß Paulus den Wunsch äußert, ohne an die Unmöglichkeit der zugrunde liegenden Bedingungen zu denken. Ausdrücklich betont Schlauer, Gerechtigkeit 293 diese U nmäglichkeit des Wunsches: »Unmögliches begehrt dieser Wunsch; denn Christus gibt seine Gemeinschaft dem, dem er sie geben will. So wenig Paulus ihn von sich wegscheuchen kann, nachdem er ihn gerufen hat, so wenig kann er Christus zu den Juden bringen.c( Gaugier R 11 8 sieht in dem Indikativ des Impf., daß Paulus den Wunsch wirklich und ernsthaft hegt, doch zugleich weiß, daß er nie in Erfilllung gehen kann. 11 GAUGLER R 11 7 spricht von einer dreifachen Steigerung in V 2: Trauer - Schmerz, groß - unaufhörlich, mir - in meinem Herzm. Er will also hervorheben, daß das zweite Glied dem ersten gegmüber verstärkt ist.
Röm 9,1-5
293
M. Luther hat in seiner Auslegung von Röm 9,3 das 'l"x6t.L'lV sehr ernst genommen und in ihm den Erweis der voUJcommmen Liebt gesehen, die sich selbst haßt und preisgibt, um den andern wahrhaft zu lieben. Wer sich so in die HöUe und in den ewigen Tod fügt, bleibt nicht in der HöUe und im Tod, ist er doch mit dem Willen des Vaters geeint; ist er geliebt, so ist er auch gerettet. Auch Christus ist mehr als alle Heiligen verdammt und verlassen worden und hat sich in die ewige Verdammnis hingegeben; darum hat ihn Gott vom Tod und von der Hölle erweckt, und alle Heiligen müssen ihm darin gleichkommen (E. Ellwein 345 ff.). 'l"x6f.lTJ'V muß deshalb vor einer Entwertung geschützt werden, weil es noch im Schatten der Beteummg von V I steht. Es kann nicht nur bedeuten: •• mir kam der Wunschee (ZnR 430) oder: •• ich würde einen derartigen Wunsch haben, wenn man einen solchen formen könnte« (LagrR 225). Man darf nicht vergessen, daß dJxwDaa. »beten, geloben, wünschen« heißt und daß das Vorbild des Moses in Ex 32,32 ein Angebot rJOr Gott ist. Es geht nicht um einen reflektierenden Wunsch, sondern um ein konkretes Angebot vor Gott, das Paulus in die Reihe der Propheten und Gottesmänner des Alten Bundes riickt. Paulus weiß aber um die Grenze seines Angebotes, die ihm 110,. Gott her gesetzt ist. Gott hat die Freiheit, sein Angebot anzunehmen oder abzulehnen ('l"x6t.LTJ'Vals Impf.). Aufjeden Fall ist das Angebot des Paulus ernsthaft gemeint; ähnliche SüJwjtmMln und SiiJmevorsltlhmtm werden auch im Friihjudentum nachgewiesen, haben also ihren Sitz im konkreten Leben U .
Das paulinische Angebot an Gott spricht sowohl vom Verbanntsein (itvlrDEJUl) als auch von der Trennung vom Messias (iuto tO'Ü XQt.atoü). Die erste Formel ist auch sonst nachgewiesen. itVa&EtAQ ist hellenistische Fonn für das klass. avaih]J.«l (Ditt. Syll. IV 208) und bedeutet ursprünglich: »das der Gottheit überantwortete«; dann verengt sich der Begriff und meint: .~as Verfluchte« oder »das zum Untergang Geweihte« (TbW 1356)13. Paulus knüpft an den Sprachgebrauch der Septuaginta an und erklärt seine Bereitschaft, dem Vertilgungsfluch zu verfallen, wenn er dadurch sein Volk retten kann 14. Der Gedanke, daß ein Mensch durch übernahme des Leidens (Vergeltung im Jenseits) ein Sühnopfer für andere sein kann, war der Synagoge geläufig l5 • Selbstverständlich denkt Paulus auch hier an das eschatologische Gericht, nicht an die übernahme zeitlicher Leiden oder an einen Akt der Kirchenzucht (TbW I 356). Paulus verstärkt sogar den Einsatz der Person durch die Hervorhebung: aüt~ ~ro (ich Vgl. O. MICHEL, In memoriam E. LOHMEYE", 1951,94 ff. Auegangapunkt ist Ex 32,32. KAs&. 246 reduzien das Gewicht der alttestamentlichen Tradition (der Fluch hebt die sakramentale Gemeinschaft auf); anders ScHLIEJtR 285. 13 In dieser verengten Bedeutung tritt chta&q.aa in der LXX häufig auf(Dt 7,26; 13,16.18; 20,17 u.ö.). Man kann sogar versuchen, ~IJQ und cholritelJQ dem Sinn nach zu unterscheiden (ltvci&'lIIQ = Weihgeschenk,ltvciitqaa = Verfluchtes), was in vielen Fällen zutrifn (SANDAY-Hf.AD. LAMR 228). Im Rabbinat ist der BegrifFdes »Geweihten« ebenfalls weiter als der des "zum Untergang Bestimmten« (Str-B III 260). Es gab im Frühjudentum den Ausruf: »Möge ich eine Sühne sein für den und den« oder .. Ich will eine Sühne sein für den und den« (Sanh 2,1; Neg 2,1; Qid 31 b Bar; Sulli 20a; Jos. bell. 5,4(9). 14 Voraussetzung ist der Glaube an die reale Kraft und 8edeutungdes Opfers rm Gott. Wie Gott das Opfer des Messias angenommen hat, !IO hängt alles davon ab, ob er auch das Opfer des Apostels annehmen würde. Der paulinische Gedankengang ist nicht dem christologischen Zeugnis nachgeformt, wohl aber eine Folgerung aus ihm (Kol 1,24). 15 StreB 11 275.279; 111 261;J. LEVY, Neuhebr. u. chald. Wönerbuch II 386 f. 12
MANNR
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Die Klage um Israel
selbst). Damit drückt sich der bewußte Gegensatz zu dem triumphierenden Bekenntnis Röm 8,39 aus (Chrys.), aber auch seine ganz persönliche, aufihn allein beschränkte Opferbereitschaft (Röm 8,39: TU.&ä; - Röm 9,3: airt~ ~). Auch das Wissen um die bleibende Verbundenheit mit der Liebe Gottes gibt sich selbst immer wieder preis an den Willen des Vaters. MO 'tO'Ü XQLatO'Ü bedeutet in diesem Fall Ausstoßung aus der Gemeinschaft mit dem Messias (man beachte den Artikel!), also eschatologisches Gericht (Mt 7,23; 25,12). Auch diese Wendung ist keineswegs zufällig, sondern als Gegensatz zu tv XQuJ"t
einführt; er nimmt an, daß Paulus selbst im buchstäblichen Sinn von den Juden mit dem Fluch Gottes belegt worden ist. Er spricht daher von einer Liebe, die selbst das Äußerste zu leiden bereit ist, was der Gegner einem antun möchte. H. Windisch, Paulus und Christus, 1934, 242 spricht sogar von einer »wirklichen Konkurrenz mit dem Christusce, der doch schon eirut)al für alle, auch für das Volk Israel, stellvertretend das avldtEtAQ, das LAOO't'ftQLOV, den Fluch aufsich genommen und dadurch der ganzen Welt Segen, Heil und Gnade erwirkt hat. Dies Fluchopfer Christi erscheint (vorübergehend) als nicht genügend: für das Volk Israel scheint ein zweites lA.aatftQLOV nötig zu sein, weil es das erste nicht angenommen hat. - Man darf aber nicht die StellvertretungJesu Christi gegen die des Paulus ausspielen, wie es bei H. Windisch geschieht; Paulus hat weder sein Opfer unmittelbar an das Jesu Christi angeschlossen noch es selbständig ihm gegenübergestellt. Die Denkfonnen des Paulus sind prophetisch und frühjüdisch, sind also nicht den Traditionen der Evangelien nachgebildet; sein Apostolat nimmt aber sachlich das GesetzJesu Christi in seiner Situation wieder auf.
Eine derartige Opferbereitscho.ft für Israel (im:EQ) bekennt ausdrücklich, daß eine Bruderschaft menschlich-irdischer Art (xa'tQ OOQxa) zwischen Paulus und seinem Volk weiter besteht, auch nachdem die GemeindeJesu Christi gegründet ist; der neue Brudername hat den alten nicht aufgehoben. ol auyyEVE~ bezeichnet im Hellenismus die Stammesgenossen desselben Volkes (Röm 16,7.11.21; Jos. Ant. 12,338). Dieschöpfungsmäßige Verbundenheit mitdemjudentum, das gleiche Gebundensein an das Gesetz und die Heilsgeschichte von Abraham bis Christus sind für Paulus eine Einheit, die nicht aufzulösen ist. Diese Prozesse sind zwar zu unterscheiden, aber nicht zu scheiden 17 • V 4: Es folgt eine AufZählung von 2 mal3 Gliedern, von denen das dritte und sechste durch die Pluralform 16 »Der Jude kennt nichts Schrecklicheres als den Bann, der so vom Leben abschnün. Wer so gebann t is t, is t bei lebendigem Leibe tot. Der jüdische Bannfluch gaI t für dieses und das zukünftige Leben" (GAUGLER R 118). Die westliche LA Uno to'Ü XQunoiJ (00) ist wohl eine Erleichterung. Man darfauch nicht mit PAU.lsR 110 imo 'tOÜ XQunoii mit einer Trennung von der Gemeinde gleichsetzen (:: iupWQID~~ imo 'tfJs bcx).'lOLas 'toii XQID'tOÜ). 17 W. VlsatER fragt: ))Ist es das elementare Gefühl der völkischen Gemeinschaft, das den Apostel so weit getrieben hat?" Uudaica VI 2, 1950,85) und antwonet mit Recht, daß das Problem der Verbundenheit mit Israel nicht nur durch den Volksverband, sondern auch durch die Vorzüge der Heilsgeschichte bestimmt ist, in der Israel eine bleibende Rolle spielt. Die Liebe zu Israel ist für Paulus gleichzeitig die Liebe zu den Heilsgaben, die gerade diesem Volk geschenkt sind (ZnR 432).
Röm 9,1-5
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auffallen; der Oberbegriff 'ICJQ
uloOuria, ~ b~ vOf&Oho€a, MrtQ€€a, mayyu.€aL. Es iat dabei die Frage zu stellen, ob I. und 4., 2. und 5., 3. und 6. Glied aufeinander bezogen lind; die umachließende Dreiheit 10QCD1Ai1:0L, ,,~, 6 XQun~ -ro ~ 00Qxa läuft von der Vielheit über die Auswahl zur Einheit und iat ebenfalls nach einem festen Schema aufgebaut. Dw kllllStDoIU AMfla dIr 6ntJIII V"s14 lUfi 5 ~tit, dit vtlt &tItIIbIIW _, dU Palas iAJIIJI 0IIfIiJI. 19 66I;a - ~, ar&m • ..,r,. -Doch iat uns ein Beispiel für diCICD abaoluten Gebrauch von ~ und •.,r, ohne Beifügung einer Gottesbezeichnung in der rabbinischen Literatur nicht bekannt gewor-
deli" (Str-B III 262). Es geht um einen bleibenden Vorzug Israels, daher wird man an Gones Gegenwan im Tempel zu denken haben (KVHLR 314). 30
LTZMR. 89.
Nach Ab t,2steht die Welt aufdrei Dingen: aufderTora, auf dem Tempeldienst und auf der Erweiaung von Liebcswerken. 21
296
Die Klage um Israel
Messias in Israel geboren wurde Uoh 4,22). Paulus denkt bei dieser beschränkten christologischen Aussage an das Bekenntnis Röm 1,3-4 mit seiner Unterscheidung: xarll o6Qxa - xarll XVEVJICl. Nach seiner geschichtlichen Herkunft stammt Christus »aus dem Samen Davids«. Der kunstvolle Aufbau der Aufzählung und der Hinweis auf das christologische Bekenntnis als Abschluß lassen vermuten, daß Paulus in V 4 älteres ~ellenistisch-jüdisches Bekenntnisgut verarbeitet hat, zumal das sprachliche Material nicht typisch paulinisch ist bzw. sonst bei Paulus anden verwandt wird. Der folgende Schlußsatz V Sb kann als christologische Bekenntnisformel oder - auf Gott gedeutet - als Danksagung für die genannten Heilsgaben aufgefaßt werden. Sieht man in ihm eine auf Gon bezogene Doxologie,so ist er mi t Röm 1,25 und 2Kor 11,31 zu vergleichen. Die Kirchenväter haben ihn zumeist als christologische Bekenntnisformel verstanden, doch wird seit dem 4. Jh. (Arianer und arianisch gesinnte Theologen) auch die Deutung auf Gott selbst durchgefiihnu . Exkurs Exegetische Einzelprobleme zu Röm 9,5b
1.z",Guchidlluu, EJu,u,: Allgemeinkirdilich iatzunäcbltdieAuslcgungvon V 5bauf Christus (Iren. bau. 111 16,3; Tm. Prax. 13,15; Novatian trin. 13; Cypr. test. 2,6; Athanas. c. ArianOlI 3,10; Epiph. baer. 57,29; Aug. trin. 2,13). Allcrdingl kennt Orig. (Rufin) Leute, die es für schwierig halten, das Prädikat ~ aufChristus anzuwenden, da Paulus ihn sonst u~ &ro;; genannt habe. Orig. selbst weist aufRöm 1,4 zurück und nimmt auch hier ein christologisches Bekenntnis an. AufRöm 9,5 muß eine Kontroverse zurückgehen, die wir bei Euseb v. Caeaarea (c. Marcellum 1,1,8; Theol. eccl. 1,1,7 f.) und Ps. Ignatius (Tan. 2,5; Philipp. 7) vorfinden: soll man 6 bl Mvtlov &roc; (xal :n:Cl't'fJQ) aufGott selbst oder auf Christus deuten? Es war vor allem die arianische Theologie, die den Abschluß von V 5 als eine auf Gott den Vater zu beziehende Parenthese verstand. Apollinaris, Diodar und Photiu. führen den Abschluß eindeutig ab Lobpreis auf Gott zurück. Cyrill (c. Julianum 10 - MSG 76, 10(4) lä8tJulian behaupten, daß Pautus es nicht gewagt habe, Jesus &roc; zu nennen, sondern erstJobannes; vielleicht hatJulian diese These von ananisch gesinnten Lehrern übernommen (Th. Zahn). Cyrill selbst führt Röm 9,5 gegen die These Julians ins Feld. Eraamus stellt fest, daß mehrere Interpretationen möglich sind und schwankt selbst in seiner Auslegung. 2. Du YersclaWimltlil der IraUrfnmktum: Man kann heute vier verschiedene Möglichkeiten, den Schlußsatz zu verstehen, unterscheiden; es kommt dabei wesentlich auf die verschiedene Interpunktion an.
I.
q dJY 6 XQtmbc; 1b XQta o6Qxa. 6 {)yv f::n:l:n:6vtcov hbc; riAoyrrtbc; d; ~ ~ (6 OYV ilt dann ein ergänzender Relativsatz, der .ich an ~ anschließt).
12 Riim 9,5 plt der alten Kirche ab klares Zeugnis für die Gottheit Christi (Orig., Ephr., Theod. Mops., Chrys., Thein, PhotiuI, Pdag., Aug.) und spiehe daher in der dogmatischen Kontroverse eine große RoUe. Zur Literatur vgl. K. H. SatELKLE 202 W.; den., Paulus331 fr.; R. CoIlNELY. Epiat. ad Rom., 1896,479; ZNR 433 f. Anm. 77; SANDAy·HEADLAMR 233-238; O. Kuss, Zu Röm 9,5, Rechtfertigung. FeslKhrifi Kiaemann, 1976,291-303; R. DEICHGLUEIl, Goucshymnus und ehri· ltushymnus, 1967. Meist wird die Nähe zu Joh 20,28 übersehen.
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Röm 9,1-5
2. ~ IDv 6 XQUJt~ W X
3. Dt'f g'gmwirtig' SI4tUi der Fragesulü",,: Aus formalen und stilistischen Gründen liegt es nahe, den Schlußsatz V 5b aufJesus Christus zu beziehen. Lagr R 227 wendet sich ausdrücklich gegen den Venuch, eine Doxologie asyndetisch mit 6 Ö)y bzw. ~ beginnen zu lassen. In beiden Fällen würde ein Subjekt, nicht ein Prädikat die Doxologie beginnen. Nach Lagr R 227 weisen die paulinischen Doxologien grundsätzlich aufdas vorangehende Gal 1,5: 4> '" Mlia; 2Tim 4,18: 4> '" Subst. zurück (Röm 1,25: 6; lotl.V, 2Kor 11,31: 6 Mlia; Röm 11,36: airtq, '" 6~a). Außerdem geht das Prädikat immer voran, nicht nur in der heiligen Schrift, sondern auch in den semitischen Inschriften. Eine scheinbare Ausnahme bildet Ps 67,20 LXX. Diese venchiedenen Gründe sind nach M. J. Lagrange ausschlaggebend für eine Beziehung des Relativsatzes auf Christus. ~ darfin diesem Fall nur als Attribut Christi (= Gott von Art), nicht als Gleichsetzung mit Gott verstanden werden (beachte das Fehlen des Artikels!). Zum Verhältnis von xUQ~ und el als Gottesbezeichnungen vgl. jetzt die Darlegung von]. A. Fitzmyer, Der semitische Hintergrund des neutestamentlichen KyriOltitels (Festschrift H. Conzelmann, 1975,267-298). Barth R 3140". entschließt sich, für die schon vor 200 Jahren bekannte Konjektur:
mv;
Halten wir aus stilistischen Gründen mit M. J. Lagrange die christologische Deutung rur wahrscheinlich, so bildet 6 öYv btt ,.;ll'vtmv &E6c; eine Einheit: der über allem Gott ist. 6 öYv bt( ,.;avrmv ist eine hellenistische Herrscherbezeichnung, die jetzt universalistisch verstanden werden soll (Eph 4,6). &E~ meint keine Identifizierung mit Gott, sondern im Sinn von 2Kor 5, 19; Phil2,6; Koll, 15 die göttliche Existenz des Christus. Er kommt aus der Welt Gottes, sein Werk an uns tut er im Namen Gottes, seine Hemchaft und seine Erhöhung weisen ihn als mit Gott unmittelbar verbunden aus. Dies xUQI.~- und &E~-Bekenntnis würde in unserem Zusammenhang die Grenze in der übereinstimmung mit dem] udenturn aufweisen und einem falschen Verständnis von V 5a wehren. E'ÜA.oyrJ~
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Die Erwählung und die Verwerfung
entstammt der jüdischen Gebeugewohnheit und wäre an sich auffallend, wenn man es auf Christus deuten würde (Röm 1,25; 2Kor 1,3; 11,31)23. QJ.l.tlventspricht dem Gebetsstil und schließt gern eine Doxologie ab 14. Eine letzte Gewißheit über die Deutung von V 5b läßt sich nicht geben 25 •
Röm
9,~13:
Die Erwählung und die Verwerfung
nicht lila ob du Wort Goaea hi n &IIi,pworden wäre. Denn Dicht alle, die au. Iane1 aiDcl, aind 1__ , 7 und Dicht weil aie Same Abrabam.I aiod, aiDcI.ie alle Kiader, 80DIIem a heilt: .in bMk wird dir Same ........t wadene. 'Du bedeutet: Nichtclie Kinder da F1eiacba aiDdGoaa Kincler, lODdern nur die Kindercler V erbe;8u. . waden lila s... uerblmt. 'Dean ein WOI't der Verbei8uni Ut foIpada WOI't: .Um diae Zeit werde ich Jrommea, und s.ra wird einen SolID babene. I°Aber Dicht nur aie kommt in Betncbt, eoadem auch Rebekb, die YOD einem Mann, UI1IeI'eIII Vater Iaü, IChwanpr war: 11 Denn lila Iie noc:b Dicht pi»reD waren und weder etwa Gutea DOCh etwa Böea ..... baaen, wurde ihr pIaIt, damit der DllCh der ErwäbIUDI YerfabreDde RatICbluB Goaea bateben bliebe, 12bei dem. Dicht irpadwelcbe Werke, ..adem der Berufende entICbeiclet: .Der Xltere wird demJÜDpftIl dieBenc. 13 Wie pKbrieben ateht: •Den Jakob habe ich pliebt, den EIau .... habe ich phaBte. 6 Aber
A1UJ~se: Zunächst muß die Tatsache erkannt werden, daß zwischen V 1-5 und V 6-13 kein unmittelbarer übergang zu erkennen ist. V 1-5 sprachen von dem Leid des Paulus und den bleibenden Vorzügen Israels, während V 6-13 die heilsgeschichtliche Größe Israels scheinbar auflösen und zwischen dem Israel der Verheißung und dem Israel des Fleisches unterscheiden. Der überleitende V 6 stellt fest, daß das Wort Gottes nicht hinfällig geworden ist, daß aber Israel eine Heilsbezeichnung ist, die nicht aufjedes Glied des Volkes Israel angewandt werden darf. Der Begriff der »Erwählung«, den Paulus von Röm 8,28 f. her einführt, wirkt hier wie ein Sprengstoff, der den einheitlichen Begriff Israel zu zerstören droh t. Der »Heilspllm« Gottts gab den Erwiihllm GmJißheit, löst aber die Sicherheit eines aufseine Vorzüge pochenden Israel auf. Wir haben also V 6-13 als eine Auseinandersetzung des Apostels mit dem Selbstbewußtsein des Judentums anzusehen, das sich auf Grund seiner Vorzüge vor dem Evangelium verschließt. Paulus beginnt wie auch sonst mit einer einleitenden These, die durch den folgenden Abschnitt erläutert wird. Dabei taucht begründend, weiterführend und abschließend ein Schriftbeweis auf, der aus verschiedenen Sätzen besteht (V 7.9.12 f.). Der Gedankengang, der rhetorisch-dialogisch geformt ist, hat offenbar das Ziel, mit dem Judentum selbst sich auseinanderzusetzen. Vielleicht
13 rlJAoy,,,tOl; xUQ~ 6 &~ ist eine feststehende Doxologie des Psalten (ähnlich '" 40,14; 88,53; 105,48). Josephus vermeidet den Lobpreis E"ÜAoyrJ'tOl; 6 &t:6c;. 14 Vgl. G. MARDER, Paulus und das Gebet, 1936,79 ff; ,>doppelte Akklamation .. KAsEMANNR 247. 15 Vonichtig bleibt auch GAUGLER R 11 19: •• Die Wahncheinlichkeit spricht dafUr, daß der Apostel auch hier Gott anbetend preisen will. Wer aber diese Lösung bejaht, darf nicht verheimlichen, daß die grammatikalische Fonn des Satz-Anschlusses eher fUr die andere Deutung spräche...
Röm 9,6-13
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ist es nicht zufällig, daß ein gewisser heilsgeschichtlicher Verlaufin der Zitatenreihe gewahrt ist (Abraham-Isaak, Isaak-Jakob, Moses-Pharao, Prophetenzeugnis) . Die Schriftzitate werden midraschartig ausgelegt, stützen paulinisehe Sätze, haben aber ihrerseits aufdie Formung des paulinisehen Gedankens keinen geringen Einfluß. Logik und Gedankenführung unseres Abschnittes verraten rabbinische Schulung. Geschichtliche Ereignisse und biblische Zitate werden unter einen bestimmten theologischen Gesichtspunkt gestellt (V 11). Es kurnml Paulus auf die Htf'ausstellung dtf' SOIlVtf'änitiit Gottes gegmiibtf' den Vor~iigen lsrlltls an, und darum liegt auf dem Abschluß unseres Abschnittes V 11-13 ein ganz besonderes Gewicht. Einzelne Motive wie das der ))Sohnschaft Abrahams« sind paulinisches Predigtthema (Gal 3,29; 4,21 f.) und verraten auch in anderen Zusammenhängen eine bestimmte polemische Zuspitzung. Exegese: Paulus sieht mit Trauer und Schmerz, daß Israel den Messias und seine Gemeinde abweist. An dieser geschichtlichen Tatsache kann der Apostel nicht vorbeigehen, er muß sie vielmehr in sein Denken einordnen. Was bedeutet diese Ablehnung Israels für das ihm einst gegebene Gotteswort? Paulus wehrt in V 6 den Verdacht ab, daß Gottes Wort hinfällig geworden ist. OOX otov ö~ ML (vulg.: non autem quod) ist ähnlich gebrauch t wie 00 öiptou und OÜX ML (»nicht als obcc)1. bCJtUrtELV erinnert an Gal 5,4; IKor 13,82. Im hellenistischen Griechisch kann nUnELv (bzw. tX3tUnELV) ))hinfällig werden, versagen« bedeuten (bzw. vom Redner und Schauspieler: ))abfallen«)3. Einzelne Kommentare deuten: das Wort Gottes als Verheißung kann nicht ))hinfillig werden« (Lagr R 228). Aber Ä.6'(o<; 'tO'Ü itEO'Ü ist ein weiterer Begriffals etwa btayyuLa (vgl. Röm 3,2; Jes 31,2 LXX)4. In diesem Zusammenhang ist der A.6y<><; 'tO'Ü itEO'Ü Ausdruck für die Absicht und den Willen Gottes, der sein Ziel trotz des Unglaubens der Menschen erreichen will. Das Israel, um das es Gott in seiner Absicht, in seinem Heilsplan geht, ist nicht identisch mit der Vollzahl derer, die aus Israel abstammen; Gottes Htilsplan be~ielrt sich auf tint AuswaJU, auch wenn stint Vtf'htijJung dtmgan~en Volk angeboten ist. Innerhalb der Geschichte ist nicht jedes Werkzeug zur Durchsetzung der Absichten Gottes gleich brauchbar; Gott erwählt und verwirft, ohne daß seine Absicht, ganz Israel zum Heil zu führen, ins Wanken gerät. Es liegt also eine Spannung innerhalb des paulinisehen Denkens: einerseits will Paulus aufzeigen, daß Israel als Ganzes sich auf Gottes Wort und Absicht berufen darf und daß dies Wort trotz aller geschichtlichen Ereignisse nicht hinfällig geworden ist; anderseits zeigt gerade das Wort des Alten Bundes wie die Geschichte des Volkes, daß Gottes Heilsplan durch Erwählung und Verwerfung des 1 V gl. LAGIlR 228; ZnR 436 Anm. 83; LTZMR 90: eine» Venchrnelzung von o(,x olov und oilx lnL, die heide .nicht als obc heißence. 1 Phrynichus ed. LoBECK p. 372. J Plut. de puer. cduc. 13 p. 9b: törichte Eltern üherladendie Kinder mit Arbeiten, o~cmau6Wvt~ DutUnoooLv. Es handelt sich nicht um einen Mißerfolg Gottes, sondern um ein Hinfällig- oderUngültigwerden seines Wortes (GAUGLER R 11 21). • Jes 31,2 LXX: 6 A.6y<x; aVwü o~ "" ä6rnJitf1. PALLISR 111 schlägt vor, statt A.6y<x; lieber ~ zu lesen, zumal auch sonst in der altchrisdichen Literatur eine Verwechslung zwischen ~ tOÜ ittoü und A.6y<x; wü itwü möglich gewesen sei.
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Die Erwählung und die Verwerfung
Menschen hindurchgeht. Diese beiden Linien laufen innerhalb der Geschichte nebeneinander her und müssen in ihrer Spannung zueinander ertragen werdens. Schwierigkeiten macht die logische Verbindung zwischen V 6a und 6b: statt des yQQ wäre eigentlich ein äiJ..a zu erwarten. Da aber auch in der Unterscheidung zwischen dem erwählten und nich t erwählten, zwischen dem pneumatischen und sarkischen Israel eine Durchsetzung des göttlichen Wortes verborgen liegt, ist auch dies yQQ nicht ganz unverständlich. Wie zwei gleichgebaute Lehrsätze, die einander entsprechen und erläutern, klingen V 6b und 7L Nicht alle, die von dem Stammvater Israel (~ 'ICJQ
Röm 9,6-13
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der neue Vers die Folgerung aus dem Vorhergehenden ziehen will. In der Gegenüberstellung »Kinder des Fleisches« und »Kinder Gottes« wird der Gegensatz zwischen den Menschen, die lediglich aus ihrer natürlichen Abstammung heraus denken, und denen, die sich allein auf die Verheißung Gottes berufen, wieder aufgenommen. Auch dieser Gegensatz entspricht einem festen paulinischen Predigtstoff, wie Gal 4,21-31 beweist. »Kinder Gottes« sind Kinder der Verheißung und dürfen sich als legitimen Samen im Sinn von Gen 21,12 ansehen. Solange der Mensch sich auf Grund seiner Abstammung (OOQI;) einen Vorzug anmaßt, solange sein Denken grundsätzlich die Ungebrochenheit menschlich-irdischer Art an sich trägt (oao~), hat er noch nicht verstanden, was Verheißung im eigentlichen Sinn bedeutet. Die biblischen Begriffe und Zitate gewinnen also durch die paulinische Auslegung eine besondere Konse~ und Radilcalitiit. Ismael ist nach dem Fleisch gezeugt (Ga14,23), weil seine Entstehung aus menschlicher überlegung, aus Eigenmächtigkeit der beteiligten Personen und aus Zweifel an der Verheißung Gottes zu erklären ist. Obwohl Abraham Träger der Verheißung ist, liegt also auf diesem seinem Handeln kein Segen. [saak dagegen ist durch die Verheißung gezeugt, d.h. er wurde auf Grund der göttlichen Verheißung wider alle menschliche Erwartung als ein "Zeichen« des Heilshandelns Gottes geboren. Aufseiner Geburt liegt nicht die Belastung, die auf der Geburt Ismaels liegt. Fleisch und Verheißung sind für Paulus im alttestamentlichen Geschehen wie in der Gegenwart die gleichen Gegensätze. Paulus interpretiert seine Auseinandenetzung mit dem Judentum vom Alten Testament her, wobei er die fleischliche Art Ismaels mit der fleischlichen Art desjudentums vergleicht. Der Anspruch Israels, als Ganzes die Gotteskindschaft zu haben (Röm 9,4: "lotwta), ist nur dann berechtigt, wenn dieser Anspruch nicht fleischlich mißventanden wird, sondern wenn er die Freiheit und das Gericht Gottes auch über Israel anerkennt. Röm 9,6-13 legt Röm 9,1-5 von neuen theologischen Ko.tegorim aus, die ein »fleischlichesc( Ventändnis ausschließen sollen. Dabei gibt das Alte Testament typologische Hilfen.
V 9: Wie stark es auf die Verheißung ankommt, zeigt ein weiteres alttestamentliches Zitat aus Gen 18,10.14. Dabei stellt Paulusden Begriffbtand(a betont an den Anfang, um den Inhalt des Zitates zu kennzeichnen: Die Ankündigung der Geburt Isaaks trägt den Charakter einer Verheißung. Gott kündigt seine zukünftige Erscheinung an (Paulus sagt ausdrücklich: UE\JOOJUlL)1o·und umschreibt den an Sara sich vollziehenden wunderbaren Vorgang. V 10: Das Gesetz der göttlichen Freiheit gegenüber jedem menschlichen Anspruch macht sich auch später in der Geschichte der Erzväter geltend; es scheidet die beiden Söhne Isaab und Rebekkas, obwohl sie von einem Vater und einer Mutter abstammen 11. Der Satzbau unseres Verses ist unvollständig. Vielleicht ist der paulinische Gedanke durch Zwischensätze unterbrochen, so daß man ihn etwa folgendermaßen nachkonstruieren könnte: »Aber nicht nur dies (kann als Beispiel dienen) 12, sondern auch Rebekka, die von einem Manne, unserem Vater Isaak, tOLXX sagt f1!iw bzw.
QvQO"tQ~ ~
ot E~ lilQa,c; ...
Grundsätzlich gilt von den Zitaten V 7.9.12 f., daß sie Gottes Freiheit und Verfügung über den Menschen beschreiben, ehe dieser selbst geboren wird. Gott spricht zu den Eltern über die Kinder. 12 crlJ l'ÖVov 6f, c'.cllQ xaC ist bei Paulua als überleitung, Anfugung und Ventärkung beliebt (Röm 5,3.11; 8,23). 11
302
Die Erwählung und die Verwerfung
schwanger war, empfing das Gotteswort: )Der Größere wird dem Kleineren dienen(.« Gottes Freiheit bleibt also nicht auf einen einzigen Fall beschränkt, sondern stellt sich an den Kindern des erwählten Isaak erst recht heraus; ja, dies neue Beispiel ist deshalb besonders instruktiv, weil die Entscheidung über Esau undjakob schon gefallen war, ehe sie geboren wurden und ehe sie verantwortlich handeln konnten. Sprache und Ausdrucksweise des Apostels sind hier besonders lebendig und anschaulich. Er sieht auf die Stammutter, die von demselben Mann (~tv~) den gleichen Samen empfangen hat 13 und nun das Gotteswort erhält, das schicksalhaft wird. Paulus spricht auch von Isaak, der nach jüdischer Gewohnheit »unser Vater« heißt; er deutet damit an, daß er sich auch jetzt im Gespräch mit dem Judentum befindet. V 11 f.: Dies auffallende göttliche Handeln geschieht, »damit der nach dem Vorsatz verfahrende Ratschluß Gottes bleibe« (~) 14. Offenbar kommt in diesem Absichtssatz die eigentliche T~ unseres Abschnittes zum Vorschein. Paulus verstärkt das Motiv der nQ6&EoL; (Röm 8,28), das nur formal aus dem Hellenismus stammt, durch den Zusatz XQ"t' ~v und unterstreicht damit die Freiheit des göttlichen Ratschlusses, der sich nur an Gott gebunden weiß 15 • Mehrere Negationen umgrenzen und bestimmen diesen Bezirk der göttlichen Erwählung (I''inoo YEVVYJittvtoov, I'TtÖ~ nQQ;aV"toov, später: oUx tl; fQYc.ov)16. U Die Wendung xo(t1JV fxELV (~ könnte ganz einfach bedeuten: .. Nachkommenschaft haben (= empfangen haben)«. xo(l1I heißt ),Lager, Beilager«, nach LXX auch ..Samenergußce. xo(t11 als semen emissum begegnet Num 5,20, xo(t11 cmtQt44't~ Lev 15,16 f.; 18,20; 22,4. 14 PAlJ.lsR 113 schlägt vor: tva cpavfI (statt ~). 15 Der Begriffder xQ66wL; begegnet in Röm 8,28; 9,11 ; Eph 1,11; 3,11; 2Tim 1,9; 3,10. Mag er zunächst htlunistisc~philosophisch klingen, so darf doch nicht vergessen werden, daß im Judentum der ),Ratschluß Gottes« eine besondere Bedeutung hat. Gott faßt den Plan zur Erschaffung der Weh und bestimmt durch seinen Ratschluß seine Werke. Die paulinische:JtQ66~ ist verwandt mit der:1Jr vonJes 25,1; Hi 38,2; 42,3 und mit der XQWL; von Sir 16,26. DM BuoMne in d" ptnJinischna FMSIIItl der xQ66wL; ist die göttlicJu Zielsttvml im U ntenchied von POU).i) und XQ(aL;. bc).oyfJ begegnet in Röm 9,11; 11,5.7.28; IThesa 1,4; 2Petr 1,10; Apg 9,15; im Frühjudentum PsSal9,4; 18,5. Vgl. ApkAbraham 22.2.3 zum Verständnis des unwandelbaren göttlichen Ratschlusses: .. Dies ist mein Walle zu dem Seienden im Ratschlusse; es war vor meinem Angesicht wohlgdällig; alsdann befahl ich ihnen durch mein Won. So ward, was immer ich zum Sein bestimmte, und was in diesem Bild zuvor entworfen war, das stand vor mir, bevor es noch ins Dasein trat, wie du gesehen." Entsprechend ApkAbraham 26,5.6: "Höre, Abraham! Wie deines Vaters Wille in ihm ist und wie dein Wille auch in dir, so steht in mir auch meines Willens Ratschluß rur alle Zukunft schon bereit, bevor du sie nur kennst, und ehe du noch das Künftige mit deinen Augen schaust. Wie die aus deinem Stamme sein werden, das schau im Bilde!« G. MAlER. Mensch und freier Wille, 1971,366 ff. verweist aufdie Weisheitslehre, die qumranitiach gefärbt ist. " xQ6&tcn; darf allerdings nicht auf die vorausgesehene persönliche Willensentscheidung des Menschen bezogen werden, nach der Gottes Wahl erfolge (Scholion, das Diodor zugeschrieben wird). Gottes x(l6&wL; geht als Ausdruck der Freiheit Gottes voran; sie äußert sich konkret und geschiebdich als bc).oy1J (TH. ZAHN). Paulus denkt daran, daß der jüdische Gesprächspanner sich auf die Abstammung von Abraham und Isaak berufen kann. Diese Sicherheit, Erwählung und fleischliche Abstammung miteinander zu verbinden, wird durch Paulus zenchlagen. Sie kann auch nicht später als Schema übernommen werden (BAIUlETIR 183). Man muß daran erinnern, daß Christus der eigendiche Same Abrahams ist (Gal3,14) und daß daher die Christen nur in Christus als Same Abrahams erwählt sind. Erwählung ist alJO an die Zugehörigkeit zu Christus gebunden. Paulus kämpft um die Freiheit Gottes gegenüber der menschlichen Sicherheit.
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Röm 9,6-13
303
Ehe die Menschen geboren wurden, ehe eine persönliche Entscheidung ihr Leben bestimmen konnte, hat Gott seinem Ratschluß Ausdruck verliehen und damit den Grundsatz der Erwählung kundgetan 1'. Der Ratschluß Gottes soll »bestehen bleiben« (tva ~), d.h. er soll sich in der Geschichte der Menschen durchsetzen. Dabei stellt sich das gleiche Motiv ein, das schon in der Rechtfenigungslehre zum Ausdruck gekommen war, daß es nämlich nicht auf die Werke der Menschen ankommt, sondern allein auf den l\.ufGottes. Dies besondere Motiv schließt sich an den vorhergehenden Finalsatz an, ist innerhalb unseres Satzgefüges ziemlich selbständig und will offenbar den rabbinischen Verdienstgedanken ausschließen 18 • Wenn dies Motiv in unserem Zusammenhang wie eine Kampfparole eingeschoben wird, dann untentreicht es damit den GruuJmcha,akter des göttlichen Vorsatzes (Röm 11,6). Die Erwählung vollzieht sich in der Berufung (xAT)OI.;): beide Akte sind nicht voneinander lösbar (Röm 8,28). Was in der Ewigkeit beschlossen ist, vollzieht sich in der Geschichte. Es kommt Paulus zunächst nicht darauf an, die doppelte Prädestination zu formulieren, sondern die Freiheit und Voraussetzungslosigkeit der göttlichen Gnade nachzuweisen. Der »Rufende«« (6 xaMirv) ist semitische Umschreibung für den Gottesnamen und gehön mit der Verheißung des »Gerufenwerdens«« (xAT)ih1onaL V 7) zusammen 19• V 15: Als Bestätigung des Genesiszitates, als Abschluß und Höhepunkt unseres Abschnittes dient das Schriftzitat Mal 1,2 f. Nach ihm ist Jakob »geliebt«« (= erwählt), Esau dagegen »gehaßt«« (= verworfen). Daß Paulus auf dies Zitat besonderes Gewicht legt, erkennt man daran, daß er es durch eine feierliche Zitationsformel einleitet (xaitMEQ ytyQWttaL) und ohne Erläuterung an den Schluß unseres Abschnittes stellt 20 ; Jakob und Esau sind im Text des Maleachi und des Paulus zunächst Personen, dann aber als Ahnherrn auch typische und gleichnisanige Umschreibungen von Völkern. Gott bekennt sich ausdrücklich zu seiner Liebe zu Israel: ))ich habe euch geliebt« und zu seinem Haß gegen Esau: ))Esau habe ich gehaßt, so daß ich sein Bergland zur Einöd gemacht und sein Erbteil den Schakalen der Steppe überlassen habe« (Mal 1,2 f.). In der Geschichte der beiden Völker vollzieht sich also diese Scheidung durch Liebe oder Verwerfung; die Wichtig ist aber, daß man trotz und gerade wegen Röm 8,30 den AbsliDttl r;wischm Bmlju", rwJ ErwiildlllW (Mt 22,/4) nicht tJl4!hebt. Der Kampfgegen eine falsche Sicherheit muß durch Gottes Erziehung zu echter Erwählung verstärkt werden. 16 Die LA n l.ryaihJv ~ cpaü).ov verdient den Vorzug vor ~ xax6v. 17 Die Unterscheidung.wt;wv und Moorov (im Sinn von älter undjünger) entspricht semitischer und hellenistischer Redeweise. SANDAy-HEADLAMR 246 spricht ausdrücklich von einem »HelnaismlUff. Zum sprachlichen Problem vgl. o. MICHEL, ThStKr 1~, 1937 f38, 40 1 fT. Die Kirchenväter beziehen Röm 9,10-13 sehr früh aufdas Verhältnis von Kirche und Synagoge, was im Text allerdings nicht ausgesprochen ist. 11 Es geht in dieser »Zwischmbnnerkrmgtr aber nicht nur um eine Antithese, sondern auch um die Zuverlässigkeit der göttlichen Zusage. Gott beruft seine Werkzeuge zu geschichtlichem Dienst aus eigener Freiheit. 19 Daß Gott der »Rufende •• ist, entspricht dem Bekenntnis Röm 4,17; slawHen 24,2: •• Ich riefalle Dinge aus dem Nichtsein in das Dasein, aus dem Unsichtbaren ins Sichtbare«. 20 Nach PALLlsR 114 ist V 13 ein späterer Zusatz. Wenn der Targum den Ausdruck des prophetischen Textes milden: »Ich liebte den Jakob und den Esau enüernte ich•• , dann zeigt sich, daß Paulus die Schärfe des al nestamen tlichen Zitates wahn. Auch derjude weiß um die Spannung zwischen der FrtiJltit und der Gtrechtitktit Gottes.
304
Die Freiheit und die Erwählung
göttliche Freiheit bestätigt sich in dem, was sich in der Geschichte dieser Völker abspielt. Es ist nicht ganz einfach, den smaitisclren Klang des Gegensatzes •• lieben« und •• hassen« zum Ausdruck zu bringen. Es geht hier nicht um einen Komparativ (•• vorziehen« und •• benachteiligen«), sondern um einen absoluten, sogar in der Geschichte erkennbaren Gegensatz im Sinn einer echten Prädestination. In Gott liegen heide Möglichkeiten, und beide Möglichkeiten werden auch in der Geschichte angewandt. Paulus benutzt das Schriftzitat keineswegs zur Bestätigung des Selbstbewußtseins Israels, sondern zur Betonung der Freiheit Gottes auch Israel gegenüber. Ja, es gibt sogar jetztjakob und Esau innerhalb des jüdischen Volkes, wenn erwähltes und nicht erwähltes Israel einander gegenübertreten (Röm 9,6)21.
So sehr Paulus das Motiv der Freiheit und der Möglichkeit des doppelten Handelns Gottes in Röm 9,&-13 in den Vordergrund stellt, so darf doch nicht übenehen werden, daß in dieser geschichtlichen Prädestination die Nichterwählung und die Verwerfung der Menschen im Schatten der Erwählung, der Gnade und der Liebe stehen, und daß Paulus grundsätzlich ein vollesJa zum geschichtlichen Vorrecht Israels beibehält (Röm 9,1-5). Wir werden also Röm 9,&-13 nicht als Aufhebung oder Korrektur von Röm 9,1-5 anzusehen haben, sondern vielmehr als ein auf Grund des KreuzesJesu notwendiges Verständnis der Vorzüge Israels, das mit den Grundzügen des israelitischen Prophetismus übereinstimmt22 • Röm 9,14-29: Die Freiheit und die Erwählung 14 W.. lOIlen wir DUD .....? I. etwa Uaprechtipeit bei Gott1 Du Iei fernel 15 DeDD zu Mo. ~ er: .Ich werde mich ert.naea, weuea ich mich ert.rme, und ich werde Mideid hilben, mit dem ich Mideid habe<. 16 AIao kommt a Dicht auf du Wollea UDd Dicht auf du Laufen aB, lCIIIdem auf du Erbumea GotteL 17DeDD die Schrift ~ zu Pharao: .Gende cIau habe ich dich auftretea .... MD, damit ich IID dir meiDe Kraft el'WeUe und damit meiD Name auf der pmea
Erde verküDclip werdec.
··So
erbarmt er aeb, weuea er will, und er verbirtet,
wen er will. I'NUD wintclu mir .....: W.. tIIdeIt erdua DOCh? DeDD wer ...... 1eiaem Willen wiclentebea? 20 0 Men...., wer biat du clena, cIa8 du Gott wiclenprechea wiIIat? 31 BARnIR 331 f. faßt das Schriftzitat als eine Beschreibung des Verhaltens Gottes auf. der in dieser Welt im Paradoxon sich offcnban. Es geht aber Paulus nicht nur um die beiden eng miteinander verbundenen Möglichkeiten Goues, sondern auch um sein Geheimnis in der Geschichte. Er teih dem Jakob eine andere Aufgabe als dem Esau zu. Ähnlich urteilt GAUGLE1l R 11 35 f.: »Es geht nicht darum, daß Gou durch ein unabänderli,ches Dekret den einen das ewige Leben, den anderen die ewige Verdammnis vorherbestimmt hätte, es gdlt vielmehr, wie das Zitat in V 12 aufzeigt, um ihre Stellung und ihre geschichdiche Aufgabe (G. SCHIlENK) , um die Frage, wie Gou vorgehe bei der Durchführung seines Heilsplam mit d~r ganzen Welt... n Der Weg des Einzelnen wird also in den Weg der allgemeinen Heilsgeachichte so eingeordn~t, daß das götdiche Ziel der ~~ niemals aus dem Auge gelassen wird. Die Erwählung dcsJakob und die Verwerfurw des Eaau sind a110 nicht nur Z~ichen eines götdichen Paradoxon, sondern auch W cgweiaer und Mittel zur Er~ichung eines bestimmten Zieles. Doch darf das Ärgernis der Prädestination nicht abgeschwächt werden, sondern muß in seiner ganzen Schärfe und Schwere herausgestellt werden.
Röm 9,14-29
305
s.t etwa du Gebilde ZIIIII aildaer: W..,... but da lIIich 80 Il!uhelfea1
210der
bat Didat der Töpfer MKId über cIea TOD, um . . dem....... Scaff . . ei. Ge&I
EIue, .... aDCIeft IUI' Uaehre zu ....ben? 22Wema_Goa, weil erdeDZGm . . . . UDd.me V_ht IamdIUD wiIl,iD po8er lanptUI Gefi8e da Zoma lnII, die doch lUDl UIdeI .... balallelll wareD, 2luad die8 dau, clluail er deD IleicbtIUD .mer Herrlic...eil ... deD Gefi8en cla ErIIumeu lamdtue, die er zu._ bereitet bat zur HerrUchkeilcIeDea er auch 1IIU bei ufell "I Dicht Dur aua den JudeD, aoadera auch . . den Heidea - , 2S wie er im auch H - . aqt: .Ich werde da., ... Dicht meiD Volk ua. _ meiDeal Vaik berufea UDd die Nichlpliebte IUI' GeI.ieIItea, 26UDd _ wtnl,u cbeben ... dem Ort, wo _ iIIDea a-.t walde: ihr . . . aidlt meiD Volk, da wadea . . _ Söh..... da WIe_pa craa. belufme. 27J...... nd't iIaer bneI: .Wema die Zahl der SöIme I...a. wie der Sud da Meere. wäre, 80 .üade doch II1II' eia _ prea.et werclea. 28Deaa jgclene er 8eiD Wem YOIIfihn ..... ....., wird der Herr _ auf der Erde aullfiihreac. 29UDd _ wird wie J--Ja _ I' lIat: .Wema Dicbl der Herr ZeIaMtb ..... s.mea ~ biae, 80 wirea wir wie Sodom pwordea UDd wireD Gomorrlla ..... pwordeac.
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A1I4lyst: Der Aufbau unseres Abschnittes entspricht der exegetischen Methode des Apostels: V 14-18 behandelt die Toraperikope, V 1~21 fügt einen prophetischen Stoff an, V 22 ff. zieht aus beiden Zusammenhängen die theologische Konsequenz, wobei auf V 24 ein besonderes Gewicht fällt. Die nachfolgenden Schriftzitate V 2S-29 schließen sich eng an die These von V 24 an, führen über den dialogischen Charakter hinaus und erhalten geradezu feierliches Gepräge. Man erkennt, daß unser Abschnitt sehr geschlossen aufgebaut ist. In Röm 9,14-29 ist die dialogische Auseinandersetzung mi t gegnerischen EinwtindnI wichtig. In V 14 hat Paulus es mit einem Einspruch zu tun, der in der Betonung der göttlichen Freiheit eine Gefährdung der Gerechtigkeit sieht; in 9,19 dagegen antwonet der Apostel auf das Bedenken, daß durch diese Erwählungslehre die menschliche Verantwortlichkeit zen tön wird. Durch die Auseinandersetzung mit diesen Einwindm wird der Aufbau der Abschnitte 9, 14-18 (Gottes eigene Gerechtigkeit) und 9, 1~21 (Geschöpf und Schöpfer) bestimmt. Mit 9,22 beginnt eine neue Satzperiode, die insofern über die beiden vorherigen Abschnitte hinausführt, als Paulus auf den HtilsplQII Gottes zurücklenkt, der sowohl in den Gefäßen des Zornes als auch in denen des Erbannens erkennbar ist (9,22-29: Gefäße des Zornes und des Erbarmens) 1. Ging es in den beiden ersten Abschnitten um das Eigenrecht des Schöpfen, so wird im dritten Abschnitt die Absicht Gottes in dem eigenanigen Relativsatz V 24 (oß~xai.~) erkennbar.h.jdusem Vers lugt offm,b(JJ' ein thtologisc/w Schwergtwichlruutrts KII/Iiuls. Paulus liebt es also, seine eigentlichen Anliegen in Zwischensätzen und unscheinbaren Anfü1 GAUGLE& R 11 68 tmuJt 9,22-29 unter der neuen Obenchrift ab: ..Gott bleibt sich selbst treu, auch wenn er jetzt Israel aufbestimmte Zeit ventoclu und die Heiden in seine Gemeinde einholt«. Es bleibt die FraF offen, ob Paulu•• ich in der Art seiner Zitation auf bestimmte Vorlagen (Florilegien katechetischer überlieferung) stützen kann (vgl. K. H. MOLLEa, Anstoß und Gericht, 1969,71 0:). Nach den Funden am Toten Meer hat es .chon innerhalb der Qumrangemeinde derartige Florilegien gegeben; doch ist das paulinische .Mischzitat« ohne eigentliche Parallele.
306
Di~ Freih~it
und
di~
Erwählung
gungen ZU verbergen (vgl. 9, 11). Grundsätzlich werden wir im dritten Abschnitt einen wesentlichen Gedankenfortschritt über die heiden enten hinaus erkennen. Wie schon in 9,6-13 spielt auch in 9,1 ~29 das Selwifkeupis eine btsondere Rolle. Das Alte Testament wird nicht nur zur Stütze der paulinischen Gedankenführung, sondern ist selbst die Grundlage, von der aus Paulus argumentiert. Beinahe sieht es so aus, als wolle er eine »svmrtUJrisclu Befrtlp",« der ganzen Heilsgeschichte vornehmen, denn nach der Vätertradition 9,6-13 stellt er jetzt die Mosesgeschich te 9, 1~ 18 und die Worte der Propheten nebeneinander. I n allen diesen alttestamentlichen Worten geht es keineswegs nur um lehrhafte Sätze, sondern auch um die geschichtliche Durchsetzung des Weges Gottes. Im Alten TeslamntJ offmlJlJ1t Gottes Weg ~.. tim Yiilkml. Paulus untencheidet zwischen den Anspielungen auf prophetische Worte, die seinen eigenen 8eweisgang tragen (9, 1~21), und den ausführlichen Zitaten, die sogar mit den Namen der Propheten (Hosea, jesaja) versehen werden (9,25.27.29). Die feierlichen Schriftzitate bilden fraglos den Höhepunkt des ganzen Kapitels; aufsie läuft der Gedankengang zu. Im Alten Testament liegt also nicht nur das Zeugnis eines geschichtlichen Weges Gottes, sondern auch die schrittweise Enthüllung der Zukunft in Weisung und Weissagung. In dieser doppelten Hinsicht geht es um die Durchsetzung desselben göttlichen Heilsplanes von 8,28; 9,11.
sie"
Zur Guclti&lIU Ur Aus",...: Die Analyse wird falsch, wenn man aufGrund der Einwürfe 9,14.19 annimmt, daß der Abschnitt 9,14-19 von einem fingierten Gegner stammt, und daß Paulus selbst erst von 9,20 ab zu Wone kommt (Orig., Diod., Thcod. Mops., Chrys., CyrilI Al.). Bei den Kirchenvätern wirkt die Tendenz zur Abschwächung des paulinilehen Textes deshalb nach, weil man die Voraussetzung der menschlichen Freiheit gedanklich einzuschieben lucht. Die Meinung des Origenea zu 9,16, daß du Beginnen zwar des Menschen, du Vollenden aber Gottes Sache lei, wird in der patristischen Exegese gern wiederholt (Chrys., Ambr.). »Unser also ist du Wollen, unser ist du Laufen, Gottes du Vollenden«, behauptet Optatus v. Mileve in seiner Auslegung von 9,16. Allgemein erklären die Väter du Schicksal des Pharao als Folge eigener Schuld. Gott wußte im voraus um die Bosheit des Pharao, die alle Geduld und Gnade ablehnt. Du Hen des Pharao ist durch ihn selbst verhärtet worden (Orig.). Es geht den Vätern durchweg um die Bewahrung des Satzes, daß der Mensch aufGrund seiner Sünden verworfen wird, daß also auch Röm 9 im Sinn der Willensfreiheit und Verantwortlichkeit des Menachen auszulegen ist. Diese Tendenz der Kirchenväter wird leicht zu einer Schranke gegenüber der Kompliziertheit der paulinischen Exegese. Erst AllpShII ,elingt u, üb" tim ScluJuere d" illnni Trtulilion IUNIILS~lum2. Es ist nach ihm Gnade, wenn Gott .ich erbarmt, ein gerechtes U neil, wenn er verhärtet (opus imperf. 1,141). Die ganze Menschheit ist eine »massa damnata«, und es ist ein Akt der Barmherzigkeit, wenn Gott Gefäße des Erbannens zur Herrlichkeit führt, ein Akt der Gerechtigkeit, wenn er Gefäße des Zornes zum Untergang bereitet (antipdag. Schriften). Augustin dringt aIJo tiefer in den Gottesgedanken, darum auch in den paulinischen Text ein. Eine neue Bedeutung gewinnen die Kap. ~11 in der reformatorischen Auslegung (M. Luther, de servo arbiuio,J. Calvin, instit. 111). Grundsätzlich liegt auch in der Gegenwart das Hauptinteresse der Exegese am Ventändnia des biblischen Gottesgedankens. Die Betonung des göttlichen RtusclWusu führt re1igionagesehichtlich in die Welt des Frühjudenturns, vor allem der Apokalyptik und nach Qumran. V gl. IQS 3,15: ))Von dem Gott des 2
Vgl. A. F. N. LEKKEaKUKER, Rörn 7 und Röm 9 bri Augustin, 1942.
Röm 9,14-29
307
Wissens kommt alles, was ist und was sein wird. Und vor ihrem Sein hat er festgesetzt all
ihr Sinnen und Denken. Und bei ihrem Sein ... erfiillen sich ihre Taten unabänderlich«. In Gottes Ratschluß liegen also das Sein und Tun des Menschen, die Zeit und die Zukunft der Geschichte beschlossen. TMologiscla ergibt siela du NotwnuJiglceit, Mm bibliseMn Gottug,danJcen niclal PUlT tds Ausdruck eines PtlTtUJoXOft ~ UMn, sOtUlem IIIICIa tds UmsclaTtiInIIIg eines g~ be-
stimmlm Weges Gottu ÜI der Gesclaiclale der MttlSelWit. Das Wort der Proplutm wird _ela Pabu ~um Sclalüsseljü, das Wi,km Gottu WIltr HeUJm ruuljwJm. Röm 9-/ / geb", du KriUrina d4fo, ob Röm 3,2/.ff. (Reclaifertigrmgslthre) riclalig verslllluJ", wurde. Exegese: V 14: Hat Paulus die Freiheit Gottes in Erwählung und Verwerfung des Menschen herausgestellt, so wird dadurch die Frage nach der Gerechtigkeit tQoüJ.LE'Y ist wie auch sonst bei Paulus (3,5; Gottes lebendig. Der Einwurf't( 4, I ; 6, I; 7,7; 8,31) das äußere Zeichen einer Auseinandersetzung mit dem Gegner, der hier an die richterliche Gerechtigkeit Gottes erinnert. Es ist am besten, MLX(a im strengen Sinn als Verstoß gegen die Gerechtigkeit aufzufassen, weil gerade die richterliche Gerechtigkeit bei Paulus entscheidend ist (Lagr R 232)3. Wird Gott durch seine freien Entscheidungen auf die Seite einer Partei gedrängt, statt unabhängiger Richter zu bleiben? mJQCl 't
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3 KoHLR. 324 f. erweicht den Begriff äbLX(a, indem er in ihm lediglich das Abweichen von der Nonn sieht. Dann würde man fragen, ob Gott gegen sein eigenes Wesen, gegen alle Verheißungen und Bundschließungen handelt, wenn er so untenchiedlich in seinen Entscheidungen vorgeht. E. KOHL weist daraufhin, daß bei einer anderen Auslegung V 15 keine Antwon, sondern nur eine Vnschirfimlsein würde. Aber diese Schwierigkeit sollte man ruhig in Kauf nehmen. Paulus zeigt in V 15 an, daß die Schrift selbst von einem Eigenrecht Gottes weiß, das das menschliche Denken übenteigt. Die Rechtuituation bleibt gewahn. 4 Röm 2,11; Eph 6,9, S »Nicht dadurch entsteht Gerechtigkeit, daß der Mensch neben Gott für sich ein eigenes Recht in Anspruch nimmt und Gottes Obmacht beschränkt; gerecht und der Wahrheit gemäß ist es dagegen, daß sich der Mensch ohne Vorbehalt dem ergebe, der sich seiner erbanntcc (ScHUTTER, Gerechtigkeit 3(0). Paulus steht im Rahmen einer seit Sirach vorbereiteten Weisheits tradition (M. HENGEL, G. MAlER). Sie kämpft um Gottes Freiheit und Schöpferrecht, um die Verantwonliehkeit des Menschen unter dem Gebot und die zukünftige Vergeltung.
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Die Freiheit und die Erwählung
V 14, wohl aber liegt sachlich und faktisch in diesen Gottessprüchen ein für den Menschen gültiger Bescheid. Beide Männer der Frühgeschichte, sowohl Moses als auch Pharao, empfangen einen Gottesspruch; es geht dabei um das persönliche Schicksal des Menschen, darum treten heide Namen ohne irgendeine nähere Kennzeichnung auP. Schon der U ntenchied der Zitationsformeln ist nicht ganz gleichgültig; das UyEL von V 15 ist verkürzt (= itE~ UyEL), während ÄtyEL iI yQ
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Heiden; es ist daher verständlich, daß nicht Gott, sondern das Schriftwort ('" YQOCpfJ) zu Pharao redet. Das paulinische Zitat von Ex 9,16 hebt sowohl die A~ sicht Gottes (~airtO 'toVto) als auch seine Schöpfennacht (~~..v Hab 1,6; Sach 11,16;Jer 27,41) hervor und weicht vom griech. wie auch vom hebr. Wortlaut erheblich ab'. Der vorliegende Text bringt eine bestimmte Verschärfung des Sinnes (~EYE!QELV = »erwecken, geschichtlich auftreten lassence). Gott hat Pharao dazu bestimmt, daß er an ihm seine Macht (6~) kundtun kann; dies Handeln Gottes an Pharao soll zum Anlaß der Verkündigung des Namens Gottes werden. Pharao wird damit in doppelter Weise zum Objekt des göttlichen Ratschlusses. Man könnte fragen, worin die göttliche 6~ besteht: haben wir an die göttliche Strafgewalt zu denken, die in den Gerichtstaten sichtbar wird, oder an die göttliche Freiheit, den einen Menschen anzunehmen, den anderen dagegen zu verhärten IO? Sieht man aufden Zusammenhang mit den nächsten Versen, dann legt sich die Vermutung nahe, daß es sich um Gottesfttit Schöpft'mllUlU handelt, die an Pharao sichtbar wird. Gott macht ihn zum Warnzeichen ('t6x~), das in die Verkündigung eingeht (~ 6uryyd,fl). Auch in der Dunkelheit dieses Geschehnisses verbindet sich Gottes Name in einer besonderen Weise gerade mit diesem MenschenIl. In der Heilsgeschichte macht Gott immer wieder Menschen zu Zeugen seiner Barmherzigkeit, aber ihnen stehen die Beispiele seiner Ungnade und Verhärtung wie ein Schatten der gleichen göttlichen Schöpfennacht gegenüber. Man hat diese Tatsache einschränken woUen: es gehe hier allein um die geschichtliche Rolle dieser Menschen, nicht aber um ihr persönliches Geschick im Gericht; doch ist das Geschehen hier auf Erden eng verflochten mit dem, was im Heilsplan Gottes über den Menschen bestimmt ist. Eine Scheidung zwischen der geschichtlichen RoUe, die Gott dem Menschen zudiktien, und dem ewigen Ratschluß, der über den Menschen verhängt ist, läßt sich schwer durchfuhren 12. V 18 zieht wie V 16 die Konsequenz aus dem vorher angeführten Schriftzitat. Der Form nach haben wir es mit einem Lehrsatz zu tun, 9 Der Grundtext von Ex 9,16 hieß: .. Aber um deswiUm habe ich dich bestehen la.ssen (~m=J), aufdaß ich dich meine Krafuehen lieBe«. Die LXX schwächt ab: .Und um deawillen bist du erhalten geblieben (6~), damit ich an dir meine Stärke erwei.le«. Paulua illgt zwar der LXX oder einer verwandten überKtzung, sagt aber .tatt 6~ aktiver ~'4lC1 CJ!, was an .ich dem Mu. enllprechen kann. Statt 'riIV lcJx6v 1'0\1 LXX liest Paulu. 'riIV b6vcq.&(v 1'0\1 (wie Ex 9.16A). 10 Mit Paulua verwandt i.t ein griech. Zusatz zu Sir 16,14: .. Der Herr verhärtete den Pharao, ihn nicht zu erkennen, damit aeine Taten bekannt würden allem unter dem Himmel; der ganzen Schöpfung i.t Kin Erbannen offenbar, und aein Licht und.eine Finatel1Ül hat er den Menschen zugeteilt«. Der hebr. Text weicht in aeiner Tendenz etwu ab (Str-B 111 269). 11 Außiallend ilt du doppelte ~ (im Unterschied zur LXX), du die göttliche Abticht noch deutlicher hervortreten läßt (WiederbolUIII!). PaulUi nimmt übripl bestimmte alneswnentlicbe AUllagm auf: lOlch aberwerdeaein Herz verhärten« (Ex4,21; 7,3; 14,4.17) bzw.llClerHerrverhärtete Pharao. Herz« (Ex 9,12; 10,20; 11,10). Gottea~ und Gonealrvotaaenllprechen einander.lndem PaulUi auf Pharao aI. Warnzeichen hinweiat, erfüllt er lelbtt die Abticht Gones (lmmt; 6cay-
yt).U ... ). U GAUGLU R 11 53: .. Es geht allein auf die RoUe des Hernchen in der Heilagcschichte, es geht nicht auf du perlÖnliche GelChick dieaes Menschen im Gericht. Die überinterpretation, die hier du ewige U neil Gouea über die einzelnen Menschen ausgesprochen findet, iat gerade der Fehler der alten Prädeatinationalehre-.
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Die Freiheit und die ErwähJuog
der in zwei gleichgebaute Satzhälften zerfällt. Zunächst nimmt Paulus das Motiv der Barmherzigkeit aus V 15 (Ex 33,19) auf(D ergänzt 6 tE~). Wie Gott sich erbarmt, so verhänet er. mcA.'lQUvELV entspricht als Ausdruck für eine bestimmte verwerfende Tätigkeit Gottes innerhalb seines Heilsplanes der alttestamentlichen Tradition (Ex4,21; 7,3). Nurim Zusammenhang mit einer bestimmten alttestamentlichen Tradition kann Paulus dies Verbum aufdas göttliche Werk btziehen, während es sonst im Neuen Testament gerade den Widentand des Menschen gegen das göttliche Wort beschreibt (Apg 29,9; Hebr 3,8 ff.; 4,7). Auf jeden Fall steht dies ))Verhänencc Gottes innerhalb, nicht außerhalb des göttlichen Heilsplanes. Das wiederholte ttÄELV zieht die Aufinerksamkeit auf sich (auch V 22). Nach dem GlUuliltnmllidtm ~ haben wir zu untencheiden zwischen einem Verhärten Pharaos durch Gott (Ex 4,21; 7,3) und dem Haruein des Herzens Pharaos als Zeichen seines U ngehonams gegen Gott (Ex 7,14). Das Verbänen als Wirken Gottes auf Pharao belteht darin, daß Gott ihm die Möglichkeit des Hörena und Gehorchens nimmt und den Widentrebenden in seinen Heilsplan einfugt, ihm also eine bestimmte Rolle zuweist. Das )t Verhärten« und )tHauen« Gottes ist ein Zeichen seiner Verwerfung und Auadruck der freieD Schöpfennacht Gottes (seiner ~). In dieser Verhänung liegt schon im Alten TestameDt die Absicht Gottes, sich zu verherrlichen (Ex 10,1; 14,4), aber rur Paulus ist dies Wirken Gottes nicht nur ein Letztes, sondern auch ein Glied im Heilsplan Gottes. Die Betonung der freien Schöpfennacht Gottes entspricht der Tiefe und Häne des alttestamentlichen Gottesgedankens, und es ist bezeichnend, daß Paulul diese Häne und Tiefe gerade in der Auseinandenetzung mit Israel zum Ausdruck bringt. Gottes unterschiedliches Wirken widenpricht nie seiner ~rechtigkeitcc, wird nicht zur Willkür. Die Frage der menschlichen V"tI1tIwortlidJuit Iteht hier nicht zur Diskussion. Da Paulus sie aber in Köm 10,16 ff. ausdrücklich berücksichtigt, schließt er lie in seiner Erwählungalehre nicht aus, sondern ein. Es gibt keine Verwerfung durch Gott oIuu die menschliche Verantwonlichkeit. Und doch widenpricht Paulus der jüdischen Tradition, soweit lie den U ngehonam Pharaos als eine Vorausaetzung rur die Verwerfung durch Gott ansieht. Die göttliche Verwerfung umsclrJiljJt den menschlichen Widentand, veranken also den geschichtlichen Vorgang in einer letzten theologischen Tiefe. Solange der Menach nicht erkennt, daß er in jedem geschichtlichen Verhalten und in seiner ganzen Existenz umachJoasen ist, hat er Gott noch nicht als Gott anerkannt (Ps 139,5). Das Schriftzitat Ex 10,1: »ich habe sein Herz verhärtet« hat in der JIOkmiscItnl ~ d"ulQlllg zwischen Juden und Häretikern (Minim-Judenchristen?) eine Rolle gespielt, wie ein rabbinisches Lehrgeapräch zeigt (Ex r 13 = Str-B 111 269). ~~R. Jochanan (geat. 279) hat gesagt: Auf Grund dieser Stelle haben die Häretiker (Minim) Gelegenheit zu aagen: Es hing nicht von ihm ab, Buße zu tun, denn es heißt Ex 10,1: Ich habe sein Herz verbänet.cc R. Schimeon bLak.isch (um 250) dagegen exegesien: Nachdem Gott fiinfmal zu ihm geschickt hatte, ohne daß lich dieser um seine Wone kÜJnmene, sprach Gott zu ihm: du hast deinen Nacken han gemacht und dein Herz verhärtet, .iehe,1O will ich Unreinheit zu deiner Unreinheit hinzufügen. Das meinen die Wone: ich habe sein Herz verhänet.« Es geht bei Paulus nicht um eine theologische Spitzfindigkeit oder um eine Spekulation, sondern um die ReüWit du lJiblisclrm Gottesltdakms. Der Schöpfer letzt seinen Willen durch Menschen und Geschichte durch, wenn sie ihm gehorchen, ent recht aber, wenn sie ihm widerstehen: alle Wege des Menschen und der Geschichte fUhren also zu Gott zurück und auf Gott hin. Wie rur das Alte Testament und das Judentum überhaupt ist auch fUr Paulus Gott der Schöpfer in einem einzigartigen und unvergleichlichen Sinn. D" Scltipfn
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ist Ur verborgen SeMffnuk. Dieser "Realismusec des Schöpfen ist durch das Christentum bestätigt, ja sogar weitergeführt worden. Neben Gott kann sich der Mensch nicht behaupten, er kann sich Gott nur unterordnen. In diesem Sinn erzieht Röm 9,14 ff. zur radikalen Demut gegenüber dem Schöpfer. Selbstventändlich ist jedes »Hassen« und ,Nerwerfentc Gottes ein Zeichen seines Gerichtes und seiner Gerechtigkeit; die praedestinatio ist ja nicht nur zeitlich, sondern auch inhaltlich ventanden. Man hat durch mancherlei Hilfslinien venucht, die paulinisehe Erwählungslehre zu erweichen. Aber man darf nicht übenehen, daß schon das Rabbinat daran gearbeitet hat, die alttestamentlichen Anstöße zu beseitigen. Die paulinische Exegese ist nicht rational aufZulösen, sondern sie will bewußte Anstöße in den Weg legen. Die Aussage »Gott verhänettc bedroht jetztj. Menschen, auch den Juden (Röm 9,24 ff.), wie auch Gottes Barmherzigkeitjuiem Menschen, auch dem Verworfenen, erkennbar ist (Röm 9,22). Die alttestamentlichen Anstöße dienen für Paulus dazu, den Weg des Evangeliums in der Gegenwan venländlich zu machen. Im A'fIS1o}J lugt Gotta Gtheimnis (Röm 9,33). Schon die alttestamentliche Geschichtsbetrachtung ist teleologisch, d.h. auf ein Ziel ausgerichtet. Es geht den Propheten um Gottes "Werkcc und •• Plan« Ues 5,19; 28,29; 4ü,13; 46,10 f.). Diese Geschichtsbetrachtung ist in der jüdischen Apokalyptik und im qumranitischenJudentum weiter ausgebildet worden. Auch die paulinische Exegese arbeitet in Röm 9-11 mit Begriffen und Denkformen der prophetischen Geschichtstheologie, die allerdings durch den Hellenismus verdeckt werden (alttestamentliche ~ und paulinisehe KQ66w..;). Der neue Einwurf V 19 liegt in der gleichen Linie wie V 14: der jüdische Geg-
ner, der nach der Gerechtigkeit Gottes fragt, kaan sich darauf berufen, daß Gott den Menschen für sein Verhalten verantwortlich macht; ja, nach der alttestamentlichen Erzählung tadelt Gott Pharao immer wieder (Ex 7,16; 8,25; 10,3). Der Gegner wirft nun zwei Fragen ein: Die erste setzt voraus, daß Gott den Sünder zur Rechenschaft zieht, die zweite wiederholt die alte Erkenntnis, daß kein Mensch Gott widerstehen kann 13. Beide Einwände sind nicht .unberechtigt und lassen an sich keine Widerlegung oder Apologetik zu; gibt Paulus diese Einwände zu, so ist sein Satz, daß Gott auch dem Sünder seine Rolle in der Geschichte zuweist, bedroht. Gott kann doch den Sünder nicht für das zur Rechenschaft ziehen, was er selbst in seinem Plan festgelegt hat. Außerdem widerstrebt ja der trotzigste Sünder nur dem Wort und Gebot Gottes, nicht aber seinem Wirken. Paulus weist in V 20 die beiden Fragen mit einem scharfen Verweis zurück. Die Anrede 00 civitQWXE erinnert den Redenden an sein Menschsein und an seine Distanz von Gott; auch das nachfolgende J.LEYOÜV YE (= vielmehr) dient dieser scharfen Zurückweisung l4 . Es sieht für Paulus so aus, als habe der Mensch die ihm gegebenen Möglichkeiten überschritten. Er ist nicht in der Lage, Gott Widerrede zu geben oder ihm gar Vorhaltungen zu machen (c'1vtwtOXQtvwtaa. Lk 14,6). Eine Gegenfrage, die Paulus selbst stellt, nimmt einen bekannten alttestamentlichen Bildstoff auf, der das Schöpferrecht Gottes seinen Geschöpfen gegenüber hervorhebt. Bezogen sich V 15 und 17 auf Exoduszitate (Tora), so erinnert II Daß der Gegner nur vom JloVA.'11ACl toü ino\J, nicht aber von seiner 1tQ6tE~ reden wo, ist sehr bezeichnend. dt; äv6tantxev ist als gnomisches Perfekt zu ventchen. Vgl. den Wordaut von Sap 12,12 mit dem paulinischen Text: Ut; yQQ tQä U bto(T)OQt;; i\ Ut; ävtLO"t1JoE'tat. ui> XQ(IAClU 00\1; I. ~OÜVYE steht hinterW~E bei. A(B) Orig.,vorw ~ bei l( und fehlt völlig bei p46 D·FG. Zur Stellung am Anfang des Satzes vgl. auch Luk 11,28; Röm 10,18; Phil 3,8.
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Di~ Fr~iheit
und
di~
Erwählung
V 20 an dieJesajarolie (29,16; 45,9) und an die Weisheitsliteratur (Sap 12,12). Jes 29,16 schilt über die VtrUltrllwil. daß du Geschöpfden Schöpfer verleugnet und daß du Gebilde den Bildner verachtet. Jes 45,9 spricht ein Wehe über den, der mit seinem Bildner hadert, obwohl er nur Scherbe unter irdenen Scherben ist. Derselbe Stoffwird in venchiedenen Abwandlungen immer wieder benutzt, um die Auflehnung des Geschöpfes gegen den Schöpfer zu treffen. Vor allem schildert Sap 15,7 das R.echt des Töpfers, Gefäße zu allen möglichen Zwecken zu schaffen und zu verwenden. Im Rabbinat und im hellenistilchenJudentum ist dieser Bildstoflbekannt und beliebt gewesen, 10 daß Paulus weniger zitiert als vielmehr einarbeitet (»Anspielungen«). Erwählung und Verwerfung sind für Paulus AUldruck seiner SdIiiI/tIJtIshIn. Auch du menschliche Handeln wird in den Rahmen dieses Geschehens eingespannt. Nur wenn du Eigmrecht des Schöpfers heraustritt, ist der biblische Schöpfunpgedanke gewahrt. Da Gott für du Alte Testament immer der Gerechte bleibt, wird die Erwählung des Menschen nie zur Willkür. Wer Widerrede gibt (~vm&cu upOap), greift damit seinen Schöpfer an und setzt sich dadurch selbst ins Unrecht.
Wir haben in V 20 f. ein DoJIIHlgltichnis vor uns, von dem das eine das ande~ ergänzt und erläutert. Die Gegenüberstellung tb ~ - /) KA.aa~ entstammt J es 29,16 und geht letztlich auf den Schöpfungsbericht selbst zurück (Gen 2,7) 15. Die andere GegenübentelJung /) ~ - /) mJA.6c; erinnert anJes 29,16; 45,9 und hat eine altorientalische Tradition hinter sich. Wir haben wohl den Genitiv tOÜ m)Aoü auf ~o(av zurückzubeziehen: hat nicht der Töpfer Vollmacht über den Ton? ~(a (hebr. n•..,) umschreibt wie 6iMq&~ (V 17) die Freiheit Gott~ als des Schöpfen. Es kommt Paulus daraufan,jede Selbstherrlichkeit des Geschöpfes zu zentören. Der Töpfer kann aus demselben Ton Gefäße zu ehrenhaftem oder unehrenhaftem Gebrauch hentellen, je nachdem, wie er das Gefäß benötigt. Es ist wichtig, auf die stilistische Form zu achten: wie der Einwurf des Gegnen in V 19 in einer doppelten Frage besteht, so antwortet Paulus selbst in V 20 ff. mit einer Reihe von Gegenfragen. Er kann sich dabei schon aufdie prophetische Form des Alten T~taments berufen Ues 29,16; 45,9), aber ohne Zweifel zeigt dies Spiel und Gegenspiel von Fragen die Erregtheit in der Argumentation an. Paulus steckt hier nicht die Grenzen der göttlichen Gerechtigkeit ab, wie man dies nach V 14 erwarten würde, sondern er greift aufdie letzten Voraussetzungen der menschlichen Existenz Gott gegenü ber zurück. Nur in diesen Voraussetzungen liegt die Möglichkeit, Gottes Gerechtigkeit zU.ventehen und anzuerkennen. Paulus weicht also nicht aus, sondern spricht auch hier zu seinem Thema. Im Einzelnen zeigt jeder Begriffseinen festen Sitz in alttestamentlichen und orientalischen T,tUliJionm:~, mJA.6c;, ~ m>Wv (im Sinn von ~LV), oxriJ~ (hebr. ''?i'), tLf1yt-Qt..,.ua; lediglich cpUQ
wird auch sonst gern in der Schöpfungstradition verwandt (Gen 2,7 f. 15; 1Clcm 33,4;
Diop 10,2). 16 Zum Bildatoff: Töpfer-Ton vgl.Jes 29,16; 45,9; 64,7;Jer 18,3-10; Hi 10,9; 33,6; Sir 33,13; Sap 15,7 und rabbiniache Paral1elm (Str-B 111 271). Abgewandelt ist der BildatotTauch in IQH 1,21, wo es vom Menacben heißt: -ein ohnmichtip Gebild~ aus Ton, geknetet aus Waacr«. Di~ UmachreibUIII des Menac:hm als ..Lehmgebilde« ist ~ine festgeprigte Stilfonn in den Psalmen der Qumran-
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daß der Töpfer nicht ent nach der Herstellung den Zweck der Gefäße bestimmt, sondern von vorne herein sie zu einem bestimmten Zweck anfertigt (Lagr R 238). Auch· das Bild der Gefäße, die zu einem ehrenvollen oder schimpßichen Gebrauch angefertigt sind, dürfte in einer bestimmten überlieferung und in verschiedenen Abwandlungen nachweisbar sein (Sap 15,7; 2Tim 2,20 f.)17. Wir haben es mit einem BildstofTzu tun, der hier einen begrenzten Dienst tut: es kommt Paulus auf das Schöpferrecht und die Zielsetzung Gottes an, der Menschen in seinen Heilsplan einspannt. Man darf daher das Bild nicht theologisch pressen: den Töpfer verbindet mit seinem Werk kein Liebesband, darum trifft es auch kein Zorn (Schlatter, Gerechtigkeit 304). Der Mensch ist auch nicht nur Gefäß, weil er ja selbst verantwortlich ist (Dodd R 159). Die neue Satz periode V 22 hat keinen Nachsatz l8 . Man könnte den Venuch machen, den Ven sinngemäß zu ergänzen: ))wenn Gott in der Absicht, seinen Zorn zu erweisen ... , die Ge6.ße des Zornes ertragen hat, dann ist von seiten des Menschen kein Einspruch möglieh ... «. Diese stilistische Unvollkommenheit ist allerdings nicht ungewöhnlich l9• Es folgt in V 25 ein aufschlußreicher Absichtssatz, der mit xat tva eingeleitet wird: »Gott handelt so in seiner Freiheit, damit er den Reichtum seiner Herrlichkeit zeige ... «. Es schließt sich in V 24 ein Relativsatz an, der eine überraschende Wendung bringt: ))zu denen er auch uns berufen hat, nicht nur aus den Juden, sondern auch aus den Heiden ... «20; Grundsätzlich wird man sagen müssen, daß Paulus von V 22 an eine Reihe theologischer Argumente einbaut, die einen neuen Sinnzusammenhang ergeben; in der äußeren Form sind sie so eng ineinander verwoben, daß man sie logisch und stilistisch auflockern muß. gemeinde: IQH 3,23 f[; 4,29; 11,3; 12,26.32 u.ö. ZucpUQOf.IO. vgl. BauerWbs.v. Zum Ganzen vgl. G. MAlER, Mensch und freier Wille, 1971,375 f[ 11 Die Wendung ~ 't1.I1ftY (hier betont vorangestellt!) dürfte einen Genitiv enetzen. ~ 'tLtdJv und ~ änt&Lav bedeuten sicherlich nicht: .. wertvoUcc und ..weniger wertvoll« (wie z.B.· LAGaR 238 meint), sondern ..ehrenvoll« und »verächdichcc, »schandbarce (10 ZnR 457). Außällig ist der Sprachgebrauch von Der 27b.28a (Str-B 111 271 f.). 11 ZnR 458 macht darauf aufinerbam, daß im Abschnitt Röm 9,19-21 das Prüens, von Röm 9,22 ab der Aorist überwiegt, daß allO schon äußerlich die Venchiedenheit der Abechnitte erkennbar werde...Aus dem Prüenader theoretischen Erörterung kehrt Paulul hiermit zur geschichdichen Betrachtuns zurück und knüpft in Bezug auf die Wahl der Ausdrücke an V 17 wieder an« (TM. ZAHN). Man achte darauf, daß V 14-18 einen Sloffaus der Tora, V 19-21 aus den Nebüm nebeneinander steUte, daß V 22-24 tiil KtIfU~ aus beiden Stoffen zieht. Daher finden sich in V 22-24 Anspidungen sowohl auf die Pharaogeachichte als auch auf die Prophetentradition. 19 Origenes hält d 6t am Anfang von V 22 rür überflüssig und möchte diese Worte weglauen (Ruf. 1149 C-1150A). Andere Exegeten trennen d 6t ab und beginnen mit 6tMov einen neuen Satz, z.B.: ..Wenn du danach fragst, warum es den Bösen jetzt ol\gut und den Guten schlecht geht, 10 verhält es sich 10 .•. ce (K. H. SatELKLE, Paulus357). Die Exegese fragt seit alten nach dem Sinn des Partizipl ~ 6~. Will Paulus sagen: »obwohl Gott willce oder: .. weil Gott will«? Im enten Fall würde das Schwergewicht auf das neu eingeführte Motiv der Langmut Gottes venchoben werden (..Gott will den Gefäßen des Zornes Gelegenheit zur Sinnesänderung geben«, vgl. Röm 2,4). Eine derartige Verlagerung des Schwergewichtes würde aber der ParaUde von V 22 zu V 17 widersprechen; 10 liegt es näher, tl6t nicht advenativ zu deuten und &fl.ont kausal aufzuben. 30 Ein Fragezeichen hinter den angefügten Rdativaatz zu setzen, wie es im Nesde-Text geschieht, emp6eh1uich nicht. C. v. TISCHENDOusetztdaaFragezeicbenhinterV 23, ein Komma hinter V 24. Es ist schwer, bei einem Anakoluth eine sachgemäße Entscheidung zu fällen.
tIuow,is,'"
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Die Freiheit und die Erwählung
Das Schöpferrecht Gottes vollzieht sich nach beiden Seiten hin und wirkt sich sowohl als Zorn wie auch als Bannherzigkeit aus. Wenn dem so ist, dann wird auch in diesem Fall kein Einspruch des Menschen möglich sein. Paulus nimmt zunächst Motive von V 17 wieder auf, verarbeitet aber auch den Bilds toff V 20 f. und bestätigt außerdem das Motiv der Erwählung Gottes (8,17.30). Inhaltlich führt Paulus den Gegensatz 6QYiI und J.UlXQOh,,(a in das Verständnis des Schöpferrechtes und des richterlichen Handelns Gottes ein: Gott handelt mit dem Menschen nicht blind, sondern richtet sich nach dem Gesetz seiner Gerechtigkeit, die sich in Zorn und Langmut verschieden offenbart (Röm 2,4 f.). Zorn und Langmut schließen einander im Schöpferrecht Gottes nicht aus, sondern bedingen sich gegenseitig. Auch Pharao, der als typische Gestalt des Heidentums den Zorn Gottes in seiner Realität sichtbar macht, ist nicht losgelöst von Gottes Langmut, sondern wird durch sie während seiner ganzen Existenz getragen. Und doch steht hinter seiner Erscheinung ein erstes und letztes Urteil Gottes, ein richterliches Nein, das den Pharao ins Verderben schickt21 • Wie Paulus tvöd;a06aL (V 22) auf tvÖd;WJ.UlL (V 17) zurückbezieht, so auch tO öuva'tOv 'toü (V 22) auf~v öirvaJUv 1'0" (V 17). Es ist aber bezeichnend, daß in V 22 60YfJ und 'to övvQ'tOv aÜtoü nebeneinander treten: im Erweis des Zornes Gottes liegt gleichzeitig die Darstellung dessen, was ihm möglich ist. Auch sein Zorn ist Manifestation seiner Macht. Gottes Zorn wird in diesem Zusammenhang radikal gedacht: er ist nicht nur Reaktion auf eine menschliche Handlung, sondern ein umfassendes Gericht, das die ganze menschliche Existenz vom Anfang bis
av-
Zl Es geht Paulus bei den »Gefäßen dts Zorns« (axt'Örl ÖVfiIIi), die zum Verderben bestimmt sind, zunächst um die Heiden, die analog dem Pharao (V 17) außerhalb des Bundts Gottes mi t Israel stehen. Paulus verwendet in V 22 einen allgemeinen Gedanken jüdischer Theologie, der seinen prägnanten Niederschlag in Sap 12,20 findet: d ytaQ tx&QOiIIi :n:a(bwv CJOU xal öcpw.ol'fvou~ eavG"C'f)
J.&nO"COOQ<m,lim.~Ii:n:()OOOXii~XQ16dpEW«;()oU~XQ6vou~XQ1"C(mov,ÖL'.m.MallayciXJLv "'~ XQ~ ... Da aber der paulinische Gedankengang zwischen dem wahren Israel und dem '10QCIiIÄ 00Qxa untencheidet (Röm 9,6), droht das richterliche Handeln Gottes in der gleichen Weise dem Juden und dem Heiden, wie auch die Berufung beiden gilt (V 24). Die doppelte Prädestination gehön zu den Grundlagen in der Theologie Qumrana. Dam 2,7 f.: »Denn Gott hat die Gottl~ sen nicht erwählt von Anfang der Welt an, und ehe sie noch geschaffen waren, hat er ihre Taten erkannt und hat verabscheut ihre Geschlechter von Uranfang an und hat sein Antlitz verborgen vor dem Lande, sie zu vernichten bis zu ihrem gänzlichen Untergang.« Vgl. den Psalm 1QH 15,120:: ..Und ich erkannte durch deine Einsicht, daß es nicht im Vermögen des Fleisches liegt, ... daß der Mensch seinen Weg bestimme, und der Mensch kann seinen Lebensweg nicht festsetzen ... Du hast ihn bestimmt, bevor du ihn erschaffen hast, und wie könnte er deine Wone abändern? Du allein ... hast den Gerechten (erwählt) vom Mutterleibe an und ihn rur die Zeit des Wohlgefallens bestimmt, damit er bewahn werde in deinem Bund, ... und um über ihm (auszuschütten) die Fülle deiner Barmherzigkeit, und um zu lösen alle Not seiner Seele zu ewigem Heil und stetem Frieden ohne Mangel, und du erhebst aus dem Fleisch seine Herrlichkeit. Die Gottlosen aber hast du enchaffen (zum Gericht) nach deinem Wohlgefallen, vom Mutterleibe an hast du sie geheiligt zur Schlachtung, denn sie wandeln aufeinem Weg, der nicht gut ist, ... und haben kein Wohlgefallen an allem, was du befohlen hut, vieimehrGcfal1en an dem, wu du hassest ... Du hast sie bestimmt, um an ihnen große Strafgerichte zu vollziehen vor den Augen aller deiner Werke, daß sie ein Zeichen seien ... " Verwandt sind auch die Ausführungen von ApkAbraham 22,'>-7 (»Die aufder linken Seite ... Die auf der rechten Seite ... «), die offenbar ebenfalls dem Essenismus nahestehen. Grundlegend fiir diear Anschauung ist IQS 3,1'>-17.
xata
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zum Schluß bestimmt. j.WXQO'Ö'UJALa und fÄWS dürfen nicht miteinander verwechselt werden (Kühl R 334): Gott läßt die Schuld des Menschen geschehen, ohne einzugreifen, nicht nur deshalb, weil er dem Menschen Zeit und Raum gönnt, sondern auch, weil er das endgültige Verderben erst dann durchführt, wenn seine Stunde gekommen ist11 • Es ist nicht zufällig, daß V 22 alttestamentlich gefonnt und mit biblischen Begriffen gefüllt ist, um eine gewisse Feierlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Der Begriff»Gefäße des Zornes« (V 22)13 zieht den entsprechenden Begriff der »Gefäße der Barmherzigkeit« (V 23) nach sich: Gott offenbart in diesen Gefäßen nicht nur seinen Zorn und seine Barmherzigkeit, sondern sein Zorn und seine Barmherzigkeit schaffen derartige sichtbare Zeichen seines Wirkens. ÖQyi) und cbtmAew gehören zueinander: im Zorn Gottes tut sich das zukünftige Verderben ebenso kund wie in der Bannherzigkeit die zukünftige Herrlichkeit; also sind auch fÄ.E~ und ö6!;a eng miteinander verbunden. Der Auftau in heiden Versen mlspricht sich daher gnuzu. Auch die beiden Verben XO't(lQ'tet;ELv (V 22) und 1I:{)OE'tOLJ,Uit;ELv (V 23) gehören eng zueinander; beide weisen auf das vorzeitliche und vorgeschichtliche Handeln Gottes zurück14. Ein sachlicher Zusammenhang besteht zwischen der Denkform von Röm 9,22 und der von Röm 3,25 (tvöEc;aa6w - Et; fvÖa.;LV, tv 1I:oUfI JA.aXQO'Ö'UJAL(l- tv 'tfI avOX'Ö 'too &00). Gottes Weltregiment vollzieht sich in Manifestationen seiner Gerechtigkeit; auch dort, wo er seine Gerichte herausstellt, sind seine Langmut, sein Zuwarten, seine Geduld nicht verleugnet. Strenggenommen stellt Paulus nicht »Gefäße des Zornes« und »Gefäße der Barmherzigkeit« gleichgeordnet einander gegenüber, als wolle er die Geschichte der Menschheit in einen Dualismus auflösen, sondern er denkt vom Heilsplan Gottes aus, der sich der Gerichte bedient, um den Weg der Barmherzigkeit zu Ende gehen zu können. »Der Zorn zerbricht die, die er trifft, damit geschehe, was der Erbarmer will« (Schlauer, Gerechtigkeit 305). Den Begriff)>Gefäße der Barmherzigkeit« biidet Paulus antin Ein besonderer Ton liegt auf dem Verbum t,vE"'(Xn' (V 22): dies ))Tragencc (Enragen) Gottes ist eine Ausdrucksform der göttlichen Langmut, die Paulus in belOnderer Weise rühmt (MAAn fällt daher auf). Der alttestamentliche Zusammenhang Uer 27 ,25: ~EYXE'Y ~a oxt\rr) ÖQYiIC;) gehön sachlich nicht hierher. 1JoxeUrj ÖVftlc;erinnert als BegrifTanJer 27,25 LXX (auchJes 13,5), doch hat erim alttestamentlichen Zusammenhang eine andere Bedeutung. Bei Jeremia ruft Gott zu einem Gericht über Babel auf, das sich wider Gott aufgelehn t hat. Gott 6i.ngt Babel, ohne daß es Babel merkt. Er hat seine Rüstkammern aufgetan und seine Zorneswaffen herausgeholt (ähnlichJes 13,5). Die Zorneswaffen sind die Mittel der Züchtigung in der Hand des Herrn (Targ,Jes 13,5 LXX umschreiben den Begrift). Auch rur Paulus sind die ..Gefäße des Zornes« Gottes Werkzeuge, die seinem Heilsplan eingeordnet sind. Was Zorn Gones ist, wird an ihnen offenbar. Aber der Begriff nimmt noch eine neue Färbung an: Gott läßt an diesen Werkzeugen seinen Zorn aus, weil sie sein Gericht verdienen. ScHI.AlTEa, Gerechtigkeit 305 bestimmt den Begriff umfassender, als es gewöhnlich geschieht: ..Schwerlich entspräche es der Absicht des Paulus, wenn wir deuteten: Gefaße ftir den Zorn, Gefäße, in die er seinen Zorn hineinlegt. Der Genitiv wird angeben, wer diese Gefaße geformt hat. Die Ereignisse, an die Pautus denkt, stehen unter der göttlichen Absicht, den Zorn zu zeigen. Diese Absicht ist das, was diesen Gefäßen das Dasein, die Wirksamkeit und die Macht verleiht.cc l4 xatcl{rttt;av und ~ol.f&l1tav dürften in liturgischen Zusammenhängen eine besondere Bedeutung gehabt haben (Eph 2,10); sie stammen aus alten Traditionen und entsprechen sogar hebr. Äquivalenten (Str-B I 981 0:).
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Die Freiheit und die Erwählung
thetisch neu; gemeint sind die Menschen, an denen Gott seinen ganzen Reichtum kundtun wird. Die doxologische Wendung »Reichtum der Herrlichkeit« erinnert an den liturgischen Zusammenhang von Eph 1,18. Nennt Paulus den Menschen nach semitischem Sprachgebrauch »Gefäß« oder »Gerät«, dann erinnert er ihn daran, daß er lediglich vom Heilsplan Gottes aus, nicht dagegen von sich selbst her verstanden werden kann. Der Begriff reißt den ganzen Abstand zwischen Schöpfer und Geschöpfauf. Der Relativsatz 1I:QOI1'to4&aaEV ~ ö~av schließt den Gedankengang eschatologisch ab und erinnert an den göttlichen Ratschluß (Röm 8,30)25. Der relativisehe Anschluß V 24 geht von der theologischen Interpretation des Schaffens und Handelns Gottes in eine Art Bekenntnisstil über: Diese Gefäße des Erbannens sind wir, die Gott nicht nur aus dem Judentum, sondern auch aus dem Heidentum berufen hat. Es ist also nicht so, daß die Heiden Gefäße des Zornes, diejuden Gefäße der Barmherzigkeit wären, sondern der Ruf Gottes geht quer durch die gesamte Menschheit hindurch. Die These wird durch die nachfolgenden Schriftzitate erhärtet; der Jude setzt gern das Ergebnis der Schriftzeugnisse vor das Zitat selbst26 • Der Gegensatz Jude und Heide fand sich zuletzt innerhalb der Darlegung der Rechtfertigungslehre (Röm 3,298".), wo die Frage gestellt wurde, ob Gott lediglich der Juden Gott sei. Die Gleichstellung der Juden und Heiden zeigt sich sowohl in der Rechtfertigung als auch in der Berufung und Heiligung. Wie stark die These V 24 mit dem folgenden Hoseazitat V 25 f. verknüpft ist, zeigt sich darin, daß das Motiv tX6AtOEV zweifach (am Anfang und am Schluß) wieder aufgenommen wird (xaUaw - dtr6'flOOVtaL) ;ja, es ist sogar wahrscheinlich, daß es die Folge beider Hoseastellen (2,25 vor 2,1) bestimmt hat. Paulus will sagen, daß sich der Ruf Gottes vollzogen hat, und daß dies Ereignis die Erfüllung alttestamentlicher Weissagungen ist. So stellt Paulus das machtvolle xaÄ.taw an den Anfang (statt LXX tQö» und läßt mit ihm die Zitatenkollektion beginnen. Sie ist selbst wieder eine Interpretation des Hoseawortes und hat im Unterschied zu den bisher verwand ten al ttestamen tlichen Worten (V 15.17.20) nicht so s~hr dialogisch~n als vielmehr feierlich kerygmatischen Charakter. Sieht man auf den Inhalt der Zitate, dann gewinnt man den Eindruck, daß sie den Ruf Gottes an die Heiden in den Vordergrund stellen, daß sie aber Israels Vorrechte in der Bewahrung eines kleinen Restes wiedererkennen. Es fällt auch auf, daß die drei großen Zitate ausdrücklich den Namen des Verfassers bzw. des prophetischen Buches in einer Einführung nennen (V 25: Hosea, V 27.29: Jesaja); so kommt die biblische Reihe der Zeugen zum Abschluß 27 •
a
Auf~in~ bestimmte Entwicklung desG~tuagu muß aufinerksam gemacht werden: 2S Zum Relativsatz V 23 vgl. die Anmerkung von SANDAy-HLU)(.AMR 263: »der beste Kommentar zu die.en Worten ist Röm 8,~3Ooc. Man muß aber die einzigartige Betontheit des Bekenntnisses Kai. ~ t'lJ&C% in dieaem Zusammenhang hervorheben. 26 O. MICHEL, PaulUl und seine Bibel, 1929, 159-172 (Nachdruck 1972). 27 V 25: ~ xal tv up • Oartl AtyEL führt die folgende Zitatenverbindung Hos 2,25 und 2, I ein; tv up' OCJr)t bezieht lieh ausdrücklich auf den Text des Hoseabuches, der allerdings von Paulus stark verändert wiedergegeben wird. Zu Uya ist Gott als Subjekt zu ergänzen (V 15). ZnR 464 glaubt irrtümlich, daß das ~ xal AtytL weniger wichtig sei als andett Zitationsfonneln wie ~ ytyoamQL bzw. ytyvamaI. Y6o. So kommt er zu der Abschwächung, daß Paulul nicht einen wirklichen Schriftbeweis geben will. sondern einen lehrreichen Vergleich.
Röm 9,14-29
317
man darf den engen Zusammenhang von V 22 und V 17 nicht aus den Augen verlieren. Paulus nimmt auffillienderweise das venchärfende Motiv des oxÄY)QVvEIoV hier nicht auf, sondern führt den Gegensatz ÖVftl und ~fIla ein, der dem Gottesbild »Gerechtigkeite( und »Barmherzigkeitee entspricht. V 22 denkt zunächst an Pharao und seine Schicksalsgefährten in der Heilsgeschichte, droht aher auf Grund der geschehenen Wende auch dem nichtglauhenden Israel; nach Gottes Willen sind jetzt nicht mehr nur Heiden wie Pharao verworfen und nicht nur Israeliten erwählt. Wenn Israel den Glauben verweigert, verfällt es trotz der Langmut Gottes seinem Gerichtsuneil (~ &t.oü) und dem eschatologischen Verderben (4mUAaa). Es wäre nicht ausgeschlossen, daß der Feind Israels (Pharao) und Israel selbst im Widentand gegen Gottes konkreten Anrufsich als »Gef.lße des Zornesee enthüllten. Paulus wagt aber einen derartigen Gedanken nicht anzudeuten, geschweige denn auszusprechen, sondern er begnügt sich mit der Feststellung, daß zu den »Gefäßen des Erbarmensee nicht nur Juden, sondern auch Heiden zählen. In tim ktrnIcJwtm FoIgmmgm von Röm 9,22 f. bleibt Paulus iiujJerst uorsiclalig,. I~lich die Schriftzitate zeigen, daß er bereit war, weiterzudenken. Der eigmdiclu Angriff af das jwJmlrun liegt im Sclrrift;Jl4I· Aus dem Vergleich ~clrm Septuginltl rmd PtlUlw- Text ergibt sich: 1. Zwischen den Zitaten V 25-29 müssen ganz bestimmte Zusammenhänge bestehen, da z.B. der Anfang von Jes 10,22 = Röm 9,27 an den von Paulus nicht erwähnten Anfang von Hos 2,1 LXX erinnen (xat Itv 6 iaQl~ 'tÖ)'y ulOrv 'ICJOO'IIA), da außerdem bestimmte Sticlrworte auftauchen, die ebenfalls die Zitate verbinden ( •• Nicht mein Volk« bzw. »Same« und »Rest«); man muß also auf den ganzen alttestamentlichen Zusammenhang und aufdie von Paulus gewählte Reihenfolge achten, da die ganze Zitatenkollektion offenbar in einen bestimmten Z&sillnmlrllumg der Verkündigung hineingehön. Aufkeinen Fall ist diese Zitatenkollektion V 2'>-29 zufällig entstanden. 2. Die heiden Hoseazitate 2,25 und 2,1 (nach A LXX) stehen unter dem Stichwon: •• Nicht mein Volkee und sind offenbar Verheißungswone, die einem verworfenen Volkstei1 galten; Paulus hat die heiden Zitate auf dieHeidett bezogen, die berufen, geliebt und Söhne des lebendigen Gottes genannt werden. 3. Die Voranstellung der heiden Hoseazitate zeigt deutlich, daß es Paulus zunächst auf das Erbarmen Gottes ankommt, das gerade den Heiden zuteil geworden ist; ent mit V 27 wendet.sich Paulus der Ventockung Israels und dem prophetischen ).Rest« und .>Samen« zu, von dem übrigens auch Hos 2,25 reden kann. Das Motiv des Erbarmens steht vor dem der Ventockung (Röm 9,18).
Es ist wahrscheinlich, daß derartige Zitatenkollektionen, die das biblische Won paraphrasieren, sowohl in der Verkündigung als auch in der Liturgie eine besondere Rolle gespielt haben. Es war ja auch im Judentum üblich, aus verschiedenen Textteilen einen einheitlichen neuen Grundtext so zu gestalten, wie es hier geschieht28 • Strenggenommen ist der paulinische Schriftbeweis nur dann gültig und unanfechtbar, wenn Paulus im Nordreich einen Typos der Nichterwählung oder der Verwerfung gesehen hat29 • Aber es bleibt die Frage offen, ob ein deraniger geschichtlicher Zusammenhang für die paulinische Exegese noch wichtig ist. Vor allem steht ihm das göttliche Handeln selbst vor Augen: Gott hat die Macht und die Freiheit, aus einem verworfenen Volk ein auserwähltes zu machen. Dabei ist die xA.f)OLC; der geschichtliche Vollzug der~; in der Berufung vollzieht sich die Erwählung. In der Berufung der Heiden liegt die Umkeh28 29
Vgl. Stt-B 111 274. Vgl. LAGIlR 274.
318
Di~ Fr~ihcit
und
di~
Erwählung
rung und verändene Durchführung des göttlichen Ratschlusses. Erwählung und Liebe Gottes sind eine letzte Einheit, ebenso Nichterwählung und Haß (= Verweigerung der Liebe). Die •• Nichtge1iebtecc (ein ergänzendes Fern., vgl. Gal4,27 =Jes 54, I) wird zur •.Geliebtencc werden (Röm 9,13 hat den Gegensatz: ciymtäv - t'LOELV). Besondere Schwierigkeiten macht die lokale Färbung: tv 'tcp 't6mp ... btEi, und man venucht daher, die Landschaft festzulegen, in der einst die Verstoßung (O'Ö ~ J1O" 'ÖJ&e~) ausgesprochen warl°. Gerade don, wo sich diese Ausstoßung abspielte, soU die endgültige Annahme an Sohnes Statt ausgesprochen werden. Das Zitat spricht von einer bedeutsamen Situation, in der ein früherer Gottesspruch aufgehoben wird. Sprache und Stil klingen feierlich und nehmen alte Anschauungen auf. Besonden eindrucksvoU wirkt der Abschluß, der wieder zum Anfang zurücklenkt (~ tciJv ist zudem Bekenntnisformel) . Neben das Hoseazitat, das den Heiden die Verheißung Gottes zuspricht, stellt Paulus in V 27 f. ein doppehesjesajawon (V 27 f. = Jes 10,22; V 29 = Jes 1,9), das an Israels Adresse gmchtet ist. Die Verdoppelung des Zitates zeigt, wie stark Paulus am Schicksal Israels beteiligt ist und welche Bedeutung er der JetajaRolle zwnißt. V 27 f. klingt wie ein Gerichtswort, während V 29 als Ausdruck der Hoffnung angesprochen werden kann l t . Gemeint ist, daß Gott sich nur an den •• Rest«, nicht an die große Zahl Israels halten wird. Nur diesem Rest gilt die Verheißung, daß er gerettet wird. Dies »Resttnotiv«, das aus der prophetischen Verkündigung stammt, wird den paulinischen Gedanken bis Röm 11,3 fT. begleiten (11,5: AdJ1l.&O)32. Paulus denkt hier nicht an die Rettung aus einer irdischen Katastrophe, sondern an das eschatologische Heil. Die Fonsetzung des Zitates ist gegenüber der Septuaginta verkürzt, nimmt aber eine alte prophetische Wendung wieder aufUes 28,22; Dan 5,27: mrvtwiv - CJ'UV'tq.&veLv). Es handelt sich um ein beschlossenes Strafgericht, das Gott hier auf Erden vollziehen wird. Nur so wird ein voller Gegensatz zu V 25 f. erreicht. Während das Nichtvolk an Kindes Statt angenommen wird, wird die Vollzahllsraels durch das abschließende Handeln Gottes dezimiert 33 • In V 29 folgt ein weiteresJesaja-Zitat Ues 1,9), das Ja-Man hat in du Exegewc an Palästina gedacht, wo lich di~ Ausstoßung der H~idm voUzOl und wo man im Lehrbetri~b lich von dem Heidentum schied, oder an die LandM:haft, in der du Heidmtum zu Hause ist. Man könnte daran denken, daß nach alttestamentlicher AnlCbauung die Heiden zum Zionlberg wallfAhren werden Ues 2,2 ff.; Mi 4, I n:). ZnR 465 bezieht Röm 9,25 f. auf du ung~ treue, leiner Würde buaubt~ Israel, das inl Land d~r Heidm verbannt ist. KAsEMANNR 2621Ö1t du geographisch~ Interesse auf: die jüdischen Hoflhungen werden z~ntö" undjedu Anspruch Israels zunichte gemacht. 11 Wie es in du rabbinischen O~rliefmmg häu6g heißl: .Der Prophet ruft.. od~r ..Jeaaja ruft .. , 10 entspricht dies proph~tisch~ ~v Uoh 1,15; 7,28.37; 12,44) dem hebr. Verbum "." (Str-B 111 275). PaulUi will ü Heilspchichte in d~ Au&ählung der Zitate fortführen, wenn ~ di~ Prophetm JIGIftnIlIicA nennt. Du O~rpng von V 25 f. zu V 27 ist vielleicht als Gegmuu gemeint, (mfQ entlpricht hiu JUQ( (.u ruft ü~r land.). Vielleicht wirkt bei du Zitation vonJes 10,22 f. noch du Hoteatext nach (HOl 2,1: 6 .~ uäY ulciJv 'IOQCI'ftA ltall Jes 10,22: 6 ~ 'IOQCIft).). J2 Paulus hat stall xat6AeLIAfIO (LXX) du gleichbedeutend~ ö~~ gelesen. Statt Mu.: »der Rest wird sich bekehren.. bzw .•wird zurückkehren, wieduhergcste1h wuden.. las Ichon di~ LXX: .wird Heil empfangen (~aL). I I Di~ beiden n~ben einand~r stehenden, mit dem Objekt).(yyov v~bundmen Partizipim auvttl.ciJv und CJuvdJMI)'V können v~nchiedmen Sinn haben: I. Gon müllt und verkürzt seine Verhci-
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Röm 9,30-33
nach dem Septuaginta-Text geformt ist. Das Motiv des nRestesc( wird hier zu dem des nSamenscc, und damit tritt sein Verheißungscharakter stärker heraus. Der Einführung ~ 'lQOdQtlXE'V 'Hoa~ möchte man am liebsten ein ytyoVa' oder y(vnaL zufügen: auch dies Schriftwon hat sich in der Gegenwan erfüllt. Wiejesaja, so bekennt auch Paulus sich zum judentum, dessen ))Samecc die Katastrophe überdauen hat. Das Gericht hat sich ereignet, hat aber nicht jede Hoffuung zerstön. Die Entwicklung des Textes Ues 1,9 Mas.: ))überbleibsel, Rest«, LXX: »Same«) zeigt, daß Paulus auch in unserem Zitat das Motiv des Restes noch nachempfunden hat, daß also die Zusammenstdlung der beidenjesaja-Wone für ihn nicht willkürlich ist34 • Blickt man auf den Gedankengang zurück, dann hat Paulus zunächst beweisen wollen, daß Gottes Ruf nicht nur juden, sondern auch Heiden triffi (V 24). In Wirklichkeit haben diese Schriftzeugnisse mehr bewiesen: während die Heiden zu einem nauserwählten Volkcc berufen wurden, traf Gottes Strafgericht Israd so, daß nur ein »Restcc, ein nSame« eingeglieden werden kann. Es ist daher zu vermuten, daß dieser alttestamentliche Beweisgang eher da war als der Zusammenhang, in den er heute eingefügt ist. Der alttestamentliche Beweisgang ist schärfer als die These, um derentwillen er angefühn wurde: er spricht ausdrücklich von dem Strafgericht Gottes über Israel. Röm
9,~33:
30WU 100m wir - - . folpral
Der Stein des Anstoßes
Heidea, die Dicht DKh der Genchtipeit'"
I'"
teil, t.bea Genchtipeit erJaaat, Dimlich die Gerechdpeit, die ... dem GIaaIIea
kommt. 31 1Iber, daadem Ge8eta aach,Pit, daa.oa clerGerechtipeitlwndeJt, "t daa Ge.eta in Wirldichbit Dicht erreicht. 32Wauml Weil _ Dicht ... Ga.beB, eoadera ... Wedea precht .....dea.achte. So ........... dea s.em.se. Aa..... ,utaaea, 33wie ~ Iteht: ~iehe, ich . . in Zioa elDea SIeiD .se. Aa..... aad eiaeD FeI8ea .se. XrJenU-; ...... Um .u. Vabwea ...., wird Dicht ZII.........ea wercleal.
wer'"
AMlyst: Röm 9,30-33 erscheint einerseits wie ein Abschluß von Röm 9, ander-
seits wie eine Einleitung zu Röm 10. Der Abschnitt beginnt mit der rhetorischen Frage t( oW tQo'ÜJ.LEV. die sich auf das verwunderliche Handeln Gottes bezieht, ßung Israel jlqmübcr; 2. Gott erfüllt sein Won und verkünt die große Zahllsraela; 3. Gott erfilllt sein Won und richtet es zu (,. faßt CI zusammen, schlie8t es ab). Vulg. übcnctzt: vcroum mim conSUmmanl et abbreviaru in acquitate: quia verbum breviatum faciet DominUi luper ternm. KAsENANNR 263 übcnctzt: ..denn AbRchnung wird voUcadend und einachränkeod der Herr auf Erden halten« und argumentiert: der Sinn IOn drohend sein (- .nur t'in Rest wird gerettet«). CJUYund ouvUJ'VOJV werdm mit Dan 5,27 LXX (Theod. 9,24) eine apoka1yptiacbc Ausdrucbweist' vt'1T<'n (..durchfuhren« und ..abgekürzt handeln«). BAuETR 191 verweist aufJes 10,22 r. (.t'I'fUllen« und .. reduzieren.. ). leb achIie8t' mich ausdrücklich an dir von E. KAsEMANN abgelehntt' Deutung (- Won, Verheißung) an. Erwählungist immer ein Verwirklichungs- und Reduktionaprozeß. M Ein ähnlicher Zusammenhang findetlich auch inJes6, 13: »ein heiliger Same wird lein Wurzelstock sein«; doch fehlt gcndt' diese Verheißung in der LXX.
'tu.mv
320
Der Stein des Anstoßes
der die Heiden annimmt, diejuden dagegen unter sein Gericht stellt. V 32 setzt dies dialogische Spiel fort und gibt eine Begründung für das göttliche Handeln, geht aber dann auf die dahinter stehende göttliche Absicht ein, die sich in diesem Handeln verbirgt. Den Abschluß bildet ein Schriftzitat, das in gewisser Weise den ganzen Gedankengang trägt. Es unterstreicht auch den Charakter des übergangs. Die Freiheit des göttlichen Handeins liegt darin, daß Gott den ••Stein des Anstoßes« aufstellt (V 33). Dieser »Stein des Anstoßes« ist in gewisser Weise der Schlüssel für den schweren Fall Israels, so daß der Hinweis aufihn die ganze Zitatenkollektion Röm 9,24-29 gut abschließt. Wenn das Gotteswon zum Vertrauen auf diesen Stein aufforden, dann ist damit die überleitung zu Röm 10,1-13 gegeben. Daß mit Röm 10,1 ein neuer Abschnitt beginnt, zeigt sowohl die neue Anrede Md.qlo(, die betont am Anfang steht, wie auch der verändene Stil. Aus allen diesen Gründen wird man in Röm 9,3~33 einen Abschluß sehen, der gleichzeitig zur überleitung für das folgende Kapitel wird. Man darfihn weder aus c. 9 herausnehmen noch auch ohne c. 10 entfalten. Exegese: V 50: Die einleitende Frage'ri obv tQoÜJ'EV, die eine gewisse Parallele zum Eingang des vorangehenden Abschnittes in 9, 14 darstellt, zeigt an, daß Paulus auf den Einwand eines jüdischen Gegners gefaßt ist, der daran Anstoß nimmt, daß dasselbe Handeln Gottes die Heiden annimmt, die Juden aber als Volle unter das Gericht stellt. Paulus bekennt sich ausdrücklich zu diesem Ergebnis der alttestamentlichen Schriftzitate (daher das Ö'n) 1. »Heiden« (HvT) ohne Anikel!) haben das Ziel der Gerechtigkeit erlangt, ohne daß sie der Gerech tigkei t nachgejagt haben, wie es Israel tut. Israel dagegen, das sich abmüht, dem Gesetz Gottes Genüge zu tun, hat das Ziel des Gesetzes nicht erreicht2 • Dieser paradoxe Tatbestand darfnichtabgeschwächt werden. ErwählungundVerwerfungwaren in Röm 9 als Zeichen der göttlichen Freiheit und Macht geschilden, sahen also den geschichtlichen Vorgang von seinem Ursprung her; jetzt dagegen tritt dasselbe Geschehen in das Licht eines bestimmten Ergebnisses. Die Heilsgeschichte nimmt die Gestalt von menschlichem Gehorsam und Ungehorsam, Glauben und 1 In der patristischen Exegese fragt man, ob Röm 9,30 f. als Frage oder als Aussage zu verstehen sei. Faßt man die beiden Verse als Frage auf, dann ist zu entscheiden, ob Paulus leibst oder lein Gegner diese Frage tDnnulien hat. Andere Ausleger betonen, daß nach der rhetorischen Frage "t( oliv tQoü~ die Fortsetzung in V lOb und 31 als theologische Aussage aufzufa.ssen sei (z.B. Thdn, Aug.). Die Parallele zu V 32 zeigt, daß wir eine Aussage vor uns haben. Die Eigenart der paulinischen Gedankenführung wird abgeschwächt, wenn man in V 31 d~ v6~ Ö~XQI.OC7iMJ~ (vulg.,lt) bzw. d~ ö~ xClWO"CMJv (Konjektur P. SatMIEDEL) liest. LTZMR 94 uneilt: It~ v6twv ist aus rhetorischen Gründen wegen des Parallelismus gewählt und deshalb inhaltlich mißverständlich; gemeint ist ~ "tEAI!lWO\V v6twu oder vielmehr ganz prizise: ~ ~... PALLISR 118 nimmt eine textliche Verderbnis an und schlägt vor, E~MbvO~!; oUx fcp6axev zu leien. In V 32 wird der paulin.ische Gegensatz b xlamo!;~ fv(covebenfalls abgcschwächt,wenn man v6f.aou mit Dlt nach Röm 3,20 hinzufügt. Im Zitat selbst verschiebt sich der Gcdanke,wenn ~ zu 6 ~ hinzutritt ( 'X vulg.); auch LAGaR 251 tritt für Streichung von xci; ein. 2 V 30 und 31 sind weithin parallel aufgebaut: J1'iI ~ - ÖWJxwv; xm~EV OI.XCIWC7CM)v - E~ v6twv oUx bptaaev. oLCimnv und xm~nv (bzw. cp6avnv) beziehen sich aufeinander (»erstreben .. und ..erreichen.. ): beide Verben finden sich auch sonst nebeneinander (Ex 15,9; Sir 11,10; 27,8; Phi13, 12-14). Man vergleiche den paulinischen Text mit Prov 15,9 LXX! O~W xuv O&.XCll.OCJ"fMtv ist eine bekannte alttestamentliche Wendung.
m
Röm 9,30-33
321
Unglauben an. Entscheidend ist die Erkenntnis, daß wir es in V 30 f. wieder mit dem Bild des Wettlaufes zu tun haben ( I Kor 9,24; Phi13, 12-14). Damit wird aber eine Beziehung unseres Textes zu Röm 9,16 aufgedeckt: die eigentliche Entscheidung fällt in Gottes Erbarmen, nicht im ))Willen« oder ))Laufen« des Menschen3 • Paulus will andeuten, daß die Heiden nicht wie dieJ uden ihr Leben unter das Ziel einer gesetzlichen, vom Menschen zu erwerbenden Gerechtigkeit gestellt haben. Der Gerechtigkeit nachzustreben war jüdisches Ideal, das dem Heidentum fremd war. Um so auffallender ist dann die Tatsache, daß Menschen, die der ))Gerechtigkeit nicht nachstrebten« (um mit dem Juden zu reden), die »)Gerechtigkeit erreichten«, freilich eine andere Gerechtigkeit als die, die der Jude kannte, nämlich eine Gerechtigkeit auf Grund des Glaubens. Eine Gerechtigkeit auf Grund des Glaubens ist aber eine Gerechtigkeit aus Gnaden und widerspricht ganz dem menschlichen Streben und Denken. Die Eigenart der eschatologischen Gerechtigkeit tritt also gerade an dem heraus, was an den Heiden geschieht4. ÖLxal.OCJ'ÖV1l tx :rtLan:~ ist eine Gerechtigkeit, die im Verzicht auf die eigenen Werke, d.h. auf das eigene Recht vor Gott besteht. Darum ist diese Glaubensgerechtigkeit nicht auf dem Wege des ))Nachstrebens der Gerechtigkeit« erreichbar. Paulus denkt also an den Einwand desjudentums, daß es selbst ausgeschlossen sein soll, während das Heidentum angenommen werden sollS. Schlatter, Gerechtigkeit 300 f. meint, daß es im Wesen des Gesetzes liege, daß es dem Menschen fern bleibe; könnte der Mensch glauben, so wäre er nicht mehr fern vom Gesetz und nicht mehr der, der nach der Gerechtigkeit läuft, sondern der, der sie hat. Auch ZnR 471 glaubt, daß der Gegensatz darin bestehe, daß der Jude nach dem Gesetz strebe, daß aber der Vorzug des Evangeliums darauf beruhe, daß man sich im Einklang mit dem Gesetz wisse (als fvvot.aoc; 6roü). Aber damit wird die paulinische Perspektive verkürzt: auch für Paulus ist die Gerechtigkeit Gottes in dem Sinn eschatologisch, als sie immer wieder über den Menschen selbst hinausweist (PhiI3, 12). Paulus scheut sich davor, die neue Gerechtigkeit seine eigene zu nennen; sie bleibt die im Glauben an Christus geschenkte Gerechtigkeit.
Die kurze Frage, wie der in V 30 geschilderte Sachverhalt möglich ist, beant) KUHLR 342 f.; SANDAy-HEADLAMR 279; LAGI.R 249. Ein besonderes Problem besteht theologisch zwischen den Aussagen über die Stellung des Heidentums zum Gesetz Röm 2,14 ff. und 9,30. In Röm 2,14 ff. geht es um eine konkrete Möglichkeit im einzelnen Fall, in Röm 9,30 um eine vom Standpunkt desjudentums aus gesehene berechtigte Unterscheidung. KUHLR 243 venucht ebenfalls, Röm 9,30 mit 2,14 0: zu vergleichen. Er meint (im Hinblick aufRöm 9,30): "Immerhin warnuie uns, ausjencr Stelle (Röm 2,140:) ein allzu günstiges Urteil des Apostels über das sittliche Streben des Heiden abzuleiten.tc Aber CI geht Paulus nicht um die Sittlichkeit der Heiden, lOIldern um ihre Stellung zum alttestamentlichen Gesetz. 5 Wie bWntnv bLXCJl.OCJiM)v eine alttestamentliche, dem Judentum bcJwmte Wendung ist (1fT:' so ist auch vOl'OC; 6~~ das Gesetz, das dem Israeliten die Verheißung der Gcrechtigkeit vorhält (Röm 10,5). Die Auslegung der schwierigen Vene 30 und 31 muß berücksichtigen, daß die heiden Begriffe 6LXC1&OC1CM1 und v6f,&oc; ~'" gebraucht werden. Israel strebt nach eigener Gerechtigkeit, weiß aber nicht, daß es gerade mit diesem Streben der von Gott geschenkten Gerechtigkeit im Wege steht; Israel bemüht sich um das Gesetz, das von der Gerechtigkeit spricht, und verkennt, daß der eigentliche Sinn des Gesetzes außerhalb seiner selbst in Christus liegt (Röm 10,4). L TZMR 94 deutet t~ vOtwv IIptaatv im Sinn von ~ 'tWUoot.v v6faou oder von ~ b~. Tatsächlich sollte man in diesem Zusammenhang den Bcgriffdes ~ v6tWu (Röm 10,4) nicht umgehen (dAoc; eschatologischer Abschluß und Ziel). Rim 9,31 wtist tIM! Rim 10,4 1tUa. 4
:1""),
=
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Der Stein des Anstoßes
wortet V S2; dem »)Warumcc (bLil d) entspricht die Begründung; )~arum, weil (6'tL) Israel das Gesetz, das die Gerechtigkeit verlangt, aufGrund der Werkt erfüllen wollte, und nicht aufGrund des Gltmbms« (vgl. Röm 3,27 f.; 4,5) . ~ M; fQyuJv klingt subjektivierend und stellt sich auf den Standpunkt Israels ein (2Kor 2,17; 11,16). Israel will die »eigene Gerechtigkeit« auf Grund der Verdienstlehre erwerben; aber eine Gerechtigkeit, die von Gottfestgesullt wird, steht im Gegensatz zu einer Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus hergesuUt wird. Der Widerstand Israels gegen diese Gerechtigkeit ist nicht zufiillig, sondern liegt seit langem im Heilsplan Gottes, entspricht auch der Eigenart des Christusgeschehens. Vorangestellt ist das betonte Urteil: »sie haben sich gestoßene< (und sind dabei zu Fall gekommen). Das Verbum bezieht sich auf den »Stein des Anstoßes« Ues 8,14), setzt aber vielleicht auch das Bild des Wettlaufes fort. Das nachfolgende Zitat ist eine Verbindung vonJ es 28,16 und 8, 14 und gehört theologisch in die polemische Auseinandersetzung mit Israel 6 • Vorausgesetzt ist das Bild des »Steines«, das verhüllt aufJesus Christus angewandt wird. Diese Selzung Gottes hat eine doppelte Wirkung: einerseits wird er zu einem gefiihrlichen Hindernis, über das Israel zu Fall kommt, anderseits zu einem Heilszeichen, auf das der Mensch vertrauen darf. Mit dem Motiv des »Vertrauens« (nLmEUELv) erhält Paulus ein Stichwort für den folgenden exegetischen Zusammenhang (Röm 10,8 ff.). In diesem Vertrauen liegt die einzige Möglichkeit, im Gericht nicht zuschanden zu werden.Jes 28,16 hebt die Autorität des göttlichen Handelns hervor: Wieder begegnet der freie Gott, der sich gerade im eschatologischen Ereignis gegm Israel wendet und ihm zur Gefahr wird. Die paulinische ZitatDwerhindung stellt (gegen LXX) die Gefihrlichkeit des Christusereignisses heraus, so daß die zweite Vershälfte geradezu einschränkenden Sinn gewinnt: »nur der, welcher gerade auf ihn sein Vertrauen setzt, wird im Gericht nicht zuschanden werdencc (Fut. gegen LXX). Diese Zitatenvennischung ist Ausdruck bewußter Polemik und schließt sich einer älteren Tradition an. überblickt man das ganze Kap. 9, dann fällt die Zusammengehörigkeit von Röm 9,1-5 und Röm 9,30-33 auf: der Schmerz um Israel besteht darin, daß Israel am »Stein des Anstoßes« und am »Fels des Ärgernisses« zu Fall gekommen ist, und daß es die einzige Möglichkeit, auf den »)Stein des Anstoßes« das Vertrauen zu setzen, nicht venteht. Gegenüber dieser Haltung Israels verkündigt Paulus die absolute Freiheit Gottes als des Schöpfen, d.h. alle Bundessch1ießungen und Verheißungen heben diese absolute Freiheit nicht auf. 6 Unser Text weicht von der hebr. Grundlage und von LXX erheblich ab, ist aber nahe verwandt mit der ZitatenkoUektion IPetr 2,fHI. Diese Verbindung von »Stein«-Zitaten gehört wohl zum ältesten StofTder ~lemischen Verkündigung (R. HAUIS, Testimonies I, 1916, 18 f. 26 f.;J.JEIlEMlAS, Art. U~, ThW IV 275 f.). Wenn Paulus die Zitatenverbindung übernommen hat, dann ist Jes 28, 16 als HfIII/JISUlll anzusehen, die durch Jes 8,14 in einen ganz anderen Zusammenhang hineingestellt wird. Auch der Targum deutetJes 28,16 auf einen »starken König«, den Gott aufZion einsetzen wird, also aufden Messias. Durch den Einschlag von 8,14 kommt das richtrnde und strafende Walten Gottes in das Zitat hinein. ~ und CJXl.rvOO).oy gehören auch IOnst bei Paulus zusammen (Röm 14,13). CJXl.rvOO).oy ist Anlaß zum Straucheln, zu Verführung und Sünde, muß aber hier auch in die al ttes tarnen tliche Bildsprache hineingezogen werden. I n der T extfonn von J es 8, J4 berühn sieh Paulus weniger mit LXX als mit der griech. übersetzung des Aquila und des Theodotion. Der Zusatz~zu6KtDtE6aJy iattextlich nicht gesichert (gegen vulg.). Vgl. K. H. MOLLEIl, Anstoß und Gericht, 1969, 78 fT.
Röm 10,1-21
323
Wie in der Rechtfenigungslehre stellt Paulus letztlich Gott und Mensch penonhaft einander gegenüber und löst dadurch alle geschichtlichen Vorrechte Israels bewußt auf, obwohl er sie in ihrer historisch relativen Bedeutung durchaus anerkennt (Röm 9,~5). In dieser Zuspitzung des Gedankenganges aufdie absolute Freiheit Gottes wagt Paulus Thesen und Formulierungen, die für das frühjüdische Denken anstößig waren (z.B. Röm 9,16). In den Schriftzitaten schließt er sich an Textüberlieferungen an, die härter sind als die Septuaginta (Röm 9, 17.33). Es wäre nun ganz falsch, diese Verkündigung der absoluten Freiheit Gottes als eine theologische Theorie anzusprechen, die auf sich selbst steht; Paulus will vielmehr in der Auseinandenetzung mit Israel die Stimme des Alten Testaments zu Gehör bringen. Es geht ihm nicht nur um eine aufweisbare Scheidung zwischen Begnadigten und Verworfenen, sondern er stellt vor allem beide, Verworfene und Begnadigte, einander gegenüber, um an beiden die Freiheit des Schöpfers aufzuweisen, der jeden in seinen geschichtlichen Dienst stellt. Gott ist nicht gebunden an Israel und frei gegenüber den Heiden, sondern er kann sich immer wieder aufs Neue binden und lÖlen. In der paulinischen Rechtfenigungslehre geht es vor allem um das Eigenrecht Gottes in seinem Handeln, nicht nur um die Auswirkung dieses Handelns an dem Menschen. Man darfnicht die Verbindungslinien zwischen der Rechtfenigungslehre und der Erwählungslehre übenehen: heide behaupten die Gerechtigkeit und die Gnade Gottes, beide wissen um die Verwerfung und das Gericht Gottes, beide stehen im Kampfgegen die rabbinische Verdienstlehre und die Sicherheit Israels, beide wenden sich an den Menschen schlechthin, anJuden und Heiden zugleich, heide arbeiten stark polemisch mit bestimmten alttestamentlichen Zitatenreihen, die vorgeformt sind, beide Lehren kämpfen auch mit einzelnen Denkschwierigkeiten, die schon bei Paulus ungelöst bleiben. Vor allem läßt sich erkennen, daß heide ein geschichtliches Handeln Gottes am Menschen beschreiben, das sich durch das Evangelium vollzieht (Röm 9,24). Es ist darum nicht zufiillig, daß am Schluß des Kapitels der in der Weissagung verhüllte Christus - er bleibt ungenannt - als der einzige Weg zum Heil herausgestellt wird (Röm 9,33). Die Art der Auseinandersetzung trägt die Spuren des Gespräches mit Israel. Zur Literatur vgl. jetzt: K. H. Müller, Anstoß und Gericht, 1969; Chr. Plag, Israels Wege zum Heil, 1969; G. Maier, Mensch und freier Wille nach den jüdischen Religionsparteien zwischen Ben Sira und Paulus, 1971; B. Mayer, Unter Goues Heilsratschluß, 1974.
Röm 10,1-21: Die Schuld Israels a) Röm 10,1-13: Die Stimme der Glaubensgerechtigkeit im Alten Bund 1 Meiae Brüder! Der WUlUCh meiDea Hene... und mein Gebet zu Gott für Iie .mct auf ihre Rettuaa prichtet. 2 Denn ich bezeup ilmen, da8.ie Eifer um Gott haben, . . . Dicht pmä8 richtipr ErkelmtDia. 3 Da lie ja die Gerechtipeit Gotta verkeimen und die eipae m.fmrichten ..eben, haben lie lieh der Gerechtipeit Gottea nicht UIdeI'pOI'dDet. 4 Denn du Ende da Gaeaa iat Chri..... zur Gerechqkeit fürjeden, der pauk 5 Denn Mo.eIlChreibt, cIa8 der Meuch, der die Gerechtipeit au. dem Gaetz tut, durch Iie leben wird. 6 Aber die Gerechtipeit aua Glauben .,ncht 10: ~ Dicht in deinem Henen: Wer wird in den Himmel aufIteipn1c DaI bedeutet, Chriatu. henbmhoIen. 7 Oder: .wt!I' wird in den AbpuDcI hi~1c Du bedeutet, CIuiatua au. dem Toteareich berauauholen. 8Soadem wu . . . . .1 .Nabe bei dir iat du Won, in cIeiaem MUDde und in deinem Her-
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Die Schuld Israels
zen.. Damit btdu Wort vom GImbea pmeint, du wir vaküaclipa. 9Dean weDD
du mit deinem Muade Jau ... clea Herrn bekennet UDCl in deinem Henea ........, cIa8 Gott Um .... dem Toteareich auferweckt hat, 80 wint du preUet werdea. l°DeaD mit dem Henen .....k man zur Gerechtipeit, mit dem MUDde bekeimt man zum Heil. 11 Denn die Schrift lall ja: .Jeder, der UI Um &Iaubt, wird nicht machanden werden.. llDenn a Ut kein Untenchied zwUchenJuciea uad Griechen: deneIbe Ut Herr über alle wad el'Wei8t lieh ... Herr für alle, die Um .... rufen. 13.Delmjeder, der den Namea da Herrn aanafen wird, winlpaeuet wer· dea..
AlI4Iyse: Man darfRöm 10 nicht von Röm 9 t30-33 und dem ganzen Inhalt des vorangehenden Kapitels lösen. Erwählung und Verwerfung vollziehen sich in der Begegnung mit dem Evangelium t stehen nicht losgelöst und abseits von dem t was hier auf Erden von Menschen getan oder nicht getan wird. Das neue Kapitel beginnt mit einer für Israel eintretenden starken Versichnung, die an den Anfang von Röm 9 erinnert (V 1-2)t erhebt aber dann den durch Röm 9,30-33 vorbereiteten Vorwurf, daß Israel in der Verkennung der Gerechtigkeit Gottes seine eigene Gerechtigkeit behaupten will (V 3). Er wird durch die These, daß Christus Ende des Gesetzes sei (V 4), unterstrichen. Mit dieser These ist ein Höhepunkt des Abschnittes tTTeicld. Es folgt von V 5 an eine Gegenüberstellung von Werkgerechtigkeit und Glaubensgerechtigkeit in Form von Schriftzitaten, in der die Eigenart der Glaubensgerechtigkeit heraustritt. Es ist nicht von ungefähr, daß Worte der wichtigsten Bücher des Alten Testaments nebeneinander stehen (Deuteronomium, Psalter, Jesaja undJoel), und daß Anspielungen aufdas Bekenntnis zuJesus Christus eingefügt werden (V 6 f.,9). Durch die zahlreichen Worte des Alten Testaments und die urchristlichen Bekenntnisformulierungen bekommt der sprachliche Charakter dieses Unterabschnittes V ~13 etwas Feierliches und Gehobenes. Er ist ein besonders wichtiges Glied in der Gedankenführung des Römerbriefes. Exegese: VI: Die Anrede •• Brüdercc (zuletzt in Röm 8,12) wendet sich an die christliche Gemeinde, der das Verständnis des Problems »Israel« am Herzen liegen soll; Paulus spricht also in Röm 9-11 über Israel zur Gemeinde; Israel selbst nimmt als Partner an der Diskussion teil (9,14.19). Eine feierliche, in Form des semitischen Parallelismus aufgebaute Versicherung leitet den folgenden Angriff auf Israels Haltung ein (vgl. 9,1-5). Es ist der persönliche Wunsch des Paulus, aber auch seine Fürbitte vor dem Angesicht Gottes, daß der Anstoß und der Fall Israels nicht das letzte Wort Gottes bleiben, sondern von einem Heilswort abgelöst werden 1. Das Ziel Israels ist seine kommende Rettung (d; OO>lTIQ(av = tva oorihi)(JLv)2. Paulus rechnet mit der Möglichkeit, daß die eingetretene »Verhärtung« noch kein endgültiges und letztes Geschehen darstellt. Insofern ist Röm 10,1 überleitung zum »Geheimnis« von Röm 11,25 f. Weder der gegenwärtige Widerstand noch auch die auf die Zukunft gerichtete Hoffnung entbinden den 1
~ta
ist Semitismus (= hebr.1il1l und bedeutet hier: »Wunsch, WilIecc (ThW 11
JA.tv steht rur sich allein ohne ein korrespondierendes öt. 1
J.
A.
BENGEL
bemerkt z.St.: »non oraslet Paulus, si absolute reprobati essent«.
73~745).
Röm 10,1-21
325
rür
Apostel von seinem ernsten Eintreten das Heillsraels3 . Wurde Paulus von jüdischer Seite als Feind Israels bekämpft, so bleibt er doch unverändert in der Haltung des Fürbittenden. V 2: Mit der Fürbitte verbindet sich das öffentliche Zeugnis (f.UlQ"t\JoW): so wie Paulus selbst ein Eiferer (Gall, 14) und Unwissender (lryv<Xirv ITim 1,13) war, kann er auch von Israel bezeugen, daß es zwar um Gott eifen (tTJA.oI; 'tO'Ü &00 Gen. obj.), aber ohne rechte Erkenntnis. Auch Apg 22,3 schilden Paulus als •• Eiferercc. Der BegriW •• Eifer um Gottcc (bzw .•• Eifer um das Gesetzce) begegnet schon in der alttestamentlichen Tradition (~P.)". bdYV(OOL!i ist mehr als YVWcnI;; der •• Eifercc Israels um Gott geht fehl, weil er den konkreten Willen und Anspruch Gottes in seinem Heilsgeschehen ablehnt. bdyY(OOLI; bedeutet soviel wie die konkrete Erkenntnis und Anerkennung des Willens Gottes (Koll,9 f.; 2,2; 3,10). Mit der Anerkennung des konkreten Willens Gottes verbindet sich das rechte Verständnis dessen, was als Glaube und Heil zwischen Judentum und Christentum diskutiert wird. V S: Der Irrweg israels wird negativ und positiv beschrieben, aber diese Beschreibung wird ausdrücklich zu einem Vorwurf.lryvooüvtEli steht betont am Anfang und drückt nicht nur ein einfaches •• Nichtwissencc aus (da Röm 10,19 ausdrücklich von einem ).Erkennencc Israels spricht), sondern beschreibt ein/GIschts Verstehen, einen Irrweg im Erkennen und Denken (Lagr R 253). Paulus stellt betont einander gegenüber:" 'too troü ÖLXClLOOiM') (die Gerechtigkeit, die dem Willen und der Souveränität Gottes entspricht) und" lö(a &xaLOeJiM) (PhiI3,9: " tt'fI &)CQL()O'ÖYY) die Gerechtigkeit, die der Mensch auf Grund seines Werkes beansprucht}. Es geht in diesem Gegensatz um Gottes Gottheit und um des Menschen Widerspruch gegen Gott. Gottes Gerechtigkeit ist eine Gerechtigkeit eigener An und bleibt auch als ••Gnadengabecc ein Geschehen, in dem Gott den Menschen anerkennt und erlöst. Die .)eigenecc Gerechtigkeit dagegen ist nichts anderes als der menschliche Versuch, auf Grund eigenen Handelns Gottes richkrliches Urteil beeinflussen zu wollen5. Phil 3,9 zeigt deutlich, daß der Genitiv 'tO'Ü haü als Gen. auct. verstanden werden muß (= tx 'to,; haü)6. Gottes Gerechtigkeit ist
=
1 Es gehön zum Amt des Propheten, Fürbitter für sem Volk zu lein (z.B. Ex32,31; Am 7,1~). Es bedeutet ein beIonderes Gericht über Israel, wenn dem Propheten die Fürbitte verboten wird Uer 7,16-20).G. v. RAD, Theologie 11,63 fT. t~ entsprich t dem hebr. Begriff:'l\l~P und hat sonst eine andere Bedeutung ( I Makk 8,16). Es gibt einen .. Eifer- des Herrn um .ein Volk (Ex 20,5; Ez 16,38; 23,25); ihm entspricht von seiten des Israeliten ein t'ilA.oc; um Gott Udth 9,4; ",68,10; '" 118,139; IMakk 2,58; Phil3,6; vgl. auch Philoleg. ad Gaium 117). Dieser Eifer um den Herrn ist I.rad aufFlragen, und an ihm ist die beIondere Berufung Israel. erkennbar. Paulus bestreitet nicht Israd•• Eifer.. , schilt auch nicht darüber, daßlsrad -eifen.. ,sondem beklagt lediglich die Blindheit seines Eifers. AuchJesUi sdblt Uoh 2,17) und Paulus (2Kor 11,2) sind .Eifem-4C, allerdinp im Sinn des Evangeliums. Der falsche Eifer Israels richtet .ich gepCbristUi und sein Wen (Gall,14; Phil3,6;Apg5,17; 13,45).IHrK..",_lmuJistasDliIVAIuritta.s"~"" •• tlil RicAbov üs Elf.s. Zum Verständnis des .EifeR« vgt. Ab 5,20Juda b. Tema und B.uaE1TR 196: -enthusiasm.. ; ThW 11 879-890; M. HENGEL. Die Zeloten, Arbeiten zur Geschichte des SpätjudenlUmI und Urchristentums I, 1961, 151-234. S Die Wendung liav [b(av (6LXaWCJCMtv) cnftoaL (vgl. Röm 3,31; 14,4) klingt semitisierend (im Sinn des hebr. D'~). Ein ergänzendes 6LXQU)(J("Mp wird von. JM6 GKL empfohlen. 6 Zum Problem der -Gerechtigkeit Goue.« vgl. G. SaulENK, ThW 11 208 fT.; LtzmR. 95 f. (Exkurs); LagrR 253; KAsEMA..·.NR 272 (entscheidende Zusammenfaaung der Problematik).
•
326
Die Schuld Israels
ein eschatologisches Geschehen (nicht ))Eigenschaftcc, wie Ltzm R 95 meint), das schon jetzt enthüllt wird. Auch in der Rechtfertigung liegt also eine Vorwegnahme des eigendichen, eschatologischen Ergebnisses vor: sie ist beides zugleich, richterliches Urteil und heilschaffende Tat. Im Ton der Anklage stellt der Abschluß fest: sie haben den Gehorsam gegen die Gerechtigkeit Gottes verweigen. Der Glaube ist ein Akt des Gehorsams gegen die Botschaft Gottes (Röm 1,5; 10,16) und ist ebenfalls ein Geschehen eigener Art: er entspricht dem rechten Hören {cixofl} und der verstehenden Anerkennung (bt(YVU)(JLC;) des Evangeliums. Trotz aller Betonung des ))Eiferscc Israels bezeugt Paulus den Irrweg seines Volkes, und sein prophetisches Eintreten für sein Volk kann die Anklage nicht beschwichtigen, daß es im letzten Sinn ungehorsam gegen Gottes konkreten Willen ist. Ähnlich klagten auch die Propheten über den Ungehorsam ihres Volkes. Die Anku"t tIM! Ungtlwrstlm (OÜX 'ÖnnciyYJoav) ist also slll1k bllmtl. V" klingt wie eine eingefügte lehrhafte These, die einerseits den Gedankengang abschließt, anderseits aber auch zum Folgenden überleitet 7• Die Tatsache, daß der Vers beide Aufgaben erftillt, verrät, wie wichtig diese These in unserem Zusammenhang sei~ muß. Da von V 2 ab jeder Vers durch ytiQ angeschlossen wird, ist das erneute y6Q an sich nicht auflällig. 'ttAoc; v6twu kann sowohl ))Endecc wie auch ))Zielcc des Ges~tzes bedeuten, und schon die Auslegung der Kirchenväter ist sich keineswegs einig, obJesus Christus nach der Aussage unseres Verses ein Ende gesetzt hat oder Erftillung und Ziel des Gesetzes sein soll (dAoc; vÖfWU = nl.dOKJLC; oder nAftQmf.Ul). Nun kann kein Zweifel sein, daß der Kontext nur die erste Auslegung zuläßt: Christus ist das Ende, das eschatologische Ereignisjmstitr des Gesetzes. Der Satz will also polemisch verstanden werden: diejuden wissen nicht, daß die alte Weltzeit zu Ende und die Herrschaft des Gesetzes abgeschlossen ist. Dazu paßt auch der sonstige Sprachgebrauch von 'ttAoc; in den paulinischen Briefen'. Man hat versucht, hinter der hellenistischen Wendung 't~ vÖIWU eine frühjüdische Vontellung zu erkennen. Daß ein Rabbi als letztes Glied einer Reihe die Mischna bzw. die Gemara abschließt und so zum Ende (.,~) der Mischna oder Gemara werden kann, ist nicht ungewöhnlich (BM 85-86a). Mischna und Gemara sind dann keineswegs aufge~ ben, sondern zum Abschluß gekommen, so daß weiteres Material nicht mehr eingeiugt werden darf (Str-B 111277). Nach der Meinung des R.JOIeph (Nidda 6tb) werden die Gebote der Tora in der Messiaszeit teilweise ohne praktische Bedeutung sein (Str-B 1 241; GaugIer R 11 99). 7 GAUGLER R 1195 IteUt fest: .. V 4 gibt gleichsam die Obenchrift zu diesem ganzen Ablchnith' (= 10,4-13). • Zum V nständnis dei ~-BcgritTes bei PaulUi vgl. Röm 6,21 C.; 2Kor 3,13; Phil 3,19; I Tim 1,5, wenn man von den alJllnprochen eschatologischen Stellen ablieht. Grundsätzlich ist anerkannt, daß ~ v6twu auf keinen FalllOviel bedeutet wie ~ (SANoAY-HE.\DL.U(R 285). Wenn PaulUi von ~ miet, dann licht er aufdas Ende eines Prozcucs, das Gott selbst hcrauftühn. Auf diesem gesdUchdichcn .. Endc-licgt bei Paulus ein ganz bestimmter Nachdruck. VOll diamt "EMU" ,." wird d" l~t Itsc,,"Atlidtl p,~fj V6sl4ruJlicA fIIt{/ "lclllllbtll. Dies Gcschichtldcnken ist Ichon alttestamentlich, aber der Jude spricht nicht vom .. Ende des Gesetzes«. BAUETTR 197 übcnetzt t~ mit "Absich tce und ..ZielllCtzu~« (V erwirldichung der Ge~chtigkeit des Neucn Bundes). Du ist deshalb beachtlich, weil damit die GcgenübenlCllung von sYltematischer und exegetischer Deutung (KAsEMAlIINR 270) in Fr. gestellt wird.
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Röm 10,1-21
K. Banh sucht in -c~v6twu eine Umschreibung des hebr. Begriffes ~ (= d .. Allgemeine, das Prinzip, die Gesamtheit, die Summe). Nach ihm ist -c~ v61W" eine Art ))Zusammenfassungc( (ä~) des Gesetzes. Es geht also um jesUi Christus allein, wenn man sich um das Gesetz bemüht (Kirchliche Dogmatik 11 2, 1946, 269). Die Auslegung der Kirchenväter von -c~ v6f,wu ist nicht eindeutig. lrenaeus adv. haer. 4,12,4 bezeichnet Christus als ))Anfang und Ende des Gesetzes« (nach Röm 10,4). Clem. Al. venteht d~ als »Erfüllung« und als »Ziel« (strom. 2,42,5; 4, 130,3; 6,94,6). So gebt ~ geradezu in die Bedeutung von n).~ über. Origenes paraphrasiert: »Finis enim legis Christus: hocest perfectio legis etjustitiaCbristus est« (Ruf. 1160B). In seinen Kommentaren wird allerdings auch behauptet, daß Christus des Gesetzes Ende und Ziel sei. Nach Euseb. demonstr. ev. 8,2,33 ist Christus des Gesetzes Ziel, indem er es vollendet, wie es in Mt 5,17 heißt'. Gegen die zahlreichen Venuche, ~ sprachlich in venchiedene Möglichkeiten aufzuspalten, wendet sich Käsemann R 273 mit Recht: die Botschaft des Neuen Testaments würde nicht mehr zu erkennen sein, wäre es der Auslegung erlaubt, vorhandene sprachliche Möglichkeiten durchzuspielen.
Paulus will sagen, daß in Jesus Christus das Gesetz als Heilsordnung Gottes seinen Abschluß und seine Grenze gefunden habe, daß also mit ihm eine neue Weltzeit begonnen hat, in der das erfüllte Gesetz und die Erfüllung des Gesetzes regieren 10 ; Es ist nicht sicher, daß hinter diesem 'ttl~-Begriffwirklich eine semitische Wendung zu finden ist. Daß die alte Weltzeit mit dem KreuzJesu vergangen ist, deutete schon Röm 7,1-6 an; mit dem Einbruch der neuen Weltzeit beginnt gleichzeitig die Herrschaft der Gerechtigkeit fiir jeden, der glaubt. xavtt t4> XLatEVOVtL klingt formelhaft und erinnert an Röm 1,16; 3,22. Aaifjedm Fall haben wir es in V -I mit einer paulinischtn GrundtheSt ~u tun. Damit wird der »Stein« des Jesaja-Zitates (Röm 9,33) mit Christus gleichgesetzt. V 5 und 6 stellen einander gegenüber: »Moses schreibt« und »die Gerechtigkeit aus Glauben sagtC(. Dem »Schreiben« des Moses entspricht das Gesetz, wie dem »Reden« der Gerechtigkeit aus Glauben das Wort des Evangeliums l l . Im Gesetz des Moses war die Gerechtigkeit auf Grund der Werke nach Lev 18,5 bezeugt: xOLTioas dvDQom~ ~TiaetQL b Qi,.toi; (= Lev 18,5; GaI3,12). Paulus paraphrasiert hier das Wort des Alten Testaments und bezieht es nicht auf die Gebote, sondern auf die Gerechtigkeit, die aus der Beobachtung des Gesetzes entsteht 12• Sie hat es mit dem »Tun« zu tun, und dieses Tun lenkt den Blick des Menschen auf sein eigenes Vermögen: sie macht das zukünftige »)Leben« von dem Urteil über dies ) Tun« abhängig. An dieser Entscheidung der Gerechtigkeit aus dem Gesetz muß der
a
Paulus 36>-368. 11 95 ff. setzt sich ausdrücklich mit der Deutung K. BARlltS auseinander und hebt hervor, daß unser Vers heilsgeschichtlich verstanden sein will: »Es ist eine umfassende, eschatologische Botschaft. Es meint: Jetzt ist heimlich-öffentlich, unsichtbar, aber doch schon ausgerufen, das Neue schon da« (GAUGLEI R II 117). 11 So richtig 5<::HLAlTEI, Gerechtigkeit 312. 12 Wir haben zwei verschiedene T cxtfonnen vor uns: I. yQ6q1n 6u Tfrv 61.XCJ1.OCJ'CMrv Tfrv b taU vOtwu 6 Ml.ftoa~ civ6Qw~ tflamn tv airtf1 (.- AD- Orig.); 2. YQ«cpEL t'i)v bLX~V Tfrv b taU V6twu,61:L 6 MLftaa; airta 6v&QW~ tftanaL tv airtoic; (1* BGX). Die zweiteLA ist umständlich, aber offenbar der LXX angeglichen (LagrR 254). 9
Vgl. K. H.
ScHELKLE,
10 GAUGLEIl R
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Di~
Schuld Israels
Mensch zerschellen l l. Paulus penonifiziert die »Gerechtigkeit aus Glaubencc und legt ihr Wone aus dem Zusammenhang von Dt 30,11-14 in den Mund. Ursprünglich handelt es sich auch hier um Wone des MOles, die gerade auf das Gesetz selbst bezogen sind. Israel kann sich nicht beklagen, daß das Gesetz unerreichbar »)im Himmelee oder »)jenseits des Meeres« liege: )Nein, ganz nahe ist dir das Won: in deinem Munde und in deinem Herzen hast du es, so daß du es befolgen kannstcc. Diese paulinische Auslegung ist ganz offenbar eine polenmche Umdeutung des exegetischen Tatbestandes 14. Der Einsatz des Schriftwones: »Sagenicht in deinem Herzen ... (( (Dt8,17; 9,4) hat besonderes Gewicht. ImAJten Testament wendet sich diese Warnung an den selbstsicheren, aufsein Verdienst pochenden Menschen. Die Glaubensgerechtigkeit nimmt diese Warnung des Alten Bundes wieder auf und macht sie sich zu eigen. Die folgenden Wendungen: »Aufsteigen zum Himmel« und »Hinabsteigen in den Abgrund« (V 7) sind an sich bildhafte U IllIChreibungen für etwas, was dem Menschen unmöglich ist 15 • Für Paulus ist der Himmel der Wohnon Gottes, der Abgrund das Totenreich (~,,~ = ~6Y);). Nun zeigt sich, daß Paulus das Motiv »von dir ist nichts Unmögliches verlangtcc wesentlich abwandelt. Er warnt, sich nichts Unmögliches vorzunehmen und paraphrasiert diese Warnung im christologischen Sinn: Du kannst nicht den Messias aus dem Himmel oder aus der Unterwelt herausholen, denn er ist schon gekommen und in seiner Botschaft gegenwärtig, also »)nahece. Diese christologischen Zusätze sind nur dann sinnvoll, wenn eine Tradition vorlag, nach der Christus Himmel- und Höllenfahrt aufsich genommen hat. Wo unser alttul4mnUlicl&ts Wort VDm Gesl'<. sprtl&la, "tht Ptmhu gnuuJs~licla von CIariStas 16 • Paulus will also vor einem vergeblichen Unterfangen warnen: wer sich
T.,. ..
..cl.,....
U Aua Ga) 3,12 ergibt lich, daß Paulus das. dem en~nletzt; für die rabbinilc:he Aualegu.. von Lcv 18,S ist wichtig, daß der unprüngliche Text (»durch welche der Meuch lebt.) du Leben des Menachen betont: -daß er durch li~ I~be, nicht daß er durch lie (oder: ihretwegen) sterbe« (SLev 18,5 = Str-B 111 278). ,. TargJeruacb I paraphruien: -Denn nahe Ul euch du Won in eun:n LehrbiUKnl; öllhel euren Mund, um in ihnen zu Itudieren, reinigt euer Herz, um sie zu tUD .• (Str-B 111 279). Paulus paraphnlien den pilZen Text auf Grund dieses Lehrsatzes: • . , ist ad MI Wort .. (1b~). Dia Won ist für ihn du Evancelium seihet (I Thca 1,6). Ventändlich wird UDS dieser cxqetiache Proze8, wenn wir annehmen kÖDnen,da8 die Synasoge gerade dica~ Grunditelle 01 30,11-14 vom Gesetz verstanden und gqen die chriadiche Verkündigu. . a~elt hat. Paulua argumentiert von dcrGcwiBheitaus, daß ein -nahel Won. nur ein den Menschen bepadendes Ansebouein kann (PALLISR 121). _Nah. itt allO für ihn nicbt: leicht erreichbar, IOndem: von Gou nahe gebracht, weil er du Heil anbietet. Eine derartige Exqac ist ein Wapit, weil sie sachlich thcologiacb auslegt, historisch aber ~r ist. Daß Gon seine GcrKhtipeit -nabe bringt., itt übripa die Botachaft OnIterojesaju (46,13). Vgl. E. KAMLAH, Buchatabe und Geilt, EvTh 14, 19S4, 276-282; E. KAsEMANN, Geist und Buchstabe, Pau1iniacbe Penpektiven, 2. Aufl 1972,237-285. 15 Pa 107,26; Bar 3,29 0:; Git 84a Bar; SOl 11,22. Bezeichnend ist die Parallele Git 84a Bar - BM 94a in anderer Fauung: (Sagt einer zu seiner Frau:) .Siehe, du ist dein Scheidebriefuntcr der Bedingung, daß du zum Himmel emponteipt, unter der Bedingung, daß du zum Abgrund binaheteipt ... , 10 ist du kein Scheidebrief. (weil die Bcdingu..en unerfüllbar sind). Weiteres Material bei LtzmR 96; KAsEWANN R 274 (Hinweis auf die Pescher-Form als Aktualiaicrung des verboiguaen
Sduiftainna) . •• Dreimal letzt Paulus mit
Im,.,
wüte Itm., ein (V 6b.7b.8b). wirr' (bzw. wino 6t hm.,) ltammt nicht aus der bcllcnistiacben Rhetorik (z.B. Epict. diu. I 17,26; 25,14; 11 1,25; 111 1,2S;
Röm 10,1-21
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Unmögliches vornimmt, verkennt die gegenwärtige eschatologische Situation, in der Gott gerade das getan hat, was Menschen unmöglich war. Diese Verkennung der Situation hängt damit zusammen, daß man nicht weiß, daß Christus des Gesetzes Ende ist. Man denkt weiterhin vom Gesetz her, während man nunmehr eschatologisch von Christus her das Schriftwon verstehen müßte. Der Christus hat die Sache des Gesetzes an sich genommen und tut das, was dem Gesetz unmöglich war (Röm 8,3). Kein Mensch ist imstande, den Messias herabzuholen oder auf die Erde zu bringen, weil beides Gottes eigenes Wwk ist. Er allein hat den Sohn gesandt (Röm 8,3), er hat ihn aus der Totenwelt heraufgefühn (Hebr 13,20: 6 irvayayfiYv tx VEXQÖ1Y). Der Mensch darf sich nichts Unmögliches vornehmen (Lagr R 255). Dieser christologische Hinweis steht im Dienst der Aussage von V 8: »Nahe ist dir das Won«. Das Christusgeschehen ennöglicht die Heilsverkündigung von der »Nähe« (tyyU~). Paulus tut nichts weiter, als Dt 30,11-14 auf Christus hin auszulegen, der im Unterschied zum Gesetz das Heil nahe gebracht hat. Subjekt zu A.tyEI. ist sicherlich wie in V 6 die Glaubensgerechtigkeit 17 • Das Wort ist dem Hörer in Mund und Herz gelegt, wie Dt 30,14 fonnulien 18• Es ist also nicht nur ein Won des Alten Bundes, sondern es ist das lebendige, gegenwärtige und vom Apostel verkündigte Won, das die Leser ja kennen. Dies verkündigte Won ist »das Won des Glaubens« ('to ~J.«l 'tij~"WtW;), d.h. das Wort, das vom Glauben handelt und den Glauben erforden 19• V 9: In Auslegung des Schriftzitates verbindet sich der Akt des »Bekennens« mit dem »Mund«, der Akt des »Glaubens« mit dem »Herzen«, ohne daß damit die Einheit zwischen Bekenntnis und Glaubensakt in Frage gestellt wäre. Wie die menschlichen Glieder - Mund und Herz - zusammen eine Einheit bilden, so auch Bekenntnis und Glaubensakt. Der folgende V 10 stellt chiastisch den Glaubensakt voran und fügt dann das Bekenntnis an. Wenn der Mensch das Bekenntnis zum )Henn«Jesus ausspricht und sich damit ihm übereignet (etwa im Taufakt) , und wenn er glaubt, daß Gott Jesus von den Toten auferweckt hat (Röm 4,24), so wird er das Heil empfangen (ow&ftan weist aufdie Verheißung des Taufaktes hin, vgl. Mk 16,16). Bekenntnis und GÜlube sind ebenso u1UlUflöslich mitEnch. 33,10), sondern aus der exegetischen Tenninologie d~Judentums (vgl. z.B. 1QS 8,15. Dam 4,1 u.ö.). Entscheidend ist, daß man seinetxtgttisdu Bedeutung erkennt. Das griech. to\Tt'latLV kann eine Deutung, eine Näherbes timmung oder eine Ergänzung einführen. Hier bei Paulus leitet es eine exegetische Deutung ein. Paulus verwendet also Dt 30,11-14 in ganzstrengem Sinn als exegetischen Schriftbeweis (gegen StreB 111 281). M. LU11IERbekenntausdrücldich, daß Dt 30,12 nichtim paulinischen Sinn gemeint sei; er verweist aber darauf, daß die ganze Schrift überall von Christus allein handelt., wenn man nach innen blickt, mag sie auch nach außen hin, sofern sie Bild und Schatten ist., anders lauten. Das Wort des Gesetzes wrtlICkJ das Wort ~ Glaubens. 17 6)J.Q -r( A.tye, wird von DG ergänzt durch t'I YQClcpfJ. 18 Paulus schließt sich in der Zusammenstellung »Mund« und »Herz« an den hebr. Grundtext an, während die LXX noch in einem dritten Glied von den »Händen« spricht. Philo poenit. 2 (= virt. 183) schließt sich der LXX an und deutet in Dt 30,14 mÖIIQ auf die Worte, XGQ6la aufelie Willenaäußerungen, X~ auf die Werke d~ Menschen. Die Reihenfolge »Mund« und »Herzcc ist durch Dt 30,14 gegeben und wird unter dem Einfluß des alttestamendichen Zitates von Paulus aufrechterhalten, wird aber in V 10 chiastisch umgekehrt. 19 LagrR 255 f. und Kum.R 354 sprechen von einem Gen. poil. ZnR 481 erinnert an die andere Genitiv-Verbindung v6jW!; x~ (Röm 3,27).
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Die Schuld Israels
ti1llllllln DnInuuIm wit T_fgutlatllm rmd /Ucluftrtipngslehrt 20; Offenbar handelt es sich in V 9 um die bekannte Akklamation: »Herr ist Jesus cc (IKor 12,3; Phil 2,11), aber auch um eine feststehende liturgische Formulierung, die beim Taufakt eine Rolle spielt (Mit 16,16; Apg 8,37). Das Bekenntnis •• Herr istJesus« hängt eng zusammen mit der Taufe •• im Namen Jesu Christi« (Apg 2,38; 19,5)21. Dies Bekenntnis: »Hm isl}UUS« setzt voraus, daß XU~ eine besondere Würdebezeichnung war, die in sehr früher Zeit auf den Erhöhten angewandt wurde. In der aramäiJch sprechenden Urgemeinde gab es die mehrfach bezeugte Bitte: J.IGQCJ'YO t<& (lKor 16,22; Did 10,6; Ap~oh 22,20 als übersetzung) und die Gewohnheit, den geschichtlichen und erhöhten Christus ab den »Herrn« zu bezeichnen. Je mehr du Urchristentum in die he1Jenistisch-orientaliJc:he Welt dcrGötter und »Herren« (xUQux 1Kor 8,5) hineinwuchs, desto bedeutungsvoller wurde gerade dies Bekenntnis zum »Herrn«Jesus. EI bleibt aber schwierig, die venchiedenen Motive, die in diesem Bekenntnis liegen, zu analysieren. Schon das Alte Testament sprach vom Meuias als dem »Herrn« (Ps 110, 1), und die hellenistisch-christliche Exegese übertrug gern alttestamentliche Gottcsauaaagen auf den »HerrnccJesus (z.B. Köm 10,13 = JOO3,5). Wußte aich der Christ als Sklave Christi (Röm 1,1), so lag es nahe, den Dienstgedanken in Richtung aufdu entsprechende Bekenntnis zu Jesus als dem »Herme( zu ergänzen (2Kor 4,5). Die Antithese zum römischen K.aiaenum mag ebenfalls die besondere Bedeutung des urchriJtlichen xu~-Bekenntniuc:l unterstrichen haben (Nero als 6 ~OÜ ~ x6cJtwu xU~ Ditt. Syll. 11,3. Auß. 814,30). Wichtig ist, daß für du Urchristentum Gott selbst ~ bleibt, und daß das Bekenntnis zuJesus als dem xu~ nicht als Verletzung, sondern als Bestätigung des Monotheismus angesehen wurde ( I Kor 8,6). Cltristws erscWlttrtllÜ.t- tW dn ~ Gotl6s rxw Mnuchnc """ MidIInI; xu~ wird zur Herncherbezeichnung. Daß schon in sehr früher Zeit dies xUQwc;-Bekenntnis eine Machtstellung zum Ausdruck bringen will, die jeden irdiJchen und kosmischen Bereich umschließt, sagt ausdrücklich Phi} 2,9 ff. Wenn dieser Christuspsalm mit dem Hinweis auf die kosmische Huldigung und Exhomologese schließt, dann zeigt der Abschluß, daß du kultische Geschehen sich in ein kosmisches eingliedert, von dem aus es auch ventanden sein will. Mag die christologische x'ÖQ~-Bezeichnung in venchiedenen Beziehungen gedacht worden sein, für das eigentliche BekenntniJ kommt ausschließlich die theologische Herrscher-Bezeichnung in Frage. Sie ist apokalyptischer Herkunft, schließt sich an die Erhöhung Christi an und wird von Paulua innerhalb einer Tradition übernommen und weiterentwicltelt. Zur Literatur vgl. W. Kramer, Christus, Kyrios, Gottessohn, 1963, 61-103; K.äsemannR 278-280. ~ MWtluiff- GWt, daß Gott Jesus von den Toten auferweckt hat, ist selbst ein Ausdruck des Bekenntnisses zum Hernein. Es weist auf du Taufgeschehen hin, in dem dem TäuOing die Verheißung des Heiles zugesprochen wird (oom)Q(a). Das Ereignis der Auferweckung wird in einem übernommenen Bekenntnissatz (Röm 4,24) weitergegeben, exegetisch ist der Glaube an die AuferweckungJesu aI.o eine Entfilltung des ~-Be kenntniucs. Man darf weder den Glauben als einen »Herzensakttc dem Bekenntnis des Mundes als einem äußeren Won gcgenübentellen, noch auch die Auferweckung ab ein Faktum der Vergangenheit von dem Bekenntnis zum HerrseinJesu lösen. Die perlÖnliche Anrede von V 9 ist zunächst Weiterfiihrung der Anrede des Zitates (Dt 30,14), erinnen JO B eiern. Al. lesen: 'tb ~I&CI tv tq. cn6tMn' oov 6n x~ ·I~. Einige Ex~ten vmnuten, daßd .. x~.Bekennblii in dietem Fall den Abatiegaufdie Erde, der Glaube an die Auterweclr.ung den Aufstieg aus der Totenwd teinschließt, 10 daß die beiden Glieder des Bekenntnisses in V 9 Antwon auf die Fragen von V 6 und 7 geben würden (LagrR 258; SANDAY-HEADUMR 290.) 21 Vgl. DoDDR 166.
Röm 10,1-21
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aber auch an die Anrede des Taufenden, der eine Verheißung ausspricht. Nach MIt 12,1 ~ 11 ist der Stein, den die Bauleute verworfen haben, von Gott zum Eckstein gesetzt (Ps 118,22); so liegt es nahe, Röm 9,33 (= 10,11) in dem Sinn auszulegen: »Wer auf den Stein vertraut, wird nicht zuschanden (= er wird gerettet} werden«. Daß die AuferwekkungJesu eine derartig zentrale Bedeutung im Heilageschehen empfängt, letzt auch die Deutung der Taufe in Röm 6,4 ff. voraus. Für Paulus ist dies christologische Bekenntnis ein Kriterium des rechtfertigenden Glaubens. V 9 ist nur dann richtig verstanden, wenn man die parallelen Satzglieder einander zuordnet: aus dieser Parallelität erkennt man, daß das Bekenntnis zum X"QL~ 'I'1oO'Ü~ durch den Glauben an die Auferweckung erläuten wird. Die Tatsache, daß die ,,(an~ sich auf ein Ereignis der Vergangenheit richtet, bleibt auffallend, hängt aber doch wohl mit der besonderen Bedeutung des Osterereignisses zusammen: Gott hat durch das ei~ig4,tige und einmalige Ostergeschehen (Aorist!) Jesus zum X"QL~ gemacht und den Sohn mit Vollmacht ausgerüstet (Röm 1,4; PhiI2,9). Der Glaube ist hier als Akt des Bekenntnisses, als ein nach außen gerichtetes Geschehen aufgefaßt (wie Röm 1,8). Das, was er ist, ist er nicht aus sich selbst, sondern aus dem, was er als Gabe empfängt, und was er als einmalige Heilstat bekennt. In V 10 bleibt der Blick noch auf das Zitat Dt 30,14 (= Röm 10,8) gerichtet: allerdings stellt der Apostel die beiden Glieder »Herz« und ~)Mund« chiastisch um. Der Vers ist in zwei einander entsprechenden Hälften aufgebaut; der Stil ist exegetisch lehrhaft: ~)mit dem Herzen glaubt man und empfängt die Gerechtigkeit, mit dem Munde bekennt man und erlangt das eschatologische Heil«. Die Schrift sprach in der Erwähnung des Herzens vom Glauben, in der Erwähnung des Mundes vom Bekenntnis - und beide Worte weisen auf dasselbe Heil hin, denn die »Gerechtigkeit« (öLxaLOaUVI1) ist nichts anderes als das »Heil« selbst (OW't1')QLa) 22. Wie auch sonst, verbindet Pau