Werner Eck
DIE VERWALTUNG DES RöMISCHEN REICHES IN DER HOHEN KAISERZEIT Ausoewühlte und erweiterte Beitrüoe c c 2. Band...
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Werner Eck
DIE VERWALTUNG DES RöMISCHEN REICHES IN DER HOHEN KAISERZEIT Ausoewühlte und erweiterte Beitrüoe c c 2. Band
3
Arbeiten zur römischen Epigraphik und Altertumskunde Band3
Herausgegeben von
R. Frei-Stolba und M. A. Speidei Universitäten Bern und Lausanne
Titelseite: Bauinschrift aus dem Legionslager Vindonissa (CIL XIII 1 15 1 5). Photo: A. & J.-L. Veuthey, Lausanne.
DIE VERWALTUNG DES RÖMISCHEN REICHES IN DER HOHEN KAISERZEIT Ausgewählte und erweiterte Beiträge
2. Band
von
WERNERECK
Die Deutsche Bibliothek -CIP-Einheitsaufnahme Eck, Werner: Die Verwaltung des Römischen Reiches in der Hohen Kaiserzeit : ausgewählte und erweiterte Beiträge I von Werner Eck. -Basel ; Berlin : F. Reinhardt Bd. 2 (1997) (Arbeiten zur römischen Epigraphik und Altertumskunde; 3) ISBN 3-7245-0962-6
Alle Rechte vorbehalten ©1998 by Friedrich Reinhardt Verlag BaseliBertin Printed in Switzerland by Reinhardt Druck Basel ISBN 3-7245-0962-6
Gewidmet dem Historischen Kolleg München
VORWORT DER HERAUSGEBER
Es bedeutet fiir die Herausgeber eine grosse Freude, die Reihe der "Arbeiten zur römischen Epigraphik und Altertumskunde (A.R.E.A.)" mit einem zweiten Band von Werner Eck zur Verwaltung der römischen Weltreiches fort.zusetzen. Wir schätzen uns glücklich, dass sich Werner Eck wiederum bereit erklärt hat, für diese Reihe Aufsätze zur Verfügung zu stellen und- was den besonderen Wert dieser Sammlung ausmacht -, diese systematisch zu überarbeiten sowie, wo notwendig, zu ergänzen und zu erweitern. Einige Beiträge werden in diesem Band erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht und erscheinen z.T. als stark erweiterte Fassungen, deren Originale auf Englisch und Italienisch publiziert werden sollen. Damit liegt wiederum eine reichhaltige, durch Indizes erschlossene Sammlung bedeutender Beiträge Werner Ecks zur Verwaltung des Römischen Reiches vor. Die Thematik der vorliegenden Aufsatzsammlung schliesst an diejenige des ersten in dieser Reibe veröffentlichen Bandes von Werner Eck an. Die hier aufgenommenen, erweiterten und teilweise umfassend überarbeiteten Beiträge setzen die Ausführungen und Überlegungen der ersten Sammlung fort. Gleichzeitig vertiefen und ergänzen sie die im ersten Band gesammelten Arbeiten durch neue Untersuchungen sowie durch wichtige methodische Einsichten. Beide Bände ergänzen sich somit gegenseitig zu einem geschlossenen Bild der kaiserzeitlichen Verwaltung des Römischen Reiches, ihrer Prinzipien und ihrer Entwicklung während der ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderte. Unser Dank gilt weiterhin Herrn A. Rüdisühli und dem Friedeich Reinhardt Verlag für die Weiterführung der Reihe. Ferner haben wir wiederum dem ,,Institut d'Archeologie et d'Histoire Ancienne" der Universität Lausanne sowie der "Abteilung für Alte Geschichte und Epigraphik" der Universität Bern für die
Zurverfügungstellung der Infrastruktur zu danken. Für die technische Hilfe bei der Erstellung der Druckvorlagen und der Indizes, schliesslich, danken wir Frau Floriane Guignet, Lausanne und Herrn A. Hirt, Bem.
Regula Frei-Stolba Lausanne und Bem, im Januar 1998
Michael Alexander Speidei
VORWORT DES VERFASSERS
ln den einführenden Worten der Herausgeber zum ersten Band dieser Reihe war bereits darauf hingewiesen worden, daß der Sammlung der dort vorgelegten Beiträge zur Verwaltung des römischen Reiches noch ein weiterer Band folgen werde. Dieses geschieht mit dem hier vorgelegten Buch. Einige der Beiträge sind vor längerer Zeit publiziert worden, andere sind jüngeren Datums und einige ( 1
A-D und
1 3 ) sind bisher noch nicht
veröffentlicht. Ich danke insbesondere den Herausgebern von Volumen XI der Cambridge Ancient History für die Erlaubnis, meine
für ihren Band konzipierten
vier Kapitel zur Grundlage einer wesentlich erweiterten Fassung machen zu dürfen. Vieles, was dort vor allem aus Platzgründen nicht möglich war, auch ausführlichere Anmerkungen, sind nunmehr in die Kapitel I A-D aufgenommen. Ferner hat Gianfranco Paci großzügig zugelassen, daß die deutsche Fassung eines Vortrags, der in Macerata gehalten wurde und in den Melanges d'Archeologie et d'Histoire de l'Ecole fran<;aise de Rome. Antiquite (MEFRA) 1997 in italienischer Sprache erscheinen wird, hier bereits vorher publiziert werden kann. Alle anderen Beiträge, die schon früher an anderer Stelle erschienen waren, sind überarbeitet worden, teilweise in umfassender Form. Die Überarbeitungen wurden aber, wie schon in Band l , nicht näher gekennzeichnet. Alle Texte wurden auf dem
PC neu erfaßt. Diese Aufgabe hat wiederum für den
größten Teil des Buches Frau Ursula Pitsch übernommen. Ihr Engagement und ihre Sorgfalt waren nicht weniger groß als für den ersten Band, zumal sie diese Arbeit neben ihrem Beruf erledigte. Ihr gilt deshalb mein besonderer Dank. Ebenso danke ich meinen studentischen Hilfskräften Georg Korte und Stephanie Tilly, sowie Daniel Hildebrand, Stefan Knapstein und Carsten Meilinger, die mir bei der Arbeit am Computer sowie beim Korrekturlesen zur Hand gingen. Schließlich gilt mein Dank den beiden Herausgebern der Reihe, nicht nur für die
Ermunterung, auch diesen zweiten Band vorzulegen, sondern auch für die Erstellung der Druckvorlage sowie die erneute Mühe bei der Ausarbeitung des Index. Ob sich die gemeinsame Anstrengung gelohnt hat, muß der Leser entscheiden. Gewidmet sei der Band dem Historischen Kolleg in München, das
mir 1995/96
ein wertvolles Jahr geschenkt hat. Die Beiträge sind Bausteine für eine in Arbeit befmdliche Gesamtdarstellung der kaiserzeitlichen Administration der römischen Provinzen. Köln, im Dezember 1997
WemerEck
INHALT
Vorwort der Herausgeber
.....................................................................
Vorwort des Verfassers
I.
..................................................
. . . . . . . . .. . . . . . . . . .
ID
Der Kaiser, die Führungsschichten und die Administration des Reiches (von Vespasian bis zum Ende der antoninischen Dynastie) A. Der Kaiser und seine Ratgeber
. .
B.
............
3
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. .. . . . .
3
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
. ................................
C . Die
nichtsenatorische
Administration:
Differenzierung
. . . .................
Die
Bedeutung
der
Ausbau
31
und
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
D. Provinzialverwaltung und Steuern.
2.
I
claudischen
.
. . .. . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
Regierungszeit
für die
administrative Entwicklung des römischen Reiches .............................. l 47
3.
4.
Provinz- Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt..
.....
7.
................
..
...
.
....
..................
. . . .. .. . ..
.
..
.
187
......
....
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . 219
Diefistulae aquariae der Stadt Rom. Zum Einfluß des sozialen ...............................
. . . . . . . . . . .. . . . . . ... 245
Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen und ihr Beitrag zur Administration des Reiches
9.
.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst . .
Status auf administratives Handeln
8.
. .
Die religiösen und kultischen Aufgaben der römischen Statthalter in der Hohen Kaiserzeit
6.
l67
Prokonsuln und militärisches Kommando. Folgerungen aus Diplomen für prokonsulare Provinzen
5.
.........
.
... ...........
Kaiserliches Handeln in italischen Städten
... .
. 279
. .........................
..........................................
297
10. Stadtbewohner und staatliche Administration im kaiserzeitlichen Umbrien ...................................................................................... 321 11. Tacitus, ann. 4, 27, 1 und der
cursus publicus auf der Adria . .. ... .. . .. 339 .
12. Ein Brief des Antoninus Pius an eine baetische Gemeinde
.
.........
.
.
.
..
.
.
.. . .. 347
...
..
.
13. Administrative Dokumente. Publikation und Mittel der Selbstdarstellung
....................................
Abgekürzt zitierte Literatur
. .. .. .
.
....
.
.......................................
........................................................
.
..........
359
383
Nachweis der Erstveröffentlichungen .......... .. .. ........ ............................. 387 .
Register
.
.
.
............................................................................................
389
DER KAISER, DIE FüHRUNGSSCHICHTEN UND DIE ADMINISTRATION DES REICHES (VON VESPASIAN BIS ZUM ENDE DER ANTONINISCHEN DYNASTIE)" A. DER KAISER UND SEINE RATGEBER
Der römische Kaiser war allmächtig und er war ohne Unterlaß tätig.' Diesen Eindruck vermittelt die Masse der Quellen, seien sie historiographischer, juristischer oder epigraphiscber Natur. Doch in der Vermittlung eines stets persönlich aktiven Herrschers geben sie nur ein sehr äußerliches und damit partiell irreführendes Bild. Tatsächlich war der Kaiser bei fast allen Aspekten seines Beschließens und Handeins auf andere angewiesen; er hatte Beratung nötig und war von seinen Beratern abhängig; ohne sie war er nicht handlungsfahig. Dies war trotz seiner Omnipotenz- allen, die Einblick hatten, bewußt.2 Die Quellen geben insofern freilich einen zutreffenden Eindruck vom kaiserlichen Handeln, weil sie den Kaiser stets ins Zentrum stellen. Er erscheint als der Mittelpunkt bei Beratungen und Entscheidungen. Von ihm als Person in seiner je spezifischen Ausprägung ist auch die Art der Entscheidungsfindung abhängig; er ist der dominierende Bezugspunkt für Politik und zentrale Administration. Insoweit ist die, freilich unterschiedlich gestaltete, Ausrichtung und Konzentration der Werke von Tacitus und Sueton auf die einzelnen Kaiser völlig sachadäquat. Die weitgehende Abhängigkeit kaiserlicher Politik und Verwaltung von der Person des Herrschers impliziert aber gleichzeitig,
daß grundsätzlich jeder, der mit
dem Kaiser in Kontakt kam, Einfluß auf seine Entscheidungen nehmen konnte. Wie weit die Einflußnahme ging, war freilich nicht unwesentlich vom Charakter des Herrschers abhängig, aber ebenso auch von denen, die ihn zu bestimmten Handlungen bewegen wollten. Dabei spielte deren Persönlichkeit eine Rolle, die Art und die Intensität ihrer Beziehung zum Kaiser sowie ihr sozialer Status. Mitglieder der hohen sozialen Gruppen wie Senatoren oder Ritter hatten notwendigerweise eher die Möglichkeit, auf den Herrscher einzuwirken, doch konnte ein niederer sozialer Status, etwa der von Freigelassenen oder Sklaven, Die folgenden vier Kapitel wurden für Band XI der Cambridge Ancient History geschrieben. Von daher ist die zeitliche Eingrenzung der Epoche von Vespasian bis zum Ende der Regierungszeit des Commodus zu erklären. Bei der Überarbeitung wurde dieser zeitliebe Rahmen im wesentlichen beibehalten. 1 F. Miliar, Emperors at Work, JRS 57, 1967, 9 ff. 2 Vgl. zum Gesamtaspekt Crook, Consilium principis 48 ff.; Miliar, Emperor 1 1 0 ff. 228 ff. •
Der Kaiser und seine Ratgeber
4
durch die dauerhafte Nähe zum Herrscher überspielt werden.3 Da die Person des Kaisers entscheidend war, spielten auch der Ort, an dem die Einflußnahme erfolgte, oder die Umgebung, in der sich der Kaiser befand, grundsätzlich keine Rolle. Empfange im Kaiserpalast bei offiziellen Anlässen konnten ebenso dazu benutzt werden wie Gastmähler im Hause von Freunden; genauso eigneten sich öffentliche Veranstaltungen im Circus oder Amphitheater dazu, mit dem Kaiser in Kontakt zu kommen und auf ihn einzuwirken. Dies galt
für Einzelpersonen, aber
insbesondere für die breite Masse des Volkes, deren Einwirkung auf den Herrscher sich fast nur bei solch öffentlichen Veranstaltungen auszuwirken vermochte. Vornehmlichster Ort der ständigen Einflußnahme aber war der Hof, d.h. der Kaiserpalast in Rom oder die Villen in der
Nähe Roms, wohin sich die Herrscher
häufig begaben. Doch für die kontinuierliche Politik und Verwaltung konnten die Kaiser auf festere Strukturen der Beratung nicht verzichten. Obwohl der Senat unter gewissen traditionellen Überlegungen als der gegebene Partner erscheinen mochte,4 kam er doch aus politischen und praktischen Überlegungen für die tägHch anfallenden Geschäfte sowie für delikate, der Geheimhaltung bedürftige Fragen wie beispiels weise Nachfolgeprobleme oder bei Beratungen über kriegerische Unternehmungen (jedenfalls im frühen Stadium) nicht in Frage. Weit näher lag das Vorbild der Beratungsgruppe, des
consilium, das jeder römische Magistrat für seine
Entscheidungen, vor allem in Gerichtsangelegenheiten, aber nicht nur dabei, heranzog. Die Annuität und damit der stetige Wechsel der Amtsträger während der RepubHk ließen solche
consilia unter dem Aspekt der personellen Zusammen
setzung jedoch nie zu einer mehr als kurzfristigen Erscheinung werden. Erst mit der Gestalt des Princeps, bei dem magistratische Annuität keine Rolle mehr spielte, der vielmehr Kontinuität verkörperte, bestand die Möglichkeit, daß solche Beratungstätigkeit von denselben Personen über längere Zeit ausgeübt wurde. Denn grundsätzlich war der Herrscher in der Lage, stets dieselben Personen heran zuziehen, auch wenn er über Jahrzehnte die Herrschaft in Händen hielt wie die meisten Kaiser des 2. Jh.s n.Chr.; doch war es ihm vom Grundsatz her ebenfalls möglich, nach Belieben wechselnde Berater zu sich zu rufen. Unter politisch strukturellem Gesichtspunkt stellt sich somit die entscheidende Frage, ob der Princeps in der Wahl seiner mehr oder weniger ständigen Berater im Prinzip frei blieb oder ob politische und soziale Entwicklungen gewisse Zwänge hervor3 Ein Beispiel dafUr ergibt sich aus der Analyse derfistulae aquariae der Stadt Rom: vgl. W. Eck, Die fistulae aquariae der Stadt Rom: Zum Einfluß des sozialen Status auf administratives Handeln, in: EOS I 197 ff. in diesem Band 245 ff. 4 Vgl. Talbert, Senate 163 ff. 195 ff. =
Der Kaiser und seine Ratgeber
5
brachten, die dem Kaiser im allgemeinen eine bestimmte Personenauswahl als sinnvoll und notwendig nahelegten, von der er üblicherweise nicht abwich oder auch nicht abweichen konnte. Nur wenige zeitgenössische Quellen des 1. und 2. Jh.s geben in die Zusammen setzung eines kaiserlichen Beraterkreises näheren Einblick. Lediglich für die Frühzeit Dornitians enthüllt eine literarische Quelle, die vierte Satire Iuvenals, und zwar trotz der grotesken Brechung der Realität, die Zusammensetzung des
consilium in einer bestimmten Situation.5 Domitian, der sich auf seinem Albanum, einemLandgut in den Albaner Bergen im Südosten von Rom, aufuielt, wurde - so der Satiriker - von einem Fischer ein außergewöhnliches Geschenk gemacht: eine Barbe von bisher nie gekannter Größe, für deren Zubereitung die kaiserliche Hofküche kein geeig netes Geschirr besaß. Zur Lösung des Problems ließ Domitian die proceres, die Ersten des Staates, zur Beratschlagung rufen. Elf Personen erscheinen in der iuvenalischen Schilderung: Peg asus, vespasianischer Konsular, Stadtpräfekt und angesehener Jurist, wird an erster Stelle genannt; ihm folgt Vibius Cr ispus, Konsul zum dritten Mal im J. 83, ebenso wie Fabricius Veiento, der in Beg leitung von Valerius Catullus Messalinus, Konsul zum zweiten Mal zusammen mit Domitian im J. 85, das Albanum betritt. Zwei patrizische Acilü, Vater und Sohn, erscheinen, der eine bereits alter Konsular, sein Sohn sollte wenige Jahre später, im J. 91, die Jasces führen. Nach ihnen kommen Comelius Fuscus, einer der Prätorianerpräfekten, und ein g ewisser Crispinus, der nicht selten ebenfalls als Kommandant der Prätorianer angesehen wurde, aber vielleicht eher als der 'Hofnarr' betrachtet werden muß.6 Rubrius und Pompeius, beide wohl vespasianische Konsulare,7 und (Venuleius
?) Montanus,
der sicher auch bereits dieJasces geführt hatte, vervollständigen den Kreis. Am Ende der grotesken Versammlung steht für Domitian der Rat, durch Montanus formuliert, es solle sogleich eine gewaltige Spezialschüssel angefertigt werden; zudem aber sollten von nun an, so der Rat für die Zukunft, stets Töpfer am kaiserlichen Hof anwesend sein. luvenals Schilderung ist bewußt als Groteske gestaltet; die Satire ist aber wohl die Umgestaltung einer konkreten Beratung Domitians, wie sie vor der Eröffnung des Feldzuges gegen die Chatten in Rom erfolgt war oder wie sie zumindest von Statius in seiner Darstellung des Germanenkrieges Dornitians geschildert worden war. Somit beschreibt Iuvenal in den Einzelzügen und in der Struktur eine sehr 5 Iuvenal, sat. 4, 37 ff., bes. 75 ff. 6 Vgl. zuletzt B. Baldwin, in: Studies on Greek and Roman History and Literature, Amsterdam 1985, 190 ff. 7 Zu Pompeius: Eck, RE Suppt. XIV 437 f.; PIR2 P 654.
Der Kaiser und seine Ratgeber
6
konkrete Realität: Der Kaiser bedarf des Ratschlags der 'Großen des Reiches'. Viele der genannten Personen müssen bereits unter Vespasian und Titus zum engsten Kreis um den Herrscher gehört haben; dafür zeugen z.B. die zweiten Konsulate des Vibius Crispus und des Fabricius Veiento im J. 74 und 80, was als Zeichen der engen Bindung beider an die flavische Sache angesehen werden muß. Und auch nach der Ermordung Domitians war der Einfluß mancher seiner Berater bei seinem Nachfolger, soweit sie noch am Leben waren, nicht gebrochen: Fabricius Veiento konnte auch zum engsten Kreis um Nerva gehören.8 Die Be raterfunktion kann somit in vielen Fällen nicht allein auf dem Vertrauens verhältnis zwischen einer wichtigen Persönlichkeit und einem einzelnen Herrscher
beruht haben; vielmehr dürften Kenntnisse; Fähigkeiten und sozio-politische Stellung des einzelnen Beraters oft eine Kontinuität empfohlen haben, vorausgesetzt, die grundsätzliche Loyalität gegenüber dem Herrscher war vorhanden. Versammelt wurden von Domitian führende Senatoren, darunter der praefectus
urbi als angesehenster senatorischer Amtsträger in der Stadt Rom sowie mehrere ehemalige
consules iterum und tertium, die das Ende ihrer offiziellen Lautbahn
erreicht und damit notwendigerweise während eines langen Lebens und in zahl reichen unterschiedlichen Positionen Erfahrungen hatten sammeln können. Neben den Senatoren aber steht mit Cornelius Fuscus auch einer der beiden Inhaber der Prätorianerpräfektur, die unter den Flaviem eben zur höchsten Stellung in der sich ausgestaltenden ritterlichen Lautbahn entwickelt worden war. Als Beschützer des Kaisers, der nie von seiner Seite wich9 und der als einziger das Schwert in seiner Gegenwart tragen durfte, nahm der
Prätorianerpräfekt gleichsam eine
naturgegebene Position in dem Beraterkreis des Herrschers ein; schon unter Claudius und Nero war es nicht anders gewesen.IO Sein Ausschluß hätte bewußt erfolgen müssen - und hätte dann notwendigerweise als Affront gewirkt. 11
Die Zusammenbindung von Senatoren und Rittern in einem Beratergremium ist keine Erfindung luvenals um des Effektes willen, dies entspricht vielmehr einer längeren Praxis, die zumindest unter Domitian bereits als Normalität ausgebildet
8 Plin., ep. 4, 22, 4 ff.; vgl. Suet., Tit. 7, 2 zur Kontinuität von Beratern unter verschiedenen Kaisern, sowie J. Devreker, La continuite dans Je consilium principis sous !es Flaviens, AncSoc S, 1977, 223 ff. 9 Martial 6, 76, I ff.: Jlle sacri lateris custos Martisque togati, credita cui summi castra
fuere ducis ...
IO Miliar, Emperor 122 ff. 1 1 Wenn Mare Aurel nach HA Mare. 10, 6 Ritter nicht
an Gerichtsverhandlungen über Senatoren teilnehmen ließ, war dies, selbst wenn damit auch die Prätorianerpräfekten betroffen waren, natürlich etwas ganz anderes.
7
Der Kaiser und seine Ratgeber
war und nach außen ganz selbstverständlich dok:umentierbar wurde. In einem Brief Domitians an die Stadt Palerio in Picenum aus dem J. 82, mit dem der Kaiser nach einem allgemeinen
Edikt über die Zugehörigkeit der subseciva einen Streit
zwischen dieser Gemeinde und Firmum Picenum über den rechtmäßigen Besitz von staatlichem Land entschied, wird ganz formell, wie es für jeden römischen Amtsträger nötig war, 12 auch der Personenkreis genannt, der vor der eigentlichen Entscheidung, die vom Kaiser selbst getroffen wurde, von Domitian um seine Meinung gefragt worden war: adhibitis utriusque ordinis
splendidis viris, nachdem
hervorragende Persönlichkeiten aus beiden Ständen beigezogen worden waren, 13 d.h. nicht irgendwelche Personen, sondern führende Mitglieder des Senatoren- und
Ritterstandes. Die Einzelpersonen als solche sind dabei nicht so sehr entscheidend, wichtig ist vielmehr die Vertretung der hohen sozialen Gruppen durch heraus ragende Mitglieder
der beiden ordines.
Diese unter Domitian erstmals in einem publizierten kaiserlichen Schreiben offiziell greifbare Praxis läßt sich auch bei manchem seiner Nachfolger im 2.
Jh.
durch dokumentarische Zeugnisse nachweisen. 14 So findet sich in einem Papyrus aus der Zeit des Antoninus Pius der Anfang eines Berichtes über eine kaiserliche Entscheidung, zu der der Kaiser seine beiden Adaptivsöhne Marcus und Verus sowie "hervorragende Persönlichkeiten aus beiden
ordines" zur Beratung über
einen Rechtsstreit herangezogen hatte. 15 Die griechische Formel entspricht exakt der lateinischen Fassung
im genannten Brief Domitians an Falerio.
Inhaltlich Identisches, wenn auch in der Form Verschiedenes, bietet die
tabula
Banasitana. l6 Am Ende eines Dossiers mit verschiedenen Dokumenten, die sich alle auf die Verleihung des Bürgerrechts an einen Häuptling des St ammes der Zegrenser im westlichen Mauretanien sowie an Mitglieder seiner Familie
12 W. Kunkel, Die Funktion des Konsiliums in der magistratischen Strafjustiz und im Kaisergericht, ZSS 84, 1967, 218 ff. ders., Kleine Schriften, Weimar 1974, 1 5 1 ff. 13 CIL IX 5420 FIRA P Nr. 75. 14 Vgl. auch HA Hadr. 8, 8. 15 W.D. Thomas, An Imperial Constitutio on Papyrus, Bull. lost. Class. Stud. 19, 1972, 103 ff. = Oliver, Greek Constitutions Nr. 163 SB 1 1069; ferner Miliar, Emperor 120 Anm. 76. l6 AE 1971, 534 IAMar. II 94: ... M(arcus) Gau[i]us M(arci) f(ilius) Pob(lilia tribu) =
=
=
=
Squilla Ga[l]licanus, I M(anius) Acilius M(anii)f(ilius) Gal(eria tribu) Glabrio, I T(itus) Sextius T(iti) f(ilius) Vot(uria tribu) Lateranus, I C(aius) Septimius C(aii) f(ilius) Qui(rina tribu) Seuerus, I P(ublius) Julius C(aii) f(ilius) Ser(gia tribu) Scapula Tertul[l]us, I T(itus) Varius T(iti) f(ilius) Cla(udia tribu) Clemens, I M(arcus) Bassaeus M(arci) f(ilius) Stel(latina tribu) Rufus, I P(ublius) Taruttienus P(ublii) f(ilius) Pob(lilia tribu) Paternus, I lfSt!�(tus) Tigidius [./ f(ilius) .......... PerenrJ..i$ll I Q(uintus) Ceruidius Q(uinti) f(ilius) Am(ensi tribu) Scaeuola, I Q(uintus) Larcius Q(uinti) f(ilius) Qui(rina tribu) Euripianus, I T(itus) Fl(auius) T(iti)f(ilius) Pal(atina tribu) Piso.
8
Der Kaiser und seine Ratgeber
beziehen, wird. ein Liste von 12 Personen angefügt, die am 6. Juli 177 in Rom ihre Siegel unter die Urkunden gesetzt hatten. Alle sind ganz offensichtlich ihrem Rang nach aufgeführt; an der Spitze der Liste stehen drei ehemalige ordentliche Konsuln aus den Jahren 150, 152 und 154, alle drei offensiebtlieb Patrizier, denen zwei ehemalige Suffektk:onsuln aus den 60er Jahren des 2. Jb.s folgen. Auch T. Varius Clemens, ehemals
ab epistulis Latinis und an sechster Stelle genannt,
könnte konsulareo Rang erreicht haben. Nach ihm werden noch sechs weitere Personen angeführt, die ohne Ausnahme ritterlieben Standes sind, an ihrer Spitze M. Bassaeus Rufus, damals wohl noch Prätorianerpräfekt; dasselbe Amt könnte zu diesem Zeitpunkt auch schon P. Tarrutienus Patemus eingenommen haben. Ob auch die vier auf Platz neun bis zwölf genannten Ritter im Augenblick der Ausfertigung des Dossiers hohe Ämter in Rom und in der Umgebung des Kaisers eingenommen haben,
ist nicht sicher, doch zumindest für einige sehr
wahrscheinlich, so z.B. als praefectus annonae und als praefectus vigilum oder als
a rationibus. 17 Gerade die offensiebtlieh gleichmäßige numerische Verteilung der einzelnen Personen, die dieses Dokument siegelten, zwischen Senatoren- und Ritterstand sowie der durchgehend sehr hohe Rang aller schließen aus, daß sie etwa nur und ausschließlich zum Zweck der Urkundenbesiegelung zusammengerufen wurden. Vielmehr muß die Gruppe aus anderem Grund gebildet worden sein, und dieser Zweck kann nur in der allgemeinen Beratung des Herrschers bestanden haben, weshalb man die Versammelten auch als ein
consilium von Mare Aurel und
Commodus bezeichnen darf, mit dem am 6. Juli 177 neben dem Fall des Zegrenserhäuptlings andere anstehende Fragen behandelt wurden. Die Siegelung der Urkunden der
tabula Banasitana war vermutlich nicht der Grund für das
Zusammentreffen, sondern eher nur ein Nebenprodukt. Über lange Zeit hinweg hatte sich in der modernen Geschichtsforschung auf Grund von Zeugnissen dieser Art die Idee entwickelt, um den Kaiser habe sich, vor allem seit Hadrian, der als zielgerichteter Reformator der administrativen Strukturen angesehen wurde, eine feste, beständige Gruppe von Ratgebern entwickelt, die sich einerseits vor allem aus Personen mit juristischem
17 Zur gerrauen Bestimmung der Position der einzelnen Personen wurden verschiedene Versuche unternommen, die aber alle mit gewissen Unsicherheiten belastet sjnd. Vgl. H.-G. Pflaum, Bonner HA Coll. 1968/69, Sonn 1970, 217 f.; ders., Carrieres procura toriennes equestres Suppl. 44. 48; W. Williams, ZPE 17, 1975, 70 f.; Birley, Marcus Aurelius2 204.
Der Kaiser und seine Ratgeber
9
Sachverstand zusammensetzte18 und andererseits besonders die hohen ritterlichen Amtsträger um den Herrscher eingeschlossen habe. Bei der Entwicklung dieser Vorstellung mögen das spätantike Consistorium mit einem mehr oder weniger festen Teilnehmerkreis sowie das Konzept des Kabinetts neben dem Monareben des 19. Jh.s eine Rolle gespielt haben. Tatsächlich allerdings deutet in unserer Überlieferung nichts auf einen durch bestimmte offizielle und amtliche Funktionen in der Nähe des Kaisers oder durch juristische Spezialkenntnisse fixierten Teilnehmerkreis, der dem jeweiligen Herrscher im I. und 2. Jh. zur ständigen Beratung zur Verfügung stand. Vielmehr weisen viele Zeugnisse darauf hin, daß der Herrscher seine grundsätzliebe Freiheit dabei bewahrte, diejenigen
heranzuziehen. die er für die jeweils anstehenden Fragen für geeignet hielt. Dabei hat er freilich nicht einfachhin beliebig ausgewählt, sondern gegebene Rangstruk turen insbesondere im Senat bzw. neue Entwicklungen in den administrativen Funktionsbereichen, die von Rittern geleitet wurden, berücksichtigt. Auf die besondere Stellung der Prätorianerpräfekten in diesem Zusammenhang wurde bereits hingewiesen. Daß ein wesentlicher Teil der Berater stets aus dem Kreis der Senatoren kam. entsprach der Tradition sowie den gegebenen politischen Umständen.19 Schließlich war der Kaiser selbst Mitglied des Senats, einer von uns
(unus ex
nobis), wie es Plinius d. Jüngere für Traian forrnulierte.20 Aus ihm nahm er die Masse der Amtsträger, die fast alle politisch-militärisch wichtigen Positionen, vor allem in den Provinzen und beim Heer, einnahmen. Viele von ihnen, insbesondere Senatoren konsularen Ranges, hatten sich über Jahrzehnte hin immer wieder mit militärischen, administrativen, juristischen und fmanziellen Problemen in ver schiedenen Ämtern auseinanderzusetzen, in Rom selbst und außerhalb, in [talien und den Provinzen. Ganz natürlicherweise hatte sich so bei vielen von ihnen eine breite Erfahrung für fast alle denkbaren Fragen angesammelt, jeweils bei den meisten verbunden mit einer weitgehenden politischen Loyalität gegenüber dem Kaiser, was Konkurren z unter den einzelnen Senatoren selbst oder senatorischen Gruppen untereinander nicht ausschloß.21 Die politische Bindung und Loyalität fand ihren Ausdruck nach außen hin auch dadurch, daß viele Senatoren, auch wenn sie eine konkrete amtliche Aufgabe erfüllten, beispielsweise als Prokonsuln von 18 Siehe zuletzt R.A. Bauman, Lawyers and Politics in the Early Roman Empire. A study of relations between the Roman jurists and the Emperors from Augustus to Hadrian, München 1989, 320. 19 Talbert, Senate 163. 20 Plin., pan. 2, 4: Et hoc magis excellit atque eminet, quod unum ex nobis
putat.
21 Vgl. etwa E. Champlin, The Glass Ball Game, ZPE 60, 1985, 159 ff.
Der Kaiser und seine Ratgeber
10
Asia, vom Kaiser selbst in offiziellen Schreiben als
amici bezeichnet wurden.
Wurde die Freundschaftsbeziehung durch den Kaiser aufgekündigt
(amicitiam
renuntiare), dann war derjenige aus dem Kreis um den Kaiser ausgeschlossen. Diese Bezeichnung
amicus wurde aber offensichtlich nie in einem offiziellen Akt
verliehen und erscheint deshalb auch nicht titular in Inschriften hochrangiger Personen, die ihre gesamte Laufbahn der Öffentlichkeit präsentieren;22 vielmehr entwickelte sich ihre Anwendung in jedem einzelnen FaU aus den Umständen heraus, wurde aber vom Ka.iser selbst fast titular verwendet. Auf diese Weise war es möglich, daß jeder Kaiser, in einer allerdings nicht formalisierten Weise, um sich eine breite Gruppe von zumeist schon avancierten, besonders loyal erscheinenden Senatoren schuf, die einerseits als offizielle Inhaber amtlicher Positionen herangezogen werden konnten, aber genauso auch in inoffizieller Form als Berater. Daß Antoninus Pius seinen
amici die Freiheit ließ, nicht stets um ihn
zu sein und ihn auch nicht immer auf Reisen zu begleiten, wird von Mare Aurel als eine herausragende Eigenschaft seines Adoptivvaters bervorgehoben.23 Doch wird damit gleichzeitig ausgesagt, daß
amici eben üblicherweise zur Disposition
des Herrschers zu stehen hatten. Der Kreis der
amici war allerdings von Anfang an nicht auf Senatoren
beschränkt, sondern umfaßte stets auch Personen ritterHeben Standes.24 Auch in dieser sozia-politischen Gruppe gehörten vor allem die hohen Funktionsträger um den Kaiser z u den
amici.
Wenn der Kaiser sich in Rom aufhielt, war der Kreis derjenigen Senatoren, die ihm bei Bedarf zur Verfügung standen, relativ groß, da nicht nur die amtslosen Senatoren, sondern auch die in Rom selbst tätigen Magistrate
für spezielle
Zwecke zum Kaiser gerufen werden konnten. Es wäre überraschend, wenn die einzelnen Herrscher nicht je nach Bedürfnis und Inhalt des Beratungsgegenstandes ihre Wahl getroffen hätten, wobei auch der Aspekt, möglichst vielen der hochrangigen Senatoren das Gefühl der kaiserlichen Hochschätzung zu vermitteln und sie damit noch stärker an den Herrscher zu binden. eine Rolle gespielt haben kann. So i.st es vielleicht auch erklärlich, daß Plinius d.J. öfters von Traian eingeladen wurde, an Beratungen des
consilium teilzunehmen, teilweise in Rom
selbst, einmal auch außerhalb der Hauptstadt auf dem kaiserlichen Landgut bei 22 Lediglich in einer nie richtig publizierten Inschrift des Ti. Claudius Atticus Herodes, deren Herkunft freilieb unbekannt ist, wird inter amicos in den Text gesetzt, PIR2 C
802. Das epigraphische Zeugnis wird in Kürze publiziert werden (dankenswerte Mitteilung von B.E. Thomasson). 23 Marcus Aurelius, E\.c; taunSv 1, 16, 8. 24 Vgl. Crook, Consilium principis 148 ff.; R. Syme, Some Friends of the Caesars, AJPh 77, 1956, 264 ff. =Roman Papers I 292 ff.
Der Kaiser und seine Ratgeber
11
Centumcellae.25 In all diesen Fällen handelt es sich, soweit für uns erkennbar, um gerichtliche Untersuchungen, die an den Kaiser herangetragen worden waren, nicht jedoch um allgemeine administrative oder im engeren Sinn politische oder gar mjljtärische Angelegenheiten, mit denen sich die Kaiser zu befassen hatten. Eine regelmäßige Teilnahme
am
Gerichtsconsilium Traians durch Plinius ist aber aus
seinen Äußerungen nicht zu erkennen, vielmehr scheint er nur gelegentlich berufen worden zu sein, und dazu bedurfte es stets einer eigenen Entscheidung und Einladung durch den Herrscher. Auch bei anderen Senatoren dürfte die Funktion als Berater beim Kaiser im allgemeinen keine kontinuierliche, regelmäßige
Tätigkeit dargestellt haben, da sonst zu erwarten wäre, daß dies in der einen oder anderen Form wenigstens gelegentlieb in die öffentliche Darstellung der Laufbahn
auf Inschriften eingegangen wäre. Solche Tätigkeit als Ratgeber des Herrschers aber findet sich niemals in Inschriften, die einen senatorischen Cursus beschreiben, erwähnt (ebensowenig wie die 'Stellung' als amicus principis), obwohl gerade Sonderaufgaben im Dienst des Kaisers außerhalb der Normalität einer Laufbahn einen einzelnen Senator aus der Masse seiner Standesgenossen herausheben konnten und deshalb auch nicht selten in Inschriften, die den cursus
honorum bieten, entsprechend herausgestellt wurden.26 Als Berater des Herrschers zu fungieren hatte aber eine andere Qualität als eine republikanische Magistratur oder eine sonstige Amtsstellung. Ein Kodizill mit einer 'Ernennung' hat es deshalb für die Berater der Kaiser im I. und 2. Jh. nicht gegeben. Dabei ist keineswegs ausgeschlossen, daß der eine oder andere Senator öfters an einem
consilium teilgenommen hat, einige wenige sogar recht häufig oder auch regelmäßig, wie man es etwa bei Fabricius Veiento vermuten kann. Öfter wird auch der praefectus urbi herangezogen worden sein, wie es von luvenal in seiner vierten Satire erwähnt wird. Der höchste Vertreter des ordo senatorius als 'geborener' Berater des Herrschers in Rom selbst würde jedenfalls der sozio politischen Vernunft entsprochen haben; doch zu allererst hatte der Stadtpräfekt seine eigenen Aufgaben zu erfüllen, stand also dem Herrscher notwendigerweise nicht ständig zur Verfügung. Der relativ großen Zahl von hochrangigen Senatoren, die in Rom seit der Zeit des Augustus jederzeit berufbar waren und unter denen ausgewählt werden konnte,
25 Plin., ep. 4, 22; 6, 22. 3 1 . 2 6 Siehe z.B. CfL VI 1548 D. 1019: mit dem Sonderauftrag der A ssignation von Land; CIL VI 1444 D. 1022: mit einem 'Bericht' über den Dakerkrieg; CIL VIII 6706 0. 1065: über die Teilnahme am Judenkrieg unter Hadrian; CIL V 865 D. 1069: als comes Hadrians während zweier Reisen; AE 1956, 124: ritterliche und senatorische =
=
=
S pezialaufgaben während der Donaukriege unter Mare Aurel.
=
12
Der Kaiser und seineRatgeber
stand jedenfalls im 1 . Jh. nur eine recht kleine Zahl von Rütem gegenüber, die eine Position einnahmen, die von der Bedeutung und der sozialen Einschätzung her einem konsularenRang bei Senatoren wenigstens partiell vergleichbar war.27 Bevor die mächtigen Freigelassenen für wichtige Funktionsbereiche wie dem ab
epistulis, dem a libellis oder dem a rationibus, wie wir sie etwa unter Claudius, Nero oder Vespasian kennen, durch Ritter ersetzt wurden, waren dies in Rom selbst nur die beiden Prätorianerpräfekten sowie vielleicht die Präfekten für die Getreideversorgung und für die stadtrömische Feuerwehr. AndereRitter dagegen, die ihre Tätigkeit im Dienst des Kaisers beispielsweise mit der Statthalterschaft in Ägypten oder der Statthalterschaft i n einer der mauretanischen Provinzen beendet hatten, zogen sich vermutlich häufig nach Abschluß ihrer Funktionen auf der Reichsebene in ihre Herkunftsorte zurück und waren damit üblicherweise nicht mehr verfügbar. Jedenfalls sind nur wenige, in der Administration aufgestiegene Ritter mit einem dauerhaften Wohnsitz i nRom nachweisbar.28 Ein Gremium wie der Senat, dessen Sitzungen verpflichtend waren, was allein schon aus praktischen Gründen die fast ununterbrochene Anwesenheit der Senatoren inRom erforderte,29 gab es für die Ritter nicht. Somit war es für die Herrscher einigermaßen naheliegend, bei Bedarf ihre Berater ritterlichen Ranges vornehmlich oder aus
schließlich aus den jeweils gerade im Amt befindlichen Mitgliedern dieses ordo zu wählen; dabei standen notwendigerweise die beiden Prätorianerpräfekten an der
Spitze, da sie sich einerseits ohnehin wegen ihrer Schutzfunktion stets in der Umgebung des Kaisers aufzuhalten hatten und sie andererseits seit dem späteren 1. Jh. auch üblicherweise eine längere Laufbahn mit verschiedenartigen voraus gehenden Aufgaben hinter sich gebracht hatten.30 Seit der domitianischen Zeit und vor allem im Verlauf des 2. Jh.s erweiterte sich der Kreis der in dieser Weise faktisch und sozio-politisch qualifiziertenRitter über die stadtrömischen Präfekturen binaus durch die Inhaber der sogenannten palatinen Funktionen oder, wie es in zwei Dokumenten der Zeit Caracallas heißt, die principes officiorum.31 Gemeint sind damit die Leiter der Funktionsbereiche
ab epistulis (Latinis bzw. Graecis), a libellis, a cognitionibus, a rationibus. Dennoch blieb die Zahl dieser verfügbaren Ritter immer relativ beschränkt, 27 Siehe G. Alföldy, Die Stellung der Ritter in der Führungsschicht des Imperium Romanum, Chiron II, 1981, 169 ff. ders., in: Die römische Gesellschaft, Stuttgart 1986, 162 ff. 28 Vgl. W. Eck, in: EOS I 204 f.; Lexicon urbis Romae II s.v. domus. 29 Siehe W. Eck, Cum dignitate otium. Senatonal domus in Imperial Rome, SCI 16, 1997, 162 ff. 30 Siehe Miliar, Emperor 125 f. 3t SEG xvn 759; c. 1. 9, 5 1 , 1. =
Der Kaiser und seine Ratgeber
13
jedenfalls stets kleiner als etwa der Kreis der Konsulare. Ihnen durften die an einem
consilium teiJnehmenden Ritter, wenn sie dort ein sachadäquates Gewicht
haben sollten, rangmäßig nicht allzu sehr unterlegen sein, womit Inhaber minder wichtiger prokuratorischer Funktionen in Rom wie etwa der procurator patrimonii oder der
procurator vicesimae heredilatium wohl ausgeschlossen waren. So könnte
sich aus dieser starken numerischen Begrenzung der Ritter, die herangezogen werden konnten, leicht eine gewisse Normalität und Regelmäßigkeit bei der Benennung ritterlicher Berater herausgebildet haben, jedenfalls dann, wenn wie im Fall des collSilium auf der tabula Banasilana der Kaiser offensichtlich Wert auf ein numerisches Gleichgewicht zwischen beiden
ordines in der Vertretung legte. Ob
sich daraus im Laufe der Zeit eine Regelmäßigkeit der Art entwickelte, daß außer den beiden
praefecti praetorio stets die gleichen hohen ritterlichen Amtsträger
vertreten waren (denkbar wären die praefecti annonae und sowie der ab
vigilum, der a rationibus
epistulis Latinis und der a libeilis), läßt sich unserer Dokumentation
bisher nicht entnehmen. Deutlich ist nur, daß es allen Herrschern offensichtlich darum ging, jeweils Personen vergleichbarer Rangstellung aus beiden ihrem
ordines in
consilium vertreten zu haben,32 das somit ein Spiegelbild der sozio
politisch führenden Kräfte am kaiserlichen Hof darstellte. Dabei könnte sich auch in diesem Bereich seit dem späteren 2. Jh., wenn unsere spärlichen Quellen einen richtigen Eindruck geben, eine gewisse Verschiebung des Schwergewichts hin zu den Rittern bemerkbar gemacht haben, die insbesondere auf die politisch administrativen Entwicklungen seit dem Ende des I. Jh.s zurückzuführen ist, aber letztlich doch vor allem vom Charakter des Herrschers abhängig war. So ist es vielleicht kein Zufall, daß in der, freilich fragmentarischen, Aufzählung der Teilnehmer an einem
consilium des Comroodus neben zwei Senatoren drei,
vielleicht vier Ritter genannt werden, die, soweit der Text des kaiserlichen Schreibens es erkennen läßt, jeweils eine offizielle Funktion innehatten.33 Dennoch bleibt, zumindest bis zum Ende der antoninischen Dynastie unter Commodus, die grundsätzliche Dominanz der Senatoren im wesentlichen unbestritten. Im konkreten Einzelfall kann es zusätzlich von den Gegenständen und der jeweiligen Situation bestimmt worden sein, wen der Princeps zu sich rief. An den Beratungen Vespasians in Berytus vor Beginn des Feldzuges gegen Vitellius haben, wie in dieser Ausnahmesituation zu erwarten war, neben Mucianus auch
32 Ygl. auch HA Hadr. 18, I. 33 Oliver, Greek Constitutions Nr. 209.
Der Kaiser und seine Ratgeber
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die Legionslegaten, aber auch Tribunen und Centurionen teilgeoommen.34 Ebenso haue Lucios Verus in seiner Umgebung vor allem Personen mit militärischer Erfahrung, als er nach dem Osten zum Krieg gegen die Parther autbrach; allerdings soll ihm Mare Aurel auch die Leiter aller zumindest ein
o.fficia mitgegeben haben, von denen
ab epistulis Graecis namhaft zu machen ist.35 Hadrian, Pius und
Marcus sollen nach der Historia Augusta jeweils nur Senatoren, aber keine Ritter zu Mitgliedern des Gerichtsconsiliums ernannt haben, wenn der Fall einen senatorischen Angeklagten betraf;36 denn ein Ritter, so die freilich nur von der Historia Augusta formulierte Einstellung der genannten Kaiser, solle kein Urteil fällen über einen Angehörigen des Senats. Andererseits kann es eine bestimmte
Angelegenheit selbst erfordert haben, nur solche Personen heranzuziehen, die durch besondere Kenntnisse und Erfahrungen dazu ausgewiesen waren. So hatten Mare Aurel und Lucius Verus in einem Erbschaftsfall nach einer Praxis ent schieden, die auf den Juristen Proculus zurückging; als jedoch die Angelegenheit, möglicherweise über einen stadtrömischen Prätor oder einen Provinzialstatthalter, erneut vorgelegt wurde,37 besprachen die Kaiser die Problematik mit Volusius Maeciaous, der eine ritterliche Laufbahn bis zur Präfektur von Ägypten durchlau fen und schließlieb mit dem Konsulat auch einen Sitz im Senat erreicht hatte, der aber vor al1em als juristischer Lehrer Mare Aurels höchstes Ansehen genoß; schließlich aber wurden auch andere kaiserliche
amici, alle iuris periti, Rechts
gelehrte, beigezogen, die am Ende, mit Verweis auf die Mehrheit der juristischen Autoren, eine veränderte Entscheidung des Kaisers herbeiführten.38 Welcher sozialen Gruppe die erwähnten
iuris periti, von Volusius Maecianus abgesehen,
angehörten, wird nicht gesagt; das entscheidende Kriterium für ihre Befragung war hier eindeutig ihr Wissen und die sachliche Zuständigkeit, wovon sich Mare Aurel bei der Revision seiner vorausgehenden Entscheidung leiten ließ. Zumindest nach außen hin waren alle Entscheidungen und Äußerungen, seien es Briefe an Klientelkönige oder Städte des Reiches, Weisungen an die Statthalter, Urteile in Rechtsfragen , allein die Sache des Herrschers;39 seine Ratgeber traten 34 Tac., hist. 2, 8 1 , 3.
Js Syme, Roman Papers V 685; Birley, Marcus Aurelius2 125; HA Mare. 8, 10; J. Nolle, Side im Altertum, Bonn 1993, Bd. I Nr. 62. 36 HA Hadr. 8, 8 f.; Mare. 10, 6. 37 Vgl. W. Williams, ZPE 17, 1975, 76; Miliar. Emperor 248 f. 38 Ulp., dig. 37, 14, 17 pr. 39 Deutlichstes Zeichen dafür ist, daß grundsätzlich der Kaiser selbst spricht und daß am Ende auch stets von seiner Hand eine Schlußformel (scripsi, rescripsi oder auch subscripsi) vorhanden sein muß. Zu vergleichen ist etwa die Unterschrift unter einem libellus aus dem J. 249, der von D. Feissel und J. Gascou, CRAI 1989, 535 ff. publi ziert wurde; vgl. dies., JS 1995, 65 ff. Ygl. zuletzt zur gesamten Problematik F. MiJJar,
Der Kaiser und seine Ratgeber
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im konkreten Fall, selbst wenn auf sie verwiesen wurde, in den Hintergrund. Somit ist es kaum möglich, den individuellen Anteil einzelner Personen um den Kaiser zu ermitteln, selbst wenn, wie im Fall der senatorischen Berater Hadrians: Neratius Priscus, luventius Celsus und Salvius lulianus, aus ihren juristischen Schriften Vergleichsmaterial vorhanden ist.40 Eine Versachlichung und Verstetigung des Kreises der kaiserlichen Ratgeber, und zwar vor allem unter dem Aspekt der juristischen Fachkompetenz, sah man in der Forschung insbesondere seit der Regierungszeit Hadrians gegeben. Denn nach der Historia Augusta ließ er zu seinem Gerichtsconsilium nicht nur seine und comites zu, sondern auch
amici
iuris consulti.41 Diese Nachricht verband man mit
Zeugnissen aus der Zeit von Mare Aurel und Septimius Severus, nach denen es
consiliarii, also mehrere Personen, die gerade diese Bezeichnung trugen, in der direkten Umgebung des Kaisers gegeben hat. Als frühester wird ein M. Aurelius Papirius Dionysius genannt, der am Anfang einer ritterlichen Laufbahn unter Marcus in ein
consilium aufgenommen worden ist (adsumptus in consilium), und
zwar mit einem Gehalt von 60.000 Sesterzen.42 Dabei wurde stets vorausgesetzt.
L'empereur romain comme decideur, in: Du pouvoir dans l'antiquite: Mots et realites, Cahiers du Centre Glotz I, Geneve 1990, 207 ff.; längere Version in: ders., Emperor 636 ff.; T. Honore, Ernperars and Lawyers, Oxford2 1994, I ff. 40 Siehe den Versuch von Bauman, Lawyers (Anm. 18) 263 ff., den Einfluß von Celsus und lulianus im consilium Hadrians nachzuweisen. Doch ist hier das vorhandene Quellenmaterial völlig verschieden von dem, das es T. Honore, Emperors and Lawyers (Anm. 39), ermöglichte, einzelne a libellis mit Wahrscheinlichkeit zu identifizieren. Wer die sachliche Entscheidung traf, ist im Ubrigen noch nicht gesagt. Vgl. F. Miliar, JRS 76, 1986, 272 ff. (Rezension der I . Auflage des Buches von Honorc� von 1981 ); ders., Empero.-2 648 f.; M. Peachin, The Emperor, bis secretaries and the composition of rescripts, Studi ital. di filologia classica 10, 1992, 955 ff.; J.-L. Morgues, Les formules "rescripsi", "recognovi", et les etapes de Ia redaction des souscriptions imperiales sous le Haut-Empire romain, MEFRA 107, 1995, 255 ff. Bei aller Versachlichung von Vorgängen und dem mengenmäßigen Anwachsen der Entscheidungen, die von den Herrschern zu treffen waren, sollte dennoch das, was das s.c. de Cn. Pisone patre zeigt, nicht vergessen werden. Zum einen hat dort Tiberius seine subscriptio, mit der er seine Zustimmung zu dem Text des s.c. kundgibt, mit eigener Hand unter das s.c. geschrieben (manu mea scripsi); zum anderen hat der quaestor Augusti A. Plautius den gesamten Text des s.c. auf 1 4 tabellae, die auf Vorder und RUckseite beschrieben waren, eigenhändig geschrieben (scriptum manu Auli quaestoris mei), nicht etwa ein Schreiber (W. Eck - A. Caballos - F. Fern6ndez, Das senatus consultum de Cn. Pisone patre, München 1996, 272 ff.). Dies scheint ganz normal gewesen zu sein, obwohl es uns fremdartig und vielleicht nicht sachadäquat vorkommt. 41 HA Hadr. 18, I : Cunr iudicaret, in consilio habuit non amicos suos aut comites
so/um sed iuris consultos et praecipue lutium Celsum, Salvium lulianum et Neratium Priscum aliosque, quos tamen senatus omnis probasset. 42 CTL X 6662 D. 1455; vgl. Pflaum, Carri�res procuratoriennes equestres l 472 ff. =
16
Der Kaiser und seine Ratgeber
das genannte consilium sei das kaiserliche gewesen; doch ist dies keineswegs erwiesen. Vielmehr ist es ebensowohl möglich, darin das consilium des Prätorianer- bzw. des Stadtpräfekten zu sehen; eine solche Funktion ist auch anderweitig für Personen ritterlichen Ranges, vermutlieb auf einer sexagenaren Gehaltsstufe, bekannt.43 Erst an einem späteren Punkt seiner Laufbahn wird Dionysius consiliarius Aug(usti) genannt, d.h. hier wird gerade, im Gegensatz zur vorausgehenden Stellung, der Zusammenhang mit dem Kaiser betont. Sein Gehalt betrug in dieser Position 100.000 Sesterzen. Ferner wurde durch Septimius Severus und Caracalla festgelegt, Rechtskundige, die in den Beraterkreis des Kaisers aufgenommen worden seien (in consilium principum adsumpti), solJten
von den zivilrechtlieben Aufgaben der Tutel befreit sein, da sie in der unmittelbaren Umgebung des Kaisers tätig sein müßten und ihre Ehrenstellung weder zeitlich noch örtlich begrenzt sei.44 Besonders die Aussage, die Stellung sei auch örtlich nicht begrenzt, zeigt deutlich, daß solche consiliarii dem Kaiser auch dann zur Verfügung zu stehen hatten, wenn er Rom zu Reisen durch die Provinzen oder zu Feldzügen verlassen mußte; sie gehörten dann dem Reiseconsilium an;45
das erforderte dann auch ihre regelmäßige finanzielle Remunerierung. Geschenke erhielten auch gelegentlieb anwesende Ratgeber wie etwa Plinius d.J. durch Traian.46 Somit bat es unbestreitbar zumindest seit der Zeit des Mare Aurel die Stellung eines besoldeten consiliarius gegeben, die, wie die Privilegierung zeigt, wie eine amtliche Funktion behandelt wurde. Als solche wurde sie auch in einer Laufbahninschrift genannt, anders als dies bei senatorischen 'Beratern' des Herrschers der Fall war, anders auch als bei der 'Stellung' eines amicus principis. Unklar ist freilich, ob mehrere consiliarii gleichzeitig tätig waren und besoldet wurden. Dies wäre unwahrscheinlich, wenn tatsächlich, wie es generell angenommen wird, von der Position, wie sie Aurelius Papirius Dionysius als
consiliarius Augusti einnahm, ein direkter Weg zu der Funktion des a consiliis41 im 3. Jh. geführt hätte. Denn der a consiliis muß eine Aufgabe innegehabt haben, wie wir sie z.B. beim ritterlichen a libellis oder a cognitionibus mit ihren Funktionen kennen. Diese aber waren stets so gestaltet, daß nur ein einziger hoher ritterlicher Amtsträger vorhanden war. Doch gibt es keinen Hinweis, daß der a
consiliis die Aufgaben eines oder mehrerer consi/iarii weiterführte oder daß diese 43 Pflaum, Carrie res procuratoriennes equestres 111 1030.
44 Papinianus, dig. 27, I, 30 pr.; vgl. Ulp., dig. 4, 4, I I , 2; CIL VI 1634 D. 1423. 45 W. Kunkel, JbAC 1 1/12, 1968/69, 239 f. ders., Kleine Schriften (Anm. 12) 423 f. 46 Plin., ep. 6, 3 1 , 14. 47 CIL V 8972 = D. 1459; OGIS 549. =
=
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Der Kaiser und seine Ratgeber
ihm etwa untergeordnet gewesen wären. Vielmehr muß es sich bei dieser Funktion um eine neue Aufgabe gehandelt haben, deren Inhalt aber noch nicht näher zu bestimmen ist. Somit spricht aus der späteren Funktion des
a consiliis
nichts gegen die Existenz mehrerer gleichzeitiger consiliarii, worauf jedenfalls die Formulierung Papinians für die Zeit Caracallas schließen läßt.48 Die seit Mare Aurel bezeugte Stellung eines consiliarius kann jedoch in keiner Weise mit der Aussage der Historia Augusta über die Heranziehung von
iuris
periti durch Hadrian verbunden werden. Denn als Beispiele für die iuris periti im consilium Hadrians werden Iuventius Celsus, Salvius Julianus und Neratius Priscus erwähnt,49 die alle senatorischen Ranges waren; ftir Senatoren wird jedoch niemals in dokumentarischen Zeugnjssen das Wort
consiliarius verwendet. Die
genannten Senatoren, aJie von höchstem Ansehen als Juristen, gehörten vielmehr gerade zum Kreis der amici bzw. auch der comites, stellen somit sachlich keine eigene Gruppe Rechtskundiger dar. Die Bezeichnung später
consiliarius (ebenso wie
a consiliis) aber findet nur bei Funktionsträgern ritterlichen Ranges
Verwendung. Damit muß es jedoch offen bleiben, wann zum ersten Mal während des 2. Jh.s die Notwendigkeit verspürt wurde, spezielle consiliarii auf Dauer zur Verfügung des Kaisers zu haben. Dies mit Hadrian zu verbinden, besteht keinerlei Notwendigkeit. Soweit für uns erkennbar, wurden auch nicht mit der Stellung eines consiliarius generell Personen mit besonderen juristischen Kenntnissen als dauerhaftes Element im kaiserlichen
consilium etabliert. Denn bei keiner der Personen, für
die, jedenfalls innerhaJb einer Laufbahn, eine so beschriebene Funktion angeführt wird,so ist ein klarer Hinweis auf spezielle Kenntnisse auf dem juristischen Sektor gegeben, abgesehen vom ersten bekannten Papirius Dionysius; er wird ausdrücklich
consiliarius Augusti, M. Aurelius
iuris peritus genannt. Doch muß die so
bezeichnete Fähigkeit keineswegs den entscheidenden Grund zum
für seine Ernennung
cot1Siliarius unter Mare Aurel bezeichnen. Denn iuris peritus wird Dionysius
von den Bewohnern von Anti um genannt, die ihn mit einer Statue ehrten;5 1 vielleicht hatte er ihnen in einer Rechtsangelegenheit Rat zukommen lassen, weshalb sie Wert darauf legten, seine für sie selbst so hilfreiche Tätigkeit zu dokumentieren, wie dies auch in anderen Inschriften, die zu Ehren einer Person unter einer Statue errichtet wurden, am Ende eines Laufbahntextes geschah.
48 Vgl. oben Anm.
44.
49 HA Hadr. 18, I . 50 Hirschfeld, Kaiserliebe Verwaltungsbeamte 340 f. 51 Vgl. Anm. 42.
18
Der Kaiser und seine Ratgeber
Die offizielle, regelmäßig stattfindende Beratung des Herrschers erfuhr somit sicher im Verlauf des 2. Jh.s eine gewisse personelle Verfestigung. Bestimmte Amtsträger, vor allem aus dem Kreis der ritterlichen Funktionäre, die ohnehin ständig in der Nähe des Kaisers tätig waren, wurden mit aller Wahrscheinlichkeit mehr als andere herangezogen. Wie freilich diese Beratung im einzelnen organisiert war und in welchem zeitlichen Rhythmus sie erfolgte, ist für uns nicht zu erkennen. Grundsätzlich war der Herrscher für alle Entscheidungen in politischen, administrativen und gerichtlichen Fragen zuständig. Zahllose Fragen und Anträge jeglicher Art wurden an ihn durch Einzelpersonen, Gruppen oder Gemeinden herangetragen. Die Spannweite dessen, worüber entschieden werden mußte, ersieht man allein an den zum Teil bereits angeführten Fällen, bei denen die Beteiligung von Beratern bezeugt ist. Sie reichen vom Kriegsbeschluß gegen die Chatten, über die Regelung der Gebietsansprüche von Gemeinden, die Entscheidung von Anträgen auf römisches Bürgerrecht bis zu den zahllosen Rechtsstreitigkeiten, deren abschließende Klärung vom Kaiser erwartet wurde. Auch die Ernennung von Amtsträgem für die zahlreichen Funktionen in Rom und in den Provinzen wird möglicherweise im Kreis der mehr oder weniger ständigen Berater besprochen worden sein, obwohl gerade in diesem Zusammenhang die inoffizielle Einflußnahme besonders stark gewesen sein dürfte. 52 Wegen der Fülle der anfallenden Arbeit darf man jedenfalls von sehr häufigen Treffen des Kaisers mü seinen 'dauerhaften' Beratern ausgehen; ja es wäre nicht überraschend, wenn solch formelle Treffen sogar fast täglich erfolgt wären, vielleicht verbunden mit der morgendlichen salutatio.53 Doch der Kreis derjenigen, die derjeweilige Kaiser zur formellen Beratung und bei offiziellen Angelegenheiten auch zur repräsentativen Darstellung der kaiserlichen Maiestät um sich versammelte, war auf keinen Fall absolut fixiert und in seiner Zusammensetzung nicht eindeutig festgelegt. Dies erkennt man besonders deutlieb bei den Reisen der Herrscher, die oft eine jahrelange Abwesenheit von Rom mit sich brachten.54 Alle wesentlichen Entscheidungen waren dann ohne Zweifel dort zu treffen, wo der Herrscher sich jeweils aufhielt, nicht etwa in Rom von einzelnen Funktionsträgern, d.h. vom Inhaber eines bürokratisch organisierten Aufgabenbereichs.
52 Vgl. dazu in diesem Band 24 ff. 53 Nach Plin., ep. 3, 5, 9 ging Plinius d.Ä. während eines von ihm in Rom
durchgeführte!ll Amtes (officium) täglich vor Tagesanbruch zu Vespasian. Ob bei diesen Treffen jeweils auch andere Personen anwesend waren, sagt Pjjnjus d.J. nicb.t. 54 Zur Gesamtproblematik Halfmann, Itinera principum 90 ff.; Miliar, Emperor 1 10 ff. und A. Birley., Hadrian. The Restless Emperor, London 1997, passim.
Der Kaiser und seine Ratgeber
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Ein Teil der ritterlieben Funktionsträger, aJlen voran die Prätorianerpräfekten oder zumindest einer von ihnen, aber auch die Inhaber der Funktionen des
ab
epistulis Latinis oder Graecis, des a libellis haben den Herrscher wohl regelmäßig begleitet, wenn er Rom für längere Zeit verließ, da sie ihre Funktionen innerhalb einer personal strukturierten, auf den Kaiser ausgerichteten Herrschaftsorga nisation, zumindest zu einem wesentlichen Teil, nur im Konnex mit dem Herrscher versehen konnten. Aber ganz natürlicherweise mußte umgekehrt der ritterliche Präfekt für die
annona oder für die stadtrömische Feuerwehr im
aUgemeinen in Rom zurückbleiben, ebenso wie der senatorische praefectus
urbi
die Reichsmetropole üblicherweise nicht verlassen konnte, da ihre Aufgaben an die Stadt selbst gebunden waren und die persönliche Anwesenheit erforderten. Auch der für die kaiserlichen Finanzen in ihrer Gesamtheit zuständige a
rationibus
scheint Rom normalerweise nicht verlassen zu haben.55 Das einzige uns erhaltene Dokument, in dem der
a rationibus im 2. Jh. im consilium genannt wird, wurde
offensichtlich in Rom abgefaßt.56 Somit war ein Teil des Personenkreises, vor aJlem Amtsträger, auf die der Kaiser in Rom für Beratungen und Gerichtssitzungen mit aUer Wahrscheinlichkeit immer wieder zurückgegriffen hat, während der Reisen nicht verfügbar. Dies gilt für Senatoren wie für Ritter. AJlerdings hat jeder Herrscher dafür gesorgt, daß stets eine ausreichende Zahl von Begleitern hohen sozialen Ranges um ihn war, was alleine wegen der notwendigen Repräsentation der kaiserlichen Macht und ihrer siebtbaren Darstellung in der Öffentlichkeit notwendig war. Personen, die ihn so begleiteten und die nicht schon allein wegen ihrer Funktion auch außerhalb Roms stets in seiner Nähe zu sein hatten, erhielten eine eigene Bezeichnung als
comes
Augusti.51 Diese Stellung wurde für so bedeutsam erachtet, daß nicht wenige sie in ihren
cursus honorum aufnahmen, obwohl es sich dabei zunächst um kein Amt
im spezifischen Sinn gehandelt hat.58 Auch unter den
comites befanden sich
Senatoren
zumindest
und Ritter, wenngleich
die letzteren,
in unserer
Dokumentation, eine Minderheit bilden. In der Realität kann das, jedenfalls manchmal, auch anders gewesen sein. Diese comites hat der Herrscher aus seinen
55 MiUar, Emperor 105 f.
56 Oliver, Greek Constitutions Nr. 209. 57 Liste der comites bei Halfmann, Itinera Principum 245 ff. 58 Die Nennung der comes-Funktion erfolgte aber offensichtlich nicht immer. So hat M. Herennius Faustus (PIR2 H 107) Hadrian während seiner Ägyptenreise im J. 130 begleitet, weil sonst nicht erklärt werden könnte, wie er als Senator tiberhaupt in das Land hätte kommen können. Doch in dem cursus honorum von CIL III 52 + p. 968 erscheint dieses 'Amt' nicht. Zur Datierung zuletzt Birley, Hadrian (Anm. 54) Index s.v. Herennius.
Der Kaiser und seine Ratgeber
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amici ausgewählt, .einem weitgezogenen Personenkreis,
der nicht präzis definiert
war und in seiner Zusammensetzung schnell variieren konnte.59 Manche comites haben jedoch vielleicht erst durch die Wahl auch den 'Rang' eines amicus erhalten, vor allem, wenn sie bereits in recht jungen Jahren in den
comitatus
berufen
wurden, wie z.B. die beiden aus Aquileia stammenden senatorischen Caesernii, von denen der eine nach der Quästur
comes
Hadrians
per Siciliam, Africam,
Mauretaniam und nach der Prätur comes per Orientern wurde, während der andere zwischen Vigintivirat und Quästur als comes ... Sie waren, wie andere
comites
Hadriani in Griente fungierte.60
auch, auf diese Weise jahrelang, manchmal mit
Unterbrechungen zur Übernahme von Ämtern in Rom,61 mit dem Kaiser unterwegs, damit aber auch in einer Intensität mit ihm zusammen, wie es in Rom wohl eher ungewöhnlich war. Sie wurden so vermutlich weit öfter auch zu Beratungen herangezogen, da der Kreis der möglichen Berater außerhalb Roms beschränkter war. Entsprechend könnte auch ihr Einfluß stärker gewesen sein. Die
comites
hatten im allgemeinen den Herrscher in aJJen Bereichen zu
unterstützen. Somit konnten ihnen neben der Aufgabe der Repräsentation in der unmittelbaren Umgebung des Kaisers auch spezielle Funktionen, etwa während militärischer Unternehmungen, übertragen werden, wie es z.B. von M. Pontius Laelianus während der Orientkriege unter Mare Aurel und Verus bezeugt ist.62 Doch vor allem hatten diese
comites als amici
zur Beratung des Herrschers zur
Verfügung zu stehen; so waren die bejden Schwiegersöhne des Marcus, Claudius Pompeianus und Claudius Severus, bei der letzten Versammlung seiner Ratgeber vor seinem Tod, bei dem der Kaiser ihnen seinen Sohn Cornmodus als Nachfolger anempfohlen haben soll, die herausragenden Teilnehmer.63 In Dokumenten aus der Zeit des Septimius Severus und des Caracalla erscheinen die
amici neben denen,
die zum consilium berufen wurden, bzw. neben den Prätorianerpräfekten und den
principes officiorum
außerhalb Roms bei der Begrüßung des Kaisers und bei
59 Siehe Tac., ann. 3, 30, 4: fatum potentiae raro sempitemae. Zu den amici insgesamt Crook, Consilium principis 2 1 ff. 148 ff.; R. Syme, Some Friends of the Caesars, AJPh 77, 1956, 264 ff. = Roman Papers I 292 ff.; Miliar, Emperor 1 1 0 ff.; P.A. Brunt, The Emperor's Choice of amici, in: Alte Geschichte und Wissenschaftsgeschichte. Festschrift für Karl Christ, hg. P. Kneissl - V. Losemann, Darmstadt 1988, 39 ff. 60 CIL V 865 = D. 1069 und AE 1957, 135; D. 1068 = ILAig. ll 623. 6J So z.B. einer der schon genannten Caesemiibrüder (CIL V 865 D. 1069); während man s.ich noch vorstellen könnte, daß er als tribunus piebis dennoch in der Umgebung des Kaisers vel!'blieb, ist dies als praetor inter cives et peregrinos wohl nicht möglich gewesen, denn damit waren konkrete Funktionen verbunden. o2 CIL VI 1497 und 1549 0. 1094 und 1 1 00. 63 Herodian I , 4, I ff. =
=
Der Kaiser und seine Ratgeber
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offiziellen kaiserlichen Beratungen.64 Der schon genannte Fabricius Veiento,
consul II/ im J. 83, war so nicht nur bei der Beratung Domitians auf dem Albanum anwesend,65 sondern er hat offensichtlich den Kaiser auch nach Germanien begleitet, entweder im Krieg gegen die Chatten im J. 83 oder beim Zug gegen den Usurpator L. Antonius Saturninus im Winter
88/89. Er wurde
dabei seinerseits von seiner Frau Attica begleitet, wie eine Weihung an die Göttin Nemetona aus Mainz zeigt.66 Zuvor hatte er an den Überlegungen Oomitians, ob ein Krieg gegen die Chatten geführt werden sollte, teilgenommen.67 Manche der gewichtigen amici fungierten auch als Sprachrohr des Herrschers im Senat.68 Für die Mitwelt traten die offiziellen Ratgeber des Herrschers vor allem dann
direkt in Erscheinung, wenn die entsprechenden Verbandlungen öffentlich durchgeführt wurden, was insbesondere bei Gerichtssitzungen oder beim Empfang von Gesandtschaften offensichtlich noch lange der Fall war. So wird etwa von Vespasian berichtet, er habe oft auf dem Forum Recht gesprochen,69 wobei die Anwesenheit seines Beraterkreises wie bei jedem römischen Magistrat voraus gesetzt werden darf. Auch Hadrian hielt in voller Öffentlichkeit Gerichtssitzungen ab, auf dem Forum, im Pantheon oder an anderen Orten, im Beisein der 'ersten Männer' seiner Zeit70 Als Traian jedoch seine gerichtlichen Untersuchungen auf dem kaiserlichen Landgut bei Centumcellae durchführte, wozu er neben anderen Plinius als Ratgeber hinzuzog,71 hat die allgemeine Öffentlichkeit kaum Zutritt gehabt. Möglicherweise haben auch die großen Repräsentationsbauten Domitians in Rom den allgemeinen, unkontrollierten Zutritt der Öffentlichkeit begrenzt, wie er auf dem Forum möglich gewesen ist. Doch sind solche Handlungen der Kaiser, auch wenn sie sich in den Repräsentationsräumen des Palastes entfalteten,72 im Grunde noch immer öffentlich gewesen und damit waren auch die wechselnden Ratgeber dem Blick der Öffentlichkeit, zumindest aber dem Blick eines Teils der eigenen Standesgenossen ausgesetzt.73 Beim Herrschaftsantritt des Commodus in Camunrum im März des Jahres 180 betont Herodian eigens, auf der Tribüne, von der aus der neue Herrscher eine Ansprache an die Truppen halten wollte, sei er von
64 Vgl. Miliar, Emperor 1 2 1 . 65 Vgl. oben in diesem Band 5. 66 CIL XllJ 7253 D. 1010. 67 PIR2 F 9 1 . 68 Syme, Roman Papers VII 521 ff. 69 Dio 66, I 0, 5; vgl. Suet., Tit. 7 1 . 70 Dio 69, 7 , I . 7l Vgl. oben in diesem Band 1 0 f. 72 Siehe R. Turcan, Vivre a Ia cour des C�sars, Paris 1987, 28 ff. 73 Vgl. Philostr., v. sopb. 8, 4. =
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Der Kaiser und seine Ratgeber
den Freunden seines verstorbenen Vaters umgeben gewesen. Es waren diejenigen, denen Mare Aurel vor seinem Tod den Sohn anempfohlen und die er um ihren Rat gebeten hatte.74 Die Vorstellung vor dem Heer wirkte, gerade wegen des Kreises der väterlichen Freunde und Ratgeber, wie eine Inszenierung der politischen Kontinuität. Diese Szene ist im übrigen eine der wenigen, in denen konkrete Personen als Berater des Kaisers in außergerichtlichen Fragen erscheinen. Diese treten sonst in den Quellen im allgemeinen nur dann namentlich in Erscheinung, wenn der Kaiser sich in generellen Rechtsfragen bzw. während Gerichtsverhandlungen in juri stischen Problemen beraten ließ. Doch wer beispielsweise beim Empfang der
zahlreichen Gesandtschaften zugegen war, die wohl häufig in der Öffentlichkeit vom Kaiser angehört wurden, ist nicht bekannt. Dabei konnten Anträge vieLfäl ligster Art dem Kaiser vorgelegt werden, etwa die Genehmigung zur Wieder aufnahme der Münzprägung in einer Stadt, wie es unter Dornitian sicherlich durch Gesandte für Patrai geschab,75 über finanzielle Fragen der ephesischen Gerusie unter Hadrian,76 über die Erweiterung des Rats der Stadt Prusa,77 über das Stimmrecht der Gemeinde Bubon im Landtag der Teilprovinz Lykien78 oder sogar über die Abtrennung der Novempopulana von der Provinz Aquitania.79 Die schiere Menge dieser Gesandtschaften und die Komplexität der vorgelegten Probleme machten die Beratung des Kaisers dringend erforderlich,80 entweder unmittelbar vor den Vertretern der Städte, insbesondere wenn durch mehrere Gesandtschaften zwischen ihnen strittige Fragen erörtert wurden, oder auch später im Kreis der engeren Ratgeber. Doch die Personen, die dabei herangezogen wurden, sind nicht näher bekannt. Noch weniger gibt es Informationen darüber, und zwar nicht einmal solche allgemeiner Art, wer auf politische Fragen im engeren Sinn, etwa zur Politik gegenüber Klientelstaaten, in Kriegssituationen oder über große Bauprojekte, Einfluß genommen hat, obwohl gerade auch darüber Beratungen
74 Herodian I, 5, 2; l , 4, I ff. 75 B.E. Levy, Indulgentiae Augusti Moneta lnpetrata: A Flavian Episode, in: Melanges a Pierre Bastie111, Wetteren 198:7;>39 ff. Man darf freilich nicht davon ausgehen, daß städtische Prägungen generell vom Kajser oder sonstigen römischen Funktionsträgern genehmigt werden mußten; siehe J. Nolle, Städtisches Prägerecht und römische Kaiser. Suchten die Städte Kleinasiens beim römischen Kaiser um das Recht nach, Bronzemünzen zu prägen?, Riv. ital. num. 95, 1993, 487 ff.
76 Syll.3 833 = lnschr. Epbes. V 1486. 77 C.P. Jones, The Roman World of Dio Chrysostom, Cambridge 1978, 107. 78 AE 1979, 624. 79 CIL Xl ll 412 = D. 696 1 : .. ad Augustum legati munere functus pro novem .
populis seiungere Ga/los.
80 Miliar, Emperor 375 ff.
optinuit
Der Kaiser und seine Ratgeber
23
stattgefunden haben müssen, und natürlich nicht im Senat. Wer an solchen Überlegungen und Entscheidungen mitgewirkt hat, entzieht sich in konkreten Fällen unserer Kenntnis, ebenso wie wir über die Entscheidungskriterien zumeist nichts wissen.81 Solche Erörterungen erfolgten grundsätzlich nicht i n der Öffentlichkeit und waren auch üblicherweise nicht für diese bestimmt. Deshalb wurden selbstverständlich darüber keine Dokumente veröffentlicht, in denen etwas über Beratungsinhalt oder über die Ratgeber gesagt wurde. Soweit für uns erkennbar, haben alle Kaiser der nachneronischen Zeit Wert darauf gelegt, als ihre offiziellen Ratgeber nur Mitglieder des ordo senatorius und
ordo equester in
Erscheinung treten zu lassen; kaiserliche Freigelassene waren,
soweit wir sehen können, von solchen 'öffentlichen' Auftritten als aktiv Beteiligte im wesentlichen ausgeschlossen. Selbst Iuvenal läßt in seiner Parodie auf das domitianische
consilium vor dem Beginn des Chattenkrieges keinen kaiserlichen
Freigelassenen auftreten, obwohl dies die satirische Wirkung verstärkt haben würde.82 Doch war dem Dichter bewußt, daß er damit zu sehr an der Wirklichkeit vorbeigeschrieben hätte. 83 Lediglich Commodus hat sich nicht völlig
an
diese
selbstverständliche Regel gehalten; denn in einem Brief an Athen aus dem J. 186/187 wird unter den Ratgebern nach zwei Senatoren konsularen Ranges und neben zwei oder drei ritterlichen Amtsträgern auch M. Aurelius Cleander genannt, den vermutlich Mare Aurel freigelassen hatte und der faktisch, wenn auch nicht der Bezeichnung nach, Prätorianerpräfekt unter Commodus geworden war. Weshalb Cleander beim Kaiser über so enormen Einfluß verfügte, daß er, trotz seiner Vergangenheit als Freigelassener, diese Stellung einnehmen und damit auch im kaiserlichen consilium offiziell genannt werden konnte, wird in dem Brief deutlich zum Ausdruck gebracht: er war Erzieher des Comrnodus (tropheus
=
nutritor)
gewesen. 84 Auf Cleanders - früheren - sozialen Status als kaiserlicher Freige8 1 Vgl. F. Miliar, Emperors, Fronti�rs and Foreign Relations, 3 1 B.C. to A.D. 378, Britannia 13, 1982,
I ff. Interessant sind die Überlegungen, die A. Birley, Hadrian,
227 ff. anstellt, wer auf Hadrian bei seiner Politik gegenüber den Juden Einfluß ge
nommen haben könnte. Er verweist dabei auf Iulia Balbilla (PIR2 I 650) und Paulus von
l
T rus, bei denen partiell antijüdische Ressentiments vorhanden gewesen sein können. 8 Nach Suet., Dom. 4, 2 befragte Domitian während eines Gladiatorenspiels einen Zwerg, den er stets in seiner Nähe hatte, durchaus ernsthaft, ob bei der nächsten Runde von Ernennungen zu hohen Ämtern nach seiner Ansicht Mettius Rufus zum Präfekten
von Ägypten bestimmt werden sollte. Auch wenn die Geschichte zutreffend ist, handelt
es sich doch nicht um eine offizielle Gelegenheit, und vor allem wurde in diesem
Augenblick keine Entscheidung getrotien. 83 Wohl aber verwies er in sat. 7, 86 ff. auf den Einfluß eines Schauspielers - in neronischer Zeit.
84 Oliver, Greek Constitutions Nr. 209; vgl. zu Cleander auch Dio 72, 12, 3 ff. und AE 1961, 280.
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Der Kaiser und seine Ratgeber
lassener wird in dem Dokument selbstverständlich nicht verwiesen. Falls Cleander durch einen Rechtsakt zum Freigeborenen erklärt worden war, hätte zudem formal auch kein Anlaß bestanden, an seiner Teilnahme Anstoß zu nehmen. Der gerade unter einigen Mitgliedern des julisch-claudischen Hauses sehr deutlich faßbare und fast selbstverständliche Einfluß von Freigelassenen auf den Herrscher85 verschwand seit den Flaviero weitgehend aus dem öffentlichen Erscheinungsbild. Selbst gegen Domitian, dem die senatorischen Autoren nach seiner Ermordung entsprechend den sozia-politischen Maßstäben alle negativen Eigenschaften nachsagten, konnten keine konkreten Beispiele filr einen großen Einfluß von Freigelassenen (oder gar Sklaven) beigebracht werden,86 jedenfalls
nicht in der Art, wie sie Leuten wie Plinius dem Älteren und Plinius dem Jüngeren aus der claudischen und neroniscben Zeit durchaus bekannt waren.87 Daß Personen dieses inferioren sozialen Status den Herrscher in seinem Handeln weitgehend gelenkt hätten, wird nicht mehr berichtet, wenn man von dem schon erwähnten Cleander sowie einem Saoterus, ebenfalls unter Commodus, absieht. Saoterus soll so mächtig gewesen sein, daß er, zweifellos über Commodus, für Nicomedia in Bithynien vom Senat das Recht zur Ausrichtung von Spielen und zum Bau eines Kaisertempels erhielt.SS Cleander aber soll nach Cassius Dio, der ihn in seinen jungen Jahren persönlich erlebte, über die Vergabe aller amtlichen Positionen in Rom und in den Provinzen verfügt haben, womit auch seine öffentlich faßbare Stellung harmonierte. Wie sehr er auch nach außen als der mächtigste Ratgeber des Commodus und damit auch als 'Verantwortlicher' erschien, zeigt sein gewaltsamer Tod. Denn die römische Plebs sah (vermutlich zu Unrecht) die Ursache für eine Hungersnot, von der die Hauptstadt betroffen wurde, in seiner Person.S9 Vergleichbares läßt sich sonst nicht feststellen. Wenn Statius in einem Gedicht den kaiserlichen Freigelassenen Abascantus in seiner Tätigkeit als
ab epistulis
Domitians beschreibt, wird er nirgends in einer Position
geschildert, die in der Öffentlichkeit als eine dominierende sichtbar geworden wäre; er erscheint lediglich als der zuverlässige, getreue Diener seines Herren.90 Der Verlust der Position, wie sie den Freigelassenen insbesondere unter Claudius und Nero mit dem Anwachsen der administrativen Aufgaben auch als 85 Vgl. dazu auch in diesem Band 147 ff.
86 Vgl. Plin., pan. 88, 1 f. 87 Plin., nat. hist. 35, 199 ff.; Plin., ep. 7, 29; 8, 6; vgl auch Tac., ann. 12, 53 mit Verweis auf die Senatssitzung, in der dem Freigelassenen PaJlas außergewöhnliche .
Ehrungen beschlossen wurden.
88 Dio 72, 12, 2. 89 Dio 72, 1 2 f.
90 Stat. silv. 5 pr., sowie 5, I. ,
Der Kaiser und seine Ratgeber
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sichtbare Berater des Kaisers zugewachsen war, resultierte wesentlich aus der Tatsache,
daß die fiberti Augusti durch Ritter an der Spitze der Funktionsbereiche
um den Herrscher ersetzt wurden.91 Diese Entwicklung schließt freilich überhaupt nicht aus, daß Freigelassene auch weiterhin faktisch zu den wichtigsten Ratgebern des Princeps gehören konnten, ohne daß dies nach außen sehr deutlich in Erscheinung treten mußte. Denn selbstverständlich lieferten manche von ihnen wie früher auch dem Herrscher Sachmaterial und Ratschläge für seine routinemäßigen und Vermittlung von
für seine individuellen Entscheidungen. Insbesondere bei der
beneficia für Einzelpersonen oder auch für Gemeinden oder bei
der Vergabe von Ämtern konnten sie ihre Wirksamkeit beweisen; denn ent cheidend war dafür nicht eine offizielle Position mit konkreten öffentlichen Aufgaben und einer beschreibbaren Kompetenz, sondern lediglich die Möglichkeit. dem Kaiser nahe zu sein und ibm entsprechende Vorschläge machen zu können.92 So wird von Vespasian berichtet, einer seiner vertrautesten ministri habe ihn für einen angeblichen Bruder um den Posten eines
dispensator,
der innerhalb der
Finanzadministration die Ein- und Auszahlung von Geldem veranlaßte, gebeten. Da der
dispensator stets
ein Sklave zu sein hatte, muß der angebliche Bruder
ebenfalls Sklave oder Freigelassener gewesen sein. Die Vermittlung hatte durchaus Erfolg; doch kassierte Vespasian in diesem Fall die
für die Vermittlung
vereinbarte Summe selbst, da er die Absicht seines minister durchschaut hane.93 Von Antonia Caenis, der Konkubine Vespasians, die er auch als Kaiser fast wie eine Gattin behandelte, wird die Vermittlung von Privilegien und Ämtern gegen konkrete Bezahlung überliefert.94 Und ebenso konnte Marcia Aurelia Ceionia Demetrias als Konkubine auf die Entscheidungen des Commodus Einfluß nehmen; u.a. soll sie den Kaiser bestimmt haben, Christen, die zur Zwangsarbeit
nach Sardinien geschickt worden waren, zurückkehren zu Lassen.9S Auch der schon genannte Abascantus,
ab epistulis
unter Domitian, oder der
cubicularius
Parthenius, der im J. 96 an der Ermordung Domitians beteiligt war, der eine Freigelassener, der andere Sklave, wurden von den Dichtem Statius und Martial nicht ohne Grund in ihren Werken genannt und der Öffentlichkeit vorgeste1Jt.96 Es ging den Dichtern ganz wesentlich um die Gewinnung eines Patrons für ihre
9l VgJ. unten in diesem Band 88 ff. 92 Siehe Eck, in: EOS I 197 ff. = in diesem Band 245 ff.
93 Suet., Vesp. 23, 2. 94 Suet., Vesp. 3; Dio 66, 14, I ff. 9S PIR2 M 261. 96 Stat., silv. 5 pr.; Martial 5, 6; vgl. 4, 45; 8, 28.
26
Der Kaiser und seine Ratgeber
eigene literarische Tätigkeit, eines Patrons, der sich seinerseits beim Kaiser für den dichterischen Freund einzusetzen bereit war. Solche Einflußnahme auf den jeweiligen Kaiser war somit auch weiterhin möglich; sie stellte jedoch kein beherrschendes, allgegenwärtiges, öffentlich unmittelbar sichtbares und damit heftig bekämpftes Phänomen mehr dar, wie es für die vortlavische Zeit sehr deutlich überliefert ist.97 Denn die Personen, die in der Umgebung des Herrschers vermittelten, traten als solche kaum mehr, oder jedenfalls erheblich weniger als früher, in das öffentliche Bewußtsein; sie nahmen auch keine Position ein, die ihnen nach den sozialen Normen nicht zukam. Ihr Einfluß wurde im allgemeinen nur hinter den Kulissen spürbar.
Naturgemäß verloren die weiblichen Mitglieder der domus Augusta nicht ihren Einfluß; vielmehr vermochten sie auch weiterhin auf Entscheidungen des Herrschers einzuwirken. So konnte lulia, die Tochter des Titus, die Domitian über längere Zeit wie seine Gemahlin auftreten ließ, den ehemaligen Präfekten von Ägypten, lulius Ursus, vor der Hinrichtung bewahren und ihm nach der Aufnahme in den Senat auch einen Suffektkonsulat im J. 84 sichem.98 Zu solcher Vermittlung soll auch Dornitia Lucilla, die Mutter Mare Aurels, unter Antoninus Pius fähig gewesen sein, indem sie Didius lulianus ein Amt des Vigintivirats vermittelte, d.h. letztlich wohl die Aufnahme in den Senatorenstand.99 Faustina, die Gemahlin Mare Aurels, hat nach Philostrat in der Klage der Athener gegen Herodes Atticus vor Mare Aurel, zusammen mit ihrer dreijährigen Tochter, ihren Gatten zugunsten Athens beeinflußt, während Plotina sich bei Hadrian für eine Neuregelung bei der Nachfolge des Leiters der Epikureischen Philosophenschule erfolgreich einsetzte. Ihr Brief an Hadrian aus dem J. 1 2 1 , in dem sie ihre Gründe
erläuterte, wurde in Athen zusammen mit dem Brief Hadrians an das Epikureische
Schulhaupt, in dem er die Privilegien gewährte, sowie einem eigenen Schreiben Plotinas an die Philosophenschule öffentlich auf Stein geschrieben. Auch sonst soll Hadrian ihren zahlreichen Wünschen nachgekommen sein, ebenso wie sie auch nach einer freilich etwas dubiosen Quelle des 3. Jh.s in einem Prozeß Ein fluß auf richterliche Entscheidungen Traians gegen die alexandrinische Partei genommen haben soll. tOO
97 Siehe Salier, Personal Patronage 67. 98 Dio 67, 4, 2. Nach los., vita 13 ff. gelang es durch Einflußnahme auf Poppaea, jüdische Priester aus dem Gef angnis zu befreien; Poppaea half auch einer Gesandtschaft
aus ludaea, von Nero eine günstige Entscheidung zu erreichen, los., ant. lud. 20, 195. 99 HA Did. lul. I, 4. 100 Philostr., v. soph. 560 f.; CIL Tll 12283 = D. 7784 IG II2 1099 Oliver, Greek Constitutions Nr. 73, dazu S. Follet, Lenres d'Hadrien aux epicuriens d'Athenes, REG 107, 1994, 158 ff.; vgl. Dio 69, 10, 3; H.A. Musurillo, The Acts of the Pagan =
=
Der Kaiser und seine Ratgeber
27
Gerade die öffentliche Präsentation ihrer beiden Briefe in Athen zeigt, daß solche Einflußnahme auf die Entscheidungen des Herrschers zumindest in weiten Kreisen akzeptiert war und sogar hoch geschätzt wurde. Das galt nicht nur für Plotina, sondern für alle einflußreichen Personen in sozial akzeptierter Stellung. Deshalb konnte auch Plinius Briefe, in denen er Traian um die Übertragung von Magistraturen für junge Amtsbewerber bat, veröffentlichen, nicht anders als Cornelius Fronto unter Antoninus Pius und Mare Aurel. Solche Einflußnahme und Beratung des Herrschers wurde sogar erwartet und war für das Funktionieren des sozio-politischen Systems nötig, da auf diesem Weg, zumindest partiell, Kenntnisse an den Kaiser herangebracht werden konnten, die ihm sonst nicht zur Verfügung gestanden hätten. Dies galt
für den Bereich der 'Personalpoljtik', also
die Ernennung der höheren Amtsträger, aber ebenso für materielle beneficia und rechtliche Privilegien. Fronto, der Lehrer Mare Aurels, setzte sich bei Antoninus Pius dafür ein, seinem amicus Sex. Calpurnius Julianus prokuratorisehe Aufgaben zu übertragen oder dem Historiker Appian eine Prokuratur ehrenhalber zu gewähren, IOI während Plinius für den jungen Senator Attius Sura von Traian die Prätur, für den jungen Ritter Nymphidius Lupus eine zweite Dienststellung als Offizier zu erreichen trachtete.l02 Ebenso verwendete er sich für Voconius Romanus, einen jungen spanischen Ritter, und für Sueton, damit Traian ihnen das Dreikinderrecht verleihe; er selbst erhielt dasselbe Privileg aber durch Vermittlung
des Iulius Servianus, der sich dafür bei Traian mit seinem Prestige eingesetzt hatte. I03 Servianus hatte auf Grund seines schon vor langer Zeit erreichten konsularen Ranges, 104 der entfernten Verwandtschaft mjt Traian sowie der in der Umbruchzeit
97/98 bewiesenen Loyalität größeren Einfluß bei Traian als der
'Antragsteller' Plinius, der, obwohl seit mehr als zehn Jahren bereits Mitglied des Senats, zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu dem wichtigen und mächtigen Kreis der Konsulare gehörte. I 05 Vermutlich hatte er bis dahin auch mit Traian persönlich noch wenig Kontakt gehabt. Wenige Jahre später war sein Gewicht gewachsen. So beantragte er direkt das römische Bürgerrecht und später das alexandrinische für seinen Arzt Harpocras.106 Unter Mare Aurel haben zwei
Martyrs. Acta Alexandrinorum, Oxford 1954, 44 ff.; H. Temporini, Die Frauen arn Hof Trajans, Berlin 1978, 90 ff. IOI Fronto, ad Ant. Pium 9.
1 02 P1in., ep. 10, 12. 87. 1 03 P1in., ep. 2, 13, 8; 10, 94; 10, 2, I .
1 04 Er war cos. suff. im J. 90, cos. ord. II im J. 102.
I 05 PIR2 J 631; P 490. I06 Plin , ep. 10, 5. 6. 7. .
Der Kaiser und seine Ratgeber
28 Statthalter
der
Mauretania
Tingitana
die
schriftlichen
Anträge
des
Stammeshäuptlings der Zegrenser bzw. dessen Sohnes, die jeweils in einem
libellus, einer Bittschrift. formuliert waren, durch ein eigenes Schreiben unterstützt. 1 07 Auf diese Weise war die unmittelbare Aufmerksamkeit des Herrschers geweckt, da Schreiben von Statthaltern notwendigerweise im administrativen Schriftverkehr eine Präferenz genossen. lOS Weit wirksamer als der schriftliche Weg aber mochte die persönliche Vermittlung eines Antrags beim Kaiser sein. Die täglichen salutationes, die Gastmähler i m Kaiserpalast, die sehr häufig sattfanden, t oder in den Häusern kaiserlicher amici, manche offizielle Veranstaltungen von Priesterschaften oder öffentliche Spiele, an denen der Kaiser mehr oder weniger regelmäßig teilnahm, brachten vielfaltige Gelegenheit, um Ratschläge an den Monarchen heranzutragen, jedenfalls
für alle, die unmittelbar mit ihm in Kontakt treten konnten. I 09 Auch
dabei hat es unzweifelhaft Abstufungen in den Möglichkeiten gegeben, die sich zumeist nach dem sozia-politischen Rang bemaßen. Auch formale Differen zierungen können die Chancen unterschiedlich verteilt haben; so scheinen die Teilnehmer bei den Morgenempfangen in verschiedene hierarchisch geordnete Gruppen gegliedert gewesen zu sein,1 10 was notwendigerweise die Möglichkeiten zum Kontakt mit dem Herrscher beeinflußte. Gerade bei den salutationes waren allerdings wiederum die Amtsträger, die in Rom anwesend waren, bzw. die amici principis in einer bevorzugten Position. Sueton berichtet, Vespasian habe bereits in der Nacht mit seinen kaiserlichen Geschäften begonnen; nach der Lektüre der eingegangenen Briefe sowie der Berichte aus den einzelnen administrativen Abteilungen (officia) habe er seine
amici zur salutatio zugelassen. 1 1 1 Zu diesen amici aber gehörten auch die verschiedenen Funktionsträger, wie etwa Plinius der Ältere, der, ebenso wie Vespasian ein Früharbeiter, sich noch vor Tagesanbruch zum Kaiser zur salutatio begeben hat und von dort zu der ihm übertragenen Aufgabe. 1 12 Es ist gut vorstellbar, daß bei diesem morgendlichen Zusammentreffen des Princeps und seiner Beauftragten regelmäßig auch eingegangene Schreiben erörtert bzw. anfallende Probleme besprochen wurden.
107 AE 1971, 534 = lAMar. LI 94. 1 08 Vgl. Philo., Aacc. 100.
!09 Turcan (Anm. 72) 132 ff. 173 ff. 240 ff.; Salier, Personal Patronage 6 1 .
1 1 0 CIL VI 31746 = D. 1078; C1L VI 2169 1 1 1 Suet., Vesp. 21: perlectis epistulis
admittebat.
1 1 2 Plin., ep. 3, 5, 9:
=
D. 1320; Turcan (Anm. 72) 132 ff.
officiorumque omnium breviariis amicos
ad delegatum sibi o.fficium.
Der Kaiser und seine Ratgeber
29
Wenn man von der persönlichen Umgebung des Kaisers, seiner eigenen Familie sowie den Sklaven und Freigelassenen, die unmittelbar täglich um ihn tätig waren, insbesondere die cubicularii, absieht, hatten somit Senatoren und führende Ritter wesentlich mehr Gelegenheiten, in der Konkurrenz um Entscheidungen des Kaisers zu siegen. Freilich besaßen sie kein Monopol, da auch Personen mit geringem Sozialprestige dem Herrscher gegenüber als Vermittler auftreten konnten, notfalls indem sie andere, höherstehende Persönlichkeiten für die Sache interessierten. So könnte Aetrius Ferox, militärischer Bürovorsteher beim
praefectus vigilum, über diesen Vorgesetzten von Antoninus Pius für seine Heimatstadt Tuficum in Umbrien die Konzession einer Straßenbenutzungsgebühr erhalten haben. 113 Wichtig war in solchen FäHen nur der direkte oder indirekte Zugang zum Machthaber. Doch sind solche Möglichkeiten immer beschränkt geblieben, da sie im Normalfall der Vermittlung durch sozio-politisch bedeutendere Personen bedurften. Der Kreis der Personen, die dauerhaft und vor nehmlich die Entscheidungen des Kaisers beratend beeinflussen konnten, blieb stets eine Oligarchie, zunehmend freilich nicht nur aus Senatoren, sondern·aucb aus Rittern gebildet. Dies entsprach der Entwicklung, die die politisch administrative Gesamtstruktur des Reiches schon seit Augustus, verstärkt jedoch seit der flavischen Zeit genommen hatte. 1 14
1 13 CrL XI 5694
=
D. 2666 a.
1 1 4 Siehe zur Gesamtentwicklung Fr. Vittinghoff, in: Handbuch der Europäischen
Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bd. 1 : Europäische Wirtschafts- und Sozial geschichte in der römischen Kaiserzeit, hg. Fr. Vittinghoff, Stuttgart 1990, 214 ff.
B. KAISER, SENAT UND SENATORISCHE AMTSTRÄGER "Einen von uns"
(unum ex nobis) nannte der Senator Plinius d.J. Kaiser Traian,
und sein älterer Zeitgenosse Martial bemühte sich, Nerva von seinem Vorgänger Domitian mit der Bemerkung abzusetzen, er sei nicht der "Herr, wohl aber der Imperator, ein Senator, gerecht wie sonst kein anderer".' Doch derselbe Plinius kann auch bei der Diskussion um die geheime Stimmabgabe bei Wahlen im Senat davon sprechen, daß alles von dem Willen des Einen abhänge.2 Der Kaiser wird somit als
princeps im Senat und gleichzeitig doch als sein 'Beherrscher'
dargestellt. Ein wohlwollender und doch scharfsinniger Beobachter wie Plinius kann die herrschende Ideologie verkünden und ist doch gleichzeitig gezwungen, die hart kontrastierende Realität zu sehen und auch auszusprechen. Doch obwohl der Abstand zwischen dem ideologischen Konstrukt und der Realität in der konkreten Einzelperson überwunden werden konnte, geschah dies in der öffentlichen Proklamation nie. Das Verhältnis Kaiser-Senat lebte stets aus der Spannung zwischen dem, was der Kaiser nach Meinung der meisten Senatoren sein sollte und dem, was er sein konnte oder auch war: Princeps oder
dominus. Seinen
prägnanten Ausdruck fand das spannungsvolle Verhältnis entweder in der Bereitschaft des Herrschers, einen Eid zu leisten, keinen Senator töten zu lassen, oder eben in der Verweigerung dieses Eides; Titus und Domitian stellten diesen Gegensatz in ihrem Verhalten deutlich heraus.3 Doch wie auch immer die Formen und die Formeln im Umgang zwischen Kaiser und Senatoren gestaltet waren: die notwendige Abhängigkeit des Senats vom Herrscher hätte kaum jemand mehr geleugnet, nicht nur wegen des Eides, den die Senatoren in jedem Jahr auf die acta der Herrscher zu leisten hatten.4 Schon das s.c.
de Cn. Pisone patre aus dem J. 20
n.Chr. zeigt ohne Beschönigung, wie sehr die Abhängigkeit des Senats vom
princeps selbst unter Tiberius, der um die Selbständigkeit des Senats mehr bemüht war als Augustus, bereits fortgeschritten war und wie dies in einem offiziellen Dokument seinen unmittelbaren Ausdruck fand.5
1 Plin., pan. 2, 4; Martial 10, 72, 8 f.: Non est hic dominus, sed imperator, sed iustis sumus Omnium senator. 2 Plin., ep. 3, 20, 12: Sunt quidem cuncta sub unius arbitrio. 3 A.R. Birley, The oath not to put senators to death, ClR 12, 1962, 197 ff. 4 Talbert, Senate 20 l . V gl. auch J. Le Gall, Le serment i't l'empereur: une base meconnue de Ia tyrannie imperiale sous le Haut-Empire?, Latomus 44, 1985, 767 ff. 5 W. Eck A. Caballos F. Fernandez, Das senatus consultum de Co. Pisone patre, München 1996, 289 ff. Siehe auch M. Bonnefond-Coudry, Princeps et senat sous !es Julio-Ciaudiens: des relations a inventer, MEFRA 107, 1995, 225 ff. -
-
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
32
Mit der Ablösung der julisch-claudischen Dynastie änderte sich an der traditionellen, durch Tiberius gestärkten6 offiziellen Stellung des Senats nichts. Im Gegenteil - trotz aller Erschütterungen während des Vierkaiserjahres war es für alle Bewerber u m das Kaisertum klar, daß sie sich neben dem Heer vor allem um den Senat bemühen mußten; jeder bedurfte der Zustimmung des Senats, um als legitimer Herrscher wirken zu können. Vielleicht ist es kein Zufall, daß gerade vom Herrschaftsbeginn Vespasians auf einer monumentalen Bronzetafel ein Teil der
Lex de imperio Vespasiani erbalten blieb,7 d.h. des Gesetzes, durch das die
rechtlieben Befugnisse des neuen Herrschers fixiert wurden. Doch die Form dieser
Lex ist im wesentlichen nicht die eines Volksgesetzes, sondern die eines Senatsbeschlusses. Deutlicher könnte die Bedeutung des Senats zumindest i m formalen Sinn nicht nach außen dargestellt werden. Wie schon am Ende der Republik hatte auch nach diesem neuerlichen, weite Teile des Reiches erschütternden Bürgerkrieg keiner der Kontrahenten daran gedacht, den Senat als die zentrale politische Position im Reich in Frage zu stellen. Das verbot sich allein deswegen, weil jeder der Prätendenten um die Macht auf zahlreiche Senatoren, seine Standesgenossen, als Heerführer, Legionslegaten oder Berater angewiesen war. Ohne
ihre Unterstützung wäre keinem von ihnen
sein Versuch geglückt. Zudem war jeder der Bewerber um das Kaisertum zuvor selbst lange Zeit Mitglied des Senats gewesen, Vespasian z.B. ll}ehr als
30 Jahre.
Dabei hatten sie zwar auch die politische Ohnmacht des Gremiums erlebt, gleichzeitig es jedoch auch als eine Selbstverständlichkeit erlebt und in sich aufgenommen, daß der Senat die Quelle der Legitimation für die kaiserliche Herrschaft war und seine Mitglieder natürlich die wichtigsten Ämter und Machtpositionen übernahmen und so zur Stütze des Kaisertums wurden. Ein Princeps ohne Senat war für sie realistischerweise nicht denkbar; vermutlich existierte nicht einmal in Ansätzen gedanklich ein politisches Modell, in dem der Senat überflüssig gewesen wäre, trotz der Drohungen eines Caligula oder Nero, sie könnten auch ohne den Senat das Reich regieren; das waren einschüchternde Drohungen, aber kein inhaltlicher Gegenentwurf zur vorhandenen Herrschafts struktur. An diieser traditionellen StelJung des Senats und den ihm zufallenden Funktionen hat keiner der nachfolgenden Kaiser gerüttelt, auch nicht diejenigen, die wie Dornitian oder Commodus aus unterschiedlichen Gründen heftige Kon flikte mit ihm ausgefochten haben. 6 Siehe vor allem P.A. Brunt, The RoJe of tbe Senate in the Augustan Regime, CIQ 34,
1984, 423 ff.
7 CIL VI 930
=
67, 1977, 95 ff.
D. 244 = FIRA 12 Nr. 15; P.A. Brunt, Lex de imperio Vespasiani, JRS
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
33
Am Anfang der flaviscben Zeit steht allerdings eine tiefgehende Ergänzung und Erneuerung in der personellen Zusammensetzung des Senats während der Censur der Jahre
73174. Censoren waren die beiden Herrscher, Vespasian und sein Sohn
Titus; deutlicher hätte der Fortschritt in der selbstverständlichen Machtkon zentration in den Händen des Kaisers nicht demonstriert werden können. Beim letzten vorausgegangenen Census
47/48 hatte neben Claudius der Senator und
dreimalige Konsul L. Vitellius amtiert. Jetzt war der Census auch äußerlich zu einer reinen Angelegenheit des Kaisers geworden. Vespasian handelte nicht im Sinn des Plinius als "einer von uns", sondern als Gebieter. Die zitierte Formulierung des Plinius findet nicht nur in der Realität des Census keine
Entsprechung. Von den konkreten Maßnahmen während der Censur des Jahres
73/74, die
beispielsweise Italien oder die römischen Bürger in den Provinzen betrafen, ist nicht allzu viel bekannt, abgesehen von den Eingriffen in die personelle und strukturelle Zusammensetzung des Senats. Claudius hatte zum ersten Mal während seiner Censur einzelne Personen, die noch nicht dem ordo senatorius angehörten, direkt, ohne die vorherige Übernahme einer der republikanischen Magistraturen, in eine der Rangklassen des Senats aufgenommen. Vespasian benutzte diese Möglichkeit in großem Stil, um die Lücken im Senat, die durch die zahlreichen Hinrichtungen und Morde unter Nero sowie durch die Verluste während der Bürgerkriege des J. 69 entstanden waren, aufzufüllen. In einigen Fällen führte Vespasian eine solche adlectio bereits vor seiner Censur durch, so bei Plotius Grypus, den er kurz nach der Akklamation durch die Truppen im Juli 69, wohl im Rang eines Tribuniziers, in den Senat aufgenommen und sogleich mit dem Kommando über eine Legion betraut hatte.8 Wenig später wurde Sex. Lucilius Bassus, der noch zu Beginn des J.
71 als Präfekt der beiden italischen
Flotten bezeugt ist, vermutlich unter die Prätoner eingeschrieben und mit der prätorisehen Statthalterschaft in ludaea beauftragt; dort ist er zumindest im J.
72
als Legat tätig.9 Beide Male dürfte die unmittelbare Notwendigkeit, militärisch wichtige Positionen mit vertrauenswürdigen und verdienten Personen zu besetzen, ausschlaggebend gewesen sein. Doch die große Masse der adlectiones erfolgte erst während der Censur, wie ja auch die Neukonstituierung der Senatsliste zu den traditionellen Aufgaben der republikanischen Censoren gehört hatte. Wie umfassend die Ergänzung des Senats
73174 gewesen ist, läßt sich unserem
Quellenmaterial nicht entnehmen. Doch sind immerhin allein etwa 1 5 neue
8 Tac., hist. 3, 52, 3. 9 PIR2 L 379.
34
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
Senatoren nachweisbar, die ihren Senatssitz einer direkten adlectio zu verdanken hatten.10 Da aber erfahrungsgemäß nur ein Bruchteil der ursprünglichen Fälle für uns heute noch dokumentiert ist, darf man mit einer sehr hohen Zahl von neuen Senatoren rechnen, die durch Vespasian mittels der adlectio in eine der Rangklassen der ehemaligen Quästoren, Volkstribunen
I Ädilen oder Prätoren
befördert wurden: adlectus inter quaestorios I aedilicios I tribunicios I praetorios. 1 1
Eine direkte Aufnahme in die höchste Rangklasse, die der ehemaligen Konsuln
(adlectio inter consulares), erfolgte damals noch nicht; erst unter Commodus und vor allem seit der Zeit der Severer wurde dies zu einem durchaus gebräuchlichen Mittel. 12 Doch bedurfte es zuvor noch einer wesentlichen Stärkung der sozio
politisc hen Position der Ritter und der hohen ritterlichen Funktionsstellen, bevor dieser direkte Zugang zu den höchsten Machtpositionen auch für Männer des zweiten ordo möglich wurde. Während der vespasianischen Censur wurde zum letzten Mal, soweit wir wissen, innerhalb eines kurzen Zeitraums, der auch nach außen durch die offizielle Bekleidung der Censur kenntlieb war, eine massive Neukonstituierung des Senats, durch die Aufnahme neuer Senatoren, durch die Höherstufung einzelner Mitglieder in andere Rangklassen und nicht zum wenigsten durch die Promotion einzelner Familien in den Patriziat vorgenommen. Zum ersten Mal gelangten, soweit wir wissen, auf diese Weise auch Senatoren provinzialer Herkunft wie Iulius Agricola aus Forum lulii in der Narbonensis oder M. Ulpius Traianus, der Vater des späteren Kaisers, aus Italica in der Baetica in die höchste Statusgruppe des Senats. Vespasian konnte auf diese Weise unter anderem seine Anhänger aus der Zeit des Bürgerkrieges belohnen und gleichzeitig die Loyalitäten für die Zukunft
1 0 Eck, Senatoren 103 ff.; G.W. Houston, Vespasian's Adlection of Men in senatum, AJPh 98, 1977, 35 ff.; J. Devreker, La composition du senat romain sous !es Flaviens, in: Studien zur antiken Sozialgeschichte, hg. W. Eck - H. Galsterer - H. Wolff, Köln 1980, 257 ff. 1 1 V gl. allgemein zur Repräsentativität der Quellen und zur prozentualen Reprä sentation einzelner Rangstufen der Senatoren vor allem in den Inschriften W. Eck, Chiron 3, 1973, 375 ff. ders., in: Tra epigrafia, prosopografia e archeologia, Rom 1996, I I ff.; Jacques, Privilege 199 ff.; P.M.M. Leunissen, Homines novi und Ergänzungen des Senats in der hohen Kaiserzeit: Zur Frage nach der Repräsentativität unserer Dokumentation, in: Prosopagraphie und Sozialgeschichte. Studien zur Me thodik und Erkenntnismöglichkeit der kaiserzeitlichen Prosopographie, hg. W. Eck, Köln 1993, 8 1 ff. 12 Leunissen, Konsuln und Konsulare, 66 ff. =
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
35
verstärken.13 Manche der promovierten Familien wie z.B. die Annii aus dem baetischen Ucubi gehörten bald zu den bestimmenden Einflußträgem im Senat.14 Mit der Übernahme des Titels
censor perpetuus durch Domitian wurde die alte
Form der Censur ad absurdum geführt; die bisher amtsgebundene Möglichkeit, neue Mitglieder zu benennen oder in den Status patrizischer Familien • zu überführen, wurde von jetzt an als ein dauerndes, an keinen bestimmten Zeitpunkt mehr fixiertes Recht des Monarchen angesehen , das aber nach Domitian titular nicht mehr faßbar war. So haben offensiebtlieh alle auf Domitian folgenden Herrscher immer dann
homines novi in eine der Rangklassen des Senats erhoben.
wenn es ihnen aus unterschiedlichen Gründen notwendig oder passend erschien.15 Bis zu Mare Aurel scheint es nur selten das Hauptmotiv gewesen zu sein, vertrauenswürdige oder geeignete Personen unmittelbar für verantwortliche amtliche Aufgaben zur Verfügung zu haben. Die Tendenz war weit eher, einzelne Personen für Verdienste in früheren, vor allem ritterlichen Positionen, auch im Heer, zu belohnen, sozialen Ehrgeiz munizipaler EUten zu befriedigen und die allgemeine Rekrutierungsbasis für den
ordo senatorius zu erweitern, da partiell
wohl auch eine Rückzugsbewegung aus dem höchsten festzustellen war. 16 Zu solchen
ordo des Reiches
adlecti gehörte z.B. Antistius Rusticus, der erst
mehrere Jahre später eine wichtigere Aufgabe unter Domitian erhielt, lulius Celsus Polemaeanus aus Sardeis und lulius Quadratus aus Pergamon, die beide recht langsam bis zum Konsulat im J. 92 bzw. 94 aufstiegen oder auch A. Claudius Charax, ebenfalls aus Pergamon. Mit den großen Lücken, die sich durch die Pest und die jahrzehntelange Kriegführung im Osten sowie an der Donau auch unter den Senatoren bemerkbar machten, wird vor allem bei Mare Aurel die Tendenz sehr deutlich, durch eine
adlectio inter praetorios unmittelbar militärisch
erfahrene Ritter auch in Positionen einsetzen zu können, die traditionell Senatoren vorbehalten waren. P. Helvius Pertinax, der spätere Kaiser, erhielt um 170 nach der ad/ectio inter praetorios sogleich das Kommando über die Legio I Adiutrix, und bei M. Valerius Maximianus, dem ersten bekannten Senator aus dem panno nischen Poetovio, wird sogar eigens betont, er sei unmittelbar nach der Aufnahme
l 3 Vgl. H.-H. Pistor, Prinzeps und Prinzipal in der Zeit von Augustus bis Commodus, Diss. Freiburg 1965, 42 ff.; Eck, Senatoren I 06 ff. 14 Siehe R. Syme, Tacitus, Oxford 1958, 585 ff.; A. Caballos Rufino, Los senadores Hispanorromanos 64 ff. 1 5 A. Chastagnol, "Latus clavus" et "Adlectio" - L'acces des hommes nouveaux au senat romain sous Je Haut-Empire, RHD 53, 1975, 375 ff. = ders., Le senat romain a l'epoque imperiale, Paris 1992, 121 ff.; J.-P. Coriat, Les homrnes nouveaux � l'epoque des Sev�res, RHO 56, 1978, 5 ff. 16 Hopkins, Death and Renewal 194 ff.
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Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
unter die Prätorier z.um Legionsbefehlshaber ernannt worden, ebenfaJls bei der legio I AdiutrixP Eine lange Reihe von militärischen Aufgaben folgte auf das
Legionskommando. So bedeutsam die unmittelbare Einstufung einzelner Personen nichtsena torischer Herkunft in eine der Rangstufen auch für die Veränderung der Zusammensetzung des Senats bereits seit Vespasian war, der übliche Weg für die Erneuerung des hoben Gremiums wurde die adlectio i n den politisch ruhigen Zeiten dennoch nicht. Weit wichtiger war dafür die Aufnahme junger Männer, vor allem der Nachkommen erfolgreicher Prokuratoren lediglich in den Senatorenstand (adlectio in amplissimum ordinem), also nicht in den Senat selbst, die an schließend die übliche Laufbahn vom Vigintivirat und dem Militärtribunat an
absolvierten.18 Sie sind allerdings in der vor allem epigraphischen Überlieferung häufig nur schwer zu erkennen, da der Übergang vom einen ordo in den anderen oft nicht näher gekennzeichnet ist. Dies erschwert u.a. zu sehen, zu welcher Zeit und in welchem Umfang neue Familien nichtsenatorischer Herkunft in das höchste Gremium des Reiches eintraten.19 Der personelle Erneuerungsbedarf im Senat ist
am
Ende der neroniscben Zeit
offensichtlieb nicht gering gewesen. Damals sind vor allem die Verluste durch Majestätsprozesse, auch im Gefolge von Verschwörungen, und durch Morde an Senatoren unter Nero bemerkbar gewesen, ebenso auch durch die Bürgerkriegs wirren im J. 69 und die Aufstandsbewegung am Rhein, die manche Opfer gefordert hatten.20 Ähnliche Verluste im innenpolitischen Kampf zwischen Kaiser und Senat kennen wir auch unter Domitian, wenngleich in erheblich geringerem Umfang.21 Daneben aber hat eine Reihe anderer Gründe für einen stetigen Wechsel von Familien im Senatorenstand gesorgt. So sind ohne Zweifel manche Familien ausgestorben, weil keine männlichen Nachkommen die Tradition weiterführen konnten. Nicht selten ist deshalb den Nachkommen anderer Senatoren mit der 17 HA Pert. 2, 5 f.; AE 1956, 124; vgl. pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres I 476 ff. Nr. 181 bis. 18 Siehe vor allem die von Stein, Der römische Ritterstand 195 ff. gesammelten Beispiele. 1 9 Siehe generell zu der Frage P.M.M. Leunissen, Homines novi und Ergänzungen des Senats in der Hoben Kaiserzeit: Zur Frage und der Repräsentativität unserer Dokumentation, in: Prosopographie und Sozialgeschichte (Anm. I I) 81 ff. 20 Zu diesen Opfern gehörte z.B. der konsulare Legat Fonteius Capito, die Legions legaten C. Dillius Vocula, Numisius Rufus und Munius Lupercus sowie Vettius Scato, dem seine Mutter im heimatlichen Cerfennia ein Grabmal errichtete: CIL IX 3649; E. Birley, Chiron 8, 1978. 357 ff. sowie C. Letta, Studi Class. e Orient. 40, 1990, 317 ff. 21 Bekannt sind insgesamt 1 5 Namen für die domitianische Zeit; dabei ist freilich zu bedenken, daß T.acitus' Historien nicht erbalten geblieben sind.
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
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Verpflichtung, wenigstens den Namen einer aussterbenden Familie zu tragen, ein Teil der Erbschaft übertragen worden.22 Ein solcher Fall liegt so z.B. im einzigen erhaltenen Testament eines römischen Senators, des Cn. Domitius Tullus, vor, dessen Schwiegersohn den Namen des Verstorbenen weiterführen sollte.23 Doch müssen manche Familien auch aus anderen Gründen aus dem Senat ausgeschieden sein. Rückgang der Vermögen unter das seit Augustus vorgesehene Niveau von 1 Million Sesterzen, aber auch der bewußte Rückzug aus dem 'politischen' Leben haben vermutlich eine nicht ganz geringe Rolle gespielt.2A Wie lange allerdings die einzelnen Familien im Senat blieben bzw. in welchem Umfang sie ausschieden und damit Platz filr Aufsteiger boten, ist umstritten.25 Nachweisbar haben mehr ordentliche Konsuln wiederum konsulare Nachkommen gehabt als Suffektkonsuln, was sicher nicht nur an der unterschiedlichen Überlieferung liegen kann. Zwar sind alle ordentlichen Konsuln bekannt, dagegen fehlt in manchen Zeitabschnitten zumindest ein Teil der
suffecti;
doch ist ihr
Ausfall in den Quellen nicht so groß, daß damit der Unterschied in der Nachfolge im Konsulat allein erklärt werden könnte. Sicher hat es keine unterschiedliche biologische Fortpflanzungsrate bei consules ordinarii und suffecti gegeben. Somit darf auch ein bewußter Rückzug mancher Familien aus dem Senat angenommen werden, wodurch Platz ftir andere geschaffen wurde. Allerdings haben vermutlich andere Gründe, vor allem die Mortalität sowie ökonomische Erschöpfung der Familien, eine größere Rolle bei der personellen Erneuerung des Senats gespielt.26 Dabei ist nicht zu bestreiten, daß es eine rechtliche Vererbbarkeil des 22
Vgl. R. Syme, Clues to testamentary Adoption, in: EOS I 397 ff. = Roman Papers IV 159 ff.; 0. Salomies, Adoptive and Polyonymous Nomenclature in the Roman Empire, Helsinki 1992. 23 CIL VI 10229; dazu W. Eck, ZPE 30, 1978, 286 ff.; C. Castillo, in: Actas del I Congreso Andaluz de Estudios Chisicos, Jaen 1982, 159 ff.; R. Syme, The Teslamen tum Dasumii, some novelties, Chiroo 15, 1985, 521 ff. = Roman Papers V 521 ff.;
G. di Vita-Evrard, in: Novedades de Epigraffa Juridica Romana, Actas del col. intern. Pamplona I 987, Pamplona 1 989, 159 ff.; W. Eck - J. Heinrichs, Sklaven und Freigelassene in der Gesellschaft der römischen Kaiserzeit, Darmstadt 1993, 189 ff. Nr. 285. 24 Hopkins, Death and Renewal 120 ff. 25 Alföldy, Konsulat 84 ff.; Hopkins, Death and Renewal 134 ff.; J. Hahn - P.M.M. Leunissen, Statistical method and inheritance of the consulate under the early Roman empire, Phoenix 44, 1990, 60 ff.; G. AJföldy, Die senatorische Führungselite des I mperium Romanum unter Marcus Aurelius: Möglichkeiten und Probleme der prosopographischen Forschungsmethode, in: Prosopographie und Sozialgeschichte (Anm. I I ) 61 ff.; G.P. Burton, The lnheritance of the Consulate in the Antonine Period: A Problem Revisited, Phoenix 49, 1995, 218 ff. 26 F. Jacques, L'ethique et Ia statistique. A propos du renouvellement du senat romain (I"' - IJI• siecles de l'empire), Annales ESC 42, 1987, 1287 ff. = Parente et strategies familiales dans l'antiquite romaine, hg. J. Andreau - H. Bruhns, Rom 1990, 415 ff., der
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Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
Senatssitzes nicht gegeben hat, obwohl die Zugehörigkeit zum ordo senatorius sich noch über einige Generationen fortsetzte, auch wenn aus einer Familie kein Vertreter mehr im Senat selbst saß. Doch bat das politische System Roms mit der Bedeutung des einmal erworbenen Ranges für eine Familie dazu geführt, daß faktisch ein Sohn unter normalen Bedingungen erwarten konnte, eine dem Vater vergleichbare Position zu erreichen, wenn er denn bereit war, eine senatorische Laufbahn einzuschlagen. Zumindest ging die römische Gesellschaft davon aus,
daß ein Sohn an die Stelle seines Vaters trat.
Durch die genannten Faktoren wurde jedenfalls die weitgehende Umstruk turierung ermöglicht, die den Senat in seiner regionalen Zusammensetzung im
Verlauf von 4-5 Generationen entscheidend veränderte. Unter Nero war der Senat noch wesentlich römisch-italisch geprägt gewesen, doch waren Südspanien und die Provinz Narbonensis im südlichen Gallien bereits merklich im stadtrömischen Führungsgremium vertreten, womit die Richtung, die die Entwicklung nehmen würde, bereits erkennbar war. Doch die zerstörecisehe Politik Neros hat den Prozeß der 'Provinzialisierung' des Senats ganz wesentlich beschleunigt, da der Ersatzbedarf so wesentlich größer war, als er es unter friedlichen Normal bedingungen gewesen wäre.
So erfolgte der eigentliche quantitative Durchbruch
für Aufsteiger aus den Provinzen unter Vespasian, wobei sich die besonderen politisch-mili tärischen
Bedingungen
bei
seiner
Usurpation
im
Osten
auswirkten.27 Wenn unsere Quellen in ihrer Repräsentativität und ihre Aus wertung durch die Forschung tendenziell zutreffen, dann dürfte bereits ein Drittel aller Mitglieder des amplissimus ordo unter Vespasian seine origo in den Provinzen gehabt haben. Dabei verstärkte sich zunächst vor allem der Anteil aus den stark romanisierten südspanischen und südgallischen Gebieten; Galbas Usurpation gegen Nero in Spanien dürfte sich dabei ausgewirkt haben. Das bemerkenswert Neue aber war die bereits durch Vespasian erheblich gestärkte Präsenz von oeuen Familien aus den griechisch sprechenden Provinzen, aus Achaia, Pontus-Bithynia, vor allem aber aus Asia.28 Die entscheidenden politischen Gründe waren die Proklamation Vespasians im Osten und die Unterstützung, die er in den dortigen Provinzen erfahren hatte. Einige von ihm in
vor allem auch auf das geringe prosopographische Quellenmateri al unterhalb der kon sularen Ebene hinweist. 27 R. Syme, Tacitus, Oxford 1958, n 585 ff.; J. Devreker, La composition du senat romain sous les Aaviens, in: Studien zur antiken SoziaJgescbicbte (Anm. 10) 257 ff.; W. Eck, La riforma dei gruppi dirigenti, in: Storia di Roma II 2, Turin 1991, 76 ff. bes. 104 ff. = ders., VerwaJtuog l, 103 ff. 28 Devreker in: Studien zur antiken Sozialgeschichte (Anm. 10) 261 ff.
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
39
den Senat beförderte Anhänger hatten in seinem Heer als ritterliche Offiziere gedient, wie etwa Ti. lulius Celsus Polemaeanus, dessen Wohnsitz Ephesus war, der aber aus Sardeis stammte; er hatte als Militärtribun bei der legio lll Cyrenaica in Alexandria gedient und war in dieser Eigenschaft vermutlieb an der Akklamation Vespasians durch die dortigen Truppen am
1 . Juli 69 beteiligt
gewesen.29 Auch Catilius Longus, der aus Apameia in Bithynien kam, dürfte zu den Gefolgsleuten Vespasians gehört haben.30 Diese noch nicht sehr große Gruppe von Senatoren aus den östlichen Provinzen des Reiches, die vor allem durch Vespasians Politik geschaffen worden war, genügte, um mit einer gewissen Zwangsläufigkeit den starken numerischen Anstieg östlicher Senatoren unter Domitian und Trai�m zu verursachen.31 Denn in den Städten des Ostens war das römische Bürgerrecht unter den führenden Familien bereits weit verbreitet, die ökonomische Potenz war nicht nur im Stadtbild deutlich sichtbar, und bildungsmäßig war der griechische Osten den westlichen Provinzen oder Africa noch immer überlegen. Die Träger der zweiten Sophistik sind dafür Beweis genug.32 Bei der Bedeutung, die patronale Beziehungen für die gesellschaftliche Stellung des Einzelnen hatten, bildeten die vespasianischen homines novi aus dem Osten die Vorhut und den entscheidenden Ansatzpunkt für einen schnellen Aufstieg neuer senatorischer Familien aus dem Osten. Domitian und Traian haben diese Integrationsbewegung wesentlich befördert. Die eben erst durch Vespasian promovierten Senatoren betätigten sich als Patrone nicht nur für ihre eigenen Nachkommen, sondern auch für ehrgeizige soziale Aufsteiger aus anderen Familien. Symptomatisch für den Wandel in der Zusammensetzung des Senats dürfte es sein, daß die Konsuln, die dem Jahr 105 ihren Namen gaben und dabei zum zweiten Mal die Jasces führten, Ti. Iulius Candidus Marius Celsus und C. Antius A. lulius Quadratus, beide aus der Provinz Asia stammten.33 Als der große Hellenenfreund Hadrian seine Wirksamkeit entfaltete, war die breite Verankerung östlicher Familien im Senat bereits vollzogen. In der ersten Hälfte des 2. Jb.s stieg der Anteil der Senatoren aus den griechisch dominierten Provinzen kontinuierlich an und betrug gegen Ende des Jh.s etwa die Hälfte aller nichtitalischen Mitglieder des Senats. Selbst die Stadt Tyana in Cappadocia stellte
29 Inschr. Ephes. VII 2, 5101 ff.; PIR2 J 260; Halfmann, Senatoren I I I f. 30 CIL III 335 6991 14188; Ergänzung des Namens: Eck, ZPE 42, 1981, 242 ff.; vgl. Halfmann, Senatoren I 15. 3 1 Während Devreker (Anm. I0) den eigentlichen, auch numerischen Durchbruch unter Domitian sieht, möchte Halfmann, Senatoren 71 ff. ihn erst unter Traian ansetzen. 32 G.W. Bowersock, Greek Sophists; R. Syme, Antonine Government and Governing Class, in: Roman Papers V 668 ff. 33 PIR2 J 241. 507; Eck, RE Suppl. XIV 207 Nr. 166; Halfmann, Senatoren 107. I 12 f. =
=
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Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
unter Mare A ure l .mit Ti. Claudius Gordianus den ersten bekannten Senator aus der östlichsten Provinz des Reiches.34 Lediglich Iudaea
I Syria Palaestina und
Cypern haben nach unserem bisherigen Wissen keine senatorischen Familien aufzuweisen.35 Später als aus dem Osten setzte ein verstärkter Zufluß von Provinzialen aus den afrikanischen Provinzen, vor allem aus der Africa proconsularis, ein.36 Zwar haben wir bereits für das J. 80 den ersten Konsul aus Afrika bezeugt, Q. Aurelius Pactumeius Fronto aus dem numidischen Cirta. Auch sein Bruder Pacturneius Clemens war zur gleichen Zeit in den Senat gekommen.37 Doch eine nennenswerte Zahl von Senatoren erscheint nicht vor der traianisch-hadrianischen
Epoche; der eigentliche Durchbruch erfolgte erst in der Zeit, als mit dem aus Cirta in Numidia stammenden M. Cornelius Fronto, consul suffectus im J. 142 und Rhetoriklehrer Mare Aurels, zusätzlich ein mächtiger Patron zur Verfügung stand.38 Seit Mare Aurel und Commodus waren die meisten Gegenden des Reiches zumindest durch einzelne Familien im Senat vertreten.39 Nur für den kleineren Teil der Provinzen, die zumeist am Rande des Imperiums liegen, läßt sich überhaupt kein Senator mit Sicherheit nachweisen. Dies gilt vor allem für die nordwestlichen Regionen, für die beiden Germanien, Rätien, Britannien, partiell auch das nördliche und mittlere Gallien sowie für manche Donauprovinzen; im Osten fehlen insbesondere Syria Palaestina, wie ludaea seit Hadrian genannt wurde, und Ägypten im Album
senatorium.40 Wenn man von gewissen
34 AE 1954, 138. 35 Siehe G.W. Bowersock, in: EOS II 651 ff.; allerdings könnte dies auch an unserer bisherigen Überlieferung liegen. Für Syria Palaestina scheint jetzt erstmals eine ritterliche Familie greifbar, deren Mitglieder es Anfang des 3. Jh.s bis zu höchsten Stellungen in Heer und Administration gebracht haben; W. Eck, ZPE 1 13, 1996, 129 . ff. 36 M. Corbier, in: EOS li 685 ff.; M. Le Glay, ibid. 755 ff. 37 CIL VIII 7058 D. 1001; W. Eck - M. Roxan, in: Römische Jnschriften - Neufunde, Neulesungen und Neuinterpretationen, Festschrift für Hans Lieb, hg. R. Frei-Stolba M. A. Speidel, Basel 1995, 77 ff. 38 E. Champlin, Fronto aod Antonine Rome, Carnbridge 1980, 79 ff.; H.-G. Pflaum, Les correspondants de l'orateur M. Cornelius Fronto de Cirta, Hommages a J. Bayet, Paris 1964, 544 ff. Zum Konsulat Frontos im J. 142 siehe W. Eck - M. Roxan, in: Römische Inschriften. Neufunde, Neulesungen und Neuinterpretationen. Festschrift für Hans Lieb (Aom. 37) 92 ff. Die dortigen Schlußfolgerungen werden dadurch bestätigt, daß durch ein weiteres Militärdiplom jetzt auch die Suffektkonsuln für den August des J. 143 bekannt geworden sind (dankenswerter Hinweis von M. Roxan). 39 Vgl. die einzelnen Beiträge in: EOS ll. 40 A.R. Birley, in: EOS II 531 ff.; W. Eck, ibid. 539 ff.; J Sasel, ibid. 553 ff.; G.W. Bowersock, ibid. 651 ff. 669 ff.; J. Reynolds, ibid. 671 ff.; zur Problematik in den Tres Galliae zuletzt W. Eck, Die Struktur der Städte in den nordwestlichen =
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Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
ethnischen Vorurteilen wie z.B. gegenüber 'Ägyptern' oder Ursachen, die wie bei den Juden in der Religion lagen, absieht,41 dann waren es insbesondere die Struktur des Grundbesitzes, die zivilisatorische und urbane Entwicklung, die Verbreitung des römischen Bürgerrechts sowie das Bildungsniveau, welche die Partizipation am politischen Leben, soweit dieses durch die Mitgliedschaft im Senat ausgeübt wurde, strukturell bestimmten. Diese Entwicklung dieser förderlichen Grundstrukturen war vom politischen Wollen der einzelnen Kaiser unabhängig; sie waren langfristiger und grundsätzlicher Natur.42 Wohl aber haben spezielle Ereignisse wie die Erhebung Vespasians im Osten, der Bataveraufstand der Jahre 69170 oder besonders einflußreiche Einzelpersonen wie Comelius Fronto den Ablauf für bestimmte Regionen beschleunigt, verstärkt oder auch retardiert.43 Für den gleichzeitigen Beobachter, der die konkreten Personen sah, die neu in die Kurie eintraten, waren die strukturelle Entwicklung und die besonderen Bedingungen, die neuen Familien aus den meisten Provinzen die Zugehörigkeit zum Senat ermöglichten, allerdings kaum erkennbar; für ihn stand deshalb der Kaiser als derjenige im Vordergrund, der über die Aufnahme in den Senat auch tatsächlich entschied. Auf zahlreichen Inschriften werden die Kaiser in dieser Funktion erwähnt.44 Sie sind diejenigen, die die adlectio in eine der Rangklassen des Senats veranlassen oder den breiten Purpurstreifen, den Iatus clavus, als Zeichen für die Zugehörigkeit zum ordo senatorius verleihen. Plinius d.J. hat bei Traian mehrere Anläufe gemacht, um dem jungen Ritter Voconius Romanus aus dem spanischen Sagunt den Eintritt in den Senat zu sichern, was aber offensichtlich mißlungen ist, ohne daß man die Gründe benennen könnte.45 Wie zahlreich überhaupt solche, am Ende erfolglosen Versuche, in den höchsten ordo desReiches zu gelangen, gewesen sind, läßt sich in keiner Weise abschätzen; denn Mißerfolge, gescheiterte Anträge wurden naturgemäß nicht dokumentiert, vor allem nicht auf Inschriften, aus denen wir vornehmlich unsere Information über den Senatorenstand erhalten. Dort wurde nur der Erfolg gefeiert. Daß es mehr
Provinzen und ihr Beitrag zur Administration des Reiches, in: Die Stadt in Oberitalien und in den nordwestlichen Provinzen des Römischen Reiches, bg. W. Eck H. Gal sterer, Mainz 1991, 73 ff. = in diesem Band 279 ff. 4l Zu Syria Palaestina siehe oben Anm. 35. Wichtig ist, daß es in vielen Städten dieser Provinz kaum eine jüdische Bevölkerung gab, zumindest nicht bei den lokal führenden Familien. 42 Siehe dafür z.B. für die gallisch-germanischen Provinzen die spezifische Entwicklung des Städtewesens Eck, Die Struktur (Anm. 40) = in diesem Band 276 ff. 43 Vgl. oben Anm. 27. 44 Siebe die ZusammensteUung der Zeugnisse bei Eck, Senatoren 103 ff. 45 PIR2 L 210; R. Syme, Historia 9, 1960, 365 ff. = Roman Papers f i 480 ff. -
42
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
Anwärter zumindest auf einzelne Ämter im Senat gab, als Stellen vorhanden waren, ergibt sich jedenfalls für die traianische Zeit aus dem Briefwechsel des Plinius; dagegen haben wir keine Nachrichten mehr über einen Mangel an Kandidaten für die republikanischen Ämter, wie er für die augusteische und claudische Zeit bezeugt ist.46 Somit ist es nicht auszuschließen, daß es auch um die Mitgliedschaft im ordo, jedenfalls in den innenpolitisch zwischen Kaiser und Senat meist spannungsfreien Zeiten seit dem Herrschaftsantritt Nervas bis zu Commodus, eine größere Konkurrenz gegeben hat. Dabei könnte es dann entscheidend gewesen sein, welcher der Bewerber den mächtigeren und einflußreicheren Patron beim Herrscher hatte.47 Da der Zugang zum Senat durch die Zahl von 600 Mitgliedern begrenzt war, konnte auch der Kaiser nicht beliebig viele Familien, wenn es sie denn gegeben hat, zum Senatorenstand zulassen; es hätten sich sonst ernsthafte Probleme und eine zu starke Konkurrenz um die einzelnen Ämter ergeben - und viele wären nie zum Zuge gekommen. Eine starke Frustration innerhalb des ordo wäre die Folge gewesen, was den meisten Kaisern nicht willkommen sein konnte. Nicht alle, die die nötigen Voraussetzungen, insbesondere ein ausreichendes Vermögen mitbrachten, haben allerdings den Drang verspürt, Mitglied im Senat zu werden. Historisches Erinnerungsvermögen, Berichte von Kennern des Senats und vielleicht eigene konkrete Kenntnisse mochten viele abschreckende Beispiele beibringen; das Leben in der Großstadt Rom mußte nicht jeden verlocken, und maneben hat wohl auch das unstete Leben eines Senators, das ihn im Laufe einiger Jahrzehnte in viele Teile des Reiches führen konnte, abgeschreckt. Minicius Macrinus aus dem oberitalischen Brixia, den Vespasian unter die Prätorier aufgenommen hatte, zog es vor, weiterhin in seiner landstädtischen Zurückgezogenheit zu leben; und ein Q. Valerius Macedo, Bürger und Munizipalmagistrat im narbonensischen Vienna, lehnte die ihm von Hadrian angebotene Mitgliedschaft im ordo senatorius sowie die damit verbundene Quästur in der Stadt Rom ab. Um die Bedeutung und das soziale Prestige der eigenen Person gegenüber den provinzialen Mitbürgern herauszuheben, konnte man das kaiserliche Angebot dennoch verwenden.48 Ob Personen wie die genannten symptomatisch waren für eine weiter verbreitete Haltung, läßt sieb unseren Quellen nicht entnehmen; ebenso wenig darf man jedoch aus der stolzen 46 Plin., ep. 3, 20; Talbert, Senate 34 1 ff. 47 E. Champlin, Fronto and Antonine Rome (Anm. 38) 29 ff.; Salier, Personal Patronage 1 1 9 ff. 48 Plin., ep. l , 14, 5; CIL Xll 1783 = D. 6998; Stein, Ritterstand 201 f.; Talbert, Senate 76 ff.
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
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inschriftlichen Präsentation des von manchen erreichten sozio-politischen Aufstiegs durch die adlectio in den Senat auf ein allgemeines Drängen nach dieser Position schließen. Manche weitverzweigten und mächtigen Familien in den Provinzen haben jedenfaJls ganz offensichtlich nie Aufnahme in den Senat gefunden. Wie die Herrscher überhaupt den Zufluß steuerten, wie der Überblick über die
Zahl der Mitglieder im ordo hergestellt wurde und wieviele Familien insgesamt dem Senatorenstand angehörten, ist nicht bekannt. Der numerische Umfang des Senats als Gremium war gegeben: an der Zahl von 600 Mitgliedern hat sich seit Augustus, soweit wir wissen, grundsätzlich nichts geändert.49 Allerdings kann diese Zahl nicht so streng fixiert gewesen sein, wie dies beispielsweise für die
centumviri Veiis und von Canusium i n Apolien oder die 63 Dekurionen in dem baetischen Landstädtchen Irni galt.50 Denn es wurden jährlich, unabhängigjeweils von der aktuellen Gesamtzahl des Senats, näher bestimmbare Menge von
20 Quästoren gewählt, wozu eine nicht
adlecti auf den verschiedenen Rangstufen
hinzuzunehmen ist. Ob diese Adlectionen sich etwa an den möglicherweise noch freien Sitzen im Senat orientierten, ist uns nicht bekannt. So hat vermutlich die Zahl von 600 Senatoren niemals im wörtlichen Sinn exklusiven Charakter ange nommen.
Supernumerarii in dem Sinn, daß Senatoren im Senat gesessen hätten,
die noch kein republikanisches Amt bekleidet und damit auch keine Rangstufe innerhalb des Senats erreicht hatten, waren allerdings nicht vorgesehen. Weit schwieriger ist es jedoch, die Zahl der Familien zu bestimmen, die zum
ordo senatorius gehörten. Eine bedenkenlose Aufnahme neuer Angehöriger aus allen Teilen des Reiches hätte leicht zu einer starken Konkurrenzsituation führen können. Zudem war nicht absehbar, wieviele junge Anwärter auf einen Senatssitz jeweils aus den einzelnen Familien hervorgehen würden. Daß mehrere Angehörige einer Familie gleichzeitig dem Senat angehörten : Vater und Sohn, Vater und mehrere Söhne, mehrere Brüder, ist immer wieder bezeugt. 51 Insgesamt wird man deshalb die Zahl aller aktiven senatorischen Familien im gesamten Imperium Romanum, d.h. solcher, die tatsächlich mindestens ein Mitglied in den Senat entsandt hatten, keinesfalls auf mehr als rund 400, eher sogar weniger schätzen dürfen. Dies bedeutet aber z.B., daß bei weitem nicht alle Städte des Reiches im
49 F. Jacques, Le nombre des senateurs aux IJ< et m• siec1es, in: EOS I 137 ff.; ders., L'ethique et Ia statistique (Anm. 26) 1287 ff. 50 J. Nicols, On the standard size of the ordo decurionum, ZRG I05, 1988, 7 1 2 ff. 5 1 Es sei nur an die Volusü, Neratii, Settidii, Quintilii im späten I . oder 2. Jh. erinnert; siehe dazu die verschiedenen Beiträge in EOS II. Vgl. auch F. Jacques, L ethi que et Ia statistique (Anm. 26) 1297 ff. '
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Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
Senat 'vertreten' waren, zumal aus manchen Gemeinden mehrere Familien gleichzeitig dem Senat angehören konnten wie etwa aus Aquileia und Brixia in Oberitalien, aus Vienna und Nemausus in der Narbonensis, aus Italica in der Baetica, aus Pergarnon oder Ephesus in Asia oder aus Bulla Regia und Cirta in Africa. Dennoch ist auf diese Weise eine starke Klammer für den selbstverständ lichen Zusammenhalt des Weltreiches und für einen partiellen Interessenausgleich zwischen den einzelnen Regionen geschaffen worden. Ob daneben bereits im 2. Jh. zahlreiche Familien senatorischen Ranges außerhalb Roms lebten, die jedoch keinen Wert mehr auf Teilhabe am politischen Leben legten, und ob die Kaiser solchen Rückzug einfach zuließen, ist umstritten.52 Die sozio-politische Promotion provinzialer Parniljen durch die Kaiser hatte Folgen für diese selbst und für ihre Heimatstädte. Denn die Aufnahme in den Senat erforderte die Übersiedlung nach Rom, das von da an rechtlich als Heimat galt.53 Die permanente Anwesenheit in Rom, abgesehen von den Zeiten amtlicher Tätigkeit in Italien und den Provinzen, wurde durch die Sitzungen des Senats, durch die kultischen Anforderungen der vielen senatorischen Priesterkollegien, exemplarisch zu fassen bei den Arvalbrüdem,54 durch die Aufgaben als Patrone, Individuen und Gemeinden vor Senat und vor Gericht zu vertreten, und insbesondere durch die Verpflichtungen gegenüber dem kaiserlichen Hof - als Ratgeber oder Begleiter auf Reisen55 - gefordert. Nicht alle, besonders der neuen, provinzialen Senatoren haben das drängende Bedürfnis gespürt, sich tatsächlich von Anfang an auf Dauer häuslich in Rom und Italien einzurichten. Manche hielten sich möglicherweise die Tür offen, ohne allzu große persön)jche und finanzielle Verluste das hauptstädtische Engagement zu beenden und in ihre ursprüngliche Heimat zurückzukehren. Vielleicht genügte manchen die soziale Rangerhöhung durch Aufnahme in den ordo oder einen Sitz im Senat, ohne daß sie gewillt waren, auch alle Verpflichtungen und Aufgaben, die sich traditionell aus einem Senatssitz ergaben, zu übernehmen. Diese Verpflichtungen waren oft zeitaufwendig, langweilig und unter bestimmten Kaisern auch mit Gefahren verbunden. Die Vorsicht mancher neuer Senatoren ist somit durchaus zu verstehen. Doch die allzu große 'Zurückhaltung', sich dauerhaft und manifest in Rom niederzulassen und dort den Mittelpunkt ihres Lebens zu schaffen, führte
52 Vgl. zuletzt F. Jacques, L'l�thique et Ia statistique (Anm. 26) 1293 ff. 53 W. Eck, Chiron 7, 1977, 365 ff.; A. Chastagnol, Le problerne du domicile l�gal des s�nateurs romains a l'epoque im�riale, in: M�langes L. Senghor, Dakar 1977, 43 ff. 54 J. Schei9, Romulus et ses freres. Le college des frercs Arvales, modele du cutte public dans Ia Rome des empereurs, Paris 1990. 55 Siehe oben in diesem Band 18 ff.
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schließlich dazu, daß Traian anordnete, jeder neue Bewerber um ein senatorisches Amt müsse bereits zum Zeitpunkt seiner Bewerbung ein Drittel seines Vermögens nach Italien transferieren und dort in Grund und Boden anlegen; denn es sei untragbar, Rom und Italien nicht als Heimat, sondern wie eine Straßenherberge zu betrachten.56 Er mußte also eine Art Wohlverhaltens versicherung ablegen, in der Form einer Transferierung eines Teils seines
patrimonium. Mare Aurel hat diese Regelung wiederholt, die Höhe der Vermögenstransferierung nach Italien jedoch auf ein Viertel vermindert.57 Die Notwendigkeit der Verordnung zeigt, daß zumindest für manche zukünftigen Mitglieder des ordo die Attraktivität Roms allein nicht groß genug war, daß darüber die alte Heimat sogleich ihre Bedeutung verloren hätte.58 Dies konnte schon aus ökonomischen Gründen nicht geschehen; denn ganz natürlicherweise blieb die wirtschaftliche Basis aUer senatorischen Familien zum größten Teil dort, woher die Familie stammte.59 Nicht ohne Grund sind in den kleinasiatischen Pro vinzen bisher insgesamt 9 Kopien eines kaiserlichen Schreibens aus dem J. 204 bekannt geworden, in dem auf ein sonst nicht bezeugtes senatus consultum verwiesen wird, das senatorischen Besitz von der Pflicht freistellte, Reisenden im staatlichen Auftrag, seien es höhere Amtsträger oder militärisches Personal, Quartier zu gewähren.60 Dieses Privileg war ohne Zweifel in den Provinzen von besonderer Bedeutung, da die viae publicae in Italien durchgehend mit mansiones und mutationes ausgebaut waren, die für Amtsträger, die auf der Reise in die Provinzen waren, wohl ausgereicht haben. Länger an einem Ort verweilende Amtsträger aber hat es in Italien nur sehr wenige gegeben. ln den Provinzen aber war dies eine ständige Realität, vor allem weil dort auch häufig Militärangehörige unterwegs waren. Was auch immer die konkreten Gründe gewesen sein mögen, die viele Senatoren veranlaßt haben, den Text im Osten des Reiches zum Schutz ihres Eigentums zu publizieren, so ergibt sich daraus jedenfalls deutlich, daß sie eben durch ihre wirtschaftliebe Basis weiterhin mit ihren Herkunftssädten t verbunden waren. Die mehr oder weniger lange oder sogar dauernde Abwesenheit hatte die Verbindungen nicht einfach abgebrochen. Die Dokumente zeigen allerdings
56 Plin., ep. 6, 19, I ff. 57 HA Mare. I I, 8. 58 Dazu W. Eck, Rome and the Outside World. Senatonal Families and the World they Lived in, in: The Roman Family: Status, Sentiment, Space, hg. 8. Rawson P. Weaver, Oxford 1996, 73 ff. 59 Vgl. W. Eck, l senatori e la Ioro provincia di origine. L'esempio della Baetica, in:
Tra epigrafia 213 ff. 60 Zuletzi C.P. Jones, The Sacrae Liuerae of 204: Two Colonial Copies, Chiron 14, 1984, 93 ff.
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g leic hzeitig auch, wie senato risc he Famili en, z umindest partiell, aus dem täg lic hen Leben der Stä dte herausgenommen sein ko n nten; die Lasten, die ihrem Besitz n icht aufzuerlegen waren, m ußten vo n anderen g etragen werden.61 Die kaiserlic he Po litik der reichsweiten Rek:rutierung der Mitg lieder des Senats ko nnte somit durc haus einen negativen E ffekt auf das Leben der Städte haben, die Familien aus ihrem Bereich in den Senat entlassen hatten. De nnoch darf der E ffekt wohl nic ht üb erbewertet werden, da viele andere Zeug nisse zeigen, wie intensiv di rek t oder in direkt die Partizipatio n der senatori schen Familien am Leben der Gemeinden außerhalb Roms, auc h und gerade in den ehemaligen Heimatstädten gewesen ist.62 Zumin dest im Alter, wenn Senatoren vo n der Teilnahme an den Senatssitzungen befreit ware n , kehrten m anc he auc h ganz in die altepatra i zurück, andere müssen auch während ihrer aktiven Zeit al s Senator in ihrer alten Heimat für lä ngere Zeit anwesend gewesen sein, wie z.B. Cuspius Pactumeius Rufinus in Pergamon.63 Plinius d.J. war in seinem Engagement fü r Co mum durchaus kein Ein zelfall. Er aber kü mm erte sich n icht nur um die Belange einzelner Gem eindebürger, so ndern so rgte sic h um die schulischen Ausbildungsmög lich keiten in Comum selbst nic ht weniger als um di e Erric htung vo n Nutzbauten oder HeiJigtümern.64 Andererseits ist nicht zu übersehen, daß zumindest ein Teil des verfüg baren Einkommens der Senatoren in Rom bzw. in Italien konsumiert wurde und damit d! er Wirtschaft der Heimat entzogen war. Daß dies allerdings vornehmlic h durch die Transferierung vo n Naturalgütern aus den Pro vinzen n ac h Rom geschah, wie angenommen wurde, lä ßt sic h keinesweg s n ac hweisen.65 Denn moc hten n u n m ehr auch alle sen ato rischen
Ä mter, sel bst in der Stadt Rom,
faktisch besoldet sein, indem ein salarium gezahlt wurde,6 6 das bei m Pro ko nsul vo n Afric a bzw. Asia unter Co mmodus 1 Million Sesterzen betrug , so hat doch das so 'verdiente Geld' kaum die ständig notwen digen Aufwen dungen für standesgemäßes Wohnen und für Ko n sum g edeckt, z umindest nicht auf den unteren Stufen der Laufbahn. Allein die Koste n für eine angemessene Wohnung in der Stadt selbst, aber auc h für eine oder mehrere villae im weiteren Suburbium der
61 W. Eck, Cl:llron 7, 1977, 365 ff. 62 W. Eck, Die Präsenz senatorischer Familien in den Städten des Imperium Romanum bis zum späten 3. Jh., in: Studien zur antiken Sozialgeschichte 283 ff. = ders., in: Tra
epigrafia 175 ff.; ferner die Anm. 58 genannte Arbeit.
63 PIR2 C 1637. 64 R. Duncan-Jones, The Economy of the Roman Empire, Cambridge2 1982, 17 ff. 65 J. Whittaker, Trade and the Aristocracy in the Roman Empire, Opus 4, 1985, 49 ff. 66 Dies ist m.E. zwingend aus der Angabe in der Laufbahn des Salvius lulianus zu schließen, Hadrian habe ihm als einzigen das salarium quaesturae verdoppelt (CIL Vlll
24094
=
D. 8973).
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Stadt67 haben wohl das staatlich alimentierte Einkommen überstiegen. Dies stand im übrigen nur dann zur Verfügung, wenn ein Amt bekleidet wurde, also keineswegs in jedem Jahr. Somit wurde notwendigerweise zumindest ein Teil des finanziellen Ertrags der senatorischen, in den Provinzen gelegenen Güter in Rom verbraucht. Der so durch den Einfluß aller Kaiser in seiner Zusammensetzung im Verlauf von einigen Generationen tiefgreifend veränderte, in seinem äußerlichen Charakter aber im wesentlichen bewahrte Senat bildete weiterhin die Personengruppe, aus der die Herrscher die Amtsträger für die Erfüllung der meisten wichtigen Aufgaben in Rom, Italien und in den Provinzen nahmen. Zwar entwickelten sich gerade seit der flavischen Zeit zunehmend auch neue Aufgabenbereiche, die vornehmlich von
Männern ritterlieber Herkunft übernommen wurden. Doch kann nirgendwo von einem wesentlichen Verlust an senatorischer Zuständigkeit gesprochen werden.68 Abgesehen von Ägypten wurden alle militärisch wichtigen Stellungen auf der Ebene der Legionskommandeure bzw. der Statthalter, d.b. der eigentlichen machtpolitischen Positionen, unverändert Legaten senatorischen Ranges übertragen. Ja deren Zahl erhöhte sich sogar erheblich, indem immer wieder Provinzen, die insbesondere seit der claudischen Zeit in größerer Anzahl ritterlichen Präsidialprokuratoren anvertraut worden waren, umgewandelt wurden und einen senatorischen Statthalter erhielten. Häufig, doch nicht immer, war dies durch die Versetzung von Legionen in diese Gebiete bedingt. So wurden ludaea und Cappadocia durch Vespasian zu Provinzen, die durch einen prätorisehen bzw. konsularen legatus Augusti pro praetore geleitet wurden; in Iudaea wurde die legio
X
Fretensis, in Cappadocia die
XII
Fulminata und die XVI Flavia stationiert.
Bereits vor dem Ausbruch des Bar Kochba-Krieges erhielt auch ludaea konsularen Rang, da zunächst die legio II Traiana dort stationiert wurde und später an ihrer SteUe die legio VI Ferrata bei Caparcotna ihr ständiges Quartier bezog; möglicherweise hatte schon Traian diese Verstärkung angeordnet.69 Damit hatte der Statthalter von Iudaea oder Syria Palaestina, wie es seit Hadrian nach der Niederschlagung des zweiten Aufstandes genannt wurde, im Verhältnis zur geographischen Größe seiner Provinz die stärkste Militärmacht im gesamten Imperium unter sich, nämlich zwei Legionen und mindestens 1 5 Auxiliarein-
67 Siehe W. Eck, Cum dignitate otium. Senatorial domus in Imperial Rome, SCI 16, 1997, 162 ff.
68 Vgl. W. Eck, Die Ausformung der ritterlichen Administration als Anti senatspolitik?, in: Eck, Verwaltung I , 29 ff., ferner das nachfolgende Kap. I C.
69 W. Eck, Senatoren l ff.
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beiten.70 Unter Mare Aurel wurden schließlich Noricum und Rätien in Provinzen senatorisch-prätorisehen Ranges überführt; die Situation an der Donaufront hane die Verlegung je einer Legion in diese Gebiete nötig gemacht. Aber unter Traian wurde um
1 1 0 n .Chr. auch Thrakien in eine Provinz mit einem senatorischen
Legaten umgewandelt,7 1 obwohl das Gebiet weiterhin nur durch eine kleinere Auxiliarbesatzung, nicht durch eine Legion aus römischen Bürgern geschützt wurde. Schließlich wurde die Zahl der wichtigen, von Senatoren zu besetzenden Stellen auch durch die Eroberung oder Annexion neuer Provinzen wie Dakien und Arabia bzw. durch die Teilung schon bestehender in mehrere Verwaltungseinheiten wie bei Moesi a superior und inferior unter Dornitian i m J. 86 und bei Pannonia superior (konsular) und inferior (prätorisch) unter Traian wohl im
J. 1 06 ver
mehrt. Ursache für die Teilung von Pannonia und Moesia war die vorausge gangene Erhöhung der Legionsbesatzung auf vier bzw. fünf Einheiten. Damit hätte ein einzelner Statthalter im innenpolitisch notwendigen Machtgleichgewicht eine erhebliche Präponderanz erhalten, was weder Domitian noch Traian tragbar erschien. Dies und zusätzliche militärische Erfordernisse an einer langen Grenzlinie haben deshalb zur Teilung geflihrt. Die Zahl der von Prokonsuln geleiteten Provinzen blieb fast in der gesamten Zeit unverändert.72 Allerdings kam es gelegentlich zu einem Tausch einer prokonsularen gegen eine kaiserliche Provinz wie z.B. unter Traian, als Sardinien an die Stelle von Pontus-Bithynien trat, das für einige
Jahre einem legatus
Augusti pro praetore anvertraut wurde,13 oder wahrscheinlich kurz vor 159, als Pontus-Bithynien endgültig kaiserliches Gebiet wurde, während Lycia-Pamphylia
prokonsularen Status erbielt.74 Im Gegensatz zu den provinciae populi Romani weitete sich der numerische Umfang der provinciae Caesaris erheblich aus: zu Beginn der vespasianischen Regierungszeit waren dies nur
14 gewesen, 8 mit
konsularem und 6 mit prätonsehern Rang; unter Hadrian war ihre Zahl auf
22
70 B. lsaac, The Iimits of Empire. The Roman Army in tbe East, Oxford2 1992, 106 ff.; W. Bck, Ein Militärdiplom für die Auxiliareinheiten von Syria Palaestina aus dem Jahr
160 n.Chr., Kötner Jahrbuch 1993, 451 ff. 7 1 M. Roxan, Roman Military Diplomas 1954-1977, London 1978, 44 f. Nr. 14 mit Nennung der ersten beiden Statthalter = ZPE 1 19, 1997. 269 ff. 72 Nur unter Tiberius trat wirklich eine Verminderung ein, als Achaia und Macedonia zusammen mit Moesia einem kaiserlichen Legaten untersteUt wurden. 73 Ähnliches geschah nochmals unter Mare Aurel, als in der Baetica kein Prokonsul amtierte, aber dafür auf Sardinien. 74 So nach der Neuinterpretation von IGR III 84 durch Chr. Marek, Epigr. Anat. 6, 1985, 144 ff. = ders., Stadt, Ära und Territorium in Pontus-Bithynia und Nord-Galatia, Tübingen 1993, 161 f.; ders., Das Datum einer Statthalterschaft in Pontus-Bithynia: L. Hedius Rufus Lollianus Avitus, Epigr. Anat. 23, 1994, 83 ff.
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gestiegen, wobei sich prätorisehe und konsulare die Waage hielten. Bis zu
Commodus belief sich ihre Zahl auf 26, je
1 3 für beide Kategorien.75 Dem stand
im gleichen Zeitraum ein beträchtlicher Abbau der Zahl der von Präsidial prokuratoren geleiteten Provinzen gegenüber. In der neronischen Zeit amtierten in insgesamt
10 Provinzen solche Funktionsträger (abgesehen von den kleinen,
unbedeutenden Alpenprovinzen); durch die Veränderung des Status in ludaea,76 Cappadocia, Thracia, Noricum und Rätien zugunsten senatorischer Statthalter wurde diese Zahl bis zur Mitte der Regierungszeit Mare Aurels halbiert. Einen deutlicheren Beweis für die während des gesamten
1 . und 2. Jh.s vorherrschende
Tendenz, ganz traditionell die entscheidenden Machtpositionen im Reich in den
Händen der senatorischen, freilich immer stärker auf den Kaiser fixierten Führungsschicht zu belassen, könnte es nicht geben. Auch in den sonstigen zivilen und militärischen Funktionsbereichen bewahrten Senatoren ihre Stellung, wie sie sich von Augustus bis zu Nero entwickelt hatte. Modifikationen waren insgesamt gering. So wurde das ursprüngliche System der kollegiaJen Zuständigkeit der curatores viarum für alle italischen Staatsstraßen fallengelassen, und jeweils einem einzigen Kurator eine bestimmte Straße zugewiesen. Die ersten Beispiele dafür kennen wir aus vespasianischer Zeit; doch könnte die Veränderung bereits unter Claudius oder Nero erfolgt seinP Da offensichtlich diese curatores durch ihre Tätigkeit wenig ausgelastet waren, hat ihnen Traian auch die Kontrolle der von ihm - nach Anfängen unter Nerva - in größerem Maßstab durchgeführten alimenta übertragen, weshalb sie zumeist auch die Bezeichnung praefectus alimentorum erhielten. Gelegentlich finden sich allerdings auch praefecti alimentorum, deren Amt, zumindest titular, nicht mit der Aufsicht über eine der großen Staatsstraßen verbunden gewesen zu sein scheint, obwohl ihre Aufgaben für die alimenta sich auf das Gebiet erstreckten, das von einer bestimmten Straße durchzogen wurde. Möglicherweise liegt aber hier nur eine Verkürzung des Titels vor, vielleicht deshalb, weil die Tätigkeit für die
alimenta weit stärker in den Vordergrund trat. Daneben erscheinen, vielleicht schon seit Antoninus Pius, einzelne Alimentarpräfekten konsularen Ranges ohne
75 W. Eck, Senatoren 1 ff.; G. Alföldy, Konsulat 218 ff. 76 Wenn Iudaea überhaupt vor dem J. 66/67, als Vespasian dort dje Leitung des Krieges
übernahm, eine eigene Provinz und nicht tatsächlich nur ein Teil von Syrien war, der von einem Unterstatthalter (praefectus) geleitet wurde. 77 W. Eck, Cura viarum und cura opernm publicorum als kollegiale Ämter im frühen Principat, Klio 74, 1992, 237 ff. = ders., Verwaltung l, 281 ff.
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jede regionale Begrenzung, deren administratives Verhältnis zu den curatores et praefecti bisher jedoch nicht bestimmt werden kann.78 Eine numerische Ausweitung der senatorischen Funktionen in einzelnen Provinzen erfolgte nur in wenigen Fällen, und zwar nur dort, wo es zwingende sachliche Notwendigkeiten gab. Dies ist etwa in Britannien und Kappadokien zu beobachten, wo dem konsularen Statthalter gelegentlich, aber offensichtlich nicht so generell wie in der Hispania Tarraconensis, ein prätorischer iuridicus zugewiesen wurde, um ihn bei den Aufgaben in der Rechtsprechung zu entlasten. Dem Statthalter von Kappadokien unterstand, solange Galatien von Vespasian bis Traian damit verbunden war, ein außergewöhnlich ausgedehntes Provinzgebiet, vergle ichbar mit der Situation in der Tarraconensis, wo ebenfal ls ein iuridicus
amtierte.79 Und in Britannien war wohl vor allem die starke Belastung und Bindung des konsularen Legaten durch militärische Aufgaben Ursache für die Einsetzung eines iuridicus.so Eine markante Veränderung erfolgte nur in ItaHen, zunächst durch Hadrian, sodann durch Mare Aurel. Da das Kernland des Reiches keine eigentlichen regionalen Unterteilungen kannte (trotz der Einrichtung der 1 1 regiones durch Augustus, die aber seltsam funktionslos zu sein scheinen) und damit auch keinerlei dauerhafte Amtsträger, die die Aufgaben von Statthaltern übernehmen konnten, waren alle Bewohner in den italischen Städten auf die stadtrömischen Magistrate verwiesen, soweit sie Entscheidungen brauchten, die über die Kompetenz der Munizipalmagistrate binausgingen.81 Erst Hadrian versuchte, hier eine Änderung herbeizuführen, indem er für ganz Italien, wie die Historia Augusta berichtet,82 vier consulares für die Rechtsprechung einsetzte. Tatsächlich trugen diese konsularen Amtsträger die Bezeichnung legatus Augusti pro praetore, wie es für L. Vitrasius Flamininus, Suffektkonsul im J. 122, für die ltalia Transpadana bezeugt ist.83 Dies aber beinhaltete, daß, wie der Titel nahelegt, ein solcher Legat für alle administrativen und iurisdiktionellen Aufgaben in seinem Gebiet zuständig war, analog zu einem Statthalter in einer der Provinzen des Kaisers. Dies scheint aber vielen im Senat so sehr der traditionellen Ordnung wider-
78 W. Eck, Die Administration der italischen Straßen: Das Beispiel der via Appia, in:
La via Appia. Decimo incontro di studio del comitato per l'archeologia Laziale, Rom 1990, 29 ff. = ders., Verwaltung I, 295 ff.; Eck, Italien 170 ff. 79 R.K. Sherk, ANRW ll 7, 2, 963 ff.; J. Sa§el - W. Eck, in: EOS l 483; Alföldy, Fasti
Hispanienses 67 ff. 80 Birley, Fasti 2 1 1 ff. 8l Vgl. dazu die Beiträge in diesem Band 297 ff. und 321 ff. 82 HA Hadr. 22. 13; Pius 2, 1 1 ; vgl. HA Mare. 1 1 , 6. 83 CIL X 3870. 4414; vgl. G. Camodeca, in: EOS I 529 ff.
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sprochen zu haben, daß Antoninus Pius die hadrianische Reform trotz ihrer sachlichen Nützlichkeit, ja Norwenrugkeit wieder aufgehoben hat. Die traditionelle Freiheit wog mehr als die Bedürfnisse der Masse der Bevölkerung.84 Erst Mare Aurel hat ab etwa 166 die hadrianische Grundentscheidung wieder aufgenommen, freilich in wesentlich reduzierter Form. Die vier neu eingesetzten iuridici hatten nur prätorisehen Rang, übernahmen ihr Amt zumeist bald nach der Prätur und waren nach allem, was wir wissen, nur für die freiwillige Gerichtsbarkeit zuständig. Ihre amtlichen Bezirke waren offensichtlich nicht fest fixiert, sondern konnten bei jeder neuen Ernennung variiert werden.85 So war z.B. bereits unter Mare Aurel die regio Flaminia einmal mit Umbrien, sodann mit der Transpadana
vereinigt.S6 Apulia bildete längere Zeit zusammen mit Calabria, Lucania und
Bruttü einen Bezirk, könnte aber unter Caracalla mit Picenum vereinigt worden sein; doch um 220 ist es wiederum Teil des süditalischen Bezirks.S7 Welche Auswirkungen dies auf die konkrete Tätigkeit der iuridici hatte, läßt sich im einzelnen nur schwer ermessen. Zu einer stärkeren Fixierung der Regionen ist es erst im späteren 3. Jb. gekommen. Sieht man von den Eingangsämtern für junge Senatoren, dem sogenannten Vigintivirat und dem Militärtribunat ab (d.h. Aufgaben, deren Träger noch nicht dem Senat selbst angehörten), dann waren unter Vespasian Jahr für Jahr rund 145 Senatoren in Rom, Italien und den Provinzen stänrug mit amtlichen Aufgaben betraut;88 diese Zahl stieg sehr moderat auf etwas über 160 am Ende der Regierungszeit Mare Aurels. Gelegentliche Sonderaufgaben für die Aushebung von Truppen oder die Durchführung des census in bestimmten Provinzen fallen insgesamt numerisch kaum ins Gewicht.89 Berücksichtigt man eine gewisse Zahl durch langwierige Krankheit oder aus Altersgründen nicht oder nicht mehr verfügbarer Senatoren, so war stets fast ein Drittel aJJer aktiven Mitglieder des Senats in konkretem staatlichen Auftrag tätig, wofür sie auch aus dem aerarium Saturni oder vieHeicht direkt vom Herrscher besoldet wurden, nicht anders aJs die
jeweiligen comites, für die diese unterschiedlichen Besoldungsquellen direkt 84 W. Eck, Die italischen legati Augusti pro praetore unter Hadrian und Antoninus Pius, Historiae Augustae-Colloquia. Colloquium Parisinum MCMXC, hg. G. Bonameote -
N. Duval, Macerata 1991, 183 ff. = ders., Verwaltung I, 315 ff. 8S M. Corbier, Les circonscri ptions judiciaires de l'ltalie de Mare Aurele a Aurelien,
MEFRA 85, 1973, 609 ff. geht von fünf aufeinander folgenden regionalen, fest fixierten Systemen aus; vgl. dagegen G. Camodeca, Nota critica sulle 'regiones iuridicorum' in ltalia, Labeo 22, 1976, 86 ff.; Eck, Italien 249 ff. 86 CIL VI 1509 D. 1 123; XI 377; AE 1969/70, 60 1 . 87 Eck, Italien 252 ff. 88 Eck, Beförderungskriterien 227 f. 89 Vgl. Thomasson, Legatus 73 ff. 85 ff. =
52
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
bezeugt sind. Da alle Ämter in der einen oder anderen Form unmittelbar durch den Kaiser oder zumindest mit seiner Zustimmung vergeben wurden, war es fast unumgänglich, daß das Gefühl, vom Kaiser abhängig und ihm gegenüber verantwortlich zu sein, zur beherrschenden Gemütslage der Senatoren wurde.90 Die Grundstruktur der senatorischen Laufbahn stand seit augusteischer Zeit fest. In die aus der Republik überkommene Abfolge der Magistraturen wurden die neuen Funktionen, die in Rom, ltalien und den Provinzen auszuüben waren, eingefügt. Dabei konnte es in den ersten hundert Jahren der Kaiserherrschaft noch zu größeren Oszillationen beim Stellenwert einzelner Funktionen kommen. So war es bis in den Anfang der vespasianischen Zeit hinein möglich, ein Legionskommando auch schon vor der Prätur zu übernehmen; der spätere Kaiser Titus befehligte z.B. unter seinem Vater im Krieg gegen die aufständischen Juden als Senator, der eben erst die Quästur hinter sich gebracht hatte, die legio XV
Apollinaris.91 Solche Schwankungen traten später kaum mehr auf; jede Funktion hatte im Gerüst der republikanischen Magistratsstruktur ihren Platz gefunden, abgesehen von der rein ehrenvollen Position eines sevir equitum Romanorum, eines der sechs Anführer der Ritterabteilungen bei der jährlichen Parade vor dem Kaiser, sowie der seit domitianischer Zeit bezeugten Aufgabe des curator rei
publicae.92 Da diese Funktion nicht auf Senatoren beschränkt blieb, sondern ebenso Prokuratoren oder Personen aus der rein munizipalen Führungsschicht übertragen werden konnte, fand sie auch keinen 'festen' Platz innerhalb der senatorischen Laufbahn, sondern konnte zu jeder Zeit übernommen werden, manchmal sogar gleichzeitig mit anderen Aufgaben.93 Auch auf der prätorisehen und der konsularen Ebene hatten die einzelnen Funktionen eine relativ feste Position.94 In konkreten Fällen konnte diese freilich auch verändert werden, ohne daß der Grund immer zu erkennen wäre. So wurden die curae über die verschiedenen Straßen in Italien keineswegs als gleichwertig angesehen; vielmehr war der größere Teil, wie z.B. für die via Salaria oder Tiburtina, eine Funktion für Prätorier am Anfang ihrer Laufbahn, während die
curatores der via Aemilia, Appia und Flarninia bereits vorher zumeist mehrere andere Aufgaben übernommen hatten und manchmal sogar direkt zum Konsulat
90 So z.B. Plin., ep. 3, 20, 12. 91 PIR2 F 399. Th. Franke, Die Legionslegaten der römischen Armee in der Zeit von Augustus bis Traian, Bochum 1991, I
370 ff.
92 Siehe dazu unten 128 ff. 93 Camodeca, ANRW II 13, Berlin 1980, 484 ff.; Jacques, Privil�ge 43 ff. 94 Eck, Beförderungskriterien 181 ff.; Alföldy, Konsulat 33 ff.; Leunissen, Konsuln und Konsulare 24 ff.: Birley, Fasti 15 ff.
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
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gelangen konnten.95 Prätorische kaiserliche Provinzen mit einer Legion oder die Präfektur über das aerarium Satumi hatten im allgemeinen ihren Platz unmittelbar vor dem Konsulat.96 Auch zwischen den konsularen Funktionen hatte sich eine
erkennbare und in Grenzen definierbare Abfolge herausgebildet. Das bedeutete, daß die Aufsicht über die Tempel und die sonstigen öffentlichen Bauten und Plätze der Stadt Rom (cura aedium sacrarum er operum locorumque publicorum) fast stets unmittelbar auf den Konsulat folgte und daß sich i m allgemeinen konsulare kaiserliche Statthalterschatten erst daran anschlossen.97 Auch zwischen diesen l tnis, das sieb u.a. nach der Zahl der selbst bestand im allgemeinen ein Rangverhä Legionen bemaß. Der größere Teil der konsularen Statthalter hatte die
Kommandogewalt über zwei Legionen, in den Provinzen Britannien, Syrien, Pannonia superior und Moesia inferior dagegen seit traianischer Zeit über drei Legionen; erst unter Septimius Severus bzw. unter Caracalla wurden durch Tei lung von Britannia und Syria in zwei Provinzen sowie durch Vergrößerung von Pannonia inferior auf Kosten von superior die letzten Dreilegionenkommanden aufgelöst. Nur die Tarraconensis mit einer und Dalmatien ohne Legion waren Ausnahmen in diesem System konsularer, kaiserlicher Provinzen; bei ihnen mag die Größe der Provinz und auch die traditionelle Besetzung mit einem Konsular eine Rolle gespielt haben, so daß der Status nach dem Abzug von Legionen in der tlavischen Zeit nicht verändert wurde. Wohl aber wurde der Rang der neuen Provinz Dacia im J. 1 19/120 nach der Verminderung der Besatzungsarmee auf eine Legion vom konsularen Status auf prätorisehen abgesenkt, um erst mit der Vermehrung der Legionsbesatzung auf zwei im Gefolge der Germanenkriege seit
169 wieder den alten Rang mit der neuen Bezeichnung Tres Daciae zu erreichen.98 Diese konsularen Statthalterschatten waren untereinander rangmäßig zumindest so gegliedert, daß keine Zweilegionenprovinz unter normalen Bedingungen nach einer mit drei Legionen übertragen wurde. So ging ein Senator nach einem Provinzkommando in Britannia oder Syria nicht mehr in eine andere Provinz, etwa nach Germanien oder nach Syria Palaestina; danach konnte er, wenn nichts Außergewöhnliches eintrat, nur noch die prokonsularen Provinzen Africa und Asia übernehmen, die ohne Legionsbesatzung waren und deren Prestige als üblicher Abschluß einer Laufbahn sich seit augusteischer Zeit vor allem· durch die
95 Eck, llalien 49 f.
96 Corbier,
L'aerarium Satumi 522 ff.
97 A. Kolb, Die kaiserliche Bauverwaltung in der Stadt Rom. Geschichte und Aufbau der cura operum publicorum unter dem Prinzipal, Stuttgart 1993, 59 ff. 98 Dazu mit den präzisen Datierungen I. Piso, Die senatorischen Amtsträger der
römischen Provinz Dacia, Bonn 1993, 82 ff.
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Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
Verlängerung des Intervalls nach dem Konsulat wegen der zahlreichen Anwärter und der vielen Suffektkonsulate herausgebildet hatte. Seit traianischer Zeit betrug das Intervall zwischen Konsulat und Prokonsulat fast stets etwa 15 Jahre. Diese 'Regeln', die nirgendwo rechtlich fixiert waren, sondern sieb aus verschiedenen Faktoren entwickelt hatten, galten für normale Bedingungen, vor aJlem in Friedenszeiten. Doch als z.B. unter Hadrian der Statthalter Syriens, Poblicius Marcellus, den Aufstand der Juden in den Jahren ab 132 nicht unterdrücken konnte, wurde Sex. lulius Severus aus Britannien nach Syria Palaestina gesandt, obwohl dies sonst nicht geschah, da Syria Palaestina mit seinen zwei Legionen rangniedriger war. Und ähnliche Umstände veranlaSten Mare Aurel, Statius Priscus von Britannien nach Kappadokien zu versetzen, eine Abfolge, die sonst ebenfaJls nicht üblich war.99 Aber die Vernichtung einer Legion zusammen mit dem Statthalter durch die Parther im 1. 1 6 1 erforderte diese Maßnahme. Die relativen Rangpositionen der einzelnen Funktionen untereinander ließen bei veränderten Bedingungen flexible Veränderungen jederzeit zu; dennoch haben die Rangpositionen unter normalen Bedingungen die Struktur der konsularen Laufbahnen bestimmt. IOO Die Laufbahnen der einzelnen Senatoren gestalteten sich innerhalb des vorgegebenen republikanischen Rahmens sowie der Wertigkeit der einzelnen Ämter, allerdings mit erheblicher Variationsbreite. Die Faktoren, die den individuellen Cursus beeinflußten, waren höchst unterschiedlicher Natur und erwiesen sich auch als unterschiedlich wirksam. Strukturell war die soziale Herkunft des einzelnen von grundlegender Bedeutung. Abstammung aus senatorischer Familie oder Neueintritt in den ordo senatorius war eine der wichtigsten differenzierenden Voraussetzungen. Bei senatorischer Abkunft war in erster Linie patrizischer Status der Familie und konsularer Rang des Vaters von erheblichem Einfluß, zumindest bei der Schnelligkeit in der Absolvierung einer Laufbahn.101 Patrizier konnten bereits zwei bis drei Jahre nach der Prätur, die seit Augustus, wenn nicht besondere Privilegien wirksam wurden, im 30. Lebensjahr erreichbar war, zum Konsulat gelangen. Da es unter Vespasian zur Normalität
99 Birley, Fasti 106 ff. 123 ff. 1 00 Es gab aber auch weniger unmittelbar 'einsichtige' Abfolgen von Ämtern. So wurde die S atthalterschaft t in Gennania superior (wie auch die von inferior) üblicherweise als erstes konsulares Provinzkommando übernommen. Im Fall des L. Coelius Rufus aber is1 nunmehr durch ein oeues Diplom bekannt, daß er nach seiner legatio in Moesia superior von etwa 120-123 erst einige Jahre später (für 127 bezeugt) nach Gerroania superior ging (Publikation des Diploms durch W. Eck - I. Paunov, Chiron 27, 1997, 335 ff.). Ein Grund für diese 'unübliche' Abfolge ist nicht zu erkennen. IOI Siehe dazu vor allem Alf"öldy, Konsulat 37 ff.
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wurde, ein Legionskommando nur noch als Prätorier zu übernehmen, finden sich seitdem kaum noch Patrizier, die eine solche Stellung innehatten; denn der Dienst als Legionskommandeur hätte den Zugang zum höchsten republikanischen Amt, dem Konsulat, um einige Jahre verzögert. Da es aber andererseits im Normalfall ebenfalls Voraussetzung war, solche 'Erfahrungen' bei einer Bürgertruppe vor der Übernahme einer Statthalterschaft in einer konsularen kaiserlichen Provinz mit Legionsbesatzung zu sammeln, fehlen Altpatrizier auch fast völlig unter den Legaten in den großen Militärprovinzen; die von Vespasian promovierten Neupatrizier finden sich allerdings zum größten Teil unter den konsularen Statthaltern, weil ihr Cursus bis zum Konsulat noch unter Bedingungen verlaufen war, wie sie für Nichtpatrizier üblich waren. So wurde Iulius Agricola als
Patrizier Gouverneur von Britannien; er hatte aber noch vor der Aufnahme in diesen sozia-politischen Status während der Censur Vespasians (73/74 n.Chr.) eine Legion kommandiert. 1 02 Im Einzelfall mag diese schnelle Laufbahn eines Patriziers hin zum Konsulat, dem Amt mit dem höchsten Sozialprestige, als ein Nachteil für eine spätere Tätigkeit in den eigentlichen Machtpositionen angesehen worden sein. Doch im allgemeinen wurde der schnelle persönliche Aufstieg offensichtlieb bevorzugt. Warum der spätere Kaiser Traian trotz seines patrizischen Ranges vor dem Konsulat das Kommando über die legio VII Gemina übernehmen durfte oder mußte, bleibt dunkel. 103 Ein bewußter Ausschluß patrizischer Farnilien von den Schalthebeln der Macht durch die Kaiser kann aber in dieser Gestaltung der Laufbahn nicht gesehen werden. Viele bereits in jungen Jahren zu koosularem Rang gekommeoe Patrizier haben vermutlich durch ihre ständige Präsenz in Rom und in der Nähe des Herrschers auf andere Weise Einfluß und Macht ausgeübt. So ist es vielleicht kein Zufall, daß die ersten drei Senatoren, die unter den Zeugen auf der tabula Banasitana genannt sind, wohl alle patrizischen Ranges waren. 1 04 Konsulare wie sie hielten sich fast ohne Unter brechung in Rom auf und standen damit den Kaisern für repräsentative und beratende Aufgaben auch außerhalb des Senats stets zur Verfügung. Eine mühevolle und gelegentlich auch gefährliche Statthalterschaft in einer der Grenzprovinzen an Rhein und Donau oder gar in Britannien war nicht nach jedermanns Geschmack.
102 Birley, Fasti 76 f. 103 Plin., pan. 14, 2 ff.; Eck, Beförderungskriterien 2 1 8 f. Auch in der von Alföldy, Konsulat, behandelten Zeit von 138 bis 192 findet sich ein Patrizier, der eine Legion als Prätorier kommandierte (Alfö J dy, Konsulat 38). 1 04 AE 1971, 534; vgl. oben in diesem Band 7 ff.
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Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
Daß es Regeln rechtlicher und sozialer Natur
für die Übernahme von Aufgaben
in der res publica gab, war den Römern seit den Zeiten der Leges annales in der späten Republik vertraut. Schon damals dienten die gesetzlichen Vorschriften dazu, die aristokratische Gleichheit innerhalb gewisser Schwankungsbreiten zu bewahren, und das soziale Übergewicht einzelner Familien in Schranken zu halten. Seit Augustus war die Steuerungsfunktion auf die Principes übergegangen, die im allgemeinen unter dem Gesichtspunkt der Wahrung des sozialen Friedens innerhalb der Führungsschicht die traditionellen Regeln und die neu gebildeten Mechanismen des Aufstiegs respektierten. Gerade auf die Entscheidungen des Kaisers aber konnte Einfloß genommen ·werden und zwar von verschiedenen
Seiten. 10.5 Patronage durch Personen sehr unterschiedlichen soziaJen Ranges war ohne Zweifel wirksam, von den 'ständigen' Ratgebern senatorischen Ranges über die Prätorianerpräfekten, die Leiter der einzelnen Kanzleien (principes offc i iorum), die Frau des Herrschers, eine Konkubine wie Caenis unter Vespasian oder bis zum
'Hofnarren'. 106 Doch ist es wohl bezeichnend, daß gerade in der Periode der
größten 'Regelmäßigkeit' der senatorischen Laufbahnen im 2. Jh. nur ganz wenige Klagen über massive und von der 'guten Gesellschaft' nicht akzeptierte Einfluß nahme, etwa durch kaiserliebe Sklaven oder durch Frauen in der Umgebung des
Kaisers verbunden mit finanziellen Bestechungen überliefert sind. 107 Patronage
durch Standesgenossen, aber auch durch andere, dem jeweiligen Kaiser nahe stehende und sozial höherstehende Personen hat es gegeben. Dies war von den Meinungsträgern akzeptiert und wurde sogar erwartet. Plinius d.J. oder Comeüus Fronto hätten ihre Empfehlungsbriefe an Standesgenossen und an Traian nicht publiziert, wenn sie damit nicht dem sozialen Comment entsprochen hätten. Aber Personen wie ihnen waren die rechtlichen und faktischen sozialen 'Regeln' einer senatorischen Laufbahn vertraut, und sie bezogen diese, wie fast alle anderen, in ihre Empfehlungen mit ein, nicht anders als die Herrscher selbst. I08 Nur so ist es zu erklären, daß bei in etwa gleichen sozialen Voraussetzungen fast stets strukturell gleichartige Laufbahnen für Senatoren überliefert sind. Bei einem freien, an keine Regeln gebundenen Wettbewerb der Patrone wären die deutlich 105 Siehe die Diskussion bei Salier, Personal Patronage 79 ff.; G. Alföldy, Die Laufbahn der Konsuln und die Erblichkeit des Konsulates unter den Antoninen: Ein Diskussionsbeitrag, in: ders., Die römische Gesellschaft, Wiesbaden 1986, 139 ff. I06 Suet., Dom. 4, 2. Vgl. oben in diesem Band 24 ff. 1 07 W. Eck, Einfluß korrupter Praktiken auf das senatorisch-ritterliche Beförderungs wesen in der Hoben Kaiserzeit, in: Korruption im Altertum, hg. W. Schuller, München 1982, 135 ff. 1 08 P.M.M. Leunissen, Herrscher und senatorische Elite. Regierungsstil und Beförde rungspraxis im Zeitraum von 1 80-235 n.Chr., Studi ital. di filologia classica 10, 1992, 946 ff.
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sichtbaren Regelmäßigkeiten in den Karrieren nicht erklärlich. Die Wirksamkeit der Patrone war damit notwendigerweise aufs Ganze gesehen begrenzt, wenn sie auch im Einzelfall besonders wichtig sein konnte, insbesondere wenn es galt, eine Lautbahn überhaupt erst einmal zu beginnen. Kaum ein Patron wird es aber gewagt haben, gegen die allgemein bekannten 'Normen' beim Kaiser Beför derungen durchzusetzen oder auch einen 'Versager' in einer vorausgehenden Position, jedenfalls wenn dies über das akzeptierbare Maß hinausgegangen und bekannt geworden war, dem Kaiser für ein höheres, wichtigeres Amt zu empfehlen.109 Dennoch bedeutet eine kontinuierliche Lautbahn eines Senators, gerade unter
den äußeren und inneren Friedensbedingungen seit dem Ende des 1 . Jh.s noch ,
nicht, daß damit der jeweilige Senator auf jeder Stufe auch eine erfolgreiche Tätigkeit oder gar besondere Verdienste vorzuweisen hatte.110 Relativ sicher ist nur, daß er sich im allgemeinen keine eklatanten, bekanntgewordenen Mißgriffe geleistet hatte. Wo dies einmal der Fall war, konnte es auch Folgen haben, für die Person selbst oder auch die Nachkommen. So hatte möglicherweise Petilius Cerialis wegen seiner Niederlage mit der Boudicca im
legio IX Hispana in Britannien gegen
J. 60 eine zunächst verlangsamte Lautbahn zu akzeptieren, die erst
durch den politischen Wechsel zur flavischen Dynastie wieder beschleunigt wurde . 1 1 1 Auch der Enkel des Oppius Sabinus, der von den Dakern unter Domitian besiegt wurde und in der Schlacht gefallen war, scheint eine sehr verlangsamte Lautbahn aufzuweisen, was man auf den Prestigeverlust der Familie durch die Niederlage des Großvaters zurückgeführt hat. 1 1 2 Sonst aber stiegen auch schwache, wenig bef ähigte Personen in der senatorischen Karriere öfter sehr hoch. Wenn keine Krisensituation, insbesondere militärischer Natur eintrat, konnte auch Unf ähigkeit lange unter dem Mantel der administrativen Routine bzw. der wenn auch nicht stets, so doch immer wieder wirksamen Standessolidarität verborgen bleiben. Dabei ist zu bedenken, daß gerade für die Ämter nach dem Konsulat die Gruppe der Senatoren, die im beschriebenen Sinn qualifiziert und auch gewillt war, weitere Aufgaben zu übernehmen, recht begrenzt sein konnte, trotz der Erhöhung der Zahl der Konsuln auf
8-10 pro Jahr in der Zeit Mare Aurels. Eine
allzu große Auswahlmöglichkeit gerade unter dem Gesichtspunkt der besonderen Eignung bestand für die Kaiser nicht. Ob allerdings ein Desaster, wie es sich unter
1 09 P.M.M. Leunissen, Conventions of Patronage in Senatorial Careers under the Principate, Chiron 23, 1993, I 0 I ff. IIO Vgl. W. Eck, in: Prosopographle und Sozialgeschichte 367 f. 1 1 1 Tac., ann. 14, 32, 3; Birley, Fasti 66 f. 1 1 2 PIR2 0 122. 1 23 .
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dem Statthalter Kappadokiens im J. 161, M. Sedatius Severianus, im Kampf gegen die Parther ereignete, 1 1 3 unbedingt auf dessen, vorher nicht erkannte, Unfähigkeit zurückgeführt werden muß, sollte eher offen bleiben. Denn nicht nur damals war es für Regierung und Mitwelt die einfachste Erklärung, eine militä rische Katastrophe dem, noch dazu toten, Befehlshaber zuzuschreiben. Jährlich waren in der 2. Hälfte des 2. Jh.s etwa 90-95 Senatoren als Amtsträger in den Provinzen tätig; 1 14 die einzelnen Ämter dauerten zwischen einem Jahr, der Regelzeit für Prokonsuln, ihre Legaten sowie die Provinzialquästoren, 1 1 5 und mehreren Jahren für alle in den Provinzen des Kaisers tätigen Funktionsträger. Eine in der Länge rechtlich fixierte Zeit hat es für diese nicht gegeben, weil die Dauer ihrer Tätigkeit grundsätzlich von der freien Entscheidung des Kaisers
abhing. Doch war es unter den stabilen Verhä l tnissen vor allem der ersten Hälfte des 2. Jh.s nicht möglich, völlig willkürlich die Amtsperiode für den einzelnen Senator zu bemessen (wie es vor allem unter Tiberius in großem Umfang
geschehen war), da sonst das Avancement, die aus der praktischen Beobachtung genährten Erw artungen der einzelnen Senatoren und die eingespielte Notwen digkeit, die verschiedenen Positionen mit Leuten zu besetzen, die vorher be stimmte Aufgaben auf unterschiedlicher Ebene übernommen hatten, nicht mehr zu erfüllen gewesen wären. 1 16 So darf man auf Grund der heutigen Quellenlage davon ausgehen, daß es selten Amtszeiten von wesentlich mehr als drei Jahren bei den konsularen kaiserlichen Statthaltern gegeben hat, auch nicht unter Antoninus Pius, obwohl dies der Autor der Historia Augusta behauptet, 117 während sie in den prätorisehen kaiserlichen Provinzen, beispielsweise in Lycia-Pamphylia oder in 'Numidien' mit dem Befehl über die Legio JJJ Augusta, häufig wohl nur zwei Jahre umfaßten.118 Auch das Kommando über die einzelnen Legionen hat im Durchschnitt wohl kaum länger als zwei Jahre gedauert, da sonst gar nicht 1 1 3 Fronto, Princ. bist. 2, 17; Lucian, Alex. 27. 1 14 Eck, Beförderungskriterien 228. 1 1 5 Nur in der flavischen Zeit finden sich noch einige wenige Fälle, in denen Prokon suln für mehr als ein Jahr amtierten; Talbert, Senate 505 f. (Piancius Varus ist zu
streichen) und W. Eck, Statius, Silvae I 4 und C. Rutilius Gallicus als proconsul Asiae li, AJPb I 06, 1985, 475 ff. 1 1 6 Die sehr unterschiedlich langen Amtszeiten der Präfekten in Ägypten können hier nicht als Vergleich dienen, da von dieser Position aus nur eine Beförderung zur Präto rianerpräfektur möglich war; gerade die praejecti praetorio blieben jedoch häufig sehr lange im Amt, so daß wenig Personalbedarf von den darunter befindlichen Stufen her bestand. 1 1 7 HA Pius 5, 3; siehe die Widerlegung durch A.R. Birley, The duration of provincial command under Antoninus Pius, Corolla memoriae E. Swoboda dedicata, Graz-Köln 1966, 43 ff. 1 1 8 Siebe die Daten bei B.E. Thomasson, Laterculi praesidum, passim.
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genügend mindestens formal ausgewiesene Prätorier zur Übernahme der Ämter auf der Rangebene der prätorisehen kaiserlichen Statthalterschafren sowie des aerarium
Saturni bereitgestanden hänen. Dies schließt nie aus, daß i n besonderen Fällen auch wesentlich länger dauernde StanhaJterschaften möglich und nötig waren oder auch ein Wechsel auf derselben Stelle nach wesentlich kürzerer Zeit, als es dem Durchschnitt entsprach. So blieb C. Claudius Severus, der erste prätorisehe Legat in der von Traian 105/l 06 annektierten Provinz Arabia, von I 06 bis 1 15/ 1 16 tätig, sogar weit über seinen Konsulat hinaus,119 Cn. Iulius Agricola durfte, ebenfalls exzeptionell lange, für sieben Jahre in Britannien die Provinz erweitern; 120 und auch Flavius Arrianus wurde von Hadrian von etwa 130 bis I 37 in Cappadocia im Amt belassen.' 2 1 Doch in allen drei Fällen können die Statthalter vor oder nach ihnen nicht mehr als etwa drei Jahre amtiert haben. Umgekehrt dürften die Amtszeiten der Statthalter von Germania inferior und Moesia inferior im ersten Jahrzehnt Traians wesentlich unter drei Jahren gelegen haben.122 Viele der Senatoren sind damit während einer zumeist rund 40 Jahre dauernden aktiven Zeit als Mitglieder des Senats oft über 25 Jahre in verschiedenen Ämtern und davon weit mehr als
1 0 Jahre in den Provinzen tätig gewesen; 123 doch sind
sie alle stets wieder nach Rom zurückgekehrt und haben dort an den Sitzungen des Senats teilgenommen. Dies bat auch dazu geführt, daß der Senat über Jahrhunderte hinweg seine prägende Kraft erhalten konnte, und auch homines novi schnell in die spezifisch senatorische Mentalität integriert wurden. Grundsätzlich war somit im Senat ein großes Potential an Erfahrungen, Kenntnissen und Einfluß versam melt. Wenn dort über Probleme bestimmter Provinzen oder einzelne Sachfragen gesprochen wurde, waren stets Senatoren anwesend. die darüber im Detail Bescheid wußten. Daraus hätte zumindest theoretisch eine intensive Teilhabe an der Verwaltung des Reiches erwachsen können: der Senat somit als das consilium
principis par excellence. Unsere Quellen geben uns freilich zumeist einen anderen Eindruck, obwohl auch in der Zeit nach der julisch-claudischen Dynastie kein Zweifel daran besteht, daß der Senat oft über sehr viele Dinge entschieden hat,
1 1 9 M. Sartre, Trois etudes sur I'Arabie romaine et byzantine, Brüssel 1982, 78 ff. Birley, Fasti 73 ff.
120 121 1 22 l23
Eck, Chiron 13, 1983, 169 ff. Eck, Chiron 12, 1982, 330 ff.
Agricola hielt sieb rund 1 3 Jahre in den Provinzen auf, L. Minicius Natalis, Suffektkonsul im J. 106, für etwa I I Jahre (CIL l l 4509 = D. 1029), Q. Pompeius Falco, Statthalter Brilanniens ab 122, für etwa 14 (CIL X 6321 = D. 1035), Sex. lulius Severus, Suffektkonsul 127, für erwa 16 Jahre (ClL III 2830 = D. 1056) und P. Helvius Pertinax sicher nicht weniger (Piso, Dacia 1 17 ff.).
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also durchaus tätig gewesen ist. Daß Plinius d.J. darüber klagt, unter Domitian habe das Hohe Haus nur über lächerliche Ehrungen, aber über keinerlei ernsthafte Dinge beraten und beschlossen, braucht bei der ex eventu erfolgten Schilderung des verhaßten Tyrannen nicht zu verwundern. 1 24 Doch auch aus der traianischen Zeit weiß er kaum über etwas anderes als über Routineangelegenheiten oder auch Banalitäten zu berichten, abgesehen von den zahlreichen Prozessen gegen Standesgenossen, die in den Provinzen die Grenzen des auch unter römischen Prämissen Erlaubten oft überschritten hatten.1 25 So formuliert er im Zusammenhang mit dem für eine kurze Zeit eingeführten schriftlichen Wahlverfahren im Senat, das ihm berichtenswert erscheint: "Freilich hängt alles von der Entscheidung des einen Mannes ab, der zum allgemeinen Nutzen die Sorgen und Mühen aller auf sich genommen hat. Aber es fließen doch aus jener wohltätigen Quelle auch bis zu uns in heilsamer Beschränkung einige Rinnsale herab." 126 Das deutet auf eine völlige Abhängigkeit vom Kaiser sowie eine sehr eingeschränkte Tätigkeit des Gremiums hin. Die volle Realität kann dies dennoch nicht gewesen sein, weil schon allein andere Berichte bei Plinius, mehr aber andere Dokumente dagegen sprechen. So dürfte z.B. die Erlaubnis für Pergamon, einen privilegierten Agon, den ihr Mitbürger Iulius Quadratus, selbst Senator und Konsul zum 2. Mal im J. 105, gestiftet hatte, alle fünf Jahre durchzuführen, keine ganz unwichtige Angelegenheit gewesen sein wie auch manches andere. 127 Doch scheint zumindest das Gefühl, alles Tun im Senat sei vom Kaiser abhängig oder faktisch von ihm abgeleitet, nicht so völlig falsch gewesen zu sein. Die Rechte, die dem Kaiser im Verkehr mit dem Senat zustanden, kennen wir im Detail aus der Iex de imperio Vespasiani, die Ende 69/Anfang 70 formuliert worden war. 1 28 Inhaltlich waren diese im wesentlichen die der Vorgänger Vespasians; und bei seinen Nachfolgern dürften kaum noch rechtliche Neuregelungen in erheblichem Umfang getroffen worden sein. Doch die juristischen Fixierungen der Kompetenzen des Herrschers sind es nicht gewesen, die das Gefühl der Abhängigkeit erzeugten. Dies war vielmehr die faktische Überlegenheit der kaiserlieben Macht. Dazu gehörte auch die Unmöglichkeit, bei den erheblich angewachsenen Aufgaben überhaupt die nötige Information umfassend genug an 1 24 Plin., pan. 54, 3 f. 1 25 Liste der Fälle bei Talbert, Senate 507 ff. 126 Plin., ep. 3, 20, 12: Sunt quidem cuncta sub unius arbitrio, qui pro utilitate communi solus omnium curas laboresque suscepit; quidam tarnen salubri temperamento ad nos quoque velut rivi ex illo benignissimo fonte decurrunt, quos et haurire ipsi et absentibus amicis quasi ministrare epistulis possumus. Vale.; vgl. 4, 25, 5. 1 27 CIL lli 7086 IGR IV 336. 128 CIL VI 930 ·= D. 244 FIRA r Nr. 15. =
=
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
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den Senat gelangen zu lassen, selbst wenn der politische Wille von seiten des Kaisers vorhanden gewesen ist. Solche Information erfolgte auch immer wieder. Selbst Angelegenheiten der 'Außenpolitik' wurden gelegentlich vor dem Senat verhandelt, freilich vor allem solche, die unter dem Gesichtspunkt des Prestiges für Kaiser und Imperium wichtig waren. Im
Jahr 1 02 hatten die Gesandten des
Dakerkönigs Decebalus vor dem Senat zu erscheinen, der über den Abschluß eines Friedens beschloß; auch die Gesandten des Partherkönigs Vologaeses wurden von Hadrian an den Senat verwiesen, ebenso wie die Gesandten des Ibererkönigs Pharasmanes im J. 142.1 29 Ferner kamen Siegesnachrichten vor den Senat wie etwa im Jahr 166 die Meldung vom Sieg des Verus über die Parther, die von dem jungen Senator lunius Maximus überbracht wurde.130 Und selbstverständlich wurden vom Senat auch die kaiserlichen Siegerbeinamen beschlossen oder aucb die Abhaltung eines Triumphes, nicht anders als auch die Triumphalornamente verdienten Senatoren wie Plautius Silvanus, lulius Agricola oder Sex. lulius Severus oder auch Ehrenstatuen für im Kampf gefallene Senatoren wie Claudius Fronto oder einen langjährigen Prätorianerpräfekten wie Bassaeus Rufus vom Senat zuerkannt wurden.131 Doch war dies alles eher zeremonieller Natur, aucb wenn dadurch die mentale Befindlichkeit der Senatoren mit der kaiserlichen Macht in Einklang gebracht werden konnte. Die Anträge für alle diese Ehrungen aber waren selbstverständlich jeweils vom Kaiser gekommen oder zumindest von ihm gebilligt worden, ebenso wie bei den Wahlen im Senat zumindest niemand er folgreich war, wenn der Kaiser es nicht wollte. Zum Konsulat kam überhaupt nur der, den der Herrscher aktiv
dazu bestimmt hatte. In besonderem Maße galt dies für
einen zweiten oder gar dritten Konsulat; diese Ehre wurde dadurch noch stärker herausgehoben, weil sie offensichtlich seit traianisch-hadrianischer Zeit bis ins späte
3. Jh. binein generell nur noch in der Stellung eines consul Ordinarius
verliehen wurde. l 32
129 Dio 68, 9 f.; 69, 15, 2; Fronto, ad Mare. Caes. 4, 2, 3 und W. Eck - M. Roxao, in: Römische Inschriften - Neufunde, Neulesungen und Neuinterpretationen. Festschrift fUr Hans Lieb (Anm. 37), 95 f. l 30 tnschr. Ephes. lli 8 1 1 ; G. Alföldy - H. Halfmann, ZPE 35, 1979, 195 ff. 1 3 1 D. 986; Tac., Agr. 40; D. 1056. 1098. 1326.
1 32 Bisher war man davon ausgegangen, daß der letzte cos. II suff. im J. 103 ernannt worden wäre; dann seien alle consules II ordinarii gewesen. Nun aber ist durch einen neuen Text aus Larinum, auf den mich G. Camodeca dankenswerterweise hinwies, C. lulius Procu1us, cos. suff. im J. 109, auch noch als cos. II bekannt (G. de Benedictis - A. di Niro, L'anfiteatro di Larinum, 1995, 21 ff.). Da alle consules ordinarii nach 109
bekannt sind, müßte er das Amt als suffectus II übernommen haben, vermutlich erst in hadrianischer Zeit - wenn er nicht vor Antritt des 2. Konsulats gestorben ist (so A. Birley, ZPE 1 1 6,
1997, 231
ff.); dann mUßte man annehmen, man habe die
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Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
Grundsätzlich war das historische Wissen um die möglichen Gefahren, die aus der kaiserlichen Omnipotenz oder Willkür erwachsen konnten, wesentlich stärker als alle Bemühungen kooperationswilliger Herrscher. Unter diesem Aspekt erweckte der größere Teil der Vergangenheit seit Augustus Mißtrauen: Alle seine Nachfolger von Tiberius bis Nero hatten mit ihrem Handeln gegenüber einzelnen Senatoren und dem Mißbrauch des Gremjums dazu beigetragen. Domitians Herrschaft hatte die Urteile und Vorurteile über die dem Prinzipal inhärente Möglichkeit der Tyrannis besätigt. t Nicht alle Senatoren haben dabei wie Tacitus erkannt, daß der Senat selbst und insbesondere seine einzelnen Mitglieder Spannungen rojtverursacht und auch Willkürakte der Kaiser nicht verhindert, oft sogar überhaupt erst ausgelöst hatten. 133 Die Hingerichteten blieben fast nur als Opfer kaiserlicher Willkür in Erinnerung, kaum als aktiv Beteiligte, auch wenn sie sich in illoyale Akte oder Verschwörungen, die es unter manchen Kaisern zahlreich, aber selbst unter solch akzeptierten Herrschern wie Traian und Antoninus Pius gelegentlieb gegeben hat,134 eingelassen hatten. Gleiches gilt für die zu Beginn der Herrschaft Hadrians wie auch in seinen letzten Jahren gewaltsam beseitigten Senatoren. Die Grundsituation einer sändig t möglichen Bedrohung veränderte sich auch unter den Antoninen nicht. Vor allem gab es keine rechtlich durchsetzbare Sicherung gegen herrscherliehe Willkür. Zwar waren die Kaiser von Nerva bis zu Antoninus Pius vor der Übernahme der Herrschaft selbst über Jahr zehnte Senatoren gewesen; sie kannten damit die Psyche ihrer Standesgenossen und versuchten auch, sie zu berücksichtigen bzw. das Selbstbewußtsein der Senatoren zu stärken. Auch Mare Aurel hatte, obwohl er von Anfang an den Senat nur als künftiger Nachfolger des Antoninus Pius erlebte, ein besonders ausgeprägtes Gefühl dafür, wie rrut dem Senat umgegangen werden mußte. Doch konnte all ihr Bemühen, das höchste Gremium des Reiches als Ganzes intensiver an der Politik zu beteiligen, keinen Erfolg haben. Dazu saß das Trauma der Vergangenheit einerseits zu tief. Auf der anderen Seite waren zu viel Macht und zu viele Kompetenzen auch schon auf Personen übertragen worden, die gar nicht dem Senat angehörten und die nur vom Kaiser selbst abhingen. Sie waren damit notwendigerweise dem Einfluß des Senats entzogen und damit auch die
Designation als ausreichend angesehen, um den 2. Konsulat auf der Inschrift vermerken zu können. l33 Vgl. dazu die Bemerkungen von E. Flaig, Loyalität ist keine Gef:illigkeit. Zum Maiestätsprozeß gegen Silius 24 n.Chr., Klio 75, 1993, 289 ff.; Z. Yavetz. Caligula, Imperial Madness and Modem Historiography, Klio 78, 1996, 105 ff. 134 Vgl. z.B. die Fasti Ostienses zum J. 145; Vidman, Fasti Ostienses2 50. 125 f.
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
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Gegenstände, die ihnen anvertraut waren. Viele der Senatoren verdankten zudem gerade dem jeweils regierenden Herrscher ihre Ämter oder waren überhaupt erst durch ihn in den Senat gekommen. Weshalb sollte man somit seinen Entscheidungen nicht auch sonst vertrauen und seinen Anträgen, falls sie vor den Senat gebracht wurden, ohne große Aussprache zustimmen? Zudem waren viele Kaiser oft von Rom abwesend, Traian während seiner Kriegszüge insgesamt 1 1 Jahre, ebenso viele Hadrian während seiner Reisen; und nicht anders war es unter Mare Aurel. 135 Über Vorschläge eines abwesenden Kaisers aber konnte nur schwer diskutiert werden, jedenfalls nicht im Sinn einer wesentlich divergierenden Meinung. Die Freiheit, die manche Senatoren nach dem Tod Neros gefühlt hatten, vor allem solange der neue Princeps Galba oder auch Vespasian noch abwesend war, hatte schnell einer realistischen Ernüchterung Platz gemacht.136 Als Helvidius Priscus im Jahr 70, als Vespasian sich noch im Osten aufhielt, im Senat den Antrag stellte, es sollte über eine Einschränkung der Ausgaben des Aerariums beschlossen werden, und als die amtierenden Konsuln darüber eine Befragung der anwesenden Senatoren beginnen wollten, interzedierte der Volkstribun Vulcacius Tertullinus dagegen mit der Bemerkung, eine so wichtige Angelegenheit dürfe nicht in Abwesenheit des Princeps verhandelt werden. Bestimmte Sachkomplexe erforderten einfach die praesentia principis, wie es der Senat selbst schon im J. 1 7 n.Chr. formuliert hatte.137 Auch ein zweiter Antrag des Helvidius Priscus, das Kapitol solle aus öffentlichen Geldem erbaut werden, Vespasian aber solle nur Zuschüsse leisten, wurde nicht weiter verfolgt. Niemand im Senat wollte solch heikle Fragen, bei denen das kaiserliche Selbstverständnis betroffen sein konnte, ohne vorherige Äußerung von seiten des Herrschers, sei sie mündlich oder schriftlich, diskutieren oder darüber beschließen.138 So braucht auch das Verfahren nicht zu verwundern, das gegen Ende der Regierungszeit des Marcus, als dieser sich an der Donaufront aufhielt, im Senat angewandt wurde. Eine oratio, d.h. aber konkret ein Bericht mit einer größeren Anzahl von Anträgen des Herrschers, wurde im Senat, vermutlich von einem der Quästoren des Princeps, verlesen, worunter sich auch der Wunsch der Milesier auf Umwandlung von Wettkämpfen zu einem besonders privilegierten Agon befand. Da, wie Mare Aurel den Milesiern schreibt, bei derselben Gelegenheit von ihm auch über viele
135 Vgl. Halfmann, Itinera principum 184 ff. 136 Tac., hist. 1, 4, 3. 137 So in Z. 3 1 f. des s.c. de Cn. Pisone patre; siehe W. Eck - A. Caballos -
F. Femandez, Das senatus consultum de Cn. Pisone patre, München 1996, 40 Z. 31 f. mit Kommentar 162. 1 38 Tac. , hist. 4, 9.
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Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
andere Dinge Bericht erstattet wurde, habe der Senat nicht gesondert über jeden einzelnen Antrag, sondern an jenem Tag in einem umfassenden Beschluß über alle Punkte seiner oratio auf einmal entschieden. Deshalb könne er, Mare Aurel, auch nur den entsprechenden Abschnitt aus seiner Rede, der aber nicht in die Form eines Senatsbeschlusses gebracht war, obwohl die Zustimmung des Senats erfolgt war, mitteilen.139 Es liegt also eine ähnliche Diskrepanz zwischen sprachlicher Formulierung und rechtlicher Gültigkeit eines Beschlusses vor wie bei der Lex de
imperio Vespasiani. 140
Dieses Verfahren dürfte kaum ganz neu gewesen sein;
immerhin ist es bemerkenswert, daß gerade seit Hadrian, der besonders lange, bereits in den Anfängen seiner Regierungszeit, von Rom abwesend war, erstmals
kaiserliche oraJiones von den Juristen an Stelle des formellen senatus consultum als rechtliche Basis zitiert wurden.'41 Wahrscheinlich sind sie während seiner zahlreichen Reisen im Senat verlesen worden und hatten, da Hadrian selbst nicht anwesend war, von Anfang an stärker autoritativen Charakter angenommen. Dennoch ist die alte äußere Form des
senatus consultum
nicht verdrängt
worden, auch nicht seit Mare Aurel, für den zum ersten Mal direkt die kumulative Bestätigung mehrerer Anträge bezeugt ist. Denn wohl genau zur selben Zeit wie der Beschluß für die MiJesier wurde ein anderer Senatsbeschluß über die Festsetzung von Höchstpreisen für Gladiatoren verabschiedet, der ebenfalls auf einer Rede des Kaisers beruhte; diese
oratio,
die wiederum von der Donau nach
Rom gesandt worden war, wurde jedoch von einem Senator in seiner
sententia
aufgenommen und sprachlich in die Form eines senatus consultum gebracht; dabei ist es offensichtlich sogar zu einer geringen Veränderung oder zumindest Ergänzung der kaiserlichen Vorschläge gekommen. Der Senator betont freilich auch, er weiche mit der Art seiner
sententia
von dem damals Üblichen ab.
Tatsächlich wird in einer Inschrift aus Sardeis, in der derselbe Vorgang erscheint, nur aus der oratio principis zitiert, nicht aus der sententia des Senators, wie sie in einem epigraphischen Dokument aus Italica in der Baetica vorliegt.'42 Die Diskrepanz ist am ehesten so zu erklären, daß in ltalica der Senator, der die
sententia
abgab, seine Version, vielleicht auch seinen Einsatz in der Sache
verbreitet wissen wollte, während man sich in Sardeis auf die allein entscheidende
1 39
P. Herrmann, Eine Kaiserurkunde aus der Zeit Mare Aurels aus Milet, Ist. Mitt. 25, Greek Constitutions Nr. 192; ders., Ist. Mitt.
1975, 149 ff. = AE 1977, 801 = Oliver, 38, 1988, 309 ff. = AE 1989, 683. 1 40 Vgl. oben 60 f.
1 41 Talbert, Senate 290 ff. 444 f.; vgl. auch D.A. Musca, Da Traiano a Settimio Severo: senatus consultum e oratio principis, Labeo 3 1 , 1985, 7 ff. 1 42 D. 9430; CTL 11 6278 = D. 5163; vgl. J. H. Oliver - R.E.A. Palmer, Minutes of an Act of the Roman Senate, Hesperia 24, 1955, 328 f.
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Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
oratio des Princeps bezog.
Die äußere Form war freilich nicht entscheidend; denn
der politische Wille des Herrschers stand auch hinter der
sententia
des für uns
namenlosen Senators. Die historisch nicht unwichtige Frage ist freilich, ob der Senat auch unabhängig von der Meinungsäußerung des Herrschers Beschlüsse faßte, wobei stets vorausgesetzt werden darf, daß diese, zumindest erkennbar, nicht im Widerspruch zu allgemeinen Vorgaben und Vorstellungen des jeweiligen Princeps standen. Möglich erscheint solch ein freies Handeln des Senats zumindest bei Routineangelegenheiten, wie sie in einem
senatus consultum
zu Beginn der
Regierungszeit des Antoninus Pius überliefert ist. Ein aus der Provinz Africa stammender Senator hatte durch seine Freunde die Konsuln gebeten, ihm vom Senat das Recht auf Abhaltung eines Markttages auf seinem Gut im
Beguensis
saltus
gewähren zu lassen.143 Von einer Teilnahme des Herrschers am
Verfahren ist hier ebensowenig zu hören wie bei einem ähnlichen Antrag, den der traianische Senator Bellicius Sollers für seine Besitzungen bei Vicetia gestellt hatte.144 In einem anderen, nicht mehr datierbaren Beschluß, ebenfalls unter Antoninus Pius, in dem über die Bestätigung eines Vereins in Kyzikus in der Provinz Asia befunden wurde, war Antoninus Pius, allerdings in einer nicht näher bestimmbaren Weise, beteiligt. 145 Auch dieses Verfahren würde man eher zu den alltäglichen Angelegenheiten rechnen, obwohl das Hetairienwesen in den Städten der östlichen Provinzen zumindest das Mißtrauen Traians erregt hatte. Andererseits sind uns zahlreiche Senatsbeschlüsse gerade aus dem Bereich des Zivilrechts, z.B. für Erbschaftsangelegenheiten, für die Fortentwicklung des Freilassungsrechts oder zu den Konsequenzen aus dem Besitz des Dreikinderrechts
(ius trium liberorum)
bei einer Frau bekannt, die den Namen des Antragstellers trugen, z.B.
s.c.
Pegasianum unter Vespasian, s.c. Rubrianum unter Traian, s.c. Tertullianum und Plancianum
unter Hadrian oder das
s.c. Orfitianum
unter Mare Aurel. Damit ist
angezeigt, daß, zumindest formell, der Herrscher nicht initiativ gewesen ist.146 Wie diese Aktivität bei der Fortentwicklung des Rechts von der Mitwelt gesehen und gewertet wurde und welche Bedeutung sie für das politische Selbstwertgefühl des Senats hatte, ist nicht abzuschätzen. Wenn die Briefe des jüngeren Plinius einen richtigen Eindruck geben, dann dürfte Traian nicht allzu oft bei Senatssitzungen anwesend gewesen sein, vor
143 CIL VIII 270 = 11451 = 23246 = FIRA 12 Nr. 47; vgl. auch J. Nolle, Nundinas insti tuere et habere, Hildesheim 1982, 89 ff. 144 Plin., ep. 5, 4, 1. Plinius nennt die Angelegenheit selbst eine res parva. 145 CIL lU 7060 = D. 7190. 146 Siehe die Zusammenstellung solcher Fälle bei Talbert, Senate 443 ff.
Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger
66
allem nicht bei den zahlreichen Prozessen, die gegen Senatsmitglieder wegen Vergehen während einer Provinzstatthalterschaft angestrengt wurden. Als im Verfahren gegen Varenus Rufus, einen ehemaligen Prokonsul von Pontus Bithynien, die Gesandten der Bithynier mit einem Senatsbeschluß nicht einverstanden waren, wandten sie sich anschließend an Traian, der aber die Angelegenheit
an
den Senat zurückverwies. Dies kann wohl nur heißen, daß er
selbst an den Verhandlungen im Senat nicht teilgenommen hat.147 Soweit seine Abwesenheit nicht dadurch bedingt war, daß er sich außerhalb Roms aufhielt, scheint zumindest dieser Kaiser Wert darauf gelegt zu haben, dem Senat das Gefühl zu geben, unabhängig entscheiden zu können. Andererseits hat Hadrian,
wenn er in Rom war, stets an der Arbeit des Senats teilgenommen, und Mare Aurel soll sich bemüht haben, möglichst oft an den regelmäßigen Sitzungen des Senats mitzuwirken, so daß er sogar eigens aus Campanien nach Rom zurückkehrte, wenn er selbst Anträge vor das Gremium bringen wollte. Dieses Bild vermittelt zumindest der spätantike Autor der Histori a Augusta.148 Wenn der Autor nicht etwa ein ideologisch gefärbtes Bild entwirft, könnte sich im unterschiedlichen Verhalten dieser Kaiser lediglich ihre differierende Sichtweise widerspiegeln, wie sich der Herrscher dem traditionellen Gremium gegenüber verhalten sollte. Die hohe Wertschätzung, die sich in solchem kaiserlichen Entgegenkommen ausdrückt, und ihre komplementäre Erscheinung in der hohen Selbsteinschätzung des Senats durch einen Autor wie Cassius Dio findet, 149 kann freilich nicht darüber hinwegtäuschen, daß gegen Ende des
2. Jh.s im Senat als Gesamtheit
längst keinerlei politische Aktiviät t mehr entwickelt wurde, obwohl die adminis trative Routine der Menge nach vermutlich nicht abgenommen hatte. Der Senat und seine Mitglieder waren, bei aller ideologischen Sonderstellung, die immer wieder betont wurde, ebenso Teil des vom Kaiser organisierten und geleiteten Gesamtsystems wie der
ordo equester und die aus ihm hervorgehenden
Funktionsträger.150
147 Plin., ep. 6, 13, 2. 1 48 Dio 69, 7, L; HA Hadr. 8, 6; Mare. 10, 7 f. 149 Talbert, Senate 85. 1 50 Champlin, Fronto and Antonine Rome 79. Siebe ferner das folgende Kapitel.
C. DIE NICHTSENATORISCHE ADMINISTRATION: AUSBAU UND DIFFERENZIERUNG
Das senatorische Ämterwesen der Kaiserzeit war nach Grundstruktur und zahlenmäßigem Umfang im wesentlichen bereits durch Augustus geformt worden; was später folgte, stellte einen insgesamt relativ bescheidenen Ausbau des Vorhandenen dar. Doch auch die permanente Heranziehung von administrativen Funktionsträgem nichtsenatorischer Herkunft, die lediglich dem Princeps, nicht aber einem herkömmlichen magistratischen Amtsträger unterstanden, war bereits durch die augusteische Politik eingeleitet worden. Der
praefectus Aegypti, die
beiden praefecti für die stadtrömische Getreideversorgung und die Feuerwehr sowie die Finanzprokuratoren mit unterschiedlichen Aufgaben in den Provinzen des Herrschers bzw. des Volkes sind dafür klare Hinweise, ebenso die kaiserlichen Freigelassenen und Sklaven, die nach dem Tod des Augustus Auskunft geben und Rechenschaft über die finanziellen Bestände des Aerariums, der verschiedenen kaiserlichen Kassen sowie über die Steuerrückstände ablegen konnten.1 Doch hat Augustus für diese neue, in der Republik so nicht bekannte An der staatlichen Verwaltung nur die Anfänge geschaffen, die noch nicht klar erkennen ließen, wie auf diese Weise in der Zukunft die Administration ausgeweitet und in viele Spanen differenzien werden würde. Typischerweise hat Sueton, der die durch Augustus neugeschaffenen senatorischen Ämter sehr genau registrierte, in seiner Biographie des ersten Princeps keinen einzigen Hinweis auf ritterliche Beauftragte, also die zukunftsweisenden neuen Funktionsträger, gegeben.2
1 Suet., Aug. I 0 I , 4: Tribus uoluminibus, 11110 mandata de funere suo complexus est, aftero indicem rerum a se gestarum. quem uellet incidi in aeneis tabulis, quae ante Mausoleum statuerentur, tertio breuiarium totius imperii, quantum mifitum sub signis ubique esset, quant11m pecuniae in aerario et fiscis et uectigalionun residuis. Adiecit et libertorum seruorumque nomina, a quibus ratio exigi posset. Die genannten Fakten sind seit langem bekannt. Eine ganz andere Frage ist die, wie und wann diese Neuerungen unter Augustus, d.h. im Verlauf von über 40 Jahren entwickelt wurden. Am Anfang stand vermutlieb ein tastendes Probieren, das erst im Verlauf der Zeit zu festeren Formen geführt hat. Wie das aber geschah, ist beute noch nicht klar.
2
Suet., Aug. 37: Quoque plures partem administrandae rei p. caperent, noua officia excogitavit: curam operum publicorum, viarum aquarum alvei Tiberis, frwnenti populo dividundi, praefecturam urbis, triumviratum /egendi senatus et altenun recognoscendi turmas equitum, quotiensque opus esset. Censores creari desitos longo intervallo creavit. Numerum praetorum auxit. Exegit etiam, ut quotiens consu/atus sibi daretur, binos pro singulis collegas haberet, nec optinuit, reclamantibus ctmctis satis maiestatem eius imminui, quod lronorem eum non solus sed cum altero gereret. Vgl. dazu auch P.A. Brunt, Princeps and Equites JRS 73, 1983, 42 ff.; W. Eck, Augustus' ,
administrative Reformen: Pragmatismus oder systematisches Planen?, Acta Classica, 29, 1986, 105 ff. = ders., Verwalrung I , 83 ff.
68
Die nichtsenatorische Administration
Wie sich der nichtsenatorische Verwaltungsbereich neben dem von Senatoren geleiteten dem Umfang und dem Tempo nach entwickelte, ist noch nicht im nötigen Ausmaß geklärt.3 Die wesentlichen Gründe dafür liegen vor allem in der spezifischen Form der Überlieferung für diesen Bereich der Verwaltung. Die literarische Tradition einschließlich der historiographischen Werke geht nur in Einzelf ällen auf die Neueinrichtung von außersenatorischen Funktionsbereichen oder ihre Veränderung ein. Dies ist vor allem dadurch zu erklären, daß kaiserliche Maßnahmen solcher Art zumeist wohl auf internen Vorschlägen des Kaisers oder des jeweiligen Beraterstabs um den Herrscher beruhten und vom Princeps allein entschieden wurden. Wenn Octavian dem eben ernannten Präfekten von Ägypten,
der nur Ritter war, durch Volksgesetz, also in voller Öffentlichkeit, jurisdik tionelle Kompetenzen übertragen ließ,4 dann war dies in einer machtmäßig noch ungeklärten Situation aus politischer Zweckmäßigkeit geschehen, um sich nämlich den Anschein eines gesetzeskonformen Bewahrers der Tradition zu geben. Später stellte sich die Frage vermutlich nicht mehr in derselben Form. Im Normalfall bedurften solche Entscheidungen weder öffentlicher Propagierung noch etwa gar einer Bestätigung durch den Senat; nur auf diese Weise aber hätten sie möglicherweise auch in der politischen Öffentlichkeit registriert und damit auch in die historiographische Überlieferung aufgenommen werden können. So braucht es nicht zu verwundern, daß selbst Frontin, der als curator aquarum für etliche Jahre die stadtrömische Wasserversorgung leitete, keine präzise Information darüber finden konnte, wann genau ein kaiserlicher Freigelassener als procurator aquarum neben dem senatorischen Leiter tätig geworden war; er schreibt nur, es scheine Kaiser Claudius gewesen zu sein, der als erster den Freigelassenenprokurator ernannte.5 Dabei standen Frontin für andere Sachfragen umfangreiche Materialien, 3 Noch immer das klassische Werk ist
0. Hirschfeld, Die kaiserlichen Verwaltungs beamten bis auf Diocletian von 19052• Ausschließlich die Ritter sind bei Pflaum, Procurateurs behandelt, während Boulvert, Esclaves et affranchis imperiaux lediglich die Sklaven und Freigelassenen erörtert; gerade dadurch aber wird Zusammengehöriges künstlich getrennt und manche Entwicklungslinien sind so nicht zu erkennen. Vgl. auch R.J.A. Talbert, The Senate and Senatorial and Equestrian Posts, CAH X, Cambridge 1996, 324 ff. 337 ff. 4 Ulp., dig. 1 , 17, 1 : Praefectus Aegypti non prius deponit praefecturam et imperium,
quod ad similitudinem proconsulis lege sub Augusto ei datum est, quam Alexandriam ingressus sit successor eius, licet in provinciam venerit: et ita mandatis eius continetur. 5 Front., de aqu. I 05, 2. Vermutlich fand Frontin in den Unterlagen der cura aquarum nur Nachrichten über einzelne Inhaber dieser Funktion, aber nichts über einen generellen Beschluß des Kaisers. Die Beauftragung des ersten libertus Augusti et procurator
aquarum geschah mit größter Wahrscheinlichkeit auf Grund einer plötzlich eingetretenen Notwendigkeit nach der Schaffung der familia Caesaris für die Wasserversorgung in Rom.
Die nichtsenatorische Administration wohl aus dem
69
Archiv der cura aquarum, zur Verfügung, wie die oft sehr
detaillierten Angaben seines Werkes zeigen Für den procurator aquarum aber fand .
er nichts. Wenn Claudius bei der Übertragung von jurisdiktione llen Rechten auf Freigelassenenprokuratoren dem Senat Mitteilung machte und auch ein senatus
consultum erwirkte,6 dann beruhte dies vielleicht auf der besonderen Brisanz des Vorhabens,
aber vermutlich noch mehr auf dem unkonventionellen Stil, in dem
der Herrscher oft seine Politik umsetzte. Immerhin hatte dies zur Folge, daß Tacitus den Vorgang wohl in den Akten des Senats gefunden hat und so in seine Annalen aufnehmen konnte. Die Masse des beute verwertbaren Quellenmaterials besteht aus epigraphischen, seltener aus papyrologischen Dokumenten, die aber zumeist nur das Faktum der
Existenz von Funktionsträgern unterschiedlicher Qualiät t bzw. von Funktions bereichen zum Zeitpunkt der A bfassung des Dokuments erkennen lassen, jedoch kaum je etwas darüber aussagen, wann diese zum ersten Mal eingesetzt oder eingerichtet wurden. Denn obwohl man das Wissen, in irgendeinem Zusammen hang der erste gewesen zu sein, nicht selten auf Inschriften vermerkt, ist solches für unseren Zu sammenhang fast unbekannt.7 Häufig kann deshalb nur festgestellt werden,
seit wann spätestens bestimmte administrative Aufgaben auf jeden Fall
von nichtsenatorischen staatlichen Beauftragten erledigt wurden. Da jedoch dje inschriftlichen Quellen für die ruer einschlägige Thematik, trotz ihrer insgesamt großen Zahl, in Relation zu den einst agjerenden Funktionsträgem recht spärlich sind, können zwischen der Einrichtung se lbst und der für uns ersten Bezeugung eines dafür Tätigen viele Jahrzehnte liegen, was die Erkenntnis der tatsächlich abgelaufenen Entwicklung und damü einer möglicherweise unterschiedlichen Politik einzelner Kaiser äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich macht.S Diese Schwierigkeit
wird jedoch noch dadurch verschärft, daß bisher in der
Forschung die EntwickJung der einzelnen außersenatorischen Funktionsbereiche allzusehr unter dem Gesichtspunkt des Einsatzes von ritterlieben Leitern gesehen wurde, während diese in Wirklichkeil nur Teil eines Gesamtprozesses gewesen
6 Tac., ann. 12, 60; siehe dazu unten 161 ff.
7 Vgl. G. Alföldy, Die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft des Römischen Kaiser t Sb. Heidelb. Akad. Wiss. Phil.-hist. KJ. 8. reiches. Erwartungen und Wertmaßsäbe, Abh., Heidelberg 1980 = ders., in: Die römische Gesellschaft, Stuttgart 1986, 334 ff. 8 Eck, Italien S; ders., Verwaltung 1, 349 ff.; P.A. Brunt, Princeps and Equites (Anm. 2) 68 ff. Siehe auch unten Anm. SO. Bei Pflaum, Procurateurs sind es jedoch gerade die Regierungszeiten der einzelnen Kaiser, die das Gliederungsprinzip fllr die Entwicklung abgeben. Bei den genannten Voraussetzungen kann das Ergebnis notwendigerweise nur höchst unbefriedigend sein, wenn es nicht sogar häufig in die Irre führt, da Zusammenhänge hergestellt werden, für die es keine Basis gibt.
70
Die nichtsenatorische Administration
sind.9 Im Vordergrund des Interesses stand zumeist die erstmalige Ernennung von ritterlichen Funktionsträgern, womit nach weitverbreiteter Meinung der Forschung im allgemeinen auch eine neue Qualität in der Verwaltung verbunden gewesen sein soll. Unter dem Aspekt der Ausweitung der Administration überhaupt und ihrer allgemeinen Wirkung überall im
imperium Romanum ist
jedoch die Entwicklung der Funktionsbereiche insgesamt wichtiger als die zumeist weit spätere Übernahme der Leitung durch Mitglieder des Ritterstandes. Dabei ist nicht ausgeschlossen,
daß
in
einzelnen
Fällen die Einrichtung eines
Funktionsbereiches und die Bestellung eines ritterlichen Prokurators zur selben Zeit erfolgte, wie es z.B. möglicherweise bei einer Spezialkasse in der Baetica,
dem kalendarium Vegetianum vielleicht in der Zeit des Antoninus Pius der Fall gewesen ist. IO Doch in der Zeit nach der julisch-claudischen Dynastie waren viele Aufgabenfelder, deren spezielle Leiter aus dem Ritterstand erst wesentlich später bezeugt sind, bereits weitgehend vorhanden, und die damit verbundenen Aufgaben wurden auch erfüllt. Dies konnte entweder durch kaiserliche Sklaven und Freigelassene allein geschehen oder durch sie unter Leitung anderer ritterlicher Amtsträger, deren Aufgaben zunächstjedoch umfassender waren und erst später auf mehrere Personen des gleichen sozio-politischen Status verteilt wurden. 11 Dies zeigt sich besonders deutlich im Verlauf des 2. Jb.s, als für die Fiskaladmi nistration häufig spezielle Prokuratoren für einzelne Steuern, etwa die Erbschaftssteuer, neben den allgemeinen Provinzprokurator traten, der zuvor für alle bzw. einen Teil der Steuern oder sonstige kaiserliche Einnahmequellen allein verantwortlich gewesen war.12 Bei diesem problematischen Zustand der Quellen und der Forschung kann jede Darstellung der Entwicklung nur Versuchscha rakter haben. Vier große Aufgabengruppen hatten sich innerhalb der von Rittern, kaiserlichen Freigelassenen und Sklaven getragenen Administration von Augustus bis zum Ende der Regierungszeit Neros herausgebildet:
9 Lediglich Hirschfeld, Kaiserliche Verwaltungsbeamte hat die Teile stets als Einheit
y,esehen.
0 Siehe die Zeugnisse bei Pflaum, Carrieres procuratoriennes 6questres lli 1049; Suppl. 1 1 8. Ganz sicher trifft dies bei dem procurator ad bona Plautiani unter Septimius Severus zu (Pflaum, Carrieres procuratoriennes 6questres ID I 092). Dies war aber eine vorübergehende Aufgabe. 1 1 Vgl. z.B. die Zusammenfassung verschiedener Aufgaben bei Prokuratoren mit den Amtstiteln a libellis et a censibus oder ab epistulis et a patrimonio, a libellis et cognitionibus, proc. hereditatium et a censibus: pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres 111 I 020 ff. 1 2 Siehe unten 79 ff.
Die nichtsenatorische Administration
71
1 . Funktionsbereiche um den Herrscher wie die des ab epistulis, a rationibus
oder a libellis, deren Tätigkeit grundsätzlich das gesamte Reich betreffen konnte; häufig werden sie in der Forschung als Hofämter, officia Palatina, bezeichnet. Hierzu ist auch die Prätorianerpräfektur zu zählen, deren Inhaber Aufgaben sehr universeller Art übernehmen konnten, obwohl der ursprüngliche Angabenbereich der beiden praefecti praetorio äußerst beschränkt gewesen ist.
2. Träger von Aufgaben, deren Wirken vor allem auf Rom ausgerichtet war, wie der praefectus annonae bzw. vigilum, die Prokuratoren für die großen
Gladiatorenkasernen in Rom oder fU.r die stadtrömische Wasserversorgung bzw. die Bauten der Hauptstadt.
3. Funktionsbereiche, die sich räumlich über Rom hinaus erstreckten, vor aJiem Italien einschlossen, deren Leiter jedoch üblicberweise, soweit wir wissen, ihren Sitz in Rom hatten. Dazu zählten die VerwaJtung der Erbschafts- und Freilassungssteuer, des kaiserlichen Krongutes (patrimonium), oder auch die Leitung des staatlichen Nachrichten- und Transportsystems in Italien durch den praefectus vehiculorum. 4. Zahlreiche andere administrative Aufgaben in Italien, vor aJiem aber in den
Provinzen, die räumlich begrenzt waren und deren Leiter sich zusammen mit ihrem PersonaJ auch vor Ort aufhielten. Zu dieser Gruppe gehörten insbesondere die Provinzprol-uratoren, gleichgültig für welchen Funktionsbereich, ob als Präsidial- oder nur aJs Finanz-PatrimoniaJprokuratoren, sie zuständig waren, aber ebenso auch der Präfekt von Ägypten mit mehreren ritterlichen Funktionären, die ihm direkt unterstanden. Daneben entwickelte sieb ein zahlreiches, in sich hierarchisch gegliedertes und stark differenziertes Personal, von dem das tägliche Leben am kaiserlichen Hof organisiert wurde, ohne jedoch unmittelbar administrative Aufgaben zu erledigen. Deshalb braucht es im vorliegenden Zusammenhang nicht näher zu interessieren. Eine zahlenmäßige Bilanz der verschiedenen administrativen Aufgabenfelder sowie der Träger der nichtsenatorischen Verwaltung, soweit sie am Ende der julisch-claudischen Dynastie existierten, läßt sich nur schwer geben; denn allzu häufig läßt sich nicht feststellen, ob Veränderungen, die unter Vespasian oder auch noch seinen unmittelbaren Nachfolgern für uns erstmals bezeugt sind, erst eine Folge von Eingriffen dieses am Funktionieren des Reiches hochinteressierten Herrschers bzw. seiner Nachfolger sind, oder ob sie nicht schon früher, etwa unter Nero, eingetreten waren. So ist es z.B. heute evident, daß ein eigenes Büro der vicesima hereditatium für den Einzug dieser Steuer zumindest in Rom, vielleicht auch in Italien, bereits
72
Die nichtsenatorische Administration
unter Vespasian bestand; denn ein ritterlieber Prokurator ist dafür schon während seiner Regierungszeit bezeugt. Ebenso hat bereits vor dem J. 79 ein Prokurator für die 5%ige Freilassungssteuer in Italien amtiert.13 Doch ist damit keineswegs sicher, ob beide Prokuratoren erst durch Vespasian, oder nicht schon unter Nero eingesetzt wurden, möglicherweise im Zusammenhang mit dessen Maßnahmen gegen die Übergriffe der Steuerpächter im J . 58. Auch die Überwachung der quattuor publica Africae, worin vermutlich die 5%ige Erbschafts- und Freilassungssteuer, die Zölle und die 4%ige Sklavenverkaufssteuer zusammen gefaßt waren, unterstand möglicherweise bereits seit dieser Zeit einem ritterlieben Beauftragten, während man bisher, mit völlig unzulänglichen Griinden, darin eine Veränderung erst der hadrianischen Zeit gesehen hat.14 Dann könnte man eine ähnliche Regelung auch für den 2,5%igen Zoll für die gallischen Provinzen erwarten, wofür jedenfalls kaiserliche Sklaven und Freigelassene in Rom bereits während des 1 . Jh.s, teilweise schon unter Nero, tätig waren.15 Andererseits scheint mit dem Zoll in der Provinz Asia im J . 62 eher der dortige Patrimonialprokurator beschäftigt gewesen zu sein; dort wäre also die Zuweisung dieser speziellen Aufgabe an einen eigenen Prokurator und damit ohne Zweifel an eine separate Verwaltungseinheit noch nicht vollzogen worden, sondern vermutlich erst wesentlich später. Der erste ritterliche Prokurator für den Zoll in Asia, der so benannt ist, erscheint erst im 3. Jh. in den Quellen.16 Wann auch immer aber die Leitung dieser Aufgabenfelder einem eigenen ritterlichen Prokurator übergeben wurde: bereits vor Vespasian waren offensichtlich in Rom administrative Abteilungen mit eigenem Personal aus Freigelassenen und Sklaven für den Zoll in den bezeichneten Gebieten tätig gewesen; nur sind sie vermutlich nicht als eigene, selbständige Bereiche anzusehen bzw. zumindest nicht durch ritterliebe Leiter als solche zu identifizieren. Die speziellen, innerhalb eines größeren administrativen Rahmens unterscheidbaren Aufgabenfelder selbst sind
also keineswegs zwingend von der Existenz eines ritterlichen Amtschefs abhängig gewesen, vielmehr können sie in Rom beispielsweise innerhalb des Büros des a
l 3 Eck, Italien 116. 130 mit Verweis auf ClL LV 9592 und AE 1973, 485. 14 W. Eck, Die Einrichtung der Prokuratur der llii publica Africae Zu einem metho dischen Problem, in: Studia in honorem B . Gerov, Sofia 1990, 58 ff. = ders., Verwaltung I, 349 ff. 1 5 Z.B. CIL VI 8591 = D. 1564; de Laet, Portorium 373 ff.; Boulvert, Esclaves et affranchis imperiaux 127 ff. Zur Ei nrichtung der quadragesima Galliamm J. France. Administration el fiscalite douani�res SOUS le r�gne d'Auguste: La date de Ia creation de Ia quadragesima Galliarum, MEFRA I05, 1993, 895 ff. 1 6 H. Engelma n n - D. Knibbe, Epigr. Anat. 14, 1989, 30 Zeile 148; Pflaum, Carri�res procuratoriennes equestres m 1073. .
Die nichtsenatorische Administration
73
rationibus als "Unterabteilungen" mit einem zuständigen Personal von servi et liberti Caesaris existiert haben.17 Anders stellt sich die Situation in den Provinzen dar. So ist beispielsweise ein kaiserlicher Freigelassener, Ti. Claudius Saturninus, als proc(urator) (vicesimae)
here(ditatium) provinciae Achaiae bezeugt.18 Wenn er, wie allgemein angenommen wird, seine Aufgabe in Achaia selbst erfüllt hat (die Grabinschrift des libertus wurde in Rom aufgestellt), was wegen seiner Bezeichnung fast zwingend ist, dann war er dort möglicherweise der selbständige Leiter der Erbschaftssteuer; in Rom aber könnten seine administrativen Bezugspersonen, d.h. diejenigen, bei denen er die Abrechnungen über die in Acbaia eingezogene
Erbschaftssteuer abzugeben hatte , der a rationibus oder, möglicherweise, unmittelbar die praefecti aerarii militaris, also die senatorischen Chefs der Kasse, in die die Erbschaftssteuer zur Bezahlung der Abfindung an die Legionsveteranen floß, gewesen sein. Doch ist es ebenso wohl vorstellbar, daß in der 2. Hälfte des
I . Jh.s dieser Freigelassenenprokurator für die Erbschaftssteuer in Achaia dem ritterlichen Prokurator für das patrimonium des Kaisers in eben dieser Provinz untergeordnet war, d.h. Claudius Satuminus hätte dann in dieser Provinz einen Teilbereich aus der Gesamtadministration des einen ritterlichen Prokurators geleitet. Klarheit ist darüber bei unserer heutigen Quellensituation jedoch nicht zu erhalten. Läßt man all diese Unsicherheiten beiseite, dann kann man mit Wahr scheinlichkeit z u m i n d e s t folgende einzelnen administrativen Funktions b e r e i c h e neben den von Senatoren geleiteten
am
Ende der Regierungszeit
Neros als bereits existierend erkennen (ohne daß sie notwendigerweise alle auch einen ritterlichen Leiter hatten19), und zwar gegliedert nach den oben gegebenen vier Aufgabengruppen:
1 .)
-
Prä t orianerpräfektur, mit zwei ritterlichen praefecti praetorio; Leitung der Korrespondenz: ab epistulis;
1 7 Das gilt offensichtlich wohl auch für die Produktion der Münzen, die moneta, in Rom. Der erste procurator monetae ist unter Nerva!fraian bekannt: L. Vibius Lentulus, PfR2 L 144; M. Peachin, The Procurator Monetae, NC 146, 1986, 94 ff. Daß er der erste ritterliche Leiter der moneta gewesen sein müßte, braucht man nicht anzunehmen.
18 CIL VI 8443 = D. 1546. 19 Zu den ritterlichen Funktionsträgern am Ende der Regierungszeit Neros siehe die Zu
sammenstellung bei Demougin, L'ordre equestre 7 1 2 ff.; ferner Talbert, CAH X, 337 ff. Vgl. auch G. Camodeca, in: Le ravitaillement en ble de Rome, Rom 1994, 1 13 ff.
74
Die nichtsenatorische Administration -
Zuständigkeit für Empfang von Gesandtschaften aus den griechischspre chenden Provinzen und der Antworten an sie:
Graeca; -
ad Legationes et responsa
a Libellis; - a studiis (der Inhalt der Aufgaben ist nicht näher bestimmbar); - a memoria (mit unsicherer Aufgabenzuweisung);20 Bearbeitung von Eingaben:
-
Zuarbeit bei gerichtlieben Untersuchungen:
-
zentrale Finanzverwaltung beim Kaiser:
-
Leitung der Münzstätte in Rom:
a cognitionibus;
a rationibus;
moneta
(wenn nicht dem a
rationibus
unterstebend).21
2.) - Präfektur für die Getreideversorgung Roms, mit einem ritterlichen
praefectus annonae; -
Präfektur für die Brandbekämpfung in Rom, mit einem ritterlichen
-
Leitung der großen Gladiatorenkasemen:
praefectus vigiLum; procurator Iudi magni und
procurator Ludi matutini; -
Leitung der kaiserJjchen Bibliotheken in Rom:
a bibliothecis;
Daneben entwickelte sich in Rom unter einigen wenigen senatorischen
curatores ein administratives Personal, das aus kaiserlichen
Sklaven und
Freigelassenen bestand; feststellbar ist dies einerseits für die Wasserver sorgung der Hauptstadt
(cura aquarum), andererseits für die cura operum
locorumque publicorum.22 Doch entstanden daraus
keine von den sena
torischen Leitern unabhängigen Verwaltungseinheiten.
3.) - Prokuratue für die 5%ige Erbschaftssteuer in Rom und Italien:
procurator vicesimae hereditatium; -
Prokurator für die 5%ige Freilassungssteuer in Rom und Italien:
procurator vicesimae libertatis
(ob kontinuierlich ernannt, ist nicht
sicher); -
Leitung des öffentlichen Nachrichtensystems in Italien mit einem
praefectus vehiculorum;
2° C. Lo Giudice, in: La collezione epigrafica dei Musei Capitolini, hg. S. Panciera,
Rom 1987, 86 Nr. 28; vgl. M. Peachin, The Office of the Memory, in: Studien zur Geschichte der römischen Spätantike. Festgabe J. Straub, Athen 1989, 168 ff. 21 So auch Peachin, NC 146, 1986, 104. Ob mit den senatorischen triumviri monetales überhaupt noch ein Zusammenhang bestand, läßt sich nicht klären. Vgl. auch oben Anm.
17.
22 Front., de aqu. 105. 1 1 6 ff. ; Eck, Organisation und Administration der Wasser versorgung Roms, in: Verwaltung I , 170 ff.; Bruun, Water supply 207 ff.; C. Lo Giudke (Anm. 20) 86 Nr. 28; Kolb, Bauverwaltung 306 f.
Die mehrsenatorische Administration Zuständigkeit für den kaiserlichen Privatbesitz
75 m
Rom und Italien
(patrimonium, vieUeichtjedoch noch dem a rationibus unterstehend); -
Leitung des Einzugs von Erbschaften , die an den Kaiser gingen:
procurator hereditatium, wohl für Rom und Italien. 4.)
a) Italien: -
Führung der beiden Flotten in Misenum und Ravenna, jeweils durch einen ritterlichen Präfekten.23 b) Provinzen:
-
Präfekt von Ägypten;
-
luridicus von Ägypten;
-
3 (?) Epistrategen für die administrativen Teile Ägyptens;24
-
Leitung des idios
-
Leitung des Museion in Alexandria;
-
Präsidialprokuratoren in
Iogos, eines Sondervermögens; - archiereus Alexandreae et Aegypti;25 12 Provinzen: Corsica (?), Alpes maritimae,
Alpes Cottiae, Alpes Graiae, Raetia, Noricum, Epirus
(?), Thracia,
Cappadocia, (ludaea), Mauretania Caesariensis, Mauretania Tingitaoa; -
Finanzprokuratoren in kaiserlieben Provinzen, 10 oder l l , wobei einzelne für mehr als eine Provinz oder auch nur für einen Teil einer Provinz zuständig waren: Lusitaoia, Hispania citerior, Asturia et Gal laecia, Aquitania et Lugdunensis, Belgica (et Gerrnaniae), Britannia, Dalmatia et Pannonia, Moesia, Galatia et Pamphylia, Syria, Cilicia
(?),
(ludaea); -
Patrimonialprokuratoren
in
den
1 0 von Prokonsuln geleiteten
Provinzen: Baetica, GaJiia Narbonensis, Sardinia, Sicilia, Macedonia, Pontus-Bithynia, Asia, Cyprus, Creta-Cyrenae, Africa;26
23 Die Kommandeure der Aotten darf man wohl deshalb in diesen Zusammenbang einbeziehen, weil sie, wie auch Legionslegaten, immer wieder auch mit administrati ven Aufgaben in einem weiten Sinn befaßt waren; siehe z.B. s.c. de pretiis gladiatorum minuendis, CIL ll 6278 = D. 5163 FJRA f2 Nr. 49 Zeile 44. 24 So nach J.D. Thomas, The epistrategos in Ptolemaic and Roman Egypt. Part 2: The Roman epistrategos, Opladen 1982, 29 ff. 25 Wann die Position ritterlichen Rang erreichte, ist umstritten, vgl. M. Stead, The High Priest of Alexandria and All Egypt, Proceedings XVI Iot. Congr. Papyrology, 1981, 4 1 1 ff.; K.J. Rigsby, On the Highpriests of Egypt, BASP 22, 1985, 279 ff.; Bowman-Rathbone, JRS 82, 1992, 125 Anm. 98. 26 Die Amtsbezeichnung dieser Patrimonialprokuratoren ließ jedoch diese spezielle Aufgabe nicht erkennen. Sie unterschieden sich in ihrem Titel nicht von den Finanzprokuratoren kaiserlicher Provinzen. So lautete die Bezeichnung in der prokonsularen Provinz Baetica: procurator prov. Baeticae; in der kaiserlichen Provinz Hispania citerior: procurator prov. Hispaniae citerioris; vgl. Pflaum, Carrieres =
Die nichtsenatorische Administration
76 -
Prokuratur für vier verschiedene Abgaben in Africa: procuraror quattuor
publicorum Africae; -
Prokuratur für den kaiserlichen Domanialbesitz in Africa;
-
Kommandeure der Provinzflotten in Germanien, Britannien, Pannonien, Mösien, Syrien, Pontus und Ägypten, die allerdings dem jeweiligen senatorischen bzw. ritterlichen S atthalter t unterstanden.27
Rund 70 Aufgabenbereiche sehr unterschiedlichen Gewichts und Umfangs sind auf diese Weise mit relativer Sicherheit zu erkennen, die schon zu Beginn der Regierungszeit Vespasians mit den administrativen Erfordernissen des Imperiums neben der von Senatoren geleiteten Verwaltung befaßt waren. Die tatsäebliche Zahl dürfte vermutlich sogar größer gewesen sein, da möglicherweise schon Freigelassenenprokuratoren, zumindest in einem Teil der Provinzen, beispiels weise für die Überwachung der Erbschaftssteuer tätig gewesen sein können, ohne daß sie dort einem anderen Amtsträger, d.h. vor allem dem Provinzprokurator, unterstellt gewesen sein müssen, wie es für Achaia schon erörtert wurde.28 Ähnliches könnte für manche großen Bergwerksgebiete gelten, die zumindest in
späterer Zeit öfter für mehrere Provinzen unter einem Prokurator zusammengefaSt waren; doch ist es ebenso gut möglich, daß die einzelnen Bergwerksdistrikte, etwa in Spanien oder Gallien, jeweils einem kaiserlichen Freigelassenen unterstanden, der dann seinerseits vom Provinzprokurator abhängig gewesen sein könnte. Daneben sind vielleicht auch einzelne Personen ritterlichen Ranges tätig gewesen, die nur temporäre Funktionen wahrnahmen, wie man es z.B. für Prokuratoren annehmen darf, die sich gelegentlich aus konkretem Anlaß heraus um kleinere Straßen in der Umgebung Roms zu kümmern hatten. Für eine kontinuierliche Tätigkeit bestand hier kaum ein Bedürfnis.29 Sieht man von den meisten Funktionen in der unmittelbaren Umgebung des Kaisers ab, dann ist deutlich zu erkennen, daß sich die Tätigkeit fast aller angeführten administrativen Bereiche auf die Finanzen des Reiches und des Kaisers konzentriert; denn neben den Fiskal-
procuratoriennes equestres lli 1048 f.; W. Eck, Zu Inschriften von Prokuratoren, Gedenkschrift zum 100. Geburtstag von A. Alföldi, Bukarest 1998 (im Druck). 27 Vgl. die Analogie zu den Flottenpräfekten in Italien, die gelegentlich auch administrative oder institutionelle Aufgaben erledigten (siehe Anm. 23). Zum Zeitpunkt der Entstehung der einzelneo Flotten D.B. Saddington, The origio and character of the provincial fleets of the early Roman empire, in: Roman Frontier Studies 1989, hg. V.A. Maxfield - M.I. Dobson, Exeter 1991, 397 ff. 28 Vgl. oben 73. 29 Eck, Italien 53 f. 86 f.
Die nichtsenatorische Administration
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bzw. Patrimonialprokuratoren hatten sich auch die ritterlichen Statthalter, denen die Gesamtleitung einer Provinz übertragen war, über den Aufgabenkreis der senatorischen Gouverneure hinaus, auch um die Steuern ihrer jeweiligen Provinzen zu kümmern.30 Dieses in rund I 00 Jahren seit Augustus geschaffene und gewachsene System hat bereits fast alle wesentlichen Elemente fUr die Entwicklung der nachfolgenden Zeit bis zum Ende der antoniniscben Epoche aufgewiesen. Was folgt, ist im Kern eine Ausweitung nach schon erprobten Grundsätzen, eine Ausdifferenzierung durch Verengung auf wenige Aufgaben für einen einzelnen Amtsinhaber oder durch Ausgliederung von Zuständigkeiten sowie eine stärkere Hierarcbisierung innerhalb einzelner administrativer Bereiche. Für neugeschaffene, geteilte oder im Status des Statthalters veränderte Provinzen (fast ausschließlich in der Zuständigkeit der Kaiser) wurden in der schon erprobten Manier jeweils Finanzprokuratoren eingesetzt. Das galt unter Vespasian bei der Umwandlung von Cappadocia und ludaea in Provinzen, die von senatorischen Legaten geleitet wurden,31 ebenso wie unter Traian, der Dakien zunächst als konsulare Provinz dem Reich angliederte, ferner auch Arabien mit prätonsehern Rang. Nach Tbrakien wurden um I I 0, nach Rätien und Noricum unter Mare Aurel senatorische Statthalter gesandt, wobei der Präsidialprokurator sieb jeweils zu einem Finanzprokurator wandelte; d.h. konkret behielt der schon vorher tätige ritterliche Amtsträger den fiskalischen Teil seiner Aufgaben auch weiterhin in der Hand. Auch die Teilung von Provinzen wie etwa von Pannonia wohl im J. 106 hatte Konsequenzen, da die Finanzprokuratur, die vorher für ganz Pannonien und sogar Dalmatien zuständig war, wahrscheinlich damals aufgelöst wurde und an ihre Stelle nun sogar drei neue eigenständige Ressorts für Dalmatien, Pannonia superior und Pannonia inferior mit je einem eigenen ritterlichen Funktionsträger traten.32 Ähnliches geschah mit Moesia, das Domitian im J. 86 aus strategischen und sicherheitspolitischen Gründen teilte. Unbekannt ist alJerdings, wie bei dem gelegentlichen Wechsel in der Leitung einer Provinz von einem Prokonsul zu einem kaiserlieben Legaten oder von einem Präsidialprokurator zu einem Prokonsul, wie es bei Sardinien und Pontus30 Siehe Pflaum, Procurateurs 1 5 1 ff.; Eck, Verwaltung I, 327 ff. 3 1 Wenn ludaea damals nicht überhaupt erst eine eigenständige Provinz wurde,
während es vorher eher nur ein Annex von Syrien (unter einem Präfekten, d.h. Unterstatthalter) war. Als Vespasian ludaea während des Krieges gegen die rebellierenden Juden leitete,
muß das Gebiet auf jeden Fall eine eigenständige, von Syrien getrennte Provinz gewesen sein, da zwei konsulare Legaten nicht nebeneinander innerhalb derselben Provinz tätig sein konnten. Damals agierten auch schon Finanzprokuratoren neben dem Legaten von ludaea, los., Bell. lud. 6, 23. 32 Pflaum, Procurateurs 54.
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Bithynien unter Traian oder mit der Baetica und Sardinien unter Mare Aurel erfolgte, verfahren wurde. Denn diese Veränderungen dauerten nicht lange, nach einigen Jahren wurde der alte Zustand in der Leitung wiederhergestellt. Anders war dagegen die Situation später in Pontus-Bithynien und Lycia-Parnphylia, da in der erstgenannten Provinz seit den letzten Jahren des Antoninus Pius kein Prokonsul mehr amtierte, sondern permanent ein kaiserlieber Legat, in Lycia-Pamphylia aber, offensiebtlieh nach mehreren Wechseln hin und her, seit der Spätzeit Mare Aurels ein Prokonsul,33 der, wie zuvor der Prokonsul von Pontus-Bithynien, von einem Quästor begleitet wurde, der zusammen mit seinem Obermagistrat nach dem, was wir aus Cassius Dio wissen, offensiebtlieh noch zu Beginn des
3. Jh.s
für den Eingang der regelmäßigen Steuern verantwortlich war.34 Der Typus des Prokurators hätte nach dem für uns erkennbaren System in beiden Fällen wechseln müssen, im FaJI Pontus-Bithynien von einem Patrimonial- zu einem Fiskalpro kurator, in Lycia-Parnphylia dagegen umgekehrt. Eine Ausweitung der Aufgaben des Prokurators in Pontus-Bithynien ist sehr leicht vorstellbar. In Lycia Pamphylia aber hätte der Prokurator und sein dauernd tätiges Personal eine einge spielte Tätigkeit erheblich einschränken und einen Teil an den Quästor abgeben müssen. Ob und wie
das vor sich gegangen ist, ist unbekannt. Konkrete Auswir
kungen sind jedenfalls
für uns nicht erkennbar, nicht einmal in einem eventuell
veränderten Rang der ritterlichen Amtsträger. Gänzlich neu war z.B. die Schaffung eines neuen Bergwerksbezirks zur Ausbeutung der Goldvorkommen Dakiens bereits unter Traian; dort scheint von Anfang an ein selbständiger administrativer Bereich organisiert worden zu sein.35 Ähnliches darf man von dem Sondervermögen des kalendarium Vegetianum in der
Baetica vermuten, das zumindest seit der Zeit Mare Aurels, vermutlich aber schon unter Antonious Pius, existierte.36 Neben der zahlenmäßigen Ausweitung der administrativen Bereiche in den Provinzen stehen nur wenige Zuständigkeiten im Zentrum, die seit Vespasian in Rom völlig neu geschaffen wurden. Dazu könnte man vor allem die Einsetzung von advocati fisci zählen, die Hadrian zugeschrieben wird und für dessen
33 Vgl. oben Kap. I B, 48. 34 Siehe zuletzt W. Eck, in: Heer und lntegrationspo)jtik, hg. W. Eck - H. Wolff, Köln
1986, 530 f.
=
in diesem Band 187 ff.
35 Vgl. H.-Chr. Noeske, Studien zur Verwaltung und Bevölkerung der dakischen Goldbergwerke in römischer Zeit, BJ 177, 1977, 296 ff. 36 Pflaum, Carri�res procuratoriennes equestres Ul 1049. Der erste bekannte Prokurator
gehön in die frühen Jahre Mare Aurels, AE 1956, 123. D. Manacorda, II kalendarium Vegetianum e Je anfore della Betica, MEFR 89, 1981, 3 1 3 ff. Vgl. zu einem neuen kalendarium in Macedonia: P.M. Nigdelis, Kalendarium Caesianum. Zum kaiserlichen Patrimonium in der Provinz Makedonien, ZPE 104, 1994, 1 1 8 ff.
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Regierungszeit auch der erste Träger der Aufgabe bezeugt ist.37 Ob gerade diese Position bewußt mit der Absicht geschaffen wurde, Personen ohne eine vorausgehende militärische Erfahrung den direkten Eintritt in die prokuratorisehe Laufbahn zu ermöglichen, wie man es vermutete, ist nicht gerade wahrscheinlich, da eben der erste bekannte advocatu.sjisci unter Hadrian vor dieser Aufgabe beim Heer als ritterlicher Kommandeur tätig gewesen ist.38 Allerdings findet sich der direkte Zugang bereits unter Antoninus Pius bezeugt.39 Auch eine eigene Zuständigkeit für den census scheint sich erst seit traianischer oder hadrianischer Zeit entwickelt zu haben; der zuständige Amtsträger in Rom erhielt den Titel a censibus. Eine wesentliche Neuschöpfung ist sodann die Verwaltung der sogenannten res
privata, d.h. einer neuen Kategorie des kaiserlichen Privatvermögens, nachdem das patrimonium sich zum Krongut hin entwickelt hatte. Was allerdings patrimonium
und res privata spezifisch unterschieden hat und worin der eigentliche Grund für die Einrichtung gesehen werden muß, läßt sieb bisher kaum erkennen. Während man jedoch früher, vor allem auch auf Grund einer spätantiken Nachricht, angenommen hatte, erst Septimius Severus habe diesen neuen Verwaltungszweig eingerichtet, muß man heute davon ausgehen, daß er zumindest bereits seit Antoninus Pius existiert hat, wenn er nicht sogar schon früher geschaffen wurde.40 Auch in manchen Provinzen finden sich später spezielle administrative Träger für die res privata in ritterlichem Rang, besonders jedoch in vielen Regionen Italiens, was auch auf die finanzielle Bedeutung dieses neuen kaiserlichen "Privatvermögens" schließen läßt; der Zeitpunkt der erstmaligen Einsetzung eines eigenen Prokurators ist jedoch in keinem einzigen Fall zu bestimmen. Die Masse aller Erweiterungen auf administrativem Gebiet erfolgte zweifellos durch Ausdifferenzierung von Teilaufgaben aus schon bestehenden Funktionen und ihre Yerselbständigung zu eigenen administrativen Bereichen. Die Gründe dafür können, soweit wir überhaupt aus unserem Quellenmaterial Schlüsse ziehen dürfen, vielfä l tig gewesen sein. Eine Ursache darfohne Zweifel in der Vermehrung der anfallenden Aufgaben gesehen werden; aber auch Aspekte der Systematisierung 37 HA Hadr. 20, 6. 3 8 AE 1975, 408 I.B. Brusin, Inscriptiones Aqui1eiae III, Udine 1993, 1244 Nr. 3531: .. lulius Festus ... {pr]aef coh. I Asturwn, praef. al[a]e 111 Asturum {p. f c. R., subpr]aef vig(ilum), advoc(atus) .fis[c]i, pro[c.] di{v]i Hadriani. 39 CIL VTII 1 174; AE 1980, 235; vgl G. Camodeca, ZPE 43, 1981, 53 f. 40 H. Nesselhauf, Patrimonium und res privata des römischen Kaisers, Historia =
.
.
Augusta-Colloquium Bonn 1963, Bonn 1964, 73 ff.; Pflaum, Carrieres procurato riennes equestres, Suppl. 32.
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innerhalb der Administration und der Kontrolle oder die Notwendigkeit, verdiente bzw. loyale Personen mit einer offiziellen Aufgabe in der Umgebung des Herrschers zu halten, könnten manchmal eine Rolle gespielt haben. Großes Gewicht hatte unzweifelhaft der Anstieg der Aufgaben, wie man es bei der 5%igen Erbschaftssteuer begründbar vermuten darf. Da diese nur von römischen Bür.gern zu bezahlen war, erhielt sie, jedenfalls in den Provinzen, erst mit der stärkeren Ausweitung des römischen Bürgerrechts, insbesondere bei den führenden u!id wohlhabenderen Schichten in den Städten, solches Gewicht, daß die Notwendigkeit sichtbar wurde, eigene Funktionsträger mit ihrem jeweiligen Personal, die nur für diese Steuer zuständig gewesen zu sein scheinen, für einzelne Provinzen oder Provinzkomplexe einzusetzten. Solche sind z.B. für die Tarra conensis, die Belgica und die beiden Germaniae zusammen oder für Asia, eingeschlossen Lycia, Pamphylia, Phrygia, Galatia und die insulae Cyclades, bekannt.41 In älhnlicher Weise sind in Italien Amtsträger für diese Steuer bezeugt, deren territorialer Zuständigkeitsbereich im Verlauf des 2. Jh.s in gewissem Umfang variabel gewesen zu sein scheint.42 In all diesen Fällen hat aber nicht erst die Einsetzung der Regionalprokuraturen für die
XX hereditatium
zu einer
staatlichen Mitbeteiligung bei der Erhebung dieser Steuer geführt. Vielmehr waren auch vorher bereits andere Funktionsträger damit befaßt gewesen, zumindest bei der Verpachtung des Einzugs der Steuer und der Abrechnung. InRom und ganz Italien dürfte dies vielleicht seit neronischer Zeit ein eigener ritterlieber procurator
XX hereditatium erledigt
haben,43 in den Provinzen sind vermutlich die Fiskal
oder Patrimonialprokuratoren zunächst dafür verantwortlich gewesen.44 Denn es ist wenig wahrscheinlich, daß beispielsweise die notwendigen Verträge mit privaten Steuereinnehmern für die Provinz Achaia durch die Präfekten des aerarium
militare inRom abgeschlossen wurden, wie es für Rom und Italien jedenfalls eher möglich gewesen wäre. Da liegt es weit näher zu vermuten, daß der
41 Belege bei Pflaum, Procurateurs 6 t f. Auch für Syria Palaestina hat man auf Grund von AE 1946, 1 1 3, wo alJerdings nur ein Teil der Amtsbezeichnung erhalten ist, eine eigene Prokuratur für die XX hereditatium vermutet (Pflaum, Procurateurs, 6 1 ; ders., Carrieres I 377; lli 1083). Dies ist wenig wahrscheinlich; denn für eine so kleine, bevölkerungsmäßig nicht besonders starke Provinz, in der zudem das römische Bürgerrecht, abgesehen von den wenigen Kolonien, nicht besonders verbreitet war, wäre ein eigener Prokurator eine 'Fehlinvestition' gewesen. Jedenfalls gibt es für vergleichbare Provinzen keinen einzelnen Prokurator fü.r diese Steuer. Für eine solche Annahme bräuchte man ein nichtfragmentarisches Zeugnis. 42 Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres ill 1036 ff.; Eck, Italien 1 3 2 ff. 43 Eck, Italien 1 3 1 . 44 Vgl. dazu auch G.B. Burton, Provincial Procurators and the Public Provinces, Chiron 23, 1993, 1 3 ff.
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Patrimonialprokurator in Acbaia diese Aufgabe neben seinen originären Funktionen erledigt hat, solange nicht ein eigener Funktionsträger für die Erbschaftssteuer dort amtierte. Bei wachsendem Anfall von Aufgaben erschien es aber dann offensichtlich auch in Italien sinnvoller, kleinere regionale Gebiete jeweils einem eigenen Prokurator anzuvertrauen, der im Bedarfsfall auch schneller vor Ort erscheinen konnte, was vor allem bei der Testamentseröffnung45 wichtig gewesen zu sein scheint; in Fällen aber wie denen der Tarraconensis oder der Baetica
und
Lusitania dürften die Aufgaben
den
zuvor zuständigen
Provinzprokuratoren, gleichgültig, ob es sich um allgemeine Finanz- oder Patrimonialprokuratoren handelte, genommen und einem eigenen procurator XX
hereditatium anvertraut worden sein. Allerdings ist es keineswegs sicher, ob solche Ausdifferenzierung in allen Provinzen erfolgte. So kennen wir beispielsweise für die beiden pannonischen Provinzen bisher keinen für die Erbschaftssteuer zuständigen Prokurator im Rang eines Ritters oder eines kaiserlieben Freigelassenen, vielmehr nur einen kaiserlichen Sklaven, der in Poetovio mit dieser Steuer befaßt war.46 Wem er konkret unterstand, läßt sich nicht gerrauer sagen; eine Unterordnung unter den allgemeinen Fiskalprokurator der Provinz Pannonia superior, wozu Poetovio gehörte, kann nicht ausge schlossen werden, da der Sklave für beide pannonischen Provinzen zuständig war. Für andere Provinzen, etwa Britannien oder Kappadokien, fehlt es bislang an jedem Zeugnis; so ist es durchaus vorstellbar, daß dort der jeweilige Fiskalpro kurator unverändert auch die Überwachung des Einzugs der Erbschaftssteuer von den römischen Bürgern in der Hand behielt.47 Mit einer pragmatischen Erledigung der Verwaltungsaufgaben je nach Bedarf würde eine solch variable Organisations form bestens harmonieren. Eine ähnliche Form der Ausdifferenzierung darf man auch für andere staatliche Aufgabenfelder erschließen, etwa für die Eisenbergwerke in den gallischen Provinzen oder die Silbergruben in Dalmatien und Pannonien, wo seit der Zeit
45 Ygl. zur Anwesenheit staatlicher Beauftragter bei der Testamentseröffnung in Ägypten P. Ross. Georg. l l Nr. 26; vgl. Eck, Verwaltung l , 346 f. 46 CIL lli 4065: vem(a) vi[l(icus)] XX hered(itatium) utrarumq(ue) Pannon(iarum)- das
Zeugnis stammt aus der Zeit nach 106, als durch die Abtrennung von Pannonia inferior zwei Provinzen entstanden waren. Da der Sklave für die Steuer in beiden Provinzen zuständig war, während in Pannonia superior und inferior jeweils ein eigener Fiskalprokurator amtierte, müßte nach der Logik eigentlich der Vorgesetzte des Sklaven ebenfalls für die XX hereditatium in beiden Pannonien verantwortlich gewesen sein. Daß dies ein ritterlicher Prokurator war, wird man dennoch nicht einfachhin folgern dürfen.
47 Pflaum, Procurateurs 6 1 f. ging davon aus, daß alle Provinzen direkt einem Proku rator für die XX
hereditatium unterstanden. Das ist wenig wahrscheinlich.
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Trajans bzw. mindestens der Hadrians spezielle ritterliche Prokuratoren bekannt sind.4s Zumindest seit diesen Regierungszeiten muß die Bergwerksverwaltung in diesen Provinzen eine eigene Einheit gebildet haben, möglicherweise allerdings auch schon längere Zeit vorher. Da die Ausbeutung der Bodenschätze nicht erst damals einsetzte, sondern wesentlich früher, sind die Verträge mit den privaten Pächtern, die i n allen Bergwerksbezirken vorauszusetzen sind, von anderen kaiserlichen Beauftragten geschlossen worden; naheliegend ist auch hier, daß dies durch den allgemeinen Fiskalprokurator geschah. Die Verselbständigung der Bergwerksverwaltung in diesen Provinzen braucht aber keine reichsweite Tendenz widerzuspiegeln; denn im Gegensatz zu den genannten balkanischen Provinzen kennen wir für die gesamte iberische Halbinsel mü ihren großen Bergwerks distrikten keine derartige Organisationsstruktur, sondern nur kaiserliche Freigelassene für einzelne metalla, etwa die von Vipasca.49 Auch die Eisenberg werke in Dalmatia könnten im Gegensatz zu den dortigen Silbergruben nach den uns heute vorliegenden Zeugnissen erst später als getrennte Bergwerksdistrikte unter einem eigenen Prokurator organisiert worden sein.50 Ähnlich wie in den Provinzen kam es auch in Rom und in der näheren Umgebung des Kaisers zur Aufteilung von einzelnen Aufgabenbereichen. So bat wohl längere Zeit die Verwaltung der kaiserlichen Besitzungen in Rom und Italien
(patrimonium) direkt dem Chef der kaiserlichen Finanzverwaltung, dem a rationibus, unterstanden; doch spätestens in domitianischer Zeit hatte sich das patrimonium verselbständigt und wurde von einem eigenen ritterlichen Prokurator geleitet,51 zunächst sogar in Personalunion mit der Zuständigkeit für die kaiser-
48 Pflaum, Procurareurs 57; ders., Carrieres procuratoriennes equestres III 1053. 1063; ders., Carrieres procuratoriennes equestres, Suppl. 122.
49 C. Domergue, Les mines de Ia Peninsule lberique dans l'antiquite romaine, Rom 1990, 279 ff. Vgl. auch J. Andreau, Recherehes n!centes sur les mines a l'epoque romaine, RN 3 1 , 1989, 86 ff.
50 Vgl. die Zeugnisse bei Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres, Suppl. 122. Bis 1957 wiesen zwei Texte auf eine Einrichtung in der Mitte des 3. Jh.s hin, neue In schriften zwangen dazu, die Existenz des Bezirks mindestens schon für das Jahr 209 vorauszusetzen; ob man damit schon den Zeitpunkt der Einrichtung erreicht hat, bleibt ungewiß. Der Beginn kann wesentlich früher liegen. 5I Es gab aber nicht mehrere procuratores patrimonii nebeneinander, wie dies Bruun, Water supply 207 ff. auf Grund der fistulae aquariae vermutet hatte. Die zahlreichen Namen auf den Bleirohren in Rom beziehen sich vielmehr auf Personen mit unter schiedlichen amtlichen Funktionen. Denn bei der Errichtung von Bauwerken und der Verlegung der zugehörigen Wasserleitungen hatten entweder Spezialbeauftragte oder die jeweiligen Inhaber des Verwaltungsbereichs, fllr die die Bauten errichtet wurden, die Verantwortung auch dafür. Da der Verwaltungsbereich auf den Bleirohren nicht genannt ist, bleib( er für uns auch verschlossen. Es ist nur unmöglich, daß mehrere procuratores
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liehe Korrespondenz.52 Vielleicht bereits im Laufe der 2. Hälfte des 2. Jh.s scheinen auch ritterliebe Funktionsträger nur für die Domänen einzelner Regionen in Italien eingesetzt worden zu sein, die dem zentralen procurator patrimonii in Rom unterstanden haben könnten, wenn sie in den einzelnen Regionen an seine Stelle getreten sind. Der Bereich a censibus, der zumindest für die Feststellung der Höhe des census der Ritter zuständig war,53 erscheint in den ersten Zeugnissen zunächst stets in der Kombination mit anderen Aufgaben, wie etwa denen des a libellis oder des
procurator hereditatium; erst im Verlauf der 2. Hälfte des 2. Jh.s scheinen die administrativen Zuständigkeiten dauerhaft getrennt und auf zwei verschiedene Träger verteilt worden zu sein.54 Ebenso erfolgte damals eine definitive Trennung der Leitung der kaiserlichen Korrespondenz in lateinischer und griechischer Sprache. Dafür hat es seit claudischer Zeit gelegentlich Vorläufer gegeben; aber erst in der Frühzeit Mare Aurels finden sich Zeugnisse für eine klare Trennung, ohne daß sie etwas über den genauen Zeitpunkt sagen. Seit dieser Zeit haben jedenfalls ständig ein ab epistulis Latinis und ein ab epistulis Graecis nebeneinander agiert; der ab epistulis Latinis behielt offensichtlich den Rang, den der allgemeine ab epistulis gehabt hatte, während der ab epistulis Graecis niedriger eingestuft wurde.55 Eine besondere Form der Ausdifferenzierung liegt dort vor, wo durch Schaffung neuer FunktionssteHen innerhalb einzelner Bezirke eine stärkere Hierarchisierung eintrat. Sie findet sich in verschiedenen administrativen Bereichen innerhalb Roms und ltaliens und gelegentlich auch in einigen Provinzen. Dazu zählen auch alle
patrimonii in Rom nebeneinander amtierten. Das wäre für Rom strukturell etwas völlig
Neues gewesen, das wir sonst nirgendwo kennen. 52 Erster bekannter Inhaber war Cn. Octavius Titinius Capito unter Domitian: CIL VI 798 = D. 1448; AE 1934, 154; Pflaum, Carrieres procuratoriennes �uestres I 143 ff. 53 Zu fragen ist, ob der entsprechende Prokurator nicht auch die Kontrolle des Mindestvermögens neuer Senatoren hatte. V ielleicht fiel in seinen Aufgabenbereich auch die Sammlung aller Censusergebnisse aus den Provinzen. 54 Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres 111 I 021 f. I025; vgl. allerdings einen Text aus Ephesus, in dem unter Hadrian ein T. Petronius Priscus nur a libellis genannt wird (JÖAI 62, 1993, 127 = AE 1993, 1477). Möglicherweise könnte man vermuten, es habe eine verkürzte Titulatur vorgelegen. Doch achteten die meisten Funktionsträger darauf, daß ihre Bezeichnungen exakt wiedergegeben wurden. Sie übernahmen diese Bezeichnungen aus den kaiserlichen Emennungsschreiben; vgl. W. Eck, "Tituli honorarii" und Selbstdarstellung in der Hohen Kaiserzeit, in: Acta colloquii epigraphici Latini Helsingiae 3.-6. sept. 1991 habiti (= Comrn. hum. litt. I 04), Helsinki 1995, 2 1 1 ff. = ders., in: Tra epigrafia 319 ff. 55 W. Eck, P. AeHus Apollonides, ab epistulis Graecis, und ein Brief des Comelius Fronto, ZPE 91. 1992, 236 ff. Vgl. Birley, Locus virtutibus patefactus 4 I ff.
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Funktionsträger, deren Bezeichnung mit dem Präfix sub- gebildet wurde: subprocuratores, subpraefecti oder subcuratores. Positionen mit diesen Bezeich nungen wurden allerdings ausschließlich für Rom und Italien geschaffen.56 Sie finden sich in Rom auch in einigen permanenten administrativen Bereichen, die zwar von Senatoren geleitet waren, denen aber dennoch im Gegensatz zu den provinzialen Aufgabenfeldern, wo solches unbekannt ist, in untergeordneten Positionen ritterliche Amtsträger sowie Personal aus kaiserlichen Sklaven und Freigelassenen zugewiesen wurden; in diesen Fällen existierten somit die administrativen Funktionen bereits, sie wurden jedoch auf diese Weise ausgebaut. Dazu gehören zwei stadtrömische curae: die Überwachung der Heiligtümer und öffentlichen Gebäude (cura aedium sacrarum et operum Locorumque publicorum) und die Administration der Wasserversorgung (cura aquarum),51 sowie zwei Bereiche der Administration Italiens: die Alimentarinstitution und einige der großen Staatsstraßen.58 Soweit für uns erkennbar, waren diese ritterlichen subcuratores oder auch procuratores den senatorischen curatores auch unter geordnet; zumindest konnte der senatorische curator aquarum an den Prokurator Befehle geben oder Anordnungen, die er selbst vom Kaiser erbalten hatte, an ihn weiterleiten.59 Kein Zweifel an dieser Weisungsbefugnis besteht bei den höheren ritterlichen Funktionsträgem, denen subpraefecti oder adiutores zugewiesen waren, wie etwa beim Kommaodeur der stadtrömischen Feuerwehr, dessen subpraefectus auf inschriftlichen Zeugnissen aus Ostia grundsätzlieb nach ihm erscheint und damit als dessen untergeordneter Stellvertreter gekennzeichnet ist.60 Ähnliches ist beim Präfekten für die Lebensmittelversorgung Roms zu erkennen, der nicht nur einen Subpräfekten unter sieb hatte, dem vielmehr auch ein Prokurator mit einem eigenen Stab in Ostia unterstand; dieser Prokurator besaß offensichtlich zunächst den Status eines kaiserlieben Freigelassenen, später wurde er aus dem Ritterstand genommen.61 Ähnliche Teilfunktionen in untergeordneter Position sind in Rom sodann bei den Prätorianerpräfekten und beim a rationibus bezeugt. Sicher seit der Zeit des Antoninus Pius, vielleicht aber auch schon wesentlich früher, unterstützte ein
56 Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres 111 1028 ff.: Beim Iudus magnus, bei den opera publica, der annona, den vigiles, für verschiedene viae in Italien. 57 Siehe oben Anm. 22. 58 Eck, Italien 87. 186 f.
59 Pront , de aqu. 105. 60 Siehe z.B. CIL XIV 4378. 438 1 . 4386. 4387. .
6 l H. Pavis d'Escurac, La prefeclure de l'annone. Service administratif imperial d'Auguste a Constantin, Rom 1976, 105 ff.
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ritterlicher a commentariis die praefecti praetorio,62 was vermutlich mit erhöhtem Anfall von Entscheidungen bei den höchsten Amtsträgern um den Kaiser zu erklären ist,63 aber auch durch deren sehr hoben Rang; denn üblicherweise wurden Militärs unterhalb des Centurionenranges mit der Aufgabe betraut, die Amtstage bücher (commentarii) hoher Funktionsträger zu führen. Auch dem a rationibus scheint spätestens in der Zeit Mare Aurels ein anderer hoher ritterlieber Prokurator mit dem Titel procurator summarum rationum untergeordnet gewesen zu sein.64 Im Gegensatz zu Rom und Italien läßt es sich in den Provinzen kaum je nachweisen, daß höhere administrative Positionen mit wichtigen Aufgaben bereichen neu geschaffen wurden, die aber gleichzeitig dem höchsten Leiter eines
Bereichs untergeordnet und damit in ein hierarchisches System eingeordnet waren, jedenfalls soweit sieb dies an ritterlichen Funktionsträgern fassen läßt. Lediglich in Ägypten darf man davon ausgehen, daß alle prokuratorisehen Positionen, von den Epistrategen über den iuridicus, das Amt des Dioiketen, des idios Logos, des
archiereus bis zu den Prokuratoren, die für die Getreideversorgung Roms tätig (procurator Neaspoleos, procurator ad Mercurium) oder für den kaiserlichen Privatbesitz (procurator usiacus) zuständig waren, in einem hierarchischen Verhältnis zum Statthalter der Provinz, dem Präfekten von Ägypten, standen.65 Mit der jeweiligen ritterlichen Leitung der einzelnen Funktionen gewannen die Teilbereiche in Ägypten aber vermutlich eine größere Eigenständigkeil gegenüber der vorausgehenden Periode, soweit lediglich ein kaiserlicher Freigelassener die entsprechenden Aufgaben unter dem praefectus Aegypti koordiniert hatte. Überblickt man die Gesamtentwicklung, die bis zum Ende der antoniniscben Dynastie mit einer gewissen Sicherheit erkennbar ist, dann kann man eine nicht unerhebliche Vermehrung der administrativen Ressorts, in denen Ritter sowie kaiserliche Freigelassene und Sklaven beschäftigt waren, feststellen. Die Zahl dieser Verwaltungsbereiche dürfte mindestens rund 1 10 erreicht haben, wobei
62 Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres Ul 1030; vgl. R. Haensch, A com
mentariis und commentariensis: Geschichte und Aufgaben eines Amtes im Spiegel seiner Titulaturen, in: La hierarchle (Rangordnung) de l'armee romaine sous le Haut empire, hg. Y. Le Bobec, Paris 1995, 267 ff. 63 Vgl. allgemein zu dieser Thematik M. Peachin, ludex vice principis, Stuttgart 1996. 64 Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres IIl 1019 f. 65 Siehe dazu J.D. Thomas, The epistrategos (Anm. 24); H. Kupiszewski, The iuridicus Alexandreae, JJP 7/8, 1953/54, 187 ff.; D. Hagedorn, Zum Amt des ÖtOtK'lT�c; im rö mischen Aegypten, in: Papyrology, (Yale Classical Studies 28), hg. N. Lewis, 1985, 167 ff.; P.R. Swarney, The Ptolemaic and Roman ldios Logos, Toronto 1970; G.M. Parassoglou, Imperial Estates in Roman Egypt, Amsterdam 1978. Zum archiereus siehe oben Anm. 25. Zum archidikastes siehe Bowman-Rathbone, JRS 82, 1992, 1 1 7. 125.
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freilich wie auch zu.Beginn der flaviscben Zeit66 ein nicht geringer Unsicherheits faktor einzurechnen ist; denn es kann überhaupt nicht ausgeschlossen werden, daß manche der erst im
3. Jh. bezeugten Aufgabenfelder bereits wesentlich früher, also
auch schon in der vorseverischen Zeit, eingerichtet und damit auch entsprechende Funktionsträger vorhanden waren, die aber bisher in unserer Überlieferung noch zu wenig und nur recht spät dokumentiert sind.67 Insgesamt ist dennoch die Zahl dieser administrativen Einheiten wesentlich weniger stark gestiegen als die der ritterlichen Positionen; nach diesen wurde aber bisher zumeist die Ausweitung der außersenatorischen Administration und damit ihr Gewicht beurteilt. Doch nicht jede einzelne ritterliche Stellung repräsentierte einen eigenen Verwaltungszweig; vielmehr waren, wie erläutert, oft mehrere ritterliche Funktionsträger innerhalb eines Bereichs in einer hierarchischen Gliederung zusammengeschlossen. Nach der letzten Zusammenstellung soll die Zahl der einzelnen ritterlich-prokuratorisehen Dienststellungen am Ende der Regierungszeit des Commodus 135 betragen haben,68 eine Zahl, die mit außerordentlich großen Unsicherheiten belastet ist.69 Vermutlich war die Zahl der ritterlichen Positionen schon unter Conunodus erheblich höher. Die Zahl der Funktionsträger allein ist freilich nicht recht aussagefähig; denn bei der Ausweitung und Differenzierung des ritterlichen Personals ist beispiels weise die Ernennung eines subpraefectus unter dem senatorischen curator viae
vigilum in Rom oder eines subcurator
Flaminiae
sachlich anders, d.h. wesentlich
geringer, zu werten als die Einsetzung etwa eines eigenen Prokurators für die Erbschaftssteuer in den zwei Provinzen Baetica und Lusitania. lm einen Fall wird nur ein schon selbständig bestehender Bereich in sich selbst personell stärker strukturiert, ohne daß dies aber nach außen als eine wesentliche Modifikation und vor allem als Ausweitung der Administration insgesamt erscheinen mußte. Die Schaffung einer eigenen Verwaltungseinheit für die Erbschaftssteuer in einer Provinz aber konnte diesen Teil der Administration auch stärker ins allgemeine öffentliche Bewußtsein rufen, da z.B. davon ausgegangen werden kann, daß zumindest teilweise der Amtssitz des neu zuständigen Prokurators von dem des allgemeinen Fiskal- oder Patrimonialprokurators getrennt und zusätzlich eigenes Personal zugewiesen wurde, womit vermutlich auch die Repräsentation eine 66 Oben 76. 6? Vgl. nur Anm. 50. Ferner ist zu bedenken, daß manche administrativen Bereiche, die
irgendwann einmal seit der flavischen Zeit in den Quellen erwähnt werden, vielleicht nur für kürzere Zeit existiert haben. 68 Siehe z.B. Pflaum, RE Suppl. 1261 f.; ders., Abrege des procurateurs equestres, Paris
1974, 43.
69 Vgl. das, was oben 73 ff. zu den administrativen Bereichen gesagt wurde.
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Neugestaltung erfuhr. Wahrscheinlich ging im Augenblick der Abtrennung auch die Rechtssprechung bei Streit über Erbschaftssteuerangelegenheiten vom bisher zuständigen Prokurator auf den neuen Funktionsträger über. Trotzdem ist noch mals zu betonen, daß auch die Einsetzung eines eigenen Pro.kurators für einen umgrenzten Verwaltungsbereich zumeist nicht mit einem völligen sachlichen Neuanfang gleichzusetzen ist, da es sich fast ausschließlich um die Verselbstän digung eines faktisch schon bestehenden Teils innerhalb einer größeren admi nistrativen Einheit, vor allem unter dem jeweiligen Provinzprokurator, handelte. ·
ln der mehr als
120 Jahre dauernden Epoche von Vespasian bis zum Ende des
Comrnodus verlief die Entwicklung bei der Vermehrung der administrativen
Bereiche sowie der Bestimmung neuer Funktionsträger wahrscheinlich nicht völlig gleichmäßig; vielmehr wurde vermutlieb der eine oder andere Herrscher auf Grund seiner Persönlichkeit, aber auch wegen besonderer äußerer Einwirkungen zu einem größeren Entwicklungstempo gedrängt. So waren für Vespasian wegen der vorausgegangenen Wirren möglicherweise mehr drängende Probleme zu lösen, die auch neue organisatorische Formen erforderten; Hadrian könnte durch die inten siven Eindrücke während seiner Reisen auf neue Erfordernisse aufmerksam geworden sein, während die militärisch-wirtschaftliche Krise unter Mare Aurel Neuregelungen erzwungen haben könnte.70 Solche Beschleunigungs- oder Verdichtungsphasen der Entwicklung lassen sich jedoch nirgends konkret durch mehrere kaiserliche Eingriffe nachweisen, was wesentlich dadurch bedingt ist, daß zumeist kein auch nur annähernd genauer Zeitpunkt für die Schaffung neuer administrativer Ressorts oder Positionen angegeben werden kann, da das früheste bekannte Quellenzeugnis kaum je mit dem Zeitpunkt der Veränderung in einem administrativen Ressort zusammenfällt oder dies für uns zumindest nicht erkennbar ist. Lediglich bei der Einrichtung neuer Provinzen wie Dacia und Arabia, der Teilung größerer Provinzen in zwei kleinere Einheiten oder der Umwandlung ihres Status beispielsweise von prätonsehern zu konsularem Rang bei Iudaea in traianisch-hadrianischer Zeit kann man auf Grund des Systemzwangs auch die dabei nötigen neuen nichtsenatorischen Funktionsbereiche datieren; sie waren aber nur die Folge von Ursachen, die nichts mit der allgemeinen administrativen Gesamtentwicklung und neuen organisatorischen Notwendig keiten, die den einzelnen Kaisem möglicherweise bewußt geworden sind, zu tun
70 Auch bei Vespasian dürften konkrete Erfahrungen im Osten zu manchen organi
satorischen Neuerungen geführt haben. So läßt es sich z.B. zeigen, daß persönliche Einsichten ihn dazu führten, die Ausbeutung des Balsams in ludaea anders als zuvor zu betreiben; dazu H.M. Cotton - W. Eck, Ein Staatsmonopol und seine Folgen. Plin., nat. bist. 12, 123 und der Preis für Balsam, RhM 140, 1997, 153 ff.
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hatten. Dagegen muß die Schaffung neuer administrativer Funktionen etwa für die einzelnen Bergwerksdistrikte getrennt vom Provinzprokurator, die Aufspaltung der Domänenverwaltung in Italien sowie in Africa oder die regionale Differenzierung bei der Administration der Erbschaftssteuer bzw. der Einrichtung von Gladiatoren kasernen unter eigenen Prokuratoren auch in den Provinzen aus strukturellen Entwicklungsgründen, vielleicht auch aus persönlichen Motiven der Herrscher erfolgt sein. Gerade solche Veränderungen lassen sich aber zeitlich nicht genügend fixieren, so daß der Urheber der einzelnen Schritte kaum je feststeht. Ein terminus
ante quem genügt nicht für eine historische Wertung.71 Dieser Tatbestand hat unter anderem zur Folge, daß von der angeblich weitausgreifenden und strukturellen Reform gerade der von Rittern geleiteten Administration durch Hadrian kaum etwas nachzuweisen ist.72 Eine der wesentlichen Entwicklungskomponenten der Gesamtepoche war die verstärkte Heranziehung von Rittern auch für Aufgaben, in denen zunächst ausschließlich kaiserliche Freigelassene, also persönlich Abhängige, tätig waren. Denn während die leitenden Positionen in der Fiskalverwaltung der Provinzen, die nichtsenatorisch besetzten Statthalterschatten sowie die Präfekturen in Rom von Anfang an fast ausschließlich Rittern anvertraut waren,73 entwickelten sich um den Herrscher Funktionen, die lediglich von seinen Freigelassenen wahrgenom men wurden. Mit dem Fortschreiten der Zeit veränderten sich diese Funktionen zu größeren administrativen Einrichtungen mit einem nicht geringen Unterpersonal, das sich nach seinen verschiedenen Aufgaben gliederte.74 lnfolge der Nähe zu ihrem kaiserlichen Patron, ihrem Herrschaftswissen und auch der Bedeutung der durchgeführten Aufgaben wuchs einerseits die Diskrepanz zwischen der personenrechtlichen Stellung der Freigelassenen und der exzeptionellen Bedeutung, die sie als Individuen im System einnahmen; gerade daraus resultierte die heftige Ablehnung, die vielen der wichtigen Freigelassenen vor allem von Seiten der senatorischen Aristokratie entgegenschlug. Andererseits verloren die Funktionen
7 1 Vgl. dazu W. Eck, Italien 4 f.; P.A. Bruot, JRS 73, 1983, 44 f. 72 Die wichügsten Nachrichten, auf die sich die Ansicht vom administrativen Reformator Hadrian stützt, stammen ausnahmslos aus der Spätantike. In vielen Fällen
sind sie nachweislieb irrig, in anderen lassen sie sich nicht durch anderweitige Zeugnisse stützen. Vgl. auch P.A. B runt JRS 73, 1983, 70. 73 Der Freigelassene Licinus als Prokurator in Gallien unter Augustus, Hiberus, ebenfalls libertus Augusti, als Präfekt von Ägypten, Feli.x, der zumindest ursprünglich Freigelassener gewesen, dann aber Iudaea als Teil Syriens geleitet hatte, sind insgesamt sehr seltene Ausnahmen; seit der flavischen Zeit finden sich solche Beispiele nicht mehr. 74 Siehe dazu Boulvert, Esclaves et affranchis imperiaux passim; Weaver, Familia Caesaris 259 ff. ,
89
Die nichtsenatorische Administration etwa des
ab epistulis, a rationibus
oder
a libellis
mit der Festigung des
Kaisertums und der Unvergleicbbarkeit des kaiserlichen Hofs mit anderen aristokratischen Häusern den spezifischen Dienstbarkeitscharakter, der bisher eine Übernahme durch einen freigeborenen Römer unnötig und unmöglich gemacht hatte. Diese Funktionen gewannen vielmehr einen Wert, der sich am Kaiser als dem Repräsentanten der
res publica
orientierte und sich damit dem anderer
Tätigkeiten im Dienst des Staates annäberte.75 So war der Schritt, den Vitellius im J. 69 mit der Ernennung von Rittern anstelle von Freigelassenen für bestimmte
ministeria principatus,
d.h. Funktionen, derer der Princeps in seiner
Nähe bedurfte, nicht überraschend.76 Ein Motiv könnte dabei gewesen sein, sich von Nero abzusetzen, in dessen Umgebung, vor allem in den letzten Jahren seiner Herrschaft, Freigelassene wieder eine verstärkte Bedeutung gewonnen hatten. Möglicherweise war Otho seinem Nachfolger VitelJius bei dessen Neuorientierung partiell schon vorausgegangen.77 Zu den Rittern, die Vitellius heranzog, gehörte vermutlieb ein Sex. Caesius Propertianus, der zum procurator
hereditatibus et a libellis
a patrimonio et
berufen wurde,78 d.h. er hatte einerseits die Leitung des
kaiserlichen Privatvermögens, einschließlich der Erfassung der dem Kaiser zustehenden Erbschaften, und andererseits hatte er sich mit den an den Herrscher gerichteten Eingaben
(libelli)
zu befassen. Ob diese Maßnahme des Vitellius
zunächst eine Episode blieb und Vespasian grundsätzlich zur früheren Verwendung von
Liberti
zurückkehrte, läßt sieb nicht sagen. Denn daß wir aus der flavischen
Zeit noch kaiserliche Freigelassene bei vergleichbaren Aufgaben und mit unveränderter Bezeichnung, z.B.
a libellis
bezeugt haben,79 kann selbstver
ständlich bedeuten, daß sie wie andere Freigelassene mit gleicher Bezeichnung unter früheren Herrschern die Gesamtleitung der entsprechenden Aufgaben in Händen hatten; doch ist diese Interpretation keineswegs zwingend, da diese liberti ebensogut unter einem ritterlichen Prokurator mit gleicher Bezeichnung tätig gewesen sein könnten, wie es auch später zu beobachten ist.SO Seit domitianischer Zeit81 setzt sich jedenfalls der von Vitellius begonnene Einsatz von Rittern
75 Vgl. in diesem Band 147 ff. und 219 ff. 76 Tac., hist. I , 58, I : ministeria principatus
Romanos disponit.
per libertos agi solita in equites
77 Plut., Otho 9, 3; vgl. C.P. Jones, Julius Naso and Julius Secundus, HSCP 72, 1968, 279 ff. 78 CIL XI 5028 = D. 1447; vgl. Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres I 88 ff. 79 Siehe etwa CIL VI 8628 D. 1679; PIR2 E 66; Weaver, Familia Caesaris 261. 80 Vgl. etwa zum a rationibus Weaver, Familia Caesaris 264. 8! Der a rationibus unter Vespasian, Titus und Domitian Ti. lulius, der Vater des Claudius Etruscus, war zwar ka.iserlicher Freigelassener gewesen; doch hatte ihm =
90
Die nichtsenatorische Administration
anstelle von Freigelassenen bzw. neben gleichbetitelten liberti in den administrativen Funktionen um den Kaiser nachweisbar immer stärker durch;82 vermutlich waren bereits unter Traian alle wichtigen Aufgaben um den Kaiser selbst ritterlichen Leitern übertragen. C. Suetonius Tranquillus, der Verfasser der Kaiserbiographien, hatte so z.B. unter Traian die Funktion des a studiis und a bybliothecis inne,83 ein L. Vibius Lentulus und ein Cn. Pompeins HornuHus amtierten als a rationibus ebenfalls unter diesem Herrscher,84 möglicherweise ist aber der Wechsel in der zuletzt genannten Tätigkeit bereits unter Domitian oder sogar Vespasian erfolgt.85 Domitian hat in diesem Prozeß ohne Zweifel eine nicht unwichtige Rolle gespielt. Dies zeigt cüe Aussage Suetons, dieser Herrscher habe in einigen der
wichtigsten !Funktionen Freigelassene und römische Ritter gemeinsam herangezogen.86 Diese Nachricht beruht vermutlich auf persönlicher Kenntnis Suetons, womit es naheliegen könnte zu vermuten, Sueton wolle betonen, daß Domitian hier eine ganz neue Perspektive eröffnet habe. Da Sueton jedoch Vitellius' Maßnahme nicht erwähnt, ist es wahrscheinlicher, daß der Biograph nicht voll informiert war und er bei Domitian nur seine punktuellen und persönlichen Kenntnisse einbrachte. 87 Damit sind aber durchaus auch schon ähnliche Maßnahmen unter Vespasian, d.h. eine Weiterführung der vitellianischen Initiative denkbar. Dennoch hat Domitian einen wesentlichen Schritt dabei getan, die dienenden Funktionen um den Kaiser, die ursprünglich vom Typus her Funktionen wie in jedem anderen aristokratischen Haushalt waren, zu öffentlich akzeptierten Aufgaben in der Hand freigeborener Römer zu machen. Seine Nachfolger sind ihm auf diesem Weg gefolgt, ohne daß einer von ihnen hier
Vespasian ritterlichen Rang verliehen: Stat., silv. 3, 3, 143 f.; dazu Weaver, Familia Caesaris 284 ff. Insoweit steht er am Übergang von der einen zur anderen Epoche. 82 Siehe die Laufbahn des Cn. Octavius Titinius Capito: CIL VI 798 = D. 1448; AE 1934, 154; dazu Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres I 143 ff. 83 AE 1953, 73. 84 AE 1913, 143 a. b. Lnschr. Epbes. VI 2061 ; AE 1924, 81 Inschr. Ephes. VU l, 3046; lnschr. Ephes. ill 736; CIL VI 1626 D. 1385. 85 Vgl. P.A. Brunt, JRS 73, 1983, 70. Zu Ti. Iulius, a rationibus unter Vespasian, siehe Anm. 81. 86 Suet., Dom. 7: quaedam ex maximis officiis inter libertinos equitesque R(omanos) =
=
=
communicavit.
87 Selbst für Sueton mit seinem Zugang zum kaiserlieben Archiv war es vermutlich nicht möglich, systematische Kenntnisse über die ritterlichen Positionen und ihre Ent wicklung zu erhalten, da Grundsatzbeschlüsse kaum je gefaßt wurden, vielmehr nur einzelne Personen mit Aufgaben betraut wurden. Claudius war im J. 53 eine Ausnahme (oben 69).
Die nichtsenatorische Administration
91
nochmals in besonderer Weise und grundsätzlich innovativ gewesen oder die Entwicklung speziell beschleunigt hätte. Insbesondere gilt dies nicht von Hadrian, von dem lediglich die spätantike Historia Augusta behauptet, er habe in den Funktionen des ab epistulis und a Libellis an Stelle von Freigelassenen Ritter herangezogen, woraus in der Forschung ein genereller Umschwung unter diesem Kaiser konstruiert worden war.SS Denn auch andere Maßnahmen wie etwa die Übertragung der Leitung des Zolls in Gallien (quadragesima Galliarum) oder des Einzugs der quattuor publica in Africa an Ritter anstelle von kaiserlichen liberti sind ihm ohne Grund zugeschrieben worden.89 Obwohl gegen Ende des 2. Jh.s fast alle leitenden Funktionen für die größeren Bereiche an Ritter übergeben waren, bedeutete dies nicht einen grundsätzlichen
Ausschluß der kaiserlichen Freigelassenen von wichtigen Verwaltungspositionen. Der Einzug der Erbschaftssteuer in Asia, Lycia-Pamphylia, Galatia und den kykladischen Inseln wurde beispielsweise von einem einzigen Ritter geleitet; doch existierten Unterbezirke, die das Gebiet einer normalen Provinz oder doch einen erheblichen Teil davon einnehmen konnten. Solche Unterbezirke wurden offensichtlich kaiserlichen Freigelassenen anvertraut; Zeugnisse dafür gibt es etwa für Caria und die kykladischen Inseln, die einem Freigelassenen Traians mit der Funktionsbezeichnung procurator unterstanden, oder für die regio Lyciaca mit einem Freigelassenen des Antoninus Pius, der subprocurator genannt wird.90 Diese kaiserlichen Freigelassenen waren mit großer Wahrscheinlichkeit zwar dem ritterlichen Prokurator für den Gesamtbereich untergeordnet, sie leiteten jedoch ihrerseits die Administration der vicesima hereditatium in einem jeweils recht großen Gebiet in relativer Selbständigkeit, wie es praktische Überlegungen auch nahelegen. Wichtiger war jedoch, daß die Einsetzung von Rittern nicht die vollständige Verdrängung der liberti zur Folge hatte, die vorher für eine administrative Aufgabe in leitender Funktion zuständig gewesen waren. Vielmehr scheint es zumindest vielfach, wenn nicht sogar in der Regel so gewesen zu sein, daß der zuvor zuständige Freigelassene in seiner früheren Position verblieb und hinfort die zweite Stelle unter dem ritterlichen Prokurator einnahm. Gelegentlich werden in Dokumenten beide Amtsträger nebeneinander bzw. miteinander als handelnd angeführt. So treffen der ritterliche Prokurator und der Augusti libertus procurator 88 HA Hadr. 22, 8. 89 Pflaum, Procurareurs 6 1 ;
ders., Abrege 22. Dagegen Eck (Anm. 14) 58 ff. ders., Verwaltung I , 349 ff. 90 A. Maiuri, Nuova Silloge epigrafica di Rodi e Cos, Florenz 1925, Nr. 562; CIL lli
14180
=
IGR m 676.
=
92
Die nichtsenatorische Administration
in Domanialangelegenheiten in Africa gemeinsam die notwendigen Regelungen für die Pächter der kaiserlichen saltus.91 Ebenso weisen im
J.
l93 zwei ritterliche
Prokuratoren, die als rationales bezeichnet werden, womit offensichtlich der a
rationibus und der procurator summarum rationum gemeint sind, zusammen mit ihrem jeweiligen Freigelassenen bestimmte Mittel an, um in Rom eine Baumaßnahme durchzufübren.92 Daneben werden immer wieder Freigelassene genannt, die dieselbe Funktionsbezeichnung tragen wie ritterliche Amtsträger, und zwar in einer Zeit, zu der es kaum zweifelhaft sein
kann, daß die Leitung der
entsprechenden administrativen Aufgabe selbst in den Händen eines Ritters lag. Ein gewisser T. Flavius Pergamus ist so in flavischer Zeit oder in den ersten
Jahrzehnten des 2. Jh.s als procurator der Insel Corsica, der Narbonensis, der regio Syriatica und der Provinz Asia bezeugt.93 Für alle diese Provinzen oder Bezirke sind gleichzeitig ritterliche Prokuratoren bekannt, so z.B.
für die Narbonensis und
für Asia jeweils ein Patrimonialprolmrator. Damit muß Pergamus jeweils unter diesen ätig t gewesen sein, sein territorialer und sachlicher Aufgabenbereich kann sich wegen der gleichartigen Bezeichnung nicht von der des Prokurators unterschieden haben, der damit sein Vorgesetzter gewesen sein muß. Diese zweiten Positionen nach einem ritterlichen Prokurator waren offensichtlich bereits seit der 2. Hälfte des
1 . Jh.s eine weitgehende Normalität; ob sie generell bei allen
admjnistrativen Funktionen geschaffen wurden, läßt sieb allerdings nicht nachweisen. Fraglich ist das Ziel, das mit diesen zwei Prokuratorenstellen für Personen rojt unterschiedlichem Sozialstatus angestrebt wurde. Teilweise hat man die Erscheinung als "ungleiche Kollegialität" oder "Pseudokollegialität" bezeichnet und eine der wesentlichen Absichten in der politischen Kontrolle des ritterlichen Prokurators durch den kaiserlichen Freigelassenenprokurator gesehen, ähnlich wie senatorische Amtsträger durch ibre ritterlichen Untergebenen kontrolliert worden sein sollen.94 Doch ergibt eine solch einseitige Kontrolle keinen Sinn, da nicht einzusehen ist, weshalb die Kaiser spezielles Mißtrauen allein gegenüber den Prokuratoren aus dem Ritterstand gehabt haben sollten und nicht ebenso gegenüber Freigelassenenprokuratoren.
Weit eher könnte
man in
der
9t Siehe zuletzt D. Flach, Römische Agrargeschichte, München 1990, 103 ff. 92 CIL VI 1585 a. b D. 5920 = FlRA IIJ2 Nr. 1 10; siehe Hirschfeld, Kaiserliche Verwaltungsbeamte 267 ff.; Kolb, Kaiserliche Bauverwaltung 38 ff. 237 ff. 295 ff. 93 lnschr. Ephes. III 855. 855 a. Das sonstige Quellenmaterial bei Weaver, Familia Caesaris 276 f. 94 Vgl. vor allem Pflaum, RE Suppl. XXlll 1270 f.; ders., Abrege 65 f.; Boulvert, Esclaves et affranchis imperiaux 403 f.; Weaver, Famiba Caesaris 277 ff. 281 ff. =
Die nichtsenatorische Administration
93
Doppelbesetzung ein System der gegenseitigen Kontrolle sehen,95 da ja fast alle diese Funktionsträger mit erheblichen finanziellen Mitteln oder sonstigen Sachwerten wie Getreide, Marmor oder Edelmetallen zu tun hatten. Verun treuungen waren da bei allen Beteiligten möglich. Zudem ist zu vermuten, daß der Freigelassenenprokurator, der wahrscheinlich seine Position länger einnahm als der ritterliche Amtsträger und damit auch für eine gewisse Kontinuität sorgte, die Leitung des jeweiligen zentralen Büros innehatte.96 Vor allem aber könnte, zumindest in den Anfangen der Entwicklung, in vielen Fällen einfachhin die Menge an anfallender Arbeit ein Grund für die Doppelbesetzung gewesen sein, während später auch der Gedanke der administrativen Systematik und der
Ähnlichkeit in der Repräsentation gleichartiger Aufgaben eine Rolle gespielt haben wird, diese Doppelspitze einzurichten, soweit sie noch nic.ht existierte. Unter dieser hierarchisch gegliederten Leitung stand sodann das Unterpersonal, das sich abgesehen von dem militärischen
officium, das in der einen oder anderen
Form allen Prokuratoren zur Verfügung stand, in dieser Zeit ausschließlich aus kaiserlichen Sklaven und Freigelassenen zusammensetzte. Wie zahlreich und diffe renziert dieses sein konnte, wird, abgesehen von Rom, wo es am zahlreichsten war, vor allem
an
den Hunderten von Inschriften deutlich, die sich in Karthago auf
den beiden Friedhöfen für die familia Jh. verteilen; alle diese servi und
Caesaris fanden und sich auf das 1 .
liberti müssen
dem Prokurator
Africa und vielleicht dem Domänenprokurator des
und 2.
für die Provinz
tractus Karthaginensis
unterstanden haben.97 Auch in Ephesus waren die Subalternkräfte so zahlreich, daß sie mehrere
collegia
bilden konnten.98 Dennoch darf man nicht davon
ausgehen, daß generell große Massen von kleinen Funktionsträgem unter den Prokuratoren dienten, da deren Tätigkeit und die ihres Personals im wesentlichen in der Kontrolle der Finanzen und der sonstigen Einkünfte bestand, nicht jedoch im direkten Einzug und der unmittelbaren Verwaltung aller Einzelbereiche. Dabei wurde vielmehr weiterhin in großem Umfang auf Steuerpächter bzw. in steigendem Maße auf Bürger der Städte zurückgegriffen, die für ihre Gemeinden bestimmte Aufgaben als munus oder Liturgie zu übernehmen hatten.99 In der weitausgreifenden, von Rittern und kaiserlichem Personal getragenen Administration waren Funktionen höchst unterschiedlicher Art und sehr differie-
95 Insbesondere Brunt, JRS 73, 1983, 45 f.
96 Dazu R. Haensch, A commentariis und commentariensis (Anm. 62) 267 ff.
97 CIL VIII 12590 ff. 24678 ff.; Boulvert, Esclaves et affranchis imperiaux 193 ff. 98 CIL III 6077 = D. 1505 = lnschr. Ephes. VI 2200 a; Inschr. Ephes. VII 2, 4117; vgl. Inschr. Ephes. VII 2, 4 1 1 2 . 99 Vgl. auch unten Kap. 1 D.
94
Die nichtsenatorische Administration
renden Gewichts zusammengeschlossen. Neben der Präfektur von Ägypten, die sich unter jeglichem Aspekt mit allen anderen, von Konsularen übernommenen Statthalterschafren in den großen, mit Legionen ausgestatteten Provinzen messen konnte, ja diese sogar überragte, da der praefectus Aegypti im Gegensatz zu den sonstigen senatorischen Provinzgouverneuren auch für alle Steuern zustänctig war, stand die Prätorianerpräfektur, die sich seit Seian als die wichtigste politische Funktion im R,eich neben dem Kaiser entwickelt hatte. Genauso wurde ritterlieben Funktionsträgern aber auch das Kommando über Legionen in Ägypten, die Leitung einzelner Bauvorhaben in Rom, die Kontrolle der Erbschaftssteuer in Rom, ItaJien bzw. in einzelnen Provinzen oder gelegentlich die Aufsicht über einige kleinere Straßen in der Umgebung der Hauptstadt übertragen. 100 Sachliches Gewicht, finanzielle Verantwortung und politische Bedeutung variierten somit außerordentlich, nicht unähnlich dem Gewicht, das bei den senatorischen Ämtern etwa zwischen den Aufgaben des quaestor urbantts und denen des konsularen Statthalters von Syrien zu beobachten ist. Da wie bei den von Senatoren über nommenen Magistraturen und Funktionen oder auch (wenngleich in geringerem Umfang) bei den munizipalen Ämtern notwendigerweise von einer Person nacheinander verschiedene Aufgaben übernommen wurden, war es nur eine logische Konsequenz, daß sich für die sozialen Statusgruppen vor allem der Ritter, aber auch, freilich in geringerem Maß, der liberti und sogar der servi Augusti, analog ebenfalls eine Abfolge verschiedener Funktionen entwickelte, also eine Laufbahn. Denn ähnlich wie bei den senatorischen Ämtern erforderten es ctie sachlichen Notwendigkeiten, die allgemeinen Kenntnisse über das inhaltliche Gewicht der einzelnen Funktionen und das Prestige, das den verschiedenen Aufgaben jeweils im Verlauf der Entwicklung zugewachsen war, daß sich daraus eine erkennbare Abfolge entwickelte, in der die Funktionen sukzessiv übernommen wurden.101 Eine reine Willkür oder reine Beliebigkeit bei der Vergabe der verschiedenen Funktionen hätte entweder leicht zu Unzufriedenheit der Betroffenen geführt oder ständigen Begründungszwang von Seiten der Herrscher erfordert, weshalb er einem Ritter Aufgaben in einer bestimmten Reihenfolge übertrug, einem anderen Ritter aber andere mit völlig unterschiedlichem Gewicht und in ganz anderer Abfolge. Dabei galt freilich gerade im
I . Jh., solange das System,
insbesondere durch die
verstärkte Neueinrichtung von Aufgabenfeldern, noch besonders stark in der Entwicklung begriffen war, eine weit größere Dispositionsfreiheit des Herrschers, 1 OO Siehe die unterschiedlichen Listen bei Pflaum, Procurateurs 2 1 6 ff.; vgl. G. Alföldy, Chiron 1 1, 1981, 173 ff. ders., Die römische Gesellschaft 166 ff. IOI Vgl. dazu für die juüsch-claudische Dynastie Demougin, L'ordre equestre 739 ff. =
Die nichtsenatorische Administration
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als sie bei den Senatoren je bestanden hatte. Denn für diese war von Beginn an in den republikanischen Magistraturen ein Grundgerüst gegeben, das nach moderaten Eingriffen unter Augustus nicht mehr weiter verändert wurde; und auch die neuen Funktionen wie die cura viarum, die ständigen Legionskommaoden oder die stadtrömischen curae hatten, da sie fast alle bereits unter dem ersten Princeps geschaffen worden waren, frühzeitig ihren Platz gefunden. Solche Vorgaben existierten für die Funktionen der Ritter und Freigelassenen nicht; zumal die letzteren waren auf Grund der Patronatsrechte in ein selbstverständliches Abhängigkeitsverhältnis eingegliedert und so besonders leicht disponibel. Bei ihnen konnte der Herrscher natürlicherweise erheblich freier nach jeweils sich
ergebenden Notwendigkeiten handeln und sie als seine Freigelassenen einsetzen, was aber im Wesentlichen auch für ritterliche Funktionsträger galt. Doch erlaubten die sachlichen Notwendigkeiten von Anfang an keine Beliebigkeit; vielmehr mußte den Herrschern daran liegen, Funktionen in ihrem eigenen Interesse sinnvoll durchführen zu lassen. Dazu gehörte aber auch, daß manche Aufgaben wegen ihrer Größe und ihres Gewichts mehr Erfahrung und Kenntnisse erforderten als andere. So verstand es sich von selbst, daß etwa die Statthalter schaft in einer der kleinen Alpenprovinzen einem weniger erfahrenen, d.h. im allgemeinen woW auch jüngeren Ritter übertragen wurde als die in der Mauretania Caesariensis oder gar in Ägypten. 102 Ebenso wurde ein Ritter früher mit einer Domanialprokurator als mit der Präfektur für die stadtrömische Getreideversorgung betraut, wie es dem unterschiedlichen sachlichen Gewicht und der politischen Bedeutung allein schon auf Grund der Nähe oder Ferne zum Herrscher entsprach. So entwickelte sich faktisch schon im Verlauf des
1 . Jh.s eine Art System, in
dem die einzelnen amtlichen Positionen ihren relativen Platz einnahmen, ohne allerdings zumeist eine absolute Fixierung zu erreichen, abgesehen von wenigen, vor allem sehr hohen Funktionen. Seit der tlavischen Zeit wurde so niemals mehr ein Prätorianerpräfekt auf eine andere ritterliche Position versetzt; 103 auch der
praefectus Aegypti konnte nur noch zum Kommando über die Prätorianergarde befördert werden. 1 04 Ähnliche Abfolgen von möglichen Aufgaben fmden sich für die Präfekten der Getreideversorgung in Rom oder der stadtrömischen Feuerwehr, ebenso bei den höheren Funktionen um den Herrscher wie der des ab epistulis, a
libellis oder a rationibus, oder zwischen den beiden Präfekturen über die italischen
I02 Vgl. z.B. nur A. Magioncalda, in: M. Christo! - A. Magioncalda, Studi sui procu ratori delle due Mauretanie, Sassari 1989, 34 ff. 103 Nur die 'Beförderung' in den Senat konnte noch als sozialer Aufstieg vergeben werden, was aber gleichzeitig den Verlust der Machtposition bedeutete. 104 Brunt, JRS 65, 1975, 141 ff. ders., Roman Imperial Themes 245 ff. =
Die nichtsenatorische Administration
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Flotten, von denen stets die Leitung der Flotte von Ravenna vor der von Misenum eingestuft war, was jedenfalls im 2. Jh. auch recht regelmäßig
geschah. tos
Die verschiedenen Funktionen, die von Rittern übernommen wurden, fanden so mit der Zeit innerhalb der Lautbahn eine Position, deren Rang wesentlich durch die damit verbundenen Aufgaben bestimmt wurde. Allerdings wurden die relativen Positionen immer wieder dadurch verändert, daß neue Funktionen geschaffen und in das schon entwickelte System eingeordnet wurden. Manche Aufgaben hatten auch nur eine begrenzte Dauer wie etwa die bei der Assignation von Ländereien oder während des nur in einem längeren Zeitabstand durchgeführten Census in den Provinzen; solche Funktionen wurden in eine Lautbahn eingeordnet, gewannen aber keine dauerhafte Position und konnten somit auch zu verschiedenen Zeiten innerhalb einer Lautbahn übernommen werden.106 Doch verstand es sich von selbst, daß etwa die Präsidialprokurator von Dacia inferior oder die Fiskalprokuratur in der neuen Provinz Arabia nicht willkürlieb einen Platz fanden, sondern entsprechend ihrem Gewicht, etwa der Anzahl der dort stationierten Truppen, bzw. analog dem Rang des senatorischen Statthalters eingeordnet wurden. So war es auch ganz natürlich, wenn einer Rangerhöhung des Statthalters von Iudaea von prälorisehern zu konsularem Status unter Traian oder Hadrian auch die Positionserhöhung des Fiskalprokurators dieser Provinz folgte. Für die
Mitwelt, d.h. vor allem für alle innerhalb des ritterlieben Verwaltungsbereiches
tätigen Personen waren solche relativen Positionen nicht etwa auf Grund rechtlicher Fixierungen bekannt, die auch niemals erfolgten, sondern sie waren durch
Beobachtung erkennbar,
womit
sich auch
ein entsprechender
Erwartungshorizont bei denen entwickelte, die einen weiteren Aufstieg, neue Aufgaben anstrebten. So entstand im Verlauf des 1 . und den frühen Jahrzehnten des 2. Jahrhunderts eine ritterliche Laufbahn, die gewisse Regelmäßigkeilen erkennen läßt, aJierdings weit weniger als die senatorische Karriere.107 Sie beließ
tos W. ZPE
Eck - H. Lieb, Ein Diplom für die classis Ravennas vom
96, 1993, 75 ff.
=
22. November 206,
AE 1993, 1789; vgl. W. Eck - M. Roxan, in: Festschrift für H.
Lieb, hg. R. Frei-Stolba - M.A. Speidel, Basel 1995, 9 1 . t06 Siehe z.B. einen procurator ad silices (CIL VI 1598 = D. 1740), einen procurator regionum urbis (CIL XIV 2922 = D. 1420), einen procurator ad agros dividendos (AE
1975, 25 1 ; vgl. Plin., ep. 7, 3 1 , 4); vgl. Pnaum, Carrieres procuratoriennes 6questres 10 z.B. I048. I051. I 052. 1055 zu procuratores ad census accipiendos; ferner auch G. Burton, JRS 67, 1977, 162 f. sowie S. Dardaine - H. Pavis d'Escurac, Le Baetis et
son amenagement, Ktema 8, 1983, 307 ff. 107 Zur Diskussion um die Laufbahnen und den dabei wirksamen oder auch nicht wirksamen Pri nzipien vgl. Pnaum, Procurateurs 224 ff.; P.A. Brunt, The Admi nistrators of Roman Egypt, JRS 65, 1975, 124 ff. = ders., Roman Imperial Themes
Die nichtsenatorische Administration
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dem Herrscher auch insoweit größere Freiheit bei der Gestaltung der ritterlieben Laufbahnen, als keine rechtlich fixierten Normen wie durch die unter Augustus reformierten
Leges annales,
die Intervalle zwischen einzelnen senatorischen
Magistraturen, existierten. Auch hat es nie irgendwelche Bestimmungen über die zeitliche Dauer solcher Funktionen, also etwa vergleichbar dem Prinzip der Annuität, gegeben, so daß grundsätzlich jeder Herrscher in seiner Disposition wenig eingeschränkt war. Entsprechend finden sich Amtszeiten von sehr unterschiedlicher Länge. Allerdings erforderten es die Erwartungen der auf ritterlichen Positionen tätigen Personen, daß ihre Aufstiegs- und Beförderungs möglichkeiten nicht durch willkürlich lange Dienstzeiten der in den höheren
Stellungen befindlichen Kollegen blockiert wurden. Somit spielte sich auch in der ritterlichen Laufbahn eine durchschnittliche Dauer ein, die aber nie genauer festgelegt wurde. Beim Präfekten von Ägypten lassen sich Amtszeiten von weniger als einem Jahr bis zu fünf oder gar sieben Jahren feststellen. Im allgemeinen bewegen sich die Zeiten jedoch zwischen zwei und vier Jahren. lOS Ähnliches wird man bei vielen anderen Positionen mit vergleichbaren Merkmalen voraussetzen dürfen, abgesehen von der Prätorianerpräfektur, wo die Loyalität zum Herrscher, das Vertrauensverhältnis so entscheidend war, daß häufig nur das Alter oder Krankheit und deren Folgen zur Ablösung führten. So verwundert es nicht,
daß manche praefecti praetorio zehn oder mehr Jahre diese Position eingenommen haben, wie z.B. Marcius Turbo, einer der praefecti
praetorio
Hadrians; Gavius
Maximus, Prätorianerpräfekt unter Antoninus Pius, hat sogar zwanzig Jahre diese Aufgabe erfüllt. I 09 Nach welchen Prinzipien aufeinanderfolgende Funktionen jeweils bestimmten Personen übertragen wurden, ist nur schwer zu erkennen. Klar ist nur, daß spezielle Kenntnisse und fachliche Fähigkeiten, die vielleicht in vorausgehenden Ämtern erworben worden waren und die jedenfalls heute als Grundzug eines professionellen Beamtenturns gelten, nicht generell bei der Auswahl entscheidend gewesen sind. Auch bei den Rittern waren wie bei den senatorischen Amtsin habern allgemeine Fähigkeiten und Erfahrungen auf verschiedenen staatlichen Feldern weit wichtiger. Wäre es den Herrschern des 2. Jh.s um die Herausbildung
215 ff.; R.P. Salier, Promotion and patronage in equestrian careers, JRS 70, 1980, 44 ff.; ders., Personal patronage 83 ff.; P.A. Brunt, Princeps and Equites JRS 73, 1983, 44 ff.; A.R. Birley, Locus virtutibus patefactus l 1 ff. lOS P.A. Brunt, JRS 65, 1975, 126 ff. 142 ff. ders., Roman tmperial Themes 2 1 8 ff. 245 ff. 109 HA Pius 8, 7; PIR2 G 104. ,
=
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von Spezialisten gegangen, sei es für bestimmte sachliche Erfordernisse, wie die Finanzverwaltung, sei es für bestimmte Provinzen des Reiches, dann wäre dies einfach zu erreichen gewesen, indem entweder dieselbe Person immer wieder oder über lange Zeit in derselben Provinz eingesetzt oder stets mit inhaltlich gleichen Aufgaben betraut worden wäre. Gerade dies geschah jedoch nicht, wie nicht nur die bekannten Laufbahnen der Präfekten von Ägypten zeigen, 1 10 sondern z.B. auch die Abfolge der Ämter bei den
a rationibus oder den ab epistulis. 1 1 1
Vielmehr ist bei
längeren ritterlichen Cursus nach den Anfängen als ritterlicher Offizier bei Auxiliartruppen und Legionen zumeist eine Mischung aus militärischen, jurisdiktionellen, fiskalischen und allgemein administrativen Aufgaben zu finden.
Warum ein Kaiser im konkreten Fall einer Person ein bestimmtes Amt übertragen hat, hing wohl von sehr verschiedenen Umständen ab. Neben die erkennbare Bereitschaft des Ritters, auch weiterhin staatliche Aufgaben zu übernehmen, vielleicht durch ein Bewerbungsschreiben an den Herrscher kundgetan, traten die Empfehlungen von Freunden. Dabei konnten vor allem diejenigen Einfluß ausüben, die längere Zeit in der Umgebung des Kaisers verweilten, also speziell die Inhaber hoher Funktionsstellen, seien sie ritterlichen oder senatorischen Ranges. Insbesondere die Prätorianerpräfekten, die oft über viele Jahre ihre Position behielten, haben ohne Zweifel ein großes Gewicht gehabt. Aufweisbar ist dies z.B. bei Gavius Maximus unter Antoninus Pius, der offensichtlich einen Bruch in der Lautbahn des ritterlichen Prokurators Censorius Niger herbeigeführt hatte, während er in anderen Fällen einen Aufstieg befördert hatte. 1 1 2 Empfehlungsbriefe, epistulae commendaticiae, haben ohne Zweifel eine erhebliche Rolle gespielt.113 Aber wie im Fall der Übertragung senatorischer Ämter haben sowohl die Kandidaten als auch diejenigen, die sie promovieren wollten, die jeweils notwendigen Voraussetzungen sachlicher Natur, so wie sie sich entwickelt hatten, gekann t . 1 1 4 Somit hat wohl niemand einen Ritter als Prokurator der Mauretania Tingitana oder der Provinz Sardinien empfohlen, der nicht vorher auch gewisse Erfahrungen beim Heer gesammelt hatte, da mit der Statthalterschaft bei den Präsidialprokuratoren stets auch das Kommando über Hilfstruppen verbunden
IIO Brunt, JRS 65, 1975, 127 ff. ders , Roman Imperial Themes 220 ff. I I I A.R. Birley. Locus virtutibus patefactus 41 ff. =
.
1 1 2 Siehe E. Champlin, Fronto and Antonine Rome, Cambridge 1980, 100 f.; W. Eck, Picus 8, 1988, 1 57 ff. 1 13 Vgl. zu solchen Beispielen H.M. Cotton, Documentary Letters of Recommendation in Latin from the Roman Empire, Königstein 1981. Ferner H. Pavis d'Escurac, Pline Je Jeune et les Jettres de recommandation, in: La mobilite sociale dans Je monde romain. Actes du colloque organise a Strasbourg, hg. E. Frezouls, Strasbourg 1992, 55 ff. 114 Siehe oben Kap. I B, 56.
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war. Um sie jedenfalls in Friedenszeiten zu befehligen, mußte man kein Miliär t sein; aber Kenntnisse über die innere Struktur der Einheiten, über die Bedingungen militärischen Lebens und den Dienstablauf waren dringend erforderlich. Ansonsten aber waren vor allem allgemeine Erfahrungen und eine unter Normalbedingungen erprobte Tüchtigkeit gefordert und wurden auch von denen berücksichtigt, die den Kaiser bei der Auswahl der höheren Amtsträger berieten. Deshalb ist es nicht überraschend, wenn in einem Ernennungsscbreiben, das Mare Aurel an den zukünftigen Leiter des kaiserlichen Krongutes in der Provinz Narbonensis richtete, Unbescholtenheit
(experientia)
(innocentia),
Gewissenhaftigkeit
(diligentia)
und Erfahrung
als die Eigenschaften herausgehoben werden, die eine weitere
Beförderung bedingen würden.115 Die experientia, auf die Mare Aurel hier verwies, war die allgemeine, breite Erfahrung eines ritterlichen Administrators, nicht die eines Spezialisten. Daneben aber hatte der Herrscher zu bedenken, daß verdiente Ritter, die bereits eine bestimmte Höhe innerhalb der Laufbahn erreicht hatten, nicht schlechter gestellt werden durften als andere, deren Laufbahn in der Abfolge ihrer verschiedenen Aufgaben allgemein bekannt war. Hätten sie keine adäquaten Funktionen erhalten, wäre dies einer Degradierung gleichgekommen. Vor allem in den hohen Rängen der palatinen Dienststellungen und der Präfekturen um den Herrscher war zudem der Kreis der noch beteiligten Ritter so klein und damit für den Herrscher allein so leicht überschaubar, daß Personalentscheidungen von ibm auch aus sehr individuellen Gründen gefällt worden sein können. Doch zeigen gerade die in den hohen Rängen beobachtbaren Regelmäßigkeilen in der Abfolge der ritterlichen Positionen, daß auch hier keine Willkür herrschte, sondern im Normalfall bekannten Beförderungsmustern gefolgt wurde. Das führte auch ganz wesentlich zu dem Effekt, daß ein allzu großes Konkurrenzdenken eingedämmt wurde.
Ob
bei
der Personalplanung der
ab epistulis
eine Rolle als
Koordinierungsinstanz gespielt bat, ist umstritten.1 16 Unbestreitbar war er aber in
1 1 5 AE 1960, 167 AE 1962, 183 H.-G. Pflaum, BJ 1 7 1 , 1971, 349: Q. Domitio L. fil. Quir. Marsiano ... Exemplum codicil/orum. I Caesar Antoninus Aug. Domitio Marsiano suo salut(em). I Ad ducenariae procurationis splendorem iamdudum te I provehere studens utor opportunitate(m) quae nunc [ojbtelgit. Succede igitur Mario Pudenti tanta C!WI spe perpetui I favoris mei quantam conscientiam retinueris innocen!tiae diligentiae experientiae. Vale mi Marsiane karissime I mihi. =
=
1 16 E. Birley, The Equestrian Officers of the Roman Army, Durharn Univ. Journal 1949, 8 ff. = ders., The Roman Army. Papers 1929-1986, Amsterdam 1988, 147 ff. bes. 151 f.; H.M. Cotton, Military Tribunates and the Excercise of Patronage, Chiron I I , 1 9 8 1 , 229 ff.; Salier, Personal Patronage lOS f.; Eck, Die staatliche Admi nistration des römischen Reiches in der hohen Kaiserzeit: Ihre strukturellen Komponenten, in: 100 Jahre Neues Gymnasium Nürnberg, 1889-1989. Festschrift hg. von R. Klein, 222 ders., Verwaltung I , 27; Birley, Locus virtutibus patefactus. =
1 00
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rue Ausfertigung und Absendung der Ernennungsschreiben, der epistulae und der
codicilli, involviert gewesen. Und da er sich stets in der Umgebung des Kaisers aufhielt, konnte er ohne Zweifel auch Einfluß auf dessen Entscheidungen nehmen. Die Ernennung selbst erfolgte aber stets durch persönliche Entscheidung des Herrschers, möglicherweise zu bestimmten Zeitpunkten, wenn Ablösungen und Neubeauftragungen auf mehreren administrativen Ebenen gleichzeitig erfolgten.11 7 Dann konnte auch vermieden werden, daß zu viele Ritter, die weiter im kaiserlichen Dienst tätig sein wollten oder sollten, zu lange ohne konkrete Aufgabe blieben, obwohl auch rues ohne Zweifel öfter vorgekommen ist. Ein wichtiges Merkmal für die Gliederung der ritterlichen Laufbahn und damit
auch für die Einschätzung des Wertes der einzelnen Aufgaben in ihrer Relation zueinander war die Höhe der Bezahlung. Im Unterschied zu den senatorischen Ämtern mit ihrem Charakter als honores sind zweifellos alle ritterlichen Positionen von Anfang an bezahlt gewesen, wie im übrigen wohl auch bald die Freigelassenen und servi der Kaiser ein fixiertes Salär erhielten.1 1 8 Schon aus der Zeit des Claudius wissen wir, daß er bestimmten Prokuratoren ein Gehalt von
200.000 Sesterzen zuwies, 1 1 9 weshalb diese von Sueton procuratores ducenarii genannt werden. Seit dem späten 2. Jh. treten sodann in den Inschriften öfter die Bezeichnungen sexagenarius, centenarius, ducenarius und schließlich auch
trecenarius in Verbindung mit bestimmten Positionen auf.1 20 Nach Cassius Dio sollen diese Gehaltsstufen bereits von Augustus eingeführt worden sein, 121 was vom Grundsatz her durchaus möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich ist. Nur bei der Gehaltsstufe von 300.000 Sesterzen, den procuratores trecenarii, wird im allgemeinen davon ausgegangen, sie sei erstmals unter
Mare Aurel geschaffen
Anhang 2: Das Amt des ab epistulis und dessen lohaber 41 ff.; R. Haensch, ZRG 109, 1992, 269 Anm. 168. 1 1 7 Dies könnte man auf Grund von Suet., Dom. 4, 2 sowie aus Beobachtungen von G. Bastiaoini, Aegyptus 58, 1978, 168 ff. über einen häufigen Wechsel der Präfekten von Ägypten im Sommer vermuten. Freilich hängt dies vielleicht damit zusammen, daß Reisen in den Wintermonaten weit beschwerlicher, ja gefährlicher waren, worauf die Kaiser im allgemeinen Rücksicht genommen haben. l l 8 Vgl. CIL VI 8619; H.-G. Pflaum, REL 47 bis, 1970, 308. 1 1 9 Suet., Claud. 24, 1: ornamenta consularia etiam procuratoribus ducenariis indulsit. Konkret ist kein solcher Fall bekannt. 12° Frühestes Beispiel AE 1962, 183 H.-G. Pflaum, Une lettre de promotion de l'empereur Mare Aurele pour un proeurateur dueenaire de Gaule Narbonnaise, BJ 1 7 1 , 1971, 349 ff. aus der Zeit M are Aurels; ebenso A E 1928, 97 I nsehr. Ephes. IIl 627; AE 1956, 124. 1 21 Dio 53, 15, 5. =
=
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worden. 1 22 Allerdings wissen wir überhaupt nicht, wie hoch die Besoldung der höchsten ritterlichen Amtsträger, der Prätorianerpräfekten, des praefectus Aegypti und des
praefectus annonae
bereits vor Mare Aurel gewesen ist. Alle diese
Stellungen sind schon von Augustus geschaffen worden. Sie sollten jedenfalls ein höheres Gehalt als die procuratores ducenarii unter Claudius erhalten haben. Damit könnte die Besoldungshöhe für einen procurator trecenarius seit Mare Aurel auch nur eine Angleichung an die schon länger bestehenden Gehaltsstufen der hoben Präfekten gewesen sein. Ob zu Anfang des Prinzipats die Besoldung stärker von der Bedeutung des einzelnen Ritters für den Princeps bestimmt wurde oder ob sogleich bestimmte
Positionen wie z.B. die Patrimonialprokuratur in der Provinz Sizilien oder in der Baetica schon derselben Gehaltsstufe zugeordnet waren, so wie sie uns seit dem Ende des
2. Jh.s aus den Inschriften bekannt ist, läßt sieb nicht erkennen. Beides
ist im Grundsatz denkbar. Denn auch später veränderte sich das Gehalt bei einzelnen Aufgaben und damit deren Rang, wenn der Herrscher dafür einen besonderen Anlaß sah. 123 Doch darf logischerweise schon vor der flavischen Zeit davon ausgegangen werden, daß einer bestimmten Person innerhalb der Laufbahn,
in der entweder Aufgaben mit gleichem Wert oder, eher, mit erhöhter Bedeutung, umfassenderem sachlichen Gewicht oder größerem Prestige aufeinander folgten, mit einer späteren Funktion zumindest dasselbe Gehalt wie mjt der zuvor übernommenen verbunden war, oder vieiJeicbt ein höberes. 1 24 Genauer zu bestimmen ist die Höhe für einzelne Funktionen aber frühestens in der 2. Hälfte des 2. Jh.s, 125 weil erst dann die Strukturen halbwegs konstant waren und wenigstens einzelne amtliche Positionen mit einer klaren durch Zeugnisse dokumentierten und nicht nur erschlossenen Gehaltssumme verbunden werden können. Dann erst ist es möglich, bestimmte Prokuraturen mit einem durch die Gehaltsstufe ft.xierten Rang als
centenar, ducenar oder trecenar zu benennen und
122 Vgl. Pflaum, Procurareurs 74; ders., Abrege 63. 123 Das ist z.B. aus AE 1928, 97 lnschr. Ephes. III 627 wegen der Betonung der Festlegung des Gehalts durch Commodus zu schließen: T�t� !l6evrcx trcxpa rou =
Kvplov cxuroKpci[(Topoc KOIJIJOl>ov c]]cx;>..cxpl.� ÖOI>KllVCXPt
124 Zu bedenken ist vor allem auch, daß die Höhe der Besoldung, die eine bestimmte Person auf einer bestimmten Stelle erhielt, zumeist in irgendeiner Form bekannt wurde, entweder durch den Empf anger oder durch diejenigen, die die Summe an ihn auszahlten. Wenn ein Kaiser dem Nachfolger dieses Amtsträgers in einer bestimmten Funktion ein niedrigeres Salär gegeben hätte, wäre er zu leicht in Begründungszwang geraten. Schon von dieser Überlegung her ist es recht wahrscheinlich, daß sich relativ schnell bestimmte Gehaltshöhen mit bestimmten Positionen verbanden. 1 25 Zur Fixierung der Positionen und der Gehaltsstufen vor allem Pflaum, Procurateurs 2 1 0 ff.; ders., Carrieres procuratoriennes �questres I-III passim; Kritik dazu vor allem F. Miliar, JRS 53, 1.963, 194 ff.
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damit ihren Stellenwert innerhalb der gesamten Aufgabenstruktur zu bestimmen. Für die frühe Zeit, jedenfalls des I. Jh.s, aber ist es irreführend, einzelne ritterliche Positionen mit diesen Begriffen zu kennzeichnen, da so eine Systematisierung als erkennbar vorgespiegelt wird, wie sie im Grunde niemand erkennen kann, mangels einschlägiger Quellen. Etwa zur selben Zeit, also unter Mare Aurel oder vielleicht schon einige Jahrzehnte früher, haben sich offensichtlich auch, analog zum senatorischen Standestitel
vir clarissimus, die Rangtitel vir egregius, vir perfectissimus und vir
eminentissimus
für ritterl iche Amtsträger entwickelt. Im dokumentarischen
Zusammenhang erscheint
eminentissimus vir zum
ersten Mal unter Mare Aurel
etwa im J. 168 und zwar eindeutig titular für die beiden amtierenden Prätorianer präfekten, doch könnte die Bezeichnung vielleicht schon von Hadrian als Titel für einen seiner praefecti praetorio verwendet worden sein. 126 Fast gleichzeitig werden auch schon Prokuratoren in Africa als
perfectissimus vir bisher zum
egregii viri
ersten Mal am Anfang des
bezeichnet, während
3. Jh.s in einer Quelle
begegnet. und zwar für einen Präfekten der stadtrömischen Getreideversorgung. 127 Doch darf man woW davon ausgehen, daß alle Titel bereits unter Mare Aurel im offiziellen Gebrauch gewesen sind. 1 28 Während Beginn des
eminentissimus vir bis
zum
3. Jh.s ausschließlich auf die Prätorianerpräfekten beschränkt blieb und
perfectissimus vir wohl für die Inhaber der
anderen hohen Präfekturen in Rom, die
Präfektur von Ägypten sowie die höchsten palatinen Positionen verwendet wurde, bezeichnete man alle anderen prokuratorisehen Amtsinhaber, unabhängig von ihrem Gehalt, das zwischen niedrigsten Titel
60.000 und 200.000 Sesterzen lag, mit dem
vir egregius. Die Rangtitel wurden also nur denen verliehen, die
ritterliche Dienstaufgaben nach der Zeit als Offizier im Heer übernommen hatten, nicht aber allen, die in irgendeiner Form zum ordo
equester gehörten,
auch nicht
denen, die als Richter in Rom tätig gewesen sind. Die Titel dienten somit zur Heraushebung von Personen, die höhere Aufgaben im Dienst des Kaisers erfüllt hatten, waren damit keine Aussagen nur über den sozialen Rang, wie es bei den Senatoren möglich war, deren Angehörige, auch solche weiblichen Geschlechts, an dieser sozialen Kennzeichnung partizipieren konnten, indem sie die Bezeichnung
ciarissima femina, clarissimus puer oder clarissima puella führten.
l 26 CIL IX 2438 FIRA 11 Nr. 6 1 ; ferner möglicherweise CIL XIll 12057 = D. 9000 in etwa derselben Zeit. Für die hadrianische Zeit siehe Fragmentum Dositheanum (Corpus Gloss. Latin. III 388). l 27 CIL VJ 1603 = D. 1346; vgl. AE 1977, 1 7 1 ; 0. Hirschfeld, Die Rangtitel der römischen Kaiserzeit, in: Kleine Schriften, Berlin 1913, 646 ff.; F. Miliar, Emperor 289 f.; Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres Il 624 Anm. 10. 1 28 Vgl cod. Iust. 9, 4 .1 , I I . =
.
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Solches galt nicht bei den Rittern innerhalb des prokuratorisehen Dienstes, die einen mit einer konkreten amtlichen Position verbundenen Titel logischerweise auch nicht an ihre Nachkommen weitergeben konnten, ebensowenig wie die Zugehörigkeit zum Ritterstand rechtlich vererbt werden konnte. Die starke titulare Gliederung zeigt die großen Unterschiede, die innerhalb des ritterlichen Ämtergefüges hinsichtlich des Prestiges und der mit dem Amt verbundenen Macht gesehen wurden. Grundsätzlich haben solche weitgehenden Unterschiede zwar auch bei den Amtsstellungen der Senatoren bestanden. Doch war bei ihnen das aus der Republik überkommene Prinzip der aristokratischen Gleichheit zu stark und damit die offizielle Abhängigkeit vom Herrscher geringer, weshalb für sie gleichmäßig titular
vir clarissimus verwendet wurde, unabhängig davon, welches Amt
innerhalb der Ämterlaufbahn erreicht war. Denn der Titel war nicht von einem Amt abhängig, sondern von der Zugehörigkeit zum
ordo senatorius. Erst in der
Spätantike, unter ganz anderen Bedingungen, sollte sich dies auch für den Senatorenstand ändern. Für manche Ritter wurde ein wesentlicher Teil ihres Lebens durch die Tätigkeit im kaiserlichen Dienst bestimmt. Doch bedeutet dies nicht einmal für die Prokuratoren, daß sie alle ohne Unterbrechung von einer Position zur anderen versetzt wurden. Vielmehr haben manche ihre Ämter nicht kontinuierlich übernommen, sondern häufig nach jeweils dazwischenliegenden funktionslosen Intervallen, vergleichbar also der Laufbahn der meisten Senatoren. Doch während diese außer den amtlichen Aufgaben auch zur Tätigkeit im Senat verpflichtet waren, konnten ritterliche Prokuratoren in der Zwischenzeit immer wieder in ihre Heimatstädte zurückkehren; sie waren nicht wie die senatorischen Familien rechtlich und faktisch an Rom gebunden, sondern blieben in weit größerem Umfang ihrer Heimat verbunden.129 Andere Ritter haben überhaupt nur einige wenige Funktionen im kaiserlichen Dienst erhalten oder vielleicht auch nur eine einzige, wie es vor allem bei literarisch-rhetorisch Gebildeten öfter vorgekommen zu sein scheint, 130 manchmal wohl auch bei Finanzprokuratoren wie z.B. in der
1 29 Siehe dazu verschiedene Beiträge zu dem von S. Demougin, H. Devijver und M. Th. Raepsaet-Charlier veranstalteten Kongreß: L'ordre equestre, Brüssel 1995 (Druck der Akten in Vorbereitung). 1 30 V gl. Miliar, Emperor 83 ff. Allerdings beruhen die bekannten Beispiele alle auf literarischen Quellen, die nur jeweils eine Funktion nennen, so daß eine möglicher weise doch längere Karriere nicht immer ausgeschlossen werden kann. Siehe auch N. Lewis, Literati in the Service of Roman Emperors: Politics before Culture, in: Coins, Culture and History in the Ancient World. Studies in Honour of Bluma L. Trell, hg. L. Casson - M. Price, Detroit 1981, 149 ff.
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Baetica, 131 die verschiedene Aufgaben für den Fiscus übernahmen, aber nur in dieser einen Provinz. Diese Beobachtungen machen es jedenfalls klar, daß mit den prokuratorisehen Dienststellungen nicht etwa im Gegensatz zu den senatorischen Ämtern ein typischer "civil service" geschaffen wurde, dessen Träger sich ausschließlieb und kontinuierlich den staatlichen Aufgaben widmeten. Vielmehr blieb bei den ritterlichen Administratoren weithin das Ideal des gebildeten, für alle öffentlichen Angelegenheiten zuständigen Aristokraten selbstverständlich, 132 obwohl ein Teil der Prokuratoren aus dem Kreis Langgedienter Zenturioneo herauswuchs.133 Der eigentliche "civil Service", der sich tatsächlich, bereits mit Augustus beginnend, entwickelte, setzte sich aus den Sklaven und Freigelassenen der Herrscher
zosammen.134 Dieser Personenkreis ergänzte· sich insoweit fast ausschließlich aus sich selbst, da die Kinder von servi oder servae Caesaris im Sklavenstatus verblieben, auch dann, wenn die Eltern später freigelassen wurden und ihre Aufgaben als Liberti Augusti versahen. Ob auch Freigeborene oder auch Freige lassene von Privatpersonen, zumindest in einem nennenswerten Umfang, von außen her zu kaiserlichen Sklaven und Freigelassenen werden konnten, ist nicht sicher zu entscheiden. 135 Die Zahl der in der Administration tätigen Sklaven und Freigelasseneo kann man auch nicht annähernd ermitteln; sie haben jedoch insgesamt in Rom, Italien und den Provinzen nach vielen Tausenden gezählt. Sie alle blieben ohne Unterbrechung an die Aufgaben der kaiserlichen Administration gebunden, üblicherweise bis zu dem Zeitpunkt, in dem Alter oder Tod ein Ende erzwangen. 136 Durch ibre oft mehrere Jahrzehnte dauernde Tätigkeit innerhalb desselben v,erwaltungszweigesl37 sammelten sich bei ihnen die wirklichen speziellen Kenntnisse an, von denen ihre ritterlichen Vorgesetzten abhängig waren, was in ähnlicher Weise auch beim militärischen officium galt, das allen Statthaltern, partiell aber auch den prokuratorisehen Funktionsträgern unterhalb der Ebene der Statthalter zur Verfügung stand. Als Sex. Iulius Frontinus von Nerva im J. 97 zum curator aquarum ernannt wurde, hat er zu seiner eigenen 131 Vgl. W. Eck, M. Lucretius lulianus, procurator Augustorum. Zur Funktion und so zialen Wertschätzung von Proviozialprokuratoren, ZPE 100, 1994, 559 ff. 132 Syme, Tacitus 54. 133 Dobson, Primipilares 92 ff. 134 Zuletzt dazu Brunt, JRS 73, 1983, 5 1 . 135 Siehe Weaver, Farnilia Caesaris 1 3 7 ff.; P . Oxy. 3 3 1 2 ist möglicherweise ein freigeborener Ägypter genannt, der als libertus Caesaris nach Rom geht, um officia zu übernehmen. 136 H. Chantraine, Außerdienststellung und Altersversorgung kaiserlicher Sklaven und Freigelassener, Chiron 3, l 973, 307 ff. 137 M. Christol - S. Demougin, MEFRA 102, 1990, 207 f. mit Beispielen.
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urbis Rorrwe verlaßt, um von den Informationen
seiner Untergebenen unabhängig zu sein.138 Soviel Eifer und Pflichtgefühl oder auch Ehrgeiz haben wohl nur wenige andere Amtsinhaber auf den verschiedenen Ebenen gehabt. Wegen der großen Anzahl und der unterschiedlichen Bedeutung der Aufgaben für kaiserliche Sklaven und Freigelassene kam es, wie die Quellen zeigen, immer wieder zur sukzessiven Übernahme verschiedener Tätigkeiten durch einzelne servi und
liberti.
Ob sich daraus eine für die verschiedenen Verwaltungsbereiche
spezifische Karriere im Sinne einer erkennbaren, mehr oder weniger regelmäßigen Abfolge entwickelte, ist schwer zu zeigen, da die Inschriften nur in seltenen
Fällen für eine Person mehr als eine Tätigkeit anführen.139 Dennoch gebieten es die innerhalb eines größeren Menschenverbandes wirksamen psychologischen Prozesse sowie vor allem auch die sachlichen Erfordernisse der wachsenden Zuständigkeit und des dafür notwendigen Wissens, daß ähnlich wie bei den prokuratorisehen Funktionen die aufeinander folgenden Aufgaben nicht grundsätzlich willkürlich, sondern nach einer gewissen Sachlogik, d.h. auch entsprechend den vorausgegangenen Erfahrungen, vergeben wurden. Doch ist bis heute noch nicht in ausreichender Klarheit zu fassen, ob die Laufbahnen von Sklaven und Freigelassenen atlgemein, vor allem jedoch die von Freigelassenen prokuratoren, soweit sie überliefert sind, eine dauerhafte Struktur widerspiegeln oder eher individuell gestaltet waren.14o Wahrscheinlicher ist eine gewisse struk turelle Ähnlichkeit mit der Entwicklung, die im Ritterstand zu beobachten ist. Während Senatoren und Ritter ihre amtliche Stellung unmittelbar in soziales Prestige umsetzen und dieses an ihre Nachkommen weitergeben konnten, waren kaiserliche Freigelassene von diesen Möglichkeiten größtenteils ausgeschlossen. Zwar waren sie weiterhin wie unter den julisch-claudischen Herrschern in der Lage, persönliche Macht auszuüben und Reichtum anzusammeln; dies zeigt exemplarisch die Verfügung eines kaiserlichen libertus aus der Zeit Hadrians, der trotz seines bescheidenen Vermögens, wie er sagt, seiner Heimatstadt Nacolea in der Provinz Asia testamentarisch 200.000 Sesterzen vermachte.14 1 Aber durch erbrechtliche Regeln konnten die
Augusti Liberti
höchstens Teile der angesam-
138 Front., de aqu. 2. 139 Die einschlägigen Texte bei Boulvert, Domestique et fonctionnaire 1 2 1 - 1 26. 140 Siehe zur Diskussion Weaver, Familia Caesaris, 267 ff.; Boulvert, Domestique et fonctionnaire 1 19 ff.; ders., La carriere de Tiberius Claudius Augusti libertus Classicus (AE 1972, 574), ZPE 43, 1981, 3 1 ff.; Burton, JRS 67, 1977, 163 f.; M. Christo! S. Demougin, La carriere de l'affranchi Satuminus dans l'administration imperiale, MEFRA 102, 1990, 159 ff. 141 CrL Ul 6998 D. 7196. =
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melten Finanzen an ihre rechtmäßigen Nachkommen weitergeben, deren sozialer Status jedoch ein anderer als der des Vaters war. Die Kinder von kaiserlichen
liberti, die nach der Freilassung ihre Vaters geboren waren, konnten als ingenui nicht in die Aufgaben des Vaters eintreten, da diese an die Rechtsstellung eines Freigelassenen gebunden waren; soweit sie aber vor der Freilassung des Vaters geboren waren, verblieben sie kaiserliche Sklaven, die mit ihrem Erzeuger rechtlich keine Verbindung hatten und damit auch an dessen mehr oder weniger bedeutendem Vermögen nicht partizipieren konnten, jedenfalls nicht auf rechtmäßigem Weg. Damit war die Weitergabe von Macht und Prestige von einer Generation zur anderen innerhalb des kaiserlichen Subalternpersonals nicht
möglich, die Bildung von 'Freigelassenendynastien' war ausgeschlossen.142 Umso ungebrochener blieb die Gewalt der Kaiser, über ibre Sklaven und Freigelassenen
zu disponieren, die als kontinuierliches Element in einem wesentlichen Maß die reichsweite Administration getragen haben.
142 Vgl. dazu in diesem Band 235 ff.; ferner G. Fabre, Mobilite et stratification: Le cas des serviteurs imperiaux, in: La mobilite sociale dans le monde romain. Actes du colloque organise a Strasbourg, hg. E. Frezouls, Strasbourg 1992, 123 ff.
D. PROVINZIALVERWALTUNG UND STEUERN Im Sommer wob! des Jahres 1 1 0 n.Chr. wurde der Senator C. Plinius Caecilius Secundus, Konsul bereits ein Jahrzehnt früher, als Statthalter mit besonderem Auftrag und mit konsularer Amtsgewalt von Traian auf Grund eines Senatsbe schlusses in die nordkleinasiatische Provinz Pontus-Bithynien gesandt.1 Im ersten Brief, den der Kaiser an Plinius nach dessen Ankunft in der Provinz richtete, beschreibt er die Aufgabe seines Sonderbeauftragten mit den Worten, allen Provinzialen solle klar werden, Plinius sei an seiner, des Kaisers statt, zu ihnen geschickt worden.2
Der Gedanke, der sich darin ausdrückt, daß nämlich der Herrscher der ideale, eigentlich notwendige und im Letzten zuständige Vertreter Roms in den Provinzen sei, ist nicht neu. Auch die Sonderaufgabe, mit der Tiberius seinen Sohn Germanicus in den Osten abgeordnet hatte, wurde damit begründet, die Verhältnisse in den überseeischen Provinzen erforderten die Gegenwart des Princeps oder eines seiner beiden Söhne.3 Der Kaiser war aber nicht nur von Rom aus gesehen rechtlich und machtpolitisch das Zentrum allen politisch-admini strativen Handelns; die Bewohnern der Provinzen hatten dieselbe Vorstellung. Dio Chrysostomus, ein führendes Mitglied der provinzialen Aristokratie in Bithynien, älligerweise verschiedene ausdrucksstarke Bilder wandte in diesem Sinn nicht zuf auf Traian an. Der Kaiser wird mit der Sonne verglichen, die ohne Unterlaß für die Menschen arbeite; er sei wie ein Hirte, der sich um das Wohlergehen seiner Herde kümmere, oder wie ein Stier, der über seine Stammesgenossen mit freundlichem und fürsorgendem Sinn gebiete.4 Wenige Jahrzehnte später charakterisierte Aelius Aristides unter Antoninus Pius den Herrscher in Rom als den Prytaoen des
1 CIL V 5262 = D. 2927: legat(us) pro pr(aetore) provinciae Pont[i et Bithyniae] consulari potesta[te] in eam provinciam e{x s.c. missus ab] imp(eratore) Caesar(e) Nerva Traiano Aug(usto). 2 Plin., ep. 10, 18, 2: ut manifestum sit illis electum te esse, qui ad eosdem mei loco mittereris.
3 W. Eck, Cahier du Centre Glotz 4, 1993, 195 = Eck - Caballos - Fernandez, S.c. de Cn. Pisone patre 40. 162: ad rerum transmarinarum statum componendum missus esset
desiderantium praesentiam aut ipsius Ti. Caesaris Aug(usti) aut filiorum alterius utrius. Ein ähnlicher Gedanke drückt sich wohl auch in der seit Ende des 2. Jh.s bezeugten Ernennung von Senatoren als vice Caesaris iudicans aus. Wenn der Kaiser nicht selbst
entscheiden kann, dann ist zumindest jemand nötig, der 'wie der Kaiser' ein Urteil fällen kann. Dazu jetzt M. Peachin, ludex vice Caesaris. Deputy Emperors and the Ad ministration of Justice during the Principate, Stuttgart 1996. Zur provocatio und ap pellatio P. Garnsey, The Iex lulia and Appeal under the Empire, JRS 56, 1966, 167 ff. 4 Dio Chrys., or. 3, 72 ff.; 4, 44; 2, 66 ff. Vgl. dazu auch Halfmann, Itinera principum 143 ff. mit weiteren Beispielen.
Provinzialverwaltung und Steuern
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gesamten Reiches, von dem alle, auch seine Statthalter abhäng ig seien. Hätten diese auch nur den geringsten Zweifel, wie bei Rechtsfragen oder Gesuchen der Untertanen zu entscheiden sei, dann wendeten sie sich sofort schriftlich an ihn,
um zu hören, was sie zu tun hätten; sie warteten auf seinen Bescheid, wie ein Chor auf die Zeichen seines Dirigenten warte. Deshalb könne er auch auf weite Reisen durch das Imperium verzichten und von Rom aus durch schriftJjche Befehle den Erdlcreis regieren.s
Beide Autoren zeichnen Idealbilder und verkürzen damit partiell die Wirklich keit; denn dem 'seßhaften' Antoninus Pius, auf den die Beschreibung des Aelius Aristides in vollem Maße zutrifft, war der 'Reisekaiser' Hadrian vorausgegangen, der fast alle Provinzen des Reiches besucht und sieb vor Ort einen persönlichen
Domitian, Traian und später Mare Aurel haben für längere, teilweise lange Zeit vom Feldlager aus die Regierung des Reiches organisiert. Dennoch schildert die Beschreibung bei Dio Chrysostomus und Aelius Aristides jeweils unter verschiedenen Aspekten im Kern die Wirklichkeit: Der Kaiser ist der Mittelpunkt des gesamten Reiches, für die Untertanen in den Provinzen wie für seine dortbin entsandten Funktionsträger in gleicher Weise. Dabei ist es letztlich gleichgültig, wo sich der Herrscher autbält; dort, wo er sich
Eindruck verschafft hatte. Auch
befindet, ist auch das Zentrum und dorthin begeben sieb alle diejenigen, die seine
Entscheidung brauchen, oder sie richten dorthin ihre Schreiben. So werden für Schreiben Hadrians z.B. Städte wie Dyrrhachium, IuliopoJjs, Laodicea am Lykos,
Athen, Tibur, Rom sowie Ephesus als Absendeorte genannt 6 Am Ende des 2./Anfang des 3. Jh.s war ein Vertreter der kleinasiatischen Stadt Ephesus mit verschiedenen Aufträgen den Herrschern fast durch das gesamte Reich nachgereist. .
Außer nach Rom kam er nach Britannien, Obergermanien, Sirmium, Nicomedia,
Antiochia und schließlich auch nach Mesopotamen.7 In Sirrnium an der mittleren i
5 Ael Arist., or. 26, 3 1 f. Der Gedanke der umfassenden Zuständigkeit des Herrschers .
wird auch anderweitig io verschiedener Form ausgedrückt, etwa in dem Ehrentitel con servaror generis lzumani (CIL II 2054 = 0. 304: über Traiao) oder mit den Worten: secu rirati provincialium suorum consule11s (über Commodus: CIL VIll 2081 6 = 0. 396). 6 Siehe Oliver, Greek Constitutions 147 ff. Nr. 56. 5 8 B. 68. 74. 74 bis. 79. 8 1 . 86; M. Wörrle, Stadt und Fest, München 1988, 4. 7 AE 1971, 455 = Inschr. Ephes. 111 802: . . 7rpEo[I3Eu ]
13ao•X[I5a ] ' PllSIJ'lV 7rXEovaKl<; Kat d <; BpEmv(av Kafi f&p]/1Javlav T � v avw, Kat y&VOIJEVOV Kat IJiX [ P • J I T O U fpav(ou 'A7r0AAWVO<; 5Hl T�V 7raTp (l5a) I ( "K a )t f.v LlPIJl4' Kat t.v NEIK01Jf1ÖEtq I [Kjat t.v 'AvTIOXEtq y&VOIJEvov ö[&J I [ K J at IJiXPl<; M&o07rOTa1Jia<; 1rXeovaK1<; ÖHX ouv51Kta<;.
Vgl. auch Paulus, dig. 50, 7, 9, 1 : lmperarores Antoninus er Severus Augusri Germono Silvano. Legariane functis biennii vacario conceditur; nec interesr, urrum legario11e in
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Donau wurde nicht nur der Prozeß, den die Athener gegen Herodes Atticus angestrengt hatten, vor Mare Aurel verhandelt; dorthin ging z.B. auch eine Gesandtschaft des Provinziallandtages der Hispania Tarraconensis, die offen sichtlich eine für die Provinz günstige Entscheidung in einer Censusangelegenheit von Mare Aurel erreicht hat.8 Die Mittel der Kommunikation mit dem Kaiser von den Provinzen aus waren unterschiedlich, je nach Funktion, sozialer Stellung und Prestige derjenigen, die sieb an den Kaiser wandten. Statthalter oder andere provinziale Amtsträger ver kehrten brieflich mit ihm, ohne daß genauer zu klären wäre, wie intensiv dieser Austausch gewesen ist. Doch sollte die Behauptung des Aelius Aristides, bereits bei kleinsten Zweifeln wandten sich die Statthalter an den Kaiser,9 davor warnen, den erhaltenen Briefwechsel zwischen Traian und Plinius aus den Jahren I I 0-
1 12 (?) als eine Ausnahme anzusehen. In nicht ganz zwei Jahren hat Plinius 61 im Buch I 0 seiner Briefe erhaltene Schreiben an Traian gerichtet, der seinerseits seinem Legaten darauf 48 Mal geantwortet hat. Schreiben, die Traian aus eigenem Antrieb in die Provinz gesandt hat, sind darin nicht erhalten, hat es aber ohne Zweifel gegeben. Wenn alle staatlichen Amtsträger in den Provinzen auch nur annähernd so intensiv wie Plinius den Austausch mit dem Kaiser betrieben haben, muß täglich allein von den Amtsträgern ein Strom von Schreiben am Aufent haltsort des Herrschers eingegangen sein. 10 In der Zeit Traians amtierten 44 Statt halter senatorischen und ritterlichen Ranges, dazu rund 32 Prokuratoren, die in Ltnterschiedlicher Weise für finanzielle Angelegenheiten auf der Ebene einer oder mehrerer Provinzen zuständig waren. Doch auch untergeordnete senatorische oder ritterliche Amtsträger wie
iuridici, praefecti orae maritimae oder Domanial- und
Bergwerksprokuratoren, provinziale
liarum gladiatoriarum konnten
praefecti vehiculorum
oder praefecti fami
sich unmittelbar mit dem Herrscher in Verbindung
setzen. Manche Fragen waren von höchster politischer Bedeutung wie etwa die
urbe an in provincia agentibus nobis mandata sit. Unter den beiden Kaisern sind eher
Severus und Antoninus (Caracalla) als Mare Aurel und Verus zu verstehen. 8 Birley, Marcus Aurelius2 180 f.; AE 1971, 190 0. Alföldy, Die Römischen Inschriften von Tarraco, Berlin 1975, 1 82 f. Nr. 332. Vgl. auch mit zahlreichen Beispielen zur Rechtsprechung durch den Kaiser, während er auf Feldzügen weilt, Peachin (Anm. 3) 14 Anm. 8. 9 Im J. 1691170 frug so z.B. der Prokonsul von Africa Serius Augurinus bei Mare Aurel an, wie ein Seoatusconsultum aus der Zeit Hadrians über die Behandlung von Erbschaften verstanden werden müsse, cod. Iust. 3, 3 1 , I . lO Vgl. W . Eck, Zur Durchsetzuog von Anordnungen und Entscheidungen in der Hohen Kaiserzeit Die adrrünistrative lnformationsstruktur, Studi italiani di ftlologia classica 10, 1992, 915 ff. ders., Verwaltung I , 55 ff. =
=
1 10
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Erbfahigkeit von Soldatenkindern, worüber Hadrian an den Präfekten von Ägypten, Rammius Martialis, ein Schreiben richtete. 1 1 Die Kaiser aber sandten ihrerseits auch in relativ banal erscheinenden Fragen Briefe an ihre Amtsträger in den Provinzen. So richtete Traian in einer Bürgerrechtsangelegenheit über den jüngeren Plinius, der in der Angelegenheit vermittelt hatte, einen Brief an den Präfekten von Ägypten und Mare Aurel frug beim Statthalter der Mauretania Tingitana an, i n welchem Alter Frau und Kinder eines Antragstellers für das römische Bürgerrecht stünden, weil erst dann das gewünschte Privileg verlieben werden konnte. 12 Der administrative Schriftwechsel zwischen dem Herrscher und den Funktionsträgem in den Provinzen muß somit außerordentlich intensiv ge wesen sein . 1 3
Andere Antragsteller ohne amtliche Position hatten sich im allgemeinen persönlich oder durch Vermittlung einer zweiten Person - unmittelbar an den Kaiser zu wenden und ihm ein Gesuch, einen libellus, zu überreichen. Das galt für Privatpersonen genauso wie für Collegia, Gemeinden oder die Landtage (concilia
-
Koina) einzelner Provinzen. Daß die Statthalter selbst Beschlüsse oder Anträge der Provinzgemeinden an den Kaiser übersandten, dürfte zumeist eher die Ausnahme gewesen sein. 14 Zumindest hat es keine allgemeinen Regeln dafür gegeben, wie die Verbindung zwischen Herrscher und Untertanengemeinde hergesteHt werden sollte. Daraus resultierte ein außerordentlich reger Reiseverkehr zum jeweiligen Aufenthaltsort des Kaisers. Neben diplomatischen Routineangelegenheiten wie etwa Glückwunschadressen zu Kaisers Geburtstag, zu Todesfallen oder Geburten innerhalb der kaiserlichen Familie brachten die Gemeinden aus den Provinzen, nicht anders als die Italiens, vor allem ihre Anfragen und Probleme, ihre Bitten um Entscheidungen, um beneficia, um finanzielle Unterstützung vor den Kaiser.15
1 1 BGU 140 Hunt - Edgar, Select Papyri 213 = Oliver, Greek Constitutions Nr. 70. 1 2 Plin., ep. 10, 7; AE 1971, 534 IAMar. ll 94. Vgl. M. Christo!. RD 66, 1988, 31 =
=
ff.
13 Der eben zitierte Brief Traians an den Präfekten von Ägypten (Piin., ep. 10, 7) wurde diesem aber nicht direkt zugesandt. Vielmehr hat Traian vermutlich, nachdem er von
Plinius die erbetene Auskunft erhalten hatte, diesem den Brief an den praefectus zugestellt; Plinius seinerseits hat dann diesen Brief an den eigentlichen Antragsteller Harpocras wohl persönlich weitergegeben, der ihn schließlich dem Statthalter von Ägypten ebenfalls persönlich überreichen konnte.
Aegypti
14 Siehe z.B. die Dokumente bei Oliver, Greek Constitutions Nr. Statthalter); Nr. 135. 139 (durch Prokurator). Nach Cassius Dio
138. 146-153 (durch 52, 30, 9 soll Mae
cenas Augustus empfohlen haben, die Stauhalter selbst sollten besser Petitionen von Städten an ihn weiterleiten, als daß die Gemeinden Gesandtschaften zu ihm abordneten. V gl. Miliar, Emperor2 217. 380. Siebe dazu unten, 1 1 1 f. 15 Vgl. oben Kap. J A, 22 f.; besonders Miliar, Emperor 394 ff. Ferner M. Dräger, Die Städte der Provinz Asia in der Flavierzeit, Frankfurt 1993, 2 1 3 ff.
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III
Überbringer waren städtische Gesandte, entweder Mitglieder der munizipalen Honoratiorenschicht oder auch bekannte Rhetoren, Sophisten, die durch ihr Prestige sowie ihre rednerischen Fertigkeiten die schriftlich formulierte Angelegenheit unterstützen sollten. So gelang es im Auftrag der Provinz Asia dem Rhetor Scopelianus, Domitian von seiner Entscheidung, zugunsten der Landwirtschaft Italiens in den Provinzen die Hälfte aJier Weinpflanzungen vernichten zu lassen, abzubringen.16 Der Rhetor Paulus von Tyrus gewann für se ine Heimatstadt von Hadrian das Recht, sich metropolis nen nen zu dürfen.17 Manche Städte suchten durch eine größere Zahl von Gesandten ihrem Begehren Nachdruck zu verleihen und vielleicht fehlendes Prestige ihrer Stadt auf diese Weise auszugleichen. Die finanzielle Belastung der Gemeinden für diese Gesandt schaften konnte erheblich sein, wenn die legati sich nicht zur persönJichen
Übernahme der Reisekosten verpflichteten, was allerdings nicht selten geschehen zu sein scheint.18 Deshalb sah sich Vespasian gezwungen, die Maximalzahl der Gesandten auf drei zu begrenzen und damit die Kosten einzudämmen.19 Antoninus Pius griff schließlich zu dem radikalen Mittel, daß Gesandtschaften im allge meinen überhaupt nicht mehr nach Rom kommen sollten. Vielmehr wurden offensichtlich für eine kurze Periode die Statthalter oder die Provinzprokuratoren angewiesen, zumindest in Routineangelegenheiten die Briefe und libelli der Städte an ihn zu übersenden. Ein einziger, vom Statthalter abgesandter Bote konnte damit viele Schreiben nach Rom überbringen, der Kaiser antwortete schriftlich und leitete die entsprechenden schriftlichen Antworten wieder über die provinzialen Amtsträger an die eigentlichen Empfanger zurück.2o Doch nach Antoninus Pius
16 Philostr., v. soph. I , 2 1 , 6. 17 Suda s.v. Philo; vgl . G.W. Bowersock, in: Bonner Rist. Aug. Coll. 198213, Bonn 1985, 76 ff. IS Dabei ist freilich zu beachten, daß relativ viele der Schreiben, die uns mit den Namen der Gesandten, die auch selbst die Kosten trugen. erhalten blieben. inhaltlich oft recht
belanglos sind. Manche von ihnen dürften gerade auf Veranlassung der Gesandten, die damit auch ihre Euergesie gegenüber der Gemeinde bekannt machten, auf dauerhaftem Material publiziert worden sein. So könnte die Gesamtüberlieferung sehr einseitig zugunsten der zahlungswilligen städtischen Gesandten ausgefallen sein. Vgl. dazu 3 79 ff.
1 9 Dig. 50, 7, 5, 6; vgl. dazu G.A. Souris, The sire of the provincial embassies to the
Emperor under the Principate, ZPE 48, 1982, 235 ff. 20 Deutlich wird das Verfahren von Antoninus Pius etwa bei den zahlreichen Schreiben, die von Städten Lykiens zur Ehrung des Opramoas nach Rom gerichtet wurden; siehe IGR lll 739. Vgl. ferner G. Petzl, Inschriften v. Smyrna Nr. 600. Auch vier Briefe des Antoninus Pius an die Stadt Ephesus zeigen, daß die Briefe bzw. Beschlüsse der Stadt, auf die der Kaiser antwortete, nicht von einer Gesandtschaft überbracht worden waren; vielmehr hatten zwei Prokonsuln und zwei Prokuratoren diese nach Rom übersandt. Bemerkenswert sind die unterschiedlichen Übermütler. Doch hat dies nichts mit dem
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scheint dieses Verfahren wohl wieder außer Gebrauch gekommen zu sein. Vielleicht entsprach es nicht der Vorstellung der Städte, wie sie mit dem Herrscher verkehren wollten und sollten. Ob alle Gesandtschaften jeweils auch direkt vom Kaiser empfangen wurden oder ob in diesem Zusammenhang dem Funktionsträger a
libellis
eine zumindest
partiell selbständige Stellung zukam, ist unseren Dokumenten nicht völlig ein deutig zu entnehmen.21 Daß jedenfalls gelegentlich auch andere Amtsträger, ähnlich wie der Senat, unmittelbar das Ziel provinzialer Gesandter sein konnten, zeigt etwa eine Gesandtschaft aus Sparta, die sich unter Antoninus Pius auch an den Prätorianerpräfekten Gavius Maximus gewandt zu haben scheint.22 Unmittelbarer Reflex dieses direkten Kontaktes zwischen Kaiser und Städten sind die zahlreichen inschriftlich erhaltenen Briefe, mit denen die Gesandtschaften in ihre Heimatgemeinden zurückkehrten; vor allem Hadriao, Antoninus Pius und Mare Aurel sind so für uns in ihren konkreten Antworten und Entscheidungen und wohl auch in ihrem persönlichen Stil bekannt geworden,23 angefangen vom Dank ftir Glückwünsche beim Herrschaftsbeginn bis zur Regelung von Steuerfragen, der Finanzierung öffentlicher Gebäude oder der Verleihung des Stadtrechtes an zuvor nicht privilegierte Siedlungen. Vom Inhalt ihrer Entscheidungen benachrichtigten die Herrscher nicht selten, vielleicht sogar häufig, auch ihre Legaten in den Pro vinzen oder auch die Prokonsuln, selbst wenn diese bis zum Zeitpunkt der Benachrichtigung noch nicht mit der Angelegenheit befaßt gewesen waren; daß dies aber wirklich regelmäßig geschah, ist eher unwahrscheinlich. Jedenfalls hielt die kaiserliche Zentrale in Rom es manchmal für wichtig, daß der höchste
Inhalt der Briefe bzw. Beschlüsse zu tun. Möglicherweise hat allein das Faktum, wer im Augenblick in Ephesus selbst zur Verfügung stand, darüber entschieden, wer die Schreiben absandte. Der Prokonsul war auf jeden Fall wegen der Konventsreise längere Zeit nicht in Ephesus. Dann bot sich der Prokurator als Ansprechpartner an. 21 Vgl. auch Miliar. Emperor 385; ferner J.-L. Mourgues, MEFRA 107, 1995, 255 ff. 22 SEG I I , 5 0 1 : raio<; ' IOOAIO<; 'Aplwv'
7rptof3toT�<; i<;' Pw�11v 1rp oc; raiov Ma�lj..IOV 1rPOlK<X . . .
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&1rl n'J Ka6iöp� Too AoToKpaTOpo<; Kai (?)
23 Siehe dazu besonders W. Williams, lndividuality in the Imperial Constitutions, Hadrian and the Antonines, JRS 66, 1976, 67 ff.; ders., Caracalla and the Authorship of Imperial Edicts and Epistles, Latomus 38, 1979, 67 ff. Die Kritik daran durch N. Lewis, Personal Style or Imperial Style?, Latomus 54, 1995, 634 ff. erschein! nicht völlig überzeugend.- Zur Frage, ob und wie Schreiben von Statthaltern oder
Kaisern in dieser Zeit gesiegelt wurden, siehe R. Haensch, Die Verwendung von Siegeln bei Dokumenten der kaiserzeitlichen Reichsadministration. in: Congresso: Archivi e sigilli nel mondo ellenistico e romano, Torino 13-16 gennaio 1993, hg A. lnvemizzi, BCH Suppl. 29, 1997, 449 ff.
.
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Vertreter Roms in den Provinzen, unabhängig von den betroffenen Parteien, über den Stand der Dinge informiert wurde, selbst wenn er in seinem Amtsbereich darauf nicht weiter reagieren mußte.24 Allerdings haben die Kaiser, zumindest manchmal, diese Amtsträger nicht direkt angeschrieben, sondern haben es dem Antragsteller überlassen, das entsprechende Schreiben zuzustellen.25 In diesen Dokumenten erscheinen die Kaiser im allgemeinen als die Wohltäter der städtisch organisierten Untertanen, aber auch derer, die auf dem Territorium der Gemeinden wohnten. Domitian versuchte so, die Provinzialen in Syrien durch eine Regelung gegenüber dem Provinzprokurator Claudius Athenodorus vor unberechtigten Forderungen nach Transportmitteln oder Einquartierung zu schützen.26 In Böotien ließ Hadrian Deiche zur Hochwasserregulierung bauen und stellte auch die nötigen Mittel bereit, während ein unbekannter Herrscher, vermutlich ebenfalls Hadrian, der Stadt Epbesus ägyptisches Getreide zum Import in Aussicht stellte.27 Soweit Städte ohne Erfolg geblieben sind, wenn sie negative Bescheide er hielten, wenn sie Strafen unterworfen oder wenn sie an die zuständigen provin zialen Amtsträger zurückverwiesen wurden, ist dies nur selten in irgendeiner Weise auf Inschriften dokumentiert. Doch ist es unbestreitbar, daß dieser Befund die einseitige Optik unserer Überlieferung ist; denn üblicherweise hatte niemand Interesse, solche für die Empfänger wenig erfreulichen Entscheidungen auf dauerhaftem Material, also auf Stein oder Bronze, zu publizieren. Es genügte für die Gemeinden, solch unangenehme Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen, sie, wenn nötig, der Öffentlichkeit ihrer Stadt mitzuteilen und dann möglichst schnell den Mißerfolg zu vergessen. Wenn dennoch gelegentlich auch ablehnende Bescheide oder für eine Stadt wenig Schmeichelhaftes inschriftlich erhalten geblieben sind, dann darf man im allgemeinen von einer 'Veröffentlichung' durch den siegreichen - Kontrahenten ausgehen. So wurde eine für die kleinasiatische Stadt Smyrna negative Entscheidung durch Traian, die er den Smyrnäern brieflich mitgeteilt hatte, nur deswegen bewahrt, weil der Kaiser darin gleichzeitig die Privilegierung der Bewohner von Aphrodisias bestätigt hatte und diese deshalb die
24 J. Reynolds, Aphrodisias and Rome, London 1982, 1 1 3 ff. Nr. 14; IGR IV 1 156 a = FIRA 12 Nr. 80; CIL lli 356 = IGR IV 5 7 1 = U. Laffi, I terreni del tempio di Zeus ad Aizanoi, Athenaeum 49, 1971, 3 ff.; dazu R. Haensch, ZRG 109, 1992, 249 f. 25 Vgl. Plin., ep. 10, 7: Traian gibt an den Präfekten von Ägypten Weisung über die
Verleihung des alexandrinischen Bürgerrechts; der Brief an den Präfekten wird Plinius übersandt, der das beneficium vermittelt hatte. 26 SEG 17, 755 = IGLS V 1998 = Oliver, Greek Constitutions Nr. 40. 27 Oliver, Greek Constitutions Nr. 108. 187; vgl. dazu M. Wörrle, Ägyptisches Getreide für Ephesos, Chiron I, 1971, 325 ff.
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kaiserliebe Epistel in ihrer Stadt dauerhaft publizierten.28 Antoninus Pius verweigerte der Stadt Berenice in der Provinz Cyrenae die Stellung als Conventsort
und Ptolemais-Barca erhielt vom selben Herrscher einen
offensichtlichen Tadel, weil sie unnötigerweise mit der Stadt Cyrene bei den Kapitolinischen Spielen in Rom in Konkurrenz getreten waren. Beide Schreiben wurden in der Stadt Cyrene publiziert, weil die Aussagen der Schreiben zu deren Gunsten waren.29 Wenn Kaiser Titus die baetische Stadt Munigua wegen ihrer Zahlungspraktiken heftig tadelt, dann hat entweder der Kontrahent den Brief auf Bronze schreiben lassen oder für die Stadt war der, trotz allen Tadels, konzedierte Nachlass einer Geldschuld so viel wert, daß dieser finanzielle Vorteil das harsche Wort des Kaisers aufwog.30 Man wird, wenn man einmal die spezifische Form der Überlieferungsproblematik miteinbezieht, voraussetzen dürfen, daß in der Realität die Herrscher weit öfter Anträge ablehnen oder für die Antragsteller unliebsame Entscheidungen treffen mußten.3 1 Die Briefe des Plinius, die nicht demselben Selektionsmechanismus wie die inschriftlich bezeugten Schreiben ausgesetzt waren, lassen diese Normalsituation mit kräftigem Realismus erkennen. Ähnlich wie die Gemeinden des Reiches richteten auch zahlreiche Einzel personen ihre Gesuche an den Herrscher, wo immer sich dieser befand. Auch sie waren üblicherweise gezwungen, ihr schriftliches Gesuch direkt dem Kaiser oder vielleicht auch dem a libellis zu übergeben.32 Doch konnte für sie auch ein anderer, der sich ohnehin nach Rom oder zum Kaiser zu begeben hatte, diesen
Dienst erfüJlen. Gelegentlich haben (nicht anders als für Gemeinden) provinziale Amtsträger diese Aufgabe übernommen und Schreiben, Anträge von provinzialen Untertanen auf amtlichem Weg an den Herrscher weitergeleitet, wie etwa Plinius einige Male während seiner Statthalterschaft in Pontus-Bithynien; auch die Präsidialprokuratoren von Mauretania Tingitana unter Mare Aurel, Corredius Maximus und Vallius Maximianus, haben die Bittschriften eines Häuptlings des Berberstammes der Zegrenses um das römische Bürgerrecht zunächst für ihn
28 Reynolds, Aphrodjsias and Rome, 1 1 3 ff. Nr. 14 = Oliver, Greek Constitutions 140 f. Nr. 48. Es wäre interessant zu wissen, von wem Aphrodisias den Wortlaut des Briefes erhielt. 29 Oliver, Greek Constitutions Nr. 123. 124. 30 AE 1962, 288. Ygl. W. Eck, Ein Brief des Antoninus Pius an eine baetische Gemeinde, in: Sprachen und Schriften des antiken Mittelmeerraumes, Festschrift J. Untermann Inosbruck 1993, 63 ff. = in diesem Band 347 ff. 3 1 Zum Selektionsmechanismus solcher Dokumente, bei dem nicht nur die Kategorie: positive oder negative Entscheidung, sondern auch häufig das persönliche Interesse einer Einzelperson an der dauerhaften Publikation eine Rolle spielte, siebe unten ,
359 ff.
32 Zum differenzierten Verfahren zuletzt J.-L. Mourgues, MEFRA 107, 1995, 255 ff.
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selbst, sodann auch für seine Frau und seine Kinder einem eigenen Schreiben als Anhang beigefügt und so die administrative Verbindung mit dem Kaiser bergestellt.33 Doch scheint eine solche Vermittlung durch den Statthalter für Privatpersonen keineswegs ein normales Mittel der Kornmunikation mit dem Kaiser gewesen zu sein; möglicherweise war die Entscheidung von seiten des Gouverneurs, im Einzelfall eine solche Vermittlung zu übernehmen, vom sozialen Status des Antragstellers abhängig oder von dessen Nahverhältnis zum Amtsträger, wie es beispielsweise bei P. Accius Aquila der Fall war, der als
centurio der cohors VI equestris in Pontus-Bithynien seinen 'Oberkomman dierenden', eben Plinius, einschalten konnte.34 Doch die geringe Zahl solcher Vermittlungen im 10. Buch der Briefe des Plinius zeigt sehr deutlich, daß es kein üblicher Weg war. Bei Accius Aquila selbst betont Plinius, er habe es für zu hart gehalten, dem centurio seine Bitte abzuschlagen, was aber eben heißt, daß er sonst solche Vermittlungsversuche abgelehnt hat. Wenn aber ein solcher Fall eintrat, dann antwortete der Kaiser auch direkt dem Vermittler, der seinerseits die Entscheidung dem Antragsteller aushändigte. Doch üblicherweise scheinen die kaiserlichen Bescheide, die unmittelbar unter die Eingaben (libelli) geschrieben wurden (subscriptiones),35 nur am Aufenthaltsort des Herrschers öffentlich angeschlagen worden zu sein, wovon die Interessenten sodann Abschriften an fertigen bzw. erhalten konnten. Nur auf diese Weise, nicht etwa durch den mehr maligen persönlichen Kontakt zwischen Herrscher und Untertan konnte die große Masse der an den Kaiser herangetragenen Einzelfalle erledigt werden. Wie bei den inschriftlich erhaltenen Kaiserbriefen vor allem an Gemeinden, so kann man auch bei den für uns noch erhaltenen Antworten an Einzelpersonen seit der Regierungszeit Traians, noch mehr seit der Hadrians eine sprunghafte Zunahme verzeichnen,36 wohl kein zufälliges, etwa nur durch die Überlieferung bedingtes Zeichen für die sieb bei der Provinzbevölkerung in dieser Zeit verfestigende Vorstellung, der Kaiser sei als Leiter des Reiches auch für jeden einzelnen Untertanen zugänglich. Die schon zitierten Aussagen des Dio Chrysostomus und Aelius Aristides sagen gerade dieses aus. 10, 43 f. 59. 106 f.; AE 1971, 534 = IAMar ll 94. Daß dieses Dossier erhalten geblieben ist, wird vermutlich dem Interesse des Zegrenserhäuptlings an einer öffentlichen Präsentation zuzuschreiben sein. 34 Plin., ep. 10, 106. 35 Überlegungen zur Abfolge solcher Eingaben und der kaiserlichen Antworten in schriftlich erhaltenen Dossiers bei G. Shipley - A. Spawforth, New Imperial Subscripts to the Spartans, ABSA 90, 1995, 429 ff. 36 Siehe G. Gualandi, Legislazione imperiale e giurisprudenza, Mailand 1963, 1 7 ff.; V. Marotta, Multa de iure sanxit. Aspetti della politica del diritto di Antonino Pio, Mailand 1988.
3 3 Plin., ep.
.
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Dennoch waren -die Kaiser vielfach durch solche Anfragen und Eingaben überfordert. Vor allem komplizierte lokale Sachverhalte, FäHe mit mehreren Beteiligten, von denen sich aber nicht alle vor dem Herrscher eingefunden hatten,
waren nur vor Ort sachgemäß unter Anhörung aller Parteien zu entscheiden. Es
verwundert deshalb nicht, daß immer wieder die Petenten in die Provinz zurückver
wiesen wurden. Wahrscheinlich geschah dies sogar wesentlich öfter, als es unsere Überlieferung, vor allem die epigraphische, erkennen läßt, die, wie schon betont, fast ausschließlich solche durch den Kaiser getroffene Sachentscheidungen bewahrt hat, die für die Antragsteller positiv waren. Nur selten fassen wir, jedenfalls außerhalb des Codex. lustinianus, auch Zurückverweisungen an die Provinzstatt balter. So schrieb Vespasian der bätischen Gemeinde Sabora, wegen neuer
städtischer Steuern sollten sie sich an den Prokonsul wenden; denn er selbst könne darüber in Rom ohne nähere Kenntnis der Umstände und Notwendigkeiten keine Entscheidung treffen.37 Hadrian war von einem Petenten gebeten worden, in seinem Fall einzuschreiten. Er habe einen Prozeß verloren, weil falsche Zeugen aussagen gemacht worden seien und Korruption eine Rolle gespielt habe. Hadrian sandte die Petition an den zuständigen Amtsträger, wohl einen Provinzstatthalter, und wies ihn an, den Fall zu untersuchen. FaJls der Petent mit seiner Behauptung Recht habe, solle er den Rechtszustand vor dem Prozeß wiederherstellen.38 Aber auch provinziale Amtsträger erhielten nicht auf alle ihre Anfragen eine Sachentscheidung, weil eben die Verhältnisse vor Ort genauer einzubeziehen waren. Traian erinnerte seinen Sonderstatthalter Plinius wiederholt daran, gerade deshalb sei er doch nach Pontus-Bithynien gesandt worden, um an Ort und Stelle unter Berücksichtigung der jeweiligen Spezifika Ordnung in den Städten zu schaffen.39 Auch zahlreiche Grenzregelungen, die in den Provinzen vom Statthalter oder anderen, durch ihn benannte Richter auf Grund einer Autorisierung durch den Kaiser erfolgten, waren offensichtlich vorher an die kaiserliche Zentrale herangetragen, von dieser aber an die zuständigen provinzialen Amtsträger zurückverwiesen worden;40 der Grund darf wohl vor allem in der Komplexität der 37 ClL Tl 1423 D. 6092 = FTRA 12 Nr. 74. 38 Callistr., dig. 42, 1 , 33: Diuus Hadrianus, aditus per libel/um a lulio Tarentino et =
indicante eo falsis testimoniis, conspiratione aduersariorum testibus pecunia corruptis, religionem iudicis circumuemam esse, in integrum causam restituendam in haec uerba rescripsit: 'Exemplum libelli dati milli a lulio Tarentino mitti tibi iussi: tll, si tibi probouerit conspiratione aduersariorum et testibus pecunia corruptis oppressum se, et rem seuere uindica et, si qua a iudice tarn malo exemplo circwnscripto iudicata sunt, in integrum restitue' 39 Plin., ep. 10, 40. 76. 84. 109. 40 W. Eck, Terminationen als administratives Problem: das Beispiel der nordafrika nischen Provinzen, Africa Romana 7, 1990, 933 ff. ders., Verwaltung I , 355 ff. =
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Materie gesehen werden, die nur in Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten geklärt werden konnte. Generelle, reichsweite Regelungen, die unmittelbar in Handlungen umgesetzt werden mußten, wurden offensichtlich vom Kaiser und seinen Ratgebern in Rom nur zurückhaltend getroffen. Allerdings ergingen sie ohne Zweifel weit öfter, als dies unsere Überlieferung erkennen läßt; denn solche Regelungen und Anordnungen wurden im allgemeinen auf Holztafeln, also vergänglichem Material publiziert.41 Im allgemeinen begnügten sich die Herrscher mit Einzelentschei dungen, die freilich von findigen Antragstellern in späteren Fällen als Argumentationshilfe herangezogen wurden und damit eine generalisierende, rechtsvereinheitlichende Wirkung entfalten konnten. Dennoch war durch die Herrscher unabhängig von Entscheidungen von Einzelpersonen im Verlauf des 1 . Jh.s ein allgemeiner Grundbestand von Rechtsregeln entwickelt worden, die ohne Zweifel allen Statthaltern sowie anderen Amtsträgem in den Provinzen des Kaisers mitgegeben wurden (mandata), die aber vermutlich schon vom frühen Prinzipat an auch für die Provinzen des römischen Volkes, die von Prokonsuln geleitet wurden, gültig waren und nicht erst von der hadrianischen Zeit an.42 Dieser Bestand an allgemein gültigen Regeln wurde immer wieder erweitert, wenn neue Notwendigkeiten auftraten oder zu häufige Anfragen eine generelle Klärung nötig zu machen schienen. Traian fügte deshalb z.B. den mandata die Regelung hinzu, daß alle Soldaten völlige formale Freiheit bei der Errichtung ihres Testaments haben sollten, nachdem Titus, Domitian und Nerva jeweils entsprechend entschieden, jedoch keine prinzipielle, für alle Provinzen gültige Norm geschaffen
Warum in dem Fall, der in CIL ll 2349 D. 5973 A.U. Stylow, Madr. Mitt. 27, 1986, 266 ff. berichtet wird, die Entscheidung eines Iulius Proculus von Hadrian im =
=
nachhinein bestätigt werden mußte, ist nicht klar; vielleicht gab es dagegen einen Einspruch bei Hadrian. Iulius Proculus dürfte im übrigen kaum mit dem Senator der traianischen Zeit identisch sein; denn sonst wäre vermutlich eine Amtsbezeichnung erwähnt worden. Zu einem iudex in Grenzstreitigkeiten, der direkt vom Kaiser eingesetzt wurde, siehe A.J.B. Wace - M.S. Thompson, A Latin Inscription from Perrhaebia, ABSA 17, 191011 1 , 193 ff. Zu deo Grenzproblemen der Gallilenses und Patulcenses auf Sardinien uod die Involvierung von Kaiser und Statthalter (CIL X 7852 D. 5947) siehe zuletzt ausführlich E. Cadoni, La tabula bronzea di Esterzili (CIL X 7852 = D. 5947), in: Quademi Bolotanesi 14, 1988, 247 ff.; A. Mastino, Tabularium principis e tabularia provinciali nel processo contro i Gallilenses deUa Barbaria Sarda, ibid. 265 ff. 41 Siebe dazu W. Eck, Lateinjsche Epigraphlk, in: Einleitung in die lateinische Phjlologie, bg. F. Graf, Stuttgart-Leipzig 1997, 95 ff.; ferner unten 359 ff. 42 G.P. Burton, The rssuing of Mandata to Proconsuls and a New Inscription from Cos, ZPE 21, 1976, 63 ff.; Miliar, Emperor 643. =
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hatten.43 Schon unter Mare Aurel wurde von Papirius Justus eine erste Sammlung von Kaiserresk:ripten erstellt, die zur Orientierung beitragen konnte.44 So sehr der Kaiser mit den um ihn tätigen Funktionsträgern die Mitte der reichsweiten Administration war und von Rom aus vieles bestimmen und anordnen konnte, für die Provinzialen selbst war er doch zugleich auch der ferne Machthaber, der aufs Ganze gesehen nur in relativ seltenen Fällen interessiert werden konnte. Den faktischen Mittelpunkt des politisch-administrativen Lebens in den 'Außenländern' des Imperiums bildeten in weit größerem Ausmaß die Statthalter, sodann die kaiserlichen Prokuratoren mit ihren verschiedenen Aufgaben. Das Grundsystem dieser provinzialen Administration war bereits von Augustus geschaffen und von seinen Nachfolgern nur in Nuancen modifiziert worden. Auch die Kaiser seit Vespasian veränderten die Struktur nicht. Neben den Provinzen, die direkt dem Kaiser unterstanden und von senatorischen Legaten oder ritterlichen Präsidialprokuratoren geleitet wurden, blieben die Provinzen des römischen Volkes bestehen, zehn an der Zahl, mit einem senatorischen Prokonsul prätorisehen oder konsularen Ranges als Repräsentanten Roms. Ihr numerischer Bestand veränderte sich nicht, auch wenn es gelegentlich zu einem Austausch mit kaiserlichen Provinzen gekommen ist.45 Die auffälligste Veränderung, die aber nicht grundsätzlicher Natur war, stellte die weitgehende Umwandlung der Provinzen dar. die zunächst von Rittern geleitet, sodann aber regelmäßig von senatorischen kaiserlichen Legaten geführt wurden. Während es am Ende der Regierungszeit Neros elf oder zwölf solch ritterlieber administrativer Bereiche gegeben hatte, wurden diese bis zu Mare Aurel Schritt für Schritt auf nur noch die Hälfte zurückgeführt. Doch waren, soweit wir jedenfalls sehen können, dafür kaum je im engeren Sinn administrative Gründe im Sinn einer spezifischen, andersartigen Durchführung staatlicher Notwendigkeiten verantwortlich, vielmehr handelte es sich vor aJlem um die Wahrung der traditionellen Vorstellung, daß
43 Ulp., dig. 29, I , I pr.: Militibus liberam testamenti factionem prinws quidem diuus
lulius Caesar concessit: sed ea concessio Temporalis erat. postea uero primus diuus Titus dedit: post hoc Domitianus: postea diuus Nerua plenissimam indulgentiam in milites contulit: eamque et Traianus secutus est et exinde mandatis inseri coepit caput tale. Caput ex mandatis: 'Cum in notitiam meam prolatum sit subinde testamenta a commilitonibus relicta proferri. quae possint in controuersiam deduci, si ad diligen tiam legum reuocentllr et obsuuantiam: secllltiS animi mei integritudinem erga optimos fidelissimosque commilitones simplicitati eorum consulendum existimaui, 111 quoquo modo testati fuissent, rata esset eorum uoluntas. faciam igitur testamenta quo modo uolent, faciant quo modo poterint sufficiatque ad bonorum suorum diuisionem facien dam nuda uoluntas tesratoris'. Allgemein V. Maroua, Mandata principum, Turin 1991. 44
Siehe 0. Lenel, Palingenesia iuris civiJjs I 947 ff.
45 Vgl. Kap. I B.
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Legionen, also Bürgertruppen, nur von senatorischen 'Magistraten' geführt werden sollten, so etwa in den Provinzen Rätien und Noricum seit der Regierungszeit Mare Aurels, als es aus militärischen Gründen notwendig wurde, dort solche Einheiten zu stationieren.46 Für die Bevölkerung selbst war in der konkreten Ausgestaltung der staatlichen Führung einer Provinz wohl kaum ein wesentlicher Unterschied erkennbar. Denn ob der Präsidialprokurator in einer Person für die normale Verwaltung und gleichzeitig auch für den Steuereinzug zuständig war, oder ob neben einem kaiserlieben Legaten als Statthalter auch noch ein ritterlicher Finanzprokurator speziell für den Fiskalbereich tätig wurde, dürfte in der konkreten Wirkung auf die Untertanen im allgemeinen nicht von fundamentaler
Bedeutung gewesen sein. Zwar wäre es vorstellbar, daß die Trennung der beiden Bereiche eine größere Konzentration der Amtsträger auf ihre je eigenen Aufgaben und damit eine Intensivierung mit sich gebracht hätte, doch ist solches in unserer Dokumentation nicht faßbar. Der generelle Aufgabenbereich der Statthalter jeglichen Typs veränderte sich kaum. Wenn Ulpian zu Beginn des 3. Jh.s formulierte, ein guter Statthalter solle sich darum kümmern, daß seine Provinz in einem befriedeten und ruhigen Zustand verharre,47 so war dies nicht neu, sondern stets die vornehmste Aufgabe der Vertreter Roms gewesen, jedenfalls nach der Eroberungsphase. Konkreten Ausdruck fand sie vornehmlieb in der Sorge um die öffentliche Sicherheit, vor allem durch Maßnahmen gegen Unruhestifter und Räuberbanden mit Hilfe der ihm unterstellten Truppen,48 vor allem aber in der jurisdiktionellen Tätigkeit, die Straf- und Zivilprozesse in gleicher Weise umfaßte. Seinen Aufgaben kam der Gouverneur vor allem mittels seiner jährlichen Reisen durch seinen Amtsbereich nach, die wohl in allen Provinzen vorausgesetzt werden können, auch wenn diese Art des Provinzialmanagements nur in reJativ wenigen Fällen unmittelbar nachgewiesen werden kann. Doch hat beispielsweise ein Neufund einer Inschrift aus Perge, die in die 2. Hälfte des 3. Jh.s gehört, gezeigt, daß das Conventsystem auch in Lycia-Pamphylia eingerichtet worden war, wovon man bisher nichts
46 Siehe oben Kap. I B. 47 Ulp. dig. 1 , 18, 13 pr.:
Congruit bono et graui praesidi curare, ut pacata atque quieta prouincia sit quam regit. quod non difficile obtinebit, si sollicite agat, ut malis hominibus prouincia careat eosque conquirat: nam et sacrilegos Latrones plagiarios fures conquirere debet et prout quisque deliquerit, in eum animaduertere, receptoresque eorum coercere, sine quibus Latro diutius Latere non potest. 48 Vgl. die vorhergehende Anm.; ferner dig. l, 18, 3; 48, 13, 4, 2; BGU ll 372 ,
=
S. Strassi Zaccaria, L'editto di M. Sempronius Liberalis, Triest 1988; zu den Truppen, die dafür eingesetzt wurden, vgl. auch J.-U. Krause, Gefängnisse im römischen Reich, Stuttgart 1996, 28 f.
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gewußt hatte. 49 Dabei ist es durchaus vorstellbar, daß in kleineren Provinzen das System nicht voll durchgestaltet war und möglicherweise nicht viele fixierte Gerichtsorte existierten.50 Doch der durch sein administratives Gebiet reisende Gouverneur war keiner Provinz fremd. Strafrechtliche Fälle dürften, soweit sie vor die Statthalter kamen, wohl durchgehend nach römischem Recht entschieden worden sein, wobei freilich auch der Personalstatus der Betroffenen von Bedeutung war, wie es etwa der Prozeß des Apostels Paulus in Judäa zeigt.5 1 Doch in zivilrechtliehen Fällen, insbesondere t denen der freiwilligen Gerichtsbarkeit, konnten die lokalen Amtsträger der Sädte oder Stämme noch erhebliche Bedeutung bewahren;52 hier hing es wohl teilweise von den Rechtsuchenden ab, an welchen Gerichtshof sie sich wandten. Vor dem römischen Statthalter scheinen dabei, wenn unsere außerhalb Ägyptens äußerst fragmentarische Überlieferung uns einen halbwegs zuverlässigen Eindruck gibt, weitgehend römische Rechtsgrundsätze zur Anwendung gekommen zu sein. 53 Ob dies auf entsprechenden Druck von seiten der römischen Autoriäten t hin geschah oder ob die allgemeine Erfahrung der Provinzialbevölkerung darin einen erfolgver sprechenderen Weg erkannt hatte und sie deshalb von sich aus die entsprechenden Rechtsgrundsätze bei ihren Rechtsgeschäften adaptierte, ist den wenigen bisher bekannten Dokumenten nicht direkt zu entnehmen. Doch scheinen zumindest die Urkunden aus dem sogenannten Babathaarchiv in den ersten Jahrzehnten des 2. Jh.s aus der Provinz Arabia sowie weitere Papyri aus derselben Region darauf hinzudeuten, daß der Prozeß der 'Selbstromanisierung' jedenfalls für gerichtsverwendbare Dokumente sehr schnell verlaufen ist Denn die 'Babathaurkunden' zeigen bereits knapp zwei Jahrzehnte nach der Annexion der Provinz nicht nur formale römische Charakteristika wie etwa die Datierung nach Konsuln, sondern folgen auch inhaltlich weitgehend römischen Rechts-
49 SEG 34, 1306. 50 Siehe dazu R. Haensch, Capita provinciarum, Mainz 1997, 28 ff. 51 Zum speziellen Aspekt der Funktion der Gefängnisse in der Strafrechtspflege der Provinzen: J.-lJ. Krause, Gefangnisse (Anm. 48) 24 ff. 92 ff. 248 ff. 52 Vgl. z.B. die Regelungen der Lex lrnitana cap. LXXXIV ff.; siehe J. Gonza J ez, JRS 76, 1986, 175 ff. AE 1986, 333; A. Rodger, The Lex Irnitana and Procedure in the =
Civil Courts, JRS 8 1 , 1991, 74 ff.; ders., The Jurisdiction of Local Magistrates: Chapter 84 of the Lex Irnitana, ZPE 84, 1990, 147 ff.; dazu die klärenden Bemer kungen von G.P. Burton, The Lex Imitana, Cb. 84, the Promise of Vadimonium and the Jurisdiction of ProconsuJs, CIQ 46, 1996, 2 1 7 ff.; Lewis, Documents 47 ff. Nr. 12. 53 Siehe zu dieser Frage e.g. H.J. Wolff, Römisches Provinzialrecht in der Provinz Arabia, ANRW 13, Berlin l980, 763 ff.; H.M. Cotton, The Guardianship of Jesus Son of Babatha: Roman and Local Law in the Province of Arabia, JRS 83, 1993, 94 ff.
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grundsätzen,54 die i m Streitfall nur vor dem kaiserlichen Legaten von Wert sein konnten. Die Sprache dieser Dokumente ist das Griechische, nicht das Lateinische.55 Möglicherweise wurde dem römischen Statthalter mehr Überpar teilichkeit zuerkannt als den lokalen Autoritäten. Die genannten Urkunden sind auch deshalb von größtem Interesse, weil alle an den Rechtsakten Beteiligten Juden waren, denen nach bisher herrschender Meinung auf Grund der religiösen Erfordernisse weitgebende Sonderrechte und eigenverantwortliche Entscheidungen innerhalb ihrer Gemeinschaften zugestanden worden waren. Dennoch zeigen die griechisch abgefaßten Urkunden keinerlei jüdisch bedingte Eigenheiten. Man sollte deshalb eher davon ausgehen, daß abgesehen von der Autonomie innerhalb
der Kultgemeinde, die privatrechtliche Sonderstellung noch nicht in dem später bekannten Maße bestanden hat.56 Rechtlicher Bezugspunkt für die Regelung von Streitfällen jüdischer Provinzialbewohner war vielmehr nach diesen zeitge nössischen Urkunden der römische Statthalter, der den Rechtssuchenden in Petra, aber ebenso an anderen Orten der kurz vorher annektierten Provinz Arabia zur Verfügung stand.57 Der Statthalter, der sich auf der Reise durch seine Provinz befand und dabei von den Untertanen relativ leichter erreicht werden konnte, als wenn er nur an einem Ort, etwa der Stadt, in der er sieb vornehmlich aufhielt, Recht gesprochen hätte, blieb somit das charakteristische Kennzeichen der römischen Provinzialad ministration während der gesamten Epoche.58 Darin zeigt sieb jedoch auch prägnant die Beschränkung, die dem System inhärent war, und ihr Charakter als nichtbürokratische Ordnung. Denn dieses Besuchssystem galt für alle Provinzen, gleichgültig, wie groß ihre territoriale Ausdehnung war oder wieviele Städte in ihnen lagen. Besonders krass sind die Unterschiede in prokonsularen Provinzen wie beispielsweise Asia mit etwa 300 Gemeinden auf der einen und Cypern mit
54 Lewis Documents 65 ff. Nr. 16; H.M. Cotton, ZPE 99, 1993, 1 15 ff.; 100, 1994, 547 ff.; 101, 1994, 53 ff.; H.M. Cotton - A. Yardeni, Aramaic, Hebrew and Greek Documentary Texts from Nal)al J-:iever and Other Sites (the Seiyal Collection II), Discoveries in the Judaean Desert XVII, Oxford 1996. 55 Zur Sprache zuletzt R. Yaron, The Competitive Coexistence of Latin and Greek in the Roman Empire, in: Collatio iuris Romani. Festschrift für H. Ankum, hg. R. Feenstra - A.S. Hartkamp u.a., Amsterdam 1995, 657 ff. 56 H.M. Cotton, JRS 83, 1993, 97 ff. 57 Lewis, Documents Nr. 23. 25. 26. 58 G.P. Burton, Proconsuls, Assizes and the Administration of Justice under the Em pire, JRS 65, 1975, 92 ff.; G. Foti Talamanca, Ricerche sul processo nell' Egitto Greco-Romano I. L' organizzazione del conventus del praefectus Aegypti, Mailand 1974. ,
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12 Städten auf der anderen Seite zu fassen.59 Trotz der sehr
unterschiedlichen geographischen Dimensionen und der Unvergleichlichkeit im Umfang der anfallenden Tätigkeiten allein auf Grund der möglichen Petenten war doch das administrative Personal, das dem einen Prokonsul jeweils zur Verfügung stand, in beiden Provinzen im wesentlichen gleich. So hing fast alles vom Willen und von der Kapazität des Statthalters ab; denn die drei Legaten, die dem Prokonsul von Asia aus Gründen der Repräsentation aber auch zur Entlastung bei seiner Tätigkeit beigegeben waren, veränderten die administrativen Möglichkeiten in dieser großen Provinz nur wenig gegenüber dem Prokonsul von Cypern mit nur einem Legaten. Doch auch in den von kaiserlichen Gouverneuren geleiteten Provinzen sind deutliche Unterschiede in der Zahl der Gemeinden, der Größe der Bevölkerung und der damit theoretisch möglichen Belastung festzustellen, beispielsweise zwischen den von kaiserlichen Legaten regierten Provinzen Hispa nia Tarraconensis und Lusitania oder den zwei prokuratorisehen Provinzen Noricum oder Epirus. Die territoriale Ausdehnung varüerte außerordentlich, eben so aber auch die Zahl der jeweils zu betreuenden Städte. Daß etwa die aktive Kontrolle der Bauten in den Städten, die nach Ulpian zu den Routineaufgaben eines Statthalters gehörte,60 jedenfalls bei einigen Hunderten von Gemeinden nicht regelmäßig und aktiv erfolgen konnte, ist unmittelbar einleuchtend. Doch war letztlich solch administratives Handeln auch nicht der Kernpunkt der allgemeinen Provinzialverwaltung dieser Zeit. Wichtiger war vielmehr, worauf auch die weitgehend gleichartige Ausstattung mit Personal hinweist, die Re präsentierung der Macht und Dominanz Roms durch den Statthalter, die Erfüllung der kultischen Aufgaben durch ihn gegenüber Provinzialen und Heereseinheiten6 1 sowie seine Zugänglichkeit, soweit dies von den Provinzbewohnern als nötig angesehen wurde. Denn deren täglicher Bezugspunkt war und blieb die jeweilige Heimatgemeinde,62 in deren Rahmen und mit deren eigenen personellen und 59 Vgl. Chr. Habicht, JRS 65, 1975, 67; A. H. M. Jones, The Cities of the Eastern
Roman Provinces, Oxford2 1971, 372. 60 Ulp., dig. 1 , 16, 7, 1: Aedes sacras et opera publica circwnire inspiciendi gratia, an sarta tectaque sint uel an aliqua refectione indigeant, et si qua coepta sunt ut consummentur, prout uires eius rei publicae permittunt, curare debet curatoresque operum diligentes sollemniter praeponere, ministeria quoque militaria, si opus fuerit, ad curatores adiuuandos dare. 6 ! W. Eck, Die religiösen und kultischen Aufgaben der römischen Statthalter in der Hoben Kaiserzeit, in: ReHgio deorum. Act. del Col. Int. de Epigrafia. Culto y sociedad en Occidente, Barcelona 1992, 1 5 1 ff. = in diesem Band 203 ff. 62 Siehe besonders F. Miliar, The World of tbe Golden Ass, JRS 7 1 , L981, 63 ff. Der Statthalter war andererseits für manche Provinzbewohner eine so beherrschende Gestalt, daß sogar sein Geburtstag wahrgenommen und er durch Geschenke geehrt wurde; siehe G. Blidstein, A Roman Gift of Strenae to the Patriarch Judah ll, IEJ 22,
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sachlichen Mitteln die öffentlichen Bedürfnisse im allgemeinen erfüllt wurden. Erst wo es nach dem Urteil Einzelner oder ganzer städtischer Gruppen daran mangelte, wurde der Statthalter auf Anfrage eingeschaltet. Er reagierte also wesentlich auf die Wünsche, Anliegen und Streitfälle der Provinzbewohner, soweit diese in ihren Gemeinden nicht mehr in der Lage waren, aus eigener Kraft zu Entscheidungen zu kommen bzw. die Durchführung von getroffenen Entscheidungen zu gewährleisten. In dieser reaktiven Rolle waren die Statthalter dem Kaiser sehr vergleichbar. Als im J. 92/93 Antiochia in Pisidien von einer Hungersnot bedroht war, wurde der Statthalter von Cappadocia-Galatia, Antistius Rusticus, durch die llviri und decuriones der Kolonie eingeschaltet. ln einem Edikt regelte er unter Strafandrohung, wie die vorhandenen Getreidevorräte für die Allgemeinheit bereitgestellt werden mußten.63 Vermutlich war ein solcher Kraftakt, der die Verkaufsfreiheit des einzelnen Grundbesitzers empfindlich einschränkte, zwar nicht über die Rechte, wohl aber über die faktischen Möglich keiten der städtischen Ädilen, also der sonst zuständigen munizipalen Magistrate, hinausgegangen. In Ephesus wandten sich zweimal im Verlauf von rund sieben Jahren die städtischen Aufseher für die Wasserversorgung an den jeweils amtierenden Prokonsul, weil sie selbst sich nicht in der Lage sahen, die Bestimmungen über die freie Zone, die links und rechts von städtischen Aquä dukten eingehalten werden mußte, durchzusetzen.64 Daß in so kurzem zeitlichen Abstand, 113/114 und nochmals 120/121, zweimal durch ein prokonsulares Edikt dieselbe Bestimmung eingeschärft werden mußte, zeigt freiljch auch, wie wirkungslos selbst eine Entscheidung des höchsten römischen Amtsträgers, die zudem eine hohe Geldstrafe androhte, sein konnte. In ähnlicher Weise mußte einige Jahrzehnte später ein anderer Prokonsul wiederum in Ephesus eine harsche Anordnung über die Freihaltung des Hafenbeckens erlassen, nachdem er zuerst dem Stadtschreiber, dem wichtigsten städtischen Magistraten, Anweisung gegeben hatte, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, dieser jedoch gegenüber den Handwerkern und Schiffseignern ohne Erfolg geblieben war.65 Ebenso haben immer wieder einzelne Gouverneure eingegriffen, wenn Versprechungen gegenüber der Gemeinde, die im Zusammenhang von Wahlen zu städtischen Magistraturen
1972, 150ff.; L.l. Levine, The Status of the Patriarch in the Third and Fourth Centuries: Sources and Methodology, JJS 47, 1996, I ff. bes. 5. 63 AE 1925, 126. Er legte dabei sogar eine Anklägerprämie (ein Achtel des eingezogenen Getreides) fest, um das schwerwiegende Problem lösen zu können. 64 lnschr. Ephes. VU 3271 a. b. 65 fnschr. Ephes. I A 23.
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oder aus anderem Anlaß gegeben worden waren, nicht eingehalten wurden.66 Die Initiative dazu dürfte zumindest am Anfang jeweils aus den Gemeinden gekommen sein; doch hat manchmal ein Statthalter, der auf einen Mißstand aufmerksam geworden war, diesen sodann mit besonderem Nachdruck verfolgt. So hat der 'numidische' Statthalter D. Fonteius Frontinianus in den Jahren zwischen 160 und 162 in mehreren Städten seiner Provinz, darunter Cuicul und Thamugadi, die
Einlösung von offiziellen euergetischen Akten durchgesetzt, die schon längere Zeit vorher versprochen worden waren, deren Einlösung aber teilweise erst jetzt durch die Erben erfolgte.67 Zahlreich sind auch die Regelungen von Grenzstreitig keiten zwischen zwei benachbarten Gemeinden, zwischen Städten und nomadi sierenden Stämmen oder auch zwischen Privatleuten.68 Hier versagte fast
notwendigerweise das innermunizipale Potential zur Konfliktlösung, weshalb die 'neutrale', übergeordnete Instanz angerufen wurde, oft wohl auf dem Umweg über die vorausgehende Konsultierung des Herrschers, der die eigentliche Entscheidung an den ordentlichen Statthalter oder auch einen Sonderbeauftragten delegierte.69 Obwohl in der Dokumentation des späten 1 . und des 2. Jh.s die Fälle einer Beteiligung von staatlichen Funktionsträgern an öffentlichen Angelegenheiten der Städte zunehmen, ist kaum eine grundsätzliche Ausweitung der Entscheidungs befugnisse der normalen staatlichen Autoritäten, vor allem der Gouverneure zu erkennen, jedenfalls soweit diese kontinuierliche Eingriffe oder eine ununter brochene Überwachung der Städte zur Folge gehabt hätte. Lediglieb bei einigen wenigen zentralen Fragen ist der Prokonsul oder auch der kaiserliche Legat relativ regelmäßig in städtische Angelegenheiten involviert gewesen. So scheint bei größeren Baumaßnahmen, vor allem, soweit sie mit städtischen Geldem finanziert werden sollten, seit der flavischen Zeit, noch stärker seit Beginn des 2. Jh.s die vorherige Anfrage beim Statthalter nötig gewesen zu sein. Diese wandten sich ihrerseits häufig an den Kaiser, um Fehlinvestitionen, Vergeudung von öffentlichen Geldern, wie sie uns beispielsweise im Briefwechsel des jüngeren Plinius mit Traian entgegentreten, vorzubeugen.70 Allerdings ist der Niederschlag dieses vermehrten Engagements in den konkreten Bauinschriften nicht besonders
66 F. Jacques, "Ampliatio" et "mora". Evergetes reca1citrants d'Afrique romaine, Ant. Afr. 9, 1975, 159 ff. 67 CIL VIII 20144. 2353 D. 5476; CIL VIII 4582; siehe Jacques (Anm. 66). 68 Vgl. auch A. Aichinger, Grenzziehung durch kaiserliche Sonderbeauftragte in den römischen Provinzen, ZPE 48, 1982, 193 ff. 69 Vgl. Anm. 40. . 70 Siehe z.B. Plin., ep. 10, 37 f. 39 f. (zur Ge1dverschwendung). 23. 4 1 . 70. 90. 98 (zu Anfragen beim Kaiser); vgl. Macer, dig. 50, 10, 3 pr.; für Ägypten siehe e.g. P. Oxy. 3088, dazu A.K. Bowman D. Rathbone, JRS 82, 1992, 123 f. =
-
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stark greifbar.71 Ebenso wurden die Gouverneure recht häufig eingeschaltet, wenn Bürger einzelner Städte mit der Zuweisung von Ämtern oder munera im Rahmen der Heimatgemeinde oder auch der Gesamtprovinz nicht einverstanden waren. Aelius Aristides, Bürger von Smyrna und Sophist, beschäftigte auf diese Weise mehrere Prokonsuln durch immer neue Freistellungsanträge, die schließlich nur durch die Intervention des Antoninus Pius sowie anderer hochgestellter Persön lichkeiten wie z.B. des pergamenischen Senators und Konsulars Cuspius Rufinus oder des damaligen Präfekten von Ägypten, Avidius Heliodorus, erfolgreich waren. Aelius Aristides verfügte über das für munizipale Ämter oder die Stellung eines Eirenarcheo in der Provinz Asia notwendige Vermögen, übte zudem seine Profession als 'Philosoph' nicht zum öffentlichen Nutzen aus, womjt jeder Grund für seine Privilegierung entfallen wäre. Doch die allseits akzeptierten Formen der politisch-sozialen Einflußnahme setzten die sich aus der Sachlage eigentlich ergebende Rationalität außer Kraft: Immerhin hatten sich die Prokonsuln, die mit den Problemen der Provinz unmittelbar konfrontiert waren, in seinem Fall lange Zeit gegen seine Freistellungsanträge gewandt - jedenfalls ein Zeichen für ihre Rationalität und die guten Gründe der smyrnä ischen 'Gegner' des Aelius Aristides. Doch die Privilegierung, die vom Kaiser aus erfolgte, machte ihre bessere Einsicht wirkungslos.72 Den Entscheidungen des Prokonsuls hatte sich sodann auch der Stadtrat von Smyrna zu fügen, der sich zuvor schlicht an die Rechtslage gehalten hatte, die eben besagte, daß nur ein aktiver Lehrer ein Immunitätsprivileg erhalten könne. Wenn das aus den Papyri erkennbare Maß an Eingaben gegen die Übernahme von Liturgien eine Vorstellung auch für andere Provinzen geben darf, müssen die Statthalter überall in großem Umfang mit solchen Fällen befaßt gewesen sein. Grundsätzlich bedurfte es keiner Ausdehnung der Amtsgewalt der Statthalter jeglichen Typs, um all den Notwendigkeiten nachzukommen, die unter normalen Bedingungen in der Provinzialadministration anfielen. Allerdings haben zwei Faktoren die Effektivität bzw. die Wirkmöglichkeiten der normalen Amtsträger eingeschränkt. Vor allem machte sich zunächst immer wieder die begrenzte Arbeitskapazität der einen Person des Statthalters bemerkbar, der nur in sehr beschränktem Umfang Aufgaben an andere delegieren konnte, im allgemeinen aber zunächst selbst eine erste Entscheidung treffen mußte. Selbst in Ägypten, wo ne ben dem Präfekten noch mehrere hohe Funktionsträger amtierten - neben den drei 71 Siehe dazu M. Horster, Bauinschriften römischer Kaiser: Untersuchungen zur Bauä t
tigkeit in den Städten des westlichen Imperium Romanum während des PrinzipaLs, Diss. Köln 1995, (im Druck). 72 Ael. Arist., or. 50 passim bes. 75. 83.
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Epistrategen zumindest noch der
iuridicus,
der Dioiket sowie der Jdios Logos-,
mußte der Präfekt seit Beginn des 2. Jh.s dazu übergehen, Petitionen nicht mehr direkt den Amtragstellern zuzustellen, sondern begnügte sich zumeist mit der klassischen
subscriptio
unter dem schriftlichen Antrag, die i m allgemeinen
aussagte, der Petent solle sich an einen bestimmten untergeordneten Amtsträger wenden, gelegentlieb auch mü einem Hinweis, in welche Richtung entschieden werden solle. 73 Die Menge solcher Eingaben muß groß gewesen sein; so hat der Präfekt von Ägypten in den Jahren zwischen 206 und 2 1 1 , Subatianus Aquila, innerhalb von drei Tagen 1804 Petitionen erhalten, die in weniger als 60 Tagen bearbeitet waren.74 Zum andem hat die Privilegierung vieler Einzelpersonen, noch
mehr aber vieler Städte immer wieder das Handeln der Gouverneure eingeschränkt, vor allem bei den 'freien Städten', den civitates liberae, die besonders im Osten des Reiches zahlreich waren, jedoch keineswegs über eine einheitliche Rechtsbasis verfügten; vielmehr waren die Verträge, auf denen ihre Stellung beruhte, je nach Entstehungssituation und nachfolgender politischer Haltung sowie von Einzelent scheidungen verschiedener Herrscher höchst unterschiedlich gestaltet. Doch waren
civitates liberae
im allgemeinen einer aktiven Einflußnahme von seiten der
Statthalter entzogen, was aber nicht hieß, daß zwischen ihnen keine ständigen Beziehungen bestanden. So wurde offensiebtlieh das Kabirenbeiligtum der freien Polis Samothrake regelmäßig vom Statthalter Makedoniens, zu dessen Provinz die Iosel 'gehörte', oder seinen senatorischen Begleitern, Quästoren und prokon sularen Legaten, besucht.75 In dem Maß freilich, in dem vor allem die finanziellen Schwierigkeiten der Städte allgemein wuchsen,
dafür intern oft keine adäquaten Lösungsmöglichkeiten
gefunden, vielmehr die Hilfe außerhalb, vor allem beim Kaiser gesucht wurde, entwickelten sich die beiden Faktoren zu einem partiellen Hindernis für eine effektive Bewältigung anfallender Probleme. Denn einerseits konnte der Statthalter aus Mangel an freier Kapazität gar keine kontinuierliche Kontrolle der ver wickelten Finanzen vieler Städte durchführen, andererseits wollten die Kaiser auch die lokalen Rechte der Städte bewahren und sie nicht generell dem statthalterliehen Regime unterwerfen, auch wenn dies wegen ungelöster interner Schwierigkeiten
73 R. Haensch, ZRG 109, 1992, 254 ff.; ders., Die Bearbeitungsweisen von Petitionen in der Provinz Ägypten, ZPE 100, 1994, 487 ff.; H. Horstkotte, Die 1804 Konvents eingaben in P. Yale 6 1 , ZPE 1 14, 1996, 189 ff. 74 P. Yale 6 1 ; N. Lewis, The prefects conventus. Proceedings and procedure, BASP 18, 1981 , I 19 ff. 15 P.M. Fraser, Samothrace 2, I. The Lnscripüons on Stone, New York 1960, Nr. 28. 50. 5 1 . 53; M.V. Harris, An Inscription Recording a Proconsul's Visit to Samothrace in 165 A.D., AJPh 1 13, 1992, 7 1 ff.
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nötig gewesen wäre. Die Lösung wurde im Verlauf des 2. Jh.s zunehmend in der Bestellung von Sonderbeauftragten von seiten der Kruser, gelegentlich auch direkt durch die Statthalter, gefunden. Für die einzelne Stadt konnte ein sogenannter
curator rei publicae,
griecn.
AOytO'T�<;, ernannt werden; sollten die Städte einer
ganzen Provinz bzw. alle civitates liberae einer Region für eine gewisse Zeit einer stärkeren Aufsicht unterstellt werden, wurde ein Amtsträger eingesetzt, der beute im aUgemeinen als corrector bezeichnet wird, obwohl dieser Begriff sich nicht vor der Zeit Diokletians findet.76 Die Bezeichnung lautet im Lateinischen zumeist
legatus,
im Griechischen dagegen bravop8wr� <;, was das Äquivalent zum
späteren corrector bildet.
Obwohl beide Typen von Sonderbeau ftra gten einer gleichartigen Situation, nämlich dem Zwang, mehr oder weniger plötzlich auftretende oder jedenfalls bewußt gewordene größere Probleme zu bewältigen, ihre Entstehung verdankten, unterschieden sie sich in wesentlichen Merkmalen:
Legati
-
correctores waren
generell senatorischen Ranges und besaßen ein vom Kaiser delegiertes
imperium;
dieses konnte sogar zusätzlich zur Ausübung einer Statthalterschaft in einer Provinz oder einem sonstigen Provinzamt verliehen werden.77 Vor allem in der Provinz Achaia waren diese Amtsträger auf die
civitates liberae konzentriert; in
anderen Provinzen, wie etwa in Pontus-Bithynien der schon genannte Plinius d.J. oder sein Nachfolger C. IuJius Cornutus Tertullus, übernahmen sie die vollen Aufgaben eines Statthalters, aber mit besonderen Vollmachten.78 Zu einer dauerhaften Einrichtung entwickelten sich diese Sonderbeauftragten in dieser Zeit in keiner Provinz. Sie waren temporäres Aushilfsmittel, um neben oder anstelle der regulären Statthalter die gewünschte 'Normalordnung' wiederherzustellen. Kraft ihrer Sondervollmachten konnten sie auch bei privilegierten Städten umfassend die notwendigen Maßnahmen durchführen. So berief sich die römische Kolonie Apamea in Bithynien unter Traian darauf, noch niemals hätten Prokonsuln der Provinz ihr Finanzwesen kontrolliert; dennoch bestand Traian darauf, daß sein Sonderlegat Plinius dieser - offensichtlich essentiellen - Aufgabe nachkarn.79 Solche kaiserlichen Sonderlegaten finden sich bereits in vespasianischer Zeit, so z.B. in Africa zumindest für weiträumige Grenzregulierungen, vielleicht sogar für eine generelle Neuordnung der Provinz, unmittelbar anschließend auch in den
76 Liste der Sonderlegaten und correctores bei Thomasson, Legatus 73 ff. 77 Siehe z.B. lnschr. Olymp. 941; AE 1920, 45; AE 1969170, 601; Inschr. Ephes. Vll
3037.
78 CIL V 5262 = D. 2927; CIL XIV 2925 79 Plin., ep. 10, 47 f.
=
D. 1024.
128
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sonst prokuratorisehen mauretanischen Provinzen. 80 Zahlreicher aber werden sie seit Traian und Hadrian insbesondere in den griechisch-sprachigen Provinzen des Ostens. Soweit diese
legati - correctores
neben den ordentlichen Statthaltern
amtierten, sollten sie Notwendigkeiten nachkommen, die entweder soviel Zeit beanspruchten, wie die normalen Gouverneure sie ohne Vernachlässigung ihrer sonstigen Pflichten nicht aufbringen konnten, oder sie sollten gegenüber den freien Städten zwar wie Statthalter handeln, ohne doch deren Status direkt schon auf die Ebene der sonstigen Untertanengemeinden herabzudrücken. Denn die Bewahrung erworbenen Prestiges bedeutete viel für das Leben der Städte. Insgesamt sind die correctores jedenfalls Ausdruck eines vermehrten Bedürfnisses
nach Lenkung des städtischen Lebens durch Funktionsträger, die unabhängig waren von den inneren Parteiungen einer Stadt. Im Gegensatz zu den kaiserlieben Sonderlegaten, die ausnahmslos senatorischen Ranges waren, wurden die curatores rei publicae verschiedenen sozialen Gruppen entnommen. Neben Senatoren finden sieb Ritter und Angehörige der munizipalen Aristokratie benachbarter Orte. Zwar dominieren in unserer Überlieferung die Kuratoren senatorischer Herkunft, doch dürften tatsächlich die Sonderbeauftragten aus dem Reservoir der städtischen Honoratioren wesentlich zahlreicher gewesen sein. Sie sind nur in unserer, zumeist epigraphischen Überlieferung schlechter repräsentiert - aus durchaus erklärlichen Gründen.S1 Während die 'Korrektoren' vornehmlich, aber nicht nur in den Provinzen des römischen Volkes im Osten erscheinen,82 sind die
curatores rei publicae
ein fast allgemeines Phänomen in
allen Reichsteilen geworden.83 Doch muß dabei gleichzeitig betont werden, daß sie keineswegs überall zum selben Zeitpunkt eingesetzt wurden, sondern, nach unserem gegenwärtigen Kenntnisstand, in den verschiedenen Provinzen mit erhebliebem zeitlieben Unterschied, wohl auch mit differierender Intensität. Das früheste sichere Beispiel gehört mit Wahrscheinlichkeit in domitianische Zeit und dürfte sich auf Italien beziehen, ebenso wie die nächsten, unzweideutigen Fälle, die aus traianischer Zeit starnmen.84 Aber schon in hadrianischer Zeit sind für die
8° CIL VTil 23084. 25967
D. 5955; AE 1979, 648 f.; G. di Vita-Evrard, Quademi di archeologia della Libia 10, 1979, 77 ff.; AE 1941, 79. 8 1 Vgl. W. Eck, Sozialstruktur des römischen Senatorenstandes der hohen Kaiserzeit und statistische Methode, Chiron 3, 1973, 375 ff. = ders., in: Tra epigrafia I I ff. 82 Möglicherweise ist ein wesentlicher Grund für ihre Bestellung auch darin zu sehen, daß die Prokonsuln nur ein Jahr im Amt blieben, die correctores aber so lange bleiben konnten, wie es die Notwendigkeiten erforderten. 83 Dazu Eck, Italien 190 ff.; F. Jacques, Les curateurs des cites dans I' Occident Romain, Paris 1983; ders., Privilege. 84 CIL III 6818 D. 1017; R. Syme, The Enigmatic Sospes, JRS 67, 1977, 38 ff. Roman Papers ID 1043 ff.; vgl. aber Jacques, Curateurs 19 ff.; Eck, Italien 195 f. Der =
=
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Narbonensis, für Asia und Syria einzelne dieser Funktionsträger bezeugt, während in anderen Provinzen wie etwa der ßaetica oder der Lusitarua die frühesten Beispiele erst vom Ende des 2. Jh.s stammen, also mehr als ein Jahrhundert nach der ersten uns bekannten Ernennung eines Kurators.85 Wie unsicher und vorläufig unsere Kenntnisse dabei freilieb sind, zeigt sich für Nordafrika, wo bisher erst für das J. 197 ein senatorischer Militärtribun der legio lll Augusta als curator rei
publicae bekannt war; ein neues Zeugnis belegt nun, daß bereits in der Frühzeit des Commodus eine solche Ernennung erfolgt war. 86 Auch dieser Senator muß nicht der früheste curator für Africa gewesen sein. Wenn dennoch unsere Überlieferung ein tendenziell zutreffendes Bild zeichnet, dann wurden kaiserliche Sonderbeauftragte für einzelne Städte zunächst weit häufiger in Italien als in den Provinzen eingesetzt, was deswegen nicht ver wundert, weil im Kernland des Reiches zwischen der Zentrale in Rom und den einzelnen Städten kein dauernder, regelmäßig auch vor Ort zugänglicher Amtsträger wie sonst in den Provinzen der Statthalter vorhanden war. In den Provinzen tritt der Kurator dagegen neben den Statthalter oder, innerhalb eines Ausschnitts seiner Aufgaben, sogar an seine Stelle. Der Ansatzpunkt dürfte dabei der gewesen sein, daß sich gerade in so städtereichen Provinzen wie Asia, Syrien oder der Narbonensis immer wieder die Situation ergab, daß zur Sanierung der Finanzen von Gemeinden eine Kontrollintensität vonnöten war, die der Statthalter allein nicht leisten konnte.87 Entweder haben dann interessierte Gruppen innerhalb einer Stadt oder der Gouverneur selbst den Kaiser veranlaßt, einen Sonderbeauf tragten zu ernennen, oder dieser bat wegen des Ernstes der an ihn gelangten Nachrichten über dort aufgetretene Mißstände selbst die Initiative ergriffen. Wie ernst selbst bei einer Stadt wie Ephesus, in der sich während eines Teils des Jahres stets der Prokonsul, zumeist auch einer seiner Legaten sowie der Quästor aufhielt, die finanzielle Situation und die Mißbräuche werden konnten, zeigt ein kaiserliches Schreiben, dessen Urheber zwar nicht namentlich bekannt ist, der aber am ehesten Hadrian oder Antoninus Pius sein könnte. Darin wird angeordnet, die
angeblich erste curator rei publicae in Smyrna unter Nero ist in dieser Hinsicht zu suspekt, als daß er in der Diskussion eine Rolle spielen dürfte (vgl. W. Eck, Die Statthalter der germanischen Provinzen vom 1.-3. Jh., Köln 1985, 231 f.). 85 CIL X 6006 0. 1066; OGIS 492; CIL Vill 7059 0. 1067; Jacques, Privilege 2 5 1 ff. 86 CIL Vlll 2437 17490. 17481 und Jacques, Les curateurs (Anm. 83) 203 ff.; G.L. Gregori, Un nuovo senatore dell' eta di Commodo, ZPE 106, 1995, 269 ff. 87 Vgl. G.P. Burton, The Curator Rei Publicae: Towards a Reappraisal, Chiron 9, 1979, 465 ff. =
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Abrechnungen aller städtischen Amtsträger, die mit finanziellen Dingen zu tun hatten, für die vergangeneo zwanzig Jahre zu überprüfen; auch Verstorbene werden nicht ausgenommen, es sei denn, ihr Tod läge schon mehr als zehn Jahre zurück. Um Verzögerungen bei der Ordnung der Finanzen, die sich auch auf das Tempelland erstreckte, zu verhindern, verbot der Kaiser jegliche Berufungs möglichkeit bei Entscheidungen des Kurators.88 Nach Abschluß seiner Untersu chungen hatte dieser an den Kaiser als seinen Auftraggeber zu berichten. In Ephesus war man offensichtlich mit der Amtsausübung des Logisten nicht überall einverstanden, vielleicht mußte man mit zu großen Enthüllungen rechnen. Denn die kaiserlichen Anordnungen sind in einem Brief enthalten, der von einer offiziellen ephesischen Gesandtschaft in die Heimatgemeinde zurückgebracht
wurde. Man hatte wohl gehofft, zu einer Abrnilderung der Verfahrensvorschriften zu kommen; doch der Herrscher hat, wie wir sehen können, die einmal fest gelegten Regeln beibehalten. Alle Zeugnisse aus dem 2. und dem frühen 3. Jh., gleichgültig, ob sie epi graphischer oder juristischer Natur sind, zeigen deutJicb den Charakter der Aufgaben der curatores rei publicae. Ihre Tätigkeit erstreckt sieb nicht auf alle Bereiche einer Stadt, sie ersetzen auch nicht irgendwelche Munizipalmagistrate. Sie haben vielmehr in dieser Zeit allein den finanziellen Sektor des öffentlichen städtischen Lebens und die Amtsführung der Magistrate, soweit davon die Finanzen betroffen waren, zu kontrollieren. Stiftungsgelder, das Vermögen städ tischer Tempel, Gemeindeländereien unterstanden genauso ihrer Kontrolle wie Reparaturen von Gebäuden oder Neubauten, denen sie zustimmen mußten; d.h. es sind ihnen genau die Bereiche anvertraut, die unter normalen Bedingungen grundsätzlieb der Oberaufsiebt des Statthalters unterstanden, aber üblicherweise der autonomen Amtsführung der städtischen Magistrate überlassen blieben, allein schon deswegen, weil der Statthalter zeitlich alle diese Kontrollen gar nicht durchführen konnte. Der Kurator aber war speziell für diese Aufgaben ernannt worden und konnte sich, da er nur an einem einzigen Ort eingesetzt war, mit größerer Intensität um anstehende Fragen kümmern, jedenfalls wenn er seine Aufgabe ernstnahm. Zudem hatte er ein Spezialmandat des Kaisers, das ihm in einer Epistel übermittelt worden war. Doch war ein solches Mandat zeitlich begrenzt, wie es z.B. das kaiserliche Schreiben an Ephesus zeigt. Es scheint nicht so gewesen zu sein, daß einem Kurator nach Erledigung seiner Aufgabe sogleich oder bald wieder ein neuer Kurator in derselben Stadt folgte; vielmehr geschahen Ernennungen von curatores über lange Zeit hinweg offensichtlich diskonti88 AE 1932, 50
=
Inschr. Ephes. I A 15 f.
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nuierlich und nur bei Bedarf. Selbst in Italien, wo mehr solche Funktionsträger als in den Provinzen bezeugt sind, wurden sie erst ab der Zeit Mare Aurels etwas häufiger, aber auch dort entwickeln sie sich - noch nicht - zu einer allgemeinen, kontinuierlichen Erscheinung in den Städten.S9 In den Provinzen dürften sie bis zum Ende des 2. Jh.s nirgendwo eine weitverbreitete Erscheinung gewesen sein, auch nicht in Asia, wo sie relativ häufig bezeugt sind. In vielen Provinzen traten sie jedenfalls im 2. Jb. offensichtlich überhaupt nur vereinzelt auf, sie waren und blieben zunächst eine temporäre Notmaßnabme.90 Dies ist nicht unwichtig, wenn man die Bedeutung dieser neuen kaiserlichen Delegatare im Rahmen der gesamten Provinzialadministration abzuschätzen ver sucht. Sie scheinen ein Mittel der Zentralregierung gewesen zu sein, in einzelnen Städten, in denen sich finanzielle Schwierigkeiten ergaben, kurzfristig zu Lösungen zu kommen, ohne das normale System der provinzialen Verwaltung, das auf der Allzuständigkeit des Statthalters beruhte, in einem wesentlichen Punkt zu verändern. Die
curatores
sollten nicht dazu dienen, ein dicht gespanntes,
dauerhaftes Netz direkter staatlicher Funktionsträger über eine Provinz zu ziehen, das den fehlenden, dezentralen Apparat der Gouverneure hätte ersetzen können. Sie unterstanden auch nicht dem Statthalter, sondern waren unmittelbar an den Kaiser gebunden. Es wurde also nur eine Ergänzung der Administration neben dem Statthalter erreicht. Der übliche Charakter der normalen provinzialen Administ ration veränderte sich somit durch sie nicht. Sie war durch den Statthalter gekennzeichnet, der seinen gesamten Stab im allgemeinen stets um sich ver sammelt hatte, aber nicht über administrative, permanent besetzte ZweigsteHen an verschiedenen Orten der Provinz verfügte. Dies wäre auch nur mit einer be trächtlichen Ausweitung seines Personals möglich geworden, was jedoch nicht geschah. Auch die etwa seit der Mitte des 2. Jh.s insbesondere in den Grenz provinzen immer öfter nachweisbaren Stationen am Rande von Städten, an großen Straßenkreuzungen, nahe Bergwerksregionen oder an den Reichsgrenzen, die mit eigens vom Statthalter beauftragten Soldaten, den sogenannten
consularis,
beneficiarii
besetzt waren, sind nicht im Sinne von administrativen Außenstellen
zu verstehen; vielmehr dienten sie von den Intentionen der Statthalter aus offensichtlich vorrangig der öffentlichen Sicherheit in den Provinzen, was nicht ausschließt, daß sie zusätzlich zu verschiedenen anderen Aufgaben eingesetzt
89 Eck Italien 195 ff.; G. Camodeca, Ricerche sui curatores rei publicae, ANRW ll 13, Berlin 1980, 453 ff.; Jacques, Privil�ge 199 ff. 90 Burton Chiron 9, 1979, 482; Jacques, Privilege 222 ff. 249 ff. Sie sind allerdings dennoch zahlreicher gewesen, als dies die Art unseres Quellenmaterials unmittelbar erkennen läßt. ,
,
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werden konnten.91 Die Bevölkerung allerdings sah in den Soldaten häufig auch schon damals ein Element der persönlichen Unsicherheit, der Kontrolle und der oft ungerechtfertigten Einforderung von finanziellen Leistungen, wie es vor allem talmudische Quellen, im 3 . Jh. auch zahlreiche Inschriften für den Osten des Reiches belegen.92 Der kaiserliche Legat, der Prokonsul oder der Präsidial prokurator blieben die Repräsentanten Roms, die freilich für die Masse der Provinzbevölkerung, ähnlich wie der Kaiser selbst, schon allein auf Grund der räumlichen Distanz zumeist nur eine sehr ferne und deshalb auch nicht unbedingt sehr konkrete Macht gewesen sind.93 Der einzige Bereich, in dem fastjeder Provinzbewohner- ob peregrinen Rechts, latinischer oder römischer Bürger - kontinuierlich von der römischen Verwaltung aktiv betroffen wurde, war die Steuererhebung; denn wenn ein Provinziale nicht als Bürger einer der relativ wenigen von regulären Steuern immunen Gemeinden angehörte, war er- in freilich wechselnder Form und Höhe - dem tributum capitis sowie dem tributum soli unterworfen. Dies waren die beiden wichtigsten, regel mäßig jedes Jahr erhobenen Steuern. Daneben standen andere Steuerarten, die in unregelmäßigem Rhythmus, nämlich bei 'Bedarf oder bei Anfall eingezogen wurden,94 wie etwa die 4%ige Sklavenverkaufssteuer, die 5%ige Frei lassungssteuer für Sklaven (vicesima Libertatis)95 und, besonders wichtig, die 9 1 E. Schallmayer, Der römische Weihebezirk von Osterburken. I. Corpus der griechischen und lateinischen Beneficiarier-lnschriften des Römischen Reiches, Stuttgart 1990; J. Ott, Die Beneficiarier, Stuttgart 1995; R.L. Dise, A Reassessment of the Functions of beneficiarii consularis, AHB 9, 1995, 72 ff.; Dise rechnet allerdings bei seinen Schlußfolgerungen zu wenig damit, daß das Fehlen epigrapbischer Zeugnisse für beneficiarii consularis in bestimmten Gegenden noch lange nicht beweist, daß sie dort nicht trotzdem tätig waren. 92 B. lsaac, The Roman Army in Judaea: Police Duties and Taxation, Roman Frontier Studies, 1989, 458 ff.; zuletzt P. Herrmann, Hilferufe aus römischen Provinzen, Berichte der J. Jungius-Gesellschaft der Wiss. Harnburg 8, 1990, Heft 4; ferner T. Hauken, Petition and Response. An Epigraphic Study of Petitions to Roman Emperors 181-249, Stavanger 1994. 93 Vgl. dazu vor allem auch die Analyse von F. Miliar, The World of the Golden Ass, JRS 7 1 , 1981, 63 ff. 94 Im allgemeinen wird in der wissenschaftlichen Literatur von direkten und indirekten Steuern gesprochen, was aber sachlich ohne Fundament ist. Denn die sogenannten 'indirekten' Steuern wie etwa Freilassungs- oder Erbschaftssteuern wurden ja nicht etwa indiiekt an die Steuereinnehmer abgeliefert, wie heute etwa die Benzin- oder Tabaksteuer, die mit dem Kaufpreis bezahlt wird, sondern sehr direkt unmittelbar vom Steuerpflichtigen an denjenigen, der für den Einzug von Steuern zuständig war. Das eigentlich distinktive Merkmal zwischen den einzelnen Steuerarten war die jährliche Regelmäßigkeit des Einzugs bzw. die Unregelmäßigkeit je nach Eintritt des Steuer falls. Dieses Faktum sollte auch in der Terminologie zum Ausdruck kommen. 95 Zuletzt zu dieser Steuer M. Albana, La vicesima libertatis in eta imperiale, Quad. Catanesi 17, 1987, 4 1 ff.
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5%ige Erbschaftssteuer (vicesima hereditatium), die aber nur von römischen
Bürgern zu bezahlen war. Außerdem gab es vermutlich, wie das Beispiel Ägypten es wahrscheinlich macht,96 noch andere kleinere, bei 'Bedarf oder vielleicht auch regelmäßig anfallende Steuern, die in den verschiedenen Provinzen ungleichartig gewesen sein können. So wissen wir erst seit der Auffindung der zahlreichen
Kaiserbriefe in Aphrodisias, daß im kleinasiatischen Bereich "a nail-tax" erhoben wurde, wovon die Bewohner von Aphrodisias auf Grund ihrer allgemeinen
Immunität befreit waren, was ihnen Hadrian nach Übergriffen von Steuerpächtern nochmals bestätigte.97 Wenn es sich dabei nicht um eine Zollabgabe, sondern eine Steuer auf bestimmte Produkte bzw. für einen bestimmten Zweck98 handelte, dann wurde hier regelmäßig eine Zusatzabgabe erhoben, die aber bisher aus keinem weiteren Dokument bekannt ist. Ähnliches ist mehr als zwei Jahrzehnte nach der Eingliederung des nabatäischen Königtums in der Provinz Arabia nachzuweisen. Denn bei dem offensichtlich ersten Census nach der Provinz grUndung99 wurde in einer Steuererklärung Babathas, der Besitzerin der uns erhaltenen Dokumente von Nal)al ijever, neben einer Abgabe in Naturalien auch eine crown tax orf.<Pavucov, und zwar sogar in nabatäischen Münzen erwähnt, die wohl eine Besonderheit des Steuersystems in dieser Provinz gewesen ist, vermutlich als Fortführung der vorrömischen Situation.100 Denn mit dieser Steuer ist nicht das auch sonst bekannte aurum coronarium gemeint, weil dieses nicht jährlich erhoben wurde, wie es zweifellos bei dieser Steuer der Fall war. Mit solchen, uns nicht bezeugten Zusatzabgaben an das staatliche Finanzsystem muß man vermutlich weit öfter rechnen, IOI auf einzelne Provinzen begrenzt oder gelegentlich auch reichsweit; Plinius setzt dies zum Beispiel für die domitianische
96 Wallace, Taxation 277 ff. 97 Reynolds, Aphrodisias and Rome 1 1 5 ff. Nr. 15. 98 Etwa zur Finanzierung eines erhöhten Bedarfs an Nägeln für den Partherfeldzug
Traians; vgl. Reynolds, Aphrodisias and Rome 1 17. 99 Anders z.B. B. lsaac, Tax Collection in Roman Arabia: A New Interpretation of the Evidence from the Babatha Archive, Medit. Hist. Rev. 9, 1994, 256 ff. Im oben er wähnten Sinn H.M. Cotton,' H vicx brcxpxEicx 'Apcxßicx. Dating the provincia1 era in the papyri from the province of Arabia, ZPE 1 16, 1997, 204 ff. IOO Lewis, Documents 65 ff. Nr. 16; vgl. auch H.M. Cotton - W. Weiser, "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist..." Die Geldwährungen der Griechen, Juden, Nabatäer uod S rer im syrisch-oabatäiscbeo Raum, ZPE 1 14, 1996, 237 ff. 1 1 Vgl. P.A. Brunt, JRS 7 1 , 1981, 163 = Roman Imperial Tbemes 328 f. So hat es z.B. im 2. Jh. in Ägypten eine besondere Steuer für Prostüuierte gegeben: R.S. Bagnall, A Trick a Day to Keep the Tax Man at Bay? The Prostitute Tax in Roman Egypt, BASP 28, 199 I, 5 ff. Zu einer Steuer für die Errichtung von Kaiserstatuen siehe J. Drexhage, in: Festschrift für M. Wegner, 1992, 350. Ygl. ferner Mons Claudianus. Ostraca Graeca et Latina I, bg. J. Bingen u.a., Kairo 1992, Nr. 14.
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Zeit voraus.102 Besonders in militärischen Krisensituationen werden immer wieder zusätzliche finanzielle Forderungen oder ergänzende Sachleistungen die Provin zialen belastet haben, wie etwa unter dem Statthalter M. Statius Priscus in Dakien in den J ahren 157/158. 1 03 Doch im Grundsatz hat sich an dem seit A ugustus bestehenden System der Steuern nichts geändert, 104 auch nicht in der großen Krise der Markomannenkriege unter Mare Aurel, der in einer Situation des akuten Geldbedarfs im J. 169 vor dem Aufbruch gegen die Germanen zum Verkauf kaiserlicher Preziosen schritt, nicht jedoch neue Steuerquellen erschlossen hat.105 Selbst Vespasian hat nach der Phase der Verschwendung unter Nero und den finanziellen Verlusten durch die Bürger kriege offensichtlich keine wichtigen, für uns erkennbaren neuen Steuern eingeführt, sondern nur die schon bestehenden erhöht, in einigen Provinzen an
geblich sogar verdoppelt, ohne daß freilich ersichtlich würde, wo dies geschah 106 .
Nur die bisherige Abgabe der Juden an den Tempel in Jerusalem wurde von ihm
zu einer neuen Reichssteuer für den kapitolinischen Jupiter umgewandelt und in
denfiscus ludaicus einbezahlt.I07 102 Plin., pan. 29, 4; vgl. Tac., Germ. 29. 2; bjst. 4, I 7; 5, 25 zur Befreiung der Bataver von zusätzlichen conlationes. 1 03 Dies ist aus ClL 111 1412 = 7902 = D. 7155, den Maßnahmen seines Nachfolgers, zu erschließen; quod a primo adventu suo P. F(urius) S(atuminus) leg. Augusto[r.] donec
provincia deceder. ita singulos un[i]versosq. benig[ni]tate sua tractarit, oneribus etiam rel[e]vaverfit]; cf. I. Piso, AMN 9, 1972, 464 f. 1 04 Gelegentliche Änderungen waren selbstverständlich möglich, vgl. Anm. 10 I . Zu Änderungen beim Zoll vgl. z.B. H. Brandt, Die Zollinschriften von Myra und Kaunos
und ein neues Zeugnis aus Xanthos, Epigr. Anat. 10, 1987, 91 ff. 105 HA Mare. 2 1 , 9; 17, 4 f.; vgl. auch Dio 7 1 , 32, 3, wonach Mare Aurel niemanden zu zusätzlichen Abgaben zwang. Birley, Marcus Aurelius 160 f.; T. Corsten und T. Drew
Bear, Epigr. Anat. 20, 1992, 138 ff. = SEG 42, 1 194 geben davon aus, daß der römische fiscus Gräber, deren 'Inhaber' ohne Erben gestorben wären, beim Nichtexistieren eines Testaments als herrenloses Gut verkauft hätte! Der Grundsatz, daß ein Grab ein locus religiosus sei, hat freilich eine solche Handlungsweise grundsätzlich unmöglich gemacht, auch in finanziell angespannten Zeiten. Die Rasur in der Inschrift aus Apameia, auf die sie sich berufen, ist anders zu erklären. I 06 Suet., Vesp. 16, I; vgl. L. Neesen, Untersuchungen zu den djrekten Staatsabgaben
der römischen Kaierzeit (27 v.Chr. - 284 n.Chr.), 68. 124. Daß er allerdings nicht nur in Rom, wo er eine Steuer auf die Einsammlung des Urins aus den öffentlichen Toiletten durch die Gerber erhob, sondern auch anderswo alle Möglichkeiten ausnutzte, ersieht
man an dem, offensichtlich erst seit dem J. 70 n.Chr. praktizierten Verkauf des
xylobalsamum aus den Balsamhainen in ludaea, der bis zu diesem Zeitpunkt offensichtlich als rucht rentabel erschienen war; er erbrachte in fünf Jahren die 'stolze Summe' von 800.000 Denaren (Piin., nat. hist. 12, 1 1 8); vgl. dazu H.M. Cotton W. Eck, Ein staatliches Monopol und seine Folgen. Plin., nat. hisL. 12, 123 und der Balsamhandel, RhMus 140, 1997, 153 ff. 107 Zum fiscus Judaicus zuletzt M. Alpers, Das nachrepublikanische Finanzsystem. Fiscus und Fisci in der frühen Kaiserzeit, Berlin 1995, 290 ff. mit der früheren
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Lange Zeit hat man in der Forschung freilich angenommen, in der 2. Hälfte des
1. Jh.s oder spätestens in der 1 . Hälfte des 2. Jh.s sei eine wesentliche Ver änderung in der Art der Steuererhebung erfolgt, nämlich der Übergang von der Verpachtung an private Steuerpächter zum direkten Steuereinzug durch staatliche Funktionsträger. Bei den Zöllen, den portoria, sei dies unter Mare Aurel geschehen, zumindest in einigen regionalen Bereichen, auch wenn es unbestritten bleiben mußte, daß in anderen Teilen des Reiches noch am Ende des 2. Jh.s Pächter an den Zollstationen tätig waren, da sonst die Bemerkungen severischer Juristen über die Tätigkeit solcher Pächter nicht erklärlich wären. Während vorher zumjndest partiell neben den Gemeinden selbst noch Steuerpächter den direkten Einzug der geschuldeten Summen vom jeweiligen Steuerpflichtigen übernommen hätten, hätten die Kaiser mit der Einsetzung von Prokuratoren auch für die unregelmäßig anfallenden Steuern wie die fünfprozentigen Abgaben auf Freilassungen von Sklaven oder auf Erbschaften nicht anders als bei den Zöllen (portoria) einen direkten Zugriff auf den Steuerpflichtigen geschaffen.10s Denn die Prokuratoren mit ihrem Personal aus kaiserlichen Sklaven und Freigelassenen hätten nunmehr die Kapazität besessen, unmittelbar Einzug, Kontrolle und Abrechnung zu übernehmen. Gleiches sollte auch für die regelmäßigen Steuern gegolten haben. All dies hätte bedeutet, daß der staatliche Apparat ganz wesentlich verstärkt und flächendeckend ausgeweitet worden wäre. Tatsächlich kann man seit der 2. Hälfte des 1. Jh.s vermehrt Prokuratoren ritterlichen Ranges, daneben auch mit Freigelassenenstatus für verschiedene staatliche Bereiche, vor allem für das Fiskalwesen erkennen; das gilt für die
vicesima Libertatis bzw. hereditatium in Italien spätestens seit Vespasian, für die quattuor publica Africae vermutlieb seit derselben Zeit.
Im Verlauf des
2. Jh.s tre
ten in den Provinzen neben die Provinz- und Patrimonialprokuratoren zunehmend Funktionsträger, die nur für Teilausschnitte des Fiskalwesens bzw. des kai serlichen Besitzes zuständig waren, etwa für das kalendarium Vegetianum in der Baetica, für die Erbschaftssteuer in vielen Provinzen oder für die Leitung größerer
Literatur; daß der fiscus ludaicus eine Provinzialkasse sei und mit der ehemaligen Tempelsteuer nichts zu tun habe, wie Alpers meint, trifft jedoch nicht zu. Zum angeblichen Finanzbedarf Vespasians von 4 bzw. 40 Milliarden Sesterzen, wie er bei Suet., Vesp. 16, 3 formuliert ist, siehe generell W. Scheide), Finances, Figures and Fiction, CIQ 46, 1996, 222 ff. mit grundsätzlich und im gegebenen Fall sicher zutreffenden wichtigen, im Einzelnen freilich auch evident irrigen Vorstellungen über Geldsummen für die römische Zeit. 108 Siehe nur exempli gratia Pflaum, Procurateurs 153 f.; de Laet, Portorium 403 ff.
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Provinzi alv erwaltung und Steuern
Bergwerksdistrikte. 109 Doch kaum an einer Stelle ist dabei auch der N achweis möglich bzw. die sachliche Notwendigkeit gegeben, daß diese Prokurato ren mit ihrem Subalternpersonal an die Stelle der priv aten Einnehmer von Steuern oder Zöllen oder der priv aten Unternehmer bei der Ausbeutung von Bergwerken g etreten seien. Dagegen läßt sich immer wieder nachweisen, d aß Prokurato ren und Steuerpächter, als publicani oder conductores, nebeneinander ag ierten, was nur bedeuten kann, daß sie einander erg änzten, nicht and ers als dies auch in den pro konsularen Prov inzen geschah, wo der Pro ko nsul und sein Quästo r auch noch im 2. Jh. letzt lich für d e n Steuereingang verantwortlich waren, aber den Steuereinzug natürlich nicht selbst vornahmen, d a ihnen dazu j egliches Personal
fehlte, sondern die entsprechenden Summen von den Säd t en t oder von beauftragten Steuerpächtern erhielten. I n Italien haben nachweislich für mehrere Jahrzehnte Prokuratoren und private Steuerpächter für die Freilassungs- und Erbschaftssteuer nebeneinande r gewirkt, I I O auch in Ägypten wurd e noch in der Mitte des 2. Jh. s die Erbschaftssteuer durch Pä chter eingezog en, obwohl dort etwa die He ranziehung von Liturgen besonders na heg eleg en hätte. Das kaiserliche Perso nal, Prokurato r und Freigelassener, wurde bei der Testamentseröffnung tätig, weil damit die Fiskalad m inistratio n über den Steuerfall inform iert war und den Steuereingang überwachen konnte. Ähnliches galt dort woh l für die Freilassungssteuer. 1 1 1 Auf den Metallbarren der britannischen Berg werke werden neben dem kaiserlichen Eig entümer ent weder Genossenschaften von Pächtern oder einzelne Privat pe rsonen, wohl conductores noch im 2. Jh. genannt. 1 12 Diese Ko mbination unter schiedlicher Verantwortlieber könnte die Effektivität und v ielleicht auch die Rechtssicherheit gesteigert haben, ohne doch den Aufbau eines flächendec kenden Appa rats zu e rfo rdern, von dem auch tatsächlich nichts zu fmden ist , auch nicht in Ägypten mit seiner andersartigen Dokumentationsbasis. ll3 Lediglich in einem geographischen Groß bereicb, in den Do nauprov inzen von Rätien und Noricum übe r die beiden Pannonien, Dalmatien und Dakien biszu den beid e n mösischen Provinzen und Tbrakien, ist es nachweislich, zumindest temporär, zu einer partiellen oder sogar vollständigen Ü bernahme auch des 109 Dazu oben Kap. l C passim. 1 10 Eck, Italien 1 1 4 ff. 129 ff. 1 1 1 P. Ross-George II 26; dazu W.
Eck, ZPE 27, 1977, 201 ff. ders., Verwaltung I, 34J ff.; Brunt, Roman Imperial Themes 405 f.; BGU I 326 = FIRA ur Nr. 50. 1 1 2 RIB 2402 ff. Zu den conductores vgl. auch J.-J. Aubert, Business Managers in Ancient Rome. A Social and Economic Study of lnstitores, 200 B.C. - A.D. 250, Leiden 1994, 322 ff. Zu societates publicanorum J. Andreau, RN 31, 1989, 95. l l 3 Auch in der im J. 106 eingerichteten Provinz Arabia wurde kein vom Prokurator ge leitetes flächendeckendes System eingerichtet, sondern die Organisation der Städte und lokale private Steuereinnehmer herangezogen; siehe zuletzt lsaac (Anm. 99) 258 ff. =
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Einzugs der Außen- und Binnenzölle durch kaiserliche Prokuratoren und ihr Personal gekommen.1 1 4 Die Organisationsform des Einzugs der portoria in dieser Großregion während des größeren Teils des 2. Jh.s war, wie auch in Gallien, Africa oder Asia, eindeutig privat gestaltet. Bekannt sind eine Reihe von
conductores
mit ihren Abhängigen, die Sklavenstatus besaßen, die Zoll,
offensichtlich in unterschiedlicher Höhe, bis zu
12,5 Prozent, auf den
Durchgangshandel erboben.11s Umstritten ist die spezifische Organisationsform, ob nämlich weiterhin Pächtergesellschaften, d.h. jedenfalls mehrere Personen, die hohen Investitionsmittel aufbrachten, oder ob unter den conductores Einzelpächter verstanden werden müssen, die als einzelne ohne die Absicherung durch eine
societas das finanzielle Risiko eingingen. Gerade
wenn man davon ausgeht, daß
die stärkere Kontrolle der Zolleinkünfte durch kaiserbebe Prokuratoren spätestens seit dem späteren I . Jh. zu einer geringeren Gewinnmarge geführt haben könnte, ist kein Motiv zu sehen, weshalb Einzelpächter leichter als Gesellschaften zu einer risikoreichen Pacht veranlaßt worden sein sollten. Somit dürfte man auch im
2. Jh. eher von einer gemeinschaftlichen Organisationsform ausgehen. lm iJlyrischen Großbereich sind erstmals unter Commodus eigene kaiserliche Proku ratoren speziell für den Zoll in diesem Gesamtgebiet oder auch nur Teilen des Gesamtbezirks bezeugt.1 1 6 Dieses Faktum allein wäre nicht entscheidend, um von einem wesentlichen Wandel in der Erhebungsform sprechen zu können, da die Ausdifferenzierung der Funktionen der Zollprokuratoren wohl aus dem Amts bereich der normalen Provinzprokuratoren auch bei einer Beschränkung von deren Aufgaben allein auf die Kontrolle der Zollpächter und ihres Verhaltens möglich wäre. Beweisend sind wohl eher die vielen kaiserlichen Sklaven und Frei gelassenen, die an den Zollstationen selbst seit den letzten Jahrzehnten des 2. Jh.s erscheinen und dort offensichtlich Aufgaben erfüllen, die zuvor dem Subal ternpersonal der
conductores
zugekommen waren. 1 1 7 Daraus ist der Schluß
gezogen worden, die permanenten Kriege in den Donauprovinzen unter Mare Aurel hätten die Verpachtung- in welcher Form auch immer- ständig schwieriger und schließlich unmöglich gemacht, so daß der Kaiser sich schließlich gezwungen l l4 Siehe dje Positionen von de Laet, Portorium 403 ff. und, mit klarer Methodik, Brunt, Roman Imperial Themes 406 ff. 1 15 A.R. Birley, The Economjc Effects of Roman Frontier Policy, in: The Roman West in the Third Cen tury, ed. A. King - M. Henig, BAR Int. Ser. 109, 1981, 39 ff. 1 16 CIL UJ 752 = 7435 D. 1856 (182 n.Chr.); CIL ill 7127 D. 1421: proc. lllyrici per Moesiam inferiorem et Dacias tres; dieselbe Person in ClL ID 8042 (aus Dacia) unter Commodus genannt. Siehe jetzt auch M. Tatscbewa, Neues über publicum portorii Illyrici et ripae Thraciae, in: Roman Limes on the Middle and Lower Danube, hg. P. Petrovic, Belgrad 1996, 177 ff. 1 1 7 de Laet, Portorium 4 1 2 ff.; Brunt, Roman Imperial Themes 416. =
=
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sah, seine eigenen. ritterlichen Prokuratoren mit der Aufgabe zu betrauen. Aller dings fehlt bisher jeglicher Beleg dafür, daß dies tatsächlich unter Mare Aurel vollzogen wurde.1 1 8 Wie weit diese Veränderung
im illyrischen Raum gegangen
ist und wie dauerhaft sie war, läßt sich nicht klar erkennen. Doch darf aus einer möglichen Sondersituation in den Donauprovinzen auf keinen Fall abgeleitet werden, daß auch in den anderen Zollregionen, in Gallien, Spanien, Mrica oder im Osten zur gleichen Zeit die Erhebung der portoria durch private Pächter abge schafft wurde. Die kaiserliche Regierung kann bei ihrer grundsätzlichen Ein stellung zur Beibehaltung der jahrhundertelang bewährten Strukturen keine Veranlassung gesehen haben, die vielleicht durch die Umstände erzwungene Verän
derung in den Donauprovinzen, ohne konkrete Schwierigkeiten in anderen Reichs teilen, dorthin zu übertragen. Tatsächlich finden wir deshalb auch z.B. unter Com modus für den kleinasiatischen Bereich einen Pächter des dortigen 2 1/2 %igen Zolls, den dieser für 30 Jahre, also sechs Pachtperioden zu je 5 Jahren, eingezogen hatte; er hatte zwar gleichzeitig prokuratorisehe Funktionen in anderen Provinzen versehen, doch beinhaltete das nicht die 'Verstaatlichung' der von ihm betriebenen Zollerbebung. 1 1 9 Das Problem der Inkompatibilität von staatlicher Tätigkeit und gleichzeitiger privater Zollerhebung für den Staat hat sich wie auch bei Proku ratoren/Zolleinnehmern in den Donauprovinzen unter Antoninus Pius und Mare Aurel offensichtlieb nicht gestellt. Obwohl zur Erfassung der Steuerkraft der Provinzen der überall durchgeführte Census 120 von entscheidender Bedeutung war, wurde er im allgemeinen Funk tionsträgem übertragen, die mit der Steuererhebung selbst nicht befaßt waren. Das mag ein altes Erbe aus dem republikanischen Census für die römischen Bürger gewesen sein, als Censoren und nicht die ordentlichen Jahresmagistrate den Census durchführten. Doch mag der Grund auch darin gelegen haben, daß der Census weit über den Steuereinzug hinaus die Basis für die Leistungen einzelner an die Allgemeinheit, gerade auch für die Städte selbst gewesen ist. In Apuleius'
Goldenem Esel wird ein Geldwechsler Chryseros geschildert, der aus Furcht vor l l 8 C. Antonius Rufus, dessen Bezeichnung als Prokurator immer wieder auf den
illyrischen Zoü bezogen wurde (PIR2 A 871; de Laet, Portorium 405), hat jedenfalls mit dieser Entwicklung noch nichts zu tun (Brun t, Roman Imperial Themes 4 1 1 Anm. 190; 415 Anm. 203). 1 1 9 Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres I 523 ff. mit der Interpretation von Brunt, Roman Imperial Themes 407 f.; vgl. auch Cl. Nicolet, "Frumentum mancipale": en Sicile et ailleurs, in: Nourrir Ia plebe. Hommages a D. van Berchem, hg. A. Giovan nini, Genf 1991, 1 19 ff. 120 Vgl. Brunt, Roman Imperial Themes 329 ff.; zur praktischen Durchführung in Ägypten R.S. Bagnall B.W. Frier, The demography of Roman Egypt, Cambridge 1994, 1 1 ff. -
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Verpllichtungen gegenüber seiner Gemeinde (officia und munera) seinen Reichtum verheimlichte und nach außen ein bescheidenes Leben führte. 1 2 1 Das kann nur dann für ihn von Vorteil gewesen sein, wenn damit auch die Erfassung beim
census verhindert wurde, was bei Geldvermögen im Unterschied zum Grundbesitz möglich war. Eine einheitliche Art, die Leistungskraft der Provinzialbevölkerung zu erfassen, wurde im 1./2. Jh. nicht entwickelt. Während in Ägypten in einem regelmäßigen Rhythmus von 14 Jahren vom Statthalter ein provinzweiter Census angeordnet wurde, bei dem Vermögen und Personen erfaßt werden sollten, ist für keine der anderen Provinzen eine solch regelmäßige Erneuerung der Censusunter lagen nachzuweisen, auch nicht für die galJisch-germanischen Provinzen oder Thrakien, wo relativ am häufigsten Censusaktionen wegen der Ernennung spezieller Amtsträger, zumeist von
legati Augusti ad census accipiendos, bezeugt
sind. Dabei wäre eine regelmäßige Erneuerung vom Sinn dieser administrativen Maßnahme her zu fordern. Denn wenn etwa in Syrien die Kopfsteuerpflicht für Frauen mit 12 Jahren begann, wäre die Voraussetzung für eine kontrollierte Erfassung eigentlich ein Census in einer Abfolge von 1 2 Jahren. In unserem Quellenmaterial hat dies allerdings keinen Niederschlag gefunden. Verantwortlich waren für die Durchführung des Census offensichtlich sehr verschiedene Amtsträger. Zahlreich sind für manche Provinzen vom Kaiser eigens abgesandte Censusbeauftragte, zumeist senatorischen Ranges, die häufig den Census neben der normalen Statthaltertätigkeit durchführten; dies konnte auch in Provinzen mit Präsidialprokuratoren geschehen, wie beispielsweise in Thrakien, wo unter Vespasian ein Ritter gleichzeitig Gouverneur und Beauftragter
für den
Census gewesen ist. 122 Die eigens mit Censusaufgaben betrauten Amtsträger konzentrierten sich freilich nur auf einen Teil der Provinzen, vor allem auf Provinzen des Kaisers, speziell die gallischen und germanischen Provinzen, die Tarraconensis und Thrakien; dagegen fehlen, insbesondere in den Provinzen mit prokonsularen Statthaltern, größtenteils alle Hinweise, daß schon vorhandene oder eigens abgesandte Amtsträger mit einem besonderen Mandat eine Revision der Censusunterlagen durchgeführt hätten. 1 23 Diese Dokumentation kann für das Gesamtphänomen des Census während des 1./2. Jh.s nicht alles aussagen, vielmehr müssen wohl häufig andere Amtsträger Censusaufgaben durchgeführt
1 2 1 Apul., metam. 4, 9; vgl. Brunt, Roman Imperial Themes 533. 122 AE 1974, 583; vgl. M. Le Glay, Les censitores provinciae Thraciae, ZPE 43, 1981,
175 ff.
123 Listen der bekannten Censusbeauftragten, einschließlich der untergeordneten
Funktionsträger bei Brunt, Roman Imperial Themes 345 f.; vgl. Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres lll 1044 passim und Thomasson, Legatus 85 ff.
140
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haben, ohne daß dies in der Funktionsbezeichnung eigens gekennzeichnet worden ist.l 24 Deutlich wird dieses Faktum in den Jahren 127/128 in der Provinz Arabia; der Statthalter T. Aninius Sextius Florentinus wird innerhalb seines cursus
honorum, d.h. der normalen Dokumentationsform für Amtsträger dieses Typs, lediglich als normaler legarus Augusti pro praetore bezeichnet; dennoch hat er, wie Dokumente aus dem Archiv zweier Frauen, von Babatha und von Salome Komaise, zeigen, im J. I 27 einen offensichtlich provinzweiten Census durchgeführt, bei dem auch Kommandeure der in der Provinz stationierten Hilfstruppen als lokale oder regionale censitores fungierten. 125 Genau dies kennen wir auch aus anderen Provinzen, freilich nur dann, wenn senatorische Leiter und ritterliche untergeordnete Funktionsträger die Aufgabe eigens in ihren Inschriften
formulieren. Doch wenn in Arabien ein nur als normaler Starrhalter benannter Legat einen Census leiten konnte, dann ist dies wohl auch in anderen Provinzen mit Legaten oder Prokonsuln als Gouverneuren vorauszusetzen. Damit wäre aus sachlichen Überlegungen heraus auch leichter ein regelmäßiger Rhythmus in der Adaption der Censusunterlagen in allen Reichsteilen anzunehmen. Ln den Fällen aber, in denen ein besonderer Auftrag erteilt wurde, könnten außergewöhnliche Umstände ein Spezialmandat erfordert haben.1 26 Vermutlich wurden bei jedem
census auch die in der Provinz lebenden römischen Bürger eigens erfaßt, da sie, wie Ägypten zeigt, wohl immer noch gewisse Privilegien genießen konnten. Freilich sollte man nicht zu sehr betonen, daß verläßliche Censusunterlagen und damit eine regelmäßige Überprüfung zu den vordringlichen Aufgaben der römischen Administration zählte. Denn der erwähnte Census in Arabien im J. 127 dürfte überhaupt der erste in dieser Provinz gewesen sein, immerhin 21 Jahre nach der Annexion.1 27 Steuern wurden auch schon zuvor erhoben. Dazu genügten
124 A llein in der Amtsbezeichnung einzelner Funktionsträger aber konnten solche Censusaktionen dokumentarisch erha.lten bleiben, weil der Cursus von Amtsträgern oft
in Steininschriften überliefen ist. Censusunterlagen, die es in großen Massen gegeben hat, fielen, da auf nicht dauerhaftes Schreibmaterial geschrieben, notwendigerweise der Vernichtung anheim, außer unter Sonderbedingungen wie in Ägypten oder z.B. beim
Babathaarchiv. l 25 CIL lil 14148, 10; Lewis, Documents 65 ff. Nr. 16; H.M. Cotton, Another Fragment of the Declaration of Landed Property from the Province of Arabia, ZPE 99, 1993, 1 1 5 ff.; dies., The Archive of Sa1ome Komaise, ZPE 105, 1995, 171 ff. Zum Einsatz ritterlicher Präfekten für unterschiedliche administrative Aufgaben siehe H.
Zwicky, Zur Verwendung des Militärs in der Verwaltung der römischen Kaiserzeit, Diss.
Zürich, Wintertbur 1944. l 26 Vgl. auch A. Aichloger, Zwei Arten des Provinzialcensus?, Chiron 22, 1992, 35 ff. Auch in Arabien dürfte der Census im übrigen vom Kaiser speziell angeordnet worden sein. 1 27 Vgl. dazu Cotton (Anm. 99).
Provinzialverwaltung und Steuern
141
zumindest zunächst die Regelungen, die i n der vorrömischen Epoche gegolten hatten. Vergleicht man die gesamte Provinzialadministration zum Ende des 2. Jh.s mit dem Bild, das sie in den Anf angen des Prinzipats geboten hat, dann sind viele gleichbleibende, 1 28 aber auch manche fortentwickelte Züge festzustellen. Im Zentrum des administrativen Lebens steht weiterhin der Statthalter, dessen Kompetenzen, gleichgültig welche Benennung er trug, im wesentlichen unbe schränkt geblieben sind. Gerade seine umfassende Zuständigkeit, die nicht durch einen weitgespannten personellen Apparat unterstützt wurde, hat ihn allerdings daran gehindert, seine juristisch gegebenen Möglichkeiten auch in vollem Umfang
auszuschöpfen. Er eignete sich weit mehr für Repräsentation und allgemeine Leitung der Provinz. Dazu kam noch, daß im Verlauf des 1 . und 2. Jh.s immer mehr Einzelpersonen, ebenso aber auch die Gemeinden der Provinzen weniger auf die lokalen Kräfte, also die städtischen Magistrate und Gremien vertrauten und immer öfter, auch wenn dies rechtlich nicht nötig gewesen wäre, den Vertreter Roms, sei es den Statthalter, sei es den Kaiser selbst, um Entscheidungen angingen. Nicht nur Plutarch hat darüber vernehmlich Klage geführt und die Aushöhlung der städtischen Autonomie befürchtet.129 Zudem haben verschiedene innere Gründe in vielen Städten Mißwirtschaft und Vergeudung finanzieller Ressourcen zur Folge gehabt. All dies führte offensichtlich immer wieder zu Situationen, die der Statthalter allein nicht bewältigen konnte. So wurden seit Beginn des 2. Jh.s zunächst vereinzelt, im Laufe der Zeit in einigen Provinzen
verstärkt spezielle kaiserliche Beauftragte für einzelne Städte, für Städtetypen oder auch temporär für ganze Provinzen ernannt. Dadurch wurde das statthalterliehe Regime ergänzt, jedoch in seinem Grundsatz und der konkreten Ausgestaltung nicht verändert. Ein hierarchisches System von Amtsträgern innerhalb einer Provinz entwickelte sich dadurch nicht, da die Sonderbeauftragten direkt vom Kaiser ernannt wurden und ihm unmittelbar rechenschaftspflichtig waren, nicht jedoch dem Statthalter. Dieser konnte ihnen nach aller Wahrscheinlichkeit auch keine Anweisungen erteilen. Dies gilt genauso im Verhältnis zwischen dem Provinzgouverneur und dem kaiserlichen Provinzprokurator oder anderen Prokuratoren ritterlieben Ranges für ausdifferenzierte Teile der Finanz- oder
l 28 Dazu gehörte z.B. auch die Art und Weise, in der Rekruten ausgehoben wurden; P.A. Brunt, Conscription aod Volunteering in the Roman l mperiaJ Army, SCJ I, 1974, 198 ff. 90 ff. ders., Roman Imperial Themes 188 ff.; zu den dilectatores J 00 ff. l29 Plut., moral. 814 e-8 1 5 a; P. Herrmann, KaiserHebe Garantie für private Stiftun gen. Ein Beitrag zum Thema "Kaiser und städtische Finanzen", in: Studien zur antiken Sozialgeschichte 339 ff. =
=
142
Provinzialverwaltung und Steuern
Patrimonialverwaltung. Sie alle waren befehlsmäßig vom Stauhalter unabhängig und konnten wie etwa der praefectus orae Ponticae in der Provinz Pontus Bithynien zur Zeit des jüngeren Plinius, Gavius Bassus, direkt mit dem Kaiser korrespondieren. l30 Dies bedeutete nicht, daß Statthalter und Prokuratoren oder Präfekten nicht miteinander kooperierten, bei Gerichtsverfahren, Grenzstreitig keiten oder der Organisation des cursus publicus. So hatte Plinius in der bithyniscben Stadt Nicaea zusammen mit dem ritterlichen Provinzprokurator Virdius Gemellinus und dem Freigelassenenprokurator Epimachus über angeblich von Augostus gewährte Privilegien hinsichtlich des Nachlasses von Verstorbenen, wenn keine gesetzlichen Erben vorhanden waren, gemeinsam eine Untersuchung durchzuführen. 131 Auch im spanischen Emporiae hatten der Statthalter der Tarra conensis, sein iuridicus und der Provinzprokurator i n der vespasianischen Zeit gemeinsam vermutlich einen Territorialstreit zu klären gehabt; Vergleichbares kennen wir aus anderen Provinzen.'32 Aber es entstand keine grundsätzliche befehlsmäßige Abhängigkeit, keine hierarchische Unterordnung.133 Derartiges scheint zwar i n Ägypten - zumindest partiell - zwischen dem Präfekten und den anderen Funktionsträgem, dem iuridicus, dem Dioiketen, dem Archiereus sowie den Epistrategen wirksam gewesen zu sein. 1 34 Doch ob solches auch in den anderen Provinzen der Fall war, in denen im Verlauf des 2. Jh.s zumeist mehrere Prokuratoren mit unterschiedlicher Besoldungshöhe amtierten - Fiskalprokurator der Provinz, verschiedene Domanialprokuratoren z.B. für Bergwerke, Prokurator für die Erbschaftssteuer - ist nicht zu erkennen, vielleicht sogar unwahrscheinlich, da nicht selten auch die territoriale Zuständigkeit unterschiedlich gestaltet war. 135 Denn mag auch die Provinz im allgemeinen der normale Rahmen für die 1 30 Plin., ep. 10, 21 f. 1 3 1 Plin., ep. 10, 84. 1 32 AE 1952, 122. Zur Grenzziehung zwischen Sagalassos und Tymbrianassus in
Pamphylien durch Statthalter und Prokurator, siehe Eck, Verwaltung I , 356 Anm. 15. l33 Selbst bei dem vom Prokonsul eingesetzten Logisten der Gerusie in Ephesus gab es kein strenges Abhängigkeitsverhähnis. Zwar weisen Mare Aurel und Verus den Lo
gisten Ulpius Eurycles darauf hin, daß er sich in bestimmten Fragen eigentlich an den Prokonsul, der ihn ernannt hatte, hätte wenden sollen; aber dann beantworten sie doch alle seine Anfragen; Forsch. Eph. n 23 = lnschr. Ephes. I A 25 = Oliver, Greek Constitutions Nr. 170.
134 Hagedorn, Zum Amt des
§
ÖtOtKilT�c;
167ff. bes. 183 ff.; D. Thomas, Tbe Epistra
te os in Ptolemaic and Roman Egypt, Part 2: The Roman Epistrategos, Opladen 1982. 13 Ein hierarchisches Verhältnis hat aber vielleicht vom Provinzprokurator bzw. dem Patrimonialprokurator gegenüber den Freigelassenenprokuratoren in Teilbezirken von
Provinzen bestanden. Vgl. z.B. P. Herrmann, Chresimus, procurator lapicidinarum. Zur Verwaltung der kaiserlichen Steinbrüche i n der Provinz Asia, Tyche 3, 1988, 1 19 ff.; dazu auch J. Clayton Fant, Cavum Antrum Phrygiae, The Organization and Operations of the Roman Imperial Marble Quarries in Phrygia, BAR Int. Ser. 482, 1989, 1 7 ff.
Provinzialverwaltung und Steuern
143
Amtstätigkeit eines Funktionsträgers gewesen sein, so wurde dieser Rahmen bei Prokuratoren manchmal unter-, öfter jedoch überschritten und mehrere Provinzen administrativ erfaßt.136 So gab es etwa für die Narbonensis, die einem Prokonsul unterstand, im 2. Jh. einen Patrimonialprokurator, der nur in dieser Provinz wirkte; gleichzeitig war ein Prokurator für die Erbschaftssteuer tätig, der aber außer für die Narbonensis auch für die kaiserliche Provinz Aquitania zuständig war, während die allgemeine Steuerverwaltung der Aquitania wiederum einem anderen Prokurator unterstand, dessen Zuständigkeit auch die Lugdunensis umfaßte. Für die allgemeine Kontrolle des 2 l n %igen Zolls i n a11 diesen Provinzen war sodann außerdem ein eigener Prokurator tätig.137 Bei solch
unterschiedlichen Voraussetzungen und Zuständigkeiten scheint eine hierarchjsche Gliederung selbst unter den ritterlichen Prokuratoren einer Provinz unwahr scheinlich, vielmehr waren sie mit aller Wahrscheinlichkeit hierarchisch alle unmittelbar auf Rom ausgerichtet; diese direkte, nicht vermittelte Verbindung scheint römischen Vorstellungen insgesamt adäquat gewesen zu sein.138 Ob sie dort jeweils einem zentralen Prokurator für ihren speziellen Amtsbereich unterstellt oder nur allgemein für die finanziellen Resultate dem
a rationibus
gegenüber rechenschaftspflichtig waren, läßt sich bis heute noch nicht klären. Auch die sonstigen konkreten Verbindungen administrativer Stellen in Rom mit Amtsträgem in der Provinz, beispielsweise des Leiters der stadtrömischen annona mit Statthaltern oder Prokuratoren wegen der Lieferung von Getreide, bleiben für uns weitgehend im Dunkeln, obwohl sie bestanden haben müssen. Die nicht sehr starke, aber merkbare Vermehrung der Zahl der aus Rom abgesandten Amtsträger, womit auch eine Verstärkung des Unterpersonals aus kaiserlichen Sklaven und Freigelassenen sowie auch von Soldaten verbunden war, sollte das Leben der Provinzbevölkerung doch i n irgendeiner Form betroffen haben, auch wenn
das Netz staatlicher administrativer Subzentren in einer Provinz
vermutlich nicht allzu dicht gewesen sein dürfte, jedenfalls nicht zu vergleichen mit der hohen Dichte der privat errichteten Zollstationen in Asien im J. 62 n.Chr., wie sie sich aus der
Iex portorii provinciae Asiae ergeben.139 Wie sich
l36 Siehe in diesem Band 167.
137 Belege bei pflaum, Carrieres procuratoriennes 6questres III I 051 ff.; Suppl. 1 1 9 f. 138 Vgl. dazu die interessanten Beobachtungen B. Jsaacs für das Heer und die zahl
reichen centuriones einer Legion: Hierarchy and Command-Structure in the Roman Army, in: La hierarchie (Rangordnung) de l'armee romaioe sous le Haut-Empire, hg. Y. Le Bohec, Paris 1995, 23 ff. Siehe auch F. Jacques - J. Scheid, Rome et l'integration de !'Empire, 44 av. J.-C. - 260 ap. J.-C., Paris 1990, 104. 139 H. Engelmann - D. Knibbe. Das Zollgesetz der Provinz Asia, Epigr. Anat. 14, 1989, 55 ff.; T. Spagnolo Vigorita. Lex portus Asiae. Uo nuovo documento sull' appalto delle imposte, in: I rapporti contrauuali con Ia pubblica amministrazione nell'
144
Provinzialverwaltung und Steuern
diese Verstärkung der staatlichen Beauftragten freilich im konkreten in den ein zelnen Provinzen ausgewirkt hat, ist unseren Dokumenten kaum zu entnehmen. So ist zwar allgemein mit einem größeren Anfall an schriftlichen Dokumenten im Verwaltungshandeln zu rechnen, in Einzelfällen sogar nachzuweisen; aber die Methode, wie in den einzelnen Provinzen die für die gesamte Bevölkerung oder auch einzelne Personen wichtigen Verordnungen oder Dokumente verbreitet oder publiziert wurden, 140 war nicht einheitlich geregelt, auch nicht die Art und Weise, wie das zunehmende Bedürfnis nach Archivierung der innerhalb der Administration angefallenen Dokumente befriedigt wurde. Unbestreitbar ist freilich, daß zumindest im Verlauf des 2. Jh.s, vielleicht sogar schon seit der Zeit des Claudius
immer mehr Material in die Archive der provinzialen Amtsträger aufgenommen wurde.141 Partiell mag dabei
das stadtrömische Vorbild um den Kaiser stilbildend
gewesen sein. Doch hat Gleichartigkeit und Uniformität kaum zu den Prinzipien der römischen Administration allgemein und speziell auch in den Provinzen gehört, 142 so sehr die Kaiser auch bereit waren, detaillierte Regelungen und Vorschriften im konkreten Einzelfall zu geben, selbst gegenüber einer Freistadt wie Athen.143 Individuelle oder provinziale Traditionen wie etwa bei der Befreiung der Frauen i n Ägypten von der Kopfsteuer, der unterschiedlichen Höhe in der Besteuerung des Bodens, den sehr differierenden Zollsätzen im innerrömischen Handel, den verschiedenen Privilegierungen vieler Städte oder der nicht gleichartig geregelten Frage, wo jemandes origo war, 144 haben der römischen Administration keine konzeptionellen Schwierigkeiten bereitet. In Italien konnten noch in der Zeit Mare Aurels die Höchstpreise
für Gladiatoren durch jeden beliebigen, gerade
greifbaren Amtsträger, sei es der Alimentarpräfekt, der
iuridicus, der curator
esperienza storico-giuridica. Congresso internazionale, Torino 17-19 ottobre 1994, Neapel 1996, 3 ff. 140 W. Eck, Zur Durchsetzung von Anordnungen und Entscheidungen ( Anm. 10) 9 1 5 ff. = ders., Verwal tung 1 , 55 ff.; S. Strassi, Problemi relativi alla diffusione delle d ispo sizioni amministrative nell' Egitto Romano, ZPE 96, 1993, 89 ff.; 0. Thomas, Com munication between tbe Prefect of Egypt, tbe Procurators and the Norne Officials, in: Lokale Autonomie und römische Ordnungsmacht in den kaiseneitlichen Provinzen vom 1 .-3. Jh., hg. W. Eck, München 1998 (im Druck). Zur Übermittlung der Namen der neuen gewählten Konsuln vgl. 0. Salomies. Consular Fasti and Consular Dati ng During the Empire, Ktema 18, l993, 103 ff. 14 1 R. Haensch, Das S tauhalterarchiv, ZRG 109, 1992, 209-317. 142 Brunt, Roman Imperial Themes 386. 395 f.; Miliar, JRS 73, 1983, 88; M. Corbier, L'impöt dans l'empire romain: resistances et refus (I
Provinzialverwaltung und Steuern
145
viarum oder vielleicht auch der Präfekt einer italischen Flotte erfolgen.145 Ebenso hat in vespasianischer Zeit in der kleinasiatischen Stadt Sardeis einmal der Prokonsul, ein anderes Mal aber der kaiserliche Patrimonialprokurator die Gewährung eines Zuschusses für die Mysterien des Men durch die städtischen Magistrate bestätigt. 1 46 D.h. in beiden Fällen hat nicht eine ausschließliche Zuständigkeit eines Typs von Amtsträgern bestanden, vielmehr hat offenbar in solchen Fragen eine erhebliche Flexibilität die römische Verwaltung gekenn zeichnet. Wer entschied, hing zumindest partiell von der Wahl derer ab, die eine Entscheidung benötigten. Dennoch hat es offensichtlich von seiten der Kaiser und ihrer provinzialen Amtsträger auch ein gewisses Bedürfnis nach Gleichartigkeit des Verwaltungshandeins gegeben. Doch haben die
mandata dafür nicht ausge
reicht, weil es sich dabei offensichtlich vornehmlieb um inhaltliebe Einzel regelungen handelte, die zu ganz unterschiedlichen Zeiten formuliert worden waren, nicht jedoch um eine systematische Erörterung vieler oder aller denkbaren Möglichkeiten administrativen Handelns. Diesem Bedürfnis sind manche Juristen im späten 2. und zu Beginn des 3. Jh.s nachgekommen, indem sie Handbücher über die Aufgaben einzelner Amtsinhaber verfaßten, wie z.B. Veouleius Satuminus unter Mare Aurel über die Aufgaben des Prokonsuls, ähnlich Ulpius Marcellus, Statthalter von Britannien bereits im J. 178,147 allgemein
praesidis
de officio
und dann vor allem Ulpian und Paulus über die Pflichten ganz
unterschiedlicher Amtsträger, darunter des Quästors, des Prokonsuls oder des
curator rei publicae.
Verbindliche Vorschriften
für alle Amtsträger waren dies
trotzdem noch nicht, sondern die individuellen Sichtweisen einzelner prominenter Juristen, die
freilich auch zahlreiche kaiserliche Einzelentscheidungen
verarbeiteten. Der Weg für eine stärkere Vereinheitlichung und eine Regelung des staatlichen Verwaltungshandeins im Detail, auch in den Provinzen, war damit aber vorgegeben.
1 45 ClL Ll 6278 D. 5163 FIRA 12 Nr. 49. 1 46 Unpublizierter Text aus der Gegend von Sardeis, der von H. Malay veröffentlicht =
=
werden wird. 147 Siebe Roxan, RMD III 184.
DIE BEDEUTUNG DER CLAUDISCHEN REGIERUNGSZEIT FÜR DIE ADMINISTRATlVE ENTWICKLUNG * DES RÖMISCHEN REICHES
Das Urteil über den spezifischen Charakter der Regierungszeit des Claudius ist in der Forschung keineswegs einheitlich. Die Bezeichnungen, die für ihn und sein politisches Handeln verwendet werden, reichen vom Konservativen, der aus historischer Kenntnis seine Entscheidungen trifft, über den 'halben Narren', der in Wirklichkeit von seinen freigelassenen 'Favoriten' abhängig war, bis zum Revolu tionär, der sich über selbstverständliche Traditionen hinwegsetzt. 1 Entsprechend werden auch seine Vorbilder sehr unterschiedlich gesehen: Sowohl Augustus als auch Caesar sollen für sein politisches Handeln stilbildend und inhaltsbestimmend gewesen sein.2 Bei aller Divergenz in der Gesamtbeurteilung ist man sich dennoch in der Forschung (abgesehen von wenigen Ausnahmen) weitgehend darüber einig, daß mit Claudius ein Neubeginn oder zumindest doch eine ganz wesentliche Weiter entwicklung in der Administration des römischen Reiches festzustellen sei. Schwankend ist man lediglich in der Hinsicht, ob diese tiefgreifende Veränderung seiner eigenen programmatischen Einsicht oder eher der Initiative seiner großen Freigelassenen zugeschrieben werden müsse. Die Stichworte lauten dabei Zentralisierung, Hierarchisierung, Bürokratisierung, Ausbildung von Zentral ämtern, Ressortfanatismus und ähnliche Begriffe;3 ferner spielt die Vorstellung,
*Folgende Werke werden abgekürzt zitiert: B. Levick, Claudius, London 1990; A.D. Momigliano, Claudius, the Emperor and his Achievement, ND Cambridge 1961; S.l. Oost, The Career of M. Antonius Pallas, AJP 79, 1958, 1 1 3 ff.; W. Seitz, Studien zur Prosopographie und zur Sozial- und Rechtsgeschichte der großen kaiserlichen Zentralämter bis hin zu Hadrian, Diss. München 1970; A.N. Sherwin-White, Procurator Augusti, PBSR 15, 1939, I I ff. 1 Siehe nur beispielsweise Momigliano 16 f. und Levick; H.-G. Pflaum, in: Propyläen Weltgeschichte IV, Frankfurt 1963, 336 ff.; A. Garzetti, From Tiberius to the Antonines, London 1974, 106 ff. 597; K. Christ, Geschichte der römischen Kaiser zeit, München 1988, 214 ff.; A.N. Sherwin-White, The Roman Citizenship, Oxford2 1973, 238. 2 B. Levick, Claudius: Antiquarian or Revolutionary?, AJP 99, 1978, 79 ff. 3 M.P. Charlesworth, CAH X, 1934, 685 ff.; Seitz, passim; Christ (Anm. I) 223 ff.; Hirschfeld, Verwaltungsbeamte 471 ff.; Pflaum, Procurateurs 36 ff.; Boulvert, Esclaves 91 ff. (vgl. aber dazu etwa Weaver, Labeo 18, 1972, 223); Garzetti (Anrn. 1 ) 134, der z.B. davon ausgeht, daß alle Prokuratoren der kaiserzeitlichen Provinzen von Pallas, dem a rationibus, abhingen. Selbst unter Claudius ist solches, in einem rechtlichen und faktischen Sinn, etwa einer permanenten Befehlsstruktur, undenkbar. Denn das würde z.B. bedeuten, daß auch die Präsidialprokuratoren etwa der beiden Mauretaniae oder von Rätien und Noricum Pallas unterstanden hätten.
148
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
der Rilterstand oder zumindest Teile daraus seien als Gegengewicht gegen mögliche senatorische Machtansprüche gedacht gewesen, eine nicht unwesentliche Rolle in der Einschätzung durch die Forschung.4 Im Detail wird dies freilich nirgendwo beschrieben und auch die Konkretisierung, was beispielsweise unter Zentralämtern oder Ressorts genau zu verstehen sei, unterbleibt. Dabei wäre gerade dies notwendig, um das Spezifische, das Neue in der Relation zur vorausgehenden Epoche abschätzen zu können. Vorherrschend ist die Beschreibung all dessen, was mit den großen Freigelassenen um Claudius zu tun hat, also mit Narcissus, Pallas, Polybius, Posides und Callistus. Dabei ist unbestreitbar, daß für einige dieser liberti bereits Funktionsbeschreibungen überliefert sind, wie sie
in späterer Zeit allgemein für Träger bedeutender Aufgaben um den Kaiser üblich waren.5 So wird beispielsweise Narcissus auf einer fisrula
aquaria,
also einem
zeitgenössischen Dokument, das nicht durch die spätere Entwicklung beeinflußt sein kann,
ab epistulis
genannt;6 Pallas begegnet bei Sueton, Claud. 28 als
rationibus, während Tacitus, ann. 13,
14, l erklärt:
a
Nero demovet Palianlern cura
rerum, quis a C/audio impositus velut arbitrium regni agebat.1
Gerade in dieser
Formulierung ist jedoch das für die Zeitgenossen vor allem AuffaJiige einge fangen: die außerordentliche Macht, die Personen wie Pallas zukam. In ein eindrucksvolles Bild hat dies z.B. Sueton gefaßt, wenn er von Polybius, dem
studiis bzw. a libellis
a
des Claudius sagt, er sei öfter gesehen worden, wie er, in
der Öffentlichkeit, zwischen den beiden Konsuln spazieren gegangen sei;8 noch der spätantike Verfasser der Epitome de Caesaribus bat diesen Zug für so wichtig gehalten, daß er ihn in seine sonst recht kurze Charakterisierung der claudischen Regierungszeit aufnahm.9 Kaum ein antiker Autor, der auf Claudius und seine
liberti zu sprechen kommt, vergißt, auf die ornamenta praetoria hinzuweisen, die 4 Siehe in besonders prägnanter Form etwa Hirschfeld, Verwaltungsbeamte 474 f. 5 Eine Zusammenstellung aller antiken Angaben bei W. Seitz, Zentralämter 30 f. 61 f. 73 f.; ferner auch bei F. Miliar, Emperors at Work, JRS 57, 1967, 9 ff. 6 CIL XV 7500 = D. 1666. Man kann aus dem Dokument auch erschließen, daß
Narcissus selbst sich so benannt wissen wollte; denn die fistula war sein Eigentum, somit hat er auf den Wortlaut, der dort erschien, wohl Einfluß genommen, direkt oder indirekt; diejenigen, die die fistula in Auftrag gaben, wußten jedenfalls Uber Narcissus' Vorstellungen Bescheid. 7 Man kann nicht etwa den Einwand machen, diese Bezeichnungen seien nicht zeitge nössisch, vielmehr seien hier möglicherweise spätere Bezeichnungen schon auf die claudische Zeit übertragen worden. Der Zusammenfall von CIL XV 7500 = D. 1 666 mit Suet., Claud. 28, wo beide Male Narcissus ab epistulis genannt wird, schafft diesen 'methodischen' Einwand aus der Welt. 8 Suet., Claud. 28: ac super hos Polybium ab swdiis, qui saepe inter duos consuies
ambufabat.
9 Epit. de Caes. 4, 8.
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
149
auf Antrag des Princeps dem PalJas vom Senat verlieben wurden. Noch Plinius d.J. kommt in einer im Ton fast zornigen Epistel darauf zu sprechen, wobei es ihn besonders erregte, daß der Senatsbeschluß nicht nur auf dem Grabmal des Pallas an der via Tiburtina zu lesen war, sondern daß er zudem aktiv vom Senat unmittelbar nach dem Beschluß auf einer Bronzetafel unter der Statue des
Iulius
divus
publiziert wurde.1 0 Seneca schrieb an Polybius eine Trostschrift und Scri
bonius Largus widmete Callistus seine
Compositiones medicamentorum, nicht
anders als kurze Zeit früher etwa Velleius Paterculus dem Konsul M. Vinicius sein Geschichtswerk oder später Sueton seine
Vitae Caesarum bzw. Plinius seine
Briefsammlung dem Ritter Septicius Clarus, Prätorianerpräfekt zu Beginn der
hadrianiscben Zeit, dediziert hatten. All dies deutet aber zunächst einmal und wesentlich darauf hin, welche einflußreiche Stellung die Freigelassenen des Claudius innehatten, wie groß ihre faktische Macht war und wie daraus für sie auch Prestige in der Öffentlichkeit folgte. Doch ist damit überhaupt noch nichts darüber gesagt, worauf Macht und öffentliches Prestige beruhten, ob beides ein direkter Ausfluß ihrer Funktionen war, der Aufgaben, die ihnen vom Kaiser zugewiesen waren, oder ob beides nicht vielmehr auf der Nähe zum Machthaber beruhte und speziell auch durch dessen Persönlichkeitsstruktur bedingt war. Daß weithin äußeres Erscheinungsbild und institutioneller Inhalt der Aufgaben bei diesen
liberti von der Forschung in eine unmittelbare, kausale Abhängigkeit
gesetzt werden, kann man jedenfalls nicht bestreiten. Somit sollte man zunächst einmal fragen, was sich an spezifisch Neuern in den hier wichtigen Funktionsbereichen des
a rationibus, ab epistulis und a Libellis
unter Claudius gegenüber der Zeit vorher beobachten läßt. Bestimmte Funktionen, die mit diesen Bezeichnungen verbunden sind, lassen sich auch bereits vor der Zeit des Claudius erkennen. Wenn Augustus nach den Worten des Sueton dem Horaz
epistularum quoque ... officium obtulit (p. 45 R), dann war damit natürlich nicht die Stellung eines einfachen Schreibers verbunden, sondern eine gehobene Aufgabe, bei der insbesondere auch der geschickte Umgang mit dem Wort eine große Rolle spielte. Und die Grabinschrift für eine lulia Methe wurde von einem
Ianuarius Caesaris Aug(usti) ab epistulis gesetzt; er müßte mit sehr hoher
1 0 Plin., nat. hist. 35, 201; Plin , ep. 7, 29; 8, 6; Tac., ann. 12, 53; Suet., Claud. 28; Epit. de Caes. 4, 8. Solch öffentliche Publikation eines s.c. war keineswegs selbstver ständlich, sondern mußte eigens beschlossen werden; gerade darüber ereifert sich Plinius (ep. 8, 6. 13-14); vgl. W. Eck, Administrative Dokumente: Publikation und Mittel der Selbstdastellung, r in diesem Band 359 ff. .
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
150
Wahrscheinlichkeit noch in die Zeit des Augustus gehören . 1 1 Die Art der Funktionsbeschreibung mit ab . . , die vermutlich bereits republikanisch in .
aristokratischen Häusern verwandt wurde, wird beispielsweise von Sueton im Zusammenhang mit dem novum officium ... a voluptatibus gebraucht, das Tiberius dem Ritter T. Caesonius Priscus übertrug.12 Bezeugt ist sodann durch eine stadtrömische Grabinschrift13 ein Antemus Ti. Caesaris Aug(usti) L(ibertus) a
rationi[b(us)]. also ein libertus des Tiberius, der vermutlich unter diesem Kaiser eine Funktion im Rahmen der rationes des Tiberius übernahm. Wenn aber Sueton von den Liberti et servi spricht, die auf schriftliche Anordnung des Augustus nach seinem Tod Rechenschaft darüber ablegen konnten, quantum pecuniae in aerario et
fiscis et vectigaliorum residuis
zu finden sei,14 dann müssen diese ebensolche
Aufgaben durchgeführt haben, wie sie bei Antemus mit der Bezeichnung a
rationibus zu vermuten sind.15 Dies ist auch keineswegs überraschend. Augustus hatte vermutJich unmittelbar seit der Neuordnung des J. 27 v.Chr. keine Quästoren mehr in seinen Provinzen eingesetzt; denn dies hätte zur Folge gehabt, daß ihre Zahl erheblich über 20 hätte liegen müssen; doch viginti
quaestores war die seit Sulla sanktionierte Zahl für dieses Amt.16 Außerdem standen Augustus ohnehin mindestens zwei Quästoren ständig zur Verfügung; sie mochten nominell auch für den Bereich seines imperium proconsulare gedacht gewesen sein. 17 In seine Provinzen hat Augustus jedenfalls Prokuratoren entsand� die unter ihm zunächst noch aus seinen Freigelassenen oder Mitgliedern des ordo
equester genommen wurden, später wurden nur noch Ritter herangezogen.18 1 1 ClL Yl 8596. Siehe allerdings H. Chantraine, Freigelassene und Sklaven im Dienst der römischen Kaiser, Wiesbaden 1967, 190 mit Anm. 15, der eine präzise Datierung nicht für möglich hält. 1 2 Suet., Tib. 42, 2. l3 ClL VI 8409. 14 Suet. Aug. I 0 I, 4. 15 Freilich sollte man solche Aufgaben grundsätzlich noch nicht als Amt bezeichnen, wie es nicht selten geschieht (vgl. z.B. K. Wachtel, Freigelassene und Sklaven in der staatlichen Finanzverwaltung von Augustus bis Diocletian, Diss. Berlin 1966, 18). Denn der Begriff Amt beinhaltet notwendigerweise eine Art öffentliche Funktion und Anerkennung, die jedoch mit dieser Aufgabe noch nicht verbunden sein konnte. Der Übergang dazu war freilich fließend. l6 Vgl. dazu W. Eck, Acta Classica 29, 1986, 107 f. ders., Verwaltung I , 87 f.; ders., in: Opposition et resistances ii !'Empire d'Auguste ii Trajan, Entreliens sur I'Ant. class. 33, Vandoeuvres-Genf 1987, 249 f. ders., Verwaltung l , 44 f. 17 Woher sich diese permanenten quaestores Augusti ableiten, ist nicht klar. Am ebesten könnte man sie mit dem permanenten imperium des Augustus verbinden. l8 Man kann vermuten, daß Augustus in der ersten Zeit nach Actium mit solchen nichtsenatorischen Funktionsträgern noch experimentiert hat; die definitive, alle Provinzen in gleicher Weise betreffende Lösung ergab sich wohl erst nach verschie denen Versuchen. Ein Mißgriff wie der bei Licinus, dem Freigelassenen des Augustus in ,
=
=
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
151
Wieviele solche Prokuratoren zur gleichen Zeit agierten, ist nicht sicher, da nicht unbedingt für jede Provinz ein eigener Prokurator bestimmt worden ist. So war beispielsweise noch unter Tiberius die Aquitania und die Lugdunensis einem einzigen Prokurator anvertraut.19 Immerhin dürften so am Ende der augusteischen Regierungszeit, als mindestens 1 1 Provinzen des Augustus existierten, etwa 8-10 Finanzprokuratoren tätig gewesen sein, die die früher üblichen Quästoren er setzten. Einige wenige Provinzen, in denen Ritter als Statthalter amtierten, wären unter dem Gesichtspunkt der Finanzadministration hier ebenfalls zu erwähnen, da sie die Fiskalangelegenheiten neben ihren sonstigen Statthalterpflichten zu übernehmen hatten. Außerdem ist aber noch an
10 (zeitweise bis zu 12)
Patrimonialprokuratoren zu erinnern, die in den prokonsularen Provinzen sich um den Privatbesitz des Augustus zu kümmern hatten, also etwa in Sizilien oder in Asia.20 Unter Tiberius berichtet Tacitus vom Fall des Lucilius Capito, der in Asia seine Aufgabe, die Finanzen des Princeps, sein patrimonium, zu verwalten, in massiver Weise überschritten batte.21 Wie im einzelnen die rechtlichen Bestimmungen und die praktischen Regelun gen im Finanzbereich formuliert waren, entzieht sich weithin unserer Kenntnis; insbesondere wissen wir nicht, ob es irgendwelche direkten Beziehungen zwischen den jeweiligen Leitern des aerarium Saturni, praefecti bzw. praetores und später
quaestores, und den Prokuratoren in den Provinzen gegeben hat.22 Doch wie immer dies auch gestaltet war: daß die wesentlichen Beziehungen zum Princeps als dem Auftraggeber bestanden, ist unbestreitbar und an ihn hatten somit auch alle Berichte, Abrechnungen, Anfragen usw. von Seiten der genannten ritterlichen Funktionsträger aus den Provinzen zu gehen. Wie hoch die Summen waren, über die hier Buch geführt werden mußte, läßt sich in keiner Weise berechnen. Immerhin aber haben wir den interessanten Hinweis bei Sueton, in seinem
Gallien, mußte weit stärker auf den Auftraggeber, der auch sein Patron war, zurückfallen, als dies bei einem freigeborenen Ritter möglich war. l9 ClL X 3871; dazu W. Eck, ZPE42, 1981, 250 f. 20 Vgl. Pflaum, Procurateurs 30 ff. 2 1 Tac., ann. 4, 15, 2; vgl. Dio 57, 23, 4 f.; PIR2 L 381; vgl. W. Eck, ZPE 106, 1995, 251 ff. 22 Die Wahrscheinlichkeit spricht jedenfalls dafür, daß die Steuern auch aus den kaiser lichen Provinzen weiterhin an das aerarium Satttrni gingen, jedenfalls rechnungs mäßig. Das gilt vor allem dann, wenn der fiscus nur das Privatvermögen des Princeps meinte. Dazu zuletzt M. A1pers, Das nachrepublikanische Fioanzsystem. Fiscus und Fisci in der früheren Kaiserzeit, Berlin 1995; zum frühesten Beleg für fiscus vgl. W. Eck - A. Caballos - F. Fermindez, Das s.c. de Cn. Pisone patre, München 1996, 179 f.
152
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
Testament habe Augustus darüber geklagt, er hinterlasse seinen Erben nur be scheidene Summen, obwohl er allein in den letzten 20 Jahren aus Erbschaften seiner Freunde I ,4 Milliarden Sesterzen eingenommen habe.23 Die
amici
des
Augustus aber waren zahlreich und sie fanden sich im gesamten Imperium Roma num. Die schieren Größen- und Mengenprobleme machen es zwingend,24 daß sich bereits unter Augustus ein nicht ganz kleiner Personalbestand aus Sklaven und Freigelassenen um den Princeps entwickelte, dem die Buchhaltung, wohl auch die Korrespondenz mit den Prokuratoren in den Provinzen und möglicherweise auch die Verbindung zum aerarium Satumi in technischen Fragen aufgetragen waren.25 Fähigkeit und Dauer der Erfahrung könnten dabei durchaus bereits zu einer inneren Differenzierung, vor allem im Sinne einer Über· und Unterordnung innerhalb dieses Personals, geführt haben, ohne daß aber darüber irgend etwas zu unserer Kenntnis gekommen ist. Dieses nicht näher zu beziffernde Personal stand aber eindeutig unter der Leitung des Augustus; es trat nur auf Weisung nach außen auf, wie beispielsweise nach dem Tod des ersten Princeps, um Rechenschaft abzulegen, wenn es nötig wäre. Alleiniges, direktes Handeln war ohne Zweifel noch nicht möglich. Zu fragen ist, was sich daran in der Folgezeit, speziell natürlich unter Claudius, geändert hat.. Auf Pallas wurde bereits hingewiesen. Plinius d.J. zitiert aus dem
s.c.,
das im J. 52 gefaßt wurde, Pallas sei
abstinentissimus fidelissimusque custos
principalium opum bzw. praepositus rerum eius curae gewesen;26 ähnlich spricht Tacitus,
ann.
13, 14, 1 von der cura rerum, quis a Claudio impositus, was Sueton
(Claud. 28) mit
a rationibus umschreibt.
Daraus ist ohne Zweifel zu entnehmen,
daß Pallas zumindest im Bereich des kaiserlichen Patrimoniums die leitende Funktion innehatte27 und
daß Claudius mit seiner Tätigkeit im vollen Umfang
einverstanden war. Wenn der Reichtum, den Pallas in kurzer Zeit auf diese Weise
23 Suet., Aug 101, 3. 24 Das Mengenproblem entwickelte sich ohne Frage eben nicht erst unter Claudius, wie ..
M.P. Charlesworth, CAH X, 1934, 686 f. meinte.
25 Von größter Bedeutung wäre es, mit Sicherheit zu wissen, ob beispielsweise Abrechnungen über die Steuern in den kaiserlichen Provinzen (vgl. Anm. 22) von den
Prokuratoren in dieser frühen Zeit direkt an die Leiter des aerarium Satumi gesandt wur den, oder ob diese über Augustus und seine Freigelassenen gingen. Bisher findet sich darüber kein Hinweis in einer Quelle. Die zweite Alternative ist aber wahrscheinlicher. 26 Plin., ep. 8, 6, 7. 13. 27 Dabei könnte es durchaus bereits einen Freigelassenenprokurator für das patri monium gegeben haben (vgl. P.R.C. Weaver, Historia 14, 1965, 509 ff.), der viel leicht Pallas unterstand. Auffällig ist jedenfalls, daß zwei tabularii, die beide den Namen Ti. Claudius tragen, in der ratio patrimonii tätig waren (CIL VI 8506; XI 3885). Dazu allgemein M. Corbier, Ti. Claudius Marcellinus et Ia procuratele du patrimoine, ZPE 43, 1981, 75 ff.
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
153
erwerben konnte, ein Indikator für eine Kontrolle durch den kaiserlichen Patron sein darf, dann kann diese nicht sehr groß gewesen sein. Denn andernfalls wäre es unvorstellbar, daß PaUas innerhalb weniger Jahre ein Vermögen von 300 oder 400 Millionen Sesterzen angehäuft hätte.28 Seine Stellung wäre somit innerhalb der
rationes durchaus erklärbar aus der Situation, die sich seit Augustus entwickelt hatte, und aus der spezifischen Persönlichkeitsstruktur des Claudius, der be stimmten Teilen des politischen Lebens seine konzentrierte Aufmerksamkeit schenkte, ansonsten aber 'Abhängigkeit' seiner Person von anderen durchaus nicht als ehrenrührig, vielmehr als aus der Sache heraus notwendig und zwangsläufig ansah. Durch des Pallas Hände wären also gewaltige Geldsummen gegangen, was man als Zeichen für das Vertrauen ansehen kann, das ihm der Princeps entgegenbrachte - oder auch als Zeichen für die Abhängigkeit des Princeps von Pallas. Daraufaber beruhte seine unerschütterliche Machtposition, die sich sodann ganz allgemein, auch auf anderen Gebieten, auswirkte. Diese aber wäre völlig unabhängig von einer deut1ichen Veränderung, etwa einer neuen Gesamtstruktur innerhalb seines (ursprüng1ichen) Tätigkeitsbereichs. Gerade diese Veränderung, diese neue Struktur aber müßte man doch fordern, wenn man von Kompetenzen, von Ressorts sprechen will, die jetzt geschaffen worden sein sollen. Tatsächlich kennen wir aus der Regierungszeit des Claudius sowie der der Flavier vor allem durch epigraphische Dokumente verschiedene kaiserliche Freige lassene u n d Sklaven, die im Bereich der Finanzen des Princeps in Rom selbst tätig waren. Dabei ist wichtig, daß sie fast alle im Tätigkeitsbereich a rationibus angestellt waren;29 insgesamt sind dies mindestens 14 Personen, die ohne jede Ausnahme alle die gleiche Bezeichnung a rationibus tragen, und zwar unabhängig davon, ob sie servi oder liberti sind.30 Insbesondere G. Boulvert wollte alle be zeugten liberti mit der Bezeichnung a rationibus als Leiter des Finanzressorts ansehen, während Weaver daran mit Recht Zweifel äußerte.31 Später, d.h.
28 Tac., ann. 12, 53, 3; Dio 62, 14, 3. Dabei braucht man nicht zu bestreiten, daß ein Teil des Vermögens auch durch eigene wirtschaftliebe Unternehmungen des Pallas erworben worden sein kann. So hat z.B. Narcissus, ein 'Kollege' des Pallas, in Rom mindestens an zwei verschiedenen Stellen Grund- und Hausbesitz gehabt, die er auch jeweils mit einem Wasseranschluß an das öffentliche Leitungssystem versehen ließ, wodurch der Wert gesteigert wurde. Zumindest in einem der beiden Fälle sollte man annehmen, daß Narcissus daraus Einnahmen bezog. Vgl. W. Eck, Lexicon topo raphicum urbis Romae li 143, s.v. Domus: Narcissus. 9 Zu Freigelassenen im patrimonium oben Anrn. 27. 30 Siehe die Zusammenstellung der Zeugnisse für liberti durch E. ljsewijn, in: La collezione epigrafica dei Musei Capitolini, hg. S. Panciera, Rom 1987, 81 f.; Zeugnisse für servi bei Boulvert, Esclaves 98 Anm. 4 1 . 3 1 Boulvert, Esclaves 97 f. mit Anm. 37; Weaver, Familia Caesaris 263 f.
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154
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
bezeugtermaßen nicht vor der flavischen, zum größten Teil jedoch von der traianischen Zeit an, finden sich sodann innere Differenzierungen bei denjenigen, die bei den rationes tätig waren, Differenzierungen, die sich auch in unterschiedlichen Bezeichnungen niederschlugen, also z.B. dem proximus a rationibus, den adiutores, tabularii, scriniarii usw. Dies sind Stellungen, wie sie
auch in anderen Tätigkeitsbereichen, beim ab epistulis, bei der XX hereditatium oder den vehicula auftreten, auch dort freilich nicht vor dem Ende des 1 . Jh.s.32 Was aber ist aus der relativ hohen Zahl von Personen mit der Bezeichnung a rationibus zu schließen, die zum Teil noch unter Claudius und Nero, sodann aber unter den Flaviern tätig waren, größtenteils liberti, einige auch servi? Dabei ist die Anzahl der einschlägigen Dokumente so groß, daß eine Verzerrung der Realität
durch den Zufall der Überlieferung eher ausgeschlossen werden darf.33 AUe als Leiter der rationes anzusehen, verbietet sich schon alleine deswegen, weil auch servi so benannt wurden.34 Diese können ganz selbstverständlich nicht
für die gesamten rationes leitend zuständig gewesen sein. Zudem aber ist aus CIL
VI 84 1 3 zu entnehmen, daß zwei Tiberii Claudii Eros und Felix, beide kaiserliche Freigelassene, offensichtlich zur selben Zeit im Bereich a rationibus tätig waren.35 Zwei Leiter aber zur gleichen Zeit da.rf man nicht voraussetzen, es sei denn, dies wäre unmißverständlich und direkt bezeugt.36 Es muß also neben einander mehr liberti und servi gegeben haben, die a rationibus genannt werden konnten. Allein aus Gründen der Fundstatistik muß man fordern, daß es sich dabei nicht um eine kleine Zahl gehandelt haben kann. Denn sonst wäre bei dem gewaltigen Verlust, der in der epigraphiscben Dokumentation eingetreten ist, die Überlieferungssituation nicht so relativ gut, wie sie sich uns jetzt darbietet. Zum Vergleich sei auf die cura aquarum verwiesen, für die die Zahl aller dort be schäftigten aquarii, die vilicii, tectores, circitores usw. umfaßten, bekannt ist; d.h. hier kann unsere Überlieferung gegen die statistische Grundgesamtheit verglichen werden. Die familia publica der Wasserversorgung Roms umfaßte etwa 240, die familia Caesaris 460 liberti und servi; die familia publica existierte seit 12 v.Chr., diefamilia Caesaris seit den ersten Jahren des Claudius.37 Überliefert aber
32 Boulvert, Esclaves 98; Weaver, Familia Caesaris 252 ff. 262; Eck, Italien 109. 138. 33 Bei sehr dünner Überlieferung kann auch ein Einzeldokument eine wesentliche Veränderung in unserer Kenntnis bringen; vgl. etwa W. Eck, Die Einrichtung der Prokuratue der HIT publica Africae. Zu einem methodischen Problem, in: Studia in hooorem B. Gerov, Sofia 1990, 58 ff. = ders., Verwaltung 1, 349 ff. 34 CIL VI 8408. 33467. 33724. 35 Vgl. auch CIL Xl 4360. 36 Siehe zuletzt Weaver, Familia Caesaris 261. 37 Front., de aqu. 99, I; I I 6, 2 f.
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
155
sind aus dem gesamten Bereich insgesamt maximal 20 Personen, die als Sklaven oder Freigelassene für die cura aquarum tätig waren;38 die 20 Beispiele verteilen sich vermutlich über mehr als 250 Jahre.39 Die oben genannten liberti und servi aus dem o.fficium a rationibus aber sammen t aus maximal 50-60 Jahren. Dabei ist aus der Größe der Grabmonumente: kleine Grabinschriften, Urnen bzw. Grabaltäre tendenziell zu schließen,40 daß die jeweils Bestatteten durchschnittliche Mitglieder der kaiserlichen familia waren, nicht jedoch Personen, die sich mit Pallas, dem a
rationibus des Claudius, messen könnten. Gerade dessen monumentales sepulcrum mit der für den Geschmack eines römischen Senators unziemlich auftrumpfenden Inschrift hatte die Aufmerksamkeit des Plinius erregt und seine heftige Kritik provoziert.41 Somit dürften die Überlieferungschancen für Sklaven und liberti bei der cura aquarum und im Bereich a rationibus nicht grundsätzlich verschieden gewesen sein.42 Dieser Befund zwingt zu Konsequenzen. Im Bereich der kaiserlichen Finanzen, so wie er durch die Bezeichnung a rationibus erfaßt wird, muß es in claudischer Zeit, mit großer Wahrscheinlichkeit aber bereits früher, ein zahlreiches Personal aus Freigelassenen und Sklaven des Princeps gegeben haben. Grund dafür war mit großer Wahrscheinlichkeit der Umfang der Aufgaben, die mit den Finanzen, für die der Princeps verantwortlich war oder die zu seinem Patrimonium gehörten, zusammenhingen. Alle dort Beschäftigten konnten gleichartig mit dem Begriff a 38 M. Hainzmann, Untersuchungen zur Geschichte und Verwaltung der stadtrömischen
Wasserleitungen, Wien 1975, 51 f.; C. Bruun, The Water Supply of Ancient Rome. A Study of Roman Imperial Administration, Helsinki 1991, 191 f. mit den notwendigen Korrekturen. In die oben genannte Zahl der aquarii sind die Sklaven und Freige lassenen, die in der eigentlichen Administration tätig waren, nicht mit einge schlossen, da ihre genaue Zahl in der Realität nicht bekannt ist. Von diesem Typus sind auch nur 3 Beispiele bekannt (Bruun 194). 39 Eine genaue Datierung ist in vielen Fällen nicht möglich. 40 Dies ist deshalb zu betonen, da im Einzelfall die Größe oder die Bescheidenheit eines Grabmonuments natürlich keine Aussagekraft haben muß über das politisch-soziale Gewicht des Verstorbenen zu Lebzeiten. Vgl. W. Eck, Römische Grabinschriften. Aussageabsicht und Aussagefähigkeit im funerären Kontext, in: Römische Gräber straßen, hg. H. Hesberg - P. Zanker, Bayer. Akad. Wiss., Phil.-hist. Kl., Abh. n.F. Heft 96, MOnehen 1987, 78 f. = ders., lscrizioni sepolcrali romane. lntenzione e capacitA di messaggio nel contesto funerario, in: Tra epigrafia, prosopografia e archeologia, Rom 1995, 227 ff.; ders., Grabmonumente und sozialer Status in Rom und Umgebung, in: Kolloquium Xanten 1994 (im Druck). 4 1 Plin., ep. 7, 29; 8, 6. 42 Dabei ist durchaus zuzugestehen, daß vermutlich die 'Verdienstmöglichkeiten' im Bereich a rationibus größer gewesen sein können als bei der cura aquarum. Doch die Aufwendungen für die erhaltenen Grabmonumente für Personen aus beiden administrativen Bereichen können nicht wesentHeb verschieden gewesen sein; die erhaltenen Objekte lassen nicht vermuten, daß die Aufwendungen besonders groß gewesen sind.
156
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
rationibus bezeichnet werden; innere Differenzierungen, die es zumindest nach Beschäftigungsdauer und damit vor allem nach Erfahrungen, aber auch nach den unterschiedlichen Aufgaben gegeben haben muß, schlagen sich ganz offensichtlich noch nicht in spezifiseben Bezeichnungen nieder. Gerade das aber sollte man erwarten, wenn es unter Claudius zu einer systematischen Neustrukturierung gekommen wäre. Wenn dennoch Pallas, Narcissus, Polybius und Callistus ein so auffalliges Phänomen waren, daß sie der Mitwelt und noch mehr der Nachwelt als spezifische Repräsentanten der claudischen Regierungszeit erscheinen konnten, dann hat dies offensiebtlieh stärker an der Persönlichkeitsstruktur aller Beteiligten, vornehmlich aber des Claudius gelegen. Wenn die Szene, in der die drei liberti Pallas, Narcissus und Callistus wie in einem kaiserlichen consilium dem Princeps Rat erteilten, wer die künftige Frau neben Claudius sein solle,43 historisch zutreffend ist, dann zeigt dies eben in aller Deutlichkeit, worauf ihr Einfluß beruhte. Es war nicht ihre Stellung als Chefs von angeblich ausdifferenzierten Sachressorts, wofür spezielle Kenntnisse notwendig gewesen wären,44 sondern die Persönlichkeit des Claudius, die ihr politisch-öffentliches Gewicht bewirkte. Natürlich waren sie auch selbst nicht gerade schwache Persönlichkeiten. Hypothesenhaft könnte man annehmen, gerade ihre auf persönlichen Umständen beruhende Stellung habe möglicherweise auch den Tätigkeitsbereich, den sie zu betreuen hatten, in ein neues Licht gerückt und eine deutlichere Vorstellung davon aufkommen lassen, welche Macht dort bereitstehen könnte. Denn während bisher die kaiserlichen Freigelassenen, so wie es dem gesellschaftlichen Comment ent sprach, wesentlich runter ihren Patron zurückgetreten waren, hatte sich ihnen jetzt die politische Bühne geöffnet. Mit ihren Tätigkeiten, so wurde offenbar, waren keineswegs nur absolute Abhängigkeit und dienende Funktionen verbunden. Die positivere Sichtweise solcher Tätigkeiten um den Herrscher wäre dadurch für die spätere Zeit vorentschieden worden. Doch bleibt dies im Bereich der Spekulation. Das einzige, was entfernt vielleicht auf innere Veränderungen innerhalb des Sklaven- und Freigelassenenpersonals für administrative Zwecke hinweisen könnte, ist das nun deutlich sichtbare Nebeneinander von Personen mit unter schiedlicher Tätigkeit, also gegliedert nach a rationibus, ab epistulis usw. Doch ist selbst diese Beobachtung vielleicht nur unserer Überlieferungssituation zuzuschreiben. Denn auch diese möglicherweise deutlichere Trennung unter Claudius läßt sich nur an den wenigen, schon mehrfach erwähnten Freigelassenen festmachen; sie könnte auch vorher schon im Grundsatz bestanden haben. Die
43 Tac., ann. 1 2 , I . 44 So aber z.B. Christ (Anm. I) 223 oder R.F. Martin, REL 67, 1989, 149.
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
157
öffentliche Aufmerksamkeit für die claudischen Freigelassenen aber beruhte wesentlich auf anderen Faktoren. Von einer grundsätzlichen Strukturreform im administrativen Bereich im Zentrum, um Claudius selbst, läßt sich somit nichts feststellen. Vor allem gibt es keine eindeutigen Hinweise, daß etwa den wichtigen liberti als den Leitern der einzelnen Bereiche eine weitgehende Entscheidungsbefugnis direkt und offiziell zuerkannt worden wäre.45 Auch hier bleibt die Abhängigkeit vom Princeps er halten, so wie sie vor allem von F. Miliar betont wurde.46 Eine sogenannte 'Ressortzuständigkeit' aber müßte gerade die Eigenentscheidung des Leiters beinhalten. Die Reden des Claudius aber zeigen, wie sehr seine eigene Sichtweise die Grundlage für seine Entscheidungen war.47 Auch für Narcissus oder Pallas war es deshalb entscheidend, daß sie auf den Kaiser Einfluß ausübten; darauf beruhte ihre Macht, nicht auf einer angeblichen Eigenkompetenz innerhalb ihres Res sorts.48 In anderen Bereichen sind dennoch nicht unwichtige bzw. sogar bedeutende Veränderungen in der Entwicklung der Administration festzustellen. Dabei ist zu bedenken, daß manche Maßnahmen, die bereits früher aus der sachlichen Evolution heraus notwendig gewesen wären, unter Tiberius und Gaius aus den bekannten Gründen vielleicht nicht getroffen wurden. Deutliche Änderungen gab
es
für die Quästoren. Zumindest zwei Aufgaben
bereiche wurden gestrichen, der des
quaestor Ostiensis
sowie des
quaestor
Gallicus;49 noch unter Tiberius hatte sich im J. 24 einer der Inhaber dieses Amtes bei der Unterdrückung eines Sklavenaufstandes in ApuJien bewährt.SO
ann. 13, 14, I für Pallas nicht abzuleiten. 46 F. Miliar, Emperors at Wor"' 1RS 57, 1967, 9 ff.; ders., Empero.-2 203 ff. Vgl. auch Levick 82 f. 47 Vgl. zuletzt wiederum M. Griffin, Claudius in Tacitus, CIQ 40, 1990, 482 ff. 48 F. Miliar, JRS 57, 1967, 15. Für die Eigenkompetenz von 'Ressortleitern' in späterer Zeit siehe die Zusammenfassung der Diskussion bei T. Honor�. Emperors and Lawyers, Oxford2 1994, 7 ff. 1 ff. 49 Dio 60, 24, 3; Suet., Claud. 24, 2; dazu Mattingly, Suetonius Claud., 24, 2 and the 'Italian Quaestors', in: Melanges R�nard, Brüssel 1969, Bd. II 505 ff.; G. Rickman, The Corn Supp1y of Ancient Rome, Oxford 1980, 47 f.; Levick 84 f. Vgl. auch G.W. Houston, The Administration of ltalian Seaports during the first three centuries of the Roman Empire, in: The Seabome Commerce of Ancient Rome, hg. J.H. d'Arms E.C. Kopff. Rom 1980, 157 ff. 50 Wenn der bei Suet., Claud. 24, 2 genannte Quästor ftir die Gallica provincia mit dem bei Tac., ann. 4, 27, 2 genannten quaestor, cui provincia vetere ex more calles eve nerat, identisch war. Vgl. auch CIL lX 2335 = D. 96 1 ; dazu G. Camodeca, Problemi di storia sociale in Alife Romano, in: LI territorio Alifano. Convegno di Studi S. Angelo d'Aiife, 26 aprile 1987, Mintumo 1990, 123 ff. = AE 1990, 222.
45 Denn eine so gefaßte Kompetenz ist auch aus Tac.,
158
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
Der quaestor Ostiensis könnte durch den procurator portus Ostiensis ersetzt worden sein.51 Doch ist die unmittelbare Verbindung beider Entscheidungen: Aufhebung der einen und Schaffung der anderen Funktion keineswegs sicher.52 Schließlich ist nicht klar, ob die Hafenanlagen, die Claudius in Ostia hat anlegen lassen, zu Beginn der neronischen Zeit bereits vollendet waren.53 Vorstellbar wäre, daß der procurator Ostiensis, wenn er zum ersten Mal von Claudius eingesetzt wurde, zunächst insbesondere auch die Aufgabe hatte, den Bau des Hafens voranzutreiben; denn da es keine römische Baubehörde gab, wurde die Errichtung von Großbauten üblicherweise einem Funktionsträger übertragen, für dessen Tätigkeitsbereich ein Bauwerk errichtet wurde, oder einem speziellen Beauftragten.S4 Zumindest für die spätere Zeit ist es sehr wahrscheinlich, daß dieser Prokurator, der Augusti libertus war, dem praefectus annonae in Rom unterstand.55 Während somit zwei Aufgabenbereiche für Quästoren hinfällig wurden, schuf Claudius zwei neue, ob als unmittelbaren Ersatz, ist für uns nicht ersichtlich; doch ist solches in der frühen Kaiserzeit immer wieder geschehen, um das Gewicht des Senats und 'seiner' Ämter jedenfaiJs unter dem Gesichtspunkt der Quantität nicht zu verringern. Jedenfalls entzog er im J. 44 den praetores aerarii, also Amtsträgem, die jährlich wechselten, die Aufsicht über die Staatskasse und über trug sie zwei quaestores aerarii.56 Der Grund war nach Tacitus (ann. 13,29,3 f.), daß das Los, durch das zwei Prätoren die Leitung des Aerarium erhielten, deerrabat
ad parum idoneos.51 Das Bestreben des Claudius hätte somit eine größere Effektivität zum Ziel gehabt. Dem widersprach freilich, daß die Quästoren im Durchschnitt rund 5 Jahre jünger waren als die Prätoren; immerhin konnte dieser 'Nachteil' dadurch ausgeglichen werden, daß diese quaestores entgegen der republi kanischen Norm drei Jahre im Amt blieben; da sie vom Princeps unter dem 5 1 So etwa Momigliano 5 1 . 108; Rickman (Anm. 49) 48. 52 Levick 84 f. 53 So z.B. R. Meiggs, Roman Ostia, Oxford2 1973, 56. 563; vgl. allerdings M. Grif
fin, Nero. The End of a Dynasty, London 1984, 107, die die dafür herangezogenen Münzen nicht für genügend beweiskräftig hält. 54 Die Benennung procurator portus Ostie11sis könnte darauf hinweisen, daß er zu nächst ftlr den Bau zusändig t war. 55 H. Pavis d'Escurac, La prefecture de l'annone. Service administratif imperial d'Au uste � Coostantin, Paris 1976, 106 f. 6 M. Corbier, L'aerarium Satumi et l'aerarium militare. Administration et prosopo faphie senatoriale, Paris 1973, 643 ff. 7 Diese so beiläufige Bemerkung bei Tacitus zeigt im übrigen mit aller wünschens werten Deutlichkeit, daß das Kriterium der 'Fähigkeit' durchaus eine Rolle bei der Auswahl von Amtsträgern spielte; im Zusammenhang des Ärars könnte man sogar an eine spezifische Eignung denken.
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Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
159
Gesichtspunkt der Fähigkeit, d.h. daß sie für die Aufgabe idonei waren, ausge wählt wurden, dürfte eine effektivere Leitung des Aerarium tatsächlich das Ziel gewesen sein und nicht, wie man bei der Wahl der Amtsträger durch den Princeps allzu oft, aber wohl unberechtigt vermutet, in erster Linie die stärkere Abhängigkeit von und Verfügbarkeil für den Herrscher. Diese war ohnehin gegeben. In Rom selbst schuf Claudius offensichtlich die Stellung des procurator
aquarum, der als kaiserlicher Freigelassener unter dem senatorischen curator aquarum für die neu geschaffene familia Caesaris von 460 Sklaven und Freige lassenen zuständig war und die technischen Arbeiten zu leiten hatte.58 Auslöse punkt für die Einsetzung dieses Funktionsträgers und die Erweiterung des Perso nalbestandes der cura aquarum war der Bau zweier Wasserleitungen, der aqua
C/audia und des Anio novus, die im J. 52/3 vollendet waren.59 Es wäre somit die Ausweitung der Tätigkeit innerhalb der cura aquarum der Anlaß für die Auf stockung des Personals gewesen; die eigentliche Organisationsstruktur war bereits durch Augustus geschaffen worden.60 Frontin hatte keine präzisen Informationen, ob es Claudius war, der den Freige lassenenprokurator eingesetzt hatte,61 was jedoch, auch von unserer Dokumen tation her, recht wahrscheinlich ist. Eine vor kurzem publizierte Inschrift hat nun zum ersten Mal auch einen procurator aedium sacrarum locorumq(ue) publicorum bekannt gemacht. Sein Name lautet Ti. Claudius Aug(usti) l(ibertus) Aesius; er war somit Freigelassener des Claudius oder Nero, der grundsätzlich auch noch nach 68 n.Chr. tätig gewesen sein kann.62 Doch spricht gerade die Parallele zur
cura aquarum, die wie die cura aedium sacrarum et operum locorumque publicorum ebenfaJis von einem Senator geleitet wurde, dafür, auch in diesem Fall das Zeugnis mit der claudischen Zeit in Verbindung zu bringen oder zumindest die Einrichtung dieser Funktion in die Jahre zwischen 41 und 54 zu setzen.63 Ein unmittelbar aktueller Sachanlaß wie beim procurator aquarum läßt
58 Front., de aqu. 1 16, 2 f. Dazu C. Bruun, The Water Supply of Ancient Rome. A Study of Roman Imperial Administration, Helsinki 1991, 207 ff. mit wichtigen Beobach tungen zu dieser Funktion; ferner Eck, in: Prospographie und Sozialgeschichte 387 ff. 59 CIL VI 1256 = D. 218. 60 Ob damals bereits die Zahl der senatorischen curatores aquarum auf eine Person reduziert wurde, wie es später generell zu sein scheint, ist nicht zu erkennen. 6J Front., de aqu. 105, 2. 62 Chr. Lo Giudice, in: La Collezione epigrafica (Anm. 30) 86 f. Nr. 28. interessant ist, daß in seinem Titel die aedes sacrae und die loca publica, jedoch (noch) nicht die o era publica verbunden waren. 6 Vgl. dazu auch A. Kolb, Die kaiserliche Bauverwaltung in der Stadt Rom. Geschichte und Aufbau der cura operum publicorum unter dem Prinzipat, Stuttgart 1993, 28 ff.
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160
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
sich allerdings nicht erkennen.64 Dagegen ist ein ritterlicher Prokurator im Zusammenhang mit der Aufsiebt über die Dämme am Tiber bereits in der vorclaudischen Zeit bezeugt.65 Wesentliche Neuerungen sind schließlich auch im Provinzialbereich zu er kennen: So ist es vor allem auffä l lig, daß unter Claudius die Zahl der von Rittern geleiteten Provinzen sich wesentlich erhöht hat; denn während bis zum J. 4 1 maximal 6 Provinzen bestanden, i n denen Statthalter aus dem ordo equester amtierten, hatte sich deren Zahl am Ende seiner Herrschaft auf insgesamt I I oder 1 2 verdoppelt. Vor allem die neugewonnenen Gebiete, die beiden Mauretanien, Thrakien, Noricum, wohl auch Epirus, wurden Prokuratoren unterstellt; ob auch
Iudaea, das 44 wieder unter direkte römische Leitung zurückkehrte, einen Ritter als selbständigen Gouverneur erhielt, ist nicht sicher, obwohl es in der Forschung beute weitgehend angenommen wird.66 Doch in der Zeit vor Claudius war Iudaea aller Wahrscheinlichkeit nach keine eigene Provinz, es war vielmehr an Syrien angeschlossen, dessen Legat damit auch als Statthalter des jüdischen Zentrallandes amtierte; der praefectus ludaeae war ein Unterstatthalter, der vom Legatus Augusti pr. pr. Syriae abhängig war.67 Ob dann mit Claudius ein Wechsel eintrat und der praefectus wirklieb die Amtsbezeichnung procurator provinciae ludaeae erhielt, 68
64 Ob dieser procurator allerdings kontinuierlich auch in der Folgezeit tätig war, läßt sich angesichts des vollständigen Mangels an Quellen nicht sagen. Die Parallelität zur
cura aquarum spräche für eine Kontinuität, doch darf man nicht generell von einer
r
S temgleicheit in allen Sparten der Administration ausgehen. 6 CIG 3991 = D. 8848. Nach Levick 83 f. soll Claudius diesen Prokurator eingesetzt haben. Doch zeigt die Formulierung imrpo [n)ov Kaioapoc; npO<; '6[X]6at<; Tt j3&pewc; ,!nhpo[n)ov Ttf3&piov Kt..aoöioo [K]aioapo<; t&j3aoroo f&P [IJ)CtvtKoo . .. deutlich, daß Praesens, dem die Inschrift gesetzt wurde, eben vor Claudius, also unter Tiberius oder Caligula, diese Aufgabe übernahm. Im übrigen muß es sich auch dabei nicht zwingend um eine längerfristige Funktionsstelle gehandelt haben. Ob dieser procurator mü den curatores alvei Tiberis zusammenarbeitete, ist nicht klar. Immerhin ist es auffällig, daß bei den curatores von Dämmen nie gesprochen wird. Möglicher weise wurde der procurator aus einem sehr konkreten Anlaß (eine verheerende Tiberüberschwemmung) eingesetzt und war außerhalb des stadtrömischen Gebiets tätig. 66 Siehe z.B. Pflaum, Procurateurs 36 ff.; J.-P. Lemonon, Pilate et Je gouvernement de Ia Judee, Paris 1981, 56 ff.; Levick 48 f.; M. Stern, in: The Jewish People in the First Century I, hg. S. Safrai M. Stern, Amsterdam 1976. -
67 Dazu in Kürze eine ausführliche Untersuchung von H.M. Cotton und W. Eck. Wenn ludaea nur ein Annex Syriens, aber keine selbständige Provinz war, sind die konti nuierlichen Interventionen der syrischen Statthalter, auch nach dem J. 44, ganz selbstverständliche Amtshandlungen (kurze Zusammenstellung bei M. Stern, Greek and Latin Authors on Jews and Judaism, Jerusalem 1980, Bd. II 81.). Sie bedürfen dann keiner speziellen Erklärung mehr. 68 Vgl. W. Eck, Die Leitung und Verwaltung einer prokuratorisehen Provinz, in: La Valle d'Aosta e l'arco Alpino nella politica del mondo antico, hg. M. Vacchina, Aosta 1988, I 02 ff. bes. I 12 ff. ders., Verwaltung I, 327 ff. =
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
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ist nicht klar zu erkennen. Wahrscheinlicher ist jedenfalls, daß erst mit dem großen Aufstand seit dem J. 66 eine Änderung im Status des jüdischen Zentral landes, nämlich zu einer eigenständigen Provinz, eintrat. Aber selbst wenn man von ludaea absieht, bleibt dennoch die wesentliche Steigerung in der Zahl der ritterlichen Ämter auffällig. Die Gründe hat man sehr unterschiedlich erklärt; doch läßt sich zumindest negativ feststellen, daß kein antisenatorisches Ressentiment bei Claudius zugrunde gelegen hat. Präzedenzra Be lassen sich für alle seine Maß nahmen in der augusteisch-tiberischen Zeit feststellen. Doch wie immer das Motiv, oder besser die Motive gewesen sein mögen, die künftige Entwicklung, jedenfalls die der nächsten 150 Jahre, verlief nicht in die Richtung, die man bei Claudius angedeutet finden könnte. Auch numerisch verblieb das Schwergewicht der Provinzialstatthalterschaften bei den Senatoren, ja es verstärkte sich sogar noch ihr Einfluß. Das augusteische Vorbild blieb bestimmend.69 Eine entscheidende Weichenstellung aber, ja sogar den grundsätzlichen Ab schluß soll Claudius bei der Vergabe der Jurisdiktionsrechte an seine Prokuratoren, vornehmlich in den Provinzen, vorgenommen haben. Das oft behandelte Kapitel 12, 60 der Annalen des Tacitus ist dafür zusammen mit einer kurzen Aussage bei
Sueton, Claud. 12, 1 die Basis.7° Claudius veranlaßte einen Senatsbeschluß, mit dem seinen Prokuratoren die Rechte eines Gerichtsmagistrats zugeteilt werden sollten; diese Kompetenz sei schließlich von ihm sogar seinen Freigelassenen zuerkannt worden:
cum
Claudius libertos, quos reifamiliari praefecerat, sibique et
legibus aequaverit - dies die polemische Quintessenz des Tacitus. Es wurde lange und mit sehr unterschiedlicher Argumentation darüber gestritten, wer denn nun durch den von Claudius veranlaßten Senatsbeschluß an originären, magistratischen Vollmachten partizipiert habe. Denn je nachdem, wie der Kreis zu ziehen war, mußte der Entscheidung ein größeres, ja vielleicht sogar zentrales Gewicht für die clandisehe Politik beigemessen werden. Das Problem, den Sachverhalt zu durchschauen, ist zweifach: Einmal ist das Kapitel des Tacitus nicht ein Muster an
69 Dabei ist mit Nachdruck zu betonen, daß Ägypten mit einem ritterlichen Präfekten unter Augustus eben nicht das Modell für die Zukunf t gewesen ist, sondern immer eine Ausnahme blieb. Das zeigt einmal die Bestimmung der Amtsgewalt durch ein Volks gesetz, sodann das ständige Kommando über Legionstruppen. Dies wurde in keiner anderen prokuratorisehen Provinz wiederholt. 70 Th. Mommsen, Staatsrecht 113 I 021 f.; Pflaum, Procurateurs 1 10 ff.; D.L. Stockton, Tacitus Annals 12.60: A Note, Historia 10, 1961, 1 1 6 ff.; R. Seager, Tacitus Annals XII. 60, Historia I I , 1962, 377 ff.; F. Miliar, Some evidence on the Meaning of Tacitus Annals XII. 60, Historia 13, 1964, 1 8 0 ff.; ders., The Development of Jurisdiction by Imperial Procurators, Historia 14, 1965, 362 ff. ; P.A. Brunt, Procuratorial Jurisdiction, Latomus 25, 1966, 461 ff. = ders., Roman Imperial Themes, Oxford 1990, 163 ff.; M. Griffin, CIQ 84, 1990, 489 ff.
162
Die Bedeutung der claudiscben Regierungszeit
Durchsichtigkeit, v.ielmehr scheinen dort mehrere Argumentationsstränge inein ander verwoben zu sein. Zum andern aber ist man nicht selten stillschweigend davon ausgegangen, das, was in der nachclaudischen Zeit zu beobachten war, sei identisch mit der claudischen Regelung; vergessen wurde dabei, daß Politik und auch institutionell-rechtliche Regelungen gerade in Rom außerordentlich stark von der jeweiligen Person des Kaisers abhängig waren und damit auch gegenüber den Vorgängern in die eine oder andere Richtung verändert werden konnten. Vor kurzem bat Miriam Griffin das Kapitel des Tacitus nochmals analysiert71 und ist, auf Gedanken von R. Syme fußend, zu dem Ergebnis gekommen, daß Tacitus sich in diesem Kapitel auf die Rede des Claudius selbst, mit der er die
Angelegenheit vor den Senat brachte, stütze; doch habe er sich nicht wie bei der Rede über das
ius honorum der Gallier die claudiscbe Argumentation
im Ziel zu
eigen gemacht und sie dementsprechend in einen kohärenten Zusammenhang umgeformt. Wir könnten hier also durchaus einen 'originalen Claudius' greifen, der in seinen Ausführungen auch Seitenwege durchaus liebte. Deshalb sei es auch nicht nötig, nun jeden Abschnitt der Rede als Teil einer strikten Argumentation zu sehen und unmittelbar mit dem angestrebten Ziel zu verbinden. Akzeptiert man diese Voraussetzung, dann sind die mittleren Sätze dieses Kapitels inhaltlieb keineswegs von Bedeutung, außer in dem Sinn, daß eben magistratische Rechte, hier die Jurisdiktion, an Nichtsenatoren zu verschiedenen Zeiten der römischen Geschichte vergeben wurden. Unter Claudius aber ging dies so weit, daß auch
liberti Caesaris daran partizipierten. Dabei können
nicht etwa die großen Freige
lassenen in Rom gemeint sein, da zumindest beim
studiis (und
vielleicht auch dem a
memoria72)
ab epistulis, a libellis, a
keine unmittelbaren Verfügungs
möglichkeiten über die resfamiliaris bestanden und insbesondere keine Möglich keiten, in entsprechenden Streitfallen gerichtlich zu entscheiden. Das hätte selbst Claudius in Rom nicht konzediert. Dazu bestand auch keine sachliche Notwendigkeit. Vielmehr muß sich der Passus auf Freigelassenenprokuratoren außerhalb Roms, speziell in den großen Domänenbezirken der Provinzen bezogen haben. Zum andern aber ist zu bemerken, daß keineswegs alle Prokuratoren bzw. ritterlichen Funktionsträger erst jetzt Rechtsprechungsbefugnisse erhielten; viel mehr hatten alle Ritter, die in der Kompetenz von Provinzialstatthaltern oder Unterstatthaltern wie in Iudaea agierten, bereits diese Rechte, ohne daß ihnen diese 71 M. Griffin, Claudius in Tacitus, CIQ 84, 1990, 482 ff. 489 ff.
72 Ein Funktionsträger mit dieser Bezeichnung, ein kaiserlicher Freigelassener, ist jetzt für die claudische oder neronische Zeit bezeugt: Chr. Lo Giudice, in: La Collezione epigrafica (Anm. 30) 86 f. Nr. 28.
163
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
vermutlich wie beim praefectus Aegypti speziell noch durch ein Volksgesetz übertragen worden wären.73 Schon die Notwendigkeiten der Praxis haben dieses erzwungen. Sodann aber war dieses Recht offensichtlich auch auf andere ritterliche Amtsträger übertragen worden, sogar in Rom, wie Tacitus betont, und ganz offensichtlich bereits vor Claudius. P.A. Brunt hat meines Erachtens Recht, unter diesen Prokuratoren die ritterlichen Funktionsträger in den provinciae Caesaris zu sehen (und daneben die Präfekten in Rom);74 denn diese, zumeist ritterlichen Fiskalprokuratoren hatten sich ja von Anfang an faktisch mit öffentlichen Aufgaben zu befassen, mit dem Einzug der normalen Steuern und der Heeresversorgung. Dann aber bleiben als größere Gruppe, die vor Claudius
vermutlich
noch
keine
iurisdiktionellen
Befugnisse
hatte,
nur
die
Patrimonialprokuratoren übrig, die in den provinciae populi Romani, die von Prokonsuln geleitet wurden, für das Privatvermögen des Princeps zuständig waren; in den größeren Domänenbezirken, aber gelegentlich auch einmal auf der Ebene einer Provinz oder Teilprovinz (Felix in ludaea)75 konnten solche Funktionsträger auch Freigelassenenstatus haben. Vielleicht waren auch die Prokuratoren i n den
provinciae Caesaris insoweit betroffen, als sie ja neben den öffentlichen Steuern auch für das Patrimonium zusändig t waren. Doch kann man natürlich fragen, ob in der Praxis jemals oder doch zumindest im Verlauf von 7 Jahrzehnten seit Augusrus jeder noch so genau unterscheiden wollte bzw. konnte, und zumal in den Provinzen des Herrschers, ob ein Gerichtsverfahren vor einem procurator
Caesaris nun öffentliche Steuern oder Einnahmen des Herrschers betraf; denn für beide 'Abgabenarten' war derselbe Funktionsträger zuständig. Im Wesentlichen aber hat Claudius wohl gerade diesem Personenkreis, den Patrimonialprokuratoren i n den
I 0 Provinzen, die unter Prokonsuln und Quästoren standen, und
Freigelassenenprokuratoren, vornehmlich auf den Domänen, in einer nicht näher zu bestimmenden Zahl, die Kompetenz zur Rechtsprechung verliehen, und zwar nur in Fällen, ilie ihre eigene Sache, also Patrimooialaogelegenheiten, betrafen.76 Es war keine umfassende Gerichtsbarkeit, die etwa alle Zivilrechtsfalle oder gar ilie Kriminalgerichtsbarkeit eingeschlossen hätte. Und möglicherweise hat sogar Nero, im Bestreben, sich von seinem 'Vater' abzuheben und mit dem Senat zu einem weniger belasteten Verhältnis zu kommen, die Verfügung des Claudius wieder aufgehoben, ohne daß ausgeschlossen wäre, daß diese in manchen
73 Vgl. zuletzt Eck (Anm. 68) 102 ff. = 327 ff. 74 Brunt (Anm. 70). 75 Vgl. PIR2 A 828; wenn Felix nicht vorher ritterlichen Rang erballen haue. 76 Hirschfeld, Verwaltungsbeamte 473 f. sah aber z.B. in der Maßnahme des Claudius
eine generelle Vergabe der Jurisdiktionsgewalt an alle Prokuratoren.
164
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
Bereichen dennoch weiterwirkte. Versteht man die claudische Regelung aber in dem angedeuteten Sinn, dann bleibt sie eine sachlich sehr begrenzte Entscheidung, die insoweit aber mit einem allgemeinen römischen Grundsatz harmonierte, daß im jeweiligen amtlichen Zuständigkeitsbereich die Rechtssprechungsbefugnisse nicht von den administrativen Kompetenzen getrennt waren. Tacitus hätte dem in diesem Fall dennoch nicht zugestimmt. Bemerkenswert ist dennoch, daß Claudius die Angelegenheit vor den Senat brachte und sie dort beschließen ließ. Andernfalls wäre die Maßnahme des Claudius wohl überhaupt nicht wahrgenommen worden und nicht in die Historiographie eingegangen wie so viele andere Maßnahmen, die die von Rittern getragene Administration betrafen und ohne Mitteilung an den Senat geblieben waren. So aber konnte Tacitus den Vorgang in den Senatsakten finden. Was ist die Konsequenz aus diesen verschiedenen Beobachtungen, die oft unzusammenhängend erscheinen? Im Sinne der generellen Thematik des Kolloquiums sehe ich keine Notwendigkeit, von einem Umbruch zu sprechen, soweit die Administration betroffen ist. Aber auch Episode würde nicht den Kern beschreiben. Claudius steht vielmehr mit seinen Maßnahmen deutlich in der Linie der Entwicklung, die die Administration des Reiches mit und seit Augustus genommen hat. Von Tiberius unterscheidet Claudius vor allem seine Einstellung, 77 daß das augusteische Vorbild keineswegs unter allen Umständen unverändert erhalten werden müsse, vielmehr war er der Meinung, daß es sich den neuen 78 Notwendigkeiten anzupassen habe, wenn es Gründe für eine Änderung gab. Indem er, deutlicher wohl als andere principes vor und nach ihm, aufgrund seiner Persönlichkeit auch über seine Absichten und die ihn bewegenden Gründe für neue Entscheidungen in der Öffentlichkeit, insbesondere vor dem Senat sprach, gewann möglicherweise manche Maßnahme für zeitgenössische Beobachter ein größeres Gewicht, als es nach dem jeweiligen Entwicklungsstand innerhalb der administrativen Evolution gerechtfertigt war. Diese Erkenntnis sollte beim
77 Auf das er sich immer wieder berief, so beim ius honorum der Gallier ebenso wie bei der lurisdiktionsgewalt der Prokuratoren. 78 Bezeichnend für die Grundhaltung des Claudius ist seine Selbstaussage im Brief an die Alexandriner aus dem J. 41 (P. Lond. 1912 = Oliver, Greek Constitutions 77 ff. Nr. 19 Zeile 66 ff.). In der Frage einer Boule für die Alexandriner ist für Claudius zunächst einmal das Faktum entscheidend, daß es unter den vorausgebenden principes keinen Stadtrat in Alexandria gegeben habe. Damit ist freilieb nicht auch schon die Entscheidung von seiner Seite aus festgelegt gewesen; vielmehr forderte er in dieser Situation weitere Auskünfte seines Präfekten Aemilius Rectus an, ob die gewünschte Änderung notwendig sei. Claudius sieht sich somit eingebunden in einen längeren historischen Zusammenhang, in dem allerdings neue Situationen neue Lösungen erfordern können.
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit
165
Vergleich der claudischen Regierungszeit mit der seiner Vorgänger und Nachfolger nicht vergessen werden.
PROVINZ - IHRE DEFINITION UNTER POLITISCH ADMINISTRATIVEM ASPEKT1
Jedes große Herrschaftsgebiet bedarf einer politisch-administrativen Gliederung. Anders ist die Durchsetzung von HerrschaftswiiJen nicht denkbar. Dies gilt insbe sondere dann, wenn große Teile dieses Gebietes durch Eroberung erworben wurden und Völker unterschiedlicher Art einschlossen. Persien mit seinen Satrapien oder China mit seinen Präfekturen seien beispielhaft genannt. Rom und das Imperium Romanum hat im Laufe seiner Expansion bei der Organisation der von ihm eroberten oder eingegliederten Gebiete zwei Phasen mit völlig unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten durchlaufen. Solange Rom eine rein italische Macht war und sich nur mit italischen Völkern und Stadtstaaten auseinanderzusetzen hatte, wurden keine abhängigen und von Rom unmittelbar geleiteten Bezirke entwickelt, die man mit dem Begriff bezeichnen könnte, der später konstitutiv wurde für die organisatorisch-administrative Gliederung des Imperium Romanum: Provinz. Provinzen hat es im eigentlichen Italien, also die Poebene ausgenommen, bis in die Spätantike hinein nicht gegeben. Italisches Territorium war während der Republik entweder Stadtgebiet Roms, geleitet von den ordentlichen, jährlich wechselnden Magistraten, oder Gebiet von Bundes genossen (auf die Latiner soll hier nicht eingegangen werden), die durch Bündnis verträge an Rom gebunden waren. Außenpolitisch-militärisch waren sie damit ganz von Rom selbst abhängig, im Innern aber lebten sie ihr eigenes Leben nach ihren eigenen Institutionen und geleitet von den eigenen Amtsträgern. Einen von Rom abgesandten Repräsentanten, der permanent über Bundesgenossen staatliche Gewalt ausgeübt hätte, hat es, solange bundesgenössische Gemeinden in Italien existierten, nicht gegeben. Erst in dem Augenblick, als Rom im Süden und dann im Norden die Grenzen des eigentlichen Italien überschritt, mit dem Erwerb der Inseln Sizilien und Sardinien sowie der Eroberung der Poebene, begann die zweite Phase der Organisation des römischen Herrschaftsgebiets, die Schaffung des römischen Pro vinzialreiches. 2 Bis das Imperium im Sinne eines unmittelbar beherrschten Gebietes, also nicht eingerechnet andere abhängige Regionen wie etwa Klientel staaten, seine größte Ausdehnung erreicht hatte - unter Traian -, dauerte es mehr als 3 1/2 Jahrhunderte, von 241 v.Chr. bis in das 2. Jahrzehnt des 2. Jb.s n.Chr. 1 Der Beitrag war Teil einer Ringvorlesung im Zusammenhang mit dem Graduierten kolleg: "Formierung und Selbstdarstellung städtischer Eliten in den Provinzen des römischen Reiches". 2 Zuletzt A. Lintott, Imperium Romanum. Politics and Administration, London 1993.
168
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
Die Einigung Italiens war in wesentlich kürzerer Zeit, in etwa eineinhalb Jahrhunderten erreicht worden. Betrachten wir kurz die einzelnen Etappen der Entwicklung des provinzialen Herrschaftsg,ebiets, vor allem auch während der Kaiserzeit, worauf das Graduiertenkolleg insbesondere ausgerichtet ist. Bis zur Spätzeit der Republik, also dem Abschnitt, der durch die großen, das traditionelle politische System sprengenden Einzelpersönlichkeiten gekennzeichnet ist, hat Rom insgesamt nur langsam und zögernd und in relativ bescheidener Weise sein Herrschaftsgebiet ausgedehnt. Der vollständigen Eroberung Siziliens im J. 241 und der brutalen Annexion Sardiniens und Korsikas drei Jahre später in einer Notlage Karthagos
folgte erst nach Abschluß des 2 . Punischen Krieges im J. 197 die Einrichtung zweier permanenter spanischer Provinzen, die zunächst nur einen beschränkten Teil der iberischen Halbinsel im Süden und Osten einnahmen. Wiederum ein halbes Jahrhundert später wurde ein kleiner Bereich des karthagischen Herrschafts gebietes in Africa zur Provinz gemacht, kurz vorher war auch Makedonien zum Untertanenland umgewandelt worden, nachdem eine mehr indirekte Herrschaft schon vorher bestanden hatte. Der endgültige Schritt nach Asien wurde nach dem Tod des letzten attalidischen Königs, Attalos
ID., in der Folge seines Testaments
vom J. 133 v.Chr., vollzogen. Wenn man kleinere Eroberungen in Asien und in der Cyrenaica sowie gegen Ende des 2. Jh.s im Süden Galliens miteinbezieht, urnfaßte das Imperium Romanum in der Zeit Sullas, also vor den großen Umwälzungen durch Pompeius und Caesar, etwa 1 1 Provinzen, einschließlich der Gallia Cisalpina im heutigen Oberitalien. Fast alle diese politisch-administrativen Bezirke waren aber noch in einem, verglichen mit der späteren Zeit, unfertigen Zustand, häufig auf die jeweiligen Küstenregionen beschränkt wie etwa in Africa, im Süden Galliens oder in lllyricum. Rom hatte noch keinen energischen Willen zu einem geschlossenen provinzialen Reich gezeigt. Dies änderte sich entscheidend in der Übergangsphase von der späten Republik bis zur Einrichtung eines monarchischen Herrschaftssystems in Rom selbst. Von der Zeit des Pompeius bis zum Ende der Regierung des Augustus, also in etwa 90 Jahren, ist das römische Provinzialreich erst wirklich geschaffen worden. Als Octavian im J. 27 v.Chr. den Namen Augustus erhielt und ihm gleichzeitig, während er nur das Amt des Konsuls ausübte,3 erneut ein Teil der Provinzen
Ein imperium proconsulare erhielt er erst i m J. 23 v. Chr., als er den Konsulat abgab; dies war die natürliche Konsequenz aus der Übertragung der drei großen Provinz komplexe Spanien, Gallien und Syrien an ihn auf insgesamt 1 0 Jahre am 13. Jan. 27 v. Chr. Vgl. zuletzt J. Bleicken, Imperium consulare - proconsulare im Übergang von der 3
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
l69
übertragen wurde, existierten bereits l9 Provinzen, wobei die von Caesar eroberte Gallia comata noch als Einheit gezählt wird und außerdem die Gallia Cisalpina inzwischen vollberechtigter Teil des italischen Kernlandes geworden war. 40 Jahre später, als die Herrschaft von Augustus auf Tiberius überging, war erneut ein erheblicher Sprung getan. Denn vor allem durch die weitausgreifenden Erobe rungen dieses sogenannten Friedenskaisers, der dennoch der größte Conquistador der römischen Geschichte gewesen ist, war die Zahl der Provinzen auf insgesamt 29 angestiegen - durch Eroberungen, Eingliederung von Klientelstaaten wie Gala tia und durch Aufteilung des riesigen gallischen Gebiets in die drei Provinzen Aquitania, Lugdunensis und Belgica.
Die Folgezeit hat nur noch unter Claudius, in dessen Regierungszeit erstmals die gesamte Mittelmeerküste direkt beherrschtes römisches Gebiet war, und unter Traian größere dauerhafte Eroberungen gesehen, in Britannien und in Dakien. Assyrien und Mesopotamien als direkt kontrollierte Untertanengebiete waren nur ephemere Erscheinungen in den letzten Jahren Traians, der sie selbst bereits wieder aufgeben mußte; erst unter Septimius Severus wurde Mesopotamien für längere Zeit Provinz. Daß seit claudiscber Zeit langsam überall das Nordufer der Donau von den römischen Truppen erreicht und an wenigen Stellen auch überschritten wurde, hat man vermutlich in der römischen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen; es war nur die Ausweitung schon bestehender Untertanengebiete ohne spektakuläre kriegerische Handlungen. Wenn dennoch die Zahl der Provinzen noch beträchtlich anstieg, dann war dies einerseits auf die auch jetzt noch weitergehende Einglie derung von Klientelstaaten zurückzuführen: Kappadokien unter Tiberius,4 Thrakien, Mauretanien und Lykien unter Claudius, Arabien unter Traian. Noch mehr aber wirkte sich im Laufe der Zeit aus, daß manche Provinzen wegen ihrer Größe und ihres dadurch überproportional gewachsenen militärischen Gewichts verschiedenen Kaisern in ihrer alten Form politisch oder militärisch nicht mehr sinnvoll oder nicht mehr tragbar erschienen. Unter Domitian war die Legions besatzung in der Provinz Moesia an der unteren Donau wegen der Dakergefahr auf
5 Einheiten angewachsen. Um die lange Donaustrecke effektiv zu kontrollieren und miJitärisch zu schützen, mochte es sich empfehlen, dieses Kommando auf
Republik zum Prinzipal, in: Colloquium aus Anlaß des 80. Geburtstages von A. Heuß, hg. J. Bleicken, Kalimünz 1993, 1 17 ff. bes. 128 ff. 4 Tac., ann. 2, 56, 4. Der erste Statthalter Kappadokiens war der Senator Q. Veranius; seit wann ein Ritter dort die Leitung .hatte, ist nicht bekannt. Auch in Kommagene wurde im J. 18 von Germanicus ein prätorischer Legat eingesetzt; über die Weiter führung dieser administrativen Einheit ist nichts bekannt.
170
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
zwei Statthalter in zwei kleineren Provinzen zu verteilen. Gleichzeitig wurde damit eine potentielle innere Gefahr, nämlich ein Sechstel des Truppenbestandes des Reiches in der Hand eines einzigen Statthalters, eliminiert. So entstand i m J. 85/86 Moesia Superior und Moesia inferior. Auch Traian teilte am Ende des 2.
Dakerkrieges eine Donauprovinz, Pannonien, in zwei Einheiten: Pannonia superior und inferior. Hier dürften vor allem auch militärische Gründe, nämlich der bessere Schutz vor Feinden nördlich der Donau, eine wesentliche Rolle gespielt haben.5 Am Ende der traianischen Zeit ist jedenfaJis eine Zahl von insgesamt 43 oder 44 Provinzen erreicht, mit rund 5 Millionen qkm Gesamt fläche; bei dieser Ausdehnung und dieser Provinzzahl ist es i m wesentlichen geblieben,6 bis dann vor allem gegen Mitte des 3. Jb.s erneut eine Vermehrung
einsetzte, nunmehr freilich allein dadurch erreicht, daß bisherige Provinzeinheiten zerschlagen und wesentlich verkleinert wurden7; diese Bewegung findet ihren Höhepunkt unter Diokletian und Konstantin mit weit mehr als 100 ad ministrativen Großbezirken. Politisch-administrativ wurden alle diese territorialen Einheiten Provinzen genannL Ursprünglich bedeutete der Begriff provincia lediglich den sachlichen Aufgabenbereich eines Magistrats. So konnte die Gerichtstätigkeit des praetor
urbanus als seine provincia bezeichnet werden, ebenso wie der Feldzug gegen ein feindliches Volk als provincia eines Konsuls oder die Bekämpfung der Seeräuber durch Pompeius. Besonders deutlich wird diese ursprüngliche Bedeutung in einer Formulierung, wie sie sich in der Lex repetundarum findet: quaestor [quei aerarium
pro]vinciam optinebit = "der Quästor, der die Leitung der Staatskasse als seine
Provinz I sein Aufgabengebiet haben wird" oder: [quaestor, quoi] ... urbana
provincia obvenerit
=
5 Siehe dazu oben S. 48.
"der Quästor, dem ... als seine Provinz die Stadt (Rom)
6 Wichtig war die Teilung Syriens durch Septimius Severus, eindeutig aus militärisch innenpolitischen Gründen, nach der Niederlage des Pescennius Niger. Gleiches geschah in Britannien nacb dem Niederringen des Clodius Albinus. Es entstand jeweils eine konsulare Provinz mit zwei Legionen (Syria Coele und Britannia superior) und eine prätorisehe Provinz mit nur einer Legion (Syria Phoenice und Britannia inferior). Eine Vergrößerung des Reiches war damit nicht verbunden, wohl aber mit der Einrichtung der Provinz Osrhoene und Mesopotamia (dazu zuletzt C.M. Lehmann, Epigraphica Caesariensia, CPh 79, 1984, 45 ff.; ferner M. Sartre, L'Orient Romain, Paris 1991, 52 ff.; F. Miliar, Tbe Roman Near East 31 B.C. - A.D. 337, Cambridge London 1993, 125 f.). Neben diesen großen Veränderungen stehen auch immer wieder Grenzveränderungen zwischen einzelnen Provinzen, die häufig nur sehr schwer zu fassen sind. Noch schwieriger ist es zu entscheiden, was die jeweiligen Gründe dafür waren. 7 Siehe z.B. die Ausgliederung von Caria et Phrygia aus der alten Provinz Asia spätestens zwischen 249 und 251, AE 1991, 1508. 1509 a. 1 5 1 L . 1512.
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
171
zufallen wird I der ... in der Stadt Rom tätig sein wird".8 Ein fest umrissenes Territorium mußte also mit provincia nicht verbunden sein. Doch mehr und mehr assoziierte der Begriff seit der Einrichtung der ersten römischen Außenbesitzungen ein mehr oder weniger genau umschreibbares Gebiet. Dies wurde am Anfang vor allem dadurch erleichtert, weil Sicilia und Sardinia sowie Corsica als Inseln auch territorial präzis erlaßbar waren. Die beiden Hispaniae (citerior und ulterior) waren gegen das noch nicht unterworfene Binnenland weniger klar abgegrenzt. Je mehr die Zeit fortschritt, desto stärker setzte sich der Aspekt durch, daß unter provincia ein genau definierbares Territorium zu verstehen sei, das einem einzigen römischen Amtsträger mit
imperium unterstand. Dazu trat als weiteres exklusives Element, daß solche Gebiete außerhalb Italiens lagen, also kein rein römisches Bürgerterritorium waren. Dies wurde natürlich erst in dem Augenblick in aller Schärfe deutlich, als im Gefolge des Bundesgenossenkrieges Italien zu einem einheitlichen Land römischer Bürger geworden war; ihren Abschluß fand diese Aspektverschiebung in dem Augenblick, als auch die Gallia Transpadana Teil dieses römischen Bürger gebietes wurde und damit die gesamte Halbinsel bis zu den Alpen eine rechtlich gegenüber den Untertanengebieten herausgehobene Einheit bildete. Sie stand seit dem J. 4 1 v.Chr. nunmehr klar dem gesamten großen Rest des Imperiums, den Provinzen, gegenüber: Italien als das Gebiet des herrschenden Volkes, von wo auch die Statthalter kamen, und die Provinzen als untertänige Gebiete, die praedia
populi Romani, wie Cicero sie einmal nannte.9 Eine Provinz ist also seit der späten Republik bis zum J. 2 1 2 n.Chr., als die allgemeine Bürgerrechtsverleihung durch Caracalla erfolgte, ein Gebiet außerhalb Italiens, das kein römisches Bürgerterritorium ist, das einem Statthalter als Beauftragten des römischen Volkes untersteht und - nicht zuletzt - steuerpflichtig ist, während Italien - dies allerdings schon seit 167 v.Cbr. und dann endgültig seit augusteischer Zeit- weder zu einem regelmäßigen Tributum auf den Boden noch zu einer jährlichen Steuer auf den einzelnen Bürger, also einer Kopfsteuer, ver pflichtet ist. Unregelmäßig anfallende Steuern wie z.B. die 5%ige Freilassungs und Erbschaftssteuer sind in diesem Zusammenhang ohne Belang. Eine Provinz ist also definitionsgemäß Untertanengebiet, dessen Bewohner in den ersten Generationen grundsätzlich keinen Anteil an der römischen Herrschaft haben, Untertanengebiet, das Italien als Territorium des herrschenden Volkes mit seiner rechtlichen Besserstellung gegenübersteht. Dieser traditionsgemäß zwingende
8 FIRA f2 Nr. 7 Zeile 69. 72 ff. 9 Cic., Verr. ll 2, 3, 7.
=
Roman Statutes, hg. M. Crawford, London 1996, I 72.
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Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
Gegensatz zeigte. über Jahrhunderte seine Wirkung. Als Hadrian, dem offen sichtlich die exzeptionelle Stellung Italiens nicht mehr zeitgemäß erschien, das Kernland, soweit wir sehen können, in vier Gebiete aufteilte und für jedes einen Beauftragten ernannte, der sich wohl in nichts von einem kaiserlichen Provinzialstatthalter unterschied (weshalb diese Beauftragten auch die Amtsbe zeichnung legatus Augusti pro praetore trugen), war der Widerstand so groß, daß Antoninus Pius, sein Nachfolger, die Maßnahme wieder aufhob und den alten Zustand wiederherstellte. 1 0 Und selbst als es seit dem späten 3 . Jh. nun tat sächlich Statll:halter in den einzelnen Regionen Italiens gab, vermied man es immer noch, diesen Regionen die Bezeichnung Provinz zu geben. Für sie genügte
ein Regionenname wie Campania, Samnlum oder Plaminia, ein Statthalter hieß
corrector Venetiae et Histriae oder consularis Campaniae, ohne die zeichnung
Bezirksbe
provincia. 1 1 Zumindest hier übte die jahrhundertealte Sonderstellung
Italiens selbst im 4. Jh. n.Chr. noch ihre Wirkung aus. So sehr man unter politisch-rechtliebem Blickpunkt alle Provinzen in der Abgrenzung zu Italien als klar erkennbare Einheiten definieren kann - in der Realität waren sie alles andere als uniform. Man muß sogar mit Nachdruck betonen, daß Rom höchstens vom Ende des 3. Jh.s n.Chr. an (und selbst dann keineswegs konsequent) versucht hat, allzu große Unterschiede zwischen den einzelnen Provinzen (jedenfalls was die flächenmäßige Ausdehnung betraf) auszugleichen und sie nach relativ gleichen Kriterien zu gliedern und zu organisieren. In der uns hier vor allem interessierenden frühen und hoben Kaiserzeit ist ein wirklich bewußter Versuch der Allgleichung nicht zu erkennen, weder unter dem Aspekt der territorialen Ausdehnung noch in politisch administrativer Hinsicht. Die gewachsenen Gebiete mit all ihren Unterschieden blieben bestehen und wurden nur im Einzelfall aus ganz anderen als systema tischen Gründen verändert. 12 Sie alle kennen die Diskussion über die Neugliederung der Bundesrepublik auf der Ebene der Länder, wodurch eine gewisse Gleichheit nicht nur unter politisch rechtlichem Aspekt, sondern auch von der Bevölkerungszahl und dem wirtschaft lichen Gewicht erreicht werden soJlte. Den territorialen Zwergstaaten Bremen und Harnburg stehen die großen Flächenstaaten wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen gegenüber. Andererseits bat der Stadtstaat Berlin mehr Einwohner als der Flächenstaat MeckJenburg-Vorpommern oder gar das Saarland,
das bevölkerungs
mäßig nicht einmal die Stadt Köln erreicht. Ob die politische Diskussion je zu 10 Dazu zuletzt W. Eck, Administration I , 3 1 5 ff. 1 1 Siehe z.B. CJL X 5061 D. 1217; CIL XIV 2919 1 2 Siehe oben 47 ff. =
=
D. 1219.
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
173
einem Ergebnis, d.h. zu einer Veränderung der jetzigen Ländergliederung führen wird, darf man bezweifeln. Der Versuch einer Union zwischen Berlin und Brandenburg ist schon gescheitert. Es ist für uns nicht erkennbar, daß eine vergleichbare Diskussion über die Provinzen jemals in Rom geführt worden ist. Dabei hätte man, wenn die Gesichtspunkte Größe und Einheitlichkeit für die administrative Struktur und ihre organisatorische Gestaltung eine Rolle gespielt hätten, durchaus Grund gehabt zu entsprechenden Überlegungen. Denn die rö mischen Provinzen unterschieden sich in außerordentlichem Maß nach Aus dehnung, Bevölkerungszahl und Anzahl der Städte. Einige Beispiele mögen dies illustrieren: Die Insel Cypern bildete eine eigene Provinz; sie umfaßt 9251 qkm; etwas kleiner noch war Korsika, das nur auf 8722 qkm kommt; auch diese Insel dürfte zeitweise eine eigene administrative Einheit gewesen sein.13 Nur wenig größer waren die drei Alpenprovinzen zwischen Italien und Gallien14 oder auch Epirus, die alle höchstens zwischen lO und 15.000 qkm erreichten. Aber auch die Germania inferior, deren Grenzen nach Westen freilich einigermaßen unsicher sind, blieb wohl unter 20.000 qkm.15 Diesen territorial kleinen oder sehr kleinen Provinzen stehen andere mit ungemein großer Ausdehnung gegenüber. Dalmatien dürfte mindestens etwa 120 - 150.000 qkm urnfaßt haben, ähnlich vielleicht auch Asia. Cappadocia, im äußersten Osten des Imperium gelegen, erstreckte sich mindestens über 200.000 qkm. Die Hispania Tarraconensis auf der iberischen Halbinsel dürfte ausdehnungsmäßig überhaupt die größte Provinz gewesen sein, mit kaum weniger als 350.000 qkm, freilich mit einer inneren Untergliederung Asruria-Gallaecia. l6 Daß es zu solch gewaltigen Unterschieden kam, hatte jeweils mehrere Gründe, soweit diese für uns überhaupt erkennbar sind. Bei den Inseln ist unmittelbar die vom Meer umschlossene Einheit ein natürliches Argument gewesen. Doch mußte dies nicht zwingend in allen Fällen zur Einrichtung einer eigenen Provinz führen. So wurde Creta mit der auf dem afrikanischen Kontinent gelegenen, mindestens 350 km entfernten Cyrenaica zu einer Provinz vereint. Die kaum größere Insel
Cypern jedoch, die zur Küste der kleinasiatischen Provinz Cilicia nur eine Distanz von etwa 120 km aufwies, blieb ständig eine eigene administrative Einheit. Daß die Alpenprovinzen so klein geschnitten waren, lag einerseits wie bei den Alpes 13 Siehe zuletzt R. Haensch, Capita provinciarum, Mainz 1997, 744 ff. 14 Vgl . etwa J. Prieur, L'histoire des regions alpestres, (Alpes maritimes, Cottiennes, Graies et Pennines) sous le Haut-Empire romain (I•' - m• siecles apres J.-C.), ANRW II 5, 2, Bertin 1976, 630 ff. l5 Chr. Rüger, Germania inferior. Untersuchungen zur Territorial und Verwaltungs eschichte Niedergermaniens in der Prinzipatszeit, Köln 1968. 6 Zuletzt G. Alföldy, CAH2 X 452.
�
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Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
Cottiae an der Größe des Königsreichs des Cottius, das auf direktem Wege i n seiner alten Größe schließlich in eine prokuratorisehe Provinz umgewandelt wurde; andererseits scheint es wegen der außerordentlich schwierigen Wegever hältnisse Sinn zu machen, daß auch die Alpes maritimae und später die Alpes Poeninae so klein gestaltet wurden. So waren zumindest die Kommunika tionsprobleme innerhalb einer Provinz nicht zusätzlich durch weite Entfernungen verschärft. Doch auch die Germania inferior, in der eine gewaltige Heeresmacht stationiert war, kam auf nicht einmal 20.000 qkm, freilich mit einer erheblichen Längenausdehnung den gesamten Rhein entlang. Die insgesamt bescheidene Größe war die unmittelbare Folge der gescheiterten römischen Offensive gegen das
rechtsrheinische Germanien. Als diese aufgegeben wurde, blieben die Truppen in einem schmalen Landgürtel links des Rheins i n Position; dieser Militärbezirk grenzte im Westen an die Provinz Belgica, die spätestens seit der Mitte der augusteischen Zeit organisiert und in ihrer Ausdehnung vermutlich auch nach Osten fixiert warP Als schließlich unter Domitian offiziell die beiden Militär bezirke am Rhein zu Provinzen umgewandelt wurden und dies auch i n der Benennung des kaiserlichen Legaten kenntlich gemacht wurde, 18 rührte man offensichtlich nicht weiter an die einmal festgelegte territoriale Erstreckung. Ähnliches könnte auch bei der Beibehaltung des Territoriums der Tarraconensis eine Rolle gespielt haben, einer Provinz, die die Fortsetzung der republikanischen Hispania citerior darstellte. Obwohl die Größe dazu einladen mochte, eine Teilung durchzuführen, ist dies bis in die Zeit Caracallas unterblieben; als unter diesem Kaiser der Nordteil zu einer provincia Hispania
nova citerior umgestaltet wurde,
blieb dies Episode, da kurz darauf die Neuerung zurückgenommen wurde.19 Die mehr als 250-jährige Tradition hat damals offensichtlich noch keine Änderung zugelassen oder eine solche wurde damals trotz der Maßnahme Caracallas noch als unnötig angesehen. Das beißt nun frei!jch nicht, daß in der territorialen Ausdehnung der Provinzen Änderungen grundsätzlich ausgeschlossen waren. Vielmehr gibt es durchaus Hnweise i darauf, daß dies immer wieder vorgekommen ist. So scheint es im späten 2. Jh. zu einem Gebietstausch zwischen den Provinzen Belgica un d
1 7 Das heißt natürlich nicht, da.ß nicht im späteren 1 . oder 2. Jh. n.Chr. erneut Grenz verschiebungen vorgekommen sein können. l 8 Statt legatL�s Augusti pro praetore exercitus Germanici inferioris hieß er jetzt regulär legatus Augusti pro praetore provinciae Germaniae inferioris. Zu den Belegen W. Eck, Die Statthalter der germanischen Provinzen vom 1.- 3. Jh., Bonn 1985. 19 Siehe zu den Amtsträgem G. Alföldy, Fasti Hispanienses, Wiesbaden 1969, 49.
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
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Germania superior gekommen zu sein.20 Auch die Landschaften Lycaonia und Pisidia im Inneren Kleinasiens scheinen nicht stets derselben Hauptprovinz angehört zu haben.21 Auch kam es gelegentJich zum Zusammenschluß zweier vorher selbständiger Provinzen zu einer neuen Einheit; Galatia und Pamphylia waren so unter Nero und Galba kurzfristig zusammengeschlossen, später Galatia für etwa 40 Jahre mit Cappadocia.22 Nicopolis ad Istrum gehörte zunächst zur Provinz Thracia, bis Septimius Severus die Stadt Moesia inferior eingliederte, wie es der geographischen Lage nach auch natürlich war.23 Solche Veränderungen aber waren von der augusteischen Zeit bis weit ins 3. Jh. hinein insgesamt von geringer Bedeutung. Im allgemeinen verblieben die Provinzen, wenn man von den politisch-militärisch motivierten Teilungen an der Donau unter Domitian und Traian oder in Syrien nach dem Bürgerkrieg unter Septimius Severus einmal absieht, in der Ausdehnung und dem territorialen Umfang, den sie nach der endgültigen Organisation eines Gebietes erreicht hatten, für lange Perioden, teilweise für mehrere Jahrhunderte bestehen. Dies war Zeit genug, um zumindest theoretisch eine eigene Identität zu entwickeln, wenn dazu auch noch andere notwendige Voraussetzungen gegeben waren. Unterschiede in der Ausdehnung sind freilich nicht nur etwas Äußerliches gewesen; sie hatten vielmehr durchaus Konsequenzen, die sich nach unserer Sichtweise eigentlich auch auf die konkreten Organisationsformen und die staatliche 'Personalausstattung' der einzelnen administrativen Bezirke hätten auswirken müssen. Zwar geht die Formel: je größer das Territorium einer Provinz, desto zahlreicher auch die dort vorhandenen Selbstverwaltungseinheiten und vor allem auch die dort lebende Bevölkerung nicht immer auf, wie es z.B. für die östliche Provinz des Reiches, Cappadocia, gilt, die trotz ihrer gewaltigen Dimensionen jedenfalls nur wenige für uns erkennbare Selbstverwaltongs-
20 Ch.M. Temes, Die Provincia Germania Superior im Bilde der jüngeren Forschung, ANRW li 5, 2, Berlin 1976, 740 ff. 21 Ygl. z.B. H. Brandt, Gesellschaft und Wirtschaft Pamphy!iens und Pisidiens im Altertum, Sonn 1992, 98 ff. 22 W. Eck, Senatoren, von Vespasian bis Hadrian, München 1970, 4. 23 IGBulg. 11 659; V. Velkov, Nuovi dati sul territorio di Nicopo}js ad Istrum e sul confine settentrionale della provincia Tracia nel Il s., Ratiariensia 3/4, 1987, 243 ff.; V. Gerasimova-Tomova, Zur Grenzbestimmung zwischen Mösien und Thrakien in der Umgebung von Nicopolis ad Istrum in der ersten Hälfte des 2. Jh.s n.Chr., Tyche 2, 1987, 17 ff.; D. Boteva, The South Border of Lower Moesia from Hadrian to Septimius Severus, in: Roman Limes on the Middle and Lower Danube, hg. P. Petrovic, Belgrad 1996, 173 ff. Vgl. insgesamt B. Gerov, Die Grenzen der römhchen Provinz Tbracia bis zur Gründung des Aurelianischen Dakien, ANRW Il 7, 1 , Berlin 1979, 212 ff.
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Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
einheiten, also Städte, aufweist.24 Aber im allgemeinen zeigt sich in den ge nannten Elementen doch eine gewisse Parallelität. Die kleine Provinz Cypern war in insgesamt 9 Städte gegliedert, die Bevölkerungszahl ist unbekannt;25 doch war sie mit Sicherheit nur ein winziger Bruchteil dessen, was in der Provinz Asia vorhanden war. Ob wir dort wirklieb mit 500 Städten zu rechnen haben, wie es z.B. Josephus für die flavische Zeit angibt,26 kann man bezweifeln; doch mehrere hundert Städte existierten in diesem Gebiet und mit einer unbestreitbar zahlreichen Bevölkerung. Allein die Zahl der Conventorte in Asia, 1 3 in der tlavischen Zeit, übertrifft die Gesamtzahl der Gemeinden der Provinz Cypern.27 Ebenso kann man davon ausgeben, daß etwa die südspanische Provinz Baetica weit mehr Einwohner
t dte läßt es sich auf jeden Fall zählte als die Provinz Sizilien; bei der Zahl der Sä nachweisen.28 Ebenso hat Noricum eine wesentlich größere Anzahl von Sädten t mit einer stärkeren Bevölkerung in seinen Grenzen umschlossen als etwa Epirus
oder eine der kleinen Alpenprovinzen.29 Die Zahl der Selbstverwaltungseinheiten sowie die Quantität der Bevölkerung sind vor allem unter dem Aspekt von Bedeutung,
daß es grundsätzlich in jeder
Provinz nur einen einzigen höchsten Vertreter Roms, den Statthalter, gab, dem grundsätzlich alle Angelegenheiten (wenn man einmal bei Gouverneuren senatorischen Ranges von bestimmten Bereichen der Steuererhebung absieht) und alle Bewohner in allen sie betreffenden Fragen un.terstanden. Daß man sich auch nach Rom wenden konnte, besagt in diesem Zusammenhang zunächst nichts.
Es
leuchtet unmittelbar ein, daß notwendigerweise davon die Art und die Intensität der amtlichen Tätigkeit beeinflußt werden konnte. Epirus hatte ganz gewiß eine nur sehr geringe Bevölkerung, in Ägypten aber drängten sich auf dem allein bewohnbaren, beschränkten Raum des Niltales nach Josephus etwa 7 Millionen Menschen.30 Die Art der Kontakte zwischen dem Repräsentanten Roms und der
24 Siehe z.B. 0. Magie, Roman Rule in Asia Minor, Princeton 1950, 495. 1355; A.H.M. Jones, The Cities of the Eastem Roman Provinces, OxJord2 1971, 174 ff.; vgl. für Galatia, St. Mitchell, Anatolia. Land, War and Gods in Asia Minor, Oxford 1993, Bd. I 198 ff. 25 Jones, The Cities of the Eastern Roman Provinces (Anm. 24) 363 ff. 26 los., Bell. lud. 2, 366. 27 Zu den Conventsorten lnschr. Ephes. I A Nr. 13; Chr. Habicht, New Evidence on the Province of Asia, JRS 65, 1975. 64 ff. 28 Zu den Städten auf Sizilien G. Manganaro, La Sicilia da Sesto Pompeio a Diocleziano, ANRW II I I , I, Berlin 1988, 3 ff.; R.J. Wilson, Sicily under the Roman Empire, Warminster 1990, 36. 144; für Südspanien H. Galsterer, Untersuchungen zum römischen Sädtewesen t auf der iberischen Halbinsel, Berlin 1971, 65 ff. 29 G. Alföldy, Noricum, London 1974; für die Alpes maritimae z.B. J. Prieur, L'histoire des regions alpestres (Anrn. 14) 648 ff. 30 los., Bell. lud. 2, 385.
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
177
Bevölkerung konnte, ja mußte davon wesentlich beeinflußt werden. Wenn tatsächlich ein Präfekt von Ägypten während eines Konvents innerhalb von drei Tagen insgesamt rund 1 800 Bittschriften (persönlich?) in Empfang genommen hat, dann zeigt dies notwendigerweise, daß er sich mit dem Einzelfall natürlich nicht genauer befassen konnte.31 Dennoch kann man es als ein Grundprinzip der Provinzialorganisation Roms bezeichnen, daß der personelle Umfang der staatlichen Verwaltung einer einzelnen Provinz nicht von dem Gesichtspunkt her bestimmt wurde, wie groß die Provinz war und mit wievielen Anträgen der Statthalter und sein Personal zu rechnen hatten. Solches in Überlegungen, wie eine Provinz zu organisieren war, einzubeziehen, lag offensichtlich der römischen
Vorstellung von den Aufgaben seiner Repräsentanten in den Untertanengebieten völlig fern. Ursprünglich waren alle Provinzen rechtlich völlig gleich gewesen; sie waren
provinciae populi Romani, die ohne
Ausnahme von Amtsträgern geleitet wurden,
die vorher durch Wahl zu den höheren Magistraturen, nämlich dem Konsulat oder der Prätur, gekommen waren. Theoretisch blieben die Provinzen auch später Besitz des römischen Volkes; das gilt selbst für Ägypten, das nicht selten in der modernen Literatur als Privatbesitz des Princeps angesehen wird. Doch hat wohl die Aussage von Augustus in seinen
Romani adieci,
res gestae: Aegyptum imperio populi
mehr Gewicht.32 Auch Ägypten war eine Provinz, die zum
imperium Romanum
gehörte wie die anderen, auch wenn Augustus einige
Sonderregelungen getroffen hatte. Dennoch veränderte sich in der Leitung der Provinzen, zumindest nominell, Wesentliches, seit Augustus mit dem Jahr 27 v.Chr. ein fester Bestandteil der res publica geworden war und mehr und mehr in die Stellung eines faktischen Monarchen hineinwuchs.33 Auf der einen Seite bestehen die provinciae populi
Romani
fort, sie sind seit spätaugusteischer Zeit
zahlenmäßig fixiert, nämlich 10, nachdem sie zu Beginn der Alleinherrschaft des Augustus zeitweise 12 betragen hatten. Sie liegen fast ohne Ausnahme im Inneren des Reiches, am Mittelmeer, und umfassen größerenteils relativ alte Besitztümer Roms: Sizilien, die Baetica im Süden Spaniens, die Narbonensis, Africa, Asia, Achaia, Macedonia, sowie Cypern und Creta-Cyrenae; nur Pontus Bithynien liegt eher am Rande, ohne daß hier gegenüber der nichtrömischen Außenwelt eine andere Provinz vorgelagert gewesen wäre. Die Zahl der Provinzen diesen Typs ist nicht zufälligerweise 10; sie entspricht vielmehr der Zahl der 3J Siehe oben 126.
32 Res gestae
27.
33 Vgl. z.B. F. Miliar, State and Subject: The Impact of Monarchy, in: Caesar Au gustus. Seven Aspects, hg. F. Millar E. Segal, Oxford 1984, 37 ff. -
178
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
ordentlichen Magistrate
-
2 Konsuln34 und 8 Prätoren -, die seit der Wiederher
stellung der res publica im Jahre 27 v.Chr. zunächst jährlich gewählt wurden. Und für die Leitung dieser Provinzen brauchte man l O Prokonsuln, von denen 8
prätorisehen und 2 konsularen Ranges waren. An der Höchstzahl dieser Provinzen hat sich nie mehr etwas geändert - ganz im Gegensatz zu den Provinzen, die seit
27 v.Chr. dem Princeps zugewiesen waren. Denn alle neu eroberten Gebiete
wurden ohne Ausnahme provinciae Caesaris. Auch Provinzen mit Prokonsuln wurden gelegentlich einem kaiserlichen Statthalter anvertraut, wie etwa Pontus Bithynien unter Traian, der dort Plinius d.J. und später Cornutus Tertullus als Sondergouverneure einsetzte. Gleichzeitig wurde freilich nach Sardinien, das üblicherweise einem ritterlichen praefectus et procurator unters tand , ein
prätorischer Prokonsul gesandt, damit die Zahl der provinciae populi Romani nicht zurückging - eine Verbeugung vor dem Senat, die Traians Macht nicht einschränkte. Ähnlich handelte Mare Aurel, als die Baetica zeitweise dem Statthalter der Tarraconensis angeschlossen wurde. Nur Tiberius hatte ohne jede Kompensation für den Senat Achaia und Macedonia einem seiner Legaten anvertraut, der gleichzeitig auch Moesia unter sich hatte. Erst Claudius ließ erneut für die beiden Provinzen proconsules bestimmen. In der Forschung ist teilweise ein tiefgehender Unterschied zwischen den beiden Provinztypen, den prokonsularen provinciae populi Romani und den Provinzen des Augustus, die herkömmlicherweise kaiserliche Provinzen genannt wurden, gesehen worden. Doch hängt die Qualität dieses Unterschieds wesentlich davon ab, unter welchen Gesichtspunkten man ihn betrachtet, nämlich entweder von der politisch-rechtlieben Systematik oder von der Praxis des Verwaltungshandeins und d.h. auch vom Blickpunkt der Provinzialen aus. Politisch-rechtlich werden die
provinciae populi Romani durch Losung im Senat unter all den Senatoren, die dazu jeweils berechtigt waren, besetzt. Weil dies geschah, werden sie nicht selten Senatsprovinzen oder gar senatorische Provinzen genannt, was man vermeiden sollte. Denn der erste Begriff könnte den irrigen Eindruck erwecken, als ob der Senat hier eine eigenständige, unabhängige Zuständigkeit gegenüber dem Kaiser hätte wahrnehmen können. Da dies nicht der Fall ist, erscheint es sinnvoll, mit F.
Miliar den Begriff provinciae populi Romani zu verwenden im Unterschied zu
den provinciae Caesaris.35 Aber auch 'senatorische Provinzen', wie sie häufig genannt werden, ist kein adäquater Ausdruck, da so suggeriert wird, ein wesentliches Bestimmungskriterium sei die Zugehörigkeit ihrer Statthalter zum 34 Daß ab dem J. 5 v.Chr. zunehmend
consu/es suffecti gewählt
einmal gefundenen Regelung nichts geändert.
35 F. Miliar,
wurden, hat an der
'Senatorial Provinces'. An lnstitutionalized Ghost, AW 20, 1989, 93 ff.
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
179
Senat. Doch trifft dieses Kriterium auch auf fast alle Gouverneure in den kaiserlichen Provinzen zu. Vielmehr sind zumeist dieselben Personen als Statthalter in beiden Provinztypen anzutreffen. Auch mit 'senatorisch' ist also keine spezifische Kennzeichnung gegeben. Ein wesentliches Charakteristikum der durch Los bestimmten Statthalter der
provinciae populi Romani, die alle die Amtsbezeichnung proconsul tragen, gleichgültig, ob sie im Senat selbst prätorisehen oder konsularen Rang hatten, ist die Einjährigkeil ihrer Dienstzeit in ihrer jeweiligen Provinz. Gelegentlich konnte die Amtszeit allerdings auch verlängert werden; die längste bekannte Amtszeit sind sechs Jahre, unter Tiberius;36 häufiger waren zwei oder drei Jahre. Die spezifischen Gründe dafür sind kaum je bekannt; sie waren nicht genereller Natur, sondern nach aller Wahrscheinlichkeit von Fall zu FaJt andere.37 Als höheres Personal stand einem Prokonsul ein Quästor sowie ein Legat zur Verfügung, die ebenfalls senatorischen Ranges waren; in Africa und Asia betrug die Zahl der Legaten (jedenfalls zu Beginn des Principats) jeweils drei. Während die prätorisehen Prokonsulate zumeist offensiebtlieb kein besonderes Prestige genossen, waren die Stellungen in Africa und Asia, als Abschluß einer senatorischen Laufbahn, hochbegehrt. Die Provinzen des Kaisers wurden in einem wesentlich anderen Auswahlmodus besetzt. Es entschied, jedenfalls im Normalfall, allein der Herrscher. Das galt für die Bereiche, in denen Senatoren amtierten, genauso aber auch für die Provinzen, in denen Personen aus dem Ritterstand die Leitungsfunktionen übernahmen. Alle diese Statthalter waren seine Delegatare, d.h. sie hatten keine unabhängige Befehlsgewalt, kein eigenes imperium, wie es, rechtlich gesehen, den Prokonsuln zur Verfügung stand. Ihre Abhängigkeit drückte sich auch in den Amtsbe zeichnungen aus: legatus Augusti pro praetore für diejenigen, die senatorischen Standes waren, also Vertreter des Augustus im prätorisehen Rang, und praefectus (nur in Ägypten) bzw. procurator (oder procurator et praefectus) für ritterliche
Statthalter.38 Alle diese Bezeichnungen unterstrichen, daß ihre Träger im Auftrag handelten; d.h. Statthalter im rechtlichen Sinne war an sich der Herrscher selbst 36 In Asia P. Petronius; vgl. Thomasson, Laterculi I 2 1 1 . 37 So z.B. in Africa L. Apronius, C. Vibius Marsus, Ser. Sulpicius Galba, M . Pompeius
Silvanus (Thomasson, Laterculi I 373 ff.); in Creta-Cyrenae P. Viriasius Naso und C. Arinius Modestus (Thomasson, Laterculi I 363 f.); in Asia Potitus Valerius Messala, C. Vibius Postumus, M. Aemilius Lepidus (Thomasson, Laterculi 1 206 ff.). 38 Der allseits bekannte Pontius Pilatus wird von Tacitus procurator von Iudaea genannt (Tac., ann. 15, 44, 3), eine lnschrift aus Caesarea (AE 1964, 39) aber nennt ihn praefectus ludaeae; damit ist er aber nicht als Statthalter bezeichnet, sondern nach aller Wahrscheinlichkeit lediglich als Unterstatthalter unter dem konsularen Legaten von Syria.
180 (als
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
proconsul
-
bereits Claudius hat gelegentlich diese Bezeichnung in seine
Titulatur aufgenommen); doch gab er die konkrete Leitung einer Provinz an einen Delegatar ab. Anders als die Prokonsuln blieben die kaiserlichen Beauftragten solange im Amt, wie es dem Kaiser sinnvoll und notwendig erschien; so kennen wir in Einzelf ällen Amtszeiten von weniger als einem Jahr, aber auch, z.B. unter Tiberius, solche von 20 Jabren;39 das gibt es auch noch später, wie da-; Beispiel des ersten Legaten von Arabia, Claudius Severus, zeigt, der von I06 bis etwa 1 1 5 die Provinz leitete.40 Üblich war aber eine Dauer von 2-4 Jahren. Das gilt für senatorische
legati wie für ritterliche
Präfekten oder Prokuratoren. In Ägypten mit
seiner reichen papyrologischen Dokumentation ist dies sehr deutlich zu sehen.41 Vom Standpunkt der
poli tischen KJasse in Rom waren diese Unterschiede in
den Provinztypen keineswegs ohne Bedeutung. Darin spiegelte sich der bistorisehe Kompromiß, den die alte Führungsschicht, die im Senat repräsentiert war, mit Augustus abgeschlossen hatte. Selbst Nero war deshalb noch in seiner Spätzeit darauf bedacht, den Kompromiß nicht zu Lasten des Senats zu schwächen, als er während seines Besuches in Griechenland der Provinz Achaia, bis zu diesem Zeitpunkt eine
provincia populi Romani mit einem
Prokonsul als Statthalter, die
Freiheit vom st.atthaJterlichen Regiment gab; für Achaia stellte er die bisher ihm direkt unterstehende und von einem Ritter geleitete Provinz Sardinia zur Ver fügung, in die von 66/67
an
für einige Jahre ein Prokonsul gesandt wurde, bis
Achaia durch Vespasian spätestens im J. 74 mit seinem alten Rechtsstatus wieder in die Reibe der normalen Provinzen zurückkehrte.42 Anders stellte sich möglicherweise die Frage nach dem Unterschied zwischen den verschiedenen Typen, wenn man sie aus der Blickrichtung der Provinz bevölkerung betrachtet Machte es z.B. einen Unterschied, ob in Pontus-Bitbynien bis etwa
J l O n.Chr. ein Prokonsul die staatlichen Geschäfte leitete oder von da an
für einige Zeit ein
legatus Augusti pro praetore?
Mit dieser Amtsbezeichnung
ging Plinius d.J. in diese Provinz. Für den Senat und für Traian muß wohl ein deutlieber Unterschied bestanden haben; sonst hätte man nicht einen eigenen 39 So M. Statius Priscus, der sowohl in Moesia superior als auch in Britannia nur kürzeste Zeit blieb (Thomasson, Laterculi I 72. 127; Piso, Dacia I 66 ff.); gerade das Gegenteil war bei L. Arruntius in Hispania citerior und L. Aelius Lamia in Syrien (Thomassoo, Laterculi I 14. 305) der Fall. Auch Cn. IuJius Agricola blieb für sieben Jahre, also außergewöhnlich lange, in Britannien (Birley, Fasti 73 ff.). 40 Eck, Chiron J 2, 1982, 343 ff. 4 1 0. Bastianini, Lista dei prefeui d'Egitto dal 30 al 299, ZPE 17, 1975, 263 ff.; Aggiunte e correzioni, ZPE 38, 1980, 75 ff.; Brunt, Roman Imperial Themes 245 ff. 42 E. Groag, Die römischen Reichsbeamten von Achaia bis auf Dioklellan, Wien 1939, 39 ff.; W. Eck, Zum Rechtsstatus von Sardinien im 2. Jahrbu nden n.Chr., Historia 20,
1971, 5 1 0 ff.
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
181
Senatsbeschluß gefaßt, um Plinius als kaiserlichen Statthalter dorthin abzu senden.43 Er konnte als Legat auf jeden Fall länger in seinem Verwaltungsdistrikt bleiben als ein Prokonsul. Und auch manche Städte haben den Unterschied gegenüber früher verspürt; zumindest haben sie sich gegenüber Plinius vernehmen lassen, bisher hätten Prokonsuln bestimmte Kontrollen nicht durchgeführt, z.B. die Rechnungsführung einer römischen Kolonie überprüft.44 Man kann freilich fragen, ob diese erkennbar andere Amtsführung am unterschiedlichen Start haltertyp oder an der besonderen Situation und an den Sonderaufträgen lag, die Traian Plinius gegeben hatte. Aber außer den städtischen Honoratioren, die sich in ihrer Unabhängigkeit etwas eingeengt fühlten, hat wohl niemand sonst in der
Bevölkerung einen merklichen faktischen Unterschied verspürt. Ebenso ist nicht so recht klar, wie sich für die Bewohner der Provinz Iudaea die ritterlichen Praefekten, die möglicherweise bis zum Jahr 66 n.Chr. im Amt waren und nur als Unterstatthalter agierten, von den senatorischen Legaten prätorisehen Ranges unterschieden, die seit 66 bzw. nach der Eroberung Jerusalems im
J. 70 das Land
leiteten. Die gleiche Frage stellt sich etwa für die Präsidialprokuratoren in Thracia, Noricum oder Raetia, die unter Traian bzw. unter Mare Aurel von senatorischen Legaten abgelöst wurden. In allen Fällen handelte es sich um kaiserliche Beauftragte, alle waren jeweils für mehrere Jahre tätig. Daß dem Legaten in Iudaea die
legio X Fretensis zur Verfügung stand, nicht nur
Hilfstruppen, wie es unter den praefecti Judaeae der Fall war, sollte den Bewohnern ziemlich gleichgültig gewesen sein. Militär konnte sieb in jeder Form der Bevölkerung gegenüber als Bedrücker zeigen.45 Und ein Gerichtsverfahren vor dem ritterlichen Präfekten Pontius Pilatus lief wohl kaum wesentlich anders ab als vor dem senatorischen Legaten Flavius Silva, der Massada, die letzte große jüdische Festung, erobert hatte. Als Paulus vor Felix und Porcius Festus, zwei Präfekten von ludaea, angeklagt wurde, erging die Appellation, die er als römischer Bürger einlegen konnte, an den Kaiser;46 ebenso fragte Plinius als Legat von Pontus Bithynia wegen einiger Christen, die römische Bürger waren, bei Traian an, nicht anders als Licinius Silvanus Gramanus als Prokonsul von Asia im
J. 121/122
seine Rechtsunsicherheit bei der Behandlung von tumultuarischen Forderungen nach Bestrafung von Christen brieflich Hadrian vorlegte; die Antwort Hadrians
43 CJL V 5262 D. 2927. 44 Plin , ep. 10, 47. 45 Vgl. z.B. B. Isaac, The Limits of Empire, Oxford2 1992, 269 ff. 46 Acta apost. 25, 9 ff. =
.
182
Provinz - lhre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
ging erst an den .Nachfolger des Silvanus Granianus, Minicius Fundanus,
proconsul Asiae 1221123.47
Den einzigen Bereich, wo eine wirkliche Differenz erkennbar war, bildete das
Steuerwesen. Während z.B. in Ponrus-Bithynien zumindest für die regelmäßigen
Steuern bis zur Zeit des Plinius der Quästor des Prokonsuls für den Empfang der Gelder zuständig war, hätte eigentlich mit dem Wandel des Provinzstatus ein ritterlicher Prokurator an seine Stelle treten müssen. Ob dies tatsächlich geschah, ist keineswegs sicher; immerbin hatte Plinius als kaiserlicher Legat noch einen Legaten unter sich,48 was eigentlich nur einem Prokonsul zustand. Warum sollte ihm nicht auch ein Quästor zugewiesen worden sein? Im übrigen könnte Plinius, obwohl Legat, mit prokonsularer Amtsgewalt ausgestattet gewesen sein.49 In Thracia, einer ritterlichen Provinz, waren die Prokuratoren nicht nur Statthalter, sondern auch zuständig für das Steuerwesen; die seit traianischer Zeit amtierenden Legaten aber waren davon ausgeschlossen, ein eigener ritterlicher Prokurator war verantwortlich für den Steuereinzug. Wieder ist allerdings zu fragen, ob überhaupt und wenn ja, wie weit sich dies konkret für die Bevölkerung und für das Bewußtsein einer Provinz, eine Einheit zu bilden, ausgewirkt hat. Die Frage ist wohl vor allem auch deshalb berechtigt, weil sich gerade im Steuerwesen eine Erscheinung zeigt, bei der die bestehenden Provinzen öfter als sauber abgetrennte Einheiten überwunden wurden. So gab es für die beiden Gennaniae und die Belgica nur einen Prokurator; die drei Provinzen bildeten einen zusammenhängenden Steuerbezirk,50 wohl ein Relikt aus der Phase, als die beiden gennanischen Heeresbezirke noch keine Provinzen im Rechtssinne waren. Nicht
anders war es mit Aquitania und der Lugdunensis oder im Osten zwischen Cilicia
und Cappadocia oder Lycia-Parnphylia, Pisidia, Pontus und zeitweise - so zumin dest die Interpretation von Pflaum - zwischen Cilicia und der Inselprovinz Cypern.51 Noch stärker ist der Zusammenschluß regulärer Provinzen zu neuen größeren administrativen Einheiten bei den unregelmäßig, nicht alljährlich erhobenen Steuern, etwa der 5%igen Erbschaftssteuer. In Gallien waren da z.B. die Lugdunensis, die Belgica und die beiden Gennaniae verbunden, im Osten Asia,
47 Plin., ep. 10, 96 f.; lustin., apol. I, 68 48 Plin., ep. 10, 25.
=
Euseb., h. e. 4, 9, I .
= D. 2927. Die Inschrift bedarf einer erneuten Behandlung und Rekonstruktion. 50 CIL XI 5744. 5 I lnschr. Ephes. ll T 666; Pflaum. Carrieres procuratoriennes equestres III 1053. 1079; AE 1914, 128.
49 Vgl. CIL XI 5272; V 5262
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
183
Lycia-Pamphylia, Galatia und die Cyclades.52 Der illyrische Zoll umfaßte den weiten Raum von Noricum bis zum schwarzen Meer, also eine große Zahl von Provinzen, nicht anders als die quadragesima Galliarum, der Zoll von 2 Prozent im gallischen Raum.53 In solchen Fällen dienten die normalen Provinzen zwar noch zur Beschreibung des gesamten Zuständigkeitsbereiches eines Prokurators, aber sie waren als Teil einem größeren Ganzen eingegliedert. Das größere Ganze erhielt aber seinerseits nicht die Bezeichnung Provinz, ja es erhielt überhaupt keine eigene Sachbezeichnung.
Ähnliches Überspringen der Provinzgrenzen kann man auch für andere Bereiche
der staatlichen Administration feststellen, etwa in der Bergwerksadministration für Dalmatien und Pannonien bzw. den gallischen Raum oder bei der Leitung der
Gladiatorenkasernen in mehreren Provinzen.54 Auch Domänenbezirke können sich
offensichtlich auf das Territorium mehrerer Provinzen erstreckt haben. So war der
procurator Phrygiae im J. 213, Aurelius Philocyrius, der innerhalb der Provinz Asia seinen Sitz hatte, auch zuständig für Teile des kaiserlichen Besitzes, der damals in der benachbarten Provinz Lycia-Pamphylia lag.55 Freilich gewannen solche Regelungen keine reichsweite Systematik, sie blieben okkasionell und punktuell und waren zudem für verschiedene Aufgabenbereiche auch unterschiedlich zugeschnitten. Insofern konnten sie auch nicht zu einer Zwischeninstanz zwischen den Provinzen und Rom werden, wie dies bei den spätantiken Diözesen mit ihren Vikaren der Fall war. Solche überprovinzialen Zusammenschlüsse waren auf keinen Fall ein Ansatzpunkt für Identifikations muster irgendwelcher Art. War aber die Provinz als politisch-administrative Einheit geeignet, eine je eigene Identität der Provinzbewohner zu fördern oder gar erst auszubilden? Das wäre ein sehr weites Thema, das sicherlieb nicht zu einem reichsweit gleichen Ergebnis führen würde. Gewisse Ansatzpunkte für die Vorstellung, daß die Bewohner einer Provinz eine durch Besonderheiten erkennbare Einheit darstellten, gab es ohne Zweifel in vielen Provinzen. Der ProvinziaJlandtag, soweit er sich auf eine einzige Provinz bezog, konnte ein solcher Kristallisationspunkt sein; die 52 Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres lll I 054 (sowie ein Ti. Claudius
Antoninus in einer noch unpublizierten Inschrift) 1074. 53 de Laet, Portorium 125 ff. Für Asia auf Grund des Monurnenturn Ephesinum siehe zuletzt C. Nicolet, Le monurnenturn Ephesinum et Ia dtHimitation du portorium d'Asie, MEFRA 105, 1993, 929 ff. 54 Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres III 1037. 1047. 1053. 1063. 1073. 108 1 . 55 Zum Problem und der früheren Literatur G. Camodeca, Ostraka 3, 1994, 467 ff. Wichtig ist dabei das große Dossier von Takina, S. �ahin D. French, Ein Dokument aus Takina, EA 10, 1987, 133 ff. -
184
Provinz- Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
Konkurrenz der . Städte innerhalb dieses Zusammenschlusses mochte das Bewußtsein dafür schärfen, daß man sich nicht nur innerhalb dieser Einheit untereinander, sondern auch nach außen hin von anderen Provinzen unterschied, daß also die Bewohner dieser Provinz spezielle Beziehungen untereinander hatten.56 Von P. Pactumeius Fronto konnte seine Tochter sagen, er sei consul ex Africa primu.s,57 sie meinte wohl die Provinz Africa (proconsularis). Ähnlich wurde von einem unbekannten Senator wohl der tlavischen Zeit gesagt, er sei der erste Senator aus Milet und Tonien und der fünfte aus der Provinz Asia überhaupt.58 Zumindest Senatoren haben also ihre Heimatprovinz als einen wichtigen Bezugspunkt angesehen. Doch kann dies auch für andere Gruppen gelten. Eine neue Inschrift aus Ephesos spricht von einem [?Corne]lius
Menodorus praef fabrum et trib. militum primus ex is, qui in Asia habitant et [equo publico don]ati sunt.59 Ebenso nennen auch viele andere Personen als Herkunftsbezeichnung ihre Provinz, freilich sehr häufig nicht allein, sondern verbunden mit der Heimatgemeinde. So kann man sich natione Afer domo Theuesti nennen,60 oder civis Surus ex regione Zeugma6 1 oder auch Antiochensis Syriae ad Daphnem,62 ganz ähnlich also dem unbekannten ersten Senator aus Mi Iet. Die Provinz ist ein Bezugspunkt, aber auch die Gemeinde, die Stadt, aus der der einzelne stammte. Diese Verbindung von Provinz und Stadtgemeinde - civitas - trifft sich mit einer bemerkenswerten Beobachtung, die im Zusammenhang von Statthalter und Provinzgrenzen zu machen ist. Epigraphisch haben wir zahlreiche Inschriften steine überliefert, die die Grenzen zwischen mehreren Städten, zwischen Städten und Stämmen oder zwischen Städten und Privatleuten festlegen und markieren.63 Für Provinzen gibt es dergleichen kaum, auch wenn das Bewußtsein, daß diese Grenzen existierten, seinen Ausdruck fand, so z.B. auf Meilensteinen in der Provinz Arabia, die von der Erbauung einer Straße afinibus Syriae usque ad mare
56 J.
Deininger, Die Provinziallandtage der römischen Kaiserzeit von Augustus bis zum Ende des 3. Jh .s n.Chr., München 1965. 57 D. 1 00 1 .
5 8 AE 1930, 7 .
ÖJh. 62, 1993, 137; dazu W. Eck, ZPE 1 1 7 ' 1997' 107 ff. 60 D. 2319. 61 D. 7207. 62 D. 2819. 63 Siehe dazu viele Beiträge in den Akten des Convegno, lscrizioni rupestri di etä Romana in ltalia, hg. L. Gasperini, Rom 1993. Beispiele bei D. 5935 ff.; für den Osten exempli gratia S. &ahin, Die Inschriften von Arykanda, Bonn 1995, 30 f. mit Anm. 24 und 25.
59 D. Knibbe - H . Engelmann - B . Iplik�ioglu,
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt
185
rubrum berichten.64 Doch an den Grenzen selbst sind keine Terminationssteine zu finden. Lediglich in Africa wurden unter Vespasian die Grenzen zwischen der
provincia nova und vetus
durch Terminationssteine gekennzeichnet,65 ebenso im
J. 136 die Grenzen inter Moesos et Thraces66 - wenn in diesem Fall wirklich die Grenzen zwischen den beiden Provinzen Moesia (inferior) und Thracia und nicht eher Stämme gemeint sind. Ansonsten aber finden sich an den endlos langen Grenzen zwischen den verschiedenen Provinzen keine eigenen, auf sie beziehbaren Markierungen. Dies ist kaum dem Zufall zuzuschreiben. Vielmehr darf man daraus wohl den Schluß ziehen, daß solche Markierungen offensichtlich für die Administration nicht nötig waren. Wie aber hat dann ein Statthalter gewußt, für
welches Provinzterritorium er zuständig war? Nach unseren Vorstellungen hätte ein Gouverneur, wenn er in seine Provinz abreiste, etwas Ähnliches wie eine Karte mit seinem Provinzgebiet erhalten sollen. Davon ist nichts bekannt. Was er aber erhielt bzw. in der Provinz vorfand, war eineformula, eine Liste der Städte, für die er verantwortlich war.67 Seine Provinz setzte sich also aus einzelnen
civitates,
möglicherweise auch anderen territorialen Einheiten wie Tempel
herrschaften zusammen, deren Grenzen jeweils bekannt waren oder zumindest bekannt sein sollten. Eine Provinz war also, jedenfalls zunächst, eher eine Addition verschiedener Einzelteile als eine Einheit. Diese Einheit konnte sich im steten Bewußtsein der gemeinsamen Abhängigkeit von einem Statthalter bilden, freilich in ständiger Auseinandersetzung mit den Grundeinheiten jeglichen provinzialen Lebens. Das waren und blieben die Gemeinden. Mehr als die administrativ-politische Einheit, die Provinz, blieben die Städte die Bezugspunkte für das Leben und die VorsteUungen ihrer Bewohner.
64 Z.B. CIL
6S
I1I
14149, 2 1 . 30. 49. 50.
M. McCrum - A.G. Woodhead, Select Documents of the Principat of the Flavian Emperors, Cambridge 1966, 449. 66 Dokumente bei B.E. Thomasson, Laterculi praesidum I 163 s.v. Antius Rufinus; siehe oben den Beitrag von V. Velkov (Anm. 23).
67 Vgl. K. Brodersen, Terra Cognita. Studien zur römischen Raumerfassung,
Hildesheim 1995, 129 f. Interessante Beobachtungen dazu für die Provinz Syria Palaestina bei B. lsaac, Eusebius and the Geography of Roman Provinces, in: Tbe
Roman Army in the East, hg. D. Kennedy, Ann Arbor 1996, 153 ff.
PROKONSULN UNDMILITÄRISCHES KOMMANDO FOLGERUNGEN AUS DIPLOMEN FÜR PROKONSULARE PROVINZEN
Im Frühjahr 39 n.Chr. entzog Caligula dem Prokonsul der Senatsprovinz Africa das Kommando über die dort stationierte Legion. In den Worten des Tacitus:
Legio in Africa auxiliaque tutandis imperii finibus sub divo Augusto Tiberioque principibus proconsuli parebant. Mox C. Caesar, turbidus animi ac Marcum Silanum obtinentem Africam metuens, ablatam proconsuli Legionern misso in eam rem legato tradidit. 1 Was im einzelnen der Grund für diese Maßnahme war, ist nicht so bedeutsam. Klar ist aber, daß diese Übergabe der legio lll Augusta an einen
Legalus Augusti pro praetore
keine rechtliche Veränderung in der
Amtsgewalt des Prokonsuls mit sich brachte, vielmehr lediglich eine politische Entmachtung des Statthalters durch Entzug des unmittelbaren Kommandos über größere Truppeneinheiten darstellte. Von diesem Zeitpunkt an bat kein Gouverneur, der die Amtsbezeichnung proconsul trug, mehr eine volle Legion unter seinem Kommando gehabt - abgesehen natürlich vom Princeps: seit Traian ist proconsul in seinem Titel ganz üblich. Die Maßnahme Caligulas bedeutete nicht, daß alle Truppen der Kommando gewalt des Prokonsuls von Africa oder der Prokonsuln allgemein entzogen worden wären, weder rechtlich noch faktisch.2 Das eine wäre aus politischen Gründen kaum möglich, zumindest aber nicht nötig gewesen; das andere hätten die Erfordernisse der Administration, die Sicherheit der Provinzen und die Repräsentation römischer Macht nicht zugelassen. Dem proconsul Africae stand weiterhin eine
cohors
aus der
legio Tl! Augusta
(in jedem Jahr wechselnd) zur
Verfügung3 und wohl spätestens seit Vespasian auch die cohors XIII urbana bzw. später die
cohors I urbana.4
Während Mommsen noch davon ausging, daß
lediglich der Prokonsul von Africa sowie der nur vorübergehend auf Sardinien wirkende Senatsstatthalter überhaupt Truppen unter ihrem Kommando gehabt hätten,5 kann man heute für fast alle prokonsularen Provinzen Militär nach-
1 Tac., hist. 4, 48, 1 ; zum personellen lrrtum des Tacitus vgl. Dio 59, 20, 7 und dazu R. Syme, Historia 30, 1981, 196 f. = Roman Papers IH, Oxford 1984, 1357 f.; U. Voge1Weidemann, Die Statthalter von Africa und Asia in den Jahren 14-68 n.Chr., Bonn 1982, 97 ff. 1 17 ff. 2 So bereits Th. Mommsen, Gesammelte Schriften Vill, Berlin 1913, 414 f.
3 Vgl. Tac., hist. 4, 48, 2; D. 2487. 4 H. Freis, Die cohortes urbanae, Epigraph. Studien 2, Köln 1967, 31
5
ff.
Th. Mommsen, Gesammelte Schriften VHl, Berlin 1913, 414 f. Nicht heranzuziehen für die generelle Frage nach der Anwesenheit von Truppen in Senatsprovinzen ist los.,
Bell. lud. 2, 366 f. Denn die Aussage des Josephus bezieht sich lediglich auf Legions-
188
Prokonsuln und militärisches Kommando
weisen.6 Dabei ist das militärische Personal, das sich möglicherweise für nur kurze Zeit in einer Provinz des römischen Volkes aufhielt, hier weniger von Belang, obwohl damit Fragen des praktischen Kommandos und der Militäradmi nistration verbunden sind, die meines Wissens bisher noch
nicht
im Zusammen
hang zufriedenstellend behandelt und beantwortet wurden.7 Wichtiger
si nd für
unseren Zweck die Truppeneinheiten, die als Ganzes und für längere Zeit in einer prokonsularen Provinz stationiert waren.s
truppen, nicht jedoch auf Auxiliartruppen. Diese waren für seine Argumentation ohne Belang.
6
Vgl. dazu an früheren Arbeiten E. Ritterling, Military Forces in the Senatorial Provinces, JRS 17, 1927, 28 ff.; R.K. Sherk, The inermes provinciae of Asia minor, AJPh 76, 1955,
400 ff.; ders., Roman Imperial Troops in Macedonia and Achaea, AJPh
78, 1957, 52 ff.; M.P. Speidel, The Roman Army in Asia Minor, Recent Epigraphical
Discoveries and Research, in: Armies and Frontiers in Roman and Byzantine Anatolia,
hg. St. Mitchell, BAR lnt. Ser. 156, Oxford 1983, 7 ff. 7 So ist etwa zu fragen, wem ein centurio leg. XXII Primigeniae (die Legion war in Mainz stationiert) unterstand, der im Jahr 137 in den Steinbrüchen von Synnada in der Provinz Asia tätig war (Ch. Dubois, Etude sur l'administration et l'exp1oitation des carrieres ... dans le monde romain, Paris 1908, 90 Nr.l99. 200); oder der
centurio Leg. Vlpiae (stationiert in Noviomagus), der unter Severus Alexander in Ephesus als agens curam cust(odiarum) bezeugt ist (lnschr. Ephes. ill 817). Ein centurio leg. XI Cl., princeps ehrte in Ephesus (unter Gallienus?) die Gattin des procurator Asiae
XXX
Scaurianus (D. Knibbe - H. Engelmann, JÖAI 55, 1984, 140). Daß das Kommando über die unmittelbare Tätigkeit solcher Soldaten beim Statthalter der Provinz oder beim Prokurator (der Steinbrüche) lag, muß man wegen der Notwendigkeit einer sinnvollen Organisation voraussetzen. Doch bleibt die weitere Frage, wer über Beförderung, Versetzung, Entlassung aus dem Dieost entschied. Da die drei genannten Soldaten ihre
Einheiten angaben, die aber nicht in Asia stationiert waren, müßten solche Vorgänge logischerweise über die Statthalter von Germania inferior/superior bzw. Moesia inferior abgewickelt worden sein. Andererseits werden Auxiliarsoldaten aus Pannonia inferior, die mit einer Vexillation nach Mauretania Caesariensis gekommen waren, vom dortigen Prokurator entlassen, obwohl die Einheiten als Ganzes weiterhin dem Legaten von Pannooia inferior unterstanden (CIL XVI 99). Vgl. zu diesen Überlegungen W. Eck, Cbiron 2, 1972, 436; dort freilich irrig auch auf ganze Einheiten bezogen, die in einer prokoosulareo Provinz stationiert waren. Möglicherweise standen den Prokonsuln auch beneficiarii zur Verfügung, die aus einer Legion genommen wurden, und zwar nicht nur in Africa und im I . Jh. (so Th. Mommsen, St. R. II3 265 Anm. 3). So könnte der in AE 1957, 41 genannte
VII Geminae, beneficiarius consularis,
miles leg.
der vor seiner Entlassung in Ostipo in der
Baetica gestorben ist, dem Prokonsul der Baetica unterstanden haben. Vgl. auch CIL
XII 1876 aus Vienna. 8 Nach Th. Mommsen, St. R. IJ3 263 f. mit Anm. 1 wären sämtliche Truppenkörper in kaiserlichen Provinzen und den annektierten Reichen stationiert gewesen. Dies habe auch für die alae, cohortes und classes gegolten - Für die folgenden Ausführungen vgl. auch die Liste im Anhang.
Prokonsuln und militärisches Kommando
189
Völlig ohne Nachricht sind wir für die Narbonensis und für Sicilia, was aber nicht heißen muß, daß dort tatsächlich überhaupt keine Auxiliartruppen standen.9 Für die Baetica erfahren wir zufälligerweise aus einem Pliniusbrief für das Jahr 97/98 von einer Kohorte, weil deren Kommandeur, ein tribunus, in den Repetundenprozeß des Caecilius Classicus verstrickt war. 10 Ob diese Einheit etwa mit einer coh. /II Gallorum identisch war11 oder ob mit dieser eine weitere Truppe in der Baetica zu greifen ist, läßt sich nicht sagen. Sardinia war nur zeitweise prokonsulare Provinz, zunächst unter Augustus, sodann zwischen 67 und ca. 74, unter Traian etwa von 1 10 bis mindestens 1 15 u nd wieder Anfang der 70er Jahre des
2. Jh.s unter Marcus.12 Die Auxiliarein
heilen - gleichzeitig zumindest zwei im Jahr 88 und 9613 - standen ohne Zweifel auch dem proconsul zur Verfügung wie zuvor oder danach den procuratores et
praefecti provinciae Sardiniae. Während für Acbaia wieder nur eine Einheit bezeugt ist, eine cohors equestris,14 dürften in Macedonia zumindest zwei cohortes stationiert gewesen sein: eine cohors Hispanorum um 175/17615 und eine cohors 9 Nach Tac., bist. 2, 14, I entsteht der Eindruck, als ob eine
cohors Ligurum in der Narbonensis stationiert gewesen sei. Doch stand diese offensichtlich in Cemenelum, dem Provinzhauptort der Alpes Maritimae (vgl. zuletzt J. Prieur, in: ANRW l l 5, 2, Berlin 1976, 649). IO Plin., ep. 3, 9, 18. 1 1 CIL l l 1 127 aus Italica nennt einen Soldaten der coh. 1/l Gallorum, der nach 2 1 Dienstjahren starb. Zur Problematik dieser Kohorte vgl. neben M. Roxan, Latomus 32,
1973, 848 jetzt vor allem P. Le Roux, L'arrn�e romaine et l'organisation des provinces iberiques d'Auguste a l'invasioo de 409, Paris 1982, 150 f. mit Anm. 177. 227. 1 2 Dazu P. Meloni, L'amministrazione della Sardegna da Augusto all'invasione Vanda lica, Rom 1958, I I ff.; ferner A.E. Astin, The Status of Sardinia in the Second Century A.D., Latomus 18, 1959, 150 ff.; G. Clemente, La presunta politica di scambio dei
governi provinciali fra imperatore e senato nel I e n secolo, PP 20, 1965, 204; W. Eck, Zum Rechtsstatus von Sardinien im 2. Jh. n.Chr., Historia 20, 1971, 5 1 0 ff. l3 CIL XVI 34. 40; zu den anderen Zeugnissen Meloni (siehe Anm. 12) 78 ff. 271 ff.; CIL X 7600 ist freilich nicht a.ls Beleg für die Dislokation der coh. Maur. et [A}frorum anzusehen, da es sich bei der Person doch offensichtlich um einen Bürger von Ca1aris handelt. AE 1982, 438 zeigt wegen des Namens des Soldaten, daß die Bürgerrechts verleihung unter Tiberius erfolgte; die
coh. Aquitanorum
muß somit wohl unter
Tiberius, vielleicht bereits unter Augustus, auf Sardinien stationiert gewesen sein. Zur coh. I Sardorum siebe jetzt auch R. Zucca, Una nuova iscrizione relativa alla Cohosr T Sardorum, Epigrapbica 46, 1984, 237 ff. mit einem neuen Dokument aus Cagliari. 14 IG V l , 1268. Apuleius, metam. 2, 1 8 spricht von praesidis auxilia. Doch ist dies weniger als konkretes Zeugnis für Achaia, sondern eher als aUgemeines Zeugnis für die
Anwesenheit von Hilfstruppen in Provinzen des römischen Volkes anzusehen. 15 Dazu R.K. Sherk, AJPh 78, 1957, 52-95. Zur Stationierung der coh. I Hispanorum in Stobi vgl. zuletzt mit der Literatur Chartae Latinae antiquiores Ill, Lausanne 1963, Nr. 219. Nach F. Papazoglou, in: ANRW II 7, I, Berlin 1979, 348 f., müßte CIL Ill 7318 nicht um 175/176, sondern um 1 12 datiert werden. AE 1982, 856 könnte noch aus der Zeit des Augustus stammen, als Macedonia, obwohl provincia populi Romani, ohnehin noch mehr Truppen hatte.
190
Prokonsuln und militärisches Kommando
I Flavia Bessorum, Provinz gehörte. l6
die von etwa 120 bis ins 3. Jahrhundert zur Garnison der
Ebenfalls mindestens zwei Kohorten fand Plinius vor, aJs er sein Sonder kommando in Pontus-Bithynien übernahm.'7 Eine dieser beiden Einheiten, die
cohors VI equestris, ist durch Grabsteine einzelner Soldaten auch noch aus späterer Zeit bekannt.18 Im frühen l . Jahrhundert n.Chr. war, wohl
Cypria
stationmert, auch eine
in Sinope, die cohors
cohors Thracum könnte zur Garnison
Bithynien gehört haben. l9 Schließlich ist ein Soldat einer
von Pontus
cohors Camp.
durch
eine Inschrift aus dem Museum von Amasra bekannt geworden.20 Ob die Einheit zu den Besatzungstruppen der Provinz gehörte, läßt sich dem Text nicht sicher
entnehmen; doch deutet die Nennung der Frau des Soldaten (er wird nicht Veteran genannt) auf einen längeren Aufenthalt der Einheit bin. In Asia scheint eine
cohors Apula
bereits in augusteischer Zeit bezeugt zu
sein;2 1 weniger sicher ist die Präsenz einer cohors
I Lepidiana equitata civium
Romanorum etwa unter Traian.22 Kurzfristig war auch der Aufenthalt der cohors I l6
CIL XVI 67; IG X 2, 384, datiert wohl auf Grund des Namens Aurelius, vgl.
M.P. Speidel, Guards of the Roman Armies, Bonn 1978, 98 f. Auch einige der bei Th. Ch. Sarikakis, in: Ancient Macedonia ll, Thessalonike 1977, 431
ff. aufgeführten
Soldaten könnten in Macedonia selbst stationiert gewesen sein. Ferner werden Auxili.arsoldaten in der Begleitung des Prokonsuls Anteius Orestes genannt (AE 1967, 444; si.ehe unten S. 2 1 3 Anm. 40). 17 Plin., ep. 10, 2 1 . 1 8 IGR In 2. 1396. 141 l; SEG li 666 = AE 1955, 266. VgL auch S. &ah.in, Inschriften des Museums von Iznik, Boon 1982, Bd. li 2, 1252. Diese Truppen sind nicht etwa deshalb als Ausnahme zu erachten, weil Pliruus kaiserlicher Legat war (so aber Th. Mommsen, St. R. II3 264 Anm. 1). 19 So auf Grund eines neuen Textes aus Sinope M.P. Speidei - D.H. French, Bithynian Troops in the Kingdom of the Bosporus, Epigr. Anat. 6, 1985, 97 ff. mit Verweis auf
IGR I 896 = D. 9 1 6 1 ; IGR I 894. 895 = D. 8874. Freilich muß die cohors Thracum nicht unbedingt auch in Pontus-Bithynia stationiert gewesen sein; Diza kann auch lediglich aus dieser Provinz stammen. Nicht sicher ist die Voraussetzung, daß die Truppen, die unter lulius Aquila im J. 49 im Bosporanischen Königreich eingriffen, zur
Besatzung von lPontus-Bithynien gehörten; denn ob Iunius Chilo überhaupt Statthalter
und nicht nur Prokurator dieser Provinz war, ist höchst umstritten. Sowohl Aquila als auch Chilo erhielten keine militärischen Auszeichnungen, sondern politisch-zivile. Damit müssen die Verdienste des Chilo nicht auf dem Einsatz der Truppen beruhen, son dern dem 'Transport' des Mithridates nach Rom. 2° Chr. Marek, Epigr. Anat. 6, 1985, L40. Wenn man aus dem Fehlen des Cognomens bei dem Soldaten, dem die Grabinschrift gesetzt wurde, überhaupt etwas schließen darf (vgl. A. M6csy, in: Heer und Integrationspolitik, hg. W. Eck - H. Wolff, Passau 1986, 439), dann sollte der Text am ehesten ins I. Jahrhundert gehören. 2 1 AE 1973, 501. Ob man AE 1966, 478 als einen Beleg für die Anwesenheit der Einheit im kleinasiatischen Bereich auffassen darf, muß unsicher bleiben. 22 D. 2590 = CIL lil 1225 1 . Vgl. M.P. Speidei (Anm. 6) 26 Anm. 24. Die Herkunft aus Smyrna ist völlig unsicher, weshalb der Text auch nicht in die neue Sammlung der Inschriften von Smyrna durch G. Petz) aufgenommen wurde. Insgesamt ist die Herkunft
Prokonsuln und militärisches Kommando
191
Claudia Sugambrorum, die in der Spätzeit Hadrians nach Asia kam, aber bereits unter Antoninus Pius die Provinz wieder verlassen haben muß.23 Dagegen blieb die cohors I Raetorum die noch unter Hadrian zum Heer von Kappadolden gehörte ,
und erstmals im Jahr 148 in Asia bekannt ist,24 mindestens bis in die Zeit Caracallas in der Provinz, da die stratores im officium des procurator Asiae, Lucilius Pansa Priscillianus, in der Zeit Caracallas aus dieser Kohorte genommen wurden.25 Lycia-Pamphylia wurde erst später prokonsulare Provinz; es steht aber nunmehr fest, daß dies unter Mare Aurel bereits lange vor 169 zum ersten Mal erfolgt sein muß.26 In dieser Zeit lag die cohors I Numidarum, wie zwei Militärdiplome
bezeugen, in der Provinz;27 wahrscheinlich blieb die Kohorte mindestens bis ins Jahr 230 hier stationiert.28 Während auf Cypern die cohors VII Breucorum für einige Zeit eingesetzt war,29 läßt sieb für Creta, den einen Teil der Doppelprovinz, keine Einheit nachweisen. Dagegen sind die Zeugnisse in Cyrenae relativ zahlreich; sie reichen von der Zeit des Tiberius für die cohors I Lusitanorum30 bis zur cohors I Macedonum equitata unter Gordian IJJ.31 Ob freilieb mehr als eine Kohorte gleichzeitig die Besatzung von Cyrenae bildete,32 Läßt sich beim heutigen Quellenstand nicht sagen.
der im Museum in Leiden aufbewahrten Texte in manchen Fällen sehr zweifelhaft, vgl. L. Robert, Hellenica 1 1112, Paris 1960, 214 ff., bes. 2 1 6 ff. 23 AE 1927, 95; vgl. M.P. Speidei (Anm. 6) 26 f. Anm. 24. Zur Datierung vgl. aber auch R. Syme, Historia Augusta Papers, Oxford 1983, 183.
24 B. Overbeck, Das erste Militärdiplom aus der Provinz Asia, Chiron 1 1 , 1981, 265 ff.
=
AE 1981, 845 a
=
RMD II 100.
25 D. Knibbe - H. Engelmann, JÖAI 55, 1984, 1 4 1
= AE 1988, 1022 (dankenswerter weise hatte mir H. Engelmann den Text bereits vor der Publikation zur Kenntnis gebracht). Zu weiteren Dokumenten IGR IV 728. 729. 736; vgl. auch E. Ritterling, JRS I 7, 1927, 3 1 f. MAMA IV 328 bezeugt castra in Eumeneia im Jahr 197; ob am
Ende dieses Textes Vitelliano proc. A[siae] oder proc. a(gente) [v(ice) pr(aesidis)J (so Pflaum, Procurateurs �questres, 134) zu verstehen ist, muß unsicher bleiben. Zu
proconsul ist die Abkürzung wohl nicht aufzulösen. Zu militärische officiales z.B. AE 1953, 90.
Anweisungen des Prokonsuls an
26 Vgl. unten Anm. 55. 27 CIL XVI 128; RMD I 67.
28 AE 1966, 459; zu den Einheiten, die vor der Umwandlung in eine prokonsulare Provinz in Lycia-Pamphylia lagen, vgl. M.P. Speidei (Anm. 6) 14.
= AE 1953, 1 71. ; da die Dedikation u.a. an den Genius praesidi erfolgte, muß man mit einem längeren Aufenthalt rechnen. 30 AE 1978, 830. 3 ! AE 1969170, 636. 637; ob die Prokuratoren, die in beiden Inschriften genannt werden, Präsidial- oder Patrimonialprokuratoren waren, ist nicht völlig sicher (vgl. W. Eck, RE Suppl. XIV 439: Pomponjus 41 a; 79: Caecilius 54 b). Doch könnte die
29 CIL ill 215
Tatsache, daß Pomponius Cordius als
praeses
angesprochen wird, andererseits
192
Prokonsuln und militärisches Kommando
Der kursorische Überblick läßt die Schlußfolgerung fast sicher erscheinen, daß wir kontinuierlich in allen
provinciae populi Romani,
also auch in der Narbo
nensis und auf Sizilien (obwohl in diesen beiden Provinzen bisher nichts nachzuweisen ist), mit Auxiliareinheiten zu rechnen haben. Für die Frühzeit liegen nur für Asia und Cyrenae Zeugnisse vor; doch muß und kann dies nicht heißen, daß die anderen Provinzen ohnejede miliärische t Besatzung blieben. Zwar stammen die meisten sonstigen Belege erst aus dem 2. Jh.; doch setzt bekanntlich die Masse der Inschriften in vielen Provinzen erst in der 2. Hälfte des
1 . Jh.s
n.Cbr. ein,33 weshalb daraus kein Schluß zu ziehen ist. Man wird also davon ausgehen dürfen, daß jedem Prokonsul die eine oder andere Auxiliareinheit unterstand. Eine Ausnahme könnte der Prokonsul in Africa gewesen sein, der weiterhin über eine Kohorte der
legio 111 Augusta
sowie eine Stadtkohorte
verfügen konnte. Lange Zeit bestand Unsicherheit darüber, wer, nach dem Kaiser, den rechtlichen Befehl über diese Auxiliareinheiten gehabt habe. Entsprechend einem beiläufigen Hinweis
E.
Ritterlings34 hat E. Groag35 vorgeschlagen, im prokonsularen Lega
ten, also dem Untergebenen des Statthalters, den Kommandeur zu sehen, was auch weithin akzeptiert wurde. Beleg dafür war einmal die Bezeichnung Licinius Priscus in CIL XVI
128, einem Diplom aus dem Jahr
leg(atus) für 1 7 8 für die
Provinz Lycia-Pampbylia. Gerade dieser Terminus sollte nach Groag nicht den Statthalter, sondern den Legaten des Prokonsuls bezeichnen. Daß dies nach dem gesamten Formular der Konstitutionen seit Beginn der 50er Jahre des
2.
Jahrhunderts nicht möglich war, vielmehr das genaue Gegenteil daraus zu schließen ist, daß nämlich Licinius Priscus kaiserlicher Statthalter war, konnte inzwischen gezeigt werden.36 Gewichtiger aber erschien als Beweis eine ephe sische Inschrift für C. Rutilius Gallicus, die diesem Senator von einem M. Aemi-
Caecilius Felix eine Dedikation durchführt, eher für eine Funktion als Statthalter sprechen. Zur Datierung und Identifizierung der coh. Hispanorum in der Cyrenaica vgl.
J. Reynolds, Lib. Stud. 12, 1980/81 , 49 ff. und M. Le Glay, ZPE 59, 1985, 120 ff. 32 ln AE 1974, 671; 1968, 541; 1951, 208 ist jeweils nur die Existenz einer Kohorte
zu erkennen; die genaue Bezeichnung der Einheiten fehlt. AE 1939, 279 mit einer coh. l/1 (?) und AE 1 9 1 5 , I I I = I 917118, 64 mit einer coh. Hispanorum sind nicht näher zu
datieren. 33 So zuletzt wieder R. Mac MuJlen, The Epigrapbic Habit in tbe Roman Empire, AJPh I 03, 1982, 233 ff. 34 E. Ritterling, JRS 17, 1927, 30.
35 E. Groag, Zum Militärkommando in den senatorischen Provinzen, Serta Hoffi1leriana, Zagreb 1940, 2 I 7 f. 36 W. Eck, Bemerkungen zum Militärkommando in den Senatsprovinzen der Kaiserzeit, Chiron 2, 1972, 429 ff.
Prokonsuln und miliärisches t Kommando lius Pius, praej(ectus)
193
coh(ortis) I Bosp(oranorum) et coh(ortis) I Hisp(anorum)
errichtet wurde.37 Denn aus Statius, Silvae
1 , 4, 80 ff. hatte u.a. Groag den
Schluß gezogen, Rutilius Gallicus sei zwei Jahre lang Legat des Prokonsuls von Asia gewesen.38 Gerade dies schien nach der Entdeckung der ephesischen Inschrift
legatus
bestätigt, zumal Aernilius Pius den Geehrten am Ende nochmals als herausstellt.
Diese Interpretation wird jedoch durch den Text des ephesischen Zeugnisses nicht gestützt. Denn in der Inschrift wird im Cursus selbst gerade nicht von einer prokonsularen Legatio gesprochen, sondern von legatoprovinciae Galaticae. Und in dieser Eigenschaft ehrte Pius seinen früheren Vorgesetzten in Galatien. Ein
ziemlich früher Text aus Olbasa im galatischen Pisidien belegt gerade die cohors I
Hispanorum,
die Aernilius Pius kommandiert hatte, in dieser Provinz, nicht in
Asia.39 Warum die Ehrung in Ephesus, also außerhalb der Einsatzprovinz erfolgte, ist nicht eindeutig zu beantworten. Möglicherweise hielten sich sowohl der ritterliche Präfekt als auch Gallicus vor ihrer Rückreise nach Italien für längere Zeit in Ephesus auf, oder die wichtigste Stadt der Provinz gab das richtige Forum ab für die Ehrung, es war insgesamt ein
locus celeberrimus.
Daß es überhaupt zu der unzutreffenden Interpretation der ephesischen Inschrift gekommen war, lag an den schon erwähnten Versen des Statius,40 die ebenfalls nicht richtig verstanden worden waren. Statius spricht bei der Darstellung der Laufbahn des Rutilius Gallicus von
magnaeque iterata . . . iura Asiae;
Gallicus
sei in der Provinz so beliebt gewesen, daß man ihn sogar noch für ein drittes und viertes Jahr für sich behalten wollte:
permissa semel.
Sed revocant fasti maiorque curulis I nec
Diese letzten Worte hatte man als die Bezeichnung des
Konsulats, den Gallicus
71 oder 72 übernommen haben muß, verstanden, während
man die vorausgehenden geminifasces entweder auf die Stadtprätor oder aber, und so vor allem Groag und Ritterling, auf eine zweijährige Amtszeit als prokon sularer Legat in Asia bezogen hatte. Diese Interpretation ist nicht zutreffend.41 Statius spricht vielmehr in den Versen 80-83 einmal von beiden Konsulaten des Gallicus, worauf die
gemini
3? AE 1920, 55 = D. 9499; lnschr. Ephes. Ill 715. 38 Groag, RE I A 1258 mit der frühen Literatur.
39 AE
1961, 17
=
M.P. Speidei (Anm. 6)14 f.
quid geminos Jasces magnaeque iterata revolvam I iura Asiae? velit illa quidem ter habere quaterque I hunc sibi, sed revocant fasti maiorque curulis I nec permissa semel.
40 Stat., silv.
41
1, 4, 80 ff.:
Zur folgenden Argumentation ausführlicher W. Eck, Statius, Silvae I 4 und C. Ruti lius Gallicus als proconsul Asiae II, AJPh I 06, 1985, 475 ff.
Prokonsuln und militärisches Kommando
194
fasces,
aber auch maior curulis nec permissa semel verweisen. Die iterata .
Asiae jedoch bezeichnen Gallicus als proconsul Asiae,
. . iura
und zwar nicht nur für ein,
sondern für zwei Jahre, wahrscheinlich ftir 82/83 und 83/84. Damit sind alle Argumente, die für ein Kommando des Gallicus über die Truppen in der Provinz Asia und allgemeiner für die Zuständigkeit des oder der prokonsularen Legaten über die in den Senatsprovinzen stationierten Einheiten, gefallen. Befehlshaber dieser Truppen kann nur der Statthalter, der Prokonsul, gewesen sein. Deutlich wird dies etwa im Fall des Catullus, der im Jahr 72 mit Reitern und Fußsoldaten gegen aufständische Juden in Cyrenae vorging.42 Den entscheidenden Beweis hat für das Kommando des Prokonsuls über die in
seiner Provinz stationierten Truppen das Militärdiplom43 erbracht, das zwischen Oktober und Dezember 148 n. Chr. wurde, quae
für Soldaten der cohors 1 Raetorum ausgestellt
est in Asia sub Flavio Tertullo.44 Daß dies der Prokonsul der Provinz
Asia im Amtsjahr 148/149 ist, ergibt sich nicht nur aus der Terminologie des Diploms, sondern auch daraus, daß Q. Flavius Tertullus im Jahr 133 als Suffektkonsul bezeugt ist. Das Intervall von 15 Jahren zwischen Konsulat und Prokonsulat entspricht genau dem, was auch sonst in dieser Zeit zu beobachten
ist.45 Damit erübrigt sich auch jeder Zweifel daran, daß ein Octavius Antoninus, der im Jahr 1 1 91120 in einem Militärdiplom genannt wird, das für eine Auxiliareinheit der Provinz Macedonia ausgestellt worden war, dort in seiner Eigenschaft als Prokonsul dieser Provinz angeführt wurde.46 Zwei erhaltene Militärdiplerne sind damit sicher für Truppen in Senats provinzen, in Macedonia und Asia, ausgestellt worden,47 möglicherweise ist aber auch noch ein weiteres Diplom dieser Kategorie zuzurechnen. Ein solches Dokument, das in Nikopolis ad 1strum in der Provinz Moesia inferior gefunden wurde,48 ist in die gemeinsame Regierungszeit von Mare Aurel und Verus zu
42 los. , Bell. lud. 7, 440.
43 Oben Anm. 24. 44
Aus der Tatsache, daß Militärdiplome nur für kaiserliche Provinzen bezeugt waren,
hat Tb. Mommsen, St. R.
II3 263
f. alle in prokonsularen Provinzen bezeugten
Truppen nur als aus kaiserlichen Provinzen abkommandierte angesehen. Vgl. W. Eck, Chiron 2, 1972, 435.
45
G. Alföldy, Konsulat 207 ff. ; vgl. auch R. Syme, The Proconsuls of Asia under Antoninus Pius, ZPE 5 1 , 1983, 271 ff. = ders., Roman Papers IV 325 ff.
46 Unzutreffend W. Eck, Chiron 2, 1972, 434 f. und im Anschluß an ihn A. Aichinger, AArchSlov 30, 1979, 626 f.; zur Meinung F. Papazoglous, ZAnt 29, 1979, 242 ff.,
Octavius Antoninus sei konsularer Legat von Moesia superior gewesen, vgl. W. Eck, Chiron 13, 1983, 153 Anm. 350. 47 CIL XVl 76; RMD I 35. 48 Publiziert durch V. Gerassimova-Tomova, Klio 57, 1975, 227 ff. = RMD I 67.
Prokonsuln und militärisches Kommando
195
datieren.49 Die fragmentarischen Namen der Konsuln lassen eine nähere Bestim mung nicht
zu.
Da das Diplom am 23. August ausgestellt wurde, scheidet
lediglich das Jahr 165, für das die Konsuln im entsprechenden Monat bekannt sind,50 aus. Vom Namen des Statthalters von Lycia-Pamphylia ist nur Sal[---] erhalten, die Amtsbezeichnung ist verloren; damit ist es zunächst unsicher, ob der Senator kaiserlieber Legat oder Prokonsul gewesen ist. 51 Nun konnte man bisher im Zweifel darüber sein, wann in Lycia-Pamphylia zum ersten Mal proconsules eingesetzt wurden.52 Ein neuer Text bezeugt diese Umwandlung jetzt vor dem Tod des Verus im Februar 169: Tib. lulius Frugi av6o7r<XTO<; wurde von den beiden Kaisem beauftragt, eine Grenzfestlegung für die Stadt Arykanda in Lyk.ien vorzunehmen.53 Ob die Umwandlung des Status der Provinz parallel mit der von Pontus-Bithynien in eine kaiserliche Provinz verlief und im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Partherkrieges stand, ist zwar unsicher; denn L. Hedius Rufus Lollianus, der als kaiserlicher Legat in Pontus Bithynien bisher ins Jahr 165 datiert wurde, dürfte bereits im Jahr 159 in dieser Eigenschaft in der Provinz amtiert haben.54 Doch ist es jetzt immerhin möglich, daß Mare Aurel und Lucius Verus den Status von Lycia-Pamphylia bereits zu Beginn ihrer Regierung umgewandelt haben.55 49
Zur Datierung: V. Gerassimova-Tomova (Anm. 48): 162 (sicher nicht zutreffend);
W. Eck, ZPE 25, 1977, 234 f.: vielleicht 167; G. Alföldy, Konsulat 378 f.: vielleicht um 167; G. Molisani, RFIC 105, 1977, 166 ff.: 166 oder 167. 50 Alföldy, Konsulat 178 ff. Ebenfalls aus dem Zeitraum 160-167 stammt AE 1981, 656 = RMD li 120; doch ist nicht zu entscheiden, ob es sich um den Monat A{prilis] oder A{ugustus] handelt.
51
Vgl. zuletzt Alföldy, Konsulat 265; G. Molisani, RFIC 105, 1977, 166 ff. leg(ato) ergänzt, G. Molisani, RFIC 105, 1977, 168. 172 Anm. 3 fügt keinerlei Amtsbezeichnung ein und füllt einen Teil des Platzes durch die Konjunktion et zwischen den Namen des Statthalters und dem des Tribunen. Doch ist et
52 In RMD I 67 wird
unmöglich, da dies bedeuten würde, daß Statthalter und Tribun gleiche Befehlsgewalt
fehabt hätten. Auch in AE 1981, 845 a fehlt selbstverständlich diese Partikel.
3 S. &ahin, Ti. lulius Frugi, Proconsul von Lycia-Pamphylia unter Mare Aurel und Verus, Epigr. Anat. 3, 1984, 39 ff. = Inschr. v. Arykanda, hg. S. �ahin, Bonn 1994, 29 ff. Nr. 25.
54 Die Datierung ins J. 165 beruht auf IGR lii 84; vgl. zuletzt Alföldy, Konsulat 238. Doch hat Chr. Marek, Epigr. Anat. 6, 1985, 145 ff. gezeigt, daß das Jahr vielmehr 159 n.Chr. sein muß (vgl. oben S. 48 Anm. 74). Dann war der Wechsel im Status des
Provinzstatthalters bereits von Antoninus Pius vorgenommen worden. Alföldy, Konsulat 365 hält P. Vigellius Saturninus für einen Statthalter von Lycia Pamphylia (AE 1966, 470), was durchaus möglich ist. Da er um 165 Konsul war, könnte er sich kurz vorher in dieser Provinz aufgehalten haben. Da er jedoch in einer Inschrift aus Perge nur als Legat eines Herrschers bezeichnet wird, nicht von zwei
55
Kaisern, ist es eher unwahrscheinlich, daß er unter Mare Aurel und Verus dort amtierte.
Er könnte also dem Text nach bereits in der Zeit des Antoninus Pius prätorischer Statthalter von Lycia-Pamphylia gewesen sein. - Alle anderen Prokonsuln, die vermu-
Prokonsuln und militärisches Kommando
196
Dann ist es aber .nicht ausgeschlossen, daß auch Sal[---] in dem Diplom aus Nikopolis bereits Prokonsul war. Dies wird dadurch noch wahrscheinlicher, weil
in einer Inschrift aus Tlos ein :Eat. [---]avo<; als civeonaTo<; der Provinz genannt wird.56 Eine Identifizierung beider Personen, die Statthalter dieser Provinz gewesen sind, ilst durchaus möglich. 57 Nur drei von insgesamt weit mehr als etwa 230 bisher bekannten Auxiliardiplomen (einschließlich der Fragmente)58 beziehen sich somit auf Provinzen, in denen ein Prokonsul amtierte. Das ist absolut gesehen sehr wenig, bleibt aber völlig in Relation zur Anzahl der dort
stationierten Truppen. Für Noricum, wo zumindest im Jahr 69 eine ala und acht
cohortes lagen, ist bisher überhaupt kein Diplom bekannt geworden,59 für Tbrakien, das ebenfalls zumindest Auxiliareinheiten beherbergte,60 erst seit kurzer Zeit ein einziges.61 Die geringe Anzahl der Diplome ist somit unabhängig vom speziellen Status der Provinzen; sie kann vielmehr, neben anderen Gründen, Reflex der geringen Truppenzahl sein.62
tungsweise in die Zeit Mare Aurels datiert wurden, bleiben auch weiterhin undatierbar. [---]An in AE
1966, 464 muß nicht vom Namen des Prokonsuls stammen, da
[dv8]omnov auch auf den Namen des Prokonsuls gefolgt sein kann; dann würde' An zum Namen einer anderen Person gehören und wäre nicht möglicherweise auf Cassius Apronianus, den Vater des Cassius Dio, ZU beziehen. Apronianus war nach IGR m 654 Prokonsul von !Lycia-Pamphylia; durchgehend wird sein Prokonsulat nach dem 23. März 178 angesetzt, da zu diesem Zeitpunkt Licinius Priscus als Legat in dieser Provinz bezeugt ist. Da die Betrauung eines kaiserlichen Legaten jedoch nur vorübergehend in
den letzten Jahren des Mare AureJ geschah, kann er durchaus auch bereits vor 178 in Lycia-Pamphylia gewesen sein, was sich mit der Chronologie seiner Statthalterschaft in Cilicia 182/183 durchaus vereinbaren ließe.
56 TAM ll 620.
57 So G. Molisani, RFIC 105, 1977, 169. Freilich ist seine weitere Identifizierung mit
Salvius lulianus, cos. ord. 175, nicht gerade wahrscheinlich. Die Namensreste Sal[--]anus sind nicht so distinktiv, daß man zu der Identifizierung mit dem
ordentlichen Konsul kommen muß. Ein ordentlicher Konsul ist nur schwer als Prokonsul in einer prätorisehen Provinz vorstellbar. Für die Regierungszeit Mare AureJs sind zudem relativ viele Senatoren unbekannt, die natürlich einen solchen Namen getragen haben können.
58 Die Zahl schließt die in RMD I-ill gesammelten sowie die unpublizierten Texte,
soweit sie mir, vor allem durch d.ie Großzügigkeit von M. Roxan und P. Weiß bekannt sind, mit ein.
59 Siehe zuletzt G.
Alföldy, Noricum, London 1974, 103 ff. 257 ff. 60 ln dem Diplom von 1 14 (RMD I 14) sind zwei Kohorten genannt, Iosephus spricht (Bell. lud. 2, 368) von insgesamt 2000 Mann. Bemerkenswert ist jedenfalls, daß Hadrian Münzen mit der Aufschrift EXERCITVS THRACIAE prägen Ließ. Das deutet insgesamt auf mehr als zwei Auxiliareinheiten hin. Vgl. jetzt ZPE 1 19, 1997, 269 ff.
6l RMD I 14. 6Z Vgl. zur Fundstatistik H. KeUner, in: Heer und Integrationspolitik (Anm. 20) 241 ff.
Prokonsuln und militärisches Kommando
197
Alle drei Diplome zeigen kaum Besonderheiten gegenüber denen, die für Soldaten in kaiserlichen Provinzen erlassen wurden. Immerhin ist es bemerkens wert, daß sowohl in dem Diplom für Makedonien als auch in dem für Asia jeweils nur pedites genannt werden, denen das Bürgerrecht verliehen wurde. Offensichtlich wurden zum entsprechenden Zeitpunkt aus der jeweiligen Kohorte nur Fußsoldaten, keine Reiter, mit dem Privileg ausgezeichnet. Dies muß also Inhalt der Meldung durch die Prokonsuln nach Rom gewesen sein. Andererseits nennen die Diplome aus Asia sowie aus Lycia-Pamphylia den Kohortenpräfekten bzw. den Tribunen unmittelbar nach dem Prokonsul: In beiden Fällen liegt der Grund wohl lediglich darin, daß überhaupt nur eine Einheit im Diplom angeführt wurde.63
Die wichtigste Folgerung, die sich aus dem gegenwärtigen Quellenbestand ergibt, ist die, daß es keinen rechtlichen und im Grundsätzlichen auch keinen praktischen Unterschied zwischen Prokonsuln und kaiserlichen Legaten hin sichtlich der Kompetenzen gegenüber den Truppen gab, die in ihrer jeweiligen Provinz stationiert waren, zumindest soweit sich dies in den Diplomen wider spiegelt. Der Verleiher der Privilegien an die Soldaten ist der Kaiser, in den Provinzen unterstehen die Soldaten entweder dem Prokonsul oder dem Legaten. Die dafür verwendete gleichartige Formel läßt keinen Zweifel darüber aufkommen. Der Unterschied liegt höchstens in Zahl und Umfang der jeweils unterstellten Truppen. Doch ist nicht einmal dies ein wesentliches Kriterium, da in kaiser lichen Provinzen wie etwa der Aquitania, der Lugdunensis oder der Lusitania wohl kaum mehr Einheiten als etwa in Makedonien oder in Asia stationiert waren.64 Die volle militärische Verantwortlichkeit der Prokonsuln in ihren Provinzen65 zwingt freilich dazu, auch das Tätigkeitsfeld dieser Amtsträger vom Grundsatz her nicht zu scharf von dem kaiserlicher Legaten zu unterscheiden, wenngleich ein quantitativer und damit inhaltlicher Unterschied zwischen einem Legaten von Syrien und einem Prokonsul von Asia in dieser Hins.icht nicht verwischt werden
63 Vgl. zuletzt B. Overbeck, Chiron 1 1 , 1981, 271. 64 Für die Lusitania z.B. läßt sich bisher keine Einheit
nachweisen, vgl. P. Le Roux (Anm. 1 1 ) 183 f. 2 1 6 ff. 239. 65 Unter Tiberius hatte der Prokonsul von Africa durchaus das Recht, militärische Belohnungen zu verleihen, was unmittelbarer Ausfluß seines Imperiums gewesen ist (Tac., ann. 3, 2 1 , 3: iure proconsulis; Suet., Tib. 32, l spricht allerdings allgemeiner von consulares ... quasi non omnium tribuendorum ipsi ius haberent). Zur Frage der beim Prokonsul von Africa vgl. W. Eck, in: Caesar Augustus. Seven Aspects, hg. F. Miliar - E. Segal, Oxford 1984, 139 und unten S. 215; J.B. Campbell, The Emperor and the Roman Army 3 1 B.C. - A.D. 235, Oxford 1984, 350 f.
auspicia
198
Prokonsuln und militärisches Kommando
sol1.66 Wenn jedoch der Prokonsul am Verfahren der Bürgerrechts- und Conu biumsverleihung beteiligt war, dann sicher ebenso an der Entlassung aus dem Dienst und natürlich ebenso an der Neueinstellung von
Rekruten,
an
der probatio
militum, obwohl uns bisher dazu kein direktes Zeugnis nach den ersten Jahrzehnten des 1 . Jahrhunderts n.Chr. vorliegt.67 Und ebenso ist es kaum vorstellbar, daß ein Prokonsul hinsichtlich des Strafrechts gegenüber Soldaten eine geringere Kompetenz als ein legatus Augusti pro praetore besessen haben sollte.68 Ebenso müssen Beförderungen bei den principales durch ihn ausge sprochen worden sein.69 Daß die Truppen von den procuratores Augusti ihren Sold erhielten, ist allgemein anerkannte Meinung in der Forschung.70 Strabo sagt es im Zusammen hang seiner Schilderung des Zustandes auf der spanischen Halbinsel ganz eindeutig.71 Doch erwähnt er dies, nachdem er ausführlich über die Tarraconensis, deren Statthalter, seine drei Legaten sowie die Armee, die aus drei Legionen 66
Vgl. etwa die Beschreibung des Vettius Bolanus, der von einer kaiserlichen Statthalterschaft in Britannien zum Prokonsulat von Asia wechselte, bei Satius, t silv. 5, 2, 56 ff.: quantusque ptJtentis mille urbes Asiae sortito rexerit anno, imperium
mulcente toga. 67 Ein dilectus wurde
von lunius Silanus unter Tiberius!Caligula in Africa, freilich noch
vor dem Verlust des Kommandos über die ganze
legio
111 Augusta, durchgeführt (CIL
V[[J 14603 = D. 2305). Wie sieb die Tätigkeiten des Torquatus Novellius Atticus in der Narbonensis zeitlich zueinander verhalten, ist nicht zu sehen. Pedius Blaesus wurde nach Tac., ann. 14, 18, J von den Bewohnern von Cyrene angeklagt, er habe sich als Prokonsul bei einem dilectus bestechen lassen. Vgl. P.A. Bruot, SCJ I, 1974, I 00 ff. Vgl. RMD I 26: ein Soldat, der um das Jahr 100 rekrutiert wurde und aus Hadrumetum in
Africa stammte; für Rekruten aus Africa vgl. auch R.O. Fink, Roman Military Records on Papyrus, Ann Arbor 1971, Nr. 36; Nr. 74: Rekruten aus Asia, wobei nicht völlig
sicher ist, ob damit präzis die Provinz Asia gemeint ist (vgl. M6csy, in: Heer und Integrationspolitik [Anm. 20] 450). Yennutlieh mußten auch die Legionäre, die aus prokonsularen Provinzen stammten, die probatio vor dem Prokonsul erfüllen; vgl. zu den prokonsularen Herkunftsgebieten G. Forni, Il reclutamento delle legioni da Augusto a Diocleziano, Mailand 1953, 159 ff.; ders., ANRW 11 I, Berlin 1974, 366 ff.
68 Zuletzt zum ius gladii D. Liebs, ZPE 43, 1981 , 21 7 ff. 69 So wie z.B. durch den Legaten von Numidien: AE 1917118,
74. Wenn etwa dem durch den Statthalter von Pontus-Bithynien Soldaten aus Auxiliarkohorten für sein officium zugewiesen wurden, dann war damit auch eine Beförderung verbunden (vgl. etwa AE 1972, 573 = lnschr. Ephes. Ul 680; Plin., ep. 10, 21). Ebenso muß dies in Asia gewesen sein, wo die stratores für den procurator
praefectus orae P011ticae
aus der coh. I Raetorum, die dem Prokonsul unterstand, genommen wurden, ebenso wohl auch die equites et principales eorum, qui deputantur in stratura
provinciae Asiae
(D. Knibbe - H. Engelmann, JÖAI 55, 1984, 1 4 1 ; D. Knibbe - B. Iplik�ioglu, ibid.
122. Weiteres Beispiel etwa Inschr. Ephes. 111 660 e. Vgl. auch A. von Domaszewski, Die Rangordnung des römischen Heeres, 2. Auf!. v. B. Dobson, Köln 1967, 4 f., nach
dem der jeweilige Befehlshaber die principales seines Stabes selbst ernannt hat).
70 Vgl. etwa Pflaum, Procurateurs 155.
71
Strabo 3, 4, 20.
Prokonsuln und militärisches Kommando bestand, gesprochen hatte.
In
199
seinen wenigen Sätzen über den Prokonsul der
Baetica sagt Strabo dagegen nichts von Truppen, die diesem unterstellt waren. Seine Bemerkung über die procuratores bezieht sich somit zunächst nur auf die Tarraconensis, eine Provinz des Augustus, nicht aber auf die Baetica, eine
provincia populi Romani. Auf diese konnte sie sich auch gar nicht beziehen, da es für die Baetica keinen Finanzprokurator wie in der Tarraconensis gab, vielmehr lediglich einen Patrimonialprokurator. Und dies gilt für jede Provinz, die ein Prokonsul leitete.n Die Prokuratoren, die man beispielsweise für die Provinz Narbonensis kannte, hatte man für aUgemeine Finanzprokuratoren dieser Provinz gehalten.73 Aber noch um 180 herum scheint dieser Prokurator nur für das patrimonium in diesem Amtsbereich zuständig gewesen zu sein, wie es die Laufbahn des Domitius Marsianus wohl erkennen läßt.74 Cassius Dio hat dies auch ganz deutlich heraus gehoben und betont, daß in den Provinzen, in denen die Prokonsuln amtierten, für die Erhebung der opo t , d.h. der regelmäßig anfallenden Steuern, gerade die Prokonsuln zuständig gewesen seien:75 Was nichts anderes heißen kann, als daß in der Praxis diese Aufgabe den Quästoren zufiel, nicht anders als während der Republik:.76 Und es gibt keinen direkten Beweis dafür, daß sich dies bis in die Zeit des Cassius Dio hinein völlig geändert hat, obwohl es einen - freilich nicht genauer definierbaren - Bereich in der provinzialen Finanzadministration gab, in
72
Siehe etwa H.-G. Pflaum, La mise en place des procurateles financieres dans les provinces du Haut-Empire roroain, RHO 46, 1968, 378 ff. Dort wird auch richtig CIL X
3871 auf eine ProkuratuT in der [Aquit]ania et [Lugdunens]is ergänzt; die falsche Ergänzung dagegen wieder bei H.-G. Pflaum, Les fastes de Ia province de Narbonnaise, Paris 1978, 109; vgl. W. Eck, Gnomon 53, l 981, 495; ders., ZPE 42, 1981, 250 f. 73 Siehe z.B. Pflaum, Procurateurs 34; 52. 74 H.-G. Pflaum, BJ 171, 1971, 349 ff.; vgl. AE 1960, 167. Vgl. dazu P.A. Brunt, LCM 9, 1984, 4. ln dem Text könnten freilich einjge Worte ausgefallen sein; dann wäre in der Amtsbezeichnung des Prokurators das
patrimonium
nicht speziell in
Verbindung mit der Narbonensis genannt gewesen (vgl. Eck, Zu Inschriften von Prokuratoren, in: Gedenkschrift für A. Alföldj [im Druck]). 75 Dio 53, 15, 3; vgl. F. Miliar, Historia 13, 1964, 184; H.-G. Pflaum, BJ 1 7 1 , 1971, 353; G. Alföldy, Chilon 1 1, 1981, 175 Anm. 34; P.A. Brunt, JRS 73, 1983, 46. 52 f. Manche unregelmäßig anfallenden Steuern sind dabei, wohl in unterschiedlichem Ausmaß, von den Patrimonialprokuratoren eingezogen worden oder diese haben den Einzug überwacht. Auch für den Einzug von Steuergetreide für das Heer dürfte der Prokonsul zustänrug gewesen sein; vgl. H. Pavis d'Escurac, La prefecture de l'annone. Service adminjstratif imperial d'Auguste a Constantin, Paris 1976, 161; vgl . Dio 60, 24, 5.
76
Irrig beispielsweise I. Barton, Mus. Afr. 1, 1972, 62.
200
Prokonsuln und militärisches Kommando
dem sich Aufgaben von ProkonsuVQuästor auf der einen und dem Prokurator der Provinz auf der anderen Seite überschnitten.77 Daraus folgt aber dann mit großer Wahrscheinlichkeit, daß der Sold an die wenigen Truppeneinbeiten, die in den Senatsprovinzen lagen, vom Prokonsul bzw. auf seine Anweisung durch den Quästor nach vorausgehender Anforderung durch den unmittelbaren Kommandeur der betreffenden Auxiliartruppe ausbezahlt wurde. Denn selbstverständlich erfolgte die Bezahlung der Truppen aus den allgemeinen Steuern, nicht aus den 'Privateinkünften' des Ka.isers. Die Abrech nung haue vennutlich durch den Quästor gegenüber dem aerarium Saftlmi in Rom zu erfolgen, wobei die Verantwortung, wenn man den Wortlaut bei Cassius Dio genau nehmen darf, beim Prokonsul lag.78 Wenn diese Folgerungen zutreffen, verändern sie unser Bild von der Tätigkeit der Prokonsuln in der Kaiserzeit zwar nicht grundlegend, aber Modifikationen sind doch nötig. Militärisch-kriegerisches Handeln gehörte sicher nicht zu den Spezi fika ihrer amtlichen Tätigkeit, auch wenn ihnen dies keineswegs grundsätzlich
verwehrt war, wie das Vorgehen des Prokonsuls Catullus in Cyrenae im Jahr 72 gegen flüchtige Juden aus Palästina zeigt.79 Die militärische Routineadmini stration aber hat in ihrem vollen Umfang, freilich auf zahlenmäßig geringem Niveau, zu ihren Tätigkeitsbereichen gehört. Ein inhaltlicher Unterschied gegenüber den kaiserlichen Statthaltern in legionslosen Provinzen ist damit kaum mehr zu sehen.80
77 Eine Behandlung der Aufgaben der kaiserzeitlichen Provinzialquästoren sowie eine umfassende Erörterung der Zuständigkeiten der Prokuratoren gegenUber den senatorischen StatthaJtem, speziell den Prokonsuln, fehlt. Zum letztgenannten Problem wichtige Beobachtungen in der unpublizierten Dissertation von G.P. Burton, Powers and Functions of Proconsuls in the Roman Empire, 70-260 A.O., Diss. Oxford 1973, Bd. I 2 1 7 ff. Ein neues, allerdings schwer zu interpretierendes Dokument, das
Prokonsul, Quästor (der gleichzeitig legatus pro praetore und curator civitotis ist) und Prokuratoren nennt, bei T. Ritti, Hierapolis, Scavi e Ricerche 1. Fonti leuera.rie ed
zwei
epigrafiche,
Rom 1985, 107 ff. = AE 1985, 804.
Vgl. jetzt auch G.P.
Burton,
Provin
cial Procurators and the Public Provioces, Chiron 23, 1993, 1 3 ff. 78 Dio 53, 15, 3 79 los. , Bell. lud. 7, 440. - Auffällig ist die Absendung eines Prätorianertribunen etwa um I n.Chr. in die Cyrenaica, der dort Einfälle von Nomaden abwehren sollte. Cassius
Dio (55, 10 a, I) bemerkt, lange Zeit seien so die Städte in dieser Gegend nicht von einem Senator geleitet worden. Ob man daraus freilich schließen darf, es habe in der
gesamten Provinz keinen Prokonsul gegeben (so P. Brunt, JRS 73, 1983, 56), scheint mir nicht sicher. 80 Dies hat auch Auswirkungen hinsichtlich der Bewertung der praktischen Erfahrung bei prätorisehen Prokonsuln und Legaten in prätorisehen kaiserlichen Provinzen. Ein solcher praktischer Unterschied kann, jedenfalls gegenüber Heereseinheiten, eigent lich nicht bestanden haben. Dann aber müssen es andere Gründe gewesen sein, die in erheblich größerem Umfang
eine Beförderung der ehemaligen kaiserlichen Legaten als
Prokonsuln und militärisches Kommando
201
Auxiliareinheiten in prokonsularen Provinzen Provinz;
Einheit
Zeit
Beleg
Baetica
cohors
97/8
Plin., ep. 3, 9, 1 8
Narbonensis
-
-
-
Sicilia
-
-
-
Sardinia
coh. Aquitanorum
CTL n 1 1 27
?coh. Tll Gallorum
I. Jh.
ClL X 7596; AE 1920, 96; AE 1982, 438
coh. Lusitanorum coh. I Gemina Sardorum et
1 . Jh.
CIL X 7884
88 und 96
CIL XVI 34. 40
88 und 96
CIL XVI 34. 40
Corsorum coh. II Gemina Ligurum et Corsorum Achaia
coh. equestris
Macedonia
coh. I Flavia Bessorum co�. Hispanorum
-
IG V I, 1268
120
CILXVI67
175/6
CIL III 7318
oder 1 1 2 ? Asia
coh. Apula
Augustus
AE 1973, 501
?coh. I Lepidiana eq. c. R.
Traian ?
D. 2590
coh. I Claudia
Hadrian ?
AE 1927, 95; Rankov,
Sugambrorum
Anc. Bu1g. 2, 1983, 42
der ehemaligen prätorisehen Prokonsuln zu konsularen Statthalterschafren verur sachten. - Das hier formulierte Ergebnis beleuchtet von einer anderen Seite die von F. Miliar, The Emperor, the Senate and the Provinces, JRS 56, 1966, 156 tf. heraus gestellte relative Gleichheit der beiden Provinztypen hinsichtlich des sachlichen Inhalts der Administration.
202
Asia
Prokonsuln und militärisches Kommando
coh. I Raetorum
148 und später
Pontus-
coh. Cypria
Bithynia
AE 1981, 845 a; JÖAI 55, 1984, 122. 1 4 1
I . H.
M.P. Speidei - D.H. French,
I . Jh.
Epigr. Anat 6 , 1985, 97 ff.
?coh. Thracum
I . Jh.
?coh. Camp.
I . Jh. ?
Chr. Marek, Epigr. Anat. 6, 1985, 140
coh. coh. VI equestris
1 1 0/ 1 1 2
Plin., ep. 10, 21
1 1 0/1 1 2
Plin., ep. 10, 2 1 . 106; IGR
und später
II1 2, 1396. 141 l; SEG ll 666
Lycia-
coh. I Flavia Numidarum
Pamohvlia
1 6211 69238 ?
Creta
-
Cyrenae
coh. I Lusitanorum
-
coh.
Tiberius
=
AE 1955, 266
RMD I 67; CIL XV1 128;
AE 1966, 459 -
AE 1978, 830
l. H. I. Jh. AE 1974, 671
coh.
2. H.
AE 1968, 541
l . Jh. eouites et oedites
Vesoasian los., Bell. lud. 7, 440
coh.
Hadrian
AE 1951, 208
coh. l Macedonum
Gordian
AE 1969170, 636. 637
eouitata ?coh.
m
coh. Hispanorum
-
AE 1939, 279
-
AE 1 9 1 5 , I I I
=
1 917/8,
64; J. Reyno1ds, Lib. Stud., 198011, 49 ff.
=
Le G1ay,
ZPE 59, 1985, 120 ff. Cvorus
coh. VII Breucorum
Africa
[coh. xm urbana]
-
I. Jh
CIL II1 2 1 5
=
AE 1953, 1 7 1
H. Freis, Cohortes urbanae (Anm. 4) 3 1 ff.
[coh. I urbana]
2./3. Jh.
H. Freis, Cohortes urbanae (Anm. 4) 3 1 ff.
DIE RELIGIÖSEN UND KULTISCHEN AUFGABEN DER RÖMISCHEN STATTHALTER IN DER HOHEN KAISERZEIT Es war ein unbestrittener Rechtssatz, daß jeder römische Statthalter in der ihm anvertrauten Provinz die höchste Autorität darstellte. 1 Das beinhaltete eine grundsätzliche Kompetenz
in
allen öffentlichen Bereichen, für die in der Stadt
Rom selbst Amtsträger verschiedenster Art zuständig waren.2 Dies gilt für den profanen und religiösen Bereich. Religiös-kultische Funktionen waren in Rom nicht in einer Hand konzentriert, vielmehr waren die regelmäßigen, jedes Jahr sich wiederholenden Aufgaben zum größten Teil verschiedenen PriesterschafteD anvertraut, außerordentliche religiöse Verrichtungen wurden dagegen fast aus schließlich von den ordentlichen Magistraten wahrgenommen, insbesondere den Konsuln oder auch den Prätoren. In den Provinzen des römischen Reiches hat es dagegen nie staatlich beauftragte Priester gegeben; damit fielen auch alle religiösen Funktionen, die von Staats wegen erfüllt werden mußten, notwendiger weise dem Statthalter zu.3 In einer kurzen Skizze soll versucht werden, diese Aufgaben zu beschreiben.4 I.
Regelmäßige kultische Verrichtungen während des Jahres.
Das Feriale Dura.Qum hat erstmals einen Einblick erlaubt, wie dicht der Festkalender einer römischen Militäreinheit unter Severus Alexander gefüllt war.5
1
Ulp., dig. 1 , 1 8 , 4.
2 Vgl. dig. 1 , 18, 10-12. Vgl. Mommsen, Staatsrecht I3 133-137. 247. 3 Daß sich freilich ein Statthalter a1s sacrae religionis eius (des Kaisers) antistes bezeichnet, ist außergewöhnlich (AE 1924, 70 = Inschr. Ephes. VII I, 3020). 4 Außer einer kurzen Behandlung bei G.P. Burton, Powers and F'unctions of Proconsuls in the Roman Empire, 70-260 A.D., unpubl. Diss. Oxford 1973, Bd. J 35 ff. scheint es weder eine Zusammenstellung der Quellen noch eine Erörterung der kultischen
Tätigkeit der Statthalter innerhalb ihrer allgemeinen Funktionen zu geben. Mornmsen, Staatsrecht I3 76 ff. spricht lediglich über die auspicia, aber dabei doch vornehmlich auf die Republik beschränkt. Einige wenige Hinweise auf spezifische kultische Handlungen finden sich bei W. Rist, Die Opfer des römischen Heeres, Diss. Tübingen 1920. Nicht behandelt werden hier die administrativen Aufgaben des Statthalters, soweit sie kultische Fragen und Einrichtungen, etwa der Städte ihrer Provinz, betreffen;
dazu etwa S.R.F. Price, Rituals and Power. The Roman Imperial Cult in Asia Minor, Cambridge 1984, 69 ff.; für Ägypten z.B. M. Stead, The High Priest of Alexandria and all Egypt, Proc. XVI lnt. Congr. Papyrol., Chico 1981, 4 1 1 ff. 5 R.O. Fink - A.S. Hoey - W.F. Snyder, The Feriale Duranum, Yale Classical Studies 7, 1940, 1 ff.; The Excavations at Dura-Europos, Final Report V, Part I: The Parchments and Papyri, New Haven 1959, 1 9 1 ff. Nr. 54. Vgl. zum städtischen Bereich N. Ehr hardt, Ein milesischer Festkalender aus severischer Zeit, Ist. Mitt. 34, 1984, 3 7 1 ff.
204
Die religiösen und kultischen Aufgaben
Es ist kaum wahrscheinlich, daß dieser etwa im 2. Jh. n.Chr. mit weniger Fest tagen belegt war; lediglich die Anlässe und damit teilweise die Daten haben sich im Verlauf der Zeit geändert. Neben älteren, stadtrömischen kultischen Anlässen stehen vor allem die Kaiserfeste unterschiedlichster Prägung.6 Insgesamt waren an 45
Tagen Opferhandlungen vorgeschrieben. Da das Feriale Duranum jedoch nur
höchst fragmentarisch erhalten ist - so fehlen etwa alle Teile, die die Monate Oktober und November betreffen - war in Wirklichkeit der Festkalender noch wesentlich umfangreicher. Dabei fallt auf, daß die aufwendigeren Tieropfer - bos mas, bosfemina, Laurus - gegenüber den supplicationes mit Weihrauch und Wein erheblieb überwiegen. Das Feriale Duranum ist der Festkalender einer einzelnen Auxiliareinheit, der
cohors XX Palmyrenorum, die in Dura Europos stationiert war. Doch gerade die Mischung vonferiae publicae der Stadt Rom mit den Festtagen des Kaiserkultes macht es zwingend, darin einen allgemeinen Festkalender des römischen Heeres zu sehen, der in gleicher oder zumindest sehr ähnlicher Form bei allen militärischen Einheiten in der Zeit des Severus Alexander gegolten hat, wo immer sie auch standen; vermutlich geht er in seiner Grundstruktur sogar auf die augusteische Zeit zurück.7 Durch die allumfassende Gültigkeit waren alle Kommandeure einge bunden, auch die jeweiligen Statthalter als oberste Befehlshaber aller Truppen in ihrer jeweiligen Provinz. Die Frage ist nur die, ob für die Provinzgouverneure auch unabhängig von den einzelnen Truppenteilen dieser Festkalender verbindlich war, sie also auch dann, wenn sie sich nicht bei einer Einheit befanden, zu den kultischen Handlungen an den jeweiligen Festtagen verpflichtet waren. Dies ist vor allem bei den Statthaltern zu fragen, in deren Provinz nur ein kleines Kontingent von Soldaten stationiert war, also vornehmlich in den prokonsularen Provinzen wie Asia oder Baetica und in den prätorisehen kaiserlichen Provinzen ohne Legion, wie z.B. Aquitania, Thracia oder Cilicia. Mit dem verfügbaren Quellenmaterial ist die eben gestellte Frage wohl nicht zwingend in einem bejahenden Sinn zu beantworten. Doch spricht einmal die all gemeine Wahrscheinlichkeit für die Bejahung der Frage, da Heereseinheiten, die es prinzipiell in jeder Provinz gab, und Provinzgouverneure im staatlich-religiösen
Für Ägypten S. Eitrem, Religious Calendar concerning the Imperial Cult, Atti lV. Congr. intern. di Papirol., Mailand 1936, 85 ff.; P. Oxy. 2553. 6 J.F. Gilliam, The Roman Military Feriale, HThR 47, 1954, 183 ff. = ders., Roman Army Papers, Amsterdam 1986, 123 ff.; GilHam geht davon aus, daß ursprünglich der Anteil der feriae publicae größer war, als er sich uns heute im Feriale Duranum räsentiert. A.D. Nock, The Roman Army and the Roman Religious Year, HThR 45, 1952, 186 ff.
�
Die religiösen und kultischen Aufgaben
205
Bereich kaum unterschiedlichen Verpflichtungen unterworfen gewesen sein können. Insbesondere sprichtjedoch das Verhalten desjüngeren Plinius dafür, dem in Pontus-Bitbynien keine Legionen, sondern nur zwei oder drei Auxiliareinheiten unterstanden.8 Sowohl am 3. Januar, an dem die jährlichen
vota sollemnia
eingelöst und neu für das kommende Jahr ausgesprochen wurden,9 als auch am 28. Januar mit der kultischen Feier des
dies imperii Traians 10 ist
Plinius tätig, wobei
Provinziale und Soldaten eingeschlossen sind. Die Meldungen über den Vollzug von
vota, von
Opfer und Eid gingen in den beiden Jahren, in denen Plinius in
Pontus-Bithynien weilte, nach Rom. In allen Fällen leitet Plinius als Statthalter den Vollzug der Riten selbst, ohne daß freilich Einzelheiten etwa über die Art der
Opfer mitgeteilt würden. Diese beiden Tage erscheinen ebenso im Feriale Duranum : der 3. Januar als Tag der
vota
und der
28. Januar als dies imperii
Traians, genauso auch der 13. März als dies imperii des Severus Alexander. Auch zum Geburtstag Traians sandte Plinius ein Schreiben nach Rom; 1 1 ob auch an
diesem Tag ein öffentliches Fest unter Teilnahme des kaiserlichen Legaten stattgefunden hat, ist aber njcht klar erkennbar. Doch läßt dies ein beiläufiger Hinweis in ep. 10, 1 7A, 2 vermuten, da es Plinius als ein besonders glückliches Zeichen ansieht, daß er sogleich am Tag nach seiner Ankunft in der Provinz den Geburtstag des Kaisers feiern konnte. Daß er nur diese, den Herrscher in besonderer Weise betreffenden Festtage brieflich nach Rom mitteilte, darf freilich nicht zu dem Schluß führen, andere religiöse Feste, die im Feriale Duranum erwähnt werden, seien von Plinius nicht begangen worden, seien somit auch nicht verpflichtend gewesen. So ist es beispielsweise kaum vorstellbar, daß der 2 1 . April, der Gründungstag der Stadt Rom, oder der
9. Juni, der Festtag der Vesta, von Plinius übergangen worden
wären. Es finden sich somit gewisse Hinweise, daß strukturell die im Feriale Duranum genannten Opfertage in einer freilich über die Jahrhunderte sich wandelnden Forrn12 üblicherweise von den römischen Statthaltern begangen wurden, und zwar
8 Vgl. W. Eck, Prokonsuln und militärisches Kommando, in: Heer und lntegra tionspolitik, hg. W. Eck - H. Wolff, Passauer Hist. Forsch. 2, Köln 1986, 5 1 8 ff. = in diesem Band mit Liste der Einheiten 201 ff. 9 Plin., ep. 10, 35 f. I 00 f. 10 Plin., ep. 10, 52 f. 102 f. 1 1 Plin., ep. .JO, 88 f. (mit Antwortschreiben Traians). l2 Der Opferkalender wurde mit jedem neuen Kaiser verändert, zumindest jedenfalls durch die Feier der ihn betreffenden Tage ergänzt. Auch diese Ergänzung erfolgte durch den Statthalter und zwar unmittelbar bei Regierungsantritt. So ordnet ein nicht genannter Präfekt im J. 54 nach der Mitteilung des Todes des Claudius aus AnJaß der Herrschaftsübernahme durch Nero die Opferung von Ochsen bei Dankfesten an alle
206
Die religiösen und kultischen Aufgaben
vermutlich ohne Unterschied, ob es sich um Prokonsuln, Legaten oder ritterliche Praesides handelte. Damit war eine einheitliche Abfolge von verpflichtenden Kulthandlungen über das gesamte Jahr hinweg für jede Provinz in derselben Weise geregelt. Daneben aber traten wahrscheinlich in den meisten Provinzen noch besondere regelmäßige Opferverpflichtungen des höchsten römischen Amtsträgers, und zwar für Gottheiten bzw. bei religiösen Anlässen, die nur einer bestimmten Provinz eigen waren. Zumindest
für Ägypten, wo der praefectus Aegypti auch in
die Funktion des Pharao eintrat, ist dies bezeugt. Bei Philae hatte er jährlich dem Nil Opfer in Form von goldenen (und silbernen?) Gefäßen darzubringen, 13 und auch das Verbot
für den Präfekten, während der Nilflut auf dem Fluß zu fahren ,
resultierte aus den religiösen Gegebenheiten der Rechtsnachfolge der Pbaraonen.14 Es ist auch zu vermuten, daß die ee:o'i
TOO TiYEJ.IOVLlCOO 1TpCuTwpioo nicht in
allen Provinzen völlig die gleichen waren; vielmehr dürfte es zumindest kleine Variationen gegeben haben, die z.B. mit dem Gründungsdatum der einzelnen Legionen oder besonderen historischen Vorkommnissen zusammenhängen konnten.15 Den Festen dieser Götter hatte der jeweilige Statthalter in ganz besonderem Maße seine Aufmerksamkeit zu schenken, da sie vermutlich die Soldaten stärker betrafen als etwa der Feiertag der stadtrömischen Vesta. Sowohl die jährlichen
vota am 3.
Januar als auch Feste wie der Geburtstag des
regierenden Kaisers wurden mit Soldaten und mit der zivilen Bevölkerung der Provinzen begangen. Das zeigen ganz deutlieb die Briefe des jüngeren Plinius. Zwar erwähnt der traianische Statthalter bei den
vota am 3. Januar seines ersten
Amtsjahres in der Provinz keine der beiden Gruppen.16 Doch sagt dies nicht,
Götter an (P. Oxy. 1021). Vergleichbare Opfer hat er natürlich auch selbst vollzogen. Eine fast identische Anordnung am Regierungsbeginn Hadrians in P. Oxy. 3781 (mit weiteren Beispielen) und am Regierungsbeginn des Pertinax (Hunt - Edgar, Select Papyri II 1 10 ff. Nr. 222). t3 Sen., nat. quaest. 4, 2, 7; vgl. auch U. Wilcken, Archiv für Papyrusforsch. 3, 1906, 325 ff.
14 Plin., nat. hist. 5, 57. Vgl. auch D. Bonneau, Le Souverain d'Egypte voyageait-il sur Je Nil en crue?, Chr. d'Eg. 36, 1961, 377 ff. 1 5 So in einer Inschrift aus Britannien formuliert (IGR I 1). Zu den Göttern des Praetoriums darf man sicher diejenigen zählen, die auf I I Altären im Legionslager von Aquincum genannt werden; alle diese Altäre sind von den Statthaltern, die gleichzeitig die Legion kommandierten, dediziert worden (V. Kuszinsky, Aquincum. Ausgrabungen und Funde, Budapest 1934, 195 f.). 1 6 Vgl. z. B. den natalis aquilae der legio VJJ Gemina (D. 2293. 9125. 9126); da es sich in den Texten um vexillationes handelt, waren natürlich weder der Legionslegat noch der Statthalter beteiligt; im Lager der Legion selbst hat ohne Zweifel einer von ihnen die Zeremonie durchgeführt, im Normalfall wohl der Legionslegat, da dieser sich üblicherweise bei der Legion aufhielt. Vgl. CIL XIII 6752. 6762 für den Adler der legio
Die religiösen und kultischen Aufgaben
207
Soldaten und Provinziale seien bei dieser Feier nicht anwesend gewesen; denn im Antwortbrief erwähnt Traian ganz selbstverständlich zumindest die provinciales (ep.
10, 36); und in ep. lO, 103, dem Antwortbrief des Kaisers auf die Nachricht
über die
vota am 28. Januar des zweiten Amtsjahres des Plinius, wurden ohne
direkte Anhaltspunkte im Brief des Statthalters die commilitones und provinciales angeführt, so wie Plinius selbst es in Brief jahres) und 10,
10, 52 (28. Januar des ersten Amts
100 (3. Januar des zweiten Amtsjahres) seinerseits tat. Mit dieser
doppelten Beteiligung stimmt auch überein, was bei Tertullian, de corona von der Teilnahme von Soldaten an der jährlichen wird:
12, 3
votorum nuncupatio erklärt
prima in principiis, secunda in Capitoliis. Wenn damit eine konkrete Be
obachtung Tertullians vor allem im nordafrikanischen Karthago selbst verbunden war, dann muß man folgern, daß beispielsweise der Prokonsul der Provinz Africa zwei Kultakte vorzunehmen hatte, den einen mit den Soldaten der
legio
l/1
Augusta, die kohortenweise im Wechsel nach Karthago abgeordnet wurden, sowie der cohors
urbana, die ständig in Africa stationiert war; sodann jedoch auch einen
zweiten im Tempel der kapitolinischen Trias der Provinzhauptstadt Nach Tertullian mußten an dem Kultakt mit der Zivilbevölkerung vor dem Kapitols tempel die Soldaten nochmals anwesend gewesen sein, was sich aus ihrer Funktion, den Statthalter zu begleiten, ganz natürlicherweise ergibt. Für den häufigen, regelmäßigen Vollzug von Opfern durch die Statthalter spricht auch das Vorhandensein von subalternen kultischen Funktionsträgern. Ein Text aus Africa proconsularis, in dem offensichtlich das konsuls aufgeführt wird, nennt zwischen dem
consilium eines Pro
scriba quaestorius sowie zwei
scribae librarii einen haruspe.x Sex. Serius Verus. 17 Da die scribae den Prokonsul von Rom aus in die Provinz begleiteten, ist dies auch von dem nehmen. Möglicherweise gehörte er zum von
ordo haruspicum
haruspex anzu
LX. Ob Nennungen
haruspices in Lugdunum und in Ephesus 1 8 ebenfalls im Sinn einer
Zugehörigkeit zum Gefolge des jeweiligen Statthalters verstanden werden dürfen, muß offenbleiben. Doch gehört unzweifelhaft der haruspex, der in einer Inschrift aus Lambaesis erscheint, zum
officium des legatus Numidiae, da er unter dessen
immunes eingereiht wird. 19 Ähnlich ist es mit victimarii, die bei Opfern die Tiere
XXII Primigenia; für den Adler der legio 1 /talica: CIL Ill 6224 = D. 2295 355; AE 1982, 849. 17 TLA 592. 1 8 CIL Xill 1821 = D. 4952 a; D. 8833
=
AE 1966,
= Inschr. Ephes. V 1 540. Zu einem har(uspex), der vermutlieb zum Statthalterofficium gehörte, siehe CIL m 14214 D. 9107; dazu K. Strobel, Historia 37, 1988, 505. t9 CIL Vill 2586. =
Die religiösen und kultischen Aufgaben
208
im Beisein des Celebranten zu töten und bestimmte Teile des Opfertieres auf dem Altar zu verbrennen hatten. Zuvor haue der anwesende
haruspex
die
Eingeweideschau vorzunehmen. Sowohl für Lambaesis als auch für Köln sind solche
victimarii
der kaiserlichen Legaten bezeugt.20 Zwar wird in der Kölner
Inschrift ein C. Iulius Firminus als
mil(es) leg(ionis) XXX U(lpiae) V(ictricis)
bezeichnet. Doch war er offensichtlich in die Provinzhauptstadt in den Stab des Statthalters abgeordnet worden.21 Die Begleitung des Statthalters durch solche Chargen, wie sie auch in Rom dem Kaiser sowie den Magistraten zur Verfügung standen.22 zeigt, wie auch die kultischen Akte der höchsten Amtsträger in den Provinzen, jedenfalls soweit sie in offizieller Funktion erfolgten, dem stadtrömischen Vorbild entsprachen. Deshalb kann
man
Einlösung von
auch vermuten, daß die Gebete, die beim Gelöbnis und bei der
vota
ausgesprochen wurden, in fast identischer Form wie i n der
Hauptstadt des Imperiums erfolgten.23 Zwar ist es nicht zu verifizieren, daß die Fragmente von
vota publica,
die einerseits in Sarmizegetusa in Dakien,
andererseits an zwei verschiedenen Orten der Cyrenaica gefunden wurden,24 tatsächlich mit einem solchen statthalterliehen Akt in Zusammenhang stehen. Doch scheint dies vor allem für die Cyrenaica, also ein griechischsprachiges Gebiet, deshalb eher wahrscheinlich zu sein, weil die Texte in lateinischer Sprache abgefaßt sind. Dies muß auf eine hochoffizielle Funktion hinweisen, denn der Routinebetrieb der Administration erfolgte selbst auf der statthalterliehen Ebene nicht selten in griechischer Sprache, was für die städtische Verwaltung dieses nordafrikanischen Provinzteils ohnehin selbstverständlich war. Die Formeln der
vota
lehnen sich engstens an Texte an, die wir aus den Arvalakten kennen.25
Somit liegt es nahe, an einen Kontext zum kultischen Handeln des Statthalters an einem offiziellen Festtag zu denken. Die angerufenen Götter sind offensichtlich die gleichen wie in Rom; zumindest läßt dies der Text aus Sarmizegetusa erkennen, wo allerdings auch Mars Pater Gradivus
in die vota eingeschlossen
wird; auch die Opfertiere scheinen die gleichen zu sein, wie sie in Rom, aber auch 20 CIL VI1I 18085; XIII 8292 = B. und H. Galsterer, Die römischen Steininschriften aus Köln, 1975, Nr. 2 30. Abbildungen von victumarii etwa bei I. Scott Ryberg, Rites of
the State Religion in Roman Art, 1955, 41 f. Taf. 36-38.
2 J Vgl. R. Haensch, Capita provinciarum, Mainz 1997, 414. 22 Vgl. CIL VI 971: collegium victumariorum, qui ipsi (dem Kaiser) et magistr(atibus)
et senatui apparent.
23 Jn Rom sind diese vota vor allem durch die Acta Arvalia bekannt. 24 L. Mä rghitan C.C. Petolescu, Vota pro salute imperatoris in an inscription at -
Vlpia Traiana Sarmizegetusa, JRS 66, 1976, 84 ff. = IDR III 2, 241; J.M. Reynolds, Vota pro salute principis, PBSR 30, 1962, 33 f.; 33, 1965, 5 2 ff. 25 Vgl. dazu die Ausführungen in den beiden in Anm. 24 genannten Arbeiten.
Die religiösen und kultischen Aufgaben
209
im Feriale Duranum vorgeschrieben sind: bos mas, bos femina, taurus; sie alle sollten beim Opfer vergoldete Hörner aufweisen. Soweit ersichtlich, ergibt sich aus den Quellen kein unmittelbarer Hinweis darauf, woher Statthalter und Truppeneinheiten diese Opfertiere bezogen. Bei den Truppen ist durchaus vorstellbar, daß etwa auf den prata legionis auch die erforderlichen Opfertiere gezüchtet wurden; andererseits wäre eine Belieferung des Gouverneurs auf dem Wege der Naturalsteuer denkbar; doch ist auch ein Kauf der nötigen Tiere auf Kosten der statthalterliehen Kasse nicht ausgeschlossen, jedenfalls soweit es sich um Opfer handelte, die öffentlich-staatlich dargebracht werden mußten. Gerade aus dem militärischen Bereich sind nun zahlreiche Inschriften überliefert,
in denen von Kulthandlungen einzelner Soldaten, von Gruppen bestimmter Chargen oder auch ganzer Einheiten berichtet wird, wobei nicht selten der Statthalter, manchmal zusammen mit dem Legionslegaten, genannt wird.26 In den meisten Fällen ist der Heereskommandeur der Dedikant, manchmal hat er auch den Anstoß zu einem votum, einem Opfer oder dem Bau eines Heiligtums gegeben. Wie weit diese Kulthandlungen in den Zusammenhang des allgemeinen Kult kalenders gehören und damit an ganz bestimmte Tage gebunden oder im Gegenteil völlig vereinzelte, außergewöhnliebe Ereignisse waren, läßt sich im einzelnen nur selten zeigen.27 In nicht wenigen Fällen sind wohl vor allem die Dedikationen pro
salute imperatoris gerade aus Anlaß der Einlösung der jährlichen vota erfolgt; die 'Dokumentation' dieser Jahrestage durch eine inschriftlich gekennzeichnete Ara
26 Beispiele dafür finden sich in allen Statthaltersfasten; vgl. z.B. A.R. Birley, Fasti of Roman Britain, Oxford 1981, 127. 129. 182. 194. 197. 242; W. Eck, Die Statt halter der germanischen Provinzen vom 1.-3. Jh., Sonn 1985, 27. 7 1 . 73. 83. 9 1 . 92. 200. 207. 213. In AE 1944, 74 wird von der Wiedererrichtung eines Tempels durch die Mauri in Micia berichtet, in AE 1977, 666 = AE 1980, 755 von der eines Tempels für den deus patrius Belus. Siehe auch CIL III 7474. 1 1082. 14428. 14479; AE 1910, 140 = AE 1968, 429; AE 1910, 141; 1960, 337; 1964, 196; 1966, 355. 5 J J ; 1972, 526. Soweit es sich bei solchen Dedikationen um orientalische Gottheiten handelte, vgl. A.S. Hoey, Official Policy towards Oriental Cults in the Roman Army, TAPA 70, 1939, 456 ff. Wenn A. von Domaszewski, JÖAI 4, 1901, 8 aus dem Text von CIL IIl 14479 ableitet, Mevius Surus habe bei der Einführung des Kaiserkultes im Heer Dakiens eine Energie entwickelt, die ihn über die Kompetenzen seines Amtes als Statthalter hinausgreifen ließ, so ist dies eine nicht beweisbare, eher unwahrscheinliche Aussage. Die Dedikation erfolgt lediglich pro salute, ist also keineswegs Kaiserkult im engeren Sinn; vor allem aber ist aus der Formulierung iussu nicht auf ein Überschreiten von Kompetenzen zu schließen. 27 Zum Versuch, bestimmte Monatstage auf einzelnen Weihungen mit Festen des allgemeinen römischen Kalenders zu erklären, vgl. P. Herz, Untersuchungen zum Festkalender der römischen Kaiserzeit nach datierten Weih- und Ehreninschriften, Diss. Mainz 1975; vgl. ders., Kaiserfeste der Prinzipatszeit, ANRW LI 16, 2, Berlin 1978, 1 135 ff.
210
Die religiösen und kultischen Aufgaben
oder auch eine Statue erfolgte vermutlich vor allem dann, wenn ein besonderer Anlaß vorlag oder wenn sich an einem Ort eine so geartete lokale Tradition herausgebildet hatte. Dies zeigt sich etwa an den
23 Altären, die in Sirdoswald am
Hadrianswall jeweils vom kommandierenden Tribunen auf Grund eines
votum
gesetzt wurden.28 Die zahlreichen Weihungen, die M. Statius Priscus als Statthalter von Dakien pro salute imp.
Antonini Aug. für verschiedene Gottheiten
errichtete, könnten ebenso in den jährlich wiederkehrenden
vota ihre Ursache
haben.29 Doch sind die routinemäßig erfolgenden Kulthandlungen in ihrer Mehrzahl eher an den schon bestehenden Altären, vor allem vor dem Fahnenheiligtum der einzelnen Einheit, durchgeführt worden. Eigens dokumentiert
wurden mit Wahrscheinlichkeit weit öfter Ereignisse außerordentlichen oder zumindest nicht regelmäßigen Charakters. Hierzu ist etwa eine Weihung
pro
salute victoria et reditu lmppp(eratorum) Caesss(arum) L. Septimi Severi Pertinacis er M. Aureli Antonini e[t] P. Septimi G[etae] piorum Auggg(ustorum) zu rechnen, die wohl im J.
209 aus Anlaß des Britannienfeldzuges durch den
obergermanischen Statthalter Q. Aiacius Modestus Crescentianus in Großkrotzen burg vermutlich i m Fahnenheiligtum der cohors
IV Vindelicorum oder in einem
Tempel in der Umgebung des Lagers gesetzt wurde.30 Und ähnlich darf man eine Weihung diis
immortalibus pro salute er victoria et reditu Gordiani Aug. durch
den Prokurator von Mauretania Caesariensis, Catellius Livianus, mit dem Perserfeldzug im Jahr
244 in Verbiodung bringen.31 Obwohl man mit großer
Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, daß viele heute noch vorhandene Inschriften von solchen Ereignissen berichten, die nicht in die Routine des militärisch-zivilen Religionsjahres gehörten, lassen sie sich doch sehr häufig nicht näher einem der beiden Bereiche zuweisen.
28 RIB 1874 ff. Wie schwierig freilieb dje konkrete Zuweisung häufig ist, ersieht man etwa an CIL III 1074-76 D. 3085-87. Es handelt sich um drei Altäre, von denen je ;:
einer für /.O.M., luno Regina Populonia und Minerva Iovis consiliorum particeps errichtet wurde. und zwar auf Grund eines Votums. Damit könnten die Altäre mit den öffentlichen vota an die kapitolinische Trias am 3. Januar zusammenhängen. Doch als Auftraggeber erscheint nicht nur Caerellius Sabinus, legatus legionis XIII Geminae, sondern auch seine Frau Futidia Pollitta, von der nicht einfacbhln angenommen werden kann, sie sei an der Ausbringung der vota publica beteiligt gewesen - wenn nicht umgekehn wir bjer eine zu strikte Trennung von öffentlich und privat vornehmen. 29 CIL ßl 940. 1299. 1416; vgl. z.B. auch ClL In 5788, eine Weihung eines Statthal ters von Rätien, die er zusammen mit seinen Soldaten durchführte; das votum war vielleicht am 3. Januar ausgesprochen worden. 30 CIL XIII 7417 = D. 433. 3l CIL Vlll 21557.
Die religiösen und kultischen Aufgaben
211
2. Religiöse Aufgaben außerhalb des jährlichen Kultkalenders. Neben den vom römischen Festkalender vorgeschriebenen, über das gesamte Jahr verteilten Kulthandlungen stehen, wie eben schon erwähnt, andere, die ebenfalls mehr oder weniger pflichtgemäß dem Statthalter oblagen, die freilich nicht an ein bestimmtes Tagesdatum gebunden waren wie bei den etwa im Feriale Duranum aufgeführten Festen. Die Kulthandlungen jedes Gouverneurs begannen bereits beim Auszug aus Rom. Augustus hatte vorgeschrieben, alle Amtsträger, die in die Provinz aufbrächen, sollten ihren Ausgangspunkt vom Tempel des Mars Uhor auf dem Forum Augusti nehmen.32 Zwar wird nirgendwo in diesem Zusammenhang direkt von religiösen Handlungen gesprochen. Doch kann die Nennung des templum Martis kaum anders verstanden werden, zumal republ ikanische Konsuln und Prätoren bei ihrem Auszug aus Rom auf dem Kapitol ihre vota ausgesprochen hatten, die sorgfältig protokolliert wurden, um nach der Rückkehr in der zugesagten Form eingelöst zu werden.33 Ohne den göttlichen Schutz konnte ein solcher Anfang kaum bleiben. Vermutlich wird auch der Empfang in der Provinz und dort sodann jeweils der Einzug in eine Stadt mit kultischen Akten verbunden gewesen sein. Darauf deuten etwa auch die Worte von Menander Rhetor hin, der in seiner Musterrede zur Einladung eines römischen Amtsträgers ganz selbstverständlich davon ausgebt, daß dieser zumindest bei der Feier einer Panegyris der Stadtgottheit seine Verehrung erweisen wird.34 Und ein Prokonsul der Provinz Asia, vermutlich Q. Vibius Egnatius Sulpicius Priscus unter Severus Alexander, betont in einem Brief an die Bewohner der Stadt Aphrodisias, er würde gerne für das Glilck, die Wohlfahrt und die lange Dauer der Herrschaft des Kaisers ihrer Stadtgöttin opfern, "wie es meine Gewohneit ist gegenüber den anderen Göttern";35 d.h. der regelmäßige Besuch der S ädte t seiner Provinz ist für den Prokonsul ganz ohne Frage auch jeweils mit einem Kultakt gegenüber der Stadtgottheit verbunden. Die Masse solcher Besuche hat in unserer Überlieferung keine Spuren hinterlassen, konnte es auch gar nicht;36 denn zumeist wird sich der Kultakt auf 32 Suet., Aug. 29, 2; Dio 55, 10, 2. 33 Festus p. 173 M; vgl. Mommsen, Staatsrecht 13 64 mit Anm. I. 244 f. 34 Menander Rhetor, hg. D.A. Russe! und N.G. Wilson, Oxford 1981, 182 ff. 425. Vgl. auch die Einladung eines Epistrategen in Ägypten zur Teilnahme an einer Panegyris in P. Oxy. 1 4 1 6 Zeile 2. 35 J. Reynolds. Aphrodisias and Rome, London 1982, 173 ff. Nr. 47/48. 36 Zufälligerweise überliefert Aelius Aristides. daß der Prokonsul (C. Julius) Sevems in Smyma wegen der Feier der Dionysia anwesend war (or. 50, 85). Aus OGIS 666 IGR I I I I 0 ist zu ersehen, daß Tib. Claudius Balbillus, praefecws Aegypti in den ersten Jahren Neros, beim Besuch des Dorfes Bouseiris im letopolitischen Gau sich in das =
212
Die religiösen und kultischen Aufgaben
Opfer beschränkt haben, die an den vorhandenen Altären zelebriert wurden. Dies waren reine Routinehand Iungen. Dauerhaft dokumentiert wurde ein solcher Besuch wohl nur dann, wenn ein herausragendes Ereignis dies erforderte oder eine besondere Opfergabe der Gottheit geweiht wurde. So wissen wir durch einen Papyrus aus dem
J. 215, daß der praefectus Aegypti Septimius Heraclitus den
Tempel des luppiter Capitolinus i n Arsinoe besuchte. Die verantwortlieben Priester hatten den Tempel säubern und ausschmücken lassen; der Präfekt wurde i n einer Prozession in den Tempel geleitet, wobei die Statue des Tempelgottes mitgetragen wurde. Bei diesem Besuch dedizierte der römische Statthalter eine Victoriastatue und legte andere Geschenke im Tempelschatz nieder.37 Während
die e letzteren wohl nur ins Tempelregister eingetragen wurden, könnte die Statue auf eine Basis gesetzt worden sein, die eine Dedikatioosinschrift getragen haben dürfte. Inschriften dieser Art sind uns aus aJlen Provinzen in nicht geringer Anzahl überliefert, so z.B. aus Lambaesis:
Pro salu[te] et inco[LumitJate dom(i)ni [n.
Seve]ri et... [Fo]rtun(ae) Au[g(ustae)] sa[c(rum)] Ti. Cl. Subat[ia]n[u]s P[roc]ulus leg. Augg. [p ]r. pr. cos. desig. cum suis38 oder aus der Provinz Dakien: Fortuna[e] pro salute Augg[g.] nn[n.] L. Octavius l{u]Lianus cos. II[I] Dac. fieri iussit instante [Ae]l. Gem. Ant. [p]rae[f. a]lae Astu[r.].39 Doch läßt es sich nur selten entscheiden, in welchem Zusammenhang eine solche Dedikation steht und ob sie offiziellen Gründen oder etwa rein privaten Motiven entspringt. Vermutlich wird sogar beides nicht selten ineinander gehen. So scheint ein Besuch des Heiligtums der Kabiren auf Samothrace in der späten Republik und zumindest während des 1 . und
2. Jh.s. n.Chr., soweit dies aus den Zeugnissen zu erkennen
ist, häufig, wenn nicht regelmäßig zum Rundreiseprogramm des Prokonsuls von Macedonia sowie seiner untergeordneten Amtsträger gehört zu haben. Aber nach einem 'normalen' Opfer, das man voraussetzen muß und das in amtlicher Eigenschaft erfolgt sein wird, kam nicht selten auch die Einweihung des Amtsträgers und seiner Begleitung i n die Mysterien, was vermutlich auch einer persönlichen Entscheidung entsprach. Inschriftlich dokumentiert sind so beispiels weise die Prokonsuln
Q. Planius Sardus L. Varius Ambibulus am 9. November
Heiligtum des Sonnengottes Harmachis begeben und ihn verehrt hatte. Siehe ferner auch den Hinweis im Colloqui um Harleianum (Corpus Gloss. Latin. 111 640) offen sichtlich auf den Empfang eines Statthalters durch die städtischen Magistrate und den anschließenden Gang zum Tempel, wo ein Opfer für die Dauer der Herrschaft und den Sieg der Kaiser dargebracht wurde. 37 Wilcken, Chrestomathie Nr. 96 Hunt - Edgar, Select Papyri l l 528 f. Nr. 404. 38 BCTH 1919, 2 1 1 Tbomasson, S tatthalter (Anm. 44) 204. 39 C[L rn 1393. =
=
Die religiösen und kultischen Aufgaben
213
1 2 4 und P. Anteius Orestes am I. Mai 165.40 Ebenso sind Quästoren und prokonsulare Legaten in dieser Weise bezeugt.41 Ähnliche Opfer und Kultakte sind wohl zahlreich auch an anderen Orten vorgekommen, da der jeweilige Provinzgouverneur verpflichtet war, sich während der Rundreise durch seinen Verwaltungsbereich um die Heiligtümer zu kümmern und ihren baulichen Zustand zu überwachen.42 Den Gott bzw. die Göttin des jeweiligen Tempels dabei nicht mit einem Opfer zu ehren, wäre einer groben Provokation gleichgekommen.43 Besonders zahlreich sind in unserem inschriftlieben QuellenmateriaJ, vor allem aus den afrikanischen und kleinasiatischen Provinzen, die Texte, die von Dedikationen von Bauwerken teils religiösen, teils auch in unserem Sinn profanen Charakters durch die Statthalter in den Provinzstädten berichten.44 Dabei ist klar, daß Dedikationen im strengen Sinn des Wortes nur auf itaJischem, nicht aber auf provinziellem Boden erfolgen konnten. Doch betont Gaius, faktisch seien diese auch in den Provinzen durchgeführt und in ihrer Wirkung analog gesehen worden.45 In diesem Zusammenhang bestand zwar offensichtlich ein rechtlicher Unterschied zwischen römischen Städten, aJso Kolonien und Munizipien, und nichtrömischen Städten,46 doch ist ein wesentlicher Unterschied in der Praxis nicht vorhanden gewesen, wie es gerade viele Texte aus Lepcis Magna zeigen, wo Prokonsuln zahlreiche Dedikationen vollzogen,47 bevor die Stadt römisch-
40 P.M. Fraser, Samothrace. Bd. 2,1: The lnscriptions on Stone, New York 1960,
Nr. 53; AE 1967, 444; zur Neulesung des Namens siehe W.V. Harris, An lnscription Recording a Proconsul's Visit to Samothrace in I 65 A.D., AJPh 133, 1992, 7 1 ff. 41 Fraser, Samothrace (Anm. 40) Nr. 28. 50. 5 1 . 52 (?). 53. Im Zusammenhang der Besuche des Heiligtums von Samothrace ist auf dig. I , 18, 1 5 zu verweisen: lllud ob
servandum est, ne qui provinciam regit, fines eius excedar nisi voti solvendi causa, dwn ramen abnoctare ei non licear. Da ein Statthalter jedoch die Insel nicht besuchen
konnte, ohne sich dort wenigstens einen vollen Tag aufzuhalten, ist Samothrace als Teil der Provinz Macedonia zu betrachten bzw. als eine civitas Iibero. die innerhalb der Grenzen dieser Provinz lag. 42 Vgl. dazu etwa Arrian, Perlplus I f. 43 Die Inschriften ClL l l l 1564. 1566. 1573 könnte man beispielsweise mit solchen Besuchen in Verbindung bringen . 44 Siehe beispielsweise die bei B.E. Thomasson, Die Statthalter der römischen Provinzen Nordafrikas von Augustus bis Oiocletianus, Lund 1960, rJ gesammelten Zeugnisse (siehe jetzt B.E. Thomasson, Fasti Africani, Stockholm 1996, wo die Zeugnisse vollständig aufgenommen sind, nicht nur in Auswahl wie in der I. AuOage); für die kleinasiatischen Provinzen außer Asia B. Remy, Les carrieres senatonales dans les provinces romaines d'Anatolie au Haut-Empire, lstanbui-Paris, 1989. 45 Gaius 2, 3, 95; dig. l . 8, 6, 3. 9. 46 Vgl. Plin., ep. 10, 49 f. 47 Vgl. z.B. lRT 269. 273. 332. 338. 342. 346. 521; vgl. auch AE 1968, 549. 551; 1949, 76.
214
Die religiösen und kultischen Aufgaben
rechtlich organisiert war.48 Nicht selten sind bei diesen Akten die Statthalter durch ihre Legaten vertreten worden.49 Eine Antwort auf die eigentlich interessante Frage, ob nämlich Dedikationen, die unter bestimmten Prämissen erfolgten, also besonders, wenn eine Gemeinde eine Baumaßnahme, etwa die eines Tempels, abgeschlossen hatte, nur durch den römischen Amtsträger erfolgen durften, womit ein Exklusivrecht in diesem Bereich bestanden hätte, kann dem inschriftlieben Material nicht entnommen werden. Jedenfalls ergibt sich aus der großen Zahl der Texte, daß diese Tätigkeit des Statthalters, die stets mit Opfern verbunden war, einen erheblichen Umfang erreicht hat. Bei diesen Dedikationen in den Städten wirkte der höchste Provinzmagistrat stets erst am Ende kultisch mit, vor alJem dann, wenn Bauten oder Statuen von nichtstaatlicher Seite errichtet wurden. Bei Maßnahmen, die vom Stauhalter selbst initiiert wurden, stand jedoch im allgemeinen bereits am Anfang ein Kultakt, z.B. ein votum, das einen glücklichen Abschluß der Arbeiten herbeiführen sollte. So löste der Legat von Numidien L. Apronius Pius unter Severus Alexander ein
votum ein, das zu Beginn des Baues eines Aquädukts südlich von Verecunda ausgesprochen worden war.50 Ob er selbst derjenige war, der das Gelübde ausgesprochen hatte, ergibt sich nicht aus dem Text; wenn ein Vorgänger im Amt
für das votum verantwortlich war, trat ganz selbstverständlich der Nachfolger in
der legatio in die Verpflichtung ein.51 Vermutlich wurden grundsätzlich derartige
vota in den Akten des Statthalters festgehalten, womit sie an den Nachfolger übergingen, eine Notwendigkeit, die bei einem schnellen, in prokonsularen Provinzen jährlichen Wechsel grundsätzlich immer bestand. Die schriftliebe Fixierung war insbesondere bei den seit dem 2. Jh. mit immer größerem Nachdruck gefeierten decennalia und vicennalia notwendig, da andernfalls der konkrete Inhalt der vota verloren gegangen wäre. So beging der Präsidial prokurator Cn. Haius Diadumenianus im J. 202 decennalia in einer Form, die einer seiner Vorgänger in Volubilis, der Hauptstadt der Mauretania Tingitana, im
48 Dazu H. Herzig, Die Laufbahn des Lucius Septimius Severus, Sufes, und das Stadtrecht von Lepcis Magna, Chiron 2, 1972, 393 ff. 49 Z.B. TRT 342; AE 1949, 76; CIL VIII 2269 1 , dazu R. Syme, Historia 17, 1968, 100 Roman Papers ll 687 f. 50 AE 194213, 93; AE 1955, 1 19 aus Cetium in Noricum kann man so deuten, daß zu Beginn der Arbeiten an der Wasserversorgung dem Gott Neptun [aq]uarum {po/tenti ein Gelübde gemacht wurde, das nach Abschluß der Baumaßnahmen von dem amtierenden Statthalter eingelöst wurde. In Köln errichtet Tarquitius Catulus den D i s conservatoribus einen Weihesrein, nachdem er das praetorium wieder hatte herstellen lassen (CIL xm 8170 D. 2298 Galsterer Nr. I I ); ein VOtum wird hier allerdings nicht genannt. 51 Vgl. Mommsen, Staatsrecht 13 244 f. =
=
=
Die religiösen und kultischen Aufgaben
215
J. 193 gelobt hatte. Das Opfer ging, wie i n diesem Zusammenhang notwendig, an Juppiter Optimus Maximus.52 Die
vicenn.alia
vota, die
Diadumenianus seinerseits für die
aussprach, mußte einer seiner Nachfolger, vielleicht
Q. Munatius
Celsus, einlösen,53 trotz des Todes des Septimius Severus; denn die vota hatten selbstverständlich die domus divina, also auch Caracalla, eingeschlossen. Das zentrale Ereignis des Kaiserkultes in den Provinzen war ohne Zweifel die jährliche Tagung des
concilium provinciae.
Eine regelmäßige Teilnahme des
Statthalters an diesen Versammlungen hat es wohl nicht gegeben;54 doch ist dies gelegentlich vorgekommen, wie es z.B. die Berichte über das Martyrium Polykarps in Smyrna55 oder die Nachrichten bei Euseb über die Verfolgungsmaß
nahmen des Statthalters gegen die Christen in Lugdunum zeigen.�6 Auch die Spiele im Circus und im Amphitheater, die aus Anlaß des Landtages abgehalten wurden, begannen mit Opfern; soweit der Statthalter daran teilnahm, war er ohne Zweifel auch an den Opfern beteiligt. Der Verehrung des Kaisers in kultischen Formen - und gerade darum ging es ja bei den Tagungen der concilia
konnte
-
sich auch der höchste Träger der staatlichen Macht in der Provinz bei solchen Gelegenheiten nicht entziehen.57 Zwischen etwa 6-8 n.Chr. wurden in Africa die Gaetuler von römischen Truppen besiegt. Die Bewohner von Lepcis Magna errichteten aus diesem Grund
Marti Augusto einen
Altar, in dessen Inschrift die Aussage erscheint:
auspiciis
imp(eratoris) Caesaris Aug(usti) pontificis maxumi patris patriae ductu Cossi Lentuli co(n)s(ulis) XVviri sacris faciun.dis proco(n)s(ulis).58
Dem Prokonsul
standen somit zumindest in diesem Feldzug die Gesamtauspizien nicht zu. Möglicherweise hat dies auch sonst gegolten. Doch hat dies sicher nicht grundsätzlich Einfluß auf das religiöse Geschehen vor oder nach einem Feldzug bzw. einer einzelnen Kampfhandlung gehabt. Es ist kaum vorstellbar, daß etwa vor dem Auszug des Heeres vom jeweiligen Oberkommandierenden keine Opfer dargebracht und dabei nicht auch die Eingeweideschau vorgenommen wurden; der
5 2 BCTH 1955/56, 84 Thomasson (Anm. 44) 265: I.O.M. ob vota decennalia celebrata et vicennalia suscepta impp. L Sep. Severi Pii Fel. et Marci Aureli Antonini Augg. [. .. ]s totiusque domus divinae Gn. Haius Diadumenianus proc. Augg. v.s l.m. 53 Zu Munatius Celsus Thomasson (Anm. 44) 266 f.; Mommsen, Staatsrecht 13 244 f. zur Verpllichtung eines Amtsnachfolgers, frühere vota einzulösen. =
.
54 Vgl. J. Deininger, Die Provinziallandtage der römischen Kaiserzeit, München 1965. 55 Mart. Polycarpi 9 ff. (ed. H. Musurillo, The Acts of the Christian Martyrs, Oxford
1972, 8 ff.) - wenn es sich, wie es scheint, um Spiele im Zusammenhang mit der Sitzung des Koinon der Provinz Asia handelt. 56 Euseb., h. e. 5, l , 47. 57 Vgl. z.B. Herz, ANRW ll 16, 2, 1 1 89 ff. 58 AE 1940, 68 lRT 30 l . =
216
haruspex
Die religiösen und kultischen Aufgaben in der Begleitung der Prokonsuln oder auch der kaiserlichen Legaten
spricht deutlich genug dafür. Und wenn auf der Traianssäule beim Auszug des Kaisers zum Kampf gegen die Daker die Darbringung der Suovetaurilien dargestellt wird, so hat dies wohl auch für jeden Feldzug, der von einem seiner Beauftragten durchzuführen war, gegolten, vielleicht nur in etwas bescheidenerer Form.59 Jedenfalls spricht Tacitus zum J. 63 n.Chr. ganz selbstverständlich von der Lustratio des Heeres bei Melitene, bevor es dort den Euphrat gegen die Parther überschreiten sollte; diese
Lustratio
war Aufgabe des Domitius Corbulo, der in
seiner Ansprache an die Truppen auch de auspiciis
imperatoris
handelte.60 Man
muß also wohl gleiches wie beim Feldzug des Cossus Lentulus gegen die Gaetuler voraussetzen. Auch am Ende eines Krieges oder größerer Kampfhandlungen standen Opfer bzw. Dedikationen des Statthalters.61 So hat nach der Beschreibung des Statius der Statthalter M. Vettius Bolanus in Britannien den Brustpanzer eines britannischen Königs in einem provinzialen Heiligtum mit einer entsprechenden Inschrift geweiht, nachdem er einen Sieg über die Feinde errungen hatte.62 Wir kennen ferner aus den beiden mauretanischen Provinzen eine ganze Reihe von Altären des späteren 2. und vor allem des 3. Jh.s, deren Inschriften von Vertragsabschlüssen bzw. auch von Vertragsverlängerungen zwischen ritterlichen Praesides und den Führern einheimischer Stämme berichten.63 Herbeiführung oder Festigung des Friedens sind Anlaß für den jeweiligen Statthalter,
l(ovi) O(ptimo) M(aximo) et
dis deabusque immortaLibus bzw. dem Genius imperatoris eine ara bzw.
ein Statue
zu errichten, wo vermutlich das Dankopfer dargebracht wurde. Die Altäre bzw. die Statuen in der Mauretania Tingitana sind sämtlich in Volubilis aufgestellt wor den; die Texte sind einander im Formular weitgehend ähnlich.64 Hier kann man ganz deutlich greifen, wie das Vorbild, das irgendein Statthalter durch eine
59 In CIL ill 5565 = 1 1771 = D. 664 läßt der vir perfectissimus Aurelius Senecio in Be daium in Noricum nach einem Sieg einen Tempel wieder errichten - ex voto. Es war also vor dem Feldzug bzw. vor dem Kampf ein entsprechendes Gelübde ausgesprochen worden. Ähnliches ist aus CIL VIII 20827 D. 3000 zu erschließen. Vgl. ferner CIL VIII 2615. 8924. 9288. 9324. 18219. 20827. 20863. 21486; AE 1912, 24; 1961, 106. 60 Tac., ann. 15, 26, 2 f.; vgl. ann. 6, 37, 2: durch den Statthalter Syriens Vitellius werden aus Anlaß einer militärischen Machtdemonstration jenseits des Euphrat Suovetaurilien dargebracht; ferner Suet., Otho 8, 3; Dio 65, 16, I . 61 Siehe z.B. Ios., Bell. lud. 3, 444; 7, 16. 62 Stat., silv. 5, 2, 147 f.; dazu A.R. Birley, Fasti of Roman Britain, Oxford 1981, 64. 63 Siehe CIL Vill 2 1 826; AE 1907, 4 D. 9006; lnscr. Lat. Mar. II 348-350. 356-361 ; zum Formular vgl. G . di Vita-Evrard, ZPE 68, 1987, 200 ff. 64 [nscr. Ant. Mar. 11 348-350. 356-361 ; auch die Typen der Altäre bzw. der Statuen untersätze sind zu beachten. =
=
Die religiösen und kultischen Aufgaben
217
kultische Handlung zu einem bestimmten Zeitpunkt gegeben hatte, auf Nach folger verpflichtend gewirkt hat, wenn ein vergleichbarer Anlaß vorlag. Ähnlich wie in ruesen Fällen haben Statthalter wohl auch auf andere außerge wöhnliche Ereignisse reagiert, vor allem dann, wenn diese ilirekt mü dem Kaiser verbunden waren. Die Geburt eines Sohnes, die Krankheit des Herrschers, eine große Festfeier wie etwa die Säkularspiele des Septirnius Severus oder Kriegszüge wie der des Gaius Caesar in Armenien65 haben Reaktionen kultischer Art bei den römischen Amtsträgem in den Provinzen ausgelöst. Eine ganze Reihe von Altären wurden von Aiacius Modestus zusammen mü seiner Frau und seinen Kindem in Arabia vermutlich kurz nach 204 aus Anlaß der Säkularspiele errichtet.66 Besonders symptomatisch ist jedoch die Errichtung eines Altars, den der
Prokonsul von Creta-Cyrenae Viriasius Naso aus Anlaß des Sturzes Seians am 18.
Oktober 31 n.Chr. in Gortyn, am Sitz der Provinzialadministration, [Num]ini
ac Providentiae [Ti. Ca]esaris Aug(usti) et senatus eius die qui fuit XV K Novembr.... sua pecunia consecravit.67 Loyalitätsakte in kultischer Form wie dieser waren eine typische Erscheinung statthalterliehen religiösen Handelns.
65 Siehe etwa die Maßnahmen des quaestor pro praetore in Achaia, P. Comelius Scipio,
im J. 2 n.Chr. für den normalen Kaiserkult und für die incolumitas des Gaius Caesar (SEG 23, 206). Da er hier ausgesprochene Aufgaben des Statthalters wahrnahm, wäre es möglich, daß dieser damals gestorben war. 66 AE 1968, 5 1 8-520. 522. 523. Zur Deutung der Texte als Reflex der Säkularspiele v l. M. Christo!, REA 73, 1971, 124 ff. 6 CJL J1I 12036. Für Hinweise auf verschiedene Quellen bin ich John Scheid (Paris) sowie meinem Assistenten Rudolf Haenscb zu Dank verpflichtet.
f
SOZIALSTRUKTUR UND KAISERLICHER DIENST1
Plinius d.J., Mitglied des Senats der domitianisch-traianischen Zeit, ist für den freundlich-wohlmeinenden, oft jovialen Ton seiner Briefe bekannt. Doch in einigen wenigen Fällen gibt er seine vornehme Zurückhaltung auf und zielt in stilistisch meisterhaften, groben Angriffen auf den jeweiligen Gegner. Wenn Plinius sich zu einem solch ungewöhnlichen Vorgehen entschließt, geschieht es immer, weil ihm die tradierte politisch-soziale Ordnung bedroht oder gar gestört schien. Den schärfsten verbalen Angriff in seinem gesamten Briefcorpus richtete er in ep. 7, 29 (mit Fortsetzung in ep. 8, 6) gegen einen Vorfall des Jahres 52
n.Chr. und gegen die öffentliche Dokumentationsform, die das Geschehen gefunden hatte.2 Plinius war an der via Tiburtina ganz in der Nähe der Stadt Rom auf das Grabmal des M. Antonius Pallas, eines der großen Freigelassenen des Kaisers Claudius, gestoßen und hatte die Grabinschrift gelesen, - einen Text, der seinen Inhalt und seine Formulierungen aus dem Repertoire der üblichen öffentlichen Ehrungen, wie man sie insbesondere auf den Fora der Stadt Rom sehen konnte, genommen hatte. Der Text, wie Plinius ihn berichtet, der aber tatsächlich wohl nur das Ende der Inschrift wiedergibt, lautet:
Huic (sc. Pallanti) senatus obfidem pietatemque erga patronos omamenta praetoria decrevit et sestertium centies quinquagies, cuius honore contentus foit. Plinius d.J. steht mit seinem deutlich formulierten Unwillen keineswegs allein; auch Tacitus kommt in den Annalen (12, 53) auf die Senatssitzung zu sprechen, 1 Der Anmerkungsteil beschränkt sich auf das Notwendigste; vor allem ist eine nähere Erörterung problematischer Aspekte bei dem zur Verfügung stehenden Raum nicht möglich. Das Thema sollte gesehen werden vor dem Hintergrund einer Erscheinung, die in allen modernen Industriestaaten zu beobachten ist: dem Einfluß, den die umfassende Ausweitung der staatlichen Administration auf die gesellschaftliche Struktur gewonnen hat. Dies näher auszuführen ist hier weder möglich noch nötig. Da aber das kaiser zeitliche Rom weithin als ein staatliches Gebilde angesehen wird, das sich einen immensen administrativen Apparat zugelegt habe, der überhaupt erst das Funktionieren des Imperiums ermöglichte, ist zu fragen, ob das, was in der Moderne fast wie ein Naturgesetz anmutet, auch unter römischen, kaiserzeitlichen Bedingungen erfolgt ist und wenn ja, in welchem Ausmaß und mit welcher Wirkung. 2 Ein verschärfendes Element, das Plinius als solches freilich gar nicht kennzeichnet, ist darin zu sehen, daß das s.c., auf das Plinius sich bezieht, sogar auf Beschluß des Senats in Rom auf Bronze, also auf dauerhaftem Material, publiziert wurde, was insge samt selten geschah und zumeist nur aus politisch-propagandistischen Gründen, die mit dem Kaiserhaus zusammenhingen. Pa!Jas, den das s.c. betraf, wurde dadurch noch mehr herausgehoben. Vgl. zu dem Phänomen der offiziellen Publikation den Beitrag in diesem Band 359 ff.
220
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
in der für Pallas der Beschluß gefaßt worden war, auf den die Grabinschrift verwies. Freilich benutzt Tacitus den Anlaß eher, um die Zwangssituation zu schildern, der die Senatoren ausgesetzt waren und der sie sich auch durch ironisch sarkastisch übertriebene Anträge nicht entziehen konnten. Bereits einige Jahr zehnte vor Tacitus und Plinius d.J. hatte auch Plinius d.Ä., nat. hist. 35, 199 ff. eine Aufzählung der verschiedenen Kreidearten zu einem im Grunde unnötigen Exkurs auf die Ehrung des Pallas in dem senatus consultum benutzt, was immerhin beweist, wie durch die "Affäre" ein wesentlicher Kern der damaligen politisch-sozialen Vorstellungswelt und ihre Wertmaßstäbe getroffen war. Weder Tacitus noch Plinius d.J. dringen freilich unmittelbar analysierend zum Kern des Anstoßes, der veränderten politischen Machtsituation vor- zumindest tun sie dies
nicht offen. Plinius d.J. begnügt sich vielmehr in seinem Erklärungsversuch mit der Fortuna, über deren Wirkung Verwunderung ohnehin nutzlos sei. Lediglich Plinius d.Ä. nennt wenigstens beiläufig die Teilhabe von Freigelassenen, also ehemaligen Sklaven, an der kaiserlichen Macht als eigentliche Ursache, und er tut dies, auffalligerweise, mit den gleichen Worten, mit denen auch Augustus im 34. Kapitel der res gestae seine Machtposition nach den Bürgerkriegen gefaßt hatte:
potiri rerum. Bei keinem Autor wird jedoch das herausgestellt, was
daß gesellschaftlicher Rang, Geltung in der Öffentlichkeit sich wesentlich durch Teilhabe an der Politik bestimmte. Andererseits war eine qualifizierte geselJ schaftlicbe Einordnung, was insbesondere die farniliale Herkunft meinte, Vonaus setzung für politisches Wirken.4 Das betraf natürlich im wesentlichen nur die Angehörigen der senatsfähigen Familien; ferner derjenigen, die über eine dignitas
equestris in nähere Berührung mit staatlichen Funktionen gekommen waren. Der soziale Ort der meisten Bürger nichtsenatorischer Herkunft bestimmte sich dabei in nicht geringem Umfang dadurch, wie sie in das polyzentrische Bezugssystem der senatorischen Familien einzuordnen waren, je nach Nähe oder Feme zur Bezugsperson. Neben der juridischen Personalstellung, der ökonomischen Potenz und der Zugehörigkeit zu einer Familie bestimmte dieser Bezug, der auf eine oder
3 Vgl. allgemein als Einführung: G.E. Lenski, Power and Privilege. A Theory of Social Stratification, New York 1966, 210 ff.
4 Zum politisch-sozialen System der Republik: J. Bleicken, Die Verfassung der römischen Republik, Paderborn 1975.
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
221
auch mehrere Personen ausgerichtet sein konnte, wesentlich den Status des einzelnen Mitglieds der römischen Gesellscbaft.5 Die relative aristokratische Gleichheit bewahrte über lange Zeit binweg die Polyzentrik des Gesamtsystems, was wiederum bis in die Spätzeit der Republik die weitgehende Bewahrung der allgemeinen Normen ermöglichte bzw. notwendig machte. Nachhaltig gestört wurde diese Ordnung, seit die großen Einzelnen einen besonderen Rang für sich in Anspruch nahmen, zerstört aber wurde sie durch die Stellung des Augustus und seiner Nachfolger.6 Das polyzentrische Bezugssystem verschwand zwar nicht vollständig, aber es erlebte eine schnelle Schwächung und erhebliche Modifizierung, indem der Machthaber, zunächst als Person, später immer mehr als Institution den maßgeblichen Orientierungspunkt ftir alle bildete, während es vorher einen monokratischen Fixpunkt nicht gegeben hatte. Je nach dem wie man dies im Bild fassen will, war er Zentrum oder Spitze der römischen und, unter diesem Aspekt, auch der regionalen Gesellschaften des Reiches. Dabei bleibt freilieb bemerkenswert, wie nicht unerhebliche Reste des vormaligen sozialen Orientierungssystems in den ersten Jahrzehnten der kaiserlichen Herr schaft, freilieb in der Unterordnung unter die monarchische Dominanz, noch ihre Wirkung behielten. Dies läßt ein Blick auf eine bestimmte Dokumentengruppe aus der Stadt Rom erkennen, dem Ort der unmittelbarsten Wirksamkeit der kaiserlichen Suprematie. Die übliche Kennzeichnung von Freigelassenen, soweit sie uns durch Inschriften kenntlich wird, geschieht durch die Anführung des Praenomens des Freilassees in abgekürzter Form und den Zusatz Libertus, also analog zur Filiation eines Freigeborenen. Damit war freilich eine nähere und äußerlich sofort erkennbare spezifische Einordnung bei der großen Masse der Freigelassenen nicht mehr erreichbar, weil so der Patron, und d.h. normalerweise die entscheidende Bezugs person für den libertus, keinerlei Profil gewinnen konnte. In einigen hundert Inschriften der Stadt Rom finden wir daher seit der späten Republik eine andere
5 Deutli.ch gezeigt etwa für die
homines novi durch T.P. Wiseman, New Men in the Roman Senate, 139 B.C. - A.D. 14, Oxford 1971, 33 ff. 6 Zur Sozialgeschichte der Hohen Kaiserzeit: G. Alföldy, Römische Sozialgeschichte, Wiesbaden 1975; J. Bleicken, Verfassungs- und Sozialgeschichte des römischen Kaiserreiches, 2 Bde., Paderbom 1978, 21981; K. Christ, Grundfragen der römischen Sozialstruktur, in: Studien zur antiken Sozialgeschichte. Festschrift für Friedrich Vittinghoff, hg. W. Eck - H. Galsterer - H. Wolff, Köln-Wien 1980, 197-228; zuletzt vor allem Fr. Vittinghoff, Soziale Struktur und politisches System der hohen römischen Kaiserzeit, HZ 230, 1980, 3 1-55 = ders., in: Civitas Romana, hg. W. Eck, Stuttgart 1994, 253 ff.
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
222
Gattung der Nomenklatur der Freigelassenen.7 Statt des Praenomens des Patrons wird entweder sein gesamter Name, oder, wesentlich häufiger, sein Cognomen angeführt, so daß ein M. Aemilius M(arci) libertus Demetrius seinen Namen nicht mehr in dieser Form gestaltet, sondern als
Demetrius
M. Aemilius Paulli l(ibertus)
(CIL VI 4457). Damit war der Freigelassene nicht mehr einer von
vielleicht hunderten oder taosenden von Liberti, die alle von irgendeinem Aemilius freigelassen worden waren, sondern es war, ohne daß ein Zweifel aufkommen konnte, der Bezug zur altrepublikanischen, patrizischen Familie der Aemilii Pauli hergesteHt Gleichzeitig war auch von seiten des Freigelassenen eine gewisse Partizipation an der sozialen Stellung der senatorischen Familie reklamiert
-
natürlich nicht in dem Sinn einer grundsätzlichen Veränderung des Freigelassenen status, aber doch in dem Sinn einer Differenzierung und Individualisierung in Hinsiebt auf die eigene Person. Was jedoch die Beobachtung für unser Thema bedeutsam macht, ist die Tatsache, daß diese spezifische
Art der Charakterisierung
in Rom selbst nur in einer begrenzten Zeitspanne auftritt, nämlich höchstens noch bis in die claudisch-neronische Zeit, dann jedoch weitgehend endet.S Sie scheint aber auch insofern beschränkt gewesen zu sein, als sich nicht bei allen senatorischen Familien diese Kennzeichnung der wiegend bei den großen republikanischen
liberti
gentes,
findet, sondern über
deren Positionen nie ganz
egalitär mit den anderen Senatsangehörigen gewesen war, also etwa den Aemilii in ihren verschiedenen Verzweigungen, den Comelii, Fabii, Valerii Messallae usw.; daneben erscheinen einige wenige Familien, die durch die neue politische Situation eine überragende Position erworben hatten, so die Statilii Tauri oder die Volusii Saturnini.9
7 Das Material ist leicht auffindbar über den Nomina-Index zu CIL VI. Die später
publizierten Inschriften vermitteln die gleiche Erkenntnis. Zu der erörterten Beob achtung vgl. H. Chantraine, Freigelassene und Sklaven im Dienst der römischen Kaiser. Studien zu ihrer Nomenklatur, Wiesbaden 1967, 14 f.; G. Fahre, Libertus. Recherehes sur Ies rapports patron-affranchi a Ia fin de republique romaine, Rom 1981, 1 1 6 ff.; W. Eck, Abhängigkeit als ambivalenter Begriff: Zum Verhältnis von Patron und Libertus, in: Colonato y otras formas de dependencia no esclavistas. Actos de coloquio 1978, Oviedo 1980, 41-50 ders., in: Tra epigratia, prosopografia e archeo logia, Rom 1996, 165 ff. 8 Einzelne Beispiele finden sich auch noch später, vor allem außerhalb Roms. Dies läßt ein schneller Blick in den Nan1ensindex von CIL VI oder z.B. zu CIL V, X und XI leicht erkennen. Hier geht es nur um das Massenphänomen, das nicht allein durch die besonderen Bestattungssitten innerhalb der Columbaria der großen gentes bedingt war. 9 Für die Volusii Saturnini ist das Gesamtmaterial jetzt leicht bei M. Buonocore, Schiavi e liberti dei Volusii Saturnini, Rom 1984, zugänglich. Siehe auch W. Eck J. Heinrichs, Sklaven und Freigelassene in der Gesellschaft der römischen Kaiserzeit, Darmstadt 1993, 52 ff. Nr. 72. =
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
223
Die Bezugnahme auf diese Familien und ihre Hervorhebung in der Nomenklatur von Freigelassenen muß als Zeichen verstanden werden für deren zunächst weiterbestehende und weiterwirkende außerordentliche Stellung innerhalb der römischen Gesellschaft; sie konnte, jedenfalls unter diesem Aspekt, zunächst noch neben dem Princeps als neuem, freilich herausragendem Bezugszentrum konkurrieren. Denn grundsätzlich besaß natürlich Augusti bzw.
libertus
Caesaris Augusti
zunächst keine wesentlich andere Qualität als die vorher erwähnten
Statusbestirnmungen. IO Auch damit sollte ursprünglich der persönliche Konnex mit der individuellen Person des Machthabers dokumentiert werden (also nicht mit dem Kaiser!), und zwar ebenso wie bei den vorher erwähnten senatorischen
Familien nicht in der an sich üblichen Form des C. libertus, sondern durch die Heranziehung des Cognomens bzw. von Gentil- und Cognomen. Wenn nun bei den kaiserlichen
liberti
diese äußere Statusmarkierung bestehen bleibt, bei
senatorischen Familien in Rom selbst aber im Verlauf der ersten Hälfte des 1 . Jh.s n.Chr. weitgehend verschwindet, ist dies wohl verursacht durch die immer stärker werdende Dominanz der kaiserlichen Macht, durch die abnehmende Verbindlichkeit der aus der Republik übernommenen Wertungen und nicht zum wenigsten durch den Untergang der meisten alten Familien der Nobilität. Eine ähnliche oder vergleichbare Stellung aber konnten andere senatorische Familien angesichts des Übergewichts des Kaisers offensichtlich nicht mehr gewinnen. Vielleicht haben aber auch viele die 'Konkurrenz' , die mit dieser Namensform verbunden sein konnte, gefühlt und deshalb mit der Zeit darauf verzichtet. Somit kann diese Dokumentengruppe Indikator sein für die Veränderungen des sozialen Bezugssystems; die Verbindung mit dem Princeps wurde nicht nur zu einem zusätzlichen Einordnungskriterium unter vielen, sondern wurde immer stärker zum eigentlich bestimmenden; denn auch andere Kriterien, etwa Besitz oder juridischer Personalstatus, waren stark von kaiserlichen Entscheidungen abhängig oder konnten es zumindest sein. Grundsätzlich war es damit für jede Person möglich geworden, durch die Berufung auf eine Verbindung zum Kaiser seine eigene soziale Position mitzubestimmen. Beispiele lassen sich aus allen Be reichen beibringen. Dies konnte ein Dio von Prusa sein, der den Bürgern seiner Heimatstadt gegenüber mit Nachdruck auf die Beziehung zu Traian verwies und sich dadurch in seiner Besonderheit charakterisierte, 1 1 ebenso der Arzt Stertinius Xenophon, der von Claudius für seine Vaterstadt Kos Privilegien erwirkte und
IO Dazu Chaotraine (Anm. 7) 15 ff.; Weaver, Familia Caesaris 24 ff.
1 1 Dio Chrys., or. 40, 5; 44; C.P. Jones, Tbe Roman World of Dio Chrysostom, Cam
bridge/Mass. 1978, 52 f. I 04 f.
224
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
damit seiner eigenen Familie dort ein erhöhtes Prestige verscbaffte; 1 2 es konnte aber auch ein Unternehmer sein, der für kaiserliche Baumaßnahmen ätig t war, ein
redemptor operum Caesaris, und der dies auf seinem Grabstein vermerken ließ,13 ebenso wie zahlreiche Veteranen (vor allem der stadtrömischen Truppen) nicht nur die Tatsache ihres Militärdienstes erwähnten, sondern sich als veteranus Augusti bezeichneten.14 In einem weiten Sinn sind alle diese Erscheinungen und ihre Ausprägung, die sie in der Öffentlichkeit fanden, unter das Kriterium kaiserlicher Dienst zu subsumieren. Doch liegen, wenn man einmal vom gesamten Militär absieht, das ohnehin eine Sonderposition einnimmt, keine allgemeinen, gleich artig kennzeichnenden, formalisierten Kriterien vor, die es erlaubten, von Einzelpersonen unabhängige, generelle Aussagen darüber zu machen, wie weit der Bezug zum und auf den Kaiser für den sozialen Satus t einer größeren Anzahl von Personen Bedeutung gewann. Solche Kriterien sind dagegen für alle diejenigen gegeben, die im engeren Dienst des Kaisers tätig waren und durch jeweils gleichartige Statuskriterien zusammengefaSt sind, d.h. insbesondere die Mitglieder des ordo senatorius, des ordo equester und die kaiserlichen Freigelassenen (bzw. Sklaven). 1 5 Damit sind fest umschreibbare Gruppen zu greifen, die über einige Jahrhunderte hinweg, wenn auch mit schrittweisen inneren Veränderungen, Bestand hatten und von denen somit eine Wirkung auf die soziale Struktur zu erwarten ist. Während freilich die kaiserlichen Freigelassenen und Sklaven als ein neues gesellschaftliches Element teilweise neugeschaffenen Bedingungen unterworfen waren, galten für die beiden ordines der Senatoren und Ritter auch Regelungen der Republik weiter, die gemäß der politischen Ausgangsposition unter Augustus nicht ohne weiteres aufgehbar waren, vielmehr als mehr oder minder bindend angesehen wurden.16 Daß dabei die 'Unverfügbarkeit' bei den
1 2 RE 111 A 2450 f. Die neue Publikation der Inschriften von Kos aus dem Nachlaß von Segre zeigt allein durch die ungeheure Menge von Inschriften, die jeweils auch eine Statue oder zumindest eine Portraitbüste bezeugen, daß Xenopbon auf Kos buchstäblich überall präsent war; M. Segre, lscrizioni di Cos, Rom 1993. 13 CIL Vl 9034. 14 Vgl. z.B. D. 2025: L. Caesernius L. f Vel(ina tribu) Proculus Aquileia, veteranus
Aug(usti) ex coh(orte) I pr(aetoria) ... 15 Gerade diese drei Statusgruppen erscheinen auch im 2. Edikt Valerians gegen die
Christen im J. 258 n.Chr. (Cypriao., ep. 80, I, 2). Eine vergleichbare Abstufung findet sich auch im Edikt des Statthalters von GaJatien Sex. Sotidius Strabo Libuscidianus im J. 14 n.Chr. über die Benutzung des cursus publicus, St. Mitchell, Requisitioned Transport in the Roman Empire: A New lnscription from Pisidia, JRS 66, 1976, 106 ff. l6 Vgl. dazu allgemein D. Kienast, Augustus. Prinzeps und Monarch, Dannstadt 1982, 126 ff. Zum Ritterstand besonders C. Nicolet, L'ordre cquestre a l'epoque republicaine I, Paris 1966, sowie S. Demougin, L'ordre &juestre sous les Julio-Ciaudiens, Rom 1988.
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
225
Senatoren, weil eingebunden in das 'Yerfassungsinstitut' des Senats, größer war als bei den Rittern, braucht wohl kaum betont zu werden. Will man die Frage beantworten, inwieweit sieb dieser kaiserliche Dienst im engeren Sinn auf die Sozialstruktur des Reiches bis zur Krise des 3. Jh s ausge .
wirkt hat, müssen diese drei Statusgruppen in erster Linie unter folgenden Aspekten untersucht werden: Erstens ist zu fragen, wie die Quantität dieser Gruppen war, was eng zu sammenhängt mit der Entwicklung der Stellenzahl im öffentlichen, d.h. kaiserlichen Dienst.
Zweitens ist die Regelung des Zugangs zu den einzelnen Statusgruppen und zu speziellen Funktionen sowie die damit zusammenhängende innere Differenzierung der Statusgruppen zu bestimmen. Drittens ist nach der rechtlichen und sozialen Sonderstellung zu fragen, insbesondere in der Wirkung auf die lokalen Gesellschaften im Reich.
1 . Während des größten Teils der Republik galten vornehmlich die Senatoren als im Dienst
der res publica tätig.
Seit Sulla waren dies rund
600 Personen. An
dieser Zahl bat sieb seit der Etablierung der Macht des Augustus nichts Wesentliches mehr geändert, da der Zugangsmodus über die
20 Quästorenstellen
pro Jahr der gleiche blieb. Der zahlenmäßig große, politisch wohlkalkulierte Wildwuchs der Caesarischen Zeit und während des Zweiten Triumvirats, hätte sich ohnehin mit den Jahren selbst eliminiert, wenn nicht Augustus eingegriffen und eine, nicht nur in seinem Sinn wirkende 'Säuberung' des Senats vorgenommen hätte. Wenn seit claudischer Zeit nicht selten, unter Umgehung der normalen Eintrittstufe der Quästur, einzelne Nichtsenatoren durch
adlectio
in bestimmte
Rangklassen des Senats unmittelbar durch den Kaiser aufgenommen wurden, so hatte dies, soweit es sich aufgrund unseres Materials abschätzen läßt, keinen wesentlichen Einfluß auf die Gesamtzahl der aktiven Senatoren, die kaum je erheblich mehr als 600 betragen haben dürfte. 17 Erhöht hatte sich gegenüber der Republik die Menge der von Senatoren pro Jahr zu besetzenden FunktionsstelJen; Ursache war u.a. die Ausweitung des staatlichen Tätigkeitsbereichs: Waren es unter Augustus bereits rund unter Traian auf
1 80, so stiegen diese
206 und schließlieb unter Septimius Severus auf 2 1 5
1 7 Siehe zum Problem der adlectio P.M.M. Leunissen, Homines novi und Ergänzungen des Senats in der Hohen Kaiserzeit Zur Frage nach der Repräsentativität unserer Doku mentation, in: Prosopographie und Sozialgeschichte, hg. W. Eck, Köln 1993, 8 1 ff.
226
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
(eingeschlossen freilich die vigintiviri sowie die senatorischen tribuni militum).1 8 Die Vermehrung gegenüber der augusteischen Zeit ist vor allem auf die erheblich größere Zahl von kaiserlichen Statthalterschatten zurückzuführen, die durch Neuerwerbung von Provinzen oder durch Teilung großer Provinzkomplexe notwendig geworden waren.19 Erheblich schwerer ist der zahlenmäßige Umfang des ordo equester bzw. der Funktionsstellen zu bestimmen, die von Personen ritterlicher Qualität über nommen wurden.20 Ein festgelegter jährlicher Zuwachs ist weder überliefert noch wahrscheinlich. Doch muß der Gesamtordo ein Vielfaches der Zahl der Senatoren umfaßt haben, da allein unter Augustus an der transvectio equitum bis zu 5000 Ritter teilnahmen21 - und das waren im allgemeinen nur die jüngeren Angehöri
gen bis zum 35. Lebensjahr. Von den 5 Richterdekurien zu je 1 000 iudices waren drei überwiegend aus Rittern gebildet; nur in der ersten Dekurie spielten auch die Senatoren weiterhin eine Rolle.22 Besonders zahlreich sind Ritter im höheren Offizierskorps anzutreffen, seit Claudius/Nero in der zumeist gestuften Lautbahn vom praefectus cohortis über den tribunus militum bis zum praefectus alae. Während wir jn der ersten Hälfte des I. Jh.s n.Chr. vielleicht mit 350 bis 400 ritterlichen Offiziersstellungen bei den Auxiliartruppen und Legionen rechnen dürfen, steigt deren Zahl bis zum 3. Jh. wohl auf etwa 600.23 Funktional völlig neu ist sodann der Bereich, der die ritterlichen Prokuratoren und Präfekten im politisch-administrativen Rahmen umfaßt. Dieser Sektor wurde von Augustus sehr vorsichtig und langsam eingerichtet und auf der Ebene des Gesamtreiches im Verlauf von über 40 Jahren schließlich auf eine Stärke von lediglich 30 Stellen gebracht.24 Bis zur Mitte des 3. Jh.s wächst dieser ritterlieb-kaiserliche Dienst auf
l8 Siehe W. Eck, Beförderungskriterien, 227 ff.; G. Alföldy, Die Stellung der Ritter in der Führungsschicht des Imperium Romanum, in: Chiron I I , 1981, 2 1 3 = ders., Die römische Gesellschaft, Stuttgart 1966, 162 ff. 208 ff. l9 Siehe dazu in diesem Band 169 f. 20 T.P. Wiseman, The Definition of 'Eques Romanus' in the Late Republic and Early Empire, Historia 9, 1970, 67 ff.; ferner die von E. Pack, ZPE 43, 1981, 253 f. A. 18 ff. zitierte Literatur; D. Kienast (Anm. 16) 15 I ff. 2 1 Dionys. HaJ., 6, 13; Demougin, L'ordre (Anm. 16) 135 ff. 22 K . Bringmann, Zur Gerichtsreform des Kaisers Augustus, Chiron 3, 1973, 253 ff. 23 Vgl. z.B. P.A. Holder, Studies in the "Auxilia" of the Roman Army from Augustus to Traian, Oxford 1980; G. Alföldy (Anm. 18) 1 12. H. Devijver, La prosopographia mili tiarum equestrium. Contribution a l'histoire sociale et economique du principat, in: The Equestrian Officers of the Roman Imperial Army, Amsterdam 1989, 396 ff. bes. 398 ff. 24 Siehe dazu auch W. Eck, Die Ausformung der ritterlichen Administration als Antisenatspolitik?, in: Verwaltung I , 29 ff.
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
227
nicht einmal 200 leitende Stellungen an.25 Anders freilich als bei den Senatoren, von denen jeder über seinen Senatssitz zumindest potentiell an der öffentlichen Macht Anteil hatten, sagt die reine Zahl der hohen Positionen höchst wenig über den personellen Durchgang aus, da fast jeder in die ritterliche Laufbahn Eingetretene mehr als eine amtliche Funktion übernahm. Angesichts der weniger starken Reglementierung der prokuratorisch-präfekturalen Laufbahn26 kann man zwar nichts Sicheres über die Zahl der jährlich n e u zu Prokuratoren ernannten Ritter aussagen. Doch dürften die durchschnittlich wohl etwas länger als drei Jahre währende Dauer einer Funktion sowie die aus den Cursusinschriften erkennbaren Ämterzahlen es nahelegen, in der ersten Hälfte des 2. Jh.s höchstens mit während des
10-15,
3. Jh.s maximal mit 20 neuen Prokuratoren zu rechnen, die pro Jahr
erstmals eine ritterliche, administrative Funktion übernahmen, also schließlich mit etwa ebenso vielen Personen, wie Quästoren in den Senat eintraten. D.h. also, daß auf Reichsebene im
3. Jh. innerhalb einer Generation maximal 600
Familien im kaiserlich-prokuratorisehen Dienst tätig waren. Doch sollte man eher von etwas weniger ausgeben, auch deswegen, weil nicht ganz selten auch die Söhne gewesener Prokuratoren wie ihre Väter wieder im ritterlichen Dienst tätig waren, obwohl natürlich nicht selten der Übergang in den Senat erfolgte.27 Die dritte Personengruppe bilden die kaiserlieben Freigelassenen; zu dieser Kategorie kann man mit Vorbehalt auch das aus der Republik weiterlaufende Subalternpersonal zählen, also
scribae, librarii, lictores aus
den stadtrömischen
decuriae, das insgesamt gesehen freilich von geringerer Bedeutung gewesen zu sein scheint.28 Jeglicher Versuch freilich, zu einer numeriseben Eingrenzung oder gar präzisen Bestimmung zu kommen, scheitert, da uns keinerlei Kriterien dafür an SOUS le Haut-Empire romaine, Paris 1950; ders., Procurator, in: RE I 23, I , Stuttgart 1957, 1240-1279; ders., Les carrieres procuratoriennes equestres sous Je Haut-Empire romain, Paris 1960, 3 Bde.; dazu Supplementband, Paris 1982 (hg. A. Chastagnol u.a.); ferner Eck, in diesem Band 67 ff. 26 Zu den von Pflaum, Procurateurs entwickelten Lautbahnschemata siehe die Kritik von F. Miliar, JRS 53, 1963, 194 ff.; ders., The Emperor in the Roman World, London2 1992, 286 ff.; R.P. Salier, Promotion and Patronage in Equestrian Careers, JRS 70, 1980, 44 ff.; ders., Patronage, passim; ferner Eck, in diesem Band 23 ff. 27 Ein Beispiel ist Gavius Maximus, einer der Prätorianerpräfekten des Antoninus Pius; bereits sein Vater P. Gavius Bassus war kaiserlicher Prokurator gewesen; W. Eck, Über lieferung und historische Realität, in: Prosopographie und Sozialgeschichte 365 ff. 28 Zu den kaiserlichen Freigelassenen und Sklaven: G. Boulvert, Esclaves et affranchis imperiaux sous Je Haut-Empire romain. Röte politique et administrative, Neapel 1970, sowie Weaver, Familia Caesaris; zu den servi publici zuletzt W. Eder, Servitus publica. Untersuchungen zur Entstehung, Entwicklung und Funktion der öffentlichen Sklaven in Rom, Wiesbaden 1980; N . Purcell, The Apparitores. A Study in Social Mobility, PBSR 5 1 , 1983, 125 ff.
25 Das Material bei H.-G. Pflaum, Les procurateurs equestres
228
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
die Hand gegeben sind. Den Aussagen der antiken Autoren ist lediglich zu
entnehmen, daß ihre Zahl insgesamt ganz erheblich gewesen sein muß, und damit
stimmt auch unser dokumentarisches, fast ausschließlich epigraphisches Material überein. Mehr als 4000 kaiserliche liberti und servi sind bisher bekannt geworden;29 dies ist außerordentlich viel, wenn man bedenkt, daß die Überlieferungsdichte mit abnehmendem Sozialstatus üblicherweise geringer wird.30 Hinzu kommt, daß die weit überwiegende Mehrzahl dieser Texte nur Grabinschriften sind, während bei Senatoren und Rittern sogenannte Ehren inschriften bzw. Texte, die administrativen Ursachen ihre Entstehung verdanken, einen nicht unerheblichen Anteil an der Überlieferungsmasse haben. Für Sklaven und Freigelassene gibt es solche Texte gar nicht oder nur in sehr geringer Zahl. Um so größeres Gewicht gewinnt dann die große Anzahl der überlieferten kaiserlieben Freigelassenen. Doch ist auch noch auf die Tatsache hinzuweisen, daß 3/4 all dieser Inschriften aus Rom selbst, 4/5 aus Rom und Italien kommen, somit nur l/5 aus den Provinzen stammt. Wenn dann über diese Personengruppe tatsächlich ein größerer Einfluß auf die gesellschaftliche Struktur erfolgt sein sollte, müßte man diesen am wenigsten in den Provinzen des Imperiums, weit mehr aber in Rom selbst erwarten. 2. Die Republik kannte als Mittel zur Übertragung öffentlicher Funktionen fast
ausschließlich die Wahl durch das Volk bzw. die Aufnahme in das Senatoren- oder Richteralbum durch die Censoren. Bereits unter Augustus verlor die Volkswahl ihren Charakter als Entscheidungsinstanz durch das politische Gewicht des Augustus und durch seine bekannten Prärogativen.31 Langfristig bedeutsamer für die Steuerung der Zusammensetzung des Senats wurde aber die Schaffung des ordo senatorius durch rechtlieben Abschluß nach außen. Trotz der Bedenken von A. Chastagnof32 sprechen triftige Gründe dafür, die wesentlichen Entscheidungen für die rechtliche Abschließung bereits in augusteische Zeit zu datieren, zumindest
29 Weaver, Familia Caesaris 8 f. 30 W. Eck, Sozialstruktur des römischen Senatorenstandes der Hohen Kaiserzeit und
statistische Methode, Chiron 3, I 973, 375 ff. = ders., Struttura sociale del ceto sena torio Romano dell'aJto impero e metodi statistici, in: Tra epigrafia (Anm. 7) I I ff. 31 Siehe dazu die von D. Kienast (Anm. 16) 129 f. genannte Literatur; ferner Talbert, Senate 341 ff. 32 A. Chastagnol, Latus clavus et AdJectio. L'acces des hommes nouveaux au senat rornain SOUS Je Haut-Empire, in: Revue historique de droit fran�ais et etranger 53, 1975, 375-394; ders., La naissance de l'ordo senatorius, MEFR 85, 1973, 583 ff. ders., Le seoat Romain a l'epoque imperiale, Paris 1992, 57 ff. 97 ff.
=
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
229
als faktische Folge bestimmter Gesetze.33 Spätestens seit der Zeit des Caligula war die Zugehörigkeit zum ordo senatorius die Voraussetzung für die Bewerbung um Magistraturen, das Amt folgte der sozialen Qualifikation. Die rechtliche Barriere, die damit aufgerichtet war, konnte nur der Herrscher überwinden, entweder durch die Übertragung des breiten Purpurstreifens, des Latus clavus an der Toga, oder durch die Aufnahme in die verschiedenen Rangklassen des Senats
(adlectio inter quaestorios, tribunicios, aedilicos, praetorios).34 Zahlreiche Dokumente zeigen, wie es den Kaisern auf diesen beiden Wegen möglich war, die Zusammensetzung des Senats nach ihren Vorstellungen und nach politischen Notwendigkeiten zu steuern; die immer breiter werdende Rekrutierung aus sehr
vielen Provinzen des Reiches erfolgte auf diese Weise.35 Welchen Wert man der jeweiligen kaiserlichen Entscheidung zumaß, ersieht man aus den vielen Hinweisen auf epigraphischen Denkmälern, mit denen das Faktum der Aufnahme in den ordo oder in eine Rangldasse in der Öffentlichkeit dokumentiert wurde.36 Ähnliches ist den Briefen des jüngeren Plinius zu entnehmen. Daß der Kaiser in der Praxis seine Monopolstellung bei der Aufnahme in den ordo bzw. den Senat mit vielen suffragatores teilen mußte, ist unter dem Aspekt der Abhängigkeit von erheblicher Bedeutung;37 zeigt sich doch dabei die Veränderung des sozia politischen Bezugssystems, indem nicht mehr nur die traditionell dazu berufenen Senatoren ihren Einfluß geltend machten, sondern jeder, der "Zugang zum Machthaber" (C. Schmitt) gewinnen konnte.38 So verwundert es nicht, wenn 33 Vgl. etwa dig. 23, 2, 44 pr. (Iex lulia de maritandis ordinibus); AE 1978, 145 (s.c. vom J. 19 n.Cbr.; vgl. dazu W.D. Lebek, Das s.c. der Tabula Larinas: Rittermusterung und andere Probleme, ZPE 85, 1991, 41 ff.): In beiden Fällen werden die Folgen bestimmter gesetzlicher Regelungen auf Senatoren und ihre Nachkommen bis zur 3. Generation ausgedehnt. Damit wird dieser Personenkreis als eine einheitliebe Sondergruppe aus der übrigen Bevölkerung herausgehoben. Vgl. auch Demougin, L'ordre (Anm. 16) 555 ff. 34 Siehe Chastagnol, Le senat Romain (Anm. 32) 7 1 ff. 97 ff. 169 ff.; Leunissen, Homines novi (Anm. 17). 35 Vgl. zuletzt H. Halfmann, Die Senatoren aus dem östlichen Teil des Imperium Romanum bis zum Ende des 2. Jh.s n.Chr., Göttingen 1979; für die Zeit bis um 100 n.Chr. R. Syme, Tacitus, Oxford 1958, Bd. ll 585 ff.; schließlich zahlreiche Artikel im 2. Band der Kolloquiumsakten: Epigrafia e ordine senatorio, hg. S. Panciera, Rom 1982. 36 Siehe z.B. D. 1 0 1 1 : [C. Salvjio ... Liberali [Nonio] Basso ... adlecto ab divo
Vespasiano [et divo Ti]to inter tribunicios, ab isdem [promoto] inter praetorios;
D. 1064: L Aemilio ... Arcano ... adlecto in amplissimum ordinem ab imp(eratore) Caes(are) Hadriano Augusto. Dazu M. Dondin-Payre, L'expression de Ja novitas dans l'epigraphie du Haut-Empire, in: EOS I 105 ff. 37 Vgl. Plin., ep. 6, 9; 10, 4. 12. 26. 38 Millar, Emperor2 (Anm. 16) 290 ff.; Salier, Personal Patronage 41 ff.; Eck, in diesem Band 22 ff.
230
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
insbesondere die Frauen des kaiserlichen Hauses, seien es die legitimen Ehefrauen, seien es die kaiserlichen Konkubinen, aber ebenso auch Freigelassene und Sklaven aus der unmittelbaren Umgebung des Herrschers immer wieder als diejenigen genannt werden, die gegen die öffentlich akzeptierten Normen ihren Favoriten zum Erfolg verholfen hätten. Anders als über Bestechung oder andere korrupte Mittel konnte freilich nach Ansicht der senatorisch-ritterlichen Autoren, deren Stimmen erhalten geblieben sind, solche Art von Unterstützung nicht gewonnen werden.39 Ähnlich wie bei der Zulassung zum ordo senatorius kamen auch die Steuerungs
mechanismen für die innere Differenzierung der Senatorenschaft bald in die Hand des Princeps. Es gilt freilich die Einschränkung, daß i n diesem Bereich der traditionelle Rang der verschiedenen Familien, sei es der aus der Republik überkommene, sei es der erst unter den Principes gewonnene, vor allem bei der Vergabe der für eine Laufbahn notwendigen bzw. prestigeträchtigen republikanischen Magistraturen, in erster Linie des Konsulats, weitgehend beachtet wurde. Aber schon die für die innere Struktur des ordo so wichtige Qualität des Patriziats stand hinsichtlich der Verleihung an neue Mitglieder allein zur Disposition des Kaisers, zunächst in seiner Eigenschaft als Censor; seit Domitian gehörte dies zur bleibenden und ständigen Kompetenz des Herrschers.40 Bereits seit Augustus wurden neben den Statthaltern der kaiserlichen Provinzen und den Legionslegaten die meisten curatores und senatorischen praefecti in Rom vom Princeps unmittelbar bestellt, erhebliche Teile der durch Wahl bestimmten Magistrate wurden vom Kaiser mit Wahlvorschlägen gefördert; das ließ sich durch die Angabe, man sei Kandidat des Kaisers gewesen (candidatus imperatoris), auch in den öffentlich aufgestellten Inschriften nachlesen.41 Der Konsulat war generell nur mit kaiserlicher Zustimmung zu erhalten; deshalb wird in epigraphischen Dokumenten beim Konsulat nie auf Förderung durch den Kaiser verwiesen, da daraus keine soziale Differenzierung folgte. Auch bei den offiziell durch Los vergebenen Prokonsulaten machte sich der Einfluß des Herrschers zumindest soweit bemerkbar, als unliebsame Kandidaten dazu gebracht wurden, auf ihre Bewerbung zu verzichten.42 So war weithin das Verfügungsrecht des Kaisers auf 39 W. Eck, Einfluß korrupter Praktiken auf das senatorisch-ritterliche Beförderungs
wesen in der Hohen Kaiserzeit?, in: Korruption im Altertum, hg. W. Schuller, München 1982, 135 ff., bes 144 ff. 40 H.-H. Pistor, Prinzeps und Patriziat in der Zeit von Augustus bis Commodus, Diss. Freiburg 1965. 41 Siehe z.B. CIL XIV 2498 D. 1045: tr. pl., pr., in utroq. honore candidato divi Traiani Aug. Daraus läßt sich ablesen, daß solches auch in mündlicher Selbstdarstellung eine Rolle spielte; vgl. Plin., ep. 7, 16, 2. 42 Vgl. Tac., Agr. 42, 1 ff. zur Einflußnahme Domitians auf Agricola. Dabei muß offenbleiben, ob Tacitus die Vorgänge im konkreten Fall nicht erheblieb deformierte. .
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allen Stufen der senatorischen Karriere anerkannt; es wurde freilich durch die faktische Selbstbindung des Monarchen an die entwickelten Normen der Lautbahn gemildert.43 Nicht nur der individuelle Status des einzelnen Senators, sondern wesentlich auch die Stellung der gesamten Familie bestimmte sich nach der jeweiligen Laufbahn, ähnlich wie auch in der Zeit der Republik. Nur brachten nunmehr neben dem Konsulat vor allem die Funktionen im unmittelbaren kaiserlichen Dienst den größten Macht- und Prestigegewinn und schufen damit die Einordnung und Bewertung einer Familie, während andererseits sogenannte Senatsämter, die ja ebenfalls grundsätzlich zur Disposition des Princeps standen, im allgemeinen eher zu einer weniger hohen Einschätzung führten.44 Dabei stellt sieb freilich die
berechtigte Frage, ob und wie weit diese Differenzierung des ordo senatorius für die größere Öffentlichkeit überhaupt von Bedeutung war oder ob damit nicht ein rein inneres, für die Gesamtgesellschaft in Rom bzw. den einzelnen Städten unwichtiges Phänomen zu greifen ist. Diese Frage ist bisher in der Forschung noch nicht untersucht worden, doch vermitteln Einzelaussagen vor allem in den
wortreicheren epigraphischen Zeugnissen des Ostens den Eindruck, daß zumindest bei den führenden munizipalen Familien eine Resonanz auf die unterschiedliche Einstufung festzustellen ist.45 Über die Intensität der Wirkung ist damit noch nichts gesagt. Die Frage nach der Regelung des Zugangs und der Übernahme einzelner öffentlicher Funktionen stellt sich beim ordo equester in ganz anderer Weise. Die im wesentlichen freie Disposition des Kaisers über die verschiedenen militärischen und zivilen Ämter, in denen Personen mit ritterlichem Status eingesetzt wurden, ist unbestritten. Die Forschung bat aber noch nicht zu einer einheitlichen Meinung darüber gefunden, wie die Qualifikation des einzelnen Mitglieds des ordo
equester erfolgte.46 Grund dafür ist die Unsicherheit, wer überhaupt zu diesem ordo zu zählen ist; nämlich entweder alle diejenigen, die ein Mindestvermögen von 400.000 Sesterzen vorzuweisen hatten, oder nur der engere Kreis derjenigen, die
durch einen speziellen Akt. sei es die Verleihung des goldeneo Rings oder des Staatspferdes, zu equites Romani geworden waren. Die Aussagen dazu in den Quellen sind nicht völlig konsistent; doch spricht die größere Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Vermögensqualifikation (natürlich neben der freien Geburt und dem römischen Bürgerrecht) eine zwar notwendige, aber nicht hinreichende 43 Vgl. dazu oben 54 ff.
44 Zuletzt dazu Alföldy, Konsulat 33 ff.; Leunissen, Konsuln und Konsulare 54 ff. 45 Vgl. etwa IGR Ill 500; D. 1 105. 1133. J 134; Inschr. Ephes. Ill 710 b. 46 Siehe Literatur dazu oben Anm. 16. Dazu Demougin, L'ordre (Anm. 16) 73 ff.
232
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
Voraussetzung gewesen ist für die Übertragung des ritterlichen Ranges.47 In diesem Fall war schon die Globalzusammensetzung des ordo equester der Ent scheidung des Kaisers Ubertragen, wenngleich in der Praxis das Suffragiumwesen eine noch größere Rolle gespielt haben muß als beim ordo senatorius. Alles deutet daraufhin, daß auch die ritterlichen Funktionen im militärischen oder zivilen kaiserlichen Dienst im allgemeinen nur an die vergeben wurden, die bereits vorher ritterlichen Status erreicht hatten. Formal gesehen folgte also auch hier das Amt auf die soziale Qualifikation. Doch scheinen die Fälle, in denen dieser Status verliehen wurde, um bestimmte Personen amtsf altig machen zu können, nicht selten gewesen zu sein. Die Ernennung ritterlicher Amtsträger erfolgte weitgehend durch den Kaiser selbst.48 Lediglich in einem schmalen Bereich scheint zumindest noch bis in den Anfang des 2. Jh.s hinein eine gewisse Eigeninitiative und Entscheidungsbefugnis der Inhaber hoher (kaiserlicher) Ämter bestanden zu haben. Denn sowohl ritterliche Militärtribunate bei den Legionen als auch die Posten der praefecti
fabrum, adiutores und subprocuratores sind offensichtlich von Konsuln, Provinz statthaltern, Präfekten und Prokuratoren selbständig vergeben worden;49 ob eine kaiserliche Bestätigung und formelle Einweisung trotzdem nötig war, läßt sich mit den verfügbaren Mitteln nicht klären. Ähnlich wie bei den Senatoren entwickelte sich auch innerhalb der Gruppe der ritterlichen Amtsträger eine nicht geringe Differenzierung auf Grund der verschiedenen Funktionen; da aber keine unterschiedlichen aus Ämtern ableitbaren Benennungen wie Quästorier, Prätorier, Konsular
zur
Hand waren
-
fast alle
ritterlichen Amtsinhaber trugen ja die Bezeichung Prokurator -, wurden die Grenzen nach den Gehaltsgruppen gezogen: sexagenar, centenar, ducenar, trecenar (abgekürzt: LX, C, CC, CCC). Was aber ursprUnglieh nur als eine finanzielle Spezifizierung innerhalb des kaiserlichen Dienstes gemeint war, diente bald auch als ein Prestigekennzeichen, wie es bereits das Ernennungsschreiben Mare Aurels für einen Prokurator der Provinz Narbonensis zeigt; dort wird vom splendor
ducenariae procurationis gesprocheo.50 Und man hat sich keineswegs gescheut,
47 Siehe dazu zuletzt Fr. Vittinghoff, in: Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bd. I, hg. Fr. Vittinghoff, Stuttgart 1990, 222 ff. 48 A.R. Birley, Locus virtutibus patefactus?, Opladen 1992. 49 ln AE 1939, 60 heißt es deshalb von Sex. Attius Suburanus Aemilianus: adiutori
Vibi Crispi leg. Aug. pro pr. in censibus accipiendis Hispaniae citerioris, adiutori Juli Ursi praef annonae, eiusdem in praefect. Aegypti; die genannten Bezugspersonen
waren diejenigen, die ihn in der jeweiligen Funktion eingesetzt hatten. Vergleichbares findet sich bei Senatoren; siehe z.B. CIL IX 2335 D. 961 AE 1990, 222. 50 AE 1962, 183. Schon Suet., Claud. 24, 1 spricht von dignitas d11cenaria. =
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Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
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das, was ursprünglich Gehaltsgrenzen bezeichnet hatte, auch in Ehreninschriften unter Statuen oder sogar in Grabinschriften zu publizieren.5 1 Erst später wurden in Analogie zum senatorischen geschaffen:
clarissimus-Titel
auch eigene Rangbezeichnungen
vir egregius, perfectissimus, eminentissimus.52 Diese Dreiteilung ist
ein Hinweis auf die größere Disparität der amtlichen Macht der ritterlichen Funktionen und entsprechend auch des sozio-politischen Gewichts der Träger, während die einheitliche senatorische Titulierung noch als Reflex auf die zumindest geforderte aristokratische Gleichheit verstanden werden darf. Diese Statusmarkierungen waren freilich bei Rittern in weit umfassenderem Maß auf das einzelne Individuum beschränkt, weil zumindest in offizieller Form die Familie
keine äußeren Symbole übernehmen konnte, während bei Senatoren auch Frauen und Kinder den Rangtitel tragen durften.53 Es leiteten sich aber auch nicht wie bei den Senatoren längerfristige, auf die nachfolgenden Generationen sich erstreckende Normen ab, da der ritterliche Status nicht vererbbar war, sondern grundsätzlich erneuert werden mußte. Dadurch war die soziale Position in erheblich größerem Umfang immer wieder von der Entscheidung des Kaisers abhängig und durch sie beeinflußbar. Dasselbe gilt schließlich in umfassendem Maße für die kaiserlichen Freige lassenen (und Sklaven). ihre Existenz als römische Bürger und ihren besonderen Status verdanken die
Augusti Liberti der
kaiserlichen Entscheidung, auch wenn
wesentliche Teile bzw. sogar die gesamte Freilassung wegen der großen Zahl der Betroffenen so formalisiert gewesen sein dürfte, daß der Kaiser als Person zumeist überhaupt nicht mehr unmittelbar beteiligt gewesen ist. Vielleicht waren das Lebensalter, die Dienststellung sowie der Ersatz der Person des Freizulassenden durch einen anderen Sklaven die notwendigen Voraussetzungen für die Freilassung, die dann 'regelmäßig' von dem jeweiligen Vorgesetzten durchgeführt
wurde.
Die kaiserlichen
liberti standen jedenfalls
ebenso zur vollen Verfügung ihres
Patrons wie die Sklaven zur Verfügung ihres kaiserlichen Herrn. Wie die Er gänzung der gesamten Statusgruppe vor sieb ging und welche Wege es dazu gab, läßt sich nicht in allen Einzelheiten festlegen. Doch dürfte im Verlauf des 1 . Jh.s
5I Z.B. AE 1979, 506: [M. Aurjel(io) Tuesi[ano ...] ... a ducen(is) [provinc(iarum) Syriae] Coel(es) et Span(iae) B[aeticae]; D. 1433: L. Mussio Aemiliano ... praef(ecto) vehiculorum trium prov(inciarum) Gall(iarum) Lugdunens(is) Narbonens(is) et Aquitanic(ae) ad (sestertium) LX ... ; D. 1388: Sex. Cornelio ... Hrmorato ... proc. sexagenario prov. Mesopotamiae, e(gregiae) m(emoriae) v(iro) .. . 52 0. Hirschfeld, Die Rangtitel der römischen Kaiserzeit, in: Kleine Schriften, Berlin
1913, 646 ff. In diesem Band 100 ff. 53 F. Kolb, Zur Statussymbolik im antiken Rom, Chiron 7, 1977, 239 ff.
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
234
die Selbstergänzung durch Geburt innerhalb der Sklavenschaft immer häufiger gewesen sein bzw. die Ersetzung durch vicarii.54 Wenn ein Freigelassener des Marcellus Aeseminus sich unter die kaiserlichen liberti einreihte, potentiae causa, wie Plin. nat. hist. 12, 1 2 berichtet, muß man darin jedoch keineswegs einen Ein zelfall sehen. Wie weit man von einer echten Lautbahn der kaiserlichen Freigelassenen (und Sklaven) sprechen kann, ist in der Forschung sehr umstritten, wenngleich bei den
liberti auf Grund der konkreten Beobachtung der Versetzungspraxis bestimmte Erwartungen innerhalb der Freigelassenen bestanden haben müssen. Mit Sicher heit war diese Lautbahn jedoch noch weniger verfestigt als die prokuratorische.55
Eine stärkere soziale Differenzierung lediglich auf Grund einer Amtshierarchie läßt sich bei den liberti kaum feststellen, obwohl sie auch dort wegen der strukturellen Ähnlichkeiten zum Ritterstand existiert haben muß. Es fehlen jedenfalls alle 'Rangtitel', die über die konkrete Funktion hinaus erworbenes Prestige in forma lisierter Weise sichtbar gemacht hätte. Von noch größerem Gewicht war vielmehr bei ihnen die Nähe oder Ferne zur Person des Kaisers; der unmittelbare Zugang zum Kaiser schuf informelle Macbt56 und konnte sich in Einzelfällen bis zur Gewährung von Statussymbolen auswirken, die üblicherweise mit der juristischen Personalstellung nicht vereinbar waren. Die zu Beginn erwähnte Verleihung der
ornamenta praetoria an Pallas ist die äußerste sozio-politische Konsequenz gewesen.57 Symptomatisch für die über das Vertrauen des Kaisers gewonnene Position ist die Übernahme von äußeren gesellschaftlieben Formen der führenden Kreise. Ein weiteres Beispiel aus der Nomenklatur der Freigelassenen soll dies verdeutlichen. Der Freigelassene M. Antonius Nobilis wird nicht etwa M(arci)
libertus, sondern Pallantis l(ibertus) genannt,58 also nicht anders als ein libertus der großen senatorischen Familien der julisch-claudischen Zeit. Pallas, der
54 Vgl. allgemein Weaver, Famiüa Caesaris 137 ff. 200 ff. Zum Problem der Selbster gänzung jetzt auch E. Herrmann-Otto, Ex ancilla natus: Untersuchungen zu den hausgeborenen Sklaven und Sklavinnen im Westen des römischen Reiches, Stuttgart 1994, 99 ff. 55 Boulvert, Esclaves et affranchis (Anm. 28) passim; dazu G.P. Burton, JRS 67, 1977, 163 ff.; G. Boulvert, La carriere de Tiberius Claudius Augusti libenus Classicus (AE 1972, 574), ZPE 43, 1981, 3 1 ff. Vgl. auch in diesem Band 105. 56 Siehe dafür als Beispiel den Erwerb von Bezugsrechten für Wasser in Rom durch kaiserliche Sklaven und Freigelassene; dazu in diesem Band 251 ff. 57 Vgl. ferner die völlig ungewöhnliche Verleihung von militärischen Auszeichnungen an einen kaiserlichen Freigelassenen, D. 9505; vgl. auch W. Eck, Neros Freige lassener Epaphroditus und die Aufdeckung der Pisollischen Verschwörung, Historia 25, 1976, 381 ff. 58 ClL XIV 2833. '
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Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
235
dominierende Freigelassene von Kaiser Claudius, hatte bei der Statusmarkierung mit den großen senatorischen Familien gleichgezogen. Die an sich notwendige sozio-politische Konsequenz wäre die Überwindung der Diskrepanz zwischen Teilhabe an der Macht und gesellschaftlicher Minderein schätzung gewesen. Doch war der Widerstand, der sich aus Tradition, wirt schaftlichen Interessen und Mentalität speiste, so groß, daß es zu einer Art negativer Orientierung seit der Zeit des Claudius kam. Die formelle. und regelmäßige Anerkennung der politisch-administrativen Macht in den Händen der kaiserlichen Freigelassenen durch eine von den führenden Kreisen allgemein akzeptierte Überwindung der Statusgrenze vom Freigelassenen zum Freigeborenen war, zumindest in größerem Umfang, nicht möglich,59 noch weniger die
un
mittelbare Einordnung der freigelassenen Funktionsträger in das gesellschaftliche Gefüge entsprechend ihrer Teilhabe an der Macht. Damit war auch eine schnelle und unmittelbare Veränderung der Sozialstruktur der führenden Gruppen auf dem Weg über die von Freigelassenen beherrschte kaiserliche Administration un möglich. In der Realität drangen zwar, wie teilweise nachweisbar, nicht wenige Nachkommen von Augusti
libeni in den Ritterstand und später auch in den Sena
torenstand ein.60 Aber sie adaptierten dabei offensichtlich Wertmaßstäbe und Verhaltensweisen der höheren ordines, womit auch keine wesentliche Veränderung im Denken dieser Gesellschaftsgruppen eintreten konnte. Sich zu ihrer familialen Vergangenheit betont zu bekennen und daraus Konsequenzen zu ziehen, hätte vermutlich zu gesellschaftlichem Ausschluß geführt. Unter diesem Aspekt ist eine weitere Tatsache von Bedeutung. Obwohl immer stärker die Ergänzung von innen her, d.h. durch die Kinder kaiserlicher Sklaven, die automatisch auch Sklaven des Kaisers wurden, den Bestand der kaiserlichen Sklaven und Freigelassenen aufrechterhielt, kam es nicht zu einer Weitergabe von Macht und Prestige von einer Generation zur anderen. Kaiserliche Sklaven konnten ohnehin rechtlieb von ihren natürlichen Eltern, die inzwischen vielleicht kaiserliche liberti geworden waren, weder Vermögen noch Macht und gehobenes Sozialprestige übernehmen, die Kinder kaiserlicher Freigelassener aber waren
59 Eines der seltenen Beispiele findet man in D. 1740; in diesem Fall handelt es sich
um den freigelassenen Erzieher von Kaiser Verus, dem später ritterlicher Rang und prokuratorisehe Ämter verlieben wurden. Zu Rittern, die selbst vorher Freigelassene gewesen waren oder einen libertus zum Vater hatten, vgl. Demougin, L'ordre equestre (Anm. 16) 650 ff. und W. Eck, Ordo libertorum, ordo equitum Romanorum: Freige lassene und ihre Nachkommen im römischen Ritterstand, in: L'ordre equestre: histoire d'une aristocratie, hg. S. Demougin (im Druck). 60 Siehe die Listen bei Eck, Ordo libertorum, ordo equitum Romanorum (Anm. 59). Das methodische Problem besteht freilich darin, die Nachkommen solcher Freigelassenen in unserem prosopographischen Material zu erkennen.
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
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ihrerseits wiederum, weil sie selbst weder servi noch Liberti Augusti waren, nicht in der Lage, nochmals im selben Rahmen administrative Macht zu erhalten und damit einen intergenerationeBen Aufwärtstrend zu erzeugen. Denn die Übernahme einer entsprechenden administrativen Stellung erforderte den richtigen Sozial status, eben als
servus oder libertus Augusti.
Damit konnten gerade die Mecha
nismen nicht ausgenutzt werden, die zumindest im 4. Jh. für eine Macht- und Prestigeakkumulation bei neuen Familien und damit auch für eine soziale Veränderung verantwortlich waren; damals rekrutierte sich das Subalternpersonal weitgehend aus Freien. Besonders an kaiserlichen Freigelassenen wird deutlich, welchen Einfluß der
kai erliche Dienst auf die individuelle gesellschaftliche Position gewinnen konnte.
Der Zugang zum Machtträger war operationalisierbar. Dies galt grundsätzlich für jede Person, unabhängig von ihrem sonstigen juristischen und sozialen Status. In der Formulierung Ovids:
quis se Caesaribus notus non fingit amicum?
"Wer
macht sich nicht, wenn er nur mit der Familie der Caesares bekannt ist, zu ihrem Freund?"61 Aber der Gewinn innerhalb der Gesellschaft war grundsätzlich prekär, konnte beim Wechsel des Machthabers, insbesondere bei einem gewaltsamen Tod, sogar den vollständigen Verlust der erreichten Position bedeuten. Dies traf auf die
amici Augusti62
nicht weniger zu als auf die
liberti Augusti.
Doch stand das
Ausmaß des individuellen Verlustes in direktem Verhältnis zu dem Gewicht, das der Bezug zur kaiserlichen Macht für den Einzelstatus gewonnen hatte. Ein Konsular, der seineo Einfluß als
amicus Augusti verlor,
bewahrte dennoch im
allgemeinen, wenn es nicht zu seiner physischen Vernichtung kam, seinen senatorischen und konsularen Rang - für sich oder zumindest für seine Familie; für einen Ritter war im allgemeinen der Rang der Familie bedroht, ein kaiserlicher
libertus
aber fiel wohl unter solchen Umständen in die absolute Bedeutungs
losigkeit und damit auch in die gesellschaftliche Nichtachtung zurück.63 Je stärker der Einzelstatus und seine konkrete gesellschaftliche Ausformung durch den Bezug zum Kaiser bedingt war und je weniger er durch personenunabhängige Kriterien, gewissermaßen 'institutionell'. nämlich durch akzeptierte soziale Normen, abge sichert war, desto unsicherer mußte er sein, und desto weniger konnten, langfristig gesehen, dadurch gesellschaftliche Wirkungen erzielt werden. Diese fast absolute Abhängigkeit gilt freilich im späten 1 . und 2. Jh. immer weniger für die Masse der kaiserlichen Freigelassenen. Da ihre Zahl ungeheuer 6 l Ovid. ex Ponto 1, 7, 2 1 . 62 Dazu in diesem Band 9 ff. 63 J. Gaudemet, Note sur les amici principis, Romanilas-Christianitas. Fs. J. Straub, ,
Berlin-New York 1982, 42 ff.
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
237
angeschwollen war, verminderte sieb der persönliche Bezug; der einzelne kaiserliche libertus galt zumeist nicht mehr als das persönliche Geschöpf seines Patrons, sondern als Teil der fast personenunabhängigen kaiserJjcben Macht. Äußeres Kennzeichen dafür ist wiederum eine Veränderung in der Nomenklatur. Während unter Augustus und seinen unmittelbaren Nachfolgern nicht selten der freilassende Herrscher in der Patronatsangabe genau mit seinem Namen bezeichnet wird und bei der Nennung des Namens von Augustus bzw. Claudius auch die Tatsache der Divinisierung immer wieder erscheint, verschwinden solche Bezeichnungen seit der flavischen Zeit fast völlig. "Der Freigelassene" wurde in der Formulierung Heinrich Chaotraines "vom libertus eines bestimmten Kaisers zum kaiserlichen Freigelassenen schlechthin".64 Der Lockerung des persönlichen Bezugs für die Masse der kaiserlichen liberti entsprach aber auch ihre weit geringere Möglichkeit, die persönliche Stellung zu stärken und daraus Prestige und Einfluß bei anderen zu gewinnen; die persönliche Stellung des Einzelnen hatte zwar in der stärkeren lnstitutionalisierung der Administration ihre Sicherung gefunden, aber den Bezug zur eigentlichen Machtquelle häufig verloren. 3. Römische Sozialgeschichte der Hohen Kaiserzeit muß entscheidend unter
dem Gesichtspunkt der lokalen Einheiten, in erster Linie der Städte, gesehen werden und nicht nur unter dem globalen Gesichtspunkt des gesamten Reiches.65 Denn wenn auch gewisse Strukturmerkmale reichsweit gegolten haben, so sind doch nicht wenige Kriterien für die Bestimmung des sozialen Status der einzelnen Personen bzw. der Familie aus den jeweiligen lokalen Gegebenheiten erwachsen. Man braucht nur Stichworte wie Rechtsstellung der Gemeinde, Größe des Zentralortes und des Territoriums, Wirtschaftsformen, kulturelle Traditionen zu nennen.66 Weitgehend sind solche Fragen noch nicht im einzelnen untersucht, für manche Gegenden oder Städte ist dies auch gar nicht möglich, da vielerorts ausreichendes Quellenmaterial fehlt. Die Wirksamkeit der genannten und ähnlicher Faktoren kann trotzdem nicht in Abrede gestellt werden. Daß zu diesen Faktoren auf der lokalen Ebene auch der Einfluß zu zählen ist, den der kaiserliche Dienst ausübte, bedarf keines Beweises. Senatorische und ritterliche Amtsträger wurden immer stärker aus allen Gebieten Italiens und der Provinzen rekrutiert, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Kaiserliche
64 Chantraine (Antu. 7) 28.
65 VgJ. vor allem Fr. Vittinghoff, HZ 230, 1980, 31 ff.
ders., in: Civitas Romana (Anm. 6) 231 ff. 66 Stark betont von Vittinghoff, Handbuch (Anm. 47) 175 ff. =
238
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
Freigelassene und Sklaven waren reichsweit tätig.67 Um die Wirksamkeit des kaiserlichen Dienstes auf die lokale Sozialstruktur abzuschätzen, müßte man eigentlich die jeweiligen örtlichen Bedingungen in Rechnung stellen. Doch können für unsere Zwecke allgemeingültige Voraussetzungen erfaßt werden, die mit der Tätigkeit im kaiserlichen Dienst und eventuellen rechtlichen und faktischen Sonderstellungen gegeben waren. Jedes Mitglied einer munizipalen Familie schied mit dem Übergang in den ordo
senatorius rechtlich gesehen aus seiner bisherigen Gemeinde aus.68 Vielfach ist
dies freilich zu absolut gesehen worden, da der rechtliebe Aspekt nicht in die Form eines Verbots der Mitwirkung an den Angelegenheiten der eigentlichen patria gekleidet war, so daß zahlreiche faktische Bindungen weiter bestanden.69 Ein wesentlicher Teil des Landbesitzes jedes Senators blieb innerhalb des Territoriums der Herkunftsgemeinde; damit waren zumindest gelegentliche Besuche dort verbunden mit entsprechenden Konsequenzen für den sozialen Kontakt.70 Natürlich wurde ein Teil des dort erwirtschafteten Erlöses nicht mehr dem Markt innerhalb der ehemaligen Heimatstadt zugeführt; doch erforderte normalerweise der Ankauf von Land in Italien, was Traian von allen neuen Senatoren aus den Provinzen erzwungen hatte, die Veräußerung von 1/3 des Besitzes in der alten Heimat, der mit Wahrscheinlichkeit in die Hände anderer führender Familien der jeweiligen Gemeinde übergegangen sein dürfte. Damit ergab sich notwendiger weise ein gewisser wirtschaftlicher Ausgleich. Speziell in Italien, aber auch im Osten ist die Übernahme städtischer Ämter, insbesondere im kultischen Bereich bis in den Anfang des 3. Jh.s hinein keineswegs selten, vielmehr weit häufiger als bisher angenommen. Noch zahlreicher sind die Zeugnisse für öffentliche Bauten und Stiftungen durch senatorische Familien, ebenso ist auch die konkrete
67 Siehe dazu Boulvert, Esclaves et affranchis (Anm. 28) passim; M. Wolf, Untersuchungen zur Stellung der kaiserlichen Freigelassenen und Sklaven in Italien und in den Westprovinzen, Diss. Münster 1965. 68 A. Chastagnol, Le problerne du domicile l�gal des senateurs romains ll l'�poque imperiale, in: M�langes L. Senghor, Paris 1976, 43 ff.; W. Eck, Zur rechtlichen Son destellung r des Senatorenstandes, Chjron 7, .1977, 365 ff. 69 W. Eck, Die Präsenz senatorischer Familien in den Städten des Imperium Romanum bis zum späten 3. Jh., in: Studien zur antiken SozjaJgeschichte, Festschrift für Fr. Vittinghoff, Köln 1980, 283 ff. = ders., in: Tra epigrafia (Anm. 7) 175 ff.; ders., Rome and tbe Outside World. Senatonal Families and the World tbey lived in, in: Roman Family Conference m. Space, Status, Sentiment, hg. 8. Rawson und P. Weaver, Oxford 1997, 73 ff. 70 W. Eck, Senatori e Ia loro provincia di origine. L'esempio della Betica, in: Tra epigrafia (Anm. 7) 2 1 3 ff. Zum italischen Grundbesitz senatorischer Familien in Kürze A. Andermahr, Senatorischer Grundbesitz in Italien im 1 . und 3. Jahrhundert n.Chr., Diss. Köln 1996 (erscheint in der Reihe Antiquitas, Bonn 1998).
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
239
Patronatstätigkeit für einzelne Bürger oder auch rue Gesamtgemeinde eine häufige Erscheinung. Plinius d.J. und Cornelius Fronto sind in ihren Beziehungen zu ihrer Heimatstadt Comum bzw. Cirta keine Ausnahmeerscheinungen,71 sondern lediglich auf Grund der Quellenlage besonders bekannt. Dem steht natürlich gegenüber,
daß die konkreten täglichen Entscheidungen nicht mehr von diesen
Familien gesteuert wurden, es sei denn, ein anderer Zweig derselben gens wäre in der Stadt geblieben. Dies ist im übrigen nicht selten gewesen. Manchmal mögen nach einigen Generationen der Zugehörigkeit zum Senat die Beziehungen dünner geworden sein, oder sie sind ganz abgebrochen, doch stehen dem generationen lange Bindungen gegenüber.72 Man wird somit davon ausgehen dürfen, daß viele
senatorische Familien in ihrer ehemaligen patria eine erhebliche soziale Potenz dargesteHt haben. Das wirkte sieb auch insoweit aus, daß sie wiederum als Bezugspunkt genommen wurden für die Bestimmung des Sozialstatus einzelner Personen; der Reflex dieser Tatsache ist z.B. in den epigraphischen Zeugnissen auf uns gekommen, die in den Genealogien von Mitgliedern der städtischen Gesellschaft bis ins Detail die Verwandtschaft mit senatorischen Familien aufführen, in geringerem Maß auch die mit ritterlichen Vorfahren. Ein neues Dokument aus Ephesus bringt diese Zusammenhänge für die Zeit von etwa bis zurück in die Mitte des
280
2. Jh.s n.Chr.73 Dabei zeigt sich die Übernahme rö
mischer sozialer Kriterien in den Städten der Provinzen gerade auch durch Einbindung eigener Mitbürger i n den kaiserlichen Dienst. Wenige der für die senatorischen Familien hier aufgeführten Erscheinungen treffen auf die Mitglieder des ordo equester zu. Rechtlich blieben sie Bürger ihrer Heimatstädte; dies hatte zur Folge, daß selbst auf der Ebene der Prokuratoren nur eine geringe horizontale Mobilität nachzuweisen ist. Das ergibt sich einmal aus der Konzentration der Zeugnisse für Ritter und ihre Familien in den Städten Italiens bzw. der Provinzen, nicht jedoch so sehr in Rom selbst.74 Andererseits
7 1 Vgl. etwa R. Duncan-Jones, The Economy of the Roman Empire, Cambridge2 1982,
17 ff.; E. Champlin, Fronto and Antonine Rome, Cambridge/Mass. 1980, 5 ff. 60 ff.
72 Dies ist beispielsweise auch daran zu erkennen, daß wir immer wieder senatorischen
Grundbesitz über mehrere Generationen in derselben Gemeinde nachweisen können. Siehe die Anm. 70 genannte Arbeit von A. Andermahr. 73 Inschr. Ephes. l l l 710 b; vgl. ferner IGR lJI 474. 500; lnschr. Ephes. ill 810: Ein Bürger von Ephesus beruft sich auf seine Verwandtschaft (Urenkel) mit lulius Candidus
consul iterum 105 n.Chr ; bei B. Dobson, Die Primipilares, Köln 1978, 232 Nr. 1 13 wird von L. Gavius Fronto betont, er sei erster und einziger primipilaris in Attaleia .
�ewesen.
4 Vgl. z.B. die Zeugnisse bei M.G. Jarrett, An Album of the Equestrians from North Africa in the Emperor's Service, Epigraphische Studien 9, 1972, 146 ff.; Dobson, Die Primipilares (Anm. 73) 121 ff. Deutlich ist das auch an den einzelnen lnschriften zu
240
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
läßt eine spezifische Quellengruppe der Hauptsadt t dies auch negativ erkennen, die sogenanntenfistulae aquariae. Auf diesen Wasserleitungsrohren wird jeweils auch der Name des Besitzers der Wasserleitung angegeben. Unter rund 300 Namen lassen sich etwa 184 nach ihrer sozialen Zugehörigkeit bestimmen. Die weit überwiegende Masse, nämlich l39, gehört dem ordo senatorius an, nur 20 dem ordo equester; es finden sich darunter aber immerhin 22 kaiserliche Freige lassene.75 Natürlich ergeben diese Zahlen keinerlei Verhältnisangaben; aber sie machen doch deutlich, wie sich der langdauernde Aufenthalt der senatorischen Familien in Rom auf den Erwerb von Hausbesitz ausgewirkt hat, während dies selbst bei Prokuratoren kaum festzustellen ist, geschweige denn bei anderen ritterlichen Familien. Dabei ist es keine Frage, daß Ritter im kaiserlichen Dienst ihre Heimatstadt und zumeist auch ihre Heimatprovinz verlassen haben - für mehr oder weniger lange Zeit. Während der Abwesenheit e re publica waren sie zwar von fast allen muni zipalen Verpflichtungen befreit, also der Pflicht zur Übernahme von honores oder von munera personalia; doch bezog sich die Befreiung überhaupt nicht auf die munera patrimonii, die selbst die Senatoren teilweise zu tragen hanen.76 Nach der Rückkehr aus den vom Kaiser übertragenen Funktionen entzogen sich jedoch, soweit dies nachprüfbar ist, die meisten Personen mit ritterlichem Status nicht den Aufgaben, die den führenden Familien der Städte zukam; viele hatten sie sogar bereits in sehr jungen Jahren vor dem kaiserlichen Dienst übernommen.77 Wenn der Eindruck der Quellen nicht täuscht, nehmen sie sogar im Kreis der Dekurionenfamilien eine herausragende Position ein. Nur ist unsicher, ob dies eine Folge des kaiserlichen Dienstes war oder ob nicht diese Stellung manchmal bereits vorher auf Grund des Ranges der Familie bestanden hatte. Eine Befreiung von munizipa1en Verpflichtungen, wie sie für Veteranen bezeugt ist,78 hat es
sehen, durch die bei S. Demougin, Prosopographie des chevaliers romains Julio Ciaudiens, Rom 1992, Ritter in Sädten t Italiens und der Provinzen bezeugt sind. 75 W. Eck, Die fistulae aquariae der Stadt Rom. Zum Einfluß des sozialen Status auf administratives Handeln, in: EOS I 197 ff. = in diesem Band 245 ff. 76 A. Stein, Der römische Ritterstand, München 1927, 432 ff.; Alföldy (Anm. 18) l l l (mit Literatur). Allgemein H. Horstkotte, Systematische Aspekte der munera publica in der römischen Kaiserzeit, ZPE I L I , 1996, 233 ff. 77 Siehe die vielen Zeugnisse, die sich bei Pflaum. Carrieres procuratoriennes equestres, ferner bei H. Devijver, Prosopographia militiarurn equestrium ab Augusto usque ad Gallienum, Leuven 1977 ff. finden. 78 Dazu H. Wol ff, Die Entwicklung der Veteranenprivilegien vom Beginn des l . Jh.s v.Chr. bis auf Konstantin d.Gr., in: Heer und lntegrationspolitik. Die römischen Militärdiplome als historische Quelle, hg. W. Eck - H. Wolff, Passau 1986, 44 ff.
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
241
nicht gegeben, nicht einmal für die Militärs, die den größten Teil ihres Lebens bei der Truppe verbracht und mit dem Primipilat ritterlichen Rang erhalten hatten.79 Sie blieben somit eingegliedert in die Gruppe der ratsf ähigen städtischen Familien bzw. sie erweiterten diesen Kreis, wenn sie über den kaiserlichen Dienst zu Rang und Vermögen gekommen waren. So hat Nero der Kolonie Antium einige der reichsten ritterlichen Offiziere zugewiesen.SO
Den Einfluß, den ein durch öffentliche Tätigkeit erworbener ritterlicher Rang auf die lokale Gesellschaft auszuüben vermochte, zeigt ein Brief des Epistrategen der Heptanomia an die Strategen des arsinoitischen Gaues in Ägypten aus dem Jahre 2 1 3 mit präziser Deutlichkeit: "Jedermann weiß, daß der vir egregius Titanianus durch unseren Herrn, den unbesiegbaren Kaiser Antoninus hoch geehrt wird. So rate ich euch, gegenüber seinen Verwandten sich mit Umsicht zu verhalten! "8 1 Im Gegensatz zu Senatoren und Rittern gehörten Sklaven und Freigelassene des Kaisers rechtlich zu keiner der lokalen Einheiten im Reich. Beziehungen, die sich zu Städten und deren Bevölkerung herstellten, waren zumeist unmittelbares Ergebnis oder längerfristige Folge amtlicher Tätigkeit oder ergaben sich, weil sie Grundbesitz auf dem Territorium der Städte erwarben. Nur gelegentlich konnte ein kaiserlicher Freigelassener eine Stadt als seine Heimatgemeinde (patria mea) bezeichnen wie etwa P. Aelius Onesimus Nacoleia in Pbrygien.82 Schon von daher grenzen sich die Möglichkeiten zu einer intensiveren Einflußnahme eng auf bestimmte geographische Räume ein. Nur dort, wo eine stärkere administrative Konzentration erreicht wurde, lassen sieb wirklich Spuren der Einwirkung fest stellen. Dies ist außer Rom die engere und weitere Umgebung der Hauptstadt in Mittelitalien, andererseits in den Provinzen vor allem die Städte, in denen bzw. in deren Nähe administrative Zentren lagen, also etwa Tarraco, Carthago, Lepcis Magna, Ephesus, Salona. Auch die Nähe großer kaiserlicher Güter oder Bergwerks- und Steinbruchsbezirke konnte sich auswirken. Eine irgendwie geartete rechtliche Sonderstellung hat freilich für kaiserliche liberti in den Städten des Reiches nicht bestanden; somit konnte sich daraus auch kein Anhaltspunkt ergeben, um ihnen eine bevorzugte Stellung in der lokalen Gesellschaft zu
79 Dobson, Primipilares (Anm. 73) 121 ff.
80 Suet., Nero 9. 8 J P. Gen. I ; Millar, Emperor2 (Anm. 26) 1 14.
82 CIL III 6998 D. 7196. Bezeichnenderweise verwendete er, obwohl Nacoleia eine griechische Polis war, die lateinische Sprache; so hatte er sein Testament abgefaßt, obwohl seine ursprüngliche Muttersprache Griechisch gewesen sein dürfte, wenn er wirklich aus Nacoleia stammte und nicht etwa patria nur in einem emotionalen Sinn verwendete. =
242
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
schaffen. Der Zugang ging vielmehr, wenn unsere sehr bruchstückhafte
Überlie
ferung nicht täuscht, über die informelle Macht der liberti und über ihre zum Teil erhebliche ökonomische Leistungsf ähigkeit, die im Kern nur über illegale, aber offensichtlich weit verbreitete Praktiken im administrativen Bereich erklärbar ist oder vielleicht über eigene wirtschaftliche Aktivitäten, bei denen ihnen wiederum ihre Stellung als kaiserliche
liberti
hilfreich sein konnte.83 Denn die normale
Besoldung hätte, obwohl sie im allgemeinen nicht ganz gering gewesen sein kann, kaum zur Akkumulation so großer finanzieller Mittel führen können. Es war gerade der Einsatz ihrer finanziellen Mittel, der es auch kaiserlichen Freigelassenen ermöglichte, innerhalb einzelner Städte persönliche, öffentliche
Anerkennung zu finden.84 Diese ging jedoch offensichtlich nicht über das hinaus, was auch für liberti von Privatpersonen möglich war, also Dedikationen von Statuen der Freigelassenen, Ehrensitze im Theater und schließlich die Verleihung der ornamenta decurionalia bzw.
duoviralicia; damit
war ihnen in der Öffentlich
keit ein Auftreten wie den Dekurionen und Munizipalmagistraten möglich.85 Doch der entscheidende Schritt, unmittelbar Mitglied des städtischen Führungs kreises zu werden, war auch ihnen verwehrt;86 erst die Söhne von kaiserlichen Freigelassenen finden sich häufiger im Kreis der Dekurionen,87 ohne daß dies freilich grundsätzlich als Ergebnis der Stellung des Vaters zu erweisen wäre. Wie 83 G. Boulvert. Domestique et fonctionnaire sous Je Haut-Empire romain, Paris 1974, 200 ff. 216 ff.
84 Siehe z.B. den Ehrenbeschluß der Stadt Veii für C. lulius Augusti libenus Gelos (D. 6579):
qui omni tempore municip(ium) Veios non so/um consilio et gratia adiuverit, sed eriam impensis suis et perfiliwn sutlm celebrari voluerit. 85 Boulvert (Anm. 83) 222 ff. Es ist dabei auffallend, wie gering insgesamt Ehren
inschriften für kaiserliche Freigelassene in den Städten des Reiches sind. Unter insgesamt 377 Texten für kaiserliche liberti und servi bei D. 1474- 1850 finden sich insgesamt nur 5 ; alle anderen Texte sind Grabinschriten bzw. Dedikationen. - Ausge sprochenes Oberschichtenverhalten ist etwa bei Cleander zu beobachten (Dio 72, 12,
3-5). Festzuhalten ist auch, daß die beschriebene Sirualion erst eine Folge der Konsolidierung der monarchischen Herrschaft war. In der Übergangsperiode, während des Triumvirats und zu Beginn der Alleinherrschaft des Augustus waren die Möglichkeiten der Freigelassenen der Machthaber noch wesentlich größer. Exemplarisch ist dafür das Ehrentor, das die beiden Freigelassenen des Agrippa,
Mazaeus und Mithridates fUr Augustus und Livia sowie für Agrippa und Iulia, also zwischen 22 und 12 v.Chr., in Ephesus errichteten, womit sie gleichzeitig sich selbst
durch die Nennung ihrer Namen in der Mitte der Bürgerschaft von Ephesus etablierten. S äler wäre dies kaum mehr möglich gewesen. 8 Zumindest sind unsere Zeugnisse über munizipale Ämter äußerst selten; vgl. D. 5186: ein /iberllls als augur; SEG 29, 465: ein liberrus als Bouleut in Delphi. Die Mindereinstufung gegenüber den Dekurionen zeigt sich etwa in D. 6839 hinsichllich der Beteiligung beim Empfang von Sporteln: kaiserliche liberti nach den Dekurionen,
f
aber vor den lokalen Augustalen.
87 Boulvert (Anm. 83) 323 ff.
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
243
eingeschränkt jedoch ihre öffentliche Stellung in den lokalen gesellschaftlichen Bereichen immer geblieben ist, zeigt das fast völlige Fehlen von kaiserlichen
liberti unter den Stadtpatronen. Nach einer Zusamrrienstellung aus dem Jahre 1957 waren für die ersten drei Jahrhunderte der Kaiserzeit mehr als 600 Patrone aus den senatorischen und ritterlichen ordines sowie der Munizipalaristokratie im Westen des Reiches bezeugt. Aber nur drei Gemeinden erwählten nach diesem Quellen material kaiserliche Freigelassene als Patrone.88 Die Ursache dafür ist nicht Einflußlosigkeit gewesen, vielmehr blieb der Status der unfreien Herkunft als grundsätzlich trennende Barriere bestehen und zeigte seine Wirkung.S9 Über den informellen Einfluß, den manche Städte wohl genutzt haben, ist damit freilich nichts gesagt. Versuchen wir abschließend zu einem Urteil darüber zu kommen, wieweit von dem engen hier behandelten Bereich des kaiserlichen Dienstes Wirkungen auf die sozialen Strukturen im
imperium Romanum
ausgegangen sind. Dabei braucht
nicht eigens betont zu werden, daß andere Faktoren wie die Verleihung des römischen Bürgerrechtes an Peregrine, vor allem an viele Tausende von Auxiliarsoldaten in jedem Jahr, die Ansiedlung von Veteranen oder Städtegrün dungen sehr einschneidend gewirkt haben und teiJweise sogar die Voraussetzung für die Entwicklung des kaiserlichen Dienstes gewesen sind. Das Drängen lokaler und provinzialer Eliten auf Teilhabe an der Herrschaft, die Belohnung von loyalen Anhängern in Bürgerkriegen sowie die Notwendigkeit, den militärisch administrativen Bereich auszubauen, erforderte im Verlauf des
1. und 2. Jh.s eine
Ausweitung der Rekrutierungsbasis für Senatoren und Ritter auf Italien und die meisten Provinzen. Doch ist der quantitative Umfang der Familien, die in die Reichsführungsschicht einrückten, vor allem im Verhältnis zur Gesamtzahl der Städte des Imperiums nicht als sehr gewichtig anzusehen. Aus vielen Städten, insbesondere den weniger romanisierten und urbanisierten an der Donaufront sowie in Gallien - Germanien - Britannien, ist überhaupt niemand bis in sozia-politische Spitzenfunktionen
vorgedrungen.90 Durch reichsweite Teilhabe an den
politischen, administrativen und militärischen Funktionen wurde aber ohne
88 F. Engesser, Der Stadtpatronat in Italien und den Westprovinzen des römischen
Reiches bis Diokletian, Diss. Freiburg 1957, 191. 202. 213. 222 ff.; Boulvert (Anm.
83) 223. 89 Vgl. etwa die zahlreichen Ehrungen für L. Licinius Secundus, den Freigelassenen des
dreimaligen Konsuls Licinius Sura. Ehrungen durch Gemeinden selbst sind selten, Patron einer Stadt ist er nicht geworden; Eck, in: Tra epigrafia (Anm. 7) 167. 90 Vgl. die Beiträge von A.R. Birley, W. Eck und J. Sasel, in: EOS ll 531 ff. 539 ff. 553 ff. Siebe aber auch in diesem Band 279 ff.
244
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst
Zweifel die allgemeine Integration gefördert, andererseits römische Struktur elemente in die lokalen Gesellschaften übertragen, da ein großer Teil der kaiserlichen Funktionsträger in ihre Herkunftsstädte eingeordnet blieb, entweder faktisch oder faktisch und rechtlich. Dies bedingte in den lokalen Bereichen normalerweise eine erkennbare und wirksame Differenzierung, auf der Ebene des Reiches jedoch eine Angleichung unterschiedlicher Gesellschaftsformen. Das Kaisertum wirkte dabei, und zwar im wesentlichen unabhängig von den einzelnen Herrscherpersönlichkeiten und langfristig gesehen, als dynamisches Zentrum, das die Entwicklung einerseits in Richtung auf Ausweitung und Angleicbung und andererseits auf Differenzierung vorantrieb. Es hielt jedoch weiterbin an den sozialen Normen der senatorischen Aristokratie fest, so daß insbesondere ein mehrfacher Statuswechsel vom Peregrinen über den römischen Bürger bis zu ritterlichen und danach senatorischen Ämtern bzw. vom Sklaven über den Freigelassenen zur Aufnahme in einen ordo innerhalb einer Generation nur in Ausnahmefällen möglich wurde.91 Damit war aber der nötige Zeitraum geschaffen, der es den im kaiserlichen Dienst Stehenden erlaubte, in die traditionellen römischen und aristokratischen Vorstellungen und Werte hineinzuwachsen. Nicht zum wenigsten dadurch ist für die Hohe Kaiserzeit der Anschein einer relativen Statik der gesellschaftlichen Situation bedingt.
allgemein zum Problem K. Hopkins Elite Mobil ity in thc Roman Empire, in: Past and Presence 32, 1965, 1 2 ff.; Eck, Ordo libertorum, ordo equitum Romanorum (Anm. 59).
9l Vgl.
,
DIE FISTULAE AQUARIAE DER STADT ROM. ZUM EINFLUß DES SOZIALEN STATUS AUF ADMINISTRATIVES HANDELN In seiner Beschreibung der Wasserversorgung Roms kommt Frontin, curator
aquarum unter Nerva und Traian, auch auf die 'gute alte Zeit der Republik' zu sprechen, als Wasser mehr oder weniger nur für die Öffentlichkeit in die Stadt geleitet wurde, nichtjedoch für den privaten Verbrauch: "In den alten Zeiten wurde aJies Wasser nur für öffentliche Zwecke verwendet ... Daraus wird ersichtlich, um wieviel wichtiger unseren Vorfahren die Sorge um den gemeinsamen Nutzen war als um private Vergn ügu n gen . " ' Mit dem Anwachsen der zur Verfügung
stehenden Wassermenge stieg jedoch die Zahl der privaten Wasserbezieher; besonders Agrippa bat dazu in großem Maß beigetragen. Nach dessen Tod hat Augustus die Regelungen seines Schwiegersohnes übernommen, die dadurch den Charakter kaiserlicher beneficia erhielten.2 Hier bereitete sich das Verfahren vor, daß nur noch mit Genehmigung des Kaisers selbst Einzelpersonen die Erlaubnis erhielten, aus den aquae publicae Wasser für ihre privaten Zwecke zu beziehen. Noch die Iex Quinctia vom Jahr 9 v.Chr. hatte zwar für diese Genehmigungen die Kuratoren als zuständig bezeichnet;3 Frontin aber geht ganz selbstverständlich davon aus, daß der Kaiser die Bewilligung ausspricht. Erst die epistula des Herrschers an den Antragsteller wird dem Kurator überbracht, der dann das Weitere veranlaßt.4 Wann es zu dieser Änderung gekommen ist, wird nirgendwo über liefert; sie sollte aber spätestens mit Claudius, vielleicht schon unter Augustus eingetreten sein.s Trotz des vorzüglichen und mehr als reichhaltigen Wasserangebots in der Hauptstadt des Reiches hat es niemals den direkten Anschluß an das öffentliche Wassernetz für Jedermann gegeben. J. Carcopino hat dies in eindringlicher Weise
1 Front., de aqu. 94, 3. 5: apud antiquos omnis aqua in usus publicos erogabattlr ... ex quo manifestum est quanto potior cura maioribus communium utilitatium quam privatarum voluptatium fuerit. Die Übersetzung aus: Sextus lulius Frontinus, curator aquarum. Wasserversorgung im antiken Rom, bg. Frootious Gesellschaft e.V., München4 1991, 104.
2 Front., de aqu. 99, 3.
3 Front., de aqu. 129, l l ; dieselbe Regelung findet sieb im s.c. vom Jahr I I v.Chr.: Front., de aqu. I 06, I . 4 Front., de aqu. 103, 2 . 105, I . 109, 6. 5 Bereits Augustus übernimmt dje Genehmigungen Agrippas auf seinen Namen, Front., de aqu. 99, 3: tota re in sua Paris 1976, 623 f.
beneficia translata; dazu auch P. Veyne, Le pain et le cirque,
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
246
dargelegt.6 DennOC.h ist der Kreis der privaten Wasserbezieher nicht klein gewesen; denn von den
9955 Quinarien Wasser, die innerhalb der Stadt verteilt werden
konnten, gingen 3847, fast 40% der Gesamtmenge,7 an private Benutzer.S Für die Zeit der Republik kennzeichnet Frontin deren Kreis sehr klar mit
principes
civitatis, führende politische Persönlichkeiten, denen per Volksbeschluß dieses privilegium gewährt wurde.9 Für die spätere Zeit aber verzichtet Frontin aufjeden genauen Hinweis, wer eine solche private Zuleitung erhielt. Immerhin läßt sich aber aus seinen zahlreichen Bemerkungen über mißbräuchliches Anzapfen der Leitungen entnehmen, I O daß nicht alle, die direkt in ihr Haus oder auf ein Grundstück Wasser leiten wollten, auf legalem Weg dazu in der Lage waren. Das war allein schon deshalb unmöglich, weil der
größere Teil aller Wasserausflüsse
ununterbrochen bei Tag und Nacht in Betrieb war. Damit aber war die vetfügbare Wassermenge trotz des gewaltigen Volumens bald erschöpft. Jeder Kurator konnte auf Grund der Eintragungen in den amtlichen
commentarii absehen, wann das für
den privaten Verbrauch vorgesehene Quantum aufgebraucht war und dann konnten neue Konzessionen nicht mehr vergeben werden. 1 1 Damit stellte sich die Frage, auf welche Art der 'Mangel' verwaltet und aufgeteilt werden sollte. Ein egalitäres Prinzip eines Rechtes auf einen geson derten Wasserbezug hat weder in Rom noch offensichtlich in anderen Gemeinden des Reiches existiert, weder in der Republik noch seit Augustus. Deshalb werden ja auch bezeichnenderweise die Genehmigungen seit dem ersten Princeps unter den
beneficia des Herrschers geführt, und in einem kurzen epigraphischen Text aus der severischen Zeit wird erklärt, das Wasser werde
ex indulgentia Augustorum
bezogen.12 Damit verengt sich die Frage darauf zu eruieren, wer in der Lage war,
6 J. Carcopino, Rom. Leben und Kultur in der Kaiserzeit, hg. E. Pack, Stuttgart2 1979,
65 ff. 7 Front., de aqu. 78, 3. Die Umrechnung der quinaria auf moderne Maßeinheiten ist nicht mil voller Sicherheit möglich, da der Wasserzufluß nicht nur vom Querschnitt der Leitungen, sondern wesentlich von der Fließgeschwindigkeit abhängig ist. Diese ist jedoch nicht genau genug bekannt. 8 'Private Benutzer' ist so zu verstehen, daß Einzelpersonen oder auch mehrere zusam men das Recht erhielten, Wasser in ihr Haus bzw. auf ihre GrundstUcke in einer eigenen Leitung zu führen. Nicht miteinbegriffen ist dabei das Überlaufwasser aus den Brunnen, das fUr gewerbliche Zwecke abgeleitet werden durfte. 9 Front., de aqu. 94, 6. 1° Front., de aqu. 103, 4. 130; vgl. ferner die illegalen Praktiken der aquarii: 105, 3. 1 10, 2. 1 1 2, 2 f. 1 14, I . 1 1 Front., de aqu 109. 1 2 CIL XV 7879. 7772: ex liberal(itate) imp. Antonini (beide Male handelt es sich dabei wohl um Leitungen fUr eine Stadt, nicht fUr eine Privatperson). .
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
247
einen Antrag an den Kaiser zu richten und ihn von det Notwendigkeit seiner Bitte zu überzeugen. Von vomeberein ist dabei ein voll bürokratisches, unpersonales Verfahren auszuschalten. 13 Es war, obwohl dies moderner Vorstellung entspräche, wohl kaum möglich, etwa in der statio aquarum einen Antrag einzureichen, der sodann über den Prokurator sowie den Kurator bearbeitet worden wäre. Weder hätte dies dem üblichen römischen Verwaltungshandeln entsprochen noch ließe es sich mit den Ausführungen Frontins vereinbaren. Denn wenn üblicherweise Anträge in schriftlicher Form über den Kurator an den Kaiser weitergereicht worden wären, könnte man kaum verstehen, weshalb der Antragsteller die Zustimmung des Herrschers, schriftlich fixiert in einer epistula, an den Kurator überbringen mußte. 14 Vielmehr wäre dann wohl ein Rücklauf des Antrags zum Kurator auf dem 'Dienstweg' zu erwarten. ln den Provinzen ist solches durchaus bekannt. Somit ist eine unmittelbare Übergabe des Antrags an den Kaiser vorauszusetzen, entweder persönlich oder durch eine andere Person, die dazu in der Lage war. Damit aber war ein entscheidendes Element im gesamten Verfahren, wer Zugang zum Kaiser gewann bzw. über Mittelspersonen in der Nähe des Kaisers verfügte.15 Daß schon unter diesem Aspekt der Kreis der Wasserbezieher einer nicht nur quantitativen, sondern auch 'qualitativen' Selektion ausgesetzt war, liegt auf der Hand. Diese allgemeinen, mehr theoretischen Aussagen können jedoch durch die Heranziehung epigraphischen Materials konkretisiert werden: durch die zahlreichen
fistulae aquariae, die in Rom gefunden wurden.16 Diese Quellen sind bisher noch nie in solchem Zusammenhang ausgewertet worden.17
13 Vgl. dazu allgemein Miliar, Emperor 213 ff., 313 ff.; ferner W. Williams, The Publi cation of Imperial Subscripts, ZPE 40, 1980, 283 ff. mit der berechtigten Zurückwei sung neuzeitlicher Formen des administrativen Schriftverkehrs bei A. D'Ors und F. Martin, AJPh 100, 1979, 1 1 1 ff. Vgl. auch in diesem Band 1 1 0 ff. 14 Front., de aqu. 105, l : qui aquam in usus privatos ducere volet, impetrare eam
debebit et a principe epistulam ad curatorem adferre.
1 5 Siehe dazu im breiteren Kontext Eck, Italien 22 f. Konkrete Beispiele etwa in Festschrift Youtie, Bonn 1976, 437 ff. oder bei W. Williams, Latomus 38, 1979, 79. 1 6 Die Masse dieses Materials findet sich, gesammelt von Dresse!, in CIL XV 7235 ff. Eine größere Sammlung aus Rom ist sodann von C. Pietrangeli, Epigraphica 13, 1951, 17 ff. publiziert worden (nur zum Teil in AE 1954, 61 ff. übernommen). Hinzu kommen noch gelegentliche Einzelveröffentlichungen. Eine weitgehend vollständige Material sammlung wurde von Nikolaus Welsch in einer Saarbrücker Staatsarbeit vorgelegt. In der vorliegenden Erörterung wird nur auf diefistulae eingegangen, die aus Rom bzw. der unmittelbarsten Umgebung stammen, nicht jedoch auf die aus den um Rom liegenden Städten wie Gabii, Praeneste, Tibur, Ostia (CIL XV 7735 ff.). Denn in diesen Fällen ist der Bezug des Wassers auch aus nicht-öffentlichen Leitungen durchaus gegeben. Siehe
Diejistulae aquariae der Stadt Rom
248
Zwei methodische Voraussetzungen sind dabei freilich nötig: Einmal ist vorauszusetzen, daß alle privaten Leitungen in Rom den Namen des Berechtigten tragen mußten, somit keine Leitungen vorhanden waren, bei denen nur unsignierte
fistulae Verwendung ftnden konnten; sodann aber muß angenommen werden, daß für die privaten Zuleitungen stets fistulae aus Blei und nicht aus Ton benutzt wurden. Denn eine Signierung von Tonröhren in derselben Art wie bei den
fistulae plumbeae ist m.W. nicht bezeugt. Nun ist es auffällig, daß Frontin nur ein einziges Mal von tubuli spricht, l8 also von Tonröhren; dabei handelt es sich ganz offensichtlich noch um Abschnitte der Wasserleitungen, die zu den Verteiler bauten hinführten, an denen die privatenfistulae angeschlossen wurden; soweit er von privaten Zuleitungen spricht, verwendet er nur den Ausdruck fistulae .19 Somit scheint also die eine Voraussetzung zuzutreffen. Andererseits waren wohl die Aufschriften auf den Bleiröhren sowohl amtlicherseits gefordert als auch im eigenen Interesse des Bezieher notwendig. Dies gilt zumindest für die ersten 50 Fuß vom Wasserkastell aus gerechnet. Denn dafür bestand eine bindende amtliche Vorschrift genauso wie für die Wasserdüse im castellum selbst.20 Die Aufschriften kennzeichneten aber sicher nicht oder zumindest nicht nur das Kaliber der Rohre, sondern vor allem den Besitzer des Leitungsstranges. Wenn also mit erheblicher Wahrscheinlichkeit alle oder jedenfalls die große Masse der privaten Wasserbezieher jemals auf denfistulae genannt gewesen waren (zumindest auf den ersten 50 Fuß der Bleirohre), dürfen wir das vorhandene Material wohl als entsprechend repräsentativ für eine auch statistische Auswertung ansehen. Zeitlieb verteilen sich die noch erhaltenenjistulae auf mindestens fünf Jahrhunderte, von der Regierung des Augustus bis zur Ostgotenherrschaft unter Theoderich.21 Für
jetzt auch die umfassende und wichtige Arbeit von Chr. Bruun, Water supply, der auch einiges neues inschriftliche Material beisteuert. 1 7 Vgl. W. Eck, Gnomon 50, 1978, 384. Bruun, Water supply 63 ff. behandelt auch diese Frage. 18 Front., de aqu. 129, 4. 19 Front., de aqu. 106, 2. 112, 5. 1 13, 2. 1 15, 3. 2° Front., de aqu 1 12. 106, 2. Meines Wissens sind signierte calices überhaupt nicht erhalten geblieben. Zumindest die fistulae, die unmittelbar vom Wasserkastell weg führten, mußten aus Blei gewesen sein. Das bezeugt das augusteische edictum de aquaeductu Venafrano (FIRA P Nr. 67): ne ea aqua ... aliter quam fistulis plumbeis .
d(um)t(axat) ab rivo p(edes) L ducatur. 21 Nachweisbar voraugusteische fistulae sind nicht erhalten. CIL XV 7521. 7522
könnten nach Dresse! vielleicht aus früherer Zeit stammen. Dieses Urteil Dresseis beruht jedoch nur auf den Buchstabenformen, die gerade bei diesem Typus von Inschriften als Basis einer Entscheidung unsicher sind.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
249
unsere Erörterungen soll das spätantike Material, das ohnehin nicht sehr umfangreich ist, ausgeschlossen werden. Insgesamt stehen zur Auswertung rund 299 Namen zur Verfügung, die zum größten Teil einzeln auf denfistulae erscheinen, manchmal werden jedoch auch zwei oder drei gleichzeitig genannt.22 Einige Male erscheinen auch Namen im Plural, wie etwa lunii, Larciani, Suetrii; dann sind zumindest zwei Personen Bezieher von Wasser gewesen.23 In erheblichem Umfang ist die Zuweisung des Sozialstatus sehr einfach, da entweder die Namen so eindeutig lauten und die Personen auch anderweitig bekannt sind, daß an der Identifizierung oder zumindest an der Zuweisung zu einer bestimmten Familie nicht zu zweifeln ist, etwa bei den Senatoren T. Avidius Quietus, Volusius Saturninus, Vibius Crispus24 oder auch bei C. Stertinius Xenophon, dem Leibarzt des Kaisers Claudius.25 Seit etwa dem Ende des 2. Jahrhunderts werden den Namen der Wasserleitungsbesitzer auch die Rangbezeichnungen
wie
c.v., c.f, c.p., e.v.,26 in seltenen Fällen auch
unmittelbare Amtsbezeichnungen hinzugefügt, wie bei Opellius Macrinus, praef
praetorio unter Caracalla, oder bei M. Aurelius Julianus die Funktion a memoria.21 Schließlich sind auch zahlreiche kaiserliche Freigelassene unmittelbar als solche gekennzeichnet. Auf diese Weise werden von den 299 überlieferten Personen ca. 182 nach ihrem Sozialstatus eindeutig festgelegt. Übrig bleiben noch 1 1 7 Personen, die weder mit Sicherheit als Mitglieder des ordo senatorius bzw. des ordo equester noch als
liberti des Kaisers auszumachen sind. Nur zwei von ihnen sind insoweit zu bestimmen, als sie den Beruf eines Arztes ausübten, der schon genannte C. Stertinius Xenophon und ein KoqHXc i.aTpoc.28 Ferner gelingt es, noch eine weitere Person genauer einzugrenzen: A. Larcius Lydus.29 Als Nero im Jahr 68 von seiner Griechenlandtour zurückgekehrt war und seinen triumphalen Einzug in Rom veranstaltet hatte, bot ihm ein gewisser Larcius Lydus eine Million Sesterzen an, falls er wie in Hellas auch in der Hauptstadt als Sänger mit der Lyra auf der Bühne erschiene. Nero lehnte das finanzielle Angebot ab, da er, wie er betonte, Amateur sei. Dem Wunsch aufzutreten, gab er a.llerdings nach.30 Dieser
22 Die Zahl der zugrundeliegenden fistulae ist damit geringer als 299. 23 Diese Fälle werden bei der Auswertung allerdings einfacb gezählt. 24 CIL XV 7400. 7564. 7568. 25 CIL XV 7544. 26 Z.B. CIL XV 7514. 7525. 7529; Bull.com. 69, 1941, 192 72, 1946/8, 185. 27 CIL XV 7505. 7403. 28 CIL XV 7569 IGR XI 1788. Vgl. M. Heil, ZPE I 19, 1997, 295 f. 29 Epigraphica 13, 1951, 21 Nr. 2 1 . 30 Dio 63, 2 1 , 2 ; vgl. PfR2 L 96. =
=
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
250
durch die Notiz bei Cassius Dio bekannte Larcius Lydus ist nun ohne Zweifel identisch mit dem auf einer fistula aquaria bezeugten A. Larcius Lydus, ein Text,
der 1951 von C. PietrangeH publiziert wurde. Gleichzeitig wurde auch eine
weitere fistttla veröffentlicht, die den Namen A. Larcius Macedo trug.31 Zwei Personen dieses Namens sind bekannt: der eine, Senator prätorisehen Ranges, starb unter Traian, der andere, sein Sohn, gelangte unter Hadrian nach 122 n.Chr. zum Konsulat.32 Der Prätorier der traianischen Zeit ist durch einen plinianiscben Brief etwas näher bekannt;33 Plinius schildert die Ermordung des Larcius Macedo durch die eigenen Sklaven - ohne besonderes Mitleid menen Standesgenossen: "Er war als
für den ums Leben gekom
Herr überbeblieh und grausam, der sich
zuwenig oder vielmehr allzusehr daran erinnerte, daß sein Vater noch als Sklave gedient hatte."34 Alle drei Zeugnisse: Cassius Dio, die fistula aquaria un d Plinius beziehen sich auf eine Person, womit Larcius Lydus, der Nero eine Million Sesterzen anbot und Besitzer einer privaten Wasserzufuhr war, damals den Status eines
Libertus besaß.35 Er ist der einzige nichtkaiserliche Freigelassene, der auf den
fistulae aquariae
mit Sicherheit auszumachen ist. Grundsätzlich ist damit
aber
erwiesen, daß auch diese Personenkategorie nicht absolut ausgeschlossen war. Nur sollte man gleichzeitig nochmals auf den Reichtum des Larcius Lydus hinweisen.
Er hat Nero mit der einen Million Sesterzen nicht sein gesamtes Vermögen angeboten. Käuflich aber waren in Rom nicht nur Stellen i n der kaiserlichen
Administration,36 sondern auch Bezugsrechte für Wasser. Lydus aber hat aufjeden FaJI ein legales Wasserrecht erworben, wie die Signierung derfistula beweist.
Besondere Umstände haben bei Larcius Lydus eine nähere Bestimmung erlaubt,
doch darf man unter den anderen, nicht identifizierbaren Wasserbeziehern noch weitere
liberti vermuten;
Namen wie M. Publicius Nieeros oder Iulius Eutactus
deuten beispielsweise darauf hin.37 Doch sind solche Namen nicht häufig. Am
AE 1954, 66: auf dieser fistula war außer A. Larcius Macedo noch eine zweite Person genannt; denn EI am Ende ist wohl als et zu lesen; vgl. Eck, ZPE 42, 1981, 246 A. 106. 32 PIR2 L 97 und 98. 33 Plin., ep. 3, 14. 34 Plin., ep. 3, 14, I: superbus alioqui dominus et saevus, et qui servisse patrem stwm
3 1 Epigraphica 13, 1951, 2 1 Nr. 22
�arum,
=
immo nimium meminisset.
5 In PIR2 L 96 wird kein Verwandtschaftsverhältnis des Lydus mit der späteren senatorischen Famme hergestellt; L 97 wird jedoch vermutet, daß der Vater des Larcius
Macedo libertus von A. Larcius Gallus, dem Vater des nachmaligen Senators A. Larcius Lepidus Plarianus, sein könne. Dafür besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit. 36 Dazu W. Eck, Der Einfluß korrupter Praktiken auf das senatorisch-ritterliche Beför derungswesen in der Hohen Kaiserzeit?, in: Korruption im Altertum. Konstanzer Sy mposium Oktober 1979, hg. W. Schuller, München 1982, 135 ff. 31 CIL XV 7516. 7473.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
251
zahlreichsten dürften sich noch nicht erkennbare kaiserliebe Freigelassene hinter den Namen verbergen; denn die Träger kaiserlicher Gentilizien sind unter den Nichtidentifizierten nicht wenige,38 aber zumindest in zwei Fällen fehlt bei bekannten Personen die Statusbezeichnung Augusti libertus.39 Auch in anderen Fällen könnte diese vergessen oder weggelassen worden sein. Schließlich findet sich in der Gruppe der nicht näher bestimmbaren Wasserleitungsbesitzer eine große Anzahl von Personen, die vom Namensgefüge her am ehesten einer senatorischen Familie zuzuordnen sein müßten, ohne daß dies im einzelnen nachgewiesen werden kann. Dazu gehört beispielsweise M. Acenna Cesillanus, der wohl mit der Familie des M. Acenna Saturninus, procos. Baeticae, in Verbindung gebracht werden kann.40 Damit ergibt sich folgende Verteilung nach dem Sozialstatus:41 Angehörige des ordo senatorius:
139
(ca. 47%)42
Angehörige des ordo equester:
20
(ca. 6%)
kaiserliche Freigelassene:
22
(ca. 7%)43
38 ClL XV 7376; Bull.com. 69, 1941, 191 Nr. 27; 30, 1902, 210; C[L XV 7404. 7406 (kein Libertus, wenn die Datierung Dressels: Ende I. Jahrhundert, zutrifft). 7407. 7408. 7409. 7410 f. 7425. 7426. 7457. 7470. 7473. 7479. 7480. 39 Aelius Dionysius in CIL XV 7369 ohne Augg. lib. ; diese Bezeichnung aber in XV 7370-73. Antonia Caenis, liberta von Antonia minor, wird Bull.com. 36, 1908, 54 Nr. 2 AE 1908, 231 ohne Aug. I. genannt; der Zusatz jedoch in der Grabinschrift CIL VI 12037. Vgl. auch R. Friggeri, Rend. Pont. Ace. 50, 1977/8, 145 ff. 40 CIL XV 7367; vgl. PIR2 A 24. 4 1 Die zeitliche Verteilung ist nur sehr grob vorzunehmen, da kaum je genauer ermittelt werden kann, wann die Konzession erteilt wurde. Ln die Zeit von Augustus bis zum Ende des I . Jahrhunderts si.nd ca. 49, von Nero bis Commodus ca. 74, in die Zeit der Severer und das gesamte 3. Jahrhundert ca. 82 Personen zu datieren. Darin dürfte sich einmal die Tatsache spiegeln, daß seit Claudius und insbesondere seit Traian das Wasserangebot erheblich vergrößert und damit auch mehr Konzessionen vergeben wurden. Die Zahlen sind aber wohl auch ein Reflex der Überlieferungssituation; denn natürlicherweise war die Chance für die Erhaltung derfistulae der früheren Zeit geringer; vor allem aber wurde durch die großen Baumaßnahmen unter Nero, den Flaviem und unter Traian-Hadrian eine nicht geringe Anzahl von frühen fistulae zerstört. Solche umfangreichen Eingriffe erfolgten dann erst wieder seit dem 15. Jahrhundert. 42 Daß die Prozentzahlen keine exakte Repräsentativität abgeben können, bedarf wohl kaum einer besonderen Hervorhebung. 43 18 kaiserliche liberti, 2 mögliche liberti, zwei kaiserliche servi. Bruun (Water supply 77 ff.) beschäftigt sich speziell mit den kaiserlichen Freigelassenen und Sklaven, die auf den fistulae im Genitiv erscheinen. Er möchte zumindest bei einem Teil der Namen annehmen, sie würden auf denfistulae nicht deswegen erwähnt, weil die liberti Besitzer der Wasserleitung waren, sondern weil sie diese fistulae entweder in offizieller Funktion verlegen ließen, weshalb man die Texte als (sub cura) illius verstehen müsse, oder weil die liberti die Bleirohre herstellen ließen. Dies gelte auch =
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
252 Ärzte:
2
nichtkaiserliche Freigelassene: unter den nicht identifizierten Personen: 49
(ca. 16%)
Son stige (darunter 24 mit Kaisergentilizia): 66
(ca. 23%)
in senatorische Umgebung gehörig:
Bereits auf Grund struktureller und theoretischer Überlegungen war festgestelJt worden, daß eine kaiserliche Genehmigung für einen privaten WasseranschJuß im Wesentlichen davon abhing, wer entweder persönlich oder durch Mittelspersonen Zugang zum Herrscher gewinnen konnte. Damit stimmt all das, was über den Sozialstatus der tatsächlichen Bezieher zu ermitteln ist, ohne Zweifel überein. Gleichgültig, ob es sich um Angehörige des ordo senatorius bzw. ordo equester oder um kaiserliche Freigelassene handelt: ihnen allen ist grundsätzlich die Möglichkeit g;emeinsam, mit dem Herrscher relativ einfach in Kontakt treten zu können, ja teilweise gehören sie sogar dem engsten Personenkreis um den Träger der Macht an. Das können Senatoren wie T. Statilius Taurus, Sex. lulius Frontinus oder L. Fabius Cilo sei n ,44 praefecti praetorio wie Cornelius Repentinus oder Opellius Macrinus,45 aber auch kaiserliche liberti bzw. servi wie Narcissus unter Claudius, Amethystus, ein servus des Kaisersohnes Drusus, ein
praegustator oder Antonia Caenis, die Freigelassene der Antonia minor und spätere Quasigemahlin Vespasians.46 Noch deutlicher wird der Aspekt der kaiserlichen Nähe beim kaiserlichen Leibarzt Stertinius Xenophon47 oder bei Marcus
bei Namen anderer sozialer Konnotation. Im Detail kann hier nicht auf alle Argumente eingegangen werden. Doch scheint es methodisch nicht möglich, in fast allen Fällen den Genitiv als genitivus possessivus zu verstehen, bei den kaiserlichen Freige lassenen hingegen nicht, vielmehr bei ihnen zum Verständnis etwa (sub cura) zu 'ergänzen', und zwar nicht deswegen, weil der Text fragmentarisch erhalten wäre, sondern obwohl diese Worte nie geschrieben wurden. Hier werden deshalb alle kaiserlichen liberti, die im Genitiv erscheinen, als Besitzer von Wasserleitungen angesehen. 44 CIL XV 7542. 7474. 7447 f.; in 7451 ferner etwa T. Flavius Sabinus, wohl der Bruder Vespasians und Stadtpräfekt unter Nero; 7496: C. Licinius Mucianus, cos. J/1 und engster politischer Verbündeter Vespasians; 75 I 8: Quintilii Condianus und Maximus, konsulares Brüderpaar unter Antoninus Pius und Mare Aurel. 45 CIL XV 7439 (zur Person nunmehr G. Camodeca, Puteoli 3, 1979, 4 1 ff. und in: Gedenkschrift Pflaum, ZPE 43, 1981, 43 ff.); 7505. 46 CIL XV 7500 = D. 1666. 7383. 7585 (zur Vertrauensstellung der praegustatores zuletzt L. Schumacher, Epigr. Stud. 1 1, 1976, 1 3 1 ff.); AE 1908, 231. 47 CIL XV 7544.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
253
Cornelius Cossinus, einem engen Freund Neros.48 D.h. aber, bei der Entschei dung, wer als Privatmann Wasser aus den öffentlichen Aquaedukten auf seinen Besitz führen durfte, ging es zumindest häufig keineswegs, wie man es vom modernen Denken her vermuten könnte, um administrative Rationalität oder um die Notwendigkeit, unmittelbar Wasser etwa zur Versorgung einer Manufaktur zur Verfügung zu haben; vielmehr spielten neben der allgemeinen soziopolitischen Zugehörigkeit das persönliche Gewicht und der individuelle Wert, den der Antrag steller für den Kaiser selbst hatte, eine ganz entscheidende Rolle.49
Aus der obigen Zusammenstellung der identifizierten Wasserempfänger läßt sich noch eine weitere Erkenntnis ableiten. Auffällig ist nämlich der sehr geringe An tell der Mitglieder des ordo equester gegenüber denen aus dem ordo senatorius.50 Er ist etwas geringer als der der kaiserlichen Freigelassenen. Und doch braucht diese unterschiedliche Repräsentation angesicbts der rechtlichen und sozialen Gegebenheiten für beide Statusgruppen nicht zu verwundern. Jeder Senator, und das gilt auch für seine unmittelbare Familie, war zunächst faktisch, später aber auch rechtlich an Rom gebunden.51 Falls er sich nicht in amtlichem Auftrag in Italien und vor allem in den Provinzen aufhielt, war sein üblicher Lebensbereich 48 CIL XV 7490; Plin., nat. hist. 29, 93: Cossinum equitem Romanum amicitia
Neronis principis notum; PLR2 C 1538.
49 Nicht zu vergessen ist natürlich eine gewisse wirtschaftliche Potenz derer, die eine eigene Wasserleitung beantragten. Denn sie mußten offensichtlich die Kosten für die Zuführung, manchmal auch für den Bau eigener Verteilertanks selbst tragen; dies ist zu erschließen aus Front., de aqu. 106, I : quibus locis intra extra urbem apte castella privati facere possent. Doch ist die finanzielle Potenz nur eine generelle Voraussetzung; alleine war sie nicht ausreichend. 50 Die unterschiedliche Repräsentation des ordo senatorius und ordo equester in den Quellen ist insgesamt nie untersucht worden und kann auch nur partiell zu einem Ergebnis führen. Denn für den Ritterstand als Gesamtheit ist auf keine Weise die statistische Gesamtmenge zu ermitteln. Immerhin könnte man für einzelne Personengruppen ritterlichen Ranges zu einer tendenziell wohl richtigen Aussage kommen. Bei H. Devijver, Prosopographia militiarum equestrium quae fuerunt ab Augusto ad Gallienum, Leuven 1976-1993 werden insgesamt weit über 2000 ritterliche Angehörige im römischen Heer (unterschiedlichster Dienststellung) erfaßt. Allein tribuni militum aber müssen in den rund 290 Jahren von Augustus bis Gallienus bei einer geschätzten durchschnittlichen Dienstzeit von drei Jahren kaum weniger als 14.000 gedient haben. Der Anteil der bekannten tribuni militum liegt somit erheblich unter 10%. Bei den männlichen Angehörigen des Senatorenstandes aber wird man insgesamt vielleicht mit mehr als 50% in unseren Quellen rechnen dürfen, W. Eck, Chiron 3, 1973, 385 ders., in: Tra epigrafia 16. Aus leicht einsehbaren Gründen ist somit die Repräsentation der Senatoren unvergleichlich höher als die der Ritter. Für das hier untersuchte Material ist diese allgemeine Erkenntnis freilich ohne Einfluß, da der statistische Zufall für die gesamten fistulae der gleiche war, gleichgültig welchen so zialen Standes die Besitzer waren. 51 Dazu A. Chastagnol, in: Melanges L. Senghor, Paris 1976, 43 ff.; W. Eck, Chiron 7, 1977, 372 ff. =
254
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
im allgemeinen Rom bzw. die nähere Umgebung.52 Senatssitzungen sowie juristische und soziaJe Verpflichtungen machten seine Anwesenheit erforderlich, aber ebenso auch die seiner Familie.53 Einzelne mögen sich dem zwar immer wieder entzogen haben; doch galt dies keineswegs für die Mehrheit. Somit gab es für die meisten die fast zwingende Notwendigkeit, in Rom selbst bzw. in der allernächsten Umgebung Besitz zu erwerben, wo man ein standesgemässes Leben
52 Allerdings beinhaltet dies nicht die völlige Herauslösung der senatorischen
Familien aus der ehemaligen patria bzw. aus dem Lebensbereich anderer Selbstverwal tungseinheiten des Reiches, zu denen Beziehungen hergestellt wurden: W. Eck, Die
Präsenz senatorischer Familien in den Städten des Imperium Romanum bis zum späten
3. Jh., in: Studien zur antiken Sozialgeschichte (Festschrift Fr. Vittinghoff), Köln Wien 1980, 283 ff. = ders., in: Tra epigrafia 175 ff. Über die dort gesammelten Belege
hinaus kann man noch auf folgende Zeugnisse hinweisen: CIL V 879. 3341. 3407. 4364. 5814; Vl 1474; IX 343. 3666 Letta - D'Amato 88. IX 3893 = Letta - D'Amato 170 (?); X 49 = D. 6463. 524. 895 D. 6394; XI 571. 3610 (?). 5383; Eph. epigr. VIH 247; AE 1927, 172; 1945, 8 1 ; 1947, 40 (dazu Menella, Athenaeum 59, 1981, 205 ff.) 1947, 53 = 1976, 144; 1958, 137. 138; 1975, 428; 1976, 143. 180; Not.Sc. 1891, 216; ILAfr. 324; ILAig. Il 2, 4661 (dazu Duncan-Jones, JRS 70, 1980, 221 f.); IRTrip. 624; Reynolds, PBSR 10, 1955, 132; IG 112 2239. 3670. 3671. 3689. 3690; IGR I 438. 439; AJA 28, 1924, 443; SEG XXVII 305. 315. 369 (?); CRAI 1979. 400; Syll. Aul. 8260 (?). Zu M. Arruntius Claudianus: A. BaiJand, Fouilles de Xanthos, Tome VII, Paris 1981, Nr. 13. 14. 55. 56; zu Claudia Basilo: Müller, Chiron 10, 1980, 475; zu Matidius: Alföldy, ZPE 39, 1980, 255 ff.; zu Nonius Asprenas: Di Stefano, Tituli 2, 1980, 41 ff.; zu lulius Eurycles: Spawforth, Ann. Brit. School Ath. 1978, 252. Allgemein P. Miliar, A Study of Cassius Dio, Oxford 1964, 184 ff.; E. Champlin, Fronto and Antonine Rome, Cambridge - London 1980, 10 ff.; R. Syme, Some Arval Brethren, Oxford 1981, 78 ff. Siehe auch W. Eck, Rome and the Outside World. =
=
Senatorial Families and the World they lived in, in: The Roman Family: Status, Sentiment, Space, hg. B. Rawson - P. Weaver, Oxford 1997, 73 ff.
53 Zur Anwesenheit bei Senatssitzungen vgl. O'Brien Moore, RE Suppl. VI 766 f.; die
Tätigkeit vor Gericht galt einmal der Rechtsberatung, Verteidigung und AnkJage (z.B. Dio 54, 18, 3; 60, 30, 8; 74, 12, 2; Sen., de const. 17, I ; Quint., de inst. oral. 9, 4, 3 1 ; Plin., ep. I , 5, 4 ff.; 1, 18, 3. 6; 2, 14, I; dig. 3, 3, 52; IG X 2, 142), sodann aber
auch der Teilnahme an Geschworenenverfahren bzw. als Einzelrichter (Dio 52, 20, 5: 55, 3, 2; Sen., brev. vitae 17; Plin., ep. I, 20, 12; 6, 2, 6; 7, 6, 8; Front., de aqu. 10 I . I : aus einem s.c. vom J. l l v.Chr.; dig. 3 , I , I, 5 ; 48, 14, I, 4 ; Gaius I, 20; s.c. Calvisianum FIRA 12 4 1 1 ff.); dazu etwa K. Bringmann, Chiron 3, 1973, 235 ff.; 0. Behrends, Die römische Geschworenenverfassung, Göttingen 1970; ders., Gnomon 1976. 680 f.; H. Galsterer, Gött. Gel. Anz. 225, 1973, 40 ff. Zu Senatoren als arbiter CIL VI 1268; dig. 4, 8, 2 1 , 10. Die passive Teilnahme an Spielen verschiedenster Art wurde erwartet; ebenso waren kultische Verpflichtungen zu
erfüllen, einmal von den ordentlichen Mitgliedern der einzelnen Priesterschaften , wofür die Arvalen mit den erhaltenen Akten das deutlichste Beispiel sind, sodann aber auch von den Kindem und Frauen des ordo. Dies ist etwa den Fasri der salii Palatini und
Collini zu ent11ehmen {ClL VI 1977 ff.), den Akten der fratres Arvales, in denen die pueri patrimi et matrimi genannt werden (CIL VI 2059 ff. 2065. 2080. 2086. 2099. 2104. 2067. 32379); ferner die Akten der Saekularspiele {CLL Vl 32327; AE 1932, 70:
[pueri/ senatores item puellae mat[rojnae).
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
255
mit der Familie führen konnte.54 Die auf denfistulae aquariae bezeugten Namen spiegeln sehr deutlich diesen Tatbestand wieder. Neben einigen wenigen stadtrömischen, noch aus republikanischer Zeit stammenden Familien,55 sind alle Gegenden ltaJiens darunter vertreten,56 aber ebenso auch alle Provinzen, aus denen eine größere Anzahl von Senatoren gekommen ist, so etwa die spanische Halbinsel, Südgallien, Kleinasien, Syrien und das lateinische Nordafrika.57 Aber ebenso erscheint auch der Name des ersten Konsuls, dessen ursprüngliche origo Ägypten war,
P.
Aelius Coeranus.ss
Diese Voraussetzungen galten für die Masse des ordo equester, die normaler weise kaum über die ritterlichen Offiziersstellungen hinauskam, nicht;59 aber selbst der beschränkte Kreis derjenigen, die in die prokuratorisehe Laufbahn über
wechselten, fühlte zumeist keine Notwendigkeit, sich in Rom niederzulassen, zumal eine rechtliche Bindung für sie nicht bestand. Fast alle ritterlichen Familien waren vielmehr weiterhin mit ihren Heimatstädten eng verbunden, wohin man auch in den Zeiten zwischen den einzelnen Funktionen bzw. nach Abschluß seines cursus üblicherweise wieder zurückkehrte. Nur für eine geringe Zahl von Rittern mögen (einmal abgesehen von denen, die aus Rom selbst oder der Umgebung kamen) individuelle Gründe vorgelegen haben, die sie veranlaßten, sich in Rom fest niederzulassen, Hausbesitz zu erwerben und dann auch Wert auf eine eigene 54 Vgl. z.B. für Silius ltalicus Plin., ep. 3, 7, 6. Im einzelnen ist, insbesondere außer
halb Roms, natürlich nicht zu entscheiden, ob es sich um den Wohnsitz einer Familie handelt, oder um einen Gutsbezirk, der landwirtschaftlich genutzt wurde. 55 Etwa Cornelia, die Gattin des Volusius Saturninus (CIL XV 7441), und L. Calpurnius Piso, cos. ord. 57 (CIL XV 7513). 56 Z.B. T. Avidius Quietus (ClL XV 7400) aus Faventia; Numisia Procula (CJL XV 7459), wohl aus Attidium; T. Flavius Sabinus (CIL XV 745 1 ) aus Reate; Haterius Latronianus (CIL XV 7467) aus Fulginiae; Neratius Marcellus (AE 1906, 133) aus Saepinum; Rufii Festus, Marcellinus, Proculus (CJL XV 7525) aus Volsinii; Sex. Vitulasius Nepos (CIL XV 7565) aus Picenum. 57 Exempli gratia von der spanischen Halbinsel: L. Fabius Cilo (ClL XV 7447 f.); Domitia Lucilla (Bull.com. 29, 190 I , 94). Aus der Narbonensis: P. Martius Verus, P. Martius Sergius Saturninus und Publia Martia Sergia Fusca (CIL XV 7504. 7493); aus der Aquitania: M. Sedatius Severianus (CIL XV 7527; vgl. Nicolini, Gallia 37, 1979, 401. 404). Aus den kleinasiatischen Provinzen: Carminia Liviana Diotima (ClL XV 7424d); T. Flavius Vedius Antoninus (CIL XV 7456); Quintilii Condianus et Maximus (CIL XV 7518); L. Sergius Paullus (Bull.com. 69, 1941, 1 9 1 Nr. 34). Aus Syrien: C. lulius Avitus (CIL XV 7471); L. Aemilius Iuncus (CIL XV 7379). Aus Africa: M. Cornelius Fronto und Q. Cornelius Quadratus (CIL XV 7438); Sex. Cornelius Repentinus (CIL XV 7439; siebe dazu die in Anm. 45 genannte Abhandlung von G. Camodeca); M. Postumius Festus (CIL XV 7517); C. Septimius Severus (AE 1954, 72); Q. Servilius Pudens (CIL XV 7534); M. Servilius Silanus (CIL XV 7535). 58 CIL XV 7487. 59 Die ritterlichen Familien bildeten im allgemeinen den Kern der munizipalen Führungsschicht.
256
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
Wasserzufuhr zu legen. Bezeichnenderweise finden sich unter den recht wenigen Beispielen auch zwei praefecti praetorio, die neben ihrer Amtsstellung bereits das senatorische Rangprädikat c.v. auf denfistulae vermerken Jassen; sie sind damit faktisch bereits in den ordo senatorius mit seinen anderen Voraussetzungen übergewechseJtßO Kaiserliche Freigelassene sind in unserem speziellen Quellenbestand etwas stärker als die Ritter vertreten;61 und es ist sehr wahrscheinlich, daß sich unter den vielen lulii, Claudii, Flavii, Aelii und Aurelii noch weitere befinden, in deren Nomenklatur jedoch die 'Standesbezeichnung' nicht aufgenommen wurde. In der überwiegenden Zahl aUer Fälle wird über die Tatsache der Freilassung durch den Kaiser oder vielleicht die unmittelbare Nachkommenschaft noch in Dienst befmd
licher Freigelassener hinaus keine Angabe über die spezifische Tätigkeit gemacht, die dann etwas über die Stellung und damit auch über die Einflußmöglichkeit aussagen ließe. Die wenigen konkreten Bezeichnungen: procurator, praegustator, a
libellis, a rationibus, ab epistulis weisen jedoch auf die engere bzw. engste Umgebung des Kaisers.62 Daß sie, trotz des insgesamt weit geringeren Sozial status, etwas stärker als die Ritter vertreten sind, liegt neben ihrem wohl insgesamt größeren numerischen Umfang an ihrer relativen stabilitas loci, die Grunderwerb in Rom attraktiver und notwendiger erscheinen ließ.63 Es lohnt sich, auch die 139 bezeugten Mitglieder des ordo senatorius noch etwas näher zu betrachten. Die folgende Zusammenstellung kann die wichtigsten Ergebnisse deutlich machen: Senatoren insgesamt:
105
davon direkt als Konsuln bezeugt:
68
von den restlichen 36 gehören zu konsularen Familien:
15
60 Rein rechtlich gesehen hat dies natürlich nicht gegolten; vgl. zu den ornamenta consularia, auf die wohl der Titel c.v. zurückgeht, B. R6my, REA 78/9, J976n. 160 ff.
6J Vgl. dazu oben Anm. 43 zu der partiell anderen Interpretation von Bruun, Water
supply 77 ff. 62 AE 1948, 73 !Und CIL XV 7512: proc.; CIL XV 7585: praegusta(tor); CIL XV 7444: a libelli.s; CIL XV 7443: a ra[tionibus]; CIL XV 7500: ab epistulis. 63 Die Masse der lnschriften für kaiserliche Sklaven und Freigelassene (fast 75%) stammt allein aus der Stadt Rom, P.R. Weaver, Familia Caesaris, Cambridge 1972, 9; diese lnschriftenverteilung ist unmittelbarer Reflex des tatsäeblichen lokalen Ein satzes dieser Personengruppe, auch wenn dies natürlich nicht heißt, daß 75% von ihnen in Rom tätig waren. Die Inscbriftensetzung dürfte in Rom, vor allem in den großen Kolumbarien, aus denen vi.ele der Inschriften für kaiserliche servi und liberti kommen, intensiver sein als außerhalb.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
257
weibliche Mitglieder des ordo senatorius:
3464
davon gehören zu konsuJaren Familien:
25
Fast zwei Drittel aller auf denfistulae erscheinenden Senatoren sind selbst zum Konsulat gelangt;65 dies könnte man im Sinn eines erhöhten Einflusses dieser Familien deuten, zumal auch 25 clarissimae feminae von zusammen 34 eine konsuJare Verwandtschaft aufweisen. Doch wäre dieser Schluß vorschnell, da natürlicherweise in der gesamten Quellenmasse zum Senatorenstand die Personen überproportional vertreten sind, die einmal die Jasces geführt haben.66 Damit ist aber die Identifikation, insbesondere wenn sie nur auf Namensglei.cheit beruht, für diesen Kreis erheblich leichter. Andererseits wurde schon ausgeführt, daß
wahrscheinlich 49 weitere Personen, freilich nur auf Grund ihrer Nomenklatur, zum Senatorenstand gehören könnten. VermutJkh ist bei ihnen der Anteil der zu nichtkonsularen Familien gehörenden Senatoren erheblich höher, so daß sich das Verhältnis insgesamt etwas anders gestalten dürfte. Völlig wird freilich das Übergewicht der Inhaber des höchsten Ranges innerhalb des Senats und ihrer Familien nicht verschwinden. Das entspricht nur dem, was ohnehin wegen der gegebenen Einflußstrukturen und der längeren Tradition der konsularen Familien in der Stadt Rom selbst zu erwarten ist.67
64 Auffallend ist die erheblich größere Vertretung von Frauen senatorischen Ranges
gegenüber dem, was sich aus dem übrigen Quellenmaterial ergibt (W. Eck, Chiron 3, 1973, 381: ca. 17%). 65 Selbst wenn bei einigen wenigen Personen die Identifikation nicht zutreffen sollte, würde sich an den Zah.lenverhältnissen kaum etwas ändern. 66 W. Eck, Chiron 3, 1973, 388 f. = ders., in: Tra epigrafia 18 f.; G. Alföldy, Konsulat und Senatorenstand unter den Antoninen, Bonn 1977, I I ff. 67 Hinsichtlich der fistulae, und d.h. des privaten Leitungsrechts, ist zusätzlich zu betonen, daß zwar prinzipiell die Konzession beim Tod des Erwerbers verfiel (Front., de aqu. 107, l; 109). Aber faktisch dürfte eine Art Vererbung stattgefunden haben, woraus konsulare Familien einen gewissen Vorteil zogen (vgl. z.B. Sulpicius Camerinus, cos. suff 46 in CIL XV 7547 und AE 1953, 263 sowie seine Tochter Sulpicia Praetextata in CIL XV 7549). Auf solche Vererbbarkeil deuten auch die Fälle, in denen ein c/arissimus puerliuvenis, eine clarissima puella allein auf einer fistula erscheinen: CIL XV 7424 a; Not.Sc. 1898, 412; AE 1954, 73; vgl. auch eine h(onesta) p(uella) in CIL XV 7413. Teilweise wurde das beneficium bereits auch für die Kinder und die Ehefrau rniterworben, wie manche Beispiele zeigen: [R]ufiorum Festi patris et Mar[cel/]ini et Proculi filiorum ccc. vvv. (CIL XV 7525); Q. Aiacius Modestus Crescentianus und sein Sohn Censorinus Arabianus (CIL XV 7381); M. Postumi Festi et Paullae eius etfiliorum (CIL XV 7517). Nicht selten dürfte freilich bei einer Vergabe der Konzession an andere Bezieher keine neue Leitung gelegt worden sein, solange die schon vorhandene funktionierte. Dann war nur bei Reparaturen die Chance gegeben, daß auf einem Stück der Leitung der neue Besitzer genannt wurde (Dresse!, CIL XV 912 col. II). Wie weit dadurch die Überlieferung betroffen wurde, läßt sich nicht abschätzen.
258
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
Damit verwirklichte sich auch innerhalb des
ordo seTUltorius das Prinzip, das
sich im Hinblick auf die Gesamtbevölkerung Roms68 ergeben hatte: Der unmittelbare Anschluß an das Wasserversorgungsnetz der Hauptstadt war keineswegs bedingt durch objektive Notwendigkeiten, denen jeder in der gleichen
Form gerecht werden mußte. Dies wäre die moderne Denkweise. Übliche Voraussetzung war vielmehr die Intensität der Partizipation des einzelnen oder seiner Familie am soziopolitischen Ordnungsgefüge. Ausschlaggebend aber war das spezifische Nahverhältnis zum Kaiser.69
Listen der namentlich bekannten privaten Besitzer einer Wasserleitung in Rom Vorbemerkung: Die Listen führen alle mir bekannten Besitzernamen an, die auffistulae aquariae . innerhalb des Stadtgebietes von Rom erscheinen: Die räumliche Abgrenzung zwischen dem intra- und dem extraurbanen Gebiet erfolgte dabei wesentlich nach den Prinzipien, die Dressel seiner Gliederung in CIL XV zugrundegelegt hatte. Grundsätzlich wäre eine chronologische Anordnung der Listen wünschenswert.
Doch erwies sich dies als unpraktikabel, da i n zu vielen Fällen die Datierung zu unpräzis ist bzw., selbst wenn einer Person mit einem Amt ein präziser Fixpunkt zugewiesen werden kann, die Genehmigung der Konzession im einzelnen während
mehrerer Jahrzehnte erfolgt sein konnte. Soweit bekannt, werden bei jedem Namen der soziale Status, ein möglichst präzises Datierungselement (bei Senatoren z.B. das Jahr des Konsulats) und der Beleg angeführt. Verzichtet wurde auf den Fundort, da er in zu vielen Fällen unbekannt oder in den Fundberichten nur höchst aJlgemein angegeben ist (z.B.
via Flaminia).10 Die Frage nach der
68 Man wäre versucht, mit Hilfe der fistulae die genauen Siedlungsbereiche der Senatoren in Rom zu erkunden. Allein die Fundangaben fehlen häufig vollständig oder sind so unvollständig, daß daraus oft keine Schlüsse zu ziehen sind. Außerdem ergibt sich das Problem, daß nicht abzuschätzen ist, über wie lange Strecken die privaten Leitungen geführt wurden. Freilich sind die castella, aus denen das Wasser abgeleitet
wurde, so zahlreich gewesen, daß allzu lange Zuleitungen eher unwahrscheinlich sind. Die Gegend, in der der jeweilige senatorische Besitz lag, wird man somit, falls die
Fundumstände genügend präzis zu ermitteln sind, mH einiger Sicherheit angeben können. Siehe dazu die Anm. 71 genannte Arbeit.
69 Wie selbst für Senatoren die Vermittlung von
beneficia durch Personen, die dem Kaiser besonders nabestaoden, nötig war, sieht man gut an Plin., ep. 10, 2, I : Plinius schaltet lulius Ursus Servianus ein, um von Traian das ius trium libuorum zu erhalten.
70
Das Material ist jetzt größtenteils im Lexicon topographicum urbis Romae. hg.
M. Steinby, Bd. ll, Rom 1995, 22 ff. s.v. domus verarbeitet. Don finden sich auch, soweit bekannt. die topographischen Hinweise. Allerdings wird im LTUR das Material, das außerhalb der Aureliaruschen Stadtmauern gefunden wurde, erst im Zusammenhang mit dem Suburbanum bearbeitet.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
259
regionalen Verteilung der senatorischen Wohnsitze in Rom selbst kann zudem nicht allein auf Grund derfistulae aquariae untersucht werden, vielmehr ist dafür auch die literarische, epigraphische und archäologische Überlieferung heran zuziehen. Dies muß einer getrennten Studie vorbehalten werden.71 In der Spalte 'Sozialer Status' werden folgenden Abkürzungen verwandt: senatorische Familie
S K kF R
=
Konsul
=
konsulare Familie
=
Ritter bzw. ritterliche Familie
Name M. Acenna Cesillanus72 Aelia Athenais
Sozialer Status
Zeit
S?
2. Jh.
XV 7367
R; h(onesta)
Mitte 3. Jb.
XV 7377
Beleg
f(emina) Bull.com. 1902,
Aelia Crispina
210 Aelia Luci lla73
S?
Anf. 3. Jh. ?
XV 741 1
Aelia Marciana74
R?
Anf. 3. Jh. ?
XV 7407
P. Aelius Coeranus75
K
suff severisch
XV 7487
lib. AURR·
2. H. 2. Jh.
XV 7369 - 7373
Augustorum
2. H. 2. Jh.
XV 7374
Anf. 3. Jh. ?
XV 7375
Anf. 3. Jh. ?
XV 7376
Aelius Dionysius76 Aelius Maximus
libertus C. Aelius Pescennianus Aelius Ptolemaeus
S?
71 Siehe dazu jetzt W. Eck, Otium cum d.ignitate. Senatorial domus in Imperial Rome, SCI 16, 1997, 162 ff. 72 Cesillanus dürfte mit der Familie des M. Acenna Saturninus, procos. Baeticae, zusammenhängen; vgl. PIR2 A 24. 73 Obwohl ihr Name im Nominativ erscheint, dürfte es sich bei ihr nicht um eine Produzentin handeln; vgl. XV 7410 und die Bemerkung von Dresse! zur Inschrift. 74 ln den Akten der Saekularspiele von 204 wird eine Aelia Marciana als Gattin eines Ritters Cossin[ius---] angeführt. 75 Er ist entweder der cos. suff ca. 212 oder dessen gleichnamiger Sohn, cos. suff. ca.
220/230. 76 Zur Variationsbreite in den Datierungsmöglichkeiten bei kaiserlichen Freigelas senen vgl. Weaver, Antichthon 13, 1979, 86 ff.
260
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
T. Aelius Septimus
kaiserl. lib. ?
2. H. 2. Jh.
Bull.com. 1941, 191 Nr. 27
Aemilia Paulina
S; kF ?
2. Jh.
S?
l . H. 3. Jh. ?
K
cos. suff 127 ?78
XV 7379
Anf. 3. Jh.
XV 7381
suff. vor 209;
XV 7381
XV 7380
Asiatica M. Aemilius Aemi-
XV 7378 = D. 528
lianus77 L. Aemilius luncus Q. Aiacius Censorinus
kF;
Sohn des
fol�. Senators K
Q. Aiacius Modestus Crescentianus Ti. Alienus Caecina
ord. 11 228 kF
2. H. I . Jh.
XV 7382; Bull.com. 1907, 230 Nr. 3; Epigr. 1951, 20 Nr. 15
Amethystus
Drusi Caesar(is)
Tiberius
XV 7383
(servus) r---lrius Anicetus Aninia Seneci lla
XV 7574 S?
2. Jh. ?
Annaeus Succeslsusl
XV 7385
M. Annaeus Vicftor ?179 Annia Cornificia Faus-
XV 7384
2. Jh. ?
XV 7386
kF
Mitte 2. Jh.
XV 7442
K
suff. vor 224
XV 7387
tina80 L. Annius ltaiEcus Honoratus C. Annius Laevonicus
S;
c.v.
Maturus Appius Annius Marsus
Ende 2./
XV 7388. 7424
Anf. 3. Jh. s
2. H. 2. Jh.
XV 7389
77 Ob er mit dem späteren Kaiser identisch ist, bleibt umstritten, vgl. PIR2 A 330 und Dessau zur Insclhrift. Ein Aemilius AemHianus ist als ritterlicher Statthalter von Arabia im J. 28213 durch AE 1973, 550 bekannt; vgl. Eck, RE Suppl. XV 3. 78 Auch einer seiner Nachkommen könnte Besitzer der fistu/a gewesen sein. 79 Möglicherweise auch Produzent; vgl. Dresse!. 80 Entweder die Schwester Mare Aurels oder seine Tochter, PIR2 C 1505.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
L. Annius Maximus
K:
c.v.
A. Annius Plocamus81 S?
Antonia82
cos.
207
261
XV 7390
I. Jh. ?
XV 7391
I . H. I. Jh. ?
XV 7393
L{i/vi {··/(u xor) Antonia Caenis
kaiserl. Freige-
Vespasian
lassene; Konku-
Bull.com. 1908,
54 Nr. 2
bine Vespasians [···A]ntoninus
XV 7575 XV 7392
M. Antonius Emacrus flavisch
s
Sex. Appius Severus
Bull.com. 1907, 231 Nr. 6
R; e.v.
Anf. 3. Jh. ?
XV 7394
L. Asinius Rufus
S; kF ?
Traian
XV 7396
Aticius (?)83
Aug.
C. Apronius Crispinus
[···]Arescus
XV 7395 1.,
XV 7585
praegusta(tor) Attia CampaniUa
S;
c.f
Mitte 3. Jh. ?
Bull.com. 1941, 191 Nr. 28
P. Attius Oecianus
S;
kF ?
3. Jh.
kF
severisch
XV 7424. 7581
S; k F ?
I . H . 3 . Jh.
XV 7398
K
su ff. 93
XV 7400
3. Jb.
XV 7404
c.v.;
XV 7397
Felix Matutinus P. Attius Pudens84 Aufidia Cornelia
S;
c.f;
Valentilla85 T. AvidiusQuietus Aur(elia) Caelestina
S I Er kann nicht mit dem aus Plin., nat. hist.
6, 84 bekannten Pächter des maris Rubri identisch sein, da dieser ein P. Annius P1ocamus war (SEG XllJ 614; vgl. auch CIL X 2389). Zu ihm neuerdings ausfUhrlieh Camodeca, Puteoli 3, 1979, 23 ff. 82 Da die Art, wie die Besitzerin der Wasserleitung gekennzeichnet wird, sich beson ders in der I . Hälfte des I. Jh.s findet, ist die Person wohl auch in diese Zeit zu setzen. Wahrscheinlich Bezug zu den senatorichen Livii. 83 Die Lesung des Namens kann, da es sich offensichtlich um einen kaiserlichen Freigelassenen handelt, kaum zutreffen. 84 Vgl. dazu Eck, ZPE 37, 1980, 45 ff. 85 Auf Grund der Namenskombination Aufidia Cornelia wird sie möglicherweise auf die Verbindung von Aufidius Victorinus und Cornelia Cratia zurückgehen.
vectigal
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
262
Aurelia Dionysias
2. H. 3. Jh.
XV 7413
S; c.f
3. Jh.
XV 7414
S?
severisch
XV 7415
S; c.f
severisch ?
R; H(onesta)
p(uella) r?A]urelia Nemesiana Aurelia Severa86 [Aurel]ia Severiana
Bull.com. 1941, 191 Nr. 29
L. Aurelius Agaclytus
libertus des
Commod.
L. Verus; mit
nach 187
XV 7401. 7402
der Tochter Marc Aurels verheiratet M. Aurelius lllllianus
R; a memoria
Ende 2. Jh.
XV 7403
3. Jh.
XV 7404
(später praef
praet.) Aurelius Laches Aurelius Martialis
2. H. 2./3. Jh.
XV 7405; Epigr. 1951, 20 Nr. 16 XV 7406
M. Aurelius Maximus [M.] Aur(elius)
XV 7407
kaiserl. lib. ?
3. Jh. ?
(Aug. lib.)
Anf. 3. Jh.,
Bull.com. 1987/8,
vor 217
412 mit Anm. 13/4
Philetianus Aurelius Prosenes87 M. Aurelius Servandus
kaiserl. lib. ?
Ende 2. Jh. ?
XV 7408
M. Aure1ius Solanus
kaiserl. lib. ?
I . H. 3. Jh. ?
XV 7409
Aurelius Telesphorus
kaiserl. lib. ?
Anf. 3. Jh. ?
XV 7410. 741 1
AuR. lib.
2. H. 2./3. Jh.
XV 7412
Anf. 2. Jh. ?
XV 7416
I . H. 2. Jh. ?
XV 7417
Aurelius Thessalus Baronia lusta88 C. Bellicius Calpur-
S?
nius Apolaustus
86 Nach Pietrangeli, Bull.com. 69, 1941, 191 Nr. 29 und Barbieri, L'Aibo 397 Nr. 2277 ist sie möglicherweise mit der folgenden Person identisch. 8? Aur. Prosenes ist mit aller Wahrscheinlichkeit mit dem kaiserlichen Freigelassenen von CIL VI 8498 D. 1738 identisch. 88 Vielleicht ist Baronia als Varonia zu verstehen. =
•
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
3. Jh.
Bellicius Ulpianus qui
263
AE 1954, 7 1
et Julianus Quintus Blaesius Iustus
Hadrian/
XV 7418
Mare Aure1 L.
Caecil(ia) Lupercil(la)
S?
Caecilius Capito
S?
A. Caeci1ius Fe1ix 89
S?
I. H. 3. Jh. ?
Not.Sc. 1900, 26
R; praef Aeg. ?
neronisch ?
CAR ll 73 Nr. 142
Caecina Tuscus
H. l . Jh. ?
XV 7477 XV 7419
bis vor Vespasian
Caedicius Crescens
Bull.com. 1908, 291
Cae[l]ia Galla
S?
Caepia Procu1a
S; kF ?
2. H. I. Jh.
XV 7421
SIR
neronisch ?
LTUR ll74
L. (Calpurnius) Piso90
K
Mitte I . Jh.
XV
L. Calpurnius Piso
K
ord. 175
AE 1908, 1 1 1
Ser. Calpurnius Scipio
K
ord. 178
AE 1908, 1 1
K
ord.
C. Caesius Cinna
XV 7489
7513
(Salvidienus) Orfitus P.
Calvisius Tullus
109
�FRA 100, 1988, �94 Anm. 6; LTUR I 76
Candida Q. Canusius
S; c.f
3./4. Jh.91
XV 7422
K
suff. 157 ?
XV 7423
kF; c.f
severisch
XV 7424 a
Praenestinus Carminia Liviana Diotima92
[
---
]lius Celer93
XV 7393
89 Möglicherweise ist er mit dem Statthalter von Arabia unter Severus Alexander
identisch; PIR2 C 44. 90 Der Bezug auf den cos. ord. vom J. 57 ist möglich, aber nicht gesichert. 91 Wenn die Verbindung, die R.E.A. Palmer, Proc. Amer. Phi!. Soc. 125, 5, 1981, 393 herstellt, zutreffen sollte, wäre das 3. Jh. wahrscheinlicher. 92 Zur Chronologie der Carminii aus Attuda vgl. Halfmann, Senatoren 203 Nr. 144. 93 Das Gentilizium könnte z.B. [Ae]lius, [lu]lius oder [Catel]lius, [Cati]lius gelautet haben.
264
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
Chryseros94 Claudia Capito1ina
Aug. lib.,
Mare Aurel
RIS ?
Ende 1.1
proc.
Cl(audia) Marcia95 Claudia Vera
Ti. Claudius Q. Crispi-
,
XV 7520
Anf. 2. Jh.
(regina) Cl(audia) Cervonia
AE 1948 73
S? S;
c.f
S; kF ?; c.{.
3. Jh. ?
XV 7431
3. Jh.
XV 7433
3. Jh.
XV 7434 AE 1903 , 33
nus96 Claudius Amphion
XV 7425
Ti. Claudius Celer
XV 7426
Claudius Erotion
XV 7425
Cl. Lib[---]97 (M. Claudius Macrinius
K; c.v.
Vindex) Hermogenianus Claudius Marcellus
XV 7432
suff.
Ende 2./
XV 7578
Anf. 3. Jh. R?
2. H. 3. Jh. ?
XV 7413 Bull.com. 1941,
[Clau]dius Marcianus
191 Nr. 30 s
Appius Claudius Martialis
Marc Aurel
Ti. Claudius Serenus98 Ti. Cl(audius) Sulpicius
XV 7427 XV 7428
M. Claudius Nestor S;
c.v.
S; kF; c.v.
I. H. 3. Jh.
XV 7429
2. H. 2. Jh.
XV 7430
Iulianus99 Clodia Marciana Clymenus
S?
XV 7435
Aug. lib.
XV 7436
94 Vielleicht mit dem gleichnamigen Freigelassenen Mare Aurels identisch, PIR2 c
724.
9 5 Vgl. Barbieri, L'Aibo Nr. 2173. 96 M.E. handelt es sich um eine Person, nicht um zwei verschiedene. 97 Weshalb Dressel Cl(audiae) Lib[eralis] auflöste und ergänzte, ist nicht einsichtig. 98 Er dürfte entweder mit dem ritterlichen Prokurator Cl. Serenus (Inschr. Epbes. ill 647) identisch, also durch adlectio in den ordo senatorius gekommen sein, oder, was wahrscheinlicher ist, ein Sohn des Prokurators sein. lnschr. Ephes. lll 647 gehört in die Jahre 21 1/2. 99 Entweder ist er Sohn des Legaten von Syrien unter Antoninus Pius oder unmittelbar mit diesem identisch.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
M. Cocceius Ner[va]1 00
K
Sex. Coc(ceius)
S?
Sertorianus Cornelia 10 1
kF;
Tauri f T.
I. Jh.
265
XV 7437
AE 1909,43 Tiberius/
XV 7440
Axi (uxor)
Claudius
kF; L. f Volusi
I . H. I . Jh.
XV 7441
R
Nero
XV 7490
(M.) Cornelius Fronto 103
K
suff 142
XV 7438
(Q. Cornelius)
K
suff 147
XV 7438 XV 7439
Cornelia
Saturnini (uxor) Marcus Cornelius Cossinus1 02
.Quadratus Sex. Cornel(ius)
R; praef. praet.,
Pius/
Repentinus
C . V.
Mare Aurel
Cosmas
Arzt
Cosmus
Aug. lib.;
Mare AureU
a rat.
Verus ?
Aug. lib. ;
Mitte 1 . Jh. ?
Diadumenu[s]
XV 7569 XV 7443 XV 7444
a libellis Domitia Lucilla1 04
kF
Ende 1./
Bull.com. 1901, 94
1. H. 2. Jh. XV
[E]Ieuther Sex. Erucius Clarus
K
suff. 1 17; ord.
II
7576
XV 7445
146
100 Es kann sich entweder um den Konsul vom J. 21/22 oder den späteren Kaiser, cos. I 70 n.Chr., handeln. IOI Ihr Gatte T. Axius war Konsul nach dem J. 39, vieUeicht zu Beginn der Regierungs zeit des Claudius (Eck, ZPE 42, 1981, 252 ff.). 1 02 Er dürfte mit dem durch Plin., nat. hist. 29, 93 bezeugten Freund Neros identisch sein. Ob sich CIL X 6555 auf ihn bezieht, bleibt dagegen offen. 103 Zum Konsulatsjahr siehe W. Eck - M. Roxan, in: Festschrift für Hans Lieb, Basel 1995, 92 ff. I04 Es bleibt unsicher, ob damit die Tochter des Cn. Domitius Lucanus (cos. suff. in den ersten Jahren Vespasians, Eck, Chiron 12, 1982, 289 A. 28 z.J. 7017 1 ) oder ihre Tochter, die Mutter des späteren Kaisers Mare Aurel, gemeint ist. Vgl. PlR2 D 182. 183.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
266
Eucarpus
Anf. 2. Jh. ?
Aug. lib.
[ ]lius Eunathus L. Fabius Cito
K; c.v.;
L. Fabius Gallus
[
]nia Faustinma
---
suff 193;
XV 7447. 7448
j urb. prae
ord. 11204
S?
2. H. 2. Jh. ?
XV 7449
c.f; kF ?
3 . Jh.
XV 7414
Flavia Ianuaria Flavia Procilla1 05
XV 7446 XV 7577
---
XV 7457 S ?; Tochter
2. H. 2. Jh.
XV 7458
eines Ritters T. Flavius Celsus
S; c.fv.]
Ende 2./ Anf. 3. Jh.
Bull.com. 1987/8, 124 Anm. 45; LTUR II 101
T. Fl. Claudius
S?
2. H 2./
Claudianus
XV 7450
Anf. 3. Jh.
T. Flavius Sabinus1 06
T. Flavius Salinator
K
2. H. I . Jh.
S?
XV 7452
T. Flavius Tiberianus
T. Flavius Titianus1 07
XV 7453
K; [c.v.]
C. Flavius TuiJlilius Fl. Balentin[
.
]
---
T. Flavius Valerianus
XV 7451
S; c.i.
suff unter
Bull.com. 1907,
Commodus
230 Nr. 5 XV 7454
2. H. 3. Jh. ?
XV 7455
Anf. 3. Jh. ?
XV 7424 a
lOS Möglicherweise ist Fl. Procilla mit der gleichnamigen Tochter des kaiserlichen Prokurators T. Flavius Germanus (PIR2 F 278: Zeit Mare Aurels), der Frau des L. Man tennius Sabinus, praef Aegypti 193 (Bastianini, ZPE 17, 1975, 303) und der Mutter des Konsulars L. Mantennius Sabinus (cos. suff vor 227; Eck, RE Suppl. XIV 274) identisch. Vgl. CIL XIV 2955 und PIR2 F 437. 1 06 Es muß offen bleiben, ob die fistula auf eine private Wasserleitung des Konsuls vom J. 47 (vgl. S. Panciera, in: EOS I 609 ff.) oder des gleichnamigen cos. ord. vom J. 82 hinweist. 1 07 Zur Problematik der Identifizierung vgl. PIR2 F 383. 387; G. Alföldy, Fasti Hispanienses, Wiesbaden 1969, 45 f.; P. Setälä, Private Domini in Roman Brick Stamps of the Empire, Helsinki 1977, 1 1 7 f.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
267
(T.) Flavius Vedius Antoninus
K; c.v.
severisch
XV 7456
(L.) Fulvius (Gavius Nurnisius) Petronius Aemilianus 108
K; c.v.
ord. 206
XV 7459
L. Fulvius Plautianus
K; c. v.; praef
ord. II 203
praet.
AE 1902, 190 = 1903, 45 125 =
L. Funisu(lanus) Vettonianus
K
suff vor 75
XV 7460
P. Galerius Tracbalus
K
ord. 68
XV 7461
c.f; kF
2. H. 2./ Anf. 3. Jh.
XV 7368
S; c.f
Anf. 3. Jh.
XV 7463
[--]a Gaviana Geminia Bassa
3.
Genucius Marin[ia]nus C. Art (?) Germanianus M. Gongius Nestorianus
Jb. ?
XV 7464
S; c.v.
2. H. 3. Jb. ?
XV 7462
R; pr(aefectus)
severisch
XV 7465
Aug. lib.
Nero ?
XV 7466
S; kf
2. H. 2. Jh.
XV 7467
2. H.
XV 7468
(classis ?)
Gr[a]ptus [H]aterius Latronianus 109 L. Herrnonius lustus Hilarianus
Aug.
1., prox.
a
I.
Jh.
2. Jb. ?
AE 1954,65
rat. A. Horte(n)sius Licinianus
S?
XV 7469
lulia Prisca
S?
XV 7477
lulia Severa lulia Tyche 1 10
S?
XV 7478 XV 7479
lulia Vitalis N[ ) --
XV 7480
108 Die mit ihm gemeinsam auf derjistula genannte Numisia Q. f. Procula war Tochter des Q. Carnurius Numisius lunior (cos. suff. 161; vgl. Eck, RE Suppl. XIV 278 f.). Sie dürfte am ehesten die Mutter des Fulvius Petronius AemiJianus sein, der dann mit dem cos. ord. von 206 gleichzusetzten wäre. I09 Vgl. Eck, RE Suppl. XV I I I f. und dazu G. Di Vita Evrard, in: EOS I 453 ff.; M. Corbier, in: EOS II 723. I to Wohl kaum identisch mit der Mutter des C. Antius A. lulius Quadratus.
268
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
Ti. lulius Au.e:ustalis C. lulius Avitus 1 1 1
kaiserl. lib. ? K
I.
Jh.
?
suff. 149 oder
XV 7470 XV 7471
Anf. 3. Jh. Iulii Cefalii Sex. Iulius Frontinus
S; cc. vv. K
3. Jh. ?
XV 7472
suff 13 ?;
XV 7474
suff. II 98; ord. ll/ 100
lulius Hierax Julius Pompeius
XV 7533 S; K ?
severisch
XV 7475
Anf. 2. Jh. ?
XV 7476
Rusonianus T. lulius Valerianus 1 12 lunia Proc[ulaI
S?
XV 7482
Iunii
XV 7481
P. lunius Karus 113
S?
1. H. 2. Jh. ?
Epigr. 1951, 2 1 , Nr. 20
C. Laecanius Bassus
K
suff. 40, 64
LTUR II 125
oder 79 M. Laelius (Firminus) Fulvius Maximus
S; K ?
L. Laetor(ius) Annaeus Ruf{us)
S?
suff. ?
severisch XV 7484
Larciani A. Larcius Lydus 114
XV 7483
CAR II 68 Nr. 143; LTUR II 126 Freigelassener (wohl einer senatorischen Familie)
Nero/Fiavier
Epigr. 1951, 21 Nr. 21
1 1 1 Nach PIR2 J 190 bezieht sich die fistula auf den Gatten der lulia Maesa, cos. suff. unter Septimius Severus. Da jedoch kein Standesprädikat erscheint, ist eine frühere Da tierung (mit Bezug auf den cos. suff. von 149) vorzuziehen. 1 1 2 Möglicherweise ist die Person identisch mit einem Freund des jüngeren Plinius (Plin., ep. 5, 4. 13); vgl. PIR2 J 612. ll3 Bekannt ist ein D. Iunius Carus, sodalis AugustaUs von 1 1 5 bis 153, von dem in Lorium ein Wasserleitungsrohr gefunden wurde (CIL XI 3741 = XV 7779 Karus!). Möglicherweise ist das Praenomen in Epigraphica 1951 verlesen. Der Fundort ist unbekannt. Vgl. PIR2 J 742. 114 Zur ldentifiz.ierung Eck, ZPE 42, 1981, 245 f.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
A. Larcius Macedo
S; vielleicht
269
Traian/Hadrian
AE
1954, 66
XV
7485
suff 88
AE
1940, 39
Konsul Lepidius Lupercus
R;
eq. R.
(L. Scribonius) Libo Rupilius
K
Frugi 1 1 5
C. Licinius Mucianus 1 1 6
L.
Lus(ius) Petellinus
Maecilius Fuscus Q. Maccius Blandus Maria Atticilla P. Martius Philippus l l 7 (P. Martius) Sergius
suff
ca. 64;
XV 7496; MEFRA
suff
II
70;
107, 1995, 471
suf[. II/
72
I 08, 1996, 432
2. H. I .
Jh.
XV
7488
I . H. 3. Ib.
AE
1954, 67
S?
XV
7489
S?
XV
7491
K
S? S;
c. v.
R S: kF
severisch
2. H. 2.
Jh.
XV
7492
XV
7504
XV
7504
XV
7493
ff.; ff.
Satuminus (P.) Martius Verus
K
suff 166: ord. II 179
Publia Martia Sergia
kF;
c.f
Anf.
3.
Jh.
Fusca
1 1 5 Es ist recht wahrscheinlich, daß er mit dem Suffeletkonsul des J. 88 (Zevi, Akten 6. lnt. Kongr. Griech. u. Lat. Epigr., Milnchen 1973, 438) identisch ist (Eck, RE Suppt. XIV 123 f.). Vgl. L. Vidmann, Fasti Ostienses, Prag2 1982, 44. 1 1 6 Nicht völlig ausgeschlossen ist auch ein Bezug von CIL XV
7496 auf den cos. suff. 180 T. Licinius Muciaous aus Side (SEG VI 14; AE 1953, 2 1 1 ; Eck, RE Suppt. XIV 234). Doch deutet die alleinige Verwendung des Cognomens eher auf den vcspasia nischen Konsular. In MEFRA 107, 1995, 471 ff. und I 08, 1996, 432 ff. wurden drei
ca.
neue Stempel mit dem vollen Namen des C. Licinius Mucianus publiziert. Diefistulae wurden in der Vigna Barberini auf dem Palatin gefunden, während CIL XV 7496 vom
Quirinal stammt, dort unter den Thermen Konstantins entdeckt. Falls beide
fistulae
sich auf den vespasiaoischen Konsular beziehen, hatte er zwei Konzessionen erhalten und hatte damit vielleicht auch zwei domus. Doch ist es ebenso möglich, daß er die domus nacheinander erwarb. die auf dem Palatin vielleicht früher, bereits i n
neronischer Zeit vor dem Brand von 64, die auf dem Quirioal später. Doch muß dafur die endgültige und vollständige Publikation des gesamten Komplexes auf dem Palatin ab ewartet werden . 1 1 Zu seiner Laufbahn siehe D. 6172 und AE 1955, 177; 1974, I I .
f
270
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
XV 7495
K
suff. 9 1
Munatia Procu1a1 1 8
s
MarcAurel
XV 7498
Q. Munatius Celsus
R
severisch
XV 7497
L. Naevius Clemens
S?
(Cn.) Minicius Faustinus
Narcissus C. Neratius
oder 1 1 7
Aug. lib.; ab epistulis S; kF
XV 7499
D. 1666
Claudius
XV 7500
Ende 1.1
AE 1906, 133
=
Anf. 2. Jh. ? Neratius Marcellus
K
Neratius Priscus
K
Ende 1./
AE 1906, 133
Anf. 2. Jh. ? L.
Neritus L. Nonius (Calpurnius
Ende l./
Bull.com. 1987/8,
Anf. 2. Jh. ?
124 Anm. 45
Aug. lib., a tab. cast.
I. Jh. ?
AE 1948, 76
K
ord. 94;
XV 750 1 ; AE
ord. 1/ 128
Torquatus) Asprenas
[---)ia C. f. Novatilla
1954, 68 Bull.com. 1941, 191 Nr. 31
L. Novius Priscus
K
suff. ca.
XV 7502
165/168 Numisia Procula1 1 9 Octavia Lucana
kF;
cf
2. H. 2. Jh.
XV 7459 AE 1954, 69
S?
l. Jh. ?
L. Octavius Felix
S; c.v.
Anf. 3. Jh.
XV 7503
Ofellius Macedo
s
2. H. 2. Jh.
XV 7504
S; c.p.
Caraca11a
XV 7505
R; c.v.;
Caracalla
XV 7505
M. Opellius Diadumenianus M. Opellius Macrinus
aet. aj e pr p_r I IS
Nach Groag, RE IV 154 f. (vgl. Fluß, RE XVI 557) könnte sie eine Tochter des in CIL VID 626 genannten Ehepaares M. Munatius Popilianus und Cocceia Bassula Numisia Procula gewesen sein. 1 19 Sie war mit großer Wahrscheinlichkeit Tochter des Q. Carnurius Numisius Junior, der 1 6 1 n.Chr. als cos. suff amtierte (Eck, RE Suppl. XIV 287 f.; ZPE 37, 1980, 40 ff.). Ob sie mit Cocceia Bassula Numisia Procu1a (CLL VITI 626; vgl. Groag, RE IV 154 f.) identisch ist, muß offen bleiben.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
271
Otacilia Postuma
S?
I.
Jh.
XV 7506
Pactumeia Lucilla [Pa]ulla 120
S?
2. Jh.
XV 7507
., s ?·
severisch
?
Fausti (uxor)
Paulla
kF;
Bull.com. 1941. 191 Nr. 32
Mitte 2. Jh.
XV 7517
3. Jh.
XV 7509
Jh.
XV 7509
Pup. Petillius Birro
Ende l. Jb. ?
XV 7510
Pup. Petillius Clfi]tus Petronia Lasciva 122
Ende
I.
XV 7510
D. Percennius Marcianus D. Percennius Rufinus 12 I
M. Postumi Festi kF;
c.v.
kF; c.v.
I . H.
I. H. 3.
Jh. ?
AE 1907, 215
[M. Petro]nius Sura Mamertinus
K
ord. 182
XV 75 1 1
(M.) [Petro]nius Sura Septim(ianus)
K
ord. 190
XV 7511
P. Petronius Turpilianus
K
ord. 61
Phiion A. Platorius Nepos Plautia Servilla L. Plotius 124 C. Plotius Sabinianus I 2S
Aug. lib. proc. K kF;
c.f
Ende
I.
Jh.
suff I 19 oder 1601 23
severisch
LTUR n 155 XV 7512 Bull.com. 1941, 191 Nr. 33 XV 7514
S?
Not.Sc. 1907, 5
S?
Bull.com. 1908, 352
120 Da sie als [Paju/la Fausti bezeichnet wird, könnte man in ihr die Gattin des Q. Ani cius Faustus (cos. suff. 198?) sehen, in dessen Nachkommenschaft das Cognomen Paulinus recht zahlreich erscheint; vgl. jetzt P. Liverani, LTUR II 98. 121 Groag, RE XIX 589 bezieht ClL VI 31745 auf ihn: D. Per{cennioj Rujino; da dieser Senator Legat in zwei kaiserlichen Provinzen war, wird er mit großer Wahr scheinlichkeit konsularen Rang erreicht haben. Dies stimmt auch mit dem oben ermittelten Ergebnis zusammen, daß die weit überwiegende Mehrheit aller auf den fistulae bezeugten Senatoren bis zum Konsulat gelangte. l22 Ihr Name ist auch in CIL XV 7570 zu ergänzen. 123 Zum Konsul von 160 vgl. W. Eck, Kötner Jahrbuch 26, 1993, 451 ff. 124 Eine Reihe von senatorischen Plotii sind bekannt: L. Plotius P [---], AE 1953, 179 (81182 n.Chr.); L. Plotius C. f. Sabinus CIL VI 31746 = D. I 078 (Zeit des Antoninus Pius); L. Plotius, Suffektkonsul mit L. Minicius, D. 5161 k. Zu weiteren Plotii vgl. Champlin, ZPE 32, 1978, 269 ff. 12S Vgl. die vorhergehende Anm.
272
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
Plutius Niceforianus
XV
7515
Plutius Niceforus
XV
7515
XV
7517
Pomoeius Heliodorus1 26
S?
M. Postumius Festus P. Postumius Hector [---] M. f. Prisca 1 27
K
Mitte
2.
Jh.
suff. 160
S? G.
Ruft
I . Jh. ?
X V 7517 AE
1906, 170
XV
7580
r--(uxor)/ XV
7572
M. Publicius Nieeros
XV
7516
Publicius Victor
Bull.com.
rPulblicius Honoratus
S?
197
Nr. 3
7537
(Pupiena) Sextin (Paulina) Cet(h)e�Zilla 128
kF
I. H.
3.
Jh.
XV
[--Qu]adratus
s
Mine
2.
Jh.
Bull.com.
Sex. Quintilius
191
Nr. 34
7518
K
ord. 151
XV
K
ord. 1 5 1
XV 7518
stiff. unter
XV 7519
1940,
1941,
Condianus (Sex.) Quintilius (Valerius) Maximus1 29 L. Ragonius (Urinatius
K
Larcius) Ouintianus Repentinus
Commodus
Caesaris
I . Jh. ?
servusllibertus L. Roius Auctus
Anf. august.
Roius Hilario
Anf. august.
Nr.
1951, 22 27/8
XV
7521
Epigr.
Zeit ? XV 7521
Zeit ?
126 Nach Lambertz, RE XXII 951 s.v. Postumius 72. soll er ein Freigelassener gewesen sein, was jedoch wenig wahrscheinlich ist. 127 Vgl. PIR2 F 5 1 1 . 128 Zu den Verwandtschaftsverhältnissen zuletzt K. Dietz, Senatus contra principem, München 1980, 132. 129 Vgl. Liverani. LTUR II 168.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
Romanius Honoratusl30
S; c.v.
3./4. Jh. ?
273
Bull.com. 1941, 192 Nr. 35
=
Bull.
com. 1946/8, 185
L. Roscius Aelianus
K
ord. 187
XV 7523
kF
2. H. I . Jh.
XV 7524
S; kF
Claudius/Nero
Paculus131 Rubellia Bassa 132 Sen!. Rubellius Plautus Rufinianus
AE 1954, 70 XV 7530
[Ru]fius Festus133
S; c.v.
I. H. 3. Jh.
XV 7525
fRulfius Marcellinus
S; c.v.
I. H. 3. Jb.
XV 7525
[Ru]fius Proculus
S; c.v.
1 . H. 3. Jh.
XV 7525
Rufus (C. Sallustius) Crispus
XV 7582 K
suff 27;
Passienus M. Sallustius Rufus
XV 7508
ord. 1144 S?
XV 7526
Titilianus SaJonia Matidia134 Satrius Primus 1 35
kF; Aug(usti)
Traian
sor(orisJ f (iliaJ S?
AE 1954, 62 Bull.com. 1940, 219
[M. Se]datius Severianus Seia Fuscinilla
K
suff. 153
XV 7527
kF
Anf. 3. Jh.
XV 7523
l30 Nach PLRE Honoratus 1 2 ist er eher ins 4. Jh. zu datieren. 13 1 Der Bezug auf den Konsul von 187 statt den von 223 ist durch die Nennung des plumbarius M. Plautius Eros, der auch unter Commodus erscheint (CIL XV 7523), esichert. 32 Zur Datierung vgl. auch CIL XIV 2610 I.It. IV I. 133 Einen Fixpunkt fiir die Datierung dieses Senators und der beiden nachfolgenden Söhne bietet nunmehr eine Inschrift aus Cosa aus der Zeit des Maximinus Tbrax (vgl. R.T. Scott, Chiron I I , 1981, 309 ff. AE 1982, 325). 1 34 Tochter der Schwester Traians, Ulpia Marciana. Zur Familie Alföldy, ZPE 39, 1980, 255 ff. 135 Senatorische Satrii kennen wir aus dem 1. und 2. Jh.; T. Satrius Decianus, curator tabulariorum publicorum 46 n.Cbr. (CIL VI 916 31201); Satrius Rufus, als Prätorier im J. 97 durch Plin., ep. I , 5, l J f. bekannt; [S]atrius [---] Sep[---]tus, wohl domi tianisch-traianisch, ClL X 135.
f
=
=
=
274
Diefistul
Seius Carus 136 L.
Semoronius Proculus
L.
Sempronius Rufus
Seotimia Procfillla
kF S;
c. V.
S?
XV 7523
3. Jh.
XV 7529
Ende 2./ Anf. 3. Jh.
XV 7530 ?
S?
Seo(tirnius) Dativus Seotimius Junior
Anf. 3. Jh.
XV 7531. 7532 Mitte 3.
Jh. ?
R?
XV 7532 AE 1954, 71
Seotimius Marianus l37
RIS ?
I. H. 3. Jh. ?
AE 1954, 71
C. Seotirnius Severus 138
K
suff 160 ?
AE 1954, 72
Cn. Serg(ius) Craterus L.
Ser(gius) Paullus l39
P. Sestius Gallus 0. Servilius Pudens 1 40 M. Servilius Silanus
XV 7533 K
S?
suff. unter Pius; ord. II 168 I . H. I .
Jh. ?
Bull.com. 1941, 191 Nr. 34 Bull.com. 1987/8, 124 Anm. 45
S; K ?
2. Jh.
XV 7534
K
suff. 152;
XV 7535
ord.
ll
188
[--)lius Severus
XV 7393
(T.) Sextius Lateranus 14 1
K
ord. 197
XV 7536
Sextius Torauatus
kF
severisch
XV 7536
Appius Silvius Iunius Silvinus
S?
XV 7539
136 Möglicherweise hängt er verwandtschaftlich mit dem konsularen Statthalter von Syria Palaestina, D. Seius Seneca, unter Mare Aurel zusammen; B. Burell, ZPE 99, 1993, 288 und zur Datierung P. Weiß, ZPE 1 17, 1997, 227 ff. 1 37 Möglicherweise ist er mit Septimius Marianus zu identifizieren, der aus der proku ratorisehen Laufbahn in die senatorische überwechselte: CIL VI 1630; dazu Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres li 778 ff.; ferner Loriot, ßuJJ. Soc. Ant. France 1976, 44 ff.; French, ZPE 43, 1981, 166 f. 138 Vgl. zuletzt Eck, RE Suppl. XIV 662. 139 Es muß offenbleiben, ob die fistula den Sergii Paulli des I . oder 2. Jh.s zuzuweisen ist; vgl. zuletzt zur Familie Halfmann, Senatoren 101. 105. 163 f. Freilich ist die Wahrscheinlichkeit für den cos. II vom J. 168 wegen seines Ranges größer. 140 Es sind vier Q. Servilii Pudentes bezeugt: ein prokonsularer Legat in Africa 77178 (AE 1955, 147; Eck, RE Suppl. XV 568); Q. Servilius Pudens, Legat des Plinius in Pontus-Bithynien (Piin., ep. 10, 25); der cos. ord. des J. 166 sowie dessen Sohn (Thomasson, RE Suppl. IX 1369 f.). Der Bezug bei Setälä, Domini (Anm. 107) 185 auf den Legaten des Plinius bleibt unsicher. 141 Es könnte sich auch um den ordentlichen Konsul vom J. 154 handeln.
Diefisrulae aquariae der Stadt Rom
(0.) Sirnonius
(Proculus Iulianus)
K;
c.v.;
praef urbi
275
suff 238 ?;
Epigr. 1951, 23
praef urbi
Nr. 33
vor 254 Spurius Maximus
R; eRreRius vir
severisch
XV 7540
R?
severisch
XV 7540
heredes Spuri Maximi
Q. Sta. Lucullus (Statilia) Messalina T.
XV 7541 kF;
Taurif
Mitte I. Jh.
XV 7494 Epigr. 1951, 24
Statilius Sucinus
Nr. 36
T. Statilius Taurus142
K
I . H. I. Jh.
XV 7542
L. Statius Aq uila
K
suff. 1 16
XV 7543
Leibarzt des
Claudius
XV 7544
Ende 2./
XV 7545
C. Stertinius Xenophon Suetrii
Claudius s
Anf. 3. Jh. C. (Octavius Appius)
K; c.v.
Suetrius Sabinus143
ord. 214;
XV 7546
ord. II 240
Sulpicia Pacata144
S?
SuJpicia Praetextata
kF;
XV 7548 Mitte I . Jh.
XV 7549
Crassi (uxor) Sulpicia Triaria
s
(Q.)
K
[Su)lpicius
XV 7550
suff 46
XV 7547
Camerinus145
[--]odonius Taurus
Q. Terentius Culleo L. Terentius Junianus
Tribatia Marcellina
XV 7573
S; c.v. K S?
su{f 40
XV 7551 X V 7552 XV 7553
142 Drei Statilii kommen für die Identifizierung in Frage: T. Statilius Taurus, cos. ord. 1 1 ; T. Statilius Taurus, cos. ord. 44; T. Statilius Taurus Corvinus, cos. ord. 45. 143 Es könnte sich auch um einen anderen senatorischen Suetrius Sabinus handeln. 144 Senatorische Sulpicii sind zahlreich aus dem I . und 2. Jh. bekannt. 145 Vgl. auch AE 1953, 263. Ob es den cos. ord. vom J. 9 oder den cos. suff von 46 betrifft, muß offen bleiben.
276
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
M. Tuticius Capito146 Tutilia Procula
S?
L. Vagellius147
K
su ff. 47
[--1 Valerianus Publia Valeria Comasia
kF;
c.f
I. H.
3.
Jh. ?
XV
7453
XV
7554
XV
7555
XV
7584
XV
7559;
Sill. aqu., Valeria Eunoea Valeria Paullina148
M. Valerius Bradua
kF K;
c.v.
I . H.
2.
Jh.
XV
7560
XV
7561
Lanciani,
51
XV 7556
ord. 191
Mauricus C. Valerius Laetus Q. Valerius Vegetus M. Varenus Liberal[is)
K S?
T. Vatinius Cei[--)
suf{. 91
2.
Jh.
I. Jh. ?
XV
7557
XV
7558
XV
7562
Epigr.
195 I, 24 Nr.
37 M. Vettius Bolanus
K
suff. 66 oder ord. I I I
(L. Iunius) Q. Vibius
K
Crispus
Vibia Hilaritas T. Vibius Postumus Te-
suff. 61
?;
Bull.com.
92, 1987/8, 124 Anm. 45
XV
7564
suff. II 74; S; c.p. S?
su. ff. l/1 83 ? 3. Jh.
AE
1954, 73
Jh.
XV
7373
2. H. 2.
rentianus 149 Sex. Vitulasius Nepos
K
suff. 78
XV
7565
M. Ulpius Arabianus l50
K
suff. vor I90,
XV
7566
wohl ca.
185
14 6 Er könnte mü dem praefectus classis Ravennatis et Misenensis Tuticanius Capito am Ende der Zeit des Aotoninus Pius zusammenhängen, CIL XVI 100; RMD Ili 171.
172.
147 Zu seinem Konsulat vgl. Panciera, in: EOS I 609 ff.
148
Sie könnte eine Tochter des Freundes des jüngeren Plinius, C. Valcrius Paullious, sein. 149 Wenn der zweite Name das Cognomen Postumus war, ist eine Identifikation mit
cos. suff. I07,
Postumius Terentianus (Ende 2./Anf. 3 Jh.s) ausgeschlossen (so jedoch PIR1 P 668: V 393; Lambertz, RE XXll 953 f.). 1 50 Nach OGIS 60 I = IGR 111 85 = Chr. Marek, Stadt, Ära, Territorium in Pontus Bithynia und Nord Galatia, TUbingen
1993, 163
Nr.
16
war er Statthalter von Syria
Diefistulae aquariae der Stadt Rom
Traian
M. Ulpius Pha(edimus]1 5 1
Aug. lib.
Umbria Albina
kF
2. H. 2.
Ummidia Quadralil[la] Asconia Secunda Volusius Saturninus 1 52
kF K
I.
277
Not.Sc. 1922, 228
Jh.
XV 7449
2. H. I.
Jh./ Traian
XV 7567
Jh., vielleicht der cos. suff. 3 n.Chr.
XV 7568 a. b.
Palaeslina im 260. Jahr einer Ära. Dies führt, anders als bisher angenommen, auf das J. 190, nicht das J. 196; siehe Chr. Marek, Epigr. Anat. 6, 1985, 144 ff.; ders., ibid. 23, 1994, 83 ff. 1 51 Von dem Freigelassenen sind folgende Ämter bekannt: a potione item a laguna et tricliniarch(us), /ictor proximus et a comment(ariis) beneficiorum. Typisch ist flir ihn die allgemeine Vertrauensstellung zum Kaiser, die er in a!Jen Funktionen einnahm. IS2 Es könnte sich um die Konsuln vom J. 12 v.Chr., 3 n.Chr., 56, 87 und 92 handeln.
DIE STRUKTUR DER STÄDTE IN DEN NORDWESTLICHEN PROVINZEN UND IHR BEITRAG ZUR ADMINISTRATION DES REICHES
Das Imperium Romanum der Hohen Kaiserzeit lebte von seinen Provinzen und insbesondere von den dortigen Städten. Das gilt zunächst natürlich einmal materiell und finanziell. Doch Rom brauchte auch die Menschen der Provinzen für das Heer und für die politisch-administrative Beherrschung des Reiches. Claudius drückte diese Notwendigkeit in seiner Rede über das Gallier in dem oft zitierten Satz aus:
av]onc{ulus] meus et patruus
Ti.
ius honorum der
Sane novo m[ore et divus Aug{ustus
Caesar omnem florem ubique coloniarum et
municipiorum, bonorum scilicet virotum et Locupletium, in hac curia esse vo luit. 1
Doch nicht nur der Senat war von der kaiserlichen Rekrutierungspolitik
betroffen; die Dekurien der Ritter, die Masse der höheren Offiziersstellen im Heer und eine langsam anwachsende, auch von Rittern getragene Administration verlangten in steigendem Maß nach Männem, die diese Aufgaben erfüllen konnten und wollten. Italien allein war
dazu nkht (mehr) in der Lage. Zudem entsprach es
römischer politischer Grundeinstellung, auch diejenigen, die sich durch Vertrag oder nach Niederlagen dem populus Romanus unterworfen hatten, nach einer mehr oder weniger langen Karenzzeit in die römische Bürgerschaft aufzunehmen und führenden Familien dieser ehemals selbständigen politischen Verbände auch Teilhabe an der Herrschaft zu geben.2 Die Republik zeigt, vor allem im letzten Jahrhundert, die Integration vieler italischer Familien in die ritterlich-senatorische Führung Roms; und selbst der Schritt in einige Provinzen wurde in dieser Zeit bereits getan.3 Rund 200 Jahre später konnte das Imperium unter diesem Aspekt als voll integriert angesehen werden - j edenfalls wenn
man es
in seiner Totalität
betrachtet.4 Dieser Prozeß hat wesentlich zur großen Stabilität im Reich beige tragen.5
1 D. 2 12 col. TI 1 ff.; Fr. Vittinghoff, Zur Rede des Kaisers Claudius über die Aufnahme von "Galliern" in den römischen Senat, Hermes 82, 1954, 348 ff. = ders., in: Civitas Romana. Stadt und politisch-soziale Integration im Imperium Romanum der Kaiserzeit, hg. W. Eck, Stuttgart 1994, 299 ff. 2 Vgl. dazu neben vielen anderen z.B. R. Syme, The Roman Revolution, Oxford2 195l, 78 ff. 36 ff.; ders., Tacitus, Oxford 1958, Bd. 1 1 585 ff.; G. Alföldy, Römische Sozialgeschichte, Wiesbaden3 1984, 5 1 ff. 101 f.; Fr. Vittinghoff, Europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte, hg. Fr. Vittinghoff, Stuttgart 1990, Bd. I 231 f. 3 T.P. Wiseman, New Men in the Roman Senat 139 ß.C. - 14 A.D., Oxford 1971. 4 Siehe dazu die einzelnen Beiträge in dem von S. Panciera herausgegebenen zweiten Band von Epigrafia e ordine senatorio, Rom 1982 [ 1984]. 5 Vgl. W. Eck, La riforrna dei gruppi dirigenti, in: La storia di Rorna 11 2, 1992, 73 ff. ders., Verwaltung 1, 103 ff. =
280
Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen
Freilich verlief dieser Prozeß nicht ganz kontinuierlich; er erlebte vielmehr Beschleuniguugsphasen, wie sie z.B. durch die Ablösung der ersten Kaiserdynastie durch das Haus der Flavier herbeigeführt wurden.6 Der Prozeß verlief jedoch auch nicht gleichmäßig in allen Reichsteilen, vor allem nicht mit der gleichen lntensität.7 Die transalpinen Provinzen des Nordwestens des Imperiums zeigen dies mit aller Deutlichkeit. Vor allem für den ordo senatorius des 1.-3. Jh.s ist die wissenschaftliche Er schließung des Quellenmaterials seit der Publikation der Akten des Kolloquiums Epigrafia e ordine senatorio relativ gut, da hier zum selben Zeitpunkt eine Zusam menfassung unseres Wissens für den gesamten römischen Herrschaftsbereich versucht wurde. Yves Burnand hat in diesem Kolloquiumsband die vier Provinzen in Gallien behandelt, also Narbonensis, Lugdu nen sis Aquitania und Belgica, ,
Anthony Birley Britannien, ich selbst die beiden Germanien, Rätien und Noricum.S Für den Ritterstand liegen allerdings nur partielle Untersuchungen vor, so z.B. von Geza Alföldy über Noricum und die zwei germanischen Provinzen,9 oder von Anthony Birley über die Ritter mit origo in Britannien. 1 0 Dagegen fehlt eine zusammenfassende Arbeit über ganz Gallien; lediglich einige Städte sind in dieser Hinsicht untersucht. 1 1 Ferner hat Segolene Demougin vor kurzem den Rittern der julisch-claudischen Zeit zwei grundlegende, umfassende Arbeiten
6 Syme, Tacitus (Anm. 2) 1 68 f.; II 509 ff. 594 ff.; W. Eck, Senatoren von Vespasian bis Hadrian, München 1970, 103 ff.; J. Devreker, La composition du senat romain
sous les Flaviens, in: Studien zur antiken Sozialgeschichte. Festschrift für Fr. Vittinghoff, hg. W. Eck - H. Galsterer - H. Wolff, Köln 1980, 257 ff.; vgl. Eck, La riforma dei gruppi dirigenti (Anm. 5). 7 Vgl. nur z.B. die unterschiedliche Situation für die Provinzen an der mittleren und unteren Donau, in den kleinen asiatischen Provinzen sowie in Africa in den Beiträgen von J. Sasel (553 ff.), H. Halfmann (603 ff.), M. Corbier (685 ff.) und M. Le Glay (755 ff.) in EOS 11. 8 EOS II 387 ff. (Burnand), 531 ff. (Birley), 539 ff. (Eck). 9 G. Alföldy, Noricum, London 1974, 274 ff.; ders., Les equites Romani et l'histoire sociale des provinces Germaniques de !'Empire romain, in: Corsi di cultura sul!'arte ravennate e bizantina, 1977, 7 ff. 1 0 A.R. Birley, in: EOS ll 535 f.; ders., The People of Roman Britain, London 1979, 57 ff. 1 1 3 ff. 1 1 Siehe Y. Burnand, Senateurs et Chevaliers romains originaires de Ia cite de Nimes: etudes prosopographiques, MEFRA 87, 1975, 681 ff. Vgl. auch ders., Les juges des cinq decuries originaires de Gaule romaine, in: Melanges d'histoire ancienne offerts a W. Seston, Paris 1974, 59 ff.; ders., La participation aux sacerdoces romains des Senateurs et des Chevaliers originaires de Gaule SOUS Je Haut-Empire, in: Hommages a H. Le Bonniec. Res sacrae, Brüssel 1988, 53 ff. Vom selben Autor wurde im J. 1985 eine sehr umfangreiche Arbeit "Les senateurs et chevaliers romains originaires de Ia Gaule de Ia fin de Ia Republique au Illeme siecle" abgeschlossen, die aber noch unpubliziert ist. Darin stellt er insgesamt 57 Senatoren und 199 Ritter zusammen.
Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen
281
gewidmet.12 Für die Prokuratoren allein ist immer noch auf H.-G. Pflaums Procurateurs zurückzugreifen.13 Die beiden Untersuchungen über Senatoren aus Britannien bzw. aus den germanischen Provinzen, aus Rätien und Noricum in Epigrafia e ordine senatorio machen bereits in ihrem Titel auf eine Sondersituation dieser Gebiete aufmerk sam. Denn beide Titel sind mit einem Fragezeichen versehen. 14 Lediglich G. Bo
wersock konnte noch für Cyprus formulieren: "No senators from Cyprus". 15 Für alle anderen Provinzen zeigen die Überschriften der Beiträge, daß es Senatoren gegeben hat. 16 Der Raum, der uns hier interessiert, entspricht, wie die beiden Fragezeichen anzeigen, zumindest zum Teil offensichtlich dieser Selbstver ständlichkeit nicht.
Tatsächlich kann für die fünf Provinzen: Britannia, Germania inferior und superior, Raetia und Noricum kein einziger Senator mit Sicherheit nachgewiesen werden.17 Lediglich einige mögliche Fälle lassen sich erschließen. So hat man vermutet, daß M. Macrinius Avitus Catonius Vindex, vermutlich Sohn des Prätorianerpräfekten M. Macrinius Vindex, der als konsularer Legat von Niedermösien unter Mare Aurel starb, entweder aus Köln oder aus Camulodunum (Colcbester) in Britannien kommen könnte.18 Beide Städte waren als römische Kolonie gegründet worden, 49 bzw. 50 n.Chr. Hinweise auf diese Herkunft sind einerseits die tribus Claudia, zu der beide Städte gehörten, andererseits die Namen, da sowohl Macrinius als auch Catonius nach der keltisch-germanischen Namensbildung gestaltet sind. Auch finden sich die Cognomina Avitus und 1 2 s . Demougin, L'ordre equestre
SOUS
les Julio-Ciaudiens, Paris
f:raphie des Chevaliers Romains Julio-Ciaudiens, Rom
1992.
1988;
dies., Prosopo
3 H.-G. Pflaum, Les procurateurs equestres sous le Haut-Empire romain, Paris 1950.
14 Birley, Senators from Britain?, in: EOS ll 531; Eck, Senatoren aus Germanien,
Rätien, Noricum?, ibid. 539. I S Ibid. 669. 16 ludaea/Syria Palaestina wurde in EOS II nicht eigens behandelt. Auch für diese Provinz konnte bisher kein Senator oder hoher ritterlicher Funktionsträger nach gewiesen werden. Neue Inschriften aus Caesarea scheinen aber nun darauf hinzuweisen, daß Valerius Calpurnianus (AE 1985, 830 a) und Valerius Valerianus (AE 1966, 495 = 1985, 829) vielleicht aus Caesarea maritima stammen, W. Eck, Zu Inschriften aus Caesarea in Syria Palaestina, ZPE 113, 1996, 129 ff. Auch Flavius Iuncus, Prokurator in traianisch-hadrianischer Zeit (Inschr. Ephes. III 713) könnte aus dieser Provinz stammen, aus Flavia Neapolis Samaria. 17 Birley, in: EOS ll 538; Eck, in: EOS I1 540 ff. 1 8 So z.B. Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres I 389; E. Birley, in: Corolla Swoboda, 1966, 58; ders., in: EOS II 538; Eck, in: EOS l l 550. Es ist vielleicht der Erwähnung wert, daß sich im inschriftlichen Material der Stadt Köln der Name Macrinius/Macrinus nicht findet; aber der erste, aus den Akten der Synode von Arles bekannte Diakon der Kölner Kirche trägt den Namen Macrinus (Concilia Galliae, bg. C. Munier, Corp. Christ. 148, 15).
282
Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen
Vindex gehäuft in diesen Provinzen.19 Doch eine klare Entscheidung, eine Sicherheit, läßt sich für ihn nicht erreichen. Auch eine Stadt der Lugdunensis oder eher der Belgica könnte man als origo vermuten, soweit dies mit der tribus Claudia vereinbar wäre. Doch scheint die Tribuszugehörigkeit manchmal individuell und gar nicht über die Herkunftsstadt geregelt gewesen zu sein.20 Nicht wesentlich besser steht es mit Senatoren aus Rätien und aus Noricum. Während höchstens ein Senator möglicherweise seine origo in Rätien und zwar im
municipium Augusta Vindelicum hatte, und kaum vor der 2. Hälfte des 2. Jh.s,21 ist die Chance für Noricum ein klein wenig besser, Heimat von Senatoren zu sein. Zumindest ist es unbestreitbar, daß T. Varius Clemens aus Celeia kommt; zahlreiche Inschriften von ehemaligen Untergebenen oder von Städten aus Provinzen, die Varius Clemens geleitet hatte, wurden dort zu seinen Ehren unter Statuen oder Porträtbüsten errichtet. Er erreichte unter Mare Aurel die Prätorianer präfektur und wurde vielleicht auch Mitglied des ordo senatorius, möglicherweise durch adlectio inter consulares.22 Doch ist dieser letzte Schritt nicht gesichert; Nachkommen aus seiner Familie, die dem Senatoren- oder Ritterstand angehört hätten, sind nicht bekannt. Die vier gallischen Provinzen setzten sieb von den bisher erörterten fünf Provinzen wesentlich ab, wenn man sie als Einheit betrachten dürfte. Dann wären nach Y. Burnand 55 sichere Senatoren aus diesem Gesamtgebiet nachweisbar,23 tatsächlich sogar erheblich mehr, wie sogleich nochmals zu zeigen sein wird. Doch die vier Provinzen dürfen nicht als Einheit behandelt werden, vielmehr ist die Entwicklung der Reichsführungsschicht in den einzelnen Regionen äußerst unterschiedlich verlaufen. Dies ist das gesicherte, unbestreitbare Ergebnis der Erörterung der Senatoren aus den transalpinen Gallien, wie sie durch Y. Bumand zusammengefaSt wurde. Seine Untersuchung ist freilich nicht ohne Vorbehalte zu benutzen. Zum einen hat er eine nicht unerhebliche Zahl von zumindest möglichen Mitgliedern des ordo l9 Vgl. Nomenclator provinciarum Europae Latinarum et Galliae Cisalpinae cum indice inverso, hg. A. M6csy u.a., Budapest 1983, 39. 313; Onomasticon provinciarum Europae Latinarum I, hg. B. Lörincz - F. Redö, Budapest I 994, 231 ff. 20 Zu einer vielleicht aus Germania superior (in der Nähe von Andematunnum) stammenden senatorischen Familie (CIL Xlll 5614) vgl. die verschiedenen Äußerungen der Forschung bei Eck, in: EOS II 550 f.; Bumand, in: EOS II 426 weist die Familie der Lugdunen�is zu. 2 1 F. Wagner, Ber. Röm. Genn. Komm. 37/8, 195617, 225 Nr. 34; Eck, in: EOS ll 549. 22 Eck, in: EOS II 548; vgl. auch J. SaJel, ZPE 5 1 , 1983, 295 ff.; SaJel hat ZPE 52, 1983, 175 ff. auch eine Inschrift des Bruders des Clemens, T. Varius Priscus, publiziert; dieser ist zu den Rittern aus Noricum hinzuzufilgen. 23 Bumand, in: EOS 1 1 4 1 I ff.
Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen
283
als non pertinentes ausgeschlossen, andere überhaupt nicht erwähnt, obwohl sich, zumindest für manche, eine gewisse Wahrscheinlichkeit ergibt, daß sie ihre Heimat im gallischen Bereich hatten. R. Syme hat in einer ausführlichen Unter suchung eine erhebliche Zahl von Korrekturen vorgelegt und außerdem begründete Hypothesen für 'gallische' Senatoren entwickelt.24 Er erörtert allerdings nur Senatoren, die vielleicht aus der Narbonensis stammen; einige seiner vermuteten Senatoren, vornehmlich auch Iulii, könnten auch in der Aquitania oder der Lugdunensis ihre origo gehabt haben. Zum anderen hat Burnand sich jeweils lediglich auf die erste Generation beschränkt, also auf die homines novi, ihre Nachkommen jedoch nicht einge schlossen. Der Grund lag ftir ihn veiTJiutlich darin, daß senatorische Familien sich relativ schnell aus ihrer ursprünglichen Heimat lösen konnten und damit für deren Geschichte und Entwicklung nicht mehr von entscheidender Bedeutung sein
mußten. Untersucht man die Veränderung des ordo senatorius unter bestimmten Herrschern, dann ist diese restriktive Untersuchungsart zutreffend,25 für den Zusammenhang von ordo senatorius und provinzialer Entwicklung führt sie jedoch in die Irre. Denn nachweisbar ist der Zusammenhang mit der alten Heimat oft noch nach Generationen erhalten geblieben.26 Dies konnte auch gar nicht anders sein, da im aUgemeinen zumindest ein wesentlicher Teil der ökonomischen Basis in der alten Heimat beibehalten wurde.27 Vor allem aber schließen gegenüber der Untersuchung von Burnand fast alle anderen Erörterungen in Epigrafia e ordine senatorio jeweils auch alle Nach kommen von homines novi ein, etwa die Untersuchungen C. Castillos über die
24 R. Syme, More Narbonensian Senators, ZPE 65, 1986, I ff.
= ders., Roman Papers VI 209 ff. Hinzuzufügen ist jetzt ein M. Pompeius Priscus, der im J. 20 n.Chr. dem Senat wohl bereits als Prätorier angehörte. Siehe zu ihm unten 285. 25 Nach dieser Methode verfuhr sinnvollerweise J. Devreker in seiner Anm. 6 enannten Untersuchung. 6 Vgl. nur W. Eck, Die Präsenz senatorischer Famjlien in den Städten des Imperium Romanum bis zum späten 3. Jh., in: Studien zur antiken Sozialgeschichte (Anm. 6) 283 ff. in: Tra epigrafia I 75 ff. Daß dies in Gallien kaum nachweisbar ist, kann leicht mit der dortigen Überlieferungssituation erklärt werden. Immerhin kann man z.B. zeigen, daß M. IaJJius Bassus Fabius Valerianus in Alba Helviarum bestattet (AE 1961, 171 = 1976, 416) und M. Sedatius Severianus in der civitas der Pictones, von wo er stammte, von einer anderen Stadt geehrt wurde (AE 1981, 640). Siehe auch W. Eck, Rome and the outside world. Senatorial families and the world they Jived in, in: The Roman Family: Status, Sentiment, Space, hg. B. Rawson - P. Weaver, Oxford 1997,
�
=
73
ff.
27 Siehe jetzt W. Eck, I senatori e Ia loro provincia di origine. L'esempio della Betica, in: Tra epigrafia 2 1 3 ff.
284
Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen
Baetica oder H. Halfmanns über die Senatoren aus dem Osten.28 Ein numerischer Vergleich zwischen Gallien und einzelnen anderen Provinzen muß damit schon allein auf Grund der Nichtberücksichtigung der auf die
homines novi
folgenden
Generationen zu einem falschen Eindruck ftihren.29 Für die folgenden Ausführun gen ist versucht worden, das zusätzliche Material auch für Gallien einzuschließen. Strukturell ist die Belgica binsichtlich der hier interessierenden Frage nicht mit dem ilbrigen Gallien zusammenzusehen; sie steht vielmehr auf derselben Ent wicklungsstufe wie die an sie angrenzenden beiden Germanien oder Britannien.30 Kein einziger Senator ist aus dem gesamten Gebiet direkt nachweisbar. Allerdings könnten einige Personen senatorischen Ranges, die ihrer Nomenklatur entspre chend dem gallisch-germanischen Bereich zuzuordnen sind, auch einer civitas der Belgica entstammen. Bumand hat dieser Gruppe vornehmlich Senatoren zuge ordnet, die im späteren 3. Jh. während des gallischen Sonderreiches eine Rolle gespielt haben,31 doch kann man über die Konsuln dieser Jahre, die von Postumus und seinen Nachfolgern ernannt wurden, nicht das Geringste aussagen. Erbalten sind lediglich Cognomina wie Bassus, Censor, Dialis, Rufus, Lepidus, Sanctus. Ob sich dahinter ein völlig neuer Personenkreis im ordo senatorius verbirgt. oder ob einige aus Familien stammen, die schon längere Zeit den höchsten sozio politischen Rang im Reich erlangt hatten, läßt sich nicht sagen. Dies gilt zumindest
filr die Personen mit den Cognomina Bassus, Rufus und Lepidus; aber
auch die anderen Namen sind nicht zwingend distinktiv.32 Immerhin ist die
28 Castillo, in: EOS
li 465
ff. und Halfmann, ibid.
603
ff.; vgl. mit größerer
Ausführlichkeit H. Halfmann, Die Senatoren aus dem östlichen Teil des Imperium Romanum bis zum Ende des 2. Jh.s n.Chr., Göttingen 1979. 29 Ein solcher Vergleich findet sich etwa bei E. Frezouls in seinem Beitrag zur
Europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Arun. 2) über Gallien und Germanien 485. Er stellt der Zahl der aus Gallien stammenden Senatoren z.B. die der aus Asia
kommenden gegenüber. Die unterschiedliche Art der Berücksichtigung der nach folgenden Generationen wird dabei übersehen. Hinzu kommt allerdings die ganz andersartige Struktur der Überlieferung für die kleinasiatischen Provinzen, vor allem für Asia und Lycia-Pampbylia. Einmal ist die 'Freude' am Setzen von Inschriften dort weit größer als in Gallien; außerdem finden sieb öfter längere genealogische Abfolgen
in einer Inschrift, wodurch erst recht eine Disproportionalität entsteht. Ferner ist die weit größere Zahl der Städte mit allen Folgen für die Gesellschaftsstruktur und die Masse der lnschriften zu berücksichtigen. Der Vergleich der reinen Zahlen, so wie sie heute rekonstruiert werden können, vermag somit kaum etwas über die tatsächlichen ehemaligen Verhältnisse auszusagen. 30 Dabei ist der Süden der Germania Superior wohl weiter entwickelt und von der Stadtkultur stärker erfaßL
31 Bumand, in: EOS ß 426 f. 32 Lediglich die Namen Censor und Dialis weisen darauf hin, daß es sich vielleicht um
neue Familien senatorischen Ranges (von Postumus Gnaden?) handeln könnte. Denn diese Cognomina sind in der Nomenklatur des
ordo senatorius bis zu diesem Zeitpunkt
Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen
285
Belgica als Herkunftsregion auch nicht auszuschließen, was aber, in dieser Weise formuliert, wenig aussagekräftig ist. Bezeichnend wäre dann jedoch, daß kaum einer aus dieser Personengruppe in eine Zeit gehören würde, in der sich der intensive Jntegrationsprozeß der provinzialen Führungsschichten in eine gesamtrömische Reichsaristokratie vollzog, nämlich ins späte 1. und in das 2. Jh. Die Lugdunensis sowie die Aquitania weisen einige gesicherte Mitglieder des ordo senatorius auf. Einer der frühesten Senatoren aus den Provinzen überhaupt ist der Vater des Iulius Vindex, aus altem aquitanischem Königsbaus. Da der Sohn im J. 68 n.Chr. Statthalter prätorisehen Ranges in einer kaiserlichen Provinz und damit wohl zumindest rund 40 Jahre alt war, könnte der Vater bereits in der Zeit des Tiberius Zutritt zum Senat erhalten haben;33 das Bürgerrecht der Familie wird
auf Caesar zurückgehen; welcher civitas die Familie angehörte, ist nicht über liefert. Die wenigen anderen Senatoren, die ebenfalls dieser Provinz zuzuweisen sind, gehören ohne Ausnahme erst ins 2. oder sogar erst ins 3. Jh. Ähnliches gilt für die Lugdunensis, wo sich etwa 5-6 Personen senatorischen Ranges nachweisen lassen; auch von diesen ist kaum eine vor die Mitte des 2. Jh.s zu setzen.34 Ein völlig anderes Bild bietet die Narbonensis, und zwar numerisch wie auch nach der zeitlichen Verteilung. Läßt man einige angeblich in die Triumviratszeit fallende sehr unsichere Fälle beiseite,35 so finden sich ohne Zweifel in der spätaugusteisch-frühtiberischen Zeit bereits einige Personen aus Städten der Nar bonensis im römischen Senat. M. Pompeius Priscus, der in einem s.c. des J. 20 n.Chr. erscheint, dürfte aus Arelate stammen; dafür spricht seine tribus Terentina sowie die begründete Vermutung, daß er Vater des M. Pompeius Silvanus Staberius Flavinus war, der ohne Zweifel aus Arelate gekommen ist. Da Pom peius Priscus im J. 20 wohl bereits senatorischen Rang erreicht hatte, müßte er schon in augusteischer Zeit Zutritt zum Senat erhalten haben.36 Sodann sind D. Valerius Asiaticus, cos. su.ff. 35, sowie sein Bruder zu nennen, ferner Cn. Do mitius Afer, cos. suff. 39, Domitius Decidianus, der Schwiegervater Agricolas,
unbekannt, Sanctus erscheint einige wenige Male, darunter bei C. V(alerius) V(ale rianus) Sanctus und lulius Sanctus aus Aquitanien (CIL XIII 395). 33 Also nicht erst aus der 2. Hälfte des 1 . Jh.s (so aber Burnand, in: EOS II 396). 34 Burnand, in: EOS II 392. 432 ff. Ergänzen könnte man für eine Herkunft aus dem gallisch(-germanischen) Bereich Maximius Attianus, Statthalter der Germania Superior im J. 229; vgl . Eck, in: EOS Jl 9 1 . 35 Siehe R . Syme, ZPE 65, 1986, 4 ders., Roman Papers VI 2 1 2 f. 36 W. Eck - A. Caballos - Fdo. Fernandez, Das senatus consultum de Cn. Pisone patre, München 1996, 91 ff.; PIR2 P 638. =
286
Die Struktur der Städte in den nordwestlieben Provinzen
sowie die be.iden. Iulii Graecini.37 Möglicherweise ist auch Abudius Ruso, Legionslegat am Rhein unter Tiberius, zu diesen frühesten Senatoren aus der Narbonensis zu rechnen.38 Schließlich sind C. Bellicus Natalis, L. Duvius Avitus, Pompeius Paul.inus sowie M. Pompeius Silvanus Staberius Flavinus,
cos. suff. 45, bereits für die tibeTische Zeit zu nennen.39 Manche von ihnen sind uns nur über literarische Zeugnisse bekannt. Sie hatten nicht nur den Zugang zum höchsten ordo gefunden, sondern übernahmen auch zentrale Funktionen in der römischen Machthierarchie. In der spätclaudisch-frühneroniscben Zeit ist die lenkende Hand des Prätorianerpräfekten Afranius Burrus, der ebenfalls aus der Narbonensis stammte, nicht zu übersehen.40 Das Kommando über die Rhein armeen, also die zentrale Militärmacht Roms in diesen Jahren, war für kurze Zeit von Senatoren aus der Narbonensis monopolisiert.41 In ähnlicher Weise dürfte sieb sein Einfluß auf die Zulassung von homines novi aus dem narbonensischen Gallien zum Senatorenstand ausgewirkt haben.
Homines novi aus dieser Provinz sowie Senatoren .in der zweiten oder dritten Generation finden sich sodann in ungebrochener Folge in der 2. Hälfte des 1. Jh.s und, wenn auch etwas schwächer werdend, noch in der 1 . Hälfte des 2. Jh.s. Im Verhältnis zu den provinzialen Senatoren insgesamt geht ibr prozentualer Anteil allerdings zurück, nicht weil sie numerisch wesentlich schwächer werden, sondern weil auch die anderen Provinzen, vornehmlich die kleinasiatischen und afrika nischen, ihren Anteil steigern. Zieht man aber alle Senatoren in die Betrachtung
i
mit ein, deren origo ursprünglich in de -Narbonensis lag, auch wenn die Familie nunmehr seit einigen Generationen im römischen Senat saß,42 dann ist der Eindruck, der sich aus Bumand ergibt, eher etwas irreführend. Denn nach ihm wäre in unserer Dokumentation im 2. Jh. die Narbonensis nur noch lediglich zweimal
37 Burnand, in: EOS II 4 1 1 . 416. 418. 422. Zu T. Domitius Decidianus siehe
H. Engelmann - D. Knibbe, Epigr. Anat. 14, 1989, 38. 38 Tac., ann. 6, 30, 2; R. Syme, ZPE 65, 1986, 5 f. ders., Roman Papers VI 2 1 4 f. 39 Burnand, in: EOS II 413-415. 40 Vgl. z.B. M.T. Griffin, Nero. The End of a Dynasty, London 1984, 78 f. 41 W. Eck, Die Statthalter der germanischen Provinzen vom 1.-3. Jh., Köln 1985, 25. 120 f. 123. 42 Hinzuweisen ist etwa auf C. Bellicus Torquatus (cos. ord. 143) und C. Bellicus Calpurnius Torquatus (cos. ord. 148), beide aus Vienna (Alföldy, Konsulat 312 f.), oder auf L. lulius Romulus (Alföldy, Konsulat 314), ferner auf M. Flavius Aper (cos. ord. 130, vgl. R. Syme, ZPE 65, 1986, 19 ders., Roman Papers VI 226 f.) und T. Fl. Aper Commodianus (cos. suff vor 222, siehe Leunissen, Konsuln und Konsulare 364). Dabei ist auch zu beachten, daß nicht wenige der Senatoren aus der Narbonensis Gentilicia tragen, die wenig distinktiv sind, wie z.B. Domitius, Iulius, Pompeius, Valerius. Falls die Namensverbindungen nicht besonders auffällig sind, kann man den Zusammenhang mit vorausgehenden Generationen damit nur sehr schwer herstellen. =
=
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287
so stark vertreten wie das übrige Gallien, während das Verhältnis im gesamten 1 . Jh. etwa 5 : 1 gewesen war.43 Dabei ist z u beachten, daß dies das Verhältnis ist, das unsere Quellen vermitteln; die Realität bat vermutlich anders ausgesehen. Soweit für die Herkunft genaue Orte angegeben werden können, ist ein eindeutiges Schwergewicht folgender Städte festzustellen:44 Die stärkste Zusam menstellung ist für Vienna nachweisbar, das erst unter Caligula römisches Kolonialrecht erhielt; mehr als
16
Personen senatorischen Ranges sind aus dieser
Stadt bekannt. Weiterhin ist die latinische Kolonie Nemausus mit etwa zehn, die römische Veteranenkolonie Forum Iulii mit mindestens vier Senatoren ver treten.45 Der hier grob skizzierte Tatbestand für Mitglie-der des ordo senatorius aus den transalpinen Nordwestprovinzen ist noch kurz durch unsere Kenntnisse für Mitglieder des ordo equester, des seminarium ordinis senatorii, zu ergänzen. Eine Zusammenstellung der gesamten vorhandenen Dokumentation ist, wie bereits S. 280 f. ausgeführt, nicht erarbeitet; doch lassen auch die vorliegenden Teilunter
suchungen genügend erkennen. Pflaum hat mit den Prokuratoren nur den Teil der ritterHeben Aristokratie, der hohe administrative und militärische Funktionen übernahm, ausgewertet.46 Doch dürften seine Untersuchungen immerhin eine Tendenz andeuten, die dem Erscheinungsbild bei den provinzialen Senatoren entspricht. Von den hier interessierenden Provinzen ist allein die Narbonensis stärker als Rekrutierungsfeld für Prokuratoren vertreten, beginnend bereits unter Augustus und fortgesetzt bis zu den Severern mit einem Schwerpunkt in der Zeit der Flavier und Traians, also fast parallel zu der Entwicklung bei den Senatoren. Daß diese in den ersten Jahrzehnten des
1.
Jh.s etwas zahlreicher bekannt sind als prokuratorisehe Ritter,
könnte wesentlich durch die literarische Überlieferung bedingt sein; Senatoren waren im allgemeinen 'politischere' Gestalten als Ritter und erschienen damit notwendigerweise leichter in historiographischen Quellen. Die anderen gallischen Provinzen, d.h. die ehemalige Comata, lassen sich dagegen unter den höheren ritterlichen Amtsträgern überhaupt nicht nachweisen; der Realität kann dies kaum entsprochen haben. Rätien ist bei Pflaum mit einem, Noricum mit drei und Germania inferior mit einem Prokurator vertreten. Vermutlich ist für Nieder43 Bumand, in: EOS U 391 f. 44 Burnand, in: EOS Il 391 f. Vgl. zu diesen Städten und ihrer Bedeutung für die vor liegende Frage, M. Christo!, Les colonies de Narbonnaise et l'histoire sociale de Ja
rovince, in: Prosapographie und Sozialgeschichte 277 ff.
5 Dabei sind die Angaben bei Burnand und Syme miteinander verbunden; vgl. auch oben Anm. 1 1 für Forum lulü. 46 Pflaum, Procurateurs, Anm. 13.
288
Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen
germanien auch noch ein weiterer ritterlicher Funktionär anzusetzen, da T. Flavius Constans, Prätorianerpräfekt unter Mare Aurel(?), vermutlich aus der CCAA stammen dürfte.47 Im wesentlichen entspricht also das Bild bei den Prokuratoren dem, das sich auf der Basis unserer unmittelbar aussagef ahigen Überlieferung für die Senatoren ergeben hatte. Bei den Rittern außerhalb bzw. unterhalb der Prokuratorenlaufbahn liegen nur Teilsammlungen des Materials vor. Einmal hat Pflaum in seinen Fastes de la Narbonnaise alle Ritter aus dieser Provinz zusammengestellt, die in irgendeiner Form militärische Dienste im Heer absolviert hatten, entweder in den tres bzw.
quattuor militiae oder in der praefectura fabrum. Insgesamt kann er 87 solcher Fälle zusammenstellen (davon 23 praefecti fabrum), die sieb zeitlieb über drei Jahrhunderte verteilen, freilich mit einer deutlichen Abnahme vom Ende des 2. Jh.s an. Die stärkste Zusammenballung ergibt sieb wiederum für die flavisch traianische Zeit.48 Mit den Zusammenstellungen Pflaums kann man die Sammlung aller ritterlicher Offtziere in der Prosapographie Devijvers vergleicben.49 Bei ibm finden sich (allerdings unter Ausschluß der praefectifabrum) für die Narbonensis insgesamt 74 Personen, für die Lugdunensis und die Aquitania je vier, für die Belgica neun, für Germania inferior 16, für Germania superior drei und für Britannien nur zwei. losgesamt acht Personen haben möglicherweise ihre origo in Gallien/Germanien gehabt, ohne daß man dies näher spezifizieren kann. Auffaltig ist die relativ hohe Zahl von ritterlichen Offizieren aus der Belgica und der Germania inferior; doch sind die Zahlen auf Grund der Vorgänge und der Überlieferung zu den Jahren 69170 beeinflußt. Darüber ist sogleich nochmals zu handeln. Für Noricum und die beiden germanischen Provinzen hat G. Alföldy alle Rüter unabhängig von der jeweils erreichten Stellung gesammelt und untersucht, die aus den entsprechenden Provinzen kommen könnten. Dabei ergeben sich für Noricum 14 sichere und sechs mögliche Fälle, alle außer vieren (dazu drei
47 Eck, in: EOS
ll 545. 48 H.-G. Pflaum, Les fastes de Ia province de Narbonnaise, Paris 1978, 195 ff.; Gesamtübersicht 267. 49 H. Devijver, Prosopographia militiarum equestrium quae fuerunt ab Augusto ad Gallienum, Leuven 1976 ff. Durch die Supplemente von 1987 und 1993 ist das Material bis zum Jahr 1992 erfaßt. Burnand nennt in der Anm. 1 1 angeführten Arbeit insgesamt 199 Ritter. Da das Werk noch nicht publiziert ist, kann diese Materialbasis nicht
herangezogen werden. Zu zwei neuesten Arbeiten zu Inschriften, in denen Ritter aus den gallischen Provinzen genannt werden, siehe S. Demougin, A propos d'un cursus equestre de Narbonne, in: Les inscriptions Latines (Anm. 56) 71 ff.; J. Gascou, Un chevalier Arlesien et sa famille d'apres une inscription conservee au Musee Granet d'Aix-en-Provence, ibid. 8 1 ff.
Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen
289
möglichen) gehören in die Zeit nach Mare Aurel; der erste bekannte Ritter ist in traianische Zeit zu datieren.50 Für die zwei germanischen Provinzen sind, wiederum auf Grund einer Materialsammlung von G. Alföldy, folgende Vergleichszahlen ermittelt: 24 sichere und 15 mögliche Fälle. 51 Sechs liegen zeitlich sehr früh, nämlich unter den juJisch-claudischen Herrschern; sie sind ohne· Ausnahme literarisch bezeugt, worauf nochmals zurückzukommen ist. Alle anderen, abgesehen von zwei vereinzelten Personen, lebten im 3. Jh., d.b. zu einer Zeit, als der Wandel in der Führungsschiebt sich bereits massiv bemerkbar machte und viele Ritter diesen Rang erst nach einem längeren Aufenthalt im Heer erreichten. Sie repräsentierten damit vermutlich gerade nicht mehr ein städtisches Bürgertum, das einen gewissen Bildungsstandard vorweisen konnte. Für die beiden germanischen Provinzen sind wie für Noricum alle Personen aufgenommen, die irgendwann ritterlichen Rang für sich reklamieren konnten, also vom jung verstorbenen eques Romanus bis zum höchsten ritterlichen Amtsträger.52 Dennoch bleiben die Zahlen insgesamt äußerst niedrig. Schließlich hat S. Demougin vor kurzem ihre detaillierten Untersuchungen zum
ordo equester der julisch-claudischen Zeit vorgelegt. Auf Grund prosopo graphischer Daten kann sie für einen rund hundertjährigen Zeitraum bis zum Epochenjahr 68/69 für die gesamte Narbonensis 38 Angehörige des Ritterstandes zusammenstellen, die den verschiedenen Gruppen des ordo angehörten, also ritterliche Militärs, Mitglieder der quinque decuriae, einfache equites Romani und Prokuratoren.53 Am stärksten ist Vienna vertreten, mit neun Angehörigen; es folgen Nemausus, Vasio und Forum Iulii mit je vier und Arelate mit drei Rittern; auch hier ist wiederum der fast völlige Gleichklang mit dem Befund für den Senatorenstand (a.llerdings für drei Jahrhunderte zusarnmengefaßt) zu konstatieren.
Dies war strukturell auf Grund des sozialen Kontinuums in den beiden ordines zu erwarten. Der auffallendste Aspekt der gesamten Untersuchung betrifft jedoch die Tres Galliae; denn für diese ersten 100 Jahre des Kaiserreiches bis zum Ende der julisch-claudischen Dynastie finden sich insgesamt 1 5 Ritter, freilich fast aus schließlich mit militärischen Stellungen, deren origo in der Lugdunensis (4), der Belgica (6) und der Aquitania (3) lag; zehn von ihnen sind in die Regierungszeit 50 Alföldy, Noricum (Anm. 9) 274 ff. Auch Devijver verzeichnet 14 Personen, aller dings nur ritterliebe Offiziere unter Einschluß von T. Valerius Priscus (vgl. Anm. 49). 5 I Alföldy, Les equites (Anm. 9) 7 ff. 52 Daraus resultiert der Unterschied zu den Zahlen bei Devijver (S. 288). 53 Demougin, L'ordre equestre (Anm. 12) 5 1 4 ff. Siehe jetzt auch die detaillierte Prosopographie: dies., Prosopographie des chevaliers romains Julio-Ciaudiens, Rom 1992.
290
Die Struktur der S ädte t in den nordwestlieben Provinzen
des Claudius und Nero zu datieren, wovon wiederum fünf lediglich aus dem Jahr
68 bekannt sind. Dieser Teil des Befundes scheint in hartem Kontrast zu dem zu stehen, was wir über die Senatoren aus diesem Provinzkomplex wissen (s.o. S. 284 f.). Denn Senatoren aus civitates der ehemaligen Gallia Comata sind ein höchst seltenes und vor allem auch spätes Phänomen, sie sind kaum vor der Mitte des 2. Jh.s n.Chr. anzutreffen, einmal abgesehen von lulius Vindex und seinem Vater zwischen Tiberius und Nero. Dennoch ist der Kontrast relativ einfach zu erklären. Fast alle Ritter aus den Städten der Provinzen Lugdunensis, Aquitania und Belgica sind nur literarisch überliefert, speziell im Kontext der Aufstände vom Jahre 68/69.54 D.h. ohne diese breite und detaillierte Berichterstattung bei Tacitus mit seinem besonderen Sinn für die Verhältnisse in Gallien wäre die Überlieferungslage anders, nämlich weit eher dem entsprechend, was auf Grund der senatorischen Repräsentanz in der Form, in der sie uns bekannt ist, zu erwarten wäre. Zudem ist zu beachten, daß diese ritterlichen Offiziere zumeist noch Kommandeure von einbeimischen Hilfstruppen waren, also Gallier, die Hosen trugen, aber des römischen Bürgerkleids, der toga, nach den Vorstellungen eines ahnenstolzen Römers noch kaum würdig waren. Repräsentanten Roms auf einer Ebene über der des Stammes, der civitas, konnten sie kaum schon sein. Zu fragen ist, wie diese in den einzelnen Provinzen bzw. civitates so ver schiedenartige Entwicklung zu verstehen ist, worin die jeweiligen Gründe liegen, ob sie struktureller, mentaler oder/und politischer Natur sind, oder ob möglicher weise zumindest ein Teil des Phänomens auch durch die Art der Überlieferung bedingt ist, d.h. möglicherweise mit der besonderen Art des Städtewesens in diesen Provinzen zusammenhängt.
1 . Repräsentativität der vor allem inschriftlichen Überlieferung. Die Dichte der epigraphischen Zeugnisse ist in den einzelnen Provinzen unterschiedlich stark. In Britannien sind relativ wenige Zeugnisse städtischen Lebens erhalten,55 gleiches gilt für manche Gebiete der Belgica oder Rätiens. Für die Narbonensis waren bis 1888, dem Jahr der Publikation von CIL XII, rund
5800 Texte gesammelt,56 für die Tres Galliae und die beiden germanischen 54 Demougin, L'ordre equestre (Anm. 12) 515; vgl. auch o. S. 288 zu Devijver; Ph. Fabia, Officiers Gaulois dans les Iegions romaines au Ier siecle de notre ere (Tacite, hist., IV 61 et 74), REA 14, 1912, 285 ff. mit zutreffenden, wenn auch in den Ergebnissen überzogenen Schlußfolgerungen. 55 Vgl. die Bemerkungen von Birley, in: EOS li 532 f. 56 Seitdem hat sich die Anzahl der Texte wesentlich erhöht; so waren für Forum Iulii im CIL XII insgesamt 132 bekannt, in der neuen Publikation: lnscriptions Latines de
Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen
291
Provinzen bis zum Jahr 1916, als das letzte Supplementum von CIL XIII erschien, wenig mehr als 1 3 .000; d.h. für die Narbonensis (mit rund 34 Gemeinden) ist die Inschriftendichte bezogen auf die Größe des Territoriums wesentlich höher als im Gebiet von CIL XIIJ.57 Dadurch könnte eine schlechtere Repräsentanz von Senatoren und Rittern, die möglicherweise aus diesem Gebiet stammten, teilweise erklärt werden, vor allem für manche civitates der Lugdu nensis und der Belgica; denn dort ist die Zahl der Inschriften zum Teil äußerst gering und zwar speziell auch in den Zentralorten.58 Doch scheint der Aspekt der geringen Inschriftendichte nicht allein entscheidend zu sein. Denn auch dort, wo die Zahl der epigraphischen Denkmäler relativ hoch
ist, findet sich keine andere Repräsentanz der hier interessierenden sozialen Gruppen. Beispielhaft ist dies an Köln, der niedergermanischen Provinzhauptstadt, zu sehen. Dort sind inzwischen für das Stadtgebiet im engeren Sinne weit mehr als 700 Texte insgesamt gefunden worden,59 nimmt man das gesamte Territorium der civitas hinzu, dann sind es weit mehr als 1600.60 Nach allem, was wir er kennen können, ist in dem gesamten epigraphischen Material kein ursprünglich einmal vorhandener Inschriftentypus völlig verloren gegangen. Denn die über wiegende Zahl aller epigraphischer Denkmäler ist in Zweitverwendung auf uns gekommen; es ist aber kein Umstand vorstellbar, der bewirkt haben könnte, daß gerade ein bestimmter Inschriftentyp nicht zur Zweitverwendung herangezogen worden wäre. Wenn man diese Voraussetzung anerkennt, dann ist es aber um so auffälliger, daß ein bestimmter Typus von Inschriften im Kölner epigraphischen Material fehlt, nämlich der Typus sogenannter "Ehreninschriften", d.h. Inschriften
Narbonnaise, Frejus, hg. J. Gascou - M. Janon, Paris 1985, ist die Zahl auf 207 ge stiegen. Dazu jetzt zu ergänzen: D. Brentchaloff, Complements aux I.L.N., Frejus, in: Les inscriptions Latines de Gaule Narbonnaise, hg. D. Darde - M. Janon, Nimes 1989, 61 ff.: 6 mehr oder weniger fragmentarische Texte. Für Antibes, Riez und Digne siehe A. Chastagool, Inscriptioos Latioes de Narbonnaise (l.L.N.) li. Antibes, Riez, Digne, Paris 1992; in CIL XII insgesamt 130, in der Publikation Chastagnols 205 Nummern. 57 Dabei ist zu berücksichtigen, daß ein recht großer Teil der Inschriften von CIL XIll sich auf die Militärzone konzentriert. 58 Vgl. dazu die aufschlußreichen Bemerkungen von E.M. Wightman, Imitation ou adaption? Une note sur les inscriptions dans le nord de Ia Gaule romain, Rev. du Nord 66, 1984, 69 ff. 59 Siehe B. und H. Galsterer, Die römischen Steininschriften aus Köln, Köln 1975; dies., Neue Inschriften aus Köln. Funde der Jahre 1974 - 1979, Epigr. Stud. 12, 1981, 225 ff.; dies., Neue lnschriften aus Köln III. Funde der Jahre 1983 - 1987, Köln. Jb. Vor- und Frühgesch. 20, 1987, 83 ff. 60 Eingeschlossen sind in diese Zahl die Texte aus CIL Xlll sowie aus den zahlreichen Nachträgen und Einzelpublikationen (ausgenommen das Legionslager Bonn).
292
Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen
auf Basen für
Ehrenstatuen ,
die für Kaiser, Statthalter oder sonstige um die Ge
meinde verdiente Personen errichtet wurden, also beispielsweise auch für Sena toren oder Ritter, die vielleicht aus der CCAA stammten. Dann liegt aber der Schluß nahe, daß es diesen Typus entweder gar nicht oder höchstens in einem ganz geringen Umfang gegeben hat.6 1 Dann hat aber die CCAA nicht in jeder Hinsicht dem entsprochen, wodurch u.a. ein römisch geprägtes Gemeinwesen typischerweise nach unserer Vorstellung in diesem dokumentarischen Material vertreten ist. Dies dürfte eine Konsequenz interner Strukturunterschiede gewesen seio.62 Dieses Faktum einer nicht unerheblichen Abweichung im epigraphischen Material läßt s.ich auch auf die Provinzen Aquitania, Lugdunensis und Belgica
ausdehnen und dort präzisieren. In den meisten sonstigen Provinzen im gesamten Reich ist zumindest ein Teil der Statthalter, die es nun unbestreitbar während aJl dieser Jahrhunderte gegeben bat, auf verschiedenen Inschriftentypen aus der Provinz selbst bezeugt, vor allem auf Bauinschriften staatlieber oder städtischer Gebäude wie Tempel, Basiliken, Thermen, Wasserleitungen oder sonstiger öffentlicher Einrichtungen, ferner auf 'Ehreninschriften' für Kaiser oder für die Amtsträger selbst, sodann auch auf Dedikationssteinen
an
Götter, die sie während
ihrer Amtszeit errichteten.63 Für die genannten Provinzen aber kann man für fast jede dieser Kategorien von epigraphischen Texten einen völligen Ausfall bei den Statthaltern konstatieren. In der Aquitania fehlt jede Spur solcher Texte, in der Belgica könnte ein Statthalter auf einer Bauinschrift in Aachen erwähnt gewesen
61
Vgl. in diesem Sinn W. Eck, in: EOS li 543 sowie die Diskussion 551 f. Dabei ist zusätzlich darauf hinzuweisen, daß sich allerdings auch in den Sepulkralinschriften kein Text mit einer prokuratorisehen oder militärisch-ritterlichen Laufbahn findet. 62 W. Eck, in: EOS li 543 f.; Wightman (Anm. 58) 7 1 : "Autrement dit, le röle de Ia municipalit6 comme centre de Ja vie communale, lieu d'expression d'ambitions locales (ou plus que locales) etait plus evolue en Italie". Vgl. auch W. Eck, Ubier, Römer und Soldaten, Köln eine römische Stadt an der germanischen Grenze, in: Universität im Rathaus. Eine Vortragsreihe der Stadt Köln und ihrer Universität, Bd. 2. Veranstal tungen im akademischen Jahr 1993/4, Köln 1995, 9 ff. 63 Das Material ist jetzt bequem für alle Provinzen bei B.E. Thomasson, Laterculi praesidum I, Göteborg J 984; ders., Laterculi praesidum Ill, Göteborg 1990, zugänglich. Dieses Prinzip schien bisher wie für die hier behandelten Provinzen auch für Iudaea!Palaestina nicht zu gelten; fast alle Statthalter waren entweder aus literarischen Quellen oder durch Inschriften außerhalb der Provinz bezeugt. Durch die Ausgrabungen der letzten drei Jahrzehnte hat sich die Situation wesentlich gewandelt. Inzwischen sind mindestens 15 Inschriften für Statthalter (und ihre Familie) bekannt geworden. Siehe allein für Caesarea in Kürze C.M. Lehrnano - K. Holum, Greek and Latin lnscriptions from Caesarea (im Druck); W. Eck, Zu lateinischen Inschriften aus Caesarea in Iudaea!Syria Palaestina, ZPE 1 13, L996, 129 ff.
Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen
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sein (wenn Aacben nicht überhaupt zur Germania inferior gehörte);64 lediglich in der Lugdunensis erscheint ein Legat auf einer Bauinschrift,65 ein anderer L. Aem[ilius] Front[--] wurde in Lugdunum vom concilium lii Galliarum, also nicht von der Stadt, geehrt;66 ein Tib. Claudius Quartinus erhielt ebenfalls eine Statue, deren Dedikanten allerdings nicht bekannt sind,67 und ein weiterer Statthalter setzte selbst eine Weihinschrift.68 Von diesen Texten stammen allein drei aus Lugdunum,69 also der Stadt, die gerade ultra fines provinciae Narbonensis10 lag. Durch derartiges epigraphisches Material aber wird nicht nur unser Kenntnis stand über römische Amtsträger in den Provinzen bestimmt. Vielmehr beruht darauf (einmal abgesehen von sepulkralen Texten) im wesentlichen auch unser
Wissen über die lokale Herkunft von Senatoren und Rittern, jedenfalls soweit sie einigermaßen sicher zugewiesen werden können. Wenn aber in den gallischen Provinzen außerhalb der Narbonensis derartige inschriftliche Äußerungen offen sichtlich kaum oder gar nicht üblich waren, dann fehlt uns hier das wesentliche Mittel, um überhaupt eine - positive oder negative - Antwort auf die hier interes sierende Frage geben zu können. D.h. dann aber: der Mangel an entsprechenden epigraphischen Denkmälern sagt jedenfalls in den genannten Provinzen keineswegs, daß es dort keine senatorisch-ritterlichen Familien gegeben hätte.7 1 Um so wichtiger ist es, daß die exzeptionelle Art der literarischen Überlieferung für die Jahre 69-71 n.Chr. für einen ganz schmalen Zeitabschnitt etwas erkennen
läßt, was nach den Erkenntnismöglichkeiten unserer sonstigen Dokumente dem Anschein nach gar nicht existiert hat. Es scheint also in der Forschung die durch das Material bedingte Unmöglichkeit einer Erkenntnis zu einer inhaltlichen Aussage umgebogen worden zu sein. Aus dem Nichtvorhandensein der ent sprechenden Quellen wurde der Schluß gezogen, senatorische oder ritterliche 64 AE 1976, 5 1 1 . 65 CIL XIII 3202
= D. 5594; ob AE 1976, 427 (ebenfalls aus Lugdunum) eine Bauinschrüt ist, läßt sich nicht entscheiden. 66 CIL XIII 1679. 67 CIL XIII 1802. 68 CIL Xlll 1673 D. L 152. 69 Die in Anm. 65-67 genannten Inschriften. In Lugdunum sind typischerweise auch ein Reihe von ritterlichen Amtsträgem mit Statuen geehrt worden, siehe z.B. CIL XIn 1804. 1808 (= D. 1454). 1810 (= D. 1389). 1812; AE 1955, 2 1 1 . 70 D. 2 1 2 col. ll 2 8 f. 71 Der oben geschilderte Befund erhält vor allem dadurch seine Bedeutung, daß er für alle diese Provinzen gilt, nicht nur für eine einzelne Stadt. Die Differenz zu den germanischen Provinzen ist evident; dort sind Bauinschriften und Dedikationen an Gottheiten mit der Nennung von Statthaltern häufig - aber eben weitgehend im militärischen, nicht im zivil-städtischen Kontext. =
294
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Familien hätten in diesen Provinzen nicht existiert. Dies aber ist so nicht möglich.72 2.
Allerdings kann auch dieser negative Materialbefund nicht ein rein zufälliges
Ergebnis sein, vielmehr sind dafür wohl konkrete Gründe zu vermuten. Die Städte oder besser die zentralen Orte der überdurchschnittlich großen gallischen civitates
scheinen in ihrer inneren Gestaltung, in der Breite ihrer Funktionen, in der Art der Öffentlichkeit, die dort anzutreffen war, teilweise anders gestaltet gewesen zu sein als z.B. die Zentralorte der Narbonensis, die auch zumeist ein weit geringeres Territorium umfaßten.73 Auf Grund der gegebenen Forschungssituation besteht eine begründete Vennutung, daß dabei das Problem der sogenannten conciliabula eine wesentliche Rolle gespielt haben kann,74 was wiederum damit zusammen hing, daß die Großgrundbesitzer, die zugleich wohl auch der führenden sozia politischen Gruppe der gallischen civitates, also dem Dekurionenrat, angehörten, sich während des 1 ./2. Jahrhunderts nie in derselben Form zu Stadtbürgern entwickelten, wie dies in Italien bzw. der Narbonensis üblich war; gerade die Narbonensis hatte eine massive Zuwanderung aus Italien sowie eine überaus starke Veteranenansiedlung erlebt - mit einer entsprechend starken Assimilierung an das italische Stadt- und GesellschaftsmodeiJ.'S Wenn viele Familien der lokalen Aristokratie in den anderen Provinzen Galliens und Germaniens, ver mutlich aber auch Britanniens, ihr Leben weit stärker auf dem Land als im 72 Man wird somit einzurechnen haben, daß mehr senatorische und ritterliche Familien
aJs in anderen Provinzen uns durch die Quellensituation unbekannt geblieben sind. Dabei spielt auch eine Rolle, daß die führenden Familien, soweit sie in der frühen Prinziparszeit das römische Bürgerrecht erhielten, sehr einförmig Iulii und später Claudii hießen, wenig distinktive Namen. Allerdings scheint sich auch bei den führenden Famiüen der gallischen civitates die einbeimische Namensmode durch gesetzt zu haben: Eck, in: EOS II 545; J.F. Drinkwater, The Rise and Fall of the Gallic Iulii. Aspects of the Development of the Aristocracy of the Three Gauls under the Early Empire, Latomus 37, 1978, 8 1 7 ff. 73 Vgl. nur z.B. H. Wolff, Die politisch-administrative Binnengliederung des gallisch germanischen Raumes, in: Zwischen Gallia und Germania, Frankreich und Deutschland. Konstanz und Wandel raumbestimmender Kräfte. Vorträge auf dem 36. Dt. Histo rikertag, Trier 1987, 63 ff.; ebenfalls abgedruckt in: Labor Omnibus unus. G. Walser zum 70. Geburtstag, Wiesbaden 1989, 257 ff. Ferner z.B. J. Mertens, Les debuts de l'urbanisation dans le nord de Ia Gaule, Caesarodunum 20, 1985, 261 ff. 74 Siebe G.C. Picard, Les 'conciliabula' de Gaule, BSAF 1970, 66 ff. Zuletzt dazu zusammenfassend Frezouls (Anm. 29) 489 ff.; allgemein zur Siedlungsstruktur H. v. Petrikovits, Kleinstädte und nichtstädtische Siedlungen im Nordwesten des römischen Reiches, in: Das Dorf der Eisenzeit und des frühen Mittelalters, hg. H. Jankuhn, Göttingen 1977, 86 ff. 75 Vgl. z.B. R. Syme, Tacitus, Oxford 1958, 455. 460 f.; ders., Ten Studies in Tacitus, Oxford 1970, 22. 24.
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Zentralort verbrachten76 und zwar von Beginn an, dann fehlte ihnen mentalitäts mäßig möglicherweise ein Teil dessen, was anderen aus ihrem stadtbürgerlichen Leben heraus eine senatorische oder ritterliebe Karriere als Teil des herrschenden Volkes attraktiv erscheinen ließ.77 Nun hat man verschiedentlich gemeint, die führenden Familien der Tres Galliae hätten eine Abneigung gezeigt, außer Landes zu gehen.78 Dies sei für Senatoren aus dem Westen eine absolute Notwendigkeit gewesen im Gegensatz zu den Senatoren aus dem griechischen Orient. Nach meinem Wissen gibt es jedoch keine Quellenaussagen, die dieses direkt rechtfertigen könnten. Wenn 360 n.Chr. Soldaten der gallischen Armee sich gegen eine Verlegung nach dem Osten wehrten,79 dann ist dies ein singulärer Vorfall, der nichts über die Motive der führenden Schichten im 1./2. Jahrhundert aussagen kann.so Im übrigen waren viele Soldaten in der Armee Julians germanischer Herkunft,81 die unter begrenzten Bedingungen in die römische Armee eingetreten waren. Zudem trifft die angeführte Meinung nachweislich in der Wirklichkeit nicht zu. Allein das Streben gallischer principes nach Aufnahme in den Senat im Jahr 48 n.Chr. spricht dagegen.S2 Ferner sind eine ganze Reihe von Senatoren aus
den gallischen Provinzen bekannt, die in einer Nachbarprovinz eingesetzt wurden. Es genügt auf Iulius Vindex zu verweisen;83 aber auch andere ließen sich anführen. 84 Zudem kamen auch die Orientalen nicht bevorzugt in ihre
76 Vgl. die Anm. 58 zitierte Arbeit von Wightman über die Verteilung der Inschriften. 77 Siehe den Hinweis von Frezouls (Anm. 29) 489 über die Notwendigkeit einer ualifizierenden öffentlichen Funktion. 8 So z.B. J.F. Drinkwater, Latomus 37, 1978, 817. 848; ders., Roman Gaul, London 1983, 194 f.; ders., Gallic Attitudes to the Roman Empire in the Fourth Century: Continuity or Change?, in: Labor omnibus unus (Anm. 73) 1 36 ff.; J. Matthews, Western Aristocracies and Imperial Court A.D. 364-425, Oxford 1975, 349 ff.; Frezouls (Anm. 29) 485; Belege werden hierfür freilich nicht angegeben. Wenn in der Spätantike die Situation so gewandelt erscheint, dann liegt dies u.a. an dem ganz andersartigen Quellenbestand. Vgl. auch Burnand, in: EOS ll 40 l . 79 Ammianus Marcellinus 20, 4 , 4 ff. 80 Nach CIL XII 1783 = D. 6998 hat ein Q. Valerius Macedo, offensichtlich Bürger von Vienna, also einer Stadt der Narbonensis, den Latus clavus, den ihm Hadrian zusammen mit der Quästur angeboten hatte, abgelehnt. Solche Fälle hat es auch in anderen Reichsteilen, auch in Italien gegeben (vgl. A. Stein, Der römische Ritterstand, München 1927, 196 ff.); Macedo ist also keine gallische Besonderheit. 81 So auch von Ammianus Marcellinus 20, 4, 4 betont. 82 Tac., ann. J 1 , 23, 1 . 8 3 Vindex stammte aus der Aquitania und war ganz offensichtlich Legat i n der unmittelbar angrenzenden Lugdunensis. 84 Fidus A[--] Gallus stammte möglicherweise aus der Lugdunensis und war Statthalter der Aquitania (CIL Xill 1803; Burnand, in: EOS ll 425). Man denke ferner an Senatoren und Ritter aus der Narbonensis, die in den germanischen Provinzen tätig waren, wie Duvius Avitus, Pompeius Paulinus oder der Prokurator Comelius Tacitus.
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Heimatprovinz, nicht mehr als die Senatoren im Westen.85 Ein Bewohner aus Pergarnon in der Provinz Asia, der in Syrien oder auf Kreta Statthalter war,86 konnte kaum in seiner Mentalität anders betroffen sein als ein Senator der Narbonensis, der sich am Niederrhein, in Dalmatien oder in der Tarraconensis authaJten mußte.ß7 3.
Gegenüber den civitates der Aquitania oder der Lugdunensis kommt es für die
Zentralorte der germanischen Provinzen, aber ebenso für die in Britannien, erschwerend hinzu, daß sie vor allem stark militärisch, sodann durch Handwerk und Handel geprägt waren; sie stellten damit, nach allem was wir wissen, nicht den geeigneten Nährboden dar, um ein stärkeres Hineinwachsen lokaler Familien
in eine die enge eigene Region überwindende Reichsaristokratie zu ermöglichen. Die Massierung des Militärs schuf wohl keine solche urbane Sphäre, zumindest in den ersten 1 1/2 Jahrhunderten, um dort das leicht zugängliche Reservoir für die Führungskräfte des Imperiums zu schaffen. Die 'hosentragenden' Kelten und Germanen (auch wenn dies durch die Veränderung der K:leidermode inzwischen überholt sein mochte) haben für viele Römer und vielleicht noch mehr für die verfeinerten, intellektuell anspruchsvolleren Griechen wie ein Abbild aus dem Barbaricum gegolten. Si modo ornare curiam poterint: den Satz hätten wohl wenige Römer auf die Bewohner der Militärzonen/provinzen am Rhein oder in Britannien angewandt. Die Ereignisse der Jahre 68-70 n.Chr. aber konnten solche Ressentiments nur noch verstärken. Geschaffen wurde die ablehnende HaJtung der führenden Kreise Roms gegenüber den bedeutenden Familien der gallisch germanischen civitates durch diese Revolte nicht, aber sie fanden sich in ihrer negativen oder doch zumindest reservierten Haltung bestätigt.
85 Auch Senatoren aus Ostprovinzen wurden im Westen eingesetzt: M. Pompeius Macrinus aus Mytilene wurde Legat der legio VI Victrix in Britannien und procos. Africae (IG V 2, 151; JGR IV 96; AE 1979, 595), C. lulius Quadratus Bassus aus Pergarnon kämpfte in Dalden (Pergamon VIII 3, Nr. 26) und Sex. Iulius Maior aus Nysa war Legat in Numidien und in Moesia inferior (PIR2 J 397); vgl. Halfmann, Die Senatoren aus dem östlichen Teil des Imperium Romanum (Anm. 28) 95. Ygl. dazu in Kürze auch A.R. Birley, Hadrian and Greek Senators ZPE 1 16, 1997, 209 ff. 86 Wie z.B. C. Antius A. Iulius Quadratus, PIR2 1 507; siehe die Listen bei Halfmann (Anm. 28) 94 f. 87 Siehe schon oben Anm. 85. Dazu M. Pompeius Silvanus Staberius Flavinus oder T. Aurelius Fulvus, Bumand, in: EOS II 413. 417. ,
KAISERLICHES HANDELN IN ITALISCHEN STÄDTEN Der römische Kaiser war omnipräsent, jedenfalls für den, der ihn sehen wollte. Jeder Bewohner Italiens trug ihn bei sich - nämlich sein Bild auf den Münzen. Wichtiger aber war: Es gab wohl kein Forum einer italischen Stadt, auf dem nicht mindestens die Statue des lebenden Herrschers und vielleicht auch die Statuen der anderen Mitglieder der augenblicklichen domus Augusta zu sehen waren - oft neben den Bildern der früheren Kaiser, soweit diese nicht mit der Zeit aus Altersgründen oder unmittelbar nach dem Ende des jeweiligen Kaisers aus politischem Anlaß verschwunden waren. Puteoli oder Ostia mit ihrer reichen epigraphischen Überlieferung, aber ebenso auch viele andere Orte, zeigen selbst
heute noch, wie man vermutlich auf den öffentlichen Plätzen, vielleicht vor der Curie oder auch in den Vorhallen der Tempel fast eine Galerie der Herrscher seit Augustus abschreiten konnte.1 Und nicht selten waren in den Heiligtümern der Augustalen ganze Dynastien mit allen Abkömmlingen versammelt, wie z.B. in Rusellae.2 Die Frage ist allerdings, was diese bildliehe Präsenz bedeutete bzw. reprä sentierte - für das Leben des einzelnen Bürgers, vor allem aber der Gemeinden selbst. War diese bildliehe Anwesenheit Reflex einer überall wahrnehmbaren Realität, einer konkreten politisch-administrativen Wirklichkeit oder zeigt sich in diesen Bildern lediglich die Selbstverständlichkeit und allgemeine Akzeptanz der politischen Ordnung bzw. der loyalen Verehrung des fernen Herrschers? Eine ganz eindeutige Antwort in die eine oder andere Richtung wird schwer fallen, obwohl es noch weitere Zeichen für die fast allgemeine Präsenz des Herrschers gab: die Bürger vieler, ja vermutlich aller italischen Städte konnten über zahlreichen Bauten - über Stadttoren, Tempeln, Kurien, Bibliotheken, Vereinslokalen - auch die Namen der Kaiser in wechselnden Formen lesen. Weihungen pro salute des Imperators standen neben Formeln, in denen der Kaiser im Ablativ erschien, rein zur zeitlichen Bestimmung einer Maßnahme;3 an anderer Stelle wurde der Name
1 CIL X 1618 ff.; XIV 82 ff. 4340 ff. Vgl. D. Boschung, Die Präsenz des Kaiserhauses im öffentlichen Bereich, in: Stadtbild und Ideologie. Die Monumentalisierung hispa nischer Städte zwischen Republik und Kaiserzeit, hg. W. Trillmilch P. Zanker, München 1990, 391 ff. 2 V. Saladino, Iscrizioni Latine di Roselle, in ZPE 39, 1980, 215 ff.; ders., Un decennio di ricerche a Roselle. Statue e ritratti. Antica Citta di Roselle. I IugUo 5 Agosto 1990. Esposizione, Contributi Rosellani 1, Florenz 1990, 23 ff. Dazu in Kürze eine Neubearbeitung durch Stefano Conti in den Supplementa ltalica. 3 Daß der Kaiser nicht selten im Ablativ, also nur zur Datierung in Inschriften erscheint, und nicht im Dativ wurde häufig in Inschrifteneditionen nicht erkannt. -
-
298
Kaiserliches Handeln in italischen Städten
des Herrschers im Nominativ angegeben oder auch gelegentlich im Dativ. Für den Zeitgenossen mögen diese unterschiedlichen sprachlichen Formen in ihrem jeweiligen Inhalt klar und präzis gewesen sein, für uns sind sie in ihrer genauen Bedeutung,jedenfalls im Hinblick auf kaiserliches Handeln, keineswegs eindeutig. Die Schlüsse, die daraus in der Forschung gezogen werden, sind nicht selten widersprüchlich; oft werden diese Inschriften, fast unterschiedslos und direkt, als unmittelbarer Ausdruck konkreter, aktiver kaiserlicher Tätigkeit in den Städten verstanden.4 Dies soll freilich hier nicht vordringlich interessieren; denn dazu bedürfte es einer Detailuntersuchung vor allem der sogenannten Bauinschriften im Rahmen der wachsen den rechtlichen Regelungen sowie der ökonomischen und politischen
Entwicklungen, was hier nicht zu leisten ist.5 Vielmehr soll allgemeiner gefragt werden, wie der jeweils regierende Herrscher erstens regelmäßig und zweitens in konkreten Einzelfällen in den italischen Städten politisch-administrativ handelte bzw. handeln konnte.6 Dabei wird ganz abgesehen von kleineren oder größeren Reisen, die viele Kaiser speziell in Italien unternahmen oder die Teil weitaus greifender Unternehmungen in die Provinzen waren.7 So sehr solche Reisen auch
4 Siehe z.B. die unklaren Schlußfolgerungen von H. Jouffroy, Le financement des constructions publiques en Italie: initiative municipale, initiative imperiale, everge tisme prive, in Ktema 2, 1977, 329 ff. 5 Vgl. zur Problematik die Dissertation von Marietta Horster, Bauinschriften römischer Kaiser: Untersuchungen zur Bautätigkeit in den Städten des westlichen Imperium Romanum während des Prinzipals, Diss. Köln 1995 (im Druck). Sie diskutiert im Einzelnen die interpretatorischen Möglichkeiten, die mit den verschie denen Casus, in denen der Kaisername erscheint, verbunden sind. Wenig klar und methodisch oft problematisch E. Winter, Staatliche Baupolitik und Baufürsorge in den römischen Provinzen des kaiserzeitlichen Kleinasiens, Bonn 1996. 6 Vgl. dazu im Überblick Eck, Italien 6 ff.; F. Miliar, Italy and the Roman Empire: Augustus to Constantine, in: Phoenix 40, 1986, 295 ff.; W. Eck, Cittadini e amminis trazione statale nell' Umbria in eta imperiale, in: Atti del Congresso sull' Umbria antica, Assisi Dieerobre 1991 (im Druck) = in diesem Band 321 ff. 7 H. Halfmann, ltinera principum. Geschichte und Typologie der Kaiserreisen im Römischen Reich, Wiesbaden 1986, kommt gelegentlich darauf zu sprechen, allerdings nur im Zusammenhang mit Reisen in die Provinzen. Die kleineren Reisen, vor allem zu den verschiedenen, mehr oder weniger weit von Rom entfernten Villen, schließt er nicht in seine Erörterungen rnit ein. Solche Reisen sind bei allen Kaisern vorauszusetzen bzw. nachzuweisen; dabei konnten jeweils viele Städte 'betroffen' sein. Unter Augustus z.B. im J. 27 v.Chr. eine Reise nach dern Norden auf der via Flaminia; 19 v.Chr. Rückreise nach Rom über Campanien; 1 2 v.Chr. in Aquileia, Rückreise nach Rom; 9/8 v.Chr. in Mailand und Ticinum; 8 n.Chr. in Ariminum. Für Reisevorbe reitungen des 'Fiberius vgl. Suet., Tib. 38. Zur Möglichkeit, sich normalerweise an den Kaiser während einer Reise zu wenden, siehe ex negativo z.B. Suet., Tib. 40: urbe
egrediens ne quis se interpellaret edixerat, ac toto itinere adeuntis submoverat.
Kaiserliches Handeln in italischen Städten
299
für manche Entscheidungen wichtig gewesen sein mögen,8 so waren sie doch ins gesamt ein allzu unregelmäßiges Element in der politisch-administrativen Gestaltung des Lebens im kaiserzeitlichen Italien.
I. Regelmäßiges kaiserliches Handeln in den italischen Städten selbst konnte sich nur über andere Amtsträger vollziehen. Dabei waren notwendigerweise die republikanischen Magistrate von solch regelmäßigem Handeln ausgeschlossen, da
sie an Rom gebunden waren; sie konnten das caput mundi nicht verlassen. Doch die Betrauung einzelner Personen mit dauerhaften Funktionen außerhalb der Hauptstadt geschah, aufs Ganze gesehen, äußerst langsam; dies hat entscheidend zur spezifischen politisch-administrativen Situation der Halbinsel in den ersten beiden Jahrhunderten der Kaiserzeit beigetragen und u.a. die Besonderheit Italiens gegenüber den Provinzen zumindest partiell bewahrt.9 In einem knappen Über blick sollen die einzelnen Kategorien der Funktionsträger vorgestellt und nach dem Einfluß gefragt werden, den sie, soweit unsere Informationen dies erkennen lassen, auf die Städte außerhalb Roms genommen haben, und durch sie der Kaiser; denn - und dies gilt von Anfang an, seit Augustus - alle diese Funktionsträger sind im unmittelbaren Auftrag des Princeps tätig.
1)
Dies gilt auch für die als erste Amtsträger für Italien außerhalb Roms
bestimmten
curatores viarum; sie
ernannt von Augustus die
cura viarum
wurden bereits 20 v.Chr. eingesetzt und zwar
ex auetorirate senatus. 10 Da Augustus in diesem Jahr selbst
übernommen hatte, scheint er die Erhaltung der Funktions
fähigkeit des Straßensystems, wofür ja in erster Linie auch die Städte (für jeweils bestimmte Abschnitte) zuständig waren, so wichtig genommen zu haben, daß er unmittelbar andere, die ibm faktisch unterstanden und die die konkreten Aufgaben
8 Vgl. z.B. die Vermutung von R. Syme, Joumeys of Hadrian, in ZPE 73, 1988, 161
=
Roman Papers VI, Oxford 1991, 349, über eine Reise Hadrians im August 127: ad
ltaliam circum[padanam].
9 Eck, Italien passim; E. Lo Cascio, Le techniche dell'amministrazione, in: Storia di Roma. Vol. ll: L'impero mediterraneo ll. I principi e i1 mondo, Turin 1991, 1 1 9 ff. bes. 125 ff. 10 Dazu Eck, Italien 25 ff.; Ph. Cu1ham Ertman, Curatores viarum: A Study of the Superintendents of Highways in Ancient Rome (Phi!. Diss. State University of New York at Buffalo 1976), Ann Arbor 1984; W. Eck, Die Administration der italischen Straßen: Das Beispiel der Via Appia, in: La Via Appia, Quaderni del Centro di Studi per l'archeologia Etrusco-ltalica 18, 1990, 29 ff. ders., Verwaltung l, 295 ff. =
Kaiserliches Handeln in italischen Städten
300
übernehmen sollten, bestimmen ließ. Allerdings hat Augustus noch nicht, wie das größerenteils angenommen wird, das später bekannte System der Verant wortlichkeit je eines .Kurators für je eine Straße, also z.B. die
via Flaminia, eingeführt; kennen wir nicht - ein
vielmehr bildeten mehrere
collegium, das als
zuständig war, ähnlich wie die drei
via Appia oder die
curatores - ihre genaue ZahJ
solches für die Gesamtheit aller Straßen
curatores aquarum
gemeinsam für das
Funktionieren der stadtrömischen Wasserleitungen zu sorgen hatten.11 Gerade die kollegiale Organisation hat aJlerdings vermutlich dazu geführt, daß die Verant wortlichkeit vom einzelnen Kurator nicht sehr stark gefühlt wurde. Unter Tiberius und nochmals unter Claudius gab es deshalb harte Auseinandersetzungen im Senat, 1 2 und man kann zumindest vermuten, daß Claudius daraus die Konsequenzen gezogen und die Zuweisung je einer Straße an je einen Kurator an geordnet hat. Damit wäre eine klarere Zuständigkeit gegeben gewesen. Spätestens seit neronisch-vespasianischer Zeit wurden jedenfalls regelmäßig 7 oder
curatores
8
für bestimmte Straßen ernannt, 13 offensichtlich allein durch den
Princeps; jedenfalls fehlt später stets der am Anfang verwendete Hinweis
ex s.c.
bei den curatores. Unsere Überlieferung gestattet uns nur ganz wenige und zumeist nur indirekte Einblicke in die konkrete Tätigkeit der
curatores
und
ihre Verbindung mit den
Städten. Vermutlich waren sie für die Regelung der finanziellen Fragen zuständig, soweit
redemptores die Instandhaltung oder auch den Neubau übernahmen. Da die
Grundbesitzer zu den Kosten beitragen mußten, scheint es unumgänglich, daß die
curatores
als Regelungsinstanz, vor allem bei Unklarheiten oder Streitigkeiten,
auch mit den Städten unmittelbar verhandelten; das gilt insbesondere für die wenigen Kuratoren, die direkt den Neubau von Straßen durchgeführt haben, wie bei der via Domitiana oder via
Traiana. 14
Es wäre nun allerdings sicher unzutreffend sich vorzustellen, solche Straßenkuratoren wären ständig unterwegs gewesen und hätten vor Ort auf dem Territorium der einzelnen Städte kontinuierlich den Zustand der Straßen kon trolliert und die anfallenden Bauarbeiten überwacht. Das war bei einem römischen Straßensystem wegen der relativ großen Dauerhaftigkeit nicht nötig. Vor allem wäre es bei einer solchen normalen 'Arbeitsauslastung' überhaupt nicht erklärlich,
1 1 Hierzu W. Eck, Cura viarum und cura operum publicorum als kollegiale Ämter im frühen Prinzipat, in: Klio 74, 1992, 237 ff. ders , Verwaltung I , 287 ff. 1 2 Tac., ann. 3, 3 1 , 5; Dio 59, 15, 3; 60, 17, 2. =
13 Eck, Italien 44 ff. 14 CIL V 7812; AE 1964, 239 für die
=
.
via Domitiana; CIL Ill 1 2 1 1 7 D. 1036; X 6312 D. 1035 und andere Texte für die via Traiana; vgl. Eck, Italien 55 ff. =
Kaiserliches Handeln in italischen Städten
301
daß Traian nach der Einrichtung seiner Alimentarstiftung den curatores viarum auch noch die Kontrolle der alimenta übertragen hat. Somit darf man eher davon ausgehen, daß die curatores viarum zwar gele gentlich, wenn es nötig war, in den Städten ihres Straßenbereiches erschienen; sie waren aber keineswegs Beauftragte des Kaisers, die kontinuierlich in den Städten ihres Amtsbereiches anwesend waren. Bezeichnend mag dafür folgende Beobach tung sein: Römische Amtsträger wurden von den Bewohnern Italiens und der Provinzen, mit denen sie während ihrer Funktion zu tun hatten, nicht stets wohlwollend beurteilt; doch hat es fast stets, wenn auch vielleicht aus sehr eigennützigen Motiven, Formen der Anerkennung gegeben, was im kaiser
zeitlichen Zusammenhang vor allem statuarische Ehrungen mit den entsprechen den Inschriften bedeutete. Von italischen Amtsträgern ist dies z.B. bei den iuridici bemerkbar, die erst seit etwa 165/166 amtierten: Mehr als 14 Fälle lassen sich finden, in denen iuridici, zumeist nach Abschluß ihrer Amtszeit von einer Stadt ihres Einsatzbezirkes geehrt wurden.15 Für die bereits seit Augustus amtierenden
curatores viarum aber ist bis heute keine einzige derartige Inschrift auf einer Statuenbasis bekannt geworden. Dieses Faktum kann nicht zufallig sein. Denn wir kennen insgesamt mehr als 100 Kuratoren während der ersten drei Jahrhunderte.16 Möglicherweise wurde die Tätigkeit der curatores, die ja vor allem
Forderungen finanzieller Art oder von munera mit sich brachte, nicht immer
besonders geschätzt; aber das galt auch häufig für andere Amtsträger, bei denen trotzdem die genannten Formen der Ehrung immer wieder anzutreffen sind. Somit darf man aus dem Fehlen jeglicher Ehrenstatuen für ehemalige curatores viarum eher darauf schließen, daß kein allzu enger und häufiger Kontakt zwischen diesen kaiserlichen Amtsträgern und den Städten ihres Amtsbezirks bestand. J7 Sie stellten somit nur in sehr peripherer Weise regionale Repräsentanten der kai serlichen Macht dar. Dies gilt offensichtlich selbst für die Zeit seit Beginn des 2. Jb.s, als häufig, wenn nicht sogar regelmäßig, den curatores viarum die Abwicklung und Kontrolle der lokalen alimenta übertragen wurden, wobei die curatores zumeist die
15 Siehe das Quellenmaterial bei M. Corbier, Les circonscriptions judiciaires de I'Italie de Marc-Aurele a Aurelien, MEFRA 85, 1973, 635 ff. 16 Siehe die Zeugnisse bei Eck, Italien 80 ff.; neue Kuratoren werden genannt in AE 1980, 427; 1984, 36. 182; G. Camodeca, Index 18, 1990, 320 ff. = AE 1990, 127; M. Cicikova V. Bozilova, MEFRA 102, 1990, 6 1 1 ff. AE 1990, 863; W. Eck J. Sa�el, in: EOS I 481 ff. 17 Vgl. Eck, Die Administration der italischen Straßen (Anm. 10) 35. -
=
-
Kaiserliches Handeln in italischen Städten
302
zusätzliche Bezeichnung praefecti alimentorum trugen. 18 Bei der Einrichtung der
alimenta in den
einzelnen Städten waren einzelne Beauftragte vor Ort erschienen,
so z.B. Cornelius Gallicanus in Veleia und Pomponius Bassus in Ferentinum.19 Doch über das. Anfangsstadium der alimenta, d.h. die Einrichtung der Institution, muß die konkrete Anwesenheit dieser Beauftragten in den Gemeinden außerhalb Roms im allgemeinen nicht hinausgegangen sein. Die monatliche Auszahlung der Förderbeträge an die Kinder konnte nicht durch sie erfolgen; dazu waren die jeweiligen Bezirke viel zu groß und zu viele Städte hätten besucht werden müs sen.20 Vielmehr gehörte diese Aufgabe in die Kompetenz der örtlichen, munizi palen quaestores alimentorum. Typischerweise kennen wir deshalb auch z.B. eine Ehrung für einen solchen (ehemaligen)
quaestor alimentorum durch die pueri et
puellae alimentari in Asisium,21 jedoch keine einzige Ehrung eines senatorischen praefectus alimentorum
in den vielen Städten Italiens, die an der Alimentar
institution teilnahmen; bezeugt sind bisher mindestens 55 Gemeinden.22 Es mag sogar sein, daß die Abrechnungen über die
alimenta
gar nicht stets vor Ort er
folgten, sondern den praefecti in schriftlicher Form nach Rom übermittelt wurden. Naürlich t heißt dies nicht, die praefecti alimentorum et curatores viarum hätten Rom nie verlassen; denn der für uns unbekannte Senator, dessen
pretiis gladiatorum minuendis
sententia de
uns erhalten ist. gebt davon aus, die Munizipal
magistrate in Italien, die Probleme bei Gladiatorenspielen zu bewältigen hatten, könnten sich an verschiedene Amtsträger ihrer Region wenden; dabei nennt er auch die praejecti alimentorum und curatores viarum.23 Doch deutet zumindest in unserer Überlieferung nichts darauf hin, daß die praefecti alimentorum et curatores
viarum
als kaiserliche Funktionsträger
häufiger
in den Städten ihres
Bereiches erschienen; und auch aus allgemeinen Überlegungen heraus findet sich dafür keine Wahrscheinlichkeit.
2) Das gilt möglicherweise, zumindest während des 1 . Jh.s, nicht in gleicher Weise für den praefectus vehiculorum und sein Subalternpersonal aus kaiserlichen Sklaven und Freigelassenen, die für die
vehiculatio
oder den
cursus publicus
1 8 Eck, Italien 166 ff.; E. Lo Cascio, Curatores viarum, praefecti alimentorum e procuratores alimentorum: A proposito dei distretti alimentari, in: Studi di antichita, Lecce 1980, 237 ff. l9 CIL XI 1 147, IIJ 13. 53; vgl. N. Crinili, La tabula alimentaria di Veteia, Parma 1991; CIL VI 1492 = D. 6106. 20 Vgt. vor allem Eck, Die Administration der italischen Straßen (Anm. 10) 32 ff. 2 1 CIL XI 5395 D. 6620. 22 Siehe die Liste bei Eck, Italien 187 ff.; zu ergänzen ist Ticinum: Suppt. lt. 9, 257 Nr. 3 und Nota: Not. Sc. 1900, 101 ff. = Stein, Burs. Jahresber. 1 14, 1909, 248. 23 CIL ll 6278 = D. 5163 FIRA 12 49 Zeile 42 ff. =
=
Kaiserliches Handeln in italischen Städten
303
zuständig waren.24 Organisiert wurde das System der velticulatio bereits durch Augustus und vermutlich hat auch er bereits einen ritterlichen Leiter für das Nachrichten- und Transportsystem bestellt.25 Daß z.B. Sueton, der doch über alle neuen senatorischen Ämter in der Stadt Rom unter Augustus berichtet,26 nichts über den praefectus velticulorum sagt, braucht nicht zu verwundern; auch die anderen ritterlichen Funktionen, die später von größter politischer bzw. admini strativer Bedeutung waren wie die praefectura praetorio, annonae, vigilum, ja selbst die praefectura Aegypti, finden bei ihm in der vita des Augustus, der die Funktionen begründete, keine Erwähnung.27 Die konkrete Organisationsform der velticulatio in Italien ist nur rudimentär erschließbar; doch ist zumindest eindeutig, daß sie wegen ihrer Bedeutung für das Funktionieren der Verbindung zwischen Rom und den Provinzen und wegen der Gefahr des Mißbrauchs einer stärkeren Beobachtung bedurfte. Zuständig waren, jedenfalls während des 1 . Jh.s, vor allem die munizipalen Magistrate, die für die Bereitstellung der Zugtiere, Reittiere und der Wagen sowie die Übernachtungs möglichkeiten zu sorgen hatten.28 Teil des Systems waren aber auch Abteilungen der Flotte, vermutlich der von Ravenna und auch von Misenum, die, wie ein bisher nicht beachteter Hinweis bei Tac., ann. 4, 27, 1 zeigt,29 regelmäßig den Verkehr zumindest zwischen Italien und Griechenland für Nachrichtenüberbringer, aber vermutlich auch für Amtsträger, aufrechtzuerhalten hatten. Wer, wenn nicht der praefectus velticulorum, soll die Überwachung der konkreten organisatorischen Maßnahmen an den Straßen, in den Städten durchgeführt haben? Da der praefectus vehiculorum, nach allem was wir wissen, im allgemeinen ein Ritter war, der mehrere Stufen der militia equestris hinter sich gebracht hatte und damit über konkrete organisatorische Erfahrung verfügte, sollte er wohl eher kein reiner 'Schreibtiscbadministrator' gewesen sein, sondern häufiger vor Ort in den Städten
24 H.-G.
Pflaum, Essai sur le cursus publicus sous le Haut-Empire Romain, Paris 1940; Italien 88 ff. 25 Eck, Italien 89 ff. 26 Suet., Aug. 37. 27 W. Eck, Augustus' administrative Reformen: Pragmatismus oder systematisches Planen?, Acta Classica 29, 1986, I I I ff. = ders., Verwaltung J, 83 ff. 28 Vgl. St. Mitchell, RequisHioned Transport in the Roman Empire: A New lnscription from Pisidia, JRS 66, 1976, 107 ff.; vgl. AE 1976, 653. 29 Im Zusammenhang des Ausbruchs einer Sklavenrevolte in Apulien und ihrer Unterdrückung sagt Tacitus: cum velut munere deum tres biremes adpulere ad usus commeantium illo mari. Zur näheren Erklärung dieser bisher nicht verstandenen Passage {vgl. z:.B. J. Fumeaux, The Annals of Tacitus I, Oxford2 1896, 522; E. Koes termann, Annalen, Bd. 2, Heidelberg 1965, 102) W. Eck, Tacitus, Ann. 4, 27, I und der cursus publicus auf der Adria, SCI 13, 1994, 60 ff. = in diesem Band 339 ff. Eck,
Kaiserliches Handeln in italischen Städten
304
seinen Aufgaben nachgegangen sein.30 Als seit Nerva zumindest die Kosten, seit Traian/Hadrian aber auch die konkrete Durchführung nicht mehr den Munizipal magistraten aufgebürdet
wurde, sondern vermutlich einzelnen
Pächtem,31
da
verlagerte sich freilich die Tätigkeit des praefectus vehiculorum von den Städten weg hin zu Privatunternehmern und zu collegia.
Doch bleibt dabei vieles unklar; Städte auch in Italien i n vielfacher Hin sicht doch noch mitbetroffen wurden. Das gilt insbesondere für den gesamten Aspekt der kaiserlichen Reisen, die vermutJich in Italien ebenfalls, zumindest unter normalen Umständen, vom praefectus
vor allem
ist
nic
ht
zu sehen, ob nicht trotz aller Entlastung die
vehiculon1m organisiert wurden.32 Gerade dann jedoch mußten die Städte betroffen worden sein. Selbst wenn jedoch diese Überlegungen zutreffen, hätte dies nicht zur Folge,
im
praefectus vehiculorum einen ständigen Vertreter des Kaisers in den Städten
Die Zahl der Städte hat auf keinen Fall Anwesenheit des praefectus an einem einzelnen Ort erlaubt. Italiens sehen zu müssen.
eine längere
3) Eine tiefgehende 'revolutionäre' Änderung der kaiserlichen Präsenz i n den Städten Italiens trat mit Hadrian ein; sie wirkte so einschneidend, daß Pius gezwungen war,
die
Maßnahme seines Vorgängers
Antoninus wieder zurück
z u neh m e n 33 Es war die Einsetzung der sogenannten vier hadrianischen .
consulares, deren präziser Amtstitel, wie wir seit kurzer Zeit wissen, allerdings legatus (Augusti) pro praetore lautete, worin sich auch das 'revolutionäre' Element der Maßnahme kundtut. Nur zwei von ihnen sind bekannt: der spätere Kaiser Antoninus Piu s34 und L. Vitrasius Flamininus, cos. suff. 122; dieser letztere wird
30 Vgl. zusammenfassend zu den frühen praefecti vehiculorum, die alle aus der militia eyuestris kamen, Pflaum. Carrieres procuratoriennes equestres 18 ff.
Eck, Italien 95 ff. In diesem Zusammenhang spielt vor allem auch der bei Stat., silv. 4, 9 genannte Plotius Grypus eine wichtige Rolle; zur Deutung auf den praefectus vehiculorum bei Eck, Italien 91 f. Vgl. ablehnend F. Berard, La carriere de Plotius Grypus et le ravitail lement de l'armee imperiale en campagne, MEFRA 96, 1984, 259 ff.; F. Miliar, Phoenix 40, 1986, 705 Anm. 29; K.M. Coleman, Statius, Silvae IV, Oxford 1988, 220 ff.; zustimmend Halfmann, Itinera principum 76 und Pflaum. Carrieres procura toriennes equestres Suppl. 19 f. Die Kritiker müßten erklären, wieso einem rund 20jährigen jungen Mann eine solche Aufgabe übertragen worden sein sollte, der zudem Senatorensohn gewesen sein soll. Solches ist mit den uns bekannten Strukturen nicht vereinbar. 33 W. Simshäuser, luridici und Munizipalgerichtsbarkeit in Italien, München 1 973, 235 f.; M. Corbjer, MEFRA 85, 1973, 617; Eck, Italien 247 ff. 34 HA Pius 2, I I : ab Hadriano inter quattuor consulares, quibus ltalia committebatur, 3 32
elecws est ad eam partem /taliae regendam, in qua plurimum possidebat.
305
Kaiserliches Handeln in italischen Städten als leg. pr. pr. Italiae Transpadanae bezeichnet,35 womit nicht die
regio X gemeint
ist, sondern das gesamte transpadanische Gebiet. Der 'revolutionäre' Zug bei der Ernennung dieser Amtsträger war einmal ihre offensichtlich umfassende iuris diktionelle Kompetenz, die auch die Kriminalrechtsfälle umfaßt haben muß; zum andern übten sie ihre Tätigkeit nun ohne Zweifel nicht in Rom, sondern außerhalb in dem ihnen zugewiesenen Bereich aus, somit ganz anders als die bisherigen stadtrömischen Magistrate und Funktionsträger, wie Prätoren, Konsuln, praefectus
urbi oder praefecti praetorio, legati
die Rom im Normalfall nicht verlassen konnten. Die
aber agierten wie kaiserliche Statthalter in den Städten Italiens; d.h. sie
agierten nicht nur so, sondern sie waren Statthalter im Vollsinn des Wortes, konnten von solchen weder durch die Amtsbezeichnung noch inhaltlich unterschieden werden. Dies war schließlich wohl auch der Grund dafür, daß Antoninus Pius sich offensichtlich gezwungen sah, sie nach dem Tod Hadrians wieder abzuschaffen, weil ihre Existenz Italien allzusehr einer Provinz angenähert hatte.36 So sind uns konkrete Auswirkungen ihres Handeins während ihres vielleicht nur rund elf-jährigen Existierens nicht direkt greifbar. Wir können es jedoch abschätzen am Wirken der iuridici, die rund ein Vierteljahrhundert später die wesentliche Funktion der legati wieder aufnehmen. Denn Mare Aurel erneuerte das Experiment seines kaiserlichen Großvaters. Er ernannte Amtsträger, deren Titel bescheidener war und nicht an einen Statthalter erinnerte, deren Rang nur prätorisch war im Gegensatz zu den konsularen
legati;
schließlich lauteten ihre
Amtsaufgaben auch weniger umfassend, sie betrafen nur die freiwillige Gerichtsbarkeit.37 Doch auch in dieser Beschränkung wird deutlich, wie sie in den Städten direkt die kaiserliche Macht vertraten, wie sie erreichbar waren, nicht nur für ihren engeren Kompetenzbereich, sondern auch für andere anfallende Not wendigkeiten, bei denen sie eingesetzt werden konnten.38 So wird sogleich beim ersten
iuridicus per ltaliam regionis Transpadanae, Arrius Antoninus,
Inschrift, die der ordo
Concordiensium
in einer
unter eine Statue setzte, gerühmt:
qui
providentia maximor(um) imperat(orum) missus urgentis annonae difficultates
35 G.
Camodeca, in: EOS I 529 ff.
36 W. Eck, Die italischen legati Augusti pro praetore unter Hadrian und Antoninus Pius,
in: Historiae Augustae Colloquia, Colloquium Parisinum 1990, Macerata 1991, 183 ff. ders., Verwaltung I , 315 ff. 37 Dazu zusammenfassend Eck, Italien 256 ff. 38 Diese gelegentlichen Tätigkeiten außerhalb ihres deutlich beschriebenen juri stischen Kompetenzbereiches sind allerdings nicht zu den originären Amtsaufgaben zu zählen; vielmehr handelt es sich dabei stets um Einzelmaßnahmen aus konkreten Umständen heraus. =
Kaiserliches Handeln in italischen Städten
306
iuvit et consuluit securitatifimdatis rei p(ublicae) opibus.39 Vergleichbare Reak tionen ließen sich in großer Vielfalt für andere iuridici anführen.40 Damit ist nichts über die Effektivität dieser Amtsträger gesagt, doch ist ihre konkrete Anwesenheit in den Städten Italiens selbst unbestreitbar. Mit ihnen waren tatsächlich zum ersten Mal kaiserliebe Funktionsträger dauerhaft in ganz Italien außerhalb Roms tätig und relativ leicht für die Bevölkerung der betroffenen Regionen erreichbar. Damit war auch der Kaiser selbst näher an die italischen Untertanen herangerückt. 4) Bereits lange vor den legati oder iuridici wurden von einzelnen Herrschern curatores rei publicae in einzelne Städte Italiens abgeordnet.4' Und gerade die
ersten Zeugnisse betonen die kaiserliebe Aktion mit Nachdruck. So wird von dem Brixianer P. Clodius Sura erwähnt, er sei curat(or) rei p(ublicae) Bergom(ensium) dat(us) ab imp(eratore) Traiano, curat(or) rei p(ublicae) Comens(ium) dat(us) ab imp(eratore) Hadriano42 gewesen. Doch ihre Zahl stieg, jedenfalls in Relation zur Gesamtheit der italischen Gemeinden, nur langsam an; wann sie ein allgemeines Phänomen geworden sind, läßt sich nur schwer sagen. Am Ende des 2. Jh.s war dies jedenfalls noch nicht geschehen. Vor allem aber kann man zweifeln, ob jeder oder doch die meisten curatores rei publicae tatsächlich in der ihnen anvertrauten Stadt über längere Zeit präsent gewesen sind. Diesen Zweifel muß man weniger deswegen haben, weil einer der ersten Kuratoren, Curiatius Cosanus, zuständig für Caere, seinen Aufgaben in einem konkreten Fall von seiner Heimatstadt Ameria aus nachging.43 Vielmehr ist es aus allgemeinen Gründen und spezifischen Notwendigkeiten heraus schwer vorstellbar, daß die vielen Senatoren, die seit Mare Aurel immer mehr solche Aufgaben übernahmen, sich für längere Zeit außerhalb Roms mit den Angelegenheiten relativ unbedeutender Landstädte abge geben hätten.44 So war L. Fabius Cilo, praefectus urbi und consul ll im J. 204, auch curator von lnteramna Nahars und von Graviscae:45 doch verglichen mit = D. 1 1 18. Siehe z.B. CIL XI 377; VI 1509 D. 1 123; XI 2106 D. 1 138; XT 376 = D. 1 192; V 4341; Vl 1 5 1 1 D. 2934. 41 Eck, Italien 190 ff.; G. Camodeca, Rjcerche sui curatores rei publicae, in: ANRW ll 13, Berlin 1980, 453 ff.; F. Jacques, Les curateurs des cites dans I'Occident Romain. Paris 1983; ders., Le privilege de liberte. Politique imperiale et autonomie municipale dans les cites de I'Occident Romain ( 1 6 1 -244), Rom 1984. 42 CIL V 4368 = D. 6725. 43 CIL Xl 3614 = D. 5918 a. 44 Vgl. die Berechnungen, die F. Jacques für die vermutliche Zahl der jeweils gleich zeitig tätigen senatorischen curatores r.p. angestellt hat: Jacques, Privilege 199 ff. 45 CIL Vl l408 D. 1 141.
39 CIL V 1874 40
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Kaiserliebes Handeln in italischen Städten
307
seinen sonstigen Ämtern waren das recht nebensächliche und kleine Aufgaben. Somit darf man in der Mehrzahl der Fälle davon ausgehen, daß solche Aufgaben
und Angelegenheiten zwischen der entsprechenden Gemeinde und dem Kurator
schriftlich, manchmal vielleicht auch durch einzelne Gesandte, die aus den Städten
an den Kurator gingen, erledigt wurde, vor allem wenn die Kuratoren senatorischen Ranges waren oder prokuratorisehe Ämter bekleideten, also der führenden Elite des Reiches angehörten. Trifft aber diese Schlußfolgerung zu, dann stellen gerade die
curatores rei
publicae in der Mehrzahl keine regelmäßigen, direkten Repräsentanten des Kaisers vor Ort dar. Innerhalb ihres engeren Aufgabenbereichs mochten sie durchaus
wirksam sein; denn schon das Wissen um die Kontrolle und die notwendige Nachfrage beim
curator
hat mit Wahrscheinlichkeit manche Städte vor allzu
verwegenen finanziellen Beschlüssen abgehalten. Aber der curator konnte so im
allgemeinen kein aktiver Vertreter kaiserlicher Politik, ja nicht einmal ihr stän
diger Repräsentant in den italischen Gemeinden sein.46
u. Tm
J. 46 n.Chr. erließ Claudius ein Edikt, das wir im aUgemeinen edictum
C/audii de civitate Anaunorum
nennen.47 Der Titel ist insoweit irreführend, als
der Text tatsächlich zwei Entscheidungen enthält, die inhaltlich direkt nichts miteinander zu tun haben. Denn die erste Entscheidung des Claudius betrifft GrundstUcksfragen zwischen den Comenses und den Bergalei, erst die zweite befaßt sich mit der Frage des Bürgerrechts der Anauni, Tutliasses und Sinduni.48 Beide Fragen sind durch einen gewissen Camurius Statutus, den Claudius ohne negativen Beigeschmack als gebracht worden. Ihm, dem
delator bezeichnet, delator,
zur Entscheidung vor Claudius
verdanken wir auch die 'Publikation' des
Textes. Denn nicht etwa aus administrativen Gründen, wie man annehmen
46
Auch von den wenigen Prokuratoren, die in Italien für den Einzug von Steuern zuständig waren, läßt sieb kein sehr starker Einfluß auf die Städte erwarten bzw. erweisen. Auch sie haben sich wohl zumeist in Rom aufgehalten. Lediglieb die Regionalprokuratoren für die XX hereditatium waren wohl aus unminelbar zwingenden praktischen Gründen heraus, z.B. der n01wendigen Anwesenheit bei der Testaments eröffnung, unmittelbar in ihren jeweiligen Bezirken tätig. 47 CIL V 5050 = D. 206 = FIRA 12 Nr. 7 1 . 48 Siehe zuletzt U . Scbillinger-Häfele, Das Edikt des Claudius CIL V 5050, Hermes 95, 1967, 353 ff.
Kaiserliebes Handeln in italischen Städten
308
könnte,49 sind die beiden Texte (auf dauerhaftem Material) veröffentlicht worden, sondern von dem Ankläger aus rein privater Ursache: er wollte seinen Erfolg dokumentieren. Und dies ist auch der Grund, weshalb die sachlich nicht zusam mengehörigen Edikte auf eine einzige Bronzetafel geschrieben wurden.50 In beiden Entscheidungen fassen wir einen Teil des kaiserüchen Handelns; es ist das reaktive Handeln gegenüber Problemen, die
an
den Herrscher herangetragen
wurden. Antragsteller konnten sehr unterschiedliche Personen sein. So hat C. Mi nicius ltalus, der als höchstes ritterliches Amt die Präfektur von Ägypten erreicht hatte, für seine Heimatstadt Aquileia von Traian das Privileg erbeten, daß auch die
incolae - in Aquileia, einer Hafenstadt, eine große und fmanziell potente Gruppe zu den munera herangezogen
werden durften.51 Unter Antoninus Pius konnte L.
Fabius Severus, der gerade das erste senatorische Amt als quaestor urbanus hinter sich gebracht hatte, ebenfalls für seine Heimatstadt,
für Tergeste, vom Princeps
das Recht erhalten, daß führende Persönlichkeiten der Stämme der Carni und Catali, die der Stadt nur attribuiert waren, in die Curie zugelassen wurden;52 auch hier spielten ökonomische Gründe für den Antrag der Gemeinde eine wesentliche Rolle. Doch mußten diejenigen, die als Verminter eingeschaltet wurden oder von denen die Anregungen kamen, keineswegs unbedingt senatorischen oder ritterlichen Rang einnehmen; auch ein
cornicularius des praefectus vigilum in Rom, ein
gewisser Aetrius Ferox, konnte seiner Heimatgemeinde Tuficum in Umbrien das Privileg auf eine Straßengebühr vermitteln.53 Wir dürfen sicher sein, daß zahl reiche der Patrone, die von den Dekurionenräten
in verschiedenster Form geehrt
wurden, sich in ähnlicher oder verwandter Form für ihre Klientelstädte oder Herkunftsorte eingesetzt haben. Die Vermittlung über einige
potentes hat ohne
Zweifel einen Teil der anfallenden Probleme der Städte vor dem Kaiser ohne regelhaftes administratives Zwischenglied lösbar gemacht. Die große Zahl der Patrone gerade in Italien hat deshalb den Gedanken nahegelegt, durch dieses Faktum die außerordentlich geringe Zahl von konkreten städtischen Gesandten, die
49
Soweit ich sehe, hat bisher niemand eine klare Aussage dazu gemacht.
U. Schillinger-Häfele (Anm. 48) hat richtig gesehen, wodurch die beiden Entschei
dungen zusammengehalten werden, nämlich durch die Gestalt des Delators. Doch die Frage, wer den Text 'publizierte', hat sie sich offensichtlich nicht gestellt. so Siehe zur Gesamtproblematik jetzt im Zusammenhang W. Eck, Administrative Dokumente: Publikation und Mittel der Selbstdarstellung, unten 359 ff. = MEFRA 1997 (im Druck). 51 ClL V 875 = D. 1374. 52 ClL V 532 D. 6680. D. 2666 a; vgl. XI 5693 = D. 2666. 53 ClL XI 5694 =
=
Kaiserliches Handeln in italischen Städten
309
sich aus Italien nach Rom zum Kaiser begaben, zu erklären.54 Denn tatsächlich sind aus Italien nur insgesamt 9 Personen direkt durch Inschriften bezeugt, die im Auftrag etwa des Dekurionenrates munizipale Probleme in Verhandlungen mit dem Kaiser lösten.55 Das bräuchte nicht weiter zu überraschen und müßte auch kein Anlaß sein, nach der Repräsentativität dieser Zahl gegenüber den tatsäch lichen Verhältnissen zu fragen, wenn wir nicht umgekehrt aus dem griechischen Osten außerordentlich viele
Legati kennen
würden, und zwar auf inschriftlichem
Weg.56 Nun könnte man diesen Unterschied natürlich durch gegensätzliche Voraussetzungen für den diplomatischen Verkehr zwischen dem Kaiser und den Gemeinden einerseits Italiens und andererseits der griechischen Provinzen, u.a. mit
der Zahl der Patrone für die einzelnen Städte erklären. Denn se lbst wenn Canusium mit seinen 39 Patronen zur gleichen Zeit nicht unbedingt ein Normalfall, was die Zahl der Patrone betrifft, sein muß,57 so kann man doch, vor allem
in
den zentralen Regionen Italiens,
in
vielen Städten mit zahlreichen
Patronen rechnen.58 Dies war im Osten des Reiches aus einsichtigen Gründen nicht im gleichen Maß der Fa1J.59 Dennoch ist die Vorstellung, die Patrone könnten quasi das 'administrative' Äquivalent für die geringe Zahl der
Legati
darstellen, nicht die einzig mögliche Erklärung oder zumindest könnte dies höchstens eine partielle Erklärung sein. Denn auch in den lateinischen West provinzen finden wir dasselbe Phänomen wie in Italien, daß nur äußerst selten die
54 Eck, Italien 15 Aom. 27; vgl F. 55 CIL V 5894 = D. 6732; IX 4976.
Miliar, Phoenix 40, 1986, 315. 5420; X 3725. 4658 D. 6300; XI 1421 = D. 140; XI 2633 = D. 6597; AE 1959, 254. Auch in CIL X1 1420 D. 139 wird von legati gesprochen, die bald zu Augustus abgesandt werden sollen. Ob sich CIL V 3937 und IX 3856 auf munizipale Legaten beziehen, scheint mir unsicher. Zu konkreten Gesandten in literarischen Quellen vgl. Fronto, ad am. 2, 7, 3 und Ageonius Urbicus p. 41 (Th.). Zu einem möglichen /egatus vgl. Anm. 70. S6 Eine Sammlung der einschlägigen Quellen findet sich in der noch unpublizierten Dissertation von G. Souris, Studies in provinciaJ diplomacy under the principate, Phil. Diss. Cambridge 1984. Ich bin Herrn Souris zu Dank verpflichtet, daß ich seine Arbeit einsehen konnte. Vgl. auch das in Diz. epigr. IV 5 1 2 ff. (unvollständig) gesammelte Quellenmaterial; auch hier ist der mengenmäßige Unterschied zwischen dem Osten und Westen evident. 57 CLL IX 338 = D. 6121 = M. Chelotti R. Gaeta - V. Morizio - M. Silvestrini, Le epigrafi Romane di Canosa I, Bari 1985, 48 ff. Nr. 35. Zu den vermuteten Gründeo für die hohe Zahl vgl. J. Nicols, Prefects, Patrooage and the Administration of Justice, ZPE 72, 1988, 201 ff.; seine Vorschläge sind m.E. zu spekulativ und geben keine sichere Basis flir weiterfUhrende Überlegungen. 58 Vgl. F. Engesser, Der Stadtpatronat in ha.lien und den Westprovinzen des römischen Reiches bis Diokletian, Diss. Freiburg 1957. 59 J. Nicols, Patrons of Greek Cities in the Early Empire, in: ZPE 80, 1990, 81 ff.; ders., Patrons of Provinces in the Early Principate: the Case of Bithynia, ibid. I 0 I ff. .
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Kaiserliches Handeln in italischen Städten
310
Funktion einer Legatio in einem munizipalen Cursus erwähnt wird.60 Dort aber waren die Patrone ohne Zweifel auch seltener als in Italien. Die Notwendigkeiten für eine Kommunikation zwischen den Gemeinden und Rom bestand aber trotzdem und wurde natürlich auch erfüllt. Die Erklärung für die beobachtbaren Differenzen zwischen dem Osten mit vielen bezeugten Abgesandten und Italien mit äußerst wenigen liegt weit eher in einem Spezifikum unserer Überlieferung. Zunächst einmal ist darauf hinzuweisen, daß nicht wenige der städtischen Gesandten aus den östlichen Provinzen am Ende der kaiserlichen Antwortschreiben, die sie zurückbrachten, genannt sind.61 Aus Italien ist aber, wenn ich recht sehe, überhaupt nur ein einziger Kaiserbrief an eine Stadt erhalten, die epistttla Domitiani ad Falerienses; dort sind, ganz selbstverständlich, die /egati am Ende erwähnt.62 Zum andem aber ist von dem Faktum auszugehen, daß in den Stadtgesetzen genaue Vorschriften getroffen waren, um die Verteilung der Gesandtschaften unter den Dekurionen zu regeln; die Lex lrnitana hat dies erst neuerlich wieder in allen Details klar gemacht.63 Legationes galten im allge meinen nicht als eine sehr willkommene Aufgabe; Reisen waren aufwendig, zumindest wurde häufig faktisch erwartet, daß die Legati sich die Kosten nicht von den Gemeinden erstatten ließen. Reisen aber waren auch nicht selten gef ahrlich; nicht wenige Inschriften Roms zeugen vom plötzlichen Tod von Gesandten.64 So waren Legationes für viele Dekurionen ein wirkljcbes munus, das nur über nommen wurde, weil man dazu gezwungen war. Gerade solche Aufgaben jedoch, die nur als Pflicht erfüllt wurden, für die man sich die Kosten auch noch von den Gemeinden ersetzen ließ, waren kein Faktum, das Erwähnung in Inschriften ver diente - es sei denn, man hatte eine Legatio gratuita übemommen65 oder man hatte einen außergewöhnlieben Erfolg in Rom erzielt; dann lohnte es sich, solches auch einmal innerhalb eines munizipalen Cursus zu erwähnen66 oder - im Osten - den
60 Wie häufig tatsächlich etwa in den spanischen Provinzen Iegationes durchgeführt
wurden, ersieht man an den zahlreichen tabulae patronatus (bisher 13), die jeweils von legati überbracht wurden. Auf Grund dieses besonderen Inschriftentyps kennen wir also städtische Gesandte, dagegen kaum durch übliche Cursusinschriflen. Vgl. J. Nicols, Tabulae patronatus. A Study of the Agreement between Patron and Cl ient Community, in: ANRW ll 13, Berlin 1980, 535 ff.; W. Eck F. Fcrnandez, Sex. Marius in einem Hospitiumvertrag aus der Baetica, ZPE 85, 1991, 2 1 7 ff. 6t Siehe Oliver, Greek Constitutions 6 ff. 62 CIL IX 5420 ARA r Nr. 75. 63 J. GonzAiez, JRS 76, 1986, 159 f. = F. Femändez G6mez - M. del Amo y de Ia Hera, La Lex Imitana y su contexto arqueologico, Sevilla 1990, 79 ff. 64 CIL VI 1803� XII I 750 = D. 7026; lll 5031 = D. 7 1 15; IGR I 198 = IGUR l l 352. 6S Siehe z.B. ClL ll 4208 D. 6927; X 7507 = D. 6772; Vill 22737 D. 6780; V 5894 = D. 6732; ILMr. 2 1 . 478; ILA!g. I 1300; AE 1963, 94. 66 CIL li 4055 D. 6925; Vlll 26637 a; IAMar. ll 448. -
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Kaiserliches Handeln in italischen Städten
311
Kaiserbrief, in dem der Name der Gesandten genannt war, auf eigene Kosten auf einer Inschrift zu verewigen.67 Doch im allgemeinen überging man solche munera stillschweigend. Stellt man diese Fakten und Überlegungen aber in Rechnung, dann sagt das weitgehende Schweigen der Quellen keineswegs mehr aus, die Zahl der Gesandt schaften nach Rom, an den Kaiser,68 aber ebenso auch an den Senat,69 sei verschwindend gering gewesen. Man darf sogar, analog zu dem, was wir aus dem Osten wissen, davon ausgehen, daß auch aus ltaJien (und den Westprovinzen) ständig zahlreiche Legati sich in Rom authielten, aus Italien vielleicht sogar mehr, da es insgesamt relativ leichter war, sich von dort nach Rom zu begeben. Das gilt
dann nicht nur bei so herausragenden Ereignissen wie den Trauerfeiern für Germanicus Ende des Jahres die
1 9 und Anfang des Jahres 20, als der Senat anordnete,
legati und magistratus der coloniae
und
municipia Italiens, die
sich gerade in
Rom autbielten, sollten die Senatsbeschlüsse abschreiben und in ihre Gemeinden überbringen.7° Vielmehr hat man regelmäßig, bei besonderen Anlässen aber in verstärktem Maß mit städtischen Gesandtschaften in Rom zu rechnen, die nicht nur Grußadressen an den Herrscher überbrachten, sondern auch Anfragen an ihn richteten und Lösungen erbaten. Auch bei dem schon erwähnten Fall der Privilegierung von Tergeste durch Antoninus Pius71 hatte der junge Senator Fabius Severus nicht allein gehandelt, sondern er hatte sich offensiebtlieh für die anwesende Gesandtschaft eingesetzt, die dann ihrerseits die caelestes
litterae des
Antoninus Pius zurückbrachte.72 Als Vespasian die nicht rechtmäßig ange wiesenen
subseciva
einzog, erschienen, weil viele Gemeinden betroffen waren,
zahlreiche Gesandtschaften vor ihm;13 und als im Senat
1 5 n.Chr. das Projekt
eines massiven Eingriffs in das Flußsystem des Tiber erörtert wurde, um die fast jährlich wiederkehrenden Überschwemmungen zu verhindern, meldeten sich
67 Vgl. die oben Anm. 50 erwähnte Arbeit. 68 Miliar, Emperor2 410 ff.
69 Vgl. dazu Talbert, Senate 4 1 1 ff. Gonzalez, ZPE 55, 1984, 76 = AE 1984, 508 11 col. b Z. 23 ff. Roman Statutes 1, London 1996, 5 1 8 Nr. 37.
70 J.
71 72
=
M. Crawford,
Oben Anm. 52. In diesem Sinn ist wohl auch der legatus zu verstehen, der in AE 1963, 94 auf einer Ehreninschrift für einen unbekannten Senator erwähnt wird, der sich als defensor immunitatis perticae Carthaginensium bewährt hatte. Vermutlich hatte der Unbe kannte, veranlaßt durch den legatus, sieb beim Kaiser oder dem Senat für d.ie Ange legenheit eingesetzt. 73 Corpus agrim. p. 41 (Th.).
Kaiserliches Handeln in italischen Städten
312
zahlreiche Gesandtschaften aus den Kolonien und Munizipien zu Wort.74 Bei solch außergewöhnlichen Anlässen mochte auch einmal die Historiographie Notiz von dem Phänomen nehmen, die Routinegesandtschaften aller Städte wurden ganz selbstverständlich nicht dokumentiert;75 sie blieben aber die Normalform des Austausches auch zwischen italischer Stadt und Herrscher.76 Diese FeststeUung, so wichtig sie insgesamt ist, kann freilich nur in geringem Umfang mit Substanz gefüllt werden; insbesondere ist es nicht möglich fest zustellen, welche Gegenstände vordringlich dabei erörtert wurden. Immerhin darf man wohl davon ausgehen, daß manche der durch Inschriften bezeugten Baumaß nahmen in den italischen Städten, an denen in der einen oder anderen Weise auch der Herrscher beteiligt war, auf diesem Weg entschieden wurden. Dies dürfte
beispielsweise auf die Gemeinde Rudiae zutreffen, die ex in[signi indu]lgentia des Commodus dtie Erlaubnis erhielt, vermutlich das Amphitheater wiederherzustellen. Freilich ging die insignis indulgentia des Commodus keineswegs so weit, daß er etwa die Kosten dafür übernahm; der Wiederaufbau vielmehr erfolgte pec(unia) publ(ica),71 was nur bedeuten kann, daß Rudiae die Finanzierung aus eigenen Mitteln durchführte. Möglicherweise hat sich die indulgentia des Commodus darauf bezogen, daß überhaupt städtische Gelder für den Bau verwendet werden durften. Eine solche kaiserliche Intervention scheint dann relativ wahrscheinlich gewesen zu sein, wenn bereits einer der Vorgänger des regierenden Herrschers eine Zusage zu einer Baumaßnahme gegeben hatte. So war durch Augustus den Bürgern von Bononia eine Badeanlage geschenkt worden, Gaius oder Nero aber 74 Tac., ann. 1, 79. Ob sieb in diesen Zusammenhang möglicherweise CIG 3991 D. 8848 mit einem Prokurator alvei Tiberis unter Tiberius (oder Caligula) einordnen läßt, müßte man überprüfen; vgl. Anm. 65. 75 Routinegesandtschaften könnten z.B. sehr oft oder auch stets nach Rom abge gangen sein, wenn Kaiserstatuen errichtet wurden. Denn es ist schwer vorstellbar, daß dies ohne Benachrichtigung des Herrschers geschah. Ein solcher Fall könnte CIL XI 2633 D. 6597 vorliegen: Eine Statue wird von der res publica Cosanorum für Caracalla errichtet; die Aufstellung erfolgte durch den curator rei publicae Porcius Severinus; erwähnt wird aber auch der legatus der Stadt Cosa, Ennius Hyadntus: Entweder war dieser an den Kaiser gesandt worden oder an den curator rei publicae. 76 Aus Italien, vor allem aber den Provinzen sind zahlreiche Texte bekannt, aus denen hervorgeht, daß Terminationen ex auetorirate des Kaisers entschieden wurden. In den meisten dieser Fälle, wenn nicht sogar stets, sind eine oder zwei Gesandtschaften an den Herrscher vorauszusetzen. Vgl. W. Eck, Terminationen als administratives Pro blem: das Beispiel der nordafrikanischen Provinzen, in: Afr. Rom. 7, 2, 1990, 933 ff. ders., Verwaltung I, 335 ff. 77 AE 1958, 179: Ex in[signi indu]lgentia [op]tim[i maximi fortis]simique [pr]inc[ipis imperatoris] Caesari[s Commodi Antonini] Aug. [Germanici amphitheatrum] pec(unia) publ(ica) r{efectum]. =
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Kaiserliches Handeln in italischen Städten
313
sorgte für die Restaurierung.78 Ähnlich hatte Hadrian der Kolonie Ostia Geld für die Erbauung von Thermen zugesagt; Antoninus Pius erhöhte die Summe und stellte auch Marmor aus den kaiserlichen Steinbrüchen zur Verfügung_79 Zu diesem Typus von Bauinschriften und damit kaiserlichem Handeln gehört ohne Zweifel auch ein Architekturfragment aus Perusia, das vor kurzem von L. Sensi publiziert wurde.S0 Während er davon ausing, der Text berichte von der Dedikation einer Statue des Augustus, vieUeicht einer Reiterstatue, durch die Perusini im Konsulatsjahr des Tiberius und Quinctilius Varus, also 13 v.Chr., handelt es sich tatsächlich um eine Bauinschrift Augustus hat für die Perusini ein nicht näher bestimmbares Gebäude errichtet, was im Rahmen der 'Wiedergutmachung' der Katastrophe vom J. 40 v.Chr. bedeutsam ist; dieses Gebäude wurde dann später durch seinen Nachfolger Claudius wiederbergestellt.81 Die Verbandlungen darüber müssen entweder durch Einschaltung eines Vermittlers, eines Patrons, erfolgt sein oder durch eine Gesandtschaft der Perusini, die sich direkt an Augustus bzw. später an
Claudius wandte.
Reaktives kaiserliches Handeln als Folge von patronaler Intervention oder von städtischen Gesandtschaften hat a.lso ohne Zweifel auch in Italien eine erhebliche Bedeutung gehabt für das innere Leben der Städte. Die Intervention war gerade in Italien, das nicht die Mittelinstanz des Statthalters kannte, von besonderem Ge wicht. Doch ist zu fragen, ob daneben nicht weit öfter die Kaiser auf Grund ihrer eigenen Einsicht gehandelt haben und aktiv angeordnet haben, in größerem Um fang, als man dies, jedenfalls wenn man der prononcierten Ansicht von F. Miliar folgt,82 im allgemeinen zugestehen würde. Es ist unbestreitbar, daß wir weit mehr Zeugnisse besitzen, die zeigen, daß ein Herrscher auf eine Anfrage, auf eine Streitfrage hin, die an ihn herangetragen wurde, eine Antwort, eine Entscheidung gegeben hat. Bekannt gemacht wurden solche Entscheidungen in epigrapbischer Form auf Stein oder Bronze von dem, für
den sie vorteilhaft waren.S3 Dies gilt auch für Italien; die vier einzigen kaiser-
78 CIL XI 720. 79 CIL XIV 98. 80 L. Sensi, Una dedica ad Augusto da Perusia, Athenaeum 78, 1990, 517 ff. 81 Siehe W. Eck, Augustus und Claudius in Perusia, Athenaeum 83, 1995, 83 ff. 82 F. Miliar, Emperors at Work, JRS 57, 1967, 9 ff.; ders., Emperor2 203 ff. Dabei sei
allerdings auch betont, daß in den Auseinandersetzungen mit Millars These diese in der Polarität zwischen aktiv und reaktiv durch Reduktion auf Kurzformeln oft wesentlich verschärft wird. 83 Man vergleiche nur was wir z.B. über Maßnahmen des Antoninus Pius aus Italien wissen, soweit sie epigraphisch überliefert sind. Sie sind in der publizierten Form ausnahmslos als positiv gekennzeichnet. Beispiele bei W. Hüttl, Antoninus Pius II,
Kaiserliebes Handeln in italischen Städten
314
liehen Entscheidungen, die im Wortlaut in dokumentarischer Form, also außer halb der literarischen Überlieferung, auf uns gekommen sind und speziell Pro bleme in Italien betreffen: das Edikt des Claudius auf der tabula Entscheidungen, die
Cleensis mit zwei
epistula Dornitians an die Falerienses sowie
ein Brief Nervas
an einen Clodius Secundus mit Regelungen für das innerstädtische Leben, sind Antworten auf Fragen, die an die Kaiser herangetragen wurden. 84 Doch der Entscheidung Domitians für Falerio war bereits ein allgemeines Edikt voran gegangen, das vermutlich erst die Gesandtschaft ausgelöst hat. Mit Sicherheit ist dies jedoch unter Vespasian der Fall gewesen, als dieser wegen der subseciva, also nichtangewiesenem Land, pecuniam etiam quarundam coloniarum ...
exegit, quae
non haberent subseciva concessa. Entweder bat Vespasian diese Aktion durch ein Edikt bekannt gemacht oder weit eher durch persönliche Abgesandte und direkte Schreiben die Aktion in Gang gesetzt. Auf diese Ankündigung hin kamen Gesandtschaften aus ganz Italien nach Rom mit ihren Klagen,
universus ltaliae possessor,
quia quassabatur
was schließlich Vespasian zur Einstellung seiner
Maßnahme, aber noch nicht zu einer generellen Konzession bewog. Dies vollzog erst Dornitian: praestantissimus postea Domitianus ad hoc beneficium procurrit et
uno edicto totius ltaliae metum liberavit.85 Vielleicht ist es kein Zufall, daß :wir von dem
beneficium
dokumentarischen Reflex haben, die schon erwähnte
Domitians einen
epistula an die Falerienses,
und zwar auf einer BronzetafeL Es ist aber ganz sicher kein Zufall, daß von den Maßnahmen Vespasians kein epigraphisches Zeugnis erhalten geblieben ist, obwohl sie den betroffenen Städten, insgesamt nicht wenigen, ohne Zweifel bekannt gemacht werden mußten. Denn natürlich wurden seine Maßnahmen nicht auf dauerhaftem Material publiziert, weder von ibm noch von den Betroffenen; dies wäre höchstens geschehen, wenn es dazu eine besondere Anweisung gegeben
s.c. de Cn. Pisone patre
vom Senat verordnet, der Text
in aere incisum in Rom und in der jeweils
wichtigsten Stadt jeder Provinz
hätte; so wird z.B. im solle
publiziert
werden. 86 Dafür aber gab es bei solchen normalen politisch-
Prag 1933, 224. 227. 266-273. 275 ff. 294 f. 303. 319 f. 359. Gleiches wäre für alle anderen Kaiser nachzuweisen. 84 CIL V 5050 = D. 206 = FIRA f2 Nr. 7 1 ; CIL IX 5420 FIRA 12 Nr. 75; AE 1947, 44 = W.V. Harris, Athenaeum 59, 1981, 338 ff. 85 Corpus agrim. p. 41 (Th.); vgl. 96 f. 86 Siebe W. Eck, Das s.c. de Cn. Pisone patre und seine Publikation in der Baetica, Cahiers du Centre G. Glotz 4, 1993, 189 ff.; W. Eck - A. Caballos - Fdo. Fermindez, Das s.c. de On. Pisone Patre, München 1996, 254 ff. Eine solche Publikations anordnung gab es auch im Text der tabula Siarensis, auf Erz allerdings nur für die Stadt Rom. =
Kaiserliebes Handeln in italischen Städten
315
administrativen Entscheidungen wie der Yespasians keinerlei Grund, vor allem nicht bei den Betroffenen. Denn die Anordnung war ja für sie negativ; es genügte, sie auf tabulae dealbatae der Öffentlichkeit für einige Zeit zugänglich zu machen oder sie überhaupt nur öffentlich verlesen zu Jassen. Weshalb also sollte man sie auf dauerhaftem Material, d.h. Bronze oder Stein, bewahren? Nur dann aber bestünde die schwache Chance, daß uns außerhalb der literarischen Überlieferung solche Entscheidungen erhalten geblieben wären. Betroffene sahen nur dann einen Grund, eine dauerhafte Form zu wählen, wenn eine Entscheidung zu ihren Gunsten ausgefallen und/oder häufig auch länger gültig war.87 Die zahlreichen Entscheidungen, die aus Aphrodisias bekannt wurden, haben alle diesen
Charakter,88 und dieselbe Tendenz zeigt die Sammlung kaiserlicher Erlasse in griechischer Sprache durch J.H. Oliver.89 Gelegentlich aber mochte auch eine Privatperson Interesse haben an einer solch dauerhaften Form; Stolz auf das durch sie Erreichte mochte der Grund dazu sein, wie es sich etwa beim Delator der tabula
Cleensis gezeigt hat.90 Ebenso aber wurde eine
Entscheidung des Antoninus Pius
während seines Prokonsulats in Asia dadurch für uns bewahrt, daß der erfolgreiche Antragsteller den Text in eine Dankesdedikation an Zeus aufgenommen hat.91 Gelegentlich konnte ein solch besonderer Grund auch für eine Gemeinde eintreten. Das Edikt, das Aotistius Rusticus in Antiocbia in Pisidia auf Anforderung der Duoviri und Dekurionen erlassen hat,92 wurde zunächst wohl in nichtdauerhafter Form veröffentlicht. Daß es uns erhalten blieb, beruht nur darauf, daß es auf dem
titulus honorarius für Antistius Rusticus,
mit dem er für sein Einschreiten geehrt
wurde, nochmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, diesmal auf dauerhaftem Marmor, um nämlich den Urheber damit zu charakterisieren und die Erinnerung an sein· für die Stadt so bedeutsames Handeln zu bewahren. In diesem Zusammenhang 87
Ygl. zur üblichen Publikation auf nichtdauerhaftem Material W. Eck, Administrative Dokumente, u. S. 359 ff., und ders., Lateinische Epigraphik, in: Einführung in die lateinische Philologie, hg. F. Graf, Stuttgart 1997, 95 ff. 88 J. Reynolds, Aphrodisias and Rome, London 1982. 89 Oliver, Greek Constitutions. 90 Oben zu Anm. 47 ff. 9l H. Malay, Greek and Latin Inscriptions in the Manisa Museum, Wien 1994, Nr. 523, dazu jetzt noch J. Nolle - W. Eck, Der Brief des Asinius Rufus an die Magistrate von Sardeis, Chiron 26, J 996, 267 ff. Auch die Antworten, die wahrscheinlich Nerva auf drei Fragen zu innerstädtischen rechtlichen Problemen in Vardacate gegeben hatte, wurden vermutlich durch den Empfänger, einen Clodius Secundus, publiziert. Denn es handelt sich in dem uns erhaltenen Text lediglich um den Brief, den Nerva direkt an diesen gesandt hatte (AE 1947, 44 W.V. Harris, Atbenaeum 59, 1981, 338 ff.). Irgendwelche Hinweise, die auf eine Beteiligung einer Gemeinde oder ihrer Magistrate an der dauerhaften Publikationsform hindeuten würden, finden sich nicht. 92 AE 1925, 126. =
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Kaiserliches Handeln in italischen Städten
machte dies für die Gemeinde auch Sinn. Doch der Zweck dieser Präsentation war nicht, den lnha1t zur Beachtung durch die Bürger bekannt zu machen. Anordnungen, die jedoch vom Kaiser (oder auch vom Senat) direkt und unauf gefordert kamen, hatten kaum je den Charakter, daß sie die Betroffenen zu einer dauerhaften Publikation veranlaßten. Denn entweder handelte es sich um Routineentscheidungen administrativer Art wie z.B. die Ankündigung des Durch zugs des Kaisers durch die Städte einer bestimmten Gegend,93 um die Auffor derung z.B. an die städtischen Magistrate von Apulien und Campanien, den Trauerzug des Germanicus in gebührender Weise zu empfangen94 oder z.B.
um
die
Ankündigung, daß durch Mare Aurel nunmehr Gerichtsmagistrate in der Form der
iuridici in verschiedene Regionen Italiens abgesandt wurden. Andere Beispiele allgemeiner Anordnungen, die für alle galten und die, um politisch-administrativ sinnvoll zu sein, zumindest den Magistraten der einzelnen italischen Städte be kannt sein mußten, sind beispielsweise folgende: Unter Augustus hatten die von ihm gegründeten Kolonien in Italien das Recht, die Abstimmungen für die Wahlen in Rom in den Kolonien selbst durchzuführen; also mußten ihnen, solange die Regelung gültig blieb, rechtzeitig Termine und Kandidaten beikannt gemacht werden.95 Durch Senatsbeschluß wurde 25 n.Chr. angeordnet, die Schriften des Cremutius Cordus zu verbrennen; in Rom selbst war dies die Aufgabe der Ädilen, in den italischen Städten der jeweiligen Magistrate; damit sie dies auch wirklich durchführen konnten, hatte die notwendige Information an sie zu gelangen.96 Claudius ordnete an, daß niemand mehr im Wagen italische Städte durchfahren durfte;97 wenn er sieb davon einen Effekt versprach, mußte auch dieses Edikt bekannt gemacht werden, nicht anders als etwa eine Änderung der Fristen bei Einsprüchen vor Gericht gegen eine bereits ergangene Entscheidung, die wohl unter Nero erging; ein Papyrus aus Ägypten zeigt, daß diese Vorschriften tatsächlich in einer nicht permanenten Form publiziert wurden.98 Auch die Anordnung Domitians, in Italien keine neuen Weinberge mehr anzulegen, in den Provinzen aber die Hälfte aller Weinberge zu vernichten, mußte verbreitet werden; aus der Provinz Asia wissen wir, daß dies
93 H. Halfmann (Anm. 7) 70 ff. 94 Tac., ann. 3, 2, I f. 95 Suet., Aug. 46: ... excogitato genere suffragiorum, quae de magistratibus urbicis
decuriones colonici in sua quisque colonia ferrent et sub die comitiorum obsignata Romam mitterent.
96 Dio 57, 24, 4. 97 Suet., Claud. 25, 2: viatores ne per ltaliae oppida nisi aut pedibus aut sella aut
lectica transirent, edicto monuit. = Mitteis, Chrest. 371.
98 BGU 628
=
Corp . Pap. Lat. 237.
Kaiserliches Handeln in italischen Städten
317
geschehen ist.99 Denn von dort wurde eine Gesandtschaft nach Rom in Bewegung gesetzt, um die Anordnung rückgängig zu machen, was auch gelang. Als Septimius $everus im J. 204 Säkularspiele veranstaltete, wurden diese durch
Herolde in ganz Italien angekündigt. WO Und es ist nicht vorstellbar, daß nicht auch Severus Alexander auf einer aktiven Information bestand, als er einen Teil des aurum coronarium erließ, in Italien und den Provinzen; ein im Fayum publizierter Papyrus mit diesem Text ist erbalten geblieben. I O I Solch vergäng liches Material ist aber für Italien prinzipiell verloren gegangen. Alle diese Anordnungen und Informationen, wozu beispielsweise auch alle Meldungen über Tod und Geburt in der domus Augusta zu zählen sind, 102 mußten aktiv verbreitet werden, !03 sie wurden ohne Zweifel auch jeweils schriftlich publi ziert, aber natürlich nicht in d a u e r h a f t e r Form, so daß sie zumeist auch nicht bis in unsere Zeit erhalten bleiben konnten; alle in Anm. 94 bis 1 0 1 angeführten Zeugnisse stammen deshalb auch aus der literarischen Überlieferung oder sind durch Papyri aus Ägypten bekannt. Logischerweise hat deshalb etwa Claudius in einem Edikt, das in allen Kolonien und Munizipien Italiens, in den Poleis und bei den Königen und Dynasten wegen der Privilegierung der Juden publiziert werden sollte,
am
Ende angeordnet, das Edikt solle mindestens 30 Tage
ausgehängt bleiben.104 Dies impliziert aber, daß er natürlkh nicht von einer dauerhaften Publikation ausging, sondern von einer Publikation auf vergänglichem Material, also auf einer tabula dealbata oder auf Papyrus. Denn nur dann ist die Anordnung auf einem mindestens 30-tägigen Aushang sinnvoll. Der Befehl zu einer dauerhaften Form der Publikation, vor allem auf prestigeträchtiger Bronze, wurde nur selten vom Kaiser oder vom Senat gegeben. Solches konnte aus politischen Gründen empfehlenswert sein wie bei der tabula Siarensis105 oder 99 Suet., Dom. 7, 2: ad summam quondam ubertatem uini, frumenti uero inopiam existimans nimio uinearum studio neglegi arua, edixit, ne quis in ltalia nouellaret utque in prouinciis uineta succiderentur, relicta ubi plurimum dimidia parte; 14, 2; Stat., silv. 4, 3, I I ; Philostr., v. sopb. I , 21, 6. 100 Herodian 3, 8, lO. lOJ P. Fay. 20 = A.S. Hunt - C.C. Edgar, Select Papyri JI 216. I02 Lex Irnitana (Anm. 63) cap. 3 1 . 90. 92. I03 Die einzige andere Möglichkeit ist die, daß man davon ausgeht, daß solche Edikte und Anordnungen nur in Rom bekannt gemacht wurden und daß die Gemeinden selbst verpflichtet waren, sich, soweit es für sie nötig war, zu informieren. Dies ist vermutlich zum Teil geschehen; aber es war keineswegs die einzige Form der Information. Vgl. W. Eck, Zur Durcbsetzung von Anordnungen und Entscheidungen in der Hohen Kaiserzeit: Die administrative lnformationsstruktur, Studi italiani di ders., Verwaltung I , filologia classica, 3. Ser. vol. 10, Fase, I-Il, 1992, 915 ff. 55 ff. bes. 62. 67 f. 104 los., Ant. lud. 19, 291. 105 Siehe oben Anm. 70. =
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Kaiserliches Handeln in italischen Städten
dem s.c. de Cn. Pisone patre, wo es um die Bewältigung einer dramatisch zugespitzten Situation ging. Hier hatten alle Dokumente auf einer tabula aenea veröffentlicht zu werden, auch in den Provinzen, auf Anweisung des Senats. 106 Und vermutlich hat auch Domitian in seinem Edikt über die Privilegien der Veteranen und ihrer Angehörigen diese Form der Veröffentlichung vorge schrieben, 107 weil dies eine für die Stabilität der Herrschaft höchst bedeutsame Entscheidung war. Doch bei üblichen Anweisungen an die Statthalter, die Städte oder andere Gemeinschaften wurden keine solchen Befehle gegeben. Und dann hat auch kaum jemand einen Grund gesehen, solches unaufgefordert zu tun. I08 Obwohl wir die Form der Übermittlung solcher Bekanntmachungen an die Ernpfauger nicht kennen - sie erfolgten mit großer Wahrscheinlichkeit auf sehr unterschiedliche Weise - muß dies doch geschehen sein. Entweder geschah es durch direkte Information der Betroffenen durch kaiserliche Abgesandte, wie etwa im Fall der Säkularspiele oder vielleicht auch der alimenta Traians; 109 oder die Städte hatten die Pflicht, sich selbst in Rom über vom Kaiser publizierte Edikte (aber ebenso auch über senatus consulta) zu informieren; vermutlich hatten viele Städte Italiens in Rom ihre permanenten legati, die möglicherweise mit den stationes municipiorum zu verbinden sind. IIO Wenn man diese Überlegungen zur Unwahrscheinlichkeit einer Publikation der meisten aktiven kaiserlichen Anordnungen an die Städte Italiens (und ebenso der Provinzen) auf dauerhaftem Material, d.h. außerhalb Ägyptens lediglich auf Bronze oder Stein akzeptiert, dann verliert das weitgehende Fehlen solcher Entscheidungen in unserer dokumentarischen Überlieferung seine grundsätzliche Bedeutung. Dann kann daraus nicht mehr die Konsequenz abgeleitet werden, die Tätigkeit der Kaiser habe sich wesentlich in ihrer Reaktion auf Probleme, die an sie herangetragen wurden, erschöpft und habe sie dabei auch völlig absorbiert. Dies ist ohne Zweifel insoweit zutreffend, als die Kaiser ihre meiste Zeit auf solche Erfordernisse verwendeten, was im übrigen in der heutigen politisch administrativen Tätigkeit nicht anders ist. Aber eine einzige allgemeine An weisung betraf alle oder viele Bewohner des Reiches und erhielt damit ein ganz anderes Gewicht als die Einzelentscheidung. Dann aber muß man auch den relativ wenigen Beispielen von allgemeinen Anordnungen, Befehlen und Entscheidungen,
I06 Siehe Eck - Caballos - FernliDdez (Anm. 86). 107 D. 9059 = FlRA J2 Nr. 76. I08 Vgl. allgemein dazu P. Wenger, Die Quellen des römischen Rechts, Wien 1953, 61 ff. und W. Eck, Administrative Dokumente, siehe unten 359 ff. 109 Siehe oben Anm. 19. 100. 1 1 0 Siehe oben Anm. 103.
Kaiserliches Handeln in italischen Sädten t
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die durch historiographische oder sonstige literarische Überlieferung auf uns gekommen sind, ein weit größeres Gewicht zusprechen. Sie sind der marginale Reflex dessen, was ursprünglich vorhanden war, was aber kaum eine Chance hatte, in die dokumentarische Überlieferung einzugehen, im Gegensatz zu den individuellen Einzelentscheidungen, besonders soweit sie privilegierenden Charakter hatten.111
m. Die Eingangs gestellte Frage, ob das in allen Städten Italiens öffentlich
aufgestellte Bild des jeweils regierenden Kaisers auch Reflex seiner konkreten, direkt spürbaren Präsenz im öffentlichen Leben einer Gemeinde war, läßt sich nicht mit einem klaren eindeutigen Ja beantworten. Selbst die kaiserlichen Funktionsträger erschienen offensichtlich kaum vor Ort, viele haben eher von Rom aus ihre Aufgaben erfüllt - oder auch nicht. Lediglich bei den Legati Hadrians und sodann bei den iuridici seit Mare Aurel ist schon theoretisch eine stärkere unmittelbare Präsenz zu erwarten, was sich auch dokumentarisch nachweisen läßt. Ihre Aufgaben waren nur in den italischen Regionen außerhalb Roms, in den Städten selbst zu erledigen. Dagegen läßt sich höchst wahrscheinlich machen, daß die Städte in weit größerem Umfang, als dies direkt der Überlieferung zu entnehmen ist, sich nicht nur durch Patrone, sondern durch eigene Gesandtschaften an den Kaiser (und den Senat) wandten und auf diese Weise ihre Angelegenheiten regelten. Die fehlende Überlieferung ist dadurch zu erklären, daß Selbstverständliches oder wenig Willkommenes, wie es die Legationes waren, unter Normalbedingungen nicht dokumentiert wurde. Das gilt schließlich auch für das Handeln des Kaisers, für
111
Die Probe aufs Exempel bieten die Edikte und Briefe der Präfekten Ägyptens, die häufig nicht von anderen unmittelbar ausgelöst wurden, sondern zumeist allgemeine Anweisungen an eine Mehrzahl von Amtsträgem, vor allem die Strategen, darstellen. Von all diesen Edikten sind nur ganz wenige: - ein Edikt des Cn. Vergilius Capito, des L. Lusius Geta, des Iulius Vestinus und des Ti. Iu1ius Alexander -, auf Stein überliefert (IGR I 1262 OGIS 665; IGR I 1263 OGIS 669 FIRA 12 58 = G. Cha1on, L'edit de Tiberius Iulius Alexander, 1964), alle anderen, innerhalb Ägyptens, auf vergänglichem Papyrus; R. Katzoff, ANRW II 13, Berlin 1980, 810 ff. nennt insgesamt 59 erhaltene Zeugnisse (IGR I 1 I 1 8 OGIS 664 ist kein allgemeines Edikt, sondern eine Privilegierung einer kleinen Personengruppe; so ist die dauerhafte Publikationsform ganz verständlich). Mit diesen Relationen zwischen Anordnungen, die auf dauerhaftem bzw. auf vergänglichem Material überliefert sind, kommt man unzweifelhaft näher an die frühere Wirklichkeit auch in Italien heran. Für kritische Bemerkungen möchte ich Rudolf Haensch danken. =
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Kaiserliches Handeln in italischen Städten
aktiv von ihm gegebene Anordnungen, Weisungen und Befehle. Da es sich zumeist um Tagesangelegenheiten oder für die Städte wenig Erfreuliches oder Willkommenes handelte, sahen diese keinen Grund zu einer dauerhaften Doku mentation. Die Anordnungen haben dennoch existiert und zwar in weit größerer Dichte, als wir dies im allgemeinen voraussetzen und haben so das Leben der Städte beeinflußt. Insoweit spiegelt die statuarische Gegenwart der Kaiser dennoch auch die konkrete Wirklichkeit kaiserlichen Handeins in den Städten.
STADTBEWOHNER UND STAATLICHE ADMINISTRATION IM KAISERZEITLICHEN UMBRIEN In einem seiner Gedichte, das um das J. 88 n.Chr. geschrieben wurde, berichtet Martial von einem gewissen Dento. Dieser habe sich nach Rom begeben und versuche supplicibus ... libellis von Dornitian das Dreikinderrecht zu erhalten. Dento solle lieber, so ermahnt ihn Martial, schleunigst nach Hause zurückkehren; denn sonst werde er, ohne sein Zutun, rechtlieb und faktisch bald als Vater von vier Kindern auftreten können. 1 Ob Dento eine reale Person war und woher er möglicherweise stammte, sagt Martial nicht. Doch soll der Name Dento wohJ darauf hinweisen,z daß der Bitt steller um das ius trium liberorum eher von sehr weither nach Rom gekommen ist - diesen Eindruck will Martial aufjeden Fall vermitteln. Der von Martial geschilderte Fall weist, auch wenn er fiktiv sein sollte, auf einen bezeichnenden Zug der kaiserzeitlichen Administration hin. Ein römischer Bürger, der einer rechtlichen Regelung bedarf oder eine kaiserliche Entscheidung braucht, kann sich nicht einfachhin an das nächstgelegene staatliche "Amt" in seiner Heimatstadt wenden und eine Eingabe zur Weitersendung nach Rom übergeben; vielmehr muß er sich oft direkt nach Rom aufmachen, um dort vom Kaiser, dem Senat oder republikanischen Magistraten oder anderen vom Herrscher eingesetzten Funktionsträgern eine Entscheidung zu erlangen.3 Außerhalb Italiens mochte es genügen, sich an den dort befindlichen Statthalter zu wenden, der zudem während der Gerichtsreise weite Teile seiner Provinz besuchte und nicht stets nur an einem einzigen Ort anzutreffen war.4 In Italien aber gab es keinen Statthalter. So war und blieb die Stadt Rom mit ihren republikanischen Magistraten, dem
1 Martial 8, 3 1 : Nescio, quid de te non belle, Dento, fateris, I coniuge qui ducta iura paterna petis. I Sed iam supplicibus dominum Lassare Libellis I desine et in patriam serus ab urbe redi: I Nam dum tu Ionge deserta uxore diuque I tres quaeris natos, quattuor invenies.
2 Der Name selbst kommt nur selten vor, vgl. CIL V 3755. 4175; XII 4692 5017; daneben findet sich die Form Dentio, die nach I. Kajanto, The Latin Cognomina, Helsinki 1965 (ND 1982), 102. 1 18. 1 19. 1 2 1 . 238 nicht von Dento zu trennen ist. 3 Vgl. dazu vor allem F. Miliar, Emperors at Work, JRS 57, 1967, 9 ff.; ders., Emperor2, 203 ff.; für Italien Eck, Italien, 6 ff.; ders., Kaiserliches Handeln in italischen Städten, in: L'Italie d'Auguste a Diocletien. Actes du coll. iot. organlse par I'Ecole franc. de Rome, 25-28 mars 1992, Rom 1994, 329-351 in diesem Band 297 ff. 4 Dazu vor allem G.P. Burton, Proconsuls, Assizes and the Administration of Justice under the Empire, JRS 65, 1975, 92 ff.; ferner R. Haeosch, Capita provinciarum, Mainz 1997 mü der Erörterung der Funktionen der Hauptstädte der Provinz für die Administration. =
=
322
Stadtbewohner und staatliche Administration
Princeps und den von ihm neu bestallten Amtsträgem für lange Zeit auch unter kaiserlichem Regiment ein wesentlicher Bezugspunkt für alle Bewohner Italiens soweit sie staatliche Entscheidungen nötig hatten.s Somit darf man einmal die Frage stellen, in welcher Form die res publica
populi Romani, soweit sie sich in Amtsträgem konkretisierte, den Bürgern italischer Städte begegnete, welche Beziehungen zwischen beiden bestanden. Den Ausgangspunkt bildet die Frage, welche Notwendigkeiten überhaupt z.B. für den normalen Bürger einer der mehr als 55 Gemeinden Umbriens auftreten konnten, daß er Entscheidungen eines staatlichen Amtsträgers brauchte. Eine Stadt befriedigte im allgemeinen alle Bedürfnisse des Bürgers, soweit dies nicht inner
halb der Familie oder vielleicht der lokalen gens geschah. Das galt für fast alle
Lebensbereiche, von der Versorgung mit Nahrungsmitteln über hygienische Bedürfnisse durch Wasserzufuhr, Bäder und Kloaken, Forderung nach Unterhaltung bis zur Vertretung der Bürger gegenüber den Göttern. Soweit die Familie die Bedürfnisse nicht erfüllte, waren die Gemeinden mit ihren Magistraten, geleitet von den llviri, dafür zuständig. Darin unterschied sich eine italische Stadt nicht wesentlich von einer prov inzialen 6 .
Wurde jedoch innerhalb des familial-städtischen Bereichs für ein anstehendes Problem, vor allem wenn es rechtlicher Natur war, keine Lösung gefunden, dann war für einen Bewohner Umbriens der Bezugspunkt Rom. Denn eine staatliche Zwischeninstanz, die die regio VI als Einheit umfaßte, hat Augustus nicht ge schaffen, trotz seiner Einteilung Italiens in 1 1 Regionen.7 Typischerweise ist für keine der augusteischen Regionen auch nur ein einziger permanenter Amtsträger bekannt, jedenfalls vor der Mitte des 2. Jhs. und auch temporäre hat es kaum je gegeben. 8 Selbst für einen Bewohner von Ocriculum, der südlichsten Stadt Umbriens, bedeutete dies im Bedarfsfall immer noch eine Reise von über 80 km. 5 Davon bleibt unberührt, daß in manchen Städten Italiens die Duoviri in der Lage waren, über höhere Streitsummen in Zivilprozessen zu entscheiden; siehe z.B. J.G. Wolf, SDHI 45, 1979, 177: in Puteoli mindestens bis zu einem Wert von 1 8.000 Sesterzen. 6 W. Liebenam, Städteverwaltung im römischen Kaiserreich, Leipzig 1990. 7 Siehe R. Thomsen, The ltalic Regions from Augustus to the Lombard Invasion, Kopenhagen 1947, 17 ff.; Eck, Italien, 10 f.; C. Nicolet, L'inventaire du monde, Paris 1988, 181 ff.; ders., L'origine des regiones Italiae augusteennes, in: Cahiers du Centre G. Glotz 2, Pari s 1991, 73 ff.; sehr unklar P. 0ersted, Regiones Italiae, in: Studies ... R. Thomsen, Kopenhagen 1988, 124 ff. Für eine Einzelregion vgl. C. Zaccaria, II governo romano nelle regio X e nelle provincia Venetia et Histria, Ant. Alloadr. 28, 1986, 64 ff. 8 M. Hirrius Fronto Neratius Pansa, der während des Census 73174 n.Chr. in der regio X tätig war, amtierte dort natürlich nur vorübergehend und hatte keinen Nachfolger (AE 1968, 145).
Stadtbewohner und staatliche Administration
323
Und ein Bürger von Sarsina ganz im Norden der Region hatte, bei einem Reiseweg über Ariminum, weit mehr als 300 km zurückzulegen, d.h. bei normaler Reisegeschwindigkeit konnte er durchaus 7-10 Tage unterwegs sein; ein Bürger von Asisium schaffte den Weg nach Rom vielleicht in vier Tagen.9 Dies aber heißt konkret, daß die staatliche Administration, jedenfalls soweit sie in Rom ihr Zentrum hatte, dem durchschnittlichen Bürger sehr fremd sein konnte, ein Kontakt mit ihr war nicht alltäglich, 10 sondern eher marginal; dazu war die Entfernung zu weit und die aufzuwendende Zeit sehr lang. 1 1 Einen ständigen konkreten Einfluß auf das tägliche Leben des Einzelnen darf man somit nicht unbedingt voraussetzen.12 Dabei war die res publica populi Romani in mancher Hinsicht durchaus auch in den einzelnen Städten direkt oder indirekt präsent, vor allem durch Personen, die sie repräsentierten. Der Kaiser war fast überall gegenwärtig, einmal durch seine Statuen, die wohl von jeder Gemeinde errichtet wurden, vor allem aber durch die Münzen, die sein Porträt trugen. Unbekannt ist uns freilich, wie die jeweils amtierenden Magistrate einer Stadt im Fall eines Kaiserwechsels in den Besitz des neuen Porträts kamen, ob sie sich aktiv darum selbst bemühen mußten, oder ob Abgüsse des ersten offiziellen Porträts von Rom aus an die Gemeinden verschickt wurden.l3 Wie auch immer das gewesen sein mag, die Statuen des regierenden 9 W. Riepl, Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer, Leipzig - Berlin 1913 (ND 1972), 123 ff. IO Dabei sei davon abgesehen, daß zumeist wohl stillschweigend vorausgesetzt wird, die Anmeldung neugeborener römischer Bürger innerhalb von 30 Tagen bei den Prä fekten des aerarium Saturni habe auch für die Bewohner ltaliens gegolten (HA Mare. 9, 7); vgl. dazu M. Corbier, L'aerarium Saturni et l'aerarium militare, Rom 1974, 680 ff. und R. Haensch, ZSS 109, 1992, 284 Anm. 224 mit der neueren Literatur. Aus praktischen und politischen Gründen ist dies für Italien eher unwahrscheinlich. Schon in der späten Republik konnte auch der Census dezentral in den einzelnen Gemeinden erfolgen. Dies dürfte man auch für die Geburtsmeldungen voraussetzen. I I Dabei ist freilich einzubeziehen, daß die Vorstellungen über den Aufwand an Zeit, die für eine Sache notwendig war, sich ohne Zweifel wesentlich von unseren heutigen unterschieden. Vgl. z.B. den Fall einiger Bewohner von Bephphoura in Syria, die in Antiochia in Syrien acht Monate lang auf eine Entscheidung warteten; D. Feissel J. Gascou, Documents d'archives im!dits du moyen Euphrate (lll" siede apres J.-C.), CRAl 1989, 535 ff.; vgl. dies., Documents d'archives romains inedits du moyen Euphrate (lll" siede apres J.-C.), JS 1995, 65 ff. 1 2 Vgl. das Bild, das F. MiLiar, The World of the Golden Ass, JRS 7 1 , 1981, 63 ff. für die Provinz Macedonia entworfen hat; der staatliche Amtsträger ist keine übliche Realität für den provinzialen Untertanen. 1 3 Vgl. die Diskussion der Frage bei P. Zanker, Provinzielle Kaiserporträts. Zur Rezeption der Selbstdarstellung des Princeps, Bay. Akad. Wiss., Phii.-Hist. Kl., Abh. Heft 90, München 1983, 7 ff. Denkbar ist z.B., daß die Gesandtschaften, die am Anfang einer neuen Regierungszeit zahlreich nach Rom kamen, sich auch um ein neues Porträt bemühten. Daneben kann man sich auch geschäftstüchtige Unternehmer
324
Stadtbewohner und staatliche Administration
Kaisers standen ebenso wie die meisten der bereits verstorbenen Principes in jeder Stadt. 1 4 Sie waren Gegenstand der Verehrung in Heiligtümern, und an den Festtagen der domus Augusta, etwa dem dies imperii oder dem Geburtstag des Kaisers, wurden vor ihnen Opfer dargebracht, und zu Beginn des Jahres wurden
vota ausgesprochen. Dabei leiteten die Munizipalmagistrate die Bürgerschaft an, nicht anders als Plinius d.J. etwa die Soldaten und Provinzialen in Pontus Bithynien.15 Durch solche Feiern und herausgehobenen Tage wurde das innere Leben einer Stadt gegliedert. 16 Der Kaiser erschien zwar bei solchen öffentlichen Akten in den Städten vornehmlich als der Gegenstand der Verehrung, doch gerade dies konnte auch das Leben der Bürger beeinflussen, und manche Mitglieder der Bürgerschaft hatten eben aus solchen Gründen besondere Aufgaben zu leisten. Nach einem Senats beschluß über die Ehren für Germanicus, der in der tabula Siarensis erhalten ist, wurden die Konsuln aufgefordert, das s.c. unmittelbar sub edicto suo zu publizieren und zu befehlen, mag(istratus) et Legatos municipiorum et coloniarum
descriptum mittere in municipia et colonias ltaliae.11 Daraus folgt einmal, daß zahlreiche Städte auch Italiens aus Anlaß der Trauerfeiern für Germanicus im Dezember des J. 19 Delegationen nach Rom abgeordnet hatten. Je näher man bei Rom lag, desto eher wird dies vermutlich geschehen sein; abgesandt wurden im allgemeinen Munizipalmagistrate, d.h. Personen aus den führenden munizipalen Familien. Aus dem s.c. folgt aber auch, daß die nach Hause Zurückgekehrten den entsprechenden Senatsbeschluß dort bekannt zu machen hatten; vermutlich präsentierten sie ihn quam celeberrimo Loco, wie es für die Statthalter der Provinzen angeordnet worden war. Erhalten ist von solchen Reflexen des stadt römischen politischen Lebens und der Ereignisse in der domus Augusta kaum etwas; die schriftlichen Bekanntmachungen erfolgten vermutlich vor allem auf vergänglichem Material und sind damit für uns verloren. Aber auch Bronzetafeln blieben kaum erhalten. So ist die tabula Hebana, die in der etrurischen Stadt Heba gefunden wurde und aus Anlaß des Todes des Germanicus dort publiziert wurde,
vorstellen, die den 'Markt' belieferten. Anders ist es bei den Truppen ; diese müßten aktiv von Rom aus mit den neuen Kaiserbildnissen beliefert worden sein. 14 Siehe z.B. im Bereich von Etrurien und Umbrien die relativ zahlreich erhaltenen Inschriften für kaiserliche Statuen in Pisaurum: ClL Xl 6319 ff. oder etwa in Ferentum:
CIL XI 7414 ff. 15 Plin., ep. 10, 52. 53. 1 6 Vgl. z.B. P. Herz, Untersuchungen zum Festkalender der römischen Kaiserzeit nach datierten Weih- und Ehreninschriften, Diss. Mainz 1975, Bd. I 4 1 ff. 53 ff. 56 ff. 1 7 J. Gonza l ez, ZPE 55, 1984, 76 AE 1984, 508 = ders., Bronces iuridicos, Sevilla 1990, 153 ff. = M. Crawford, Roman Statutes I, London 1996, 508 ff. Nr. 37. =
Stadtbewohner und staatliche Administration
325
eines der ganz seltenen erhaltenen Exempel eines ganz sicher damals sehr häufigen Phänomens. 18
Den Austausch von Nachrichten, vor allem soweit sie sich auf die
gusta
domus Au
bezogen, muß man sich also offensichtlich nicht ganz gering vorstellen.
Jede Geburt eines Kindes innerhalb der kaiser)jchen Familie, jeder Todesfall hat Reaktionen auch in den Städten Italiens ausgelöst, auch wenn sie kaum je diese Intensität erreicht hat, wie dies im Falle des Germanicus geschehen ist.19 Wie man damit im einzelnen umging, ist hieraus selten greifbar; erhalten blieb davon jedoch zumeist nichts, außer eben den relativ wenigen Statuen und Statuenbasen, die im Verlauf von zwei Jahrtausenden nicht zerstört wurden. Aus Asisium sind
so nur insgesamt vier Inschriften, die einmal unter Kaiserstatuen angebracht waren, bis auf uns gekommen.20 Die Abordnung von Gesandtschaften, also die persönliche Anwesenheit von Delegierten einzelner Städte in Rom, wird man sich als ein gängiges Verfahren vorzustellen haben, freilich nicht nur im quasi diplomatischen Verkehr mit dem kaiserlichen Haus, sondern auch bei vielen Problemen, in denen Entscheidungen in Rom beim Kaiser, beim Senat oder bei einzelnen Amtsträgern erreicht werden sollten. Zwar ist die Nennung solcher Gesandtschaften in Italien und den lateinischsprachigen Provinzen gegenüber denen im griechischen Osten eher selten, doch gibt es genügend Hinweise, daß auch aus römisch organisierten Städten laufend
Legationes
nach Rom geschickt
wurden.21 Doch da es sich bei der Ableistung einer Gesandtschaft um ein selbstverständliches üblichen
munus handelte, gab es
cursus honorum,
wenig Grund, solches innerhalb der
soweit sie inschriftlich überliefert wurden, eigens zu
erwähnen. 22 Auch für die umbrischen Städte müssen wir also mit zahlreichen
Legaliones nach Rom rechnen. Etwas Derartiges könnte z.B. auch hinter zwei Inschriften stehen, die aus Asisium bekannt geworden sind. Es handelt sich um zwei "iscrizioni onorarie",
18 Siehe z.B. V. Ehrenberg - A.H.M. Jones, Documents illustrating the reigns of Augustus and Tiberius, Oxford 1955, 76 ff. Nr. 94 a = M. Crawford, Roman Statutes I (Anm. 17) 508 ff. Nr. 37. l9 Vergleichbar ist wohl die Situation beim Tod von Lucius und Gaius Caesar unter Augustus; vgl. CIL XI 1420. 1421= D. 139. 140. 20 CIL XI 8019. 5379. 8018. 5380 = Epigrafi lapidarie romane di Assisi, a cura di Giovanni Forni, Perugia 1987, Nr. 12-15. 21 Siehe z.B. W. Eck, Terminationen als administratives Problem: das Beispiel der ders., Verwaltung 1 , nordafrikanischen Provinzen, L'Africa romana 7, 1990, 933 ff. 355 ff.; ders., Kaiserliches Handeln in italischen Städten (Anm. 3). 22 Vgl. etwa C. Zaccaria, L'amministrazione delle citta neUe Transpadana (note epigrafiche), in: Die Stadt in Oberitalien und den nordwestlichen Provinzen des römischen Reiches, hg. W. Eck - H. Galsterer, Mainz 199 I, 55 ff. bes. 68 ff. =
Stadtbewohner und staatliebe Administration
326
die jeweils den gleichen Text tragen.23 Der Text beginnt mit
irerum Cn. Calpurnio Pisoni consulibus.
Ti. Claudio Neroni
Darauf folgen die Namen von 6
Personen, jeweils mit der Bezeichnug sexvir, das Ende der Inschrift, das vielleicht den Grund für die Errichtung des Monuments nannte, ist nicht erhalten. Obwohl man zunächst instinktiv die Nennung der beiden Konsuln mit einer Datierung in Verbindung bringen möcbte,24 läßt dies die eindeutige Dativform, die in und
Pisoni
Neroni
erhalten ist, nicht ohne weiteres zu. Somit sollte man eher bis zum
Beweis des Gegenteils davon ausgehen, daß der Dativ im üblichen Sinn zu verstehen ist, nämlich im Sinn der Dedikation für die so bezeichneten Personen. Da aber dann beide Konsuln zusammen mit einem mehr als
1,5 m breiten
Monument geehrt wurden, müßte auch der Grund für die Reaktion Assisis in ihrem gemeinsamen Handeln als Konsuln gelegen haben. Dieses Handeln kann ganz natürlicherweise nur in Rom abgelaufen sein. Da Assisi seinen Dank in einer besonderen Form ausdrückt, hat sich das magistratische Handeln der beiden
consules direkt und konkret auf Assisi bezogen, kann also nicht allgemeiner Natur gewesen sein, und bat somit auch kaum aJie anderen Städte Italiens betroffen. Da die Entscheidung wegen der faktischen Bindung der Konsuln an Rom dort gefallt wurde, ist vorauszusetzen,
daß auch in diesem FaJI irgendeine Person die Bürger
von Assisi im Auftrag des Dekurionenrats insgesamt vertreten hat. Unwichtig kann die Entscheidung für die Gemeinde nicht gewesen sein, da sonst das Monument oder vielleicht die beiden Monumente, wie man aus den zwei Inschriften wohl erschließen darf, für die beiden Konsuln nicht zu erklären wären.25 Wer Assisi allerdings in diesem Fall vertreten hat, ist nicht zu erkennen. Es kann eine offizielle Gesandtschaft gewesen sein,
für die vermutlich im Stadtgesetz
auch Regelungen vorgesehen waren. Doch sind nicht unbedingt Dekurionen, wie es zweifellos normal war, damit beauftragt worden. Denn auch andere konnten derartige Aufgaben für die Gemeinde übernehmen, so z.B. Senatoren oder Ritter,
23 Fomi (Anm. 20) Nr. 10. 1 1 (= CIL XI 5424 = D. 6619 = jetzt auch AE 1989, 290). 24
Wie es auch 'logischerweise' bei der fragmentarischen Inschrift CIL XI 5424 = D. 6619 fr!lher geschehen ist; vgl. Forni (Anm. 20) Nr. 1 1 . Forni Nr. 10 ist in AE 1989, 290 in der Form .. Nerone II ... Pisone wiedergegeben, ohne daß aber deutlich gemacht wird, daß der Text eindeutig Dativformen aufweist. In der AE werden die Konsuln ausdrUcklieh funktional innerhalb der Inschrift als Eponyme angesehen und angegeben. 25 Das Monument scheint durch die Ereignisse des J. 20 n.Chr., als Cn. Calpumius Piso während des Prozesses um den Mord an Germanicus Selbstmord beging, nicht betroffen worden zu sein. Zumindest wurde der Name Pisos nicht eradien, wie es einige Male geschehen ist. Über besondere Beziehungen Pisos zu Asisium ist, abgesehen von den beiden Inschriften, nichts bekannt. .
Stadtbewohner und staatliche Administration
327
die aus der umbrischen Stadt stammten oder dortbin enge Verbindungen hatten. Sie waren dazu freilich nicht zu verpflichten, sondern stellten sich möglicherweise freiwillig zur Verfügung, wenn sie gebeten wurden. Eine gewisse Verpflichtung konnte z.B. aus der Stellung als Patron folgen.26 Familien des und
equester aus
ordo senatorius
Asisium sind durchaus bekannt. So dürften die senatorischen
Mimisii, Propertii, Tettieni und Vibii von dort kommen,27 ebenso die ritterlich senatorischen Tettii mit einem praefectus Aegypti und einem konsularen Legaten von Obermösien.28 Tettius Africanus, praefectus Aegypti im geehrt als
J. 82 n.Cbr., wurde
piissimus munificentissimusq(ue) [e]rga patriam;29
entsprechenden
Einsatz zugunsten seiner Heimatstadt darf man während seiner stadtrömischen
Aufgaben als praefectus vigilum und praefectus annonae durchaus voraussetzen
.
Denn ohne (vorausgehende) Verdienste seitens der Geehrten hat kaum eine Gemeinde den Antrieb verspürt, eine Statue zu errichten. Das wäre zu oft eine zu unsichere 'Investition' gewesen. Doch muß man in der sozialen Hierarchie gar nicht so hoch steigen, um auf Personen zu treffen, die sich in Rom beim Kaiser für ihre Heimatgemeinde verwenden. Dem kleinen Tuficum gelang es so z.B., durch seinen Mitbürger Aetrius Ferox ein fmanzielles Privileg
für die Benutzung einer Straße zu erhalten.
Aetrius Ferox war cornicularius des praefectus
vigilum in Rom gewesen,30
d.h. er
war einer von dessen Büroleitern, und hatte wohl auf dem Umweg über seinen Vorgesetzten die Anfrage von Tuficum direkt an Antoninus Pius herantragen können. Der Beschluß, mit dem man sein Verdienst um die Stadt gewürdigt hat, betont aber zusätzlich, er habe tarn singulis quam rei p(ublicae) n(ostrae) quotiens
necesse fuit multum praestitisse,
d.h. schon zuvor hatte er sich für die Stadt, aber
auch für einzelne verwendet. Das römische Verwaltungshandeln war außer ordentlich stark dadurch geprägt, daß der Faktor 'Vermittlung' eine wichtige Rolle
26 Patrone von Asisium : CTL X1 5387. 5404. 5416. 5432 = Forni (Anm. 20) Nr. 23. 46. 50. 62; von Spoletium CfL XI 4782. 4783. 4813. 4815. 4819; der größere TeiJ der Zeugnisse bei F. Engesser, Der Stadtpatronat in Italien und den Westprovinzen des römischen Reiches bis Diokletian, Diss. Freiburg 1957. Vgl. auch S. Panciera, I atroni dl Aquileia fra Ia citta e Roma, Ant. Alto Adriat. 30, 1987, 77 ff. 7 M. Gagiotti - L. Sensi, in: EOS ll 262 ff. Vgl. G. Bonamente, Nuova epigrafe della ens Petronia in Assisi, Annali Fac. Lettere e Filos. Univ. Macerata 19, 1986, 389 ff. 8 CTL XI 5382 = Fomj (Anm. 20) Nr. 17; W. Eck, Chiron 12, 1982, 315 f.; dazu ferner J.K. Evans, The Role of suffragium in lmperial Political Decision-Making: A Flavian Example, Historia 27, 1978, I 02 ff. 29 CIL XI 5382 = Fomi (Anm. 20) Nr. 17. 30 CIL XI 5694 = D. 2666 a: proxime quoque petitioni nostrae ab optimo maximoque principe Antonino Aug. Pio vectigal viae silici stratae ita institisse ut mature impetraretur, et impediis urbicis res p. beneficio eius relevaretur; vgl. CIL X1 5693 D. 2666.
� �
=
328
Stadtbewohner und staatliche Administration
spielte. Natürlich.war es von Vorteil, wenn der Vermittler einen hohen sozialen Rang einnahm; doch war die soziale Position allein nicht ausschlaggebend, wichtiger konnte sein, wer leichten Zugang zum Machthaber, d.h. vor allem zum Kaiser hatte. War dies gegeben, dann war unter Umständen die Vermittlung eines
cornicularius effektiver als die eines ehemaligen Präfekten von Ägypten .3 1 Rom, und das heißt der Kaiser, war die entscheidende Macht im Reich; aber er war für den Normalbürger der italischen Städte doch zumeist eine ferne Macht, nicht anders als der Senat oder die republikanischen Magistrate, die alle an Rom gebunden und außerhalb des Zentrums nicht unmittelbar präsent waren. Wenn es nötig war, hatte man sich an sie zu wenden, häufig durch Vermittler, nicht selten
trafen auch ohne Zweifel Anordnungen des Kaisers, vielleicht auch von seiten des Senats in den Städten Umbriens ein.32 Aber einen unmittelbaren Kontakt des einzelnen oder des größeren Teils der Bevölkerung mit einem staatlichen Amtsträger hatte dies nicht zur Folge. Dies trat erst dann ein, wenn von Rom delegierte Funktionsträger mit den Städten Kontakt aufnahmen. Dabei interes sieren hier vor allem diejenigen, die regelmäßig über längere Zeit hinweg immer wieder ernannt wurden.33 Sie waren, wenn man auf ihre Zahl sieht, wie sie für die gesamten ersten drei Jahrhunderte bekannt ist, nicht so ganz wenige und könnten damit auch für das konkrete Leben des einzelnen von Bedeutung gewesen sein. Folgende Typen von Amtsträgern sind auch in Umbrien nachzuweisen oder doch für einen längeren Zeitabschnitt vorauszusetzen: Frühzeitig nach der Übernahme der Macht hat Augustus im
cura viarum
J. 20 v.Chr. die
übernommen. Doch er delegierte die praktische Durchführung
unmittelbar an
curatores viarum,
die zunächst ein
collegium
von nicht näher
3 1 Bei der Hilfe, die M. Maenius Agrippa L. Tusidius Campester den
vicani Censorglacenses leistete, war wohl weniger sein Rang als Prokurator als vielmehr
seine enge Vertrautheit mit dem kaiserlichen Haus ausschlaggebend. Wie wichtig dies war, zeigt die Tatsache, daß in CIL XI 5632 D. 2735 bei ihm eigens erwähnt wird, er sei hospes divi Hadriani gewesen. 32 Aus Rom ·mußten jedes Jahr die neuen Konsuln gemeldet werden. Wie dies im einzelnen geschah, ist allerdings schwer zu sehen; vgl. W. Eck, Zur Durchsetzung von Anordnungen und Entscheidungen in der hohen Kaiserzeit: Die administrative Informationsstruktur, Studi italiani di filologia classica, 3. ser. vol. 10, Fase. 1-II, 1995, 9 1 5 ff. = ders., Verwaltung 1 , 55 ff.; noch bis ins 2. Jh. n.Chr. wurden auch in Italien noch gelegentlich die Suffektkonsuln zur Datierung herangezogen, siehe Eck, Consules ordinarii und consules suffecti als eponyme Amtsträger, in: Epigrafia. Actes du Colloque en memoire de A. Degrassi, Rom 1991, 15 ff. Zur aktiven Tätigkeit des Kaisers vgl. W. Eck, Kaiserliches Handeln (Anm. 3). 33 Aus besonderen Gründen konnten vom Senat, vor allem aber vom Kaiser gele gentlich Sonderbeauftragte abgeordnet werden, z.B. von Traian für die Einrichtung der alimenta. Für Umbrien ist dafür keine konkrete Person überliefert. Vgl. insgesamt N. Criniti, La tabula alimentaria di Veleia, Parma 1991. =
Stadtbewohner und staatliche Administration
329
bestimmbarer Anzahl bildeten, d.h. das collegium war als ein ganzes für die Erhaltung der Straßen verantwortlich.34 Einer der allerersten uns bekannten Amtsträger ist ein C. Propertius Postumus,35 als dessen Heimatstadt im allge meinen Asisium angesehen wird.36 Vermutlich erst von neronischer Zeit an wurde dann ein spezieller curator für jede einzelne Hauptstraße und die damit zusammen hängenden Nebenstrecken bestimmt.37 Umbria wurde von einer einzigen großen Staatsstraße durchquert, der via Flaminia, die freilich die wichtigste Verbindung von Rom aus nach dem Norden Italiens und umgekehrt auch nach dem Süden darstellte, insbesondere auch für die Verschiebung von Truppen;38 dadurch dürfte diese Straße in stärkerem Maß als andere beansprucht worden sein. Es war wohl kein Zufall, daß Augustus selbst gerade die via Flaminia nach dem Ende der
Bürgerkriege einschließlich aller Brücken außer dem pons Milvius und pons
Minucius hat wiederberstellen lassen.39 Den ersten nachgewiesenen curator für diese Straße kennen wir allerdings erst aus der Spätzeit Hadrians; es ist der aus der hispanischen Stadt Barcino stammende L. Minicius Natalis Quadronius Verus,
curator viae Flaminiae kurz vor dem J. 139.40 Neben dem senatorischen curator viae Flaminiae ist noch die Aufgabe eines cur(ator) viar(um) et pont(ium) Umbr(iae) et Pic(eni) überliefert, der nach H.-G. Pflaum allerdings nur muni zipaler Natur gewesen sein soll.41 Doch ist es zweifelhaft, ob sich munizipale Aufgaben über ein Stadtterritorium hinaus auf (ganz) Umbrien und Picenum erstreckt haben können. Meines Erachtens sollte man eher auch in diesem Fall mit vom Kaiser übertragenen temporären Sonderaufgaben rechnen, die ein weites Gebiet mit zahlreichen einzelnen Städten betrafen. Als durch Nerva - Traian die
alimenta eingerichtet wurden, hat zumeist der genannte curator viae Flaminiae auch die Kontrolle der oeuen Institution für den territorialen Bereich übernommen, 34 Vgl. Eck, Italien 37 ff. ; ders., Cura viarum und cura operum publicorum als kollegiale Ämter im frühen Prinzipal, Klio 74, 1992, 237 ff. = ders., Verwaltung 1 ,
281 ff.
35 CIL VI 1506 D. 914. 36 Gagiotti-Sensi (Anm. 27) 262 f. 37 W. Eck, Die Administration der italischen Straßen: das Beispiel der via Appia, in: La via Appia, Quad. Centro di Studio per Archeol. Etrusco-ltalica 18, Rom 1990, 29 ff. ders., Verwaltung l , 295 ff. 38 Vgl. z.B. zur Verlegung von Truppen aus Pannonien nach Africa: Tac., ann. 3, 9, I ; Durchzug der Truppen während der Bürgerkriege 68/69: Tac., bist. 2, 64, 1 ; 3, 79, I ; =
=
3, 4 1 ' 2. 42, I . 52, I . 55, 3. 58, l . 59, l . 60, 1 . 63. 39 Res gestae 20. 40 CIL XIV 3599 = D. 1061; Eck, Italien 82. 41 Pflaum, Carrieres procuratoriennes equestres 1 2 1 f. Der erste Träger (CIL XI 5673. 5689. 5706 f.), ein gewisser L. Sibidianus Sabinus, soll nach Pflaum in augusteische Zeit gehören, der zweite ist tatsächlich in die Jahre um 142 zu setzen (CIL XI 5696. 5697 D. 5891). =
330
Stadtbewohner und staatliche Administration
der von der via Flaminia durchzogen wurde.42 Bereits der erste bekannte
viae Flaminiae,
der eben erwähnte Minicius Natalis, war auch
curator
praefectus
alimentorum, gleichzeitig mit seiner Aufgabe für die via Flaminia. Ob es daneben zusätzliche senatorische Funktionsträger gab, die a l l e i n mit der Arbeit für die alimenta im Einzugsbereich der
via Flaminia beschäftigt waren,
scheint eher
zweifelhaft; m.E. könnte man die verschiedenen Zeugnisse am ehesten so verstehen, daß die Aufsicht über die
alimenta
miturnfaßte. Der Einzugsbereich der via
Flaminia
auch stets die Straßenkuratur war allerdings außerordentlich
groß; somit ist es nicht ganz verwunderlich, daß wir allein für Umbria und Picenum bzw. für den Verlauf der via Flaminia bisher einen eigenen procurator für
die alimenta i m mittleren Italien nachweisen können; diese Zeugnisse stammen erst aus der Zeit seit der 2. Hälfte des 2. Jh.s.43 Ob damit eine regelmäßige Position unter dem praefectus
alimentorum der via Flaminia
geschaffen wurde,
oder ob es sich um nur temporär eingesetzte ritterliche Funktionsträger handelte, läßt sieb heute noch nicht sagen.44 Ebenfalls
an
der
via Flaminia
orientierte sich ein weiterer Administrations
bereich, die vehiculatio oder der cursus publicus, wie man die Einrichtung später nannte.45 Dabei handelt es sieb nicht um eine der heutigen Post vergleichbare Einrichtung, weshalb auch die Bezeichnung Reichspost, die sich immer wieder in der wissenschaftlichen Literatur findet, falsch und irreführend ist;
publicus
der cursus
war vielmehr ein Nachrichten- und Transportsystem, das allein für
staatliche Belange, nicht aber für Privatpersonen zur Verfügung stand. Auch hier spielte die via Flaminia notwendigerweise eine besondere Rolle, da sich auf ihr der Hauptverkehr nach dem Norden Italiens bzw. zu den Donauprovinzen abspielte. Die unmittelbare Verantwortung für die lokale Organisation lag bis zur Zeit Nervas bei den Munizipalmagistraten; vermutlich seit Hadrian wurden
mancipes,
also Pächter, mit der Durchführung im einzelnen betraut. Die Gesamtleitung hatte allerdings ein wohl bereits von Augustus eingesetzter ritterlicher
42 Eck, Italien l 66 ff. 43 AE 1973, 76; CIL X
3865
4
=
=
�uestres ll 555· und Suppl. 70 ff.
praefectus
D. 1424. Vgl. Pflaum, Carrieres procuratoriennes
Der in CIL X 3865 D. 1424 genannte Funktionsträger ist dadurch höchst bemerkenswert, daß er eben in den munizipalen Zusammenhang zu gehören scheint. Eine Lautbahn im Dienst des Kaisers ist nicht überliefert - es sei denn, die Stellung als proc(urator) alim(entorum) viae Fl(a)m(iniae) wäre wirklich als ein solches ritterliches Amt zu verstehen. Daneben findet sich auch noch ein vereinzelter subcurator viae Flaminiae et alimentorum (CIL VII 1054), Eck, Italien (Anm. 3) 54 Anm. 165; er ist aber möglicherweise vom curator selbst zur Entlastung ausgewählt worden. Eine permanente Position im Dienst der alimenta ist darin kaum zu sehen. 45 H.-G. Pflaum, Essai sur Je cursus publicus, Paris 1940.
Stadtbewohner und staatJiche Administration
331
vehiculorum,46 der freilich zumindest bis in das späte 2. Jh. für ganz Italien zu ständig blieb und damit seineo Amtssitz wohl in Rom hatte. Bezeichnenderweise wurde jedoch zumindest unter Septimius Severus gerade wieder für die
via
Flaminia ein spezieller praefectus vehiculorum ernannt, vermutlieb weil das 'Ver kehrsaufkommen' auf dieser Straße weitaus am stärksten war, und damit auch die finanziell-organisatorischen Probleme wuchsen. Auch mögen die Zunahme der Verlegung von Truppen von einem Reichsteil in den anderen und die Erhebung der
annona militaris eine zusätzliche Rolle gespielt haben. Daß es bei der Ab wicklung des
cursus publicus zu strittigen Auseinandersetzungen zwischen dem
praefectus vehiculorum und denen, die die Lasten des cursus publicus zu tragen hatten, kam, beweist aber vor allem die Einsetzung eines eigenen
f(isci) a(dvocatus) at vehicula per F/aminiam.41 Sieht man von der Traospadana ab,48 dann ist dies bisher der einzige bekannte Fall für einen regionalen advocatus fisci in Italien für die Belange des mit per
cursus publicus. Sein Einsatzbereich wird allerdings
Flaminiam angegeben, was streng genommen nicht den Bereich der via
Flaminia, also das gesamte Umbrien umfaßte, sondern vermutlich nur die 'Region'
Flaminia, den östlichen Bereich Umbriens an der Adria, unter Einschluß
zumindest eines Teils der Aemilia. Aber auch wenn die genaue regionale Glie derung und gegenseitige Abgrenzung von Umbria, Picenum, Flaminia und Aemilia in der I . Hälfte des 3. Jb.s nicht geklärt werden kann, dann wird doch aus der Einsetzung eines solchen advocatus fisci at wie wichtig der Bereich, der von der via
vehicu/a per Flaminiam deutlich,
Flaminia insgesamt durchzogen wurde,
und damit auch Umbria, für den administrativ-militärischen Verkehr des Reiches in dieser Zeit geworden ist. Nach den unter Augustus eingesetzten
curatores viarum erscheinen neue
senatorische Amtsträger in regelmäßigem Wechsel für ganze Regionen erst wieder seit Mare Aurel mit den genannten
iuridici.49 Zwar hatte Hadrian mit den von der HA
quattuor consulares für die Rechtsprechung in Italien bereits etwa ab
127 o.Chr. einen Anfang für eine dezentralisierte Iurisdiktion gemacht Doch sah sich Antoninus Pius gezwungen, sie wieder abzuschaffen. Denn offensichtlich hatten diese lurisdiktionsmagistrate, die offiziell als
legati Augusti pro praetore
per ... bezeichnet wurden, eine so umfassende, auch die Kriminalgerichtsbarkeit einschließende Kompetenz erhalten, daß sie mit der Vorstellung von Italien als
46 Eck, Italien 89 ff.
47 ClL vm 26582 o. 9018. 48 CIL VID 26582 = D. 9018. Es ist derselbe Amtsträger wie für dje via Flaminia. 49 Vgl. zuletzt M. Corbier, Les circonscriptions judiciaires de l'ltalie de Mare Aur�le � Aurelien, MEFRA 85, I973, 609 ff; Eck, Italien 247 ff. =
332
Stadtbewohner und staatliche Administration
dem Kernland der herrschaftsberechtigten römischen Bürger, die nur den republi kanischen Magistraten unterstünden, nicht vereinbar waren.50 Mare Aurel nahm die dezentralisierte Jurisdiktion, beschränkt auf die freiwillige Gerichtsbarkeit, z.B. bei Problemen der Tutorenbestellung oder der Adoption, wieder auf. Die präto risehen
iuridici
allein einen
wurden eine ständige Einrichtung.S1 Umbrien hat allerdings nie
iuridicus erhalten, sondern war stets mit anderen Bereichen verbunden,
vor allem mit Flaminia, Etruria
(= Tuscia) und Picenum. Die Zusammensetzung
der Bereiche wechselte allerdings häufig, so daß es nicht zur Ausbildung eines festen Verwaltungsbezirks kommen konnte. Vermutlich bat es überhaupt nie ein ganz festes regionales System für die Iuridikate in Italien gegeben, vielmehr scheint die Zusammensetzung stets neu gebildet worden zu sein. Dies hatte dann auch zur Folge, daß sich kein dauerhafter Amtssitz des Umbrien zuständig war, herausbilden konnte.52 Der
iuridicus, derjeweils für
iuridicus
wurde bis weit ins
3. Jh. hinein kein Quasistatthalter für die italischen Regionen; dazu waren seine Kompetenzen nie umfassend genug.s3 Die Nichtprovinzialisierung Italiens war auch durch die Freiheit des Landes von regelmäßig zu bezahlenden Steuern bedingt
Tributum capitis
und
tributum soli
wurden im Kernland des Reiches nicht erhoben. Dennoch war Italien nicht steuerfrei. Vielmehr lief die aus der Republik überkommene
vicesima libertatis,
die 5%ige Steuer auf den Wert freigelassener Sklaven, weiter; zudem bat Augustus eine, ebenfalls 5%ige Steuer auf alle Erbschaften und Vermächtnisse römischer Bürger eingeführt, wobei nur besonders nahe Verwandte und besonders kleine Erb schaften ausgenommen waren. Von beiden Steuern wurden viele Bürger gerade in Italien betroffen, wo ja fast alle den Status eines
civis Romanus
hatten. Wichtig
war aber für den administrativen Prozeß, daß Augusrus für beide Steuern zunächst keine eigenen staatlichen Funktionsträger einsetzte, vielmehr den Einzug der ge schuldeten Summen den publicani in der traditionellen Form der Pacht überließ.54 Doch schon seit vespasianischer, vielleicht schon seit neronischer Zeit wurden
Überwachungsorgane für die privaten Steuereinnehmer eingesetzt, ein procurator so
W. Eck, Die italischen legati Augusti pro praetore unter Hadrian und Antoninus Pius, Historiae Augustae Colloquia, Colloquium Parisinum, Macerata 1992, 183 ff. = ders., Verwaltung l , 3 1 5 ff. 5 1 Eck, Italien 256 ff. 52 Siehe die Zeugnisse bei Corbier (Anm. 49) 609 ff.; Eck, Italien 249 ff. S3 Vielleicht ist es auch kein Zufall, daß wir fOr die iuridici, soweit ich sehe, kein Tribunal in einer der Städte ihrer Region bezeugt haben, ganz im Gegensatz zum 4. Jh.; vgl. P. Grelle, Iudices et tribunalia nella documentazione epigrafica della regio secunda, Epigrafia juridica Romana, hg. C. Castillo, Parnplona 1989, 1 15 ff. 54 Eck, Italien 1 1 4 ff. 129 ff.; P.A. Brunt, Publicans in the Principate, in: ders., Roman Imperial Themes, Oxford 1990, 354 ff.
Stadtbewohner und staatliche Administration XX
libertatis
und ein
procurator
XX
hereditatium,
333
beide selbstverständlich
ritterlichen Ranges.55 Das hieß aber nicht, daß damit die Steuerpflichtigen direkt mit ihnen zu tun bekamen; vielmehr verblieb der direkte Einzug, zumindest zunächst, bei den Steuerpächtem. Ob sie jemals gänzlich verschwanden, läßt sich bis heute nicht klären; wahrscheinlich ist es nicht. Lediglich für die Erbschafts steuer wurde die staatliche Organisation regionalisiert, was natürlich auch ein Hinweis auf die Höhe des Steuerertrags sein dürfte. So finden wir seit etwa Antoninus Pius Prokuratoren, die die XX
hereditatium
i m Bereich von Umbria,
Etruria und Picenum kontrollieren, wobei meist noch Campania miteinge schlossen ist.56 Für diese regionalen Amtsträger sollte man vernünftigerweise einen festen Amtssitz postulieren, zumal wir, jedenfalls was Umbria und Etruria betrifft, eine Konstanz i m Zusammenschluß als Verwaltungsbezirk vermuten dürfen.s7 Lediglich ein weiterer Typ eines prokuratorisehen Funktionsträgers läßt sich noch im Gebiet von Umbrien nachweisen, dies ist ein procurator per Flaminiam,
Umbriam, Picenum.58 Inhaltlich ist
die Funktion nicht näher bestimmt, doch hat
Pflaum mit guten Gründen dafür plädiert, den Prokurator für die
ratio privata als
verantwortlich anzusehen,59 d.h. für den Teil des kaiserlichen Krongutes, das sich vermutlich seit Antoninus Pius herausgebildet hatte.60 Der patrimoniale Grund besitz, der auch in der regio VI bereits seit der Zeit des Augustus vermutet werden darf, war vorher wohl zentral vom
procurator patrimonii von
Rom aus geleitet
worden. Schließlich ist noch auf die
curatores rei publicae bzw. civitatis zu
verweisen,
die seit der Spätzeit Domitians vereinzelt in Italien bekannt sind und erst seit dem späten 2. Jh. eine weitverbreitete Erscheinung waren.61 In Umbrien sind die ersten sicher datierbaren Beispiele in der Zeit des Commodus bezeugt.62 l n Asisium wurde ein Papirius Atilianus als curator r. p. und parronus geehrt; näher zu datie-
55 56
Eck, Italien 122 ff. 129 ff. Eck, Italien 132 ff. 57 ln allen fünf bisher bekannten Fällen von Prokuratoren für die Erbschaftssteuer ist jeweils Umbria und Etruria in der Amtsbezeichnung vertreten, viermal davon in Verbindung mit Picenum, Eck, Italien 135. 58 CIL Vlll 23963 D. 1347. 59 Pflaum, Carrieres procuratoriennes �questres III I 038. 60 H. Nesselhauf, Patrimonium und res privata des römischen Kaisers, HA-Colloquium Bonn 1963, Bonn 1964, 73 ff. 6 1 Eck, Italien 190 ff.; G. Camodeca, Ricerche sui curatores rei publicae, ANRW ll 13, Berlin 1980, 453 ff.; F. Jacques, Les curateurs des cit�s dans I'Occident romain, Paris 1983; ders., Le privilege de libert�. Politique im�riale et autonomie municipale dans les cit�s de I'Occident romain (161-244), Rom 1984. 62 Eck. Italien 238. =
Stadtbewohner und staatliche Administration
334
ren ist er nkht.63 · Insgesamt sind bisher für
1 7 Städte Umbriens solche vom
Kaiser delegierten Sonderfunktionsträger in unseren Quellen erschienen.64 Man sollte im allgemeinen wohl voraussetzen, daß die curatores zumindest nach ihrer Ernennung ei:nmal an dem
Ort erschienen, für dessen Kontrolle sie zuständig
waren. Doch ist es nachweisbar möglich gewesen, die jeweils anstehenden Aufga ben auch auf schriftliebem Weg zu erledigen. Ein curator der etrurischen Stadt Caere war i n Ameria beheimatet. Dorthin übersandten ihm die Dekurionen von
Caere eine Anfrage wegen der Vergabe städtischen Grunds, die der curator sodann von Ameria aus mit einem Brief beantwortete.65 Von einer dauernden persön lichen Anwesenheit eines curator darf man aber auf keinen Fall ausgehen.
Vor
allem bei Senatoren oder hochgestellten Rittern ließe sich dies mit ihren sonstigen politischen und sozialen Verpflichtungen kaum vereinbaren. Unwahr scheinlich ist es auch, daß in eine Stadt, für die in einer bestimmten Situation einmal ein curator bestimmt worden war, kontinuierlich für jeden Amtsträger, der ausgeschieden war, ein neuer benannt wurde. Im allgemeinen wurden curatores aus konkreten Problemen eingesetzt, nach deren Lösung man auf sie auch wieder verzichten konnte. Zumindest im
2. Jh. sollte man von einer nur zeitweisen
Ernennung ausgehen.66 Die Aufzählung der einzelnen i n Umbrien selbst und direkt amtierenden Funktionsträger erscheint nicht kurz; dennoch ist die ZabJ insgesamt nicht groß, und man sollte vor allem die zeitliche Entwicklung beachten:
63
CIL XI 5404 Fomi (Anm. 20) Nr. 46. Eck, Italien 238 f. Zu ergänzen ist ein Zeugnis für C. Octavius Appius Suetrius Sabinus, curator in Ocriculum (C. Camodeca, AAN 96, 1985, 1 ff.); AE 1981, 323 für Sentinum. F. Jacques, Privilege (Anm. 59) 199 ff. hat interessante Hinweise dafür gegeben, mit wie vielen Kuratoren wir statistisch rechnen dürfen. 5 5 CIL Xl 3614 = D. 5918 a. 66 Andere kurzzeitig vom Kaiser abgeordnete Funktionsträger wie z.B. curatores kalendarii können hier außer acht bleiben, da über sie wenig bekannt ist und sie auch keine allgemeine Erscheinung waren. Auch mit Aushebungen für das Heer muß man in Etrurien rechnen, so wie dies für andere Gegenden ItaJiens bezeugt ist, vgl. z.B. entlang der via Valeria Tiburtina unter Hadrian (IGR ill 763 = D. 8828; Epigr. Anat. 2, 1983, 37 ff.). Vgl. allgemein P.A. Brunt, Conscription and Volunteering in the Roman Imperial Army, in: ders., Roman Imperial Themes 188 ff. Gerade Prätorianer stammten zahlreich aus Etrurien und Umbrien; vgl Tac., ann. 4, 5, 4 für die Aushebung von Prätorianern, ferner A.M. Rossi Aldrovandi, Contributo agli lndici di CIL, XI. Antichith militari delle regioni VI e VII, Epigraphica 45, 1983, 162 ff. =
64
.
Stadtbewohner und staatliche Administration
(curator viarum I curator viae Flaminae) i
Augustus - Domitian: Nerva - Antoninus
Pius:
335
2-3
(curat. viae; leg. Aug. pr. pr.; vielleicht praef alimentorum, wenn nicht stets mit der cura viarum verbunden)
Mare Aurel - Ende 2. Jh.:
3 -4
I. Hälfte 3. Jh.:
7-8
(curator viae; iuridicus; vielleicht praef alimentorum; proc. XX hereditatium) (curator viae; iuridicus; vielleicht praef alimentorum; procur. alimentorum; procur.
XX hered. ; praef vehiculorum; advocatus
fisci at vehicula; procur. rationis privatae?)
Die Zusammenstellung zeigt, daß die Zahl nur sehr langsam anstieg, d.h. sie war im l . Jh. ganz minimal; erst mit Mare Aurel wurde die Zahl größer, um schließlich im 3. Jh.
6 - 8 Funktionsträger, die curatores r. p. nicht mitgerechnet,
für ganz Umbrien zu umfassen. Soweit wir heute feststellen können bzw. soweit wir dies aus strukturellen Überlegungen schließen dürfen, sind nur einige von ihnen überhaupt konti nuierlich außerhalb Roms ihrer Tätigkeit nachgegangen. Zu erschließen ist dies vor allem für die iuridici seit Mare Aurel, die vermutlich wie Statthalter in den Provinzen durch die Regionen zogen und dort Recht sprachen. Sie sind deshalb auch unmittelbar zugänglich gewesen, auch ohne sehr weite Anreise. Bezeichnen derweise sind sie damit auch die einzigen römischen Amtsträger, die in ihrem Einsatzgebiet selbst geehrt wurden.67 So setzte der ordo von Ariminum M. Aelius Aurelius Theo, iuridicus de infinito per Flaminiam et Umbriam (et) Picenum, eine Statue ob singularem abstinentiam industriamq(ue) exhibitae iudicat(ionis).68 Die Art von Rechtsprechung, die den iuridici anvertraut war, konnte sinnvollerweise nur vor Ort selbst erledigt werden.
Ähnliches gilt vielleicht auch für die regionalen procuratores XX hereditatium,
die allerdings einen sehr weiten Bereich zwischen Tyrrhenischem Meer und Adria, vom Po bis an die Nordgrenze Apuliens zu überwachen hatten. Bei ihnen sollte man auch lokales Subalternpersonal voraussetzen, worüber wir freilich keine Quellen besitzen. Freilich braucht dies zahlenmäßig nicht umfangreich gewesen zu sein, da der direkte Einzug der Steuern eher in der Hand von Pächtern geblieben sein dürfte. Auch den praefectus vehiculorum per Flaminiam möchte man sich am ehesten im Einsatzbereich selbst vorstellen, aber auch dafür fehlen bisher
67 Vgl. dazu Eck, Via Appia (Anm. 37) 35. 68 CTL XI 376 D. 1 192. =
Stadtbewohner und staatliebe Administration
336
Zeugnisse. Vielleicht ist es aber bezeichnend, daß wir für die Erhebung der
XX
libertatis durch private Pächter ein Zeugnis besitzen. In Asisium bestattete ein Corinthus,
soc(iorum) XX liber(tatis) (servus), seine Frau Pompeia Donata.69
Dies läßt darauf schließen, daß er sich längerfristig in Asisium aufhielt, womit auch zu vennuten ist, daß die socii XX libertatis dort ein Büro eingerichtet hatten. Andere Amtsträger aber kamen wohl nur selten nach Umbria. So dürfte der
curator viae Flaminiae im allgemeinen in Rom geblieben sein; und auch nachdem er seit Traian noch die Sorge um die
alimenta erhalten hatte, muß er sich nicht
dauernd in den Gemeinden seiner Regionen aufgehalten haben. Denn die praktische Arbeit konnte er ohnehin nicht leisten. Die
alimenta sollten offensichtlich mo
natlich an die pueri et puellae alimentari ausgezahlt werden. Bisher sind im Ein zugsbereich der via F/aminia 13 Städte bezeugt, in denen die alimenra tatsächlich eingerichtet waren;70 auch Asisium gehörte dazu.71 Tatsäeblich aber waren es ohne Zweifel weit mehr Gemeinden, vielleicht sogar die meisten oder aJJe, die vom curator viae Flaminiae abhängig waren, bei der Vergabe der alimenta bedacht worden. Auch bei höchster Intensität hätte ein
praefectus alimentorum nicht alle
diese Städte im Verlauf eines Monats bereisen können.
Er hat sich nach aller
Wahrscheinlichkeit auf die Kontrolle der Abrechnungen beschränkt, und diese konnte auch in größeren Intervallen erfolgen; selbst schriftlich ließ sich dies erledigen. Die Arbeit an den Straßen wurde ohnehin zumeist von
redemptores,
aJso privaten Bauunternehmern, geleistet. Verträge mit ihnen konnten auch in Rom selbst abgeschlossen werden. Damit ist freilich nicht gesagt, daß nicht auch ein curator viae
F/aminiae einmal in den Städten Umbriens erschien.
Die eigentliche Arbeit für die
alimenta in den Gemeinden, d.h. der Einzug der
Zinsen, die auf die kaiserlichen Kapitalien von den Grundbesitzern zu zahlen waren, sowie die Verteilung der nicht sehr hohen Geldsummen an die einzelnen Kinder bzw. ihre Eltern erfolgte durch die munizipalen Magistrate, vor allem die
quaestores alimentorum. Sie werden deshalb auch gelegentlich in den Gemeinden ehrenvoll in Inschriften erwähnt bzw. direkt geehrt, nicht die
praefecti alimen
torum. In Asisium setzten die pueri et puellae qui ex liberalitate sacratissimi principis aliment(a) accipiunt consensu parentium ex aere conlato dem C. Alfius Clemens, der unter anderem q(uaestor)
alimentor(um) war, eine Statue.72 Er war
die administrative Bezugsperson für die Empf änger der alimenta.
69 CIL X I 5435 = Fomi (Anm. 20) Nr. 8 1 . 70 Eck, Italien 189. 71 CIL XI 5395 D. 6620 = Forni (Anm. 20) Nr. 35. 72 ClL XI 5395 D. 6620 Forni (Anm. 20) Nr. 35. =
=
=
Stadtbewohner und staatliche Administration
337
Ähnlich wie bei den alimenta waren auch bei der Erhebung der Erbschafts- und Freilassungssteuer die munizipalen Magistrate an der konkreten Abwicklung beteiligt, durch Registrierung von Freilassungen bzw. durch die Testaments eröffnung, die vermutlich durch die llviri vorgenommen wurd�.73 Auch beim Straßenbau hatten die Gemeindemagistrate entweder die notwendigen finanziellen Beiträge einzusammeln oder die konkreten munera, d.h. Hand- und Spanndienste auf die einzelnen Bürger zu verteilen. Diese Bürger der Städte wurden zwar durch staatliche Anforderungen betroffen, aber deren konkrete Umsetzung verblieb doch weitgehend bei den Amtsträgern der Gemeinden. Für den normalen Bürger der Städte Umbriens blieben damit auch nach dem Ende der Republik und seit der Einrichtung der Monarchie in Rom die jeweilige
Stadt und ihre Magistrate der konkrete Bezugspunkt. Lokale Amtstellen Roms, deren Personal auch von dorther ernannt worden wäre, existierten kaum. Soweit der Bürger und Bewohner einer Stadt von Anordnungen aus Rom betroffen wurde, erhielt er diese zumeist durch Vermittlung der städtischen, lokalen Arntsträger. Am 'konkretesten' war für den einzelnen Bürger noch der Kaiser erkennbar und erfahrbar. Aber auch er war vor allem präsent in seinen Statuen - und diese bestanden aus harter Bronze oder kaltem Marmor.
73 Eck, Italien 139 ff.; M. Amelotti, II testamento romano attraverso Ia prassi docu
mentale. I. Le forme dassiehe di testamento, Florenz 1966, 187 ff. Danken möchte ich Giorgio Bonamente, der in freundschaftlicher Weise für die italienische Ausgabe den Text ins Italienische übersetzt hat.
TAClTUS, ANN. 4, 27, UND DER
1
CURSUS PUBLICUS AUF DER ADRIA
Apulia war wie das angrenzende Calabria spätestens seit den Tagen der späten Republik vom Großgrundbesitz beherrscht. Dem entsprach, daß jedenfalls während der frühen Kaiserzeit in großem Ausmaß Sklaven auf diesen Gütern als Arbeits kräfte herangezogen wurden. Schon die Scharen des Spartacus und Krixos hatten in Apulien Rückhalt gefunden, 1 und noch im I .
Jh. n.Chr. kam es mehrmals zu
Unruhen, deren Basis die auf den Großgütern beschäftigten Sklavenscharen bil deten. So erforderte die Niederschlagung eines Aufstandes von Sklaven unter Augustus um das J. 9/10 n.Chr. den Einsatz von Truppen, die dem A. Plautius,
consul suffectus 1 v.Chr., unterstellt wurden; ihm als Befehlshaber war zumindest noch ein senatorischer Legat, Aedius Celer, an die Seite gegeben.2 Die Rebellion muß somit wirklich als bedrohlich angesehen worden sein. Dornitia Lepida, die Tante Neros, wurde im
J. 54 n.Chr. hingerichtet; vorgeworfen wurde ihr, sie habe
die Sklavenscharen auf ihren Gütern in Calabrien zu wenig unter Kontrolle gehalten und so pacem ltaliae turbaret.3 Auch wenn dies nur ein Vorwand war, um sie aus dem Weg zu räumen und ihr Vermögen einzuziehen, so zeigt es doch, welches Bedrohungspotential in den Augen der Öffentlichkeit die Sklavenscharen auf den großen Latifundien dieser Region bilden konnten. Auch zum
J. 24 n.Chr. berichtet Tacitus von einem drohenden Sklavenkrieg i n
Italien, der nur durch Zufall gleich z u Beginn unterdrückt werden konnte. Urheber sei ein ehemaliger Prätorianersoldat gewesen, der bei Brundisium und in den umliegenden Städten, sodann auch auf dem Lande die Sklaven zur Freiheit aufgerufen habe. Nur die zufallige Landung dreier
biremes mit Rottensoldaten
I Siehe Münzer, RE m A, 2, 1528 ff., s.V. Spartacus; vgl. Sallust, Cat. 46, 3 ZU Großgütern in Apulien. 2 ClL IX 2335 = D. 961. Lange Zeit wurde die Inschrift auf den Aufstand im J. 24 n.Chr.
bezogen, siehe G. Alföldy, Fasti Hispanienses, Wiesbaden 1969, 149 ff. Vgl. z.B. Th. Pekary, Seditio. Unruhen und Revolten im römischen Reich von Augustus bis Commodus, Anc. Soc. 18, 1987, 133 ff. bes. 138. Doch ist dies nunmehr
ausgeschlossen, weil A. Plautius, suff 29 n.Chr., erst im J. 26 zur Prätur gelangte (AE 1987, 1 63). Somit kann er allein aus diesem Grund nicht mit dem gegen die Sklaven gesandten A. Plautius identisch sein; dieser hatte schon wegen der anderen in CIL IX = D. 961 genannten magistratischen Bezugspersonen zumindest prätorischen, tatsächlich aber bei Identifizierung mit dem Konsul des J. I v.Chr. konsularen Rang.
2335
Siehe dazu insbesondere G. Camodeca, Problemi di storia sociale in Aüfe Romana, in: II territorio Alifano. Convegno di Studi S. Angelo d'Aiife, 26 aprile 1987, Scauri 1990, 133 = AE 1990, 222. 3 Tac., ann. 12, 65. l .
340
Tacitus ann.
4, 27, I
sowie die schnelle Reaktion des in der Gegend weilenden Quästors Cutius Lupus habe den Ausbruch der Revolte verhindert.4 Der Quästor, der den Aufstand unterdrückte, hielt sich dort im amtlichen Auftrag auf; wahrscheinlich waren ihm traditionell die übertragen worden, die einst Caesar als
provincia
calles
in Süditalien
zugewiesen werden sollten.
Doch die Schiffe mit ihrer Besatzung, derer er sich bediente, unterstanden nicht seinem regelmäßigen Kommando; vielmehr handelte es sich um Flottensoldaten, die somit in der Adria aller Wahrscheinlichkeit nach zur
c/assis Ravennas
gehörten. Deren Auftauchen beschreibt Tacitus mit dem lapidaren Satz:
cum velut
munere deum tres biremes adpulere ad usus commealltium illo mari.5 Der Sinn dieses Satzes scheint für alle Übersetzer bzw. Kommentatoren klar und ohne Probleme zu sein, auch für die hier besonders interessierenden Worte ad
usus commeantium illo mari.
So heißt es beispielsweise in der Loebübersetzung
der Annalen: "three biremes for the protection of seabocne trafic",6 ähnlich in der Übersetzung von D.R. Dudley: "for the benefit of traders in the Adriatic'? oder durch M. Grant: "for the protection of traders in those waters".8 Ebenso wird in der Budeausgabe übersetzt: "Chargees d'assurer Ia navigation commerciale sur cette mer".9 In der Tusculumreihe wird der Text folgendermaßen wiedergegeben: "die dem Schutz des Handelsverkehs r in jenem Meer dienten".10 In gleichem Sinn äußern sich die Kommentare von Fucneaux und Köstermann,1 1 lediglich die letzten kommentierenden Bemerkungen von Martin und Woodman zu der Stelle bleiben unbestimmt.12 Eine Ausnahme im Verständnis der Stelle ist Chester G. Starr, der in einem Werke über die römische Flotte die Worte
meantium i/lo mari
4 5 6 7
ad usus com
mit "to transport dignitaries to and from Dyrrachium"
Tac., ann. 4, 27. Tac., ann. 4, 27, I . Tacitus IV. The Annals, übersetzt von J. Jackson, 1970, 49.
The Annales of Tacitus. A New Translation by D.R. Dudley, New York - Toronto
1966, 155.
8 Tacitus The Annales of Imperial Rome, übersetzt von M. Grant, Penguin B ooks, Saltimore 1968, 166. 9 Tacite, Annales. Livres IV VI. übersetzt von P. Wuilleumier, 1975, 27. 10 Tacitus, Annalen, übersetzt von E. Heller, 1982, 319. 1 1 J. Furneaux, The Annals of Tacitus I, Oxford2 1896, 522: "These seem to have had a naval patrol in the Adriatic for the protection or assistance of traffic". E. Köstcrmann Kommentar zu Tacitus' Annalen, Bd. 2, Heidelberg 1965, 102: "tres biremes der ,
-
,
ravennatischeo Flotte, die zum Schutz des Handels an der adriatischen Küste patrouil lierten."
12 Tacitus Annals, Book IV, hg. R.H. Manin - A.J. Woodman, Cambridge2 1989, 161.
Tacitus ann.
4, 27, I
341
wiedergibt, 13 sowie A.J. Church und W.J. Brodribb, die den Satz folgendermaßen übersetzen: "for the use of those who transversed that sea." 14 Daß die seit Augustus permanenten Flotten, darunter die classis Misenensis und die classis
Ravennas,
in Italien auch dem allgemeinen Schutz der Schiffahrt im
Mittelmeer dienen sollten, steht außer Zweifel. Doch dieser Zweck erfüllte sich, sobald einmal der innere Friede hergestellt
war,
allein durch die Präsenz der
Flotten und die Möglichkeit, jederzeit mit Schiffen gegen Unruhestifter auf dem Meer eingreifen zu könneo.1s Daß spezielle ständige Patrouillen der einzelneo Flotten unterwegs gewesen wären, um etwa in besonderer Weise die Handels schiffe in der Adria zu schützen, ist weder wahrscheinlich, noch gibt es dafür m.W. irgendwelche klaren Aussagen in den
Quellen. Denn die oben zitierte
Annalenstelle 4, 27, 1 besagt dies nun überhaupt nicht. Klar ist dort zunächst,
daß
drei Zweiruderer an der Küste, vermutlich in Brundisium, landeten; sie gehörten zur römischen Flotte, und zwar zu der von Raveona. Auf d.ie angekommenen
den Schiffen
classiarii konnte der Quästor Cutius Lupus zum Schutz gegen die
aufständischen Sklaven zurückgreifen. Das folgende
mari
mit
ad usus commeantium iilo
wird mit zwei Ausnahmen durchwegs als Hilfe oder Schutz für Handels
schiffe verstanden.16 Allein
usus bedeutet, wenn man es nicht zwingen will, eben
nicht Schutz, vielmehr wird damit klar gesagt, daß die Schiffe unmittelbar benutzt werden, und zwar von den commeantes illo nwri.
Commeare
wird bei Tacitus an insgesamt neun Stellen verwendet. 1 7 Jn keinem
einzigen Fall besteht dabei irgendein Bezug zu Handel oder Kaufleuten. Fast ausschließlich bezieht sieb das Wort auf regelmäßigen oder häufigen Verkehr von Menschen von einem Ort zum anderen; besonders häufig erscheinen dabei Soldaten. So heißt es bist.
4, 55, I : interfecto Hordeonio commeavere nuntii inter
Civilem Classicumque praefectum.
Wenige Kapitel später in hist.
4, 57, 3 wird
vom Verkehr von Centunoneo und sonstigen römischen Soldaten zwischen dem Lager Novaesium und dem Lager der gegnerischen Gallier gesprochen:
commeantium centurionum militumque emebantur animi. nach ann.
illuc
Tiberius weigert sich
2, 28, 2 im Anfangsstadium der Aufdeckung der Verschwörung des
Scribonius Libo Drusus, mit dem Senator Firmius Catus, der die Anzeige durch
13 C.G. Starr, The Roman Imperial Navy 3 1 B.C. - A.D. 324, Cambridge2 1960, 23; vfl. auch 178. Unergiebig zu der Frage M. Redde, Mare nostrum, Rom 1986, 221. 1 The Complete Works of Tacitus. The Annales ... übersetzt von A.J. Church W.J. Brodribb, New York 1942, 159. M.P. Speidei bin ich dankbar, daß er mich auf diese Übersetzung sowie die in Anm. 7 und 8 genannten hingewiesen hat. 15 Vgl. Starr (Anm. 13) 167 ff. 176 f. 1 6 Vgl. oben zu Anm. 6-14. 17 A. Gerber - A. Greef, Lexicon Taciteum, Leipzig, 1903, I 1 9 1 .
Tacitus ann. 4, 27, 1
342
Vermittlung des Vescularius Flaccus in Gang gebracht hatte, direkt in Verbindung zu treten: posse enim eodem Flacco intemuntio sermones commeare. In gleichem Sinn erscheint das Wort wieder, als Seian angeblich versuchte, Tiberius zu einem Leben fern von Rom zu bewegen ; denn der Prätorianerpräfekt habe die vielen Vorteile gesehen, die daraus für ihn erwüchsen:
sua in manu aditus, litterarumque
magna ex parte se arbitrumfore, cum per milites commearent. 18 Das Wort commeare wird also von Tacitus stets verwendet, wenn es um häufigen Verkehr von Personen oder um Nachrichtenaustausch zwischen zwei Orten geht, auch um regelmäßigen, wie es gerade die zuletzt zitierte Passage zeigt. Tacitus setzt den Begriff fast ausschließlich dann ein, wenn Personen im staatlich militärischen
Zusammenhang unterwegs sind.
Hat man dies einmal erkannt, dann sind die Worte
ad usus commeantium illo
mari ohne Probleme zu verstehen: Es muß sich auch hier um Personen handeln, die im staatlich-militärischen Auftrag reisen und den Weg über die Adria hin und zurück öfter oder immer wieder zurücklegen. Diese Personen benutzten Schiffe, die offensichtlieb ständig für diesen Zweck bereit standen. Dann aber können diese Personen nur solche sein, die i m kaiserlichen Auftrag bzw. auf Befehl hoher Amtsträger aus Italien i n die östlichen Provinzen gingen bzw. von dort kamen, um nach Rom zurückzukehren bzw. sich zum Kaiser, vielleicht auch zum Senat oder einzelnen Funktionsträgem mit Aufträgen oder Informationen zu begeben. Daß die Schiffe gerade im Zusammenhang mit einem bei der Hafenstadt Brundi sium ausgebrochenen Sklavenaufstand erwähnt werden, ist insofern kein Zufall, weil dieser Hafen am Endpunkt der via Appia lag und von ihm aus auf schnellstem Weg Dyrrhachium (bzw. Apollonia) zu erreichen war, das seinerseits den Ausgangspunkt für die
via Egnatia bildete,19 die wichtigste Straßenverbin
dung durch Makedonien über Thessalonice bis zum Hellespont, von wo die Reise in die kleinasiatischen Provinzen fortgesetzt werden konnte. Als Mucian z.B. im Herbst des J. 69 n.Chr. seine Taktik gegenüber Vitellius überlegte und dabei auch
den Plan eines Angriffs auf Italien zur See ventilierte, werden gerade Dyrrhachium und Brundisiurn (neben Tarent) als die entscheidenden Häfen herausgehoben.20 Vor allem zu diesen beiden Orten, nach Brundisium und zu der gegenüberliegenden Küste, begaben sich viele von denen, die im amtlichen Auftrag oder mit 1 8 Tac., ann. 4, 4 1 , I f. 19 Seide Häfen werden, unabhängig von der hier behandelten Frage, als Stützpunkte für Abteilungen der Flotte von Ravenna angesehen, vgl Starr (Anm. 13) 23 und Redde (Anm. 13) 221; siehe auch H.D.L. Viereck, Die römische Floue, Herford 1975, 253. In Brundisium sind Flottensoldaten in CIL IX 4 1 . 42. 43, ferner Eph. epigr. VTI 33 und AE 1966, 97 bezeugt; es handelt sich um Grabinschriften für aktive classiarii. 20 Tac., hist. 2, 83, 2. .
Tacitus ann. 4,
27, I
343
Nachrichten und eiligen Anordnungen von Rom in die Provinzen gesandt wurden bzw. umgekehrt von den östlichen Provinzen - und in der tiberischen Zeit waren dies immerhin 1221- nach Rom gingen oder wieder dorthin zurückkehrten. Zwar wissen wir nicht, wie dicht und intensiv dieser Nachrichtenaustausch zwischen der Zentrale und den Außenländern Roms gewesen sein muß;22 doch es ist unbe streitbar, daß er zahlenmäßig einen grossen Umfang erreicht hat.23 Zu Land waren die Mittel, derer sich etwa Nachrichtenboten bedienen konnten, vielfältig. Während die Träger eiliger Nachrichten (und Güter) mit einem Diplom den
publicus' benutzen
'cursus
konnten, waren 'normale' Nachrichtenüberbringer im allge
meinen zu Fuß unterwegs. Die Schnelligkeit, mit der sie ihrem Auftrag ähigkeit nachkamen, hing entscheidend von ihrer eigenen körperlichen Leistungsf ab. Doch die Meeresstrecke zwischen Makedonien und Italien konnte nur mit Hilfe eines Schiffes überwunden werden. Wenn alle diejenigen, die in staatlichem Auftrag unterwegs waren, vor allem die Träger von eiligen Nachrichten, auf zufällig von Brundisium bzw. von Dyrrhachium (oder Apollonia) abgebende Schiffe etwa von Kaufleuten angewiesen gewesen wären, hätte dies wohl öfter zu unerträglichen Verzögerungen geführt. Somit legt es die allgemeine Rationalität nahe, daß an dieser Konzentrationsstelle des staatlich-administrativen Verkehrs in der Adria Schiffe der classis Ravennas postiert wurden, um bei Bedarf insbesondere für die Überbringer eiliger Nachrichten zur Verfügung zu stehen. Die von Tacitus ann.
4, 27, 1
genannten
biremes
müßten zu einem solchen Kontingent gehört
haben. Daß diese Schiffe auch römische Amtsträger, die in die Provinzen gingen oder aus ihnen zurückkehrten, beförderten, wie Chester G. Starr aus der Tacitus stelle erschloß,24 ist durchaus möglich, da commeantes sehr allgemein verstanden werden kann. Doch ist es unwahrscheinlich, daß diese Personengruppe das ent scheidende Motiv gewesen ist, um diese dauerhafte Regelung zu treffen, da es sich 21 Zu den Provinzen, die über Brundisium aus relativ am schnellsten zu erreichen waren,
sollte man wohl folgende zählen: Macedonia, Achaia, Moesia, Pontus-Bithynia, Asia, Galatia, Cappadocia, Cilicia, Syria, ludaea, Creta-Cyrenae und Cypern. Dazu sollte man noch die Klientelstaaten wie z.B. Thracia rechnen, mit denen ebenfalls öfter Verbindungen bestanden. 22 Vgl. W. Eck, Zur Durchsetzung von Anordnungen und Entscheidungen in der hohen Kaiserzeit: Die administrative Informationsstruktur, in: FIEC-Kongreß Pisa 1989, Aorenz 1993, 9 1 5 ff. bes. 929 ff. ders., Verwaltung 1 , 55 ff. 23 So sollte man z.B. erwarten, daß monatlieb Abrechnungen der einzelnen Finanzpro kuratoren nach Rom gegangen sind, um über den a rationibus den Herrscher über die Finanzen in den Provinzen zu informieren. Zumindest waren in Ägypten diese monat lichen Abrechnungen aus den Gauen an die Zentrale in Alexandria zu übersenden. Solche Berichte wurden unzweifelhaft von Boten überbracht und nicht nur irgend jemandem mitgegeben, der zufälligerweise nach Rom geben mußte. 24 Oben Anm. 13. =
344
Tacitus ann. 4, 27, 1
über das Jahr verteilt um eine insgesamt eher begrenzte Gruppe handelte, auch wenn man Senatoren, Ritter und etwa Zenturionen zusammennimmt, die zudem zu einem erheblichen Teil im späten Mai oder Anfang Juni und dann wiederum im späten Juli die Überfahrt nach Osten bzw. zurück nach Westen zu machen hatten,25 während Brietboten ganz kontinuierlich unterwegs waren. Zudem waren
biremes, also kleine, wendige Kriegsschiffe, für den Transport von größeren Gruppen, wie sie jeden Magistrat, der in die Provinz ging, begleitet haben,26 weniger geeignet. Da konnten Handelsschiffe weit mehr Platz und auch Sicherheit bieten.27 In allgemeiner Form hatte man den Schiffsverkehr bereits als Teil der kaiserzeit lichen staatlichen Nachrichtenübermittlung vermutet. Vor aJ iem Africa wäre von Italien aus in anderer Form überhaupt nicht erreichbar gewesen. Ähnliches habe für Ägypten gegolten. Doch auch nach Gallien und Spanien sei man von Italien aus leichter und schneller zu Schiff gekommen.28 Man ging aber bisher eher davon aus, daß generelle und dauerhafte Regelungen erst in der späten Kaiserzeit getroffen und zudem entweder Schiffe der navicularii oder von Liturgieptlichtigen in Küstenstädten verwendet worden seien, nicht jedoch Teile der kaiserlichen Flotte. 29 Lediglich zwei epigraphische Quellen weisen sicher oder wahrscheinlich auf Funktionsträger hin, die speziell mit dem Transport von Nachrichten bzw. Per sonen zu Schiff beschäftigt waren. Eine Inschrift von Tenos nennt einen C. Iulius Naso als praej(ectus) tesserar(iarum) in Asia nav(ium), der nach Hirschfeld "für den ... Depeschenverkehr zu sorgen" hatte, als sich Augustus in den Jahren 21-19 v.Chr. in Griechenland und Asia aufhielt.30 Daß dies ein vorübergehender Auftrag war, ist eindeutig; die Notwendigkeit erwuchs aus der speziellen Situation, weil
populi Romani mit ihrem Personal. Das waren in der tiberischen Zeit pro Jahr vier Prokonsuln (für Pontus-Bithynja, Asia, Creta-Cyrenae und Cypern), unter Augustus und nach Tiberius insgesamt sechs (zusätzlich für Achaia und Macedonia). 26 Vgl. z.B. einen Teil des Personals, das einen Prokonsul von Makedooien nach Samothrake begleitete, P.M. Fraser, Sarnothrace. The Inscriptioos on Stone, New York 1960, 103 ff. Nr. 53; M.W.V. Harris, An lnscription Recording a Proconsul's Visit to Samothrake in 165 A.D., AJPh 1 1 3, 1992, 71 ff. 27 Vgl. auch Starr (Anm. 13) 178. 28 Vgl. z.B. E.E. Hudemann, Geschichte des römischen Postwesens während der Kaiserzeit, Berlin 1878, 163 ff.; E.J. Holmberg, Zur Geschichte des Cursus publicus, Uppsala 1933, 69 ff.; W. Riepl, Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer, Leipzig 1 9 1 3 (ND Hildesheim 1972), 262 f.; Hirschfeld, Kaiserliche Verwaltungsbeamte 202 f.; Starr (Anm. 13) 177 f. 29 Hudemann (Anm. 28) 163; Holmberg (Anm. 28) 7 1 . D. 9220; Hirschfeld, Kaiserliche 30 G. Hirschfeld, JÖAI 5 , 1902, 149 IG XII 5 , 941 Verwaltungsbeamte 203; cf. PIR2 I 437. 25 Nämlich alle Prokonsuln der provinciae
=
=
Tacitus
ann.
4,
27, 1
345
vor allem die politische Entwicklung in Rom noch nicht völlig geklärt war.
Welche Schiffe dem Prä�ekten dabei zur Verfügung standen, wird nicht gesagt;
doch liegt es nahe, an Fahrzeuge der von Augustus gerade erst auf ein kleineres Maß reduzierten Flotte der Bürgerkriegszeit zu denken. Ferner nennt eine in der Nähe von Laurentum, also nicht allzu weit von Ostia entfernt gefundene Inschrift einen hadrianischen Freigelassenen, der als procurator
pugillationis et ad naves vagas amtiert hatte. Das Zeugnis ist freilich umstritten und wurde außer auf den 'Postdienst' auch auf die Registrierung einzeln mit Lebensmitteln in Italien anlandender Schiffe bezogen.31 In jedem Fall steht das Zeugnis isoliert und deutet nicht auf eine kontinuierliche Funktion im kaiser lichen Dienst hin.32 Beide Dokumente zeigen also keinesfalls das, was sich aus
der Interpretation der Tacitusstelle ergeben hatte. Die Möglichkeit zur regelmäßigen Verbindung mit den Provinzen mittels des Systems der vehiculatio hatte Augustus geschaffen;33 auch der Leiter dieser Ein richtung, der praefectus vehiculorum, ist wohl schon von Augustus eingesetzt worden.34 Da, wie die hier interpretierte Tacitusstelle zeigt, bereits im J. 24 in der Adria Schiffe als Ergänzung zum System der vehiculatio zu Lande bereitstanden und in dieser Situation keineswegs als eine erst durch Tiberius geschaffene Neuerung erscheinen, liegt es nahe, auch diese Regelung bereits mit Augustus zu verbinden. Es hätte seinem auf praktische Problemlösung ausgerichteten Sinn entsprochen. Wie lange diese Einrichtung bestand, läßt sich unseren Quellen nicht entnehmen. Doch ist es wenig wahrscheinlich, daß man, solange das von Augustus geschaffene Flottensystem bestand, auf diese außerordentlich praktische Einrichtung verzichtet hat.35 31 CIL XIV 2405 = D. 1534; Hirschfeld, Kaiserliche Verwaltungsbeamte 203; Mommsen, Staatsrecht Il3 1030 Anm. 3; Boulvert, Esclaves et affranchis imperiaux 270 Anm. 48. 283 Anm. 132. 32 Wenn Seneca, ep. 77, 1 von tabellariae naves schreibt, die die Ankunft der alexan drinischen Getreideflotte ankündigten, dann handelt es sich dabei zwar um jährlich ankommende Schiffe, doch sind sie nicht als Fahrzeuge anzusehen, die im regel mäßigen Hin und Her zwischen Rom und Ägypten Nachrichten transportierten; sie kommen einmal im Jahr. 33 H.-G. Pflaum, Essai sur Je cursus publicus sous Je Haut-Empire Romain, Paris 1940, 2 1 0 ff.; Tb. Pekiiry, Untersuchungen zu den römischen Reichsstraßen, Bonn 1968, 173 ff.; St. Müchell, Requisitioned Transport in the Roman Empire: A New Inscrip tion from Pisidia, JRS 66, 1976, 106 ff. 34 W. Eck, Chiron 5, 1975, 365 ff. ; ders., Staatliche Organisation Italiens 92 ff. 3S Starr (Anm. 13) 23 geht davon aus, sobald das Straßensystem in Illyricum besser ausgebaut gewesen sei, habe man das Flottendetachement aus Brundisium!Dyrrhachlum abgezogen. Außerdem habe der direkte Seeverkehr von Italien in die östlichen Provinzen zugenommen. Der letzte Punkt mag zwar für den Transport von Amtsträgem gelten, trifft jedoch nicht für die Nachrichtenboten zu. Da die strukturellen Notwendig-
346
Tacitus ann. 4,
27, l
Korrekturzusatz: R. Zucca hat in Africa Romana 9, 1992, 595 ff. eine Bauinschrift aus Sardinien veröffentlicht, die zu einem praetorium gehörte, das der Aufnahme von Personen mit amtlichem Auftrag diente, die zwischen dem Norden und dem Süden der Insel hin und her reisten. Für sie wird gerade der Begriff
commeantes
verwendet. 36
Dieser Begriff findet sich auch sonst noch öfter in Inschriften, in denen insbe sondere von Straßenbaumaßnahmen die Rede ist.37 Nicht in allen Fällen läßt sich nachweisen, daß in den Inschriften mit dem Begriff commeantes ausschließlich staatliche Funktionsträger gemeint sind; doch ist die Wahrscheinlichkeit, daß vor
nehmlich von ihnen gesprochen wird, recht groß.
keiten somit weiterbestanden, dürfte die einmal gefundene Lösung beibehalten worden sein. 36 Dankenswerter Hinweis von Rudolph Haensch. Zur Übersetzung von commeantes bei Tacitus vgL. jetzt auch W. Eck J. Heinrichs, Sklaven und Freigelassene in der Gesellschaft der römischen Kaiserzeit, Darmstadt 1993, 137. 37 R. Zucca, Africa Romana 9, 1992, 604 Aom. 45. Einen Niederschlag in den Quellen muß diese dann so selbstverständliche Einrichtung nicht gefunden haben. Für Hilfe bei der Vorbereitung des Artikels habe ich Hannah M. Cotton (Jerusalem) und Peter Eich (Köln) zu danken. -
EIN BRIEF DES ANTONINUS PlUS AN EINE BAETISCHE GEMEINDE Unter den vielen auf Bronze überlieferten, neuen Dokumenten aus dem Süden Spaniens befindet sich auch eine Tafel mit zwei Briefen und einem decretum des Antoninus Pius. 1 Die beiden Briefe sind offenbar die ersten lateinisch ausge fertigten und durch eine Inschrift überlieferten Briefe des Antoninus Pius, während epistulae dieses Kaisers in griechischer Sprache sehr zahlreich erhalten sind.2 Die
Tafel ist allerdings nur fragmentarisch auf uns gekommen und hat deshalb bisher kaum Beachtung gefunden.3 Da jedoch kleinere Fortschritte bei der Lesung, der Ergänzung sowie vor allem beim Verständnis des Textes möglich sind und außerdem ein wohl zugehöriges, bisher unbekanntes Fragment aufgetaucht ist,4
soll die Inschrift hier nochmals behandelt werden. Die vom Erstherausgeber, J.
Gonzalez, publizierte Lesung konnte ich bei einem Besuch in Südspanien im
Frühjahr 1989 am Original vergleichen.5 Folgendes ist auf der Bronzetafel zu lesen6: fOS DJVI NERVAE PRONEPOS T AELIUS HADRIANU$ � ){.II COS·liil·P·P·SALUTEM-DJCJT Ill/VIR·ET Q
LVCILIO·AFRICANO·PROCOS·C. V·ADVERSUS'
1 J. Gonzalez, Fragmento de 'epistula' de Antonino Pio, SDHI 49, 1983, 400 f.
2 Nur ein Reskript des Antoninus Pius ist in lateinischer Sprache erhalten: CIL III 4 1 1
D. 338 IGR IV 1397. Ein lateinisches Edikt, das Antoninus als proconsul Asiae er lassen hat, bei H. Malay, Greek and Latin inscriptions in the Manisa Museum, Wien 1994, Nr. 523; dazu J. Nolle - W. Eck, Der Brief des Asinius Rufus an die Magistrate von Sardeis. Zum Marktrechtsprivileg für die Gemeinde der Arillenoi, Chiron 26, 1996, 267 ff. 3 Hinweise darauf bei F. Martin, Publicaci6n y archivo de las disposiciones imperiales: nuevos testimonios, in: Epigrafia juridica Romana, Pamplona 1989, 33 ff. bes. 38 f.; V. Marotta, Multa de iure sanxit. Aspetti della politica del diritto di Antonino Pio, Mailand 1988, 21 Anm. 56. Der Text wurde auch in AE 1984, 5 1 1 abgedruckt, aller dings in einer so sinnentstellenden Weise, daß cliese Publikation unbrauchbar ist. 4 Siehe dazu unten 349. 5 J. Gonzalez bin ich zu Dank verpflichtet, daß er mich am 1 . April 1989 zu dem Antikensammler, der die Tafel in seinem Besitz hatte, begleitete. Die Tafel befindet sich jetzt im archäologischen Museum von Sevilla, Inv.-Nr. ROD 9554. 6 Offensichtlich war für den Aufsatz von J. GonzaJez in SDHI 49, 1983 ein Photo vorgesehen, das aber nicht publiziert wurde. M.W. war bisher kein anderes Photo der Inschrift veröffentlicht worden. Auf die Wiedergabe des in der Originalpublikation dieses Aufsatzes veröffentlichten Photos wird hier verzichtet. In die Lesung sind einige kleine Verbesserungen aufgenommen worden, die A.U. Stylow für die Publikation des Textes im Rahmen von CIL II2 I 5, 1322 (Obulcula; noch ohne die Nummer der Inschrift) vorgeschlagen hat. Ihm sei dafür gedankt, daß er mir seine Verbesserungen schon jetzt zugänglich gemacht hat. =
=
Ein Brief des Antoninus Pius
348
VM·DECRETI·MEI·SVBICJ.IVSS/-HAEC.LEGAT! oder
5
Q
QV/NTILLO·ET·PRISCO·COS·I( (oder X)
VALETE
NEFIC/VM·CVIVS·AVCTOR·NON·PROBA '[ f"ENSIVM·ET·LONGA ·HVIVS·EXACT/OfY �IMAM·EXIGI·POSY. QVAE-ADIECIT ('I( ONEPOS· TAELIVS-HAP
10
IIVIR·ET D�
Zeile 2:
[imp.] I/
vom Erstherausgeber ergänzt; tatsächlich sind aber von einem
vorausgehenden X noch rechts oben und unten die Reste der Schräghasten zu
sehen; ebenso reicht der Zahlstrich deutHeb nach links über II hinaus, so daß hier eindeutig die
tribunicia potestas X]XII zu ergänzen ist,
was mit dem Konsulats
datum in Zeile 5 übereinstimmt. Zeile 3: Nach adversus ist noch der Rest einer senkrechten Haste zu erkennen, die zu einem I oder vielleicht zu einem E gehörte. Zeile
4:
Vor M·DECRETI ist noch ein schräg nach links unten verlaufender
Rest eines Buchstabens zu erkennen, der ein V gewesen sein muß. Auch von hier aus ist also nicht
sententia]m
Ende hat Gonzalez
in den Text zu setzen, sondern
Legat[a] gelesen
und ergänzt; doch ist nach
exempl]um. Iegat
arn
Am
oberen
Ende der Zeile noch der Rest einer senkrechten Haste erhalten; der Rest kann nicht zu einem A gehören, vermutlich aber zum Buchstaben I oder eher, wie Stylow meint, zu einem 0. Zeile
5: Das Cognomen des 1 . KonsuJs lautet auf der Bronzetafel Quintillo,
nicht Quintilio (so Gonzalez). Nach COS ist der Rest einer von links oben nach rechts unten verlaufenden Haste zu sehen, also entweder V oder X; der Buchstabe gehörte vermutlich zum Tagesdatum. Zeile 7: Vor ENS!VM ist deutlich noch der Rest des Buchstabens L zu sehen; Gonzalez: JENSIUM. Nach EXACTJO ist am oberen Rand der Zeile noch der Rest einer senkrechten Haste zu sehen; es ist durchaus möglich, daß dieser Rest zu einem N gehörte, womit vielleicht Zeile
8:
exaction[is zu
lesen wäre.
Nicht IMAM, sondern SIMAM, da deutlich die obere Hälfte eines S
erhalten ist. Nach adiecit hat Gonzruez QV, was nicht zutrifft. Wenn es sich um zwei Buchstaben handelt, dann sicher um CV; freilich ist es nicht völlig ausge schlossen, darin eine
hedera,
also einen besonderen Worttrenner bzw. ein
Abschlußzeichen zu sehen. Doch ist CV wahrscheinlicher; Stylow zweifelt daran.
Die Buchstabenformen auf der Bronzetafel sind außerordentlich markant. Das gilt z.B. für V, dessen beide Hasten eine leichte Biegung nach links aufweisen,
Ein Briefdes Antoninus Pius
349
auch das M ist sehr charakteristisch. Besonders auffallig ist jedoch, daß die linke Senkrechte beim Buchstaben H um etwa 2 mm höher gezogen ist als die rechte. Ferner zeigt das R mit seiner nach links unter die Zeile heruntergezogenen Haste ein besonderes Charakteristikum. Diese Besonderheiten der Schrift finden sich auf einem kleinen Bronzefragment, das sich im Archäologischen Museum in Sevilla befindet.7 Sowohl R als auch H,
M und V entsprechen sich io den Charakteristika, die sich auch auf der Bronzetafel mit dem Brief des Antoninus Pius fmden. Auch die anderen meßbaren Angaben entsprechen sich:
Brief des Antoninus Pius
Fragment aus Sevilla
Buchstabenhöhe
1,0 cm
1,0 cm
Verlängerte Hasten
1,2 cm
1,2-1,3 cm
Dicke der Bronzetafel
4,5 mm (maximal)
4,0 rnm
Nimmt man alle Elemente zusammen, dann ist der Schluß sehr wahrscheinlich, daß dieses noch unpublizierte Fragment zu der bisher bekannten Bronzetafel gehön.s Der erhaltene Text lautet folgendermaßen:
DMMNATORVM . OTAMEN· VT·H. Zeile I : Reste nicht identifizierbarer Buchstaben, von denen der zweite und dritte am ehesten I oder T, vielleicht ein E gewesen sein könnten. Zeile 2: Vor M ist noch ein winziger Rest erhalten, der durchaus zu einem A gehören kann. Zeile 3: Vor 0 ist auf Bruch noch der Rest eines nach rechts halbrund abschlies senden Buchstabens erhalten, der jedoch nicht zu bestimmen ist. Zwischen 0 und
7 Ferniindo Ferntindez hat mir das Fragment, nachdem ich die Ähnlichkeiten mit der
Schrift des Briefes des Antoninus Pius erkannte, mit seiner gewohnten Großzügigkeit zur Publikation überlassen. Über die nähere Herkunft des Fragments ist nichts bekannt; doch stammt es sicher aus dem Bereich der modernen Provinz Sevilla. Es trägt im lnventario general die Nummer 80. Negativnummern für das Photo: 85- 1 1 9 . In der Erstpublikation dieses Beitrags wurde ein Photo dieses Fragments veröffentlicht. 8 A.U. Stylow zweifelt an der Zugehörigkeit, weil die Buchstaben auf diesem Fragment tiefer eingeschnitlen sind. Ob dies ein entscheidendes Argument ist, scheint mir nicht so sicher, da man auch auf einer Tafel mit verschiedenen 'Scbreiber'händen rechneo muß, wie z.B. bei der Kopie des s.c. de Cn. Pisone patre. Zu welchem Teil des größeren Fragments dieses kleine gehören würde, läßt sich nicht sagen.
Ein Brief des Antoninus Pius
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T findet sich kein· Trennpunkt; dies könnte zunächst dafür sprechen, nicht das Wort tarnen zu lesen. Doch finden sich kaum Worte, die auf [--}otarnen enden, so
daß von der Lesung [--].o tarnen auszugehen ist.9 Zeile 4: Reste von 3 oder 4 nicht identifizierbaren Buchstaben. Auch wenn, wie höchst wahrscheinlich, das neue Fragment zu der Bronzetafel mit den Briefen des Antoninus Pius gehört, so passen doch beide Teile nirgends aneinander. Der Zusammenhang ist, wenn überhaupt, höchstens über inhaltliche Kriterien zu ermitteln. Das für uns aus drei Srücken bestehende Dossier enthält zwei Briefe des Antoninus Pius, die jeweils an die
llllviri und Dekurionen einer Stadt gerichtet
sind, sowie einen Urteilsspruch, ein
decretum des Herrschers. Möglicherweise ist
der Name der Stadt, an die die Schreiben gerichtet sind, zu rekonstruieren. J. Gon zalez erwog mündlich, die Texte der Stadt Obulcula zuzuschreiben; damit könnte zusammenpassen, daß in Zeile 7
[--]lensium erhalten ist. Für den Inhalt ist dies
allerdings ohne Bedeurung, da wir über Obulcula kaum erwas wissen.
Ausgangspunkt ftir den Versuch, dem Text einen gewissen Sinn abzugewinnen,
war das letzte Wort von Zeile 4, das von mit dem vorausgehenden
J. Goozälez als legat[a] verstanden und
haec verbunden wurde. Antoninus Pius soll eine Ent
scheidung gefallt haben, die irgendwelche erbrechtliehen Regelungen zugunsten der angeschriebenen Gemeinde oder Teilen der Gemeinde traf. Derjenige, der die Legate habe auszahlen sollen, habe dagegen protestiert, da der Urheber dieser Legate nicht bekannt sei (cuius auctor non proba[tus erat/). 10 Gegen dieses Verständnis spricht, einmal abgesehen von anderen Schwierig keiten des Textes, zunächst einmal die Lesung des entscheidenden Wortes; denn statt legat[a} mit Gonz.älez ist wohl eher lega�i[--?] oder legatq[--?] zu verstehen,
da man statt des Scbluß-A vermutlich den Buchstaben I oder 0 zu lesen hat. Vor allem aber läßt die Struktur des Textes kaum zu, an dieser Stelle eine Sachaussage im Sinne von erbrechtliehen Legaten zu erwarten. Unmittelbar vor haec steht:
legati(Q
[exempl]um decreti mei subici iussi. Als Beziehungswort zu decreti war
[sententia}m ergänzt worden, was jedoch ebenfalls aiJein wegen der Lesung auszuschließen ist. 1 1 Dagegen ist es öfter überliefert, daß eine wörtliche Abschrift 9 Vgl. Laterculi vocum Latinarum. Voces Latinas et a fronte et a tergo ordinandas curavit 0. Gradenwitz, Leipzig 1904, 347: *motamen, notamen, *potamen. 10 Gondlez 401. Es ist sachlich nicht zu sehen wie der auctor von legata nicht bekannt sein soll. da für die Beanspruchung bzw. Verweigerung von legata doch ganz selbstverständl ich das Testament nötig war. 1 1 Im übrigen wäre sententia eher ein Äquivalent für decretum (vgl. z.B. CIL lll 4 1 1 = D. 338 = IGR IV 1397). ,
Ein Brief des Antoninus Pius einer Entscheidung, ein
exemplum,
351
als Dokumentation einem Kaiserbrief
angehängt wurde. So heißt es in einem Brief Dornitians an die
llllviri
und
decuriones von Falerio: Quid constituerim de ... huic epistulae subici iussi. 12 Mit einer solchen Formel aber endet üblicherweise die Sachaussage. Was danach im Kaiserbrief folgt, kann höchstens noch Formalien enthalten.
Üblich aber ist es,
am Ende von Kaiserbriefen von der Grußformel auf die Gesandtschaft oder die Gesandten zu verweisen, die die Angelegenheit, auf die der Brief antwortet, vor den Kaiser gebracht haben. Dies geschah seit Claudius fast durchwegs
am
Ende des
Textes vor der Grußformel, mit Veränderungen im Formular in der Mitte der hadrianischen Regierungszeit.13 Da auch in diesem Brief des Antoninus in Zeile der Text
6
mit der Grußformel abschließt, ist nach dem nonnalen Aufbau eines
Kaiserbriefes im 2. Jh. zwischen iussi und
[Bene] valete14
ein Hinweis auf die
Gesandtschaft der baetischen Stadt zu erwarten. Allerdings hat die Aussage in diesem Brief nicht dem Normalformular,
Egerunt legati mi t den entsprechenden
Namen, entsprochen, sie war vielmehr abweichend gestaltet. Möglicherweise war ausgedrückt,
haec, d.h.
der kaiserliche Brief sowie das
exemplum decreti sei den
Legaten oder dem Legaten15 übergeben worden; ebenso aber könnte gesagt gewesen sein, haec legati[o]'6 habe aus den und jenen Personen bestanden oder sie habe ihre Aufgabe so erfüllt, daß sie das viaticum verdiene, wenn die Mitglieder nicht die kostenfreie
Übernahme versprochen hätten.17 Die lateinische Formel ist
dafür allerdings nicht bekannt, da sie in den sehr wenigen lateinisch erhaltenen Kaiserbriefen nicht oder i n anderer Weise überliefert ist.18 Doch läßt die kontinuierliche Verwendung der Formel in den griechischen Kaiserbriefeo, gerade
FIRA 12 75; vgl. auch CIL ill 781 = 12509 D. 423 FIRA f2 Nr. 86; dasselbe Verfahren bei Plin., ep. 10, 58. l 3 G.A. Souris, Studies in provincial diplomacy under the principate, Diss. Cambridge 1984, 124 ff.; ders.,' EAAT)Vt!Ccl 40, 1989, 58 ff. Ich bin Herrn Souris sehr dankbar für die Möglichkeit, seine Dissertation einsehen zu können, ebenso für verschiedene sachliche Hinweise. 14 Dazu näher 356 f. I S Wenn die Lesung legato zutrifft. l 6 Beispiele für Iegationes z.B. D. 787. 3729 6925. 6927. 6928. 6732. 6772. 6780. 17 Vgl. z.B. Fouilles de Delphes ill 4, Nr. 288; l.GR IV 1 1 5 6 a; IG VTI 2870 II. TII., AE 1 2 CTL IX 5420
=
=
=
=
1977, 801.
l8
In einem Brief Vespasians an die Vanacini heißt es: Egerunt legati .. . (CIL X 8038 FIRA I2 Nr. 72); in einem Brief des Titus an Munigua fehlt jeder Hinweis (AE 1962, 288); in einem Brief Vespasiaos an die Saborenses schreibt er: legatos dimisi 1/ll K. easdem (CIL li 1423 = D. 6092); in einem Brief Domitians steht ganz am Ende: legatis P. Bovio Sabino, P. Petronio Achille, sie sind aber nicht in den Brief selbst eingeschlossen (CIL IX 5420 = FIRA 12 Nr. 75). Auch in einem lateinischen Brief, den vermutlich Hadrian geschrieben hat, werden die Legaten nicht eingeschlossen (der neue Text wird von G.A. Souris publiziert werden). =
Ein Brief des Antoninus Pius
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unter Hadrian und Antoninus Pius,19 diese in gleicher Weise auch in lateinischen epistulae imperatorum erwarten. Da somit nicht eine Entscheidung über Legate den Schlüssel zum Verständnis der Texte bietet, ist erneut danach zu fragen, was Antoninus Pius hier geregelt haben könnte. Dabei ist von vorneherein nur eine hypothetische Lösung zu erwar ten, da, wie sich aus der Rekonstruktion der ersten Zeile ergibt, höchstens ein Drittel des gesamten ehemaligen Textes erbalten ist. Auszugehen ist von der Tatsache, daß Pius den Quattuorvirn und Dekurionen einer Stadt schreibt, die damit auch in ihren Interessen von dem Fall, über den entschieden wurde, betroffen waren. Bevor der Fall von Antoninus Pius in Rom entschieden wurde, hatte bereits vorher in der Provinz der Prokonsul Lucilius Africanus gegen eine Partei, vermutlich die in Rom klagende Stadt, ein Urteil erlassen.20 Pius ließ der Stadt eine wörtliche Abschrift seines decretum über bringen. Vom Inhalt des decretum ist soviel erkennbar, daß es in dem Streit um ein beneficium ging, dessen auctor nicht nachgewiesen werden konnte.2 1 Das beneficium betraf die Stadt, von deren Namen offensichtlich noch [--]lensium erhalten ist. Da unmittelbar nach dem Genitiv et longa huius exaction[is?] steht, dürfte dem Stadtnamen entweder ein Beziehungswort im Nominativ oder im Ablativ vorausgegangen sein. Exactio kann entweder im Sinn des gerichtlichen Einklagens eines Anspruchs, der Eintreibung von Geldsummen oder aber auch der Einforderung irgendwelcher Dienste verstanden werden. In jedem dieser Zusam menhänge würde eine Ergänzung consuetudo!dine in Verbindung mit longa sehr passend sein, wobei entweder eine langdauernde Gewohnheit bei gerichtlichen Verfahren oder bei der Eintreibung von der Stadt zustehenden Summen bzw. Diensten gemeint wäre. In beiden Bereichen könnte ein beneficium nach der 19 Vgl. z.B. das Dossier der Briefe von Koroneia bei J.H. Oliver, Greek Constitutions of Early Roman Emperors from Inscriptions and Papyri, Philadelphia 1989, 253 ff. 20 Der Prokonsul war vor diesem Dokument unbekannt. Ob er mjt dem namensgleichen Senator, dem im J. 138 durch ein s.c. Privilegien für ein Landgut in Africa bestätigt wurden (CIL VIJI 270 11451 = 23246 = FIRA I2Nr. 47), identisch ist oder als dessen Sohn angesehen werden darf, kann nicht entschieden werden. Auffällig ist allerdings, daß in dem s.c. von Lucilius Africanus gesagt wird, er habe durch seine Freunde die Konsuln um einen Beschluß gebeten. Man fragt sich, warum er das nicht selbst getan hat, wenn er schon Mitglied des Senats war. Natürlich könnte man sich vorstellen, die amici hätten über mehr Enfluß verfügt. Doch ist ebenso denkbar, daß Africanus dem Senat noch gar nicht angehörte, also noch vor der Quästur stand. Dann wäre ein prätorischer Prokonsulat in der Baetica irgendwann in der Regierungszeit des Anto ninus Pius vor 1 5 9 n.Chr. durchaus möglich. 2 1 Allgemein zum Problem der beneficia R. Orestano, La durata della validita dei 'privilegia' e 'beneficia' nel diritto romano classico, Studj in ooore dj S. Riccobono, Palermo 1936 (ND Aalen 1974), 471 ff. =
Ein Brief des Antoninus
Pius
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Vorstellung der städtischen Funktionsträger bzw. des Dekurionenrates vorgelegen haben, dessen Urheber jedoch nicht durch ein Dokument nachgewiesen werden konnte. Das aber heißt, daß das
beneficium
schon lange Zeit als rechtlich
bestehend angesehen wurde und nicht erst neuesten Datums gewesen sein kann. Am naheüegendsten ist es aber, ein solches zurückzuführen. Gerade
beneficia
dieser
beneficium
auf einen der Principes
Art wurden auch immer wieder von
nachfolgenden Herrschern bestätigt, deren Entscheidungen sodano nicht selten publiziert wurden. Vespasian tat dies z.B. gegenüber den Vanacini:
Beneficia tributa vobis ab divo Augusto ... confirmo 22 .
Septimius Severus formuliert gegenüber Solva:
Beneficia, quae amplissimo ordine vel aliquo principe iubente collegiis centonariis concessa sunt, temere convelli non opportet. 23 Und schließlich heißt es in eioem Reskript von Valerian und Gallienus:
Regum antiqua beneficia, consuetudine etiam insecuti temporis adprobata, is qui provinciam regit, ... incolumia vobis manere curabit.24 Auch wenn der Urheber nicht nachgewiesen werden kann, werden manchmal möglicherweise usurpierte Rechte bestätigt, wie Claudius dies gegenüber den Anauni, Tutliasses und Sinduni tat.25 Besonders klar ist dies in einem Brief des Septimius Severus an Tyra ausgesprochen:
Quamquam Tyranorum civitas oreginem (sie!) dati beneficii non ostendat, nec facile quae per errorem aut licentiam usurpata sunt, praescriptione temporis confirmentur; tarnen, quoniam ..., ex pristino more nihil mutari volumus. 26
22 CIL X 8038
=
FIRA 12 Nr. 72; vgl. auch Vespasian an die Saborenses: vectigalia,
�uae a divo Aug. accepisse dicitis (also kein Dokument vorgelegt!), custodio.
3 AE 1966, 277. 24 IGLS Vll 4028
a = A. Baroni, 11 tempio di Zeus a Baitokaike, Studi ellenistici I, hg. B. Virgilio, Pisa 1988, 135 ff. 25 CIL V 5050 D. 206 FIRA I2 Nr. 7 1 . 26 CIL ill 781 = D. 423 = FIRA J2 Nr. 86. =
=
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Ein vergleichbarer Fall könnte auch hier vorgelegen haben, wobei dem Text selbst nicht direkt zu entnehmen ist, ob die Gemeinde bei ihrer Klage in Rom erfolgreich war. Selbst die Publikation der Dokumente beweist dies nicht unbe dingt, da diese auch durch die Gegenpartei veröffentlicht worden sein können, wenn diese erfolgreich war. Allerdings spricht die besondere Form der Publikation auf einer Bronzetafel doch wieder eher dafür, daß es die betroffene Stadt war, die die kaiserliebe Entscheidung der Öffentlichkeit zugänglich machte.27 Gerade wegen des beneficium, wegen der exactio sowie des nicht (mehr) nachweisbaren auctor dürfte es sich somit bei der Streitfrage am ehesten um ein finanzielles Privileg für die Stadt handeln, das ihr von einem der Vorgänger des Antoninus Pius verliehen wurde. Wie die Entscheidung ausfiel, ist nicht klar; doch dürfte [---]simam exigi in Zeile 8 ein Teil der Regelung gewesen sein, d.h. daß (weiterhin) etwas eingezogen werden durfte. Die Endung [---]simam ist wohl der Rest von einer Ordinalzahl wie centesima, quinquagesima, vicesima usw. Auf wen sich diese Regelung bezieht, wer diese Summe einfordern durfte, scheint nicht erkennbar. Falls in Zeile 7 durch das et die beiden Streitpartner, die Stadt und ihr Gegner, der sich dann vielleicht auf die longa huius exacti[onis
consuetudo?] berufen hätte, getrennt werden,28 dann könnte der vermutete prozen tuale Anteil in Zeile 8 sich vielleicht auf den Anteil des Gegners der Gemeinde beziehen.29 Solche Prozentsätze finden sich im übrigen vor allem bei Steuern oder Zöllen, wie die centesima rerum venalium, die quadragesima Galliarum, die
vicesima hereditatium. Daß Streitigkeiten zwischen (privaten) Geld- bzw. Steuer einnehmern und einer Stadt auch noch lange nach der augusteischen Zeit vor einem Prokonsul verhandelt werden konnten, zeigt der Brief, den Kaiser Titus im J. 79/80 an die Stadt Munigua schrieb.30 Somit ist es durchaus möglich, daß Lucilius Africanus in einer Auseinandersetzung zwischen der Stadt Obulcula (?) und einem Steuerpächter entschieden hatte. Allerdings sind z.B. auch delatores,
2? Selbst die Publikationsform auf einer Bronzetafel muß jedoch nicht unter allen
Umständen auf eine Stadtgemeinde hinweisen. Die Bronzetafel mit den beiden Edikten des Claudius, die bei Cles gefunden wurde, dürfte so vermutlich durch den delator, der beide Edikte veranlaßt hatte und in beiden Texten erwähnt wird, aufgestellt worden sein (CfL V 5050 D. 206). Denn nur der delator verbindet beide Entscheidungen; siehe dazu in diesem Band 376 f. 28 Dies ist allerdings alles andere als sicher; denn ebenso könnte es sich um zwei Begründungselemente handeln, die sich beide auf die städtische Partei beziehen könnten. Eine solche Fügung z.B. in dig 27, 1, 17, l . 29 Daß es sich auf jeden Pali um zwei Prozeßparteien handeln muß, ersieht man aus der Einleitung des Briefes; Lucilius Africanus hat gegen jemanden entschieden, also war auch der Prozeßgegner genannt. 30 AE 1962, 288. =
.
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wenn sie erfolgreich eine Anklage erhoben hatten, mit einem bestimmten Anteil an den eingezogenen Gütern belohnt worden, z.B. im Zusammenhang der au gusteischen Ehegesetze.31 Möglicherweise hjJft hier das neue Fragment etwas weiter, wenn es wirklich zugehörig ist. Dabei ist zu betonen, daß es völlig unklar ist, welchem der drei Texte das kleine Fragment zugewiesen werden müßte; denn bei allen drei Doku menten ist soviel verloren, daß überall Platz für die darauf erkennbaren vier Zeilen vorhanden ist. Zudem könnte sogar noch ein weiteres Dokument (oder auch mehrere?) auf der Tafel gestanden haben, von dem geblieben ist. Doch
uns
überhaupt nichts erhalten
darf davon ausgegangen werden, daß alle Texte auf der Tafel
sich auf denselben Gesamtvorgang beziehen. Damit ist es möglich, daß innerhalb des Vorgangs auch damnati eine Rolle gespielt haben. Doch in welchem Zusam menhang? Es könnte einerseits wegen des Streits zur Verurteilung irgendwelcher Personen gekommen sein. Doch könnte sich das bzw. auf den Besitz von
damnati
beneficium
auch auf Verurteilte
bezogen haben. Denn Städte verfügten z.B.
manchmal über das Privileg, über den Besitz von verstorbenen Bürgern unter bestimmten Umsänden t verfügen zu können. So hatte ein M. Valerius Severus von Claudius für Volubilis rue
non extabant,
bona civiwn bello inteifectomm, quorum heredes
erworben.32 Und auch die Stadt Nicaea verwies auf ein ähnliches
Privileg, das bereits Augustus verliehen haben soll:
Nicaeensibus, qui intestatorum civium suorum concessam vindicationem bonorum a divo Augusto conjirmant, .. .33 Freilich ist bisher m.W. kein klar bezeugter Fall bekannt, daß eine Stadt Anteil an den bona
damnatorum
erhielt. Da der Zusammenbang des neuen Fragments
jedoch völlig unklar ist, flihrten weitere Überlegungen allzu sehr ins Spekulative. Einigermaßen wahrscheinlich bleibt jedoch folgendes Ergebnis: Die Stadt Obulcula (?) behauptete, von einem Kaiser ein
beneficium erhalten zu haben, das
sich finanziell vorteilhaft für sie auswirkte. Ob es sich dabei um einen Anteil aus bestimmten Einkünften handelte oder ob vielmehr der Anteil (Zeile 8) einem
3 1 Siehe z.B. Tac., ann. 3, 28, 3; vgl. auch Sepulkralmulten, von denen ein Teil dem delator zusteht, e.g. CIL V 952 D. 8239; XIV 850 D. 8209. 32 ILAfr. 634 = IAMar. II 448. 33 Plin., ep. 10, 84; vermuLlich gah die Regelung nicht für alle intestati, sondern nur flir diejenigen, quorum heredes non extabant, wie es bei Volubilis heißt (vgl. in diesem Sinn auch A.N. Sherwin-White, The Letters of Pliny. Oxford 1966, 680, der allerdings nicht auf das Beispiel von Volubilis verweist); anders R. Orestano (Anm. 17) 485, der den Wortlaut für zutreffend hält =
=
356
Ein Briefdes Antoninus Pius
anderen zukam, ist· nicht sicher zu sagen. Auf jeden Fall entstand darüber ein Streit zwischen der Stadt und einer anderen Person (oder mehreren Personen), der vor dem Prokonsul Lucilius Africanus ausgefochten wurde und vermutlich zu keiner von beiden Seiten akzeptierten Lösung führte, wobei es vermutlich die entscheidende Rolle spielte, daß der Urheber des
beneficium, der auctor,
nicht
mehr nachgewiesen werden konnte. Deshalb wurde die Angelegenheit an Antoninus Pius herangetragen, der ein
decretum erließ, das vermutlich zugunsten
der Stadt ausgefallen war. Ob das zweite Schreiben des Antoninus Pius dem ersten sachlich und zeitlich vorausging oder ob auch mit dem decretum der Streit noch kein Ende gefunden hatte, muß offen bleiben. Bevor der Text mit den wenigen einigermaßen wahrscheinlichen Ergänzungen gegeben wird, s.ind noch einige kleinere Formalia zu erörtern. Vor
cos.
1111 i n der Titulatur des Antoninus Pius ist 11 erhalten, was zu
potest. X]II zu ergänzen ist.
Die 22.
trib.
tribunicia potestas entspricht dem Zeitraum
10. Dezember 1 5 8 bis 9. Dezember 159. Da in Zeile 5 das ordentliche Konsuln paar des J. 159, Quintillus und Priscus, genannt ist, gehört auch das Schreiben ins J. 159 selbst. Das Konsulatsdatum gehört entweder zur Epistel des Antoninus Pius; so wird etwa am Ende des Briefes Yespasians an die Venacini gesagt:
runtio Catellio Celere M. Arruntio Aquila cos.
llll idus
C. Ar
Octobr.34 Oder es könnte
auch zu dem decretum gehören; denn am Beginn des Edikts des Claudius aus dem Jahr 46 heißt es zur Datierung:
idibus Martis.35
M. Junio Silano Q. Sulpicio Camerino cos.
Ein Rest des Tagesdatums ist nach den Namen der beiden
Konsuln noch erhalten: \;' oder )(. Der Brief des Antoninus Pius schließt mit der erhaltenen Schlußformel
valete;
doch zeigen die zahlreichen griechischen Kaiserbriefe, daß seit der hadrianischen ' Regierungszeit statt des vorher üblichen: Eppwoecu Of..L CXC ßo u f..o f..l at, was dem lateinischem Äquivalent zu
valete entspricht,
bene valete
und Dornitians generell
stets
Eoruxt1n; gesetzt wird,36 was aber das
ist. Tatsächlich steht in den Briefen Vespasians, Titus'
valete
bzw. vale,3 7 während z.B. in einem noch
unpublizierten Brief wohl Hadrians bene valete den Abschluß bildet.38 Dies dürfte wohl auch hier zu ergänzen sein. Rätselhaft bleiben die Worte Zeile 8 Ende: mit
exigi
Post quae adiecit: r.:J![m ?
---]. Daß
eine Aussage zu Ende ist, scheint klar. Danach aber bleibt insgesamt
34 ClL X 8038 FIRA 12 Nr. 72. 35 CIL V 5050 = D. 206. 36 Siehe G.A. Souris,' EAAI) vtKa 40, 1989, 58 ff. =
37 CIL II 1423 D. 6092 FIRA J2 Nr. 74; AE 1962, 288; CIL IX 5420 = FIRA 12 75. 38 Der Text wird in Kürze von G.A. Souris publiziert werden. =
=
Ein Brief des Antoninus Pius
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nur noch sehr wenig Platz, um eine längere zusätzliche Erklärung unterzubringen. Denn insgesamt dürften nach cu[m ?] nur noch höchstens rund 20-25 Buchstaben auf der rechten Seite zu ergänzen sein, wenn man von der mit ziemlicher Sicherheit zu ergänzenden Zeile I ausgeht.39 Zwischen Zei le 8 und 9 ist zwar ein Zwischenraum erhalten; doch ist er nicht so groß, daß nach links hin möglicher weise noch eine Zwischenzeile eingefügt werden könnte.4o Somit muß das, was mit Post quae beginnt, außerordentlich kurz gewesen sein. Nimmt man Post quae
adiecit wörtlich, dann müßte dies heißen: "Danach fügte er noch hinzu". Doch von wem stammt diese Formel? TeiJ des Decretums kann dies kaum gewesen sein, da dieses vermutlich in der ersten Person (d.h. der Kaiser spricht) abgefaßt war.41
Dann aber müßte Post quae adiecit ein redaktioneller Zusatz sein, der dann vermutlich schon in Rom gernacht worden wäre.42 Selbst wenn dies so ist, kann dennoch über die nachfolgende ergänzende Regelung inhaltlieb nichts vermutet werden. Der Text dürfte damit in etwa der folgenden Form partiell wiederherzustellen sein:43
[Jmp. Caesar divi Hadriani filius, divi Traiani nejpos, divi Nervae pronepos T. Aelius Hadrianus A[ntoninusj I Aug. Pius pontifex maximus, tribunicia potestate X}X/1 cos.
1111
p.p. salutem dicit
(quattuor)vir(is) et d[ecurionibus Obulculensium (?) I --- a} Lucilio 39 Dort sind es von der Höhe von cu{m ?] in Zeile 8 aus gerechnet 20 Buchstaben, deren
Größe kaum von der in den anderen Zeilen abweicht. Daß dort nach rechts nicht mehr ergänzt werden kann, ergibt sich aus der Kombination der Zeilen I und 2 und 9 und 10
mit den jeweils notwendigen Ergänzungen. 40 A.U. Stylow hält dies allerdings für sicher. Nach den Maßen bin ich nicht überzeugt. 41 Darin hat sich ein decretum nicht von einem edictum unterschieden. Vgl. zum Beispiel den Urteilsspruch eines Prokonsuls von Africa:
cum acta inter lulium Regillum et Annobaritanos causa so/um apud me Comuti decretum clarissimi viri prolatum sit, nihil ex eo mutari placet (AE 1921, 38 = ILA 591 ). 42 Armin Eich wies mich auf dig. 5, 3, 7, I f. hin, wo ein längerer Abschnilt über Regelungen erbrechtlicher Art, die durch Antoninus Pius getroffen wurden, mit den
Worten abgeschlossen wird: divus Pius rescripsit. Woran sich sodann anschließt: Adiecit plane in rescripto, dummodo praedicatur iudici liberalis causae, ne ullum adminiculum Jibertatis ex testamento admittat. Der Zusatz von adiecit mit Nachfolgendem scheint hier von den Redaktoren der Digesten zu stammen, die ihre eigene Aussage durch das Nachfolgende, das wohl aus demselben Reskript des Pius stammt. wieder einschränken.
43 Da in Zeile I im erhaltenen Teil außer T(itus) keine Abkürzungen vorkommen, muß in etwa in der vorgeschlagenen Form ergänzt werden, insgesamt 40 Buchstaben; in Zeile 2 werden im verlorenen Teil 41 Buchstaben eingesetzt (vgl. auch die
Bemerkungen zur Ergänzung dieser Zeilen in Anm. 35). A. Stylow hat beobachtet, daß
i n Z. I der Text auf Rasur sitzt. Für die inhaltliche Aussage bedeutet dies jedoch nichts, da vermutlich die Rasur wegen eines Fehlers beim Schreiben des Textes nötig wurde.
Ein Brief des Antoninus Pius
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Africano proco(n)s(ule) c(larissimo) v(iro) adversus [ -- I --- exempl]um decreti mei subici iussi. Haec legati[o oder legati[-- 1 --- Bene] valete. Quintillo et Prisco co(n)s(ulibus) V oder X[ -- I --- be}neficium, cuius auctor non proba[tus esset --- I ---? Obulcu]lensium et longa huius exactiofl[is consuetudine ? C:i!-[111 ? ].
--
I -·· ? vicen]simam exigi. Post quae adiecit:
...
[Jmp. Caesar divi Hadriani filius, divi Traiani nepos, divi Nervae
pr]onepos T. Aelius Ha[drianus Antoninus Aug. Pius I pontifex maximus, tribunicia potestate ---, cos. 1111, p.p. salutem dicit 11]1/vir(is) et de[curionibus Obulculensium ? ---I---}.
2. Fragment,
das möglicherweise zu dem Dokument gehört:
/···].... [---1 ·•• d]qmnatorurn [--- 1 ---].o tarnen ut hl!-f·-·}.44
44 Für Hinweise bio ich Rudolf Haensch zu Dank verpflichtet, vor allem jedoch Armin
Eich fUr wertvolle Mitarbeit während der Vorbereitung.
ADMINISTRATIVE DOKUMENTE: PUBUKATION UND MITTEL DER SELBSTDARSTELLUNG' Warum sind uns Edikte, Konstitutionen und Dekrete der Kaiser erhalten geblieben? Warum kennen wir senatus consulta oder Beschlüsse von Dekurionen räten i m Wortlaut? Warum sind uns Edikte, Briefe, Entscheidungen von römischen Amtsträgern in Rom und in den Provinzen bekannt? Solche Fragen überhaupt zu stellen, scheint zunächst überraschend. Denn auch wenn man einmal von den spätantiken Rechtssammlungen absieht, die solche Dokumente auf literarischem Weg bis heute für uns in großer Zahl bewahrt haben, könnte jeder
unmittelbar auf zahlreiche Zeugnisse verweisen, die auf epigraphischem (und für Ägypten auf papyrologiscbem) Weg über die Jahrtausende hinweg bis auf uns gekommen sind. Sie sind, insgesamt gesehen, so häufig, daß sie etwas ganz Selbstverständliches in unserer epigraphischen Überlieferung darzustellen scheinen. Die Fragen sind dennoch nicht so unberechtigt, wie sie im ersten Moment erscheinen könnten, insbesondere, wenn man nach den Gründen, den Motiven fragt, die dazu geführt haben, daß Texte der genannten
Art auf Stein oder Bronze
übertragen wurden und damit inschriftlich auf uns kommen konnten.2 Schriftliche Publikation von gerichtlichen Entscheidungen, von Gesetzen, von administrativen Anordnungen, jedenfalls so weit sie genereller Natur sind und sich nicht nur auf einzelne Personen beziehen, ist für das moderne Leben, zumindest theoretisch, eine Selbstverständlichkeit. Jeder Bürger soll oder muß in der Lage sein, sich persönlich, unabhängig vom Wollen oder Nichtwollen eines anderen, speziell auch unabhängig vom Willen eines Amtsträgers, zu informieren. Auch für das öffentliche Leben Roms war dieser Grundsatz bekannt und weithin gültig, aber er galt nicht so selbstverständlich, wie es uns heute erscheint. Auf der einen Seite hat beispielsweise der Prätor jährlich sein Edikt publiziert, so daß jeder es einsehen konnte, auf der anderen Seite waren die Rechtsregeln und Tarife, nach denen in Italien die portoria gezahlt werden mußten, obwohl sie durch Anordnung von römischen Magistraten erlassen worden waren, lange Zeit nicht allgemein
1 Dieser Beitrag wurde ursprünglich im November 1995 in Macerata beim IX• Rencontre franco-italienne sur l'epigraphie du monde romain vorgetragen. Ich bin Gianfranco Paci dankbar, daß die deutsche Version des Beitrags hier erscheinen kann. Eine italienjsche wird in MEFRA 1997 veröffentlicht werden. 2 Siehe zu diesen Fragen zuletzt in einem konkreten Zusammenhang W. Eck A. Caballos - Fdo. Fernandez, Das senatus consultum de Co. Pisone patre, München 1996, 254 ff.
Administrative Dokumente
360
zugänglich. Erst Nero hat nach heftigen Ausbrüchen des Volkszorns im J. 58 die Veröffentlichung dieser Regeln durch die Publikauen erzwungen.3 Wenn also das Prinzip der Publikation in Rom auch kein so generelles war, wie uns dies heute selbstverständlich erscheint, war es andererseits auch für das
politisch-administrative Leben Roms notwendig, staatliche Anordnungen jeder Art vielfach bekannt zu machen.4 Schon die schlichte Notwendigkeit, daß diese An ordnungen befolgt werden sollten, machte es unabdingbar, daß die Betroffenen davon Kenntnis erhielten. Die Feier der Säkularspiele unter Augustus wurde so z.B. in entsprechender Form durch Edikt allen Bewohnern Roms verkündet. Als man einige Zeit später realisierte, daß durch gesetzliche Vorgaben, aber auch durch den mos maiorum größere Bevölkerungsgruppen von der Teilnahme an den Feiern in Rom ausgeschlossen waren, reagierten der Senat bzw. die XVviri sacris
faciundis. Der Senat formulierte eine Sondererlaubnis, daß alle Nichtverheirateten, die auf Grund der Lex lulia de maritandis ordinibus vom J. 1 8 v.Chr. sonst von der Teilnahme an öffentlichen Spielen ausgeschlossen waren, im Fall der Säkular spiele von dieser Vorschrift befreit sein sollten; als Grund wurde verkündet, daß keiner der im J. 17 Lebenden jemals noch an solchen Ludi saeculares würde teil nehmen können.5 Dieses Befreiungsprivileg mußte um des politischen Zweckes wegen ebenso wie zuvor schon die Säkularspiele selbst bekannt gemacht werden, vermutlich durch öffentliche Verlesung oder öffentlichen Anschlag. Eine ähnliche Befreiungsregelung erfolgte durch die XVviri sacris faciundis.6 Das Priesterkol legium stellte nämlich fest, daß zahlreiche Frauen wegen der ein Jahr währenden Pflicht zur Trauer nach einem Todesfall in der Familie von der Beteiligung an der
laetitia publica ausgeschlossen wären. So verordneten die Quindecimviri unter 3 Tac., ann. 13, 50. Ein Reflex dieses vom Kaiser ausgeübten Zwanges ist wohl auch, daß die Lex portorii provinciae Asiae in Ephesus auf Stein übertragen wurde. Siehe H. Engelmann - D. Knibbe, Das Zollgesetz der Provinz Asia, Epigr. Anat. 14, 1989. 4 Siehe z.B. A. Wilhelm, Über die öffentliche Aufzeichnung von Urkunden, in: Beiträge zur Griechischen Inschriftenkunde, Wien 1909, 229 ff.; L. Wenger, Die Quel len des römischen Rechts, Wien 1953, 55 ff. 381 ff.; F. Schwind, Die Publikation im römischen Recht, München2 1973; W. Eck, Zur Durchsetzung von Anordnungen und Entscheidungen in der hohen Kaiserzeit: Die administrative lnformationsstruktur, in: Akten des FIEC-Kongresses zu Pisa 1989, Studi italiani di filologia classica 10, Florenz 1992, 9 1 5 ff. ders., Verwaltung I, 55 ff. Der Beitrag ist auch in einer italienischen Version. erschienen: I sistemi di trasmissione delle comunicazioni d'ufficio in eta altoimperiale, in: Epigraphia e territorio. Politica e societa. Temi di antichita romane IV, hg. M. Pani, Bari 1996, 331 ff. In Kürze dazu auch D. Thomas, Communications between the prefecti of Egypt, the procurators and the nome officials, in: Lokale Autonomie und römische Ordnungsmacht in den kaiserzeitlieben Provinzen vom 1.-3. Jh., hg. W. Eck, München 1998. 5 CIL VI 32323 F[RA 12 Nr. 40 I. 6ClL VI 32323 = ARA J2 Nr. 57. =
=
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Berufung auf vergleichbare Fälle durch Edikt, uti (matronae) luctum minuant. Durch öffentlichen Anschlag auf tabulae dealbatae oder vielleicht auch mittels öffentlichen Ausrufs durch praecones wird dieses Edikt der Quindecimviri verbreitet worden sein, nicht anders als die zahlreichen Anordnungen vieler anderer Amtsträger, die freilich fast ausnahmslos verlorengegangen sind. Daß wir den Beschluß des Senats und das Edikt der Quindecimviri im Zusammenhang der augusteischen Säkularspiele kennen, und sogar im Wortlaut, ist auf die demonstrative und schriftHebe Präsentation der Akten der Spiele zurück zuführen. Denn der Senat wollte die memoria daran an die zukünftigen Generationen weitergeben, weshalb er die Errichtung einer columna marmorea und einer columna aerea anordnete.7 In dem auf diese columnae gravierten Text aber wurden auch die einzelnen senatus consulta sowie die vor und während der Spiele ergangenen Edikte aufgenommen, die zum Zeitpunkt der Fertigstellung der
columnae freilich inhaltlich längst obsolet geworden waren; die Edikte forderten keine Konsequenzen mehr. Aber die dauerhafte öffentliche Präsentation der Akten auf Stein und Bronze hat auch diese Einzelanordnungen bewahrt.s Hier ist eine entscheidende Differenz zwischen einer P u b I i k a t i o n von politisch-administrativen Anordnungen im Rechtssinn wie etwa des oben er wähnten s.c. oder des Edikts der Quindecimviri in der Vorbereitungsphase der Sä kularspiele und der späteren ö f f e n t I i c h e n
Präse n tati o n
derselben Dokumente zu greifen: Die Anordnungen wurden, unmittelbar nachdem sie beschlossen worden waren, offiziell publiziert, damit die Betroffenen entsprechend handeln konnten, ganz in dem Sinn, wie es auch unserem Verständnis entspricht. Diese politisch-administrative Publikation geschah jedoch in einer nichtdauerhaften Form, auf tabulae dealbatae9 oder durch öffentliche Vorlesung. Indem der Senat die Erinnerung an die Spiele durch inschriftliche Fixierung auf Marmor oder Bronze anordnete und dabei auch die einzelnen administrativen Anordnungen im Wortlaut aufnahm, blieben auch diese bewahrt. Doch dies war nur eine Form der öffentlichen Bekanntmachung, keine Publikation im Rechtssinn. Sie bat nichts mehr mit den eigentlichen Vorgängen, die in den 7 CIL VI 32323 = FIRA 12 Nr. 40 II. 8 Vergleichbar diesem Vorgang ist die öffentliche Dokumentation der Stiftung einer
Panegyris durch C. lulius Demostheues in Oinoanda, wobei ebenfalls ein Kaiserbrief und eine subscriptio eines StattbaJters erbalten geblieben sind: M. Wörrle, Stadt und Fest im kaiserzeitlichen Kleinasien, München 1988, 1 9 ff. 68 f. Ob die 25 cm dicke Platte, auf der der Text steht, ursprünglich lediglich in eine Wand eingelassen war oder vielleicht zu einem Monument für Demostheues gehörte, ist nicht zu erkennen. 9 Siehe zu Holz als Träger solcher Veröffentlichungen z.B. L. Wenger, Quellen des römischen Recht (Anm. 4) 55 ff.
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Dokumenten genannt sind, zu tun. Mit den Vorgängen selbst ist vielmehr die nichtdauerhafte Publikation verbunden; die dauerhafte inschriftliche Bekannt machung dient nur der Bewahrung der memoria, nicht mehr einem administrativen Zweck. Die Betonung dieser Differenz: die rechtlich und praktisch relevante Publikation auf der einen und die öffentliche Bekanntmachung mit dem Ziel der memoria auf der anderen Seite, scheint mir in verschiedener Hinsicht wichtig zu sein. Denn die Ziele, die in beiden Fällen für die Säkularspiele erreicht werden sollten, sind völlig verschieden. Und diese Differenz zwischen Publikation und öffentlicher Bekanntmachung ftndet sich auch bei vielen anderen Dokumenten. Doch indem man in der wissenschaftlieben Literatur fast unterschiedslos einfachbin von Publi kation spricht, verwischt man die Differenz und damit möglicherweise auch die jeweils zugrundeliegenden Motive dafür, daß die Texte überhaupt auf dauerhaftes Material übertragen wurden. Politisch-administrative Äußerungen und Anordnungen, seien es kaiserliche Edikte, Briefe oder Reskripte, Edikte von Magistraten oder statthalterliebe Befehle der einen oder anderen Art, wurden zwar in der Regel unmittelbar nach ihrem Erlaß publiziert, bei
senatus consulta
und Beschlüssen von Dekurionenräten geschah
dies manchmal, aber nicht regelmäßig. to Doch die Form der Publikation war fast generell keine dauerhafte. Dies hätte ja auch keinerlei Sinn gemacht, da zumeist nur unmittelbar zum Zeitpunkt der Publikation oder direkt danach Konsequenzen aus den Anordnungen zu ziehen waren, nicht aber auf lange Zeit.11 Warum also sollte man den Aufwand treiben, etwa Edikte oder Briefe auf Metall oder Marmor zu übertragen?12 Allein schon der Zeitaufwand hätte solches wohl im allgemeinen verboten. Wenn man eine schriftliche Publikation für nötig erachtete, dann hatte sie unmittelbar zu erfolgen. Das Übertragen eines längeren Textes auf Stein oder Bronze erforderte auf jeden Fall wesentlich mehr Zeit als das Schreiben mit Farbe auf geweißten Holztafeln; vor allem aber war es auch wesentlich teurer. Doch gilt diese nichtdauerhafte Form der administrativ-politischen Publikation weit über Tagesanordnungen hinaus. Als Claudius Privilegien für jüdische Gemeinden im Imperium erneuerte, befahl er die Publikation durch die Magistrate von Poleis und IO Vgl. dazu die Ausführungen bei Eck - Caballos - Femandez (Anm.
2) 254 ff.
1 1 Siehe W. Eck, Kaiserliches Handeln in italischen Städten, in: L'ltalie d'Auguste a Diocl6tien, Rom 1994, 329 ff. = in diesem Band 297 ff. 12 In CIL lli 7251 = D. 214 ist ein Teil eines Edikts des Claudius über die Bereitstellung von vehicula auf einer Marmortafel erhalten. Warum dies gerade in Tegea in Arkadien, noch dazu in lateinischer Sprache geschah, ist sehr rätselhaft. Denkbar wäre z.B., daß Beschwerden von Tegea das Edikt ausgelöst hatten und man deshalb auf die Idee kam, das Edikt auf Stein zu schreiben.
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Kolonien, aber auch durch Könige und Dynasten. Doch die Anordnung, sein Diatagma solle nicht weniger als 30 Tage angeschlagen sein, 1 3 setzt ganz selbstverständlich voraus, daß die Publikation eben nur auf Zeit erfolgte, und damit nicht auf dauerhaftem Material wie etwa Marmor oder Bronze. Dies war auch die ganz selbstverständliche Vorstellung, die Claudius davon hatte; das heißt freilich nicht, daß deshaJb seine Anordnung eine dauerhafte Publikation ausge schlossen hätte. Nur erachtete der Kaiser sie jedenfaJis nicht als notwendig. Ebenso wurden die meisten Bekanntmachungen in Ägypten nur für wenige Tage ausgehängt; so ordnete ein Präfekt von Ägypten
an,
der Stratege solle die an ihn
zurückgesandten Petitionen mitsamt den subscriptiones für drei Tage öffentlich aushängen. Dies genügte für den angestrebten Zweck. 14 Am Ende eines Edikts von Vespasian über die Privilegierung von medici,
magistri und iatraliptae, das in Pergarnon gefunden wurde, steht deutlich [ejn Je]ukwvmati in albo. 1 5 Auch ein Brief Hadrians an den Präfekten von =
Ägypten Rammius MartiaJis, in dem er dauerhafte Regelungen für das Erbrecht von Soldatenkindern getroffen hatte, wurde im Winterlager der legio XX/l
Deiotariana in den principia offensichtlich auf Papyrus publiziert, nicht etwa auf Stein oder Metall.16 Q. Veranius, der erste Statthalter von Lycia-Pamphylia hatte Anordnungen über das Archivwesen der Städte seiner Provinz gegeben, um bestimmten Mißständen abzuhelfen. Veranius ordnete an, die städtischen Amtsträger, die im Monat Artemision tätig seien, sollten sein Edikt überall publizieren.17 Aus welchem Grund gerade in Myra dieses Edikt nicht auf Holz geschrieben, sondern in Stein gemeißelt wurde und so bis heute erhaJten blieb, läßt sich nicht sagen. Diese Zeugnisse in Verbindung mit anderen Jassen erkennen, daß üblicherweise die politisch-administrative Publikation, aJso derjenige Akt, der rechtliche und faktische Folgen haben sollte, in nichtdauerhafter Form erfolgte, auf tabulae
dealbatae 1 8 oder auf Papyrus. Dies war die normale Form der schriftlichen
Publikation während der Kaiserzeit.19 Nichts könnte dies deutlicher zeigen als 13 los., ant. lud. 19, 291.
1 4 P. Yale I 61.
l5 FIRA r Nr. 73. 1 6 BGU I 140 FIRA 12 Nr. 78 = Oliver, Greek Constitutions Nr. 70. 1 7 M . Wörrle, Zwei neue griechische Inschriften aus Myra zur Verwaltung Lykiens in =
der Kaiserzeit, in: Myra, eine Iykische Metropole in antiker und byzantinischer Zeit, h J. Borchardt, Berlin 1975, 254 ff. AE 1976, 673. 1 Vgl. mit welcher Selbstverständlichkeit Euseb., v. Const. l , 3 davon ausgeht, daß hölzerne Tafeln für dje Präsentation von Berichten verwendet wurden. l9 Vgl. dazu A.Wilhelm, Über die öffentliche Aufzeichnung von Urkunden (Anm. 4) 239 ff.; L. Wenger, Quellen (Anm. 4) 55 ff. Abgesehen wird hier von den Gesetzen der
f
=
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gerade die Edikte der Präfekten von Ägypten, von denen uns inzwischen mehr als 60 bekannt sind;20 bei den meisten von ihnen wird die lokale Veröffentlichung
zumeist durch die Strategen in direkt lesbarer Form unmittelbar angeordnet. Nur zwei dieser Edikte sind aber auf Stein überliefert, alle anderen auf Papyrus, darunter selbst solche, die langfristige Regelungen treffen. Sinn der Publikation war generell (wie es auch aus dem schon zitierten Schreiben des Claudius über die Privilegien der Juden sehr klar hervorgeht), den Interessierten oder Betroffenen Gelegenheit zu geben, sich zu informieren und, wenn nötig, eine Abschrift anfertigen zu lassen; deshalb heißt es: ut de plano recte legi possit.21 Es ging aber nicht darum, daß solche Texte auf lange Zeit oder gar permanent in der Öffentlich keit selbst zugänglich und lesbar waren. Einen Grund sie auf Stein oder Bronze zu
übertragen, gab es selbst in diesen Fällen nicbt.22
republikanischen Zeit, bei denen es anders gewesen sein dürfte, auch bei völker rechtlichen Verträgen, die in Rom auf dem Kapitol publiziert wurden. Auch bei den kaiserzeitlichen Stadtgesetzen jedenfalls der iberischen Halbinsel scheint eine dauerhafte Publikation auf Bronze üblich gewesen zu sein. Doch bat dies kaum für andere Provinzen gegolten; andernfalls müßten wir z.B. in Gallien, Dalmatien oder Africa (über die geringen Fragmente eines Stadtrechts aus Lauriacum hinaus) wenig stens geringe Spuren solcher dauerhafter Publikation in unserer inschriftlichen Überlieferung antreffen, wenn sie in größerem Umfang in dieser Form erfolgt wäre. Auf der iberischen Halbinsel dürfte deshalb die regionale epigraphische Kultur für diese Publikationsform entscheidend gewesen sein. Insgesamt ist in der Epigraphik bisher allerdings zu wenig realisiert worden, wie wichtig Holz als Beschreibstoff war. Das ist nicht nur ein Mengenproblem, betrifft vielmehr vor allem den Inhalt der Inschriften insgesamt. Steininschriften, d.h. 90-95% unseres gesamten erhaltenen inschriftlichen Materials, dienten zumeist der langdauernden Bewahrung der memoria, der öffentlichen Demonstration, Holztafeln aber den täglichen Geschäften. Dieser bedeutende Teil des inschriftlichen Materials, mengenmäßig ursprünglich weit bedeutsamer als die Stein inschriften, ist aber für uns weitgehend verloren. Bei der Frage nach dem, was überhaupt aus Inschriften an Informationen zu gewinnen ist, spielt diese Beobachtung eine zentrale Rolle. 20 Siehe die Zusammenstellung bei R. Katzoff, Sources of Law in Roman Egypt: The RoJe of the Prefect, ANRW II 1 3 , Berlin 1980, 807 ff.; G. Purpura, Gli editti dei prefetti d'Egitto, I sec. a.C. - I sec. d.C., Ann. Sem. giur. Univ. Palermo 42, 1992, 485 ff. 21 Oben Anm. 13. 22 Dieses Problem stellt sich im übrigen nicht nur bei politisch-administrativen Schreiben, sondern auch bei anderen Dokumenten, deren Inhalt Veränderungen unterworfen waren. So hat man sich auch immer wieder gewundert, warum die beiden Inschriften zur Alimentarinstitution aus Veleia und Ligures Baebiani auf Bronze geschrieben wurden (CIL XI 1 1 47; IX 1455). Denn der Hauptinhalt bestand ja in der Nennung derer, die Grundstücke als Sicherheit für die vom Kaiser zur Verfügung �estellten Gelder gegeben hatten. Doch mußten notwendigerweise sehr schnell Anderungen bei diesem Personenkreis eintreten, durch Tod, Verkauf, Vererbung, möglicherweise durch Ausscheiden aus der Alimentarinstitution usw. Auf Bronze
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Akzeptiert man diese Voraussetzung, daß politisch-administrative Schreiben üblicherweise nicht auf dauerhaftem Material publiziert wurden, dann stellt sieb natürlich sofort die Frage, warum wir dann dennoch nicht so ganz wenige Dokumente dieser Art als Inschrift auf Stein oder Bronze23 erhalten haben und zwar nicht selten mit einem Inhalt, der äußerst trivial ist oder uns zumindest so erscheint.24 In einzelnen Fällen wurde bereits von dem, auf den das jeweilige Dokument zurückgeht, die dauerhafte Veröffentlichung angeordnet. Das gilt z.B. für das Dekret,
mit dem Octavian während der Triumviratszeit Seleucus von Rhosos
konnten selbstverständlich diese Änderungen nicht ständig nachgetragen werden; damit waren die Tafeln aber auch nicht geeignet, als administrative Urkunden zu dienen. Man sollte deshalb, auch wegen des prestigeträchtigen Bronzematerials, eher davon ausgehen, daß die Bronzetafeln in beiden Städten zu Ehrenmonumenten für Traian gehörten, die wegen der Alimentarstiftung von den Bewohnern der Gemeinden für ihn errichtet wurden. Die Tafeln könnten z.B. an einer der Seiten einer großen Basis für ein Ehrendenkmal angebracht gewesen sein. Dann aber wären die Grundbesitzer, die an den Obligationen beteiligt waren, einerseits diejenigen, die Traian ehrten, andererseits aber wäre auch ihr Beitrag für die Zukunft der Bevölkerung der Stadt dokumentiert und der gesamten Öffentlichkeit präsentiert worden. Es würde sich also auch um eine Ehrung dieser Personengruppe handeln - eine Ehrung der lokalen S onsoren. Vgl. dazu auch Eck, Italien 147 Anrn. 6. 2 Dabei ist eine auffällige Differenz zwischen dem Osten und dem Westen des Reiches bemerkbar. Während im griechisch dominierten Osten auch Kaiserbriefe, senatus consulta, Edikte und Schreiben von Statthaltern in dauerhafter Form fast ausschließlich auf Stein geschrieben wurden, ist in Italien sowie den westlichen Provinzen der Be schreibstoff fast ausnahmslos Bronze (vgl. dig. 48, 13, 10 (8) zur Selbstverständ lichkeit, daß ein Gesetz auf Bronze publiziert ist). Dies ist u.a. der Grund dafür, daß aus dem Westen wesentlich weniger solcher Dokumente auf uns gekommen sind, als aus dem Osten (unabhängig von der Frage, ob der Osten nicht insgesamt schreibfreudiger war als der Westen. Der Eindruck, daß der Osten es war, könnte gerade auch durch das differierende Maß der Erhaltung der hier behandelten Texte bedingt sein). Metall inschriften waren weit mehr durch die Wiederverwendung der Bronze gefahrdet, als dies auch bei Marmorinschriften der Fall war. Für die grundsätzliche Frage der dauerhaften Präsentation solcher Texte während der Kaiserzeit selbst ist das Material, ob Stein oder Bronze, freilich nicht von Belang. 24 Spezielle Sammlungen inschriftlich überlieferter Dokumente der hier interessie renden Art erfassen nur einen Teil der einschlägigen Zeugnisse. Siebe z.B. FIRA 12; M.H. Crawford, Roman Statutes I, London 1996; J.H. Oliver, Greek Constitutions of Early Roman Emperors from Inscriptions and Papyri, Philadelphia 1989; R.K. Sherk, Roman Documents from the Greek East. 'Senatus Consulta' and 'Epistulae' to the Age of Augustus, Saltimore 1969; ders., The Municipal Decrees of the Roman West, 1970; J. Gonzatez Fermindez, Bronces juridicos romanos de Andalucia, Sevilla 1990; H. Wanke!, Die Inschriften von Ephesos la, Bonn 1979; T. Hauken, Petition and Response. An Epigraphic Study of Petitions to Roman Emperors 181 ff., Stavanger 1994; H. Engelmann - D. Knibbe, Das Zollgesetz der Provinz Asia, Epigr. Anat. 14,
p
1989.
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Bürgerrecht und Immunität verlieh. Das Dekret mußte auf dem Kapitol in Rom auf einer Stele aufgezeichnet werden; im Osten allerdings, etwa in Rhosos selbst, sollte das Schreiben Octavians nur in die Archive einiger Städte aufgenommen, also nicht auf Stein übertragen werden. Ein öffentliches Interesse für eine Publikation bestand nicht; es war auch nicht nötig, daß verschiedene Personen darauf reagierten oder irgendetwas auf Grund des Dekrets taten. Erhalten blieb uns freilich nicht die in Rom publizierte Abschrift; vielmehr ist der Text durch eine Inschrift aus Rhosos selbst bekannt. Was es damit auf sich hat, darauf ist noch zurückzukommen.25 Unter Tiberius ordnete der Senat nach Abschluß des Prozesses gegen den angeblichen Mörder des Germanicus, Cn. Calpurnius Piso, die Veröffentlichung der dabei gefaßten
senatl-ts consulta in Rom sowie in den
jeweiligen Provinzhauptstädten auf Bronze an.26 Ziel war allerdings nicht, daß auf Grund der Publikation irgendjemand etwas hätte tun müssen. Ziel war vielmehr, die
memoria
an den gesamten Ablauf der Ereignisse zu erhalten, und zwar auf
lange Zeit. Deshalb wurde die dauerhafte Form der Publikation auf Bronze gewählt. Ähnliches hatte der Senat schon Ende des J.
19
n.Chr. für Reden von
Tiberius und Drusus d.J. zu Ehren des Germanicus angeordnet, ebenso auch für seinen eigenen, Germanicus betreffenden Beschluß, der in der
porticus
des
Apollotempels auf dem Palatin ausgestellt werden sollte. Der Beschreibstoff sollte wiederum eine Bronzetafel sein. Bezeichnenderweise aber wird vom Senat Bronze als Beschreibstoff nicht genannt, wenn er die Konsuln anweist, denselben Senatsbeschluß sub edicto suo zu pub(jzieren, damit die Abgesandten und Magis trate der Kolonien und Munizipien davon Abschriften herstellen konnten: dieses Exemplar wurde ohne Zweifel in Rom auf
tabulae dealbatae
geschrieben.27
Nachdem sie ihren Zweck erfüllt hatten, wurden sie wieder abgenommen und vielleicht wiederverwendet Paullus Fabius Persicus ließ in Ephesus sein Edikt über die Finanzverwaltung des Artemisions auf eine Stele schreiben; die von ihm getroffenen Regelungen sollten auf Dauer gelten.28 Gleiches ordnete Hadrian für
25 FIRA 12 Nr. 55.
26 Eck - Caballos - Femandez (Anm. 2) 254 ff. 27 AE 1984, 508 J. Gonzalez Fermindez, Bronces juridicos (Anm. 24) 153 ff. bes. 159 f. = Crawford, Roman Statutes I Nr. 37. 518. Auch bei den Abschriften, die in den =
Städten Italiens und der Provinzen bekannt gemacht werden sollten, wird kein Schreibstoff genannt. Ob figeretur allein ausreicht, um auf Bronze schließen zu können, scheint njcbt sicher. Vielleicht hat der Senat hjer keine Anordnung getroffen, weil dieses s.c. tatsächlich konkrete Befehle enthielt und insofern eher den normalen administrativ-p<>litiscben Mitteilungen entsprach. 28 lnschr. Ephes. l A 17 ff. Z. 4. Die in Ephesus bis heute erhaltenen Exemplare schließen djese Stele allerdings nicht ein.
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ein Edikt an, das er über den Verkauf von Fisch in Eleusis erließ.29 Seine Regelungen galten nicht nur für eine kurze Zeit, sie sollten vielmehr Bestand haben. Aus demselben Motiv erließ ein Prokonsul im spätantiken Acbaia die Weisung, einen lapideus titulus am Anfang eines Aquäduktes aufzustellen, damit seine Befehle zur dauernden Reinigung der Wasserleitung auch Bestand hätten.30 In der Überzahl aller Dokumente, die in unserem Zusammenhang interessieren, gibt es jedoch keine im Text vorhandenen Anweisungen auf dauerhafte Publika tion, ja im allgemeinen wird überhaupt nicht gesagt, daß der Text publiziert werden sollte. Entweder verstand sich eine Publikation in der ganz üblichen Weise von selbst oder der Auftraggeber konnte davon ausgehen, daß die Betroffenen anderweitig in der nötigen Weise, z.B. durch Verlesen des Textes auf öffentlichen
Plätzen,31 informiert würden. Dennoch finden wir auch solche Dokumente auf Stein oder Bronze überliefert. Zu fragen ist, ob es sich dabei stets um eine Publikation im Sinn von Politik und Administration handelt, oder ob bei der dauerhaften Bekanntmachung Gründe wirksam waren, die auf etwas ganz anderes abzielten bzw. ob Personen darauf Einfluß nahmen, die nicht mit den beteiligten Amtsträgem identisch und dennoch bereit waren, die Kosten für eine Inschrift auf Stein oder Bronze zu übernehmen. Bei sehr vielen derartigen Dokumenten läßt sieb kaum etwas über die Gründe aussagen, weshalb sie auf Stein oder Bronze übertragen wurden. Das liegt teilweise am fragmentarischen Zustand der überlieferten Texte, weil damit eventuelle einschlägige Aussagen verlorengegangen sind, zum Teil aber auch daran, daß der genaue Kontext nicht bekannt ist, in den die Inschriften einst gehörten, d.h. wo konkret sie gefunden wurden, wie sie angebracht waren, ob als Einzeldokument oder etwa im Zusammenhang mit vielen anderen Zeugnissen gleicher oder ähnlicher Art. Denn gerade dieser Zusammenhang kann häufig etwas über die zugrundeliegenden Gründe erke11nen lassen.32 Doch unter günstigen Umständen geben Text und Kontext etwas von den Motiven derjenigen preis, die eine öffentliche Präsentation eines politischen oder administrativen Dokuments in =
Oliver, Greek Constitutions Nr. 77. D. 5794. 3l Solches Verlesen eines Edikts über die Gewährung von Privilegien an die Pyliten bei H. Malay, Epigr. Anat. l l, 1988, 53 ff. = J. Nolle, ibid. 15, 1990, 121 ff.; vgl. SEG 38, 1 172. Siehe ferner Lex Jrnitana cap. 98: Verlesung eines Kaiserbriefes, ebenso IGR IV 1619: ein Brief Caracallas wird im Theater von Philadelphia verlesen. Im letzten Fall könnte man fragen, ob nicht der Empfänger Aurelius lulianus die Ein meißelung des Briefes auf einer Stele veranlaßt hat. Auch Dio Chrysostomus bringt einen Kaiserbrief seinen Mitbürgern durch Verlesen zur Kenntnis (or. 40, 5). 32 Siehe z.B. unten zu den Kaiserbriefen, die im Odeion des Vedius Antoninus in Ephesus gefunden wurden.
29 IG I12, J 103 30 CIL II1 568
=
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einer permanenten.Form veranlaGten. Einige Beispiele aus ganz verschiedenen Teilen des Reiches mögen dies verdeutlichen.33 Im J. 134 hatte der Leiter der Athletenvereinigung im Imperium Romanum, ein gewisser M. Ulpius Domesticus, an Had.rian im Auftrag seiner Vereinigung eine Art Voranfrage gerichtet, ob dieser unter Umständen bereit wäre, den Athleten in Rom einen Platz für ein Archiv und die Aufstellung von Statuen zur Verfügung zu stellen.34 Hadrian hatte seine Bereitschaft dazu erklärt, doch die Vereinigung scheint keinen wirklichen Antrag gestellt zu haben. Erst neun Jahre später kam sie offensichtlich darauf zurück, worauf Antoninus Pius dem Wunsch nachkam und einen entsprechenden Platz in den Traiansthermen anwies. Auch diesmal hatte sich Ulpius Domesticus im Auftrag der Vereinigung an den Kaiser gewandt.35
Das Gebäude wurde schließlich im J. 154 fertiggestelJt36 und damals hat dann Ulpius Domesticus auch zwei Statuen von Antoninus Pius und Mare Aurel dort aufgestellt. Auf der Vorderseite der Statuenbasis stehtjeweils der Dedikationstext an
Antoninus Pius bzw. Mare Aurel, ausgeführt durch Ulpius Domesticus;37 doch
die Nebenseite der Basis von Antoninus Pius trägt dessen Schreiben vom J. 143, die Nebenseite der Basis von Mare Aurel das Schreiben Hadrians vom J. 134. Zumindest dieses bereits viele Jahre vorher verfaßte Schreiben war damals unter rechtlich-administrativen Sinn schon ohne jeden Belang. Denn es wird darin noch nichts gewährt, sondern nur in Aussicht gestellt. Rechtlich war nur der Brief des Pius wichtig. Aber auch dieser brauchte nicht auf der Basis zu erscheinen, da ja das Original im Archiv der Athletenvereinigung vorhanden war. Die beiden Statuenbasen haben also nicht etwa die Aufgabe gehabt, sozusagen als "archive wall" zu dienen. Die Einmeißelung beider epistulae scheint damit funktionslos zu sein - was freilich nicht möglich ist, da sie sonst nicht auf den Basen stünden
.
33 Außerhalb der Betrachtung bleiben hier die Sammlungen von Kaiserbriefen, senatus consulta oder ähnlichen Dokumenten, die von Städten veranlaßt wurden, um etwa die Privilegien einer Stadt zu dokumentieren, wie es in dem wichtigsten Beispiel, dem aus Aphrodisias, ganz evident ist; vgl. J. Reynolds, Aphrodisias and Rome, London 1982. Auch hier war das Motiv nicht die Notwendigkeit einer ad-boc-Publikation des einzelnen Dokuments, sondern die Demonstration der eigenen Sonderstellung. Auch bei den Kaisereiden könnte man fragen, warum sie in einzelnen Fällen dauerhaft inschriftlich aufgezeichnet wurden. Denn die öffentliche Präsentation auf Dauer war für das, was mit dem Eid erreicht werden sollte, in keiner Weise erforderlich. 34 IGR I 149 JOUR I 235 = Oliver, Greek Constitutions Nr. 86. Zur näheren Identifizierung von M. Ulpius Domesticus vgl. auch R.E.A. Palmer, Proc. Amer. Phil. Soc. 125, 1981, 390 f. 35 IGR I 146 = IGUR I 236 = Oliver, Greek Constitutions Nr. 128. 36 IGR I 147 = IGUR I 237. 37 Siebe Anm. 34. 35. =
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Der wabre Grund ist in der Gestalt des Ulpius Domesticus zu finden. Er hatte die Privilegierung für die Athletenvereinigung betrieben und er war am Ende auch erfolgreich gewesen. Sein Bemühen, sein Verdienst sollte von der Mitwelt, und d.h. besonders von den Mitgliedern der Athletenvereinigung, nach Meinung des Ulpius Domesticus nicht vergessen werden. Deshalb ließ er die beiden kaiser lichen Schreiben auf den Basen verewigen und damit gleichzeitig auch seine Be mühungen; denn er wird in beiden kaiserlichen Schreiben namentlich als der Gesandte der Vereinigung erwähnt, der die Kaiserbriefe erwirkt hatte. Es geht also nicht um eine Publikation im Rechtssinn oder die Dokumentation eines recht lichen Vorgangs - das konnte durch die Brieforiginale weit besser geschehen sondern um die Kenntlichmachung seines persönlichen Einsatzes und seines
Erfolgs vor der Öffentlichkeit der Athletenvereinigung. Es geht um die dauerhafte Darstellung seiner Person, nicht um Veröffentlichung von Schreiben rechtlich administrativen Inhalts.38 Die Stadt Ephesus liefert ein ähnliches Beispiel für sehr persönliche Motive bei der Präsentation administrativer Dokumente. Im Odeum dieser Stadt, das von den Vediern erbaut worden war, wurden u.a. drei Briefe des Antoninus Pius gefunden, die aus den Jahren 145 und 150 stammen. Zwei davon waren an Rat und Volk von Ephesus gerichtet, der dritte Brief an die Griechen der Provinz Asia, d.h. an das Koinon.39 AlJe drei Briefe waren in der Weise an der Proscaeniumswand des Odeums angebracht, daß sie zusammen ein einziges Inschriftenensemble bilde ten.40 Allein dies zeigt, daß sie frühestens im J. 150 angebracht worden sein konnten, dem Jahr, aus dem das letzte Schreiben stammt, also mindestens fünf Jahre nach dem ersten Schreiben. Möglicherweise geschah dies sogar erst we sentlich später. Der Zweck dieser öffentlichen Präsentation der Kaiserbriefe kann damit nicht politisch-administrativer Natur gewesen sein. Was aber ist das Verbindende zwischen allen drei Episteln? Es ist die Gestalt des P. Vedius Antoninus, der ein großer Wohltäter der Stadt Ephesus war bzw. es jedenfalls sein wollte. Denn die Stadt war offensichtlich, zumindest im
J. 144/5,
nicht mit
38 Etwas Vergleichbares liegt wohl auch im Fall von IGR III 467 = SEG 38, 1447 Oliver, Greek Constitutions Nr. 159, einem Brief von Antoninus Pius an Balbura vor, mit dem eine Agonstiftung durch Meleager, Sohn eines Castor, bekräftigt wurde. Der Text ist auf eine Basis geschrieben, auf der vermutlich eine Statue des Antoninus Pius stand. Wahrscheinlich war auf einer der anderen Seiten der stark verwitterten Basis ein Dedikationstext für Antoninus Pius eingemeißelt, wohl durch Meleager selbst errich tet. Es ist jedenfalls schwer vorstellbar, daß der Kaiserbrief, mit dem Namen des Herrschers im Nominativ, die alleinige Inschrift war, die die Statuendedikation begleitete. 39 tnschr. Ephes. V 1491- 1493 = Oliver, Greek Constitutions Nr. 138- 140. 40 Siehe Oliver, Greek Constitutions Nr. 300: Vorbemerkung zu Nr. 138. =
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seinen euergetischen Absichten einverstanden.41 Deshalb hatte er selbst und auch die Stadt an den Kaiser geschrieben, um dessen Entscheidung zu erhalten. Pius schlug sich auf die Seite des Vedius Antoninus und wies die Ephesier brieflich recht harsch zurecht, weil sie sich den vernünftigen Wünschen ihres Mitbürgers verweigert hätten.42 Die Ephesier wären ganz sicher nie auf die Idee gekommen, dieses wenig schmeichelhafte kaiserliche Schreiben zu veröffentlichen und in Stein zu meißeln. Damit stehen sie in guter Gesellschaft mit den meisten Städten des Reiches, die nur das dauerhaft inschriftlich bekannt machten, was für sie ehrenhaft und vorteil haft war.43 Doch für Vedius Antoninus machte gerade dies Sinn. Denn er wurde ja in den kaiserlichen Schreiben als ein klar�i chtiger Gönner der Stadt herausgestellt, und ähnliches geschah in den beiden anderen kaiserlichen Schreiben. Nicht diejenigen also, an die die Schreiben gerichtet waren, hatten somit Interesse, die Texte zu publizieren, sondern Vedius Antoninus, der in allen drei Briefen so vorteilhaft geschildert wurde, war daran interessiert, daß sie bekannt würden. Er hat die Schreiben dann auch in seinem Odeum der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht. Es ging also wiederum nicht um die Publikation von Dokumenten politisch-rechtlichen Inhalts, sondern um die Charakterisierung, die Darstellung dieses Ephesiers. Da er selbst diese Dokumente öffentlich machte, ist dies ein markanter Akt der Selbstdarstellung. Ein vierter Kaiserbrief, der an derselben Proscaeniumswand angebracht worden war, macht dieses Bestreben noch deutlicher. Es handelt sich wiederum um einen Brief des Antoninus Pius.44 Zwischen Pergamum, Smyrna und Ephesus war Streit ausgebrochen um Ehrentitel der Stadt. Ephesus hatte einen Beschluß über die Angelegenheit gefaßt. Dieses Psephisma, auf das der Kaiser in seinem Schreiben hinwies, war durch den kaiserlichen Prokurator an Antoninus Pius übermittelt worden; dessen Brief stellt die Antwort darauf dar. Im Text des Briefes ist nichts enthalten, was direkt einen Grund dafür abgäbe, weshalb es im Odeum, dem Bau der Vedier, der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte. Doch durch einen
41 Was im übrjgen nicht so selten gewesen sein dürfte, wie es uns die erhaltenen Zeugnisse über Euergelen vorspiegeln. Dazu W. Eck, Der Euergelismus im Funktions zusammenhang kaiserzeitlieber Städte, in: Actes du x• Congres international d'6pigraphie grecque et latine, Nlmes, 4-9 octobre 1992, hg. M. Christo! - 0. Masson, Paris 1997, 305 ff. 42 Jnschr. Epbes. V 1491 = Oliver, Greek Constitutions Nr. 138. 43 Siehe zu diesem Aspekt mit Nachdruck MiUar, Emperor 431. Auf den Unterschied zwischen administrativer Publikation und dauerhafter Bekanntmachung geht er freilich nicht ein. 44 Inschr. Ephes. V 1489 = Oliver, Greek Constitutions Nr. 135 a.
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völlig ungewöhnlichen Zusatz am Ende des Kaiserbriefes, der in diesem Zusam menhang unnötig ist und in vergleichbaren Texten auch nicht erscheint, wurde der Grund angegeben: "P. Vedius Antoninus hat als Grammateus das Psephisma veranlaßt" - nämlich das Psephisma der Ephesier, auf das der Herrscher reagiert hatte.45 Damit ist der Zusammenhang zum Odeum hergestellt; auch dieser Kaiserbrief diente zur Selbstdarstellung des Ephesiers Vedius Antoninus. Gerade die Provinzen Kleinasiens bieten noch weiteres einschlägiges Material. Bekannt ist unter dem hier interessierenden Aspekt besonders Opramoas aus der lykischen Stadt Rhodiapolis. Dieser Mann hat wie wenige sonst ein aufdring liches Bedürfnis gespürt, seine Euergesien für verschiedene Städte, aber auch die
Anerkennung, die er so erhalten hat, zu dokumentieren, und zwar vor der breiten Öffentlichkeit. Deshalb hat er auf seinem Grab nicht nur alle Wohltaten, die er erwiesen hatte, verewigen lassen; er ließ dort vielmehr auch alle Briefe von Kaisern und Statthaltern, in denen sein Verhalten gewertet wird, vor der Öffentlichkeit ausbreiten. Insgesamt sind dies zwölf Briefe von Antoninus Pius; hinzukommen aber mindestens noch 1 7 Briefe von Statthaltern bzw. Proku ratoren.46 Diese Schreiben sind inhaltlich höchst uninteressant und insoweit auch wenig aussagefähig. Dennoch geben sie uns Einblick in die Tätigkeit des Kaisers und seiner Amtsträger in den Provinzen, die zu einem gewichtigen Teil aus der Pflege der Beziehungen zu den lokalen Größen bestand.47 Keines dieser Dokumente hätte freilich überlebt, da niemand von den Beteiligten: Kaiser, Statthalter, Prokuratoren oder Gemeinden, einen Sinn darin sehen konnte, sie dauerhaft zu publizieren. Nur der exzessive Wunsch des Opramoas, sein Nachleben selbst zu gewährleisten und zu gestalten, hat diese Masse von Einzeldokumenten der Vergessenheit entrissen, indem er sie nach der Errichtung seines Grabmals, also zumeist sehr lange nach Abfassung der Schreiben, dauerhaft der Öffentlichkeit auf den Wänden seines Mausoleums präsentieren ließ. Mit einer solchen Haltung stand er keineswegs allein. Ebenfalls in Lykien, bei der Stadt Kyaneae, wurde eine Felswand geglättet, worauf zur Charakterisierung eines lokal bedeutenden Mannes, eines gewissen Iason, Sohn des Nicostratus, eine lange Liste von Ehrungen durch Städte eingetragen wurde. Dabei werden auch
45 Ein ähnlicher Fall liegt in lnschr. Ephes. I A Nr. 23 mü dem Grammateus Ti. Cl. Polydeuces Marcellus vor; siehe unten Anm. 74.
TAM 1 1 3,905 = Oliver, Greek Constitutions Nr. 142-153 (dort nur Kaiserbriefe abgedruckt). 47 Daß freilich solche 'nichtssagenden' Schreiben dennoch im innerstädtischen Konkurrenzkampf oft von erheblicher Bedeutung waren, sollte nicht verkannt werden.
46 IGR lll 739
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mehrere Schreiben von Statthaltern erwähnt, freilich nicht im Wortlaut wieder gegeben. Dies geschah nur mit einem Brief des Antoninus Pius, in dem er den Empfang von Beschlüssen lykischer Städte zu Ehren Iasons bestätigte.48 Auch dieses Monument könnte mit dem Grabmal des Geehrten eng zusammenhängen; die inschriftliche Präsentation diente wiederum einzig und allein zur Kenn zeichnung und Prestigerhöhung des Iason.49 Das gilt auch für die Schreiben Octavians über das Bürgerrecht des Seleucus von Rhosos. Octavian hatte seine Briefe mit den MitteiJungen über die civitas Rom.a
na sowie weitere Privilegien an Magistrate, Rat und Volk von Rhosos gerichtet, nicht an Seleucus selbst.50 Die Stadt hatte die Dokumente ohne Zweifel in ihr Archiv aufgenommen, wie Octavian angeordnet hatte; publiziert aber hatte die Gemeinde die Schreiben wohJ nicht; denn dafür gab es keinen ersichtlichen Anlaß.51 Seleucus selbst aber scheint die öffentliche Dokumentation als ange messen, ja nötig betrachtet zu haben. Denn die uns heute noch erhaltene Abschrift auf Stein gebt auf ihn selbst zurück; höchstens seine Nachkommen hätten daran noch ein Interesse haben können. Die Schreiben stehen auf einer fast 1,40 m hohen und 58 cm breiten Steinplatte, die an der Front eines GrabmaJs links neben dem Eingang angebracht gewesen war.52 Der Stein war auch in der Nekropole von Rhosos gefunden worden. Auf diesen Inschriftentafeln konnte jeder lesen, welche Bedeutung der Schiffskapitän Seleucus auch außerhalb seiner Stadt zu Lebzeiten erlangt hatte, eine so große Bedeutung, daß sich sogar Octavian, der ferne römische Machthaber, zweimal persönlich an die Heimatstadt des Seleucus gewandt hatte. Etwa aus derselben Zeit stammt ein Ehrenmonument, daß für Potamon, einen Bürger von Mytilene, nicht vor dem J. 25 v.Chr. von seiner Heimatstadt errichtet wurde. Das Monument erhält dadurch seinen spezifischen Charakter, daß das Wirken Potamons für seine Heimatstadt nicht nur mit den Worten des Stadtrats beschlusses von Mytilene charakterisiert wird, sondern daß mehrere amtliche 48 IGR III 704. In einem langen Text aus Sardeis, der die Ehren für Menogenes, Sohn des Isidoros, zusammenfaßt, ist in ähnlicher Weise ein Brief von Augustus aufge nommen worden: W. Buckler D.M. Robinson, Greek Inscriptions from Sardeis V, AJArch 18, 1914, 321 ff. = Oliver, Greek Constitutions Nr. 7. Ygl. auch Oliver, Greek Constitutions Nr. 18. 49 Zur Person vgl. jetzt auch M. Zimmermann, Untersuchungen zur historischen Landeskunde Zentrallykiens, Bonn 1992, 252 ff. 50 Siehe oben Anm. 25. 51 Schwind, Publikation (Anm. 4) 176 geht davon aus, der Text sei zur Publikation nach Rhosos übersandt worden. Dafür spricht im Text nichts; es wird aber direkt die Archivierung angeordnet. 52 P. Roussel, Syria 15, 1934, 33; FIRA 12 Nr. 55 Einleitung. -
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römische Dokumente auf den Steinen des Monuments eingemeißelt wurden, darunter zwei Briefe Caesars, ein senatus consultum au s seinen letzten Jahren sowie ein Edikt Caesars aus derselben Zeit; es folgen zwei senatus consulta aus dem J. 25 v.Chr. sowie ein weiterer Vertrag mit Rom, der nicht früher als das J. 25
datiert werden darf. An allen diesen Schreiben und Beschlüssen war
Potamon, auf dessen Monument sie geschrieben waren, beteiligt gewesen, über eine Zeitspanne von weit mehr als 20 Jahren hinweg.53 Es ist unmittelbar einsichtig, daß es sich hier nicht um eine offizielle Publikation handeln kann, dazu liegen die einzelnen Dokumente zeitlich viel zu weit auseinander.54 Vielmehr ist wohl davon auszugehen, daß der Geehrte selbst Wert darauf legte, daß die Dokumente, die im Detail sein politisches Handeln und seinen Erfolg bezeugten
und in denen immer wieder sein Name erschien, mit dem Monument verbunden wurden. So wurde eine Demonstration und Dokumentation seiner politischen Position in Mytilene erreicht. Den zuständigen Amtsträgern, dem Rat und der Bevölkerung waren die einzelnen Dokumente zum jeweiligen Zeitpunkt durch Publikation zur Kenntnis gebracht worden. Was uns erhalten geblieben ist, hat nichts mit dieser Publikation zu tun.55 Solche Selbstcharakterisierung durch inschriftliches Öffentlichmachen von Schreiben hoher Amtsträger ist auch in den westlichen Provinzen nicht völlig unbekannt. Das berühmteste Beispiel ist das Monument des T. Sennius Sollemnis, Le marbre de Thorigny, wie Pflaum es in seiner Publikation von 1948 genannt hatte. 56 Sollemnis hatte nicht nur seine Funktionen in seiner
Heimatgemeinde und bei den Amtsinhabern verschiedener Provinzen in den titulus honorarius aufgenommen,57 der ihm zusammen mit einer Statue von den tres
53 Syll.3 764 = IG XII 2, 35 IGR LV 33; vgl. Sherk, Roman Documents (Anm. 24) 146 ff. Nr. 26. Zu Potamon siehe jetzt PIR2 P 914. 54 Vgl. Wenger, Quellen (Anm. 4) 385: "Die Überlieferung im Ehrendenkmal ist an sich nicht als amtliche, sondern als private zu werten." 55 ln lnschr. Ephes. I 24 wird T. Aelius Marcianus Priscus als Agonothet der großen Artemisien geehrt. Auf den Seiten der Basis ist ein Edikt des Prokonsuls PopilHus Carus Pedo sowie ein Stadtratsbeschluß von Ephesus eingemeißelt, durch die die Tätigkeit des T. Aelius Marcianus Priscus verdeutlicht wird; im Edikt des Prokonsuls wird er mit überschwenglichen Worten namentlich erwähnt. Es liegt nabe, daß der Verwandte des Priscus, der die Statue errichtete, dafür sorgte, daß die amtlichen Schreiben auf der Seitenfläche der Basis eingemeißelt wurden. Auch hier handelt es sich nicht um eine amtliche Veröffentlichung. 56 CrL Xlfl 3162 H.-G. Pflaum, Le Marbre de Thorigny, Paris 1948. 57 Zur Abfassung des Textes durch den Geehrten selbst vgl. W. Eck, 'Tituli honorarii' und Selbstdarstellung in der Hohen Kaiserzeit, in: Acta colloquii epigraphici Latini Helsingiae 3.-6. sept. 1991 habiti ( Comm. hum. litt. 104), Helsinki 1995, 2 1 1 ff. ders., in: Tra epigrafia, prosopografia e archeologia, Rom 1996, 3 1 9 ff. =
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provinciae Galliae in seiner Heimatstadt errichtet wurde. Vielmehr wurden auf der linken und rechten Seite der Basis auch zwei Schreiben eingemeißelt. Eines stammt von Claudius Paulinus, dem Statthalter von Britannia inferior im J. 220; es ist an Sollemnis selbst gerichtet. Das andere Schreiben wurde von Aedinius lulianus verfaßt; der ehemalige Statthalter der Lugdunensis, der zum Zeitpunkt der Absendung des Schriftstücks bereits praefectus praetorio geworden war, hatte es an den Prokurator und stellvertretenden Statthalter eben dieser Provinz, Badius Cominianus, gesandt, um Sollemnis zu unterstützen. Im Mittelpunkt beider Schreiben steht somit Sennius Sollernnis. Er sollte durch die Präsentation der beiden Briefe, die ohne Zweifel auch von ihm selbst zur Verfügung gestellt wurden, in seiner Bedeutung der Öffentlichkeit seiner Heimatstadt gegenüber
herausgestellt werden.58 Nichts anderes tat auch der Veteran der !egio 111 Augusta, Nonius Datus, der den Bewohnern von Saldae in der Provinz Mauretania Caesariensis die Anlage eines Aquädukts durch seine Kenntnisse im Vermessungswesen ermöglicht hatte. Daß er, der in der Provinz Numidia in Lambaesis stationiert war, in der Nachbar provinz tätig werden konnte, war auf Vereinbarungen zwischen den jeweiligen Statthaltern von Numidia und Mauretania Caesariensis zurückzuführen. Dabei hatte es auch einigen Schriftverkehr gegeben, in dem stets Nonius Datus und seine speziellen Kenntnisse im Mittelpunkt stehen.59 Diese Briefe ließ Nonius Datus im Kontext des Berichtes über seine Ingenieurleistung und als Anhang auf einer sechsseitigen großen Basis, die vennutlich an seinem Grab aufgestellt war und von der nur noch drei Seiten erhalten geblieben sind, einmeißeln, um seine Arbeit und damit sich selbst zu charakterisieren. In seinem Fall geschieht dies nicht nur wie etwa bei Seleucus von Rhosos einfachhin durch die Aussage der Texte selbst; er spricht es vielmehr direkt aus: ut lucidius Labor meus circa
duc(tum) hoc Saldense pareret, aliquas epistulas subieci.ro 58 Ein ähnliches Motiv war wohl bei Q. Domitius Marsianus wirksam, als auf der Basis
einer Reiterstatue, die ihm in seiner Heimatstadt gesetzt wurde, auch ein Ernennungs schreiben Mare Aurels der Bevölkerung mitgeteilt wurde, mit einer äußerst schmeichelhaften Charakterisierung des Marsianus von Seiten des Herrschers, AE 1962, 183. Wer anders als er selbst war im Besitz dieses kaiserlichen Handschreibens? s9 CIL vm 2728 = 18122 = D. 5795. ro Anm. 59 Z. 64-66. Von diesem Anhang ist allerdings nur ein einziger Brief noch teilweise erhalten, der des Porcius Vetustious an Crispinus; zumindest ein weiterer Brief des Prokurators Petronius Celer muß auf dem Stein einst vorhanden gewesen sein. Auch die Schreiben, die der procurator columnae divi Marci in Rom erhalten hatte und in denen die Errichtung eines lwspitium erlaubt wurde, waren von ihrer Funktion her, nachdem einmal das Bauwerk errichtet war, nicht mehr von aktueller Bedeutung. Den noch hat Adrastus alle Dokumente auf Stein einmeißeln lassen, ohne Zweifel, um damit seine Bedeutung nach außen zu demonstrieren (CIL VI 1585 a. b FlRA III2 Nr. 1 10). =
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Etwas anders ist das Ziel, das ein vor kurzem publiziertes Dokument aus dem Museum von Manisa in der Türkei verfolgt.61 Der Stein hat die Form einer mehr als zwei Meter hohen Stele, die von einem Akroterion gekrönt ist. Gefunden wurde er südwestHeb von Daldis, außerhalb eines antiken Zentralortes, aber zum Territorium von Sardeis gehörig. Der an der Spitze des Steines eingemeißelte Text gibt auch den Hauptzweck des Monumentes an: er wurde von Metras, dem Sohn des Metrodorus, Priester des Zeus Driktes, eben diesem Gott gewidmet, weil es ihm gelungen war, für die Bewohner des Dorfes Arillon vom Prokonsul von Asien die Einrichtung eines jährlich stattfindenden, siebentägigen Marktes zu erhalten. Doch Metras begnügte sich nicht mit der Angabe dieses Grundes. Nach der Dedikationsinschrift folgt das Genehmigungsedikt des Prokonsuls von Asia, T. Aurelius Fulvus Boionius Arrius Antonius, also des späteren Kaisers Anto
ninus Pius, in lateinischer und dann auch in griechischer Sprache. Daran schließt sich ein Brief eines Asinius Rufus, wohl eines aus Sardeis starurnenden Senators, an die Archonten von Sardeis an, worin dieser die Bewohner des Dorfes bei der Ausdehnung ihres Privilegs unterstützt.62 Der Gesamtcharakter des inschriftlichen Monuments ist klar. Der Zeuspriester will einerseits seinem Gott Dank abstatten für seinen Erfolg, doch gleichzeitig wird damit auch seine eigene Person heraus
gestellt, sein Erfolg und die Anerkennung, die er von den Dorfbewohnern erfahren hat.63 Das Edikt des Prokonsuls als solches war ohne Zweifel längst vorher den Dorfbewohnern zur Kenntnis gebracht worden, schriftlich oder durch Verlesen;64 dies war die für das Dorf relevante Publikation. Die dauerhafte Bekanntmachung durch den Zeuspriester hatte damit nichts zu tun.65
6 1 H. Malay, Greek and Latin lnscriptions in the Manisa Museum, Wien 1994, 152 ff. Nr. 523.
62 Siehe dazu J. Nolle - W. Eck, Der Brief des Asinius Rufus an die Magistrate von Sardeis. Zum Marktprivileg für die Gemeinde der Arillenoi, Chiron 26, 1996, 267 ff.; dadurch ist für dieses Zusatzschreiben die lange, auf ungenügendem Textverständnis aufbauende Abhandlung von L. de Ligt, Ius nundinarum and immunitas in I. Manisa 523, Epigr. Anat. 24, 1995, 37 ff. überholt. 63 Dies gilt, auch wenn, wie Malay (Anm. 6 1 ) 154 zu Recht vermutet, die Texte nicht alle zum selben Zeitpunkt eingemeißelt wurden; der Brief des Asinius Rufus ist in jedem Fall ein späterer Zusatz. Ein ähnliches Motjy wie im Fall des Zeuspriesters Metras liegt bei der sogenannten lis fullonum (CIL VI 266 = FIRA II2 Nr. 165) vor. Die in einem Rechtsstreit siegreichen Walker bringen die gerichtlichen Entscheide innerhalb einer Weihung an Gottheiten zur Kenntnis. Dazu schon Wenger, Quellen (Anm. 4) 416. 64 Zum Verlesen von Schreiben von Kaisern oder Statthaltern vgl. oben Anm. 3 1 . 65 Der ganz andere Charakter der Dokumentation des Gesamtvorgangs durch den Zeus priester wird vor allem daran deutlich, daß auf der Stele auch die Texte erscheinen, die auf den Basen für Statuen des Priesters und seiner Frau, die von den Dorfbewohnern errichtet worden waren, standen.
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Etwas Ähnliches liegt wohl auch bei dem Edikt des Prokonsuls Q. Caecilius Secundus Servilianus vor, der im J. 209 n.Chr. den Mandragoreis ein Marktrecht genehmigt hatte. Auch dieses Edikt steht auf einer Stele; eingeleitet wird es mit einem sehr persönlich gehaltenen Antrag, dessen Urheber freilich namentlich nicht erhalten ist. Vermutlich handelt es sich um den Dionysius, Sohn des Dionysius, der die Entscheidung des Prokonsuls den Mandragoreis überbracht hatte.66 Wenn einer Interesse daran haben mußte, daß seine Beteiligung allen bekannt gemacht und für die Zukunft dokumentiert wurde, dann mußte er es sein. So ist die öffentliche Aufstellung auf einer steinernen Stele vielleicht auf ihn zurück zuführen. Ein letztes Beispiel soll, wenn auch in ganz anderem Kontext, nochmals eine
ähnliche Motivstruktur für die Bekanntmachung eines administrativen Textes zeigen. Es handelt sich um die berühmte tabula Clesina oder, wie es häufig beißt, das edictum Claudi de civitate Anaunorum. Überliefert ist das Dokument auf einer BronzetafeL Formal besteht die Inschrift aus einem Edikt, das Claudius im J. 46 in Baiae verkündet hatte. Inhaltlich freilich ist der Text nicht einheitlich; er schildert vielmehr zwei völlig unterschiedliche Tatbestände, einmal die Frage, wem bestimmte Gebiete nahe von Corno und Bregaglia gehörten, zum andern das Problem des Bürgerrechts der Anauni, Tulliasses sowie der Sinduni.67 Beide Tatbestände hängen sachlich nicht zusammen, dennoch sind sie gemeinsam auf einer Bronzetafel aufgezeichnet. Man hat sich immer wieder gefragt, warum denn diese beiden Entscheidungen zusammen auf eine Bronzetafel geschrieben wurden. Der Text selbst sagt nichts darüber, auch ist nicht vermerkt, wer das Edikt auf die Bronzetafel eingravieren ließ, wie dies bei anderen, vergleichbaren Dokumenten geschehen ist. So wurde z.B. ein Brief Vespasians an die Stadt Sabora auf Veran lassung der llviri dieser Stadt und auf Gemeindekosten auf einer Erztafel publiziert.68 Solche Angaben fehlen bei diesem Edikt des Claudius völlig. So muß man fragen, wer denn wohl ein Interesse haben konnte, die beiden kaiserlichen Entscheidungen auf einer Tafel zusammen öffentlich zu präsentieren. Dabei ist noch zu betonen, daß die erste Entscheidung des Claudius ohnehin nur sagt, daß ein Iulius Planta die Ergebnisse seiner Untersuchungen vor Ort ver künden wird. Einen definitiven Beschluß hat Claudius in dieser Angelegenheit gar
66 J.
Nolle, Nundinas instituere et habere, Hildesheim 1982, 1 2 f. Antragsteller war sicher nicht deT prokonsulare Legat, wie Nolle es S. 15 vermutete. 67 CIL V 5050 = D. 206 = FIRA J2 Nr. 7 1 . 68 CIL ll 1423 = D. 6092 = FIRA J2 Nr. 74: llviri C. Cornelius Severus et M. Septimius
Severus publica pecunia in aere inciderunt.
Administrative Dokumente nicht gefällt.69 Umso weniger ist ein sachlicher Grund
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für eine dauerhafte Publi
kation zu erkennen.'O Es sind nur zwei Elemente, die beide Teile zusammenschließen: die strittigen Probleme sind alle mit einem Gebiet im westlichen Alpenbereich Italiens verbunden. Ein Motiv für eine Bekanntmachung des Edikts scheint sich daraus aber nicht zu ergeben. Das andere verbindende Element ist eine Person: Camurius Statutus. Er hatte die schwebenden Gebietsansprüche Claudius zur Kenntnis gebracht: detulerit Camurius Statutus ad me, sagt Claudius im ersten Teil des Edikts. Und genau das Gleiche gilt auch hinsichtlich des Bürgerrechts der drei Alpenstämme; auch davon erfuhr Claudius durch einen delator; zwar nennt er hier
den Namen nicht, aber das war auch nicht nötig, da dieser schon vorher namentlich in dieser Funktion erwähnt war, eben Camurius Statutus.71 Er hatte beide strittigen Fragen bei Claudius zur Anzeige gebracht, vermutlich weil er aus der Gegend stammte, wo die Probleme anlagen. Hat man dies einmal erkannt, dann hat man wohl auch das Motiv dafür, wes halb die beiden sachlich nicht zusammengehörigen Entscheidungen auf einer Bronzetafel vereint sind. Es ist der Stolz des Delators72 auf das, was er durch seine Anzeige erreicht hat, vielleicht sogar noch mehr, daß er mit dem Kaiser in
Kontakt gekommen ist und daß dieser auf ihn bei der Verkündung seines Edikts
69 Auch bei der Inschrift von Skaptopara vermuten E.l. Paunov - D.J. Dimitrov, Der Siegelring des Aurelius Pyrrus aus Skaptopara, Chiron 26, 1996, 183 ff. bes. 187, die Aufzeichnung des gesamten Vorgangs könne von dem Prätorianersoldaten selbst nach seiner Rückkehr in die Heimat veranlaßt worden sein. Das wird dadurch wahrscheinlich, weil für die Bewohner nicht einmal eine positive Entscheidung gefallt worden war. Aurelius Pyrrus aber erscheint auf jeden Fall in einem sehr vorteilhaften Licht. 70 Einen ähnlichen Befund haben wir auf der Bronzetafel aus ltalica, auf der das sogenannte s.c. de pretiis gladiatorum minuendis überliefert ist (CfL II 6278 = FIRA r Nr. 49 Gonzalez, Bronces [Anm. 24] 145 ff.) Der Text ist nicht das eigentliche s.c., sondern offensichtlich die prima sententia eines Senators. Das ist immer wieder auch damit erklärt worden, daß der Senator aus ltalica stammte und er deshalb Interesse an der Bekanntmachung seiner Meinungsäußerung, die schließlieb zum s.c. wurde, hatte. Dies dürfle zutreffen, womit auch für die Bekanntmachung eines s.c. dieselbe Motivation gezeigt werden könnte: Das Interesse einer Einzelperson an seiner öffentlichen Selbstdarstellung. Mit den acta diurna, die angeblich in den Provinzen verbreitet wurden, hat die öffentliche Präsentation dieser sententia in Italica sicher nichts zu tun, so aber D. Potter, Prophets and Emperors, Cambridge/Mass. 1994, 49. 7 1 Daß das Dokument durch die Gestalt des Delators zusammengehalten wird, hat als einzige bisher U. Schillinger-Häfele, Das Edikt des Claud.ius CIL V 5050, Hermes 95, 1967, 353 ff. erkannt. Doch die Frage, wer das Dokument auf die Bronzetafeln schreiben und damit öffentlich machen ließ, stellte sie nichL 72 Dabei darf man sieb nicht von dem Wort delator verunsichern lassen. Denn ein delator war nicht grundsätzlich eine Person, der mit sozialer Distanz begegnet wurde. Siehe dazu in Kürze eine Kötner Dissertation von 1. Wroblewski. =
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Bezug genommen hat. Das wollte er dokumentieren und aus diesem Grund hat er wohl das gesamte Edikt auf eine Bronzetafel gravieren und dann in seinem eigenen Haus an die Wand hängen lassen. Es diente also wiederum der Selbstdarstellung einer einzelnen Person.73 Schon diese begrenzte Präsentation von Dokumenten74 läßt erkennen, daß das Phänomen: nichtdauerhafte offizielle Publikation und dauerhafte Bekanntmachung aus Gründen der Selbstdarstellung, nicht von marginaler Bedeutung ist. Es ist vielmehr entscheidend für die Erkenntnis, nach welchen Selektionsprinzipien sich staatlich-politisch-administratives Leben in der bis in unsere Zeit erhaltenen Dokumentation abbildet. Es wurde längst erkannt, daß die Masse aller inschrift Lieb, also mit der Intention auf Dauerhaftigkeit überlieferten Äußerungen von Kai
sern, gleichgültig, ob es sich um Edikte, Briefe oder Reskripte handelt, den Herrscher als gnädig Gewährenden, als Gebenden, als Helfer erscheinen läßt; nicht anders ist es bei Verlautbarungen der Statthalter oder der Prokuratoren. Negative Äußerungen oder gar harte Ablehnungen oder Befehle frnden sich nur selten; und
dann waren kaum je diejenigen, auf die die Texte zielten, verantwortlich dafür, daß
eine solche Verlautbarung inschriftlich auf uns gekommen ist, sondern andere, für die der ansonsten negative Bescheid des Kaisers etwas Vorteilhaftes enthielt. Das gilt z.B. für die Ablehnung des Antrags der Samier durch Augustus, ihnen den Status einer civitas libera zu erteilen; öffentlich mit einer Inschrift bekannt gemacht wurde dieses Schreiben nicht durch Samos, sondern durch Aphrodisias, weil Augustus betonte, nur ihnen habe er die Freiheit verliehen.75 Gleiches 73 So schon mit kürzerer Argumentation W. Eck, Kaiserliches Handeln in italischen
in Städten, in: L'Italie d'Auguste a Diocletien, Rom 1994, 329 ff. bes. 339. 345 d.iesem Band 297 ff. 74 Weitere Texte, bei denen ein entsprechendes persönliches Motiv zur öffentlichen, dauerhaften Präsentation von Entscheidungen und Anordnungen vorliegt, sind z.B. folgende: CIL X 1453 0. 5616: ein Stadtratsbeschluß aus Herculaneum; er wurde aller Wa.hrscheinlichkeit nach von den Marci Memmii Rufi, pater et filius, auf Bronze (?) übertragen; ILA 591 AB 1921, 38: eine gerichtliche Entscheidung eines proconsul Africae; vermutlich hat eine der beiden Prozeßparteien die Übertragung des decretum auf Stein veranlaßt; Inschr. Ephes. I A 23: Edikt des Prokonsuls L. Antonius Albus; die Übertragung auf Stein aber veranlaßte der YPC:XJJJ.HXT&O<; TOil br)J,JOO Ti. Cl. Polydeuces Marcellus; er ist auch im Edikt des Prokonsuls genannt, allerdings nur mit dem Cognomen Marcellus. Um klar zu machen, was das ist, ließ er bei der Übertragung auf Stein seinen vQllen Namen unter das Edikt setzen, obwohl dies für den Zweck des Edikts unnötig war. Vgl. 369 f. zu einem ähnlichen Verfahren des P. Vedius Antoninus. 75 J. Reynolds, Aphrodisias and Rome, London 1982, 104 ff. Nr. 1 3 Oliver Greek Constitutions Nr. I . Auch ein relativ kurzes Schreiben von Titus an Munigua dürfte dagegen von städtischen Magistraten auf Bronze publiziert worden sein (AE 1962, 147), obwohl darin durchaus Negatives über Munigua gesagt wird. Doch ist daneben auch ein Schuldenerlaß ausgesprochen. Servilius Pollio, der namentlich erwähnt ist und der im wesentlichen durch den Kaiserbrief Recht erhielt, hat wohl nicht in Munigua =
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geschah unter Traian, als er den Bewohnern von Smyma verbot, Aphrodisienser für Dienste am Kaisertempel in Smyrna zu verpflichten; auch dieses Schreiben wurde nur i n Aphrodisias auf Stein übertragen.76 Warum auch hätten die Smyrnäer ihre Niederlage verewigen sollen? Es war genug, daß sie einen Mißerfolg erzielt hatten; das Beste war, ihn möglichst schnell zu vergessen. Doch die Selektion unserer Überlieferung erfolgte nicht nur nach den Kriterien gnädige oder ungnädige Antworten von Kaisern - und in gleicher Weise gilt dies auch bei statthalterlieben Schreiben; vielmehr müssen wir bei der Auswahl dessen, was schließlich auf einer Inschrift der Öffentlichkeit präsentiert wurde, weit särker t auch die individuellen Motive einzelner Personen, manchmal auch
Gruppen von Personen miteinbeziehen . Wenn jemand den Eindruck hatte, i n einem Erlaß, i n einem Schreiben sei etwas enthalten, was die eigene Person herausstellen, was der eigenen Person Prestige verschafften konnte, dann gab es ein Motiv, ein solches Dokument auch über die administrative Publikation auf vergänglichem Material hinaus bekannt zu machen, und zwar in dauerhafter Form, indem man es, auf eigene Kosten, auf Bronze oder Stein übertragen ließ. Voraussetzung aber war dafür im allgemeinen, daß der Name der entsprechenden Person in dem Dokument erschien, wie etwa der des M. Ulpius Domesticus i n Briefen von Hadrian u n d Antoninus Pius oder des Camurius Statutus in dem claudischen Edikt der tabula Clesina.77 Denn nur wenige haben wohl den Ausweg gewählt wie P. Vedius Antoninus, der einen spezieUen Zusatz verfaßte, um seine Rolle, die im Kaiserbrief selbst gar nicht erwähnt war, überhaupt erkennbar zu machen. Wenn aber ein solches Motiv fehlte, dann war kaum eine Privatperson
gewohnt. Im Fall einer Bronzetafel aus Obulcula: W. Eck, Ein Brief des Antoninus Pius an eine baetische Gemeinde, in: Sprachen und Schriften des antiken Miuelmeerraumes. Festschrift J. Untermann, bg. F. Heidermanns - H. Rix E. Seebold, lnnsbruck 1993, 63 ff. in diesem Band 347 ff., läßt es sich ebenfalls oicbt genau sagen, wer die öf fentliche Präsentation veranJaßt bat, zumal es sich um ein Dossier gehandelt zu haben scheint. 76 Reynolds (Anm. 75) 1 1 3 ff. Nr. 14 Oliver, Greek Constitutions Nr. 48. Vgl. auch ders., Hadrian, Antoninus Pius and the Cyrenaican Cities, JRS 68, 1978, 1 1 1 ff. Wenn die Interpretation eines fragmentarischen Textes aus Sparta durch G. Shipley A. Spawforth, New Imperial Subscripts to the Spartans, ABSA 90, 1995, 429 ff. zutrifft, dann könnte die Publikation der Schreiben in Sparta trotz ihres tadelnden Tones gerade durch Lacon, in dessen Interesse die Schreiben erlassen sein sollen, veranlaßt worden sein. 77 Ein solches Motiv könnte für die öffentliche Präsentation einer ganzen Reihe von Schreiben Hadrians an die ouvo�oc; TWV 7rEpl TOV xopgiov TEXVEITWV �ouoiKWV durch Ti. Claudius Altalus zutreffen; Oliver, Greek Constirutions Nr. 98104. Sein Name erscheint wohl auch in einem der Dokumente. Vgl. Oliver, ibid. 250: "these documents were privately engraved by Claudius Attalus." -
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daran interessiert; mehr für die Bekanntmachung zu tun als die römischen Amtsträger oder die städtischen Magistrate. Gerade bei Erlassen allgemeiner Art, bei Befehlen genereller Natur wie etwa der Anordnung von Steuererhöhungen, von Leistungen außergewöhnlicher Art beim Straßenbau, bei der Mitteilung von statthalterliehen Befehlen oder bei Regelungen rechtlicher Natur fehlten zumeist solch persönliche Motive im Text; Personen wurden dabei kaum namentlich genannt, außer vielleicht als Verursacher unge liebter Belastungen. Dann aber gab es auch keinen Grund für eine einzelne Person, ein solches Dokument dem schnellen Vergessen nach der offiziellen, aber nicht dauerhaften Publikation zu entreißen, indem es auf Stein oder Bronze übertragen
wurde. Auf diese Weise aber ist dieser inhaltlich wichtigere Teil des staatlich administrativen Lebens noch weniger in unserer epigraphischen Überlieferung präsent, als es bei Privilegien und beneficia der Fall ist. Aus dem relativ stärkeren Fehlen dieser Aspekte in der Überlieferung darf dann aber nicht der Schluß gezo gen werden, solch generelle Anordnungen, solch konkrete Anweisungen von oben seien insgesamt auch nur selten gewesen. Die Edikte der Präfekten von Ägypten, die auf Papyrus, einem 'nichtdauerhaften' Medium, publiziert wurden, sprechen eine deutliche Sprache. Auch unter diesem Aspekt drängt sieb der Gedanke auf, daß die anderen Provinzen in ihrer administrativen Struktur doch nicht so anders gewesen sein müssen als Ägypten.78 Man muß nur den Möglichkeiten und Beschränktheilen unserer Überlieferung mehr Gewicht zuerkennen. Für die Terminologie bat der hier erläuterte Befund eine zwingende Konsequenz. Allgemein spricht man von der Publikation, von der Veröffentlichung dieser Dokumente i n der römischen Zeit, ohne dabei danach zu fragen, wer diese veranlaßt hat und wann sie erfolgte. Doch kann im Zusammenhang von politisch administrativen Zeugnissen von Publikation üblicherweise nur dann gesprochen werden, wenn sie unmittelbar im Zusammenhang steht
mit dem, worauf das
Dokument zielt. Wenn ein Textjedoch erst später an die Öffentlichkeit gebracht wurde und nicht von dem, auf den ein Schreiben zurückgeht, dann muß man sehr genau sehen, ob es sich noch um eine Publikation im eigentlichen Sinn handeln kann. Häufig gebt es um ganz andere Ziele: Präsentation einer Person, Prestige gewinn für eine Stadt, Festigung der memoria an eine Person oder ein Ereignis. Der Sachinhalt, die Ziele, die konkrete Umsetzung des Dokuments sind nur der Träger der 'Botschaft', die verkündet werden soll. Oben wurde auf ein
s.c.
78 Siehe dazu jetzt die eindrucksvolle Zusammenstellung der außerägyptischen Papyri, die vor allem aus ludaea und Arabia stammen bei H.M. Cotton - W.E.H. CockJe - F.G.B. Miliar, The Papyrology of the Roman Near East: A Survey, JRS 85, 1995, 214 ff.
Administrative Dokumente
381
verwiesen, mit dem vor Beginn der Säkularspiele Personen, die auf Grund der Iex de maritandis ordinibus üblicherweise von Iudi ausgeschlossen waren, die
Teilnahme erlaubt wurde. Damit der Beschluß Wirkung haben konnte, mußte er bekannt sein, d.h. veröffentlicht werden, in mündlicher und schriftlicher Form. Dieser Akt ist als Publikation zu bezeichnen und diese war auch durchgeführt worden. Davon ist keine Spur auf uns gekommen. ErhaJten blieb das s.c., weil es Teil eines Gesamtdokuments wurde, das der Senat auf einem bronzenen und einem marmornen Cippus zum Gedächtnis an die Säkularspiele verewigen ließ. Dies aber war im Hinblick auf die Einzeldokumente kein Akt der Publikation mehr; es ging nur noch um die Dokumentation des Ereignisses, um die Bewahrung der Erinnerung an die Erneuerung der res publica.19
79 Zum demonstrativen und kommemorativen Charakter der meisten Inschriften auf Stein im Gegensatz zu den Inschriften des täglichen Lebens, die weit überwiegend auf vergängliches Material geschrieben wurden, vgl. Wenger, Quellen (Anm. 4) 55 ff.; W. Eck, Lateinische Epigraphik, in: Einleitung in die lateinische Philologie, hg. F. Graf, Stuttgart-Leipzig 1996, 109 ff.; ders., Inschriften auf Holz, in: Imperium Romanum. Studien zu Geschichte und Rezeption. Festschrift für Karl Christ zum 75. Geburtstag, hg. P. Kneissl, V. Losemann, Stuttgart 1998, 203-2 17. Für Hinweise und Kritik danke ich Rudolf Haensch.
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NACHWEIS DER ERSTVERÖFFENTLICHUNGEN 1.
Der Kaiser, die Führungsschichten und die Administration des Reiches (von Vespasian bis zum Ende der antoninischen Dynastie).
A. Der Kaiser und seine Ratgeber. In: CAH, Bd. XI Kap. 3 (im Druck). B. Kaiser, Senat und senatorische Amtsträger. In: CAH, Bd. XI Kap. 4 (im Druck). C. Die nichtsenatorische Administration: Ausbau und Differenzierung. In: CAH, Bd. XI Kap. 5 (im Druck). D. Provinzialverwaltung und Steuern. In: CAH, Bd. XI Kap. 6 (im Druck). 2.
Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit für die administrative Ent wicklung des römischen Reiches. In: Die Regierungszeit des Kaisers Claudius (41-54 n.Chr.). Umbruch oder Episode?, hg. V.M. Strocka, Mainz 1994, 23-34.
3.
4.
Provinz - Ihre Definition unter politisch-administrativem Aspekt.
In: Was ist eigentlich Provinz? Zur Beschreibung eines Bewußtseins, hg. H. v. Hesberg, Schriften des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln, Köln 1995, 1 5-32.
Prokonsuln und militärisches Kommando. Folgerungen aus Diplomen für prokonsulare Provinzen.
In: Heer und lntegrationspolitik. Die römischen Militärdiplome als historische Quelle, hg. W. Eck - H. Wolff, Passauer Historische Forschungen 2, Köln-Wien 1986, 51 8-534.
Die religiösen und kultischen Aufgaben der römischen Statthalter.
5.
In: Religio Deorum. Actas del Coloquio intern. de Epigraffa. Culto y Sociedad en Occidente, hg. M. Mayer, Barcelona 1992, 151- 160.
6.
Sozialstruktur und kaiserlicher Dienst.
In: Struktur und Gehalt, hg. Peter Neukam (Dialog Schule-Wissenschaft. Klass. Sprachen und Literaturen Bd. XVII), München 1983, 5-24.
7.
Diefistulae aquariae der Stadt Rom: Zum Einfluß des sozialen Status auf administratives Handeln.
ln: Atti del Colloquio su Epigrafia e ordine senatorio 1, hg. S. Panciera, Rom 1982 [ 1 984], 197-225.
388
8.
Verzeichnis der ursprünglichen Publikationsorte Die Struktur der Städte in den nordwestlichen Provinzen und ihr Beitrag zur Administration des Reiches.
In: Die Stadt in Oberitalien und den nordwest lieben Provinzen des römischen Reiches. Deutsch-italienisches Kolloqium Mai 1989, hg. W. Eck - H. Galsterer, Kölner Forschungen 4, 1991, 73-84.
9.
Kaiserliches Handeln in italischen Städten.
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a
In: Actes du colloque inter Diocletien, Rome 25-28 mars 1992, Rom
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12. Ein Brief des Antoninus Pius an eine baetische Gemeinde.
In: Sprachen und Schriften des antiken Mittelmeerraumes. Festschrift J. Untermann zum 65. Geburtstag, hg. F. Heidermanns - H. Rix - E. Seebold, Innsbruck 1993, 6374.
1 3 . Administrative Dokumente. Publikation und Mittel der Selbstdarstellung.
(Erstpublikation; italienische Version erscheint in MEFRA
1997 .)
REGISTER LiterarischeQuellen Acta
apost.
66, 10, 5: 2 1
25, 9 ff.: 1 8 1
66, 14, I ff.: 25
Aelius
68, 9 f.: 61
67, 4, 2: 26
I , 1 6 , 7 , 1 : 122 I, 17, 1 : 68 18, 3: 1 1 9
26, 31 f. : 108
69, 10, 3: 26
I, I, I, I,
50, 85: 2 1 1
69, 15, 2: 61
3, I , I , 5: 254
50: 125
71, 32, 3: 134
3, 3, 52: 254
75: 125
72, 12 f.: 24
4, 4, 1 1 , 2: 16
83: 125
72, 12, 2: 24
4, 8, 21, 10: 254 5, 3, 7, I f.: 357
Aristides,
or.
69, 7, 1 : 21, 66
72, 12, 3: 23
18, 4: 203 18, 10-12: 203 18, 13 pr.: 1 1 9
72, 12, 3-5: 242
23, 2, 44 pr.: 229
20, 4, 4 ff.: 295
74, 12, 2: 254
27, 1 , 17, 1 : 354
Apul.,
Cic.,
29, l , I pr.: 1 1 8
Amm.
Marcell.
27, 1, 30 pr.: 16 metam.
Verr.
li 2, 3, 7: 171
2, 18: 189 4, 9: 139 Arrian,
37, 14, 1 7 pr.: 1 4 42, I, 33: 1 1 6
periplus
I f.: 2 1 3
c. j.
48, 13, 4, 2: 1 1 9
3, 31, 1: 109
48, 13, 1 0 (8): 365
9, 41, 1 1 : 102
48, 14, I , 4: 254
Concilia
50, 7, 9, 1 : 108
50, 7, 5, 6: 1 1 1 Cassius
Dio
52, 20, 5: 254 52, 30, 9: 1 10
Galliae
(Corp. Christ. 148)
Dio Chrys., or.
53, 15, 3: 200 53, 15, 5: 100
Corpus
54, 18, 3: 254
p.41 Th: 309, 3 1 1 ,
55, 3, 2: 254 55, l O a, 1 : 200
agrim.
314 p.96 f. Th: 3 1 4
3, 72 ff.: 107 40, 5: 223, 367 44: 223
Corpus
Gloss.
57, 24, 4: 3 1 6
Latin.
59, 15, 3 : 300
m 388: 102 m 640: 2 1 1
59, 20, 7: 187
2, 66 ff.: 107 4, 44: 107
55, 10, 2: 2 1 1 57, 23, 4 f.: 151
50, I0, 3 pr.: 124
15: 281
Dion.
Hat.
6, 13: 226 Epit. de Caes.
60, 17, 2: 300 60, 24, 3: 157
Cyprian.,
60, 24, 5: 199
80, I, 2: 224
ep.
4, 8: 148, 149 Euseb., h. e.
60, 30, 8: 254 62, 14, 3: 153
Dig.
4, 9, 1 : 182
63, 21, 2: 249
I , 8, 6, 3: 2 1 3 I , 8, 6 , 9 : 2 1 3
5, I , 47: 2 1 5
65, 16, 1 : 216
Register
390 Euseb.,
v.
Const.
Princ. hjst. 2, 17: 58
6 , 23: 77 7, 16: 2 1 6
I, 3: 363
7' 440: 194, 200, 202
Gaius Festus
1 , 20: 254
p.l73 M: 2 1 1
2, 3, 95: 2 1 3
los.,
vita
13 ff.: 26 Front., de aqu.
Historia
2: 105
v.Hadr. 8, 6: 66
Iustin.,
78, 3: 246
v.Hadr. 8, 8: 7
1, 68: 182
94, 3: 245
v.Hadr. 8, 8 f.: 14
94, 5: 245
v.Hadr. 18, I: 13, 15,
94, 6: 246
Augusta apol.
luvenal,
sat.
4, 37 ff.: 5
17
99, 1 : 154
v.Hadr. 20, 6: 79
4, 75 ff.: 5
99, 3: 245
v.Hadr. 22, 8: 91
7, 86: 23
101, 1 : 254
v.Hadr. 22, 13: 50
103, 2: 245
v.Pii 2, 1 1 : 50, 304
Lucian,
103, 4: 246
v.Pii 5, 3: 58
27: 58
105: 74, 84
v.Pii 8, 7: 97
105, I : 245, 247
v.Marc. 8, 10: 14
105, 2: 68, 159
v.Marc. 9, 7: 323
Alex.
Marcus
Aurelius,
Eij" eJautovn
I, 16, 8: 10
105, 3: 246
v.Marc. 10, 6: 6, 14
106 ff.: 74
v.Marc. 10, 7 f.: 66
106, 1 : 245, 253
v.Marc. I I , 6: 50
Mart.
106, 2: 248
v.Marc. I I , 8: 45
9 ff.: 2 1 5
Polycarpi
107, 1 : 257
v.Marc. 17, 4 f.: 134
109: 246, 257
v.Marc. 2 1 , 9: 134
Martial
109, 6: 245
v.Pert. 2, 5 f.: 36
4, 45: 25
1 10, 2: 246
v.Did. lul. I, 4: 26
5, 6: 25 6, 76, I ff.: 6
1 12: 248 1 12, 2 f.: 246
Herodian
8, 28: 25
1 12, 5: 248
1, 4, 1 ff.: 20, 22
8, 3 1 : 321
1 1 3 , 2: 248
1, 5, 2: 22
10, 72, 8 f.: 31
1 14, 1 : 246
3, 8, 10: 3 1 7 Menander Rhetor
1 1 5, 3: 248 1 16, 2 f.: 154, 1 5 9
los., ant. lud.
(hg. Russe!
129, 4 : 248
19, 291: 317, 363
Wilson, 1981)
129, 1 1 : 245
20, 195: 26
-
182 ff.: 2 1 1
130: 246 los.,
bell.
lud.
Ovid.,
2, 366: 176
ad am. 2, 7, 3: 309
2, 366 f.: 187
ad Mare. Caes. 4, 2, 3:
2, 368: 196
Pbilo,
2, 385: 176
100: 28
61 ad Ant. Pium: 27
3, 444: 2 1 6
ex Ponto
I, 7, 2 1 : 236
Fronto
F1acc.
Register Philostr.,
v.
6, 3 1 , 14: 16 7, 6, 8: 254
soph.
391 I 0, 88 f.: 205
10, 90: 124
1 , 2 1 , 6: 1 1 1 , 3 1 7
7, 16, 2: 230
10, 94: 27
8 , 4: 2 1
7, 29: 24, 149, 155,
10, 96 f.: 182
560 f.: 26
219 7 , 3 1 , 4: 96
Plin.,
nat.
bist.
5, 57: 206
8, 6: 24, 149, 155, 219
10, 98: 124 10, 100: 207 10, 100 f.: 205 10, 102 f.: 205
6, 84: 261
8, 6, 7: 152
12, 12: 234
8, 6, 13: 152
10, 106: 1 15, 202
12, 1 1 8: 134
8, 13: 149
10, 106 f.: 1 1 5
12, 123: 87, 134
8, 14: 149
10, 109: 1 1 6
10, 103: 207
29, 93: 253, 265
10, 2, I : 27, 258
35, 199 ff.: 24, 220
10, 4: 229
Plin.,
35, 201: 149
10, 5: 27
2, 4: 9, 3 1
10, 6: 27
14, 2 ff.: 55
10, 7: 27, 1 10, 1 13
29, 4: 134
5, 4 ff.: 254
10, 12: 27, 229
54, 3 f.: 60
5, II f: 273
10, 17A, 2: 205
88, I f.: 24
14, 5: 42
10, 18, 2: 107
18, 3: 254
10, 2 1 : 190, 202
Plut.
18, 6: 254
10, 21 f.: 142
moral. 814 e-815 a:
20, 12: 254
10, 23: 124
Plin.,
I, I, I, I, I, I,
pan.
ep.
2, 13, 8: 27
10, 25: 182, 274
2, 14, 1 : 254
10, 26: 229
3, 5, 9: 18, 28
10, 35 f.: 205
3, 7, 6: 255
10, 36: 207
3, 9, 1 8 : 189, 201
10, 37 f.: 124
141
Otho 9, 3 : 89 Quint., de inst. orat. 9, 4, 31: 254
3, 14: 250
10, 39 f.: 124
3, 14, 1 : 250
10, 40: 1 16
Sen.
3, 20: 42
10, 4 1 : 124
brev. vitae 1 7 : 254
3, 20, 12: 3 1 , 52, 60
10, 43 f.: 1 1 5
de const. 17, I : 254
4, 22: I I
10, 47: 1 8 1
ep.: 77, 1 : 345
nat. quaest.: 4, 2, 7:
4, 22, 4 ff.: 6
10, 47 f.: 127
4, 25, 5: 60
10, 49 f.: 2 1 3
5, 4: 268 5, 4, 1 : 65
I0 , 52: 207, 324 I 0, 52 f.: 205
Stat.,
5, 13: 268
10, 53: 324
1, 4: 193
6, 2, 6: 254
10, 58: 351
1 , 4, 80 ff.: 193
6, 9: 229
10, 59: 1 15
3, 3, 143 f.: 89 f.
206 silv.
6, 13, 2: 66
10, 70: 124
4, 3, I I: 3 1 7
6, 19, 1 ff.: 45
10, 76: 1 1 6
4, 9 : 304
6, 22: 1 1
10, 84: 1 16, 142, 355
5 pr.: 24, 25
6, 3 1 : I l
10, 87: 27
5, 1: 24
392
Register
5, 2, 56 ff.: 198
Tac.,
5, 2, 147 f.: 2 1 6
29, 2: 134
Strabo
Tac.,
3, 4, 20: 198
I , 79: 3 1 2
3, 59, 1 : 329
2 , 28, 2: 341
3, 60, 1: 329
Germ.
3. 52, 1 : 329 3, 52, 3: 33 3, 55, 3: 329
ann.
3, 58, I : 329
Suda
2, 56, 4: 169
3, 63: 329
s.v. Philo: 1 1 1
3, 2, I f.: 3 1 6
3, 79, 1 : 329
3 , 9 , 1 : 329
4, 9: 64
Suet.
3, 2 1 , 3: 197
4. 17: 134
Aug. 29, 2: 2 1 1
3, 28, 3: 355
4, 48, 1: 187
Aug. 37: 67, 303
3, 30, 4: 20
4, 48, 2: 187
3, 3 1 , 5: 300
4, 55, I: 341
Aug. 101, 3: 152
4, 5, 4: 334
4, 57, 3 341
Aug. 101, 4: 67, 150
4, 15, 2: 1 5 1
5, 25: 134
Tib. 32, 1: 197
4, 27: 340
Tib. 38: 298
4, 27, I : 303, 339,
Tib. 40: 298
340, 341, 343
Aug. 46: 316
Tib. 42, 2: 150
4, 27, 2: 157
Claud. 12, 1: 161
4, 4 1 , I f.: 342
Claud. 24, I: I 00,
6, 30, 2: 286
232
6, 37, 2: 2 1 6
Claud. 24, 2 : 1 5 7
I I , 23, 1 : 295
Claud. 25, 2 : 3 1 6
12, 1 : 156
Claud. 28: 148, 149,
12, 53: 24, 149, 219
152
12, 53, 3: 153
Nero 9: 241
12, 60: 69, 161
Otho 8, 3: 2 1 6
12, 65, I: 339
Vesp. Vesp. Vesp. Vesp. Vesp.
3 : 25
13, 14, 1: 152, 157
16, 1 : 134
13, 50: 360
16, 3: 134
14. 18, 1 : 198
2 1 : 28
14, 32, 3: 57
23, 2: 25
Tit. 7. 2: 6
15, 26, 2 f.: 2 1 6 1 5 , 44 , 3 : 179
Tit. 7 1 : 2 1 Dom. 4 , 2 : 23, 56, 100
Tac.,
hist.
1, 4, 3: 63
Dom. 7, 2: 3 1 7
I , 58, 1: 89
Dom. 7 : 90
2, 14. 1 : 189
Dom. 14, 2: 3 1 7
2, 64. 1: 329 2, 8 1 , 3: 14
Tac.,
Agr.
2, 83, 2: 342
40: 61
3, 41, 2: 329
42, I ff.: 230
3, 42, 1: 329
Tert., de corona 12, 3: 207
393
Register Inschriften AE 1902, 1903, 1903, 1903, 1906, 1906, 1907, 1907,
190: 267 33: 264 45: 267 125: 267 133: 255, 270 170: 272 4: 2 1 6 215: 271
1908, I I : 263 1908, 1908, 1909, 1910,
II I: 263 231: 251, 252 43: 264 140: 209
1910, 1 4 1 : 209 1912, 24: 2 1 6 1913, 143 a. b: 90 1914, 128: 182 1915, I I I : 191, 202 1917/18, 64: 191, 202 1 9 1 7/18, 74: 198 1920, 45: 127 1920, 55: 193 1920, 96: 201 1921, 38: 357, 378 1924, 70: 203 1924, 8 1 : 24 1925, 126: 123, 3 1 5 1927, 95: 1 9 1 , 201 1927, 172: 254 1928, 97: 34, 35 1930, 7 : 184 1932, 50: 130 1932, 70: 254 1934, 154: 1 7 , 24 1939, 60: 232 1939, 279: 191, 202 1940, 39: 269 1940, 68: 215 1941, 79: 128 1942/43, 93: 214
1944, 1945, 1946, 1947, 1947, 1947, 1948, 1948, 1949, 1951,
74: 209 8 1 : 254 1 13 : 14 40: 254 44: 314, 3 1 5 53: 254 73: 256, 263 76: 270 76: 213, 214 208: 191, 202
1960, 167: 33, 199 1960, 337: 209 1961' 17: 193 1961' 106: 2 1 6 1961 ' 171 : 283 1961, 280: 23 1962, 147: 378 1962, 183: 33, 34, 232, 374 1962, 288: 1 14, 351'
1952, 1953, 1953, 1953, 1953, 1953, 1953, 1954, 1954, 1954,
122: 142 73: 24 90: 191 1 7 1 : 1 9 1 , 202 179: 271 2 1 1 : 269 263: 257, 275 61 ff.: 247 62: 273 65: 267
1954, 1954, 1954, 1954, 1954, 1954, 1954, 1954, 1954, 1955, 1955, 1955, 1955, 1956, 1956, 1957, 1957, 1958, 1958, 1958, 1959,
66: 250, 268 67: 269 68: 270 69: 270 70: 273 7 1 : 263, 274 72: 255, 274 7 3 : 257, 276 138: 40 1 1 9 : 214 177: 269 2 1 1 : 293 266: 190, 202 123: 1 2 124: 1 I , 36, 34 4 1 : 188 135: 20 137: 254 138: 254 179: 3 1 2 254: 309
354, 356 1963, 94: 310, 3 1 1 1964, 39: 179 1964, 196: 209 1964, 239: 300 1966, 97: 342 1966, 277: 353 1966, 355: 206, 209 1966, 459: 191, 202 1966, 464: 195 1966, 470: 195 1966, 478: 190 1966, 495: 281 1966, 1967, 1968, 1968, 1968, 1968, 1968, 1968, 1968, 1968,
51 I : 209 190, 2 1 3 145: 322 429: 209 518: 2 1 7 519: 2 1 7 520: 217 522: 2 1 7 523: 217 541: 1 9 1 , 202
444:
1968, 549: 2 1 3 1968, 551: 2 1 3 1969170, 601: 51, 127 1969170, 636: 191' 202 1969170, 637: 191, 202 1971, 190: 109
394
Register
1 9 7 1 , 455: 108
1982, 856: 189
1971, 534: 7, 28, 55,
1984, 508 n col. 23
1 10, 1 1 5
ff.: 3 1 1
Brandt, Epigr. Anat. 10, 1987 9 1 ff.: 134
1972, 526: 209
1984, 508: 324, 366
1972, 573: 198
1984, 5 1 1 : 347
Brusin, Inscriptiones
1972, 574: 234
1985, 804: 200
Aqui1eiae ill, Udine
1973, 76: 330
1985, 829: 2 8 1
1973, 466: 2 1 4
1985, 830 a : 281
1993 1244 Nr. 3531: 79
1973, 485: 6
1986, 333: 120
1973, 501: 190, 201
1987, 163: 339
Bu1l.com.
1973, 550: 260
1989, 290: 326
1901, 94: 255, 265
1974, I I : 269
1989, 683: 64
1902, 210: 251, 259
1974, 583: 139
1990, 127: 301
1907, 230 Nr. 3: 260
1974, 671: 1 9 1 , 202
1990, 222: 157, 232,
1907, 230 Nr. 5: 266
1975, 251: 30
1907, 231 Nr. 6: 261
339
1908, 54 Nr. 2: 251,
1975, 408: 1 3
1990, 863: 301
1975, 428: 254
1991, 1508: 170
1976, 143: 254
1991, 1509 a: 170
1908, 2 9 1 : 263
1976, 144: 254
1991, 1 5 1 1 : 170
1908, 352: 27 I
1976, 180: 254
1991, 1 5 1 2 : 170
1940, 197 Nr. 3: 272
1976, 416: 283
1993, 1477: 17
1940, 219: 273
1976, 427: 293
1993, 1789: 30
1941, 191 Nr. 27:
1976, 653: 303
AJA
1941, 1 9 1 Nr. 28: 261
1976, 673: 363
28, 1924, 443: 254
1976, 5 1 1 : 293
251, 260
1977, 801: 64, 351 1978, 145: 229
Alföldy
·
Ha1fmann,
ZPE 35, 1979 195 ff.: 61
1978, 830: 1 9 1 , 202 Alföldy, Römische
1979, 595: 296
Inschriften von
1979, 648 f.: U28
Tarraco, Berlin 1975 182 f. Nr. 332: I09
1980, 235: 1 3 1980, 755: 209
1941, 191 Nr. 32: 270 1941, 191 Nr. 33: 271 255, 272, 274 1941, 192 Nr. 35: 272 1941, 192: 249 1946/8, 185: 249, 272 1987/8, 124 Anm. 45:
BCTH 1 9 1 9, 2 1 1 : 2 1 2
1981, 323: 334 1981, 640: 283
1941, 1 9 1 Nr. 3 1 : 270
1941, 1 9 1 Nr. 34:
1979, 506: 233 1979, 624: 22
1941, 191 Nr. 29: 262 1941, 191 Nr. 30: 264
1977, 1 7 1 : 36 1977' 666: 209
261
266, 270, 274, 276 1987/8, 412 Anm.
Bonamente, Annali
13/4: 262
1981, 656: 195
Fac. Lettere e Filos.
1981, 845 a: 1 9 1 ,
Univ. Macerata 19,
CAR
1986
n 68 Nr. 143: 268
195, 202 1982, 325: 273 1982, 438: 1 89, 201 1982, 849: 206
389 ff.: 327
ll 73 Nr. 142 : 263
Register
Chalon, L'edit de
Ill 1416: 210
Tiberius Iu)jus
Ill 1564: 2 1 3
Alexander, 1964
II1 1566: 2 1 3
319
Ill 1573: 2 1 3 Ill 2830: 59
Chelotti - Gaeta Morizio Silvestrini, Le epigrafi Romane di Canosa I, Bari 1985 48 ff. Nr. 35: 309
III 4065: 8 1 III 5031: 3 1 0 Ili 5565: 2 1 6
m 5788: 210
III 6077: 93
lll 6224: 206 II1 6818: 128
CIG
m 6991: 39
3991: 160, 3 1 2
II1 6998: 105, 241 II1 7060: 65
CIL
III 7086: 60
ll 1 127: 189, 201
III 7127: 137
395
V V V V V V V V V V V V
879: 254 952: 355 1874: 306 3341: 254 3407: 254 3755: 321 3937: 309 4175: 321 4341: 306 4364: 254 4368: 306 5050: 307, 314, 353, 354, 356, 376, 377
V 5262: 107, 127, 1 8 1 , 182
III 7251: 362
V 5814: 254 V 5894: 309, 310
III 7435: 137
V 8972: 1 6
III 7474: 209
VI 266: 375
II 4208: 3 1 0
lU 8042: 137
VI 916: 273
ll 4509: 59
lU 1 1082: 209
VI 930: 32, 60
II 6278: 64, 75, 145,
III 1 1 771: 216
VI 971: 208
ll 1423: 1 16, 351, 356, 376 ll 2054: 108 ll 2349: 1 16 ll 4055: 3 1 0
302, 377
m 7318: 189, 201 m 7902: 134
V 7812: 300
VI 798: 83, 90
lll 12036: 217
VI 1256: 159
112 I 5, 1322: 347
IIl 12117: 300
VI 1268: 254
ID 13: 302
IIl 1225 1 : 190
VI 1408: 306
lU 52 + p. 968: 19
Ili 12283: 26
VI 1444: 1 1
lU 53: 302
II1 12509: 351
VI 1474: 254
lU 215: 1 9 1 , 202 Ill 335: 39
Ill 14149, 2 1 : 185
VI 1497: 20
m 14148, 1o: 140
VI 1492: 302
III 356: 1 13 IJI 4 1 1 : 347, 350
Ill 14149, 30: 185
VI 1506: 329
III 14149, 49: 185
VI 1509:
lU 568: 367
III 14149,
SO: 185
S I , 306
VI 1 5 1 1 : 306
Ill 752: 137
lll 14180: 9 1
VI 1548:
IIl 781: 351, 353
m 940: 210
III 14188: 39
VI 1549: 20
]IJ 14214: 207
VI 1585 a. b: 92, 374
IIl 1074: 210
Ill 14428: 209
VI 1598: 96
Ill 1075: 210
III 14479: 209
VI 1603: 102
IIl 1076: 210
IV 9592: 72
VI 1626: 90
III 1299: 210
V 532: 308 V 865: I I , 20 V 875: 308
VI 1630 274
III 1393: 212 Ill 1412: 134
II
VI 1634: 1 6 VI 1803: 3 1 0
396
Register
V1 1977 ff.: 254 VI 2059 ff.: 254
VI 2065: VI 2067: VI 2080: VI 2086: VI 2099: VI 2 1 04: VI 2169: VI 4457: VI 8408:
254
vm 8924: 216 vm 9288: 216 VIII 9324: 216
254
vm 1 1451: 65, 352 vrn 12590 ff.: 93
254
VIII 14603: 198
254
254 254 28 222 154
VI 8409: 150
Vl 8413: 154 Vl 8443: 73 Vl 8498: 262 VI 8506: 152 VI 8591: 72 VI 8596: 150 VI 8619: 100 VI 8628: 89 VI 9034: 224 VI 10229: 37 V I 12037: 251 VI 31201: 273 VI 31745: 271 VI 3 1 746: 28, 271 Vl 32323: 360, 361 VI 32327: 254 VI 32379: 254 VI 33467: 154
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399
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12 Nr. 49 Z. 42 ff.: 302
XV 7549: 257, 275
XVI 100: 276
12 Nr. 49 Z. 44: 75
XV 7550: 275
XVI 128: 1 9 1 , 202
12 Nr. 49: 145, 377
Crawford, Roman
12 Nr. 57: 360
XV 7551: 275 XV 7552: 275
12 Nr. 55: 366, 372
XV 7553: 275
Statutes 1, London
12 Nr. 58: 319
XV 7554: 276
1996
12 Nr. 61: 102
XV 7555: 276
72 Nr. 1 : 171
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12 Nr 68 V p. 4 1 1 ff.:
XV 7557: 276
324, 325, 366
XV 7558: 276 XV 7559: 276
D. - ILS
XV 7561: 276 XV 7564: 249, 276
Eck, Athenaeum 83,
356 12 Nr. 73: 363
1995 83 ff.: 3 1 3
1 2 Nr. 74: 1 16, 356,
Ehrenberg - Jones,
12 Nr. 75: 7, 310, 314,
XV 7565: 255, 276 XV 7566: 277
353, 376 12 Nr. 72: 351, 353,
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254 12 Nr. 7 1 : 307, 314,
376
XV 7567: 278
Documents
XV 7568: 249
illustrating the
12 Nr. 76: 3 1 8 12 Nr. 78: 363
3 5 1 . 356
XV 7568 a. b.: 278
reigns of Augustus
XV 7569: 249, 265
and Tiberius, Oxford
12 Nr. 80: 1 13
XV 7570: 271
1955
I2 Nr. 86: 351, 353
XV 7572: 272
Nr. 94 a: 325
112 Nr. 165: 375 lll2 Nr. 50: 136
XV 7573: 275 XV 7574: 260
Engelmann - Knibbe,
XV 7575: 261
Epigr. Anat. 14,
XV 7576: 265
1989 (Das
XV 7577: 265
Zollgesetz der
XV 7578: 264
Provinz Asia)
XV 7580: 272
z. 22 ff.: 143
XV 7581: 261
z. 148: 72
In2 Nr. 1 10: 92, 374 Forni, Epigrafi lapidarie romane di Assisi, Perugia 1987 Nr. 10: 326 Nr.
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Eph.
XV 7585: 252, 256,
VII 33: 342
epigr.
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FIRA
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ff.: 171
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400
Register
Nr. 62: 327 Nr. 8 1 : 336
Gregori, ZPE I 06, 1995 269 ff.: 129
Forsch.
Epb. Harris, Athenaeum 59,
II 23: 142
1981 Fouilles
de
338 ff.: 314, 3 1 5
Oelphes lil 4, Nr. 288: 351
I 146: 368
1 147: 368 I 149: 368
I 198: I 438: I 439: I 894:
310 254 254 190
1 895: 190 I.It.
1 896: 190
IV I : 273 IAMar.
I 1 1 10: 2 1 1 I 1 1 18: 319 I 1262: 319
on Stone, New York
II 94: 7, 28, 1 10, 1 1 5
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1 960
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IDR
Nr. 5 1 : 126, 2 1 3
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III 85: 277 Ili 467: 369
IG
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n2 1 1 03: 367 n2 1099: 26 II2 2239: 254
111 654: 195
Fraser, Samothrace 2, I. The lnscriptions
Nr. 28: 126, 2I3
II1 84: 48, 195
lli 474: 239
Nr. 52: 213
Nr. 53: 126, 2 1 3 Galsterer, Die römischen Steininschriften aus Köln, 1975 Nr. I I : 214 Nr. 230: 208
II2 3670: 254 [[2 3671: 254 Il2 3689: 254 [[2 3690: 254
V I, 1268: 189, 201
llJ 676: 91 l l i 704: 372 lli 739:
I I I , 371
lli 763: 334 1II 1396: 190, 202 II1 1 4 1 1 : 190, 202
1983
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400 f.: 347
XIV 1788: 249
IV 1 1 56 a: 1 1 3 , 351
Gonzlilez, Bronces juridicos romanos de Andalucia, Sevilla
IGBulg.
Gonz lez, ZPE 55, 1984
V 2, 1 5 1 : 296 vu 2870 n. m.: 351
76: 324
X 2, 384: 190
Gonzalez, SOHl 49.
XII 2, 35: 373
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IV 1397: 347, 350
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Register
401
ILAfr.
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1738: 262
ILAig.
1066: 129
1740: 96, 235
I 1300: 310
1067: 129
1856: 137
II 623: 20
1068: 20
2025: 224
II 2, 4661: 254
1069: I I , 20
2293: 206
I 078: 28, 271
2295: 206
IAMar
1094: 20
2298: 214
II 348-350: 216
1098: 6 1
2305: 198
II 356-361 : 216
1 1 00: 20
2319: 184
1 105: 231
2590: 190, 201
ILS (= D.)
1 1 1 8: 306
2666: 308, 327
139: 309, 325
1 123: 51, 306
2666 a: 29, 308, 327
140: 309, 325
1 1 33: 231
2735: 328
206: 307, 314, 353,
1 1 34: 231
2819: 184
1 1 38: 306
2927: 107, 127, 1 8 1 ,
354, 356, 376 212 col. Il I ff.: 279
1 14 1 : 306
212 col. Il 28 f.: 293
1 1 52: 293
2934: 306
214: 362
I 192: 306, 335
3000: 216
218: 159
1217: 172
3085: 210
244: 32, 60
1219: 172
3086: 210
304: 108
1320: 28
3087: 210
338: 347, 350
1326: 61
3729: 351
396: 108
1346: 102
4952 a: 207
423: 351, 353
1347: 333
5161 k: 271
433: 210
1374: 308
5163: 64, 75, 145,
528: 260
1385: 90
664: 216
1388: 233
5 1 86: 242
182
302
787: 351
1389: 293
5476: 124
914: 329
1420: 96
5594: 293
961: 157, 232, 339
1421: 137
5616: 378
986: 6 1
1423: 16
5794: 367
1001: 40, 184
1424: 330
5795: 374
1010: 21
1433: 233
5891: 329 a:
1 0 1 1 : 229
1447: 89
5918
1017: 128
1448: 83, 90
5920: 92
1019: I I
1454: 293
5935 ff.: 184
1022: I I
1455: 1 5
5947: 1 1 6
306, 334
402
Register
5955: 128
9125: 206
VII I, 3271 a. b: 123
5973: I 16
9126: 206
vu 2, 4112: 93
6092: I 16, 351, 356,
9 1 6 1 : 190
vu 2, 41 17: 93
9220: 344
VII 2, 5101 ff.: 39
376 6106: 302
9430: 64
6121: 309
9499: 193
6172: 269
9505: 234
lnschr.lznik (Nikaia),
6300: 309
Bd.Il 2, 1252: 190
6394: 254
Inschr.
6463: 254
29 ff. Nr. 25: 195
Arykanda
6579: 242
Inschr.
Olymp.
941: 127
6597: 309, 3 1 2
lnschr.
6619: 326
I A 13: 176
Ioschr.
6620: 302, 336
I A 15 f.: 130
Nr. 62: 14
6680: 308
I A 17 ff. Z. 4: 366
6725: 306
I A 23: 123, 371, 378
lnschr.
6732: 309, 310, 351
I A 24: 373
Nr. 600: 1 1 1
6772: 310, 3 5 1
I A 25: 142
6780: 310, 3 5 1
m 627 100
IRT
6839: 242
III 627: 101
269: 213
6925: 310, 3 5 1
m 647: 264
273: 213
6927: 310, 3 5 1
m 660 e: 198
301: 215
6928: 351
111 666: 182
332: 213
696 1 : 22
11I 680: 198
338: 213
6998: 42, 295
III 7 1 0 b: 231, 239
342: 213, 214
7026: 3 1 0
III 715: 193
346: 213
7 1 15: 3 1 0
m 736: 90
521: 213
7155: 134
III 802: 108
624: 254
7190: 65
III 810: 239
Ephes.
7196: 105, 241
III 8 1 1 : 61
7207: 184
m 817: 188
7784: 26
III 855: 92
Side
Smyrna
Kaygusuz, Epigr. Anat. 2, 1983 37 ff.: 334
8209: 355
III 855 a: 92
8239: 355
V 1486: 22
8828: 334
V 1489: 370
8833: 207
V 1491: 369, 370
8848: 160, 312
V 1492: 369
140: 188
8874: 190
V 1493: 369
1 4 1 : 202
8973: 46
V 1540: 207
9000: 102 9006: 216
VI 206 1 : 90 VI 2200 a: 93
9018: 331
VU I, 3020: 203
9059: 3 1 8
VII I, 3037: 1.27
9107: 207
vn 1, 3046: 90
Knibbe - Enge1mann, JÖAI 55, 1984 122: 202
Lanciani, Silloge epigraphica aquaria, Rom 1881 5 1 : 276
403
Register
Le Glay, ZPE 59, 1985
Marek, Epigr. Anat. 6,
120 ff.: 202
1985 140: 190, 202 144 ff.: 48, 195
Letta-d' Amato, Epigrafia della regione dei Marsi,
Marek, Epigr. Anat.
Milano 1975
88: 254
23, 1994 83 ff.: 48
Lex
Marek, Stadt, Ära,
lrnitana
cap. 3 1 : 317
Territorium in
cap. 44 f.: 310
Ponrus-Bithynia und
cap. 84 ff.: 120 cap. 90: 3 1 7 cap. 92: 3 1 7
Nord Galatia,
Tübingen 1993 163 Nr. 16: 277
cap. 98: 367 McCrum - Woodhead, Lo Giudice, in: La collezione
Select Documents of the Principat of the
epigrafica dei Musei
Flavian Emperors,
Capito1ini, Rom
Cambridge 1966
1987 86 f. Nr. 28: 159, 162
449: 185
Malay, Epigr. Anat.
MEFRA 100, 1988, 894 Anm. 6: 263 107, 1995, 471 ff.: 269 108, 1996, 432 ff.: 269
I I , 1988 53 ff.: 367
Nolle, Epigr. Anat. 15,
Maiuri, Nuova Silloge epigrafica di Rodi e Cos, Florenz 1925
Nr. 562: 9 1
Malay, Greek and Latin
lnscriptions in the Manisa Museum, Wien 1994 Nr. 523: 315, 347,
375 MAMA IV 328: 191
1990 121 ff.: 367 Nolle - Eck, Chiron
26. 1996 267 ff.: 315, 375 Not.Sc.
1891, 1898, 1900, 1900,
216: 254 412: 257 26: 263 101 ff.: 302
1907, 5: 271 1922, 228: 278 OGIS
492: 549: 601: 664: 665: 666: 669:
129 16 277 319 319 211 319
Oliver,
Greek
Constitutions Nr.
1 : 378 7: 372 Nr. 18: 372 Nr. 19 Z. 66 ff.: 164 Nr. 40: 1 1 3 Nr. 48: 1 14, 379 Nr. 56: 108 Nr. 58 bis: 108 Nr. 68: 108 Nr. 70: 1 10, 363 Nr. 73: 26 Nr. 74: 108 Nr. 74 bis: 108 Nr. 77: 367 Nr. 79: 108 Nr. 8 1 : 108 Nr. 86: 108, 368 Nr. 92: 144 Nr. 98-104: 379 Nr. 108: 1 1 3 Nr. 123: 1 1 4 Nr. 124: 1 1 4 Nr. 128: 368 Nr. 135: 1 10 Nr. 135 a: 370 Nr. 138: 1 10, 369, 370 Nr. 139: 1 10, 369 Nr. 140: 369 Nr.
404
Register
Nr. 142-153: 3 7 1
RMD
Nr. 146-153: 1 10
I 14: 48, 196
Nr. 159: 369
I 26: 198
�abin - French, Epigr. Anat. I 0, 1987 133 ff.: 183
Nr. 163: 7
I 35: 194
Nr. 170: 142
I 67: 1 9 1 , 194, 195,
Sensi, Athenacum 78,
Nr. 187: 1 13
202 n 100: 191 II 120: 195 1 1 1 1 7 1 : 276 m 172: 276 lll 184: 145
1990 517 ff.: 3 1 3
Nr. 192: 64 Nr. 209: 13, 19, 23 Nr. 300: 369 Pietrangeli,
Sberk,
Roman
Documents
146 ff. Nr. 26: 373
Epigraphica 13,
1951 20 Nr. 1 5 : 260 20 Nr. 16: 262 21 Nr. 21: 249, 268 21 Nr. 22: 250 23 Nr. 33: 275 24 Nr. 36: 275 24 Nr. 37: 276
s.c. de Cn. Pisone
Epigr. Anat 6, 1985
40 z. 31 f.: 63
97 ff.: 202
s.c.
Suppl.
de
pretiis
gladiatorum (= CTL II 6278) 64, 15, 145, 302, 377
Res gestae divi Augusti
20: 329 27: 177 34: 220 Reynolds, and
Rome, Nr. 1 3 : 378 Nr. 14: 1 1 3, 1 14, 379
RIB
2402 ff.: 136
Syll.3
764: 373 833: 22
SEG
1983 42: 201
Nr. 15: 133
lt.
9, 257 Nr. 3: 302
minuendis
Rankov, Anc. Bulg. 2,
Aphrodisias
Speidei - French,
patre
2, 666: 190, 202 6, 14: 269 I I , 501: 1 1 2 13. 614: 261 17, 755: 1 1 3 17, 759: 12 23, 206: 2 1 7 27. 305: 254 27, 315: 254 27, 369: 254 29, 465: 242 34, 1 306: 120 38, 1 1 72: 367 38, 1447: 369 42, 1 194: 134
tabula
Banasitana
(= AE 1971, 534)
7, 28, 55, 1 1 0, 1 1 5 TAM II 3,905: 371 ß
620: 196
Vidman, Fasti
Ostienses2
50: 62 Vita-Evrard, Quaderni
di archeologia della Libia I 0, 1979
77 ff.: 128
Register
405
Papyri. Ostraka. etc. BGU I 140: I 10, 363 I 326: 136
II 372: I 19 II 628: 3 1 6
Feisse1 - Gascou, CRAI 1989
Nr. 26: 1 2 1 Mitteis,
Cbrest.
535 ff.: 14, 323
37l: 3 1 6
Feisse1 - Gascou, JS
0 . C1aud. 14: 133
1995 CPL
65 ff.: 323
237: 3 1 6 Fink,
Cotton, ZPE 99, 1993 1 15 ff.: 140
Roman
Military
Records
Nr. 36: 198 Nr. 74: 198
Cotton, ZPE 105, 1995 1 7 1 ff.: 140
Hunt - Edgar,
The Excavations at Dura-Europos, Final Report V, I. The Parchments and Papyri, New Haven
1 1 213: 1 10
Select
1959 191 ff. Nr. 54: 203
Papyri
II 216: 3 1 7
P. Fay. 20: 3 1 7 P . Gen. 1 : 241 P. Lond. 1912: 164 P. Oxy. 102 1 : 205 P. Oxy. 1416 Z. 2: 2 1 1 P . Oxy. 2553: 203 P. Oxy. 3015: 144 P. Oxy. 3088: 124 P. Oxy. 3312: 104 P. Oxy. 3781: 205 P. Ross. George 26: 8 1 ,
n 222: 2os n 404: 212
P. Yale 6 1 : 126, 363
Lewis,
SB
Documents
Nr. 12: 120 Nr. 16: 1.21, 133, 140
Nr. 23: 121 Nr. 25: 121
136
1 1069: 7 Wilcken, 96: 212
Cbrest.
Allgemein •
a bibliothecis, 74, 90
fisci advocatus at vehicula
M. Aedinius Iulianus, 374
a censibus, 79, 83 a cognitionibus, 12, 16. 74
Aedius Celer, 339
a commentariis, 85
Aegyptus,
40f.,
85,
a consiliis, 16f.
Aelia Athenais, 259
a libellis, 12f., 15f., 19, 74, 83, 88f.,
Aelia Crispina, 259
9 1 , 95, 1 1 2,
1 1 4,
148f.,
125f.,
142,
176f., 206, 2 1 1 ' 343f., 363
a commentariis beneficiorum, 277
162,
Aelia Lucilla, 259 Aelia Marciana, 259
256, 265 a libellis et a censibus, 70, 83
Aelii, 256
a memoria, 74, 162, 249, 262
P. Aelius Apollonides, 83
a potione item a laguna et tricliniar
Aelius Aristides, 107, 108, 109, 1 15, 125, 2 1 1
chus, 277 a rationibus, 12f., 19, 7 1 ff., 82, 84f., 89f., 92, 95,
98,
143,
148ff.,
259
proximus a rationibus
Ael(ius) Gem(inus?) Ant(oninus?),
a studiis, 74, 90, 148, 162
212
a tabulis castrensibus, 270 a voluptatibus, 150 ab epistulis (Latinis bzw. Graecis), 8, 12ff., 19, 24f., 7 1 , 73, 83, 89, 9 1 , 95, 98f., 148f.,
P. Aelius Coeranus, 255, 259 Aelius Dionysius, Augg. lib., 251,
256, 265, 343 ->
M. Aelius Aurelius Theo, 335
154, 162,
256, 270 ab epistulis et a patrimonio, 70, 82f.
L. Aelius Lamia, 180 T. Aelius Marcianus Priscus, 373 Aelius Maximus. 259 P. Aelius Onesimus. 241 C. Aelius Pescennianus, 259 Aelius Ptolemaeus, 259
Aachen, 292f.
L. Aelius Seianus, 94, 217, 342
Abascantus, Aug. lib., 24, 25
T. Aelius Septimus, 260
Abudius Ruso, 286
Aemilia Paulina Asiatica, 260
P. Accius Aquila, 1 15
Aemilii Pauli, 222
M. Acenna Cesillanus. 25 I. 259
Aemilius Aernilianus, 260
M. Acenna Saturninus, 251, 259
M. Aemilius Aemilianus, 260
Achaia, 38, 73, 76, 80, 8 1 , 127, 178,
L. Aemilius Arcanus, 229
180, 189, 201, 217, 343f. 367 Acilii Glabriones, 5
M. Aernilius Paulli l(ibertus) Demetrius, 222
acta Arvalia, 208
L. Aemilius Front[--], 293
acta diurna, 377
L. Aemilius luncus, 255, 260
ad Iegationes et responsa Graeca, 74
M. Aemilius Lepidus, 179
adiutores, 84, 154, 232
M. Aemi1ius Pius, 192f.
adlectio --+ Senat, Ergänzung des
Aemilius Rectus, 164
Adrastus, Augg. nn. lib., 374
aerarium Saturni, 51, 63, 67, 1 5 1 , 200
Adria, 342, 343, 345
Aetrius Ferox, 29, 308, 327
advocatus fisci, 78f.
Sex. Afranius Burrus, 286
Register
407
Africa, 39, 44, 53, 65, 88, 9 1 , 92, 93,
L. Annius Maximus, 261
127, 129, 137, 138, 168, 179,
A. Annius Plocamus, 261
185, 198, 202, 255, 329, 344 Agrippa, 242f., 245 Ägypten, 12, 40, 47, 85, 94, 95, 120, 125, 133,
136,
139, 140, 142,
144, 3 18, 344, 345, 359, 363 Q. Aiacius Censorinus Arabianus, 257, 260 Q. Aiacius Modestus Crescentianus, 210, 217, 257, 260
P. Annius Plocamus, 261 �
annona militaris
Steuern
Antemus, Tib. Caesaris Aug. 1., 150 P. Anteius Orestes, 190, 213 Antiochia (Pisidien), 123, 315 Antiochia (Syria), 108, 184, 323
L. Antistius Rusticus, 35, 123, 315 Antium, 17, 241 Antonia, 261
Alba Helviorum, 283
Antonia minor, 251, 252
Alexandria, 39, 75, 164, 343
Antonia Caenis, 25, 56, 251, 252,
- Museion, 75 Ti. Alienus Caecina, 260 alimenta, 49, 84, 301f., 3 1 8 , 328f., 336, 364f. � � �
261 Antoninus Pius 7, 10, 14, 26f., 29, 49, 5 1 , 58, 62, 65, 70, 78f
.•
9 1 , 97f
.•
84,
107f., 1 1 1f., 1 14, 125,
praefectus alimentorum
129, 138,
procurator alimentorum
241, 252, 264f., 271' 274, 276,
quaestor alimentorum
Alpen, 171 Alpenprovinzen, 173f., 176, 189
304f
.•
172, 1 9 1 , 195, 227,
308, 3 1 1 , 3 1 3 , 315, 327,
3 3 1 ' 333, 335, 347. 349ff., 354, 356f
.•
368ff
.•
375, 379
Alpes Cottiae, 173
[---A]ntoninus, 261
Alpes maritimae, 174
L. Antonius Albus, 378
Alpes Poeninae, 174
M. Antonius Eutactus, 261
Aroasra, 190
M. Antonius Nobili.s, Pallantis 1., 234
Ameria, 306, 334
M. Antonius PaUas
Amethystus, 252, 260
L. Antonius Saturninus, 21
amicus principis, lOf., l5f., 20f., 28 ÄmterverrnitUung, 25ff.
Apamea (Bithynien), 39, 127
Anauni, 307, 353, 376
Aphrodisias,
�
1 1 3,
PaUas
133, 2 1 1 , 3 1 5 ,
368, 378f.
Andematunnum, 282
Apollonia, 342, 343
Q. Anicius Faustus, 271
Apollotempel auf dem Palatin, 366
Aninia SeneciUa, 260
Appian, 27
T. Aninius Sextius Florentinus, 140
Sex. Appius Severus, 261
L. Annaeus Seneca, 149
L. Apronius, 179
Annaeus Successus, 260
C. Apronius Crispinus, 261
M. Annaeus Vic[tor ?], 260
L. Apronius Pius, 214
Annia Comificia Faustina, 260
Apuleius, 138
Anio novus, 159
Apulia, 43, 5 1 , 303, 316, 339
Annii, 35
Aquileia, 20, 44, 224, 298, 308
L. Annius Italicus Honoratus, 260
aqua Claudia, 159
App. Annius Marsus, 260
aquarii, 246
C. Annius Laevonicus Maturus, 260
Register
408
Aquitania, 22, 143, 1 5 1 , 169, 182, 197. 255, 280, 283ff., 288ff., 292, 295f. Arabia, 48, 59, 77, 87, 96, 120f., 133, 136, 140, 169, 180, 184f., 217, 263
Attidium, 255 P. Attius Decianus Felix Matutinus, 261 P. Attius Pudens, 261 Sex. Attius Suburanus Aemi1ianus, 232
archidikastes, 85
Attius Sura, 27
archiereus Alexandreae et Aegypti, 75,
Attuda, 263
85, 142 Archive, 69, 90, 144, 363, 366, 368, 372
Aufidia Cornelia, 261 Aufidia Cornelia Ya1entilla, 261 Aufidius Yictorinus, 261
Arelate, 285, 289
Augusta Yinde1icum, 282
Arillon, 375
Augustus, I I, 29, 3 1 , 37, 43, 49, 50,
Ariminum, 298, 323, 335
54, 56, 62, 67, 70, 77, 88, 95, 97,
Armee -+ Heer
IOOf., 104, 1 1 0, 1 1 8, 134, 142,
Armenien, 217
147,
C. Arinius Modestus, 179
168f., 177ff., 1 89, 199, 201, 2 1 1 ,
149ff.,
159,
161,
163f.,
C. Arrius Antoninus, 305f.
220f., 224ff., 228, 230, 237, 242,
L. Arruntius, 180
245f., 248, 251, 253, 287, 297ff..
M. Arruntius Aquila, 356
303, 309, 3 1 2f., 316, 322, 325,
C. Arruntius Catellius Celer, 356
328f.,
M. Arruntius Claudianus, 254
344f., 355, 360, 372, 378
331 ff. ,
335,
Arsinoe, 212
Aur(elia) Cae1estina, 261
C. Art(?) Germanianus, 267
Aurelia Dionysias, 262
Artemision, 363, 366
339,
341,
[?A]ure1ia Nemesiana, 262
Arvalbrüder -+ fratres arvales
Aure1ia Severa, 262
Arykanda, 195 Ärzte, 249, 252f., 275, 363
Aurelia Severiana, 262
Asia, I 0, 38f.. 44, 53, 65, 80, 9lff.,
L. Aurelius Agaclytus, 262
Aurelii, 256
105, 1 1 1 , 1 2 1 f., 125, 129, 1 3 1 ,
M. Aurelius Cleander, 23, 24, 242
137f., 143, 1 5 1 , 168, 170, 173,
T. Aurelius Fulvus, 296
176, 179, 1 8 1 ff., 190ff., 197f.,
T. Aurelius Fulvus Boionius Arrius
201f., 2 1 1 , 3 15f., 343f., 369
Antonius, 375
Asinius Rufus, 315, 375
M. Aurelius lulianus, 249, 262
L. Asinius Rufus, 261
Aurelius Iulianus, 367
Asisium, 323, 325ff., 329, 333, 336
Aurelius Laches, 262
Assyria, 169
Aurelius MartiaJis, 262
Asturia-Gallaecia, 173
M. Aurelius Maximus, 262
Athen, 26, 108, 144
M. Aurelius Papirius Dionysius, 15ff.
Aticius (?), 261
M. Aur(elius) Philetianus, 262
Attaleia, 239
Aurelius Philocyrius, 183
Attalos III., 168
Aurelius Prosenes, 262
Attia Campanilla, 261
Aurelius Pyrrus, 377
Attica, 21
M. Aurelius Servandus, 262
Register
Q. Blaesius Iustus, 263 bona damnatorum, 355 Bononia, 3 1 2 Böotien, 1 1 3 Boudicca, 57 Bouseiris, 2 1 1
M. Aurelius Solanus, 262
Aurelius Telesphorus, 262 Aurelius Thessalus, 262 M. Aurel(ius) Tuesianus, 233 aurum coronarium, 3 1 7 auspicia, 215f. auxilia -+ HiJfstruppen C. Avidius Heliodorus, 125 T. Aviclius Quietus, 249, 255, 261
Britannia, 40, 50, 53ff., 57, 59, 8 1 , 108, 169, 170, 180, 198, 216, 243, 280f., 284, 288, 290, 294. 296, 374
Avitus, 281 T. Axius, 265 Babatha, 140
Britannia inferior, 170, 374 Britannia superior, 170
Babathaarchiv, 120 Badius Cominianus, 374 Baetica, 34, 44, 64, 70, 78, 8 1 , 86, 129,
135,
176,
178. 189,
199,
201, 344, 347ff.
Baiae, 376 Balsam, 87 Barcino, 329 Baronia, 262 Baronia Iusta, 262 M. Bassaeus Rufus, 8. 6 1 Bassus, 284 Bataver, 134 Belgica, 80, 169, 174, 182, 280, 282, 284f
.•
409
288ff., 290ff.
C. Bellidus Calpurrtius Apolaustus, 262
L. Bellicius Sollers, 65 Bellicius Ulpianus qui et Iulianus, 263 C. Bellicus Calpurrtius Torquatus, 286 C. BelHeus Natalis, 286 C. Bellicus Torquatus, 286 beneficiarii, 1 3 1 f., 188 Bephphoura, 323 Berenice, 1 1 4 Bergalei, 306f. Bergomenses, 306 Bergwerke, 76, 78, 81f., 88, 183 Berytus, 13 Birdoswald, 210 Bithynien, 24, 39 Bithynier, 66
Brixia, 42, 44 Brundisium, 34lff., 345 Bruttii, 5 1 Bubon, 22 Bulla Regia, 44 Caecil(ia) Lupercil(la), 263 Caecilius Capito, 263 Caecilius Classicus, 189 Caecilius Felix, 191 f. A. Caecilius Felix, 263 Q. Caecilius Secundus Servilianus, 376
Caecina Tuscus, 263 Caedicius Crescens, 263 Caelia Galla, 263 Caepia Procu1a, 263 Caere, 306, 334 C. Caerellius Sabinus, 2 1 0 Caesar, 147, 168f. . 285, 373 Caesarea, 179, 292 Caesemii, 20 L. Caesernius L. f. Procu1us, 224 C. Caesius Cinna, 263 Sex. Caesius Propertianus, 89 T. Caesonius Priscus, 150 Ca1abria, 5 1 , 339ff. Caligula, 32, 157, 160, 187, 198, 229, 287, 3 1 2
calles, 340 Callistus, 148, 149, 156 Sex. Calpurnius Iulianus, 27 Co. Calpurnius Piso, 326, 366
410
Register
L. Ca1purnius Piso, 255, 263
Christen, 1 8 1 , 215, 224
P. Ca1visius Tullus, 263
Chryseros, 138, 264
Campanien, 298, 3 1 6
Cilicia, 173, 182, 196, 343
Camurius Statutus, 307, 377, 379
Cirta, 40, 44, 239
Candida, 263
civitates liberae, 126f.
candidatos imperatoris, 230
classis
Canusium, 43, 309
- Misenensis, 341
Q. Canusius Praenestinus, 263
- Ravennas, 339ff.
Caparcotna, 47
-+
Cappadocia, 39, 47, 49f., 54, 58f.,
clarissima femina, I 02
77, 8 1 , 123,
169,
173, 175f.,
182, 191, 343
praefectus classis
clarissima puella, I 02 clarissimus puer, 102
Cappadocia-Galatia 123
Claudia Capitolina (regina), 264
Caracalla, 12, 16f., 20, 5 1 , 53, I 08,
Cl(audia) Cervonia, 264
1 7 1 , 174,
1 9 1 , 2 1 5 , 249, 270,
367
Cl(audia) Marcia, 264 Claudia Vera, 264
Caria, 91, 170
Claudii, 256, 294
Carminia Liviana Diotima, 255, 263
Claudius 6, 12, 24f., 33, 49, 68f., 90,
Carrninii, 263
100f., 144, 147ff., 152ff., 169,
Carni, 308
178, 180, 205, 219, 223, 226,
Carnuntum, 21
235, 237' 245, 249, 251 f., 265,
Carthago, 241
270, 273, 275, 279, 290, 300,
Cassius Dio, 24, 199
307, 3 1 3f., 3 1 6f., 3 5 1 , 353ff.,
Castor, 369
362, 364, 376f.
Catali, 308
Ti. Claudius Aug. 1. Aesius, 159
L. Catellius Livianus, 210
Claudius Amphion, 264
Catilius Longus, 39
Ti. Claudius Antoninus, 183
Catonius, 281
Claudius Athenodorus, 1 1 3
Catullus, 194, 200
Ti. Claudius Atta1us, 379
CCAA -+ colonia Claudia ara Agrippi-
Ti. Claudius Atticus Herodes, I 0, 26,
nensium
109
Celeia, 282
Tib. Claudius Balbillus, 2 1 1
Cemenelum, 189
Ti. Claudius Celer, 264
censitor, 140
A. Claudius Charax, 35
Censor, 284
Ti. Claudius Aug. lib. Classicus 105,
censor perpetuus, 35, 230
234
C. Censorius Niger, 98
Ti. Claudius Q. Crispinus, 264
Censur, 33, 35, 228
Ti. Claudius Eros, 154
census, l38ff., 323
Claudius Erotion, 264
Centumcellae, I I , 21
Claudius Etruscus, 89
Cerfennia, 36
Ti. Claudius Felix, 154
Cetium, 214
M. Claudius Fronto, 61
Chatten, 18, 2 J
Ti. Claudius Gordianus, 40
Cbresimus, 142
Cl(audius) Lib[---], 264
Register
Claudius Marcellus, 264 M. Claudius Marcellus Aeserninus, 234
Claudius Marcianus, 264 (M. Claudius Macrinius Vindex) Hermogenianus, 264 App. Claudius Martialis, 264 Ti. Claudius Nero, 326 M. Claudius Nestor, 264 Claudius Paulinus, 374 Ti. Cl(audius) Polydeoces Marcellus, 378
Claudius Pompeianus, 20 Tib. Claudius Quartious, 293 Ti. Claudius Saturninus, 73 Cl(audius) Serenus, 264 Ti. Claudius Serenus, 264 C. Claudius Severus, 20, 59, 180 Ti. Cl(audius) Subatianus ProcuJus, 212
Ti. Cl(audius) Sulpicius Julianus, 264 Cleander -+ M. Aurelius Clander
Cles tabula Clesina Clodia Marciana, 264 Clodius Albinos, 170 Clodius Secuodus, 314, 3 1 5 P. Clodius Sura, 306 Clymenus, 264 Cocceia BassuJa Numisia Procula, 270 M. Cocceius Nerva, 265 Sex. Coc(ceius) Sertorianus, 265 Codex lustinianus, 1 16 codicilli, 99, 374 L. Coelius Rufus, 54 cohors - 111 (?), 192 - Apula, 190, 201 - Aquitanorum, 189, 201 - I Claudia, 201 - I Flavia Bessorum, 190, 201 - I Bosporanorum, 193 - VII Breucorum, 1 9 1 . 202
411 - Camp(ana?), 190, 202 - Cypria, 190, 202 - Equestris, 189, 201 - VI Equestris, 1 1 5, 190, 202 - m Gallorurn, 189, 201 - Hispanorum, 189, 192, 20lf. - I Hispanorum, 189, 193 - I Lepidiana eq. c. R., 190, 201 - Ligurum, 189 - II Gemina Ligurum et Corsorum, 20 I - Lusitanorum, 20 I - I Lusitanorum, 191, 202 - I Macedonum eq., 1 9 1 , 202 - Maurorum et Afrorum, 189 - I Flavia Numidarum, 1 9 1 , 202 - XX Palmyrenorum, 204 - I Raetorum, 191, 194, 198, 202 - I Sardorum, 189 - I Gemina Sardorum et Corsorum, 20I - Sugambrorum, 20 I - I Claudia Sugambrorum, J90f.
- Thracum, 190, 202 - I urbaoa, 187, 192, 202, 207 - XIIJ urbana, 187, 192, 202, 207 - IV Viodelicorum, 210 cohortes praetoriae, 200 praefectus praetorio T.(?) Cotiedius Maximus, 1 14 Colchester -+ colonia Victricensis collegia, 1 1 0 colonia Claudia ara Agrippioensium, 2 8 1 , 288, 291
colooia Victricensis (CamuJodunum), 281
Comenses, 305ff., 307 comes Augusti, 15, 19f., 5 1 Commagene, 169 commeaotes, 341 ff., 346 commeotarii, 246 Commodus 3, 8, 13, 20f., 23f., 32, 34, 39f., 42, 46, 86f., 1 0 1 , 108, 129, 137f., 25 1 , 262, 266, 3 I 2, 333
Comum, 46, 239, 376
Register
412
conciliabula, 294 concilium proviociae,
I I 0,
183f.,
293
Concordia, 305 conductores, 136f. consiliarius, l5ff. consilium - proconsulis Africae, 207 -+ Ratgeber, kaiserliche consul, 6, 55, 57, 61, 203,
Cosmas, 265 Cosmus, 265 Cossin[ius---], 259 Cottius, 174 A. Cremutius Cordus, 316 Creta-Cyrenae, 173, 179,
1 9 l f., 194,
202, 217, 343f.
230, 232,
256f.
- und Datierung, 328 - ordinarius, 37, 61 - suffectus, 37, 40 - cos. JI suff., 61 consularis Campaoiae, 172 conventus -+ provincia Corinthus, 336 Corne1ia, 255, 265 Cornelia Cratia, 261 Cornelii, 222 M. Cornelius Cossinus, 252, 265 M. Cornelius Fronto, 27, 40f.,
74, 84, 160
- alvei Tiberis, 160 - aquarum, 68, 71, 74, 84,
- kalendarü, 334 - locorum publicorum iudicandorum, 160
- rei publicae, 56,
239, 255, 265
265
P. Comelius (Lentulus) Scipio, 217 L. Come1ius Sulla 168 P. Cornelius Tacitus 3, 62, 1 5 1 f., 158, 161ff., 295 cornicularius praefecti vigilum, 308, 327
104f., 154,
159, 245ff., 300
Comelius Fuscus, 5, 6 C. Cornelius Gallicanus, 302 Sex. Cornelius ... Honoratus, 233 Cossus Corne1ius Lentulus, 215f. [?Come]1ius Menodorus, 184 Q. Come1ius Quadratus, 255, 265 Sex. Comelius Repentinus, 252, 255,
Comutus Tertullus -+ C. lulius Comutus Tertullus corrector, 127f. - Venetiae et Histriae, 172 Corsica, 92, 168, 171, 173 Cosa, 273, 3 1 2
Crispinus, 5 cubicularius, 25, 29 Cuicu1, 124 cura -+ curator curator, 230 - aedium sacrarum et operum locorumque publicorum, 53, 7 1 ,
52, 127ff., 306f., 312,
333ff.
- tabulariorum publicorum, 273 - viae (viarum), 49, 144f., 299ff., 328f., 334f.
- viae Aemiliae, 52 - viae Appiae, 52 - viae Flaminiae, 52, 329, 334, 336 - viae Salariae, 52 - viae Tiburtinae, 52 - viarum et pontium Umbriae et Piceni, 329 Curiatius Cosanus, 306 cursus publicus, 142, 154, 302ff., 330f., 339ff., 362
- mutatio, 45 -+ praefectus vehicu1orum L. Cuspius Pactumeius Rufinus,
46,
125
Culius Lupus, 340f. Cyclades (insulae), 80, 9 1 , Cyprus, 40, 1 2 1 f., 173, 191, 202, 281, 343f.
183 176, 182,
Register
413
Cyrenae, 1 14, 194, 198, 200
Cn. Domitius Tullus, 37
Cyrenaica, 168, 173, 200, 202
domus Augusta, 317, 324f.
Dacia, 48, 53, 77f., 87, 134, 136,
-
169, 296
Frauen der, 26
Donau, 109
Dacia inferior, 96
Donaufront, 48, 243
Da1dis, 375
Donauprovinzen, 40
Dalmatia, 53, 77, 8 1 f., 136, 173, 183
Drusus d.J. 252, 260, 366
damnati, 355
Dura Europos, 204
Daphne (Syria), 184
L. Duvius Avitus, 286, 295
Decebalus, 6 1
Dyrrhachium, 108, 342f., 345
decennalia, 214f.
E1eusis, 367
delator, 307, 354f., 377
E1euther, 265
Dento, 321
Empfehlungsbriefe, 98
deus patrius Belus, 209
-+
Diadumenus, 265 Dialis, 284
Emporiae, 142 &7ravop6wr�c;. 127
M. Didius Severus Iulianus, 26
Ennius Hyacinthus, 312
dilectatores, I 41
Ephesus, 22, 39, 44, 93, 108, 1 1 3,
-+
Soldaten, Aushebung
C. Dillius Vocula, 36 Dio Chrysostomus, l07f., I 15, 223, 367
Patronage
123, 129f., 142, 184, 207, 239, 241 f., 366f., 369ff., 370, 373 Epimachus, 142 Epirus, 122, 160
Diokletian, 170
epistrategus, 75, 85, 142, 2 1 1
Dionysia, 2 1 1
epistulae commendaticiae -+ Empfeh-
Dionysius, 376 Diözesen, 183 dioiketes, 85, 142
lungsbriefe
EJTLTP07r0<; 7rp0<; oxemc; Ttf}EpEW<;, 160
dispensator, 25
Ernennungsschreiben, 99f.
Dokumente (der Verwaltung), 144,
Sex. Erucius Clarus, 265
359ff.
Eucarpus, 266
Domänenprokurator, 76, 83, 183
Eumeneia, 191
Domänenverwaltung, 88, 91f., 183
Eunathus, 266
Domitia Lepida, 339
Fabii, 222
Domitia Lucilla, 26, 255, 265
L. Fabius Cilo, 252, 255, 266, 306
Domitian 5ff., 7, 2 l ff., 3 1 ff., 35ff.,
L. Fabius Gallus, 266
39, 48, 57, 60, 62, 77, 83, 89f.,
Paullus Fabius Persicus, 366
108, I I I , 1 13, 1 1 7f., 169, 174f.,
L. Fabius Severus, 308, 3 I I
230, 314, 3 1 6 , 3 1 8 , 3 2 1 , 333,
(A. Didius Gallus) Fabricius Veiento,
335, 351, 356
5f., I I , 21
Cn. Domitius Afer, 285
Falerio, 7, 310, 314, 351
Cn. Domitius Corbulo, 216
Faustina d.J., 26
Domitius Decidianus, 285
Faveotia, 255
Cn. Domitius Lucanus, 265
(M. Antonius) Felix, 88, 163, 1 8 1
Q. Domitius Marsianus, 99, 199, 374
Ferentinum, 302
Register
414 Ferentum, 324
Fonteius Capito, 36
Feriale Duranum, 203ff.
D. Fonteius Frontinianus, 124 Fortuna, 220
Fidus A[--] Gallus, 295 Finanzprokurator, 7 1 , 75ff.,
135,
142, 150f., 163, 198f., 374
Finanzverwaltung, 67, 75ff., SOff., 92f.,
I03f.,
1 I 4,
I 16,
150ff.,
198ff., 332f., 336, 343
-+ aerarium Saturni -+ procurator -+ quaestor -+ Steuern Zölle
Forum Augusti, 2 1 1 Forum lulii, 34. 287, 289ff. fratres arva1es, 44 Freigelassene -+ Liberti - kaiserliche -+ liberti Augusti Frontin •
Sex. Iulius Frontinus
Fronto -+ M. Cornelius Fronto Fufidia Pollitta, 2 1 0
Firmius Catus, 341
Fulginiae, 255
Firmum Picenum, 7
(L.) Fulvius (Gavius Numisius) Petro-
fisci advocatus at vehicula per Flaminiam, 331, 335
nius Aemilianus, 266 Fulvius Petronius Aemilianus, 267
fiscus Iudaicus, 134f.
L. Fulvius Plautianus, 267
Flavia lanuaria, 266
L. Funisulanus Vettonianus, 267
Flavia Neapolis Samaria, 281
Gabii, 247
Flavia Procilla, 266
Gaetuli, 215f.
Flavier, 251, 287
Gaius Caesar, 217, 325
Flavii, 256
Galatia, 50, 80, 9 1 , 123, 169, 175,
M. Flavius Aper, 286
183, 193, 343
T. Fl. Aper Commodianus, 286
Galba, 38, 63, 175
L.(?) Flavius A:rrianus, 59
P. Galerius Trachalus, 267
Fl. Balentio[---], 266 T. Flavius Celsus, 266
Gallia (tres Galliae), 38, 40, 76, 91,
T. Fl. Claudius Claudianus, 266 T. Flavius Constans, 288 T. Flavius Germanus, 266
1 37ff.,
169,
183,
243,
282f.,
287, 289ff., 294f., 344, 373
Gallia cisalpina (transpadana), 5 1 , 168f., 1 7 1
Flavius Iosepbus, 176
Gallienus, 188, 253, 353
Flavius Iuocus, 281
Gallisches Sooderreich, 284
T. Aavius Pergamus, 92
M. Gavius Bassus, 142
T. Flavius Sabious, 252, 255, 266
P. Gavius Bassus 227
T. Flavius Salinator, 266
L. Gavius Fronto 239
L. Flavius Silva Nonius Bassus, 1 8 1
M. Gavius Maximus, 97f., 1 12, 227
Q. Flavius Tertullus, 194 T. Flavius Tiberianus, 266
Gehälter, 15f., 46 -+ Ratgeber
T. Flavius Titianus, 266
-+ Ritter
C. Flavius Turpilius, 266
-+ Senatoren
T. Flavius Valerianus, 266
Geminia Bassa, 267
T. Flavius Vedius Antoninus, 255,
Genucius Marinianus, 267
267
415
Register
Germania inferior, 40, 54, 59, 80, I 39, 173f., 182, 243, 280f., 284, 287ff., 293, 296
Germania superior, 40, 54, 80, 139, 175,
182,
243,
280ff.,
284,
288ff., 296
Germanicus, 107, 3 1 2, 3 1 6 , 324f., 366
Gesandtschaften, I 08ff. -+ Städte, Gesandte
204f., 226
Gordian lll, 191, 202 Graptus, 267 Graviscae, 306 Grossgrundbesitz, 339 Hadrian, 8, 1 1 , 14f., 17, 19ff., 26, 39f., 42, 46ff., 50f., 53f., 59, 61ff., 64ff., 78f., 82f., 87f. 9 1 ' 102,
105,
108ff.,
1 1 5f.,
128f., 133, 172, 1 8 1 , 1 9 1 , 196, 201f., 229, 250f., 263, 268, 295, 304f., 3 1 3 , 319, 328ff., 334, 347, 351f., 356f., 363, 36� 368, 379
Hadrumetum, 198 Cn. Haius D.iadumenianus, 214 Handbücher für Verwaltung, 145 Harmachis, 212 haruspex, 207f., 216 Haterius Latronianus, 255, 267 Heba, 324 L. Hedius Rufus Lollianus, 195 Heer, 1 87ff., 296, 324, 329, 3 3 1 , 339f.
-+ classis -+ cohors -+ H.ilfstruppen -+ Jegio -+ Soldaten Hellas, 249, 344 Hellespont 342 C. Helvidius Priscus, 63 P. Helvius Pertinax, 35 Hercu1aneum, 378
-+ Ti. Claudius Atticus Herodes Herodian, 21 Hiberus, 88 Hilarianus, 267 Hilfstruppen, 47f., 98f., 1 87ff., Hispania (citerior) Tarraconensis, 50,
Gladiatoren, 64, 7 1 , 88, 144f., 183 M. Gongius Nestorianus, 267
96f.,
M. Herennius Faustus, 19 L. Herrnonius Iustus, 267 Herodes Atticus
53, 80f.,
109, 122,
139,
142,
168, 1 7 1 , 173f., 178, 180, l98f., 344
Hispania nova citerior, 174 Hispania ulterior, 168, 171 -+ Baetica Hofämter, 7 1 , 99 homo novus, 35, 54, 59 -+ Senat, Ergänzung des Horaz, 149 A. Horte(n)sius Licinianus, 267 hospitium, 45 Hungersnöte, 123 M. Iallius Bassus Fabius Valerianus, 283
Iason, Sohn des Nicostratos, 371 f. idios Iogos, 75, 85 Illyricum, 168, 345 immunes, 207 Inschriften -+ Überlieferung lnteramna Nahars, 306 Ionien, 184 lrni, 43 Italica, 34, 44, 64 Italia, 44ff. 50, 52, 72, 75, 77, 79ff., 82ff., 88, 94, I I I , 129, 1 3 1 , 135, 144,
167ff.,
1 7 lf., 238, 294,
297ff., 3 1 8ff., 321 ff., 326, 329, 339ff., 342ff.
-+ regiones ltaliae Iudaea, 26, 40f., 47, 49, 77, 87, 96, 160f., 163, 179, 1 8 1 , 2 8 1 , 292, 343
Iulia (T. d. Augustus), 242
416
Register
lulia (T. d. Titus), 26 lulia Balbilla, 23 lulia Maesa, 268 lulia Methe, 149 Iulia Prisca, 267 lulia Severa, 267 lulia Tyche, 267 lulia Vitalis N[--], 267 lulii, 256, 283, 294 lulii Cefalii, 268 lulii Graecini, 286 luliopolis, 1 0 8
Ti. lulius, Vater d. Claudius Etruscus, 89f., 90
Cn. lulius Agricola, 34, 55, 59, 6 1 , 180, 285
Ti. Iulius Alex:ander, 3 1 9 C. lulius Aquila, 190 Ti. lulius Augustalis, 268 C. lulius Avitus, 255, 268 Ti. lulius Celsus Polemaeanus, 35, 39 C. lulius Cornutus Tertullus, 127, I 78 C. lulius Demosthenes, 361 Iulius Eurycles, 254 lulius Eutactus, 250 lulius Festus, 79 C. lulius Firminus, 208 Sex. lulius Frontinus, 68, I 04, 159, 245ff.. 252, 268
Tib. lulius Frugi, 195 C. lulius Aug. üb. Gelos, 242 lulius Hierax, 268 Sex. lulius Maior, 296 lulius Naso, 89 C. lulius Naso, 344 lulius Planta, 376 lulius Pompeius Rusonianus, 268 lulius Procu1us, 1 1 6f. C. lulius Procu1us, 61 C. Antius A. lulius Quadratus, 35, 39, 60, 267, 296
C. lulius Quadratus Bassus, 296 L. lulius Romulus, 286 .lulius Secundus, 89
C. Iulius Severus, 2 1 1 Sex. lulius Severus, 54, 61 L. lulius Ursus Servianus, 26f., 258 Iulius Tarentinus, 1 16 T. Iulius Valerianus, 268 L. Iulius Vestinus, 3 1 9 C. Iulius Vindex, 285, 290, 295 Iunia Procula, 268 Iunii, 249, 268 D. Tunius Carus, 268 lunius Chilo, 190 P. lunius Karus, 268 Iunius Maximus, 61 M. luoius Silanus, 356 M. lunius Silanus Torquatus, 198 luno Regina Populonia, 2 1 0 -+ kapitolinische Trias Iuppiter, 134, 212, 2 1 5 -+ kapitolinische Trias iuridicus, 50, 75, 85, 109, 142, 144 - de infioito per Flaminiam et Umbri am et Picenum, 335 - in Italien, 5 1 , 301, 305f., 316, 319, 33lf., 335
ius trium liberorum, 321 P. Iuventius Celsus, 15, 17 Jerusalem, 134 Juden, 52, 54, 1 2 1 , 134, 194, 200, 362ff.
Kabiren, 2 1 2 Kabirenheiligtum, 126, 2 1 2f. Kaiser - amicitia, !Of., 236 - Anordnungen, 3 1 3ff., 347ff., 359ff. - Anträge an den, 1 10, 1 1 3ff., 1 8 1 , 247, 308, 321
- Auswahl der Funktionsträger, 229f. - beneficia, 1 1 0, 1 1 3 , 245f., 314, 352ff.
- Briefe, 109ff., 3 1 0f., 314, 347ff., 359ff., 367ff.
- als Censor, 230 - Einfluss auf, 3ff., 55ff., 229f. - als Erbe, 151f.
Register
417
-+
- Frau, 56, 229f.
Konsul
- Hof, 71
Konsulat
- in Inschriften, 297f.
Konstantin 170
consul
-+
consul
- Kassen, 67, 76f., 150ff.
Koroneia 352
- Konkubine, 56
Kos, 223f.
- Kontakt mit dem, 28f.
Krixos, 339
- Porträts, 323f.
Kult, 203ff., 238
- und Provinzen, l07ff.
-+ Kaiserkult
- Rechtsprechung, 107, 109, 1 16
Kyaneae, 371
- Regierungstätigkeit, 3ff., 13ff., 18, 2 1 f.. 25, 60, 88, 1 17, 308ff. - und Reichsbevölkerung, 297, 323, 328, 337
Kyzikos, 65 C. Laecanius Bassus, 268 M. Laelius (Firminus) Fulvius Maximus, 268
- Reisen, 108f., 298f., 304, 3 1 6
L. Laetor(ius) Annaeus Ruf(us), 268
- Reskripte, 108ff.
Lambaesis, 374
- und Senat, 3 1 ff., 41 f., 5 1 , 56, 58,
Landtag
60, 62ff., 164f., 21 9f., 228ff. - und Städte, I 08ff., 297ff., 321 ff., 347ff.
-+
Laodicea
concilium provinciae
am
Lykos, I 08
Larciani, 268 A. Larcius Gallus, 250
- und Statthalter, 107, 109ff., 179f.
A. Larcius Lepidus Plarianus, 250
- und Verwaltungsfunktionen, 35, 68,
A. Larcius Lydus, 249f., 268
88, 94f., l07ff., 147ff. - und Verwa1tungsreformen, 87f., 9 1 , 147ff.
A. Larcius Macedo, 250, 269 Iatus clavus, 4 1 Lauriacum, 363f.
- Willkür, 62f.
Laurenturn 345
- als Wohläter t -+ beneficia
legatus
-+ domus Augusta
- (Sonderbeauftragter), l27f.
-+
liberti Augusti
- Augusti ad census accipiendos, 139
mandata
- Augusti pro praetore (in Italien), 50,
-+ servi Augusti Kaiserkult, 203ff.
172, 304ff., 319, 331, 335 - Augusti pro praetore provinciae,
-+ concilium provinciae
47f., 53ff., 58f., 77, 160, 179ff.,
kalendarium Caesianum, 78
206, 230, 374
kalendarium Vegetianum, 70, 78
- legionis, 14, 47, 52, 55, 58, 230
kapitolinische Trias, 2 1 0
- Nurnidiae, 207
Kappadokien
-+ Cappadocia
Karien -+ Caria
Karthago, 93, 168, 207
- proconsulis, 58, 122, 179, 192ff. Ieges annales, 56, 97 legio
Kosmas, 249
- I Adiutrix, 35f.
Köln -+ colonia Claudia ara Agrippi
- I ltalica, 207
nensium Kommagene -+ Commagene Kommunikation, administrative, I08ff., 339ff.
- 11 Traiana, 47 - lll Augusta, 58, 129, 187, 192, 198, 207, 374 - Ill Cyrenaica, 39
Register
418 - VI Ferrata, 47
librarii, 227
- VI Victrix, 296
C. Licinius Mucianus, 13, 252, 269
- VII Gernina, 55, 206
T. Licinius Mucianus, 269
- IX Hispana, 57
Licinius Priscus, 192
- X Fretensis, 47, 1 8 1
Q. Licinius Silvanus Granianus, 1 8 1 f.
- XII Fu1rninata, 47
L. Licinius Secundus, 243
- XIII Gemina, 210
L. Licinius Sura, 243
- XV Apollinaris, 52
Licinus, 88, 150
- XVI Flavia, 4!7
lictor proximus, 277
- XXII Deiotariana, 363
lictores, 227
- XXII Primigenia, 206f.
Ligures Baebiani, 364f.
- XXX Ulpia Victrix, 208
Legionskommandeur
-+
legatus
legionis
lis fullonum, 375 Livia, 242 Livii, 261
Lepcis Magna, 2 1 3ff., 241
logisthv", 127, 130
Lepidius Lupercus, 269
Lucania, 5 1
Lepidus, 284
Lucilius Africanus, 347, 352, 354,
Iex de imperio Vespasiani, 32, 60, 64 Iex Iulia de maritandis ordinibus, 360, 381
356f. Sex. Lucilius Bassus, 33 Cn. Lucilius Capito, 1 5 1
Iex portorü provinciae Asiae, 360
L . Lucilius Pansa Priscillianus, 1 9 1
Iibellus, J JOf., 1 1 5
Lucius Caesar, 325
liberti
Lucius Verus, 7, 14, 20, 6 1 , 108, 142,
- Nomenklatur, 221ff. liberti Augusti!, 23ff., 67ff., 74, 76, 84f., 104ff., 223f., 227f., 230, 233ff., 24lf., 249ff., 256 - Ämtervermittlung durch, 25 - öffentliches Ansehen, 236f., 241 f. - Anzahl, 227f.
194f., 235, 262, 265 M. Lucretius lulianus, 104 Iudi saeculares, 3 1 7f., 360, 381 Lugdunensis, 143, 1 5 1 , 169, 1 82f., 197.
280, 282f.,
285, 288ff.,
291ff., 295f., 374 Lugdunum, 207, 215, 293
- lokale Bindungen, 241 f.
Lusitania, 8 1 , 86, 122, 129, 197
- unter Claudius, 147ff., 1 6 l f., 219f.,
L. Lusius Geta, 3 1 9
234
L . Lusius Petellinus, 269
- Dienststellen, 73ff., 85, 94f.
lustratio, 2 1 6
- Gehälter, 100, 242
Lycaonia, 175
- Inschriften, 228
Lycia et Pamphylia, 22, 48, 58, 78,
- Jurisdiktion, 161f. - Laufbahn, 234
80, 9 1 , 1 1 9 , 169, 182f., 1 9 1 f., 195ff., 202, 363
- Pseudokollegialität, 91ff.
Lydus, 250
- Rolle in der Verwaltung, 70ff.,
Macedonia, 126, 168, 178, 189, 194,
88ff., 93, 1 04, 143, 150, 159
197, 201, 213, 323, 342ff.
- und Rom, 241 f., 256
Macrinius, 281
- Vermögen, 105
M. Macrinius Avitus Catonius Vindex,
-+ servi Augusti
281
419
Register
M. Macrinius Vindex, 281 C. Maecenas, 1 10 Maecilius Fuscus, 269 Q. Maecius Blandus, 269 M. Maenius Agrippa L. Tusidius Campester, 328 Mailand, 298 � Mainz, 2 1 Mandragoreis, 376 Manisa, 375 L. Mantennius Sabinus, 266 Mare Aurel, 6ff., LOf., 14ff., 20, 22f., 26ff., 35, 39f., 45, 48ff., 54, 57, 62ff. 77f., 83, 85, 87' 99ff., 108ff., 1 1 2, 1 1 4, l l 8f., 1 3 1 , 1 34f., 137f., 142, 144f., 178, 181, 189, 1 9 1 , 194ff., 232, 252, 260, 262ff., 269, 273, 28Jf., 288f., 305f., 3 1 6 , 3 1 9 , 3 3 1f., 335, 368, 374 Marcia Aurelia Ceionia Demetrias, 25 Q. Marcius Turbo, 97 Maria Atticilla, 69 Sex. Marius, 3 1 0 Ti. lulius Candidus Marius Celsus, 39, 239 Markt, 375f. Mars - Augustus, 215 - Pater Gradivus, 208 - Tempel, 2 1 1 Publia Martia Sergia Fusca, 255, 269 Martia1, 25, 3 1 , 321 Salonius Matidius, 254 P. Martius Philippus, 269 P. Martius Sergius Saturninus, 255, 269 P. Martius Verus, 255, 269 Mauretania Caesariensis, 95, 160, 169, 374 Mauretania Tingitana, 7, 28, 1 14, 160, 169, 214, 2 1 6 Maximinus Thrax, 273 Maximius Attianus, 285
Mazaeus, 242 medici -. Ärzte Meleager, Sohn des Castor, 369 Melitene, 2 1 6 M. Memmius Rufus (pater, fllius), 378 memoria, 361 ff. -. Überlieferung Men 145 Menander Rhetor, 2 1 1 Menogenes, Sohn des Isidoros, 372 Mesopotamia, I 08, 169f. metaHa -. Bergwerke Metras, Sohn des Metrodoros, 375 M. Mettius Rufus, 23 P.? Mevius Surus, 209 Milet, 184 Militärdiplome, 192, 194ff. militia equestris - . Ritter Mimisii, 327 Minerva - lovis consiliorum particeps, 210 -. kapitolinische Trias (Cn.) Minicius Faustinus, 270 C. Minicius Fundanus, 182 C. Minicius ltalus, 308 Minicius Macrinus, 42 L. Minicius Natalis Quadronius Verus, 329f. L. Minicius Rufus, 271 Misenum, 75, 96 Mithridates, 242 Moesia inferior, 48, 53, 59, 77, 136, 169f., 175, 178, 185, 194, 296, 343 Moesia superior, 48, 77, 136, 169f., 178, 180, 194, 343 moneta, 74 (Venuleius?) Montanus, 5 Munatia Procula, 270 Q. Munatius Celsus, 215, 270 M. Munatius Popilianus, 270 Munigua, 1 14, 351, 354, 378f. Munius Lupercus, 36 L. Mussius Aernilianus, 233
Register
420
Myra, 363 Mytilene, 296, 372f. Nacolea, 105 L. Naevius Clemens, 270 Narbonensis, 34, 38, 44, 92, 129, 143, 168, 189, 192, 198f., 201, 232, 255, 280, 283, 285ff., 290f., 293ff., 344
Narcissus, 148, 153, 156f., 252, 270 naves tabellariae, 345 navicularii, 344 Nemausus, 44, 287, 289 Nemetona, 21 Neptun, 214 Neratii, 43 C. Neratius, 270 Neratius Marcellus, 255, 270 M. Hirrius Fronto Neratius Pansa, 322 L. Neratius Priscus (cos. 95), 15, 1 7 L. Neratius Priscus, 270 Neritus, 270 Nero, 6, 12, 24ff., 32f., 36, 38, 49,
62f., 70ff.. 89, 1 1 8, 128, 134, 154, 159,
164,
175,
180, 205,
2 1 1 , 226, 241, 249ff., 265, 267f., 273, 290, 312, 316, 326, 339, 360
Nerva, 6, 31, 42, 49, 62, 104, 1 L7f., 245, 304, 3 14f., 329f., 335, 347, 357
Nicaea, 142, 355 Nicomedia, 24, 108 Nicopolis ad Istrum, 175, 194 Nicostratus, 371 Nil, 206 L. Nonius Asprenas, 254 L. Nonius (Calpurnius Torquatus) Asprenas, 270 Nonius Datus, 374 Noricum, 48f., 77, 122, 136, 160, 176,
181,
183,
287ff.
Novaesium, 34 1 Novempopulana, 22
196,
280ff.,
Torquatus Novellius Atticus, 198 L. Novius Crispinus, 374 L. Novius Priscus, 270 Numidia, 40, 58, 124, 296, 374 Nurnisia Q. f. ProcuJa, 255, 267, 270 Q. Camurius Numisius Junior, 267, 270
Numisius Rufus, 36 nutritor, 23 Nymphidius Lupus, 27 Nysa, 296 Obulcula, 350, 354, 378 Ocriculum, 322, 334 Octavia Lucana, 270 Octavian, 68, 168, 365f., 372 __. Augustus Octavius Antoninus, 194 L. Octavius Felix, 270 L. Octavius Iulianus, 2 1 2 Cn. Octavius Titinius Capito, 83, 90 Ofellius Macedo, 270 officia Palatina __. Hofämter Oinoanda, 361 Olbasa, 193 M. OpeiJius Diadumenianus, 270 M. Opellius Macrinus, 249, 252, 270 Opfertiere, 204, 209 C. Oppius Sabinus (Iulius Nepos}, 57 Opramoas, I I I , 371 ordo decurionum, 43 __. Städte ordo equester, 224, 226f., 249ff., 280, 287ff., 327
- Aufnahme, 231 f. - Zugehörigkeit, I 03 __. Ritter ordo haruspicum LX, 207 ordo senatorius, 36, 4 J ff., 56, 224f., 228ff.,
238,
249ff.,
256ff.,
280ff., 295, 327
__. Senat __. Senatoren Osrhoene, 170 Ostia, 84, 158, 247, 297, 313, 345
Register
421 Perusia, 313
Ostippo, 188 Otacilia Postuma, 271
Pescennius Niger, 170
Otho, 89
Q. Petilius Cerialis Caesius Rufus, 57
P. Ovidius Naso, 236
Pup. Petitüus Birro, 271
Pactumeia Lucilla, 271
Pup. Petillius Clitus, 271
(Q. Aurelius) Pactumeius Clemens, 40
Petra, 1 2 1
P. Aurelius Pactumeius Fronto, 40,
Petronia Lasciva, 271 P. Petronius, 179
184
C. Petronius Celer, 374
Palaestina, 40 Pallas,
24,
148f.,
152f.,
1 55ff.,
2 1 9f., 234 Pamphylia, 80, 175 -+
Lycia et Pamphylia
T. Petronius Priscus, 83 M. Petronius Sura Mamertinus, 271 (M.) Petronius Sura Septim(ianus), 271
Panegyris, 2 1 I
P. Petronius Turpilianus, 271
Pannonien, 77, 81, 136, 329
Pharao, 206
Pannonia inferior, 48, 53, 77, 8 1 , 136, 170, 183 Pannonia superior, 48, 53, 77, 8 1 . 136, 170, 183
Pharasmanes, 61 Philadelphia, 367 Philae, 206 Philon, Aug. Jib
.•
271
Papirius AtiJiaous, 333f.
Philostratos, 26
Papirius lustus, 1 1 8
Phrygia, 80, 170, 241
Papyrus, 317, 363ff.
Picenum, 7, 5 1 , 255, 329, 330
Parthenius, 25
Pictooes, 283
Parther, 58
Pisaurum, 324
Patrai, 22
Pisidia, 123. 175, 182, 193
Patrimonialprokurator, 71 ff., 75, 77,
Q. Planius Sardus, 212
80f., 135, 143, 145, 151, 163ff.,
A. Platorius Nepos, 271
199
Plautia Servilla, 271
patrimonium, 73, 75, 79, 82
A. Plautius, 15, 339
Patrizier, 34, 54f.
M. Plautius Eros, 273
Patronage, 4 1 , 56f., 95
Ti. Plautius Silvanus Aelianus, 61
-. Empfehlungsbriefe Paulinus, 270
Plautius Quintillus, 348, 356 Plinius d.Ä., 18, 24, 28, 220
Paulla, 271
Plinius d.J., JOf., 16, 2 1 , 24, 27, 3 1 ,
Paulla Fausti (uxor), 271
4 1 f., 46, 56, 60, 65, 107, I 09f.,
Paulus (Apostel), 120, 181
1 1 5f.. 124, 127, 142, 149, 152,
(lulius) Paulus (Jurist), 145
155,
178,
Paulus von Tyrus, 23, I I I
219f
Pedius Blaesus, 198
324
Pegasus, 5
.•
1 80ff.,
190, 205ff.,
229, 239, 268, 274, 276,
Plotina, 26f.
D. Percennius Marcianus, 271
L. Plotius, 27 I
D. Percennius Rufinus, 271
Plotius Grypus, 33, 304
Pergamon, 35, 44, 46, 60, 296, 370
L. Plotius P[---], 271
Perge, 1 19
C. Plotius Sabinianus, 271
422
Register
L. Plotius C. f. Sabinus, 271 plumbarius, 273 Plutarch, 141 Plutius Niceforianus, 272 Plutius Niceforus, 272 C. Quinctius Certus Poblicius Marcellus, 54 Poetovio, 35, 8 1 Polybios, 148f., 156 Polykarpos (Märtyrer), 215 Pompeia Donata, 336
praefectus, 226f., 230, 232 - Aegypti, 12, 23, 26, 58, 67f., 7 I , 75, 85, 94f., 98, I 0 I , 1 10, 125f., 1 6 1 , 163, 180, 206, 2 1 1 , 263, 266, 303, 308, 319, 327, 363f., 380
Pompeius (vespas. Konsular?), 5
- annonae, 8, 12f., 19, 67, 7 1 , 74,
Pompeius Heliodorus, 272 Cn. Pompeius Homullus, 90 M. Pompeius Macrinus, 296 Co. Pompeius Magnus, 168, 170 Pompeius Paulinus, 286, 295 M. Pompeius Priscus, 285 M. Pompeius Silvanus Staberius Flavinus, 5, 179, 285f., 296 T. Pomponius Bassus, 302 Pomponius Cordius, 1 9 1 pons Milvius, 329 pons Minucius, 329 M. Pontius Laelianus Larcius Sabinus, 20 Pontius Pilatus, 179, 181 Pontus et Bithynia, 38, 48, 66, 77f., 107, L l4ff., 127, 178, !SOff., 190, 195, 198, 202, 205, 274, 343f. C. Popillius Carus Pedo, 373 Poppaea, 26 Porcius Festus, 181 Porcius Severinus, 3 I 2 Q. Porcius Vetustinus, 374 portoria -+ Zölle Posides, I 48 M. Postumius Festus, 255, 272
95, IOif., 143, 158, 303, 327 - classis praetoriae (Misenatis bzw.
P. Postumius Hector, 272 Postumius Terentianus, 276 Postumus, 276, 284 Potamon, 372f. praeco, 361
- aerarii militaris, 73, 80 - aerarii Satumi, 53, 59, 323 - alae, 226 - alimentorum, 49f., 144, 302, 330, 335f.
Ravenatis), 75, 95f., 145, 267, 276 - classis in den Provinzen, 76 - cohortis, 226 - fabrum, 232, 288 - familiarum gladiatoriarum, 109 - Iudaeae, 160, 179, 181 - orae maritimae, 109, 142, 198 - praetorio, 5f., 12f., 16, 19f., 23, 56, 58, 7 1 , 73, 84f., 94f., 97, 102, 1 1 2, 249, 252, 256, 262, 265, 267, 270, 303, 374 - tesserariarum in Asia navium, 344 - urbi, 6, I I , 16, 19, 265, 275 - vehiculorum, 7 1 , 74, 109, 302ff., 330f., 335, 345 - vehiculorum per Flaminiam, 335 - vigilum, 8, 12f., 19, 67, 71, 74, 84, 95, 303, 327 praegustator, 252, 256, 261 Praeneste, 247 Präsidialprokurator, 49, 75, 77, 98f., 1 1 4, 18lf., 206 praetor, 52, 203, 359 - aerarii, 158 - Edikt des, 359 - inter cives et peregrinos, 20 - urbanus, 170 praetorium, 346 prata legionis, 209
Register Priester, 203, 212, 360, 375 princeps officii, 12, 14, 20, 56 probatio --+ Soldaten, Aushebung proconsul, 48, 58, 1 2 1 f., 136, 143, 145, 178f., 187ft., 206, 230 - Achaiae, 367 - Africae, 46, 53, 187, 192, 197, 296, 357, 378 - Asiae, 53, 193f., 373, 375f., 378 - Baeticae, 251, 259, 352, 356 - Macedoniae, 1 26, 2 1 2f. - Aufgaben, I 97ff., 203ft. - Kommando, militärisches, 187ff. - Personal, höheres, 179 - Personal, subalternes, 122 --+ legatus proconsulis --+ Statthalter procurator - a patrimonio et hereditatibus et a libellis, 89 - ad agros dividendos, 96 - ad bona Plautiani, 70 - ad census accipiendos, 96 - ad Mercurium, 85 - ad silices, 96 - aedium sacrarum locorumque publicorum, 159 - alimentorum viae Flaminiae, 330, 335 - alvei Tiberis, 3 1 2 - annonae, 84 - aquarum, 68f., 84, 159 - Caesaris, 163 - columnae divi Marci, 374 - per Flaminiam, Umbriam, Picenum, 333 - hereditatium, 75 - hereditatium et a censibus, 70, 83 - kalendarü Vegetiani, 70, 135 - Iudi magni, 7 1 , 74 - Iudi matutini, 7 1 , 74 - monetae, 74 - Neaspoleos, 85 - patrimonii, J 3, 82f., 333
423
- Phrygiae, 183 - portus Ostiensis, 158 - et praefectus Sardiniae, 189 - provinciae Asiae, 1 9 1 , J 98 - provinciae Baeticae, 75 - provinciae Hispaniae citerioris, 75 - provinciae Iudaeae, J 6 1 , 179 - pugillationis et ad naves vagas, 344 - XL Galliarum, 143 - IIll publicorum Africae, 72, 76, 135 - rationis privatae, 333, 335 - regionum urbis, 96 - summarum rationum, 85, 92 - usiacus, 85 - viae, 76 - XX hereditatium, 13, 7 1ft., 74, 80f., 135, 142, 307, 333, 335 - XX libertatis, 71f., 74, 135, 332f. --+ Domänenprokurator --+ Finanzprokurator --+ Finanzverwaltung --+ Patrimonialprokurator --+ Präsidialprokurator --+ Prokuratoren --+ Ritter Prokuratoren, 226f., 232, 256, 271, 281, 378 - Aufgaben, 198f., 371 - Jurisdiktion, 161ft. - und Statthalter, l4lf., 145, 198ff. - Titel, 75 --+ procurator Propertü, 327 C. Propertius Postumus, 329 provincia - Anzahl, 167ff. - Ausdehnung, 173 - Begriff, 170f. - Besatzung, militärische, 1 19, 169f., 187ft., 204 - und Bevölkerung, 183ff. - Caesaris, 48, 163, 178f., l97ff. - conventus, 1 14, l l 9ff., 176f. - Erwerb, J 67ff.
424
Register
- Festkalender, 203ff. - formula provinciae, 185 - Gerichtsorte -+ conventus - Grenzen, 184f. - Integration ins Reich, 279ff. - Landtag -+ concilium provinciae - populi Romani, 48, J 18, 177ff., 187ff., 204. 344 - Sicherheit, 200, 216f. - Städte, l 83ff. - Statuswecbsel, 48, 77f., 87, 96, 1 1 8f., 180, 182, 195 - Struktur, administrative, 1 1 8ff., 14lff., 167ff., 172, 175ff., 182f. - Teilung, 48, 77f., 87, 169f., 175 - lokale Traditionen, 133, 144, 172 - Unterbezirke, 9 1 , 173 - als Untertanengebiet, 1 7 1 f. -+ Städte -+ Statthalter Provinzen -+ provincia ProvinziaJiandtag -+ concilium provinciae Provinzstatthalter -+ Statthalter proximus a rationibus, 154, 267 Prusa, 22 Ptolemais-Barca, 1 14 publicani, 93, 133, 135ff., 332 Publicius Honoratus, 272 M. Publicius Niceros, 250, 272 Publicius Victor, 272 Publikation (von Anordnungen, Be kanntmacb ungen, etc.), 144, 307f., 3 1 3ff.. 324, 339ff., 353, 359ff. (Pupiena) Sextia (Paulina) Cet(h)egilla, 272 L. Pupius Praesens, 160 Puteoli, 297, 322 quaestor - aerarü, 158, 170 - alimentorum, 302, 336 - Augusti, 63
- Gallicus, 157 - Ostiensis, J 57f. - provinciae, 58, 78, 136, 150f., 182, 199f. - Stellenzah1, 225 - urbanus, 170f., 308 -+ Finanzverwaltung Quinctilius Varus, 3 1 3 XVviri sacris faciundis, 360 Quintilü, 43 Sex. Quintilius Condianus, 252, 255, 272 (Sex.) Quintilius (Valerius) Maximus, 252, 255, 272 Raetia, 40, 48f., 77, 136, 1 8 1 , 280ff., 287' 290 L. Ragonius (Urinatius Larcius) Quintianus, 272 Q. Rammius Martialis, 1 10, 363 Ratgeber, kaiserliche, 3ff., 56, 59 - Auftreten, öffentliches, 21, 26 - Berufung, 4ff., 8f., 13ff., 17, 19 - Gehälter, 16, 5 1 - Kontinuiät, t 6 - sozio-politischer Status, 3ff., 7ff., 13, 15f., 18, 23, 25f. ratio privata, 79, 333 rationales, 92 Ravenna, 75, 96, 341 Reate, 255 Recht, römisches, 120f. redemptor operum Caesaris, 224 redemptores, 336 regio Flaminia, 5 1 regio Lyciaca, 9 J regio Umbria, 32l ff. regiones ltaliae, 50f., 79, 322, 331 ff. regnum Bosporaneum, 190 Reisen, 316, 331, 341ff., 351 -+ cursus publicus -+ Kaiser, Reisen -+ Städte, Gesandte -+ Strassen Religion -+ Kult
Register Repentinus, Caes. serv., 272 res privata, 79, 333 Rhodiapolis, 371 Rhosos, 365f., 372 Ritter, 12ff., 15f., 18, 23, 25, 29, 66, 226f., 239ff. - Amtsdauer, 97, 100, 103, 227 - Amtswechsel, I 00 - Anzahl, 226 - Aufnahme in den Senat, 33ff., 4 1 , 227 - Beförderungskriterien, 99, 231 - Dienststellen, 67, 69, 7 1 ff., 79f.,
-
85f., 87, 94ff., 1 18, 150f., 1 6 1 , 226f. Ernennungsschreiben, 99f. Gehaltsklasseo, 15f., IOOff., 232f. Heimatstädte, 103, 239ff., 255 Herkunft, 280, 287ff. Jurisdiktion, 161 ff. Laufbahn, 94ff., 227, 231 f., 288 militia equestris, 226, 288f., 290, 303f.
- subalternes Personal, 88, 93, 104f. - Provinzstatthalterscbaften, 49, 68, 151, 160, 163 - Pseudokollegialität, 9lff. - Rangtitel, 102f., 233 - als Richter, 226 - Rolle in der staatlichen Verwaltung, 69f., 86, 88ff., 148, 226f. - und Rom, 12, 226, 239f., 253ff. - Sachkenntnisse, 95, 97ff., l04f. - Spezialaufgabeo, 96 - aus Syria Palaestina, 40 - transvectio equitum, 226 - Wohnsitz, 1 2 ->
ordo equester Statthalter L. Roius Auctus, 272 Roius Hilario, 272 Rom, 12, 44ff., 55, 59, 7 1 , 73, 76, 78, 80, 82ff., 103, 108, 1 14, 1 16, 1 1 8, 143, 159, 162f., 1 67f., ->
425
203ff., 2 1 9 , 239, 245, 299, 3 1 0f., 3 1 4 , 319, 32 l ff., 323, 325ff., 342ff., 364, 366, 368 Romanius Hoooratus, 273 L. Roscius Aelianus PacuJus, 273 Serg. Rubellius Plautus, 273 Rubrius (vespas. Konsular), 5 Rudiae, 3 1 2 Rufinianus, 273 Rufius Festus, 255, 273 Rufius MarcelHnus, 255, 273 Rufius Proculus, 255, 273 Rufus, 284 Rusellae, 297 C. Rutilius Gallicus, I92f. Sabora, 1 16, 353, 376 Saborenses, 351, 353 Saepinum, 255 Sagalassus, 142 Saguntum, 4 1 salarium -> Gehälter Saldae, 374 C. Sallustius Crispus Passienus, 273 M. Sallustius Rufus Titilianus, 273 Salome Kornaise, 140 Salona, 241 Salooia Matidia, 273 saltus Beguensis, 65 Salvius lulianus, 15, 17, 46, 196 C. Salvius Liberalis Nonius Bassus, 229 Samos, 378 Sarnotbrake, 126, 212f., 344 Sanctus, 284 Saoterus, 24 Sardeis, 35, 39, 64, 145, 372, 375 Sardinia, 25, 48, 77f., 167f., 1 7 1 , 178, 180, 187, 189, 201, 346 Sarsioa, 323 Satrii, 273 T. Satrius Decianus, 273 Satrius Primus, 273 Satrius Rufus, 273 Satrius [ ] Sep[---]tus, 273 ---
Register
426 Saturninus, Aug. lib., 105
- Ausgaben, 46
Scopelianus, I I I
- Auszug aus Rom, 2 1 1
Schriftverkehr, administrativer
- cursus honorum, 52ff., 230f.
-+ Kommunikation
- Dienststellen, 4 l f., 48ff., 58, 67,
scriba quaestorius, 207
150, 158, 1 6 1 , 225
scribae, 227
- Erfolg, 57f.
scribae Iibrarii, 207
- Fähigkeiten -+ Sachkenntnisse
Scribonius Largus, 149
- Familien, 43, 254f., 257, 283
M. Scribonius Libo Drusus, 341
- Gehälter, 46f., 5 1
(L. Scribonius) Libo Rupilius Frugi,
- bei Gericht, 254 - Heimatstädte, 44ff., 238f., 283
269
- Herkunft, 38ff., 54, 255, 280ff.,
scrinarii, 154 M. Sedatius Severianus, 58, 255, 273,
290 - homines novi, 283f., 286
283 Seia Fuscinilla, 273
- Mindestvermögen, 83
Seius Carus, 274
- kultische Pllichten, 203ff., 254
D. Seius Seneca, 274
- Rangstufen, 34, 102f., 229f., 256f.
Seleucus von Rhosos, 365, 372, 374
- und Rom, 1 2 , 44f., 2 1 I, 253ff.,
M. Sempronius Liberalis, 1 19 L. Sempronius Proculus, 274 L. Sempronius Rufus, 274
257f. - Sachkenntnisse,
35,
59,
Senat, 4, 12, 23, 47, 59f.
- im Senat, 254
- Anwesenheit des Kaisers, 65f.
- Söhne, 37f., 43
- Aussenpolitilk., 6 1
- Sonderaufgaben, 1 1 , 5 1 , 127
- Ergänzung, 33ff., 38ff., 4 l ff., 62,
- Sozialprestige, 42, 44, 66 - subalternes Personal, 74, 84, 104f.
225, 228f. - Geschäfte, 60f., 63ff., 2 1 9f.
- tribus, 281 f., 285
- Informationsfluss zum, 60f.
- Wohnsitz, 12, 44ff., 253ff. -+ Kaiser, und Senat
- Kompetenzen
l 04f.,
158f.
-+
Geschäfte
- Mitgliederzahl, 42f., 225
-+ ordo senatOrius
- oratio principis, 63f.
-+ Senat
- Prozesse, 60, 65f.
-+ Statthalter
- Representativität der Quellen, 34
Senatorenstand -+ ordo senatorius
- Rückzug aus dem, 35ff., 42, 44
senatus consultum, 32, 45, 60, 63ff.,
- Verhältnis zum Kaiser -+ Kaiser, und
69 - Benennungen, 65
Senat - Wahlen im, 60f.
- Beteiligung des Kaisers, 65
-+ ordo senatorius
- de Cn. Pisone patre, 31, 63, 366
-+ Senatoren Senatsbeschluss
-+
- de pretiis gladiatorum minuendis, senatus consultum
Senatoren, 9ff., 13f., 23, 29
64, 75, 377 - Publikation, 219, 359ff.
- Amtsdauer, 58, 1 5 8
T. Sennius Sollemnis, 373f.
- Anzahl, 225
Sentinum, 334
- Arbeitsaufwand, 49
Sep(tirnius) Dativus, 274
Register
427
C. Septicius Clarus, 149
App. Silvius lunius Silvinus, 274
Septimia Procilla, 274
(D.) Sirnonius (Proculus lulianus), 275
Seplimius Heraclitus, 212
Sinduni, 307, 353, 376
Septimius Junior, 274
Sinope, 190
Septimjus Marianus, 274
Sirmium, 108
C. Septirruus Severus, 255, 274
Skaptopara, 377
Septimjus Severus, 1 5f., 20, 53, 70,
Sklaven, 339f.
__.
79, 108, 169, 170, 175, 215, 217,
- kaiserliche
225, 268, 317, 331 ' 353
Smyrna, 1 1 3, 125, 129, 2 1 1 , 2 1 5 ,
Orfitus, 263
socii XX libertalis, 336
Ser. Calpurnius Scipio (Salvidienus)
servi Augus(j
370, 379
Ser. Sulpicius Galba, 179
Soldaten, 132
Cn. Serg(ius) Craterus, 274
- Aushebung, 141, 198, 334
Sergii PauJii, 274
- ausserhalb ihrer Stationierungspro-
L. Sergius PauUus, 255, 274 Serius Augurinus, 109
vinz, 1 8 8 - Beförderungen, 198
Sex. Serius Verus, 207
- Bürgerrecht, 198
servi Augusti, 56, 67, 8 1 , 84, 104ff.,
- classiarii, 339ff.
233ff. - Dienststellen, 73ff., 85, 94f.
- conubium, 198 - Entlassung, 198
- Ergänzung, 233ff.
- Familien, 1 1 0, 190, 363
- Freilassung, 233
- religiöse Feste, 203ff.
- Gehälter, I 00
- probatio, 198
- Rolle in der Verwaltung, 70ff., 74,
- auf Reisen, 34lf.
__.
93, 104, 137, 143, 154, 159 liberti Augusti
- Sold, 198ff. - Strafen, 198
servi publici, 227
- Testamente, 1 17
Servilius Pollio, 378
- Versorgung, 199
Q. Servilius Pudens, 255, 274
- als Verwaltungspersonal, I 3 1 , 140,
M. Servilius Silanus, 255, 274
143, 1 8 8
P. Sestius Gallus, 274
Solva, 353
Settidii, 43
Sex. Sotidius Strabo Libuscidianus,
Severer, 34, 251, 287 Severus Alexander, 203ff., 2 1 1 , 214, 263, 3 1 7
224 Sparta, 1 12, 379 Spartacus, 339
Sevilla, 349
Spiele, 215
sevir eqwtum Romanorum, 52
Spoletium, 327
(T.) Sextius Lateranus, 274
Spurius Maximus, 275
SexHus Torquatus, 274
Q. Sta. Lucullus, 275
L. Sibidianus Sabinus, 329
Städte,
Sicilia, 1 5 1 , 167f., 1 7 1 , 176, 189, 192, 201
50,
122f.,
279ff.,
321 ff., 347ff., 359ff. - öffentliche Bauten, 3 12f.
Siegel, 1 1 2
- beneficia, 352ff., 369ff.
Silius Italicus, 255
- Eliten, 35, 42ff., 239
297ff.,
Register
428
- Feste, 324
- und Provinzbevölkerung, 132,
- Finanzen, 124, 1 26ff. - Gesandte, l 08ff., 308ff., 3 1 8f., 323ff., 3 5 1 ff.
176f., 180ff., 205ff. - und Provinzstatus, 178ff. - Rechtsprechung
-+
Aufgaben
- Gesetze, 364
- Reisen, 1 12, 1 19ff.
- Grenzen, 1 1 6f., 124, 142, 184,
- Siegesopfer, 2 1 6f.
195, 3 1 2
- und Soldaten, 203ff.
- Magistrate, 1 23ff.
- Stab, 122, 1 9 1 , 198, 208
- munera, 93,
- Verlassen der Provinz, 126, 160f.,
125, 310, 325, 337,
344
2L2f., 344
- Münzprägung, 22
- Weisungsbefungnis, 1 4 1 f.
- patroni, 307ff., 319, 327f., 333f.
-+ legatus Augusti pro praetore pro-
- und Provinz, 1 83ff. - Sonderbeauftragte für die, 127f. - Steuern, 1 16, 136, 354 -+
-+
vinciae
-+ Präsidialprokurator -+
proconsul provinciae
civitates liberae
-+
ordo decurionum
Steuern,
--+ stationes municipiorum (Statilia) Messalina, 275
Ritter, Provinzstatthalterschatten 107ff.,
1 1 9,
1 3 2ff.,
171,
182, 209, 354 - annona militaris, 3 3 1
Statilii Tauri, 222
- aurum coronarium, I 33
T. Statilius Sucinus, 275
- Einführung von, 134
T. Statilius Taurus, 252, 275
- Einzug und Verwaltung, 70f., 73,
T. Statilius Taurus Corvinus, 275 stationes municipiorum, 3 1 8
77f., 80f., 88, 135f., 1 5 1 ' 154, 182f., 199f., 332f.
(P. Papinius) Statius, 5 , 24f.
- Erhöhung, 134
L. Statius Aquila, 275
- Hinterziehung, 138f.
M. Statius Priscus Licinius ltalicus, 54, 134, 180, 210, 348, 356 Statthalter, 141 , 232, 292, 3 7 1 , 378
- in Italien, 332 - Judensteuer, 134 - Rechtsprechung, 87
- Amtsbezeichnungen, 179
- Rückstände, 67
- Anträge an den, 125, 177
- quinta et vicesima vena1ium manci-
- Arbeitsaufwand, l21f., 125f., 177 - Aufgaben, 107ff., l 1 8ff., 140, 142, 1 8 1 , 197ff., 203ff., 3 7 1
piorum, 72, 132 - und Sold, I 98ff. - städtische, 1 1 6
- und conci1ium provinciae, 2 1 5
- OT&CXVtKOV, 133
- Dedikationen, 2 1 3f.
- tributum capitis, 132, 1 7 1 , 331
- Dienstzeit, 1 7 9f.
- tributum so1i, 132, 1 7 1 , 331
- Edikte, 123
- Urinsteuer, 134
- Ehrungen für Kaiser, 203ff.
- vicesima libertatis, 72, 1 32, 136,
- Familie, 292 - ius g1adii, 198
1 7 1 ' 332, 335ff. - vicesima hereditatium, 7 1 f., 76,
- militärisches Kommando, 187ff.
80f., 86f., 9 1 ,
- und procurator, 1 4lf., 145, 198ff.
182, 332f., 335ff.
133,
- Zusatzabgaben, 133f.
136,
171,
429
Register --+ --+ --+
census Finanzverwaltung publicani
Syria Palaestina, 40f., 47, 53f., 80, 273, 276f., 281, 292 Syria Pboenice, 170
--+ Zölle
tabula Banasitana, 7f., 13, 55
C. Stertinius Xenophon, 223, 249,
tabula Clesina, 306f., 353f., 376ff.
252, 275
Steuerpächter --+ publicani
tabulae
aeneae,
3 1 3f.,
318,
324,
347ff., 359ff.
Stobi, 189
tabulae ceratae, 1 17, 364
Strassen, 45, 49, 76, 84, 299ff., 308,
tabulae dealbatae, 3 1 5 , 3 1 7, 361ff.
327ff., 337
tabularii, 154
--+ curator viae
Tarent, 342
--+ subcurator viae
Tarquitius Catulus, 214
--+ via
Tarraco, 241
stratores, 1 9 1 , 198
P. Tarrutienus Patemus, 8
Subatianus Aquila, 126
Taurus, 265
subcurator, 84
Tegea, 362
- operum pubUcorum, 84
Tenos, 344
- viae, 84
Tergeste, 308, 3 1 1
- viae Flaminiae et alimentorum, 330
Q. Terentius Culleo, 275
subpraefectus, 84
L. Terentius lunianus, 275
- annonae, 84
Tergeste, 308, 3 1 1
- vigilum, 84, 86
Tertullianus, 207
subprocurator, 84, 232
Tettieni, 327
- Iudi magni, 84
Tettii, 327
- regionis Lyciacae, 9 1
C. Tettius Africanus, 327
subscriptio, 1 1 5, 126
Thamugadi, 124
subseciva, 3 1 1
Theoderich, 248
C. Suetonius Tranquillus, 3, 27, 90,
Thessalonice, 342
149, ! SOff., 161, 303 Suetrii, 249, 275 C. (Octavius Appius) Suetrius Sabinus, 275, 334 suffragatores, 229, 231, 327 Sulpicia Pacata, 275
Theveste, 184 Thracia, 48f., 77, 136, 139, 160, 169, 175, 1 8lf., 185, 196, 343 Tiber, 160 Tiberius 1 5 , 3 1 f., 48, 58, 62, 107, 1 50f., 157, 160, 164, 169, 178ff.,
Sulpicia Praetextata, 257, 275
189, 1 9 1 , 197f., 202, 260, 265,
Sulpicia Triaria, 275
285f.,
Sulpicii, 275
341f., 344f., 366
Q. Sulpicius Camerinus, 257, 275, 356 suovetaurilia, 2 1 6 Syria, 40, 5 3 , 1 13 , 129, 1 3 9 , 160, 168, 175, 179f., 197, 255, 323 Syria Coele, 170
290,
298,
30�
3 1 2f.,
Tibur, 108, 247 Ticinum, 298 Titus, 6, 26, 3 1 , 33, 52, 89, 1 14, 1 1 7f., 229, 3 5 1 , 354, 356, 378 Torquatos NoveJUus Atticus, 198 tractus Karthaginiensis, 93
Register
430
Traian 9ff., 16, 2 1 , 26f., 3 1 , 39f., 4 1 ,
Publia Valeria Comasia, 276
44, 47ff., 55f., 59, 62f., 65f.,
Valeria Eunoea, 276
77f., 82, 90f., 96, 107ff., 1 1 3 ,
Valeria Paullina, 276
1 15ff., 124, 127f., 133, 167, 169,
Valerian, 224, 353
170, 175, 178, 180f., 187, 189f.,
Valerii Messallae, 222
201, 205, 207, 223, 225, 230,
D. Valerius Asiaticus, 285
238, 245, 250f., 258, 261, 268,
M. Valerius Bradua Mauricus, 276
273, 277, 287, 301, 304, 308,
Valerius Calpurnianus, 281
3 1 8 , 328f., 336, 347, 357, 364,
Valerius Catullus Messalinus, 5
379
C. Valerius Laetus, 276
transvectio equitum -+ Ritter
Q. Valerius Macedo, 42, 295
Tribatia Marcelüna, 275
M. Valerius Maximianus, 35
tribunus militum legionis, 14, 5 1 ,
Potitus Valerius Messa1a, 179
129, 226, 232, 253
C. Valerius Paullinus, 276
tribunus plebis, 20
M. Valerius Severus, 355
Tuficum, 29, 308, 327
Valerius Titanianus, 241
Tulliasses, 307, 353, 376
Valerius Valerianus, 281
M. Tullius Cicero, 1 7 1
C. V(alerius) V(alerianus) Sanctus,
Tuticanius Capito, 276 M. Tuticius Capito, 276
284 Q. Valerius Vegetus, 276
Tutilia Procula, 276
Vallius Maximianus, 1 14
Tyana, 39
Vanacini, 351, 353
Tymbrianassus, 142
Vardacate, 3 I 5
Tyra, 353
M. Varenus Liberalis, 276
Tyrus, I I I
Varenus Rufus, 66
Ucubi, 35
L. Varius Ambibulus, 212
Überlieferung, 34, 1 13ff., 1 17, 128,
T. Varius Clemens, 8, 282
1 3 1 ' 148, 154f., 192, 196, 228, 247ff., 2 5 1 , 253, 256f., 284,
T. Varius Priscus, 282
287f., 290ff., 301, 307f., 3 10f.,
Vasio, 289
3 13ff., 324f., 347ff., 359ff.
T. Vatinius Cei[--], 276
Varonia, 262
Ulpia Marciana, 273
Vedü, 369
(Domitius) Ulpianus, 1 19, 122, 145
P. Vedius Antoninus, 367, 369ff.,
M. Ulpius Arabianus, 276
378f.
M. Ulpius Domesticus, 368f., 379
vehiculatio -+ cursus publicus
Ulpius Eurycles, 142
Veü, 43, 242
Ulpius Marcellus, 145
Veleia, 302, 364f.
M. Ulpius Phaedimus, 277
C.? Velleius Paterculus, 149
M. Ulpius Traianus, 34
Venacini, 356
Umbria, 29, 5 1 , 308, 328ff.
(Venuleius ?) Montanus, 5
Umbria Albina, 277
Venuleius Satuminus, 145
Ummidia Quadratilla Asconia Secunda,
Q. Veranius, 169, 363
277 L. Vagellius, 276
Verecunda, 214 Cn. Vergilius Capito, 319
431
Register Vescularius Flaccus, 342 Vespasian, 3, 6, 12f., 18, 2 1 , 25, 28, 32ff., 36, 38f., 41f., 47, 49ff.,
Vipasca, 82 vir clarissimus, 102f. vir egregius, I 02
54ff., 60, 63, 65, 71f., 76ff., 87,
vir eminentissimus, 102
89f., 1 1 1 ' 1 1 6, 1 1 8, 134f., 139,
vir perfectissimus, I 02
180, 185, 187, 202, 229, 252,
Virdius Gemellinus, 142
261, 263, 265, 3 1 1 , 3 1 4f., 3 5 1 ,
P. Viriasius Naso, 179, 217
353, 356, 363, 376 Vesta, 205f.
Vitellius, 13, 89f., 342 L. Vitellius, 33
veteranus, 224, 240, 294, 318, 374
L. Vitrasius Flarnininus, 50, 304
veteranus Augusti, 224
Sex. Vitulasius Nepos, 255, 276
M. Vettius Bolanus, 198, 216, 276
Voconius Romanus, 27, 41
Vettius Scato, 36
Vologaeses, 61
via
Volsinii, 255
- Appia, 300, 342
Volubilis, 214, 216, 355
- Domitiana, 300
Volusii, 43
- Egnatia, 342
L. Volusius Maecianus, 14
- Flaminia, 298, 300, 329f., 336
L. Volusius Saturninus, 249, 255,
- Traiana, 300 - Valeria Tiburtina, 334 -+ curator viae -+
Strassen
265, 277 vota, 205ff. - publica, 208, 210 Vulcacius Tertullinus, 63 -+
viae publicae -+ Strassen
Wachstafeln
viaticum, 351
Wahlen, 228, 230, 316
Vibia Hilaritas, 276
Wasserversorgung, 123, 154, 245ff.,
Vibii, 327
tabulae ceratae
367
Q. Vibius Crispus, 5f., 249, 276
Weinbau, I I I , 3 1 6
Q. Vibius Egnatius Sulpicius Priscus,
Zegrenser, 7 , 1 14f.
211 L. Vibius Lentulus, 73, 90
Zeugma, 184 Zeus Driktes, 375
C. Vibius Marsus, 179
Zölle, 72, 133ff., 354, 359f.
C. Vibius Postumus, 179
-
T. Vibius Postumus Terentianus, 276
- publicum portorium lllyrici, 183
vicarius, 183
- XL Galliarum, 72, 91, 143, 183
vicennalia, 214f.
- ILU publica Africae, 91
victimarii, 207f.
- vectigal maris rubri, 261
Vicetia, 65 Vienna, 42, 44, 286f., 289, 295
- Zollstationen, 135, 143 -+ conductores
P. Vigellius Satuminus, 195
-+ publicani
Vigintivirat, 5 1
Zollpächter -+ conductores
Vindex, 282
Zypern -+ Cyprus
M. Vinicius, 149
der Provinz Asia, 72
Wemer Eck, 1939 geboren, wurde 1968 in Alter Geschichte an der Uni versität Erlangen promoviert; 1975 habilitierte er sich an der Universität zu Köln. Von 1975 bis 1979 lehrte er an der Universität in Saarbrücken. Seit 1979 ist er ordentlicher Professor für Alte Geschichte am Institut für Alter tumskunde der Universität Köln. Wer ner Eck gilt weltweit als einer der füh renden Forscher auf dem Gebiet der römischen Inschriftenkunde, der Ge schichte der gesellschaftlichen Füh rungsgeschichten sowiie der Verwaltung des römischen Kaiserreiches. Vor allem zu diesen Bereichen hat er zahlreiche, bedeutende und weg weisende Arbeiten verfasst.
Das römische Weltreich hat eine besondere Art der Verwaltung seines riesigen Herrschaftsraumes entwickelt, die sich in vielen Bereichen grundlegend von unseren modernen, bürokratischen Verwaltungssystemen unterscheidet. Die hier vorgelegten Beiträge von Wemer Eck beleuchten zentrale Gesichtspunkte der römischen Administration. Im Mittelpunkt steht dabei der Kaiser, der das allmächtige Zentrum der Reichsorganisation war. Sodann wird der schrittweise Ausbau der Verwaltung mit den beteiligten Amtsträgem geschildert. Dieser brachte für die Reichsbewohner zwar Rechtssicherheit und Fürsorge, aber auch eine spürbare Intensivierung des staatlichen Eingreifens vor allem bei der Steuererhebung. Mehrere Beiträge werden in diesem Band erstmals veröf fentlicht, alle übrigen sind vom Verfasser überarbeitet und erweitert und von den Herausgebern mit einem umfassenden Index erschlossen worden. Werner Eck legt mit diesem Band ein vielschichtiges Bild von der Fun.ktionsweise, den Möglichkeiten und den Absichten der staatlichen Tätigkeit während der römi schen Kaiserzeit vor.
ISBN 3-7245-0962-:6